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und Geschmack übertreffen. Es ist bereits dahin gekommen, daß deutsche
Häuser, begünstigt durch den niedrigen Kurs der russischen Valuta, die
genannten russischen Fabrikate bei uns einführen.“
Wie der Holzhandel, so lagen Ende der siebziger Jahre auch
Eisen- und Kohlenhandel darnieder, während dagegen unsere Maschinen—
fabriken ihren Absatz noch vergrößerten, ebenso die Dampfmahlmühlen
unseres Bezirkes, die die Bromberger Mühlen mehr und mehr vom
hiesigen Markte verdrängt hatten. Mehlversandt nach dem Auslande
hatte in früheren Jahren, hauptsächlich weil die Höhe der Fracht zu
dem erwarteten Nutzen in keinem Verhältniß stand, von unserer
Gegend aus niemals stattfinden können, bis es zum ersten Male Ende
des Jahres 1879 möglich wurde, ein lohnendes Exportgeschäft in
geringen Mehlen nach Böhmen zu betreiben.
Im Jahre 1877 fand die hölzerne Weichselbrücke ihren Tod in
den Flammen, und da die Stadt sich weigerte, eine neue Brücke zu
bauen, so blieb bis auf den heutigen Tag der Verkehr mit dem jen—
seitigen Ufer also auch mit dem Hauptbahnhofe, soweit man nicht die
Fähre benutzen kann, auf den Umweg über die Eisenbahnbrücke
angewiesen.
Viel Leben und Geld brachten die seit 1878 begonnenen Festungs—
bauten nach Thorn. Bauhandwerker und Ziegeleien hatten viel zu
thun, auch hatte der Arbeiterzufluß vermehrten Absatz der Material⸗
waarenhandlungen zur Folge. Die Vorstädte wurden nach und nach
bevölkert und es zeigte sich schon hier und da Wohnungsmangel,
namentlich waren kleinere Wohnungen stark begehrt.
Der seit 1876 jährlich hier stattfindende Wollmarkt war stets gut
besucht, wenn auch der Wollhandel selbst wenig gewinnreich blieb.
Mit allem Fleiß verfolgte in dieser Zeit die Handelskammer das
Projekt der Weichselstädtebahn, die ja nicht nur einen direkten Weg
nach Danzig schaffen, sondern auch die verschiedenen Weichselstädte
endlich in eine zeitgemäße Verbindung bringen sollte. Dann aber
hoffte man auch, daß sich in dem Bahngebiete. das ja sehr viel guten
Rübenboden umfaßt, bald eine umfangreiche Zuckerindustrie entwickeln
werde, wie dies denn auch später geschah.
Charakteristisch für die Lage Thorns in den achtziger Jahren ist
der Rückgang des Getreidehandels. Thorn hatte ja bei diesem Geschäft
stets mit einem überlegenen Gegner, mit Danzig zu kämpfen, und es
war nur dadurch möglich, von diesem Seeplatze Zufuhren abzulenken,
daß hier wegen der günstigeren und billigeren Verbindung mit Mittel—
deutschland, Schlesien und Böhmen verhältnißmäßig höhere Preise als