Jahresberichten geboten wird, herausgreifen, damit uns die Uebersicht
nicht verloren geht.
Der Verkehr mit Getreide bildet immer noch das Rückgrat des
Thorner Handels, wie man schon daraus ersieht, daß der Bericht
darüber an die Spitze gestellt ist und diese Ausführungen den breitesten
Raum einnehmen. Hier aber schon lernen wir die mannigfachsten
Hindernisse kennen, die sich dem Getreidehandel in den Weg stellten.
In Folge seiner kriegerischen Verwickelungen hatte Rußland plötzlich
ohne vorhergegangene Bekanntmachung und ohne jede Frist angeordnet,
daß Getreide aus Polen nicht mehr ausgeführt werden dürfe, was
für den Thorner Getreidehandel um so nachtheiliger war, als
Bromberg in Kujavien immer mehr Getreide an sich zog, das früher
nach Thorn verkauft worden war. Diese größere Anziehungskraft
verdankte Bromberg in erster Linie den in den Jahren 1801 und 1852
eröffneten Eisenbahnstrecken Kreuz —Schneidemühl —Bromberg und
Bromberg —Dirschau—⸗ Danzig, denn nun konnte Bromberg erheblich
höhere Preise bieten als Thorn, das ja nicht in der Lage war, seine
täglichen Einkäufe sofort mit der Bahn nach den großen Markt—
plätzen weiter zu schicken, um es dort mit einem, wenn auch kleinen,
so doch sicheren Nutzen loszuschlagen. Ferner hatte sich auch der
Getreidehandel mehr und mehr auf den Absatz nach Stettin und
Berlin beschränkt, denn Danzig wurde möglichst gemieden wegen seines
Festhaltens an dem Verkauf nach holländischem Gewicht, was den
Thorner Verkäufern häufig unvorhergesehene Verluste gebracht hatte.
Etwas Vortheil brachte die, allerdings nur zeitweilige Aufhebung des
preußischen Ein- und Durchgangszolles auf fremdes Getreide, wenn
auch die Handelskammer mit Recht darauf aufmerksam machte, daß
solche Maßregeln von nur vorübergehender Art mehr den ausländischen
Produzenten als den inländischen Konsumenten zu Gute kämen. Ein
rechtes Schmerzenskind für Thorn war von jeher die Weichselbrücke
gewesen. Im Jahre 1433 wurde die erste feste Brücke durch den Hoch—
meister erbaut und unzählige Male war sie im Laufe der Jahrhunderte
durch Hochwasser und Eisgang zerstört worden, so auch wieder im
Frühjahr 1853, und es dauerte bis zum Juni, ehe sie wieder zu
benutzen war. Inzwischen wurde der Uebergang über die Weichsel ver⸗
mittelst zweier Prähme aufrecht erhalten, was aber natürlich zeit—
raubend war und den Bedürfnissen nicht entsprach, sodaß in Folge
dessen der Verkehr mit dem jenseitigen Ufer zurückging.
Die Waarenausfuhr nach Polen war im höchsten Grade erschwert
durch den hohen Zolltarif, der dazu noch einen Hauptartikel, Wein.