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ungleich behandelte, denn die über Preußen eingehenden Weine mußten
einen höheren Zoll zahlen, als die über Oesterreich eingeführten. Auch
der Verkehr nach Ostpreußen war wegen der schlechten Wege nur
gering. Der Bericht führt dann noch aus, daß die hiesige Gegend für
Fabrikanlagen nicht geeignet sei, weil ihr hierzu zwei Hauptbedingungen
fehlten: Kapital und Arbeitskräfte, doch wird gleichzeitig auf das
erfreuliche Fortschreiten der seit einigen Jahren am Orte bestehenden
Maschinenfabrik und Eisengießerei der Johanna⸗Hütte hingewiesen, die
ich namentlich für ihre landwirthschaftlichen Maschinen guten Absatz zu
verschaffen gewußt habe. Den Nachdruck legt der Bericht auf die Ver⸗
zesserung der Verkehrswege, und zwar fordert man zunächst die Weiter⸗
führung der Ostbahn von Bromberg bis Thorn und hofft, daß man
dann auch eine Eisenbahnverbindung mit Warschau erhalten werde.
Sehr trübe klingen die Schlußworte des ersten Jahresberichtes: „Gehen
wir noch einmal die jetzigen Handelsverhältnisse Thorns durch, und ver⸗
zleichen wir das jetzige mit dem alten Thorn, so überfällt uns eine
Bangigkeit, und wir sehen mit Zagen der Zukunft entgegen. Während
früher ganz Polen uns seine reichen Zufuhren brachte und dafür seinen
Bedarf von uns entnahm, bleibt uns jetzt kaum die nächste Umgebung
zum Austausch der gegenseitigen Produkte. So wie jetzt, von aller
Welt abgeschnitten, kann Handel und Wandel nicht gedeihen. Möge
Eine Hohe Regierung unsere lebhaften Wünsche betreffs Vermehrung
der Kommunikationsmittel hochgeneigtest berücksichtigen, wir wollen dann
mit neuem Eifer dahin streben, daß Thorn, wenn auch nicht seinen
alten Rang, doch eine achtbare Stellung in der Handelswelt einnehme.“
Die Bestrebungen der Kammer auf Weiterführung der Ostbahn
bis Thorn blieben leider noch jahrelang ohne Erfolg, denn erst im
Jahre 1861 wurde die Bahn Thorn — Bromberg und 1862 die Strecke
Thorn —Warschau eröffnet. Dazu hatte es noch das Unglück gewollt,
daß die kaum neuerrichtete Weichselbrücke im darauffolgenden Frühjahr
1854 gründlichst wieder zerstört worden war; Mittel zum Wiederaufbau
besaß die Stadt nicht und der Staat weigerte sich, helfend einzuspringen,
und so blieb denn Thorn fast ein Jahrzehnt lang ohne Brücke und
damit vom linken Weichselufer so ziemlich abgeschnitten. Der Verkehr
mit Bromberg wurde zu dieser Zeit durch Dampfschiffe unterhalten, die
neben einem geregelten Schleppdienst auch Personenbeförderung betrieben.
Der Wasserverkehr blieb ja für Thorn der einzige Ausweg und die
Weichseldampfschifffahrt nahm daher damals auch einen ziemlichen Auf—
schwung, sodaß die bedeutendsten Weichselstädte auf diesem Wege in
eine regelmäßige Verbindung traten.