Die Menschen

Nach den Lagern am Weißmeerkanal wurden‘ Menschen aus verschiedenen
Gegenden der Sowjetunion gebracht. Hier konnte man die Vertreter aller Berufe
and aller” Nationalitäten‘ finden. Geistliche, Spekulanten, Geschäftsleute, Diebe,
Mörder, einfache Arbeiter; vor allem. aber Bauern und nochmals Bauern. Am
schwersten hatten es naturgemäß die Angehörigen der alten Führerschicht, der
Intelligenz, die an körperliche ‘Arbeit nicht gewöhnt waren. Sie starben hier wie
die Fliegen...‘
Sie alle sind hier’ im hohen Norden gleich, sie alle sind nur Arbeitstiere für die
fremden Machthaber, nein, unendlich weniger als Arbeitstiere, denn Arbeitstiere
werden geschont und gepflegt, diese Menschen sollen dagegen vernichtet werden.
Schrecklich ist die Lage der in den Norden verschlagenen Südländer. An die
glühende Sonne ihrer Steppen und Wüsten gewöhnt, werden sie hier die ersten Opfer
der Kälte. „Die nationalen Minderheiten gehen in der ersten Zeit erschrocken herum.
Alles ist ihnen unverständlich; Menschen, die ihnen befehlen, der Kanal, den sie
bauer, das Essen, das sie zu sich nehmen . . . Sie können schlecht in den Filzschuhen
gehen, ‚sie gehen wankend herum‘).“ ;
Ergeben tragen diese Asiaten ihr Los. Sie verherrlichen ihren Gott, bis der Tod
sie von den. Leiden befreit. „Nassyrow ist. ein Tadschik, 42 Jahre alt. Er sitzt mit
geschlossenen Augen und bewegt rhythmisch den Oberkörper. Er hat einen schmalen
Bart, große, fleischige, mit Narben bedeckte Lippen, schmale Stirn ..'. Er. steht auf
and beginnt sich niederzubeugen. Das ist ein ostentativer Ruf an Gott, mitten in
Staub, Zigarettenstummeln und Schimpfworten?).“ Ks
Unsäglich schwer hat es auch der Bauer, der Kulak. Losgerissen von seinem
Boden,. seinem Häuschen, seinen Angehörigen, muß er hier sinnlose. unmenschliche
Arheit verrichten. , .
Es trifft: ein Transport deutscher Kolonisten ein. „Den Kulaken wurde das
Arbeitsfeld zugewiesen, doch sie weigerten sich, zu arbeiten, Sie warfen die Sägen
und Äxte weg und standen im Schnee. Herum fielen Bäume, kreischten Sägen, liefen
Menschen. Regungslos standen die Kulaken da. Es dämmerte, gelbe Feuer flammten
auf... .. Die Kulaken begannen Gebete und Psalmen zu singen ... Die Dunkchheit
hüllte alles ein, und in der Dunkelheit standen sie da und beteten laut ?3).“*
Erschütternd ‘ist die‘ Schilderung von einem Bauern. „Er kam an einem ungepflügten
 Acker vorbei. Wehmütige Erinnerungen kamen auf. Da kam noch eine
Rinderherde, und mitten drin ein grauer Ochse. Dieser Ochse geht auf ihn zu. muht
and leckt zart seine Hände..., 7 . ;
Da faßte er ihn an den Hörnern, preßte sein Gesicht zwischen die Hörner und
weinte*?).“ ; ; |
Besonders erschwert wird,‘ wie gesagt, die Lage der Verbannten dadurch, daß
zie zusammen mit kriminellen Elementen, Mördern, Dieben, Hochstaplern usw., untergebracht
 werden. „In einigen Baracken herrscht Mord und Totschlag. Sie verspielten
1) „SWK.“, S. 257. 2) „SWK.“, S. 93. 3) „SWK.“, S. 165, 4) „SWK.“,
S. 180.

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