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        <title>Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde</title>
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            <forname>Georg Friedrich</forname>
            <surname>Kolb</surname>
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      <div>ITALIEN. — Die römischen Staaten (Sociales). 
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Formationsstand der päpstlichen Truppen war Mitte 1863, einschliess 
lich Gendarmerie 8513 Mann, darunter: 
Infanterie: 1 Reg. Linie 1700, 1 Bataill. Jäger (cacciatori) 800, 1 Bataill. Zua- 
ven (Franzosen u. Belgier, 650, 1 Bat Carabinieri (Schweizer 650, 1 Bat. 
Garnisonstruppen 500, 1 Legion Gendarmerie 2500 Mann ; dazu Arbeiter, 
Krankenwärter etc. 
Cavallerie Gendarmen 250, 2 Escadr. Dragoner 300 Mann. 
Arttlle.ne: 1 Reg. mit 3 Feld- und 5 Positionsbatterien 850 Mann. 
Im J. 1859 war der Formationsstand 15,239 M. mit 1200 Pferden, 
Später vermehrte man die Truppenzahl bis auf ungefähr 25,000 (unter 
Lamoricière). Das 1 reffen von Castelfidardo gegen die Piemontesen ver 
nichtete das kleine Heer. — Feste Plätze- Civitavecchia, Castell 
Sant’ Angelo (Engelsburg zu Rom), Porto d’Anzio. 
Socialverhältnisse. Es gibt vier Stände : Geistlichkeit, Adel, Bürger 
und Bauern. Der erste Stand herrscht; in seinen Händen allein liegt 
alle Gewalt ; er leitet Alles, auch die Justiz und das Militärwesen. Im 
frühem Umfange des Kirchenstaats zählte man 66,100 Geistliche (1 auf 
45 Einwohner oder 9 Familien!), 109 Bisthümer, 117 Seminarien, 10,950 
Pfarreien und 19,000 Kirchen und Klöster. Der Werth des Grundbe 
sitzes der Geistlichkeit wird auf 195 Mill. Scudi (über eine Milliarde 
Franken) berechnet. Ausserdem besitzt der Adel enorme Reichthümer. 
Er führt zwar die Namen der alten Adelsfamilien, stammt aber grössten- 
theils keineswegs von jenen berühmten Geschlechtern ab*, sondern 
verdankt seinen Ursprung oder seine Erhebung vielfach dem hohen Kle 
rus. Gewerbe und Handel liegen darnieder. Dabei fehlt es an Eisen 
bahnen, überhaupt an genügenden Verkehrsmitteln. Gleiches Loos des 
Darniederliegens trifft den Ackerbau. Die Latifundien, die Feudal 
einrichtungen, sind sein Verderben ; die Landleute entbehren des freien 
Eigenthums der von ihnen zu bearbeitenden Grundstücke. Guillard 
{statistique humaine) bemerkt: »L’agro Romano, dessen Ausdehnung 
2000 Quadr.-Kilometer (36 deutsche Q.-M.) übersteigt, ist das Eigen 
thum von 113 Familien und von 64 Congregationen. Es sind dies die 
grössten Besitzungen, die fürstlichsten Domänen, die es auf der Welt 
gibt. Die kleinsten Pachtungen umfassen wenigstens 300 Hectaren, viele 
bis zu 5000 (etwa 18,000 Morgen = fast eine deutsche Q.-M.). Der 
Pachtpreis ist zwischen 8 und 18 Fres, für die Hectare. In der Provinz 
Velletri bezeichnet man das Pachtgut von Campo-Morto, das einer 
Kirche gehört, und dessen Ausdehnung 85 Q.-Kilom. umfasst. Noch 
heute bildet es ein gesetzliches Asyl für die Verbrecher! Latifundia 
Italiam perdiderunt, sagte Plinius. Dieser Missstand ist also erneuert. 
Man-misst dem Nepotismus der Päpste diese Erneuerung bei. — Das 
gesammte Volk wird in möglichster Unwissenheit gehalten, besitzt aber 
weit mehr Fähigkeiten und Kraft, als man gewöhnlich annimmt. Raub 
und andere Verbrechen kommen, in Folge der schlechten Erziehung und 
der ganzen Unnatur der Verhältnisse, in ungeheuerer Menge vor. Nach 
den amtlichen Verzeichnissen betrug die Zahl der Criminalsträflinge in 
den Gefängnissen des Kirchenstaats am 30. Juni 1855 4133, darunter 
608 wegen Mord und Tödtung 12 wegen Gattenmord 
25 - Elternmord 11 - Sodomie.</div>
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