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Sobald wir unseren geschichtlichen Standpunkt verlassen
und mit juristischer Logik oder allgemein sittlichen Normen
die verschiedenen Deutungen und Anwendungsweisen bewerten
 wollen, wird das ganze Bild schief und historisch wertlos.
 Wir würden den alten Fehler begehen, denselben Maßstab,
 mit dem wir das Handeln eines Individuums zu bewerten
 gewohnt sind, auf die Geschichte eines Volkes anzuwenden.
 Die Geschichte ist niemals weder logisch noch unlogisch,
 noch Sittlich oder uwunsittlich: sie ist eben Geschichte.“
 *5)
Aus den angeführten Gründen ist die einzige Frage, die
verständigerweise untersucht werden kann, die praktische
Anwendung der monroistischen Politik, indem man mit der
Benennung Monroismus nicht die geistige Urheberschaft bezeichnen
 will, denn weder Monroe noch die Vereinigten
Staaten hätten jemals dieses Prinzip von sich aus ankündigen
können, sondern indem man vielmehr darunter die Zusammenfassung
 der nordamerikanischen Tendenzen in der äußeren
Politik meint, die öffentlich und authentisch zum ersten Male
mit relativer Weitläufigkeit vom Präsidenten Monroe ausgesprochen
 sind. Die nordamerikanischen Geschichtschreiber
behaupten, daß die Erklärung Monroes die Unabhängigkeit der
hispano-amerikanischen Länder rettete und daß die an Europa
gerichtete Warnung einzig und allein die Frucht der nordamerikanischen
 Initiative war, Sie möchten vergessen, daß
die Bevölkerung der Vereinigten Staaten im Jahre 1823 sich
auf kaum sieben Millionen Einwohner belief, die auf einem ungeheuren
 Gebiet zerstreut wohnten, mit einer viel zu kleinen
militärischen Macht, um in der Praxis den Grundsatz der
Nichtintervention einer europäischen Macht zu vertreten.
Über den Ursprung des entsprechenden Teiles der Botschaft
sprach sich Jahre später Calhoun, Mitglied des Kabinetts
Monroe, aus: „Wir gingen im Verein mit England in einem
von ihm herrührenden Vorschlage vor, der von größter Bedeutung
 war, den wir innerlich mit unserem Frieden und
unserer Sicherheit verknüpft betrachteten, und darum war es
Jogischer- und politischerweise natürlich, daß eine genau mit
den englischen Gefühlen übereinstimmende Erklärung {for-45)

 Die Geschichte der Monroedoktrin von dem Panamakongreß
bis zu der Präsidentschaft Grants. Zeitschrift für Völkerrecht, VII
(1913). 12, 13,