Brigaden verteilt: die einen müssen Erdarbeiten verrichten, die anderen Sprengarbeiten,
 Waldarbeiten usw.
Jeder Zwangsarbeiter erhält eine bestimmte Arbeitsmenge zugeteilt, die er an
einem Tage schaffen muß, die sog. „Norm“. Bei Steinarbeiten z. B. sind es gewöhnlich
2 Kubikmeter Stein. Der Arbeiter muß die Felswand in Stücke zerlegen und diese dann
mit einer Handkarre 100 Meter weit bringen. Das ist die „Norm“. Für einen unterernährten,
 in Lumpen gekleideten Menschen, der täglich noch weite Wege von und
zur Arbeitsstätte zurücklegen muß, ist das eine Leistung, die gerade an der Grenze
des Möglichen liegt. Dazu kommt die denkbar primitive Ausrüstung: Spitzhacke,
Handkarren und einige Bretter zum Unterlegen unter die Karre, das ist alles.
Ein Verbannter berichtet: „Jeder muß zwei Kubikmeter Felswand zerkleinern und
mit der Karre wegbringen. Wir Anfänger mußten die halbe Norm ausführen. Doch
auch das konnten wir nicht schaffen, obwohl wir mit äußerster Anspannung arbeiteten.
 Mein Herz zitterte. Ein Sturm von Schimpfworten ging auf mich nieder?).“
_ Doch die einmal festgesetzten Normen wurden keineswegs immer eingehalten.
Öfters wurden von der jüdischen GPU.-Leitung in Moskau besonders kurze Arbeitsfristen
 eingesetzt. Die F olge war, daß die Normen entsprechend vergrößert wurden,
waß sofort Tausenden von weiteren Menschen das Leben kostete. So wurden aus den
Verbannten in solchen Fällen 150-200% der festgesetzten Leistung herausgepreßt?).
„ Abcr auch die normalen Aufgaben waren kaum zu bewältigen. „Der gefrorene
Boden gab nicht nach. Vielen erschien die Norm so groß, daß sie dachten, sie könnten
es nicht schaffen. Mitternachtssonne, blauer Schnee. Es schneit und schneit. Ganze
Schneeberge muß man um das Loch wegräumen. Schon mancher sitzt im Isolator,
hat versagt?).“ -
Ein anderer Verbannter schildert den ersten Arbeitstag. Als er an die Arbeitsstätte
 kam, entrang sich seiner Kehle ein Schrei: „Ich sah Schneeberge, Dreck, etwas
gefrorenen Sprengboden und ein Gewirr von Fahrbrettern. Wir nahmen das Werkzeug
in Empfang und gingen an die Arbeit. Ich sage es offen: es wurde nichts. Viel Land,
so viel Land, daß es einem beim Anblick schlecht wird, das zu schaffen ist ausgeschlossen.
 Die Handkarren kippten und die Menschen fielen kopfüber in den Schnee*).“
' Die Bauarbeiten boten gewöhnlich folgendes Bild: „Die häßliche, schneebedeckte
Mulde war mit Menschen und Steinen angefüllt. Die Menschen gingen stolpernd herum.
Zu zweit oder zu dritt bückten sie sich, umfaßten einen Stein und versuchten ihn zu
heben. Der Steih bewegte sich nicht...
Sie ließen von dem großen Stein und machten sich an die kleineren. Auf nassen,
unordentlich gelegten Brettern wurde die Karre fortbewegt. Sie rutschte und kippte
um, Schimpfend wurden die Steine aufgelesen®).“
Art schwersten ist die Arbeit im eiskalten Wasser. „Achtzehn Stunden dauerte
die: Arbeit. Bis zum: Bauch im Wasser stehend, schleppten‘ die Menschen Steine...
Nachts sind wir zur Arbeit im kalten Wasser gegangen. In der starken Strömung
konnte man kaum stehen®).“

‚ 1) „SWK.“, S. 96. 2) „SWK.“, S. 281, 285. 3) „SWK.“, 5.97%,  %) „SWK.‘“, S. 97,
) „SWK.“, S. 112. ®) „SWK.*‘“, S. 179.