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Tarif. Unzählig waren die nun beginnenden Jollplackereien der
russischen Behörden, und der preußische Gesandte in Petersburg wußte
kaum, wie er alle die an ihn gelangenden Reklamationen bewältigen
sollte. In Folge dieser Schwierigkeiten sah sich der Handel nach Ruß—
land bald fast ausschließlich auf den Schmuggel angewiesen, was beiden
Regierungen wohl bekannt war. Unter dem Schutze des Prohibitiv—
systems nahm die russische Industrie schnell zu, während dagegen der
Gewerbefleiß der preußischen Ostprovinzen großen Schaden erlitt, denn
der Absatz nach Rußland und dem Orient wurde immer schwieriger
und Ersatz bietende andere Märkte gab es nicht. Der einzige Ausweg
blieb der Schmuggel, der auch an den Grenzübergängen bei Thorn
lebhaft betrieben wurde. Da die Schleichhändler mit den russischen
Beamten meist im Einverständniß waren, so wurden sie nur in den
seltensten Fällen abgefaßt.
Einen günstigen Einfluß auf das Erwerbsleben der Stadt übte
der Bau der fortifikatorischen Werke in den Jahren 1821 29. Neue
Handelsbeziehungen wurden unter Benutzung des Neztzekanals mit
Berlin und Stettin angeknüpft. Eine kurze Glanzperiode für das kauf—
männische Leben Thorns bildeten die Jahre der polnischen Revolution
1830 und 1831, in denen ein bedeutender Waarenabsatz für die in der
Nähe der Grenze lagernden Russen stattfand. Kaum waren Speicher und
Lagerräume genug vorhanden, um die Vorräthe und Zufuhren zur Ver—
pflegung und zum Luxusverbrauch der russischen Armee zu fassen. Von
da ab datirt aber auch der gänzliche Verfall des Geschäftes mit dem
Nachbarlande, denn in Folge der Revolution schwand nicht bloß Polens
Reichthum, sondern es trat auch eine viel strengere Bewachung der
Grenzen ein. Die Thorner Kaufmannschaft wandte sich 1839 im Verein
mit den Vorständen der Kaufmannschaft zu Danzig, Königsberg, Tilsit
und Breslau an den Oberpräsidenten von Schoen, um die Staats-⸗
regierung zu Verhandlungen mit Rußland behufs Erleichterung und
Besserung des internationalen Verkehrs zu vermögen. Der Oberpräsident
schrieb jedoch zurück, Thorn möge sich an seinem „gewinnbringenden“
Getreidehandel genügen lassen, auch besäße der preußische Staat Erwerbs⸗
quellen genug, um seine Einwohner ernähren zu können. Der Getreide—
handel blühte ja allerdings, und zwar hatte der Versandt nach
Berlin und Stettin im Verhältniß zu dem Geschäft mit Danzig schon
einen erheblichen Umfang angenommen. Durch die seit 1828 in England
eingeführte gleitende Skala, wonach der: Getreidezoll erhöht wurde,
wenn die Preise fielen, und ermäßigt, wenn sie stiegen, verwandelte sich
das Getreidegeschäft auch bei uns in ein riskantes Unternehmen, da