Vorwort.

Es gibt gewisse Schlagworte, welche Gemeingut aller
Gebildeten geworden sind und hier und da wie Leuchtkugeln
in der Konversation oder in den Zeitungen auftauchen, ohne
daß die Meisten eine nähere Kenntnis ihres Ursprungs und
ihrer Entwicklung im Laufe der Jahrzehnte besitzen.
Eines der berüchtigtsten Schlagworte ist „die Monroe-Doctrin“,
 gewöhnlich als „Amerika für die Amerikaner“ verstanden,
 zugleich der größte Humbug, mit dem die Vereinigten
Staaten die zivilisierte Weit beglückt haben.
Es scheint ein Naturgesetz zu sein, daß, wo immer auch
die Wahrheit und die Vernunft ihr Haupt erheben, sofort
Tausende und aber Tausende von Menschen nichts Eiligeres
zu tun haben, als, geblendet von ihren Strahlen, sie mit dem
Schleier der Unwissenheit und der Nichtswürdigkeit zu bedecken.

So ist es auch mit dem an und für sich ganz vernünftigen
und hochbedeutsamen Gedanken in der Abschiedsbotschaft
Washingtons — des angesehensten Präsidenten, den die Vereinigten
 Staaten je gehabt haben — gegangen, der ursprünglich
 keinen anderen Zweck hatte, als Nordamerika dem gegenseitigen
 Neid und den völkermordenden Kriegen Europas zu
entziehen, um auf einem neuen und ihm eigentümlichen Wege
die für seine Bewohner bestmögliche Regierungsform zu einer
dauernden, friedlichen Entwicklung zu finden.
Es dauerte aber nicht lange, bis dieser dem erleuchteten
Geiste seines Urhebers entsprungene Gedanke das Schicksal
aller großen Ideen teilen mußte: korrumpiert und bis in sein
Gegenteil entstellt zu werden.
Drei Jahrzehnte später war es England, das zum ersten
Male diesen Begriff der Sonderstellung Amerikas zur Geltung
brachte, indem es sich unter seinem Staatsmann Canning bereit
 erklärte, für die Unabhängigkeit der spanischen Kolonien,
sei es auch mit Waffengewalt, einzutreten. Darauf hat sofort
der nordamerikanische Präsident Monroe diese außergewöhn-