56 —

Ebenso wie die Brauereien machen diese Unternehmungen oft
Reklame durch Inserate, Zeitungsbeilagen, Plakate, Zusendung von
Prospekten etc., ihre Wagen fallen durch eine gewisse Gefälligkeit
des äusseren Anstrichs sogar noch gegenüber den Brauereiwagen auf.
Die Inhaber dieser Geschäfte sind ebenso wie die Brauereivertreter
meist Leute, die niemals in der Brauerei oder im Bierverlag gearbeitet
haben, sie besitzen lediglich kaufmännische Bildung. Zu ihnen gehören
 auch die neuen kaufmännischen Betriebe für den Vertrieb von
Syphonbier, sowie ein oder der andere grosse Weissbierverlag, deren
Absatz im Gegensatz zu den übrigen hauptsächlich bei der Privatkundschaft
 liegt.
Innerhalb der Mehrzahl nicht kaufmännisch betriebener Geschäfte,
 welche im wesentlichen die typische Form des Berliner Bierverlegers
 erkennen lassen, sind Unterscheidungen nur nach der Höhe
des Umsatzes zu machen. Das Gemeinsame tritt jedoch gegenüber
dieser Verschiedenheit ausserordentlich hervor, namentlich was die
Entstehung und allmähliche Entwicklung des Geschäftes anbelangt.
Die älteren Geschäfte sind zumeist, wie ausgeführt, aus der Gastwirtschaft
 oder dem Viktualienhandel entstanden; im ersteren Falle
haben manche die Gastwirtschaft als Nebengeschäft noch behalten.
 Die Inhaber derjenigen Geschäfte, welche aus neuerer Zeit
stammen, waren zu einem grossen Teil früher Kutscher bei einer
Brauerei oder einem Bierverleger und wagten es dann, auf ihre Ersparnisse
 und den von den Lieferanten gewährten Kredit sich stützend,
einen Bierverlag zu gründen. Die Kunden wurden entweder durch
persönliche Bekanntschaft gewonnen (die Kutscher haben ja viel
mehr Gelegenheit die Kunden kennen zu lernen als die Bierverleger
oder die Brauerei selbst!) oder durch direktes Aufsuchen, man kann
sagen hausieren. Während noch Anfang der achtziger Jahre der
Hauptnachdruck, auch bei allen Neugründungen auf das Lieferungsgeschäft
 gelegt wurde, ist es bei denjenigen Geschäften, welche in
den letzten Jahren entstanden, namentlich im Anfang, wesentlich
anders. Die Hauptstütze des Geschäftes bildet hier der Kleinhandel
mit Bier, der Detailverkauf über die Strasse, z. T. wird auch von der
Brauerei bezogenes Frischbier literweise verkauft. Weiterhin werden
vielfach auch noch Spezereiwaren geführt, eine Wäscherolle steht zur
Verfügung der Hausfrauen. und von aussen unterscheidet sich ein