Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 537 Mehr— sie gehören selbst wieder in den Kreis der gewöhnlichen Erscheinungen, sie bilden einen wichtigen und nothwendigen Theil eben dieses völlig naturgemässen Verhältnisses in seinen regelmässigen Phasen. Und wie gering ist gewöhnlich die Einwirkung auch der äussersten Schwankungen auf die Mittel-, die Normalzahl, auf das Ganze ! Beobachtungen, welche sich auf die lange Zeit von 115 Jahren aus dehnen, haben dargethan, dass im Saonegebiet durchschnittlich an 125 Tagen im Jahre Regen ftlllt. Die Abweichungen betragen in diesem (hierin allerdings besonders beständigen) Clima — nicht mehr als fünf Tage, indem an den äussersten Grenzen einerseits 12u, anderseits 130 Regentage erscheinen. )Iag die Differenz anderwärts allerdings grösser sein, — so bedeutend wie man ohne feste Beobachtung zu glauben pflegt, ist sie nirgends. Die mittlere Barometerhöhe stellt sich zu Paris, nach vielen Jahren berechnet, auf 756 Millimeter. Und welches ist der Unterschied in den einzelnen, scheinbar so sehr von einander abweichenden Jahren? Noch nicht einmal drei Millimeter. Die grossen Schwankungen an den ein zelnen Tagen reichen in ihren Wirkungen auf das Ganze nicht weiter, denn sie werden immer gröstentheils sofort wieder ausgeglichen. Aehnlich wie in der physischen Welt ist das Verhältniss auf den Gebieten der rein menschlichen, der socialen, ja selbst der mo ralischen Zustände. Auch hier findet sich überall Regelmässigkeit, Harmonie, Periodicität. Auch hier ist es die Aufgabe der Statistik, erst die Thatsachen festzustellen, dann, vermittelst der erlangten Ergebnisse, die betr. Gesetze zu erforschen. So lange die socialen Grundlagen keine wesentliche Aenderung er fahren , ergibt sich in jeder nur irgend ausgedehnteren Periode durch schnittlich die gleiche Zahl von Heirathen, Geburten und Todesfällen. Das Verhältniss ist aber ein noch stabileres in andern Beziehungen, in denen man es noch weniger erwartet. So hat der franz. Statistiker Valentin-Smith durch eine in der Gemeinde Chalamont vorgenommene, über einen Zeitraum von 40 Jahren ausgedehnte Berechnung gefunden, dass von den neu vermählten Frauen im ersten Jahre nach der Heirath regelmässig ein Siebentel Mütter wurden, im Laufe des ersten und zwei ten Jahres zusammen ein Drittel, und dass dagegen der dreissigste Theil nach fünf Jahren zum erstenmal niederkam. Noch merkwürdiger ist das Streben der Natur, einzelne Ueberschrei- tungen der gewöhnlichen Norm wieder auszugleichen, und das, was wir etwa (in Ermangelung genauer Kenntniss aller Verhältnisse) »Störungen« nennen möchten, zu verwischen. Im Jahre 1832 herrschte in Frankreich eine ungewöhnliche Sterb lichkeit ; die Cholera richtete starke Verheerungen an ; die Zahl der To desfälle betrug 033,733, d. h. 63,600 mehr als nach dem Durch- schnittsverhältniss. Aber im nächsten Jahre sank die Zahl der Sterbfälle auf 812.548 herab, d. i. 57,600 weniger als die Normalzahl, so dass sich der Ausfall sofort wieder nahezu ausglich. — Das Jahr 1847 brachte grosse Theuerung bei 302 Todesfällen wurde gerichtlich erwiesen, dass sie unmittelbar durch Verhungern oder Erfrieren veranlasst waren) ; es ergaben sich um 3 Procent mehr Sterbfälle als im Vorjahre. Im nächsten