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modernen Technik und Geschäftspraxis sich zu Nutze machen, in
welcher die Weissbierbrauereien ihren alten konservativ-patriarchalischen
Charakter behalten. Nicht als ob diese verschiedenartige Entwicklung
allein der verschiedenen Natur der Unternehmungsform, dem Gegensatz
zwischen Aktiengesellschaft und privatem Besitz zuzuschreiben wäre.
Auch die im Privatbesitz befindlichen bayrischen Brauereien werden
nach grossen kaufmännischen Gesichtspunkten geleitet, während
andererseits die Weissbier-Aktienbrauereien nicht allzusehr von den
übrigen sich unterscheiden. Es möchte scheinen, als wenn auch hier
der Charakter ‚des Bieres wieder seinen Einfluss zeigte. Noch vor
nicht gar langer Zeit standen in einer der grössten Berliner Weissbierbrauereien
 alle Arbeiter in Lohn, Kost und Wohnung, in einer
anderen, deren Durchschnittsproduktion gewiss über 50 000 hl beträgt.
konnte sich der Besitzer nicht dazu entschliessen, sich Fernsprechanschluss
 zu besorgen. In manchen der grösseren Berliner Weissbierbrauereien
 wird die kaufmännische Buchführung auf das Notwendigste
 beschränkt und das Comptoirpersonal einer der grössten
Berliner Weissbierbrauereien, deren Geschäftsumsatz sich gewiss auf
über 1 Million Mark jährlich beläuft, besteht aus — zwei Buchhaltern,
welche alle Abrechnungen mit den Lieferanten, Kunden, Fahrern besorgen,
 die Bücher führen, überhaupt in Gemeinschaft mit dem Besitzer
 den Betrieb leiten. Oft reichen in diesen Brauereien die
Betriebsräume nicht zu, man weiss manchmal nicht, wie man über
den mit Fässern, Wagen und Utensilien aller Art angefüllten Hofraum
zu dem Comptoir gelangen soll. Doch von solchen Aeusserlichkeiten
abgesehen: es fehlte bei allen diesen Betrieben ein Streben nach
Absatz und Vergrösserung des Geschäfts, sie hielten keine Reisenden
und gaben wenig für Reklame aus: ihre Thätigkeit beschränkte sich
darauf, die ihnen zugegangenen Aufträge auszuführen. Wie anders
dagegen bei den bayrischen Brauereien! Von vornherein gross angelegt
 und mit einem Kapitalaufwand gegründet, der nur bei eintretender
 Vergrösserung rentieren konnte,*) waren sie auf eine ganz

*) Vergl. Jahresbericht der Aeltesten der Kaufmannschaft von 1880:
„Die Berliner Brauereien haben in den Jahren 1871—1875 eine selbst
über das damalige Bedürfnis hinausgehende Erweiterung ihrer Anlagen
erfahren und steht deshalb ihr Absatz nicht im richtigen Verhältnis zu
ihrer Einrichtung “ Der Sachlage nach können sich diese Worte nur aut
die bayrischen Brauereien beziehen.