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Thorn eine der unglücklichsten Perioden für das Erwerbsleben Preußens
anbrach. Verschiedene Jahre hinter einander herrschte Mißernte, auch
wurden die Felder durch Mäusefraß verwüstet, Ueberschwemmungen
verheerten die Weichselniederungen, der Heringsfang war unergiebig
und trotz des Friedens waren die Straßen nach Schlesien, Ungarn,
Rußland und Litthauen zeitweilig gesperrt. Ueberhaupt bietet die
Geschichte der Ordensherrschaft von dieser Zeit ab wenig Erfreuliches
mehr, denn abgesehen von den heillosen Zwistigkeiten und Spaltungen
im Orden selbst und der fortwährenden Widersetzlichkeit der Unterthanen,
hörten auch die Uebergriffe des Ordens trotz der Versprechungen des Hoch—
meisters nicht auf, wie aus allen damaligen Protokollen über die Tag—
fahrten der preußischen Staäͤdte hervorgeht. Immer von Neuem stellte man
dort die Forderung auf, daß der Orden nicht die Marktgerechtigkeit der
Städte verletze, indem er von den Straßen und aus den Städten
Getreide „treiben“ lasse, auch solle Niemand gezwungen werden „zu
kauffen von den heren ir holz, wolle, korn, malcz und alle anderleye
kauffenschacz“. Auf Drängen der Städte setzte der Orden zwar einen
Landesrath ein, doch wurde dieser nur bei Schatzungen und Abgaben,
nicht bei allgemeinen Landessachen zugezogen.
Inzwischen war der Krieg mit Polen von Neuem ausgebrochen,
der dann 1422 mit dem schimpflichen Frieden am See Melno endigte
und für den Orden den Verlust des ganzen linken Weichselufers zur
Folge hatte.
Thorn versuchte Alles, um die Handelsbeziehungen mit Polen wieder
zu beleben. So ertheilte im Jahre 1424 der Rath der Stadt Thorn
einem nach Polen reisenden Pfarrer den Auftrag, beim König für die
Wiedereröffnung der Handelsstraßen thätig zu sein und sich nach der
Höhe der Zölle zu erkundigen. Auch der Hochmeister verwandte sich
für die Stadt und es gelingt ihm im Jahre 1425, für die Thorner die
Straßen nach Breslau, Sandomir und Bartfeld, nach Litthauen und
Wladimir frei zu bekommen. Mit der Ausübung von Thorns Stapel
recht stand es zu dieser Zeit schlecht, denn wenn auch im Jahre 1428
der Hochmeister Paul von Rußdorf das Privilegium bestätigte und
sogar noch dahin erweiterte, daß künftig auch Getreide und Heringe
dem Stapel unterliegen sollten, so war doch Thorn nicht in der Lage,
Fremden gegenüber sein Stapelrecht geltend zu machen. Sowohl von
Danzig als auch von Polen wurde die Thorner Niederlage umgangen,
und zwar benutzten die Schleichhändler, deren sich sogar die Danziger
Stadtregierung, wenn sie zur Strafe gezogen werden sollten, öfters mit
einem ziemlich parteilichen Eifer annahm, entweder den Weg von Plock