Michalew verhaftet. Was dann kam, war der übliche Weg (von mir hervorgehoben H. G..):
Verfügung über Verbannung ... sozialgefährliches Element ...“ ;
Und ein anderer Fall:
„Eines Nachts im Juli stürmen in das Zimmer der Arbeiterin Maria Chlistunowa
ein paar Milizsoldaten, geführt von dem Chef der. Milizabteilung persönlich. Der Säugling
 schreit. Es beginnt die Haussuchung, wonach der Frau mitgeteilt wird, daßsie
verhaftet ist und verbannt werden soll. Die Ursache ‘der Verhaftung soll ihr in der
Milizabteilung mitgeteilt werden. Die Mutter wird zusammen mit dem Säugling
zur Miliz geschleppt und hier eingesperrt. Am nächsten Tage wird ihr bestätigt, daß
sie verhaftet sei und als „sozialgefährliches Element‘ verbannt werden soll. Der Grund
war der, daß der Mann der Chlistunowa, der sie übrigens‘ vor einigen Monaten verlassen
 hatte, einmal nicht zur Arbeit in die Fabrik kam, worauf man ihn entlassen
und ihm seinen Paß abgenommen hatte?).“
Diese erschütternden Beispiele zeigen, daß es keineswegs nur „Generale“ und
„Kapitalisten“ sind, die in der Sowjetunion verfolgt und verbannt werden. Der ganz
einfache Fabrikarbeiter. der Bauer, die ganze Bevölkerung ist Freiwild für die jüdischen
Machthaber, *
Ich möchte an dieser Stelle den Brief eines aus der Sowjetunion zurückgekehrten
Ingenieurs anführen, der dieses Problem sehr richtig beurteilt?):
‚„ .. Besucht man die täglich angesetzten Sprechstunden der Untersuchungsgefängnisse
 der GPU. in Leningrad, so sieht man lange Reihen von Menschen stehen,
welche nur auf eine Auskunft warten, ob ihre Angehörigen im Gefängnis noch am
Leben sind. Meistens sind es junge Arbeiterfrauen oder alte abgearbeitete und halbverhungerte
 Mütter, welche 6—8 Stunden geduldig warten und um ihre Angehörigen in
banger Sorge sind. Die Auskunft selbst ist kurz, und oft hört man, daß das gefällte
Urteil auf Zwangsarbeit oder Verbannung lautet. Fragt man diese abgehärmten und
in Lumpen gehüllten Menschen, warum der Sohn, Bruder oder Ehegatte verhaftet
wurde, so erfährt man, daß es sich meistens um Vergehen gegen die Parteidisziplin,
Austritt aus: einer kommunistischen Organisation, Briefwechsel mit Angehörigen im
Ausland. Zugehörigkeit zu einer kirchlichen oder religiösen Organisation und dergleichen
handelt. Die Untersuchungshaft dauert oft lange, und der Gefangene ist, falls ihm ein
Unschuldsbeweis gelungen ist, nach seiner Entlassung an Leib und Seele gebrochen. Die
meisten Gefangenen werden zu Zwangsarbeit nach dem ewigen Norden oder in die glühend
heißen Wüstengebiete verschickt.
Im Norden finden sie in Steinbrüchen oder beim Bau von Eisenbahnen, Straßen
und Befestigungen, besonders auf der Halbinsel Kola, Verwendung. Auch für die
dortige Industrie sind sie willkommene und vor allen Dingen billige Arbeiter,
Neben den enteigneten Bauern stellen diese oft wegen geringer Vergehen bestraften
Arbeiter‘ jenes Menschenmaterial dar, welches dem kommunistischen Staate die ‚wertvollsten
 Kolonisationsarbeiten ohne Bezahlung liefert (was mit anderen Worten Sklavenarbeit

1) „Iswestija” vom 22, 9. 35.: ,
?) Veröffentlicht in „UdSSR-Dienst‘*, Nr. 72, v. 22. 10. 35,

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