Fünftes Kapitel

Der Bau des Weißmeerkanals

Die in den Zwangsarbeitslagern herrschenden Verhältnisse sollen an Hand des
Beispiels des Weißmeerkanalbaues gezeigt werden. ;
Bei der Schilderung des Weißmeerkanalbaus habe ich mich ausschließlich auf die
Verarbeitung. von. amtlichem sowjetischen Material beschränkt?). Dieses Materiäl, das
Jer Öffentlichkeit noch ganz unbekannt ist, gibt natürlich nicht restlos Aufschluß
iber das Elendsdasein der Zwangsarbeiter. Bei kritischer Verarbeitung bietet es uns
jedoch einen genügend tiefen Einblick in das Leben der Verbannten.

Das Bauvorhaben

Wie die beigefügte Karte zeigt, verbindet der Weißmeerkanal das Weiße Meer
mit dem Finnischen Meerbusen. Ein großer Teil der Strecke wird durch natürliche
 Wasserwege gebildet: die Newa, den Ladogasee, die Swir, den ÖOnegasee, die
Wyg usw. Die eigentlichen Bauarbeiten mußten auf der Linie zwischen dem Onegazee
 und dem Weißen Meer durchgeführt werden, also etwa zwischen .dem 62. und
55. Breitengrad.
Das Klima ist in diesem Gebiet außerordentlich fauh. Der Winter lang und streng.
Die Winternächte sind ganz hell. Eine meterhohe Schneedecke bedeckt im Winter
das ganze Land,
Geologisch ist es eine Moränenlandschaft: unzählige kleinere und größere Seen
liegen im Lande verstreut. Riesige Steinblöcke und Geröll bedecken den Boden. Den
Untergrund bilden besonders harte Gesteinmassen. Zahlreiche Stromschnellen und
aatürliche Wehre behindern den Wasserverkehr.
Größere Menschenansiedlungen fehlen. Riesige Entfernungen trennen die wenigen
armseligen Dörfer voneinander.
Durch diese ungastliche Gegend beschloß die Sowjetregierung, den Verbindungskanal
 zu legen. Am 18. Februar !931 war der endgültige Plan für die zukünftige
Wasserstrecke festgelegt.

1) Sämtliche Zitate in diesem Kapitel stellen wörtliche Übersetzungen aus dem amtlichen sowje-:ischen
 Buch „Der Stalin-Weißmeerkanal‘ dar, das 1934 in Moskau erschienen ist.

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