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der Thorner Handel mehr und mehr zurück, wenn er zunächst auch
noch ganz lebhaft war, denn er erstreckte sich ja nicht nur auf Polen
und das Herzogthum Preußen, sondern auch auf Litthauen, Rußland,
Ungarn und Deutschland, wo besonders lebhafte Handelsbeziehungen
mit Nürnberg, Augsburg, Frankfurt a. O., Leipzig und Breslau
bestanden. Nach allen Berichten muß um die Mitte des 16. Jahr—
hunderts in Thorn ziemlicher Luxus und ausschweifende Lebensart
geherrscht haben, doch waren darin wohl schon Anzeichen des Verfalles
zu erblicken, die sich auch auf anderen Gebieten mehrten. Schon ihre
Streitigkeiten mit anderen Städten erhalten jetzt einen Zug ins Klein—
liche, wie die wiederholten Klagen der Ortschaften Gollub, Strasburg
und Neumark über die Uebergriffe Thorns beweisen.
Ihre Beschwerden faßten damals die Thorner auf dem Landtage
zu Graudenz zusammen, indem sie folgende Punkte als Ursachen ihres
Verfalles anführten:
1. der mehr und mehr zunehmende Verkauf auf dem Lande;
2. das Halten öffentlicher Jahrmärkte auf den Dörfern;
3. die Beeinträchtigung, die sie beim Tuchhandel erlitten, indem
die von Gnesen und Posen nach Preußen gebrachten schlesischen
Tuche nicht die gehörige Breite hätten und deshalb, wenn sie
von den Thornern auf die Märkte gebracht wurden. als verfälscht
weggenommen würden;
forderten die Ortsherrschaften, wenn die zur Winterszeit auf
der Weichsel hinaufgehenden Kähne am Ufer liegen bleiben
mußten, gegen die Landesgesetze statt 30 gute Groschen einen
ungarischen Gulden.
Immerhin herrschte auch in Thorn selbst noch reges gewerbliches
Leben, das Tuchmachergewerbe war schwungvoll und die Branntwein—
brennerei umfangreich, auch legte um diese Zeit der damalige Thorner
Bürgermeister Joh. Stroband eine Papierfabrik bei Preußisch-Lanke
an und 1540 wurde bei Thorn ein Eisenhammer errichtet.
In der Stadt selbst wurden die Verhältnisse für die Deutschen
aber immer unangenehmer, die Bestrebungen Polens, die Freiheiten der
Städte aufzuheben und Preußen ganz mit Polen zu vereinigen,
nahmen zu, und wenn auch im Jahre 1558 Thorn das Privileg der
freien Religionsausübung erhielt, so wurden dafür in dem gleichen
Jahre auch die Jesuiten durch Vermittelung des Kulmer Bischofs nach
Thorn gebracht.
Einen kurzen Augenblick schien Thorns Glück wieder zu leuchten,
als 1576 Stephan Bathory., nachdem er zum König von Polen gekrönt