Schutze des diesseitigen Handelsverkehrs nach dorthin, sowie zur
Sicherung der persönlichen Freiheit und des Eigenthums preußischer
Landesangehöriger hinweisen, und wir glauben annehmen zu dürfen,
daß es der Königlichen Staatsregierung, zumal bei dem Entgegen—
kommen gegen Rußland und bei den vorhandenen gemeinschaftlichen
Interessen, wohl möglich sein wird, den Vexationen russischer Behörden
gegen die Preußen entschieden entgegenzutreten, sodaß sich diese desselben
Gefühles der Sicherheit und des Schutzes jenseits wie diesseits der
Grenze erfreuen können.“
Wiederholt weist auch die Kammer in ihren damaligen Berichten
auf die Nothwendigkeit hin, mit Rußland einen Handelsvertrag abzu—
chließen.
Durch die im Jahre 1863 durch die Stadt mit einem Kosten⸗
aufwande von 75 000 Thalern hergestellte neue Pfahlbrücke über die
Weichsel wurden nicht nur die Interessen des Platzes, sondern auch die
der Bewohner der Umgegend gefördert. Auch dem Bauhandwerke gab
dies Beschäftigung, die ihm überhaupt in dieser Zeit nicht mangelte,
da neben Eisenbahnbauten der Bau von Wohnungen für die neu
anziehende Bevölkerung ihm ständig guten Gewinn brachte. Von den
Industriebetrieben hören wir nach wie vor wenig, nur wird erwähnt,
daß sich eine Dachpappenfabrik, die einzugehen drohte, wieder erholt
und daß die Mineralwasserfabrikation eine Zunahme erfahren habe.
In ruhigen Bahnen bewegte sich auch der Holzhandel, der durch vor⸗
theilhafte Einkäufe aus erster Hand in der Lage war, die benachbarten
holzarmen Landschaften, Preußisch-Kujavien und das Kulmerland, zu
versorgen, soweit ihm nicht Abholzungen der benachbarten Forsten den
Absatz erschweren.
Die nächste Periode, die wir jetzt betrachten wollen, die von 1864
bis 1870, ist ja die für unser Vaterland wichtigste, da in sie die drei
Kriege fallen, die zur Einigung Deutschlands nöthig waren. Wenn Thorn
auch durch keinen der Kriege direkt in Mitleidenschaft gezogen wurde,
so blieben doch die indirekten Wirkungen auf das Erwerbsleben nicht
aus. Im Jahre 1864 übte die Blockade der Ostseehäfen durch die
Dänen allerdings einen gewissen Preisdruck auf die Hauptexportwaare,
das Getreide, aus, sonst aber war dieser Krieg von geringem Einfluß.
In den Jahren 1866 und 1870 aber zeigte sich beim Ausbruch des
Krieges ein gewisses Mißtrauen, das die Einschränkung der Kredite zur
Folge hatte; in beiden Fällen jedoch bewährte sich die hiesige Bank—
kommandite der preußischen Bank ganz vorzüglich, denn unter umsichtiger
und glücklicher Leitung kam sie dem hiesigen Handelsstande mit Vertrauen