Berliner Weissbierbrauereien konstatierte, dass ’/s derjenigen Bierverleger,
 welche von der betreffenden Brauerei Weissbier entnehmen,
stark verschuldet wären. Um welche Summen es sich bei der
Kreditinanspruchnahme handelt, zeigt die Thatsache, dass die 18
Berliner Brauerei-Aktiengesellschaften laut Bilanz vom 1. Oktober
1899 nicht weniger als 8 456 000 Mark Forderungen an ihre Kunden
hatten, d. h. im Durchschnitt 469 000 Mark, eine Summe, an der
allerdings nicht nur die Bierverleger beteiligt sind, sondern die sich
vor allem auf die Gastwirte, Restaurateure und Ausschanklokale bezieht
 (unter den 18 in Betracht gezogenen Brauereien sind 14 für
bayerisches Bier); doch würde eine Statistik der Berliner Weissbierhrauereien
 in Bezug auf die Bierverleger wohl verhältnismässig ähnliche
 Resultate ergeben! Nichts ist bezeichnender für die Anschauung
 von der Kreditpflicht der Brauereien als eine kurze
Annonce, die sich in No. 6 des „Bierverleger“, Jahrgang 1900,
Äindet: „Bierverleger, dem seine Brauerei nicht genügend. entgegenkommt,
 wünscht sich mit einer anderen leistungsfähigen in Verbindung
 zu setzen.“

Der Versuch einer Genossenschafts-Brauerei.

Die in den vorher gehenden Betrachtungen gekennzeichneten
traurigen Verhältnisse im Bierverlaggeschäft waren es, welche gegen
Ende der achtziger Jahre in einer Anzahl von Bıerverlegern den
Plan entstehen liessen, durch Gründung einer Genossenschaftsbrauerei
 dem anscheinend unaufhaltsamen Rückgang des Geschäfts
antgegenzutreten. Man hatte schon vorher von Seiten des Vereins
der Berliner Bierverleger und in der Oeffentlichkeit versucht, gegen
den Flaschenbiervertrieb der Brauereien durch die Boykottierung derselben
 Stellung zunehmen; aberdie Versuche dieserArt waren kläglich gescheitert.
 Einesteils war der Ring derjenigen Brauereien, welche ihr Bierin
Flaschen abseizten, zu stark, anderenteils stand die tonangebende
liberale Presse ebenso wie die öftentliche Meinung den Versuchen
der Bierverleger entweder teilnahmslos oder direkt gegnerisch gegenüber.
 Die Bierverleger sahen ein, dass das Gebiet des Flaschenbierhandels
 mit bayrischem Bier ihnen in absehbarer Zeit ganz verloren