„Um die riesigen, wie von Urmenschen angelegten Feuer werden hastig Zelte
aufgestellt, werden Hütten errichtet, da die Zelte nicht ausreichen — ein Transport
trifft nach. dem anderen ein!).“ „Es ist kalt im hohen Norden. Besonders haben die
aus dem Süden der Sowjetunion ankommenden Sträflinge unter der Kälte: zu leiden.
Die Verbannten aus dem Süden steigen aus, Sie frieren. Sie binden sich Tuchfetzen
um den Mund und schlagen die Roben fester zu®).“
Besonders schwer haben es die Verbannten, die unter. freiem Himmel schlafen
müssen, wenn die Zelte nicht mehr ausreichen und die Baracken noch nicht fertig
sind. : Viele: haben nicht die Möglichkeit, die ausgeteilten Lebensmittel abzukochen
and müssen alles roh verzehren?).
Aber auch in den Baracken ist es unmenschlich kalt. „Um den Ofen liegen auf
Brettern, die man auf Kisten gelegt hat, Menschen in Mänteln und Joppen. Die Risse
zwischen den Balken sind mit Zeitungspapier zugestopft‘). Manchmal herrscht
solcher Frost, daß die Wandbretter mit lautem Knall zerspringen®).“ a
Die Menschen haben so unter der grimmigen Kälte zu leiden, daß sie davon
träumen, sich in einem Tunnel der Betonwehre ausschlafen zu können, wo infolge der
chemischen Prozesse Wärme ausgeschieden wird.
Die Lebensmittelrationen sind so klein, daß die stärkeren Verbannten oft den
Schwächeren das Essen wegnehmen. „Bei der Verteilung. der Lebensmittel herrscht
in der Regel Lärm, es wird geschimpft,* mänche raufen sich sogar ums Essen. Der
Diebstahl ist weit verbreitet, die Lebensmittelkarten und die Eßnäpfe werden aus den
Händen gerissen. .
Die Küche Nr. 2 ist in einer Sommerbaracke untergebracht. In den Wänden sind
riesige Risse, durch die der Wind bläst. In der Küche herrscht Kälte; bei der Zubereitung
 des Essens erfüllt dichter Rauch: den Raum. Auch das Brot wird in einer
Sommerbaracke geschnitten, wo es‘gefriert. . .
Es-sind zwar Thermosflaschen vorhanden, doch werden sie nicht benutzt, so daß
das Essen kalt zur.Arbeitsstätte gebracht wird. nn
Die Verbannten trocknen ihre Hosen und Filzschuhe in den Zelten über dem
Ofen, wodurch die Luft: verpestet ‚wird‘‘®).
Die Sterblichkeit ist in den Lagern allein wegen der verschiedenen Epidemien
riesig. Die Menschen sind vollständig. verlaust. Besondere Baracken sind als „Läuseschlächtereien‘.
 eingerichtet. Hier. sitzen in grimmiger Kälte Tag für Tag verbannte
Nonnen aus den zahlreichen Ehemaligen russischen Klöstern und zerdrücken mit einem
Metallstäbchen die Läusenester in den Kleidungsstücken der Verbannten. Ganze’ Sagen
entstehen um die. „Weißmeerläuse‘“ DL
Die. Arbeit - )

Die ‘Zwangsarbeiter werden in ‚„Brigaden“‘ von 2530 Mann eingeteilt. Zehn
Brigaden bilden eine „„Phalange‘“, die also aus 250-300 Menschen besteht.‘ Der
„Phalange“ wird ein Arbeits-„Abschnitt“ zugewiesen. Hier werden die einzelnen
2). „SWK.“, S, 92. 2) „SWK.“, S, 95, 3) „SWK.“, S, 102. 4) „SWK.“, 5. 122.
) „SWK.“, S. 132. 9) „SWK.*“, 5. 242, 7) „SWK,“, S. 303, ;

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