lich günstige Gelegenheit ergriffen, um den Grundsatz der
Nicht-Intervention durch europäische Mächte in die Angelegenheiten
 des amerikanischen Kontinentes als internationales
Prinzip aufzustellen.
Die Monroelehre war aber zu dehnbar und zu unzuverlässig
 für die anderen amerikanischen Staaten, um Einfluß auf
sie zu gewinnen. Deshalb versteckten die Nordamerikaner sie
unter dem neuen Schlagworte des „Panamerikanismus‘, um
unter dieser harmloser erscheinenden, aber die Phantasie der
Südamerikaner mächtig anregenden Flagge ihrem Ziel: die
Kontrolle über die jungen Schwesterrepubliken in wirtschaftlicher
 und wenn möglich auch politischer Beziehung zu erlangen,
 näherzukommen, Diese Idee des Panamerikanismus
entspricht der spanisch-amerikanischen Überlieferung einer
kontinentalen Solidarität; und indem die Vereinigten Staaten
sie sich zu eigen machten, erstrebten sie in erster Linie wirtschaftliche
 Erfolge. Ihr Vorhaben ist ihnen geglückt; im Jahre
1883 bezifferte sich der Handel des spanischen Amerikas mit
der Union auf 142 282 000 Dollar, im Jahre 1913 dagegen auf
813694985 Dollar. Im erstgenannten Jahre betrug dieser
Handel 18,8 Prozent des gesamten Handels Iberoamerikas, im
Jahre 1913 dagegen 27,6 Prozent.
Die Sonderstellung Amerikas war eine Folge der europäischen
 Kriege im Anfang des vorigen Jahrhunderts. Durch
die absolutistischen Auswüchse der Heiligen Allianz nicht
minder als durch die keineswegs Sselbstlose Gegenwirkung
Englands gefördert, fand sie ihren Ausdruck in der Unabhängigkeit
 eines großen, noch nicht selbständigen Teiles des
amerikanischen Kontinents und in dem Wunsche gegenseitiger
Annäherung unter den neuentstandenen Staatsgebilden. Dieses
natürliche Streben nach Zusammenschluß und Anlehnung
haben dann die Vereinigten Staaten für die egoistischen Ziele
ihrer imperialistischen Politik mißbraucht.
Wie vorzüglich während des jetzigen Krieges Nordamerika
seine Rolle als tertius gaudens gespielt hat, geht u. a. aus einer
Veröffentlichung des Handels-Departements in Washington
hervor, wonach der Handel der Union mit Süd- und Mittelamerika
 im Jahre 1916 auf 1260796 680 Dollar gestiegen ist;
in den ersten sieben Monaten (endend Januar) des letzten
Wirtschaftsjahres erreicht er schon die Ziffer 756 397 033 Dollar
 gegen 564963 325 Dollar im gleichen Zeitraum des Vor-Jahres.

Es ist der Zweck dieser Schrift des spanischen Rechtszelehrten
 Dr. E. L. Llorens, den Ursprung des Monroismus