amtliche Behandlung auf die einfachsten Formalitäten beschränkt und
die Transitzölle durch Polen aufgehoben hatte, bildete sich seit 1864
ein direkter Bezug aus Schlesien aus, von dessen rascher Ausdehnung
folgende Zahlen ein Bild geben:
Es kamen nach Thorn aus Schlesien
1864 1865 1866
Steinkohlen 3116 63313 212168 Zentner.
Kalk 20487 23084 34848,
Mit Recht bedauerte die Kammer, daß dieses bedeutende Güter—
quantum nicht im preußischen Bahnsystem verfrachtet werde und seinen
Weg über Breslau— Posen—Gnesen—Thorn nehmen könne, zumal da
auch noch ein dritter Hauptartikel, Eisen, seit 1866 hinzugetreten war,
der ebenfalls aus Schlesien über Polen in großen Quantitäten bezogen
wurde.
Der Holzhandel Thorns hatte seinen ruhigen Gang weiter⸗
genommen, die Holzimporte aber nahmen von Jahr zu Jahr zu und
erreichten 1870 eine gewaltige Höhe, sodaß viele auswärtigen Firmen
hierherkamen, um namhafte Holzeinkäufe zu machen. Der plötzlich her⸗
einbrechende Krieg mit Frankreich that dem Holzhandel großen Schaden,
da der größte Theil der Käufer sich jetzt zurückzog. Hierzu kam die
Blockade von Danzig, die jede Verschiffung von Holz verhinderte, die
höchst mangelhafte Flößerei im Bromberger Kanal, die das durch—
zuflößende Quantum nicht bewältigen konnte, und schließlich das
häufige Hochwasser im Sommer, das den Stand der Hölzer auf der
Weichsel stark gefährdete. Da ein Holzhafen nicht vorhanden war, sahen
sich die Inhaber des Holzes gezwungen, ihre Traften Theils auf der
Strecke zwischen Thorn und Schulitz auf das hohe Ufer zu bringen,
Theils in der Drewenz bis zum nächsten Frühjahr zu bergen, wofür
die Lagerkosten für jede Traft 200 250 Thaler betrugen. Die Dampf—
schneidemühlen in Thorn waren in dieser Periode stets gut beschäftigt,
ebenso scheinen die übrigen industriellen Betriebe leidlichen Absatz
gehabt zu haben. Das Speditionsgeschäft erlitt durch den Wegfall der
Einfuhrzölle auf Holz und Getreide eine große Einbuße, da nun die
Holz- und Getreidetransporte aus Polen der Vermittelung eines
Spediteurs nicht mehr bedurften. Dazu hatte noch das hiesige Bahnhofs—
Expeditionsgeschäft durch die anhaltend sich steigernde Benutzung der
Versendung im direkten Verkehr von den deutschen See- und Handels—
plätzen nach Polen starke Ausfälle gehabt. Ein Ausgleich trat ein mit
Eröffnung der Lodzer Fabrikbahn, durch die Thorn mit Lodz in direkte
Bahnverbindung kam. Während vorher eine Konkurrenz der über