65

in einem Falle um 6 Uhr abends, in zwei Fällen um 7 Uhr, in je
einem um 8 bezw. 9 Uhr abends. Einer der betreffenden Bierverleger
 giebt als Ende der Arbeitszeit an „5—10 Uhr abends!“ Es
bedarf keiner näheren Auseinandersetzung darüber, dass eine feste
Regelung der Arbeitszeit sich am ehesten in denjenigen Betrieben erreichen
 lässt, in denen die Arbeiter in Geldlohn stehen, in 5 von den
hier angeführten 6 Betrieben war dies der Fall, die Ausnahme bildete
bezeichnender Weise derjenige Bierverleger, welcher das Ende der
Arbeitszeit als „unbestimmt, zwischen 5—10 Uhr abends“ angegeben
hatte. Die Unbestimmtheit der Arbeitszeit ist im übrigen
Regel in allen Bierverlagsgeschäften, „wenn viel zu thun ist,
müssen die Leute eben länger bleiben, sonst können sie gehen,
sobald das Bier abgezogen ist.“ Gewöhnlich beginnt die
Arbeit um 6 Uhr morgens und dauert mindestens bis 7 Uhr abends.
bei geringen Unterbrechungen. In denjenigen Geschäften, welche ihren
Arbeitern Geldlohn geben, beträgt die Mittagspause 1 Stunde, die
Frühstücks- und Vesperpause je !/ 2 Stunde; wenn die Arbeiter in Kost
stehen, sind diese Pausen nur halb so lang. Während die Arbeit im
Winter oft zeitig aufhört, wird im Sommer nicht selten bis 9 oder
10 Uhr abends durchgearbeitet, namentlich wenn einige Tage hintersinander
 die Hitze auftritt, wodurch namentlich der im Sommer besonders
 starke Weissbierkonsum ausserordentlich gesteigert wird. In
Zeiten günstiger Geschäftslage pflegt überhaupt der Bierverleger hohe
Anforderungen an seine Leute in Bezug auf Leistungsfähigkeit und
Ausdauer zu stellen und würde etwaigen Forderungen der Arbeiter
gegenüber in dieser Hinsicht sehr wenig zugänglich sein. Die stereotype
Antwort, namentlich bei älteren Bierverlegern, würde IJauten: „Wir
haben in unserer Jugend noch viel schwerer arbeiten müssen“. Es
ist dies keine Phrase, sondern entspricht wohl der Wahrheit, es soll
früher, bis in den Anfang der achtziger Jahre hinein, im Bierverlag
vom frühen Morgen bis zum späten Abend gearbeitet worden sein,
wobei noch zu bedenken ist, dass die Arbeit damals viel schwerer
war. Denn während heute mit Glasflaschen gearbeitet wird, deren
Patentverschlüsse mit einem einzigen Fingerdruck zum Anliegen an die
Flasche, d. h. zum Verschluss zu bringen sind, hatte man früher
ziemlich unförmige Thonkruken, welche mit Korken verschlossen
werden mussten. Diese Manipulation geschah dadurch. dass die Korke