7

verbunden. Wenn das Bier von den Bierschenkern auf „Bouteillen“
gezogen wurde, so wird es nicht nur in der Wirtschaft zum Ausschank
gekommen, sondern auch von den Bürgersleuten zum Teil zu Hause
getrunken worden sein. Wahrscheinlich war dieser Absatz zunächst
nicht gross, da es nach den Schilderungen, die wir über das Berlin
des vorigen Jahrhunderts besitzen, den Anschein hat, als ob der
Hauptabsatz des Bieres in den Gastwirtschaften lag und das Bier
überhaupt mehr für die männliche Bevölkerung reserviert und
und noch nicht in dem Masse wie heute als tägliches Genussmittel
in die Familie eingedrungen gewesen wäre. Immerhin bleibt auch)
;jann für den Verkauf über ,die Strasse noch eine andere Art der
Bierverwendung übrig, nämlich der Zusatz von Bier zu Biersuppen,
ferner zum Karpfenkochen, wovon übrigens auch schon Krünitz
berichtet.

Frühzeitig fand nun in Berlin schon ein Import von allerlei
Bieren statt, aus verschiedenen Teilen der Mark, ebenso wie aus
Pommern (bes. Stettin), und im Jahre 1711 findet man in der Jahresrechnung
 der Steuerbehörde schon 52 Sorten fremder Biere, die in
40 464 Tonnen zum Ausschank kamen; kurze Zeit darauf sind es gar
72 Sorten geworden, während später dieser Import wieder auf
za. 20 000 Tonnen herabsank. Ob sich unter den eingeführien Sorten
auch untergährige Biere befanden, lässt sich schwer feststellen, überwiegend
 waren wohl die eingeführten Biere auch obergährig. Für
den Fall. dass auch untergährige Bierarten mit eingeführt wurden,
lässt sich als sicher annehmen, dass auch bei diesem Bier der Abzug
auf Flaschen oder Kruken sich eingebürgert hat, da die Berliner
durch das Weissbier an den Genuss von Bier in der Form von
Flaschenbier gewohnt waren.
In welcher Weise sich nun der Verkauf über die Strasse
erweitert hat, welche der vorher angebenen allgemeinen Gründe
ür die Entwicklung des Berliner Flaschenbierversandgeschäftes besonders
 massgebend gewesen sind, dass lässt sich bei dem voilständigen
Mangel an irgendwelchem Material weder nachweisen noch konstruieren.
Thatsache ist jedenfalls, dass wir schon sehr früh authentische Nachrichten
 über das Bestehen eines Flaschenbierhandels haben und zwar
durch folgende, der Vossischen Zeitung entnommene Inserate: