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besuchten, dies der Zeitverhältnisse wegen unterließen und dafür in Thorn
ihren Bedarf deckten. Der Weinhandel klagte zu jener Zeit über Rückgang
des Absatzes, weil einmal sowohl diesseits als jenseits der Grenze der
Wein durch zunehmenden Biergenuß verdrängt wurde und man ferner
in Polen immer mehr den Ungarwein den rheinischen, französischen und
spanischen Weinen vorzog. Ziemlich groß war der Zigarren- und
Tabackexport nach Polen. In Thorns Nachbarschaft, besonders in dem
Landstrich zwischen Weichsel und Netze, sowie in den Niederungen von
Kulm, Graudenz und Marienwerder wurde der Bau des Tabacks in
großer Ausdehnung betrieben, und der Artikel selbst bildete ein
bedeutendes Handelsprodukt der kleinen bäuerlichen Grundbesitzer.
Die Industrie war nicht bedeutend. Es bestanden zwei Maschinen⸗
fabriken, eine davon allerdings in Mocker, die beide hauptsächlich land—
wirthschaftliche Maschinen produzirten. Zur Vermahlung des Getreides
bestanden nur Wassermühlen, die dem Bedarfe am Orte oft nicht
genügten, sodaß die Bromberger Mühlen hier guten Absatz fanden.
Die Branntwein- und Likörfabrikation war nicht unbeträchtlich und
auch die Honigkuchenindustrie blühte hier wie schon seit Jahrhunderten.
Wenn man auch nicht sagen kann, daß die fünfziger Jahre für
Thorn wirthschaftlich besonders günstig gewesen seien, wenn vielmehr
mancherlei Hemmungen zu verzeichnen waren, so läßt sich doch auch nicht
leugnen, daß sich allmählich ein regeres Leben zeigt, daß man jedenfalls
nicht mehr so muthlos wie früher in die Zukunft blickt. Die Hoffnung
auf Besserung wurde denn auch nicht betrogen, und der Anfang der
sechziger Jahre zeigte eine stetige Aufwärtsbewegung. In diesen
Jahren sind namentlich vier Ereignisse von Bedeutung für das wirth—
schaftliche Leben Thorns gewesen:
1. Die Eröffnung der Bahn Bromberg —Thorn mit ihrer Weiter—
führung nach Polen;
2. Der polnische Aufstand im Jahre 1863;
3. Der Wiederaufbau der Weichselbrücke im Jahre 1863;
4. Die ständig guten Ernten in den Jahren 1860 -1863.
Namentlich der Getreidehandel dehnte sich gewaltig aus, da ihm
reichliche Zufuhren zur Verfügung standen und auch die Preisbewegung
das Geschäft lohnend gestaltete. Die bis Thorn geführte Bahn ver—
anlaßte zwar manchen Gutsbesitzer, unter Umgehung des hiesigen Handels
sein Getreide direkt nach den Konsumorten zu verschicken, doch hielt
man sich dafür hinreichend schadlos, indem man mit Hilfe der Eisenbahn
sich nach größerem Geschäftskreis in Polen umsah, was denn auch zu
einer weiteren Ausdehnung des Geschäftes führte. Freilich ging dies