Einrichtung von Gilden, wozu noch eine sehr hohe Gewerbesteuer
kommt. — Der Postversandt für Gelder ist theuer, langsam und unsicher.
Baare Rimessen mit der Post von und nach Polen sind dadurch, sowie
durch das theure Porto, durch den gänzlichen Mangel an größeren
Apoints über 25 Rubel in polnischen Banknoten und durch die
Bestimmung erschwert, daß das Geld in Gegenwart der Postbeamten
verpackt werden muß. — Die Postverbindungen im Nachbarlande sind
überhaupt mangelhaft und nicht zureichend, beispielsweise besteht zwischen
den bedeutenden Handelsplätzen, welche nur 6 Meilen direkt von ein⸗
ander liegen, Plock und Wloclawek, keine direkte Postverbindung.
Ebenso fühlbar macht sich daselbst für den gegenseitigen Verkehr der
Mangel aller Chausseen auf dem rechten Weichselufer. Kann die
Königliche Staatsregierung in letzterer Beziehung nicht abhelfend ein—
wirken, so dürfte es wohl möglich sein, auf dem Wege eines neuen
Postvertrages die dortigen Postverbindungen zu verbessern.
Der Handel und Verkehr mit Polen beschränkt sich in den Haupt—
richtungen nur auf das Nothwendige und Unumgängliche, dem kein
beschränkendes Hinderniß mehr in den Weg zu legen war. Es liegt auf
der Hand, daß unter den gegebenen Verhältnissen der Handelsverkehr
beider Staaten noch sehr weit entfernt ist von derjenigen Entwickelung
und Reziprozität, welche wir bei anderen Nachbarländern finden. Der
diplomatisch-merkantilen Wirksamkeit unserer Staatsregierung bleibt hier
noch ein sehr weiter Wirkungskreis und ein sehr lohnendes Feld. Wir
ind der Ansicht, daß es nothwendig ist, den internationalen Beziehungen
mit dem Nachbarlande eine eingehendere Aufmerksamkeit zu widmen,
die dortigen gewerblichen, finanziellen und Handelsverhältnisse, Verkehrs—
wege, Gesetze und Einrichtungen einer fortgesetzten informatorischen
Beobachtung zu unterziehen und dann zu versuchen, die Regierung
des Nachbarstaates von der finanziellen Schädlichkeit vieler Ein—
richtungen zu überzeugen und sie zu anderen Maßnahmen zu ver—⸗
nögen. Das schöne Land Polen müßte der russischen Krone viel
größere Intraden liefern, wenn es nicht unter dem Drucke eines
unrichtigen national-ökonomischen Systems seit lange zu leiden hätte.
Aus den vorstehend erörterten Gesichtspunkten und aus praktischen
Gründen scheint die Anstellung eines preußischen Konsuls neben dem
General⸗Konsulate in Warschau, der dem Kaufmannsstande angehört,
wohl empfehlenswerth. Er könnte sehr ersprießliche Dienste leisten.
Wir vertrauen, daß die Königliche Staatsregierung, welche mit
dankenswerther Fürsorge, wie z. B. die Expedition nach China und
Japan erweist, dem Handel Preußens die Wege zu den fernsten