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und Schneidemühlen konnten naturgemäß in Rußland keinen Absatz
finden und für die Produkte unserer Ziegeleien, Honigkuchen- und
Chokoladefabriken waren die Zölle nach wie vor zu hoch. Einzig und
allein unsere Maschinenfabriken hätten vielleicht einige ihrer Fabrikate,
namentlich landwirthschaftliche Maschinen, einführen können, doch stand
hnen, wie auch schon früher, die Konkurrenz unserer großen Spezial—
fabriken entgegen.

In Manufaktur-, Mode- und Kolonialwaaren entwickelte sich ein
gewisser Verkehr, der allerdings unter den auch durch den Handels—
vertrag nicht gehobenen Paßschwierigkeiten zu leiden hatte. Das Wesent
lichste für unseren Bezirk bleibt ja immer die möglichst ungehinderte
Einfuhr von Kleie und Holz aus Rußland. Getreide kommt ja leider
kaum noch in Frage, dagegen dehnte sich das Absatzgebiet für Kleie
und Oelkuchen, mit denen Thorn nicht nur die benachbarten Provinzen,
sondern auch Sachsen, Thüringen und Schleswig versorgte, immer
weiter aus. Eine günstige Wirkung von dem Handelsvertrage erfuhr
auch das Speditionsgeschäft, da viele Erzeugnisse der deutschen Industrie,
die dem russischen autonomen Zolltarife gegenüber vom Export nach
Rußland ausgeschlossen war, jetzt dahin ausgeführt werden konnten.
Anfangs beeinträchtigte allerdings die Disparität der Eisenbahntarife
unseres Ortes gegenüber denjenigen anderer östlicher Uebergangs—
stationen die Entwickelung unserer Beziehungen mit Rußland nicht
unwesentlich, doch wurde die Tarifbildung bald zu unseren Gunsten
abgeändert.

Der Umsatz unserer Handelsbetriebe und die Produktion unserer
Fabriken hat wohl durchgehends in den Jahren 189441900 eine
Steigerung erfahren. In dieser Zeit aber faßte auch die Bildung von
Kartellen bei uns Fuß, wenn auch, abgesehen von dem ganz Deutsch—
land umfassenden Zuckerkartell und der Zentrale für Spiritusver—
werthung, zunächst nur in bescheidenen Anfängen und verhältnißmäßig
lockeren Verbänden. So gründeten die Mühlen, die in dieser Zeit
gerade in unserem Bezirke ihre Produktionsfähigkeit durch Anlegung
neuer und Erweiterung bestehender Anlagen ganz bedeutend ver—
größerten, den Ostdeutschen Müllerverband. Auch die Ziegeleien bildeten
eine Vereinigung, ebenso hatten die Seifenfabriken einen Bund zur
Aufrechterhaltung lohnender Preise gegründet, der sich aber bald wieder
auflöste. Die Brauereien versuchten ebenfalls einen Verband zu gründen,
weniger um die Preise hochzuhalten, als vielmehr gewisse im Brauerei—
gewerbe bestehenden Mißbräuche zu beseitigen.