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Den einverleibten preußischen Städten versprach König Kasimir
volle Handelsfreiheit in Polen und den Wegfall aller Niederlagen,
was jedoch nicht nach dem Wunsche Thorns war, das vielmehr die
Aufrechterhaltung und strenge Durchführung seines Stapelrechtes erstrebte
und schließlich auch erhielt. Thorns Hoffnung, daß ihm aus seinem
Abfall ein neues Wachsthum erblühen werde, erfüllte sich jedoch nicht.
Während Danzig aus dem Städtekrieg glänzend hervorgegangen war,
hatte gerade dies Erstarken Danzigs Thorn schwer benachtheiligt, da
es dadurch mehr und mehr von der See abgedrängt wurde bei gleich—
zeitiger Abnahme seines Landhandels. Die Handelsbeziehungen mit
Südpolen, Galizien und Ungarn hatten nämlich inzwischen eine theil—
weise Umwälzung erfahren, indem diese Bezirke ihre Waaren vielfach
über Schlesien nach dem mittleren Deutschland versandten und Erze
von Thorn nicht mehr aus Ungarn, sondern aus England, Deutschland,
Frankreich und den nordischen Ländern bezogen wurden. Thorn
erlangte übrigens noch von dem König, daß das gegenüber liegende
Nessau, das Thorn durch seinen Handel oft großen Schaden zugefügt
hatte, abgebrochen und weiter oben wieder aufgebaut wurde. Es ist
das heutige Nieszawa.
Gewiß muß es uns mit Trauer erfüllen, wenn wir den Abfall
der Städte und ihre Unterwerfung unter ein fremdes Volksthum
betrachten, und doch giebt es hierbei noch einen Lichtblick, das ist das
energische Betonen des Deutschthums in den Städten, denn während
das platte Land ziemlich schnell polonisirt wurde, viele deutschen Guts—
besitzer sogar ihre Namen änderten, um als Polen zu gelten, hat sich
das Deutschthum in den Städten durch die ganze polnische Zeit hin—
durch erhalten, sodaß Thorn 1793, als es an Preußen fiel, mit Recht
von sich sagen konnte, es sei immer eine deutsche Stadt gewesen.
Wenn wir erwähnten, daß sich die Hoffnung Thorns auf eine
neue Blütheperiode nicht ganz erfüllte, so dürfen wir doch nicht ver—
gessen hinzuzufügen, daß die Handelsverhältnisse unter der Regierung
Kasimirs IV. der sich redlich für die Stadt bemühte, trotzdem nicht
ungünstig waren, da Polen dem preußischen Handel ja vollständig
offen stand und der umfangreiche Holz- und Getreidehandel der Stadt
viel Geld einbrachte. Auch die Niederlage hatte ja der König der
Stadt Thorn bestätigt und er gewährte ihr dazu im Jahre 1478 für
zwanzig Jahre in seinem ganzen Reiche Zollfreiheit. Mit der Auf—
rechterhaltung ihrer Niederlage nahmen es jetzt die Thorner sehr ernst,
da sie sich unter dem kräftigen Schutze des Königs wußten, und so
fielen sie z. B. im Jahre 1482 Elbinger Bürger an, weil diese auf freiem