Ländern bahnt, die uns so nahe berührenden Verhältnisse mit dem
Nachbarlande nicht aus den Augen verlieren werde.“
Was die einzelnen Erwerbszweige betrifft, so läßt sich für die
Zeit bis Ende der fünfziger Jahre Folgendes sagen: Der Getreide—
handel war am bedeutendsten, litt jedoch unter dem russischen Aus—
fuhrverbot und unter der fehlenden Brücke, wodurch, wie bereits erwähnt,
das Getreide Kujaviens nach dem durch die Bahn begünstigten Bromberg
getrieben wurde. Im Jahre 1856 waren, allerdings mit in Folge der
Mißernte, die Zufuhren so gering, daß sie zum größten Theile zur
Deckung des lokalen Bedarfes verwendet werden mußten. Der Holzhandel
begnügte sich fast ausschließlich damit, den Konsum am Platze und in
der nächsten Umgebung zu decken. Wie schon jahrhundertelang vorher
vermochte Thorn auch jetzt noch nicht einen einigermaßen entsprechenden
Nutzen aus den doch ganz beträchtlichen Holzzufuhren, die jahraus,
jahrein auf der Weichsel vorüberschwammen, zu ziehen. Schon zur
Zeit des Bestehens des Thorner Stapelrechtes war das Holz aus—
drücklich davon ausgenommen, weil es „nach alter Gewohnheit“ immer
an Thorn vorbeigeführt wurde. Der Grund lag einzig und allein
darin, daß in Thorn Gelegenheit fehlte, das Holz im Wasser zu lagern,
auszusuchen und je nach Bedarf weiterzuführen, und dies ist auch im
Verlaufe der letzten 5 Jahre so geblieben, sodaß man erst jetzt, nach—
dem das Projekt des Holzhafens gesichert erscheint, hoffen darf, Thorn
werde endlich auch im Holzhandel die ihm gebührende Stellung
einnehmen.
Für die Geschäftszweige, die nach Polen Waaren ausführten,
waren die Zollverhältnisse im Verein mit der geschilderten Unsicherheit in
Polen natürlich ein gewaltiges Hinderniß für die Ausdehnung ihres Absatzes.
Den Kolonialwaarenhandel speziell schädigte die Erbauung großer
Rübenzuckerfabriken in Polen, die so bedeutende Mengen produzirten,
daß sie sogar viel Zucker über Thorn weichselabwärts nach Rußland
saandten, unter welchen Umständen ein Absatz deutschen Zuckers nach
Polen ausgeschlossen war.
In Manufakturwaaren bestand ein ziemlich lebhafter Absatz nach
Polen, wobei sich das Geschäft meist wie folgt, abspielte: Die polnischen
Wiederverkäufer kamen hierher, wo sie größtentheils ihre Waaren gegen
ein geringes Angeld abnahmen, um sie nach den Grenzstädten Strasburg,
Soldau u. A.m. und von hier aus dann auf dem üblichen Wege des
Schmuggels über die Grenze zu schaffen. Gegen Ende der fünfziger Jahre
steigerte sich vorübergehend der Manufakturwaarenhandel Thorns nicht
unbedeutend, da diejenigen polnischen Käufer, die sonst die Leipziger Messe