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Einen Erfolg errang die Kammer im Jahre 1855, nämlich die
Errichtung einer selbstständigen Filiale der preußischen Bank, die durch
ihren Umsatz bald bewies, wie nothwendig ein solches Institut für die
Stadt war.
Auf dem Verkehr mit Polen lasteten nach wie vor eine Reihe
von Erschwernissen. Was zunächst den Personenverkehr anbetrifft, so
war zu jener Zeit russischen Unterthanen der Uebergang nach Preußen
nur in wenigen Ausnahmefällen gestattet, während Preußen, die nach
Polen reisen wollten, eines Konsulatsvisums auf ihrem Passe bedurften.
Das Ausfuhrverbot für Getreide, mit Ausnahme von Weizen, wurde
auch noch aufrecht erhalten. Der Waareneingang nach Polen konnte
der hohen Zölle wegen auf legalem Wege überhaupt kaum bewirkt
werden, und es blieb daher nur der Schmuggel übrig, der allerdings
in großem Umfange und ganz systematisch betrieben wurde. Auch als
in Folge der Blockade der russischen Ostseehäfen während des Krim—
krieges ganz bedeutende Waarenmengen über Thorn nach Polen gingen,
wurde diese zollscheuende Einfuhrmethode angewandt. Zur gleichen
Zeit nahmen auch ansehnliche Transporte russischer Produkte ihren Weg
aus dem füdlichen Rußland den Dnjepr hinauf nach der Weichsel, und
man gab sich schon der frohen aber eitlen Hoffnung hin, daß auch für
die Folge ein Theil der russischen Waaren diesen einmal wieder—
gefundenen alten Handelsweg benutzen werde. Bei dieser Gelegenheit
müssen sich mißliche Wasserverhältnisse herausgestellt haben, wenigstens
beklagt man sich über die geringe Beachtung, die dem schönen Weichsel—
strom von Seiten der zuständigen Behörden im Allgemeinen, ganz
besonders aber auf russischem Gebiete zu Theil werde und die einer
erfolgreichen Ausbreitung der Schifffahrt und des Verkehrs schwere
Hindernisse in den Weg lege.
Die Ende 1857 ausbrechende Handelskrisis blieb bei den mannig—
fachen Handelsverbindungen der hiesigen Geschäftswelt mit Stettin,
Berlin, Hamburg und Danzig einerseits, mit Polen andererseits nicht
ohne Wirkung auf Thorn, und diese wurde noch gesteigert durch die
eigenthümliche Natur des hiesigen Geschäftes. Plötzlicher starker Nach—
frage von Polen aus, der kaum genügt werden konnte, folgte zeitweise
ebenso unerwartet und unberechenbar eine Stockung, und zwar nicht
selten aus rein zufälligen Ursachen. Der hiesige Engroshändler war
hierdurch gezwungen, ein großes Lager zu halten, um der plötzlich
gesteigerten Nachfrage genügen zu können. Dies im Verein mit dem
Umstande, daß von den polnischen Geschäftsleuten im hohen Grade
Kredit in Anspruch genommen wurde, nöthigte auch die hiesige Geschäfts—