nicht ganz ohne Schwierigkeiten vor sich, die zum Theil die polnischen
Zollbehörden verursachten, doch lag auch ein Theil der Schuld an der
Unbekanntschaft der Händler mit den polnischen Personal⸗, Vermögensund
 Gesetzes-Verhältnissen. Zur Versendung des Getreides wurde
neben der Bahn noch in weitem Umfange der Wasserweg benutzt, doch
wirkte hier die noch mangelhafte Regulirung hemmend, da der Fluß
oft sehr seicht war. Namentlich im Jahre 1862 war die Kalamität
groß: Die Dampfschifffahrt mußte zeitweise ganz eingestellt werden,
und auch die Kähne konnten nur mit ganz geringer Beladung fahren.
Die Handelskammer nahm daher Veranlassung wiederholt auf die Noth—
wendigkeit von Buhnenarbeiten zur Vertiefung der Fahrstraße hin—
zuweisen.
Die günstigeren Erwerbsverhältnisse führten auch eine Zunahme
der Bevölkerung herbei, da viele neue Geschäfte sich hier ansiedelten
und die vermehrte Erwerbsgelegenheit auch Arbeiter herbeizog. Dies
regte natürlich die Baulust an und bewirkte einen guten Absatz der
Ziegeleien. Für das Speditionsgeschäft begann mit Eröffnung der Bahn
Bromberg — Thorn —Warschau eine ganz neue Epoche. Bisher hatten die
hiesigen Spediteure nur die Vermittelung der zumeist auf dem Wasser—
wege nach den Hafenplätzen der Ostsee aus Polen eingehenden Getreide—
und Holzsendungen zu besorgen; nunmehr nahmen die Waarenbezüge
für Polen und einem Theile Rußlands aus den westlich gelegenen
Industriegegenden ihren Weg über Thorn und ebenso kamen die
Produkte aus denjenigen Theilen Polens, die keine Wasserverbindung
hatten, jetzt ebenfalls über unseren Platz. Der frühere Weg über
Schlesien hatte dadurch große Einbuße erlitten, weshalb dortige
Spediteure, um ihre seit Jahren eingeleiteten Verbindungen zu
erhalten, hier entweder selbstständige Geschäfte oder Filialen einrichteten.
Mit den Fortschritten des Speditionsgeschäftes hielt jedoch der Absatz
der Waaren nach Polen von Thorn aus nicht Schritt, wenigstens ging
der Kleinhandel mit Schnittwaaren, Weinen, Metall- und Kolonial⸗
waaren noch weiter zurück, woran vor Allem die fortschreitende
Entwerthung der polnisch-russischen Papier-Valuta schuld war, sowie
der vollständige Mangel an russischem Silbergeld und russischer Scheide—
münze. Diese Geldsorten waren im Inneren Polens so selten, daß
die kleineren Umsätze überaus erschwert wurden. In mehreren polnischen
Städten hatte sich die Kaufmannschaft mit Ausgabe kleiner, gedruckter
Scheine in Wechselform, auf 10, 20 und 50 Kopeken lautend, zu helfen
gesucht, auch wurden bisweilen kleine Bons in hebräischer Schrift aus—
gegeben. Auch die politische Bewegung in Polen übte einen unvor—