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        <title>Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde</title>
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            <forname>Georg Friedrich</forname>
            <surname>Kolb</surname>
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            <idno>826042163</idno>
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        Handbucli 
der 
vergleiclieiidcn Statistik 
— der Völkerzustands- und Staatenkunde. — 
Für den allgemeinen praktischen Gebrauch 
von 
(i. Fr. Kolb, 
Ehrenmitgli.d de. Uaivmittljr.thi tu CM^ow, d. Z. HilzU.d der bayen.chen 
Abgeordnetenkunmer. 
i I 
Sani douU^ la Statiitique s'occupe de chifrei; 
le chiffre en eat l'élément principal ; mais il n'en est 
pas l'élément unique. La Statistique est aus#i la 
tcûnce raisonnée de faits. 
Compte rendu des travaux du 1. congrès 
général de Statistique. 
Man sagt oft: Zahlen regieren dis Welt. Das 
aber ist gewiss, Zahlen zeigen, wie sie regiert wird. 
Goethe. 
Vi 
tetk luu^i’atfvilé’le c 
Leipzig, 
Verlag von Arthur Felix. 
1865. 
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        Vorwort zur ersten Auflage. * 
n 1 Statistik wurde unmittelbar durch das praktische 
r* ^ i 8 s, nicht durch Theorien der Gelehrten ins Leben ge- 
bestand bereits und machte sich geltend, lange bevor 
der theoretischen Wissenschaft, die sich mit ihr be- 
schaiti^rten auch nur emigermassen einen passenden Kähmen für 
sie finden konnten Ja heute noch sind Begriff, Bedeutung, Um- 
fes%6!^el^^ ^Uttel dieser Wissenschaft keineswegs endgültig 
‘*^l*r6iid man aber in der Theorie über alle diese Punkte un- 
ausgesetzt streitet, und eine Verständigung unter den blossen Theo- 
T 1 ^ Ferne gerückt scheint, — bedarf that- 
sachlich jeder gebildete Mann statistischer Kenntnisse, — jedem 
\ers ' iK igen Geschäftsmanne, ja überhau^it jedem denkenden und 
nr lei enden /eitungsleser sind sie unentbehrlich geworden. 
n folge des längst sich geltend machenden Bedürfnisses fin- 
&lt; en &gt;Mi seit nun beinahe einem halben Jahrhunderte, in alle Lehr- 
sdialtet ^‘^íçraphie eine Anzahl statistischer Notizen einge-’ 
P Uidessen können solche blosse Beigaben zu M erken über 
eschreibung also über einen ganz anderen Gegenstand 
immer ^eiliger genügen. Da erschienen einige allgemeine sta- 
is isx le Merke, zum Jheil an sich sehr verdienstvoller Art. Indem 
sie a »er in der Kegel nur ein Meer von Ziffern und Zahlen gaben, 
um ( ennoch nicht selten gerade diejenigen Dinge nicht enthielten, 
^ pniktische Leben am nächsten berühren, konnten sie 
V( r 1,1 tnissmässig nur AVenigen dienen, wie sie denn auch nur 
einen sehr beschränkten Leserkreis fanden. • 
AT ^ Erfasser des gegenwärtigen Werkes versucht es, ein 
am mch der Statistik fü r den allgemeinen praktischen G e- 
r.iuc 1 herzustellen. Es ist der erste Versuch dieser Art, und 
demgemäss zu beurtheilen. 
llienach schon ist jede weitläufige Erörterung über die 
. der Statistik ausgeschlossen. Es ist hier der Ort nicht, 
&lt;?in neues theoretisches System dieser "Wissenschaft aufzustellen 
Um umständlich zu entwickeln. Der Verfasser beschränkt sich 
t-ss lall) darauf, seine Grundansicht über die Statistik in wenigen 
Tatzen auszusprechen.
        <pb n="8" />
        IV 
Vorwort zur ersten Auflage. 
Die Statistik soll eine Darstellung der Staaten sein, ihrer 
Zustände und Kräfte , und der gesellschaftlichen socialen) Ver 
hältnisse in diesen Staaten. Sie wendet vorzugsweise Ziffern 
an, doch ist es keineswegs ihre Aufgabe, blos Berge von Ziffern 
aufzuhäufen. Sie bedient sich vielmehr der Zahlen, wo es thunlich 
ist, als des klarsten und bestimmtesten Bezeichnungsmit 
tels. Allein auch die Zahlenangahcn bedürfen vielfach der Er 
läuterung und Erklärung; zudem ergibt sich deren wahrer 
Werth meistens erst aus Vergleichungen. So wird die Statistik 
zu einer vergleichenden und heurtheil enden Darstellung 
der wichtigsten Momente des Staats- und Völkerlebens. Die Sta 
tistik, welche sonach zuerst die in ihr Ciebiet gehörenden That- 
s ach eil festzustcllen, dann deren Veranlassungen zu ermit 
teln hat, erstrebt endlich als Wissenschaft die höchste ihrer Auf 
gaben, wenn sie die Gesetze erforscht, als deren Ergebnisse die 
vorhandenen Gestaltungen erscheinen. 
Es mag genügen, diesen allgemeinen Andeutungen einige 
specielle Bemerkungen, blos aphoristisch, beizufügen. 
Viele ausgezeichnete Statistiker Frankreichs wollen aus dieser 
Wissenschaft Alles ausschliessen, was sich nicht in Zahlen aus- 
drücken lässt. Uns ist aber die Ziffer nur Mittel zum Zwecke, — 
zwar das in den meisten Fällen beste, weil klarste und bestimm 
teste, doch nicht einmal das alleinige Mittel, um so weniger, weil 
dasselbe öfters nicht anwendbar oder nicht ausreichend ist. Das 
Mittel der Darstellung — die Methode — darf cs aber niemals 
sein, wodurch die Grenze der Wissenschaft principicll 
bestimmt wird. 
Dabei ist die blose Aufstellung und Summirung der Ziffern — 
wie sie sich darnach logisch beinahe als Selbstzweck ergäbe, etwas 
an sich Unfruchtbares und meistens völlig Unnützes, weil die todte 
Ziffer für sich allein keinen genügenden Begriff gewährt.*' Ge 
rade die bewusste oder unbewusste Huldigung vor dem blosen 
Ziffern- und Tabellensysteme hat — wie es nicht anders sein 
konnte — vor der Statistik selbst zurück ge schreckt, vor die 
ser Wissenschaft, welche in so vielfachen Beziehungen des Lebens 
aufzuklären und wesentlich zu nützen vermag. — Unserer Ansicht 
nach gewinnt die Statistik Werth und Bedeutung erst dann, wenn 
sie die Verhältnisse und Zustände vergleichend, prüfen d 
*) Wenn man die Statistik vollständig auf dasjenige beschränkt, was sich 
in Zahlen ausdrücken lässt, dann, aber auch nur dann, ist der Vorwurf begrün 
det: »die Statistik führt irre« ; denn alsdann wird den Zahlen, welche innerlich 
sehr verschiedene Werthe bezeichnen , sofern sie nur unter eine und dieselbe 
Rubrik gehören, die gleiche llddeutung beigelegt. Wir hoffen, unsere ganze 
Aufl'assungs- und Darstellungsweise werde keinen Leser zu dem Glauben ver 
leiten, dass 100,000 türkische Soldaten absolut den nemlichen Werth besässen, 
wie 100,000 französische; oder etwa, dass eine Vergrösserung Frankreichs um 
einige hundert Uuadratmeilen an seiner Ostgrenze in Europa nicht eine ganz 
andere Bedeutung hätte, als eine Erweiterung des algerischen Binnengebiets 
von solcher Ausdehnung. Eben darum darf die Statistik aber auch nicht auf 
den alleinigen Gebrauch der Ziffer beschränkt werden.
        <pb n="9" />
        Vorwort zur ersten Auflage. 
V 
be ur the il end darstellt und dabei auch die Ursachen und 
die W irkunp;en bezeichnet, — als Vorbedingungen jedes Erfor- 
schens der hier maassgebenden Gesetze. 
Man hat, besonders bei den Deutschen welcher Nation übri 
gens diese Wissenschaft, wie so mancher andere Uulturzw eig, die 
erste höhere Entwicklung verdankt), viel darüber gestritten, ob 
sich die Statistik mit dem Staate oder der bürgerlichen Gesellschaft, 
mit den politischen oder den socialen Verhältnissen — vorzugs- 
w'eise zu befassen habe Wir würden unbedingt sagen: mit der 
Gesellschaft, wenn der Staat überall das naturgemässeProdukt 
der gesellschaftlichen Bedürfnisse, — wenn nicht so vieles Unna 
türliche octroyirt, der Staat in manchen Dingen selbst der Gegen 
satz dessen wäre, was er nach unserer Ansicht sein sollte. Unter 
diesen thatslichlichen Verhältnissen sagen wir : die Statistik habe 
Staat und Gesellschaft zu umfassen. 
In Deutschland hat man theoretisch die Statistik meist auf den 
Augen bl ick der G egen wart zu beschränken gesucht. Sie soll 
»den als Jetztzeit fixirten Moment, «"die »stillstehende Geschichte,« 
die »ruhende Wirklichkeit,« oder »den Querdurchschnitt durch die 
geschichtliche Entwicklung des Lebens« darstellen. Es ist dies 
folge der irrigen Grundansicht, die Statistik eigentlich nur als 
»historische Missenschaft,« als eine Abtheilung der Geschichte 
zu betrachten. Bekannt sind besonders Schlözer’s Worte : »Ge 
schichte ist eine fortlaufende Statistik, und Statistik ist eine still 
stehende (beschichte.« in Folge der weiteren Enwickliing dieser 
Ajisicht könnte die Statistik eigentlich nichts Anderes sein, als ein 
ahgeschnittenes amputirtes) Glied der Geschichte. 
()b\\ol wir diese Iheorie eigentlich nirgends bekämpft finden, 
so hielt doch ein richtiges Ciefühl die nichtdeutschen Statistiker 
( urchgehends von einer ausdrücklichen Zustimmung ab. Der Un 
terschied zwischen (beschichte und Statistik scheint uns schon da 
nn scharf hervorzutreten , dass die (beschichte vorzugsweise eine 
J arstellung des jeweils Geschehenen, der Erdijmase, die Sta- 
tisti hingegen vorzugsweise , gerade nach jener Auffassung aber 
^&gt;gar au ssch 1 i esslich , eine Ilarstellung der '/juxt'dmle sein soll. 
iU( eni sahen sich Diejenigen, w eiche jene Ableitung der Statistik 
\on der (beschichte, und die absoluteste Beschränkung derselben 
ftu ( eil »stillstellen« sollenden »Moment der Gegenwart«' ausspra- 
c leii, doch zu den mannigfachsten Ueberschreituiigen ihrer selbst- 
gezogenen (irenze genöthigt. Eine solche » Eixirung des Momen- 
lag thatsächlich absolut ausser dem Bereiche 
( u : oghchkeit; geradezu überall musste man sich dazu lieque- 
men, aten aus ver sc hi e den en Zeitmomenten als Grundlagen 
zu lenutzen. Könnte man aber auch eine solche »ruhende, still- 
s eilende Wirklichkeit« finden, könnte man einen solchen »Quer- 
( urchschnitt durch die geschichtliche Entwicklung des Lebens« 
erstellen, so würde man nichts Anderes, als ein lebloses Bild, je 
nes amputirte Glied, oder ein geisttödtendes Ziffernmeer erhalten. 
Das ganze staatliche und gesellschaftliche Verhältniss lässt sich
        <pb n="10" />
        VI 
Vorwort zur ersten Auflage. 
überliau])t nur bej&lt;rreifen und würdigen, wenn man dessen Vergan 
genheit, dessen Entwicklung aus dieser Vergangenheit, mit be 
trachtet ; es ist dies um so notliwendiger, als viele Erscheinungen 
der Gegenwart und seihst der Zukunft dadurch bedingt sind. Ins 
besondere würde die Kenntniss der jetzigen statistischen Verhält 
nisse eine vollkommen ungenügende, beinahe in jeder Beziehung 
unzureichende sein, wenn man einer Kenntniss der früheren Zu 
stände, zumal bis zum Beginne der ersten franz. Revolution zurück, 
entbehrte. Weitaus die meisten Staaten haben ihre jetzige innere 
und äussere Gestaltung in Folge jener Revolution erlangt. Wer 
irgend die Verhältnisse näher betrachtet, wird es nicht als gleich 
gültig ansehen, aus welchen Bestandtheilen ein Staat gebildet 
ist. Regierungen und Regierte kennen den Unterschied zwischen 
alten oder neu erworbenen Provinzen. Aehnliche Unterschiede 
ergehen sich in den socialen Fragen, die nicht hlos in einem ein 
zelnen ihrer Momente, sondern möglichst in der Gesammtheit ihrer 
Entwicklungsphasen erfasst werden müssen. So nehmen wir denn 
für die Wissenschaft der Statistik das Recht in Ans])nich , sich 
nicht ausschliesslich auf die Gegenwart zu beschränken , sondern 
sich auch über vergangene Verhältnisse und Zustände zu ver 
breiten. 
Man hat häufig hervorgehohen, dass die Statistik nach zwei 
Seiten hin in naher Beziehung stehe: ncmlich zur Geschichte 
und zur Politik. Fast unbegreiflich ist es uns aber, dass man die 
in mannichfacher Hinsicht noch viel nähere Beziehung der Sta 
tistik zu einer anderen AVissensciiaft, zur Nationalökonomie, 
gerade in theoretischen AVerkeu über Statistik, mitunter ganz und 
gar übersehen konnte. Und doch ist es einleuchtend, dass die 
Volkswirthschaftslehre (Nationalökonomie) eine allseitige feste Be 
gründung erst zu erlangen vermag vermittelst der durch die Sta 
tistik festzustellenden Thatsachen. Je mehr nun aber die \ olks- 
wirthschaftslehre zur gehülirenden Anerkennung gelangt , um so 
mehr tritt naturgemäss auch die hohe Wiclitigkeit der Statistik 
hervor. So dient diese letzte nicht nur zur Bezeichnung und AVür- 
digung von Gegenwart und Vergangenheit, sondern auch 
zur Belehrung und Warnung für die Z u k unft. 
hür unseren Zweck dürften diese Andeutungen über die 
1 h e or ie genügen. Wir haben nur noch einige wenige M orte über 
die thatsächliche Behandlung des Gegenstandes heizufugen. Die 
Schwierigkeit der Bearbeitung eines M erkes wie das vorliegende 
findet sich nicht im Mangel, sondern vielmehr in der Ueher fülle 
des Materials. Es verursachte weit mehr Mühe, die Schrift auf ihren 
gegenwärtigen Umfang zu beschränken, als uöthig gewesen 
wäre, eine vier- oder sechsmal grössere Bogenzahl anzufüllen. Will 
man nicht ein für den allgemeinen praktischen Gebrauch 
bestimmtes derartiges Buch von vornherein unpraktisch ma 
chen, so darf dasselbe nicht zu sehr ausgedehnt werden. Man muss 
sich auf das thatsächlich allgemein Mächtigste beschränken. M ill 
man daher nicht das Wesen der Sache einer blosen F o rm zum
        <pb n="11" />
        Vorwort zur ersten Auflage. 
VII 
Opfer bringen, so darf weitaus nicht Alles aufgenommen werden, 
was bei strenger Systematisirung auch noch hätte abgedruckt wer 
den können. Darnach wird es gerechtfertigt sein, wenn bei den 
mittleren und den kleinen Staaten und Stätchen nicht alle Rubriken 
ebenso durcligeführt wurden, wie bei den Grossmächten. England, 
Frankreich u. s. f. haben im Völker- und Staatenleben eine andere 
Bedeutung, als Reuss-Greiz-Schleiz-Lobenstein und Vadutz-Liech- 
tenstein. Aber auch rein wissenschaftlich, behufs Erforschung 
höherer Gesetze, sind die Resultate von sehr verschiedenem Werthe, 
je nachdem sich dieselben auf die Beobachtungen bei vielen Millio 
nen, oder nur auf solche bei ein Paar Tausend Menschen gründen. 
Endlich besitzen wir aus einigen der grösseren Staaten ein so all 
seitig reiches statistisches Material, wie es aus anderen Ländern 
nur ausnahmsweise zu hiiden ist. 
Iin Uebrigen ist unser Material durchgehends in nachbemerk 
ter Reihenfolge verarbeitet, worauf w ir, zur Erleichterung des 
Nachschlagcus, besonders aufmerksam machen : 
I. and und Leute im Allgemeinen, — Bestandtheile, 
Grösse, Bevölkerung der Staaten; Bodenbeschaffenheit; 
Bevölkerungsbewegung (Geburten, Sterbfälle, Ileirathen; 
auch Auswanderungen etc.) ; Familien (Haushaltungen) ; 
Nationalitäten; Confessionen ; wichtigste Städte ; Gebiets 
veränderungen seit der ersten französischen Revolution. 
II. b inanzen, — laufender Staatshaushalt Haupteinnahmen 
und Ausgaben) ; Finanzverhältnisse in früherer Zeit; 
Schuldenstand und dessen Ursache und Vergrösserung. 
III. Militär, — Landmacht (Bildung und Stärke des stehen 
den Heeres, Miliz, Festungen, geschichtliche Notizen); 
Marine. 
IV. Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse, — 
im Allgemeinen und im Besonderen ; Grundlage der dess- 
fallsigen Gesetzgebung ; Volksbildung ; Bodenanbau ; Aus 
dehnung der Hauptindustriezweige und des Handelsver 
kehrs, Rhederei, Eisenbahnen, Rost, Telegraphie ; Münze 
und Maasse. 
^ Auswärtige Besitzungen der Seemächte. 
Möge dieses Buch beitragen zur Verbreitung praktisch nütz 
licher Kenntnisse ! 
Zürich, den 1. October 1856.
        <pb n="12" />
        Zur vierten Auflage. 
Seit dem Erscheinen der ersten Auflage dieses Werkes (Ende 
1856) ist noch nicht ein Jahrzehnt verflossen. End doch sind wäh 
rend dieses Zeitraums in den Verhältnissen der Staaten mehr und 
tiefer greifende Veränderungen vor gegangen , als in den auf die 
grossen Kriege zunächst gefolgten vierzig Jahren (von 1815—55) 
zusammengenommen. 
Vor Allem hat sich in Europa die Zahl der Kleinstaaten ver 
mindert: in Deutschland zwar gelangte nur das llerzogthum An 
halt zu einer Vereinigung; auf der Alpenhalbinsel dagegen sind 
die Sonderstaaten, mit Ausnahme eines Theiles der früheren päpst 
lichen Gebiete, sämmtlich verschwunden; Italien ist nicht mehr 
ein blosser »geographischer Uegrift«. Das neugeschaffene König 
reich nimmt der Volkszahl nach sogar die fünfte Stelle unter 
den europäischen Staaten ein, Preussen in dieser Heziehung 
übertreffend. Sodann haben die Ionischen Inseln ihre Vereinigung 
mit Griechenland vollzogen, und die IMoldau und Walachei sind zu 
einem verbundenen, wenn auch nicht ganz souveränen Gemeinwesen 
geworden. Mittlerweile hat sich in Australien gleichsam eine neue 
Colonialwelt auf dem Principe factischer Autonomie entwickelt, 
und in Nordamerika stehen die verschiedenen britischen Besitzun 
gen in Verhandlung, um unter Zustimmung des Mutterlandes 
eine neue Union zu bilden. 
Doch Europa sah während des letzten Jahrzehnts noch weitere 
Veränderungen als die vorhin erwähnten : das gewaltige Russ 
land musste auf sein, die wichtigste Donaumündung beherrschen 
des Gebiet in Pessarabien verzichten; Oesterreich verlor die reiche 
IvOmbardei ; Sardinien trat Savoyen und Nizza an Frankreich ab, 
und Dänemark büsste den Versuch, die nordalbingischeu Herzog- 
thümer oder wenigstens Schleswig vollständig zu incorporiren, mit 
dem völligen Verluste dieser Ivaude. 
Noch ungleich wichtiger aber als selbst diese ansehnlichen 
Gebietsveränderungen erscheinen einige Umgestaltungen in den 
socialen Verhältnissen. Die Vernichtung des Instituts der Skla 
verei in Nordamerika (die Frucht eines Krieges wie die Welt 
noch keinen gleichen sah) und die Pefreiung der Dauern in Russ 
land (in ruhiger Entwicklung, wie die Geschichte ebenfalls noch 
kein Reispiel kennt), — sind Ereignisse von bleibender welthisto-
        <pb n="13" />
        Vorwort zur vierten Auflage. 
IX 
rischer liedeutung. Es genügt sie zu nennen, um ihre Wichtigkeit 
zu bezeichnen. Die Wirkungen davon sind zur Zeit noch unhe- 
rechenhar. 
Im K riegs wesen zu Lande wie zur See haben die gezogenen 
Feuerwaffen in der jüngsten Zeit eine gewaltige Aenderung her- 
vorgehracht. Eine vollständige Umwandlung ist aber bei der 
Kriegs-Marine eingetreten. Dieser Zweig des Militärwesens be 
findet sich so sehr in einem Zustand der ^Ietamor])hose, dass die 
ganze frühere Einrichtung ihre M ichtigkeit gleichsam vollständig 
verloren hat. Neue Arten von Kriegsfahrzeugen sind an die 
Stelle der älteren getreten; eine dieser Arten verdrängt die andere, 
und noch lässt sich nicht bestimmen, welche derselben auch nur 
für die nächste Zeit eine allgemeine Anerkennung erlangen wird. 
So ist es denn für uns heute geradezu unmöglich, den praktischen 
M erth, den die Kriegsmarine der verschiedenen Länder besitzt, in 
gegenseitigem Vergleiche auch nur annähernd zu bestimmen. Es 
ist unmöglich, sowol wegen der hei fortwährender I mhildung 
stets wechselnden Zahlenangahen, als wegen der Ungewissheit über 
die wirkliche T.eistungsfähigkeit der verschiedenen Arten von 
Schiffen. Noch vor einigen Monaten galt das mit ungeheuerem 
Kostenaufwand eben erst erbaute engl. Panzerschiff »the Wan-ior« 
als das erste Kriegsfahrzeug der Welt, und heute ist es bereits für 
völlig unbrauchbar erklärt ! Voraussichtlich werden noch gar viele 
Schiffsarten ein ähnliches Schicksal haben. 
Die gewaltigste Umwälzung in der Neuzeit ist jedoch nach 
unserer Ansicht durch die ungeheuere Vermehrung der Edelme 
talle angehahnt, — zum Thcil (aberwolweitaus nur zum klein 
sten Theile), bereits verwirklicht. Eine ganze Reihe der wichtig 
sten Erscheinungen auf den verschiedensten socialen (Gebieten, — 
Erscheinungen und Erschütterungen im guten wie im schlimmen 
Sinne, bei denen man es oft gar nicht ahnet, — hat in den califomi- 
schen und australischen fiiddfunden ihren letzten (inind. Ein all 
gemeines Steigen der Preise, die nothwendige Folge eines Sinkens 
des Geldwerthes, ist bereits eingetreten. Man wollte anfangs die 
1 hatsache läugnen , weil'man den (iang der Entwickelung nicht 
begriff. Die Ergebnisse unbefangener Vergleichungen lassen in- 
dess über dieses Steigen der Preise keinen Zweifel bestehen, die 
Nothwendigkeit einer Erhöhung von Hesoldungen und Löhnen war 
eine der nächsten Folgen ^vgl. Seite 471 fg.). Das Ende der mit diesem 
Sinken des Geldwerthes begonnenen Umwälzung entzieht sich eben 
falls heute noch jeder Rerechnung. Sehr natürlich wird es an Fluc- 
tuationen in den Preisverhältnissen, und auch an momentanen, 
seihst enormen Rückschlägen, nicht fehlen. Im (ianzen aber wird 
man in grösseren Perioden ein immer weiter gehendes Steigen der 
l’reise wahrnehmen. So ist es /.. R. mehrfach dahin gekommen, dass 
die früher bewilligten Resoldungs- und Lohnerhöhungen schonjetzt 
als nicht mehr ausreichend erkannt werden. Immer deutlicher wird 
es sich ergel)en, dass, was in der einen Periode Mittelpreis war, in 
der nächsten als niedriger Satz erscheint und dass die früheren
        <pb n="14" />
        X 
Vorwort zur vierten Auflage. 
Theuerun^spreise nun nur noch die Stelle von Mittelpreisen ein 
nehmen. (Vgl. Anmerkg. S. 95, 96. 
Das Sinken des Geldwerthes tritt nicht in der Weise hervor, 
wie man sich früher dachte. Es äussert sich vielmehr in folgender 
Art: Durch die Goldfunde werden zunächst in engen Kreisen 
manche Menschen, welche bis dahin auf die kärglichste Lebens 
weise beschränkt waren, wenn auch oft nur momentan, in den Fall 
gesetzt, sich Lehensannehmlichkeiten (in Kost, Kleidung, Woh 
nung, Luxusgegenständen) zu verschaffen, die sie sich früher ver 
sagen mussten. 1 )amit steigt die Nachfrage nach solchen Ge 
genständen; es steigert sich ihr Freis. Die Froducenten , Fabri 
kanten u. s. f. erlangen grosseren und einträglicheren Absatz ihrer 
Erzeugnisse, und sehen sich dadurch befähigt, auch ihre ])ersönli- 
chen Hedürfnisse zu vergrössern. Nicht selten artet dies in den 
schrankenlosesten Luxus und die tollste Leppigkeit aus. Die aus 
gedehntere Nachfrage nach Waaren bedingt eine A ermehrung der 
Arbeiterzahl. Während diese Arbeiter früher oftmals vergeblich 
nach Feschäftigung suchten, fehlt es nun an Händen. Die Bewe 
gung dehnt sich über immer grössere Kreise aus. Der günstige 
Erfolg vieler Unternehmungen muntert auf, deren neue zu versu 
chen. Es entsteht ein vielfach höchst nützlicher Beiz, der aber in 
zahllosen Fällen hinwieder auch zu einem U e h e r r e i z e wird. 1 )a- 
her allgemeiner Aufschwung der Industrie und des Handels , Ent 
stehen neuer Unternehmungen von früher nicht geahneter,, zum 
Theil wahrhaft colossaler Ausdehnung; —daher aber auch Beginn 
zahlloser Schwindeleien, ohne Früfung und Vorsicht, und , daran 
sich anknüpfend, Krisen und Bückschläge der schwersten Art. — 
Die Schwankungen, die Fluctuationen, werden grösser und hefti 
ger als je zuvor. Sie finden ihren Ausdmck u. a. an den Börsen 
plätzen in dem enormen Steigen und Wiederzurücksinken desDis- 
conto. Mau vergleiche dessen rasche und starke Aenderungcn in der 
Neuzeit mit der früheren relativen Stabilität. 
Die neue (Gestaltung wirkt sofort hinüber auch auf ganz an 
dere (Gebiete. Die schon früher begonnene Umwandlung der Hand 
werk sthätigkcit in den Fahrikhetrieh vollzieht sich desto rascher. 
Aber auch die gewöhnlichen Heziehungen im Leben erhalten an 
dere Formen; fast alle Transactionen treten aus den früheren ein 
fachen bürgerlichen Verhältnissen heraus und nehmen den m e r- 
kantilen Charakter an. Die II andelsgesetzgehung erlangt, dem ge 
wöhnlichen (üvilcodex gegenüber, eine unendlich erhöhteBedeutung. 
Es würde hier zu weit führen, den (Gegenstand ausführlich zu 
erörtern; vorstehende Andeutungen mögen an dieser Stelle genügen. 
In Folge der angedeuteten Verhältnisse konnte es nicht 
fehlen, dass der Handelsverkehr so ziemlich in allen Ländern eine 
vordem nicht geahnte Ausdehnung erlangte. Oh wir nach absolu 
tistisch oder republikanisch oder constitutionell regierten Staaten 
schauen; oh wir nach Frankreieh, der Schweiz, oder England 
blicken, — überall gewahren wir eine gewaltige Zunahme des in 
ternationalen Verkehrs. Bei dieser Gestaltung ist es schwerlich ge-
        <pb n="15" />
        Vorwort zur nerten Auflage. 
XI 
rechtfertigt, wenn ein oder das andere Gouvernement das Verdienst 
des Verkehrsanfschwunges wesentlich seinem Kegierungssysteme 
heimessen will. Hier wirken vor Allem ganz andere , den ]\Iacht- 
einflüssen auch des gewaltigsten Selbstlierrschers völlig entrückte 
Facturen. 
Weit mehr als die politische Regierungsform, kommt in dieser 
Beziehung das herrschende Handelssystem der einzelnen \ erkehrs- 
gehiete in Betracht. Es ist zwar bezeichnend, dass selbst die hem 
mende Schutzzolleinrichtung den Aufschwung des Verkehrs nur 
aufzuhalten und zu beschränken, nicht aber zu verhindern ver 
mag, wie u. a. das Beis])iel S])aniens beweist. Aber auch diese 
hemmende Fessel ist auf die Dauer unhaltbar geworden. Wir se 
hen die eigentliche Frohihitivform schon jetzt überall fallen ; auch 
das Gebiet der Schutzzölle verengert sich immer mehr. Alle Ver 
hältnisse der neuzeitlichen Entwicklung fordern gebieterisch den 
Freihandel, wie dieser hinwieder seine mächtige Rückwirkung 
überall äussyt. Die Fortschritte, welche in dieser Beziehung und 
gerade ebenso diejenigen, welche auf dem Gebiete der Gewerbe 
freiheit während des letzten .lahrzehnts erlangt wurden, gehören 
ohne Zweifel zu den folgenreichsten und grossartigsten Aenderun- 
gen in unsern socialen Verhältnissen. 
W enn wir oben bemerkten, dass die Zunahme des Handels 
nicht von den Regierungen als ih r Verdienst beansprucht werden 
könne, so gilt das Gleiclie von der Zunahme der öffentlichen Ein 
künfte, besonders dem steigenden Ertrage der indirecten Auflagen. 
Zudem erscheint als ( Korrelat dazu ein Wachsen der Bedürfnisse, 
der Ausgaben des Staates. In den Staatsfinanzen gewahren wir 
eine ähnliche Gestaltung wie in der Industrie : der an sich wohlthä- 
tige Reiz artet nicht selten in einen Eeberrciz aus. Es wiederholt 
sich die Erscheinung, welche alsbald n:ich der Entdeckung Ame 
rikas wahrgenomnien werden konnte: trotz der Einkünftevemieh- 
rung reichen die Mittel vielfach nicht mehr hin zur Bestreitung 
der wachsenden Bedürfnisse. Wenn Jemand vor dem .1. 1S49, also 
vor der Zeit des Beginnes der kalifornischen Goldfunde, voraus 
gesagt hätte, dass die regelmässigen Einkünfte von Italien, Oester 
reich, Russland, Spanien und Frankreich bis zur jetzigen Höhe 
em])orgebracht werden könnten, so hätte schwerlich Jemand ge- 
zweifelt, dass in diesem Falle alle finanziellen Verlegenheiten der 
genannten Staaten überwunden sein würden, und dass sich die be- 
zeichneten Gemeinwesen in der blühendsten Finanzlage befinden 
mussten. Statt deren begegnen wir in den genannten Ländern 
durchgehends kaum andern Rechnungsabschlüssen als solchen — 
mit colossaleni Deficit. 
hast überall haben sich die Staatsschulden — nach den 
früheren Begriffen ins Fabelhafte — vermehrt. Und voraussichtlich 
stehen wir auch in dieser Beziehung noch nicht am Ende. Wenu 
der vielfach verdiente von Reden unmittelbar vor dem Krimkriege 
den Nachweis zu führen suchte, dass der französische Staat 
wegen seiner finanziellen Zerrüttung (bei der Unmöglichkeit, zwei-
        <pb n="16" />
        XII 
Vorwort zur vierten Auflage. 
oder gar dreihundert Millionen Franken durch neue Anlehen 
aufbringen zu können — völlig ausser Stand sei, irgend einen Feld 
zug zu unternehmen, — so wäre diese Ansicht hei einer Fortdauer 
der früheren Verhältnisse, wenn auch wol etwas ühertriehen, doch 
gewiss nicht so unbedingt unrichtig gewesen, wie sie sich alshald 
erwies, als dem französischen Kaiser auf seine Anlehensausschrei- 
hnngen Milliarden zuströmten. Was eine kaum hegreitliche Schnel 
ligkeit im Anhäufen neuer Schulden hetrifft, so haben die ohenge- 
nannten Staaten Frankreich, Spanien, Oesterreich, Russland und 
Italien gewiss Ausserordentliches geleistet ; sie sind aher doch noch 
ühertroffen worden, nnd zwar durch einen Freistaat, — durch die 
allerdings gewaltige und unherechenhare Reichthümer in sich 
schliessende Union in der neuen Welt. — Eine vollständige Ver 
gleichung der jetzigen Finanzverhältnisse mit denen zu Zeiten des 
Kaisers Karl V. in Reziehung auf Schuldaufhäufung ist nicht mög 
lich, weil es damals überhaupt noch keinen Staatscredit in der heu 
tigen Bedeutung des Wortes gab; — gleich sind die.Verhältnisse 
nur in Beziehung auf die vielfach herrschende Geldverlegen 
heit der grossstaatlichen Regierungen. — Uehrigens muss hier 
allerdings erwähnt werden, dass in der Neuzeit wenigstens zum 
The il auch ein Aufwand für nützliche jnoductive Zwecke (z. B. 
Eisenbahnanlagen) stattfindet, wie nie zuvor. 
Das Sinken des Geldwerthes und der angeregte Specailationsreiz 
hat u. a. wesentlich die Herstellung der vielen Eisenbahnen 
ermöglicht u. thatsächlich bewirkt. Ohne diese Momente würde 
man an die Erbauung gar mancher Schienenwege, die heute in 
blühendem Betrieb stehen, viele Gegenden gleichsam befruchtend, 
wol noch lange nicht ernstlich zu denken gewagt haben. 
Es bedarf keines besonderen Nachweises, dass die Ei Seil 
bahnen wie die Telegra])hen zu den weltumgestaltenden F ac 
tor en gehören. Wir brauchen ihre Wichtigkeit für Industrie und 
Handel, Völkerverhindung und Culturverbreitung nicht erst um 
ständlich zu entwickeln. 
Anf ein Einzel-Moment hinzuweisen sei uns indess doch ge 
stattet, da es gerade in den letzten .labren zum erstenmal in völli 
ger Allgemeinheit hervortritt. Wir meinen das ungeheuere Wach 
sen der Gressstädte. Der ganze Zug der Verhältnisse fördert 
das Streben der (Orneentration an denjenigen Orten, welche bereits 
Mittel- und Ccntralisationspunkte bilden ; die Eisenbahnen begün 
stigen aber ganz besonders diese Strömung der Zeit. Allerdings 
muss jedes Städtchen, das nicht in Verfall gerathen will, streben, 
einen Schienenweg in seine Nähe zu bekommen, l'äuschung ist es 
aher zu glauben, dass alle Orte von dem neuen Verkehrsmittel einen 
gleichen Nutzen ziehen könnten. Es war desswegen ein Fehler, wenn 
man die Bahnen häufig auf Umwegen geführt und an unbedeutenden 
Flecken oder I lörfern K notenpunktegeschaffen hat. 1 )iese 1 ‘lätze blie 
ben unbedeutend. Man konnte den Verkehr erschweren und hem 
men, den Brennpunkten desselben überhaupt einen mehr oder weni 
ger grossen Theil des natürlichen Aufschwungs entreissen ; was man
        <pb n="17" />
        Vorwort zur vierten Auflage. 
XIII 
aber niclit vermochte war, jenen kleinen Orten auch nur annähernd 
ebensoviel zu nützen als man den natürlichen Verkehrsplätzen 
und den Interessen des ganzen Gemeinwesens schadete, — abge 
sehen von der gewaltigen Rückwirkung, welche die Förderung 
des Aufl)lühens einer Grossstadt auf viele Meilen hin für das flache 
Land hervorzubringen pflegt. 
Wir haben mit der Bemerkung l&gt;egonnen, dass in den staat 
lichen wie in den socialen Verhältnissen während des letzten Jahr 
zehnts mehr und tiefer greifende Veränderungen vorgegangen sind, 
als während der vierzig Jahre, welche der Zeit der grossen Kriege 
unmittelbar folgten. Unverkennbar war die anfängliche Ruhe und 
Stabilität grossentheils eine Wirkung der auf die gewaltigen An 
strengungen jener Riesenkäni])fe mit innerer Nothwendigkeit ge 
folgten Erschöpfung, — einer Erschöpfung, die so ungeheuer ge 
wesen, dass selbst England, dessen Boden nie von einem feindli 
chen Heere betreten wurde, gleichwol wenigstens anderthalb 
Jahrzehnte bis gegen das Jabr 1830, bedurfte, um in seiner Con- 
sumtionsfähigkeit, und dass es sogar dritthalb Jahrzehnte 
(bis über 1640 hinaus) bedurfte, um in seinem Ausfuh rhandel 
die gleiche Höhe wie in der Kriegszeit mit ihren Anstrengungen 
und Kräfte-\ ergeudungen wieder zu erreichen (vergl. die Nach 
weisungen S. 30 und 30). Gleichwol dürfte die jetzige prregung 
und Unruhe weder eine blos relative noch eine rasch vorüberge 
hende sein. Blicken wir auf die Geschichte der Eurojiäischen Staa 
ten alsbald nach der Entdeckung Amerikas und nach dem Beginne 
der Zeit des Herüberströmens von EdelTnetallen aus Mexico und 
1 eru in unsern Erdtheil, so gewahren wir eine ähnliche, — durch 
alle, namentlich auch die staatlichen Verhältnisse, gehende — Er 
schütterung. Derselbe Geist der Rührigkeit, der Unternehmungs 
lust und auch tollkühnen abenteuernden Wagens und Ueberstürzens, 
der Inder Industrie und im Handel allenthalben hervortritt, ergreift 
die ganze \yeit. bürsten und Regieiungen werden fortgerissen auf 
Bahnen, die zu betreten früher ganz ausser ihrer Absicht lag. 
Auch die \ ölker treten weit mehr aus ihrem Liehlingszustand der 
vuhe und Gleichgültigkeit. Die neuen Verhältnisse, welche sich 
in allen Beziehungen des IGebens ergeben, bedingen an sich schon 
mannichfache Aenderungen in den staatlichen Organismen und 
b orinen. Die Staatsmänner von früher werden wol häufig genug 
das Drängen, wenigstens in dem Umfang, wie es hervortreten 
11 liPgrcifen. Grosse Reformen aber werden um so unab 
wendbarer werden, je mehr man in der langen Periode seit Been- 
grossen Kriege die alten Zustände, Einrichtungen 
und Tormén da und dort über alles Maas conservirt und nicht 
selten die schon früher nöthigen Aenderungen starr zurückge- 
w lesen hat. In solchen bewegteren und stürmevolleren Zeiten 
wird es weiterblickender und kühnerer Piloten bedürfen als wäh- 
rend des letzten halben Jahrhunderts, — es wird die Welt solcher 
Staatsmänner nöthig haben, welche die neu sich ergebenden Be 
dürfnisse des Gemeinwesens als solche erkennen, und statt mit
        <pb n="18" />
        XIV 
Vorwort zur vierten Auflage. 
den immer wirkungsloser werdenden alten Künsten, — mit eis- 
heit und Kraft, ganz nach den Erfordernissen einer ihrem innern 
Wesen nach sich neu bildenden Zeit, das StaatsschifF zu lenken 
verstehen. 
Man wird wohl thun, bei Beurtheilung der jetzigen Verhält 
nisse die tiefgreifenden Veränderungen stets im Auge zu behalten, 
welche wir angedeutet haben. Bei Bearbeitung des vorliegenden 
Buches und vielfachen Vergleichungen der in demselben aufge 
führten Daten besonders über Finanz-, Industrie- und Handels- 
Verhältnisse mit den Angaben in der ersten Auflage sind uns die 
eingetretenen Umgestaltungen überaus häufig in recht überraschen 
der Weise vor Augen getreten. 
Bei der gewaltigen Umgestaltung, welche, wenn auch in ih 
ren einzelnen Ifliasen nicht immer von .ledern bemerkt, in den ei 
gentlich staatlichen und in den socialen Verhältnissen gleichwol 
unaufhörlich vor sich geht, und überdies bei der bedeutenden Fort 
entwicklung, welche die Statistik an sich erlangte, durfte sich der 
Verfasser hei Herausgabe der gegenwärtigen .Auflage dieses Buches 
selbstverständlich nicht damit begnügen, die früheren Zahlenanga- 
hen zu wiederholen und ihnen die seitdem bekannt gewordenen 
beizufügen oder an die Stelle von jenen zu setzen. Die nachsich 
tige Aufnahme, welche dieses Werk von seinem ersten Erscheinen 
an hei der Kritik und bei dem gesammten Publikum fand, schloss 
in den Augen des Verfassers wesentlich die Ver])flichtung in sich, 
nach grösserer Vervollk(Tmmnung zu streben. Dies gilt ganz be 
sonders von der gegenwärtigen Ausgabe. Sie bietet im eigentli 
chen Sinne eine ganz neue Bearbeitung. Ausser der trefflichen 
Abhandlung über Sterblichkeitslisten, welche wir der Freundlich 
keit des Herrn Finanzraths (r. 11 opf verdanken, und in welcher 
der Herr Verfasser nur wenige Modificationen vorzunehmen fand, 
ist keine Seite des ganzen Huches ohne, meist sehr wesentliche 
Aenderungen geblieben. Insbesondere hat die Darstellung der 
deutschen Mittelstaaten eine bedeutende Vervollständigung erlangt, 
namentlich die von Sachsen, Hannover, Haden, Schleswig-Holstein 
und den beiden 1 lessen, dann ebenso die von Nassau, den sächsischen 
Herzogthümern und (len freien Städten. Auch die schon früher 
ziemlich umfassenden Mittheilungen über Preussen und Hayern er 
hielten vielfache Zusätze. Von auswärtigen Beichen sind beson 
ders Italien, Spanien und Nord-Amerika ausführlicher behandelt, 
überhaupt aber findet sich unter allen nur irgend bedeutenderen 
Staaten kein einziger, dessen Darstellung nicht durchgehends ver 
vollständigt worden wäre. 
Als ganz neu ist der gegenwärtigen Auflage ein Anhang 
beigegeben, im Wesentlichen der Inhalt zweier Vorträge , welche 
der Verfasser in Frankfurt a. M. und in Kaiserslautern über Sta 
tistik im Allgemeinen gehalten hat, — genauer bezeichnet — 
ein »Beitrag zur Philosophie der Statistik. « 
■Während des Druckes der vorliegenden Ausgabe hat die neue
        <pb n="19" />
        Vorwort zur vierten Auflage. 
XV 
Volkszählung in den Zollvereinsstaaten stattgefunden Dec. 1&amp;64;. 
hiS ging nicht an, den Druck zu verschieben bis die Ergebnisse 
dieser Zählung in allen Staaten festgestellt und bekannt gemacht 
sein würden. Wir haben es bei der vorigen Auflage thatsächlich 
erfahren, dass in manchen Ländern erst nach beinah einem Jahre 
auch nur provisorische, später nicht unbedeutend rectiflcirte 
Aufstellungen erlangt werden konnten, und dies zwar ungeachtet 
der entschiedensten Gefälligkeit, die wir so ziemlich allenthalben 
fanden, wobin wir uns um Unterstützung zu venden hatten. In 
einem .Jahre stehen aber anderwärts (namentlich in Frankreich, Bel 
gien etc. bereits wieder neue Zählungen in Aussicht, und so käme 
man gleichsam nie zum Abschlüsse. Um also die Herausgabe des 
Buches nicht beinahe ein ganzes .Jahr lang zu verzögern und dann 
dennoch nur annähernd richtige Ziffern einer blos provisori 
schen Berechnung geben zu können, schien es geeignet, bezüglich 
der Zollvereinsstaaten die in allen I heilen festgestellten Bevölke 
rungsaufnahmen vom December ISGl vorerst beizubehalten. Um 
indess auch in dieser Jfeziehung keineswegs zurück zu bleiben, 
wird der Herr A erleger eine gedrängte Zusammenstellung der 
wichtigsten Ergebnisse der neuen Aufnahme, so bald dieselben 
definitiv festgestellt sein werden, den Käufern dieses Buches un— 
entyeldlicli nachliefern. 
Es versteht sich von selbst, dass auch bei dieser Auflage irrige 
Angaben, auf welche wir aufmerksam gemacht wurden, sorgsam 
berichtigt sind. Das vorliegende Buch schliesst eine so ungeheuere 
‘ lenge einzelner Daten in sich, dass die Vermeidung aller Irrthü- 
mer selbst dann geradezu unmöglich wäre, A\ enn die Statistik allent 
halben einen weit höheren Grad der Entwicklung erreicht hätte, 
als es gegenwärtig noch der Fall ist. 
Aber auch viele \\ ünsche sind uns zugekommen, noch diese 
oder jene Art von Einzelheiten aufzunehmen. Wenn irgend mög 
lich ohne den eigentlichen Zweck des Werkes zu gefährden, ist 
sidchen \ erlangen entsprochen worden. In nicht wenig Fällen 
musste jedoch davon abgesehen werden, und zwar aus der massge- 
)cnden Bücksicht, dass der praktische Gebrauch, für wel- 
P len dieses Buch von Anfang an bestimmt war, durch allzugrosse 
^ usdehnung nicht gefördert, sondern geschädigt werden würde. 
Aus diesem (irunde mussten namentlich Erörterungen über die 
I heorie der Statistik und die Art der Behandlung der Aufnahme 
^c. unbedingt ausgeschlossen bleiben. Dass übrigens Fragen dieser 
^ erfasser persönlich nichts weniger als gleichgiltig sind, 
durfte u. a. der Anhang zur neuen Auflage einigermassen beweisen. 
^mgt in der Natur der Dinge, dass ein Buch, welches einige 
Auflagen erlebt hat, Nachahmungen findet. Wir können uns nur 
freuen, so vielen Erfidg erlangt zu haben, um auch diesesVorkomm- 
niss zu erfahren, wenn gleich nebenbei ein Faar Ungebührlichkei- 
ten zum A orschein kamen. Es ist diese letzte Erscheinung gleich- 
alls ein statistisches Moment, wie manches andere vergleiche 
*-cite 5.JG), selbst in der Beziehung, dass das eines Erfolges
        <pb n="20" />
        XVI 
Vorwort zur vierten Auflage. 
sich erfreuende Werk gleichzeitig stillschweigend geplündert 
und lärmend herabgesetzt wird ; dass, wenn gewisse Concur- 
reiiten ihm noch so viele Angaben und Berechnungen entnehmen, 
sie seinen Titel nicht mit einer Silbe erwähnen, es sei denn, dass 
sie im Werke einen Fehler aufgefunden zu haben glauben, in wel 
chem Falle sie nie enuangeln, dasselbe sorgsam zu citiren. Dies 
entspricht den ganz allgemeinen, regelmässigen Phänomenen. In das 
Gebiet der sogenannten »zufälligen« Umstände, d. h. in das Gebiet 
der durch Sondei^erhältnisse bedingten Erscheinungen fällt es da 
gegen, wenn der eine der Concurrenten z. B. nicht weiss, dass in 
der Strafrechtspflege ein Unterschied gemacht wird zwischen A er 
brechen und Vergehen, und wenn er in Folge dieser Lücke im ei 
genen Wissen — scharfen Tadel über den erfolgreichen älteren 
Concurrenten ausgiesst, weil nach dessen Angabe die Gesammt- 
zahl der eigentlichen »Verbrechen« (das Wort sogar noch be 
sonders mit Anführungszeichen versehen) in einem Lande (Bayern) 
kleiner erscheint als die der »Diebstähle und Unterschlagungen 
allein“, welche er sämmtlich doch auch für eigentliche »Verbre 
chen« ansieht. In das gleiche Gebiet der sogenannten »zufälligen 
Umstände« gehört es, wenn einem zweiten dieser Concurrenten 
das Missgeschick begegnet, dass ihm, während er die aller- 
neuesten Daten zu geben versjnicht, seine Quellen in gewissen 
Fällen gerade an demjenigen Punkte versiegen, an welchem die No 
tizen der vor dritthalb .Jahren erschienenen vorigen Ausgabe des 
gegenwärtigen Werkes auf hörten (z. B. was die nicht immer ganz 
leicht zu erlangenden Einzelangaben über die Budgets gewisser 
Mittelstaaten, wie Sachsen, Grossherzogthum Hessen, Nassau u. 
a. betrifft; ähnlich in gar manchen andern Fällen). In die nem- 
liche Kategorie der »zufälligen Umstände« mag es ferner gebracht 
werden, wenn dem geschmäheten Buche sogar ein Schreib- oder 
Druckfehler sorgsam nachgedruckt und wie ein Product neuester 
Berechnung dem Publikum vorgelegt wird. — Dass nebenbei Du 
tzende der mitunter wunderlichsten Missgriffe Vorkommen , dürfte 
bei einem Fabrikat der bezeichneten Weise etwa in die statistische 
(dasse der dem neuen Verfasser begegneten l’nglücksfälle einzu 
reihen sein. 
Doch, es wäre ein Unrecht gegen unser Pid)likum, wenn wir 
bei derartigen Dingen länger verweilen wollten. Mögen auch viel 
leicht einzelne Leser, die sich auf gleicher Höhe des Wissens be 
finden wie jene Verfasser, durch die Keckheit des Auftretens einen 
Augenblick lang getäuscht werden. 
Ein Buch wie das vorliegende ])flegt indess doch nicht bloss 
zum Erscheinen von Schriften solcher, sondern auch zu dem an 
derer Art beizutragen. Mittelbar oder unmittelbar fördert es das 
Entstehen wirklich verdienstlicher und werthvoller Werke. Wir 
begrüssen jedes derselben mit aufrichtiger Freude, und dies um so 
mehr, weil, wie eben der Erfolg zeigt, jede tüchtige Leistung das 
Interesse für die Wissenschaft verallgemeinert und das Absatz 
gebiet entschieden erweitert.
        <pb n="21" />
        X\1I 
Vonn’ort zur \-ierten Aiiflage. 
sp1&gt; anregender statistischer Schriften (deren Verfasser 
nid t (lass ihnen unser Buch mannichfach nützte) liegen 
Vr deutscher, sondern auch in englischer, italienischer 
Sprache vor; ja es ist unser Handbuch sogar in das 
Thp'1^^ übersetzt worden. Ebenso ward ihm häufig die Ehre zu 
citirt zu wcrdeu. Es ist dies selbst in ofTiciellen 
BlaiihrReschehen, welche dem britischen Parlamente in 
frar Tnu ^ vorgelegt worden sind. Auch hatte sich der Verfasser 
mifnr pepönlicher Zeichen der Anerkennung zu erfreuen, 
.1 \erleihung des Diploms als Ehrenmitglied des 
711 "1^ kaiserl. russischen Universität zu Charkow besonders 
zu emahnen ein Act der Schuldigkeit ist. 
/^i(l(^ui wir schliessen, können wir es uns nicht versagen, allen 
öffentlich zu danken, welche uns bei der 
mmamm 
noch besonders zu gedenken, - einer Hülfe, die sich nicht auf ein- 
zelne Abtheilungen des Buches beschränkte, sondern durch alle 
Abschnitte desselben die gleiche blieb. Es ist diejenige, welche dem 
erfasser in jeder Beziehung durch die mannichfachen Bemühun- 
g n der \ erlagshandlung geworden. Ganz besonders ist er Herrn 
Karl Schwarz, Irocuraträger der Handlung, für die nicht genug 
' 7^!^^ igende, unendlich mühsame Arbeit der steten Correcturen- 
evusion zu Dank verpflichtet. Aber auch die Setzer des Buches 
aoen mit Einsicht und Unverdrossenheit zum gleichen Ziele in 
einer Weise mitgewirkt, welche nur deijenige nach Verdienst wür- 
igeii kann, der sich schon öfter im Falle befand, Schriften solcher 
vli das gegenwärtige Buch freier ist 
on Dnickfehlern, als die meisten andern Werke dieser Art, und 
^enn überdies die sparsamste Benützung jedes Raumes stattfand, 
uu doch die Uebersichtlichkeit stets gewahrt wurde, Vorzüge, 
''velche dem Werke selbst wesentlich zu gut kommen, — so ver- 
( anken wir dies den Setzern, dem (Corrector und dem die Revision 
Gsorgmiden Geschäftsführer der Handlung. Der Verfasser würde 
R auben eines Unrechtes sich schuldig zu machen, wenn er diese 
Leistungen unerwähnt liesse. 
Frankfurt a. M., 28. März 1865. 
G. Priedr. Kolb.
        <pb n="22" />
        Iiilialts-Uebersiclit. 
Vorw ort zur ersten Auflage Seite III., — zur vierten \III. 
I. Abtheilung; Die europäischen Grossmächte. 
Grossbritanien : Land und Leute 1 (allgemeine Uebersicht; Eintheilung 1, 
Bevölkerungsbewegung, Geburten, Sterbfälle, Ehen, Menschenvermeh 
rung 2; Trennung nach Geschlechtern ¡1 ; Iläuserzahl; Auswanderungen 4; 
Confessionen ; Nationalitäten; Städte 5; Bodenanbau; Gebietsyerände- 
rungen 6) ; Finanzen 7 ^Einnahmen, Steuern etc. 7, Ausgaben 11; Staatsbe 
darf in früherer Zeit 1:i; (Kosten des Krimkrie^s 15); Abgaben-Vermehrung 
und Verminderung 10; Staatsschuld 17, Subsidienzahlungen 10) ; AA/iWr 20 
(Landmacht 20, histor. Notizen 22, Truppensterblichkeit 2.1 ; Seemacht 23); 
Social-undIlandelsverhUlfnisse etc. 27 (Classen der Bevölkerung 27, Lebens 
mitteleinfuhr u. Consumtion 28; Sparcassen etc. .10; irländ. Verhältnisse 
32 ; Armenzahl 33 ; Einkommensgrösse 33 ; \ olksbildung 34 ; Industrie 35; 
Handel 30; Bost 38, Canäle, Eisenbahnen, Telegraphen, Handelsmarine 30; 
Banken 40; Nationalvermögen 40; Münze, Maasse 11) ; lic- 
süziitK/en 41; (Ueberblick 41; Besitzungen in Europa 4.1, Brit. Nordamerika 
43, Mittel- und Südamerika 44, in Afrika 45, Australien 40, in Asien, Ost 
indien 48), Gesammtübersicht 51. 
Frankreich. iM^id und Leute 52 (allgemeine Uebersicht, Departemente, 
Städte 52 ; Bodenverhältnisse, Barcellirung 54 ; Bevölkerungsbewegung 
und Zunahme 54; Auswanderungen, Haushaltungen, 58 ; Gebrechliche 58; 
Confessionen 58 ; Nationalitäten 58 ; Gemeinden .&gt;0 ; Gebietsveränderungen 
50) ; Finanzen 02 (Budget 02, Einnahmen 03, Ausgaben 05, Steigen des 
Bedarfs unter dem Kaiserreiche 05, 1 lepartcmental- u. Gemeindeausgaben 
08; früherer Staatshaushalt 00; Staatsschuld 71 , zur Schuldgeschichte 7o, 
Départemental- und Gemeindeschulden 78) ; MtUtiir 70 (Landmacht 70, 
geschieht! Notizen 81; Seemacht 84'; Socialverhilltnis/ie 85 allgem. Be 
merkungen 85; Volksbildung 88; Literatur 80; Criminalstatistik, dabei 
polit. Verfolgungen 00; Sparcassen 00; Beschäftigung der Einw. 00, Agri- 
culturproduction 02, Gewerbsindustrie, Handel 03 ; Bost 00 ; Telegraphen, 
Eisenbahnen 97, Strassen 98, Bank 08, Handelsmarine 00, Maasse etc. 00; 
aufiw(irti(/e Jie^itzungen 90 (Algerien 90, eigentl. Colonien 103) ; Gesammt 
übersicht 104. 
Russland. luind und Leute. 104 (allgem. Uebersicht 104; Bevölkerungs-Be 
wegung 107 ; Nationalitäten, Confessionen 108; Städte 100; Gebietsver- 
grösserung 110; Bolen 111); Finanzen 112 (Budget 112; Finanzgeschicht 
liches 114; Finanzen Bolens und Finlands 114, Schulden 114, zur Schuld 
geschichte 118); Militär 120 (Landmacht 120, Kriegsgeschichtliches 124, 
Seemacht 127); Sociales 128 (allgem. Bemerkungen 128, dieEmancipations- 
frage 120, Gemeindeverband 133, Beamtenthum und Adel 134, Volksbil 
dung, Bresse 134; Mangel an Verkehrsmitteln 135, Eisenbahnen, Tele 
graphen 130, Bost 137; Fabriken, Handel 137, Handelsflotte 138, Münze 
etc. 139). 
Oesterreich. Land und Leute 130 (Uebersicht 130, Bevölkerungs-Bewegung 
141, Nationalitäten 142, Confessionen 143; Städte 143 ; Gebietsveränderun 
gen 144); Finanzen 145 'Budget 145, das Deficit', Geschichtliches 150; 
Schuld, zur Schuldgeschichte 152); Militär 150 (Landmacht 150, Militär 
geschichtliches 157; Marine 158) ; Sociales 158 (allgemeine Bemerkungen 
158; Kirchenvermögen 159; Lehranstalten, Schulen und Literatur 159;
        <pb n="23" />
        INHALTS-UEBERSICHT. 
XIX 
Stände 160, landwirthschaftliche Production 160, Berg- und Hüttenwesen, 
Gewerbsindustrie und Fabrik wesen 161, Handel 162, Handelsmarine 163; 
Eisenbahnen, I.andstrassen, Telegraphen 164, Post 164; Bank 165; Natio- 
naivermögen 165: Sparcassen, Münze etc. 166). 
^ ^ ^ /&gt;««&lt;« 167 (Uebersicht 167, Bevölkerungs - Bewegung 
b8 dabei: Auswanderungen 170; Confessionen 170; Nationalitäten 171; 
17^ 1 ’ Bodenbenutzung 173, Gebietsveränderungen 173); Finanzen 
1-0 174, dessen Hauptpositionen 176, früherer Staatshaushalt 
ICO 180; neuere Städte-Anlehen 182 ; Militär 182 (Landmacht 
IO' ^^^ëTSf^eschichtliches 184; Marine 185); Sociales 185 Allgemeines 
j ^ 5 yoll^sbildung 186 ; zur Criminalstatistik 187; Beschäftigungsweise 
der Einwohner 187, Bergwesen 188, Landwirthschaft 189, Gewerbswesen 
131 ; Eisenbahnen 192, Telegraphen, Post, Rhederei, Assecuranzen 193; 
Sparcassen 194 ; Nationaleinkommen 194; Maasse 194). 
II. Abtheilung: Deutschland. 
Land und Ijeute 195 (allgem. Uebersicht 195; Nationalitäten und Confessionen 
Jo ¡ Städte 197, Bodenanbau 198,; /'’twanzen 198 (Einkünfte und Ausgaben 
der Bundesstaaten 198-204, Schulden, Papiergeld 203-205); 3/»7tVär205; 
1788 221 ; der Rheinbund 223). — Ihe Einzelstaaten: 
Hayorn S. 224 
Sachsen 237 
Hannover 245 
Württemberg; 252 
Baden 2ÍÍ3 
Hessen, Grossherzogthum . . 2&lt;iS 
Kurhessen 272 
Mecklenburg-Schwerin. . . 27 ti 
Strelitz . . . 279 
Sehlesw.-Holstein-Lauenb. . 2H0 
Luxemburg-Limburg . . . 2'»5 
Nassau 2"« 
Braunschweig 290 
Oldenburg 292 
Sachsen-Weimar 29.1 
Sachsen-Meiningen 8. 295 
Coburg-Gotha . . . 296 
Altenburg 297 
Reuss SU. Linie 299 
Reuss jüng. Linie und Lippe . . 299 
Sehaumhurg und Waldeck . . 300 
Anhalt 301 
Schw arzburg-Sondi rshausen . . 303 
Budoist. und Hess.-Homburg . . 304 
Liechtenstein 305 
Hamburg 30.5 
Bremen 308 
Lübeck 312 
Frankfurt 313 
III. Abtheilong: Die übrigen europäischen Staaten. 
Italien*) 8. 316 
Schweiz 316 
Belgien 359 
Niederlande 365 
Danemark ....... 375 
Schweden 380 
Norwegen 8. 387 
Spanirn 391 
rortiigal 4o8 
Griechenland 411 
Türkei und Schutzstaaten . . .416, 422 
IV. Abtheilung : Amerika und die übrigen Erdtheile. 
Hie Vereinigten Staaten. Land and Idente 426 (die einzelnen Staaten 426, 
Bevölkerungszunahme 427 ; Confessionen , Nationalitäten 428; Einwande 
rungen 428, Gebietszuwachs429 ; Städte 429); Finanzen 430 (Schuld 433 ; 
Finanzen der Einzelstaaten 436) ; Militär 437 (Landmacht 437, geschicht 
liche Notizen 439, Marine 440); Sociales 441 ; (Sclaventhum 441 ; Schulen, 
Bibliotheken, Zeitungen 442 ; bebautes Land, Fabrikproduction, Eigen 
thumswerth 443; Posten, Canäle, Eisenhahnen 443, Rhederei 444 ; Han 
del 444 ; Fondspapiere 445, Münze etc. 445). 
*) Allgem. Uebersicht und histor. Notizen 316. — Königr. Italien 318 (Land und Leute 318; 
•^nanzen 323; Militär 332; Sociales 334). - Römische Staaten 340.
        <pb n="24" />
        XX 
INHALTS-UEBERSICHT. 
Uebrige Amerik. Staaten: 
Mexico. .1 S. 446 
Centralamerika 448 
Columbia (Neu-Granada) . . 44!) 
Venezuela 440 
Ecuador 450 
Peru 450 
Bolivia 451 
Chile 8. 451 
Argentinischer Staatenbund . . 452 
Paraguay 452 
Uruguay 453 
Brasilien 453 
Ilayti und 8t. Domingo .... 454 
])ie andern Erdtheile: Asien (China, Japan, Persien) 456; Afrika (Re 
publik am Orangefluss, Transvaal’sche Republ., Liberia) 457 ; Australien 
(Havaiische Inseln) 457. 
V. Abtbeilnng: Allgemeine Uebersichten. 
I. Land und Leute. A. Die Staaten Europa’s 457. B. Die Staaten Ameri- 
ka’s 457. C. Die übrigen Erdtheile 459. 1). Gesammtüberblick 459 — Con- 
fessionen 459. Die 3 Hauptvölkerstämme in Europa 460. Auswärtige Be 
sitzungen europäischer Staaten 460. — Die grossen Städte 461. 
II. Finanzen. Staatseinkünfte 462 ; Schulden aller europäischen Staaten 462. 
III. Die stehenden Heere 464. 
Anhang. Historische Notizen 465. Statistische üebersicht Eurmia’s vor der 
ersten französ. Revolution 465, ditto zur Alt-Napoleonischen Zeit 465. 
IV. Industrie und Verkehrsverhältnisse. Dermaliger Welthandel 467. Die Han 
delsflotten 468. Eisenbahnen und Telegraphen 469. — Metall- und Mine 
ralausbeute : a. Edelmetalle 469, b. unedle Metalle und Mineralien 472, 
c. sonstige wichtige Naturproducte 473. (1. Baumwolle 473, 2. Wolle 474, 
3. Zucker 475, 4. Katfe 475, 5. Seide 476, 6. Wein 476, 7. Hopfen 476, 
8. Tabak 476). 
VI. Abtheilung : Allgemein menschliche Verhältnisse. 
(Socialstatistik.) 
Sterblichkeitsberechnungen im Allgemeinen 478. 
Sterblichkeitslisten (Originalabhandlung von Herrn Finanzrath Hopf) 479. 
Sterblichkeit in den Städten 495. 
Unterschied nach Geschlechtern 496. 
Einwirkungen guter und schlimmer Jahre auf die I.ebensverhältnisse 499. 
Einfluss von Wohlstand oder Armuth auf die Sterblichkeit 500. 
Ab- und Zunahme der Lebensdauer 501. 
Sterblichkeit nach Monaten 505. 
Sterblichkeit in den verschiedenen Ständen, namentlich der einzelnen Hand 
werker 507. 
Beweggründe zur Wahl dieses oder jenes Gewerbes 509. 
Sterblichkeit im Militärstande 510. 
Dienst im wirklichen Kriege und ausser der Heimath 514. 
Seedienst 516. 
Sterblichkeit in den Gefängnissen 516. 
liebenskräftigkeit der verschiedenen Racen und Stämme 518. 
Das Verpflanzen nach andern Zonen 518. 
Zähigkeit des jüdischen Stammes 521. 
Krankheiten nach Ständen und Altern 522. 
Krankheiten veranlasst durch ungenügende Lufterneuerung 523. 
Gefahren der Heirath von Verwandten 524. 
Einfluss der Theuerung auf die Zahl der Verbrechen 524. 
Vermischte Notizen 525. 
Consumtion der einzelnen Hauptnahrungsmittel in verschiedenen Städten und 
Ländern 526. 
Anhang. 
Beitrag zur Philosophie der Statistik 528—548.
        <pb n="25" />
        Erste Abtheiluiig. 
Die europäischen Grossmächte. 
(lirossbritanien (Königreich). 
liniid und Leute. 
Allgemeine Uebersicht. *) Das »Vereinigte Königreich Grossbritanien 
und Irland Cf umfasst 5,797 deutsche Quadratmeilen, nemlich England 
mit Wales 277:1 (davon Wales 384), Schottland 1473, Irland 1530, 
und die normänischen Inseln und Man 20. (England 37’324,915 Acres 
Schottland 20’047,1G2 und Irland 20’S08,27l). — Die seit Anfang 
leses Jahrhunderts alle zehn Jahre vorgenommenen Zählungen ergaben 
folgende Bevölkerung: 
Jahr England mit 
Wales 
IhOl iri5(),171 
ISll 1 (»’454,529 
1S21 12’172,004 
IWl 14’051,9‘jO 
1S41 10’(»:í5,198 
1S51 1S’054,170 
ISOI 20'(I00,2:14 
Ik-völk.-Zunahme 
V. IhOl—01 120l’roc. 
Schottland Irland 
roOS,42U . . 
1'805,804 
2’091,521 
2'304,:i80 
2’()20,184 8’175,124 
2’88H,742 0’552,:185 
3'002,294 5’792,055 
(1841—01) 
90 Pr. Abnahme 30 Pr. 
Canalinseln Zusammen 
etc. 
89,508 
103,710 
124,040 20*954,540 
143,120 27’038,423 
(143,447 **) 29*074,020 
72 Pr. 78 Pr. 
Ausser den beiden Hauptinseln zählt man noch 224 kleinere be 
wohnte und 707 unbewohnte Inseln. Abgesehen von Man und den Ca- 
^älinseln, sind am bedeutendsten: Wight mit 47,428 Einw., Anglesey 
54^54(j^ die Orkneyinseln mit 32,41(i, die Shetlandinseln mit 
)G78; dann Skye und Lewis. —Familienzahl in England 4'491,524 
EiutheiluDg. England wird in 52 Grafschaften («9A*rw, auch CoM«/te&lt; 
genannt), wovon 12 auf Wales kommen, eingctheilt ; Schottland in 33 
«res; Irland in 4 Provinzen, die wieder in 35 Grafschaften zerfallen. 
Wax It wichtigste Quelle bilden die àusserst zahlreichen Parlamentsberichte; 
Zu- ."^yölkerungsverhältuisse anbelangt, die treiflichen Arbeiten des um diesen 
^®r Statistik vor Allen verdienten Dr. Farr. 
J, ) Hievon umfassen die Inseln : Man 52,339, Jersev 50,078, Guernsey (mit 
*■01 und Jethou; 29,840, Alderney 4,933 und Serk 58!» Menschen. 
Kolb, statiatik. 4. Aufl. |
        <pb n="26" />
        2 
GROSSBlllTANIEN. — Land und Leute. 
Nachstehende Uebersicht zeigt zugleich deren Bevölkerung bei der Auf 
nahme vom 8. April 1861 : 
A. England. 
Grafschaften Bevölker. 
Bedford 
Berks . . 
Buckingham 
Cambridge 
Chester 
Cornwall 
Cumberland 
Derby . 
Devon . 
Dorset . 
Durham 
Essex . 
Gloucester 
Hampshire 
Hereford 
Hertford 
Huntingdon 
Kent 
liancaster 
Leicester 
Lincoln 
Middlesex 
Monmouth 
Norfolk 
Northampton 
Northumberland .‘t4:i,025 
Nottingham 
Oxford 
Rutland 
Salop 
Somerset 
135,287 
176,256 
167,693 
176,016 
505,428 
369,390 
205,276 
339,327 
584,373 
188,789 
508,666 
404,851 
485,770 
481,815 
123,712 
173,280 
64,250 
733,675 
2’429,440 
237,412 
412,246 
2’206,485 
174,633 
434,798 
227.704 
293,867 
170,944 
21,861 
240,952 
444.873 
Grafschaften 
Southampton 
Stafford 
Suffolk . . 
Surrey . . 
Sussex . . 
Warwick . 
Westmoreland 
Wilts . . 
Worcester . 
York . . 
Bevölker. 
481,495 
746,943 
337,070 
831,093 
363,735 
561,855 
60,817 
249,311 
307,397 
2’033,610 
B. Wales. 
Anglesey . 
Brecon . . 
Cardigan . 
Carmarthen 
Carnarvon . 
Denbigh . 
Flint . . 
Glamorgan 
Merioneth . 
Montgomerj’ 
Pembroke . 
Radnor 
54,609 
61,627 
72,245 
111,796 
95,694 
100,778 
69,737 
317,752 
38,963 
66,916 
96,278 
25,382 
C. Schottland. 
Shetland . . 31,670 
Orkney . . . 32,395 
Caithness . . 41,111 
Sutherland. . 25,246 
Ross u. Cromarty 81,406 
Inverness . . 88,888 
Nairn . . . 16,065 
Grafschaften 
Elgin . 
Banff 
Aberdeen 
Kincardine 
Forfar . 
Perth 
Fife . . 
Kinross. 
Clackmannan 
Stirling . 
Dumbarton 
Argyll . 
Bute 
Renfrew 
Ayr . . 
I.anark . 
liinlithgow 
Edinburgh 
Haddington 
Berwick 
Peebles . 
Selkirk . 
Roxburgh 
Dumfries 
Kirkcudbright 
Wigtown . . 
D. 
Bevölker. 
44,695 
59,215 
221,569 
34,466 
•204,425 
133,500 
154,770 
7,977 
21,450 
91,296 
52,034 
97,724 
16,331 
177,561 
198,971 
631,566 
38,645 
273,997 
37,634 
36,613 
11,408 
10,449 
54,119 
75,878 
42,495 
42,095 
Provinzen 
1. Leinster 
2. Munster 
3. Ulster . 
4. Connaught 
Irland. 
Bevölker. 
1'439,596 
1’503,200 
1’9IO,40S 
911,339 
Die Grafschaften der 4 irischen Provinzen sind: Zu 1 : Carlow, Drogheda, 
Down, Fermanagh, Londonderry, Monaghan, Tyrone. — Zu 4 : Galway, Lei 
trim, Mayo, Roscommon, Sligo. 
Bevolkemngsbewegung. Aus dem vorigen Jahrhunderte fehlen ge 
naue Angaben über die Volkszahl. Nach Finlaison’s Schätzungen um 
fassten England und Wales; 
Jahr. Volkszahl. ¡ 
1700: 5*134,000 I 
1710: 5*066,000 i 
1720: 5*345,000 ! 
1730: 5*688,000 ¡ 
Jahr. Volkszahl. 
1740: 5*830,000 
1750: 6*040,000 
1760: 6*480,000 
Jahr. Volkszahl. 
1770: 7*228,000 
1780: 7*815,000 
1790: 8*540,000 
Die Volkszahl Schottlands wird für das Jahr 1707 (Unions 
beginn) auf 1’05Ü,000, für 1755 auf 1’2G5,OÜO berechnet. 
Schätzungen bezüglich Irlands aus den Jahren 1672 und 1695 
lauten auf etwas über r300,0U0 Menschen; von Dobbs liegen drei 
solcher Schätzungen vor : eine von 1712 gibt über 2 Mill, an, eine andere 
von 1718 noch nicht 1’200,000, und eine dritte von 1725 mehr als
        <pb n="27" />
        GKÜSSBKITANIEX. - Land und Leute. 
3 
2 Millionen. Steuerzahlungen, bei denen aber (sehr ungenau) 6 Bewoh 
ner auf jedes Haus gerechnet wurden, lieferten folg. Resultate ; 
1731: 2’010,221 I 1767; 2'554,276 I 17^5: 2’S45,9.12 
1754: 2’372,634 | 1777: 2’690,556 | 1791: 4’2ü6,612 
Bis 1841 beruhten die Angaben nur auf Schätzungen. Jene des 
Londoner statistischen Bureaus ergaben ; ' 
1S05; 5’395,45G I 1825: 7M72,74S 
1815; 6’142,972 | 1835: 7’927,9S9 
Die Bevölkerungszunahme in Grossbritanien und die Verminderung 
in Irland betrug zufolge der verschiedenen Zälilungen nach Procenten ; 
in England u. 1801—11 1811—21 1821—31 1831—41 1841—51 1851—61 
nales, Zunahme 14% 16% 15% 14% 13% 12% 
in Schottland, do. 
- Irland, 
12 
16 
13 
11 10 
(Abnahme 19,85 
5,9 
12,02) 
Da in Grossbritanien kein Strafgesetz eine Eintragung in die Civil- 
standsregister erzwingt, und in Irland solche Register nach unsem 
Anforderungen gar nicht geführt werden, so sind die Zusammenstellun 
gen der Geburten selbst auf der ersten Insel sehr ungenau, während sic 
auf der letzten ganz fehlen. Eingetragen wurden ; 
Sterbfälle. Heirathen. 
422,721 170,156 
435,114 163,706 
436,573 163,830 
475,582 170,708 
62,287 20,828 
67,159 20,544 
71,421 22,087 
So weit die Register nachweisen, überstieg in England und Wales 
rend des Jahrzehnts 1 851—GO die Zahl der Geburten jene der Sterb- 
mlle um 2’2G0,57G. Im J. 1859 erfolgten 130,210 Heirathen naeh 
Hochkirche ; Knaben wurden 352,002 geboren, Mädchen 
337,219; im Verhältniss also 1040 gegen 1000. Unter den Lebend- 
gebornen befanden sich 44,751 uneheliche (davon je 105,7 Knaben ge 
gen 100 Mädchen, während das Verhältniss bei den ehelichen 104,5 zu 
% Sterbfällen ergaben sich 103 männliche gegen 100 
weibliche Leichen. 
in England und Wales: 
Jahre. Geburten*), 
1860 684,048 
1861 696,406 
1862 712,684 
1863**) 729,399 
in Schottland: 
1861 107,036 
1862 107,138 
1863**) 109,325 
Nach Geschlechtern zählte man im J. 1801 : 
männliche 
m England u. Wales 9’776,259 
^hottland . . P449,848 
Irland .... 2*804,961 
ütn Canalinseln . 66,140 
Zusammen 14*097,208 
weibliche Einw. 
10*249,965 
1*612,446 
2*959,582 
77,307 
14*939,300 
Alle^ings sind die im Auslande befindlichen Landesangehörigen, 
namentlich von der Landarmee und der Kriegs- und Handelsmarine, 
) Ausschliesslich lodtgeburten. *•) Vorläufige Aufstellung. 
r
        <pb n="28" />
        4 
GROSSBllITAXIEN. - Land und Leute. 
nicht eingerechnet. Indess hat sich das Missverhältniss in den letzten 
lü Jahren bedeutend verschlimmert (1S51 zählte man : 1 3’3G9,442 männl. 
gegen 14’074,314 weibl. Einwohner), wol grossentheils in Folge des 
indischen und des Krimkriegs; nur in Irland hat es sich gemindert. 
Die Häaserzahl betrug bei den Aufnahmen : 
in England und Wales 
bewohnte unbewohnte 
1’575,!)2.3 57,47(i 
3'27S,im 153,494 
3’745,4»)3 182,325 
ISOl 
1851 
1891 
in Schottland 
1851 : 
1891 : 
in Irland 
1841 
1851 
1891 
370,308 
393,289 
1’328,839 
ro49,223 
993,233 
12,149 
17,197 
52,208 
95,293 
39,984 
im Bau begriffene 
(nicht erhoben) 
29,571 
27,580 
2,420 
2,992 
3,313 
1,898 
3,047 
Auswanderungen. In den 51 Jahren von 1815—18G3 einschliesslich 
wunderten 5’4S2,S09 Personen aus. Davon begaben sich: 
l'l42,833 nach den britischen Colonien in Nordamerika 
3’303,489 - - Vereinigten Staaten 
829,890 - Australien 
109,927 - andern Ländern. 
In den verschiedenen Perioden betrug die Auswanderung : 
1815—49, in 32 Jahren, 1’972,159 Personen = durchschnittl. 52,254 per Jahr 
1847—54, - 8 - 2'444,802 = - 305,900 - - 
1855—59, - 5 - 800,940 = - 190,128 - - 
1890—93, - 4 - 595,211 = - 141,303 - - 
Auf die 10 Jahre 1851 bis Ende 1 800 kamen 2’2S7,205 Auswan 
derer ; davon waren : 
Engländer Schotten Iren Fremde nicht ermittelt 
920,401 173,817 1’109,5&lt;»0 l‘'9,955 199,532 
Aus Irland allein gingen in den 
2’323,312 Auswanderer nach 
729,982 
21 Jahren 1835 — 55: 
den Vereinigten Staaten 
llritisch-Nordamerika. 
GesammtausWanderung von 
1843: 
1844 : 
1845: 
1849: 
1847 : 
1848: 
1849: 
57,212 
70,989 
93,501 
129,851 
258,270 
248,089 
299,498 
1850 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1859 
280,849 
335,999 
398,794 
329,937 
323,429 
179,807 
179,554 
1843—03 
1857 
1858 
1859 
1890 
1891 
1892 
1893 
212,857 
113,972 
120,432 
128,499 
91,770 
121,214 
223,758 
Confessionen. Es fehlen genaue Erhebungen*), mit Ausnahme von 
*) Bei Erlassung des Gesetzes bezüglich des letzten Census ward der An 
trag, Listen auch nach Confessionen anzufertigen, für Grossbritanien verworfen, 
für Irland aber angenommen. Im Ersten fürchtete man falsche Angaben zu 
Gunsten der Hochkirche und ungewöhnliche Grösse der Katholikenzahl, und 
darauf erhöhte Ansprüche der beiderseitigen Geistlichkeit.
        <pb n="29" />
        GKOSSimiTANIEN. - Land und Leute. 
5 
Irland. Im Letzten ergab die Zählung von 1861 : 4’505,275 Katholiken, 
093,357 Anglikaner, 523,291 Presbyterianer, 45,399 Methodisten, 
4.)32 Independenten, 4237 Baptisten, 3300 Quäker, 393 Juden. (Gegen 
die vorige Zählung hatten sich die Katholiken um 4 3, die Protestanten 
nur um 10 Proc. vermindert.) Fassen wir die beinahe zahllosen Secten 
zusammen, so lässt sich vielleicht folgendes Verhältniss annehmen : 
Anglikaner 
England . . 12’ü(»0,ü00 
Schottland. . 300,000 
Irland (Census) 093,000 
Presbyterianer Katholiken 
500,000 P200,000 
2’000,000 100,000 
M3,000 4*505,000 
3*000,000 5,k00,000 
Zusammen etwa 13*000,(ioo 
Die Zahl der Juden dürfte höchstens 40,000 betragen. 
Andere Dissenters 
0*500,000 
700,000 
00,000 
7*200,000 
NätioDälitäten. Der Stammesunterschied unter der Bevölkerung ist 
sehr gross. K. Blind {»über Staat und Nationalität; London 1859«) 
nimmt 6 Hauptstämme an; den Englischen, Germanisch-Schottischen, 
Gälisch-Schottischen, Wallisischen (K}Tnrischen), Irischen und Franzö 
sischen (auf den normännischen Inseln). Zahlenangaben über deren 
Stärke fehlen gänzlich. Bei der letzten Volkszählung wurde auch die 
Zahl der Fremden zu ermitteln gesucht. Die Aufnahme war indess 
offenbar sehr ungenau. Man ver zeichnete (jedoch ohne Schottland und 
Irland) nur 84,090 Ausländer, wovon 37,950 in London (in dieser 
Hauptstadt, ohne die Oesterreicher, 16,082 Deutsche). Engländer, 
welche im Auslande wohnen, wurden 07,909 vorgemerkt, davon 25,844 
in Frankreich, 7305 in Deutschland, 5407 in Italien, 4092 in Belgien, 
1124 in der Schweiz. Ferner befanden sich 125,379 Engländer (ein 
schliesslich 85,008 Militärs) in Ostindien. 
Städte. Kein anderes Land besitzt so viele grosse Städte, und in 
keinem, Amerika ausgenommen, wuchsen dieselben so sehr. 1851 ka 
men, Irland ungerechnet : 
auf die 815 Städte 10*559,288 Menschen 
auf das platte Land 10*403,189 
Also eine grössere Städte- als Landbevölkerung. 
London allein, mit einer Einwohnerzahl, welche grösser ist als die mancher 
Dit Grossstädte hatten folgende Einwohnerzahl : 
England 
London 
Manchester (mit Salford) 
Livei^jool 
Birmingham .... 
Leeds .... 
Sheffield . . . . ] 
Bristol ’ 
Wolverhampton. 
Newcastle-on-Tyne 
Bradford 
Stoke-upon-Trent . 
1801 
958,803 
94.S70 
82,295 
70,070 
53,102 
45,755 
61,153 
30,584 
Í3‘,2Ò4 
1851 
2*302,220 
401,321 
375,955 
232,841 
172,270 
135,310 
137,328 
119,748 
87,784 
103,778 
84,027 
1861 
2,803,989 
400,428*) 
443,948 
295,955 
207,105 
185,172 
154,093 
147,070 
109,108 
100,218 
101,302 
) Davon Salford 102,449.
        <pb n="30" />
        6 
GROSSBKITANIEX. — Lund und Leute. 
Schottland 1801 1851 
Glasgow 77,058 320,097 
Edinburgh mit Leith . . 81,404 191,221 
Irland 1841 1851 
Dublin 232,726 258,369 
Belfast 75,308 100,301 
Cork 106,055 114,232 
Ferner hatten 1861 mehr als 50,000 Einwohner: 
I Blackburn . 
1861 
394,864 
201,749») 
1861 
249,733 
119,242 
101,534 
In England 
Hull . . . 97,661 
Portsmouth . 94,546 
Oldham . . 94,344 
Brighton . . 87,314 
Sunderland . 85,797 
MerthynTydfil 83,844 
Preston . . 82,961 
Nottingham . 74,693 
Norwich . . 74,891 
licicester . . 68,056 
Devonport 64,783 
Plymouth 
Stockport 
Bath . . 
63,123 
62,599 
54,681 
52,528 
In Schottland 
Dundee . 
Aberdeen 
90,417 
73.805 
In Irland 
Limerick . . 55,234 
So hat England 27 Städte von mehr als 50,000 Einw., Schottland 
4, Irland 4. — Orte zwischen 20 und 50,000 Menschen gibt es 43 in 
England, 6 in Schottland, 3 in Irland. Wir erwähnen davon in Eng 
land: Southampton mit 46,940, York 45,385, Derby 43,091, Exeter 
41,749, Rochdale 38,114, Ipswich 37,950, Bury 37,560, Birkenhead 
36,212, Chatham 36,177, Cardiff 35,541, Gateshead 33,587, North 
ampton 32,813, Worcester 31,227, Chester 31,110, Carlisle 29,417, 
Oxford 27,560, Warrington 26,431, Cambridge 26,361, Dover 25,325, 
Reading 25,015, Wakefield 23,350, Newport 23,249, Maidstone 
23,016, Carnarvon 22,907, Hastings 22,837, Shrewsbury 22,1 63, Car 
marthen 21,439, Canterbury 21,323, Lincoln 20,999, Croydon 20,325 ; 
— in Schottland: Montrose 19,515, Paisly 17,406, Greenock42,098, 
Ayr 34,578, Stirling 30,777, Perth 25,250, Dumfries 22,996; — in 
Irland: Waterford 29,160, Galway 24,990, Londonderry 20,493. 
Bodenanbau. (Nach Legoy P s Berechnung, in franz. Hectaren) : 
England . 
Wales . . 
Schottland . 
Irland 
Canalinseln 
Zusammen 
Oesammt- nicht anbaufähig, aber 
areal anbaufähig nicht angebaut 
i:ru87,999 1’517,767 l':t97,7:(9 
1’922,991 447,160 214,475 
7’987,754 3'449,:(79 2’407,787 
7’867,751 977,951 P9S2,883 
452,890 230,447 67,175 
31'319,205 (¡’422,704 
Wiesen u, 
Weide 
(¡'223,501 
900,969 
1’121,361 
2’725,954 
110.904 
Eigentl. 
Ackerland 
4’149,001 
360,387 
1’009,227 
2’180,783 
44.364 
(¡’070,050 11’082,(¡89 
7’743.762 
Gebietsveränderungen. Grossbritanien (unter welchem Namen 1707 
England und Schottland vereinigt wurden) ist der einzige grössere Staat 
in Europa, der auch während der grossen Kriege in seinem Hauptlande 
ohne alle Gebietsveränderung geblieben ist, wenn man von der, fast nur 
noch formellen Einverleibung Irlands 1801 absieht. Dagegen erlangte 
Britanien eine gewaltige Erweiterung seines Colonialbesitzes. — 
Durch den Verlust der Vereinigten Staaten war dieser Colonialbesitz 
*) Davon I.elth 33,628.
        <pb n="31" />
        GltOSSBRITANlEN. - Finanzen (Budget). 
7 
sehr gemindert worden. Allein in den grossen Kriegen eroberten die 
Briten fast alle auswärtigen Besitzungen der Franzosen, Holländer und 
Dänen, und viele der Spanier und Portugiesen. Die Friedensverträge 
beliessen ihnen einen sehr bedeutenden Theil dieser Eroberungen. So 
verblieben den Briten schon zufolge des Friedensschlusses von Amiens, 
1S02, Ceylon und Trinidad (erstes bis dahin Holländisch, letztes Spa 
nisch). Jener von Paris, IS 11, sicherte ihnen Malta (früher dem Mal 
teser Orden gehörend) ; St. Lucia, Isle de France (Mauritius) und die 
Sechelen (Franz. Colonien) ; Demerary, Essequebo, Berbice und das Cap 
(zuvor Holländisch) ; Helgoland (Dänisch), und die Oberherrlichkeit 
über die Ionischen Inseln. In Folge der abweichenden Thronfolgeord 
nung in England und Hannover ward zwar das letzte 1S37 aus der bis 
herigen Personalunion befreit. Dagegen breitete sich die britische Herr 
schaft in Asien, besonders Ostindien, gewaltig aus ; mit dem 1. Sept. 
1S5S gingen die sämmtlichen Besitzungen der Ostindischen Compagnie 
unter die unmittelbare Herrschaft des Britischen Staates über und 
in Australien begann die Bildung einer neuen Colonialwelt, der man, 
ebenso wie Canada und dann dem Cap, einen hohen Grad der Selbstän 
digkeit gewährte. Auf die Oberherrlichkeit über die Ionischen Inseln 
verzichtete Britanien ISO! freiwillig (s. Griechenland). 
I'iiiaiizeii. 
Budget. Dasselbe wird vom Parlamente (vielmehr dem Unterhause) 
je auf ein Jahr festgestellt. Das Rechnungsjahr beginnt mit dem 1. April. 
Der Finanzplan des Schatzkanzlers für 1 , den das Parlament an 
nahm, lässt sich folgendermassen zusammenfassen : 
Bedarf: 
Schuld: fundirte u. unfundirte 2d’4()(»,000, Annuitäten 1’930,Ü00 =£ 
Krieg: Landmacht 14’S41,000, Marine lO’I.Ti,000 . , . . = 
C i V i 1V e r w a 11 u n g 
.\bgahen-Erhebung 4’092,(»00, Paketboote SS3,000 . . . . = 
Reservefonds 
Zusammen £ 
Einnahme. Aach den bis dahin erhobenen .\uflagen würden 
Ziille [Customs] . . £ 23M 50,000 | Post 
Kronländereien (Domänen) 
Krie^entschädigung von 
China u. Japan . . 
Verschiedenes .... 
Zusammen £ 
Accise '£xctse) 
Stempel . . . 
Taxen .... 
Einkommensteuer 
IS’030,000 
9’320,000 
3’250,000 
8’000,0(»0 
2%’330,000 
25’27(&gt;,000 
7M)29,000 
5’575,000 
60,000 
f)0’690,000 
ertragen : 
3’950,000 
310,000 
000,000 
2’250,000 
1)9'400,000 
Da man aber nicht 2’570,000 über den Bedarf erheben soll, und 
da überdies die gewöhnlichen Einkünfte eine Zunahme erwarten lassen, 
so werden folgende Auflagen vermindert: Zuckerzoll um F7 10,000 JC, 
Eink.-Steuer (I Den. vom .C) = F233,t)00, Abgabe von Brandver 
sicherungen 283,000, Licenzen 15,000, zusammen 3 250,000JC.— Die 
Grafschafts- und Gemeindeauflagen sind hier nicht einbegriffen. Die 
Armensteuern bilden den bedeutendsten Theil dieser Last, nächstdem 
der Aufwand für Polizei und Gefängnisse. Mit Einrechnung von Weg 
geldern an Private und andere, hieher eigentlich nicht gehörige Abgaben,
        <pb n="32" />
        8 
GIIÜSSBRITANIEN. — Finanzen (Einnahmen). 
ward 1860 die Qesammtsumme des besonderen Aufwandes im ganzen 
Reiche auf nahezu 18 Mill. E geschützt. 
Haupteinnahmeposten und Steuern. Vor Allem muss der 
geringe Ertrag der Domänen auffallen. Nicht einmal ’/^ Proc. des Be 
darfs wird aus dem unmittelbaren Staatseigentlnimc gewonnen, — ein 
Zeichen, wie in der frühem Zeit des Absolutismus das Staatsvermögen 
verschleudert wurde. Dass Missverhältniss tritt um so greller hervor, 
wenn man dem geringen unmittelbaren Staatsbesitze (als Activum) die 
enorme Grösse der Staatsschuld (Passivum) gegenüberstellt. 
Die einzige Staatsanstalt (Regale) ist die Post. Sie wird weit 
mehr vom volkswirthschaftlichen, als vom fiscalischen Gesichtspunkte aus 
behandelt. Im ganzen Königreiche gilt der gleiche Portosatz von I Penny 
(etwa 10 Pfennige Preuss.) für den einfachen Brief. Bei Einführung 
dieses Systems an der Stelle enorm hoher Portosätze ergab sich anfangs 
allerdings ein bedeutender Ausfall in der Einnahme. Die ungeheure 
CorrespondenzVermehrung, grösstentheils Folge des wohlfeilen Porto’s, 
steigerte den Ertrag zu der jetzigen Höhe ; doch gelangte man erst nach 
etwa 20 Jahren zu dem gleichen Reinerträge wie früher. Ein ansehn 
licher 1 heil der Kosten wird durch die Unterhaltung der transatlanti 
schen Dampfschifffahrt veranlasst. Der Reinertrag der Post war ; 
1840 1845 1850 1855 1858 I860 
£ 447,005 753,000 820,000 Pl.37,210 1’330,3S5 P447,809 
Rechnen wir die vermischten (zufälligen) Einnahmen hinweg, so 
kamen im J. 18"%4 von dem 07’1 73,000 .t betragenden Brutto-Ein 
kommen auf die indirecten Auflagen allein (einschl. Post) 54’5GO,000, 
sonach mehr als 81 Proc. der Gesammtsumme ; auf die directen Steuern 
12 302,000 = kaum 18% Proc., auf die Domänen 305,000 = nicht 
einmal % Proc. Als die Einkommensteuer wieder eingeführt (1843), 
dagegen die Kornzölle abgeschafft wurden (1840), schien es, als ob man 
das bisherige System einer Deckung der Staalsbedürfnissc fast nur durch 
indirecte Auflagen verlassen, und dafür die Einkommensteuer allmählig 
zur einzigen Norm der Belastung machen wolle. Allein die gewaltige 
Steigerung der Bedürfnisse Hess dies nicht zu ; man erhöhte vielmehr 
directe und indirecte Steuern. 
Die Einkommensteuer [Income-tax), im Jahre 1708 auf Pitt’s 
Antrag als Kriegssteuer eingeführt, erlosch nach Wiederherstellung des 
Friedens. Ein ansehnliches Deficit nöthigte, unter Sir Rob. Peel’s Ver 
waltung, zu deren Wiedereinführen (von 1843 an). Das Gesetz ist in 
seiner Normirung ziemlich roh. Es macht in der Grösse der Besteuerung 
keinen Unterschied zwischen zufälligem Einkommen, rein persönlichem 
Erwerbe, oder einem durch festen Besitz gesicherten Ertrage ; es berührt 
überdies das Capital gar nicht, wenn dasselbe unproductiv, etwa in 
Luxusgegenständen angelegt ist. Nur diejenigen Einwohner bleiben 
steuerfrei, deren Gesammteinkommen unter 100 i¿ (086 Thlr.) beträgt; 
(von 1852 bis 150 £); sodann geniessen Einkommen unter 200 X, eine 
Steuerbefreiung für 00 £; im Uebrigen ist der Satz 18"%, gleichmäs- 
sig 6 Den. — Alle Arten des Einkommens sind im Gesetze in 0 Classen 
aufgeführt : Schedula A begreift den Ertrag des unbeweglichen Eigen-
        <pb n="33" />
        GIIÜSSBKITANIEN, — Finanzen (Einnahmen). 
9 
t ums (Ländereien, Häuser, Zehnten, Minen, Hüttenwerke, Fische 
reien, Kanäle, Eisenbahnen) ; Schedula B den der Pächter (bloser Inha- 
er, nicht Eigenthümer der Grundstücke) ; C die Zinsen der Staatsschuld 
und Dividenden industrieller Unternehmungen; U den Ertrag der ge 
dämmten Industrie (Gewerbswesen und Handel), endlich E die Besol- 
ungen, Pensionen und Leibrenten. — Da die Einkommensteuer jedes 
Jahr nach Massgabe des Bedarfs bestimmt wird, so ist deren Ertrag na 
türlich sehr wechselnd. Vor ISöH war die Normaltaxe 7 Den. vom ü; 
dann brachte der Krimkrieg eine Erhöhung auf 1 Sh. 2 Den., 
im nächsten Jahre sogar auf 1 Sh. 4 Den. (ü% Proc. des Einkommens); 
.)8 kehrten die 7 Den. zurück. Der Herabsetzung auf 5 folgte 1800 
die Erhöhung auf 9, lS(il auf 10, 18'%, die Festsetzung auf 9, 1804 
auf 7 Den. Der Geldertrag war 1850 — 55 durchschnittlich 5% Mill., 
1855 (bis IH. März) 10 042,021, 1850 15’07O,958, 1857 10'089,933, 
1858 11’580,115, 1859 0’089,587, 1800 9’590,100, 1801 10’923,810, 
186^2 10’3G5,000, 1803 10’5G7,000, 1804 (eigentlich 18«%.) 
9 084,000 ü. 
Die Grundlage der Besteuerung, nemlich das ermittelte steuerpflich 
tige Einkommen, betrug 1800, nach Kategorien und den Hauptlan- 
destheilen geschieden : 
Einnahme-Kategorien 
A. von Grundeigenthum 
Stenerpflichtigei Einkommen in 
B 
C. 
D. 
E. 
England 
103,270,204 
20’04S,4S0 
28’343,070 
7(i’990,577 
_ 17’2SO,000 
Zusammen 252*538,331 
im Vorjahre waren es 247*208,021 
Pachtungen 
Fonds 
Gewerben u. Handel *) 
Besoldungen . . 
Schottland 
12*588,250 
3*507,233 
7*382,513 
949,397 
Irland 
12*893,S29 
2*705,387 
1*358,213 
4*027,922 
1*167.000 
24*427,393 22*812,351 
- , 23,088,952 22*710,015 
«n.zelnen Städten erschienen in der Classe D Gewerbe und Han- 
Unter lOO ^ 
100—150 
150—200 
200—.100 
300—400 
400—500 
500-000 
600-700 
700—800 
Classe D stellte sich 18"/., folgendermassen : 
Claieen dem Zahl der Oemchäftm- 
Einkommeiu Beitouerten einkommen 
•14,895 2*390,129 
107,400 ■ 
43,709 
37,989 
10,953 
8,371 
0,131 
3,509 
2,301 
Zöll 
ll*s40,731 
0*805,944 
8*425,284 
5*409,480 
3*520,974 
3*152,591 
2*207,808 
1*712,976 
900— 1,000 
1,000— 2,000 
2,000— .1,000 
3.000— 4,000 
4.000— 5,000 
5.000— 10,000 
10,000—50,000 
über 50,000 
r-; r s 
V 1,« ff Einnahmequelle, indem sie allein ungefähr '/, aller 
in n e le ern. Das Schutzzollsystem ist aufgegeben, und wenn die 
Claimen dem Zahl der Oemchäftm- 
Einkommenm Bemtenerteu einkommen 
800— 900.;^ 1,964 1*612,370;^ 
941 
5,885 
1,691 
824 
513 
843 
512 
55 
874,579 
7*567,434 
3*K92,5s7 
2*725,655 
2*251,271 
5*611,670 
9*660,313 
5*090,020 
Einkorn-
        <pb n="34" />
        10 
GKüSSBlíITANIKN. — Finanzen Einnahmen). 
Anhänger desselben gleichwol auf den hohen Ertrag dieser Auflage hin- 
weisen , so übersehen sie, dass von jener Summe schon vor dem Han 
delsverträge mit Frankreich kaum eine IVIill. aus Manutacten herrührte. 
Im J. 1861 lieferten zur Gesammtsumme von 23% Mill.: Zucker fast 
6% , Tabak über 5% , Thee über 5% , Spiritus und Wein fast 4 , — 
diese vier Posten also allein fast 21 % Mill. | alle übrigen Verkehrsartikel 
waren nur mit wenig über 2 Mill, belastet. — Der erwähnte Handels 
vertrag hat die befürchtete Verringerung der Einkünfte keineswegs zur 
Folge gehabt. 
Accise. Dieselbe trifft: Branntwein, Malz, Hopfen, inländischen 
Zucker (nur sehr wenig producirt), und einige Gewerbe, wie Fuhrwerks 
unternehmen, Eisenbahnen, Methverfertigung, Seifen - und Tabaks 
fabrikation, Von Getränken unterliegen blos die im Inlande erzeugten 
der Accise (die vom Auslande eingeführten sind dagegen zollpflichtig). 
Einige der mit dem Accisewesen verbundenen Auflagen (namentlich die 
eine Art Gewerbssteuer bildenden) gehören eigentlich in die Classe der 
directen Steuern. Der Reinertrag der Accise, im J. 1847 12’883,G7S, 
stieg 1860 auf 20 Va, betrug dann, trotz starker Verminderung der Auf 
lage, 1861 fast 19%, 1862 18% Mill., 1863 17'155,000 und 1864 
18’207,000 £, und bildet somit nächst dem Zolle die bedeutendste Ein 
kommensquelle. Als wichtigste Unterabtheilung erscheint die Auflage 
auf Branntwein, 8 Shill, von der Gallone, und im Ganzen 8 /. bis 9 
Mill. £ liefernd, nächst ihr die auf Malz (Bier), 4 Shill., im Ganzen 6'/% 
bis 7 Mill, einbringend; ausserdem müssen vom Hopfen 2 Den. pr. 
Pfund entrichtet werden*). Die Abgabe von Eisenbahnen, 1832 zum 
erstenmal erhoben und nur 634 £ abwerfend, bringt jetzt etwa 350,060 
ein. Es müssen 5 Proc. vom Personentransport entrichtet werden, doch 
hat man die dritte Wagenclasse unter der Bedingung freigelassen, dass 
der Fahrpreis nicht über 1 Den. pr. Meile betrage. Die Papiersteuer 
(zuletzt 1'350,000 JG ertragend) ist seit Oct. 1861 abgeschafft. 
Stempel. Theils eine flxe, theils proportioneile Gebühr, wird er 
hoben von Verträgen, Wechseln, Quittungen, Schenkungen, Testamen 
ten , Erbschaften und F'euerVersicherungspolicen. Der Gcsammtertrag 
war 18«%:, 8’994,000, 18"/,. 9’3I7,000 £. Die Abgabe von Quit 
tungen, Anweisungen und Checks**) beträgt 1 Den. ; — der Wechsel- 
*) Die Branntweincon.sumtion blieb mich lange ziemlich gleich, etwa &lt;»,S Gal 
lone auf jeden Kopf der Bevölkerung ; sie hat sich seit iMiO sogar verringert, 
auf etwa 19'/, Mill. Gallons, statt nahezu 2(1 Mill, im J. Is')!. Der Bierver 
brauch dagegen nimmt stark zu. Schon im J. ward die Bierpreduction 
auf 530 Mill. Gallonen (= 21 Mill. Hectoliter) berechnet. Bei einem Verkauf 
preise von 12 Shill. 2 Den. die Gallone, ergibt sich ein Jahresaufwand der Be 
völkerung von fast 200 Mill. Thlr. für Bier. 
**) In London hat Niemand viel haares Geld im Hause; selbst der mittlere 
Privatmann hat einen Bankier, bei dem er sein Geld hinterlegt. Der Bankier 
gibt ihm dafür ein kleines längliches Buch, dessen Blätter aus gedruckten An 
weisungen bestehen, in welche der Besitzer die Summe einschreiht, die er von 
seinem Gelde beziehen will. Diese Wechsel, welche nach Sicht bezahlt werden 
und auf jede Summe von 1 ^ aufwärts lauten können, nennt man Checks. Man 
bezahlt seine Ausgaben mit diesen Checks, die oft einige Zeit cirkuliren, bis sie 
eincassirt werden. Ein jeder dieser Checks bekommt nun einen Penny-Stempel
        <pb n="35" />
        GKÜSSBRITANIEX. — Finanzen Ausgaben). 
11 
Stempel, nur bei Summen über 100 J6, wird bei inländischen Wechseln 
mit 2 Shill., bei ausländischen blos mit S Den. erhoben. Vermächtniss 
und Erbschaftssteuer sind so normirt : 
- Geschwistern der Eltern und deren Nachkommen . . 5 - 
- Geschwistern der Grosseltern und deren Nachkommen 6 
- sonstigen Verwandten oder Fremden 10 
Der Ertrag dieser Erbschaftssteuer war (stark steigend) ; 
^ 1821 1831 1841 1851 1856 
£ 1N()3,ooO 2’11H,ü00 2’221,000 2’;J79,000 3’ü9S,000 
Die Taxen, eigentlich Assessed Taxes, werden, mit Ausnahme der 
Jagdscheine in Irland, nur in Grossbritanien erhoben. Sie umfassen 
Grund- und Häusersteuer, Dienerschafts-, Wagen - und Pferdesteuer, 
Hunde- und Wagen-, dann Haarpuder- und Jagdsteuer. Die Grund 
steuer ist längst los käuflich erklärt. Die Häuser- trat an die Stelle 
der (übrigens viel höher gewesenen) Fenstersteuer. — Der Gesammt- 
ertrag aller Taxen war 18«*/«, ;V150,000, IS«»/«* 3 218,000 £. Dazu 
lieferten; die Haussteuer 84 4,079, die Abgabe von männlichen Dienern 
208,830, von Luxuswagen 350,833, von Hunden 205,329, von Wap 
pen 60,182, von Haarpuder (bei Bedienten) etwas über 1,000 £. 
Hauptausgaben. Nach der provisorischen Aufstellung für 
1S«%, erforderten: die Erhebungskosten etc. 4’527,433 £. Nach deren 
Abzug ergab sich ein Reineinkommen von 63 328,853. Hievon nahmen 
hinweg: die Schuld 20’21 1,791 = 41,39 Proc., die Land- und See 
macht 20 345,572 = 41,00 Proc., so dass für die ganze Civilverwal- 
tung jeder Art nur 10’77 1,490 £ = 17,01 Proc. blieben. 
Die vcrhältnissmässigc Kleinheit des Bedarfs für die innere Ver 
waltung hat ihren Grund in der 1 )urchführung desSelf-Governments. 
Die Grafschaften und die Gemeinden haben ihre Bedürfnisse selbst zu 
bestimmen und ebenso zu decken, wie sie sich auch selbst zu verw alten 
haben. In grossen Städten findet man oft nicht einen eigentlichen 
Kronbeamten. Nach Porter ‘the progress of the nation in its various so 
cial economical relations) betrug die Zahl aller Angestellten, also mit 
Post- und Zollbeamten, nur ohne die Kriegsmacht, im J. 1835 23,578 ; 
ihre Bezüge aus der Staatscasse waren 2’780,278 £, also etwa 19 Mill’. 
Preuss. Thlr., während die Ausgabe für 51,597 Civilbeamte in dem 
yerhältnissmässig nicht reichen Preussen schon vor Jahren auf bei- 
äufig 30 Mill. ihlr. stieg. Nach einem Blaubuche von 1850 war das 
l ersonal in den eigentlichen Regierungsämtern seit 1835 noch ansehn 
lich verringert worden. Es gab 
im Jahre 1835 3880 Bureaubeamte mit 101,012 £ Besoldung 
- - 1850 nur 2790 - _ yi’,io0 - 
Diese Ersparniss ward hauptsächlich im Militär-, Zoll- und Postwesen 
von 1 lescendenten und Ascendenten . . 
- Geschwistern und deren Nachkommen 
1 Proc. 
3 - 
aufjreklebt. Minister DismAlt .i: o* i ...... • 
halb so gross als erwartet wurde.
        <pb n="36" />
        12 
GKOSSliKlTANlEN. — Finanzen Ausgaben). 
erlangt (sonach handelte es sich nicht einmal blos um die eigentliche 
Civilverwaltung). 
Die Civilliste der Königin beträgt 396,500 £; sie ist der Ein 
kommensteuer unterworfen. Der König-Gemahl erhielt 30,000 £,) 
Ausserdem flössen im J. IS5G von dem Reinerträge des Herzogthums 
Lancaster in die Privatcasse der Königin 7 993 £. Der Prinz von Wales 
hat 100,000 £ Apanage, nemlich 40,000 aus der Staatscasse und un 
gefähr 60,000 Einkünfte vom Herzogthum Cornwall; seine Gemahlin 
bezieht eine Apanage von 10,000, die Kronprinzess v. Preussen 8,000, 
die Prinzess Ludwig v. Hessen 6,000 und die Familie Cambridge 
24.000 £ jährlich. Bei besondern Gelegenheiten erfolgen ausser 
ordentliche Bewilligungen (z. B. 40,000 £ als Aussteuer der Princess 
Royal). Die Kosten des Hofes belaufen sich etwas über 500,000 £, 
ohne Einrechnung des Genusses der Paläste. 
Die diplomatische Vertretung sammt den Consulaten kostet 3SO— 
400.000 £; die geheimen Ausgaben etwa 45,000, das Parlament gegen 
88.000 £*). 
Der Jahresbedarf der Staatsschuld war' 
Jahr 
1850 
1855 
1857 
1800 
1801 
1802 
1803 
1804 
Permanente 
Schuld 
23’9!) 1,942 
23’452,107 
23’0H),575 
23’880,512 
23’8S4,299 
23'703,738 
23'825,027 
23’792,057 
Annuitäten 
3'725,994 
3’840,Mil 
3'985,932 
4’320,3S5 
1’940,033**) 
1’S37,908 
1’910,304 
1’991,840 
Unfundirte 
Schuld 
000,025 
505,505 
1’00S,070 
437,829 
400,087 
000,900 
495,000 
427,288 
Total 
28’323,901 
27’804,533 
28’08l,177 
28,038,720 
20’231,019 
20’142,000 
20’231,057 
20’211,791 
Der Aufwand für Kriegszwecke, 1789 nur 3 Mill. £, betrug: 
Jahr 
1850 
1855 
1850 
1857 
1858 
1859 
1800 
1801 
1802 
1803 
1804 
Landmacht 
8’S81,140 
15’031,002 
32’000,003 
20’811,242 
14,405,850 
13’294,814 
14’915,242 
18’o03,890 
I7’824,299 
17’314,790 
15’523,970 
Seemacht 
0’942,397 
I4’490,I05 
19’094,585 
13’459,0I3 
I0’590,000 
U’215,487 
II’823,859 
13’331,008 
I2’598,042 
11’370,588 
10’821,590 
Zusammen 
15’823,537 A 
30’121,707 - 
5 roo 1,188 . 
34’270,255 ■ 
24’995,850 • 
22’510,301 . 
20’739,102 
31’395,504 
30’422,34l 
28’085,378 
20’345,572 • 
Die Steuererhebungskosten betrugen nach den vcrrechneten 
Summen : 
1855 1856 1857 1858 1859 1864 
0,7 . 0,5 0,2 0,7 0,8 7,1 Proc. 
Unter diesen »Steuererhebungskosten« befinden sich die Ausgaben 
für Betrieb der Posten und für Zollschutz, sowie die Verluste durch be- 
*) Das brit. Museum, 1752 gegründet, kostete in den 110 ersten Jahren 
seines Bestehens 3’339,177 wovon 87,808 durch Privatpersonen geschenkt 
wurden. 1802 erforderten die Gehalte 879,023 , die Sammlungen nur 040,129, 
beide Posten also 1’519,152 it. 
**) Die Verminderung Folge des Erlöschens vieler Annuitäten.
        <pb n="37" />
        GROSSBllITAXIEN. — Finanzen in früherer Zeit. 
13 
'M hgten Credit bei Zoll und Accise. Darnach muss man erstaunen über 
le Wohlfeilheit der eigentlichen Finanzverwaltung. Dies ist dadurch 
wir t, dass das gesammte Cassen wesen nicht bureaucratisch, sondern 
au männisch betrieben wird, und der Bank von England gegen geringe 
Provision übertragen ist. 
. erwähnen ist noch, dass die Geistlichkeit der Hochkirche aus 
1 ren \ielen und grossen Gütern enorme Einkünfte bezieht. Sie geniesst 
ein viel grösseres Einkommen, als selbst die spanische Geistlichkeit 
jemals besass. 
Staatsbedarf in früherer Zeit. Im Jahre 16S5 betrugen die Staats- 
Einkünfte ungefähr l’400,0()0 £. Dazu lieferten: Accise 555,000, 
Zoll 530,000, Kaminsteuer 200,000. Der Rest floss aus den Domänen, 
dem (noch nicht an die Geistlichkeit abgetretenen) Zehnten, den Herzog- 
thilmern Cornwall und Lancaster, und den Geldstrafen. — Was die 
Ausgaben betrifft, so würde die Schuld etwa 50,000 £ jährlich er 
fordert haben, allein dieser Posten ward nicht bezahlt. Die Kriegsmacht 
sammen 730,000 fi^^I^viEl^tln^lalJTmr^Z^lse 2 
wenig; das meiste davon ward durch die Städte oder aus Strafen ge- 
deckt. Die diplomatischen Ausgaben erforderten höchstens 20,000 £. 
AUein neben der Hofverschwendung versclilangen Günstlinge ungeheuere 
Summen. Der Herzog v. Ormond bezog jährlich 22,000, der Herzog 
V. Buckingham 10,600 £. Monk hinterliess ein Jahreseinkommen aus 
seinen vom Staate erhaltenen Gütern von 15,000 Jü; ausserdem 60,000 
'mm J Krzbischof (im Vergleiche zu später, erst) 
oOOO A. (s. Macaulay, hxstory of England). — Im Jahre 1700 betrug 
der Staatsaufwand 7 Mill., - eine für ungeheuer gehaltene Summe. 
} ff ''^^Gn noch enormer geworden. Marlborough 
hatte jährl o4 S2o, seine Frau 0500 £, ungerechnet den Ertrag der 
Ihnen geschenkten Domänen (Blenheim etc.). - Nach dem Normativ 
^ jeder Gesandte in h rankreich, Spanien und beim deut- 
hen Kaiser 100 L täglich, und 1500 £ jährlich für Equipage; die 
irp/l ’ Holland, Schweden etc. Ui £ täglich und 1000 £ Pferde- 
wurden oft Jahre lang nicht ausbezahlt. 
schlug ^""^^^^Gich erheischten grössere Summen. 1707 
7 Mill T der assessed taxes vor, deren Ertrag er auf 
. ' ‘ ^ "lehr, denn diese Zunahme ging ihm zu langsam; 
can rag c u. a. eine Einkommensteuer ; es handelte sich darum, die 
StaatsemkOnfle um 40 l'roe. zu vermehren. Indes, betrug die kin- 
jär de!^'v‘ ' »Chon Sh'COO.OOO, lb05 (letztes
        <pb n="38" />
        14 
GROSSBRITANIEX. — Finanzen in früherer Zeit. 
Staatseinkünfte nie unter 60, mehrmals 70, 1813 fast 72 Mill. 1815 
steigerte man das Budget auf 116’748,258 £, wovon 89’748,958 durch 
Auflagen, die andern 27 Mill, durch Anlehen aufgebracht wurden. (Die 
englische Nation, welche 1801 blos 34 Mill, an Taxen aller Art bezahlt 
hatte, entrichtete also 14 Jahre später fast 90!) Dabei hatte Gross- 
britanien zu Ende des vor. Jahrhunderts nicht die Hälfte seiner jetzigen 
Bevölkerung, und der auswärtige Handel betrug nicht % des jetzigen. 
Von den Auflagen kamen durchschnittlich auf jeden Einwohner: 
1801-10 5 áf 12 Shill. 1 Den. 
1811—20 3 - 15 - 6 - 
1821—30 2 - 5 - — - 
18®%* 2-5 - 0 - (bei niedrigerm Geldwerthe . 
1817 hob man die Einkommentaxe auf. Mancherlei Steuerverän 
derungen erfolgten. Es stellte sich ein neues Defizit ein. Sir Rob. Peel 
erwirkte 1842 Wiedereinführung der Einkommensteuer. Nun bekam 
man neuerdings Ueberschüsse. Endlich ward, neben der Aufhebung 
oder Verminderung sehr vieler anderer Zollsätze, die freie Getreideein 
fuhr (Aufhebung der Kornzölle) 1846 beschlossen, doch erst 1849 voll 
ständig durchgeführt. — Von dieser Zeit datirt eine Umgestaltung der 
Grundlagen des Steuersystems. — Von 1840 bis Ende 1853 wur 
den an alten Abgaben abgeschafft: 18’104,291 £, neue eingeführt 
1 r916,416. Dessen ungeachtet stiegen dieEinnahmen von 47’567,565£ 
im Jahre 1840, auf 54’430,34 1 im Jahre 1853. 
Dieses günstige Verhältniss erfuhr eine gewaltige Störung durch 
den Orientalischen Krieg. Der Budgetentwurf des Kanzlers der 
Schatzkammer für 18”Vs5 entzifferte eine gewöhnliche Einnahme von 
53’349,000£, und einen Bedarf von 56’ 189,000 £ (worunter 1 b’836,000 
für Land- und Seemacht, da man sich bereits im Kriege befand). Doch 
schon unterm 9. Mai forderte der Minister weitere 6 Mill, für Kriegs 
zwecke. Er erhielt die Genehmigung des Parlaments, auch zu dem 
Plane, sämmtliche Kosten des Krieges nicht durch Anlehen, sondern 
ausschliesslich durch Steuererhöhungen zu decken. Vor Allem ward 
Erhöhung der Einkommentaxe beschlossen. Von 1 £ waren bisher 7 
Den. erhoben worden; die Auflage ward verdoppelt, d. h. auf 
b®Vioo Proc. vom Einkommen erhöht. Mit einer Erhöhung auf 8 Proc., 
glaubte der Minister, würden sich alle Kriegsausgaben decken lassen ; 
allein er schlug dies nicht vor, weil er fürchtete, durch zu hohe Steige 
rung das neue Besteuerungsprinzip überhaupt zu gefährden, zumal er 
auch die Einführung einer Erbschaftssteuer veranlasst hatte. Daher 
wurden, neben Erhöhung der Einkommensteuer, um 6’557,000 neue 
Auflagen im Betrage von 3’600,000 £ beschlossen auf Spirituosen, 
Zucker und besonders Malz. — Doch der wirkliche Kriegsaufwand zeigte 
sich grösser als man gedacht hatte. Die Mittheilungen des Ministers 
bei Vorlage des Budgets für 18®%e gewährten folgende Aufschlüsse; 
Die Ausgaben im letzten Eriedensjahre, 18"%*, hatten 51’198,000£ 
betragen; die im ersten Kriegsjahre, 18"%^, dagegen 65 962,000, und 
der Voranschlag für I8"%e stieg bereits auf 86’339,000 £. — Bei so 
sehr gesteigertem Bedarfe ging man von dem Systeme ab, die Gesammt- 
summe der Kriegskosten durch Steuererhöhung aufzubringen. Man
        <pb n="39" />
        GllOSSBKITANIEN. — Finanzen in früherer Zeit. 
15 
sprang zwar nicht zu der in Frankreich angenommenen Methode über, 
Alles durch Anlehen zu decken, benützte nun aber beide Mittel : Steuer 
erhöhung und Anlehen. So beschloss man denn für IS®*/«« folgende 
ausserordentliche Deckungsmittel: a) Anlehen Di Millionen, b) neue 
Steuern 5 300,000 4Í, nemlich Erhöhung der Zölle auf Zucker, Kaffee 
und Ihee um 2’100,000, der Accisegebühren um I Mill., Stempel 
200,000, endlich Erhöhung der Einkommensteuer um 2 Mill. d. h. Er 
hebung weiterer 2 Den. pr. £, (im Ganzen 6% Proc. des Einkommens). 
Mit Dazurechnung der vorjährigen neuen Belastung ergab sich für 
A« eine ausserordentliche Kriegsbesteuerung von nahezu 15*/* 
Mill., und zwar S 557,000 an directen Steuern und 61100,000 JC an in- 
directen Auflagen ; ausserdem die erwähnte Vermehrung der Staats 
schuld von 16 Mill. 
Die Gesammtkosten des Krimkrieges wurden von dem Fi 
nanzminister (Unterhaussitzung v. 19. Mai 1656) so berechnet: 
Mehrkosten des Kriegswesens während der beiden Kriees- 
jahre, K&lt;?sen die beiden letzten Friedensjahre . ... £ 53'OSS OUO 
Hiezu die nicht plötzlich abzustellenden Mehrausgaben im 
ersten Fnedensjahre (lb‘V„) ... - 24’500 000 
Gesaramtsumme der Kriegskosten - 7T’.5SS,ooO 
wovon 17’182,000 durch Steuererhöhung gedeckt. 
Da aber sogar noch im Jahre 1859 390,580 £ für den russischen Krieg 
verrechnet wurden, so dürften die Gesammtkosten wenigstens 78 Mill. 
erreicht haben. (Die Heimschaffung der brit. Truppen aus der Krim 
allem kostete beinahe 5 Mill. Jt.) 
Im Jahre 1856 konnte endlich svieder mit Steuerverminderungen be 
gonnen werden ; Abschafiung der Kriegssteuer auf Malz mit 2’200,000£, 
. lan war im Falle, diese Erleichterung bald im grossartigsten Massstabe 
weiter auszudehnen, indem man 1859 verminderte : die Einkommensteuer 
um J 125,000, die Thee-, Kaffee- und Zuckerzölle um 1,628,582 £. 
Die.spätern Kriegsrüstungen Hessen indess das Budget nicht wieder 
zur frühem geringen Summe herabgelangen. Das Jahr 1860 brachte 
posse ^ue Veränderungen in Verbindung mit dem Franz. Handelsver- 
trage: Herabsetzung der Zölle um 2'840,931 , der Accise um 105,000, 
y m V V™ Zur Deckung wurden andere Positionen des 
^olitanp (wie man schätzte) um 577,901, der Accise um 880,000, des 
höhT^L! 1 63,000, und die Einkommensteuer um l’OOO.OOO £ er- 
anrlprwo'/ begannen wieder bedeutende Verminderungen ohne 
^ -r/. ^ ^ ungen. So ward 1861 die Papiersteuer abgeschafft, 
1 ^ * 350,000 £ schätzte, und die Einkommensteuer 
98/ \rii ' ^^^^cirt. — 1863 neue Verringerung der letzten 
und Herabsetzung des Theezolls um 1’641,541. — 1864 
neue Verminderung der Eink.-Ta.Ke um 1 233,000 und Herabsetzen des 
Zucker Zolls um 1 719,000 £.
        <pb n="40" />
        16 
GllOSSBlUTANIKN. — Finanzen in früherer Zeit. 
Uebersicht der von 1846 — 1 863 erfolgten Verminderung 
oder Erhöhung der Auflagen. 
Jahr Verminderungen nt 
1S46 Zölle 's. Butter,Käse, 
Seidenzeug, Sprits, 
Talg etc.) .... ri51,T!»0 
1847 Zölle (bes. v. Holz) . 344,886 | 
1848 dto (bes. v. Zucker) 585,668 I 
1849 dto (dto) 388,798 ; 
1859 dto (dto, 
dann Stempel) . . 1'319,151 
1851 Fenstersteuer 
(1’878,800 dann 
Zölle) 2’679,864 i 
1852 Zölle 95,928 ' 
1853 Zölle, Accise, Stem 
pel, Taxen . . . 3’24 7,474 
1854 Zölle, Taxen, Stempel 1'284,1 (»7 
1855 Zeitungsstempel 
(250,900 .lé'), Accise 312,960 
1856 Accise etc 2'203,475 
1857 Einkommensteuer, 
Zölle 10'753,582 
1858 Einkommensteuer . 2'100,000 
1859 Nichts — 
1860 Zölle, Accise, Taxen 3'085,931 
1861 Zölle (279,558) Accise 
(Fapiersteuer 
1'350,000), Einkom 
mensteuer (1'060,000) 2'689,558 
1862 Zölle,Accise, Stempel 353,671 
1863 Zölle (1'896,319), Ein 
kommen (2'750,000) 4'646,3I9 
Erhöhungen st 
auf Mehl 2,000 
nichts — 
nichts — 
nichts — 
nichts — 
von nichtbewohnten Häusern 600,000 
nichts — 
Stempel (Erbschaftsahgabe 
2 Mill.), Einkommensteuer 
(750,000, Accise . . . 3'356,383 
Zölle (440,643), Accise ^Malz 
2'450,000, Sprits 450,000. , 
Einkommen (6'614,000) . 9'954,643 
Zölle (2'225,907), Accise 
(1 Mill.), Einkommenst. 
(2 Mill.) 5'225,907 
nichts — 
Zölle 92 
Accise (289,000), Stempel 
(167,700) etc 456,780 
Einkommensteuer . . . 4'340,000 
Zölle (577,904), Accise 
(880.000) , Stempel 
(163.000) , EiiiKommen- 
steuer (1'060,000) . . . 2'680,994 
Zölle, Accise, Stempel . . 80,000 
Accise 252,500 
Zölle, Accise 30,811 
Es stellt sich somit das Verhältniss folgendermassen 
In den 7 Jahren friedlicher Entwicklung 1846 bis 
Ende 1852 
abgeichafft 
6'557,385 
3'247,474 
1'597,067 
15'057,057 
eingeführt 
602,000 
3'356,383 
15'|80,550 
4.56,872 
Im Steuerumgestaltungsjahre 1853 
In den beiden Kriegsjahren 1854 und 55 .... 
In den drei Friedensjahren 1856 bis Ende 1858 
In den beiden Jahren des Hüstens 1859 und 60, und 
bei der letzten Umgestaltung des Zollwesens . 3'085,931 
In den drei Friedensjahren 1861 bis Ende 1863 . 7'689¡548 
Zusammen (vor den letzten Verminderungen) ^ 37'234,4(Í2 
In den Zeiten der Kriegsrüstung waren somit die früheren Abgaben 
verminderungen ziemlich wieder eingebüsst. Indess hat sich, abgesehen 
von der Volkszahl, der Wohlstand und somit die Steuerkraft der Na 
tion bedeutend gehoben, und es sind besonders die für die Consumtion 
hinderlichen Auflagen ansehnlich vermindert. Die Erhöhungen trafen 
zunächst directe Steuern. 
7'020,904 
363,311 
26'98(l,020
        <pb n="41" />
        GKOSSBllITANIEX. — Finanzen (Schuld/. 
17 
ISachdem im J. 1S54 die wirkliche Einnahme brutto 5S’903,495, 
le usgabe nur 51’455,533 £ betragen hatte, änderte der Krimkrieg 
as ganze \ erhältniss, so dass sich in den letzten 1 0 Jahren folgende 
Summen ergaben : * 
J ahr Einnahme 
1^55 (12M 5,952 
JS5() TO’2«!2,SS2 
1S57 72’7ST,9()5 
1S5S r.7’bSl,513 
li»59 05’477,2b4 
Ausgabe 
()9’U12,7(;o 
92’9b6,737 
7&lt;i’042,57ü 
9S’12S,S5S 
ü4’()(i3,S‘j2 
Jahr 
iShU 
ISO] 
isr.2 
1503 
1504 
Einnahme 
7],üS9,«i09 
70’2S3,074 
()9’074,479 
70’(i()3,5&lt;il 
70’20S,9t)4 
Ausgabe 
09’5o2,2S9 
72’792,059 
7niO,4S5 
(19’302,00S 
07’050,2St&gt; 
o&lt;00*),2Sb 
ei^nn r Kechnunpschluss schon am 31. März erfolgt, so würde 
eigentlich immer eher das Vorjahr angegeben sein sollen.) 
auf 7Srsor-°w ^""«f «ich die fundirte Schuld 
m 
blos mehr von dertañí T Manipulationen; n.an lieh nicht 
s Zte% ™^Ärs2h:dd"r.t^ 
%#*## 
2
        <pb n="42" />
        18 
GIIOSSBRITANIEN. - Finanzen (Schuld). 
zum Pariser Frieden von 1703 war die Schuld (grossentheils in Folge 
der Unterstützung Friedrich’s II. im siebenjährigen Kriege) bis auf 
138’865,430 JC angewachsen. Sie verringerte sich nun während des 
Friedens um 10’281,794 und betrug beim Ausbruche des amerik. Un 
abhängigkeitskrieges, 1774: 128’583,035. Dieser Krieg veranlasste 
neue Anlehen im Betrage von 121’2G7,993 beim Friedensschlüsse, 
1784, hatte die Schuld eine Höhe von 249’851,028 £. — Hierauf wie 
der, bis 1793, Verminderung um I0’5ül,480. 
Während der französischen Revolutions- und der Napoleonischen 
Kriege folgten Anlehen auf Anlehen. Man »amortisirte« ununterbrochen, 
d. h. man kaufte Papiere, um andere zu weit wohlfeilerem Course zu 
emittiren. Man bezahlte nicht nur diesen oder jenen Zins, sondern 
man gab, nach Art schlechter Schuldner, Verschreibungen für weit 
grössere Summen als man ausbezahlt erhielt. So wurden z. B. 1798, 
um 17 Mill, zu erhalten, für 34 Mill. Stocks ausgegeben; 1802 statt 
28 für 49 Mill., 1813 statt 27: 45, 1815 statt 30 : 00 Mill. Nachdem 
jetzigen Course der Papiere berechnet, ward die Schuld beiläufig um 
noch einmal so viel Capital vermehrt als man bezahlt erhielt. Man gab 
den Noten der englischen Bank, welche der Staatscasse aushelfen musste, 
Zwangscurs. Damit bekam man, wie gewöhnlich in solchen Fällen, 
eine unsichere Valuta. 1805 verlor das Papier gegen Metallgeld nur 
2% Proc., 1809 16%, in den nächsten Jahren 9, dann 24'% und 38%; 
1814 sogar 41, 1815 noch 30, in den letzten vier Jahren vor Wie 
derherstellung der Metallwährung 19, 2’%, 5 und 0 Proc. — Die ge- 
sammte Schuld Vermehrung während dieses Krieges betrug, nach Abzug 
der amortisirten Summen, nicht weniger als 001’500,313 U (also über 
4,000 Mill. Thlr.), mit 22’829,690 C Jahreszinsen. Der Stand der gan 
zen fundirten Staatsschuld ward für den 5. Jan. 1817 zu 840’850,49 1 JC 
berechnet, zu deren Verzinsung 32’038,19 I £ erforderlich waren. Da 
neben betrug die schwebende Schuld im Jahre 1815 58 Mill. 
England ist die einzige europäische ürossmacht, welche ihre Staats 
schuld in der langen Friedensperiode nach 1815, wenn auch nur in 
mässigem Verhältnisse, zu verringern wusste. Im Jan. 1830 warder 
Stand derselben auf 787’038,810 und der Zinsbedarf auf 29 14 3,5 17 £ 
herabgebracht. I.ange Zeit kamen nur zwei, beides höchst ehrenvolle, 
Fälle einer Vermehrung vor: 1835 wurden 20 Mill, geliehen um die 
Negersclaven in den Colonien von ihren Eigenthümern loszukaufen, und 
1847 10 Mill, zur Bekämpfung der Hungersnoth in Irland. — Neben 
der Tilgung wusste man die Last der Zinsen um % zu vermindern, in 
dem man 1822 die 5procentigen Schuldscheine in 4procentige umwan 
delte (convertirte); 1830 diese auf 3%procentige, und 1844 auch die 
letzten auf 3procentige herabsetzte. (Den Gläubigern bot man baare 
Rückzahlung des Capitals oder geringere Verzinsung.) 
Der Orientalische Krieg von 1854—50 nöthigte zu neuen Anlehen, 
obwol man (im Gegensätze zu Frankreich) den Bedarf möglichst durch 
Auflagen zu decken suchte. Die Schuldvermehrung stieg gleichwol auf 
41 Mill., nemlich 20 Mill, consolidirte Schuld, 7 Mill. Schatzobligatio 
nen, und 8 Mill. Schatzscheine, wozu eine bedeutende Menge Leibrenten
        <pb n="43" />
        GliüSSBKlTAXlEN. — Finanzen Schuld). 
19 
ommt. (Line andere Berechnung entziffert nach den stattgehabten Ab 
tragungen noch 3()’tí45/JS7 X, Schulbvermehrung.) — Während aber 
le Kriege von 17i)2—1815 die Staatsschuld um mehr als 600 Mill, 
fipita , mit einer jährlichen Zinslast von 20 (zeitweise 30) Mill, ver- 
grösserte, sollen die 41 Mill. Schulden vom Orientkriege nach 16 Jahren 
vollständig getilgt sein. 
Die Grösse der Staatsschuld und die nöthige Zins- und Tilgungs 
summe war : 
Fundirte Schuld Nichtfundirte Geiammtschuld 
■1H46 (31. 
IMS 
1S52 
1K53 
1555 
1556 
1557 
] S5S 
IHM) 
lSGO 
Dec.) 
TG4’r.0S,2f»4 
TT4’022,ti3S 
7ül’022,704 
75.5’311,701 
700’77s,500 
770’U31,0SS 
77'.)’0õ5,30í&gt; 
77S’Ó01,7M 
7S0’210,230 
785’204,041 
Fundirte Schuld 
7S4’252,33S 
7S3’300,730 
777’420,224 
IS’310,700 
17’7S0,700 
17’742,500 
10’024,100 
20’500,0oo 
2S’050,700 
25*027,300 
25’&lt;S3,700 
10*230,000 
10*183,100 
Annuitäten 
(capitaliiirt 
10*010,052 
17*757,183 
782*018,‘JM 
701*800,338 
770*305,204 
771*335,801 
703*375,100 
M»7*OK1,7ss 
*'05*2s2,000 
‘'04*445,4^3 
802*440,230 
801*477,741 
Nichtfundirte 
10*517,000 
10*405,400 
13*130,000 
Jährl. Zini- n. 
Tilgungsbedarf 
28*077,OS7 
2s*503,417 
27*034,533 
27*80,,M4 
27*047,‘*00 
28*050,503 
30*083,384 
2‘'*751,470 
28*372,410 
20’s33,470 
Gesammtschuld 
817*3‘'0,200 
817*550,312 
1802 (31. März) 
1803 
1804 
Obwol der Capitalbetrag der Schuld ansehnlich höher ist als 1853, 
zeigt sich doch der Zinsbedarf viel geringer. 
-PS enorme Höhe der Schuld wurde zum 
1 heil durch die Geldunterstützung veranlasst, welche Grossbritanien an- 
W 1 gewahrte. Nach einer Parlamentsurkunde wurden von 1792 
18o3 an Subsidien und vorgestreckten Anlehen bezahlt an: 
Russland 
Kuss.-holländ. Anlehc 
Portugal . 
] leutschland 
Preussen . 
Spanien . 
Schweden 
Oesterreich 
Sicilien . 
Hannover . . 
Kleinere Staaten . . 
Holland Befestigungen) 
^ 0*013,434 
4*130,830 
0*533,355 
7*030,000 
5*000,885 
5*248,773 
4'S45,57I 
4*211,111 
2*734,415 
2*480,1 (»7 
1*733,528 
1*520,705 
Hessen-Cassel 
Deutsche Fürsten . 
Sardinien.... 
Griechisches Anlehen 
Bayern .... 
Hessen-] larmstadt 
Prinz V. Uranien . 
Frankreich 
Braunschwei 
1 läneinark 
Baden. . 
Marocco 
£ 1*271,107 
700.000 
502.000 
503,002 
501.017 
203,581 
220.000 
200,000 
125,080 
121.017 
20,000 
10,371 
bezahlte215,1 26 .B betragenden Summen sind als »zurück- 
iTehenen 2-&gt;0 »Z T:.-""'""" dem dem Prinzen v. Omnien ge- 
2(M( OlMI ioi ' d*® 1815 dem Könige von Frankreich geliehenen
        <pb n="44" />
        20 
GllOSSBKITAXIEX. — Militär (Landmacht,,. 
Vorschüsse etc. für Baden, Darmstadt und Braunschweig datiren noch 
aus den letzen Jahren des vorigen Jahrhunderts. — Im Allgemeinen 
sollen die von England gezahlten Subsidien in den franz. Kriegen pr. 
Soldat und pr. Jahr 11 € 2 Shill, betragen haben. Schon anfangs des 
J. 1&amp;G2 waren diq Zahlungen für Verzinsung der für Griechenland ver 
bürgten Anleihe auf 8-17,545 £ gestiegen. 
Landmacht. Formation. Das Heer wird nur durch Werbung 
17—25jübriger Freiwilliger gebildet. Die Capitulationszeit ist gewöhn 
lich bei der Infanterie 7 oder 1 0, bei der Cavallerie und Artillerie 12 
Jahre. Das Handgeld wechselt, je nach dem Mannschaftsbedarfe. Der 
englische Soldat ist der bestbezahlte und in der Hegel bestgenährte in 
Europa. Dessen ungeachtet wird der Dienst zu I.ande weit geringer 
geachtet als der zur See. Die Löhnung betrügt 1 Shill, und 1 Den. 
täglich (etwa 11 Sgr.) bei der Infanterie, I Shill. 4 Den. bei der Artil 
lerie ; dazu gewähren Wohnung, Kleidung und I,ebcnsmittel einen Vor 
theil von wenigstens 1 Shill. — Die Officiersstcllen, vom Obrist 
lieutenant abwärts, sind käu fl ich ; selbst die traurigen Resultate des 
Krimfeldzugs konnten eine Aenderung nicht erwirken. Niehtkäuflich 
sind die Stellen im Feldzeugamte (d. h. in der Artillerie und im Genie) 
und die durch Tod oder Versetzung vacant gewordenen; auch findet in 
der Marine kein Verkauf statt. (Freis einer übristlieut.-Stelle bei der 
Fussgardo 7250 £, bei der Linieninf. 4500, der Stelle eines Cornets bei 
der Garde 1200, eines Fähnrichs bei der Linieninf. 4 50 £. Der Ge- 
sammtwerth aller verkauften Officierspatente wird zu 8’OOS, 535 C an 
gegeben.) Der Erlös aus dem Verkaufe von Officierspatenten war: 
1844 1845 1853 1854 
:i 41S,s&lt;)5 520,000 024,‘^40 5:(l,:m 
Eine \erfügung vom November 1850 schafi’te die körperlichen Züchti 
gungen der Soldaten (mit »der Oschwänzigen Katze« ab, vorbehaltlich 
gewisser Ausnahmcfälle. Das Avancement war ihnen bis zum Krim- 
Feldzuge beinah unbedingt abgeschnitten und ist auch jetzt nur aus 
nahmsweise ermöglicht. Die Zahl der zu üfficieren beförderten Unter- 
officiere betrug in den fünf Friedensjahren 1840— 1853 zusammen nur 
104, dagegen in den zwei Kriegsjahren 1 854 und 1855 231. — Deser 
tionen kamen im J. 1857 1888 vor. Die Mannschaft erprobte sich stets 
als brav und unerschütterlich im Kampfe, ist indess schwer beweglich ; 
das Officiercorps aber umfasst viele gering befähigte Adelige. — Die 
ganze Existenz des stehenden Heeres hängt übrigens von den alljähr 
lichen Beschlüssen des Parlaments ab; nur immer auf ein Jahr erfolgt 
die Genehmigung der sog. Mutiny-Bill. — Organisation: 
A. Infanterie: 3 Keg. Grenadiergarde'Grenadicr-Guards, Cold- 
steam, Scots Fusileers, zusammen ange bl. 1 3,000 M.) ; 1 00 Linien 
regimenter V. 1000—1400; die meisten blos von einem Bataillon. Die 
ersten 25 sind sog. Doppelregimenter, neml. mit doppelter Zahl; ferner 
hat das üO. Regiment (Büchsenschützen) 4 Bataill. und zählt fast 5000 M.
        <pb n="45" />
        GKOSSBRIïANIEN. — Militar Landmacht). 
21 
T)as 1 OOste Reg. besteht aus Canadiern. — Sodann 1 Scharfschützen 
brigade (Riflemen) von 4 Bataill. und etwa 2000 M. 
B. Cavalierie : 2 Reg. Leibgarde, 1 Reg. Reitergarde (»die 
Blauen«), 7 Reg. Dragonergarden Dragoon-Guards) ; — sodann IS ge- 
wöhnl. Reiter-Regimenter, worunter schwere und leichte Dragoner, Hu 
saren und Lanciers. Die Regimenter meistens mit % — 4 Schwadronen 
oder 6 S Compagnien, und 300 — 700 M. Die Reiterei ist verhältniss- 
mässig sehr zahlreich, und beträgt etwa Vs des Heeres. 
C. Artillerie {Ordnance), in Grossbritanien ganz getrennt ver- 
w altet von der gesammtcn übrigen Armee, eingetheilt in 2 Reg. reitende 
und 2 Fuss-Artill. ; 2 Reg. Ingenieurs, 2 Reg. Train. (Nach anderer 
Angabe; 10 reitende, 50 Feld- und 72 Küstenbatterien.) 
D. Colonialtruppen: 9 Corps, meistens Eingeborene der betr. 
(’olonien und von denselben unterhalten, nemlich : 4 Negerregimenter in 
Westindien, 1 Reg. Ceylonjäger (Riflemen) , 1 Reg. Canadische Jäger, 
1 Reg. auf St. Helena (Freiwillige aus engl. Regimentern), 1 Reg Fen- 
cibles auf Malta; Corps berittener Jäger auf dem Cap (zum Theil Hot 
tentotten) ; 1 Compagnie New-Foundland-Veteranen ; Artill. auf der 
Goldküste, Veteranen auf d. Falklandsins..— zusammen etwa 8000 M. 
E. Heer in Ostindien. Im J. 1858 befanden sich daselbst 
i)8 europäische Infanterie- und 11 Cavallerie-Regim., sammt Artillerie. 
Dazu die einheimischen Truppen, in der Regel auf 3 Jahre geworben 
und von englischen und eingeborenen Offleieren befehligt, welche letzten 
jedoch nicht über den Hauptmannsrang steigen können und selbst in 
diesem Grade den Lieutenants aus Europa untergeordnet sind. Die 
Zahl der eingebornen Soldaten betrug vor dem grossen Aufstande über 
00,000 in 155 Infant.- und 21 Cavallerie - Regimentern, ausserdem 
48,000 Mannirreguläre. — 1804 ist die Stärke 72,084 Europäer (53,000 
Cav., 14,000 Art.) und 111,112 M. Eingeborene (letzte in 
lob Reg.). — Die unterworfenen Fürsten in Ostindien sind zur Stellung 
\on etwa 40,0(10 Mann Hülfstruppen verpflichtet. 
, ^ ' Yeomanry, berittene Gutsbesitzer, etwa 14,000. Die jährl. 
ebungen dauern lo — 14 Tage. Jedes Mitglied erhält jährl. 3 X, für 
niform u. Sold während der Debung, und ist von der Pferdesteuer frei. 
P . ])iGselbe wird in Kriegszeiten aufgeboten. Sie besteht 
aus reiwilligen, kann aber durch Conscription ergänzt werden. Wäh- 
vlr .7®, wollte man sie auf 120,000 Mann bringen, doch 
ge IC . Indess erhält man die Einrichtung fort, und besitzt 114,000 
Mann in 15o Reg. auf dem Papiere. 
. (Volunteers). Im J. 1859 begann man die Bil- 
^ ^ ^ ^^ Y KG nc orp s. Die Staatscasse übernahm einen 
1 heil der Kosten. Die Einrichtung nahm einen raschen Aufschwung in 
England und Schottland (in Irland bestehen sie nicht) ; jeder grössere Ort 
hat seine hreiwiUigen. 
Die Gesammtstärke der engl. Militärmacht beträgt nach den 
Budgetetats für 1 8®*/e5 :
        <pb n="46" />
        22 
GKOSSBRITANIEX. — Militär (Landmacht). 
Infanterie: 13,000 Garden , 135,000 Linie = Ns,000 
Cavallerie : 1300 Elite, 10,000 Linie = 17,300 
Artillerie: 2s,000 zu Eu.ss, 5000 zu Pferd, 4700 Genie = . . 37,700 
Train: 3500, Commissariat 4.500, Colonialtruppen SOOO = 10,000 
Gesammtsumme 210,000 
(Hievon 13(5,307 in Europa und den gewöhnl. Colonien, 72.6S4 in 
Indien, 0347 in den europ. Depot.s der indischen Armee.) 
Festungen. Portsmouth, Plymouth,Falmouth, Yarmouth, South 
ampton. Castelle zu Dover, Dumbarton und Edinburgh: im Mittel 
meere; Gibraltar, Malta; in der Nordsee Helgoland. In der Neuzeit 
viele Verbesserungen der Küstenbefestigung mit grossem Kostenaufwande. 
Kriegsgeschichtliche Notizen. Der englische Armeestand 
betrug 1715 etwas mehr als 1 0,000 M., etwa 550,000 .£ kostend; es be 
fanden sich aber blos 0000 M. in der Heimath. history of Engl.) 
— Der siebenjährige, der nordamerikanische und die spätem Kriege be 
dingten die Vermehrung des Heeres. 
Beim Beginne des grossen Krieges, 1702, hatte man (50—70,000 M. ; 
20,000 davon wurden nach den Niederlanden gesendet. 1 704 erfolgte 
eine Vermehrung um 30,000, 1S07 war der Gesammtstand 182,87(5, 
wovon (50,000 für auswärtige Expeditionen verfügbar. — 1811 stellte 
das damals gering bevölkerte Land: 
140.000 Matrosen und Seeleute, 
237.000 M. Linientruppen, 
83,000 - regelmä.ssige Miliz, 
288.000 M. Gemeindemiliz, 
(55,000 - Reiter von der Yeomanry. 
813.000 Krieger zu ],and u. zur See. 
1S33 war der Effectivstand des Heeres (ohne die ostindischen Trup 
pen) 1 10,700, 1834 88,050 M. Im Krimfeldzug erfolgte die Entwicke 
lung langsam. IS®*51 hatte das Heer 102,283 M., ohne die europ. 
Truppen in Indien, 18®%, 112,077, lS®®/ß« 178,615. Nach dem ersten 
Budgetentwurfe für 18®%y sollte die Landmacht auf 24(5,7 1 (5 M. gebracht 
werden, die Beendigung des Krieges führte jedoch zu einer Reduktion. 
Eine Notiz von 1856 berechnete die Kriegsmacht : 
Stehendes Heer (mit den kön. Truppen in Indien) 275,000 Mann 
Einberufene Miliz 127,000 
Freiwillige 14,500 
Indische Armee 25o,ooo 
Zusammen gegen (570,000 Mann. 
Nach amtlichen Berichten wurden in dem 22jährigen Kriege gegen 
Frankreich 10,70(5 Mann getödtet (jährlich im Durchschnitte 800, wo 
von 10(5 auf der Flotte) und 70,700 verwundet (jährlich 3623, davon 
4 72 auf der Flotte). Die Zahl der »Vermissten« ist nicht angegeben. 
Der britische Verlust in den blutigsten Schlachten war: 
Lajidschlachten Todte Verwundete I 
Waterloo . 1171 5802 
Salamanca . 388 2714 
Vittoria . . 501 2807 
Talayera . . 670 340(5 
Seeschlachten Todte Verwundete 
Trafalgar . 440 1214 
Nil ... 218 (577 
Copenhagen. 254 (580 
Furchtbarer als die feindlichen Waffen wüthen Strapazen, Mangel 
und Entbehrungen. So starben in den 41 Monaten des spanischen Krie 
ges 24,930 Soldaten an Krankheiten, nur 8999 an Wunden. — Noch
        <pb n="47" />
        t 
;GHÜSSB1UTAX1EN. — Militär Seemacht). 
23 
schrecklicher gestaltete sich das Verhältniss bei der Expedition nach 
AValchern (ISO*.)). Bei einem EfFectivstande von 39,21t) M. fielen durch 
feindliche Waffen blos 217 , dagegen starben an Krankheiten (vom 28. 
Aug. bis 23. Dec.) 417."); die Zahl der Erkrankten war 26,846. — 
Besonders entsetzlich waren auch die Resultate des Krimfeldzugs. Blu 
tige Kämpfe, ungewohntes Klima und schlechte Verpflegung wirkten 
längere Zeit zusammen, die Armee zu Grunde zu richten. So waren 
einmal vom bes. schwer heimgesuchten 63. Regiment, das 1200 Mann 
stark ausgezogen war und 300 Mann Verstärkung erhalten hatte, nur noch 
30 unter den Waffen. Im Febr. 1855 starben überhaupt: vor dem Feinde 
6, an Krankheiten im Lager 1407, in den Spitälern am Bosporus 660. 
In der holge ward für Ver%)fiegung ausgezeichnet gesorgt, so dass der 
Zustand der Briten sogar besser als der der Franzosen wurde und weni 
ger Leute im Felde starben, als sonst in den Kasernen der Garde zu 
London. (Bekannt sind die Verdienste der Miss Nightingale.) — Das 
englische Expeditionscorps nach dem Orient zählte ursprünglich 55,530 
M., mit den 27,321 bis zum 9. Sept. 1855 Nachgesendeten 82,901. 
Bis zum bezeichnetcn Tage war der Effectivstand auf 50,271 herabge 
kommen. Gefallen oder an Krankheiten gestorben waren 21,082; In 
validen geworden 11,374 M. — (Ausserdem kamen auf der Flotte der 
Ostsee und des schwarzen Meeres, bei einem Bestände von etwa 37,000 
Mann, ungerechnet die Nachsendungen, in den beiden Jahren 1854 und 
1855 2029 Todesfälle vor, wovon blos 227 in Folge vom Feinde erhal 
tener Munden, dann 228 durch zufällige Verletzungen und Selbstmord, 
hingegen 1547 durch Krankheiten.) 
Nach einigen Mittheilungen des Obercommandanten an den Registrar 
General (abgedruckt im 22. Report desselben) betrug die Zahl der To 
desfälle bei den ausserhalb Grossbritaniens und Irlands befindlichen 
Truppen : 
1854 1855 1856 1857 1858 1859 
,, 7,383 20,315 2,580 3,220 7,363 4,150 
Iruppenzahl auswärts 101,064 77,676 111,730 123,700 
Natürlich sind Diejenigen nicht eingerechnet, welche verwundet oder krank 
nach der lleimath gelangten und in Folge davon daselbst starben. 
ln Ostindien unterlagen dem Clima seit Anfang des jetzigen Jahr- 
underts jedenfalls über 150,000 Soldaten. Selbst vom blos finanziellen 
Standpunkte betrachtet, ist dies ein ungeheurer Verlust; jeder Mann 
kostet bis zur Landung in Indien ungefähr 100 .t. 
Seemacht. Bei der Wichtigkeit der britischen Kriegsmarine lassen 
wir eine uns von competenter Seite in London zugekommene Liste vom 
Aug. 1864 vollständig folgen: 
Panz„,ohitte, '' lÄf"” 
Black 1 rince 41 6100 1250 
40 
38 6621 
38 
Warrior 
Agincourt 
Minotaur 
Northumberland 
Lord Clyde 
Lord Warden 
4067 
Kosten 
330,114 £ 
jetzt unbrauchbar erklärt, 
1350 im Bau 
im Bau 352,075 
im Bau 
1000
        <pb n="48" />
        24 
GKOSSBRITAXIEN. — Militär (Seemacht). 
Panzerschiffe : 
Caledonia 
Ocean 
Prince Consort 
R. Alfred 
R. Oak 
Hector 
Valiant 
Achilles 
Zealous 
Defense 
Resistance 
Cupolaschiffe: 
Rellerophon 
R Sovereign 
Prince Albert 
Scorpion *) 
Wyvern *) 
C orvetten: 
Favorite 
Pallas 
Sloops: 
Research 
Enterprise 
Kan. 
35 
34 
30 
20 
10 
10 
12 
5 
5 
4 
4 
8 
0 
4 
4 
Tons 
4125 
4047 
4045 
4050 
4080 
4003 
0121 
3710 
3720 
3710 
4240 
3003 
2520 
2180 
2372 
1253 
033 
Pferdekr. 
1000 
800 im Bail 
1250 
800 
000 
000 
1000 
800 
500 im Bau 
400 im Bau 
000 im Bau 
200 
100 
Kosten 
211,078 
215,308 
250,300 
381,025 
Eisengepanzerte schwimmende Batterien: 
63,773 
59,079 
Erebus 
Terror 
Thunderbolt 
Aetna 
Glutton 
Thunder 
Trusty 
10 Kan. 
10 
10 
10 
14 
14 
14 
1954 
1971 
1973 
1588 
1535 
1409 
1539 
Tons 
200 Pferdekr. 
200 
200 
200 
150 
150 
150 
II. Gewühiilirbe SchraiibenschifTe. 
Linienschiffe: 
5 von 107—121 Kan. 
14 - 
28 - 
22 - 
Fregatten 
21 von 
14 - 
Corvetten 
22 von 
b - 
Sloops : 
15 - 
12 - 
10 - 
80—97 
70—79 
31—08 
39—40 
35—30 
23—30 
20—22 
13.—17 
17 
11—13 
4— 9 
503 Kan. 
1254 - 
2129 - 
1347 - 
827 
493 
181 
405 
88 
255 
135 
70 
3,100 Pferdekr. 
9,900 
13,050 
12,400 
(3 im Bau) 
12,000 
7.000 
4,100 
7,750 
1,552 
2,300 
1.000 
1,840 
(2 im Bau) 
(3 im Bau) 
(2 im Bau) 
Mörser-Schiffe 'Mortar ships) : 
4 von 12 Kan. 48 Kan. 850 Pferdekr. 
Gun-vessels : 
21 zu 5 u. 0 Kan. HO Kan. 2,700 Pferdekr. (1 im Bau) 
24 - 4 - 90 - 3,840 - (4 im Bau) 
3 - 1 - 3 - 240 - 
Kanonenboote: 
129 - 2 - 258 - 7,000 - (6 im Bau) 
9 _ 1 - 9 - 520 
(3 im Bau) 
*) Sind die 2 Schiffe El Toussain und Monassir, ursprüngl. für die Confö- 
derirten gebaut und von der brit. Regierung angekauft.
        <pb n="49" />
        GROSSBRITANIEX. — Militär (Seemacht). 
25 
0 Kan. 12S Pferdekr. 
SO 
20 
- 2,250 
Yachten: 
1 (nicht bew.) 
Tenders etc. : 
2 "nicht bew.) 0 
Schleppschiffe tugs': 
1 nicht bew.) 0 
Transportschiffe: 
5 zu 4—6 Kan. 20 
Store-ships Hafen-od. Depòtsch.) 
0 zu 0—4 Kan. 12 Kan. 2,S50 
Truppenschiffe: 
4 zu 2 Kan. S Kan. 1,500 - ' 
Schwimmende Werkstätte: 
1 (nicht bewaffnet, 0 Kan. 70 
III. Rad - Uampfer. 
9 Fregatten 16—28 Kan. 165 Kan. 4,730 Pferdekr. 
27 Sloops zu 6 - 162 
3 - - 3 — 9 
15 vessels - 4— 6 - 30 
26 — — 1— 3 — 5 &lt; 
2 Avisos, unbewaffn. __ 0 
17 Tenders, etc. 0 
2 Yachten zu 2 - 4 
3 - unbew. 0 
9 Schleppschiffe (tugs) 0 
1 schwimmende Werkstätte 0 
15 Schiffe von 
23 
15 
28 
8 - - 
9 - - 
IV. Sffflscfciffe. 
72—104 Kan. 
40— 50 — 
20—27 
12—18 - 
8—10 - 
2—6 
9,840 
750 
1,152 
4,474 
500 
1,858 
1,030 
460 
830 
140 
966 Kan. 
1,006 - 
370 - 
402 - 
156 - 
42 - 
3 V\'achtschiffe 
1 Kaserne 
2 Schiffe f. Schiessübungen 
9 Yachten 
1 Hospitalschiff 
3 Lager- (Store-) Schiffe 
1 Entdeckungsschiff 
1 Sloop 
Zusammenstellung: 
• Panzerschifle 27 mit 
Gep. schwimmende Batterien 7 - 
Schraubendampfer .... 386 - 
Itaddampfer 104 - 
Segelschiffe 119 - 
unbewaffnet. 
644 Kan. 
106 - 
8,377 - 
427 - 
2,942 - 
In Allem 743 mit 12,496 Kan. 
*) Hic alte Classifikation der Kriegschiffe gibt keine richtige Darstel 
lung mehr von der Stärke oder Schwäche einer Seemacht. Man kann die offen- 
siye Macht eines Fahrzeugs nicht mehr nach der Zahl seiner Kanonen bemessen. 
Ein Schiff »erster Klasse« nach der alten Schule, mit seinen drei Geschützreihen 
und 130 Kanonen, kann in 10 Minuten vom Wasserspiegel weggefegt werden 
durch ein Schiff von 4 Kanonen wie der »Prinz Albert«, oder von 6 Geschützen 
wie die »Pallas«. Ein solches halbes Dutzend Feuerschlünde schleudert eine 
grössere Metallmasse fort, als die Broadside des grössten Dreideckers. Prak 
tisch hielt man den »Warrior«, obgleich bloss Fregatte genannt und nur 40 Ka 
nonen führend, für den Repräsentanten »erster Classe« nach dem neuen Sy 
steme, bis auch er für ganz unbrauchbar erkannt wurde !
        <pb n="50" />
        26 GllOSSBlUTANIEN. — Militär (Seemacht). 
Die Zahl der verwendeten Seeleute ward im Budget für 1864^05 zu "2,000 M. 
bestimmt. 
Die Grundlage der englischen Ueberlegenheit zur See beruht in der 
Mannschaft der Handelsmarine. Die Kauffahrteiflotte betrug 1S63 an 
registrirten Fahrzeugen ; 
in Grossbritanien in Frankreich 
Segelschiffe . 20,309 von 4’T33,212 Tons 14,845 
Dampfer . . 2,298 - 594,861 - 330 
Dabei besass Britanien eine Ueberlegenheit in der Grösse der Schiffe 
(763 Segler und 119 Dampfer von mehr als SOO Tonnen, während Frank 
reich an beiden zusammen nur 30 hatte). Die Zahl der aufgezeichneten 
(registrirten) Seeleute war 1858 in Frankreich 90,217, in Grossbritanien 
227,41 1 (nach einer andern Angabe sogar 254,135, und mit Einrech 
nung der vorhandenen Kriegsmarine 322,835). Dagegen konnte die fran 
zösische Regierung bisher vermittelst der Seeconscription beliebig 
Mannschaft auswählen, während man dieselbe in England durch M er- 
bung (noch in dem alt-napoleonischen Kriege selbst durch das Matrosen- 
Fressen) zu erlangen suchen muss. Sodann nöthigt die Ausdehnung 
der britischen Colonien zu einer Zersplitterung der Seemacht, so dass 
Frankreich eine ansehnliche Schiffszahl verhältnissmässig leichter \ erei- 
nigen und damit vielleicht einige Schläge ausftthren könnte. 
Bei einer Vergleichung der jetzigen Stärke der britischen Marine mit 
jener zur Zeit des ersten Napoleon darf man sich nicht auf Gegenüber 
stellung der Schiffszahl beschränken. 1809, in welchem Jahre die Kriegs 
marine am grössten war, zählte dieselbe 981 Kreuzer und 77 Transport- 
und Hafenfahrzeuge, mit 1 10,000 Seeleuten. Heute ist die Menge der 
Schiffe geringer, allein eine moderne Fregatte zweiter Classe ist einem 
frühem Dreidecker weit überlegen. Die alten Fahrzeuge von 7 1 Kanonen, 
woraus der grösste Theil der damaligen Linienschiffe gebildet war, 
stehen den jetzigen Fregatten von 32 Kanonen an Umfang und Metall 
gewicht entschieden nach. Im Durchschnitte schoss jede Kanone damals 
lOVs Pfd.. schon 1859 war der Durchschnitt 38. (Die »Ariadne«, eine 
Fregatte dritter Classe oder Corvette, hat 300 Tonnen mehr Tragfähig 
keit, als Nelson’s Admiralschiff »Victory«; sie besitzt nur 26 Kanonen, 
indess sind dies 68- und 94Pfünder.) Zu Ende des grossen Krieges hat 
ten die colossalsten Schiffe 1000 Tons, sie schleuderten beim Abfeuern 
300—400 Pfund Metall gegen den Feind und kosteten 36,000 C. Jetzt 
ist das Verhältniss : 6000 Tons, 1400 Pfd. Metall und 360,000 .1! Kosten. 
(Die Kosten eines Kriegsschiffs wurden früher zu lOOO £ auf die Ka 
none angenommen, jetzt gewöhnlich 4000 .t.) 
Die Stärke der Bemannung war nach dem älteren Systeme : 
Linienschiff von 110 Kan. 950 M. Fregatte von 50 Kan. 450 M. 
_ - SO - 750 - - - 30 - 300 - 
_ 70 - 620 - 
Die liöhnung betrug im Durchschnitte (alle Range einbegriffen) : 
1852: 39 ^ 14 sh. 8 den. 
1858: 43 - 3 - 
In der Schlacht von Trafalgar (der grössten Seeschlacht) hatten 
die Engländer 27 Schiffe mit 2196 Kanonen. Ihnen standen entgegen: 
18 französische mit 1352 und Id spanische mit 1222, also 33 Schiffe
        <pb n="51" />
        GllOSSlilllTAXIEN. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 27 
mit 2574 Feuerschlünden. Xur 14 dieser alliirten Fahrzeuge entkamen, 
zum Th eil als blose Wracks, nach Cadix. — Während des letzten rus 
sischen Krieges standen am 1. Jan, 1S5G in activem Dienste (m com- 
nusswn) : 325 Schiffe mit G231 Kanonen und 03,335 Seeleuten. 
Sociale, (iewerbs- iiiiil llamielHvcrliältiiisHe. 
Allgemeine Bemerkungen. Die gesammte Bevölkerung ward bei Auf 
stellung des Census von 1851 und 1801 folgendermassen classificirt : 
England 
Schottland 
(&gt;. Indefinite 
l'ro fesfiioTutl class 
Domestic 
Commercial 
Agricultural - 
Industrial 
1851 
376,434 
1U'U10,:143 
528,599 
2’0'54,1.53 
4'143,293 
7s4,7S7 
1861 
481,957 
11’426,720 
623,710 
2’(»10,454 
4’82'5,399 
694,984 
1851 
42,001 
r731,279 
74,756 
388,203 
543,662 
108,841 
1861 
52,515 
1’734,295 
84,338 
378,609 
694,074 
118,463 
17’927,609 2o’o66,224 2’S88,742 3’062,294 
Der nach andern Xormen abgefasste Census von Irland führt auf: 
Grundeigenthümer [landed proprietors) 8,412, Landleute [agriculturists) 
909,030, Handel- und Gewerbsleute 815,350, gelehrte Stände [learned 
professions) 11,095, andere »liberale Stände« [other liberal professions) 
1000; mit Unterricht besehäftigt 19,310, im Civildienst 20,504, Militär- 
und Seedienst 30,328, vermischte Erwerbszweige 829,138, ohne be 
stimmte Bezeichnung 3 092,030, zusammen 5 798,907. — Eine zweite 
Classification lautet: Beschäftigt in Gewerben für Xahrung l’o53,031, 
Kleidung 490,450, Wohnung, Möbelbereitung und Maschinerie 403,547, 
für Transport und Reisen 08,793, Bank- und Agentschaftswesen 4,555, 
Tdteratur und Erziehung 40,840, Religion 1 0,025, Wohlthätigkeit 982, 
Gesundheit 0,733, Reehtspfiege und Verwaltung 55,083, Vergnügun 
gen 2,840, Künste und Wissenschaften 757 unclassificirt 3’000,338. 
Diese säinmtlichen Classificationen sind ziemlich eigenthümlich. Zur Er 
läuterung derjenigen , welche England betriflt, bemerken wir: die erste Kate 
gorie pro/cMioM«/c/iM«) ist amtlich in drei Unterabtheilungen zerlegt: a. Gouver 
nement, beginnend mit der Königin und herabgehend bis zu den l’olizeidienern, 
Briefträgern und Docksarbeitern. Die Zahl der Postangestellten stieg im letz 
ten Jahrzehnt von 8,881 auf 14,131, die der Polizeiagenten von 16,392 auf 
21,938, und jene aller Angestellten (oder Verwendeten von 66,724 auf 87,356: ; 
— b. Militare 131,944 statt voriger 85,818; — c. Gelehrte und Künstler 262,663 
s^att 204,093. Dabei sind inbegriffen: anglikanische Geistliche 19,195 früher 
17,.120, protestantische Pfarrer 7,840 fr. 6,405, katholische Priester 1,216 fr. 
966;^— ferner 3,071 Anwälte [barristers,, 2,385 Aerzte, 110,364 I.ehrer fr. nur 
94,878 einschliesslich 24,770 I.ehrerinen und Gouvernantinen, 3,395 Schrift 
steller und 185 Schriftstellerinen; — endlich 15,021 Musiker und Musiklehrer 
(18.)1 iiur 11,105), 2534 Photographen (statt 45), 3329 Civilingenieure. 
Die zweite Kategorie [domestic class' begreift 6’705,805 Frauen ohne selb 
ständige Beschäftigung, 3’150,048 Schulkinder (1851 2'297,232\ 962,786 Dienst 
mädchen etc. 
In die dritte [commercial, Classe gehören: 56,000 Handlungsgehilfen, 
11,000 Handlungsreisende, 53,699 Eisenbahnbedienstete, 2,612 Angestellte bei 
Telegraphen (darunter 213 weibliche , 27,759 Laufburschen unter 15 Jahren. 
Die vierte, von dem Ackerbau lebende Classe umfasst 1’631,652 männliche 
und 378,802 weibliche Personen. Die Zahl hat gegen 1851 um nahezu 74,000
        <pb n="52" />
        28 GROSSBIUTANIEN. — Sociale, Gewerbs- und Hanclelsverhältnisse. 
abgenommen ; namentlich verringerte sich die Zahl der Dienstknechte von 
288,272 auf 204,'.&gt;02, während die der laglöhner wie der harmer sich ungefähr 
gleich Wiebdu^tri^jiien Classe gehören 3’202,510 männl. und 1'505,8Y&gt; Avcibl. 
317,832 (statt 254,150). 
In allen Zweigen der Industrie waltet der Grundsatz der freien 
Thäti^keit. Daher volle Ge werbsfre i heit jedoch Beschränkung des 
Wirthschaftsbetriebs aus »Sittlichkeitsrücksichten«). Im \ölkerverkehre 
wird der Freihandel erstrebt. Man hat noch sehr hohe Finanz Zölle 
auf wenige (zunächst im Inlande nicht producirte) Artikel, aber keine 
eigentlichen »Schutzzölle« mehr. Hinsichtlich des Ackerbaues besteht 
— ein nach wirkender Fluch der Eroberung des Landes durch die 
Xormanen — in grosser Ausdehnung Gebundenheit der Güter durch 
das Majoratswesen. Der Ackerbau ist blühend , sein Ergebniss jedoch 
bei weitem nicht so glänzend wie das der Industrie. Grossbritanien be 
darf jedes Jahr einer Ungeheuern Getreidezufuhr. Die Gesammtsumme 
der importirten Quantitäten betrug, mit Einrechnung des Mehles, das 
letzte auf die entsprechende Getreidequantität reducirt : 
Jahr Quarters Weizenpreis 
1K43 l'433,''0l sh. 50 1 '' 
1840 4’752,174 - 54 8 
1K47 11’012,804 - 00 0 
1848 7’52S,472 - 50 0 
1851 O’ö 18,020 - 38 0 
1852 7’740,0e0 - 40 0 
1853 10’173,135 - 53 3 
1854 7’000,544 - 72 5 
1855 0’278,813 - 74 8 
Jahr Quarters Weizenpreis 
1850 0’330,425 sh. 00 2 d. 
1857 0’100,IM) - 50 4 
18.58 11’203,705 - 44 2 
1850 10’270,774 - 43 0 
1800 14*404,070 - 53 3 
1801 10’004,014 - 55 4 
1802 18’441,701 - 55 5 
1803 15*353,352 - 44 0 
Nicht ganz die Hälfte besteht aus Weizen. — Man kann sonach 
annehmen, dass Grossbritanien dermalen jährlich 1U-—1.'&gt; Mill. Quarters 
Brodstoffe vom Auslande bezieht, und dafür 22 Io Mill. L (also etwa 
1.15 — 300 Mill. Thlr.) entrichten muss. Gleichwol ist England das 
reichste Land der Erde. Die Werthe, welche die Industrie schafft, sind 
ungleich grösser, als wenn die Arbeitskraft für den Anbau der zum 
Lebensunterhalte nöthigen Brodstoffe verwendet würde. \ or Aufhebung 
der Kornzölle, d. h. vor ISIO, ward ein Import von zwei Mill. Quai- 
ters schon für sehr bedeutend angesehen; IS.lo betrug die Einfuhr von 
Weizen nur 40,530Quart, und von Mehl 84,6S4 Cntr. Seitdem ist die 
Einfuhr bis zu einem Quantum gestiegen, von dem man früher geglaubt 
hätte die ganze Welt könne dasselbe nicht liefern. Ueberdies ist der 
Getreidebezug von auswärts nicht mehr eine Sache zufälligen Bedarfs, 
sondern ein Zweig des regelmässigen Handelsverkehrs. 
Das naturgemässe, hier nicht verdrängte Frincip des Self-Govern 
ment trägt zur Entwickelung des Wohlergehens der Nation mächtig bei. 
Ungeachtet des enormen Missstandes einer Anhäufung des grössem 
Grundbesitzes in den Händen einer kleinen Anzahl von Adelsfamilien 
(welcher Missstand jedoch durch häufige Heirathen Adeliger mit Ferso-
        <pb n="53" />
        GliOSSlilllTAXIEX. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 29 
nen aus dem Volke, und durch das Herabsteigen der Nachgeborenen in 
geringere Standesgrade, gemildert wird)—erproben jene freien Einrich 
tungen einen so überwiegend wohlthätigen Einfluss, dass der Wohlstand 
des englischen Volkes höher gestiegen ist, als der irgend einer andern 
Nation. Ebenso ergeben alle Vergleichungen, dass dieser Wohlstand in 
dem nemlichen Masse zunahm, in welchem das aristokratische Element, 
besonders in Fragen der Besteuerung, gebrochen ward (Einführung der 
Einkommensteuer, Aufhebung der Komzölle etc.). 
In welcher Ausdehnung sich die Lage des Volkes verbesserte, hat 
besonders Macaulay {llhtory of England, gezeigt. Bekannt ist, um wie 
viel besser der englische Arbeiter lebt, als der auf dem Continente. Es 
zeigt sich jenes am entschiedensten an der Zunahme der mittleren Le 
bensdauer. Nach Quetelet kam um das .Jahr 1700 unter den Arbei 
tern in England jährlich ein Sterbefall auf 13, um 1S40 erst einer auf 
51 Einwohner. — Es zeigt sich an der starken Fleischconsumtion, durch 
schnittlich pr. Einwohner 130 deutsche Zollpfund in England, dagegen 
nur 30% in Frankreich, 35% in Preussen, 50% in Baden. Es zeigt 
sich aber auch an dem Verbrauche der wichtigsten Colonialprodukte. 
Der Jahresverbrauch betrug nämlich : 
IbOl—10 
ISll—20 
1S21—30 
1 S31—40 
1 b41 —50 
1S51—00 
1501 
1502 
1503 
Zucker 
Centner 
2’405,310 
2’552,TOT 
3’350,03S 
3’7SS,.51T 
5’170,133 
7’7!*0,540 
OM so,OSO 
0’370,slS 
0’452,0S1 
Thee 
Pfund 
23’50S,300 
24’424,700 
2S’407,100 
30'441,700 
44'2S7,000 
05M 00,450 
77*027,750 
7S’703,077 
S5'1S3,2S3 
Kaffee 
Pfund 
2*270,500 
7*51S,S00 
14*103,000 
24*052,7(0) 
32*053,100 
3.5*100,042 
35*202,040 
34*451,700 
32’7(i2,005 
Wir fügen eine, wenngleich etwas ältere Vergleichung der Consum- 
tion an Colonialprodukten in Grossbritanien und Frankreich bei, nach 
dreijährigem Durchschnitt, den Betrag auf Zollpfunde reducirt : 
Frankreich 
Jahre im Ganzen pr. Kopf 
1S21—23: 05*042,000 3, IS 
1S51—53: 174*700,000 4,SO 
1S21—23: 10*440,000 0,53 
1S51—53: 40*120,000 1,11 
1S21—23: 12S.000 0,04 
1S51—53: 320,000 0,00 
1S2I—23: 42*008,000 1,42 
1S51—53: 137*000,000 3,SO 
Groiebritanien 
ira Ganzen pr. Kopf 
ZucLrr: 
313*080,000 14,00 
002*003,332 25,38 
Kaffee : 
7*144,000 0,34 
31*010,332 1,15 
Thee: 
20*024,000 0,08 
56*200,066 1,45 
Baumwolle: 
141*076,666 0,71 
071*552,000 24,44 
Allerdings producir! Frankreich auch noch Rübenzucker. Doch er 
gibt sich selbst unter Einrechnung desselben nur folgendes Verhältniss, 
welches zugleich das Schutzzollsystem illustrirt :
        <pb n="54" />
        30 GKÜSSBKITANIEN. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Orossbritanien Frankreich 
im G.iiizeii pr- Kopf im Ganzen pr. Kopf 
1S59: S7S’2'J2,000 Pf. :iTü’4l0,G14 10,2S 
Die Zunahme des Zuckerverbrauchs ist besonders beachtenswerth. 
Vom Jahre IbOO bis 1644 blieb sich die Consumtion per Kopf der Be 
völkerung fast gleich, ja nahm zeitweise sogar noch ab. Dagegen ver 
doppelte sie sich in der Periode von 1645—54. Es betrug der Ver 
brauch während der 
14 ersten Jahre unseres Jahrhunderts (Kriegszeit) pr. Kopf 16 Pfd. 7 Unzen 
in den 30 nächstfolgenden Friedensjahren nur - 17 - 3 
Es wirkte die Erschöpfung nach den Anstrengungen des Krieges. In 
den fünf Jahren 1815 bis 1610 sank der Verbrauch sogar um 2*/^ Pfd. 
gegen die Kriegsperiode (wozu die allgemeine Theuerung beitrug). Erst 
1630 und 31 erhob sich die Consumtion auf 10 Pfd., fiel dann aber 
wieder in den 10 Jahren 1635 bis 1645 auf 17 bis 16 (1640 sogar auf 
15), wozu das Steigen der Zuckerpreise beitrug Später erfolgte Sinken 
der Preise und Zollermässigung : damit Erhöhung des Verbrauchs, 1645 
auf 20 Pfd. Von 1644 —54 ward der Zucker um 4 4 Proc. billiger; es 
stieg die Consumtion von 17 Pfd. im J. 164 1, auf 31 im J. 1654. — 
Das Jahr 1655 brachte die Zollerhöhung aus Veranlassung des Orienta 
lischen Kriegs, — der Verbrauch ging auf 30, 1650 sogar auf 26 Pfd. 
zurück. Seitdem neue Consumtionsvermehrung, 1603 auf ungefähr 
32*2 Pfd. 1601 Herabsetzung des Zuckerzolls durchschnittlich auf 10 
Schill, pr. Cntr. (In Neu-Süd-Wales war der Zuckerverbrauch vor ei 
nigen Jahren 52, in Victoria 04 engl. Pfd., in der Schwindelpcriode von 
1652—51 sogar über 1 Cntr.) — Der Kaffee verbrauch nimmt in Eng 
land nicht zu, anders dagegen der des The es. Allerdings hatte 
die Kriegserschöpfung auch darin einen Rückschlag erzeugt ; die Con 
sumtion, 1601 pr. Kopf 1 Pf. 6 U'nz. betragend, war 40 Jahre später 
auf 1 Pf. 0 Unz. herabgegangen und hatte sich 1651 erst auf 1 Pf. 
15 Unz. gehoben. 1601 dagegen stand die Ziffer auf 2 Pf. 1 1 Unz, und 
wird sich 1604 wol bis zu 3 Pf. vergrössert haben. (In Victoria beträgt 
die Consumtion 7‘ j, und war sogar schon 1&lt;* Pf.) 
Die Theeconsumtion stieg folgendermassen : 
1640: 1,06 deutsche Pfund pr. Kopf 
1650: 1,7 
1657: 2,2 - - 
1603: 2,0 - - - - 
Von 1613 bis 03 stieg ferner die Einfuhr nachbemerkter Artikel: 
1846 1854 1860 1863 
Butter, engl. Centner 257,365 462,514 640,112 060,7'i6 
Käse 341,062 366,714 563,263 750,2^5 
Eier, Stück. . . . 72’252,15'J 121’040,sol 107*005,400 200*020,0^0 
Die Weinconsumtion ist bis zum franz. Handelsverträge Stillstehen 
geblieben; für den inländischen Verbrauch wurden verzollt: 1646 
0*740,310 Gallonen, 1600 ebenso 0*716,565, dann aber: 1601 
10*093,071, 1602 9*70 1,155 und 1603 10*122,105 
Der Stand der Sparcassen war je zu Ende folgender Jahre :
        <pb n="55" />
        GROStSBKlTANIEX — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 31 
1846 
in England 26,759,SIT 
Wales 674,657 
Schottland 1’3S3,‘'66 
Irland 2’924,910 
Zusammen 3r743,25u 
1850 
25’655,145 
64S,669 
r.325,063 
1’3(12,165 
2»5’930,‘T^ 
1860 1863 
35’666,4S1 35’657,7S1 
r034,732 1’Ü12,735 
2’414,073 2’976,3S1 
2’143,(iS2 2’674J39 
41’25S,36S 41'021^636 
Es machte sich die Handelskrise von 1S4 7, die polit. Bewegung 
von 1&amp;4S, und ganz bes. die Umgestaltung in Irland bemerkbar. — Die 
Zahl der Einleger, IS30 nur 412,217, stieg 1S5S bereits auf 1’479,723. 
Dabei ist die Zunahme der kleinen u, mittleren Beträge erfreulich: 1859 
zählte man Einleger : 
bis zu Z' 1 213,473 I von 46—100 201,992 
von - 1—5 294,739 - - loo—200 77,316 
- - 5—10 690,551 j - mehr 1,652*) 
Im Sparcassewesen hat übrigens seit Sept. 1801 eine Umgestaltung 
begonnen. Alle Postexpeditionen sind zur Annahme von Spargeldern 
von 1 Shill, bis 30 £ jährl., bis zu einer üesammtsumme von 150 £, 
angewiesen. Dieselben werden zu 2% Proc, verzinst. Beamte der Staats 
schuldenverwaltung haben diese Beträge in 3proc. Consols anzulegen. 
Die Vortheile dieser Einrichtung bestehen darin, dass Einlagen und 
Rückerhebungen in jeder der 3004 Postexpeditionen erfolgen können, 
und zwar jeden Tag. Die Einlagen betrugen Ende 1803 3’370,828 
(wovon nur 99,359 in Schottland und 145,934 in Irland). Während 
des Jahres waren 2'704,733 £ eingelegt, 1’020,207 zurückerhoben 
worden. 
Neben den Sparcassen bestehen noch mannichfache ähnliche An 
stalten, wie Penny-Banken (welche Einlagen bis zu 1 Penny herab und 
nicht über 2% Shill, auf einmal annehmen). Sehr verbreitet sind die 
h r t endly Societies (auch Benefit Societies), Vereine zu gegenseitiger 
Unterstützung in Krankheits-, Alters- und Todesfällen; im J. 1859 gab 
es solcher Gesellschaften in England 28,550, in Schottland etwa 700, 
in Irland 400; die Mitgliederzahl ward (da Viele mehr als je Einer Ge 
sellschaft angehören) schon 1857 auf zwei Mill., das Gesellschafts ver 
mögen auf 9 Mill. £ geschätzt, und letzteres meist bei Sparcassen ange 
legt. Sodann bestehen viele Lebens- und Renten Versicherungsanstalten, 
Vorschussvereine, Genossenschaften u. s. f. 
Den Aufschwung des Volkswohlstandes im Ganzen bezeugen 
unter andern auch folg. Daten: Der Handel hat sich von 1830 — 00 um 
mehr als 200 Proc. vermehrt; die Tonnenzahl seit Anfang des Jahrhun 
derts verdreifacht (die Einfuhr betrug nicht % der jetzigen, die Ausfuhr 
inländischer Erzeugnisse stieg von 33 auf 100 Mill. £.) Die Eisen- 
production, von 1801 — 10 durchschnittlich 258,000 Tonnen, erreichte 
1840 - 50 1'700,000, 1802 sogar 3'943,409.— Dabei besitzt das Ver. 
*) Nach Berechnungen des trefflichen Vorstands des statist. Bureaus in 
Preussen, Geh. Reg.-Raths l)r. Engel, kam übrigens im J. 1S60 je ein iSpar- 
cassenbuch in Grossbr. auf 17,S Einwohner, in Preussen auf 31,3, im Königr. 
Sachsen dagegen schon auf Allein der Durchschnittsbetrag jedes Conto 
war : in Sachsen 59,S3 Thlr., in Preussen SO,14, in Grossbr. 183,7. Die grössere 
Entwicklung des Sparcassewesens — ohnehin kein absoluter Massstab — ist 
also wesentl. blos holge des grossem Reichthums in England.
        <pb n="56" />
        32 GKÜSSBIIITANIEN. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Königreich gegen 2500 deutsche Meilen Eisenbahnen, welche (ungeach 
tet der schlechten Verwaltung) einen Ertrag liefern, welcher das Ein 
kommen eines Königreichs zweiten Ranges übersteigt. Porter schätzte 
die jährliche Zunahme des brit. Nationalvermögens auf SO Mill. £ (534 
Mill. Tldr.). 
Irländische Verhältnisse. Irland bildet die Schattenseite, mit seiner 
früher vom freien Grundbesitz ausgeschlossenen, durch den auswärts 
wohnenden Adel ausgesaugten und durch seinen Klerus in Unwissenheit 
erhaltenen bettelhaften, trägen und schmutzigen Bevölkerung. Es ergab 
sich die furchtbare Erscheinung der Massen-Auswanderung. Bis etwa 
zur Mitte der lS40er Jahre erfolgte fortwährend eine starke Volksver 
mehrung, dann die entsetzliche Volksverminderung, nemlich : 
Provinzen 1841—51 
in Leinster . . . 15,25 Proc 
- Munster . . . 22,47 - 
- Ulster .... 15,00 - 
- Connaught . . 2S,yl - 
auf der ganzen Insel 19,S5 - 
Die Zahl der Familien war : 
1851—61 
13,94 Proc. der Bevölkg. 
19,OS - 
5,04 - 
- 
12,02 - 
1841 1851 1861 
P472,TST 1'204,319 1’129,21S 
Also Verminderung von 1S41 — 51 um 1S, 23 Proc., 1S51 —61 wei 
ter um 0,24 Proc.; zugleich ein Beweis, dass in der ersten dieser Perio 
den ganze Familien fast ebenso oft auswanderten wie einzelne Individuen, 
während sich dieses Verhältniss zuletzt etwas milderte. — Auch die 
Zahl der bewohnten Häuser (siehe S. 4) hat in der ersten dieser Perio 
den um 21,27, in der zweiten wieder um 5,00 Proc. abgenommen. 
Die Zahl der irischen Auswanderer, und die Summen des Gel 
des , welches sie sendeten, um ihren Zurückgebliebenen ebenfalls die 
Auswanderung zu ermöglichen, werden so berechnet : 
Jahr Auswanderer 
1S47 
1S4S 
1549 
1550 
1551 
lb52 
1S53 
1954 
220,000 
191,000 
219.000 
214.000 
254.000 
225.000 
329,937 
150,209 
Gesendetes 
Geld 
400.000 £ 
540.000 - 
957.000 - 
900.000 - 
1’404,000 - 
1’439,000 - 
l’730,OOO - 
Jahr Auswanderer 
1955: 
1 \50 : 
1S57: 
1959 : 
1S59: 
ISOO: 
ln 14 13 
79,9.54 
90,7s| 
95,091 
OS,093 
94,599 
00,935 
Gesendetes 
Geld 
973.000 £ 
951.000 - 
593,105 - 
472,010 - 
021,170 - 
043.045 - 
Jahren 2'209,399 11’214,59G;^ 
Die Grösse des frühem Nothstaiules wird u. a. durch die Thatsache 
bezeichnet, dass bei der Volkszählung von 1951 in verschiedenen klei 
nen Städten mehr Personen im Workhouse lebten, als ausserhalb 
desselben ; zu Listowel befanden sich nahezu zweimal so viel darin ! 
Seit Mitte der lS50er Jahre schien eine Wendung zum Bessern 
einzutreten. Die Zahl der Auswanderer verminderte sich; 1S5G kehrten 
sogar etwa 19,000 über das Meer in ihre Heimath zurück. Doch sank 
die Volkszahl noch immer. Die Zahl der Armen hat ungemein abge 
nommen. Es erfolgte die Aufliebung der Unveräusscrlichkeit des Bo 
dens, und damit die Möglichkeit, dass die Bebauer des Landes aus bio 
gen ausgesaugten Kleinpächtern freie Eigenthümer werden konnten. Die
        <pb n="57" />
        ’GROSSBRITANIEN. — Sociale, Gewerbs- und Handelsrerhältnisse. 33 
Acreszahl des angebauten Landes vermehrte sich schon in den 10 Jahren 
von 1841 — 51 von 13’464,300 Acres auf 14 802,581, der Werth des 
Viehstandes, 1841 zu 21 Mül. angegeben, betrug 1855: 35*322,995 ü. 
Der Taglohn stieg, ja es fehlte oft an Arbeitern. Die Gefängnisse, bis 
dahin zu klein und überfüllt, leerten sich mehr und mehr. Indess haben 
sich die Verhältnisse neuerdings ungünstig gestaltet. Die Auswan 
derungen häufen sich wieder. Die Armenzahl wächst neuerdings ; 
nach Rieh. Griffiths sollen 6*290,000 Acres Landes unbebaut, und 
davon 3*755,000 culturfähig sein; der Geldwerth der Ackerproducte, 
1856 — 59 durchschn. 39*437,000 £, fiel (nach Whiteside) 18®%| auf 
34*896,000, 18®%, auf 29*077,000, 18®%, sogar auf 27*327,000 £. 
Mit Getreide waren 1863 144,719 Acres weniger angebaut als im Vor 
jahre; mit Knollengewächsen 19,358 weniger; zugenommen haben die 
Wiesen und der Leinbau, zus. um 71,648 Acres. Nach Abzug dieser 
Zunahme blieb gleichwol eine Verminderung des gesammten angebauten 
Bodens um 92,431 Acres. (Mit Lein waren im Ganzen 213,992 Acr. 
bestellt, 63,922 mehr als im Vorjahre.) 
Zahl der Armen. 
1849: 
1850: 
1851 : 
1852: 
1853: 
1854: 
1855: 
1850: 
1857: 
1858: 
1859: 
1800: 
1801 : 
1802: 
1803:. 
1804: 
Die Zahl der Unterstützten betrug in 
England 
(je am 1. Jan.) 
934,419 
920,543 
800,893 
834,424 
798,822 
818,337 
851,309 
877,707 
843,800 
908,180 
800,470 
851,020 
890,423 
910,100 
1*142,024 
981,300 • 
Schottland 
(am 14. Mai) (1. 
82,357 
79,031 
70,900 
75,111 
75,437 
78,929 
79,887 
79,973 
79,217 
79,199 
78,50l 
77,300 
78,433 
78,724 
78,717 
Irland 
oche d. Jahres) 
020,747 
307,970 
209,187 
171,418 
141.822 
100,so2 
80,819 
73.083 
50,094 
50,582 
44,800 
44,929 
50.083 
59,.541 
60,228 
08,130 
Die öffentliche Armenunterstützung betrug in 
England Schottland Irland 
1849: 7’710‘017 577,044 2*002,752 
1853: 0*854,788 544,552 1*070,499 
1858: 8*449,057 640,701 570,372 
1800: 8*075,904 603,277 530,026 
1861 : 8*395,212 683,902 595,192 
1802: 8*800,074 719,317 052,245 
1803: 9*325,071 736,028 701,031 
Man bemerkt das permanente Herabgehen der Armenzahl in Eng 
land und Schottland bis zur Zeit des Orient-, dann des Indischen Kriegs, 
vor Allem aber der Ilandclsstörungen in Amerika, — Beweis, welche 
schlimme Einwirkung diese Ereignisse auf die innere Entwicklung aus 
übten. Ganz besonders bezeichnend ist aber die ungeheure Armenver 
minderung in Irland, die freilich auch einen Rückschlag erfuhr. 
Einkommengrösse. Bezeichnend für die Vertheilung des Natio 
nalvermögens sind die Ergebnisse der Fassionen für die Einkommensteuer. 
Kolb, StatUtik. 4. Aufl. 3
        <pb n="58" />
        34 GROSSBIUTANIEN. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Eine Vergleichung der Listen aus den Jahren 1812 und 1847 ergab 
nachbemerkte Zunahme der Zahl der Steuerpflichtigen nach SchedulaD, 
von Industrie und Handel : 
von 150—500 
500—1000 
1000—2000 
2000—5000 
5000 und darüber 
Zunahme 19(1% 
148 
148 
118 
189 
Die Bevölkerung war im Allgemeinen um etwa (10% gestiegen, — 
der Wohlstand also 3 mal stärker als die Bevölkerung gewachsen. 
Später gestaltete sich das Verhältniss weniger günstig : 
Einkommen 
zwischen 50 u. 100 
— 100 — 150 — 
150 - 500 - Zunahme 
500 - 1,000 - 
1,000 - 2,000 - 
- 2,000 — 5,000 - - 
5,000 - 10,000 - 
10,000 - 50,000 - 
über 50,000 - 
von 18*%, von 18»%, 
bis 18»%, bis 18»%, 
Zunahme 100,06 Proc, 
Abnahme 16,32 - 
7 Proc. Zunahme 5,63 - 
9,56 - - 5,60 - 
16.43 - - 2,45 - 
25,11 - - 3,26 - 
31.44 - - 0,62 - 
42.44 - - 10,11 - 
142,10 - - 17,39 - 
Die grossen Einkommen sind unverhältnissmässig gestiegen. In 
den niedrigsten Steucrclassen hatte ein Rückschlag stattgehabt. Die 
(oben mitgetheilte) neuere Liste deutet eine Besserung an. 
Volksbildung. Das Schulwesen ist schlecht; doch geschieht nun 
mehr als früher für dasselbe. Die Staatsausgabe für Volksschulen ist 
für 18®Vg5 auf nur 705,404 ü festgesetzt. Die Zahl der unter Inspection 
der Behörden stehenden Volksschulen in Grossbritanien (ohne Irland) 
betrug 1803 7730 mit 1’008,025 Kindern (1854 erst 3825 Anstalten 
mit 461,445 K.). — Der Census von 1861 ergab für England r 4’449,242 
Kinder im Alter von 5—15 J.; davon erhalten überhaupt 2 616,731 
Unterricht; 638,274 sind »auf andere Weise beschäftigt« (!), ri04,247 
sind zu Hause ohne Schulunterricht. — Der Cengus von Schottland 
führt 467,056 Schüler auf. Bei Absclfliss des Heirathsactes konnten 
im J. 1841 10,8 Proc. der Neuvermählten ihren Namen nicht unter 
schreiben; 1858 war die Zahl auf 32,3 und 1850 auf 32,2 Proc. herab 
gegangen. Im letztbezeichneten Jahre stellte sich das Verhältniss so : 
bei den Bräutigamen 26,7, bei den Bräuten 37,6 Proc. Bei den Män 
nern war es am günstigsten im Bezirke London, wo 80,4 Proc. unter 
schreiben konnten, dann in Westmoreland 86,7 ; am ungünstigsten in 
den Grafschaften Monmouth 55,6 und Hertford 56,4. Von den Bräuten 
wussten am meisten zu schreiben die aus Surrey 81,2, und die aus 
London 80,0 ; am wenigsten die von South-Wales 40,5, von North- 
Wales 44,4, und Lancashire 45,'0 Proc. 
Ein Zeichen steigender Volksbildung ist die Zunahme des Papier 
verbrauchs. Die Accise wurde entrichtet für folgende Pfundzahl: 
1800 1842 1855 1858 1859 I860 
29’266,000 96’693,000 155’657,843 176’29S,997 197’684,847 2O7’821,013 
Dies ergibt einen Papierverbrauch von 2,28 Pfd. pr. Kopf im J. 
1800, einen solchen von 6,1 Pfd. 1858 und von 7,2 1860. Der wirk-
        <pb n="59" />
        3* 
GKOSSBKITAXIEN, — Sociale, Gewerbs- und HandeUverhältnisse. 35- 
liehe Unterschied ist noch grösser, da das Papier durch Fabrikations 
verbesserung feiner geworden. Von obiger Menge kamen 1S5S, was 
auch bezeichnend ist, auf England 12S’929,067 Pfund, Schottland 
39 513,235, Irland (nur) 7’S50,t)95. Die Zahl der Zeitungen etc., 1651 
erst 563, betrug anfangs 1662 1165. 
Zahl der wegen Verbrechen Angeklagten in* 
1649: 
1S54: 
1600: 
1661 : 
1602: 
1603: 
England 
27,816 
29,359 
15,999 
16,320 
20,001 
20,616 
Schottland 
4,357 
3,994 
3,267 
3,229 
3,030 
3,404 
Irland 
41,969 
11,766 
5,360 
5,560 
0,000 
0,076 
Industrie. Man zählte 1662 (nach Rob. Hunt) gegen 3000 Kohlen 
gruben mit 250,000 Arbeitern, 390 Bleibergwerke mit 21,500, ferner 
167 Kupfer- mit 22,000 Arb., 146 Zinnbergw. mit 14,500 ; dazu 27.000 
Arb. in den Eisen- und 1000 in den Zink- und andern Werken, ergibt 
336,000. Die Production der Bergwerke war 1662; 
Toni Werth 
Steinkohlen 6P036,33S 20’409,564;^ 
Roheisen . 3’943,409 9’656,072 - 
Kupfer . . 14,M3 1*493,241 - 
Blei . . . 09,031 1*430,345 - 
Zinn. . . 6,470 963,210 - 
Toni Werth 
Zink ... 2,151 50,546 
Silber . fUnz. 060,123) 169,041 - 
Gold . ( - 5,299) 20,390 - 
And. Metalle 250,000 - 
Zus. ca. 60*000,000 34’091,037~ 
Im J. 1663 ward der Werth der geförderten Mineralien zu 29’151,9 76 
i.*, jener der daraus gewonnenen Metalle zu 36’364,327 £ berechnet. 
Im J. 1662 verunglückten 1133 Bergleute in den engl. u. schottischen 
Kohlen - u. 105 in den Eisengruben; 1663 betrug die erste Zahl 907 
die letzte 91.*) 
Im J. 1658 standen im Betriebe in: 
England 
Hüttenwerke ... 02 
Hochöfen .... 444 
von letzten angezündet 332 
Wales Schottland 
57 32 
212 177 
153 132 
Die Zahl der unter dem Reglement über die Arbeitszeit stehenden 
Fabriken betrug im J. 1650; 4600, 1656 : 51 17; 1661 aber 6376. 
Die Zahl der in diesen Anstalten beschäftigten Arbeiter war in diesen 
1 crioden : 596,062, 662,49/ u. / /5,034. — \on den Hetzten waren 
467,261 männlichen, 306,273 weibl. Geschlechts. Rechnet man die 
ausserhalb dieser Manufakturen (zu Hause) beschäftigten Arbeiter (1656 
bereits 677,369), dann deren Angehörige (1656 3’Ü06,062) dazu, so 
wird die » tabrikbevölkerung« auf etwa 4’600,000 Individuen zu veran 
schlagen sein. Spindeln zählte man 36 450,026. Die verwendeten 
Dampfmaschinen hatten 375,294, die benutzten Wassergefillle 29,339 
*) Einem parlamentarischen Ausweise über die Kohlenbergwerke zufolge 
wurden in Grossbritanien 1851 — 1861, somit in 10 Jahren 005*154,940 Tonnen 
Kohlen producirt, wobei 8400 Men^^hen zu Grunde gingen. Somit käme ein 
Menschenleben auf je 71,880 Tonnen, und die 5 Millionen Tonnen Kohlen, die 
jährl. nach London kommen, wären Todesursache für 70 Menschen. Im J. 
1803 ergab sich, dass in Süd-Wales je 45,390 Tons 1 Menschenleben kostete 
in den schottischen Werken erst 1 Mill. Tons. ’
        <pb n="60" />
        • 36 GllOSSBRITAXIEX. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Pferdekraft. Von den Fabriken befanden sich 5652 in Engl., 56S in 
Schottl. u. 158 in Irl. — Von der Gesammtsumme kamen 2887 Fabrik, 
auf die Baumwolle-, 1679 auf die Wolle-, 399 auf die Lein- u. Jute- 
u. 771 auf die Seideindustrie. Die verarbeiteten Rohstoflfe u. den Pro- 
ductenwerth berechnete man 1856 folgendermassen : *) 
Fabriken in Verarbeitete Bohstoffe 
Pfund Werth 
Baumwolle . . . 8TT’22.%400 20’103,OS.3 
Wolle Ii)9’ö31,599 10’314,4T7 
Gemischten Zeugen 80’0()0,(M)0 5’000,0()0 
Lein etc 52S’289,104 7’2.54,S75 
Seide y’290,260 9'754,779 
Zusammen 1'694,336,409 52’427,214 
Oesammtpro* 
duction 
:e 
55'29S,778 
23'942,976 
12’715,569 
15’100,(»00 
IS’900,000 
Í25’957,323 
davon ans- 
gefdhrt 
38^2^3,779 
5’985,744 
6’415,.569 
6’262,58S 
2’966,938 
59’914,609 
Die Einfuhr der 
Hohe Baumwolle 
Centner 
1837 3’665,581 
1853 7’993,.560 
1857 8’654,633 
1860 12’419,096 
1861 11’223,078 
1862 4’678,333 
1863 5’978,422 
wichtigsten Rohstoffe für 
Schafwolle etc. Rohe Seide 
Pfund Pfund 
48’379,70S 
119’396,449 6’480,724 
129’749,898 12’077,931 
14S’396,577 9’178,647 
147’172,841 S’71(),681 
171’943,472 K»’372,123 
177’377,664 9’221,145 
Gewebefabriken war : 
Jute 
Centnir 
Hanf, Flachs etc. 
Centner 
962,294 275,578 
782,271 618,833 
768,033 816,787 
769,355 904,092 
915,807 963,774 
1’067,913 1'223,033 
Handelsverkehr. Eine Vergleichung des früheren und jetzigen Han 
delsverkehrs ist namentlich dadurch erschwert, dass früher bei der Ein 
fuhr nur der sog. officielle Werth (nach einem Tarif aus dem J. 1694) 
aufgezeichnet wurde. Erst seit 1854 wird dabei auch der »wirkliche 
Werth« verzeichnet (auf Grundlage einfacher Declaration). Anders ward 
es schon früher bei der Ausfuhr gehalten. Indess muss auch dabei 
der wechselnde Werth der zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts mit 
Zwangscurs versehenen Banknoten berücksichtigt werden. Der wirkl. 
Werth der Ausfuhr britischer Producte betrug in den 5 ersten Jahr 
zehnten durchschnittlich ; 
1801 — 10 1811—20 1821—30 1831—40 1841—50 
40'731,970 51'484,461 36'600,536 45'144,407 57'381,293 
Von 1854 an liegen vollständigere Berechnungen vor. Die Haupt 
ergebnisse sind, naeh dem »wirklichen Werthe« und bei der Ausfuhr mit 
*) Nach Fairbairn's Angaben beschäftigten die Metallbergwerke und 
Schmelzöfen Englands so viele Dampfmaschinen, dass sie zusammen 450,000 
Pferdekräfte repräsentiren ; die Dampfmaschinen der Manufakturen haben zu 
sammen 1’350,000 Pferdekraft, die Dampfschiffe 850,000, die Lokomotiven 
1 Million ; dies macht zusammen 3'650,000 Pferdekräfte ! Da aber diese Maschi 
nen durchschnittlich mit dem Dreifachen ihrer nominellen Kraft arbeiten, so 
ist obige Zitier auf 11 Millionen zu erhöhen. Man rechnet gewöhnlich 7 Men 
schenkräfte gleich einer Ifferdekraft, somit verrichten die englischen Dampf 
maschinen eine Arbeit, zu deren Leistung 77 Millionen Männer nöthig wären, 
welche dem mannskräftigen Theile einer Bevölkerung von 250 Millionen ent 
sprechen; somit arbeiten die englischen Dampfmaschinen fast so viel, als alle 
Arbeiter Europa's bei angestrengter Thätigkeit an mechanischer Arbeit leisten 
können.
        <pb n="61" />
        GROSSBRITAXIEN. — Sociale, Gewerbg- und Handelgverhältnisse. 
37 
Ausscheidung der eigentl. britischen Erzeugnisse von den fremden und 
denen aus den Colonien : 
Einfuhr 
Aotfuhr 
engl. Producto coloniale u. fremde 
—o Zusammen 
1854: 152’3i&gt;9,053 9T’184,T2G 1S’636,3G(&gt; 115’821,092 
1855: 143’542,85ü 95’G88,085 21’003,215 11G’G91,3()0 
185G: 172’544,154 115’82G,948 23’393,4ü5 139*220,353 
1857: 187*844,441 122*0GG,107 24*108,194 146*174,301 
1858: 164*583,832 116*608,756 23*174,023 139*782,779 
1859: 179*182,355 130*411,529 25*281,446 155*692,975 
1860: 210*530,873 135*891,227 28*630,124 164*521,351 
1861: 217*485,024 125*102,814 34*529,684 159*632 498 
1862: 225*716,976 123*992,264 42*175,870 166*168 134 
1863: 248*980,942 146*489,768 49*485,005 195*974,773 
Der Gesammtverkehr mit den wichtigsten einzelnen Ländern betrug 
1S62 (von 1863 liegt nur eine provis. Aufstellung des Betrags der Ein 
fuhr vor) : 
1862 
1863 
Ausland Einfuhr 
Hansestädte 5*957,260 
l'reussen 7*833,927 
Hannover 276,253 
Oesterreich 1*179,844 
Zus. Deutschland ohne Holstein, 
Mecklenburg etc. 15*247,284 
Russland: nördl. Häfen . , . Í 10*328,153 
südl. - . . . l 4*772,906 
Schweden u. Norwegen . . . 3*804,189 
Dänemark, Island, Schlesw.-Holst. 2*165,040 
Holland 7*863,031 
Belgien 4*876,212 
Frankreich 21*675,516 
Portugal 2*040,396 
Spanien 3*766,437 
Italien 2*569,525 
Päpstl. u. Adriatische Häfen . . 48,786 
Griechenland 797,568 
Türkei: europäische 4*261,009 
Wallachei u. Moldau . . . 633,524 
Syrien u. Palästina .... 126,242 
Aegypten 12*225,783 
Algerien (franz.) 47,264 
Azoren u. Madeira (port.) . . . 363,816 
Marocco 434,071 
Verein. Staaten 27*715,157 
Mexiko 619,508 
Centralamerika 492,340 
Hayti u. St. Domingo .... 151,719 
Neu-Granada 811,304 
Venezuela 9,397 
Ecuador 95,023 
Brasilien 4*414,187 
Uruguay 992,328 
Argentinische Staaten . . . . 1*133,071 
Ausfuhr 
14*115,552 
3*998,663 
1*628,365 
1*301,042 
21*043,622 
3*224,455 
509,163 
1*577,202 
1*129,602 
10*641,103 
4*550,152 
21*765,669 
1*888,225 
3*778,398 
5*658,800 
508,283 
314,197 
3*863,527 
220,431 
603,513 
2*550,052 
47,126 
159,887 
212,148 
19*173,907 
816,870 
172,246 
479,842 
826,083 
229,991 
1,076 
3*860,342 
467,668 
869,292 
Einfuhr 
6*916,213 £ 
6*231,717 
189,643 
879,457 
14*217,030 
9*291,922 
3*127,268 
4*463,212 
2*429,513 
8*660,278 
5*174,221 
24*024,619 •) 
2*333,809 
4*922,917 
2*286,319 
70,363 
980,439 
5*300,535 
634,738 
121,873 
16*495,581 
104,204 
338,923 
427,834 
19*570,815 
2*294,337 
485,918 
276,610 
774,311 
23,767 
68,608 
4*491,000 
1*220,629 
1*239,651 
•) Die Ausfuhr war 22*938,290, wovon aber nur 8*667,138 brit., dagegen 
14*271,152 st Colonial- und fremde Waaren.
        <pb n="62" />
        38 GKOSSBKITANIEN. — Sociale, Gewerbs- und Ilandelsverhältnisse. 
1862 
Ausland 
Chile 
l*eru 
China (mit Hong Kong).... 
Afrik. Westküste 
Alle fremde Länder zusammen 
Britische Besitzungen. 
Canalinseln 
Gibraltar 
Malta 
Ionische Inseln . _ 
Nordamerik. Colonien . . . . 
Westind. Besitzgn. u. Guiana 
Australien 
I3rit. Ostindien 
Singapore 
Cejdon 
Mauritius 
Cap u. Natal 
Brit. Besitzungen zusammen 
Total, Ausland u. Colonien 
Einfuhr 
2’M)3,434 
2’31)4,092 
12’137,095 
1’705,769 
645,501 
97,559 
110,819 
339,254 
8’499,393 
6’255,027 
7’109,809 
34’133,551 
2*375,813 
2*488,262 
967,714 
1*517,851 
65*128,530 
225*716,976 
Ausfuhr 
979,344 
836,365 
3*237,336 
1*175,506 
1863 
Einfuhr 
2*288,863 £ 
3*565,328 
14*195,549 
1*389,953 
160*588,446 121*909,398 165*576,129 
996,869 
1*144,698 
517,901 
337,139 
4*781,353 
3*335,629 
12*847,325 
15*346,426 
1*093,164 
607,215 
542,120 
2*034,568 
44*258,736 
166*168,134 
648,508 
69,130 
158,562 
192,879 
8*165,669 
8*611,881 
7*160,638 
48*434,517 
1*830,522 
3*700,806 
1*986,270 
1*919,843 
83*404,813 
248*980,942 
Von dem Gesammthandelsverkehre kamen auf den mit 
fremden Ländern 
britischen Besitzungen 
Einfuhr 
1854: 118*239,554 
1858: 125*969,434 
1860: 167*571,386 
1861: 164*946,878 
1862: 160*588,446 
1863: 165*576,129 
Ausfuhr 
79*446,217 
97*774,106 
120*524,414 
116*271,905 
121*909,398 
Einfuhr Ausfuhr 
34*149,490 36*374,875 
38*614,398 42*008,673 
42*959,487 43*996,937 
52*538,146 43*360,593 
65*128,530 44*258,736 
83*404,813 
Der Handel mit Frankreich, der vor dem Handelsverträge von 1800 
sehr unbedeutend war, nimmt nun die erste Stelle ein. Trotz des Krie 
ges steht der mit den Ver. Staaten auf gleicher Höhe. Der mit Deutsch 
land ist merklich zurückgeblieben. — Im Verkehre mit den Colonien 
nehmen Ostindien und Australien die ersten Stellen ein. Von der Aus 
fuhr kamen im J. 1863 auf die wichtigsten Häfen : Liverjmol 65*154,232 
.£, London 36*211,516, Hull 13*556,251, Glasgow 6*776,368, South 
ampton 4*671,991, Newcastle 1*894,281, Leith 1*552,899.— Banke 
rotte in Engl. 1862 9663, 1863 8476. Im ersten Jahre konnte in 
6916 Fällen nicht ein Pfennig aufs Pfund bezahlt werden; im zweiten 
erhielten die Gläubiger in 996 Fällen Etwas. 
Post. Bei den bis 1839 fortbestandenen hohen Portosätzen stieg 
die Zahl der durch die Post beförderten Briefe (trotz der Strenge in Wah 
rung des Monopols) nur bis auf 79*968,606. Die Einführung eines 
Portosatzes von nur 1 Penny für den einfachen Brief in ganz Grossbri- 
tanien und Irland brachte die grossartigste Vermehrung. 1861 beför 
derten die Posten 593 Mill. Briefe, 72 Mill. Zeitungsblätter, 12,3 Mill. 
Kreuzbandsendungen und 7*586,455 Geldanweisungen im Betrage von 
14*616,348 t (1862 605*471,606, 1863 angebl. 642* Briefe. Davon 
kamen 1862 auf London allein 151*619,060). — Es bestanden 1860 
bereits 11,441 Postbüreaux. Der Postdienst ging damals täglich über
        <pb n="63" />
        GllüSSlilllTANIEX. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 39 
144,000 engl. Meilen Weges. Auf jeden Einwohner kamen in England 
jährlich 20% Briefe (in London 46), in Schottland 17, in Irland 8. 
Canäle. Im J. 1858 war das Actiencapital der Canäle in England 
13’053,606, in Schottland und Irland 722,228 £. 
Eisenbahnen. Ende des Jahres 1862 standen im Betriebe 11,551 
eijgl. = 2506 deutsche Meil. (8176 Meil. in Engl., 1777 in Schottl., 
1598 in Irland.) Die Eisenbahnstatistik vom J. 1862 ergibt: 
Anlagekosten Passagiere Einnahme Betriebskosten 
in England 31 S%17,U38 152’43T,927 24'529,002 12’ü.i0,5Sl 
Schottland 43’656,693 17’G10,927 3'153,404 1'520,056 
Irland 23’324,707 10’43G,&amp;73 l’44ü,092 697,772 
3S5’21S,438 180’485,727 29'128,558 14’268,409 
Eine Notiz ergibt bis Neujahr 1864 402’215,525 JC Anlagekosten 
und für 1863 eine Reineinnahme von 1 (&gt;’048,931 JC. — Schon 1861 
betrug die Zahl der beförderten Personen 17 3’7 21,139 (ungerechnet die 
Abonnenten auf längere Zeit), der Thiere 1 3 082,376 Stück, der Waa- 
ren 94’243,327 Tonnen. Im Betriebe standen 1843 erst 1736 engl. 
Meilen, 1848 4626, 1854 8028. Die Einnahme wechselte (bes. wegen 
Entstehens weniger rentabler Bahnen) nach Procenten des aufgewende 
ten Capitals folgendermassen : 
Jahr Boheinnahme Reinertrag 
1843 8,28% 4,94% 
44 8,70 5,22 
45 9,13 5,48 
46 9,05 5,25 
47 8,08 4,69 
48 6,77 4,0:, 
49 5,93 3,44 
50 5,70 3,31 
51 6,32 3,67 
52 6,27 3,44 
Jahr Roheinnahme Reinertrag 
1853 6,80% 3,80». 
54 7,30 3,93 
55 7,24 3,90 
56 7,69 4,00 
57 7,87 4,19 
58 7,52 3,91 
59 7,94 4,13 
60 8,37 4,39 
61 7,88 4,06 
62 7,56 3,86 
Von 1 850 bis 1858 wurden 142 Personen durch Eisenbahnunfälle 
getödtet und 2830 verwundet ; 1858 276 getödtet und 556 blos verwun 
det; 1861 79 Reisende get. 789 vcrw.; 1862 35 g. 536 v.; 1863 35 g. 
401 V. — 1863 legten sämmtl. Züge 116’592,161 engl. Meil. zurück, 
d. h. 21 Mill, mehr als die Entfernung der Erdg von der Sonne. 
Telegraphen. 1863: 13,893 engl. Meil. mit 65,012 M. Drahtlänge 
und 1755 Stationen; beförderte Depeschen 3’400,000. Dazu 887 Meil. 
unterseeische Leitungen. 
Handelsmarine. Im J. 1863 waren, ungerechnet die den Colonien 
gehörenden Fahrzeuge, 28,637 Seeschiffe von 5’32S,073 Tonnen regi- 
strirt, wovon 2298 Dampfer mit 594,861 Tonnen. Diese Aufstellung 
ergibt indess ein unrichtiges Bild. Die Zahl der wirklich verwende 
ten Fahrzeuge betrug 20,877 mit 4 795,279 T. und 184,727 Seeleu 
ten. Hievon waren 1120 Dampfschiffe mit 511,751 T. und 31,076 See 
leuten. (1849 betrug die Gesammtsumme 18,221 Sch., 3’096,34 2 T., 
152,611 Seel.; davon waren nur 414 Dampfer mit 108,321 T. und 
8446 Seel.) 
Die Gesammtzahl der in britischen Häfen im J. 1863 ein- und aus 
gelaufenen Schiffe (einschl. Colonial- u. Küstenverkehr u. mit Einrech-
        <pb n="64" />
        40 GIÍOSSBKITANIEX. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisae. 
nung wiederholter Fahrten) hatte eine LadungsfUhigkeit von 26’73S,733 
Tons; davon kamen 17'019,302 auf britische, 9’719,341 auf fremde 
Schiffe. Die wirkliche Ladung (nach Abrechnung des Ballastes) betrug 
23 025,163 Tons. — In den 11 Jahren 1S50—01 verunglückte durch- 
schnittl. von 201 Schiffen auf jeder Fahrt eines, 1802 schon 1 von 147 
iim Ganzen 1827 Beschädigungen). Wälirehd aber in jener Periode 
durchschn. 798 Menschen ertranken, ging die Zahl 1802 auf 090 herab, 
Dank vorzugsweise den Rettungsbooten. 
Um die Mitte des 10. Jahrhunderts besass England erst 135 (meist 
kleine) Seeschiffe. Die gesammte Kriegs- und Handelsmarine hatte um 
das Jahr 1002 einen Gehalt von nur etwa 45,000 Tonnen, also nicht 
halb so viel, als jetzt das kleine Bremen besitzt. 
Baaknotennmlaaf. Staatspapiergeld gibt es nicht. Die 1094 ge 
gründete Bank v. Engl, emittirt Noten, deren geringster Betrag jedoch 
nicht unter 5 £ herabgehen darf. Ausserdem gibt es sehr viele Banken, 
nemlich, nach Gilbart’s Zusammenstellung von Mitte 1800: 
54 Privatbanken ohne Notenemission in London, 
90 - - - im I.ande, 
153 Privat-I.andbanken mit Zettelausgabe, 
10 Joint Stock-Banken *) in London, 
22 Land-Joint stock-Banken ohne Zettel, 
63 - - - - mit solchen 
302 Banken zusammen. 
Dazu folgende Filiale: 
18 in TiOndon von dortigen Stockbanken, 
90 auf dem Lande von der London and County-Bank, 
50 von den Landbanken ohne Zettel, 
203 - - mit solchen, 
67 - - Land-Stockbanken ohne solche, 
394 von den Land-Stockbanken mit solchen, 
13 Anstalten (Hauptanstalt und Filiale) der Bank von England, 
19 Colonial- und andere Joint stock-Banken mit Haupteomptoiren zu 
London, ohne Bankgeschäftsbetrieb daselbst 
1,255 Anstalten und Filiale zusammen. 
Ende 1803 betrug die circulirende Notenmasáe: 
Noten der Bank von England 21'355,000 
- J'rivat-Landbanken 3'220,036 
- Joint Stock-Banken 6'119,596 
- Banken in Schottland 4’639,664 
- Irland 5'940,253 
Zusammen 38’054,513 
Es besteht die gegen Schwindelei wichtige Bestimmung, dass die 
Actionäre von Zettelbanken mit ihrem gesammten Vermögen haften 
müssen. 
Nationalvermögen. Die Summe der gegen Brandschaden versicher 
ten Werthe betrug 1803: 1,1 12’380,848 £, wovon 73’309,898 auf die 
abgabenfreien landwirthschaftlichen Vorräthe kamen. 
Das ganze Nationalvermögen wurde 1856 so geschätzt: 
*) Die Joint stock-Banken betreiben ihre Geschäfte theilweise mit depo- 
nirten Geldern, für welche (nur bei ihnen) Zinsen vergütet werden.
        <pb n="65" />
        GliOSSBRITAXIEN. — Auswärtige Besitzungen. 
41 
Unbewegliches Eigenthum .... ca. 1550 Mill. 
Gebäude _ 6.^4 
Hausgeräth, Werkzeuge, Luxusgegenstände - 220 
AVaarenvorräthe aller Art .... - 110 
Landwirthschaftliche Vorräthe ... - 02 
Schiffe _ 50 
2046 
Hiezu Fondspapiere " _ 1200 
Zusammen £ 3S40 = circa 25,650 Mill. Thlr. 
Zieht man auch den Betrag der Nationalschuld ab, so bleiben im 
mer noch ca. 2600 Mill. -U (gegen 17,400 Mill. Thlr.). 
Diese Annahme ist indess unzweifelhaft viel zu gering. Leone Levi 
glaubt das gesammte Nationalvermögen, einschliesslich der Fondspapiere 
(namentlich von der Nationalschuld), zu 6,000 Mill. £ schätzen zu dür 
fen. Für den Anfang des jetzigen Jahrhunderts nimmt er nur l&amp;OO Mill, 
und für 1841 4000 Mill. an. 
(Münze. Maasse, Gewichte.) Münze. Einheit; das Pfund Sterling, Pound 
Livre Sterling, £ bezeichnet, eine Goldmünze, 29,2 Stück auf die Mark fein’ 
22 Karat f. Gold, Werth ungef. 25 Fr., 11 fl. 43 kr. rhein., 0 Thlr. 20 Sgr! 
10 Pf. preuss. — Unterabtheilung in 20 Shillinge (Silber, angenommen zu 1 Fr.* 
22 Ct., 35 kr., etwas über Thlr.). Der Shilling zerfällt in 12 Pence (Kupfer 
der Penny wird wol auch als Denier bezeichnet). — Maasse. Der engl. Fuss 
(foot) = 30,48 Centimeter, oder 0,9712 rhein. oder preuss. Fuss. — loo Yards 
oder Klafter = 91,43 Meter, 137,1 preuss. Ellen. Die engl. Meile (1700 Yards) 
= 1009 Meter. — Der Acre Feldmaass) = 40,49 Aren oder 1,5S preuss. Mor 
gen. Eine deutsche Uuadratmeile ist gleich 21,2582 engl. — Das Quarter 
(Getreidemaass, abgetheilt in 8 Bushels) = 5,29 preuss. Scheffel. Der Bushel 
= 35,72Liter; 100 Bushels also 00,13 preuss. ^heffel oder 58,1 Wiener Metzen. 
— Der Gallon (Flüssigkeitsmaass; 4,54 Liter oder 3,97 preuss. Quart. — Ge 
wicht. Das Pfund = 0,45 Kilogr. — 100 Pfd. avoir du pois-Gewicht = 
45,30 Kilogr. oder 90,7 deutsche Zoll- = oder schweizer, 80,98 AViener Pfund. 
Der Centner (112 Pfund engl.) = 101,00 Zollpfund; die Tonne (ton) 20 solcher 
Centner, also 2032 Zollpfund. 
Es sind deren beinah ein halbes Hundert über alle Theile der Erde 
verbreitet. Hier eine Liste, nach der Zeit der Erwerbung geordnet: 
Colonien 
1. Neu-Foundland, N.-Schottland, 
Prinz Eduards-Insel 
2. New-Foundland 
3. Bermuda 
4. St. Christopher (St. Kitts) 
5. Barbadoes 
0. Nevis 
7. Bahama-Inseln 
8. Turks-Island 
9. Gambiaküste 
10. Antigua 
11. Montferrat 
12. Jamaica 
13. Goldküste 
14. Jungfern-Inseln 
15. Hondurasküste 
Erwerbung,art Jahr der 
Erwerbung 
Tsiederlassung u. Eroberung 
von Frankreich 1497, lOOSu. 1654 
ditto 1008 
Niederlassung 1009 
ditto 1623 u. 1650 
ditto 1625 
ditto 1628 
ditto 1629 
ditto 1629 
ditto 1631 
ditto 1632 
ditto 1632 
Eroberung von Spanien 1055 
Niederlassung 1661 
ditto 1666 
Abtretung von Spanien 1670
        <pb n="66" />
        42 
GllOSSBRITANIEN. — Auswärtige Besitzungen. 
Colonien 
It). St. Helena 
17. Gibraltar 
18. Canada 
19. Domenica 
20. Granada 
21. Tabago 
22. St. Vincent 
23. Neu-Braunschweig 
24. Sierra-T.eone 
25. Neu-Süd-Wales 
20. Ceylon 
27. Trinidad 
28. Malta 
29. Guiana 
30. St. Lucia 
31. Tasmania 
32. Cap 
33. Mauritius (Isle de France) 
34. Helgoland 
35. Ascension 
30. West-Australien 
37. Süd-Australien 
38. Natal 
39. Neu-Seeland 
40. Falklands-Inseln 
41. Hong-Kong 
42. Labuan 
43. Victoria 
44. Columbia 
45. Ostindien 
40. Prinz Eduards-Inseln 
47. Queensland- 
48. Britisch Katfraria 
Erwerbungsart Jahr der 
Erwerbung 
Tausch gegen d. Cap v. Holl. 1051 
Eroberung von ^)anien 1704 
ditto von Frankreich 1759 u. 1763 
Abtretung von Frankreich 1703 
ditto ditto 1703 
ditto ditto 1763 
ditto ditto 1703 
(getrennt von Neu-Schottland) 1784 
Niederlassung 1787 
ditto 1787 
Eroberung von Holland 1790 
ditto von Spanien 1797 
ditto vom Malteserorden 1800 
Abtretung von Holland 1803 
Eroberung von Frankreich 1803 
Niederlassung 1803 
Eroberung von Holland 1806 
ditto von Frankreich 1810 
Abtretung von Dänemark 1814 
Nieaerlassung 1827 
ditto 1829 
ditto 1836 
ditto 1838 
ditto 1839 
Niederlassung 1765, Abtretung 
von Spanien 1837 
Abtretung von China 1843 
ditto 1846 
(abgetrennt von Neu-Süd-Wales) 1850 
Niederlassung 1858 
Niederl. u. Eroberungen, 1625-1849, 
Abtretung der ostinu. Compagnie 1859 
Niederlassung 1859 
(abgetrennt von Neu-Süd-Wales) 1859 
(abgetrennt vom Cap) 1860 
Die britischen Besitzungen umfassen, nach der officiellen Be 
rechnungsweise, gegen 230,000 deutsche Quadf.-Meil. und gegen 100 
Mill. Menschen. Nach einer pariament. Aufstellung Bazlcy’s von 1S03 
veranlassen sie dem Mutterlande einen jährlichen Aufwand von mehr als 
3 Mill. X, wesentlich militärische Ausgaben (davon Malta 480,000, Gi 
braltar 420,000, Ceylon, Mauritius, llong-Kong und Labuan 150,000, 
"Westindien 350,000 .t). Die eigenen Einkünfte dieser Besitzungen 
belaufen sich ausserdem auf etwa 11 Mill, ; ihre Schulden auf 27 Mill. 
Der Geldwcrth ihrer Einfuhr wird auf 00, ihrer Ausfuhr auf 50 Mill, be 
rechnet; von der Ersten kommt die Hälfte, von der Letzten % auf den 
Verkehr mit Grossbritanien und Irland. — An Gebietsumfang steht 
Australien, an Bevölkerung Ostindien voran, Schulden hat Canada am 
meisten. — Die Behandlung der Colonien ist durchaus verschieden. Die 
als blose militärische Positionen betrachteten werden absolutistisch re 
giert. Die eigentlichen Colonien aber mit vorwiegend europäischer Be 
völkerung haben ihre Parlamente und regieren sich, was ihre innern 
Verhältnisse betrifft, fast wie Freistaaten unmittelbar selbst, so die ver 
schiedenen Colonien in Australien, ferner Canada und das Cap. (Wir 
geben das Areal nachstehend durchgehends nach den officiellen Auf-
        <pb n="67" />
        GHüSSlilllTAXIEN. — Auswärtige Besitzungen. 
43 
Stellungen an, obwol wir mehrfach Zweifel über die Richtigkeit 
hegen.) 
1) Besitzungen in Europa: 
Gibraltar. 
Malta und Xachbarinseln . . 11.5*00 
Helgoland o’33 
Zusammen 11T,0S 
Deutsche Q 
0,OS 
5,41 
0,02 
■M. Bevölkerung 
15,402 
141,220 
2,172 
5,51 
158,854 
2) Britisches Nordamerika: 
Untercanada . . . .) 
Obercanada . . . ./ 
Neubraunschweig . . 
Neuschottland . . . 
Prinz - Eduards -Inseln 
New-Foundland . . 
Britisch Columbia . . 
Vancouver-Inseln . . 
labrador 
Zusammen 
% 
210,020 
27,105 
18,071 
2,17:1 
40,200 
200,000 
14,000 
170,000 
082,109 
Deutsche 
Q.-M. 
9,879 
1,274 
878 
102 
1,891 
9,408 
058 
7,997 
32,902 
Bevölkerung 
1861 
PI 11,500 
P390,091 
252,047 
332,204 
80,859 
122,038 
5,000 
3’300,405 
Besondere W ichtigkeit besitzt Canada. Die Franzosen besassen 
Unter-Canada anderthalb Jahrhunderte lang ; die Volkszahl stieg nicht 
über 5)0,000. In der neueren Zeit erfolgte ein ungemein rascher Auf 
schwung , der jedoch nicht in gleichem Masse fortdauert. Die Einwan 
derung stieg 1647 auf 5)S,09G Personen (worunter 54,329 Irländer 
32,210 Engländer und 7,697 Deutsche). Seitdem trat eine Abnahme 
ein. Die Einwandererzahl betrug 1S57 32,097, 185S 12,810 1859 
8778, 1800 10,1 :)0, 1801 17,200. Im Jahre 1801 befanden sich unter 
der Gesammtbevölkerung Untercanada’s 847,615 Individuen franzö 
sischer Abstammung, unter jener Obercanada’s nur 33,287. (Zu 
jenen gehören jedoch viele Mischlinge von Indianern, mit denen sich die 
Franzosen leicht, die Briten selten vermengen.) Von den 1801 vorhan 
denen Bewohnern waren 1,918,113 im Lande geboren, 481,035 aus 
Grossbritanien und Irland, 23,578 aus Deutschland und Holland. Die 
Zahl der Indianer wird auf höchstens 50,000 geschätzt. Die Bevölke 
rung von Ober- und Unter-Canada unterscheidet sich ebenso nach Con- 
fessionen wie nach Nationalitäten. Dort zählt man 31 1,505, hier nur 
63,487 Anglikaner; dagegen dort nur 258,141, hier 943,253 Katho 
liken; ebenso 303,384 gegen 43,735 Presbyterianer, 341,572 gegen 
30,000 Methodisten, 24,299 resp. 857 Lutheraner, 7,514 resp. 2,584 
Reformirte; — Juden 014 und 572; — Mormonen 74 resp. 3; - 
»ohne Religion« zu sein hatten 1 7,373 resp. 1477 erklärt. — Beide Ca 
nadas wurden 1840 vereinigt. Ihre jetzige Verfassung datirt vom 14. 
Juni 1853. — Die Schulen sind von 1797—1859 mit 3 013,000 Acres 
öffentl. Länilereien ausgestattet worden. Schülerzahl (1802) in Ober- 
Canada 343,733, in Unter-Canada nur 139,474. — Grösste Städte 
(nach der Aufnahme von 1801): Montreal mit 101,002 Einw., Quebec 
mit 02,138 und Toronto mit 44,425. — Der Handel hat grossen Auf 
schwung erlangt. Die Einfuhr betrug
        <pb n="68" />
        44 
GKOSSBKITAXIEX. — Auswärtige Besitzungen. 
. , Zusammen Davon zollfreie Artikel 
in den 8 Jahren 1841—48 zusammen 27’54.‘&lt;,319 jé" 919,889 
- 9 
- 4 
1S49—54 
1S55—59 
35’809,420 
3T’044,92(I 
2’448,381 
10’789,T05 
1859 
1890 
1891 
1893 
Mit dem Jahre 1859 begann 
Einfuhr Ausfuhr 
33’555,191 
34’441,921 
39’914,195 
45’994,0(»0 
24*799,981 
34*441,921 
43*054,839 
41*312,219 
die Berechnung in Dollars ; 
1891 rührten vom Verkehre mit Eng 
land her 18*907,105 Aus-u. 20*389,937 
Einf., ebenso von dem mit den Ver St. 
19*283,374 Aus- u. 21*099,388 Einf. 
1890 kamen ausserord. Einnahmen 
und Ausgaben vor. 
Die Annäherung an das Freihandelssystem zeigte sich auch hier 
sehr nützlich, ward jedoch in der jüngsten Zeit gestört Die Colonie 
hatte nemlich für viele Eisenbahnen eine Zinsgarantie geleistet ; so hatte 
man ISOO 408 deutsche Meilen Schienenwege erlangt. Dieselben ren 
taren aber schlecht, und es musste zur Beschaffung der Geldmittel eine 
starke Erhöhung der Zölle eintreten. Das ganze Finanzwesen der Co 
lonie ward umgestaltet. Die Rechnung der Colonie stellte sich netto 
(nach Abzug der Erhebungskosten und Ausstände) : 
Einnahme Ausgabe 
1858 8*824,474 11*403,587 ^ 
1859 9*349,583 11*008,390 
1890 38*079,425 35*995,748 
1891 (brutto) 12*955,581 14*742,834 
Im J. 1891 waren die wichtigsten Positionen der Einnahme: Zölle 
4*774,592, von Anlehen und Vorschüssen 3*090,275 ^9; — der Aus 
gabe: Zinsen der Schuld 3*735,789, Schuldabtragung 2*858,293, öffentl. 
Arbeiten 1*039,240, Civilverwaltung 437,285, Justiz 970,734, Ge 
fängnisse 148,049, Legislatur 493,124, Erziehung 509,793, Wohlthä- 
tigkeit 272,041, Militär 84,987 (im Vorjahre 107,219), Strassen 
181,998, See- undStromdampfsch. 432,022, Leuchtthflrme und Küsten 
dienst 110,492. — Das Capital der Schuld betrug 1890 58*292,499^9 
mit 3*151,719 Zins. Verwendet war dasselbe grösstenthcils für Eisen 
bahnen, Kanäle, Strassen, I,cuchtthürme etc. — Ausser den königlichen 
Truppen (von wechselnder Stärke) zählte man 1892 an Freiwilligen: 
10,915 Inf., 1915 Cav., 1987 Art., 202 Genie; sodann (angeblich] 
200,000 Milizen. 
Es wird eine Union sämmtlichcr nordam. Colonien erstrebt. 
3) Mittel- and Südamerika: 
Besitzungen 
a. N ördl. Inseln: 
Bermudas - Inseln 
Bahama-Inseln . . 
Turks-Inseln . . . 
Jamaica 
b Kleine Antillen : 
Jungfern-Inseln (1859) 
St. Christoph (1855) . 
Nevis 
Antigoa 
Montferrat .... 
Domenica (1860) . . 
St. Lucia (1860) . . 
St. Vincent (1801) 
Engl. Q.-M. Deutsche Q.-U. Bevölkerung 
(1862) 
24 1,1 11,450 
2,921 137,4 35,287 
; • • • • • 4,372 
6,400 101,1 441,255 
57 2,7 6,051 
106 4,9 20,741 
50 2,3 9,822 
108 5,0 36,412 
47 2,2 7,645 
291 13,7 25,065 
250 11,7 27,141 
131 6,1 31,755
        <pb n="69" />
        GROSSBRITANIEX. — Auswärtige Besitzungen, 
45 
c. 
Besitzungen Engl.Q.-M. 
Barbadoes (IStilj . . , , IGG 
Granada (ISGl) . . . . 133 
Tabago (1861) 97 
Trinidad (ISHl) .... 1,754 
Festland und Südamerika: 
Britisch Honduras . . . 13,500 
Britisch Guyana .... 70,000 
Falklands-Inseln (1860) . 7,600 
Zusammen 109,635 
Deutsche Q.-M. 
7,8 
6,2 
4,5 
82,5 
635.0 
3,575,0 
357.0 
4,685,8 
Bevölkerung 
152,727 
31,900 
15,410 
84,438 
25,635 
155,026 
566 
r122,698 
Die westindischen Inseln befinden sich theilweise in übler Lage, 
insbes. Jamaica. Man streitet darüber, ob die Negeremancipation die 
Veranlassung war. So wird, freilich unter Widerspruch von anderer 
Seite, behauptet: ohne Emancipation würde, nach dem Verbote der 
Sklaveneinfuhr, die Negerbevölkerung bald ausgestorben sein ; in elf Be 
sitzungen sei die Negerzahl in den letzten 12 Jahren vor der Emancipa 
tion von 558,194 auf 497,975 herabgesunken, dagegen während der 
nächstfolgenden 12 Jahre in zehn der gedachten Besitzungen, aus denen 
Nachweise vorlägen, wieder um 54,076 gestiegen. Die Noth der Colo- 
nien rühre von dem Herabsinken der Zuckerpreise her (in den 8 Jahren 
1838—46 kostete der Centner Zucker durchschnittlich 37% Schill., in 
den 8 Jahren 1847 — ¡&gt;5 blos 24%). Die Zuckerproduction nahm in 
Britisch-Westindien nicht ab, sondern stieg von 2b auf 24% Mill. Ctr.; 
doch trotz dieser Vermehrung sank der Erlös um 7 Mill. Allein die 
Gcsammtausfuhr nahm gleichwol selbst der Geldsumme nach zu ; sie be 
trug in den 4 Jahren 1849 — 53 zusammen 32% , dagegen 1854 —57 
37 Mill. X. Während Jamaica sinkt, hebt sich Barbadoes ungemein. 
4) In Afrika: 
Besitzungen 
Cancolonie 
Britisch Kaffraria .... 
Natal 
Mauritius (Isle de France) . 
Sechellen und Dependentien 
St. Helena 
Westküste : an d. Gambia . 
Sierra Leone . 
an d. Goldküste 
Lagos.... 
Zusammen 
Engl.Q.'M. DeutscheQ.-M. 
104,931 
14,337 
708 
47 
20 
468 
6,000 
4,936 
674 
33 
' 2,2 
1 
22 
282 
126,511 
5,950 
Bevölkerung 
231,323 
157,583 
\ 311,747 
l 9,055 
6,444 
6,939 
41,624 
151,346 
916,061 
Bei der Zählung von 1856 befanden sich im ganzen Caplande 
267,096 Einwohner, nemlich 119,577 Weisse, 136,935 Farbige und 
10,584 »Fremde« (in der Capstadt lebten 25,189 Menschen). Seitdem 
hat eine starke Einwanderung stattgefunden, von Kaffem, Asiaten und 
auch Europäern. — Der auswärtige Handel betrug : 
1854 1855 1856 1857 1858 1859 
Ausfuhr 662,000 970,839 1’240,625 1'833,700 1'651,662 1'818,000 
Einfuhr 1'512,269 2'505,975 2'385,540 .... 
Die Ausfuhr von Schafwolle nahm dem Gewichte nach folgen- 
dermassen zu (in Pfunden) : 
835 1839 1841 1844 
,868 585,977 1'016,807 2'233,946 
1849 1854 1858 I860 
5'024,946 S’567,457 16'981,113 23'181,697
        <pb n="70" />
        46 
GIlOSSBlllTANIEN. — Auswärtige Besitzungen. 
Der Geldwerth betrug ISOO: r4-13,727 Die Weinausfuhr, 
1854 erst im Werthe von 30,000, stieg 1850 auf 104,850 £ (für 
r099,000 Gallonen). — Die Aloeausfuhr, 1853 9,310 Pfund, belief 
sich 1857 auf 407,070. Jene von Kupfererz, 1852 31 Tonnen, war 
1858 4,378. — Die Finanzen der Colonie stellten sich so; 
1835 1845 1852 1856 1857 1858 
Einnahmen £ 130,417 247,309 289,482 348,302 421,.Î24 403,010 
Ausgaben 134,570 223,072 252,495 307,051 375,790 494,989 
Die grösste Einnahme fliesst aus den Zöllen: 1858 200,322 (1834 
blos 18,000) £. 
Die Capcolonie besitzt eine Eisenbahn von 51 engl. Meilen Länge. 
Seit Oct. 1800 ist Britisch Caffraria eine besondere Colonie. Sie 
zählte damals an Bevölkerung: 2059 Deutsche, 3230 andere Europäer, 
58,317 Kadern. Die Colonie Natal umfasste 1855: 7029 Weisse und 
112,988 Kadern. 
In blühendem Zustande befindet sich Mauritius. Die Einwoh 
nerzahl, 1850 erst 230,995, jetzt über 300,000, umfasst 100,000 Ka 
tholiken, 7000 Protestanten, etwa 100,000 Mohammedaner, ebensoviel 
Brahmabekenner, dann einige Hundert Buddhisten , Parsen und Confu- 
cianer. Die Einwanderung oder Einfuhr indischer und chinesischer Ar 
beiter ist sehr gross. — Im Jahre 1859 bestand die Einwohnerschaft der 
Nationalität nach, ausser den Europäern, aus 95,520 Creolen, 201,979 
Hindostanern und 0541 Chinesen. — Handelsverkehr: 
Einfuhr 1843 992,578 Ausfuhr 1843 790,090 
1858 2’939,444 1859 2’814,090 
Hauptproduct: Zucker, etwa 300 Mill. Pfund jährl., für etwa 3Mill. 
Schiffsverkehr, eingelaufen: 1842 439 Schilfe von 102,987 Tonnen 
1859 738 - - 310,042 
Budget etwa 103,000 £, wovon 78,000 für Militärwesen. 
5) In Australien : Jede der nachbemerkten Colonien bildet gleich- 
,sam einen eigenen Staat. Neu-Süd-Wales erlangte zuerst Autonomie 
durch die Constitution von 1848. Bevölkerung 
Colonien Engl. Q.-M. Deutsche Q.-M. 1863 
Neu-Süd-Wales 323,437 15,214 307,495 
Victoria . . . 80,831 4,037 500,807 
Süd-Australien . 383,328 18,930 120,s39 
Queensland . . 078,990 31,893 50,999 
West-Australien. 978,990 40,995 15,001 
Tasmanien. . . 20,215 1,233 91,519 
Neu-Seeland . . 190,259 4,994 1 (Mi, .115 
Zusammen 2’582,079 121,412 1'330,057 
Unter der Bevölkerung von Victoria sind 24,732 Chinesen und 
10,418 Deutsche. In den Goldbezirken lebten im März 1803 229,000 
Menschen, in der rasch herangewachsenen Stadt Melbourne (1804) 4 1,400, 
sammt Vorstädten aber 94,498; in Sidney (1801) 50,470, mit den Vor 
städten 93,202. In Süd - Australien lebten (1801) 8803 Deutsche. In 
Neu-Süd-Wales waren 205,531 Einw. männlichen, nur 101,904 weib 
lichen Geschlechts. — Die Zahl der religiösen Cuiten ist sehr gross. Die 
Eingeborenen, oben nicht eingerechnet, gehen einem raschen Unter 
gänge entgegen. In Victoria waren sie bei der Zählung Aon 1858 auf
        <pb n="71" />
        GROSSBRITANIEN. — Auswärtige Besitzungen. 
47 
1768 Köpfe zusammengeschmolzen (12 Jahre früher schätzte man 5000) ; 
in Südaustralien 1855 auf 3,450; auf Tasmanien (vormals Van Die 
mensland) lebten nur noch 5 Männer und 9 Frauen (57 Jahre zuvor, bei 
Gründung der Niederlassung, etwa 5000). Etwas kräftiger sind die 
Neu-Seeländer ; während man aber ihre Zahl 1844 auf 109,550 berech 
nete, ergab die Aufnahme von 1857 nur noch 56,049, wovon 53,056 
auf der durch Milde des Klimas ausgezeichneten nördlichen Insel, wo seit 
dem ein verheerender Krieg herrscht. — Die Bevölkerung der austral. 
Colonien betrug 1850 erst 517,908, 1861: 1’229,518 Menschen. 
Die Grösse der Goldausbeute von 1851 bis Ende 1859 war; 
in Neu-Süd-Wales 7’394,718 ; bis 1863 : 12’972,916 
- Victoria . . . 93’8l0,212; - Mitte 1864: 122’000,0Ü0 
- Süd - Australien . 166,606 
- Tasmanien . . 8,666 
- Neu-Seeland . 146,666 
Zus. in 9 Jahren 101’512,936 it 
Doch ist es nicht die Goldausbeute allein, worauf das Aufblühen 
Australiens beruht. Reiche Bergwerke lieferten schon 1859 300,000 
Tonnen Steinkolilen, in Süd-Australien (1862) für 452,000 £ Kupferetc. 
Der Bodenanbau dehnte sich 1858 bereits über folgende Areale aus 
(einschl, der künstlichen Wiesen) • 
In Neu-Süd-Wales, angebaut 217,443 Acres, bis 1862 297,566 
- Victoria (März 1859) . . 298,966 
- Süd-Australien .... 264,462 
- Tasmanien 229,489 bis Ende 1863 267,173 
- Neu-Seeland .... 146,965 bis 1862 226,621 
Zus. (ungerechnet West-Austral.) IT51,319 Acres. 
Mit lieben waren 1860 blos in Süd-Australien 3180 Acres be 
pflanzt; man zählte 3’783,0S6 Stöcke, und obwol erst die Hälfte Trau 
ben trug, erhielt man bereits 182,087 Gallonen Wein. — Die Anzahl 
der Pferde in Australien war 1859 schon auf 350,000 angewachsen, die 
des Hornviehs auf 3*', Mill., der Schafe auf 10 Mill.. In Süd-Austra 
lien zählte man 1862 5’600,000 Schafe, 2'270,000 Stück Hornvieh, 
233,000 Pferde und 146,000 Schweine; in Neu-Seeland Ende 1861 
2 760,163 Schafe, 193,134 Rindvieh, 28,265 Pferde; in Tasmania 
Ende 1863 1’800,81 1 Schafe. Schafwolle ward ausgeführt (in Pfunden) : 
1807 1820 1835 1845 1855 1859 
245 99,415 5’665,660 24T77,315 49T 42,366 53*766,542 
1861, Werth der Wolleausfuhr geschätzt auf 2 Mill, . 
Der Handelsverkehr der Colonie Neu - Süd - Wales betrug 1860 
5 072,020 £ Aus- und 7'5 19,285 Einfuhr; der von Neu-Seeland 1862: 
2’421,841 Ausf., 4’626.091 Einf.; von Queensland (1861) 709,528 
Ausf., 967,950 Einf.; von Süd-Australien r986,130 Ausf., 1'857,129 
Einf.; von Victoria 12'962,704 Ausf., 15*093,730 Einf.; von Tasmania 
(1863) 999,511 Ausf., 902,940 Einf. — Die gesammte Ein- und Aus 
fuhr aller australischen Colonien ward schon 1860 auf 45 Mill. £, der 
Schiffsverkehr zu 3 Mill, Tonnen veranschlagt ; die vorhandenen Schiffe 
selbst haben gegen 1 ' , Mill. Tonnengehalt.
        <pb n="72" />
        48 
GROSSBKITANIEX. — AusAvärtige Besitzungen. 
Die öffentlichen Einkünfte fliessen meistens aus den Zöllen und 
dem Verkaufe von Grundeigopthum. Man hat nemlich bei Anlage der 
Colonien allen Grundbesitz für Kroneigenthum erklärt, um denselben an 
Colonisten zu verkaufen, zu einem in den verschiedenen Gebieten wech 
selnden Minimalpreise, meist von 20, theilweise von 5, 10 oder von 
40 Sbill. per Acre. Die Rechte der Eingebomen sind dabei ganz miss 
achtet ; nur auf Neu - Seeland ist ihr Grundbesitz anerkannt, unter der 
Beschränkung, dass sie davon blos an die Regierung verkaufen dürfen. — 
Die Finanzen der einzelnen Colonien stellten sich folgendermassen ; 
Einnahme Ausgabe 
Neu-Süd-Wales (1862) . 1'940,612 2M43,517 
Victoria (1860) . . . 3’006,326 2’587,637 
Süd-Australien (1863) . 631,700 635,205 
West-Australien (1858) 52,804 47,119 
Tasmanien (1860) . . 413,915 403,194 
Queensland (1862) . . 341,000 330,000 
Neu-Seeland (1860) . . 464,738 .... 
Schuld 
3'830,230 £ 
8’000,000 
870,100 
Beinahe 500 engl. Meilen Eisenbahnen waren schon lSGO herge 
stellt oder im Baue. Die Eisenbahnschuld von \ictoria allein belief sich 
auf 8 Mill. £, Neu-Süd-Wales hatte 1858 eine Ausgabe von 106,333 .C 
zur Verzinsung seiner Schuld. Der Ausfuhrzoll von Gold liefert in \ ic- 
toria einen jährl. Ertrag von etwa 400,000 X. 
6) In Asien : a. Aellere Knmbfslliuiiffn. 
Engl. Deutsche Bevölk. 
Q.-M. Q-M. 
Ceylon 24,700 1162 1’919,487 
Hong-Kong (China) . . 32 1,5 119,321 
Insel Labuan 45 2^1 2,442 
Zusammen 24,777 1165,6 2’041,250 
b. Ehemalige Besitzungen der Englisch-Oslindischen Compagnie. 
Engl. Deutsche Bevölk. 
Q.-M. Q-M. 
District des Generalgouverneurs . 170,333 8,000 14’16o,161 
K": :::::::: S;p:i 
Bombay 1.17,743 6,470 11 9.17,512 
Punjab. 100,406 4,710 14’794,611 
Nordwestprovinzen 116,493 
Zusammen 933,722 43,850 135’634,244 
c. Elnbeimisrhe Staaten. 
Deu'sehe Q -M. Bevölkerung 
In Bengalen 24,249 .18’702,206 
- Madras 2,435 5’21.1,671 
- Bombay . . . . . 2,849 6’440,370 
29,533 ■ 50'356,247 
Diese letzten Staaten sind jedoch nicht in gleichem Masse in Ab 
hängigkeit von der Britischen Regierung. Petermann classificirt : 
Deutsche Q &gt;M. Bevölkerung 
Subsidienallianz-Staaten . . . 8,757 19’835,8l8 
Tributpflichtige Schutzstaaten . 9,022 12’209,389 
Tributfreie Schutzstaaten. . . 5,203 S’075,763 
22,982 40*121,970 
(Unabhängige Staaten 3,906 3*242,720)
        <pb n="73" />
        GROSSBRITAXIEX. — Auswärtige Besitzungen. 
49 
Bevölkerung indischer Städte 
Calcutta . . 413,182 
Madras . . 720,000 ?) 
Bombay. . 500,110 
Lucknau. . 300,000 
Patna . . 284,132 
Hyderabad . 200,000 
Benares . . 185,084 
Delhi. . . 152,400 
Joudpore . 150,000 
Moorshedabad 140,003 (?) 
Baroda . . 
Ahmedabad 
Agra . . 
Bareilly . . 
Nagpore. . 
Cawnpore . 
Dbar . . . 
Fvzabad. . 
Bhurt])ore . 
Lahore . . 
(meistens blose Schätzungen) : 
140.000 
130.000 
125,202 
111,332 
111,231 
108,700 
100.000 
100,000 
100,000 
05,000 
Amritsir . . 85,000 
Moltan . . 80,960 
Singapur . . 80,792 
Tanjore . . 80,000 
Mirzapore . 79,526 
Poona. . . 75,170 ?) 
Allahabad . 72,003 
Peshawur. . 53,295 
Juggurnauth. 20,705 
Im Handel Hindostans stieg die Ausfuhr, !&amp;'%,*) blos H’774,769 
X. betragend, 1S‘V„ auf 27’453,692, auf 27 960,203; die Ein 
fuhr aber hob sich gleichzeitig von 5’240,677 auf 15*277,506, dann 
auf 24*265,140, ungerechnet die Einfuhr von Edelmetallen (Geld). — 
Im Jahre lS“%s ward die Ausfuhr auf 46*485,169 X berechnet. Die 
zur Ausgleichung der Bilanz erfolgte Einfuhr von Edelmetallen, zumeist 
Silber, betrug von 18*%.—"%,, der Reihenfolge der Jahre nach; X 
1 664,761; 1*425,563; 3*270,520; 4*132,969; 5*776,148; 3*388 660- 
761,223; 10*700,111; 13*160,270; 14*992,998. In den nächsten 5 
Jahren sollen (nach Angabe des Min. Wood) 50 Mill. X in Silber und 
25 Mill, in Gold eingeführt worden sein (nach Obr. Sykes wurden von 
I860 1861 254 Mill, t* in Edelmetallen importirt). — Die wichtigsten 
Ausfuhrartikel waren im Durchschnitte jährlich : 
Jahrzehnt 18'%.—*%. 3*602,407 2*380,401 2*026,787 
6*578,686 1*061,372 3*108,634 
Dann (im letztbezeichneten Jahrzehnt) : Zucker 1*550,045 - Baum- 
wollgewebe 776,560, Getreide 1*655,734 X. — Im neml. Jahrzehnt 
betrug die Einfuhr durchschnittlich 11*970,991 X. Hievon kamen35,20 
Proc. auf baumwollene Zeuge; 9,79 auf baumw. Garn und Twist; 7^34 
auf unverarbeitete unedle Metalle; 3,39 auf Salz; 2,49 auf Kleidungs 
gegenstände; 1,99 auf rohe Seide; 1,82 Proc. auf Wein. In der Pe 
riode 18®%. bis 18“*/gg stieg die Ausfuhr des Kaffes von 11 auf 21 
Mill. Pfund, des Indigo von 9 auf 11 Mill., der Wolle von 15 auf 21 
Mill. Pfd., der Jute von 317,000 auf 1*266,000 Centner; sodann des 
Ihees, dem Geldwerthe nach von 60,000 auf 223,000 X. Der stei 
gende Absatz indischer Producte zu steigenden Preisen und die Ver 
kehrserleichterung im Lande haben eine sociale Umwälzung angebabnt. 
NV ährend sonst der Taglohn nur etwa 2 Pence betrug, fehlt es nun we 
gen steigender Nachfrage vielfach an Arbeitern. 
lonnenzahl der eingelaufenen Schiffe stieg in beiden Decennien 
( &lt; — o8 von 1 176,811 auf 1*826,486 Tonnen.— Kanäle, beson- 
ers wichtig der Bewässerung wegen, wurden hergestellt oder erneuert: 
Länge Körnten 
engl. Meilen 
Delhi-oder West-Jumna-Kanal . . 445 314,380 
Doub-oder Ost-Jumna-Kanal. . . 155 169,842 
Ganges-Kanal (noch nicht vollendet, 808 2*000,000 
llaree Doab (ditto, 450 4*000,000 
) Das Rechnungsjahr beginnt in Ostindien mit dem 1. Mai. 
Kolb, Statistik, 4. Aufl. ,
        <pb n="74" />
        50 
GKOSSBKITAXIEN. — Auswärtige Besitzungen. 
Die wichtigsten durch die Briten erbauten Landstrassen sind : 
Länge, engl. Meil. 
Grand Trunk Koad, von Calcutta nach Delhi und Peschawur . 1,42:1 
Great Deccan Koad, von Calcutta nach Bombay 1,170 
Agra and Bombay Koad Tòh 
Auf Indus und Ganges erhält die Kegierung Dampfschifffahrt. 
Die Ei sen bahn bullten sind der Privatindustric überlassen, wer 
den aber aus öffentl. Mitteln durch Zinsgarantie unterstützt. Concessio- 
nirt waren 1800 acht Gesellschaften für 1017 engl. (1000'/, deutsche) 
Meilen, veranschlagt zu 52'/% Mill. .£, wovon die Regierung für 34’ 133,300 
Zinsgarantie leistet. Eröffnet waren Anfangs 1804 2008 engl. = ca. 
580 deutsche Meilen, wovon die Hauptstrecken auf die Linien von Cal 
cutta nach Benares 510 Meilen; von Aladras nach Beypore von 405 M.; 
und von Bombay nach Sholapore 205 M. fallen. Im Jahre 1804 soll 
ten die Hauptbaumwolldistricte von Central-Indien und Guzerat in di- 
recter Verbindung mit Bombay stehen und Delhi in zwei Tagen von Cal 
cutta zu erreichen sein. Die Zahl der Reisenden betrug 18®%« auf den 
damals durchschnittl. eröffneten 432 engl. Meilen nicht weniger als 
2 722,382 Personen. — In den drei Jahren 18®%;—®%9 betrug die 
Einnahme, bei durchschnittl. 340 Meilen Bahn, jährlich 287,210 C 
(120,205 vom Personen-, 100,021 vom Waarenverkehrc) ; da die Be 
triebskosten nur 120,702 .C hinwegnahmen, so war meistens mehr als 
der Zinsbedarf gedeckt. — 1803 war die Plinnahmc zu 1’720,000 X an 
gegeben, die Zahl der Passagiere zu mehr als 0 Mill. 
Die Telegraphenlinien hatten 18®%., bereits eine Ausdehnung 
von 10,123 engl. (2105 deutschen) Meilen, und die Depeschenzahl be 
trug 157,834, worunter freilich 50,070 Dienstdepeschen. 1801: 
240,451 Dep. — Unter der seit 1854 eingeführten billigen Posttaxe 
(% Anna oder % Den.) stieg die Briefzahl von 10 Mill, auf 51% Mill, 
schon im Jahre 18®*%. 
Für Erziehung wurden aus Staatsmitteln verwendet: 18"%, erst 
51.570, I 8®%s dagegen 231, 180 X. Die Zahl der Schulen betrug in- 
dess immer erst 1 1,105, die der Schüler 100,742 (Staatsanstalten 2235 
mit 00,437 Schülern, Privatanstalten 0,200 mit 07,305 Zöglingen); 
nicht Vio der Kinder besucht die Schulen und auf je 3% deutsche Quadr.- 
Meil. kommt erst eine Anstalt in diesem dicht bevölkerten Lande. 
Die Finanzen stellten sich früher sehr ungünstig. 
Einkünfte Ausgaben Deficit 
im Jahrzehnt 22'0l0,:UO 2 l”2o l,S(Mi P204,413 
18'%,—®%, 2&lt;ro22,:&lt;7l :M»’170,MI4 PI.57,4:13 
So war der Finanzzustand schon während Jahrzehnten ein zerrüt 
teter. Es erfolgte der grosse Aufstand. Im Jahre 18®* 5» erreichte die 
Ausgabe ihren höchsten Stand: 50'248,000 C gegen nur 30’000,000 
Einn., somit 14 Mill. Deficit. Im nächsten Jahre ging der Ausfall auf 
10, im darauffolgenden auf 4 Mill, herab. 18*%g hatte man 13’830,000 
Einn. gegen 43’880,000 Bedarf; das Deficit war somit bis auf50,000 C 
beseitigt. Für 18®®% berechnete man nach vorläufiger Aufstellung 
4G’103,000 Einn., 45’340,000 Ausg., somit 823,000 Ueberschuss. 
Der Voranschlag für 18**66 schliesst ab mit 40’ 1 40,000 E , 45’310,000
        <pb n="75" />
        GKÜSS13KITAXIEN. — Auswärtige Besitzungen. 
51 
Bedarf. Die Kosten der Steuererhebung sind zu h’144,700, die der 
Armee zu 12 705,281 veranschlagt, für Zahlung garantirter Zinsen von 
Eisenbahnen etc. 2’4S0,075, gegenüber 010,667 £ reiner Einnahme 
aus diesen Anstalten. — Unter den Einnahmen steht die Abgabe von 
Ländereien weitaus oben an. Die vom Opium ist bedeutend, aber un 
sicher; einträglich die vom Salze, verhältnissmässig wenig bedeutend 
( er Zull. (Im .1. 18**4* betrug die gesammte Einnahme XO'002,807, 
die \erwaltungsausgabe 24*908,240 £; sodann waren an Zinsen zu 
entrichten in Indien ,T351,6S0, in England 6’515,601, so dass ein Ue- 
berschuss von 1*827,346 £ verblieb.)*) 
Die indische Schuld ward für 1. Mai 1802 folgendermassen be- 
rechnet: consolidirt 04*500,088 Schatzscheine 1*590,595, Vorschüsse 
»1,315, Depositen sammt den Fonds von Carnatic und Tanjore 5*802 485 
~ zusammen in Indien 71*901,081, dazu Schuld in England 29’976ÍoOo! 
1 otal 101 8(1,081 £. Hiezu 12 Mill, an die Actionäre der ehemaligen 
ostind Compagnie (eipntlich 0 Mül., zu 10%% verzinslich), fernerdie 
Eisenbahn-Zinsgarantien. —Eine Parlamentsvorlage von 1802 berech- 
?ooT ""gerechnet die letzt erwähnten Posten, auf 
•' 4’^' , Erklärungen des Min. f. Indien 
V. 1861, in den letzten Jahren 8 Mill, an der Schuld abgetragen worden. 
Da die Insel Ceylon, als älteres Kronland, in allen Actenstücken 
besonders angeführt wird, so bemerken wir, dass diese Besitzung be 
deutend auf blüht. In den zwei Jahrzehnten 1839 bis 1858 hob sich der 
f j^nor der Amfuhr von 
auf 2.(28,1.10, und es stiegen die Einkflnfte, ungeachtet der 
Verminderung gewisser Abgaben, von 372,013 auf 054,901 £. 
Gesammtfibersicht. 
, Gebiete 
J) Orossbntanien und Irland 
- Nordamerika 
- Büttel- und Süd-Amerika 
- Afrika 
2 Besitzungen in Europa 
5) -- ■* 
4) 
Deutsche Q.-M. Bevölkerung 
&gt;00 
0 
52,900 
4,700 
0,000 
ÍÍ¡ - Australien .' 120,00(( 
‘I - - Asien 45 
8) Schutzstaaten in Ostindien 25J100 
Zusammen etwa 
29*500,9(9 
100,001 
3*500,0(»( 
P125,00( 
920,00( 
I’550,00( 
15S’000,00( 
45*000,00( 
257,000 220,000,000 
Niemals bestand ein Reich, das sich so sehr über alle Theile der 
Erde ausgcbreitet hätte, wie das heutige britische. Es übertrifft sowohl 
an r sse wie an letölkerung das römische Weltreich; steht zwar an 
mang em russisc len Czaarenthiime bedeutend nach, umfasst aber, 
die mittelbaren Besitzungen dazu gerechnet, dreimal so viel Menschen 
als dieses. — Hier eine vergleichende Schätzung : 
IS'" : : : ,2,yim.Men.hen 
Britisches Reich . . 257’ooo - 22(1 -
        <pb n="76" />
        52 
FRANKREICH. — Land und Leute. 
Allerdings stehen die Bewohner Hindostán’s der brit. Bevölkerung 
nicht gleich. An Reichthum übertrifft aber das brit. Reich jedes andere 
jetzt vorhandene oder in frühem Zeiten jemals existirende. 
Frankreich (Kaiserthum). 
liaml 1111(1 Leute. 
Allgemeine Uebersicht.*) Das zu einem vollständigen Einheits 
staat ausgebildete Reich umfasste bei der Zählung von ISGl auf 9853 
geogr. Quadrat-Meilen (zu 5,505 Hectaren) eine Bevölkerung von 
37’382,225 Menschen. —Das Gebiet ist in 89 Departemente, und diese 
sind in 373 Arrondissements (Bezirke) und 2938 Kantone eingetheilt, 
welche 37,510 Gemeinden in sich begreifen. 
Departemente 
Ain 
Aisne . . . 
Allier . . . 
Alpes (Basses-) 
Alpes (Hautes-) 
Alpes-Maritimes 
Ardèche . . 
Ardennes . 
Ariége . . . 
Aube . . . 
Aude . . . 
Aveyron . . 
Bouches-du-Rhône . 
(Rhonemündungen) 
Calvados . . . . 
Cantal . . . . 
Charente . . . . 
Charente Inférieure . 
Cher 
Corrèze . . . . 
Corse (Corsica) 
Hectaren Bevölk. 1861 Hauptorte u. deren Bevölkerung **) 
579,897 309,707 Bourg en Bresse 14,052 Einw. 
735,200 504,597 Laon 10,090, St. Quentin 30,790, Bois 
sons 10,208. 
730,837 350,432 Moulins 17,581, Montluçon 10,212. 
095,418 140,308 Digne 5,344. 
558,900 125,100 Gap 8,219. 
393,000 194,578 Nice 48,273, Grasse 12,015. 
552,(9)5 388,529 Privas 0,057, Annonay 10,271. 
523,289 329,111 Mézières 5,005, Sedan 15,530. 
489,387 251,850 Foix 5,.507. 
000,139 202,785 Troyes 34,013. 
031,324 283,000 Carcassonne 20,044, Narbonne 10,002. 
874,333 390,025 Rhodez 11,850, Millau 12,030, Ville- 
franche 10,172. 
510,487 507,112 Marseille 200,910, Aix 27,059, Arles 
25,543, Tarascón 13,189. 
552,072 480,992 Caen 43,740, Lisieux 13,121. 
574,147 240,523 Aurillac 10,930. 
594,238 379,081 Angouléme 24,901. [Saintes 10,902. 
082,509 481,000 La Rochelle 18,904, Rochefort 30,212, 
719,934 323,393 Rourges 28,004. 
580,009 310,118 Tulle 12,410. 
874,745 252,889 Ajaccio 14,098, Bastia, 19,304. 
’ ^ Jk- 1 M — 1H710 
CôtZd’or Goídhiigci) 87Ó¡Í 10 OSlj'NO î)1jon 37,074, Beaune 10,719. 
Côtes-du-Nord(Nord- 
küsten) . . . . 088,502 028,070 Saint Bneux 15,341. 
‘ 550,830 270,055 Guéret 5,139. 
Creuse 
Dordogne 
Doubs . 
918,250 501,057 Périgueux 19,140, Bergerac 12,116. 
522,755 290,280 Besançon 40,780. 
*) Hauptquelle für Bevölkerungsverhältnisse das grosse, eines mächtigen 
Reiches würdige Werk : Statistique de lu France, bearbeitet von dem Vorstände 
des Statist Bureaus. —dem um die Wissenschaft tielverdienten Herrn A.Legoyt. 
— Für Finanzsachen bilden die Veröffentlichungen im Moniteur und im 
Bulletin des lois Hauptquellen. , .. 
**) Die Departementshauptorte sind zuerst genannt ; ausserdem alle otädte 
von mehr als 10,000 Einw. ; die Militärbevölkerung ist eingerechnet.
        <pb n="77" />
        FRANKREICH. — Land und Leute. 
53 
Departemente Hectaren Bevölk. 1861 Haaptorte n. deren Bevölkerung 
Drôme ... 
Eure . . . 
Eure-et-IiOir . 
Finistère . . 
Gard . . . 
Garonne Haute- 
Gers . . . 
Gironde . . 
Hérault . . 
Ille-et-Vilaine 
Indre . . . 
Indre-et-Loire 
Isère . . . 
Jura.... 
Landes (Haiden) 
Loir-et-Cher . 
I.oire . . . 
Ivoire (Haute-) 
I,oire-Inférieure 
Loiret . . , 
Lot .... 
Lot-et-Garonne 
Lozère . . . 
Maine-et-IiOire 
Manche (Canal) 
Marne . . . 
Marne (Haute-) 
Mayenne . . 
Meurthe . . 
Meuse (Maas) 
Morbihan . . 
Moselle (Mosel) 
Nièvre . . . 
Nord . . . 
052,155 320,664 
Oise. . . . 
Orne . . . 
Pas-de-Calais 
Puy-de-Dôme 
595,765 
587,430 
672,112 
583,556 
628,988 
628.031 
974.032 
619,800 
398,601 
290,455 
627,304 
422,107 
484,081 
298,931 
667,193 
409,391 
672,583 584,930 
679,530 
611,370 
828,934 
499,401 
932,131 
635,092 
475,692 
496,225 
687,456 
677,119 
521,174 
535,396 
516,973 
712,093 
592,838 
270,054 
323,572 
577,748 
298,053 
300,839 
269,029 
517,603 
305,521 
580,207 
352,757 
295,542 
332,065 
137,367 
526,012 
591,421 
818,044 385,498 
621,968 
517,063 
609,004 
622,787 
679,781 
536,889 
681,656 
568,087 
254,413 
375,163 
428,643 
300,540 
486,504 
446,457 
332,814 
1'303,380 
585,506 
609,729 
660,563 
401,417 
423,350 
724,338 
"95,051 576,409 
762,266 436,628 
Pyrénées (Basses-) . 
Pyrénées (Hautes-) . 452,945 240 179 
Pjrénées-Orientales 412,211 181763 
Rhin 'Bas-) . . . 455,345 577*574 
Valence 18,711, Montélimart 12,044 
Romans 11,257. 
Evreux 12,465, Louviers 10,841. 
Chartres 19,531. [laix 14,008. 
Quimper 11,488, Brest 67,833, Mor- 
Nîmes 57,129, Alais 20,257. 
Toulouse 113,229. 
Auch 11,899. 
Bordeaux 162,750, Libourne 13,565. 
Montpellier 51,865, Béziers 24,270, 
Cette 22,438, Lodève 11,864. 
Rennes 45,485, Saint - Sen an 12,709, 
St. Mâlo 10,886. 
Châteauroux 16,170, Issoudun 14,282. 
Tours 41,061. 
Grenoble 34,726, Vienne 19,559. 
Lons-le-Saulnier 9,862, Dôle 10,605. 
Mont-de-Marsan 5,574. 
Blois 20,331. 
Montbrison 7,201, St. Etienne 92,250, 
Roanne 17,398, Rive-de-Gier 14,202, 
St.-Chamond 11,626. 
Le Puy 17,015. 
Nantes 113,625, Saint-Nazaire 10,845. 
Orléans 50,798. 
Cahors 13,846. 
Agen 17,263, Villeneuve 13,830. 
Mende 6,370. [12,735 
Angers 51,797, Saumur 14,079, Cholet 
Saint-Lô 9,810, Cherbourg 41,812, 
Grannlle 17,180. 
Châlons-sur-Marne 16,675, Reims 
55,808, Epemay 10,598. 
Chaumont 7,140. 
I,aval 22,892, Mayenne 10,370. 
Nancy 49,305, l.unéviHe 15,528. 
Bar-le-Duc 14,922, Verdun 12,394. 
Vannes 14,564, I,orient 35,462.. 
Metz 56,888. 
Ne vers 18,971. 
Lille 131,827, Roubaix 49,274, Tour 
coing 33,498, Dunkerque 32,113, 
Valenciennes 24,966, Douai 24,486, 
Cambrai 22,557, Wattrelos 12,315, 
Armentières 11,901, Halluin 10,803, 
Maubeuge 10,557, Denain 10,254, 
St.-Amand 10,210, Bailleul 10,102. 
Beauvais 15,364, Compiègne 12,137. 
Alençon 16,110, Fiers 10,054. 
Arras 25,905, Boulogne 36,265, St.- 
Omer 22,011, SainW'ierre-les-Calais 
15,008, Calais 12,934. 
Clermont-Ferrant37,275,Thiers 15,901, 
Riom 10,863. 
Pau 21,140, Bayonne 25,611. 
Tarbes 14,768. 
Perpignan 23,462. 
Strasbourg 82,014, Haguenau 11,071, 
Schlestadt 10,184.
        <pb n="78" />
        FllANKlíEICH. — Land und Leute. 
54 
Departemente 
Rhin (Haut-) . 
Rhône . . . 
Saône (liante-) . 
Saône-et-Loire . 
Sarthe . . . 
Savoie . . . 
Savoie (Haute-) 
Seine . . . . 
Seine-Inférieure 
Seine-et-Marne. 
Seine-et-Oise . 
Sèvres Deux-) . 
Somme . . . 
Tarn .... 
Tarn-et-Garonne 
Var .... 
Vaucluse . . . 
Vendée 
Vienne . . . 
Vienne (Haute-) 
Vosges (Vogesen) 
Yonne . . . 
Hectárea Bevölk. 1861 Hauptorte u. deren Bevölkerung 
410,771 515,802 
270,039 
533,902 
855,174 
020,008 
591,358 
341,715 
062,493 
317,183 
582,137 
400,105 
275,039 
207,490 
47,550 1'953,000 
003,329 789,988 
573,035 
500,305 
599,988 
010,120 
574,210 
352,312 
513,073 
328,817 
572,040 
353,033 
Colmar22,029,Mulhouse45,887,Sainte- 
Marie-aux-Mines 12,332, Guebwiller 
10,080. [franche 11,050. 
Lyon 318,803, Tarare 14,509, Ville- 
Vesoul 7,579. 
Mâcon 18,000, Châlon - sur - Saône 
19,709, Le Creuzot 10,094, Autun 
l.e Mans 37,209. [11,897. 
Chamber)- 19,953. 
Annecy 10,737. 
Paris Í'090,141 , Saint-Denis 22,052, 
Clichy 17,473, Boulogne 13,944, Vin 
cennes 13,414, Neuilly 13,210, Cour 
bevoie 10,553. 
Rouen 102,049, Havre 74,330, Elbeuf 
20,092, Dieppe 20,187, Fécamp 
12,243. [Meaux 10,702. 
Melun 11,170, Fontainebleau 11,939, 
Versailles 43,899, Saint-Germain-en- 
I.aye 15,708. 
Niort 20,831. 
Amiens 58,780, Abbeville 20,058. 
Albi 15,493, Castres 21,538, Mazamet 
. 372,010 
. 008,325 
. 354,771 
. 070,350 
. 097,037 
. 551,058 
. 007,996 
. 742,804 
10,924. 
232,551 Montauban 27,054, Moissac 10,445. 
315,520 Draguignan 10,082, Toulon 84,987, La 
Seyne 11,700, Hyères 10,300. 
208,255 Avignon 30,081, Carpentras 10,918, 
Orange 10,007. 
395,095 Napoléon-Vendée 8,298. 
322,028 Poitiers 30,503, Châtelleraut 14,210. 
319,595 Limoges 51,053. 
415,485 Épinal 11,957. 
370,305 Auxerre 15,081, Sens 11,098. 
Zusammen 54'239,079 37'382,225 
Bodenverwendung (ungerechnet die 3 neuen Departemente) ; 
Hectárea 
25'581,059 (20'204,225) Ackerland, 
7'702,435 Waldungen, 
7'171,203 (0'579,983) Haideland, Wei 
den, Sümpfe, Oed-Land, 
.y 159,220 (5'057,232) Wiesen, 
•i'090,534 (2'191,102) Mmnberge, 
-¡-l'102,845 Wege, öffentliche Plätze, 
¡"1 '057,114 Staatseigenth. ohne Ertrag, 
028,235 Gärten und Baumschulen, 
503,980 Kastanienpflanzungen, 
-■-441,170 Flüsse, Bäche, Seen, 
Hectárea 
178,723 Teiche, 
-¡■159,508 unproductives Land, 
110,725 Del-, Mandel- und Maulbeer- 
phanzungen, 
04,717 Erlen - und Weidengebüsch, 
-¡-17,401 Entwässerungsgräben und 
Viehtränken, 
14,771 öffentliche Gebäude, Kirch 
höfe etc., 
12,273 Kanäle, 
4,170 Steinbrüche und Minen. 
Die nichtbesteuerten Theile des Gebiets sind hier mit f bezeichnet. 
Im Ganzen sind besteuert 49’530,33() Hect., nicht besteuert 2’775,408. 
Nach einer Zusammenstellung im Moniteur von 1800 gibt es in Frank 
reich noch 185,400 Hectaren (fast 34 deutsche Quadr.-Meilen) Moräste 
und nicht weniger als 2’700,072 Hectaren (über 491 Quadr.-M.) Haiden 
und sonstige den Gemeinden gehörende, unangebaute Ländereien. 
Pärcellen. Im J. 1842: 126’210,194. Zahl der Eigenthümer: 
ir053,702. Es ist zu bemerken, dass neben einander gelegene, dem
        <pb n="79" />
        FKANKKEICH. — Land und Leute. 
55 
nemlichen Eigenthümer gehörende Grundstücke, wenn sie zur Zeit der 
Aufnahme getheilt waren, (trotz der Wiedervereinigung) als besondere 
Parcellen aufgeführt bleiben : die officielle Ziffer ist desshalb unzuverläs 
sig. Auch sind dieselben Grundeigenthümer so vielmal gezählt, als sie 
Grundstücke in verschiedenen Einnehmereien besitzen. — Zahl der 
Wohnhäuser im Jahre 1S5Î); S’007,7S4. 
Bevölkerungsbewegang. Die Zahl der Einwohner Frankreichs ward 
im Jahre 1700 (als der Staat Lothringen, Corsica und Avignon noch 
nicht besass) nach den Denkschriften der Intendanten zu 19’669,320 an 
genommen. Die (ungenaue) Zählung von 17G2 ergab 21’709,163. 
17S4 schätzte Xecker 24’SOO,000, indem er auf 1 Geburt 25% Bewoh 
ner rechnete. Eine Zählung von 1790 wies 20'363,000 Einwohner nach. 
Jahr 
ISOl 
ISO« 
1S21 
i8:n 
1830 
In den SO alten Departementen (ohne Savoyen und Nizza) lebten:*) 
Bevölk. 
27*349,002 
29*107,425 
30*471,875 
32*509,223 
33*540.910 
Jährl. Zunahme 
— Proc. 
1,28 - 
0,51 - 
0,09 _ 
0.00 
Jahr 
1841 
1840 
1851 
1850 
1801 
Bevölk. 
34*230,178 
35*401,701 
35*783,170 
30*039,304 
(30*713,100) 
Jährl Zunahme 
0,41 Proc. 
0,08 - 
0,21 - 
0,11 - 
0.37 - 
Die weibliche Bevölkerung überwog ISOl um 97,217 (IS’642,504 männl., 
1S’739,721 weibl); früher ergab sich folgendes Verhältniss; 
Jahr XJeberichusi 
1800: 725,225 
1800: 481,725 
1821 : 808,325 
Jahr Ueberschuas 
1831 : 009,033 
1830: 019,508 
1841 : 445,382 
Jahr TJeberachusa 
1840: 318,738 
1851 : 193,242 
1850: 299,024 
Der Unterschied zwischen 1806 und 1821 erklärt sich besonders 
durch die grossen Kriege. Nach denselben näherte man sich einer Aus 
gleichung , bis der Krimfeldzug verderblich dazwischen trat. 
Helrathen. Durchschnittlich in jedem Jahre: 
von 18:10—40: 272,905 = 1 auf 124,12 Einwohner 
- 1841—45: 282,287 = 1 - 123,31 
- 1840—50: 277,017 = 1 - 128,20 
- 1851-00: 287,750 = 1 - 120,00 
ährend der letzten Periode fanden folgende Schwankungen statt : 
18.50 
1851 
1852 
1853 
297,700 
280,984 
281,100 
280.009 
1854 
1855 
1850 
1857 
270,900 
283,840 
287,029 
295,510 
1858 
1859 
1800 
1801 
307,050 
298,417 
288,930 
305,203 
Dabei kann man jedes Theuerungsjahr wahrnehmen, ebenso aber 
f as Streben der Natur, schon in der nächstfolgenden Zeit das ge- 
8 re eic gewicht durch ungewöhnliche Erhöhung der Zahl wieder 
herzustellen. — Es kam jährlich ungefthr eine Heirath : 
F ,r ,, und 1800 leiden aber noch an einem andern fehler. Man 
rüg die ganze \ olk8zahl ein welche die 80 alten Departemente in jenen Jah 
ren besassen , ohne Kucksicht darauf, dass in den Friedensschlüssen von 1814 
und 1815 Gemeinden, ja ganze Kantone, davon abgetreten wurden.
        <pb n="80" />
        56 
FKANKIŒICH. — Land und I^eute. 
1S25—28 auf 128 Einw. 
1829—33 - 12Ü — 
1834—38 - 123 - 
1839—44 - 125 - 
1847 - 142 - 
1848 auf 121 Einw. 
1849 - 128 - 
1850 - 120 - 
1850 - 125 - 
i 1857 - 122 - 
1858 auf 118 Einw 
1859 - 122 - 
1800 - 120 - 
1801 - 123 - 
Geburten. Deren Zahl war in je 5 Jahren ; 
Jahre Durchschnitt 
1830—40 959,431 
1841—45 970,030 
1840—50 949,594 
1851—55 940,995 
In einzelnen Jahren : 
Jahr Geburten 
1846 965,800 
Jahr Geburten 
1847 901,801 
1848 940,150 
1849 985,848 
1850 954,240 
1851 979,907 
1852 905,080 
1853 936,967 
1854 923,401 
Jahr Geburten 
1855 902,330 
1850 952,110 
1857 940,709 
1858 909,343 
1859 1’017,890 
1800 956,875 
1801 1’005,078 
Auffallender Weise kamen zweimal nach einander mehr Sterbfälle 
als Geburten vor. 1854 um 09,318, und 1855 um 35,000 mehr. 
Berechnet man, auf wie viel Einwohner eine Geburt konimt, so hat 
man, bei ungefähr gleich bleibender Bevölkerungszahl, annähernd ermit 
telt, wie viel Jahre das mittlere Lebensalter der Einwohner beträgt. 
Nun kam im Durchschnitte jährlich je eine Geburt auf folgende Men 
schenzahl : 
Perioden Eine Geburt auf 
1817—1824 31,8 Einw. 
181/—1854 34,4 - 
184/—1854 37,4 - 
! 1854 auf 39 
I 1855 - 40 
1856 - 38 
I 1857 - 37 
1858 auf 37 
1859 - 30 
1860 - 38 
1861 - 37,2 
Im J. 1801 kam eine Geburt: zu Paris auf 32,1 Einwohner, in den 
übrigen Orten von mehr als 2000 Einw. auf 34,5, in den Landgemein 
den auf 38,7 Menschen; somit war denn auch das mittlere Lebensalter 
in der Hauptstadt nur 32,1 Jahre, in den andern Städten 34,5, auf dem 
Lande 38,7.*) In den 39 Jahren von 1817 bis einschliesslich 1855 
wurden in ganz Frankreich geboren: 19’3 09,39 7 Knaben und 18’2 02,4 39 
Mädchen, sonach um etwa mehr Knaben als Mädchen. Während 
die Kriege so viele Männer hinwegrafften, schien die Natur auch hierin 
das entstandene Missverhältniss ausgleichen zu wollen. Später minderte 
sich der Unterschied bei den Geburten in dem Masse, in welchem wir 
uns von den frühem Kriegszeiten entfernten. Man bringt dies mit der 
Zunahme der (enger bei einander wohnenden) städtischen Bevölkerung 
in Verbindung. Von den Geburten kamen auf 100 Mädchen bei den 
Jahre ehelichen Kindern 
1800—1850 106,26 Knaben 
1850—1855 105,50 
1855—1860 105,31 
1860 104,93 
1861 105,13 
unehel. Kindern 
104,39 Knaben 
103,78 
102,95 
103,14 
103,17 
*) Nach Duvillard s Vlortalitätstaleln betrug die mittlere Lebensdauer vor 
der Zeit der ersten Bevolution 28% Jahre. Später, nach offic. Berechnungen: 
Perioden 
1806—9 
1810—14 
1814—30 
1831—34 
Jahre 
31 
32 
33 
34 
Mon. 
6 
3 
7 
Perioden 
1835—39 
1840—44 
1845—49 
1850—54 
Jahre 
34 
35 
36 
36 
' J OtiW—04 OO 
Wir bezweifeln indess die absolute Richtigkeit dieser Aufstellung. 
Mon. 
11 
1
        <pb n="81" />
        FRANKREICH. — Land und I.eute. 
57 
Die Zahl der unehelichen Kinder betrug 1851 — 55 im Durch 
schnitte 68,687 ; 1857 dagegen 70,890; 1858 74,633; 1861 76,697. 
Es kam je eine uneheliche Geburt : 
1817—53 auf 12,95 ehel. 
1853 - 12,71 - 
1854 - 12,17 - 
1855 - 12,95 - 
1850 auf 13,01 ehel. 
1857 - 12,27 - 
1858 - 12,12 - 
' 1859 auf 11,00 ehel. 
1800 - 12,81 - 
I 1801 - 12,10 - 
Somit Verschlimmerung des Verhältnisses. — Auf 100 Geburten 
kamen übrigens im letztbezeichneten Jahre: zu Paris 26,53 Proc. un 
eheliche, in den andern Städten 12 Proc., auf dem Lande 4,32 ; — im 
ganzen Reiche durchschnittlich 7,63 Proc. 
Die Zahl der Todtgeborenen, über welche man erst seit 1851 
genauere Aufzeichnungen besitzt, steUte sich folgendermassen zur Ge- 
sammtzahl der Geburten ; 
Jahre Todtgeborene Verhältnis! zu 
allen Geburten 
31,665 = 3,13 Proc. 1850 
37,901 = 3,78 - 1857 
38,004 = 3,90 - 1858 
39,778 = 4,13 - 1859 
38,013 = 4,04 - 1800 
Somit starke Verschlimmerung. 
Sterbfälle. Es betrug die Gesammtzahl jährlich 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
Jahre Todtgeborene 
40,780 — 
41,905 = 
43,752 = 
40,520 = 
44,298 = 
Verhältnis! zu 
allen Geburten 
4,11 Proc. 
4,26 - 
4,31 - 
4,30 - 
4,42 - 
1836—40: 799,817 
1841—45: 785,973 
1840—50 
1851—55: 
1850: 
1857: 
1858: 
1859: 
1800: 
1801 : 
848,348 
870,070 
837,082 
858,785 
874,023 
979,333 
781,035 
800,597 
Sterbfall auf 42,35 Einw. 
44,29 - 
41,97 - 
39,07 - 
43,25 - 
42,21 - 
41,45 - 
37,10 - 
47,81 - 
43,14 - 
Ist das Steigen der Sterbfälle für die Hauptperioden auffallend, so 
verdient das Verhältniss in einzelnen Jahren besondere Beachtung: 
1845 
1840 
1847 
1848 
1849 
1850 
1853 
1854 
1855 
(gutes Jahr) 
(beginnende Theuerung) 
(grosse Theuerung) 
(polit. Unruhen) 
(Cholerajahr) 
(billige I.ebensmittel) 
/V • Jahr) 
(Krieg, Theuerung und Cholera) 
,Krieg) 
741,985 Todesfälle 
820,918 
849,054 
830,093 
982,008 
761,610 
795,596 
992,779 
937,942 
die Verliiaf^^n 1856 das Streben der Natur wahmehmen, 
ri 1 V. ‘f eichen, zc.gte sich dasselbe Streben auch bei frühem 
Gelegenheiten. In dem Cholerajahre 18.32 hatte man in Frankreich die 
Todesfällen = 15 Proc. über das gewöhn- 
ic e er niss nac dem Durchschnitte der 5 vorhergegangenen Jahre, 
Dagegen gab es 1833 nur 812,548 Sterbfälle — fast ebenfalls 15% 
Unterschied, d. h. diesmal Verminderung. — 1858 wies 874,186 Sterb 
fälle auf; 1859 (ital. Krieg) 105,147 mehr; das nächste Jahr aber
        <pb n="82" />
        58 
FRANKREICH. — Land und Leute (Confessionen,. 
1)2,551 weniger, so dass der Unterschied beinahe ausgeglichen erschien. 
In frühem Jahren kam : 
1801 ; 1 Todesfall auf 35,42 Einw. 
1806: 1 - - 37,23 - 
1821 : 1 - - 41 
1826: 1 - - 38,04 - 
1831 : 1 Todesfall auf 40,69 Einw. 
1836:. 1 - - 41,08 - 
1841: 1 - - 40,9 
So weit die amtlichen Aufnahmen reichen, raffte die Cholera bei 
ihrem dreimaligen Grassiren in Frkch. hinweg: 1S32 102,735 Men 
schen, 1S49 100,110, 1854 145,541. Im Ariége-Dep., wo sie am 
furchtbarsten wüthete, kam 1854 auf je 15,12 Einw. ein Todesfall! 
Selbstmorde wurden in den 23 Jahren 1830 — 58 constatirt : 
75,110, davon 56,502 v. Männ., 18,548 v. Frauen. Die Zahl nimmt 
stark zu. 
Auswanderungen. Die Zahl der Auswanderer belief sich in den 10 
Jahren 1849 — 58 (nach einem Berichte des Ministers) zusammen auf 
weniger als 200,000 Individuen, während in der nemlichen Zeit Deutsch 
land 1'200,000, Grossbritanien 2^/^ Mill. Menschen durch Wegzug ver 
lor. Von einzelnen Jahren liegen folgende Notizen vor : 
Auswanderer davon ins Ausland nach Algerien 
1856: 17,997 9,433 8,564 1861 : 8752 Ausw., 
1857: 18,809 10,817 7,992 wovon 2418 nach 
1858: 13,813 9,004 4,^09 Algier; 1862 gegen 
1859: 9,164 6,786 2,378 6800 Auswanderer. 
Haushaltungen. Im J. 1850: 9'387,501 (also kaum 3,85 Personen 
auf die Haushaltung). 
Gebrechliche. Im J. 1850: 35,031 Wahnsinnige (wovon 23,317 in 
Irrenanstalten), 25,259 Idioten undCretinen (davon 2,909 in Spitälern), 
38,413 Blinde (21,005 männl.), 21,551 Taubstumme (12,230 m.) 
Confessionen. Die officielle Statistique de lu France entziffert für 
1851 : 
Katholiken 34’931,032 
Reformirte 480,507 
Lutheraner 267,825 
Juden 73,975 
Andere Cuiten 26,348 
Nicht constatirt 3,483 
Während die officielle Statistik in andern Beziehungen sehr in Ein 
zelheiten eingeht, vermeidet sie solches auffallend beim vor lieg. Gegen 
stände ; man findet dafür die Bemerkung, dass »Erwägungen besonderer 
Art« die Administration bestimmt hätten, die Uebersicht der Verbreitung 
der verschiedenen Cuiten in den einzelnen Departementen nicht zu ver 
öffentlichen. Wir knüpfen die Bemerkung daran, dass wir die ganze 
officielle Angabe für wesentlich unrichtig halten. Nach allen uns be 
kannten Daten ist die Zahl der Protestanten weit grösser. Wir halten 
folgende Schätzung für nicht unglaubwürdig ; 33%, mit Savoyen u. Nizza 
34% Mill. Katholiken, 1’300,000 Reformirte, 700,000 Lutheraner; 
dann Juden etc. Es wird sogar behauptet, nach den von den Consisto- 
rien angefertigten Listen belaufe sieh die Zahl der Protestanten auf un 
gefähr 2% Mill. 
Nationalitäten. Die officielle Statistik weiss nur von »Franzosen« 
und »Fremden«. Die wirkliche Statistik kennt aber auch Nationalunter 
schiede. So schätzen wir, dass ungefähr 31% Mill, dem französischen
        <pb n="83" />
        HIAXKKEICH. — Land und Leute (Gebietsveränderungen). 59 
Stamme angehören (davon aber gegen 12*4 Mill, dem provençalischen 
Zweige, 80 dass nur etwa 19 Mill, rein franz. sprechen), fast 2 Mill, 
sind Deutsche (im Eisass, einem Theile von Lothringen, zu Paris etc., 
r 160,000 sollen nur deutsch verstehen), l'bOO, 000 Wallonen, 1’100,000 
Kymem (Bretonen), 350,000 Italiener (auf Corsica, zu Nizza etc.), 
160,000 Basken, 100,000 Spanier. 74,000 (150,000) Juden, einige 
Tausend Cagots, 5000 Zigeuner etc. 
Zahl der nichtnaturalisirten Fremden,. 1851 : 380,831, nemlich: 
Belgier 
Italiener 
Deutsche 
12S,103 I Spanier 29,736 
63,307 I Schweizer 25,485 
57,061 I Engländer 20,357 
Gemeinden. Ein rechtlicher Unterschied zwischen Städten und Dör 
fern besteht nicht mehr. Die Gemeindezahl war 1851: 36,835, nemlich: 
Polen 9,338 
Andere Fremde 45,176 
Nicht constatirt 2,268 
433 mit weniger als 100 Einw. 
2,560 
4,157 
4,618 
3,916 
11,955 
4,423 
2,094 
loo— 200 Einw. 
201— 300 — 
301— 400 — 
401— 500 — 
501—1000 — 
1001—1500 - 
1501—2000 - 
1462 mit 2,001— 3,000 Einw. 
565 - 3,001— 4,000 - 
235 - 4,001— 5,000 - 
271 - 5,001—10,000 - 
93 - 10,001—20,000 - 
43 - 20,(M&gt;1—50,000 - 
13 - mehr als 50,000 
Paris hatte 1801 • 552,686 Einwohner; 1811: 630,636 ; 1821: 
723,551; 1831: 785,483; 184L 935,261; 1851: 1'053,262 ; 1856: 
1'174,346. 1861 (Stadterweiterung): 1'696,141. *) 
Dermalen besitzt Frankreich ausserdem 1 Stadt von 300,000 Einw. 
Lyon; 1 von mehr als 250,000 : Marseille; 5 zwischen 100 u. 200,000 
Bordeaux, Lille, Toulouse, Nantes, Rouen; 13 zwischen 50 u. 100,000. 
St. Etienne, Toulon, Strassburg, Havre, Brest, Amiens, Nîmes, Limo 
ges, Reims, Montpellier, Angers, Orléans; 10 zwischen 40 u. 50,000: 
Nancy, Roubaix, Nizza, Besançon, Mühlhausen, Rennes, Versailles, 
Caen, Cherbourg, Tours ; 16 zwischen 25 und 40,000. — 1861 rech 
nete man : 
Seinedepartement . . . 1’953,660 Einw. 
Uebrige Stadtbevölkerung 8’877,765 - 
Landbevölkerung . . 26’554,S8S - 
\on der Gesammtbevölkerung lebten in Orten von mehr als 2000 Men 
schen (diese nimmt man als Städte an) im J. 1846 24,72 Proc. 1856 
dagegen 27,31 Proc. Die Landbevölkerung hatte sich um 2,59 Proc. 
vermindert. 
Gebietsyeränderungen. \or der grossen Revolution war das König- 
c 1 aus Irovinzen mit sehr verschiedenen Einrichtungen und 
nvilegien zusammengesetzt, 12 führten den Titel Herzogthümer, 13 
en von ra sc a ten, die übrigen galten als Landschaften oder Herr- 
Stadt London dagegen begreift 78,029 er%l. Acres = 31,576 Hectaren. Auf 
unser Mass reducirt ergibt sich : für das frühere Paris blos 0,59 deutsche Qua 
drat-Meilen, für das vergrosserte 1,29, für London aber über 5,75 Q.-M.
        <pb n="84" />
        60 FRAXKltMCH. — Land und Leute (Gebietsveränderungen). 
schäften. Aus administrativen Gründen hatte man nebenbei eine Ein- 
theilung in 29 Generalitäten, die nach den Hauptstädten benannt 
wurden. Die Nationalversammlung, in der Absicht alle Provinzialunter 
schiede zu vernichten, schuf (22. Dec. 1789) die Departementalein- 
theilung, wobei man die alten Verhältnisse absichtlich umstiess Nach 
folgend eine Uebersicht der alten Provinzen, ihres Flächenraums in 
franz. Quadratstunden (2% = 1 deutsche Quadratmeile), und der De- 
partemente welche aus ihrem Gebiete gebildet wurden, wobei jedoch 
alle kleinern Ab- und Zutheilungen unberücksichtigt bleiben. 
Alte Provinzen: Q.-Lieues. 
Ahace (Eisass) mit der Terre d’Allemagne 405 
(Hauptstadt Strassburg) 
Atujoumois mit Saintonge, Aunis . . . 596 
Anjou (Hptst. Angers) 452 
Artois (Hptst. Arras) 242 
Auvergne (Hptst. Clermont) 703 
Béarn (Hptst. Pau) 253 
Berry (Hptst. Bourges) 725 
Bourbonnais (Hptst. Mouliers) .... 400 
Bourgogne, mitBresse-Bugey, principauté 1315 
de 1 lombes, Pays deGex, Dijonnais, 
Méconnais u. Ay.xerrois (Hptst. Dijon) 
Bretagne (Hptst. Rennes) 1719 
Champagne mit principauté de Sedan, 
Chälonnais, Rémois u. Senonois (Hptst. 
Troyes) 
Comtat Venaissin 
Corse 
Dauphiné (Hptst. Grenoble) 
Flandres mit Hainaut u. Cambresis (Lille) 
Foix (pays de, Hptst. Foix) 
Franche-Comté (Freigrfsch., Hptst. Be- 
92 
443 
1015 
29-1 
200 
795 
sançon). 
Gascogne mit Cousérans, Cominges, 134^ 
Quatre-Vallées, l.omagne, Armagnac, 
Asturac, Condomois, Pays des I.andes, 
Chalosse, Pays de Soule, I’ays de I.a- 
bourd, Bigorre. 
Guienne mit Rouergue, Périgord, Agé- 2072 
nais, Bordelais, Bozadois und Quercy 
Hptst. Bordeaux). 
Isle de France mit lyonnais, Soissonais, 93C 
No&gt;;onnais, Valois undGâtenais (Hptst. 
Paris). 
Zí/Wí/Mcdoc mit Vivarais, Rasez, Carcas- 2IOS 
sez, Lauraguais, Velav, Gévaudan ; dio 
cèses de Nîmes, d’Uzès, Toulouse, 
Montpellier, Lodève, Béziers, Nar 
bonne , du Velay, d’Alby, Montauban 
(Toulouse). 
Limousin (Hptst. Idmoges) . . . . . 510 
Lorraine (Lothringen) mit Trois-Evêchés 1142 
(Metz , Toul, Verdun), Clermontois 
(Hptst. Nancy). _ ^ t 
Imonnais mit Forez, Beaujolais (Lyon) . 395 
marche (Hptst. Guéret) 248 
Verwendet für d. Departemente 
Haut-Rhin, Bas-Rhin. 
Charente-Inférieure,Charente. 
Maine-et-Loire, Mayenne. 
Pas-de-Calais. " [Loire. 
Cantal, Puy-de-Dôme, Haute- 
Basses-Pyrénées. 
Cher, Indre. 
Allier, Puy-de-Dôme. 
Saône-et-Loire, Ain, Yonne. 
Côtes-du-Nord, Morbihan, 
Finistère, Ille-et-Vilaine, 
I&gt;oire-Inf. 
Ardenes, Aube, Marne, Haute- 
Marne , Seine - et - Marne, 
Yonne. 
Vaucluse. 
Corse. 
Hautes-Alpes, Drôme, Isère. 
Nord. 
Ariège. 
Doubs, Jura, Haute-Saône. 
Haute-Garonne, Hautes-Pyré 
nées, Basses-Pyrénées, Gers, 
Landes, Ariége, Tarn - et- 
Garonne. 
Aveyron, Dordogne, Gironde, 
Lot-et-Garonne, Lot, Tarn 
et Garonne, I.andes. 
Seine, Oise, Seine-et-Marne, 
Seine-et Oise, Aisne. 
Ardèche, Aude, Haute-Ga 
ronne,Gard,Hérault, Haute- 
Loire, Lozère, Tarn. 
Corrèze, Vienne, Creuse. 
Meurthe, Meuse, Moselle, 
Vosges. ^ 
Rhône, Loire. 
Creuse, Haute-Vienne.
        <pb n="85" />
        FRANKREICH — Land und Leute (Gebietaveränderungen). 
61 
. Alte Provinzen; Q.-Lienet. 
Maine (Hptat. Le Mana) 508 
Navarre 75 
Nivernais (Ilçtat. Nevera), . . ! . . 324 
AVmawÆe mit Comté d’É\Teux, Perche, 1538 
Drouaia, Thimeraia, duché d’Alençon ' 
(Hptat. Rouen). 
Orléanais mit Beauce, Dunoia, Blaiaoia, 1028 
Gâtinaia (Ilptst. Orléans). 
Picardie mit 1 niérache, Vermandois, San- 642 
terre, Amiénois, Boulonnais, Ponthieu, 
Calaisois Hptat. Amiena). 
Poitou (Hptat. Poitiers 1018 
Provence mit der principauté d’Oranee 
(Hptat. Aix;. 
Poussillon ¡Hptat. Perpignan) . 
Touraine (Hptat. Tours) 
Zusammen 
. 1085 
. 185 
. 351 
26,720 
Verwendet für d. Departemente 
Mayenne, Sarthe. 
Basses-Pyrénées. 
Nièvre. 
Calvados, Eure, Manche,Orne, 
Seine-Înfér., Eure-et-Loir. 
Eure-et-Loir, Loir-et-Cher, 
Loiret, Yonne. 
Somme, Pas-de-Calais, Aisne, 
Oise. 
Deux-Sèvres, Vendée, Vienne, 
Haute-Vienne. 
Basses - Alpes, Bouches-du- 
Rhône, Var, Vaucluse. 
Pyrénées-Orientales. 
Indre-et-Loire, Vienne. 
Die Revolution und das Kaiserreich brachten gewaltige Vergrösse- 
rungen. Die Anfänge wurden gemacht, indem man die Besitzungen 
deutscher Reichsfürsten im Eisass (Mümpelgard, das Würtemberg ge 
hörte etc.) einfach als franz. Länder behandelte, und am 14. Sept. 1791 
die Vereinigung der päpstl. Grafschaft Avignon, dann am 27.Nov. 1792 
und am 31. Jan. 1793 jene von Savoyen und Nizza aussprach. Schwei 
zer Gebiete folgten. Im Frieden von Campo Formio (17. Oct. 1797) trat 
Oesterreich Belgien an Frankreich ab; der Friede von Lunéville(9. Febr. 
ISOl) verschaffte ihm das ganze deutsche linke Rheinufer — zus. 1200 
Qdr.-Meil. mit fast 4 Mill. Menschen. Sodann wurden mit Frankreich 
vereinigt: unterm 11. Sept. 1&amp;02 Piemont, 21. Juli 1S05 Parma, 27. 
Oct. ISO7 Hetrurien (Toscana), 17. Mai IS09 Rom, 9. Juli IS 10 Hol 
land, 12. Nov. IS 10 AVallis, 10. Dec. ISIO die Mündungen der Ems, 
Weser und Elbe sammt den Hansestädten (000 Q.-M. mit mehr als 
1 Mill. Einw.), ferner Oldenburg u. s. f. Die Zahl der Departemente, 
anfangs blos S3, stieg auf 130, mit einer zu 42 305,434 M. berechne 
ten Volksmenge. Frankreich umfasste, ausser dem Gebiete der später 
verbliebenen SO, noch weiter folgende Departemente. (Die drei, mit 
Ausnahme der Stadt Genf wieder gewonnenen, aber zum Theil anders 
benannten Departemente bezeichnen wir mit Sternchen.) 
Departemente 
*Alpen (See-) 
Apenninen 
Arno 
Doria 
Donnersberg 
Dvle 
Elbmündungen 
Ems (über-) 
Friesland 
Genua 
Isselmündungen 
Jemappes 
*Leman 
Lippe 
Maasmündungen 
Hauptorte 
Nizza. 
Chiavari. 
Florenz. 
Ivrea. 
Mainz. 
Brüssel. 
Hamburg. 
Osnabrück. 
Leu Warden. 
Genua. 
Zwoll. 
Mons. 
Genf. 
Münster. 
Haag. 
Departemente 
Maas Nieder-) 
Marengo 
Mittelmeer 
•Montblanc 
Montenotte 
Nethen (beide) 
Ober-Issel 
Ombrone 
Ost-Ems 
Ourthe 
Po 
Rhein und Mosel 
Rheinmündungen 
Roer 
Saar 
Hauptorte 
Mastricht. 
Alessandria. 
Livorno. 
Chambéry. 
Savona. 
Antwerpen. 
Arnheim. 
Siena. 
Aurich. 
Lüttich. 
Turin. 
Coblenz. 
Herzogenbusch. 
Aachen. 
Trier.
        <pb n="86" />
        62 
FKANKREICH.—Finanzen Budget). 
Departemente 
Sambre und Maas 
Schelde 
Scheldemündungen 
Sesia 
Simplon 
Stura 
Taro 
Hauptorte 
Namur. 
Gent. 
Middelburg. 
Vercelli. 
Sitten. 
Coni. 
Parma. 
Departemente 
Tiber 
Trasimene 
Wälder 
Wesermündungen 
West-Ems 
Zuydersee 
Hauptorte 
Rom. 
Spoleto. 
Luxemburg. 
Bremen. 
Groningen. 
Amsterdam. 
Der erste Pariser Friede vom 30. Mai IS 11 beliess Frankreich nicht 
nur sein vor 17S9 besessenes Gebiet, sondern ausserdem auch Avignon, 
Mümpelgard, einen Theil von Savoyen und mehrere Grenzkantone von 
Belgien etc. Durch den zweiten Pariser Frieden, vom 21. Nov. IS 15, 
verlor es dagegen Savoyen, die belgischen Grenzkantone, Saarbrücken 
und das rechte Queichufer, sammt den Festungen Landau (seit 1713 
besessen), Saarlouis, Marienburg und Philippeville. — 1S30 ward Al 
gier erobert. — In Folge Vertrags mit der italienischen Regg. erfolgte 
im Juni lSGO die Vereinigung von Savoyen und Nizza mit Frankreich. 
Das neuerworbene Land (mit 000,050 Einw.) ward in drei Departemente 
getheilt : Savoyen, Obersavoyen und Seealpen [Savoie, Haute-Savoie und 
Alpes maritimes). Das bis dahin zum Vardepartement gehörende Arron 
dissement von Grasse wurde den Seealpen zugetheilt. Durch Vertrag 
mit dem Fürsten v. Monaco wurden sodann ISOl Mentone und Rocca- 
bruna erworben. 
Fhiaiizoii. 
Budget. Dasselbe wird auf ein Jahr festgesetzt. Das Budget für 
1805 umfasst folgende Hauptabtheilungen; 
A. Ordentliches Budget. 
Einnahmen; 
Directe Steuern (Grundst. l(iS’.‘100,00(), Personal- u. Mo- 
biliarst. 48’43S,000, Thüren- u. Fensterst. 3(1’301,200, Ge- 
werbst. ö0’007,200, Pferde- u. Luxuswagen-st. 2’7ü0,000 
etc.; Fr. 315’3Gl,4üO 
Enregistrement (3H)’222,000) u. Stempel (7(1’2T8,00(I) . . 305'500,000 
Domänen (Rente u. Verkaufspreis 5’2(»4,000), Erlös von Mo 
bilien (5’500,000), Specialverwaltungen (1’425,410) , For 
sten 40’256,500 52’445,91ß 
Zölle (dabei 22’548,000 v. Salz in den Zolllinien, ferner 
72’19G,000 von gewöhnl. Waaren, 4G’718,000 von indischem 
Zucker, 4’1G3,000 Schitff.-Abgaben) 147’425 OOO 
Indirecte Auflagen (dabei: 213’427,000 Getränksteuer, ' 
8’415,000 Salzst. ausserhalb des Zollbezirks, 58’030,(»00 
Rübenzucker, 22G’478,000 v. Tabaksverkauf, 12,754,000 v. 
Pulververkauf) 57S’002,000 
Post 72’410,000 
Unterrichtsabgabe produits universitaires) 2'858,500 
Einkünfte aus Algerien 10’25O,OOO 
Ersparung an Civilpensionen 14’578,700 
Reserve des Amortisationsfonds 95*522,745 
Verschiedene Einnahmen 58*081,801 
Zusammen 1752*030,002
        <pb n="87" />
        FRANKREICH. —Finanzen Budget). 
63 
Ausgaben. 
Ministerium des Staats :i’ll 2*400 
der Justiz .33’217,210) u. des Cultus '47’S20,OSO) . Sr047¡100 
der auswärtigen Angelegenheiten 12’507,200 
des Innern dabei 17’037,100 für Gefängnisse . . 5r025,S45 
der Finanzen 22’070,517 
des Kriegs dabei : 40*200,240 für Stab u. Gendarme- 
rie u. 7*550,035 geheime Ausgaben) 367*862,020 
Generalgouvernement Algerien 14*356,013 
Ministerium der Marine u. Colonien (letzte 24*455,700; . . . 151*002,332 
des ötfentl. Unterrichts 10*400,121 
der Landwirthsch., des Handels u. der öflf. Arbeiten 71*370,753 
des kaiserl. Hauses u. der schönen Künste . . . 12*314,200 
Regie-u. Steuererhebungskosten der directen 17*725,031, des 
En reg., Stempels u. der Domänen 15*178,000, der Forsten 
8*545,717, der Zölle u. indir. Aufl. 63*^52,320, der Tabaks 
regie 04,040,500, der Post 61*750,207 234*001,774 
Rückersätze, Ausfälle u. Prämien 10*505,500 
Zusammen 1,750*022, 
Hiezu kommen aber noch: B. Specialbudget, betragend 
220 403,035 br., Departementalumlagen auf die directen Steuern, zur 
Deckung der Dcp.-Bedürfnisse; — C. Ordnungsbudget (durchlau- 
iende Posten) mit 104 036,154; — endlich D. ausserordentliches 
Budget, 118*852,000 Bedarf u. 110*350,011 Fr. Einn. (wobei: 
66*170,011 Renten des Amortiss., 22% Mill. Erhebung der Dotation 
des Amort., 10 Mill. Entschädigung von China, 1*080,000 ditto von 
Cochinchina, 13 000,000 von Mexico, 2 Mill, ausserord. Holzschläge 
etc.). — Somit Gesammteinnahme 2204*015,262, Gesammt- 
ausgabe 2103*303,772 Fr. 
Hauptein nähme Positionen. Zu den Einkünften (so weit sie 
hier auszuscheiden sind) liefern : das Staatseigenthum (die Domänen im 
weitesten Sinne) nur etwa 3 Proc., die directen Steuern gegen 20 %, die 
indirecten Auflagen 76% Proc. — Auch in diesem Grossstaate ist der 
Ertrag der Domänen verhältnissmässig äusserst unbedeutend — denn 
auch hier ist das ursprünglich so grosse unmittelbare Staatsvermögen 
(aus welchem vor Allem die öffentlichen Bedürfnisse gedeckt werden 
so ten) verschleudert worden. Der Ertrag scheint um so geringer, wenn 
man die Einziehung der vielen Geistlichen- und Adelsgüter während der 
evo erwägt, und wenn man die colossale Höhe der Staatsschuld 
rerul ^^benen unmittelbaren Activvermögen entgegen hält. Wäh- 
wahlnnT Xeuzcit verschleuderte man namentlich sogar Staats- 
) ebrigens betrug der "Werth der Domänen, nach einer 
für die Dauer von 10 Jahren jährlich 
der Gebirge ausgesetzt. — 1864 ward 
tL/it 1 T» " ^^Giten Kaiserthum veräusserten "Waldungen zu 
-1 -50,508, aus andern Domänenverkäufen zu 2'/, Mill, angegeben. 
letzteres war schon 1860 auf 1*077 046 eési 
Verminderung Einhalt zu thun, hat man fi 
eine Million Francs zurM letlerbewaldung d 
der Erlös aus den unter dem zweiten Kn,\
        <pb n="88" />
        64 
FRANKREICH — Finanzen (Budget). 
Schätzung vom Jahre 1S56, noch immer über 1203 Mill. (1,293’! 73,80-1 
Fr.) ; allein es finden alljährlich neue Veräusserungen statt. 
Directe Steuern gibt es (wie oben aufgezählt) vier alte: 
1) Grund-, 2) Personal- und Mobiliar-, 3) ThOren- und Fenster-, 
4) Gewerbsteuer (Patentgebühr). Nur die letzte bildet eine sog. »Quoti 
tätssteuer«, deren Ertrag sich nach der Zahl und Ausdehnung der Ge 
werbe bestimmt, während die drei andern »Repartitionssteuern« sind, 
deren Summe zum Voraus auf die einzelnen Departemente, Grundstücke 
u. s. f. ausgeschlagen (repartirt) wird. — Hiezu kam in der Neuzeit 
5) die Pferde- und Luxuswagensteuer. 
Ganz enorm finden wir die indirecten Auflagen emporgeschraubt. 
Besonders lästig ist die Getränkesteuer (die verhassten ehemaligen droits 
reunís), über 213 Mill, liefernd; äusserst fiscalisch das Enregistrement, 
das über 319 Mill, einbringt, ungerechnet 76 Mill. Stempelgebühren. 
Es müssen bei jedem Immobiliarverkaufe volle 1 Proc. vom Preise be 
zahlt werden ; dazu kam schon seit der Zeit des alten Napoleon eine, 
auch in allen Friedenszeiten forterhobene, besondere »Kriegssteuer«, 
wodurch diese Auflage noch um */,o erhöht wurde ; und diesem ersten 
décime de guerre hat man 1835 sogar einen zweiten beigefügt, und 
es dauert dessen Erhebung noch fort.*) — Die Salzsteuer, frü 
her 30 Ct. für das Kilogr. (Doppelpfund), ward nach der Februarrevo 
lution auf 10 Ct. herab-, dann 1862 auf 20 hinaufgesetzt (Ertrag 71*/» 
Mill.) Der Tabak ver kauf war vor 1789 verpachtet, und brachte 
32 Mill. Fr. ein. Von 1789 bis zum J. VII war derselbe frei; von da 
bis 1811 ertrug die Steuer auf Tabak etwa 15 Mill. Fr. jährlich, ln 
diesem Jahre wurde das Monopol des Staates wieder eingeführt, und 
warf durchschnittlich 26 Mill. Fr. ab; fünf Jahre später erhöhte sich die 
Summe auf 42 Mill., bei einem Verbrauche von 352 Grammen auf den 
Einwohner; im Jahre 1841 gewann die Regie 72, und 1852 121 Mill, 
mit einem Verbrauche von 706 Grammen auf den Kopf. 1860 hat die 
Regierung den Preis des Tabaks, mit Ausnahme der Cigarren, plötzlich 
um 25 Proc. erhöht. (Bruttocrlös 226% Mill., davon 65 Mill. Kosten, 
Reinertrag also fast 162 Mill.) Den Gewinn der Einzelnverkäufer mit 
12 Proc. dazu gerechnet, geben die Consumenten über 250 Mill, jährl. 
für labak aus. Schon im J. 1858 betrug die verkaufte Quantität 
28 303,174 Kilogr., wonach sich die Consumtion jedes Individuums auf 
782 Grammen stellte. (Der Cigarrenverbrauch stieg schon 1856 auf 
.523 406,000 Stück.) Die Zölle, 1859 eine Summe von 189’193,180 Fr. 
einbringend, sanken 1860 in Folge der Tarifminderung auf 131’385,000 
herab. — Eine eigenthümliche Einkommensquelle hat sich der Staat 
*) Es mag hier bemerkt werden, dass, während man in andern Ländern 
&lt;1611 l^inkünftcii der G6istliclikt*it nianchcrlci St6U6r6rleicht6runjç6n jçcwáhrt, 
die Güter der todten Hand in Frankreich seit 1818 mit einer eigenen Auflage 
belastet sind. Da nein lieh diese Güter in der Regel nie in andere Hände über 
gehen, so tragen sie eben auch zu denjenigen Einkünften nichts bei, welche der 
Staat gelegentlich der Mutation bezieht. Dafür wurde eine Taxe eingeführt, 
welche, dem mittleren Ertrage der Mutationsgebühr entsprechend, nun als 
Aequivalent erhoben wird. Für 1865 ist dieselbe mit 3’;i47,952 Fr. in das Budget 
eingesetzt.
        <pb n="89" />
        FRANKREICH. — Finanzen (Steigen des Staatsbedarfs). 
65 
durch Uebernahme des Militär-Einsteherwesens gebildet; vorerst fliesst 
diese Quelle ziemlich reichlich ; später, wenn die Pensionen zu entrich 
ten sind, wird die Staatscasse dafür nicht unbedeutend in An.spruch ge 
nommen werden. 
Hauptausgabepositionen. Von den 1751 Mill, des ordentl. 
Budgets verschlingen : 
Die Staatsschuld sammt Dotationen über ö99 Mill. = 39,93% 
Das Militär (I&gt;and- und Seemacht) - 494% - = 2S,24 - 
Diese beiden unproductiven Posten allein 1193 
Irotz der Höhe dieser Summe ist aber der wirkliche Bedarf für die 
Armee noch weit grösser. 
Unter den »Dotationen« nimmt die Civil liste des Kaisers mit 
25 Mill, die erste Stelle ein. (Die Civilliste Ludwig Philipp’s hatte nur 
12 Mill, betragen.) Ausserdem ist aber der Genuss der Krondomänen 
damit verbunden (worunter ein Theil der Orléans’schen Güter) ; sie sol 
len 5 7 Mill, nachhaltig ertragen, so wie sie dermalen verwaltet wer 
den aber 10 —— 12 Mill. Hiezu kommt der Genusswertb der Schlösser. 
(Die franz. Civilliste ist die grösste von allen ; dessen ungeachtet soll 
dieselbe mit mehr als SO Mül. Fr. Schulden belastet sein.) — Die zweite 
Stelle haben die »Dotationen der kaiserl. Prinzen und Prinzessinnen«. 
Dazu kommen gelegentlich ausserordentliche Bezüge. Darnach dürften 
die Gesammtkosten des Hofes (mit den Naturalgenüssen) kaum unter 
40 — 42 Mill. Frs. zu veranschlagen sein. — Der Aufwand für SenA 
und gesetzgebenden Körper steigt auf 9 Mill., — das Doppelte des Be 
darfs der frühem Pairs- und Deputirten-Kammer. — Eine besondere 
Dotation besitzt die »Ehrenlegion«, wozu der Staat einen jährlichen Zu 
schuss gewährt, 1805 von 9 770,730 Fr. Die Gesammteinkünfte der 
Lepon sind zu 10’80S,109 Fr. veranschlagt. (Die Zahl der Legionäre, 
welche Bezüge erhalten, beträgt 3.3,497.) — Die Ausgaben für den 
Cultus, 1818 blos 21, 1847 39, sind für 1665 fast auf 48 Mill, blos 
^(^stimmt (davon fast 40 Mill, für den katholischen und 
' ^andern Cuiten, Mit Kinrechnung der Leistungen 
der Gemeinden und der einzelnen Gläubigen (Casualien) steigt das Ein 
kommen der Geistlichkeit wol über 100 Mill.*) 
Steigen des Staatsbedarfs unter dem Kaiserthume. Die Schlussziffern 
tat r ^ sind seit dem Aufhören der Republik von Jahr zu 
Jahr lolgendermassen gestiegen: 
Zuschüsse v-''die if geduldet, aber nur drei erhalten Geld- 
. 1 -Vicareii nii. , 
Pfarrern mit 1200—IbOO und 30,243 Pfarr\en%e- 
Bern mit 900—1200 Fr. 
Kolb, Statistik. 4. Aufl 
5
        <pb n="90" />
        66 
FRANKREICH. — Finanzen (Steigen des Staatsbedarfs). 
1853 
1854 
1855 
1856 
1487 Mill. 
1517 - 
1562 - 
1598 - 
1857: 1699 Mill. 
1858: 1717 - 
1859: 1765% - 
1860 
1861 
1862 
1825 Mill. 
1840 - 
1970 - 
Hierauf ward eine Aenderung in der Art der Aufstellung des Bud 
gets vorgenommen. Man verkleinerte dasselbe scheinbar, indem man 
alle durchlaufenden Posten und ausserordentlichen Ausgaben vom ge 
wöhnlichen Budget trennte. Indess darf man nur die verschiedenen Ka 
tegorien zusammen stellen, um die Vergleichung mit früher fortsetzen 
zu können : 
1863 
172P581,077 
217’917,785 
97’004,895 
121’114,500 
Ordentl. Budget . 
Special- 
Durchl. Posten 
Ausserord. Budget 
1864 
1775144,001 
221’934,123 
100’046,704 
lOS’015,000 
Zusammen 2157’618,257 2205’139,828 
1865 
1750’922,583 
229’493,035 
104’036,154 
nS’852,000 
2193’303¡772 
Schon 1855 klagte der Berichterstatter im gesetzgebenden Körper, 
Baron Paul de Richemont; »Der Staatsbedarf ist heute noch einmal so 
gross, als er 1815 war.« Schon vor dem Jahre 1854 (also noch vor den 
Kriegen) waren nicht blos die Staatsschulden vermehrt, sondern auch 
das Activvermögen des Staates bedeutend vermindert, namentlich durch 
den Verkauf von Eisenbahnen (für 242 826,476 Fr.), von Staats- und 
Orléans’sehen Domänen und endlich durch ausserordentliche Holzfäl 
lungen. 
Betrachtet man blos die Jahresbudgets, die alle mit einem, wenn 
auch geringen Uebcrschusse abschliessen, so begreift man diese Gestal 
tung nicht. Dupin sagte schon in der Constitutionellen Periode : »Alle 
unsere Budgets werden mit einem Ueberschusse der Einnahme (über die 
Ausgaben) vorgelegt, alle endigen aber in Wirklichkeit mit einem Defi 
cit.« Ein altes Grundübel liegt in den sog. ausserordentlichen und »Sup- 
plementarcrediten.« Nach Feststellung des Budgets werden die enonn- 
ten Summen nachträglich angewiesen. Der Berichterstatter in der ehe 
maligen Deputirtenkammer über das Budget für 1848, also noch unter 
Ludwig Philipp, äusserte; »Diese Verfahrungsweise, im Widerstreite 
mit allen Finanzprincipien , macht die Prüfung des Budgets zur Täu 
schung, und führt nothwendig zu einer Vermehrung der Ausgaben, ohne 
Vorsorge für deren Deckung.« — Man vergleiche nur folgende Gegen 
überstellung : 
1855 
1856 
1857 
1858 
1859 
1860 
1861 
1862 
Budget 
Fr. 1,562’030,308 
- 1,598’286,528 
- 1,698’904,664 
- 1,716*989,496 
- 1,765*780,877 
- 1,824*957,778 
- 1,840*121,858 
- 1,969*769,031 
Bechn. - Abschluss 
2,375*342,590 
2,211*703,054 
1,872*526,216 
1,868*128,434 
2,216*710,764 
2,084*091,354 
2,177*836,308 
2,212*839,327 
üeberschreitung 
813*312,282 
713*416,526 
173*621,552 
151*138,938 
450*929,887 
159*133,576 
337*714,450 
243*070,296 
3,042*337,507~ 
Zus. Mehrau.sgabe in acht Jahren 
Allerdings haben auch die Einnahmen bedeutend mehr geliefert als 
veranschlagt war, doch lange nicht in diesem Masse ; die Vergrösserung 
der Schuld (s. unten) zeigt den Unterschied. — Es sind also nicht blos
        <pb n="91" />
        FRANKREICH. — Finanzen (Steigen des Staatsbedarfs . (}7 
die Budge tangätze beiläufig auf das Doppelte des Betrages gesteigert, 
mit em einst alle Bedürfnisse des weit ausgedehnten ersten Kaiserreichs 
ge ec t wurden, sondern es kommt dazu eine Ueberschreitung dieser 
o en oranschläge um 700 und 800 Mill, im Jahre, welche blose Ueber- 
allein schon zur Deckung des gesammten Bedarfs des 
^ apoleonischen Reiches genügte! Allerdings waren 1855 und 50 
e weis Kriegsjahre ; das wusste man aber als das Budget aufgestellt 
war . Auch kommen die Ueberschreitungen nicht blos in den Etats des 
Kriegswesens vor, sondern sie betrugen z. B. im J. 1855 in den an 
dern Etats nicht weniger als 175% Mill. (175*527,524 Fr.) und sie 
waren auch in den Friedensjahren 1857 und 58 17.3% und 151 Mül., 
stiegen 185.| (italien, heldzug) auf 451 und hielten sich auch in den 
nächsten drei Jahren auf der enormen Höhe von 150. dann 330 u. 243 
Mill. -- Der Berichterstatter des gesetzgebenden Körpers über das 
Budget für 1860 führte schwere Klage darüber, dass durch Gewährung 
von Supplementär- und ausserordentlichen Crediten für Ausgaben, die 
vorhersehbar gewesen oder die sich bis zur Versammlung der Repräsen- 
tetion verschieben Lessen, die ganze Budgetaufstellung erschüttert werde. 
Graf Casablanca musste in der Senatssitzung vom 20. Dec 1861 zuge 
stehen, dass vom 1. Jan. 1852 bis Dec. 1861 durch blose Decrete Cre 
dite zur Ausgabe von 3128 Mül. gewährt worden waren. — Endlich 
gestaltete sich die ganze Finanzlage zu einer unhaltbaren, zumal wegen 
er nicht gedeckten Rückstände [découverts), deren Betrag bei der Bud- 
getberathung im J. 1861 zu nahezu einer Milliarde berechnet ward. 
Minister Fould wies in seiner Denkschrift vom Nov. 1861 die unbe 
dingte Nothwendigkeit einer Systemsänderung nach. Diese soUte darin 
best^en dass die Supplementär- und ausserordentlichen Credite abge 
schafft, dagegen die IJebertragung der Bewilligungen von einer Budget- 
p^Qsition auf die andere gestattet werde. Wie aber damit ein finanzieUes 
Gleichpwicht herbeigeführt werden könnte — und nur dieses vermöchte 
zu helfen — war schon damals rein unbegreiflich. So hat es sich denn 
auch thatsächlich gezeigt, dass man auf Umwegen doch wieder zum alten 
:::: 
memtdhmg der Credite eine 'ucber^hreitung" von' 'loî/f MiU.Tadi 
.uxusausgaben mit 
Frankreich nur 
e Deutschland
        <pb n="92" />
        68 -HiANKREICH.. Finanzen ^Départemental- und Gemeindeauagaben). 
Départemental- und Gemeindeausgaben. Die Départementalbe- 
dürfnisse werden ausschliesslich durch Erhebung von Beischlagsprocenten 
zu den dir ec ten Steuern gedeckt, deren Betrag das Specialbudget des 
Staates bildet (s. oben). Indirecte Auflagen zu diesem Behufe gibt es 
nicht. Der Betrag dieser Departementalbedürfnisse war 1830 58 Mill. ; 
für 1864 war der Octroiertrag zu Paris allein auf mehr als 84 Mill, ver 
anschlagt. 
Die Gemeindebedürfnisse werden, abgesehen von eigenen Ge 
meindeeinkünften, gleichfalls durch Erhebung von Beischlagsprocenten 
zu den directen Steuern aufgebracht, in den Städten jedoch hauptsäch 
lich durch die drückenden » Octroi’s «, — Auflagen auf die Consumtion 
von Heisch, Getränken, Brenn- und Baumaterial u. s. f. Solche Octroi’s 
waren schon 1850 in 1436 Gemeindeneingeführt, damals bereits mit 
einem Ertrage von 95^4 Mill. 
Die Stadt Paris allein hat ein Budget wie ein Königreich aber 
wie eines, das sich in finanziellem Verfalle befindet. Im J. 1847 be 
schränkte sich dessen Betrag noch auf 46 Mill. 1853 trieb man die Ein 
nahmen auf 55 Mill, in die Höhe, allein man bekam in Wirklichkeit 
einen ordentlichen und ausserordentlichen Bedarf von 90 Mill., weswe 
gen ein Anlehen von 50 Mill, aufgenommen ward Das Budget für 1 859 
schloss mit der Ziffer 7 7’649,081 Fr. Die wirklich verbrauchte Summe 
stieg aber, laut des definitiven Rechnungsschlusses, auf 97 720,545 Fr. 
Das Budget für 1864 ist zu 81’586,376 Fr. im ord., 52’714,936 im 
ausserord. Bedarf angesetzt, wozu noch 15% Mill. Sui)plcmentar- und 
1’337,630 Specialbeträge kommen, wonach die Gesammtsumme auf 
151’408,942 Fr. steigt.*) Die wirkliche Abrechnung von 1862 hat 
sogar die enorme Summe von 175’712,566 Fr. ergeben. 
Orleans 600,(»00. — Aus der neueren Zeit vernimmt man: Die Reise des Hofes 
in die Bretagne im Sommer 185S habe I5MÍ11. \ri-schlungen ; die Inscenesetzung 
der Rückkehrfeier der italien. Armee vom 14. Aug 1S50 erheischte 16 Mill. - 
Napoleon’s Grabmal 865,000. — Wir reihen noch einige andere Notizen daran ; 
Die Bauten im I,ouvre und den Tuilerien kosteten bis 1858 62% Mill., die des 
Boulevard de Sebastopol über 36 Mill. Fr. — Für Renovation des Stadthauses 
von Paris Gemeindeaufwand wurden bis zum November 1857 57’847,!»54 Fr. 
verausgabt. — Die Kigenthums-Entäusserungen Expropriationen behufs Ver- 
R^ofi^trasse zu Paris erforderten von 1852 bis anfangs 1857 
12() 21 ,510 Fr. — Graf Morny verzichtete auf jeden Gehalt für seine Reise zur 
Kaiscrkrönung in Russland, sich nur den lirsatz seiner Auslagen vorbehaltend 
Die.se Auslagen betrugen aber (in zwei Monaten 1'422.618 Er., und deren Zah 
lung ward unmittelbar durch kaiserl. Decret ordonnanzirt, so dass jede Einrede 
abgeschnitten war. '' 
*' " - 
(1859 ' 
Verkau’f von Plätzen auf den Kirdihöfen Í % Mill. Voi/der »oHentlichL^Au s- 
gabe« nimmt die Schuld 13 ,. Mill, an Zinsen hinweg; die Policeipräfectur er 
heischt 12% (vor der Zeit des neuen Kaiserreichs «»r oo j 
,., öffent- 
die Volksschulen 
des 
Unter den Pensionen ist eine von 10,(»00 Fr. zu Gunsten eines Hrn. vL'îfïîeke-
        <pb n="93" />
        FRANKREICH. — Finanzen (früherer Staatshaushalt^ 
69 
Früherer Staatshaushalt. Die Einzelheiten des Haushaltes im vori 
gen Jahrhundert sind bezeichnend, und deuten mit die Veranlassungen 
er Revolution an. In einer Aufstellung vom J. 1740 liest man ; 
Königliche Tafel I-ivres 
Menus 
1) 
2) 
3) 
4) 
5) 
«) 
7) 
S) 
0) 
iîi 
7’.300,000 
OOU 
000 
o/rttmr« 840,000, présents aux maitresses 800 (»00 . . l'04o! 
Hofstall (écuries) ThOoW., 
Königliche Garderobe l’90o|oo(» 
Unterhalt der königlichen Gebäude und Gärten .... 4’200,000 
Jyt^p6fl8(i8 ttlCOnflUSS 'Pnlîrpî 1 l’/UkA tfklkll 
000,000 
) (Folicei, Diplomatie, Verwaltung,. . 44’(J 
Militär 38 400,000 ; Marine 17*400,000 = 55*800,000 
Besondere Perceçtionskosten • 3*200 000 
Staatsschuld : ewige Renten 28*125,000, lebensl. 20*895,000= 49*02o!oO(» 
Iheater (zu 1 ans, Versailles, Lyon etc.) 200 000 
-tspions extraordinaires ! ! ! 1*400 (100 
Zusammen 170*550,000 
Die Einnahmen reichten für den Bedarf nicht aus ; es mussten 20 Mill, 
aufgenommen werden, für welche man, nebst Versprechen der Rück 
zahlung in 3 Jahren, einen Nachlass von 30 Proc. zugestand!*) 
V Necker’s Compte rendu, die gewöhnlichen 
Einkünfte, abzüglich der Hebkosten und der angewiesenen Posten: 
1 
2) 
:() 
4 
5) 
b) 
7) 
k) 
9) 
10) 
11) 
12) 
13) 
14) 
15) 
10) 
17, 
18) 
19) 
20) 
21) 
Tailles (Kopfgeld) 104*59o7»öo 
Vingtièmes \on den nichtständischen Provinzen 
Tj .... , , Provinzen . . 
Bewilligung der ständischen Provinzen, statt der taille 
V ingtièmes von diesen Provinzen 
General 
44*000,(»00 
14*492,000 
10*000,(»(»0 
^‘** Tabakmonopol 24 Mill.) . 120*00(»’,0(»(» 
Ertrag der westindischen Inseln .... 4*1(»(» (»00 
Frtrai'ck-r Port*“ '’""’‘"'•'"'«■'“Ke. óenéraípacht el¿. 
Kon7id,l»3,.,„P.«. 
Kopfgeld der Stadt Paris 
Pulverregal 
0'00(»,(»(»(» 
K(»0,00(» 
Münzregal 
Kleine Pauhtungen und Fabriken 
Dixième d*Amortissement .... i'ik) ooo 
Von Zünften und Innungen 1*185 0(»(» 
K 
Lotterien 
Torsten ! 
Gratuit der Geistlichkeit . 
Steuer von den Malteserirütern 
Zufällige Einkünfte . 
5(»(»,(»(»(» 
39(»,0(»(» 
7*0(»(»,00(» 
4*(»0(»,(»(»(» 
3*4(»(»,(»(»0 
4(»,(»0(» 
4’285,(»(K» 
Zusammen 428*233,(»(»(» 
hurt deT^Könitfg^lFfn Napoleon*s I. dem Municipalrathe die Ge- 
und ;„mi. noch ein
        <pb n="94" />
        70 
FRANKREICH. — Finanzen (früherer Staatshaushalt). 
Ausg 
Kosten der Regierung Liv. 74’937,000 
Armee und Flotte . . 103’000,000 
Zinsen und Leibrenten . 20rill,(t00 
Schuldentilgung . . . 17’32G,6(56 
Zusammen 396’974,G00 
iben : 
Es verschlangen : 
Die Armee und Flotte über 29 Proc. 
Die Staatsschuld - 55 
Beide (unproductive) Posten 81 ‘/,Proc. 
Für die Verwaltung blieben 18*/, ! 
lu V\’’irklichkeit gab es aber keinen Ueberschuss, sondern ein tüch 
tiges Deficit durch sog. »ausserordentliche Ausgaben«. 
Im J. 1784 betrugen nachNecker die Einkünfte brutto üOü, die Aus 
gaben 610 Mill. Liv. (In Wirklichkeit war das Deficit grösser.) Darunter: 
Zinsen der Schuld . . 207*000,000 I 
Armee 105*000,000 ' 
Flotte 45*000,000 ' 
Garden (Maison du Roi) 13*000,000 ' 
Für den Dauphin . . 3*500,000 I 
Für die Königin . . . 4*000,000 , 
Für die Prinzen . . . 8*300,000 ' 
Pensionen etc. . . . 28*000,000 j 
Gesandtschaften . . . 8*000,000 ; 
Ministerium u. Hofkanzlei 4*000,000 
Es kosteten sonach : 
Justiz 2*400,000 
Hofkirche 1*600,000 
Schulen 600,000 
Akademien 300,000 
Hofbauamt 3*200,000 
Hofstaat 1*500,000 
Almosen und Gnadengelder 1*800,000 
Prämien für den Handel etc. 800,000 
Die Staatsschuld 207 Mill. = fast 34 Proc 
Das Kriegswesen etc 167*/, - = _ 27*/ - 
1 )er Hof (ohne die Einkünfte des Königs) 24 - = - 4 * _ 
Zusammen 398*/, Mill. = über 65 Proc. 
Die Einkünfte der Geistlichkeit wurden zu 130 Mill, berechnet, wovon 
sie höchstens 10% Mill. Abgaben entrichtete. Adel und Geistlichkeit 
besassen aber fast % des Grundeigenthums.*) Die meisten Einkünfte 
waren verpachtet, mit ungeheuerm Gewinne für die Generalpächter. 
Die Nationalversammlung setzte das Budget für 1791 netto 
auf 582*700,000 Livres fest. (Die Roheinnahme betrug etwa 691 Mill.) 
Im J. 1799 belief sich das Staatseinkommen brutto auf 728, netto blos 
auf 539 Mill. Beim Sturze des Directoriums befanden sich nur 300,000 
F*r. in den öffentlichen Gassen, und diese Summe war am Tage zuvor 
geliehen worden. Die Kriegskosten wurden stets möglichst durch Requi 
sitionen und Contributionen in den fremden Ländern gedeckt. (So be 
lief sich die Gesammtsumme der durch Darü’s Hand gegangenen Lei 
stungen von Norddeutschland nach dessen eigener Angabe auf 513*744 410 
Fr.inGeld und 90*483,511 Fr. Werthe (an Lieferungen, zusammen also 
*) Auch noch unter Ludwig XVI. dauerte die Verschwendung fort. Die 
erste Hofdame der Königin hatte em Gehalt von 12,009 Liv., ferner die Wachs 
lichter im Schlosse, sie mochten gebrannt haben oder nicht; dies ertrug 50,000 
py Prinzessin d Hénin bezog 80,000 Liv. Wittwengehalt; sie war aber 
keine AVittwe sondern an den Prinzen d’Hénin verheirathet, der wegen eben 
dieser Heirath 10,000 Liv. 1 ension erhielt. - Eine Mad. Desprémenil, die Mai 
tresse eines Ministers, bezog eine Pension von 20,000 Liv - Der Cardinal de 
Lomedie hatte 28-30 Bfründen; der Baron Besenval 7 Gouvernements, und 
der Irinz Soubise bezog 1*, Mill. Pension! - Auch unter Ludwig XVI. ge 
schah nichts, die Revolution abzuwenden ! ®
        <pb n="95" />
        FRANKREICH. — Finanzen (früherer Staatshaushalt). 71 
604 227,921 Fr., ausser dem, was die Einzelnen unmittelbar hatten 
geben müssen). Gleichwol stieg der Staatsbedarf während der Kriege, 
• b meistens zwischen 700 u. 800 MiU. Erst imKriegs- 
j Reich seinen grössten Umfang hatte (130 Depart.), 
wuc s as Budget auf 1150 Mill. an. Hievon erheischten: die Land- 
und Seemacht 752 (davon Marine 167 Mill.), Staatsschuld 106’300,000, 
700,000, Civilliste und Appanagen 28’300,000, Justiz 
P Inneres 59, Finanzver^valtung 21, Cultus 17, 
oiicei 2 Mill., Manufakturen und Handel 7’810,000. (Der Kaiser ver- 
gass sein finanzielles Privatinteresse nicht. Ende 1813 hatte er — nach 
lers an er Civilliste 135 Millionen erspart und nun zu seiner pri 
vaten Verfügung.) ^ 
\fll betrugen die Ausgaben meistens gegen 900 
Gegenüber den Budgetansätzen werden die wirklichen Rech 
nungsabschlüsse im Ganzen, nach Millionen Fres, berechnet; 
Restauration . . . . . . 1810—29 
Julikönigthum . . . ] ] 1830-47 
Kaiserreich (sammt Republik) 184^-50 
Oesammt- 
aasgabe 
14,428 
22,983 
15,987 
Oesammt* 
einnahme 
13,100 
20,725 
15,003 
Die Durchschnittssumme der Jahresausgaben stellte sich so : 
davon 
Anlehen 
1188 
1843 
2619 
Restauration . 
Ludwig Philipp 
Revolution . . 
Napoleon III. 
Durchichn.-Summe 
1810—29: 900 Mill. 
Staatsschuld. 
1830—39: 
1840—48: 
1848 
1849 über 
1854 - 
1855 - 
1850 - 
1857 - 
1858 - 
stärkste J ahresausgaben 
' 1818: 1415,4 Mill. 
1823: 1118 
1846: 1500,5 - 
Die Ergebnisse der spätem Jahre 
sind bereits S. 06 mitgetheilt. 
1170 - 
1432 - 
1770,9 - 
1040 - 
1988 - 
2375,3 - 
2211,7- &gt; 
1872,5 - 
1808,1 - f 
in da« --^onsolidirte Schuld. Die Renten-Inscriptionen 
grosse Buch« hatten am 1. Jan. 1863 folgenden Bestand: 
"*938 ^ I «%. 39*720,987 Fr. Rente, 882*821,933 Fr. Capital 
:: : „,,Ä : : 
; ■ 375*707,481 - - “12,080*235,183 - - 
tu ücfisen der consolidirten Schuld unter dem Kaiser- 
ume. Schon unter Napoleon's Präsidentschaft waren am 1. Jan. 1851 
mscnbirt: 5,345’637,360Fr., ein Jahr später 5,516’194,600Fr. Hier- 
Í Jan^ ^chuldanhäufung riesenmässig weiter. Es betrugen (je am
        <pb n="96" />
        72 
FJÍANK.KEICH. — Finanzen (Staatsschuld;. 
1S53 
1K54 
1855 
185Ü 
1857 
1858 
1859 
18()0 
1891 
1802 
1803 
das Capital 
5,577’.504,587 
5,009’055,012 
0,ü82’877,852 
7,558’040,822 
8,031’992,400 
8,422’090,777 
8,593’288,155 
9,334’012,006 
y,718’270,913 
9,924’874,218 
12,080’235,I83 
die Zinslast 
219’929,486 Fr, 
222’086,242 - 
230’442,772 - 
284*008,525 - 
299*099,242 - 
310*880,953 - 
315*993,040 - 
338*350,589 - 
349*887,100 - 
350*044,370 - 
375,707,481 - 
Allerdings sind unter dem neuen Kaiserreiche bis dahin nur vier 
Anlehen, und zwar im Gesammtbetrage von 2000 (genauer 2058) Mill, 
ausgeschrieben worden (eine fünfte von 300 resp. 315 Mill, kam 1864 
dazu). Indess beweisen die vorstehenden Ziffern, dass, abgesehen von 
der schwebenden, selbst die consolidirte Schuld in aller Stille durch neue 
Inscriptionen um mehr als das Dreifache obiger Summe vergrössert 
wurde. Es ergibt sich blos für zehn Jahre eine Vermehrung der Zinslast 
um 156 , und der Capitalschuld um 6503 Mill. Nach der durch Gesetz 
von 1862 beschlossenen »Rentenconversion« erhielten die Besitzer 4 Vgpro- 
centiger Schuldscheine eine Umschreibung in 3proc. in der Weise dass 
wenn sie 5 Fr. 40 Cent, auf 100 Fr. Capital nachbezahlten, ihnen der 
ganze bisherige Zinsbezug in 3procentiger Rente gesichert ward. Auf 
diese Weise erhielt die Staatscasse ein Capital von 160 431,280 oder 
nach Abzug der Kosten von 157*631,289 Fr., ohne Vergrößerung der 
Zinslast; aber um welchen Preis? Um den einer Vergrösserung des Ca- 
beiläufig um das Achtfache ! *) Das Amortissement, 
im J. 1848 suspendirt, ward 1859 zum Theil wieder hergestellt, dann 
aber schon im J. 1860 neuerdings aufgehoben. — Von ihrer Gründung 
an (28. Apr. 1816) bis Ende 1860 hatte die Amortisationscasse vom 
Staatsschätze die ungeheuere Summe von 2,008*642,751 Fr. bezogen 
Das Ergebniss ist gleichwol nicht die Tilgung, sondern jene colossale 
Vergrösserung der Schuld! 
b. Schwebende Schuld. Ausser der consolidirten, besteht noch 
1 von 19*207,281 Fres., der 
alisiren. Ausserdem besteht 
2*335,652 Fres. 4procent. Rente, und 
zusammen 191*250,010 Fres., was ein 
58*.391,300 
855,000 
11 ' 
258*580,500 
344*700,000 
diese Schuld wird also stett 4,170*428,111 Fres, in ¿ukunft 0,202*739332 FrcT' 
betragen Demnach verhert der Staat, wenn die Conversion einen vollen Erfolg
        <pb n="97" />
        FRANKREICH. — Finanzen (Staatsschuld). 73 
eine nichtfundirte Schuld [dette flottante). Den bedeutendsten Theil der- 
se en ilden die Zahlungsrückstände [découverts), entstanden durch An- 
au en Aon Supplementär- und ausserordentlichen Crediten über die ur 
sprüngliche Budgetbewilligung hinaus, theils mit theils ohne Genehmi 
gung es gesetzgebenden Körpers. Die Ausgaben mussten gedeckt wer- 
en. Man gab zunächst verzinsliche Schatzscheine auf kurze Zeit, 
d. h. eigentliche Anweisungen auf die zunächst zu erwartenden Einnah- 
tnen, aus. Allein bald ging man weiter, indem man namentlich Depo 
sitengelder verbrauchte, ausserdem aber ; Sparcassengelder, Gemeinde- 
ionds, hinterlegte Cautionen, Vorschüsse der Generaleinnehmer u. s. w 
Diese schwelende Schuld lastet einem Alp gleich auf den französischen 
Finanzen. Das Capital ist ausgegeben, und den Gläubigern steht mei- 
stens das Kündigungsrecht zu. Gerade in kritischen Zeiten fordern sie 
massenhaft ihre Einkgen zurück. Schon einmal, im J. 1848, war die 
######## 
Man consohdirte nun (Gesetze vom 9. uni 1 7. Juni 1857) für 21(;Mifl. * 
Allem dms half nicht. In der Motivirung des Budgets für 1805 wird die 
Summe für Ende 1&amp;03 zu 950 Mill, angegeben. In Wirklichkeit dürfte 
le^noeh nu^rlüich höher sein. ISiun «dl der Eitrag des Aideheiis von 
IS04 zur Verminderung verwendet werden. 
L m die Mittel zur Erfüllung der den Eisenbahngesellschaften gegen- 
Verpflichtungen zu beschaffen, creirte man l%01 
,0 )0 Obligationen, jedes Jahr verzinslich zu 20 Fr. Dieselben wur- 
en im Curse von 440 Fr. ausgegeben (oder vielmehr zu 432 Fr. 7 7 Cent. 
sIslPB-H-SsS'S-rS 
mit 72’208,991 Fr.). Darun^^r^HlZrv^MakkoffmiuÒo.OOUFr.Ul^^GruiZ
        <pb n="98" />
        74 FRANKREICH. — Finanzen (Staatsschuld;. 
d. Staatsgarantien. Ausserdem hat der Staat verschiedene 
Verpflichtungen übernommen, deren Folgen sich nicht bestimmt über 
blicken lassen. Wir rechnen hieher zunächst jene des Militär-Einsteher 
wesens, welches unter dem jetzigen Kaiserreiche zu einer eigentlichen 
Staatsanstalt gemacht worden. Die Regierung lässt sich von den Dienst 
pflichtigen, welche sich loskaufen wollen, eine bestimmte Summe bezah 
len, während sie den Einstehern nicht jetzt schon, sondern erst nach 
Jahren das Capital dafür, die Pensionen und die Hauptsoldzulagen zu 
entrichten haben wird. Natürlich wächst die Last, namentlich nach je 
dem Kriege, der die Menge der Pensionsberechtigten vermehrt. Das 
eingegangene Geld ist verbraucht zur Deckung der laufenden Bedürf 
nisse des Staats. Allerdings hat die Dotationscasse bereits Rentenin 
scriptionen (Ende 1862 im Capitalbetrage von 254 64:1,018 mit 
10’4{)9,864 Fr. Rente) erhalten. Thatsächlich ward die bisherige Lei 
stung weit überstiegen durch die fortwährenden neuen Einzahlungen. 
(Von 1855 — 62 betrugen die empfangenen Summen 444’505,970, die 
Vergütungen dagegen erst 190’396,370 Fr.) Es lässt sich nicht über 
sehen , wie die Dinge sich gestalten werden, wenn die übernommenen 
Verpflichtungen später (etwa nach 33 Jahren) in ganzer Schwere eintre- 
ten (vergl. S. 79 Militärwesen). 
Eine andere, grosse Verpflichtung hat der Staat 1859 gegen die 
Eisenbahngesellschaften übernommen ; er garantir! für die sämmtlichen 
neu anzulegenden (also bis dahin als nicht rentabel unausgeführt belas 
senen) Iflnien, deren Kosten auf 2500—3000 Millionen geschätzt wer 
den, während 50 Jahren einen Reinertrag von 4,65 Proc. des Anlage- 
capitals ^ und zwar ohne jede materielle Gegenleistung der Gesellschaf 
ten im Falle sich irgendwo Gewinn ergeben sollte. *) 
beamte 9(»,00(» Fr.; 18 ehemal. Pairs 184,000 Fr. ; 107 Senatoren 5’070,000 Fr. ; 
2384 ehemal. Donatäre 1 Mill. Fr.; 2154 ehemal. Beamte der königlichen Civil- 
liste 818,.140 Fr.; 1601 Nationalbelohnumren 711.800 Fr. : 71 Pe 
1601 Nationalbelohnungen 711,800 Fr. ; 71 Pensionen an 
.... , ; -r ; 21,263 lebenslängl. Lnterstützungen an Militäre der Re- 
pubhk und des ersten Kaiserreichs 2’608,040 Fr. ; 70,434 sonstige Militänien- 
sionen 3Po04,906 Fr. ; 35,106 Civilpensionen 25’168,84ü Fr. 
o , ) Her Staat hat ursprünglich schon den Eisenbahngesellschaften grosse 
î5ubventionen gewährt, wogegen deren Concessionen meistens nach 45 Jahren 
erlöschen sollten. Zur Zeit des Staatsstreichs brachten es die Vorstände jener 
grossen Gesellschaften dahin, dass durch ein blosses Decret ihre Genusszeit auf 
durch pÄÄÄÄ 
von der Concurrenz ferne ru h&amp;ten, be,raS'S\nd «Sten ^ 
Concessionen. \ orerst bauten sie aber nicht, sondern sollicitirten nach andert 
halb Jahren um eine Staatsunterstützung. Diese ist denn, wie oben angegeben, 
gewährt, und zwar in der Meise, dass der Reinertrag der bestehenden linien 
nur dann zur Verzinsung der neuen einigermassen mit beigezogen werden darf, 
wenn die Actionäre den bisherigen (hohen) Ertrag von den alten Schienenwegen 
keinerlei 
per erhob 
ast 
Kör 
bedeutende
        <pb n="99" />
        FRANKREICH — Finanzen (Schuldgeschichte). 
75 
Gesammtbetrag der Staatsschuld: Capital 
Consolidirte Schuld (Jan. 1663) 12,060 Mill. 
Schwebende Schuld 1,000 - 
Aeltere Specialanlehen (Annuitäten) gleich einem Capitale von 17 
Obligations trentenaires (nicht convertirte) 35 - 
Leibrenten, Pensionen, gleich einem Capitale von .... TOO 
, Zusammen 13,696 Mill. 
Hie Anleihe von 1604, nominell 475’! 13,100 Fr., ist nicht eingerechnet. 
Zur Schnldgeschichte. Eine Besprechung der franz. Staatsschuld- 
Geschichte führt auf Law’s Zeiten zurück. Am 24. Fehr. 1720 ward 
bei Strafe von 20,000 Liv. Jedermann verboten, mehr als 500 Liv. in 
baarem Gelde aufzubew ahren ; alles übrige Geld musste in Papier (Law - 
sche Scheine) umgewechselt werden. Im März erging sogar das unbe 
dingte Verbot, » gemünztes Gold oder Silber zu besitzen oder auszuge 
ben.« Das \ olk besass schliesslich 6 Milliarden in Papiergeld, als 
der Staatsbankerut erfolgte. Darauf machte man neue Schulden. — In 
der Revolutionszeit hörte jede Verzinsung auf. Von 1790 — 95 wurden 
(anfangs blos für 100 Mill.) für 43,5/8 Millionen — Assignaten aus 
gegeben , von denen verhältnissmässig nur kleine Beträge (doch einige 
Milliarden) eingelöst wurden. Der Curs begann schon 1792 zu sinken; 
1795 war er gegen Silbergeld auf 18 Proc. herabgegangen. Wer die 
Assignaten nicht annehmen wollte war durch die Guillotine bedroht. 
Der Handel stockte und die Preise stiegen ins Masslose. Da decretirte 
man ein Maximum; vergeblich. Endlich wurden die Assignaten ausser 
Curs gesetzt, indem man sie 1796 gegen »Mandate« einlöste, im Ver 
hältnisse von 30 zu 1 Fr, Solcher Mandate gab es für 1800 Millionen. 
Auch sie wurden bald werthlos. — Unterdessen verkaufte man von 1790 
— 1801 für 2609 Millionen »Nationalgüter«; noch blieben deren für 700 
Millionen übrig. Die erzielten Erlöse standen ausser allem Verhältniss 
zum Werthe. Das Geld ward, wie es einging, verbraucht. — 1798 er 
folgte eine Liquidirung der alten Schuld. Sie betrug, nach Beseitigung 
aller Ansprüche von Emigranten, 2800 Mill., und ward auf % herab 
gesetzt {le tiers consolidé). Der Staat gab dafür Inscriptionen in » das 
grosse Buch« in 5procentigen Renten, anfangs 46’302,000 Fr. solcher 
Renten, ein Capital von 926’040,000 Fr. repräsentirend. 1799 
ging die o Rente im Curse bis auf 7 Fr. herab ! — Beim Sturze Na 
poleon’s betrug die consolidirte Schuld 727’603,000 Fr. Ausser den 
sonst unvermeidlichen Opfern, belastete der zweite Pariser Friede den 
btaat mit einer Kriegscontribution von 700 Millionen an die Alliirten. 
e er les erhoben sich fast überallher civilrechtliche Entschädi- 
* i. man 1818 durch neue Inscription von 16 040,000 
\ X A 600,000 Fr. Capital) beseitigte. Der Unterhalt, der ver- 
bündeten Heere kostete die Staatscasse 4 19 Mill. Damit stieg die Schuld 
au 0 J,867 Fr. Ueberdies bezahlte die Staatscasse Privatschul 
den des Königs im Auslande mit 1% Mill. Renten, also 30 Mill. Ca 
pital. Hinwieder machte der König im Jahre 1821 dem österr. Staat, 
um diesem die Mittel zur Expedition gegen Neapel zu verschaffen, ein 
Opposition. Insbesondere enthüllte der 
(siehe unten Rubrik FHsenbahnen). 
Abg. Ollivier eine Reihe Schwindeleien
        <pb n="100" />
        76 
FlíANKKEICII. — Finanzen (Schuldgeschichte). 
Anlehen von 35 Mill. Fr., dessen Betrag nach der Julirevolution nicht 
dem Staate, sondern den Bourbonen zurückbezahlt ward. 1825 er 
hielten die Emigranten eine Entschädigung von einer Milliarde. Bei die 
ser Gelegenheit erfolgte die Creirung der Sprocentigen Rente (unter dem 
Ministerium Villèle). Die 4 % Rente stammt aus dem Jahre 1828, aus 
Veranlassung der Bewilligung von 80 Mill, für die Expedition nach 
Morea. — Der nicht unbedeutende Schatz, den man bei der Eroberung 
Algiers fand, war bald verbraucht. — Unter Ludwig Philipp stieg der 
Curs der 5proc. Rente bis 123. Napoleon III. setzte 1852 den Zinsfuss 
von 5 auf 4% % herab. 
Der jährliche Zinsbedarf, am 1. April 1814 blos 63307,637 Fr., 
ward durch den spanischen Krieg, die Emigrantenentschädigung etc. bis 
zum 1. Aug. 1830 auf 190 417,208 Fr. emporgetrieben und stieg unter 
Ludwig Philipp bis 1. März 1848 auf 244’287,206, wovon sich aber 
über 40 Mill, im Besitze des Staates selbst befanden. Ungeachtet Strei 
chung der letzten Summe, waren 1852 schon wieder 231% Mill, erfor 
derlich. Die Zinsreduction der bprocentigen Schuld brachte den Jahres 
bedarf auf 208% Mill, herab. Von da an kam man in 11 Jahren auf 
beinahe 376 Mill, blos für die consolidirte Schuld! 
Eine Zusammenstellung vom Ende Mai 1859 gewährte bereits fol 
gende Hauptergebnisse, wobei zu bemerken, dass die Schuldvermehrung 
unter dem Kaiserreiche höchst unvollständig aufgenommen ist : 
1,43(&gt;’321,00.')statt 1,997’147,130 = o"9»/„ UO*®/ 
704’8S9,792 - 82Y237,580 = 4',42 1)7^ 
22.}’442,430 - 288’.322,080 = 0,45 
U538’24.3,948 - 2,201’500,888 = 4,00 
Emittirte 
Dauer Renten 
Jahre Fr. 
Restauration 10 99'073,019 
Julikônifïthum 18 31'158,734 
4 14’410,104 
7 71’709,380 
129 
143 
Republik 
Kaiserreich . 
Zus. 45 210’357,837 3,902’897,235statt5,315’213,084 = 5¡54% 130% 
Es ist bezeichnend, wie die Staatslenker wiederholt zu wucheri 
schen Zinsen Geld aufnahmen. Es ist damit der Grad des Staatscredites 
zu verschiedenen Zeiten angedeutet, und es ergibt sich, dass die Regie 
rung 5315 Mill, verschrieb, während sie nur 3902 Mill, erhielt: 
Zeit 
1810—17 
1817—18 
Mai 1818 
Nov. 1818 
Aug. 1821 
Juli 1823 
Jan. 1830 
1831 
Aug. 1832 
Oct. 1841 
Dec. 1844 : 
Nov. 1847: 
Juli 1848: 
0 
30 
N% 
12% 
1*% 
23% 
; 
(?) 
13% 
Rente und Zinsfuss 
Mill, à 5®/o durchschnittlich 
-o- 
- 5 - 
- 5 - 
- 5 - 
- 4 - 
- 0 — 
- 5 - 
- 3 - 
- 3 - 
- - 
- 5 - 
pr. Subscription 
llottinger etc. 
Rothsenild . 
denselben 
Verschiedene 
Rothschild . 
denselben . 
Emiasionspreie 
% 
57.20 
57.55 
00.50 - 
5 - durch Hope &amp; Baring 07.— 
85.55 
89.55 - 
102.07%- 
84.— - 
98.50 - 
78.52%- 
84.75 - 
•75.25 - 
75.25 - 
*) Unterm 18. Febr. 181 &lt; wurden 10 Mill. Renten im Curse von 55 Proc 
vergeben; später ie fernere 10 Mill, zu 58 und 64 Im Frühjahre 1818 Emission 
von weiteren 24 Mill. Rente. Französische Häuser boten 72, die Regierung ver 
gab indess das Anlehen wieder an Fremde zu 07! Diplomaten waren mit be- 
theiligt. (Siehe Gervinus’ Geschichte des 19. Jahrhunderts.)
        <pb n="101" />
        FRANKREICH. — Finanzen (Schuldgeschichte). 
77 
gelangen zu den neuen Napoleonischen Anlehen : 
Zeit Benöthigtes 
Capital 
250 Mill. 
500 - 
750 - 
1S54 Juli 
1855 Jan. 
1855 Juli 
1850 Mai 
1804 Jan. 
500 
0011 
Subscriptions- 
Summe 
467 Mill, von 98,000 Unterzeichnern 
2,175 - - 177,000 
3,052% - - 316,864 
2,509 - - 090,050 
4,847 - - 542,001 
Allerdings wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um solche Er- 
ge nisse zu erlangen, und da man das Eintreten einer Reduction vorher 
wusste, so Unterzeichnete Jedermann viel mehr, als er zu erhalten 
Wünschte. Am wirksamsten aber lockten die günstigen Bedingungen, 
ver unden mit der Ansicht, dass, welche Regierungswechsel noch vor 
sich gehen möchten, der franz. Staat selbst doch bleibe, und nicht (wie 
Oesterreich) mit einer völligen Zersetzung bedroht sei. Die günstigen 
Bedingungen waren zweifacher Art : Ausgabe der Papiere tief unter dem 
Aennwerthe, und Zusicherung der Verzinsung von einem frühem Zeit 
punkte als dem der Zahlung. Beides im gewöhnlichen Leben als »höchst 
wucherisch« durch das Strafgesetz verpönt. Bei den vier ersten Anlehen 
die Unterzeichner die Wahl zwischen 3- und 4 %procentigen 
Schuldscheinen (beim 5ten gab es nur 3 %), und zwar zu folgenden 
Preisen : ® 
EmUt.-Prei» 
1. Anlehen 65.25 
2. 
Sprocent. Obligationen 
Zinsyewinn Wahrer Preis 
2.50 62.75 
2.08 63.17 
1-98 63.27 
1 93 58.57 
1.00 05.24 
65.25 
65.25 
00 50 
00.30 
4'Aprocent. Obligationen 
Emiis.-Preis Zinsgewinn Wahrer Preis 
2.70 
2.93 
2.79 
2.88 
92.50 
92.- 
92.25 
90.— 
89.80 
89.07 
89.46 
87.12 
Schon nach dem ersten dieser Anlehen schrieb Léon Faucher- 
»Eiigland bekömmt Geld, wenn man den Curs der Consols zum Mass- 
stabe nimmt, um ungefähr 3% Procent Zins. Die franz. Regierung da 
gegen hch zu nahezu 5 Proc. (zu 4,74 in 3proc. und zu .5,1 in 4%proc. 
apieren und dabei mit einem eventuellen Capitalverluste von 11 Proc 
SÎSÜÜ 
T r 1 . , crzinsung jener Krimkrieg-Anlehen erheischt mit dem 
niortisation auf Generationen hinaus alljährlich 92% 
lienischen Kriegs werden zu 447 Mill, angegeben, wofür aber fast
        <pb n="102" />
        78 
FRANKREICH. — Finanzen (Schuldgeschichte). 
40% mehr verschrieben werden mussten. Sardinien leistete dafür 
keine Geldentschädigung, sondern bezahlt nur die seiner Armee gelie 
ferten Kriegsbedürfnisse mit GO Mill. Bei Abtretung von Savoyen und 
Nizza übernahm Frankreich 150 Mill. Fr. von der sardin. Staatsschuld. 
— Die Abtretung Mentones und Rocabrunas erkaufte es um 4 Mill. 
Die Kriege in China und Cochinchina kosteten 19G, in Mexico (bis Ende 
1863) 210 Mill. — Durch Vertrag vom 25. Oct. I860 verpflichtete sich 
China zur Zahlung von 52% Mill. Fres. ; ebenso Cochinchina 1864 zur 
Entrichtung von 100 Mill. Fres. Mexico soll obige Summe in 14 An 
nuitäten abtragen ; ausserdem überliess es der franz. Regierung 105 Mill 
Fres, im Curswerthe jkon 66 Mill., entsprechend dem Aufwande für die 
franz. Truppen im ersten Semester 1864. — Nach Vertrag v. 15. Febr. 
1862 leistete Spanien für die Expedition v. 1823 25 Mill. Frs. Entschä 
digung. — Die Besetzung Roms kostete bis 1864 50 Mill. 
Départemental" und Gemeindeschulden. Die Departemente waren bis 
zur neuern Zeit frei von Schulden ; auch die Gemeinden belasteten sich 
damit nur mässig, wie übrigens auch nur noch sehr wenig Communal- 
vermögen in Frankreich vorhanden ist. In der jüngsten Periode hat sich 
jenes Verhältniss sehr geändert. Allerdings sind förmliche Gesetze nö- 
thig, um Gemeinden und Departemente zur Aufnahme von Anlehen zu 
ermächtigen. Gerade in legislativen Körpern für ein ganzes Reich wer 
den aber locale Fragen von der Mehrheit dtr Vertreter mit der vollstän 
digsten Gleichgültigkeit und Unkenntniss behandelt. »Von 210 Gesetz 
entwürfen, die dem gesetzgebenden Körper im J. 1854 vorgelegt wur 
den, betrafen 190 Ermächtigungen für Departemente und Gemeinden 
zur Aufnahme von Anlehen« (Léon Faucher). Nach einer Zusammen 
stellung La Barre’s, die überdies nicht vollständig zu sein scheint, be 
trugen die derartigen Ermächtigungen zur Aufnahme von Anlehen : 
1852 für 
1853 - 
1854 - 
1855 - 
1850 - 
1857 - 
1858 - 
1859 - 
1800 - 
1801 - 
9 Städte und 
28 - - 
64 - - 
23 - 
47 - - 
31 - 
36 - - 
21 - - 
36 - 
32 - 
12 Departemente 
12 
14 
40 
33 
18 
9 
23 
16 
23 
14’617,000 Fr. 
13’416,000 - 
03’057,000 - 
79’219,000 - 
85'754,000 - 
20’825,000 - 
12*557,000 - 
50*000,000 - 
180*544.000 - 
112*000,000 - 
Zusammen 327 Städte- u. 200 Depart.-Anl. v. 643*989,000 Fr. 
Hievon kommen fast 500 Mill, auf die Städte, der Rest auf die Departemente. 
Paris steht auch hierin voran. Es lieh 1855 unmittelbar 60 Mill., 18.56 
nahm dann das »Seinedepart. « 50 Mill, auf ; 1860 Paris wieder 143 Mill. Die 
Kosten der Stadterweiterung sind in einem Ministerialberichte an den Kaiser 
vom Juni 1860 auf 150 Mill, veranschlagt. Der Gesammtschuldunstand der Stadt 
ward 1863 zu 268*099,048 Mill, angegeben.*) 
Marseille nahm 1854 16 Mill, und 1861 54 Mill. auf. Lyon 1854: 12, 
1860: 8 und 1861 wieder 10 Mill.**) Havre 1854 9% Mill. Toulouse i860 
6 Mill. Rouen I860 4 Mill. etc. 
*) Nach den Aeusserungen Devinck*s im gesetzgeb. Körper von 1861 waren 
für die beschlossenen Arbeiten noch 320 Mill, weiter unmittelbar durch die Ge 
meinde aufzubringen oder durch Beiträge der Regierung zu decken. 
**) Der Abg. Hénon hob bei der Verhandlung hervor: vor 10 Jahren habe
        <pb n="103" />
        FRANKREICH. — Militär I^ndmacht). 
79 
Militarweseii. 
andmacht. Bildung des Heeres. Alle Jünglinge unterliegen 
nac em 21. Altersjahre der Conscription und Losung. Alljährlich wird 
urc ein Gesetz die Zahl der auszuhebenden Conscribirten bestimmt. 
rO^ er waren SO,000 die Normalzahl. In den Jahren 1S53, 54 und 55 
V, erhöhte man dieselbe auf 140,000. Statt sodann wieder 
ei 0,000 zu bleiben, wurden 18.57 100,000 als Bedarf angenommen, 
zur Zeit des italienischen Krieges aber die Zahl für die Jahre 1859 und 
&gt; wieder auf 1 40,000, dann neuerdings auf 100,000 gesetzt (wovon 
b— '000 für den Seedienst verwendet werden, z. B. 1862 6795). — 
lenstzeit. 7 Jahre. Nach 6 Jahren werden die Soldaten meistens 
wieder entlassen, und bilden nun mit den nicht aufgebotenen Conscri 
birten die Reserve. — Das bestimmte Jahrescontingent an Conscribirten 
ward schon früher meist nur theilweise (blos in Ausnahmsfällen vollstän 
dig) eingereiht ; Napoleon, durch seine Erfahrungen aus der Schweiz 
belehrt, in welcher Kürze der Zeit ein Recrut zur Watfenführung heran- 
gebildet werden kann, verfügte im J. I860, dass inskünftige der der 
activen Armee nicht einverleibte Theil der Mann.schaft in Friedenszeiten 
blos 5 —6 Monate lang in den Departementaldepöts eingeübt werde 
welche Zeit überdies auf drei Jahre vertheilt ist (also durchschn. nicht 
zwei Monate im Jahre). So wurden 1859 30,955 und 1860 .33,234 
Mann abgerichtet. 
Ausrüstung und Verpflegung der Truppen sind im Ganzen sehr gut. 
Das Avancement steht jedem Soldaten offen. Körperliche Züchtigung 
wird nicht geduldet, obwol das Militärstrafgesetz sehr streng ist. Die 
ahl der freiwilligen Eintritte nahm man früher zu 10,000 jähr- 
ich an. Bei dem kriegerischen Geiste der Nation erhöht sich die Zahl 
gewöhnlich, wenn Feldzüge in Aussicht stehen. Gleichwol stellten sich 
Ibo.l nur 8600 Freiwillige, hingegen 1854 16,676; 1855 sogar 21,955; 
18.)6 19 546, 1857 nur 6828; 1858 1 1,845; 1859 aber blos 2244 
(ein Zeichen, wie, neben den veränderten Anwerbungsverhältnissen, der 
amahge Krieg wenig volksthümlich war) ; 1860 betrug die Zahl 2192, 
1S61 4102, 1862 3599, 1863 5168. 
pr die Dienstpflichtigen ist Los kauf zulässig [ï exonération ge- 
nann ). Schon 1853 war die Gesammtzahl der Einsteher 93,462. Da 
not * er Conscribirte, der nicht selbst dienen wollte, einen geeig- 
rsatznaann aufzusuchen. Napoleon III. machte die Stellvertretung 
Kprn ^ Organisirte dieselbe so, dass das Heer stets einen 
SiehPTiin»oldaten behalte, und — dass jeder Einzelne, wegen 
ü ezüge, an das Staatsoberhaupt gekettet sei. Die Re- 
1 rung es immt den Loskaufspreis. Aus den hiedurch gewonnenen 
ummen ist die »l^otationscasse für die Armee« gebildet. Dieselbe hat 
1 rersei s sowo instandsprämien für die Stellvertreter zu leisten, als 
o Zulagen für Diensterneuerungen, und endlich Pensionszahlungen für 
le im Kriegsdienste alt gewordenen Unterofficiere und Soldaten. Ein
        <pb n="104" />
        80 
FRANKREICH. — Militär (Landmacht). 
Gesetz vom 26. Apr. 1855 organisirte das Verhältniss. Die Loskaufs 
summe, ursprünglich zu 2800 Fr. bestimmt, ward 1857 auf 1800 Fr. 
vermindert, 1858 auf 2000, 1850 wieder auf 2800 erhöht, 1860 zu 
2300, 1861 zu 2500, 1862 u. 63 zu 2200, 1864 zu 2300 Fr. fixirt. 
Die Stellvertreter erhielten für 7 Jahre eine Diensterneuerungsprämie 
zugesichert, deren Betrag 1855 zu 2300 Fr. bestimmt, 1857 auf 1500 
Fr. reducirt, dann im Febr. 1850 auf 1800, im April aber auf 2000 Fr. 
erhöht wurde. 1862 u. 63 war die Einstandsprämie 2200, 1864 2300 
Fr., wovon 1000 bei der Anwerbung, 1300 beim Austritt zahlbar. Die 
Einsteher geniessen überdies nach 7 Dienstjahren eine Solderhöhung 
von 10 Cent, täglich, nach 14 Jahren aber eine solche von 20 Cent. Die 
Pension ist so normirt, dass der Ausgediente nach 45 Dienstjahren aus 
ser seinem kleinen Capitale (Eiiistandsgeld) eine Pension von 365 Fr 
zu verzehren haben soll. Die Regierung, in der Absicht, sich eine mög 
lichst grosse Zahl Soldaten zu verschaffen, welche den Militärdienst als 
Lebensberuf ansehen, gestattet allen brauchbaren Ausgedienten den Wie 
dereintritt (das Rengagement) mit obigen Begünstigungen, ohne Rück 
sicht auf die Zahl der Loskaufungen. Diese Zahl der Loskaufungen be 
trug in den 7 Jahren 1856—62 (die Austritte aus der Armee eingerech 
net und auf 7jährige Dienstzeit reducirt) 173,948, die der Anwerbungen, 
einschl. eigentlich freiwillige Eintritte, 176,685. Das Verhältniss der 
Zalü der Loskaufungen war jedoch in den einzelnen Jahren sehr ver 
schieden. 1856 und 57 kauften sich 16% der Conscribirten los, 1858 
18%, 1859 (Kriegszeit) 27,37 % (38,325 Loskaufungen, in den beiden 
Vorjahren zusammen nur 33,731), 1860 22,76, 1861 19,86, 1862 
18,38 %. 
Das Reich ist in 5 Marschallatsbezirke und 22 Militärdivisionen 
eingetheilt. 
Heerbestand. Garde. Infanterie: 2 Divisionen; die erste be 
stehend aus 1 Reg. Gendarmerie zu 2 Bat., 1 Reg. Zuaven zu 2 Bat., 
und 3 Reg. Grenadieren zu 4 Bat. (zus. 16 Bat.) ; — die zweite Divi 
sion ist gebildet aus 4 Reg. Voltigeuren und 1 liât. Jäger zu Fuss. 
Cavallerie: 1 Division von 3 Brigaden, nämlich: 1) Reservebrigade, 
1 Schwadr. Hundert-Garden, 2 Reg. Cürassiere ; 2) Linienbrigade’ 
1 Reg. Dragoner und 1 Reg. Landers ; 3) leichte Brigade, 1 Reg. Jäger,’ 
1 Reg. Guiden und 1 Schwadr. Gendarmen, zus. 37 Schwdr. — Artil 
lerie: 2 Reg. — Genie: 2 Comp, und 1 Escadr. Equipagen-Train. 
Gewöhnliche Truppen. Infanterie: 100 (früher 1031 Regim. 
Linien-Infant., zu 3 Bat. je von 8 Comp.; 20 Bat. Jäger, zu 8 Comp • 
3 Reg. Zuaven, zu 3 Bat.; 3 Bat. leichte afrik. Infanterie, zu 5 Comp ’ 
3 Keg. emgeborn. algier. Tirailleurs (Turcos) ; 7 Strafcompagnien. -2 
Cavallerie: 12 Reg. schwere, neml. : 2 Reg. Carabiniers und 10 Reg 
Cürassiere; 20 Reg. Linien-Cav., neml.. 12 Dragoner und 8 Landers; 
26 Reg. leichte Ca^., als. 12 Reg. Jäger, 8 Reg. Husaren und 3 Reg 
afrik. Jäger; ferner 3 Reg. Spahis. — Artillerie: 20 Reg. — Genie: 
3 Reg., zu 2 Bat. Hiezu die Iruppen für den Verwaltungsdienst, das 
Sanitätswesen etc. — Sodann die Gendarmerie 28 Legionen. 
Garde und Linie zusammen, ergibt sich folgende Formation (un 
gerechnet die Gendarmerie) :
        <pb n="105" />
        FRANKREICH. — Militär (Landmacht). g| 
Infanterie: lU Reg. mit 373 Bat. und 2953 Compagn. 
Catallene: 64 - - 3S5 Schwadr. 
Artillerie : 22 - 234 Batterien 
- - 6 Bataill. 
\ov des Budgets dem gesetzgebenden Körper im 
Infanterie 
Cavallerie 
Artillerie 
Landmiliz 
Effectiv 
95.000 
25.000 
7,000 
Enrollirt 
170.000 
45,000 
11,700 
JTO^OO 
300.000 
• .. Zusammen 127,000 juu,uvu 
Kolb, Statistik. 4. Aufl. „ '
        <pb n="106" />
        82 
FRANKREICH. — Militär Landmacht). 
Heer im J. 1812, ungefähr 743,000 M., oder ohne die Gehörten des 
ersten Heerbannes (Nationalgarde) und die Gendarmerie : (i()2,00(i Mann 
Hiezu : die Truj)pen des Königreichs Italien 40,000 
Neapels 50,000 
der deutschen Rheinbundstaaten . . . 120,000 
Polens {des »Herzogthunis "Warschau«) . 50,000 
, Zusammen mehr als 900,000 Mann 
Zum russischen Feldzuge stellte aber auch Oesterreich ein Hülfs- 
corps von 30,800, Preussen ein solches von 23,300 Mann. — Die ganze 
M'ftcht, welche gegen das Czaarenreich in Bewegung gesetzt wurde, be 
trug (nach Thiers) 420,000 M. ; durch Nachsendungen stieg die Zahl 
auf 533,000. Hievon kamen als geordnete Corps nur noch zurück: un 
gefähr 30,000 Oesterreicher und Sachsen, und 15,000 Preussen und 
Polen. Aus den aufgelösten Truppen sammelte man später wieder 30— 
40,000. Die Russen machten nach ihren Angaben gegen 100,000 Ge 
fangene. Manche Flüchtlinge gelangten vereinzelt (siech!) in ihre Hei- 
math zurück. Jedenfalls gingen auf französischer Seite wenigstens 300,000 
der kräftigsten jungen Männer zu Grunde. *) — Dies gegen Russland 
geführte Heer bestand übrigens zur grössern Hälfte aus Nichtfranzosen. 
Es zählte : 
Infanterie : Bataillone 299 französische, 306 verbündete, zus. 605 
Cavallerie: Schwadr. 251 - 275 - - 526 
Pferde: 34,580 - 40,140 - - 74,720 
Das Verhältniss der Franzosen mindert sich noch weit mehr, wenn 
man die Deutschen, Italiener und Schweizer aus den Frankreich unter 
worfenen Provinzen abrechnet. 
Die Aushebungen unter der Regierung Napoleons I. betrugen 
nach den Senatus-Consulten nahezu drei Millionen Mann. Davon 
kamen auf das J. 1813 nicht weniger als 1’140,000, nemlich: 
11. Jan. Senat.-Consult (sogleich nach dem russischen Feldzuge) 350,000 M. 
3. Apr. ditto (nach der Kriegserklärung Preussens) .... 180,000 - 
24. Aug. ditto 00,000 - 
9. Oct. ditto (nach dem Beitritte Oesterreichs zur Allianz' . . 280,000 - 
15. Nov. ditto (nach der Leipziger Niederlage) 300,0l(g - 
Ausserdem sollten 174,600 Nationalgardisten für den Festungs 
dienst verwendet werden. (Die Neuzeit sah nur scheinbar stärkere Aus 
hebungen ; vergl. Verein. Staaten.) Um jene ungeheuere Conscribirten- 
zahl aufzubringen, bot man einerseits die gesetzlich erst in den Jahren 
1814 u. 15 dienstpflichtigen Jünglinge zum Voraus auf; anderseits grift’ 
man zurück, zunächst auf die Classen von 1809—12, dann auf die von 
1807, endlich sogar auf die vom J. XI der Republik (1803). — Anfangs 
des Feldzugs von 1813 besass Napoleon entschieden die zahlreichere 
Macht. Nach dem Anschlüsse Oesterreichs an die Verbündeten änderte 
sich das Verhältniss, doch keineswegs sehr bedeutend. Nach Bernhar- 
di’s kritischer Berechnung (in Toll’s Denkwürdigkeiten) war die Stärke 
der Heere auf dem Hauptkriegsschauplatze in Deutschland im Aug. 1813: 
Als die grosse Armee Moskau erreichte, war sie bereits auf 95,000 M. 
zusammengeschmolzen, und hatte somit, ehe die Kälte einbrach, zwei Drittheile 
ihrer Mannschaft verloren (siehe hinten Russland, militärgesch. Notizen).
        <pb n="107" />
        FKANKKEICH. — Militär Landmacht). 
83 
Infanterie .... 
Cavallerie .... 
Artillerie .... 
Pioniere und Sappeure 
Kosacken .... 
Franzosen 
330,000 
72.500 
33.500 
4,000 
Kanonenzahl 
Zusammen 
440,000 
1,200 
Verbündete 
304,500 
76.000 
30,500 
22.000 
403,000~ 
1,3S8 
Berücksichtigt man den Werth des einheitlichen Oberbefehls bei den 
Franzosen; dann das, jede Wirksamkeit der »Nordarmee« (von 132,00(1 
Mann) hemmende Benehmen Bernadott^’s, so befand sich Napoleon kei 
neswegs in einem ungünstigen Verhältnisse. Erst zur Zeit der Leipziger 
Schlacht war die Ueberlegenheit der Verbündeten erdrückend. Als die 
selben aber 1814 in Frankreich eindrangen, zählten ihre Heere kaum 
-&lt;•0,000 M., und dieser schwachen und theilweise ganz schlecht geführ 
ten Macht konnte der Gewaltige nicht mehr widerstehen. 
Nach der Restauration ward die Armee vernachlässigt. So, wie 
unter Napoleon das Militär, waren nun Geistlichkeit und Adel die her 
vorragenden Stände. Die Linientruppen, ohnehin der Zahl nach sehr 
vermindert, sahen sich den Garden, besonders den Schweizern, nachge 
setzt. Allein die ausdrücklich verheissene »Abschaffung der Conscription« 
erfolgte dennoch nicht. Zum Umstürze der spanischen Cortesverfassung 
(1823) genügten höchstens 80,000 Mann; zur Expedition nach Morea 
(1828) 18,000, zur Eroberung Algiers (1830) 34,000.— Die Julirevo- 
lution bewirkte Abschaffung der Garden. Dagegen verstärkte Ludwig 
Philipp die Linienarmee. In Algerien befanden sich wiederholt gegen 
00,000 M. Der Gedanke, nach der Februarrevolution von 1848 das 
stehende Heer durch ein Volksheer zu ersetzen, ward nie verwirklicht. 
Unter Ludwig Napoleon fand sofort Truppen-Vermehrung statt. 
Vor Allem ward (1. Mai 1854) die Kaisergarde wieder hergestellt. So 
dann erforderte der orientalische Krieg bedeutende Anstrengungen ; man 
behielt die Ausgedienten bei den Fahnen, und erhöhte bei drei Alters 
dassen die gewöhnliche Jahresaushebung von 80,000 auf 140,000. — 
Nach dem Berichte des Kriegsministers an den Kaiser vom Oct. 1850 
sind im Ganzen : 
, , ... , Soldaten 
nach dem Orient abgegangen 300,268 
daher zurüekgekehrt . . . 227,135 
Einbusse . . . " 
Pferde 
41,074 
9,000 
Material 
507,686 Tonnen 
126,850 
b2,133 32,074 470,836 - 
1 ^torisch hat man aber nur die Land- und nicht auch die Seesol- 
n er c sic tigt, von welchen letzten nach einer andern Notiz 4849 
um amen. le Verstümmelten oder wegen Krankheit nach Hause Ge- 
nicht eingerechnet ; aus dem ministeriellen Berichte 
zn er.se en, dass bereits vor Abschluss des Friedens 05,009 nach 
er Heimath entlassen worden waren. Dies lässt annehmen, dass der 
orient. Krieg wenigstens 150,0(»0 jungen Franzosen das Leben oder die 
esundheit gekostet hat. Unter den vor dem 30. März 1850 Umgekom- 
wenen befanden sich, ausser den Verschollenen und den SchiATirüchigen : 
284 Officiere, wovon 14 Generale und 20 Stabsofficiere, dann 4403 
Unterofficiere und 50,805 Soldaten. In der nemlichen Zeit, in welcher
        <pb n="108" />
        84 
FKAXKIŒICH. — Militar (Seemacht,. 
die Orientarmee 82,133 Mann einbüsste, verlor die ganze übrige franz. 
Armee durch Tod nur 21,028. (Nach Niel hatten die Franzosen vor 
Sebastopol allein einen Verlust von 40,308 M. Eine andere Berechnung 
gibt den Verlust der Franzosen an Todten im Orientkriege zu 93,250 M. 
an, von denen nur etwa 10,000 an Wunden umkamen.) 
Am 1. Jan. 1859, also unmittelbar vor dem Ausbruche des italien. 
Krieges, war der Armeebestand : 
In den Coqjs im Innern :i22,228 Mann 
- Algerien 7;t,.iO0 - 
- Italien 0,050 - 
Gesammter Activstand 401,778 Mann 
In widerruflichem langem Urlaube 135,407 - 
Total 537,Í85 Mañh *) 
Während des Kriegs (Ende Apr. bis Juli 1859) wurde die Zahl auf 
000,000 gebracht und im ganzen Jahre ergab sich durchschnittlich ein 
Stand von 550,439 M. (nach der Erklärung des Finanzministers Fouldi. 
— Dieser Krieg veranlasste übrigens, ausser der Erhöhung der Jahres- 
conscription auf 140,000 M., auch eine anticipirte Aushebung der Alters- 
classe 1800. In der Heerorganisation kamen verschiedene Veränderun 
gen vor. Der Menschenverlust war ungewöhnlich mässig, doch verhält- 
nissmässig sehr gross an Offleieren. Im Ganzen starben auf den Schlacht 
feldern und in den Ambulanzen 5782, in den Spitälern 4300, durch 
Selbstmord 31, zus. (nach offle. Aufstellungen) 10,173; ausserdem 32 
in den Ambulanzen in Frankreich. Wie gross die Zahl der zu Krüppeln 
Gewordenen war, wissen wir nicht. 
Seemacht. Es haben grosse Anstrengungen statt gefunden, die franz. 
Marine der englischen ebenbürtig zu machen. Ueber den wirkl. Bestand 
fehlt es an verlässigen Angaben. Bei Berathung des Budgets für 1805 
erklärte der Berichterstatter: Aus politischen Gründen vermeide die 
Commission eine nähere Erörterung, sich auf das Verlangen beschrän 
kend, dass im J. 1805 die Normalzahl der ausgerüsteten Fahrzeuge von 
1 88, und die der Seeleute von 32,000, nicht überschritten werde, wäh 
rend die mexican. Expedition die erste Zahl auf 259, die letzte auf 
18,933 M. hinaufgebracht habe. — Nach einer Aufstellung vom October 
1804 besass Frankreich 10 gepanzerte Fregatten mit Maschinen von 
900— 1000 Pferdekr. und von 52 — 30 Kan. — Schraubenschiffe 
hatte man 3 ersten und 5 zweiten Ranges, die ersten v. 1 10 —100 Kan.; 
3 weitere ausgerüstet und 1 auf d. Werfte ; 1 1 ausgerüstete und 4 ent- 
waffnete Fregatten und I im Bau; 10 Corvetten und 4 auf d. Werften; 
] Aviso von 0 Kan., 1 1 von 4 K., 30 von 2 ; 5 Kanonenboote im Bau ; 
29 Transportsch., dann 5 im Bau und 14 entwaffnet; 1 schwimmende 
*) Die ganze blos auf dem Papier organi.sirte Reserve betrug damals nicht 
mehr als 13,88/ Mann, on nur 80 schon gedient hatten. Dies war die 
schwächste Seite des franz. Armeewesens, und damit ergab sich die Unmöglich 
keit eines länger dauernden Kampfes, z. B. wenn ausser dem Kriege in Italien 
ein solcher zugleich gegen Deutschland hätte geführt werden sollen. Dieses 
Element der Schwäche hat Napoleon trefflich zu beseitigen begonnen durch die 
oben erwähnte Einrichtung eines im Ganzen blos fünf- bis sechsmonatlichen 
Abrichtens der zum gewöhnlichen Activdienste nicht ausgehobenen Jünglinge.
        <pb n="109" />
        FRANKREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
85 
Batterie v. 16 Kan., 6 ditto entwaffnet, 7 im Bau, dann 1 Schiffe zu 
Specialzwecken, — Räderdampfer: 17 Fregatten, 9 Corvetten, 71 
Avisos.— Segelschiffe: 6 Liniensch., 24 Freg., 9 Corv., 16 Briggs, 
22 kleinere und 3ü Transportsch. — Reserve: 25 Liniensch. v. &amp;Í)— 
HO Kan,, 3 Freg., 7 Kanonenboote. — Die Panzerfregatten allein 
haben 632 Kan. und 15,600 Pferdekr.; die Schraubenlinienschiffe 3296 
Kan., 23,890 Pf.; die Fregatten 940K., 12,990 Pf.; die Corv. 188 K., 
5220 Pf.; die übrigen Fahrzeuge 589 K., 23,918 Pf. — Die Raddam 
pfer zählen 525 Kan. u. 19,340 Pf. ; die Segelschiffe haben 2242 Kan. 
Dies ergibt zus. 358 und mit den 50 im Bau begriffenen und den 
entwaffneten 408 Schiffe mit 8412 Kanonen und 100,958 Pferdekraft. 
(Eine andere Zusammenstellung ergibt sogar 478 Schiffe, 9766 Kan. 
und 107,075 Pf.) 
Die Bemannung der Schiffe erfolgte bis zur Neuzeit nach der seit 
1683 eingeführten Seeconscription, welche alle Seeleute bis zum 50. Al 
tersjahre umfasste. Das Drückende derselben bewirkte aber gerade, dass 
Frankreich eine so geringe Handelsmarine besitzt, indem die Küsten 
bewohner häufig die Seeschifffahrt aufgaben, um sich dem damit ver 
bundenen Hörigkeitsverhältnisse zu entziehen. Darum betrug die Zahl 
der inscribirten Seeleute blos etwa 90,000, wovon nur gegen 60,000 
diensttauglich. Durch Decret v. 22. Oct. 1863 ward das Verhältniss in 
einer der Dienstpflichtigkeit im Landheer ähnlichen Weise neu geord 
net, und nun soll die Gesammtzahl der Seeleute gegen 200,000 betra 
gen. In der vorhandenen Mannschaftszahl erfreut sich indess England 
immerhin einer gewaltigen Ueberlegenheit ; doch hat man allerdings zu 
berücksichtigen, dass auf den Dampfern eine geringere Mannschaftszahl 
erforderlich ist, als auf den Segelschiffen. (Vergl. Grossbr., S. 26.) 
Geschichtliche Notiz. Im Jahre 1780 ward die französische 
Kriegsmarine so angegeben: Schiffe erster Ordnung 60, zweiter 24, 
leichte 182, zusammen 266, mit 13,300 Kanonèn und 78,000 Seeleu 
ten. — Eine Liste von 1785 führt auf: Linienschiffe 72, Fregatten 74. 
Corvetten 28, Gabarren 36, Cutters 27, Bombardiergallioten 19, zusam 
men 256. (Wegen Trafalgar vergl. S. 26.) 
Sociale, &lt;¿ewerb.s- und llaiidelsverhähiiisse. 
_ Bemerkungen. Die Revolution hat sogleich (4. August 
i J) alle Schranken aufgehoben, welche die freie Bewegung der einzel 
nen S^atsangehörigen und den Verkehr im Innern des Landes hinder- 
uv estehen : unbedingte Freizügigkeit, Gewerbsfreiheit, beliebige 
Iheilbarkeit des Grundeigenthums. Da überdies jeder Unterschied in 
den Rechten der Provinzen und Gemeinden fiel, so kann jeder Franzose 
nicht nur ohne amtliche Erlaubniss heirathen, sondern auch in jeder Ge 
meinde ohne Kosten, durch blose Declaration das Ortsbürgerrecht er 
werben. — Es ist bekannt, welche Ausbildung die franz. Industrie unter 
der Herrschaft der Gewerbsfreiheit erlangt hat. Der vielverbreite 
ten Ansicht entgegen, dass diese Einrichtung zwar wohlfeilere, aber 
auch schlechtere Waaren erzeuge, die Gewerbtreibenden in einen Zu-
        <pb n="110" />
        86 FJIAXKKEICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
stand des Elendes bringe und den Fortschritt im Gewerbswesen hemfne, 
zeichnen sich die franz. Industrieerzeugnisse durch die elegantesten For 
men aus, die an Dauerhaftigkeit denen anderer Länder keineswegs 
nachstehen, und wofür gewöhnlich höhere Preise bezahlt werden, als in 
dem noch mit Zunftzwang ausgestatteten Auslande, so dass der Hand 
werker in dem gewerbfreien Frankreich eines bessern Lohnes sich er 
freut, als in Deutschland. Lnd wenn es richtig ist, dass viele der vor 
züglichsten Arbeiter in Frankreich (Meister und Gehülfen) Deutsche 
sind, so spricht auch dieser Umstand gerade für die franz. Einrichtung, 
unter der jene Icente ihre Kunst und ihren Fleiss mit besserm Erfolge 
zur Geltung bringen können, als unter den beengenden Zunft- und Nie 
derlassungsverhältnissen ihrer eigenen Heimath. Die Consumenten ge 
winnen ohnehin bei der freien Concurrenz. 
Das Princip der freien gewerblichen Bewegung ist im Allgemeinen 
in allen Zweigen consequent durchgeführt, sonach nicht blos in einzel 
nen Richtungen nach bureaucratischem Ermessen durch persönliche Con- 
cessionen gestattet, in anderen unbedingt versagt (wodurch ein Theil der 
Bevölkerung diesem oder jenem Ernährungszweige in unnatürlicher 
Weise zugetrieben wird). Darnach sehen wir in dieser Beziehung eine 
gesunde, naturgemässe Entwicklung. Dabei ergibt sich auch die sehr 
beachtenswerthe Erscheinung, dass, während man in Ländern mit dem 
Principe der Beschränkung ungemein klagt über Uebervölkcrung, Ueber- 
setztsein der Handwerke u. dgl., — gerade in Frankreich, bei völliger 
Unbeschränktheit, die Zunahme der Bevölkerung geringer ist als in 
irgend einem andern grösseren Staate. Von 1821—51 (Zeit der ärgsten 
Klagen) betrug die Bevölkerungszunahme im Durchschnitte jährlich : 
in Frankreich . 0,5S2 Proc. ¡ in Oesterreich etwa 0,S Proc. 
- England . . 1,646 - - Russland - 0,6 
- Preussen . . 1,563 - | 
Die unbedingte Theilbarkeit des Grundeigenthums hat 
zur Verbesserung der Agriculturverhältnisse mächtig beigetragen. Gerade 
diejenigen Gegenden, wie die Seine-, Rhein- und Nord-Departemente, 
in denen die Gütertheilbarkcit am meisten durchgeführt ist, sind die 
bestangebauten, reichsten und cultivirtesten im ganzen Lande. 
Die Gesammtresultate würden noch ungleich günstiger sein, wenn 
nicht manche andere Verhältnisse hemmend ein wirkten. Obwol nemlich 
das Princip freier gewerblicher Bewegung feststeht, wurden doch Be 
schränkungen im Einzelnen eingeführt. So sind Buchdruckereien und 
Buchhandel aus politischen, Apotheken aus sanitätspolizeilichen Rück 
sichten concessionspflichtig. Ebenso findet sich die Gütertheilbarkeit 
wenigstens in Einzelfällen durch die (von Napoleon I. wieder eingeführ 
ten) Majorate beschränkt, hie und da überdies noch durch das Herkom 
men (z. B. in manchen Gegenden des Westens und Südens, die sich 
aber auch gerade durch geringe Production unvortheilhaft auszeichnen). 
Es gibt zudem Beschränkungen aus fiscalischen Gründen ; so ist der Ta 
baksbau nicht jedem Landwirthe, ja er ist nicht einmal in jedem Depar- 
temente gestattet, damit der Ertrag des Tabakmonopols nicht gefährdet 
werde. (Nur in 15 Departementen darf Tabak gebaut werden, und jeder 
Landwirth unterliegt dabei noch besondern Beschränkungen.) — Im
        <pb n="111" />
        FRANKREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. S7 
krassen Contraste zu der Gewerbsfreiheit im Innern war bis I860 das 
starre Schutzzoll-, theilweise selbst Prohibitiv-System gegen Aussen auf 
recht erhalten. Gerade die »beschützten« Fabriken (nicht Handwerke !) 
befanden sich häufig ausser Stande, mit den englischen zu concurriren, 
die ihnen selbst auf dem französischen Gebiet Algeriens überlegen waren. 
In dieser Beziehung hat Napoleon III, Uebelstände beseitigt, welche alle 
frühem Regierungswechsel überdauert hatten. — Von sehr schädlicher 
Wirkung ist dagegen das gerade unter seinem Regime entwickelte künst 
liche Emportreiben der Städte, namentlich von Paris, auf Kosten des 
platten Landes. Indem man daselbst in Zeiten der Theuerung das Brod 
unter dem Marktpreise abgibt, und Anlagen, besonders Luxusbauten 
herstellt, blos um die Arbeiter zu beschäftigen, veranlasst man eine un 
natürliche Entvölkerung der Dörfer. Die Landgemeinden veröden; wer 
kann, zieht nach den Hauptstädten, So wirkt auch hier das grosse Uebel 
des »Absentismus,« Was das Land producirt, wird von den Vornehmen 
an jenen Centralpunkten consumirt. Die Centralisation wirkt in gleicher 
Richtung, Von 2379 Millionen, welche die Staatscassen 1855 im Gan 
zen verausgabten, wurden 877 allein im Seine-Depart, (Paris) ausbe 
zahlt; und es bildet nur eine Bestätigung des Ueberwucherns dieser 
Hauptstadt, wenn zur Rechtfertigung angeführt ward, dass daselbst in 
der nemlichen Zeit auch 650 Mill, an die Staatscasse entrichtet worden 
seien, — gegen blos 277 Mill, im J, 1850, — Der eigentliche Fluch 
des Landes ist aber der Absolutismus, und dann das französ, Erb 
übel: das Zuvielregieren, — das Beamtenunwesen, die Vernichtung 
jedes Self-Government, die masslose Centralisation in allen irgendwie 
politischen Beziehungen. — Was weiter geht als auf freie Ansässig- 
machung und Gewerbsbetrieb, wird unter bureaucratischer Willkür ge 
halten. Die Gemeinde ist nicht eine naturgemässe Vereinigung der neben 
und bei einander Wohnenden zur Erstrebung der Allen gemeinsam die 
nenden Zwecke, sondern die Commune gilt wesentlich als Staatsinstitut, 
zur Durchführung der von oben herab gelangenden Befehle. Darum ent 
behren auch die Gemeinden des so natürlichen Rechtes, ihren Ortsvor 
stand (Maire) selbst zu wählen: er ist kaiserlicher Beamter und wird 
vom Kaiser, in den kleinen Orten wenigstens von dessen Delegirtem, 
dem Präfecten, ernannt. Kein Beschluss des Gemeinderaths darf vollzo 
gen werden ohne vorgängige Genehmigung des Kaisers oder des Prä 
fecten ! Sogar die Feldhüter sind in eigentliche Polizeiagenten umge 
wandelt ; nicht die Gemeinde, sondern der Präfect ernennt und entlässt 
sie ; die Gemeinde hat sie nur zu bezahlen ! — Es scheint, als habe die 
Gewöhnung des Volkes daran, dass Alles von oben herab geschehen 
könne und geschehen müsse, am meisten beigetragen, dem auf der 
nemlichen Voraussetzung beruhenden Communismus in Frankreich 
das Feld vorzubereiten. — Wir reden hier nicht von der weitgreifenden 
Corruption. 
Nächst der Bureaucratie erweist sich der übermässige Einfluss des 
Klerus als ein unberechenbares Unheil : — dieses Klerus, der nament 
lich die Volksbildung hemmt, statt sie zu fördern. 
Endlich ist hier der drückenden Grösse der öffentlichen Lasten zu 
gedenken, sowol der hohen directen Steuern, als der gehässigen und zu
        <pb n="112" />
        88 FRANKIŒICH. — Sociale, G ewer b s- und Handelsverhältnisse. 
den mannichfachsten Betrügereien führenden indirecten Auflagen. Zwar 
ist die Summe der Auflagen in Grossbritanien scheinbar noch grösser ; 
allein in Wirklichkeit gestaltet sich das Verhältniss entgegengesetzt ; 
1)^ weil England weit höheren Reichthum besitzt, und 2) weil in Frank- 
' reich (wie in den meisten Ländern des Continents) zu den Geldabgaben 
noch die enorme Last der Conscription kommt, in Folge welcher der 
junge Mann denjenigen Geldlohn nicht erhält, den er sich durch freie 
Arbeit erwerben würde. (Der verstorbene franz. Abgeordnete Desjo- 
bert berechnete den Verlust jedes Soldaten während der 7jährigen 
Dienstzeit auf 2000 Fr.) 
Volksbildung. Nach dem offic. Bericht über die Lage des Kaiser 
reichs vom Nov. 1863 gab es 67,836 Volksschulen mit 4 731,916 Kin 
dern, nemlich : 
37,893 Knabenschulen mit 2’145,420 Kindern unter weltl. Lehrern 
MMcheñ,eh„le„ : : : SRtÉ:' 
13,101 - - 1'059,966 - - Ordensschwestern. 
Von den Ordensschwestern hatten 12,355 keine Prüfung abgelegt. 
In den 30 Monaten vom 1. Jan. 1861 (früher führte man keine Register) 
bis 1. Juli 1863 sind unter den Lehrern von 37,893 ötfentl. weltlichen 
Schulen 99 gerichtl. Verurtheilungen vorgekommen (blos 19 wegen Ver 
brechen, 80 wegen Vergehen), dagegen unter 3351 geistl. Lehrern 55 
(dav. 23 wegen Verbr., 22 weg. Vergehen), d. h. auf 390 weltl. Leh 
rer kam 1 Verurtheilung, dagegen auf blos 70 geistl. auch 1 ! — Es gibt 
1018 Gemeinden ohne jede Schule, 10,119 andere Orte besitzen solche 
nur vorübergehend. Ohne eigene Schulhäuser waren 19,303. Es blie 
ben 600,000 Kinder ohne allen Unterricht. — Der Aufwand für die 
Knaben- (oder gemischten) Schulen betrug 1862 31'324,615 Fr., wo 
von 29’732,477 auf Lehrerbesoldung kamen (durchschn. 790 Fr.). Die 
Lehrerinen bezogen 9’169,020 (durchschn. 665 Fr.). — Ausser obigen 
gab es 3162 Kleinkindcrschulen. — Im Jahre 1855 betrugen die für 
das Volksschulwesen aufgewendeten Summen ' von Seiten des Staates 
6 Mill., der Departemente 5, der Gemeinden 11%; dazu die Schulgel- 
der mit 9 Mill., endlich die Bezüge der Normalschulen und die Stipen 
dien, ergaben sich zusammen 32% Mill. Den 6 Mill, des Staats für die 
Volksschule stand der Aufwand von 463 Mill, für die Land- und See 
macht und 560 Mill, für die Staatsschuld gegenüber; ja für das ganze 
Volksschulwesen, einschliesslich Schulgelder, wird kaum so viel verwen 
det, als — unmittelbar und mittelbar — der Hof kostet. Im J. 1861 
hat man — nach Feststellung, dass 15,000 Lehrer völlig unzureichende 
Gehalte beziehen — 50,000 Fr. Pension für dieselben bestimmt (so dass 
durchschnittlich noch nicht 1 Fr. auf den Kopf kommt) , und ebenso 
bestimmte man 50,000 Fr., um damit im ganzen Reiche Landbibliothe 
ken zu begründen ! 
Die Civilstandsregister des Jahres 1860 umfassen die Acten von 
288,936 Heirathen. Dabei ergab sich, dass 86,142 Bräutigame und 
129,744 Bräute nicht einmal ihren Namen unterschreiben konnten. — 
1861 hatte man 305,203 Heirathen, und jene Unwissenheit ward bei 
89,339 Bräutigamen und 134,782 Bräuten constatirt, — also fast bei
        <pb n="113" />
        mjr 
89 
FRANKREICH — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Vs der Männer und beinahe der Hälfte der Frauen — ein Zeichen, wie 
es selbst bei der jüngem Generation aussieht. Uebrigens ist der Unter 
schied in den einzelnen Departementen bezeichnend. Von den 1860 
verheiratheten Individuen konnten im Dep. Niederrhein nur 2,23 % nicht 
unterschreiben, im Dep. Meuse 3,19, Vogesen 3,27, Meurthe 4,44, 
Ober-Marne 4,61, Doubs.5,32, Oberrhein 6,22, Manche 8,11, Seine 
8,61, Mosel 9,02%, — in allen andern Dep. über 10%; am meisten 
Unwissende gab es im Corrèze 75,53 % (nur 911 Männer und 445 Frauen 
konnten unterzeichnen, 1866 M. u. 2332 Fr. konnten es nicht!), Inder 
Ober-Vienne 73,40 (823 M. u. 505 Fr. gegen 2224 u. 2542!), Mor 
bihan 72,33%, Ariége 71,26, Cher 69,64 , Finistère 69,32, Heiden 
09,10, Dordogne 68,64, Indre 67,53, Ost-PjTenäen 66,34, Nordküsten 
65,33, Ardèche 62,02, Vendée 61,10, Corsica 60,98 %. — Am besten 
ist das Verhältniss also in den deutschen Provinzen Eisass und Lothrin 
gen; am schlechtesten in den Bretagpe'schen Bezirken. 
Von den 1860 conscribirten Jünglingen konnten 
weder lesen noch schreiben . 90,781 = 29,08 % Weder lesen noch schreiben 
beides nur unvollkommen . 9,033 = 2,89 konnten 
ordentlich lesen u. schreiben 203,192 = 65,08 1827—29 : 55,21 % 
eine höhere Bildung darthun 9,198 = 2,95 1840—14; 40,93 
312”2ÏÏ4 1850—54; 34,51 
In den Jahren 1855 — 59 lieferten die wenigsten Ungebildeten: 
Doubs 3,78 Vo, Oberrhein 5,18, Meuse 5,31, Ober-Marne 5,33, Meurthe 
0,64, Jura 7,17, Mosel 7,62, Voges. 7,67, Seine 8,34 ;—die meisten: 
Allier 70,28, Ober-Vienne 67,45, Corrèze 65,94, Finistère 62,81, Cher 
02,57, Indre 02,50, Morbihan 02,42. 
Aus der Criminalstatistik ergibt sich : Von den durch die Schwur 
gerichte abgeurtheilten Angeklagten : 
1857 1858 1861 1862 
Proo. Proc. Proc. Proc. 
waren ganz ohne Schulbildg. 2,529=43,8 2,365=44,0 1,864 = 38,7 1,983 = 39,8 
es konnten blos lesen od. nur 
unvollk. lesen u. schreiben 
gut lesen und schreiben . 
hatten einen Grad weiterer 
Schulbildung .... 322= 5,6 249= 4,6 298= 6,2 321= 6,4 
Von je 1000 Angeklagten waren ununterrichtet: 
1851 1852 1853 1854 1855 1856 1857 1858 1860 1861 1862 
823 810 811 886 817 822 822 827 829 826 843 
Also nicht einmal Zeichen einer Besserung ! 
Literatur. Uebersicht der im Jahre 1863 in Frankreich erschie 
nenen Bücher mit Ausschluss der Journale u. period. Schriften (nach 
dem Catahguc annuel, publié par C. Reintvald) : 
2,216 = 38,4 2,081=38,7 2,111=43,9 2,220 = 44,5 
706 = 12,2 680 = 12,7 540 = 11,2 466= 9,3 
miscne uckonomie, Diplomatie, Handel, Finan.... - 
und ihre Hilfswissenschaften, Biographien 509; Politik 258; Mcdicin und Thier- 
heilkunde 262 ; Naturwissenschaften 175; Erziehungs- und Unterrichtswissen 
schaft, Kinderbücher 373; Philologie und Linguistik 172; Erdbeschreibung, 
Länder- und Völkerkunde, Reisebücher 138; Mathematik und Astronomie 205 ; 
technologie 269 ; Kunstliteratur und Archäologie 227; schöne Literatur im All 
gemeinen 185; Gedichte 96; Theater 180; Romane 533; diverse Schriften 220.
        <pb n="114" />
        90 HiANKRKlCH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Suinma 4708. (In Deutschland im nemlichen Jahre 9881) ; siehe Rubrik »Deutsch 
land.«) — Zahl der polit. Zeitungen (1863) 318, der nichtpol. Blätter 6—70u. 
Zur Criminalstatistik. Die Zahl der Angeklagten betrug 
durchschn. im Jahre — wegen Verbrechen {crimes) gegen 
die Personen das Eigenthum 
1826-30: 1824 5306 
]83f—35: 2371 5095 
1836—40: 2153 5732 
1841—45: 2186 4918 
1846—50: 2438 4992 
1851—55: 2353 4751 
1856—60: 2082 3301 
1861: 1944 2869 
1862: 2088 2902 
zusammen 
7130 
7466 
7885 
7104 
7430 
7104 
5384 
4813 
4990 
Die Zahl der 1802 wegen Vergehen {délits) abgeurtheilten Individuen 
betrug 176,450 (imVorjahre 180,409, 1858 aber 211,081); wegen blo- 
ser Polizeiübertretungen 571,174 (im Vorjahre 543,268). 
Politische Verfolgungen. Gelegentlich der im Aug. 1859 
verkündeten Amnestie ward folgende Liste der Deportirten bekannt; 
vom Juni 1848 
- December 1851 . . . . 
in Folge d. »Sicherheitsgesetzes« 
Zusammen (ungeheuere Zahl !) 
11,003, wovon 138 noch in Algier, 
26,884 - 1708 - - - u. Cayenne, 
428 (?) ^ _ _ _ _ _ 
38,315, wovon 1927 - - - - 
Sparcassen. Es waren deren am Neujahre 1803 478 autorisirt, doch 
nur 450 in Thätigkeit. Die Zahl der ausgestellten Sparcassebücher be 
trug 1’379,180 mit 424’209,002 Fr. Einlage. Auf Paris kamen 247 814 
Einleger mit 50’701,230 Fr. ’ 
Alter scasse. Die Caisse de retraites pour la vieillesse hatte von 
ihrer Gründung bis Neujahr 1803 im Ganzen 73’400,094 Fres, empfan 
gen und in Renten (Staatsschuld) angelegt. 
Hilfscassen. Auf Gegenseitigkeit beruhende Hilfscassen {So 
ciétés de secours mutuels) bestanden am Neujahre 1803 4582 mit 039,04 4 
Retheiligten, wovon aber 73,881 bloseEhrenmitglieder. Unter den übri 
gen waren 80,308 Frauen. Das Capitalvermögen betrug 30’700,244 Fr. 
Eigentlich sind diese Anstalten nichts anderes als Staatsrenten-Versiche- 
rungscassen, indem alle Einnahmen bei der Staatscasse angelegt werden ! 
(Vgl. die Verhältnisse in England, S. 31.)"') 
Beschäftigung der Einwohner. Es lebten von ; 
Ackerbau 
Industrie und Handel 
Freien Künsten 
Ohne Geschäft oder nicht ermittelt . 
Zusammen 
Einwohner 
1851 
21’992,874 
9’283,895 
3’483,538 
P022,863 
1856 
19’064,071 
12’202,391 
3’262,282 
1’483,925 
f i ycenc aer 
Bevölkerung 
1851 
61,46 
25,95 
9,73 
2,86 
1856 
52,94 
33,M8 
9,06 
4,12 
35’783,170 36’0l 2,669 100,00 100,00 
, 11 11O • 1 ua\on aoer olos 2H,9o0 m ihren 
Vohnungen, dagegen 11,142 m den Civil- und 578 in Militärspitälern, 134 in 
den Gefängnissen, 3&lt;9 wurden todt gefunden, 2 starben unter der Guillotine.
        <pb n="115" />
        FKANKllEICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 91 
Sonach starke Zunahme der Industriellen, aber starke Abnahme 
der Landleute und bedenkliche Vermehrung der Geschäftslosen, da die 
Zahl der »nichtermittelten« Verhältnisse unzweifelhaft kleiner geworden. 
Hauptclassen der Industrie, 1856: 
Kategorien Zahl der 
Etablissements 
Gewebe-Industrie 109,2ü.‘l 
Minen und Steinbrüche 16,696 
Bearbeitung der Metalle 2,0b6 
Fabrikation von metallenen Gegenständen 41,832 
Industrie in Leder 7,736 
- Holz 39,012 
von Irdenen Waaren .... 12,561 
Chemische Producto 6,398 
Baugewerke 209,058 
Industrie von Möbeln 13,770 
Kleidungs- und Toilette-Industrie . . . 286,196 
Alimentations-Industrie 300,306 
Transport-Industrie 94,893 
Industrie bezügl. Künste u. Wissenschaften 7,969 
für Luxus und Vergnügungen *. 16,295 
- den Krieg 451 
- - Beerdigung 3,339 
Verschiedene sonstige Industrien ... 1,310 
Zusammen 1*169,051 
Handel mit Gegenständen für: 
Bauwesen 9,099 
Möblirung 4,829 
Kleidung und Toilette 78,811 
Nahrung 173,121 
Heizung und Beleuchtung 13,004 
Transportwesen 8,840 
Künste und Wissenschaften .... 5¡453 
Luxus oder Vergnügungen 33,681 
\ erschiedene sonstige Zwecke . . . . 10,311 
337,149 
Zahl d. davon Lebenden 
männlich weiblich 
831,366 1*046,827 
190,243 153,397 
73,906 59,899 
230,928 181,599 
49,491 38,850 
124,316 105,009 
93,405 79,700 
45,772 37,666 
1*102,426 840,579 
78,683 67,375 
734,304 1*221,395 
747,436 710,636 
592,376 435,512 
63,302 56,297 
79,639 66,218 
22,382 20,709 
15,845 12,363 
106,216 _ 1M,894 
5* 182^036 5*2^,9'25 
30,227 27,312 
- 14,606 14,430 
193,167 224,864 
338,379 389,566 
33,870 30,663 
64,285 56,250 
14,293 14,298 
52,805 57,974 
38,076 37,272 
779,702 852,629 
Freie Gewerbe, Klerus etc. 
Juristen (und deren Angehörige) 
Aerztliches Personal 
U nterrichtswesen 
Wissenschaften und Künste .... ! 
Kriegsmacht zu Land und zur See . . . 
Beamte und Angestellte 
Ordensklerus 
Weltklerus 
73,663 
47,118 
79,742 
32,187 
416,825 
236,968 
12,394 
52,176 
951,073 
68,460 
59,309 
87,4.59 
27,148 
22,890 
210,276 
53,493 
24,642 
553,677 
Die trauen und Kinder sind dem Stande des Mannes beigerechnet, 
wenn sie nicht eine selbständige Beschäftigung ausüben. 
Die Zahl der Bergwerke betrug im J. 1854 : 824; 448 davon 
waren Steinkohlen-, 177 Eisen- und 199 andere Werke. Die Kohlen- 
production, 1853 erst 59*379,850 metr. (Doppel-) Centr., stieg 1862 
auf 94, und 1863 auf ungef. 100 Mill., im Geldwerthe v. 117*800,000 
Fr. Die Hüttenwerke lieferten 11*800,000 metr. Cntr. Gusseisen, 
143*800,000 Fr. werth (1862 10*530,000 Cntr. = 135*130,000 Fr.).
        <pb n="116" />
        92 FRANKREICH. — Sociale, Gewerbe- und Handelsverhältnisse. 
Ag^icoltarprodaction, geschätzt nach Mill. Hectolitern ; 
Weizen . 
Roggen etc. 
Kartoffeln 
Wein . 
1789 
.‘14’ 
46 
2 
17 
1815 
44’ 
44 
20 
:i5 
Auf jeden Kopf der Bevölkerung kamen : 
Weizen . 
Roggen etc. 
Fleisch 
Hectül. 
Kilogr. 
Auf die Hectare rechnet Lavergne : 
Reinertrag des Eigenthümers 
Gewinn des Pächters 
Auslagen 
Steuern 
Löhne .* 
1789 
1% 
18 
1789 
Fr. 12 
- 5 
- 1 
- 25 
1848 
70’ 
40 
100 
40—45 
1848 
1 
28 
1815 
18 
6 
4 
32 
1848 
30 
10 
5 
5 
50 
Laut officieller Schätzung betrug : 
der Bodenwerth 1851 ; 83,744 Mill. 
1821 ; 39,514 - 
(Innerhalb 30 Jahren mehr als verdoppelt.) 
Der Reinertrag des Grundbesitzes 1851 : 2,643’366,000 Fr. 
1821: 1,597’000,000 - 
Der Werth der grossen Güter ist dabei kaum um , jener der kleinen, zer 
stückelten um das 4—5fache des Ertrags gestiegen.) *) 
Uebrigens bedarf Frankreich (ähnlich wie England, wenn auch nicht 
in gleicher Menge) fremden Getreides. Es betrug von 181(i — 61 die 
Einfuhr 86’231,240,die Ausfuhr 45’579,149 Hect., sonach jährl. Durch 
schnitt des Ausfalls 880,000. Indess kamen von obigen Summen auf die 
Periode 1853—61: 36’791,081 Ein- u. 21’768,081 Ausfuhr, sonach 
Durchschn. des Deficits 2’400,000. — Der Geldbetrag der Mehreinfuhr 
von 1816—61 wird zu 1,382’007,249 Fr. berechnet. 
Anbau und Production des Bodens nach der offic. Statistik: 
Weizen. 
Mengkorn 
Roggen 
Gerste . 
Hafer . 
Mais. . 
Welschkorn 
Kartoffeln . 
Zuckerrüben 
Wurzelgewächse 249,043 
Hülsenfrüchte. 456,612 
üelgewächse . 250,019 
Hanf. . . . 125,357 
Flachs . . . 80,336 
Natürl.Wiesen 5’057,232 
Angebaute 
Hectárea 
6’984,772 
572,985 
2’193,230 
1’040,831 
3’262,605 
601,997 
709,128 
829,297 
111,360 
Ertrag 
93’8l 5,916 Hectol. 
8’204,492 - 
25’567,417 - 
17’407,593 - 
61’785,701 - 
8’331,989 - 
10’4S9,587 - 
85’761,880 - 
3’234,505 m. Ctr. 
45’649,568 - - 
6’292,488 Hectol. 
3’680,940 - 
646,886 m. Ctr. 
353,091 - - 
144’233,288 - - 
Geldwerth 
1,.566’241,049 Fr. 
107’953,090 - 
279’288,109 - 
147’003,555 - 
364’517,058 - 
75’998,537 - 
73’115,304 - 
267’704,762 - 
57’892,734 - 
83’988,200 - 
96’792,883 - 
74’183,969 - 
50’250,717 - 
.33’132,975 - 
606’408,213 - 
Ausserdem : 
Stroh 
345’738,663 Fr. 
32’764,.502 - 
89’811,388 - 
24’974,506 - 
87’465,102 - 
8’272,712 - 
6’699,145 - 
Samen 
12’849,236 - 
10’857,013 - 
*) Im J. 1857 wurden die inscribirten Hypothekschulden in 80 Departe- 
menten (über welche der Crédit foncier seine Wirksamkeit ausdehnte) auf 
12,005’506,374 Fr. angegeben, wovon 1,159’732,000 blos auf das Seinedeparte 
ment kamen.
        <pb n="117" />
        FRANKREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 93 
Künstl.Wiesen 2’563,490 87’947,857 m. Ctr. 360’16S,114 Fr. 
«eiden . . 0’579,983 18’389,345 - - 42’320,515 - 
Weingärten . 2'190,909 48’240,521 Hectol. 500’103,360 - 
Rei den Weingärten wird der mittlere íTrtrag auf d. Hectare zu 
1”,37 Hectol., der Gesammterndte zu 35’599,235 Hectol. rothen und 
12 641,286 weissen Weines, und der Durchschnittspreis des ersten zu 
13,90, des letzten zu 10,84 Fr. angenommen. 
Deber die Gewerbsindustrie können wir nur vereinzelte Noti 
zen geben. Die Baum wolle consumtion, 1830 blos 29'/^ Mill. Kilogr., 
1840 fast 53, 1850 59% Mill., betrug 1859 81’665,000 Kilogr. im 
Geldwerthe von 153% MiU. Fr., 1860 aber sogar 123 702,100 Kil. zu 
202*4 Mill. hr. Die Zahl der Dampfmaschinen war schon 1852 7779 
mit 216,456 Pferdekraft. — Rübenzucker wurde 18«%* in 366 Fa 
briken producirt 108’466,741 Kilogr. (im Voijahre in 362 Fabriken 
1 73’677,253 Kil., somit starke Verminderung. Das Rechn.-Jahr beginnt 
1. Sept.). Production in früheren Jahren, Kilogr.: 
18*%t 18'%, 18»%, 18»'/., 18'%. 18", 
&lt;&gt;0 214,400 81’140,S00 123*318,700 111*060,000 106*078,100 109*200*000 
Die Zahl der Buchdruckereien ist auf 1037 beschränkt. ' Sie 
beschäftigen etwa 9500 Setzer und 3000 Drucker. Der Werth der Buch 
druckereierzeugnisse wird auf 25 Mill, geschätzt, wovon aber 15% Mill, 
(also beinahe zwei Drittel) blos auf Paris kommen. 
Zur Erläuterung nachstehender Handels Übersichten ist zu bemer 
ken : Die Berechnung des Werthes der Waaren geschieht nach einem 
schon im J. 1827 aufgestellten amtlichen Tarife (der »officielle Werth«). 
Seit 1827 haben sich indess die wirklichen Preise beinahe sämmtlich 
verändert, und so entsteht eine zweite Berechnungsweise (der »wirkliche 
Werth«). — Der Handel wird getheilt in den »allgemeinen« und den 
»Specialhandel«. Der erste begreift Alles, auch die blosc Durchfuhr in 
sich ; der letzte hingegen blos diejenigen Gegenstände, welche in Frank 
reich selbst zum Verbrauche kommen oder als franz. Producte verarbei 
tet, ausgeführt werden. Natürlich hat der Specialhandel die grösste 
Wichtigkeit. 
Der allgemeine Handel 1857—60 ergab in Mill. Fr. : 
Angebaute 
Hectaren 
Ertrag 
Geldwerth 
Officieller Werth 
1857 
1858 1859 1860 1861 1862 
2034.9 2148,2 2392,4 2719,7 2541 
2441.9 2755,6 2949,4 2615,3 2954 
Einfuhr . . 2236 
Ausfuhr . . 2357 
Zusammen 4593 
4476,8 4903,8 5341,8 5335,0 5495 
Wirklicher Werth 
Zusammen 5328 472^ 
Specialhande1 : 
2164,4 2354,8 2657,3 3085,1 2899 
2561,1 3057,1 3147,5 2661,9 3050 
472515 5411,9 5804,8 5747,0 5949 
Officieller Werth 
I860 1861 1862 
1585 2018,2 1857 
2091,3 1874,2 2256 
3676,3 3892,4 4113"
        <pb n="118" />
        94 FRANKREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Wirklicher Werth 
Einfuhr . . 
Ausfuhr . . 
Zusammen 
1857 
1874 
1805 
1858 
1502,8 
1887,3 
1859 
1040,7 
2200,4 
1860 
1897,3 
2271,1 
1861 
2442,3 
1920,5 
1862 1863 
2202 2308 
2370 2022 
499ir 
3739 3450,1 3907,1 4108,4 4308,8 4038 
Im J. 1802 fand der bedeutendste Handelsverkehr mit folgenden 
Ländern statt (nach Mill. Fres, wirklichen Werthes) : 
Frankr. export, nach Allj^. H. Spec^-H. Frankr. import, aus 
England 
Schweiz 
Kön. Italien 
D. Zollverein 
Belgien 
Spanien 
Ver. Staaten 
Brasilien . 
Türkei . . 
Russland . 
834 Mill. 020 Mill. 
England 
Belgien 
Schweiz 
Kön. Italien 
D. Zollverein 
Türkei . . 
Russland . 
Ver. Staaten 
Brasilien . 
Engl. Ostindien 
Spanien . . 
Im Specialhandel waren 1862 die wichtigsten Artikel: 
295 
275 
233 
230 
202 
121 
92 
83 
43 
138 
175 
210 
200 
137 
100 
03 
50 
32 
Allg. H. 
650MÍ11. 
321 - 
239 
220 
221 
177 
95 
93 
90 
75 
72 
Spec.-H. 
520 Mill. 
259 - 
59 - 
192 - 
1.30 - 
139 - 
73 - 
90 - 
40 - 
74 - 
55 - 
Einfuhr 
Seide .... 
Rohe Wolle 
Getreide . . . 
Rohe Baumwolle 
Gew. Holz . . 
Steinkohlen 
Kaffee . . 
Thiere . . 
Häute . . . 
Kolonial-Zucker 
Fremd. Zucker 
Oelgewächse . 
Wirkl. Werth 
230,0 Mill. Fr. 
180.7 - - 
157,5 - - 
120,2 - - 
117.8 - - 
102,2 - - 
70,0 - - 
70,0 - - 
09,3 - - 
05,7 - - 
05.2 - - 
49.3 - - 
Ausfuhr 
Seidestoffe . . . 
Wollenstoffe . . 
Weine .... 
Tabletterie, Möbel 
Verarb. Gegenstände 
Verarb. Häute 
Baumwollstoffe 
Branntweine 
Chemikalien 
Raffin. Zucker 
Seide. . , 
Wolle . . 
Wirkl. Werth 
303,5 Mill. Fr. 
221.7 - - 
210.7 - - 
140,0 - - 
94.7 - - 
05.8 - - 
03.3 - - 
50,5 - - 
54.4 - - 
50.0 - - 
49.8 - - 
45.1 - - 
Der (zur Zeit des Druckes des gegenwärtigen Bogens eben erschie 
nenen) Handelsübersicht von 1803 entnehmen wir folgende Daten: 
Generalhandel : 
Offic. Werth 
die Einfuhr . 2707 Mill. 
- Ausfuhr . 3392 
0099 - 
Zunahme gegen das Vorjahr: 
bei der Einfuhr 107 
- Ausfuhr 438 
Zus. 005 
Wirkl. Werth 
3230 Mill. 
3520 - 
0702 - 
337 - 
407 - 
804 - 
Im Specialhandel stellte sich das Verhältniss, Ein- u. Ausfuhr 
zusammengerechnet, auf 4390 Mill, nach dem offic., und 5009 nach dem 
wirkl. Werthe. — Im Verkehre mit den wichtigsten einzelnen Ländern 
erscheinen : 
Einfuhr aus 
England . 
Belgien 
Schweiz . 
Zollverein 
Kön. Italien 
Türkei 
Gen.-Hand. 
092 Mill. 
301 - 
331 - 
205 - 
247 - 
177 - 
Spec.-Hand. 
597 Mill. 
208 - 
05 - 
140 - 
204 - 
155 - 
Ausfuhr nach 
England 
Kön. Italien 
Schweiz . . 
Spanien . . 
Belgien . . 
Zollverein . 
Gen.-Hand. 
1040 Mill. 
354 - 
319 - 
249 - 
245 - 
228 - 
Spec.-Hand. 
KOO Mill. 
238 - 
173 - 
170 - 
211 - 
204 -
        <pb n="119" />
        FRANKREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 95 
Einfuhr aus Gen.-Hand. Spec.-Hand. 
Engl.Ostindien 101 Mill. 95 Mill. 
Ver. Staaten . 92 - S2 - 
Brasilien . . 85 - 58 - 
Russland . . 82 - 62 - 
Spanien . . 75 - 55 - 
Ausfuhr nach 
Türkei . . 
Ver. Staaten 
Brasilien 
Russland . 
Gen -Hand. Spec.-Hand. 
119 Mill. 75 Mill. 
108 - 94 - 
82 - 58 - 
.34 - 30 - 
i Engl.Ostindien 19 - 
16 - 
Von den 3236 Mill, wirkl. W. der Einfuhr im Generalhandel 
kommen 1963 Mill, auf Rohstoffe der Industrie; 1741 Mill, gingen da 
von in den Specialhandel über. — Was gewöhnliche Consumtionsgegen- 
stände betrifft, so ist deren Betrag im Specialhandel gegen das Vorjahr 
um SO Mill, herabgegangen (auf 6S5 Mill.). — Die Rückzölle (Draw 
backs) betrugen 77'156,179 Fr., ungerechnet 25’943,315 Fr. Rückzah 
lungen für bezahlte Salzsteuer. In die Niederlagen (Entrepôts) des 
Staats wurden 1863 12’108,790 metr. Ctf. Waaren gebracht, einen 
Werth von 575 Mill. Fr. repräsentirend. Im Voijahre betrug das Ge 
wicht 15’234,620 metr. Ctr., der Werth 716 Mill. Fr. — Der Tran 
sit belief sich auf 2’078,73l metr. Ctr. = 162,828 mehr als im Vor 
jahre. 
Nachstehend eine Uebersicht des allgemeinen Handels Frankreichs 
seit 1840, nach den »officiellen Werthen« in Mill. Franken berechnet: 
1. Periode 
2. Periode 
3. Periode 
4. Periode 
Jahr Einf. Ausf. Tot. 
1840: 1052 1011 2063 
1841: 1121.1066 2187 
1842: 1142 040 2082 
1843: 1187 002 2170 
1841: 1103 1147 2.340 
Jahr Einf. Autf. Tot. 
45: 1240 1187 2427 
46: 1257 1180 2437 
47: 1343 1271 2614 
48: 862 1153 2015 
40: 1142 1423 2565 
Jahr Einf. .4usf. Tot. 
50: 1174 1531 2705 
51: 1159 1620 2787 
52: 1438 1682 3120 
53: 1632 1861 3403 
54: 1700 1788 3407 
Jahr Einf. Au«f. Tot. 
55: 1052 2o27 3070 
56: 2268 2320 4588 
57: 2236 2357 4503 
58; 2035 2442 4477 
50: 2148 2756 4004 
Total 5605 5156 10851 
5844 6214 12058 
7111 8481 15602 
1O630 11002 22541 
Ein- und Ausfuhr von Edel-Metallen in Mill. Fr.: 
Gold 
Silber 
1850 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1856 
1857 
1858 
1859 
1860 
Einfuhr Ausfuhr 
61 44 
116 31 
59 42 
318 30 
482 65 
381 163 
462 90 
568 123 
554 67 
727 187 
570 159 
Einfuhr Ausfuhr 
155 82 
179 101 
180 183 
113 229 
100 264 
121 318 
109 393 
97 458 
161 176 
210 382 
131 288 
4298 
1001 
1556 
2874 
Sonach Vermehrung des Goldes um 3297 Mill.; Verminderung 
des Silbers um 1318; — verbleibt Vermehrung der Edelmetalle um 
die enorme Summe von 1979 Millionen 1*) 
*) Wir haben bereits bei Orossbritanien 'S. 36) auf die Umgestaltung der 
Verhältnisse zwischen officiellen und wirklichen Werthen hingewie 
sen. Die Verbesserungen in der Fabrikation drückten die Preise unter die frü 
here Norm herab, bis das Sinken des Goldwerthes sie wieder, sogar weit über 
das frühere Verhältniss, emportrieb. Die Normalsätze zu 100 angenommen, 
betrug der wirkl. Werth des Gesammthandels gegen den offic. Werth :
        <pb n="120" />
        96 FRANKREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Die Bedeutung der einzelnen Handelsplätze ergibt sich aus 
folg. liebersicht des 1859 daselbst erhobenen Zolles, Francs: 
Havre 
Marseille 
Nantes 
Baris 
Bordeaux 
45’039,000 
41’Ü74,000 
31’822,0()0 
19’094,000 
1-’370,000 
Dünkirchen 
lalle 
Rouen 
Boulogne 
8’5S7,000 
5’0S8,000 
5’055,ü00 
4’148,000 
Jeumont 
Strassburg 
Valenciennes 
And. Orte 
2’9S8,000 
2’133,000 
B107,000 
43’840,0U0 
1850 
2144 
Zahl der Fallimente 
1851 1852 1853 1854 
1855 
2937 
1856 
5773 
1857 
(&gt;124 
1858 
4330 
1859 
3899 
1860 
4041 
1861 
4802 
1862 
(&gt;390 
2305 2478 2071 3691 
Die Zahl der wegen eigentlichen Bankerotts gerichtlich Verfolgten 
1847 
1849 
1857 
789 
105 
1858 
907 
114 
1861 
898 
79 
1862 
1001 
wegen einfachen Bankerotts 
betrügerischen . . 
Post. Zahl der beförderten Briefe und Zeitungsnummern : 
Briefe Zeitungsnummern Briefe Zeitungsnummem 
fWkM-X U\i\ “ ‘ ‘ ' 
120’480,000 
158’268,ÜOO 
90’275,400 
14()’528,433 
1852: 
1854: 
181’000,000 
212’385,00U 
94’803,000 
ll.V744,433 
1847 nur noch . . 91,8 ' 
1848 - - . .80 
1849 . . 91,2 
1850 dagegen schon 90,4 
1851 95,8 
1852 bereits lOl % 
1853 . . 112,8 
1854 . . 119 
1855 . . 118,0 
1850 sogar 130 
Trotz einzelner Schwankungen, die nie fehlen, ein Steigen, das in der kur 
zen Zeit von 10 Jahren 41,01 Broc, beträgt! d. h. im J. 1850 konnte man mit 
141 Fr. 61 Cent, nicht mehr Waaren aller Art bekommen, als 10 Jahre früher 
um 100 Fr. In diesem Verhältnisse hatte das Geld bereits an Werth verloren. 
Ja der Unterschied ist in Wirklichkeit noch grösser, da die Verbesserungen in 
der Fabrikation nach 1847 ein weiteres Herabgehen bewirkt hätten. Nun kam 
die gewöhnliche Erschlaffung nach den Anstrengungen eines besonders kost 
spieligen Krieges (des Krimkrieges) , und es trat die ungeheure Handels- und 
Creditkrisis ein. Allerdings gingen die Ziffern 1857 auf 110, 1858 selbst auf 
105,54 herab. Weit entfernt, dass dieses Herabgehen die obigen Bemerkungen 
widerlegte, dient es vielmehr zur Bestätigung derselben. Sogar diese unerhörte 
FIrschütterung war nicht im Stande, die Breise auch nur auf das frühere Nor- 
m a 1 verhältniss zurückzuführen, während sie unter gewöhnlichen Zuständen 
dadurch weit unter das Mittel herabgedrückt werden mussten ; selbst in die 
sem Falle eines ganz ausserordentlicnen Herabdrückens standen alle Breise 
noch um beiläufig ein Fünftel (20 Broc.) höher, als 10 Jahre zuvor. Die neue 
ren Ergebnisse haben diese schon früher geäusserte Ansicht bestätigt. Im Kriegs 
jahre 1859 stieg die Verhältnisszahl auf 110,4, und hielt sich im nächsten Jahre 
des allgemeinen Misstrauens auf 108,0. Dann kam der Krieg mit den Bapier- 
geldwirren in einem Goldlande (Amerika) und die dadurch nöthige Abfuhr 
grösserer Massen Fidelmetalle nach den neuen Baumwolle-Broductionsländern ; 
gleichwol blieb die Verhältnisszahl 1801 107,7 % , 1802 108,3% ; es stieg 1803 
sogar wieder auf 110,8 %. — Es ist dabei selbstverständlich, dass auch das Sil 
bergeld im Werthe in so lange mitsinken muss, bis die Länder mit Doppelwäh 
rung den Rest ihres Silbergeldes eingebüsst haben werden. 
*) Der Bericht des Justizministers (Moniteur v. 17. März 1804) gibt die 
Zahl nicht an, sondern bemerkt nur, dass die Anklagen sich gegen das Vorjahr 
um 19% vermehrt hätten.— Schuldhaft ward 1802 über 1794 Bersonen ver 
hängt, darunter 128 Frauen. In 1391 dieser Fälle handelte es sich um Han 
dels-, in 127 um gewöhnl. , in 270 um Schulden an den Staat. Bei 004 dieser 
Individuen betrug die Schuldsumme weniger als 500, bei 333 zwischen 500 und 
1000 Fres., blos bei 205 überstieg sie 5000 Fres.
        <pb n="121" />
        FKAXKREICH. — Sociale, Gewerbs- und HandeUverhältniase. 
97 
Briefe Zeitangsnummem 
1856: 252’014,8ÜÜ 127*321,445 
1857: 252*453,800 144*295,200 
1858: 253*234,000 151*298,000 
1859: 258*900,000 105*300,000 
Briefe Zeitanginanunem 
1860: 263*500,000 179*138,000 
1861 : 273*200,000 188*930,000 
1862: 283*000,000 202*000,000 
1863: 290*000,000 212*(M)0,000 
1863 waren 90% der Briefe frankirt. Die Geldanweisungen be 
trugen (nur) 3’710,000 Fr. —Die Roheinnahme der Post war 69*928,119, 
die Ausgabe 47*370,217, somit der Reinertrag 22*557,902 Fr. Zur 
ersten Summe lieferten die Briefe 58 Mill., die Drucksachen 6*073,814 
Fres. 
Telegraphen. Neujahr 1863 28,003 Kilom. (3774 d. MeU.); Draht 
länge 87,096 (Ende 1857 erst 11,430 Kil.). Zahl der Büreaus 500 
(1860 erst 240). Privatdepeschen: 1852 nur 48,105, 1856: 360,299; 
1859: 598,701 : 1862; 1*510,573. Die Roheinnahme, 1852 542,891 
Fr., stieg 1857 auf 3*333,695, 1860 auf 4*022,799, 1862 auf 
4*486,126 Fr. 
Eisenbahnen. Frankreich blieb im Eisenbahnbau längere Zeit zurück. 
Der Staat brachte dann sehr ansehnliche Opfer, ohne die Bahnen für 
eigene Rechnung herzustellen. Im Betriebe standen Kilometer: 
1830 1842 1848 1851 1855 1858 1861 1862 1863 
53 590 2211 3541 5530 8657 9448 10,507 11,518 
Am 1. Juli 1864 war die Summe auf 12,357 Kilom. gestiegen = 1667 
deutsche Meilen, während das kleine Britanien zur nemlichen Zeit 2506, 
Deutschland ungei. 2150 Meil. besass. — In Folge der »Fusionen« hat 
ten sechs grosse Gesellschaften fast alle kleineren verschlungen. Ende 
1863 waren, mit den im Betriebe stehenden Linien, 20,380 Kilom. 
Schienenwege concessionirt, davon 19,373 im Besitz jener 6 Gesell 
schaften. Das Eisenbahnwesen ist somit gleichsam monopolisirt. Auch 
sind die Preise, namentlich für Personenbeförderung, mit Ausnahme von 
England, die theuersten, dagegen gehören die Wagen und die Ordnung 
zu den geringsten. Die Roheinnahme aller franz. Eisenbahnen betrug 
1862 476*167,427, 1863 495*264,387 Fr. — (1857 wurden befördert: 
40*662,168 Personen und 298*144,980 Cntr. Waaren.) — Die vom 
Staate übernommenen Zinsgarantien erstrecken sich [exposé de la situa 
tion de I empire für 1863) auf 4038 V* Mill. Fres. Die unmittelbaren 
lieistungen der Staatscasse für die Herstellung der 20,380 Kilom. an 
Arbeiten und Subventionen sind zu 1460 Mill. Fr. berechnet. Die Ge 
sellschaften ihrerseits werden 7300 Mill, aufzuwenden haben. *) Die 
Einnahme pr. Kilom. betrug: 
*) Die Höbe der Anlagekosten (428,000 Fr. pr. Kilom. = 856,000 Thlr. 
pr. d. Meile) rührt grossentheils von Schwindeleien und Betrügereien her. Als 
es sich um eine vom Staate geforderte Zinsgarantie handelte, führte der Abg. 
(lllivier im gesetzg. Körj&gt;er folg. Thatsachen an: Nachdem die Concession der 
Eisenbahn von Graissessac nach Biziers ertheilt war, wurden die Arbeiten für 
16 Mül. zugeschlagen ; die Unternehmer traten sie einer andern Gesellschaft für 
14 Mill, ab, und diese überliess sie einer dritten für 12 Mill.; so wurden 4 Mill, 
verdient, ehe nur ein Spatenstich geschehen war. Die Gesellschaft ist fallirt, 
die Actionäre haben Alles verloren.; — Als 1853 die Concession für den Grand- 
Central ertheilt wurde, creirte man Action zum Betrage von 112 Mill. ; 1857, 
nach dem Ankäufe des Grand-Central durch die Orléaner und Lyoner Bahn- 
Kol u, Statittik. 4. Aufl. 7
        <pb n="122" />
        98 FRANKREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
1S52 35,712 Fr. 
1853 41,712 - 
1854 45,6ü3 - 
1855 51,317 - 
185« 48,048 Fr. 
1857 45,259 - 
1858 41,330 -, 
1859 43,908 - 
I860 44,492 Fr. 
1862 45,319 - 
1863 42,999 - *) 
Strassen. Chausseen (1862) : Staatsstrassen 37,352 Kilom., Vi- 
cinalstrassen 220,000 Kil. — Schiffbare Flüsse; 6,500, Kanäle 
4,750 Kilom. 
Bank. Die Bank von Frankreich ward im Apr. 1803 gegründet. 
Obwol ihr letztes Privilegium erst Ende 1867 abgelaufen wäre, hat man 
dasselbe doch schon im Mai 1857 auf weitere 30 Jahre (bis Ende 1897) 
verlängert, der Anstalt aber die Verpflichtung auferlegt, der Staatscasse 
sofort 100 Mill. Fres, gegen 3proc. Rente zu leihen. Um die Mittel 
hiezu aufzubringen, wurde die Zahl der Actien, bis dahin 91,250 Stück 
(zu 1000 Fres.), verdoppelt (nun 182,500 Actien). Gleichzeitig erhielt 
die Bank Befugniss, Banknoten bis zum Minimalbetrage von 50 Fr. aus 
zugeben (bis dahin waren 100 Fr. die kleinste Summe). Die Summe 
der circulirenden Noten schwankte 1863 zwischen 739% u. 864% Mill. 
(1850 war das Maximum 492 Mill.) — Die Anstalt unterhält in allen 
grossem Städten des Staats Filialen. Die Gesammtsumme ihrer Ge 
schäfte stieg folgendermassen ; 
gesellschaften, fand sich das Capital zu 261 Mill, angewachsen, so dass die er 
sten Actieninhaber 149 Mill, verdienten, ehe die Bahn fertig war. Aehnlich ging 
es mit den famosen Minen von St. Aubin. Zu 500,000 Fr. im Nov. 1851 ange 
kauft, wurden sie im Juli 1852 zu 1’500,000 Fr., drei Tage später zu 3’200,000 
Fr. und im Mai 1856 zu 22 Mill, in Obligationen an den Grand - Central ver 
kauft. (Die Minen gehörten einem Grafen N. N , als sie an den Grand-Central 
abgetreten wurden, und er war auch, wie behauntet wird. Director des Grand- 
Central, als dieser r.n die beiden andern Gesellschaften verkauft wurde.) 
*) Die Kraft der auf den franz. Bahnen verwendeten Locomotiven war schon 
1861 nominell die von 450,000 Pferden; ihre Leistung kam aber der von 
1’900,000 Pferden gleich, welche täglich 10 Stunden arbeiten, oder jener von 
«’300,000 Menschen bei ebenso langer täglicher Arbeit Berechnung des Inge 
nieurs Perdonnet). Die Zahl der bei den franz. Bahnen verwendeten Personen 
betrug 60,000. Eine von der Regierung niedergesetzte Commission zur Unter 
suchung der Unglücks fälle auf franz. Schienenwegen berichtete: Von den 
189’046,676 Reisenden, welche von 18:15 bis Ende 1855 befördert wurden, sind 
durch den Betrieb 111 getödtet = 1 auf 1’703,12:1. Auf einmal fanden 52 ihren 
Tod bei dem grossen Unglück auf dem linken Seine-Ufer.) Verletzt wurden 
durch den Betrieb 393 Reisende, = 1:479,81 1. Beides zusammen 506 Opfer 
= 1 :875,092. P'erner sind durch den Betrieb 308 Angestellte der Bahnen ver 
unglückt (49 getödtet, 259 verletzt) ^ endlich 249 sonstige Personen (166 ge 
tödtet, 83 verletzt). Durch eigene Unvorsichtigkeit oder vom Betriebe unab 
hängige Ursachen sind zahlreichere Opfer gefallen: 119 Reisende (40 getödtet), 
1130 Eisenbahnangestellte (418 todt und 712 verletzt) und 64 andere Personen 
(37 todt darunter 34 Selbstmörder). In Folge wirklichen Betriebs kam 1 Ver- 
nniflückter (getödtet oder verletzt) in Preussen auf 3’291,075 Reisende, in Bel 
gien auf l’Oll 237, in Frankreich auf 375,092, in England auf 311,345 und in 
den Vereini«-ten Staaten auf 188,459 Reisende. Die Eisenbahnen gewähren eine 
grössere Sicherheit, als die Transportmittel auf den Landstrassen. Die Posten 
und die Messageries générales hatten in Frankreich binnen 10 Jahren (1846 — 
1855) Unfälle welche von 7’109,276 Reisenden 20 Personen das Leben kosteten 
und 238 verletzten; eß kam also 1 Getödteter auf 355,463, und 1 Verletzter auf 
29,571 Reisende.
        <pb n="123" />
        FRANKREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
1)9 
1808 
1826 
1847 
1849 
1851 
1852 
112 Mill. 
1000 - 
2659 - 
1025 - 
1241 - 
1824 - 
1853: 2842 Mill. 
1854: 2944 - 
1855: 3762 - 
1856: 5809 - 
1857: 6065 - 
1858: 5213 - 
1859 
1860 
1861 
1862 
1863 
6652 Mill. 
6340 - 
6556 - 
7784 - 
7542 - 
Handelsmarine. Stand am 1. Jan. 1862: 
Segelschiffe 14,738 von 910,729 Tonnen 
Dampfer 327 - 73,267 
15,065 - 983,99tT - 
Fahrzeuge f. Küsten 
fischerei . 8,041 - 59,541 
Die Tonnenzahl war 1827 692,000, ging dann bis 184 7 auf 670,000 
berab, erreichte 1857 : 1*052,000, und war sonach 1862 wieder gesun 
ken. Die Aufhebung der Marineconscription nach alter Art lässt einen 
neuen Aufschwung erwarten. 
Der Schiffsverkehr in den franz. Häfen (natürlich verschieden 
von der in Frankreich vorhandenen Zahl der Schiffe) betrug an befrach 
teten Fahrzeugen während der letzten Jahre : 
Eingelaufen : 
Zahl der Schiffe 
Franzos. Schiffe 
Fremde 
1859 
10,422 
14,6J_8_ 
Zusammen 25,040 
Ausgelaufen: 
Franzos. Schiffe 8,778 
11,657 
20,435 
1860 1862 
10,675 12,374 
14,081 16,448 
Fremde 
deren Tonnengehalt 
Zusammen 
1859 1860 1862 
1*628,396 1*663,615 1*907,897 
2*375,354 2*348,261 2*658,776 
24,756 28,822 4*003,638 4*011,876 4*566,673 
8,013 8,201 1*473,192 1*341,531 1*445,872 
10^429 11^004 1*563,136 1*502,635 1*560,097 
18,442 19,205 3*036,328 2*84 4^Í66^3^Õ^9 
Masse, Gewicht, Münze. Das System ist auf ein Naturmass (Meridian 
messung) begründet. Eintheilung nach Decimalen, bei Steigerung über 
die Einheit griechische Benennung (Deka, Hekto, Kilo), beim Her 
abgehen unter diese Einheit lateinische (Deci, Centi, Milli). 
Geld. Einheit : der Franc = 100 Centimes: 5 Grammen Silber •/,« fein. 
Jlanach der preuss. Thaler = 3 Fres. 69,8 Cent. ; der rhein. Gulden 2 Fr. 12,5 
Cent. In Deutschland wird der Franc meist zu 8 Sgr. oder 28 Krzr. angenom 
men, wonach der 5 Tr. - Thlr. = 2% fl. oder 1*/, Tn Ir preuss. Indessen ward 
in neuerer Zeit die Goldwährung die herrschende, wobei nach dem frühem 
M'erthe des Goldes dasselbe im Verhältnisse von 1 zu 15% (also für jetzt zu 
hoch) gerechnet ist. — Liingenmass: Der Meter; lOO Meter sind = 149,94 
Berliner oder 128,34 Wiener Ellen, 109,32 engl. Yards, 140,55 russ. Arschinen; 
oder 328,12 engl., 318,62 rhein. oder preuss., 342,63 bayer, oder 333% Schweiz, 
oder badische Tuss. — Die Elle = 60 Centimeter. — Die franz. (Juadrat- 
lieue ist 0,36 der deutschen. — Die deutsche Meile hat 7,420Meter. — Flächen- 
niass: Die Are (100 Quadr.-Meter) = 947,68 alte franz. Q,.-Fuss, 7,05 rhein. 
Q.-Ruthen. — Die Hectare (100 Aren) = 3,91662 preuss. Morgen. — Körpar- 
*nass: Der Stère oder Kubikmeter. —FlüssiykciU - und (JetreidemaHii ; Der 
Eiter. Der Hectoliter (loo Liter) = 1,82 preuss. Scheffel, 1,62 Wiener Metzen, 
22,39 engl. Quarters; — ferner: 1,45 preuss. oder 1,46 b^er. Eimer, 66,66 ba 
dische oder Schweiz. Mass. — Gewicht. Das Gramm. Das Kilogramm (1000 
Grammen) = 2 deutsche Zollpfund, 2,2 englische oder 2,44 russische Pfund.
        <pb n="124" />
        100 
FRANKREICH. — Auswärtige Besitzungen. 
Auswärtige Besitzungen. 
Algerien. Das Areal ward in einem Berichte des Kriegsministers 
vom J. 1850 [Rapport au Président) auf ungefähr 39 Mill. Hectaren, 
also über 7000 deutsche Quadrat-Meilen, angeschlagen; eine neue 
Schätzung steigt sogar auf 47 Mill. Hectaren = 8566 Q.-M. Die Land 
grenzen sind ziemlich unbestimmt. Die Küstenausdehnung wird in ei 
nem Ministerialberichte von 1854 zu 250 Stunden [Heues) angegeben. 
Die Civilbevölkerung war bei der Aufnahme von 1861 : 
E-p*“{?í“’so:r??í 
Araber in den Städten . . . 
- - Stämmen . . 
Eingeborene Juden .... 
Nicht bestimmt 
192,746 1 
358,760 I Militär 63,000. Die europ. 
2’374,091 I Civilbev. ward Ende 1862 zu 
28,097 118,804 Franzosen u. 86,073 
13,142 Fremde angegeben. 
Zusammen 2'966,836 
Unter den Europäern befanden sich im J. 1857 : Spanier 46,246 , Ita 
liener 10,421, Malteser 7511, Deutsche 5759, Schweizer 1942. — Den 
Confessionen nach gab es 1856 unter den Europäern : Katholiken 
158,833, Protestanten 4539, Juden 910. — Die Stadt Algier hatte 
63,784 Einwohner, wovon aber 9921 Soldaten und 18,727 Eingebo 
rene. Oran zählte gegen 36,500, Constantine 39,500 Einw. — Die ge- 
sammte Ackerbaubevölkerung ward (Neujahr 1863) zu 109,808 Indivi 
duen angegeben. — Im J. 1857 schied man die Eingeborenen nach 
Rassen folgendermassen : 
Division Algier . . 
Oran . . 
Constantine 
Zusammen 
Berç- Araber Kabylen 
Kabylen der Ebene 
280,474 447,752 27,800 
22,819 431,485 45,462 
277,135 506,195 305,691 
580,428 1’385,432 378,953 
Die Nomaden leben bekanntlich in Zelten ; andere Eingeborene haben 
Gourbis, die eine etwas grössere Stabilität der Wohnplätze andeuten; die 
kleinste Zahl besitzt Häuser. Im J. 1857 rechnete man : 
Zelte 
Division Algier . . 55,529 
¡L- Oran . . 77,389 
i- [Constantine 111,881 
Zusammen 244,799. 
Gourbis Häuser 
65,837 39,381 
6,986 8,772 
63,405 31,327 
136,228 79”480 
Geldwerth 
der Häuser 
10’005,614 Fr. 
3’287,975 - 
Die Zahl der Stämme ist 1364, davon 298 in Algier, 303 in Oran 
und 763 in Constantine. 
Es gab 1856; 3 höhere, 7 Secundar- und 407 Primarschulen, 
im Ganzen mit 25,980 Kindern. Dabei sind indess 68 Kleinkinder 
schulen mit 6,871 Zöglingen eingerechnet; das Unterrichtswesen befin 
det sich sonach in kläglichem Zustande. Eine Aufstellung von 1857 
führte freilich 2851 Schulen der Eingeborenen mit 33,715 Kindern auf; 
eine v. 1863 gab 35,000 die Schule besuchende Kinder an. 
Der Besitz Algeriens hatte Frankreich schon im J. 1852 nicht nur 
über eine Milliarde an Geld,*) sondern auch das Leben von 100,000 
j Im gesetzgebenden Körper, Sitzung vom 23. Jan. 1864, behauptete
        <pb n="125" />
        FRANKREICH — Auswärtige Besitzungen (Algerien). 101 
Soldaten gekostet, von denen blos 3400 durch feindliche Waffen gefal 
len, alle andern aber an Krankheiten gestorben waren. Die Colonisation 
ward von der Regierung mannichfach gefördert. Durch die in Aussicht 
gestellten Vortheile gelockt, sind auch seit 1630 mehr als eine Million 
Europäer nach Algerien gezogen; allein entweder kamen sie dort um, 
oder sie fanden es gerathen in ihr Vaterland zurückzukehren. Das Klima 
(ungemein heiss, oft mit furchtbarer Kälte in den Nächten wechselnd) 
erweist sich für Mittel- und Nordeuropäer höchst mörderisch. So kommt, 
nach 34jähriger Colonisation und allen Opfern, die europäische Bevöl 
kerung in ganz Algerien noch nicht einmal der Einwohnermenge einer 
grossen Stadt gleich. — Die Zahl der Ehen und der Geburten ist zwar 
■vechältnissmässig gross (Folge davon, dass die Eingewanderten fast 
sämmtlich im besten Alter stehen, und auch Folge des Strebens der 
Natur, starke Abgänge rasch zu ersetzen). Auf 1000 europäische Ein 
wohner zählte man 1651 durchschnittlich 10,04 Heirathen und 42,63 
Geburten (in Frankreich nur 7,8 Heir, und kaum 29 Geburten) ; 1656 
ergaben sich 10,61 Heirathen und 37,94 Geburten. Noch weit grösser 
ist aber in der Regel die Sterblichkeit. Von 1842 — 51 kamen auf 
1000 Europäer jährlich im Durchschnitte 52,69 Sterbfälle, ungerechnet 
das Militär (in Frankreich trafen selbst im Cholerajahre 1849 nur 27,7 
Sterbfälle auf 1000 Einwohner, in gewöhnlichen Jahren blos 24,6). 
Selbst in dem ungewöhnlich günstigen Jahre 1656 wurde ein Verhältniss 
von 28,55 Todesfällen constatirt. Das Missverhältniss beträgt indess 
noch viel mehr als diese Ziffern zeigen, weil beinahe die gesammte eu 
ropäische Einwohnerschaft im kräftigsten Alter steht, in welchem in 
b rankreich kaum 11 Todesfälle auf 1000 Menschen treffen. Von 1830 
bis Ende 1851 zählte man bei der europ. Bevölkerung: 
Provinsen Geburten Sterbfälle 
Algier . . . 25,411 :{4,«79 
Oran. . . . 11,755 13,602 
Constantine . 7,734 12,097 
Zusammen 44,900 60,768 
Also in allen Provinzen mehr Sterbfälle als Geburten. Auch seitdem hat 
das Missverhältniss blos ausnahmsweise aufgehört, in den 3 Jahren 1852 
bis Ende 1654 kamen wieder blos 17,087 Geburten gegen 19,004 To 
desfälle vor. Nur 1856 erscheint in obigen Angaben mit einem Ueber- 
schusse an Geburten. Am furchtbarsten leiden die schweizerischen und 
deutschen Colonisten, welche als Nordländer in dem heissen Klima am 
wenigsten die Feldarbeiten zu besorgen im Stande sind. *) 
Picard sogar, es seien bis dahin drei Milliarden für Algerien aufgewendet 
worden. 
*) In der vielempfohlenen Schweizercolonie bei Sétif starben von 528 dahin 
gebrachten Colonisten im ersten Jahre, 1854, nicht weniger als 75, — demnach 
im Verhältnisse über 142 von 1000! Ausserdem starben noch weiter 22 Indivi 
duen, welche von der Sétif-Colonisationsgesellschaft nach Algerien gebracht 
worden waren und sich an andern Punkten der Subdivision &amp;*tif aufhielten. 
'Die Colonisationsgesellschaft hat es unterlassen, klare Angaben über die spä 
tem Resultate zu veröffentlichen, allein sie sah sich 1859 genöthigt, den Anbau 
des ihr überlassenen Bodeifc durch Europäer ganz aufzugeben, und denselben 
blos noch durch Eingeborene betreiben zu lassen.) •
        <pb n="126" />
        ■m 
rRAISKKEICH. — Auswärtige Besitzungen (Algerien). 
102 
Noch entschieden schrecklicher als unter den Erwachsenen wüthet 
der Tod unter den Kindern der Europäer, und die Colonisten haben 
sonach nicht einmal die Hoffnung, ihren Nachkommen eine glückliche 
Zukunft zu bereiten. — Die Maurische Bevölkerung in den Städten 
schmilzt gleichfalls zusammen. Bei diesem Theile der Einwohnerschaft 
kamen in den Jahren 1850 und 1851 3507 Geburten und 9930 Sterb 
fälle vor. — Ebenso verminderten sich die Neger von 1849 — 51 um 
989 Individuen, d. h. um 10% Broc.! Nur die Jüdische Bevölkerung 
hat einen Ueberschuss der Geburten, wie denn auch ihre Zahl in den 
angegebenen zwei Jahren um 2020 Köpfe oder mehr als 10Broc, zu 
nahm. (Die Zahl der Juden wurde 1851 zu 21,048, die der Neger zu 
3488 angegeben.)*) 
Ausser dem Klima trug übrigens allerdings das System bureaukra- 
tischer Bevormundung nicht wenig bei, alle Colonisationsversuche so 
vollständig scheitern zu machen. (Wer eine Mühle anlegen will, bedarf 
dazu der Ermächtigung durch ein kaiserliches Decret aus dem fernen 
Baris, das nicht ohne Mühe, Zeitaufwand und Kosten zu erlangen ist.) 
Ausserdem ist das ganze Land seit 1804 unter die Militärverwaltung 
gestellt. Genug, nach mehr als einem Vierteljahrhunderte hatte die Re 
gierung im J. 1850 noch nicht einmal 200,000 Hcctaren Landes an 
Colonisten abgetreten, nemlich 117,900 Hect. provisorisch und blos 
73,008 Hect. definitiv (die Regierung der Verein. Staaten verkaufte blos 
im J. 1850 sieben Millionen Hectaren !) und sehr häufig verliessen die 
Colonisten wieder verzweifelnd das Land, auf dem sie sich niedergelas 
sen hatten (selbst in dem günstigen J. 1856 zählte man, auf 39,239 
Einwanderer, wieder 30,400 Zurückwandernde!). Dies erklärt, dass 
die Getreideerndte, welche 1855 10 Mill. Hectoliter betrug, im nächsten 
Jahre auf 0 Mill, zurücksank. Die ganze von Colonisten dem Namen 
nach angebaute Bodenfläche betrug 79,120 Hectaren. Früher rühmte 
man besonders den Erfolg der Tabak-, nun den der Baumwollecultur; 
1803 sollen 1'844,055 Kilogr. Baumwolle gewonnen worden sein. — 
Ungeachtet des enormen Geldaufwandes gab es 1803 erst 44 Kilom. 
(noch nicht 0 Meil.) Eisenbahn. Bezeichnend sind die Ergebnisse des 
Handelsverkehrs. Im Specialhandel wurden im J. 1858 für I 20% Mill, 
iranz. Broducte in Algerien eingeführt, dagegen nur für 34 Mill. Algie- 
rische Erzeugnisse nach Frankreich exportirt. Im J. 1802 betrug die 
Einf. 121,8, die Ausf. wieder nur 10,8 Mill. Um eine Ausfuhr von 
40 Mill, zu erzielen, bedurfte man einer Einfuhr von 124. In den 25 
Jahren 1830 — 1855 war das Verhältniss im Ganzen: franz. Einfuhr 
1403, algier. Ausfuhr 379% Mill., — sonach Unterschied 1083% Mill.! 
Die fehlende Summe bezeichnet, wie viel Algier die franz. Staatscasse 
kostet, abgesehen von dem Verluste an Menschenleben, namentlich aus 
dem Stande der Soldaten. **) 
*) Interessante Einzelheiten hat unser Freund Dr. Boudin in der Schrift 
geliefert : Histoire statistique ne la colonisation et de la Population en Alqérie. 
Baris 1853. Vergleiche ferner die Abhandlung »Ueber Auswanderung nach Al 
gier, von G. F. Kolb«, im 21. '1 heile der »I'erhandlunyen der sclnceiz. gemein- 
nützigen Gesellschaft«, Jahrgang 1854. 
**) Nach den glänzendsten Erwartungen ist man zu dem Resultate gelangt:
        <pb n="127" />
        yilAXKllÈICH — Auswärtige Besitzungen (Eigentliche Colonien). 103 
Eigentliche Colonien (unter dem Marineministerium stehend). Die 
Ueberreste der einst weit ausgedehnten Besitzungen Frankreichs (in Ost 
indien, Canada, Louisiana, Westindien) sind heute, nach den neuesten 
officiellen Aufstellungen {Tableaux de Population, de Culture, de Com 
merce et de Navigation des Colonies françaises. Paris 1863 )• 
Deutsche Bevölker. 
In Amerika: 
Martinique ’ 
Guadeloupe u. Dependenzien 
Franz. Guyana (Cayenne) . 
St Pierre und Miquelon . 
In Afrika (ausser Algerien) : 
Niederlassungen am Sénégal 
Insel Réunion (Bourbon) . 
Mayotte und Dependenzien 
In Asien (Ostindien) . ^ 
Zusammen 
Q.-M. 1861 
IS 135,991 
20 138,069 
1200 19,559 
4 .2,385 
30 113,398 
39 183,491 
9 22,570 
9 220,478 
1329 835,941 
Handelsverkehr 1861 
Einfuhr Ausfuhr 
30'976,500 21’872,565 Fr, 
26’920,631 18’409,997 - 
7’078,092 1’299,415 - 
4’239,567 4’098,289 - 
17’790,963 14’112,203 - 
55’993,221 55'644,585 - 
9'114,255 34'136,932 - 
T5^Tl3,229 149’573,986 - 
Die Summen des Handelsverkehrs sind nach den franz. »officiellen Mer 
then« berechnet (siehe S. 93). 
Die Franzosen haben indess auch folgende Südsee-Inseln unter ihre 
»Protection« genommen, obwol das Colonialministerium selbst sich ent 
hält, dieselben als franz. Besitzungen aufzuführen : 
Q.-M. Bevölkerung 
Marquesas-Inseln . 20 12,000 
5 Gesellschaftsinseln 28 18,000 
Neu-Caledonien . . 380 45,000 
Auch über die 6 Provinzen von Nieder-Cochinchina haben die Fran 
zosen durch Vertrag von 1864 ein »]Protectorat« erlangt. Es ist ein Ge 
biet von etwa 500 Q.-M. mit ungcf. 2 Mill. Menschen. Es müssen 
ihnen jedenfalls drei Häfen, jeder mit 0 Quadr.-Kilometer Landes, un 
bedingt abgetreten werden. . . 
ln der oben angeführten Bevölkerungsliste der eigentl. Colonien ist 
übrigens auch die »farbige« Bevölkerung einbegriffen. Neue Angaben 
über deren Grösse fehlen. 18u2 rechnete man auf. 
Weitse Farbige 
Martinique. . 9,490 110,867 
Guadeloupe . 41,441 87,719 
Réunion . . 37,290 66,201 
Die Zahl der Europäer in allen Colonien beträgt wol kaum 200,000. 
»Die Civilbevölkerung, welche im Laufe von 30 Jahren geschaffen worden, ist 
eine fast rein städtische und besteht im Allgemeinen blos aus den Lieferanten 
der Armee. Algerien ist heute dem M'esen nach nur von Arabern und . 
bewohnt, dann von der Armee und ihrem Anhänge. M'enn heute die mi i ri 
sche Occupation aufhörte, so würde nach kurzer Zeit das Land wieder i n 
ursprünglichen Besitzern anheimfallen. Diese sind so ziemlich auf erse len 
Stufe der Entwicklung geblieben, auf der sie bei der Landung der hranzosen 
standen.« ' (Ko sprach der Constitutionnel im Nov. 1857, und so i^ es noch.) 
*) Die Arealangaben meist nach Schätzungen. Für franz. Gu\ana bringt 
eine überschwängl. franz. Privatarbeit nicht weniger als 18 Mill, llectaren - 
3260 d O.-M. in Ansatz ; ebenso für die Niederlassungen am Senegal 25 Mill. 
= 4,540 d.-M.
        <pb n="128" />
        y 
104 
KUSSLAN]). — Land und Leute. 
Die Sklaverei wurde in Folge der Februarrevolution von 1848 
aufgehoben. Die Bevölkerung schied sich zuvor, 1847, folgendermassen : 
Guadeloupe. . 41,357 87,752 129 109 
Guyana . . . 0,432 12,943 19,375 
Reunion . . . 40,048 00,200 100 .308 
gask““ '■«" »M No,«i-Bé und Sainte Maria .Mada- 
" 1 ^kaupinicuii jroiuucnery zanit OOO J^àmv. 
Die Production betrug 1801 in den vier Colonien Martinique 
Réunion; 125’5U 1,555 Kilogr. Zucker, erzielt 
aut 8b, 08o Hectaren Landes (zu jener Gesammtsumme lieferte Reunion 
a ein Oo,532,80S Kilogr.); 13% Mill. laitres Syrop; 1’573,307 Kilogr 
Kaffee erzielt auf 4,571 Hectaren; 327,575 Kilogr. Raumwolle, von 
412 Hectar.; durchschn. 314,830 Kil. Cacao von 590 Hectar. 3(1 821 
K.) , /04 _00 K. Rocou v. 163!) H. ; endlich für 10’350,2S3 Fr. Le 
bensmittel von 40,105 Hectaren. 
Die Colonien . 
Zusammen ungef. 
Gesammtäbersicht (1805): 
Bevölkerung 
37’000,000 
33100,000 
Das europ. Gebiet 
Algerien 
Q.*M. 
9.8K5 
7,000 
1,330 
18,200 
840,000 
, . - .... — 41’500,000 
Avobei freilich sehr viele nur nominell unterworfene Gebiete. 
Russland (Czaarthum). 
Land und Leute. 
,. ^"gemeine üebersicht. Trotz ihrerUnumschrünktheit ist doch selbst 
die Reperung nicht im Stande, die Grösse und Volkszahl der verschie- 
denen fhmle des Ungeheuern Reiches genau zu ermitteln. Die Angaben 
über Areal beruhen auf Landkarten-Berechnungen, die in ihren Resulta-
        <pb n="129" />
        RUSSLAND. — Land und Leute. 
105 
ten um Zehntausende deutscher Quadratmeilen von einander ah weichen. 
Was die Bevölkerung betriflft, so finden allerdings gewisse Zählungen, 
nemlich sogenannte » Revisionen o, gewöhnlich in 15- bis 20jährigen 
Zwischenräumen statt. Dieselben sind aber wesentlich nur zu*finanziel- 
len Zwecken angeordnet, zur Ermittlung der steuerpflichtigen Männer; 
darum legt denn auch selbst das »statistische Centralcomité« in seinen 
»statistischen Tabellen des russischen Reiches für das Jahr IS56« das 
Bekenntniss ab, dass die Angaben, welche nicht steuerpflichtige Perso 
nen betrefifen, insbesondere das weibliche Geschlecht, auf eigentliche 
Genauigkeit keinen Anspruch machen könnten. — Häufig begegnen wir 
dem Bestreben, Grösse und Volksmenge noch colossaler, als sie wirklich 
sind, erscheinen zu machen. Anderseits darf aber nicht verkannt wer 
den, dass die Ungenauigkeiten der Bevölkerungsaufnahmen weit eher ein 
Zuwenig als Zuviel vermuthen lassen. — Die nachfolgende Zusam- 
nienstellung beruht hinsichtlich der Arealangaben auf den Berechnungen 
des Moskauer Sternwarte-Directors G. Schweizer und den Rectificatio- 
nen Petermanns, hinsichtlich der Volkszahl auf den Erhebungen von 
1858 (nach den Mittheilungen des russ. statist. Comités im St. Peters 
burger Kalender für 1861). Der leichteren Uebersicht wegen fügen wir 
den Namen der Gouvernements und Gebiete auch jene der I,änder bei, aus 
denen sie gebildet sind, obwol die uniformirende officielle Classification 
solchen Unterschied in Russland eben so wenig beachtet, wie in Frank 
reich. 
I. Grossrussland. 
(Oai Stammland des lleichc«.) 
10 Gouvernements, 39,411 Q.-M. und 
22’7ül,ü7b Kinw. 
Oonvern.od.Oebiete d. Q.-M. Bevölk. 
18. Wólogda . . 7,201 051,503 
10. Worónesh . . 1,211 1’930,850 
II. Kleinrussland. 
Oonvern.od.Oebiete d.Q.-K. 
1. Archangel’sk . 13,025 
2. JaroRsláw . . 622 
3. Kaluga . . . 561 
4. Kostroma . . 1,451 
5. Kursk . . . 820 
6. Moskau . . . 602 
7. Nischn¡-Nowgorod 023 
8. Nówgorod . . 2,130 
0. ülónez . . . 2,717 
10. Orel .... 850 
11. Pskow . . 816 
12. Rjasán . . . 763 
13. Smolénsk . 1,018 
14. Tambów. . . 1,202 
15. Tula .... 557 
16. Twer’. . . . 1,163 
17. Wladimir . . 861 
Bevõlk. 
274,051 
076,866 
1’007,471 
1’076,088 
1’811,072 
1’500,808 
1’250,606 
075,201 
287,354 
1’532,034 
706,462 
1’427,200 
1’102,076 
1’010,454 
1’172,240 
1’401,427 
1’207,008 
4 Gouv., 3,768 Q.-M., 6’817,881 Einw. 
1. Chár’kow *) . 
2. Kíiew . . 
3. Poltáwa . . 
4. Tschemígow 
080 1’.582,571 
024 1’044,334 
003 1’810,110 
052 1’4 71,866 
III. Südrussland. 
(Meiit Erol)crungen yon der Türkei aeit dem 
18. Jahrh.) 
6 Gouv., 7,707 Q.-M., 4’775,053 Kinw. 
1. Bessarabien . 634 010,107 
2. Cherson*) . . 1,306 1’027,450 
3. Land der Don’- 
schen Kosaken 2,806 806,870 
4. Jekatarinosláw*) 1,225 1’042,681 
5. Taurien*) . . 1,161 687,343 
6. Tschemomorien*) 575 202,403 
*) Mit den Militäransiedelungen in der Ukraine. 
*) Mit dem Gbiete des neuruss. Kosakenheeres. 
*) Mit d. Stadthau])tmannseh. Odessa und dem Militärgouvern. Nicolaiew. 
*; Mit d. Stadthauutm. Taganrog und dem Lande der Azow’schen Kosaken. 
*) Mit Ssewastopol und Kertsch-Jenikale. 
*) Land der Kosaken vom Schwarzen Meere.
        <pb n="130" />
        106 
RUSSLAND. — Land und I,eute. 
IV. Westrussland. 
(Das in den 3 Theilungen Polens erworbene 
Land, ausschliessl. des sog. ,,Königr.“ Polen.) 
8 Gouv., 7^75 Q.-M., 8’670,830 Einw. 
Gouv od. Gebiete 
1. Grodno . . 
2. Kówno . . 
3. Minsk . . 
4. Mohiléw 
5. Podólien 
6. Wilna . . 
7. Wítebsk. 
8. Wolhynien . 
d. Q.-M. Bevölk. 
()91 881,881 
739 988,287 
1,022 980,471 
808 884,040 
771 1'748,400 
708 870,110 
821 781,741 
1,295 1’528,328 
V. Ostseeprovinzen. 
(Deutschland und Schweden entrissen.) 
4 Gouv., 2,883 a-M., 2’837,32S Einw. 
1. Estland. . . . 359 303,478 
2. Kurland ... 495 507,078 
3. Livland ... 883 883,081 
4. St. Petersburg . 1,140 1'083,091 
VI. Grossfürstenthum Finland. 
(Von Schweden 180!) abgerissen.) 
8 Gouv., 0,835 Q.-M., 1’724,193 
(1’030,549) Einw. 
1. Abo-Rjörneborg . 404 
2. Kuopio. 
3. Ny land . 
4. St. Michel. 
5. Tawastehus 
0. Uleaborg . 
7. Wasa . . 
8. Wiboriî 
787 
210 
420 
328 
3,098 
737 
791 
308,290 
213,050 
101,837 
157,170 
103,257 
179,880 
294,095 
207,«;99 
VII. Czaarthum Kasan. 
5 Gouv., 11,343 Q.-M., 8'043,328 E. 
1. Kasan . . . . 1,110 1'543,344 
2. Pensa .... 089 1'188,535 
3. Perm*) .... 0,050 2’040,572 
4. Ssimbirsk . . . 883 l’l40,973 
5. Wjátka . . . 2,005 2’123,904 
VIII. Czaarthum Astrachan. 
5 Gouv., 17,173 Q.-M., 0’242,501 E. 
1. Astrachan ') . . 3,995 477,492 
Gouv. od. Gebiete 
2. Orenburg*) . 
3. Ssamára . . 
4. Ssarátow . . 
5. Stáwropol' ') . 
d. Q.-M. 
0,917 
2,885 
1,480 
1,890 
Bevölk. 
2'030,581 
1'530,039 
1'030,135 
502,317 
IX. Königreich Polen. 
(Krworben 1814 und 15.) 
5 Gouv., 2,320 (2,258) Q.-M 
(1800) 4’840,4G0 E. 
1. Awgustowo . . 340 
2. Liublin. 
3. Plozk . 
4. Radom . 
5. Warschau 
548 
315 
450 
007 
030,531 
907,205 
501,903 
940,737 
1'728,090 
X. Transkaukasien. 
0 Gebiete, 5,508 Q.-M., 3’492,894 E. 
1. Derbént . . . 491 513,925 
2. Eriwán .... 573 257,100 
3. Kutaïss . . . 045 540,852 
4. Schemachá . . 1,031 033,880 
5. Tiflis .... 909 047,125 
0. Gebirgsland . . 1,859 900,000 
XI. S Sibirien. 
a. Westssibirien U. Nebenländer, 
5 Geb., 83,130 Q.-M., 2'810,779 E. 
1. Tobol’sk. . . 27,000 1'021,220 
2. Tomsk. . . . 15,733 094,051 
3. Ssemipolatinsk . 8,498 217,451 
4. Ssibirisches Kir 
gisengebiet . . 14,544 277,451 
5. Orenburg. Kir 
gisenhorde . . 17,355 000,0(H) 
b. Ostssibirien u. Nebenlämler. 
0 Geb., 179,014 Q.-M., 1'200,119 E. 
1. Jenisséjsk . . 45,708 303,250 
2. Irkutsk . . . 13,357 319,930 
3. Jakútsk . . . 71,572 217,955 
4. Transbaikalisches 
Geb. mit Kjachta 10,057 352,534 
5. Ostssil). Küsten 
gebiet. (mit Kam 
tschatka). . . 33,790 20,438 
0. Amur-Gebiet 5,130 40,000 
Unter Beirechnung des amerik. Russland ergeben sich ; 
Europ. Russland (mit Polen etc.) 99,228 Q.-M., 05’807,707 Einw. 
Asiat. - 270,779 - - 8’328,042 - 
Amerik. - 24,300 - - 54,000 - 
Zusammen 394,307 Q.-M ,"74'T90,409 ICinw. 
*) Vom Areal werden 2281 Q.-AL zu Asien gerechnet. 
*) Mit den Gebieten der Kalmücken und Kirgisen der Innern Horde. 
*) Mit dem l.ande der Orenburger und der Ural’schen Kosaken. Vom Areal 
rechnet man 2232 Q.-M. zu Asien. 
*) Mit den Gebieten der kaukas. Kosaken, der Nogaizen und Kalmücken.
        <pb n="131" />
        KÜSSLANl). — Land und Leute. 
107. 
Die officiellen «statistischen Tabellen« berechneten den ümfan 
Reiches im J. 1S56 nur zu 353,468 geogr. Q.-M. 
Geschlechter. Die Aufnahme von 1858 ergab im eigentl 
Russland 33 655,824 männliche und 35*275,904 weibliche Ei: 
ner, somit den enormen Unterschied von 1*620,080. In Polen (, 
nicht einbegriffen) zählte man 1859: 2*298,046 männl. und 2*466 
weibl. Einw., demnach Differenz 168,354. Von Finland, dem drit 
ten besonders aufgeführten Gebiete, fehlen Nachweise.. Es zeigt sich in 
den obigen Zahlen die Wirkung der Männer verschlingenden Kriege. 
Der poln. Aufstand 1863—64 hat noch weitere Verheerungen veranlasst. 
Bewegung der Bevölkerung. Im Jahre 1856 wurden angezeigt: 
2 706,869 Geburten, 2*146,892 Sterbfälle und (im europ. Gebiete allein) 
557,123 Heirathen. Dies ergäbe: eine Geburt auf 23,42 Einw., 1 To 
desfall auf 29,5, und 1 Ehe auf 103. Dabei werden diese Ergebnisse 
sogar für minder günstig bezeichnet, als die anderer Jahre. Wir bezwei 
feln die Richtigkeit. Allerdings scheint sich Russland in einem ähnli 
chen Falle zu befinden, wie Frankreich vor der Revolution, in welchem 
eine unverhältnissmässige Menge von Geburten vorkam (s. 6. Abtheilg). 
Allein daran knüpft sich naturgemäss auch eine furchtbare Sterblichkeit. 
Die Civilstandsregister sind ganz unvollkommen, besonders die Sterb 
listen, namentlich beim Militär. Das Kriegsjahr 1855 scheint vorzugs 
weise verderblich gewesen zu sein. Nach einem Berichte des Ministers 
des Innern sind während desselben, den Kaukasus und die Don-Kosa 
ken ungerechnet, 849,700 Menschen an Epidemien erkrankt, und da 
von 163,000 gestorben. Die letzte Angabe ist aber zu gering, denn 
nach einem andern amtlichen Berichte waren in jenem Jahre 32 4,156 
Einwohner blos an der Cholera erkrankt, und von ihnen allein 124,504 
erlegen. (Folgende Thatsache bezeichnet die Verheerungen einer Epide 
mie in Russland : Nach einem Berichte des Ministers des Innern wurden 
1848 von der Cholera ergriffen 1*686,849 Menschen, und davon starben 
668,012!) 
Der Krimkrieg kostete Russland unmittelbar und mittelbar wol 
mehr als eine halbe Mill. Menschen (so hoch schätzte Lord Palmers ton 
in einer Parlamentsrede vom Mai 1855 den russ. Menschen Verlust). 
Daran reihte sich nicht blos eine ansehnliche Gebietsabtretung, sondern 
es kam noch dazu eine massenhafte Auswanderung von Tartaren und 
Nogaizen aus der Krim, die in das türkische Gebiet zogen, — einer 
Schätzung zufolge gegen 85,000 Köpfe. Diese Einbusse ward später, 
doch nur zum kleineren '1 heile, ausgeglichen durch Einwanderung von 
Bulgaren in Russland (bis zu Anfang 1861 angeblich etwa 10,000). 
Furchtbarer noch war der Exodus vieler kaukas. Stämme, wol 400,000 
Individuen. *) Der Aufstand in Polen 1863 und 64 kostete dieses Land 
NU 
*) Der »Kuss. Invalide« vom Oct. ISO4 }fiht fol 
Wanderer ' 
g. Liste der kaukas. Aus- 
bis zum 10. Juli 1S04 sind 
•: \\ ährend des M inters und des Frühjahrs bis zun 
fortgezogen: von Taman 27,;i37 Menschen, von Anana 16,452, von Novoros- 
siska 61,995, von Tuapse 63,449, aus den Häfen von Kuban und Sotscha 46,754, 
von welchen 10,664 Unterstützungen bekommen haben; von Adler und von 
Hosti 20,731 , welche sämmtlich unterstützt wurden. Auf türkischen Fahrzeu 
gen sind 21,350 auf ihre Kosten abgereist. Vor der vollständigen Besetzung
        <pb n="132" />
        108 
RIjSSLANU. — Land und Leute. 
viele Menschen. (Nach der Mosk. Ztg. waren schon bis 1. Jan. 186-1 
in Folge des Aufstandes 19,860 Menschen getödtet, 81,573 deportirt.) 
Nationalitäten. Eine nicht sehr verlässige Schätzung gibt an : 
Gross-Russen 33’000,00() | Deutsche uoo OOO 
Klein-Rus.sen (Ruthenen) 11’200,Ü00 Grusen und Armenier. . 2’(K)o'üOü 
Weiss-Russen .... 3’(iO0’00O 
Litthauer und Polen . . T’0()0,(l()ü 
Finnen und I.etten . . 3’30ü,000 
Tartaren 2’4ÜO,OÜO 
Juden l’ÖOU^OOO 
Urahsche Stämme . . . G00,0üU 
Zusammen C5’20(),()Ob 
Arsenjjew nimmt (ohne Mengeschätzung) 10 Hauptstämme an- 
daselbst), 1. Mordwinen (daselbst etc.), m. Ostjaken (am Ob), n. Tepteren 
(Orenburg). -- 5) Tartarischp-: a. eigentl. Tartaren (Astrachan’sche, Krim’sche 
dinzen, b. Abchasen, c Oseten, d. Kistenzen (in 3 Stämmen), e. Lesghier, 
f.Grusier. - &lt; ) Mongolischen a. eigentliche Mongolen, b. Burjaten (ander 
Sselenga) , c. Kalmyken (Astrachan, Ssaratow etc.). — 8) Matuhchtirischer: 
lungusen, b. I.amuten. — !») Ssamojedischcr (in 12 Stämmen), — 10 
bsibirt^.her[m 0 Stämmen). — Ausser diesen Hauptstämmen noch Westeuro 
päer, Griechen, Juden, Armenier, Bulgaren, Perser, Indier, Chiwaer Turkista- 
nen, Zigeuner etc. ’ 
In den drei Ostseeprovinzen rechnet man: 704,680 Einw 
finnischer Nationalität, 832,854 Letten, 83,147 Slaven, 136,752 Deut 
sche und 29,841 Juden. Davon kommen auf Kurland 2313 Liven, 474 
Letten, 28,000 Slawen, 47,000 Deutsche und 28,000 Juden; auf Liv 
land 497,000 Finnen, 368,000 Letten, 45,000 Slawen und 63 000 
Deutsche; auf Esthland 274,000 Esthen, 8945 Slawen, 23,000 Deutsche. 
Im Ganzen rechnet man im russ. Reiche 112 verschiedene Völker 
schaften, welche mindestens 40 verschiedene Sprachen oder Mundarten 
reden. Dass solches Völkergemeng einem Staate keine Stärke gewährt 
ist unverkennbar. Allein Russland hat (z. B. vor Oesterreich) den gros 
sen Vortheil, dass sein Hauptstamm überwiegend zahlreich ist. 
Confessionen. Ebenso wie bei den Nationalitäten, hat auch bei den 
Kirchen eine das unbestreitbare Uebergewicht. Nur 3 Gouvernements 
Orenburg, Astrachan und Taurien, sind beinahe zur Hälfte nichtchrist 
lich. Abgesehen vom Königr. Polen, das wesentl. katholisch, sind die 
Katholiken nur in den beiden lithauischen Gouvernements Wilna und 
Kowno vorherrschend. Ebenso sind Esth-, Liv- und Kurland fast ganz 
protestantisch (auch in Ssaratow, Samara [Mennoniten], Taurien, Cher 
son und Bessarabien gibt es viele Protest.). Dagegen haben weder die 
waren schon 60,000 Personen ausgewandert. In den Jahren 1855, 1S59 1862 
und im Sommer 1863 betrug die Zahl der Auswanderer 80,000, so dass die Ge- 
sammtsumme 400,000 Personen beiderlei Geschlechts übersteigt.»'.
        <pb n="133" />
        RUSSLAND. — Land und Leute. 
109 
Zwangsmassregeln der poln. Regierung während ihrer 400jährigen Herr 
schaft, noch die Bestrebungen der päpstl. Nuntien und der Jesuiten die 
Weiss- und Kleinrussen ihrem ersten Glauben entfremden können. Die 
griechische Kirche ist die eigentlich herrschende, doch gibt es.viele 
Sekten. Zahlreich und energisch genug, um selbst gefürchtet zu werden, 
sind die Alt gläubigen {Starotcerzen, gewöhnl. Roskolniken oder Ungläu 
bige genannt) ; geschätzt auf 18 Mill. — Die Griechen (alle Sekten ein 
gerechnet) mögen etwa 55 Mill, zählen; die röm. Katholiken (mit Polen) 
0% Mill., die unirten Katholiken 000,000, die Protestanten^ meist Lu 
theraner, fast 4 Mill., Mohammedaner 2%, Juden fast 2 Mill., Buddhi 
sten 200,000 bis 350,000, — zusammen IG Mill. Nichtgriechen.*) 
Von den vorstehenden Gesammtsummen kamen 185S auf das Königr. Po 
len: 3’()57,14ü röm Katholiken (in den 10 Jahren 1846 — 56 verminderte sich 
die Anzahl um 187,574, meist durch »Bekehrungen«); blos 4856 orthodoxe, da 
gegen 215,967 unirte Griechen ; 274,707 Lutheraner, 4,189 Reformirte, 1,581 
Mennoniten, 1451 Mährische Brüder etc.; dann 599,875 Juden. — In Fin 
land nahm man 1860 an: 1’705,735 Lutheraner und 40,161 orthodoxe Grie 
chen ; doch ist diese Aufstellung jedenfalls ungenau.— Unter den (in einer vor 
liegenden Berechnung zu 579,798 entzifferten Einw. Kurlands sollen sich 
befinden: 471,520 Lutheraner, 54,307 röm. Katholiken, 21,155 Griechen, 622 
Reformirte, 444 Altgläubige, 3761 Sektirer und 27,989 Juden. 
Städte. Im J. 1850 gab es nach den officiellen Statist. Tabellen 
078 Städte, dann 1300 Flecken und 305,439 Dörfer und Höfe. Die 
Volkszahl in den Städten ward zu 5*083,999 angegeben, gegenüber 
58*177,998 in den Kreisen. 1858 wurden angenommen: 3 Städte von 
mehr als 100,000 Einw., 8 von 50 — 100,000, 43 von 20 — 50,000, 
101 von 10 — 20,000 (abgesehen von Polen und Finland). — St. Pe 
tersburg hatte 1858 520,131 (1 700 gegründet; 1770 170,000, 1814 
335,713, 1840 170,202 (1803 angeblich 580,283). Moskau 1858 
330,370 (1 81 2, vor dem Brande, 252,009; 1810 erst wieder 100,515). 
Warschau (Polen) 1801 230,255, wovon 102,777 ständige Bevölk. 
Odessa 1858 104,109 (1803 erst 8000, 1850 71,392). Abgesehen 
*) Eine Notiz, welche officiellen Ursprungs sein soll, deren Richtigkeit 
wir indess in einigen Angaben bezweifeln (die Zahl der Protestanten scheint 
uns viel zu gering, die der Mohammedaner viel zu hoch), gibt die Zahl der ver 
schied. Confessionsverwandten im eigentl. Russland (ohne Polen) so an : Ortho 
doxe Griechen 55 Mill., Protestanten 1'960,660, und zwar hauptsächlich in den 
baltischen Provinzen ; dieselben bilden 96 Proc. der Bevölkerung von Esthland, 
82 Proc. der von Livland, 81 Proc. der von Kurland und 12 Proc. der des Gou 
vernements St. Petersburg. Zahl der römischen Katholiken : 2*800,000 ; Haupt 
sitze sind das Gouvernement Wilna, wo sie 63 Proc. der Bevölkerung aus 
machen. Armenische Christen gibt es etwa 500,000, und zwar grösstentheils im 
Kaukasus und im Gouvernement J ekate rin osla w. ln Bezug auf die Anhänger 
der aus der griechischen Kirche hervorgegangenen Sekten lassen sich keine ge 
nauen Feststellungen machen, da viele Sektirer öffentlich ihre Confession nicht 
angeben ; die Gesammtzahl derselben beträgt mehrere Hundert tausende. Israe 
liten zählt man in Russland 1*450,000, vorzugsweise in den Westprovinzen; 
doch breiten sie sich mehr und mehr über das gesammte Reich aus, seit es ih 
nen gestattet ist, nach Belieben ihren Wohnsitz zu wählen. Mohammedaner: 
5*700,000 (?) , fast ausschliesslich in den Südgouvemementen ; sie bilden 42 
Proc. der Bevölkerung von Taurien, 35 Proc. der von Astrachan und 43 Proc. 
der von Orenburg. In den ungeheuren Flächen Ssibiriens leben ausser den 
Christen und Mohammedanern noch ungefähr 500,000 Götzenanbeter.
        <pb n="134" />
        no 
KUSSLANl). — Land und Leute. 
von dem 1S55 zerstörten Ssebastopol (1840 mit 41,155 Einw.), hatten 
die übrigen bekannteren Städte die beigesetzte Bevölkerung (1858 : 
Kischinew .... 8.5,547 
Kiga . 72,150 
Ssaratow 05,888 
Kijew 00,082 
Kasan 58,129 
Tula 57,705 
Berditsew .... 51,020 
Wilna ,51,154 
Charkow 45,150 
Astrachan . . . . 44,790 
Woronesch . . . 40,159 
Cherson 40,402 
Tiflis (1857) . . . 59,950 
Nishny-Nowgrod 30,554 
Jaroslaw 35,090 
Schitomir . . . . 33,717 
Nicolajew .... 33,504 
Kaluga 32,335 
Orel 31,004 
Tambow 51,101 
Kronstadt. . . . 29,110 
Jelez 28,504 
Reval (1855) . . 27,905 
Kursk 27,050 
Mitau (1855) . . 20,109 
Ssimferopol . . . 25,887 
Minsk (1855) . . 25,352 
S.samara 25,343 
Twer 25,200 
Rensa 25,132 
Jakutsk (185.5). . 25,850 
Wolsk - . . 23,075 
Ssimbirsk - .. 21,714 
Ri asan - . . 21,449 
M itebsk - . . 20,057 
Poltawa - . . 20,200 
Kowno - . . 20,199 
Archangel (1855) 19,584 
Taganrog (1855) 19,471 
Mohilew - 19,112 
Akkerman - 19,070 
Brest - Litoffsky 
(1^55) 17,431 
Ssmolensk (1855) 10,035 
Tobolsk - 15,995 
Dorpat - 12,702 
Libau - 10,270 
In Polen :) 
Rodsi 31,504 
Pjublin 19,054 
Polotzk 13,351 
Kalisch 12,585 
Ssuwalki .... 12,573 
In Finland : 
Helsingfors . . . 21,098 
Abo 10,870 
Russlands Vergrösserung. Russlands grösste Ausdehnung von Ost 
nach West beträgt 2072, von Nord nach Süd 700 Meilen. Die colossale 
Vergrösserung des Reiches datirt besonders vom Jahre 1581, in welchem 
der Kosakenhetman Jermak Timogéfew das von ihm eroberte Ssibirien 
der Herrschaft des Czaars Iwan II. unterwarf. Doch blieb Russland bis 
zu Peter I. bei den Culturvölkern fast unbeachtet. Peter erwarb 1707 
das neuentdeckte Kamtschatka; ferner ^Nystädter Friede) 17 21 von 
Schweden: Ingermanland, Karelen, Theile von Fin-, dann von Esth- 
und Livland; das 1099 von den Türken eroberte Azow ging 1711 wie 
der verloren; dagegen entriss der Czaar 1723 den Persern: Daghestan, 
Schirwan, Chilan und Derbent, wovon indess 1732 und 30 bedeutende 
Theile wieder verloren gingen. 1731 unterwarfen sich die Kirgiskaisa- 
ken; ähnlich 1 742 die Osseten; auch wurden die Ostspitze Ssibiriens, 
die Aleuten und Beringsinseln dem Reiche ein verleibt. Die finländische 
Provinz Kymeiiegard ward durch den Frieden von Äbo, 12. Aug. 1743, 
gewonnen. Unter Katharina II. erfolgten die 3 Theilungen Polens, 17 72,' 
93 und 95. Russland erlangte fast % dieses einst mächtigen Reiches! 
Der Friede von Kutschuk-Kainardschi, 22. Juli 1 774, entriss den Tür 
ken Azow, einen Theil der Krim (der andere Theil ward 1783 in Besitz 
genommen), und die Ka bardei ; der Friede von Jassy sodann, 9. Jan. 1 792, 
auch Oczakow sammt Gebiet. Grusien kam 1783 unter russ. »Schutz«! 
Kurland und Semgallen huldigten 1793. — 1797 Eroberung des persi 
schen Gebiets bis an den Kur. 1801 förmliche Unterwerfung Grusiens. 
Obwol im Kriege von 1807 geschlagen, erlangte Russland dennoch im 
Tilsiter Frieden, 7. Juli, die seinem Verbündeten, Preussen, durch die 
Franzosen genommene Provinz Bjalystok. Der Wiener Friede, 14. Oct. 
1809, verschaffte Russland von Oesterreich den Tarnopoler Kreis und 
einen Theil Ostgaliziens mit 400,000 Menschen; der Friede von Fried- 
richsham, 17. Nov. 1809, entriss den Schweden ganz Finland; jener 
von Bucharest, 28. Mai 1812, nahm ebenso den Türken Bessarabien, 
jener von Tiflis 1813 den Persern bedeutende Besitzungen im Kaukasus.
        <pb n="135" />
        RUSSLAND. — I&gt;and und Leute. 
Ill 
Endlich gab der Wiener Congress 1815 das jetzige Polen an Russland.— 
Nach neuen Kriegen verloren die Perser im Frieden von Turkmanschai, 
22. Febr. 1828, die Provinzen Eriwan und Nachitschewan (nun Neu- 
Armenien, 500 Q.-M.), und die Türken durch den Frieden von Adria 
nopel, 2. Sept. 1829, Anapa, Poti, Achalzik und Achalkalaka (über 
100 Q.-M.). Das Verlangen, sich weiterer Besitzungen des Sultans (»des 
kranken Mannes«) zu bemächtigen, veranlasste 1853 den neuen Krieg, 
an dem sich 1854 Frankreich und England, später auch Sardinien, be 
theiligten, und der mit dem Pariser Frieden vom 31. März 1856 endigte. 
Seit länger als einem Jahrhunderte zum erstenmale wieder mussten die 
Russen eine Gebietsabtretung zugestehen, d. h. das linke Ufer der Donau 
in Bessarabien, 222 Q.-M. mit ungefähr 180,000 Einw. (wobei die 
Festungen Ismail und Kiala), an die unter türkischer Oberlehnsherrschaft 
stehende'Moldau zurückgeben. — Zu ähnlichen Rückgaben sah sich, wie 
oben erwähnt, Russland in früherer Zeit mehrmals gezwungen, allein 
immer wusste es die Abtretungen zur geeigneten Zeit zurückzunehmen 
(Beweise : Azow, Derbent etc.). In der Neuzeit erlangte Russland durch 
Uebereinkunft mit China in aller Stille das zwar wenig bevölkerte, aber 
ungemein ausgedehnte Gebiet am Amur ; und sodann ist endlich 1859 
und 1864 die Unterwerfung Kaukasiens im Wesentlichen durchgeführt. 
Der Gebietsumfang Russlands betrug: 
unter Iwan Wasiljewitsch I. 1462, 
Wasilei Iwanowitsch, 1505, 
Iwan Wasiljewisch II., 1584, 
Alexei Michaelowitsch, 1050, 
Peter I., 1080, 
Anna, 17.30, 
Katharina II., 1775, 
Alexander II., 1805, 
ungefähr 18,000 Q.-Meil. 
24.000 
72.000 
237.000 
280.000 
324.000 
335.000 
394.000 
Die Bevölkerung schätzte man so: 
1722 : 14 Mill. ; 
1742: 10 - : 
1702 ; 19 - I 
1782: 27% Mill, 
1793: 34 
1803 : 30 
1811 : 42 Mill. 
1815: 45 - 
1829: 50% - 
1838 : 59 Mill. 
1851 : 05 - 
1804 : 74 - 
Die während der letzten zwei Jahrhunderte erlangten Erwerbungen 
begreifen ein Ländergebiet in sich, zehnmal so gross als Deutschland ; 
dessen Hauptwerth besteht aber weniger im Umfange, als in der günsti 
gen Lage. — Das Czaarenreich ist den westeuropäischen Hauptstädten 
folgendermassen näher gerückt. Entfernung von der russ. Grenze : 
nach 1772 Jetzt 
Stockholm 32 Meil. 18 Meil. 
Königsberg 50 - 20 - 
Berlin 202 - 43 
Breslau 174 - 11 - 
Dresden 207 44 
Prag 208 - 45 - 
nach 1772 jetzt 
Wien 228 Meil. 04 Meil. 
München 252 - 89 - 
Frankfurt 208 - 105 - 
Paris 337 - 174 - 
London 330 - 171 - 
Polen. Es sei hier eine kurze Notiz über Polen eingeschaltet. Diese 
Republik umfasste 1773: 13,900 Q.-Meil. und 16 (nach Anderen 20) Mill. 
Menschen. Es hatte 8*166,000 sächs. Thlr. Einkünfte. Das von Napo 
leon I. hergestellte Herzogthum Warschau umfasste 1812: 2800 Q.-M. 
und gegen 4 Mill. Menschen. Das alte Polen ist so vertheilt :
        <pb n="136" />
        112 
KUSSLAND. — Finanzen (Budget). 
Besitzungen Q.-M. 
Russische 11,500 
OesteiTeicliische 1,422 
Preussische 1,007 
Zusammen 13,920 
Bevölkerung 1858 
15’76T,000, davon 
4’913,000, 
2’598,000, 
' 23’278,000 
National-Folen 
4’900,0Ü0 
2’100,000 
2’200,000 
9'200,000 
Finanzen. 
Budget. Seit IS62 wird selbst in Russland alljährlich ein Budget 
amtlich veröffentlicht. Das für 1864 enthält folgende Haupipositionen 
in Mill. Rubel Silber: 
Einnahmen, 
a. ordentliche Brutto 
Directe Steuern .... 45’4 
Indirecte 191’2 
Regalien 14’7 
Domänen 53’2 
Verschiedenes 38’2 
Kaukasus 3’5 
Zus. ordentl 346’2 
Durchlaufend 8’4 
Zus 354’6 
b. ausserordentliche 
Ausgabe von Schatz 
scheinen ....... 
Engl.-holländ. Anleihe 
18 
28’5 
Netto 
45’2 
175’6 
1 
45’4 
37’6 
3'4 
308'2 
8’4 
31691 
18 
28’5 
Total 40 n 363'! 
Ausgaben. 
a. ordentliche 
Staatsschuld . . 
Höchste Behörden 
Orthodoxer Clerus 
Kaiserhaus . . . 
Min. d. Auswärt. 
- Kriegs . 
- Marine . 
- Finanzen 
- Domänen 
Südliche Colonien 
Min. d. Innern . . 
- Unterrichts 
- Bauten. . 
- Postanstltn 
- Justiz. . . 
Reichscontrole . 
Gestüte 
Transkaukasien. 
Steuer-Ausfälle . . 
Durchlauf. Posten 
Netto 
53’6 
l’l 
5’3 
7’8 
2’1 
119’8 
21’7 
39’6 
9’1 
0’2 
12’1 
6’1 
17’5 
0’3 
6’5 
0’3 
0’6 
3’6 
313'4 
4' 
8’4 
32.5’7 
b. ausserord. 
Militär 37’4 
Total 363’1 
Mit Erheb. 
Kosten 
59’6 
1’2 
5’3 
7’8 
2’1 
119’9 
21’7 
58’5 
9’1 
0’2 
12’1 
6’2 
25’2 
11’4 
6’5 
ü’3 
0’6 
3’6 
351’3 
4’ 
8’4_ 
363’7 
37’4 
4on 
Das Budget für 1862 hatte mit der Summe von 310’619,739, das 
für 1863 mit 347’86T,860 RS. abgeschlossen. Die Zunahme ist also sehr 
bedeutend, rührt aber allerdings grossentheils daher, dass im letzten 
Jahre zum erstenmal wirklich alle Positionen aufgenommen wurden, 
während zuvor manche Specialetats übergangen waren. Tegoborski 
hatte die Einkünfte für 1853 zu 224’308,U(»0 R. berechnet, und in den 
durch Herzen bekannt gewordenen Voranschlägen für 1859 und 69 er 
schienen die Einkünfte nach Abzug der Anlehen mit 280’736 835 und 
283’307,38S RS. 
Die ganze Besteuerungsweise Russlands hat in der jüngsten Zeit, 
schon in Folge der Bauernemancipation, eine Umgestaltung erlitten. 
Eine genaue Darstellung derselben zu geben sind wir ausser Stande. 
Der Ertrag der Domänen ist gering, wie in allen Grossstaaten. Die 
oben aufgeführte Summe begreift nemlich die nur uneigentlich hieher ge 
hörende Abgabe der Kronbauern in sich, schon für 1863 zu 27Yg Mill.R.
        <pb n="137" />
        RUSSLAND. — Finanzen íBudget). 
113 
veranschlagt. Die eigentl. Rächte erscheinen nur mit 3, der Ertrag der 
Forsten mit 3% , der Berg- und Hüttenwerke mit 2% Mill., dagegen 
jener der Nicolaus-Eisenbahn mit etwas mehr als 9. Die wichtigste Ein 
nahmeposition bildet die Getränke- (Branntwein-) Steuer. Früher ward 
der Branntwein in 29 Gouvernements als Monopol behandelt, in anderen 
die Steuer verpachtet. Mitte 1858 erfolgte allgemeine Verpachtung des 
Erträgnisses.*) Der Ertrag, 1853 erst 79 Mill., war für 1863 auf 
108 Mill, veranschlagt, lieferte aber in Wirklichkeit 118, ungerechnet 
die Mehreinnahme in Sibirien; für 1864 lautet der Voranschlag auf 
127’805,000 R. — Die Auflage auf das Salz erträgt etwas über 10 Mill. 
Das frühere Monopol ist aufgehoben und der Salzhandel, vorbehaltlich 
einer Steuer auf das Salz, freigegeben. Die Auflage auf den inländischen 
Tabak liefert 4 Mill. Verhältnissmässig sehr gering erscheint der Zoll 
ertrag , veranschlagt zu 34 % Mi^i Im J. 1853 belief sich derselbe schon 
auf 28'337,674 ; die Summe sank im Kriegsjahre 1854 auf 20’864,391 
und 1855 sogar auf 18’473,103, hob sich aber folgendermassen : 
1856 1857 1858 1859 1863 (Budg.) 1864 (Budg.) 
29’607,620 35*798,581 33*659,312 34*238,187 32*514,532 35*671,000 
, Unterm 11. Oct. 1862 ward den Bauern eine Ergänzungsauflage 
zur Kopfsteuer im Betrage von 25 % des früheren Ansatzes auferlegt, 
zus. 6*290,000 R. Dann wurck 1. Jan. 1863 eine neue Grund-, Han 
dels- und Gewerbesteuer eingeführt, wogegen Aufhebung der Bürger 
kopfsteuer erlblgte, wonach man eine Mehreinnahme von 2*530,000 R. 
erwartete. Auch die Grundzinsabgaben erfuhren eine Erhöhung von 
2,7 Mill. Die Bergwerksabgabe ward aufgehoben. 
Die Staatsausgaben haben sich sehr vermehrt. Noch 1859 u. 60 
war der Bedarf zu 260*201,177, reap, zu 298*307,388 R. veranschlagt.— 
Es treten besonders zwei Ausgabeposten hervor; Schuld und Militär. — 
Die §chuld, welche 1853 33'/% Mill, erforderte, verschlang 1859 be 
reits über 49% , erforderte 1860 und 62 mehr als 54*/% 1862 57,5 
und erscheint 1864 mit 59,6 Mill., somit Steigerung des Bedarfs blos 
für Zinsen und Amortisirung um mehr als 10 Mill, in 5 Jahren. — Un 
geheuer ist die Ausgabe für das Kriegswesen angewachsen. Reden 
berechnete 1853 den Aufwand für die Landmacht zu etwas weniger als 
*) Um die dessfallsigen Einkünfte nicht geschmälert zu bekommen, hatte 
die Regierung unter Kaiser Nicolaus die »Mässigkeitsvereine« verboten ! Bei 
dem Streben nach Emancipation erkannten aber die Bauern selbst die schlimmen 
Lolgen der Irunksucht und legten, ohne Anregung von Aussen, gemeindeweise 
das Gelübde ab, nur in Krankheitsfällen und bei Familienfesten wieder Brannt 
wein zu gemessen, unter Bestimmung einer Strafe für die Uebertreter. Die 
Pächter suchten durch billige Preise, selbst durch freiwillige Branntweingaben, 
die alte 1 runksucht wieder zu erwecken, doch vergeblich. Um so nachdrück 
licher riefen sie die Hülfe der Staatsgewalt an, da sie ihren Pachtpreis nicht 
bezahlen könnten. Und in Wirklichkeit verbot eine ministerielle Anordnung 
den Vollzug jener Gemeindebeschlüsse, unter dem Vorgeben, dass die Com- 
munen zu deren Erlassung nicht befugt seien. Nach der Versicherung des 
Fürsten Dolgorukow haben die ohnehin von den Branntweinpächtem ge 
wonnenen Local-Policeibehörden mitunter sogar offene Gewalt — Ruthen - und 
Stockschläge — angewendet, die Bauern zum Branntweintrinken zu zwingen. 
Dies wirkte, — das Branntweintrinken ist stärker als je geworden. 
K o 1 b , StatUtik. 4. Aufl. g
        <pb n="138" />
        114 
RUSSLAND. — Finanzen (Budget). 
71 Mill, (welche Summe übrigens nicht ausreichte), jene für die Marine 
zu 2G%. Jetzt erscheinen : die Landmacht im ordentl. und ausserordentl. 
Etat mit 157,3, die Marine mit 21,7, beide zusammen mit 179 Mill. ! — 
So verschlingen also die unproductiven Ausgaben : Schuld und Heer, 
über 238Ys Mill., d. h. beinahe 69 Proc. der wirklichen »ordentlichen 
Einkünfte « . 
Wir haben früher ein durchschnittl. Jahres deficit von 30 Mill. S.-R. 
angenommen. Auch der engl. Gesandtschaftssekretär zu Petersburg, Hr. 
Erskine, schätzte dasselbe 1861, fast ganz übereinstimmend damit, auf 
4%Mill. X. Das Deficit nöthigte schon in jener Zeit Ukas vom 30. Dec. 
1861) zu Steuererhöhungen bei: Kopfsteuer, Stempelpapier, Zoll (5 %) 
und recommandirten Briefen. — Aus den sämmtlichen officiell veröfient- 
lichten Budgets sind gleichwol weitere Deficite nachweisbar (nemlich 
Ergänzung der Einnahmen durch n^^e Schulden), und zwar 1862 
14’757,900, 1863 15’707,770, 1864 46’486,000 R. S., also im 
Durchschnitt fast 26 Mill. Allerdings hat im letzten Jahre der polnische 
Aufstand und der nun beendigte Kaukasuskrieg einen ausserordentlichen 
Aufwand erfordert, welcher fortan hinwegfällt. 
FÍDanzgeschichtliches. Vor Peter I. waren die Einkünfte sehr gering. 
Er steigerte sie durch Verpachtung, Erhöhung und Einführung neuer 
Auflagen auf das Fünffache. Sie betrugen 1725 10' I 86,000 d. h. 
nach der jetzigen Ausprägung etwa 60 Mifl.) Rub. Hauptquellen: Kopf 
steuer gegen 4’290,000, Zölle l'200,00(i, Branntweinsteuer 980,000, 
Salzsteuer 662,000 Rub. — 17 70 schätzte man die Einkünfte auf 28 Mill, 
preuss. Thlr. 1 782 betrugen sie 44’587,000; 1801 88’607,000 Thlr. 
(In dieser von Reden gegebenen Reduction auf preuss. Thlr. scheint je 
doch übersehen, dass der Rubel früher in einem höhern Silberwerthe 
ausgeprägt ward.) — Tegoborski bekennt, dass die Staatseinnahmen 
bis 1839 die Summe von 163’75 1,000 S.-R. nie überstiegen. 
Finanzen Polens. Nach einer Veröffentlichung in der Warsch.#Ztg. 
betrugen 1860 die wirkl. Einnahmen (einschl. Rückstände 1 8'272,11 2, 
die Ausgaben 15’949,826 R., sonach Ueberschuss 2 322,286, der den 
TU SS. Cassen zufloss. Im russ, Budget für 1862 war der Ueberschuss 
aus Polen zu 3’174,862, und in dem für 1863 zu 3’150,000 R. veran 
schlagt. Näheres ist nicht bekannt. 
Finanzen Finlands. Es wird ein Civil- und davon gesondert ein 
Militärbudget geführt (in Mark Silber, 4 Mark = 1 R. S.i. Das 
für 1863 schliesst so ab: 
Civilbudg. Militärbudg. Zumammen 
Einnahmen 12’2t&gt;4,50l 2’520,960 14’725,461 Mrk. 
Ausgaben 11’902,715 2’397,485 14’300,200 - 
Ueberschuss 301,796 123,475 425,261 - 
Zu den ordentl. Einnahmen liefern: die indirecten Auflagen 
7’437,578, die Grundsteuer 2,504,000, Gewerbst. 103,600, Köpfst. 
1’238,500, Die Aufstellung ist übrigens unvollständig, da noch ver 
schiedene Specialetats bestehen. Der Ertrag der Domänen fliesst dem 
Militärbudget zu. 
Sebalden. Ein Bericht des Finanzministers vom Novbr. 1861 gibt 
deren Bestand für den 1. Jan, 1864 folgendermassen an;
        <pb n="139" />
        8* 
k 
JiUSSLANl). — Finanzen (Buüget,. 
115 
1) Tilgbare (eigentlich: consolidirte) Schuld: 
Auswärtige Sprocentige 32’931,00ü holl. Gulden 
5 » 11'80-,UÜU Rubel, 
^Vt » • . 10’3SO,000 Pfd. Sterl., 
4 « 37’025,000 Kübel. 
2) Untilgbare (vielmehr: schwebende) Schuld: 
a. Auswärtige Sprocentige 1G4’391,Ü60 Rubel, 
5 « IS’OOO.OOO Pfd. Sterl., 
, ^ » 6’895,Ü00 » » 
b Innere G » 49’815,178 Rubel, 
4 j» in ununterbr. zinstrag. 
Billeten .... Iö2’303,505 » 
^ " unablösbare Einigen . 288,377 » 
5 » Bankbillete, It. Edict 
vom 2. Juni 1863 5’028,95(» » 
Zusammen . 648’781,78] Rubel. 
Nun sind aber dazu gekommen : 
1) im April 1864 eine Anleihe bei Hope in Amster 
dam u. Baring in London mit 6 Mill Pfd. Sterl. 37’500,606 Rubel, 
2) December 1864, 5 Lotterieanlehen im Inland 1(H)’000,000 » 
3) Neue Schatzscheine 9,000,000 » 
Zusammen (wovon 100’ noch nicht eingezahlt) 796^281,781 RubeT 
Der eigentlichen consolidirten steht eine ungeheuere schwebende 
Schuld zur Seite. Ja sie überragt dieselbe in einer Weise, wie es in gar 
keinem andern Staate der Welt vorkommt. Dies ist mittelbar wol der be 
deutendste Grund des ganz schlechten Credits des Staates. Ueberall sonst 
ist die schwebende Schuld weit geringer als die consolidirte. — Fand 
die russ. Regierung Schwierigkeiten in Aufnahme von Anlehen nach ge 
wöhnlicher horm, so half sie sich auf die schlimmste Art, unbekümmert 
\im die grösseren Verlegenheiten, welche damit für die Zukunft bereitet 
wurden, — So entstanden zunächst die Schatz sch eine, deren ver 
schiedene in Umlauf befindliche Serien sich Ende 1859 auf einen Betrag 
von 93 Mill. Rubel beliefen, wozu laut Ukas vom 29. Juli 1860 die 
Ausgabe von 5 neuen Serien kam, jede zu 3 Mill., ferner Ukas vom 
Januar 1802, ^on 10 Serien für Subvention der Eisenbahngesellschaften ; 
April 1802 von 0, dann Ukas vom December 1803 nochmals von 3, 
30. Mai 1804 wieder von 3 und Sept. 1864 nochmals 3 Serien, wo 
durch die Gesammtsumme der in Umlauf befindlichen Schatzscheine nach 
Abzug der eingelösten auf 1 79,3 Mill. K. stieg. Sie sind zu 4,32 % ver 
zinslich (monatlich à 18 Kopeken und werden bei Verzollung von 
Waaren an Zahlungsstatt angenommen. Die Summe dieser Schatz 
scheine ist übrigens in obiger Aufstellung bereits einbegriffen. 
Die vorstehenden Ziffern geben indess nur ein sehr unvollständiges 
Bild von den der russ. Staatscasse auferliegenden Verbindlichkeiten. In 
holge des absolutistisch-bureaukratischen Systems, wonach jede allge 
meine Ihätigkeit, selbst im Gebiete der Industrie und der Wohlthätig- 
keit, von oben herab geleitet werden soll, hat die Regierung alle 
Creditanstalten im Reiche nicht nur unter ihre Obervormundschaft, 
sondern unter ihre Oberleitung und Garantie gestellt; sie alle sind 
gleichsam Staatsinstitute ! Wir nennen die Pfandhäuser in St. Petersburg 
und Moskau, die Leih- und die Handelsbanken zu Petersburg, Moskau,
        <pb n="140" />
        116 
RUSSLAND. — Finanzen (Rudget,. 
Riga, Odessa, Charkow und in andern Städten. Die Regierung hielt 
sich dadurch, dass sie ihre » Garantie « zu Gunsten dieser Institute aus 
sprach, berechtigt, auch über die bei denselben angelegten Gelder zu 
verfügen. So wurden dieselben, so weit jene Anstalten ihrer nicht 
unmittelbar bedurften, vom Staate verbraucht, — ähnlich wie die 
Sparcassengelder in Frankreich. Die bezeichneten Beträge sollen ver- 
sprochenermassen jederzeit rückzahlbar sein. Da schuf man zur Deckung 
ein eigentliches Papiergeld, vielmehr eine Art Assignaten, Credit- 
billets geheissen. MitteOctob. 1864 ward derenBetrag zu642’151,850 
S.-Rub. angegeben. Begreiflicher Weise bedurfte man für diese Credit- 
billets eines Z wangscurses. Sie verlieren gegen Metallgeld längst 
10 bis 15 % , im Oct. 1864 stieg der Verlust auf 22 % . 
Der Versuch, neue Anlehen aufzunehmen, missglückte unter sol 
chen Verhältnissen, die Bedürfnisse aber wurden drängender. Da er 
schien am 20. Aug. 1859 ein vom Kaiser bestätigtes Decret des Staats 
raths, wonach alle bisher in öffentlichen Banken befindlichen Gelder der 
Kirchen und Stiftungen jeder Art, sowie alle Depositen, — förmlich dem 
Finanzminister zur Verfügung gestellt wurden. Diese Capitalien theilte 
man in 4 Classen : für die begünstigtste gab man 4proc. Staatsschuld 
scheine aus, mit der Weisung, wenn die Stiftungen nicht im Stande 
seien, ihre Einrichtungen mit diesem Ertrage fort zu erhalten, so hätten 
sie die Zahl ihrer Pfleglinge zu vermindern. Für eine zweite Kategorie 
Stiftungsgelder wurden blos 3 % Schuldscheine abgegeben. Gelder einer 
dritten Classe erhalten nur 1 % ; solche einer vierten gar keine Zinsen ; 
und darunter alle gerichtlichen Depositen ! — Unterm 23. Sept. 1859 
ward dann ein Ukas veröffentlicht, nach welchem die Billete von Leih-, 
Commerz-, Bank- und Sparcassen und die 4procentigen Rentenscheine 
in 5proc. Bankbillets umgewandelt, und von 1861 an in 37 Jahren 
amortisirt werden sollen. Ferner ward verfügt, dass alle bei der Bank 
deponirten Capitalien, deren Eigenthümer sich zu solcher Umwandlung 
nicht anmelden, nur noch zu 2 (statt bisher 3) ®/o zu verzinsen seien (man 
wollte die Capitalisten damit zwingen, ihre Gelder in neuen 5procent. 
Bankbillets anzulegen). — Alle diese Anordnungen bezweckten, der 
Unbequemlichkeit einer Ungeheuern schwebenden und jederzeit künd 
baren Schuld sich zu entledigen, indem man dieselbe in eine für immer 
unkündbare verwandle. In Folge dessen musste aber auch eine Ver 
zinsung dieser Capitalien übernommen und das Staatsbudget um viele 
Millionen mehr belastet werden. — In Verbindung damit stand die Auf 
hebung aller bisherigen Creditinstitute im Reiche und die Schöpfung 
einer Staatsbank (Ukas vom 1./13. Sept. 1859). Durch diese letzte 
sollte namentlich das gesammtc Papiergeldwesen neu geregelt und es 
sollten alle Verbindlichkeiten der alten Creditinstitute abgeglichen werden. 
Dass dies blos eine neue fiction war, ergibt sich schon daraus, dass man 
der neuen Bank, die mit einem Capitale von nur 15 Mill, gegründet 
wurde, bezüglich des Papiergeldwesens Verpflichtungen auferlegte, die 
auf viele hundert Millionen stiegen. Die Bilanz dieser Bank vom 
12. Oct. 1864 schliesst (bei so geringen eigenen Mitteln) mit der Un 
geheuern Summe von 1294’738,462 R. ab. Es erscheinen dabei Credit- 
billete in Circulation 642*151,850, wogegen der Einlösungsfonds (Metall-
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        RUSSLAND. — Finanzen Dudget). 
117 
vorrath) nicht mehr als 74’378,512 betrug Deckungsmittel also 1 : &amp;*/, !), 
so dass 567’773,342 ungedeekt blieben. 
Das völlig Unbefriedigende des ganzen Verhältnisses ergibt sich 
aber noch aus andern Umständen. Neben den auf 809 Mill, angewach 
senen Verbindlichkeiten des Staats gegen die Bank und ferneren 
321*703,087 R. Ausstände für Hypotheken, deren Betrag, selbst wenn 
er ganz gesichert sein sollte, doch keineswegs so schnell, wie es bei 
einer Bank noth wendig, realisirbar ist,— begegnen wir einem Wechsel 
portefeuille von nur vier Millionen! So wenig konnte noch für För 
derung der industriellen und commerciellen Bedürfnisse durch diese 
Bank geschehen. 
Die Aufstellung ist im Uebrigen nicht durchsichtig genug, um die 
ganze Grösse der Verbindlichkeiten des Staates gegen die Anstalt mit 
Bestimmtheit erkennen zu lassen. Der oben erwähnte Bericht des Fi 
nanzministers anerkennt jedoch folgende Schuldposten unter Angabe 
ihres Betrages am 1. Jan. 1804. Wir fügen aus der Aufstellung des 
Bankinstituts vom 12. Oct. 1804 die neueste Ziffer des Betrages der 
nemlichen Positionen bei: 
1) Creditbillete, an Neujahr 1804 für 030*525,857 R., wo 
gegen 08*340,407 R. Deckungsmittel in Metall vorhanden waren; blei 
ben netto 508*179,390 ungedeckt.— Nach Bankausweis vom October: 
in Circulation 042*151,850, ab Metallvorrath 74*378,512, ungedeckt 
507*773,342. 
2) Einlagen in die St. Petersburger und Moskauer Depositen- 
und in die ehemal. Commerz - und Leihbank, Jan. 78*183,138, Oct. 
nemlicher Betrag. 
3) opiocentige Reichsbankbillete zum Umtausch gegen die 
Einlagebillete der ehemal. Creditanstalten ; Jan. 208*777,000; Oct. 
273*801,550. 
4) Schulden des Reichsschatzes an die Creditanstalten, Jan. 
149*830,859, Oct. 157*920,179. 
Damit sind aber die Passiva des Staates offenbar noch nicht voll 
ständig aufgezählt. Der Vortrag des Ministers erwähnt z. B. noch, dass 
die bis zum J. 1804 verbliebenen »Schulden der Behörden, Privat 
personen und Gesellschaften« an die St. Petersburger Depositenbank 
betrugen 194 001,292, — ebenso die Schulden der gleichen Kategorien 
an die Moskauer Depositenbank 150*205,350. Wir können nicht er 
messen , in wie weit diese Summen durch Activa gedeckt sind ; für sehr 
ansehnliche Beträge hat der Staat jedenfalls einzustehen. Dazu kommt, 
dass er für alle Verluste der Reichsbank zu haften hat, da diese Staats 
und nicht Privatanstalt ist. 
Ausser der russischen gibt es noch eine polnisc.he und eine f in 
ländische Schuld. Die erste (die polnische) betrug unmittelbar vor 
dem Krimkriege etwa 215 Mill. poln. Gulden (über 32% Mill. russ. S.-R.), 
wozu dann eine neue Anleihe von 3 Mill. S.-R. kam. — Die finländische 
Schuld ward 1803 zu 3*023,000 S.-R. berechnet. Dazu kam (kais. Ukas 
vom 1./13. Dec. 1802) ein 4 %% Anlehen von 4*400,000 Thlr. preuss. 
Sonach dürfte sich die Staatsschuld des Reiches etwa so stellen :
        <pb n="142" />
        118 
RUSSLAND. — Finanzen ^Budget . 
A. Unmittelbare Staatsschuld (Ende 1864). 
1) Consolidirte (ungerechnet das lOü’-Anlehen vom Dec. 1864) 478’845,681 
2) Schwebende (Schatzscheine u. dgl.) 216’436,100 
Summe A. . . . 
B. Mittelbare Staatsschuld (Oct. 1864). 
1) Creditbillete (nach Abzug des Metallvorraths) 
2) Einlagen in die Depositenbanken von Petersburg u. Moskau 
3) 5procentige Reichsbankbillete 
4) Schulden des Reichsschatzes an die Creditanstalten . . . 
Summe B 
C. Polnische Schuld 32,3 Mill., Finische 7,4’ 
Gesammtsumme der drei Kategorien .... 
Mit Einrechnung des neuen Anlehens . . . 
695’281,781 
567’773,342 
78,183,138 
273’801,550 
157’m^l79 
1U77’68472o'9 
39,700,000 
1812’665,990 
1912’665,990 
Während man selbst in dem reichen Frankreich eine schwebende 
Schuld von einer Milliarde Franken als alle Sicherheit der Finanzver- 
waltung zerstörend anerkennt, .begegnen wir in dem armen Russland 
einer solchen schwebenden Schuld von mindestens 5176 Mill. Frkn., 
also mehr als dem Fünffachen jenes Betrags. 
Zur Schuldgeschichte. Das Papiergeldsystem ist in Russland ein altes 
Uebel. Schon unter Katharina II. (Manifest v. 29. Dec. 1768) suchte 
man den Finanzen damit aufzuhelfen (Vorwand war die Unzweckmäs 
sigkeit des circulirenden Kupfergeldes). Die Gesammtsumme der »As- 
signationen« sollte 20 Mill, nicht übersteigen dürfen (Ukas v. 10. Jan. 
1774), dennoch (Manifest v. 28. Juni 1786) erfolgte die Vermehrung 
auf 100 Mill, als neues Maximum. Bei dem Tode der Kaiserin waren 
für 157®4 Mill. Assignationen ausgegeben; sie verloren 47 Proc. im 
Curse gegen Metallgeld. Während der Kriege gegen Frankreich und 
die Türkei erfolgten immer weitere Emissionen. Schon 1810 befanden 
sich die Finanzen in starker Zerrüttung. Die Summe des Papiergeldes 
belief sich auf 577 Mill. K. Alexander erklärte das ganze Staatsvermö 
gen als Unterpfand, und gab das Versprechen (Manifest v. 2. Febr. 1 810 , 
dass keine weitere Emission erfolgen solle. Aber die drei Kriegsjahre 
1812—15 erforderten 320 Mill. S.-R. über den gewöhnl. Bedarf. Im 
Jahre 1815 war der Curs der Assignaten 418, d. h. 1 Silb.-Rub. war 
gleich: 4 Rub. 18 Kopeken Assignaten. Nach dem allgemeinen Frie 
den dachte man ernstlich an eine Aufbesserung der F inanzlagc. Die ei 
gentliche inscribirte Staatsschuld betrug nicht viel mehr als 1 25 Mill. 
S.-R. Dagegen circulirte für 836 Mill. Papiergeld ! Man machte Anle 
hen ; zuerst 1817 im Inlande; Oprocentigc Obligationen wurden zu 
83% % ausgegeben und die Zahlung brauchte nur in Papier geleistet zu 
werden; dann 1818 im Auslande, 6procentig zu 85, gleichfalls in Pa 
pier zahlbar; 1820 folgte ein 5proc. Silberanlehen im Auslande zu 72%, 
so dass die Regierung für 40 Mill, kaum 29 wirkl. erhielt; spätere An 
lehen erfolgten zu 77 u. 77% %. Im Jahre 1823, als Graf Cancrin die 
Leitung der Finanzen übernahm, betrug die Masse der circulirenden 
Assignaten noch 596 Mill, und der Curs stand auf 3 R. 60 Kop. gegen 
Silber. Im J. 1839 versuchte es die Regierung, die Silberwährung wie 
der zur Hauptbasis der Geldcirculation des Reiches zu machen und be 
stimmte , dass der Silberrubel in seinem bestehenden Werthe und mit
        <pb n="143" />
        RUSSLAND. — Finanzen (Budget). 
119 
»einen Eintheilungen die Münzeinheit für alle circnlirenden Werthe sein 
solle. DerCurs der Assignaten wurde fest auf 350 (d. i. 3% R. Assigna 
ten = 1 S.-R.) normirt. Die ehemaligen Bank - Assignaten wurden 
im J. 1843 durch die Creirung der Reichs - Credit - Billets vollständig 
ausser Umlauf gesetzt, welche dem Silberrubel gleich circuliren sollen 
und Zwangscurs haben. Sie traten mit einem Betrage von 170’222,000 
S.-R. ins Leben, wofür die im J. 1843 noch vorhandenen 595,776,000 
R. Assignationen eingelöst wurden. Es war somit ein Staatsbanke- 
rut durchgeführt“ denn die officielle Herabsetzung des Assignatenwer- 
thes war nichts Anderes. — Für die neu geschafifenen Reichscredit- 
Billets soll nun das gesammte Reichsvermögen haften und stets ein ge 
nügendes Einlösungscapital vorhanden sein. Dieses Reichsvermögen 
ward zwar in neuerer Zeit von J. A. Mikschewitsch auf 3,919 520,550 
S. -R. berechnet, aber der Einlösungsfonds reicht nicht aus. — Unter- 
dess dauerten die Deficite im Staatshaushalte fort.*) Nur ausnahms 
weise gelangte man dazu, das Papiergeld zu vermindern. Im J. 1849 
betrug es indessen doch nur 300% Mill. Aber während des Krimkrie 
ges häufte man die Emissionen. Anlehensversuche im Auslande miss 
langen ; da verbot man die Ausfuhr von Goldmünzen und vermehrte das 
Papiergeld, anfangs wenigstens noch mit einiger Beschränkung der Sum 
men, bis der Ukas vom 10. Jan. 1855 den Finanzminister rückhaltlos 
anwies, »alle ausserordentl. Kriegskosten a durch tem%)orelle Emission 
von Creditbillets zu decken, » um ohne Einführung neuer Steuern und 
ohne Erhöhung der bestehenden der Staatscasse die Möglichkeit zu bie 
ten, allen gegenwärtigen Erfordernissen Genüge zu leisten.a (Man hatte 
in Erhöhung der Auflagen zuvor schon das Aeusserste gethan, so na 
mentlich den Salzpreis von 25 auf 44 Koj&gt;eken hinaufgesetzt.) Dabei 
verbot man sogar die Wiedereinführung des eigenen Papiergeldes ! Die 
ausserordentlicher Weise ausgegebene Papiergeldmasse sollte innerhalb 
dreier Jahre nach Wiederherstellung des Friedens eingelöst sein. In 
Wirklichkeit steigerte man die Papiergeldmasse folgendermassen. Es 
waren im Umlauf" 
1S2H —:iy 
Neujahr 1S50 
1S53 
1854 
ITO’221,828 U. 
30P578,170 
:i3;i’443,008 
350'337,021 
Neujahr 1855 ; 
1856: 
1857: 
1860: 
509’181,397 R. 
686’276,844 
735’297,U06 
679*877,853 
Die Masse ward also noch lange nach Wiederherstellung des Frie 
dens nicht vermindert, sondern vermehrt, ln den vier Jahren 1853—57 
ergab sich eine Vermehrung von über 400 Mill. R., also weit mehr als 
eine Verdoppelung der vor dem Kriege vorhandenen Menge. Das Silber- 
anlehen von 1802 sollte endlich das Mittel zur Wiederherstellung der 
Metallwährung liefern. Die Papiere sollten vom 1. Mai 1802 an mit 
* Die Oüterconfiscationen in den westlichen Oubernien von Russland, die 
früher zu Polen gehörten, trafen 2372, jene im Königreiche Polen 2340 Perso 
nen. Die Verschenkungeii, welche blos im Königreiche und nur bis zum J. 1837 
gemacht wurden, überstiegen 22 Mill. Gulden. Nach der Schrift des poln. Ad- 
vocaten Lub liner über »die russ. Amnestie. Brüssel 1856.«) Nach einer An 
gabe hätten die Confiscationen die ungeheuere Summe von 311’182,000 poln. 
Gulden betragen.
        <pb n="144" />
        120 RUSSLAND. — Militär ¡Landmacht). 
10% % Verlust, dann zu immer höherem Curse eingelöst werden, so 
dass mit dem 1. Jan. 18G4 der Paristand erreicht sei. Ein Anfang 
wurde allerdings gemacht ; schliesslich aber, gerade da man das Ziel bei 
nahe erreicht zu haben schien, wofür man enorme Summen verwendet 
hatte, überzeugte man sich, dass die verfügbaren Mittel nicht ausreich 
ten. Eine Verfügung vom Nov. 1863 stellte die Einlösung der Pa 
piere wieder ein, — es kehrte der Zwangscurs zurück. 
Itlilitärweseii. 
Landmacht. Bildung des Heeres. Der Adel, die grossen Kauf 
leute und einige andere Stände sind von der Militärpflichtigkeit ausge 
nommen. Stellvertretung findet statt, ist jedoch selten; ausserdem 
Loskauf um 1000 R. Pap. Die Aushebungen werden durch kaiserl. 
Ukas in der Weise angeordnet, dass so und so viele Köpfe auf jedes 
1000 Einwohner (wobei man nur die männlichen Einwohner, diese 
aber vom frühesten Kindes - bis zum höchsten Greisenalter rechnet) ge 
nommen werden. Das Reich ist behufs Recrutirung in zwei grosse Hälf 
ten, die östliche und die westliche, abgetheilt, in denen die Aushebun 
gen wechseln. Als Peter I. die erste derartige Aushebung anordnete 
setzte er dieselbe zu 1 Recrut auf 1000 Einwohner fest. Noch in dem 
ersten Viertel des jetzigen Jahrhunderts waren 2 M. auf 1000 die ge 
wöhnliche Zahl. Später hat man das V erliältniss enorm gesteigert; wäh 
rend des Krimkrieges in rasch wiederholten Verfügungen bis zu 10 
einmal bis zu 12, hinsichtlich der Reichsmiliz bis zu 13 vom 1000 
Besonders stark wurden längst die Juden in Anspruch genommen* 
kaum minder stark die Polen, deren Land man an Waffenfähigen zu 
erschöpfen suchte. Im ganzen Reiche herrscht Schrecken, wenn die Re 
crutirung beginnt, die vielfach nichts Anderes, als ein unerwartetes 
nächtliches Ueberfallen aller jungen Männer ist (die Branka). Mit der 
Recrutirung hat man eine Geldabgabe verbunden von ungefähr 33 Rub. 
Pap. für jeden Ausgehobenen. Die Dienstzeit, früher bei der Garde 
auf 22, bei den übrigen Truppen auf 25 Jahre bestimmt, wurde 1850 
auf 15 Jahre herabgesetzt, und zwar ohne Vorbehalt einer Reservepfiich- 
tigkeit. Doch kommt jene Abkürzung den von früher Eingereihten nur 
so weit zu gl t, dass sie nicht über 20 Jahre zu dienen brauchen. Die 
Verpflegung der Truppen ist jammervoll schlecht, besonders wegen 
zahlloser Betrügereien. Das Avancement der Gemeinen ist zwar nicht 
dem Namen wol aber der That nach ausgeschlossen. Die Kosaken dür 
fen einen Theil ihrer Ofticiere wählen. — Die frühere Leibeigenschaft 
hatte ein besonderes Verhältniss zur Folge. Da der Hörige bei seinem 
Eintritte in die Armee aus seinem Communalverbande herausgerissen 
ward, so war er damit von jeher, wie man es nannte, »frei.« Aus die 
ser sog. Freiheit erwächst ihm aber nur Unheil, wenn er (bei der enor 
men Sterblichkeit im russ. Heere) etwa die Zeit des Militärdienstes über 
lebt ; weil er dann, eben ausgeschlossen von den Nutzungen seiner frü 
hem Gemeinde, alt, entkräftet und der Arbeit entwöhnt, es desto schwe 
rer finden muss, sich selbst zu ernähren. — Bei den Finen und den 
Grusiern finden, nach deren Privilegien, blos Werbungen (ausserdem
        <pb n="145" />
        RUSSLAND. — Militär (Landmacht). 
121 
nöthigenfalls aber auch Miütärpflichtigkeit) statt. (Finland hat an ge 
worbenen — Truppen — 1 Schützenbataill. v. 1425, und aus 
serdem aus der Miliz — indelta, nach schwedischer Art — 9 Schützen 
bataill. von 2720 M.) — Czaar Alexander II. verkündete bei seiner 
Krönung, dass 1856 und in den drei nächstfolgenden Jahren keine Aus 
hebung stattfinden solle. Eine solche wurde aber viel länger nicht mehr 
vorgenommen, theils aus Ersparungsrück sichten, theils weil man Schwie 
rigkeiten befürchtete, nachdem die Bevölkerung des Tragens der schwe 
ren Conscriptionslast entwöhnt war, und die Bauern überdies in dem 
Glauben lebten, die ihnen zugesagte Emancipation schliesse wesentlich 
auch Befreiung von der Conscription in sich. Das Zusammenschmelzen 
der Armee nöthigte endlich zu neuen Aushebungen, und der Aufstand 
in Polen, der die Integrität des Reiches gefährdete und damit das russ. 
Nationalgefühl verletzte, war geeignet, die Durchführung zu erleichtern. 
Ein unterm 20. Sept. 1S62 verkündetes Manifest befahl die Aushebung 
von 5 Mann auf 1000. Hieran reihte sich ein Ukas v. 9. Juli 1863, der 
die Aushebung von je 10, und ein Ukas vom 5. Oct. 1864, der weiter 
die von 5 Mann sowol in den östl. als den westl. Gouvernements an 
ordnete. 
Stärke des Heeres. So gewaltig die Mittel Russlands zur Her 
stellung ungeheurer Heere scheinen, so waren die vorhandenen Trup 
penmassen doch nie so gross in Wirklichkeit wie auf dem Papiere. Da 
man nun nach dem Krimkriege massenhafte Entlassungen vornahm, den 
meisten Entlassenen keine Verpflichtung für die Reserve auferlegte*), 
und 7 Jahre lang jede neue Aushebung vermied, so musste die Militär 
zahl bedeutend zusammenschmelzen. Allerdings lieferten die beiden 
oben erwähnten Aushebungen eine grosse Recrutenzahl, — auf dem Pa 
piere wol 350 — 400,000 Mann. Rechnet man aber die gewöhnlichen 
Abgänge im Heere ab, dann die Zahl der unbrauchbaren Re cru ten, end 
lich die Opfer des Kampfes gegen die Polen, so dürfte die wirkl. Stärke 
nicht viel grösser sein als vor einigen Jahren. Die Menge der Corps er 
scheint nicht vermindert, wol aber deren Mannschaft. Da uns genaue 
neuere Angaben über Organisation und Stärke der einzelnen Corps feh 
len , so lassen wir zunächst eine Aufstellung folgen, wie sie sich nach 
den Normirungen vor dem Krimkriege ergab. Die grosse, die Acti v- 
oder die Operationsarmee, umfasste: 
Infanterie: Regim. Bataill. **) Mann 
Garde 12 37 45,608 
Grenadiercorps ... 12 37 41,970 
6 Infanteriecorps ... 72 294 330,588 
Zusammen 96 368 418,166 
Cavallerie: Regim. Schwad. Mann 
Garde' 12 60 16,612 
Grenadiercorps ... 4 32 6,528 
Bei den 6 Infanteriecorps 24 192 39,168 
Reservecorps .... 24 176 36,952 
Zusammen 64 460 99,260 
*) Nominell wurden zwei Reserven gebildet, die eine auf dem Papiere 
264,000 M. stark, zur laufenden Coi^letirung, die andere, 232,000, für den 
Fall eines Krieges. **) Einschliesslich der Reservebataillone.
        <pb n="146" />
        122 
RUSSLAND. — Militär (T.andmacht). 
Artillerie, Genie: Geschütze Mann 
Garde HO 5,26'J 
Grenadiercorps 112 3,362 
Bei den 0 Infanteriecorps . 072 19,530 
Reserve 96 3,3S1 
Zusammen 990 31,548 
Sonach kamen auf die Hauptarmee normativmässig etwa 550,000 M. — 
Ausserdem befand sich ein besonderes, selbständiges Heer im Kauka 
sus, über dessen Stärke die Angaben zwischen 110 und 105,000 
schwankten. Endlich schätzte man die irregulären Truppen auf 120,000, 
worunter 93,000 Reiter, und es sollten 90 angesiedelte Bataillone 
103,000 M. stellen. 
Die seit dem Frieden in der Formation vorgenommenen Verände 
rungen sind uns nur theilweise bekannt. Aus den vorliegenden Notizen 
entnehmen wir: jedes Gardeinfanterieregiment besteht im Frieden blos 
noch aus 2 Bataill. und lOSO M. Die Linieninf.-Regimenter, vor dem 
Kriege etwa 4000 zählend, und während desselben (in 8 Bataillonen) 
auf 7000 gebracht, sind auf etwa 1800 vermindert, indem jedes der 4 
Bataillone (wovon nur 3 activ) ungefähr 450 M. zählt; auch sind sie 
noch durchgehends mit den ungenügenden alten Gewehren bewaffnet. 
Für zwei neuerrichtete Regimenter sind 10 GrenzbataiUone vom schwar 
zen Meere aufgehoben. — Verstärkt wurden blos die Schützen; statt 
9 Bat. hat man deren 45 mit guten Büchsen ausgerüstet. — Bei der 
Cavallerie wurden die 9 Dragonerreg. in 18 verwandelt, aber nicht 
von der Hälfte der früheren Stärke. — Wichtig ist besonders die Ver 
minderung der Reserve. Früher hatte jedes Infanterieregiment eben 
soviel Reserve-und Ersatzbataillone, als es Activbataillone besass, neml. 
Garde und Grenadiere je 3, Linie je 4 ; — jetzt durchgehends blos noch 
eines. Das Reservecavalleriecorps ist fast ganz aufgelöst. Endlich sind 
die Militärcolonien vollständig eingegangen. — Nach dem Gesagten 
nahmen wir die Stärke der russ. Activarmee im J. 1802 nicht höher als 
folgendermassen an : 
Infanterie: Garde und Grenadiere 40,000, Linie 130,000 = 170,000 M. 
Cavallerie, reguläre 55,000 - 
Artillerie und Genie 30,000 - 
Hiezu die Kaukasusarmee (angeblich) 130,000 - 
Gesainmtstärke 385,000 M. 
Eine Notiz vom Mai 1801 besagte; Ein Armeecorps zählt sammt 
Cavallerie und Artillerie blos noch etwa 24,000 M. Allerdings hatte 
man noch die Kaukasusarmee und die irregulären Truppen, insbes. die 
verschiedenen Kosakencorps, — auf dem Papiere 130 Regim., durch- 
schn. von 880 M., und 31 Bataillone und eben so viele Batterien, zu 
sammen ungefähr 150,000 M., doch von geringem Werthe. 
Der »Russ. Invalide« brachte 1864 folgende Zusammenstellung: 
Die Armee umfasst 4 Hauptbestandtheile ; nemlich : 
A. Die erste Activarmee: 
1863 1864 
Infanterie 304,422 094,511 
Cavallerie 38,300 49,183
        <pb n="147" />
        RUSSLAND. — Militär (Landmacht . 
123 
1863 1864 
Artillerie 41,734 4b,773 
Genie 13,413 16,203 
Zusammen 457,875*) 808,670 
B. Die zweite Activ- Kaukasus-) Armee: 
Linienbataillone . . 80,455 74,561 
Festungsregimenter — 23,472 
Festungsartillerie . . 19,830 29,892 
Zusammen 100,285 127,925 
C. Reserven etc. 
Reserven 87,350 38,518 
Innere Wache . . . 129,262 123,161 
Detaschirte Soldaten . 32,390 30,200 
Gendarmen .... 3,994 6,511 
Instructoren .... 1,040 990 
Zusammen 254,036 199,380 
Totalsumme . 812,196 1*135,975 
D Irreguläre Truppen, 307,000 zum Dienst verpflichtete Kosaken, 
von denen 177,460 sich im wirkl. Dienst befinden (somit oben bereits einge 
rechnet sind). 
Die Liste über die erste Activarmee für 1864 muss als bedeutend 
zu hoch angesehen werden.**) Es scheint, dass man die Zahl aller die 
sem Haupttheile des Heeres Zugewiesenen dem frühem Bestand beirech 
nete, ohne die grossen Abgänge in Abzug zu bringen. Ohnehin haben 
seitdem sehr ansehnliche Entlassungen stattgehabt, und so dürfte der 
wirkliche Stand der Activarmee Ende 1864 wol nicht bedeutend grösser 
sein als der für 1863 formell aufgeführte. Allerdings ist mittlerweile 
der grösste Theil der Kaukasusarmee verfügbar geworden. Bemerkens 
werth erscheint die beinahe vollständige Erschöpfung aller Reserven in 
der Liste von 1864. Durch Entlassungen aus der Activarmee hat diese 
Zahl natürl. wieder eine starke Vermehrung erhalten. ***) 
*) Da die Truppencorps überall, bes. aber in Russl., auf dem Rapiere be 
deutend grösser zu sein pflegen als in Wirklichkeit, so mag diese Aufstellung 
des »Invaliden« geradezu als Beweis dienen, dass unsere Berechnung von 1862 
der Wirklichkeit entsprach. Auch haben wir nur eine Position als zu gering 
bezeichnen hören ; die Zahl der Garden soll etwas grösser, dagegen die der Ko 
saken in sofern kleiner gewesen sein, als die im wirkl. Dienst gestandenen von 
der letzten Abtheilung hätten abgerechnet werden müssen. 
**) Es sei wiederholt erinnert, dass jede Armee auf dem Pmiiere weit 
grösser zu sein pflegt als in Wirklichkeit. Welchen absoluten Werth die 
Listen des »Invaliden« besitzen, mag man aus folg. Notizen entnehmen: Nach 
dem »Invaliden« vom Febr. 1862 zählte das reguläre Heer im J. 1859 357 Gene 
rale, 30,051 Offieiere und 850,225 Gemeine, dagegen wirklich präsent 334 Ge 
nerale, 19,025 (hficiere und 698,354 Gemeine. »Die Armee war damals schon 
bedeutend reducirt, denn im Jahre 1856 hatte sie 440 Generale, 24,603 Officiere 
und 974,556 Gemeine gezählt, wozu noch 6033 Officiere und 369,098 Gemeine 
von der Volksbewatfnung kamen. Dabei ist die irreguläre Armee nicht mit ein 
gerechnet, die 1859 23 Generale, 2794 Officiere und 338,381 Gemeine zählte. 
Ueberhaupt betrug die Gesammtzahl der Armee 1856: 1*536,183 und 1859: 
1*244,569 M.« Solche Zahlen nehmen sich sehr schön auf dem Papier aus, ent 
sprechen nun aber einmal nicht der Wirklichkeit. 
*•*) Eine kaiserl. Entschliessung vom Aug. 1864 bestimmt in Kriegszeiten 
den Effectivstand jedes Infanterie-Bataillons zu 900 M und jedes Tirailleur- 
Bataillons zu 780 M., d. h. also 180 M. per Compagnie. In Triedenszeiten ist
        <pb n="148" />
        124 
RUSSLAND. — Militär (Landmacht). 
Festungen, zusammen 32. Ausser den festen Seeplätzen Kron 
stadt, Helsingfors, Sweaborg etc. (Sebastopol ist zerstört), — sind nur 
die Festungen in Polen bedeutend; Zamosk, Modlin oder No wo Grigo- 
riewski, Brzesk Litewski und die Citadelle von Warschau. Wenig an 
sehnlich sind die Werke von Petersburg, Moskau, Smolensk. In Kam 
tschatka ist Petropawlowski befestigt. — Die an der kaukasischen Küste 
während des Krieges zerstörten festen Plätze (Anapa) und blosen Kre- 
posten (Erdaufwürfe) sind wahrscheinlich wieder hergerichtet. 
Kriegsgeschichtliche Notizen. Das russ. Heer soll unter 
Peter I. 1712, 108,000, bei seinem Tode 1725, 196,000 M. gezählt 
haben. Zur Zeit des siebenjährigen Krieges, als die Russen zum ersten 
Male in Mitteleuropa kämpften, ward ihre reguläre Macht auf 162,750 M. 
berechnet, neml. ; 30 Regim. Cavallerie (6 Kürassier-, 6 Grenad.-, 18 
Dragoner-), 31,950, und 50 Reg. Infanterie (4 Grenadiere, 46 Muske 
tiere), 130,800. Hiezu kamen einige Milizregimenter. Katharina II. 
vermehrte die Armee. Eine Schätzung von 1785 geht bereits auf 360,000 
Mann. — Eine Detailberechnung von 1794 entziffert: 
53 Regim. und 19 Brig. Cavallerie 81,200 M. 
72 - - 39 Bataill. Infanterie 203,900 - 
5 - 2 Comp. Artillerie 27,700 - 
130 Regim. etc. reguläre Truppen 312,800 M. 
Dazu irreguläre Truppen, Kosaken, Baschkiren etc. 09,200 - 
Garnisonscorps 00,000 - 
Gesammtzahl 442,000 M. 
Kaiser Paul vermehrte das Fussvolk, verminderte die Reiterei. — 
Eine Liste von 1803 führt 394,200 M. auf, mit Invaliden und irregu 
lären Corps (auf dem Papiere) über 506,700 M. — In den beiden Feld 
zügen von 1805 und 7 brachten es die Russen in Deutschland nie über 
SO — 90,000 M. Bei Austerlitz belief sich die wirkliche Stärke der Al- 
liirten auf nicht ganz 80,000 M., wovon 15,700 Oesterreicher (die 
Franzosen hatten beiläufig die gleiche Zahl). — Im grossen Kriege gegen 
Napoleon 1812 stellte man gewaltige Listen auf: 
Reguläre Truppen, worunter 98,000 Garnisonssoklaten u. Invaliden 539,400 M. 
Irreguläre Truppen 100,000 - 
Nationalmiliz 851,100 - 
Zusammen 1’49(7,500 M. 
der Effectivstand von drei verschiedenen Arten : a) der verstärkte Friedensstand 
mit 080 M. per Bataillon ; b) der gewöhnliche Friedensstand mit 500 und c) der 
beschränkte Cadrestand mit 320 M. Für die Sappeurs bestehen nur die zwei 
ersten Gattungen von Friedensstand. Eine weitere Veröffentlichung des Kriegs 
ministeriums gibt folgende Data über die Armeeeintheilung : In Folge der Auf 
lösung der inneren Garde und der Bildung von stabilen Truppen besteht die 
Armee nun aus mobilen und stabilen Truppen. Die unbeweglichen Truppen 
bestehen: a) aus 70 Infanterie-Reserve-Bataulonen, 10 Tirailleurs- und 3 Sap- 
peurs-Reserve-Bataillonen, welche sämmtlich die Bestimmung haben, die Re- 
cruten auszurüsten und zu unterrichten, bis sie zur Armee einrücken ; ihr Haupt 
zweck ist, in Kriegszeiten die active Armee zu verstärken; b aus Festungs- 
Truppen ; c) aus Provinz- und Districts - Bataillonen, welche die öffentliche 
Sicherheit beschützen ; d) aus Etappen - Abtheilungen , denen die Escorte der 
Gefangenen obliegt. Zur stabilen Truppe gehören auch die Festungsartillerie, 
die zu Festungsbauten verwendeten Abtheilungen und Strafcompagnien und 
die activen, im Staatsdienste verwendeten Invalidencompagnien.
        <pb n="149" />
        RUSSLAND. — Militär Landmacht). 
125 
Beim Kampfbeginne war indess die russ. Armee weitaus die schwächere; 
sie betrug (nach den Einzelangaben in »Toll's Denkwürdigkeiten&lt;î) \ 
Truppen in erster Linie: 
Erste Westarmee, unter Barclay de Tolly, am Niemen, 6 Infanterie- u. Mann 
2 Cavallerie-Corps, 76,800 Infanterie, 17,450 Cavallerie, 10,000 Ar 
tillerie (mit 558 Geschützen), zus., ungerechn. 6—7000 Kosaken 104,250 
Zweite Westarmee, unter Bagration, bei Slonym, 4 Infanterie- und 2 
Cavallerie-Corps (mit 216 Kanonen), unger. 4000 Kosaken . 35,000 
Reservearmee, unter Tormassow, in Volhynien, mit 164 Kanonen und 
einer Anzahl Kosaken . 36,000 
Zusammen in erster Linie höchstens 175,000 
reguläre Soldaten mit 938 Geschützen, ungerechnet die vorerst wenig zu gebrau 
chenden Kosaken. —Dieser vergleichsweise schwachen Macht gegenüber drang 
Napoleon mit mehr als 400,000 Mann vor. 
In zweiter Idnie standen unter Sacken 42,500 M Aus dritter Linie er 
hielt die Activarmee allmälig 46,000 M. Infanterie und 9300 Reiter, Recruten, 
zur Verstärkung. Ausserdem standen in Finland unter Steinheil 30,000 und an 
der Donau 53,000 Mann. 
So vermochte Russland 1812 niemals 300,000 M. gleichzeitig unter 
die Waffen zu bringen. — Bei Smolensk kämpften 121,118 M., wovon 
höchstens 113,000 Linientruppen. Bei Borodino: 
Baasen Franzosen 
Infanterie . . 72,000 82,000 
Cavallerie . 17,500 26,000 *) Ausserdem 7000 Kosaken, die 
Artillerie . 14,500 15,000 wenig, und Milizen, die hier gar nicht 
Zus. 104,000*) 123,000 zu gebrauchen waren, 
Geschütze . . 640 587 
Die Verluste in dieser Schlacht waren ungeheuer ; bei den Franzo 
sen 28,000 und 31 — 35,000 Leichtverwundete; bei den Russen 52,000 
die Hälfte der Armee, wovon nur etwa 1000 gefangen. Die Fran 
zosen kamen blos noch 95,000 M. stark nach Moskau. {Toll.) 
Der Feldzug brachte auch das russ. Heer beinahe zur Auflösung, 
— fast so sehr wie das der Franzosen. Ganze Compagnien wurden ver 
nichtet ; von Bataillonen blieben 2 — 3 M. übrig (Angabe Butturlin’s, 
Adjutanten des K. Alexander) ; die 120,000 M. der Hauptarmee unter 
Kutusow schmolzen auf 35,000, die 50,000 unter Wittgenstein auf 
15,000 zusammen ; von einer aus dem Innern Russlands gesendeten Ver 
stärkung von 10,000 langten 1700 auf dem Kriegsschauplätze zu Wilna 
an (Angabe des engl Commissärs Sir Robert Wilson). Toll berechnet : 
Die beiden Westarmeen betrugen (abzügl. des Wittgenstein’schen Corps 
von 21,000): die erste Westarmee 83,000, die zweite 35,000 = . . 118,000 
An Verstärkung und Ersatzmannschaften erhielten sie ... . 91,8(M) 
Zusammen 209,800 
In Wilna waren Mitte December noch bei den Fahnen .... . 40,290 
Folglich Abgang von Ende Juni bis Mitte December 169,510 
In den Lazarethen lagen 48,335 M. Wenn selbst, was erweislich nicht der 
Fall die Mehrzahl dieser Erkrankten genesen wäre, blieb der Venust doch 
noch immer grösser, als die ursprüngliche Zahl der Gesammtmannschaft. Ein 
Abgang von ‘Vti der gesammten Mannschaft ist gewiss unerhört. 
Die Napoleon nachrückende russ. Armee betrug im Jan. 1813 nur 
noch 15,000 M. {Toll). Während der beiden Feldzüge von ^13 und 
1814 stieg die russ. Truppenzahl schwerlich jemals auf 150,000. (Bei
        <pb n="150" />
        126 
RUSSLAND. — Militär (Landmacht). 
Bautzen standen blos 82,652 Russen und Preussen fast 100,000 Fran 
zosen gegenüber.) — In dem Feldzuge von 1828 gegen die Türken er 
schienen die Russen am Pruth mit 80,000 M., denen im nächsten Jahre 
etwa 40,000 nachgesendet wurden. Als das Hauptcorps nach Adriano 
pel gelangte, zählte es kaum noch 15,000 Streitfähige; es wäre verloren 
gewesen, wenn die ängstliche Diplomatie nicht eilends den Frieden ver 
mittelt hätte. — »Von 115,000 Russen, welche 1828 und 29 die euro 
päische Türkei invahirten, kamen kaum mehr als 10 —15,000 über den 
Pruth zurück.« (Major A/o/^Ä-e.) /omm«'berechnet, die russ. Armee habe 
in diesen beiden Feldzügen 115,000 M. verloren, wovon 100,000 an 
Krankheiten. Schon der erste Feldzug raffte 40,000 Soldaten weg. yom 
Mai 1828 bis Febr. 1829 kamen 201,108 M. in die Spitäler und Am- 
bulancen ; besonders wüthete zuletzt die eigentliche Pest. (S. Boudin, 
Géographie et Statistique médicales.) — Der Heldenkampf Polens im 
J, 1831 zeigte wieder die Schwäche des russ. Heerwesens. Es bedurfte 
der äussersten Anstrengungen und der Unterstützung von Oesterreich 
und Preussen, um das kleine polnische Heer endlich niederzuwerfen. — 
Im ungarischen Feldzuge 1849 erschien eine russ. Hülfsarmee von etwa 
120,000 M. Da sich die Magyaren durch die Uebermacht erdrückt 
sahen, so kam es nicht mehr zu Waffenthaten. — Der Krimkrieg be 
wies aufs Neue die unvervvüstbare Ausdauer der Soldaten, aber auch die 
Täuschungen über die Stärke des Heeres, und die Alles durchwuchern 
den Missbräuche, besonders in der Verpflegung. Da in den amtlichen 
Aufstellungen schon vor dem Kriege 1'200,000 M. als Militärpersonen 
aufgeführt wurden (einschliessl. 200,000 Cantonnisten oder Soldaten 
kinder) , so musste die geringe Truppenzahl auffallen, welche in die Do- 
naufürstenthümer einrückte. Allerdings hatte Russland in vielen, weit 
entfernten Gegenden für Vertheidigung zu sorgen, allein auf dem 1 laupt- 
kampfplatze kamen nie 200,000 M. zugleich zur Verwendung. Inner 
halb 20 Monaten wurden folgende Aushebungen angeordnet: durch 
Ukas vom : 
10. Febr. 1854, 0 M. von 1000 in den westlichen Provinzen, 
9. ^lai — 0 — — — — — östlichen — 
7. Sept. - 10- - - - - westlichen 
14. Dec. - 10 - - - - östlichen 
10. Febr. 18o5, 14 - - - - - 18 Gouvernements. — Reichswehr 
41. Mai - I 
12. Aug, - &gt;14 ebenso in den übrigen Gouvernements. 
7. Get. - J 
(!. Mai - 12 M. von 1000 in den westlichen Provinzen, 
15. Get. - 10 - - - - sämmtl. Gouvernements, blos 7 ausgenommen. 
Die Reichswehr brachte 372,000 M. unter die Waffen (eine 
vorgängige Schätzung hatte von 700,000 geredet); sie wurden in 337 
Druschinen oder Bataillone getheilt ; die zu den Reservebataillonen cin- 
gezogene alte Mannschaft und die neuen .Aushebungen lieferten zusam 
men (nur!) 307,000, im Ganzen also 739,000 M. (nach einem Berichte 
des Ministers des Innern an den Kaiser), — eine ungeheure Menge, indess 
immerhin blos etwa halb so zahlreich, als man im übrigen Europa an 
nehmen mochte. In den officiellen Listen ward die Truppenzahl in der 
Krim anfangs 1855 zu 250,000 mit 100,000 Pferden angegeben. Die
        <pb n="151" />
        RUSSLAND. — Militär Seemacht). 
127 
Gesammtsumme der Soldaten im ganzen Reiche, für welche die Inten 
dantur zu sorgen hatte, entzifferte sich 1855 zu 845,900 M. mit 187,360 
Pferden, 1856 aber an beiden zu 796,975 und 183,570. Es war also 
im letzten Jahre nicht mehr möglich, die Masse auf der frühem Höhe zu 
erhalten. Die Verluste stiegen gewaltig. Nach einer (angeblich amt 
lichen) Zusammenstellung soll die russ. Armee schon bis Ende 1854 
111,132 M. eingebüsst haben, wovon 29,204 Todte, 55,304 Verwun 
dete, 6,460 Vermisste, 16,156 an Krankheiten Gestorbene. *) 
Nach dem Friedensschlüsse von 1856 erfolgten grosse Aenderungen 
im Heerwesen. Man fühlte die Nothwendigkeit von Ersparungen, ver 
minderte die Zahl der Truppen, suchte aber ihre Qualität zu verbessern. 
Dabei Abkürzung der Dienstzeit und Freilassen von 378,000 Soldaten- 
kindem aus dem bisherigen Verbände. Der poln. Aufstand, 1862 u. 63, 
nöthigte zu neuen Anstrengungen. Nach dessen Niederwerfen und der 
Besiegung der Kaukasus Völker erfolgte eine starke Verminderung des 
Heeres. Gleichwol sind die Kosten noch immer ungemein gross 
(s. Finanzen). 
Seemacht. Die Dienstzeit der Matrosen wurde ^Sept. 1859) von 
22 auf 14 Jahre herabgesetzt. Der Stand der stark vermehrten Flotte 
betrug Mitte 1862 (nach dem russischen Marine-Journal) 248 Dam 
pfer und 62 Segelschiffe, unter den Ersten 9 Linienschiffe und 
12 Freg., unter den Letzten 9 Liniensch. und 5 Freg. Die Dampfer 
mit 37,007 Pferdekr. und 2387 Kan., die Segler mit 1304 Kan. Zus. 
310 Schiffe mit 3691 Kan. — Ausserdem; 300 Hafen- und Trans 
portschiffe. 
Der Bau von Panzerschiffen ward 1861 mit dem Kanonenboot Opyt 
begonnen. Im J. 1864 sollten vollendet werden: 2 Panzerfregatten von 
28 und 26 Kan. , jede zu 800 Pferdekr. ; 3 Panzerbatterien von je 
26 Kan., zur Küstenvertheidigung ; 1 0 Monitors , davon 1 mit 2 Thür 
men , die übrigen mit 1, auf jeden Thurm 1 Geschütz. Ausserdem sind 
I 3 Panzerflösse vorhanden. Diese sämmtl. Panzerschiffe im Bait. Meere. 
*) Die letzte Zahl ist gewiss weitaus zu gering ; wahrscheinlich sind nur die 
Soldaten in den, dem Kampfplatze unmittelbar angrenzenden Lazarethen be 
rücksichtigt ; ausgeschlossen sind ohnehin die Verluste der kaukas. Armee und 
jene der irregulären Tiuppen, der Kosaken etc. In Simferopol allein, allerdings 
dem Ilauptsjiitale für Senastopol, starben vom April 1855 bis Juli 185Ü über 
40,00&lt;» M. ; überdies gingen von da gegen 300 'Iransporte mit etwa 100,000 
Kranken nach andern Orten in der Nähe ab. Aehnliches gilt von ßaktsehisarai 
und Perekop, weiteren Sammelplätzen für Krankentransporte. Das Pariser Puy« 
berechnete die Verluste der russ. Landarmee auf 277,000; ausserdem habe die 
Flotte des Schwarzen Meeres von 38,400 volle 23,000 verloren. — Ein Beispiel, 
in welchem Maasse die Verpflegung schlecht war: Von 400 Recruten, welche 
aus der Gegend von Sacnodien nach dem Dniepr ziehen sollten, kamen blos 78 
in Kiew an ln Nicolajeff und anderwärts zündete man Magazine an, um die 
Entdeckung zu verhüten, dass unter das Mehl in den Tonnen Gv^is gemischt 
war. — In einer Decembernacht verliess das Reser\ebataillon der 14. Dirision 
Odessa, und verlor auf einem zweimeiligen Marsche 200 Mann (ein gelinder Frost 
hatte den Morast des Weges gerade so weit verdichtet, dass die I&gt;eute vor Er 
schöpfung, zum Th eil stehend, in demselben starben). — Zufolge Berichtes des 
Ministers des Innern mussten, nach dem Abzüge der Feinde aus der Krim, um 
das I,and zu säubern, gegen 200,000 Stück todtes Zugvieh blos von den Strassen 
hinweggeschafft und vergraben werden.
        <pb n="152" />
        128 RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und HandelsverhâltuÍ9.se. 
Im J. 1859 hatte die Flotte erst wieder 227 Fahrzeuge, wovon 
186 Dampfer. Es befanden sich 161 im Baltischen, 6 imWeissen, 17 
im Kaspischen, 33 im Schwarzen und 10 im grossen Stillen Meere.*) 
Sociale, (iewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Allgemeine Bemerkungen. Russland befindet sich in einer der ge 
waltigsten socialen Uebergangsperioden. Um den Ungeheuern Fortschritt 
richtig zu bemessen, den das colossale Reich begonnen hat, muss man 
sich zunächst den Zustand vergegenwärtigen, welcher bis nach Beendi 
gung des Krimkrieges bestand. Von dem gesammten urbaren Lande 
gehörten etwa der Krone, dem Adel oder Stiftungen, und fast die 
ganze Masse des Volkes war leibeigen oder mindestens unfrei. — 
Ueber die betr. Ergebnisse der letzten Zählung liegen uns zwei nicht 
ganz übereinstimmende Angaben vor. Nach einer Veröffentlichung im 
»Journ. des Ministeriums des Innern« gehörten: 
Männer Frauen 
437,326 436,828 zum Erb-oder Personaladel, 
9,074 7,764 zur Classe der Ehrenbürger, 
223,514 208,320 zum Kaufmannsstande, 
281,501 315,027 zum geistlichen Stande der orthodoxen Kirche, 
3*043,987 3*104,758 waren steuerfrei, 
9*803,201 10*370,957 waren eigentliche Leibeigene. 
Eine Veröffentlichung des Geheimr. Troinitzki (Mitglieds des statist. 
Centralcomité’s) brachte auf Grundlage der nemlichen letzten Zählung 
folg. Resultate: Zahl der Leibeigenen 23’069,631, nemlich H’244,913 
männl. u. 11 824,718 weibl., — sonach 34,39 Proc. der Bevölkerung. 
Dabei waren aber die blos dem Namen nach freien s. g. Krön- und Apa 
nagebauern nicht eingerechnet. Man zählte bei der vorigen Auf 
nahme 9*457,000 männl. Krön- und 2*234,800 männl. Apanagebauern; 
ferner (damals) 132,300 Handelsleute und 1*434,700 »Bürger.« (Von 
der letzten Aufnahme fehlen uns die dessfallsigen Nachweise.) — Von 
*) Vor dem letzten Kriege war die Seemacht in die des Baltischen und jene 
des Schwarzen Meeres getheilt, erste von 3, letzte von 2 Divisionen, zus mit 
45 Linienschiffen, 30 Fregatten, 20 Briggs etc. Die Zahl der Seeleute ward zu 
42,000 angegeben. Die Schiffe waren meistens schlecht (sogar aus weichem 
Holze erbaut) ; die Bemannung eben so übel, unter ihr viele Juden die beste 
Mannschaft. Als vorzüglichster Tbeil galt die Flotte des Schwarzen Meeres. 
Diese ward bekanntlich durch die Russen selbst im Hafen von Sebastopol zer 
stört. Die Stärke der vernichteten Flotte ward in dem Militärblatte »Wojenny 
Listok« so angegeben : 18 Linienschiffe mit 1628 Kanonen (4 zu 110 bis 120 12 
von 80 — 100 und 2 Reservelinienschiffe von 80 Kan.) ; 12 Fregatten von 52 — 
56 Kan. ; 40 Segelschiffe zweiten (dritten) Ranges von je 10 Kan. ; endlich 15 
Kriegsdampfer, von denen etwa die Hälfte vom Range einer Fregatte und mit 
Bombenkanonen bewaffnet. Die ganze Pontusfiotte trug 2800 K. — Nach dem 
Pariser Friedensvertrage von 1856 darf keine Kriegsflotte auf dem Schwarzen 
Meere bestehen. Zufolge Uebereinkunft zwischen Russland und der Pforte hält 
jeder dieser beiden Staaten blos 6 leichte Kriegsschiffe in demselben, während 
England, Frankreich und Oesterreich je 2 solcher Fahrzeuge an der Donau 
mündung aufstellen dürfen. (Nach obiger Notiz hat Russland das vertrags- 
naässige Verhältniss bereits weit überschritten, eventuell mit dem Vorwände, 
die Fahrzeuge im Azow*schen, nicht im Schwarzen Meere zu halten.)
        <pb n="153" />
        RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 129 
den Leibeigenen kamen (nach Troinitzki) 22’558,748 auf das europ. 
Russland, 506,545 auf Transkaukasien und 4,338 auf Ssibirien. Am 
grössten war die Zahl der Leibeigenen in den Gouvernements : Kiew 
ri 21,062 und Podolien 1'041,621; in 6 andern je über 750,000, in 16 
über 600,000 (im Gouvem. Moskau 621,312, Petersb. 260,292). In 
2 Gouvernements (Ssmolensk und Tula) waren 69 Proc. der Bevölkerung 
leibeigen, in 5 weiteren (Mohilew, Kaluga, Minsk, Kutais und Podolien) 
über 60% , in 10 andern über 50 % , stets ungerechnet die Krön - und 
Apanagebauem, Die geringste Zahl ergab sich in Bessarabien, etwa 
2 Proc. — 103,194 Adelige, deren Güter 106’228,520 Dessjätinen 
Land umfassten (davon 81’032,250 Dess. Acker- und 25’196,270 Dessj. 
unbebautes Land), besassen 10’683,853 männliche Leibeigene, welche 
Letzten von obigem Ackerlande etwa 33 Mill. Dessj. für eigene Rech 
nung und 48 Mill, für ihre Herren bebauten. Von jenen Adelsgütern 
waren 1859 44,166 mit 7’107,184 männliche Seelen für die Summe 
von 425 503,061 S.-R. verpfändet, also über % der Güter und % der 
Leibeigenen. Noch in den Jahren 1856—59 wurden an 60,000 Seelen 
verpfändet. — 12,288 männl. Seelen gehörten 3703 Edelleuten die 
gar keine Güter besassen; sie waren somit Sclaven in der eigentlichen 
Bedeutung. — Nach den von obigen etwas abweichenden Angaben Aug. 
Jourdiers war die Vertheilung folgende: 
mit weniger als 21 Leibeigenen 
— 21 — 100 — 
101—500 
501—1000 
- mehr als 1000 
- ohne Grundbesitz . . . 
Besitzer 
47,465 
35,441 
19,500 
2,433 
1,457 
5,506 
117,404 
Männliche 
Leibeigene 
357,946 
P62b,644 
3*858,085 
1*591,631 
3*265,842 
15,390 
10*733,128 
Ein einziger Adeliger besass etwa 150,000 Leibeigene ; Besitzer von mehr 
als 20,000 rechnete man 6, von 10—20,000 23. 
Ursprünglich waren nur die zahlreichen Haus- und Hofleute, aus 
Kriegsgefangenen und deren Nachkommen bestehend, Sclaven; die Bauern 
aber waren freie Pächter, welche jeden Georgstag (Juriews - Tag) den 
Pacht aufgeben und weiter ziehen konnten. Ein Ukas vom 21. Nov. 
1601 hob die Freizügigkeit auf, und fesselte den Bauer an die Scholle, 
welche er am letzten Georgstage bewohnt hatte. Dadurch ward er in- 
dess noch nicht leibeigen. Die Leibeigenschaft scheint auch nicht durch 
ausdrückliches Gesetz, sondern durch Missbrauch der Gewalt seit Peter 1. 
eingeführt worden zu sein. Das Loos der Unglücklichen versclilimmerte 
sich, als man Fabriken einführte und viele von ihnen zwang in den 
selben zu arbeiten. Indessen ergab sich meistens ein schlechter Ertrag, 
wenn man anders nicht die Leibeigenen für ihre Rechnung arbeiten Hess. 
— Da bildete sich das später sehr verbreitete System aus, wona^ die 
Unglücklichen sich selbst Arbeit suchen durften, dagegen ihren Herren 
alljährlich eine gewisse Summe entrichten mussten. Da der Ackerbau 
den Russen nicht sehr zusagt, sie vielmehr ein Wanderleben oder min 
destens wechselnde Beschäftigung lieben, so wurden viele Leibeigene 
Kaufleute, Handwerker, Fuhrleute, Schiffer etc. Manche erwarben sich 
Kolb, Statistik. 4. Aufl. 9
        <pb n="154" />
        130 RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
ansehnliche Vermögen, für deren Sicherheit sie freilich kaum eine Ga 
rantie besassen. 
Endlich durchdrang — wenigstens für den Ausländer unerwartet 
rasch und intensiv — die Emancipationsfrage auch Russland. Die 
Regierung musste erkennen, dass es in dem Ungeheuern Reiche an der 
Vorbedingung eines wahrhaft kräftigen Staates, an einem freien Bauern- 
und einem zahlreichen Bürgerstand fehle. Der Krimkrieg insbesondere 
hatte ungeahnte Schwächen enthüllt. Es mochten überdies noch andere 
Wahrnehmungen drängen. Schon seit längerer Zeit hatte die Erbitte 
rung gegen die Bedrückungen und Erpressungen des Adels regelmässig 
zu vielen vereinzelten, localen Ausbrüchen geführt, meist von den schreck 
lichsten Barbareien begleitet. Nach amtlichen Erhebungen kamen all 
jährlich zwischen 00 und SO (durchschn. 7 3) Fälle vor, in denen die 
Adeligen von ihren Bauern ermordet und die Schlösser niedergebrannt 
wurden. Nach einem Berichte des Ministers des Innern fanden sich 
schon 1855 alle Gefängnisse überfüllt; die Zahl der Sträflinge, im letz 
ten Jahrzehnte verdoppelt, betrug 324,391. Mit der Thronbesteigung 
Alexander’s II. und dem Friedensschlüsse ergab sich die Bauerneman- 
cipation geradezu als Nothwendigkeit. Doch wurde die »Regelung der 
bürgerlichen Verhältnisse« erst durch Ukas vom 29. Dec. 1857 wirklich 
angebahnt. Die Grundsätze, auf deren Basis der Kaiser die Umgestal 
tung ausgeführt wissen wollte, waren : Dem Gutsherrn bleibt das Recht 
auf sein ganzes Landgut, die Bauern aber behalten ihre eingefriedigten 
Wohnstätten und geniessen die Befugniss, diese als volles Eigenthum 
zu erwerben gegen eine Kaufsumme, welche in einer festgesetzten Frist 
bezahlt werden muss ; sie haben ferner den Niessbrauch von so viel Feld, 
als nach den localen Verhältnissen nöthig ist, um ihre Existenz zu 
sichern und sie in den Stand zu setzen, ihren Verpflichtungen gegen 
den Staat und den Grundherrn nachzukommen. Für diesen Niessbrauch 
sind die Bauern gehalten, eine Zinsleistung an den Grundherrn zu ent 
richten oder statt dessen für ihn zu arbeiten. — Der Minister des In 
nern erklärte in einer Instruction ; Die Aufhebung der Leibeigenschaft 
darf nicht auf einmal, sondern nur stufenweise geschehen. Zu diesem 
Zwecke müssen die Bauern Anfangs in einem Uebergangszustande, d. h. 
mehr oder weniger an die Scholle gebunden sein ; erst wenn die Regie 
rung ihnen erlaubt, unter gewissen Bedingungen eine Oertlichkeit mit 
der andern zu vertauschen, werden sie schliesslich freie I,eute. Für die 
sen Uebergangszustand ist es nöthig, eine Frist zu bestimmen, welche 
zwölf Jahre nicht zu überschreiten hat. — Nach mancherlei Verhand 
lungen mit dem Adel, Berathungen von Commissionen u. s. f. wurde 
ein vom 19. Febr. 1801 datirtes kaiserl. Manifest behufs des Vollzuges 
veröffentlicht. Darnach werden die Bauern persönlich frei, und die Ade 
ligen treten ihnen Grundstücke zur Sicherstellung ihrer Existenz gegen 
einei^ Grundzins ab, welcher letzte ablösbar ist. »Da aber die neue Or 
ganisation in Folge unvermeidlicher Verwicklungen nicht sofort in Aus 
führung gebracht werden kann, da sie einen Zeitraum von wenigstens 
zwei Jahren erheischt, so soll während dieser Zwischenzeit das gegen 
wärtig noch für das Eigenthum der Adeligen bestehende Verhältniss 
aufrecht erhalten werden, bis eine neue gesetzliche Ordnung durch die
        <pb n="155" />
        RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 131 
Beendigung der erforderlichen vorbereitenden Massregeln eingeführt sein 
wird.« Mittlerweile bleiben die Leibeigenen »temporär pflichtige Bauern« ; 
Alles, was sie an Hütte und Grundeigenthum erhalten, müssen sie be 
zahlen. Die Befugniss, sie körperlich zu züchtigen, ging von einzelnen 
Adeligen an die Behörden über. Auch erhielten die Bauern das Recht, 
sich ohne Zustimmung ihrer Herren zu verheirathen, ferner Vermögen 
zu erwerben, zu testiren, zu kaufen und zu verkaufen. Die Ablösung 
findet in folgender Weise statt. Der Betrag der bisherigen Leistung des 
Leibeigenen wird wie ein (iprocentiger Zins betrachtet und capitalisirt ; 
der Berechtigte erhält also für je (» Rubel, die er bis jetzt jährlich em 
pfing, ein Capital von lOO R. Hievon haben die Bauern 20 Proc. un 
mittelbar an ihre Herren abzutragen ; für die übrigen 80 Proc. gibt ihnen 
die Regierung theils Schatzscheine, theils garantirte Certificate, beide 
5 Proc. Zins tragend, deren Erste auf den Inhaber, die Letzten aber auf 
den Namen lauten und überdies nur unter Förmlichkeiten wie ein Grund 
eigenthum übertragen werden können. Alle 5 Jahre wird ein Drittheil 
der garantirten Certificate gegen Schatzscheine umgetauscht, so dass diese 
Certificate nach 15 Jahren vollständig eingezogen sein sollen. Die Bauern 
ihrerseits haben der Regierung für deren Vorschuss 49 Jahre lang jährl. 
fl Proc. dieser vorgelegten Beträge zu entrichten, womit die Verzinsung 
und Amortisation gedeckt wird. — Die ganze Einrichtung ist als 
sehr drückend für die Bauern bezeichnet worden. Gleichwol geht die 
Ablösung in gewaltiger Ausdehnung vor sich. Die Listen zerfallen in 
zwei Kategorien: in die der grossen oder kleinen Güter, d. h. mit 21 
oder weniger männl. Bauern. Was die erste dieser Classen betrifft, so 
waren im Juli 1804 nur acht Grundbücher (in den Gouvernements Ko 
stroma und Nowgorod) noch nicht in Wirksamkeit getreten. Die 111,508 
in Wirksamkeit getretenen beziehen »ich auf Güter, auf welchen gegen 
lO’OlO,220 Bauern leben, d.h. 99,79% aller auf grössernGütern über 
haupt lebenden Bauern (10’((1 3,478). Ausführlichere Nachrichten sind 
über 109,758 dieser Grundbücher, auf 9 770,017 Bauern bezüglich, 
vorhanden. Von denselben lassen 74,323, auf 5’2G6,311 Bauern be 
züglich , noch gewisse Pflichtverhältnisse fortbestehen, während durch 
35,435 andere, auf 4'509,700 Bauern bezüglich, jedes Pflichtverhältniss 
aufgehoben wird. Von den Bauern, deren Pflichtverhältniss gelöst wor 
den, hatten bereits 2'052,01 0 ihre Grundstücke zu ihrem vollen Eigen 
thum gemacht, und zwar 428,570 ohne, die andern mit Mitwirkung der 
Regierung. Von den unter Mitwirkung der Regierung zu Stande ge 
kommenen und durch das Loskaufsetablissement bestätigten 13,030 
Acten und Contractcn kommen: 1) auf die Güter mit Grundzins 8201 
Contracte mit 989,330 Bauern, 3’185.508 Dessj. Land und einem Los 
kaufsdarlehen von 101894,957 R. 2) Auf die Güter mit Frohnleistung 
5059 Contracte mit 590,999 Bauern, 1’887,401 Dess. Land und einem 
Loskaufsdarlehen von 59*103,755 R. 3) Auf die Güter in den nord 
westlichen Gouvernements, für welche der Loskauf durch das Edict vom 
1. März 1803 obligatorisch geworden, 370 Acte mit 43,705 Bauern, 
150,437 Dessj. Land und einem Loskaufsdarlehen von 2*855,803 R. 
Es waren also im Ganzen unter Mitwirkung der Regierung 5*223,400 
Eessj. Land Eigenthum der Bauern geworden, auf welches ein Loskaufs- 
9*
        <pb n="156" />
        1 32 IIUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
dariehen von 163’854,465 R. kam. — Von den für die kleinen Güter 
bestimmten Registern waren damals 17,558 angefertigt und nur 46 im 
Rückstände, — die ersten mit 180,417 Bauern (99,7% aller auf klei 
nen Gütern lebenden Bauern). Davon waren 4704 Güter mit 33,906 
Bauern in den Besitz des Staats übergegangen, welcher dafür eine Ent 
schädigung von 4’978,195 R. geleistet hatte. 
Eine Art Mittelstellung zwischen Freien und Leibeigenen nahmen 
früher die Krön- und Apanagebauern ein, jedenfalls über 2 Mill, märml. 
Einw, Durch Ukas vom 8. Juli 1863 wurde verfügt, dass sie innerhalb 
2 Jahre in die Reihe der bäuerl. Landeigenthümer zu treten hätten, 
wofür sie während der nächsten 49 Jahre einen dem bisherigen Obrok 
sammt Annuität entsprechenden Kaufpreis zu entrichten hätten. 
Nach glaubwürdigen Nachrichten ist die grosse Massregel der 
Bauernemancipation entschieden gelungen und erweist sich schon jetzt 
als ungemein wirksam. Der Werth der Grundstücke steigt ; es kommen 
neue Ackergeräthe zur Anwendung ; mehr neue Häuser erstehen auf dem 
Lande in einem Jahre als sonst in einem Jahrzehnt. Auch wird rühmend 
erwähnt, dass die Bauern viele (angebl. 8000) Schulen aus eigenen Mit 
teln errichtet hätten. 
In den deutschen Ostseeprovinzen ist, auf Antrag der Stände, die 
Leibeigenschaft nominell längst aufgehoben (Ukasen vom 6. Juni 1816 
und 6. Jan. 1820). Die Bauern wurden allerdings persönlich frei, kön 
nen aber keine Güter erwerben. Ihr Zustand ist ein durchaus unbefrie 
digender, so dass, als der Grundsatz der Emancipation in Russland aus 
gesprochen ward, unter den Bauern der Ostseeprovinzen sehr allgemein 
der Glaube sich verbreitete, der Kaiser habe sie nun »frei« erklärt. 
Im Königr. Polen fand sich die Leibeigenschaft seit 1807 aufge 
hoben, d.h. seit Gründung des Herzogthums Warschau und Einführung 
des modificirten Code Napoléon). Die Bauern wurden, gegen Ueberlas- 
sung der Felder, zu Frohndiensten verpflichtet. Das Verhältniss blieb 
ein durchaus unbefriedigendes. Auch als die Frohndienste vom 1. Oct. 
1861 an abgeschafft wurden, erhielten die Bauern das Land nicht als 
freies Eigenthum, sondern blos in Erbpacht [Emphytetisis], und wurden 
dafür zur Zahlung eines ewigen Grundzinses verpflichtet. — Endlich 
veranlasste der letzte poln. Aufstand die russ. Regierung aus politischen 
Gründen (zur Belohnung der Bauern für ihre gute Haltung — in Wirk 
lichkeit um die Macht des Adels und theilweise auch des Clerus zu 
brechen) zu äusserst durchgreifenden Massregeln. Vier Ukase vom 
2. März 1864 bestimmten ; Mit dem Tage des Erlasses werden die Bauern 
Eigenthümer aller Ländereien, die sie innehaben. Sie sind von allen bis 
herigen Leistungen an die Gutsbesitzer entbunden. Sie können sogar 
innerhalb dreier Jahre die Ländereien zurückfordern, die sie seit dem 
Ukas vom 2b. Mai 1846 einmal im Besitz gehabt haben, wenn sie wie 
der in den Besitz des Eigenthümers gekommen sind, und wenn sie an 
dere dafür erhalten haben, dürfen sie diese gegen jene austauschen. Mit 
dem Eigenthum am Boden erhalten sie auch das an Gebäuden, Vieh, 
Werkzeugen, Aussaat u. s. w. Sie bewahren den Genuss der bestehen 
den Servituten, und können diejenigen revindiciren, welche ihnen durch 
erzwungenen Nichtgebrauch entzogen worden sind. Sie haben auch das
        <pb n="157" />
        RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 133 
Eigenthum an den unterirdischen Producten. Jagd und Fischerei auf 
den Ländern der Bauern gehören den Gemeinden, ebenso die Schankge 
rechtigkeit (doch gehen die Einkünfte dieser vorläufig an den Staat, zur 
theilweisen Entschädigung der Gutsbesitzer). An die Stelle der mannich- 
fachen bisherigen Abgaben der Bauern an den Grundbesitzer tritt eine 
Grundsteuer an den Staat, welche aber nur zwei Drittel der bisherigen 
Lasten beträgt. Die Gutsbesitzer werden in der Art entschädigt, dass 
ihre bisherigen Einnahmen aus Frohndienst und Abgaben geschätzt wer 
den. Von den ersteren wird %, von den andern ‘4 abgestrichen, dann 
das Ganze zu 6 Proc. capitalisirt (d. h. mit lfi% multiplicirt) und ihnen 
dafür Verschreibungen gegeben, die aber nur mit 4 Proc. verzinst und 
mit 1 Proc, amortisirt werden. (Durch diese verschiedenen Manipula 
tionen, erst Abzug, dann Capitalisirung blos im 16%fachen Betrage, 
endl. Vergütung in 4proc. Papieren, sank ein Einkommen von 1000 R. 
gerade auf 500 herab.) 
Gemeindeverband. Mit einem ganz eigenthümlichen, wahrhaft so- 
cialistischen Bande umfasst die Gemeinde ihre sämmtlichen Angehö 
rigen. Die slavische Einrichtung schliesst die Autonomie des einzelnen 
Individuums aus. Die Feldmark, in ihrem ganzen Umfange, ist nicht 
Eigenthum der Einzelnen, sondern der Gesammtheit, der Gemeinde. 
Jede lebende männliche Seele (denn auch hier zählt das Weib nicht) 
hat einen Anspruch auf den ganz gleichen Antheil an allen Nutzungen 
des Bodens. Jeder eben geborene Knabe hat diesen Anspruch von seiner 
Geburt an, sein Vater tritt für ihn ein. Dagegen fällt der jedes Todten 
augenblicklich wieder der Gemeinschaft zu. Ein Vererben nach unsern 
Begriffen findet nicht statt. Waldungen. Weiden, Jagd und Fischerei 
bleiben, wie Luft und Wasser, völlig ungetheilt. Aecker und Wiesen 
werden unter sämmtliche männliche Ortsangehörigen vertheilt, meist ver- 
loost. In der Regel hält man Reserveland für Nachkommende bereit. — 
Dieses System gleichmässiger Nutzung (natürlich auch gleichmässiger 
Leistung) ward von jeher angewendet, gleichviel ob die Gemeinde freie 
Eigenthümerin war (wie alle Kosakengemeinden), oder blos Besitze 
rin (wie auf den Kronländern), oder nur Inhaberin (wie in den leib 
eigenen Communen). Meistens hatten die Leibeigenen eine bestimmte 
Geldabgabe zu entrichten (den Obrok). Häufig vermochten die Bauern 
deren Betrag nicht mehr zu erschwingen. Da kam man zu einer Thei- 
lung des Grundeigenthums. Der Gutslien zog % oder ‘4 des Bodens 
an sich und überliess den Rest an die Gemeinde zu ihrer Ernährung, 
wogegen sie ihm den ersten Theil kostenfrei bebauen (selbst düngen und 
besäen) musste. Natürlich änderte sich dieses ganze Verhältniss mit 
der oben geschilderten Umgestaltung der bäuerl. Zustände. — Ein ei 
gentliches Proletariat kann bei den erwähnten Einrichtungen nicht 
entstehen: ebensowenig ist aber auch ein Aufschwung, eine gehörige 
Entwicklung selbst nur im Ackerbaue möglich, so weit die Bebauer des 
Bodens nicht freie Eigenthümer zu werden vermögen. — Den Polen 
ist durch Ukas vom 2. März 1804 eine der russischen nachgebildete, 
somit auf Grundlage der Selbstverwaltung beruhende Gemeindeordnung 
verliehen worden. Zweck ist auch hiebei : Brechen der Macht des Adels 
und der Geistlichkeit, allerdings aber auch der Nationalität.
        <pb n="158" />
        134 llüSSLANI). — Sociale, Gewerbs- und Ilandelsverhältnis.se. 
Beamtenthmn und Adel. Zu einer eigenen Kaste hat sich das Beam 
tenthum ausgebildet. Den Provinzen, in denen sie verwendet werden, 
meistens nicht angehörend, bleiben die Angestellten schon wegen ihrer 
(in der Regel blos übertünchten) Bildung dem Volke völlig fremd, und 
wegen ihrer Aufgabe an sich, noch weit mehr aber wegen häufig vor 
kommender Feilheit und Bestechlichkeit, demselben tödtlich verhasst. 
Daher kommt es, dass die Anordnungen von oben in der Regel einem 
eigenthümlichen passiven Widerstande im Volke begegnen und nur 
höchst selten von diesem gefördert werden. — Beamtenhierarchie und 
Adel haben sich verschwistert. In keinem Lande findet man grössere 
Gegensätze von Abgeschliffenheit und Uncultur. Jene Abgeschliffenheit 
hat aber für die Nation meist nichts Anderes, als die Kunst grösserer 
Erpressungen und Bedrückungen, sonach fast nur Laster hervorgebracht. 
»Zu jämmerlich, um als Fortschritt in der Bildung gelten zu können, 
war sie hinreichend, um alles Edle und Nationale im Innern des Men 
schen zu zerstören . . . Jeder, der sich diese Abglättung erworben, trat 
in den Staatsdienst und erwarb sich dadurch den Adel, und da alles äus 
sere Ansehen, wie alle reelle Macht sich in dieser gefährlichen Beamten 
hierarchie concentrirto, ausser ihr keine Ehre, keine Macht zu erwerben 
war, ja man nicht einmal ausserhalb ihres Kreises dem Kaiser und dem 
Vater lande zu dienen vermochte, so trat Alles, was selbst zum alten Adel 
gehörte. in die Reihen der Beamten und ward mehr oder weniger von 
dem hier herrschenden Geiste der Verdorbenheit angesteckt. — So ist 
es denn gekommen, dass der Adel in Russland zu einem Volke ange 
schwollen ist ; zu einem Volke der Herren, im Gegensätze zu dem alt- 
russ. Volke der Knechte, durch eine fremde Bildung, durch fremde 
Lebensanschauungen ^ durch fremde Sitten und Kleidung von diesem 
Volke getrennt, und nur durch Religion und Sprache mit ihm vereinigt.« 
(So spricht selbst Haxthausen, der Bewunderer Russlands.) 
Volksbildung. Die Volksbildung ward früher mehr gehemmt als be 
fördert. Es war Grundsatz, dass der Leibeigene nicht zu viel lernen 
dürfe. Nach den amtl. »statist. Tabellen des russ. Reiches« zählte man 
1850 (mit Einschluss des Kaukasus und Ssibiriens) 8227 Schulen und 
450,002 Schüler. Es kam also 1 Schüler auf 143 Einwohner, während 
Einer in Oesterreich auf 14 Einw. gerechnet wurde, in Frankreich 1 auf 
11, in Grossbritanien auf 9, in Preussen (und dem grössten Theile von 
Deutschland) schon auf 0,7. — Der Etat des gesammten Unterrichtsmi 
nisteriums belief sich 1857 nur auf 2,9 (jetzt 0,1) Mill. Die emancipirten 
Bauern sollen bereits viel für Verbesserung des Schulwesens gethan 
haben. — Die 0 russ. Universitäten zählten Ende 1803 4901 Stu 
denten, ungerechnet die blosen Auditoren (Moskau 1892, Charkow 703, 
St. Petersburg 072, Kiew 04 7, Dorpat 508, Kasan 419). 
Presse. Im J. 1855 erschienen in Russland 1240, im J. 1857 
1425 und 1858 15// Originalschriften, ferner im letztgenannten Jahre 
284 Uebersetzungen und 105 periodische Schriften, sodann 550 Bücher 
und Broschüren in Polen. Eingeführt wurden in jenen drei Jahren 
1 191,745, dann 1 013,802 und 1 014,874 Bände oder Hefte, ferner 
173,857 in Polen: 1855 wurden 1 1,000 nicht eingelassen. — Die Zahl 
der Zeitungen, 1858 109, neben 95 Zeitschriften, stieg 1800 auf 142
        <pb n="159" />
        RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handels Verhältnisse. 
135 
und 310; von den letzten waren 230 in russ. Sprache, 38 deutsch, 29 
franz., 5 armenisch, 2 englisch (Schiffslisten), 3 lettisch, 2 esthnisch, 
1 georgisch, 2 russ.-deutsch, 2 russ.-franz. etc. 
Mangel an Verkehrsmitteln. Russland ist bekanntlich ein Getreide 
erzeugendes Land. Allein abgesehen von den in ihren W irkungen na- 
tOrl. noch nicht überwundenen frühem socialen Missständen, kann man 
die natürlichen Vortheile nur wenig benützen. Es fehlt nicht etwa blos 
an guten, sondern es fehlt überhaupt an brauchbaren Strassen, ln 
Folge dessen herrscht jedes Jahr in einer Anzahl Provinzen Theuerung, 
selbst Hungersnoth, indess sich die andern in einem Zustande von Ueber- 
fluss befinden, aus dem sie keinen Nutzen zu ziehen vermögen. Das 
Schwanken der Getreidepreise ist so gross wie im Mittelalter. Der russ. 
Domänenminister sprach sich 1847 in einer Denkschrift bezeichnend 
darüber aus. Während 1845 im Pskow’sehen Gouvernement der Tschet- 
wert Roggen bis 10 Rubel stieg, galt er 85 Meil. entfernt noch nicht 1 '/%. 
In einem und demselben Gouvernement steigt und fallt der Preis nach 
Massgabe guter oder schlechter Erndten um das Sechs— und Zehnfache. 
So wechselte derselbe in Stawropol zwischen 1 Rub. o7 Kop. und 17 
Rub. 28 Kop.l —Den eigenen Getreidebedarf Russlands berechnete der 
Minister zu 30 Mill. Tschet wert (00 Mill. Hectoliter), die Ausfuhr, nach 
lOjährigem Durchschnitte, zu 2*/* Millionen. Diese Ausfuhr kommt nur 
den Seeprovinzen zu statten, und während die Preise hier zuw eilen be 
deutend steigen, bleiben sie im Innern auf dem tiefsten Stande. Wäre 
doch ein ganzes Jahr Zeit nOthig, um den dortigen Ueberfluss nur nach den 
Seehäfen zu bringen ! Die nördlichen Ströme sind zu lange gefroren, um 
dem Verkehre wesentlich dienen zu können; die gewaltige Wolga geht 
blos nach einem Binnensee; der Dnjepr und andere Flüsse sind wegen 
Stromschnellen oder versandeter Mündung wenig schiffbar ; ganze Gou 
vernements (Kursk, Charkow etc.) entbehren jedes schiffbaren Gewäs 
sers. Der Minister klagt ; Die Donaufürstenthümer führen gegen 900,000 
Tsch. Getreide aus ; Aegypten 1 % Mill.; selbst die Türkei beginnt Frucht- 
exportation ; mit der gefährlichsten Concurrenz bedroht uns aber Nord 
amerika. In gewöhnlichen Jahren betragen h rächt und Assecuranz nach 
London, pr. Quarter : 
aus den baltischen Häfen 5— 7 Shill. 
- Odessa 10—12 
- Nordamerika . . . 7— 8 - 
so dass die geringere Entfernung fast keinen Vorzug mehr gewährt. 
Der Werth des* ausgeführten Getreides ward so berechnet (in S. - Rub.): 
1845; Ui’572,751 
1840: 28’02'.»,010 
1847: 71’270,552 
1848; 2P005,045 
1850: lil’207,188 
1852: 84’244,559 
185:1: 55’o:i3,883 
1856: 56’602,374 
1857: 51*588,981 
1858: 50*288,657 
1860; 63*8:10,110 
1861; 69*161,601 
Die Wolle production ward 1858 auf 1*250,000 Zollcentner geschätzt; 
die W ein production stieg 1853 in Bessarabien, der Krim, Cherson und 
Podolien auf mehr als 440,000 Hectol., wovon allerdings ein ansehn 
licher Theil auf den seitdem verlorenen Bezirk von Bessarabien kam. 
Trotz des natürl. Reichthums an Mineralien betrug die Gesammtausbeute 
doch nur (in russ. Pud’s):
        <pb n="160" />
        136 RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Kronhütten 
Privathütten 
Davon Kupfer: in den Kronhütten 
- - Privathütten 
1832 
1’512,177 
S’874,2ü^ 
10’38t),44^ 
44,759 
176,084 
1846 
2’002,113 
11’104^100 
13’106,21 a 
43,796 
216,252 
260,048 
1857 
1’093,302 
11’966,633 
13’050,935 
31,175 
306,796 
337,9b9 
220,843 
Eisenerze etwa 15 Mill. Pud’s (= 4,95 Mill. Zollcentner), wo 
von 10% Mill. Pud’s aus dem Ural. Die Salzausbeute wird zu 30 Mill. 
Pud’s angegeben, Steinkohlenlager will man viele aufgefunden haben 
doch stieg die Jahresausbeute nie über 3’160,000 Pud’s. (Der Mangel 
Russlands an reichen und guten Steinkohlenflötzen — so weit man neml 
bis jetzt weiss — veranlasste den Geologen Roderick zu der Aeusserung • 
er glaube nicht, dass dasselbe eine grosse Zukunft habe.) 
Eisenbahnen. Was volkswirthschaftliche Rücksichten zu schaffen 
nicht im Stande waren, das bewirkten die schlimmen Wahrnehmungen 
im Krimkriege : dieser zeigte die politisch-militärische Nothwendigkeit 
von Eisenbahnen. Bis dahin waren in dem Ungeheuern Reiche nur drei 
Schienenwege vorhanden, zus. 133 deutsche Meilen lang (von Petersburg 
nach Zarskoje-Selo 3% Meil. ; von Warschau nach Krakau 41%, und 
von Petersburg nach Moskau SS). Die Regierung veranlasste die Bildung 
einer grossen Eisenbahngesellschaft, unter wesentlicher Mitwirkung der 
Pariser Börse. Es wurde die Anlage von 4162 Kilometer (560 M.) neuer 
Schienenwege projectirt. Die finanzielle Krise und die Entwerthung des 
Papiergeldes führten zu einer Reduction ; vorerst wurden nur folgende 
drei Linien hergestellt. Petersb.-Warschau 1115 Kilom., Wilna-preuss. 
Grenze 172, und Moskau - Nischni - Nowogorod 437, zus. 1 724 Kilom 
= 1616 Werst, veranschlagt auf 125 Mill. S.-R. Kosten, wofür die Re 
gierung 5% Zins garantirt hat. In Wirklichkeit waren Ende 1S63 be 
reits 671 399,264 hr, = 167’S49,S16 R. verausgabt, und zum voll- 
ständ. Ausbau waren noch 13—14 Mill. Fr. erforderl., so dass der Ki 
lom. bereits 389,44 3 Fr, kostete und bis zum Ausbau 400,000 erfor 
derte (etwa 800,000 Thlr. die d. Meile).. Das Actiencapital betrug 300 
Mill. Fres., die Obligationen 149’438,500 Fres., Vorschüsse und Ar 
beiten des Staats 230’724,116 Fr. — Die Einnahmen waren im J 1863 
36’565,696, die Ausg. 24 306,385 Fr. (pr. Kilom. 21,200 brutto, 7110 
Fr. netto). Der Staat hatte wegen Zinsgarantie 10—11 Mill. Fr. zuzu- 
schiessen. — Andere Gesellschaften haben Bahnen hergestellt zw Riga 
und Dünaburg 227 Kilom., Riga-Warschau 343, Warsdiau-Bromberg 
161. Die Gesammtsumme der Eisenbahnen im Reiche beläuft sich so 
nach auf 3586 Kilom. = 471 d. Meil. 
Actien- und Commanditgesellschaften bestunden Ende 
ISOI: 127, mit einem (jedoch nicht vollständig einbezahlten) Gesell- 
schaftscapitale von 2S2’323,305 S.-R. 
Telegraphen. Am 1. Mai 1863 berechnete man; 
Staatstel. im Betrieb 
in Ausführg. 
Eisenbahn - Telegr. 
Zusammen 29,570 
mit 37,180 AV. Drahtleitung, 190 Station 
3,380 
2.620 
- 11,750 - 
- __6,100 - 
- 55,030 - 
40 
158 
388
        <pb n="161" />
        RUSSLAND — Sociale, Gewerbs- und Handelsverháltnisse. 137 
Anlagekosten bis 1. Jan. 1S62 3’52b,900 R. — 1802 wurden 
627,000 Depeschen befördert. Einn. 1'17G,762, Kosten 1’020,000 R. 
Post. Im J. 1856 bestanden 3950 Poststationen mit einem Perso 
nale von 16,510 Indmduen. Zahl der Briefe (Millionen) : 
1825 1835 1840 1845 1850 1854 1855 
5 6 8 10 12 14% 10% 
In dieser kleinen Zahl übertreffen noch die »dienstlichen Sendungen« alle 
Privatcorrespondenz. Zur Erläuterung wird angeführt, dass auch die 
Zeitschriften der gelehrten Gesellschaften, welche Portofreiheit geniessen, 
unter dem Regierungssiegel versendet würden. 
Fabriken. Der Gesammtwerth aller Fabrik- und Manufacturerzeug- 
nisse im ganzen Reiche, jedoch ausschliesslich der Handwerksproducte, 
wird in den statist. Tabellen für 1856 auf 224*332,962 S.-R. berech 
net. Tegoborski nimmt mit Einschlus» der Handwerkererzeugnisse nicht 
weniger als 550 Mill, an*), sonach wol zu viel. 
Der Taglohn betrug früher, neben Kost, nur 20—50 Kupferko- 
peken (noch nicht 2 — 4% Sgr.) ; in der Erndte bis zu 2 Ruh. Papier 
(I~ Sgr.). Seitdem bedeutendes Steigen der Preise. — Der Zinsfuss 
ist sehr hoch, selbst hei Hypotheken monatlich I*/*, 1 %, sogar 2%. 
Handel. Seit 1822 galt ein starr abschliessendes Prohibitivsystem. 
Ein Ukas vom 28. Mai 1857 führte einen gemässigten Schutzzoll ein, 
setzte auch die Zahl der zollpflichtigen Einfuhrartikel von 472 auf 367 
herab, und erweiterte die Zollfreiheit auf 300 Artikel. Der ganze inter 
nationale Verkehr (Ein- und Ausfuhr zusammen) betrug in der Periode 
1S24—28 107 Mill. S.-R., in der 1844—48 170 Mill., ohne Polen. 
Sodann, mit Einschluss von Polen (wobei aber zu bemerken, dass 1854 
und 55, theilweise selbst 1856, Kriegszeiten waren) : 
Jahre 
1851 
1852 
1854 
1855 
1850 
Ausfuhr 
97*394,457 
114*773,829 
05*337,081 
49*517,440 
100*249,872 
Einfuhr 
103*737,012 
100*804,052 
70*358,008 
72*099,881 
122*502,442 
Jahre 
1857; 
1858; 
1859; 
1800; 
1801 ; 
Ausfuhr 
169*088,134 
151*175,047 
105*004,672 
181*383,281 
177*179,985 
Einfuhr 
151*080,799 
149*383,950 
159*334,100 
159*303,405 
107*111,131 
Im J. 1861 betrug der W a a r e n verkehr in Rub. S.: 
Davon Seehandel; 137*702,143 
Aus- u. 115*051,243 Einfuhr; — 
Europ. Grenze 
Asiat. 
Finland . . 
Dazu ; Edelme 
talle . . 
(Im Vorjahre. 
Ausfuhr 
159*800,359 
13*454,108 
3*801,504 
Einfuhr 
142*750,300 
22*139,000 (?) 
2*221,491 
15*790,353 
9*875,544 
7*138,396 
7*147,009) 
Die wichtigsten Handelsartikel waren 
Landhandel; 39*473,888 Aus-, 
44*028,010 Einf. — Die Ostsee 
häfen hatten 07,8 Mill. Aus- u. 
99,6 Mill. Einf. ; die südl. Häfen 
03,1 resp. 15,5. — Westl. Land 
grenze 22,1 M. Aus-, 27,1 M.Einf. 
*) Die Runkelrübenzuckerfabrikation ward 1858 auf 10*500,700 Zollcent- 
ner, im Werthe von 3*580,019 S.-R. geschätzt; mit Zuckerrüben waren 77,277 
pessjätinen (84,000 Hectaren Landes angebaut. 1801 zählte man 427 Fabri 
ken, wovon 27 stillstehend, welche 4*400,785 Berkowetz Rüben verarbeiteten.
        <pb n="162" />
        138 
RUSSLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Einfa 
Rohzucker 
Steinkohlen . 
Kaffee . . . 
Baumwolle, rohe 
Roheisen . 
Getränke, bes. Wein, 
Farbewaaren . 
Maschinen 
Baumwollzeuge 
Früchte, Obst 
Seidenzeuge . 
Wollzeuge 
Leinenzeuge . 
h r: 
Pud 
S.-R 
1'095,297 
843,270 
358,594 
2’043,M4 
008,402 
9’722,940 
10’379,188 
8’024,017 
7’014,537 
5’731,»S0 
5'029,ß59 
4’332,942 
2’629,990 
Ausfuhr: 
Cerealien . . für S.-R. 09’161,601 
Holz .... - - 5’947,363 
Häute, rohe. . - - 1'294,000 
gegerbte - - 1'325,490 
Bein Pud 3'419,911 
2'54G,325 
• 
Hanf . 
Wolle. 
Potasche 
Lein- u. Hanfsamen 
2’977,056 
1'045,004 
594,012 
1'237,458 
Die Verkehrslisten aus den Jahren 1862 und 63 liegen uns nur in 
summarischer Uebersicht vor. Hier die Hauptziffern in Mill. S.-K.; 
Ausfuhr Einfuhr 
1862 • 1863 1862 1863 
Waaren. . 159,9 134,7 125,2 127,0 
Edelmetalle 32,2 59,2 4,8 4,9 
192,1 193,9 130,0 131,9 
Von der europäischen Einfuhr kamen wenigstens früher in der 
Regel aus Grossbritanien fast aus Deutschland V*, Frankreich ‘/g ; — 
von der Ausfuhr nach europ. Ländern: Grossbritanien %, Deutsch 
land %, Türkei und ebenso Frankreich Nach den Ver. Staaten 
wurden 1858 ausgeführt für 2’671,854, daher eingeführt für 5’420,976 
S.-R. — Im Handel mit Asien erscheint China bei der Einfuhr mit 
mehr als der Hälfte (Persien mit %), bei der Ausfuhr China sogar mit 
*/a. — Dmvsofi bemerkte (1855): Es exportiren : 
die 28 Mill. Engländer für 90 Mill, st = pr. Kopf Fr. 80. 33 Cent. 
- 36 - Franzosen - 50 - - = - - - 34. 72 
— 07 — Russen — 14 — — = — — — 5. 22 — 
Auf jeden Engländer kam damals mehr als auf 1 5 Russen. Noch un 
gleicher dürfte die Consumtion sein. — Der Verbrauch von Zucker war 
in Deutschland 11-, jener von Kaffee 27mal so gross als in Russland. 
Grösse des inländischen Handels: 1861 wurden auf die 1988 
Messen und Jahrmärkte im Reiche für 336’344,129 R. Waaren ge 
bracht, und davon für 235 975,312 verkauft. 
Handel Finlands im J. 1862 : 
Einfuhr aus 
Russland 7'700,028 
Schweden u. Norwegen 1'050,844 
Andern Ländern . . O'l 10,330 
Zusammen 14'801,208 
Im J. 1803 .... 12'143,933 
Ausfuhr nach 
4'070,510 S.-R 
996,449 - 
4'894,224 - 
9'961,183 - 
H'275,375 - 
Im letzterwähnten Jahre betrug die Einfuhr von Getreide 4’378,231 
R. S., von gewebten Stoffen 1'561,962, Zucker 1’361,675, Kaffee 
1244,226, Eisen 1 Mill., Spirituosen ebensoviel. Von den ausgeführ 
ten Artikeln kamen auf Bauholz 3%', Theer und Gel 2’, gewebte Stoffe 
I % Mill. 
Handelsflotte. Neujahr 1859; 1116 Schiffe von 172,605 Tonnen, 
mit 10—11,000 Matrosen. Die Schiffe sind meist klein; viele gehören
        <pb n="163" />
        OESTERREICH. — Land und Leute. 
139 
Griechen, die sich nur der russ. Flagge bedienen. Die Zahl der Dampf 
boote auf den Binnengewässern ward 1860 zu 358 angegeben, wovon 
215 die Wolga und deren Nebenflüsse befahren sollen. — Hafen ver 
kehr; Schiffe waren 1861 eingelaufen 10,634 v. 1024,103 Tonnen. 
Davon kamen auf die Ostsee 4807, die südlichen Häfen 5016, das Weisse 
Meer 811. Ausgelaufen 10,739 Sch. v. 1’025,972 Tonn. — Unter den 
eingelaufenen waren nur 5804 beladen, unter den ausgelauf. 9364. — 
Von den angekommenen waren: 1956 engl., 1834 russ., 1468 türk., 
763 hoUänd., 752 ital., 558 norweg., 483 dän.-schlesw., 440 hannov. 
Die Handelsflotte F inlands (oben nicht einbegriffen) umfasste 
1862: 1592 Fahrzeuge von 98,344 Commerzlasten, wovon aber nur 
418 Segel- und 30 Dampfschiffe von mehr als 10 Lasten, zusammen mit 
56,610 Lasten und 5371 Matrosen. 
Münze etc. Geldeinheit: der Silber-Ru bei, 13 Stück auf die Köln. 
Mark fein, sonach 1 fl. 52" ,„ Krzr. oder 1 Thlr. 2,36 Sgr. (13 Silber-Rubel sind 
gleich 14 Thlr. ; der Rubel beiläufig 4 Fr.). — Unterabtheilung in 100 Kope 
ken. Der Werth des Papi er-Rubels ward 1839 so bestimmt, dass 1 Silber- 
Rubel gleich sei 3 Rub. 50 Kop. in Papier. Auch der Papier - Rubel ward in 
loo Kopeken Kupfer-Kopeken) getheilt. Papier verdrängt übrigens immer 
mehr das Metallgeld. — Die Elle, Arschine, 315,4 Pariser Idnien : 100 Arschi 
nen = 71,14 Meter, 106,55 Berliner Ellen, oder 77,78 engl. Yards. — Der russ. 
Fuss ist genau der englische von 135 franz. I.inien. — Die Sasche oder Klaf 
ter = 7 russ. oder engl. = 6,795 rhein. Fuss, 2,13 Meter. — Die Werst (russ. 
Meile), 104,25 auf 1 Gr. des Aequators, = 1,0666 Kilom. = 6,95 russ. Merst 
1 geogr. Meile. — Die Dessjätine = 4,2781 Berl. Morgen oder 1,09 Hecta- 
ren; — 5022,3 Dessjätinen = 1 Quadrat-Meile. — Getreidemass: Der 
Tschetwert = 209,9 Lit. oder 3,82 Berl. Scheffel, oder 0,72 engl. Quarters. — 
Gewicht: lOO Pf. russ. = 40,9 Kilogr., 81,8 deutsche Zollpfund. — Das Pud 
hat 40 russ. Pfund = 16,38 Kilogr. Das Berkowetz (Schilfsgewicht =10 Pud 
oder 400 russ. Pfund. 
Oestermcii (Kaiserthum.*) 
Ijaiid und liante. 
Oesterreich, bis 1848 ein Conglomérat verschiedener Staaten, dann 
nach schwachen constitutioneilen Versuchen in eine absolute Monarchie 
umgewandelt, endlich, nachdem das kaiserl. Diplom vom 20. Oct. 1860 
mit etwas föderalistischer Färbung vorangegangen, durch das Reichs 
grundgesetz vom 26. Febr. 1861 zu einem monarchischen Flinheitsstaate 
mit Reichsvertretung erklärt, umfasst 1 1,762 geogr. (11,253 österr.) 
Q. - Meilen und, nach der Zählung vom 31. Oct. 1857: 35’018,988 
Menschen. In nachfolgender Zusammenstellung sind die vollständig 
zum deutschen Bunde gehörenden Länder mit *, jene, welche nur theil- 
*) Ilauptquelle, ausser den »Tafeln« und »Mittheilungen« der Direction 
der administrativen Statistik, das von deren Vorstand Frhm. v. Czörnig ver 
fasste, sehr übersichtliche »statist. Handbüchlein der österr. Monarchie;« so 
dann die Veröffentlichungen in der officiellen »Wiener Ztg.«
        <pb n="164" />
        140 
OESTEKKKICH. — Land und Leute. 
weise dazu gehören, mit j bezeichnet (es sind letztes ; vom Küstenlande 
die Stadt Triest mit Gebiet, der Kreis Görz und ein Theil des Istrianer 
Kreises, 85 Q.-M. mit 361,972 Einw., und von Galizien die Herzog- 
thümer Auschwitz und Zator, 45 Q.-M. und 196,339 Menschen). 
Länder Areal. Q.-M. 
österr. geogr. 
* Oester, unter d. Enns 344 360 
*üester. ob d. Enns . 208 218 
* Salzburg .... 125 130 
* Steiermark .... 390 408 
*Kärnthen .... 180 188 
*Krain 174 181 
•{■Görz, Gradisca, Istrien, 
Triest 139 145 
*Tirol und Vorarlberg 509 532 
* Böhmen 903 944 
*Mähren 386 404 
* Schlesien .... 89 94 
•j-Galizien 1,364 1,426 
Bukowina .... 182 190 
Dalmatien .... 222 232 
Lombardo-Venetien . 437 456 
Ungarn *) . . 3,728 3,896 
Kroatien, Slavonian . 335 350 
Siebenbürgen . . . 954 998 
Militärgrenze . . . 583 610 
Actives Militär ... — — 
Andere grössere Städte: 
Bevölkerung 
1857 
1'681,697 
707,450 
146,769 
1’056,773 
332,456 
451,941 
520,978 
851,016 
4’705,525 
1’867,094 
443,912 
4’597,470 
456,920 
404,499 
2’446,056 
9’900,785 
876,009 
1’926,727 
1’064,922 
579,989 
Hauptstädte u. Einw. 
1857 
In Ober Österreich: 
Steier. . . . 10,752 
In Böhmen: 
Ileichenberg . 18,554 
Budweis . . . 14,800 
In Mähren : 
Iglau . . ^ . 18,050 
Olmütz . . . 13,997 
Sternberg . . 12,665 
In Galizien: 
Krakau . . . 41,086 
Brody . . . 22,796 
Tarnopol. . . 17,210 
In Ungarn: 
Szegedin. . . 62,700 
Ofen .... 55,240 
Presburg. . . 43,863 
Keskemet . 
Debreczin . 
Arad . . . 
Grosswardein 
Temeswar . 
Oedenburg 
Kaschau . . 
Maros-Vasarhely 
39,434 
36,283 
26,959 
23,171 
22,507 
18,898 
16,417 
11,217 
Im Banat: 
Maria-Theresia- 
pol .... 53,499 
Zombor . . . 22,436 
In Kroatien: 
Eiume . . . 15,319 
Essek . . . 13,883 
In Siebenbürgen : 
Kronstadt . . 26,826 
Klausenburg . 20,615 
Wien 
Idnz . . 
Salzburg 
Graz. . 
Klagenfurt 
liaibach. 
Triest . 
Innsbruck 
Prag. . 
Brünn . 
Troppau 
Lemberg 
Czemowitz 
Zara. . 
Venedig 
Pesth 
Agram . 
Hermannstadt 
476,222 
27,628 
17,239 
63,176 
13,478 
20,747 
65,874 
14,224 
142,588 
58,809 
13,861 
70,384 
26,345 
7,797 
118,172 
131,705 
16,657 
18,588 
Im Küstenlande: 
Görz .... 13,297 
In Dalm atien : 
Spalato . . . 10,787 
In Italien : 
Verona 
Padua. 
Vicenza 
Mantua 
Chioggia 
Udine. 
Treviso 
Belluno 
Adria . 
llovigo 
Bassano 
59,169 
55,240 
33,306 
29,884 
26,667 
25,201 
22,165 
13,552 
12,803 
12,618 
11,827 
Es kommen, einschliesslich Militär, auf 
, T , ^ Proc. Bevölkerung Proc. 
die deutschen Länder 3,591 ^ 30 13’250,000 = 37 
- ungarischen - 6,328 = 54 15’000,000 = 43 
- polnischen - 1,387 = 12 4'480,000 = 13 
- italienischen - 456 = 4 2’290,000 = 7 
*) (jlillert berechnet nach den verschiedenen Grenzänderungen, nunmehr : 
Ungarn 9’890,436 Einw., Kroatien561,496, Slavonien 331,020. — Für Sieben 
bürgen nimmt derselbe an: Land der Ungarn 1'040,700, Land der Sachsen 
382,844, der Szekler 398,772, Rumänische Districte 101,276, zus, 1'923,592.
        <pb n="165" />
        OESTERREICK. — Land und Leute (Bevölkerungsbewegung). 141 
pesterreich bildet also keineswegs einen durch natürliche Verhält 
nisse und in natürlichen Grenzen entstandenen Staat, sondern es ist ein 
Conglomérat verschiedener, da und dort (z. B. von Italien, von Polen 
etc., bedingungsweise von Deutschland) losgetrennter und künstlich ver 
einigter Landschaften. In Folge dessen ist das Gebiet fast in allen Rich 
tungen offen und biosgestellt (besonders in Galizien), während im Innern 
des Staates die hohen Alpen, die Karpathen etc. die verschiedenen Ge- 
bietstheile schroff und für ewige Zeiten von einander trennen. Auch 
entbehrt Oesterreich des Besitzes der Mündungen seiner Ströme, und 
ermangelt einer günstigen Küstenentwicklung. 
Die productive Bodenfläche beträgt in niederösterr. Joch: 
35’854,995 Joch Aecker und Reisfelder, 
1’091,984 - Weingärten, 
13’TS5,989 - Wiesen, Gärten, Oliven-, Lorbeer- und Kastanienwälder, 
14’569,31S - Weiden, 
3r864,873 - Waldungen, 
012,893 - Sümpfe mit Rohrschlag. 
Bewegung der Bevölkerung (im jetzigen Gebietsumfange). 
Sterbfälle Todtgeburten 
Jahre Trauungen 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1850 
1857 
1858 
330,801 
310,800 
283,417 
258,034 
245,389 
314,451 
301,524 
298,012 
Geburten 
(lebende Kinder) 
1’300,573 
1'309,099 
1'350,051 
1'209,722 
1'214,119 
1'307,047 
1'435,051 
1'418,036 
1'034,162 
1'058,025 
l'l 59,425 
1'257,558 
1'525,497 
1'072,928 
1'017,027 
1'081,634 
Den Geschlechtern nach: 
Lebendgeborene 
18,062 
21,302 
20,030 
19,096 
18,111 
19,960 
23,591 
24,346 
Todtgeborene 
Eheliche 
Uneheliche 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1850 
1857 
1858 
Knaben 
639,209 
647,065 
037,008 
595,591 
574,917 
614,283 
004,194 
050,504 
Mädchen 
602,014 
008,986 
601,053 
502,033 
541,802 
578,280 
023,703 
015,405 
Knaben 
00,741 
58,215 
57,470 
57,349 
49,779 
58,847 
75,514 
77,930 
Mädchen 
58,009 
54,833 
54,520 
54,149 
47,021 
56,237 
71,580 
74,137 
Knaben 
10,729 
12,258 
11,477 
10,798 
10,447 
11,401 
13,540 
13,834 
Mädchen 
7,933 
9,044 
8,553 
8,298 
7,004 
8,499 
10,045 
10,512 
Stieg 1858 
Die Zahl der un eh el. Geburten, 1851 blos 8,73 Proc 
auf 10,72%. Nach den verschiedenen Theilen des Staats kam im J. 
1851 auf 100 eheliche folgende Anzahl unehelicher Geburten: 
Wien .... 52,01 i Görz, Istrien . . 2,04 Galizien . . . 8,38 
Sonst. Unteröstr. 15,84 I Triest .... 22,05 Bukowina . . . 7,58 
Oberösterreich . 19,41 | Tirol .... 6,92 Dalmatien . . . 3,41 
Salzburg . . . 25,40 j Böhmen . . . 14,52 Venedig. . . • 2,63 
Steiermark . . 25,78 ¡ Mähren . . . 13,44 Ungarn .... 4,37 
Kämthen . . . 34,51 Schlesien . . . 13.23 Siebenbürgen . . 3,22 
Krain .... 8,50 Krakau . . . 11,92 Militärgrenze . . 1,58 
Ein- und Auswanderungen sind nicht häufig, ln den 25 Jahren von 
1819—45 sollen, Ungarn und die Militärgrenze unberücksichtigt, die 
Einwanderungen einen Ueberschuss von 186,111 Menschen ergeben 
haben. Aus neuerer Zeit werden angegeben :
        <pb n="166" />
        142 
OESTIiiKKKICH. — Land und Leute (Nationalitäten). 
1849 1850 1851 1854 
Auswanderungen- 469 665 2842 4228 
Einwanderungen 675 904 962 459S 
1855 
3978 
4000 
Schon, im J. 1851 gab es 1805 heimliche Auswanderungen(1850 
nur 15), davon 1709 von Leuten im 17.—40. Altersjahre, meist der 
Conscription wegen. Die Ziffern sind übrigens in den amtlichen Berich 
ten selbst als unvollständig bezeichnet. 
Nationalitäten. Die Völker, welche der österr. Staat umfasst, sind 
äusserst verschieden nach Abstammung, Bildung, Sprache, Sitten und 
Religion ; das Reich bildet seinem Völkergemische nach gleichsam ein 
Europa im Kleinen. Ebenso, wie es eine Menge von Ländern und Lan- 
destheilen in sich begreift, umschliesst es eine Menge von Stämmen oder 
von Theilen derselben. Dabei besitzt keiner derselben ein absolutes 
Uebergewicht. Die Slaven sind relativ weitaus am zahlreichsten, ste 
hen aber anCultur zu sehr zurück, um eine Präponderanz zu üben. Die 
Deutschen bilden nicht % der Bevölkerung. (Russland umfasst noch 
mehr Nationalitäten, allein der Hauptvolksstamm besitzt eine entschie 
dene Ueberlegenheit.) — v. Czörntg berechnet’ 
7 889,925 Deutsche, davon etwa6’240,000 in den deutsch. Bundesprovinzen, 
15’027,046 Slaven, nemlich 
6’132,742 Czechen, Mährer und Slowaken, 
2’159,648 Polen, 
2’752,482 Ruthenen, 
IM83,533 Slovenen, 
1’337,010 Kroaten, 
P438,201 Serben (mit Slavoniern und Dalmatinern) 
24,030 Bulgaren, ’ 
4’947,134 Magyaren, 
5’G32,493 Angehörige romanischer Stämme, nemlich: 
2’558,317 Italiener, 
416,725 Friauler, 
14,498 Ladiner, 
2'642,953 Ostromanen, 
3,175 Albanesen, ' 
2,255 Griechen sammt Macedo-Wlachen, 
16,131 Armenier, 
146,100 Zigeuner, 
1’049,871 Juden. 
Es ist übrigens zu bemerken, dass die von Czörntg zuletzt aufge 
führten Juden fast sämmtlich das Deutsche als Muttersprache reden, so 
nach in dieser wichtigen Beziehung den Deutschen beigezählt werden 
können. — Czörtiig nimmt 15 verschiedene Nationalitäten an, ungerech 
net die mit den andern vermengt lebenden Juden und Zigeuner Diese 
15 Nationalitäten bedingen auf einer ethnographischen Karte 120 ver 
schiedene Grenzen, die Zahl der Sprachinseln übersteigt 2000. 
In den deutschen Provinzen mit der stärksten gemischten Bevölke 
rung lebten 1857 : 
in Böhmen *) P766,372 Deutsche, 2’925,9S2 Czechen und 86,339 Juden 
- Mähren 483,518 - 1'351,982 - - 41 529 
-Schlesien 234,843 - 92,326 - - 131,V)02 Polen 
*) Nach einer andern Berechnung gehören von dem Boden Böhmens 36 
Iroc. dem deutschen, 64 Proc. dem czechischen Gebiet an; von den Bewoh-
        <pb n="167" />
        OESTERREICH. — Land und Leute (Confcssionen, Städte). 143 
in Steiermark 640,806 Deutsche 369,246 Slovenen 
- Krain . . 29,783 - 421,398 
- Tirol . . 525,092 - 325,416 Italiener. 
In ausserdeutschen Provinzen : 
Ungarn: 1’221,714 Deut., 4’333,987 Mag., 1’613,944 Czech., 423,873 Ruth., 
52,379 Sloven., 120,092 Kroat., 397,954 Serb., 1’171,676Ostrom., 
62,200 Zig., 393,105 Jud., 
Kroatien und Slav.: 24,470 Deut., 537,880 Kroat., 271,477 Serb., 
Siebenbürg.: 200,364 D., 517,577 Mag., I’lü4,322 Ostrom., 79,360 Zig., 
14,152 J., 
Mil.-Grenz.: 38,400 Deut., 540,992 Kroat., 324,385 Serb., 140,826 Ostrom., 
Galizien: 114,293 D., P981,076 Pol., 2’085,431 Ruth., 448,973 J., 
Bukowina: 37,855 D., 188,288 Ruth., 175,679 Ostr., 29,187 Jud. 
Confessionen (nach officieller Aufstellung von 1857) ; 
23*968,686 römische Katholiken, 1’963,785 Reformirte (Cahinisten), 
3’526,952 unirte Griechen, 50,870 Unitarier, 
9,737 - Armenier, 1*049,871 Juden, 
2*918,126 nichtunirte Griechen, 3,955 Lippowaner,Mennon , einige 
3,513 - Armenier, Anglikaner und Mohamme- 
1*218,831 Lutheraner, daner. 
Die Provinzen, in denen es eine bedeutendere Anzahl Nichtka 
tholiken gibt, sind. 
Niederösterreich . 1*350,684 Kath., 8,645 Luth., 1,495 Ref., 6,999 Jud. 
Oberösterr. . . . 673,404 - 14,826 - 56 - 4 - 
Steiermark . . . 1*004,919 - 4,977 - 135 - 6 - 
Kärnthen .... 307,642 — 16,666 - 13 - — — 
Böhmen 4*601,335 - 34,139 - 56,797 - 86,339 - 
Mähren 1*784,593 - 17,188 - 34,677 - 41,529 - 
Schlesien .... 396,843 - 61,872 - 45 - 3,280 - 
Galizien . . . . 2*072,633 - 26,960 - 4,140 - 448,973 - 
2*077,112 unirte Griechen. 
Bukowina .... 42,726 Kath., 352,079 nichtun.Griech., 29,187Jud. 
Dalmatien .... 337,800 Kath., 77,139 nichtun. Griech. 
Ungarn 5*138,0l3Kath., 827,211 unirteGr., 1*105,869 nichtun. 
Gr., 795,930 Luth., 1*553,368 Ref., 393,105 Jud. 
Kroatien u. Slav. . 720,893 Kath., 129,720 nichtun. Griechen. 
Siebenbürgen . . 228,095 Kath., 546,513 unirte Gr., 622,780 nichtun. 
Gr., 195,861 Luth., 265,976 Ref., 48,040 Unitarier, 
14,152 Juden. 
Militärgrenze . . 448,703 Kath., 5,533 unirte u. 587,269 nichtun. Gr., 
15,864 Luth., 4,274 Ref. 
— Beim Militär . . 438,912 Kath., 58,695 un. und 40,670 nichtun. Gr., 
16,411 Luth., 37,359 Ref., 9,850 Jud. 
(Die Zahl der Protestanten — der »Evangelischen Augsburger und Helvet. 
Confession« , wie die offic. Bezeichnung lautet — dürfte übrigens in Wirklich 
keit bedeutend grösser sein als angegeben.) 
Städte. Man zählt 74,733 Gemeinden, von denen 877 Städte und 
2436 Flecken. Die wichtigsten Städte sind S. 140 angegeben. Rechnet 
oern sind 36,96 Proc. Deutsche, 61,23 Proc. Czechen und 1,81 Proc. Juden. 
Am vorwaltendsten sind die Czechen in den Kreisen Tabor (96,65 Proc.), Prag 
(96,43 Proc., dagegen in der Stadt Prag nur 55,92 Proc.) und Czaslau 93,19 
Broc.) ; am reinsten ist die deutsche Bevölkerung in den Kreisen Eger (98,17 
Broc.), I^eitmeritz (87,80 Proc.) und Saaz (87,36 Proc.). Die Sprache der Deut 
schen in Böhmen gehört theils der österreichisch-bayerischen Mundart an Bud- 
weis) , theils der fränkischen (Böhmerwald, Eger), theils der oberpfälzischen 
(Eger, Pilsen), der obersächsischen (Eger, Saaz, Leitmeritz und endlich der 
oberschlesischen (Jungbunzlau, Gitschin, Küniggrätz und Chrudin).
        <pb n="168" />
        144 OESIERIIEICH. — Land und Leute (Gebietsveränderungen). 
man bei Wien'die Garnison mit 20,000 M., und die Bevölkerung der 
ausserhalb »der Linien« gelegenen, eigentl. zur Stadt gehörenden Orte 
mit 85,500 Menschen, ein, so ergibt sich eine Gesammtzahl von mehr 
als 580,000 (1754 erst 175,609, 1780 202,044, 1816 245,080, 1820 
262,226, 1837 333,582, 1843 37o, 834). — Nur noch 4 weitere Städte 
im Staate umfassen über 100,000 : Prag 143,000, Pesth 132,000, und 
Venedig 1858 124,366; Triest mit Gebiet 104,707, Ausser diesen 
haben 8 Städte über 50,000, 25 zw. 20 und 50,000, 96 zw. 10 und 
20,000 E. 
Gebietsveränderungen. Unter Ferdinand I. umfasste das Reich erst 
5400 Quadr.-M. Durch den Prager Frieden 1G35 verlor es die Lausitz 
an Sachsen; durch den Westphälischen 1648 das Eisass an Frankreich. 
Dagegen erfolgte 1687 die Umwandlung Ungarns in ein habsburg. Erb 
reich, gleichzeitig ward die Herrschaft über Siebenbürgen gesichert. Die 
Frieden von Carlowitz und Passarowitz 1699 und 1718 unterwarfen Ser 
bien, Theile der Walachei, Kroatiens und Bosniens. Dagegen erlangte 
Oesterreich nur einen kleinen Theil der »spanischen Erbschaft« (Rastatter 
und Badener Friede von 1714), nemlich die spanischen Niederlande, 
Mailand, Neapel und Sardinien, welches letzte 1720 gegen Sicilien um 
gewechselt ward. Der Staat hatte nun einen Umfang von etwa 9050 
Q,-Meil. 1735 und 38 gingen Neapel, Sicilien und ein Theil von 
Mailand verloren, wogegen nur Parma und Piacenza erlangt wurden. 
Der Belgrader Friede, 1739, kostete Serbien, und Friedrich II. nahm 
1740 Schlesien. 1772 erlangte Oesterreich (in der ersten Theilung Po 
lens) Galizien und Lodomerien. 1777 trat die Pforte die Bukowina ab. 
Der Teschener Friede verschaffte dem Staate von Bayern das Innviertel 
und einige schwäbische Gebiete; und die dritte Theilung Polens 1795 
gab ihm auch Westgalizien. Im J. 1 795 umfasste Oesterreich ; 
A. Zum deutschen lleiche gehörende Erblmide: 
Erzherzogthum Oesterreich * 
Innerösterreich (Steiermark, Kärnthen, Krain, Österreich. 
Friaul und Triest) 
Oberösterreich (Tirol und Vorarlberg) 
\ Orderösterreich (Breisgau, Ortenau, Burgau, Hohenberg, 
Constanz, Frickthal (in der Schweiz), Falkenstein (link. 
Rheinufer) ¡ ^ 
Königreich Böhmen, mit Eger und Asch 95;} 
Markgrafschaft Mähren, mit dem Reste Schlesiens . ! . 491 
Niederlande (mit Luxemburg und Limburg, doch ohne 
I'üttich) 
Zusammen 
B. A tisser deutsche Staa ten : 
Oesterr. Italien (Lombardei mit Pavia, Cremona, Lodi 
Como und Casale ; Mantua, Castiglione-Solferino) ' 
Ungarn mit Nebenländern und Militärgrenze .... 
Siebenbürgen mit siebenbürg. Militärgrenze ..... 
Galizien und Lodomerien mit der Bukowina 
862 
516 
264 
4,789 
1,109 
2’429 
Bevölker. 
P699,80U 
l’561,80o 
520,300 
428,800 
2’916,400 
P611,.500 
2’251,200 
3,976 10’929,800 
P203,S40 
7'710,000 
P260,000 
4’792,600 
Zusammen 8,591 14*966,440 
Gesammtsumme 12,567 25*896,240 
Der Friede von Campo Formio, 17. Oct. 1797, entriss dem Staate 
die Niederlande, die Lombardei, Falkenstein etc. = 663 Q.-M. und
        <pb n="169" />
        OESTERREICH. — Finanzen (Budget). 
145 
3’210,000 Menschen. Es erhielt indess das östlich der Etsch gelegene 
Gebiet der Republik Venedig, sammt dieser Stadt selbst, und Dalmatien 
= 7G0 Q.-M. mit 2’100,000 Einw. (Der Kaiser überliess dafür das 
dem deutschen Reiche gehörende linke Rheinufer an Frankreich.) Der 
Friede von Luneville (nach den Feldzügen von Marengo und Hohenlin 
den), 9. Febr. ISOl, entriss Oesterreich das Breisgau und Frickthal, 
verschaffte ihm dagegen die Erzstifte Trient und Brixen. Der Staat um 
fasste nun ll,97(i Q.-M. (Unterm 11. Aug. 1S04 erklärte sich der 
Beherrscher zum »Erbkaiser von Oesterreich.«) Gemäss des Pressburger 
Friedens vom 2(5. Dec. 1S05 (nach dem Feldzuge von Ulm und Auster 
litz) musste Oesterreich weiter abtreten : an das »Königreich Italien« Ve 
nedig sammt allen italienischen Besitzungen; an Bayern: Burgau (Vor 
derösterreich), Eichstädt, seinen Antheil an Passau, Tirol, Vorarlberg, 
Hohenembs, Rothenfels, Tetnang, Argen und Lindau; an Württemberg : 
die 5 obern Donaustädte, die Grafschaft Hohenberg, die Landgrafschaft 
Nellenburg, die Landvogtei Altorf und einen Theil des Breisgau; an 
Baden: das übrige Breisgau, die Ortenau, Constanz und die Commende. 
Fs erhielt dagegen Salzburg und Berchtesgaden. — Der Friede von 
Wien, 11. Oct. 1809 (nach der Wagramer Schlacht), kostete: den Vil 
lacher Kreis, Krain, Triest, (5 kroatische Grenzregimentsbezirke und die 
grössere Hälfte der Gespanschaft Agram, woraus Napoleon die »Illyri 
schen Provinzen« bildete ; ferner mussten an das Herzogthum Warschau 
überlassen werden : Westgalizien, der Zamoscer-Kreis und ein Bezirk 
bei Krakau ; an Russland : ein Theil von Ostgalizien und der Tarnopoler 
Kreis mit 400,000 Menschen; an Bayern : Salzburg, dasInnviertel, der 
grössere Theil des Hausruck Viertels und Berchtesgaden. Der Gesammt- 
verlust ward zu 2035 Q.-Meil. und 3’304,2(52 Menschen berechnet. 
Der Staat umfasste nur noch 9920 Q.-M. und höchstens 20 Mill. Einw. 
— Ger Pariser Friede von 1814 und der Wiener Congress 1815 gaben 
Oesterreich seinen jetzigen Bestand sammt der Lombardei, mit Aus 
nahme von Krakau, welches »freie Stadt« war, und erst 1840 nachUeber- 
einkunft der »Schutzmächte« dieser Freistadt (Oesterreich, Russland und 
Preussen) dem Ersten incorporirt wurde. — Beim Friedensschlüsse von 
lbl5 schätzte man die EinwohnerzahlOesteiTeichs über 28 Mill. (1818 : 
29’813,580; 1830: 34’503,824; 1857: 37’754,856.) — Der zehn- 
"öchentl. Teldzug von 1859 gegen Frankreich und Sardinien, endigend 
Wit den Friedenspräliminarien von Villafranca vom 11. Juli und dem 
üricher Trieden vom 10. Nov. 1859, kostete den Haupttheil der Lom 
bardei, etwa 3(59 Q.-M., mit ungefähr 2’720,000 Einw. 
I'illlllizoil. 
Budget. Erst seit 1802 wird ein solches veröffentlicht. Das Rech 
nungsjahr begann bisher am 1. Nov. Da man nun zum gewöhnl. Kalen 
derjahr übergehen wollte, so ward der letzte Voranschlag für den Zeit 
raum vom 1. Nov. 1803 bis 31. Dec. 1804, also ausnahmsweise für 14 
Monate aufgestellt. Um Irrthümer bei der Vergleichung zu vermeiden, 
geben wir die Aufstellung nur für 12 Monate, jedoch unter Annahme 
•volb, Statiitik. 4. Aufl. JQ
        <pb n="170" />
        146 
OESTERREICH. — Finanzen (Budget; . 
Fl. 125’1(»4,000 
245’092,SS7 
85’94(;,7S4 
einer andern als der officiellen Classificirung, und unter Angabe des da 
bei eingerechneten Betrags der ausserordentl. Etats. 
Einnahmen. 
Directe Steuern: Grund-ü9’981,10O, Gebäude-23’29.5,500, 
Erwerb - 0’8G8,100 , Personalerwerb- 5*193,400, Einkom 
men- 19*783,300, Erbsteuer 42,000, zus 
Indirecte Abgaben: Branntweinsteuer 17*030,400, Wein- 
■ u. Most- 5*949,354, Bier- 10*500,000, Fleisch- 5*589,800, 
Zucker- 5*005,000, sonstige Verzehrungssteuer 2*201,840, 
Pachtungen 5*235,910, andere Einnahm. 1*019,885 ; — Zoll 
15*700,000, Salz 41*849,147, Tabak 01*900,280, Stempel 
19*200,000, Taxen 729,301, Gebühren v. Rechtsgeschäften 
24*304,138, TiOtto 18*208,900, Mau then (Brückenzölle etc.) 
3*419,029, Punzirung 94,445, Bergwerksabgaben 300,200, 
Verein. Gebühren in Venetien 129,000 = 
Staatseigenthum: Güter6*047,372,Forste 11*575,129,con- 
fiscirte Güter 000,058, Fabriken 1*047,941 , Bergwesen 
32*502,751, Münzwesen 10*472,804, Veräusserung v. Staats 
eigenthum 15*329,810, Grundentlastung 122,993, verschied. 
Einn. 987,320 = 
Einnahmen ausserhalb des Finanzministeriums: 
Min. des Aeusseren 115,300, Staatsminist. 444,700, Unga 
rische Hofkanzlei 310,705, Siebenbürgische 91 ,o70, Croat.- 
Slavonische 45,989, Min. f. Handel u. Volksw. 15*929,330 
(dabei: Post 13*053,908, Telegr. 2*247,800), Min. d. Polizei 
075,750, Controlbehörden 1000, Kriegsmin. 14*380,270 (da 
bei: directe Steuern der Milit.-Grenze 2*337,430, indirecte 
159,504, sonst. Einn. 0*473,423, Erlös aus alten Wallen 
5*300,000 , Marinemin. 309,20(i (Hafengelder 239,200 = . 
Zusammen 
Hievon kommen 437’270,032 Fl. auf ordentl. und 51*182,4 13 
auf ausserord. Positionen. Die ausserordentlichen betragen bei den 
directen Steuern 16*035,200, den indirecten Aull. 13*427,868, dem 
Staatseigenthum (Veräusserungen) 15*320,810, dem Kriegsminist. (Ver- 
äusserungen) 6*065,000. 
Ausgaben. 
1. Kaiserl. Hofstaat Fl. 
2. - Cabinetskanzlei 
3. Reichsrath (dav. Abgeord.-Haus 432,343) 
4. Staatsrath 
5. Ministerrath 
0. Min. d. Aeussern Centralleitung 473,100, di- 
plom. Auslagen 1*183,830, Consulate 509,400, 
Zuschüsse 111,429) 
7. Staatsministerium(dav. innere Verw. 10*334,0*'0, 
Strafanstalten 1 *057,448, Wohlthätigk .029,483, 
Baubehörden 709,305, Stiassenbau 5*840,517, 
32*309,404 
Fl. 488*4.53,075 
Bedarf ausserordentl. 
*454,800 davon 1*299 050 
03,482 — 
453,451 — 
152,971 — 
05,407 — 
,759 
229,059 
3*194,402 =...... 29*711,094 
8. Ungarische Hofkanzlei (dav. Verwaltgsbehörd. 
5*000,000, Strassenbau 2*153,200, Gendarmerie 
1*301,574) 12*015,833 
9. Siebenbürg. Hofkanzlei Verwaltg 951,017; . 3*405,130 
10. Croatisch-Slavonische Hofkanzlei . . ( . 1*935,042 
11. Finanzminist, (dabei : Finanz wache 0*258,421), 
industr. Subventionen 5*806,181, Grundent- 
3*197.755 
808,s02 
493,070 
189,029
        <pb n="171" />
        10* 
OESTERREICH. — Finanzen (Budget). 
147 
12 
Bedarf davon aasterordentl. 
319’244,S2fl 57’4SS,.591 
12’7GT,S7li 
7’S73,477 
3’010.112 
3’SS2,131 
499,&lt;97 
147,77S 
21,195 
7’352 
17’091,2S5 
1’7S7,4G6 
lastung 7’583,5G6, Pensionen etc. Il’UJ 2,693, 
— Zinsen der Staatsschuld 114’5O3,9S0, Til 
gung 41’430,143, — Betrieb der Staatsanstal 
ten etc. 53’50S,274 [dabei: Erhebung der Ver 
zehrungssteuer 2’077,3Ü3, des Zolls 1N92,022, 
Salz, sammt Ih-oductionspreis 6’S32,517, Tabak 
ditto 30’049,344, Lotto 11’5S7,33G] ; — Verwal- . 
tung der Staatsgüter 6’4G5,74G, der Forsten 
8’758,SGG, der confise. Güter 388,G28, der Fa 
briken 1’530,810, der Bergwerke 30’583,050, 
des Münzwesens 1G’535,G33 
■ Minist, f. Handel u. Volkswirthschaft (dabei: 
Post 9’79G,832, Telegr. 2’3G3,54G) .... 
13. Minist, der Justiz 
1 e' d. Polizei (dabei : PolizeiwacheSo3,G31) 
13. Controlbehörden (darunter : Militärrechnungs- 
Depart. 1/105,450) 
IG. Kriegsminist, (dav. 5’300,000 zur Xachschaf- 
fung von‘Waffen) IOG’841,140 
1 Marineminist, (dav. 1’33G,S69 f. d. Häfen etc.) 9’599,305 
Zusammen (437’491,559 im ord. Etat) Fir520’754,348 83’2G2,7M 
P'ür den ganzen Zeitraum von 14 Monaten (1. Xov. 1S63 bis 31. 
Dec. 1864) stellt sich übrigens die Einnahme auf 569 5 17,335, der Be 
darf auf 614’260,059 Fl. 
Zu »Einnahmen.« Es sind nicht mehr blos die Netto-, sondern die 
Brutto - Summen vorgetragen, was nur zu billigen ist. Rechnen wir die 
Betriebs- und Erhebungskosten mit 123’465,651, dann die von Ver- 
äusserungen herrührenden Beträge mit 20’629,8l0 ab, so stellt sich die 
tein-Einnahme auf 344’357,614 p'l. Beseitigen wir die nicht zu quali- 
ficirenden Posten, so liefern ungefähr; 
das unmittelb. Staatseigenthum 12’84G,000 = 3,75 Proc 
die directen Steuern .... 133’757,000 = 39,04 - 
die indirecten Auflagen . . ._195’998.000 = G7,21 - 
342’G017ooo = 7(70,00" - 
Ebenso wie in England und Frankreich ftlllt hier der geringe Ertrag der 
Domänen auf. Vieles ward früher verschleudert; noch mehr im Drange 
er Neuzeit verkauft. Dazu kommt eine unzweckmässige Bewirthschaf- 
rimg des Vorhandenen. *) Das Besteuerungs wesen ist gleichfalls in 
vielen Beziehungen übel. Man war genöthigt, die directen und indi- 
^ecten Steuern möglichst in die Höhe zu treiben ; dessen ungeachtet 
konnte man nicht einmal annähernd eine Ausgleichung mit dem Bedarfe 
erzielen. Viele Auflagen treffen die nothwendigsten Lebensbedürfnisse : 
ro , Pleisch, Salz. — In den 16 Jahren 1845—60 sind allerdings die 
er entliehen Einnahmen um 137, es sind daneben aber die ordentlichen 
usgaben um 191 Mill, gewachsen. Da die Bevölkerung des Steuer- 
ezirks 184 5 nur 22% Mill. Menschen betrug, so hätte man, nach den 
starken Erhöhungen der Steuern und nachdem Ungarn dem östeiTei- 
7 einer Angabe sollen die Staatsdomänen noch eine Ausdehnung 
on )) 120,332 Joch besitzen; sie haben aber in den Jahren 1852—Gl durchschn. 
nur 3 oG8,000 fl. ertragen. Ihr Werth wird auf 24G Mill. fl. geschätzt. — Die 
allein umfassen zufolge einer Vorlage an den Reienstag vom 1. Oct. 
ï'G3 4 145,700 Joch ; jene Schätzung ist also offenbar zu niedrig.
        <pb n="172" />
        148 
OESTERREICH.— Finanzen (Jahresrechnung . 
chischen Steuersysteme unterworfen worden, eine grössere Vermehrung 
der Einkünfte erwarten dürfen. — Die verhältnissmässig geringe Steuer 
kraft des von Natur so reichen Landes zeigt sich namentlich bei der Ein 
kommensteuer, wenn man deren Ergebniss mit jenem in England ver 
gleicht. — Eine besondere Erwähnung verdient noch der Zollertrag, für 
1864 veranschlagt zu nur 15’7Ü0,00Ü fl. brutto. Ausser 1'862,622 fl., 
welche ausschl. diese Erhebung kostet, erfordert die Finanz wache einen 
Aufwand von 6‘4 Mill. — Allerdings besteht dieses Corps nicht blos 
für Erlangung der Zollgebühren, sond. auch zur Wahrung der Monopole; 
indess bleibt der Kostenaufwand gleichwol ungemein hoch. (In England 
kamen 1858 auf 24'146,215 Zolleinnahme nur 817,192 t* Kosten, 
also kaum 9’4 7o-) I^er Rohertrag war: 
Das Tabaksmonopol besteht in Oesterreich schon seit 1670, 
die Staatsregie seit 1 789 ; doch wurde dieselbe auf Dalmatien erst 1822 
ausgedehnt, auf Tirol 1828, Lombardo-Venetien 184 2 und Ungarn mit 
Nebenländern 1851. Der Cigarren verkauf stieg auf Mill. Stück : 
1841 1847 1851 1854 1857 1858 1859 1861 1862 1863 
55,2 190,0 7S4,2 785,5 1035,9 1023,7 797,2 873,8 981,5 1040 
Rauchtabak verkauf 1841: 277,504 Zollctn., 1850 (Maxim.) 022,714 
1859: 504,470, 1801: 440,339, 1803: 531,453. Schnupftab.: 1841: 54,070 
Zollcent., 1854 (Max.) 72,810, 1859: 02,794, 1801 : 53,741, 1803: 51,338. Auf 
den Kopf der Bevölkerung kamen 1859: 20,88 Cigarren und 1*/« Rfd. Tabak., 
Zu „Ausgaben“. Ziehen wir von der Gesammtausgabe, ebenso wie 
bei den Einnahmen, die Betriebs- und Erhebungskosten ab, so bleibt 
ein Netto-Bedarf von 997’2SS,697 fl. Hievon erfordern 
die Staatsschuld, sammt Tilgung 155’934,123 fl. = 39,25 Broc, 
die T.and-u. Seemacht . . . 110'440,451 - = 29,31 
Diese 2 unproduct. Bosten . 272'374,574 - = 08,50 Broc. 
Noch schlimmer gestaltet sich das Verhältniss, wenn wir diesen 
Bedarf mit dem wirkl. reinen Einkommen vergleichen ; die beiden Bosten 
verschlingen davon 79,9 7 Broc, und zur Bestreitung aller übrigen Staats 
bedürfnisse verbleiben nur noch 71’989,04Ü fl. oder 20,09 Proc ! 
Im J. 1845 hatte der Etat des Kriegsministeriums erst 52'/, 
Mill, betragen. In den beiden Revolutions- und Kriegsjahren 1848 und 
49 zusammen kostete das Militärwesen 237 272,949 fl. ; in den bei 
den blossen Rüstungsjahren 1 854 und 55 dagegen zusammen 424’737,688 
fl.*) Und doch erwies das J. 1859, dass die langjährige Ueberan- 
*) Der Militäraufwand war : 
1846 1847 1848 1849 1850 1851 
59'215,949 02’908,090 72’290,459 165’081,884 120’102,936 125’840,078 
Die Rechnungen gestalteten sich übrigens in der ersten Zeit nach Nieder 
werfung der Revolution schon dadurch unklar, dass man zufällige Einnahmen 
Zoll 
Rübenzuckersteuer 
1855: 19)90,004 fl. C.-M 
1850: 1’055,723 - 
1857: 2’141,714 - 
1800: 5'112,225 - R.-AV 
1801 : 5’305,999 - 
1802: 5’240,125 - 
1855: 19’000,4S2 fl. C.-M 
1850: 20’541,310 - 
1857: 18’780,427 - 
1858: 19’530,470 - 
1859: 13’204,211 - R.-AV 
1860: 12’343,405 -
        <pb n="173" />
        OESTERREICH. — Finanzen (Militäraufwand). 
149 
strengung zur Sicherung des Staates nicht ausreichte. Der Militärauf 
wand {einschliesslich Marine) betrug : 
1S52 
1S.%J 
1854 
1855 
18(i0 
Ordentl. Bedarf 
110’S43,321 
lir%7,91G 
in’40l,l»2 
114’320,715 
zus. 
ansserordl. Bed. 
3M (¡3,23(5 
5’7(51,944 
91’294,0()4 
101’721,117 
ordentl. Bedarf auseerordl. Bed. 
185G: 1(J9’()95,558 14’13S,279 
1857: lOG’890,(tl9 IG’142,840 
1858: 101’817,0(51 3’985,483 
1859: 112’317,261 188’833‘459 
134’G21,f.8U, 1862 (Budget) 13G’041,84 9, 18(53 (ebenso) 117’504,G19. 
Í ortwährend, und zwar in erschreckender Weise, steigt der Bedarf 
für die Staatsschuld. Vor ISlGbezahltemananZinsen 5’381,000 fl. ; 
1S3I kostete die Schuld schon 21, 18 12 49 Mill. ; in der Neuzeit: 
1848 
1849 
18.50 
1851 
lSGo 
4.3’3G9,312 
49’797,940 
49’G!2,562 
GO’481,031 
1852: G2’(508,375 
1853: 6(5’819,173 
1854: 72’148,31(5 
1855: 77*407,532 
185(5 
1857 
1858 
1859 
88*032,650 
91*78(5,98(5 
95*9(53,272 
104,917.013 
8G((, ungeachtet der Beseitigung der Lombardischen Schuld, 101*462,085; 
Budgetansatz 112*666,400, 18(53 113*(598,750, 18(54 114*503,980 Zins. 
1862 
Den Kosten des Hofes ist der Ertrag der s. g. »Familiengüter« 
nicht beigerechnet (deren Capitalwerth auf mehr als 12 Mill, geschätzt 
wird). In den Jahren 1 831—35 war der Bedarf durchschnittl. 4*512,571 
1S47 5*203,(589, 1818 4*562,217, 1851 (5,109,848, 1855 0*743,813’ 
1857 aber 9* 1 04,024. Die Nebennutzungen (Schlösser etc.) eingerech 
net, wird man 8 Mill, als Durchschnitt anzunehmen haben. 
Die Kosten der Beamten betragen nach den versch. Positionen des 
Budgets : 
zusammen 
88*049,013 
21*752,454 
2(5*900,(530 
r; ... , ,, , , beim Civil beim Militär 
r.igenlhche Besoldungen u. Bezüge 55*105,115 32*943,898 
Ruhegehalte u. Gnadengaben . . 11*012*693 10*739,7(51 
Diäten, Kanzleikosten etc. . . . 1(5*085,238 10*815,392 
Zusammen 82*203,046 54*599,051 136*702,(»97 
Die »Ruhegenüsse der Individuen aufgelöster Aemter« belaufen sich 
auf nicht weniger als 828,802 fl. — Die Zahl der Beamten beträgt 
(nach dem 'dIIoJ- und Staatshandbuchea) un gef. 70,000; vor 1848 sollen 
es sogar 140—1(50,000 gewesen sein, allerdings mit noch viel geringem 
Gehalten als dermalen. 
Der wirkliche Aufwand für Cultus und Unterricht erscheint 
nur unvollständig im Budget, der besondern Bezüge etc. wegen. Der 
erste steigt auf 7*148,428 fl., während der letzte nur 5*990,735 beträgt. 
Gabei sind aber weitaus nicht alle Cultuseinkünfte gerechnet (s. unten). 
Ger Gesammtaufwand für Wohlth ätigk ei t ist nicht mehr als 
1 183,34 2 ; hievon erfordern die Findelhäuser 740,4(53, die Gebärhäu 
ser 108,152, während für Irrenhäuser in der ganzen Monarchie nicht 
^e r als 3.14,727 fl. aufgewendet werden, — eine erschreckend geringe 
buinme. — Für Kunstbauten sind 227,94 0 fl. im Budget bestimmt. 
^er^endete* ohne sie in der allgemeinen Rechnung aufzuführen. So wurden 
0,000 fl. den Ungar. Insurgenten abgenommen und verbraucht; ebenso die 
Kriegsentschädigung Sardiniens, die zu 32% Mill, angegeben wird; unter glei 
chem litel bezahlte Toscana 15o,ooo und Neapel 16,521 fl. Diese Verheim- 
ichungen lassen den Militäretat viel kleiner ereneinen, als er wirklich war 
^agegen beflndet sich unter den ausserordentlichen Ausgaben u. a. die Kriegs- 
ntschädigung an Russland für die Hülfe gegen Ungarn mit üM 74,420 fl.
        <pb n="174" />
        150 
ÜESTEIUIEICH. — Finanzen Deficit,. 
Davon nimmt ein Monument für den Prinzen Eugen von Savoyen 102,700. 
eines für den Fürsten Schwarzenberg 50,000 fl. hinweg. — Unter den 
Subventionen industrieller Unternehmen erscheint der österr. Lloyd mit 
l’0y0,000, die Donau-Dampfsch. mit 100,000, die süd-nordd. Ver 
bind.-Bahn mit 000,000, die Theissbahn mit 800,000, die Elisabeth- 
mit r:i00,000, die böhm. West- mit 250,000 und die Reichenberger 
Bahn mit 100,000 fl. 
Deficit ist in der österr. Finanz nicht neu. v. Czörnig hat eine 
Zusammenstellung der Rechnungsabschlüsse seit 1781 veröflentliclit ; 
daraus ergibt sich, dass in den 78 Jahren bis 1858 nur zweimal die or- ^ 
dentl. Einnahmen grösser waren als der Bedarf; alle andern 70 Jahre* 
brachten Deficite. Allerdings war dieses Resultat zum Theil durch Aus 
gaben zu productiven Zwecken, namentl. Bau der ^unterdessen verkauf 
ten) Eisenbahnen herbeigeführt; diese Gestaltung muss indess immer 
hin unerhört erscheinen. Die Einkünfte betrugen 1781 65’777,78o fl.; 
sie stiegen 1791 auf 92’722,090, freilich einemBedarfevon 151’300,000 
fl. gegenüber, sanken aber im nächsten Jahre auf 07’049,490. Das Jahr 
1802 ist mit 80’204,040, 1803 dagegen mit I0l’41fl,7l0 aufgeführt, 
1805 hat 1 1 l'808,200, 1800 80’708,830, 1808 10F878,490 geliefert, 
1809 nur 94’ 740,4 20, u. 1 813 trotz der Anstrengungen blos 101’511,070, 
1814 sogar nur 70’288,004. Der grösste Aufwand fand in jener Periode 
statt 1805: 145’93S,500 (wov. Militär 87% Mill.); 1809' 202’020,890 
(Milit. 197% Mill.) ; 1810; 351’134,170; 1813: 1 1 F1 72,110 (Milit. 
02’870,050). Von 1810 bis 1835 beliefen sich die Einnahmen meist 
zwischen 125 und 132, die Ausgaben zwischen 132 und 180 Mill. Das 
J. 1821 erforderte 159*4 Mill., das nächste Jahr, wegen des italien. 
Feldzugs 215’088,010. In dem letzten Decennium vor der 1848er Be 
wegung stellten sich die Rechnungsabschlüsse folgendermassen : 
Einkünfte 
isas 14 POS 1,290 
isao i45’2ia,sso 
1840 141/514,3:12 
1S41 14a’03T,924 
1842 145'520.01T 
Deficit 
l(/4t)0,23S 
17’204,542 
IS’132,704 
lO’l10,707 
1 PS02,:i45 
1843 
1844 
1845 
1840 
1847 
Einkünfte 
150'371,S30 
152’012,900 
153'509,037 
154N24,481 
153'340,790 
Deficit 
14'952,039 
15'500,723 
17’40S,770 
2PH74,448 
50’037,470 
So ist es augenscheinlich, dass die Finanzzerrüttung nicht erst durch 
das )dlevolutionsjahr« herbeigeführt wurde. Aber allerdings sanken nun 
die Einkünfte, sowohl 1818 als 19, auf 100% Mill. ; und wenn sie sich 
1850 auf 1 97 '%, 1851 auf 225 Mill, hoben, so steigerten sich auch die 
Bedürfnisse desto mehr. Die officielle n Angaben, denen wir andere 
Berechnungen zur Seite stellen, anerkennen folgende Deficite: 
Officielles Deficit Deficit nach Privatberechnung 
5S’870,001 fl. C.-M. 
1393130,224 
1S48 
1840 
1650 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1850 
1857 
1658 
45’110,040 fl. C.-M 
121’905,S05 - - 
54’804,S02 - - 
02’223,030 - - 
53'447,331 - - 
50'253,035 - - 
140’7 12,022 - - 
13S’809,297 - - 
02’353,007 - - 
42’533,80s - - 
36’481,601 - - 
Deficit in 11 J. S15’357,523 fl. C.-M. 
90’5S9.725 - - 
104’399,971 - - 
79’024,516 - - 
80’515,905 - - 
176']03,940 - - 
160'135,017 - - 
11P169,771 - - 
10P603,050 - - 
44’205,054 - - 
1,161'303,490 fl. C.-M.
        <pb n="175" />
        OESTERREICH. — Finanzen Deficit). 
151 
Nach dem Verluste der Lombardei und der Einführung des neuen 
Münzfusses war das officielle Deficit : 
1S62 (Voranschlag) 94’122,889 fl. 
1863 (ditto) 62*502,654 - 
1864 (ditto) 45*712,724 - 
Somit Gesammtdeficit in 17 Jahren 1,839*142,986 fl. ö. W. Dabei ist zu 
bemerken, dass gleichzeitig mit der Verkündigung des letzten Voranschlags zwei 
weitere Gesetze promulgirt wurden, welche ausserordentliche Credite im Betrage 
von 9*646,315 fl. bewilligten, um welche Summe sich sonach die Ziffer des De 
ficits sofort vergrössert, abgesehen von dem früher bewilligten 6 Mill.-Anlehen 
zur Milderung der Noth in Ungarn etc. 
Mittlerweile verkaufte die Regierung 1855 die ungarischen und böh 
mischen Staatsbahnen, sammt Ländereien und Bergwerken, an eine franz. 
Gesellschaft lun 80 Mill. C. M. ; ebenso 1850 die Lombardo-Venetiani- 
sche Bahn, ausser der Strecke von Verona nach Südtirol, an die Wiener 
Creditanstalt um 100 Mill. Lire = 33V* Mill. ; endlich 1858 auch die 
Südliche Staatsbahn an dieselbe Gesellschaft um 100 Mill, fl., wovon 
die letzten 30 Mill, erst bei 7% Ertrag zu bezahlen sind. Nebenbei Ver- 
äusserung der siebenbürgischen Eisenbergwerke etc. ; dann Verbrauch 
der den Italienern auferlegten Contnbutionen, und der Kriegsentschädi 
gung, welche Sardinien nach 1849 mit / 5 Mill. hrcs. ^ 28 o/1,000 fl. 
leisten musste. Auch die Entschädigung für den Schuldantheil der Lom 
bardei mit 42*300,000 fl. neuer Währ, in Silber ist verbraucht. 
1859 280*939,213 fl. R.W. 
1860 65*062,810 - 
1861 (vori.Berechn.) 109*500,000 - 
Im October 1849, nach Bewältigung der Revolution, war übrigens 
die Octroyirung einer Reihe »provisorischer Gesetze« über das Besteue 
rungswesen erfolgt. Zu diesem Behufe wurden die Privilegien der ein 
zelnen Länder und das Selbstbesteuerungsrecht derselben aufgehoben, 
und der Einheitsstaat hergestellt. Man unterwarf Ungarn, Kroatien, Sla- 
vonien und Siebenbürgen namentl. dem Tabaksmonopol und den Con- 
sumtionsabgaben, wovon sie frei gewesen ; erweiterte die Häusersteuer ; 
führte eine Abgabe vom inländ. Zucker ein ; schuf eine Einkommensteuer ; 
dehnte die Biersteuer auch auf Lombardo-Venetien aus, und erhöhte 
überhaupt die meisten Steuern um 25® „. Ohne Zweifel waren die Be 
dürfnisse dringend. Auch steigerte man damit die Staatseinkünfte bis zu 
dem oben angegebenen Betrage. Eigentlich musste man nach allen ge 
troffenen Anordnungen eine viel bedeutendere Ertragserhöhung erwarten. 
(Ungarn, das 1848 nur 4*099,(MMi fl. beitrug, musste schon 1862 83*/» 
Mill, bezahlen etc.) Die Hauptsache: Deckung des Bedarfs durch die 
laufende Einnahme, misslang vollständig, da sich die Ausgaben weit 
mehr als die Einnahmen vermehrten. Das Gesammt-Resultat, welches 
man im Jahrzehnt 1848-57 erreichte, war : 
Ordentliche Einnahmen . 
Ausgaben 
Deficit 
(Das Militär allein kostete 
2163 Mill. fl. C.-M. 
3296 - - - ^ , 
1133 - - - = 52 ®/o der Einnahme ! 
1512 - - - ) 
Unterm 13. Mai 1859 erhöhte man die Steuern durch Kriegssteuer 
beischläge folgendermassen ;
        <pb n="176" />
        152 
OESTERREICH. — Finanzen (Staatsschuld). 
Directe Steuern 
V* der Grundsteuer etwa . 
‘/s - Hauszinssteuer. . 
V* - Gebäudesteuer. . 
Vs - Erwerb Steuer . . 
% - Einkommensteuer 
Zinsensteuer .... 
S’2 Mill. 
1’4 - 
1’2 - 
1'5 - 
l’T - 
:f5 - 
Zus. directe Auflagen fl. 17,5 Mill. 
Indirecte Steuern 
fl. S’2 Mill. 15®/a zur Verzehrungssteuer fl. S’ Mill. 
Ausdehnung derselben auf 
das flache Land ... - 4’ 
Preiserhöhung des Salzes . - ö’ 
15” o zu den Taxgebühren - 5’T - 
25 resp. 40% zum Stempel - 2’5 - 
Zus. indirecte Aufl. fl. 24’2Mill. 
Total etwa fl. 41’T‘Mí1T 
Sämmtliche Steuerbeischläge wurden im Frieden forterhoben. Das 
Budget für 1802 verdoppelte die Einkommensteuer und das contributo 
arti e commercio im Venetianischen, erhöhte die Couponssteuer von 5 
auf 7 Proc., und vergrösserte die Abgaben vom Stempel, Runkelrüben 
zucker und verschiedenen Gebühren. — Diese Steuererhöhungen sind 
sämmtlich bis jetzt beibehalten. *) 
Staatsschuld. Nach dem officiellen »Ausweis über den Stand der 
gesammten österr. Staatsschuld mit Ende April 1804« betrug derselbe 
(alle Beträge auf jetzige Währung reducirt) ; 
I. Allgemeine Staatsschuld : 
a) Consolidirte, ältere, in AViener Währung 
- Conv.-Münze . 
neuere, - Conv.-Münze . 
- österr. Währung 
b) Schwebende, in österr. Währung . . 
c) Capital von Entschädigungsrenten etc. 
. . 40’718,3T0fl. 
. . S’325,()30 - 
. . 1,G47’545,430 - 
. . 037’‘)99,G05 - 
. . 158’S()0,172- 
. . 15’(i42,iH5 - 
Zusammen 2,50y’09(i,l07 fl. 
II. Schuld des Lombardisch-Venetianischen Königreichs : 
a) Consolidirte in Conv.-M. 34*747,142, m österr. AV. 
30*202,820; — b) Schwebende *'18,218 = .... 05*828,180 - 
III. Grundentlastungsschuld 521*548,808 - 
Totalbetrag der Schuld 3,090*473,245fl. 
Zur Schuldgeschicbte. Bei Beendigung des siebenjährigen Krieges, 
1703, belastete Oesterreich eine auf 1 50 Alillionen geschätzte Schuld, 
welche 1781 auf 283 Mill, angewachsen war, und beim Beginne der 
franz. Revolution 1789 die Ziffer von 3 19 Mill, erreichte. \"on jetzt an 
erfolgte Vermehrung im colossais ten Umfange. Schon 1790 stieg der 
Schuldbetrag auf fast 372 Mill , 1793 auf 125, 1795 auf 490. Im näch 
sten Jahre sind 504, 1799 033, 1802 080 AI ill. aufgezeichnet, dann 
1810 727, 1811 812 Mill. An diese Anhäufung der consolidirten Schuld 
schloss sich eine Reihe der ungewöhnlichsten Finanzmassregeln : Staats- 
bankerut und das noch ausserordentlichere Mittel des Zwanges zur »Ar- 
rosirung« ; erst setzte man einseitig die Zinsen der Schuld auf die Hälfte 
herab, sodann nöthigte man die Gläubiger zu weitern Darlehen, in 
dem sie beim Unterlassen der Nachzahlung die frühere Forderung ganz 
verloren ! — Aehnlich, wie mit den eigentlichen Schuldscheinen, erging 
*) Der Bedarf der Stadt AVien, 1852 erst 2*720,823 fl. betragend, war 1 soi 
bereits auf 7*012,858 angewachsen. Die Einkünfte hatten in gleichem Masse 
erhöht werden müssen; sie werden in den beiden genannten Jahren mit 3*291 ,S45 
und 7,248,227 aufgeführt. (Im J. 18(i2 ward die AVohnungsmiethezu 20*590,202 fl. 
berechnet, wovon 7*740,222 fl. an Staats- und Communalsteuem zu entrichten 
seien.) Das unmittelbare A'ermögen der Stadt ward übrigens zu 40*870,515, der 
Schuldenstand nur zu 4*024,031 fl. berechnet.
        <pb n="177" />
        OESTERREICH. — Finanzen 'Staatsschuld). 
153 
es mit dem Papiergelde, durch welches die Metallwährung fast ganz 
verdrängt ward. Das Papiergeld ist nemlich ein altes Uebel in Oester 
reich. Anfangs hiess man es Bancozettel und es stand alpart. Im J. 
17S1 beschränkte sich dasselbe allerdings noch auf 7®, Mill, fl., 1788 
waren es über 20, 1794 32, 1796 47, 1797 74 Mill. Von 1799 gingen 
die Bancozettel im Curse immer tiefer herab. Es gab deren 
1798 1799 1800 1801 1802 1806 1808 1809 
Mill. 92 141 201 202 337 450 519 730 
Es bestanden die bestimmtesten Versicherungen, dass keine Herab 
setzung des Werthes erfolge Publicandum von 1S06). Ein kajserl. Man 
dat von Anfang Febr. 1811 lautete wörtlich : »Ich gebe Mein kaiserl. 
Wort, dass nie die Bancozettel in ihrem Nennwerthe heruntergesetzt 
werden sollen.« Allein factisch sank der Werth des Papiers auf sei 
nes Nominalbetrags (1 fl. in Silber stand 17 fl. in Papier gleich) ; und 
unterm 26. März 1811 (6 Wochen nach jener officiellen Erklärung) sah 
sich die Regierung dahin gebracht, den Werth des bis zu 1060 Mill, an 
gewachsenen Papiergeldes auf ein Fünftel herabzusetzen, d. h. man 
löste das alte gegen neues Papiergeld ein, das man Einlösungs- und 
Anticipationsscheine nannte, wobei indess der Gulden von früher nur zu 
12 Krzr. angenommen wurde. Da man aber die Papiergeldmenge stets 
aufs Neue vermehrte, obwol das Gegentheil ausdrücklich zugesichert 
worden, so dass die durch obige Massregel erst im .1. 1811 auf 212 Mill, 
reducirte Summe 18 Ui schon wieder auf 639 Mill, angewachsen war, so 
sank auch das neue Papiergeld rasch auf ein Viertel seines Nominal- 
werthes, wonach also der Gesammtverlust sich auf ‘%o stellte, und man 
für ursprüngliche 100 Gulden nur 5 Gulden wirklichen Werth besass. — 
Die Kriege von 1813 —15 erheischten ansehnliche Anstrengungen. *) — 
Um dann der vorzugsweise lästigen schwebenden Schuld sich zu ent 
ledigen, erfolgten 1816 neue Anordnungen, die einem zweiten Banke 
rute ziemlich gleich kamen : man stellte den Inhabern des Papiergelds 
frei, entweder dasselbe für zwei Siebentel des Nennwerths in Banknoten 
zu verwechseln und für die übrigen fünf Siebentel e i n procentige Staats 
papiere anzunehmen ; oder aber für das Papiergeld Actien der eben ge 
gründeten »Nationalbank« einzutauschen. Nun verminderte man wenig 
stens das Papiergeld, 1817 auf 529, 1818 auf 498, 1821 auf 330, 1825 
auf 150 Mill ; 1827 war die Summe auf etwas weniger als 100, 1830 
auf die Hälfte, 1839 auf 20 Mill, herabgebracht, — freilich durch man- 
nichfache Manipulationen. Daneben hatte sich aber der Stand der Haupt 
staatsschuld wesentlich erhöht, obwol man von 1818 an den Nominal 
betrag theilweise dadurch herabdrückte, dass man die ältere auf 2*/* Proc. 
Zinsen reducirte Schuld in herabgesetztem Curse gegen neue 5proc., in 
Silber zahlbare Obligationen (Métalliques umtauschte. Von 825 Mill, 
beim Friedensschlüsse 1815) stieg die Schuldzifler 1820 auf 987, 1830 
^uf 1 Obi und 1847 auf 1249 Mill.**) Nachdem sich schon 1846 und 
* Obwol man aber nicht einmal für die verstümmelten Invaliden genügend 
sorgen konnte, kosteten die Festlichkeiten des Wiener Congresses den Staat 
gegen 3U Mill. Siehe (iervinm, Gesch. des 19. Jahrh. 
**: Den meisten Angaben über die Grösse der Haupt- sowie der Papier 
geldschuld liegen r. Cziirnig’s Mittheilungen »Statist. Jlandhilchlein für die
        <pb n="178" />
        154 
OESTERREICH. —Finanzen (Staatsschuld). 
47 dringende Finanzverlegenheiten eingestellt, erfolgte 184S die Revo 
lution in Wien, in Ungarn und Italien. Nun ward wieder Papiergeld in 
unbegrenzter Menge ausgegeben. Man erliess Geldausfuhrverbote, und 
decretirte, 2. Juni 1848, Zwangscurs der Banknoten (die Bank war fac- 
tisch nur eine Staatsanstalt). ***) 
Die seit dem Niederwerfen der Revolution von 1848 und 49 aus 
geführten Anlehen sind ; 
1851, Sept., Sub.scriptionsanlehen zur Verbesserung der Valuta 85’5&lt;)9,S00 fl. 
1852, Mai, Silberanlehen im Auslande (à 80 % negocirt . . 35’00o’ooo- 
- 4. Sdl&gt;t., 4proc. inländische freiwillige Anleihe . . . 80’000,U00- 
1853, 5proc. Anweisungen auf die Saline Gmunden .... 40’000,’000 - 
1854, 3. März, Lotterieanleihe (à 00 %) 50’OOo’ooo - 
- öproc. Silberanleihe (à SO 35’000,’oo0 - 
'öden'. Monarch ten's zu Grunde; doch wären mehrfache Erläuterungen dabei zu 
wünschen ; vermutnlich würde sich Verschiedenes anders gestalten als nach den 
Bureauabschlüssen. 
***) Im Noy. 1848 stand das Agio des Silbers gegen Papier auf5 Proc. ; 1849 
stieg es, 19. Juni, auf 24-'/, Proc., fiel dann, 25. Sept. (Beendigung des ungari 
schen Krieges) auf 5, stand aber zu Ende des Jahres 1849 doch wieder auf 13",. 
1850, 20. ÎSOV. (Verwicklungen mit Preussen) erreichte das Agio 52%. — 1852 
sank es bis auf 8 ; stieg dann, März 1854, neuerdings bis 44'/, ; sank, 10. Aug., 
auf 10’/,, stieg wieder, Nov. und erste Monate 1855, auf 28 und 29, und ging 
endlich 1850, nach Sicherung des Friedens, bis auf 2 % herab. Für den 1. Jan. 
1859 hatte sich die österr. Regierung, den (leutschen Münzvereinsstaaten gegen 
über, zur Wiederherstellung der Baarzahlung verpflichtet ; wirklich sank das 
Agio auf 1 Proc. Da indess genau an dem bezeichneten Tage der auf Krieg 
deutende Neujahrsgruss von Paris aus erfolgte, so ward die Einlösung des Pa 
niers eine blos scheinbare, bis am 29. April 1859 die Bank auch förmlich der 
Verpflichtung zur Einlösung ihrer Noten enthoben ward. Nun stieg das Silber 
wieder im März und April auf 5, im Mai auf 31—40 Proc. Agio. Nach der Frie 
denserklärung vom 11. Juli ging es auf J0°/„ herab, st^eg dann neuerdings 
(Mitte Oct.) auf 27, stand am 1. Jan. 1800 auf 21, hielt sich von Mitte März bis 
Oct. auf etwa 32'/,, war am 31. Dec. Einführung des Zwangscurses des Pa 
piergeldes in Venetien) 44; dann IKOl, 20. Jan. (Steueranlehen) 50, 31. Jan. 
sogar 54 (also schlimmer als in der übelsten Zeit des Krieges!), ging 27. Febr. 
(Verfassungsverkündigung auf 45% herab, um aber alsbald wieder zu steigen, 
15. Apr. (ungar. AVirren)-auf 52. Die friedlichen Aussichten brachten den Stand 
am 7. Juni auf 35'/. herab, allein am 5. Dec. Trentaflaire) war die Notirung 
wieder 42'/,, am Jahresschlüsse 41'/,. 1802 erfolgte ein Herabgehen, bis zum 
1. Juni auf 20'/,, bis 1. Nov. (unter einigen Fluctuationen) auf 21, Ende Dec. 
auf 14%. — 1803 war der Stand am 1. Oct. 11, am 22. Nov. dagegen wieder 
24' ,, 31. Dec. 17'/,. AVährend des Jahres 1804 Herabgehen bis auf 10, Oct. 
Steigen auf 10%. — Früher hatte man, neben den Banknoten, noch besonderes 
Staats])apiergeld in Umlauf gesetzt Es circulirten zu Anfang 1S54 über 150 
Millionen des 1 .etztern neben 188 Mill. Banknoten, zusammen also 338 Mill. 
Papiergeld. Um dasselbe wieder auf den Pari-Stand zu heben und Silber in die 
Circulation zurückzuführen, wurde unterm 23. Februar 1854 die Umwandlung 
des Staatspapiergeldes in Banknoten angeordnet. Die Bank erhielt zur Deckung 
zunächst ein gewisses Einkornmen aus den Zöllen angewiesen. Sodann wurden 
derselben, zufolge hinanzminist.-Decrets vom Sept. 1855, für ihre weitern For 
derungen an den Staat (damals 155 Mill.), Domänengüter bedingt abgetreten. 
Eine wirkliche Trennung der Bank von der Staatsverwaltung erfolgte erst durch 
ein Ende 1802 erzieltes Uebereinkommen. Das Guthaben der Bank ward zu 
232’944,490 fl. festgestellt; bis Ende 1800 soll dasselbe vollständig getilgt sein.
        <pb n="179" />
        OESTERREICH. — Finanzen Staatsschuld). 
1854, 20. Juli, "freiwillige Nationalanleihe« (factisch Zwangs 
anleihe) , angeblich von 500 Mill. *], in Wirklichkeit 
1858, Lotterieanleihe . . . ' - - 
1859, Jan., 5proc. Anlehen in England von 0 Mill, x zu 80 
ausgeboten, ohne dass man Abnehmer fand . . ■ 
- 29. April, 5proc. Anlehen . . . . . _ . • • 
Mitte Mai, Zwangsanlehen in Italien (auf 75 Mill, be 
stimmt, wegen des Verlusts der Lombardei aber blos) 
1800, Nov., Ausgabe von Münzscheinen 
1801, Steueranlenen 
H)"pothekaranWeisung auf d. Salinen, schwebende Schuld 
1804, F ehr., Lotterieanlehen, aufgebracht 58’, nominal . . 
- Mai, Silberanlehen von 70’, davon begeben 23Mill, à 
77,10, nominell ' 
Nov. Anlehen in österr. “Währung à 87 " „ .... . 
Zusammen Anlehen in 14 Jahren 1,490’021,10o fl. 
Allerdings fanden fortwährend Tilgungen statt, «sie stehen aber, wie 
der Erfolg zeigt, ausser Verhältniss zu diesen neuen Aufnahmen. Auch 
reiheten sich daran Schuldvermehrungen durch mancherlei^ Finanzopera 
tionen. So capitalisirte man schon in den Jahren 1849 — 51 für 32 Mil 
lionen Interessencoupons und Lottoanlehensloose. Sodann veranlasste 
man im Oct. 1858, bei Veränderung des Mftnzfusses, die Gläubiger, zu 
den kleinen Beträgen, die sich bei der Umrechnung ergaben, Zuschüsse 
zu leisten, um verzinsliche Schuldscheine zu erhalten. Dann ver 
wandelte man wieder geringer verzinsliche Schuldscheine in neue 5proc. 
unter Verminderung des Nominalschuldbetrags. Mittlerweile erfolgten 
auch verschiedene Operationen in kleinem Massstabe. Endlich bei den ver 
sprochenen Tilgungen zahlte man Zinsen mit Papiergeld. Hinwieder er 
höhte sich der Nominalbetrag der Hauptschuld durch jene Mönzfussver- 
änderung um 5 Proc. Der Krieg von 1859 hatte eine Vermehrung der 
Schuld neben der Einführung von Kriegssteuern im Gefolge. 
Gemäss des Züricher F'riedensvertrags bezahlte Sardinien (oder 
vielmehr Frankreich vorschussweise statt dessen für Abtretung der Lom 
bardei 40 Mill. fl. C.-M. an Oesterreich. Die ganze Summe ward, wie 
sie einging, durch die lautenden Bedürluissc verschlungen. 
Die späteren Creditoperationen haben zum Theil lebhafte Klagen 
im Reichsrath hervorgerufen. So enthüllte die Controlscommission des 
Abgeordnetenhauses im Juli 1803, dass die 12 Mill. Münzscheine im 
Oct. 1802, sogar ohne Einrechnung der in" der Gasse liegenden Münz- 
scheine, um 1’09S,190 fl. überschritten seien; ebenso habe man von 
den 2%proc. Anlehen von 1851 statt 17,288,500 fl. für nicht weniger 
als 20*885,900 fl. ausgegeben. Die Schulden-Controlcommission rügte 
sodann im F’cbr. 1804 namentlich die Depotgeschäfte, d. h. die Auf 
nahme von Geldern unter Verpfändung von Staatsschuld-Obligationen, 
als unvereinbar mit der Verfassung, weil »der grösste Theil der Zinsen 
dieser Papiere in den Einnahmen und der Aufwand an Zinsen und 1 ro- 
visionen in den Ausgaben nicht erscheine, somit der Controle des Reichs 
raths ganz entzogen werde.« Es ward beigefügt, »dass solche Geschäfte 
Das Ausschreiben von 1854 lautete auf 350 bis höchstens 500 Mill. Erst 
im Oct. 1859 verkündete ein Art. der »Wiener Zeitung« ohne alle Motmmng, 
dass für 011*571,300 fl. Schuldscheine ausgegeben worden, wovon sich übrigens 
20,492,100 im Besitze des Schuldentilgungsfonds befänden. 
155 
611*571,300 fl. 
40*000,000 - 
00*000,000 - 
200*000,000 - 
30*000,000 - 
12*000,000 - 
26*000,000 - 
90*000,000 - 
40*000,000 - 
30*480,000 - 
25*000,000 -
        <pb n="180" />
        156 
OESTERKKICH. — Militär Landmacht). 
die Veranlassung zur Verwendung von Werthsobjecten zu Pfändern wür 
den, über welche der Finanzverwaltung gar kein Dispositionsrecht zu 
stehe«, und als Beleg ward die Verjifändung von Papieren angeführt 
welche dem venez. Amortisationsfonds gehörten, welchen Vorgang das 
Abg.-Haus bereits als ordnungswidrig bezeichnet habe. 
Milkäi H. 
landmacht. Bildung des Heeres. Aushebung nach vollendetem 
20. Jahre (m der letzten Zeit 85,000 Mann im Jahre) ; 8jährige Dienst 
zeit im activen Heere, dann noch 2 Jahre in der Reserve. (Im Jahre 
18o4 wurden im Staate NN Fälle von Selbstverstümmelung constatirt 
um sich der Militärpflicht zu entziehen.) Stellvertretung besorgt der 
btaat, ausser in Kriegszeiten (in den letzten Jahren betrug die Taxe 
1200 fl.) — Das Avancement der Gemeinen zu Officiersstellen findet 
selten statt. 1851 zählte man 4i)(Jl adelige und 10, JOO bürgerliche Of- 
hciere. Unter den Ersten 103 Fürsten, 590 Grafen, 898 Barone, 570 
10 800 Officieren 4229 Adelige, namentlich bei der Cavallcrie 1190 von 
1/00, bei der Artillerie und dem Stabe aber nur 340 von 1700 ) 
Die Armee ist der Mannschaft nach äusserst tüchtig. 1818 und 19 machte 
sich aber die Verschiedenheit der Nationalität auch im Heere geltend • 
ungarische und italienische Truppen schlossen sich der Erhebung in ihrem 
^eciellen Vaterlande an. Auch 1859 gab es Anstände dieser Art 
Der Sold ist geringer als in irgend einer deutschen Armee. Bis 1848 
war für das Sanitätswesen schlecht gesorgt, so dass z.B. der Regiments 
arzt seinen Rang nach dem letzten Officiere hatte, wesshalb es an tüch- 
yn Aerzten fehlte. Seitdem erfolgten einige Verbesserungen. Die 
erpflegung war im feldzuge von 1859 äusserst mangelhaft. For 
mation und Stand: 
80 Linien-lnfant.-Regim., zu 4 Rataill. von (I Comp. . 
oo zu S Rat. von 5 Comp. ;Tiroler 1 
&lt;12 Feldjäger-Jlataill. von 0 Comp. i ■ 
14 Grenz-Infant.-Reg. und 1 Titler Grcnz-Inf.-Rat. 
10 Samtäts-Comp 
_ Gesammtstärke der Infanterie 
12 Reg. Cürassiere, 2 Reg. Dragoner, 14 Reg. Husaren 13 
Reg. Ulanen, sämmtl. zu OKscadr., zus. Cavallerie 
12 Reg. L eldartillerie zu 10 Batterien von 4 Comp 1 Reg 
Küstenartillerie zu 3 Rataill. von 4 C., 1 Reg’ ]{ake- 
teure zu 12 Batterien von 3 C., zus. Artillerie mit 
0,098 resp. 21,318 Pferden) 
2 Reg. Genie zu 4 Rataill. u. 0 Rataill. Pionnière 
Dazu: 48 Fuhrwesens-, Transports- undRrückenbe.span- 
nungsescadronen ^ 
10 Gendarmerie-Regimenter u. Policeiwachtcor¡is 
Total, mit Stab, Garden (781 M.j~etc7 
im Frieden 
150,430 
25,282 
8,040 
^ 830 
185,182 
39,188 
27,001 
8,932 
2,802 
10,500 
im Kriege 
331,230 
40,022 
55,598 
2,858 
430,008 
41,802 
50,300 
14,028 
22,070 
10,500 
5,100 
570,749 
aufgeführt
        <pb n="181" />
        OESTEKKEICH. - Militär (Landmacht.) 
157 
neralc, 112S Stabs- und 14,346 Subalternofficiere, endl. 32S,052 Unteroff. und 
Gemeine. 
Reserve. Die seit 1Ò52 an der Stelle der frühem Landwehr ein 
geführte Reserve mag lOO—12o,00U Mann betragen. Die Nationalgar 
den sind seit 1S51 gänzlich aufgedost. Nur »mit besonderer Bewilligung« 
dürfen an einzelnen Orten Bürger- und Schützencorps bestehen. Diesel 
ben besitzen gar keine militärische Bedeutung. In Tirol allein findet 
man noch »Landesschützen«, welche in 3 Zuzügen (von 20—29, von 
30—35 und von 3(&gt;—45 Jahren) alle Wehrkräftigen umfassen, und de 
ren beide erste Abtheilungen sich jährlich auf einige Tage zu Uebung 
und Musterung versammeln. Noch nicht geordnet sind die Verhältnisse 
der Militürgrenz-Bewohner, welche 1S50 ausnahmslos zu einem integri- 
renden Theile des Reichsheeres erklärt wurden. 
Festungen. Oesterreich zählt 31, darunter G ersten Ranges; 
Linz, Salzburg, Kufstein, Brixen, Josephstadt, Prag, Theresienstadt, 01- 
mütz, Leopoldstadt, Gradisca, Komorn, Arrat, Ganove, Krakau, Munkacz, 
Ofen, Temeswar, Brod, Eszek, Peterwardein, Karlsstadt, Karlsburg, Cattaro, 
Kagusa, Zara, Mantua, Verona, Legnago, Peschiera, Venedig, Chioggia, Pal 
manova und Osopo. Ferner hat Oesterreich das Mitbesatzungsrecht m Mainz, 
G Im und Rastatt. 
Militärgeschichtliches. Die ältern Nachrichten über die 
Stärke des österr. Heeres sind meistens sehr ungenau. Eine Berechnung 
von 1 783 ergibt 27G,000, eine von 1781 dagegen 3G4,000 Mann. Beide 
nehmen die Cavallerie zu 48—50,000, die Artillerie zu 8—9000 M. 
an ; der Unterschied trifft sonach auf die Infanterie. — Damals hatte der 
Staat» 57 Reg. Linien-Infanterie (40 deutsche etc. und 11 ungarische), 
33 Reg. Cavallerie 12 schwere Reg., 7 Dragoner, 0 Chevauxlegers und 
8 Husaren ; dann 22 Reg. Grenztruppen (1 7 Infanterie und 5 Husaren), 
3 Reg. Artillerie und 1 I Corps Ingenieure, Pontoniers etc., zusammen 
120 Reg. und Corps. — Im Feldzuge von 1805 betrug die wirklich mo- 
bilisirte Macht noch nicht 220,000, selbst 1809 nicht 280,000 M. auf 
dem Papiere das erste Mal etwa 250,000, das zweite Mal 320,000; 
Springer entziffert für 1809 sogar einen Bestand von 030,000, der aber 
auch nicht annähernd im Felde erschien. Die active Hauptarmee der 
Oesterreicher wie der Franzosen war ungefähr gleich stark, etwa 200,000 
M.) Nach einem geheimen Artikel des Friedensvertrags von 1809 durfte 
das österr. Heer nicht mehr über 150,000 M. betragen. In den 3 Jah 
ren 1813—15 wurden 489,900 Recruten für das stfchende Heer »geho 
ben«. — In dieser Zeit hatte man etwa 250,000 M. im Felde. — Der 
Feldzug von 1821 gegen Neapel und Sardinien war militärisch unbe 
deutend. — 1848 standen fast 100,000 Mann in Italien; durch die In 
surrection schmolzen sie rasch auf 45,000 M. im activen Dienste zusam- 
*üen. Schnell ward die Armee ergänzt und nun begannen die siegreichen 
Feldzüge Radetzky’s gegen Karl Albert. Doch kostete die Belagerung 
Venedigs allein 20,000 M. — Bei der Aufstellung während des Orient 
krieges ward der Heerbestand zu 371 Bataillone, 295 Schwadronen und 
1148 Geschütze, zus. 553,902 M. angegeben, wovon 283,500 M. mit 
b7,4 13 Pferden und 700 Geschützen an der russ. Grenze marschbereit 
standen. Schon damals zeigte sich die Mangelhaftigkeit in der Verpfle-
        <pb n="182" />
        158 
OESTERREICH. — Militär (Seemacht). 
gung. Ohne dass ein Schuss abgefeuert ward bttsste man 30—35,000 
M. ein, in Folge der herrschenden Entbehrungen ; es sollen nicht einmal 
eigentl. Seuchen grassirt haben. (Aeusserung des Preuss. Kriegsmi 
nisters Gr. Waldersee, in der Rerl. Kammersitzg. v. 30. März 1857.) 
— Im Feldzuge von 1850 traten noch ^eit verderblicher die personellen 
und materiellen Missstände hervor. Trotz der 800,000 M. auf dem Pa 
piere, befand man sich auf den entscheidenden Punkten immer in der 
Minderheit; meistens wurden die Soldaten hungernd und mit Gepäck 
beladen ins Treffen geschickt, dabei häufig aufs Ungeschickteste verwen 
det. Die Truppen (die unzufriedenen Italiener und mitunter auch Un 
garn abgerechnet) erprobten die anerkennenswertheste Ausdauer und 
Tapferkeit. Ueber die numerischen Verhältnisse ist noch nichts Genaues 
bekannt. Rechnet man die Angaben der officiell veröffentlichten Ver 
lustlisten zusammen, so hätte das österr. Heer an Todten, Verwundeten 
und Gefangenen 11 (Î4 Officiere und 48,500 Unterofficiere und Gemeine 
eingebüsst besonders in den Schlachten von Magenta und Solferino . 
Diejenigen , welche Krankheiten oder Entbehrungen erlagen natürlich 
ungerechnet. Der Formationsstand, wie derselbe vor diesem Kriege auf 
geführt ward, entzifferte 302,777 M. im Frieden und 085,247 im Kriege 
(Linien-Inf.-Regimenter hatte man blos 02, aber zu 0 Rataill. 
Marine. Eine uns vorliegende Liste vom Juli 1804 
1 Sehr a üben schiffe: 
a. Linienschiffe : erster Classe, wovon 2 erst der Vollen 
dung nahe, jed. SOO Pferdekr., 1 à 02 Kan., die andern 
à 32 Kan. ; 3 zweiter Classe zu 31 Kan., 0.50 Pfk, ; 2 
dritter CI. à 2K Kan., 500 Pfk., zus 
b. Fregatten: 2 erster CI. à 50 u. 51 K., 400 u. 500 Pfk. 
3 dritter CI. à 31 K. u. 300 Pfk., zus 
c. Corvetten: 7 zweit. CT., à 4—22 K., 230 Pfk. . . 
d. Kanonenboote: S mit 2—0 K., 50—230 Pik. . . 
2; Rad-Dampfer: 11 mit 2—0 K., 40—350 Pfk. . . 
Zus. Dampffiotte 30 Schifie mit 
3) Segelschiffe; 2(1, worunter 1 F reg. v. 35 K , 3 Corvet 
ten V. 20 u. 10 K., 2 Briggs, 3 Schooners etc., zus. 
4) Fluss-u. Landsee'schiffe: a. 5 in der Donau mit 10 K. 
u.4o5Pfk., b) 28 im Gardasee, 30 K. 000Pfk., c) 7 im See v. 
Mantua mit SK., d 01 in d. Lagunen mit 149K., 505Pfk. 
Total 121 Schiffe mit 
führt auf : 
Kan. Pfdkr. 
305 ¿350 
104 
04 
34 
42 
1800 
1010 
000 
2010 
030 11,730 
145 — 
203 1000 
9&lt;7 13,330" 
Eine andere Aufstellung berechnet: 50 Seeschiffe mit 870 Kan., darunter 
40 Dampfer mit 051 ^an. und 12,050 Pflt., und 01 Binnenschiffe mit 187 Kan. 
worunter 20 Dampfer mit 72 Kan. und 1531 Pfk. Die letzte Angabe scheint 
die genauere.) Die gesammte }Iarinemannschaft zählt 13,001 Mann. 
Kriegshäfen: Pola und Venedig. 
Soc iaUs (iewerbs- und llaiulelsvci lidUiiisso. 
Allgemeine Bemerkungen, Adel und katholische Geistlichkeit sind 
zahlreich und mächtig. Nach einer wol übertriebenen Angabe soll die 
erstgenannte Classe gegen 800,000 Individuen also etwa 100,000 Fa 
milien) umfassen, am meisten in Ungarn. Die Weltgeistlichkeit zählte 
1858 55,370 Individuen, wobei 1 Patriarch, 4 Primates, 11 Erzbischöfe, 58 
Bischöfe und 24 Weihbischöfe ; doch sind in obiger Zahl auch 4274 Kle-
        <pb n="183" />
        OESTERREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 159 
riker in den bischöfl. Seminarien und 3752 Knaben in den Convicten 
eingerechnet. Obwol Kaiser Joseph II. (»25 Klöster aufhob, gibt es 
doch noch 720 für Mönche und 208 für Nonnen. Die ersten sind (ein- 
schliessl. 240 Novizen und 1917 Laienbrüdern) von 9600, die Letzten 
von 5198 Individuen bevölkert. Von den 40,388 Weltgeistlichen gehö 
ren 35,265 zum lateinischen, 5076 zum unirten griechischen und 47 zum 
unirten armenischen Ritus, Ueber das Kirchenvermögen gab die Wiener 
»Kirchenzeitung« 1861 folgende Zusammenstellung: 
Säcularpfründen . 
Klöster .... 
Kirchen .... 
Unterr.-Anstalten 
Sanitäts- 
Wohlthätigk.-Anst. 
Summa 
Religionsfonds. . 
Studienfond . . 
Einkommen 
S’772,9S4 fl. 
4’258,147 - 
6’0S3,281 - 
329,252 - 
184,016 - 
12,033 - 
1‘&gt;’639,713 - 
3’410,74S - 
875,370 - 
Vermögen 
113’803,.')95fl. 
62’822,30l - 
101’014,557 - 
3’84S,513 - 
1’752,674 - 
144,043 - 
2S3’3S5,6S3 - 
68’0S6,b07 - 
15’418,496 - 
Passiva 
2’619,019fl. 
3’129,575 - 
3’859,982 - 
18,501 - 
26,208 - 
535 - 
Zusammen 23’925,831 - 366’890,986 - 
9’653,820 - 
979,622 - 
326,642 - 
10’960,084 - 
Diese Berechnung ist jedenfalls sehr niedrig gehalten und scheint 
insbes. das Mobiliarsermögen (Staatspapiere, ausgeliehene Capitalien) 
nicht zu umfassen. *) 
Lehranstalten (1862) : 8 Universitäten mit 6702 Studenten 
(Wien, Prag, Graz, Insbruck, Pesth, Lemberg, Krakau, Padua) ; 8 
höhere technische Anstalten mit 1823 Schülern; 125 theolog. Lehran 
stalten (wobei jedoch sämmtliche Klosteranstalten mit nur sehr ge 
ringer Schülerzahl beigezählt sind) mit 3905 Sch. ; 5 Rechtsakademien 
mit 335 Sch. ; 8 Chirurgische Lehranstalten, 632 Sch. ; 4 Montan- und 
Forst-Akademien, 140 Sch. ; 18 mindere landwirthschaftl. Lehranstal 
ten, 522 Sch.; 227 Gymnasien mit 51,859 Sch. ; 48 selbstständige 
Realschulen mit 1 1,387 Sch. ; 29,445 Volksschulen mit 2’699,288 
Schülern der Elementar-und 1 '068,498 der Wiederholungsclassen. — Bei 
den Truppenaushebungen ergab sich 1857, dass der Unterricht in Nie 
derösterreich und in Böhmen am allgemeinsten verbreitet ist, dagegen 
am wenigsten in Tirol, Krain, Küstenland, Ungarn, Galizien, Bukowina, 
Wojwüdina, Kroatien und Dalmatien. Des Schreibens kundig waren: 
in Niederösterreich in Böhmen in Dalmatien 
1856 von 2092 Recruten 1575 von 6,665 nur 4383 von 751 nur 33! 
1S57 - 2649 - 2323 - 11,111 - 6600 - 928 - 9!! 
1863 - 3672 - 3171 - 12,659 - 6445 - 911 - 46! 
Anfangs 1864 erschienen im Kaiserstaate 134 politische Zeitungen: 80 
deutsch, 16 ungarisch, 13 italien,, 6 slavisch, 4 poln., 2 serb., 2 croat., 
* In Deutsch-Oesterreich ist das Erzbisthum ülmütz am höchsten dotirt, 
mit 300,800 fl. ; die Prämonstratenser in Tögl sind mit einem Einkommen von 
223,(160 fl. eingetragen, die Benedictiner in Mölk mit 190,006, die Schotten in 
Wien mit 197,000, die in Kremsmünster mit 191,700, die Chorherren in Kloster 
neuburg mit 158,000 u. 8. f. — Für die böhmischen Bischöfe ist die Congrua 
in der Regel 12,000 fl.; doch gibt es auch Domherrn stellen und blose Pfar 
reien, deren Ertrag 20,006 fl. übersteigen soll. Die Einkünfte der Erzbischöfe 
von Erlau, Kolotscha und ülmütz, und des Primas von Ungarn, Erzbischofs 
von Gran, belaufen sich sogar auf 156,000 bis 506,000 fl.
        <pb n="184" />
        1 GO OESTEKKMCH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
1 illyr., 2 ruthen., 3 rumän., 2 griech., 1 slovak., 2 hebräisch; sodann 
330 nichtpolit. Zeitschriften; 190 deutsche, 57 ungar., 29 italien., 14 
poln., 13 Czech., 7 Serb., G Croat., 4 Slovak., 4 sloven., 2 ruthen.. 1 
griech., 2 hebr., 1 franz. 1SG3 wurden 2570 Druckschriften veröfl’ent- 
licht (1844.321/, 1853 angebl. G874), davon 1093 in deutscher, 34 7 in 
italienischer, 52G in slavischer, 582 in ungarischer, 8 in französischer und 
14 in lateinischer Sprache. — Neben Adel und Geistlichkeit bildet das 
Beamten th um einen besondern Stand. Die niedern Angestellten sind, 
besonders in einzelnen Zweigen, sehr gering besoldet, was seine schlim 
men Rückwirkungen nicht selten (zum Nachtheile des Volkes und der 
Staatscasse) fühlbar macht. 
Bei der letzten Aufnahme theilte sich die Bevölkerung nach ihrem 
Berufe folgendermassen (wobei aber die Zahlen bald einzelne Individuen, 
bald.Familien andeuten): Geistliche 57,959; Beamte 105,070, Militär,’ 
nicht actives, 140,948; Literaten und Künstler 30,010; Rechtsanwälte 
und Notare 9,899 ; Sanitätspersonen 27,984 ; Grundbesitzer 2’999,O90 ; 
Haus-^und Rentenbesitzer 715,840; Fabrikanten und Gewerbsleute 
072,373 ; Handelsleute 127,150; Schiffer und Fischer 54,028; Hülfs- 
arbeiter bei der Landwirthschaft 3’44 7,741 ;' bei Gewerben l’l 15,310; 
beim Handel 90,427; Dienstboten 892,855; Taglöhner 2'270¡309; 
ohne bestimmten Erwerb 1’281,700 (!). 
Die Länder, welche der österreichische Staat umfasst, besitzen einen 
grossen natürlichen Reichthum. Allein derselbe ist fast in keiner Beziehung 
erschlossen, wie es nach den bisherigen vielfachen Hemmungen der gei 
stigen und materiellen Entwicklung des Volkes nicht anders sein kann. 
Das Loos der Bauern hat sich in Folge der neuzeitlichen politischen 
Bewegungen, insbesondere derjenigen von 1848, vielfach gebessert; die 
frühem Leibeigenschafts-, Robbot- und sonstigen Hörigkeitsverhältnisse 
sind gebrochen, die alten Feudallasten ablösbar erklärt. Allein noch ist 
der Aufschwung nicht möglich ; noch lasten drückend die Ablösungsschul 
den auf den Landleuten, noch sind diese nicht wirklich vollkommen 
freie Eigenthümer. Dabei befinden sich die besten Ländereien im Be 
sitze der »todten Hand« des Klerus und des Adels, dessen untheilbar ge 
haltene Güter häufig den Umfang kleiner Staaten erreichen. Der grosse 
Grundbesitz hat seinen angeblichen Beruf in Förderung der Landwirth 
schaft nicht erfüllt. 
Landwirthschaft. Der jährl. Durchschnittswerth der landwirthschaftl 
Haupt- und Nebenproduction wird (r. Czörnig) auf 2073 Mill. fi. ge 
schätzt. Die Hauptposten sind : 
'Weizen 
Roggen 
Halbfrucht 
Gerste 
Hafer 
Mais 
Hirse 
Hülsenfrüchte 
Kartoffeln 
Reis 
Kraut 
Zuckerrüben 
.Heizen 4b'584,(MMl 
04'51S,UÜU 
15’OÜ(),000 
49’!&gt;5S,000 
99’544,(I00 
4.3’07(i,(»0U 
9’731,()00 
4’9ü4,0(i0 
119’502,000 
Zollcentner 51G,0ü0 
59’Gf)(),000 
18’ö00,00ü 
Werth 
170 Mill. 
14G,8 - 
39.4 - 
87.4 - 
113,2 - 
83 
20.4 - 
15.5 - 
50 
4,8 - 
28 
8,G -
        <pb n="185" />
        OESTERREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 161 
Lein und Hanf Zollcentner 2’688,000, 
Lein- und Hanfsamen Metzen 2’286,(M)0, 
Werth 
Rapssamen 
Tabak 
Stroh 
Heu etc. 
Klee 
Wein 
Holz 
Schlachtvieh 
Seiden-Cocons 
Schafwolle 
1’200,000, 
Zollcentner l’l20,000, 
398*000,000, 
303’000,000, 
202*000,000, 
Eimer 33*208,000, 
Klafter 29*502,000, 
Zollcentner 17*584,000, 
209.000, 
072.000, 
50.4 Mill. 
10 
10,2 - 
10.5 - 
93,4 - 
227 
157,5 - 
140 
52 
190 
21,0 - 
50,7 - 
Im Berg-und Hüttenwesen waren 1860 107,834 Arbeiter ausschliess 
lich beschäftigt, nemlich 98,556 Männer, 4,009 Frauen und 5,269 Kin 
der. — Der Gesammtwerth aller Berg- und ersten Hüttenproducte be 
trug 42*623,313, jener der Salinen 38*579,374 fl. Es wurden haupt 
sächlich gewonnen : 
1860 
Gold 
Silber 
Kupfer 
Blei 
Glätte 
Zink 
Steinkohlen 
Braunkohlen 
Eisen 
Menge 
Pfd. 3,190 
08,188 
Cntr. 47,022 
125,019 
22,027 
23,240 
- 34*800,000 
- 27*780,470 
- 5*505,038 
Werth 
2*153,704 fl. 
3*008,200 - 
3*230,800 - 
1*834,891 - \ 
311,757 - I 
257,450 - 
0*000,000 - 
3*000,000 - 
19*830,000 
1861 
Werth 
2*142,921 fl. 
3*033,345 - 
3*292,871 - 
2*534,450 - 
383,807 - 
7*352,899 - 
3*942,005 - 
19*457,284 - 
Von 295Hochöfen waren 1800 241 im Betriebe. Ausbeute: 4*918,098Cntr. 
Roheisen (Masseln) und 040,340 Cntr. Gusswaare. Steiermark lieferte 1,442,180, 
Kämthen 059,049 Cntr. Von den 01 Hochöfen Böhmens standen 51 im Be 
triebe; Production: 072,289 Cntr. Roheisen und 249,198 Cntr. Gusswaare. — 
1801 war die Roheisenproduction 0*318,459 Zollcntr. 
Gewerbsiodostrie and Fabrikwesen. Durch die Gewerbeordnung vom 
20. Dec. 1S59 ist das frühere starre Beschränkungs- und Bevormun 
dungssystem gebrochen, und wenn auch noch nicht unbedingte Gewerbe 
freiheit hergestellt, doch ein grosser Schritt nach derselben ausgeführt. 
— Den Geldwerth der gesammten Gewerbeproduction berechnet voti 
Czürnig folgendermassen, wobei freilich die veralteten Erhebungen von 
1843 die Grundlage bilden und die Lombardei noch mit aufgeführt ist: 
Oroasindaitrie 
Oesterreich unter ( Wien . . 48*132,000 
der Enns . . \ Flachland 37*744,000 
Oesterreich ob der Enns und 
Salzburg 22*512,000 
Steiermark 10*170,000 
Kärnthen und Krain. . . . 10*324,000 
Görz, Istrien, Triest .... 9,004,000 
Tirol und Vorarlberg. . . . 18,900,000 
Böhmen ........ 115*800,000 
Mähren und Schlesien . . . 05*721,000 
Galizien und Bukowina . . . 40*429,000 
Dalmatien 1*515,000 
Lombardei 93*813,000 
Venedig 50*023,000 
Ungarn und Nebenländer . . 03*150,000 
Kolb, Statistik. 4. Aufl. 
Kleingewerbe 
15*828,000 
11*531,000 
10*934,000 
8*307,000 
7*850,000 
3*481,000 
7*304,000 
32*900,000 
17*257,000 
14*191,000 
2*150,000 
35*299,000 
27*040,000 
P 
Zutammen 
03*900,000 fl. 
49*275,000 - 
33*440,000 - 
24*483,000 - 
24*180,000 - 
12*545,000 - 
20*204,000 - 
148*700,000 - 
82*978,000 - 
54*020,000 - 
3*700,000 - 
129*112,000 - 
77*003,000 - 
(03*150,000) - 
I
        <pb n="186" />
        162 OESTERREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Grossindustrie Kleingewerbe Zusammen 
Siebenbürgen 17’250,000 12’290,000 29’.')4U,O(i0 - 
Militärgrenze b’440,000 5’24(i,000 ir0S(),0U(» - 
Total 623’088,000 211’()80,0Ü0 834,7(18,ÜOO fl. 
Bezüglich einzelner Fabrikationszweige können wir aus neuerer Zeit nur 
anführen, dass 18(52 130 Rübenzuckerfabriken in Thätigkeit waren, wovon 
59 in Böhmen, 31 in Mähren und 22 in Ungarn. Verarbeitet wurden 18*%, 
14’195,851 Cntr. Rüben. 18'%, 13’87G,721, 18'%, 18’G21,9(52 Cntr. Steuer pr. 
Cntr. Rüben 12 Krzr. —Baumwollspinnereien (1859) 200 mit 1'5G3,928 
(18G0 angebl. mit 1’800,000) Spindeln. 
Handel. Es gibt zwei Zollgebiete ; Das allgemeine und (seiner geo 
graphischen Verhältnisse wegen getrennt davon) das Dalmatinische. Am 
30. Sept. 1850 ward die Zolllinie zwischen Ungarn und den übrigen 
Ländern aufgehoben (was bes. bei Benutzung der unten folgenden Ta 
belle zu berücksichtigen ist). Am 1. Febr. 1853 traten Parma und Mo 
dena dem österr. Zollverbande bei, der auch das Fürstenth. Liechten 
stein umfasst ; Parma trat mit dem Oct. 1857, Modena in Folge der 
Kriegsereignisse wieder aus. Während 1831 der Werth der Einfuhr nur 
zu ()8’550,193, jener der Ausfuhr zu 79’82‘J,535 fl. berechnet wurde, 
ergab sich seitdem (von 1851 an nach dem Sonnenjahre aufgestellt, das 
Ganze auf jetzige Währung reducirt und von 18G2 an die Waarenpreise 
auf neue Werthbestimmung gesetzt) folgender Handel im allgemeinen 
Zollgebiete (für die letzten Jahre nach provis. Aufstellung) : 
Ausfuhr 
108’58G,719 
109’340,G52 
115’119,71(5 
112’919,380 
107’112,49S 
117’818,(599 
48’G79,047 
(52’428,820 
110’089,831 
13(5’524,944 
19.5’814,828 
228’440,293 
2283(24,871 
244’134,142 
2G3’9 28,(541 
242’3(53,721 
275*599,871 
2923551,24(( 
305’197,493 
307’(580,155 
321’445,0G1 
303’028,(55G 
Jahre 
1842 
1843 
1844 
1845 
184(5 
1847 
1848 
1849 
1850 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
185(5 
1857 
1858 
1859 
18(50 
18G1 
18G2 
18G3 
Einfuhr 
111’305,185 
117*503,77(5 
120*7(59,1(5(5 
122*098,048 
133*079,348 
134*397,117 
87*895,990 
92*480,793 
10(5*903,202 
158*074,(5(53 
209*329,849 
2((7*2(52,1(50 
219*1(55,017 
248*288,157 
301*194,829 
292*995,251 
308*285,925 
208*227,783 
231*22(5,702 
235*847,057 
201*257,288 
202*348,115 
Durchfuhr 
75*451,193 
75*2(53,2 1 3 
74*910,321 
74*241,172 
75*032,398 
81*210,302 
29*257,207 
41*025,439 
74*143,513 
110*2(51,327 
112*240,00(1 
12((*591,442 
88*014,734 
151*248,847 
1(5(5*13(5,875 
1(51*215,393 
121*4(59,(537 
91*475,441 
111*889,523 
Hiebei sind nicht eingerechnet : die Ein - und Ausfuhr » zur Zube 
reitung« und »aui ungewissen Verkauf«; ebensowenig der Handel Dal 
matiens. Dieser letzte betrug ; 
1859 1861 1862 1863 
Einfuhr 8*500,551 7*997,084 7*305,094 7*722,038 
Ausfuhr 5*434,793 4*513,953 5*002,072 (5*092,041 
Im J. 1863 betrug der Werth der Ein- und Ausfuhr im allgtm. 
Handelsgebiete :
        <pb n="187" />
        11 * 
OESTERREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 163 
Waarengattangen nach den Tarifclatsen Einfuhr Ausfuhr 
Colonialwaaren und Südfrüchte 20’387,S95 2,54!) 
Tabak und Tabaksfabrikate 4*611,300 1 *096,121) 
Garten-und Feldfrüchte 13*339,441 28*315,22!) 
Thiere 14*551,212 8*099,146 
Thierische Produkte 9*606,830 6*525,541 
Fette und fette Oele 16*981,315 1*302,800 
Getränke und Esswaaren 2*077,144 3*049,918 
Brenn-, Bau- und Werkstoffe 5*885,105 29*613,267 
Arzenei-, Gerbe- und chemische Hülfsstoffe . . 13*518,692 3*519,013 
Metalle roh und als Halbfabrikat 33*930,614 26*426,335 
Webe- und Wirkstoffe 54*700,422 58*452,846 
Garne 25*429,765 7*703,9!)O 
Webe-und Wirkwaaren 15*401,625 42*037,324 
Waaren aus Stroh, Bast etc., Papier . .... 1*677,470 5*694,482 
Leder und Leder«aaren 6*743,270 9*141,438 
Holz-, Glas- und Thonwaaren 3*493,307 17*083,270 
Metallwaaren 4*854,981 8*357,658 
Land- und Wasserfahrzeuge 90,000 3*983,300 
Instrumente, Maschinen und kurze Waaren . . 5*875,706 34*880,430 
Chem. Produkte, Färb-, Fett- und Zündwaaren . 2*744,376 4*539,628 
Literarische und Kunstgegenstände 6*447,585 2*909,610 
Abfälle — 294,763 
Der Betrag der Ein- und Ausfuhr von Edelmetallen war : 
Einfahr Ausfuhr 
1862 25*584,955 fl. 30*714,000 fl. 
1863 28*844,372 - 21*709,712 - 
in 2 Jahren 54*429,327 flT 52*423,712 fl. 
Handelsmarine. Anfangs 1803, Schiffe weiter Fahrt : 
Schiffssahl Tonnengehalt Mannschaft Fferdekr. 
Dampfer . . 59 21,538 1700 11,570 
Segelschiffe . 528 207,184 5861 — 
Hiezu: Küstenfahrer 25!) grosse, 1718 kleine 1. Classe und 048 
2. CI.; — 2480 Fischerbarken; 3208 Lichter und Kähne. — Gesammt- 
Bumme 8000 Fahrzeuge mit 33,843 M. Besatzung. — Das Vorjahr 
schloss ab mit 9838 Seeschiffen von 331,508 östr. Tonnen {= 334,222 
Tonnen à 20 Zollccnt.) und 34,148 M. Besatzung. 
Wir unterlassen eine Ausscheidung dieser Schiffe nach den einzel 
nen Landestheilen, weil die officielle Aufstellung nach einer durchaus 
unzulässigen und nur irreführenden Norm, alle Schiffe weiter Fahrt kurz 
weg dem »österreichischen«, d. h. dem Triestiner Küstenlande zurechnet 
(im Gegensätze zum venetianischen, kroatischen, militärgrenzlichen und 
dalmatinischen Küstenlande, von denen nur die kleineren Fahrzeuge 
ungegeben sind); ein Verfahren, welches damit gerechtfertigt werden will, 
dass alle diese Schiffe »in den Registern der zu Triest fungirenden Cen 
tral - Seebehörde in Evidenz gehalten« würden. Damit hört jede Aus 
scheidung auf. 
Dampfmaschinen, anfangs 1804 : 54 14 mit 303,84 7 Pferdekr., 
Mill. Fl. kostend (anfangs 1852 erst 1334 Maschinen mit 52,943 
Bf.). Hievon 294 Schiffsdampfmaschinen mit 40,000, 1 329 Locomotiven 
uiit 204,405, und 37!) 1 für Production verwendete Masch. mit 5!),311 
Bferdekr. Von der ersten Kategorie kommen 00 Masch. mit 13,281 
Bferdekr. auf die Kriegsmarine, 132 mit 12,498 auf die Donauschiff.-
        <pb n="188" />
        164 OESTERREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisae. 
Gesell, und 02 mit 12,300 auf den östr. Lloyd. — Da die Menge der 
für die Production verwendeten Dampfmaschinen (ebenso gut wie die 
Zahl der durch die Post beförderten Briefe) ein nicht unwichtiges Moment 
zur Bezeichnung der Culturverhältnisse ist, so lassen wir ein Verzeich 
niss der Zahl der für die gewöhnl. Industrie benutzten Dampfmaschinen 
und deren Pferdekraft in den einzelnen Ländern folgen 
Hasch. Fferdekr. 
Oestr. u. d. Enns 
— ob — 
Salzburg . 
Steiermark 
Kärnthen . 
Krain 
Triest . . 
Tirol . . 
Böhmen 
Mähren 
404 
27 
3 
166 
52 
21 
42 
24 
1191 
570 
5,817 
251 
28 
3,732 
1,283 
285 
841 
237 
18,340 
8,769 
Schlesien . . . 
Galizien . . . 
Bukowina . . 
Ungarn . . . 
Siebenbürgen 
Kroat., Slavonien 
Militärgrenze 
Dalmatien . . 
Lomb. -V enetien 
Zusammen 
Hasch. Pferdekr. 
251 
124 
5 
677 
13 
27 
16 
2 
176 
4,969 
2,308 
108 
9,453 
240 
551 
181 
28 
1,961 
3791 59,382 
Eisenbahnen. Im Betriebe, Ende 1863 795 österr. (813 deutsche) 
Meilen. Von den Mitte 1861 im Betrieb gestandenen 722 östr. Meilen 
kamen 372 = 381 deutsche auf das deut. Bundesgebiet, 247 auf Un 
garn, 51 Galizien, 3% Militärgrenze und 48% Venetien. Das Anlage 
cap ital betrug Ende 1862 625*277,447 El., die Summe der Eisenbahn 
papiere stieg aber auf 748*627,030 El. Es waren vorhanden: 1839 Lo- 
comotiven, 3492 Pers -, 27,995 Güterwagen. Die Bahnen waren Eigen 
thum von 14 Gesellschaften. — Befördert 1862 : 12*907,383 Personen 
und 177*137,562 Cntr, Güter; Bruttoeinnahme 74*012,999 El. 
In den 3 Jahren 1855 — 57 wurden auf den österr. Bahnen 143 Individuen 
getödtet und 178 verwundet; die Unglücksfälle der ersten Art sind zu % durch 
eigene Schuld herbeigeführt, bei den Verwundungen kommt über die Hälfte 
auf fremdes Verschulden. Unter obiger Gesammtzahl von 321 sind 210 Bahn 
beamte (94 getödtet und 116 verwundet); von 28% Mill. Reisenden sind in den 
3 Jahren umgekommen 10, verwundet 42. Der Rest trifft auf andere Verun 
glückte, die weder Reisende noch Bahnangestelltc waren. Im J. 1857 ist ohne 
eigenes Verschulden kein Reisender weder umgekommen noch verletzt wor 
den. Nach Fahrmeilen (»Nutzmeilen«) berechnet (deren 1857 78 Millionen , 
kam erst auf 39 Mill, ein Todesfall und auf 26 Mill, eine Verwundung. — Im 
Jahre 1859 wurden 83 Menschen getödtet und 62 verwundet, unter den Ersten 
7 Reisende, durch eigenes Verschulden. — 1862 zählte man 102 Unfälle, wobei 
91 Personen getödtet, 83 verwundet wurden. Durch Entgleisung und Zusam- 
menstossen zweier Züge wurden 2 Reisende und 5 Bahnbedienstete verwundet 
1 Bed. getödtet; alle übrigen Beschädigten sollen ihre Unfälle selbst verschul 
det haben. 
Landstrassen im J. 1859: 2,951 österr. Meilen Staats- und 9,734 
Meil. Bezirksstrassen. 
Telegraphen. Ende 1860 vorhanden 1662 geogr. Meil., und (nur) 
192 Stationen. Befördert: 713,342 Depeschen, worunter aber nur 
471,216 interne und 81,777 internationale Privatdepeschen, dann 42,754 
Transit- und 115,249 Staatsdep. 1863 1*130,625 Dep. (mit den amtl.) 
Einnahme 1*290,447 El. (1850 gab es erst 487 Meil. Telegr., die Ein 
nahme war 26,794 Fl.; im J. 1860 dagegen 933,460 El.) — Man zählte 
1859 noch 320 Privat-Telegr.-Bureaux von Eisenbahnen mit Privat 
depeschen - Beförderung. 
Post. 1851 war das erste Jahr niederer Taxe ; befördert wurden;
        <pb n="189" />
        OESTERREICH. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
165 
1830 1840 1850 1851 1854 1858 1859 1860 
Privatbriefe: Mill. 15,5 24,2 32,24 32,25 46,04 62,39 99,21 79,27 
Amtsschreiben: - 3 5 9,82 11,21 19,70 21,85 28,91 26,31 
Indess stieg die ganze Postbeförderung selbst im J. 1S62 erst auf 
112’6 Briefe und 34’764,914 Zeitungsblätter, was im Vergleiche zu an 
dern europ. Ländern erschreckend wenig ist (s. unten »Deutschi.«). — 
Da die Stärke der Correspondenz zur Bezeichnung des Culturgrades und 
des Verkehres dient, so fügen wir eine Liste der 1860 auf die einzelnen 
Provinzen gekommenen Privatbriefe bei. 
Oesterr. unter der Enns . 14’150,230 
ob der Enns . . 2*272,892 
Steiermark und Kämthen 3*786,218 
Krain, Istrien, Triest . . 3*104,956 
Tirol 2*584,388 
Böhmen 12*699,441 
Mähren und Schlesien . 5*135,123 
Galizien und Bukowina . 4*791,580 
Dalmatien 578,819 
Lombardo-Venetien . . 10*046,696 
Ungarn 16*184,493 
Kroatien und Slavonian . 1*735,197 
Siebenbürgen .... 2*197,517 
Zusammen 79*267,550 
Nationalbank. Dieselbe stand früher zur Finanzverwaltung im Ver- 
hältniss einer Staatsanstalt. Seit 1863 ist dessen definitive Lösung an- 
gcbahnt. Am 11. Jan. 1865 ergab sich folgender Stand : Baarfonds 114*469,240 
fl., Banknoten im Umlaufe 374*960,226. Die neuere Schuld des Staats bei der 
Bank war: 80*000,000 fl. fundirte Staatsschuld (unverzinslich und permanent), 
56*142,567 - gegen verpfändete Staatsgüter, 
18*273,581 - Restschuld des Staats für die Einlösung des Papier 
geldes in Wiener Währung, 
20*000,000 - Vorschuss in Silber für das in England nicht abge 
setzte 6 Mill. £ Anlehen. 
174*416,148 fl. Gesammtsumme. 
Nationalvermögen. Der Geldwerth des Realbesitzes wurde vom Fi 
nanzministerium auf Grundlage der 1851—56 von Besitzveränderungen 
entrichteten Gebühren etc. zu ermitteln gesucht. Das Ergebniss war ; 
gesammter Realbesitz 9,500*969,276 fl. öst. W. 
Viehstand .... 1,006*149,740 
Ackergeräthe . . . 278*054,672 
Zusammen 10,785*173,688 
f. Czörnig, der nach einer andern Methode (nach der Production) berech 
nete, bekam fast das gleiche Resultat, nemlich 10,531 Mill. Von beiden 
Beträgen ist jedoch die Lombardei mit etwa 500 Mill, in Abzug zu brin 
gen, dagegen fehlt in der officicllen Aufstellung noch die »Militärgrenze.« 
(Darnach ergibt sich, wie sehr Emst v. Scherzet zu hoch schätzte, als 
er den Bodenwerth zu 20 Mill, annahm, und dann das ganze »wirth- 
schaftliche Vermögen« zu 50 bis 60 Mill. fl. C.-M. veranschlagte. In 
gleichem Masse überschätzte er den Geldwerth der jährlichen Boden pro 
duction , indem er 4100 Mill, entziffert, während v. Czörnig nur 2073 
herausfinden konnte. Das fortwährende Sinken des Geldwerthes hat 
natürlich die ZiflTern seitdem höher gebracht.) Der Werth des gesamm- 
ten Realbesitzes ohne Viehstand und Qeräthschaften vertheilt sich nach 
der erwähnten amtlichen Berechnung auf die verschiedenen Provinzen 
folgendermassen : 
Nieder- | Wien . 
österr. \ Flachland 
ÜORterr. ob d. Enns 
Salzburg . . . . 
Steiermark . . . 
342*609,912 fl. 
722*610,250 - 
411*956,699 - 
80*497,029 - 
422*879,456 - 
Kämthen .... 
Krain . . . . • 
Triest und Gebiet . 
Görz, Istrien, Gradisca 
Tirol u. Vorarlberg 
99*415,267 fl. 
101*587,286 - 
136*434,490 - 
105*692,939 - 
302*382,462 -
        <pb n="190" />
        166 OESTERlíEICH. — Sociale, Gewerba- und Handelsverhältnisse. 
Böhmen . 
Mähren . 
Schlesien . 
Galizien . 
Bukowina 
Dalmatien 
1,736*085,822 fl. 
770*182,730 - 
109*605,076 - 
477*496,718 - 
51*255,785 - 
37*487,764 - 
liOmhardo-Venetien 
Ungarn .... 
Banat u.Wojwodina 
Kroatien und Slavo- 
nien 
Siebenbürgen . . 
800*701,743 fl. 
1,903*168,900 - 
458*811,435 - 
178*500,000 - 
251*607.514 - 
Sparcassen gab es i860 1 10 (1842 erst 25, 184 7 : 50). Die Zahl 
der Einleger war zu Ende des genannten Jahres 027,509, die Summe 
der Einlagen 107*985,288 fl. Davon kamen 44 % Mill. auf Niederösterr., 
30‘/g auf Böhmen, etwas über 11 auf Steiermark. 
Wohlstand oder Armuth der Bevölkerung der einzelnen Landschaf 
ten lässt sich einigermassen auch aus dem Ertrage der Verzehrungs 
steuern erkennen. Der Brutto - Ertrag derselben stellte sich 1800 im 
Ganzen folgendermassen : 
für Branntwein 14*242,062 fl. 
- Wein, Weinmost und Obstmost. 6*354,878 - 
- Bier 15*709,986 - 
- Fleisch 6*640,747 - 
- Zucker aus inländischen Stoffen . 5*113,400 - 
- sonstige Objecte des Verbrauches 4*698,323 - 
Zusammen 52*759,396 fl. 
Auf j e einen Kopf der B 
in Oesterreich unt. der Enns 5,88 fl. 
- - ob der Enns . 2,22 - 
- Salzburg 2,92 - 
- Steiermark 1,80 - 
- Kärnthen 1,29 - 
- Krain 1,16 - 
- Triest und Gebiet . . . 6,00 - 
- Görz und Gradisca . . . 0,78 - 
- Istrien 0,27- 
- Tirol 0,72 - 
- Böhmen 2,13 - 
- Mähren 2,15 - 
evölkerung trafen nun: 
: in Schlesien 2,61 fl. 
I - der Bukowina .... 1,36 - 
I - Ostgalizien 1,44 - 
j - Westgalizien 0,69 - 
- Ungarn 1,06 - 
■ - der Wojwodina sammt Te- 
j meser Banat .... 0,83 - 
, - Siebenbürgen .... 0,87 - 
I - Kroatien und Slavonien . 0,15 - 
! - der Militärgrenze . . . 0,06 - 
I im lombardisch-venetiani- 
j sehen Königi-eiche . . 1,30 - 
I im Gesammt-1 lurchschnitte 1,55 fl. 
Diese, wenngleich officielle, Berechnung der Stcuerquote, deren 
Maximum wir bei Triest, dann zunächst bei Oesterreich unter der Enns, 
deren Minimum wir bei der Militärgrenze aufgezeichnet finden, nimmt 
keine Rücksicht auf die höhere Besteuerung der geschlossenen Städte ; 
so stellt sich die Verzehrungssteuer im J. 186(1 für je einen Kopf der 
Bevölkerung: in Wien 12,63 fl., Triest 9,28 fl., Prag 9,19 fl. 
Münze etc. Das Zollpfund feines Silber wird zu 45 fl. (unterabgetheilt in 
100 Neu-Kreuzer) ausgeprägt. Es sind sonach 45 fl. Österreich. = 52% fl. 
rhein. oder 30 Thlr. preuss. (1% fl. Österreich. = genau 1 Thlr. preussisch). 
Dem frühem 20 fl. Fuss gegenüber (d. h. die Köln. Mark fein zu 20 fl.) ergibt 
sich eine Verringerung von etwas über 5 %. Der Zwangscurs, den» man 1848 
dem Papiergelde gab, und das ungeheuere Schwanken der Valuta (siehe S. 154) 
erzeugten tief eingreifende M irren auch in den Finanzverhältnissen der Priva 
ten. (Bei keinem Kaufe oder \erkaufe auf noch so kurzen oder langen Credit 
wissen die Betheiligten, wie viel sie dem wirklichen Werthe nach, für so 
viel hundert oder tausend Gulden, zu bezahlen oder zu empfangen haben. 
Ijiingenmass : Der M icner 1‘uss zu 12 Zoll); 100 Wiener Fuss = 100,72 
preuss. Die österr. Meile = 1,022373 deutsche M. oder 7586 Meter. — Flfichen- 
mass ■ Das Joch (zu 1600 Quadr.-Klafter) = 2,25 preuss. Morgen. — Frucht- 
mass; Der Wiener Metzen; 100 ders. = 6149,95 Liter oder 111,89 preuss.
        <pb n="191" />
        PKEUSSEX. — Land und Leute. 
167 
Scheffel. — FlüssigkeiUmass: Die Mass zu 4 Seidel =1,41 Liter. Der Eimer, 
als Rechnungsmass, hält 40 Mass oder 56,6 Liter, der Wem-Eimer 41 Mass; 
daher 100 ders. = 5801,56 Lit. oder 84,45 preuss. Eimer. — Oevncht: 110 Pfund 
= 56 Kilogr., 112 Zoll- oder 119,73 alte preuss. Pfund. — Im venetianischen 
Gebiete besteht von früher das französische metrische Mass und Gewicht. 
Preusseii (Königreich) *. 
I^aiid iiiifi Leute. 
Segierungsbesirke 
und Provinzen 
1. Königsberg 
2. Gumbinnen 
3. Danzig . . 
4. Marienwerder 
I. Prov. Preussen 
5. Posen . . 
6. Bromberg . 
II. Prov. Posen 
Bevölkerung 
Quadr.- 
Meilen 
408,13 
298,21 
152,29 
319,41 
1817 
553,101 
366,479 
242,547 
339,424 
1849 
847,533 
614,047 
404,667 
621,046 
1858 
938,059 
670,783 
453,626 
682,032 
1861 
982,894 
695,571 
475,570 
712,831 
1Í78,03 l'501,55l 2'487,293 2*744,500 2’866,866 
320,96 584,890 897,339 918,222 963,441 
211,08 262,910 454,675 498,933 522,109 
~~ 532,04 847,800 1’352,014 1*417,155 1’485,550 
7. Stadt Berlin 
8. Potsdam 
9. Frankfurt . 
III. Prov. Brandenburg 
10. Stettin . . . 
11. Cöslin . . . 
12. Stralsund . . 
IV. Prov. Pommern 
13. Breslau . . 
14. Oj)peln . . 
15. Liegnitz. . 
V. Prov. Schlesien 
16. Magdeburg. 
17. Merseburg . 
18. Erfurt . . 
VI. Prov. Sachsen 
19. Münster. . 
20. Minden . . 
21. Arensberg . 
VII. Prov. Westphalen 
246,95 
211,53 
248,19 
■ 736,67 
210,09 
186,84 
_64,38 
461.31 
721,467 
556,051 
423,902 
845,033 
860,097 
458,637 
933,700 
937,659 
547,571 
947,034 
973,154 
379,07 
351,86 
730,93 1'277,518 2’129,022 2*329,996 2’467,759 
237,63 327,002 562,127 623,729 654,963 
256,70 244,515 448,516 501,546 524,108 
83,36 129,239 187,058 203,106 210,668 
'577,69 700,756 ri97,70l 1'328,381 1'389,739 
804,678 
536,085 
672,112 
2’() 12,875 
r174,679 
96.5,912 
921,00^ 
lt'061,59ir 
1’249,149 
1’077,663 
_942^S(B 
“3*2697613 
1’295,9.59 
1*137,844 
_ 956,892 
3’390,695 
472,012 
501,868 
240,339 
"1*214,219 
691,374 
742,644 
342,2711 
1*781,279 
749,808 779,754 
806,124 831,968 
354,130 3(2,995 
1*9107(162 1*976,417 
442,397 
421,935 
436,085 
132,55 
353,283 
473,095 
463,229 
460,105 
96.06 
340,614 
703,523 
579,757 
670,251 
140,84 
380,182 
1*619,015 
1*074.079 
1*464,921 
1*566,441 
369,45 
*) Hauptquellen: »Zeitschrift des kön. preuss. statistischen Bureaus, redi- 
girt von dessen Director Dr. Emst Engel.« — »Jahrbuch für die amtliche Sta 
tistik des Preuss. Staats « — »Preussische Statistik« zwanglose Hefte), beide 
letzten gleichfalls herausgegeben vom k. stat. Bureau in Berlin. Ausserdem 
»kön. preuss. Staatsanzeiger.« Die trefflichen, durch Scharfsinn und Gründ 
lichkeit ausgezeichneten Arbeiten des schon längst um die M issenschaft so sehr 
verdienten Directors Dr. Engel sind in jeder Beziehung von ganz besonderm 
Wer the. In keinem andern Staate ist in dieser Beziehung bis jetzt so nel ge 
leistet worden wie in Preussen unter Engel’s Leitung.
        <pb n="192" />
        168 PREUSSEN. — Land und Leute (Bevölkerungsbewegung). 
Regierungsbezirke 
und Provinzen 
22. Coin . . 
23. Düsseldorf 
24. Coblenz . 
25. Trier . . 
20. Aachen . 
VIII. Rheinprovinz 
IX. Hohenzollem 
X. Jadegebiet . 
Militär ausserhalb . 
Gesammtsumme * 
Quadr.- 
Meilen 
72,10 
99,50 
109,73 
130,44 
75,48 
487,40 
B e Völkerung 
1817 
338,410 
590,033 
359,204 
302,901 
310,019 
1’907,773 
1849 
497,330 
907,151 
502,984 
492,182 
4U,525 
2'811,172 
1858 
545,891 
1'002,540 
525,504 
528,008 
440,003 
3’108,bT2 
1861 
507,475 
1’115,305 
529,929 
544,209 
458,740 
3’215,784 
21,15 
0,25 
40,174 
04,235 
858 
12,043 
04,075 
950 
14,720 
5094,92 10'530,571 10’331,187 17’739,913 18’491,220 
Von der Gesammtsumme kamen im J. ISül ; 
auf die deutschen Bundesländer 3384,85 Q.-M. und 14’138,804 Menschen 
- - Nichtbundesgebiete 1710,07 - - - 4’352,410 
Bevölkerungsbewegung. 
Durchschnitt grösserer Zeiträume (jährlich). 
1810—20 
1821—30 
1831—40 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1850 
Geburten Stcrbfälle Geburten Sterbfälle 
408,742 307,902 I 1841-50 024,549 401,374 
504,333 343,942 | 1851-00 081,170 504,790 
543,703 415,855 | 
Das letzte Jahrzehnt. 
Geburten Sterbfalle Geburten Sterbfälle 
075,405 443,838 1857 703,540 521,929 
073,808 557,300 1858 730,170 519,728 
059,122 521,190 1859 747,032 493,757 
048,049 500,737 1800 730,243 400,808 
017,817 550,400 1801 723,018 497,041 
025,792 478,085 
In der Zahl der Geborenen sind übrigens die Todtgeborenen einbe 
griffen, 1861 30,029. Die Gesammtzahl vertheilt sich auf 371,767 
Knaben und 351,251 Mädchen. — Unter den Gestorbenen (einschliessl. 
Todtgeborene) befanden sich 256,941 männl. und 240,700 weibl. Per 
sonen. Von den Todtgeborenen waren 16,979 männlich, 13,050 weiblich. 
Die unehelichen Geburten (1861 60,154) im Verhältniss zur 
Gesammtzahl der Geburten betrug je 1 auf: 
1816 1852 1857 1858 1859 1860 1861 
13,42 13,31 12,97 11,85 11,80 12,05 12,02 
In den Regierungsbezirken ergibt sich ein grosser Unterschied. Die 
westlichen Landestheile zeichnen sich vortheilhaft aus, wozu die freieren 
Socialeinrichtungen sicherlich beitragen. Im J. 1861 waren im Reg.- 
Bez. Aachen nur 385Unehel. unter 15,079 Geborenen; im R.-B. Mün 
ster 362 unter 12,605, Coblenz 648 unter 17,955, Trier 728 unter 
19,111; — dagegen im R.-B. Breslau 6607Unehel. unter 42,839Geb.; 
im R.-B. Liegnitz 4526 unter 28,289; Königsberg 4187 unter 39,205 
etc.; Stadt Berlin 2784 unter 15,212. 
Die Volkszählungen ergaben folgende Einwohnerzahl: 
Gesammtzahl männlich weiblich 
1816 10’319,993 davon 5’105,194 5’214,799 
1822 11'664,133 5'788,322 5'875,811 
*) Nach den unrichtigen älteren Annahmen 5103,97 (4.-M., nach den 
neuesten Berechnungen dagegen sogar nur 5057,56.
        <pb n="193" />
        PREUSSEN. — Land und Leute (Geschlechtsverschiedenheit). 
169 
1831 
1840 
1849' 
1858 
1861 
Oeiammtzahl männlich weiblich 
13’ü38,97(t davon 6’492,880 6’546,090 
14’928,503 "'448,584 7’479,919 
16’296,483 8'128,753 8M67,730 
17’672,609 S’803,129 8’869,480 
18’491,22ü 9’212,413 9’278,807 
Das anfangs wol wesentlich durch die Männerverluste in den Krie 
gen herbeigeführte bedeutende Missverhältniss zwischen beiden Ge 
schlechtern hatte sich 1840 der Ausgleichung genähert; seitdem ward 
es durch Auswanderung junger Männer (zum Theil des Militärdienstes 
wegen) vergrössert. Von der Gesammtbevölkerung kamen auf die weibl. 
Hälfte: 1816 50,41 Proc., 1840 50,10, 1858 50,15%, 1861 50,18**). 
Die Bevölkerungszunahme betrug, nach Massgabe der je nach 3 
Jahren vorgenommenen Aufnahmen : 
1817—19 jährlich 2,039 Proc. 
1820—22 
1823—25 
1826—28 
1829—31 
1832—34 
1835—37 
1838—40 
2,071 
1,693 
1,277 
0,819 
1,204 
1,451 
1.963 
1841—43 jährlich 1,211 Proc. 
1844—46 
1847—19 
1850—52 
1853—55 
1856—59 
1859—62 
1,383 
0,451 
1,099 
0,524 
1,040 
1,475 
Bei der Aufnahme von 1855 ergab sich in zwei Regierungsbezirken eine 
Verminderung; 1858 kam dies noch in einem Bezirke (Minden) vor. 
Die Zahl der Haushaltungen betrug 1861 3’825,693. Es ka 
men sonach im Durchschnitte 4,83 Köpfe auf eine jede. — Zahl der 
Gebäude; 4’327,749 Privathäuser und 85,879 öffentl. Geb., darunter 
18,075 Kirchen und Bethäuser, 25,479 Schulen, 8914 Spitäler und 
Waisenhäuser, 8079 zu Versammlungen der Landes- oder Gemeinde- 
collegien, 3320 Militär- und 22,012 sonst. Gebäude für Verwaltungs 
oder Cultusz wecke. 
Die mittlere Zahl der Geburten und der Sterbfälle ist sehr verschie 
den in den einzelnen Provinzen. Es kam je eine Geburt jährlich auf 
nachbemerkte Einwohnerzahl : 
Darchschnitt 
20 1821—1830 1831—40 1841—50 1851—60 1816—60 
Provinzen 
PreuKsen . . 
Posen . . . 
Schlesien . . 
Pommern. . 
Brandenburg 
Sachsen . . 
Westphalen . 
Rheinland . 
Oesammtstaat 
1816 
18,31 
19.07 
21,12 
23,83 
24,69 
25,82 
28.08 
27,81 
23,03 
21,34 
22,81 
22,53 
24,83 
25,60 
26,02 
27,26 
27,30 
24,36 
23,99 
24,05 
24.07 
25.69 
27.08 
26,59 . 
27,26 
26.69 
25,51 
23,08 
22,28 
24,93 
25,20 
26,76 
26,53 
28,31 
27,40 
25,44 
22,21 
23,07 
25.20 
25.21 
26,87 
26,18 
28,80 
28,16 
25,55 
22,22 
22,63 
23,98 
25,12 
26,46 
26,29 
27,96 
27,44 
25,05 
*) 1852 war die Oesammtzahl 16’935,420 ; 1855: 17’202,013. 
**) Bei den letzten Zählungen fand sich der Ueberschuss der weibl. Bevöl 
kerung in den Altersclassen zwischen 17 — 32, und von 46 und mehr Jahren. 
l\s werden durchgehends 5 — 6% mehr Knaben als Mädchen geboren; es ster 
ben aber auch mehr schon in den Kindeijahren, doch bleiben sie noch in der 
Ueberzahl bis zur Periode von 17—32 Jahren, in welcher Zeit die Veränderun 
gen in der Lebensweise (andere Berufsbeschäftigung, theilweise Gefahren) mehr 
junge Männer wegraffen, als die oft tödtlichen Kindbette die rrauenzahl ver 
mindern. Von 33—39 Jahren sind wieder mehr Männer als h rauen vorhanden, 
von da an aber sterben sie weit häufiger als die h rauen.
        <pb n="194" />
        170 PKEÜSSEN. — Land und Leute (Ein- u. Auswanderungen, Confessionen). 
In den östlichen Provinzen war die Productivität constant grösser 
als in den westlichen. Ohne Zweifel wirkt die Stammesverschiedenheit 
dabei ein ; die meistens von Slaven bewohnten Landestheile haben die 
grösste Geburtszahl. Aber auch die socialen Verhältnisse tragen dazu 
bei. (Zählte man doch im alten feudalen Frankreich bei blos 24 Mill. 
Einw. eben so viele Geburten wie später bei 30 Mill.) In Verbindung 
mit der übergrossen Fruchtbarkeit steht jedesmal eine übergrosse Sterb 
lichkeit. Es kam je ein Sterbfall jährl. auf folg. Einwohnerzahl; 
Durchschn. 
1816—20 1821—30 1831—40 1841—50 1851-60 
Provinzen 
Preussen . . 
Posen . . . 
Schlesien . . 
Pommern. . 
Brandenburg 
Sachsen . . 
Westphalen . 
Kh einland 
Gesammtstaat 
32,39 
34.99 
30.99 
41,32 
37,98 
37,73 
39,20 
39,42 
35,09 
32,02 
30,08 
31,34 
41,95 
39,32 
39,39 
39,48 
40,15 
35,71 
28,97 
30,18 
30,54 
37,89 
35.80 
36,00 
39,38 
39.80 
33,31 
29.57 
29.58 
31,91 
39,89 
39.09 
39,30 
38,21 
38.09 
34,44 
27,91 
27,83 
32,00 
39,18 
38,58 
37,93 
40,40 
40,14 
34,48 
1816—60 
29,91 
29.98 
31.37 
39.99 
38,17 
37,27 
38.37 
38,55 
34,49 
Ein- und Auswanderungen wurden amtlich angezeigt : 
1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 1863 
Auswanderungen 18,999 23,972 13,329 9,881 10,385 10,794 14,354 14,293 
Einwanderungen 3,027 3,299 3,499 3,909 4,179 4,253 4,728 4,444 
Ausserdem wurden heimliche Auswanderungen constatirt : 1 856 
0. 327, 1557 9,952, 1858 4,157, 1859 3,503 (worunter 1,170 Mili 
tärpflichtige), 1800 5,1 13 (1,304 Militärpfl.) , 1801 3,450 (1,141), 
1802 4,447 (1,048), 1803 4,837 (1,782). Von den officiell angemel 
deten Auswanderern des letztgenannten Jahres haben 8,419 Europa 
verlassen (1857 21,212). — In den Jahren 1814—13 fand man einen 
Ueberschuss der Einwanderer von 1’072,429 Individuen (Folge der freien 
Ansässigmachung ; doch können die Ziffern nicht als genau betrachtet 
werden). Später änderte sich das Verhältniss. In den IVy* Jahren vom 
1. Oct. 1844 bis Ende 1802 zählte man nur 57,985 Ein-, dagegen 
203,739 Auswanderer. Im J. 1854 speciell waren die Zahlen; 2,019 
gegen 30,344. — Die Erhebungen über die Vermögensverhältnisse er 
gaben ; 
Vermögen (Thlr.) 
der Einwanderer 
der Auswanderer 
1858 
2’418,542 
2’970,070 
1859 
4'729,077 
2’757,709 
1860 
4’091,481 
3’453,599 
1861 
3’074,0S4 
4M31,497 
Die Ziffern sind bez. der Auswanderer viel zu niedrig, zumal sie sich 
ohnehin auf die heimlich Fortgezogenen gar nicht erstrecken. 
Confessionen. Nach der Zählung von 1801; 
A. Civil Evangelische Katholiken Griechen Mennonit. Deutschkath. Juden 
Preussen . . 
Posen . . . 
Brandenburg 
Pommern. . 
Schlesien . . 
Sachsen . . 
Westphalen . 
Rheinland . 
2’020,982 
477,941 
2’331,793 
1'343,299 
1'949,235 
1’814,992 
799,017 
797,294 
799,505 
915,211 
49,298 
11,932 
1'954,899 
122,121 
889,252 
2'371,292 
1,057 
15 
109 
2 
5 
1 
1 
9 
12,109 
1 
19 
40 
7 
13 
129 
1.393 
1,749 
294 
3,144 
1,211 
4,532 
3,131 
598 
1.544 
37,935 
74,172 
30,994 
12,488 
40,859 
5,775 
19,931 
34.248
        <pb n="195" />
        PREUSSEN. — Land und I.eute Nationalitäten, Städte). 
171 
Evangeliiche Katholiken Griechen Mennonit. DenUchkath. Juden 
Hohenzollem 1,209 02,255 — — — 
Jadegebiet . SO 7 83 — — ~- 
R. Militär. 184,098 82,209 0 8 &lt;&gt;3 1 328 
Zusammen lï’298,294 0’900,988 ' 1202 13,716 16,233 254,785 
Die »Griechen« sind, soviel bekannt, sämmtlich griech. Katholiken. Köm.- 
kathol. Klöster und Congregationen waren 1861 185 vorhanden (davon 101 in 
der Rheinprovinz, 34 in n estphalen, 25 in Schlesien, 1 in Sachsen, 9 in Posen, 
8 in Preussen, 7 in Hohenzollern); zus. mit 3888 Indmduen (davon 1005 männl., 
2883 weibl.) 
Nationalitäten. Nach der Sprachverschiedenheit ergab die Zählung 
von 1861 bei der Civilbevölkerung 15’71S,65G Deutsche und 2’504,192 
Nichtdeutsche, neml. 2’214,888 Polen, Masuren. Kassuben, 82,232 
Wenden, 58,880 Böhmen und Mähren, 136,990 Litthauer, 414 Curen 
und 10,788 Wallonen. Hiebei sind sämmtliche Juden den Deutschen 
zugezählt, da dieselben allerdings deutsch als Muttersprache reden (nur 
muss die gleiche Regel bez. der Juden in andern Ländern, z.B. Oester 
reich , ebenfalls gelten, während man sie dort durchgehends gesondert 
auffOhrt); ebenso sind als Deutsche gerechnet die Nachkommen der franz. 
Refugiéis, obwol dieselben zumTheil eigene Gemeinden bilden. Bezilgl. 
des Militärs fehlen die Nachweise. Die Nichtdeutschen sind im Wesent 
lichen folgendermassen vertheilt (abgesehen von vereinzelten hällen): 
A. Polen, Masaren, Kusnben : 
1) im Grossh. Posen 801,372 neml. 
R.-B. Posen . . 560,566 
Bromberg . 240,806 
2) in Preussen . . 690,441 neml. 
R.-B. Königsberg. 162,969 
Gumbinnen . 148,071 
Danzig . . 114,635 
Marien Werder 264,766 
3) in Schlesien. . 719,365 davon 
R.-B. Oppeln . . 665,865 
Breslau . . 53,474 
B. Wenden : 
R.-B. Frankfurt . . 49,871 
Liegnitz . . 32,353 
C. Böhmen u. Mähren: 
R.-B. Oppeln . . . 51,187 
Breslau. . . 7,484 
D. Litthauer: 
R.-B. Königsberg . 32,407 
Gumbinnen 104,583 
E. Wa'lonen : 
R.-B. Aachen. . . 10,502 
Am stärksten gemischt ist die Be.völkerung in folgenden Regierungs 
bezirken (das Militär ungerechnet) : 
Deuteche dentwhe 
R.-B. Posen . . 389,914 560,715 
Bromberg . 276,109 240,806 
Zus. Prov. Posêïr“6607083 801,521 
R.-B. Oppeln . 409,218 717,052 
Ganz Schlesien . 2’539,094 810,401 
_ ^ . Nicht-^ 
Deutsche ¿enteche 
R.-B. Königsberg. 776,230 195,797 
Gumbinnen. 439,099 252,654 
- Danzig . . 349,467 114,637 
Marienwerder 441,382 264,766 
Zus. Prov.Preussen 2’006,178 827,854 
Städte. Im J. 1849 betrug die städtische Bevölkerung nur 4’324,813 ; 
bei den letzten Aufnahmen dagegen hatten : 
Zählung von 1858 Zählung von 1861 
994 Städte !v250J34 Einw. = 29,6% lOOO Städte 59125,852 E. = 30,4 % 
Plattes Land 12’489,779 - = 70,4 - Land . . 12'865,368 -= 69,6 - 
Es hat sich also vermehrt : 
die Stadtbevölk. die Landbevölkerung 
von 1849-1858 um 925,321 = 21,4 % 483,405 = 4,0% 
_ 1859—1861 - 375,718 = 7,1 - 375,5^9 = 3,0 - 
Die Zunahme in den Städten war also grösser als auf dem Lande, bes.
        <pb n="196" />
        172 
PREUSSEN. — Land und Leute (Städte). 
in der Periode 1849 — 58. Dabei ist übrigens zu erinnern, dass ver 
schiedene Gemeinden , früher dem Lande beigezählt, seitdem unter die 
Städte eingereiht wurden. Es gab 18G1 3 Städte von mehr als 100,000 
Einw., 8 zwischen 50 und 100,000, 4 zw. 40 und 50,000, 2 zw. 30 
und 40,000, 11 zw. 20 und 30,000, 66 zw. 10 und 20,000 Menschen. 
Die Einwohnerzahl der Städte von mehr als 10,000 war nach der Auf 
nahme vom J. 1861 folgende: 
Berlin . . 
Breslau . , 
Cöln 
'Königsberg 
Magdeburg 
Danzig . 
Stettin . 
Aachen . 
Elberfeld 
Posen . 
Krefeld . 
Barmen. 
Halle . 
Potsdam 
Düsseldorf 
Erfurt . 
Frankfurt a 
Coblenz 
Görlitz . 
Münster 
Elbing . 
Stralsund 
Brandenburg 
Dortmund 
Halberstad 
Bromberg 
Trier . 
Essen 
Bonn 
Neisse . 
I.iegnitz 
Memel . 
547,571 
145,589 
120,568 
94,579 
86,301 
82,765 
64,431 
59,941 
56,307 
51,232 
50,584 
49,787 
42,976 
41,824 
41,292 
37,012 
36,537 
28,525 
27,983 
27,332 
25,539 
24.214 
23,727 
23,372 
22,810 
22,474 
21.215 
20,811 
19,996 
18,747 
18,662 
17,590 
Glogau . . 
Nordhausen 
W esel . . 
Gladbach . 
T.andsberg a.W. 
Remscheid. 
Tilsit . . 
Mühlhausen 
(Sachsen) 
Stargard 
Guben . 
Quedlinburg 
Greifswald 
Thorn 
Minden . 
Schweidnitz 
Burg . 
Prenzlow 
Viersen 
Naumburg 
Aschersleb 
Zeitz*. . 
Iserlohn 
Spandau 
Stolpe . 
Bielefeld 
Duisburg 
Mühlheim a 
Eupen . 
Brieg . 
Eschweiler 
Graudenz 
en 
1 
17,533 
17,520 
17,429 
17,069 
16,815 
16,412 
16,146 
16,104 
16,071 
15,929 
15,773 
15,714 
15,505 
15,453 
15,381 
14,996 
14,695 
14,442 
14,352 
14,333 
14,210 
14,142 
13,911 
13,857 
13,846 
13,422 
13,372 
13,190 
12,970 
12,801 
12,784 
Ratibor 
Hamm . 
Charlottenburg 
Merseburg . 
Insterburg. 
Paderborn . 
Cöslin . . 
Wittenberg 
Kolberg . 
Saarbrücken 
M'eissenfels 
Anklam 
Glatz 
Gleiwitz 
Kreuznach 
Soest 
Eisleben 
Kottbus 
Neu-Ruppi 
Rheydt . 
Neuss . 
Herford. 
Solingen 
Torgau . 
Grünberg 
Rawitzscn 
Eilenburg 
Oppeln . 
l.issa 
liuckenwalde 
12,776 
12,637 
12,431 
12,339 
12,323 
12,271 
12,110 
12,026 
11,760 
11.703 
11,670 
11,668 
11,415 
11,294 
11,185 
11,142 
11,118 
11,112 
11,098 
10,875 
10,769 
10,717 
10.704 
10,679 
10,563 
10,408 
10,393 
10,223 
10,192 
10,170 
Von den kleineren Städten nennen wir noch : 
Küstrin . . . 
Bochum . . 
Sorau . . . 
Düren . . . 
Sagan . . . 
Schönebeck . 
Reuthen . . 
Cleve . . • 
Lüttringhausen 
Dorp . . • 
Hirschbeyg 
Leobschütz 
Radevormwald 
Jauer . . . 
I.angensalza . 
Demmin . . 
Höhescheid . 
Stendal. . . 
9937 
9855 
9829 
9493 
9461 
9235 
9162 
9095 
9046 
9029 
8939 
8784 
8738 
8672 
8670 
8572 
8558 
8522 
Gnesen .... 
Suhl 
Neustadt (Schles.) 
Krotoschin . . 
Hagen .... 
Siegen .... 
Schwedt . . . 
Gumbinnen . . 
Witten .... 
Salzwedel . . . 
Sangerhausen . . 
Neuwied . . . 
Honsdorf . . . 
Kalbe a. d. S. 
Sommerfeld . . 
Mühlheim b.Köln 
Emmerich . . . 
Culm . . . . 
8520 
8511 
8463 
8459 
8426 
8245 
8044 
8006 
7943 
7915 
7877 
7766 
7722 
7689 
7685 
7678 
7669 
7636 
Kronenberg 
Striegau 
Lennep . . 
Marienburg 
Gels . . . 
Saarlouis . 
Bunzlau 
Wriezen 
Welbert 
Wittstock . 
Hörde . . 
Ostrowo 
Rathenow . 
Krossen 
Züllichau . 
Pyritz . . 
Perleburg . 
Gollnow 
7613 
7608 
7601 
7560 
7499 
7482 
7461 
7376 
7282 
7255 
7248 
7220 
7206 
7146 
7141 
7136 
7057 
6994
        <pb n="197" />
        PREUSSEN. — Land und I.Æute (Gebietsveränderungen). 173 
Delitzsch . 
Marienwerder 
Schneidemühl 
Treptow 
Ohlau . . 
F ürstenwalde 
OscKersleben 
Goldberg . 
Jüterbogk . 
Finsterwalde 
0992 
0946 
0890 
0878 
0840 
0758 
0710 
0088 
0067 
0005 
Inowraclaw 
Lauban . . . 
Frauenstadt (Pos. 
Idppstadt . . 
Neustettin . . 
Swinemünde . 
Conitz . . . 
Wolgast . . 
Reicnenbach 
(Schlesien) . 
0064 
6656 
6598 
6554 
0479 
0452 
6439 
6412 
6356 
Ruhrort 
Pieschen 
Wetzlar 
I&gt;öwenberg 
Jülich 
Arnsberg 
Kosel . 
Imtzen . 
Hechingen 
Sigmaringen 
6202 
6182 
5874 
5465 
5181 
4575 
4347 
3574 
3251 
2636 
Berlin hatte im J. 1645 erst 9000 Einw., 1721 53,355, mit Milit. 65,300, 
1780 113,766 resp. 147,338, 1795 130,487 r. 156,218, 1810 153,070 r. 162,971, 
1820 185,829 r. 201,900, 1831 229,843 r. 248,682, 1840 309,953 r. 328,692, 1852 
413,517 r. 432,720, 1858 438,961 r. 458,637 (1804 mit Mil. angebl. 629,800). Ein 
ansehnlicher Theil der Zunahme ward durch Einverleibung angrenzender Orte 
veranlasst. Die Garnison ist 1861 mit 22,626 Mann eingerechnet. 
Bodenbenätznng. Aufnahme von 1858 : 
1*417,486 Magd. Morgen Gärten, Weinberge, Obstplantagen, 
50*472,545 - - Aecker, 
8*776,302 - - Miesen, 
8*141,802 - - beständige'Weiden, 
24*731,067 - - W'älder (wovon 8*059,489 im Staatsbesitze), 
93*539,20^ - - oder (21,490*, preuss. Morgen = 1 Q.-M.) 4352,7 
geogr. Q.-M. cultivirten Landes. 
Gebietsveränderangen. Preussen, dessen Fürst 1701 den Königs 
titel angenommen, umfasste bei der Thronbesteigung Friedrichs II., 
1740, 2160 Q.-Meil. und 2’240,000 (nach Andern etwa 3 Mill.) Men 
schen. Die Eroberung Schlesiens (680 Q.-M., damals mit 1*100,000 
Bew., 1770 mit 1*327,078) und die erste Theilung Polens (wobei 
Preussen 596 Q.-M. und % Mill. Menschen erhielt) vergrösserten den 
Staat, so dass derselbe bei Friedrich's Tode, 1786, folgenden Bestand 
hatte (die Volkszahl nach den damaligen höchst ungenauen Schätzungen) : 
Königreich Preussen , mit dem Netzdistricte . 1302 Q.-M., 1*500,000 Bew. 
Ilerzogthum Pommern 457 - 465,000 - 
Mark Brandenburg, mit Mansfeld .... 728 - 1*057,000 - 
Herzogthum Magdeburg lüO - 280,000 - 
Fürstenthum Halberstadt 37 - 132,000 - 
"Westphälisehe Länder 222 - 590,000 - 
Herzogthum Schlesien 680 - 1*582,000 - 
Dazu : Fürstenthum Neuenburg 14 - 40,500 - 
Zusammen 3540 Q.-M., 5*650,000 Bew. 
Von Pommern war das schwedische Vorpommern noch getrennt Die 
Bestandtheile der westphälischen Besitzungen waren : 
Fürstenthum Minden und Grafsch. Ravensberg 
Grafschaft Tecklenburg und Lingen . . . . 
Fürstenthum Ostfriesland 
Herzogthum Cleve 
Grafschaft Mark 
Fürstenthum Moeurs 
Herzogthum Geldern 
38 Q.-M., 130,000 Bew 
21 - 45,000 - 
54 - 103,000 - 
33 - 95,000 - 
50 - 125,000 - 
4 - 17,000 - 
22 - 50,000 - 
Im Jahre 1791 wurden (durch Abtreten des kinderlosen Markgra 
fen) die Fürstenthümer Anspach und Bayreuth erworben (145 Q.- 
Meil. mit fast 400,000 Menschen); 1792—93 die reichsständischen Ge 
biete in denselben, 1795, bei der letzten Theilung Polens, der Rest von
        <pb n="198" />
        174 
PREUSSEN. — Finanzen (Budget). 
Südpreussen, Neuostpreussen und Neuschlesien. Nun hatte der Staat 
5595 Q.-M. und S’7ü0,000 Einw. Durch den Krieg mit der franz. Re 
publik verlor Preussen die Besitzungen auf dem linken Rheinufer, Gel 
dern, Moeurs und Cleve. Es erhielt dagegen durch den Entschädigungs- 
recess von 1S02: Hildesheim mit Goslar, Paderborn, einen Theil von 
Münster mit Cappenberg, Eichsfeld, Erfurt, Blankenhain, Untergleichen, 
Mühlhausen, Nordhausen, Quedlinburg, Essen, Werden, Elten und 
Herford, und 1803 von Bayern, gegen Ueberlassung von Neustadt und 
Culm etc., das Oberstift Eichstädt, Weissenburg a. d. Tauber, Winds 
heim und Dinkelsbühl, zusammen 173 Q.-M. mit 000,000 Menschen. 
— 1805 liess sich die Regierung verleiten, Anspach, das rechtsrheini 
sche Gebiet von Cleve, und Neuenburg freiwillig an Frankreich abzutre 
ten , gegen das von diesem "eroberte Hannover. Nicht nur protestirte 
England dagegen, sondern Preussen kam doch mit Frankreich in Krieg, 
der (Schlacht bei Jena, 14. Oct. 1806) mit dem Tilsiter Frieden en 
digte, 9. Juli 1807, welcher Preussen gerade die Hälfte seines Gebietes 
kostete. Es musste abtreten ; einen Theil von Neuostpreussen (Bialy- 
stük) an den bisherigen Alliirten Russland; den Cottbusser Kreis an 
Sachsen; Süd-, einen Theil von West- und Neuostpreussen sammt dem 
Netzdistricte an das damit geschaffene Herzogthum Warschau; Danzig, 
das mit vergrössertemGebiete wieder als »freie Stadt« erstand; Ostfries 
land an Holland ; Münster, Mark, Dingen und Tecklenburg an Berg ; 
die übrigen westphälischen und niedersächsischen Besitzungen an das 
neue »Königreich Westfalen«; endlich Bayreuth und Erfurt an Frank 
reich. Der Gesammtverlust wird zu 2855 Q.-M. und 5 730,500 Men 
schen berechnet. Der preussische Staat war auf 2870 Q.-M. mit 
4’500,000 Einw. zusammengeschmolzen. — Der erste Pariser Friede 
und der Wiener Congress gaben das Verlorene zurück oder mehr als 
vollständige Entschädigung. Nicht wiedererlangt wurden- Polen, Hil 
desheim, Ostfriesland, Anspach und Bayreuth ; dagegen erhielt Preussen ; 
die Hälfte des Königr. Sachsen, die Rheinprovinz und Schwedisch-Vor 
pommern. — 1812 kaufte der Staat das Fürstenthum Lichtenberg 
(auf dem linken Rheinufer, 1 0% Q.-M., damals mit 35,250 Menschen, 
durch den Wiener Congress dem Herzoge von Coburg zugetheilt), und 
1849 erwarb derselbe die beiden Ho benzol 1er n'schen Fürstenthflmer 
(21 Q.-M. und 07,500 Bew.). Dagegen büsste der König schon 184 7 
die in dem schweizerischen Neuenburg ausgeübte Hoheit ein, wäh 
rend die förmliche Verzichtung erst 1857 erfolgte. — Ein kleines Ge 
biet am Jadebusen, zu einem Kriegshafen bestimmt, ward Ende 1854 
von Oldenburg um % Mill. Thlr. erkauft. 
Die Verfassungsurkunde datirt vom 31. Jan. 1850, mit Mo- 
dificationen vom 30. Apr. 1851, 21. Mai und 5. Juni 1852, 7. Mai 
und 24. Mai 1853, 10. Juni 1854, 30. Mai 1855, und 15. Mai 1857. 
riiiaiizeii. 
Budget, einjährig. Da nach 1861 ein solches in gesetzl. Weise 
nicht mehr zum Abschluss gekommen, so theilen wir die Hauptresultate
        <pb n="199" />
        * 
PREUSSEN. — Finanzen (Budget). 
175 
des von der Regierung bei dem Abgeordnetenhause beantragten 
»Staatshaushalts-Etats für lSb4u mit. 
Einnahmen: 
I. Finanzministerium : 1) Domänen (Güter) 5’2T4,040, 2) For 
sten 8*205,000, von welchen beiden Positionen jedoch die 
Krondotation abgerechnet wird mit 2*573,099 — liest . . 
3) Verkäufe von Domänen und Rechten 1*000,000 und 4) 
sonstige Domänen-Einkünfte 1862 
5) Directe Steuern; Grundsteuer 10*229,700; classiñcirte 
Einkommenst. 3*345,000 ; Classenst. 9*389,000 ; Gewerbst. 
3*755,000 ; Eisenbahnabgabe 1*020,000 ; Verschiedenes 22,555 
6) Indirecte Abgaben; Zölle 12*000,000; Uebergangs- 
abg , von vereinsl.nein, Most, Tabak 235,000 ; Rfibenzucker- 
steuer 4*175,000; Niederlagsgelder etc. 47,000; Schifffahrts- 
abg. 180,000; Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von 
Branntw. 7*140,000 ; Braumalzsteuer und Uebergangsabgabe 
von Bier 1*480,000; Steuer von inländ. Weinbau 100,000 ; 
Steuer von inländ. Tabaksbau 85,00&lt;); Mahlsteuer 1*390,000 ; 
Schlachtst. 1*600,000 ; Stempel 4*800,000 ; Chausseegelder 
1*200,000; Brückengelder und Flussgefälle 900,000; Hypo 
theken- und Gerichtsschreibereigebühren 190,000; Strafgel 
der 65,000; Verschied. 228,314 = 
7) Salzmonopol 9*114,771 ; 8) Lotterie 1*334,500 . . . . 
9) Seehandlungsinstitut 500,000 ; 10) Preuss. Bank (Antheil) 
811,000; 11 Münze 127,754 ; 12) allgem. Cassen Verwaltung 
(Zinsen v. Eisenbahnactien, Pensionsbeiträge etc.) 718,611 ^ 
Zusammen Finanzministerium 
10*906,541 
1*001,862 
27*761,255 
35*875,314 
10*449,271 
2*157,365 
88*151,608 
II. Minist, für Handel, Gtncerbc u. affentl. Arbeiten". 1 Post 
12*133,500; 2) Telegraphie 1*065,000 ; 3) Manufakturen Por 
zellan etc.) 372,61*'; 4) Berg-, Hütten- u. Salinenwesen 
12*217,515; 5) Eisenbahnen 14*396,124 40*184,757 
III. Justizmin. (dav. 9*492,300 Gerichtskost., 240,000 Strafen) . 10*331,300 
IV. Minist, des Innern (521,464 aus Strafanstalten, 83,660 Ertrag 
der Amtsblätter, 85,831 Polizeiverwaltung) 693,639 
\. Minist, für die landtcirthschaftl. Angelegenheiten .... 996,164 
VI. Minist, dm- geistl., Unterrichts- u. Medicinalangelegenheiten 103,060 
VII. Kriegsministerium * 565,416 
VIII. Marineministerium 22,280 
IX. iVi«. (Consulats-und Passgeb.) .... 11,800 
Aus den Hohenzollem’schen Landen (479,000 fl.) . . . . 273,714 
Gesammteinnahme 141*333,738 
Oder vielmehr mit der Krondotation 143*906,837 
Fortdauernde Ausgaben. 
A. Betrieb«-, Erhebung«- und Verwaltung«ko«ten. 
I. Finanzministerium: Domänen 791,130; Forsten 3*561,600; 
Centralverwaltung beider 78,490; directe Steuern 1*127,342 ; 
indirecte Steuern 4*405,314; Salzmonopol 2*711,800; Lotte 
rie 24,300; Münze 127,754 12*827,730 
II. Minist, für Handel, (ieicerbe u. öffentl. Arbeiten: Post 
10*495,900; Telegraphen 822,300; Manufakturen 210,000; 
Berg-, Hütten- und Salinenwesen 9*505,082 ; Eisenbahnen 
10*124,689 31*157,971 
Summe A, Betriebsausgaben 43*985,701
        <pb n="200" />
        176 
PREUSSEN. — Finanzen (Budget). 
B. Dotationen. 
Zuschuss zur Krondotation 500,000 
Oeffentliche Schuld, dav. Verzinsung 10*490,017 ; Tilgung 4*617,087 ; 
Renten 423,259 ; Verwaltung etc 15*000,850 
Jjundtay 239,010 
Summe B, Dotationen 16*340,400 
C. Staatsverwaltung. 
I. StaaUminist. (Oberrechnungskammer 124,540; geheimes Ca 
binet 18,300; Orden, incl. f. eisern. Kreuz 112,100) . . . 357,600 
II. Minist, der auswlirt. Angelegenh. (darunter 735,315 Kosten 
der Gesandtschaften nebst Consulaten) 953,755 
III. Finauzminist. (davon 701,000 Zuschuss zurWittwen-Verpfle- 
gungsanstalt ; 592,300 Passiva der Gen.-Staatscasse, nament 
lich Entschädigungen für aufgehobene Rechte etc.; 1*900,000 
Pensionen für Civilbeamte; 42,000 Pensionen für Beamten- 
Wittwen und Waisen ; 55,000 Gnaden-Pensionen ; 34,000 Ka 
renz-Unterstützungen; 59,313 Wartegelder für Civilbeamte ; 
200,000 Pensions-Aussterbefonds ; — 1*851,770 Oberpräsidien 
und Regierungen ; 400,000 für Gnadenbew illigungen ; 56,050 
für Besoldungs-Verbesserungen ; Unvorges. 300,000) . . . 0*037,849 
IV. Minist./. Handel, Gewerbe u.öffentl. Arbeiten (dav. 2*492,100 
Unterhaltung der Staatschausseen ; 1*000,000 für Neubauten 
von solchen; 1*371,980 Unterhaltung unchaussirter Wege, 
Dienstgebäude etc.; 058,353Besoldung der Baubeamten etc.) 0*543,012 
V. .Tustizministerimn 11*583,000 
VI. Minist, d. Innern (dabei : Gefängnisse 2*033,499 ; Gendarme 
rie 1*099,616 ; Polizei 890,807 ; I.andräthe 914,942 . . . . 5*570,101 
VII. Minist./, d. landwirthscha/tl. Angelegenh 521,250 
VIII, Minist, d.geistl., Unterrichts-v. Medicinalangelegenh. (áñheii 
Cultus, evangel 413,450, kathol. 745,910; — Universitäten 
583,854; Zuschuss für Gymnasien und Realschulen 349,394 ; 
Elementarunterricht 541,092 ; Kunst u. Wissenschaft 249,802 ; 
— Patronatsbaufonds 400,000 ; Gehaltsverbesserung v. Geist 
lichen und lichrern 174,327; — Heil- und Wohlthätigkeits- 
Anstalten 140,295 etc.) 4*137,525 
IX. Krieqsministeriujn 37*845,735 
X. Marine ^^45^33 
Summe C, Verwaltungsausgaben 70*031,334 
Ausgabe in Hohenzollern (404,500 tt.) 231,143 
Betrag der fortdauernden Ausgaben 137*194,038 
Einmalige und ausserordentliche Ausgaben: 
I. Minist, d. Auswärt. 10,000; II. Min. d. Finanzen 848,800; 
III. 31in.ßlr Handel etc. (dabei 1*200,000 für Land- u. Was- , 
serbauten) 2*017,000; W. Justizntin. (Gefängnisse) 300,000 ; 
V Min. d. Innern 01,410; VI. Min. ßir landw. Angeleg. 
102,487; VII. Min.dergeistl.etc.Angel.h^{),{m)&gt;, VIII. Ärteoi- 
min. 1*520,819; \^. 31 arme 1*190,013; — iúv Hohenzollern 
42,571 0*039,100 
Gesammtbedarf (mit Krondotation 140’400,837)~f43*833',738 
Das Budget begreift im Allgemeinen die Brutto summen in sich; 
indess hat man (seltsamerWeise) insbesondere eine Position, und zwar 
gerade eine Nettoausgabe, abgerechnet, nemlich die ursprüngliche 
Dotation der Civilliste. Ziehen wir von den 114 Mill. Einkünften die 
Erhebungs- und die Betriebskosten der Staatsanstalten mit 44* ab, dann 
die von Veräusserungen, zufälligen und durchlaufenden Posten herrüh 
renden Beträge, so verbleiben als reine Einnahme noch etwa 95,8 Mill.
        <pb n="201" />
        PREUSSKN. — Finanzen Budget). 
177 
Die Summen vertheilen sich beiläufig (mitunter anders als im Budget 
classificirt) so : 
Einnah 
brutto 
Domänen*) . . 42’(i Mill. 
1 )irecte Steuern . 27’8 
Indirecte Abgaben (»9’5 
Zusammen - 
en: 
netto 
17’4 Mill. = T8,1G Proc. 
26’(i - = 27,77 - 
5PS - = 54^ - 
95^ - =T0(bÜÜ - 
Ausgaben: 
Militär (mit Marine und ausserordentl.). . . Thlr. 41'7ü7,7Uü = 43,54 Proc. 
Schulden (einschl. Passiva der Gen.-Staatscasse) Ib'l99,21b = 10,91 - 
Diese 2 Posten "'57’‘J06,910 = 00,45 - 
Und doch war die Militär - Reorganisation bei Aufstellung dieses Etats 
noch nicht vollendet. — Allerdings ist dabei zu bemerken, dass die 
meisten Einnahme-Positionen zu gering angesetzt sind. 
Da Preussen, ungeachtet seiner verhältnissmässig geringen Bevöl 
kerung, unter den ürossmächten auftritt, und da es sich überhaupt 
als Militärstaat entwickelte, so war eine hohe Besteuerung der Ein 
wohner von jeher die natürliche Folge. Die Lasten wurden aber na 
mentlich in der Neuzeit sehr vermehrt. Allerdings können die Budget 
ziffern von frühem Jahren nicht unbedingt entscheiden, da früher nur 
die Nettobeträge aufgeführt waren, statt der jetzigen Brutto summen. 
Allein es tritt dennoch ein gewaltiger Unterschied her\or, wenn wir 
z. B. den Finanzetat vom Jahre 1841 mit dem jetzigen vergleichen. 
Jener schloss ab mit 57 677,194 Thlr., der von 1864 mit 141% Mill, 
brutto oder 161% Mill, netto. Und doch kostete damals schon das Heer 
24 60 1,208. In den 11 Jahren 1849 bis Ende I860 betrug der Auf 
wand für Landmacht 451'97l,658, Marine 16’00l,805, zusammen 
467’973,463 l'hlr. Noch 1847 war die Nettoausgabe nur 64 Mill. — 
Es betrug der Aufwand, ungerechnet Nebenposten : 
für Schuld 
1850 7’522,000 
1859 13'447,250 
1800 15’285,20O 
1801 I5'547,700 
für das Heer mit Marine 
27*030,002 Thlr. 
33*488,503 
40*380,332 (davon 5*730,271 für Reorganisation) 
42*475,032 
Dabei bemerkt man in der Repartition der Lasten sehr grosse Ungleich 
heiten. Allerdings hat man endlich die Grundsteuerbefreiung, deren die 
Besitzer von 20'780,1 76 Morgen Landes genossen, im J. 1861 aufge 
hoben erklärt, allein diese Besteuerung selbst hat erst 1865 begonnen, 
und was bei Beseitigung einer solchen Steuerbefreiung bis heute wol 
nirgends in der Welt vorkam — nur gegen Entschädigung a der bishe- 
rigen Berechtigten, also gegen T^oskauf. — Dabei kann nicht unl&gt;emerkt 
bleiben, dass der Staat das verwerfliche Institut einer (Classen-) Lotterie 
unterhält. — Die Zahl der Civilbeamten, 1818 blos 27,775, war 1856 
auf 51,59 7 gestiegen ; darunter, vor der letzten grossen Gehaltserhöhung : 
*) Nach der Einleitung des Entwurfs zum Staatshaushaltsetat für 1804 um 
fassen die Domänen in der engem Bedeutung (ungerechnet die Waldungen etc.) 
827 Vorwerke in 500 Pachtungen mit einem Nutzareale von 1*150,055 Morgen 
und einem Pachtertrage von 2*100,388 Thlr. = nur 1,89 Thlr. pr. Morgen. 
Kolb, Statiitik. 4. Aufl. ^2
        <pb n="202" />
        178 
PREUSSEN. — Finanzen (früherer Staatshaushalt). 
35,724 mit weniger als 400 Thlr. 3,100 mit 7— 800 Thlr. 
4,500 - 4—600 - 798 - 8— 900 - 
2,400 - 6—700 - 824 - 900—1000 - 
Die 1S59 gewährten Erhöhungen betrugen 1’132,945 Thlr. Unter 
ohiger Beamtenzalil sind indess nicht einhegriften ; die Angestellten der 
Gemeinden und Kreise, Geistliche und Volksscliullehrer, überhaupt alle, 
deren Besoldung nicht unmittelbar der Staatscasse zur Last fällt. (Die 
Kosten für 50,335 Beamte berechnete Reden auf 21’ } 17,862 Thlr. ; 
dann ungefähr 3’25G,000 an Pensionen. Rechnet man hiezu Nebenbe 
züge und Bureaukosten, so dürfte sich schon vor der Besoldungserhö 
hung eine Gesammtsumme von etwa 30 Mill. Thlr. für Unterhalt des 
Beamtenwesens ergehen haben. — In ganz Grossbritanien zählt man nur 
2790 Beamte, mit 91,106 -C Besoldung; siehe S. 11. 
Es darf nicht übersehen werden, dass in der Neuzeit regelmässig 
Veräusserungen von Domänen stattfanden, deren Ertrag mit zur Deckung 
der'laufcnden Ausgaben dient. Eis wurde budgetmässig auf Zu 
flüsse aus dieser Quelle (somit vom Capitalstock) gerechnet, nach dem 
Voranschläge für 1851 auf 1 Mill., 1852 l'flOO,000, 1853 und 54 je 
2 Mill., 1855 und 56 je 1% Mill., 1857 U300,000, 1858 und 59 je 
1 Mill., 1860 815,000, 1861 800,000, 1862—64 je 1 Mill. 
Früherer Staatshaushalt. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts theilte 
man die Einkünfte in Kriegs- und Domänengelälle. die Elrsten lediglich 
für den Unterhalt der Truppen bestimmt. 17 24 hatte die Kriegscasse 
3'800,000, die Domänencasse nur 2’950,000 Thlr. Elinkünfte. Bei Frie 
drich’s II. Thronbesteigung (1740) betrug die gesammte Staatseinnahme 
7’400,000. Dazu kam der schlesische Etat, 1744 mit 3’265,000 Thlr. 
ETiedrich verstand es, die Einnahmen (vielfach in äusserst bedrückender 
Weise) höher zu treiben; sie wurden für 1752 auf mehr als 12, 1780 
auf ungefähr 21, 1786 selbst auf 30 Mill, geschätzt. Zu Anfang des 
19. Jahrhunderts nahm man 31 — 33 Mill, an; die llauptquellen waren ' 
Domänengüter 7’466,000, E'orsten 1’233,000 , Contrihutionen und 
Grundsteuer 5’600,000 ; Accise und Zoll 9% Mill, (brutto 10’620,000, 
wovon Accise 7’889,000) , Salzmonopol 4 Vs Mill., Stempel 600,000, 
Zahlenlotterie 700,000. 
Der Länderverlust von 1807 brachte die Einkünfte auf höchstens 
18 Mill. (Reinertrag) herab. 1812 ertrugen Domänen (sammt E'orsten) 
4’360,000, Grundsteuer 2’984,050 , Accise 4’669,1 89 , liandconsum- 
tionssteuer 1'351,085 , Zoll (nur) 760,250, Salz 1’678,857, Stempel 
701,202, Gewerbsteuer 681,041. 
Von 1821 — 48 wurden Etats publicirt; aber nicht hlos in laco- 
nischer Kürze, sondern neben den veröffentlichten liefen auch geheime 
Etats. Dieselben enthielten nur die Nettosummen. Der veröffentlichte 
Etat für 1821 gibt folgende Hauptziffern; 
Einnahme: Domänenertrag 5’664,650 ; Domänenverkäufe 1 Mill.; Herg- 
Ausgahen: Geheim. Cabinet etc. 3(10,550; Ministerien: des A 
600,000, d. Geistlichen 2 Mill., d. Justiz (ausser den Sporteln) P720, 
.Auswärtigen 
000, d. ln-
        <pb n="203" />
        12* 
PREUSSEN. — Finanzen früherer Staatshaushalt). 
179 
1849 
1850 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1850 
185- 
1858 
1859 
1800 
1801 
1802*) 
1803*) 
1804*) 
nern (sammtGendarmerie) 2*300,300, d. Handels 1*574,000, d. Kriegs 22*804,300, 
d. Finanzen 272,100, d. ^hatzes (einschl. Provinzialschuldenzinsen) 1*159,730; 
Staatsschuld 10*143,020; Pensionen 2*700,000; Regierungen 2% Mill.; Gestüte 
100,000; Ausfälle und Ausserordentl. 1*700,000. Zus. 50 Mill. 
Im J. 1811 lautete der veröffentlichte Etat auf 55*807,000, der 
geheime auf 02*925,000 ; die wirkliche Einnahme betrug 70*040,942 
netto, während die Rruttosumme (nach Reden) auf 90*595,000 stieg. — 
1844: officiell. Etat 57*077,194, geheimer 05*239,135; wirkliche Ein 
nahme 73*731,540, brutto 97*200.000. — 1847 war der wirkliche 
Reinertrag 70*972,105; 1848 00*003,082; 1849 03*753,375. 
Die ganze Roh-Einnahme eingerechnet, ergaben die Budgets: 
Jahr Ausgaben Dam Deficit 
85*993,281 91*601,281 5*608,000 
88*765,349 93*326,567 4*561,168 
90*721,860 93*794,433 3*072,573 
94*277,300 96*911,013 2*633,713 
97*558,698 101*159,163 3*600,895 
103*925,069 107*990,069 4*065,000 
105*953,312 109*835,632 3*882,320 
113*064,113 116*336,877 3*272,764 
120*242,312 120*242,312 k. Deficit 
126*409,778 126*409,778 . k. Deficit 
130*399,288 131*859,288 1*460,000 
130*312,755 136*342,316 6*029,561 
134*541,701 139*327,337 6*239,358 
136*523,411 139*908,411 3*385,000 
137*744,159 139*844,159 2*100,000 
141*333,738 145*833,738 4*500,000 
Zusammen in 16 Friedensjahren eine Steigerung des Bedarfs um 
mehr als 54 Mill. Thlr. oder um mehr als 59 Proc. Dabei Aufhäufen 
von 52*956,640 Thlr. Deficit, welches allerdings für die letzten Jahre 
theils durch natürl. Steigen, theils durch Hinaufschrauben der Einnah 
men über den Voranschlag sogar mehr als blos ausgeglichen ward. Aller 
dings wurde ein Theil der Ausgaben als »ausserordentlich« aufgeführt. 
Solche sog. »ausserordentliche« Bedürfnisse stellen sich aber in dieser 
oder jener Form jedes Jahr ein, wie eine Unterscheidung zwischen or 
dentlichen und ausserordentlichen Budgets überhaupt nur erfunden wurde, 
um thatsächlichc Deficite zu beschönigen. — In Wirklichkeit waren die 
Ausfälle in der ersten Periode viel grösser, als sich aus obigen Zusam 
menstellungen ersehen lässt. Schon in dem Vortrage des Berichterstat 
ters Kühne an das Abgeordneten - Haus vom 25. April 1S55 über das 
Budget ward hervorgehoben: Seit 1848 haben in keinem Jahre die 
regelmässigen Einnahmen zur Deckung der gewöhnlichen Ausgaben ge 
nügt. Der Finanzzustand habe sich in den 5 Jahren 1848 bis 1852 (nur 
so weit lagen die Abrechnungen vor) in folgender Weise verschlimmert : 
1. Vermehrung der verzinslichen und unverzinslichen Schuld 
um 43 MdI. Rthlr., zu einem Erlöse von 42*488,658 Thlr. 
2. Verminderung des Staatsschatzes um 17*642,325 - 
3. Aufzehrung von Capitalien und Beständen 9*441,570 - 
Zusammen 69*572,553 ITilr. 
Ab: Erhöhung von Cassabeständen 3*259,361 
_ • Bleiben Manco"1W^3,192 thfi: 
*) In den 3 letzten Jahren vom I.andtage nicht genehmigter Reggsentwurf.
        <pb n="204" />
        180 
PREUSSEN. — Finanzen (Staatsschuld). 
Zu den neueren Rudgeterliölmngen trugen wesentlich bei : Erhö 
hung der Krondotation um % Mill, (auf 3’07d,000 Thlr. an Geld, ohne 
Schlössergenuss etc.), dann der Etat für Schuld, Krieg und Marine, und 
die Besoldungserhühungen. 
Die frühem Budgets schlossen (in Einnahme- und Ausgabeziffer 
stets gleich endigend) folgendermassen ab : 
Ü5’!)41,540 Thlr. 
!)7T91,72S - 
lü(l’(i07,Sll» - 
185(» 
1851 
1852 
1855 
1854 
1855 
105’()02,770 - 
110’5()5,l&lt;)8 - 
111’827,785 - 
185C) 
1857 
1858 
1859 
1890 
1801 
118’804,O71 Thlr. 
120’242,512 - 
120’409,778 - 
151’859,288 - 
150’542,5I0 - 
159’527,557 - 
in Einnahme und Ausgabe 
Das Budget der Stadt Berlin für 1805 schliesst 
mit 5’029,S95; der wirkliche Bedarf betrug 1800 5’552,544 Thlr., und ist somit 
grösser als der manches selbständigen Staates. 
Staatsschuld nach dem Etat vom 1. Jan. ISG l : 
A. Allgemeine verzinsliche Schuld: 
1) Consolidirte Schuld von 1842 77’705,000 Thlr. 
2) Freiwillige Anleihe von 1848 4’1G8,170 
Anleihe von 1850 14*855,900 
_ 1852 15*482,000 - 
- 1855 4*559,400 - 
_ 1854 15*555,400 - 
Prämien-Anleihe von 1855 15*050,000 
Eisenbahn-Anleihe von 1855 7*050,500 
Anleihe bei der Hank von 1850 15*047,.100 
Anleihe von 1857 7*522,000 
5i)rocentige Anleihe von 1859 29*090,2d0 
2te Anleihe von 1859 18*019,100 
Anleihe von 1802 4*800,000 
Zusammen gewöhnliche Schuld 
Provinzielle Staatsschulden 
:i) 
4) 
5) 
&lt;■•) 
7) 
8) 
!&gt;) 
10) 
11) 
12) 
1.5) 
258*904,420 Thlr. 
B. Provinzielle Staatsschulden 5*904,809 
C. Eisenbahnschulden 19*020,475 
Zusammen verzinsliche Schuld 201*855,704 Thlr. 
1). Unverzinsliche Cassen-Anweisungen (Papiergeld) . . 15*842,547 
Totul-Scludd 277*078,051 Thlr. 
Hiezu gehören noch die Cautionen (nach einer Angabe 5,2 Mill,, 
nach einer andern 7,0 M., und das Guthaben der Milit. - Wittwcncasse 
mit 89U,400 Thlr., — zus. 28:Py^ oder 280% Mill. — Von dem durch 
Gesetz v. 24. Sept. 1802 gestatteten Eisenbahnanlehen bis zu 17 Mill, 
hat die Regierung 1804 0 Mill, realisirt. Ausserdem hatte der Staat 
(Anf. 1801) für 01’150,000 Thlr. Eisenbahnanlchen Zinsgarantie über 
nommen. 
Der Staatsschatz wurde vom Minister in der Budgetcommiss. 
vom Aug. 1802 zu 20*014,499 Thlr. berechnet; ausserdem: Betriebs 
fonds in den versch. Gassen 9’873,1 35, Mittel zur Tilgung von Gautio- 
nen 5 Mill.; endlich rückständige Steuern etc. 15’135,533, — zusam 
men 50’023,107 Thlr. an Mitteln. 
Frühere Schuldverhältnisse. Als Friedrich II. 1740 den 
Thron bestieg, fand er einen Staatsschatz von 8’700,000 Thlr. Die Er 
oberung Schlesiens kostete an Geld nur ungefähr 8, der siebenjährige 
Krieg aber gegen 1 25 Mill. Man bedurfte nicht nur der englischen Sub-
        <pb n="205" />
        PKKUSSEN. —Finanzen (Staatsschuld). 
181 
sidien und der Einkünfte aus dem hart bedrückten Sachsen, sondern 
griff namentlich auch zu dem Mittel der Münzverschlechterung, indem 
man die Mark fein Silber bis zu 15 (statt 14 Thlr.) ausprägte, so dass 
erst in Thlr. so viel Silber enthalten war, wie in einem einzigen 
vollhaltigen ! — Auf Schlesien haftete bei dessen Eroberung eine Schuld 
von r700,000 Thlr. Dennoch hinterliess Friedrich (j 1780) keine 
Staatsschuld sondern einen haaren Staatsschatz von 50 bis 00, nach An 
dern von 72 Mill. Wälirend der 11jährigen Regierung Friedrich Wil 
helm’s II. verschwand nicht nur dieser Schatz, sondern es erwuchs eine 
Schuldenmasse von 30, nach Andern von 00 Mill. Unter Friedrich Wil 
helm III. strebte man nach Verminderung dieser Last ; da kam der 
Jenaer Feldzug. Das erst 8 Monate zuvor emittirte Papiergeld sank 
bis auf % seines Nennwerthes herab. (1808 auf 27, im Juli 1813 so 
gar auf 21% % ; erst im Jan. 1810 stieg es wieder auf pari.) Die Be 
lastung der Staatscasse durch die Anforderungen des Siegers betrug in 
den Jahren 1800—13 141’473,020 Thlr., die Belastung des Volks un 
mittelbar , so weit die Leistungen berechenbarer Art waren, ausserdem 
gegen 230 Mill. — Nachdem Napoleon das Land ausgesaugt, erforder 
ten die Kriege von 1813—15 die enormsten Opfer. Von den Entschä 
digungsgeldern , welche Frankreich nach dem Kriege bezahlen musste, 
erhielt der Preuss. Staat 145 Mill. Fr. oder 38’G93,00Ü Thlr. (Private 
dagegen 2’000,000 Fr. Renten, ein Capital von 52 Mill. Fres, reprä- 
sentirend). Gleichwol schleppte sich durch die ersten Friedensjahre ein 
permanentes Deficit. Ein 1817 in London abgeschlossenes Anlchen von 
5 Mill. T, 5proeentig, gleichwol zum Curse von 72 begeben, half nicht 
aus der Verlegenheit. Noch 1818 schloss man mit Rothschild ein An 
lehen zum (hirse von 70 Proe. ab. — Im Schuldedicte von 1820 er 
laubte man sich eine Täuschung. Man führte ungefähr 60 Mill. Schuld 
scheine mehr auf, als wirklich im Umlaufe waren, um unter alten Titeln 
ohne Volksvertretung neue Schuldscheine ausgeben zu können {Gerrinns, 
Geschichte). So ward die Gesammtschuld festgestellt zu 217’075,517 
Thlr. Davon wurden bis Ende 1848 beseitigt 80’553,024 — zu wel 
chem Behufe man freilich auch für 45’000,000 Thlr. Domänengüter 
veräusserte; für Eisenbahnbauten wurden gleichzeitig höchstens 40 Mill, 
verwendet. Darnach war die Schuldsumme (einschl. Pa])iergeld) auf 
I 31'421,803 Thlr. herabgebracht, wenn auch unter Verminderung der 
Domänen. Seit I 5 Jahren ist die Summe doppelt so gross geworden. — 
Die Abtretung des .ladcbusens ward von Oldenburg mit Mill, erkauft. 
Im orientalischen, wie im italienischen Kriege hielt sich Preuss en zwar 
neutral, musste aber beidemale seiner Kriegsrüstungen wegen zu Anle 
hen schreiten. Vom ersten dieser Anlehen wurden die Schuldscheine zu 
03, dann zu 08% untergehracht ; der Staat erhielt 28’725,000 Thlr. 
statt der verschriebenen 30 Mill. Das Anlchen vom Juni 1850, obwol 
5procentig, und zu 05 ausgeboten, welcher Curs durch Zinsgenuss auf 
etwa 04% herabgedrückt ward, erlangte eine, die geforderten 30 Mill, 
blos um 1’875,100 Thlr. übersteigende Unterzeichnung. — 
1858 ward der Werth des unmittelbaren Staatsvermögens zu 
85’551,30 I Thlr. geschätzt. Darnach waren die Passiva weit mehr denn 
dreimal so gross als die Activa. —
        <pb n="206" />
        182 
PHEUSSEN. — Militär (Bildung des Heeres.) 
Summe der Staatsschuld in verschiedenen Perioden : 
1797: 4()’054,903 Thlr. = pr. Kopf Thlr. 
1805: 53’494,914 - = - 
1820: 217’845,558 - = - 
1847: 139’884,581 - = - 
1853: 219’325,()84 - = - 
1850*): 247’851,509 - = - 
1804: 290’000,000 - == - 
5. 13 Sgr. 
5. 10 - 
19. 24 - 
19 - 
25 - 
18 - 
8. 
12. 
14. 
— - - - 15. 15 - 
Uebersicht der von preussischen Städten in den Jahren ISIS bis 
ISOO Contrahirten Anleihen Nach der Gesetzsammlung wurden zur 
Ausgabe von auf jeden Inhaber lautenden Obligationen privilegirt die 
Städte (im Betrage zu Thlr.) : 
Cöln . 
Berlin. . 
Magdeburg 
Düsseidort 
Stettin 
Königsberg 
Elberfeld 
Görlitz . 
Duisburg 
Essen. . 
1’750,000 
1’500,000 
000,000 
500,000 
500.000 
425.000 
400.000 
310.000 
300.000 
300,000 
Memel 
Aachen 
Danzig 
Halle 
Posen 
300.000 
270.000 
270.000 
200.000 
240,000 
Mühlheima.d. 11. 200,000 
Bonn . . . 180,000 
Crefeld . . . 150,000 
Bromberg . . 100,000 
Neust.-Magdeb 
Tiiegnitz . . 
Thorn . . . 
Tilsit . . . 
Gross-Glogau 
Spandau . . 
Neuwied . . 
Werden . . 
Eupen . . 
95.000 
90.000 
80.000 
80,000 
50,000 
50.000 
35.000 
30.000 
25.000 
i&gt;1ilitärwe.st‘ii. 
Bildung des Heeres. Allgemeine Dienstpfiiehtigkeit doch ohne wirkl. 
Einreihung aller taugl. Jünglinge. Stellvertretung ausgeschlossen. 
Dienstzeit, vom zurückgelegten 20. Altersjahre an (nach der neuen Or 
ganisation] während 7 Jahren, und zwar J davon im stehenden Heere, 
dann 4 in der Reserve. Hierauf Landwehrpflichtigkeit während 9 Jah 
ren, nemlich 4 Jahre, his zum 32. Altersjahre, im ersten, und 5 J., h’s 
zum Ende des 3b., im zweiten Aufgebote. Nach Ibjähriger Gesammt- 
dienstpflicht erfolgt der Uebertritt in den Landsturm, bis zur Vollen 
dung des 19. Altersjahres. Auch gehören die dem Activheere nicht ein 
gereihten Jünglinge nach dem 17. Jahre zu dem Landsturm. Die active 
Dienstzeit der sich selbst Ausrüstenden, welche gewisse Schulen durch 
gemacht haben, ist auf ein Jahr beschränkt. Die Last des Militärdien 
stes führt auch hier zu vielen heimlichen Auswanderungen (so wissen 
wir, dass im J. 1857 blos im l’osener Regierungsbezirke dessfalls 14 7 
Untersuchungen anhängig waren ; ebenso 18b 1 im Breslauer 381 ; 18b2 
im Bromberger 587, 18(52 73 blos im Landrathsbezirk Simmern, 18(53 
212 imBez. des Kreisgerichts Wreschen etc.) — Im Officierscorps herrscht 
der Adel vor. Nach der Rangliste von 18(54 umfasste das Heer : 1 Feld 
marschall, I General-Feldzeugmeister, 27 Generale der Infant, und Cav. 
(nur Adelige), 54 Generallieutenants (darunter 2 Bürgerliche), 79 Gene 
ral-Majore (b Bürg.), 188 Obristen (3b B.), 221 Obristlieut. (39 B.), 
498 Majore (125 B.) , 177b Hauptl. u. Rittmeister ((581 B.) , 15(59 
Prem.-Lieut. (7(54 B.), 3572 Seconde-Lieut. (1(585 B.) ; zus. im acti 
ven Heere 7988 Offic., worunter 4(588 Adelige und 3300 Bürgerl., — 
Mit den Cassenanweisungen, welche oben nicht eingerechnet sind.
        <pb n="207" />
        PUFX’SSEN. — Militär (Bildung des Heeres). 
183 
ein Missverhältnis«, das bedeutend grösser ist als im österr. Heere. Al 
lein die Begünstigung des Adels tritt, wie obige Notizen erweisen, bes. bei 
Beförderung zu den höhern Posten hervor. Nur bei der Artill. und dem 
Genie hat das bürgerl. Element ein Uebergewicht. Am übermässigsten 
ist der Adel bei der Garde vertreten. *) 
Formation. Ein Garde- und S Linien-Armeeeorps à 2 Divisionen : 
Infanterie: Bataill. Friedensstand 
9 Keg. Garde 27 16,991 
72 - Linie 216 116,208 
10 Bat. Schützen 10 5,940 
Zus. Infanterie 253 138,539 
Ca V allerlei Schwadron. 
8 Keg. Garde *) 32 4,769 
40 - Linie*) 168 24,984 
12 - Landwehr*) 48 204 
Kriegsstand 
27,054 
216,432 
10,020 
253,506 
4,857 
25,432 
7,272 
Zus. 60 Keg. Cavallerie 248 29,957 
Artillerie: 9 Brigaden 108 Batterien*) 16,381 
Pioniere: 9 Bataillone 4,491 
Train: 9 Bataillone . . . . . 1,66^ 
Formationsmässige Gesammtactivarmee . 191,033 
im Frieden mit 432, im Kriege mit 864 bespannten Geschützen. 
Die Reserven werden zu 105,123, die Besatzungstruppen (Land- 
37,561 
27,918 
5,454 
30,200 
356,532 
wehr) zu 153,900 gerechnet; Total015,921 M. Nimmt man die Inva 
liden, die Gendarmerie und die Landwehr 2ten Aufgebots dazu (welche 
in 110 Bat. mit 95,190 M. formirt werden kann), so wird eine Gesammt- 
summc von 743,291 (nach einer andern Berechnung von 071,280) M. 
*) Auf Grundlage der von W. ¡SUmbel (»Geber d. Mangel an genialen Feld 
herrn« gelieferten allerdings nicht mehr ganz neuen Materialien haben wir fol 
gende Vergleichungstabelle angefertigt. Die Zahl der bürgerl. Oberoffi- 
eiere beträgt gleichzeitig : 
Bang Oesterreich 
Feldzeugmeister, Feldmarschälle, Generale 
Feldmarschalllieut., Gen.-Lieuten.. 
Generalmajore ....... 
Stabsofficiere : a. Infanterie . 
b. Cavallerie . . . 
c. Artillerie . . . 
d. Genie 
Hauptleute etc. und Subalternoff. : a. Infanterie 
b. Cavallerie 
c. Artillerie 
d. Genie 
Prenssen 
tillerie */». — 1864 soll sich das Verhältniss etwas gebessert haben. 
*) 1 Keg. Garde-du-Con)s, 1 Cürass., 2 Dragoner, 1 Husaren, 3 Ulanen. 
*) 8 Keg. Cürassiere, 8 Dragoner, 12 Husaren, 12 Ulanen. 
•) Es ist die Auflösung der Landwehr-Cavallerie und deren Ersetzung durch 
8 Linien-Kegimenter beabsichtigt; (im Frieden sind nur die Stämme vorhanden). 
•) Die Artillerie ist in einer Umgestaltung in Feld- und Fcstungsartill.- 
Kegimenter begriffen. Ende 1864 waren bereits die 9 Keg der ersten Kategorie 
vollzählig dagegen fehlten noch 4 der zweiten. Nach der neuen Organisation 
wird die Artillerie auf dem Kriegsfusse 135 mobile Batterien mit 1080 Feldge 
schützen und 72 Feldart.-Festungscompagnien aufstellen können,
        <pb n="208" />
        184 
l’REUSSEN. — Militär (Kriegsgeschichtliche Notizen). 
auf dem Papiere entziffert. Es ist kaum nöthig, daran zu erinnern, dass 
die wirklich verfügbare Macht hinter solchen Berechnungen immer weit 
zurückbleibt. 
Die Landwehr unterliegt einer vollständigen Umgestaltung. * **) j 
Festungen. Es sind deren 2b (laut Kammerverhandl. v. lSü3) 
I namentl. : Saarlouis, Coblenz mit Ehrenbreitstein, Cdln mit Deuz, Min- 
I den, Erfurt mit .dem Petersberge und der Cyriaksburg, Magdeburg, Wit 
tenberg, Torgau, Spandau, Küstrin, Stettin, Stralsund, Colberg, Glogau, 
Cosel, Glatz, Schweidnitz, Neisse, Posen, Graudenz, Thorn, Swine 
münde, Marienburg, Danzig, Pillau, Königsberg und Lötzen (Boyen;. 
I , — Ferner hat Preussen in Mainz, Imxemburg und Rastatt das Mitbe 
satzungsrecht. 
Kriegsgeschichtliche Notizen. Preussen hat sich als Militärstaat em 
por geschwungen. Friedrich II. fand bei seiner Thronbesteigung in dem 
nicht 3 Mill. Menschen umfassenden Staate ein Heer von 7(i,(100 Mann. 
Seinen Einfall in Schlesien (1 710) führte er zwar nur an der Spitze von 
etwa 28,000 M. aus, hatte aber beim Beginne des zweiten schlesischen 
Krieges (1711) angeblich 100,000 M. Den siebenjährigen Krieg eröfl- 
nete der König (1750) durch seinen Einfall in Sachsen mit 00,000 M. 
Während dieses Krieges kämpften die preuss. Heere in 1 0 Hauptschlach 
ten; es wurden ihnen 3 Corps durch die Feinde zu Grunde gerichtet, 
und sie verloren überdies 5 Besatzungen. Die Gesammtsumme seiner 
Verluste an Todten und Gefangenen schätzte Friedrich selbst [Histoire 
de mon temps) auf 1 80,000 M. ; ausserdem seien 33,000 Einwohner den 
Barbareien der Russen erlegen ; die Verluste der preuss. Verbündeten 
(Britten etc.) hätten 100,000 betragen; sonachGesammtverlustpreussi- 
scher Seits 373,000. — Die Verluste seiner Gegner berechnete der Kö- 
I nigso: Oesterreicher (welche in 10 Hauptschlachten kämpften und 3 
Besatzungen einbüssten) 1 10,000 ; Russen (in 4 Schlachten, Verluste 
j aut dem Marsche etc.) 120,000; Franzosen (meist gefangen) 200,000; 
j Schweden 25,000, zusammen 513,000. — Totalverlust beider Theilc 
I 880,000. (Die Schätzung des franz. Verlustes ist besonders zu hoch. 
I — Die im -Tabre 1800 (Jenaer Feldzug) wirklich in Activität gesetzte 
I Truppenzahl mag 120 — I 30,000 M. betragen haben. — Nach dem Til- 
i si ter Frieden durfte Preussen höchstens 12,000 M. unterhalten. Allein 
I diese Beschränkung drängte dazu, möglichst die ganze Nation wehrhaft 
' zu machen (Scharnhorst’s Verdienst). Daher die neue Kriegsorganisation 
j mit dem s. g. Krümpersysterne. — Für den russischen Feldzug musste 
I Preussen den Frapzosen ein Hülfscorps von 20,000 (wirkl. 23,300) M. 
*) Wie wenig man bisher die Gesammtsumme der jungen Männer wehrhaft 
machte, und wie weit man bei dem »stehenden Heerwesen« von diesem Ziele 
immer entfernt bleiben wird, zeigt folgende Thatsache. Nach ] )ieterici’s Berech 
nung betrug 1858 die Landwehr ersten Aufgebots (damals vom 25. bis 32. Al 
tersjahre) höchstens 380,2o3 Mann. Diese Zitier ist viel zu hoch, weil alle Ab 
gänge vom 21. bis 32. Jahre nicht berücksichtigt sind. Die Zahl der im ange 
gebenen Alter stehenden jungen Männer war aber bei der wirklichen Aufnahme 
Po78,500. Nur bei einer der schweizerischen ähnlichen Heereseinrichtung ist 
ein W'ehrhaftmachen des ganzen Volkes möglich. 
**) Doch sind einige aufgehobene, wie Jülich und Schweidnitz, dabei.
        <pb n="209" />
        PREUSSEN. — Sociale und industrielle Zustände. 
185 
stellen (unter York), Als sich dieses, Ende 1812, gegen Napoleon er 
hob, und der König endlich zur Kriegserklärung gebracht ward, standen 
bald (1813 über 120,000 M. im activen Heere, ja die Gesammtmacht 
konnte, die Nichtcombattanten eingerechnet, bis auf 253,000 M. ge 
bracht werden, wovon, auch nach der Vermehrung der gewöhnl. Trup 
pen, doch nur 55,100 M. Garde und Linie. — Die 4 Armeecorps von 
Bülow, lauentzien, York und Kleist umfassten 44*/* Bataill. Garde und 
Linie, dagegen 171 Bat. Landwehr und Reserve. (Bei Grossbeeren stan 
den im Kampfe: 14% Bat. Linie, 71 B. Res. und Landw. ; bei Havel 
berg, wo eine franz. Division vollständig aufgerieben wurde, blos Landw. ; 
bei Dennewitz 14 B. Linie, 43 - 45 B. Landw. Leider fehlen specielle 
Angaben von Leipzig.) — Im Feldzuge von 1815 umfassten die 4 Ar 
meecorps 25 B. Linie und 111 Bat. Res. und Landwehr. (Beitzke.) — 
Der Feldzug von 1864 kostete nur 405 Todte, 1628 Verwundete, 54 
Vermisste = 2087 Mann. 
Marine. Stand im Juni 1861 : 
Schrauben-Dampfer: 3 Corvetten zu 4(10 resp. 375 Pfdkr. mit 28 Kan. — 
0 Kanonenboote zu 80 Pfk. und 3 K ; 15 zu 60 Pfk. und 2 K. — Dazu: 
neu angek. 2 schwere Corv. ; im Bau 3 ditto, 1 Widderschiff u. 1 kön. Yacht. 
Rad-Dampfer: 2 zu 250 und 120 Pfk., 4 und 2 Kan. — Dann 1 Wachtschiff 
und 2 Bugsirdampfer. 
Segelschiffe: 3 Fregatten zu 48, 38 und 28 Kan. ; — 3 Briggs, 2 zu 16, 1 zu 
10 K. ; — 2 kl. Fahrzeuge. 
Ruderschiffe: 36 Bomben-Schaluppen zu 2, und 4 Bomben-Jollen zu 1 K 
Zusammen 88 Fahrzeuge mit 370 ¡nach and. Angabe 441) Kan., ungerech 
net die Geschütze der neu angekauften und ausgebauten. 
Sooialc iiml iiidiislrielle ZiiNtikiide. 
Allgemeine Betrachtungen. Der alte Militärstaat Preussen, mit seinen 
Begünstigungen des Adels (dessen Angehörige, selbst nach Friedrich’s II. 
Ansicht, gleichsam allein »Ehre im Leibe« haben sollten; für welche 
daher die üfficierstellen reservirt wurden, wie ihnen nach den Kriegen 
die Geldunterstützungen — meist wirkungslos ! — zuHossen), — dieser 
Militärstaat, in dem invalide Soldaten die nächsten Ansprüche auf Schul 
lehrerstellen hatten, und worin nebenbei die Bureaukratie sich erhob, — 
er brach auf den ersten Schlag, bei Jena, vollständig und unrühmlich 
zusammen. Die unbedingte Nothwendigkeit einer Umgestaltung lag vor, 
wenn Preussen nicht vernichtet sein sollte. Es ist das Verdienst Stein’s 
und seiner Genossen, diese Nothwendigkeit erkannt und die Kraft zur 
Durchführung besessen zu haben. Allerdings waren diese Männer noch 
in einer stark aristokratischen Anschauungsweise befangen, welche sie 
abhielt, das freie Princip auch nur in den bürgerlichen Verhältnissen mit 
allen Conseijuenzen anzuerkennen. Dennoch ward vergleichsweise Gros 
ses geleistet. Die Lrbunterthänigkeit, ein Rest der Leibeigenschaft, ward 
aufgehoben; Jedermann durfte Grundstücke erwerben die Herstellung 
dieses so natürlichen Rechtes erregte damals die grössteUcberraschung !). 
Theilbarkeit des Grundeigenthums und Gewerbsfreiheit wurden aner 
kannt (wenn auch nicht in dem vollen Umfange wie in Frankreich) ; man 
gab wenigstens den Städten (aber eben nicht allen Gemeinden) das Recht 
der Selbstverwaltung ihrer Communalangelegenheiten zurück. Endlich
        <pb n="210" />
        186 
PREUSSEN. — Sociale und industrielle Zustände. 
suchte man die ganze Nation wehrhaft zu machen. Die Ijeistungen des 
preuss. Volkes in den Jahren 18111—15 waren mit die ersten Früchte 
dieser Fortschritte. — Trotz zahlloser Verkümmerungen jener zum 
Theile selbst anfänglich schon nur unvollständig anerkannten, in der Re- 
actionszeit nach 18411 aber häufig aufs Heftigste angefeindeten) Princi 
pien, sahen wir das Volk unter dieser Gesetzgebung in socialer Beziehung 
weit mehr sich entwickeln, als jene andern deutschen Stämme, bei denen 
man die feudalistischen Vorrechte, die Güteruntheilbarkeit, den Zunft 
zwang u. s. f. aufrecht erhielt. Man vergleiche z. B. die Bevölkerungs 
zunahme in Preussen mit der in Oesterreich oder Altbayern ; man ver 
gleiche überdies die industriellen I,eistungen. Und dabei vergesse man 
nicht, wie in Preussen so oft bureaukratische Einrichtungen hemmend 
und lähmend ein wirken; wie das Streben, den Staat als Grossmacht auf- 
treten zu lassen, unnatürliche Anstrengungen erheischt, und wie nament 
lich die lange Zeit fast hermetische Grenzabschliessung Russlands höchst 
verderblich wirken musste. — So ungenügend unserer Ansicht nach die 
blos theilweise Anerkennung der freien socialen Principien in Preussen 
auch ist, so wurde der Staat dennoch nur durch sie in den Stand gebracht, 
eine Stellung als Grossmacht zu behaupten. Preussen ist beinahe ebenso 
wenig wie Oesterreich ein von Natur gebildeter, durch natürliche Mar 
ken begrenzter, durch Vereinigung gleicher Stämme geschaffener Staat. 
Man betrachte die Ausdehnung des mässigen Gebiets, von Memel nach 
Saarbrücken und Hohenzollern, wie es schutzlos und unzusammenhängend 
da liegt; man beachte die Verschiedenheit der Altpreussen und der Rhein 
länder ; die Antipathien des Protestantismus und Katholicismus ; den Wi 
derwillen zwischen Deutschen, Polen und Litthauern; man berücksich 
tige dabei den beschränkten Umfang des Staates und den geringen natür 
lichen Reichthum vieler seiner Gebiete, — und man wird erkennen, dass 
Preussen nur in höherer freier Entwicklung, und schliesslich nur in 
einem Aufgehen in Deutschland sein eigenes Heil finden kann. 
Volksbildung. Stand der Unterrichtsanstalten 1860: 
Elementarschulen 
Mittelschulen . 
Realschulen 
Progymnasien 
Gymnasien 
Lehrer-Seminare 
Anstalten 
25,150 
500 
123 
33 
144 
58 
Lehrer 
20,533 
1,857 
820 
153 
1,503 
Schüler 
2’773,4I3 
101,400 
24,004 
3,247 
43,305 
3,405 
Es sind nur die festangestellten Lehrer und Lehrerinnen eingerech 
net. Nicht mitgezählt sind die Privatanslalten, so wie die Provinzial-, 
Kunst-, Gewerb- und Ackerbauschulen. Von der Schülerzahl in den 
Elementarschulen waren l’ lOJ, 1 70 Knaben , 1’870,2 13 Mädchen. — 
Ende 1861 bestanden 21,768 öffentl. Elementarschulen mit 86,788 
Classen, 88,617 Lehrern und 1 7u5 Lehrerinnen. Zahl der schulpflich 
tigen Kinder 3’090,201. Davon besuchten 2’875,886 die öffentl., 
81,021 concessionirte Privatschulen, zus. 2’1)59,857. Von den Schü 
lern der öffentl. Anstalten waren 1,775,888 evangel., 1*063,805 kath., 
80,058 jüdisch und 6090 dissidentisch — Gesammtbesoldung des Leh 
rerpersonals 7’449,224 Thlr. (Durchschnittsgehalt in den Städten 281, 
auf dem Lande 181 Thlr.) Dazu werden aufgebracht: durch Schulgeld
        <pb n="211" />
        PRKUSSFN. — Sociale und industrielle Zustände. 
187 
2’320,9fi8, durch die Gemeinden und Fundationon 4’709,95S, durch 
den Staat (nur) 328,298. Mit Dazurechnung des Aufwands für Ge 
bäude steigt die Jahrcssumme auf 9’902,69(), wovon 438,928 aiis Staats 
fonds. — Nach den Landtagsverhandlungen von 1857 betrug der jährl. 
Lehrerabgang 1289 ; der Zuwachs an befähigten Lehrern nur 850; es 
konnten also 430 Stellen nur ungenügend besetzt werden und der Miss 
stand muss sich fortwährend steigern. 
Von den im J. 18*%¡ eingestellten 50,010 Recru ten besasscn 
37,509 genügende Schulbildung = 75,13 l’roc. 
10,029 mangelhafte - = 20,05 
2,412 gar keine - = 4,82 
Gymnasien (1864) 144 mit 2188 Lehrern (wovon 1390 ordent 
liche) und 43,240 Schülern (dabei das Missverhältniss: 28,152 evang., 
12,309 kath., 2779 jüd.). — Universitäten 6 (Berlin, Bonn, Bres 
lau, Greifswalde, Halle und Königsberg, dann 1 Akademie in Münster), 
zus. anfangs 1862 mit 54 21 immatrikulirten Studenten. 
Zar Criminalstatistik. ln den 37 Jahren 1818—54 wurden 988 
Todesurtheile ausgesprochen, also durchschnittlich 26,4 9; am wenigsten 
1811, ncmlich 14, am meisten 1851, 60. Von jenen 988 kommen auf 
Mord . . 
Todschlag . 
Raubmord . 
Kindsmord . 
Brandstiftung 
404 oder 40,89 Proc. 
137 - 13,87 - 
130 - 13,10 - 
124 - 12,55 - 
90 - 9,72 - 
Räuberei . . . 
Falschmünzerei . 
Hoch- und Lan- 
desverrath . . 
Duell .... 
52 oder 5,20 Proc. 
32 - 3,24 - 
12 
1 
- 1,21 - 
- 0,10 - 
In den 3 .lah- 
Es wurden 286 Verurtheilte wirkl. hingerichtet, 
ren 1855—57, in denen der Grundsatz der Schriftmässigkeit der Todes 
strafe sich wieder bes. Geltung verschaffte, erfolgten 1 58 Verurtheilungen 
und 78 Hinrichtungen; in den 3 Jahren 1858 — 60 aber 101 Verurth., 
11 Hinr. — Die Zahl der Untersuchungen betrug im Ganzen : 
1859 1860 1861 
wegen Verbrechen . . 10,116 10,851 11,512 
- Vergehen . . 110,069 115,719 113,277 
Uebertretungen 203,384 180,425 174,151 
- Forstfrevel . . 472,200 404,437 430,564 
Die Zahl der Angeklagten war in diesen 3 Jahren : wegen Ver 
brechen 11,784, 12,854, 13,679. — Davon verurtheilt; 10,551, 
10,974, 1 1,731; — wegen Vergehen, beschuldigt : 120,128, 122,517, 
122,959; hievon verurtheilt 101,541, 103,133, 103,316. — In den 6 
Jahren 1854—59 kam 1 Angeklagter auf folg. Flinwohnerzahl : in Schle 
sien auf 1759, Preussen 1876, Posen 2121, Brandenburg 2521, Sach 
sen 3380, Pommern 3487, Westphalen 1041, Rheinpr. 1294. — Nach 
C on £e s 8 i o ne n kam 1 Angeklagter auf folg. Einwohnerzahl: beiden 
1855 1856 1857 1858 1859 
Evangelischen . . 2183 2058 2878 3405 3521 
Katholiken . . . 1949 1828 2752 3430 3208 
Dissidenten . . 2710 1551 3879 2580 5132 
Juden 2700 2692 2230 2891 2950 
Beschäftigung der Einwohner. Im J. 1860 rechnete man, dass 
8'399,730 Menschen von La n d wir ths cha ft lebten, nemlich ; 761,739 
Eigenthümer, 30,348 Pächter, 3'469,414 Angehörige dieser beiden
        <pb n="212" />
        l’HEUSSEN. — Sociale und industrielle Zustände. 
188 
Classen ; ferner von Solchen, welche die Landwirthschaft nur als Neben 
gewerbe betrieben : 300,507 Eigenthümer, 30,157 Pächter u. I'501,200 
Angehörige derselben; endlich Hilfspersonal und Gesinde: 32,051 Ver 
walter und Aufseher, 13,745 Wirthschafterinnen, 558,435 Knechte 
und Jungen, 500,532 Mägde, 574,037 Taglöhner und 505,705 Tag 
löhnerinnen. Die Gasammtsumme der Handwerker war 1'002,877 
(534,550 Meister, 558,321 Gehilfen und Lehrlinge); — jene der in 
den Fabriken und der übrigen Grossindustrie Beschäftigten 704,352 
(Directions-und Aufsichtspersonal 14,255, Meister 120,012, Arbeiter 
und Arbeiterinnen 401,551, Gehilfen und Lehrlinge 128,034). — Der 
Handel sammt Transportwesen, dann Wirthschaften, ferner Anstalten 
für literar. Verkehr (einschl. Druckereien) beschäftigten 304,450 Per 
sonen; die Gesundheitspflege 20,200 ; der Unterricht 40,227 ; 
der protest, und kathol. C ul tus 10,821. — Die Zahl der Adelsge 
schlechter war einige Jahre früher zu 7003 berechnet worden (nach 
Ledebur) und die Zahl der adeligen Individuen ward (von Dieterici) auf 
177,525 geschätzt. 
Berg- und Hüttenwesen. Der Geld wer th der Production war : 
1855 1856 1857 1858 
111,970,014 ll.V090,4:i2 117’740,.V27 Thlr. 
Die Ergebnisse von 1800 stellten sich ungünstiger, nemlich : 
Production Geldwerth Arbeiter 
2,845 Bergwerke 7f)’715,!MS Tonn. u. 9M78,(102 Ctr. 
1,0(13 Hüttenwerke 18M18,201 Cntr. u. 35,178 Pfd. 
21 Salinen 2'012,030 - 
Zuganimen 
Thlr. 
3O’O22,2S0 
03% 1,857 
1’378,090 
Männer Frau.u.Kind. 
100,278 105,532 
55,030 110,052 
1,505 4,514 
95,852,230 100,503 310,608 
Im J. 1801 waren die Hauptergebnisse des Bergbaues: 
Bergwerke 
Eisen . . 
Zink. 
Blei . . . 
Kupfer . . 
Steinkohlen 
Zahl 
1124 
45 
140 
58 
448 
431 
18 
19 
Braunkohlen . 
Salinen . . . 
Vitriol . . . 
Alaun . . 
Hüttenbetrieb 
Eisen, Bob- . . 
Hohstahl- 
Roheisen in Guss 
Gusswaaren . 
Stab- . . • 
Schwarzblech 
M'eissblcch . 
Jiisendraht . 
Rohstahl ., . 
Gussstahl 
Raffinii'ter Stahl 
Zinkhütten . 
Bleihütten .... 
Kupfer- und Messing- 
Smalte-, Nickel-, Arse- 
nikfabricate . . . 
Arbeiter 
13,410 
7,501 
9,035 
4,738 
68,229 
10,744 
1,330 
500 
101 
Werke Arbeiter 
154 
4 
13 
175 
290 
10 
1 
88 
44 
9 
90 
54 
17 
70 
0 
Produote 
2’875,472 Tonn. 
0’573,037 Cntr. 
940,419 - 
P898.092 - 
235'! 89,990 - 
22137,159 Tonn. 
2’878,783 Cntr. 
525,035 - 
420,331 - 
Producte 
10,003 8’249,803 Ctr.- 
98 152,523 - 
3,037 581,391 - 
7,047 P700,0I9 - 
19,080 5'733,789 - 
2,228 7.53,240 - 
345 02,031 - 
2,010 421,499 - 
817 379,040 - 
3,320 209,920 - 
014 85,973 - 
1,235 P448,078 - 
342 407,053 - 
2,400 110,997 - 
77 
10.980 - 
Geldwerth 
P727,090 Thlr. 
P430,749 - 
2’354,478 - 
720,019 - 
2P808,320 - 
39)38,997 - 
P57l,800 - 
84,724 - 
15,819 - 
Geldwerth 
1P898,900 Thlr. 
324,305 - 
P741,051 - 
0’358,470 - 
18’9S4,004 - 
3'398,982 - 
720,094 - 
2’001,130 - 
1’793,844 - 
2’810,200 - 
771,087 - 
8’195,223 - 
2’372,942 - 
3’792,015 - 
.382,840 -
        <pb n="213" />
        PREUSSEN. — Sociale und industrielle Zustände. 
189 
Die Zahl der unter Aufsicht der Bergbehörde stehenden Arbeiter 
und der von denselben Verunglückten war ; 
1858 1859 1860 1861 
Arbeiterzahl 115,027 107,749 108,901 115,899 
1 )avon verunglückt . . . 190 207 211 228 
Hierunter Steinkohlenarb. 08,734 04,454 04,185 07,720 
Davon verunglückt. . . 113 154 150 107 
Im J. ISOl war die Zahl der Arbeiter beim Berg- und Hüttenwesen 
181,501 (die ihrer Familienangehörigen 344,358). — 1803 war der 
Gesammtwcrth der mineral. Erzeugnisse 34’G87,218 Thlr., wovon 
27’007,889 für Brennstoffe. 
Agricultar. Der Staat umfasste im J. 1801 Grundbesitzer: 
1) von 000 Morgen und darüber 
2) - 300—000 Morgen 
3) - 30—300 
4) - 5— 30 
5) unter 5 
1801 
18,289 mit 40’921,530 Morgen 
15,070 - 0’047,317 
391,580 - 35*914,889 
017,374 - 8*427,479 
1*099,101 - 2*227,981 
2*141,480 mit 93*539,202 Morgen. 
Es muss bemerkt werden, dass der Staat hier als Grundbesitzer mit 
einbegriffen ist. Die Domünen-Güter umfassen t’150,158, die Staats- 
Waldungen 8*059,489 Morgen. Die parcellirten Besitzungen eines und 
desselben Grundeigenthümers sind stets zusammengerechnet, sofern sie 
sich in einer Gemeinde befinden. 
Die am geringsten bevölkerten Provinzen umfassen die meisten gros 
sen Güter. So enthalten (nach obiger Classification) folg. Güter : 
Ir CI. 2r CI. 3r CI. 4r CI. 5r CI. 
Preussen . . 4,123 4,370 82,950 44,581 49,212 
Posen . . . 2,050 1,079 45,229 32,850 24,009 
Pommern . 2,595 1,430 20,247 29,099 32,053 
Brandenburg 2,304 2,343 49,108 45,735 00,797 
Schlesien. . 3,003 1,203 49,157 109,081 121,029 
Sachsen . . 1,239 1,599 41,202 07,202 107,171 
Westphalen . 700 1,401 40,179 75,537 121,825 
Rheinland . 1,512 1,008 49,524 205,440 504,759 
Hohenzollern 91 37 1,073 7,233 11,035 
Jadegebiet . — — 11 10 11 
Dabei ist die sehr ungleiche Grösse der Provinzen zu berüeksichti- 
gen. Auf die Rheinprovinz allein kommt über die Hälfte aller kleinen 
Grundbesitzungen, und diese Provinz ist weitaus die am stärksten bevöl 
kerte, — ein Beweis, dass bei ungehemmter Theilbarkeit des Grundbe 
sitzes die Gesammtsumme der Production vergleichsweise aufs Höchste 
gesteigert wird.*) Erfreut sich der grössere Gutsbesitz mitunter einer 
rationellem Bewirthschaftung, einer Bearbeitung durch bessere Werkzeuge 
und eines Betriebes mit bèdcutenderm Capitale, so werden diese Vor- 
*) Die Befürchtung, es würden die Theilungen immer weiter fortgeführt, 
sind nicht richtig. So ergab sich bei der Catasterrevision von 1800 in Rhein 
land und M estphalen u. a. : Die Bürgermeistereien Stockheim, Birgel, Strass, 
Birkesdorf und Merken im Kreise Düren , früher mit 02,563 Parcellen, hatten 
bei der Revision von 1800 nur noch 51,244, — die Gemeinden Mühlheim, Retz, 
Uedelhoven, Holzmühlheim, Büer, Bouderath, Roderath, Engelgau und Frohn 
gau im Kreise Schleiden, früher mit 43,920, zählten bei der Revision nur noch 
30,049. Es hatte sich mithin die Parcellenzahl ohne alles Eingreifen der Gesetz- 
gehung während 30 Jahren im Kreise Düren um 18 %, im Kreise Schleiden um 
10% vermindert.
        <pb n="214" />
        190 
PREUSSEN. — Sociale und industrielle Zustände. 
tlieile (soweit sie überhaupt wirklich vorhanden) doch entschieden Über 
wegen durch das »Betriebscapital«, welches der kleinere ICigenthümer in 
seinen und der Seinigen Kräften besitzt, sofern er freier Eigenthümer ist 
oder werden kann. Uebrigens beruht namentlich die Voraussetzung eines 
reichern Geldcapitals meistens auf Täuschung. Es ist (namentl. durch 
Lettè^ erwiesen, dass die grossen Güter durchschn. über die Hälfte, bis 
zu % ihres Werthes (in ganzen Kreisen sogar zeitweise bis 93%) mit 
1 lypothekschulden belastet sind. (In den wohlfeilen Jahren lb20—30 
erlao-en in der Provinz Preussen mindestens 80% aller Rittergutsbesitzer 
der Sequestration oder Subhastation, — verhältnissmässig weit mehr 
als kleine Besitzer. In Altvor- und Hinterpommern standen von 1000 
Rittergütern 1300 zur Subhastation.) Selbst die landwirthschaftlichen 
Credit- und Pfandbriefinstitute kamen bis zur neuesten Zeit zunächst nur 
den grossen Gutsbesitzern zu statten. Diese sind es auch hauptsächlich, 
welchen die Ablösungsgelder zufliessen (vom 2. März 1850 bis 
1. April 1859 an Rentenbriefen 78’508,380 Thlr. und ausserdem 79,183 
baar), welche Summen häufig zu weiterer Vergrösserung verwendet wur 
den. Nicht die Theilbarkeit des Grundeigenthums, sondern im Gegen- 
theile die IJntheilbarkeit so vieler weitausgedehnter Grundstücke ist we 
sentlich vom Uebel. *) 
Nach dem Stande der Besitzer vertheilt sich das Grundeigenthum 
(1860) folgendermassen in den einzelnen Provinzen; 
Prpusspii 
Krandi'iil). 
Pommern 
Schlesien 
Sachsen 
Westphalen 
Rheinland 
Domänen u. 
Staatsforsten 
Guter Morgen 
20t ;t’l04,500 
75 745,817 
207 ros,5,50:1 
10:1 052,082 
154 742,085 
125 70:1,870 
10 200,3.02 
45 578,204 
Ritter 
güter 
Sonstige selbst. 
Outsbezirke 
Guter Morgen 
2,04:1 5'577,l00 
5-041,047 
4M 71,5:15 
4-024,121 
()’507,21S 
1-442,017 
442,.520 
400,000 
1,451 
1,058 
1,80:1 
3,2,50 
1,14:1 
411 
407 
Guter 
770 
480 
052 
427 
008 
110 
keine 
keine 
Morg. 
505,240 
400,050 
046,103 
524,074 
287,870 
88,0:14 
keine ') 
keine 
Städte mit 
Gemarkung 
Gut. Morgen 
120 8-125,121 
144 520,714 
108 1-225,7:10 
72 701,004 
140 007,210 
140 1-010,050 
Landgemeinden 
u. Gemarkung 
Guter 
8,.521 
0,917 
0,208 
5,743 
0,085 
.Morgen 
12-077,080 
4- 00:1,807 
6-000,101 
5- 025,102 
0-7:10,740 
5-Ò05Í:l05 
128 7M,107 700 
/US. 1,010 0-105,088 12,502 28-ö:12,227"2,.50l '2-202,Oof 888 Ÿ487,100 27,582 40-077,200 
Gewöhnlicher Anbau des Feldes (nach Engel) : 
P777,OOÜ Morgen mit Weizen, ertragend 15'6U:l,37ó Schefiel einschl. Saat) 
8’1-28,000 
P474,000 
6’292,000 
P909,Ü00 
26,000 
60,277 
Roggen, 
Gerste, 
Hafer, 
Kartoffeln 
Tabak 
Reben 
60-000,674 
15-47:1,685 
78-646,564 
14:1-205,000 
403,7:12 Eimer. 
Die mit Tabak angebaute Grundfläche war 18.59 26,780, 1860 
2r&gt;,284, 1861 nur 19,540 Mrg.—Von den Weinbergen gehörten 1 860 in 
*) Nach einer offic. Zusammenstellung (Staatsanz. vom 24. Sept. 1861) be 
trägt die Gesammtzahl der bis Ende 1860 im Ganzen ahgelöaten Spanndienst- 
tatre 6’310 352, der Handdiensttage 23-444,306; als Entschädigung wurden fest 
gesetzt: 34-210,062 Thlr. in Geld (Capital), 5,347,323 Scheffel Roggen (Rente), 
10,633 Scheffel Weizen und 287,072 Morgen I.andes. _ 
*) Es gibt 84,217 grössere Land-und Bauerngüter mit 3’530,703 Morgen, 
aber keine selbständigen Gutsbezirke. 
*) In Westphalen tverden 143,408 städtische und ländliche Grundstücke 
mit 2*050,800 Margen aufgeführt, die in die bisher erwähnten Kategorien nicht 
gehören.
        <pb n="215" />
        PRRUSSEN. — Sociale und industrielle Zustande. 
191 
Classe I Classe II Classe IH Classe IV Classe V Classe VI 
Morgen 150 1,251 9,147 21,503 13,164 15,062 
Auf die einzelnen Provinzen kamen; Rheinland 10,457 Morg. Wein 
berge, Schlesien 5,348, Brandenburg 4,448, Sachsen 3,1 04 u. Posen 800, 
Viehstand (ohne Hohenzollcrn , 1 800 mit diesem ; die früheren 
Aufnahmen sehr unvollständig) : 
Pferde Esel Bindvieh Schafe Ziegen 
1816 
1822 
1831 
1840 
1849 
1858 
1860 
P243,261 
1’363,249 
1’374,594 
1’512,429 
1’575,417 
1’617,160 
1’680,624 
6,921 
7,146 
7,336 
7,412 
4’013,912 
4’247,021 
4’446,368 
4’975,727 
5’371,644 
5’487,000 
5’634,610 
Gesamint- 
Schweine viehstand 
auf Rindvieh 
reducirt 
1’494,369 7’090,387 
1’599,211 7’710,103 
1’736,004 8’135,259 
2’238,749 9’473,922 
2’466,316 10,035,378 
2’577,956 10’154,561 
2’636,701 10’627,621 
8’260,396 143,433 
10’037,522 175,847 
11,751,603 214,072 
16’344,01S 359,820 
16’296,928 584,771 
15’362,196 664,255 
17’457,228 806,109 
Gewerbswesen. Die finanzielle Noth des Staats nach der Jenaer 
Schlacht veranlasste die Einführung einer GewerbSteuer, und damit 
diese reichlicheren Ertrag liefere, gleichzeitig auch die Einführung der 
Gewerbefreiheit {»Edict über Einführung einer allgemeinen Gewerb- 
steuer« vom 2. Nov. 1810). Es war für die früher Berechtigten ein 
doppelter Schlag, das bisherige Vorrecht zu verlieren und dafür, neben 
der neu geschaffenen Concurrenz, auch noch eine besondere Steuer ent 
richten zu müssen. Und doch war die Aenderung eine Wohlthat für den 
Staat, und alle theilweiscn Beschränkungen, welche die Reaction durch 
setzte, haben sicli nachtheilig erwiesen. — Den Hauptclassen der Be 
schäftigung nach zählte man 1801 nach den Gewerbetabellen : Metallur 
gische Industrie 57,110 Personen, Maschinenfabrication 73,302, Fabri 
cation von Instrumenten 9,720, Fahr, von Metallwaaren 172,009, 
Mineralurgische Industr. 100,158, Fahr, chemischer Producte 31,735, 
Fahr, von Consumtibilien 270,873; Textilindustrie a) Bereitung von 
Gespinnsten und Geflechten 00,759, b) Weberei, Bandfabric. 203,444, 
c) Zurichten von Geweben 35,087, — Fabric, von Kleidung, Wäsche, 
Putz 108,788, Leder- und Pelzbereitung 195,070, Holz- undBeinwaa- 
ren 153,594, Papier- und Pappebereitg. 22,880, Polygraphische Ge 
werbe 12,038, Baugewerbe 187,390, andere Industriezweige 18,904, — 
zusammen U780,145Pers. (1840 waren es 1'343,821, 1855 1’027,770). 
Die Fabrikbevölkerung hat weniger, als man erwartet, zugenom 
men. ln der Handwerksliste ergibt sich absolut gleichfalls eine Zunahme, 
relativ aber eine Verminderung. — Bei den eigentlichen Handwer 
kern und mechanischen Künstlern (die nur einen Theil der in der Liste 1 
aufgeführten Personen ausmachen) war die Zahl : 
1846 1849 1852 1855 1858 
Meister oder für eigene Rech 
nung Arbeitende .... 457,365 535,232 553,107 548,296 545,034 
Gehilfen und Lehrlinge . . 384,783 407,141 447,542 454,088 507,198 
Sonach stärkere Zunahme der Gehilfen- als der Meisterzahl. *) 
*) Wo volle Gewerbsfreiheit herrscht, kommt ein »Uebersetzen« einzel 
ner Gewerbe weniger vor, als wo Beschränkungen bestehen, wol wesentlich 
wegen der Erleichterung im Ergreifen anderer Beschäftigungen. Dies gilt 
selbst bei denjenigen Gewerben, bei denen man es am wenigsten vermuthen
        <pb n="216" />
        192 
PREUSSEN. — Sociale und industrielle Zustände. 
Die Zahl der Dampfmaschinen, 1837 erst 423 mit 7,513 
Pferdekraft, war 1852 bereits auf 2832 mit 92,462 Pferdekraft gestie 
gen. 1860 zählte man 8,685 mit 365,631 Pferdekr. ; nemlich : 
Maschinen Pferdekr. 
a) für Hohproduction : Rergbau, Ilüttcn-u. Salinenbetrieb l,52S ('»(),387 
Landwirthschaftl. Zwecke (Knt.- 
u. Bewässerung . 
Schneidemühlen . 
Getreidemühlen 
b) für Fabrication : Spinnerei, Weberei etc. 
^las 
laschinenfabrlken 
metallische Fabriken 
andere Fabriken 
c) für Transport etc. : Schiffsmaschinen 
I jocomotiven . . 
andere Handelszwecke 
Vergl. Oesterr. S. 1(53. 
Nach den letzten drei Aufnahmen waren die Dampfmaschinen über 
die einzelnen Provinzen folgendermassen vertheilt : 
243 
220 
635 
737 
373 
(521 
2,3(50 
203 
1,456 
300 
4,180 
2,808 
8,431 
16,143 
4,130 
16,618 
23,085 
16,(540 
207,144 
5,060 
1849 1852 
1860 
2482 mit 117,115 Pferdekr. 
Rheinprovinz . . 658 848 
Brandenburg . . 360 558 1583 - 63,213 
Sachsen. . . . 326 484 1580 - 44,772 
Schlesien ... 278 303 1153 - 34,278 
Westphalen . . 177 270 1004 - 63,781 
Pommern . . . 05 171 363 - 16,880 
Preussen . . . 63 04 351 - 18,100 
Posen .... 7 14 148 - 7,000 
Eisenbahnen. Im J. 1844 waren erst 1 I 4 % Meil. vorhanden, da 
von blos 18 Meil. mit doppelten Geleisen. Der Geldaufwand betrug 
33’86(5,()67 Thlr. = 296,190 pr. Meile. Der Ertrag stellte sich auf 
5,01 %. — 184 7 war die Bahnlänge auf 238, Ende 1855 auf 507 Meil. 
gestiegen. (Kosten pr. Meile 184 7 durchschnittlich 34 7,388, 1855 aber, 
— bei 140 Meil. Doppelgeleise — 4 18,482 Thlr. Ertrag in beiden 
Jahren 4,27 und 6,74%.) 1856 hatte man 533% Meil., wovon 1 46 
Staatsbahnen, sodann: 7 0‘/g Privatbahnen unter Staats-und 3 1 7 '/gMeil. 
Privatbahnen unter eigener Verwaltung. Die Betriebseinnahme war 
25'459,16(5 Thlr. — Ende 18(52 standen 811,(55 Meil. im Betriebe, 
wovon 208,03 Staatsbahn, 18(5,87 Privatb. unter Staatsverwaltung] 
404,94 vollständ. Privathahnen. Von obiger Gesammtsumme kommen 
aber auf das prcuss. Gebiet (nach Abzug der preuss. Bahnstrecken in 
and. Staaten) doch nur 749,21 Meil. Doppelgeleisig waren im Ganzen 
241,73M. — Das wirkl. verwendete Anlagecapital betrug4 10'536,432 
möchte. Schultze-Delitsch hat folgende Gegenüberstellung geliefert zwischen 
dem gewerblich starr beschränkten rechtsrheinischen Bayern, dem ungenügend 
freien Preussen und der gewerblich fast ganz freien bayer. Rheini)falz. Es 
kommt je 1 Meister auf folgende Einwohnerzahl : 
in Altbayern in Preussen in der Pfalz 
bei den Bäckern . . auf 488 auf 652 auf 783 Kopfe 
Metzgern . . 474 831 958 - 
Schuhmachern 232 252 310 - 
Schneidern . 178 188 191 - 
Die theilweise Gebundenheit der Güter in Altbayern und Preussen trägt 
auch zu diesem Ergebnisse bei.
        <pb n="217" />
        PKEUSSEN. — Sociale und industrielle Zustände. 
193 
Thlr,, nemlich: a) Staatsb. 96’149,S46. b) Privatb. unter Staatsverw. 
102’458,084, c) vollständ. Privatb. 2H’927,502, somit pr. Meile;, a) 
402,190, b) 552,546, c) 528,213; Durchschnitt 510,007 Thlr. (Maxi 
mum: Rhein-Naheb. 1015,515). — Transportmittel: 1513 Locomot., 
2359 Personen- und 31,339 Güterwagen. Im J. 1862 durchliefen diese 
Locomotiven 3 997,272 Nutzmeilen. Beförderungsmasse und Ertrag; 
Personen 25’928,3y3 15’055,740 Thlr. 
Güter . 40t)’854,797 Ctr. 32’088,069 - 
Zus. m. »sonst. Einnahmen« 50’424,367 ^ 
Ab die Betriebsausgaben 2(i’535,038 
Durchschnittl. Verzinsung; 
Staatsb. 0,17 , vom Staat 
verwalt. Priv.-Bahnen4,01%, 
reine Priv.-Bahn. 5,28%. 
Reinertrag 29’‘&lt;S9,329 
Die Zahl der beförderten Reisenden betrug : 
1853 1855 1856 1857 1858 1859 1860 
10’W8,S75 12’72!»,837 15’5ü3,«92 18'0«8,291 19,159,327 20981,218 2r«41,083 
Es war die Zahl der Unglücksfälle, a. getödtet, b. verletzt : 
Reisende . 
Bahnbeamte 
Fremde 
1853 
a b 
2 2 
58 52 
20 5 
1854 
a b 
- 6 
;&gt;.■&gt; 
17 
1855 
a b 
— 3 
71 47 
30 4 
1856 
a b 
3 1 
03 84 
24 9 
1857 
a b 
1 1 
54 157 
33 11 
1858 
a b 
04 
27 
112 
8 
Zus. 
80 59 
T39^ 
72 87 
~T59^ 
107 54 
101 
91 120 
^1 
1559 verunglückten 202 Personen, wovon 91 getödtet, 111 verletzt. — 
I860 wurden keine Reisenden getödtet, aber 5 verwundet; dagegen 51 
Angestellte und Arbeiter getödtet, 111 verletzt. Die Zahl der Angestell 
ten und Arbeiter war im gedachten Jahre 44,852, die der Reisenden 
22'0 13,470, so dass auf 4300,000 der letzten nur eine Verwundung kam. 
Länge der Staatschausseen (anf. 1804) 1840 Meilen. 
Telegraphen. An Neujahr 1804 297 Stationen ; 1482 Meil. Linien. 
Depeschen • 
1850 1855 1866 1858 1859 1860 1862 1863 
35,317 152,820 221,411 247,202 349,997 384,349 000,297 877,583 
Post. (1803) 2300Büreaux. VersendeteZeitungsnumm. 75*492,093. 
Briefe : 
1842 1850 1855 1859 I860 1863 
34'859,342 00'052,012 98’210,281 129'905,040 135’377,080 127*202,023 *) 
Handel. Siehe »Deutschland«, Einleitung. 
Rhederei. Jan. 1863: 948 Seeschiffe (Schiffe über 40 Lasten), 384 
Küstenfahrer (Schiffe unter 40 Lst.), 24 Seedampfer, 44 Bugsir- und 
Flussdampfer, zus. 1420 Schiffe. Die gesammte Tragfähigkeit war 
183,900 Last à 4000 Pfd. — Eine Liste vom 1. Jan. 1804 berechnet 
1439 Schiffe mit 180,559 Lasten. 
Von einzelnen Seeplätzen kamen auf: 
Danzig . 138 Schiffe mit 44,707 Lasten, 
Stettin . 200 - - .30,224 
Stralsund 172 - - 22,122 
Fenerversicherungsgesellschaften, Ende 1802 121, mit 4070 Mill. 
Versicherungscapital (1850 waren erst 1225 Mill, versichert). 
*) Ohne Werthbriefe und Pakete. 
Kolb, Statiitik. 4. Aufl. 
13
        <pb n="218" />
        194 
PREUSSEN. — Sociale und industrielle Zustande. 
Banken, siehe folgende Abthl., »Deutschland.« 
Sparcassen. Ende 18()2 bestanden 483, mit 58’50h,62h Thlr. 
Einlagen, man zählte 739,353 Einlagebüchlein, davon 249,172 in Be 
trägen unter 20 Thlr., und 172,808 zwischen 20 und 50 Thlr. 
Maasse etc. Münze: Thaler, früher 14 auf die Köln. Mark fein, nun 30 auf 
das Zollpfund fein ; unterabgetheilt in 30 Silbergroschen (vordem in 24 gute Gr.) 
à 12 Pfennige. Der preuss. Thaler ist beinahe in ganz Norddeutschland die 
Normalmünze. 1 Thlr. = 1 % A rhein oder 1’/, fl österr. ; 00“/,, GrotLouisd’or 
à 5 Thlr. Gold in Bremen; 1 Mark 15 Schill. 0,80 Pf. Hamb. Banco; 2 Mark 
0 Sch. 10,20 Pf. Lübeck. Cour (Preyss. Friedrichsd’or werden in den öffentlichen 
Cassen zu 5 Thlr. 20 Sgr. angenommen.) — Längenmams ; Der preuss. (rhei 
nische) Fuss von 12 Zoll zu 12 Linien = 139,13 Par. Linien oder 0,31385354275 
Meter. Es sind sonach 100 preuss. Euss = 31,38 Meter, 90,02 Pariser, 102,97 
engl., 99,29 Wiener, 104,00 baver., 110,27 Frankf., 109,58 Hamburger, 107,45 
hannöv. Fuss. — Die preuss. Elle = 000,94 Millimeter: 100 Ellen = 72,4 engl. 
Yards. —Flächenmaass: die Quadratruthe (zu 144 Quadr.-Fuss) = 14,1845827 
Quadr.-Meter. Der Morgen zu 180 Quadr.-Ruth. = 25,532249 Aren. — Ge- 
treideniaass: der preuss. Scheffel zu 10 Metzen; die Metze = 192 preuss. oder 
173,1714 Pariser Cubikzoll oder 3,435094 Täter; 100 preuss. Scheitel = 52,28 
Dresdner oder 24,72 bayer. Scheffel, 89,37 Wiener Metzen, 18,9 engl. Quarters 
oder 151,21 engl. Bushels, 54,90 Hectoliter, 20,18 russ. Tschetwert. — Flüssig- 
keitsnmass: das Quart ist % Metzen = U145031 Liter. 100 Quart = 107,11 
bayer, oder 80,94 Wiener Maass, 100,8 engl. Quart oder 25,2 Gallons, 114,5 
Litres, 93,1 russ. Kruschka. — Der Eimer = 00 Quart = 08,7019 later. — 
Gewicht. Durch Gesetz vom 17. Mai 1850 ward das deutsche Zollpfund als 
I-andesgewicht eingeführt (zur Vergleichung siehe Frankreich, Kilogramm, wo 
von das Pfund genau die Hälfte). Das alte Gewicht war; der Centner 110 Pfd., 
das Pfund = 0,467711012733 Kilogr., 100 Pfund = 83,52 Wiener, 93,54 neue 
oder Zollpfund.
        <pb n="219" />
        13# 
/weite Abtlieiluiig. 
Deutschland (Staaieiibiind) 
LhikI 1111(1 líente. 
Das Bundesgebiet umfasst gegenwärtig 84 Staaten oder Theile von 
solchen, 1 1,455 Quadratmeilen und nach den letzten Zählungen 
45’462,89(l, dermalen wol nahe an 4b Mill. Bewohner. 
Staaten: Grösse 
Bevölkerung Venneh- Einw. 
1. Oesterreich. Bundesländer 
2. Preussische 
8. Bayern, Königreich . . 
4. Sachsen, ditto . . 
5. Hannover, ditto . . 
♦). Württenib. ditto . . 
7. Baden, Grossherzogthum 
b. Hessen-] larmstadt, ditto 
Kurhessen 
lU. Mecklenb.-Schw., Grossh. 
11. Mecklenb.-Streb, ditto 
12. Holstein u.Lauenb., Hzgth. 
18. Luxemb., Gr., u. Limb., H. 
14 Nassau, Herzogthum . 
15. Braunschweig, ditto . 
Iti. Oldenburg, Grossherzgth 
17. Sachsen-Weimar, ditto 
IS. S.-Meiningen, Herz )gth. 
111. S.-Coburg-Gotha, ditto 
20. S.-Altenburg, ditto . 
21. Reuss-Greiz, Fürstenthum 
22. —Schl.-Lobst.-Ebersdf., do. 
28. Linpe-Detmold, Fürstenth. 
24. Scnaumb.-Lippe, ditto 
25. Waldeck, Fürstenthum . 
2(J. Anhalt, Herzogthum . . 
27. Schwarz!).-Sondersh., Fth. 
2S. Schwarzb.-Rudolst., ditto 
21*. Hessen-Homb., Landgrafsch. 
8&lt;i. Liechtenstein, Fürstenth. 
81. Hamburg, freie Stadt . . 
82. Bremen ditto . . 
88. Lübeck ditto . . 
84. Frankfurt a. M. ditto . 
Q.-M. 
8,591 
8,385 
1,890 
271% 
H9S% 
854 V. 
278 
158 
178% 
244 
49% 
175 
87 
85 
07% 
114 
00 
48 
85*/, 
24 
0% 
15 
20% 
8 
20% 
43% 
15% 
17% 
5 
8 
::: 
0 
1% 
1S15, nach d. nach den 
Bundeematrikel neuest.Aiifn. 
Zusammen deutscher Bund 11,455 
Mit Oestr., Preuss., Schlesw. 21,509 
Ganz ohne diese .... 4,479 
9’482,277 
7'923,489 •) 
3'50U,000 
1’200,000 
1’805,351 
1’895,402 
1’000,000 
019,500 
507,208 
858.000 
71,709 
800.000 
255,028 *) 
802.709 
209,527 
217.709 
201,000 
(115,000; ' 
(111,000) *) 
98,200 *) 
22,255 
52,205 
09,002 
24,((00 
51,877 
122,447 
45,117 
58,937 
20,((00 
5,540 
129,80(( 
48,500 
44.050 
47.050 
13’250,000 
14’13S,804 
4’089,837 
2’225,24(( 
1’888,07(( 
1’720,708 
1’809,291 
850,9((7 
788,479 
551,701 
99,000 
594,500 
421,088 
450,507 
282,40(( 
295,242 
278,252 
172,841 
159,481 
187,102 
42,180 
88,800 
108,518 
80,774 
58,0((4 
181,824 
04,895 
71,918 
20,817 
7,800 
288,099 
rung 
in Proc. 
28,44 
70.08 
81,78 
85,43 
44,04 
28,80 
30,92 
88,82 
80.08 
58,19 
38,02 
auf 
Q.-.M. 
3,089 
4,170 
8,375 
8,190 
2,702 
4,850 
4,925 
5,027 
4,2.50 
2,203 
2,0((1 
05,15 •.8,397 
04,78 4,840 
5((,81 5,840 
84,78 4,108 
85,59 2,5''9 
.80,08 4,14(( 
49,94 4,001 
42,77 4,429 
89,88 5,715 
8((,81 0,242 
59,07 5,557 
75,12 5,298 
28,22 8,819 
12,90 2,882 
48,49 4,204 
48,85 4,204 
38,82 4,110 
.84,08 5,305 
28,98 2,000 
78,81 87,208 
98,407 108,24 28,184 
.50,899 19,12 *',400 
88,890 75,08 51,‘&gt;‘'8 
8((’l 57,038 
51’800,000 
12’751,922 
45’402,3((7 
72’174,080 
18’078,508 
50,77 .8,9()9 
40,09 8,355 
41,75 4,085 
Ausserdem beide Hohenzollem mit 50,000 Einw., sodann St. Wendel ; 
lotal 7’998,499. * Damaliger Bestand. *) Damals: Meiningen 54,400, Hild 
burghausen 29,700Einw. * Damals: Gotha 185,082, Coburg80,012Einwohner. 
*) War Bestandtheil von Gotha.
        <pb n="220" />
        196 
DEUTSCHLAND. — Land und Leute. 
Zur ungefähren Bezeichnung des Zahlenverhältnisses der G e- 
schlechter sei bemerkt, dass bei der Aufnahme von 1855 im Zoll 
vereinsgebiete lebten : 
weibliche Einwohner . 10’5H3,6H9 In Frankreich war der Unterschied 
männliche - . IGM85,032 gleichzeitig nur 299,024. 
Unterschied 348,637 
Nationalitäten. Als möglichst bestimmtes Kennzeichen ist die Mut 
tersprache anzunehmen. Darnach besteht die gesammte Bevölkerung 
der Mittel- und Kleinstaaten wesentlich nur aus Deutschen, mag auch 
die Abstammung in einigen Gegenden (wie der Lausitz) slavisch gewe 
sen sein. Nach den Zählungen von 1861 lebten im Bundesgebiete; 
Deutsche Nichtdeutsche 
in den Bundesprovinzen Oesterreichs 1857) 6’390,000 6’860,000 
- - Preussens . . . J3’046,395 874,817 
- Mittel-und Kleinstaaten .... IBM03,.586 70,000 
Zusammen im Bundesgebiete 37’439,981 7’804,817 
In den Nichtbundesländern Oesterreichs . 2’550,000 18’914,00() 
- - - Preussens . . 2’672,261 1’629,375 
Die Zahl der ihrer Muttersprache nach »Deutschen« ist also in den 
Mittel- und Kleinstaaten allein beiläufig ebenso gross wie in den preussi- 
schen und österreichischen Bundesprovinzen zusammengenommen. 
Confessionen. 
Katholiken Protestanten Andere 
Christen 
1. Üesterr. Bundesgeb. (1857) 12’700,000 350,000 5,000 
2. Preussen ditto (I860) 5’231,000 8’800,000 15,800 
3. Bavern (Schätzung) . . . 3’300,000 1*320,000 6,000 
4. Sachsen (1861) .... 41,400 2*180,000 2,200 
5. Tlannover - 221,600 1*652,400 2,000 
6. Württemberg (1861) . . 527,000 1*180,000 2,500 
7. Baden - . . . 896,700 445,500 3,000 
8. Gr. Hessen - . . . 224,000 599,600 4,300 
9. Kurhessen - . . . 107,700 611,600 850 
10. Mecklenb.-Schwerin (1862) 900 547,700 — 
11. Mecklenb.-Strelitz - 100 98,400 — 
12. Holstein u. Lauenb. - 1,300 590,000 — 
13. Ijuxemb. u. Limb. (Schätzung) 414,500 5,000 — 
14. Nassau (1861) . 211,000 238,000 400 
15. Braunschweig - . 2,600 278,000 100 
16. Oldenburg - . 75,000 220,800 900 
17. S.-Weimar - . 9,800 262,300 70 
18. S.-Meiningen - . 850 1 (&gt;9,900 80 
19. S.-Coburg-Gotha (Schätzg.) 900 158,400 . . . 
20. S.-Altenburg - 100 137,000 . . . 
21. 22. Beide Keuss - 300 125,700 — 
23. 24. Lippe u. Schmb. - 1,000 137,000 — 
25. M'aldeck - 1,100 55,600 — 
26. Anhalt - 1,300 177,800 _ 
27. 28. Beide Schwarz!). - 200 136,300 — 
29. Hessen-Homburg - 4,400 21,300 
30. Ijiechtenstein - 7,800 — — 
31. Hamburg " 4,000 218,000 200 
32. Bremen “ 1,500 96,800 . . . 
33. Imbeck " 250 49,850 100 
34. Frankfurt (1858) 15,800 51,200 600 
Zusammen deutscher Bund 24*004,000 
MitGes.-Oestr. u. Preuss., Schles. 36*958,700 
Vollständig ohne diese . . • 6*083,000 
Juden 
150.000 
143.000 
64.000 
1,600 
12,100 
11,400 
24,100 
29.000 
18,300 
3.100 
500 
3.500 
1,600 
7.100 
1.100 
1.500 
1,100 
1,550 
150 
400 
1,500 
800 
2,700 
400 
1,100 
7,000 
100 
600 
5,800 
20*993,800 44,100 495,000 
26*644,000 6*566,600 1*506,600 
11*753,800 23,300 202,000 
Die »Katholiken« sind nur römische, ohne die griechischen Katholiken
        <pb n="221" />
        mjr ' 
DEUTSCH!,AND. — Land und Leute. Auswanderungen. 197 
Auswanderungen. Ausser Irland hat kein Land Europa's eine solche 
Völkerauswanderung gesehen, wie Deutschland. Die natürliche 
Neigung des germanischen Stammes zur Wanderung war es nicht allein, 
was diesen colossalen Exodus erzeugte : sociales und politisches Uebel- 
befinden wirkte gewaltig mit, um ihn herbeizuführen. Die Auswande 
rungen aus Deutschland wurden um die Mitte der lS50er Jahre sogar 
zahlreicher, als die aus Irland. Die ungünstigen Nachrichten aus den 
\ ereinigten Staaten bewirkten zwar im Jahre 1855 eine bedeutende Ver 
minderung; gegen 18,000 Ausgewanderte kehrten sogar in ihre alte 
Heimath zurück. Auch fand seitdem nur ein sehr verminderter Fortzug 
statt. Doch auch in dieser Verringerung ist er noch immer ungemein 
gross. — Alle Schätzungen über die Grösse der Auswanderung können 
nur als annähernd richtig gelten. Nach Olio Hühner s Berechnungen, 
die wir indess nach andern Materialien in einigen Angaben modificiren 
und ergänzen, betrug die Gesammtsumme der Auswanderer 
Deutschland nach den Ver. Staaten : 
aus 
1845 
1840 
1847 
1848 
1849 
1850 
74,000 
94,581 
109,5:11 
81,895 
89,102 
82,404 
1851 
1852 
1859 
1854 
1855 
1850 
112,547 
162,301 
157,180 
251,931 
81,098 
98,573 
1857 
1858 
1859 
1800 
1801 
115,970 
53,200 
45,100 
49,009 
35,427 
Bei den letzten Summen fehlt die Zahl der über Havre Fortgezogenen. 
Von 1819—55 war die Gesammtsumme, so weit sich dieselbe be 
rechnen Hess (nach Gäbler) 1’799,853. Bringt man die häufig nicht ein 
gerechneten Preussen und Deutsch - Oesterreicher überall mit in An 
schlag; berücksichtigt man, wie viele Auswanderer auch noch nach an 
dern Ländern, namentlich dem Britischen Nordamerika, Südamerika, 
Australien, sogar Algerien wanderten ; erwägt man dabei, dass es in der 
Kegel gerade der jugendfrischeste und kräftigste Th eil unseres Volkes ist, 
der auswandert, so mag man sich einen Begriff von der ungeheuem 
Grösse des Verlustes bilden. Will ipan nur das allermateriellste Moment 
ins Auge fassen, so berechne man, wie viele Millionen Thlr. nöthig wa 
ren, die Fortgewanderten von der Kindheit bis zum Alter der Arbeits 
fähigkeit zu erziehen. Wenn unsere Nation trotz dieser enormen Ein 
busse noch keineswegs verkümmert oder verkrüppelt ist ; wenn sie trotz 
alledem noch immer weit mehr Elemente der Kraft in sich schliesst, als 
jede andere Nation ; so liegt darin der beste Beweis von der physischen 
und moralischen Trefflichkeit — fast Unverwüstlichkeit — der Deut 
schen, und eine sprechende Andeutung, was diese Nation sein könnte ! 
Städte. Deutschland steht nicht nur England, sondern selbst Frank 
reich entschieden nach an ganz grossen Städten. Wir besitzen deren 
zwei von mehr als einer halben Million Einw. : Wien mit 580,000, 
und Berlin mit 548,000 (neueste Zählung 029,000), dagegen keine zwi 
schen 200 und 500,000. Und doch erfreut sich das Städtewesen in 
Deutschland noch immer einer weit grösseren Blüthe als im westlichen 
Nachbarlande. Städte mit einer Bevölkerung zwischen 100 und 200,000 
Menschen sind 7 vorhanden; Hamburg mit 180,000, München 147,000, 
Prag 142,000, Breslau 140,000, Dresden 128,000, Cöln 120,000,
        <pb n="222" />
        198 
DEUTSCHLAND. — Finanzen. 
Triest 101,000, vierzehn Städte zählen zwischen 50 und 100,000 : Mag 
deburg 88,000, Leipzig 78,000, Frankfurta. M. 75,000, Stettin 74,000, 
Hannover 7 0,000, Bremen 65,000, Graz 63,000, Nürnberg 62,000, 
Stuttgart 61,000, Aachen 60,000, Brünn 59,000, Elberfeld 56,000, 
Crefeld 52,000, Düsseldorf 52,000. Acht haben zwischen 10 und 
50,000; Chemnitz, Altona, Barmen, Augsbuzg, Halle, Mainz, Braun 
schweig, Potsdam. Vierzehn umfassen zwischen 25 und 40,000 Einw.: 
Cassel, Würzburg, Frankfurta. O., Erfurt, Darmstadt, Mannheim, Carls- 
ruhe, Ivübeck, Linz, Coblenz, Rostock, Regensburg, Elbing und Ulm 
(das Militär überall mitgerechnet). Ungemein zahlreich sind die Städte 
mit 10—25,000 Menschen. (S. überdies die »Nachträge.«) 
Bodenanbau. Es liegen möglichst genaue Berechnungen von einzel 
nen Staaten vor, dennoch ist das Material zu mangelhaft, um eine Ge- 
sammtdeutschland umfassende Uebersicht zu geben. Wir müssen uns 
hier auf einige Notizen beschränken. 
Wälder. Nach der Berechnung des preuss. Überforstmeisters Maron sind 
von dem durch ihn zu 9574 Quadr.-Meil. angenommenen Zollvereinsgebiete und 
dem übrigen Norddeutschland 2312 Q.-M. mit Wald bedeckt, neml. 59'879,(Mm 
preuss. Morgen von den überhaupt zum Zollvereine gehörenden 206’491 ,(i(Mi 
preuss. Morgen, also 25 Proc. der Gesammtüäche, wobei auf jeden Kopf der Be 
völkerung durchschnittlich l*/,o Morgen kommen. Süd-und Süd Westdeutsch 
land sind reicher an AVald als der Norden und Nordosten. Die waldreichsten 
Länder sind Nassau, Kurhessen, Meiningen, Schwarzburg-Rudolstadt, wo 40,2(1, 
40,52, 40 und 35 % der Gesammtüäclie dem Walde gehören und 1,75, 2,00, 2,16 
und 1 ,S4 Uuadratmorgen auf den Kopf der Bevölkerung zu rechnen sind, wäh 
rend in Prcussen (bei grossem Unterschiede in den Provinzen 26% desGesammt- 
bodens bewaldet sind und durchschnittlich 1,50 Quadratmorgen auf den Kopf 
entfallen. Den verhältnissmässig geringsten Waldumfang haben Mecklenburg, 
Hannover und Oldenburg. Unter den Nachweisen über die verschiedenen Be 
sitzkategorien finden wir von jenen 50’S79,000 Morgen Forstboden 17'3h4,ooo 
im Eigenthume des Staats; 9’l91,000 in dem von Gemeinden, 23’635,ooo gehö 
ren Privaten und 669,500 sind Eigenthum von Kirchen und Stiftungen. 
Weinberge. 
Preussen (1S60, incl. S60 Morgen in Posen; 
Bayern 1854 64,894 Tagw. = . *. 
Württemberg 185S) 81,983 Morg. = 
Baden (1854) 52,449 Morg. = 
Hessen, Grossh 
Nassau . 
Sachsen und Thüringen, Kurhessen etc 
Deutsch-Oesterreich 256,744 Joch = 
Zusammen ungefähr 
Areal 
]&gt;reu88. Morgi-n 
60,277 
80,568 
99,700 
73,900 
39,100 
15,550 
14,000 
577,676 
966,800 
Durchschn.-Ertrag 
pri'iiM. Kinn r 
403,732 
861,350 
612,027 
655.000 
233.000 
62,500 
84,000 
(?) 5’000,000 
8’ooo,oõõ 
Finanzen. 
Eigene Einkünfte besitzt der deutsche Bund nicht ; alle Ausgaben 
werden durch Matricularbeiträge der Staaten bestritten. Es kann sich 
daher hier nur um eine Zusammenstellung der Finanzverhältnisse der 
selbständigen Staaten handeln. Eine solche geben wir nachstehend, ha 
ben indess einige allgemeine Bemerkungen vorauszusenden. 
Einige Staaten konnten in den nachfolgenden Tabellen nicht auf 
geführt w erden, und zwar Holstein weil es noch nicht constituirt ist, und 
Limburg wegen seiner Verbindung mit Holland, —mehre kleinere aber — 
Lippe-Schaumburg, Hessen-Homburg und Liechtenstein — weil uns jedes
        <pb n="223" />
        DEUTSCHLAND. — Finanzen. 
199 
genügende Material fehlt zur Ausscheidung nach den einzelnen Abthei 
lungen. 
Zur Abtheilung 'tEinkttnfte.o Es ist ungeeignet, die Ziffern, welche 
in den verschiedenen Staatsbudgets erscheinen, einfach zusammen 
zu zählen. Ein solches, obwol sehr gewöhnliches Verfahren führt zu 
unrichtigen Resultaten. Im einen Staate werden nemlich die Roh- (die 
Brutto-), im andern blos die Rein- (die Netto-) Summen in Ansatz ge 
bracht. Es kann aber bei Vergleichungen nicht gleichgültig sein, ob die 
Betriebsausgaben für Staatsanstalten, die Kosten der Steuererhebung 
u. s. f., bereits abgerechnet sind oder nicht. — Ebenso erscheinen im 
einen Budget nur die eigentlichen Staats-, im andern auch die Pro 
vinzial-, im dritten (in kleineren Staaten, besonders den freien Städten) 
selbst Gemeinde -Einnahmen und Ausgaben. — Eine gleichmässige 
Ausscheidung alles dessen was eigentlich nicht den Staat, sondern nur 
die Provinz oder die Gemeinde betrifft, sind wir durchzuführen aus 
ser Stande, um so mehr, als mitunter sogar in den einzelnen Landesthei- 
len eines und desselben Staates verschiedene finanzielle Einrichtungen 
bestehen. — Unter diesen Verhältnissen erschien es geeignet, in allen 
Staaten möglichst sowol die Brutto- als die Nettosummen zu ermit 
teln. Man muss vor Allem die gesammte, also die Roheinnahme 
kennen. Sie bezeichnet den vollen Umfang der Beträge, welche in die 
Staascassen fliessen. — Indessen wäre es fehlerhaft, sodann ohne weitere 
Unterscheidung hievon die Auslagen für Verwaltung der Staatsanstalten 
und Erhebung der Steuern abzuziehen. In der Regel entspricht es un 
zweifelhaft dem öffentlichen Interesse, dass zu den mittelbaren oder un 
mittelbaren Lasten nicht auch noch viele Erhebungskosten kommen. 
Allein diese Regel erleidet wesentliche Ausnahmen. Bei Verwaltung von 
Domänen müssen die Ausgaben weit grösser sein, als bei einer blossen 
Steuererhebung ; ähnlich bei den heillosen Imtterien, wo man den Spie 
lern doch Einiges in Form von Gewinnsten wieder zufiiessen lassen muss. 
Bei manchen Staatsanstalten (z. B. Post, Eisenbahnen, Telegraphen) ist 
es sogar höchst verdienstlich, wenn die Verwaltung das volkswirthschaft- 
liche und nicht das fiscalische Interesse als massgebend betrachtet. Wir 
gelangen demnach dahin : dass die Kosten der eigentlichen Bewirthschaf- 
tung der Domänen und des eigentlichen Betriebs der Staatsanstalten (sehr 
verschieden von der Landesverwaltung oder auch von der blossen Erhe 
bung der Auflagen) an der Bruttosumme abzuziehen sind. Indem 
wir nachfolgende Aufstellung versuchen, finden wir uns indess vielfach 
auf ziemlich unsichere Schätzungen hingewiesen ; häufig mussten ältere 
Detailangaben aushelfen. Um so weniger kann von einer absoluten Rich 
tigkeit die Rede sein, als das Nachstehende überhaupt der erste Versuch 
einer derartigen Ausscheidung ist. Hiebei drängt sich die Bemerkung 
auf, wie viel in Deutschland erspart werden könnte durch eine einfache, 
kaufmännische Cassaverwaltung, im Gegensätze zu der fast allgemein 
angenommenen bureaukratischen Einrichtung. Das Beispiel Englands, 
durch ein blosses Ilandelsinstitut, die Bank, den grössten Theil der dor 
tigen so colossalen Cassageschäfte (billig und zweckmässig) zu führen 
(siehe S. 12), mag als Fingerzeig dienen. Auch Hesse es sich auf diese 
Weise am besten vermeiden, dass enorme Summen—viele Millionen —
        <pb n="224" />
        200 
DEUTSCHLAND. — Finanzen. 
fortwährend in den verschiedenen einzelnen Cassen der so mannichfach 
gebildeten Aemter zerstreut und unbenützt umher liegen, während diese 
Summen, wenn sie je in einer Anstalt vereinigt wären, dem grössten 
Theile nach stets nutzbringend verwendet werden könnten. 
Es ist eine sehr gewöhnliche Berechnung ; die Staatslasten belaufen 
sich auf so viel, folglich treffen so viel Thaler auf jeden Kopf der Bevöl 
kerung, Diese Methode führt zu irrigen Schlüssen. Es muss vor Allem 
der Ertrag der homilnen (unter welchem Ausdrucke wir der Kürze wegen 
das gesammte unmittelbare Staatseigenthum, also auch Staatsforsten und 
Staatseisenbahnen begreifen) von den Lasten der Einwohner abgerechnet 
werden; denn die Einkünfte aus dem unmittelbaren Eigenthume des 
Staats bilden keine Last der Bürger; je mehr Domänen, desto geringer 
müssen vielmehr die Lasten sein; blos zur Ergänzung der ur 
sprünglich allein zur Deckung des Staatsbedarfs bestimmten — Domä 
nen hat man Steuern eingeführt. *) Es scheint uns daher die Ausschei 
dung der Staatseinkünfte nach drei Hauptkategorien gerechtfertigt : Do 
mänen, indirecte Auflagen und directe Steuern. Dabei darf man aber 
nicht (wie der sonst so verdienstvolle Reden gethan die Erträgnisse der 
sog. Regalien, Hoheitsrechte und Monopolanstalten den Domänen bei 
rechnen, Die daher rührenden Einkünfte sind vielmehr nichts Anderes 
als indirecte Aufiagen, und zwar oft von der allerdrückendsten Art. Zu 
rei&gt;artiren bleiben demnach die indirecten Auflagen und die directen 
Steuern, und auch diese berechnet man besser nach Haushaltungen 
(»Familien«), als nach Köpfen, Man erhält damit einen richtigem 
üeberblick der Grösse der Last ; denn nicht die Kinder, die verheirathe- 
ten Frauen oder die Dienstboten entrichten die Steuern und Abgaben, 
sondern das Familienhaupt ist es, welches dieselben in der Regel aufzu 
bringen hat. Dabei müssen wir allerdings auf den bedeutenden Unter 
schied in der Grösse der Haushaltungen aufmerksam machen. Während 
bei der Zählung von 1858 jede derselben in Preussen durchschnittlich 
4,82 Köpfe umfasste, zählte deren in Bayern jede nur 4, 1ÎL**). 
Wenn man im Uebrigen berechnen will, wie viel Procentc vom ge- 
sammten Staatsbedarfe auf einen einzelnen Ausgabeposten kommen (z.B. 
auf Militär, Schuld, Hof), so kann nicht der Brutto-, sondern nur der 
Ac¿¿obetrag des Staatsbedarfs als Massstab der Berechnung dienen. Die 
*) Eine besondere Beachtung verdiente die Ermittlung des Werthes uud 
Ertrages derjenigen Domänen, welche einst Napoleon in der unverantwort 
lichsten Weise an vormals Reichsunmittelbare überliess ; Besitzungen die ur 
sprünglich wesentlich zur Deckung der Landesbedürfnisse bestimmt waren und 
nun diesem Zwecke durch einen Federstrich vollständig entzogen wurden 
**) Es ist diese Erscheinung noch in anderer Hinsicht bemerkenswerth. 
In,Deutschland hat sich die Ansicht sehr verbreitet: die Freiheit der Ansässig- 
machung und Verheirathung führe zur leichtsinnigen Begründung von Fami 
lien. Nun ist die Ansässigmachung in 1 reussen erleichtert, in Baverii erschwert; 
man sollte also glauben die Bevölkerung sei im letzten in weniger, folglich 
zahlreichere Familien zusammengedrängt. Die Wirklichkeit beweist dasGt^en- 
theil, und dieses Gegentheil tritt auch in den einzelnen Provinzen Bayerns her 
vor, wie denn z. B. in der Pfalz, bei voller Freiheit der Ansässigmachung, die 
Haushaltung durchschnittlich 4,53 Individuen zählte, demnach 0,34 mehr als 
im Gesammtstaate. Früher, ehe die zahlreichen AOswanderungen conscriptioiis- 
pfiiehtiger Jünglinge aus der Pfalz stattfanden, war der Unterschied noch viel 
grösser.
        <pb n="225" />
        DEUTSCHLAND. — Finanzen. 
201 
Steuerbaren müssen freilich nicht etwa blos die Nettosumme (z. B. ffir 
das Heer), sondern sie müssen auch überdies die dadurch verursachten 
Kosten der Erhebung dieser Summe aufbringen ; diese Erhebungskosten 
wären also dem Betrage des Aufwandes für ein bestimmtes Bedürfniss 
noch beizurechnen. (In Bayern ist z. B. der Ertrag des Malzauf 
schlags für die Staatsschuld bestimmt. Das Volk sieht sich aber nicht 
blos mit dem Reinerträge, desselben belastet. sondern ebenso mit den 
Summen, welche die Erhebung verschlingt. Ohne Staatsschuld würden 
die Einwohner nicht etwa blos dasjenige ersparen, was für Verzin 
sung und lilgung der Schuld verwendet wird, sondern überdies noch 
die Kosten der gesummten Verwaltung der Aufschlagsgefalle.) Da es sich 
nun aber selten ausscheiden lässt, aus welchem Zweige der Einkünfte 
die einzelnen Ausgabeposten gedeckt werden, so erübrigt bei einer der- 
artigen Berechnung nichts Anderes, als dass die eigentlichen Staats- 
bedürfnisse durchgehends nach den Nettosummen festgestellt und dar 
nach die Procentantheile der einzelnen Abtheilungen berechnet werden. 
Damit erhält man die richtige Verhältnisszahl (in Procenten) für die ein 
zelnen Zweige des Staatsbedarfs. — Bei der Position »Hof« haben wir in 
der Hegel nur diejenigen Summen aufgezeiclmet, welche als » Civilliste 
nnd Apanagen« erscheinen. In Wirklichkeit gehört hieher noch weiter 
der meistens sehr bedeutende Genuss von Schlössern, Gütern u. s. f. 
Nur ausnahmsweise, wo bestimmte Anhaltspunkte Vorlagen , haben wir 
Nebennutzungen beigerechnet. — Sehr zu bedauern ist, dass die Mate 
rialien fast vollständig fehlen, um zu berechnen, wie hoch sich die Kosten 
für das lieamtenthum belaufen. (Man würde ein erschreckendes Ergeb- 
niss erlangen. In Preussen werden gegen 32 Mill. Thlr., in Bayern 
gegen 12 Mill. H. = liy. Mill. Thlr , dagegen in der Schweiz noch 
nicht 4 Mill. hrkn. = wenig über 1 Mill. Thlr., und selbst in dem 
i;eichen und ausgedehnten Grossbritanien nur 2% Mill. .U für Beamte 
des Staats ausgegeben. Vgl. das oben bei Preussen, S. 178, und das 
unten bei »Bayern« und bei » Schweiz « Bemerkte.) 
/jur Position S taa ts s c hu Iden, ii Eine Berechnung in der ge 
wöhnlichen Weise, welche Summe von der Schuld auf jeden Kopf trifft, 
scheint uns ungeeignet, weil es wesentlich darauf ankommt, welche Do 
mänen, namentlich Eisenbahnen, dagegen vorhanden sind. (Unterschied 
zwischen Schulden zu productiven und zu unproductiven Zwecken.) 
ine Berechnung der bezeichneten Art hätte nur dann einen richtigen 
inn, wenn man vorerst den Betrag des activen Staatsvermögens mit 
jenem der Schulden abgleichen könnte. Dazu aber fehlt das Material, 
indem in keinem andern europäischen Staate, als der so einfach und 
Wenig kostspielig verwalteten Schweiz die Gesammtsumme der Activa 
und Passiva des Gemeinwesens sorgsam festgestellt und vorgetragen 
Wird. Uebrigens zeigt sich die Wirkung sehr merklich in dem grössern 
oder geringem Betrage der benöthigten directen und indirecten Steuern, 
fcren Summe wesentlich durch das Ueher wiegen der Domänenerträgnisse 
über die Zinslast der Staatsschuld, oder umgekehrt, mit bestimmt wird. 
Oder man hat den Ertrag der Domänen mit dem Bedarfe für Staats- 
chuid zu vergleichen, dann ergibt sich das gegenseitige Verhältniss 
zwischen unmittelbarem Vermögen und Schulden.
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        DEUTSCHI.ANI). 
Finanzen. 
202 
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        Jàbresãusgabe der deutschen Staaten ; Câpitalsamme ihrer Schulden und ihres Papiergeldes. 
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DELTSCHLAND. — Finanzen. 
203 
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        •204 
DEUTSCHLAND. — Finanzen. 
Specielle Bemerkungen zu vorstehenden Tabellen. 
1) Oesterreich. Einnahme und Ausgabe, dabei insbes. auch die Steuern 
und Abgaben, sind in Wirklichkeit merklich niedriger als die Zahlen annehmen 
lassen, in Folge des geringem Wertbes des unter dem Namen der Banknoten 
circulirenden Papiergeldes. Die Bank ist zwar allerdings eine Privatanstalt; da 
aber der Staat die von derselben bezogenen Summen erst im Laufe der nächsten 
Jahre abtragen will (worüber nun ein Vertrag besteht), so geniessen die Bank 
noten Zwangscurs. — 2) Preussen. Die Summen sind im Voranschläge von 
der Regierung bedeutend zu niedrig angegeben ; der Gesammtbetrag der Ein 
künfte etc. steigt auf eine ansehnlich höhere Ziffer. — U, Wiirttembcp-g. Die 
Einkünfte sind um einige Millionen zu niedrig veranschlagt ; die Abgaben be 
tragen also in diesem Verhältnisse mehr. — 1&gt;) Kurhessen. Die Domänen im 
factischen Besitze des Kurfürsten (Itothenburger Quart etc.) sind nicht einge 
rechnet. Ausser der Civilliste bezieht der Kurfürst ungef. 350,000 Thlr. 
12) Nassau. Die Bank, welche Noten ausgibt, ist zwar Privatanstalt, der Staat 
hat aber Garantie für dieselbe geleistet, und so haben diese Noten einigermassen 
das Ansehen von Staatspapiergeld. 
Die verschiedenen Geldsorten auf preuss. Thaler reducirt, und unter 
Dazurechnung eines ungefähren Betrages für diejenigen Gebiete, deren 
Finanz Verhältnisse nicht ausgeschieden oder nicht bekannt sind, finden 
wir beiläufig (denn es kann nur von einer einigermassen annä 
hernden Richtigkeit die Rede sein) folgende Resultate: 
Einnahmen in Thalern : Brutto Netto 
Mit Gesammt-Üesterreich und Preussen 028 Mill. 438 Mill. 
Ohne beide Grossmächte 100% - 112 - 
Von den reinen Einnahmen rühren her • 
Mit Oesterreich und Preussen 
aus Domänen . . 05 Mill. = 14,88 
- indirecten Auflagen 233 - = 53,10 
- directen Steuern .140 - =31,93 
Ohne diese 
40’000,000 = 35,71 % 
47'500,000 = 42,41 
24'500,000 = 21,88 
Auf jede Familie treffen durchschnittl. im Jahre Abgaben: 
in Oesterreich *) 
indirecte Auflagen 10,33 
directe Steuern 11,14 
in Freussen **) im übr.Deutschland 
13,54 11,87 Thlr. 
0,95 0,12 - 
27,47 20,49 
17,99 Thlr. 
Ausgaben : 
Mit Oesterreich und Preussen 473 Mill. Thlr. 
Ohne beide 112 
Von den Ausgaben kommen auf : 
Mit den 2 Grossmächten Ohne diese 
Hof ... 17,7 9,7 Mill. 
Militär . . 145,0 25,5 - 
Staatsschuld 148,0 27,0 - 
Diese drei Posten 310,7 02,2 Mill. 
Von der Netto-Staatsausgabe erfordern ; 
Mit den 2 Grossmächten Ohne diese 
Hof . . . 3,04% 8,00 % 
Militär . . 30,05 22,77 
Staatsschuld 31,29 24,11 
Zusammen 05,58 55,54 
*) Der wirkliche Betrag ist um so viel geringer, als die Differenz der Va 
luta ausmacht (s. oben). 
**) Der wirkl. Betrag erhöht sich um so viel, als der Voranschlag der 
Steuer- und Abgabenerträge zu niedrig ist.
        <pb n="229" />
        DEUTSCHLAND. — Militärwesen. 
205 
Schaldeo. Wir schätzen dieselben : 
in den rein deutschen Staaten (ohne Limburg) auf .... 574 Mill. 
Dazu in Gesammt - Oesterreich u. Preussen 2000 und 281’) 2,356 - 
Zusammen etwa 2,930 Mill. 
Papiergeld, a. eigentliches Staatspapiergeld : 
in den rein deutschen Staaten etwa 18,38 Mill. Thlr. 
in Preussen 15,84 - 
Zusammen 34,22 Mill. Thlr. 
b. Oesterreichische Jianknoten beiläufig 262,33 - 
Total gegen 196,65 Mill. Thlr. 
(Hiebei sind jedoch selbstverständlich die Privat-Banknoten, nem- 
lich ausser den österreichischen, nicht eingerechnet.^ 
.Mílitiirwesieii. 
Deutschland als solches besitzt nur eine Landmacht, nachdem der 
Bundestag die Schiffe der von der deutschen Nationalversammlung 1848 
und 49 zu begründen begonnenen Flotte verkauft hat! 
Die Stärke der Contingente ward ursprünglich auf 1 Procent der 
Bevölkerung bestimmt, nach Massgabe der anfänglichen Einwohnerzahl, 
- also 1 Proc. derjenigen Bevölkerung, welche die Staaten etwa im 
Jahre 1815 besassen, ohne Rücksicht auf die spätere Vermehrung. Hie 
von sollte V, in Cavallerie bestehen, und auf je 1000 M. sollten 2 Ge 
schütze gestellt werden. So erhielt man eine Armee von 301,637 Mann, 
ln der Lolge erliess man den kleinen Staaten die Stellung von Cavalle 
rie, theilweise gegen Vermehrung ihres Fussvolkes (nur bei Frankfurt). 
Man bildete daraus eine »Reservedivision«, zur Verstärkung der Be 
satzung in den Bundesfestungen bestimmt. Hiedurch stieg die Mann 
schaftszahl auf 303,484. In allen Fällen sollten, der »Bundeskriegs 
verfassung« zufolge, die Staaten überdies bereit sein,' % der ursprüng 
lichen Summe als Reserve, und ferner % jener Principalsumme als Er 
gänzungsmannschaft demnach ausser dem einen Proc. der Bevölkerung 
zusammen noch % Procent) für den Fall des Bedarfs zu stellen. — 
1 hatsächlich brachten die meisten Staaten ihr Militär auf eine grössere 
Anzahl, als wozu sie verpflichtet waren. — Die »revidirte Kriegsverfas 
sung des deutschen Bundes« vom 10. März 1853 erhöhte die Stärke des 
Haupteontingents um % Proc.; ein Bundesbeschluss vom 27. April 
SOI aber hob den Unterschied zwischen Haupt- und lleserveconiingent 
uuf, fasste beide als » Haupteontingent« zusammen im Betrage von 1% 
roc. der Matrikelzahl, und unter Erhöhung des nebenbei bestimmten 
* Ërsatzeontingents« von '/« auf % Proc., wonach die Gesammtverpflich- 
tung auf 1% Proc. der Matrikelzahl steigt. (Da aber die Bevölkerung 
m den verschiedenen Staaten sich sehr ungleich vermehrte [siehe S. 195], 
so ergibt sich darnach eine wesentl. ungleiche Belastung.) Das Haupt- 
contingent ist, unbeschadet der gestatteten Beurlaubungen, auch im 
rieden vollständig zu erhalten. Für die »Ersatztruppen« muss derart 
Sorge getragen sein, um die Mannschaft mit Cadres versehen zu können. 
Bei Aufstellung des Contingents darf nur die » streitbare Mannschaft «
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206 
DEUTSCHLAND. - Militärwesen. 
gerechnet werden, und alle Nichtcombattanten sind über die festgesetzte 
Zahl zu stellen. Zu diesen Nichtcombattanten gehören : die Armeefuhr 
wesensoldaten (nicht zu verwechseln mit dem Artilleriefuhrwesen), die 
Verpflegungsmannschaft sammt Bäckerei, die Sanitätscorps etc. — Von 
dem Contingente hat % (früher %) aus Reiterei zu bestehen. Auf je 
1000 M. des Hauptcontingents sind an Feldartillerie mindestens 2% 
Geschütze zu liefern (früher blos 2) ; ein Fünftel der Artillerie soll rei 
tende sein. — Ausser den Feldgeschützen soll ein Belagerungspark vor 
handen sein, bestehend aus 100 schweren Kanonen, 30 Belagerungs 
haubitzen und 70 Mörsern. Die Mannschaft hiefür ist über die Con- 
tingentszahl zu stellen; ebenso jene für Feldartillerie, sofern dieselbe, 
Stäbe eingerechnet, 30 Mann auf jedes Geschütz übersteigt. — Jedes 
Armeecosps muss einen Brückentrain und eine Birago’sche Brücken 
equipage besitzen. — Von der Gesammtmannschaft hat Vioo aus Pionie 
ren, Jägern oder Scharfschützen zu bestehen. Das Minimum der Char 
gen soll sein: 
1 Officier auf 45—50 Streitbare bei der Infanterie, 
1 
1 Unterofficier - 
1 
1 Spielmann 
30—35 - - den andern Waffengattungen, 
12—15 - - der Infanterie, 
10—12 - - den übrigen Waft'engattungen, 
45—60 - - der Infant., Pionieren u. Genietruppen, 
' - - 40—50 - - den übrigen Waffen. 
Der Präsenzstand im Frieden ist für das Haupteontingent : 
1 ) Ofßciere ; % aller W^aflengattungen ; 
2) Infanterie: % der Unterofficiere und Spielleute, % der Gemeinen; 
3) Reiterei ; % bis % der Mannschaft und Pferde ; % bei Landwehrreiterei ; 
‘/a wo Beurlaubung mit Pferden und Sold besteht (Hannover); 
4) Fiissartillerie: % der Unterofficiere und Spielleute, % der Gemeinen ; 
5) Reitende Artillerie: wie sub 3, Reiterei; 
6) Festungsartillerie : % Unterofficiere und Spielleute, */„ Gemeine ; 
7) Pioniere H. (ienie: % - */, - u. Reitpferde. 
Recruten dürfen in der zur Ausbildung angenommenen Zeit (selbst 
bei der Infanterie 0 Monate) in den Präsenzstand nicht eingerechnet 
werden. — % der Bespannung sämmtlicher Geschütze ist stets bereit zu 
halten. — Durch einen Bundesbeschluss vom 15. Nov. 1&amp;55 ist die 
Dienstverpflichtung für jeden in die Bundescontingente einzurechnenden 
Mann auf mindestens 0 Jahre bestimmt ; die Präsenz aber ; 
bei der Infanterie . . . 
- - Reiterei .... 
- Fussartillerie . . 
- - reitenden Artillerie 
- den Genietruppen . . 
2'/*, wenigstens 2 Jahre 
3%, - 3 - 
: : : 
2'., - 2 - 
und zwar sollen diese Bestimmungen nicht durchschnittlich, sondern für 
jeden einzelnen Mann einzuhalten sein. — Nachfolgend eine Gegen 
überstellung des ursprünglichen Hauptcontingents und des Gesammt- 
contingents nach dem Bundesbeschluss vom 27. Apr. 1801, dann des 
jetzigen wirklichen Formationsbestandes (unbeschadet Beurlaubungen etc.).
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        DEUTSCHLAND. — Militärwesen. 
207 
Armeecorps 
I., II., 111. 
IV.,V.,\T. 
MI. 
VIII. 
IX. 
X. 
Staaten 
Oesterreich . . . 
Preussen .... 
(für Hohenzollem) 
Bayern .... 
Württemberg . . 
Baden 
Darmstadt . . . 
Sachsen, Königreich 
Kurhessen . . . 
Nassau .... 
Luxemburg-Limburg 
Hannover . . . 
Braunschweig . . 
Oldenburg . . . 
Holstein-Lauenburg 
Hamburg . . . 
Bremen .... 
Lübeck .... 
Mecklenburg-Schweri 
Mecklenburg-Strelitz 
Sach sen-Weimar . 
Sachsen-Coburg-Gotha 
Sachsen-Meiningen 
Sachsen-Altenburg 
Reuss-Greiz . . . 
Reuss-Schleiz etc. . 
Waldeck .... 
Linpe-Detmold. . 
Scnaumburg-Lippe 
Anhalt-Dessau-Cöthen 
Anhalt-Bernburg . . 
Schwarzburg-Rudolstadt 
Schwarzburg- Sondershausen 
Homburg . . . 
Liechtenstein . , 
Frankfurt . . , 
Ursprüngl. 
Contingent 
94,822 
)79,234 
I .501 
35,600 
13,955 
10,000 
6,195 
12,000 
5,679 
3,028 
2,556 
13,054 
2,096 
2,178 
3,600 
1,298 
485 
407 
3,580 
717 
2,010 
1,116 
1,150 
982 
223 
522 
519 
691 
240 
854 
370 
539 
451 
200 
55 
479 
Jetziges 
Contingent 
173,841 
147,170 
65,268 
25,575 
18,334 
11,357 
22,000 
10,413 
6,720 
2,977 
23,933 
3,842 
4,170 
6,600 
2,379 
823 
691 
6,564 
1,317 
3,685 
2,046 
2,110 
1,802 
408 
957 
953 
1,297 
385 
2,237 
989 
826 
366 
100 
879 
^\rUcA 
Wirklic 
\V 
Best 
182 
26 
12,( 
26,6 
12,000 
7,200 
3,000 
26,800 
5,300 
4,000 
2,200 
750 
600 
6,560 
1,300 
3,700 
2,000 
2,100 
1,800 
1,100 
900 
1,200 
380 
2,000 
1,000 
850 
360 
70 
750 
Zusammen 290,286 553,028 
611,500 
Die einzelnen Armeecorps haben nach den jetzigen Contingent »Zif 
fern folgende Stärke : 
Mann Oesch. | Mann Oesch. 
L, 2., 3. Armeecorps 173,Ml 356 I 9. Armeecorps. . 42,110 84 
^ , 5., 6. - 147,170 300 ¡10. - . . 50,319 104 
7. - 65,268 136 j Reservedivis. . . 19,044 40 
- 55,276 114 j Zus. "553,028 1134 
Davon: 398,197 Linieninfant., 28,438 Jäger, 69,218 Cav., 50,254 Artill., 6921 
Genie. 
Das Officierscorps der Mittel- und Kleinstaaten umfasste im 
J- 1859, nach der deutschen Wehrztg., 2614 Adelige und 3663 Bürger 
liche. Der Adel überwog bes. in Sachsen, Kurhessen und Mecklenburg ; 
die Bürgerlichen hatten die stärkste Zahl in Baden, Gr. Hessen und 
Hayern (s. die einzelnen Staaten). 
Bandesfestangen und deren Besatzung. 
l) Mainz: Oesterreicher und Preussen. im Kriege verstärkt nach dem 
ursprünglichen jetzt aber um die Hälfte erhöhten Ansätze durch 6592 M. von 
der Reser%edi\ision, nemlich 2100 von Weimar, 1150 Meiningen, 1116 Gotha, 
892 Altenb., 854 Dessau, 370 Bemburg, 200 Homburg. — 2) Luxemburg:
        <pb n="232" />
        208 DEUTSCHLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Dreussen und 1981 Luxemburg-Limburger, verstärkt durch 1459 M. von der 
Keservediv., neml. 731 von Tdppe, 519 Waldeck, 200 Schaumburg. — 3) Lan 
dau: Bayern, verstärkt durch 1790, neml 745 von Reuss, 539 Scmv.-Rudolst., 
451 Sclnv.-Sondcrsh., 55 Idechtenst. — 4) Rastatt: Badener, Oesterreicher u. 
Rreussen. — 5) Ulm: Würltemberger, Bayern u. Oesterreicher. — Die übrigen 
Festungen siehe bei den einzelnen Staaten. 
Sociale, Oewcrb.s- iiiiil Haiidclsvci häliiiisse. 
Keine Nation der Erde besitzt eine so allgemeine Durchbildung wie 
die deutsche. Leider sind die vorliegenden Materialien in Folge der 
staatlichen Zersplitterung) viel zu lückenhaft oder nach zu verschiedenen 
Normen aufgestellt, um in einem Gesammtbilde das hieher Gehörende 
zu vereinigen. Wir müssen auf die Notizen bei den einzelnen Staaten 
verweisen. Hier nur einige allgemeinere Daten. 
Universitäten. Mit Einschluss aller preussischen (also auch des 
ausserhalb des Bundesgebiets befindlichen Königsberg, zählt man 23 
Hochschulen (Universitäten), nemlich G in Rreussen Berlin, Bonn, Bres 
lau, Halle, Greifswalde und Königsberg, ausserdem Akademie in Mün 
ster), 1 in Oesterreich (Wien, Prag, Graz und Innsbruck,, 3 in Bayern 
(München, Würzburg, Erlangen), 2 in Baden (Heidelberg u. Freiburg), 
je 1 in Hannover (Göttingen), Sachsen (Leipzig), Württemberg (Tübin 
gen), den Sächs. Herzogthümern (Jena), Grossh Hessen ^Giessen , Kur 
hessen (Marburg), Schleswig-Holstein (Kiel, Mecklenburg Rostock). 
Die Zahl der Ijchrer an denselben beträgt ungef. 19.50 mit Einschluss 
der Privatdocenten, Sprach- und Exercitienmeister ; die Sludentenzahl 
war anfangs 1SG4 1&amp;,G3b. 
Polytechnische Schulen. Sie sind eine rasch aufblühende Schöpfung 
der Neuzeit. So viel übrigens auch die meisten der Anstalten, welche 
diesen oder einen ähnlichen Namen führen, im Einzelnen leisten, so 
werden uns doch nur folgende 7 als wirklich vollständige Polytech 
nische Schulen bezeichnet ' die zu Karlsruhe, Berlin die Bauakademie), 
Hannover, Wien und München; dann Stuttgart und Dresden. Eine bes. 
Erwähnung verdient noch die Bergakademie zu Freiberg. 
Literatur. In Deutschland erschienen Druckschriften, unge 
rechnet die Zeitungen und Anzeigeblätter laut dem Hinrichs’schen Vier 
teljahrs-Katalog) : 
1851 1852 1853 1854 1855 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 1863 
8326 8857 8750 8705 8794 8540 8699 8672 8060 '.&gt;490 9506 9779 9889 
Von der letzten Zahl dürften etwa 400 Schriften abzurechnen sein, 
die nur auf Titel Wiederholungen von Lieferungs werken beruhen. Im 
Uebrigen vertheilt sich die Gesammtzahl von 1803 folgendermassen ; 
Sammelwerke, Literaturwissenschaft 19b Schriften, Theologie 1410; 
Jurisprudenz, Politik und Statistik b90 ; Heilwissenschaft 44 3, Natur 
wissenschaften 505, Philosophie 91, Pädagogik, Schulbücher 7 77, Ju 
gendschriften 275, alte und oriental. Sprachen 384, neuere Sprachen 
302, Geschichte 059, Erdbeschreibung 270, Mathematik 91, Kriegs 
wissenschaft, Pferdekunde 201, Handel und Gewerbswesen 393, Bau-, 
Eisenbahn-, Schiffswesen 171, Forst-und Bergwesen 99, Landwirth-
        <pb n="233" />
        DEUTSCHLAND — Sociale, Oewerbs- und Handelsverhiltnisee. 209 
Schaft 254, schöne Literatur 95(i, schöne Künste 458 , Volksschriften 
214, Freimaurerei 22, vermischte Schriften 437, slavische undungar. 
Literatur 198, Karten 179. — 1864 erschienene Druckschriften nur 
9564. (In Frankreich war die Gesammtzahl der 1863 erschienenen Bücher 
ohne Zeitschriften 4768, siehe S. 89.) 
Die Zahl der Zeitungen, Wochen- und Anzeigeblätter betrug nach 
einer (jedoch wol nicht ganz vollständigen) Zusammenstellung vom Ende 
des J. 1861 1202 (oder 1221 mit Posen), nemlich in 
Preussen. ... 52b Baden . . 
Bayern . . 13S Mecklenburg 
Sachsen .... 90 Holstein . 
Deutsch-Oesterreich 77 Kurhessen 
Braunschweig . . 61 Frankfurt. 
ürttemberg . 60 Hamburg . 
Hannover ... 58 Reuss . . 
Sächs. Herzogth. . 35 Bremen 
Harmstadt 32 Oldenburg 
Hierunter befinden sich 249 täglich 
tungen, nemlich : 
29 [ Nassau 
21 Sch warzb. Rudolstadt 
19 Lübeck . . 
13 I Anhalt . . 
12 I Detmold .... 4 
12 Homburg . . . . 3 
12 Luxemburg 
10 Waldeck 
10 Schaumburg 
erscheinende politische Zei 
71 in Pr Bussen, 44 in Bayern, 3S in Deutsch-Oesterreich, IS in den Krei- 
städten, 16 im Königr. Sachsen, 15 in Württemberg, 11 in Baden, 9 in Hanno 
ver 5 in Kurhessen, 4 in den Sächs. Herzogthümem, 4 in Holstein, 4 in Darm 
stadt, 3 in Braunschweig, 3 in Mecklenburg, 3 in Nassau, 1 in Reuss*). Vergl 
unten : »Deutsch-österr Postverein.) 
Stimmenyerhältniss der Staaten am Bundestage. Im Plenum (ent 
scheidend bei Einführung neuer* organischer Bestimmungen) haben 
Oesterreich und die 5 Königreiche jedes 4 Stimmen, Baden, beide Hes 
sen, Holstein und Luxemburg jedes 3, Braunschweig, Schwerin und 
Nassau jeder 2, alle übrige Staaten jeder 1 Stimme, zusammen 69. — 
) Gewerbswesen. Bei Bearbeitung der beiden ersten Auflagen des gegen 
wärtigen Werkes schien es geeignet, die Gewerbegesetzgebung aller einzelnen 
Maaten Deutschlands in ihren Grundzügen zu erwähnen. Ob wol der Oegen- 
stend eigentlich nicht hieher gehörte, waren solche Angaben in einem Augen 
blicke dem begonnenen allgemeinen Kampfes um Gewerbefreiheit wol nicht un- 
jvichtig, und wir freuen uns, ebenfalls einige Materialien zur Entscheidung ge- 
uetert zu haben. Nachdem der Kampf im Grundsätze entschieden ist, glauben 
Wir dagegen den betreffenden Raum zu anderweiten Mittheilungen besser be- 
nu zen zu können. Das Zunftwesen ist in seinen hemmenden Formen gebro- 
^nen ; leider noch nicht ebenso das gleich schädliche und an sich sogar noch 
weit weniger berechtigte büreaukratische Concessionswesen. Aber selbst 
^ne vollkommene Gewerbefreiheit vermag ihren Segen nur höchst unvollkom 
men zu entfalten ohne die Verwirklichung des Grundsatzes eines deutschen 
Maatsbürgerrechts, mit der Befugniss freier Niederlassung in allen Orten 
i^eutschlands Ganz getrennt davon kann das Ortsbürger- und Heimath- 
fan. I- der Schweiz thatsächlich geschieht. Damit 
laut die Besorgniss vor einer Auflösung der Gemeinde (wie in Frankreich), 
nü es beseitigt sich die Befürchtung, dass die wohlhabenden Orte von Armen 
i^T^^bweramt und zu deren Erhaltung gezwungen würden. DieUnterhaltungs- 
I if I ' nicht die Niederlassungs-, sondern die Hei math gemeinden, 
m Uebngen kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, wie alljährlich 
ausende tüchtiger junger Männer durch unsere schädlichen Ansässigkeits- 
gesetze in das Ausland getrieben werden. Es ist kläglich, wenn der Bayer, der 
adener u. s. f. zu Paris und im ganzen übrigen Frankreich \del leichter zur 
nsässigmachung gelangt, als in seinem nächsten deutschen Nachbarlande 
Uder wol gar in der engeren Heimath selbst ! ' 
Kolb, sutiitik. 4. Aua. 1A
        <pb n="234" />
        210 DEUTSCHI,AND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
Praktisch wichtiger ist die » engere Versammlung.« Dabei sind 17 Stim 
men folgendermassen verthcilt : 1. Oesterreich, 2. Preussen, 3. Bayern, 
4. Sachsen, 5. Hannover, G. Württemberg, 7. Baden, S. Kurhessen, 
9, Grossh. Hessen, 10. Holstein u. Lauenburg, 11. Luxemburg u. 
Limburg, 12. die grossherz. u. herzogl. sächsischen Häuser, 13. Braun 
schweig u. Nassau, 14. die beiden Mecklenburg, 15. Oldenburg, An 
halt, die beiden Schwarzburg, 10. Liechtenstein, die beiden Reuss, 
Schaumburg-Lippe, Lippe, Waldeck, Hessen-Homburg, 17. die freien 
Städte. — In der 15. Curie führt Oldenburg */„ , Anhalt "'n , jedes der 
beiden Schwarzburg Stimme, in der 10. Curie jede der betheiligten 
Regierungen Vj. 
Der deutsche Zollverein, der erste, wenn auch durchaus ungenügende 
Schritt zur materiellen Einigung Deutschlands. Den Anfang bildeten 
die Zolleinigungen des Grossherz. Hessen mit Preussen, und Württem 
bergs mit Bayern, dann deren gemeinsame Verschmelzung. Die Zoll 
anschlussverträge datiren (abgesehen von der Aufnahme bloser Enclaven) 
1K2S, 14. Febr. Verbindung Preussens und des Grossh. Hessen. 
17. Juli. Anschluss von Anhalt. 
1829, 3.U. 4. Jul. Sachs.-Meiningen und Coburg-Gotha. 
1831, 10. Apr. Waldeck. 
Kurhessen. 
Bayern und Württemberg (seit l&gt;*. Jan. 1828 verbündet), sainmt 
beiden Hohenzollern. 
Könige. Sachsen. 
Thüringen (8 Staaten). 
I lessen-H omburg. 
Baden. 
Nassau. 
Frankfurt. 
Lippe-Detmold. 
Braunschweig. 
Luxemburg. 
Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe. 
25. Aug. 
1833, 22. März. 
1835. 
30. März. 
11. Mai. 
20. Febr. 
- 12. Mai. 
10. Dec. 
1830, 25. Jan. 
1841, 18. Oct. 
- 19. - 
1847, 2. Apr. 
1851. 7. Sept. 
Gebietsumfang und Bevölkerung stiegen in folgender Weise: 
Jahr 
1828 
1831 
1834 
1837 
Q.-M. 
5,240 
5.293 
7,732 
8,090 
Bevölkerung 
13'295,254 
13’930,547 
2:&gt;’478,120 
20’008,'.(7:i 
Jahr 
|S43 
1852 
1858 
1801 
Q.-M. 
8,245 
9,045 
9.045 
9.045 
Bevölkerung 
28’198,130 
32’559,055 
33’512,407 
31’070.277 
Der Zollverein umlässt alle deutschen Länder (zudem das nicht 
deutsche Preussen , ausgenommen folgende neun Staaten : Oesterreich 
sammt Liechtenstein, beide Mecklenburg, die 3 Hansestädte, Holstein 
und Limburg. 
Die Gesammteinnahme, 1830erst I l’SOS,55 1, 1835 10’880,180, 
und 1811 22’255,204 Thlr. ohne Rübensteuer) betrug Thaler: 
ohne Rübenzuckersteuer 
1847 
1848 
1849 
1850 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
27'552,990 
22’099,299 
23’049,730 
22’948,809 
23’250,050 
24’409,721 
22’010,154 
23’157,408 
20’323,371 
mit derselben 
27’834,088 
23’083,13S 
24*144,573 
23’525,092 
24*720,895 
20*307,985 
24*187,528 
20*751,308 
30*101,059 
ohne Rübenzuckersteuer 
1850 20*150,450 
1857 20*595,788 
1858 28*000,592 
1859 23*757,542 
1800 24*205,108 
1801 25*902,751 
1802 25*840,427 
1803 25*741,104 
mit derselben 
30*524,410 
32*201,100 
35*797,205 
32*811,138 
31*992,720
        <pb n="235" />
        14 
DEUTSCHLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverháltnigse. 211 
. Es ist hiebei zu bemerken, dass der Zoll von fremdem Zucker, im 
J. 1846 6’793,225 Thlr., also beiläufig % der ganzen Einnahme aus- 
lachend, in iolge der Runkelrübenzuckerfabrikation, 1800 auf etwa 
400,000 Thlr. herabsank. — Auf jeden Kopf der Bevölkerung kamen 
netto, nach Sgr. und Pfenn.: 
1830 
26.1 
1835 
21.7 
1842 
25.0 
1847 
2S3 
1848 
23.6 
1854 
24.9 
1857 1858 
26.10 29.11 
1859 
26.9 
fuhrart 
1’06S,697 
157,067 
4,313 
7,949 
47,898 
34,663 
29,343 
184,782 
256,441 
157,085 
452,917 
154,279 
27,984 
11,487 
470,097 
23,915 
21,097 
93,332 
170,271 
58,746 
Die wichtigsten Ein 
Hohe Baumwolle . Cntr. 
Baumwollgarn, ungebleicht, 
1 und 2drähtiges . 
~— 3 und mehrdrähtiges 
Haumwollwaaren . 
Chemische Fabrikate 
Eisenvitriol . . . 
Krapp 
Aloe . 
Harze 
Salpeter 
Schwefel .... 
Aussereurop. Hölzer. 
"«Hro 
Getrocknete Cichorien 
Farbhülzer in Blöcken 
gemahlen 
Kupfervitriol 
Soda . . 
Fottasche . 
Terjientinöl 
Hüheisen 1858 5*253,155, 
I860 2*185,937, 1862 
3*056,303 Cntr. . . . 
Gesehmied.u. gewalzt.Eisen 
Eisenbahnschienen 
Hob- u. Cementstahl 
Eisenstäbe unter '/, Q.- 
Caçonnirtes Eisen 1858 
•09,677, 1860 61,58 
•H12 84,432 . . . 
Ganz grobe Eisenwaaren . 
rohe Eisen-u. Stahlwaaren 
ditto 
usen- u. Stahlstein . . . 
Flachs, Werg, Hanf . . . 
" 1‘izen 1858 3*518,487 Schfl. 
18.59 2*476,978, 1860 
062,575, 1862 8*802,836 
Koggen 1858 5*332,900, 
18.59 7*216,902, i860 
*095,445, 1862 6*905,996 4*668,675 
Gerste 1858 977,375, 1859 
•*^S,063, I860 802,345, 
|862 2*157,360 .... 
^-‘""«aat Cntr 
ikel waren 1863 (in Centnern): 
Zoll 
3*114,068 
107,194 
90,815 
44,868 
26,503 
120,818 
214,375 
66,231 
9,533 
603,221 
337,305 
3*010,753 
1*753,536 
395,951 
Rapssaat 
Rohe Häute u. Felle . . 
Rohes Maschinengarn . . 
Gebleichtes u. gefärbt, Garn 
Zwirn 
Branntwein 
Wein 1858 222,341, 1859 
247,569, 1860 204,259, 
1862 201,762 .... 
in Flaschen .... 
Häringe 
Kaffee 1858 1*342,027, 1859 
1’265,180, 1860 1*309,119 
1862 1*348,262 .... 
Käse 
Mühlenfabrikate 1858 
173,451, I860 270,168, 
1862 401,506 .... 
Geschälter Reis .... 
Syrup 1858 24,976, 1859 
48,914, 1860 71,608, 1862 
,102,319 
I Un verarbeit Rauchtabak . 
Fabricirter 
'l’hee 
Rohzucker für Siedereien 
• 858 526,631, 1859 229,891, 
I860 78,566, 1862 464,369 430,.531 
Oel in Fässern 850,429 
Rohseide 23,876 
Seidenwaaren . ... 5 889 
Talg 1858 59,037, 1860 22,039, 
1862 86,852 63,604 
Rohe Schafwolle .... 454,804 
Gezwirntes Wollengarn . . 13,919 
Bedruckte Wollenwaaren . 2(979 
Gewalkte unbedruckte ditto 28,714 
Ungefärbtes Wollengarn . 210,113 
Zinn in Blöcken .... 46,440 
Bücher und Landkarten 27,527 
Federn u. Federspulen . 47,065 
Gesalzene Fische .... 69,682 
Getrocknetes Obst . . . 184,669 
Thran 173,162 
Salz 613,918 
790,605 
542,650 
117,260 
44,803 
13,041 
44,855 
205,443 
42,450 
489,314 
1’334,743 
51,125 
235,331 
582,487 
90,998 
572,905 
7,592 
15,842 
Besondere Erwähnung verdient die Baumwolleeinfuhr. Dieselbe 
at sich im Zollvereine weit mehr gehoben als selbst in Frankreich, ob- 
K oich unsere Gesammtziffer allerdings noch zurücksteht, und obwol
        <pb n="236" />
        212 DEUTSCHLAND. —Sociale, Oewerbs- und Handelsverhältnisse. 
dabei auch noch die Wiederausfuhr abzuziehen ist. Die Einfuhr betrug 
Cntr. ; 
1834 1835 1840 1845 1850 1855 1859 
in Frankreich 7:58,700 775,200 1’058,840 1’215,1G0 1’080,320 r522,720 1’633,580 
im Zollvereine 175,377 120,013 334,527 446,470 494,208 982,888 I'321,884 
18()0 betrug die Einfuhr roher Baumwolle im Zollvereine l’720,(j91 Cntr., 
18G1 2’0ü2,681, 1862 l’ü63,791. 
An baumwollenen Stuhl- und Strumpfwaaren exportirte der Zollverein 
1846 etwa 70,000 Cntr , 1854 — 57 jährlich gegen 200,000, 1858 312,352 Cntr.; 
an Wollenwaaren 1846 82,000, 1854 190,000, 1858 212,000 Cntr. ; an Seiden- 
waaren 1846 12,300, 1854 28,400, 1858 42,666 Cntr. 
Der Geldwerth der Ganzfabrikate stieg (nach Schätzung) von 98Mill. Thlr. 
1844 auf 190 im J. 1857, und 203% 1858. 
Der Werth des Ueberschusses der Ausfuhr von Fabrikaten über die Ein 
fuhr derselben Artikel hob sich von 71 Mill. Thlr. im J. 1844 auf 148 1857, und 
168% 1858. 
Die Runkelrübenzuckerfabrikation im Zollvereinsgebiete, welche 
1 erst 506,923 Cntr. Rüben verarbeitete, stellte sich seitdem so; 
Zahl der 
Fabriken 
18'%. 227 
18'%. 222 
18"%. 216 
18'%, 233 
18'%. 249 
Versteuerte 
Rüben 
18’469,890 Cntr. 
19’188,403 - 
21’839,799 - 
27’551,208 - 
28’915,134 - 
Zahl der 
Fabriken 
I 18'%. 257 
18"/.. 256 
18'%, 247 
18'%, 247 
18'%, . . . 
18'%. 253 
Versteuerte 
Rüben 
36’668,557 Cntr. 
34*399,317 - 
29*354,031 - 
31*692,394 - 
36*138,863 - 
39*911,520 - 
Die Steuer betrug lange 3 Sgr. vom Cntr. grüne Rüben (20 Cntr. angenom 
men zu 1 Cntr. Rohzucker), von 1853 an 6 Sgr., seit 1. Sept. 1858 7% Sgr. = 
5 Tblr. per Cntr. Zucker. Indess wird thatsächlich ein grösseres Zuckerquan 
tum aus den Rüben gewonnen. Früher rechnete man 5% Cntr. rohe für 1 Cntr. 
getrocknete Rüben; dann blos 5 auf 1 , nunmehr schon 4®/. Cntr. auf 1. 
Von den Fabriken waren 1864: 221 in l’reussen sammt Anhalt (letzte 29), 14 in 
Braunschweig, 6 in Bayern, 6 in Württemberg, 2 in Thüringen, je 1 in Sachsen, 
Hannover, Kurhessen und Baden (die letzte, zu Waghäusel, die grösste von 
allen, mit etwa 500,000 Cntr. Rüben). — Der Rübensteuerertrag war 18*”/., 
erst 40,247 Thlr., 18**/.,i 194,520, 18*%. 576,283, 18*%, 1*472,430, 18'%, 
2*171,709, 18*%. 3*693,978, 18*%, 5*510,241, 18*%. 9*167,139, l8'*/„ 7*923,098, 
18'%, 9*034,716 Thlr. 
In den im en gern Steuer verband befindlichen Staaten Preus- 
sen, Sachsen u. Thüringen wurden 1862 an Branntweinsteuer 9’61 0,9 16 
Thlr. erhoben ; ferner an Uebergangsabgaben für Wein und für Tabak 
354,385. — 1863 betrug die Uebergangssteuer v. Tabak allein 324,947 
Thlr. 
Gesammtindastrie. In Bezug auf die Staaten des Zollvereins liegen 
wenigstens Anfänge von Zusammenstellungen vor, aus denen wir einige 
Notizen entnehmen. 
Bergwesen *) Jahre Gruben 
1860 5491 
1862 4818 
Davon kamen auf: 
Steinkohlen 1860 677 
1862 688 
Braunkohlen 1860 912 
1862 833 
Eisenerze 1860 2843 
1862 2347 
Production 
376*085,478 Cntr. 
471*773,227 - 
246*956,560 - 
311*525,560 - 
87*653,287 - 
101*687,984 - 
28*015,637 - 
44*320,414 - 
Geldwerth 
41*604,251 Thlr. 
44*268,699 - 
26*379,199 - 
27*699,298 - 
4*408,090 - 
4*703,363 - 
2*608,795 - 
3*601,008 - 
Arbeiter 
83,154 
88,206 
18,935 
19,648 
18,481 
23,754 
') »Tabellen über die Production des Bergwerks-, Hütten- u. Salinenbe-
        <pb n="237" />
        VJC 
DEUTSCHLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 213 
¡Í 
Im J. 18b2 lieferten zur Production — Centner: 
Steinkohlen 
l’reussen . 2(&gt;r767,816 
Sachsen 
Hannover. 
Bayern 
Kurhessen 
l’hüringen 
Baden . . 
34*621,43« 
7*206,759 
4*424,402 
2*833,239 
484,369 
187.519 
Braunkohlen 
Preussen . 76*140,999 
7*672,903 
Sachsen . 
Anhalt . 
Thüringen 
Kurhessen 
Eisenerze 
Preussen 24*277,240 
Luxemburg 
Nassau . . 
Hannover . 
Bayern . . 
Sachsen. . 
Württerabg 
Gr. Hessen 
7*890,000 
5*352,946 
2*370,387 
1*032,957 
1*002,199 
540,542 
590,594 
6*815,907 
3*466,424 
2*524,660 
Braunschweig 2*388,352 
Nassau . . 1*019,651 
¡ Bayern . 911,403 
I Gr. Hessen 639,371 
j Hannover . 108,314 
Die Zahl der Hütten war 1699, das Productionsquantum 29*891,099 
Cntr., Geldwerth 96*925,638 Thlr. — Es waren darunter: Roheisen in 
Gänzen und Masseln 12*682,410 Zollctr., Rohstahleisen 231,454, Guss- 
waaren unmittelbar aus Erzen 1*013,131, Gusswaaren aus Roheisen 
2*638,574, Stab-und gewalztes Eisen 8*263,465, Eisenblech 1*056,357, 
Eisendraht 560,084, endlich Stahl 818,327 Zollctr.— Dem Geldwerthe 
nach steht die Production von Stabeisen und gewalztem Eisen mit 
29*956,1 33 Thlr. am höchsten; es folgt Roheisen in Gänzen und Mas 
seln mit 16*533,382 Thlr., Gusswaaren aus Roheisen mit 9*785,019, 
Eisenblech 5*190,139, Silber (127,971 Pfd.) mit 3*794,772 Thlr. An 
Gold wurden 19 Pfd. (10 Pfund in Sachsen und 9 Pfund auf den hanno 
verisch - braunschweigischen Communion - Bezirken) gewonnen. — Der 
Salinen betrieb weist ein Quantum von überhaupt 7*857,652 Cntr. 
gegen 6*580,593 Cntr. in i860 auf. In der Hauptsumme ergibt die Ta 
belle für Gruben, Hütten und Salinen : 6615 Werke, 509*432,088 Cntr., 
146*439,539 Thlr. Werth (wobei jedoch der Geldwerth der Erze dop 
pelt aufgeführt ist, bei den Gruben und den Hütten) und 264,482 Ar 
beiter. Von letzteren wurden in I860 nur 250,187 gezählt. 
Gewerbsindustrie. Wir entnehmen der vom Centralbureau des Zoll 
vereins gefertigten Hauptzusammenstellung der desfallsigen Ergebnisse 
der Aufnahme von 1861 folgende Daten; 
a. Maschinen Spinnerei u. Zwirnerei: 223 Handkämmereien, Lei 
stenspinnereien und Haarspinnereien, 1777 Streichgarn- und llalbwollgarn- 
iVigogne-) Spinnereien mit 1*117,862 Feinspindeln, 146 Kammgarnspinnereien 
mif. M Ci.l Ol ti U, f 1 ^ ^ 
bereitungsanstalten, 38 Flachs-, Hanf- und Wergspinnereien mit 78,064 Fein 
spindeln für Flachsgarn, 396 für Hanfgarn und 56,032 Feinspindeln für Werg- 
i^rn, 419 Fabriken für Zwirn-, Strick-, Stick- und Nähgarn aus Wolle, Baum 
wolle und Ivcinen. 
b. Weberei, Zeug- und Bandwaarenmanufactur: 1067 Tuchfa 
briken mit 2592 Maschinenstühlen , 622 Fahr, für andere wollene und halbwol 
lene Zeuge (ausschliesslich Shawls und Teppiche) mit 3655 Maschinenstühlen, 
1072 Walkmühlen, 940 Fahr, für baumwollene und halbbaumwollene Zeuge 
mit 23,491 Maschinenstühlen, 301 Fabriken für leinene Zeuge mit 350, und 314 
Fahr, für Seiden-, Sammt-, Seidenband- und Sammtbandwaaren mit 1270 Ma 
schinenstühlen, 60 Shawlsfabriken mit 867 Maschinen- und 1229 Handstühlen, 
45 Teppichfabriken mit 250 Maschinen- und 293 Handstühlen, 354 Fahr, für 
Bänder, Idtzen, Posamentirwaaren (jedoch ohne die in Seide und als leonische 
triebs im Zollvereine für das Jahr 1862.« 'Diese Tabellen sind so ungeschickt 
und so wenig übersichtlich als möglich gedruckt.) 
Í [ /
        <pb n="238" />
        MÊOmr 
■ ' * ‘ M. 
214 DEUTSCHLAND. —Sociale, Gewerbs-und Handel.sverhältnisse. 
■\yaaren gearbeiteten Bänder und Tressen) , in welchen 2843 Maschinen - und 
mit der Hand bewegte Müblenstühle und 1019 gewöhnliche Band- und Posa- 
nientirstühle gehen, endlich 279 Etablissements für Strumpfwaaren mit 4236 
Maschinenstühlen u. 103 Fabriken für Tüll, Bobbinets u. Spitzen, einschliess 
lich der Klöppelei mit 50 Handstühlen. — Webstühle: 32,882 in Seiden-, 
Halbseiden-, Sammt-, Seidenband- und Sammtbandwaaren, 151,451 Webstühle 
in Baumwolle und Halbbaumwolle, 120,229 in Leinen, 39,833 in Wolle und 
Halbwolle, 29,944 in der Strumpfweberei und-Wirkerei, 5014 für Bänder, 14,966 
Webstühle sind in den andern Gewerben im Gange ; ausserdem gehen als Ne 
benbeschäftigung noch 370,970 Webstühle zu Leinwand, 6284 Stühle zu groben 
wollenen Zeugen und 10,715 für andere Gewebe. 
c. Bleichanstalten, Färbereien, Druckereien: 403 Garnbleichen 
und -Siedereien, 475 Stückbleichen und Appreturanstalten für Weissbleichen, 
47 Türkischrothfärbereien, 834 andere Garnfärbereien in Baumwolle u. Wolle, 
177 Garn- und Stückfärbereien und A^iprctnranstalten für Seiden- und 1077 für 
andere Waaren, endlich 640 ])ruckereien für Zeuge aller Art. Wachstuch- und 
Wachstaiftfabriken 63. 
d. Metallproduction und Metallwaarenfabrikation : 1044 Ei 
senwerke (einschliesslich der Hütten für llohstahleisen und der Eisenwalzwerke) 
setzen 510 Hohöfen, 886 Frischfeuer, 992 Puddlings-, 729 Schweiss-, 469 Kup 
pel- und 237 Flammöfen in Betrieb ; ferner bestehen 207 Eisendrahtwerke, 296 
Stahlwerke (einschliesslich der Stahlwalz- und Stahldrahtwerke) mit 97 Frisch 
feuer für Koh- oder Schmelzstahl, 427 Kaffinirfeuer für Grobstahl, 52 Cement- 
öfen für Cementstahl und 372 Tiegelöfen für Gussstahl. — Blei- und Silber 
werke zählt der Zollverein 74, Zinkwerke 54, Kupferwerke 105, Messingwerke 
58 ; für Zinn, Arsenik, Schwefel, Vitriol, Alaun, Gold, Quecksilber, Antimon, 
Wismuth, Kobalt und Nickel aber 62 Werke im Ganzen. — Metallwaarenfa 
brikation : 715 Fabriken für Maschinen, 146 l'äsenbahn- und andere Wagen 
fabriken ; 543 Anstalten für Hecheln, Kämme, Jacquard-Maschinen-Karten etc., 
982 Eisen- und Blechwaarenf., Nägel-, Drahtstift-, Schraubenfabr., 548 Stahl- 
waaren- und Schneidewaarenfabr., 421 Eisengiessereien, 98 Gewehr-und Blank 
waffenfabriken, 139 Pulvermühlen, Schrot- und Zündhütchenfabr., 65 Nähna- 
delfabr., 50 Steck-, Stricknadel-, Haarnadel- u. dgl. Fabriken, 296 Gold- und 
Silberwaarenmanufacturen, ferner leonische Waaren - und imitirte Gold- und 
Silberwaarenfabriken, 45 Fabriken von Neugold-, Neusilber-, 187 für Kupfer-, 
Bronze-, Messingwaaren, sowie galvanoplastische Anstalten. 
e. Bereitung von mineralischen und ge misch ten'St offen für 
gewerblich-officinelle und häusliche Zwecke: 5087 Kalkbrenne- 
sniegelglasf., 102 Porzellanf., 195 Steingut- und andere Irdwaarenf., 
üblen und -Bafhnericn, 2036 Lohmühlen , 11,328 Sägemühlen und 
werke, 17 Si 
9782 Oelmül 
Fournierschneidereien, 1154 l’ott-und W aidasche-, auch Flusssiedereien, 897 
Theeröfen, 105 Fabriken von gefärbtem und lackirtem ],eder, 366 ]Leimsiede 
reien , 244 Wachsbleichen, 336 Stearin- und ordinäre Seifenfabriken, endlich 
600 Knochenmühlen, Beinschwarz-, Poudrette-, Kunstdüngerfabriken u. Blut 
trocknungsanstalten. 
f. II o 1 z w a a r e n , P a p i e r u n d k u r z e W a a r e n : 1321 Spielwaarenfabr., 
891 Papier-, 164 lapetenfabr., 295 für Lederwaaren und Cartonnage, 82 für 
Spielkarten, 373 für Steinpappe u. Papiermaché-Waaren, 496 für Strolihüte etc. 
g. Für Verzehrungsgegenstände: 59,118 Getreidemühlen, wovon 
39,415 Wasser-, 840 Danmf-, 16,815 Windmühlen; 19,234 Bierbrauereien, 70 
Schaumweinfabr., 33,208 Destilliranstalten. 
h. Literarischer Verkehr: 1543 Buch-, 1224 Kupfer-etc. Drucke 
reien, 1714 Buchhandlungen. 
Die Zahl der Dampfmaschinen betrug 13,525 mit 599,172 Pferdekraft. 
Hievon kamen auf :
        <pb n="239" />
        DEUTSCliLANl). — Sociale, Oewerbs- und Handelsverháltnisse. 215 
Kohproduction (sammt Bergbau; 2752 Masch. mit 1)2,535 Pfk 
Fabrikation 6361 - - 61,118 
Transport (Locomot., Dampfsch. 3412 - -414,518 
Von der Gesammtsumme trafen auf die einzelnen Staaten ; 
Preussen . . 
Bayern . . . 
K. Sachsen 
Hannover . 
Württemberg . 
Masch. Pferdekr. 
8666 365,631 
886 77,886 
1234 46,466 
666 27,737 
388 28,466 
I Baden . . . 
I Gr. Hessen 
I Thüringen . . 
I Braunschweig. 
Masch. Pferdekr. 
348 3,415 
258 2,744 
243 21,385 
261 1,986 
Offenbar wirkt auf das Zahlenverhältniss die Grösse der Wasser 
kräfte und der Preis der übrigen Brennmaterialien (Holz und Torf) be 
deutend ein. 
Es gibt im Ganzen, ungerechnet die Mühlen etc., fast 180,000 
fabrikmässig betriebene Anstalten. — Die Handelsflotte zur See um 
fasste 2827 Segel- und 55 Dampfschifife, erste mit 271,773 Schiffs 
lasten (543,516 Tonnen), letzte mit 2944 Pferdekr. Die Fluss- und 
Binnenseeschifff. zählte ausserdem 17,374 Segel- und 254 Dampfschiffe. 
— Chausseen 10,283Meil. — Eisenbahnen 1861: 125 mit 1482.7 
geogr. Meil. Länge (vergl. übrigens unten S. 216). 
Gesammtbandel. Den Gesammtgeldwerth der Einfuhr (ohne Aus- 
und Durchfuhr) berechnete Dieterici folgendermassen : *) 
1853: 203’631,986 Thlr. I 1855: 267’0SO,821 Thlr. 
1854: 255'532,231 - | 1856: 3ü3’002,66ü - 
Hievon kamen 1856 auf die einzelnen Hauptpositionen: 
A. Früchte und Vieh: Getreide 24*317,628, Sämereien und Beeren Thaler 
6*307,062, Gartengewächse und Obst 1*168,307, Schlacht- und 
Zugvieh 7*304,484 = 42*067,811 
B. Andere Verzehrungsgegemtände • Mühlefabrikate 4*126,610, 
Thiere u. thierisehe Producte (Fleisch, Butter etc.) 5*143,487 ; 
geistige Getränke 2*662,346 ; Colonialwaaren und Südfrüchte 
32*626,676; sonstige Es.swaaren 421,087; Tabak 11*770,630 = 57*054,736 
C. Fohstoffe. und Halhfabrikate : Kohstoffe, Brennstoffe, Erze, 
Webestofle, Häute 87*450,533 ; Färbe- und chemische Stoffe 
10*613,601; Fette und Gele 17*647,516; Metalle 13*464,666; 
Garne 42*315,364 ; Leder 581,126; sonstige Halbfabrikate 
253,560 = 172*626,666 
D. Manufaktur- und Jnduetriewaaren : Webewaaren 16*651,082; 
aus Borsten, Papier etc. 572,560 ; Leder- u. Kürschnerwaaren 
842,626 ; Bein-, Holz-, Glas-, Steinwaaren 4*026,277; Metall- 
waaren 2*206,243 ; Instrumente und kurze Waaren 621,320; 
ehemische Fabrikate 1*375,233 ; Bücher etc. 2*127,413 =. 28*725,784 
E. Sonntige (legenetünde 2*467,630 
Der Betrag des Generalhandels (also Ein-, Aus- und Durch 
fuhr) wird von Otto Hübner in Thlr. so geschätzt : 
1850 1851 1852 1853 1854 
432*831,700 447*726,846 471*106,60! 560*822,124 725*257,466 
Derselbe berechnet den Werth des Zollverein-Verkehrs 
Jahre Einfuhr Ausfuhr Durchfuhr 
1856 330,304,686 307*345,780 124*575,463 
1860 371*151,286 353*258,621 140*916,255 
1861 402*078,173 354*068,646 150*482,788 
1855 
761*368,286 
(in Thlr.) : 
*) Eine amtliche Wertherhebung findet nicht statt; man ist also auf blose 
Schätzungen hingewiesen und hat selbst sehr veraltete zu berücksichtigen, wenn 
sie mit einiger Kenntniss auf das Detail eingehen.
        <pb n="240" />
        216 DEUTSCHLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handels Verhältnisse. 
Zur Vergleichung setzen wir bei : 
Jahre Einfuhr Ausfuhr Durchfuhr 
IMO 181’t*59,146 172’948,1H) 7S’.'&gt;09,i:tH 
1857 354’900,381 353’Ü93,127 J44’04ft,942 
1858 321'528,183 350'830,792 lll’S22,35&lt;) 
Allerdings sind seit 1850 mehrere Staaten dem Zollverein erst bei 
getreten. Immerhin ist die Ein- und Ausfuhr (ohne Durchfuhr) der 
massen gestiegen, dass sie nach diesen Berechnungen auf jeden Kopf 
der Bevölkerung betrug ; 
1850 8 Thlr. m50 
51 12,1 
12,5 
52 
53 
54 
55 
14 
20,4 
19,1 
58 
59 
00 
01 
20.3 Thlr. 
21.3 
20,1 
18,9 
21.5 
22.5 
Eisenbahnen. Die zum Vereine deutscher Eisenbahnverwaltungen 
gehörigen Schienenwege hatten Mitte 1864 eine Länge von 2541 Meil. 
Rechnete man blos die im Bundesgebiete (mit dem ausserdeutschen 
Preussen) befahrenen Strecken, so ergaben sich nach einer (doch der 
Berichtigung bedürfenden)*) Zusammenstellung 2145 Meilen. Davon 
kommen auf Preussen 830, Deutsch-Oesterreich 4 14, Bayern 304, Han 
nover 120, Sachsen 76, Württemberg 66, Baden 76, Ürossh. Hessen 
42, Kurhessen 42, Schleswig-Holstein und Lauenburg 50, Nassau 33, 
Schwerin 30, Braunschweig 19, Luxemb.-Limburg 17, Anhalt 15, Mei 
ningen 13, Weimar 12, Coburg - Gotha 12, Altenburg 5, Oldenburg 2, 
Homburg 1, die freien Städte 7. Nur 5 kleine deutsclic Staaten sind 
ganz ohne Schienenwege : beide Schwarzburg. Waldeck, Lippe-Detmold 
und Liechtenstein, zusammen 77 Quadr.-Meil mit 312,000 Bew. um 
fassend, sonach etwa der Hälfte eines franz. Departements gleich.**) 
*) So sind z. B. die bedeutend grösseren österr. Meilen einfach als deut 
sche Meilen angesetzt. 
**) Im J 1855, als erst 1407 Meil. im Betriebe standen, hatten diese Bahnen 
039’995,000 Thlr. gekostet, = die Meile durchschn. 454,940 (gleichzeitig die 
Meile in Frankreich 770,000) Thlr. — Im J. 1859 standen im deutschen hnsen- 
bahnvereine (also mit Gesammt-Oesterreich bereits in Verwendung: 3020 Lo- 
comotiven (1801 : 4055, wov. 2877 auf Privat-, 1178 auf Staats!).), 7079 Perso 
nenwagen mit 290,028 Plätzen und 01,703 Lastwagen von 8'07o,578 Cntr. Be 
fördert wurden im genannten Jahre Ol'l 15,705 Personen und 523’487,199 Cntr. 
Güter. Von jener Personenzahl, die im Ganzen 400’920,222 Meil. zurücklegte 
wurden 15 verletzt und 5 getödtet, unter den letzten nur Einer unverschuldet’ 
Auf 20’040,000 Meilen (Entfernung wie von der Erde zur Sonne) kam also auf 
den deutschen Bahnen die Beschädigung Eines Reisenden ; dagegen sind die 
Elsenbahnangestellten allerdings bedeutenden Gefahren ausgesetzt — 1800 
wurden 13 Reisende beschädigt und 5 getödtet (von der Ge.sammtzahl 5 unver 
schuldet) ; dagegen betrug die Zahl der getödteten Bediensteten und Arbeiter 
115 (7 unverschuldet), der sonst beschädigten 225 (20 unverschuldet Von an 
dern als den bisher genannten Personen fanden durch die Eisenbahn 90 ihren 
Tod und 34 wurden beschädigt; 30 darunter hatten die Bahnen in selbstmörde 
rischer Absicht betreten, und sind auch 34 davon wirklich getödtet worden 
Alle diese hier zuletzt genannten 124 Personen haben aber, mit Ausnahme von 
nur 2, die sie betroffenen Unfälle sich selbst zuzuschreibeii, und zwar haupt 
sächlich wegen unbefugten Betretens der Bahnhöfe oder der Geleise. Fasst man 
die Zahl sämmtlicher Unfälle zusammen, so ergeben sich im Ganzen 272 blose 
Verletzungen an Personen, und sind 210 Verluste von Menschenleben zu bekla 
gen, worunter 48 Beschädigungen und 11 Tödtungen ohne Selbstverschulden
        <pb n="241" />
        PHEUSSENs — Sociale, Gewerbs- und HandeUverhältninse. 217 
Zahl der Ver- 
eina-Stationen 
Telegraphie. Der »Deutsch-österreichische Telegraphenverein« um 
fasste am 1, Jan. 1864 mit Einschluss von Holland 9 Staaten, nemlich : 
Länge der Ver 
einslinien 
g« ogr. Meilrn 
2208,1 
1524,.3 
379,5 
248,0 
214,7 
Oesterreich 
Preussen 
Bayern . . 
Niederlande 
Württemberg 
Hannover , 
Sachsen 
Baden 
Mecklenburg 
300 
296 
73 
63 
81 
46 
26 
79 
17 
Zusammen 981 
239,4 
138.6 
194.7 
_58^ 
5205,6 
Gesammtlänge 
der Drähte 
geogT. Mrilen 
3904,0 
4740,8 
775.2 
617,7 
283.3 
481,9 
204.6 
425.6 
73,2 
11.506.5 
Am 1. Jan. 1856 waren erst vorhanden : 234 Stationen, 2317,7 M. Linien 
und 3889,8 M. Leitung. 
Deutsch • Österreichischer Postverband. Im J. 1862 betrug die ge- 
sammte Postbeförderung 345’.502,000 Briefe und 185'471,062 Zeitungs 
blätter. Das Verhältniss war aber nicht das gleiche in den verschiedenen 
Gebieten des Postvereins, wie folgende Aufstellung zeigt, wobei wir 
zugleich berechnen, wiewiel auf jeden Kopf der Bevölkerung kommen : 
im Ganzen : 
auf d. Kopf: 
Briefe Zeitungen Briefe Zeitgn. 
10’233,000 5’023,410 7,47 3,66 
28’126,000 38*083,248 5,99 8,12 
1*544,000 1*218,137 5,63 4,44 
852.000 10,710 8,50 0,l0 
9*886.000 5*553,767 5,23 2,94 
352.000 166,243 7,14 3,36 
998.000 224,693 4,99 1,12 
3*578,000 1*652,472 6,54 3,00 
413.000 128,867 4,17 1,30 
112*600,000 34*764,914 3,19 0,98 
1*572,000 1*813,084 5,34 6,19 
127*876,000 69*949,548 6,82 3,73 
15*992,000 7*441,389 6,77 3,15 
20*192,000 11*702,170 6,57 3,81 
11*288,000 7*738,410 6,50 4,49 
345*502,000 185*471,062 4,85 2,65~ 
Vergleichen wir damit die Ergebnisse in einigen ausserdeutschen 
Ländern, die wir sämmtlich v. J. 1863 anfügen können : 
Grossbritannien . . 642*000,000 610*000,000 21,98 20,82 
Frankreich . . . 290’000,000 212*000,000 7,70 5,65 
Italien 79*616,000 45*327,000 3,65 2,08 
Schweiz 33*311,200 23*463,470 12,73 9,35 
Man wird bemerken, dass bei den kleinen deutschen Gebieten, 
z. B. den Hansestädten, specielle Verhältnisse die Zahlengrösse stören. 
In den grösseren Gebieten aber ist das Verhältniss unverkennbar be- 
Baden . . . 
Bayern . . . 
Braunschweig 
Bremen . . 
Hannover . 
Lübeck 
Luxemburg . 
Meck lenbiirg-Sch werin 
Strelitz 
Oesterreich . . 
Oldenburg . . 
Preussen . . 
Sachsen . . . 
Thurn und Taxis 
Württemberg 
Durchschnitt 
*) Bei Preussen ist Anhalt, M’aldeck und ein Theil von Sondershausen, bei 
Sachsen ebenso Altenburg einbegriffen. — Von Hamburg fehlen übrigens 
auch jetzt noch alle Mittheilungen. Da in Bremen und Lübeck mehrere Post 
ämter bestehen, so ist ein Theil des dortigen Postverkehrs offenbar den auswär 
tigen Posten beigerechnet, die Summe für diese Städte also eine zu geringe.
        <pb n="242" />
        • * ‘ u 
218 DWJTSCIILAXD. — Sociale, Gewerbs- und Handelsverhältnisse. 
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I I: 
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; 3 
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li 
zeichnend. Wenn die Durchschnittszahl für das ganze Vereinsgebiet 
sich so niedrig stellt, so ist augenscheinlich das Ergebniss in Oesterreich 
mit seiner meist uncultivirten nichtdeutschen Bevölkerung das hier am 
meisten einwirkende Moment. — Beim Briefverkehr fallen die Gross- 
städte besonders in das Gewicht. Ohne London und Paris würde die 
Durchschnittsziffer in England und Frankreich eine bedeutend geringere 
sein. Um so mehr Beachtung verdient die hohe Ziffer, welche die Schweiz 
nachweist, obwohl sie jeder Gressstadt entbehrt. Die Menge der Rei 
senden mag diesen Mangel ausgleichen. Beim Zeitungsabsatze wirkt 
namentlich die Stempelgebühr sehr nachtheilig. Ohne diese Last würde 
nicht nur Oesterreich, sondern auch Preussen eine bessere Stelle einneh 
men. Die hohe Zahl in Bayern steht damit in Beziehung, dass eine 
Menge kleiner, ganz wohlfeiler Blätter daselbst erscheint. 
Grössere Wechselbanken und deren Capital (in Thlr.). Ende lS(i4 : 
a. Ohne Notenemission: Schlesischer Bankverein in Breslau 2‘/, Mill., 
Schaaffhausscher Bankverein in Coin 5’lS7,050, Berliner Handelsgesellschaft 
3’78(J,2(K), Discont-Ges. in Berlin I l’5()0,l(IO, Nordd. Bank in Hamburg 7% 
Mill., Commerzbank in Lübeck 3 Mill., allg. deutsche Creditanstalt in Leipzig 
Ü’922,l30, Coburg. Creditges. 1 Mill., Bank für Handel u. Industrie in Darm 
stadt 8’571,4()0, Nürnb. Bank P()(m,0()0, Dessauer Creditanstalt 8 Mill., Lebens- 
versich - u. Sparbank in Schwerin 100,000, Niederösterreichische Escompte- 
gesellsch. in Wien 4 Mill., Gesten-. Creditanstalt das. 40 Mill., Triester Com 
merzbank 1)78,100, zusammen 10ö’so.'),1(m; Thlr. ; ferner folgende, deren Capi- 
talbetrag wir nicht kennen : Stuttgarter Hof-, Kurhessische J.eihbank. 
b. Mit Notenemission Zettelbanken): Preussische Bank 15 Mill. 
Berl. Cassen-Ver. P, Breslauer Bank 1’, Danziger ITivat- 1’, Cölner Privat- 1% 
Königsberger Privat- P, Magdeburger Privat- P, pommersche Bank 2’, Posener 
Provinzial- P, (zus. in ITeussen !) Banken mit 24 Mill. Cap.). — Bremer Bank 
4’4OO,OO0, Hamburger Vereins- 2’, Nordd. 7%', Lübecker Commerzb. 1%’ 
Tiüb. 1 rivat- 400,000, Kostocker 1 \ Hannoversche 5'420.000, Braunschweiger 
3*509,000, Bückeburger 500,975, T,eipziger 3’, Landständ. Bank in Bautzen 
550,000, Dessauer Landes-B. P, Geraer 2*159,000, Gothaer 1*400,000, Weimar- 
sche 4*157,100, Meininger 4*, Frankfurter 5*714,2^0, Süddeutsche 1*077,357, 
Nassauische Landesbank 8*835,077, Homburger 2‘'5,714, Luxemburg. 1*333,333, 
Bayer. Hypoth. u. M'echselbank in München 1 1*428,571, zus. 13S':toO,052 Thlr. 
— Die Summe an circulirenden Noten dieser Zettelbanken, so weit diesell)e be 
kannt ist, betrug Ende Sept. 1804 : bei der österr. Nationalbank 393% Mill. H. 
östr. W., bei den übrigen deutschen Banken zusammen Isl Mill. Thlr (hier 
von kamen auf die »Preuss. Bank« zu Berlin allein über 121, nächst ihr ain mei 
sten auf die Frankfurter Bank, 14,8 Mül. Thlr. 
Actien- und CommanditgeHellschaften. Nach (). Hübner s Berech 
nung waren Ende 1S58 1,057*788,253 Thlr. in solchen angelegt (da 
von 249*207,419 als Anlehen). Von der einbezahlten Gesammtsumme 
kamen nach dieser Berechnung 401*532,050 auf Ei.senbahnen. 
Lebensversicherungsgesellschaßen. In England kam schon im .Jahre 
169 / das erstemal ein Rechtsfall wegen einer bestrittenen Lebensver 
sicherung vor die Gerichte; in Deutschland wurde 1828 in Lübeck die 
erste Lebensversicherungsbank gegründet. Ende 1803 bestanden in 
Deutschland 29 solcher Anstalten, jedoch liegen nur von 27 Berichte 
vor. Die Zahl der Versicherten betrug 194,818, mit einem Versieh.- 
Capitale von 203*300,761 Thlr. (anfangs 1801 erst 1 29,589 Versicherte 
mit 137*542,377 Thlr. ; jetzt Durchschnitt 1,044 Thlr.). Nimmt man 
auch an, dass bei auswärtigen Gesellschaften 30,000 Personen asse-
        <pb n="243" />
        DEUTSCHLAND. — Sociale, Gewerbs- und HandebverháltnisBe 219 
curirt seien, und diese im Mittel nicht unter 1500 Thlr., so ergäben 
sich für Deutschland (ohne die Schweizer Anstalt) nur etwa 200,000 
Versicherte mit 250 Mill. Thlr. — Indess findet eine sehr rasche Zu 
nahme statt. — Anfangs 1862 gab es in Deutschland — Lebens- und 
Rent en Versicherungsanstalten zusammengenommen (die erste der letzt- 
bezeichneten 1825 zu Wien gegründet) — 40 solcher Institute, wovon 
14 Actien-, 5 gemischte und 21 Gegenseitigkeitsgesellschaften. Von der 
Gesammtzahl kommen auf Oesterreich 11, Preussen 9, K. Sachsen 4, 
Hannover 3, Württemberg u. Frankfurt je 2, Bayern, Baden, Kurhes 
sen, Grossh. Hessen, Mecklenburg, Braunschweig, Gotha, Hamburg, 
Lübeck je 1. 
Genossenschaften (auf Selbsthilfe beruhend, nach Schulze-Delitzsch). 
Ende 1863 waren speciell nachgewiesen; 662 Vorschuss-und Creditver- 
eine, 172 RohstofiF-Genossenschaften, 66 Consumvereine, zus. 900; die 
nichtangemeldeten eingerechnet, dürfte die Zahl 1150 betragen. Der 
gesammte Jahresverkehr wird auf 40 Mill. Thlr. veranschlagt, die Mit 
gliederzahl auf 200,000. 
Deutsche Handelsflotte, anfangs 1863 : 
Segelschiffe mit Tonnen Dampfer mit Tonn. Bemann. 
Deutsch-Oesterreich (etwa) 2,500 250,WO 50 18,000 14,000 
Preussen 1,39« 364,620 24 3,300 9,000 
Hannover 924 123,378 1 ... 3,600 
Mecklenburg 417 145,368 ... . . .* ... 
Schlesw.-Holstein . . . 2,619 130,460 19 1,071 7,000 
Oldenburg 637 88,140 2,800 
Hamburg 514 222,129 22 17,637 6,000 
Bremen 292 186,716 10 19,608 3,000 
Lübeck 41 13,091 14 ... 500 
Zusammen 9,340 1'529,902 Î4Ô 59,616 46,000 
Dazu die Dampfer ... 140 59,616 — — — 
Flussschiffe . . . . . 20,000 1’000,000 250 — 60,000 
Von den einzelnen Flfissen ist der Rhein für die Schifffahrt am bedeu 
tendsten, obwohl die letzte nicht nur die Concurrenz der Eisenbahnen zu be 
stehen hat, sondern durch Flusszölle (das sog. Rheinoctroi) auch noch bedrückt 
wird. 1857 befuhren den Strom und dessen Nebenflüsse 96 Dampfschiffe (wo 
von 46 auch für Personenbeförderung), mit einer l’ferdekraft von 13,769, und 
sammt 154 Anhängen mit 954,526 Ctr. Ladungstähigkeit. Die Zahl der Segel- 
schifle beläuft sich mit Anschluss der niederländischen auf 888 für den Rhein 
und auf 1694 für die Nebenflüsse, zus. auf 2582. 1862 wurden bei den Haupt 
rheinzollämtern abgefertigt : 
zu Berg 
zu Thal 
Mainz 
Goblenz . 
I'obith 
Schiffe 
5,569 
12,099 
3,550 
Wirkl. 
Ladung 
Cntr. 
11'768,535 
15'175,386 
«’928,838 
dav. durch 
Dampfer 
Cntr. 
3’541,143 
14’961,380 
«’523,504 
Schiffe 
9,031 
13,440 
7,393 
Wirkl. dav. durch 
Ladung Dampfer 
Cntr. Cntr. 
5'976,751 1'082,873 
10’359,806 824,481 
18’347,662 2’012,735 
Hierbei sind die T lusse nicht einbegritfen. Deren passirten 661 Neuburg, 
«57 Mannheim, 895 Mainz, die letzten allein 458,281 Cuhikmeter oder 4'801,618 
Uentner enthaltend. — Steinkohlen wurden ferner (18(î2; auf dem Rhein ver 
sendet 17*965,(&gt;80 Cntr. — Den Verkehr auf den Nebenflüssen des Rheins 
bezeichnen folg. Notizen von 1862. Es passirten : 
') Unter den Segelschiffen einbegriffen.
        <pb n="244" />
        220 DEUTSCHLAND. — Sociale, Gewerbs- und Handels Verhältnisse. 
zu Berg 
Schiffe Wirkl. Ladung 
Mannheim auf dem Neckar 4,344 1’96G,Ü88 Cntr. 
Höchst, auf dem Main . . 4,150 55,344 
Niederlahnstein, auf d. Lahn 4,372 701,950 
Coblenz, auf der Mosel . . 807 251,617 
zu Thal 
Schiffe Wirkl. Ladung 
9,014 3’814,829 Cntr. 
5,958 2’620,543 - 
4,375 3’059,626 - 
1,137 907,702 - 
Elbschifffahrt. Nach den Hamburger Verkehrstabellen sind 1863 
daselbst von der Oberelbe 
Schiffe u. Flösse Bemannung Ladungsfähigkeit 
angekommen . . 5,162 16,939 10’415,660 Cntr. 
dahin abgegangen . 4,914 18,324 9’389,084 - 
Bei dem sächsischen Hauptzollamt Schandau passirten 1863: 
bei der Bergfahrt bei der Thalfahrt 
a) beladape Schiffe . 987 mit 423,634 Cntr. 6,003 mit 8’160,918 Cntr 
b) unbeladene - . 1,488 - — - 41 - — _ 
c) Dampfer unter a . 601 - — - 703 - — 
Weserschifffahrt. 
mit der Oberweser; 
Schiffe u. Flösse Bemannung 
angekommen . . 2,381 7,840 
abgegangen . . 1,380 5,558 
Nach den Bremer Listen war 1863 der Verkehr 
Ladungsfähigkeit 
88,689 Lasten = 3'547,560 Cntr. 
68,060 - = 2’722,400 - 
Turnvereine. Anfangs 1863 bestanden (nach Gg. Hirth) in 
Deutfich-Oesterr 
Preussen . . 
Bayern . . 
Hannover . 
Württemberg 
Sachsen . . 
Baden . . . 
Schwerin . . 
Kurhessen 
Grossh. Hessen 
25 
431 
138 
65 
74 
170 
28 
12 
22 
75 
Oldenburg 
Luxemburg . . 
AVeimar 
Schlesw.-Holstein 
Nassau . . . 
Braunschweig . 
Meiningen . . 
Coburg-Gotha . 
Dessau . . . 
Altenburg . . 
16 
1 
34 
33 
40 
23 
11 
1 
17 
lleuss 
Budolstadt 
Sondershausen 
Hamburg 
I.übeck 
Bremen 
Frankfurt 
Strelitz 
Waldeck 
Lippe . 
8 
14 
4 
8 
5 
8 
9 
1 
3 
1 
Zus. 1424 
Sämmtl. Vereine umfassten 159,142 Mitglieder, worunter 79,694 erwach 
sene active Turner, 16,578 Turnzöglinge (Knaben), 35,90S Turnfreunde (meist 
ältere Mitgl.' und 2269 Ehrenmitglieder. — Im April 186 4 war die Zahl der 
Vereine auf 1978, die der Mitglieder auf 176,1 17 gestiegen. 
Münze etc. Abgesehen von einzelnen kleineren Gebieten, bestehen in 
Deutschland drei verschiedene Münzfusse: In Norddeutschland rechnet man 
nach Thalern, in Oesterreich nach Gulden österr. Währ., in Südwestdeutsch 
land nach Bheinischen Gulden. Während früher die Cölnische Mark (von 
233,85 Grammen) den Massstab bildete (14 Thlr.-, 20 fl.-, 24% 6 -Fuss) wird 
nun nach der Münzconvention von 1857 das Zollpfund feines Silber ausge- 
3'%, Pfd., 100 österr. fl. 2'%,, 100 rhein fl. 2‘% 
Pfd. 
Silberpari der Wechselcurse nach vorigem und jetzigem 
Münzfusse: 
Hamburg 
= ;Jü0 M. H. à 8,4Ï4 Gr. : 
Berlin 151,35 Th., jetit 151,69 Th. 
= 100 M. B. : 
Frankfurt 88,29 fl., 88,19 fl. 
Wien 72,72 fl., 75,84 fl. 
Paris 
= 300 »c*. &amp; 4,5 Or. : 
80,86 Th., 81,00 Th. 
=» 200 Fres. : 
94,29 fl., 94,50 fl. 
= 300 Fres. : 
115,40 fl., 121,5 fl. 
Amsterdam 
a= 250 fl. holl, à 9,45 Gr. ; 
141,49 Th., 141,75 Th. 
= 100 fl. holl.: 
99. — fl., 99,22 fl. 
80,82 fl., 85,05 fl.
        <pb n="245" />
        DEUTSCHLAND. — Das deutsche Reich 1786. 
221 
Getricht. Mit Ausnahme von Bayern und Kurhessen ist im ganzen Gebiete 
des Zollvereins das Zollpfimd (*/, Kilogr.) als Landesgewicht eingeführt. Es 
sind: 28 Zollpf. = 25 bay*., und 30 kurhess. Pf. 
Wir verweisen zur Vergleichung zunächst auf S. 194 u. 99. 
Geschichtliche Notizen. Nachstehend einige kurze Notizen über die 
frühem statistischen Verhältnisse Deutschlands. 
Das deutsche Reich 1786. 
1. Oesterreichischer Kreis .... 
2. Burgundischer - .... 
3. Bayerischer - .... 
4. Fränkischer - .... 
5. Schwäbischer - .... 
6. Niederrheinischer - .... 
7. Oberrheinischer - .... 
8. Westphälischer - .... 
9. Niedersächsischer - .... 
10. Obersächsischer - .... 
11. Böhmen 
12. Mähren 
13. Preuss. und Oesterreichisch Schlesien 
14. I&gt;ausitz 
Q.-M. Bevölkerung 
2,145 4'182,000 
469 1’880,000 
1,020 1’600,000 
484 1’000,000 
729 1’800,000 
458 2’100,000 
500 1’000,000 
1,250 2’300,000 
1,280 2’100,000 
2,000 3’700,000 
961 2’266,000 
396 1’137,000 
720 1’800,000 
180 400,000 
Oesammtzahl 12,592 26’2G5,000 
Staaten gab es 289, darunter 61 freie Reichsstädte. Hier eine 
Uebersicht der statistischen Hauptmomente. (Die Einzelangaben beruhen 
auf wenig zuverlässigen Schätzungen.) 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
32. 
33. 
Staaten Q.-M. 
Deutsch-Oesterreich .... 3,976 
Deutsch-Preussen . . . . 2,180 
Kur-Pfalz-Bayem .... 1,064 
Kur-Sachsen 736 
Kur-Braunschweig-Iiüneburg . 700 
Kur-Mainz 175 
li.wr-'ïrxer (terra incognitaI) . 151 
Kur-Cöln (ohne d. Reichsstadt) 360 
Herzogth. Sachs.-Weimar-Eisen. 42 
Sachs.-Ootha-Altenburg 55 
Sachs.-(’üburg-Saalfeld 16 
Sachs.-Hildburghausen 14 
Sachsen-Meiningen 22 
Markgrafschaft Anspach-Bayreuth 145 
Herzogth. Braunschweig ... 94 
Mecklenburg-Schw'erin 240 
Mecklenburg-Strelitz 
Württemberg . . 
Zweibrücken . . . 
Landgrafsch. Hessen-Kassel . 
Hessen-] larmstadt 
Markgrafschaft Baden . . . 
Herzogth. Oldenburg . . . 
Fürstenth. Anhalt-Dessau . 
Anhalt-Cöthen . . 
Anhalt-Bernburg . 
Anhalt-Zerbst . . 
Nassau-Dillenb.. . 
Nassau-Saarbr. 
u. 31. Fürstenthüm. Schwarzburg 
Fürstenth. Waldeck .... 
u. 34. Grafsch. Lippe u.Schaumb 
70 
200 
36 
260 
100 
70 
45 
12 
13 
48 
40 
39 
28 
Bevö’k. 
10’930,000 
4’110,000 
2’100,000 
1’870,000 
850.000 
325.000 
550.000 
156.000 
385.000 
185.000 
240.000 
70.000 
585.000 
60.000 
450.000 
300.000 
200.000 
85.000 
31.000 
23.000 
22,900 
20,700 
130.000 
35.000 
100.000 
’ 88,000 
Einkünfte 
90—115MÍ11.A C.-M. 
22—30 Mill. Thlr. 
10 Mill. fl. 
6’800,000 Thlr. 
5% Mill. 
IV. Mill. fl. 
780.000 - 
2’200,000 - 
600.000 - 
800,000 - 
150,000 Thlr. 
80,000 fl. 
2’000,000 - 
1 '/, Mill. Thlr. 
700.000 - 
350.000 - 
2 Mill. fl. 
800.000 fl. 
2’100,000 Thlr. 
1’150,000 fl. 
1’200,000 - 
200.000 Thlr. 
300.000 - 
90,000 - 
140.000 - 
120.000 - 
400.000 fl. 
150.000 - 
200,000 Thlr. 
200,000 -
        <pb n="246" />
        222 
DEUTSCHLAND. — Das deutsche Reich 1786. 
Staaten Q.-m. Bevölk. 
¿h—38. türstenth. u. 3 Grafsch. Reuss. 21 
39. Grafschaft Wernigerode .... 4 12,f(&gt;0 
40. Erzstift Salzburg 240 250,00(» 
41. Hochstift Passau 15 
Bamberg 65 180,000 
Würzburg 95 200,000 
Speyer (ohne d. Reichest.) 28 100,000 
Hildesheim . . . . 54 
Paderborn . . . . 55 
Osnabrück 56 120,000 
Lüttich 105 200,000 
49. Bisthum Fulda 48 80,000 
42 
43. 
44. 
45. 
46. 
47. 
48. 
Einkünfte 
Thlr. 
200,000 - 
1% Mill. fl. 
200,000 - 
700.000 - 
800.000 - 
300.000 - 
260.000 Thlr. 
600.000 fl. 
180.000 - 
I’200,000 - 
300,000 - 
Bemerkungen. 
Zn^. Mainz. Es gehörten dazu : 
1) Das Erzstift Mainz (Mainz, Bingen, Höchst, Rüdesheim, 
Hochheim, Fritzlar) 115 
2) Thüringisches Gebiet (Erfurt) 12 
3) Das Eichsfeld 
4) Das Bisthum Worms (ohne die freie Reichsstadt) . . 8 
Q.-M. Bevölk. 
208,000 
36.000 
74.000 
15.000 
Zul. Tr ier. Bestandtheile : 1) Das Erzstift Trier 110 Q,.-M., 
Augsburg (ohne Reichsstadt, aber mit Dillingen) 34 Q.-M ; 
3) Gefürstete Probstei Eiwangen 7 Q.-M. 
Zu%. Cöln. Bestandtheile: 
A. Kurfürstenthum Cöln. ^ 
1) Erzstift Cöln (mit Bonn, Andernach, Neuss; doch ohne 
die freie Reichsstadt) j;o 
2) Grafschaft Recklinghausen j 5 
3) Herzogthum Westphalen . .5,5 
Bevölk. 
80,000 
18,900 
100,000 
B. Bisthum Münster (mit Münster, Meppen, Vechte) 
Zu 14. Anspach-Bayreuth. Bestandtheile: 
130 
230 
200,000 
350,000 
1) Fürstenth. Anspach (mit Schwabach, Fürth, Gunzenhausen) 80 
2) - Bayreuth mit Erlangen, Culmbach-, Hof) 65 
Zu 42. Hochstift Bamberg. Dazu gehörten : Forchheim, Kronach. 
y " Würzburg. - - Kissingen, Kitzingen. 
, iipeyer. - - Bruchsal, Philippsburg 
heim, Rhbinzabern. Dahn und die J’robstei Weissenourc 1 
aber ohne die freie Reichsstadt Speyer. 
Zu 48. Hochstift lAittich. Dazu gehörten: Verviers, Spaa, Dinant, Hui. 
Hier eine Uebersicht der wichtigsten freien R eichss tild te ; 
200,000 
185,000 
, Deides- 
Inirg im Eisass , 
[Im schiaUbischen Kreise:) 
Augsburg mit 1 Dorf u. 32,500 Einw. 
Ulm mit 17 (?) Q.-M. Gebiet, die Stadt 
mit 12,000 Einw. 
Schwäbisch-Hall mit 6 Q.-M. 
Reutlingen - 4 Dörfern. 
Nördlingen - 1 Q.-M. 
Heilbronn - 1 
Rottweil - 2 - 
Gmünd - 3 - 
Memmingen mit einer Anzahl Dörfer. 
Kempten ohne Gebiet. 
Kaufneuren mit IV, Q.-M. 
Ravensburg - 2V, 
Biberach - 2 
Lindau. 
Weil. 
fm bayerischen Kreise:) 
Regensburg mit 21,500 E., ohne Gebiet. 
[lul ober- u. kurrheinischen Kreise:) 
Worms m. 2 Q.-M., d. Stadt mit 5000 E. 
Speyer, ohne Geb., d. Stadt mit 5600 E. 
Frankfurt a. M. mit 2Q.-M., die Stadt 
mit 36,000 Einw. 
Wetzlar. 
(/m fränkischen Kreise :) 
Nürnberg mit (angebl.) 30 Q.-M. und 
50,000 Menschen, wovon 29,000 in 
der Stadt 
Rothenburg mit 5 Q.-M 
Schweinfurt - 1 */, - 
Windsheim - 4 Dörfern.
        <pb n="247" />
        DEUTSCHLAND. — Der Rheinbund. 
223 
(Im fcestphälischen Kreise :) 
Coin, ohne Gebiet, mit 40,000 Einw. 
Aachen, mit 18 Dörfern, die Stadt mit 
25,000 Einw. 
[Im nieiler-slichsischen Kreise:) 
Mühlhausen, mit 4 Q.-M. 
Nordhausen mit 1 */* Q.-M. 
I Goslar. 
I Bremen, mit3Q,.-M. und40,000Mnsch. 
Lübeck - 3% - - 30,000 - 
Hamburg- 4 - - 100.000 
Der Rheinband 
in seinem Bestände von 1812. 
Deutschland war als solches verschwunden: alle Mittel- und 
Kleinstaaten gehörten dem »Rheinbunde« an, Frankreich hatte grosse 
Gebiete an sich gerissen ; das linke Rheinufer, die Ems-, Weser- und 
ElbmOndungen. Oesterreich, verkleinert bis zu 9900 Q.-M. mit etwa 
20 Mill. Menschen, und Preussen, zusammengeschmolzen auf 2870 Q.- 
M. mit 4*/g Mill. Bew., besessen den Rest des ehemaligen Reiches. 
Vom jetzigen Bundesgebiete waren einverleibt : 
Frankreich unmittelbar 1785 Q.-M., mittelbar (unter franz. 
Verwaltung: Triest, Schwed. Pommern, Erfurt etc.) 185 = . 1,070 Q.-M. 
dem Königreiche Italien (Südtirol) 180 
den Rheinbundstaaten etwa 5,500 
dem dänischen Staate (Holstein) 154 
Sonach unmittelbar oder mittelbar unter Frankreich . . 7,800 
dem österreichischen Staate 2,450 
dem preussischen Staate 1,075 
Abschluss des Rheinbundsvertrags zu Paris am 12. Juli 1806. 
Die ursprünglich beigetretenen Staaten sind unten mit j bezeich 
net, bei den übrigen ist die Zeit des Beitritts angegeben.) Die anfäng 
lichen Theilnehmer verpflichteten sich, zu einer franz. Armee von 200,000 
M. ein Contingent von 63,000 zu stellen, welche Zahl später, in Folge 
weiterer Zutritte, auf 119,180 M. an wuchs. Im Jahre 1809 umfasste 
der Rheinbund ein Gebiet von 5,977 Q.-M. und 14’320,000 Menschen. 
Nachdem Napoleon einen Theil von Westphalen, dann Oldenburg und 
Ahremberg mit Frankreich vereinigt hatte, war der Umfang noch 5,384 
Q -Meil., die Volkszahl 13’475,000. 
t 8. 
9. 
+ 10. 
V 11. 
t 12. 
T 13. 
f 14. 
+ 15. 
t 10. 
t 17. 
t 18. 
Staaten 
(Zeit ihres Beitritte« zum Ulieinbiiiide.) 
Bayern, Königreich über 
Westfalen, Königr. nach d. Jenaer Schlacht) 
Sachsen, Königreich (11. Dec. 1800) 
Württemberg, Königreich . . 
Frankfurt, Grossherzogthum . 
Berg, Grossherzogthum . . 
Baden, Grossherzogthum . . 
Hessen, Grossherzogthum 
Würzburg, Grossherzogthum (3. Oct. 1800) 
Nassau-Usingen, Herzogthum | 
Nassau-Weilburg - ) ' ' ' ' 
Hohenzollern-Hechingen, Fürstenthum . 
Hohenzollern-Sigmaringen 
Salm-Salm - ) 
Salm-Kyrburg - | 
Isenburg-Birstein 
IJechtenstein 
licyen 
Q.-H. Volkssahl 
1,700 
825 
090 
354 
95 
315 
278 
160 
78 
5 
20 
29 
15 
2 
3’700,000 
2’200,000 
2'100,000 
1’350,(K»0 
302.000 
880.000 
980.000 
000,000 
258.000 
80 280,000 
14.000 
38.000 
55.000 
40.000 
5,000) 
Con 
tingent 
30.000 
25.000 
20.000 
12,000 
5.000 
8.000 
4.000 
2.000
        <pb n="248" />
        224 
DEUlhCHLAND. — Bayern (Land und Leute). 
Staaten 
(Zeit ihres Beitrittes 7um ßheinbunde.) 
IJ. oachsen-Weimar, Herzoffthum 
20. Sachsen-Gotha 
(Beitritt 
am 
15. Dec. 1806) 
April 1807) 
(ditto) 
(ditto) 
(ditto) 
Q.-M. 
:i0 
45 
28 
18 
12 
46 
28 
28 
21 
35 
47 
244 
5,200 
Volkszahl Con- 
tingent 
125,000^ 
160,000 
75.000 
50,000| 
25,000' 
120,000 
85.000 
72.000 
55.000 
110,000 
70,000) 
350,000) 
2,800 
800 
650 
450 
400 
600 
2,300 
14'] 00,000 118,000 
21. Sachsen-Coburg 
22. Sachsen-Meiningen - j 
23. Sachsen-Hildburghausen - I 
24. — 26. Anhalt, 3 Herzogthümer (18, 
27. u. 28. Lippe, 2 Fürstenthümer 
29. —31. Iteuss, 3 Fürstenthümer 
32. Waldeck, Fürstenthum luinuy 
33. Schwarzburg, 2 Fürstenthümer (18. April 1807) 
34. Mecklenburg-Strelitz, Herzogth. (18.Febr. 1808) 
30. Mecklenburg-Schwerin - (22. März 1808) 
Vorstehende Schätzungen ergeben ungefähr 
Bemerkungen. 
9) Jf urzbnrg. (Grossherzog : der frühere Grossherzog von Toscana.) 
Die einzelnen Staaten Deutschlands. 
I. Ossterreieli {Kaisertlium . 
(Siehe Seite 139—167.) 
2. Preiissen (Königreich). 
(Siehe Seite 167—104., 
3. Kayerii (Königreich).* 
Regierungsbezirke Q.-M.**) 
Oberbayern 311,52 
Niederbayem 105,02 
1818 
585,467 
450,895 
Bevölkerung 
1855 
744,451 
554,013 
1858 1861 
757,989 779,991 
567,001 575,338 
iSiüaiüin 
um so
        <pb n="249" />
        DEUTSCHLAND. — Bayern (Land und Leute). 
225 
Regierungsbezirke Q.-M. 
, lüb,22 
Uherpfalz und Regensburg . 175,4(5 
Obertranken 127,(54 
Mitteilranken 157¡72 
Lnterfranken u. Aschatfenb. 1(52,41 
Schwaben und Neuburg . . 171,(54 
Bevölkerung 
^18 1855 1858 T86Í~" 
44(5,1(58 587, :m 595,129 608,069 
409,481 471,900 479,341 485,895 
394,954 499,913 509,770 51(5,743 
437,838 533,587 537,492 545,285 
501,212 589,076 598,534 601,758 
487,951 561,576 570,492 576,758 
Zus. 1,390,23 3*707,966 4*541,456 4*615,748 4*689,837 
rannhenzahl 1 131,051. Es kamen sonach 4,15 Personen auf die 
^amilie. Dem Militärstande beigezählt wurden 114,48(5 Individuen, 
^ahl der Taubstummen 27 70, der Blinden 2691. — Man rechnet durch 
schnittlich : 
1 rauungen: 1 auf 154 Einw. (in der Pfalz 1 auf 138 Einw.) 
Geburten, 1 - 28,6 - - - - 1 - 26 1 - 
St erb fälle: 1 - 34,5 - - _ - 1 - ;(8’,5 - 
Auf 1000Mädchen bei den ehelichen Geburten 1069 Knaben, 
■ - - - -unehelichen - 1040 
Verhältniss der Geschlechter: 490 männl. zu 510 weibl. Einw. 
Im J. 18*'/«» zählte man: Geburten 167,080 (dav. 86,191 Knab , 
ho,886 Mädch. — ehel. 129,491, unehel. 37,589, unter letzten 19,061 
Knab., 1 8,528 Mäd. ; — von den Unehel.: in der Pfalz nur 2254, in 
Oberbayern 7554: — Todtgeborene : 3120 Knab. 2357 Mäd. (worun 
ter 714 u. 549 unehel.) — Trauungen 35,257. — Ehescheidungen 263. 
-- Sterbfälle 137,124 (70,173 männl. 66,951 weibl., — davon unter 
29,982 Knab., 32,977 Mäd. Ueberschuss der Geburten 
Früherer Bevölkerung »stand resp. Zunahme: 
1815 (ungenau): 3*560,000 
1818 (ebenso): 3*707,966 
1834: 4*246,778 
1837 : 
1840 : 
1843 : 
1846 : 4*504,874 
1S49 : 4*520,751 
1852 : 4*559,452 
4*315,469 
4*370,977 
4*440,327 
Bei den Zählungen von 1858 u. 61 ergab sich sonach eine Zunahme 
von 74, 192 resp. 73,000 Individuen, dagegen war bei der von 1855 eine 
ansehnliche Verminderung eingetreten. Diese letzte rührte haupt 
sächlich von der Pfalz her. Gerade hier hatte früher die Einwohnerzahl 
}' eitau8 am meisten zugenommen. 1814 umfassten die Gemeinden, welche 
jetzt denPfalzkreis bilden, erst 429,695 Menschen; 1849 aber616,370. 
yj! ergaben sich bis 1 858 (soweit constatirt, zum ersten Male seit 
irhunderten!) Verminderungen, und zwar in den 3 Jahren 1852— 
' -&gt; allem um die enorme Menge von 22,045 Menschen. In der letzten 
eriode tritt endlich wieder eine Besserung ein. 
Auswanderung. Bis 1830 war die Zahl der Einwanderer jener der 
usvvanderer etwa gleich (in der Pfalz sogar stärker,. Dann : 
1!^!***—durchschnittlich 
1835—43 — 
1843—51 
1851—55 
1855—60 
(1835—60 im Ganzen 
StatiBÜk. 4. Aufl. 
Einwanderer Auswanderer 
278 
1,080 
933 
695,4 
865,6 
24,176 
1,056 
1,084 
2,107 
5,356 
11,282 
17,329,6 
6,715 
244,232 
5,026 
2.933 
Vermögen jedes 
Auswanderers 
430 fl. 
313 - 
233 - 
235 - 
306 - 
61*937,487 -) 
432 - 
15
        <pb n="250" />
        22G 
DEUTSCHLAND. — Bayern T.and und Leute). 
Die Oesammtsumme des Vermögens der Einwanderer in den 25 
Jahren 1835—HO ward zu 2(i’0l3,347 fl. angegeben. Obwol die Zifler 
bez. der Auswanderer unzweifelhaft zu gering ist, ergibt sich doch schon 
darnach eine Einbusse von beinahe 3fl Millionen. 
In der Zahl der Auswanderer sind die heimlich Fortgezogenen 
einbegriffen : 
Jahre 
IS"/., 
IS"/.. 
1S"/m 
1S»%, 
Auswanderer 
1H,9(»5 davon 
20,340 - 
24,055 - 
0,030 
7,1 OS - 
0,500 - 
heimlich 
4,821 
5,321 
5,041 
2,015 
1.070 
2.070 
Jahre 
1S"/S8 
IS«®;, 
IS«%, 
Auswanderer 
5,532 davon 
4,001 - 
0,5SS - 
5,020 - 
2.033 - 
heimlich 
1,202 
1,133 
1,712 
1,100 
485 
In der Pfalz war das Verhältniss am ungünstigsten ; 
Jahre 
lS"/.s 
IS':,, 
IS";. 
IS'V.. 
IS'«;, 
Auswanderer 
7,088 davon 
8,314 - 
S,801 
4,722 - 
2,000 - 
3.400 - 
heimlich 
4,138 
4,203 
4,402 
2,453 
1,712 
2,200 
Jahre 
is'v;, 
lS"/„ 
IS'';. 
18"/., 
18«'/., 
Auswanderer 
1,912 davon 
I,535 - 
2,315 - 
1,578 - 
717 - 
heimlich 
1,005 
1,030 
1,500 
1,077 
434 
Zusammen 44,437 
24,028 
Mehr als die Hälfte bestand sonach aus heimlichen Auswande 
rern, grösstentheils wegen der Reaction (im Anfang der 1850er Jahre) und 
wegen der Conscription. — Da in der nemlichen Zeit nur 2535 Personen 
einwanderten, so ergab sich ein constatirter Verlust von 41,002 Men 
schen. Das impertirte Vermögen betrug 3’103,070, das exportirte, so 
weit ermittelt, 0’032,302 fl. — Hinsichtlich der Pfalz ist noch bes. zu 
berücksichtigen, dass daselbst in den zunächstvorangegangenen 1 fl Jahren 
1835—51 bereits 54,813 Menschen mehr aus- als eingewandert waren, 
wonach sich ein üesammtverlust von Ofl, 7 15 Personen innerhalb 27 Jah 
ren ergibt. Man mag daraus die tiefe Erschütterung der Verhältnisse in 
dem kleinen Gebiete erkennen. Die Zahl der bereits eingereihten Sol 
daten, welche entflohen, ist nicht eingerechnet. Die ungünstigen Nach 
richten aus Amerika hemmten endlich dieses Fortziehen, das unter den 
jungen Männern nur die Krüppel und Schwächlinge zurück zu lassen 
drohte. 
Confession en. Man zählte 1852 neuere Aufnahmen liegen nicht 
vor); Katholiken 3' 1 7fl,333 *) ; Protestanten 1’233,804 (ncmlich : Luthe 
raner 00fl,38fl, Reformirte 2431, Unirte in der Pfalz 325,077), Men- 
noniten und Griechen 5,5fl0, Juden 50,033. Die meisten Lutheraner 
leben in Mittelfranken (408,011) und Oberfranken (280,223), die we 
nigsten Protestanten in Niederbayern (2002) und Oberbayern (1 1,050). 
Yi'và Juden sind am zahlreichsten in Unterfranken (15,834), der Pfalz 
(15,fl0fl) und Schwaben (0305), am wenigsten zahlreich in Niederbayern 
(10). der Oberpfalz (910) und Oberbayern 1218). Die meisten Menno- 
niten sind in der Pfalz (3384) , wo die Bevölkerung confessionell am 
stärksten gemischt ist. 
+) Nach dem Pastoralblatte für die Erzdiözese München vom Dec. 1864 soll 
die Anzahl der Katholiken anfangs 1864 3’270,404 betragen haben. Wir halten 
diese Angabe zu niedrig (siehe unsere Schätzung S. 196).
        <pb n="251" />
        15* 
DEUTSCHLAND. — Bayern íLand und I&gt;eute). 
227 
Städte. Es gibt 8119 Gemeinden. Diese bestehen aus 232 Städten, 
417 Märkten, 22,383 Dörfern und Weilern, und 21,584 Einöden und 
Mühlen. Die bedeutendsten Städte hatten 1801 (mit Militär) folgende 
Einwohnerzahl ; 
München 
Nürnberg 
Augsburg 
Würzburg 
Regensburg 
Bamberg 
Ingolstadt 
Fürth . 
Bayreuth 
Passau . 
Amberg . 
Speyer . 
Ansbach . 
Landau . 
Kaiserslaute 
Hof . . 
m 
Erlangen 
148,201 Straubing . . 10,714 ! Edenkoben . . 5,4ol 
62,797 Kempten . . 10,370 Kitzingen. . . 5,374 
45,389 Germersheim , 9,673 , Weissenburga. T. 5,180 
36,119 ! Aschaffenburg . 9,323 | Dillingen . . . 5,144 
27,875 i Schweinfurt. . 8,707 Dinkelsbühl . . 5,058 
23,542 Zweibrücken . 8,519 I Rothenburg a. T. 5,049 
19,398 , Neuburg. . . 8,276 : Lindau . . 4,918 
19,125 Neustadt a. H. . 7,611 | Neu-Ulm . . . 4,810 
18,044 Eichstädt . . 7,335 Sulzbach . . . 4,499 
13,360 Pirmasens . . 7,097 Kaufbeuren . . 4,482 
12,942 Freising . . . 7,086 Forchheim . . 4,218 
12,810 St. Ingbert . . 6,918 Rosenheim . . 4,140 
12,245 . Schwabach . . 6,611 ¡ Burghausen . . 3,472 
12,244 Memmingen . 6,603 ; Imdwigshafen . 3,331 
12,029 I Nördlingen . . 6,412 ; Donauwörth . . 3,313 
12,018 Frankenthal . 6,228 | Reichenhall . . 3,071 
10,896 Dürkheim a. II. 5,540 ' 
In den Gressstädten sowol als in den Festungen sind die obigen 
Zahlen wesentlich durch die Militärbevölkerung bedingt. Diese letzte 
betrug; in München 23,479, in Würzburg 8638, Augsburg 6929, 
Nürnberg4644, Bayreuth 4078, Bamberg 3859, Amberg3843, Regens 
burg 3626, Passau 3516. In den Festungen; Ingolstadt 12,092, Ger 
mersheim 6317, Landau 6146, Neu-Ulm 34 76. 
München hatte 1 780 nur 37,200 Einw., 1818 53,672, 1834 88,905, 
1852 106,715. Vereinigung anderer Gemeinden bewirkte das seitherige 
ungewöhnliche Steigen. — Die ehemals berühmte Reichsstadt Nürnberg 
zählte 1818 nur noch 26,854, und selbst 1 840 erst wieder 44,863 Einw. 
Ebenso war Augsburg 1818 auf 29,809 Menschen herabgekommen, und 
hatte 1840 erst 36,869. 
Gebiettveränderungen. Nachdem in Pol ge Ablebens des Kurfürsten 
Max-Joseph III. (20. December 1777) und des Teschener Priedens 
(13. Mai 1779) die Rheinpfalz und Bayern vereinigt worden, war der 
Bestand des Pfalz-Bayerisch en Kurstants vor der Revolution : 
, Q.-M. Einw. Q.-M. Einw. 
' Bayern, a. Herzogthum Bayern 
■ uff 
b. Überpfalz 
c. Fürstenthum Neuburg 
d. - Sulzbacr 
Q.-M. 
576 
130 
52 
26 
2 Unter- oder Bhcinufalz. 
3. Herzogthum JUlien und Berg 
Einw. 
990,000) 
175,000| 
92,000 
43,000) 
784 P300,000 
150 
130 
400,000 
400,000 
Zusammen 1,064 2’100,000 
Zur Rheinpfalz gehörten: Mannheim, Heidelberg und einige Theile 
^08 jetzigen Pfalzkreises, — zu Jülich und Berg : Düsseldorf, Elberfeld, 
Solingen, Kaiserswerth und Düren. 1801 ward die Volkszahl zu 2’328,294 
berechnet. — Durch den Luneviller P'rieden, 1801, verlor Bayern die 
Rheinpfalz, Jülich und das ihm 1795 anerfaliene Herzogthum Zwei 
brücken (letztes 36 Q.-M. mit 60,000 Plinw.). Es erhielt zur Entchä- 
digung (Reichsdeput.-Hauptschluss v. 25. Febr. 1803) : die Bisthümer 
Bamberg, Freising und Augsburg, Theile derer von Würzburg und Pas-
        <pb n="252" />
        228 
DEUTSCHIiAND. — Bayern (Finanzen). 
sau, 12 Abteien und 15 Reichsstädte (worunter Ulm, Kempten, Mem 
mingen, Nördlingen, Schweinfurt), Es gewann etwa 60 Q.-Meil. und 
110,000 Menschen, — Der Presburger Friede (26. Dec. 1805) kostete 
zwar das zu einem besondern Staate erhobene Würzburg, verschaffte 
Bayern aber : den Rest des Passauer Gebiets, Tirol, Vorarlberg, die 
Markgrafschaft Burgau, das Fürstenthum Eichstädt und die Reichsstädte 
Augsburg und Lindau; Gewinn 500 Q.-Meil. und 620,000 Menschen. 
1806 ward das Herzogthum Berg gegen das von Preussen abgetretene 
Ansbach vertauscht. Zufolge der Rheinbundsacte erhielt Bayern die 
Reichsstadt Nürnberg. (1. Jan. 1806 nahm der Kurfürst den Königs 
titel an; 1. Mai 180S Aufhebung der alten, einst mächtigen Landstände.) 
1808 hatte Bayern in 15 Kreisen 1636 Q.-M. und 3’232,000 Einw. — 
In Folge des Wiener Friedens (26. Dec. 1809) erlangte der Staat: Salz 
burg, Berchtesgaden, das Innviertel und den grössten Theil des Haus 
ruckviertels, zus. 260 Q.-M. und 410,000 Menschen, gegen einige Ab 
tretungen an Württemberg (Ulm) und an Würzburg, etwa 42 Q.-M, 
mit 130,000 Ew. — 1810 musste Südtirol (180 Q.-M., 300,000 Ew.) 
an das Königreich Italien abgetreten werden ; die Fürstenthümer Bay 
reuth und Regensburg (90 Q.-Meil., 270,000 Menschen) sollten als 
Entschädigung dienen. Bayern umfasste nun über 1700 Q.-Meil. und 
3’800,000 M. — Zufolge des Rieder Tractats (8. Oct. 1813), und der 
Wiener Congressbestiinmungen erhielt Bayern seinen jetzigen Bestand : 
es musste Tirol, Vorarlberg, Salzburg, das Inn- und Hausruckviertcl an 
Oesterreich zurückgeben, und erhielt dafür die (ungenügende) Entschä 
digung : Würzburg, Aschaffenburg und die Rheinprovinz. So lange die 
Contiguität der letzten mit dem Hauptlande nicht hergestellt ist, bezahlt 
Oesterreich jührl. 100,000fl. — Neue Verfassung vom 26. Mai 1818. 
Finanzen. Budget. Dasselbe ward bisher auf den enormen Zeitraum 
von 6 Jahren festgesetzt — auf weit länger, als in irgend einem andern 
Staate der Welt. Jede genauere Vorausberechnung ist damit unmöglich 
gemacht. (Eine Abkürzung steht in Aussicht.) Das Budget für die 
VIII. Finanzperiode (vom I. Oct. 1861 bis Ende Sept. 1867, das Rech 
nungsjahr beginnt mit dem 1. Oct.) entziffert : 
Ein nah men: 
I. Directe,¡StauUaußagen, A.vSteuern: 11 Grund-4’804,0;n fl. 
2) Haus-717,07(&gt;, 3', Gewerb- I'222,621, 4) Capitalrenten- 
536,171, 5) Einkommen-232,768= 7’öl2,607. —11. Steuer- 
beischläge: zu 1) l’60l,341; zu 2, 107,561 ; zu 3) 61,145, 
zu 4) 26,806, zu 5) 23,271 = I'820,130 ; zus 9’333,037 fl. 
II. Indirecte Auflagen: Taxen 4'500,000, Stempel 1’210,343, 
Aufschlagsgefälle (auf Bier etc.) 6’200,000, Zölle 6’350,000 = 18’260,343 - 
III. Regalien undHiaatsanstaItem Salinen 3T30,000, Bergwerke 
in der Pfalz 250,000, Eisenbahnen 5’003,256, Post 570,000, 
Donaudampfschiflf. 25,146, Donau-Mainkanal 26,133, Tele 
graphen 30,000, Bank in Nürnb. 150,000 etc 6’204,761 - 
W. Domänen: Forsten etc. 5’000,000, üekonomien 305,611, 
Grundrenten etc. 4'116,234 etc 6*423,688 - 
V. Besondere Abgaben . . 27,545 - 
VI. Uebrige Einnahmen : Contiguitätsentschädigung v. Oester 
reich (s. oben) 102,083, Steuerbeischlag in der Pfalz 100,000, 
Wittwen- und Waisenfondsbeiträge 66,506 etc 271,163 - 
Hiezu aus dem Bestände der VII. Finanzperiode 200,000 - 
Zusammen 46'720,567 -
        <pb n="253" />
        DEUTSCHLAND. — Bayern (Finanzen). 
229 
I. Staatsschuld . . . 
II. Hof (Civill. 2’350,580; 
HI. Staatsrath . . . . 
IV. Landtag 
V. Minist, d. Aeussem . 
VI. - d. Justiz 
VII. a. - d. Innern . 
b. - d. Cultus . . 
Ausgaben: 
13’55G,37ö I VIII. Minist, d. Handels . 252,84b 
2’995,(»ü4 I IX. - d Finanzen . 879,712 
74,905 X. Staatsanstaltcn *) . . S’399,030 
75,000 I XI. Zuschüsse an Kreisfonds 503,900 
472,712 1 XII. Militäretat *) . . H'415,000 
3’373,192 : XIII. Landbauetat . . 774,003 
l’ü50,000 , XIV. Wwen-u. Waisenpens. 710,000 
99,037 XV. Keichsreser\efonds . 1’483,274 
I Zusammen 40'720,597 
Ausserdem ward für die beiden ersten Jahre der Finanzperiode ein 
ausserordentl. Militärbudget im Gcsammtbetrage von 10’152,500 fl. be 
willigt, welches durch Anlehen gedeckt wurde. Die Zunahme der Staats 
einnahmen über den Voranschlag lieferten die Mittel, um von IS®*,* 
folg. Etats zu erhöhen • Justiz jährl. 178,708, Inneres 205,300, Staats 
anstalten (Erziehung) 176,027, Cultus 217,327, Militär (einschl. An- 
tlieil an einmal. Aufwand) 3 351,640, zus. 4’ 189,002 fl. — Die Ge- 
sammtsumme des Staatsbedarfs stellt sich sonach auf 50’009,590 fl. 
Es ist zu bemerken, dass die Netto-, nicht, wie anderwärts, die 
Uruttosummen eingesetzt sind, wonach denn auch eine einfacheZiffer- 
gegenüberstellung, z. B. gegen das preussische Budget, als unzulässig 
erscheint Um obige 51 Millionen in die Staatscasse zu liefern, ist die 
Erhebung von ungef. 75 Mill, erforderlich. (Als der Finanzminister den 
Kammern den auf 46 058,525 fl. gestellten Budgetentwurf vorlegte, be 
rechnete er die Bruttoeinnahme auf 74’006,005, worunter allerdings die 
Betriebsausgaben für Salinen und Bergwerke mit 4’874,771, tür Eisen 
bahnen mit 0’ÍM)5,000, Post 2’131,170, und das nun ganz beseitigte 
Lotto mit 3’872.S53.* 
*) Erziehung und Bildung l'l 53,073, kathol. Cultus 1’24((,522, protest. 
433,023, Gesundheit 289,850, Wohlthätigkeit 218,111, Sicherheit 1'304,504, 
Industrie und Cultur 104,057, Strassen-, Brücken- und Wasserbau 2'954,887, 
Leistungen an Gemeinden 95,481, Steuerkataster 291),000, Münzanstalt 11,328, 
Glasmalerei 3,000. 
*) Active Armee 9'500,000, Gendarmerie 902,800, topogr. Bureau 50,000, 
Zuschuss an den Militär-Invalidenfonds 92,000, Militär])ensionen 700,000, für 
ausserord. Bedürfnisse 95,200, für Militärseelsorge 15,000. 
*) Bei Festsetzung des Budgets für die 0. Finanzperiode welches noch mit 
der geringen Summe von 37'591,090 fl. abschloss) hob der Verfasser dieses 
Buches in der Abgeordnetenkammer, ohne Widerspruch zu finden, hervor (s. 
Ntenogr. Berichte vom Mai 1852 : »Wenn man, ganz abgesehen von den eigent 
lichen Betriebskosten, die Besoldungen der Forst- und llentbeamten etc. mit 
in Itechnung bringe, so betrügen die Staatsausgaben beiläufig 42 Millionen. 
H ievon aber nähmen hinweg (nach den Ziffern der definitiven Budgetfestsetzung) : 
die Schuld . 9'810,000 fl. i die (Mvilbeamten . 11'03I,000 fl 
der Hof . . 2’950,000 - j die Geistlichkeit**) 1'502,000 - 
die Armee . 10'042,000 - | diese 5 Posten allein 35’995,000 
uder beiläufig 30 Millionen. Für alle übrigen Staatsbedürfnisse blieben so 
nach nur 0 Mill., und auch davon könnten wenig über 3 Mill, für unmittelbar 
productive Zwecke verwendet werden. Die Pensionen allein (oben einge 
rechnet) verschlängen über 3 V, Mill. 
**) Es sind dies natürlich nur die Staatszuschüsse, indess sich die kathol. 
Kirche im Besitze ansehnlicher lleichthümer befindet jiach ministerieller An 
gabe betrugen die Kirchenfonds 18**/,, über 92 Mill , d. i. nach amtlicher Be-
        <pb n="254" />
        230 
DEUTSCHLAND. — Bayern (Finanzen). 
Das Militär erhielt von 1848—55 ausser dem Budgetansatze, aus 
serordentlicher Weise, vermittelst Anlehen noch weitere 21’389,423 fl. ; 
1851» ferner 25’417,500. (Die Expedition nach Kurhessen, 1850 und 
51, kostete nach den ministeriellen Kammervorlagen 3’540,471 fl, [un 
gerechnet weitere 814,848 fl. »für vermehrte Truppenhaltung im Innern«], 
wofür ein Entschädigungsanspruch an Kurhessen erhoben, von diesem 
aber nicht anerkannt wurde. Die »Kriegsbereitschaft« von 1855 soll gegen 
5 Mill, erfordert haben. Für die militärische Hülfeleistung in der Pfalz, 
1849, bezog Preussen 202,500 fl. In den 7 Jahren —18*755 
wurden im Ganzen für die Armee 109’S00,39S fl. ausgegeben. In dem 
Rechnungs-Jahre 18*%g allein stieg diese Ausgabe auf 23’357,029 fl. 
Die Pensiojien sind nirgends so zahlreich und so hoch, als in Bayern. 
Das Cadaster hatte schon am 1. Oct. 1853 19’155,031 fl. gekostet, und 
zur Vollendung nahm man weitere 3 Mill, in Aussicht. (Aus den Zin 
sen dieses Capitals liesse sich ein ansehnlicher Theil der Grundsteuer 
decken.) Der bayer. Staat erfreut sich übrigens eines grossen Domä- 
nenbesitzes, nur ist der Ertrag gering (so liefern die rechtsrheinischen 
Bergwerke nicht das geringste Reineinkommen ; ebensowenig die Militär- 
Fohlenhöfe, obwol sie 19,309 Tagwerk [etwa 1*/^ Q.-M.] Grundeigen 
thum und ein grosses Inventar besitzen). — Ehrenvolle Ewähnung ver 
dient , dass die Abgeordnetenkammer die Aufhebung des Lotto vom 
1. Jan. 1802 an erwirkte, obwol dasselbe in den 4 letzten Jahren durchschn. 
2'7 1 9,130 fl. rein ertragen hatte (bei 9’03S,205 fl. Einlagen) und ob 
schon gerade in dieser Zeit ungewöhnliche Bedürfnisse bestanden. 
Der Aufwand für die Staatseisenbahnen betrug bis 30. Sept. 1802 
120’740,139 fl. Die Einnahme war 18"%; 14’243,702, die Ausgabe 
0,958,875 (40 7„), der Reinertrag 7 284,827 fl. Es sind dies 5.9 % 
vom Anlagecapit. (Befördert: 4’325,908 Pers., 24’347,703 Cntr. Güter. 
Kein Reisender ward beschädigt, dagegen kamen 9 Bedienstete durch 
eigene Unvorsichtigkeit ums Leben, 3 wurden ohne, 1 1 durch eigene 
Schuld beschädigt.) 
Kreisinsten. Ausser den unmittelbar durch die Staatscasse bestrit 
tenen Ausgaben, müssen deren viele für Verwaltung, Justiz, Unterricht, 
Wohlthätigkeit etc. durch die einzelnen Regierungsbezirke vermittelst 
besonderer Kreis-Umlagen gedeckt werden. (Bcischlagsprocente zu allen 
directen Steuern; in den 7 ältern Kreisen durchschn. 8—11, in der 
Pfalz nicht weniger als 53—5 1 Proc., zusammen durchschn. 1 ’024,000 fl., 
wovon 417.000 blos auf die Pfalz treffen.) 
Frühere Finanzverhaltnisse. Vor der franz. Revolution wurden die 
Einkünfte auf 10 Mill. fl. geschätzt. Die Steuern waren nicht nur 
freiwillige Leistungen der I^andschaft, sondern die Steuercassen standen 
auch nicht unter fürstlichen, sondern unter eigenen Landschaftsbeamten. 
Von 1800— 1819 herrschte der Absolutismus; die Staasrechnungen 
wurden jeder Volkscontrole entzogen. Es entstand ein grosses Deficit 
(was zur Vcrfassungsverleihung mit wirkte), ln den 1 830er Jahren er 
rechnung 1 T’Oltl,500 fl. mehr als 18*%,). Die beiden Erzbischöfe erhalten für 
ihre Personen 20,000 und 15,000 fl., 3 Bischöfe jeder 10,000, die 3 andern je 
8000 fl., ausserdem Palais. Die Domkapitel kosten überdies 187,000 fl.
        <pb n="255" />
        DEUTSCHLAND. — Bayern (Finanzen). 
231 
langte man vermittelst einseitiger Festsetzung des Budgets (und Erspa 
rung an Strassen etc.) sehr bedeutende »Erübrigungen«, welche meistens 
zu Luxusbauten verwendet wurden. Seitdem haben die grossen Ueber- 
schüsse aufgehört. 
SchuUl. Dieselbe entstand grossentheils durch Ueberwälzen der 
Privatschulden der Kurfürsten auf die Landescasse, was sich die im 17. 
und 18. Jahrhunderte zu einem blossen Scheininstitute herabgekommene 
Landesvertretung stets nach einigem Widerstreben gefallen Hess. Zur 
Deckung ward der »Malzaufschlag« eingeführt, anfangs in geringem Be 
trage. Auf einigen der neu erworbenen Gebiete lasteten Schulden, in- 
dess das mit überkommene Activvermögen (dabei die Güter der eingezo- 
genen Klöster grossentheils verbraucht, wohl auch Vieles veruntreut 
ward. Anlehen wurden auf Anlehen gehäuft: 
1501 3 Mill, zu 0% Lit. A) 
\‘t - - 4‘/t 
1502 1 - - 5 
1804 % - - 5 
— 1 — — 5 
ISOO 430,000 H. zu 5% 
1H08 4 Mill, zu (i“o (Pit. B] 
1809 8'700,9O0 zu 5% Zwangsanlehen) 
r0OO,OO0 Liv. toum. Cassenbons 
1810 25 Mill. Fres, für die Dotationen 
Napoleon’s in Bayern. 
- 1 "300,000 ñ 
- 1’000,000 Fr. 
Ungeachtet dieser Schuldanhäufung gab es Millionen von Zinsrück 
ständen ; die vom laufenden Dienste betrugen sogar über 19 Mill. Man 
bezahlte mit bprocent. Cassenanweisungen, an denen aber sogleich 20®/„ 
verloren wurden. In der Folge sank der Curs der h% Papiere auf 59. 
— 1812 Versuch der Emission eines Lotterieanlehens von 12 Mill, zu 
4®/o verzinslich, und von G Mill, unverzinslich. Da dieser Versuch miss 
lang, 1813 abermals Zwangsanlehen, unter Beibehaltung des Lotterie 
anlehens von 3 Mill, zu 5%. Am 1. Oct. 1811 betrugen die anerkann 
ten Schulden 1 1 8'239,G95 H. ; es sollten nun jährlich 3'959,999 fl. für 
Verzinsung, r559,000 für Tilgung verwendet werden. Wirklich ward 
selbst während des russischen Krieges etwas abbezahlt. Ungemeine Aus 
gaben erfolgten 1815, da Bayern als Grossmacht aufzutreten suchte. 
Nach den Pariser Friedensverträgen erhielt der bayerische Staat l’état) 
von den franz. Dcfensionsgeldern 1 5, von den Contributionsgeldern 25% 
Mill. Fr. Allein die Verwendung ist nur theilweise bekannt, da die Re 
gierung später jeden Rechnungsnachweis aus der vorconstitutionellen 
Periode verweigerte. Rudhart gab an (Protokoll der Abgeordneten vom 
4. Oct. 1831), König Max 1. habe u. a. durch Urkunde vom 24. Jan. 
181G hievon 2’409,009 fl. an die Königin und seine Töchter verschenkt. 
Dagegen übernahmen die Kammern noch 1822 955,000 fl. Privatschul 
den des nemlichen Königs auf die Staatscasse, welche Summe er von 
Ludwig dem XVI. geliehen hatte. Die Verwendung von Staatsgeldern 
für das s. g. »griechische Anlehen« erschien vor 1849 niemals in den 
veröffentlichten Staatsrechnungen. Der Verfasser dieses Buches brachte 
als Abgeordneter, in seinem Vortrage Namens des h inanzausschusses 
vom 5. März 1849, das Verhältniss zum ersten Male an die Obffentlich- 
keit. Er wies eine Forderung des Staates an den von der Regierung zu 
rückgetretenen König Ludwig nach im Betrage von 1 529, 333 fl. Der 
genannte Fürst fand sich darauf veranlasst, der Staatscasse diese Summe
        <pb n="256" />
        232 
DEUTSCHLAND. — Bayern ('Militär . 
aus seinen Privatmitteln zurück zu erstatten. Wol der einzige Fall die 
ser Art in der deutschen Constitutionsgeschichte. 
Beim Beginne der constitutioneilen Periode, ISIS, ward die Staats 
schuld auf 105 Mill., mit den Zinsrückständen auf 107’722,G58 fl. be 
rechnet. Alljährlich sollten, ausser den Zinsen, % Proc. getilgt werden 
Inde,ssen kamen fortwährend »Einweisungen aus ältern Rechtstiteln« 
(worunter ungefähr 8% Mill, zur Abfindung der Ansprüche des Prinzen 
Karl auf eine vormalige Secundogeniturdotation). So ward die Staats 
schuld folgendermassen berechnet : 
1820 110 Mill. 
1825 111'/. - 
1820 122% - 
1850 128 Mill. 
1852 152 - 
1854 151 
1859 125% Mill. 
1840 128 
1847 120 
Seit 1847 entstand eine »neue Schuld«, wesentlich zur Deckung von 
Deficits. Die Anlehen für ausserordentl. Militärausgaben, für die Eisen 
bahnen und die »Grundrentenentschädigung« werden besonders behandelt. 
Am 1. Oct. IS62 war der Stand der verschiedenen Schuldkategonen; 
1) alte Schuld 
2) neue 
5) Militäranlehen 
9S’475,1 15 
15’155,59.5 
52*020,700 
4) Eisenhahnschuld . . 100*150,858 
5) Grundrentenschuld 101*701,200 
Total 
, luiui 542*495,208 
Dass der Eisenbahn- wie der Grundrentenschuld verhältnissmässige 
(sogar höhere) Activwerthe zur Seite stehen, bedarf keines Nachweises. 
r&gt;. Schuldenstand der Gemeinden war am 30. Sept. 1S63 
15 316,636 fi. ; davon kamen auf Oberbayern 5*395,260, Unterfranken 
4 (110,635, Oberfranken 1*795,295, Mittelfranken 1*509,217, Schwaben 
1’327,5 47, Oberpfalz 537,773, Pfalz 406,571, Niederbayern 334, 33S fl. 
Militär. Formation. Jährliche Aushebung nach dem Loose, im 
22. Altersjahre. Stellvertretung zulässig (1856 1207 neue Stellvertre 
tungen, 18i)7 1234, 1858 1281, 1859 3002, I860 1860, 1861 1729). 
Dienstzeit sechs Jahre, wovon etwa 1% auf Präsenz kommen. Der 
hohe Adel ist von der Dienstpflicht befreit, der niedere Adel und das 
höhere Beamtenthum besitzen das Vorrecht, dass ihre Söhne als Cadet- 
ten eintreten. 1862 waren unter 2323 Offic. 806, im nächsten Jahre 
unter 2333 Offic. 804 Adelige (einschl. der persönlich Geadelten) und 
somit 1517 resp. 1529 Bürgerliche. Im ersten dieser Jahre waren : 
Generäle Stabsoffle. Hauptl. Lieuten. 
adohg . . 47 111 225 425 
bürgerlich . 12 120 291 1094 
Wie überall, überwiegt das bürgerl. Element bes. bei Genie Artil 
lerie und Infant., ist dagegen in der Minderheit bei der Cav — Frei- 
1-:,!'i:: 
dreifaou', ISCO M«, 'iMI 5^1" fÆ Men'ge te IC 
sertionen : 
1848 896 Mann 
1849.532») - 
1850 819 - 
1851 767 - 
1852 906 Mann 
1853 765 
1856 528 
1857 409 
1858 
1859 
1860 
1861 
342 Mann 
549 - 
646 - 
561 - 
*) Ausserdem 2325 »Fahnenflüchtige., beim Aufstande in dtr Pfalz).
        <pb n="257" />
        DEUTSCHI.AND. — Bayern (Militär). 
233 
Das Bundescontingent, ursprünglich 35,()Ü0 M., beträgt; Haupt- 
contingent 41.533, Reserven 11,867, Ersatzmannschaft 5,934; zusam 
men 59,334. Obwol diese üesammtsumme keinenfalls sofort gefordert 
werden kann, ist die Formation doch noch weit grösser. Der wirkliche 
Durchschnittsstand war in den letzten Rechnungen so aufgeföhrt ; 
1856 1857 1858 1859 
9),96K 90,295 93,137 105,757 
Die Formation ist auf 72,845 M. streitbare Soldaten. 5052 
Nichtstreitbare und 25,200 assentirt unmontirte (u. unexercierte) Mann 
schaft, zus. 103,097 M. bestimmt, sammt 9,210 Pferden. 
Uj Infant.-Reg. à 3 Bat. zu 6 Comp, 
h Jägerbataillone zu 4 Comp. . . 
3 Cürassierregimenter j 
0 Chevauxlegersreg. &gt; à 4 Escadr. 
3 Ulanenregimenter ) 
3 fahrende Art.-lteg 
• reit. Art.-Reg 
1 Ceniereg. à 8 Comp 
1 ()uvrierscompagnie 
3 Sanitätscompagnien 
Zusammen 
streitbare 
Mannschaft 
48,896 
6,760 
I 1,992 
3,984 
I 1,992 
6,583 
870 
1,768 
nicht 
streitbare 
496 
112 
72 
144 
72 
3,144 
27 
20 
285 
680 
Dienst 
pferde 
72,845 5,052 
assent. 
Unmont. 
20,400 
800 
300 
600 
300 
1,860 
300 
400 — 
240 — 
25,200 7,692 
1,683 
3,366 
1,683 
2,824 
654 
Nicht eingerechnet sind: die obersten Commandostellen, Leibgarde 
der Hartschiere und Garnisonscompagnien. — Das 1. u. 2. Artill.-Reg. 
je mit 5 leichten und 7 schweren Fussbatt., das 4. mit 4 leichten und 
8 schweren Fussbatt., das 3. (reitende mit 1 Feldbatt. 
Landwehr. Dem Gesetze nach soll dieselbe allenthalben bestehen; 
sie ist aber thatsächlich nur in den grössern Städten und ausserdem auf 
dem Papiere vorhanden ; in der Pfalz fand man es nicht für zweckmässig, 
«e auch nur dem Namen nach zu organisiren. Die Einrichtung ist der 
malen ohne alle praktische Bedeutung. (Auf dem Papiere erscheinen 
r&gt;4,5(»0 M. Infanterie in 542 Compagn.), 560 freiwilligeGebirgsschützen, 
I &lt;70 M. Cavall. (7’/^ Escadr. und 830 M. Artill. 
Festnuffen. Ingolstadt und Germersheim (beide neu erbaut, erstes 
mit einem Aufwande von 18% Mill., letztes mit einem von etwa 1 3 Mill.), 
Landau (Bundesfestung, im Frieden blos von Bayern besetzt). In Ulm 
hat Bayern das Mitbesatzungrecht (Neu-Ulm liegt auf bayerschem Ge- 
mete). Ausserdem einige kleine feste Punkte, wie Marienberg bei Würz- 
'mg, Oberhaus bei Passau, WiSlzburg und Rosenberg. 
FriegsffCHchtchtltche Notizen. Die Kriegsmacht Pfalz-Bayerns vor 
&lt;89 ward auf 24,000 M. berechnet, wovon jedoch nur 7000 präsent 
Waren. Die Kriege zur Rheinbundszeit (u. a. in Tirol) erheischten viele 
enschenopfer, und wenn auch keine bayer Truppen nach Spanien ge 
sendet wurden, so gingen dagegen im russ. Feldzuge 30,000 M. fast 
sämmtlich zu Grunde. Die höchste Formation des bayer. Heeres betrug 
ungefähr 4 7,000 M , also selbst in der Napoleonischen Kriegszeit nicht 
m Hälfte der jetzigen. Nach dem Rieder Vertrage Vermehrung der 
Armee auf 86,000 Mann.
        <pb n="258" />
        334 
DEUTSCHLAND. — Bayern (Sociale Verháltniase). 
Sociale Verhältnisse. In den 7 rechtsrheinischen Kreisen herrscht 
bekanntlich Erschwerung der Ansässigmachung, System des Realrechts 
und neben ihm nun wieder stark des Concessionirungswesens im Ge- 
werbsbetriebe, und Untheilbarkeit der Adels- und vieler anderer Güter ; 
im Pfalzkreise dagegen aus der Zeit der franz. Herrschaft : Freiheit der 
Ansässigmachung und Heirath, des Gewerbbetriebs und der Gütertheil- 
barkeit. Wäre es auch ungereimt, die Verschiedenheit aller Erscheinun 
gen in beiden Landestheilen diesen Umständen beizumessen, so üben 
dieselben doch unzweifelhaft einen gewaltigen Einfluss, und wir stellen 
darum folgende Resultate einander gegenüber: 
Der im Privatbesitz befindliche Boden zerfällt in 5)4 7,0 lU einzelne 
Besitzungen, davon 228,5)70 in der kleinen Pfalz, mit einer Durchschnitts 
grösse von 4 Tagwerken, dagegen nur 1051,15)5 Besitzungen in Ober 
bayern durchschn. von 24 Tagw. — Die Zahl der Parcellen ist 12 808,472, 
wovon 3’004,202 in Unterfranken und 2’030,578 in der Pfalz. — Die 
landwirthschaftl. Production ist am mannichfachsten und in vielen Be 
ziehungen am grössten in der Pfalz. 
Bei consequenter Durchführung des Princips der Ge werbsf rei 
he it entsteht weniger ein unnatürliches Zudrängen zu den Gewerben, 
als bei dem bureaukratischen Concessionswesen. 1801 zählte man in 
Bayern 321,510 Gewerbtreibende 1 52,5)70 Meister, 108,540 Geholfen 
und Lehrlinge). Dabei kam aber ein Gewerbtreibender in den ältern 
Kreisen schon auf 14,2 Einwohner, in der ge w erb freien Pfalz erst auf 
17. (In Preussen, wo principiell Gewerbfreiheit besteht, kam 1 erst auf 
17, wobei aber dennoch die Gewerbsproduction eine weit höhere, als in 
Bayern. Vergleiche auch Kurhessen, wo, bei starrem Zunftzwange, 
gleichfalls 1 Handwerker schon auf 14 —15 Einwohner kommt.) 
Die Zahl der Realrechte und radizirten Gewerbe betrug nach einer 
ministeriellen Erhebung von 1801 74,015), mit einem Schätzungswerthe 
von 08'8 10,318 fl. ( 1 825^waren es erst 08,150 Rechte im Werthe von 
etwa 12 Mül.!) Auf die einzelnen Kreise kamen; 
Kreise Bechte Werth Kreise Rechte Werth 
Oberbayern . 17,sll 15)’71 (),.') 15 H. Oberfranken . 5,101 4’;)54,027 fl. 
(dav. München 1,4S5) 1'7 00,55)0) Mittelfranken.. 5),710 0’70S,417 
Niederbayern 15,5:(S 15’755),545) , Unterfranken . 5,05)4 0'552¡140 
Oberpfalz . . 10,170 5’t)Ss,ioo ¡ Schwaben . . 5),712 5)’712,S5)s 
Auf sänimtl. Realrechte sind Ilvpotheken ciimetraiten von 3’014 253 fl . 
wovon 2'370,55)1 in Oberbayern. 
Von den Geborenen waren im Durchschnitt der 22 Jahre 18»%, 
bis 18»»/eo -1,1 Proc. unehelich; in der Pfalz nur 8,8%, in den an 
dern Kreisen dagegen 23,2%. Das Verhältniss würde ein absolut gün 
stigeres sein, wenn nicht den Militärpflichtigen (auch in der Pfalz) das 
Heirathen unmöglich gemacht wäre. (1%^ der Stadt München, wo das 
Realrechtswesen am ausgebreitetsten, überstieg die Zahl der unehelichen 
Geburten wiederholt die der ehelichen.) Von I OlM) unehelich Geborenen 
wurden durch nachfolgende Ehen legitimirt ; in der Pfalz 21)1,4, in den 
andern Kreisen nur 144,2. 
Ehescheidungen traf je eine auf folg. Anzahl Trauungen:
        <pb n="259" />
        235 
DEUTSCHIiAND. — Bayern (Sociale Verhältnisse). 
in der Pfalz in den andern Kreisen 
von Katholiken .... 871 lfi4 
von Protestanten . . . 285 102 
von gemischter Confession 367 84 
Verbrechen. In den 7 Jahren 18'%, bis 18*%4 wurden im Gan 
zen von den Gerichten an Verbrechen abgeurtheilt, in: 
Oberbayern 3487 
Niederbavern 17 08 
Überfranken 1636 
Schwaben 1557 
Oberpfalz 1490 
Unterfranken 1236 
Mittelfranken 1212 
Pfalz nur 528 
Auf eine gleiche Einwohnerzahl kamen Verbrechen in 
Oberbayem 
Niederbayern 
Überfranken 
Oberpfalz 
566 
378 
371 
364 
Schwaben 315 
Mittelfranken 263 
Unterfranken 237 
Pfalz nur 100 
(siehe: Annalen der Rechtspflege in der bayer. Pfalz, 1847, wo auch 
eine Menge weiterer Nachweise.) Allerdings hat sich dieses Zahlenver- 
kältniss in Folge der politischen Ereignisse von 1849 geändert (ein ein 
ziges Urtheil des Pftlzischen Appellhofes von 1850 erkannte gegen 333 
l*ersonen Anklage auf Tod wegen Hochverraths ! Bereits im Oct. 1851 
Waren wegen des Aufstandes in der Pfalz abgeurtheilt: 42 Personen 
■'^or Special-, 310 vor Schwur- und 244 vor Zuchtpolizeigerichten, zus. 
596, ungerechnet alle Militärpersonen). Unverkennbar war die Pfalz 
Während des letzten Jahrzehnts in ein höchst unnatürliches Verhältniss 
gekommen, wie dies namentlich auch die furchtbare Bevölkerungsab 
nahme zeigte. Das frühere pfälz. Strafgesetzbuch war weit strenger als 
das altbayerische ; dennoch betrugen die Verurtheilungen wegen eigent 
licher Verbrechen (nach dem Berichte des Abgeordn. Dr. Edel vom Nov. 
1855 über die Gerichtsorganisationi: 
1880—51 1851—52 1852—53 1853—54 
in Oberbayern 128 104 122 140 
in Niederbayern 112 124 114 106 
in der Pfalz 33 66 50 65 
Zur Gerichtsstatistik. Von Einführung des öffentl. - mündl. 
Verfahrens, 1. Jan. 1849, bis zur Einführung des neuen Strafgesetz 
buchs, 30. Juni 1862, also in 13'/| Jahren, wurden in den rechtsrhein. 
Kreisen 327 Todesurtheile erlassen und davon 65 vollzogen: 50 gegen 
Mörder und 15 gegen Räuber. 
Eine Zusammenstellung der in den 7 Jahren 18'%&amp; bis 18*%, we 
gen Verbrechen oder Vergehen Abgeurtheilten in den 7 rechtsrhein. 
Kreisen, ausgeschieden nach den beiden Haupteonfessionen, ergibt folg. 
Durchschnitte : 
auf 100,000 Seelen 
Abgeurtheilt Katholiken Protestanten Kalhol. Protest 
Wegen Verbrechen 285 50 = 0,7 5,5 
- Vergehen 4745 1171 = 162,6 128^5 
Zusammen 5020 1222 • = 172,3 134,1 
In jedem einzelnen Jahre war die Zahl der Katholiken die über 
wiegende (ebenso wie in Preussen, siehe S. 187). Dagegen muss er 
wähnt werden, dass die sorgsamen Berechnungen von Hermann’s erga-
        <pb n="260" />
        236 
DEUTSCHLAND. — Bayern (Sociale Verhältnisse). 
ben, dass die relative Zahl der Selbstmorde bei den Protestanten fast 
dreimal so gross ist als bei den Katholiken. (Beide Erscheinungen ste 
hen nur scheinbar im Widerspruch.) 
Volksbildung. Elementarschulen gab es 1861 7126 mit 8265 Leh 
rern — Bei der Truppenaushebung des Jahres 1863 hatten 9,88% der 
Conscribirten eine mangelhafte Schulbildung (1862 1 1,7 %, 1861 
11,76%); davon in Niederbayern 19,7, Oberpfalz 15,9,' Oberbayern 
9,2, Pfalz (wo alle Wohlhabenden Ersatzmänner zu stellen pflegen) 8,2, 
Schwaben 7,4, Oberfranken 7,0, Unterfranken 6,8, Mittelfranken 4,8%• 
— Mittelschulen (1862): 29 Gymnasien mit 301 Lehrern, 2532 
Gymnasial- und 4882 Lateinschülern. Ausserdem 28 isolirte T,atein- 
schulen mit 198 Lehr, und 1363 Schul. — 8 Bealgymnasien und 29 
Ge werbschulen. — 1 polytechn. Schule. — 3 Universitäten. 
Beschäftigungsweise. Von je 1000 Einw. lebten (nach v. Hermann) *) : 
von Landwirthschaft .... 
von Industrie und Handel . . 
von Renten, Staatsdienst, Kunst 
im Militär 
conscribirte Arme 
Dampfmaschinen. Im J 
1840 
657 
257 
54 
14 
18 
861 
1852 
679 
227 
55 
19 
20 
Die Zahl der Geistli 
chen ist bei den Katho 
liken wie 1 :464, bei den 
Protestanten 1 ; 1015. 
1861 889 mit 77,889 Pferdekraft, 
worunter aber 353 Locomotiven mit 55,136 Pferdekraft. 
Berg- und Hüttenwesen, 1861: 
Werke Production 
Bergwerke 549 6’455,252 Zollcntr. 
Hüttenwerke 139 P563,541 
Salinen 8 1’009,753 
Zusammen 
Geldwerth 
1’421,962 H. 
8’371,628 - 
4’278,446 - 
14’U72,036% 
Arbeiter 
3716 
3792 
2294 
irbOiT“ 
696 9’008,546 Zollcntr. 
Doch sind dabei die im Hüttenbetrieb verwendeten Bergproducte 
offenbar doppelt aufgeführt, und in dem Gcldwcrth der Salinenproducte 
ist nicht blos der reelle Werth, sondern auch die Salzsteuer einbegriffen. 
— Von den Werken gehörten 1860 82 dem Staate. — Die wichtigsten 
Bergwerksproducte waren 1862: 4’424, 102 Zollccntner Steinkohlen, 
r096,882 fl. werth, von 131 Werken; 1’032,957 Cntr. Eisenerze, 
186,131 fl., von 279 Werken; —wichtigste Hüttenproducte : 600,021 
Cntr. Roheisen, ,1’688,802 fl. worth, v. 84 Werk.; 232,920 Cntr. Guss- 
waaren, 1'614,786 fl.; 694,421 Cntr. Stabeisen, 4’715,765 fl. etc. 
Bezüglich (1er Landwirthschaft ist zu bemerken, dass der Tabakbau 
sich sehr vermindert hat. Im J. 1857 waren 20,178 Tagwerk mit Tabak be- 
rtui v/ii. 1111 TTciiiic vuii II .viiii. n. geschätzt 
140,000 Ctr. ausgeführt, im Werthe von 7% Mill. fl. — Der Viehstand war 
bei der Aufnahme v. 1801: 380,108 Pferde, 3’185,882 Stück Rindvieh, 2’058,63K 
Schafe, 150,855 Ziegen, 926,522 Schweine. Schon 1854 ward der Geldwerth des 
Viehstandes auf 223’964,586 fl. geschätzt. 
*) Aeusserst interessante Vergleichungen über den Stand der Gewerbe in 
den Jahren 1847 und 61 bei v. Hermann.
        <pb n="261" />
        DEUTSCHLAND. — Sachsen (Land und Leute). 
237 
In der Gewerbsindustrie verdienen die Brauereien eine bes. Er 
wähnung. Es bestanden deren in den letzten Jahren 4878, ungerechnet jene in 
der Pfalz; sie lieferten etwa 8’800,000 Eimer Bier imWerthe von 54 Mill. Schon 
185() betrug die Ausfuhr 155,231) Eimer, im Werthe von 991,500 fl., 1801 war 
die Ausfuhr auf 318,333 Eimer gestiegen. — Branntweinbrennereien gab 
68 1800 blos in der Pfalz gegen 2000, mit einer Production von 45,000 Hectoli 
ter, wovon 22,000 nach Preussen, Baden, Holland, Frankreich etc. gingen. 
Wohnungen. Gebäude waren in den 7 rechtsrhein. Kreisen 
im Werthe von bbb'957,72U fl. gegen Feuer assecurirt. 
Sparcassen, 1. Oct. 1S()2 24b mit 23’6S2,77b fl. Einlagen. 
Eisenbahnen. Bayern besitzt vergleichsweise bedeutend mehr als 
I*reu88en ; Ende lb04 304 Meil. im Betriebe, neml. 164 Meil. Staats-, 
29 M. vom Staate gepachtete und 111 M. reine Privatbahnen. Verkehr 
äul der Staatsbahn siehe S. 230.) 
Telegraphen. Oct. 1862 277 % Meil., 550 M. Drahtlänge und nur 
44 Stationen; 251,237 Depeschen, Ertrag 212,450, Betriebskosten 
159,733 fl. Da die Anlagekosten 749,594 fl. waren, so ergibt sich eine 
Hente von 7,03%. 
Post. 18«%, 33'070,731 Briefe 18%„ erst 20'932,635 , 38'936,646 
^eitungsblätter. 
Maasse elc. Der bayr. Fuss = 0,9299 preuss. oder 29,18 Centimet. Die 
Elle s= 1,249 preuss. — Das Tagwerk = 400 (i.-Ruthen oder 34,0727 Aren. — 
^ie Maass = 0,9330 preuss. Quart oder 1,009 Liter. Der bayr. Eimer = 04 
5ayr. Maass oder 0,9958 preuss. Eimer oder 08,41 Liter. — Der bayr. Schäffel 
•= 4,0457 preuss., oder 222,35 Liter. — Das bayr. Pfund = 1,12 Zollpfund, 
(ln der Pfalz besteht meist noch franz.-metrisches Maass und Gewicht.) 
, .*) Ilauptyuelle die höchst schätzbare Mittheilungen enthaltende » Zeit- 
statistischen Bureaus des Kön. Sächsischen Ministeriums d. Innern.« 
t Bureau bekanntlich unter der Leitung des kenntnissvollen Dr. Weinlig 
1 — Sodann; »Staatshandbuch f. d. Königr. Sachsen. 1803. Herausge- 
* Statist. Bureau im Minist, d. Innern« (bearbeitet von dem ebenso 
gelälhgen als thätigen Sekr. L. Th. Petermann). 
4. Sachsen (Königreich)*. 
Kreis 
äs* Q.-M. Bevölk. Auf die ' 
tion Dec. 1861 Q.-M 
Männlich 1'088,933 
Weiblich r 136,307 
kau 84 827,245 9848 
zen 45 V, 308,488 0845 I 
nen 271'/, f^\240 8”Í9Õ , 
79 583,213 7382 
03 500,294 8037 
Familien 470,199. 
Bewohnte Gebäude 230,410. 
Unter den Einw. 53,970 wendischen 
Stammes, in 333 Ortschaften. 
Amtshauptmannschaften der 4 Kreise : 
F reiberg 
251,207 
114,979 
95,915 
121,112 
202,002 
101,148 
101,928 
101,210 
.. miiiuoerg . . . 
' ' Plauen .... 184,304 
Schönburg'sehe 
Chemnitz . . . 212,loO 
Zwickau . 197,805 
Annaberg. . . 120,077 
I Borna . 
2. I Grimma 
I Rochlitz 
I Döbeln. 
1 vvCvKoIlt^rFnCllcilt. * i 
, I Budissin 151,381 
1 Zittau . . . . 157,107 
Ilecessherrschaft. 112,753 
M
        <pb n="262" />
        238 
DEUTSCHLAND. — Sachsen (Land und I^eute). 
Confessionen (1861): 
Lutheraner 2’175,392 
Reformirte . . . 
Anglicaner . . . 
Rom. Katholiken 
Deutsch-Katholiken 
Griechische Katholiken 
Juden 
4,515 
233 
41,363 
1,722 
460 
1,555 
Gebrechliche, 
Blinde . . 
Taubstumme 
Blödsinnige 
Irren . . 
1,606 
1,366 
4,540 
1,559 
Städte. In den 142 Städten (worunter aber Orte von noch nicht 
600 Menschen; lebten 1861 819,621, auf dem Lande 1’405,619 Per 
sonen. Die Zunahme in den Städten war von 1855—58 nur wenig stär 
ker als auf dem Lande, während sie von 1852—55 sogar schwächer ge 
wesen, dagegen hat sich für 1858 — 61 eine Vermehrung ergeben in den 
Städten von 6,27, auf dem Lande nur von 4,06 Proc. — Bedeutendere 
Städte 1861 (mit Militär]: 
Dresden 
I.eipzig . 
Chemnitz 
Zwickau 
Freiberg 
Glauchau 
Plauen . 
Merane . 
Zittau . 
Budissin 
Crimmitzschau 
Reichenbach 
Meissen. 
128,152 
78,495 
45,432 
20,492 
17,488 
16,586 
16,166 
13,626 
13,063 
11,237 
10,650 
10,198 
9,886 
Annaberg 
Werdau . 
Grossenhain 
Döbeln . 
Mittweida 
Frankenberg 
Zschopau 
Schneeberg 
Pirna . . 
Hainichen 
Wurzen . 
Rosswein 
Eibenstock 
9,710 
9,298 
8,988 
8,228 
7,969 
7,943 
7,858 
7,582 
7,441 
6,594 
6,408 
6,401 
6.365 
Bevölkerung shetvegung. 
Geburten Sterbfälle Trauungen 
1859 91,393 60,476 18,707 
1860 92,835 57,483 19,655 
1861 90,805 67,373 18,517 
Unter den Geborenen waren in die 
sen 3 Jahren unehel. : 14,377, 14,083, 
13,895. — In den 9 Jahren 1853—61 
sind 10,871 Individuen ein-, und nur 
9,074 ausgewandert. 
Grimma . 
I.eisnig . 
Hohenstein 
Oschatz . 
Lösnitz . 
Treuen . 
Stollberg. 
Cederán . 
Waldheim 
Kirchberg 
Marienberg 
Kamenz . 
Penig . . 
Rochlitz . 
Frühere Bevölkerung 
1815: 1’178,802 
1824: 1’311,483 
1834 : P595,668 
1840: 1’706,276 
1849: 1’894,431 
1852: 1’987,612 
1855: 2’039,176 
1858: 2’122.148 
5,879 
5,770 
5,580 
5,468 
5,367 
5,312 
5,266 
5,183 
5,183 
5,172 
5,097 
4,999 
4,933 
4,859 
Das Ackerland umfasst 1’344,4 75 Acker, die Wiesen 301,551, 
Weiden 56,168, Wald 84 5,945 (wovon 283,173 Staatseigenthum)! 
Von den 48’525,2ll Steuereinheiten kommen H’089,8(*7 auf die Ritter 
güter. — Viehstand 1861); 95,642 Pferde, 638,460 St. Rindvieh, 
371,989 Schafe, 270,462 Schweine, 90,881 Ziegen. 
Bodenvertheilung : Q.-M. 
Kammergüter . . . 
Staatswaldungen . . 
Kirchen- und Schulgut 
Gemeindeeigenthum . 
Innere StadtHächen . 
1,75 
27,73 
5,46 
7,44 
0,85 
Privateigenthum ; 
a. Ritterschaftliches (942 
Rittergüter) .... 
b. Uebriges 
Gesammtsumme 
Q.-M. 
43,24 
185^12 
271.63 
Gebietsveränderungen. Kur-Sachsen im Jahre 1786: 
Kur-Kreis 'Wittenberg etc.) ^ W IS^^OOO 
Thüring’scher Kreis (Weissenfels, Langensalza) 36 165,000 
Meissnischer Kreis (Dresden, Torgau) ... 69 300,000 
Leipziger Kreis 46 210,000
        <pb n="263" />
        DEUTSCHLAND. — Sachsen (Finanzen). 
239 
Q.-M. Einw. 
Erzgebirmscher Kreis (Ereiberg, Chemnitz . . S4 .‘i08,000 
Voigtländischer Kreis (Plauen, Reichenbach) . 21 \ «t; nnii 
Neustädter Kreis 13/ 
Stifte Merseburg, Naumburg, Zeiz 22 &lt;H),000 
Fürstenthum Querfurt .... 
Theil der Grafsch. Henneberg (Subía) . . 8 20,000 
- - Mansfeld (Eisleben) ... 8 .... 
Grafschaften Barby und Gommern 4 .... 
Lausitz (mit Görlitz, Lauban etc.) . . . ISO 400,000 
Zusammen (eigentl. 039 Q.-M.) 000 1'"00,000 
Sachsen verliess nach der Jenaer Schlacht das preussische Bönd- 
niss. Zufolge des Posener Vertrags v. 11. Dez. 1806 schloss sich der 
Kurfürst dem Rheinbunde an, erklärte sich zum Könige, und erhielt den 
Cottbusser Kreis von Preussen, wogegen er Mansfeld, Gommern und 
Barby an Westfalen abtrat. Auch ward er zum Herzoge von Warschau 
erhoben, das jedoch einen besondern Staat bildete. Der Wiener Con 
gress, mehrmals auf dem Punkte Sachsen vollständig an Preussen zu 
überlassen, verfügte schliesslich eine Theilung. Zufolge Vertrags vom 
18. Mai 1815 musste Sachsen an Preussen abtreten; die Nieder- und 
einen Theil der Oberlausitz, den Wittenberger und Thüringer Kreis, 
und Theile des Neustädter, Leipziger und Meissner Kreises, den grössten 
Theil der Stifter Merseburg, Naumburg, Zeiz, dann Mansfeld, Querfurt, 
die Voigtländischen Enclaven und Henneberg. Weimar erhielt den 
Haupttheil des Neustädter Kreises. Der Gesammtverlust betrug 379 
Q.-M und 875,60(1 Menschen, oder, den an Preussen blos zurückge 
gebenen Cottbusser Kreis abgerechnet, 368 Q.-M. und 845,200 Einw. 
Die jetzige Verfassung à&amp;iixX, 1. Sept. 1831. 
Finanzen. Dreijährige Budgets. Die letzten schlossen so ab : 
für 1S49 bis Al jährlich "'000,009 Thlr. 
- 1852 - 54 - H'2K1,728 - 
- 1855 - 57 - 9'040,902 - und ausserord. 7'893,550 für 3 Jahre 
- Ib58 - 00 - 9’305,243 - - 5'242,058 
- 1801 - 03 - I2'350,352 - - 7'522,000 
1842 war d. Staatsbedarf 5'002,289 
Budget für die Einanzperiode 1864—66.*) 
1. Jährliche Einnahmen. 
A. Nutzungen des ¡Stautsvenniigens. 
1) Domänen und andere Besitzungen dabei: Forste und 
Jagden 1'250,000, von den Kammergütern 118,940 
2) Regalien und Verkehrsanstalten (dabei Staatseisenbah 
nen 2'000,000, Salz418,000, Post207,000, Chaussee-u. Brücken 
gelder 232,000 , Berg- und Hüttennutzungen 87,540, Flösserei 
und Holzhöfe 40,000 
Tür das Telegraphenwesen ist 14,000 Thlr. etatmässiger und 
^ 10,000 transitorischer Zuschuss angesetzt). 
3) Zinsen und Administrationseinkünfte dabei Zinsen 
von Active apitalien 040,00(1, Lotterieüberschuss 500,000, Besol 
dungsabzüge zum Pensionsfond 70,000) 
Thaler. 
1'471,740 
3'000,040 
1'27:^5% 
5'750,808 
*) In dem Gesetz- und Verordnungsblatte sind, abweichend von dem Ge 
brauche anderer constjtut. Staaten, nur die Hauptziffern der Budgetposi 
tionen, ohne alle Special isirung der einzelnen Etats, abgedruckt.
        <pb n="264" />
        240 
DEUTSCHLAND. — Sachsen (Finanzen). 
1{. Steuern und Abyaben. 
1) Directe, ordentliche (Grundsteuer, 9 Pf. p. Einheit I ’518,800, Ge 
werbe- und Personalsteuer 712,000; 
2) Indirecte, ordentliche (Grenz- und Elbzoll 1*120,700, Brannt 
weinsteuer 608,800, Schlachtstcuer 293,700, Biersteuer 250,100, 
Weinsteuer 14,400, Tabaksteuer 2,600, die 5 letztgenannten 
Steuern incl. Uebergangsabgabe ; Kübenzuckersteuer 499,700, 
Stempelimpost 320,000) 
Summa der Steuern und Abgaben 
Summa der Staatseinkünfte 
Hiezu C. Zusatz aus den verfügbaren, soweit nöthig durch be 
sondere Creditmassregeln zu verstärkenden Beständen des 
mobilen Staatsvermögens 
Summa der Staatseinnahmen 
Thaler. 
2*230,800 
3*110,000 
5*340,800 
11*091,608 
2*567,376 
13*658,984 
II, Jährliche Ausgaben. 
A. Allgemeine Staatsbedürfnisse. ctatmasei^ transitons, h 
Thaler 
1) Königliches Haus: Civilliste 615,000, Schatullgeld 
der Königin 30,000, Apanagen 205,566, Unterhal 
tung der zum königlichen Haustideicommiss gehö 
rigen öffentlichen Sammlungen 36,173 und 17,018 
trans. = 886,566 17,648 
2) Schuld, Verzinsung 2*285,231, Tilgung 836,293 = 3*121,524 
3) Renten unablöslicher Capitalien 123,549 
4} a) Ablösung der den Domänen nicht angehörigen 
Lasten und Abfindungszahlungen 10,000, b nach- 
trägl. Entschädigung für den Wegfall gewerbl. Ver- 
bietungs-Rechte 152,000 trans. = 10,000 152,000 
5) Landtagskosten (dav. 4000 Zuschuss zu den Land 
tagsmittheilungen) 40,166 
6) Allgemeine Regierungsangelegenheiten .... 2,000 
B Gesammtministerium und Dependenzen 26,490 2,400 
C. Justizdepartement 581,492 9,655 
1). Departement des Innern 958,512 92,514 
E. Finanzdepartement 490,374 47,589 
F. Militärdepartement 2*294,875 10,567 
G. Dep. des Cultus und öfientlichen Unterrichts . . . 397,670 100,845 
H Departement des Auswärtigen 91,445 7,300 
1. Beiträge zu den Ausgaben des Deutschen Bundes 35,000 — 
K. Pensionsetat ... 584,396 12,514 
Ti. Bauetat 911,420 2*543,500 
M. Reservefond 100,000 — 
10*662,752 2*996,232 
13*658,984 pr. Jahr. 
Ein ausserordentliches Budget ist diesmal wieder nicht aufgestellt, 
vielmehr das etwa dahin Gehörige unter die transitorischen Postulate verschrie 
ben worden. Daher das grosse Anwachsen derselben, namentlich beim Bauetat, 
worunter für diese Finanzperiode 7 (also jährlich 2%) Millionen Thlr. zu Voll 
endung der Chemnitz-Annaberger und Herlasgrün-Hofer Staatsbahn figuriren. 
Die Vermehrung des Bedarfs in der Neuzeit rührt hauptsächlich 
von den Positionen Schuld und Militär her. — Der Bedarf für die Schuld 
betrug lS®%e 591,678, 18*%, 651,790, 18*%, 1*588,102, 18»%* 
2*197,065, 18»%, 2*585,985, 18»%, 2*834,000. Der für das Militär: 
18»*/„ 1*180,369, 18*748 1 344,025, 18*7», 1*841,543, 18»%, 
1*933,417, 18»%, 2*038,168, 18»%, 2*175,096. Die eigentliche Ci-
        <pb n="265" />
        DEUTSCHLAND. — Sachsen Finanzen). 
241 
vüliste war 1831 auf 500,000 Thlr. C.-M. (513,889 Thlr. Cour.) fest 
gesetzt; sie ward 1854 auf 570,000, (1804 behufs Ausdehnung der in 
a en Departements vorgenommenen Erhöhung der Beamtengehalte auf 
die aus der CiviUiste bezahlten um weitere 45,000 Thlr.) erhöht, und 
iür die Königin ein Schatullegeld von 30,000 Thlr. beigefügt. Die Pen 
sionen (worunter auch solche von Hofbediensteten), 1845 522,672, 
stiegen 18*%, auf 556,669, 18“%* sogar auf 635,401. Die Ausgaben 
vermehrung führte u. a. zur Einftihrung einer Rentensteuer (1851) und 
Erweiterung des Lotterieinstituts (Vermehrung und Preiserhöhung der 
oose!) Dagegen gestatteten die wachsenden Erträge namentlich der 
Eisenbahnen und Forsten sowie der indirecten Abgaben, die in den 50«r 
a iren eingeführten ausserordentlichen Zuschläge zu den letzten nach und 
%W ^*^^Gder in Wegfall zu bringen, die ordentlichen Sätze zu ermässigen 
(ödilachtsteuer und Salzpreis) und die wiederholten Gehaltaufbesserun 
gen und gemeinnützigen Opfer bei Betriebsanstalten (Aufhebung der 
Postbestellgelder, Bau von Gebirgsbahnen) bis jetzt ohne Steuererhöhung 
urchzuführen. Neuerdings scheint man jedoch bei Abschätzung der 
Gewerbtreibenden (die Agricultursteuer ist invariabel, das Wachsthum 
er Grundsteuer auf die Gebäude zu rechnen) innerhalb des vom Gesetze 
gelassenen Spielraums möglichst hoch herauf zu gehen. 
Die wirkliche Einnahme übersteigt stets sehr bedeutend die vorge 
sehene Summe. Die letzten Finanzperioden lieferten folgende Gesammt- 
Grgebnisse : 
Oesanunteinnahme Ordentl. Auagabe Ueberachasa 
1852-54 28’460,798 25*188,122 3*272,675 Thlr 
1855^57 32*609,529 27*799,372 4*810,157 - 
1858—60 36*428,449 30*490,111 6*323,175 - 
Auf die Staatseisenbahnen waren Ende 1862, einschliesslich 
Betriebscapital, 46*020,059 Thlr. verwendet. Die Roheinnahme war 
1862: 5 396,569, der Reinertrag 2*661,753 Thlr., mithin verzinste 
Sich das meist zu 4 % erborgte Anlagecapital zu etwas über 5 %. 
Das mobile Staatsvermögen des Königreichs Sachsen betrug am 
Schlüsse der Finanzperiode 18“%„; 18*955,437 bei den Centralcassen 
und 17*355,873 bei den Provinzialcassen und Betriebsanstalten, zus. 
311,310 Thlr. 
Das immobile Staatsvermögen wurde geschätzt auf 92*681,013 Thlr., 
I^ämlich : a) zur freien Benutzung der Krone vorbehaltenes 518.073, 
zur öffentlichen Benutzung (incl. Straf- und Versorgungsanstalten, 
^ ' Strassen, Canäle etc.) 4 551,842, c) an Betrieb der Staatswirth- 
^haft 81*340,333*), d) für Zwecke des Civildienstes 4*476,932, e) für 
1bestimmtes 1*793,833. Summe des Staatsvermögens 
128*992,323 Thlr. 
_ Staatsschulden des Königreichs Sachsen betrugen am 
Schlüsse der Finanzperiode 18"%^ : A. Anleiheschulden 3% Anleihe 
'on 1830: 6*801,400, 4% Anleihe von 1847 : 8*929,500, vereinigte 
) Darunter: Staatseisenbahnen. 37*293,832 Thlr. 
Forsten .... 30*271,021 
Kammergüter . . 1*895,976 
Fiscal-Kohlenwerke 1*984,870 
Kolb, statiitik. 4. Aufl. 
16
        <pb n="266" />
        242 
DEUTSCHLAND. — Sachsen 'Militär). 
4procentige Anleihen von 1852, 55, 58 u, 59 ; 32’230,400, 3% Anleihe 
von (ehemal. sächsisch-bayrischen) Eisenbahnactien v. 1855: 4’4 19,800 
unverzinsl., nunmehr gekündigte alte Kammerscheine etc. 9,265 = 
52’390,365; B. Finanzhauptcassenschulden 395,359; C. Casscnbillet- 
schuld 7’000,000; D. übernommene Actienschuld der sächs.-schles. Ei 
senbahn (4 %) 3’734,700, zus. 63’520,424 Thlr.— Zum Baue der An- 
naberger und Voigtländischen Staatsbahn, sowie zur Ergänzung der 
Betriebsmittel bei den vollendeten Staatsbahnen wurde 1862 eine wei 
tere 1% Anleihe von 6% Mill. Thlr. emittirt, so dass sich gegenwärtig 
der Schuldenstand auf circa 70 Mill, beziffert, welche sich durch die ob 
gedachten 7 Mill, zur Vollendung jener Eisenbahnen, sowie 4 Mill, für 
den beschlossenen Eisenbahnbau von Freiberg nach Chemnitz weiter 
vermehren werden. 
Finanzgeschichtliches. Die Erhebung sächsischer Kurfürsten auf 
den polnischen Königsthron kostete Sachsen enorme Opfer. Schon unter 
August II. (1697— 1733) wurden » der Königswürde « wegen Landes- 
theile und Rechte des Kurstaats veräussert. Auch zog jenes Verhältniss 
die Schweden unter Karl XII. in das Land (170(&gt; und 7), deren Erpres 
sungen auf 23 Mill. Thlr. geschätzt wurden. — Der siebenjährige Krieg 
war von einem schrecklichen Aussaugen Sachsens begleitet. Friedrich II. 
zog gegen 50 Mill, daraus ; der sächsische Staat ward mit 29 Mill, neuen 
Schulden belastet ; der üesammtschaden des Landes stieg aber auf min 
destens 70 Mill. Die Verschwendung in der Hofhaltung dauerte indess 
fort. 1778 berechnete man den Staatsbedarf auf 6’634,000 Thlr., wo 
von 2’017,116 für » Armee und Politik«, 679,823 für den Hof, 414,016 
für Apanagen, 1’910,899 für Schulden, 702,729 Besoldungen u! 349,749 
Pensionen ! — Zufolge des Teschener Friedens erhielt Sachsen 6 Mill. 
Gulden Entschädigung von Bayern für Erbschaftsansprüche. — Die 
preuss. Allianz gegen Frankreich 1806 kostete 25 Mill. Fres. Kriegs 
steuer, ungerechnet die besondere Belastung der Stadt Leipzig. Von den 
Entschädigungsgeldern, die Frankreich nach Napoleon’s Sturze zu ent 
richten hatte, erhielt Sachsen 6’80 l, 1 46 Fr. 
Die eigentliche Staatsschuld, 1764 29’028,425 Thlr., war 1806 
auf 14 932,885 herabgebracht, 1817 aber wieder auf 22’857,626 ge 
stiegen, wovon 16'660, 771 auf Sachsen lasten blieben, während Preussen 
den Rest zu übernehmen hatte. — Die Kammer-Creditcassen-Schuld, 
1765 8’698,898 Thlr., war bei der Landestheilung auf 2 984,556 ge 
mindert, wovon 1’554,205 bei Sachsen verblieben. — Schon 1772 er 
folgte Ausgabe von Papiergeld. Bei der Landestheilung waren für 5 Mill, 
verbreitet; davon musste Sachsen 3‘^ Mill, decken. 1819 waren für 
2Va, 1843 für 3 Mill, im Umlaufe. Nun erfolgten weitere Ausgaben; 
im September 18 13 für 1, im Juni 1846 für 3 Mill. Der Betrag der ge- 
sammten Staatsschuld war (allerdings mit Vermehrung der Staatseisen 
bahnen steigend) : 
1819 1830 1847 1849 1853 1858 
25’148,201 1&amp;’762,050 33’778,000 41’343,3G1 42’781,523 Gü’729,552 
Militär. Conscription ; 6jährige Dienstzeit vom 21. Altersjahre an ; 
sodann weiter 2jährige Verpflichtung zur Reserve. Jeder Militärpflich 
tige hat im Frieden das Recht, sich durch einen Einsteher vertreten zu
        <pb n="267" />
        DEUTSCHLAND. — Sachsen (Militär: Socialverhältnisse). 243 
lassen, den der Staat um 300 Thlr. stellt. Aus der Altersclasse 18*% 
aben 684 Militärpflichtige von der Stellvertretung Gebrauch gemacht. 
Die Körperbeschaffenheit der jungen Männer hat sich in der Neuzeit 
verschlimmert. Während 1834 noch fast 40% der Aufgerufenen dienst- 
lähig waren, sank die Zahl der Brauchbaren 1856 auf 22% herab. Im 
J- 1862 waren von 21,715 Conscribirten 5182 tauglich = 23,86% (in 
der Amtshauptmannschaft Freiberg von 1192 nur 237, Chemnitz von 
blos 380, Annaberg von 1303 nur 275); doch dürfte die Erhöhung 
er Ansprüche wesentlich zu diesem Resultate beigetragen haben. — 
Unter den Offleieren befanden sich 1859 nicht weniger als 356 Adelige 
gegenüber 241 Bürgerlichen (nach Steubelj, — ein Missverhältniss, 
^e c es in den Mittelstaaten nur in Mecklenburg noch überstiegen ward. 
Infanterie: 2 Divisionen à 2 Brig, zu 4 Linien- und 1 leicht. Bataill., 
^hwadr. à 158 M. mit 154 Dienstpferden 3 208 - 
-Artillerie: mit 50 Geschützen l'o4(» 
Pioniere und Pontoniere, 2 Comp '¿50 
Train (mit 1950 Pferden) ! ! . 1,130 - 
Dazu die Stäbe; zus. 25,396 M ; dann 1232 Nichtcombattanten, ungerech 
net (he Reserve. - Festung: Königstein. 
Kriegsgeschichtliches. 1783 war der Heeresbestand 21,992 Mann 
(13 Infanterie- und 8 Cavallerie-Regimenter). 1806 stellte Sachsen ein 
ontingent von 22,000 M. gegen Napoleon, wovon 6000 bei Jena ge 
angen wurden. Das Rheinbundscontingent betrug 20,000 (1807 aus 
nahmsweise nur 6000). Die sächs. Truppen kämpften 1809 gegen 
esterreich, 1812 (21,500 M.) gegen Russland, wo sie zum grössten 
4 heil aufgerieben wurden. In der I.eipziger Schlacht trat die neu for- 
Jiirte kleine Armee grösstentheils zu den Verbündeten über. Bis zum 
yOhjahre 1814 musste das Land ein Heer von 28,000 M. gegen Napo 
leon stellen, 1815 10,000. 
Sociale Verhältnisse etc. Die Criminalstatistik liefert ungün 
stige Ergebnisse. Die Zahl der Verbrecher in den Strafanstalten, von 
1810—19 unregelmässig schwankend zwischen 1093 und 1271, stieg 
(zunächst in Folge politischer Verurtheilungen, sofort) von 1122 
aut 1382, im nächsten Jahre auf 1623; 1857 erreichte die Zahl sogar 
ging indess in den Jahren 1858 und 59 auf 2253, 2071, und am 
• 11 1 1861 auf 1986 herab. Es kam ein Verbrecher auf folgende Ein 
wohnerzahl : 
1 f 1840-44 1845—49 1855—59 
^45.1 E. 1557 E. 1008 Einw. = Vermehrung 41 Proc. 
Die Zahl der jugendlichen Verbrecher unter 16 Jahren hat sogar 
um 61/2 % zugenommen. Die Zahl der Rückfälligen, 184 0 —54 durch- 
D 1 1855 — 59 38,46, speciell 1859 sogar 45,75 %. 
00 1 dürften Aenderungen im Verfahren wesentl. zu allen diesen Resul- 
en beigetragen haben. Das Maximum der polit. Sträflinge war 1851 
' • , 1859 fanden sich noch 8 detinirt. — Nach Geschlechtern ist das 
orc ischn. Verhältniss 4,5 männl. Sträflinge gegen 1 weibl. Die Fa 
rn bezirke haben im Ganzen weniger Sträflinge geliefert als die 
urc ischnittszahl. — Im J. 1863 fanden 1054 Hauptverhandlungen 
16*
        <pb n="268" />
        244 
DEUTSCHLAND. — Sachsen (Socialverhältnisse 
gegen 1383 Angeschuldigte statt, von diesen wurden 9 zum Tode, 252 
zum Zuchthause, 643 zum Arbeitshause, 361 zum Gefängnisse, 844 zu 
Geldstrafen verurtheilt, 107 wurden von der Anklage, 15 von Strafe 
freigesprochen. 
Die Getreide- und Kartoffelproduction, auf Roggenwerth redu- 
cirt, ward durchschnittl. pr. Jahr geschätzt : 
Centner 
1846—50 19’086,3Ü3 
1851—55 16’552,031 
1856—60 19’430,601 
Geldwerth 
48’221,081 Thlr. 
57’560,157 - 
55’077,125 - 
Viehstand (1861): 95,642Pferde, 
638,460 St. Kindvieh, 371,989 Schafe, 
270,462 Schweine, 90,881 Ziegen. 
lirandvcrsicheruny. Bei der Landesversich.-Anstalt war am 31. Dec. 1862 
der Assecurationsbetrag der Immobilien 320’542,037 Thlr. — Dampfmanchineyi, 
Ende 1861: 1003 stehende mit 15,633 Pferdekr., 203 Locomotiven mit 30,267, 
10 auf Schiffen mit 397, und 18 sog. Locomobilen mit 119, zus. 1234 Maschinen 
mit 46,416 Pferdekr. (1856 erst 708 mit 16,709). — Kohlenheryhau (1861) ; 81 
Stein- und 157 Braunkohlen werke, erste mit 11,404 Arbeit., 19*382,976 Cntr., 
3*229,451 Thlr. werth ; letzte mit 2760 Arbeit., 2*754,561 Cntr., 378,444 Thlr. 
werth. — Metaliberybau (1861): 394 Gruben, 10,764 Arbeit., Productionswerth 
1*795,063 Thlr. — Ausbringen: 54,905 Pfd. Silber, 98,301 Cntr. Blei, 496Cntr. 
Kupfer, 3013 C. Zinn, circa 815,000 C. Eisenstein etc. — Die Eiaeyihütten hat 
ten 1876 Arbeiter und 1*378,779 Thlr. Production, die übrigen Hütten 1001 Arb. 
— liuchdrnckereien zählte man 1856 110, mit 97 Schnell- und 268 Handpressen 
(davon in Leipzig allein 29 Etablissements, mit 66 Schnell- und 141 Handpres 
sen) ; sie beschäftigten 1776 Arbeiter, producirten für 588,400 Thlr., und ver 
brauchten 12,646 Ballen Papier. Hiezu kamen 85 Steindruckereien. Zahl der 
Zeitschriften 202 (worunter nur 4 tägliche und 7 sechsmal in der Woche erschei 
nende Zeitungen). — liaunnrollnpinnereien, 1855: 133 mit 554,646 Feinspin 
deln, und einem Anlagecapitale von 5* , Mill. Thlr.; Verbrauch: 24*383,058 Pfd. 
Baumwolle; Arbeiterzahl 11,420, worunter 2427 Kinder. — (1861 hatten die 
Baumwollspinnereien 620,000 Spindeln, die Streichgarn- und Vigognespinn. 
303,000, die Kammgarnspinnereien 85,000 Spindeln; ferner gab es 120 Kämm 
maschinen. 
Post 1863 : 14*390,208 Briefe (wovon 362,323 recommandirt) ; 2*370,654 Fahr 
postsendungen ohne Werthangabe, 1*419,899 Werthsendungen von 208*178,269 
Thlr., 219,817 Baarauszahlungen zu 1*767,922 Thlr. 
Stauisteleyrapthen 1863: 138 Meilen I,änge der Linien, 179,655 Telegramme 
(darunter 91,245 interne). 
StaaUeisenbuhnen 1863: 76 Meilen. Beförderte Personen 4*118,165 ; Güter: 
62*/* Mill. Cntr., davon 6 Mill. Cntr. Normalgut, 59’/, Mill. Cntr. nach Wagen 
ladungen, 2 Mill. Cntr. nach vereinbarten Sätzen und */, Mill. Cntr. Eilgut. 
Einnahme 5*/, Mill. Thlr. (267,000 Thlr. mehr als 1862 . — Vrirathahnen : 33*/, 
Meilen, wovon 8 Meilen unter Staatsverwaltung. Beförderte Personen 2*021,958, 
beförderte Güter 27*910,923 Cntr Einnabme 2*/, Mill. Thlr. — Hauptsumme 
109 Meilen Länge, 6'/, Mill. Personen, 93'/, Mill. Cntr. Güter und 8 Mill. Thlr. 
Einnahmen von allen sächsischen Bahnen. 
Elbschifffahrt, siehe S. 220. 
üparcassen, Ende 1862: 119; Zahl der Conten 323,915 ; Gesammteinlagen 
21*467,373, Reservefond 921,476 Thlr. 
Maasse etc. Grundlage der Leipziger Fuss à 12 Zoll = 0,28319 Meter. — 
Die Kanne, 71,18 Cubikzoll. Der Scheffel = 7900 Culükzoll. — Landmaass 
die Ruthe =15 Fuss 2 Zoll; der Acker 300 ü -Ruth. — Beim Gelde wird der 
Groschen in 10 Pfennige getheilt.
        <pb n="269" />
        DEUTSCHLAND. — Hannover (Land und Leute). 
245 
3. Hannover (Königreich)^. 
Confessionen 
Lutheraner .... 
Kefomiirte .... 
Katholiken .... 
Andere Christen . . . 
Juden 
943,581 männl 
Zus. 998 y, 1’888,070 ( 944,489 weibl. 
Dazu; Hälfte des Communionhezirks mit Braunschweig 692. — Auf die Q.-M. 
durchschn. 2702 Einw. — Wohngebäude 275,362 (im Comm.-Bez. ausserdem 
^‘3). Unter den Einwohnern: 631,108 Verheirathete, 36,649 Wittwer, 79,464 
Wittwen. — Ackerbautreibende, sammt Angehörigen 958,935 = 50,79% 
Industrietreibende - - 574,333 = 30,42 
Verkehr-u. Handeltreib. - - 126,642 = 6,71 
1815 1833 1848 1855 1858 
Frühere Bevölkng. 1’305,351 1’662,629 1’758,847 1’819,777 1’843,976 
Landdrosteien 
Hannover . 
Hildesheim 
Lüneburg . 
Stade . . . 
Osnabrück 
Bevölkrg 
Q.-M 1861 
106% 368,973 
82 V, 366,766 
211 367,669 
119 296,626 
113% 262,316 
54 y, 192,329 
IIV, 33,391 
.\urich 
Berghptmnschft Harz 
1’555,448 
97,018 
221,576 
1,943 
12,085 
Bevölkerungsbewegung. Trauungen 1856 14,745, 1858 16,204, 
1861 15,426, 1862 15,460. —Geburten 1850 64,035, 1861 63,24% 
1862 60,232; hierunter sind jedoch die Todtgeburten eingerechnet, in 
den beiden letzten Jahren 2404 und resp. 2336. — 1862 waren von 
den Geborenen : männl. 31,075, weibl. 20,157; unehelich 6080 = 10,09 
Eroc. (im Vorjahre 6400 = 10,13 %). — Gestorben, ungerechnet 
dieTodtgeb.: 1856 30,100, 1857 45,552, 1861 42,051, 1862 40,839. 
1859 1860 1861 1862 
Auswanderungen 4562 4927 2521 2472 
Einwanderungen 888 1653 1143 1171 
Städte, im Ganzen 43 selbständ. Städte. 1861: Hannover mit den 
Vorstädten 7 1,170 (1821 erst 27,517, doch ohne die neu incorporirten 
Gemeinden). 
Hildesheim 
Osnabrück 
Lüneburg 
Celle . 
Göttingen 
Harburg **) 
Emden . 
17,134 
16,180 
14,411 
14.139 
12,452 
12,243 
12.139 
Clausthal 
Leer 
Stade . 
Goslar . 
Hameln 
Norden 
Papenburg 
9,052 
8,750 
8,269 
7,730 
6,786 
6,199 
6,198 
Osterode . . . 
Verden. . . . 
Eimbeck . . . 
Nienburg . . . 
Northeim (1858) 
Aurich 
Münden 
6,179 
5,779 
5,741 
5,184 
4,750 
4,712 
4,432 
Gehietsänderungen. »Kur-Braunschweig-Lüneburg« umfasste 1 786 : 
Fürstenthum Calenberg (Hannover) 
Grubenhagen . . . 
Lüneburg oder Celle . 
Herzogthum Lauenburg . . . . 
Bremen 
Fürstenthum Verden 
Q-M. Bevölkerung 
95 185,000 
45 80,000 
210 200,000 
40 45,000 
150 152,000 
35 30,006 
*) Hauptquelle bez. Bevölkerung und einiger Socialverhältnisse : »Zur 
Statistik des Königr. Hannover. Aus dem statist. Bureau.« 8 Hefte, lentes 
yon 1862; — um so schätzbarer, als die Verhältnisse dieses Staates im übrigen 
Deutschland keineswegs so bekannt sind, wie dessen Bedeutung es jedenfalls 
Verdient. — Im Uebrigen erfreute sich der Verf. sehr schätzbarer Privatmit 
theilungen. **) 1821 erst 3973.
        <pb n="270" />
        246 
DEUTSCHLAND. — Hannover (Finanzen). 
Land Hadeln 
Grafschaft Hoya 
Diepholz 
Bentheim (verpfändet) 
Theile der Grafschaft Honenstein 
Zusammen ungefähr 
Q.-M. 
12 
38 
15 
22 
Bevölkerung 
17.000 
40.000 
12.000 
20,000 
062 800,000 bis 1 Mill. 
Das Ganze war kein Einheitsstaat ; die Gebiete besessen sehr ver 
schiedene Rechte. — Der Lüneviller Friede anerkannte Osnabrück als 
Bestandtheil Hannovers. 1803 besetzten franz. Truppen das Land. 1805 
Hess sich Preussen durch Frankreich verleiten, Hannover gegen andere 
Abtretungen einzutauschen. 1807 erklärte Napoleon die südlichen 
Landschaften (Göttingen, Grubenhagen, Clausthal), — anfangs 1810 
aber das ganze übrige hannöv. Gebiet, Lauenburg ausgenommen, zu Be- 
standtheilen des neuen Königreichs Westfalen Doch incorporirte er noch 
im nemlichen Jahre, nach einer willkürlich gezogenen Linie, den ganzen 
nördlichen Theil dem Kaiserreiche selbst. Es gehörten Bremen, Verden, 
Hoya, Diepholz, Nienburg und Lüneburg zu den franz. Departementen 
der Elbe- und der Wesermündungen, indess Hannover und Celle dem 
westfälischen Departemente der Aller, Göttingen jenem der Leine, Gru 
benhagen und der Harz dem des Harzes zugethcilt blieben. — Der Wie 
ner Congress stellte Kur-Braunschweig als Königreich Hannover wieder 
her. Es wurden zwar das domänenreiche Lauenburg und die Aemter 
Klötze und Elbingerode abgetreten, dafür aber Ostfriesland, Hildesheim, 
Goslar, Lingen, Aremberg-Meppen, das Eichsfeld und einige westfäli 
sche Parcellen erlangt. — Indess war Hannover der That nach britisches 
Besitzthum, bis nach dem Tode Wilhelm’s IV. (1837) die Personalunion 
aufhörte. 
Verfassung. Das »Grundgesetz« datirte vom 2(i. Sept. 1833. Kaum 
war Ernst August (bis dahin Herzog von Cumberland, zur Regierung 
gelangt, so hob er einseitig dasselbe auf durch Patent vom 5. Juli 1837. 
Dann »Landesverfassungsgesetz« vom (&gt;. August 1840. Aenderung durch 
die Verfassungsgesetze vom 10., 10. und 20. April, 5. Sept, und 20. Oct. 
1848. Neue Octroyirung vom 1. Aug. 1855, und weiter 7. Sept. 1 850, 
dann 24. März 1857, ein neues Finanzeapitel mit der nach octroyirtem 
Wahlgesetz gebildeten Ständcversammlung vereinbart. 
Finanzen. Budget. Durch die Octroyirungen von 1855 und 50 ist 
an die Stelle der einjährigen Budgetperiode des Verf.-Gesetzes von 1848 
die frühere zweijährige wieder hergestellt. Das Rechnungsjahr beginnt 
mit dem 1. Juli. Nach den dem Landtag 1804 bei den Budgetverhand 
lungen gemachten Mittheilungen waren die wirklichen Ergebnisse des 
Staatshaushalts 1S"%« (die Rechnungen von 18«%^ fehlen noch) inThlrn.; 
Einnahmen. 
Domänen saramt Forsten . 
Directe Steuern . . . . 
Indirecte - u. Zölle . 
Ober harz. Bergw. u. F orste 
Communions - - - 
Kohlenbergwerke . . . 
Salinen 
2M 05,405 
3'432,440 
4’430,330 
2’2'J3,728 
272,153 
239,980 
57,378 
Auagaben. 
Gesammtministerium 
Stände 
Min. d. Auswärtigen 
Kriegsministerium . 
Justizministerium 
Cultusministerium . 
Min. des Innern *) . 
231,71s 
34,249 
103,701 
2’028,953 
1’051,944 
200,549 
5’520,759 
*) Darunter die Betriebskosten der Eisenbahnen.
        <pb n="271" />
        DEUTSCHLAND. — Hannover (Einanzen). 
247 
Einnahmen. 
Kalkbrüche bei Lüneburg 48,248 
Wasserzölle 174,927 
Posten n 09,9(59 
Eisenbahn u. Telegraphen 5’529,430 
Chaussee- u. Brückengeld. 204,329 
Lütterieertrag . . . . 71,758 
^ortein d. Oberbehörden 63,952 
Zinsen v. Activcapitalien 563,714 
Ueh rige unmittel n. Einn. 39,808 
Zahlung v. andern Cassen 67,349 
Zusammen 20'770,977 
Somit Ueberschuss 512,745, obgleich in Folge der vorsichtigen 
Veranschlagung die Budgetaufstellung ein Deficit von 190,177 Thlr. 
entziflfert hatte. 
Das im Sommer 1S64 festgestellte Budget für IS**/** schliesst mit 
einer Gesammteinnahme von 20’753,995 und einer Gesammtausgabe v. 
2r006.940, somit 252,945 Thlr. Deficit ab; für IS”/««', Einnahme 
20’7S6,&amp;95, Ausg. 20’745,190, Ueberschuss 41,705 Thlr. 
Das für ein so wenig bevölkertes Land sehr hohe Budget umfasst 
gleichwol noch nicht den ganzen Staatsbedarf. Es gehören nemlich dazu 
600,000 Thlr. (in Wirklichkeit gegen 750,000) Betrag der Civilliste. 
Die Civilliste, früher zu 500,000 Thlr. C.-M. (513,888 Thlr. Cour.), 
ward erst einseitig auf 600,000 Thlr. erhöht (überdies eine Summe von 
600,000 Thlr. für den Schlossbau in Monbrillant bewilligt), dann wur 
den Staatsgüter für den grössten Theil derselben eigens ausgeschieden 
und der Privatverwaltung des Königs übergeben. Durch die für das 
Land sehr nachtheilige Art dieser Ausscheidung ist die Civilliste that- 
sächlich um ungef. 150,000 Thlr. erhöht.*) Ausserdem bezieht der 
Hof die Zinsen eines aus der «'königlichen Kammer« in den Jahren 1784 
Ausgaben. 
Min. des Handels . . . 73,469 
Finanzministerium . . . 5’781,012 
Passivetat 2’717,523 
Pensionsetat 513,210 
Künftig wegfallende Ausg. 218,345 
Ausserordentl. Ausgaben. 1*056,791 
Zusammen 20’258,231 
*) Die Frage wegen »Cassentrennung« ist in Hannover nicht neu. Die Ver 
fassung von 1833 bestimmte dem Fürsten eine Civilliste. Für Emst August, 
der Ausscheidung eines Capitals an Grundstücken wollte, war dies ein Haupt- 
beweggrund, bei seinem Regierungsantritte die Verfassung umzustürzen. Im 
J. 1841 wurde sein Verlangen verwirklicht. Allein schon 1848 musste der Kö 
nig in Wiederherstellung der frühem Ordnung, nemlich Annahme einer Civil- 
hste, willigen. Bei der »Ausscheidung des Kronguts« von 1858 gab es schwere 
Verhandlungen, v. Bennigsen wies in der 2. Kammer wiederholt nach, dass die 
Erträgnisse der für die Krone geforderten Güter viel zu gering eingeschätzt seien. 
Er führte folgende grosse Domänen namentlich auf: Erichsburg-Hunnesrück 
zu 8510 Thlr. verpachtet und zu 4569 Thlr. angerechnet; Hardegsen zu 1700 
»nd 1206Thlr.; Eb.storf 3931 und 2127 Thlr.; Königshorst 6525 und 3599 Thlr.; 
Liebenburg 8661 und 7189 Thlr. ; Coldingen-Ruthe 18,425 und 13,426 Thlr. ; 
»Springe 6(550 und 3222 Thlr. Bei Hardegsen stellte sich durch die vertrags- 
tnässigen Absätze sogar das Ergebniss heraus, dass das Land der Krone für die 
Uebernahme noch einige Thaler zugeben müsse! Miquel berechnet den Nach- 
theil des Landes durch die Krongutsausscheidung auf 183,405 Thlr., erwähnt 
aber dabei, dass schon zuvor die königliche Bedarfssumme gegen die Zeit vor 
der Octroyirung von 1H55 um 86,112 Thlr. erhöht sei; beide Summen zusam- 
men ergeben 269,517 Thlr. Geh. Finanzrath Bar in seiner Gegenschrift räumt 
dass der Verlust des Landes durch das Ausscheidungswerk auf 100 bis 
¿0,000 Thlr. sich belaufe. — Uebrigens wurde der Krone noch ein Betriebs 
kapital von 300,000 Thlr., rückzahlbar in jährlichen Raten von 10,000 , unver 
zinslich vorgeschossen.
        <pb n="272" />
        248 
DEUTSCHLAND. — Hannover (Finanzen). 
— 90 in englischen 3proc. Stocks angelegten Capitals von 600,000 £ 
(4’080,000 Thlr.), und ferner Zinsen eines »Schatullencapitals« von 
2’400,000. Dies, sammt dem Wer the nicht angerechneter Staatsgüter, 
dürfte den wirkl. Genuss des Hofes auf etwa 950,000 Thlr. bringen. — 
Das Kriegswesen kostete noch 1855 blos 1’590,000, also über eine Mil 
lion weniger als jetzt. Auch erforderte die Schuld »Passivetat« damals 
nicht über 1’965,370. Die Civilbesoldungen, 1853 3’318,000 Thlr., 
wurden schon 1856 mit einemmale um fast 300,000 Thlr. erhöht, na 
mentlich die Ministergehalte von 4000 auf 6000 Thlr. hinaufgesetzt (vor 
läufig sogar ohne Genehmigung der Kammern) , und gleichzeitig die 
Summe der Pensionen um 59,050 Thlr. vermehrt. Demnach kosten die 
Civilbeamten in diesem gering bevölkerten Lande (nach Stüve) wenig 
stens 3'620,000 Thlr.! — Allerdings ist es nicht unbedingt massgebend, 
wenn sich die Schlussziifer des Budgets in wenigen Jahren mehr als ver 
doppelt hat (das Budget v. 18»%, schloss ab mit 9'OTO,235 Thlr. Einn., 
8 612,517 Ausg. und 457,718 üeberschuss). Es wurde neml. eine an 
dere Berechnungsweise eingeführt. Das wahre Verhältniss ist ersichtlich 
aus einer vom h inanzminist. den Ständen (neben der jetzigen Budgets— 
berechnung) vorgelegten Uebersicht in früherer Weise, wonach nur die 
Nettosummen eingetragen sind, ohne Productions-, Erhebungs- und 
Betriebskosten. Darnach würden sich die Ziffern folgendermassen stellen ; 
Unter dem Ministerium Borries wurden wegen der ausserordentl. gestei 
gerten Anforderungen für den Hof, das Militär und die Beamtengehalte, 
sämmtliche directe Steuern, zum Theil erheblich, erhöht, mit den be 
zeichnenden Ausnahmen der Grund- (!) und der Besoldungssteuer. Die 
Steuerlast wird als nicht geradezu drückend geschildert, sie treffe aber 
namentlich das städtische Gewerbe schon ziemlich hoch. Die bisherige 
günstige Lage des Haushalts beruht vornemlich auf der Ertragserhöhung 
der bedeutenden Staatsforsten, auf den ansehnl. Einnahmen von Eisen 
bahnen und auf dem Zollpräcipuum von rund 1'25ü,0&lt;»0 Thlr. Letztes 
vermindert sich aber vom J. 1866 an durch die neuen Zollvereinsverträge 
auf 5—600,000 Thlr. Dagegen hat die Regierung durch dieselben Ver 
träge sich zu einer Erhöhung der Branntweinsteuer um etwa 250,000 
Thlr. und ferner auch zu einer Erhöhung der (im J. 18"%, nur 164 552 
Thlr. ertragenden) Salzsteuer um heil. 450,000 Thlr. verpflichtet. (Den 
Ständen ist dieser Vertrag noch nicht vorgelegt.) 
Der verhältnissmässig geringe Ausgabeposten für das Cultusmini- 
sterium erklärt sich daraus, dass aus den eingezogenen Klöstern und 
Stiften ein gesondert verwalteter sog. Klosterfonds für Kirchen- und 
Schulausgaben und für milde Zwecke gebildet ward, welcher z. B. im J. 
18 «Ves für die Universität, Kirchen und Schulen 278,529 Thlr. veraus 
gabte. — Durch Ablösung des Stader Zolls erhält Hannover 3’100,000 
Thlr., wozu Grossbritanien und Hamburg jedes % beigetragen haben. 
Von dieser Summe waren am 1. Juli 1863 2 987,427 Thlr. bereits ab 
getragen. 
Einnahmen ll’28o,587 
Ausgaben 11’543,8S7 
18“/«« 
11’.307,030 Thlr. 
11’303,530 -
        <pb n="273" />
        DEUTSCHLAND. — Hannover (Militärwesen). 
249 
Sebald. Gesammtschold davon Eitenbahnschold Zinslast (ohne Tilrnnir) 
1857 Thlr. 44’586,214 31’661,592 2’009,G27 
1861 - 46’344,836 30’623,ü7ö 2’(»72,713 
1864 - 48’018,274 30*472,235 2*353,011 
Die Tilgung war bisher regelmässig sehr bedeutend (im J, 1863 
^ urden an Eisenbahnschulden 1*835,550, an sonstigen Schulden 335,238 
■Thlr. abgetragen); sie wird aber von I860 ab sich erheblich vermindern, 
indem bis dahin die älteren Eisenbahnschulden gänzl. getilgt sein sollen. 
Ftnanzgeschichtliches. Der siebenjährige Krieg kostete blos die 
®Schatzcasse« 33*487,000 Thlr. Vor der franz. Revolution schätzte man 
die Roheinkünfte des Staats auf 5% Mill. Die Kosten der franz. Occu 
pation vom Juli 1803 bis Ende 1805 wurden auf 20 — 27 Mill, ange 
schlagen, ungerechnet die Einquartierungen. Gemäss des »Staatsgrund 
gesetzes« erfolgte am 1. Juli 1834 die Vereinigung der »königl. General-« 
(Domänen-) mit der »Generalsteuercasse.« Nettoergebnisse: 
1834 1841 
Einnahme Ausgabe Einnahme Ausgabe 
Domänencasse 3*170,636 3*194,726 3*018,740 3*06K,826 
Landescasse 3*406,262 3*381,040 3*720,132 3*603,420 
Zusammen 6*576,898 6*575,766 6*738,872 6*67'2“246 ~ 
Militär. Die Cavallerie rekrutirt sich durch freiwillige Werbung, 
Vermittelst Capitulation auf gewisse — meistens 10 — Jahre. Die In 
fanterie wird jährl. durch Losung unter den 20jährigen ausgehoben. Bei 
Artillerie und Genie besteht ein gemischtes Verhältniss. — Dienstzeit 
Jahre, einschl. eines Kriegsreservejahres. Präsenzzeit im Ganzen nicht 
'olle 2 Jahre. Viele Bauerssöhne treten freiwillig in die Reiterei, da sie, 
Einmal einexercirt, mit Uniform und Pferd entlassen werden; sie müssen 
^ as letzte unterhalten, dürfen es aber auch benützen, und bekommen 
®inen Unterhaltungsbeitrag. In der Regel rücken sie nur zur Exercirzeit 
"ieder beim Regimenté ein. Unter 704 Officieren des activen Dienstes 
'Varen 1802 205 Adelige, 400 Bürgerliche. — Stand: 
111.» V* v-uiannici-, i 
J^açoner-, 2 Husaren-), in je 4 Escadr., das Regiment 
. einschliessl. 84 Reservisten 
' • ene; 2 Comp, reitende, 3 Bataill. Fussartillerie, jedes 
ataill. mit 3 held- und 1 Park - und Reservecomp. ; 
ferner 1 Handwerkercomp 
• ■ 
activ Reservisten 
17,904 2,640 
2,742 504 
2,671 
257 
40 
Gesammtsumme (ohne 441 Gendarmen) 26,758 
Vor dem 7jährigen Kriege hatte Hannover 
*■ 0 Reiter und 14,137 %*ussvolk ; während desselben bis zu 48,400 M. 
^ zählte man 14,258 M. Linie (darunter 3550 Reiter mit 2350 
j ‘^vden in 13 Cav.-Regim., und 10,012 Fussvolk in 22 Regim.I), so- 
^nn 7,707 M. in den Landregimentern und Garnisonscorps. Von 1770 
00 standen hannover sche Truppen für Englands Interesse in Gibral- 
V, auf Minorca und in Ostindien; doch waren es Geworbene. 1802 
liefen sich die Linientruppen auf 10,700 M. Nach den Conventionen
        <pb n="274" />
        250 DEUTSCHLAND. — Hannover (Sociale und gewerbl. Verhältnisse). 
von Suhlingen und Artlenburg, 3. Juni und 5. Juli 1803, sollten sie 
auseinander gehen, allein Viele traten in englischen Dienst. Die vorzugs 
weise aus Hannoveranern gebildete »Englisch-deutsche Legion« kämpfte 
ruhmvoll bei Kopenhagen, in Spanien und bei Waterloo. Der neu her 
gestellte Staat brachte das Heer 1813 und 14 auf 28,953 M. mit 2099 
Pferden, 1815 sogar auf 30,211 M, mit 3022 Pferden. 1810 war der 
Bestand noch 30,801 M.., welche 1’820,972 Thlr. Cass.-Münze koste 
ten; 1819: 20,910 M. mit 3434 Pferden, und 1880,007 Thlr. Conv.- 
Münze Geldbedarf. 
Sociale and gewerbliche Verhältnisse. Zur Berichtigung sehr verbrei 
teter Vorurtheile ist zunächst über das Verhältniss des Adels zu be 
merken : Der noch immer bedeutende Einfluss desselben beruht (abge 
sehen von seiner Stellung am Hofe) auf der Zusammensetzung der im 
J. 1855 octroyirten ersten Kammer, da diese zum überwiegenden Theile 
aus der Ritterschaft gewählt wird, in welcher der Adel numerisch die 
Ueberhand hat. Die früher erblichen Vorrechte des Adels wurden 
1848 verfassungsmässig aufgehoben und durch die Octroyirung von 1855 
nicht wieder hergestellt. *) —Der Grossgrundbesitz wird noch ungetheilt 
erhalten. Es gibt 13,100 Güter und Bauernhöfe von mehr als 120 Mor 
gen Landes. Erst 1831 wurden die Feudallasten (und zwar um den 25- 
fachen Jahresbetrag!) ablösbar erklärt. Gleichwol sind die Ablösungen 
(nach einer uns von competenter Seite gewordenen Mittheilung) viel wei 
ter vorangeschritten als in den meisten deutschen Ländern, namentlich 
in dem Hauptgebiete von Preussen. Der Domanialablösungsfonds allein 
hat bis zum 1. Juli 1803 1 7’505,280 Thlr. eingenommen, wodurch un 
gefähr die Hälfte der Berechtigungen des Domaniums abgelöst wurden. 
— Im Ganzen benscht ein mässiger, in stetem Fortschreiten begriffener 
Wohlstand. Insbes. hat sich der Bauernstand im letzten Menschenalter 
sehr gehoben. Ausser der umfangreichen .Ablösung der Feudallasten hat 
die gute Agrargesetzgebung über Gemeinheitstheilungen etc. vortheilhaft 
gewirkt. Die Landescreditanstalt leiht bis zur Hälfte des Taxwerthes 
auf die Bauernhöfe unkündbare Capitalicn zu einem Zinsfusse von durch- 
*) In Beziehung auf die in den beiden ersten Auflagen des gegenwärtigen 
Werkes gemachten Bemerkungen über Vorrechte des Adels etc. ist uns von 
competenter Seite bemerkt worden : der Adel nehme keineswegs alle hohen 
Stellen ein ; in der Armee sei derselbe weit weniger vertreten als z. B in Preus 
sen, indem Bürgerliche bis zu den höchsten Posten gelangten; im (’ivildienste 
finde man insbes. Nachkommen von Nichthannoveranern, die als Professoren 
nach Göttingen berufen worden, an den bedeutendsten Stellen ; statt des aller 
dings starren, frühem Beamtenthums, sei durch die Stüve’sche Organisation 
und Besoldungsherabsetzung ein Verhältniss entstanden, durch welclies Viele 
vom Staatsdienste fern gehalten würden, gewiss nicht zum Besten des Landes etc. 
— Eine uns gleichfalls von völlig verlässiger Seite zugekommene neue Notiz be 
sagt : Die unter König Ernst August tnatsächlich stattgefundene ungemein 
grosse Bevorzugung des Adels in den hohen Militär- und Civilstellen hat unter 
seinem Nachfolger sehr nachgelassen (beispielsweise sind 18Ü4 unter 7 Ministern 
3 Bürgerliche; unter den 7 Landdrosten ebenfalls 3 Bürgerliche; die Chefs der 
Forst-, Eisenbahn- u. Zollverwaltung sind bürgerl., die der Post- u. Steuer 
verwaltung adelig; von den activen Generallieutenants : 3 bürgerl., 3 adelig; 
Gen.-Majore: 0 adelig, 3 bürgerl. Diese Verhältnisse sind für die Bürgerlichen 
allerdings noch immer ungünstig, keineswegs aber in höherm Masse als in 
Deutschland überhaupt.
        <pb n="275" />
        DEUTSCHLAND. — Hannover (Sociale und gewerbl. Verhältnisse). 251 
schnittl. 3‘/g %. — In einem grossen Theile des Landes sind übrigens 
nicht blos die Rittergüter, sondern auch die bäuerlichen durch Gesetz 
oder (wie in den Marschen) durch die Verhältnisse gebunden. Eine freie 
Theilbarkeit kennen im grössern Umfange nur die südlichen Provinzen 
Göttingen und Grubenhagen. — Die Gewerbsindustrie hat erst seit 1853, 
nachdem Hannover sich dem Zollvereine angeschlossen, einen regen Auf 
schwung genommen. Der, freilich durch ein Gesetz v. 1847 und durch 
die Praxis der Verwaltungsbehörden etwas gemilderte Zunftzwang hin 
dert aber in einem grossen Theile des Landes die freie Entwicklung der 
Gewerbsthätigkeit. Concessions wesen, beschränkende Bestimmungen 
über Verheirathung und Ansässigmachung warten auch noch der gesetz 
lichen Beseitigung. 
Cultivirtes Areal nach den letzten genauen Aufnahmen von 1 S*%g : 
Ackerland und Gärten 4 131,81t) Morg., Wiesen und privative Weiden 
2’443,541, Forsten 2 036,371) Morg. 
Brandversicherung, Ende 1862. Immobiliarversichergn 313’336,817, 
Mobiliarversicherungen 194 632,025 Thlr. (Ende 1849 erst; Immob. 
201’776,299, Mob. 75’517,746.) 
Berg- und Hüttenwesen. Im J. 1862 bestanden 152 Bergwerke, 78 
Hütten und 16 (davon 2 ärarialische) Salinen mit 9751 Arbeitern, 
Reiche 13’279,846 Cntr., werth 5 094,364 Thlr., producirten, darunter 
' 206,759 Cntr. Steinkohlen, 2 370,387 Cntr. Eisenerze, 1’739,999 
Gntr. Bleierze, 88,314 Cntr. Gold- u. Silbererze, 733,955 Ctr. Salz. 
Viehstand in\ Dec. 1861 • Pferde 213,946 (1857 209,853), Rind 
vieh 949,179 (1857; 889,333;, Schafe 2’21 1,927 (gegen 1'840,774), 
Schweine, einschl. Ferkel 554,056, Ziegen 164,852 (statt 122,712). 
Sparcassen, Ende 1862; 125, mit 1 1'203,240 Thlr. Einlagen von 
i 13,651 Einlegern (1849 nur 2 242,452 Thlr. von 35,909 Einlegern). 
Eisenbahnen, sämmtlich Staatsbahnen. Der Concessionirung von 
^Privatgesellschaften stand bei der Regierung die bureaukratische Auffas- 
®^ng, daneben bei Regierung und Ständen das bisher günstige finanzielle 
l^ygebniss entgegen. — Am 1. .Juli 1863 standen 119,59 Meil. im Be- 
J^iebe. Im J. I8*%, wurden befördert; 2’447,216 Pers., 35’600,022 
Gntr. Güter. Roheinnahme 5*587,237, Reinertrag 2*798,364 Thlr. = 
des Anlagecapitals (im Vorjahre rein; 2*874,322Thlr. = 5,87%). 
lie älteren Bahnen (Minden-Braunschw., Hannov.-Harburg, Wunstorf- 
«remen) ertrugen 9%, die Südbahn (Hannov.-Cassel) 4,34%, dieWest- 
j^hn (Minden-Emden) 1,78%, die Bremen - Gestebahn nur 0,74%. 
er Ueberschuss, nach Zahlung der Zinsen, zur Abtragung der Capital- 
«chuld, belief sich 18'%, auf 792,063 Thlr. 
Telegraphen. 18**/,,: 98 Stationen, 195,998 Privat- und 470,279 
lenstdepeschen (ein ungeheures Missverhältniss! im Vorjahre 165,274 
riv,- u, 424,136 Dienstdep.). Reinertrag 40,630 Thlr. = 15% des 
Anlagecapitals. 
Bost, siehe Deutschland, S. 217. 
Rhederei. Nov. 1863 (die Last zu 4000 Pfund):
        <pb n="276" />
        252 
DEUTSCHLAND. — Württemberg (Land und Leute). 
Seeschiffe Last Haapthäfen Seeschiffe Last 
Elbflotte .... 159 11,272 'Papenburg . . . 194 15,559 
Weserflotte ... 65 11,742 Emden .... 87 5,534 
Ems-u. Nordseeflotte 700 38,675 Leer 54 3,392 
Zusammen Im 61,689 Geestemünde . . 36 8,638 
Harburg . 21 3,604 
Vermehrung vom Oct. 1860 bis Nov. 1863: 100 Seeschiflfe von 13,014 Last. 
Maasse etc. Der Fuss zu 12 Zoll = 29,2 Centimeter ; 24 hannov. = 23 engl. 
Fuss; 100 hannov. = 93,07 preuss. — 100 bann. Morgen (zu 120 Ruthen) = 
102,65 preuss. oder rhein. — Getreidemaass : die I.ast, zu 16 Malter à 6 Him- 
ten; das Malter = 3,39 preuss. Schelfel. 
6. Württemberg (Königreich). 
Kreise Q.-M. 
Neckarkreis . . 60,43 
Schwarzwaldkrei.s 86,71 
Jaxtkreis . . . 93,43 
Donaukreis . . 113,72 
Zus. 354,29 
Bevölkerung Auf die 
3. Dec. 1861 Q.-H. 
497,375 8,230 
431,676 4,978 
376,753 4,032 
414,904 3,648 
1’720,708 4,856 
Confessionen 
Evangelische 1’179,814 
Katholiken 527,057 
Christi. Dis 
sidenten , 2,499 
Juden . . 11,388 
Die Kreise sind in 64 Oberämter eingetheilt mit 1912 Gemeinden. 
Zahl der Haushaltungen 375,438, — durchschn. von 4,58 Köpfen. 
Männliche Einwohner 830,193, weibliche 890,515. Auf 100 männliche 
Einwohner kamen daher 107,38 weibliche. 
Frühere Volkszahl (ortsanwesende Bevölkerung) *) 
1815: 1’395,462 
1832: 1’578,147 
1841: 1’646,871 
1843: 1’680,798 
1846: 1’726,716 
1849: 1’744,595 
1852 
1855 
1858 
1’733,263 
1’669,720 
1’690,898 
Die Zählung vom Dec. 1852 hatte also für die nächstvorangegangenen 
3 Jahre eine BevölketungsVerminderung von 11,332, die von 1855 
für einen gleichen Zeitraum sogar eine solche von weiteren 63,545 Köpfen 
ergeben. Erst die jüngsten Aufnahmen gewährten wieder eine mässige 
Erhöhung, 1858 von 21,178, 1861 von 29,815. 
Die Aus- und Fj inwander ungen 
1858 Vermögen 
2,989 Auswanderer mit 1’269,809 fl. 
1,307 Einwanderer - 1’069,631 - 
Von den Auswanderern gingen 1800 
nach Nordamerika; die Einwanderer 
kamen hauptsächlich aus den Nach 
barstaaten Baden, Bayern, Oesterreich, 
der Schweiz etc. 
betrugen : 
1859 Vermögen 
3,480 Auswanderer mit 1’511,757 fl. 
941 Einwanderer - 1’403,251 - 
Von den Auswanderern gingen 1990 
nach Nordamerika, 130 nach Austra 
lien ; die Einwanderungen erfolgten, 
wie gewöhnlich, aus den Nachbarstaa 
ten. 
*) Zur Erläuterung vielfach abweichender Ziffern namentlich in Zeitungen, 
aber auch in der 1. Aufl. des gegenwärt. Buches) sei bemerkt, dass in Württem 
berg zweierlei Bevölkerungsaufnahmen stattfinden: a) jährliche, zur Ermitt 
lung der Zahl der Ortsangehörigen, d. h. der in den verschiedenen Gemeinden 
Heimathberechtigten, wobei auch die Abwesenden aufgeführt werden, so 
lange nicht officiell angezeigt, dass sie anderwärts ein neues Heimathrecht er 
worben haben, oder so lange sie nicht officiell ausgewandert sind ; b) die je in 
3 Jahren zu wiederholenden Zählungen der ortsanwesenden Bevölkerung, nach 
den Normen des Zollvereins. Die erste Verfahrungsweise liefert grössere, die 
zweite richtigere Zahlen.
        <pb n="277" />
        DEUTSCHLAND. — Württemberg (Land und Leute). 
253 
Die Auswanderungen betrugen in den 10 Jahren vom 3. Dec. lb**/„ zu 
sammen 54,285 I’ers., somit durchschn. aufs Jahr 5,428. — Am stärksten war, 
in Folge einer Reihe ungünstiger Emdten, Weinfehljahre etc. die Auswande 
rung in den Jahren 1853 und 1854; sie betrug im J. 1854 allein 21,144 Fers. — 
Die Einwanderung betrug in den 10 Jahren 18*%, zusammen 9,029 Personen, 
somit durchschn. aufs Jahr 902. 
Städte (3. Dec. 1801). Stuttgart, ohne die Weiler, 50,103 Ein 
wohner ; mit denselben zählte : 
Stuttgart. . . 61,314 Rottenburg a.N. 5,996 
Ulm .... 22,736 Biberach . . . 5,099 
Heilbronn . . 14,333 Kirchheim u. T. 5,478 
Heutlingen . . 13,075 Ebingen, mit Parc. 4,012 
Esslingen . . 11,558 Nürtingen . . 4,520 
~~ mit Filialen . 15,059 Calw .... 4,402 
Ludwigsburg . ll,20l Rottweil mit Alt- 
Jübingen . . 8,709 stadt . . . 4,350 
Gmünd . . . 8,298 Mezingen . . . 4,318 
Eannstadt . . 7,414 Aalen, mit Parc. 4,272 
Hall .... 6,862 1 Eningen u. A. . 4,217 
Göppingen . . 6,748 I Pfullingen . . 4,042 
Havensburg. . 6,092 i Schwenningen . 3,927 
mit Parcellen 0,817 I Sindelfingen . . 3,804 
luttlingen mit ' Heidenheim . . 3,702 
Farcellen . . 0,397 Oehringen 3,700 
Städtische Bevölkerung (1858) 90,441 Familien mit 433,410 Personen 
Ländliche - - 208,994 - - 1’257,488 
I.aupheim. . , 
Ellwangen 
Backnang. 
Schorndorf 
Urach, mit Parc 
Langenau. . 
Böblingen 
Ehingen a. D. 
Waiblingen . 
Vavhingen 
Scbramberg, 
Parcellen 
Winenden 
Bietigheim 
Mergentheim 
mit 
3,657 
3,623 
3,593 
3,490 
3,402 
3,371 
3,287 
3,261 
3,260 
3,197 
3,125 
3,037 
3,024 
3,000 
Gebietsveränderungen. Vor der franz. Revolution umfasste dasHer- 
zogthum Württemberg etwa 175 Q.-M. und 585,000 Menschen. Es 
gehörten zu demselben 0 Herrschaften im Eisass und in der Franche- 
Comté, darunter die gefürstete Grafschaft Müinpelgard, dann Franque- 
^ont und Blamont, ferner die Grafschaft Horburg und die Herrschaft 
Heiclienweiher. Diese links-rheinischen Besitzungen, 30 Q.-M. mit 
56,000 Einw., gingen an Frankreich verloren. Der Reichs-Deput.- 
Schluss von 1803 gab zur Entschädigung : die Probstei Ellwangen, viele 
Abteien und Klöster (Zwiefalten, Rothenmünster, Comburgetc.) und die 
Heichsstädte Weil, Reutlingen, Esslingen, Rottweil, Giengen, Aalen, 
Hall, Gmünd und Heilbronn. — 45 Q.-M. mit 1 16,700 Einw. Würt 
temberg, zu einem Kurfürstenthum erklärt, umfasste gegen 100 Q.-M. 
und 784,000 Menschen. Der Pressburger Friede brachte 1805 neue 
Aergrösserungen : Ehingen und 4 andere Donaustädte, die Grafschaften 
Hohenberg und Bondorf, die Landgrafschaft Nellenburg, Theile des 
llreisgau und ritterschaftliche Enclaven, 65 Q.-M. mit 185,500 Bewoh- 
J^ern. Der Kurfürst hob, 30. Dec. 1805, einseitig die Verfassung 
und nahm, 1. Jan. 1806, den Königstitel an. Gegen Abtretung 
Von Villingen, Bräunlingen und andern Schwarzwalddistricten an Baden, 
6rhie.lt Württemberg: Biberach, die bayerische Herrschaft Wiesenstein, 
^ie Stadt Waldsee, die Grafschaft Schellingen, zwei Deutsch-Ordens- 
commenden, 1 Abtei und die Souveränität über 10 Grafschaften (Isny, 
Cchsenhausen etc.), 6 Herrschaften, einen Theil der Besitzungen der 
Fürsten Thurn und Taxis, Limpurg-Gaildorf, Löwenstein, Hohenlohe 
und Krautheim. 1800 erlangte Württemberg ferner: Die Landgerichte 
lettnang, Ravensburg, Leutkirch, Wangen (grösstentheils), Söllingen, 
Albeck, Geisslingen, Crailsheim und Gerhardsbronn, die Stadt Ulm,
        <pb n="278" />
        254 
DEUTSCHLAND. — Württemberg (Finanzen). 
und die Souveränetät über weitere Besitzungen des Fürsten Taxis (Ne- 
resheim), Oettingen, Hohenlohe-Kirchberg, und das Deutschmeisterthum 
Mergentheim. Dagegen trat es Stockach und einige Bezirke an Baden, 
weitere an Bayern ab. Es gewann 126,000 Menschen. — Der Wiener 
Congress liess das Gebiet unverändert. — Verfassung vom 25. Sep 
tember 1819. 
Finanzen. Dreijährige Budgets. Das für die Finanzperiode 18«‘4a 
bis 18«%4 (je vom 1. Juli beginnend) enthält folg. Hauptpositionen*) ; 
Einnahmen (in Gulden): 
I. Ertrag des unmittelbaren Staatseigenthums 
18“% 
A. Bomiinen. E^einnahme' 
1) bei den Cameralämtern . 1’264,285 
2) - - Forstverwaltung. 4’715,156 
Reinertrag 
795,072 
2’411,300 
359,500 
900,000 
4,000 
5’617,763 
J’681,100 
65,000 
184,635 
20,200 
120,000 
1’891,010 
236.000 
24,165 
2,750 
120.000 
3) von Berg- u. Hüttenwerk. 2’925,527 
4) - den Salinen . . . 1’514,940 
5) - d.Bleichanst.Weissenau 83,645 
B Verkehrsanstalten. 
1) Eisenbahnen .... 
2) Posten 
3) Telegraphen 
4) Bodenseedampfschifffahrt 
5) Neckardampfschifffahrt . 
C. Verschied. Einnahmen 
Zus. (Kosten 11’448455) 
II. Indirecte Steuern : 
a. Zoll 2’411,200 
b. Accise 408,204 
c. Auflage auf die Hunde . 91,001 
d. Wirthschaftsabgabe . . 1’760,550 
e. Sporteln 387,000 
Zus. (Kosten 552,920) 5’057j955 4’505,0:Î5 
III. Directe Steuern ; 
a. vom Grundeigenthum I Die Kosten 
18’192,252 6’743,796 
2’270,000 
380,754 
41,771 
1’427,510 
385,000 
1 I 
b. von Gefällen [werden von deni 
c. - Gebäuden j Amtspflegen ( 
d. - Gewerben | gedeckt. ) 
e. - Apanagen, Capital 
und Einkommen 
IV. Zuschüsse aus vo- 
3’000,000 
700,000 665,000 
Spätere Abweichungen 
18“%, 18«%. 
74%293 701,884 
wie im Vorjahre 
14.000 14,000 
2’025,000 2’045,000 
241.000 246,000 
wie im Vorjahre 
6’846,008 6’824,599 
wie im Vorjahre 
riger Finanzperiode 309.889 703,190 1’245,054 
Gesammte Reineinnahme 15’223,721 15’719,23ÍT Í6^239¡688 
Der Capitalwerth der Domänen (des »Staatskammerguts«' wird auf 
120 Mill, geschätzt. Die alten directen Steuern oben lit. a bis d) haben 
zu der zur Ergänzung des Staatsbedarfs nöthigen Steuersumme beizutra 
gen : Grudeigenthum und Gefälle ‘%., Gebäude Gewerbe ; — 
(im vorigen Budget standen: von Grundeigenthum 2’1 13,866 fl., von 
Gefällen 11,134, Gebäuden 500,000, Gewerben 375,000). Es betrugen 
*) Das Budget für die weitere Finanzperiode ist noch nicht festgestellt. Da 
der obige Voranschlag der Einnahmen bedeutend zu niedrig gegriffen war, so 
soll sich eine durchschnittl. Mehreinnahme von 4 Mill, jährl. ergeben haben.
        <pb n="279" />
        DEUTSCHLAND. — Württemberg (Finanzen). 
255 
im Rechnungsjahre 18**/,* 
umgelegten Staatssteuem : 
die Catastersummen und die auf dieselben 
Steuer auf je 100 fl. 
Grundstücke, Kcincrtr,« lS'(IO4,0y2 Ä.j „ , 3%, Thlr. v. Ueincrtragc; 
Gebäude, Capitalwerth 202’88uis92 - 2 - 27 - 5‘/„ - - Capitalwerthe; 
Gewerbe,Catasteranschlag 411,067 - 91 - 13 - 3%, - - Catasteranschl. 
Hiebei ist jedoch zu erwähnen, dass die Cataster-Einschätzungen des Rein- 
wtrags der Grundstücke und des Capitalwerthes der Gebäude tief unter der 
^ irklichkeit stehen, und der Catasteranschlag der Gewerbe keine Schätzung 
, ® Gewerbeertmgs, sondern der Gewerbesteuer ist, wie der Gesetzgeber sie 
nach gewissen Anhaltspunkten dachte. — Von der Capitalrenten- und der 
Apanagen- und Einkommensteuer ruht die letztere ausschliesslich auf dem Ein 
ommen aus Apanagen und aus solchen Berufen, welche den übrigen directen 
' namentlich der Grund-, Häuser-, Gewerbe- oder Capitalsteuer 
ment unterliegen, und trifft hauptsächlich das Einkommen der Apanagirten 
rrinzen etc.), der Beamten, Geistlichen, üfficiere, Aerzte, Advocaten, Künst- 
1 ’ Handlungscommis, sowie der ein Einkommen von mehr als 200 fl beziehen 
den Geholfen, Arbeiter und Diener. Beide Steuergattungen (die Capitalrenten- 
und die Einkommensteuer) betragen seit dem J. 1858 je 4 Procent des betref 
fenden Einkommens. Vorher betrug seit dem J. 1848 die erstere 5, die letztere 
* Brocent. 
1) Civilliste .... 
f) Apanagen, Wittume 
Staatsschuld . 
^) Renten . . . 
5) Entschädigungen 
Bensionen . . 
') Quiescenzgehalte 
8) Gratialien . . 
I ) Geheimer Rath . 
*9) Depart, der Justiz 
Ausgaben (Bedarf) 18**/,, 
882,400 
244,792 
3*527,665 
61,264 
48,283 
678,100 
15.000 
95.000 
42,483 
1*068.685 
11) Depart, d. Auswärtigen 
des Innern. 
des Kirchen- u. 
Schulwes. . 
des Kriegswes. 
der Finanzen . 
16) Ständische Sustenta- 
tionscasse 
17) Keservefonds . . . 
12) 
13, 
14) 
15) 
213,866 
1*752,958 
1*947,019 
3*586,249 
811,270 
178,687 
70,000 
Zus. 15*223,721 
Abweichend waren für die beiden andern Jahre der Finanzperiode festge- 
setzt: Ziffer 3 oben für 18“/., zu 4*219,409, für 18“/.. zu 4*607,686; — endlich 
me Gesammtsumme : 15*719,233 und 16*239,688 fl. 
Das unter der Civilliste nicht begriffene »Hofdomänen-Kammergut« 
(Familienfideicommiss) erträgt dem Könige nach dem Stande der letzten, 
J. 1861 vorangegangenen Jahre, 210,000 fl. Die Civilliste hat, 
vermöge der darunter begriffenen Naturalien, im Durchschnitt der drei 
re 18*y*g jährlich 900,002 fl. 31 kr., zus. also mit der oben er- 
'vä nten Summe ungef. 1*1 11,000 fl. Von dem Bedarfe für die Staats- 
kommen, ausser 4000 fl. Provisionen auf 
18“,. 18“/.. 18“/., 
Zinsen . . 2*803,265 3*378,709 3*673,086 3*807,106 
lilgung . 720,400 836,700 930,600 1*128,920 
Die Schuld kostete 1&amp;*®/,, nur 1*384,221 fl. Indessen vrar am 
j&gt;!, Juni 1860 für Eisenbahnen sammt Betriebsmaterial ein Capital von 
82 1,956 fl. 26 kr. verwendet, theils aus dem Grundstock, theils aus 
flehen. Die Bahnen lieferten nun einen Reinertrag 18*%* von 6,1 
/oc., 18**gß von 5,3, 18**^, von 6,2 Proc. Da jene Summe, so weit 
durch Anlehen aufgebracht wurde, theils zu 3*/,, theils zu 4, und in 
f ungünstigen Zeit zu 4 */. "/„ (neuerdings durchgehends zu 4 ver- 
2insjt wird, so sind die Steuerpflichtigen durch die Schuldvermehrung er- 
eichtert, nur die Anlehen zu Kriegszwecken zur Zeit des Orient- und 
*^8 italien. Kriegs bilden in neuer Zeit Ausnahmen. — Der Militär-
        <pb n="280" />
        256 
DEUTSCHLAND. — Württemberg (Finanzen). 
aufwand war 18^%i zu 2’107,083, 18‘%5 zu 2’307,107 fl. ange 
nommen. Der jetzigen Position von 3’58ü,249 sind noch 237,000 fl. 
Militärpensionen beizusetzen. 
Beim Beginn der letzten Finanzperiode (1. Juli 1861) hatte man 
aus der vorigen Periode einen Ueberschuss (verfûgb. Vermögen der Rest 
verwaltung) von 0 027,340 fl. 32 kr. Hievon ab das Betriebscapital der 
Staatscasse mit 2 340,351 fl. 33 kr., konnten 2’258,133 fl. 56 kr. zur 
Ergänzung des Bedarfs der neuen Finanzperiode, und 4’410,855 fl. 3 kr. 
für eine Reihe gemeinnütziger Ausgaben bestimmt werden. — Das reine 
Vermögen der Restverwaltung auf 1, Juli 1864 wird wol gegen 15 Mill. 
Gulden betragen haben und grossentheils auf Bauten von Eisenbahnen, 
einer Bibliothek, einer weiteren Irren-Anstalt und für andere gemein 
nützliche Anstalten verwendet werden. 
Rüc.kblicke. Die Einkünfte des Herzogthums Württemberg wurden 
1776 auf 2 Mill, geschätzt, wovon 800,000 fl. Ertrag der Domänen, 
1’200,000 Einkünfte der Landschaft. Eine andere Berechnung aus der 
nemlichen Zeit steigt bis auf 3 Mill. — In der neuern Periode war die 
Netto-15 innah me des ordentlichen Etats (aus dem Kammergute, dem 
Salzregal, den Eisenbahnen, Posten, Telegraphen etc., sowie aus direc- 
ten und indirecten Steuern) ; 
18'%, 18",„ 18'%, 
0’422,00‘Jfl. :0)%kr. lü’651,22ü fl. 21 kr. lP591,l07fl. 5kr. 10’439,622fl. 42kr. 
18®*/ 
/®® 18®*/ 1«ß®/ 
durchschnittlich : /*• /s' 
12’320,475 fl. 8 kr. 14’344,429 fl. 40 kr. 17’279,830 fl. 53 kr. 
An Reinertrag aus directen Steuern, und zwar ; a) an Grund-, Häu 
ser-, Gewerbe- und Gefällsteuern ; b) an Steuer aus Capital- und an 
deren Renten ; und c) an Steuer aus dem Berufseinkommen der Beamten, 
Offleiere, Geistlichen, Aerzte, Anwälte und den, der Gewerbesteuer nicht 
unterliegenden Bediensteten, wurde durchschnittlich erhoben, u. zwar : 
18'%, 18:%. 18'%, 18*%, 18*%. 18*%, 
fl. fl. fl. fl fl. fl. 
a. 2’400,000 2’500,ü00 2’000,000 2’600,000 2’(1()0,()00 2’400,000 
b. 407,275 401,097 399,002 , 202,980 272,831 148,42o 
c. 100,000 137,121 135,979 00,782 91,050 48,855 
Zus. 2'907,275 3'038,818 3'135,581 2'803,708 ' 2'904,487 2'597;275 
18»%, 18'%, 18*%, 18®%, 18*%, 18'%, 
fl. fl. fl. fl. fl. fl. kr. 
a. 2'000,000 2’000,000 2'000,000 3'300,000 3’000,000 3’000 000 — 
b. 199,637 570,088 001,520 090,317 574,221 595¡283 49 
c. 55,084 229,094 173,413 180,073 109,900 115,481 24 
Zu». 2’254,721 2’805,782 3*434,939 4*Í82¡390 3*084,181 3*710,705 13 
Die Steuern unter a sind Repartitionssteuern, d. h. sie werden von 
den Ständen je auf 3 Jahre in einer festen Summe verwilligt, auf die 
bestehenden Cataster umgelegt, und von den Gemeinde- und Amtskör 
perschaften kostenfrei an die Staatscasse abgeliefert. Für die Steuern 
unter b und c werden die Steuersätze von den Ständen je von 3 zu 3 Jah 
ren nach Bedürfhiss gewilligt, und sodann auf Grund von Fassionen der 
Pflichtigen von den Steuerbehörden angesetzt und erhoben. Ihre Steuer 
sätze haben vielfach gewechselt und betrugen z. B. bei b (der Capital- 
rentensteuer) je von lüO fl. Capital in den Jahren l&amp;‘%o 26 kr.;
        <pb n="281" />
        DEUTSCHLAND. — Württemberg (Finanzen). 
257 
1S»%3 10 kr.; 18'%, 12 kr. ; 18'%, 5 kr. ; 18^/„ 15 kr.; von da an 
von 100 fl. Rente in den Jahren 18*766 5 Proc. ; 18®*/,* 4 Proc. 
Die indirecten Steuern gewährten an Reinertrag ; 
18*7., 18'V.. 18*%, 18*%, 18»*.. 18'%, 
fl. kr. fl. fl. fl. kr. fl. kr. fl. 
2 793,250 20 3’884,857 3’679,976 3’992,213 40 4’300,542 42 4’87S,889 
Die indirecten Steuern, deren viele Gattungen im Laufe der letzten 
»1 Jahrzehnte aufgehoben wurden, bestehen im J. 1802 noch aus folgen 
den : Zoll ; Accise (im Wesentlichen nur noch von Liegenschaftsverkäu 
fen, 1 Proc. des Kaufpreises) ; Umgeld von dem in Wirthshäusem aus 
geschenkten Wein, 10 Proc., Steuer von Malz zu Bier, 24 kr, vomSimri 
Malz; Branntweinsteuer, % der preuss. Steuersätze ; Steuer auf Hunde, 
zur Hälfte für den Staat und zur Hälfte für die Gemeinde, 2, 4, 8 fl. 
Vom Kopfe; Sporteln. 
Der Salz verkauf, dessen Ertrag nicht unter dem der indirecten 
Steueranlagen, sondern unter der Hauptsumme I, A oben begriffen ist, 
steht dem Staate ausschliesslich zu, welcher das Pfund (% Kilogr.) 
Kochsalz zu 3 kr., Steinzalz zu 1 Yg kr. im Detail im ganzen Lande ver 
kaufen lässt. 
Die Zunahme der Reineinnahmen des Staats beruht zum grössten 
Theile auf der Erhöhung des Forstertrags ; auf dem Ertrage der Eisen 
bahnen ; dem erhöhten Ertrage der Hüttenwerke, und in Folge des ge 
stiegenen Verkehrs und Verbrauchs, der indirecten Steuern. 
Die Ausgaben der Gemeinden werden theils aus dem Ertrage 
ihres Grundbesitzes (Waldungen, Allmanden) und ihrer Schaafweiden, 
sowie des Bürgeraufnahmegeldes u. dgl. , welcher Ertrag in manchen 
Gemeinden eine Umlage von Gemeindesteuern unnöthig macht, theils 
durch directe Steuern auf die Grund-, Häuser- und Gewerbecataster 
und auf die Capitalrenten- und Einkommensfassionen bestritten. Indi- 
recte Steuern für Gemeinden (Octrois, Eingangs- oder Verbrauchssteuern) 
"urden nur zu Stuttgart erhoben und im J. 1845 daselbst durch Be 
schluss des Stadtrathes und Bürgerausschusses aufgehoben. Auch wurde 
durch ein Gesetz vom (i. Juli 1840 die Erhebung solcher Steuern für 
Gemeinden von einer Ermächtigung durch die Gesetzgebung abhängig 
erklärt, d, h. allgemein untersagt. Die Befreiung von der Last und den 
Verderblichen Wirkungen städtischer Octrois, welche Belgien durch sein 
Gesetz von 18bü mit so Ungeheuern fortdauernden Opfern des Staats 
(Millionen jährlich) erkaufen musste, wurde also in Württemberg ohne 
ii"Kcnd welche derartige Opfer erzielt. 
Amtsliörperschaften (Oberamtsbezirke) haben die gleichen Selbst- 
csteuerungsrechte wie die Gemeinden, und machen davon hauptsäch- 
ich für Bezirksstrassen Gebrauch. *) 
Die Eisenbahnen sind beinahe ausnahmslos vom Staate hergestellt. 
. 1 Wir reden nicht näher von dem Plane, den frühem Feudalrechte-Be- 
1 Zorn für die mit ihrer rechtlichen Zustimmung zu Stande gebrachten Ablö- 
ungen noch eine nachträgliche Entschädigung zu gewähren, welche, so wie 
le nrojectirt ward, dem Volke eine l.ast von 43 Mill, aufgebürdet haben würde 
tieie den Bericht der Ablös.-Commission von 1858). Wir gehen auf Einzel- 
eiu*n nur darum nicht ein, weil wir ein Zurückkommen auf den Plan nicht blos 
1 outisch für unverantwortlich, sondern für moralisch unmöglich halten 
Kolb, Ststistik. 4. Aufl. 17
        <pb n="282" />
        « i i i 
Ü 
258 
DEUTSCHLAND. — Württemberg (Finanzen,. 
Die Staatsbahnen habSn, bei nachbemerkten Längen, für die Staats- 
casse folgende Ergebnisse gewährt, je vom 1. Juli bis 30. Juni 
Anlagecapital, 
einschl. d. aus derlaufen- 
Jahr den Einnahme auf Melio 
rationen verwendeten 
Beträge 
18"%, 32’702,372 fl. 37 kr. 
18»%, 33'186,257 - 8 - 
18'%, 33'981,129 - 23 - 
18'%, 34’901,545 - 21 - 
18'%, 35’366,608 - 34 - 
18'%, 4Ü’233,905 - 20 - 
18'%, 42’824,956 - 20 - 
18'%, 52’590,219 - 13 - 
18'%, 63’701,322 - 47 - 
Meilen 
Bahnlänge 
Rein-Ertrag, 
einechl. der aus laufen 
den Einnahmen auf Me 
liorationen verwendeten 
Beträge 
1’568,004 fl. 19 kr. 
1'800,207 - 7 - 
1'956,484 - 8 - 
1'773,108 - 4 - 
2,152,199 - 12 - 
2'145,941 - 35 - 
2’651,673 - 27- 
3'364,003 - 45 - 
3'537,524 - 
Bein-Ertrag 
in Procenten 
jenes Capitals 
Rechnet man von dem Anlagecapital und von dem Reinerträge die 
aus laufenden Einnahmen bestrittenen Meliorationen beiderseits ab, so 
betrug der Reinertrag, welcher alsdann im Wesentlichen die haaren Ab 
lieferungen der Eisenbahncasse an die Hauptstaatscasse darstellt : 
im J. 18'%; 
- - 18'%, 
- - 18"/., 
--iy%,, 
4,794% 
4,838 
4,458 
3,779 
5,084 
im J. 18'%, 
- - lb'%, 
- - 18'%, 
- - 18'%, 
3,907% 
6,179 
6,304 
5,422 
Der Unterschied rührt daher, weil manche Verbesserungen, welche 
anderwärts durch Capitalaufnahme bestritten werden, hier aus dem lau 
fenden Ertrage bezahlt werden. 
Die Ausgaben, ausschl. der Meliorationen aus laufenden Einnah 
men, erforderten von der Einnahme IS®*/.. 42,2 Proc., in den folgenden 
Jahren 41,6 — 43,5 — 48,9 — 45,1 —47,7 — 42,5 — 41,1 —42,4. 
Befördert wurden seit 18®%. Personen : 1’893,323, — 2’079,568 — 
2’306,751, — 2’636,408, — 2’742,936, — 3’042,687, — 3'146,312, 
— 3’805,508, —4’480,378; —Güter, Centner: 5’631,122 — 6’664,702 
— 7842,470, — 7'769,238, — 8’909,237, — 8’7S6,658. — 18«%, 
11’371,435, — 15’485,259, — 16'1 78,305. 
Die Abweichungen, welche die vorstehende Darstellung der württ. 
Eisenbahn-Ergebnisse von der in den frühem Ausgaben dieses Werkes 
gegebenen darbietet, beruhen zum kleineren Theile auf materiellen Be 
richtigungen, zum grössern blos auf einer andern formellen Darstellung 
der gleichen Ergebnisse. 
Das Eisenbahnnetz Württembergs sieht noch einer grossen Erwei 
terung über viele I^andestheile durch den Staat entgegen, da sich der 
Nutzen der bestehenden Bahnen und ihre Verwaltung in hohem Grade 
bewährt haben. 
Staatsschuld. Den 5. Nov. 1864 betrug die Staatsschuld: 
Verzinsliche Staatsschuld 
zu 5%^ 
- 4% Anlehen von i8'%, ] 15'314,200) 
Pensionsfond 3'804,700(^ 
Einlösungsfonds für das Staatspapiergeld 500,0001 
Militäreinsteher-Cautionen 1'343,6501 
% - 
- 3% 
fl. 
515,920 
29'525,900 
20'962,550 
21'688,300 
Zusammen 72'692,670 
B. Unverzinsliches Staatspapiergeld 3’000,000
        <pb n="283" />
        17* 
DEUTSCHLAND. — Württemberg (Finanzen). 
259 
An Staatsanlehen wurden zum Elsenbahnbau seit dem Jahre 1845 
theils ausdrücklich aufgenommen, theils von den Anlehen von 1845, 
1847, 1855 und 1859 zum Eisenbahnbau verwendet, bis zum J. 1862; 
50’847,057 fl., wovon, nach Abrechnung des seither durch Heimbezah 
lung Getilgten, den 4. Juli 1804 noch zu verzinsen waren46'795,200fl. 
Der Rest von gegen 26 Millionen bildet die übrige Staatsschuld, und ist 
grossentheils als Folge von Kriegen, Kriegsrüstungen, Uebernahme von 
Kammer- und Landschaftsschulden, und von sogenannten Finanzaus 
gleichungen mit Standesherrn anzusehen. Ein Theil des Capital-Auf- 
wands auf die Eisenbahnen wurde aus Grundstocksmitteln und allgemei 
nen Ueberschüssen des Staates bestritten. 
Geschichtliche Notizen. Unter der anfangs furchtbar verschwende 
rischen Regierung des Herzogs Karl sollen die Schulden fast auf 16 Mill, 
gestiegen, doch allmählig meistens wieder getilgt worden sein. — 1806 
betrug die Gesammtschuld 15’659,297 fl., davon die der Landschaft 
nur 4’60 7,98 2, die der Kriegsprästationscasse 3’581,4 18, der Rentenkam- 
niercasse 3’288,794, der kirchenräthlichen Cassen 1’000,601, und die 
Schuld der neuerworbenen Landestheile 1524,824 fl. — 1816 verwen 
dete man 800,000 fl. von den französischen Reluitionsgeldern, dann 
Weiter die Gesammtsumme der von Frankreich erhaltenen Contributions- 
Öelder mit 3*750,000 fl. für die Schuldentilgung. Dennoch stieg die 
Schuldsumme in Folge neuer Einweisungen, da insbesondere den Media- 
tisirten 7’867,353 fl. Entschädigungen bewilligt wurden. So war der Schul 
denstand im August 1817 24’760,134, am 22. Juni 1820 20’374,559, 
im Jahre 1833 wieder 28’706,350, und am 1. Juli 1845 20’774,033fl. 
Nachdem man, vermittelst Tilgung während eines Vierteljahrhunderts, 
die Schuldsumme von ihrem höchsten Stande um etwa 8 Mill, herabge 
bracht, erfolgte wieder ein sehr rasches Steigen, diesmal aber grossen 
theils in Folge der Eisenbahnbauten. 
Die neueren Anlehen sind, ihrem, vom Staate zu verzinsenden und 
zu tilgenden, Nominalbeträge nach : 
1845. 7’213,f)00 fl., Nominalcapital, zu 3'/,im Curse von 97 fl. 2*/, kr. Auf 
genommen zu Beseitigung des Kündigungsrechtes der Staatsgläubiger; 
3’2()3,311 fl, davon wurden zum Eisenbannbau verwendet. Einbezahlt 
wurden : a) baar 7’000,197 fl. 39 kr., b) mittelst der Cursdifterenz von 2 fl. 
. . 57*/, kr. 213,402 fl. 21 kr. ; zu verzinsen und zu tilgen sind 7*213,000 fl. 
840. 81,000 fl., zu 4%, ul pari, vom Pensionsfonds, zum Eisenbahnbau. 
1840. Juni. 1*218,700 fl., zu 4 %, alpari, zum Eisenbahnbau, statt gewünsch 
ter 0 Millionen, mit */, % Provision an Bankiers, und */* % an Cameral- 
beamte und Amtspfleger für die bei ihnen subscribirten Summen. 
184(&gt;. December. 1*050,000 fl., zu 4*/, */g, gegen baare Vergütung von 2*/,% 
Cursditferenz und einer Zinsenjouissance, zusammen gegen ein baares 
Opfer von 42,000 fl., zum Eisenbahnbau, — und 2,300 fl., zu 4*/,% al 
pari; zusammen 1*052,300 fl. 
1847. März. 11*000,000 fl., zu 4*/, % , im Curse von 97'/, %, und 6*000,000 fl., 
zu 4*/,**/,, im Curse von 98%, nebst einer Provision für die Bankhäuser, 
bestehend in einer 4monatl. Zinsenjouissance etc. Der Nettoertrag der 
Anleihe im Betrage von 16*308,228 fl. 40 kr. diente zum Eisenbahnbau. 
1849. Juni. 3*333,300 fl., zu 4*/, %, im Cuge zu 90% ; Reinertrag 2*999,970 fl. 
Das Anlehen wurde zur Deckung durch den Feldzug in Schleswig- 
Holstein etc. im Reichsdienste etc. entstandenen Kosten von 2*777,800 fl. 
36 kr., und zur theilweisen Deckung eines Deficits im ordentlichen Dienste
        <pb n="284" />
        260 
DEUTSCHLAND. — Württemberg Finanzen). 
von 834,412 ri. 20 kr. aufgenommen, und der Ueberrest die.se.s letztem 
Deficits aus der Papiergeldscreirung bestritten. 
1849. 3’000,000 fl. Paniergeld. Durch die Finanzgesetze von 1849 und 1852 für 
laufende Ausgaben des ordentlichen Dienstes verwendet. 
1852. Januar. 4’5ü0,000 fl., zu 4% %, alpari, zum Eisenbahnbau für den An 
schluss an Baden und Bayern 
1855. 3’092,800 fl., zu 4*/„ %, zum Curse von 97 ; Kriegsbereitschafts-Anlehen, 
wovon aber 1'030,745 fl. 59 kr., zu dem Plochingen - Keutlinger Eisen 
bahnbau verwendet wurde. Das Anlehen lieferte 3’000,010 fl. baar. 
1857. 2’524,700 fl. , zu 4 %. \on der ständischen Staatsschuldenverwaltung 
wurde mit der K. Staatsverwaltung ein von dieser letzteren (aus Grund 
stocksmitteln oder dgl.) vorzuschiessendes 4% Anlehen von 3'ü 12,500 fl. 
für den Plochingen-Keutlinger Eisenbahnbau zum Curse von 90 % con- 
trahirt, und hievon vorläufig für den Nominalbetrag von 2’524,700 fl. ein 
Baarcapital von 2’423,712fl. für den Eisenbahnbau erzielt. Der Rest des 
Nominalcapitals, im Betrage von 487,800 fl. als nicht erforderlich, auch 
nicht eraittirt. Die K. Staatsfinanzverwaltung übernahm das Anlehen zu 
90%, setzte aber einen Th eil desselben zu 97%, und später zu 100% 
an das Publicum ab. 
1859. Mai. 5*700,000 11., zu 4% %, al jtari, Kriegsbereitschaftsanlehen, mit 
telst Subscription des Publicums bewirkt. (Vier Bankhäuser erhielten 
10,191 fl. 15kr. Provision). Von diesem Anlehen blieben 880,207 fl. 38kr. 
für den Eisenbahnbau übrig. 
1800. 5* 154,000 fl. Nominalcapital, zu 4%. Die K. Staatsflnanzverwaltung 
übernahm das Anlehen im (’urse von 97, so dass sich netto 5 Mill, erga 
ben, die zum Eisenbahnbau di^niten. Die K. Staatsfinanzverwaltung setzte 
ihrerseits einen Theil dieses Anlehens zum Curse von 100%, einen an 
deren Th eil zu 100 fl. 50 kr., worunter 20 kr. Zinsratum, also zum Curse 
von 100% ans Publicum ab. (Kosten verursachte dieses Anlehen der 
Staatsschuldenzahlungscasse keine. Beim Absätze eines Theils der ver 
kauften Obligationen bezahlte die K. Staatshauptcasse den Bankiers 
2,375 fl. Provision; an Beamte nichts.) 
1801. i 159,700 fl., zu 4”/^. Im Curse von 98; zur Hälfte für die Grundstocks 
verwaltung des Staates übernommen, zur anderen Hälfte dem Publicum 
mittelst Subscription überlassen, lieferte dieses Anlehen baar 7'0l0,500fl. 
zum Eisenbahnbau. (Wer bei der Subscrintion des Publicums über 50,000 
fl. zeichnete, erhielt beim Schlüsse der Einzahlung '/* " ^ Provision ver 
gütet. Diese Provisionen kosteten 0,221 fl. 11 kr., und wurden von der 
Staatsschuldenzahlungscasse aus andem Mitteln bestritten, die Gebühren 
Jür K. Cassenbeaniten betnigen 250 fl. und wurden aus dem allgemeinen 
Reservefonds des Staates bezahlt . 
1802. 7’142,800 fl. zu 3 % %. Im Curse von 98 %. Von diesem Anlehen sub 
scribirte das l’ublicum 2’OOO.OOtt fl. und die Staatscasscnverwaltung über 
nahm auf Rechnung der Grundstocks- und der Restverwaltung )'142,800 fl. 
an denselben zu liefern. DieNettoprovenue des Anlehens war 0*999,944 fl. 
Die letzten 5 Anlehen von 1857 bis 1802 einschliesslich wurden also von 
der ständischen Staatsschuldenverwaltungsbehorde, im blinVerständnisse mit 
dem Finanzministerium, nicht mehr durch Anlehens Verträge mit Bankhäusern 
sondern ganz oder theilweise direct beim Publicum realisirt, die Anlehen von 
1857 und 1800 aber ganz, das von 1801 zur Hälfte und das von 1802 zu % durch 
Lieferung ihres Betrages an die ständische Staatsschuldenzahlungscasse zu einem 
bestimmten Curse aus den zeitlich verfügbaren Fonds der K. Staatsfinanzver- 
waltung (d. h. aus den von Gefällablösungen etc. herrührenden Grundstocks 
geldern, sowie aus den disponibeln Mitteln der Restverwaltung) aufgebracht, 
wogegen es der K. Staatsfinanzverwaltung überlassen blieb, die ihr von der 
ständischen Schuldcntilgungscassc ausgestellten Obligationen nach Bedürfniss 
und Conjuncturen wieder an das Publicum abzusetzen. Diese beide Anlehens 
formen haben dem Staate wohlfeile^nlehen verschafft, die bei weitem vortheil- 
hafteste aber die letztere Form, weil der Staat dabei die Zeiten für den all- 
mähligen Verkauf der ständischen Obligationen zu günstigen Cursen abwarten 
konnte.
        <pb n="285" />
        DEUTSCHLAND. — Württemberg 'Militär. 
261 
Militär. Conscription und Stellvertretung ; 6jährige Dienstzeit im 
activen Heere. Die Zahl der Aushebungen zum activen Heere wird ver 
fassungsmässig je von 3 zu 3 Jahren in einem besonderen Gesetze von 
den Ständen verwilligt, und betrug in den Jahren 18®%* jährlich 4,600 
Rekruten. Die Landwehr in 3 Aufgeboten bis zum 32. Altersjahre ein 
schliesslich bestand bis zum J. 1859 blos auf dem Papiere als Verpflich 
tung zum Eintritte in das Militär auf Kriegsdauer, und hat zur nächsten 
Bestimmung, das active Heer während eines Krieges in seiner vollstän 
digen Contingentstärke zu erhalten. In Folge der bei der Kriegsaufstel- 
lung vom J. 1859 gemachten Erfahrungen werden nunmehr jährlich 
gegen 1000 (etwa 980) Landwehrpflichtige zu Owöchigem Exercitium 
hei der Infanterie einberufen. Im activen Militär dient der ausgehobene 
Soldat das Minimum der durch die Bundeskriegsverfassung vorgeschrie 
benen Zeit (2 und bei einigen Specialwaflen 3 Jahre ; siehe S. 206). Bei 
der Infanterie dienen übrigens nur die Jäger 2 Jahre ununterbrochen, die 
übrige Infanterie blos 1 % Jahr ununterbrochen, wogegen der Mann noch 
der Einberufung zu Kriegsübungen unterliegt. Unter den Offleieren 
waren 1859 ; 301 Adelige und 309 Bürgerliche. Stand des Heeres im 
J. 1864: 
Infanterie: 1 Division zu 3 Brigaden, S Regimentern, 16 Linien- und 2 
Jägerbataillonen (1 weiteres ist beantragt ; 72 Compagnien; hiezu kommt im 
Kriege noch 1 Stabscomp. und 9 Ersatzcompagnien, 1 Disciplinarcomp., 1 Sa 
nitätscompagnie. 
Reiterei: 1 Feldjägerabtheilung; 1 Division von 4 Kegim., zu 4 Schwadr., 
zus. lü Schwadr., und im Kriege noch 3 Ersatzschwadronen. 
Artillerie: 1 Brigade, 1 Feldart.-Reg., 2 reitende Batterien, 2 leichte und 
2 (im Kriege 2%) schwere Fussart.-Batt., 1 Comp. Munitions-Reserve, 1 Comp. 
Belagerungsartill., 1 Ersatzbatt.; 2 Batt. Festungsartill. ; Armeetrain; 1 Gar 
nisonsart.-Comp. unter der Arsenaldirection. 
(ieneralquartienneinterstah mit 2 (’omp. Pionieren. 
Der Kriegsfuss ist 26,KS5 oder, nach Alwug der Nichtstreitbaren, 25,110, 
Worunter 2,934 Mann bei der Reiterei. Der Friedensfuss (wesentlich gleichbe 
deutend mit der durchschnittlichen Präsenz) : 10,5S1, wovon 10,371 Combat- 
tanten und worunter 2,010 Reiter. 
Festung. Ulm, Bundesfestung, mit gemischter (württemb.-österr.- 
bayer.) Besatzung. — Hohen-Asperg ist militärisch ohne Bedeutung. 
Geschichtliches. Die alten Herzoge von Württemberg unterhielten 
meistens eine ansehnliche Truppenzahl, — während des siebenjährigen 
Krieges gegen 14,000, noch 1783 gegen 6000 Mann. Zum Rheinbunde 
batte Württemberg 12,000 zu stellen, welche zwar nicht nach Spanien, 
'wol aber nach Russland ziehen mussten. 1813 Reorganisation der ver 
nichteten Armee. 1814 und 15 grosse Anstrengungen gegen Napoleon. 
Sociales. Sehr beachtenswerth ist der von Moriz Mohl in einem 
Kammerberichte geführte Nachweis, wie überall an der Eisenbahnlinie 
neue industrielle Pitablisscments entstehen, während entfernt von der 
Buhn meist ein Verfall, namentlich der Industrie, eintritt. Unverkenn 
bar hat sich in den letzten Jahren der Volkswohlstand bedeutend geho 
ben. Die Zahl der Handlungsetablissements, 1835 3463, stieg schon 
18;&gt;6 auf 4837 ; die der Fabriken wuchs gleichzeitig von 363 auf 647, 
und noch mehr hob sich die Production derselben. Die anhängigen 
fronten haben sich sogar folgendermassen vermindert :
        <pb n="286" />
        262 
DEUTSCHLAND. — Württemberg (Sociales). 
18»%. 18»%. 18»%. 18»%: 18'%, 18»%. 18%. 
8,813 7,883 4,773 2,007 1,009 ' 824 635 
Die Zahl der anhängigen anderen Processe betrug : 
18»%. 18»%: 18%, 
Civilprocesse . . 21,256 15,902 14,623 
Criminalprocesse 21,754 16,529 16,763 
Mit der Zunahme des Wohlstandes ging daher Hand in Hand eine 
bedeutende Abnahme der Civil- und Criminalprocesse. 
Die Einlagen in die Landes- und Bezirkssparcassen betrugen : 
18»%. 18»%. 18»%: 18»%. 18»%. 18%, 
2’258,992 2’833,649 3’749,176 4’390,276 5’032,938 5’442,723 
Ausserdem hatte die mit der Rentenanstalt zu Stuttgart verbundene 
Sparcasse an Einlagen • 
1856 1857 1858 
32,000 868,000 P215,000 
Auch bestehen mehrere Privatspargesellschaften. 
Einen ausserordentlichen Fortschritt bildet die Einführung der Ge- 
werhefreiheit (Gesetz vom 12. Febr. 1862), deren Ergebnisse sich in der 
Erfahrung durchweg als die allererfreulichsten bewähren. — Dagegen 
lastet noch ein ganz verderbliches, von dem Minister v. Linden durch 
gesetztes Gesetz (v. 5. Mai 1852) auf dem Lande. Dieses Gesetz be 
schränkt die Erlaubniss zur Verehelichung und Uebersiedelung 
und macht die Befugniss dazu in sehr vielen Fällen von den örtlichen 
Behörden abhängig. Das Ergebniss dieses traurigen Gesetzes ist es 
wesentlich, dass die Zahl der unehel. Geburten von 12,35 % im J. 1853 
auf 19,89% im J. 1861 stieg. Es steht zu hoffen, dass Württemberg 
sich bald von diesem entsittlichenden Gesetze reinigen werde. 
Fast. Im Jahre 1851 von Taxis gegen 1’300,ÜOÜ fl. Entschädigung 
an den Staat übergegangen, ist dieselbe sehr verbessert. 18»%. hatte 
man 1’173,888 fl. Einnahme und l’011,406 Ausgabe, Ib“®/., dagegen 
1’751,844 Einnahme und 1’515,064 Ausgabe. Zahl der beförderten 
Reisenden 1852; 127,825, 18«®/., 332,323; Briefe; 1 8*%. 6’239,675. 
18®"/.! 9’183,200 ; Fahrpoststücke in den nemlichen Jahren ; 1 '805,655 
und 2 360,462 ; dabei 18“®/.i 6’959,962 Zeitungsnummern (vgl. S. 217). 
In den Jahren 18®*/.. wurde die Ruralpost im ganzen Lande einge 
führt, so dass jetzt in den allermeisten Wohnhäusern des Landes die 
Post täglich, in den übrigen alle 2 Tage die Gegenstände an die Adres 
saten direct abliefert. 
Telegraphie. 1861 53 Stationen, seitdem solche Vermehrung, dass 
nun alle Oberämter mit Telegraphen versehen sind. 
Maasse. lOU Fuss (zu 10 Zoll) — 91,28 Fuss preuss. oder 29,65 Met. Der 
Juchart = 1 */z Morgen; der Morgen = 31,5 Aren oder 1,23 preuss. Morgen. 
Der Scheffel hat 177,23 Liter oder 3,22 preuss. Scheffel. Der Eimer = 293,92 
Liter (die Maass ist 1,84 Liter).
        <pb n="287" />
        DEUTSCHLAND. — Baden (Land und Leute). 
263 
Baden (Grossherzogthum). 
Bevölkerung') 
Kreise 
Seekreis . . 
Oberrhein- . 
Mittelrhein . 
Unterrhein- . 
Zusammen 
Mánnl 
Q.-M 
64% 
75 
74 
64% 
1H58 
195,249 
336,465 
457,327 
346,911 
1861 
198,160 
345,913 
469,782 
355.436 
278 1'335,952 1’369,291 
668,901, weibl. 700,390, Unterschied 
Confessionen 1861 : 
Katholiken 
Protestanten 
Dissidenten 
Mennoniten 
Juden . . 
896,683 
445,539 
1,749 
1,221 
24,099 
273,880 Familien in 1585 
Gemeinden. 
31,489(1858:35,416). 
Die Kreiseintheilung von 1864 ergibt 11 Kreise, für die Justiz mit 
66 (bis dahin 73) Amtsgerichten, für die Verwaltung mit 59 (bis dahin 
64) Bezirksämtern. Die Kreise sind: 1) Constanz mit 122,398 Einw., 
2) Villingen 65,093, 3) Waldshut 81,167, 4) Freiburg 187,913, 5) Lör 
rach 87,502, 6) Karlsruhe 211,565, 7) Offenburg 140,194, 8) Baden 
114,592, 9) Mannheim 83,349, 10) Heidelberg 124,556, 11) Mosbach 
150,962. 
Gehurten. In den 26 Jahren 1830 — 55 einschliesslich kamen deren 
1'2 78,24 2 vor; in 27 Jahren also etwa so viel, als die Gesammtbevölke- 
rung beträgt. Davon waren unehelich 1833—42: 14,9%, 1843—53 
15,08, 1853—55 über 18%. In den 3 Jahren 1856 — 58 wurden ge 
boren: 45,531, dann 46,632, endlich 46,833. Die Zahl der Sterbfälle 
war: 33,107 4- 36,312 + 37,274; sonach mehr Geburten zus. 32,303. 
—' ln den beiden Jahren 1859 und 60 ergaben sich: 49,766resp. 48,297 
Geburten und 37,359 resp. 31,961 Sterbfälle. 
Ileirathen. Deren Zahl hat relativ abgenommen ; sie betrug 1821, 
als das Land viel weniger Menschen zählte, fast ebenso viel wie jetzt ; 
1629 hatte Baden über 8000 Ileirathen. 1832 über 9000, 1834 (bei 
140,000 Einw. weniger als dermalen) über 10,000, 1852 7005, 1853 
6851, 1854 6515, 1855 7267. Seitdem Zunahme : 1856' 8262, 1857: 
8621, 1858: 8953, 1859: 9045, 1860: 9711. 
Auswanderungen (ohne die heimlichen, meist von Conscribirten) : 
, Auawanderer Vermögen Unterstütz. 
1840-49 2:i,966 mit 5’700,8HUfl. 174,636H. 
1850—55 62,444 - 7’529,417 - 1'601,783 - 
Seitdem Auswanderer: 
1856 
1857 
1858 
1969 
3477 
1970 
1859 1241 
1860 2608 
1861 1330 
Die Unterstützungen meist von Gemeinden (217,783 fl. vom Staate). — Von 
den Auswanderern vor 1856 gingen 82,011 nach Nordamerika, 2238 nach Al- 
^er. — Am höchsten stieg die Zahl 1852 14,366 (mit 1'968,164 fl.) 1853 12,932 
(mit 1’923,903 fl.), und 1854 21,561 ; sie sank 1855 auf 3,334. — Im Ganzen sind 
Von 1840—61 99,005 Personen ausgewandert. — Indigenate wurden in den 3 
Jahren 1858—61 ertheilt an 605 Personen. • 
Frühere Volkszahl: 
1816 : 1'005,899 
1823 : 1'109,430 
1830 : 1'200,471 
1834 ! 1'230,791 
1840 ; 1'296,967 
1843 : l':135,354 
1846: 1'367,486 
1849: 1'364,774 
1852 : 1'356,492 
1855: 1'314,837 
1858: 1'335,952 
Sonach im Ganzen jährlich 
1834—46 Zunahme 136,695 = 11,391 
1846—49 Abnahme 4,712= 1,571 
1849—52 - 8,282 = 2,761 
1852—55 - 42,105 = 14,035 
1855—58 Zunahme 21,115= 7,038 
1858-61 - 34,339 = 14,779 
*) Hauptquelle für Bevölkerungsverhältnisse etc. : »Beiträge zur Statistik 
der innern Verwaltung des Grossh. Baden. Herausgegeben von dem Handels 
ministerium.« (Bis jetzt 16 Hefte.)
        <pb n="288" />
        264 
DEUTSCHLAND. — Baden (Finanzen . 
Studie 1861 : 
Mannheim . . 27 
27,172 Bruchsal 
27,103 Constanz 
10,883 Baden . 
10,289 Kastatt 
13,854 Lahr . 
8,270 i Weinheim 
7,819 I Durlach . 
7,733 Ettlingen . 
7,428 ! Offenburg 
7,103 I 
0,130 
5,01 7 
Karlsruhe , 
Freiburg. . 
Heidelberg . 
Pforzheim . 
Gehietsverilnderunffen. 1771, nach Alissterben der (katholischen) 
Baden-Badischen Linie, Vereinigung ihres Gebietes mit (dem protest.) 
Baden-Durlach. Die ganze Markgrafschaft hatte 1 790 erst 216,000 
Einw. auf 65— / 0 Q.-Meil. — Bestandtheile: Karlsruhe, Durlach, Pforz 
heim, Rastatt, Baden ; einige Bezirke auf dem linken Rheinufer (Theile 
der Grafschaft Sponheim im jetzigen Rheinhessen, Dorf Rhodt und Herr 
schaft Gräfenstein bei Pirmasens in der Rheinpfalz, und Herrschaften 
Rodemachern und Hespringen im Luxemburg’schen). Die linksrheini 
schen Besitzungen, 8 Q.-M. mit 38,500 Menschen, gingen an Frank 
reich verloren; der Reichsdeputationsschluss 1803 gewährte reiche Ent 
schädigung ; das Hochstift Constanz, die rechtsrheinischen Theile der 
Hochstifte Basel, Strassburg und Speyer (Bruchsal, Philippsburg), die 
kurpfälz. Aemter I^adenburg, Bretten, Heidelberg und Mannheim, die 
Nassau-Usingische Herrschaft Lahr, die darmstädt. Aemter Lichtenau u. 
Wildstädt, 11 Abteien (Lichtenthal, Ettenheim, Reichenau etc.), end 
lich 7 Reichsstädte: Offenburg Zell, Gengenbach, Ueberlingen, Bibe- 
rach, Pfullendorf und Wimpfen, — zus. 60 Q.-Meil. mit 24 8,000 Einw. 
Der Markgraf nahm am 1. Mai 1803 den Titel eines Kurfürsten, und 
am 12. Juli 1806 den eines Grossherzogs an. 1806 ward Biberach an 
Württemberg überlassen, dagegen erworben ; die Städte Villingcn und 
Bräunlingen, der grösste Theil des Breisgau (früher österreichisch), das 
Fürstenthum Heitersheim mit der Grafschaft Bonndorf, die Geistlichen 
güter im Breisgau, die Ortenau, die Stadt Constanz und die Souveräni 
tät überBesitzungen von Fürstenberg, I.einingen, liöwenstein und Salm. 
Baden umfasste nun 261 Q.-Meil. mit 925,000 Menschen. 1809 Be 
lohnung für die Theilnahme am Kriege gegen Oesterreich ; gegen Abtre 
tung der Souveränität über die Leiningischen Aemter Amorbach und 
Miltenberg (5 Q.-M. mit 25,000 Einw.) an Darmstadt, bekam Baden 
von Württemberg ; das Oberamt Stockach und Theile von Hornberg, 
Rottweil, Tuttlingen, Maulbronn und Mergentheim, gegen 1 5 Q,-M. mit 
45,000 Einw. Endlich erhielt Baden 1 8 1 4 das 1805 an Frankreich über 
lassene Kehl zurück. Kein anderer Staat hat sich so sehr vergrössert. 
[Verfassung vom 22. Aug. 1818.) 
Finanzen. Zweijährige Finanzperioden (doch unter Trennung der 
Etats für die einzelnen Jahre). Der Voranschlag für 1865 enthält fol 
gende Hauptpositionen : 
A. Justizministerium (Bezirksjustiz 153,145, Strafan 
stalten 189,002) = 342,147 135,185 
B. Minist, des Innern (Bezirksverw. 45,293, Heilan 
stalt Pforzh. 117,067, ditto Illenau 223,460, poli- 
Einnahmen. 
Koheinnahme &lt;lav. Kotten 
zeil. Verwahranstalt 12,133) 
C. Handelsmin. (Gestüt 19,480, Strassenbau 26,867 
398,553 172,729 
46,347 2,018
        <pb n="289" />
        DEUTSCHLAND. — Baden (Finanzen). 
265 
-p. . . Koheinnahme dav. Kosten 
r inanzministenum 16’3(»3,973 4’911,724 
E. Knegsministerium 70,00(t 5,000 
Zusammen 17*101,020 5*220,050 
Die Einzelpositionen der Einnahmen des Finanzministeriums sind : 
Roheinnahme 
I. Cameraldománen-Veraaltung 1*418,053 
II. Forstdomänen-Verwaltung 2*030,788 
III. Berg- und Hütten-Verwaltung .... 345,043 
IV. Steuerverwaltung, nemlich (7*344,430) 
1. Directe Steuer 3*089,232 
2. Accise und Ohmgeld 2*270,400 
3. Justiz- und Polizeigefälle 1*228,004 
4. Forstgerichtsgefälle . 88,352 
5. Versen. Einnahmen 08,328 
6. Gemeinsame Verw.-Kosten — 
V. Salinen-Verwaltung 1*481,500 
M. Zollverwaltung 2*970,250 
VII, Münzverwaltun 053,888 
'TU Allgemeine Cassen-Verwaltung 54,009 
Ausgaben (eigentl. Staatsaufwand). 
I Staatsministerium; Hof 930,204 (dav. Chilliste 752,490), 
Landstände 43,900, geh. Cabinet 8,930, Staatsministerium 
15,300, Beiträge zu Bundeslasten 15,493, zufällige Ausg. 
1,000 =z 
II Minist, des Auswärtigen (dabei : Gesandtschaften 03,100, 
Bundeskosten 19,400) 
III. Justizministerium (wobei: Strafanstalten 105,432). . . . 
IV. Minist, des Innern (wobei Sicherheitspolizei [Gendarmerie] 
204,010, Cultus 118,039, Unterricht 547,532 [Univ. Heidel 
berg 135,723, Freiburg 48,905, polj’techn. Schule 40,592, 
Volksschulen 130,799, höhere Bürgerschulen 31,000], Wis 
senschaften und Künste 24,735, Armenanstalten 99,904, 
Pfleganst. Pforzheim 102,192, ditto Illenau 158,002) . . 
V. Handelsministerium (dabei : Strassen-u. Wasserb. 1*125,588, 
Landwirthschaft 148,139) 
'I Finanzminister, (dav. : Pensionen 550,300, Schuld 1*151,993 
[Renten nach Abzug der Activzinsen 515,015, Tilgung 
025,078] ohne die Eiscnbahnschuld) 
'^II. Kriegsmmisterium 
Zusammen (mit Verwaltungskosten 10*297,927) 
Sonach Uebcrschuss 1805: 803,093 fi. 
dav. Kosten 
779,010 
835,701 
322,532 
(875,091) 
219,849 
181.904 
149,213 
02,104 
13,330 
249,285 
339,713 
1*021,702 
087.905 
49,410 
1*014,947 
115,000 
1*593,900 
2*215,283 
1*331,402 
1*850,010 
2*944,003 
11*071,271 
An dieses ordentliche Budget reiht sich zunächst ein ausser- 
y deutliches, für die beiden Jahre 1SG4 u. 65 zusammen 2*839,359 
betragend, wovon 361,918 für das Minist, der Justiz, 688,091 für 
as des Innern, 1*147,4 70 des Handels (meist Strassen-u. Wasserbau), 
2,375 der Finanzen und 259,505 für das des Kriegs. — Die Deckung 
erfolgt durch Verwendung theils der vorgesehenen laufenden Einnahme 
erschüsse über die ordentl. Ausgabe, theils der aus den Vorjahren an 
gesammelten Ueberschüsse, theils auch (399,981 fl.) aus dem Doma- 
üialgrundstocke. 
Obwol nun im Budget die Brutto-Summen aufgeführt sind, und 
üeben dem ordentlichen, wie angegeben, ein ausserordentliches Budget 
esteht, gewähren beide doch nur einen unvollständigen Ueberblick über 
en Staatshaushalt, indem es ausserdem noch Specialetats gibt. Die- 
* Selben sind für 1865 folgendermassen aufgeführt:
        <pb n="290" />
        266 
DEUTSCHLAND. — Baden (Finanzen). 
Einnahme Ausgabe 
I. Postverwaltung 1’734,961 1’372,170 
II. Eisenbahnbetriebsverwaltung 8’552,101 5’285,616 
III. Bodenseedampfschifffahrtsverwaltung . 126,872 116,341 
IV. Vom Antheil an der Main-Neckareisenbahn 118,730 — 
V. Eisenbahnbauverwaltung — 9’131,010 
VT. Eisenbahnschuldentilgungscasse .... 14’164,156 14’164,156 
Lässt man auch die beiden letzten Positionen, mit Ausnahme der 
Zinsen für die Eisenbahnschuld, dann aber auch im Netto die aus dem 
Grundstock entnommene Summe ganz ausser Ansatz, so stellt sich das 
gesammte bad. Staatsbudget auf 30’533,044 fl. brutto oder 17’783,669 
fl. netto Einnahme und 1 fl’822,364 fl. Ausgabe. 
Der Aufwand für Militär, 1833 erst 1’494,798, war 1848 
3’521,466, 1849 3’404,391 ; 1859 (Kriegsbereitschaft) wurde der Bud 
getsatz von 2 522,920 fl. um 2’932,205 überschritten. 
Das Generalcataster für 1863 wies nach: Grund- undGefällsteuer- 
capitalien 541,240,454 fl., Häusersteuercap. 194’331,625, Gewerb- 
steuercap. 20fl’081,095 (bei letzter Position 135’9fl0,875 fl. Steuercap. 
vom persönl. Verdienst, 52’885,445 Betriebscap., 1 fl'234,775 für Ge- 
hülfen),Classensteuercap.37’435,410 (Capitalsteuercap. gegen 210 Mill.). 
— Die Steuer ist bei Aeckern und Häusern zu 19, bei Gewerben und in 
der Classensteuer zu 23 Krzr. für 100 fl. Capital bestimmt. — Ein be 
sonderes Budget besteht auch noch für die Badanstalten, worin der Pacht 
zins des Spielpächters von Baden-Baden mit 314,067 fl. die Hauptsumme 
bildet. 
Der Betriebsfonds der verschiedenen Staatsanstalten und Cassen ist 
zu 4’486,900 fl. festgesetzt. 
Unter den oben aufgeführten Zinsen sind die der Eisenbahnschuld 
nicht einbegriffen. Dieselben betragen 2’9 11,734 fl. — Die Eisenbah 
nen ertrugen rein : 1860 5,37 %; 1861 6,14; 1862 4,88%. 
Geschichtliche Notizen, ln den Finanzgesetzen sind die Netto 
einnahmen folgendermassen veranschlagt : 
1825 7’231,00(» 
1835 8’419,000 
1845 9’864,000 
1846 10’387,000 
1848 1()’714,000 
1849 10’450,000 
1851 9’465,000 
1857 10’477,6t)6 
1861 11’181,397 
Kosten der Revolutionsunterdrückung von 1 849 : Verlust der Staats- 
casse fl. 2’988,115, Forderung Preussens 4’575,952, Verlust der Ge 
meinden über 3’000,000, zusammen 10’564,067. 
In den Kammerverhandlungen von 1856 wurden die Kosten der preuss. 
Hülfe zu 3’281,284 fl. angegeben, wovon 3’002,275 durch Umlagen der Gemein 
den gedeckt. Durch Uebereinkommen mit vielen einzelnen Betheiligten wusste 
der Fiscus ansehnliche Summen ersetzt zu bekommen. 
Schuld am 1. Januar 1863: 
1. Allgemeine Staatsschuld: 
a. unverzinslich: an den Domänengrundstock 12 Mill. ; Pa 
piergeld 3 Mill. ; andere unverz. Posten 849,446, zus. . . fl. 15’849,446 
b. verzinslich, an Privatgläubiger, Depositen, Cautionen etc. - 23’999,558 
Zusammen 39’849,004 
II, Eisenbahnschuld . ^ 68’27ü,507 
Total 108’119,511 
Der Werth der Domänengüter, 50,000 Morgen, und der Forsten,,
        <pb n="291" />
        DEUTSCHLAND. — Baden (Militär, Sociales). 
267 
250,000 Morg., ward schon früher auf 50 Mill, getchätzt; jener der 
Bahnen kann zu 100 Mill, veranschlagt werden. — Zur Verminderung 
der allgemeinen Schuld trug 1852 ein Vergleich mit Bayern wegen des 
streitigen altpfälzischen Schuldwesens bei, wodurch Baden eine Abfin 
dungssumme von 2’275,000 fi. erhielt. — Die nach dem Zehntablösungs 
gesetze von 1833 auf die Staatscasse übernommene Unterstützung zur 
Beförderung der Ablösung hat ihren Abschluss noch nicht erreicht ; sie 
betrug an Neujahr 1863: 6’039,718 fi. 
'— Vor der Zeit der franz. Revolution war die alte Schuld getilgt. 
I^ie Rheinbundskriege und die auf manchen Erwerbungen lastenden 
Passiven veranlagsten Schulden. Am 28. Dec. 1813 ward ein 6% ge 
zwungenes Anlehen angeordnet. Ende 1820 betrug die fundirte Schuld, 
nach Abzug der Activen, 15’602,925 fi. ; Ende 1830 14’844,110. 
ßann kam die der Grundlasten-Ablösung. Stand der gewöhnlichen (ohne 
Eisenbahn-) Schuld : 
Ende 1841 : 38’834,322 fl., oder 30’071,434 nach Abzug der Activen 
- 1846; 36’576,475 - - 27’685,574 - 
Unter den neueren sind zweiLotterieanlehen, das von 1840, 50fi.- 
Loose, in 25 Jahren rückzahlbar, von 5 Mill, und das von 1845, 35fl.- 
Eoose, in 40 Jahren rückzahlbar, von 14 Mill, (letztes, obwol nur 3‘/j- 
procentig, mit 20*®/eo Proc. Agio emittirt). 
Gemeindehaoshalt. Am 1. Jan. 1861 betrug das Bruttovermögen 
Gemeinden 111629,412 fl., die darauf haftende Schuldsumme 
^ 764,203 fl. — Die Gemeindeumlagen stellten sich im Ganzen auf 
E917,194 fl. 
Militär. Conscription*). Dienstzeit im activen Heere 6, in der Re 
serve 2 Jahre. Der Preis für Stellvertretung, welche das Kriegsministe 
rium vermittelt, wurde 1862 auf 550 fi. für Infanteristen und 600 bei 
andern Waffengattungen herabgesetzt. Unter den Offieieren (1859) 
136 Adelige und 316 Bürgerl. Infanterie 10,907 M. : 1 Divis, von 5 
B.egim. (worunter 1 Grenadiere) zu 2 Bataill., ferner 2 Füsilier- und 1 
Jägerbat. — Cavallerie: 3 Reg. Dragoner zu 4 Escadr 1870 M. — 
■Artillerie -. 1 Reg. zu 5 Feldbatterien (1 reitende zu 6, 4 Fussbatt. zu 8), 
mit 38 Feldgeschützen, dann 3 Festungs- und 1 Ausfallbatterie für 
Eastatt, 2077 ; Pioniercomp. ; zus. im Frieden 8280, Kriegsfuss 16,734. 
^ I^'estung: Rastatt (Bundesfestung, theilweise mit österr. und preuss. 
Besatzung). 
Zum Rheinbunde hatte Baden 8000 M. zu stellen. Badische Trup 
pen kämpften neben den Franzosen 1806 und 7 in Preussen, 1808 und 
^äter in Spanien, 1809 gegen Oesterreich, 1812 in Russland, 1813 in 
Norddeutschland; sodann 1814 und 15 gegen Frankreich. Bei der 
Kriegsbereitschaft von 1859 waren 20,722 M., 5209 Pferde und 57 Ge 
schütze aufgestellt. 
Sociale Verhältnisse. Die Zahl der bis 1. Januar 1857 abgelösten 
*) Bei der Aushebung vom Jan. 1859 waren im Stadtamtsbezirke Karlsruhe 
on 140 Aufgerufenen nur 41 diensttauglich.
        <pb n="292" />
        268 
DEUTSCHLAND. — Gr. Hessen (Land und Leute). 
Zehnten war bereits 5654; noch abzulösen 67. Das Ablösungscapital 
der ersten betrug 40 547,778 fl. 
Nach officiellen Schätzungen ertrug im J. 1855 die Production: 
des Weines. . . fl. 4’435,342 j des Hanfs ... fl. r935,280 
- Tabaks. . . 3’13ü,540 ■ - Hanfsamens . 344,571 
der Zuckerrüben . 513,030 j - Hopfens . . 350,303 
Die Zahl der Gewerbtreibenden in Baden betrug 1861 80,287. Davon 
.kamen 61,188 auf zünftige und 19,000 auf unzünftige Gewerbe. Im Ganzen gab 
es 1369 Zünfte. Das Vermögen derselben belief sich auf 376,084 fl. g 
Spitäler (mit Ausschluss der blosen Gemeindearmenhäuser) gibt es 
131 in 102 Orten, mit 11 Mill. fl. Vermögen. 
Wohlstandsvermehrung. Es betrug die Zahl der Ganten: 
1852 1853 1854 1855 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 
1347 1047 833 690 409 268 232 241 260 240 
Criminaljustiz. Je am 1. Jan. der nemlichen Jahre befanden sich 
in den Centralgefängnissen, Individuen ; 
1128 1392 1426 1448 1316 985 878 866 742 691 757 
Viehstand., Dec. 1861: 72,81 7 Pferde, 621,486 Stück Rindvieh, 
177,322 Schafe, 307,198 Schweine, 67,509 Ziegen. 
Staatsstrassen (186 Ij 425 Stunden, Vicinalwege mit Staatsunter 
stützung 225, zus. 650 Stunden. 
Eisenbahnen, anfangs 1864 75,8 Meil. (sämmtl. Staatsbahn, mit 
Ausnahme von 3,97 Meil.). — Jahreseinnahme der Staatsbahnen 1862 
(bei 54,1 Meil.): 5’175,105 fl. (dav. 2’650,081 vom Personen- und 
2’525,024 vom Güterverkehr). 
Telegraphen und Post, siehe S. 217. 
Maasse: Der Fuss von 10 Zoll zu 10 Linien = 30 Centimet. Die Weg 
stunde 14814,81 bad. Fuss = 4% Kilom. oder % d. Meilen. — Der Morgen 
= 36 Aren oder 1,4099 preuss. Morgen. — lOOMalter = loOHectolit. oder272,92 
preuss. Scheffel. Die Ohm = 150 Liter; 10 Ohm = 1 Fuder. 
8. Hessen ((jirossherzogthum). * 
Bevölkerung 
Auf d. Q.-M. 
Provinzen Q.-M. 1855 1858 1861 1861 
Starkenburg 54,47 312,630 318,422 322,744 5925 
Oberhessen 72,87 298,939 300,261 299,672 4113 
Rheinhessen 24,96 224,855 226,888 234,491 9394 
Zus. ^ 152,30 836,424 845,571 856,907 5627 
1861 lebten 361,981 Individuen vom Ackerbau, 308,098 von der 
Industrie, 69,821 vom Handel und Verkehre. Militär 5429**), Dienst- 
*) Sehr schätzenswerthe Materialien in den »Mittheilungen der Grossh. 
Hessischen Centralstelle für die Landesstatistik« (seit 1862) und den »Beiträgen 
zur Statistik des Grossh. Hessen. Herausgegeben von der Grossh. Centralstelle 
für die T.andesstatistik«, bis jetzt 3 Bände. Die Leistungen sind um so aner- 
kennenswerther, als die materiellen Mittel der Centralstelle ganz kläglich be 
schränkt erscheinen. Besondere Anerkennung verdienen die trefflichen Lei 
stungen des Hrn. Obersteuerraths Fabricius. 
**) Die im grossen Urlaub befindlichen Soldaten sind dem Civil beigerechnet.
        <pb n="293" />
        DEUTSCHLAND. — Gr. Hessen Land und I.eute). 
269 
boten 25,098. — Haushaltungen 1861: 176,225, sonach durchschn. 
4,80 Individuen. — Nach Geschlechtern 424,202 männl. Einw., 
4«12,705 weibl. — Während 1855 eine Bevölkerungsverminderung 
17,910 Menschen eingetreten war, ergab die Zählung von 1858 
die von 1861 11,496 Vermehrung. 
Confessionen (1861)' 
Evangelische . , 590,551 
Katholiken . . 224,021 
Deutsch-Kath. etc. 3,200 
Mennoniten . . 913 
And. Christen . . 218 
Juden .... 29,000 
Frühere Bevölkerung : 
1817: 629,535 
1825: 695,980 
1834: 760,765 
1843: 834,711 
1849: 852,524 
1852: 854,314 
\on 1822 — 61 sind 145,059 Personen mehr aus- als eingewan- 
davon 81,706 in den 9 Jahren 1846—55. 
Zahl der Gehurten in den 9 Jahren 1858—61 zus. 81,523, Sterb- 
lälle 55,446. 
Städte (1861) 68 mit 228,640 Einw.: Mainz 41,279 (mit Kastei 
•*b.022), Darmstadt 28,529 (1822: 18,943), Offenbach 16,707, Worms 
^i,«l99 (einst gegen 60,000), Giessen 9355, Bingen 5916, Alzei 5245, 
«ensheim 4784, Friedberg 4691 , Heppenheim 4625, Alsfeld 4033, 
Kastei (bei Mainz) 3743, Dieburg 3611, Gernsheim 3603. 
Das Areal der productiven Bodenfläche beträgt 3 208,363 Morgen, 
ßoml. 1'694,589 Acker- und Gartenland, 437,576 Wiesen- und Wei- 
enland, 98,729 Weinberge (wovon 36,013 in Rheinhessen) u. 1'097,475 
Morgen Wald. 
Gehietsveränderungen. Vor der f'ranz. Revolution umfasste die Land- 
Grafschaft Hessen-Darmstadt : 1) die Grafschaft Katzenelnbogen (mit 
Jarnistadt und Ems), 2) Überhessen (das Oberfürstenthum, mit Gies- 
Butzbach), 3) die Herrschaft Hanau-Lichtenberg (meist im Ober- 
f sass, mit Pirmasens in der jetzigen bayer. Pfalz, und Buchsweiler im 
jetzigen franz. Niederrhein), zus. 102 Q.-Meil. mit 300,000 M. Im 
^uneviller Frieden mussten abgetreten werden ; die linksrheinischen 
^Sitzungen an Frankreich, die Aemter Lichtenau und Wilstadt an Ba- 
, und die Aemter Katzenelnbogen, Ems, Epstein und Kleeberg an 
‘ assau-Usingen, — zus. 38 Q.-M. mit 79,300 Einw. Entschädigung : 
as Herzogthum Westfalen, die Mainzer Aemter Starkenburg, Steinheim, 
ernsheim, Vilbel, Hirschhorn, Heppenheim, Bensheim, Lorsch, Fürth, 
^ zenau etc. ; die pfälz. Aemter Lindenfels, Umstadt und Otzberg; fer- 
rechtsrheinische Gebiet des Hochstifts Worms, die Reichsstadt 
riedberg und die Probstei Wimpfen, zus. 103 Q.-Meil. und 201,800 
enseben. Durch einen Tauschvertrag mit Baden ward die Reichsstadt 
erlangt. — Am 13. August 1806 nahm der Landgraf den Ti- 
p I rossherzogtt an. Er erhielt die Hoheit über Löwenstein-Werthheim, 
^^r ach, Leiningen, Solms, Wittgenstein und Hessen-Homburg = 42 Q.- 
®i • mit 90,800 Einw. — 1810 erlangte man einige Aemter von Ba- 
einen Iheil von Hanau und ein Amt von Fulda = 9 Q.-M., 31,600 
scmT" ^ 1814 ward die Gesammt-Volkszahl auf 620,000 verA- 
— Nach den Wiener Congressbeschlüssen musste Darmstadt 
reten; das Herzogthum Westfalen, die Fürstenthümer Wittgenstein,
        <pb n="294" />
        270 
DEUTSCHLAND. — Gr. Hessen /Finanzen). 
die Aemter Amorbach, Miltenberg, Heubach, Alzenau und Dorheim, 
sodann das wieder selbständig gewordene Hessen-Homburg, zusammen 
185,000 Menschen. Es erhielt dagegen einen Theil des franz. Donners 
berg - Departements (mit Mainz) auf dem linken, und einen Theil des 
Fürstenthums Ysenburg auf dem rechten Rheinufer, zus. damals mit 
203,800 Menschen. — Die Verfassung datirt vom 17. Dec. 1820, geän 
dert 1848, dann Octroyirung, zuletzt Wahlgesetz vom 6. Sept. 1856. 
Finanzen. Dreijährige Budgets, das für 1863—65 so abschliessend: 
Einnahmen: I. Domänen 2’281,143‘/j fl.’). (Dabei: Güter 659,360, For 
sten 1’444,477 , Eisenbahn 80,000.) II. Regalien 61,500 (dabei Post 25,000). 
III. Directe Steuer*) 2’832,732%. IV. Indirecte Auflagen 3’861,090 (dabei: 
Tranksteuer und Zapfgebühr 900,000, Salzregie 720,000, Rheinzölle 130,000, 
Mainzoll 15,000, Chausseegeld 110,000, Brückengeld 100,000, Sporteln 98,000, 
Stempel 490,000, Abg. von Hunden und Nachtigallen 39,040, Zoll IT50,000). 
V. Einnahmen aus verschiedenen Quellen (Geldstrafen etc.) 256,497%. Zusam 
men 9’292,963% fl. 
Ausgaben: I. Für Lasten u. Abgänge, auf den Cameraldomänen, For 
sten, Brandversicherungsbeiträge, Renten, insbes. der Grundrenten-Ablösungen 
für die standesherrlichen Steuer-u. sonstige Privilegien etc. 778,376%. II. Ver 
zinsung und Tilgung der Staatsschuld 923,459. III. Pensionen 389,210 (dabei 
137,450 Militärpens.). IV. Grossh. Haus- und Hofstaat*) 770,000. V. Land 
stände 20,000. VI. Militär und Militäranstalten*) 1’667,180. VII. Staatsmini 
ster, Staatsrath und Cabinets-Direction 33,415. VIII. Ministerium des Grossh. 
Hauses und desAeussern *) 130,734. IX. Ministerium des Innern“) P350,133%. 
X. ditto der Justiz 557,506. XI. ditto der Finanzen 2’313,958. XII. Allgemeine 
Kosten in den Collegienhäusern 7932. XIII. In Folge weiterer nachträglicher 
Vorlagen etc. 94,931 % fl. Zusammen 9,036,835% fl. ') 
*) Der übrige Theil der Eisenbahnerträgnisse wird für Verbesserung der 
Bahnen (Herstellung von Doppelgeleisen) verwendet. Das Budget ist sonach 
unvollständig. (Der Ertrag ist durchschnittl. über 5 %.) 
*) Es werden erhoben 10 Kreuzer 3 % Heller auf den Gulden Normalsteuer 
cap ital. Der Betrag des letzten ward für 1864 angenommen zu 15’892,217 fl. 
(Für 1865 wurden 16’058,820 fl. angenommen, nemlich: 3’205,550 Personal-, 
1’971,301 Gewerb- und 10’881,9(»9 fl. Grundsteuer.) Der Ertrag der directen 
Steuer war 1864 veranschlagt zu 2*880,464*/,„ fl., wovon auf die einzelnen Pro 
vinzen kommen : Rheinhessen 1*043,411%,, Starkenburg 951,232“/,o, Oberhes 
sen 885,82oy,q fl. — Im Jahre 1851 wurden nur 8 Kreuzer vom Steuergulden 
erhoben. 
*) Die eigentliche Civilliste war früher zu 581,000 fl. bestimmt. Im Jahre 
1855 erging an den I,andtag das Ansinnen, 1*100,000 fl. Schulden der Civilliste 
auf die Landescasse zu übernehmen, wogegen, ausser dem vorhandenen Papier 
gelde, dessen weiter für noch eine Million ausgegeben werden sollte, so dass die 
Zinslast nicht wesentlich vergrössert werde ; ausserdem aber sei diese Mehraus 
gabe von Papiergeld durch Abzüge an der Civilliste allmählig einzuziehen. 
Nach längeren Verhandlungen gingen die Kammern darauf ein. Die Bestim 
mung wegen Abzugs an der Civilliste hatte aber so wenig praktische Bedeutung, 
dass die Civilliste im Jahre 1857 vielmehr um 50,000 fl. emöht wurde. (Ausser 
dem erhielten zwei Neffen des Grossherzogs, welche keinen Anspruch auf Apa 
nage besassen, jeder eine solche von 18,000 fl. jährlich — und im Jahre 1861 
der eine, in Folge seiner Verehelichung, weiter noch 22,000 fl., also im Ganzen 
40,000 fl. — von den Ständen bewilligt.) 
*) Das Militärbudget war 18*%, nur 892,355 fl., 18*%, 1*164,377, 18»%, 
1*208,721. 
*) Dabei 60,000 fl. für Gesandtschaften und Consulate. 
“) Dabei: Univers. Giessen 82,455, Gendarmerie 137,431 fl. 
*) In Folge Beschlusses der Stände über den Abzug am Reinerträge der For 
sten von */,o auf %q der Rubrik »I. I,asten auf Forstdomänen« wurden un-
        <pb n="295" />
        DEUTSCHLAND. — Gr. Hessen [Militär; Gewerbliches). 
271 
Schuld. Nach den letzten dem Landtage vorgelegten Aufstellungen, 
die allerdings nur bis Ende 1859 reichen, beliefen sich die Passiven der 
gewöhnlichen Schuld auf fl. 22’.379,364 
Davon ab die Activa mit 15’605,427 
Blieben netto b'773,937 
Daneben die Eisenbahnschuld mit .... 13’305,100 
Total (brutto 35’6&amp;4,464).... . 20’079,ü37 
Unter den Schuldposten befinden sich für 4’300,000 fl. Grundren 
tenscheine (Papiergeld), — ein sehr hoher Betrag für das kleine Land. 
Militär. Conscription. Dienstzeit 6 Jahre, wovon 2 in der Reserve. 
Militärstellvertretungsanstalt durch den Staat unterhalten. Stand: die 
Gfr. Hess. Armeedivision bildet die 3. Division des 8. Bundesarmee- 
torps. Nach der Kriegsformation besteht das Contingent aus: 
I. Infanterie: zwei Brigaden à 2 Regimenter, jedes zu 2 Bataillonen ä 5 
yompagnien ; (ein Jägerbataillon ward aus den in den verschiedenen Regimen 
tern vertheilten Scharfschützen gebildet) = 928(5 M. 
II. Reiterei: eine Brigade v. 2 Kegim. à 4 Schwadr. = 1543 M. 
III. Artillerie'. Vier resp. fünf Batterien (mit 8 gezog. Kanonen nach österr. 
Systeme und 6 dergl. nach preuss. Systeme), 1339 M. 
Ferner eine Pioniercompagnie : 153 M. Hiezu die Stäbe etc. — Zus. 12,749, 
11,654 Combatían ten. — Activ im Dienste standen am 1. Jan. 1864 
•*943 M. 
Festung. Mainz, Bundesfestung mit Österreich.-preuss. Besatzung, 
im Kriege verstärkt durch Truppen der Reservedivision ; von hessischen 
Iruppen liegt dort blos ein 40 Mann starkes Wachtcommando. 
Geschichtliche Notiz. Vor der franz. Revolution betrug der Trup 
penstand etwa 4000 M. ; eben so viel das Rheinbundscontingent. (Bis 
1S08 war der Etatsstand 9350 M.) Nach dem russischen Feldzuge ward 
das Truppencorps neu organisirt, und nach der Leipziger Schlacht er 
folgten grosse Anstrengungen gegen Napoleon. 
Gewerbliches. Bergwesen. 54 Gruben, 1800 mit einer Production 
Von r'242,037 Cntr. und einem Geldwerthe von 24 7,001 fl.; 20 Hüt 
tenwerke, mit 257,018 Cntr. Production, 1’271,220 fl. werth; 3 Sali- 
— zus. 83 Werke mit 1902 Arbeitern, 1’753,775 Cntr. Pro 
duction. 1'093,182 fl. werth. 
Brandvcrsicherungscapital 1802 : 275’230,000 fl. 
Viehstand (1802): 40,914 Pferde, 309,017 St. Rindvieh, 237,839 
Schafe, 100,400 Schweine, 77,227 Ziegen. 
Fost (1803): angek. Briefe 5'142,033 und 1’450,842 Zeitungen. 
Ftsenbahnen (1803): 41% Meil., wovon 15,7 Staatsbahn. 
’ Das franz. System bildet die Grundlage. Der Fuss, zu 10 Zoll, 
" Centimeter: sonach 100 hess. = 79,65 preuss. Fuss oder 25 Meter. — 
6oiin%l^ -Ausgaben pro 1865 wegen Steuerfreiheit der ]lomanialforsten weitere 
20O( fl Vorgesehen und es gehen hiernach den Ausgaben für ein Jahr noch zu 
hei Dagegen sind nach beschlossenem Wegfall des Chausseegeldes die Er- 
ungskosten desselben pro 1865 in Abzug zu bringen. Dieselben berechne- 
u sich in der vorigen Periode auf rund 21,000 fl. und kommen für 1865 an der 
esamintsumme der Staatsausgaben diese 21,(»00 fl., oder für ein Jahr 7000 fl., 
uiit im Ganzen 5000 fl. in Abzug. Es schliessen sich hiernach die bewilligten 
'^esammtausgaben ab auf 9’031,835'/, fl.
        <pb n="296" />
        272 
DEUTSCHLAND. — Kurhessen (Land und Leute). 
Der Morgen = 25 Aren oder 0,9715 preuss. Morgen. — lOO Malter = 128 
Hectol. oder 232,89 preuss. Scheffel. — Die Ohm = 1,0 Hectoliter oder 0,54 
preuss. Eimer. 
\ 
9. Hessen (Kuriürstenthum). 
Bestandtheile Q.-M. Bev. 1861 
Provinz Niederhessen 72,45 322,304 
Grafsch. Schaumburg 35,39 119,493 
Provinz Oberhessen . 28,31 108,798 
Provinz Fulda. . 24,00 123,583 
Herrsch. Schmalkalden 8,22 30,407 
Provinz Hanau . . 5,07 27,774 
Zus. (100,147 Famil.) 174,10 738,479 
Städte 1861 : 
Kassel . . . 38,930 
Hanau . . . 10,582 
Fulda . . 9,339 
Marburg". . . 7,089 
Bevölkerungsbewegnvff 1 858 : 2 
21,351) Geb. u, 21,880 Sterbf.!) - 
Wanderungen in den 8 Jahren 18 
Einwanderer in den 5 Jahren 1850- 
Confessionen (1801). 
Reformirte 373,094 
Lutheraner 134,050 
Unirte 104,444 
Zus. Protestanten 011,588 
Katholiken 107,713 
Sekten 848 
Juden 18,330 
Eschwege. . . 0909 
Hersfeld . . . 5972 
Schmalkalden . 5307 
Bockenheim . . 4901 
Rinteln . . . 3255 
5,512 Geb., 19,555 Sterbf. (1855; 
Heirathen 1801: 5329. — Aus- 
50—00: 40,854 (dav. 9130 1854); 
-00 : 1110. 
Frühere Volkszahl 
1818 
1849 
1852 
1855 
507,800 
759,751 
755,350 
730,392 
Veränderung im Ganzen im Jahre 
1818—49 mehr 191,885 0,190 
1849—52 minder 4,523 1,508 
1852—55 - 18,958 0,319 
1855-58 - 9,053 3,218 
So hatte denn Kurhessen bei drei auf einander gefolgten Zählungen 
jedesmal einen weitern Einwohnerverlust aufgewiesen; es hatte in 9 Jah 
ren zusammen 33,134 Menschen eingebüsst, d. h. 4.30 Proc. 
Gehietsverändernngen. Bestand von 1780: Q-M. Bevölkerung 
Hessen-Kassel 2081 
Antheil an der Grafschaft Henneberg . 4j 350,000 
Grafschaft Hersfeld 10) 
Antheil an der Grafschaft Schaumburg 10 30,000 
Grafschaft Hanau 22 70,000 
Zusammen (?) 200 450,000 
Im lalneviller Frieden trat der Landgraf Rheinfels und St. Goar 
(auf dem linken Rheinufer, % Q.-M. mit 2500 Menschen) an Frank 
reich ab, und erhielt dagegen die Reichsstadt Gelnhausen und die En 
claven Fritzlar, Holzhausen und Amöneberg, 5 Q.-M. mit I 4,000 Einw. 
Am 15. Mai 1803 nahm er den Kurfürstentitel an. Nach der Jenaer 
Schlacht besetzten franz. Truppen das Land. Kurhessen (mit Ausnahme 
von Hanau und Niederkatzenelnbogen) bildetfe den Kern des 1807 errich 
teten »Königreichs Westfalen«, welches in der Zeit seiner grössten Aus 
dehnung 1120 Q.-M. und 2% Mill. Menschen umfasste. König: Napo 
leon’s jüngster Bruder Hieronymus [Jeröme], Hauptstadt Kassel., 1813: 
Restauration des Kurfürsten. Er hatte abzutreten : Katzenelnbogen an 
Nassau, die Herrschaft Messe an Hannover, und kleine Distrikte an 
Weimar und Darmstadt ; erhielt aber ; den grössten Theil des Hochstifts
        <pb n="297" />
        DELTSCHIjAND. — Kurhessen (Finanzen). 
273 
^ulda, mehre Enclaven und einen Theil von Ysenburg zur Herstellung 
mit Niederhessen. — Staatsgrundgesetz vom 5. Jan. 
‘»31. (Die erste octroyirte Verfassung datirte vom 13. Apr. 1S52, die 
zweite octroyirte vom 1. Mai 1860; die Wiederherstellung des Staats 
grundgesetzes erfolgte unterm 21. Juni 1S()2.) 
Finanzen. Nach dem vom 5. Apr. 1849 datirten Voranschläge kam 
Budget zwischen der Regierung und dem Landtage (selbst dem nach 
6r octroyirten Verfassung gebildeten) nicht mehr zur Vereinbarung, 
IS endlich unterm 24. Juni 1803 ein »Finanzgesetz für die 11. Finanz- 
Periode von den Jahren 1801, 02 u, 03« (die zu % der Zeit bereits abge- 
aufen waren) zum Abschluss gelangte, mit folgenden Hauptziifem ; 
Einnahmen: 
Idirecte Steuern*). 
•1 ^*'^‘recle Abgaben *). 
. \\ eg- u. Brückengelder 
Lümanialeinkünfte . 
Gesundbrunnen . . . 
J Aufkommen der Forsten 
i' . - Jagden 
1 ischereien .... 
• Berg-, Salz-, Hüttenwerke 
Thlr. 
894,300 
1*183,350 
44,240 
344.570 
19,110 
950.570 
9,530 
10. Ertrag der Posten . . 
11. Staatseisenbahnén . . 
12. Einnahmen aus dem 
Capitalvermögen *; . . 
13. Ueberschuss der Lan- 
descreditcasse . . . 
-, - - 14. Vom Laudgestüte . . 
2,430 I 15. SonstigACinnahmen . 
Zusammen 
J. Kurfürstl. Hof . . 
f - Apanagen . . . . 
btaatsministerium 
j hechtspHege . . . 
Innere Verwaltung*) 
352,490 
Ausgaben. 
Thlr. 
304,704 0. Finanzverwaltung® . 
50,900 7. Kriegsverwaltung 
69,070 8. Auswärtige Angeleg. 
305,950 9. Pensionen, Unterstütz. . 
1 108,510 Zusammen 
Thlr. 
43,500 
518,000 
542,020 
42,000 
9,500 
_131,730 
5*117,340 
Thlr. 
1*037,300 
1*004,540 
49,990 
_ 320,j30 
4*983,450 
bür die drei Jahre der Finanzperiode wurde die Einn., einschl. des 
«etriebscapitals von 900,000, auf 10,852,300, der Bedarf (einschl. des 
^emhchen Betriebscapitals) zu 1 5*029,590 Thlr. festgesetzt, somit Ueber- 
at^liuss 1*222,710. (Der Staat duldet Spielbanken zu Nauheim, Wil- 
ehnsbad, Nenndorf und Hofgeismar.) — Ausser der Civilliste befindet 
der Kurfürst factisch im Genüsse der Hälfte des gesammten Staats- 
Kapitalvermögens und der sogenannten Rothenburger Quart wodurch 
sich seine Einkünfte auf 800,000 Thlr. erhöhen sollen. — Das Budget 
^ r 804—00 ist (Anfangs 1805) noch nicht zu Stande gebracht. Der Fi- 
anzausschuss des Landtags veranschlagt die Einnahme nur zu 5* 100,910 
— Im Ausgabeetat verlangt die Regierung für das Militär nicht 
Weniger als 1*301,820 Thlr. 
*.! ¡¡’“■unter Grundsteuer 005,000, Oewerb- 129,000, Classenst. 87,000. 
X 520,100, Rübenzuckerst. 150,000, Stempel 200,000, Ver- 
cnst K.-xa.n V , .. . und Bier 48,000 etc. 
e 201,000. 
I ausserordentl., Gen dar- 
114 Jan ji”nntcr ; Verwaltung der Domänen 118,017, ditto der direct. Steuern 
sens 59 bem 131,204, der Forsten 504,359, des Berg-u. Salinenwe- 
l^olb, StatUük. 4. Aufl. jg
        <pb n="298" />
        274 
DEUTSCHLAND. — Kurhessen (Finanzen). 
Finanzgeschichtliches. Die Einkünfte des Kassel’sehen Gebietes 
schätzte man 17bG auf 1000,000 Thlr., wozu noch */% Mill, aus Hanau 
kam. Bekannt ist der Soldatenverkauf an England. Der (katholisch ge 
wordene) Landgraf Friedrich II. erhielt 1770 — S1 für 22,000 Mann 
(durchschn. à 978 Thlr.) *) 2 l’270,778 Th Ir. ; die Ausrüstungs- und 
Löhnungskosten hatten 9’599,539 betragen, so dass ein Gewinn verblieb 
von 11’737,239 Thlr. Mit diesemGelde ward vortheilhaft gewirthschaf- 
tet ; der zum Hofagenten erhobene alte Rothschild legte damit den 
Grundstein zu seinem »Hause.« Der Landgraf aber hinterliess ein Ver 
mögen von 50 Mill, fl., zumal er auch die während des siebenjährigen 
Kriegs von England bezahlten Subsidien nur zumTheil an das Land ab 
gab. Vergebens hatten die Stände geltend zu machen gesucht, dass selbst 
nach einer Entscheidung des höchsten Gerichts von 1705 auch das Kam 
mergut Staatseigenthum sei. 
Die Einkünfte des r&gt;Königreichs Westfalens betrugen 9% Mill. Thlr.; 
die Ausgaben 1808; 37’375,000 Fr.; die Schuldenmasse schon damals 
112 007,750 Fres.! Es gab freiwillige und gezwungene Anlehen, und 
der Curs der Staatspapiere sank bis auf 50 Procent. 
Nach der Restauration Fortdauer der Finanzzerrüttung. Das Mili 
tär wurde auf 2000 M. ierabgebracht ; glelchwol musste das Land ebenso 
viel dafür bezahlen, wie 1800, als das Heer 20,000 M. betrug. Die 
Stände begehrten 1815 Einsicht in den Stand der Kriegscas.se ; dieses 
ward verweigert ; man erfuhr aber, dass die Casse Schuldscheine über 
1 % Mill. Thlr. zu Gunsten der Cabinetscasse ausgestellt hatte und ver 
zinste. Das erste Budget in der constitutioneilen Periode, 18*ysa, schloss 
mit einem Deficit von l’015,890 Thlr. ln der Verfassung von 1830 
ward zugestanden, dass nur die Hälfte des Schatzes als Staats vermögen 
angesprochen werde. Und doch setzte sich der Kurfürst alsbald in den 
Alleinbesitz der Rothenburger Quart. — In der Neuzeit erhob Bayern 
Entschädigungsansprüche für die 1850 erfolgte Sendung von Executions- 
truppen. Der Kurfürst antwortete mit einer Gegenforderung. 
Schulden. Der, meistens sehr ungenau angegebene Stand ist nach 
zuverlässiger Privatmittheilung) Ende 1801 ; 
1) 3%proc. Anlehen in Folge Finanzgesetzes v. üct. 1S33, ur- 
sprüngl. 1'205,850 Thlr., Rest nach den meist durch Ablösungs- 
capitalien bewirkten Abtragungen) noch Thlr. 030,050 
2) 4%proc. Anl. in Folge Ges. v. Dec. 1840, ur.spr. 1 Mill., Rest 
3) Rest des 1852 auf Grund eines Finanzmimst.-Beschlusses 
aufgen. 4' ¡proc. Anlehens von 1 % Mill., wovon seit 30. Sept. 1858 
jáhrl. y* Proc, mit 7500 Thlr. zur Rückzahlung gelangt s. unten, . 
4) Rest eines gleichen Anlehens v. 1858, betragend 1'2 Mill., 
mit ‘/. Proc. = 0000 Thlr. Rückzahlung seit 1. Aug. 1858 . . . 
5* Staatslotterieanlehen von 1845 (s. unten) 1805 
0) 4" 0 Anlehen zu Eisenbahnbauten v. 1803, Nominalbetrag 10’, 
wovon eingezahlt etwa 5'000,000 
7) Unverzinsl. Papiergeld, laut Ges. v. 24. Juni 1803 . . . . 1'500,000 
Zusammen 14’400,070 
wogegen das Activcapitalvermögen, dessen Jahresertrag im Budget angegeben, 
in Betracht kommt. 
400,400 
0’80'J,02‘» 
') Nach anderer Notiz lieferte er 10,992 M , wovon 0500 umkamen.
        <pb n="299" />
        18* 
DEUTSCHLAND. — Kurhessen 'Militär . 
•275 
Auf das Lotterieanlehen sind jährl. 255,000 Thlr. behufs Tilgung 
abzuzahlen. Das Haus Rothschild sollte den Amortisationsfonds asser- 
viren und davon S'/s Proc. Zins vergüten. Als dieser Fonds auf r;PJG,579 
Ihlr. angewachsen war, bot das Handelshaus die Aushändigung an. 
Kurhessen acceptirte, und man verwendete nun die daraus flüssig wer 
denden Mittel zur Tilgung der oben unter 3 u. 1 aufgeführten Anlehen. 
Beide sind vollständig zurückbezahlt. Gleichwol werden die verbrie- 
lungsmässigen Capitalabtragungen und Zinsen im Staatsgrundetat in 
Ausgabe fortgeführt, und. neben dem Ueberschuss, welchen die Til 
gungsrente von 2.)5,000 Thlr. (nach Abzug der jährl. Lotteriegewinne) 
auf bringt, zur Herstellung des Lolterieanlehens-Tilgungsfonds benutzt. 
Auf diese Weise wird letzter also zum entsprechenden Antheil mit 4 % 
statt 3‘/j verzinst und in einer weit kürzeren Reihe von Jahren zu der 
erforderlichen Höhe gebracht, als nach dem Vertrage über das Anlehen 
der Fall gewesen sein würde. Dieses Verfahren bietet noch den Vortheil 
dar, dass für die Folgezeit die Staatscasse eine erhebliche Erleichterung 
erfahren wird. 
Zur Schuldyeschichte. Während die Reichthümer der Landgrafen 
sich häuften, vermehrten sich die Schulden des Landes. Nach der Re 
stauration verweigerte der Kurfürst den unzweifelhaftesten Rechtsver 
pflichtungen aus der westfälischen Zeit die Anerkennung. Dagegen wur 
den 300,000 Thlr. Schulden des Kurprinzen auf die Staatscasse über 
wiesen. Der Schuldenstand war 1810 I '304,1 07 Thlr. — Der Landtag 
suchte seit 1831 Ordnung in das Finanzwesen zu bringen. Allein die 
Regierung bekümmerte sich niemals um dessfallsige Bestimmungen. Ein 
Beispiel bildet das Lotterieanlehen von 1815. Statt für 0 Mill, wurden 
lür 0’725,000 Thlr. Papiere ausgegeben; statt Pariausgabe wurden 12% 
Broc. Provision bewilligt; statt 3*/*% Zinsen erhalten die Gläubiger 
Weit weniger ; statt einer sogleich beginnenden und wachsenden Tilgung 
wird bis 1872 nicht einmal der Zins vollständig abgetragen, so dass 
1. Jan. 1888 (!) die Gläubiger noch 0 725,000 Thlr. zu fordern 
haben, die dann in grossen Summen getilgt werden sollen (s. Land- 
^agsverh. vom 20. Juni 1848). 
Militär. Conscription ; Losung ; Stellvertretung ; 5 Jahre Dienst 
zeit, wovon 1 in der Reserve. 
Infanterie: 4 Regim. (wovon 1 Leibgarde), in 2 Bataill. und 8 
'-omp. — 1 Jäger- und 1 Schützenbataill., zus. 5770 activ, mit Reserve 9,157 
Cavallen'e; 2 liusarenreg. zu 4 Escadr., 2 Esc. Cürassiere oder 
'■»arde du Corps, 988 M. activ, mit Reserve ) ,508 
Artillerie: 1 Reg. mit 19 Geschützen; 1 Pioniercomp., act. 651 . 1,0.13 
Mit Nichtcombattanten, Train u. 2. Aufgebot 15,209, ohne diese 11,998 
Im J. 1780 unterhielt der Landgraf 15,000 Soldaten. 1792 stellte 
zu den in die Champagne eindringenden Preussen 8000, im nächsten 
Jahre zu den Engländern in Flandern 12,000, gegen Geldsubsidien. 
(Das Königreich Westfalen stellte 25,000 M zum Rheinbunde. West- 
lälische Truppen kämpften in Oesterreich, Spanien und Russland.) Nach 
der Restauration wurde die active Militärmacht gegen Napoleon auf 
2J,0l)0 Mann gebracht, wovon 0500 Landwehr. Aber nicht blos der 
^»andsturm (82,000, wovon indess nur 17,000 mit Feuerwaffen Verse- 
'^üe), sondern selbst die Landwehr wurde bald aufgelöst.
        <pb n="300" />
        276 DEUTSCHLAND. — Mecklenburg-Schwerin (Land und Leute). 
Sociales. In dem (mit Ausnahme Hanau’s etc.) durch Zunftzwang 
belasteten Kurhessen tritt uns, wie in Bayern, die Erscheinung entge 
gen, dass die Gewerbe mehr übersetzt sind, als wo volle Gewerbefreiheit 
besteht. Während in Preussen und der Rheinpfalz erst auf 17 Ein 
wohner ein Handwerker kommt, trifft in Kurhessen einer schon auf 14. 
Und doch steht hier die gewerbliche Production nach Quantität und 
Qualität zurück. »In Preussen gab es IS ld h 151 studirte Staatsdiener, 
mit Ausnahme der Advocaten, Geistlichen, Aerzte, Professoren etc., — 
in Kurhessen in demselben Jahre 442 Beamte der nemlichen Kategorien. 
Hienach kommen in Preussen auf 100,000 Menschen 41, in Kurhessen 
59 studirte Beamte.« (Hildebrand, Landtagsantrag vom 5. December 
1S49.) Unter den 1859 ausgewanderten 224 1 Individuen befanden sich 
492 gerichtl. verfolgte Recrutirungspflichtige und mehr als 600 Jüng 
linge zwischen 16 und 20 Jahren, die noch nicht verfolgt werden konn 
ten. (Bei der Aushebung von 1863 haben sich von den Pflichtigen nicht 
gestellt: im Landrathsamte Kirchhain 29, in Schaumburg 45, in Hanau 
28, in Gelnhausen 22, in Rotenburg 36 etc.) 
Eisenbahnen (anf. 1863) 44% Meil., dav. 19,6 Staatsb. 
Viehstand (1859): 41,671 Pferde, 202,409 St. Rindvieh, 500,217 
Schafe, 143,490 Schweine, 45,254 Ziegen. 
Maasse: Der Fuss = 28,77 Centimeter oder 11 Zoll preuss. — 15 kurh. 
Pfund = 14 Zollpfund; der Centner 108 Pfund. 
10. x^Icckleiibiirg-Schweriii (Grossherzogthum)*. 
Areal 244 Q.-M., wovon die 329 Seen etwa 12 Q.-M. einneh 
men. BevfSlherung 1863 551,761 (1862 zählte man 269,795 männl., 
281,966 weibl.) E.; auf die (4.-M. nur 2263. Da hier das mittelalter 
liche Feudal wesen for ter halten wird, so ist blos der kleinste Theil des 
Landes unmittelbar der Staatsgewalt unterworfen ; weitaus das Meiste 
steht unter der Herrschaft des noch quasi-souveränen Ritterthums. Die 
Vertheilung war I 862 folgende : 
Landesherrl. Domaniuni . . 
Klostergüter 
995 ritterschaftl. Güter**) . . . 
40 Stadtgebieten. Kämmereigüter 
Q.-M. Bevölk. Confessionen (ls«2) : 
l05'/z 207,105 Lutheraner 547,530 
8 9,082 Reformirte 202 
103'/, 137,382 Katholiken . 908 
27 198,192 Juden. . . 3,121 
Städte: Schwerin 23,233, Rostock 20,396, Wismar 13,128, Güstrow 10,501, 
Parch im 7142, Bützow 4588, Malchin 4547, Ludwigslust 4310, Doberan 4009. 
1820 1830 1Ö39 1851 1854 1858 
Frühere Volkszahl: 393,320 448,008 504,150 543,337 540,204 542,148 
Aus dem so dünn bevölkerten Lande fanden in der Neuzeit mas 
senhafte Auswanderungen statt, so dass die Volkszahl von 1851 — 54 
sogar Verminderungen erlitt. Da der Ueberschuss der Geburten über die 
*) Vergl. »Beiträge zur Statistik Mecklenburgs; vom grossh. statist. 
Bureau in Schwerin.« 3 Bände; letztes Heft v. 1803. 
**) Hievon 028 Lehen und 307 Allodien.
        <pb n="301" />
        DEUTSCHLAND. — Mecklenburg-Schwerin (Finanzen). 
277 
Zahl der Sterbfülle von 1819 — 58 66,419, die Bevölk. - Zunahme aber 
nur 7,754 betrug, so war der Menschenverlust durch Auswanderung 
beiläufig 58,665. 1852 zogen gegen 8000 fort; noch mehr 1853; 1854 
•♦450. Noch 1857 belief sich die Auswandererzahl auf 6373, und erst 
1858 sank sie auf 1766 herab. — Die Bevölkerung stammt aus einer 
Vermischung des deutschen mit dem slavischen Elemente, doch waltet 
das erste nun ausschliesslich vor. 
Gebtetsverilnderunffen. Die letzte der verderblichen Länder-Erbthei- 
lungen erfolgte 1701 in Mecklenburg, durch Losreissen von Strelitz für 
einen Jüngern Sohn des Fürsten. — 1788 anerkannte die Stadt Rostock 
zum ersten Male die volle Landeshoheit Mecklenburgs. Das seit 155 
Jahren davon getrennte Wismar ward 1803 um 1*628,000 Thlr. N% 
(I 200,000 Thlr.) auf 100jährigen Pfandbesitz von Schweden erlangt; 
Schweden soll sein Pfand im Jahre 1903 um ungef. 28 — 30 Mill. Thlr. 
einlösen können! — 1803 erhielt der Herzog für die verlorenen Cano- 
i^icate zu Strassburg und für seine Ansprüche auf die Insel Privai durch 
Heichsdeputationsschluss 7 stiftlübeckische Dörfer und eine Rente von 
16,000 fl. aus den Rheinoctroierträgnissen (!) — Obwol der Herzog der 
erste deutsche Fürst war, der vom Rheinbunde abfiel (schon am 25. März 
1813), erlangte er doch keine Gebietsvergrösserung, sondern nur den 
J'itel Grossherzog, 17. Juni 1815. 
Statt des vom Bundestage umgestürzten Staatsgruvdgesetzes vom 
lO. Get. 1849 ist in beiden Mecklenburg wieder hergestellt; der Erb- 
vergleich von 1755! Darnach haben beide Mecklenburgische Grossher- 
zogthümer gemeinsame Landstände auf ganz feudaler Grundlage. 
Finanzen. Das Licht der Oeffentlichkeit dringt nicht in diese Vef- 
bältnisse. Noch kennen wir keinen, die Einzelpositionen nachweisenden 
neueren Etat, als den vom Minister aufgestellten für das (an Johannis 
beginnende) Rechnungsjahr 1 8"%*, wonach die Ausgaben zu 3*430,028, 
^1^ Kinnahmen zu 3*292,748, ein Deficit von 137,280 Thlr. ergaben. 
Eine Notiz bez. des der Kriegsrüstungen wegen sehr aussergewöhnl. 
Etats von 1führt auf: 
Einnahme: a) ordentl. 2*772,684 Thlr. wobei aber 487,855 Thaler 
'^assavorrath vom Vorjahre), b) ausserord. 631,346 dabei 346,283 
'on Anlehen für Truppenmobilisirung), zus 3*404,030 
Ausgabe: a) ordentl. 2*202,147, b) ausserord. 383,070 = . 2*675^217 
Die Einn. wird jetzt (v. Raabe) auf 4 Mill. Thlr. geschätzt, wovon 
^ui die Domänen brutto 2*4 00,000, auf Passageabgaben (Elb- u. Eisen 
ahnzölle) 320,000, Steuern und Zölle 640,000, auf die übrigen Posi 
tionen ebenfalls 640,000 Thlr. kommen.*) Von einem eigentlichen 
Systeme der Besteuerung findet sich keine Spur. Die Lasten sind mei 
stens local ganz verschieden, je nachdem sie in entfernten Zeiten, in 
dieser oder jener Art eingeführt wurden. — Das Domanium hat einen 
Bestand von 2684 Hufen (fast 2 Mill, preuss. Morgen), was, die Hufe 
30,000 Thlr. gerechnet, einen Werth von mehr als 80 (wol richtiger 
'*on loo) Mill, ergibt. — Zu Dobberan wird eine Spielbank geduldet. — 
"Eie Ausgaben für die Hofadministration stellen sich höher, als für die 
*) Um Wiederholungen zu vermeiden, verweisen wir bezügl. der Haupt- 
lunahme- u. Ausgabeposten auf die Zusammenstellung S. 202 u. 203.
        <pb n="302" />
        278 DEUTSCHLAND. —Mecklenburg-Schwerin Militär, Sociale,s). 
Civiladminlstration : letztere betragen noch nicht % Mill. Th Ir., die für 
das grossherzogliche Haus hingegen über eine halbe Mill., mehr also, 
als die (frühere) Civilliste des Königs von Sachsen.« (Reden.) 
Schulden. Nach (Wiggers) »Staatskunde von Mecklenburg« betru 
gen dieselben 18&lt;)0 &amp;’843,944 Thlr., neml.: Landesschulden r4b8,944, 
fürstliche 7’200,000, ständische 175,000 Thlr. 
Finanzgeschichtliches. Herzog Karl Leopold (f 1747, brachte mit 
seinen russischen Hülfstruppen unsägliches Elend über das Land. Die 
Reichsprozesskosten betrugen über 300,000, die Executionskosten 
r 100,000 Thlr. N%. Landestheile mussten an Preussen und Kurbraun 
schweig verpfändet werden. 17^%g löste die Reluitionscommission die 
1734 an letztes verpfändeten 8 Domänenämter mit 1’535,000 Thlr. wie 
der ein. Der erste Reichskrieg gegen die franz. Republik kostete 2 70,000, 
die »bewaifnete Neutralität« bis zum Lüneviller Frieden 1'200,000Thlr. 
Dennoch waren die Schulden im J. 1803 bis auf 495,000 Thlr. getilgt. 
Der Kriegsschaden des Landes vom Oct. 1800 bis Febr. 1807 betrug 
7’218,000 Thlr. — Von den franz. Contributionsgeldern erhielt Schwe 
rin 2’1 50,000 Fr. 
Militär. Conscription mit Stellvertretung ; 0jährige Dienstzeit. Unter 
den Officieren (1859, nach Steubel) 107 Adelige und nur 20 Bürgerl., 
ein Missverhältniss, wie es nirgends sonst vorkommt. Bestand : 5,370 M. 
Haupt- und 1 194 Ersatz-Contingent, zus. 0504. 
Infanterie; 1 Grenadier-, 3 Musketier-und 1 leicht. Bataill. . . . 4210 M. 
Carallerie; 1 Dragonerreg. von 4 Escadr 072 - 
Artillerie: 2 Bat. mit l(i Geschützen und 1 Pionierabtheilung, zus. . 482 - 
Sociale Verhältnisse. Mecklenburg ist der einzige Staat in Deutsch 
land, in welchem die franz. Revolution fast keine socialen Aenderungen 
hervorgebracht hat. Das Feudalwesen dauert fort; obwol die Jahre 1848 
und 49 dasselbe zu erschüttern anfingen, so befestigten doch die Bun 
destagsbeschbisse die alten Zustände. Die Rittergutsbesitzer üben wahre 
Souveränitätsrechte ; die Lage des Landvolkes ist die elendeste. Länger 
als irgendwo in Deutschland, nemlich bis 1820, währte die Leibeigen 
schaft fort, der die Mehrzahl der Einwohner unterlag. .Auch später bes 
serten sich deren Verhältnisse wenig. Ausser den Stadtgebieten gibt es 
zunächst 054 Rittergutsbesitzer. Mit ihnen nehmen an dem Grundbe 
sitze etwa 1 002 Erbpächter Theil, 0103 Bauern, die an den Boden eigent 
lich kein dingliches Recht haben, und endlich etwa 0590 Bündner, die 
meistens nur wenige Aecker, aber mit dinglichem Rechte, besitzen. Die 
Zahl der Grundbesitzer ist also klein — 15,085 unter 308,118 Land 
leuten. wovon nur 030 vollkommen freie Eigenthümer sind. Selbst diese 
mit Schulden belasteten Rittergutsbesitzer befinden sich in keiner allzu 
behaglichen Lage. (1834 war ihre Schuldenmasse 23’855,994 , 1819 
dagegen 30’503,780). — Die Güter der Ritter und die von 0 Bauern 
schaften umfassen 103 Q.-Meil., jene der Domänen und Klöster 1 13. 
Dieses ganze Areal ist dem Eigenthumserwerbe der Bauern entzogen. 
Das Ge werbe wesen wird durch die beiden entschiedensten prin- 
cipiellen Gegensätze eigenthümlich beherrscht: einerseits der massloseste 
Gewerbe zwang, anderseits eine fast vollständige Handelsfreiheit 
nach Aussen ! Auf dem Lande darf Niemand ein Gewerbe treiben, ausser
        <pb n="303" />
        1)EUTSCHLAN1). — Mecklenburg-Strelitz. 
279 
auf Veranlassen und zum ausschliesslichen Nutzen der Gutsherrschaft. 
Daher kommt auf 1 S3 Landbewohner erst ein Handwerksmeister, — in 
den Städten dagegen einer auf 16 Einw. Neben der ziemlich vollstän 
digen Handelsfreiheit hat man Bannmühlen, Bannbranntwein, Bannbier; 
selbst Tanzmusik dürfen nur privilegirte Amtsmusikanten ausüben. Das 
Gewerbewesen liegt tief darnieder ; Fabriken gibt es überhaupt fast gar 
nicht. Und die Ergebnisse im Grossen? Im Jahre 1S62 kam 1 Geburt 
erst auf 31,5 Einw., 1 Heirath erst auf 126,8, dagegen 1 Todesfall 
schon auf 45,7 — In Verbindung mit der Abnahme der Heirathen steht 
die Zunahme der unehelichen Geburten. Das Verhältniss war; 
1Tü5 1 zu 17,6 ehel. 1840 1 zu 7 ehel. 
1820 1 - 10,8 - 1845 
1830 1-9 - 1852 
1 zu 
1 - 5,7 
1 - 4,7 
1859 
1861 
1862 
1 zu 4,8 ehel. 
1 - 3,8 - 
1-3,9 - 
(1862; 14,481 ehel. u. 3720 unehel. Geburten; Sterbfälle 12,072; Heir. 4350.y 
Im J. 1851 war in 260 Ortschaften % der Geburten unehelich, in 
20'J Orten die Hälfte und mehr, und in 79 kamen nur uneheliche Ge 
kurten vor, — als Folge der Heirathserschwerung. 
Den Stand der Volksbildung in diesem, unter einem starren 
(protestantischen) Kirchenregimente stehenden Lande beweist die That- 
sache, dass von den 1857 ausgehobenen 865 Recruten nur 430 Gedruck 
tes und blos 245 Geschriebenes lesen, dabei aber nur 136 ordentlich 
selbst schreiben konnten. 
Vtehstand: 84,528 Pferde", 266,837 St. Hornvieh, 1’045,179 
Veredelte und 153,271 Landschafe, 12,094 Ziegen, 157,522 Schweine. 
Sparcassm. Einlagen am 1. Jan. 1861: 6’488,764 Thlr. 
Handel. Die Einfuhr ward 1857 auf 1 3 013,000, die Ausfuhr auf 
20’667,000 Thlr. geschätzt. — 1861 ward die Einf. zu 2 826,570, die 
Ausf. zu 2’745,496 Zollcntr. berechnet. 
Ithederei. Jan. 1863; 417 Schifte, wovon 389 vermessen mit 48,456 
Dast zu 6000 Cntr. Bemannung ungef. 4400. — Von der Gesammt- 
zahl gehören 367 dem Platze Rostock, 50 Wismar. 
Eisenbahnen. 30'/, Mcil. 
. Hausse, etc. Münze: derpreuss. Thlr , jedoch in 48 Schillinge à 12 Pfen- 
•'iRe eingetheilt. — 166 Rost. Kornscheffel = 76,76 preuss. Sehen, oder 38,89 
Bcctol.; 166 llaferscheffel = 43,82 Ilectol. — Seit 1861: deutsches Zollgewicht. 
11. MreklMilHir^-Slrflilz (Gros.sher/ogt}ium). 
Q.-M. Bevölk. Im Herzogth. Strelitz. 
1860. Güter. QM Einw. 
Herzogth Strelitz . . 42*, 82,175 Cabinets-u. Domänen- 36 -14,773 
t*ürstenth. Ratzeburg 6% 16,885 Ritterschaftl. Privat-. 11,62 16,381 
4*7% 99,666 Städtische Besitzungen 5,38 31,621 
Confesstonen : 
Lutheraner . . 98,421 
Reformirte . . 8 
Katholiken . . 115 
"""den ... 516 
Städte : 
Neustrelitz . . 7,544 
Neubrandenburg 6,912 
Friedland. 5,129 
Frühere Volkszahl: 
1817: 72,587 
1834: 84,656 
1849: 96,292 
1851 : 99,628
        <pb n="304" />
        280 
DELïSCHLAND. — Schleswig-Holstein und J^auenburg. 
Gebietsverändernnffen. Der Herzog erhielt 1S15 mit der grossher- 
zogl. ürdc ein Gebiet von 10,000 »Seelen« im vormal. franz. Saar- 
de])art. (linkes Rheinufer, die Kantone Kronenburg, Reiferscheid und 
Schleiden). Er verkaufte dasselbe am 21. Mai 1S 19 an Preusaen um 
1 Mill. Thlr. (100 Thlr. pr. Seele) und einige Domänen. 
Finanzen. Wir kennen gar kein Budget. schätzte die Re 
gierung : Ausgaben l’O 19,049 Thlr., Einkünfte 904,525, Deficit 55,1 24. 
— Schulden 1800 1’055,000 Thlr. 
Militär. 1 Bataillon. Schwerin stellt für Strelitz Cavallerie und Ar 
tillerie, wogegen dieses mehr Infanterie liefert. Bundescont. 1317 Mann. 
Sociales. Die Zustände sind im eigentl. Strelitz wie in Schwerin ; 
dagegen finden sich in (dem entfernt gelegenen) Ratzeburg mehr kleine 
Grundbesitzer. Die grossen Rittergüter haben nur 01 Besitzer mit vol 
lem Eigenthumsrechte und 1435 mit beschränktem. Dies ergibt ein noch 
schlimmeres Verhältniss als in Schwerin.— In den 10 Jahren 1851 — 00 
hat die Bevölkerung um 508 abgenommen, obwol 7435 mehr geboren 
wurden, als starben, — Folge der Auswanderung wegen der übeln Zu 
stände. 
12. 8clileswi&lt;r-llolsteiii und Lauenhur^ (llerzogthümer). 
In der Zeit der Abfassung der gegenwärtigen Abtheilung dieses 
Buches sind die Verhältnisse der Elbherzogthümer noch nicht definitiv- 
geordnet. Wir fassen die uns aus verlässiger Quelle gewordenen Mit 
theilungen über diese Landschaften zusammen, obwol weder die Verei- 
nigung Lauenburgs mit Schleswig-Holstein, noch die Aufnahme Schles 
wigs in Deutschland zur Zeit förmlich festgestellt ist. *) 
Q.-M. Bevölk. Auf die Städte und Flecken (ISCO) 
1S(io Q.-M. Schleswig Holstein 
Schleswig 100“4o 400,907 2,405 Flensburg 10,0S2 Altona 45,524 
Holstein 155 544,419 5,512 Schleswig 12,197 Kiel . . 17,541 
J.auenburg 19 50,147 2,059 Hadersleben 8,012 Rendsburg 10,702 
540% Pool,475 Apenrade 5,155 Itzehoe . 7,500 
Frähere Bevölk. is:ti tsi.s Lauenburg Fl. Neuinünster 0,850 
Schleswig. . . .1.17,578 .105,417 Ratzeburg 59^9 - Elmshorn 0 094 
Holstein . . . 455,590 470,847 I auenburg 4101 - Heide 0 452 
I,auenburg . nicht g_e^hj^jR),480 . Wandsbeck o’ool 
Zusammen 888,750 Glückstadt 5^7 52 
Die Einwohner sind meist Lutheraner (in Holstein 83 1 Reformirte, 
1241 Kathol., 34.) and. Christ., 3507 .luden). Die Arealangaben beru 
hen nicht auf einer genauen Vermessung. 
Holstein war von jeher deutsches Reichsland. Die Holsteini 
schen Grafen erlangten 1320 die Eventualbelehnung mit dem Herzog 
thum Schleswig, 1380 die wirkliche Belehnung, 1435 nach langen 
*) Wir verdanken diese treffliche Bearbeitung der freundlichen Güte des 
Hrn. Prof. Dr. Jiavtt in Kiel. Einige weitere Notizen fügen wir in Anmerkun 
gen bei.
        <pb n="305" />
        DEüTSCHTANI). — Schleswig-Holstein und Lauenburg (Finanzen). 281 
Kämpfen im Frieden die Anerkennung dieses Besitzes. 1460 nach Aus 
sterben des Holsteinischen ürafenhauses ward der Schwestersohn des 
atzten Grafen, König Christian I. von Dänemark, durch Wahl der ver 
einigten Stände, »nicht als ein König von Dänemark«, zum Landesherrn 
auch von Schleswig-Holstein bemfen. Demnächst Theilung unter meh- 
^len Landesherrn aus dem Oldenburgischen Stamme. 1721 gewaltsame 
esetzung des fürstlichen Antheils von Schleswig und Vereinigung des- 
ben mit dem königlichen Antheile. 177.1 Anerkennung dieses Actes 
und gänzlicher \ erzieht der Gottorfischen Linie auf Schleswig, Aus- 
ausch des grossfürstlichen Antheils von Holstein gegen Oldenburg und 
eimenhorst. 1834 Einführung von Provinzialständen für Schleswig 
Holstein. 1848 Erhebung der Herzogthümer gegen die in Folge 
iner Revolution in Kopenhagen erstrebte Losreissung Schleswigs von 
Holstein und Incorporirung des ersteren in Dänemark. Staatsgrundge 
setz vom 15. Sept. 1848. 1850 Berliner Friede, der die Nichtincorpo- 
«yung Schleswigs sichern soll. Mit König Friedrich VII. stirbt am 
lu. Xovbr. 1863 der Mannsstamm der zur Thronfolge in Dänemark und 
Zugleich auch in den Herzogthümern berufenen älteren königlichen Linie 
Erstgeborne der jüngeren Linie, Herzog Friedrich VIII., er- 
lärt durch Proclamation vom 16. Xovbr. 1863 die Regierung an treten 
Wollen. Occupation Holsteins durch den deutschen Bund und Krieg 
deutschen Grossmächte gegen Dänemark. Die Friedenspräliminarien 
'OUI 1 August 1864 sprechen die Trennung der 3 Herzogthümer von 
^or dänischen Monarchie aus. 
Lauenburg kam bei dem Aussterben des sächsischen Herzogs- 
äuses 1689 an Kur-Braunschweig, ward 1806 durch französische Trup- 
pon occupirt, 1810 mit dem französischen Departement der Elbmündun 
gen vereinigt, kam 1814 wieder an Hannover, das es am 29. Mai 1815 
f^össtentheils an Preussen abtrat, von dem dieser Theil als eigenes 
eutsel.es IL rzogthum und unter Erhaltung seiner besonderen Verfas- 
8ung bereits unterm 4..Juni 1815 an König Friedrich VI. von Dänemark 
erlassen wurde. In Folge dessen hat Lauenburg seine besonderen 
öndstände behalten. Vertässungsgesetz vom 20. Decbr. 1853. 
Finanzen. So lange die Landstände von Schleswig-Holstein in Wirk- 
samkeit waren, besondere Finanzverwaltung mit ständischem Steuer- 
(w'-i^oit factisch die Berufung der Landstände aufhörte 
^io Vermischung der schleswig-holsteinischen Finanzen 
^ on dänischen und die finanzielle Ausbeutung Schleswig - Holsteins 
S hl" ^^oemark, insonderheit als durch die dänischen Kriege gegen 
t usfj des vorigen und im Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts die 
j i^^^*^^ohuId wuchs und 1813 der dänische Staatsbankerott eintrat. Seit 
1 regelmässige Veröffentlichung von Budgets und Finanzrechnungen, 
ach dem Budget pro 1 84 1 stellten sich die Einnahmen folgendergestalt : 
1) Dänemark 
Domäne-Einnahmen 171,lud Kbankthlr. 
directe Steuern 3’155,UUd 
indirecte Steuern 3’466,UU0 
verschiedene Einnahmen 408,160 
7’2d0,260 Kbankthlr.
        <pb n="306" />
        282 DEUTSCHIiAND. — Schleswig-Holstein und Lauenburg Finanzen). 
2) Schleswig-Holstein 
Domäne-Einnahmen u. Kammergefälle . l'2ü5,UUU llbankthir. 
directe Steuern l’Ül8,000 
indirecte Steuern 1’500,150 
verschiedene Einnahmen 215,740 
4’058,800 Kbankthlr. 
3) Ueberschuss aus d. Herzogth. Lauenburg . 210,000 
4j Ueberschuss der Colonicn, des Oeresund- u. 
Stromzolls, des Schleswig-Holsteinischen Ca 
nals, des Fostwesens u. Zinsen der Activen 3’0S5,S50 
Zusammen 15’455,000 Kbankthlr. 
Nach dem Jahre 1852 wurden nun gemeinsame Finanzcassen für 
die ganze Monarchie gebildet und specielle für die einzelnen Landes- 
theile eingerichtet, jedoch so, dass der im Herzogthum Lauenburg "nach 
Abhaltung der localen Verwaltungsausgaben verbleibende Ueberschuss 
lediglich in die gemeinsame Finanzeasse abgeliefert wurde. In diese 
flössen überdies der Ueberschuss der Domäne - Intraden , der Colonien, 
des Eider-Canals, des Zolls, des Kartenstempels, der Schifffahrtsabga- 
ben, der Brennsteuer, der Post- und Telegraphenintraden, der Classen- 
lotterie, die Zinsen von den Staatsactiven und vom üeresundfond, sowie 
einzelne andere Einnahmen, und es wurden daraus bestritten die Civil- 
liste, die Apanagen, die Zinsen für die Staatsschuld, die Mehrzahl der 
Pensionen, die Kosten für das Heer, die Flotte, die auswärtige Vertre 
tung und die gemeinsamen Ministerien. Da die Einnahmen der gemein 
samen Finanzeasse aber zur Bestreitung dieser Ausgaben nicht ausreich 
ten, so mussten die einzelnen Landestheile einen Zuschuss leisten, der 
in einem für Schleswig-Holstein ungünstigen Verhältniss zuletzt zu 
37,35 7o Ihr dieses bestimmt wurde. Viel bedeutender wurde das Land 
dadurch prägravirt, dass die Kammergefälle, welche in Dänemark durch 
frühere Steuerregulirungen weggefallen sind, fast ohne Ausnahme als 
Domäneintraden betrachtet und in die gemeinsame Casse gezogen wur 
den, obgleich bei den Abmachungen von 1S51 und 52 bestimmt war, 
dass die Domäneverwaltung zu den spcciellen Angelegenheiten der ein 
zelnen Landestheile gerechnet werden sollte. Nach der nunmehr er 
folgten Trennung von Dänemark ist wieder eine besondere Finanz 
verwaltung t,ür jedes der Herzogthümer eingetreten, die aber bei den 
noch nicht definitiv geordneten Verhältnissen kein Bild der wirklichen 
finanziellen Lage gibt. Nach den pro IS"*«5 aufgestellten Budgets be 
tragen ; 
A. die Einnahmen'’') in Holstein in Schleswig 
1) von den Domänen P07(i,(»70 Mrk. ti2t),870 Mrk. — Sch. 
2) aus den Landesabgaben u. Steuern 7’2t)5,0SO - 5’(i(»'J,5!)s - 4 - 
*) Das von den Bundescommissaren veröffentlichte Budget für Holstein 
(ohne Schleswig) enthält u. a. tolgende Specialangaben. Einnahmen: 1 von 
den Domänen 310,(H)0 Mark, horsten 4(i2,t)7((, Pachtungen (Erbpachtungen 
und Zeitj)achtabgahen) 302,700. 2) Stehende Gefälle 703,000, verschiedene han- 
künfte, namentlich aus den Regalien 203,530. 3) Directe Steuern : Contribution 
747.000, l.andst. 801,000, Hausst. 324,000, Magazinkorn und Fouragegelder 
77.000, Rangst. 15,000, Ständest. 00,000, Chausseest. 50,250, Einquartierungsst. 
40.000, Beiträge für das Taubstummeninstitut in Schleswig 00,000. 4) Indirecte 
Steuern : Zolleinkünftc 3’200,000, Hälfte der Einkünfte vom Eidercanal 43,500, 
Recognition von Handelsreisenden 24,000, Stempelabgabe 7500, Branntweinst.
        <pb n="307" />
        DEUTSCHLAND. — Schleswig-Holstein und Lauenburg (Finanzen). 283 
3) von den Activen d. Staats- 
casse 
“1) vom Postwesen. . . . 
5) vom Telegraphenwesen . 
die Ausgaben : 
1) Civilliste 
in Holstein in Schleswig 
25,900 Mrk.—SchiU. 154,130 Mrk. 6 Schill. 
539,000 - — - 536,900 - — _ 
63,200 - — - — 
9*000,750Mrk.—Schill. 6’987,408Mrk. 10Schill. 
2) Apanagen 135,750 
3) Landesregierung . . 150,062 
•1) Bundesausgaben . . . 220,000 
3) Justizwesen 152,290 
*&gt;) Geistliche u. Unterrichts 
anstalten 297,900 
”) Innere Verwaltung . . 1*017,554 
Verwaltung d. Finanzen 3*996,452 
3) Kriegswesen .... — 
4 
12 
8 
130,000 
101,975 
298,116 
1*056,911 
3*387,221 
6 - 
6 - 
3 - 
5*960,000 Mrk.—Schill. 4*974,224 Mrk. 6 Schill. 
Es ergibt sich demnach eine Gesammteinnahme beider Herzogthü- 
^Gr von 15’9bS,24S Mrk. 10 Schill, und eine Gesammtausgabe von 
1^*934,224 Mrk. 6 Schill., mithin ein Ueberschuss von 5*054,024 M. 
4 Sch., wovon c. 3*/* Mill. M. zur Erhaltung eines bundesmässigen 
Contingents erforderlich sein werden, also 2*/* Mill. M. für die Civil- 
liste, die Marine, die nothwendigen ausserordentlichen Anschafiungen 
ond die Verzinsung der zu übernehmenden Schuld übrigbleiben. 
Lauen bürg musste, wie bemerkt, bisher seinen ganzen Geber- 
Schuss in die gemeinsame Casse abliefern. Nach dem Budget pro lS**/e6 
beträgt die Einnahme 404,643 Thlr. L.-M. und die Ausgabe für die 
Localverwaltung 233,646 Thlr. L.-M., mithin der Geberschuss 170,997 
'4'hlr. L.-M.») 
Die Schuld derHerzogthümer Schleswig-Holstein, wesentlich aus 
dem Kriege von 1848 herstammend, beträgt c. 21*/, Mill. M. Dazu 
kommt der Antheil von der gemeinsamen Staatsschuld mit 29 Mill, 
dän. s 21 Vereinsthaler, sowie die Entschädigung für die Kriegs 
kosten. — Lauenburg hat neben seimmi Antheil an der gemeinschaft- 
bchen Schuld ebenfalls noch eine besondere, die aber von den Land 
ständen selbst verwaltet und aus landschaftlicher Casse verzinst wird.»*) 
Betrug ist indess nicht bedeutend).*** 
^•^00(1 (von den indireoten Steuern kommen in Abzug die an das oldenburgi- 
he hürsteijthum Lübeck, an Hamburg und Lübeck zu zahlenden Aversional- 
Utiimen von 148,000 M.), Stempelpapier 250^000 M., Abgaben von Erbschaften 
• Eigenthumsübertragungen 260,000. 5) Einnahmen von Activen der Staats- 
asse 25,900. (») Post 539,600. 7) Telegraphen 63,200. Summe sämmtlicher 
unnahmen 9,000,750 M — Im Einnahmebudget von Schleswig erscheinen 
• &amp; : Landesabgahen 1*296,000, directe Steuern 1*947,598, indirecte 2*086,000, 
empei 160,000, Erbschaftsabgaben u. Eigenthumsübertragungen 180,000 M. 
*) Nach einer vorliegenden Notiz, deren Richtigkeit wir allerdings nicht 
ÍÜ vermögen, betragen die Domänengüter über 16,000, die Waldungen 
Oer 50,000 Morgen. Erste liefern einen Bruttoertrag von 50,000 Thlr., wovon 
Oer die Verwaltungskosten etc. einen sehr bedeutenden Th eil hinwegnehmen ; 
^gGgen wird der Reinertrag der Forsten auf etwa 100,000 Thlr. geschätzt. 
») Ende 1847 ward dieselbe zu 427,300, 1851 nur noch zu 307,300 Thlr. 
angegeben. 
*») Die schlesw.-holsteinische Armee zählte am 1. Jan. 1850:
        <pb n="308" />
        284 DEUTSCHLAND. — Schleswig-Holstein und Lauenburg Sociales). 
Sociales. In Schleswig-Holstein besteht noch eine Ritterschaft, der 
gewisse Familien angehören, deren Zahl nur durch Reception vermehrt 
werden kann und die in Holstein H adelige Klöster als Versorgungsan 
stalten für Töchter besitzt. Die adeligen Güter, deren Zahl gegen 300 
beträgt, sind noch in mancher Weise bevorzugt, haben aber in Schles 
wig die Patrimonialgerichtsbarkeit verloren. Der Bauernstand, der in 
den Marschen und der Mitte des Landes die Iveibeigcnschaft niemals 
gekannt hat, bildet die Stärke der Bevölkerung. Auf der Geest geschlos 
sene Bauernhöfe , bei freier Theilbarkeit des Bodens in der Marsch. — 
Für den Volksunterricht ist seit lange gut gesorgt. Personen, die nicht 
lesen und schreiben könnten. finden sich fast gar nicht. — In Lauen 
burg sind von den 21 adeligen Gütern noch 15 Lehnsgüter. Früher be 
stand die Ritter- und Landschaft nur aus den Besitzern dieser Güter 
und den Abgeordneten der 3 Städte. Nach der Verfassung vom 20. Dec. 
1853 wählen die Gutsbesitzer den dritten Theil der Landesvertreter (5 . 
Die Bauern in den 4 Aemtern, wie in den Gütern, haben durchweg nur 
Meiergerechtsame an ihren Höfen. Die landwirthschaftliche Cultur, wie 
die Volksbildung, steht daher auf einer niedrigem Stufe. 
Die Gewerbe sind in Folge der noch in allen 3 Herzogthümern be 
stehenden Zunftverfassung nicht sehr entwickelt. Bedeutendere Fabri 
ken kommen in Lauenburg gar nicht vor ; in Schleswig-Holstein beson 
ders für Wollen waaren (Neumünster), Zuckerraffinaderie, Papier, Ei 
senguss und Maschinenbau. 
Der Handel ist in Schleswig-Holstein in Folge der günstigen Lage 
zwischen zwei Meeren bedeutend. Die Einfuhr in Schleswig-Holstein der 
mit diesem zu einem Zollgebiet vereinigten Eutinschen, Hamburgischen 
und Lübeckischen Enclaven im Jahre 1802 betrug 780’300,452 Pfd. zu 
einem angegebenen Werthe von 27’423,081 Rthlr. = 20’5G7,700 Thlr. 
22*/a Sgr. und die Ausfuhr 40l’307,830 Pfd. zu einem declarirten 
Werthe von 20’037,732 Rthlr. = 15'703,200 Thlr. Preuss. 
Rhederei. Die Anzahl dengin Schleswig-Holstein zu Hause gehö 
renden Schiffe betrug im Jahre 1862 : 21)04 mit 55,55 py* Commerz 
lasten, wovon indessen die Insel Arröe mit 327 Schiffen mit 4000 Com 
merzlasten gegenwärtig ausgeht. Unter diesen Schiffen befinden sich 18 
Dampfschiffe von 412V, Coinmerzlastcn und 010 Pferdekraft. Die Er 
heblichkeit der Schifffahrt ergibt sich auch aus der Anzahl von Seedienst 
pflichtigen. Diese betrug in Holstein 4984 und an in der Nebenrolle 
stehenden über 50jährigen Dienstpflichtigen 1148. Für Schleswig ist 
Mann Pferden 
Fussvolk . . 34,318 mit 707 
Reiterei . . 2,000 - 1070 
Artillerie . . 4,054 - 2205 
Genie . . . 440 - 30 
Zusammen 41,814 - 4084 
I Nach dem an die Bundescommis- 
I sare am 10. Jan.1851 übergebenen 
Berichte zählte d. Heer, einschl. 
I 1251 Nichtstreitbare, 43,288 M., 
i worunter nur 5000 Nichtangehörige 
I de^Landes. Die Flottille ist dabei 
i ungerechnet. 
Der Aufwand für das Kriegswesen betrug 
1848 .... 83)37,100 Mrk. Crt., wovon 310,053 See-Etat 
1840 .... 18T80,780 - 802,302 
1850 (Anschlag) 14’920,431 - - - 320,000
        <pb n="309" />
        DEUTSCHLAND. — Luxemburg und Limburg. 
285 
die Anzahl der Seedienstpflichtigen höher und für die Hauptrolle auf 
Regen 7000 anzunehmen.*) 
, Nachdem die aufgedrängte Berechnung nach dänischen lieichs- 
nalern beseitigt ist, wird wieder nach Thalern Courant à .‘1 Mark = 4b Schil- 
gerechnet. Doch wird der Preuss Thlr. zu 40 Schill, gerechnet in allen 
onentlichen Cassen, wie im Privatverkehr angenommen. Bis 1#54 waren Reichs- 
ank-, später Ueichsthlr. die Landesmünze. In Lauenburg gilt der Preuss. Thlr. 
mit einer Eintheilung in 48 Schill, als Landesmünze. 
13. Luxemburg (Grossh.) und Limburg (Herzogthiiin). 
, ft.-M. Bev. 1862 Auf d. Q.-M. 
^ uxemburg 47 202,31:* 4341 
Limburg ^o 218,775 5442 
87 421^088 484(T 
Ihe Einwohner sind Katholiken, 
ausser etwa 5000 Protest, und 1000 
Juden. 
Frühere Bevölkerung. 
Laxe.riburg Limburg 
' 1840: 100,730 100,710 
1840: 180,783 205,202 
1858: 105,028 217,217 
¡Stadt Luxemburg 1802) 13,050 Einw. 
Echternach 4025. 
Obwol die Masse der Bevölkerung durchaus deutscher Abstammung 
ist, wird in dem deutschen Lande Luxemburg doch der Missbrauch 
Reduldet, dass alle amtlichen Verhandlungen in französischer Sprache 
Ruführt werden. — Ijuxemburg gehörte früher als besonderes Herzog- 
^hum zu den österr. Niederlanden. Der Luneviller Friede brachte es an 
^rankreich (M'älderdepartement). Im J. 1S14 erhielt der König der 
Niederlande (für seine an Nassau und Preussen überlassenen Ansprüche 
äuf »Nassauische Stammlande «) das durch einen Theil des Herzogthums 
I^ouillon vergrösserte und zum Grossherzogthum erhobene Luxemburg. 
sollte Bestandtheil des deutschen Bundes sein, und ward mit 100 
^ -M. und 255,028 Menschen in die Bundesmatrikel eingetragen. Die 
^6ÍRÍsche Revolution 1830 zerriss das Luxemburgische Gebiet. Durch 
^ie Verträge von 183!) kam ein Theil an Belgien. Als (ungenügende) 
^Entschädigung erfolgte die nominelle Vereinigung eines T heiles von Lim- 
°nrg mit dem Bunde, jedoch derart, dass dieses letzte durchaus nur eine 
^Jitderländische Provinz ist. Auch besitzt nur Luxemburg eine beson- 
ere Verfassung 'v. !). Juli 1848, durch Octroyirung geändert 27. Nov. 
*^50, 7. Juni 1857 und Nov. 1857. Seit 1841 hatte Luxemburg drei 
(Institutionen und fünf Wahlgesetze. Nach der sog. »revidirten Ver- 
ässung« V. 27. Nov. 1856 waren schon zu Ende 1857 fünfzehn Ge- 
setze octroyirt. Das Wahlgesetz datirt v. 1. Dec. 1860). 
Finanzen. Limburg unterliegt vollständig der niederländischen Fi- 
^anzeinrichtung. Luxemburg dagegen hat eine eigene Verwaltung. Der 
Staatsbedarf, 1853 noch 2’835,000 Fres., stieg 1857 auf 3 202,26!), 
später auf beinahe 4 Mill. Indess ist seit 1854 das (früher gestörte) 
^ieichgewicht in den Finanzen hergestellt. Unter den Finn. : 600,000 
Grund-, 1 75,000 Einkommensteuer, 900,000 Stempel-und Enre 
gistrement, 550,000 Zoll u. 105,000 Fr. Post (brutto;. Unter den Aus- 
, *) Eisenbahnen : in Holstein 24'/, M., in Schleswig etwa 14, in Lauen- 
'^i'R 12, zus. ungef. 5U Meil.
        <pb n="310" />
        286 
DEUTSCHLAND. — Nassau (I.and und I.eute'. 
gabeposten erscheinen; Civilliste 200,000 Fr. (bis 18 ib 150,000 fl., 
dann blos 100,000 Fr., seit 1858 verdoppelt); Militär 500,000. 
Schulden. 1859 wurden IV900,000, 1863 für Ei.senbahnbau und 
ähnl. Zwecke weiter 9’270,000 Fres. , beides zu 4%, aufgenommen 
(letztes Anlehen à 91 negocirt),‘zus. etwas über 13 Mill. Fres. 
Militär. Holländische Einrichtung. 2 Bataill. Jäger, dem 9. Armee 
corps zugetheilt, im Kriegsfälle für den Festungsdienst in Luxemburg 
bestimmt, im Frieden 1602, im Kriege 2057 Mann. Freussen hat die 
Stellung der Specialwaffen (322 Mann) übernommen. — Das Contingent 
für Limburg betrüge der Bevölkerung nach 2027 M. ; zufolge eines 
Vertrags mit Nassau (siehe unten) stellt aber Limburg 1079 Reiter. 
Eisenbahnen: in Luxemb. 1862 161 Kilom. = 2L'‘(jMeil. 
In Luxemburg franz. Münze. In Limt urg Alles holländisch. 
14. Nassau (Herzogthumj. 
Areal 85% Q.-M., eingetheilt in 28 Aemter. — Bevölkerung : Dec. 
1861 456,567, in 1 11,038 Familien. (Ende 1863 162,334 Einw.) 
Konfessionen: Mennoniten . 112 I tStiOUe (1801): 
Protest, (unirt) 237,053 Deutschkatholiken 307 Wiesbaden . . 21,107 
Katholiken 211,083 Juden 7112 | Biebrich . . 4,700 
Frühere Volkszahl: 1834 370,374, 1843 412,221, 1840 425,080, 1852 420,000, 
1855 431,540, Auswandenwgen : In den 11 Jahren 1852—02 15,712 (am meisten 
1854: 3555); Einwanderungen 2125. — Vom Areal sind 15,285 Morgen 
(% Q.-M.) Weinberge, 714,177 Ackerland, 201,102 AViesen, 757,300 AVald.— 
Vieh stand (1802' 12,047 Pferde, 504 Esel, 208,172 Rindvieh, 157,150 Schafe, 
50,050 Schweine, 33,500Ziegen. — Bergwerke (1800): 004, wovon 525Eisen 
stein-, 210 Dachschiefer-, 37 Blei-, Silber- u. Erzgruben. 
Gebietsveränderungen. Nassau war zu Anfang des gegenwärtigen 
Jahrhunderts nach zwei Hauptdynastenlinien getheilt ; AValram'sche und 
Ottonische. A'^on der erstgenannten, welche früher in die Zweiglinien 
von Idstein, AVeilburg, Saarbrücken, Ott weder und Usingen zerfallen 
war, bestanden noch zwei Zweige: die Usingische, zu deren Gebiet 
AViesbaden, Idstein, Lahr (nun bei Baden) und Saarbrücken nun Rhein- 
preussen) gehörte, und die AVeilburgischc, mit AA^eiIburg; dann Kirch 
heimbolanden, Stauf und Göllheim (jetzt Rheinbayern). Das Ottoni 
sche (Oranische) Haus besass Diez, Dillenburg, Siegen, Herborn u. die 
Grafschaft Spiegelberg, zusammen 48Q.-AI. mit 1 30,006 Menschen 
Die linksrheinischen Besitzungen gingen im Imnevillcr Frieden verlo 
ren : Usingen büsste 20 Q.-M. und 60,200, AVeilburg 8 Q.-M. und 
18.000 Menschen ein. Als Entschädigung erhielt das Erste I 803 : die 
Mainzischen Aemter Königstein, Höchst, C'ronberg, Rfldesheim, Ober 
lahnstein, Eltville, die Besitzungen des Mainzer Domcapitels auf der 
rechten Rheinseite ; das Pfälzische Amt Caub, Parcellen von Cöln. Hes 
sen und Trier (Limburg) und die Grafschaft Sayn, zus. 36 (¿.-M. mit 
92.000 Einw. ; — AVeilburg empfing vom Kurfürstenthume Trier; Eh 
renbreitstein, Montabaur, Limburg und einige Abteien, 16 Q.-M. und 
37.000 Menschen. — Zur Rheinbundszeit vereinigten beide Fürsten
        <pb n="311" />
        DEUTSCHLAND. — Nassau (Finanzen). 
287 
ihre Besitzungen. 181 6 starb ohnehin die üsinger Linie aus. Die Rhein 
hundsacte hatte die Oranische Linie mediatisirt und ihre Besitzungen 
theila dem Grossherzogthum Berg, theils dem Herzogthum Nassau etc. 
ein verleibt. (Durch den Wiener Friedensschluss erhielt diese Linie 
Luxemburg zur Entschädigung.) Durch Vertrag mit Preussen vom 31. 
1815 trat Nassau Ehrenbreitstein ab, es erhielt Hadamar, ferner 
Liez und Dillenburg zurück. Das jetzige nass. Gebiet umfasst Bestaiid- 
theile von 23 früheren Staaten. — Verfassung vom 1. Sept. 1814, mo- 
tlihcirt 1848, Octroyirungen 1851. 
FiDanzen. Jährliche Budgets. Die Domänencasse wird getrennt ver- 
''’altet von der Landcssteuercasse. 
‘ Budget - Entwurf der Landes steuercasse für 1864 : 
Einnahmen: a) Steuergefälle: Stempel 365,400 ; Regalien 174,702 (dar 
unter Rheinzoll 12^,500, Post 12,000); Monopole 231,783 (darunterSalz 221,350); 
Lonfirmationstaxen 164,000 ; Strafen 21,300; ausserorcl. Einn. 130,536 etc. ; 
*ns., nach Abzug des Deficits bei der Strassenunterhaltung gegen die Chaussee 
gelder etc., netto . ........... r083,6.50 fl. 
b) Zollgefälle, mit Branntwein- u. Biersteuer 872,700 - 
c) Staatseigenbahn 600,400 - 
d) Zuschuss aus der Domänencasse .... 50,748 - 
Zusammen 2’607,408 fl. 
Ausgaben: Staatsministerium 208,084 (dabei: Landtag 30,000, Bundes- 
Gesandtschaften u. Consulate 212,002); obere Gerichtsbehörden 140,500; 
-Militär 800,328; Landesregierung 1’303,080 dabei : Lehranstalten 114,245, Me- 
dicinalwesen 81,813, Land- u. Wasserstrassenbau 374,5.53, Beförderung der 
Landwirthschaft u. Industrie 35,603, Landjägercorps 65,320, Strafanstalten 
*•^&gt;454); Finanzverwaltung 1’873,773 (dabei: Leibrenten, Pensionen etc. 218,757, 
Staatsschuld 1*486,641, wovon 1*317 614 Eisenbahnschuld, ; Rechnungskammer 
•^^,500, zus. 4*673,173 fl. 
Die Stände setzten den Betrag der Ausgabe auf 4*650,360 fl. herab; den 
'iben aufgezählten laufenden Einnahmen wurden sodann hinzugefügt: Ueber- 
fchuss von 1863 435,053 fl., u. 5 Simpla der Grund-, Gebäude- u Gewerbsteuer 
^/105,5(»0 = 1 *.527,560 fl. Darnach ergibt sich ein Deficit von 63,134 fl. (Im 
Vorjahre wurden 6 Steuersimpla erhoben.) 
Budget -Entwurf der herz. Domänencasse für 1861: 
Einnahme: Forsten 600,000, Feldgüter 240,000, Weinberge 115,000, 
ycundrenten 116,005, Badanstalten 153,000, Berg- u. Hüttenwerke 202,000, 
^gh u. Fischerei 31,000, Mühlen- u. Bannrechte 5,000, Gebäude 0,000, Main- 
*iill 37,523, Mineralwasserdebit 385,502, Zinsen von Activcapitalien 41,000, 
ausserord. 13,000, verkaufte Früchte 160,000, zus. 2*108,030 fl. 
i&gt; .-'Ausgaben: Obere Verwaltung 85,256, I.asten und Senituten 60,303, 
etriehskosten der Grundstücke, Bergwerke etc., sammt Steuer, Kosten des 
Mineralwasserdebits (letzter allein 250,207 etc., 083,054, Pensionen etc. 101,631, 
chuld 325,840, Zuschuss zur Landessteuercasse 50,748, Total 1*615,031. — 
'mach Ueberschuss, dem Herzog, 402,000 fl. 
Beide Cassen zus. haben sonach gegen 6 V* Mill Roheinnahme. 
Wegen des Eigenthums der Domänen wurde oft hartnäckig gestrit- 
liin. Der Herzog beanspruchte dieselben (sogar die Mineralquellen und 
hen Mainzoll) als fürstliches Privateigenthum ; es wurde überdies vom 
taate eine jährliche Rente von 140,000 11. gefordert für -- im J. 1808 
^'ifgehobene — Leibeigenschafts - Gefälle, weil damals auch der 
■'^del entschädigt worden sei. 1808 war von keiner Seite solcher Ent- 
^hädigungsanspruch erhoben worden, namentlich nicht von den beiden 
Herzogen, welche die Leibeigenschaft aufhoben ; damals flössen auch
        <pb n="312" />
        288 
DEUTSCHLAND. — Nassau (Finanzen). 
bereits die Domanialeinkünfte in die allgemeine Staatseasse, während 
man später erst die Domänen von derselben trennte. Der Landtag (es 
gab 1832 sogar eine Minoritätskammer von nur 5 Mitgliedern, welche 
kleine Minorität ihrerseits die Majorität von IG Mitgliedern ausschloss !) 
capitalisirte sogar jene geforderte Jahresentschädigung und vergütete dem 
Hofe 2’400,0ü0 fl. zur Abfindung. Im J. 1848 anerkannte der Herzog 
die Domänen als Staatseigenthum, doch fanden in den nächsten Jahren 
lange Verhandlungen über die Grösse der Civilliste statt. Die Summe 
von 300,000 fl., ungerechnet die Apanagen, ward von ihm als nicht ge 
nügend bezeichnet, indem er 50,000 fl. mehr forderte. Nachdem die 
einstweilige Uebercinkunft 1853 abgelaufen war, erklärte der Minister 
einseitig die Wiederherstellung des vorigen Zustandes! j 
Unterm 23. Jan. 1861 erfolgte, nach langen Verhandlungen mit 
den Ständen, eine Uebereinkunft des wesentl. Inhalts : die Domänen 
behalten die in demErbvereinsvertrage von 1783 bestimmte rechtl. Natur, 
sie sind unveräusserlich, in der Regel unverpfändbar und bleiben einer 
unter der Oberleitung des Staatsministers stehenden Finanzbehörde un 
tergeordnet; es wird ein Normaletat je auf 10 Jahre mit den Ständen 
vereinbart, welcher Etat ohne deren Zustimmung bei den Ausgaben nicht 
überschritten werden darf; zwar wird den Ständen jährlich ein Etat vor 
gelegt, allein die Entscheidung über Anträge des Landtags steht ausschl. 
dem Herzoge zu, sofern der Normaletat nicht überschritten wird ; von 
dem Reinerträge der Domänen, nach Abzug der Apanagen, Witthume 
und Ausstattungen, dann des Bedarfs zur Schuldcndeckung, fliessen 10 
Proc. der I.andessteuercasse zu; erreicht der Reinertrag aber 700,OOOfl., 
so wird diese Zahlung auf 15 Proc. erhöht; auf den noch erhobenen 
Entschädigungsanspruch von U316,61 7 fl. wegen früherer Zehntberech 
tigung verzichtet der Herzog. * i 
Nach der den Ständen vorgelegten Abrechnung für 1850 war der 
Bezug des Hofes : Herzogliche Chatoullc 283,000, ferner 50,000 für 
den Schuldentilgungsfonds; Hofmarschallamt 4 1,((00, Hofmarschallstab 
106,200; Oberstallmeisterstab 113,600, Oberjägermeisteramt 16,20((, 
Apanage 18,000, zus. 7 1 8,80(( fl. 
Schuld. Bis 1837 gab es keine stehende Schuld der Landescasse. 
Die herzogliche Schuld der Domänencasse dagegen ward Ende 1815 
auf 5’642,537, und am 1. Jan. 1818 auf 7’023,357 fl. berechnet, wor 
unter ; »Capitalien von Mitgliedern des herzogl. Hauses« mit 1 33 1,30 1 fl., 
*) Es ist nich schwer cinzusehen, dass durch diese Uebereinkunft spätere 
Streite über die Natur der Domänen keineswegs ausgeschlossen sind. Wel 
cher »Natur« sollen diese Besitzungen sein ï Man kann streiten über die Ei 
genschaft domanialer Grundstücke als Privat- oder öflentl. Eigenthum ; dass 
aber die Gesundbrunnen, die Mainzölle u. s. f. ihrem ganzen Wesen nach dem 
Lande und nicht der fürstl. Familie privatim angeboren, ist doch wahrlich klar. 
Und doch erscheint die Zahlung von 10 Proc. des Reinertrags an die Landes 
casse fast blos wie die Entrichtung einer Einkommensteuer (der in England 
auch die Civilliste unterliegt), und selbst die Art der Berechnung ist unbegreif 
lich nachtheilig für die Landescasse, da Apanagen, Witthum und sogar die zur 
Schuldverzinsung und Tilgung nöthigen Gelder von vornherein abgezogen wer 
den, während die letzten doch nichts anderes als anticipirte Genüsse des Hofes 
constatiren.
        <pb n="313" />
        289 
I^EÍ-'ISCH.LAND. — Xas.sau Militär]. 
dann Schulden bis zum Jahre 1731 zurück. Am 1. Jan. 1836 war die 
ummeauf S’243,910 fl. gestiegen. Da übernahm der Landtag 2’4 00,000, 
2" °^Gn erwähnte Abfindungssumme für die vor 28 Jahren erfolgte 
ufhebung von t eudallasten auf den Domänengütem. Indessen ward auf 
späteren Landtagen hervorgehoben, es seien gegen die bestimmte Zu- 
sic erung der Regierung von dem zu jenem Behufe aufgenommenen 
ötaatsanlehen nicht weniger als 1’511,900 fl. zu andern Zwecken, als 
zur Tilgung der »Domänenschuld« verwendet worden. — Der Stand der 
chuld ist am 1. Jan. 1865 folgender: 
- ‘i) 5% 
mmßmsmrn 
i 4riotÄir;i'.; ïi.-fiÆ*-'“ riiÄ- 
c. Domiinenschuld: nicht ganz die Hälfte des 3%proc. Kothschild’schen 
J^otteneanlehens von 1837, ursprüngl. 7’100,()00 (bezahlt wurden in Wirklich- 
l^eit nur 6 247,169 fl.); ferner % des 4proc. Anlehens v Oct. 1853 (s. oben) — 
juer noch 346,100; endl. nicht consohd. Schuld 659,998, zus. etwas über 4 V, 
»herzogl.« Schulden sollen grossentheils entstanden sein durch Un- 
erstützung des Don Carlos und durch Theilnahme an dem verunglückten Un- 
^rnehmen der Begründung einer Adelscolonie in Texas. Beides kann das nass, 
^and nicht berühren. Der Herzog hat anfangs Jan. 1862 durch Rothschild ein 
^ "^^tanlehen von r600,000 fl. aufgenommen, zu dessen Verzinsung 
J»nd Tilgung in 19 Jahren er jährl. 126,169 fl. aus seinen Uomäneneinkünf- 
gerechnet. 
Die Cursverluste bei den 5 ersten Eisenbahnanlehen werden so be 
rechnet: bei 1. 240,000 fl., bei 2. 170,000, 3. u. 4. 630,000, bei-5. 
^8,000, zus. (ohne die letzten Anlehen) 1’128,000 fl. 
Staatspapiergcld gibt es nicht, aber der Staat hat Garantie für die 
Landesbank übernommen, welche für 2% Mill. Banknoten emittirte. 
Militär. Conscription mit Stellvertretung (1862 zu 500 fl.) ; 6jährige 
lenstzeit; doch wird die Mannschaft bei der Infanterie höchstens 2, bei 
erArtiUerie 4 Jahre eingestellt, sonst aber, ausser den Herbstübungen, 
curlaubt. Bestand 7142 Mann, nemlich : 
2 Reg. und 1 Jägerbataillon; dann: 1 Ersatzbat. Infant. 5711 M. 
.Lomp. Artillerie mit 16 Kanonen 5§3 _ 
Pioniere und Sanitätscomp., Stäbe, Nichtcombattanten . 848 - 
bo erfolgte der Abschluss eines »Brigadeverbandes« mit Limburg (nicht 
^uxemburg) , wonach Nassau das Contingent beider Länder an Infanterie 
^ -distillerie, 5498 M., Limburg dagegen das Gesammtcontingent 
^ ävallerie, 870 M. stellt. Der Oberbefehl wechselt. 
Eisenbahn: 32,8 Meil., wovon 28 Meil. Staatsbahn. 
Viehstand : 13,055 Pferde, 202,691 St. RindWeh, 156,954 
chafe, 56,167 Schweine, 31,939 Ziegen. 
Kolb, Stati.tik. 4. Aufl. 
19
        <pb n="314" />
        290 
DEUTSCHLAND. — Braunschweig (Land und Leute). 
15. Braunschweig (Herzogthum). 
Areal ÖT*/« Q.-M., mit dem Communionbezirk (gemeinschaftl. mit 
Hannover) 67%. — Bevölk. im Dec. 1861 (einschl. 692 im Comm.- 
Bez.) 282,400 Menschen. — Confessionen : 276,922 Lutheraner, 
993 Reformirte, 2633 Kathol., 99 sonstige Christen, 1061 Juden. — 
Haushaltungen 65,574. — Von 1853—60 zählte man 1241 ein- und 
6500 ausgewanderte Personen. — Zahl der Geborenen in den 4 Jahren 
1859 — 62 einschl., 36,497 Lebend-u. 1731 Todtgeborene, zus. 38,228. 
Hierunter 7216 Uneheliche = 18,9%. 
Bevölkerungszunahme. Das Herzogthum zählte Einwohner: 
1700: 158,980 i 1834: 253,232 1 1852: 271,208 
1814: 200,527 | 1840: 209,228 | 1858: 274,009 
Städte. Braunschweig 1861, mit Milit. 42,209 Einwohner (1780: 
22,400); Wolfenbüttel 8947; Helmstedt 6508, Holzminden 4546. 
Herrschaftsivechsel. Nach der Jenaer Schlacht ward das Land, mit 
Ausnahme des Amtes Thedinghausen, dem Königreiche Westfalen zuge- 
theilt (Departemente der Oker, der Leine, und des Harzes). 1813 Re 
stauration. (Die Mediatbesitzungen des Herzogs, das Fürstenthum Oels 
in Schlesien etc., umfassen gegen 40 Q.-M.) — Verfassung vom 1 2. Oct. 
1832, modificirt 22. Nov. 1851. 
Finanzen. Dreijährige Budgets. Das für 1864 — 66 schliesst mit 
5’475,000 Thlr. ab (für diese 3 Jahre zusammen), nemlich : 
Einnahmen : 1) Ueberschüsse vom Kammergute 512,000; 2 Directe Steuern : 
Grundabgabe 105,000, persönl. Abgaben 40,000; 3) Indirecte Steuern 1’380,000 
darunter: Zoll und innere Consumt.-Abgaben 1’209,000, Salz-Monopol45,000, 
Stempel 120,000); 4) Chausseegelder etc. 120,000; 5, Eisenbahn und Post 
1’002,000 ; 6) Leihhaus 255,000; 7) Lotterie 150,000; 8; Extraordinär. 6000. 
Ausgaben; 1) Allg. Landesverpttichtungen 24,000 ; 2) Staatsministerium 
und Archiv 90,000 ; 3) I.egationskosten 21,900; 4) Landtag etc. 20,000; 5 Ju 
stiz 403,500; 0) Finanzverwaltung 390,300 ; 7) Militär 1’140,S50 (davon: lau 
fendes Bedürfniss 1’050,250 ; Polizei-Militär 80,700, schwindender Etat 3900 ; 
8) Polizei 294,115; 9) Baukosten 000,500 davon 37,500 bei der Militärverwal 
tung); 10) Pensionen 348,20(( Civilpens. 225,000, Militär])ens. 12.1,2(10); 11) 
Staatsschuld 1’833,800 (dav. Zinsen 1’195,800, Tilgung 635,000, Aufgeld auf 
Gold 3000] , 12) Extraord. 235,835. 
Es sind dies Netto-Summen. Ausserdem wird besondere Rechnung 
geführt über den Kloster - und Studien fonds. Für die Finanzpe 
riode 18®* «6 ist der Ueberschuss des Letzten (über die Betriebskosten) 
zu 533,000 Thlr. veranschlagt.*) Endlich ist der Ertrag der Domä 
nen weit grösser als oben angegeben, indem eben nur der iu die Lan- 
descasse abgelieferte Theil hier erscheint. Wir wissen, dass die Ein 
nahme der »Kammercasse« schon im J. 1854 zu 563,245 Thlr. etatisirt 
war, in folg. Weise; 
Für den herzogl. Hofstaat 220,722; Schlossbauschuld 8,697 ; 
*) Hievon werden verausgabt: 28,125 Thlr. für das Consistorium, 114,910 
für höhere Bildungsanstalten, 88,000 für die Gymnasien, 51,681 für Seminarien 
und Bürgerschulen, 22,209 für Dorfschulen, 25,022 für Kirchen- und Schuldie 
ner und Zuschüsse gering dotirter Pfarrer, 24,222 Ruhegehalte, 53,361 Unter 
stützungen, 71,700 Fundationen, 20,000 Baukosten etc.
        <pb n="315" />
        19* 
291 
DEUTSCHLAND. — Braunschweig Land und Leute).’ 
übrige Schuld 112,200; — nach fernerm Abzüge der Verwaltungskosten 
Wurden 133,000 Thlr. in die Staatscasse abgeliefert. 
Der Hofetat erscheint nicht im Staatsbudget, weil dessen Bezüge 
'on vornherein der »Kammercasse« entnommen werden. Ausser obigen 
220,722 Thlr. bezieht der Hof 22,333 aus anderen Positionen, ferner 
ie Zinsen des auf dem Kammergute haftenden Bevern’schen Capitals 
'^on 100,000 Thlr. Gold, Ablösungsgelder von Grundlasten, und ver 
schiedene Nutzungen. 
Geschichtliche Notizen. Zu Anfänge des 19. Jahrh. berechnete man 
die Einkünfte auf 851,000, die Ausgaben blos auf 741,000 Thlr. Unter 
er westfälischen \erwaltung wurden die Lasten so sehr gesteigert, dass 
der Staat aus den braunschweig. Landestheilen l’GOO,000Thlr. gezogen 
haben soll. 1832 erfolgte die Vereinigung der Kammer- mit der Steuer- 
casse. Das Budget für 18*%, schloss dessen ungeachtet blos mit der 
Summe von LOIS,094 Thlr. ab. 
Der Af/oí^cr-Capitalfonds beträgt 1’594,591 Thlr. 
Schuld. Am 1. Jan. 1804 1 1’354,090 Thlr. (worunter 000,000 
emittirte Leihhaus-Cassenscheine), grösstentheils entstanden durch den 
Staats-Eisenbahnbau, der 8’705,600 Thlr. kostete, im J. 1801 aber 
867,222, also über 10 Procent, 1803 (nach vorläufiger Aufstellung) 
908,547 = 1 1 ®/, des Anlagecapitals ertrug. — Kammerschuld 
ausserdem 414,205 Thlr., gedeckt durch 1’321,438 Thlr. Kammer- 
apitalfonds. — Domänen: circa 45 Güter, 250,000 Morgen Wald, 
dann Berg-, Hütten- und Salzwerke. 
Nach der Zeit des siebenjährigen Krieges war Braunschweig stark 
^trschuldet, — durch diesen Krieg, der gegen 7 Mill, kostete, und durch 
die Verschwendungen des Herzogs Karl. Die Schulden wurden bis 
1790 getilgt. Die Fremdherrschaft, dann der Kampf gegen dieselbe, 
erheischten grosse Opfer. 1815 berechnete man die Gesammtschuld auf 
9’540,805 Thlr., 1830 auf 0'077,090, 1840 auf 7’400,212 (wovon 
d 305,122 Kammerschuld). 
Militär. Nach preussischem Systeme, doch mit einer Dienstpflich- 
von 5 J, in der I^inie, 7 in der Landwehr. 
1 Infant.-lieg, von 2 Bataill. Linie u. 1 Bat. Landwehr; 1 Jägerbataill. — 
Musarenreg. von 3 Schwadr. Linie u. 1 Schwadr. Landwehr. — Artillerie 1 
^S'^Mann" ^ l andwehr-Batterie. Zusammen Friedensfuss 2720, Kriegsfuss 
Im siebenjährigen Kriege stellte Braunschweig 12,000 M. Während 
6s Westfälischen Königthums kämpften \iele Braunschweiger gegen Na 
poleon, 1809 in Oesterreich, später in Spanien. 1813—15 bot der Her- 
gegen 10,000 Mann auf. 
Eisenbahnen, 1803: 27 Meil., im Staatsbesitz.
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        292 DEUTSCHLAND. — Oldenburg (Land und Leute, Finanzen). 
16. Oldenburg (Grossherzogthum . 
Q.-M. 
98,44 
6,68 
9^13 
114,25' 
Bevölk. 
1861 
239,158 
21,693 
34,391 
Auf die 
Q.-M 
2,429 
3,247 
3,767 
Confessionen : 
Protestanten . 220,759 
Katholiken . 75,056 
Andere Christen 912 
Juden . . . 1,487 
Bestandtheile *} 
Herzogth. Oldenburg 
Fürstenth. Lübeck 
Birkenfeld 
Zus. 114,25 295,242 2,584 
Männl. 147,734, weibl. 147,508. 
Haushaltungen 60,667. — Stadt Oldenburg mit Milit. und Gebiet 12,574, 
Varel 5240, Jever 4172, Eutin 3055, Birkenfeld 2449. 
Volkszahl 1815 217,769, 1834 255,765, 1852 285,226, 1855 287,163, 1858 
293,998. , 
Auswanderungen, bes. der Conscription wegen. 1802, als (von einer 
lleihe von Jahren her) 2,073 »widerspänstige Wehrpflichtige« auf der 
Liste standen, erging Amnestie für diejenigen, welche ihren Militärdienst 
antreten oder Ersatzmänner stellen wollten. 
Gebietstvechsel. Die »Grafschaft« Oldenburg, 1777 durch Joseph 11. 
zum »Herzogthum« erhoben, umfasste : Oldenburg mit 30, Delmenhorst 
7, und das Bisthum Eutin 8, zus. 45 Q.-Meil. und 85,000 Menschen. 
1803 erhielt Oldenburg durch Reichsdeputationsschluss das secularisirte 
Hochstift Lübeck. Gegen einige Abtretungen an die Reichsstadt Lübeck 
und Aufhebung des Elsflethcr Zolles bekam es das hannover sehe Amt 
Wildeshausen und die Münster’sehen Aemter Vechta und Kloppenburg, 
54 Q.-M. mit 92,000 Einw. Obwol der Herzog am 14. Oct. 1808 dem 
Rheinbund beigetreten war, bemächtigte sich Napoleon am 10. Dec. 1810 
des Landes, das den franz. Departementen der Elbe- und Wesermün 
dungen incorporirt ward. 1813 Restauration. Der Wiener Congress er 
hob den Herzog (Verwandten des Kaisers von Russland) zum Grossher 
zog, und theilte ihm ein Gebiet auf dem linken Rheinufer, im ehemal. 
franz. Saardep. zu (das entlegene Birkenfeld) : Russland trat die Herr 
schaft Jever ab, und 1854 ward auch die Herrschaft Knyphausen und 
Varel nach 200jähriger Trennung wieder erlangt. 1851 Verkauf eines 
Gebietes am Jahdebusen an Preussen. 
»Staatsgrundgesetz« v. 1 8. Febr. 1840, »revidirt« den 22. Nov. 1852. 
Finanzen. Das Steuerrepartitionsverhältniss wird je auf 0 Jahre fest 
gesetzt : 1858 so, dass Oldenburg 80%, Lübeck 11%, Birkenfeld 7% 
Proc. trage. — 1804 waren (Einnahmen und Ausgaben im Wesentl. 
gleich) angenommen; Centralcasse 617,000, Herzogthum Oldenburg 
l’507,000Einn., l’578,000Ausg,, Lübeck l44,7O0,Birkcnfeld 190,000. 
(Nach dem Budget ent würfe für 1861—03 erschienen: Zoll mit 
455,000, Staatsgut 340,000, Sporteln 140,000, Grundsteuer 104,000, 
Häuserst. 30,000, Einkommenst. 100,000 etc. Unter den Ausgaben : 
Militär 350,000 [ohne Pensionen], Finanzverwaltung 320,000, Inneres 
480,000; Centralvcrwaltung 475,000 Thlr.). 
Zur Zeit der Grafen war, bei der Einfachheit des Hofes, selten 
von einer Steuer die Rede. 1769, unter dänischer Herrschaft, betrugen 
die Einkünfte 288,400, 1780 gegen 350,000 Thlr. Dermalen erschei- 
*) Vergl. Statistische Nachrichten über das Grossh. Oldenburg, herausge 
geben vom statist. Bureau. 6 Hefte.
        <pb n="317" />
        DEUTSCHLAND. — Sachsen-Weimar-Eisenach. 
293 
nen 184,000 Thlr., welche die regierende Familie aus den Domanialein- 
künften vorweg bezieht, nicht in den gewöhnl. Rechnungen. (Auch be 
sitzt der Grossherzog in Holstein 3% Q.-M. Landes mit mehr als 8000 
Bewohnern und 40,000 Thlr. Ertrag. — Der Militäretat war von 
1840—48 durchschnittl. 229,330 Thlr. — Für die Bracker Hafenanlage 
Wurden im Ganzen 170,000 Thlr. bestimmt. 
Die Schuld, am Ende des grossen Krieges 1’200,000, 1848 fast 
abgetragen, war Ende tS60 auf 4’270,000 Thlr. angewachsen, und be 
trug 1. Jan. 1864 4'160,000 Thlr., wovon 56,300 auf den Gesammt- 
staat, 3’802,800 auf das Herzogthum, 290,300 auf Lübeck und 10,600 
(nach einer andern Angabe vom 1. Jan. 1863 • 50,200) auf Birkenfeld 
kamen. (In dem Voranschlag für 1864 sind 4800 Thlr. neues Anlehen 
für Lübeck und 7500 für Birkenfeld einbegriffen.) Allerdings dienten 
1’900,000 Thlr. zur Abfindung für die Bentink’sehen Souveränitätsan 
sprüche auf die Herrschaft Knyphausen. Für Abtretung des Jahdegebiets 
bezahlte Preussen % Mill. Thlr. 
Militär. Conscription mit Stellvertretung ; sechsjährige Dienstzeit, 
Wovon 2 in der Reserve. Im Frieden bleiben die Soldaten blos 1 % Jahre 
präsent, die sogleich der Reserve Zugetheilten nur 6 Monate. Oldenburg 
stellt nach Uebereinkunft die Artillerie auch für Bremen und Lübeck, 
zus. 2 Batterien von 1 2 Geschützen, mit dem eigenen Contingente ; 
1 Reg. zu 4 Rataill. Infanterie, zu 5 Comp. 3,051] 
1 - 3 Schwadr. Reiterei 509/ 4007 Mann. 
Artillerie etc. mit 1(5 Kanonen 447j 
Die Oldenburg. Marine zählte an Neujahr 1863 640 Schifte von 
33,913 Last mit 2725 Mann. 
3/fV«sc: Thaler, 10 = 1 feine Mark, also 10 oldenb. Thlr. = 14 preuss. 
17. Sacliseii-Weiiiiar-Kisciiacli (Grosslierzogtlium), *) 
Kreise 
Weimar . 
Eisenach . 
Neustadt . 
Familien . 
Männlich 
Weiblich 
Q.-M. 
32.37 
21,SO 
11.38 
05,01 
Bevölk. 
Ende 1861 
140,772 
82,444 
50,030 
“2737252 
02,924 
Frühere Volkszahl: 
1810: 193,809 
1834: 238,072 
1843: 252,833 
1852: 202,524 
1858: 207,112 
Cou fcssionen (1801): 
Protestant. 202,272 
Katholiken 9,824 
And. Christen (58 
Juden . . 1,088 
Von den Geburten 1853 
bis 01 : 15,50 l’roc. un 
ehelich. 
133,999 Ausu-underuiu/en : 
139,253 1851 : 2,179 
1852 : 2,332 
1853: 1,802 
Städte: ^Veimar 13,887, Eisenach 11,517, Apolda 7732, Jena 
6984, Neustadt an der Orla 4 821. 
Gehietsvermehrung. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts hatte das 
»Herzogthum« Weimar etwa 40 Q.-M. und 120,000 Bew. 1815 erhielt 
der Fürst, nebst dem »Grossherzogstitcl«, eine Gebietsvergrösserung von 
26 Q.-M. mit 75,000 Einw. : die Herrschaften Blankenhain und Un- 
*)- Vergl. : »Beiträge zur Statistik des Grossh. Sachs.-Weim.-Eisenach ; 
herausgegeben vom grossh. Staatsminist., Depart, d. Innern.« (1804).
        <pb n="318" />
        i VV « i 
t M 
294 
DEUTSCHLAND. — Sachsen-Weimar-Eisenach. 
terkranichfeld, den grössten Theil des kön. sächs. Neustädter-Kreises, 
3 deutsche Ordens-Commenden u. Bezirke v. Fulda u. Kurhessen. — 
Verfassung v. 5. Mai 181G; revidirtes'Grundgesetz v. 15. Oct. 1850. 
Finanzen. Dreijährige Budgets. Etat für 18G3—G5 : 
Thlr. 
Einnahme l’()58,GGS 
Davon : 
Kaniniergüter . . 
Forsten..... 
Activzinsen . . . 
Regalien .... 
Sporteln, Strafen etc. 
Grundsteuer . . . 
Indirecte Steuern 
Einkommensteuer . 
138.000 
290.000 
108,483 
31,220 
139,035 
108,2.50 
445,115 
250.000 
Thlr. 
Ausgabe 1’654,558 
Darunter : 
Hof 
Landtag . . . 
Für Bundeszwecke 
Staatsschuld *) . 
Bauwesen . . . 
Verwaltung . . 
Das Budget für 1857—59 war : 
Einnahme 1’550,827 Thlr. 
Steuererhebung u. Ausfälle 
Kosten d. indirect. Auflagen 
Pensionen 
Militär 
Gendarmerie .... 
Strafanstalten.... 
Gesundheitspflege . . 
Kirchen und Schulen . 
Kunst und Wissenschaft 
Universität Jena . . . 
280,000 
8,500 
10,530 
230,917 
07,135 
429,287 
20,536 
36,300 
100,080 
180,000 
23,186 
15,735 
15,667 
83,267 
13,0S9 
23,200 
Ausgabe 1’544,239 - 
Das für 1860—62: 
Einnahme 1*625,190 Thlr. 
Ausgabe 1*624,852 - 
Die Finanzlage hat sich seit 1854 sehr gebessert; damals mussten 
an Einkommensteuer 14'/* Pfennige vom Thlr, bezahlt werden, jetzt 8 
Pfng. (Das eingeschätzte Gewerbeeinkommen betrug 1858 4’GG2,949 
Thlr. Capital.) — Das Verhältniss der Domänen ist auch in Weimar 
nicht geordnet. Bis 1848 bezog der Grossherzog den Reinertrag des 
8. g. Kammervermögens. Dann ward das Letzte als Staatseigenthum 
anerkannt und eine Civilliste von 250,000 Thlr. festgesetzt, vorbehaltl. 
Erhöhung auf 280,000 bei verbesserter Finanzlage. Im J. 1854 ward 
die Verabschiedung von 1848 wieder aufgehoben. Die Frage über das 
Eigenthum des Kammervermögens ist wieder unentschieden. Die Ein 
künfte fliessen aber in die Staatscasse, aus welcher eine s. g. Domä 
nenrente von 280,000 Thlr. an den Grossherzog bezahlt wird. — in 
Folge des Wachsens der Einkünfte wurden auch die Beamtenbesoldungen 
um 39,038 Thlr. = etwa 10% erhöht. (Der Staatsminister erhält rtun 
3500, jeder andere Departements-Chef 2500 Thlr.) 
Diebetrug am 1. Oct. 1 8G4 4’1 43,705Thlr., wovon 000,000 
Papiergeld, (Die Schuld der Landschaft war 1820 : I '990,21 0 ; 1847; 
3’531,359 Thlr. gewesen, wozu aber noch 1’483,0G5 Kammerschuld 
und 000,000 Cassaanweisungen kamen; 1851 dagegen 0’491,802 Thlr. 
Von 1850—02 wurden 2’010,000 Thlr. Schulden getilgt.) 
Militär. Conscription ; Stellvertretung ; 0jährige Dienstpflicht, wovon 
2 Jahre in der Reserve. Stand: 3085 M. in 3 Bataill. — (1780 nur 80 
Mann Garde: — Rheinbundscontingent 800.) 
") Die Regierung hatte 36,000 Thlr. mehr postulirt.
        <pb n="319" />
        DEUTSCHLAND. — Sachsen-Meiningen-Hildburgkausen. 295 
18. Saclisen-)leiiiingeii-llildburghaiisen (Herzogthum). 
43 (nach Andern bis zu 46 Q.-M. Bevölkerung Ende 1861: 
172,341 (1858: 168,816). 
1834 146,324 Einw. I 1852 166,530 Einw. ! männlich 84,179 
1849 163,100 - 1 1855 165,530 - weiblich 88,162 
Städte: Meiningen 6921, Sonneberg 5344, Saalfeld 4427, Hild 
burghausen 4233 Einw. 
Con/essionen : 169,870 Protest., 842 Kathol., 82 Mennon. und 
1547 Juden. 
Nach Erlöschen der Gothaer Linie beanspruchte der Herzog von 
Meiningen, als Aeltester der Nebenlinie, die alleinige Erbfolge in Gotha. 
\ergebens. Doch erhielt er (Hildburghauser Vertrag v. 12.Nov. 1826) 
fast das ganze Herzogthum Hildburghausen (1815: 29,706 Einw, auf 
12 Q.-M.) ; von Coburg: das Fürstenth. Saalfeld und das Amt Themar ; 
von Gotha : dessen Antheil an Römhild u. das Amt Kranichfeld ; von 
Altenburg: Camburg, Neusulza, Th eile von Eisenberg, Vierzehnheili 
gen etc. Die Gegenabtretungen waren gering. Meiilingen gewann 25 
Q.-M. und 71,181 Einw. — Grundgesetz vom 23. Aug. 1829. 
Finanzen. Das Budget für 1862—65 schliesst ab: 
Landemcasse . 1'086,592 fl. Einnahme und 1'086,592fl. Ausgabe 
Domänencasse 850,700 - - - 758,450 - 
Zusammen 1'937,292 fl. Einnahme und l'845,042fl. Ausgabe 
Die Hauptposten sind bei ÒlGt Landescasse: directe Steuern 312,000, 
indirecte 617,595, Regalien 33,275, versch. 71,597, Hälfte der Domä 
nenüberschüsse 46,125; unter den Ausgaben: Landtag 9750, Militär 
146,069, Schuld 240,753; bei der Domänencasse: Einnahme v. Gütern 
196,137, v. Forsten 602,377 ; — Ausgabe für den Hof 225,000 (aus 
serdem Hälfte der Domänenüberschüsse mit 46,125, zus. 271,125), 
Schuld 89,786. 
Aus den Domänen erhält vor Allem der Hof 225,000 fl. ; was so 
dann noch an Reinertrag bleibt, wird zwischen dem Herzog und der 
Landescasse getheilt; dies nach einem Gesetze von 1854, durch welches 
das Gesetz von 1819 beseitigt wurde, demzufolge der Herzog einfach 
200,000 fl. Civilliste zu beziehen hatte. Der Landtag bestreitet nun die 
Gültigkeit der Bestimmungen von 1854 und nimmt die Domänen meist 
als Staatseigenthum in Anspruch. — Die Vergrösserung des Staatsbe 
darfs ist wesentl. dadurch veranlasst, dass Meiningen für die Hälfte der 
Baukosten der Werrabahn (8 Mill. Thlr., mit den andern betheiligten 
Regierungen) eine 4 % Zinsgarantie übernommen hat, dann durch Ver 
grösserung des Militäretats. (18*%, betrug derselbe 95,560, jetzt [s. 
oben] um 50,509 fl. = 53 Proc. mehr I 
Schuld am 1. Oct. 1864 : ältere 1’7S1,484 fl 
neue von 1862 (zunächst für die Eisenbahn . . 700,000 - 
Cassenanweis. (bei 705,180 fl. Einlösungsfonds) . 1'049,996 - 
Der Schuldenstand war am 1. April 1860: 4'594,Ol7 fl. 
Militär. Conscription mit Stellvertretung ; 6jährige Dienstzeit, wovon 
2 Jahre in der Reserve. Bestand : 1 Linienreg. von 2 Bat. à 4 Comp., 
1726 M. (bis 1855 blos 1 Bat.) ; 384 M. Ersatzmannschaft, zus. 2110.
        <pb n="320" />
        296 
DEUTSCHLAND. — Sachsen-Coburg-Gotha. 
10. Sachseii-Cobiirg-Ooilia (Herzogthiim).*) 
Herzogth. 
Gotha 
Coburg 
Q.-M. Bevölk. 1861 
20 112,417 
10 47,014 
30 150,431 
Frühere Volkszahl: 1 
1834: 134,005 I 
1840: 149,753 | 
1855: 150,878 
1858: 153,870 | 
Städte: Gotha 10,009, Coburg 10,090, Ohrdruf 4999. 
Confessionen : 
Protestanten 158,304 
Katholiken 900 
Juden . . 150 
35,703 Haushaltung. 
Gehietsverilnderungen. A. Gotha 17&amp;0: ^ ^ Einw 
Fürstenthum Gotha 30 77,000 
Grösster Theil des Fürstenth. Altenburg . 25 78,000 
(1815: 185,082 Einw.) 55 150,000 
1825 Aussterben der männl. Idnie der Herzogsfamilie; 1820 Theilung des 
Landes unter die übrigen herzoglich sächsischen Häuser. 
B. Coburg. Ende vorigen Jahrhunderts etwa 10 Q.-Meil. Co 
burg-Saalfeld G, Theil von Alten bürg 10). Das Herzogthum ward 1 SOG 
durch franz. Truppen occupirt, 180S als Rheinbundsstaat wieder herge 
stellt. Der Wiener Congress vergrösserte es um » 20,000 Seelen a durch 
das sog, Fürstenthum Lichtenberg (St. Wendel, auf dem linken Rhein 
ufer), wonach 1815 das Areal auf 28 Q.-Meil., die Volkszahl auf 80,01 2 
stieg. Der Herzog verkaufte Lichtenberg 1831 an Preussen gegen eine 
Rente von 80,000 Thlr., zum Theil in Domänen, da ein projectirter 
Tausch gegen den Kreis Schleusingen nicht zu Stande kam. 
C. Coburg-Gotha. Bei der Theilung Gotha’s erhielt der Herzog 
von Coburg dasselbe mit Ausnahme des Amtes Kranichfeld, und gegen 
Abtretung des Fürstenthums Saalfeld und anderer Parcellen. 
Staatsgrundgesetz Gotha’s v. 2G. März 1810, abgeändert den 3. Mai 
1852. Verfassungsurkunde Coburg’s V, 8, Aug. 1821. Gemeinschaft 
liche Verfassung für beide Herzogthümer vom 3. Mai 1852. 
Finanzen. A. Gotha. Selbst in der abgeänderten Verfassung wa 
ren die Domänen als Staatseigenthum anerkannt. Die »Agnaten« prote- 
stirten, namentl. Prinz Albert, Gemahl der Königin v. England. Ende 
1854 neues Uebereinkommen des Herzogs mit dem Landtage : das Kam 
mer- und Domänenvermögen wird in Staats- und Domänengut getheilt; 
das letzte überlässt jährlich G0,G31 Thlr. Domänengefälle an den Staat, 
erhält aber als Ablösung 050,000 Thlr. Darauf neue Protestation der 
Agnaten ; endlich ein von ihnen genehmigtes Uebereinkommen. Der Her 
zog erhält aus den Reinerträgen »des Domänenfideicommissguts des 
herzogl. Hauses im Herz. Gotha« 100,000 Thlr. feste Jahresrente. So 
dann fliessen der Staatscasse aus den Reinerträgen jährl. 3G,000 Thlr. 
als feste Rente zu. M eitere Reinerträge des Domänenguts werden zu 
gleichen Hälften zwischen Herzog und Staatscasse getheilt. An Rein 
erträgen der Domänen erhielten 
18*%, 18"%, 18«%, 18«%. 
der Herzog 124,444 148,193 140,679 145,210 
- Staat 60,444 84,193 76,679 81,210 
*) Vergl. »Mittheilungen aus dem statist. Büreau des Herzogl. Sfaatsminist. 
zu Gotha üb. Landes- und Volkskunde«, herausgegeben vom Vorstande dea 
stat. Bür., Reg.-Rath. Hess. 1. Heft.
        <pb n="321" />
        DEUTSCHLAND. — Sachsen-Altenburg. 
297 
Budget vom 1. Juli 1S61 bis dahin 1S65, in Thlr. ; 
Domänencasse 559,500 Thlr. Einnahme, 385,009 Thlr. Ausgabe 
Staatscasse _. 606,500 - - 600,500 - 
Zusammen 1'166,000 Thlr. Einnahme, 992,169 Thlr. Ausgabe. 
Zu den Domänen lieferten IS‘%. Forsten 460,787 Thlr., Güter 47,713, 
Zinsen (von 847,819 Capital) 44,525. Dagegen erfordert die Domänenschuld 
210 198^ "Ihlr. Capital) 52,548, und die Verwaltungskosten belaufen sich auf 
Unter den Einnahmen der Staatscasse erscheinen : directe u. indirecte 
öteuem 375,175, Sporteln u. Chausseegelder 82,401, Zinsen 49,116 (ausl’151,327 
Ihlr. Capital). — Unter den Ausgaben: Schuld 92,222 (von 1'816,158 Thlr. 
Capital), Militär 61,431. 
Geaammtschuld beider Cassen, einschl. 100,000 Thlr. Papiereeld. 3'204 042 
^°RGgen 2'315,710 Activcapital vorhanden. ' ' 
B. Coburg. Etat vom 1. Juli 1801 bis dahin 1865, in Gulden: 
Domänencasse 194,408 fl. Einnahme, 128,808 fl. Ausgabe 
. Staatscasse . 471,000 - - 466,900 - 
Zusammen 665,408 fl. Einnahme, 595,708 fl. Ausgabe. 
Den Ueberschuss der Domänencasse, 65,600 fl., beziehen der Herzog und 
die Staatscasse zu gleichen Tlieilen. Unter den übrigen Staatseinnahmen 
sind: Zinsen aus Capitalien 23,538, directe Steuern 115,745 (Grundst. 55,745 
Einkommenst. 60,000), indirecte 215,673 (Zoll u. Rübenst. 109,930, Braumalzst! 
'•1,155, Salzst. 31,588), Regalien 76,100; — unter den Staatsausgaben: Schuld 
106,750, Militär 46,953. 
Schuld. Ende Juni 1864 2'697,180, einschl. 350,000 fl. Papiergeld. Dage- 
Ren Activa: 936,958, wobei jedoch 363,000 fl. Zuschüsse auf Zinsgarantie für 
die Werrabahn voll gerechnet sind. — Coburg war schon 1773 mit 1'075,068 
Rthlr. Schulden belastet. Trotz einer kaiserl. Verwaltungscommission betrug 
die Schuld 1799 noch 1'261,000 fl. 1847 waren es 1'203,943 und 1857 1'525,221, 
Ungerechnet das Papiergeld; 1858 1'933,346 mit diesem. 
C. Gemeinsamer Etat. Verfassungsmässig besteht eine Ge 
meinsamkeit nur für gewisse Ausgaben. Diese betragen nach dem 
Btat für 1S*V«5 194,366 Thlr., neml. f. Staatsministerium 74,675, 
Justiz 19,400, Militär79,800, Bundeskosten, Zoll, Archiv etc. 20,491. 
Militär. Conscription ohne Stellvertretung. Hauptcontingent 1302, 
Reserve 372, zus. 1674, Ersatzmannschaft 372; im Ganzen 2046 M., 
m 1 Reg. von 2 Bataill. à 4 Comp, und 1 Ersatzcomp. — Zufolge Ver 
trags mit Preussen von 1861 übernahm dieses die Erhaltung des Con 
tingents gegen eine A versalsumme von 80,000 Thlr. im Frieden, 9000 
Jhlr. für jede Mobilmachung, und 148,000 Thlr. für Mobilhaltung wäh- 
fund eines Jahres Die preuss. Militärreglements gelten auch in Coburg- 
tJotha. Die Dienstzeit ward von 6 auf 6% Jahre, und dabei die Präsenz- 
Zeit von 1‘/g auf 2 Jahre erhöht. Preussen besetzt dieOfficiersstellen im 
Einvernehmen mit dem Herzoge. 
20, Saclisen-.ilteiibiir^ (Herzogthum). 
Kreise Q.-M. 
Altenburgischer . . . 11 % 
baalfeld-Eisenbergischer 12'/* 
Zu8."Tr“ 
Bevölk. ; 
1861 
89,672 
47,490 
137,162 I 
Frühere Bevölk. 
1834 117,921 
1849 131,629 
18.58 134,659 
1863 
Geburten 5179 
Sterbfälle 3827 
Trauungen 2288
        <pb n="322" />
        298 
DEUTSCHLAND. — lteu.ss-Greiz. 
ImJ. 1S63 in den 10 Städten 46,SSGEw. I (Unter den Geburten 876 unehel., , 
- - 464Dörfern92,176 - Haushaltungen 29,900.—Städte: Al- 
I tenburg (1863) 17,459, Ronneburg 
I (1862j 6407, Eisenberg 4775. 
Confessionen : etwa 137,000 Protestanten, 100 Kathol. 
Nationalität. Die Einw. sind im Altenb. Kreise meist Nachkom 
men von Wenden (Slaven) ; wendische Tracht und Sitten haben sich 
erhalten, die wendische Sprache dagegen war schon im 16. Jahrhunderte 
verdrängt. 
Altenburg bildete bis zur Theilung von 1826 einen Bestandtheil 
von Gotha. Damals ward es, mit Ausschluss der Grafschaft Camburg, 
dem Herzoge von Hildburghausen überlassen, der sein kleines Stamm 
land an Meiningen abtrat. — Grundgesetz v. 29. Apr. 1831, wiederholt 
geändert, zuletzt im Mai 1857. 
Finanzen. Der dreijährige Etat für 1862—64 schliesst so ab: Ein 
nahme 829,526. Ausgabe 802,255. 
Davon: Militär 83,867, Civilliste 158,000 Thlr. — Im vorigen Etat waren: 
Einnahme 803,810 (darunter: Domänen und Regalien 370,183, directe Steuern 
198,200, indirecte 229,050), Ausgabe 801,910. Der gestiegene Ertrag der For 
sten etc. ermöglichte seit 1862 eine Steuererleichterung. Der Rechenschafts 
bericht für die Finanzperiode 1856—58 ergab übrigens weit höhere Summen 
als obiger Voranschlag, nemlich (auf 3 Jahre) im Ganzen : 3’511,721 Thlr. Finn, 
u. 3’099,289 Ausgabe. — Schuld (1862) 1’047,352 Thlr., nemlich: Domänen 
schuld 109,763, verzinsl. Staatsschuld 505,189, Papiergeld (Cassencreditscheine) 
432,400. Die Activcapitalien sind ansehnlich. Ihnen ist auch das 1861 auf 
1*178,122 Thlr. gestiegene Vermögen der Landesbank beizurechnen. Es wird 
ein Ueberschuss der Activcapitalien über den Schuldbetrag von 226,022 Thlr. 
berechnet. 
Militär. Conscription, Stellvertretung, Dienstzeit 7 J., wovon V 
in der Reserve. Hauptcontingent 1173, Ersatz 327, zus. 1809, in 1 
Reg. von 2 Rata ill. à 4 Comp, (früher blos 1 Bataillon). i 1862 Militär 
convention mit Preussen, wonach die Oberofficiere von Preussen ernannt 
werden. 
Sociales. Die Altenburger Bauern gelten für sehr wohlhabend ; ihr 
trefflicher Boden ist gut angebaut. In der Regel erbt der jüngste Sohn 
das Gut ; sind nur Töchter vorhanden, so erhält die älteste das Besitz 
thum. Bei den Heirathen herrscht die hässlichste Geldaristokratie; ein 
»vierspänniger Bauer « gibt seine Tochter nicht leicht einem »zweispänni- 
gen«, noch weniger dieser die seinige einem Kuhbauern oder Häusler. 
Selten wird ein Gut getheilt. Die übervortheilten Kinder kommen oft in 
die schlimmste Lage. Dabei ist die Sittlichkeit durch diese Verhältnisse 
tief untergraben. 
31. Rciiss-Oreiz (1* ürstentlmmj = llcuss ältere Jänie. 
Auf 6% Q.-M. lebten 1861 42,130 (1858 39,397) Einw . 
1815: 22,255 Einw. I 1849: 36,274 Einw. • Greiz, 10,036 Einw. 
1834: 30,041 - | 1855: 34,896 - Alte Landständ. Verfassung. 
Finanzen. 1861 Einnahme (wol mit Rechnungsüberträgen, angebl.) 
201,243) worunter nicht volle 30,000 Thlr. directe Steuern), Ausgabe
        <pb n="323" />
        299 
Df-iL'l SCHLAND. — Keuss-Schleiz. Lippe. 
152,40t (dav. 35,221 Militär). Ueber die Hälfte der Einkünfte fliesst 
in die Kammercasse. — Die Schuld ward im Jahre IS47 zu 377,000 
Ihlr. angegeben, wovon 305,000 auf den Domänen lastet, der Rest 
Landesschuld. Diese letzte ward in der jüngsten Zeit zu 205,000 Thlr. 
angegeben, wovon 75,000 verzinsl. und 130,000 Thlr. Papiergeld. 
22. ReiiKs - Sclileiz - Lobeiistein - Rbersdorf 
(Fürstenthum = Reuss jüngere Linie. 
15 Q.-M., 1861 mit 83,360 Menschen, — 1852 umfasste 
Frstth. Gera 32,378 
Lobenstein-Ebersdorf 22,372 
Schleiz 21,92ü 
Pflege Saalburg 3,148 
1815; 52,205 Einw. 
1834: 72,021 - 
1849: 77,903 - 
1858: 81,800 - 
Stadt 
Gera (1801, mit 
Pöppeln) 14,207 
Einw. 
Verfassungs-Urkunde v. 30. Nov. 1849, umgeändert 14. April 1852, wieder ' 
niodificirt 20. Juni 1850. 
Budget iÜLX—65: Einnahme 281 850, Ausgabe 273,850Thlr. 
Wir kl. Rechnungsabschluss von 1860: Einnahme 386,664, wovon aber 
101,000 Cassaübertrag; Ausg. 278,400. Unter der Ersten: 77,274 
Thlr. directe, 143,914 indir. Steuern, 33,126 Sporteln. Das Militär 
kostete 55,129 Thlr., das Schulwesen nur 1 1,729! — Schuld Ende 
1863 : Staatsschuldscheine 225,950, kündbare Schuld nach Abzug des 
Reservefonds 159,744, zus. 385,694 Thlr. Die kündbare Schuld soll, 
nach Verfügung von 1864, in eine 4procentige consolidirt werden. Hiezu 
das Papiergeld (nach einer Angabe 130,000, nach der andern 320,000 
Thlr.) ; Domänenschuld unbekannt. 
Die Truppen der 3 jüngeren reussiseben I.inien bilden mit jenen der 
älteren Linie 1 Bataill. von 5 sehr ungleichen Comp., zus. 1117 Mann, 
Wovon 783 auf die jüngere, 334 auf die ältere Linie kommen. 
liipiic-Uetmold (Fürstentlium . 
20% Q.-M. Bevölkerung (1861) 108,513. Stadt Detmold 5598. 
1834 : 97,720 Einw. Verfass.-Ges. v. 6. Juli 1830, wiedereingeführt 
1852; 100,015 - 15. März 1853. — 1807 nahm der dem Rhein- 
1858.’ 100,080 - , bunde beigetretene Graf den Fürstentitel an. 
Etat für 1864 und 65: Einn. 210,178, Ausg. 215,611 Thlr. Un 
ter den Einnahmen: Grundsteuer 36,508 (wozu die so sehr bevorzugten 
Ritter nicht mehr als 2102 beitragen !), Classensteuer 32,383, Schul 
geld 8458, Stempel 4000, Zoll 128,721 ; — unter den Ausgaben: 
Schuldzinsen 13,774, der Fürstin 1 lOO, dem Prinzen Woldemar 6000, 
Gehalte 9664, der fürstl. Rentei 30,815 (dabei Herrengelder 8559, dem 
Fürsten 12,000, Entschädigungen wegen des Zollanschlusses 6705 etc.), 
Militär 68,419, Gendarm. 6193, Bundeskosten 4000, Wegbaucasse 
18,500, Elementarschulen 24,382, Mittelschulen 4448, Pferdezucht 
3000. — Auch hier hat aber der Hof die sämmtl. Domänen im Besitz, 
dabei die Forsten (fast des ganzen Areals), Saline, die s. g. landes-
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        ' * ‘ t A. » i 
Ill'll 
lili’I 
TW 
li # 
15 
300 
DEUTSCHLAND. — Schaumburg. AValdeck. 
herrl. Gefälle, Gewerbsteuer, Sporteln und Strafgelder. Diese Einkünfte 
werden auf 200,000 Thlr. geschätzt, woraus die Kosten der Hofhaltung 
(etwa 100,000 Thlr. ausser obigen Beträgen), Bewirthschaftungskosten 
der Domänen und der grösste Theil der Besoldungen, einschl. der hohem 
Geistlichkeit, gedeckt werden. Dabei ist aber den Ständen jede Einsicht 
in diese Rechnungen versagt. — der Landescasse (IbCi) 301,105 
Thlr. (1818 befanden sich gegen 80,000 Thlr, Vorrath in der schulden 
freien Gasse). Die Domänen sollen mit 250—300,000 Thlr. Schulden 
belastet worden sein ohne Genehmigung der Stände. 
Militllr. Conscription ; 4jährige Dienstzeit, 1 Infanterie-Bataill. 
von 840 M., 120 Ersatzmannschaft und 240 Reserve. 
24, Scliaiiiiibiirg-Li|)|)c (Fürstentlmm). 
8 Q.-Meil., 1801: 30,774 Einw. (davon 4210 in der Stadt Bücke 
burg) . Eine nominelle Verfassungsurkunde datirt v. 10. Jan. 1810, eine 
den Verhältnissen entsprechende ward selbst 1848 nicht zu Stande ge 
bracht. — Einkünfte etwa 230,000 Thlr. Die indirecten Auflagen er 
tragen etwa 27,100 Thlr, Die ganze Regierung ist höchst patriarchalisch 
eingerichtet. Der Fürst besitzt die Domänen, sammt Waldungen und 
Jagd, und übt das Monopol der Branntweinbrennerei ; die Brennsteuer 
muss ihm mit etwa 0000 Thlr. aus der Landescasse zurückersetzt wer 
den! Auf den Domänen lasten angehl. 2'080,000 Thlr Schulden. 1850 
ward die Einlösung der CassenanWeisungen verweigert ! — Beim Militär 
4 Vs Jahre Dienstzeit, dann 1 Jahr Reserve. Conscription. Das Contin 
gent, 4 Jägercomp. mit 385 M., ist im Kriege zur Luxemb. Besatzung 
bestimmt. 
25. ^Valdeck (Fürstentlmm). 
Fürstenthümer 
Waldeck 
Pyrmont 
Q.-M. 
10% 
1% 
20% 
Stadt Arolsen 1005 Einw. 
Bevölk. 1861 
51,5S0 
7,(»15 
5S,0(ll'" 
IS 13: 5S,753 Einw. 
1S52: 50,007 - 
1858: 57,550 - 
55,070 Protestanten (iinirt), 1071 Ka 
tholiken., 800 Juden. 
Das »Staatsgrundgesetz« vom 23. Mai 1840 ward hinwegoctroyirt, 
und 17. Aug. 1852 durch ein anderes ersetzt. 
Waldeck und Pyrmont haben gesonderte Etats ; für 1863—65 folg.: 
a. im Fürstenthum W a 1 d e c k : 
Einnahme 
1803 
1804 
1865 
ordent. ausserord. zusamm, 
440,300 14,573 403,003 
442,004 8,085 450,740 
441,201 1,140 442,401 
b. im Fürstenthum Pyrmont: 
1803 71,002 10,005 82,087 
1804 72,330 2,885 75,215 
1805 07,505 1,835 00,400 
ordent. 
450,235 
445,012 
443,248 
74,712 
72,085 
07,012 
Ausgabe 
ausserord. 
14,573 
8,085 
1,140 
10,005 
2,885 
1,835 
zusamm. 
404,808 
453,007 
444,388 
84,807 
75,870 
00,747
        <pb n="325" />
        DEUTSCHLAND. - Anhalt. 
301 
In Waldeck ward zur Erzielung obiger Einnahme die Classen-, Ge 
werbe- und Grundsteuer um 12% Proc. erhöht. — In Pyrmont röhren 
(1564) 44,059 Thlr. Einn. von den Domänen her. Der Landtag be 
schloss Cassenvereinigung mit Waldeck. Zu Pyrmont besteht bekannt 
lich noch eine Spielbank. 
Schulden (1854) 1’520,000 Thlr. 
Truppen. 3 Compagnien, Contingent S66 M. Vor der franz. Re 
volution hielt der damal. Fürst 5 Comp, »der schönsten Leute, a Für 
den amerik. Krieg verkaufte er 1225 M., von denen 720 nicht wieder 
kehrten. 
26. Anhalt (Herzogthum\ 
1 )e.ssau , . 
Cöthen . . 
Bernburg . 
Zus. 
Anhalt ward 1603 in 4 Staaten getheilt. Nach Aussterben der 
Zerbst’sehen Linie, 1 793, theilten sich die 3 andern in deren Gebiet, doch 
erhielt die russische Kaiserin Katharine II., als Zerbst’sehe Princess, die 
Herrschaft Jever an der Nordsee. Die Cöthener Linie erlosch 1849, die 
Bemburgeram 19. Aug. 1 803. Nachdem die Verfassungsurkunde Dessau’s 
vom 29. Oct. und Cöthens vom 28. Oct. 1848 durch herzogl. Patent 
Vom 4. Nov. 1851 aufgehoben worden, declarirte ein neues Patent vom 
22, Mai 1853 die Vereinigung dieser beiden Herzogthümer zu einem 
Staate, Am 17, Sept. 1859 erschien eine Landschaftsordnung für die 
sämmtlichen Anhalt’sehen Herzogthümer. Die definitive Verbindung 
Bernburgs erfolgte mit dem 1. Oct. 1804. Das Verfassungsgesetz des 
Letzten v. 28. Febr. 1850 war im April 1855, dann Sept. 1859 ge 
ändert worden. 
Der Finanzetat, 18'%, für Dessau zu 590,000, für Cöthen zu 
449,888 Thlr. bestimmt, war für diese vereignigten Herzogthümer 18=%; 
auf 1’303,500, 1858 auf 1’084,495, dann 1801 auf 1’847,278 Einn. 
und 1’841,513 Bedarf, 1802 auf 1’929,351 und 1’907,614, und 1804 
auf 2 1 57,944 und 2’150,715 Thlr, gesteigert. Unter den Einnahmen 
erschienen 1804: Domänenertrag 795,034, Steuern l’l 93,105 (für 1801 
finden wir aufgeführt : directe Steuern 131,273, indirecte 802,180), 
Sporteln 78,01 5, Regalien 20,1 20, Schulgelder 277,700: unter den Ausg.: 
Hof 180,000 (1801 198,250), Finanzen 1’182,585, Schuld 130,700, 
Militär 102,704, Bauwesen 197,025, Pensionen 78,805, Cultus und 
Unterr. 132,091, Deutsch. Bund 23,000, Gesandtschaften 2420, Ju 
stiz 81,889. 
Der Finanzetat Bernburgs für 1804 schloss ab mit 1’280,028 
Einn. und 1’203,G12 Ausg. Unter den Einn. : aus Domänen, Berg 
werken und dingl. Rechten 618,289, directe Steuern 53,373, indirecte 
552,529, Sporteln 30,914; — unter d. Ausg. : Hof 82,062, Staats- 
Q-M. 
15 
13 V. 
15 
Bevölk. 1861 
124,013 
57,811 
43 V. 181,824 
Studie (1861) : 
Dessau 
Bernburg. 
Cöthen 
Zerbst. . 
15,613 
11,058 
10,503 
Die mittelbaren Besitzun 
gen des Herzogs in Preuss.- 
Sachsen, Ostpreussen u. der 
Krim umfassen gegen 15 
Q.-M., ungerechnet die v. 
10,480 I Bernburg ererbten.
        <pb n="326" />
        302 
DEUTSCHLAND. — Anhalt. 
Verwaltung 71,913, Justiz 52,604, Inneres 93,085, Cultus 54,365, 
Militär 53,511, Finanzen 848,626. 
Dem Landtag des wiedervereinigten Herzogthums ist für 1865 ein 
gemeinsamer Etat vorgelegt worden, mit folgenden Hauptresultaten ; 
Einnahme: 1) Domanialverwaltung (hierunter von Gütern 464,750 Thlr., 
von Aeckern 75,600, von Wiesen 36,365, von den Forsten und Jagden 367,710, 
von Gebäuden und gewerblichen Anlagen 42,755) 1’036,945. — 2) Steuerver 
waltung 1'953,905, und zwar A. directe Abgaben 138,425, darunter alte Grund 
abgaben 63,480, Rückzahlungen bei Ablösungen 3500, — sodann neue Grund- 
und Gewerbesteuern resp. Einkommensteuer : a) Grundsteuern von Dessau-Cö- 
then, b) Gewerbesteuern von Dessau-Cöthen, c) Kriegssteuern von Bernburg 
sind ausser Ansatz geblieben), Concessionsabgaben 18,325, Gewerbesteuer 
der Magdeburg-Leipziger und Berlin-Anhalter Eisenbahn 50,000, Entschädi 
gung für Ausübung des Postrechts 3120. B. Indirecte Abgaben durch dieZoll- 
direction 1’(139,000 (darunter llübenzuckersteuer 1’375,000, Herauszahlung 
1’296,000, diesseitiger Antheil 79,000, incl. 37,775 Hebungskosten). Brannt 
weinsteuer 125,000 (Herauszahlung 51,000, diesseitiger Antheil 74,000), Brau 
malzsteuer 22,000 etc. Indirecte Abgaben durch die Kreissteuerämter 176,480. 
— 3) von BergAverken und Hütten insgesammt 677,596, und zwar a) von den 
Harzer Bergwerken rund 101,552, b) von der Eisenhütte zu Mägdesprung 70,065, 
c) von der Eisengiesserei zu Bernburg 108,000, d) vom Salzbergwerke Leopolds 
hall 367,474, e) Zehnt von Kohlenbergwerken 30,505. — 4) Sporteln 80,674.— 
5) Stolgebühren (Dessau-Cöthen) 6450. — 6) Schulgelder (Dessau-Cöthen) 
29,300, 7) Insgemein 5935 (darunter Prinzessinsteuern etc. 3960), zusammen 
3’790,805 Thlr. 
Ausgabe: 1) zum herzoglichen Hause 270,950 (nämlich a) an die herzogl. 
Fideicommisscasse 259,000, b) an die Frau Herzogin Witwe zu Anhalt-Bern 
burg 20,950). — 2) Allgemeine Staatsverwaltung 48,278 (Staatsministerium 
11,550, Gesandtschaften 3873, Deutscher Bund 16,000, Landschaft 9520, Or- 
denscasse 1200). — 3) Staatsschuldenverwaltung 185,100 (Verzinsung und Til- 
{Tung der Staatsschulden für Dessau-Cöthen incl. Verwaltungsaufwand 119,800, 
lür Bernburg 65,300. — 4) Justizverwaltung 119,550. — 5, Verwaltung des Innern 
135,363, 6) Finanzverwaltung 2’237,156 (Centralverwaltung 56,090, Domanial- 
aufwand 202,170, Steuerverwaltung 1’465,560), Berg- und Hüttenwesen 513,336. 
— 7) Generalcommission 9775. — 8) Cultus und Unterricht 165,655. — 9) Mi 
litär 166,710. — 10) Renten, Entschädigungen 12,182. — 11, Pensionen 146,385. 
— 12) Bauwesen 370,344. — 13) Insgemein 2510. Zus. 3 869,958. — Sonach 
Deficit 79,153 Thlr. 
Schuld. Dieselbe betrug 1850 in Dessau 1’717,070, in Göthen 
2’121,927, zus. 3’839,597 Thlr., im nächsten Jahre aber 5’107,327! 
1800 war sie auf 4’858,99 2 herabgebracht. Activa werden zwar 2132,070 
Thlr. aufgeführt, es waren aber dabei alle Effeeten zum Nominalwerthe 
angesetzt und der Zinsertrag dieser Activen betrug nur 51,898 Thlr.*) 
— Der Werth des Landesdomanial-Grundbesitzes wird übrigens zu 14 
Mill. Thlr. angegeben. (Obwol der letzte Herzog von Göthen die Schul 
den enorm vermehrte, musste er doch Schulden halber das Fürstenthum 
Pless verkaufen.) — Die Schuld von Bernburg ward 1801 zu2’290,050 
Thlr. angegeben, einschl. 500,000 Thlr. Papiergeld. Die Activa wur 
den nominell zu 878,536 Thlr. berechnet.**) — In einer Aufstellung 
*) Schon vor 1848 weigerte sich die Cöthen’sche Regierung, die von ihr 
ausgestellten 3 % Schuldscheine zur Verfallzeit ul pari einzulösen. Man be 
stimmte später eigenmächtig einen viel niedrigem Einlösungspreis ! 
**) Vor dem Ableben des letzten Herzogs von Bernburg hiess es, dass für 
den Fall dieses Ablebens eine dem .Lande im höchsten Grade nachtheilige Ord 
nung der Vermögensverhältnisse eingeleitet sei, wonach Domänen mit einem
        <pb n="327" />
        DEUTSCHLAND. — Schwarzburg-Sondershausen. 
303 
vom 1. Jan. 1604 erscheint der Nettobetrag der Schuld von Dessau- 
Cöthen mit 1*627,593, von Bernburg mit 1*618,634, zus. 3*446,227 Thlr. 
Militilr. 6jährige Dienstzeit, wovon 2 in der Reserve. Formation: 
1 Regim. von 2 Bataill. und 2 Scharfschützencompagn. mit ungef. 2000 
(1636) M. Mit Preussen bestehen Militärconventionen. — Vor der 
franz. Revolution unterhielt der Fürst von Zerbst allein 2 Regim. Sol 
daten. Er verkaufte von 1778—1781 1160 M. an England, das für 
jeden Umgekommenen 44 Thlr. bezahlte, und wobei 3 Verwundete einem 
Todten gleich geachtet wurden. 1783 kamen 964 Mann aus Amerika 
zurück ; es fehlten also 176. 
27. Schwarzbiirg-Soiidersliauseii (Fürstenthum). 
15% Q.-M. 1661 mit 64,695 (1656 62,974) Einw. (davon 9 
Q.-M. und 37,109 Menschen in der »Unterherrschaft«, der Rest in der 
»Oberherrschaft«). Stadt Sondershausen (Unterherrschaft) 5619, Arn 
stadt 6696 Einw. Verfassungsgesetz v. 20. Dec. 1849, modificirt 1652, 
54 und 56, zuletzt abgeschafft am 6. Juli 1657. 
Finanzen. Der Etat für 1864—1667 ergibt: 628,546 Thlr. Ein 
nahmen, 611,354 Ausgaben. Unter den Ersten : Domänengüter 119.092, 
Forsten 227,813 ; directe Steuern 77,600, indirecte 1 1 1,265, Gebüh 
ren 61,250: — unter den Ausg. ; Hof 155,120, Militär 46,466. In- 
dess sind die Einkünfte zu niedrig angesetzt. Schon die Abrechnung 
von 1659 zeigte: 644,678 Einn., 606,733 Ausg., und es ergab sich für 
die damit abgelaufene 4 j äh rige Finanzperiode einUeberschuss von 192,543, 
der für Chausseebauten, landwirthsch. Darlehenscasse und Verstärkung 
des Reservefonds bestimmt wurde. Ebenso fand der Landtagsausschuss 
für 1662, nach Abzug der Cassareste etc., eine wirkl. Einn. v. 653,621 
und eine Ausgabe von 649,601 Thlr. Die Civilliste früher zu 140,000 
Thlr. vereinbart, wurde i860 um 10,000 Thlr. erhöht. Der vorige 
Fürst, der Branntweinbrennerei und Bierbrauerei als Monopol ausübte. 
erwarb grosse Güter in Slávonien, Böhmen und Mecklenburg. — Schuld: 
. 1851, 1. Mai 1856, 1. Jan. 1861 1863 
Kammerschuld . 838,713 927,042 839,418 672,287 
Landesschuld . 382,743 622,980 682,333 851,976 
Zusammen 1*221,466 1*550,022 1*521,751 1*524,263 
500,000 Thaler Cassenanweisungen (nach Andern circulirten nur 
1 50,000) sind Privat-Papiergeld des ftti-stl. Hauses. 
MilitUr, 6 Jahre Dienst, wov. 2 in der Reserve. 1 Bat. 626 M. 
Frtrage von 105,000 Thlr. als Allodialgut behandelt würden. Wo möglich noch 
greller sei eine Uebereinkunft im Betreff des Salzbergwerks bei Stassfurth, in- 
uem die vom Staate Bernburg dafür bisher geleisteten Zahlungen den Allodial- 
erben des Herzogs bezahlt und der Betrag von dem Gesammtherzogthume An- • 
halt als Landesschuld übernommen werden soll. Es ist uns unbekannt, ob und 
^ie diese für das Land wichtige Streitfrage erledigt ist.
        <pb n="328" />
        304 DEUTSCHLAND. — Schwarzburg-Rudolstadt. Hessen-Homburg. 
28. Scliwarzbiirg-Riidolstadt (Fürstenthum). 
Auf 17Va Q.-Meil. ISGl 71,013 Menschen (davon »Oberherr 
schaft« 13% Q.-Meil. mit 5b,028 Einw.) — Stadt Rudolstadt mit G033, 
Frankenhausen 5040 Einw. — Confess. : 71,bG8 Luther., 3 Reform., 
73 Kathol., 1G9 Juden. — Die Verfassung, vom 21. April 1821, erlitt 
1848 Abänderungen, ward aber 1854 wieder umgewandelt. 
Nach dem Etat für die 3 Jahre 18*%g ist die Einn. und Ausgabe 
durchschn. 8G0,774 fl. Die Domänen sind als Eigenthum der fürstl. Fa 
milie erklärt (1847 war die Einn. der Kammercasse zu 398,253, der 
Landescasse nur zu 245,640 fl. veranschlagt. Seit 18G0 konnte die di 
recte (Classen-) Steuer ganz aufgehoben werden). Ausgaben : vorbehal 
tene Cameralrente des Fürsten nach dem Etat von 18*%, 110,400, 
Apanagen etc. 34,897, Militär 71,678, Schuld 40,040 fl., wovon 5000 
für Tilgung, lieber den Betrag der Schulden liegen verschiedene Schätzun 
gen vor, welche von 1'250,000 bis 1’848,000 fl. variiren; darunter für 
200,000 fl. Papiergeld. 
Militar, wie bei Sondershausen, 1 Bataill. von 989 Mann. 
29. Ilesseii-IIoiiiblirg (Laiidgrafschaft). 
Amt Homburg . . 
Oberamt Meisenheim 
Bevölk. 
1861 
13,111 
13,706 
Stadt: Homburg vor der Höhe, 
mit 6987 Einw. 
Verfassung vom 3. Jan. 1850 
Zus. 5 26,817 
Hessen-Homburg war zur Rheinbundszeit ( 1 80G— 1 5) von Hessen- 
Darmstadt mediatisirt. Der Wiener Congress erklärte den Landgrafen 
souverän, und vergrösserte sein Gebiet durch Meisenheim (auf dem lin 
ken Rheinufer). 
Budget 1852 1859 1861 1863 1864 
Einnahmen 290,473 359,766 410,954 539,507 415,253 
Ausgaben 292,655 406,538 379,167 519,687 396,823 • 
Unter den Einnahmen 24,000 fl. Pacht des Hazardspiels zu Homburg — 
bereits verpachtet bis 1. April 1871 ! 
Der Landgraf bezieht 25,000 fl. Rente von Darmstadt. — Die Me- 
diatbesitzungen in Preussisch-Sachsen, 18 Dörfer mit 11,617 Menschen, 
sollen ihm 54,000 fl. ertragen. Vor 1848 soll aber die Hofhaltung Aber 
150,000 fl. gekostet haben. — Schulden am 1. Febr. 1864 : 742,71 1, 
Activcapitalien 221,747 fl. Alle Schulden sollen bis zum Jahr 1868 
abgetragen sein. 
Militär. Conscription, Stellvertretung, Dienstzeit 6 Jahre, wovon 
0 2 in der Reserve; Contingent sammt Reserve etc. 366 Mann.
        <pb n="329" />
        DEUTSCHLAND. — Liechtenstein. Hamburg. 
305 
30. Liechtenstein (Fürstenthum). 
3 Q -M. mit 7800 Menschen. Die Mediatbesitzungen des Fürsten 
in Schlesien und Mähren sollen 104 Q.-Meil. mit 350,000 Einw. um 
fassen, und ihm 1 400,000 fl. Einkünfte v’erschaflfen. — Neue Verfas 
sung V. 26. Sept. 1862. 
Finanzen. Die im J. 1863 dem Landtag vorgelegte Abrechnung wies 
39,250 fl. österr. W. Einn. und 41,920 fl. Ausgabe nach. Mit Oestor 
reich ward 1864 ein Zoll- und Monopolvertrag abgeschlossen; der Kai 
serstaat führt die betr. Verwaltung und vergütet als Ertrag jährlich 
15,000 fl. Die übrigen Auflagen betragen 5000 fl. Eine Staatsschuld 
^iht es nicht. Statt einer Civilliste flies sen dem Fürsten Domänenerträg 
nisse zu. 
31. Ilamhiir^ (Freie Stadt). 
Areal 6% Q.-M. 
Stadt Hamburg 135,1139 
Vorstadt St.Georg 22,308 
- St. Pauh 21,134 
Zus. Stadt 178,841 
Gebiet, einschl. 
Hälfte v. Berge 
dorf, 1850 . . 54,258 
233,099 
Bevölkerung 1861 : 
Confessionen : 
Lutheraner . 210,000 
Keformirte . 2,000 
Katholiken . 4,000 
Mennoniten . 200 
Juden . . . 7,000 
Frühere Bevölkerung; 
Jahre Stadt und Land* 
1811 
1834 
1852 
1858 
Vorstädte gebiet 
100,983 30,130 
130,385 27,706 
161,390 39,300 
171,090 50,845 
In der Stadt 1850: 77,129 männl., 89,019 weibl. E. 
Im J. 1810 ein verleibte Napoleon Hamburg dem franz. Reiche (!) 
als Hauptort des Depart, der Elbemündungen. 1813 Befreiung. 
Finanzen. Budgetentwurf für 1864 10 349,745 Mk. Crt. Ein 
nahme und 10’961,311 Ausgabe, nemlich: 
E innahme. 
Unmittelbares Staatsvermögen (dabei Eisenbahn, Post und Lotterie) 
Steuern u. Abgaben (1802 kamen auf die directen Steuern 1’500,900, 
die indirecten : 4’007,300, dabei : Stempel 1’055,000, Zoll 1’150,000, 
Accise 1’300,000) 
Bi Verse Gebühren, Strafgelder 
Ausserordentl. Einnahmen 
Transitirende Einnahmen (darunter 1’850,250 Grundsteuer zur 
Deckung der Feuercassenanleihe) 
Mk. C. 
1’719,185 
6’753,800 
717,000 
50,500 
2’102,660 
Ausgaben. 
Honorar des Senats und Kosten der Bürgerschaft, einschl. Beamtenpensio- 
uen 409,005, auswärt. Angelegenheiten 105, &lt;50, FinanzverMaltung 2’310,189, 
(Wovon 1’700,834 Erforderniss der Schuld) , Justiz 332,859, Unterricht 129,384, 
Militär 954,308, Bauwesen 1’250,140, Handel und Schifffahrt 977,838, Polizei 
Und Gefängnisse 801,180, Wohlthätigkeitsanstalten 720,750, Verwaltung der 
Vorstädte und des Landgebiets 158,403, ausserord. Ausgaben 048,833, transiti- 
^onde Ausg. (darunter Verzinsung und Tilgung des Feuercassenanlehens 1862 
mit 1’850,250) 2’102,660. 
Kolb, SUtUtik. 4. Aufl. 
20
        <pb n="330" />
        306 
DEUTSCHI.AND - Hamburg. 
Die Einnahmen werden jedoch meistens bedeutend zu niedrig ver 
anschlagt. So ergab die Abrechnung von 1862 statt der veranschlagten 
10’528,610, wirkl. Einn. 11*330,625, Bedarf 10*280,430 M. C. 
Schuld. Stand am 1. Jan. 1862; 59*136,366 M. Beo., neml. : 
Rest der alten Schuld, à 5% 23*985,360 Mrk. Banco 
Feuercassen-Stadtanlehen v. 1842 à 3'/,% 27*576,000 
Staats-Prämienanlehen à 3®q 7*575,000 
Der Capitalbetrag der Schuld war 1814 33% Mill. Mark Banco 
= 41*875,000 M. Cour., oder, mit Dazurechnung der Zinsrückstände 
und der capitalisirten Renten, 48*425,000 M. C. — 1838 dagegen 
30*769,000. — Das Nominalcapital der »Feuercassenstaatsanlehen« be 
trug ursprünglich 34*400,000 M. Beo., wofür (bei Emission à 93, 
98%, 99, 97, 100 und 86%) in Wirklichkeit 32*515,940 M. Bc. er 
löst wurden. Die »Staatsprämienanleihe« von 1846, 9*600,000 M. B., 
ward 1848 zu einer Art Zwangsanleihe gemacht. — Die Gesammtschuld 
betrug Ende 1847 65*256,087, Ende 1850 67*855,807 M. B. 
Geschichtliche Notizen. Die Kosten der franz. Occupation vom 
19. Nov. 1806 bis 31. Oct. 1807 betrugen erweislich 44*381, 311 Fres. 
Die Beschlagnahme englischer Waaren wurde 1807 durch Zahlung von 
16 Mill. Fres, abgewendet. Hamburg litt besonders 1813 unter Davoust. 
Der kgl. franz. Commissär Monnai musste einen Schaden von 7 1*964,450 
Fres, anerkennen, wobei 1207 zerstörte Häuser mit 35*701,100 Fres, 
angesetzt, Vieles aber übergangen war. Davoust hatte aus der Bank 
7*506,956 Mrk. genommen, wofür Frankreich im Jahre 1816 % Mill. 
Fres. Renten (ein Capital von 10 Mill. Fres, repräsentirend) vergütete. 
Der Gesammtschaden Hamburg*s durch die franz. Herrschaft wird zu 89 
Mill. Thlr. berechnet. — Der Schaden, welchen der grosse Brand vom 
5. bis 8. Mai 1842 verursachte, ist zu 90 Mill. Thlr. veranschlagt. Es 
wurden 4219 Gebäude in 75 Strassen eingeäschert. 
Militär. Werbung, so weit nöthig Conscription. Dienstzeit 6 Jahre, 
vom 21 Altersjahre an. Bestand; 2 Bataillone Linien-Infant., 1686M., 
Jägerabtheilung 120, Pioniere 21, 2 Schwadr. Dragoner 336, zus. 2163. 
— Bürgermilitär, etwa 10,000 M., neml. ; 2 Comp. Fussartillerie, 
9 Bataill. Infanterie, I Bat. Jäger, 1 Escadr. Cavallerie. 
Handel*). Seit 1857 wird nur noch der Betrag der Ein-, nicht 
mehr jener der Ausfuhr aufgezeichnet, da, »wie interessant auch han 
delsstatistische Tabellen sein mögen, dieselben ein Hinderniss für den 
freien Verkehr nieht sein dürfen. « (Bei Vergleichungen ist hierauf ge 
bührend Rücksicht zu nehmen.) Die blosse Einfuhr betrug: 
Jahr Centner dav. «eewärta **) 
1846 18*535,648 10*390,832 
1850 24*993 051 14*134,258 
1854 29*854,015 15*729,391 
1855 31*767,006 18*805,106 
1856 36*817,042 22*352,431 
1857 36*803,571 20*649,058 
Geldwerth 
281*665,730 M. Beo. 
353*136,070 
530*668,030 
528*558,190 
654*872,080 
688*849,300 
*) Tabellarische Uebersichten des Hamburgischen Handels im 
Jahre 1863, zusammengestellt von dem handelsstatistischen Büreau. 
**) Der Rest landwärts, aus Binnen-Deutschland.
        <pb n="331" />
        20* 
DEUTSCHLAND. — Hamburg 
307 
Jahr 
185S 
1859 
1800 
1861 
1862 
1863 
Centner 
32’200,550 
33’652,039 
37’822,469 
38’939,631 
38’222,079 
41'516,U11 
dav. seewãru 
19’6.57,977 
19’154,804 
20’3S5,211 
21'123,159 
20’993,450 
23M 88,783 
Oeldwerth 
502’206,800 M 
57ri80,850 
609*905,710 
612*682,000 
640*841,960 
738*665,510 
1863 betrug der Werth der Einfuhr zur See 398*238, 
340 427,140 M. Beo. — Die bedeutendsten Einfuhren 
folgenden Ländern (in Mark Beo.) ; 
Bc 
and 
zu 
füe» 
er 
aus 
Seewärts : 
Vereinigte Staaten . 
Amerik. Westküste . 
Brasilien .... 
Cuba 
Venezuela .... 
Hayti 
China 
ÍBrit. Ostindien 
I— Singapore . . . 
Porto rico .... 
Mex. Ostküste . . 
Grossbritanien 
Frankreich . . 
Niederlande 
Belgien . . . 
13*937,150 
11*826,520 
10*474,080 
8*476,730 
6*735,390 
3*580,850 
2*363,710 
1*908,040 
414,110 
1*595,390 
1*077,650 
227*662,170 
13*571,630 
10*395,220 
6*439,690 
Bremen und Weser . . 4*492,540 
Italien 2*877,120 
Norwegen 2*417,370 
Spanien 2*093,770 
Preussen 1*444,120 
Kleinasien 793,400 
Schweden 707,870 
über Altona .... 56*521,600 
Land- and flusswärts : 
Berl.-Hamb. Eisenbahn 130*331,220 
Fuhrposten .... 101*573,470 
über Harburg .... 37*872,790 
Alton.-Kiel. Eisenbahn 13*525,640 
landw. pr. Fuhre . . 12*646,880 
Lübeck 11*563,906 
Niederelbe 6*250,240 
Nach grösseren Gebieten geordnet betrug die Einfuhr M. B. aus; 
Australien 
Asien . . . 
Afrika. . . 
Südamerika 
Westindien . 
Nordamerika 
438,180 
5*627,400 
1*148,090 
28*412,580 
13*770,580 
16*037,100 
Nord-Europa . . . 
Grossbritanien . . 
Süd-Europa . . . 
über Altona . . . 
land- und flusswärts . 
27*336,420 
227*662,170 
20*684,250 
56*521,600 
340*427,140 
Der Handelsverkehr des einzigen Platzes Hamburg mit Grossbrita 
nien übertraf bis 1861 jenen, den ganz Frankreich mit dem genannten 
Staate führte, um die Hälfte, oft sogar um das Doppelte und dies, ob- 
wol auch in der franz. Handelsliste der Verkehr mit England längst die 
erste Stelle einnahm. — Was den Handel mit Amerika betrifft, so war 
es im J. 1778, dass zum erstenmal ein Schiff unmittelbar daher in den 
Hamburger Hafen einlief. 1863 wirkte der Krieg auf den dort. Verkehr. 
Rhederei, Ende 1863: 536 Seeschiffe von 79,922 Commerzlasten 
zu 6000 Pfund (3 Tonnen) ; darunter 22 Seedampfer von 5879 Com- 
üierzlasten Tragfähigkeit. — Auswanderer wurden in den 12 Jahren von 
1850—61 von Hamburg aus 268,771 befördert, — 1850 erst 7,130, 
m den vier nächsten Jahren 12,379, 29,035, 29,480, 50,819, dann 
(1855) Rückschlag auf 18,652. 1857 wieder 31,565, 1859 nur 13,242, 
I860 16,215, 1861 14,399, 1862 20,077, 1863 24,681 (wov. 15,692 
nach New-York). 
Noch im J. 1840 bestand die Hamburger Marine erst aus 193 See 
schiffen von 15,875 Commerzlasten Tragfähigkeit ; 1843 waren die Zah 
len 207 u. 17,220, 1853 408 u. 42,565. — Der Schiffsverkehr 1863: 
Eingelaufen 5,543 Seeschiffe von 481,216 Lasten mit 55,125 Seeleuten. 
Abgegangen 5,548 - - 480,696 - - 55,086
        <pb n="332" />
        • ‘ ‘ 14. » I 
308 DEUTSCHLAND. — Hamburg. Bremen. 
Das ungünstigste Verkehrsjahr war seit lange 1858, in welchem blos 4,364 
Seesch. von 368,220 La.st ankamen und 4,377 Sch. v. 369,512 L. abgingen. 
Assekurirt gegen Seegefahr wurden : 
Mark C. Mittlere Prämie 
1814 
1824 
1834 
1844 
1854 
1855 
1856 
41’791,000 
lüO’579,000 
189’434,000 
293’694,000 
522’611,200 
527’644,800 
678’867,200 
3^^ 
2%. 
IVs 
l‘Vs 
17.6 
1%. 
iy.6 
Proc. 
1857 
1858 
1859 
1860 
1861 
1862 
1863 
Mark C. 
733’697,900 
538’689,900 
578’852,000 
617’131,900 
625’743,300 
598’538,100 
654’617,500 
Mittlere Prämie 
17g Proc. 
17,0 
l“/.00 
1*7.00 
1*7.00 
Der Wechsel-Verkehr, soweit dem Stempel unterliegend: 
1853 
1854 
1855 
1856 
1857 
1S58 
Zahl der 
Wechsel 
281,835 
303,053 
324,327 
361,449 
392,720 
352,436 
Betrag 
M. Beo. 
532’692,000 
5S6’525,00Ü 
649’257,000 
669’590,000 
993’072,000 
526’582,000 
1859 
1860 
1861 
1862 
1863 
Zahl der 
Wechsel 
276,734 
295,655 
310,679 
311,774 
315,135 
Betrag 
M. Beo. 
54 7’964,000 
587’691,000 
649’012,000 
675’! 05,000 
662’156.000 
Münze, Maasse; 1 Mark Banco = V, Thlr. preuss., genauer: 100 M.B. = 
50,5632 Vereinsthlr. Dagegen : 1 Mark Courant = 7, Thlr. Die Mark abge- 
thcilt in 16 Schillinge zu 12 Pfenn. — 100 hamb. Fuss (zu 12 Zoll à 8 Linien) 
= 91,3 preuss. Fuss oder 28,66 Met. — Getreidemaass: die Last, zu 60 Fass; 
100 Fass = loo preuss. Scheffel od. 54,96 Hectol. — 100 Hamb. Viertel = 
632,77 preuss. Quartier od. 724,55 Liter. Seit 1858 das Zollpfund eingeführt, 
gleich r031,759 alte Pfund. — Die »Commerzlast« = 60 Ct. oder 3 Tonnen. 
33. Bremen (Freie Stadt.) 
Areal 47; Q.-Meil. (99,804 Br. Morgen) Bevölkerung am 16. 
Febr. 1862: 98,467. 1865 104,091 Menschen; 1862: 18,728 Ge 
bäude, wov. 13,831 Wohnhäuser. 
Bevölk. 1865 
Stadt Bremen 70,692 Einw. 
Landgebiet . 21,983 - 
Stadt Vegesack 3,981 - 
Bremerhaven 7,135 - 
1862; niännl. 48,579 
weibl. 49,888 
Frühere Volkszahl 
1823 
1834 
1842 
1849 
1855 
55,989 
64,670 
72,820 
79,102 
88,877 
Confessionen. 
Die Einwohner sind Pro 
testanten, bis auf etwa 1500 Ka 
tholiken und 50 Juden. 
1861: 3099 Geburten (dav. 
263 unehel.), 2293 Sterbfölle, 
811 Trauungen. 
Stadt Bremen 1807 36,041 Einw., 1823 39,493. 
Nachdem Bremen im Jahre 1803 eine Gebietsvergrösserung erlangt, 
ward es 1810 durch Napoleon erst dem Königreiche Westfalen, dann 
Frankreich unmittelbar ein verleibt, als Hauptort des Weserdepartements. 
— 1813 Wiedererstehen des Freistaats. — 1827 erkaufte man um 
*) Dass zu Bremen die Statistik nicht vernachlässigt wird, beweisen die mit 
Fleiss und Verständniss ausgeführten schätzbaren Arbeiten des statist. Büreaus, 
namentlich: »Zur Statistik des Bremischen Staats. Herausgegeben v. dem pro- 
vis. Büreau f. die Staatsstatistik. 1862« (die Resultate der Volkszählung enthal 
tend), und »Tabellarische Uebersicht des Bremischen Handels im J 1863 [ebenso 
1862], zusammengestellt durch die Behörde für die Handelsstatistik« (1864).
        <pb n="333" />
        DEUTSCHLAND. - Bremen. 
309 
77,200 Thlr. Gold von Hannover ein Gebiet von 357 Hannöver. Mor 
gen, worauf Bremerhaven angelegt ward (dermal. 51 7 Bremer Morg.) 
Das Budget für 1864 schloss so ab: 
Ausgabe ordentl. 1'456,507 Thlr. 
Finanzen. 
Einnahme ordentl. 1'200,851 Thlr 
ausserord. 271,613 
Zus. 
ausserord. 
Zus. 
316,708 - 
1'773,215 ThbT 
571,464 Thlr. 
sonach Deficit: im ordentl. Etat von 156,656, im ausserordentl. von 
45,005, — zus. V. 201,752. Doch sind die Einn. gewöhnl. zu niedrig, 
die Ausgaben zu hoch veranschlagt. So ergab die Jahresrechnung von 
Einnahme, budgetirt 1'453,075, wirklich 1’676,425, = mehr 222,450 Thlr. 
Ausgabe, - 1'868,024, - 1'750,803, = wenig. 117,221 - 
Die Rechnung des Jahres 1863 lieferte nach Hauptrubriken fol 
gende Ergebnisse : 
Einnahmen ; 
aus directen Abgaben (274,180 ord., 154,667 ausserord.) = 428,847 Thlr. 
- indirecten Abgaben 730,405 
- dem Eigenthume des Staates 454,657 
ordentl. Einnahmen aus andern Titeln 80,565 
Einnahmen, erzielt durch Veränderung der Activa . . 226,014 
Zusammen (1855 erst l'l02,46lj 1'030,388 Thlr. 
Ausgaben: 
Gesetzgebung und allgemeine Verwaltung 227,166 Thlr. 
Justiz (ausschl. Baukosten) 40,261 
Gewerbe, Handel und Schifffahrt : 
a. besondere Staatszwecke 52,400 
b. öffentl Bauten 853,028 
c. öffentl. Communicationsmittel 44,887 
öffentl. Wohlthätigkeit 384 
Gesundheitspflege 5,607 
Cultur 718 
Erziehung und Unterricht 84,042 
Wissenschaft und Kunst 30,184 
^3itär 147,583 - 
Finanzverwaltung und allgemeine Lasten 774,827 
Ausgaben zur Vermehrung der Activa 26,808 
Zusammen (1855 erst 1'300,294) 2'306,174 Thlr. 
4( 0 346) für die Schuld betrug 564,001 Thlr. (1855 erst 367,118, 1850 
Unter den einzelnen Auflagen nennen wir zuerst die Einkommens Steuer. 
Einkommen unter 250 Thlr. sind steuerfrei ; solche zwischen 250 und 300 ent 
richten 1 Th., von 400 bis 400 dagegen 2% , von 500 an aber 1 I»roc. Die Ab 
gabe ist stets nach dem wirkl. Einkommen des Vorjahrs zu entrichten. Eigen- 
thümlich ist die Art der Erhebung dieser Steuer : Nur die ersten 5 Thlr. werden 
offen vor der fungirenden Deputation bezahlt; was der Steuerpflichtige dar 
über schuldig ist, wirft er in eine grosse Kiste mit einer offenen Spalte, wobei 
ihn nur sein früher abgelegter Bürgereid bindet, indem ihn Niemand controli- 
ren kann. Gleichwol hat die wirkliche Einnahme meistens den Voranschlag 
übertroffen ; dieselbe betrug : 
1850 50,546 Thlr 
51 58,627 - 
52 56,000 - 
53 68,101 - 
54 83,600 - 
1855 86,230 Thlr. 
56 03,737 - 
57 101,502 
58 69,380 - 
59 77,330 - 
I860 85,000 Thlr. 
61 00,087 - 
62 118,030 - 
63 110,406 - 
64 08,544 -
        <pb n="334" />
        / 
/g 
310 
DEUTSCHLAND. — Bremen 
Schuld, Ende 1863 11’481,317 Thlr. Ld’or, neml. : 
3'/z proc. Schuld B’814,953 
4 - gewöhnliche Schuld 10,000 
4‘/» - Ei.senbahnanlehen von 1859 (4 Mill, preuss. Thlr.) 4’406,364 
Im Jahre 1811 betrug die Schuld 3’641,815 Thlr. Die Last war 
um so grösser, als das mit dem Vermögensschosse besteuerte Capital im 
ersten Decennium dieses Jahrhunderts nur zwischen 24 — 30 Mill, um 
fasste. Die franz. Occupation schlug dem Wohlstände solche Wunden, 
dass das Vermögen 1813—20 blos allmählig von 17 auf 20 Mill, stieg, 
und erst 1826 die frühere Höhe wieder erreichte. — Der Schoss von 
1854 dagegen vertrat bereits ein Capital von mehr als 83% Mill., der 
von 1863 ein solches von 127y, Mill. (1730 — 39 durchschnittlich nur 
10,7 Mill.)*) — 1828 waren von der alten Schuld noch 2’610,000Thlr. 
rückständig. Aber schon 1827 hatte man mit neuen Anlehen zu pro 
ductiven Zwecken begonnen. Das »Bremerhaven-Anlehen« von 602,000 
Thlr. eröffnete 1827 — 31 den Reigen. Dann: 1845 Eisenbahnanlehen 
von 2’737,000; 1847 neues Bremerhavenanlehen von 1 Mill. etc. — 
Im Febr. 1863 erfolgte die Convertirung der 4% proc. Schuld von 184 7, 
48, 55, 56 u. 57 in eine 3% procentige. Den Gläubigern wurde Baar- 
zahlimg oder Annahme der neuen Papiere im Curse von 92 angeboten. 
Militär. Werbung auf 5 Jahre zu 200 Rthlr. ; ausserdem erhalten 
die Geworbenen, nebst der Löhnung, jährl. mindestens 40 Thlr. Nöthi- 
genfalls Conscription. — Bestand: 1 Füsilier-Bataill. von 760 M., in 
der Neuzeit erhöht auf 809, wogegen das Cavallerie- und Artilleriecon- 
tingent von Oldenburg gestellt wird. Die früher bestandene Bürgerwehr 
(1 Regim. von 3 Bataill.) existirt nicht mehr. 
*) Der bremische Vermögensschoss ist im Jahre 1803 zum ersten Male nach 
9 Jahren wieder erhoben worden und zwar in der Höhe von Vs Vo von allem Ver 
mögen über 3000 Thlr. und von ‘/,* % von dem Vermögen von 1000 bis 3O0o Thlr. 
Der Vermögensschoss brachte 1803 eine Einnahme von 151,000 Thlr. , was ein 
Vermögen von 127 Mill. Thlr. repräsentirt. Aus einer Vergleichung mit frühe 
ren Jahren, welche das bremische statistische Büreau bis zum Jahre 1730 zurück 
geführt hat, ergibt sich , dass die Verinögenszunahine im vorigen Jahrhundert 
und selbst noch in den ersten Jahrzehnten unsers Jahrhunderts eine äusserst 
langsame war, wenn man sie mit der rapiden Steigerung in der zweiten Hälfte 
unsers Jahrhunderts vergleicht. Von 1730 bis 1800 stieg das der Vermögens 
steuer untenvorfene Vermögen Bremens nur von 10 auf 20 Mill. Thlr., während 
sich die Zahl der Steuernden kaum verdoppelte und nur von 005 auf 1299 Per 
sonen stieg. Dagegen hat sich das Vermögen Bremens von 1849 bis 1803 von 
04 auf 127 Millionten Thlr. vermehrt und die Zahl der Steuernden ist in der 
selben Zeit von 5773 auf 8050 gestiegen, während die Zahl derjenigen, welche 
über 3000 Thlr. im Vermögen haben, in den letzten 14 Jahren von 3100 auf 4993 
sich vermehrte — ein Beweis, wie falsch die Behauptung ist, dass unsere hochge 
stiegene Cultur nur wenige Menschen auf Kosten Vieler reich gemacht habe. — 
Anlangend die Ergebnisse des Einkommenschosses, so ist derselbe in den 
Jahren 1847—1803 von 48,457 auf 98,544 Thlr. gestiegen. Das Einkommen, 
welches der Schoss repräsentirte, war 1847 nur 5, Millionen, dagegen 1803 
11 Millionen Thaler und ina Jahre 1802 12, Millionen. In dem guten Geschäfts 
jahre 1850 repräsentirte die Steuer ein Einkommen von 10, Mill. Thaler. Im 
Jahre 1857 sank das Einkommen auf 7y Millionen Thlr. herab, da der Einkom 
menschoss nur 09,388 Thlr. aufbrachte.
        <pb n="335" />
        DEUTSCHLAND. — Bremen. 
311 
Einfuhr 
Ausfuhr 
Handel. 
1856 
1857 
1858 
1859 
1860 
1861 
1862 
186;i 
BruUo-Cir. 
10’947,267 
11’290,676 
11'106,153 
11’783,651 
14’678,412 
15’592,410 
15’642,178 
14’179,586 
Werth Ld’or Klh. 
66’091,522 
74’004,780 
56’454,749 
68’865,259 
71’504,302 
69’561,503 
67’000,863 
67’145,146 
Seewärts kamen 1863: 6’639,173 Cntr. 
gingen - 4’324,689 
Bnitlo-Clr. 
6’658,620 
5’850,837 
6’078,853 
6’707,942 
8’068,062 
6’833,266 
6’997,015 
6’818,718 
Werth Ld’or Rih. 
61’475,297 
62’609,472 
55’.349,792 
64’311,845 
70’068,298 
62’824,985 
61’374,916 
60’406,656 
zu 45’375,93? Ld’or Thlr. 
- 29’089,075 
Der Verkehr mit den einzelnen Gegenden betrug in Ld’or Thlr 
^ Einfuhr aus 
Zollverein 20’665,400 
übriges Europa. 15’324,327 
Grönland und Brit. Nordamerika .... 131,681 
Vereinigte Staaten 10’989,710 
Mexico und Centralamerika . . ... 398,997 
Südamerika 9’702,9I0 
Westindien 4’715,090 
Africa 177,750 
Asien 4’521,786 
Australien und Sandwich-Inseln .... 517,495 
zur Ausrüstung der HandelsÜotte .... — 
Auf den Verkehr mit Grossbr. kommen 8’580,104 Ein- u. 4’027,428 Ausf., 
mit Erankr. 692,068 Ein- und 494,664 Ausf. 
In einigen frühem Jahren betrug der Werth der 
Ausfuhr nach 
30’497,680 
17’625,023 
42,322 
8’6S3,042 
223,726 
876,826 
944,479 
206,156 
219,363 
349,489 
738,550 
1852 
1853 
1854 
1855 
Einfuhr 
40’401,S04 
48’206,229 
53’686,6I2 
51’214,990 
Ausführ 
37’398,139Ld.Rthl. 
44’762,449 - 
47’835,449 - 
48’248,310 - 
Beförderung von Auswanderern 
1832-57 in 4739 Schiffen . 685,768 
1858—63 - 851 - 125,388 
Zus. in 32 J. 5590 Schiffe 811,156 
:dav. 1854 76,875, I860 30,296, 1863 
18,175) 1864 27,529 in 104 Sch. 
302 Seeschiffe mit einer Tragfähigkeit von 
103,102 Lasten zu 2 Tonnen oder 4000 Pfund; darunter 10 Dampfer 
mit 9801 Lasten (1853: 241 Schiffe, nur von 57,873 Lasten), dagegen 
Ende 1858 279 Seeschiffe von 90,002 Lasten. 
Der versteuerte Werth von Grundstücken (IV* pr. mille) stieg so 
in Ld. Thlr. : 
Rhederei Yjwàç 1803 
1820 1830 1840 1850 1860 1862 1863 
11’648,375 12’335,250 22’866,000 30’839,250 42’339,666 61’019,000 64’000,000 
Rechnet man das steuerfreie Grundeigenthum des Staats mit 4 , das 
der Kirchen und Schulen mit wenigstens 1 Mill, dazu, so stellt sich der 
Werth alles Grundeigenthums auf mindestens 09 Mill. Thlr. Gold. 
Sparcasseneinlagcn ; erst 379,635, 1841: 1’002,800; 1851 : 2’325,913 ; 
1861 (Juli) 5’475,740. (Ende 1862 kamen auf lOO Einw. nicht weniger als 35 
Sparcassebücher, und auf jeden Einwohner traf durchschnittl. ein Sparcasse- 
guthaben von 63 Thlr. Gold.) 
Münze, Maaeec. Bremen rechnet nach Rcichsthalern zu 72 Groten, in Pi 
stolen zu 5 Thlr. (5 Thlr. Gold = 5% Thlr. Courant). 100 Brem. Fuss =92,19 
preuss. oder 28,93 Met. 100 Brem Ellen = 86,72 preuss. — Der Brem. Scheffel 
- 1,35 preuss. Scheffel od. 74,1 Lit. — Das Oxhoft = 6,19 preuss. Quart od. 
217,44 Lit — Seit 1858 Zollgewicht.
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        312 
DEUTSCHLAND. — Lübeck. 
33, Lübeck (Freie Stadt.)*) 
Areal 6 Q.-M. Bevölkerung, 1. Sept. 1802 50,399 E., nemlich 
Stadt Lübeck 27,249 
Vorstädte 4,049 
Landgebiet 12,459 
Hälfte V. liergedorf (Gemein 
schaft mit Hamburg) . 6,042 
Frühere Volkszahl 
1815 
1845 
1852 
1857 
44,600 
46,845 
48,425 
49,482 
Confessionen 
49,426 Lutheraner 
427 Reformirte 
262 Katholiken 
102 and.Christ. 
605 Juden. 
Nachdem der Reichsdeput. - Schluss 1803 das Gebiet vergrössert, 
vereinigte Napoleon dasselbe am 31. Dec. 1810 mit Frankreich (Depart, 
der Elbemündungen). 1813 Wiedererlangung der Selbständigkeit. 
Finanzen. Das Budget für 180 4 schliesst ab mit 1’309,000 Mark 
Einn. und 1’314,000 Ausgabe, beides Netto-Summen. Die wichtigsten 
Positionen sind : 
Einnahme; Domänen einschl. Forste 303,000, Berechtigungen und Conces- 
sionen 27,000, Verschiedenes (Zinsen und Dividenden, von Actien der Lübeck- 
Büchener Eisenbahn, Gebühren der Behörden, Strafgelder der Gerichte) 286,000, 
indirecte Abgaben 525,000, directe Steuern 228,000 Mark. 
Ausffaben; Senat und Bürgerschaft 96,000, auswärtige Angelegenheiten 
27,000, Gerichte u. Polizei 155,000, Verwaltung 66,800, öffentl. Bauten u. Loot- 
senwesen 198,000, Kirchen und Schulen 46,500, Wohlthätigkeit 23,300, Mili 
tärverwaltung 156,500, Pensionen 24,500, Staatsschuld 521,000. 
Der Ueberschuss dient zur Deckung unvorhergesehener Bedürf 
nisse. Auch hier werden die Einnahmen durchgehends zu niedrig ver 
anschlagt, so dass sich bedeutende Uebcrschüsse ergeben. Diese Ueber- 
schüsse betrugen 1859 gegen 3(5,000 Mark, 18(50 aber sogar 52,287, 
während ein Deficit von 18,838 vorgesehen war. — Für 1803 waren 
1’334,450 Mk. Einn. u. 1 '300,214 Bedarf vorgesehen. Die wirkl. Ein 
künfte stiegen aber auf 1’4 15,879, während die Ausgabe sich nur auf 
1’328,(541 Mk. erhob. — Der Entwurf des Budgets für 18(55 veran 
schlagt die Einn. zu 1’41 6,422, den Bedarf zu ('329,399 Mrk. 
Schuld. Lübeck litt 1800 schwer durch die Kriegscreignisse. Der 
Schaden ward auf 11 Mill. Fres, berechnet. Auch gab es später Zwangs- 
anlehen. Die fundirte alte Schuld war; 
1820 1830 1844 1855 
Mark 9’457,900 9’374,100 5’881,041 4'465,000 
1849 und 50 wurden für Eisenbahn- und andere Bauten 8 Mill. 
Mark neu aufgenommen; 1861 war der Schuldbetrag 12’077,550 Mrk. 
Weiter wurden 18(53 aufgenommen 3*/, Mill. Thlr. = 8’75O,OO0 M. 
zum Bau einer directen Bahn nach Hamburg. 
Militär. Conscription mit Zulassung der Stellvertretung. Dienst 
pflicht, wovon 2 Jahre activ, Ojähr. Ausserdem Bürgermilitär: 1 actives 
und 2 Reservebataill., und 5 Bataill. Landwehr. — Haupt-und Reser- 
vecontingent: 612 M. , Ersatzcont. 67, zus. (579. Die Artilleriequote 
wird durch Oldeuburg gestellt. 
*) Vergl. : »Statistisches Jahrbuch der freien und Hansestadt Lübeck für 
das Jahr 1862; herausgegeben vom Verein für Lübeckische Statistik« (erst 1864 
erschienen).
        <pb n="337" />
        DEUTSCH!,ANT). — Frankfurt am Main. 
313 
Handelsverhältnisse. Lübeck ist von seiner einstigen Höhe als Haupt 
der Hansa bedeutend herabgekommen, theils in Folge der Umgestaltun 
gen der Zeit und der feindlichen Bestrebungen des benachbarten Däne- 
lüark, theils durch Festhalten am Veralteten. Doch verdienen die grossen 
Anstrengungen alle Anerkennung, welche die Stadt in der Neuzeit bes. 
für Herstellung von Eisenbahnen gemacht hat. 
Einfuhr (die Ausfuhr bleibt unberücksichtigt) in Mrk. Crt. ; 
1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 
94S,851 78’7&amp;9,7«iy G4’095,905 5.V699,691 57’725,073 57’304,547 60’973,803 
1863 stieg der Werth der Einfuhr wieder auf 61’967,421 Mrk. 
(also noch nicht % von 1856). Dazu lieferten: die Eisenbahnen 
37 781,031, die Seeschifffahrt 18 607,654, Post, Frachten und Fluss 
schiffe 5’578,736. Die wichtigsten Bezugsländer waren: Russland mit 
8 527,660, Schweden 3’848,469, Grossbritan. 1*960,451, Frankreich 
1 573,1 18, Schlesw.-Holst. 1*295,819, Preussen 355,134, Dänemark 
345,154. 
Rhederei, anfangs 1863' 55 Seeschiffe (darunter 14 Dampfer) von 
6355 Last zu 4120 Lüb. Pfd. — Hafenverkehr 1863 : angekommen 
1302, abgegangen 1306 Seeschiffe (darunter 373 Dampfer), erste von 
91,656, letzte von 93,873Last; 1864 angek. 1484 Sch. v. 1 15,500 Last. 
Münze, Maa/tse. Die Mark = 10 Schillinge à 10 Pfenn. = 0,4118 preuss. 
Thlr. Jetzt werden 2'/, Mark = 1 preuss. Thlr. gerechnet, da zufolge Gesetz 
V. Dec. 1850 der 35 Mark- oder 14 Thlr.-Fuss eingeführt ist, der Thlr. à 40 Schill. 
— loo Fuss = 91,04 preuss. Fuss od. 28,70 Met. — Die Elle hat 2 Fuss. — 100 
Schelf. Weizen od. Roggen = 03,1239 preuss. Schelf, od. 3409,4 Liter; 100 
Schelf. Hafer = 71,8941 preuss. oder 3951,4 Täter. — Das Fuder Wein, zu 
4 Oxhoft oder 0 Ohm ; die Oxhoft hat 0 Anker oder 30 Viertel ; das Viertel 
2 Stübch. ; das Stübchen = 3,0375 Jdt. ; 100 Stübchen 317,08 preuss. Quart. 
Das Biermaass ist etwas grösser. — Handelsgewicht : der Centner von 8 Lies- 
pfund oder 112 Pfund; das Pfund Handelsgewicht = 484,7078 Gramm; das 
Stadtpfund 480,47 Gramm. Das * Schilfspfund» hat 2% Ctr. Die »Schiffslast« 
4000 (4120) Pfund, die Commerzlast 0000 Pfund. — f^it 1800 : Annahme des 
Zollgewichts. 
34, Frankfurt am Main (Freie Stadt). 
Areal 1% Q.-M., Bevölkerung im Dec. 1861 *). 83,390, wovon 
71,462 in der Stadt, 1 1,928 in den 8 Landgemeinden. Von obiger An 
zahl kommen 1018 M. auf das Frankfurter Militär, während die Bun 
desgarnison (3,666 M., nemlich 1116 Oesterreicher, 1884 Preussen und 
666 Bayern) nicht eingerechnet ist. (Die Zahl der Haushaltungen war 
1858 12,841, wovon 10,780 in der Stadt. Unter den Einwohnern vom 
Civil befanden sich schon damals 30*894 Fremde.) 
*) Einer besondern ehrenvollen Er\%ähnung verdienen die statist. Arbeiten 
über die Bevölkerung Frankfurts von Dr. Gust. Bumiiz. Sie sind mit einer 
Genauigkeit durchgeführt, wie solche überhaupt nur in einem so kleinen Staats 
gebiete möglich ist, verdienen aber eben darum auch besondere Beachtung bei 
wissenschaftlichen Forschungen. Sie finden sich abgedruckt in den »Beiträgen 
zur Statistik der freien Stadt Frankfurt, herausgegeben von der statist. Abthlg. 
des Frankfurter Vereins für Geographie und Statistik.«
        <pb n="338" />
        314 
DEUTSCHLAND. — Frankfurt am Main. 
Confessionen (1858) 
Lutheraner . . 
»Evangel.« (Unirteetc 
Deutscn-Reformirte 
F ranzös. -Reform irte 
Röm.-Katholische . 
Deutsch-Katholische 
Juden 
Andere Confessionen 
43,946 
1,416 
5,448 
460 
15,788 
428 
5,733 
164 
Frühere Bevölkerung 
Jahr 
1817 
1823 
1837 
1846 
1855 
1858 
Staat 
47,850 
50,824 
63,936 
68,240 
74,784 
79,278 
dav. Stadt 
41,458 
43,918 
53,054 
55,367 
64,257 
67,975 
Frankfurt ward 1806 von Napoleon zur Bundesstadt des Rheinbun 
des, und 1810 zur Hauptstadt des »Grossherzogthums Frankfurt« (unter 
dem Erzkanzler Dalberg) erklärt. Dieser neue Staat umfasste 95Q.-M. 
und 302,000 Menschen, in den 4 Departemenlen von Frankfurt, Aschaf 
fenburg, Hanau und Fulda. 1813, nach der Leipziger Schlacht, erlangte 
Frankfurt seine Selbständigkeit wieder. 
Finanzen. Nachstehend der Entwurf des Budgets für 1865. Da 
indess die Einnahmen immer weit niedriger als deren Ergebniss veran 
schlagt werden, so fügen wir zugleich eine Zusammenstellung des wirkl. 
Ertrags in den beiden Vorjahren hinzu (bei den Ausgaben treten ge- 
wöhnl. einige Ersparungen ein, doch ist der Unterschied nicht sehr be 
deutend) . 
Einnahmen (im Ganzen zu 2 854,365 fl. veranschlagt) : 
I. Rechnei-Casse (für den laufenden Dienst). 
wirkliche 
1) Gefälle von Grundeigenthum 1862 1883 
a. Stadtkämmerei 122,466 114,455 
b. Forstamt . . . . . . . . 145,059 127,170 
2) Regierungs-,Folizei-,Jurisdictionsgefälle, 
Strafen, Stempel, Concessionen und Ad- 
modiationen 449,388 493,897 
3) Accise und Consumtionsabgaben . . 539,811 574,157 
4) Handelsabgaben 628,931 659,191 
5) Telegraph . . 1,088 1,275 
6) Stadtbeleuchtungs-u. Chausseeeinnahme 49,191 49,957 
7) Abgabe der Dorfschaften 13,700 13,231 
8) Verschiedenes 29,030 9,1(19 
9) Städtische Verbindungs-u. Hafenbahn 14,561 12,900 
10) Wasserleitung 10,079 8,795 
2’003,310 2’064,141 
II. Schuldentilgungs -Casse: 
1) Eisenbahnen 
2) Einkommensteuer 
3) Wohn- und Miethstiuar 
4) Lotterie 
5) Zinsen von Acti vean italien, Antrittsgel 
der, Erlös von verkauften Gütern . . 
III. Pfandhaus 
161,777 
215,180 
131,450 
227,755 
466,645 
233,589 
104,683 
226,651 
36,054 28,796 
1’075,216 
12,200 
1'060,364 
12,200 
muthmassl. 
1865 
106,541 
85.000 
430,100 
523,240 
634,300 
1,400 
48.000 
13,234 
6,850 
14.000 
9,500 
1’872,165 
400.000 
230.000 
115.000 
200.000 
25,0(10 
970,000 
12,200 
Ausgaben (Voranschlag für 1865, zus. 2 849,136 fl., neml.): 
I. Rechnei-Casse: 
1) Obere Staatsbehörden und Canzleien . . 165,667 
2) Justiz 151,944 
3) Verwaltung 574,611 
4) Militär 366,388 
5) Polizei 208,820
        <pb n="339" />
        ö) Sanitãtsamt 5,200 
7) Kirchen-, Schul- und Studienwesen . . , 125,802 
8) Armenwesen 84,442 
9) Verschiedenes 5,000 
10) Pensionen 161,076 
11) Staatsdiener Wittwen- und Waisencasse . 20,000 
TT o , . 1*866,950 
■ti. Schuldentilgungs-Casse: 521,000fl. — Es bleibt nach Abzug dieser 
Summe von den der Casse zugewiesenen Einnahmen ein Ueberschuss von 
449,000 fl., welcher zur Minderung der Schuld zu verwenden ist. 
in. Pfandhaus ! 12,186 fl. 
Schuld am 31. December 1864. 
Rehuid für verschiedene Anlehen 7*540,220 
^^.nlehn bei der Bank (unverzinslich) *) . . . 1*000,000 
Eisenbahnschuld 6*968,800 
Dazu Obligationen zur Ablösung der Realge 
rechtigkeiten) **) 1*419,000 
Zusammen 16*928,020 fl. 
Der Antheil Frankfurts bei Herstellung der 3 grössern Eisenbah 
nen betrug 7*868,060 fl. — Ein im Wesentlichen bereits gewonnener 
Process gegen Rheinuferstaaten wird der Stadt eine Entschädigung von 
nngef. 1 Mill. fl. gewähren. 
Aus der Ftnanzgesehichte cx'K&amp;hnGn wir: Custine auferlcgte der Stadt 
ini Oct. 1792 eine Contribution von 2 Mill. Gulden, Kleber im Juli 
1796 8 Mill. Fres, und Augereau im Jan. 1806 4 Mill. Fres., natûrl. 
ungerechnet die Einquartierungslasten und den Verlust an confiscirten 
und verbrannten englischen Waaren. 
Militär. Werbung. Seit 1859 werden für eine Capitulationszeit 
Von 4‘/e Jahren (früher 6'/* Jahre) 300 fl. Handgeld, und an Sold, Ca- 
sernirung und Menagezulage tägl. 19 Krzr. gezahlt; nach lOjähriger 
Dienstzeit Soldzulage. Frankfurt ist der einzige Staat, dessen Contin 
gent vom Bundestage über das gewöhnliche Verhältniss erhöht ward, da 
es keine Reiterei und Artillerie liefert. Nach der Bevölkerung sollte die 
freie Stadt im Normalcontingent blos 479 M. stellen, statt deren werden 
693, und mit Erhöhung und Ergänzung 1044 M. gefordert. Gemäss 
des Bundesbeschlusses vom 17. März 1859 musste Frankfurt sein Con 
tingent sofort auf 895 M. bringen; 1862 sollten es 1018 Mann sein. 
Sociales. Von 1836—58, während die Bevölkerung um 20 Procent 
Zunahm, hat sich die Zahl der selbständig arbeitenden Meister in den 
zünftigen Gewerben um 24%, die ihrer Gesellen um 6% vermindert; 
die freien und Fabrikgewerbe hoben sich dagegen. 
Handel I860: Einfuhr 4*134,109, Ausfuhr 2*448,508 Cntr. ***) 
*) Für Verleihung des Rechtes der Notenemission hatte die Bank der 
Staatscasse eine Mill, unverzinslich zu leihen. 
**) Die für die Schirnen vergütete Entschädigung wird durch die zu diesem 
Zwecke eingeführte Schlachtgebühr verzinst und getilgt. 
***) S. die Abhandlung: »Der AVaarenhandel und Verkehr der freien Stadt 
Frankfurt seit deren Anschluss an den deutschen Zollverein, 1836—66, vom k. 
bayr. Oberzollinyiector Otto Frhrn. v. Au/aessu, in den »Beiträgen zur Statistik 
der freien Stadt Frankfurt, 1. Bd., 4. Hft.«, in welchem auch eine Abhandlung 
über »den Mainverkehr und die Mainzölle von 1847—60« von demselben Verf.
        <pb n="340" />
        Dritte Abtheilung. 
Die übrigen europäischen Staaten. 
Italien. 
Bei der ersten Ausgabe des gegenwärtigen Werkes, und zum Theil 
selbst bei der zweiten, bedurfte es einer besondern Rechtfertigung, wa 
rum wir die Halbinsel als Ganzes schilderten, entgegen der bekannten 
Auffassung Metternich's : » Es gibt kein Italien ; es ist diese Benennung 
nur eine geographische Classification. « Behufs des Zusammenfassens 
dieser Einzelstaaten mussten wir Italien damals eine gesonderte Abthei 
lung widmen. Beides — die Rechtfertigung und diese gesonderte Ab 
theilung — erscheint nunmehr ilberfiflssig. 
Sehen wir ab von einzelnen Grenzdistricten*), so hat sich Italien 
nunmehr folgendermassen gestaltet : 
Q.-M. Bevölkerung 
Königreich Italien (Bev. 18H2) 4,670 21’776,95:t 
Kirchenstaat (Rest, 1853) . . 214 682,489 
Halbsouverän: Monaco (1857) % 7,627 
San Marino (1850) 1 5,700 
Zus., italien. Staaten 4,885 22’472,769 
Hiezu : Venetien (österreichisch) ,. . 457 2’446,056 
Corsica und Nizza (franz.) . . 215 379,413 
Malta (englisch, 1860) ... 10 147,683 
Zus. 5,567 25'445,92f 
Historische Notizen. I. Italien 1788. 
Staaten 
Sardinische Staaten . 
Neapel und Sicilien . 
Römischer Staat . 
Toscana, Grossherzogth 
Parma, Herzogthum . 
Modena ditto 
1,260 
2,175 
750 
380 
90 
92 
nevoiKerung 
3’200,000 
6'000,000 
2’200,000 
1’000,000 
250.000 
320.000 
17 Mill. Lire 
5Mill.])ucati 
2Mill.Rhlr. 
3 - - 
1 - 
800,000 - 
ouuuiuen 
keine 
unbekannt 
7 Mill. Rthlr. 
bekannt keine 
dto. 
dto. 
*) Das an sich gewiss richtige Princip der Nationalität wird in Fällen, in 
denen es sich um Grenzbezirke handelt, niemals bis zur äussersten Consequenz 
durchgeführt werden können. Dies hat besonders treffend nachgewiesen Karl 
Blind in der kleinen Schrift: »Ueber Staat und Nationalität. London 1859.« 
Nicht nur Correnti und Maestri (in dem verdienstvollen »Annuario IStatisiico- 
Italianon), sondern sogar die officielle Statistica del Regno d^Italia ; Popolazione, 
hat sich nicht entblödet (Introduzione, p. XLI) , keineswegs blos Venetien, 
Nizza, Corsica und Malta, sondern auch noch Triest, Istrien, Görz, Südtirol, 
den Schweiz. Cant. Tessin und einen Theil von Graubünden für Italien in An 
spruch zu nehmen.
        <pb n="341" />
        ITALIEN. 
317 
Staaten 
Republik Venedig 
Genua . . 
Lucca . . 
-, , - Ragusa . . 
Malteserordens-Staat 
Lombardei (Oesterreich) 
Insel Corsica (Französ.' 
Q-M. 
865 
90 
18 
22 
10 
192 
160 
Bevölkerung 
2*600,000 
400.000 
120.000 
56,000 
130,000 
1*300,000 
130,000 
Einkünfte 
8 Mill. - 
2 - - 
unbekannt 
dto. 
80,000 Scudi 
3 Mill. ff. 
Schulden 
40 Mill. Rthlr. 
*) 
keine bekannt 
dto. 
dto. 
dto. 
keine 
Gesammtsumme 6,100 17,700,000 28Mill.Rthlr. 50 Mill.Rthlr. 
Bestandtheilé der einzelnen Staaten : 
^rdimen. Fürstenth. Piemont, Herzogth. Savoyen, Insel Sardinien. 
■^eapel und Sicilien. Zwei gesonderte Königreiche. 
Römischer Staat. Das spätere Gebiet, ausserdem die Grafschaften Avignon und 
Venaissin, 40 Q.-M. und 55,000 Einw. 
R^rma. Die Herzogth timer Parma, Piacenza und Guastalla. 
Modena. Herzogth timer Modena und Mirándola und Fürstenth. Novellara. 
Venedig: Q.-M. Bevölk. 
a. Terra firma, oder il Dominio Veneto**) .... 625 2*103,000 
b. In Dalmatien und Albanien (Zara, Spalatro) . , . 200 380,000 
c. In der venetianischen Levante (Ionische Inseln) . . 40 120,000 
^enua. Genua, Savona, Finale, die Insel Capr^a. 
Malteserordens-Staat. Insel Malta, mit den benachbarten Inseln Gozzo u. Comino. 
ï^mhardei. Bios die Herzogthümer Mailand und Mantua und die kais. Lehen 
in der Riviera bei Genua. 
H. Italien in der Napoleonischen Zeit (1812). 
Länder ^ Bestandtheile Q.*M. Einwohn. 
1. Königreich Italien Lombardei, Venedig, Romagna, die 
Marken, Istrien, Südtirol,Modena 1520 6*500,000 
2. - Neapel Das Festland Unteritaliens . . . 1548 5*000,000 
3. - Sicilien Die Insel 491 1*700,000 
4. - Sardinien Die Insel . 440 500,000 
5. Franz. Departements Savoyen, Piemont, Genua, Parma, 
Theilev. Modena, Toscana (Hetru- 
rien), Rom, Insel Corsica . . .1700 6*000,000 
6. Englische Besitzung Insel Malta 10 100,000 
Zus. 5700 19*800,000 
Bemerkungen. 
Zu 1. Das Königr. Italien war in 25 Departeniente getheilt. Napoleon selbst 
war König dieses Staates ; derselbe sollte jedoch nach ihm nicht mehr 
von einem frank. Kaiser beherrscht werden. 
Zu 2. Von 1806—8 unter Joseph Napoleon, des Kaisers Bruder, später bis 
1815, unter Murat, des Kaisers Schwager. 
Zu 3. Unter dem alten bourbonischen Herrscher. 
Zu 4. Unter dem alten savoyischen Herrscher. 
m. Italien Ende 1858. 
Q.-M. Bevöl- 
, kerung***) 
L Königr. Sardinien . . . 1,375 5*167,542 
2. Lombardo-Venetien . . . 826 5*173,054 
*) Der Staat hatte 45 Mill. Rthlr. nach Aussen verliehen. 
**) Dazu gehörten das heutige venetianische Gebiet, ferner die Provinzen 
Von Brescia, Bergamo, Capo d*Istria etc. 
*•») geben die Ziffern möglichst nach den damaligen officiellen Annah 
men, welche jedoch, wie sich später erwies (bes. was Neapel betrifft), etwas zu 
noch gegriffen waren. Dem Königr. Sardinien war damals bekanntl. noch Sa 
voyen und Nizza einverleibt. , 
Staatsbedarf Schuld 
Lire Lire 
144 Mill. 660 Mill. 
87 - 156 -
        <pb n="342" />
        318 
ITALIEN. 
Q.-M. Bevölk. Staatsbedarf Schuld 
3. Herzogth. Parma. ... 113 500,000 10 Mill. 13 Mill. 
4. - Modena . . . 110 605,000 10 - 12 - 
5. Grossh. Toscana .... 403 1'807,000 40 - 118 - 
6. Kirchenstaat mit S. Marino 729 3’130,000 81 - :i66 - 
7. Beide Sicilien 2,039 9'117,000 138 - 530 - 
Hiezu: Corsica 159 240,000 — - _ 
Malta. . . . . . 10 140,000 — - _ _ 
5,664 25’880,000 5lOMill.‘~T7855 MÜL 
Nationalitäten. Italien erfreut sich des sehr wesentlichen Vorzugs 
vor allen übrigen grösseren Ländern, dass gleichsam seine Gesammtbe- 
völkerung der gleichen Nationalität angehört. Andern als italienischen 
Ursprungs sind nur (nach der Berechnung des Amiuarto statistico-italiano 
1858): 351,805 Friauler, 88,410 Albaner oder Amanten (1461, 1532 
und 1 744 nach Apulien, Calabrien und Sicilien geflohen, und meistens 
irrthümlich Griechen genannt, da sie neugriechisch sprechen), 41,044 
Juden (dav. 12,790 im Kirchenstaate, 6820 im frühemKönigreiche'sar- 
dinien, 2950 in der Lombardei, 5406 im Venetianischen, 680 in Parma, 
2710 in Modena, 7688 in Toscana, etwa 2000 in Neapel), 29,676 Sla- 
ven, 23,350 Griechen, 19,084 Deutsche, 8500 Spanier (Alghero auf 
Sardinien), 1000 Armenier, 390 Zigenuer. — Die Zahl der Deutschen hat 
sich in Folge Trennung der Lombardei von Oesterreich vermindert. Fran 
zosen kommen, abgesehen von den mit Frankreich vereinigten Land 
schaften, nur vereinzelt vor. 
Confessionen. Die Einwohner sind fast sämmtlich Katholiken ; etwa 
50,000 Protestanten (worunter die früher hart bedrückten Waldenser), 
dann die Juden und eine Anzahl Griechen bilden Ausnahmen. 
1) Küiiig^reieh Italien. 
Dasselbe besteht aus 59 Provinzen, 1859 abgetheilt in 193 Bezirke 
ctVcowciam, welche zusammen 7720 Gemeinden umfassen. (Volkszählung 
vom Dec. 1861.) 
1) Piemont und Ligurien 024 
2) Lombardei (jetziger Umfang) 419 
3) Emilia (Parma 474,598, Modena 631,378, llomairna 
1'040,591 Einw.) 406 
4) Marken (883,073, Umbrien 513,019 Einw.) . . 351 
5) Toscana ’ 3gj 
5) S: : ; ; : : : : : ; ; 
8) Sardinien 
. , , Zusammen*) 4670 
Die (von Correnti und Maestri rectificirte) amtl. Zahl 
21’777,334, neml. männl. Bevölkerung 10’897,236, weibl. 1 
— Zahl der Familien 4’674,371 ; __ der Häuser 3’693,1 
379,702 unbewohnt (vielfach Landhäuser etc.). 
Bevölkerung 
3'535,736 
3'104,838 
2'146,567 
P396,092 
1'826,334 
6'787,520 
2'391,802 
588,064 
21'776,9M 
ist eigentl. 
0’S80,098. 
7 2, wovon 
♦) Die Italien. Berechnungen schwanken zwischen 246,507 und 259 320 
Quadr.-Kilom (55,05 = 1 deutsche Q.-Meile). - Bezügl. der Bevölkerung ist 
zu bemerken, dass nach den vorhandenen älteren Angaben vor einem Jahrhun 
dert im Umfange des jetzigen Königreichs Italien 13'137,240 Menschen wohnten.
        <pb n="343" />
        ITALIEN. 
319 
Die officielle Classification ist folgende (neben den Provinzen geben 
Wir, und zwar in Parenthesen, auch die Bezirke und deren Bevölkerung 
an, mit Ausnahme der von Toscana und Sicilien, wo die s. g, Provinzen 
schon von sehr beschränktem Umfange sind. 
Provinzen (nnd Bezirke). 
A. Alte Provinzen and Lombardei. *) 
1) Prov. Alessandria Bezirk Alessandria 139,237, Acqui 89,138, Einw. 
Asti 149,799, Casale 135,130, Novi 72,943, Tortona 59,360) = 645,607 
2) Bergamo Bergamo 201,310, Clusone 48,647, Treviglio 97,278 347,235 
3) Brescia Brescia 181,603, Breno 51,922, Castiglione 76,032, Chiari 
67,657, Salo 56,714, Verolanuova 52,455) 486,383 
4) Cagliari (Cagliari 140,523, Iglesias 56,730, T^nusei 59,446, Ori- 
stano 115,398) 372,097 
J Cowo (Como 217,837, Lecco 113,125, Varese 126,472) . . . . 457,434 
6) Cremona (Cremona 165,218, Casalmaggiore 97,448, Crema 76,975) 339,641 
7) Cuneo (Cuneo 177,062, Alba 118,980, Mondovi 144,986, Saluzzo 
156,251) 597,279 
8) Genua [Genova] (Genua324,096,Albenga53,985,Chiavaril08,391, 
Levante 78,162, Savona 85,509) 650,143 
9) 3/atVand[Milano] Mailand388,928, Lodi 167,222, Monza 156,885, 
Gallarate 133,949, Abbiategrasso 101,336) 948,320 
10) JVocara ,No vara 191,104, Biella 126,360, Ossola 33,767, Pallanza 
61,789, Valsesia 32,250, Vercelli 134,115) 579,385 
11) Bavia Pavia 143,442, Bobbio 34,785, Lomellina 132,149, Voghera 
109,409) 419,785 
12) Porto Maurizio Porto Maurizio 59,726, San Remo 61,604) . . 121,330 
13) Sassari (Sassari 67,191, Alghero 37,112, Nuoro 52,508, Ozieri 
34,392, Tempio 24,764) 215,967 
14) Üondrio (blos ein Bezirk, Sondrio) 106,040 
15) 2'urin [Torino] (Turin 484,571, Aosta81,884, Ivrea 159,338, Pi- 
nerolo 132,168, Susa 84,031) 941,992 
B. Emilia. 
1) Prov. Bologna (Bez. Bologna 303,749, Imola 59,624, Vergato 
44,079) 407,452 
2) Ferrara Ferrara 138,622, Cento 33,017, Comacchio 27,519) . 199,158 
3) Forl\ (Forli 68,588, Cesena 77,439, Rimini 78,436) .... 224,463 
generale (31. dicembre 1861). Die Ergebnisse weichen sehr bedeutend ab von 
der (bei der vorigen Ausgabe benutzten) Stntistica amministrativa, seconda eãi- 
Zione. Es ist nunmehr eine ziemliche Verlässigkeit erreicht. — Nachstehend 
auch eine Angabe des Umfangs der einzelnen Provinzen in Quadr.-Kilom. 
(55,05 = 1 deutsche Q.-Meile.) (Die Reihenfolge ist die ofliciell angenommene, 
in alphabet. Ordnung, nach französischem Muster.) Abruzzo Citeriore 2861 Q.- 
Kilom., Abruzzo Ulteriore I 3425, Abruzzo Ulteriore II 6500, Alessandria 5055, 
Ancona 1916, Arezzo 3306, Ascoli Piceno 2096, Basilicata 10,676, Benevento 
1752, Bergamo 2660, Bologna 3604, Brescia 5180, Cagliari 13,530, Calabria Ci 
teriore 7358, Calabria Ulteriore I 3924, Calabria Ultenore II 5975, Caltanisetta 
3*68, Capitanata 7652, Catania 5102, Como 2717, Cremona 2148, Cuneo 7136, 
Ferrara 2616. Firenze 5861, Forli 1855, Genova 4114, Girgenti 3861, Grosseto 
4435, Livorno 326 (davon 232 die Insel Elba), Lucca 1494, Macérala 2737, Massa 
und Carrara 1760, Messina 4579, Milano 2993, Modena 2502, Molise 4604, Na 
poli 1111, Noto 3697, Novara 6543, Palermo 5087, Parma 3240, Pavia 3330, 
Pesaro und4Jrbino 2965, Piacenza 2500, Pisa 3056, Porto Maurizio 1210, Prin- 
cipato Citeriore 5481, Principato Ulteriore 3649, Ravenna 1922, Reggio (Emilia) 
2888, Sassari 10,720, Siena 3793, Sondrio 3260, Terra di Bari 5938, Terra di La 
boro 5975, Terra d’Otranto 8530, Torino 10,270, Trapani 3146, Umbria 9633.
        <pb n="344" />
        320 
ITALIEN. 
4) Massa und Carrara ,Massa und Carrara 75,671, Casteinova di Gar- 
fagnana 35,478, Pontremoli 29,584) 140,733 
5) Modena (Modena 133,341, Mirándola 66,686, Pavullo 60,564) . 260,591 
6) Parma (Parma 146,463, Borgo di S. Donnino 79,288, Borgotaro 
30,278) 256,029 
7) Piacenza (Piacenza 143,490, Firenzola 74,629) 218,569 
8) Ravenna (Ravenna 77,211, Lugo 60,492, Faenza 71,815) . . . 209,518 
9) Reggio (Reggio 170,484, Guastalla 59,570) 230,054 
C. Marken. 
1) Prov. Ancona (ein Bezirk) • 254,849 
2) Ascoli (Ascoli 91,036, Fermo 104,994) 196,030 
3) Macérala (Macerata 184,250, Camerino 45,376) 229,626 
4) Pesaro und Urhino (Pesaro 99,704, Urhino 102,864) .... 202,568 
D. Umbrien. 
Prov. Umbrien (Bez. Perugia 199,710, Spoleto 68,005, Rieti 77,900 
Fuligno 58,427, Terni 64,931, Orvieto 44,046, 513,019 
£. Toscana. 
\) Arezzo 219,559. — 2) FYorcwr[Firenze] 696,214, (dabei Pistoja95,262, 
San Miniato 102,299). — 3) Grossetu 100,626. — 4) Lworno 
116,811 (dabei Elba 20,340). — 5) lAicca 256,161. — 6) Pisa 
243,028. — 7) Siena 193,935 1’826,334 
F. Neapolitanische Provinzen. 
1) Abruzzo Citer-iore (Bez. Chieti 109,018, Lanciano 110,798, Vasto 
107,500) 327,316 
2) Ahruzzo Ulteriore I. (T'eramo 132,833, Penne 97,228} .... 230,061 
3) AbruzzoUlteriore.il. (Aquila 99,438, Solmona 75,382, Avezzano 
86,380, Cittaducale 48,251) 309,451 
4) Rasilicata (Potenza 180,025, Matera 97,441, Melfi 103,539, La- 
gonegro 111,754) 492,959 
5) Renevento (Benevento 94,666, Cerre to 69,532, San Bartolomeo 
in Galdo 56,308) ' 220,506 
6) Calabria Citeriore (Cosenza 171,689, Paola 92,786, Castrovillari 
109,130, Rossano 58,317 431,922 
7) Calabria Ulteriore I. (Reggio 115,572, Gerace 99,333, Palmi 
109,641) 324,546 
8) CalahriaUlteriore II. (Catanzaro 121,254, Monteleone 117,451, 
Nicastro 90,007, Cotrone 55,467) 384,159 
9) Cajntunata (Foggia 140,588, San Severo 126,166, Bovino 46,131) 312 885 
10) Molise (Campobasso 121,259, Iserina 129,666, Larino 95,082) 346 007 
11) Neajrel [Napoli] (Neapel 527,578, Casorla 123,309, Pozzuoli69,576, 
Castellamare 147,520) 9^3 
12) Principato Citeriore (Salerno 248,576, Sala 84,549, Camnatrna 
98,959, Vallo 96,172) 528,256 
13) Principato Ultenore (Avellino 161,797, Ariano 84,800, Sant’An 
gelo de’Lombardi 109,024) 355 621 
14) Terra di Pari (Bari 250,968, Barletta 216,498, Altamura 86,936) 554*402 
15) Tetra di Lavoro (Caserta 255,743, Nola 86,029, Gaeta 128,892, 
Sora 132,879, Piedimonte 49,921) 653,4&lt;W 
16) Terra di Otranto (Lecce 115,096, Tarent [Taranto] 124,853, Gal 
lipoli 111,131, Brindisi 96,902) 447,982 
G Sicilien. 
1) Caltanisetta 223,178. — 2) Ccríanm450,460. — 3) 263,880, 
— 4) 394,761. — 5) iVbio259,613. — 6) Í'aíemío584,929. 
— 7) rrq/mw* 214,981 2’391,802
        <pb n="345" />
        ITALIEN (Städte). 
321 
Siädie und deren Bevölkerung, 1862. Die officielle Statistik führt 
im Ganzen 7720 Gemeinden auf, davon 8 mit mehr als 100,000 Einw., 
9 mit 50—100,000, 25 mit 30—50,000, 37 mit 20—30,000, 73 mit 
^ 20,000, 141 mit 10—15,000. Dabei ist aber der Begriflf von »Ge 
meinde« ein sehr verschiedener. In manchen Gegenden begreift man 
Weit ausgedehnte Landbezirke von mehren Quadratmeilen darunter und 
gelangt damit zu Zahlen, die nur täuschen (so erscheint die Gemeinde 
Canipannori mit 38,340 Einw., dieselben sind aber auf ein Gebiet von 
16,343 Hectaren, also mehr als 3 Quadr.-Meilen zerstreut; im Orte 
selbst leben nur 482 Menschen!) Unter diesen Verhältnissen beschrän 
ken wir uns bei der folg. Zusammenstellung auf Angabe der concen- 
trirt wohnenden Einwohnerzahl, setzen aber die Gesammtsumme der 
Gemeindebevölkerung in Parenthese bei, wenn nicht beide Grenzen Zu 
sammentreffen. 
Neapel (447,065; 418,968 
Mailand . . 196,109 
Turin (204,715) 180,520 
Palermo(194,463) 167,625 
Genua (137,986) 127,986 
Florenz. . . 114,363 
Bologna (109,395) 89,850 
Livorno (96,471) 83,543 
Catania (68,810) 64,921 
Messina (103,324) 62,024 
Parma (47,428) 47,067 
Brescia . . . 40,499 , 
Piacenza . . 39,318 I 
Pisa (51,057) . 33,676 | 
Modena (55,512) 32,248 
Bari (34,063) . 32,934 
Foggia (34,052) 32,493 
Ancona (46,090) 31,238 
Cremona . . 31,001 
Andria . . . 30,067 
Pavia (30,480) . 28,670 
Cagliari (30,905) 28,244 
Ferrara (67,988) 27,688 
Módica (30,547) 27,449 
Alessandria (56,545) 
27,027 
Barletta . . . 26,474 
Trapani (30,592) 26,334 
Termini . . . 25,780 
Molfetta . . . 24,648 
Cora to . . . 24,576 
Bergamo (38,765) 24,566 
Arcireale (35,447) 
24,151 
Sassari (25,086) 22,945 
Trani .... 22,382 
Bitonto . . . 22,126 
Caltagirone . . 22,015 
Lucca (65,435) . 21,966 
Siena .... 21,902 
Ragusa . . . 21,705 
Reggio (Emilia) 
(50,371) . . 21,174 
Salerno 29,031) 20,977 
I Caltanisetta (23,879/ 
I . 20,411 
! Piazza Armerina 20,310 
Asti (30,717) . 20,239 
Canicatti . . 20,025 
Vercelli (25,012) 19,352 
Ravenna 57,303) 19,118 
Taranto (27,484) 19,105 
Lecce (21,345) . 17,836 
Maddoloni (20,257) 
! 17,798 
i Marsala (31,350) 17,732 
I Forli 38,646) . 17,723 
Faenza (26,357 17,486 
Cerignola (21,639, 17,242 
Catanzaro (22,451) 17,130 
Casala Monferrato 17,061 
Rimini (33,272) 16,850 
Reggio ( Calabr. ) 
(30,577) . , 15,692 
Monza (24,662) 15,587 
Perugia (44,130) 14,885 
\\ eitere Städte mit einer concentrirten Bevölkerung von mehr als 14,00( 
Menschen sind: Castellamare di Stabia und Novara; mit mehr als 12,000: Bar 
cellona Pozzo di Grotto und Cuneo, mit mehr als 11,000 : Prato (Toscana) 
m 09?’ (2-l,&lt;lh8) ; mit mehr als 10,000: Casería 27,728 und Sinigaglii 
Gebietsveränderungen. Die oben (S. 316 u. 317) mitgetheilten Zu 
sammenstellungen zeigen, in welchen staatlichen Verhältnissen sich die 
einzelnen Länder der Halbinsel während der Hauptperioden des letzten 
Jahrhunderts befanden. Zur näheren Erläuterung fügen wir einige Noti 
zen bezüglich der fiilhern Einzelstaaten bei ; 
Sardinien. Beim Beginne der grossen Revolution nahmen die Fran 
zosen Savoyen und Nizza, was der König in dem Friedensvertrage vom 
15. Mai 1796 gutheissen musste. 1 798 neue Occupation Piemont s, 
daun am 9. Dec. förmliche Verzichtleistung des Königs. Das Land 
Wurde erst provisorisch verwaltet, dann unterm 11. Sc¡)t. 1S02 Frank 
reich einverleibt (Eintheilung in 6 Departemente, ungerechnet die früher 
incorporirten Landschaften). Dem Könige blieb nur die Insel Sardinien. 
Kolb, SUtiitik. 4. Aufl. 21
        <pb n="346" />
        322 
ITALIEN (Gebietswechsel). 
— Auch Genua, anfangs in eine ligurische Republik umgewandelt, 
ward im Mai 1805 Frankreich einverleibt. — Der Wiener Congress 
setzte den König wieder in Piemont ein, vergrössert durch die Republik 
Genua und die benachbarten kaiserlichen Lehen ; der zweite Pariser 
Friede gab ihm auch den anfangs vorenthaltenen Theil von Savoyen wie 
der. (1810 schätzte man die Bevölkerung auf 3’700,()00, 1838 auf 
4'050,100 ; die Aufnahme von 1848 ergab 4’910,004, die von 1857 
5’107,542.) — Das Jahr 1848 schien die sardinische Königsherrschaft 
über ganz Oberitalien auszubreiten: die I.ombardei, Venedig, Parma 
und Modena erklärten, sich mit dem sardinisphen zu einem subalpini- 
schen Reiche zu vereinigen, das 11 Mill. Menschen umfasst hätte ; die 
Niederlagen Karl Albert’s bei Custoza und Novara führten zum alten 
Teritorialzustande. (Mailänder Friede vom 0. Aug. 1840.) 
Vurma. Der Herzog erkaufte 1700 vgm Gen. Bonaparte den Frieden. Der 
Erbprinz ward 1805 gegen Erhebung zum »Könige von Hetrurien zur Verzicht 
leistung bewogen, worauf Napoleon das I,and (grösstentheils als Depart, des 
Taro) mit Frankreich vereinigte. Ein Vertrag der Grossmächte vom 10. April 
1814 überliess Parma der zweiten Gemahlin Napoleon’s, Marie Louise, doch 
ohne Erbfolgerecht. Nach ihrem Ableben, 1847, kam der kleine Staat an die 
frühere Herzogsfamilie zurück, der man von 1815 bis dahin T.ucca — die vor 
malige Republik — hingegeben hatte. 
Modena. Trotz eines vom Gen. Bonaparte erkauften Friedens, ward der 
Herzog 1700 durch Aufstand vertrieben und das T.and mit der cispadanischen, 
dann der cisalpinischen Republik — dem spätem Königreiche Italien — ver 
einigt. 1814 Restauration. 
Toscana. Der Grossherzog (vom österr. Fürstenhause) erkaufte 1705 von 
Frankreich den Frieden, trat aner 1801 seine Ansprüche auf Toscana an diesen 
Staat ab gegen Salzburg, s])äter Würzburg. Napoleon verwandelte Toscana in 
ein »Königreich Hetrurien«, dem er anfangs den Erbprinzen von Parma als 
Herrscher octroy irte, bis er das Land, üct. 1807, Frankreich einverleibte die 3 
Deparlemente des Arno, Ombrone und Mittelmeers) ; des Kaisers Schwester, 
Elise (Gemahlin des zu einem Fürsten von Piombino erhobenen Bacciochi;, war 
Generalgouverneurin, mit dem Titel einer Grossherzogin.— 1814 Restauration. 
Neapel und ¡Sicilien. Im Januar 1700, nach dem Einrücken der franz. Trup 
pen in Neapel, ward die Itepubblica Vartenopea proclamirt , im Juni aber mit 
Waffengewalt vernichtet. Am 27. Dec. 1^05 erging Napoleon’s Tagesbefehl ans 
Schonbrunn : »Das Bourbonisebe Haus von Neapel hat aufgehört zu regieren«. 
Erst ernannte der Kaiser seinen Bruder Joseph, dann, Juli 180S, seinen Schwa 
ger Murat (Joachim 1.) zum Könige von Neapel. Auf Sicilien behauptete sich 
das Bourbonische Herrscherhaus mit Hülfe der Engländer. Ende 1S13 schloss 
sich Murat den Allirten an ; dann, als Napoleon von Elba nach Frankreich zu 
rückgekehrt war, suchte er sich ein grösseres Reich zu erobern, ward aber von 
den üesterreichern geschlagen. Schon im Mai 1815 fand die Wiedereinsetzung 
der Bourbonen statt. Da der Wiener Congress von einem Könige »beider Si 
cilien« geredet, so benützte dies die Regierung, Dec. 1810, um die zwei, nach 
Verfassung, Verwaltung und Finanzwesen früher immer getrennten Reiche in 
einen absolut regierten Einheitsstaat umzuwandeln. 
Die Vereinigung aller dieser Staaten zu einem »Königreiche Ita 
lien« begann 1850. Durch den Friedensvertrag von Zürich, 10. Nov. 1S50, 
musste Oesterreich den grössten Theil der Lombardei abtreten, welches Land 
nun von Napoleon III. dem Könige von Sardinien überlassen ward. Volkser 
hebungen in den übrigen Landschaften führten nun zu folgenden Annexionen : 
der Emilia (Parma, Modena und Romagna), unterm 18. März 1800; Toscana’s 
unterm 22. März ; der Marken, Umbrien’s und des Königreichs beider Sicilien 
unterm 17. Dec. nemlichen Jahres. Allerdings musste der König (Vertrag vom 
24. März 1800) sein Stammland Savoyen und überdies Nizza an Frankreich ab 
treten. Annahme des Titels: »Königreich Italien« den 17. März 1801.
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        ITALIEN. — Finanzen (Budget). 
323 
Finanzen. Ein eben erst unter gewaltsamen Verhältnissen gebildeter 
Staat kann selbstverständlich das Gleichgewicht zwischen Einnahmen 
und Ausgaben nicht sofort hersteilen, um so weniger, wenn der Staat, 
von dem die Umgestaltung ausging, sich ohnehin schon längst in zer 
rütteten hinanzverhältnissen befand. Kommt nun aber dazu der Auf 
wand für ein übergrosses stehendes Heer — ein Aufwand wie wenn sich 
der Staat beständig im Kriegszustände befände — vielfache Verschwen- 
nicht selten Mangel an Ehrlichkeit in der Verwaltung und endlich 
innere Unruhen, so können die Ergebnisse nicht anders als verderblich 
sein. Von vom herein lässt sich Genauigkeit des Budgets und Einhalten 
er Voranschläge nicht erwarten, und alle Berechnungen können nur 
als ungefähre Anhaltspunkte betrachtet werden. 
Das Bridget für 1861, das erste des neuen Königreichs, schloss mit 
folgenden Zahlen ab (in Lire) : 
ordentliche ausserordentliche Zusammen 
Einnahme 45G’5(&gt;8,214 34’3(tl,S23 490’S70,037 
Ausgabe G12’9«l,122 192’180,772 8ü5’141,894 
Deficit 15fi’392,9ü8 157’878,949 314’271,857 
Aus dem Vortrage, den der Finanzminister Bastogi am 23. Dec. 
1861 in der Abgeordnetenkammer hielt, ergab sich aber bereits, dass 
die Wirklichkeit noch viel ungünstiger war. Man hatte weitere ordent 
liche und ausserordentliche Ausgaben, deren Betrag durch Ersparungen 
(worunter Nichtausführen projectirter Eisenbahnen) nur unvollständig 
gedeckt wurde. Nach vorläufiger Aufstellung betrug das Deficit ; im 
ordentl. Budget 160’922,459, im ausserord. 239’486,048, im Ganzen 
40((’408,507 liire. Gegenüber der wirklichen Gestaltung im J. 1861, 
entwarf nun der Minister folgenden Voranschlag für 1862 . 
ordentliche ausserordentliche zusammen 
Einnahmen 487’00l,170 44’2S3,834 531,285,004 
Ausgaben 090’38l,372 149’750,004 840’131,376 
Deficit 203’7M&gt;,202 104’466,170 308'846,372 
Unter den ordentlichen Einnahmen werden aufgeführt : Zölle 
190’785,934, directe Steuern 1 31'671,459 , Enregistrement. Stempel 
u. Taxen 1 10'454,483, Eisenbahnen 23 1 35,690, Telegraph 1’950,000, 
Post 1 2'666,666 ; Einnahme der verschied. Ministerien 17’Ü04,294. — 
Unter denAusgaben erschien das Militär (Landmacht) mit 1 72555,635 
Lire im gewöhnl. und mit 54’959,614 im ausserord. Budget, zusammen 
227 515,249 (davon für : Stab 5 Mill., Activarmee 104, Sicherheit 18%, 
Freiwillige 3, Festungen 14, Nationalgarde 20 Mill.). Für die Marine 
wurden 63’678,461, für die Schuld 160,930,292, und für den Hof 
14 Mill, (namentl. Civilliste lO'/j Mill.) gefordert. — Der Minister be 
rechnete weiter : Zur Deckung des in beiden Jahren erwachsenden De 
ficits von 717 (eigentl. 719) Millionen dienen: 35 Mill, neapolitanische 
Renten, 23 880,000 sicilianische Renten , und das Anlehen von 1861 
üiit 500 Mill. Noch bleibt ein Ausfall von 159 Mill. Um denselben zu 
beseitigen, sollen neue Steuern erhoben werden: 50 Mill, an weitern 
Rinregistrirungsabgaben, 5’ weitere Salz - und Tabaksteuer, 4 — 5’ 
durch Ausdehnung des Tabakmonopols auf die neu annexirten Landes- 
theile, 4’ Abgabe von Reisenden mit Eilbeförderung, 20’ Erhöhung 
ünd bessere Vertheilung der Grundsteuer, 30’ Mobiliarsteuer. Diese 
21*
        <pb n="348" />
        324 
ITALIEN. — Finanzen Budget). 
Summen ergeben zusammen 139 Mill. Zur Deckung des auch darnach 
verbleibenden Ausfalls seien Schatzscheine {Buont del Tesoro) auszuge 
ben, was um so mehr zulässig erscheine, da nicht mehr als für 30 Mill, 
solcher Scheine sich im Umlaufe befänden. Später ward Vermehrung 
der Schatzscheine auf 200 Mill, verlangt. 
Der ministerielle Budgetentwurf für 1803 schloss mit folgenden 
Zahlen : 
ordentliche ausserord. zusammen 
Bedarf 70:V343,296 172’044,129 »35’3b7,425 Lire 
Einkünfte 549’355,244 05'450,400 bl4’811,ü50 - 
Deficit ' ”213’98H,052 100’587,723 32(»’575,775 Lire 
Unter den ordentlichen Ausgaben erscheinen; die Schuld mit 
340’508,000, die Landm. mit 197’070,000, die Marine mit 53,906,000, 
zus. Schuld und Kriegswesen über 59 1 % Mill., — fast die Gesammt- 
summe der erwarteten Einnahme ! Die definitive Feststellung der Aus 
gaben lautete auf 780’75S,505 L. im ordentlichen, und 103*032,799 
im auszerordentlichen Etat, zus. 943*791,304. 
Im Budgetentwurfe für 1804 berechnete der Minister den ordent 
lichen Bedarf auf 757*253,448, den ausserord. auf 124*106,988, zus. 
880 300,435. (Dabei erschien das Militär in der ersten Abtheilung mit 
191*013,173, in der zweiten mit 42*921,720 : ebenso die Marine erst 
mit 41*314,052, dann weiter mit 2*815,920.) — Die wirklichê Fest 
stellung durch die Kammern ergab indess : ordentlicher Bedarf 770 Mil 
lionen, ausserordentlicher 120, zus. 902; — ordentl. Einn. 520, aus 
serord. 120, zus. 646; Deficit 250 Mill. Später wurden diese Zahlen 
bedeutend modificirt, jedoch ohne Verminderung des Deficits (s. unten). 
Indess erwies es sich schliesslich, dass alle diese Voranschläge 
täuschend waren. Aus einer vom Finanzminister im Juni 1804 an die 
Kammer gebrachten Vorlage ergab sich folgende wirkliche Bilanz, 
wenn man die ordentlichen und ausserordentlichen Etats zusammenfasst : 
1862 1863 
Bedarf 97.V.)»2,584 9»;2’!»it J,7(to Lire 
Einnahme 590’70l,89(} 5S5’914,142 - 
Defiüit . . 384’S90,08S 377’(»‘'0,558 Lire 
Dabei erscheinen unter diesen Einnahmen im ersten Jahre 33*753,210, 
im zweiten 47*904,107 I&gt;. als Erlös von veräusserten Staatsgütern; 
neben jenen durch Schulden gedeckten Deficiten ward also auch das un 
mittelbare Staatsvermögen um die eben angegebene Summe vermindert. 
Der Budgetentwurf für 180;) schliesst folgendermassen ab : 
ordentl. ausserord. zusammen 
Bedarf 747*308,308 f 00*470,200 853*838,034 Lire 
Einnahme 504*003,107 01*437,011 025*500,718 - 
Deficit 183*305,201 45*7)32^55 228*33T,7ñ0 Lire 
Es wäre unbillig, nicht zu erwähnen, dass sich unter den ausser 
ordentlichen Ausgaben sehr bedeutende Summen zu productiven Zwecken 
befinden, — allerdings neben solchen für das Kriegswesen u. s. w. Nach 
einer ministeriellen Berechnung vom Jan. 1804 betrugen die in den 
4 Jahren des Bestehens des neuen Staates für öffentl. Arbeiten bestimm 
ten Ausgaben;
        <pb n="349" />
        ITALIEN. — Finanzen (Budget). 
825 
für Sicilien Lire 3T’HüH,95« 
- das Neapolitanische - 25’ii48,122 
- Toscana . - T’271,844 
- die Emilia, Umbrien und die Marken - 19’270,323 
- die I.ombardei - S’267,2b2 
- die Insel Sardinien - 23*293,121 
- Piemont - 15’52H,585 
Zusammen Lire 140,163,132 
Zieht man aber auch alle ausserordentlichen Etats ab (obwol in 
denselben sehr Vieles enthalten ist, was in das gewöhnliche Budget ge 
hört), so bleibt doch immer folgendes niederschlagende Ergehniss : 
ordentl. £inn. ordentl. Ansg. Seflcit 
1860 469*115,(9)0 571*277,000 102*162,000 
1861 456*700,000 643*050,000 186*350,000 
1862 469*500,000 717*000,000 247*500,000 
Sonach Deficit in 3 Jahren blos im s. g. ordentl. Etat 536*012,000 
Um die ganze Schwierigkeit der Finanzlage zu überblicken, ge 
nügen diese Zahlen indess keineswegs. Das Verhältniss ist vielmehr 
dieses; Der Finanzminister berechnete zu Anfang des Jahres 1804, das 
Deficit habe betragen ; 1861 504 Mill., 1802 353, 1803 377. Nehmen 
wir den Anschlag für 1804 nur mit 250’ dazu, so ergab sich in dieser 
kurzen Zeit von 4 Jahren ein Ausfall von nicht weniger als 1400 Mill, 
oder ungefähr anderthalb Milliarden. Eine der Regierung befreundete 
Feder (bei Correnti und Maestri) gesteht aber offen einen Ausfall von 
970’ in dem ordentl. und 897’ in dem ausserordentl. Budget, zus. also 
1867 Mill, zu! Dabei hat man überdies für 370 Mill. Staatsgüter ver 
kauft und eine schwebende Schuld geschaffen, deren Ertrag bei den 
Einnahmen eingerechnet ist. Das ganze wirkliche Deficit in den 4 Jah 
ren entziffert sich auf 2285 Mill. ! Ver gl. Annuario statistico italiano, 
1864, p. 089.) 
Um die Einkünfte zu der oben angegebenen Höhe emporbringen 
zu können, hatte man eine Menge Auflagen in den verschiedenen annec- 
tirten Ländern neu eingeführt oder bestehende erhöht. Man ist damit 
bereits vielfach zu dem Punkte gelangt, bei welchem eine Steigerung der 
Auflagen keine Erhöhung der Einnahmen mehr gewährt! In der Abge 
ordnetensitzung vom 4. Nov. 1804 entwarf der Finanzminister Sella ein 
trostloses Bild von der finanziellen Lage des Staates. Er äusserte : 
Als über das Budget von 1864 verhandelt wurde, glaubte man den laufen 
den Dienst des Jahres mittelst der angewiesenen Mittel decken zu können ; man 
erwartete, dass am 1 . Januar die drei neuen Steuern, die Grund-, Mobiliar- und 
Consumtionssteuer, in Kraft treten und 52 Millionen mehr ergeben würden ; 
allein sie konnten nicht sogleich von dem besagten Termin an erhoben werden, 
und daraus und aus andern Verhältnissen entstanden folgende Differenzen : Die 
Grundsteuer ergab statt der veranschlagten Mehreinnahme von 17 Millionen 
nur eine solche von 8 Millionen, die Consumtionssteuer statt 11 nur 3 Millionen 
und die Mobiliarsteuer konnte noch gar nicht erhoben werden. Da aber mitt 
lerweile auch die bisherige Steuer aufhörte, so stellte sich statt einer Mehrein 
nahme von 6 eine Mindereinnahme von 8 Millionen ein. Statt der in Aussicht 
genommenen Mehreinnahme von 52 Millionen ergab sich daher eine von 3 Mil 
lionen, und es fehlen daher 49 Millionen in dieser Budgetabtheilung. Die Bud 
getcommission ging auch von der Ansicht aus, dass im laufenden Jahre der 
noch 200 Millionen betragende Rest der letzten Anleihe begeben würde ; dafür 
konnte man indess nur etwa 197 Millionen erhalten. Die Budgetcommission 
rechnete ferner auf 210 Millionen aus dem Verkauf von Domänen und geistli-
        <pb n="350" />
        326 
ITALIEN. — Finanzen Budget). 
chen Gütern ; bis jetzt beträgt die dessfallsige Einnahme aber nur 10 Mill. ; im 
letzten Trimester werden noch 3 Mill, dazukommen ; hier fehlen mithin 197 Mill. 
Mie im weiteren Verlauf des Jahres die wirkliche Differenz zwischen Activen 
und Passiven sich stellen wird, kann noch nicht angegeben werden. Das ist 
aber noch nicht Alles ; vielmehr sind die Ausgaben um 32 Mill, überschritten 
worden. Die Kammer hat weitere 50 Mill. Ausgabe bewilligt. Nach allem die 
sem braucht die Staatscasse dieses Jahr noch 200 Mill. , für welche gesorgt 
werden muss. An den Credit sich zu wenden, wäre unzeitgemäss während einer 
Geldkrise in dem hohen Stand des Disconto’s aller Banken. — Der Minister 
spricht es offen aus, dass Italien Ersparungen einführen müsse ; es sei unmög 
lich, in der bisherigen Weise Ausgaben zu machen. Das Ministerium werde 
desshalb Aenderungen im Budget von 1805 Vorschlägen, durch welche 30 Mill 
am Heere, 12 Millionen an der Flotte und noch andere 18 Mill, erspart würden 
noch weitere Er-sparungsvorschläge würden an die Kammer gelangen ; allein das 
genügt nicht; die Einnahmen müssten erhöht werden. 
Der von den Kammern schliesslich (Dec. 1864) genehmigte Plan 
des Ministers zerfällt wesentlich in zwei Theile : Deckung des unmittel 
baren dringenden Bedürfnisses, und Vermehrung der Einkünfte für die 
Zukunft. — Um den unmittelbaren Bedürfnissen die Stirn zu bieten, 
d. h. um 200 Millionen, die vor dem nächsten 15. Dec. da sein müs 
sen, zu schaffen, haben die Kammern genehmigt: l) den Contract, wel 
cher den Vorschuss von 50 Mill., den eine Gesellschaft auf die Domä 
nen angeboten, stipulirt. Diese Compagnie wird in Zukunft mit dem 
Verkauf dieser Güter anstatt des Staats, aber unter seiner Ueberwa- 
chung, beauftragt sein. Man betrachtet diese Uebereinkunft als sehr 
lästig für den Staat. — 2) Die Anticipation von 124 Millionen, welche 
die Totalsumme der Grundsteuer für 1865 bilden. Diese Steuer muss 
in die Cassen des Staatsschatzes am 15. Dec. gezahlt werden. Die 
Steuerpflichtigen, welche ihren Steuertheil vorauszahlen, sollen einen 
Abzug von 6% gemessen; diejenigen aber, die ausser Stande sind, die 
sen Vorschuss zu leisten, werden mit einem Zuschlag von 6% belastet. 
Die Gemeinden werden ermächtigt, die Totalsumme der Steuer im Na 
men ihrer Steuerpflichtigen vorauszuzahlen. (Zweihundert waren Ende 
Nov. bereits diese Verpflichtung eingegangen.) Gleichwol hat der Mini 
ster, der diese Summe durchaus in klingender Münze realisiren musste, 
um den Dienst zu sichern, geglaubt, das Eingehen dieser Steuer dadurch 
sicher stellen zu müssen, dass er sic im Voraus an das Bankhaus Roth 
schild escomptirte. — 3) Die Négociation von 30 Mill. Schatzbons. 
Was die zur Vermehrung der Einnahmen bestimmten Massregeln 
betrifft, so haben die Kammern die folgenden adoptirt ; 1 ) Erhöhung 
des Tabakspreises um fast ein Drittel, die jährlich 22 Mill, einbringen 
soll, eine Hoffnungsziffer, die sicher nicht erreicht werden wird. — 2) Er 
höhung der Salzsteuer von 30 Centimes das Kilogramm auf 40. Diese 
Steuer soll 12 Millionen liefern. — 3) Erhöhung der Brieftaxe von 15 
Centimes auf 20 für die einfachen Briefe. Angenommene Einnahme: 
2 Millionen. — 4) Erhöhung des Einfuhrzolles auf Colonialwaarcn, wie 
Kaffee, Pfeffer u. s. w. — Angenommenes Mehr: 2 Millionen. — 
5) Zoll von 50 Centimes auf jeden Centner nach Italien eingeführten 
Getreides. Jahresertrag : 2 Mill. — 6) Die Kammern votirten ferner ein 
Gesetz über die Gehaltsabzüge der Beamten. Dieser Abzug, der bis 
26®/u betragen kann, soll ungefähr 5 Mill, einbringen.
        <pb n="351" />
        ITALIEN. — Finanzen Finanzgeschichtliche Notizen). 
327 
Im Uebrigen hat der König eine Verminderung seiner Civilliste von 
3 Millionen gewährt. 
Um wenigstens einige Uehersicht hez. der Einzelheiten des Bud 
gets zu gewähren, lassen wir die Hauptpositionen des für 1864 aufge 
stellten folgen, obwül auch diese Festsetzungen mehrfach abgeändert 
und schliesslich in keiner Feststellung eingehalten wurden : 
Einnahme, a. ordentliche: 
1. Grundsteuer (Einkommensteuer V. Immobiliarbesitze) Lire 112*009,510 
2. Einkommensteuer vom Mobiliarbesitze 13*929,667 
3. Mutationsgebühr (Enregistrement) 66*125,750 
4. Zölle 63*000,000 
5. Accise (Octrois) 22*825,197 
6. Regalien (Salz, Tabak, Pulver, 111*160,000 
7. Lotto 37*042,282 
8. Ertrag der Domänen 49*766,152 
9. Verschiedene Einnahmen, Rückersätze etc 46*244,471 
522*103,029 
b. ausserordentliche Einnahme 150*286,422 
Zusammen Lire 672*389,451 
Ausgabe : 
ordentl. ausserordentl. 
1. Ministerium der Finanzen . . 390*440,882 12*122,954 
2. Min. d. Justiz u. d. Cultus. . 29*475,505 1*114,000 
3. - - Auswärtigen. . . . 3*393,014 173,220 
4. - - Unterrichts .... 14*730,167 806,187 
5. - - Innern 48*629,528 15*385,426 
6. - - öffentl. Arbeiten . . 65*046,053 44*972,486 
7. - - Kriegs 191*626,575 41*700,725 
8. - - Marine 40*726,727 21*704,082 
9. - - Ackerbaus, Handels etc. 3*412,088 2*148,254 
787*4HO,539 140*127,335 
Total nach dieser (modihcirten) Feststellung . . 927*607,874 
Nimmt man darnach den Bedarf für das Kriegswesen (Landmacht 
u. Marine) zu 305*758,1 10, den für die Schuld zu 196*772,400 L. an, 
so ergibt sich eine Gesammtsumme von nicht weniger als 502*530,600 
Lire, d. h. 06,25 Proc. der ordentl. Einnahme; für alle übrigen Be 
dürfnisse bleiben nur noch 3,75 Proc. ! 
Finanzgeschichtliche Notizen'. Schon vor der Zeit der Bildung des 
jetzigen Staate^ reichten die gewöhnlichen Einnahmen in den meisten 
Staaten nicht aus zur Deckung der Bedürfnisse. Correnti und Maestri 
berechnen: 1852 hätten sich die Einkünfte aller nun vereinigten Ge 
biete auf 118%, die Ausgaben auf 446'/* Mill, belaufen; 1850 seien 
diese Zahlen auf 501 und 514 Mill, gestiegen und der Schuldenstand 
sei von 1310 auf 1482 Mill, angewachsen gewesen. Die Richtigkeit 
dieser Aufstellung angenommen, kommt das damalige AHssverhältniss 
doch keineswegs dem jetzigen gleich. Im Uebrigen finden wir in den 
einzelnen frühem Staaten folg. Hauptmomente, woraus ersichtlich, dass 
in dem sardin. Königreich die schlimmste Finanzwirthschaft stattfand. 
a) Königreich Sardinien. Vor der franz. Revolution schätzte 
man die Einkünfte auf 17 Mill. Lire, wozu die Insçl Sardinien brutto 
eine Million, netto aber nur 200,000 beitrug. 1816 nahm man die Ein 
künfte zu 48, den Bedarf zu 56 Mill. an. Nach Unterdrückung der Re-
        <pb n="352" />
        328 ITALIEN. — Finanzen 'Finanzgeschichtliche Notizen). 
volution von 1821 hatte das Land, ausser den bedeutenden Natural 
leistungen, für den Unterhalt des österr. Occupationsheeres jährlich 
6 Mill. Lire zu entrichten (die Occupation dauerte vom April 1821 bis 
zum Oct. 1823). — 1831 betrugen die Einkünfte 68’958,00ü 1835 - 
72’851,000, 1840: 78 426,000, 1846; 84’282,900. 
Einnahmen 
1847 ; 
1848 : 
1840 : 
1850 : 95’500,000 
1851 : 98’320,000 
1852 : IUI'504,000 
1853 : 106’436,000 
Zufolge einer Aufstellung d( 
Ende des Jahres 1853, hatte das 
Ausgaben 
ortientl. augserurdcntl. 
84’(»2Ü,000 Ü2’570,34() 
91’54t;,(IOO lül’379,519 
IOÜ’573,000 112’539,812 
119’914,000 70’230,5«ü 
123’415,000 43’073,552 
127’4«5,000 20’229,680 
127’020,000 23’908,000 
Finanzministers für die Kammer, 
eficit betragen ; 
1851 : 
1852 : 
1853 : 
1854 : 
18'839,39l| 
60’040,824l zusammen in 4 Friedensjahren 
33’320,891( 154’479,583 Lire. 
42’278,470) 
zu 
Aber auch später ward das finanzielle Gleichgewicht nicht herge 
stellt. Die Budgets schlossen mit folgenden Zahlen ; 
1854 
1855 
1850 
1857 
1858 
1859 
1800 
Bedarf 
137’G68,242 
138’852,652 
139’157,335 
143’720,860 
14S’747,552 
150’314,970 
157*805,370 
Einnahme 
128*182,501 
128*422,824 
130*542,008 
135*907,821 
144*982,521 
141*230,210 
149*343,441 
Deficit 
9*485,801 Lire 
10*429,828 
8*005,327 
7*759,045 
3*705,031 
9*078,700 
8*401,935 
Demnach zum voraus anerkanntes Deficit in 7 Jahren 57*555,607 
Lire. Dazu kamen jedes Jahr zahllose Nachtragscredite, und es sind 
nur die gewöhnlichen, nicht auch Kriegsverhältnisse berücksichtigt ' 
ausserdem erscheinen angeliehene Summen unter den Einnahmen. Wie 
bei den meisten in Finanzverlegenheit befindlichen Staaten bezeichncte 
man einen Theil der Ausgaben als » ausserordentliche « Bedürfnisse ob- 
wol dieselben alljährlich wiederkehrten. Die Kriegskosten von 1559 
wurden 1560 vom Minister zu 55*920,557 Lire angegeben, wobei je 
doch weder die Naturalleistungen, noch die von Franlmcich gelieferten 
und später verrechneten Kriegsbedürfnisse von 60 Mill, einbcgrifieii sind. 
b) Parma. Das für 1559 
9'68(i,931 Lire Einnahme nnd 9’394,18G Ansgabe abgeschlossen, 
die Lasten vermehrt wurden, zeigen folgende Zahlen ; 
aufgestellte Staatsbudget war 
4,166 Ausgabe abceschlosspn. 
mit 
Wie 
Directe Steuern Lire 2*030,000 
Beischlagsprócente zu denselben Po 19 080 
Pensionen 7oVooo 
Jahresaufwand für die Schuld . 535¡000 
3*002,000 
1*714,394 
1*179,000 
1*200,000 
Wenige Landschaften erfuhren solche Misshandlungen wie Parma 
So erhielt 1854 Thomas Ward, der Günstling des Herzogs, britischen 
Ursprungs, früher Stallknecht, das Privilegium zum Betriebe aller gegen 
wärtigen und später erst anzulegenden Eisen- und Kupferminen im
        <pb n="353" />
        ITALIEN. — Finanzen Finanzgeschichtliche Notizen). 329 
ganzen Lande. Staatsgüter im Werthe von 2 Mill, wurden ihm um 
100,000 Lire verkauft. Für sich selbst Hess der Herzog die Auflagen 
erhöhen, ordnete Zwangsanlehen an, zog das Vermögen der Wohlthätig- 
keitsanstalten ein, und liess, um in den Besitz des sämmtlichen Metall 
geldes zu gelangen, Schatzbons mit Zwangscurs ausgeben ; was er auf 
treiben konnte legte er im Auslande an. Nach Ermordungs des Her 
zogs (27. März 1854) verwandelte seine Gemahlin, nun Regentin, das 
gezwungene in ein freiwilliges Anlehen von 2 Mill. Lire und hob die 
Verordnung wegen Einziehung des Vermögens der Wohlthätigkeitsan- 
stalten auf. 
c) Modena. Die Finanzverwaltung ward geheim gehalten. 
d) Toscana. In den 1850er Jahren hatte die Regierung meist 
mit einem Deficit zu kämpfen, herbeigeführt durch die Unterhaltskosten 
der österr. Truppen (1855 veranschlagt zu 2’343,734 toscan. Lire). 
Das Budget für 1859 schloss übrigens ab mit 39’866,400 Einn. und 
39 781,300 Ausgabe. Eine Veröffentlichung des Finanzministers vom 
ISIärz I860 (nach Vertreibung des Grossherzogs) berechnete die Ein 
künfte für 1859 zu 33’487,770, für 1860 aber zu 81’608,783, mit 
entsprechenden Ausgabesummen. Vor der Revolution habe das Militär 
6 990,732 gekostet, 1860 seien 23*417,229 Lire dafür erforderlich. Der 
Minister fügte bei : wenn die nächsten Folgen der Revolution überstan 
den seien, werde man etwa 41 Mill. Einkünfte, dagegen 55 Mill. Be 
darf haben. 
e) Beide Sicilien. Der König von Neapel erkaufte 1796 von 
Frankreich den Frieden um 8 Mill. Franken. Um die Mittel dazu auf 
zutreiben, musste Jedermann seine silbernen und goldenen Gefässe ab 
liefern gegen Papiergeld, das schnell auf */, seines Nennwerthes herab 
sank. Ausserdem bemächtigte sich die Regierung des Eigenthums der 
7 Banken, und erhob ausserordentliche Zwangssteuern ('/,o vom Ein 
kommen). Als der Hof nach Sicilien floh, konnte er für 20 Mill, edle 
Metalle mit sich führen. — Mit der Restauration (unter den Gräueln 
der Banden des Cardinals Ruflb) kehrten auch die Verschwendungen 
der Königin Caroline und ihres Gttnstlings Acton zurück. Als der letzte 
1804 auf Napoleon’s Dictât vom Ministerium entfernt ward, erhielt er 
Domänen mit 30,000 Ducati Ertrag geschenkt. In noch viel grösserer 
Ausdehnung verschleuderte Napoleon auch hier die Domänen. Bei Ein 
setzung des neuen Königs behielt er sich die Verschenkung von neapolit. 
Staatsgütern mit einem Jahresertrage von einer Million vor. In der 
Napoleon’schen Constitution von 1808 war für den König eine Civilliste 
von 1*032,000 Ducati bestimmt. Die Staatsbedürfnisse wurden für 1808 
auf 12 700,000, die Einkünfte nur auf 5*700,000 Ducati berechnet; zur 
Deckung des Deficits sollte , unter Aufhebung der Zehnten und Frohn- 
den, eine Grundsteuer von 7 Mill, erhoben werden. — Die Restauration 
der Bourbonen kostete ungeheuere Summen. Der König versprach den 
Oesterreichern zum Voraus (Vertrag vom 29. April 1815) 25 Mill. Fr. 
Kriegsentschädigung. Sodann musste das Land dem Vicekönige Eugen, 
obwol er Neapel gar nichts anging, für angeblich anderweite Ansprüche, 
5 Millionen Franken »Entschädigung« bezahlen. Unter dem Titel von 
» Ausgaben der hohen Politik « wurden ferner zur Zeit des Wiener Con-
        <pb n="354" />
        330 
ITALIEN. — Finanzen (Schuld). 
gresses 6 Mill. Ducati verschleudert, wovon 2 Mill, an auswärtige 
Unterstützer der bourbonischen Sache, insbesondere auf jenem Con 
gresses) • — Die herrschende Finanznoth veranlasste nicht nur Beibe 
haltung der verhassten Napoleon’schen Grundsteuer, sondern man er 
höhte dieselbe um 35 Proc. Die Verschleuderung des Nationalver 
mögens dauerte fort*) **). — Für den Verfassungsumsturz von 1S22 be 
zahlte man an Oesterreich 85 Mill. Ducati Kriegskosten [nach Angabe 
des Österreich. Generals Bianchi]***). — Als Ferdinand II. den Thron 
bestieg (Nov. 1830), lag ein Jahresdeficit vor von 050,000 Ducati. 
Nun wurden Ersparungen vor genommen am Unterhalte des Militärs 
und der Gefangenen. Dagegen bestimmte ein Decret des Königs für 
jeden Prinzen ein Majorat von einer halben Mill., durch den Staat ver 
zinslich vom Tage der Geburt an. (S. Gualterio, tivolgimenti italiani.) 
Im Uebrigen wurden die Plrgebnisse der Finanz Verwaltung geheim ge 
halten. Erst nach dem Sturze der Bourbonen erfuhr man, dass das 
letzte Budget mit einer Einnahmesumme von 31 020,300 Ducati abge 
schlossen habe. Wie hoch sich der Ausgabeetat belief, wissen wir nicht. 
— Doch scheint die Finanzverwaltung schliesslich eine vollkommen ge 
ordnete gewesen zu sein. 
Schuld. Die italien. Regierung betrachtete es als politische Auf 
gabe , jeden Unterschied der Schulden der verschiedenen Theile des 
neuen Staats zu verwischen. So erschien denn im Juni 1801 ein Ge 
setz, welches, behufs »Unificirung« der sämmtlichen Staatsschulden, 
die Umschreibung aller älteren Obligationen befahl der Verkaufswerth 
derselben war freilich früher ein sehr verschiedener gewesen). Es waren 
80 verschiedene Kategorien in fünfprocentige Schuldscheine des König 
reichs Italien umzuwandeln. Der Stand der Einzelschulden, anfangs zu 
2,100’383,583 Idre berechnet, stieg später, mit Dazurechnung der 
schwebenden Schulden, auf 2,2-1 l’87O,000. Davon rührten nicht weniger 
als 1170 Mill, (also über die Hälfte) vom Königreich Sardinien her, und 
zwar nach Abrechnung von 00 Mill, für Savoyen. Die Schuld der Imm- 
bardei erscheint mit 15(i’, Toscana mit 1 30' (die von der j)rov. Regierung 
aufgenommenen Gelder eingerechnet), Parma mit 117, Modena mit 
18’88, die frühem päpstl. Gebiete mit 30’20 , Neapel mit 520 und Si 
cilien mit 187 Mill. Sodann nahm der neue Staat (Juli 1801) ein An 
lehen von 500 Mill, auf, das im Curse von nur 70 Proc. emittirt 
wurde (oder eigentl. von 00,33, da der Zinsgewinn 1,17 Proc. betrug), 
wesswegen für mehr als 700 Mill. Schuldscheine ausgegeben werden 
*) Talleyrand erhielt hievon eine Million, und als Herzog von Dino über 
dies 00,000 hrc. Jahresrenten ¡ der österr. General Hianchi illefehlshaber der 
Truppen gegen Murat) bekam 40,000 Fres. Rente, der spätere Finanzminister 
Luigi Medici 25,000, Alvaro Ruffo ebensoviel. (Enthüllungen eines späteren 
neapol. Finanzministers.) 
**) 1810 sprach man von »Ersparungen an den Kriegskosten«, blom um den 
Ministern Medici und Tommasi, sowie dem österr. General Nugent, jedem 
00,000 Ducati von dieser angebl. Ersparung schenken zu können. Tommasi 
bezog für ein mit dem röm. Stuhle abgeschlossenes Concordat 80,000 Ducati. 
***■) Dabei beschenkte der König die österr. Generale glänzend; Frimont 
allein erhielt 200,000 Ducati. (Nicht blos die Revolutionen, sondern auch die 
Reactionen sind kostspielig.)
        <pb n="355" />
        ITALIEN. — Finanzen (Schuld). 
331 
mussten, wofür die Staatscasse 494’867,986 Lire wirklich erlangte. Die 
schwebende Schuld dazu gerechnet, entziffert sich Ende 1864 eine Ge- 
sammtsumme der Schuld von 4,145'63U, 160 Lire, ungerechnet den wegen 
Erwerbung päpstlichen Gebiets zu übernehmenden Schuldantheil (wofür 
schon früher 430 Mill, in Aussicht genommen waren). 
Schuldverhältntss der frühem Einzelstaaten. 
a) Sardinien. So sehr das Schuldenanhäufen in der Neuzeit ein 
gerissen, hat doch kein anderer Staat seine Passiva verhältnissmässig so 
ungeheuer vermehrt, wie der sardinische. Vor der ersten franz. Revo 
lution war das Land schuldenfrei ; die Republik Genua besass sogar be 
deutende Capitalausstände (1780 schätzte man dieselben auf 45 Mill. 
Rthlr.). Am l.Jan. 1835 war der Schuldenstand Sardiniens 99’779,510 
Lire. Allein die üble Wirthschaft steigerte denselben schon vor 1847 
bedeutend. Die beiden Kriege von 1848 und ‘49 kosteten 205 7 15,803 
Lire, wovon 78'616,667 Kriegsentschädigung an Oesterreich. — So 
dann wurden bis Ende 1852 98’209,600 für Eisenbahnen verausgabt, 
und hierauf weiter 12 Mill, bis Ende 1854 verwendet. Dies beträgt für 
Krieg und Eisenbahnen zusammen etwa 316 Mill. Allein man hatte vom 
Jahre 1848 his Ende 1854 nicht weniger als 568% Mül. neue Schulden 
Contrahirt (darunter ein unterm 7. Sept. 1848 angeordnetes gezwun 
genes Anlehen von 50 743,000 Lire). Für 418’156,185 wirklich be 
zahlte Lire musste man 503*252,126 verschreiben, und jedes Jahr 
brachte die enormsten Ausfälle in der gewöhnl. Verwaltung. Nun kam 
der Krimkrieg, Die ausserordentliche Militärausgabe in den bei 
den Jahren 1855 und 56 betrug 44*948,578 für das Landheer, 7*959*062 
für die Marine; zus. 52*907,640 Lire. Mit Dazurechnung der gewöhn 
lichen Militärausgaben kostete das Kriegswesen in jenen zwei Jahren 
130 Mill. Das Geld Hess sich nur durch Anlehen beschaffen. Allein es 
mangelte an Credit, England leistete Bürgschaft für zwei Kriegsanlehen, 
zus. 2 Mill. £ = 50 Mill. Lire. Gleichwol konnte man 5 ®/„ Papier nur 
zu 79"/o verwerthen; das Land musste also die aufgenommenen Capita 
lien thatsächlich zu 6'/, % verzinsen. — Als im Jahre 1858 ein neues 
Anlehen von 40 Mill, aufgenommen ward, machte die reactionäre Op 
position geltend: in den 17 Jahren 1830—4 7 seien 163% Mill, ge 
liehen worden, in den 10 Jahren 1848—58 dagegen 570 Mill. — Der 
Krieg von 1859 erforderte ungeheure Anstrengungen, Im Februar er 
mächtigten die Kammern zu einem Anlehen von 50 Mill. : in Wirklich 
keit wurden für 3*229,280 Lire Renten = 64*585,600 Capital zu 5% 
ausgegeben. Im Mai schoss die Turiner Bank dem Staate 30 Mill, vor, 
nur zu 2®/„ verzinslich, wogegen die Anstalt Noten bis zu 20 Lire herab 
ausgeben durfte, wie denn auch die Banknoten Zwangscurs erhielten. 
Mitte Oct. ertheilte ein königl. Decret* dem Finanzminister Ermächti 
gung, ein weiteres Anlehen von 100 Mill, in Renten aufzunehmen. Im 
Juni 1860 genehmigten die Kammern die Aufnahme eines Anlehens von 
150 Mill. , welches im Aug. nominell zu 80,50, aber nur zu 78,40 
effectuirt ward. Ausserdem wurde die von Frankreich als Schuldantheil 
der abgetretenen Provinzen ausbezahlte Summe von 150 Mill, gleich 
falls im laufenden Haushalte verbraucht Aus Veranlassung der Erwer 
bung der Lombardei musste Sardinien 250 Mill. Lire Schulden über-
        <pb n="356" />
        / 
Æ 
332 
ITALIEN. —Militär (Landmacht). 
nehmen. Hievon haften 150 Mill, auf dem Monte Lombardo- Veneto, 
wogegen man auch Activa erhielt: dagegen mussten 100 Mill, haar an 
Oesterreich bezahlt werden. Frankreich schoss die Summe vor gegen 
Auslieferung 5proc. sard. Renten , welche indess nur zum Durchschnitts- 
curse vom 29. Oct. 1859 angenommen wurden. 
b) Emilia. Vor der definitiven Vereinigung mit Sardinien nahm 
die provisorische Regierung 40 Mill. Lire auf. 
c) Toscana. Um 1842 sollen die Schulden abgetragen gewesen 
sein. Die nach 1849 restaurirte Regierung borgte bis 1853 110’0G6,0fi6 
Lire, ungerechnet die Ausgabe von 8% Mill. Papiergeld. Bis zur Ver 
einigung mit Sardinien lieh die prov. Regierung 30 Mill. 
d) Neapel und Sicilien. Unmittelbar vor der Zeit der Revolu 
tion hatten die Staatspapiere einen sehr hohen Curs. 
Militär. Landmacht. Das sardin. Conscriptionsgesetz bildet die 
Grundlage der Wehrverfassimg des neuen Königreichs. Ein Theil der 
Jünglinge (im Königr. Sardinien war die Zahl auf jährl. 9000 M. fest 
gesetzt) wird für das stehende Heer ausgehoben, der Rest, eine Reserve 
bildend, soll jährl. 40 Tage lang in den Waffen geübt, kann aber aus 
serdem nur im Kriegsfälle zu den Fahnen gerufen werden. Ueberdies be 
steht eine Nationalgarde, alle nicht im activen Militärdienste stehenden 
Männer bis zum 34. Altersjahre in sich begreifend. 
Die tactische Eintheilung der Armee ward durch königl. De 
cret vom 24. Jan. 1862 folgendermassen bestimmt: 6 Armeecorj)s, jedes 
von 3 Divisionen, die Divisioß zu 2 Brigaden, 4 — 0 Bataill. Scharf 
schützen [Bersaglieri], 2 RegTtüavallerie und 0—9 Batterien ; — aus 
serdem eine allgemeine Cavallerie-Reservedivision und eine Artilleriere 
serve von 10 Batterien. Die Linien-Infanterie-Regimenter haben 4 , die 
Scharfschützen 0 active Bataillone zu 4 Compagnien. — Unterm 29. 
Juni 1862 erfolgte die Creirung von 2 weiteren Grenadier- und von 10 
weiteren Füsilierreg. etc. — Die Zahl und Stärke der einzelnen Corps 
findet sich in einem Berichte einer Commission der Abgeordnetenkam 
mer vom Juli 1861 folgendermassen angegeben; 
Hann 
Infanterie, Linie: bO Keg., (wov. b Grenad. u. 72 Füsiliere) 
— Jäger: (Bersaglieri) (i (seitdem nur 5) Reg. 27,336 — . . 259,312 
Cavallerie: 26 Reg. (4 Cürass., 20 leichte Reiterei, Lanciers u. Che- 
vauxleg., 2 Cuiden 26,335 
trie: 10 Reg. (5 Feld-, 3 Festungs-, 1 Ponton-, 1 Arbeiterreg.) 31,347 
.• 2 Reg., 6862; — Train: 3 Reg., 7957 = 14,819 
Verschiedene Corps (Administration, Freischützen etc.) 9,094 
frcnifar/ucne (Carabinieri) : 14 Legionen 19,227 
Zusammen (ungerechnet etAa 14,000 Officiere) .... 1 36Öj34 
Rechnet man die Officiere und 8000 Veteranen dazu, so ergeben 
sich über 380,000, und mit den Seesoldaten (wobei 2 Marineinfant.- 
Reg.) gegen 400,000 M. Die mobilisirbare Nationalgarde wird zu 
150,000 angeschlagen; Zollschutzwächter gibt es 14,000 Die Gesammt- 
summe steigt somit (auf dem Papiere) über 550,000 Mann. 
Hievon weicht aber die wirkliche Stärke sehr bedeutend ab. So 
wurde z. B. in den Vorlagen des Kriegsministers an die Abgeordneten- 
Artillerie 
Genie
        <pb n="357" />
        ITALIEN. — Militär (Landmacht). 
333 
kammer von 1S62 die eöective Stärke (statt der nominellen von 303,048) 
folgendermassen angegeben ; 
Linieninfanterie 111,207 M., Bersaglieri 17,508, Cavallerie 10,536, Artil 
lerie 17,302, Genie 4,397, Train 2,485, Verwaltung 2,755, Carabinieri 18,516, 
Veteranen 4,879, Sanitätstruppen 395, zus. 190,100 Mann. 
Seitdem hat die finanzielle Noth zu sehr bedeutender Verringerung 
des Militärstandes genöthigt. 
Nationalyarde. Ein Gesetz vom 4. August 1861 hat die Bildung 
von 220 Bataill. mobilisirter Nationalgarde angeordnet. Nach den auf 
gestellten Listen gehören übrigens 1’230,988 Bürger in die active 
Nationalgarde (wovon 726,219 als mobilisirbar bezeichnet werden), 
766,552 weitere werden als Reserve aufgeführt, was eine Gesammtzahl 
von nicht weniger als l’997,54ü Mann ergäbe. — Der milit. Werth 
dieser Masse dürfte indess sehr gering anzuschlagen sein. 
Festungen. In den alten festländ. Provinzen: Alessandria, Casale, 
Genua und 18 kleinere ; in der Lombardei : Pizzighettone, Pavia und 
3 Forts ; — Mittelitalien : Ancona, Ferrara, Piacenza, Bologna, 
Reggio; Castelle zu Livorno, Siena, Volterra, Pistoia, Florenz; dann 
4 kleinere und auf der Insel Elba; Porto Ferrajo u. Porto Longone ; — 
Unteritalien: Gaeta , Capua, Civitella dell’ Troute, Pescara; Cita 
delle von Neapel ; — auf Sicilien Messina, Siracus u. Forts von Pa 
lermo ; auf der Insel Sardinien : Cagliari u. Sassari. 
Kriegsgeschichtliche Notizen. Die Stärke der Truppenmacht aller 
ital. Staaten ward 1858 auf 173,700 Mann im Frieden berechnet, für 
den Krieg auf 250,000. Einzelne Länder : a) Sardinien. Die Könige 
dieses Militärstaats, stets nach Vergrösserung lüstern, unterhielten immer 
ein ansehnliches Heer. Vor der ersten franz. Revolution zählte dasselbe 
24.000 Mann. Zufolge Vertrags vom 25. April 1793 mit England ver 
pflichtete sich der König, für 200,000 £ Subsidien, 50,000 M. gegen 
Frankreich zu stellen. Später kämpften die Piemontesen ruhmvoll in 
der franz. Armee. — Ende März 1848 rückten etwa 30,000 M. sar- 
dinische Truppen in die Lombardei ein. Ihre Zahl ward allmählig auf 
65.000 gebracht, ungerechnet die Hülfstruppen aus der Lombardei, 
Rom, Toscana und Parma. Indessen sollen, nach der Versicherung 
des commandirenden Generals Bava, doch nur 15,000 schlagfertig ge 
wesen sein. Die Soldaten bewiesen Tapferkeit, Geschick und Aus 
dauer. Allein man liess es ihnen an Allem fehlen, und die Führung 
war, besonders wegen des steten Eingreifens des Königs Karl Albert, 
eine ungeschickte. Während des Waffenstillstandes vermehrte man das 
Heer auf dem Papiere bis zu 135,000 M. (worunter die lombardische 
Division von 5,500). Beim Wiederbeginne des Kampfes zählte man 
aber höchstens 85,000 active Combattanten. Die Cavallerie, besonders 
die Artillerie, waren trefflich, die Artillerie aber nicht zahlreich genug, 
und an leichter Reiterei fehlte es. Die Infanterie stand der öster 
reichischen weit nach. Bei der ganz schlechten Führung dauerte der 
Feldzug nur vom 20. bis 24. März 1849; er endete mit der Schlacht 
von Novara. — 1855 find 56 nahm Sardinien am orientalischen Kriege 
Theil; es sendete 17,584 M. nach der Krim, die sich wacker hielten, 
wovon aber selbst nach den officiellen Angaben 2,532 (also 14,4 Proc.),
        <pb n="358" />
        334 
ITAIJEN. — Militär (Marine). — Sociales. 
umkamen. — Deber den Feldzug von 1S59 fehlen noch statist. Nach 
weise. 
b) Neapel und Sicilien. Vor der französ. Revolution bestand 
das Heer aus ungef. 25,000 Mann. Als man dasselbe 1798 auf angeb 
lich 120,000 brachte (Mack drang mit 00,000 derselben in das römische 
Gebiet ein), hatte man fast nur ungeübte Massen, welche von den Fran 
zosen schnell zerstreut wurden. — Unter Murat’s Regierung kämpften 
Neapolitaner zur Seite der Franzosen, namentlich in Spanien und in 
Russland. Gegen Napoleon vermied der König 1811 jeden ernsten An 
griff. Als er 1815 die Grenze wieder überschritt, zählte seine active 
Armee in Wirklichkeit wenig über 30,000 M. (s. Pepe, memorie) ; er 
ward von den Oesterreichern unschwer geschlagen (Treffen bei Mace- 
rata). — Zur Vertheidigung der Cortesconstitution geschah 1822 fast 
nichts, — vielmehr wurden die Vertheidigungsm assregeln vom Regenten 
und einem Theile der Generale systematisch vereitelt. Wilh. Pepe, 
gegen welchen der ganze Stoss der österr. Executionsarmee (58,000 M.) 
gerichtet war, hatte nur 18,000 Linientruppen und nicht einmal ebenso 
viel Milizen. Nach dem Treffen bei Rieti lösten sich die Truppen fast 
vollständig auf. — Im Frühjahre 1848 sendete der König ein Heer 
.unter Wilh. Pepe zur Bekämpfung der Oesterreicher nach Oberitalien, 
rief dasselbe aber sogleich nach dem Verfassungsumsturze zurück. Einige 
kleine Abtheilungen verweigerten den Gehorsam, geführt von Pepe und 
einer Anzahl anderer Officiere ; sie zeichneten sich in Vertheidigung 
Venedigs durch Geschicklichkeit wie durch Muth aus. Der König von 
Neapel selbst unternahm 1849 einen Feldzug gegen die römischen Re 
publikaner , ward aber von Garibaldi schmählich über die Grenze zu 
rückgetrieben. Vor der letzten Umwälzung zählte das neapolit. Heer 
formationsmässig 92,586, mit der Reserve sogar 143,586 Mann. 
Märine. Dem Marinebudget für 1865 zufolge zählt man 73 Kriegs 
und 25 Transportschiffe. Unter ersteren befinden sich 1 Schrauben 
linienschiff, 13 Schraubenfregatten ersten Rangs , wovon 5 gepanzert, 
9 Fregatten zweiten Rangs, wovon 2 Segelfregatten und 6 gepanzert, 
10 Corvetten ersten Rangs, wovon 2 Segelcorvetten und 2 gepanzert, 
17 Corvetten zweiten und dritten Rangs, 14 kleinere Schiffe, 8 Schrau- 
ben-Kanonenboote und ein Dampfwidder. Von diesen Schiffen sind 
noch 13 im Bau, darunter der letztgenannte Dampfwidder »Affondatore« 
in London, dessen Kosten auf 4 Mill. Fr. angeschlagen sind. Der 
Gesammtkostenbetrag der Flotte beläuft sich annäherungsweise auf 
141 033,205 Lire. Eine andere in den ital Kammerverhandlungen 
von 1861 mitgetheilte Aufstellung ergibt ; 14 Panzerschiffe, 31 Schrau 
ben- und 36 Raddampfer, endlich 18 Segelfahrzeuge. Sie führen zus. 
1324 Kanonen, haben 26,030 Pferdekraft 1 28,479 Tonnen Gehalt u. 
21,930 Individuen zur Bemannung. Die Kosten werden hiebei zu 
141’429,205 Lire angegeben. Das grösste Schraubenschiff ist der Re 
Galantuomo von 64 Kan., aber nur mit 450 Pferdehr. ; dagegen haben 
5 Panzerfregatten je 36 Kan. u. 800 — 900 Pferdekr. 
Sociales. So viele begründete Klagen sich "auch gegen die jetzige 
Verwaltung in Italien erheben, so muss doch immerhin anerkannt wer 
den, dass die neue Ordnung der Dinge frisches Leben statt der früher
        <pb n="359" />
        ITALIEN. — Sociales (Volksbildung). 
335 
herrschenden Stagnation brachte, durch welche jeder Aufschwung der 
an sich so befähigten ital. Nation in Entwicklung der geistigen Kräfte 
wie des materiellen Wohlstandes unmöglich gemacht war. 
Volksbildung. Nach einer ministeriellen Aufstellung*) besassen 
von den 7721 Gemeinden im J. IS®*/«, 7027, 1S*%; dagegen 7290 
Volksschulen. Da«aber in manchen Gegenden die »Gemeinden« einen 
Umfang von mehren deutschen Q.-M. besitzen, und etwa den französ. 
Kantonen gleichen, so ergeben diese Zahlen nur etwa in Beziehung auf 
die Zunahme während eines Jahres ein richtiges Bild. Die Zahl der 
Lehrer stieg gleichzeitig von 12,475 auf 14,253, die der Lehrerinnen 
von 6631 auf 7604. Die Schulen wurden von 459,273 Knaben und 
341,929 Mädchen, sonach 801,202 Kindern besucht. Im nächsten 
Jahre stieg die Gesammtzahl auf 939,234. Es ward übrigens festgestellt, 
dass von je 1000 Einwohnern weder lesen noch schreiben konnten : 
männi. weibl. 
in den alten Provinzen u. der Lombardei . . 461 574 
- Mittelitalien 641 750 
- Neapel und Sicilien 835 938 
Da die Gesammtzahl der Kinder im Alter von 6 — 12 Jahren 
3'166,600 beträgt, so ergibt sich, wie viel noch zu thun ist. — Im 
J. 1S*%, zählte man ferner 147 technische Schulen, 250 Gymnasien u. 
87 Lyceen; sie waren besucht von: 7666 Gewerbschülern, 16,281 
Gymnasiasten u. 3948 Lyceisten. Universitäten gibt es 19; die Stu 
dentenzahl ward nur zu 5508 angegeben , während es im Vorjahre 
15,668 gewesen sein sollen, wovon 9, 159 auf Neapel allein gekommen 
wären , indess diese Universität 18"^%^ geschlossen erscheint. Nächst 
Neapel war Pavia am bedeutendsten mit 1173, dann Turin mit 888 
Studenten. Die übrigen LTniversitäten befinden sich zu Bologna, Cagli 
ari, Camerino, Catanea, Ferrara, Genua, Macerata, Messina, Modena, 
Palermo, Parma, Perugia, Pisa, Sassari, Siena und Urbino. 
Literatur. Abgesehen von den periodischen, erschienen 1863 4243 
Schriften (worunter aber offenbar eine Menge bloser Broschüren). Dar 
unter solche über: Literatur 685 , Unterricht 608, Theologie 460 (die 
Kirche also bereits überholt durch die Schule!), Volkswirthschaft, Sta 
tistik etc. 286, Geschichte 251, Rechtswesen 239, Politik 232, Me- 
dicin 228, Technologie 226 etc. — Zeitungen und Zeitschriften gab 
es 1863 365, wovon 119 in den alten piemont. Provinzen, 84 in der 
Lombardei, 54 in Neapel, 4 6 in Toscana, 24 in der Emilia, 21 auf Si 
cilien und 17 in den Marken und Umbrien gedruckt wurden. 
Geistlichkeit. Man zählt nicht weniger als 44 Erz- u. 185 gewöhnl. 
Bischöfe (in dem viel grösseren Frankreich nur 17 Erz- u. 71 Bischöfe). 
Abgesehen von den gewöhnl. Geistlichen, umfasst der Ordensclerus (nach 
einer ministeriellen Kammervorlage vom Febr. 1864) in 82 verschie 
denen Orden u. 2382 Klöstern, von denen 658 den Bettelorden ange 
hören: 15,49 1 Mönche, 18,198 Nonnen, 4 168 Novizen u. 7671 Novi 
zinnen. — Die jährlichen Erträgnisse der Geistlichengüter sind folgen- 
dermassen veranschlagt; die der relig. Corporationen zu 16’216,532, 
der Bisthümer 7*737,214, der Fabriken 1 5*400,748, der Präbenden etc. 
*) Annuario dell’ Istruzione pubblica del regno d’Italia.
        <pb n="360" />
        336 
ITALIEN. — Sociales. 
36’912,722, zus. 76’266,216 Lire. Man hält diesen Voranschlag für 
zu niedrig. Der Capitalwerth der Geistlichengüter wird auf nahezu zwei 
Milliarden geschätzt. 
Bodenanbau. Nach der Berechnung Correnti’s (welche jedoch im 
Verhältniss zum angegebenen Umfange des Staates um 4% Mill. Hek 
taren zu niedrig ist), umfassen • 
Die Aecker und Weinberge lO’Ol 1,102 Hectaren, die natürl. und künstl. 
Wiesen 859,701, lleisfelder 119,430, Olivennflanzungen 552,384, Castanien- 
pflanz. 579,910, Gehölze 3’92(i,9S7, Weiden 5m)91,820 (zus. 2ri41,400 llectar.) 
— Eine andere Berechnung führt 4’220,773 Hectar. Waldungen auf, wovon 
2’367,591 in öflentl., 1'853,182 in Privateigenthum. 
Die Production wird folgendermassen veranschlagt : 
Weizen 33'128,870 Hectoliter, Mais 14’3OO,270, Iteis 1’241,498, zus. mit 
dem andern Getreide 05’008,847 Hectol. — Castanien 5’2S4,142, Kartoffeln 
9'300,893, Hülsenfrüchte 3’802,010, Gel 1'552,372, Wein 20'273,771 Hectol. 
(Diese letzte Annahme dürfte bedeutend zu hoch sein.) — Ferner: Manna 3 7 5,100, 
Liquiriz 1'451,580, Cocons (Seide) 38, nach Andern 54 Mill. Kilogr. Ueber das 
Ergebniss der bedeutend gestiegenen Baumwollpffanzung fehlen neue Notizen. 
Die Getreideeinfuhr ward 1801 auf 922,535, die Ausfuhr auf 107,140 Hect. 
geschätzt, im Geldwerthe erste von 18%, letzte von 2’%Mill. Lire. —Den Geld 
werth des Oeles schätzte man auf 50 '. Mill. Lire, den der Butter und des Käse in 
der Lombardei allein auf 75', der Seide auf 110—170', desTabaks auf 03 V, Mill. 
Viehstaml; 3'272,595 Stück Rindvieh, 1'280,758 Pferde, Esel u. Maulesel, 
8'415,790 Schafe, 2'174,017 Ziegen, 3’049,9l0 Schweinen. 
Handel. Nach einer auf Grund der alten Zollregister aufgestellten 
Liste betrug der internationale Handelsverkehr vor dem Jahre 1859 im 
Umfange des jetzigen Königreichs ungefähr Gü7'/a Mill. Lire Ein- und 
gegen 570’ Ausfuhr. Da die Binnenzölle in dem neuen Staate hinweg 
fielen, so mussten sich die Summen zunächst vermindern, ln Wirklich 
keit ergeben die Aufstellungen für das Jahr 1801 eine Einfuhr von 
476’791,930 Lire Ein- u. 3 19’107,448 Ausfuhr ; für 1802 werden da 
gegen (zieml. auffallende Zahlen!) angegeben: S21’511,545 Lire Ein- 
u. 479’167,097 Ausfuhr. Die bedeutendsten Summen kommen auf den 
Verkehr mit: 
Frankreich 
England 
Oesterreich 
Schweiz 
Russland . 
Niederlande 
Belgien 
Schweden . 
Einfuhr aus 
218’788,758 
190'090,475 
157'933,501 
83'709,234 
33'710,525 
24'207,358 
7'709,I73 
2'100,199 
Ausfuhr nach 
184'3')9,h03 Lire. 
25’971,787 - 
00'409,910 - 
140'443,041 - 
1'841,94 5 - 
1'509,575 - 
3'737,339 - 
311,442 
mit 
606,000, u. 52 Dampfer mit 16,886 Tonnen. (Eine vief höhere An 
gabe der Shipping Gazette beruht auf Verwechslung mit dem Hafen 
verkehre.) Der Hafenverkehr (1862) : 
eingelaufen 
ausgelaufen 
Segelschiffe 
Dampfer 
Zusammen 
Schiffe 
13,381 
422 
Tonnen 
2'211,801 
82,045 
Schiffe 
13,489 
422 
13,911 
Tonnen 
2'190,987 
82,045 
2'279,032 
13,803 _ 2'293,840 
Von der Gesammtzahl (ein- u. ausgelaufene Fahrzeuge zusammen) 
waren 18,473 Schiffe mit 2’808,228 Tonnen befrachtet, 9241 Schiffe
        <pb n="361" />
        italien. —Sociales /Eisenbahnen). 
337 
1 764 650 Tonnen. Dagegen bios mit Ballast. — Auch befinden 
sich unter der Gesammtzahl 4849 befrachtete Fahrzeuge und 3754 mit 
Ballast (erste von F133,482, letzte von 975,276 Tonnen), welche blos 
anlegten (wegen Beschädigung, Einnahme von Bedürfnissen etc.). 
htsenhahnen. Im April 1859 standen erst 1472 Kilom. im Be 
triebe; im Januar 1864 dagegen 2881 , während weitere 1103 sich im 
aue befanden Im März 1864 wurden 2990 Kilom. (über 400 Meil.) 
Die (^sammtWe aller Verkehr»'»“/;" wa"d lu »'o.wl 
1 3,oÄ:1. ÄÄ 
Bureaux 4o9. — Dazu kamen 18 unterseeische Drahtleitungen von 524 
Kilom. Lange. Die Zahl der Depeschen betrug 1862 bereits 1’566 280 
Post. Zahl der Briefe : 1862 7F502.779; 1863 72 513,346. Dazu 
Zeitungen 45 327,810 (9’72l,620 mehr als im Vorjahre) und 8 1 14 024 
andere Drucksachen. (Auf den Kopf der Bevölkerung kamen also nur 
3,1»5 Briefe und Kreuzbandsendungen und 2,08 Zeitungen.) 
Actiengesellschaften. Seit 1860 sind im Königreich Italien 98 
Actien-Gesellschaften gegründet worden. Vorher existirten deren 279, 
so dass jetzt eine Gesammtzahl von 377 anonymer Gesellschaften be 
steht mit einem Nominal-Capital von 1,353’270,820 Lire. Das Capital 
vertheilt sich auf die verschiedenen Provinzen wie folgt : 
I'iemout. 
Lombardei 
Toscana . 
Komagna 
755’s4H,5oo Lire. 
oroi(»,()24 - 
193’512,S52 - 
lOS’ö25,2n - 
Modena 
Neapel 
u. Parma 
Sicilien 
Zusammen 
9’322,0((0 Lire. 
lS5’785,.3h3 - 
39’202,25ü - 
, 1,35:í’270,820 Lire. 
Auf Banken, Eisenbahnen und Kanäle kommt von diesem Capital 
mehr als eine Milliarde. — Die »Nationalbank« vermittelte 1862 für 
iBt Turin, sie hat auaaerdem 
in 2/ Städten huíale. Notencirculation Ende 1864; 77 Mill. Lire. 
Cnlturgeschichtliche Notizen aus den einzelnen Landestlieilen 
bcaitre ddrte nicht lesen und schreiben lernen. _ Auf der Insel S.rdi- 
itn hatte sich ohnehin das hcudalwesen erhalten. Adel und Oeistlich- 
keit besitzen dort das grosse Grundeigenthum. Der Landmann ist nicht 
freier Ligenthflmer; höchtens erscheint das ganse Dorf als Nutsniesser 
«ner Anzahl leider, welche gemeinsam bewirthschaftet werden. (Im 
Ortschaften! davon gehörten aber 
nb T if V'* u dem Adel. Noch nicht genug damit, war 
Ober die Hälfte des Areals der Insel mit 220,000 Menschen das Eigen 
em remder Adelsfamilien, die ihr Einkommen im Auslande ver- 
K otb, StatiitiW. 4. Aufl.
        <pb n="362" />
        338 
ITALIEN. — Sociales. 
zehrten.) Noch im J. Ib33 zählte man auf Sardinien 376 grosse Feudal 
güter, wovon die Hälfte im Besitze spanischer Adelsfamilien. Die 
Bevölkerung befindet sich in mancher Beziehung noch in halbwildem Zu 
stande. — Eine bedeutende Veränderung fand seit 1&amp;4S, zumal auf 
dem Festlande statt : Beschränkungen des Adels und Klerus, und Aus 
bildung des Constitutionalismus. Nachdem im März 1S50 (Siccardi’sches 
Gesetz) die geistliche Gerichtsbarkeit und andere Privilegien des Klerus 
aufgehoben worden (doch wagte man noch nicht einmal, die in Frank 
reich, Belgien, dem deutschen linken Rhein gebiet bestehende »Civilehe« 
einzuführen), drängte die finanzielle Noth zu einer Einziehung von 
Klostergütern. Zufolge des Gesetzes vom 25. Mai 1855 wurden 
aufgehoben : 
60 Klöster auf dem Festlande mit 
40 - - - - - 
40 - - Sardinien 
182 Bettelklöster 
05 Capitel 
Geistliche Beneficien 
772 Mönchen und 770,000 Lire Eink. 
1,085 Nonnen - 202,000 
488 Individuen - 309,000 
3,145 - - 84,000 - 
080 Canonicaten - 500,000 
1,700 ..... 
399 Institute mit 0,870 Individuen und 2'015,000 Lire Eink. 
Vor der Zeit der Reformen enthielt der sard. Staat 23,000 Geistliche = 
I auf 214 Einw., während in Belgien 1 auf 600, in Oesterreich 1 auf 
610 gerechnet ward. — Das Einkommen der Geistlichkeit betrug vor 
der Klosteraufhebung über 17 Mill. [Rwista Knctclopeihca, 1855), also 
mehr als die gesammte Grundsteuer, und viermal so viel als die in Bel 
gien votirte »Allocation« ausmacht (selbst in der Clericalschrift : Allocti- 
zione della Sanità ... al sacro Collegia nel Concistorio segreto del 22 
gennajo 1855, seguita da una Esposizione di documenti etc. wird ein Ein 
kommen von 10’412,0S1 Lire zugegeben). — Vor 1848 hatte kaum 
der dritte Theil der Gemeinden Schulen für Knaben ; solche für Mädchen 
waren fast ganz unbekannt. Im J. 1856 gab es Elementarschulen: 
5,072 für Knaben 145 Gemeinden ohne Knabenschulen 
2,833 - Mädchen 1,151 - - Mädchenschulen. 
Indess konnten 1857 von 17,705 Rccruten 9,096 weder lesen noch 
schreiben. — Seit 1819 und besonders 1851 das Prohibitivsystem auf- 
gegeben ward, erlangte der Handel einen starken Auischwung (so 
stieg, nach Herabsetzung der Zuckcrzölle auf die Hälfte, die Consum- 
tion in 8 Jahren von 7 % auf 1 8% Mill. Kilogr.) 
b) Mittelitalien. Modena war Eldorado des Jesuitismus, 
und Absolutismus. — ln Toscana, wo während der zweiten Hälfte 
des vorigen Jahrhunderts mehr Verbesserungen stattfanden als in irgend 
einem andern Staate Italiens, blieb doch der Hauptgrundbesitz in den 
Händen des Adels und der Geistlichkeit ; die Bauern wurden nicht freie 
Eigenthümer. In der Neuzeit verfolgte man alle Neuerungen, und das 
traditionelle Leopoldinische Regierungssystem (ein zudem sehr über 
schätztes System des »erleuchteten Despotismus«) ward aufgegeben und 
bekämpft. Man hörte fortwährend von Verurtheilungen Solcher, welche 
Bibeln oder methodistische Tractätchen gelesen ! (An den bekannten 
Fall der Eheleute Madiai reiheten sich noch viele ähnliche.) — In dem 
kleinen Lande zählte man 1855 314 Klöster mit 3,240 München und 
4,173 Nonnen, ausserdem 10,031 Weltgeistliche.
        <pb n="363" />
        22* 
ITALIEN, — Sociales. 
339 
c) Unteritalien. Die Lebensweise des Volks ist dürftig und 
schmutzig. So fruchtbar der Boden (war doch Sicilien die Kornkammer 
Roms), so vernachlässigt erscheint der Anbau desselben. Die Felder 
Werden vielfach nur alle 2 — 3 Jahre bestellt. Der Landmann ist nicht 
freier Eigenthümer. Das Gewerbswesen steht auf sehr niedriger Stufe, 
wie man überhaupt fast nur in den Städten einige Handwerker trifft. — 
Geistlichkeit und Adel sind die übermächtigen Stände. 1834 
zählte man im Königreiche Neapel allein 14 Erzbischöfe, 06 Bischöfe, 
26,800 Weltgeistliche, 11,730 Mönche und 9,520 Nonnen! Die Ein 
künfte des Klerus wurden 1820 auf 9 007,390 Duc. berechnet. — Der 
sicilianische Adel besteht aus 61 Herzogen, 117 Fürsten, 217 Markisen, 
über 1000 Baronen und 2000 einfachen Adeligen. Ein Einkommen von 
mehr als 3 Mill. Duc. dient auf der Insel nur zum Unterhalte von 7600 
Geistlichen (wie dies hervorgeht aus dem von den geistlichen Corpora- 
tionen selbst im Jahre 1842 aufgestellten Stato di attività e passività). 
I)^gcgen nimmt man an, dass % der Sicilianer Bettler sind. Im J. 1820 
fanden sich auf der ganzen Insel nur 5 Buchdruckereien (nebenbei ein 
Zeichen, wie wenig die zahlreiche Geistlichkeit in und ausser den 
Klöstern sich mit Literatur beschäftigte). — Nach einer wie es scheint 
amtlichen Notiz zählte man im Febr. 1861 im ehemal. Königr. Neapel: 
1020 Mönchs- und 272 Nonnenklöster, mit 13,611 Mönchen und 8001 
Nonnen. Von den Mönchen hatten 4712 ein Einkommen von 4*555,968 
Lire, während die übrigen 8899 vom Almosen lebten. Die Einkünfte 
der Frauenklöster beliefen sich auf 4*772,794 Lire. — Besondere 
Schwierigkeiten findet die Herstellung eines genügenden Schulwesens. 
Die Erhebungen unter der neuen Regierung ergaben, dass von 3094 
Gemeinden, welche nach Einwohnerzahl und Bedeutung jedenfalls Pri 
märschulen besitzen sollten, 1084 deren ganz entbehrten, und dass an 
900 Schulen der Unterricht durch Individuen ertheilt wurde, welche 
selbst der Elementarkenntnisse ermangelten. Mit vielen Lehrstellen war 
keine höhere Besoldung verbunden als 18 Ducati (etwa 21 Thlr.) jährl. 
Die gesammte Staatsausgabe für den Primärunterricht belief sich aber 
auch nur auf etwa 1 12,000 Ducati. Die Zahl der Schüler stand zur 
Bevölkerung im Verhältnisse von 1 zu 1000. 
J/öwzfin, Maaaa und (Jevicht sind im Allgemeinen die französischen. Der 
rranc heisst I.ira. (Die frühere toscanische Lira hatte nur den Werth von 84 
Cent. ; noch geringer waren die alten Lire von Parma und Modena). In Nea 
pel rechnete man nach Ducati. Der Ducato ward in lO Car lint und. 100 (Irant 
getheilt. Sein Silbergehalt sollte sein = 1 Thlr. 4 Sgr. 4,05 Pf. preuss., war 
aber wirklich 1 Ihlr. 3 Sgr. 11,65 Pf. — Auf Sicilien rechnet man im Privat 
verkehre noch nach Onde, zu 30 Tari à 20 Grani; die Oncia = 3 Thlr. 11 Sgr. 
10,94 Pf. — Längemaass : der Valmo, in Neapel 0,26455, auf Sicilien 0,258098 
'let., also 0,8429 u. 0,82235 preuss. Fuss. — Feldmaass: in Neapel der ^log- 
yu) = 0,2741 preuss. Morgen. — Oetreidemaass : in Neapel der Tomolo zu 
«‘&gt;5,55 Liter oder 1,0106 preuss. Scheffel, in Sicilien zu 17,19 Lit. oder 0,3128 
Schff. Die sicil. òalnia hat 16 Jomoli. — \\ einmaass : der Itarile, in Neapel zu 
6,635, auf Sicilien 0,5 nreuss. Eimer. — Gewicht: in Neapel das Pfund zu 
320,759 Gramm, auf Sicilien der liotolo zu 793,4 Gr. — Trotz aller Bemühungen 
der Polizei hat sich im Privatverkehr, namentl. auf Sicilien, die alte Rechnungs 
weise beim Maass, Gewicht und Geld erhalten.
        <pb n="364" />
        340 
ITALIEN. — Die römischen Staaten. 
2. Die röiiiisehen Staaten Mor sog. »Kirchenstaat«). 
1) 
2) 
:)) 
4) 
5) 
Bestaudtheile 
Koni und Comarca . 
Delegation Viterbo 
Civitavecchia 
Velletri 
Frosinone . 
Zus. (11,790 (i.-Kilom.) 
Gegenwärtig wol etwas 
Q.-M. 
S2 
54 
IS 
28 
32 
214 
Bevölk. 1853 
320,509 
128,324 
20,701 
02,013 
140,759 
084,300 
über 700,000. 
Bis zum J. IS59 umfasste der sog. »Kirchenstaat« 748 Q.-M. und 
(nach der Aufnahme von 1853) 3’124,G(iS Menschen. Er bestand aus 
5 llaupttheilen : 
1) Eigentliches Patnnionimn Petri, neml. : Kom u. Comarca Q.-M. Bev. 1853 
(Stadtbezirk) und die 3 Delegationen (Bezirke) Viterbo, 
Civitavecchia und Orvieto, zus. etwa 170 504,581 
2) Die 4 Leijationen der Koniagna: Bologna, Ferrara, Forll 
und Kavenna 180 1’014,582 
3) Die Marken mit den 0 Delegationen : Ancona, Urhino-Pe- 
saro, Macerata, Fermo, Ascoli und Camerino .... 100 924,002 
4) í/w/ònc« mit den 3 Delegationen Perugia, Spoleto u. Rieti 150 443,155 
5) Campayna Marittima mit den 31 lelegationen Velletri, Fro 
sinone und Benevent 70 239,748 
Confessionen. Die Bevölkerung ist katholisch ; selbst im frühem 
Umfange zählte man nur 9237 Juden und 283 (andere^ Akatholiken. 
fitadt Rom , Ende 1802 mit 197,078 Einw. (darunter: 40 Bischöfe, 1385 
Weltpriester, 2474 Mönche, 1057 Seminaristen, 2032 Nonnen, 2013 weibl. Klo 
sterzöglinge ; dann 283 Akatholiken und 4220 Juden). Im J. 1198 unter Inno- 
cenz 111. zählte Rom 35,000 Einw. ; 1377, als die Päpste von Angnon zurück 
kehrten 17,000; 1513 unter Leo X. 40,000, und 1521 schon 90,000; unter Cle 
mens VH. 105,047, und im Jahre 1793 100,948. ln den Jahren 1809 und 1813 
zeigte sich eine starke Verminderung auf 130,268 und 117,882; dann stieg die 
Zahl wieder 1823 auf 130,209, 1830 auf 147,235 und bei der Thronbesteigung 
Pius IX. zählte es 180,199. — Viterbo hat 13,800, Velletri 13,000, Alatri 11,400, 
Civitavecchia 11,000 Einw. 
Herrschaftsverändernnyen. Vor der Zeit der franz. Revolution um 
fasste der sog. Kirchenstaat ungefähr 790 (J.-M. und 2’200,000 Men 
schen. Zu demselben gehörten die Grafschaften Avignon und Venaissin 
(in Frankreich), eine Landschaft von etwa 10 Q.-M. und 55,000 Einw. 
Die dortige Bevölkerung empörte sich aber gegen die päpstliche Herr 
schaft, und unterm 14, Sept. 1791 decretirte die franz. Nationalver 
sammlung die von vielen Avignesen beantragte Vereinigung dieser Land 
schaft mit Frankreich. Im Frieden von Tolcntino, 19. Febr. 1797, 
musste der Papst nicht nur dies gutheissen, sondern auch die Romagna 
an die cisalpinische Republik ab treten, ln Folge der Ermordung des 
franz. GesandtenDuphot zu Rom rückten aber schon am 1 l. Febr. 1 798 
franz. Truppen in die Hauptstadt. Ein Volksaufstand, 15 Febr., endete 
mit Verkündigung der »römischen Republik«. Gegen Ablauf des Jahres 
stellten indess neapolitanische, russische und türkische Truppen die 
päpstliche Herrschaft wieder her. — Im April 1809 riss Napoleon An 
cona, Urbino, Macerata und Camerino vom Kirchenstaate los, dieselben 
seinem »Königreiche Italien« einverleibend. Am 17. Mai desselben Jah 
res (4 Tage vor der Schlacht bei Aspern) decretirte er weiter die Incor-
        <pb n="365" />
        ITALIEN. — Die römischen Staaten (Finanzen). 
341 
porirung Roms selbst in den franz. Kaiserstaat (Departemente der Tiber 
und des Trasimene ; Rom sollte « die zweite Stadt des Reiches « sein). 
r)en Papst brachte man gewaltsam nach Frankreich. — 1814 Restau 
ration, unter Verlust Avignon’s und eines kleinen Landstriches auf dem 
rechten Poufer. — Die Aufstände von 1848 veranlassten den Papst zur 
Flucht nach Gaeta (24. Nov.). Am 8. Febr, 1849 beschloss die Na 
tionalversammlung : Wiederherstellung der »römischen Republik«. Nach 
ruhmvollem Kampfe fiel Rom am 3. Juli in die Gewalt der von dem 
Präsidenten Napoleon zur Wiedereinsetzung des Papstes gesendeten 
Truppen der franz. Republik. — 1859 befreite sich die Romagna von 
der päpstl. Herrschaft; ISGO folgten die Marken und Umbrien. 
Finanzen. Waren dieselben schon früher zerrtlttet, so kann es nicht 
Wunder nehmen, dass sie nach der Lostrennung von mehr als drei Vier 
theilen der frühem Bevölkerung in vollständiger Unordnung sich befin 
den. Verlässige Nachweise fehlen um so mehr, als die Oeffentlichkeit 
der Finanzverwaltung ausgeschlossen ist. Nach Privatangaben, die wir 
in Kürze zusammenstellen, hätten die Budgets etwa so abgeschlossen ; 
I860: Bedarf 22, Einkommen 8 Mill. Scudi 
1861 : - 20, - 8 - 
1862: - 10, - 5 - - 
Es liegt uns, jedoch nicht in authentischer Form, folgendes Budget 
für 1804 vor (in Scudi) : 
Einnahme 
Directe Steuern und Domainen (dazii . . . 1'050,737 
Zölle (dogane) 2’600,910 
Cataster (censo) — 
Stempel u. Enregistrement (bollo e registro; 316,263 
Bost 176,075 
Lotto 745,618 
Münze (zecca, bollo d’oro e d’argento) . . . 66,110 
Steatsschuld 2(i2,15(» 
Finanzministerium — 
Min. des Innern (Specialtitel; 45,264 
Handelsministerium 51,762 
Kriegswesen 55,115 
Anigabe 
271,018 
435,305 
57,172 
40,902 
142,373 
490,330 
57,755 
5’363,261 
1'303,387 
873,055 
313,115 
J^61,432 
10’728,123 
Zusammen Sc. 5'3IO,0|0 
Das Deficit (5’408,213) ist somit grösser als die ganze Einnahme. Die 
Verzinsung der Schuld allein verschlingt alle Einkünfte, ja noch darüber 
hinaus ! Es i^ dies Folge davon, dass der Papst, um die Losreissung 
der mit dem Königr. Italien vereinigten Provinzen nicht anzuerkennen, 
die förmliche Uebernahme eines Theiles der Schuld auf diese Landes- 
theile nicht eingeht. Der Ertrag des » Peterspfennigs « reicht zur 
Deckung eines solchen Deficits nicht aus. Der Ertrag dieser Samm 
lungen soll von 1860 bis zum Mai 1864 zusammen 37’690,000 Fres. 
= 6'853,000 Scudi gewesen sein. — Das Budget für 1865 soll mit 
6’300,000 Sc. Einnahme und ll’800,000 Ausgabe, sonach wieder 5‘' 
Mill. Deficit, abschliesscn. 
Das Budget für 1859 , das erste seit langer Zeit, in welchem das 
Gleichgewicht wenigstens auf dem Papiere hergestellt war, schloss mit 
14’752,365 Scudi Einnahme und 14’568,858 Ausgabe. Dabei waren 
die Haupteinkünße, brutto: Zölle (wobei aber auch Tabaks- u. Salz 
monopol) 7’898,215 (Kosten 2’431,775) , Steuern und Domänen
        <pb n="366" />
        342 
ITALIEN. — Die römischen Staaten (Finanzen). 
3’532,090, Stempel und Einregistrirung 1’047,94(), das sittenverder 
bende Lotto riSl,S00 (davon Kosten 796,655). — Ilauptausgaben : 
Schuld 5’547,750, Militär 2’082,358, Inneres 1’527,669 (wov. die Ge 
fängnisse gegen 800,000 !). Das Budget für 1860, das letzte bei dessen 
Aufstellung die Regierung sich im vollen Besitze des Landes befand, 
schloss noch ab mit 14’453,328 Scudi Einn. und 15 019,331 Ausg. Ver 
glichen mit dem Voranschläge von 1864 , haben sich die Einkünfte um 
Ya, die Bedürfnisse nur um % vermindert. 
Indessen geben die Budgets überhaupt nur ein sehr unvollständiges 
Bild des wirklichen Bedarfes. Es sind aus denselben ausgeschlossen: die 
Fondsanweisungen für besondere Titel, namentlich die Dotation der 
Präfectur der apostolischen Paläste (600,000 Scudi), die Ausgaben für 
den Papst selbst, u. jene für die Municipalität v. Rom ; endlich die nicht 
ganz zu vermeidenden Kosten des Unterhalts der fremden Truppen. — 
Während schon 1859 die Schuld allein fast 31 Proc. sogar von der 
Brutto-Einnahme verschlang, ward für Unterricht und Wohlthätigkeit 
aus dem Staatsbudget nicht mehr aufgewendet, als die Festlichkeiten bei 
Creirung von 8 neuen Cardinälen erheischten. Allerdings erscheint der 
persönliche Bedarf des Papstes nur mit ungefähr 600,000 Scudi (fast 
900,000 Thlr.) in diesen Rechnungen; allein in Wirklichkeit sind weit 
über 5 Mill. Scudi (über 7 Mill. Thlr.) als Ertrag der geistlichen Bene 
ficien im Kirchenstaate hinzu zu rechnen. — Das Personal der Beamten 
betrug 1854 8,296, (7,858 in Activität, 438 in Quiescenz). Sie bezogen 
1’949,431 Sc.; ausserdem erforderten die vacan ten Stellen 51,867, und 
die Pensionen 74,883, zus. fast % der damaligen Gesammteinnahme. 
Finanzgeschichtliche Notizen. Nach der officiellen Zusammenstel 
lung der Staatsrechnungen von 1814—1846, welche der päpstliche Fi 
nanzminister Morichini im Dec. 1 84 7 der vom Papste eingesetzten » Con 
sulta« vorlegte, war seit 1828 auch nicht ein Jahr ohne Deficit 
geblieben. Von 1828—30 betrug dieses Deficit 399,393, in den drei 
nächstfolgenden Jahren 1831 — 33 zusammen 8’187,574, und von da 
bis zum Tode Gregor’s des XVI. in jedem Jahre durchn. 566,000 
Scudi. — Morichini’s Nachfolger, Angelo Galli, sagte in seiner 1847 
verfassten Relation : 
»Viele Register sind nicht abgeschlossen; die Ausgabenverzeichnisse lassen 
sich nicht auffinden, und jene der De])ositen sind schlecht aufhewahrt. Im All 
gemeinen enthalten die Register Abänderungen, Zusätze u. Abminderungen, die 
eine Vergleichung mit den frühem Rechnungen, an welche sie sich anscnliessen 
sollen, nicht zulassen. Bei den Cameralcassen bleiben enorme Summen zu liqui- 
diren ; hinsichtlich der Cassabücher existirt keine regelmässige Entlastung. Es 
ist bekannt, dass seit 1837 den Schatzverwaltungen legale Papiere fehlen.« 
Es scheint, dass die Finanzverwaltung in der Revolutionszeit (unter 
der Republik) zum ersten Male eine mindestens formell geordnete war '. 
Wenigstens sah sich der franz. Obergeneral, nach befohlener strenger 
Untersuchung, zu einer für die Betheiligten sehr ehrenvollen Erklärung 
veranlasst. Nach der Restauration erfolgte sofort die Erhöhung einer 
Reihe von Steuern. Der Versuch einer rationellen Finanzverwaltung 
hörte auf, sobald man das Finanzministerium wieder einem Geitlichen 
übertrug. Die leasten wurden dermassen gesteigert, dass die Staatsein 
künfte, im J. 1838 zu 7’080,000 Scudi berechnet, 1859 mehr als das
        <pb n="367" />
        ITALIEN. — Die römischen Staaten (Finanzen). 
343 
Doppelte betrugen. Man erhob z. B. den Monatsbetrag der Ge werb 
steuer» 14 Mal im Jahre, als ob das Jahr 14 Monate umfasste. Die ver- 
dammenswerthe Einrichtung des Lotto ward derart » verbessert «, dass 
sie einen erhöhten Ertrag lieferte. Trotzdem hatte man bis 1858 jedes 
Jahr ein Deficit, Napoleon Pepoli bemerkt (in der Schrift : II debito pub- 
blico pontificio, lettera al conte Costa della Torre, di G. Napoleons Pe 
poli; Torino 1858): »In den Rechnungen von 1848—57 kommen die 
öffentlichen Arbeiten zusammen mit 5’182,403 Franken vor, neben 
24’79G,430 Fres, für die fremde Occupation, ungerechnet die daher rüh 
renden Lasten der Privaten. Der öffentl. Unterricht erscheint dagegen 
mit 242,527 Fr. Die Erhebungskosten der Einkünfte betragen 30—31 
Proc. (in England 8, in Frankreich 14, in Piemont 16%). Die Verwal 
tung der Domänen kostet 640,500, während der ganze Rohertrag der 
selben nur 160,250 ausmacht; man hat namentlich Bergwerke, die weit 
mehr kosten als eintragen. — Seit der Restauration steigt der Besitz der 
todten Hand jährl. um 3—4 Mill. Scudi. « Wir kennen eine einzige 
weise Maassregel : Herabsetzung der Eingangszölle durch das Zollgesetz 
vom 8. Mai 1856, und der Erfolg war eine Mehreinnahme. 
Was von öffentl. Geldern eingeht, ward von jeher nicht als Eigen 
thum des Landes, das zu dessen Bestem verwendet werden müsse, son 
dern als Ertrag des Patrimoniums der Geistlichkeit angesehen, worüber 
diese beliebig zu schalten habe. — Die päpstlichen Finanzen sind eigent 
lich seit der Zeit zerrüttet, in welcher die regelmässigen Zuflüsse aus 
den übrigen kathol. Ländern zu versiegen begannen. Schon vor einem 
Jahrhunderte hatte man ein, wenn auch kleines, Deficit. Noch gegen 
Ende des 18. Jahrh. zog der römische Hof aus Deutschland im Durch 
schnitte jährl. für Ann aten 194,880, für Pallien 215,417 fl. Im Ganzen 
sollen demselben seit 600 Jahren aus allen nördl. Ländern zusammen 
etw'a 1020 Mill. Gulden zugeflossen sein. Spanien und Portugal ent 
richteten ihm, nach der Berechnung von Canga Arguelles, seit dem 
12. Jahrh., gegen 14,580 Mill. Realen. — Indem Werke: Sülle finanze 
dello stato pontificio sind folgende Ziffern einander gegenübergestellt : 
1815 1853 
* Einnahme 2'920,657 13’472,782 = Zunahme 360 Proc. 
Ausgabe 2’353,397 15*374,371 = - 553 - 
Schuld. Deren Betrag ward am 1. Jan. 1858 zu 66*471,274 Scudi 
angegeben. Unterm 18. April 1860 ward ein 5proc. »kathol. Anlehen«, 
durch welches 50 Mill. Fres. aufgebracht werden sollten, im Curse von 
90 ausgeschrieben; doch vernahm man im Juli, dass erst 7 Mill, ge 
zeichnet seien. Im Dec. 1861 soll der Finanzminister der Consulta die 
Ausgabe neuer Schuldscheine kundgethan haben. Im März 1861 er 
folgte die Ausschreibung eines neuen 5proc. von 6, ebenso im Jan. 1863 
von 4 Mill. Scudi. Im Mai 1864 vernahm man von einem neuen 5proc. 
Anlehen von 50 Mill. Fres., das im Curse von 77 % ausgegeben würde. 
Wahrscheinlich konnten diescAnlehen nicht vollständig realisirt werden. 
Dennoch dürfte die Gesammtsumme der Schuld Anfangs 1865 gegen 
90 Mill. Scudi betragen. Nach der zur Verzinsung bestimmten Summe 
müsste man sogar bedeutend über 100 Mill, annehmen; doch sind, wie 
uns scheint, etwa 900,000 Scudi Pensionsbeträge eingegriffen.
        <pb n="368" />
        344 
ITALIEN. — Die römischen Staaten (Militär). 
Die Finanzzerrüttung ist im Kirchenstaate ziemlich alt. Schon im 
J. 1741 finden wir eine Schuld von 5(1 Mill, angegeben, mit r‘24«,000 
Scudi verzinslich. 1758 erscheint ein Zinsbedarf von 1 ':lU5,hU4. Bis 
1781 erfolgte Vermehrung der Schuld um 5 Mill., dann eine kleine Ab 
tragung. Den Waffenstillstand vom 28. Juni 179b erkaufte der Papst 
von Bonaparte um 21, den Frieden um Tolentino um weitere 15 Mill. 
Fres., ungerechnet die Kunstschätze. 1 801 war die Schuldsumme (54 Mill. 
Scudi. Die Klöster und geistlichen Corporationen hatten etwa die Hälfte 
davon zu fordern. Die franz. Regierung hob diese Institute auf, womit 
jener Schuldentheil hinwegfiel; von dem Reste der Schuld wurden blos 
% anerkannt, so dass 7u» der Gesammtpassiven abgestreift waren. — 
Nach Napoleon’s Sturz suchte Pius VII. die wiederhergestellten Congre- 
gationen mittelst eines Anlehens von 1 % Mill. Sc. theilweise zu entschä 
digen. — 1832 nahm der Staat 3 Mill, von Rothschild auf (ungeachtet 
seines Judenthums), und zwar mit Verlust von 37% Proc. von dem ver 
schriebenen Betrage ! — ln der Neuzeit begann die Papiergeldemission. 
Bei Proclamirung der Republik circulirten bereits für 4’151,000 Scudi 
Schatzscheine [Bunni del tesoro). Die republikanische Regierung sah 
sich zur weitern Anwendung dieses Mittels gedrängt, und so befanden 
sich bei Wiedereinsetzung des Papstes für 7’821,000 Scudi Papiergeld 
im Umlaufe. Ausserdem circulirten für (5(55,5(55 Scheidemünzen. Ob- 
wol die Restauration ihre eigenen Gläubiger und Beamten mit Schatz 
scheinen bezahlt hatte, setzte sie dennoch deren Werth um 35 Proc. 
herab. Eine spätere Uebereinkunft mit der Bank bezweckte die Ein 
lösung des Staatspapiergeldes. Man machte zu diesem Behufe unterm 
1. Mai 1853 ein 8proc. Anlehen von 26 Mill. Fres. — Der Betrag der 
Staatsschuld ^tieg von Jahr zu Jahr. Näch einer amtlichen Zusammen 
stellung des Finanzministers vom Mai 1854 betrug das Deficit : 
in den (5 letzten Monaten v. 1R49 12’I75,000 Lire*) 
im Jahre 1850 S'OO 1,000 - 
- - 1851 4’8ä2,0(»0 - 
Im Mai 1855 ward der Finanzconsulta folgendes neue Anwachsen 
der Schuld angegeben : 
185:1 um 2’817,440 Scudi * 
1854 - 4’021,000 - 
1855 (Deficit) 5’000,000 
In welcher Weise jedesmal die Deficite gedeckt wurden, ist nur 
unvollständig bekannt. 
Militär. Die 1 nippen werden im Tn- und Auslande g&lt;worben. Da 
indess der römische Stuhl den Angehörigen seines eigenen Staates miss 
trauen muss, die Werbung einer ausreichenden Anzahl fremder Söld 
linge aber mit Schwierigkeiten und unerschwingbaren Kosten verbunden 
sein würde, so halten franz. Soldaten (nach der franz.-ital. Convention 
vom 15 Sept. 1864 noch 2 Jahre lang) zu Rom, und hielten bis 1859 
Österreich, in den Legationen die päpstliche Herrschaft aufrecht. — Der 
*) Wir geben diese Ziffern nach Liren, wie wir sie in piemontesischen 
Blättern aufgezeichnet fanden, da uns der Wortlaut dieses ministeriellen Vor 
trags nicht vorliegt.
        <pb n="369" />
        ITALIEN. — Die römischen Staaten (Sociales). 
345 
Formationsstand der päpstlichen Truppen war Mitte 1863, einschliess 
lich Gendarmerie 8513 Mann, darunter: 
Infanterie: 1 Reg. Linie 1700, 1 Bataill. Jäger (cacciatori) 800, 1 Bataill. Zua- 
ven (Franzosen u. Belgier, 650, 1 Bat Carabinieri (Schweizer 650, 1 Bat. 
Garnisonstruppen 500, 1 Legion Gendarmerie 2500 Mann ; dazu Arbeiter, 
Krankenwärter etc. 
Cavallerie Gendarmen 250, 2 Escadr. Dragoner 300 Mann. 
Arttlle.ne: 1 Reg. mit 3 Feld- und 5 Positionsbatterien 850 Mann. 
Im J. 1859 war der Formationsstand 15,239 M. mit 1200 Pferden, 
Später vermehrte man die Truppenzahl bis auf ungefähr 25,000 (unter 
Lamoricière). Das 1 reffen von Castelfidardo gegen die Piemontesen ver 
nichtete das kleine Heer. — Feste Plätze- Civitavecchia, Castell 
Sant’ Angelo (Engelsburg zu Rom), Porto d’Anzio. 
Socialverhältnisse. Es gibt vier Stände : Geistlichkeit, Adel, Bürger 
und Bauern. Der erste Stand herrscht; in seinen Händen allein liegt 
alle Gewalt ; er leitet Alles, auch die Justiz und das Militärwesen. Im 
frühem Umfange des Kirchenstaats zählte man 66,100 Geistliche (1 auf 
45 Einwohner oder 9 Familien!), 109 Bisthümer, 117 Seminarien, 10,950 
Pfarreien und 19,000 Kirchen und Klöster. Der Werth des Grundbe 
sitzes der Geistlichkeit wird auf 195 Mill. Scudi (über eine Milliarde 
Franken) berechnet. Ausserdem besitzt der Adel enorme Reichthümer. 
Er führt zwar die Namen der alten Adelsfamilien, stammt aber grössten- 
theils keineswegs von jenen berühmten Geschlechtern ab*, sondern 
verdankt seinen Ursprung oder seine Erhebung vielfach dem hohen Kle 
rus. Gewerbe und Handel liegen darnieder. Dabei fehlt es an Eisen 
bahnen, überhaupt an genügenden Verkehrsmitteln. Gleiches Loos des 
Darniederliegens trifft den Ackerbau. Die Latifundien, die Feudal 
einrichtungen, sind sein Verderben ; die Landleute entbehren des freien 
Eigenthums der von ihnen zu bearbeitenden Grundstücke. Guillard 
{statistique humaine) bemerkt: »L’agro Romano, dessen Ausdehnung 
2000 Quadr.-Kilometer (36 deutsche Q.-M.) übersteigt, ist das Eigen 
thum von 113 Familien und von 64 Congregationen. Es sind dies die 
grössten Besitzungen, die fürstlichsten Domänen, die es auf der Welt 
gibt. Die kleinsten Pachtungen umfassen wenigstens 300 Hectaren, viele 
bis zu 5000 (etwa 18,000 Morgen = fast eine deutsche Q.-M.). Der 
Pachtpreis ist zwischen 8 und 18 Fres, für die Hectare. In der Provinz 
Velletri bezeichnet man das Pachtgut von Campo-Morto, das einer 
Kirche gehört, und dessen Ausdehnung 85 Q.-Kilom. umfasst. Noch 
heute bildet es ein gesetzliches Asyl für die Verbrecher! Latifundia 
Italiam perdiderunt, sagte Plinius. Dieser Missstand ist also erneuert. 
Man-misst dem Nepotismus der Päpste diese Erneuerung bei. — Das 
gesammte Volk wird in möglichster Unwissenheit gehalten, besitzt aber 
weit mehr Fähigkeiten und Kraft, als man gewöhnlich annimmt. Raub 
und andere Verbrechen kommen, in Folge der schlechten Erziehung und 
der ganzen Unnatur der Verhältnisse, in ungeheuerer Menge vor. Nach 
den amtlichen Verzeichnissen betrug die Zahl der Criminalsträflinge in 
den Gefängnissen des Kirchenstaats am 30. Juni 1855 4133, darunter 
608 wegen Mord und Tödtung 12 wegen Gattenmord 
25 - Elternmord 11 - Sodomie.
        <pb n="370" />
        346 
SCHWEIZ. — Land und Leute. 
Auf je 100,000 Einwohner kamen also 21 gewöhnl. Morde und 
Tödtungen und 1 Elternmord! Politische Verfolgungen betrieb die Re 
action derart, dass blos in den drei ersten Jahren nach Wiederherstellung 
der päpstl. Autorität (1849), vermittelst » Pulver und Blei « durch das 
Militär, oder durch die Hand des Henkers, nicht weniger als 1644 
Menschen hingerichtet wurden. — Selbst der starr conservative österr. 
General Schönhals (in den »Erinnerungen eines Österreich. Veteranen«) 
äussert ; »Wir wollen hier nicht alle Fehler einer geistlichen Herrschaft, 
die Widersprüche, in denen sie mit den Bedürfnissen der neuern 
Zeit steht, herausheben; es genügt, den Kirchenstaat gesehen zu 
haben, um die Sehnsucht zu begreifen, die die Einwohner dieses von 
der Natur so gesegneten Landes nach einem gerechten, und auf einer 
festen Basis ruhenden Regierungssysteme durchdringen muss!«*) 
Handel. Wie die Zollherabsetzung vom 8. Mai 1856 wohlthätig 
wirkte, zeigt folgende Verkehrsliste (nach Scudi) ; 
1856 1857 1858 
Einfuhr 9’79T,822 12’t)27,432 13’010,I43 
Ausfuhr t)’GS5,283 ll'G25,355 ]PG!M),258 
Handelsmarine, Januar 18(5(» in den Häfen des Mitteil. Meeres: 298 Schiffe 
von 4058 Tonnen mit 880 M. Besatzung. 
Münze etc. Der Scudo, 10 Paoli oder 100 Bajocci = 5 Eres. 45»/,o Cent, 
oder 1,47 preuss. Thlr. — Der röm. Fuss ipabno) = 0,9485 preuss. od. 29,77 
Centim. — Die röm. Sicile [migba] — 1489 Met. — Rubhio =■ 2,94 Hectol. 
oder 5,30 preuss. Scheffel. — Der liarilo = 58,33 Liter. 
3. Sau lUariiio, lialbsouveriine Republik, und 
4. Mouat u, halbsouveränes Fürstciitliuni, 
siehe Seite 316 (L ebersicht von Italien). 
Sdiweiz (1^'reistaat). 
Land und Leute. Etwa 740 (i.-M. und etwas über 2‘4 Mill. Menschen, 
in 22 Kantonen, wovon aber 3 in sich wieder gethcilt sind, sonach im 
Ganzen 25 zu einem Bundesstaate vereinigte Kantone. 
Kantone 
Zürich 
Bern. 
Luzern 
Uri . 
Schwyz 
Grösse 
Schweiz. Deutsche 
Q.-Stunden = Q.-Meilen 
74,83 31,2 
294, 
54, 
47, 
40,00 
123,1 
22,0 
19.7 
10.8 
Bevölk. 
1861 
200,205 
407,141 
130,504 
14,741 
45,039 
Davon : 
Prote 
stanten 
253,793 
405,727 
2,019 
30 
524 
Katho 
liken 
11,250 
58,319 
127,807 
14,705 
44.509 
Andre 
Christ. 
1,054 
2,275 
4 
Ju 
den 
102 
820 
14 
1 
*l besonders bezeichnend sind die Berichte, welche schon in früherer 
Zeit die geheimen Österreich. Polizeiagenten an ihre eigene Regierung ah stat 
teten über die Zustände des römischen Landes und seiner Bewohner. Siehe 
darüber und überhaupt über die Zustände Italiens die Schrift : »Italien in seiner 
neuzeitlichen nationalen Entwicklung und jetzigen polit. ].age; Einleitung zur 
Geschichte Italiens vom Beginne der ersten franz. Revolution bis zur neuesten 
Zeit; von F. K. Broch, (pseudonym), Zürich 1859, bei Meyer u. Zeller.« — 
About's »Question Romaine« ist ohnehin bekannt.
        <pb n="371" />
        SCHWEIZ. — Land und Leute. 
347 
Kantone 
Grösse 
Schueiz. Deutsche 
Q.-Stun den = Q.-Meilen 
Unterwalden ob 
dem Walde , 20,90 8,7 
Unterwalden nid 
dem Walde . 12,00 5,3 
Glarus . . . 29,82 12,5 
Zug ... . 10,20 4,3 
Freiburg . . 71,10 29,8 
Solothurn . . 34,56 13,7 
Basel-Stadt . 1,59 0,7 
Basel-Land . 18,55 7,7 
Schaifhausen . 12,90 5,5 
Appenzell Ausser- 
Rnoden . . 
Appenzell Inner- 
Rnoden . . 7,33 2,9 
St. Gallen . . 87,70 34,9 
Graubünden . 304,10 127,3 
Aargau . . . 60,44 25,5 
Thurgau . 42,81 18,1 
Tessin . . 121,00 50,9 
Waadt . . . 138,75 57,7 
Wallis . . . 226,59 94,8 
Neuenburg . 34,78 14,5 
Genf. . . . 12,27 5,2 
Bevölk. 
1861 
13,376 
11,520 
33,303 
19,608 
105,523 
09,203 
40,083 
51,582 
35,500 
Davon : 
Prote 
stanten 
Katho 
liken 
Andre Jn- 
Christ. den 
93 13,283 — — 
51 
27,500 
609 
15,522 
9,545 
30,513 
41,005 
32.950 
11,475 
5,827 
18,990 
89,970 
59,024 
9,740 
9,751 
2,478 
12,000 
180,411 
90,713 
194,208 
90,080 
116,343 
213,157 
90,792 
87,309 
82,870 
115 
09,492 
50,700 
104,167 
67,735 
93 
199,452 
693 
77,095 
40,009 
11,884 
110,731 
39,945 
88,424 
22,019 
116,233 
12,790 
90,088 
9,234 
42,099 
28 
9 
23 
59 
253 
222 
72 
2 
8 
35 
171 
4 
10,73 4,8 48,431 40,218 2,183 29 1 
1 — 
88 100 
8 — 
79 1538 
316 10 
11 0 
519 396 
5 6 
475 565 
331 377 
Zus. 1769,39 738,2 
(Es sind hiebei die Durchreisenden 
die Gesammtzahl auf 2’519,030.) 
2’510,494 1'470,982 1'023,430 
nicht eingerechnet ; mit denselben 
5800 4216 
stellt sich 
Die Arealberechnung nach den vom Gen. Düfour geleiteten trigonom. 
Aufnahmen; doch sind die Kantone Bern, Luzern, Uri und Unterwalden noch 
nicht vermessen. Nach den bisherigen Ergebnissen der wirklichen Aufnahme 
wird man das Areal wol zu 740 Q.-M. annehmen dürfen. Es kommen auf die 
bedeutendsten Seen: Genfer 10,4 deutsche U.-M. (wovon 6,2 zur Schweiz gehö 
ren), Bodensee 9,7 (dav. 3,3 schweizerisch), Neuenburger See 4,3, Vierwald 
stätter 1,9, Züricher 1,0, Luganer0,9, Thuner0,8, Lago maggiore (so weit 
schweizerisch), 0,79, Bieler 0,64, Zuger 0,6, Brienzer 0,5. 
Zahl der Wohnhäuser: 340,327, der bewohnten Räumlichkeiten Stu 
ben etc. 2’010,150; Zahl der Haushaltungen 528,105. — Von der Bevölke 
rung: männl. 1'236,359, weibl. 1'274,135. ^ach dem Civilstande : zusammen 
lebende Ehegatten 738,467, getrennt oder geschieden 41,274 ; verwittwet 155,353, 
ledig 1'575,400. 
Von der Bevölkerung sind heimathberechtigt an ihrem Wohnorte 1'474,011 ; 
an andern Orten als ihrer Heimathgemeinde, jedoch im nemlichen Kanton 
wohnen 692,855 ; Kantonsfremde, aber Schweizer 'aus andern Kantonen) 220,843 ; 
niedergelassene Ausländer 114,983; Heimathlose 1802. 
NätiODälitäteD (nach Haushaltungen, zufolge der Sprache classificirt: 
307,065 deutsch, 123,438 franz., 28,697 italien., 8905 romanisch Die Bevöl 
kerung spricht fost durchgehends französisch in den Kantonen Waadt, Genf 
und Neuenburg (im letzten doch nur 16,234 gegen 2327 deutscheHaush.), dann 
grösstentheils in Wallis 12,527 gegen 0179, und Freiburg 15,305 gegen 5530 d.; 
endlich wohnen in Bern 15,340 franz. gegen 75,781 deutsche Haush. — Italie 
nisch ist der Kant. Tessin mit 25,427 Haush. (112 deut., 6 franz.). — In Grau 
bünden sind: 9150 Hsh. deutsch, 8802 romanisch, 2848 ital., 14 franz. Die 
Schweiz zählt unter ihren 3071 Gemeinden 1707 deutsche in 19 Kantonen, 947 
franz. in 6 Kant., 292 ital. in 2 K., und 125 romanische in 1 Kant.) 
Städte. Die Zahl aller Gemeinden betrug bei der Aufnahme von 1850 3058, 
wovon 29 mit mehr als 5000 Einw. Im J. 1800 umfassten :
        <pb n="372" />
        348 
SCHWEIZ. — Land und Leute. 
Bern 29 01. resp. JO,000; Lausanne 20,515, resp. 28,000; St. Gallen 14,5:12, 
resp. If,frn 11,p; Freiburg 10,454; Neuenburg 10,382; Herisau 
; Chur0990; Solothurn5910; Schwyz 
") -'[nderehcdeutcndereGem^nden: Chaux de Fonds (Neuenb.) 10,778, Lode 
• tiri: o ,,v. vjiaiieii; u.ui ; uster (Z,unch 
rieh) 5311 ; Summiswald (Bern) 5239 ; Wählern fBern) 5110 
senschaft zuerd beigetretenen Kantone: Luzern 1332, Zürich 1351, Glarus 1352, 
Bern 1353 und Zug 1302 ; dies die »Eulyenossenschaft der 8 alten Orte.« — 3) Die 
»mittleren« Kantone: Freiburgund Solothurn 1481, Schaffhausen 1501, Basel 
oOl getheilt seit 1831 in Stadt und Landschaft), Appenzell 1513 (getheilt seit 
159/ in Inner- und Ausser-Ilhoden) ; dies «der Bund der 13 Orte.« — 4) Die 
»neuen F-antone« : St Gallen, Thurgau, Aargau, Waadt, Graubünden und Tes- 
sin, alle 1/38 und 1S03. — o Die »neuesten Kantone« : Wallis, Genf, Neuen 
burg 1515 — ) or der Zeit der fraiiz. Revolution bildeten die »13 Orte« einen 
sehr f sen Bund. Sie umfassten kaum 450 Q.-M. und 970,000 Menschen Ne 
ben ihiien bestanden noch andere Städtchen in einer Uuasi-Selbständigkeit, wel 
che sich an die Eidgenossenschaft, oder vielmehr an einzelne Kantone, anlehn 
ten; andere Gebiete sodann, welche von ihnen beherrscht wurden, alle mit sehr 
ungleichen Rechten. Zunächf kamen die »rz/z/e/r/mf/l!/?« Orte«, die sich wieder 
mannichlach.schieden. Die Einen waren die »Bundesgenossen« nssnciès, socii 
nemheh die Abtei St. Gallen und die Städte St. Gallen und Biel, mit dem Vor- 
^.l^ßGordnete an die lagsatzuiig zu senden ; die Andern galten blos als 
»Mitverbundete coalite^ confoederati) : die drei Bünde Graubündeii , Wallis, 
die Stadt Muhlhausen (im Eisass), das Fürsteiithum Neuenburg, die Stadt Genf 
und ein Iheil des Bisthums Basel. Noch tiefer standen die bloseii »Schutzver 
wandten« : die Abtei Engelberg, der Flecken Gersau und der andere 'l’heil des 
liis^ums Basel. Hieran reiheten sich die »gemeinsamen Unterthanen«, oder die 
im Kriege unterworfenen Landschaften, welche einem oder mehren der 1.3 eid 
genössischen Stände gehörten. 
Von den 13 Orten hatten 7 eine aristokr., 0 eine demokr. Regierungsform 
— ln 4 der ersten herrschte eine Geschlechts- oder Fatriciatsaristokratie neml’ 
m Ilern, Solothurn, Kreibiirç uml Luzern; in II eine Städte- oder liOrReruristo- 
kratie nemheh in Zürich, Ha»el und Schaffliausen. - Kic demokr Kantone 
iPiPülüi 
gau, den 8 alten Orten gehörend; das Freiamt, theils denselben, theils Zürich, 
Bern und Glarus zuständig; da« jetzige Tessin, ausgenommen das Uvinenthal 
theils den 12 alten Orten, theils En, Schwyz und Unterwalden; das Rheinthal, 
den 8 alten Orten und Appenzell zuständig; Waadt und ein Theil des Aargail 
war den Bernern unterworfen ; auch da^s selbständige Bünden seinerseits besass 
Unterthanenlande: \ eltlin, Bormio und Chiavenna. Das Frickthal gehörte zu 
Oesterreich. ” 
Die franz. Revolution bewirkte völlige Umgestaltung. Schon 1792 verjag 
ten die Bewohner des Bisthums Basel ihren Bischof, und erklärten sich für eine 
Republik. 1793 riss Frankreich einen Theil dieses Gebietes, Pruntrut, an sich ; 
1797 einen andern, Erguel. Die Bewohner von Veltlin, Chiavenna und Bormio,
        <pb n="373" />
        SCHWEIZ. — Finanzen. 
349 
denen von den Bündnern Gleichheit der Rechte verweigert wurde, schlossen 
sich der »Cisalpinischen Republik« Italien) an. Das Waadt riss sich, als »Le- 
inan’scher Kanton«, von Bern los (Jan. 1798). Nachdem die Berner von den 
franz. Truppen geschlagen waren, erfolgte Auflösung der »Eidgenossenschaft« 
und Bildung eines Einheitsstaats, der »Helvetischen Republik.« Dieselbe 
ward blos der administrativen Bequemlichkeit wegen in 18 (nicht selbständige) 
Kantone getheilt; Bern zerfiel in 4 : Bern, Überland, Aargau und Leman. Auch 
Baden, Thurgau, T/Ugano, Bellinzona und Wallis wurden in Kantone umge- 
wandelt, während man Uri, Schwvz, Unterwalden und Zug zu einem Kanton 
«Waldstätten« vereinigte. Appenzell, St. Gallen und das Rheinthal bildeten den 
Kanton »Säntis.« Genf und Mühlhausen wurden Frankreich einverleibt. — Es 
folgen \iele Unruhen. Die Centralisation widerstrebte den Schweizern ; fran 
zösischer Seits nährte man unter der Hand die Zwietracht. Im Febr. 1803 ver 
kündete Bonaparte die »Vermittlungsakte.« Die Kantone erhielten ungefäh^^ 
ihren vormaligen Umfang wieder (doch blieben Waadt und Aargau vori Bern 
getrennt) ; sie durften ihre innem Angelegenheiten wieder selbst ordnen, indess 
die allgemeinen Angelegenheiten einer Tagsatzung übertragen waren, zu wel 
cher jeder der grossem Kantone zwei, jeder der kleineren einen Abgeordneten 
sendete. Neuenburg und Wallis wurden durch Napoleon mit Frankreich verei 
nigt; so bestanden 19 Kantone. — Der Wiener Congress suchte auch in der 
Schweiz die alten Zustände wieder herzustellen ; die Verfassung von 1815 decre- 
tirte die Souveränität der Kantone, deren Zahl um 3 vermehrt ward Genf, Wal 
lis, Neuenburg,. Das ehemalige Bisthum Basel ward mit dem Kanton Bern 
vereinigt. Sardinien trat, der Contiguität Genfs wegen, einen kleinen Bezirk 
an dasselbe ab (Carouge), Oesterreich gab die Herrschaft Räzüns an Graubün 
den, und das Frickthal, Laufenburg und Rheinfelden an Aargau ; Frankreich 
sollte nach dem Pariser Frieden svertrage das Dappenthal an Waadt zurück 
geben, es weigerte sich aber dessen und erst 1^03 kam ein Vergleich zu Stande; 
Mühlhausen blieb ohnehin bei Frankreich, wie das Veltlin, Chiavenna und Bor 
mio bei der Lombardei. — Die Wiederherstellung des aristokratisch-oligarchi- 
schen Regiments konnte den Schweizern unmöglich Zusagen. Die Bewegung, 
welche 1830 durch Europa ging, ward benützt, um die meisten Kantonalverfas 
sungen im demokratischen Sinne umzugestalten ; auch trennte sich die Land 
schaft Basel von der Stadt. Die beiden feindlichen Elemente bekämpften sich 
ununterbrochen. Vermittelst jesuitischer Ränke bildeten zuletzt 7 Kantone so 
gar einen »S'owf/erÖMWf/« (Luzern, Schwyz, Uri, Unterwalden, Zug, Wallis und 
Freiburg). Er ward, Nov. 1847, mit XVafl'engewalt vernichtet. Die Schweizer 
benützten klqg die Stprme des Jahres 1848, um sich neu zu constituiren ; Neuen 
burg schüttelte die preussische Herrschaft ab, und eine neue Bundesverfassung 
kam unterm 12. Sept. 1848 zu Stande, wodurch, unbeschadet der Autonomie 
der Kantone in ihren innern Angelegenheiten, soweit diese nicht mit dem all 
gemeinen Schweiz. Staatsbürgerrecht in Conflict kommt und die gesammte staatl. 
Entwicklung hemmt, iedenfalls die Nationalkraft gegen Aussen vereinigt wurde. 
Die Organe, durch welche die Nation ihren Willen kund gibt, sind der Natio 
nal- und der Ständerath, welche vereint 7 Männer, den »Bundesrath«, als höch 
ste Executivbehörde, erwählen. In den Ständerath sendet jeder Kanton, ohne 
Unterschied seiner Grösse, 2 Vertreter, jeder Halbkanton 1 ; in den National- 
rath dagegen wird je ein Repräsentant auf 20,000 Einw. gewählt. 
Finanzen. Bundesbudget. Die neue Verfassung schuf dem Bunde, 
statt der unsichern Matricularbeiträge der einzelnen Kantone, eigene 
Einkünfte. Wie in Nordamerika ward das Zoll wesen die Hauptein 
nahmsquelle. Die Postverwaltung ward zwar gleichfalls der Bundesbe 
hörde übergeben ; die Entschädigung, welche die Kantone für diese 
Ueberlassung erhalten, kommt aber meistens dem ganzen Reinerträge 
der Anstalt gleich; wie die Kantone auch von den Zöllen fast 2V, Mill, 
erhalten, als Entschädigung für ihre frühem Sonderzölle. Directe Steuern 
hat der Bund nicht zu beziehen. Für »ausserordentliche Fälle« besteht 
eine, je für 20 Jahre aufgestellte Scala, nach welcher, wenn etwa nöthig.
        <pb n="374" />
        350 
SCHWEIZ. — Finanzen. 
die einzelnen Kantone zu Beiträgen für Bundeszwecke verpflichtet sind 
(welche Beiträge man wohl zunächst an den Post- und Zollentschädi 
gungsgeldern in Abzug bringen würde). Das Budget für 1865 schliesst 
ab mit 18’893,000 Fr. Einnahme und 20’119,000 Bedarf, sonach 
1’226,000 Fr. Deficit. Da sich das wirkliche Verhältniss wie gewöhnlich 
anders gestalten wird, so ziehen wir es vor, die Hauptpositionen der 
wirklichen Abrechnung von 1863 mitzutheilen. 
Einnahmen. 
1) Ertrag der Liegenschaften 51,355, angelegten Capitalien 112,262 163,617 
2) Zinsen von Betriebscapitalien und Vorschüssen 102 679 
3) Regalien und Verwaltungen ; Zoll 8’540,484, Post 7’744,082, Te- 
legr. 671,885, Pulver 949,969, Zündkapseln 28,229, Telegraphen 
werkstätte 89,209, Münze 1’029,840, Polytechnicum 41,102 . . 19’094,799 
4) Kanzleieinnahmen und Vergütungen 134]796 
Zusammen 19’495,891 
Ausgaben. 
1) Zinsvergütungen (dabei Verzinsung des Münzreservefonds) . . 
2) Allgemeine Verwaltungskosten: Nationalrath 112,712, Stände 
rath 6,725, Bundesrath 61,000, Bundesgericht 9,588, Bundes 
kanzlei 144,678, Militär%)ensionen 27,756 
3) Departemente : polit. Den. 126,182, Inneres368,066, Militärdep. 
17,793, Finanz- 43,379, Handels- und Zoll- 26,594, Justiz- und 
Polizeidep. 21,675 
4) Specialverwaltungen: Militär 3’301,965, Zoll 3’504,936 (davon: 
2^473,196 Entschädigung an die Kantone als Loskauf ihrer frü 
hem Zölle), Post 7’744,082 (dav. : Entschädigung an die Kan 
tone 1’608,908), Telegraph 570,846, Pulverven^altung 843,983, 
Zündkapseln- 38,292, Münzverw. 1’029,840, Telegr.-Werkstätte 
82,916, Polytechnicum 381,377 
Zus. (einschliessl. 8997 Fr. Unvorhergesehenes) 
Ueberschuss 
201,502 
362,459 
603,690 
17,498,239 
18’671,652 
824,239 
Für die Verwaltung eines Staates von dritthalb’Millionen Menschen 
sind dies sehr geringe Summen. Indessen darf nicht übersehen werden ; 
emerseits, dass manche Ausgabe für das grössere Gemeinwesen den Kan 
tonen überlassen bleibt; anderseits aber ebenso, dass hier die Brutto 
summen mit einer Vollständigkeit eingetragen sind, wie nirgends sonst 
(erscheint doch sogar der Preis für das von der Münze verwendete Me 
tall vollständig in der Hauptrechnung), und dass auch die blos durchlau 
fenden Beträge (Einnahme der Post für die Kantone) hier aufgeführt 
sind. hassen wir, zur Vergleichung mit andern Staaten, blos die 
Netto-Summen ins Auge, so stellt sich das eidgenössische Budget fol- 
gendermassen : 
Einnahme: 1) Directe Steuern ; gar keine ; 
2) Indirecte : Zölle . . . . 5*035,548 
3) lieg alten : Post nichts (weil den Kantonen zufliessend), Telegra 
phen-, Pulver-, Zündkapsel- und Münzverwaltung 203,252 
4) Ertrag des Staatsvermögens (Domänen) 266,296 
5) Kanzleieinnahmen 134]796 
, Gesammtsumme der Netto-Einnahme 5’üjJ9,892
        <pb n="375" />
        SCHWEIZ. — Finanzen. 
351 
Ausgabe: 1) «ScAmW (zum'fheil nur Selbstverzinsung) . . . 201,512 
2; Allgem. Verucaltung: Nationalvertretung 180,4117, Bundesgericht 
9587, Bundeskanzlei 144,078, Pensionen 27,756, Departemente 
003,690 966,149 
3) Militär*) 3’301,965 
4) Anstalten'. Polytechnicum netto 340,275 
Gesammtsumme 3*809,901 
Die höchste Besoldung ist die des Bundespräsidenten = 10,000 
Frkn. (2666 preuss. Thlr., kaum zwei Drittel dessen, was in Bayern 
ein blosser Ärei'sregierungs-Präsident, einschliesslich Repräsentations- und 
Reisegelder bezieht) ; jedes der 6 übrigen Mitglieder des Bundesraths 
erhält 8500 Fr. (2266 Thlr.). Beim »politischen Departement« (Mini 
sterium der auswärtigen Angelegenheiten) sind blos 3000 Fr. für Reprä 
sentation bestimmt, und für » Orden « wird gar nichts verausgabt. 
Schulden. Deren hat die Schweiz wesentlich nur für Activ-Erw er- 
bungen contrahirt ; ausserdem zur unmittelbaren Landesvertheidigung in 
dem Streite wegen Neuenburg. Für Ende 1863 wurden die Schulden 
auf 3’750,000 Fr. berechnet, denen ein Actiwermögen von 15*300,553 
gegenüber steht, worunter 4*543,904 Fr angelegte Capitalien. 
Finanzen der Kantone. Wir sind nicht im Stande, bezügl. jedes 
Kantons die neuesten Budget- oder die letzten Abrechnungsresultate an 
zugeben. Um eineUebersicht herzusteilen, müssen wir mitunter auf et 
was ältere Zahlen zurückgreifen. Wir bemerken bei jedem Kantone die 
Quelle — Budget oder Abrechnung, und das Jahr. 
Kantone Quelle Einnahme Ausgabe Schulden Actiwerraögen 
Bern (‘) Budg. f. 1865 5*034,172 5*353,078 20% Mill. 65% Mill. (1863) 
Zürich (*) Kechn.v. 1863 3*570,197 3*132,545 3% - 15 Mill, (rein) 
Waadt (■; Budg.f. 1865 3*235,000 3*289,635 3% - 13 - (rein; 
Genf Rechn.v. 1863 2*612,300 2*992,900 14'/. - 
Aargau (*) Budg.f. 1865 2*004,804 2*438,804 .'.... 20*340,202(1863) 
St. Gallen ») - - 1865 972,000 1*552,000 9 Mill. 5*842,807 (rein) 
Tessin - - 1863 1*556,566 1*579,395 5* . Mill. 800,000 
Freiburg (•) - - 1863 1*917,062 2*197,115 25 - 
Basel-Stadt - - 1864 1*275,000 1*575,000 5'/, - 
Basel-Land (^) - - 1865 514,300 511,573 1 - 1*343,000 (rein) 
Solothurn - - 1865 1*130,328 1*243,311 1'/. - 5 Mill. 
Luzern (") - - 1863 943,748 1*204,507 1*400,000 6' , Mill. 
Thurgau Rechn.v. 1863 1*121,189 836,846 300,000 8*586,244 
Wallis Budg.f. 1865 699,948 775,164 2'/. Mill. 2 Mill. 
Graubünd. (•, Rechn.v. 1861 731,000 965,000 4'/. - 8 - 
Schaifhausen - - 1857 294,099 351,953 350,000 11 - (rein) 
Glarus Budg.f. 1865 425,000 391,000 2'/, Mill 
Schwyz Rechn.v. 1861 207,000 270,000 640,000 210,000 (rein) 
Innerrhoden - - 1863 215,000 227,000 . 
Ausserrhoden - - 1863 249,000 214,000 120,000 350,000 
Zug '®, Budg. f. 1865 143,000 136,000 225,000 350,000 
Nidwalden - - 1864 92,348 78,991 96,300 130,000 (rein) 
Obwalden - 18'%, 111,912 123,794 30,000 448,000'rein) 
*) Dabei sind nicht nur vorübergehende Ausgaben einbegriffen, wie z. B. 
für Anschaffung gezogener Gewehre und Kanonen, sondern auch solche, welche 
durchaus nicht hieher gehören, namentlich 623,800 für Herstellung von sog. Heer 
strassen über Gebirge Furka-, Oberalp-und Axenbergstrasse). Uebrigens muss 
allerdings bemerkt werden, dass der Aufwand für das Militärwesen auch in der
        <pb n="376" />
        352 
SCHWEIZ. — Finanzen. 
Bemerkungen. (1) Bern. Nach der Rechn. v. 1863 wurden 771,(»00Fr. 
für das Militär und 929,545 für das Uuterrichtswesen aufgewendet. Der Werth 
der Grundstücke blos im alten Kantonstheile war zu 440 Mill, catastrirt. — 
(2) Zürich. Im Budg. f. 1804 erschienen : Militär mit 440,000, Erziehungs 
wesen mit 820,500 (bei einer Gesammteinn. von 3’310,000, sonach fast % der 
Kinn, für Erziehungszwecke ! Das Kirchenwesen erscheint gesondert mit 413,043 . 
Ausser dem unmittelbaren Staats- beträgt das Stiftungsvermögen 39*', Mill. — 
(3) Waadt. Im Budg. f. 1803: Milit. (mit ausserord. Aufwande) 709,800, Un 
terricht 002,575, öffentl. Arbeiten 703,289. — (4) Aargau. Kechn. f. 1803: 
Erziehung 330,345, Milit. 299,789. — (5) St. Gallen. Steuercapital 1804. 
234Mill. — (0) Freiburg. Actiwermögen ausser Elsenb. 0'/, Mill. — 7) Ba 
selland. Steuercapital 97% Mill. — (8) Luzern. Budget für 1803: Milit 
240,505, Erziehung 210,470. — 9) Graubünden. Steuerbares Vermögen 147 
Mill. ; ausserdem über 13 Mill. Corporationsvermögen. — (10, Zug Steuer- 
capit. (1803) 30 Mill. ^ ^ ' 8- 
In der vorstehenden Tabelle sind viele blos formelle Ueberträge aus 
frühem Etats einbegriffen ; ebenso durchlaufende Posten ; endlich solche 
Lasten, welche in andern Staaten, als Leistungen der Gemeinden und 
Kirchen, ausser dem Staatsbudget bleiben. Unter Berücksichtigung die 
ser Momente erhalten wir für die Finanzverwaltungen in der ganzen 
Schweiz, Bundes- und Kantonallasten zusammen, folg. Resultate: 
Netto der Rechnungen des Bundes etwas über St, Mill. Fres. 
- - - der Kantone 30—32 
Zusammen etwa 30 
Hievon treffen auf die Hauptpositionen 
der E i n n a h m e n : 
aus Domänen ungefähr . 10 Mill. 
- directe!! Steuern . 10 
- indirecte!! Abgaben . 10 
der Ausgaben: 
Besoldungen *) .... 4’000,000 
Unterricht 5’5( 10,000 
Militär 7’500,000 
Pensionen 
00,000 
Schulden 5’000,000 
Seit etwa 10 Jahren haben sich die Finanzverhältnisse der Kantone 
vielfach gewaltig umgestaltet. Die Anforderungen sind gestiegen, aber 
auch die Mittel. Die Ansprüche an den Staat vermehrten sich sowol 
in Folge der fortschreitenden Entwicklung, als des Sinkens des Geld- 
werthes. Die alten Aufstellungen (z. B. des verdienten und nicht nach 
Verdienst gewürdigten Franscini) gleichen durchaus nicht mehr den jetzi 
gen Zuständen. Die Verhältnisse im Ganzen haben sich aber nicht ver 
schlimmert, sondern verbessert. Die Ausgaben für das Militärwesen 
sind besonders gestiegen, theils vorübergehend (Erwerbung gezogener 
Kanonen und Gewehre), theils bleibend. Man hat zudem auf diesen Etat 
in wunderlicher W eise sogar die Gesammtsumme für Herstellung von 
Schweiz gegen früher ungemeu! gestiegen ist. Dieser Aufwand, so weit er die 
eidgenöss. (also die Central-) Casse betrifft, war 1850 nur 919,122, 1850 erst 
1'710,818 Fr., ist aber un Budget für 1805 sogar zu 4'212,000 veranschlagt. Von 
der letzten Summe kommen aber allerdings wieder P005,000 Fr. auf Strassen- 
und Kasernbauten und auf weitere Anschaffungen gezogener Geschütze. 
♦) In Zürich erhält ein Regierungspräsident 4000, ein Reg.-Rath 3500 Fr 
Besoldung; in Bern letzt. 5000, in St. Gallen 3500; in Waadt Präsident und 
Räthe gleichmässig 4000; im Thurgau Präsident 2757, Räthe 2333—2545 ; — 
in Glarus der Landammann 700, der erste Rathsschreiber dagegen 2000, der erste 
Weibel 1000; in Appenzell Ausserrhoden der regierende Landammann 200, jedes 
andere Mitglied der Standescommission 100 Fr. !
        <pb n="377" />
        SCHWEIZ. — Finanzen. 
353 
Kunststrassen über das Hochgebirge gesetzt. Doch trotz aller dieser 
Steigerungen — welcher Unterschied gegen den Aufwand der Staaten 
mit stehendem Heere, welcher Unterschied für die Staatscasse, welcher 
unendlich grössere Unterschied für den einzelnen Dienstpflichtigen.*) 
Die directen Steuern bestehen fast allenthalben nur in einer 
Vermögens- und Einkommens- (als einziger directen) Steuer (meistens 
^ 1 % ■'om 1000 Vermögen, doch in Appenzell-Innerrhoden ISGl ge 
steigert auf 5 vom 1000, in Glarus, in Folge des Brandes, auf 3). Bios in 
Genf, Waadt und in einem Theile von Bern kennt man eine Grundsteuer. — 
Unter den in directen Abgaben erscheinen die eidgenössischen Zölle, 
dann Auflage auf Salz (sehr mässig, doch verschieden in den einzelnen 
Kantonen)**), Stempelpapier, Erbschaftsabgaben etc. — Sehr häuflg 
schliessen die Budgets mit einem Deficit ab. Allein es besteht dieses 
gewöhnlich nur scheinbar, indem man die Einnahmen äusserst niedrig, 
die Ausgaben ganz hoch veranschlagt, so dass sich sehr oft bei den Rech 
nungsabschlüssen Ueberschüsse ergeben, während die Budgets De 
ficite in Aussicht gestellt hatten. Auch bezeichnet man zuweilen die 
ganze Summe als Deficit, welche durch directe Steuer aufgebracht 
Werden muss (daher die scheinbar seltsamen Unterschiede in den Ein 
nahmen und Ausgaben in St. Gallen, Aargau etc.), während man letz 
tere in einigen Kantonen überhaupt noch gar nicht kennt. (So 
braucht das Aargau gewöhnlich gar keine Steuer zu erheben ; in Basel 
land kam directe Steuererhebung seit dem Bestehen des Kantons über 
haupt nur viermal vor, höchstens % vom Tausend des Vermögens. 
Wir entnehmen einem Vortrage von Dr. Steiger vom J. lSGü folgende Da 
ten (wobei zu bemerken, dass alle Ertragssummen ansehnlich gestiegen sind). 
Directe Steuern werden von 21 Kantonen oder Halbkantonen bezogen. Zürich 
bezog die erste Steuer 1832 und erhebt jährlich gegen 750,000 nun 000,000, Fres. 
Schwyz seit 1848 ungefähr 00,000Fres., Nidwalden 2 pr. mille vom Vermögen, 
erhält circa 00,000 Fres. Zugseit 1848 ungefähr 20,000 Fres. Glarus erhebt schon 
"eit dem vorigen Jahrhundert eine l,andessteuer; dieselbe wurde seit dem grossen 
Brande auf 3 festgestellt und erträgt 100,000 Fres, (seitdem ist der Ertrag ge 
stiegen). Freiburg, seit 1848, bezieht jetzt 2%, im Betrage^von 520,000 Fres, 
(seitdem etwa das Doppelte). Baselstadt erhebt schon sehr lange eine Einkom 
mensteuer, gegen 425,000 Fres. Baselland schon lange circa 55,000 Fres., doch 
nicht jedes Jahr. Appenzell 1.-Rh. seit 1811 5%,, wovon 2 für Armen 
wesen, im Ganzen circa 40,000. Appenzell A.-Rh. seit alter Zeit 80—100,000 Fres 
kchaflhausen seit 1834 circa 95,000 (etwa 140,000 Fres. Aargau erhob einmal 
(1855) eine Steuer von 340,000 Fres. Thurgau bezieht Steuern seit* Bestand des 
Kantons, auch wenn das Budget so grosse Vorschläge zeigt, dass sie den Ertrag 
*) F.s verdient einer besondern Erwähnung, dass Schweizer wiederholt un 
sere Berechnungen um so viel meinten erhöhen zu sollen, als die Leistungen 
des einzelnen Mannes betragen. Wir sind sehr bereit auf diese Rechnungsweise 
einzugehen, verlangen dann aber natürlich auch, dass das Geldopfer der beim 
stehenden Heerwesen so viele Jahre lang jedes Verdienstes beraubten Soldaten 
(also deren Verlust an Arbeitsverdienst) ebenso in Rechnung gebracht werde. 
Wie die Flinte oder der Militärrock, den sich — nach der Verschiedenheit der 
Kantone — der Schweizer theilweise selbst anschaflen muss. 
**) Der gewöhnliche Preis des Salzes ist 8 Cent, für das Pfund ; dieses noth- 
wendige I.ebensbedürfniss ist also hier wohlfeiler, als in denjenigen Ländern, 
aus welchen die Schweiz einen Theil ihres Salzes bezieht. Folge davon : stärke 
rer Verbrauch. (So wurden im Aargau 1856 54,334 Centner Kochsalz verkauft, 
pr. Kopf also 27,17 Pfd., während in Preussen nur 17 Pfd. auf den Kopf kamen.) 
Kolb, StatUtik. 4. Aufl. 90
        <pb n="378" />
        354 
SCHWEIZ. — Finanzen. 
der Steuer überschreiten, es nimmt jährlich 142,000 Fres. ein. St. Gallen bezog 
bisher 350,000 Fres., kommt aber auf 5o0,000Frcs. Graubünden deckte ehemals 
seine Bedürfnisse durch den sogen. Hepräsentanten-Schnitz, d. h. jeder Bezirk 
bezahlte eine bestimmte Summe für jeden zu wählenden Vertreter, wodurch der 
Kanton 00—70,000 Fres, erhielt. In neuester Zeit wurde die Steuer nach der jetzt 
üblichen Art umgewandelt. Waadt erhebt directe Steuern seit dem Bestände 
des Kantons und zwar nach dem Kataster 050,000Fres., vom Erwerb und Ver 
mögen 280,000 Fres., zusammen 030,000 Fres. Wallis bezieht jährl. circa 150,000 
Fres. Tessin seit 1850 ungefähr 150,000 Fres, und will in Zukunft das Doppelte 
erheben. Genf hat seit alter Zeit eine Grundsteuer im Betrage von 250,000 Fres. 
Neuenburg seitl850 ca. 450,000Frcs., 1 %q. Bern bezieht auch directe 1—1 */* 7oo* 
Die Schulden der Kantone haben sich in der Neuzeit in einer früher 
nicht für möglich gehaltenen Weise vermehrt. Vor etwa 12 Jahren stieg 
deren Betrag in der ganzen Eidgenossenschaft höchstens auf 9—10 Mill. 
Fres., wovon etwa 0'/,Mill, auf das hart bedrängte Tessin kamen. Jetzt 
ist die Summe auf ungef. 108—llO Mill, gestiegen! Allerdings rühren 
diese Schulden weitaus zum Haupttheil von Eisenbahnbauten oder auch 
andern Erwerbungen her. Nur in Genf ist das Letzte nicht der Fall, 
und die Bahnen der stark verschuldeten Kantone Freiburg und Neuen 
burg, auch die des wohlhabenden Bern, rentiren schlecht (die Schulden 
dieser 4 Kantone allein betragen etwa 03, die aller übrigen ungef. 40 
Mill.). Allein abgesehen davon, dass diese Rente im Laufe der Zeit 
sich erhöhen wird, steht den Schulden ein viel grösseres Activvermögen 
entgegen, das wir in 18 Kantonen oder Halhkantonen, von denen allein 
Notizen vorliegen, — ungerechnet den Werth jener Bahnen — auf 180 
Mill, veranschlagen. Natürlich ist das Verhältniss in den einzelnen Kan 
tonen ein sehr verschiedenes. 
Zum Schlüsse noch ein Paar von dem Verfasser dieses Buches vor 
einigen Jahren berechnete Vergleichungen. Das Budget des Kantons 
Zürich ergab damals, mit Dazurechnung des entsprechenden Antheils 
an (Jena Bundesbudget, — gegenüber der Finanzverwaltung einiger deut 
scher Staaten von beiläufig gleicher Bevölkerung, folgende Hauptre 
sultate (alle Summen auf preuss. Th Ir. reducirt ; die Zahlen haben 
sich seitdem geändert, die Verhältnisse sind im Wesentlichen geblieben j: 
Hauptausgaben: Zürich Weimar Braunschweig 
nach d. U. ehn. V. 1862 n. d. It' chn. v. 1861 n. d. Bud(f. f. 1S* 
Hof — 2.50.000 200,000 Thl] 
Staatsschuld 3,000 300,103 428,407 - 
Militärwesen 122,000 153,325 315,284 - 
Pensionen 4,000 100,193 127,990 
Gesammtbetrag dieser 4 Posit. 129,00(7 815,921 PÍÕTjTõi - 
Gesammter Staatsbedarf 739,780 1’534,251 P824,000 - 
Hauptstaatseinkünfte: 
Domänen und Regalien . 141,000 178,555 • 150,880 
Indirecte Auflagen . • . . 113,422 310,330 493,300 - 
Directe Steuern .... 213,100 520,857 432,000 - 
Dabei darf nicht übersehen werden, dass im Züricher’sehen Etat 
viele blos durchlaufende Posten Vorkommen, während in den andern Staa 
ten ansehnliche Nachtragscredite erscheinen, namentlich für Militär. 
(Bei den bemerkenswerthen Ergebnissen des schweizerischen Finanzwesens 
gegenüber jenen aller andern Staaten Europa’s verweisen wir auf die näheren 
Erörterungen darüber in der [vom Verf. des gegenwärtigen Buches herrühren 
den anonymen] Schrift: «Die Schweiz in ihren bürgerlichen und politischen
        <pb n="379" />
        23* 
SCHWEIZ. — Militärwesen. 
355 
Zuständen, ihren fínanziellen, militärischen, Gewerbs- und Handelsverhältnissen. 
Für Einheimische und Fremde.« Zürich, 1S58 bei Schabelitz.) 
Militärwesen. Die Schweiz hat keine stehenden Truppen ; es ward 
der Bundesregierung sogar verfassungsmässig verboten, solche zu errich 
ten. Dagegen ist jeder waffenfähige Schweizer auch in Wirklichkeit mi 
litärpflichtig. Von Kindheit an Waffenfflhrung gewöhnt, erfolgt das mi 
litärische Einschulen der Rekruten stets in sehr kurzer Zeit, und später 
genügen Wiederholungscurse von wenigen Tagen. Das Bundesheer hatte 
am 31. Dec. 1863 folgenden Bestand: 
1) Biindesauxzug, — die Mannschaft von 20—34 Jahren : Contingent 
3 Procent der Bevölkerung, = 60,582; wirklich eingereiht . . 85,441 
2j Reserve, — von 35—4ü Jahren; — l'/t Proc. = 34,701, wirkl. . . 45,631 
3) Landicehr, — bis zum 44. Altersjahre, organisirt 63,536 
4J Landsturm (offfciell zu 150,000 M. angenommen) 
Zus. eflectiv 104,608 
Die Formation ist folgende : 
A. Auszug. I.inien-Infant. 57 ganze Bataillone, 0 halbe, endlich 6 Einzel 
compagnien, 68,011 M. — Scharfschützen 45 Compagnien, 5,711 — Genie: 
6 Sappeur- und 3 Pontonierscompagnien, 1344. — Artillerie 7502: 25 bespannte 
Batterien (schon 1862 befanden sich darunter 12 Batt. von gezogenen Kanonen), 
2 Gebirgs-, 4 Raketenbatterien, 3 Comp, für Positionsgeschütz, 6 Comp. Park 
artillerie; ausserdem Park train. — Cavallerie 1883 M. ; 22 Comp. Dragoner, 
7 y, Conin. Guiden. 
B. Reserve; I.inien-Infant.; 31 ganze, lO halbe Bataill. und 15Einzelcom- 
pagn., 35,332. — Schützen 28'/, Comp., 3322. — Genie: 6 Sappeur- u. 3 Pon 
ton.-Comp., 790. — Artillerie 5067: 13 bespannte, 2 Gebirgs-, 4 Raketenbat 
terien , 8 ganze und 2 halbe Positions- und 6 Parkcompagn. ; ferner Parktrain 
— Cavall. 1110; 13 Dragoner-und 7*/, Guidencomp. 
C Organisirte Landfcehr. Infant. 55 Bataill und 26 Einzelcomp., 52,704. 
— Schützen 36 Comp., 4755.— Genie: 5 Sappeur- und 2Pontonierscomp ,631. 
Artill. : 8 Feldbatterien, 6 Pos - u. 4 Parkcomp., 4388.— Cavall. 8Comp., 1058. 
Auszug und Reserve sind jeden Augenblick mobil zu machen. Die 
bewaffnete Macht der Schweiz ist schwach an Reiterei. Ihre Linienin 
fanterie könnte dagegen der eines stehenden Heeres entgegengestellt 
werden. Dabei besitzt man eine vortreffliche Artillerie und hat eine ent 
schiedene Ueberlegenheit an Scharfschützen. Bei der Landwehr ist 
die vollständige Zahl Offleiere nicht vorhanden ; allein dieselbe bildet 
dennoch das Mittel, dem Auszuge und der Reserve eine sofortige Ver 
stärkung zu gewähren. 
VergletcAung. Können Staaten mit stehenden Heeren dasselbe lei 
sten , wie die Schweiz? Nimmermehr! Hannover, Braunschweig und 
Oldenburg zusammen haben etwa die gleiche Volkszahl wie die Schweiz. 
Stellen wir ein Paar Ziffern zusammen : 
Schweiz Hannover, Braunschw. 
und Oldenburg 
Volkszahl 2’510,000 2’466,000 
Kosten des Militärs . 2’000,000 Th Ir. 3'800,000 Thlr. 
Marschbereite Truppen 160,000 36,000 
Mit einem Geldaufwande von wenig über die Hälfte stellt die 
Schweiz sonach eine über viermal grössere Militärzahl als jene Staaten. 
Und dabei ist die Last für die militärpflichtigen Einwohner in Friedens 
zeiten (welche die Regel bilden!) weitaus geringer. — Mit der nem- 
lichen Geldsumme, deren man in Hannover etc. bedarf, um ge
        <pb n="380" />
        356 
SCHWEIZ. — Sociales. 
10,00U Soldaten zu haben, bereitet die Schweiz 80,000 M. zur Marsch 
bereitschaft vor. Aehnlich ist das Verhältniss in andern Staaten. Bel 
gien, dessen Bevölkerung ungefähr die doppelte Zahl jener der Schweiz 
beträgt, unterhält ein Heer von beiläufig 80,000 M., welches im äusser- 
sten Falle bis auf 100,000 vermehrt werden kann, also trotz der zwei 
fachen Volksmenge dem schweizerischen Heere an Zahl entschieden 
nachsteht. Belgien verwendet aber thatsächlich meistens gegen 40 Mill. 
Fres, auf sein Militärwesen ! Schon diese numerische Stärke eines jeden 
falls auch gut organisirten und geübten Heeres sichert demselben eine 
Ueberlegenheit. 
Kriegsgeschichtliches. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts stan 
den ungef. 50,000 Schweizer in 29 Regimentern als Söldlinge in den 
Diensten von Frankreich, Spanien, Sardinien, Rom, Neapel und Hol 
land; 20,500 M. davon bloss in Frankreich. Von 1474—1774 wurden 
fast 700,000 Schweizer für den franz. Militärdienst geworben*). Auch 
1830 standen wieder 2 Garde- und 4 Linienregim. in diesem Ver 
hältnisse. — Zum russischen Feldzug von 1812 musste die Schweiz 
ihrem »Vermittler« ein Hülfscorps von 16,000 Mann stellen. — Obwol 
die schweizerische Wehrkraft zur Zeit des Sonderbundskrieges (1847) 
noch keineswegs so organisirt war, wie jetzt, zeigte sich diese Wehrkraft 
doch schon in einer nach Umfang und Schnelligkeit der Entwicklung 
Staunen erregenden Weise. Es stellten in wenigen Wochen in das Feld ' 
die 13% eidgenössischen Kantone 98,8()1 Mann 172 Kanonen 
die 7 Sonderbunds-Kantone 39,.5S0 - 74 
Zusammen 138,441 Mann 246 Kanonen 
Ausserdem hatte der Sonderbund damals 46,976 M. Landsturm, und 
anderthalb Kantone (Neuenburg und Inner - Rhoden) nahmen keinen 
Theil am Kampfe. (Die Kosten dieses Krieges werden, die Opfer der 
Privaten natürlich ungerechnet, auf 1 5y¡¡ Mill. Fres, geschätzt.) Die Mili- 
tärcapitulationen mit fremden Staaten sind verfassungsmässig verboten. 
Sociales. Die Schweiz bietet das wunderbare Bild eines Staates dar 
von nur dritthalb Millionen Menschen, welcher, ungeachtet der localen 
Trennung durch die höchsten Gebirge, dennoch Angehörige dreier grosser 
Culturnationen umfasst. — Angehörige ganz verschiedener Stämme, die 
nicht durch eine despotische Gewalt zusammengekettet, sondern durch 
die lebendige Ueberzeugung verbunden sind, dass dieses Verhältniss weit 
besser und nützlicher für sie ist, als ein Anschluss an ihre grossen 
Stammnationen dermalen sein könnte. — Wenn es gar keinen andern 
Beweis als diesen für die Güte des Fundamentalverhältnisses der schwei 
zerischen Einrichtungen gäbe, so wäre dieser allein schon unwiderlegbar. 
Da jeder Kanton souverSn ist, so trifft man im Einzelnen sehr verschie 
denartige Verhältnisse. Allenthalben hat indess der Grundsatz Geltung : 
dass das Volk nach Maassgabe seiner Bedürfnisse und seiner Einsicht 
sich selbst regiert. In Folge dessen werden alle Beamten (auch die Rich- 
*) An Werbegeldern soll die Schweiz von 1740—50 jedes Jahr gegen 600,000 
Liv. aus Frankreich bezogen haben; 1744 sogar 1% Mill. Jetzt betrachten die 
Schweizer, statt solchen Verdienstes, die Industrie als wichtigste Quelle des 
Wohlstandes.
        <pb n="381" />
        SCHWEIZ. - Sociales. 
357 
ter, die nicht einmal studirt zu haben brauchen) vom Volke gewählt, und 
dies nur auf eine gewisse Zeitdauer. Es gibt also keinen Beamten st and, 
keine hohen Besoldungen, keine Pensionen. Und doch herrscht hier 
(neben voller Press- und Versammlungsfreiheit) Ruhe und Ordnung, wie 
in keinem Lande in höherm Maasse. Die neue Bundesverfassung hat 
auch bereits mehrfach äusserst wohlthätig gewirkt, insbesondere auf Be 
schränkung des » Kantönligeistes, a so namentlich durch die Bestimmung, 
dass die Schweizer in allen Kantonen gleiche Rechte geniessen ; dass 
alle Schweizer das Recht freier Niederlassung besitzen, dann durch Be 
seitigung aller Binnenmauthen, Einführung gleicher Münze und Maasse 
u. s. w. 
Im Einklänge mit den politischen Zuständen herrscht in der Schweiz 
auch in mercantiler Beziehung das Princip der Freiheit, — das Frei 
handelssystem. Mit welchem Erfolge ? Die Eidgenossenschaft, höchst 
ungünstig gelegen, weit vom Meere, von den wichtigsten Bezugsquellen 
entfernt ; rings umgeben von Staaten mit Schutzzöllen, sonach von deren 
Märkten mehr oder minder ausgeschlossen ; dazu bei sehr hohen Tage 
löhnen,' und ohne die wichtigen Steinkohlen, — hat dennoch alle jene 
Schutzzollstaaten mit ihrer Industrie überflügelt. 
Die wichtigsten Industriezweige sind: 1) in Seide; gegenüber einer Einfuhr 
von k3% Mill. Fres in roher und 17 Mill, in verarbeiteter Seide, betrug 1858 die 
Ausfuhr ungef. 231 Mill. (1857 247 Mill.), Gewicht 35,988 Cntr. ; 2) in Baum 
wolle, deren 1858 209,289 Cntr. (1859 259,822) in rohem Zustande eingeführt 
wurde, Werth gegen 11*/, Mill., ausgeführt für etwa 54'/, (1859 75'/, Mill.) ; 
3) Uhrenfabrikation ; 4) Strohgeflechte ; 5, Käse (Rindvieh und ebenso Butter 
führt die Schweiz, obwol Gebirgsland, weit mehr ein, als aus).*) 
Mmenbahnen. Ungeachtet der Terrainschwierigkeiten standen Ende 1893 
249,98 schweizerische Stunden = 1192 Kilom. oder 190% deutsche Meil. im 
Betriebe, ungerechnet 2,8 Kil. Pferdebahn. Schon Mitte 1891, als erst 1013 
Kilom. im Betriebe standen, zählte man 49 Tunnels von 17,297 Met. Länge; 
es ist sonach der 90ste Theil der Bahnen unterirdisch. Der Tunnel des Loges,’ 
Jurabahn, misst 3259, der Hauensteintunnel 2495 Met. ; auf 13,000 Kilom. 
deutscher Bahnen misst der längste Tunnel nur 1933 Met.) Im Bau 59 Schweiz! 
Stunden, ausserdem concessionirt 31'/, Stdn. Im J. 1854 hatte man erst 8*/, 
Stunden Schienenwege. 
Telegraphen. Bei einem Tarifsätze von nur einem Franken ist das Institut 
dem Publicum und der Staatscasse sehr nützlich geworden. Die Idnien hatten 
189,1 eine Länge von 3192 Kilom. und eine Drahtlänge von 9107. Es bestanden 
199 Bureaux (sogar auf dem Rigiberge; in ganz Preussen 1892nur 191). Zahl der 
Depeschen: 1893 459,871, wovon 298,778 interne, 119,212 internationale und 
41,881 transitirende. Die Einnahme war 972,000 Fres., die Ausgabe 571,000, 
somit Reinertrag 101,000. 
Vogt. 1893 2108 Bureaux und Ablagen. Brieftaxe lO Rapp., unfrankirt 15, 
Localtaxe 5 Rapp., Zeitungen % R. pr. Blatt. Briefe 33’311,271 = 12,73 pro 
Kopf; Zeitungsblätter 23*493,470. 
Damnfgchife. Auf II Seen fuhren 1892 90 Dampfboote, worunter (Boden 
see und Lago maggiore) allerdings 21 ausländische. 
* Siehe die nähern Nachweisungen in den »Beiträgen zur Statist, d. In 
dustrie und des Handels der Schweiz, von G. Fr. Kolb; Zürich 1859« (beson 
ders abgedruckt aus der »Monatsschrift des wisscnschaftl. Vereins in Zürich«). 
— In der Schweiz wird so wenig wie im Zollvereine eine amtl. Abschätzung des 
Werthes der Waaren vorgenommen. Im Uebrigen herrscht auch in diesem 
Zweige selbstverständlich die grösste Oeffentlichkeit, wie die monatlichen Ver 
öffentlichungen und bes. die alljährlichen Zusammenstellungen beweisen.
        <pb n="382" />
        358 
BELGIEN. — I.and und Leute. 
lirandversicherungen. In 17 Kantonen, von denen Nachweise vorliecen, 
waren Ende 1859 assecurirt 1,618’375,98S Fres. 
Sparcassen. Ende 1802 230 Cassen mit 353,855 Einlegern und 131’542,639 
Fres. Einlagen. Davon: Zürich 38 Cassen, 74,076 Einl., 12’750,687 Fres ; Bern 
42 Cass., 00,523 Einl., 29’393,2S2 Fres. 
Banken. Ende 1803 bestanden 00 Banken mit 82 Mill. Actiencanital. Nur 
18 dieser Banken geben Banknoten aus. Im J. 1802 befanden sich für 14 Mill, 
solcher Papiere in Umlauf, also nicht über 17 Proc. des gesammten Actiencapi- 
tals der Banken. Im Uebrigen muss allerdings bemerkt werden, dass die Mehr 
zahl der gedachten Institute keine vollständigen Banken nach gewöhnl. Begrif 
fen sind. Indess besitzen doch selbst so kleine Orte oder kleine Kantone wie 
Glarus, Freiburg, Neuenburg, Thurgau und Baselland, wirkliche Banken,’und 
sie erweisen sich als durchaus solid. 
Tngespressc. 1829 erschienen nur 38 politische und nichtpolitische Blätter 
keines öfter als zweimal wöchentlich. — 1804 erschienen 345, worunter 185 po 
litische, 22 wissenschaftliche und literarische, 20 religiöse (15 protestantische 
und 5 katholische), 1 rationalistisches (in Genf , 10 gemeinnützige (Land- und 
Forstwirthschaft u. s. w.) Davon in deutscher Sprache 231, in französischer 103, 
in italienischer 8 und in romanischer 3. 39 Leitungen erschienen sechs oder 
sieben Mal in der “Woche. 
MUnze, Maasse: Das franz. System ist entweder ganz eingeführt, oder bil 
det wenigstens die Grundlage. Neben der Silber- ward 1800 die franz. Gold 
währung angenommen. Der Franc wird in 100 Rappen getheilt (der abgeschabte 
alte Schweiz. Frank hatte etwa 11 't Sgr. Werth; die Mark zu 35,5984 schw. 
Fres. ; die neuesten Frankenstücke sind, bei nur 4 Gramm. Silber, blos 88% Cts. 
werth. — Der Fuss = 3 Decimet. Der Stab 4, die Ruthe 10 Fuss = 3 Met. — 
Die Schweiz. Stunde zu 10,000 Fuss = 4800 Met. — Der Juchart zu 400 Q - 
Ruth. (40,000 R.-Fuss) = 30 Aren oder l,40k(i3 preuss. Morgen. — Die Maass 
{lepot) = l'/j Liter. Der Saum = 1,5 Hectol. oder 2,1834 preuss. Eimer. — 
Das Pfund = % Kilogr., gleich dem deutschen Zollpfunde. 
Belgien (Königreich.) 
Provinzen ft.-M. 
Antwerpen 51,0 
{Anvers] 
Brabant 59,8 
Bevölk. 
Jan. 1862** ***) ) 
405,003 
825,124 
Städte * * * ; 
Antwerpen 114,009, Mecheln (Ma 
linos) 33,855,1.ierro 14,814^ Turn 
fort 12,891, Gheel 11,400. 
Brüssel Bruxelles 177,954 mit 8 
Vorstädten 281,370 , Löwen Lou 
vain 32,020, Tirlemont 12,178, 
Ixelles 22,129, Molenbeek-St.- 
Jean 21,313, St.-Josse-ten-Noode 
19,879, Schaerbeek 14,353. 
*) Hauptquellen über Be&gt; ölkerungsverhältniste die trefflichen Documents 
statistiques, publics pai le depart, de VIntérieur avec le eonennrs de la commission 
centrale de titatistique. Der neueste uns vorliegende Band ist der 7., herausge- 
pben 1803, die Bevölkerungsbewegung von 1801 angebend. — Eine schätz 
bare Sammlung von Daten findet sich in dem IJj-posé de la situation du royaume 
pour la période décennale de 1851—00. 
l'iigentlich blos Schätzung, indem man den Ueberschuss der Gebur 
ten den letzten Zählungsresultaten beirechnete. Diese am 15. Oct. 1850 vor 
nommene wirkl. Zählung hatte eine Bevölkerung von 4’529,401 nachgewiesen. 
Auf Grund der bezeichneten Verfahrungsweise berechnete man die Bevölk. für 
I Jan. 1804 auf 4*894,071 Menschen. 
***) Die Provincialhauptstädte sind zuerst genannt.
        <pb n="383" />
        BELGIEN. — Land und Leute. 
359 
Provinzen Q.-M. 
Westrändern 58,9 
{Flandre occidentale) 
Ostflandern 54,6 
(Flandre orientale 
Hennegau 
[Hain aut) 
I-üttich 
(Liege) 
Limburg 
Imxemburg 
Namur 
67,8 
52.7 
44,0 
80,5 
66.7 
Bevölk. 
Jan. 1862 
647,371 
810,-583 
835,822 
545,882 
197,916 
204,597 
304.268 
Sätdte 
Brügge Bruges) 50,268, Cortrick 
(Courtrai 23,228, Ostende 17,032, 
Koulers 12,160, Thielt 11,355, 
Ypern 17,095, Poperinghe 10,690. 
Gent Gand) 120,134, Alost 19,254, 
St. Nicolas 23,645, Renaix 11,766, 
Lokeren 17,291. 
Bergen (Mons) 26,799, Doomyk 
31,172, Charleroy 12,782, Gilly 
14,042, Jumet 13,858, Jemappes 
11,000. 
Lüttich (Liège) 97,544, Verviers 
28,691, Seraing 20,084, Huy 
10,632. 
Hasselt 9,895, Saint-Trond 11,500. 
Arlon 5,647. 
Namur 25,989. 
Zus. 536,6 4’836,566 
Geburten Sterbfälle Heirathen 
1854 
1855 
1856 
1857 
1858 
1859 
1860 
1861 
131,837 
125,955 
134,187 
143,291 
145,074 
149,812 
144,668 
147,253 
103,266 
112,716 
97,395 
103,458 
107,910 
111,650 
92,871 
106,381 
29,490 
29,815 
32,926 
37,292 
38,237 
36,941 
35,112 
33.802 
1856lebten in 86Städten 1'I81,371 E. 
- - - 2445 Landgem. 3’348,090 - 
Davon: männliche Einw. 2’271,783 
•weibliche 
Volkszahl Ende 1831 
1840 
1850 
1860 
2'257,678 
3’785,814 E 
4’073,162 - 
4’426,202 - 
4’731,957 - 
Im Jahrzehnt 1851—bO zählte man zusammen; 1’262,743 ehel. 
und 108,454 unehel. Geburten, dagegen r020,209 Todesfälle. 
Unter den 1801 Geborenen waren 
75,674 Knaben, davon 70,186 eheliche, 5,488 uneheliche 
71,579 Mädchen, - 66,420 - 5,159 
ungerechnet die Todtgeborenen , neml. 4009 Knaben u. 2956 Mädchen, wovon 
396 Knaben u. 370 Mädchen unehelich. — Unehel. Kinder wurden anerkannt 
1751, legitimirt 4026. — Ehescheidungen 1859 57, 1860 55, 1861 50.— 
Auswanderungen (1861) 10,218, Einwanderungen 8856. — In dem Jahr 
zehnt 1841—50 zählte man 45,470 Aus- und 33,466Einwanderungen ; im Jahr 
zehnt 1851—60 aber der Ersten 88,607, der Letzten 60,206. 
Nationalitäten: 1) Vlämen (Flamänder), Deutsche, ein entstelltes 
Deutsch-Holländisch redend, in Flandern, Antwerpen, Limburg, (1840) ' 
2 471,248 Menschen; 2) Wallonen, franz. Ursprungs, ein verdor 
benes Französisch (wallonisch) sprechend, in Brahant und Lüttich etc. 
U827,1 41. Die Sprache der Gebildeten ist die französische, wie über 
haupt das franz. Element überwiegend sich entwickelt. 
Confessionen. Die katholische; —blos etwa 15,000 Protestanten 
(die Angaben schwanken, 9000 — 20,000) und 1500 Juden. 
Jlerrsehaftsveränderungen. Die vormals »spanischen«, dann »öster 
reichischen Niederlande« umfassten zu Ende des vorigen Jahrhunderts 
etwa 400 Q.-M. und 2’250,0Ü0 Menschen. Das Hochstift Lüttich bil 
dete einen besondem Staat, mit 200,000 Einw. auf 100 Q.-M. Der 
Luneviller l'riede brachte das ganze Land unter franz. Herrschaft; es 
wurde eingetheilt in die 9 Departemente Lys, Schelde, Jemappes, Dyle,
        <pb n="384" />
        360 
BELGIEN. — Finanzen (Budget). 
beide Neethen, Sambre, Ourthe, Niedermaas und Wälder. Der Wiener 
Congress vereinigte dieses Gebiet mit Holland zu einem »Königreich 
der Niederlande«. Die Kämpfe zu Brüssel 21.—27. Sept. 1830 hatten 
die Trennung beider Länder zur Folge. Am 30. Nov. 1830 proclamirte 
der Nationalcongress die Unabhängigkeit Belgiens; am 4. Juni 1831 er 
folgte die Erwählung des Prinzen Leopold von Sachsen - Coburg zum 
Könige; nach vorgängiger Intervention Frankreichs, fand am 19. April 
1839 die Anerkennung Belgiens durch Holland statt, gegen Uebernahme 
eines Theiles der holländischen Staatsschuld. 
Finanzen. Budget iiXx 1804. 
Einnahmen 157’782, 
. . 18’8S(;,290 I 
. . 10,700,000 
. . 4,070,000 
400.000 
P250,000 
210.000 
13’515,000 
26’120,000 
Grundsteuer . 
Personalsteuer .... 
Gewerbsteuer .... 
Bergwerksabgabe . 
Abgabe v. geist. Getränken 
— vom Tabaksverkauf . 
Zollertrag 
Accisse, sammt Salzsteuer 
700 Fres., nemlich : 
Enregistrement.... 
Domänenertrag . . . 
Post *) 
Dampfschifffahrt zwischen 
Ostende und Dover 
Eisenbahn 
Anderweit» Einkünfte . 
Von Domänenverkäufen . 
31’520,000 
4’400,000 
3,160,000 
225.000 
32’350,000 
10’816,500 
100.000 
iiisgaben 151’778,575 Fres, (ungerechnet Supplementarcredite) : 
Staatsschuld 40’660,2(»0 
Dotationen , . . . . 4’237,080 
Ministerium der Justiz . 14’625,756 
— des Auswärt. u. Marine 2’076,188 
— des Innern .... 10’603,809 
Min. d. öffentl. Arbeiten 26’452,0U5 
— des Kriegs .... 35’988,010 
— der Finanzen . . . 14’423,900 
Rückersätze u. Nichtwerthe 975,200 
Specialfonds 835,437 
Der Budget-Entwurf für 1865 schliesst ab mit 159’1 12 790 
Fres. Einn. und 153’61 1,469 Bedarf. Der Ueberschuss soll Verwen- 
dung erhalten in Gemässheit früherer Gesetze über öffentl. Bauten. Von 
den Ausgaben sind 34’904,950 Fres, für das Kriegswesen bestimmt. — 
Der Hof erfordert 3'401,323 (eigentl. Civilliste 2’751,323). 
Der h inanzhaushalt leidet unter dem Systeme der Supplementär— 
credite. Vom 4. Quartal 1830 bis Ende 1859 betrug die Gesammt- 
ausgabe des Staats 3,769’601,475 Fres., im jährl. Durchschnitte also 
128’875,264 (am wenigsten 1835: 87’104,005 Fres.). Unter der holl. 
Regierung hatte Belgien die Hälfte des gemeinsamen Bedarfs aufzubrin 
gen, durchschn. 4 0'724,91 3 Gulden (etwas über 88 Mill. Fres.). Den 
noch befindet sich das Land jetzt besser als zuvor. Bei Vorlage des 
Budgets für 1861 konnte der Minister geltend machen, was der belg. 
Staat von jener grossen Gesammtsumme seit 1830 verwendet hatte - 
42 Mill, für Kunst und Wissenschaft, 10 für Herstellung religiöser Bau 
werke, 54 für öffentlichen Unterricht, 4 für die Militärschule, 14 für 
Gefängnisse, 77 für Strassen, 12 für Vicinalwege, 128% für Flüsse und 
Canäle, 191 für Staatseisenbahnen. — Der Vicinal-Wegebau, welcher 
schon im Budget für 1861 eine Mill, in Anspruch nahm, fehlte im Bud 
get von 1831 ganz und empfing noch 1841 nicht mehr als 100,000 
Fres. Der höhere Unterricht erforderte 1831 : 339,539, 1861 993,236 
Fres. ; ähnliche Zahlen Verhältnisse zeigen sich: für die Mittelschulen mit 
*) Nach Abzug von 42 Proc. zu Gunsten der Gemeinden, in denen das 
Octroi abgeschafit worden.
        <pb n="385" />
        BELGIEN — Finanzen Schuld;. 
361 
71,089 u. 934,167 Fres. , die Primärschulen mit 21 7,142 u. 1'909,109 
Fres., Kunst und Wissenschaft mit 87,248und 811,300 Fres. — Grosse 
Kosten verursacht das Militärwesen. — So wurden 1801 ausserordent 
licher Weise 15’561,170 Fres, für Vervollständigung des Artilleriema 
terials bewilligt. Die Kosten des Antwerpener Festungsbaues sind zu 
48’927,000 Fres, veranschlagt, wovon 20 Mill, durch Anlehen, 10 Mill, 
durch die Stadt Antwerpen, der Rest aus den laufenden Einnahmen be 
stritten werden sollen. Ein grosser Fortschritt war die Abschaffung der 
Gemeindeoctroi s. Solcher Localmauthen gab es in 78 Städten mit einer 
Bevölkerung von 1’222,991 Menschen; der Reinertrag der betr. Abga 
ben belief sich 1859 auf 10 876,085 Fres. Um deren Aufhebung zu er 
möglichen, überliess der Staat den betr. Gemeinden 42 (für später 40) 
Proc. des Rohertrags der Posten, 75 Proc. des Zolls von Caffe, und 36 
(später 34) Proc. der Accisgebühr auf geistige Getränke. Dagegen er 
höhte man diese Accisgebühr auf geistige Getränke und Zucker. 
Schuld. Deren Betrag ward für 1. Mai 1864 auf 633% Mill. Fres. 
Nennwerth angegeben. Bestandtheile : 
UebemommenerSchuldantheil v. Holland, 16’931,200 Fres, zu 5%, Francs 
und 22üMU5,632 zu 2‘, % . 237*036,832 
Rest d. 4»^ Anlehens v. 1836 f. Eisenbahnen, Canäle u. Strassen 13*288 000 
Rest der beiden 3®^ Anlehen von 1838 für Eisenbahnen und [7,6 ' 
Mill.] Kriegsentschädigung 25*415,000 
Capital der der Stadt Brüssel zu zahlenden Rente, seit 1842, à 5% ' 
capitalisirt 6*000,000 
Rest des 4'/, % Anlehens v. 1844 zur Convertirung 5proc. Schuld 
scheine von 1832 65*397,682 
Rest des 4'/, *4, Anlehens, aufgenommen zur Abzahlu^ng einer 
2%proc.|Schuld an Holland (84*656,000 Fres, statt der nominel 
len 169*312,000) 71*821,500 
Rest des 4 % % Anlehens von 1852 zur Convertirung 5% Schuld 
scheine von 1840, 42 und 48 146*926 500 
Rest des 4% % Anl. v. 1857 zur Convertirung der Schuldscheine ' 
von 1852 und zu öffentlichen Arbeiten 67*714,900 
Für Ablösung des Sc beide zol Is (1863), wofür Belgien den Be 
trag an Holland entrichtet hatte, waren an das Erste zu vergüten ; von 
England8’752,320Fres., Amerika2’779,200, Preussen 1’670,640, Nor 
wegen 1*560,720, Frankreich 1*542,720, Dänemark 1*096,800, Nie 
derlande 1*039,440, Mecklenburg 1*036,320, Hannover948,720, Ham 
burg 6 6 7,6 8 0, Oesterreich542,360, Schweden 543,600, Italien 487,200, 
Spanien 432,520, Russland 428,300, Bremen 120,320, Oldenburg 
121,2((0 , Lübeck 25,680, Portugal- 23,280, Griechenland 23,280, 
Argentinische Republik 18,680, Chile 13,920, Römische Staaten 5760, 
lürkei 4800, Peru 4320, Brasilien I68O, Ecuador 1440 Fres. 
Aus einer Vorlage des h inanzministers an die Abgeordnetenkam 
mer vom Nov. 1862 entnehmen wir folgende Zusammenstellung, deren 
Ziffern sich natürlich auf den damaligen Stand beziehen : Die belgische 
Staatsschuld zerfällt in zwei Theile : 1) Die Schuld, welche in Folge der 
Verträge vom Königreich der Niederlande übernommen, diejenige, welche 
durch die Organisation des Landes in den Jahren 1830—32, sowie die 
jenige, welche durch das Jahr 1848 erforderlich ward. Die Zinsen der 
selben bilden eine jährliche Last von 16*623,105 Fres., die Amortisation 
erfordert 1*580,746 Fres. pr. Jahr. 2) Die Schuld, welche zum Zweck der
        <pb n="386" />
        ä 
362 
BELGIEN. — Militär. Sociales. 
grossen öffentlichen Arbeiten aufgenommen wurde, erfordert zur Ver 
zinsung 11’299,665 Fres., zurTilgung 1'81 9,696 Fres, per Jahr. Das Ca 
pital dieser sämmtl. Staatsschulden betrugursprdngl. 884’988,563Fres. 
hiervon sind bereits getilgt 260’792,016 - 
Es verbleibt demnach ein Capital von .... 624’196,547 Fres. 
Hierzu ist zu bemerken, dass das Capital der 2% bis 4procentigen 
Anlehen zum Nominalwerth angenommen ist. Auf 4% Procent reducirt 
ergibt sich eine Gesammtschuld von 527’313,143 Fres. 
Staatseisenbahnen. Anfangs 1862 besass der Staat in unmittelbarem 
Eigenthume 569 Kilometer =77 deutsche Meilen Eisenbahnen. Es 
waren 197 883,136 (1863: 223 488,699) Fres, darauf vewendet (der 
Kilom. kostete, einschl. des Betriebsmaterials, durchschn. 345,335 
(1863: 376,243Frcs.). Ende 1859 waren die seit Erbauung der ersten 
Linie vom Staate aufgebrachten Capitalzinsen bis auf einen Vorschuss 
von 9'799,599 Fres, durch den Ertrag der Bahnen gedeckt. Diese Schie 
nenwege selbst besassen übrigens bereits einen bedeutend hohem Geld- 
werth als die Herstellungskosten betragen hatten. Ausser den eigenen 
Bahnen hatte der Staat den Betrieb von 188 Kilom. Privatbahnen ge 
pachtet. Die Betriebskosten erforderten 50.17 (eigentl. 51,68) Proc. 
der lloheinnahme. 
Finanzen der Gemeinden im J. 1860, Fres. : 
_. , , ordent’iche ausserordentl. ffesammte 
.Ftw/irtÄmc f/er 86 Städte 18’055,:i;i8 1P340,2:17 29,395 575 
Ausgabe - - - 16’909,120 1P964,194 28'873¡314 
der Landgemeinden 12’143,182 11'396,641 23*539,823 
Ausgabe - - 13’466,335 6’896,454 2ü'362J89 
Militär. Conscription mit Stellvertretung ; Dienstzeit vom vollende 
ten 1 9. Jahre an 8 Jahre, wovon ungefähr die Hälfte in Urlaub Präsenz 
stand, etwas über 40,000 Mann und 8800 Pferde. Formation: 
Infanterie: 16 Reg. (1 Carabinier-, 2 Jäger-, 1 Grenadier-, 12TJnienreg.) 74,556 
Cavallerie: 8 Reg. '2 Jäger-, 2 Lanciers-, 2 Cürass.-, 1 Guiden-, I Gend.-) 6,530 
Artillerie: 4 Reg. mit 4 reitenden, 15 fahrenden u. 24 Belag.-Batterien) 3,818 
Genie: 1 Reg. von 2 Bataillonen 529 
Train 839 
Zusammen mit Reserve l00,()ÏÏÜp86,272 
Festungen: Antwerpen; Mons, Charleroi, Philippeville, Marien 
burg ; Ath, Tournay, Menin, Ypern ; Gent, Namur. 
Marine: 1 Brigg von 2o, 1 Goelette von 12, 2 Kanonen Schaluppen 
von je 5 Kanonen und 3 Dampfer. 
Sociales. Die Landwirthschaft ist musterhaft ; über eine Million 
Menschen, also beiläufig der vierte Theil der Bevölkerung, lebt von ihr. 
Auch das Gewerbswesen hat einen hohen Grad erreicht. Der Reichthum 
an Steinkohlen und die vielen Eisenbahnen und Kanäle fördern Fabri 
kation und Handel. Die Ausfuhr hat sich von 1835—60 verfünffacht. 
Die Production von Steinkohlen stieg seit 1830—1860 von 2’51 3,000 
auf 9’610, 895 Tonnen, und dem Geldwerthe nach von 31’650,000 auf 
107 127,000 Fres. Die Producte der Hüttenwerke repräsentirten 1838 
einen Werth von 52, 1860 129 6 Mill. Francs. Die Dampfmasehinen 
hatten 1838 25,312 Pferdekraft, 1860 aber 161,809. — Indess be 
sitzen Geistlichkeit und Adel noch sehr überwiegende Macht und Reich-
        <pb n="387" />
        BELGIEN. — Sociales. 
363 
thümcr, und ausserdem drückt die Abgabenlast, so weit sie von dem 
viel zu hohen Militäretat (verçl. »Schweiz« S. 356), von der dem Lande 
aufgebürdeten Theilnahme an der holländischen Schuld, und von den 
laufenden Deficiten herrührt. — Selbst die Anfangsgründe des gewöhn 
lichen Unterrichts sind (bei der Herrschaft des Klerus über die Schulen) 
wenig verbreitet. Von den Conscribirten der Jahre 1851 , 1856 und 
1859 konnten 
nicht lesen u. schreiben 
nur lesen 
lesen und schreiben . . 
mehr als dies .... 
1851 
14,233 
4,213 
9,843 
19,653 
1856 
13,343 
3,778 
9,718 
12,901 
1859 
13,933 
3,211 
11,200 
14,407 
1861 
14,158 
3,092 
12,030 
15.020 
Ebenso konnten von 1000 Sträflingen beim Eintritt in die Zuchthäuser: 
1850 1855 
nicht lesen noch schreiben 550 500 
nur lesen 295 203 
lesen und schreiben 
mehr als dies 
1850 1855 
130 157 
18 14 
Das Schulwesen ist in jeder Beziehung in ungenügendem Zustande. 
In den Jahren 1852 — 60 wurden allerdings 8’289,290 Fres, für Schul 
häuser ausgegeben, während bis 1851 zus. nur 4’754,724 dafür ver 
wendet worden waren. Auch hatte sich die Zahl der Gemeindeschulen 
um 362 vermehrt. Dagegen war die Gesammtsumme der öffentl. und 
Privatschulen (ohne die Institute) von 5520 im Jahre 1851 auf 5322 im 
Jahre 1860 herabgegangen. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug 
schon 1856 699,731; dagegen fanden sich 1860 erst 515,892 in die 
Schulregister überhaupt nur eingetragen. Hinwieder stieg die Zahl der 
Klosterbewohner von 1 1,968 am 15. Oct. 1846, auf 14,853 am 31. Dec. 
1856 (2523 Mönche in 150 Klöstern und 12,330 Nonnen in 812). In 
dem Commissionsberichte über das Wohlthätigkeitsgesctz (Kammerver 
handlung vom April 1857) ward nach amtl. Erhebungen angegeben : Von 
den 908,000 Familien, welche Belgien umfasst, leben 89,630 in guten, 
373,000 in gedrückten Verhältnissen und 446,0(M) im Elend, 266,000 
xler letzten geniessen öffentliche Unterstützungen. Es sind also von 100 
Belgiern 9 wohlhabend, 42 in mehr oder minder misslicher, 49 in ganz 
übler Lage. — Die Zahl der bekannten Bettler betrug am 1. Oct. 1856 
88,019, wovon 48,041 männlichen Geschlechts! am wenigsten in dem 
dünn bevölkerten Luxemburg 1 778 ; dagegen im industriereichen Lüttich 
17,097 ; am meisten in Ostflandern, 37,217, in Westflandem 12,760, 
in Brabant 1 1,760, Hennegau 8828, Antwerpen 5879, Namur 5450, 
Limburg 2550. 
Zahl der Strilßwge in den Centralgefängnissen: Ende 1857, 5192, 
1858 4575, 1859 4517, 1860 4078, 1861 3773, 1862 3789: — so 
nach ansehnliche Verminderung. 
lierg- und Hüttenwesen, ISOl. 193 Kohlengruben im Betriebe, über 93,579 
Hectareii sich erstreckend, mit 81,075 Arbeitern (einsch 1. 7890 Frauen, 5380 
Mädchen und 10,090 Jungen) lieferten 10’057,103 Tonnen im Werthe von 
110’014,977 Fres. ; davon wurden 0’078,112 Tonnen im Lande selbst verbraucht. 
(Die Gruben im Hennegau lieferten zu obiger Summe 7*935,045, die in der Prov. 
I.üttich nur 1*878,457 Tonn ). Die Ausbeutekosten werden zu 100*239,278 Fres, 
angegeben, wovon 59*184,080 Arbeitslöhne. Verwendet waren bei den Kohlen 
werken 991 Dampfmaschinen mit 50,030 Pferdekraft. — Die übrigen Berg 
werke hatten 11,450 Arbeiter und eine Werthproduction von 15 Mill. Fres. Die 
Gesammtzahl der Bergleute war 93,131 ; die der Unglücksfälle im Jahre 220;
        <pb n="388" />
        364 
BELGIEN. — Sociales. 
wurden 209 Menschen getödtet, 82 verwundet. - Man zählt 
402 Hüttenwerke, wovon 374 für Eisenbereitung; sie hatten 24 504 Ar 
beiter und erzeugten für J2fi’044,G94 Eres. AVaaren.) 
Dampftnaschmen zählte man Ende 1861 im Ganzen 5306 von 175 315Pfer- 
" I&gt;.n.pfbó„,e„ mi, 
1. Jan. 1862: 1824 Kilom. ,246 deutsche Meil.), wovon 569 
iordert. Die Einnahmen vom Personenverkehre waren 11’780 855 vom Güter- 
I860 wurde in diesem Jahre kein Reisender beschädigt; dagegen wurden 5 An 
gestellte und 6 Personen^ welche auf der Bahn gingen , getödtet, und 25 der 
ersten und 14 der letzten verwundet. 
halten' 1862: 6875 Kilom., wovon 4745 durch den Staat unter- 
K%"3)tÁd %f 
iä„Äö 
»allgemeine Handel« (also eimschl. Durchfuhr) hob sich seit 
1836 lolgendermassen, nach dem bleibenden Tarif von 1833 {valeurs permanen 
tes' gerechnet : * 
1836 1867 I860 
Einfuhr 209 Mill. 794’331,000 854M00,000 Fres. 
Ausfuhr 165% - 837’000,000 893’200,000 
Der wirkl. AVerth war 1863 bei der Einf. 1068,4 Mill., Ausf. 991,7 Alill — Bei 
dem vorzugsweise entscheidenden Specialhandel ergaben sich in Mill. Fres. ; 
1836 
1840—44 
1845—49 
1850—54 
Einfuhr 
187,2 
210,6 
227,9 
278,8 
Ausfuhr 
144,8 Mill. 
153,4 - 
196,2 - 
315,1 - 
1855 
1856 
1857 
1860 
1863 
Einfuhr 
354.7 
399.8 
393.2 
510,0 
616.3 
Ausfuhr 
375,2 Mill. 
407 
450.7 - 
545,0 
533.7 - 
Der grösste A^erkehr fand (1863 im Specialhandel statt mit: 
Frankrel¿h"?87,r'' îôLIMilL NiederlaÆ^'^T"' înjMilî* 
England 103,5 108,6 - Zollverein 61 5 ('»ö’s 
Hafenverkehr Eingelaufen Ausgelaufen’ 
Schiffe , . . 
Tonnengehalt . 
Wirkl. Ladung 
1861 
:i,7H0 
721,323 
(&gt;78,243 
1862 
3,314 
638,023 
.’&gt;93,87!» 
1863 
3,648 
646,981 
593,728 
1864 
3,830 
738,497 
669,919 
Handelsmarine. Dieselbe hat sich verringert : 
1861 
3,777 
712,087 
306,918 
1862 
3,380 
643,356 
335,241 
1863 
3,688 
672,469 
344,184 
1864 
3,815 
727,525 
383,786 
1852 1856 I860 
Schifte . . 165 15S J35 
(Davon Dampfer 6 g ^ 
Tonnenzahl . . 66,193 43,349 37,191 
(Davon Dampfer 1,377 5,392 l]559 
Münze, Maas^\ Das franz. System, bei den Maasen mit anderer Benen 
nung. Die Atme (Elle) ist der Meter ; der Z»W = Liter ; der Baril = HectoL 
1861 
116 
8 
33,111 
4,254 
1862 
111 
B) 
30,699 
3,926)
        <pb n="389" />
        NIEDERLANDE. — I^and und I^eute. 
365 
\iederlande (Holland, Königreich).*; 
Provinzen 
Noordbrabant 
Gelderland 
Zuidholland . 
Q.-M. 
93,4Ü 
92,7 
54,52 
Bev. 1863. 
418,201 
419,99« 
«51,885 
Noordholland 49,75 562,504 
Zeeland 
Utrecht 
Friesland 
Oberijssel . 
Groningen 
Drenthe 
Limburg 
Zus. 
32,13 
25,23 
59,68 
173,160 
168,429 
282,481 
60,55 244,541 
41,78 
48,53 
40,19 
598,51 
218,176 
102,225 
220,020 
3'667,866 
Städte und deren Bevölkerung. 
Herzogcnbusch 23,640, .Tilburg 16,792, 
Breda 15,360. 
Arnheim 27,878, Nimwegen 22,140, Zütphen 
15,248, Apeldoorn 11,316. 
Haag (’s Gravenhage) 84,615, Rotterdam 
112,728, Leyden 37,534, Dortrecht 23,552, 
Delft 21,460, Schiedam 16,176, Gouda 
15,077. 
Amsterdam 266,679, Harlem 29,098, Zaan- 
dam 12,281, Helder 16,669, Alkmaar 
10,436. 
Middelburg 15,957, Vlissingen 10,125. 
Utrecht 56,921, Amersfoort 13,074. 
Leeuwarden 24,697, Weststellingwerf 12,341, 
Opsterland 12,007, Schoterland 10,856, 
Tietjerksteradeel. 10,498, Wonseradeel 
10,304 
Zwolle 19,959, Deventer 17,257, Kämpen, 
14,467. 
Groningen 37,762. 
Assen 5,346. 
Maastricht 28,348. 
Limburg gehört rechtlich zum deutschen Bunde, bildet aber fac- 
tisch einen integrirenden Theil Hollands. Nicht verschmolzen mit Hol 
land ist Luxemburg (s. S. 285). 
1851 
1854 
1858 
1860 
Geburten 
117,036 
109,563 
112,898 
115,569 
Nach Geschlechtern, 
Sterbf&amp;lle Heirathen 
74,557 
81,794 
97,977 
102,527 
Unter den Geborenen waren 1858; 
58,290 männl., 54,608 weibl.; —108,067 
ehel. (55,805 männl.^ 52,262 weibl.), 
4,831 unehel. ; — bei den Geborenen 
sind die Todtgebor. einger. mit 6,052, 
Zählung vom 31. December 1859; 
26,368 
23,855 
26,342 
27,007 
bei der 
l’f)29,035 männl., 1T&gt;80,093 weibl. 
Zahl der Blinden 1992, der Taubstummen 1219. 
Confessumen (1859): Protestanten 2’007,026, darunter nieder 
deutsche Reformirte 1’81 8,081, franz, Rcformirte 9803, Remonstranten 
5320 , Separatisten 05,728, Taufgesinnte (Anabaptisten) 12,102, 
Lutheraner 51,008, Alt-Lutheraner 9931, Herrnhuther 331 , Angli 
kaner 575, Episcopalen 97, Presbyterianer 374; —röm. Katholiken 
1’229,092, Jansenisten 5394, Griechen 32, Juden 03,790 (dav. 00,750 
niederdeutsche und 3040 portugiesische). 
1830 1840 1849 1859 
2’613,487 2’860,559 3’056,879 3’309,128 
Frühere Bevölkerung 
Vgl. Uitkomsten der vierde tienjarige Volkstelling in het Konigrijk der 
Nederlanuen of den 31. Dec. 1859. Uitgegeven op last van het Departement van 
binnenlandsche zaken (3 Th le, 1863 u. 64). — Statistisch Jaaruoek voor het 
Konigrijk der Nederlanden; tiende en elfde jaargangen (2 Thle, 1863). Da 
aber diese officiellen Veröffentlichungen, wie leider so vielfach, verspätet er 
folgen, so sind wir genöthigt, die Bevölkerungsangabe von 1863 einer andern 
Quelle, neml. dem an stastist. Material reichen Gothaischen geneal. Hofkalen 
der Mr 1865 zu entnehmen. Auch in Beziehung auf die niederl. Colonien re- 
curriren wir auf diesen Almanach.
        <pb n="390" />
        2s. 
366 
NIEDERLANDE. — Land und Leute. 
Nationalitäten: 1) Holländer (Batavier) , etwa 2’40Ü,0U0, in 
Holland, Zeeland, Utrecht und Geldern , ihre Sprache ist ein ausgebil 
detes Plattdeutsch; 2) Friesen, fast % Mill., in Friesland, Groningen, 
Drenthe, Oberyssel und auf mehren Inseln ; mit einer holländ. Mundart ; 
3) Flamänder, etwa 400,000, in Nordbrabant und Limburg ; 4) Nie 
derdeutsche, ungefähr 50,000 in Limburg. — Bei der Volkszählung 
vom Dec. 1859 ergab sich, dass 3030 der vorhandenen Einwohner in 
den niederl. Colonien geboren waren , 36,547 in Deutschland, 19,426 
in Belgien, 1111 in Grossbritanien, und 4932 in andern fremden 
Ländern. 
Häuser (Dec. 1859) 542,395 bewohnte, 52,045 unbewohnte. 
Herrschaftswechsel. Vor der franz. Revolution bestand die Republik 
der Vereinigten Niederlande aus 1) den 7 vereinigten Provinzen (Holland, 
Geldern, Zeeland, Utrecht, Friesland, Oberyssel und Groningen), 2) der 
kleinen Landschaft Drenthe, und 3) den »Generalitätslanden«, wozu Her- 
zogenbusch, Breda, Bergen-op-Zoom, Mastricht, Venloo, Sluis und Hulst 
gehörten. Man schätzte das Gebiet auf 625 Q.-M. , die Bevölkerung 
auf 2% Mill. (In Holland 1796. 1’880,463.) — Nach Eroberung des 
Landes durch die Franzosen 1795 erfolgte Umgestaltung des Staats in 
eine der franz. nachgebildete »Batavische Republik«, in 8 Departemente 
eingetheilt. Bald musste man Staatsflandern, Mastricht und Venloo, 
36 Q.-M. mit 122,000 Einw., an Frankreich abtreten. Der Friede von 
Amiens verschaffte dem Staate die im Kriege verlorenen Colonien wieder, 
mit Ausnahme von Ceylon ; auch für die an Frankreich abgetretenen 
Landestheile erhielt Holland nur ungenügende Entschädigung durch die 
Cleve'sehen Aemter Huissen und Malburgen von Preussen. Im wieder 
begonnenen Kriege gingen die Colonien neuerdings verloren. Napoleon 
dictirte Verfassungsänderungen; schliesslich, 24. Mai 1806, Verwand 
lung der Republik in ein Königreich, auf dessen Thron er seinen Bruder 
Ludwig erhob (den Vater des jetzigen Kaisers Ludwig Napoleon). Schon 
1807 musste der Scheinkönig das zwischen Frankreich und der Maas 
liegende Gebiet, mit einem Theile von Zeeland und den Festungen Ber 
gen-op-Zoom, Herzogenbusch, Gertrudenburg, Middelburg und Vliessin 
gen , an Frankreich abtreten, wogegen er Ost friesland, Jever, Kniphau- 
sen und Varel erhielt. Der in 1 1 Departemente getheilte Königsstaat 
umfasste nur noch 578 Q.-M. und 2'001,4 16 Einw. — 1810 nahm der 
franz. Kaiser überdies Staatsbrabant, Zeeland und einen Theil von Gel 
dern, woraus er die franz. Departemente der Rhein- und der Schelde 
mündungen bildete. Als der Nominalkönig darauf die Krone nieder 
legte, einverleibte Napoleon am 9. Juli 1810 auch den Rest von Holland 
dem franz. Staate (Eintheilung in die 7 Departemente ; Zuydersee, Maas 
mündungen , Oberysselmündungen , Oberyssel, Friesland, West- und 
Ostems). Das misshandelte Volk benützte auch in diesem Lande die 
erste Gelegenheit, das hremdjoch abzuschütteln ; die Holländer erhoben 
sich Ende 1813. Der Wiener Congress bildete nun aber unterm 21. Juli 
1814 ein »Königreich der Niederlande«, aus der ehemaligen Republik, 
den Österreich. Niederlanden und dem grössten Theile des Hochstifts 
Lüttich. (Das zu einem »Grossherzogthum« erhobene I,uxemburg 
sollte dem neuen Könige als Entschädigung dienen für seine an Nassau
        <pb n="391" />
        NIEDERLANDE. — Finanzen (Budgetentwurf . 
367 
abgetretenen Besitzungen.) Der zweite Pariser Friede vereinigte noch 
Marienburg und Philippeville mit dem Staate. \ on den holländischen 
Colonien wurden das Cap, Demerary, Essequebo und Berbice nicht 
wieder zurückgegeben. Das vereinigte Königreich hatte 1815 (ohne die 
auf 4 Mill, geschätzten Einwohner der Colonien) eine Bevölkerung von 
5’126,000, 1829 aber von 6’235,000 Menschen. Die Revolution von 
1830 riss Belgien ab. Zur Entschädigung des deutschen Bundes für den 
theilweisen Verlust von Luxemburg ward Limburg, aber nur dem Namen 
nach, Deutschland ein verleibt (siehe S. 285). — Holland wusste seitdem 
seine ostindischen Colonien in hohem Maasse auszudehnen und nutzbar 
zu machen : die Vertauschung seiner Besitzungen auf Malakka gegen 
Benkoolen, durch Uebereinkunft mit England von 1824, förderte dies 
ganz besonders. 
Finanzen. Budget für 1864. 
Einnahmen: 103 732,949 fl., nemlich : 
Directe Steuern (Grund-, Personal-, Patentsteuer) 
Accise 
Stempel-, Registrir-, Gerichts-, Hypothek- u. Erbschaftsabgaben 
Zölle und Schiftfahrtsabgaben 
Lootsengelder - 
Controlgebühr f. Gold- u. Silberwaaren 256,5(10, Berg^erksabg. 598 
Domänen (sammt Ertrag v. Rechten) 
Post 2’l0(l,00(t, Telegraph 305,700 
Lotterie 
Jagd und Fischerei 100,000, Verschiedenes 10’853,965 = . . . 
Rente von Belgien 
Ertrag der Colonialverwaltung 
Beitrag der Colonien zur Verzinsung der Staatsschuld .... 
Rückzahlungen aus dem Colonialdienste 
20’749,850 
IS’080.000 
12’489,000 
3’939,936 
700.000 
= 257,098 
P259,400 
2’405,700 
410.000 
10’953,965 
400.000 
19’463,000 
9’S00,000 
2'825,000 
Ausgaben: 102’893,972 fl., nemlich: 
Hof (davon Civilliste 600,000) *) 900,000 
Reichsrath, Rechnungshof 588,029, auswärt. Angeleg. 598,050 = 1’186,079 
Inneres 24’278,387, Justiz 2*933,744 = 27*212,131 
Cultus : protest, u. jüdisch 1*752,886, kathol. 668,673 ■= . . . 2*421,559 
Pinanzverwaltung 6*749,200 
Krieg : Landmacht 12*733,000, Seemacht 8*739,953 = . . . . 21*472,953 
Staatsschuld 39*976,977 
Centralverwaitung der Colonien 2*925,073 
Unvorhergesehene Ausgaben » • • .50,000 
Von 1865 an ergeben sich mehrfache wesentliche Aenderungen im 
Staatshaushalte. Nach dem Vortrage des Finanzministers bei Vorlage 
des Budget-Entwurfs für 1865 an die Volksvertretung war aus dem 
Etatsjahr 1863 ein Ueberschuss von 8*657,721 fl. , aus 1864 von 
5*252,594 fl. vorhanden; im Ganzen also beinahe 14 Millionen. Dazu 
kommt der Ertrag der ostindischen Colonien für 1864: dieser beträgt 
jedoch, nach Abzug der Zinsen der ostindischen Schuld (fl. 9 800,000), 
nur fl. 7*825,000; d. h. bedeutend weniger als in den letzten Jahren, 
*) Ohne den Ertrag der Krongüler. Vor der Trennung Belmens war die 
Civilliste 1 */j Mill. Das königl. Haus besitzt ausserdem grosse Reichthümer. 
Der vorige König soll sein »Privatvermögen« durch Handelsgeschälte mit der 
Maatschappy auf 150 (?) Mill. fl. gebracht haben.
        <pb n="392" />
        368 
NIEDERLANDE. — Finanzen Budgetentwurf). 
wiewol nicht weniger als 1854 und mehr als 1852, 1853 und 1861. 
Dieselbe Summe hat die Regierung, als den muthmasslichen Ertrag des 
Jahres 1865, auf den Etat gebracht; denn zum erstenmal ward jetzt, 
gemäss dem Gesetz über die indische Comptabilität, das Colonial-Budget 
den Kammern zur Beschlussfassung vorgelegt. Damit ist denn ein 
Total-Ueberschuss von etwa 30 Mill. Gulden gegeben, aus dem die Aus 
gaben des Mutterlandes und der Colonien zum Theil bestritten werden 
können. Diese Ausgaben betragen für das Mutterland 104’138,719 fl. 
Diese Summe begreift an ausserordentlichen Ausgaben 14% Mill, für 
den Bau der Staatsbahnen, 1 Mill, für die Fortsetzung der Maas-Regu 
lirung von Rotterdam nach der See, 2 Mill, für Amortisirung der Staats 
schuld (einschliesslich der Million, die jährlich für diesen Zweck ausge 
setzt ist). Eine Reihe anderer Posten bringen die ausserorderlichen Aus 
gaben auf etwa 30 Mill. , so dass für die ordentlichen 73’680,222 fl. 
übrig bleiben. Im vorigen Etat betrugen die ausserordentlichen Aus 
gaben 1’200,000 fl. weniger, die ordentlichen 73’645,880 fl. Dabei 
darf jedoch nicht verschwiegen werden, dass dies günstige Resultat nur 
durch Verminderung der Zinsen der Staatsschuld in Folge der Amorti 
sirung um 475,000 fl. erreicht werden konnte. Andererseits dürfen wir 
nicht übersehen, dass die Ausgaben für den Unterricht durch die Errich 
tung von Realschulen auf 179,000 fl. gewachsen sind, dass 150,000 fl., 
ausgesetzt für den Verkehr mit Japan, aus dem indischen Budget her 
übergenommen wurden. Die Staatsschuld erscheint in diesem Budget- 
entwurfe mit 39’497,637 (wovon 11 Mill, für Tilgung), die Landmacht 
mit 12’675,000, die Seemacht mit 8'886,309 (wovon 4’ für das Material 
und 3*4’ für Besoldungen und Löhnungen). Von den 23*505,145 fl. 
des Departements des Innern sind 20 Mill, für öffentl. Bauten und 1*4’ 
für den Unterricht bestimmt. Die Pensionen und Wartegelder erfordern 
3 Mill. Der Finanzminister kündigte bei Vorlage des Budgetentwurfs 
weiter die Abschaffung derGemeinde-Accisen an; der hierdurch entste 
hende Ausfall soll durch Erhöhung der Auflage auf Spirituosen und durch 
Ueberweisung eines Theiles der Personal- und Häusersteuer gedeckt wer 
den, so wie die Reform des Stempelgesetzes, namentlich die Aufliebung 
des Stempels auf Zeitungen und Druckschriften. Die Annahme der 
letzteren Massregel, die schon in den Sectionen günstig aufgenommen 
ist, hält das Ministerium für so gewiss, dass es mit der englischen Re 
gierung eine Post-Convention abgeschlossen, in Folge deren schon vom 
1. Get. 1864 das Briefporto von 40 Cents auf 15 Cents herabgesetzt 
ward. Bei dieser Convention hatte die grossbritanische Verwaltung die 
unmittelbare Abschaffung des Stempels auf Zeitungen und Drucksachen 
als Conditio sine qua non gestellt. Es ist hier noch zu bemerken, dass 
das holländische Budget eine Position für geheime Ausgaben gar nicht 
kennt. — Nach einem Gesetze vom 18. August 1860 sollen jedes Jahr 
wenigstens 10 Mill, für Eisenbahnbauten verwendet werden. Die Kosten 
des ganzen projectirten Schienennetzes sind zu 110’726,815 fl. veran 
schlagt. — Die neuzeitige Gestaltung der Finanz Verhältnisse verdankt man 
übrigens unverkennbar der durchaus unnatürlichen Ausbeutung der ostind. 
Colonien. Es ist augenscheinlich, dass diese Quelle nicht in allen Zeiten 
flicssen wird. (Die Colonialbudgets s. S. 374.)
        <pb n="393" />
        NIEDERLANDE. — Finanzen Früherer Staatsbedarf. 
369 
Früherer Staatsbedarf. Schon im vorigen Jahrhunderte waren die 
Ausgaben Hollands durch Schulden und Militärwesen hoch gesteigert, 
die Deckung aber ermöglicht durch den Reichthum der Bevölkerung, den 
Gewinn aus den Colonien und die Schifffahrt. So schätzte man die Ein 
künfte 1 /70 auf 26, 1786 auf 46 Mill. — 1805 stieg das Budget unter 
dem Drucke der Leistungen für Frankreich auf 69, 1806 auf 77. Im 
letzten Jahre sah man ein Deficit von 11 Mill, vorher; es betrug aber in 
Wirklichkeit 56, und 1807 schloss sich ein weiteres von 40 Mill. an. 
Auch 1808 zeigte der Voranschlag einen Bedarf von 80, gegenüber einer 
Einnahme von 50 Mill. 1809 stand nochmals ein Deficit von 20 Mill, 
in Aussicht. 1811 bestimmte Napoleon die Leistungen der mit Frank 
reich vereinigten holl. Departemente zu 61 Vg Mill. Fres. — Das Budget 
des Vereinigten Königreichs vom Jahre 1817 führte einen Bedarf von 
73’400,000 auf, davon 
für das Finanzdepartement, mit Schulden 
- Kriegswesen (zu Lande 23, zu Wasser 5; . . . 
für diese 2 Posten (über 70% der Gesammtsumme) 
24% Mill. fl. 
28 - - 
52% Mill. fl. 
Nach der belgischen Revolution machte der König von Holland 
übertriebene militärische Anstrengungen. Die späteren Abschlüsse der 
Staatsrechnungen zeigten die Folgen. Der wirkl. Aufwand war : 
1831 ; 
1832 : 
1833 : 
18%.. 
18*% 
ordentlicher 
41'250,000 
49’193,643 
49’885,849 
51'300,000 
45*450,000 
ausserordentl. 
46’600,000 fl. 
45'242,202 
45*242,202 
4*200,000 
22*800,000 
Davon Militärauiwand : 
ordentlicher ausserordentl. 
1831 : 12*400,000 28*000,000 
18»%,: 12*100,000 31*744,100 
18»» 11*000,000 10*603,400 
Das drohende finanzielle Verderben nöthigte zur Sparsamkeit, und 
der hochsteigende Ertrag aus Ostindien gewährte bald grosse üeber- 
schüsse. In den 11 Jahren 184 7—57 stellten sich die Rechnungsab 
schlüsse (nach v. Baumhauer) folgendermassen : 
1847 
1848 
1849 
1850 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1856 
1857 
Zus 
Gesammt- 
Einkünfte 
76*019,355 
66*605,537 
78*284,908 
75*983,243 
78*356,261 
73*581,466 
74*737,357 
90*081,701 
98*667,136 
106*862,938 
116*534,093 
dav 
Abgaben im 
Matterl. 
54*076,557 
53*534,595 
54*052,937 
55*593,580 
56*078,865 
55*888,468 
57*018,791 
58*178,046 
59*244,266 
55*592,661 
56*632,141 
Aus den 
Colonien 
14*097,303 
7*720,194 
20*751,394 
17*000,000 
16*382,698 
14*500,000 
14*569,399 
20*444,141 
24*347,851 
30*331,700 
41*658,421 
935*713,996 615*890,907 
Gesammt- 
Ausgaben 
75*757,480 
76*324,912 
69*992,129 
70*012,194 
73*865,285 
69*325,855 
84*722,819 
81*926,186 
84*897,172 
92*639,326 
93*195,507 
Zinsen der 
Schuld 
35*939,028 
35*936,617 
36*022,229 
35*993,528 
35*816,874 
35*487,852 
34*761,296 
34*097,782 
33*6‘M&gt;,251 
33*010,913 
32*339,620 
872*658,864 383*892,990 
221*803,101 
Im J. 1859 betrugen die Staatseinkünfte 74*540,580 fl., einschl. 
13*760,532 aus den Colonien. Da ausserdem ein Ueberschuss von 
29*617,500 fl. aus den frühem Jahren vorhanden war, so erhöhten sich 
die verfügbaren Mittel auf 104*158,080. Die Ausgaben beliefen sich auf 
101*068,000, worunter 16*062,382 für Schuldentilgung. 
Die Budgetsergebnisse der nächsten 4 Jahre stellten sich so ; 
1860 1861 1862 1863 
Einnahmen 98*240,390 95*405,595 93*847,488 98*787,188 
Ausgaben 86*586,310 97*776,824 93*227,286 98*020,792 
Kolb, Statistik. 4. Aufl. 24
        <pb n="394" />
        370 
NIEDERLANDE. —Finanzen (SchuldensUnd,. 
Besonders bemerkenswerth ist die Verminderung des Bedarfs für 
die eigentl. Verzinsung der Staatsschuld. Nach einer ministeriellen 
Vorlage an die Volksvertretung hatte man zu diesem Zwecke nöthig : 
1855 fl. 35’79:i,187 
1856 :i5’224,246 
1857 :14’590,583 
1858 34’107,620 
1859 32’133,938 
1860 fl. 31’561,919 
1861 30’935,258 
1862 30,799,502 
1863 30’696,589 
1864 29,907,724 
Der seitherigen weitern Verminderung sowol durch Capitalab- 
tragung als durch Herabsetzung des Zinsfusses (Convertirung) haben wir 
oben bereits gedacht. 
Provinzial- und Communaleinkiinjte. Die Ersten (aus Beischlags- 
procenten zur Grund- und Personalsteuer, dann aus den Gebühren für 
Benutzung der von den Provinzen hergestellten Strassen, Brücken und 
Canäle fliessend) belaufen sich auf etwas mehr als 2 Mill. ISGl war 
der Bedarf 2’688,274, 1862 nur 2’011,01 5 fl. Die Einkünfte der Ge 
meinden aber, von deren unmittelbarem Eigenthume und von Beischlag- 
procenten nicht nur zu den gewöhnlichen, sondern auch zu den Verzeh 
rungsteuern, stiegen 1859 auf 22’920,102, I860 aber auf 23’465,550 fl. 
Schuldenstand nach dem Budget für 1864 ; 
Nominalbetrag Zins 
2*/* proc. nationale Schuld fl. 684’244,470 17’106,111 
3 - - - 104’200,912 3’126,027 
31/ _ Obligat, des vorm. Tilgungssyndicats 15’940,000 552,650 
4 - nationale Schuld 200’H43,700 8*033,748 
T.eibrenten, Cautionen etc 143,187 
Zusammen 1,005*229,082 28*96 f,723 
Unverzinsl., laut Gesetz v. 26. Apr. 1852 10*000,000 . . . . 
Total 1,015*229,082 . . . . . ! 
ln der Mitte des vorigen Jahrhunderts war der Credit des holl. 
Staats, ungeachtet seiner starken Verschuldung, so gross, dass dessen 
2 Y;proc. Schuldscheine mit 10 Proc. Agio bezahlt'wurden. Allein schon 
durch den Krieg gegen England wegen Nordamerika sank der Curs. — 
1795 musste die Republik, ausser der Gebietsabtretung, auch noch 100 
Mill. fl. Kriegskosten an Frankreich bezahlen. Als Ludwig Napoleon 
den holl. Thron bestieg, betrugen die alten Schulden 999’102,826 fl., 
deren Verzinsung 28% Mill, erforderte. Die neuen Schulden dazu ge 
rechnet, ergaben sich 1200 Mill, mit 36 Mill. Jahreszinsen, während 
die regelmässigen Einkünfte nur 58 Mill, betrugen (daher u. a. 1807 ein 
zu 7®/o verzinsl. Zwangsanlehen). 1810 erklärte Napoleon eigenmächtig 
die Zinsen der Schuld auf ein Drittel reducirt. Unter Wilhelm 1. 
würden zwar die vermittelst eines Federstrichs beseitigten % wieder an 
erkannt, dagegen bis zur Abtragung des ersten Dritttheils und der neuen 
Schuld als unverzinslich erklärt. — 1836 sah man sich genöthigt, die 
Colonien gesetzlich als Hypothek der Staatsschuld zu erklären. 1838 
hatte man wieder ein Deficit von 11 Mill. Endlich erlangte Holland eine 
wesentliche Erleichterung, indem Belgien zufolge des Vertrages vom ' 
19. April 1839 eine jährliche Rente von 5 Mill. Gulden übernehmen 
musste. Noch bedurfte es indess der ungeheuersten Anstrengungen des 
Volkes und der reichen Zuflüsse aus Ostindien, um ein Gleichgewicht
        <pb n="395" />
        24* 
NIEDERLANDE. — Militär. 
371 
im Staatshaushalte wieder herzustellen. Von 1850 an begann die Schul 
dentilgung mit Nachdruck und glänzendem Erfolge. So hat sich denn 
— eine seltene Ausnahme in unserer Zeit — der Schuldenstand folgen- 
dermassen vermindert: 
1S40, 1. Jan., Capitalschuld ’122,702 fl., mit 35’787,94S Zins. 
1857, - - l,150’im(&gt;,()30 - - 33’65fl,221 - 
1859, - - 1,086*343,830 - - 31*402,675 - 
Nach Angabe des Finanzministers bei Vorlage des Budgets für 
1861 betrug die Verminderung der Schuld von 1844 bis dahin bereits 
170 Mill. Capital und 9 Mill. Zins. Eine Erklärung des Ministers von 
1863 entziffert die Verminderung des Capitalbetrags der Schuld von 
1850—62 auf 204*083,91 1, die der Zinslast zu 6*260,549 fl. 
Militär. Der Stamm des Heeres besteht aus Geworbenen. Die 
Dienstzeit der Conscribirten, mit dem 20. Altersjahre beginnend, dauert 
5 Jahre, doch werden sie nach einigen Monaten als Miliz entlassen, und 
nur alljährlich einige Wochen lang wieder eingeübt. 
Linie. 9 llegim. Infanterie (1 Grenad. und Jäger, 8 eigentliche 
Linie, zu 4 Bataill., jedes mit 5 Feld-und 1 Depot-Compagn.) ; 5 Reg. 
Cavallerie (4 Drag, und 1 Limburger Jäger, die ersten zu 4 , letztes zu 
5 Feld- und I Depot-Escadr.); 5 Reg. Artillerie (I Feldartill.-Reg. mit 11, 
1 reit. Reg. mit 1 Batterien zu 8 Kan. , 3 Festungsartill. - Reg., 1 reit. 
Reg. mit 4 Batterien); 1 Genie-Bataill., Pontoniers etc. Gesammt- 
stärke 61,078 M., wov. 4703 (*avall. und 10,196 Artill. mitl2ü Feld 
geschützen. Die ostind. Armee (s. unten) ist dabei nicht einbegriffen. 
Miliz. Ausserdem besteht eine I^andwehr {Schüttere = Schützen), in 
2 Banne getheilt, alle Waffenfähigen vom 25.—35. Altersjahre in sich 
begreifend. 1861 bestand der ndienstthuendea Ban aus 15 Bataill. mit 
25,843 in der ersten und 7747 in der zweiten und dritten Classe, zu 
sammen 33,590 M. Die erste Classe begreift die Unverheiratheten, 
Wittwer ohne Kinder etc. — Eine weitere Ahtheilung bildete die ruhende 
{rüstende) Schüttere!, 54 ganze und 9 halbe Bataill. und 62,597 M. — 
Im Frieden gibt der Staat den Schutters nur die Ausrüstung. Ein Ge 
setz von 1861 verfügte übrigens die eventuelle Verschmelzung der Miliz 
mit dem stehenden Heere. 
Festungen. Mastricht, Venloo, Herzogenbusch, Breda, Bergen-op- 
Zoom, Vliessingen und Grave. Kleinere: Sluis, Briel, Helvetsluys, Coe- 
vorden, Sas van Gent, Nieuwe-Schanz, Schoonhoven, Bourtanger-Schanz 
und Ter-Neuve. (Luxemburg ist deutsche Bundesfestung.) 
Armeein Ostindien: 28 Bataill. Infant., 1 Reg. Cavall., 18 Comp. 
Artill. und 6 Comp. Genie. Die Infant.-Bat. bestehen aus 4 Comp. In 
länder und 2 Comp. Europäer und Afrikaner; 3 Bataill. und die Reiterei 
sind ausschliessl. aus Europäern gebildet, die Artill. und das Geniecorps 
zur Hälfte. I860 wurde die Gesammtstärke der Truppen in Ostindien 
zu 27,104 M. angegeben, wovon 11,189 Europäer, 331 Afrikaner, 
1209 Amboinesen und 14,375 Eingeborne. Der Effectivstand betrug 
am 31. Dec. 1862 (nach dem Gothaer Almanach): 24,544 M. Infant., 
2823 Artill., 624 Cavall., 937 Sappeurs u. Genie, u. 1264 Offleiere, 
— zusammen 30,192.
        <pb n="396" />
        372 
NIEDERLANDE. - Sociales. 
Kriegsgeschichtliches. 1785 stellte Holland 64,700 M in Kriegs 
bereitschaft. Nach dem »Allianzvertrage« von 1795 musste die batavische 
Republik 35,000 M. franz. Truppen uniformiren, unterhalten und be 
solden. Später hatten die Holländer in der franz. Armee zu dienen. 
1815 kämpfte ein niederländisches Armeecorps bei Waterloo gegen Na 
poleon. Vor der belg. Revolution nahm man an: stehendes Heer 25,000, 
mit Colonialtruppen 43,000, mit Miliz 140,000. 
Marine. Stand Mitte 1864; 
A. Dampfer (mit Schraube, ausser der letzten Kategorie :) Kanonen 
5 Fregatten, 3 zu 51, 2 zu 4.3 Kan. (1 eigentl. schwimmende Batterie; 24,3 
2 Corvetteu 1. Classe zu 19 K yy 
10 Corvetten 2. Classe zu 10—20 K } 
28 Schooner zu 8 und 10 K. ( 
1 Transportschiff (Corvette) 20 
11 Raddampfer mit 1 bis 8 K 00 
57 Dampfboote mit 7S8 
B. Segelschiffe. 
5 schwimmende Batterien, 2 zu 32, 1 zu 30, 2 zu 26 Kan 140 
2 liinienschiffe 2. Classe zu 74 148 
3 Fregatten 1. CI., zu 52 Kan 156 
4 Fregatten 2. CI., zu 32 K 128 
6 Corvetten, 4 zu 22, 1 zu 20, 1 zu 10 118 
67 kleinere Schiffe 298 
87 Segelschiffe mit ungef. 6500 Mann und beiläufig 1002 
Total 144 Fahrzeuge mit 1 790 Geschützen. — Die Mannschafts 
zahl der Marine betrug je am 1. Jan. ; 1861 6587, 1862 6098, davon 
(im letzten Jahre) 1094 in West- und 2901 in Ostindien. (In Ostindien 
befanden sich 1860 28, in Westindien 6 Kriegsschiffe, auf den ersten 
u. a. 800 Eingeborene.) 
Im J. 1780 zählte die Flotte 24 Linienschiffe (von 50 — 67 Kan.), 
27 Fregatten (zu 20—44) , und im Ganzen 2290 Kanonen und 14,780 
Seeleute ; eine Schiffsliste von 1 782 spricht sogar von 4 2 Linienschiffen 
und 43 Freg. 1828 bestand die Marine wieder aus 17 Liniensch. und 
20 Freg. 1829 rechnete man 30 Schiffe mit 720 Kan. und 4314 M.; 
ausser Activität 63 Schiffe. 
Sociales. Holland besitzt noch immer, und besonders neuerdings 
wieder, grosse Reichthümer; allein sie sind sehr ungleich vertheilt. Der 
Masse des Volkes ist jeder Lebensgenuss verkümmert durch eine Menge 
drückender, namentl. indirecter Abgaben. Eine schlimme Rückwirkung 
auf den Volkscharakter konnte nicht aus bleiben. Indest hätte man sehr 
Unrecht, die Holländer nur als kleinliche Krämer anzusehen. Noch ist 
dieselbe Nation vorhanden, welche ihr dem Meere abgerungenes Land 
zuerst mit Kanälen nach allen Richtungen durchfurchte ; auch in der 
Neuzeit haben die Holländer selbst unter dem Drucke sehr schlimmer 
Finanzzustände durch Anlage des grossen Kanals vom Helder nach 
Amsterdam, Erbauung von Eisenbahnen, Trockenlegen des s. g. »Haar- 
lemer Meeres« (die Kosten wurden sogleich auf 10 Mill. fl. geschätzt) 
und Entwicklung ihres Colonialbesitzes bewiesen, dass sie vor grösseren 
Unternehmen keineswegs zurückweichen. In dem kleinen Lande er 
scheinen, die geistige Regsamkeit bekundend, jedes Jahr über 1800 
Druckschriften, ungerechnet 150 Zeitungen und 60 andere Zeitschriften.
        <pb n="397" />
        NIEDERLANDE. — Sociales. 
373 
Volksschulen, 1859: 2498 mit 4628 Lehrern und 130 Lehrerinnen; 
Schüler: im Januar 183,477 Knaben und 133,075 Mädchen, im Juli 
nur 142,105 Knaben und 1 15,895 Mädchen. — Besondere Schu 
len: 1016, mit 2016 liChrern, 1033 Lehrerinnen, und im Juli 
40,265 Schülern und 43,361 Schülerinnen. — Lateinschulen u. Gym 
nasien 64 mit 1818 Schülern. — Universitäten 3 (Leyden, Utrecht, 
Groningen) mit 1395 Studirenden. — Von den 1861 ausgehobenen 
9930 Recruten konnten 
lesen u. schreiben 7722 = 77,76% ( weder lesen noch schreiben 1SS2 = 18,93% 
nur lesen . . . 256 = 2,58 - | unbekannt 70 = 0,70 - 
Handel. Officielle Werthe in Gulden: 
(itneralhandel: 1846 1856 1857 1858 1859 1861 1862 
Einfuhr 255’ 412’ 4irO'&lt;2,S40 4tS‘7.3fi*669 399,fi70,2(K) 409’1«9,47S 445'587,477 
.\u»fuhr 210’ 33S’ 343'3:)2.75S 330’740,977 35«’710,977 401*121,914 391*393,470 
Specialhandel: 1846 1856 1857 1858 1859 1860 
Einfuhr 162’ 294’ 400’462,413 413’229,144 2S8’699,170 316’389,359 
Ausfuhr 118’ 225’ 231’310,561 231’183,488 242’561,596 251’915,243 
Durchfahr.. 92’ 112’ 112’022,197 99’557,489 113’487,50S 136’843,234 
Im Generalhandel erschienen 1862 (in Gulden): 
Einfuhr Ausfuhr 
Preussen. . 107’608,356 146’659,509 
Hamburg . 5’196,412 7’684,974 
Bremen . . 2’070,749 471,644 
Oesterreich . 1’568,103 5’309,678 
andere deutsche 
Häfen . . 4’313,916 4’403,892 
Zusammen 
Deutschland 120’757,536 164’529,697 
I Einfuhr Ausfuhr 
: Grossbrit. . . 117’274,066 85’797,305 
i Holl. Ostindien 81’518,408 39’497,756 
1 Belgien . . 39’922,387 40’742,087 
Frankreich . 16’521,443 9’389,769 
; Russland . . 18’185,799 8’724,235 
i Ver. Staaten . 8’338,725 4’573,040 
j Norwegen u. 
; Schweden . . 
' Dänemark 
1 Italien . . . 
7’695,025 3’356,221 
2’677,206 1’680,186 
3’592,700 8’984,565 
Einfuhr der wichtigsten Co lo n i al pro duc te , Kilogr.: 
Kaffee Rohzucker Baumwolle Reis 
1S46—50 durchschn. 50’472,(t0(l 163’759,0U0 10’490,OOU 22’4M,000 
1851—55 - 63’209,000 109’977,0(M) 15’577,000 39’278,000 
1856-60 - 70’469,000 102’959,000 20’922,000 47’219,000 
Rhederei, Ende 1863 2231 Schiffe von 539,844 Tonnen (Ende 
1861 waren es noch 2332 Schiffe von 286,217 Lasten, und 1859 noch 
74 Schiffe und 19,458 Last mehr gewesen), — Hafenverkehr 1862: 
eingelaufen (beladen und leer) 8861 Schiffe von 1’757,625 Tonnen; 
ausgelaufen 9078 Schiffe von 1'839,281 Tonnen. 
Telegraphen (siehe deutscher Telegraphen-Verein, S. 217). 
Eisenbahnen ungefähr 65 Meilen, 
Post. Inländische Briefe: 1848 4’324,03*2 , 1854 1 1’158,515, 
1861 15’533,458, 1862 16’114,573; ausländische in den neml. Jahren: 
1’833,824; 3 025,208; 4 1 74,803; 4’314,745; — zusammen 1862 
20’429,316 Briefe = 5,58 auf den Kopf; dazu 6 365,955 Zeitungen 
und andere Drucksachen = 1,74 pr. Kopf (eine äusserst geringe An 
zahl; vergl. S. 217). ' 
Viehstand I860: 243,454 Pferde, 1’287,538 Stück Rindvieh, 
865,728 Schafe, 270,586 Schweine. 114,903 Geisen etc. 
Münze, Maasse. Der holländ. Gulden, etwas geringer als der rheinische, 
die Mark ausgeprägt zu 24,7466, oder fast 24% fl. die Goldwährung ist abge 
schafft). — Die Maasse sind die französisch-metrischen, mit holländ. Benen-
        <pb n="398" />
        374 
NIEDMIIíANDK. — Sociales, Colonien. 
nung. Die Myl ist der Kilometer, die Elle der Meter, der Palm = 1 Deciniet. 
Flüssi^keitsniaas 
Das Pond ist das Kilogramm. 
Colonien ; in Ostindien 
- Amerika 
- Afrika (Guinea) 
Q.-M. 
:io,oo(» 
2,8HU 
500 
Zus. etwa 3:$,300 
Menschen 1862 
17’050,000 
04,000 
100,000 
lb’000,000 
Die ostia disc h en Besitzungen haben (nach Kuiper, folgen 
den Umfang (Bevölkerung vom Dec. 18()2); 
Unter der Bevölkerung 
1802 : 52,248 liuropäer vom 
Civil (davon 20,891 in den 
Colonien geboren ; — von 
der Gesammtzahl 25,021 auf 
Java u. Madocra) ; — Euro 
päer im Militär 13,548 und 
933 Abkömmlinge von sol 
chen; — Chinesen 230,578 
(davon 155,177 auf Java). 
In den 5 Jahren 1853—57 
starb auf folgende Anzahl 
durchsebn. je ein Mann 
an tli‘11 Küsten- im In- 
plAtzrn nern 
Europäer von 15 21 
Afrikaner von 22 48 
Eingeborene von 25 40 
Provinzen 
Java und Madoera . . . 
Gouv. Sumatra’s Westküste 
Benkoelen 
liampong 
Talern bang 
Banka 
Billiton . 
Riau . 
Borneo, westl. Abthlg. 
— südl. u 
Celebes . 
. g I Amboina 
\ Banda 
§ I i Ternate 
^ % I Menado 
Timor . . 
östl. 
Zus. etw 
ft.-M. 
2,445 
2,200 
455 
475 
2,912 
237 
119 
825 
2,800 
0,508 
2,150 
479 
411 
1,130 
1,207 
1,042 
Bevölk. 
12’380,000 
T500,000 
110,000 
91.000 
511,500 
50,800 
14.000 
25,200 
440.000 
570.000 
290.000 
100.000 
112,000 
94.000 
178.000 
910.000 
a 25,521 18’000,000 
Die Eingeborenen sind meist Mohammedaner, die der Molukken sind 
Christen geworden (reformirt). 
Die mittelbaren Besitzungen sind hauptsächlich : Siak auf Sumatra, das 
nordwestl. Nieuw-Guinea, Bah und Lombok. Mit deren Einrechnung beträgt 
das Areal des niederl. Ostindien etwa 30,000 Q.-M. 
Das Budget für 1802 führt auf: Einnahmen 01’127,184 , dazu 
Erlös aus Colonialwaaren 47’557,70i , zus. 108’084,978 fl. — Aus 
gaben; in Indien 84’Ul 8,930 , Colonialausgaben im Muttcrlande 
18’351,305, wahrscheinl. Ueberschuss 0’31 1,737. Bezüglich der ein 
zelnen Einkünftequellen finden wir von 1858 aufgezeichnet; 
Verpachtete Abgaben 12’518,330, Zölle und nicht verpachtete Abgaben 
10’175,818, Grundsteuer 10’124,480, Salzmonopol 1857; 4’132,187 Gulden. 
Der Opiumpacht allein ertrug 1857 7’8S7,024 Ü. blos in Java und Madoera 
und 941,450 auf den Buitenbezittingen (Westküste v. Sumatra).— Für Strassen- 
und Wasserbauten waren damals 3’728,000 fl. bestimmt. 
Pvoduktß auf Ja\a und Madoera. Eigenthum der Eingeborenen sind 
geblieben etwa zwei Mill. Bouws Landes, der Bouw von 5 Bunders, 
(welcher letzten 5505 = eine geogr. Quadr.-M.) Es wurden 1858 ge- 
erndtet ; 
Heiss beinahe 31 % Mill. Tikols (1 Tikol = 5% Zollceutner) 
Kaffe, von 212’003,780 Bäumen 
Zucker, auf 40,045 Bouws 
Indigo, 
Thee, 
Zimmt, 
Cochenille, 
Tabak, 
- 18,313 
- 2,672 
- 1,787 
224 
- 1,640 
895,000 Tikols 
Tü50,000 - 
014,784 Ffund (ä 
1’734,985 - 
240,379 - 
72,340 - 
21,915 Tikols 
/. Kilogr.)
        <pb n="399" />
        DÄNEMARK. — I,and und Leute. 
375 
Handel. Die Flotte von niederl. Indien bestand 1S58 aus 307 Schif 
fen, worunter nur 8 Dampfer, zus. v. 59,250 Tonnen. Es betrug 1857 
die Einfuhr Ausfuhr 
durch Private ;JS’638,02S fl. 48’529,311 fl. 
für Rechnung der Regierung 24’98&lt;J,511 - .57’3‘.t4,573 - 
Zur. U3V24,5«)9 fl. “ 105’i)23,884 fl. 
Von der Ausfuhr kamen auf Zucker 3(îM38,7ü3, Kaffe 34M64,ü92, Reis 
9’990,(i09, Zinn 7'257,175, Indigo 4’080,433,Tabak 1’30.5,139 fl. 
Die amerikanischen Besitzungen sind: Surinam (18G1) mit 
52,170, und in Westindien (Dec. 1802): Curaçao 19,127, Aruba 3258, 
St. Martin 3321 , Bonaire 3203, St. Eustach 1977, Saba 1807. — 
1850 zählte man in holländ. Westindien 34,051 Einw., wovon 21,848 
Freie (9505 Männer, 12,343 Frauen) und 12,803 Sklaven; auf Surinam 
1801 nur 10,805 Freie, 35,371 Sklaven. 
Die Sklaverei ward mit dem 1. Juli 1803 aufgehoben. Die Ent 
schädigung der Sklavenbesitzer ward zu 825 Fres, für jeden Sklaven 
festgesetzt, ohne Rücksicht auf das Alter. Zunächst traten die Eman- 
cipirten in eine Lehrzeit von drei Jahren. Die Hälfte des Arbeitslohns 
während dieser Lehrperiode bezahlt der Staat. — Man glaubte anfangs, 
dass die Sklavenemancipation etwa 12—10 Mill. Gulden kosten würde. 
Da aber die Zahl der Sklaven ungefähr 40.000 betrug, so steigt die 
Summe auf 18 Mill. 
Dänemark (Königreich). 
A. Königreich Danemark. 
Kopenhagen . . 
Seeland und Möen 
Bornholm .... 
Föhnen u. Langeland 
Lolland, Falster etc. . 
Nord-Jütland . 
Zur. A. 
H. Ite.ilUnder. 
Färöer (17 bew. Ins. 
Island 
Grönland .... 
Westindien : St. Croix 
St. Thomas 
St. Jean 
Zur. B. 
Gesammlsumme ungef. 
Q.-M. Bevölk.* 
.-&lt;5,143 
¡419,008 
10.5 29,304 
00,5 205,820 
30.5 80,797 
400,7 _ 703,813 
09(1 1'000,551 
24 8,922 
1807 00,987 
180 9,880 
3,5 22,802 
1,1 12,500 
1 1,715 
2082 122,920 
2780 1'725,000 
Island besitzt eine eigene Verwaltung, doch 
Schränkung der Selbständigkeit. 
Confexsiouen : 
Ausserhalb der lutherischen 
"Staatskirche» zählte man 
1800 mit Einrechnung der 
llerzogthümer : 21,322 Per 
sonen, worunter 8177 Juden, 
3187 Katholiken, 3033 He- 
formirte, 2042 Baptisten, 
2007 Mormonen (1802 an 
geblich 3004 , wovon 186 
Geistliche:. 
Städte : 
Kopenhagen . . 155,143 
Odense .... 14,255 
Aarhuus ... 11,009 
Aalborg . 10,009 
beschwert man sich über lie- 
Gebietsvertlnderungen. Zu Anfänge des 19. Jahrhunderts standen 
noch Norwegen und Schleswig-Holstein unter den dänischen Königen. 
Ergebniss der Zählung vom 1. Febr. 1800; bezüglich Westindiens uwh 
der Aufnahme von 18;&gt;5, — laut »königl. dän. Hof- u. Staatskalender«. Eine 
neuere Notiz gibt den 3 westind Inseln zus. eine Bevölkerung von 38,1.10.
        <pb n="400" />
        376 
DÄXEMAKK. — Finanzen. 
Im Frieden von Kiel, 14. Jan. 1814, musste das Erste an Schweden 
abgetreten werden. Der König erhielt Schwedisch-Pommern als angeb 
lichen Ersatz, überliess dasselbe aber an Preussen gegen Lauenburg und 
1 Mill. Ihlr. an Geld. Die Versuche, die Elbherzogthümer vollstän 
dig Dänemark einzuverleiben, führten 1804 zum Kriege mit Preussen und 
Oesterreich und endigten mit dem Wiener Frieden vom 30. Oct. 1864, 
durch welchen Dänemark die 3 Herzogthümer vollständig verlor (mit 
Ausnahme der kleinen Insel Aaroe, wofür jütländ. Exclaven abgetreten 
werden mussten). 
Finanzen. Das ganze Finanzwesen muss in Folge des Verlustes der 
Herzogthümer umgestaltet werden. In welcher Weise dies geschieht 
ist zur Zeit der Abfassung der gegenwärtigen Abtheilung noch nicht fest 
gestellt. Früher hatte man ein allgemeines Ileichsbudget für die allge 
meinen Ausgaben und die dafür aufzubringenden Mittel, und daneben 
3 Specialbudgets a. für das eigentliche Königreich, b. für Schleswig und 
c. für Holstein. Daneben entstand noch ein viertes für die gemeinsamen 
Bedürfnisse des eigentl. Königreichs und des mit diesem in ein engeres 
V erhällniss gebrachten Schleswig (ohne Holstein). Der gesammte Rein 
ertrag Lauenburgs floss in die allgemeine Gasse. — Da das Verhältniss 
des früheren Reichsbudgets, welches nun von dem Königreich im engem 
Sinn allein zu tragen ist, aber nothwendig sehr beschränkt werden muss, 
noch völlig ungeordnet erscheint, so können wir zur Erläuterung nur die 
vormalige Normirung angeben. Unterm 28. Febr. 1850 ward ein »Nor 
malbudget« octroyirt, das bis zum Zustandekommen eines Gesetzes als 
Grundlage für Repartirung der Steuerzuschläge dienen sollte. Für das 
(am 1. April beginnende) Etatsjahr 18«%. war z. B. folgender Voran 
schlag aufgestellt : 
I. Gemeinschaftlicher Etat für alle L andestheile. 
Einnahmen Thir. R.-Mze. 
Ueberschüsse der Domänen . P74S,424 
Lauenburg’s . 252,’b73 
Westindien’s . 42,850 
Zinsen der Staatsactiva . . 784,084 
des üeresundfonds . P2(lo|üOO 
Stempel, Schitff.-Abgabe, Zölle 
u. and. indir. Auflagen . . 7’755,47î) 
Post und Telegraph . . . 203,740 
Classen-Lotterie .... 100,000 
Verschiedenes 300,1 10 
Zuschüsse der Landestheile zu 
den gemeins. Kosten . . 4’200,000 
Beitrag desKönigr. u. Schles 
wig's zu d. Reichsrathskosten 35,000 
Zus. 10’G8y,lOO 
Ausgaben 
Civilliste .... 
Apanagen . . . 
Geh. Staatsrath 
Reichsrath . . 
Staatsschuld . 
Pensionen . . . 
Ministerien . . . 
d. Auswärt 
d. Kriegs 
d. Marine 
^ - d. Finanzen 
\ ersch. u. Ausserord 
Unvorges. Ausgaben 
Zus 
Thlr. R.-blze« 
800,000 
308,800 
00,400 
35.000 
5'730,400 
1’307,500 
230,725 
4’270,200 
r040,102 
438,001 
1’354,022 
05.000 
10’080,100 
Den zur Deckung der «gemeinschaftlichen« Ausgaben fehlenden 
Betrag (oben mit 4 200,000 Ihlr. in Einnahme gesetzt, d. h. mit weit 
mehr als im »Normalbudget« bestimmt war) mussten die Hauptlandes- 
theile in folgendem Verhältnisse aufbringen: das Königreich 02 Proc., 
Schleswig 16,30, Holstein 21,04 (von Lauenburg war der ganze Ein 
nahmeüberschuss oben bereits einbezogen).
        <pb n="401" />
        DÄNEMARK. — Finanzen. 
377 
Die wirkliche Abrechnung für ergab" 
Einnahme 
1) gemeinsamer Etat der Monarchie .... 15M23,74‘J 
2) - - Dänemark’su. Schleswig’s 53,258 
3) Specialetat für Dänemark 11’294,379 
4) - - Schleswig 1*531,979 
5, - - Holstein l’&amp;67,119 
Ausgabe 
15’1*23,748 
53,258 
7*593,114 
1*288,053 
1*002,790 
Der Ueberschuss in den Specialbudgets ward den betr. Landes- 
theilen gutgeschrieben auf ihren schuldigen Beitrag zur Deckung der all 
gemeinen Bedürfnisse. — Augenscheinlich standen sich die Herzog- 
thümer bei dieser Einrichtung viel übler als das eigentliche Königreich. 
Das Missverhältniss ward besonders durch das Verfahren bezüglich der 
Domänen gesteigert. Bei der Repartition der Beiträge zu den Gesammt- 
lasten ward nemlich auf die völlig ungleichen Leistungen der verschie 
denen Landestheile an Domanialeinkünften gar keine Rücksicht ge 
nommen. So ertrugen die Domänen 1S®%5 folgende Summen, während, 
wenn diese Einkünfte nicht vorhanden gewesen, nach Maassgabe der 
Bevölkerung, die weiter beigesetzten Beträge durch Steuern hätten auf 
gebracht werden müssen : 
wirkl. Ertrag sollte aufbringen 
• Königreich 310,252 1*035,000 Thlr. 
Holstein 072,011 390,750 
Schleswig 730,052 293,250 
Die Civilliste ward im Dec. 1803 zu 630,000 Thlr. für die ganze 
Monarchie bestimmt, die Apanage für den Kronprinzen zu 25,000. 
Während nun wegen der bisherigen allgemeinen Bedürfnisse 
erst noch Bestimmung zu treffen ist, wurde im October 1864 dem Fol- 
kething ein Specialbudget des Königreichs für das Finanzjahr 18®%, 
vorgelegt, mit folgenden wesentlichen Daten: Einnahmen 8’722,301 
Thlr., ncmlich: directe Steuern 4*034,125, indirecte Abgaben 1*382,150, 
isländische und färörische Intraden 57,714, verschied. Einn. 3*248,212. 
Ausgaben 6*161,281 , nemlich: Reichstag 60,000, Ministerium des 
Innern 3*779,853, Justizministerium 989,398, für Kirchen und Unter 
richtswesen 395,999 (ausser den besonderen Fonds dieses Ministeriums), 
besondere Staatsschuld des Königr. 468,000, besonderes Pensionsarchiv 
169,250, andere und ausserord. Staatsausgaben 298,780 Thlr. Hierzu 
kommt noch der Antheil des Königr. an den gemeinschaftl. Ausgaben. 
Schuld. Nach der Staatsrechnung von 18^%, betrug die gemein 
same Schuld am 31. März 1863 95*734,337 Thlr. Hievon haben die 
Elbherzogthümer zufolge des Friedensvertrags 29 Mill, zu übernehmen, 
bleiben Thlr. üü’734,337 
Anfangs Januar 1864 ward mit Hambro u. Söhne in London ein 
5proc. Anlehen von 1*200,600 nominal im Curse von 93 ab 
geschlossen 10*550,000 
Im Nov. 1864 kam dazu ein mit Raphael u.Söhne in London abge 
schlossenes weiteres 5 proc. Anlenen von 728,000 für welches 
die noch ausstehenden 25 Raten (à 39,561 jf) der Ablösung des 
Sundzolls durch Russland (zusammen mit 989,000 .¿"i verpfändet 
wurden ; emittirt zu 94*/, : . . . 6*400,000 
Zusammen Schuld 83*684,337 
Durch das letzte Anlehen sollte u. a. die im Juni 1864 geschaffene 
schwebende Schuld von 6 Mill. Thlr. ( Credit scheine ) wieder getilgt
        <pb n="402" />
        H78 
DÂNMViAltK. — Finanzen. 
werden. — Uebrigens betrug das A c t i v vermögen des Staates, welches 
Dänemark nach dem Wiener Friedensvertrage ausdrücklich verblieb 
(nach der Aufstellung vom 31. März 1863), 11'161,783 und das Ab- 
lösungscapital des besonders verwalteten Sundzolls 31’139 293 zu 
sammen 42’361,082 Thlr. 
Finanzgesehichtliches. Das »Konigsgesetz« von 1660 (welches dem 
Herrscher die maassloseste Gewalt einräumte) zeigte seine verderblichen 
Wirkungen auch in dem Finanzwesen. Unter der Herrschaft dieses Ge 
setzes stieg die Schuld schon 1771 auf 15'31.,.836 Rthlr., wovon man 
bereits einen, wenn auch kleinen, Theil als »verjährt« erklärte; unter der 
Herrschaft dieses Gesetzes erfolgte sodann 1813 ein förmlicher Staats 
bankerott, wobei man sich mit der königl. Verheissung zu begnügen 
hatte, dass inskünftig ein jährliches Budget veröffentlicht werden solle. 
Diese Verheissung ward 1835, also nach 22 Jahren, zum ersten Male 
erfüllt. — Im J. 1813 betrug die gewaltsam reducirte Staatsschuld 142 
Mill. Kbkthlr. Papier ; das Papier galt nur '4 seines Nominalbetrags in 
Silber: sonach = 35*4 Mill. Mehrfache neue Anlehen vermehrten die 
Schuldsumme rasch aufs Neue. Sie betrug in Silber 1811 116’608,000 
Thlr. Erst nach dieser Zeit begann einige Verminderung, so dass 1*848 
noch 105 Mill, erschienen. Nun bekam man für die »Monarchie« fol 
gende Resultate : 
Jahr Einnahme Ausgabe 
1S43 IPO.52,330 2P318,30l 
1850 I2'982,:3)5 22’871,1»2 
1851 13’373,443 15’032,362 
1852 17'056,713 19'106,338 
Deficit 
IU'235,311 
0’88S,817 
P718,313 
2’043,613 
Deckungsweise 
Englisches Anleheiiv.Rbthlr. 7 Mill. 
(und Kriegssteuer von 5 - 
jNeue engl. Anleihe von 6 - 
(und Kriegssteuer von 5’274,000 
Kriegssteuer . . . 1'102,000 
/Neue Anleihe . . . 1'358,000 
I u. \ enninderung des Cassastandes. 
Dieser finanziellen Zerrüttung entkam der Staat 1856 durch den 
Loskauf des Sundzolls (Oeresund). Die fremden Küstenstaaten bezahlten 
dafür 30’476,325 Rthlr., wozu beitrugen: 
Preussen 4’,440,027 I Hamburg . . K,7,012 , Oldenburg . 28 127 
Oesterreich . 23,434 Hannover . . 123,387 I Niederlande. I’4o8’o60 
Belgien . . 401,455 j Lübeck . 102,OlM» ^ Russland. . o'TOx'oOj 
Bremen . 218,585 | Mecklenburg . Sclnveden l’5iK)^504 
Frankreich 1’213,003 | Norwegen . . 667,225 Ver. Staaten ^ 380 000 
Grosshritan. 10’126,825 ! ■ ’ 
Diese Einnahme ermöglichte dann auch die Verminderung der 
Staatsschuld, die am 1. April 1854 123’553,300 Thlr. betragen hatte. 
Der Krieg von 1864 schlug auch den Finanzen tiefe Wunden. Man 
bedurfte neuer Steuern und wiederholter Anlehen. Durch die Ersten 
sollten im Königreich allein während des Finanzjahres 18"4, 2'4 Mill. 
Thlr. aufgebracht werden, und zwar durch Erhöhung der Einkommen 
steuer um 3 Proc. und der Grundsteuer um 3 Thlr. 21 Schill, pr. Tonne 
Hartkorn. Grössere Summen mussten natürlich durch Anlehcn erlangt 
werden (s. oben). Nach den der Volksvertretung am 27. Juni 1864 ge 
machten Vorlagen hatte die Land- und Seemacht vom 1. Dec. 1863 bis 
31. Mai 1864 ausserordentlicher Weise 14’200,000 Thlr. erfordert. Bis 
zum Friedensschlüsse kamen wol noch 3—4 Mill. dazu. Ueberdies be-
        <pb n="403" />
        DÄNEMARK. — Militärwesen. 
379 
fand sich ganz Jütland in der Gewalt der Verbündeten, so dass die Ein 
künfte daher völlig versiecht waren. 
Militärwesen. Conscription. Die mit dem 22. Altersjahre begin 
nende Dienstzeit dauert 8 Jahre, wovon 4 (bei der Artillerie blos 2) auf 
die Kriegsreserve kommen. Dann 8jährige Dienstpflicht im ersten, spä 
ter, bis zum 45. Altersjahre, im zweiten Aufgebote. Factisch hat man 
aber das Einexerciren der Recru ten bei der Infanterie auf 10 Monate be 
schränkt, um eine desto grössere Anzahl in den Waffen üben zu können. 
— Die Formation war bis zum letzten Krieg folgende • 
Friedensfuss. Infanterie: Bataill., nemlich 1 Leibgarde, 22 Linie, 
zu 4 ( omp., zus. Iü,ü3ü M — Cax'allerie; 25 Schwadr. (Leibgarde, Gardehusa- 
renreg., 5 Dragonerreg zu 4 Escadr.), 3598 M. — Artillerie; 2 Reg. 12 Bat 
terien zu 8 Kanonen , 25(iO etc. Zus. 22,900 nominell, factisch etwa 12,000 M 
T J^riegsstärke 45 Bataill. Infanterie, 20 Schwadr. Reiterei, 15 Batte 
rien etc., zus. 50,000 M. — Als der jüngste Krieg drohte, theilte man die Ba 
taillone, verstärkte sie durch weitere Ausgehobene, so dass ihre Zahl sich ver- 
donnelte und dann Regimenter aus ihnen gebildet wurden. Man erhielt für den 
Felddienst 3 Infanterie-Divisionen jede zu 3 Brigaden à 2 Bataill.) und 1 Ca- 
vallerie-Division von 0 Reg. Der Rest der Infanterie diente als Reserve. Obwol 
die Gesammtstärke zu 55 — 00,000 M. angegeben ward, scheint dieselbe doch 
nur sehr kurze Zeit 40,000 ^I. betragen zu haben. — Die Regimentsverbände 
der Infanterie sind, als unzweckmässig, wieder aufgehoben, überhaupt ist die 
Truppenzahl vermindert. Es ist indess eine völlige Umgestaltung aes Heer 
wesens nothwendig. (Mährend des früheren Schleswig-Holstein’schen Kriegs 
von 1849 etc. ward die Stärke des dän. Heeres so angegeben : Infanterie 49,301, 
C’avallerie 10,027, Artillerie 9,000, zusammen 09,000 mit 144 Geschützen.) 
Festungen : Kopenhagen mit der Citadelle Friedrichshafen, Kron- 
burg, Korsör, Nyborg, Friedericia, Christianör bei Bornholm. 
Marine (bei Ausbruch des Krieges) ; a. Panzerschiffe: 2 Corvetten 
à 8 Kanonen, 1 Batterie (Rolf Krake) mit 4, 2 Schooner à 3; — b. ge 
wöhnliche Schraubendampfer : 1 Linienschiff von 04 K. , 300 Pferde 
kraft, 4 Fregatten, zus. 102 K. , 3 Corvetten, 2 Schooner, 7 Kanonen 
boote; — c. 7 Raddampfer; zus. 29 Damj)fer mit 383 Kanonen; — 
d. 9 grössere Segelschiffe mit 330 Kan. (darunter 2 Linienschiffe zu 
84 Kan., und 2 Fregatten); — e. 50 Ruderschiffe. — Gesammte Marine 
mannschaft 1 7 40. — Es fanden während des Kriegs noch einige neue 
Erwerbungen von Schiffen statt; dann aber auch einige Verkäufe. Auch 
der Marineetat muss nothwendig stark vermindert werden. 
Dänemark hatte 1785 eine Landmacht von 75,203 M. , wovon 
35,715 auf Norwegen kamen. Da der grösste Theil aus Landwehr be 
stand, so betrugen die Kosten nur 1 003,922 Rthlr. Die Marine zählte 
60 Schiffe (darunter 33 Linienschiffe, zum Theil unbrauchbar) mit 2060 
Kanonen, 10,961 Matrosen und 5000 Seesoldaten. In der Seeschlacht 
bei Kopenhagen, 2. April 1801, litt die dänische Flotte bedeutend 
(wurden doch auch von der englischen Flotte unter Nelson 1 4 Schiffe, 
wobei 2 Linienschiffe, kampfunfähig). Nach dem Bombardement Kopen- 
hagen’s, 2—5. Sept. 1807, führten die Briten die gesammte dänische 
Flotte hinweg; 18 Linienschiffe, 15 Fregatten, 0 Briggs und 25 Ka 
nonenboote. — Im Feldzuge von 1813 stellten die Dänen den Franzosen 
1 2,000 M Hülfstruppen. — Im ersten Schleswig-Holstein'sehen Kriege 
kämpften beide Theüe sehr tapfer. Die Dänen verdankten indess ihre
        <pb n="404" />
        380 
SCHWEDEN. — Land und I.eute. 
Erfolge wesentlich theils der Marine, theils der Ungeschicklichkeit der 
ihnen entgegengestellten Führer, und dem Mangel einer ernsthaften 
Kriegführung preussischer Seits. — Auch im Feldzuge von 1864 hielt 
sich nicht blos die dänische Marine, sondern ebenso die Landmacht sehr 
wacker. Die letzte aber ermangelte namentlich guter Ausrüstung. 
Handel. Ein- und .Ausfuhr zusammen, offic. Werth, Mill. Rthlr. : 
1853 1854 1855 1856 1857 1858 1859 1860 1861 1862 
84,6 9.5,9 103,2 l02,&amp; 100,4 S4,&amp; 99,7 101,6 105,8 105,0 
Hievon 1862: Einfuhr 66’387,560, Ausfuhr 38’660,2I6 Thlr., 
nemlich : 
Königreich Schleswig Holstein Enclaven 
Einfuhr nach 38’9(i^,8T9 9’8o4,794 17’193,564 420 323 
Ausfuhr aus 17’722,484 4’571,681 16’153,904 212J47 
Unter der Ausfuhr 4'100,000 Hectolit. Getreide, 13,755 Pferde, 52,297 
Stück Hornvieh, 46,709 Schafe — Am Gesamnithandel waren am meisten be 
theiligt: Hamburg mit 35,9 und Grossbrit. mit 22 Mill. Thlr. R.-M. Da alle 
Verhältnisse durch den Verlust der Herzogthümer sich geändert haben, so 
unterlassen wir nähere Mittheilung. 
Rhederei'Euáe 1862 im Königr. 2763 Schilfe von 68,603 Com 
merzlasten zu 6000 Pfund (mit den Herzogthümern : 5727 Schiffe von 
124,158 Commerzlast). 
Münze, Maasse. Der 1854 zur Landesmünze erklärte Reichsbankthaler 
heisst »Ihaler Reichsmünze.« Er hat = 6 Mark = 96 Schillinge und ist gleich 
y* Thlr. preuss. — Der Fuss [fod], dem rheinischen fast gleich. Die Last [laest) 
hat 22 Tonnen, die Tonne 2,53 llerliner Scheffel. 
Schwellen (Königreich).*) 
Das Areal wird zu 3868 schwed. = 8025 deutsche Q.-M. berech 
net. Bevölkerung bei der Zählung am 31. Dec. 1860 3’859,728, Ende 
1863 (nach Berechnung des Centralbureau) 4’022,564 ; davon: 
Q.-M. Bevölk. 
1536 1’169,931 in Sn-ea Rike (eigentl. Schweden, begreifend: Stadt Stockholm 
und die Län : Stockholm, Upsala, Södermanland, Westman- 
land, Oerebro, Wermland und Kopparberg), 
1784 2’3G4,122 in (iöthn Rike Gothland, begreifend : Malmöhus, Christian 
stad, Blekinge, Kronoberg, Jönköping, Calmar, Oestergoth- 
land. Halland, Skaraborg, Elfsborg, Götheborg und Bohus, 
Gothland , 
4705 488,511 in ^ 07'rland n. Lappland [Gefleborg, Westernoreland, Jemt- 
land, Wester hotten, Norrbotten). 
*) Ungeachtet der ungemeinen Schwierigkeit, statist. Erhebungen in dem 
weitausgedehnten und dünn bevölkerten Staate vorzunehmen, ist Schweden doch 
allen andern grossem I.ändern in Begründung und Fortführung einer Bevölke 
rungsstatistik vorangegangen, und so besitzen uir denn von 1751 an , Jahr für 
Jahr, möglichst genaue Nachweise über Bevölkerung und Bevölkerungsbewe 
gung. Das 1858 errichtete statist. Centralbüreau, unter der Leitung des kennt- 
nissvollen Dr. Berg, veröffentlicht seine ungewöhnlich werthvollen Arbeiten 
zunächst unter dem Titel : Ridray till Üveriges ojficiela Statistik. Auch erscheint 
eine Statistik Tidskrift, utgifven af kongl. statistika central-byran (das 10. Heft 
V. 1864). Ausserdem eine Menge einzelner Schriften.
        <pb n="405" />
        SCHWEDEN. — Finanzen. 
3S1 
Ende 1S60 wohnten 434,519 E. in den 89 Städten, 3 425,299 
auf dem Lande. — 1855 waren: männl. r764,llS, weibl 1’875,214 
Einwohner. 
Städte (Ende 1863): Stockholm 124,691, Götheborg 41,584, 
Norrköping 21,679, Malmö 21,526, Carlskrona 15,995, Gefle 11,610, 
Lund 9323, Upsala 9252, Jönköping 8658, Calmar 8634, Oerebro 8383. 
Frühere Bevölkermin : \Vo\ 1’785,727, 1766 l’9Sl,6oO, 1771 2’041.0S1, 1773 
(nach Hungersnoth) 1’972,407, 1790 2’15S,232, 1800 2’347,.403, 1^07 2 434,721, 
1810 2’377,851, 1815 2’465,066, 1825 2’771,252, 1835 3’025,439, 1x45 3'316,o36 
1850 3’482,541. — In den 5 Jahren 1851 bis Ende 1855 ergaben sich durch- 
schnittl. : Lebend Geborene 113,191 ; davon unehel. 10,556 in Stockholm 1778 
ehel. gegen 1477 unehel.) ; Sterbfälle 77,045; Heirathen 26,06«. In dem un 
günstigen J. 1857 zählte man 119,303 Geburten, aber 101,453 Sterbfälle, und 
ausserdem gab es 3,245 Auswanderer mehr als Einwanderer. Die Bevölkerungs 
bewegung von 1816—55 ergab 
Geburten u. Sterbfälle verglichen nach den Zählungen 
in den Städten einen Ausfall von 10,69% eine Zunahme von 56,06% 
auf dem Lande - Ueberschuss v. 55,47% - 46,.^!% 
Also auch in Schweden Zuströmen nach den Städten, wo die Sterb 
lichkeit überwiegt. 
Confessionen. Die lutherische herrschend; Katholiken etwa 900, 
Mormonen 400, Juden lOOO (1855 935 . 
Nationalitäten. Der schwedische Stamm ist ein Zweig des germa 
nischen. Lappen (zur tschudischen Familie der mongolischen Race ge 
hörig) zählte man 1855 5685. 
Gebietsveräuderungen. Schweden zu Anfang des jetzigen Jahrh. : 
Q.-M. Einwohner 
Schweden, Gothland, Nordland und Lappland 8,000 2’35(*,000 
Finland ^,000 624,000 
Vorpommern, Rügen und Stadt Wismar . . 90 DOJ'OO 
Zusammen etwa 11,100 3'100,000 
1803 ward Wismar an Mecklenburg verkauft oder eigentlich nur 
verpfändet. Schwedens Theilnahme am Kriege v. 1806 gegen Napoleon 
zog den Verlust Pommerns nach sich. Durch den Frieden v. 17. Sept. 
1809 musste sodann Finland an Russland überlassen werden. Gegen 
Beitritt zum Continentalsysteme ward Pommern, 6. Jan. 1810, wieder 
erlangt. Die Theilnahme am Kriege gegen Napoleon von 1813 führte 
im Frieden von Kiel, 14. Januar 1814, zur Erwerbung Norwegens, das 
jedoch als selbständiger Staat anerkannt, und wogegen auch Pommern 
abgetreten werden musste. 
Finanzen. Dreijährige (etwas eigenthümlich abgefasste) Budgets, 
welche jedoch nur einen unvollständigen Ueberblick über den Staats 
haushalt gewähren, da der grösste Theil des Heeres und eine Menge von 
Civilbeamten aus bestimmten Staatsgütern unterhalten werden, von deren 
Ertrage gar nichts in den allgemeinen Rechnungen erscheint. Budget für 
1864 bis Ende 1866 jährlich : 
a. Ordentl. Einnahmen: Domänen und Rechn.-Ueberträge Khlr. 8’309,500 
b. Ausserord. Emn.: Zölle und Accise 13’5OO,OO0, Post P500,000 
Branntweinsteuer 8’400,000, Stempel P200,000 • 
Gesaramte (laufende) Einnahme jährl. 32 909,500
        <pb n="406" />
        382 
SCHWEDEN. 
Finanzen. 
35’70i,(ia(&gt; 
12’112,031 
4’97i»,85ü 
2’400,U00 
3’333,333 
404,000 
2’517,87() 
9’800,270 
35’553.'300 
a. Ordentl. Ausgaben ; Hof 1’230,000, Justiz 2’185,300, Auswärti 
ges 479,200, Kriegswesen 9’20H,20U, Marine 3’593,700, Inneres 
3’70G,800, Finanzen 5’552,300, Cultus u. Unterricht 4’032,000, 
Pensionen 1’264,500 31’250,000 
Bleibt Ueberschuss 1’(»59,500 
b. Ausserord. Ausgaben: für 3 Jahre zus 
(davon; Schuld 12’283,905) 
Deckungsmittel für die ausserord. Ausgaben : 
1) Ueberschuss aus frühem Finanzperioden 
2) Obiger Ueberschuss von 1’059,950 in 3 Jahren 
3j aus Anleihen 
4) Ueberschuss aus den Einnahmen der Nationalbank . . . 
5) Karten- und Zeitungsstempel 
0) Kopfsteuer von 1803 
7) Verschiedene Einnahmen ¡ ' 
Zus. ausserord. Einnahme 
Unter den Einkünften ist der Zollertrag besond. gestiegen ; 1821 nur 
1’584,Ü42, 1831 2’041,087, 1840 3’000,203, hob sich derselbe 1854 auf 7’43S 305, 
1855 auf 8’910,243, und ist jetzt veranschlagt zu 13% Mill. Ebenso stieg die 
Branntweinsteuer von früheren 080,000, 1855 auf mehr als 3 Mill., 1S59 auf 
6’770,000 und findet sich nun mit 8’400,000 Kthlr. veranschlagt*). 
Ordentl. und ausserordentl. Budget zusammengefasst, ergeben sich iähr- 
hch 44’700,020 Rthlr. Einn. und 43’151,545 Bedarf 
Schuld. 1819 ward die auswärtige, anfangs der 1810 Jahre die ge- 
wöhnl. inländische Schuld getilgt. Allein es circulirte damals für unge- 
iUhr 22 y4 Mill. I apiergeld. 1852 und 53 wurden zwei Anlehen au (ge 
nommen, das erste von 450,000 .P zu provinziellenLandverbesserungen, 
4%, das zweite von 3 Mill. Mrk. Beo. Die grosse Geldkrise von 1857 
veranlasste, Jan. 1858, den Abschluss eines (iproc. Anlehens von 12 Mill. 
Rthlr. zur Unterstützung des Handelsstandes. Ein Anlehen von 20 Mill. 
Rthlr. zu 5®/«% in 40 Jahren zu amortisiren, ward für den Eisen 
bahnbau aufgenommen (negozirt bei Johns in Stockholm). Ein weiteres 
5% Anlehen von 25 Mill, diente zunächst für Eisenbahnbauten, dann 
aber auch zur Liquidirung des noch unbezahlten Rests (von 9 Mill.) der 
von den letzten Reichsständen aufgenommenen 12 Mill. — Die ganze 
Schuld zerfällt in eine innere und äussere. Der Capitalbetrag der Schuld 
wurde für Ende 1803 folgendermassen angegeben; 
Eisenbahnanlehen von 1858 (urspr. 21’841,333) 20’485,0(»0 Kthlr 
- 1800 ( - 20’000,007) 25’479,955 - 
Inländische Schuld 0’171,125 
Zusammen 52’130,(580 
Ausserdem hat das Reichsschuldcomptoir im Dec. 1803 ein in den Jah 
ren 1805—07 zurückzahlbares 5 proc. Anlehen von 3 Mill, aufgenom 
men; ferner im März 1804 ein solches von 35 Mill. Da dieses letzte 
wol mit zur 1 ilgung des unmittelbar vorangegangenen dienen sollte, so 
veranschlagen wir die Gesammtsumme der Schuld auf etwa 87 Mill 
Rthlr. Indess ist dieses Anlehen nur theilweise untergebracht worden, 
wesswegen die Regierung, um ihre Eisenbahnausgaben zu decken, Ende 
*) Die eigentl. Branntweinsteuer ward von Dr. Berg auf dem Lond. statist. 
Congress (1800) zu 5’870,002 Rthlr. angegeben; dazu kam ungef. 1 Mill, von 
Auflagen auf den Detailverkauf. Ein Fünftel davon ist den landwirthschaftl. 
Provinzialgesellschaften zur Verfügung gestellt, der Rest den Gemeinden über 
lassen für nützl. Anstalten.
        <pb n="407" />
        SCHWEDEN. - Militär. 
383 
Dec. 1864 die Papiere einer 6proc. temporären Anleihe von 8’100,000 
Mrk. Bnco. in Hamburg zu Markt brachte. (Anfangs 1865 ward die 
Eisenbahnschuld allein zu 55 Mill, angegeben.) (Für Staatseisenbahnen 
waren schon anfangs 1863 52% Mill. Rthlr. vom Reichstage votirt; 
Privatgesellschaften wurden durch Darlehen, zusammen bis Mitte 1862 
mit 5*472,000 Rthlr., unterstützt.) 
Militär. A. Angeworbene Truppen [Värjvade) ] meistentheils auf 6 
(mindestens auf 3, höchstens auf 12 Jahre) geworben. 
2 Garde-Infant.-Reg. (zu 2 Bataill. à 4 Comp.), 1 Jägerreg. [Wärmland, 
6 Comp.), 1 Leibgarde-Reg. zu Pferde (4 Escadr.), 1 Ilusarenreg. (6 Escadr.), 
3 Artillerie-Reg. mit 10 reitenden Batterien, 6 fahrenden und 1 Fussbatterie. 
B. Eingetheilte Truppen [Indelta). Sie erhalten theils von Grund 
besitzern, theils aus bestimmten Staatsgütern, ausser ihrem torp (Wohn 
haus und Acker), einen jährl. Lohn in Geld oder Naturalien ; dagegen 
nur im Dienste Sold. Während 4 Wochen werden sie alljährlich zu 
Uebungen vereinigt. Die Dienstpflicht hört erst mit der Dienstfähigkeit 
auf. — C. Miliz von Gothland; 21 Compagnien, zum stehenden Heere 
gerechnet, doch nur auf der Insel zum Dienste verpflichtet. — D, Con- 
scriptionstruppen [Beväring, eine Art Landwehr, da diese Truppen zu 
nächst nur in der Waflenführung unterwiesen , dann für gewöhnliche 
Zeiten entlassen werden). Seit 1812 ist jeder Sehwede vom 20. — 25. 
Altersjahre dienstpflichtig. (1852 betrug die Aushebung 18,882 M., 
von denen 1632 Ersatzleute stellten.) — Stärke ohne Offleiere u. Spiel 
leute (nach dem Goth. Alm.) : 
Infanterie : Garde 1800, Linie (Indelta; 24,000, Miliz von 
Gothland 8,500, Landwehr íBeváring) 70,050, zu«. . 105,250 
Cavallerie: Garde 450, Linie 4450, I.andwehr 3760 = . . 8,660 
Artillerie: Linie 3350, Landwehr 1700 = (mit 176 Kan.) 5,050 
Genie 1180. — Train 4667 = 5,847 
Zu«. (30,807 Garde u. Unie, 84,010 I^andw.) 124,807 
Eine Aufstellung von 1863 ergibt (einschl. Offleiere etc.) 120,128 M., 
worunter 32,864 geworbene u. In deltatruppen u. 77,012 M. Landwehr 
in 5 Classen. — Die seit 1861 (nach engl. Vorbild) geschaffenen »Frei 
willigen Schützencorps « zur Vertheidigung des Landes zählten Ende 
1863 15,768 M. in 125 Corj)S. während von 8 Corps noch die Anga 
ben fehlten. 
Festungen. An den Küsten: Marstrand mit Karlsten, Göteborg 
mit Elfsborg, Karlskrona mit Kungsholm und Drottingkär, Stockholm 
mit Waxholm und Frederiksborg. Im Innern besonders Karlsborg. 
Geschichtliche Notiz*). 1782 zählte das Heer 18,388 M., wovon 
1800 M. Garde, und 31 andere Infanterie- und 14 Cavallerie-Regim. 
Marine. Die Schiffsliste von Ende 1863 zählt auf; 
2 Schraubcnlinienschiffe von 74 und 70 Kanon, und 200 und 160 Pferdekraft, 
1 Schraubenfregatte von 22 Kan. und 400 Pferdekraft, 
5 Dampf-Corvetten von 10 und 6 Kan. u. 60 bi« 200 Pferdekraft, 
6 Schraubenkanonenboote von 2 Kan. und 60Pferdekraft, 
10 Schrauben-Schaluppen. — Zusammen 24 Dampfer mit 212 Kan. 
•) Nach den schwed. Kriegsrollen bei Wieselgren, de la Gardiska Archi- 
vet, bestand das Heer Gustav Adolph’s in der Schlacht bei Lützen aus 13,882 M 
Fussvolk und 6810 Reitern.
        <pb n="408" />
        348 
SCHWEDEN. - Sociales. 
Dazu: 28 grosse Segelschiffe, mit 527 Kan. ; darunter: 5 Liniensch. von 
(52—72 Kan., 3 Fregatten von 32—36, 4 Corvetten von 12 u. 14, 3 Briggs 
13 Kanonen-Schooner; ’ 
Endlich die Sehe er en-(Kuder-) Flotte, 171 Fahrzeuge mit 250 Kan. — Ueber- 
dies noch Transport- und andere kl. Fahrzeuge. 
Darnach ergibt sich eine Flotte von 223 Schiffen mit 9S9 Kano- 
nen. — Indess würde es sehr fehlgegriffen sein, blos nach dieser Grösse 
der Zahl zu urtheilen. So ist die ganze Segelflotte alt: unter den Li 
nienschiffen zählt das neueste 40, das älteste S3 Jahre. Mehre der Li 
nienschiffe haben sich seit 20 Jahren nicht in See befunden, und alle 
sind baufällig (der S0jährige »Manligheten« in dem Grade, dass er zum 
Abbrechen verurtheilt worden ist). Fregatten sind 5 im Alter von 35 
— 20 vorhanden, davon dürfte nur die jüngste seetüchtig sein. Auch 
die kleineren Segel-Fahrzeuge sind fast alle dienstunfähig geworden. 
Die 25 Jahre alten Segelschiffe »Stockholm« und »Karl XIV. Johann« 
sind, ohne sie zu verlängern, in Schraubenschiffe umgewandelt, und mit 
Maschinen von 160 und 200 Pferdekraft versehen worden. Das einzige 
wirklich dienstfähige Dampfschiff ist die Fregatte Wan a dis « von 20 
gewöhnlichen u. 2 ganz schweren Kanonen und 400 Pferdekraft. 
Im Bau begriffen: 1 kl. Schraubenfreg. , 4 Sehr.-Kanonenboote, 1 sonst. 
Schraubenschift u. 2Käderdampfsch. — Die Segelttotte zählte 1855 28(5 Fahr 
zeuge, worunter 11 Liniensch. und 8 F reg. Die Mannschaftszahl ward damals 
zu 14,950 angegeben. 
Sociales. Es gibt vier wesentlich verschiedene Stände : 1 der Adel, 
ist äusserst bevorzugt ; vor einigen Jahren berechnete man : von den 
2805 Adeligen im Mannesalter haben 340 Civilämter, 870 Officiers- und 
90 Marinestellen im Besitze (nichtadelige Offleiere gibt es nur 710); 
ausserdem bekleidet der Adel alle Hofämter (nur in der Geistlichkeit 
sind fast alle, in der Justiz die meisten Stellen mit Bürgerlichen besetzt) ; 
das gesammte Vermögen der 2400 Adelsfamilien wird auf 71 Mill.Rthlr. 
berechnet ; Vs des Areals von Schweden befindet sich in deren Besitz ; 
dennoch verarmt der Adel, und wird von den Bürgerlichen überholt ; er 
sinkt um so mehr, seit .Jedermann Güter mit Adelsvorrechten erwerben 
kann. — 2) Oeistbchkeit, gleichfalls sehr mächtig. — 3) Bürger: 83 
Städte senden Reichstagsmänner. — 4) Dauern : sie müssen % der 
Staatslasten tragen, das Provincialheer (Indelta) unterhalten, und die 
Strassen bauen ; die Gutszertrümmerung ist erschwert, und es bestehen 
viele Feudallasten *). 
Die Volkszählung von 1855 ergab, verglichen mit der von 1805 
und 1830 ; 
*1 Ein schwedisches Blatt äusserte : Unsere Standesunterschiede machen 
den Bauer, wenigstens den nichtreichen, zu einem Paria. Ein ärgeres Schimpf 
wort als «Bauer« kennt der Schwede nicht. Er wird von Jedermann mit einem 
verächtlichen Du angeredet, und er selbst hält Jedermann für berechtigt dazu. 
Der stolze, schwedische Adel, so stolz wie in keinem I.ande, hält den Bauer 
nicht höher, als man im Mittelalter die Leibeigenen hielt. Neun Zehntel der 
Volkszahl Schwedens bestehen aus Bauern, und diesen ist nicht ein Viertel der 
gesetzgebenden Macht zugefallen Die Stimmenzahl der anderen Stände auf dem 
Reichstage ist dreimal grösser, und sonach sind die Bauern niemals im Stande, 
irgend etwas selbständig durchzusetzen, und werden bei allen Gelegenheiten 
überstimmt. Daher denn auch die gesteigerte Anzahl der Auswanderungen.
        <pb n="409" />
        SCHWEDEN. - Sociales. 
385 
Kitterstand . . 
Priesterstand. . 
Kürgerstand . . 
Bauernstand . . 
Standespersonen. 
Auslänuer u. Is- 
realiten . . . 
Alle Andern . . 
Zus. 
Familien- Gesammte Personenzahl des Standes Hepräsentirt 
haupter iggg 1830 1805 
l,66ö 11,742 10,458 9,503 50 Vertreter 
2,232 15,362 14,153 15,145 60 
13,366 81,408 66,693 65,411 60 
394,610 2’378,267 2'168,915 1*759,038 100 
11,361 79,441 70,091 69,348 ohne alle 
298 1,866 1,972 — ebenso 
168,770 1*071,246 555,800 494,327 ebenso 
592,303 3*639,332 2*888,082 2*412,772 
Es kommt also je ein Vertreter: beim Adel auf 33 Familienhäup 
ter, bei der Geistlichkeit auf 37, beim Bürgerstande auf 222, beiden 
Bauern auf 3946. Dabei bildet jeder der 4 Stände eine getrennt von den 
andern berathende und beschliessende Kammer. Die mannichfachen Be 
strebungen, eine Aenderung zu bewirken, haben bis jetzt sämmtlich noch 
nicht zum Ziele geführt. — Bemerkenswerth ist die Zunahme der An 
gehörigen des Bürger- und Bauernstandes, dann der von jeder Vertre 
tung ausgeschlossenen » Standespersonen « und »aller Andern« [alla '* 
andra) seit 1830. 
Unterricht. Von den Kindern zwischen 8 und 15 Jahren besuchten 
185.) 71 1 roc. die Schulen. Es bestanden 13 Eehrerseminare, wovon 
3 für trauen. Die Zahl des fest angestellten Lehrerpersonals betrug 
1856 : 2065 , die des ambulanten Lehrerpers. 889. Die Ersten unter 
richteten 159,745, die Letzten 146,483 Kinder (1847 waren die betr. 
Zahlen 99,343 und 91,964) ; es besuchten 8,82 Proc. der Bevölkerung 
die Schulen, dabei: Universitätsstudenten 1885. Die Zahl der Aerzte 
betrug 1860 in dem ausgedehnten Lande nur 477 = 1 auf 7813 Einw., 
und sie bekleideten meistens noch besondere Civil- oder Militärfunctio 
nen. -- Die Zahl der unterstützten Armen war 3,9 % der Bevölkerung, 
was eine kleine Zunahme gegen früher andeutet. — Die Menge der 
schweren Verbrechen hat von 1852—57 um mehr als 40 Proc. ab 
genommen, und die der Sträflinge um 30 Proc. Dieses Ergebniss coin- 
cidirt mit der Abschaffung der entehrenden Leibesstrafen. 
Leider bildet die Branntweinbrennerei noch immer einen der 
Richtigsten Industriezweige. Früher galt dieselbe als Privilegium 
er Grundeigenthümer. Die Gesetzgebung von 1855 und 57 hob dieses 
orrecht auf, erhöhte aber die Auflage auf Branntwein. Das Ergebniss 
war, dass die Zahl der Brennereien in den Jahren 1852—59 von 35,842 
erzeugte Quantität von 30—10 Mill. Kannen auf 
1J /0o,000 (von 916,000 Hectol. auf 358,000) sank. 
1*870,368 Skcppund Eisenerz gebro- 
bei welchen 77^,000 Sk epp. Koheisen 
spn a wurden, und von 1309 Eisenhämmern wurden 843,051 Skepp. Stabei- 
usgeschmiedet. Die Fabrikation von Eisenwaaren und Stahl betrug 140,751 
toi. 21.1,.D8 Tonnen. Die Zahl sämmtlicher bei den Bergwerken beschäftig- 
rbeiter betrug 20,384, worunter bei Eisenwerken allein 10,395. 
Aach einer Liste der Production im J. 1863 waren 10*542,329 Cntr. Eisen- 
Kolb, SUtiitik. 4. Au«. 25
        <pb n="410" />
        386 
SCHWEDEN. — Sociales. 
wurde in 299 Etablissements betrieben, mit einer Production von 549,339 Cntr., 
worunter 149,271 Cntr. Stahl. Die gesummte Eisenausfuhr betrug 2’351,040 Cntr., 
die Consumtion im Lande ward zu 1’560,325 Cntr. berechnet. — Production 
anderer Metalle; 44,449 Cntr. Garkupfer, 503 Nickel, 3044 Messing, 7251 ver 
arbeitetes Kupfer, 11,252 Blei, 212,500 Zink, 1236 Cobalt, 1200 Siangan, 6668 
Schwefel. — Bei der Minenausbeute waren 22,297 Menschen und 50 Dampfma 
schinen beschäftigt, von den letzten 32 in den Gruben, 4 in den Hochöfen und 
14 in den Hüttenwerken. 
In früherer Zeit bildete das Eisen den wichtigsten Ausfuhrartikel; 1780 
exportirte man für 3—4 Mill. Species Eisen und Stahl ; dann kamen die Fisch- 
waaren mit 600,000, die Holzwaaren mit 400,000, Kupfer mit 300,000 und Mes 
sing mit 200,000 Species. Getreide erzeugte das T.and nicht genug für den eige 
nen Bedarf. Später erlangten die Holzwaaren eine grössere Bedeutung, und 
noch viel später, neml. seit 1850, begann das Getreide mit jenen Exportartikeln 
zu concurriren. Eine auf die 6 Jahre 1853—59 ausgedehnte Erhebung deutet 
eine durchschnittl. Jahresausfuhr von einer Mill. Tonnen (fast 1'650,000 Hecto 
liter) an. 1859 bildeten Holzwaaren den ersten Ausfuhrartikel, Getreide den 
zweiten, Eisen erst den dritten. — Im J. 1860 hob sich die Ausfuhr von Stan 
geneisen auf 2'296,181, und die von Stahl auf 170,321 Cntr. ; aber es stieg auch 
die von unvermahlenem Getreide auf 10’849,506 Cubikfuss. 
Unter den Einfuhrartikeln nennen wir, nach den lüsten von 1860 : Baum 
wolle 19’226,177 Pfd., Baumwollgewebe 852,578, Wolle 2’548'205, Wollgewebe 
870,831, Kaffe 15'155,804, Thee 95,887, Rohzucker 3’671,000, Tabaksblätter 
4’040,647 Pfd., Steinkohlen 11’791,612 Kubikfuss. 
Eine besondere Beachtung verdient die Steinkohleneinfuhr. Im J. 1834 
betrug dieselbe erst 92,060 Tonnen, 1860 dagegen (nachdem der Einfuhrzoll 
abgeschafft war) 1'871,683 Tonnen. Damit ist die Zunahme der Industrie an 
gedeutet. 
Die Zahl der Fabriken und Manufacturen und der Geldwerth ihrer Er 
zeugnisse war : 
1830 1857 
1840 2176 
1850 2513 
1860 2509 
1861 2604 
13’174,705 Thlr. schw. 
21’199,576 - 
37’091,523 - 
69’109,220 - 
74’606,857 - 
1861 waren die bedeutendsten Fabrik 
zweige: 20 mechan. Baumwollspinne 
reien mit 13’345,157 Rthlr. Production, 
11 Zuckerraffinerien mit 12’576,786, 
105 Tuch-etc. Fabriken mit 10’173,294, 
25 Baumwollen- und Linnenfabr. mit 
5’525,842, 101 Tabaksfabr. 5’023,855. 
1859 1860 1861 1862 
74’241,000 82,409,000 100,070,000 «8’2'.0,000 
78’007,000 80,190,000 81’08&gt;,000 80’638,O0O 
Frankr. 
1’845,000 
9'801,000 
Handel. 1852 1856 1857 
Einfuhr 29’Ü49,Ü00 70,.003,000 00^800,000 
Ausfuhr 27’608,000 61’022,000 02’289,000 
Der stärkste Verkehr fand statt mit 
Grosibritanien Lübeck Dänemark Norwegen* 
Einfuhr 19’814,000 26’30l,000 8’201,000 5’784,000 
Ausfuhr 39’519,000 4’310,000 7'739,000 2’253,000 
Hafenverkehr 1862. Beladen eingelaufen 5454 Sch. von 270,538 Lasten (zu 
2 engl. Tonnen, also 40,64 Zollcentn.) ; beladen ausgelaufen 7316 Schiffe von 
557,493 Last. 
Rhederei: 1830 1841 Fahrzeuge von 72,074 Lasten ; dann Steigen, 1859 
3364 Schiffe von 157,456 L., hierauf, unter einzelnen Schwankungen, Rück 
gang, 1862 auf 3108 Fahrzeuge von 148,837 Last. Dabei ist aber die Zahl der 
Dampfschiffe 1862 auf 228 mit 8806 Pferdekr. gestiegen, was diese Verminde 
rung ausgleicht. — Zahl der Seeleute ungef. 13,000. 
Kanäle und kanalisirte Flüsse (ausser den grossen I&gt;andseen) : 55 schwed. 
= 80 deutsche Meil. Die Schifffahrt ist jedoch in der Regel 5 Monate im Jahre 
durch den Frost unterbrochen. Von 1840—60 hat der Staat für Kanalanlagen 
2'778,114, für Kanalisirung von Flüssen 803,347, und für Hafenanlagen 3’106,782 
Rthlr. verwendet. 
Gewöhnliche Kunststrassen (1860) : 2960 schwed. = 4264 deutsche Meilen. 
') Auf dem Landwege betrug die Einf. nur 505,000, die Ausf. 208,000 Th.
        <pb n="411" />
        25* 
NORWEGEN. — Land und Leute. 
387 
JEisenbahnen, 1. Dec. lSG4f 855 Kilometer =115 deutsche Meil. (Ende 
1861 53 schwed. = 76 deutsche Meil., davon etwa 16 schw. Meil. Privat-, das 
Uebrige Staatsbahn. Die Kosten der letzten beliefen sich damals durchschn. 
auf 800,000 Kthlr. für die schwed. Meile. Die Staatsbahnen hatten 1863: 
2’889j760 Rthlr. Einn., 1'981,000 Betriebsausgabe, somit 908,760 Rthlr. Rein 
ertrag. 
Telegraphie : Mitte I860 hatten die Linien eine Länge von 663 deutschen 
Meilen. Stationen gab es 67. 
Post. 1859 befördert 6’457,227 Briefe. Taxe 12 Ore = 1*/, Sot. 
Münze, Maasse. Die Verordnung v. 3. Febr. 1855 bestimmt als Rechnungs 
einheit y* Rthlr. Silber, entsprechend einem Reichsthaler Reichsschuld oder 
32 Schilling Beo. ; sie wird Riksdaler Riksmynt genannt und R;dr R:mt ge 
schrieben; Silberwerth (nur) 11 Sgr. 5,4 Pf. — Der Fuss (fot) = 0,946 
S reuss. Fuss oder 29,69 Centimeter. Die schwed. Meile hat 10,688 Meter (die 
eutsche 7420) ; die sch^-ed. Quadratmeile ist = 2,08 deutsche. — Die Kanne 
— 2,2858 preuss. Quart oder 2,6172 Liter. — Die Tonne Getreidemaass ä 63 
Kannen) = 164,88 Liter. — 100 Pfund schwed. [Avs) — 85,06 Zollpfund. Das 
Skeppund (Schiffspfund) Roheisengewicht = 558 schwed. Pfd., das Skepp. 
Rerggewicht = 332 schw. Pfd. 
Auswärtige Besitzung: Die westindische Insel St. Barthélémy, nicht 
ganz I Q.-M. gross, mit 2800 Menschen. 
\orwpgen (Königreich). 
Areal 2114 schwed. oder 5800 deutsche Q.-Meil. Bevölkerung 
1855: r490,786 (davon in der ganzen Nordhälfte des grossen Landes 
nur 128,795, nemlich in Nordland auf 688 deutschen Q.-Meil. nur 
74,140, in Finnmarken auf 1285 deutschen Q.-M. sogar nur 54,655. 
Durchschnittl. Bevölkerung auf die d. Q.-M. 247. — Männlich: 729,905, 
weiblich: 760,142. Von der gesummten Einwohnerzahl kamen nur 
197,815 auf die Städtebevölk. — Bis 1864 dürfte die Bevölkerung, un 
geachtet zahlreicher Auswanderungen, auf etwa 1’680,000 gestiegen sein. 
Nationalitäten. Neben den (germanischen) Norwegern etwa 16,000 
Finnen und Lappen, worunter 1945 Nomaden; sodann 5992 Kwänen 
und 739 Zigeuner (Fantefölger oder Tatere). Sodann gemischte Racen: 
1116 Norweger und Kwänen, 830 Norweger und Finnen, 450 Kwänen 
und Finnen. 
Confession. Die lutherische allein herrschend (230 Mormonen). 
, Auswanderung. In den 5 Jahren 1846 — 50 wanderten aus: 10,799, 
in den weitem 5 Jahren 1851—55 mindestens 15,000; 1857 allein 
schätzte man die Zahl der Auswanderer auf 10,000. 
Frühere Volkszahl. 1783 blosse Schätzung 725,000; dann: 
1815 1825 1835 1845 
886,431 1'651,318 1'194,812 1'328,471 
Städte (1855): Christiania 38,958, Bergen 25,797, Trondhiem 
16,012, Stavanger 11,717, Drammen 9916, Christiansand 9521, Fre- 
derickshall 7408 Einw. 
Herrschaftswechsel. Norwegen, früher selbständig, ward 1387 däni 
sches Besitzthum. Als Dänemark durch den Kieler Frieden vom 14. Jan. 
1814 das Land an Schweden abtrat, Hessen sich die Norweger nicht in 
solcher Weise verhandeln. Sie gaben sich, 17. Mai 1814, zu Eidsvold,
        <pb n="412" />
        388 
NORWEGEN. — Finanzen. 
eine freie Verfassung. Nach einigen Kämpfen mit den schwedischen 
Truppen kam es zu einem Vertrage, dessen Hauptergebniss die modi- 
ficirte Verfassung vom 4. Nov. 1814 ist, derzufolge Norwegen ein freies, 
selbständiges, untheilbares und unabhängiges Reich bildet, und zu Schwe 
den in keinerlei Unterthänigkeit steht, obwol es denselben König hat. 
Finanzen. Das Budget für die 3 Jahre vom 1. Juli 1863 bis dahin 
1866 schliesst in Einnahme und Ausgabe mit 14’310,000 Speciesthaler, 
somit für jedes einzelne Jahr mit 4’7 7 0,000 ab, und zwar: 
Einnahmen: Zölle 2’850,0üü, Branntweinsteuer 51ü,O0Ü. Malzsteuer 
250,000, Post 321,500, Stempelpapier 08,000, Telegr. 00,800, Ertrag der Staats 
anstalten und Activen 102,000, nicht liquidirte Renten 108,575, indirecte Auf 
lagen 105,200, Bergwerke 99,000, Verschiedenes 175,425 
Ausgaben: Hof 99,000, Storthing 83,933, Staatsrath und Centralver 
waltungen 183,2/4, Ministerium des Auswärtigen 112,902, des Kriegs 1’005 480 
der Marine 1’041,541 (davon aber nur 434,333 für Kriegsschiffe, dagegen 007,208 
für l ost, lelegr., Dampfschifflinien u. Navigationsschulen), der Justiz 307,181, 
des Cultus 154,552, des Innern 391,420, der Finanzen 802,212; — Staatsschuld 
401,312 ; Unvorhergesehenes 04,181. 
Schuld. Ende 1863 8 522,000 Speciesthaler, wogegen die verwerth- 
baren Activa 4’245,000 betrugen, ungerechnet 850,000 Speciesthaler 
Betriebsfond des Kongsborger Silberbergwerks etc. Im Aug. 1863 ward 
zu Hamburg eine neue norwcg. Staatsanleihe auf den Markt gebracht, 
deren Ertrag oben wol nicht vollständig eingerechnet ist. Ende 185o’ 
als die Schuld erst 7’651,800 Species betrug, bestand dieselbe aus fol 
genden Theilen : 
Rest der alten Innern Schuld 1’990 000 
Anlehen von 1851, zur Begründung der Hypothekenbank . . . 982 800 
Eisenbahnanlehen von 1848 zu 4, und von 1858 zu 4‘,'* %, Rest . . 4'073¡000 
1*inanzgeschichthches■ Als Norwegen sich von Dänemark trennte, 
war es vollständig ausgesaugt ; Silbergeld fast nirgends mehr , dagegen 
das Land mit 25 Mill. Papiergeld überschwemmt. Der Unabhängigkeits 
krieg hatte überdies die Ausgabe von weitern 14 Mill. Thlr. Zetteln 
nothwendig gemacht, denn das Land bekam nirgends Darlehen. Zudem 
bestimmte der Kieler Tractat, dass Norwegen 2’4ü0,000 Thlr. in Silber 
(Species) von der dänischen Schuld übernehmen müsse. Als Unterpfand 
für alle diese Schuldposten hatte man nur den Werth des Staats-Grund 
eigenthums mit 4% Mill. Species. Der Curs des Papiergeldes sank im 
mer tiefer. Der nach der neuen Verfassung factisch regierende Bauern 
stand umfasste zwar keine » ausgezeichnete Finanzbeamte, « dagegen 
viele praktische Männer. Um die Einlösung des Papiergeldes jederzeit 
zu sichern, auferlegte sich die arme Nation ein Zwangs a nleh en von 
2 Mill. Spec. Diese Summe bildete den Grundstock für eine neue Bank, 
welche für 4 Mill. Thlr. stets einlösbare Bankzettel emittirte. Die ganze 
Masse des alten Papiergeldes sollte eingezogen werden und es sollten 
dabei 10 Reichsbankthaler Zettel für 1 Thlr. Spec, der neuen Bank gel 
ten. Das Ziel ward erreicht. Im J. 1823 war die Staatsschuld bereits 
auf 5’820,0ü0, 1842 auf 2 820,000 Spec, herabgebracht, und gegen 
Ende der 40er Jahre schon so gut wie vollständig getilgt, ja der Staat be- 
sass überdiess gegen 11 Mill, an Activen. — Die Staatseinkünfte stiegen 
(und zwar unter Verminderung der Steuersätze) , von nicht einmal 
V/i Mill, im J. 1815, auf mehr als 3% im J. 1842, und über 4% Mill.
        <pb n="413" />
        NORWEGEN. — Militär. Sociales. 
389 
1858. — Der Storthing benützte die (durch die demokratischen Ein 
richtungen herbeigeführte) glückliche Lage der Staatscasse theils zu Ver 
besserungen, theils zur Verminderung der Volkslasten. Ungeachtet des 
Widerstandes der Regierung, konnten allmählig alle directen Steuern 
(seit 1836 auch die Grundsteuer) abgeschaflFt werden. In späterer Zeit 
wurden wieder Anlehen contrahirt, aber wesentlich für productive 
Zwecke, für Einrichtung einer ganz Norwegen verbindenden Dampf 
schifffahrt (bis zum höchsten Norden), Anlegung von Häfen, von Kunst 
strassen , Erbauung von Leuchtthürmen, Eisenbahnen, Gründung einer 
Hypothekenbank u. dgl. Besonders beachtenswerth ist der steigende 
Ertrag der Zölle, durch welche weitaus der grösste Theil des Staatsbe 
darfs gedeckt wird. Im Budget für 1818 zu 680,000 Spec, veranschlagt, 
ergab sich eine wirkl. Einnahme von 860,000, und im nächsten Jahre 
von 1’059,000. 1830 war der wirkl. Ertrag 1’311,000, 1839 1’830,000, 
1850 2’197,000, 1859 2 656,000. 
Militär. Die Truppen sind theils geworben, theils ausgehoben. 
Jeder Norweger ist dienstpflichtig. Die Ausgehobenen kehren nach eini 
ger Zeit in ihre Heimath zurück, obwol die Dienstpffichtigkeit bei der 
Infanterie 5 , bei der Cavallerie und Artillerie 6 Jahre dauert. Hiebei 
ist die Zeit der Reservepflichtigkeit eingerechnet. Activ sind, ein 
schliesslich der Cadres und der zu unterrichtenden Recruten, durch 
schnittlich höchstens 7200 M. Die ausgediente Mannschaft gehört noch 
3 Jahre lang zur Landwehr. Wer nicht in der Linie dient, wird bei der 
Landwehr einexerciert. — Stand 1854 23,484 Mann, nemlich : 
Zmi'e.'Infanterie, 22 Bataill. *) 15,9781 
Cavallerie, ä Jägercorps 1,382&gt; 19,511 
Artillerie, 1 Reg. . . 2,151 j 
Landwehr (organisirte) • 15,604 
Zusammen .‘15,115 
Der König darf eine Garde von norwegischen Freiwilligen halten, 
und Behufs der Waffenübungen 3000 M. alljährlich aus einem Reiche 
in das andere bringen. Sonst darf kein schwedischer Soldat in Norwe 
gen und kein norwegischer ;n Schweden stationirt sein. — Es bestehen 
108 freiwillige Schützenvereine, zus. mit 7600 Mitgliedern. 
Festungen (meist unbedeutend) : Frederiksstad mit Frederikshald, 
Aggershuus bei Christiania, Forts bei Christianssand, Bergen, Drontheim. 
Marine. Norwegen besitzt 2 Schraubenfregatten von 56 und 26 
Kanonen und 500 resp. 300 Pferdekraft, 3 Schraubencorvetten, zus. mit 
36, und 6 Dampfkanonenboote und 3 Schleppdampfer, zus. 14 Dampfer 
mit 133 Kan. Ausserdem eine Anzahl Fahrzeuge nach dem älteren Sy 
steme, worunter 2 Fregatten; diese Schiflfe meistens sehr alt. Als see- 
dienstpflichtig sind 46,000 Mann zwischen dem 30. und 60. Alters 
jahre in die Marineliste eingetragen. 
Sociales. Alle Norweger sind vor dem Gesetze gleich ; Adel existirt 
verfassungsmässig nicht mehr. Das Gesetz vom 1. August 1821 be 
stimmte , dass die Steuerfreiheit mit dem Tode der damaligen Lehenbe- 
*) Ein eigenthümliches Corps bilden die sog. SkirlUhere oder Schlittschuh 
läufer ; es sind mehre Companien leichter Infanterie, mit Büchse und einem 
8 Fuss langen Stock zur Erleichterung des Laufens armirt.
        <pb n="414" />
        390 
NORWEGEN. — Sociales. 
sitzer, die übrigen Vorrechte aber mit dem Tode der damals geborenen 
Adeligen aufliören sollten. Nur 15 Geschlechter, von denen überdies 
seitdem ein Theil ausgestorben, nahmen die nach dem Gesetze von 1824 
zulässigen Vorrechte, blos in der Führung eines adeligen Namens und 
Wappens bestehend, in Anspruch.— Das Storthing schaffte 1839 auch 
die Zünfte ab. 
Norwegen zeigt, ebenso wie die Schweiz, was ein Land durch 
zweckmässige volksthümliche (demokratische) Einrichtungen werden 
kann. Der Roden ist bekanntlich sehr wenig fruchtbar. Das jährlich in 
Anbau gebrachte Ackerland wird auf 418,000 Tonnen oder norwegische 
Morgen geschätzt, d. h. auf nur ungefähr 29 geogr. Q.-Meil. Das ge- 
sammte urbare Ackerland beträgt beiläufig das Vierfache dieser Summe, 
also noch nicht 120 Q.-M. von 5800! Die Getreideproduction ist bei 
weitem unzureichend; in gewöhnlichen Jahren müssen 800,000, in 
schlimmen selbst 1’200,000 Tonnen Getreide eingeführt werden. Dabei 
besteht die im Inlande gewonnene Frucht mehr als zur Hälfte blos aus 
Hafer. — Es fehlt an Gewerbsindustrie ; es mangeln die Arbeiter dazu, 
es mangeln die Capitalien; es fehlt an Strassen in dem von Natur un 
wegsamen und dünn bevölkerten Lande. So sind denn die Norweger 
vorzugsweise auf Seefahrt und Fischfang hingewiesen. Die ärmliche 
Lebensweise aber hat die hässliche Krankheit des Aussatzes {Lepra^ 
Elephantiasis orienta Hs) und im Norden den Scorbut zur Folge. 
Als Norwegen 1811 die Selbständigkeit erlangte, war sein Zustand 
in jeder Hinsicht äusserst traurig. Jetzt bietet sich ein ungleich günsti 
geres Bild dar. Die »Bauernherrschaft« des Storthings versäumte es nicht, 
das materielle Wohl, ja sogar Kunst und Wissenschaft zu fördern. — 
Die Theilbarkeit der grossen Güter ist auch in Norwegen eingeführt, 
und hat auch hier ihre heilsamen Wirkungen erprobt. Schon 1821 er- 
liess der Storthing ein Gesetz über Erbtheilung der Aecker. Auch die 
ungetheilten Gemeindegüter sollten freies Brivateigenthum werden. Der 
Staat selbst parcellirtc und verwandelte seine verpachteten Güter in freies 
Eigenthum, wodurch die Zahl der Grundbesitzer ansehnlich vermehrt 
^ya^d. In den Jahren 1822—38 wurden auf solche Weise 3112 parcel- 
lirte Bauerngüter verkauft. In den Jahren 1825—35 vergrösserte sich 
die Zahl der Grundbesitzer von 90,385 auf 105,000. IJer Grundwerth 
aber, 1802 auf 25% Mill. Spec, geschätzt, war schon 1839 auf 04 Mill, 
gestiegen. — Nicht minder hebt sich die für Norwegen besonders wich 
tige Schifffahrt. Im Jahre 1809 bcsass das Land 1363 Fahrzeuge von 
54.000 Commerzlasten (zu 2 engl. Tonnen); 1837 2373 Schiffe von 
80.000 Lasten, mit einer Bemannung von 12,400 Seeleuten; 1845 
4061 Schiffe zu 123,328; 1853 4893 Schiffe zu 174,945, 1859 5278 
Fahrzeuge von 203,041 u. 1861 5493 von 276,077 Lasten mit 33,953 
Seeleuten, die zu den besten in der Welt gehören. Ila/enverkehr 1861: 
eingelaufen 11,473 Schiffe von 583,949 Last (wovon aber 393,919 
Ballast), ausgelaufen 10,994 von 529,634 Last (wov. 111,376 Ballast). 
— Den geistigen Fortschritt bezeichnet die Zunahme der Buch 
druckereien. Im Jahre 1807 bcsass das Land deren blos 4; 1845 
bereits 37. Zu jener Zeit erschienen nur 4 dürftige Wochenblätter, in 
dieser 23 Zeitungen und 13 Zeitschriften. Selbst bis Tromsoe und Ham-
        <pb n="415" />
        í 
Berner 
SPANIEN. — Land und Leute. 
391 
merfest, den äussersten der Finnmarken, ist die Druckerpresse gedrun 
gen. In den meisten Städten bestehen Mittel- und höhere Gemeinde 
schulen, in denen der Unterricht unentgeltlich ertheilt wird. 
Die Zustände Norwegens werden, sowol was Einfachheit, als was 
unmittelbar solid - praktische Richtung betrifft, denen in der Schweiz 
vielfach ähnlich gefunden. 
Handel 18(50 (neuere Angaben fehlen): Einfuhr fur 1do9/,75U 
Species, Ausfuhr 10’742,217. . 
Telegraphen. Schon 1857 269 deutsche Meilen Drähte 39 Stationen, von 
denen jedoch nur 23 das ganze Jahr über offen, und 141,858 Telegramme mit 
Münze. Species&amp;aler, 9‘/* auf die feine Köln. Mark, also = 1 Thlr. 
6 Pf preuss. Unterabtheilung in 120 Schill. 11,829 norweg. Species = 4,,316 
schwed. Rthlr. — Maasse und Gewicht sind die dänischen. 
Spanien (Königreich). 
Land und Leute.*) Spanien umfasst 1(5,356 Q.-Leguas oder 9200 
deutsche Q.-Meil. , wovon 15,966 Q.-Leg. = 8981 d. auf das 
Festland kommen. Die Gesammtbevölkerung betrug^nach der letzten 
Berichtigung der Aufnahmelisten im Jahre 1860 15’673,536 (die unten 
folgende Specialliste ergibt 55 weniger. Das Anuario erwähnt, dass 
diese Aenderung Folge einer Berichtigung ist). Von der Gesammtzahl 
waren 7’765,508 männl. , 7’907,973 weibl. (darunter 51 Männer und 
168 Frauen von mehr als 100 Jahren). Das Land ist in 49 Provinzen 
getheilt (Wir setzen nachstehend die Namen der alten Landschaften in 
Parenthesen voran.) Die Zahl der Gemeinden (Ayuntamiendos ) be 
trägt 9370. 
Provinzen 
[Keu-Castüien :) 
1. Madrid . . . 
2. Toledo . . 
:5. Guadalajara . 
4. Cuenca . . . 
Mancha:) 
5. Ciudad-Real . 
'Alt-Castilicn :) 
(5. Burgos . . . 
7. Logroño . ' . 
8. Santander . . 
9. Sória . . . 
10. Segó via . . . 
11. Avila . . . 
Q.-M. Bev. 1860 ' 
141 
263 
229 
316 
489,332 
323,782 
204,(526 
229,514 
368 247,991 
266 
91 
99 
180 
128 
140 
337,132 
175,111 
219,9(56 
149,.549 
146,292 
168,773 
Provinzen 
12. Paléncia 
13. Valladolid . 
Leon ;) 
14. Leon . . 
15. Zamora . . 
16. Salamanca . 
[Anturien :) 
17. Oviedo . . 
{(ializien:) 
18. Coruña . . 
; 19 Lugo . . 
20. Orense . . 
1 21. Pontevedra. 
ft.-M. 
147 
143 
290 
194 
232 
Bev.1860 
185,955 
246,981 
340,244 
248,502 
262,383 
192 540,586 
145 
178 
129 
82 
557,311 
432,516 
369,138 
446,259 
*) Hauptquellen: Anuario extadistico de España, publt^do por 
'erner (obgleich dem wesentl. Theile nach bereits nicht mehr neu) die bei 
Folianten : Censo de la Población de España, según el recuento rerÿkWo 
I de mayo de 1857, und Nomenclátor de los Pueblos ^ Es^na beide be- 
itof Comisión de Estadística aeneral del Iteino. Madrid, Imprenta
        <pb n="416" />
        392 
SPANIEN. — Land und Leute. 
22 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
Provinzen 
(Estremadura 
Bajadoz . . 
Cáceres . . 
(Andalusien :) 
Sevilla . 
Cádix 
Huelva . 
Córdoba 
Jaén . . 
Granada. 
Almería . 
Málaga . 
(Múrela ;) 
Murcia . 
(Valencia ; 
Albacete 
Valencia 
Alicante. 
Castellón 
Q.-M. Bev. 1860 
408 
377 
249 
132 
194 
244 
243 
232 
155 
133 
403,735 
293,672 
473,920 
391,305 
176,626 
358,657 
362,466 
441,404 
315,450 
446,659 
210 382,812 
281 
204 
99 
115 
206,099 
617,977 
390,565 
267,134 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 
43. 
44. 
45. 
46. 
47. 
48. 
49. 
Provinzen 
(Aragonien 
Zaragoza 
Huesca . 
Teruel . 
(Catalonien 
Barcelona 
Tarragona 
liérida . 
Gerona . 
(liaskische Ih-ov. 
Navarra . . . 
Vizcaya . . . 
Guipúzcoa . . 
Álava . . . 
Inseln :) 
Baleáres *) . . 
Canarias**) 
Q.-M. Bev. 1860 
311 
276 
258 
140 
115 
224 
107 
190 
40 
34 
57 
87 
132 
390,551 
263,230 
237,276 
726,267 
321,888 
314,531 
311,158 
299,654 
168,705 
162,547 
97,934 
269,818 
237,036 
Taubstumme 9860. — Blinde 17,3 
Bewegung der Bevölkerung 
79. 
Zusammen***) 9,200 15’673,481 
Geburten 
1858 
1859 
1860 
1861 
ehelich 
■ 516,118 
525,243 
541,231 
577,484 
unehelich 
30,040 
31,080 
32,222 
34,125 
zusammen 
546,158 
556,323 
573,453 
611,609 
Sterbfälle 
433,931 
449,037 
428,967 
417,786 
Heirathen 
113,443 
112,903 
126,496 
130,731 
Offenbar sind die Kegister in der letzten Zeit mit’stcigender Genauigkeit 
gegebenen Ländern. 
♦u katholische herrschend; man schätzt die Zahl der Aka- 
thohken (wol viel zu hoch) auf etwa 120,000. 
Volksstamme. Die eigentlichen Spanier sind ein Gemisch der früher hier 
wohnenden Völker (Gelten, Hörner, Alanen, Gothen, Sueven, Vandalen, 
Mauren, Araber ; das maurisch-arabische Element besonders in Anda 
lusien vorwaltend). Ausser ihnen etwa % Mill. Basken, 00,000 Mede- 
jares (Moriskos, Abkömmlinge der Mauren) in den Thälern der Sierra 
Nevada und in den Apuljaren; dann etwa 1000 deutsche Colonisten in 
der Sierra Morena; 15,000 Zigeuner und eine kleine Anzahl Juden Bei 
der Aufnahme von 1800 wurden 20,917 ansässige Fremde gezählt und 
13,995, die sich blos vorübergehend im Lande aufhielten. 
Frühere Bevölkerungsaufnahmen (höchst ungenau) • 
n/wi 1COO f,/.- -.-r I /./» ® * ,* 
Aach ofne. Angaben hat die Cholera 
in den Jahren 1855 u. 56 in Spanien 
829,189 Personen befallen und davon 
236,744 weggerafft. 
1723 7’625,000 
1768 9’309,814 
1787 10’409,879 
1797 lü’541,221 
1822 11'661,865 
1832 11'158,274 
1846 12'162,872 
1857 15'464,340 
o- (^Gr Aufnahme von 1857 hatten : Mallorca 203,941 Einw. 
3d,10^9, Ibiza 22,17^ tormentera l,62o, Cabrera 52. 
I.anzarote 
***) 
die Spanier in Tetuan mit 14,950 Menschen. 
Menorca
        <pb n="417" />
        SPANIEN. — Land und Leute. 
393 
Die älteren Angaben sind durchgehends unzuverlässig. Die erste Zählung 
ist die von 17S7 ; die Angaben von 1797 u. 1S22 sind bloss Schätzungen. Die 
erste genauere Zählung ist die von 1S57 ; noch verlässiger die von lS(iU. 
Städte. Die Provinzialhauptstädte 
Madrid . . . 
Barcelona . . 
Sevilla . . 
Valencia . . 
Málaga . . . 
Cadix . . . 
Granada . . 
Zaragoza . . 
Palma Balear.) 
Valladolid . . 
Córdoba . 
Coruña . . 
Murcia . . . 
Santander . . 
Burgos . . . 
Almería . . . 
Pamplona . . 
281,170 
178,025 
112,159 
106,4.35 
92,611 
63,513 
63,113 
58,978 
42,910 
41,913 
36,501 
27,354 
26,888 
24.702 
24,327 
23,018 
22.702 
Badajoz . 
Alicante . 
Jaén . , 
liérida . 
Castellón 
Tarragona 
Bilbao 
Toledo . 
Vitoria . 
Salamanca 
Cáceres . 
Oviedo . 
Gerona . 
Zamora . 
Palencia . 
Albacete. 
zählten 1857 Einw.: 
22,195 
20,342 
19,738 
19,581 
19,297 
18,023 
17,649 
15,797 
15,569 
15,203 
14,795 
14,156 
13,959 
12,881 
12,881 
11,860 
Santa Cruz ffe- 
nerifa) . . . 
Logroño . . . 
Segovia . . . 
Huesca . . . 
Leon . . . . 
San Sebastian . 
Ciudad-Beal . 
Teruel . . . 
Huelva . . . 
Lugo . . . . 
Cuenca . . . 
Orense . . 
Pontevedra . . 
Guadalajara 
Cávila . . . 
Soria .... 
10,834 
10,466 
10,339 
9,874 
9,603 
9,484 
8,951 
8,830 
8,423 
8,246 
7,284 
6,872 
6,623 
6,533 
6,419 
5,191 
Die übrigen bedeutendem Städte sind: Jerez de la Frontera mit 38,898 
Einw., Réus 28,171, Antequera 27,201, Santiago 26,938, Tortosa 24,977, Ecija 
23,508, Cartagena 22,106, Alcov 21,901. — 3 Städte zählen zwischen 19 und 
20.000 Bew. : Honda, Lorca u. Puerto de Santa Maria; — 3 weitere mehr als 
18.000 : San Fernando, Sanlúcar u. Tarragona; — 2 über 17,000: Ferrol und 
Gracia ; — 2 über 16,000 : Alicante u. Ubeda; — 4 über 15,000 : Mataré, Játiva, 
Manresa u. Osuna; — 5 zwischen 14—15,000: Don Benito, Lucena, Algeciras, 
Alcira, Igualada; — 4 zw. 13—14,000: Sebadell, Vieh, Mahon, Baéza; — 9 
zw. 12—13,000: Moron, Gerona, Molinos, Andujar, Las Palmas, Vélez-Málaga, 
Daimiel, Utrea, Marchena; — 7 zw. 11—12,000 : Loja, Yecla, Martos, Baena, 
Villanueva y Getrú, Sueca, Cabra; — 16 zw. 10—11,000: Montro, Montril, 
Valdepeñas, Aranjuez, Béjar, Aguilar, Linares, Manacor, Gijon, Figueras, 
Flehe, Lebrija, Arcos de la Frontera, Manzanares, Almagro, Guadix. 
Spanien besitzt sonach weit weniger grosse Städte als andere Län 
der; nur 4 haben über 100,000Einw., blos 4 zwischen 50 u. 100,000, 
0 zwischen 25 u. 50,000. (Zur Maurenzeit sollen Sevilla u. Granada 
400,000, Córdoba 300,000, Toledo 200,000 Einw. gezählt haben.) — 
Die Bevölkerung Madrids ward 1 SOI (sammt Bannmeile) zu 314,061 
angegeben. 
Geschichtliche Notizen. Es ist allerdings ganz unerweisbar, dass 
die Pyrenäische Halbinsel zur Römerzeit 40 Mill. Bewohner zählte; 
gleichwol lässt sich annehmen, dass sie deren zur Araberzeit mehr als 
20 Mill, umfasste. Da erfolgten nacheinander die Vertreibung von 
2 Mill. Mauren, von 800,000 Juden, und von mindestens 600,000 
Mauresken. Mehr als die Kriege, mehr als die Colonisirung Amerika’s, 
trug der Alles niederdrückende geistliche und weltliche Despotismus 
zur Entvölkerung des Landes bei (gerade diejenigen Provinzen, aus 
denen die grösste Menschenzahl nach Amerika auswanderte , entvöl 
kerten sich noch am wenigsten). — Die span. Regierung erkaufte den 
Basler Frieden, 1795, von der französ. Republik um den Preis ihres 
Antheils an St. Domingo ; den Frieden von Amiens, 1802, erlangte sie 
durch Abtretung von Trinidad. 1801 erhielt Spanien die Festung Oli- 
vença von Portugal. Gegen Erhebung des Erbprinzen von Parma, eines
        <pb n="418" />
        394 
SPANIEN. — Finanzen (Budget). 
spanischen Infanten, auf den Königsthron von Hetrurien, trat sodann 
die Königsfamilie (das nicht ihr, sondern dem Staate gehörende!) 
Louisiana ebenfalls an Frankreich ab, welches Land nun Napoleon 
seinerseits um 60 Mill. Frkn. an die Vereinigten Staaten verkaufte ! 
Während des blutigen Unabhängigkeitskrieges schüttelten sämmtliche 
spanische Besitzungen auf dem amerikanischen Festlande die Fremd 
herrschaft ab. (Bis zum Jahre IS08 hatten die spanischen Colonien über 
310,000 Q.-M. mit ungefähr 18 Mill. Menschen umfasst. Es gehörten 
dazu : Mexico , mit Texas und Californien ; das ganze Festland von 
Mittelamerika; Neu-Granada, Venezuela, Bolivia, Peru, Chile und die 
argentinischen Gebiete.) 
Finanzen. Wie in den meisten Staaten, deren Einkünfte nicht aus 
reichen , hat man ein ordentliches und daneben ein ausserordentliches 
Budget. Der Entwurf des Budgets für 18'*^^, wie derselbe den 
Cortes vorgelegt wurde, ergibt im ordentlichen und ausserordentlichen 
Etat die hohe Gesammtsumme von 2626 Mill. Realen. Der Entwurf 
des Budgets für 18®%* hatte die gewöhnl. Einn. mit 2,108’638,000, 
die ausserordentl. mit 420’170,348 Realen aufgeführt. Da uns kein 
neueres Budget vollständig vorliegt, und auch die Aufstellungen in den 
Veröffentlichungen der statistischen Commission, abgesehen davon, dass 
sie ebenfalls nicht die neuesten Etats bringen, auch noch unvollständig 
sind, so ziehen wir es vor, einfach die Ergebnisse eines früheren Budgets 
folgen zu lassen, wobei wir nur bemerken, dass im Etatsjahre 1 b^Ve« 
der Bedarf für den Hof 52’350,000, für die Staatsschuld 338'08l,006, 
für das Landheer 331’017,497 und für die Marine 94’612,213 Realen 
betrug. 
I. Ordentliches Budget für 1861. 
Einnahmen 1,938’1)80,0Ü0 Realen, neml. : 
1. Directe Steuern: Grundsteuer (erst seit 1845 eingeführt) 400 Mill., Ge- 
werbst. 71’, Enregistrement u. Hypotheken 34’, Bergwerksabgaben ö’OlO.OOO, 
Verschied. 10’800,090; zus. 520’S70,000. 
2. Indirecte Abgaben : Zoll 245’, Consumtionsabgabe 177’, Verschiedenes 
40’203,000; zus. 4()2’203,000. 
3. Monopolen. Staatsanstalten: Stempel 101’800,000, Tabak 300’*), Salz 
120 , Pulver 21’, Lotterie 142’, Münzanstalt 7’852,000, Post u. Telegr. 9’852 000 
Versch. 5’460,000; zus. 714’024,000. 
, ^ Staatsbergwerke 42’250,000, Staatsgüter 3’175,000, Renten 
der Geistlichkeit 49’250,000, Versch. 7’902,000, zus. 102’583 000 
Philippin“Z:'ll9?o“ »’■ 
Ansyahcn 1,932’474,305 Realen, neml. : 
der Justiz 15 041,10/ Leibrenten etc. 144’130,000 (Pensionen 10’020,415, Quie.s- 
^iarine-Iiivaliden 49’090,000), Verschiedenes 
.io 025,193; zus. 5/9o24,o24. 
B Ministerien: Rath.spräsidentschaft 430,000, »Statistik« 11’371,949, 
Staatsministerium 10 093,820, Gnaden- u. Justizmin. 203’985,724 (dabei: Ge 
richtshöfe 2S’045,500. jährl. Statistik 343,000, Weltklerus 111’215,587 Kosten 
•) Im J. 1850 war die wirkl. Einnahme vom Tabaksmonopol erst 176 Mill., 
1850 223, 1859 274, 1801 311% Mill. *
        <pb n="419" />
        SPANIEN. — Finanzen (Budget). 
395 
des Cullus 45*792,343, Ordensklerus 14*687,576), Kriegs- und Colonialminist. 
368*833,622 (Stab 12*016,180, Armee 163*691,560, Verwaltung 14*223,703, Milit - 
Unterricht 4*128,287, Nationalgarde 41*317,774, Versch. 127*577,092; Colonien 
1*102,506), Marine 114*381,268, Minist, des Innern 97*190,520 ^dabei Telegr. 
12*081,120, Post 31*639,600, Nationaldruckerei 1*440,800), Ministerium des Fo 
mento (öffentl. Arbeiten, Landwirthschaft, Handel u. öffentlichen Unterricht) 
88*047,527 (davon : Unterricht 24*648,970, öffentl. Arbeiten 47*661,290, Land- 
wirthsch., Industrien. Handel 8*233,970), Finanzmin. 452*120,856 (dav. Steuer 
erhebungskosten 315*800,059, Lotteriegewinnste u. Steuerausfälle 105*778,163). 
II. Ausserordentliches Budget. 
Einnahmen: Erlös v. verkauften Nat.-Gütern 245*450,613, Provinziallei 
stungen an Eisenbahngesellschaften 20 Mill., Schatzscheine 162*884,000; zus. 
428*334,613 Beal. 
Ausgaben : Aufwand für Verkauf der Nationalgüter 5*417,500, Amortisation 
der Schuld 23 Mill., Herstellung von Gerichtsgebäuden 700,000, Unterhalt der 
Kirchen, Klöster u. Paläste 8*200,000, Kriegsmaterial 64*000,004, Marinemate 
rial 100 Mill., Gefängnisse 9*500,000, Telegraphen 12*237,638, öffentl. Arbeiten, 
Strassen u. Häfen 168*700,000, Gebäude der Finanzverwaltung 4 Mill., Unter 
stützung V. Eisenbahngesellschaften 32*579,475; zus. 428,334,613 Realen. 
Im Ganzen ergibt sich ein Bedarf v. 2,360’S08,918, und dagegen 
eine Einn. von nur 1,958*680,000, somit ein Deficit von 402 128,918 
Real., wenn wir nemlich die Schatzscheine und die Staatsgüterverkäufe 
ausser Ansatz lassen. — Es erfordern : 
das Kriegswesen (einschl. Invaliden) 696*304,894R. = 35,55 % der Einkünfte, 
die Schuld (einschl. Cirilpensionen) 405*641,197 - = 20,71 - - 
Diese 2 Posten zus. 1,101*946,091 R. = 56,26 % der Einkünfte. 
Unverkennbar hat Spanien in der Neuzeit einen bedeutenden Auf 
schwung erlangt, und die Einkünfte steigen in Folge dessen sehr an 
sehnlich. Aber der Bedarf wächst ebenfalls, und ohne den hohen Er 
trag, den die Veräusserung der Nationalgüter seit einer Reihe von Jahren 
liefert, würde man nicht ausgekommen sein. Indess schwindet die Masse 
dieser Güter immer mehr und es steigert sich die Summe der Verpflich 
tungen, welche der Staat dagegen übernehmen muss (z. B. für die Ge 
meinden, deren Grundeigenthum ebenfalls zum Nutzen der Staatscasse 
veräussert wird, wogegen dieselbe Rentenscheine in entsprechendem 
Betrage ausgibt ! ) Dabei ist fortwährend der wirkliche Aufwand weit 
höher als der Voranschlag. So hatte man in Mill. Realen : 
1851 1852 1853 1854 1855 
Wirkl. Bedarf 1527* 1480 1542 1760 ca. 1700* 
Ausgabebudget 1449* 1328 1426 1586 1498* 
Ueberschreitung 78* 152 116 174 ca. 200* 
Im Budget für 1856 erschienen allerdings 1471 Mill. Einnahme 
und nur 1470 ordentliche, dann aber noch weiter 370 Mill, ausser 
ordentliche Ausgaben. Da man indess damals das Desamortisationsge 
setz suspendirte und die Repartitionssteuer {derrama) abschaffte, so ward 
das Deficit noch weit grösser. Die ordentlichen Budgets schliessen, 
seitdem immer mehr steigend, folgendermasen ab ; 
1857 1858 1859 I860 
Einnahme 1,562*631,400 1,775*155,393 1,794*731,800 1,892*344,000 
Ausgabe 1,682*441,030 1,775*155,393 1,789*926,041 1,877*369,825 
Als im Spätjahre 1859 die ausserordentlichen Ausgaben für den 
Krieg gegen Marokko begannen, schritt man zu neuen Auflagen. Die
        <pb n="420" />
        396 
SPANIEN. — Finanzen 'Frühere Einkünfte). 
Steuern, welche den Grundbesitz belasteten, wurden auf das bewegliche 
Eigenthum ausgedehnt, die Consumtionsabgaben erhöht, ebenso die 
Stempelgebühr ; zugleich erfasst die letzte nunmehr auch die Actien und 
Schuldscheine der industriellen Gesellschaften; ebenso unterliegen die 
Privatschuldscheine von mehr als 300 Realen (etwas über 21 Thlr. !) 
und die Wechsel einer schweren Abgabe. Auch seitdem schritt man 
wiederholt zur Erhöhung der Auflagen ; so ward die Grundsteuer er 
höht, ebenso die Consumtionsabgaben, die Auflagen auf die Eisenbahn 
fahrbillette u. dgl. 
Provinzial- unà Gemeindebudgets. Im Jahr I860 betrugen die be 
sonders aufzubringenden Ausgaben der Provinzen 1 79’460,740 , die der 
Gemeinden aber 311 095,9 10 Realen. 
Zahl der Beamten. Ende 1861 standen im activen Staatsdienst 
65,790 Individuen mit 438’442,393 Realen Besoldung. Pensionäre des 
Staats zählte man nicht weniger als 49,657 mit 147’698,306 R. (darunter 
6433 Ordensgeistliche, deren Klöster aufgehoben mit H’333,754, und 
20,692 Militäre mit 53 057,455 Realen). Sodann bezogen 7821 Ange 
stellte 26’317,248 Realen aus den Provinzial-, und 76,005 Angestellte 
124’342,831 Realen aus den Gemeindecassen. 
Frühere Einkünfte. Ungeachtet des natürlichen Reichthums des 
Landes, und ungeachtet des 300jährigen Besitzes der Gold- und Silber 
minen Peru’s und Mexico’s, befanden sich die Finanzen Spaniens schon 
im vorigen Jahrhundert in zerrüttetem Zustande. Während des Unab 
hängigkeitskrieges hörte jede Ordnung in der Finanzverwaltung auf. 
Aber auch nach Jahren war solche nicht hergestellt. 1817 betrugen die 
Einkünfte, mit Einrechnung des Ertrages der Colonien, 620 Mill. Rea 
len; man hatte dabei ein Deficit von 200 Mill. Das Missverhältniss 
stieg, als man endlich auch an Verzinsung der seit 1808 gar nicht mehr 
beachteten Staatsschuld dachte, indess die amerikanischen Besitzungen 
sich vollständig losrissen. Die Cortes wagten keine durchgreifenden Re 
formen. Halbheit war ihre Sache. Daher schien es ihnen allzukühn, der 
Geistlichkeit den ganzen Zehnten zu entziehen; nur die Hälfte des 
Zehnls ward aufgehoben (auf 4 00 Mill. Real, geschätzt). Damit hatten 
sic sich die Möglichkeit der Einführung einer ausreichenden directen, ins 
besondere einer ergiebigen Grundsteuer abgeschnitten. So gelangte man 
denn in der constitutioneilen Periode zu folgenden Budgetabschlüssen: 
Bedarf Deficit 
1820 : 702’802,;i04 172 Mill. Real. 
1821 : 75(i’214,217 87 - - 
1822 : 664'813,314 102 - 
Der im nächstfolgenden Jahre ausgebrochene Krieg schwellte den 
Ausgabenetat auf 861’59 1,646 Realen an, indess die Einnahme nur auf 
550 Mill, geschätzt ward. Erwies sich der Constitutionalismus un 
fähig, unter ungewöhnlichen Verhältnissen Ordnung in den Staatshaus 
halt zu bringen, so war der Absolutismus noch unfähiger dazu, selbst in 
der Zeit der ungestörtesten Ruhe. Mit ihm kam die masslose Ver 
schwendung wieder, mit ihm kehrten die alten Missbräuche alle zurück. 
Da der volle Zehnt zu Gunsten der Geistlichkeit aufs Neue eingeführt 
und das Volk dadurch empfindlich gedrückt ward, so vermochte man 
nicht durch Erhebung neuer Steuern ein Gleichgewicht hersustellen.
        <pb n="421" />
        SPANIEN. — Finanzen (Schuld). 
397 
Selbst im Jahre 1643, also etwa 20 Jahre nach WiederUfegründen der 
»Ruhe und Ordnung«, war man nicht weiter gekommen, als dass man 
eine Einnahme von 677’709,985 neben einemBedarfe von 995’S1 4,698 
Realen aufführen konnte. Die Noth hat seitdem doch zur Erfassung des 
Eigenthums der Geistlichkeit gedrängt, ja man hat sich sogar des Grund 
eigenthums der Gemeinden zum Vortheil der Staatscasse bemächtigt 
(siehe unten, Schuld). Ein Aufschwung im industriellen Leben ist ein 
getreten , er äussert seine Wirkungen namentl. auch in einem Steigen 
der gewöhnl. Einkünfte des Staates, aber doch keineswegs in dem nem- 
lichen Maasse wie die Bedürf^se sich vermehren. (Das Budget des 
Jahres 1845 stellte einen Bedarf von 1185 Mill. R. auf, — etwa die 
Hälfte des jetzigen Erfordernisses !) Mit der leicht herbeigeführten Ein 
nahme durch Veräusserung aller Güter der todten Hand gewöhnt man 
sich nur zu sehr an Verschwendungen und Verschleuderungen aller 
Art *). 
Schuld. Stand der consolidirten Schuld am 1. Dec 
Consolid. 5% Rente an die Ver. Staaten 
- 3% ” 
1863 : 
12’ü00,000 R. 
äussere Schuld 1,051 112,000 
_ _ - innere Schuld 3,988 188,426 
Nicht verkäufl. Rente der Civilcorporationen für veräusserte 
, Grundstücke 21’728,770 = Capital 
Ditto des Clerus 17’044,029 = Capital noft 
Differirte 3% Rente, auswärt. Schuld 
_ - innere - ^ 
Amortisirbare Schuld erster Classe 
innere Schuld 2ter CI 
851’534,432 
769’498,170 
äussere 
Consolidirte 3 % differirte Schuld, laut eines mit Dänemark 
abgeschlossenen Vertrags 
Schuld für öffentl. Arbeiten (mit 46*135,140 R. Zinsen) 
247*245,911 
330*655,000 
607*112,000 
des öffentl. Schatzes 
Convertirbare : consolidirte 3 % Schuld . . . 
differirte - - . . . 
amortisirbare Schuld Ir Classe 
- 2r - 
13*000,000 
773*854,000 
576*261,850 
63*504,973 
312*057,611 
428*493,205 
510*811,612 
Zusammen (mit 358*460,512 R, Zinslast) 15,500*355,439 R. 
Dazu; schwebende Schuld, Betrag am 1. Jan. 1864 1,854*834,659 - 
Total 17,355*190,098 R. 
Die »differirte« Schuld wird erst allmählig in consolidirte 3% verwandelt; 
von 1851—55 ward sie nur mit 1 % verzinst, von 1855—57 mit 1*/*, 1857 — 59 
1%, 1859—61 1%, 1861-63 2, 1863-65 2'/., 1865-67 2%, 1867 — 69 2%, 
von 1869 an 3%. Die »passive« oder »amortisirbare« Schuld trägt gar keine 
Zinsen ; dagegen soll alljährlich ein Capital von etwa 30 Mill, zum Ankauf auf 
dem Wege des öffentlichen Ausgebots verwendet, und sonach die Schuldsumme 
vermindert werden. — In Beziehung auf beide letztgenannte Schuldgattungen 
haben sich Zwistigkeiten zwischen der Regierung und den Gläubigern ergeben, 
welche dem Curse der spanischen Papiere nachtheilig sind. 
Zur SchuUlgeschichte. Der älteste Theil der jetzigen Schuld geht 
bis zu den Zeiten der Eroberung Granada’s zurück. Der Erbfolgekrieg 
*) So wurde dem Herzoge von Parma durch kön. Decret vom Oct. 1860 
eine lebenslängliche Rente von 540,000 Realen bewilligt. — Von jeher meinte 
in Spanien jede siegreiche Partei ihre Genossen durch Anstellungen und Beför 
derungen belohnen zu sollen. O’Donnell erklärte ganz offen in den Cortes, dass 
er 58 Brigadegeneräle u. s. w. blos aus politischen Gründen angestellt habe
        <pb n="422" />
        398 
SPANIEN. — Finanzen (Schuldgeschichte). 
vermehrte die*ohnehin schon unter Karl V. und Philipp II. angehäuften 
Passiva. Beiiri Tode Philipp’s V. Avar Spanien mit SOO Mill. Realen 
belastet. König Ferdinand legte seinen Käthen die Frage vor: ob er 
verpflichtet sei, dieselben anzuerkennen ; seinem Verlangen gemäss ver 
neinten sie die Frage, und nun Avar des Königs Gewissen beruhigt. 
Karl III. hielt sich verpflichtet, dieses Unrecht wieder gut zu machen • 
von 1762 bis 79 erfolgten einige Abschlagszahlungen. Allein der ame 
rikanische Krieg hatte das AusWeiben der Silberflotten zur Folge und 
von 1780 an ward das Land auch noch mit 800 Mill. Papiergeld ¡vales) 
überschwemmt. 1796 sanken die Einkünfte von den früheren 675 auf 
478 Mill. R., Avährend sich der Bedarf von 1117 auf 1442 vergrösserte. 
Indessen sollte nach den spätem Finanzplänen die ganze Schuld im Jahre 
1800 vollständig abgetragen sein. Natürlich ward diese Verheissung 
nicht erfüllt. Als Joseph Napoleon 1808 den span. Thron bestieg, war 
eine Schuld von 7200 Mill. Aorhanden. Das Papiergeld, schon 1806 auf 
51 % seines NennAverthes herabgegangen, sank 1808 auf 28, 1809 auf 
20 und 1811 auf 4 % ! Von 1808—19 bekümmerte man sich nicht um 
die Schuld. Bei der Restauration Avar dieselbe auf 11,735 Mill, ange- 
wachsen. Der Unabhängigkeitskrieg hatte also 4500 Mill. R. gekostet. 
Das Papiergeld stieg wieder um 44 %, Ferdinand VII. verweigerte ir;- 
dess jeder neuen Schuld die Anerkennung, unbekümmert darum, dass 
die Cortes 1810 und 11 in der grössten Noth sogar Privatgelder Avegge- 
nommen und zur Rettung seines Thrones verAvendet hatten! Die Cor 
tes von 1820 fanden eine Schuldenmasse von 14,361 Mill. ZAvei Drit- 
theile der Schuldurkunden gehörten aber geistlichen Corporationen, deren 
Aufhebung beschlossen ward. Dadurch verminderte sich die Last auf 
4833, oder nach anderer Berechnung, auf 5273 Mill. Zur Tilgung be- 
sass man Nationalgüter im Werthe von 8633 Mill. — Nach Wieder 
herstellung des Absolutismus verweigerte König Ferdinand den von ihm 
selbst genehmigten Cortesanlehen die Anerkennung, obAvol das Geld 
theilweise für seine Civilliste verwendet worden war. Die vier Cortesan 
lehen beliefen sich auf zwei Milliarden, wovon allerdings kaum ein Vier 
tel in die Staatscasse gelangt war. Der König erklärte auch die Ver 
käufe der Klostergüter für nichtig ; man gab den Käufern nicht einmal 
die bezahlten Beträge zurück. (Es waren 25,177 Güter verkauft und 
ZAvar uni 1045 Mill., während der TaxAverth nur 450 Mill, betragen 
hatte, die Avirklich geleisteten Zahlungen beliefen sich auf mehr als 352 
Mill.) Nun musste Spanien noch eine Kriegsentschädigung an Frank 
reich entrichten: 278 Mill R., in 3% Inscriptionen in das »grosse 
Buch«. Aber auch England erhob Entschädigungsansprüche. Um das 
selbe zu befriedigen, nahm Spanien zu Paris lOü Mill. Fres, auf im 
Curse von — 50 Procent! Trotz seiner Nichtanerkennung der Cortes 
anlehen vergrösserte Ferdinand die Schuld um 2181 Mill. Der neue Erb 
folgekrieg (für Isabella) kostete gegen 4 Milliarden ! Nach der Zeit der 
Juhrevolution musste man, um wieder geliehen zu bekommen, sich be 
quemen, die alten Schulden anzuerkennen. Immer wieder ward man 
zum Verkaufe der Geistlichengüter gedrängt. So erfolgten von 1836 bis 
zum October 1839 Veräusserungen im Betrage von mehr als 1300 Mül. 
Real. ; aber Alles reichte nicht aus. Es herrschte sogar formeU die äus-
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        SPANIEN. - Militär. 
399 
serste Verwirrung. Keine Berechnung ergab mit den andern überein 
stimmende Resultate. Ein Gesetz von 1851 reducirte die höher verzinsl. 
Schuld einseitig auf 3 % ; die längst rückständigen Zinsen etc. wurden 
als » digerirte » Schuld « » consolidirt « und zunächst mit 1 ‘4 % verzinst 
(siehe oben). Man gab 1854 sogar Schatzscheine mit Zwangscurs aus. 
Die Noth zwang zum Desamortisationgesetze von 1855. — Der Staat 
verfügte neuerdings Einziehung der Güter der todten Hand, aber nicht 
Idos jener der Geistlichkeit, sondern auch der der Gemeinden, Unter 
richts- und Wohlthätigkeitsanstalten. Für das erlangte Capital werden 
Staatsrenten gegeben. Die vom 1. Mai 1855 bis dahin 1856 veräusser- 
ten Güter ertrugen eine Milliarde, und noch waren fünfmal so viel übrig, 
als die Veräusserung aufs Neue suspendirt wurde. Allein der Drang der 
Noth war so augenscheinlich, dass endlich im Aug. 1859 ein Vertrag 
des Staats mit dem Papste zu Stande kam, wonach selbst das Kirchen 
oberhaupt zustimmte , der Regierung freie Hand zur Veräusserung von 
Kirchengütern zu lassen. Dieselben werden alle verkauft, ausgenommen 
Kirchen und Pfarrhäuser ; der Klerus erhält für den Erlös unübertrag 
bare 3procentige Renteninscriptionen. Zur Veräusserung bestimmt wur 
den darnach: 
14.394 Güteru. 92,022ablösb. Gültend. Ordensgeistl.,geschätzt 560’57Ü,902 R. 
140,317 - - 105,579 - - - Weltgeistlichk. - 1,993*907,571 - 
100,711 257,001 2,500*538,473 
Vor Erlassung des Desamortisirungsgesetzes waren im Ganzen 
. 3015*670,724 R. aus dieser Quelle in die Staascasse geflossen, neml. 
275*317,381 von Staats-, 629*646,300 v. Geistlichen-, 1437*832,316 
von Gemeinde-, 3*099,202 von Provincialgütem, 537*242,284 von sol 
chen derWohlthätigkeits-, 132*531,066 der Unterrichtsanstalten etc.— 
Wie weit man aber überhaupt in der Veräusserung der öffentl. Güter geht, 
ergibt sich daraus, dass selbst ein Drittheil der Staats- und Gemeinde 
waldungen zum Verkaufe bestimmt ist, während man anderwärts die Er 
haltung der Wälder für eine besondere Aufgabe des Staates ansieht. 
(Ohnehin wird eine Verschlimmerung verschiedener physischer Zustände 
des Landes wesentl. der Entwaldung der Berge beigemessen.) Auch hat 
man kein Bedenken getragen, sich während des marokkanischen Krie 
ges der Sparcassengelder zu bemächtigen. — Im J. 1860 musste Ma 
rokko den Frieden mit einer Gebietsabtretung und dem Versprechen der 
Zahlung von 39 Mill. Piaster Kriegsentschädigung erkaufen. In den 
letzten Jahren hat Spanien einige alte Forderungen fremder Mächte be 
reinigt, namentl. 1860 47 Mill. Realen an England abgetragen, welche 
dieses aus der Zeit des letzten Erbfolgekriegs (für Isabella) zu beanspi^- 
chen hatte, dann sich mit Frankreich unterm 15. Febr. 1862 wegen 
dessen Forderung von 1823 dahin abgefunden, dass dasselbe 190 912,561 
Realen 3proc. Obligationen erhielt (im Werthe von 25 Mill. Fres, an 
genommen) ; ausserdem schlug Spanien seine Gegenforderung von 16 
Mill. Fres, für Confiscation der Prisen nieder. 
Militär. Conscription. Die Dienstzeit beträgt bei der Infanterie 
8 Jahre, wovon 5 in der Linie und 3 in der Provincialmiliz. Die Regie 
rung besorgt Stellvertreter; die Loskaufssumme ward im Dec. 1859 auf 
8000 R. festgesetzt. Anfangs 1859 zählte man 16,888 Freiwillige im
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        400 
SPANIEN. — Militär. 
Heere. Im Mai 1859 ward Anordnung getroffen, um bis zu 100,000 
Mann wirklich ins Feld stellen zu können, ungerechnet 40,000 in den 
Colonien. In wenigen Monaten folgten zu diesem Behufe 1859 drei 
Aushebungen, zus. von 100,000 Mann. Auch mobilisirte man während 
des marokkanischen Krieges 00,000 Mann Provincialmiliz. — In den 
10 Jahren 1852—01 wurden 270,239 M. ausgehoben: davon kauften 
sich 47,323 los. Die Zahl der frei will. Eintrite oder Wiedereintrite be 
trug indess nur 33,071. (Im J. 1861 zählte man 6334 freiw. Eintrite; 
davon 5082 gegen Einstandsgeld, 1252 ohne solches). Ende 1861 war 
der Staatsschatz mit 75 082,415 R. Capital für die Einsteher belastet. 
Der Formationsstand war anfangs 1862 : 
Infanterie; 41 Linienreg. zu 2 Bataill. ; 20 Jägerbat., 80 Bat. Pro- Mann 
vincialmiliz, zus. 70,484 im activen Dienst u. 57,012 in der Reserve = 128,000 
Cavallerie: 4 Reg. Cürassiere, 8 R. I.anciers, 4 Reg. Jäger, 3 R. 
Husaren, zu 4 Schwaur. ; dann 2 leichte Jäger-Schwadr. etc. . . . 13,009 
Artillerie; 5 Reg. zu Fuss, 5 Fijo-Bataill. zu Fuss, 5 Reg. fah 
rende, 1 Reg. reit., 1 Reg. Gebirgsartill 12,329 
Genie; 2 Reg. von 2 Bataill 4,016 
Hiezu: Königl. Hellebardiere 283, Miliz auf den canarischenInseln7320, 
Gendarmerie [yuardia civil'j 9844, Grenzwächter [carabmieros) Infant. 11,039, 
Cavall. 1259, Marinecarab. 004 , catalon. Corps 500 etc. Im Ganzen wird ein 
Militärstand aufgeführt von 230,300 M. Doch ist dies blos die Formationsstärke, 
mit Einrechnung von Miliz, Gendarmerie und Zollwächtern; bei den Fahnen 
sind etwa 100,000. —Eine nicht unbedeutende Militärmacht befindet sich in 
den Colonien, abgesehen von den Truppen, welche zur Unterwerfung St. Do 
mingo’s abgesendet wurden. Auf Cuba standen nach den officiellen Eisten am 
31. Dec. 1850 8 Reg. Infant, (zu 2 Bataill.), 3 Bataill. Cazadoren (Jäger), 2 R. 
Cavall., 1 Reg. Fuss- und 1 ditto Gebirgsartillerie, dann noch versch. Special 
corps, zus. 23,920 M. ; gleichzeitig 3000 M. bei der Marine (32 Schifte mit 308 
Kan.) —Auf Puerto-Rico hatte Spanien 1800: 1 Reg. Inf., 1 Bat. Cazad., 
1 Brigade Artill. etc., zus. 3393Mann. —Auf den Philippinen (1800: 10 R. 
Infant., 1 Cavall., 2 Brigad. Artill., zus. 10’923 M. — Dies ergibt 38,245 M. 
Festungen. Spanien besitzt deren viele ; die bedeutendsten sind : 
a) am biscayischen Meere: Fuentarabia, San Sebastian, Santona, 
Santander, los Passages, Ferrol, Coruna, Vigo, Toro ; 
b) an der portugies. Grenze: Ciudad Rodrigo, Bajadoz, Olivença; 
c) in Andalusien und am Mittelmeere: Cádix, Tarifa, San Rmpie 
(gegen-Gibraltar), Malaga, Vélez-Málaga, Alméria, Cartagena, Alicante, Castell 
von Valencia, Murviedro, Tarragona, Barcelona, Rosas ; 
d) gegen Frankreich: Figueras, Urgel, Puycerda, Pampeluna, Gerona, 
Hostalrich, Manresa, Eerida, Tortosa, Mequinenza, Zaragoza; 
e) auf den Inseln und in Afrika: Palma, Port Mahon, Ceuta. 
Marine. Ende 1863: 
a) Schrauben-Dampf ei- ; 7 Panzer-Fregatten von 30—10 Kan., 11 Holzfre 
gatten von 38—50, 5 Corvetten, 21 Schooner, 18 Kan.-Schaluppen, S Trans 
portfahrzeuge, zus. 70 Schraubendampfer mit 780 Kan. 
b) Riiderschiffe; 3 zu 16 Kanonen u. 500 Pferdekr. ; — 8 zu 6 K. u. 350 ; 
— 1 zu 5 K. ; — i zu 4, 11 zu 2 K. u. 230 ; — 2 zu 1 K u. lOOPfkr. ; — 1 Trans 
portschiff von 500 Pferdekr., zus. 26 mit 120 Kan. 
c) Segler; 2 Liniensch. von 86 u. 84 Kan. ; — 1 Fregatte v. 42; — 8 Cor 
vetten V. 12—30; — 15 kleinere; zus. 26 Segler mit 376 Kan. 
Total 123 Fahrzeuge mit 1285 Geschützen u. un gef. 22,000 Pferdekraft. 
Die Bemannung ward 1861 angegeben zu: 1121 üfficiere , 189 Rechnungs 
beamte, 93 Mechaniker, 12,986 Matrosen, 7980 Marinesoldaten, 539 M. Arse 
nalwache. — Ende 1861 waren als dienstpflichtig in den Listen der Marinecon- 
scription 89,831 M. eingetragen, von denen 1 1,024 wirklich eingereiht waren, 
78,807 aber sich ausser Dienst befanden (meistens auf der Handelsflotte).
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        SPANIEN. — Sociales. 
401 
Kriegsgeschichtliches. Nach dem Etat von 1776 sollte die Land 
macht 132,730 M. zählen; der wirkliche Bestand ward indess 1783 
nur auf 60—70,000 geschätzt, wozu 20,000 M. Landmiliz kamen. Die 
Marine war damals noch sehr ansehnlich: 1782 rechnete man gegen 
50 Linien- und 70 sonstige grössere Schiffe mit 5300 Kanonen und 
55,000 Seeleuten. (Ueber die Schlacht von Trafalgar siehe S. 26 J — 
Leber die (fortwährend ungemein wechselnde) Zahl der Kämpfer gegen 
Napoleon fehlen bestimmte Anhaltspunkte. Nach dem Kriege waren so 
viele Ofticiere vorhanden, dass man ein Heer von anderthalb Millionen 
Soldaten hätte versehen können, darunter 700 Generale. — Im Früh- 
linge 1822, als der Krieg mit Frankreich drohte, zählte man nur 48,681 
Soldaten (dagegen waren gleichzeitig 73,495 Geistliche über den reich 
lich bemessenen Bedarf vorhanden !). Die gegen Spanien ausgesendete 
franz. Expeditionsarmee bestand aus etwa 80,000 Mann. — Als der 
sechsjährige Kampf zwischen Cristinas und Carlisten begann, Ende 1835, 
bestand die Macht der Letzten aus 18,000 M. Fussvolk, 800 Reitern, 
17 bespannten und 35 un bespannten Kanonen, dann 3500 Freiwilligen 
als Reserve. Die Cristinos besassen eine Streitmacht von nahezu 100,000 
Mann. Später stieg dieselbe auf fast 150,000; die Kräfte der Carlisten 
aber vermehrten sich in Biscaya und Navarra auf 40,000, in Aragonien 
(unter Cabrera) und Catalonien auf 30,000. Anfangs 1855 zählte das 
Heer 67,400 M., wobei jedoch 8000 Gendarmen eingerechnet waren. 
— Der Feldzug gegen Marokko, 1859, erhöhte das Selbstvertrauen der 
Truppen, dagegen soll der Versuch, St. Domingo zu unterwerfen, bis 
Ende 1864 gegen 20,000 M. gekostet haben. — Auffallend ist die 
grosse Sterblichkeit unter den Truppen. Im J. 1860 starben blos in den 
Militärspitälern 56 Officiere u. 4515 Soldaten (davon 7 Off. u. 675 Sol 
daten in Tetuan) ; 1861 starben in jenen Spitälern 11 Off. 1862 Sol 
daten. Ausserdem viele in den Civilspitälem. — Rühmlich ist auch 
der Aufschwung der Marine*). 
Sociales. Adel und Geistlichkeit besassen Jahrhunderte lang die 
Reichthümer Spaniens ; neben ihnen erhob sich der fürstliche Absolu 
tismus. Wohin man kam, mögen einige Daten zeigen. Im Jahre 1787 
zählte man in Spanien 479,653 Edelleute (wie in Russland, ist hier 
blos das männliche Geschlecht in Rechnung gezogen), davon beinahe 
V* in Asturien ; ferner 77,665 Mönche und 59,396 Weltgeistliche (bei 
der Aufnahme von 1768 sogar 83,118 Ordens- und 66,687 Weltgeist- 
iche ; ausserdem 2666 Beamte der Inquisition, ungerechnet deren »Fa 
miliären«), und 4103 Beamte der übrigen Geistlichkeit; sodann 37,902 
Civilbeamte und 77,884 Militäre ; dann 34,030 Kaufleute (die Zahl der 
Geistlichen war 4 mal so gross!), 39,073 Fabrikarbeiter, 262,932 
Handwerker (kaum die doppelte Zahl der Geistlichen), 896,844 Bauern, 
*) Die Zeitung Contemporáneo bemerkte im Mai 1864 {wenn auch nicht 
ganz übereinstimmend mit der obigen Schiffsliste) : »Im Jahre 1844 bestand die 
spanische Flotte aus 47 Schiffen, meistens Segelschiffen, welche 713 Kanonen 
trugen. Gegenwärtig zählt Spanien 122 Schifk, welche 1324 Kanonen tragen, 
demnach hat sich in 20 Jahren die Seemacht um 75 Schiffe mit 611 Kanonen 
vergrössert.« 
Kolb, Statútik. 4. Aufl. 
26
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        402 
SPANIEN. — Sociales. 
und r234,lSS Taglöhner etc. Von den 4364 Städten des Landes be 
fanden sich nur 1275, von den 12,732 Dörfern nur 4233 unter königl. 
Jurisdiction. — Wie die Volksbildung gehemmt statt befördert ward, 
zeigte der Erfolg. Selbst rein materielle Verbesserungen liess man nicht 
auikommen. Bekannt ist die Entscheidung, als zur Zeit Karl’s II. eine 
niederländische Gesellschaft den Tajo und Manzanares schiffbar machen 
wollte : »Hätte der allmächtige Gott diese Flüsse bis Madrid schiffl)ar 
haben wollen, so würde er dies ohne alle Mitwirkung schwacher Men 
schenkinder ausgeführt haben ; es wäre daher eine freventliche Wider 
setzlichkeit gegen ihn und seine Vorsehung, wenn schwache Menschen 
das ordnen wollten, was er aus allweisen Gründen zu thun unterliess.« 
(Annalen \ .Don Juan Alvarez de Colmenar.) — Sogar im letzten Drittel 
des vorigen Jahrhunderts bedurfte es aller Anstrengungen von Campo- 
manes, um ein Gesetz zu erlangen, durch welches die wichtigsten Ge 
werbe wieder für ehrlich erklärt wurden, nachdem sie Jahrhunderte lang 
für unehrenhaft gegolten hatten. Selbst nach 1820 zählte man noch 3005 
Klöster im Lande. Bis dahin bezog der Erzbischof von Toledo ein 
Einkommen von 500,000 Ducaten, jener von Valencia 200,000. Die 
Einkünfte des Erzbisthums Valencia sollen 15’400,000 Realen betragen 
haben. In Galizien befanden sich Vg des Bodens im Besitze der Geist 
lichkeit, in ganz Spanien wol ein volles Drittheil. Das Einkommen des 
Staats betrug 1820 21 Mill. Piaster, das der Geistlichkeit 52 Mill. — 
Nach der 1855 angeordneten Aufhebung der Jesuitenconvente und aller 
Klöster von weniger als 12 Conventualen (was die Säcularisirung von 
ungefähr 000 Klöstern herbeiführte) blieben deren noch über 1000 be 
stehen. — Nach dem Dicionário von Canga Arguelles bezog der päpst 
liche Stuhl von der iberischen Halbinsel; 
von Ende des 11. bis Ende des 18. Jahrhunderts 14,400’000,000 Real. 
von 1814—20 (davon für Ehedispense 24’945,880) 41*525,22fi 
von 1820—55 140*000,000 
Noch hält der Adel einen enormen Grundbesitz ungetheilt und in 
schlechter Bewirthschaftung (zu Ende 1856 zählte man 1350 Granden 
von Spanien, worunter 75 Herzoge, 51 6 Grafen, 64 7 Marquesen, 65 Vis- 
condes, 55 Barone; — ausserdem 585 Generalofficiere !). Noch fehlt es 
an guten Schulen ; noch ist die Geistlichkeit übermächtig, diese Geist 
lichkeit, der der Mangel an Unterricht des Volkes zur Last gelegt wer 
den muss -T- da die Schulen sich in ihrer Gewalt befinden. Noch hem 
men mannichfache Hindernisse eine allseitige Entwicklung der Industrie, 
darunter das Schutzzollwesen *). Gleich wol haben die allerdings mitun 
ter furchtbaren Erschütterungen seit Anfang des jetzigen Jahrhunderts, 
der Uebergang der Güter todter Hand in freien Besitz etc., wenigstens 
zur Benützung eines Theiles der vorhandenen reichen Kräfte geführt. 
Die Regenerirung trifft zusammen mit dem Sturze der Mönchsherrschaft 
und der Beschränkung des Absolutismus. Im starken Gegensätze zu den 
*) Die dadurch »beschützte« Fabrikation von Baumwollen- und Wollen 
stoffen kann nirgends mit der ausländischen concurriren; und als Folge der 
den Papierfabriken gewährten Begünstigung konnten namentl. gegen Ende 1859 
die Madrider Zeitungen nur immer mit Mühe das benöthigte Papier auftreiben !
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        26 * 
SPANIEN. — Sociales. 
403 
frühem Aufnahmen wies die Volkszählung von 1857 an Geistlichen nur 
noch nach: 43,061 Weltpriester, 0702 auf den Aussterbeetat gesetzte 
Mönche und 12,593 Nonnen, zum Theil für Unterricht und Kranken 
pflege verwendet. — Ende 1861 zählte man 39,885 Welt- und ausser 
halb der Klöster lebende Ordensgeistliche (die Zahl der letzten ward Ende 
1800 zu 0072 angegeben). Ende 1800 bestanden folg, öffentliche Schu 
len für Knaben : 0217 vollständige, 5241 unvollständige, 187 zeitweise, 
dann 212 höhere; für Mädchen 4471 vollständige, 848 unvollständige, 
72 zeitw., 14 höhere; — sodann 4155 Privatschulen, zus. 24,353 An 
stalten. Die Schülerzahl wird freil. mit 1 101,529 aufgeführt, darunter 
aber Hunderttausende von Kindern unter 6 J. Der gewöhnliche Jah 
resaufwand für das Volksschulwesen beträgt 01 589,405 Realen, neml. 
1’406,032 aus Stiftungen, 54’330,014 v. den Gemeinden u. 5’792,219 
Schulgeld. Dazu kam in den 5 Jahren 1850—60 zusammen ein aus 
serordentlicher Aufwand von 21529,587 ijährl. also im Durchschn. 
4’305,919)R. In den Mittelschulen zählte man 1858 erst 14,890, 1861 
dagegen 21,4 78 Schüler. Die 10 Universitäten (Barcelona, Granada, 
Oviedo. Madrid, Salamanca, Santiago, Sevilla, Valencia, Valladolid und 
Zaragoza) hatten 1801 8011 Studenten. Hiezu kommt noch eine Reihe 
von Specialschulen. Den ziemlich pomphaften Aufstellungen gegenüber 
tritt aber folgende Thatsache : Nach der Aufnahme vom J. 1860 konnten 
von den Einwohnern: 
mannl. weibl. zusammen 
lesen und schreiben 2’41.3,944 719,071 3’13(l,015 
lesen, aber nicht schreiben 316,505 389,095 705,060 
keines von beiden*) 5’ü34,008 G’802,S07 ll’S37,415 
Zeitschriften erschienen Ende 1861 373, darunter befinden sich 
aber 126 amtliche, sodann 40 für Philosophie u. Religion, 23 f. Unter 
richt, 37 wissenschaftliche, 28 f. Literatur u. Kunst, 27 f moralische, 
37 f. materielle Interessen, 2 f. .Jurisprudenz, 3 f. Medicin, 2 f. Landwirth- 
schaft, 3 f. Verwaltung, 12 f. Handel u. Anzeigen(!), 3 für Industrie, 
0 f. Militärwesen, 2 f. Musik^ 3 f. Moden, 9 f. satyrische, 7 f. Ankün 
digungen, 3 f. sonstige Zwecke. — Dramatische Werke wurden 1861 
von der Censur geprüft 315, davon 32 nicht genehmigt. — Theater 
zählte man 1801 293 mit Plätzen für 142,072 Zuschauer; Schauplätze 
für Stiergefechte 97 mit 4 82,801 Plätzen. 
liodetiunbau. Seit Anfang des Jahrhunderts ist die Getreideproduction 
(nach Schätzung) von 05 auf 140 Mül. Fanegas, die M einproduction von 47 auf 
80 Mül. Arobas gestiegen es sollen 3'/, Mül. Morgen mit Reben bepflanzt 
sein). — Die Theübarkeit des Grundbesitzes, woran es früher so sehr fehlte, ist 
dermassen ins Leben geführt, dass schon im J. 1858 die Grundsteuer in 3’392,875 
Quoten zur Erhebung kam (was freilich keineswegs eine eben so grosse Zahl 
einzelner Eigenthümer andeutet). 
Vieh stand und veranschlagter Werth desselben, 1859 : 
Stück Geldwerth 
Rindvieh 1’809,148 884’308,948 R. 
Pferde 382,009 2703,50,041 _ 
Maulthiere 005,472 77O’9S3,270 - 
Esel 750,007 177’39S,„00 - 
Stück Geldwerth 
Schafe 17*592,.538 045*148,115 R. 
Ziegen 3*145,100 132*499,239 - 
Schweine 1*008,203 255*899,240 - 
Kamele 1801 2*091,970 - 
*) Noch 1850 kam es vor, dass in ganzen Bezirken die Kinder keine andere 
Schrift besassen um lesen zu lernen, als — die Kreuzzugsbulle !
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        404 
SPANIEN. — Sociales. 
Bera- u. Hüttenwerke. 1853 standen 2336, 1859 3581, 1860 6795 im Be- 
^ . 1 T&amp; $ • • Al f 1 .m. ...A 1% TTw» _ 
Yciuuwcii. , königlichen Minen jährl. 
Von 1826 an waren 3500 Gruben in den Sierras von Gador und Lujar eröffnet, 
und die Ausbeute stieg bald auf 800,000 Cntr. Das Königreich Granada schien 
wie umgewandelt. Bevölkerungen, die seit der Maurenvertreibung im tiefsten 
Elende lebten, verbesserten ihr I.oos durch reichlohnende Arbeit. Jetzt liefern 
die spanischen Gruben 80,000 Tonnen, — weit über ein Viertheil der gesarnm- 
ten Bleiproduction. — Quecksilber liefert Almadén 15,000 Centner. — Zur 
Silber Erzeugung (762,000 Mark in ganz Europa) trägt Spanien 220,000 Mark 
bei. Das I.and besitzt reiche Kupfer- und Zinklager*). Die Bergwerksausbeute 
ward 1860 so berechnet (in Zollcntr.' ■ 
3’510,058 Cntr. Roheisen, 
6,336,378 - Bleierze, 
2’920,068 - Kupfererze, 
2T 76,044 - Zink, 
6’635,462 - Steinkohlen. 
Aerarialwerke lieferten : 
Almadén 14,760 Ctr. Quecksilber, 
Riotinto 18,088 - Kupfer, 
Das Land könnte iährl. zwei Mill. Tonnen Steinkohlen liefern, indess fehlte 
1 1 Itiin Ott 
lanares 44,529 Cntr. Blei. 
Salinen 7’833,838 - Salz, 
Hüttenproducte; 
822,756 Cntr. Eisen, 
1’649,968 - Blei, 
54,094 - Kupfer, 
37,060 - Zink. 
JJCXn aJCAliM. JVWiäll W J C*A*X A . &lt;U »f VA A»** A*« .Æ.VAAAAW** 7 ^ , 
es noch an Verbindungswegen. — ln den Bergwerken waren I860 28,5o4, in 
den Hüttenwerken 8171 Arbeiter beschäftigt. In den letzten zählte man nur 
372 durch Wasser u. blos 104 durch Dampf betriebene Maschinen. Der Geldwerth 
Oll iiool Koi-ofVinot Anf flip Aerar!al- 
O t UUi W1 t» aS.'JCl U. UAVÍ3 A Vf-A UVAAVAA AV^AAAAAjVA w v A * ^^ ^ . 
der Mineralproduction wird auf 221^002,934 Real, berechnet. Auf die Aerarial- 
werke kamen 135’237,300 R., wovon jedoch 111’249,561 auf das producirte Salz 
gerechnet sind. , , , „ . « ~ ^ 
Von den 49’983,160 Hectaren Landes, welche der Staat im Ganzen umtasst, 
sind lO'l86,045 Hectaren Waldland. Davon sind 3'427,562 zur Veräusserung 
bestimmt, neml. 203,692 Hectaren Staats-, 3T87,428 Gemeinde- u. 36,441 Stil- 
tuugswald. Es verbleiben: dem Staate (nur noch) 467,566, den Gemeinden 
6*238,126, und den Stiftungen 52,791 Hect. Waldes. 
Industrie. Sie liegt noch entschieden darnieder. Wenn auch nicht ohne die 
mannichfachsten Schwindeleien, entstanden indess in der Neuzeit die verschie 
denartigsten industr. Gesellschaften. Ende 1861 zählte man deren: 
Actiencapital 
3 Wechselbanken - 
46 Gesellsch. für Fabrikation und Industrie 'D'bhyh 
13 Versicherungsgesellschaften • ^ 10,000 
23 Ges. für ötfentl. Arbeiten (meist Eisenbahnen) (ausserdem 
2O70'OS5,TO0 in Obligationen) 2,2014^4,000 
13 Creditgesellsch (einbezahlt nur 458*806,310) (ausserdem 
129*072,900 in Obligationen) 1,548*000,000 - 
11 Zettelbanken (circulirend 421*209,510 R. Noten) . . . . 225*000,000 - 
Zusammen 4,962*417,606 R. 
Das Steigen des Ertrags der Consumtion sab gaben beweist (neben 
dem Sinken des Geldwerthes) die Zunahme des Wohlstandes. Die Schwankun 
gen dabei deuten aber auch enorme Schwindeleien und deren Rückschläge an. 
Dieser Ertrag war: 1846 187 MUL, 1847 172, 1848 193, 1850 213, 1854 241, 
1857 226, 1858 270, 1859 432, 1860 302, 1861 318 Mill. R. 
*) Die Römer beuteten schon die Kunferlager am Riotinto aus. Als die 
Mauren Spanien verliessen, zerstörten sie ihre künstlichen Anlagen. Die span. 
Regierung, um die Bergwerke in der neuen Welt zu fördern, verbot die Ex 
ploitation im eigenen Lande, und zwang Sevilla, aus dem fernen Chile und Peru 
ein Product zu beziehen, das ihm aus nächster Nähe auf dem Guadalquivir zu 
geführt werden konnte.
        <pb n="429" />
        SPANIEN. — Sociales. 
405 
Handel. 1S50 
1854 
1857 
1858 
1859 
1860 
Einfuhr 671’993,640, 
813’485,244, 
1,555’375,013, 
1,504*558,000, 
1,262’692,7‘21, 
- 1,483*313,498, 
Ausfuhr 
Hauptverkehrsländer (Mill. Realen) : 
Einfuhr 
488*566,642 Real 
993*502,783 - 
1,168*581,599 - 
971*360,000 - 
1,026*032,988 - 
1,098*203,445 - 
Ausfuhr 
Amerika . . 
Frankreich . . 
Grossbritanien 
Gibraltar . . . 
Schweden . . . 
Afrika . . . . 
Hamb. u. Bremen 
Beljçien . . . . 
Russland . . . 
Preussen . . . 
1858 1859 1860 
428,8 401,6 467,8 
467,6 359,0 381,9 
334,3 291,4 371,2 
62,9 54,6 72,7 
27,2 35,6 33,5 
50.6 3,1 6,7 
14.6 6,1 2,7 
8,4 49,6 69,2 
12,5 3,1 3,9 
0,1 
1858 1859 1860 
361,2 387,6 381,8 
270,5 244,6 248,8 
196,4 257,4 320,7 
19.5 19,8 23,5 
4,0 6,5 5,7 
21.1 17,8 23,3 
10.2 9,8 7,6 
10,7 12,2 6,9 
13.6 16,3 8,3 
An der Stelle des frühem Prohibitiv- ist 1849 ein Schutzzollsystem 
eingeführt worden; statt der früher prohibir ten 93 Waarenartikel gibt 
es deren nur noch 25. Der Handel nahm einen Aufschwung in Folge 
dieser Erleichterung; die Einfuhr, 1850 erst 671 Mill, betragend, hob 
sich auf mehr als, 1500; die Ausfuhr ging von 488 auf beiläufig 1000 
empor. Aber die Milderung erweist sich, den entschiedenen Fortschrit 
ten anderer Länder gegenüber, als durchaus ungenügend. (Auffallen 
muss es, wie tief der einst blühende Handel mit Deutschland gesun 
ken ist.) 
Verkehrsmittel. In Spanien wie in Russland war der Mangel an 
Verkehrsmitteln bis zur Neuzeit das bedeutendste materielle Hindemiss 
wirthschaftlichen Aufschwungs. In der einen Provinz konnte der grösste 
Ueberfluss bestehen, während in der andern, etwa 10 oder 20 Meilen 
davon entfernt, aber auf der andern Seite des Gebirges, wahre Hun- 
gersnoth herrschte. Mit dem Angreifen der Kirchengüter musste der 
Staat in dieser Beziehung etwas thun. Von 1846 bis Ende 1858 wur 
den dafür bereits 1,1 14*643,000 Realen von ihm aufgewendet, nemlich 
für Haupt- und Provinzialstrassen 701*762,(KtO R. 
- Eisenbahnen 232*154,000 - 
- andere öffentliche Bauten . . 72*536,000 - 
- Hafenbauten, ungefähr . . . 108*191,000 - 
1) Kunststrassen. Die Länge des projectirten Strassennetzes einerseits, 
u. die def ausgeführten oder im Bau begriffenen Strassen betrug zu Ende 1860, 
in Kilomet. ; 
Strassen Ir Classe 13,352, davon 9097 fertig, 1708 im Bau, 
- 2r - 9,967, - 1650 - 945 - - 
- 3r 9,961, - 629 - 511 - - 
Zusammen 33,280, dav. 11,276 fertig, 3164 im Bau. 
Es ergibt sich daraus, wie viel noch zu thun ist, dann aber auch die Rüh 
rigkeit, welche begonnen hat. 
2) Eisenbannen. Im Nov. 1848 ward die erste Bahn — von Barcelona 
nach Mataro — eröffnet; im Febr. 1851 folgte die von Madrid nach Aranjuez. 
Anfangs 1864 hatte Spanien bereits 3742 Kilom. (504 Meil.) Bahnen. Mit den 
weiter projectirten Linien wird es 6018 Kil. Schienenwege bekommen (etwa 
812 Meil.), welche, nachdem verschiedene Fusionen erfolgt sind, 37 verschie 
denen Gesellschaften gehören. Die Voranschläge für die Gesammtlänge von 
6018 Kilom. betragen 4959*942,611 R. ; die vom Staat 1863 bereits geleisteten
        <pb n="430" />
        ly 
’Má. 
406 
SPANIEN. — Sociales. 
1861 
1862 
1863 
Zuschüsse waren 788*555,170, die noch zu leistenden 599*207,245 R. — Die Einn. 
betrug I860 bei 1925 Kil. Länge 131*337,300, die Betriebsausgabe 76*580,930 — 
Seitdem ergab sich : * 
Länge Brutto-Einnahme pr. Kilom. 
2,119 Kil. 173*934,402 K. 20,520 R. 
2,527 - 204*526,692 - 20,233 - 
3,154 - 254*914,425 - 20,205 - 
Wasserwege. Spanien besitzt eine herrliche Kostenentwicklung von 
500 Lieues am mittelländischen und von 300 am atlantischen Meere, dort mit 
61, hier mit 56 Häfen ; aber alle Kunstarbeiten waren bis zur Neuzeit vernach 
lässigt; jetzt erst hat man ansehnliche Mittel, besond. auf Hafen bauten ver 
wendet. Daran reihen sich die Kanäle, deren 693 Kilom. (93% d Meile) vor- 
Eingelaufen 
lieber See . 
Küstenfahrer 
Ausgelaufen 
10,127 Sch. 
48,932 - 
1*351,988 Tonn. 
1*895.721 - 
9,097 Sch. 
48,812 - 
1*244,520 Tonn. 
1*879,827 - 
Zus. 59,059 Sch. 3*247,709 Tonn. 57,909 Sch. 3*124,349 Tonn. 
] )ie wirkliche Befrachtung der Schiffe langer Fahrt betrug indess nur l’OlO 468 
4) Telegraphen. Ende 1861 : 6933 Kilom. = 934 d. Meilen auf dem 
1 laster, auch der Dollar ist nur eine Nachahmung desselben ; in ganz Amerika 
und Asien kennt man vorzugsweise dieses Geld.) — Die Maasse sind sehr ver 
schieden, am verbreitetsten die castilischen. Die Elle, vara, hat 3 nies (Fuss) 
#*### 
ffifSssIglltil 
Auswärtige Besitzungen. Spanien, einst Beherrscherin von beinahe 
ganz Amerika, besitzt (nach der officiellen Liste im Anuario estadístico) 
noch folgende Colonien (wobei zu bemerken, dass die Presidios schon 
bei Sjianien selbst aufgeführt sind) ;
        <pb n="431" />
        SPANIEN - Sociales. 
407 
A. Amerika; 
Cuba mit der Pinosinsel und Zugehör 
Puerto-Rico mit Zugehör Jungferninseln: . . . . . 
11. Afrika: 
Isla de Fernando Poo, Isla de Corisco, Gebiet am Cabo de 
San Juan, Isla de Mosquitos ó Elobey, Isla de Annoboe 
C. Océanien: 
Philippinische Inseln (Islas Filipinas)*/ 
Die Marianen-Inseln 
- Carolinen-Inseln **) 
Zusammen 
Santo-Domingo (der westliche Theil der Insel, etwa 800 deutsche 
Q.-M.) ist hier nicht eingerechnet. In Folge einer Revolution war dieses 
Gebiet im März 1861 Spanien aufs Neue incorporirt worden; es erfolgte 
jedoch alsbald ein Aufstand, der ungeachtet sehr grosser Menschen- und 
Geldopfer (20,000 Soldaten und 280 Mill. Realen bis Anfangs 1805) nicht 
bewältigt werden konnte. Dagegen hat man unter den Philippinen solche 
Inseln und Gebiete eingerechnet, welche thatsächlich unabhängig sind, 
lieber die Volkszahl liegen nur theilweise nähere Notizen vor. Es 
hatten : 
Die Insel Cuba, Dec. ISül 1’396,530 
- - Puerto-Rico, 1801 583,181 
- Philippinen, Dec. 1859 4’429,031 
Santa Isabel auf Fernando PÓO, 1802. . . 1,037 
Zusammen 0’410,379 
Die Bevölkerung von Santo-Domingo wird gewöhnl. zu 200,000 
angenommen. 
Cuba (Habana) nimmt unter den auswärt. Besitzungen die wichtigste 
Stelle ein. Die Bevölkerung soll 1770 erst 170,000 Menschen betragen haben. 
Nach der Aufnahme von 1801 bestand die Einwohnerschaft aus 793,484 AVeis- 
sen, 232,493 Mulatten oder freigelassenen Schwarzen, und 370,553 Negerskla 
ven. Auf die Stadt Habana und Bezirk kamen davon 205,070. Der Geldwerth 
der Bodenproducte ward 1%1 zu 104’887,00l Piaster (Doll.) berechnet, davon 
07,0 Mill. Zucker (11’273,517 Cntr.), 10,9’ Tabak (090,300 Cntr.), 2,5’ Kaffee 
(073,240 Cntr.). — Der Handel ergab 1857 : 32’008,1S8 Piast. Aus- u. 34’S53,38S 
Einfuhr. — Für 1800 wurden die Einkünfte zu 27’145,422, der Bedarf zu 
29’(ilo,778 P. berechnet. —Die Bevölkerung von Puerto-Rico bestand 1801 
aus 300,400 AVeissen, 241,037 freien Farbigen und 41,738 Sklaven. (Ob die An 
gaben über die Sklavenzahl genau sind, dürfte einigermassen zu bezweifeln sein.) 
Einkünfte dieser Insel wurden für 1800 zu 2’052,356, die Ausgaben zu 
2’857,052 P. berechnet. —Die »Localausgaben« auf den Philippinen waren 
für 1800 zu 752,389, die Einnahmen zu 708,817 Piaster Pesos) veranschlagt. 
Die AA aareneinfuhr auf diesen Inseln betrug 1858 3’35G, 107 Piaster, die Aus 
fuhr 7’550,330. 
*) Es sind dies die Batanes und Babuyanes ; dann die Inseln von Polillo, 
Catanduanes Marinduque, Búrias, Ticao und Masbate ; die Calamianes, Cuyos 
und Cagayanes; die Sibuyan-, Romblon-, Tablas- und Fuegos-; die Basilán- 
und Joló-Inseln. Ferner folg, einzelne Inseln : Luzon (3578 Quadr.-Leguas), 
Mindoro, Palauan oder Paragua, Babaion, Samar, Léyte, Bojol, Cebú, Negros, 
vanáy, Mindanao (2828 (J.-Leg.). Eingerechnet ist endlich ein Gebiet auf 
Borneo (1010 Q.-Leg.). 
**) Paláos, Bonebey, Ualan und die Pegunien-Inseln. 
Deutsc 
{¿.-Leguas Q 
3,833 
301 
11.141 
5//SM 
33 
15,453 8,705
        <pb n="432" />
        408 
PORTUGAL. — Land und Leute, Finanzen. 
Portugal (Königreich). 
Provinzen (und D is tríete). 
A. Fedland.* **) ) Q.-M. Bev. 1861 
Minho (mit den Distr. Vianna, Braga, Porto) 147 887,859 
Tras-os-Montes (Uistr. Braçanza, \ illa Real) .... 190 340,180 
Beira (Aveiro, Coimbra, Viseu, Guarda, Gastello - Branco 408 1'210,050 
Estremadura (Leiria, Santarém, Lissabon) 390 785,860 
Alemtejo (Portalegre, Evora, Beja) 471 311,729 
Algarbien (Faro) . . 110 157,666 
B. Inseln. 
Azoren (Distr. Angra, Horta, Ponta Delgada) .... 54 240,548 
Madeira und Porto Santo (Funchal) 16 101,420 
Gesammtsumme (Bev. 1802 zu 4’110,276 berechnet) 1786 4’035,330 
Confession: die katholische, es soll heimliche Juden geben. 
Städte : 
Lissabon (1857) 275,286 
Oporto . . . 80,000 
Braga . . . 30,000 Eivas .... 12,400 
Coimbra . . . 15,200 Evora . . . 12,000 
Setuval . . . 15,000 
Geschichtliches. Eine Berechnung vom Jahre 1732 nahm l’S50,000 
Einw. an. (Zu König Emanuel’s Zeiten angeblich über 4 Mill.) — Die 
Theilnahme Portugals am Kriege gegen Frankreich und Spanien endete 
ISO 1 mit dem Verluste der Grenzfestung Olivenca. 1807 rückten franz. 
Truppen in das Land, die königl. Familie entfloh nach Brasilien. Nach 
dem furchtbaren Peninsularkriege anerkannte zwar der Wiener Congress 
Portugals Ansprüche auf Olivenca, Spanien gab dasselbe jedoch nicht 
heraus. Der Hof kehrte erst nach der Revolution von 1820 aus Brasilien 
zurück ; nun machte sich aber diese Colonie unabhängig. 
Finanzen. Budget. Das für 18"%; schliesst ab mit 20’103,829 
Mil-Reis Einnahme und dem gleichen Bcdarfe. Hauptposten: 
Bei den Einnahmen: directe Steuern 4’938,176, indirecte 9’633,172, Do 
mänen u. Verschiedenes 2’017,021, Abzüge an Besoldungen etc. 210,070, ausser- 
ordentl. 3’298,790. 
Bei den Ausgaben: Hof 075,748 (davon eigentl. Civilliste 305,000), 
Schuld: innere 2’820,111, äussere 2’928,840, Militär 3’128,345, Marine 1'249,448, 
ausserord. Ausg. 2'700,lii0. 
Der finanziellen Verlegenheit wegen haben vor einigen Jahren der König 
auf 01,250, und 3 Prinzen auf 70,000 Milreis verzichtet. Bemerkenswerth ist, 
dass 1804 das Tabaksmonopol aufgehoben werden konnte, obwol dasselbe zu 
letzt einen Pachtertrag von 2’291,000 Thlr geliefert hatte. 
Daneben bestehen noch mancherlei besondere Budgets, namentlich für Do 
tation des Weltklerus, der Frauenklöster u. s. f. 
*) Theilweise nach dem Goth. Hofkalender, auf Grundlage portugiesischer 
Quellen. Wir müssen jedoch bemerken , dass diese Angaben , selbst was die 
Arealverhältnisfte betrifft, zum Theil augenscheinlich ungenau sind. Der Ver 
treter Portugals auf dem statist. Congresse zu London 1800 hat zwar gerühmt, 
wie Jedermann in dem gedachten Lande sich voll Vorliebe mit Statistik be 
schäftige ; gleichwol begegnen wir meistens nur höchst unsichern oder unzuver 
lässigen Angaben. Seit 1835 ist das Festland in 17 Districte getheilt. Da indess 
die Provinzialeintheilung noch immer die in Mitteleuropa fast allein beachtete, 
den natürl. Verhältnissen am meisten entsprechende und am leichtesten zu 
überblickende ist, so bleiben wir vorerst bei dieser. 
**) Nach einer vorliegenden portugies. Berechnung nur 2950 port. = 1600 
deutsche Quadrat-Meilen.
        <pb n="433" />
        PORTUGAL. — Finanzen. 
409 
Budget der überseeischen Besitzungen Milreis: 
Einnahme Bedarf 
Cap-Verdische Inseln .... 103,152 124,932 
Inseln St. Thomas und Principe 25,050 42,180 
Angola 273,308 318,591 
Mozambique ....... 88,929 143,905 
Indische Besitzungen .... 320,342 308,690 
Timor 5,798 20,028 
Macao 162,958 107,171 
Zus. (Deficit 86,620) 978,537 1'066,157 
Frühere Einkünfte : Aufstellung von 1775 : 
Einkünfte aus dem Königreiche 7 Mill. Rthlr. ; aus Brasilien: V, des Gol 
des 1*, Mill., vom Diamantenhandel 1 Mill., von sonstigen dortigen Auflagen, 
Pachten, Taxen 3 Mill. Rthlr. ; aus den afrikanischen und ostindischen Be 
sitzungen 4 Mill. ; von der Kreuzbulle für Rechnung der Krone 1 Mill. ; zu 
sammen gegen 18 Mill. Thlr. 
Nicht nur in den Bewegungsjahren von 1S20, sondern auch in den 
1830er, 40er u. 50er Jahren schlossen die Budgets fast regelmässig mit 
Deficiten. Erst in der Neuzeit ist es dem Staate gelungen, wenigstens 
seinen laufenden Verpflichtungen gegen die auswärtigen Gläubiger nach 
zukommen. 
Schuld. Stand am 30. Juni 1803 (nach dem Goth. Almanach). 
Mil-Reis 
Neue Fonds (innere Schuld 89'771,400M.-R., äuss. 19’353,452;^) = 174’222,829 
Differirte Schuld (innere 273,751 M.-R., äussere 156,635 = 957,250 
Rückständige Zinsen (innere 718,429 M.-R., äussere 322,305 jf) = 2*124,853 
Gesammtschuld 177*304,932 
Ein Theil der Schuld (namentl. ein Anlehen von 5 Mill, wurde für 
Eisenbahnbauten contrahirt, indem die Regierung die betr. Gesellschaft mit 
123,653 Fres. pr. Kilometer subventionirte. — Ausser obiger Summe ist nicht 
nur eine schwebende, sondern es sind auch mancherlei Specialschulden vor 
handen. 
Im Jahre 1754 berechnete man die Staatsschuld auf 19 Mill. Rthlr.; 
1843 gab man dieselbe zu 80*708,000 Mil-Reis an, einschliesslich 
2*200,000 Papiergeld. (Dieses Papiergeld stand 32—34 Proc. unter 
seinem Nominalwerthe.) Bis Ende 1852 war dann das Verhältniss der 
Schuld unbedingt in Dunkel gehüllt. Damals nahm man 120 Mill. an. 
Ein Decret vom 18. December 1852 setzte zwangsweise alle Zinsen auf 
3 Proc. herab ; ein Theil der Gläubiger protestirte dagegen. (Das An 
lehen Dom Miguel*s von 1832, angeblich’1 Mill. Mil-Reis, wovon nie 
Zinsen bezahlt wurden, ist nicht anerkannt und vorstehend nicht einge 
rechnet.) — Nach Teixeira des Vasconcellos wuchs die Schuld so an. 
1826 
1835 
1838 
1848 
35*523,000 Mil-Reis 
55*280,990 
82*040,514 
74*193,180 - 
1849 
1853 
1855 
1859 
74*421,197 Mil-Reis 
79*353,942 
93*314,340 
131*574,485 - 
Mehre Anlehensversuche, selbst für Eisenbahnzwecke, sind in den 
Jahren 1859, 60 und 62 misslungen, da die Regierung ihre Verbindlich 
keiten gegen die ältern Gläubiger, insbesondere gegen die auswärtigen 
nicht erfüllte (1837 bezahlte man die Zinsen der innem Schuld, suspen- 
dirte aber die Entrichtung jener der auswärtigen). Im März 1861 er 
klärte die Regierung den Cortes, dass sie die Desamortisirung auch ohne 
Zustimmung des Papstes vornehmen werde. Von dieser Zeit an scheint
        <pb n="434" />
        410 
PORTUGAL. — Militär, Sociales. 
wenigstens einige Ordnung in die Finanzverwaltung gebracht worden zu 
sein, doch kennen wir die Einzelheiten nicht. 
Militär. 31,640 M. nach dem Friedens-, 70,855 nach dem Kriegs- 
fusse, mit 3128, resp. 6482 Pferden und 90 Geschützen. Die wirkliche 
Stärke war indess am 30. Juli 1864 : 21,257 M. mit 2050 Pferden und 
36 ausgerüsteten Kanonen. — Formation: 
Infanterie: 18 lieg, zu 8 Comp, im Frieden und zu 12 im Kriege, und 12 Jäger- 
bataill. zu (i u. 8, resp. 10 Comp. 
Carallerie: 2 I.anciers- und 0 Jägerreg. zu 0, im Kriege 8 Comp. 
Artillerie: 4 lieg., 1 Bataill. Genie. 
Ferner: Colonialtruppen in erster Linie 10,230, in zweiter Linie 13,834. 
Festungen ( meist verfallen ) : Elvas, Jeruftienha, Campo Mayor, 
Marvao, Peniche, Nonsando, Almeida und die Forts von Lissabon mit 
dem einzigen Kriegshafen. 
Flotte. 1 Linienschiff von 74 Kan., 1 Fregatte von 50, 3 Corvet- 
ten à 18, 1 Brigg von 14, 3 Schooner, 12 kleinere Segelschiffe und 14 
Dampfer mit 124 Kan. (worunter 7 Dampfcorvetten mit 94 Kan.) ; — 
zusammen 35 Fahrzeuge mit 328 Geschützen und 3281 Mann. 
Rückblicke. 1783 besass Portugal noch 9 Linienschiffe und 9 Fre 
gatten. — Im Peninsularkriege waren die port. Truppen nach englischer 
Art organisirt und bildeten in Wirklichkeit ein tüchtiges Corps. 
Sociales. Auch hier sind : Adel und Geistlichkeit im Besitze des 
Landes ; % desselben nicht angebaut. Hohe Zölle bewirkten das Gegen- 
theil einer Förderung der Gewerbsindustrie ; solche ist fast gar nicht vor 
handen ; zahllose Beschränkungen, Monopole und Begünstigung von 
Corporationen wirken dazu mit ; ebenso das Niederhalten der Volks 
bildung durch den die Schulen beherrschenden Klerus. 1822 zählte man 
29,000 Geistliche, aber nur 873 Elementarschulen! Unter jenen Geist 
lichen befanden sich 1 1,484 Mönche und Nonnen; der Klerus hatte ein 
Einkommen von 3% Mill. Mil-Reis. (Der Patriarch von Lissabon bezog 
allein 48,000.) Selbst 1854 bestanden erst 1349 Volksschulen = 1 auf 
3000 Einwohner, und 1 Schüler auf 84 Menschen! — Trotz Aufhebung 
der Majorate ist das Grundeigenthum noch wenig getheilt ; durchschnitt 
lich umfasst ein Besitzthum 58Yg Hectaren (in Belgien nur 3, in Frank 
reich 4 Hectaren). Allein die Umgestaltung^ die Vermehrung der kleinen 
Grundbesitzer, das Freiwerden des Bodens, sind bereits im Gange, 
durch Vernichtung der Majorate, Einziehen der Klostergüter und Ab 
lösung der Renten. 
Production. Getreide, ministerielle Berechnung für 1854: 
Production P309,020 Moios (à 828 Lit.) = I0’838,ß8() Hectol. 
Consumtion P241,185 - = 10’277,012 
Während aber 1854 eine Getreideausfuhr von 10*293,Uüü Fres, vorkam, stieg 
in Folge von Misserndten 1856 die Einfuhr auf 22’ü20,UOO Fres, im Häfen von 
Lissabon, und auf 1’2G4,0Ü0 in dem von üporto. 
Nach Forrester bedecken die Weinberge blos im Continentalgebiete 
800,000 Acres oder etwa 324,000 Hectaren. Mittlere Weinausfuhr: 
1678—1687 
1698—1707 
1718—1727 
1757 
632 Pipen 
7,188 
17,692 
12,488 
1775: 24,013 Pipen 
1795: 55,911 
1798: 72,496 
1807: 54,718 
1833 
1843—52 
1857—58 
20,809 Pipen 
33,176 
19.434*) 
= 102,550 Hectolit.
        <pb n="435" />
        POllluGAL. — Sociales. 
411 
Die ganze Weinerndte auf dem Festlande ward 1S54 auf 22’179,000 Almudas 
(3’700,000 Hectol.) geschätzt; die auf den Açoren zi\ 17,974 Pipen, endl. jene 
von Madeira zu 12,373 P. Seitdem hat die Traubenkmnkheit auf Madeira den 
^ einbau fast vernichtet. 
1853 schätzte man die Erndte an Orangen auf 493 Mill, (wovon 183Mill, 
von den Inseln), jene der Citronen auf 42 Mill. Stück, die der Mandeln auf 
22'/*Mill.Hectoliter. —Gleichzeitig: M'olleproduction 4’374,ÜÜ0Kilogr. (öfters 
5 Mill.), Seide (1851) 145,000 Kilogr. 
Handel (in Mil-Reis). 
Einfuhr Ausfuhr 
1842 : 9’826,024 6’580,534 
1843 : 12’314,512 G’948,416 
1848 : 10’805,7G7 8’543,539 
Verlieh rsm i ttel 
1851 
1854 
1856 
Einfuhr 
13’749,231 
18’201,903 
20’451,809 
Ausfuhr 
8'228,470 
14’164,038 
16’299,035 
1) Handelsflotte 1654 591 Schiffe von 82,402 Ton- 
— 2) Landstrassen nur etwa 1000 Kilom. (ungef. 135 Meil.) — 
3) Eisenbahnen. Nach dem Vertrage der Regierung mit einer franz. Ge 
sellschaft vom Jahre 1660 hatte diese die Linie von Lissabon nach 
der spanischen Grenze, und von Lissabon nach Oporto, zusammen 506 
Kilom. = 68 deutsche Meil. herzustellen. 
Münze, Maasse. Der Mil-Reis (1000 Reis = 1 Thlr. 14'/* Sgr. Der Cru- 
sado 480 Reis. — \)cr palmo de craveiro = 22 Centimet. ; die j)é (Fuss) = 1*/* 
p-'- ’ o, r,. 
L 
58 
oder 1,0073 preuss. Scheffel. — Flüssigkeitsmaas : die almtida oder ahnade = 
0,2487 preuss. Eimer oder 16,74 Liter. — Weinmaass: die pipa zu 26 almudas. 
— Das Pfund (arrateli = 0,459 Kilogr. — 1860 ward das metrische System 
eingeführt. 
Auswärtige Besitzungen. 
A. In Afrika: Cap-VerdischeInseln (7bewohnt, 7unbew.) 
In Senegambien (liissao. Cacheo etc.) 
Inseln S. Thomé und Principe 
Angola mit Ambriz, Benguela, Mossaniedes*) . . . 
Mozambi(jue und Zubehör (Sofala, Cabo Delgado etc. 
B. 1) ln Indien : Goa, Salcete, Bardez etc 
Damao (4 U.-M.,33,950E.),Diu (% Q.-M., 10,858 E. 
2) Océanien und China: Macao '/, 
Inseln Timor (nördl. Theil), Flores u. Kambingetwa .... 
Zus. (dem Areal nach wol stark überschätzt etwa 25,000 2’461,549 
Q.-M. 
78 
1,687 
21 
9,552 
13,500 
69 
4% 
Bevölk. 
95,393 
1,095 
14,580 
659,190 
300,000 
408,596 
44,808 
29,587 
918,300 
(îrirclu'iilaiid (Königreich). 
A.. Eigentl. Griechenland. 
. Nomarchieu Q.-M. Einw. 1861 
Attika und Böotien . 116 116,024 
^hthiotis und Phokis . 112 102,291 
Akarnanienu. AetoUen 138 109,392 
Arplis und Korinth . 91 138,249 
Achaia und Elis . . 94 113,719 
Nomarchien 
Arkadien . 
Messenien 
Lakonien . 
Euböa . . 
Cykladen . 
Q.-M. Einw. 1861 
80 
63 
77 
80 
50 
96,546 
117,181 
112,910 
72)368 
118,130 
! Il 
Zusammen 900 1'096,810 
") Neuere portug. Angaben schätzen die Bevölkerung willkürl. auf 2 Mill.
        <pb n="436" />
        412 
GRIECHENLAND. — Land und I.eute. 
B. Ionische Inseln. 
Hauptinseln *) Q.-H. Einw. 1863 
Korfu .... 13,3 64,359 
Paxo 0,4 4,901 
Sta. Maura . . . 6,3 20,737 
Thiaki (Ithaka) . 1,8 11,926 
Confession: Die griechische 
Hauptinseln 
Kephalonia. . . 
Zante 
Cerigo (Cythera) . 
Zusammen 
Total A.' u. B. 
Q.-M. Einw. 1863 
12,5 72,787 
7,8 39,367 
5,3 14,454 
47,4 228,531 
947 1’325,341 
orthodoxe herrschend ; Katholiken 
etwa 50,000 auf Syra, zu Athen, auf den Ionischen Inseln; einige Pro 
testanten. Die Mohammedaner sind, bis auf wenige zu Chalkis, vertrie 
ben (1821 zählte man noch 90,830). — Nationalitäten. Ueber 900,000 
eigentl. Griechen (nach Fallmerayer ein albanesisches Mischlingsvolk); 
gegen 280,000 Albanesen (Arnauten, ein bulgarisch-slavisches Misch 
lingsvolk); 20—30,000 Armenier; eine Anzahl »Franken« (West-Euro 
päer, namentl. Italiener auf Ionien), endlich im eigentlichen Griechen 
land höchstens 500, auf den ionischen Inseln aber etwa 6000 Juden. —- 
Städte: Athen 1862 41,298 Einw., Piräus 6425; Hermopolis (aufder 
Insel Syra) 18,511, Patras 18,342, Argos 10,000; — Korfu 15,921, 
Zante 18,000. 
Jlerrschaftsverändenmg. Der neugriechische Staat verdankt seine 
Existenz dem Volksaufstande von 1821. Nach Jahren endlich erfolgte 
auch die Anerkennung seitens der Grossmächte , womit aber die Be 
schränkung auf unnatürliche Grenzen und die Octroyirung des bayeri 
schen Prinzen Otto als Kö nig von Griechenland (1832) verbunden ward. 
Eine Constitution erlangten die Griechen nicht früher, als in Folge der 
Revolution vom 3. Sept. 1843. Nach vielfachen vorangegangenen Be 
wegungen bewirkte der Aufstand vom Oct. 1862 den Sturz des Königs 
Otto. In Folge eines von den 3 Schutzmächten am 5. Juni 1863 zu 
London abgeschlossenen Protokolls ward der Prinz Wilhelm von Schles 
wig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg als Georg I. auf den Thron er 
hoben. In Verbindung damit verzichtete England durch Vertrag vom 
14. Nov. 1863 auf seine Oberhoheit über die Ionischen Inseln, welche 
zu einem Bestandtheile Griechenlands mit dem Vortheile immerwähren 
der Neutralität erklärt wurden. — Zur Geschichte dieser Inseln sei be 
merkt : Seit dem 14. Jahrhundert bildeten sie ein Besitzthum der Re 
publik Venedig. Der Friede von Campo Formio brachte sie 1797 
unter die Herrschaft Frankreichs; 1799 fielen sie in die Gewalt der 
Russen und Türken. Ein Vertrag vom 21. März 1800 verwandelte 
Ionien in eine Föderativrepublik (»die Sieben-lnseln-Republik«) , welche 
unter türkischem Schutze stehen sollte. Zufolge des Tilsiter Friedens 
kamen die Inseln wieder in den Besitz Frankreichs, das ihnen dem 
Namen nach eine besondere Verfassung gab. Indessen besetzten die 
Engländer im Jahre 1810 die wichtigsten dieser Eilande. Zufolge eines 
Vertrages der Grossmächte vom 5. Nov. 1815 bildeten sie darauf einen 
selbständigen Staat unter britischem »Schutze« ; in Wirklichkeit wurden 
sie, aber von den Engländern nur wie eine Colonie behandelt ; und ge 
nossen nicht einmal jene Rechte, welche den Bewohnern der wirklichen 
*) Ausserdem 16 kleinere bewohnte Inseln, deren Areal und Bevölkerung 
bei den Hauptinseln eingerechnet ist. — Die ion. Inseln bilden nunmehr die 
4 Nomarchien Korfu (mit Paxo), Kephalonia, Leukades Sta. Maura u. Ithaka) 
und Zante (mit Cerigo).
        <pb n="437" />
        GRIECHENLAND. — Finanzen. 
413 
Colonien Englands zustehen. Daher beständiges Verlangen einer Ver 
einigung mit Griechenland. 
Finanzen. Dieselben sind seit dem Bestehen des Staates in voll 
ständiger Zerrüttung. Für 1864 waren die Einnahmen auf 23’348,685 
Drachmen geschätzt; die gleiche Summe ward für 1865 angenommen, 
doch mit einer durch die Vereinigung der ionischen Inseln eiyielten Ver 
mehrung von 4*805,000. Die Ausgaben, im Vorjahre zu 22*233,118 
Drachmen veranschlagt, erhöhen sich nunmehr auf 27 965,874 Drach 
men. Von der Ausgabenvermehrung kommen nur 3*648,911 auf die 
ionischen Inseln, der Rest kommt dem frühem Griechenland zu gut. — 
Von der Ausgabesumme erfordert das Militärwesen allein 5 374,529 
Drachmen. Was die Einnahme betrifft, so ist jedoch zu bemerken, dass 
die wirklich eingehenden Summen weit hinter dem Voranschläge zurück 
zubleiben pflegen. In dem Budget für 1861 war der Bedarf für die Civil- 
liste mit 1 Mill., für das Landheer mit 6*038,696, Marine mit 2*131,958 
veranschlagt. Nach einem Uebereinkommen der Schutzmächte soll dieCi- 
villiste, durch Verzichten dieser Mächte auf einen entsprechenden Theil 
ihrer Zinsforderung, um 12,000 £ erhöht worden sein. (Der König wäre 
aber damit blos ein apanagirter Prinz jener fremden Regierungen gewor 
den !) Da sich auch die Finanzverhältnisse der ionischen Inseln keines 
wegs in blühender Lage befanden, so ist nicht abzusehen, in welcher 
Weise nunmehr sofort ein befriedigendes Verhältniss hergestellt werden 
könnte.*) 
Aus einer officiellen Zusammenstellung entnehmen wir folgende 
Thatsache: Von Errichtung der Monarchie im Jahre 1833 bis Ende 1862 
beliefen sich • 
Die ordentl. Einkünfte Griechenlands auf • - i 
Der Ertrag der Anlehen und die Vorschüsse der Schutzmächte 14ä 110,144 
Zusammen 603*221,206 
470*032,402 
Die Verwaltungsausgaben 
Die Zahlungen auf die Schuld ^ ' 
*826,^0 
Zusammen 597*858,931 
Dabei hat man aber eben die Verpflichtungen für die Schuld nur 
zum kleinsten Theile erfüllt, im Wesentlichen die Schutzmächte Vor 
schüsse leisten lassen. 
*) Eine unbefangene Würdigung der Verhältnisse wird zu der Ansicht 
führen, dass Griechenland, zumal bei der geringen Entwickelung seines lioden- 
anbaues und seiner Gewerbsindustrie, — die Kosten einer Holhaltung, eines 
ausgebildeten Beamtenthums und eines stehenden Heeres zu erschwingen ment 
vermöge. Der Bau des königl. Palastes in Athen allein soll, nach laylor, zwei 
Mill. Dollars gekostet haben. Eine Einrichtung, welche dem Lande, seinen Zu 
ständen und Mitteln entsprechen sollte, hätte auf ähnlichen G^ndlagen be 
ruhen müssen, wie wir dieselben in der Schweiz mit den schönst^ Ergeb 
nissen finden: eine Föderativrepublik, in welcher, von der Gemeinde 
ausgehend, dann zum Kantone aufsteigend, die unmittelbar Betheiligten m ein 
facher Weise sich selbst regieren; wobei nur dasNothwendige centralisirt, 
kein Hof, kein kostspieliges Beamtenthum, noch ein stehendes Heer vorhanden 
Wäre, wie es auch gerade der ganzen historischen Entwicklung, den glorreichsten 
Erinnerungen aus den Zeiten des alten Hellenenthums allein entspräche.
        <pb n="438" />
        414 
GlilECHENI.AND. — Finanzen. 
Schuld. Bekannt sind uns folgende Hauptposten : 
1) Gezwungenes Anlehen von 5 Mill. Piaster, decretirt 1622. Es konnte 
nur zu einem sehr kleinen Theile eingebracht werden. • 
beide 5 proc., das erste im Curse von 59, das zweite zu 55 Proc. negozirt. Es 
sollen nicht ^inmal 250,000 it in die Staatscasse geflossen sein. Die spätere 
Regierung verweigerte dieser Schuld die Anerkennung. Vom ersten Anlehen 
wurden seij¡ dem Juli 1820, vom 2. seit dem Juli 1827 keine Zinsen mehr bezahlt. 
Nach einer Angabe vom Sept 1804 wäre die neue griech. Regierung bereit, diese 
Schuldgattungen in der Weise anzuerkennen, dass sie 45 Proc. des Capitals und 
15 Proc. an capitalisirten Zinsen zu übernehmen und mit 5 Proc. weiter zu ver 
zinsen hätte. Der sich hienach ergebende Gesammtbetrag wurde zu 2‘/* Mill. 
Pf. Sterl. veranschlagt. 
4) Anlehen von 00 Mill. Franken, Sprocentig, 1832 garantirt von England, 
Frankreich und Russland. Die griechische Regierung sagte in einer 1‘'40 an 
die Grossmächte gerichteten Note: In den Jahren 1837—40 habe Griechenland 
für Verzinsung und Tilgung ö’300,000 Dr. selbst gedeckt; die Grossmächte hät 
ten bis 1845 zum nemlichen Behufe 27’143,950 Dr. vom Anlehens c api ta le 
verwendet: — an die Pforte hätten 12’531,104 Dr. Entschädigung bezahlt wer 
den müssen ; — die Sendung bayerischer Truppen nach Griechenland habe nicht 
weniger als 22’340,802 Dr. gekostet; Rothschild habe für Negozirung des An 
lehens 0’000,000 ])r. bezogen; im Ganzen seien von diesem und dem baveri- 
schen Anlehen (worüber sogleich einiges Nähere) nicht mehr als 43^,473 
Drachmen für innere Verbesserungen übrig geblieben ! (Und dafür ward das arme 
I.and mit solcher enormen Schuldenmasse belastet !) Da, in Folge der Garantie 
der drei Grossmächte, eine fortwährende Amortisirung sattfindet, so war der 
Capitalbetrag im J. 1800 bereits auf 44’444,107 Dr. herabgebracht; allein jene 
Mächte hatten 00’142,098 Dr. für Vorschüsse zu fordern, zusammen also schon 
110’580,805 Dr. 
5) Darlehen des Königs Ludwig I. von Bayern. In den Jahren 1832, 
1835, 30 und 37 gewährte der König Imdwig von Bayern dem Könige von 
Griechenland 4 Darlehen, im Gesammtbetrage von ungefähr 8 Mill. Erkn. zu 
4 Proc. Da es meistens Vorschüsse auf das 00 Millionen-Anlehen sein sollten, 
so ward der grössere Theil, nach Massgabe wie dieses Anlehen flüssig wurde, 
zurückersetzt. Eine Summe von 1’233,333 Gulden (mit den angelaufenen Zinsen 
bis 1849 1’529,333 fl., welche König Ludwig aus seinen Privatmitteln an die 
bayerische StaatScasse zurückersetzte, — siehe S. 231) wurde aber nicht abge 
tragen, vielmehr erhob die griech. Regierung nach der Revolution von 1843 so 
gar noch Gegenforderungen. 
0) Neue Anlehen. Im Dec. 1802 decretirte die provis. Regierung die 
Ausgabe von 0 Mill. Dr. in Oproc Obligationen. Es konnten jedoch nur für 
3'/î Mill, untergebracht werden. Ausserdem hat die Bank von Athen bis Mitte 
1804 gegen Verpfändung der wichtigsten Einkünfte (Zoll, Oliven- und Ko- 
rinthenerndte) 9 Mill, vorgeschossen ; ebenso die Bank von Korfu 10 Oüo it 
(280,000 Dr.). 
7) Die Schuld Ioniens, betragend Ende Januar 1804 209,325 ;^, wovon 
90,289 an England geschuldet, welche Summe unverzinslich ist. 
Sonach scheint der gesammte Schuldenstand folgender zu sein ; 
a) Anlehen von 00 Mill. Fres, sammt den Vorschüssen der 
Schutzmächte mindestens Drachm. 115 Mill. 
b) Neue Schulden, bes. an die Bank - 10 
c) Ionische Schuld - 7% - 
d) Schulden aus dem Revolutionskriege, nach der Con- 
vertirung - 03 
Es lässt sich nicht absehen, wie der arme Staat diese Last ver 
zinsen kann. 
2) Anlehen von 1824 
1825 
e) Forderung des Königs Ludwig I. von Bayern . . . 
Zuammen etwa 
Drachm. 2»tu Mill. 
- ~
        <pb n="439" />
        GRIECHENLAND. — Militär, Sociales. 
415 
Militär. Conscription. Im April 1861 gab der Kriegsminister den 
Stand der Truppen, mit Einrechnung der eben noch auszuhebenden Re- 
cruten, folgendermassen an: 911 Officiere, 1760 Unterofficiere, 362 
Musiker und 7888 Gemeine. In Folge der Revolution ergab sich eine 
beinahe vollständige Auflösung der Truppen. 
Formation von 1861: 10 Bataill. Infanterie, 4 Schwadr. Reiter (das 1 Glied 
mit Lanzen), 1 Rataill. Artill., 1 Sappeure- u. 1 Ouvriers-Comp. ; dann Cadres 
für 10 Bataill. Reserve und (ungef. 1700 M.) Gendarmerie. 
Festungen. Missolunghi, Nauplia, Navarin, Tripoliza, Akrokorinth, Akro 
polis von Athen, Chalkis, Lamia, Vonitza, Rhion, Monerabasia. 
Marine. 1 Ilampffregatte von 28 Kanonen und 320 Pferdekraft, 2 Segel- 
corvetten von 26 und 22 Kau., 1 Raddampfer von 120 Pferdekr., 6 Schrauben 
avisos und 23 kleinere Segelschiffe, zusammen 32 Fahrzeuge mit 182 Kanonen; 
die 8 Dampfer mit 735 Pferdekraft und 44 Kanonen, ungerechnet 2 ionische 
Dampfer. 
Sociales, ln keinem Theile der Welt findet man auf so engem Raume 
grössere Unterschiede im Bildungsgrade der Einwohner: neben einem 
beinahe vollkommenen Mangel aller Cultur, die grösste \erfeinerung. 
Nur in Russland begegnen wir theilweise ähnlichen Verhältnissen. — 
Die Geistlichkeit besass unter der türkischen Herrschaft fast % des Bo 
dens. Von* den Klöstern wurden zwar schon 1829 320 aufgehoben, 
welche weniger als 6 Bewohner zählten; es blieben aber noch 82 übrig, 
mit 1500 — 2000 Mönchen und Nonnen. Die Frauenklöster reducirte 
man 1833 auf 30. — Im J.1853 soll man in Griechenland gezählt haben : 
30 Bischöfe und Erzbischöfe, 5114 Geistliche, 12,549 Beamte (!), dage 
gen nur 674 Lehrer! Für Unterricht ist seitdem etwas mehr geschehen. 
In Ionien gab es 1858 180 Schulen mit 6732 Knaben und 1076 Mäd 
chen. Man zählt (ungerechnet die ionischen Inseln) 10 Gymnasien und 
eine Universität (zu Athen, mit 600 Studenten), eine andere Universität 
zu Korfu. — Einen Adel gibt es eigentlich nicht. Einige phanariotische 
Familien legen sich zwar den Fürsten-, einige ionische den Grafentitel 
bei; indess verbot schon die Verfassung von Trözene (1827) die Erthei- 
lung von Adelstiteln. — Unter den Einwohn, waren 1853 nur 25,542 
Gewerbtreibende. Die Zahl der Seeleute ward zu 26,312, jene der 
Ackerbauer zu 229,259 angegeben. Die Masse des Volkes lebt höchst 
ärmlich ; in vielen Gegenden bilden Milch und Kräuter die ausschliess 
liche Nahrung. Von den 7’700,000 Ilectaren Landes sind freilich 2*/, 
Mill, durch Felsen und Berge, 800,000 durch Waldungen eingenommen; 
allein auch vom Reste ist kaum % wirklich angebaut; obwol die Bevöl 
kerung, mit Ausnahme der Inselbewohner, wesentlich eine ackerbauende 
ist, muss das Land dennoch Getreide einführen. Der Grund liegt haupt 
sächlich darin, dass es so wenig freies Bodeneigenthum gibt. Unge 
heuere Ländereien befinden sich im Besitze der todten Hand, der Kirchen 
wnd Klöster; von anderen muss dem Staate der Zehnte, ja mitunter ein 
doppelter und ein dritthalbfacher Zehnt entrichtet werden, wo 
durch der Anbau mancher Producte gerade unmöglich gemacht ist. Da 
zu eine enorm hohe Grundsteuer. (Die Regierung hinderte ausserdem 
dadurch, dass sie nach der Revolution von jedem Grundbesitzer einen 
besondern Erwerbs-Nachweis forderte — in einem Lande , in welchem 
so wenig verbrieft ward, und nach einem solchen Revolutionskriege ! 
und in dessen Ermangelung die Grundstücke als Staatseigenthum bean-
        <pb n="440" />
        416 
GRIECHENLAND. - Sociales. 
spruchte.) — Gewerbsindustrie fehlt beinahe gänzlich. Sie und der 
Handel sind namentlich dadurch gehemmt, dass von allen Producten, 
welche aus einem in den andern griechischen Hafen eingeschifft werden, 
immer wieder der Zoll entrichtet werden muss. Trotzdem hat sich end 
lich eine Vermehrung in der Production ergeben (bes. in Korinthen, 
Feigen, Oel und Seide). 
Handel \ra Jahre 1862, verglichen mit 1861, in Drachmen: 
Generalhandel Specialhandel 
Einfuhr 49’109,066 weniger 2’521,220 44’128,473 weniger 3’785,56.3 
Ausfuhr 32’323,728 mehr 32,275 28’U27,648 - 79,487 
Hievon kommen auf den Verkehr zu Lande nicht mehr als 1’454,471 Dr. 
Ein^hr (meist Vieh) und 78,862 Ausfuhr ; der gesammte übrige Verkehr fand 
zur See statt. — Hievon trafen (im Generalhandel, und Ein- und Ausfuhr zu 
sammengerechnet) 24’003,341 auf den Handel mit England (32 Proc. des Ge- 
sammtverkehrs;, 14’944,199 auf den mit der Türkei, 1P093,6SU mit Frankreich, 
10 472,199 mit Oesterreich. 
Der Handel der ionischen Inseln betrug: 
1862 1’273,134 ^ Einfuhr, 1’108,519 Ausfuhr 
1863 1’232,220 - - 930,556 - 
Handelsmarine. Obwol es den Rhedern an Geld zur Anschaffung von 
Dampfschiffen fehlt, hatte sich die Marine doch gehoben, von 3345 Fahrzeugen, 
89,642 Tonnen Gehalt u. 15,300 Matrosen im J. 1838, auf 5052 Schiffe, 294,996 
Tonnen und 26,312 Matrosen 1855. Dagegen waren Finde 1858 nur noch einge 
tragen ; 3920 Schiffe, 268,600 Tonnen, 23,128 Seeleute ; — und Ende 1861: 
4153 Schiffe, 255,977 Tonnen, 23,243 Matrosen. 
Münze, Maasse. Die Drachme , 58,043063 auf die feine Köln. Mark, oder 
% span. Piaster; ’Werth 7 Sgr. 3 Pf., abgetheilt in 100 Lepta. — Ein Ge 
setz vom Jahre 1836 verfügte die Einführung des franz. metrischen Maas- und 
Gewichtsystems. Auf den ionischen Inseln rechnete man bisher nach Pfd. 
Sterl. , im \erkehr nach span. Piastern, Maasse und Gewicht meist die alten 
venetianischen. 
Türkisches Reich (Sultanat). 
Land und Leute. Obwol sehr geschwächt, umfasst das türkische 
Reich noch immer eine Menge der herrlichsten Länder in den drei Erd- 
theilen der alten Welt. Verlässige statistische Nachrichten fehlen; man 
ist auf blosse Schätzungen beschränkt. Eintheilung in 159 Provinzen 
und 1320 Districte (Angabe des türk. Abgeordn. zum statist. Congress 
in London). 
Europäische Türkei:* 
Unmittelb. Besitzgn. 
Schutzstaaten : 
Rumänien .... 
Serbien (Syrp) . . 
Monténégrine . . 
Q.-M. Bevölk. 
6,500 10,5 Mill. 
2,280 
1,000 
90 
4,2 - 
1,1 - 
0,13 - 
Asiatische Türkei: 
Anadoli (Kleinasien) 
Armenien und Kur 
distan .... 
Syrien (Scham) . . 
Arabistan .... 
Q-M. Bevölk. 
9,800 10,7 Mill. 
5,700 1,7 - 
6,880 2,8 - 
9,000 0,8 - 
*) Von einzelnen Provinzen erwähnen wir besonders : Bosnien mit 810,000 
Einw. (316,000 Mohammedaner, 380,000 Griechen, 111,500 Kathol., 2500 Ju 
den) und die Herzegowina mit 290,000 (180,000 Griechen, 68,000 Moham 
med., 42,000 Katholiken).
        <pb n="441" />
        TÜRKEI. — Land und Leute. 
417 
Q-M. Bevölk. 
9,870 15,8 Mill. 
Afrikan. Türkei 
Aegjpten (Missr) 
Türk. Nubien etc 
Tripolis . . . 
Tunis . . . 
Q.'M. Bevölk. 
8,400 4,3 Mill. 
4.000 0,8 - I 
6.000 0,6 - ! 
3,600 0,8 - 
Zusammenstellung ; 
In Europa 
In Asien 
In Afrika 
31,400 16 
22.000 6,5 - 
63.000 38,3 - 
32,300 25,5 - 
Total etwa 
Davon unmittelbare Besitzungen 
Nationalitäten 
Ottomanen . , 
Griechen . . 
Armenier . . 
Juden .... 
Slaven .... 
Romanen . . . 
Albanesen . , 
Tartaren . . . 
Araber . . . 
Syrer und Chaldäe 
Drusen . . . 
Kurden . . . 
Turkomannen . 
Zigeuner . . . 
in den unmittelbaren Besitzungen (unsich. Schätzung) : 
in Europa in Asien zusammen 
2’100,000 10’700,000 12’800,000 
1'000,000 1'000,000 2'000,000 
400.000 2'000,000 2'400,000 
70.000 80,000 150,000 
6'200,000 — 6'200,000 
4'000,000 — 4'000,000 
1'500,000 — 1'500,000 
44.000 100,000 144,000 
— 900,000 4'700,000 (einschl. Aegypten) 
— 235,000 235,000 
— 30,000 30,000 
— 1'000,000 1'000,000 
— So,000 85,000 
214.000 214.000 
Lejean [Ethnographie de la Turquie (TEurope, in Petermann's Monatsheften) 
stellt folgende Classification auf, ireil. vielfach auch nur ohne eine Schätzung 
der Zahl zu wagen : I. IndogtTmanisvhe Familie : a) Zigeuner 390,000 (60,000 in 
der Moldau, 130,000 in der Walachei, etwa 200,000 in Serbien und der Türkei). 
b) Deutsche (1200 in 3 Dörfern der Dobrudscha). —II. Velasgischer ^\&amp;.vava. 
[(iraeco-ltomanen) : a) Griechen 990,000 (110,000 in Constant, und am Bospo 
rus, 80,000 auf Candia, 800,000 in Thessalien, Rumelien u. Bulgarien), b) (Pi 
petaren (Arnauten oder Albaner) 1'309,000, c) Rumänen 4'202,000 (104,300 in 
Serbien, 2'420,000 in der Walachei, 1'605,000 in der Moldau, 33,000 in der 
Dobrudscha, 40,000 in Bulgarien), d) Zinzaren Wlachen, Makedowlachen). — 
111. Slavische Familie: a) 1'660,000 Serben, b) Bulgaren, c) Russen, d) Polen 
(70 Familien). — IV. 6&gt;wuii«cAe Rasse : a Araber, b) Juden. — V. 2'ürkische 
Rasse: a) üsmanli (370,000 zu Constant, und am Bosporus), b) Jurücken, 
c) Tartaren. — VI. Magyaren. — VII. Armenier. 
Confessionen. in Europa in Asien zusammen 
Moslim .... 4'550,000 12’650,000 21'000,000 (mit Aegypten) 
Griechen .... lü'000,000 3'000,000 13'000,00ü (einschl. Armenier) 
Katholiken •) . . 640,000 260,000 900,000 
Juden 70,000 80,000 150,000 
Städte in Europa: Constantinopel (etwa) b00,000 (nach einer 
Schätzung 1’075,000 Einw. Adrianopel 140,000, Salonichi 70,000, 
Serajewo 70,000, Gallipoli 50,000. Philippopel 40,000, Sophia 30,000. 
Gebtetsverluste. Das türkische Reich dehnte sich in der zweiten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch über bedeutende Provinzen aus, 
die ihm seitdem entrissen wurden. So ging die Krim, über welche die 
Sultane Souveränität ausübten,* 1770 an Russland verloren ; ebenso riss 
Oesterreich damals die Bukowina an sich. Der Jassyer Friede von 1792 
'vard erkauft durch Ueberlassung des Budschak bis zum Dniester an 
Russland, und einiger Grenzschlösser an Oesterreich. Das Bündniss mit 
*) Hiervon sind: 640,000 römische Katholiken, 25,000 unirte Griechen 
Uder Chaldäer, 75,000 unirte Armenier, 20,000 Syrer und unirte Chaldäer, 
140,000 Maroniten. 
Kolb, Statistik. 4. Aufl. 
27
        <pb n="442" />
        418 
TÜRKEI. — Finanzen. 
Russland gegen Frankreich kostete die Mündung des Phasis und andere 
Punkte des schwarzen Meeres. Zufolge des Bucharester Friedens von 
1812 mussten auch Bessarabien und die jenseits des Pruth gelegenen 
Theile der Moldau an den nordischen Nachbar abgetreten werden. 1821 
riss sich Griechenland los. Der Adrianopler Friede, 1829, kostete Anapa 
und andere Küstenstriche in Asien. Der Krieg mit Russland von 1853 
— 5 G endigte zum ersten Male wieder seit einem Jahrhunderte mit einer 
wenigstens mittelbaren Gebietszurückerlangung von 222 Q.-Meil. und 
180,000 Bew. (siehe S. 111). Eine bedeutende Einwanderung fand 
1803 und Gl statt; 520,000 Tscherkessen wanderten nach der Türkei 
(bes. der asiatischen) aus; leider scheint die grössere Hälfte dieser Un 
glücklichen zu Grunde gegangen zu sein. 
Finanzen. Ein eigentliches Budget gibt es erst seit 18G3 und die 
damalige erste Aufstellung war wenig mehr als eine unsichere Schätzung, 
— ein Umhertasten. Man fand, dass im Jahre 18®7ei (vielmehr im 
Jahre 127G der Mohammedaner) die Einnahme 284’5G0,925 Fres, be 
tragen hatte (wir berichten hier nach einer franz. Quelle), während der 
Bedarf sich auf nicht weniger als 333’351,100 belief und somit ein De 
ficit von 48’790,175 Fres, zu Tage lag. — Der neue Voranschlag ergab 
nun für 18"%« (1278): 3 322,042 Beutel Einnahme, 2’9S1,3SG Bedarf. 
Allein das günstige Verhältniss bestand nur auf dem Papiere, trotz der 
Einführung des Tabak- und Salzmonopols, der Erhöhung der Stempel- 
und Licenzgebühren (die man sämmtlich den Gläubigern verpfänden 
musste). 
Das Budget für 18"%* schloss ab mit 3 010,539 Beutel Einnahme 
und 2’9G9,004 Bedarf, das für 18"%, (1280) mit 3’242,190 Einn. und 
3’205,G72 Bedarf.*) Die Positionen des Letzten sind: 
Einnahmen. 1) Directe Steuern: Verghi (Personalsteuer) GOG,409, Militär 
ersatzabgabe 122,106. — 2) Indirecte Aufiagen 2T 16,648, darunter besonders: 
Zehnte 876,615, Abgaben von Schafen 223,478, Zölle 426,066, Tabaksmonopol 
235.666, Stempel 36,666, von geistigen Getränken 36,666, Tapou Kopfsteuer) 
25,666 ; — 3) Post, kais. Druckerei und Staatsimmobilien 26,669 davon Post 
26,152;; — 4) Salinen, Forsten, Fischerei und Bergwerke 266,543 (Salzmonopol 
126.666, von Bergwerken 15,844) ; — 5, Tribute 93,544, nemlich : von Aegypten 
86,606, Walachei 5,666, Moldau 3,666, Serbien 4,666, Samos 866, Berg Àthos 
144. — Dazu: Einkünfte der Admiralität 12,876, des Handelsministeriums 927, 
des Ministeriums der öft'entl. Arbeiten 3664. 
Ausgaben. A) Ordentl. : 1) äussere Schuld 458,648; — 2) innere 493,967 
(nemlich : Eshani-Djedidés und Tahoilati-Mumtazé, Zins und Amortisation 
335,066, zehnjährige Bons, Zins 44,446, Zinsen an die AVaisencasse 9,968, 
Séhims, Moukatas, Timars, Zins 164,558); — 3) Pensionen und Dotationen 
216,146; — 4) Ministerien 1’746,706 (neml. : Civilliste 241,260, Krieg, sammt 
der mit 133,346 besonders aufgeführten Artill., 796,396, Marine 264,265, Justiz 
26,945, Vacoufs — Cultus — 39,455, Inneres .368,235, Auswärt. 26,375, Handel 
und Ackerbau 4785, Unterricht und öffentliche Arbeiten 12,588, Polizei 32,512 ; 
— 5) Allgemeine Ausgaben des Finanzministeriums 136,366. — Zus. 3’639,166 
Beutel. — B) Ausserord. : 1 Rechnung mit der ottom. Bank etc. 35,236; 
Syrische Bons, Amort. und Zins 58,566 ; Rückersatz von % der zum Voraus er- 
*) Es liegt uns vor in der Druckschrift : Sublime Porte ; Ministère des Fi 
nances. Budget des Recettes et des Dépenses de l’exercice 18"%,. Traduction 
officielle du texte turc. Constantinople.
        <pb n="443" />
        27 * 
TÜRKEI. — Finanzen. 
419 
hobenen Verghi Personalsteuer) 22,715; Kosten der cirkassischen Einwanderung 
50,000; — zusammen 166,512. — Total 3’205,672. 
Diese ganze Aufstellung beruht aber wesentlich auf Fiction. Der 
Finanzminister selbst anerkennt, dass ein grosser Theil der Einkünfte 
erst im nächstfolgenden Jahre eingehen werde. Unzweifelhaft umfasst 
der türkische Staat eine ungemeine Fülle natürlicher Reichthümer. Aber 
die Uncultur der Bevölkerung weiss sie nicht nutzbar zu machen und es 
fehlt durchaus an Ordnung im Staatshaushalte. Alle Budgets schliessen 
mit Ueberschüssen ab, und doch braucht man jedes Jahr grosse neue 
Anlehen. Es erschwert der Hass unter den verschiedenen Nationalitäten 
und Religionen ein gesundes Emporblühen dqp Gemeinwesens. Aller 
dings konnte der türkische Finanzminister in einem Berichte vom Sept. 
1855, also während des Kriegs, hervorheben: Die Pforte hat in den 28 
Monaten vom 27. Mai 1853 bis 27. Sept. 1855 für ausserordentliche 
Kriegsausgaben ir2UO,000 £ aufgewendet, und dies bestritten ohne 
neue Auflagen oder Steuern, und ohne Unterstützung Europa's, ausser 
2 Vj Mill. £ aus der ersten englischen Anleihe, und 600,000 £ Vorschuss 
auf die zweite. (Der Charadj ward sogar aufgehoben, gegen Verpflich 
tung der Rajahs zum Kriegsdienste.) Seitdem sind aber Schulden und 
neue Auflagen um die Wette entstanden. 
Schuld. Das erste fönnliche Staatsanlehen ward nicht früher als im 
letzten Kriege , 1851 , aufgenommen, allein seitdem folgte ein Anlehen 
auf das andere : 
A. Auswärtige Schuld. 
1) Anlehen von 1854, 3 Mill, jf, zu 6%, unter Verpfändung des Tributs 
von Aegjpten, angebl. nur zu 82% abgesetzt. 2) Weiteres 4proc. Kriegsan- 
lehen von 5 Mill. unter Garantie von England und Frankreich , angebl. zu 
102'/, % untergebracht. 3) Drittes Anlehen zu 5 Mill, , vom Mai 1858, zu 
6% verzinsl., mit 2®/o Provision an die Uebemehmer, ausgegeben zu 85, unter 
Verpfändung der Zolleinkünfte von Constantinopel. Ein Anlehensversuch im 
J. 1859 scheiterte vollständig, obwol 8 % Zinsen geboten wurden. Dann über 
nahm aber 4, der bekannte Mires im October I860 ein Anlehen, bestehend aus 
800,491 Obligationen, ausgegeben zu 312'/, Fres, und einlösbar zu 500 Fres. 
Obwol der Zinsertrag sich auf mehr als 9®,, stellte, wurden nur 101,800 Obliga 
tionen abgesetzt, sonach für 31’817,500 Fres, nominell für 50,900,00(1 p'res. = 
2’036,000 jf). 5 6®/o (l)evaux’sche) Anleihe vom März 1862, 8 Mill. in 
23'/, Jahren rückzahlbar, zu welchem Behufe ein Tilgungsfonds von 2% ge 
bildet wird ; die Anleihe ward zur Consolidirung der schwebenden Schuld und 
zur Tilgung des Staatspapiergeldes bestimmt, und den Gläubigem sind die Er 
trägnisse des Tabaks- und Salzmonm)ols sowie des Stempels und der Licenzen 
verpfändet. Gleichwol betrug der Emissionspreis nur 68, oder rtelmehr 66'%. 
6) 6% Anlehen von 1863 und 64, zus. 8 Mill, bei der türkischen Bank. Die 
Scheine von 500 Fres, wurden zu 340 abgegeben, sonach mit einem \erluste 
von 32®% ! Ziehen wir nun auch ungefähr 1 '/, Mill, jé' ab, welche auf die frühem 
Anlehen bereits abgetragen sein mögen, so stellt sich die in 11 Jahren»con- 
trahirte auswärtige Schuld auf mindestens 29 Mill. Pfd. Sterl. = etwa 192 
Mill. pr. Thlr. 
B. Innere Schuld. Piaster 
1) 6®/a consolidirie in 24 Jahren rückzahlbar Essams-Dieddidés) 250 Mill. 
2) 6"% Schatzkammerscheine, in 14 J. rückzahlbar Hasné-Tahvili) -280 
3) 6®/„ Schatzobligationen Serghis, 430 
4) Renten Essams-Mamtuzes) p 
5) Schulden verschiedener Art, meist bei Griechen aufgenommen 634 
6) Schwebende Schuld 5^ 
Zus. 17’750,000 Jf) 2219
        <pb n="444" />
        420 
TÜRKEI. — Militär. 
Im Gegensätze zu andern Staaten, in denen man Anlehen aufnahm 
zur Beseitigung des Papiergeldes und dann den Ertrag der Anlehen für 
andere Zwecke verbrauchte, hat die Türkei allerdings das auf 99’880,000 
Piaster angewachsene Staatspapiergeld (die Calmés) aus der Circula 
tion glücklich entfernt und die Metallwährung wieder hergestellt. Indess 
ist eben eine nachweisbare Schuldmasse von wenigstens 40% Mill. JC = 
310 Mill. Thlr. entstanden; andere Berechnungen steigen auf 54 Mill. £. 
Das Jahr 1864 schloss mit einem auf 277,000 Beutel berechneten Aus 
fall, ungerechnet die auf 450,000 Beutel geschätzte schwebende Schuld. 
Es ist augenscheinlich , dass in der bisherigen Art nicht fortgewirth- 
schaftet werden kann, hei welcher namentlich der Betrag jeder neuen 
Zinszahlung durch ein neues Anlehen unter den drückendsten Be 
dingungen aufgebracht werden muss. Von dem grossen Schatze früherer 
Zeit ist längst nichts mehr vorhanden. Schon 1776 entstand eine Art 
Staatsschuld, übwol Griechenland über 12% Mill. Drachmen an die 
Pforte bezahlen musste, vermochte es diese doch nicht, die im Andria- 
nopeler Frieden dem Czaaren versprochene Kriegscontribution von 10 Mill. 
Ducaten zu erschwingen ; der russische Kaiser schenkte der Pforte diese 
Schuldsumme. — Auf das nun beseitigte Papiergeld wurden während 
des russischen Krieges 30—40 Proc. verloren. 
Militär. Seit 1843 ward, nachdem einige frühere Versuche geschei 
tert, mit Organisirung der Landmacht nach franz.-preuss. Vorbilde be 
gonnen, doch ist dieselbe noch keineswegs vollständig durchgeführt. Die 
Bildung des Heeres geschieht, ausser freiwilligem Eintritte, durch Aus 
hebung und Losung. Dienstzeit: 5 Jahre im activen Heere, dann noch 
7 in der Reserve. — Organisation : 
I. Active Armee [Nizam], 6 Armeecorps (Ordü), jedes mit 2 Divisionen 
oder 6 Regim. Infanterie, 4 Cavallerie und 1 Artillerie. Ausserdem 4 detaschirte 
Divisionen. (Das Infant.-Regim. hat 4 Bataill. zu 8 Comp., und.etatsmässig 
:i2()U, in Wirklichkeit etwa 2800 M. ; das Cavallerie-Reg. 6 Schwadr. [2 Jäger- 
und 4 Lanciers-] mit 736 resp. 934 M.) Im Ganzen höchstens 148,000 Mann, 
nomlich : 
36 Regim. Infanterie . . 100,800 2 Regim. Genie .... 1,600 
24 - Cavallerie . ., 17,280 8 - detaschirte Corps 16,000 
10 - Artillerie . 13,000 
II. Reserve [Itedif, Landwehr); ebenso eingetheilt wie die Linie und auf 
dem Papiere ebenso stark ; — in Wirklichkeit nicht vollständig organisirt. 
III. Contingente der dem Nizam noch nicht unterworfenen Provinzen 
und der halbsouveränen Staaten. — Aegypten besitzt ein nach europäischer Art 
gebildetes Heer von etwa 15,000 früher 40,000) M. Dazu die Contingente von 
Überalbanien mit etwa 10,000, Bosnien 30,000, Serbien 20,000, der Donaufür- 
stenthümer 7000, und von Tunis und Tripolis 10,000; zusammen etwa 100,000. 
IV. Irreguläre Truppen, geschätzt auf 80,000 M (ohne bes. Werth). 
Nach einem türk. Ministerialberichte betrug die wirkliche Stärke 
der türk. Armee im letzten Kriege : 
Nizam (Linie): Redifs (Landwehr.): 
Infanterie (sammt Garde) . . 72,180 Infanterie 92,650 
Cavallerie'und Artillerie . . 22,737 Cavallerie 11,177 
Festungsartillerie u. Reserve 10,408 Zug. (7741 engl. Solde) 103,827 
Zus. (2259 in engl. Solde) 105,325 Dazu mobile Miliz .... 7,741 
Bekannt ist, dass sich die türk. Truppen im letzten Russenkriege 
wiederholt sehr gut schlugen, so bei Kalafat, Olteniza , und besonders
        <pb n="445" />
        TÜRKEI. — Handel. 
421 
in dem mit ausgezeichnetem Erfolge vertheidigten Silistria. Wenn sie zu 
Anfänge der Belagerung Sebastopol’s keine Tapferkeit bewiesen, so war 
die elende Verpflegung und schlechte Behandlung von europäischer Seite 
schuld. Bei Eupatoria (auf der Krim) hielten sie sich so wacker, dass 
dies den Tod des Czaars Nicolaus beschleunigte. In Asien kämpften sie 
öfters mit Ausdauer, dennoch mit schlechtem Erfolge, wegen der Un 
fähigkeit der Führer, und der diplomatischen Machinationen, wodurch 
namentlich dem wacker vertheidigten Kars die Hülfe entzogen ward. 
Marine (1861) 48 Dampfer und 63 Segelschiffe, zus. 112 Kriegs 
fahrzeuge; die Dampfer waren 3 Linienschiffe, 5 Fregatten, 4 Corvetten, 
13 Avisos, 4 Kanonenboote und 19 Transportdampfer; die Segelschiffe: 
1 Linienschiff", 1 Freg., 13 Corvetten, 11 Briggs, 4 Schooner, 8 Kutter 
und 25 Kanonenboote. Seitdem wurden 1 Liniendampfer, 3 Dampffre 
gatten, 5 Dampf- und 2 Segelcorvetten und 9 Transportdampfer erbaut. 
Rechnet man die im Bau begriffenen Fahrzeuge dazu, so ergeben sich 
144 Schiffe mit 1742 Kanonen und 15,314 Pferdekräften. Zur Be 
mannung wären 33,0Ü0 Individuen erforderlich, doch befinden sich nur 
10,900 im effectiven Dienste. — 1864 ward 1 Panzerschiff in England 
vollendet ; 2 weitere sind im Bau bereits vorangeschritten. 
Handel. Nach einer allgemeinen Schätzung soll im Jahre 1863, mit 
Einrechnung der Schutzländer, die Einfuhr etwa 1300, die Ausfuhr 
gegen 1200 Mill. Fres, betragen haben, was sehr hoch gegriffen scheint. 
— Eine nähere Schätzung in der Schrift : the Ottoman Empire and its 
resources, London 1852, ergab für 1852 in Mill. Piastern: 
Einfuhr A umfuhr 
252 l.tOMill. 
Einfuhr 
2 
Ausfuhr 
19 Mill 
51 
SO 
25 
12 
2 
Grossbrit., Ionien 
Persien (Transit) . . 217 218 Persien (direct) . . 109 
Frankreich .... 109 230 Schweiz, Ver. Staaten 92 
Oesterreich . . . 114 185 Aegjpten .... 91 
Russland .... 97 74 Walachei .... 38 
Holland .... 26 9 Moldau 19 
Belgien 5 2 Serbien 8 
Sardinien .... 4 lO Zusammen 1182 1064 
Ueber den Hafenverkehr fehlen nähere Angaben. Aus der Sulina- 
mündung liefen 1861 3085 Schiffe von 548,717 Tonnen aus; die 
meisten Dampfer, 130 von 61,515 Tonnen waren österr., die meisten 
Segelschiffe, 1078 von 162,003 Tonnen griechische. 
Münze, Muasse. Gerechnet wird nach Piastern, von den Türken Grusp 
f genannt; da die Sultane sich durch Münzverschlechterung aus ihren Finanzver- 
egenheiten helfen wollten, so wurden die Münzen immer gehaltloser; während 
der Werth des Piasters 1764 noch etwa 22 Sgr. betrug, war er 1822 auf 5%, 
und während des letzten Kriegs sogar unter 1*/* herabgesunken. Jetzt ist der 
selbe 2 Sgr. Grössere Summen berechnet man nach Beuteln, zu 500 Piaster. 
— Längenmaass: die Dräu, Pik, Elle, für Seide und Tücher zu 1,0283 preuss. 
Ellen oder 68,58 Centimeter oder 0,75 engl. Yards ; die Endaseh für alle übrigen 
Manufacte, zu 0,9883 preuss. Ellen oder 65,25 Centim. — Getreidemaass : der 
Eortin von 4 Kilos, der Kilo zu 35,27 Liter oder 0,6416 preuss. Scheffel. — 
Flüssigkeitsmaass : die Alma oder Almud, zu 5,2047 Liter oder 4,5454 preuss. 
Quart. — Gewicht: die Oka zu 1,2785 Kilogr.
        <pb n="446" />
        422 
TÜRKEI. — Schutzstaaten. 
8 c h 11 t z 8 t a (*) t e II. 
A Rumänien oder Vereinigte Donaufürstenthümer. 
In der Walachei fand 1S60 zum erstenmale eine Volkszählung statt; 
von der Moldau besitzen wir nur unsichere Schätzungen. 
Q.-M. Einw. Städte Krajowa . . 21,512 
Walachei . 1330 2’400,021 Bukarest 124,734 ¡ Brada . . 15,707 
Moldau . 958 1’800,000 Jassy ungef. 50,000 i Giurgewo . 10,557 
Zus. 2288 4’200,000 Blojeschti . 26,478 | Buseo . . 9,027 
In der Walachei : Unter den Einw. viele Zigeuner; in der Moldau 
1’240,1S1 E. männl. allein gegen 120,000. 
1’160,740 - weibl. Com/cäsiom ; griechische, 100,000 Kathol. und 25,000 
Protest. 
Gemäss des Pariser Friedensschlusses vom 30. März 1856 und der 
von der Pariser Conferenz getroffenen üebereinkunft vom 19.Aug. 1558 
sollten beide Länder unter der Benennung »Vereinigte Fürstenthümer 
Moldau und Walachei« als gesonderte, nur in bestimmten Beziehungen 
verbundene Gebiete, jedes mit einem eigenen Hospedaren, unter der 
Suzeränität der Pforte verbleiben. Indessen wählte die Volksvertretung 
sowol der Moldau als jene der Walachei im Jan. 1859 denselben Hos 
pedaren (Kuza); die sämmtlichen Grossmächte anerkannten diesen Schritt 
im Sept. 1859, nur die Pforte protestirte , anerkannte aber Ende 1861 
die Union für die Lebensdauer des jetzigen Hospodars. In der Verfas 
sungsurkunde von Fokschan vom 9. Xov. 1859 sind beide Fürsten 
thümer für ewige Zeiten zu Einem Staate vereinigt erklärt, der den 
Namen »Rumänien« führt. Am 2, Mai 1863 a. St. führte Kuza einen 
Staatsstreich aus. Neue Verfassung vom 28. Juni 1864. 
Finanzen. Seit 1860 wird auch hier ein Budget regelmässig aufge 
stellt. In dem Entwürfe des Voranschlags für 1864, welcher der Kammer 
vorgelegt wurde, entzifferten sich die Einnahmen auf 155’697,218 Pi 
aster, die Ausgaben auf 153’1 10,049. Die Budget-Commission der 
Kammer reducirte die Einnahmen auf 144’930,444, die Ausgaben auf 
135’035,766 Piaster. Der Fürst aber octroyirte ein Budget mit folgen 
den Hauptpositionen : 
Einnahmen. Directe Steuern 54’483,811, indirecte 20’8S2,711 , Domänen 
5P5S1,507, Regalien (Post, Telegr.: 4’(»00,00U, Verschied. 6’549,852; — ausser 
ordentliche Einnahmen 38*272,678; — zus. 175*770,548. 
Ansfjuben. a) ordentl. : Ministerrath 97,200, Staatsrath 552,000, Minist, des 
Innern 24*580,076, Finanzmin. 43*866,552, Krieg 40*182,515, Cultus 26*418,044, 
Justiz 12*428,166, Aeusseres 1*643,474, Handel 16*000,000; zus. 165*767,997. 
b) auserord. : Inneres 804,529, Finanz 12*653.879, Krieg 15*009,908, Cultus 
1*163,282, Aeusseres 600,000, Handel 8*000,000, Justiz 41,0S0, zus. 38*272,678; 
somit Gesamnitbedarf 204*042,675, — davon Deficit 28*272,127 Piaster. 
Das Budget für 1865 ergibt 159*166,677 Einn. und 158*660,220 
Bedarf. 
Der Einzelangaben wegen lassen wir einige Notizen aus dem uns 
vollständig vorliegenden Budget für 1860 folgen. 
Walachei Moldau Zusammen 
Einnahme . 74*844,190 43*178,155 118*022,345 
Ausgabe. . 73*471,345 44*884,441 118*355,786
        <pb n="447" />
        TÜRKEI. — Schutzstaaten. 
423 
Wir fassen beide Budgets zusammen. 
Einnahmen: I. Directe Steuern 47*830,339 Piaster (dav.: Grund-11*152,680, 
Personal- 23*761,404, Gewerb- 4*594,143, Wegsteuer — statt der frühem Kopf 
steuer, familienweise erhoben — 8*322,112.) — II. Indirecte Abgaben 30*409, &lt;56 
(darunter: Zoll 14*580,999, Salz 8*654,100, von Spirituosen, nur in der Moldau 
849,425, Stempel 800,000 , Telegraphen 1*700,000, Post 476,767, Abgabe von 
Gütererwerbungen durch die todte Hand, blos in der Walachei, 2 Mill.) — 
III Domänen 22*815,926 darunter : Einnahme von 205 durch den Staat ver 
walteten Klöstern mit 19*650,460). — Verschiedenes 16*966,324. 
Von den Ausgaben bemerken wir : Walachei Moldau Zusammen 
Staatsschuld . . • 8*023,916 2*118,750 10*142,666 
Civilliste 1*134,000 945,000 2*079,000 
Cultus und Unterricht 14*013,328 7*112,856 21*126,184 
Militär . . 17*000,000 11*913,209 28*913,209 
Bei »Schuld« ist der Tribut an die Pforte einbegriffen, für die Walachei 
1*525,000, für die Moldau 918,750. — Von der Militärausgabe kommen 6*507,086 
Piaster auf Miliz und Gendarmerie. 
Schulden. Dieselben waren 1853 in beiden Staaten nahezu getilgt. Dagegen 
hatte die Moldau schon 1856 wieder 9*/*, die Walachei Ende 1857 mindestens 
14 Mill. Piast. Schulden, ungerechnet 6 Mill, für den Loskauf der Leibeigenen 
in der Moldau. 'Nach einer andern Angabe hätte die österr. Occupation der 
Donaufürstenthümer während des Orientkriegs die Moldau zur Aufnahme von 
7, die Walachei zu solcher von 22 Mill, in Anlehen gezwungen, ungerechnet die 
unmittelbaren leasten der Einwohner.) Im Mai 1860 ward für den vereinigten 
Staat ein Anlehen von 60 Mill. Fres, aufgenommen, unter Verpfändung der 
Salz- und Zollerträgnisse, sowie der Klostergüter. Bei Vorlage des Budgets für 
1865 erklärte die Regierung, die Staatsschuld habe am 1. Januar 1864 nur 
28*162,584 Piaster betragen. Indess habe der Staat während des Jahres 1864 
mehr als 52 Mill, aufgenommen, davon 48 Mill, bei der ottoman. Bank und 
Stern Brothers in London (7procentige ; es mussten aber 916,000 Pfd. Sterl. = 
61*372,000 Piaster verschrieben werden, um 718,548 = 48*142,676 Piaster 
zugesichert zu erhalten). Hievon waren 38 Mill, zur Entschädigung der säeu- 
larisirten Klöster u. 10 Mill, für die Bedürfnisse des Heeres bestimmt. Da in 
dess die Klosterfrage noch nicht entschieden war, so wurden nur ungef. 20 Mill, 
vorläufig auf Abrechnung bezahlt, die übrigen 18 Mill, dagegen — gleichfalls 
zur Deckung des Ausfalls im gewöhnl. Staatshaushalte verwendet. — Die Ge- 
sammtschula beläuft sich sonach auf etwa 94 Mill. Piast. (Im Februar 1865 hat 
die Kammer die Aufnahme eines neuen Anlehens von 150 Mill. türk. Piaster 
zur Entschädigung der griech. Klöster bewilligt. Russland soll noch 7*523,000 
Lee Entschädigung fordern als Auslagen für die 1853 und 54 nicht gerufenen 
russ. Truppen.) 
Militär, a) reguläres 15,500 M. in 7 Regim. Linien-Infant., 1 Bat. Jäger, 
2 Reg. Cavall., 1 Reg. Artill., 1 Bat. Genie, 1 Bat. Pompiers; — b) Volkswehr 
und ürenzwächter etwa 20,000. 
Handel, 1862, Ausf. 3o7‘/,, Einf. 175Mill. Plast. — Zahl der in den Häfen 
eingelaufenen Fahrzeuge 10,862 von 1*612,232 Tonnen. 
Münze. 67 Moldau-Walachische Piaster = 1 ./*; 13 Piaster 20 Para = 
1 Fünffrankenthaler. 10 Piaster 20 Para = 1 Silberrubel. Der Piaster also 
etwa 38 Cent, oder 3 Sgr. 1861 ward eine neue I^andesmünze geschaffen, »Ro- 
manac«, genau dem franz. Franc gleich, mit der Unterabtheilung in 100 Sutim. 
B. Serbien ,Fürstenthum), 
der Pforte tributpflichtig, mit unabhängiger Verwaltung und Volksver 
tretung (Skuptschina), etwa 1000 Q.-M. gross, 1861 mit 1*098,281 
Einw., worunter 955,000 Serben, 120,000Rumänen, 20,000 Zigeuner, 
1800 spanische Juden, höchstens 2000 Deutsche. Stadt Belgard 1 1,600. 
Finanzen. Im Rechnung^'ahre (1, Nov beginnend) 18'%, 3 Mill. Gulden. 
(Unter den Einnahmen eine ICopfsteuer von lü fl. für die Familie, dann Zigeu 
nersteuer ; unter den Ausgaben: frühere fürstl. Civilliste 171,428 fl., Militär 
[1856] 344,000; 1859 soll die Cmlliste auf 400,000 fl. gebracht worden sein.)
        <pb n="448" />
        424 
TÜRKEI. — Schutzstaaten. 
Die 3 letzten Budgets schlossen so ab (Steuerpiaster) : 
1863 1864 1865 
Einnahme 29’829,833 22’253,344 27*529,385 
Ausgabe 29*229,833 24*487,513 27*529,385 
Differenz — 600,000 + 2*234,169 — 
Das Deficit von 1804 soll durch üeberschüsse der Vorjahre gedeckt 
worden sein. Für 1805 erlangte man eine Ausgleichung durch Erhöhung 
der Kopfsteuer von 5 auf 0 Thlr. und Einführung eines Salz- und Ta 
bakmonopols. Die Hauptpositionen sind im letzten Jahre ; 
Einnahmen. Domänen, Zehnte, Post, Telegraphie 1*300,000, Kopfsteuer 
15*630,000, Salz- und Tabaksregie 1 Mill., Zoll 3*800,000, verschied. Auflagen 
1*397,000, ausserordentl. Einnahmen 4*402,385. 
Ausgaben. Tribut an die Pforte und oberste Staatsstellen 2*899,663, Cen 
tralverwaltung 2*390,263, Ministerien 22*239,459. 
Eine Schuld von 300,000 österr. Ducaten, aufgenommen gegen 
Verpfändung der Regalien, wird als getilgt angegeben. 
Militär. Stehende Truppen etwa 2500 M., in 2 Bat. Linien-Inf., 
2 Comp. Jäger, 2 Schwadr. Cavall., 5 Batterien Artillerie und 1 Comp. 
Pioniere. — Die Miliz wird auf %0,000 M. geschätzt. 
Handel, 18®7eo 55'/; Mill. Piaster Ein-, 63®/* Mill. Ausfuhr. 
Münze-. Steuer-Piaster, ungefähr 10 Kreuzer österr. Conventions- 
Münze = 3'/* Sgr. 
C. Montenegro (Fürstenthum), 
Areal etwa 70 Q.-M. mit 125,000 (68,000 männlichen) Einw., 
griechischer Confession. Einkünfte etwas über 100,000 Fres. Der Fürst 
bezieht eine russ. Subvention von 8000 Ducaten und eine französ. von 
50,000 Fres. 
D. Aegypten (halbselbständiges Vicekönigreich). 
Etwa 8400 Q.-M. und (nach Alf. v. Kremer) 1860 mit 4*306,691 
Einw. (darunter 150,000 christliche Kopten). — Städte: Kairo 256,700, 
Alexandria 164,400, Damiette 37,100, Tanta 19,500, Rosette 18,300, 
Sues 4160. — zus. Städtebevölkerung 500,160. Von der Landbevöl 
kerung kommen auf 
Oberägypten in 620 Dörfern 1*168,995 Menschen, 
Mittelägypten - 554 - 519,582 
Unterägypten - 3205 - 2*117,954 
— Einkünfte und Bedarf 1855 geschätzt zu 765,000 Beutel (zu 5 Jt). 
Der Tribut an die Pforte, 1833 noch 12,000, ist auf 80,000 erhöht. — 
Die schwebende Schuld ward 1857 zu 30—35 Mill. Fres, angegeben; 
ferner wurde im August 1860 ein 6proc. Anlehen von 20 Mill. Fres, 
mit Laffitte in Paris abgeschlossen, sodann im April 1862 der Prospect 
einer Anleihe von 2*195,200 Pfd. Sterl. ausgegeben, zur Tilgung der 
schwebenden Schuld bestimmt, und endlich im Nov. 1864 zu London 
ein 7proc. Anlehen im Betrage von 5*704,200 £ (wovon 2 Mill, fest 
begeben) auf den Markt gebracht, im Nettopreise von 92; innerhalb 
15 Jahren soll diese Schuld wieder getilgt werden. Da die Staatsschuld 
schon bei Said Paschas Tod (Jan. 1863) zu 79*870,000 Fres, angegeben
        <pb n="449" />
        TÜRKEI. — Schutzstaaten. 
425 
wurde, so dürfte dieselbe jetzt etwa 130 Mill. Fres, betragen. Das Pa 
piergeld hat einen stark wechselnden Curs. — Armee etwa 15,000 M. 
(4 Inf.-Reg. , 1 Schützenbat., 2500 Reiter, 1200 M. Ar tili., 1 Neger 
regiment aus Sudan, ursprünglich von 3000 M.) — Flotte (1857): 4 Li 
nienschiffe, 6 Freg. etc. — Der internationale Handel am Mittelmeere 
allein ward 1860 zu 15*/* span. Thlr. Aus- und 12*/* Mill. Einfuhr 
berechnet. — Der Verkehr und der Wohlstand des Landes hat sich seit 
dem ungemein gehoben durch starken Anbau von Baumwolle. Schon in 
den 8 ersten Monaten von 1864 wurden 43 Mill. Kilogr. nach England 
und 10 Mill, nach Frankreich ausgeführt, im Geldwerthe von 301*/* Mill. 
Fres. Die Ungeheuern Zuflüsse von Edelmetallen sollen eine Art socialer 
Revolution im ganzen Lande bewirkt haben.
        <pb n="450" />
        Vierte Abtlieiluiig. 
Amerika und die übrigen Erdtheile. 
Vereinigte Staaten von Vordanierika (Föderativ-Republik). 
Land und Leute. Das Areal ist nicht genau berechnet. Die vorlie 
genden Angaben variiren zwischen 2’743,300 und 3’230,572 englischen 
(130,000 bis 152,000 deutschen) Quadratmeilen (21,2582 englische = 
1 deutsche). Die Bevölkerung betrug bei der Zählung von 1860 
31’443,322, neml. 27’489,502 Freie und 3 053,587 Sklaven; mit Ein- 
Techiïung der Indianer etc. steigt die Gesammtzahl auf 31 747,514. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
Staaten (und Gebiete) Areal Q.-M. Bevölkerung 
A. Neu-England-Staaten ■ Engl. Deutsche 1850 
Maine 31,766 1,494 583,169 
New-Hampshire. . . 9,280 436 317,976 
Vermont 9,056 426 314,120 
Massachusetts . . . 7,800 367 994,514 
lihode-lsland . . . 1,306 61 147,545 
Connecticut .... 4,674 219 370,792 
li. Mittelatluntische Staaten : 
1860 dav. Sklav. 
628,276 — 
326,073 — 
315,098 — 
1'231,066 — 
174,620 — 
460,174 — 
New-York .... 46,000 
New-Jersey . . . . 8,320 
Pennsylvanien . . . 46,010 
Delaware 2,120 
Maryland 9,356 
C. Sudatlantische Staaten: 
Ost-Virginia . . . 38,352 
North-Carolina . . . 45,500 
South-Carolina . . . 24,500 
Georgia 58,000 
Florida . . • • . 59,268 
[District] Columbia . 50 
D. Süd-Cis-JIississippi-Staaten : 
Alabama 50,722 
Mississippi . . ■ . 47,156 
Tenessee 45,600 
Kentucky 37,680 
West-Virginien . . 23,000 
2,164 
391 
2,164 
100 
440 
3’097,394 
489,555 
2’311,786 
91,532 
583,034 
1,804 (1’421,661) 
2,140 869,039 
1,152 668,507 
2,728 906,185 
2,788 87,445 
2 51,687 
2,386 771,623 
2,218 606,526 
2,145 1’002,717 
1,772 982,405 
1,082 (oben)*) 
3’886,735 
672,035 
2’906,115 
112,216 
687,049 
1’261,397 
992,622 
703,708 
1'057,286 
140,425 
75,080 
964,201 
791,305 
1’109,801 
1’159,6S4 
393,234 
1,805 
85,382 
475,196 
331,059 
407,406 
467,461 
61,745 
3,185 
435,473 
479,607 
287,112 
425,583 
20,630 
*) Die Bevölkerung West-Virginiens (Staat 21; im J. 1850 ist in der bei 
Ost-Virginien (Staat 12) angegebenen Summe einbegriffen.
        <pb n="451" />
        VEREINIGTE STAATEN. — Land und Leute. 
427 
Staaten (und Gebiete) 
E. Xord-CÍ8-3IÍ88tssippt- 
Staaten : 
22. Ohio . 
23. Indiana 
24. Michigan 
25. Illinois . 
26. Wisconsin 
27. Minnesota 
Areal Q.-M. 
Engl. Deutsche 1850 
Bevölkerung 
39,964 
33,609 
56,253 
55,409 
53,924 
83,531 
1,880 
1,590 
2,645 
2,606 
2,536 
3,929 
F. Ultra-31Í88Í88Íppi-Staaten : 
26 Iowa 45,045 2,118 
29. Missouri 67,368 3,166 
30. Arkansas 52,198 2,455 
31. Louisiana 46,341 2,179 
32. Kansas 60,000 3,763 
33. Nevada 63,500 3,92&lt; 
(Gebiete) a. Utah . . 109,600 5,015 
b. Nebrasca . 63,300 2,977 
c. Colorado . 106,475 5,008 
d. Dakota . 152,500 7,173 
G. WestlUnder dc8 mexicanischen Busens: 
34. Texas 237,321 11,164 
II. Länder am stillen Ocean : 
35. Californien .... 188,962 8,869 
36. Oregon 95,2 &lt;4 4,461 
(Gebiete) e. Neu-Mexico 124,450 5,So3 
f. Washington 71,300 3,35.1 
1’980,329 
968,416 
397,654 
651,470 
305,391 
6,077 
192,214 
662,044 
209,697 
517,762 
11,380 
1860 dav. Sklav. 
2’339,502 — 
1’350,428 — 
749,113 - 
1’711,951 
775,681 — 
173,655 — 
674,948 — 
1’162,012 115,619 
435,450 111,115 
708,002 351,726 
107,206 — 
16,657 — 
40,273 — 
26,641 — 
34,277 — 
4.837 — 
212,592 604,215 194,956 
92,597 
13,294 
61,547 
*79,994 
52,465 
93,516 
11,594 
24 
Oregon gebildet. n 
Unter der Bevölkerung (nach dem Preliminar}' Report on the Eight Cen 
sus), im Gegensätze zu Europa, 730,000 Männer mehr als Trauen. 
' Bevölkertmgszunahme. Die Bevölkerung derjenigen britischen Co- 
lonien welche später die vereinigten Staaten bildeten, ward 16S0 auf 
80 000 1701 auf 260,000 und 1753 auf 1’051,000 angeschlagen. 
1775 bitten die Vereinigten Staaten nach einer amtlichen Schätzung 
2’383 300 Bew. Seit 1700 erfolgen alle 10 Jahre wirkliche Aufnahmen: 
1790 
1800 
1610 
1820 
1830 
1640 
1650 
I860 
Bevölkerung Zunahme — Procent 
3’929,872 
5’305,925 
7’239,614 
9’636,131 
12’666,020 
17’069,453 
23’191,676 
31’443,322 
1’376,098 
1’933,869 
2’398,317 
3’227,669 
4’203,433 
G’l 22,423 
6^251,456 
35,02 
36,45 
33,13 
33,49 
32,67 
35,87 
35,53 
1793 
1830 
1640 
1850 
Oebietiumfang 
605,461 engl. (i.-M. 
2’150,000 - - - 
2’306,262 - - - 
2’743,300 - - - 
Von der Gesammtbevölkerung waren 
1790 17,8 Proc. Sklaven, 1660 12,6 
I860 31’443,322 6’251,456 Proc., da die Freien sich stärker \^r- 
mehrten. In den Sklavenstaaten war jedoch ein anderes Verhältmss (1^90 
i’231,975 Freie und 697,697 Sklaven). 
Bei der ersten wirklichen Bevölkerungsaufnahme (1790) ergab sich 
hlgende Einwohnerzahl in den einzelnen Staaten ; 
Virginien . . 
Massachusetts 
Pennsylvanien 
Nord-Carolina 
New-York . 
747,610 
475,327 
434,373 
393,951 
340,120 
Maryland . . 
Süd^arolina . 
Connecticut . 
New-Jersey . 
319,728 
249,073 
237,946 
184,139 
New-Hampshire 141,885 
Georgia . . . 62,548 
Rhode-Island . 68,625 
Delaware . . 59,094
        <pb n="452" />
        428 
VEREINIGTE STAATEN. — Land und Leute. 
Confessionen. Es fehlen verlässige Notizen. Auffallend ist die ge 
ringe Zahl der Katholiken, 1S5Ü (nach M. Wagner) nur 1’233,350, 
— 1860 dagegen angebl. ungef, 3 Mill. Es ist jedoch selbst die letzte 
Summe nicht die Hälfte derjenigen Zahl, welche man, nach der irlän 
dischen und einem Theile der deutschen Immigration, erwarten sollte. 
Viele Katholiken treten in der Union zu einer protestantischen, viele zu 
gar keiner Kirchgenossenschaft. — Mormonen sollen sich 63,700 in 
der Union befinden, wovon 38,000 in Utah, 5000 in New-York, 4000 
in Californien im britischen Canada auch 5000). 
Nationalitäten. Eine genaue Ausscheidung der verschiedenen Zweige 
des kaukasischen Stammes ist unmöglich. Die Zahl der Deutschen 
möchte allerdings, wenn man die Nachkommen der Eingewanderten ein 
rechnet, 5 Mill, erreichen ; allein diese Nachkommen haben in grösster 
Anzahl aufgehört, Deutsche zu sein. Nach dem Census von 1860 waren 
von den Einwohnern 1’301,136 in Deutschland geboren,*) 431,692 in 
England, 108,518 in Schottland, 1'611,304 in Irland, 109,870 in 
Frankreich, 573,655 in andern Ländern, zus. 4' 136,175 total im Aus 
lande Gehörne. — Die Zahl der Juden wird (von M. Wagner) auf 
120,000 geschätzt. Indianer gab es nach dem Census von 1850 
388,299 (in 51 oder 52 Stämmen), nach dem von 1860 nur noch 294,431. 
— Die Negerbevölkerung betrug, mit Einrechnung von 487,970 freien 
Schwarzen, 4’441,730. % der Farbigen wird als Mulatten aufgeführt. 
— In Californien gab es 33,348 Chinesen. 
Einwanderungen.**) Im ersten Jahrzehnt der Unabhängigkeit betrug 
die Einwanderung jährlich nur etwa 4000 Individuen; 1794 (franz. Re 
volution) ungef. 6000; 1817 (Hungersnoth in Europa) 22,240 (was für 
unerhört galt). Seit 1819 werden Einwanderungsregister geführt. Im 
Ganzen kamen (nach Bromwell): 
1819—29 fast 130,000 
1829—39 über 538,000 
1839—49 - 1’427,000 
1849—55 incl 2’118,000 
Zus. in 30 J. 4’212,024 
Davon waren : 
Briten und Ir 
länder . . 2’343,445 
Deutsche . . 1*242,082 
Franzosen . 188,725 
Schweizer . 31,071 
Norweger u. Schw .29,441 
Chinesen in Cali 
fornien . . 10,714 
Mexicaner . . 15,909 
Italiener . . . 7,185 
Russen . . . 938 
Von 1855 — 00 einschliessl. wunderten 849,790 Personen ein, ungerechnet 
die über Canada gekommenen; 1801 sodann 05,529, 1802 70,300, 1803 trotz 
*) Das Procentverhältniss der Deutschen zur Gesammtbevölkerung ist in 
den einzelnen Staaten folgendes; Wisconsin 15,97 Proc., Indiana 14,94, Min 
nesota 10,59, Illinois 7,05, Missouri 7,50, Ohio 7,19, California 7,10, New)ork 
6,61, Marjdand 6,39, Iowa 5,71, Michigan 5,18, New-Jersey 5,03, Pennsylvania 
4,74, District Columbia 4,3.1, Kansas 4,03, I.ouisiana 3,48, Texas 3,40, Ken 
tucky 2,36, Oregon 2,06, die Territorien 1,86, Connecticut 1,85, Delaware 1,13, 
Massaschusetts 0,81, \irginia 0,66, Rhode Island 0,47, South Carolina 0,38, 
Tennessee 0,35, Florida 0,34, Alabama 0,27, Arcansas 0,26, Mississippi 0,25, 
Georgia 0,23, New-Hampshire 0,13, North-Carolina 0,8, Vermont 0,7, Maine 
0,6. Die totale fremdgeborene Bevölkerung der Union war 4*130,175 oder 13,15 
Proc. der gesammten Bevölkerung. Engländer bildeten 1,37 Proc., Irländer 
5,12, Deutsche 4,14. 
**) Hauptquellen: die Schrift des Unionsbeamten William J. Brom 
well: History of the Immigration io the United States, New-York 1856, — so 
dann ein (uns übrigens nur im Auszuge bekannter) Bericht des Staatssecretärs 
der Verein. Staaten über die Einwanderungen in den 14 Jahren 1844—57.
        <pb n="453" />
        V"EREINIOTE STAATEN. — Land und Leute. 
429 
des Krieges 155,223, worunter 92,6‘&gt;1 Irländer, 38,236 Deutsche und 18,262 
Engländer und Schotten. Oberinspector Kennedy schätzt das im Jahrzehnt 
1850—60 den Ver. Staaten durch die Einwanderer zugeführte Geld auf 400 Mill. 
Doll., wogegen von 1848—60 von den Ankömmlingen 50 Mill. Doll, in ihre 
Heimath gesendet worden seien. _ , 
Deutsche, ungerechnet die Preussen, werden in einer andern Liste aufge 
führt : 1852 118,126, 1853 140,635, 1854 206,054, 1855 bis 1860 279,957. 
Nach den Angaben des amerikanischen Staatssecretärs betrugen die 
Einwanderungen : 
1844 84,764 
1845 119,896 
1846 158,649 
1847 239,482 
1848 229,483 
1849 299,683 
1850 315,334 
1851 408,828 
1852 397,343 
1853 400,982 
1854 460,474 
1855 230,476 
1856 224,498 
1857 271,558 
I Zus.inl4J. 3’9()7,018 
Die Gesammtzahl der Einwanderer vom 30. Sept. 1843 bis 31. Oct. 1860 
war auf 4’386,441 angewachsen, wovon 123,126 auf Í858 und 179,469 auf 1860 
kamen; im letzten Jahre 54,491 aus Deutschland und der Schweiz, 48,637 aus 
Irland, 13,001 aus England, 5476 aus China etc. Es befanden sich darunter 
108,550 männl., 70,833 weibl. Auf der Seereise waren 222 gestorben. *) 
Städte. 
New-York . 
Philadelphia 
Brooklyn . 
Baltimore . 
Boston . . 
New-Orleans 
SL I.ouis . 
Cincinnati . 
Chicago 
1810 
96,377 
96,691 
4,402 
46,555 
32,250 
17,212 
V,540 
1820 1830 1840 
123,706 203,007 312,710 
108,116 167,188 258,037 
7,175 13,662 41,913 
62,738 80,625 102,313 
43,298 61,392 93,383 
27,176 46,310 102,193 
4,598 5,852 16,469 
9,644 24,831 46,338 
1850 1860 
515,507 814,277 Einw. 
408,762 568,034 
96,838 273,425 
169,054 214,037 
136,881 177,902 
116,375 170,766 
77,860 162,179 
114,436 160,060 
29,963 109,420 
Andere Städte (1860) : 
Buffalo . 
I^ouisville . 
Newark . 
San Francisco 
Washington 
Providence 
Rochester 
Eetroit . 
Milwaukee 
Cleveland 
Charleston 
IVoy . . 
New-Haven 
84,132 
75,196 
72,055 
66,000 
61,400 
50,689 
48,096 
46,834 
45,323 
43,550 
40,194 
39,653 
39,277 
Richmond 
Lowell . 
Jersey-City 
Cambridge 
Roxbur) 
Charleston 
Worchester 
Nashnlle 
Reading . 
Salem. . 
New-Bedford 
Dayton . . 
37,958 
37,069 
29,256 
26,074 
25,137 
25,120 
24,963 
23,715 
23,171 
22,486 
22,309 
20,132 
Städte, deren Bevölke 
rung i. J. 1860 uns noch 
nicht bekannt, Einwoh 
nerzahl 1850: 
Pittsburgh 
Albany . 
Syracuse . 
Portland . 
Mobile . 
46,601 
41,139 
22,271 
20,815 
20.513 
1790 zählten : Philadelphia 42,520 Einw., New-York33,131, Boston 18,038, 
Charleston 16,359, Baltimore 13,503. 
Gebietszuwachs. 1803 Erwerbung Lousiana’s von Frankreich — 
1810 Erwerbung Florida’s von Spanien. — 1822 Besetzung des zu 
Louisiana gerechneten Districts Columbia. — 1845 Annexation von 
Texas (früher spanisch, dann mexicanisch, zuletzt selbständig). 1848 
*) In den 5 Jahren 1855—60 betrug die Zeitdauer einer Reise von Europa 
nach Amerika durchschnittl. 30 Tage, und es starben dabei unterwegs von 500 
Menschen einer. Bei einer Gesammtsumme von 5 Mill Einwanderern müs- 
*Gn daher wenigstens 10,000 Menschen auf der See ihr Leben gelassen haben. 
Loch bleibt dies weit unter der Wirklichkeit, da vor 1855 die Reisen ^iel länger 
dauerten und viel gefährlicher waren.*
        <pb n="454" />
        430 
VEREINIGTE STAATEN. — Finanzen- 
Erwerbung von Neumexico und Obercalifornien von Mexico. — 
Der blutige Aufstand, den im J. 1861 elf Staaten begannen (Virginien, 
Nord- und Süd-Carolina, Tenessee, Arkansas, Georgien, Florida, Ala 
bama, Mississippi, Louisiana u. Texas) ist allerdings (anfangs 1865) 
noch nicht vollständig niedergeschlagen, hat aber doch beinahe alle Aus 
sicht auf Erfolg verloren. 
Die 13 Provinzen, welche am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeit 
proclamirten, sind oben (S. 427) verzeichnet. Die Vermehrung der 
&gt;1 Staaten« (Aufnahme von Gebieten als eigene Staaten) erfolgte: 
14. Staat, Vermont, 1791, 
15. Kentucky 1792, 
16. Tennessee 1796, 
17. Ohio 1802, 
18. Louisiana 1812, 
19. Indiana 1816, 
20. Mississippi 1817, 
21. Illinois 1818, 
30. Wisconsin 1848, 
31. Californien 1851, 
32. Minnesota 1858, 
33. Kansas 1858, 
34. Oregon 1859, 
35. West-Virginien 1862, 
36. Nevada 1864. 
22. Alabama 1819, 
23. Maine 1820, 
24. Missouri 1820, 
25. Florida 1822, 
26. Michigan 1837, 
27. Texas 1845, 
28. Arkansas 1846, 
29. Iowa 1846, 
Verzeichniss der Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Amts 
periode, je am 4. März beginnend, endet stets nach 4 Jahren: 
1789. George Washington (2mal). 
1797. John Adams. 
1801. Thomas (2mal). 
1809. John Madaison (2mal). 
1817. James Monroe (2mal). 
1825. John Quincy Adams. 
1829. Andrew i/WcÆson (2mal) 
1837. Martin van Buren. 
Finanzen 
1841. Will. 7/armon (-¡-4. April 1841). 
1841. John T’y/«/- (als bish. Vicepräs.). 
1845. James Knox Volk. 
1849. Zachar. Taylor (•)- 9. Juli 1850). 
1850. Millard EiV/wore (bish. Vicepr.). 
1853. Franklin Pierce. 
1857. James Buchanan. 
1861. Abraham Lincoln (2 mal). 
Dieselben befanden sich in der Neuzeit, bis zum Herein 
brechen der grossen Handelskrise von 1857, in einem sehr blühenden 
Zustande. Der Zoll brachte weitaus am meisten ein, nächstdem die ver- 
äusserten Staatsländereien — »Congressland «, zu 1 *,'4 Doll, per Acre 
verkauft. So hatte man in dem (mit dem 1. Juli beginnenden) Rech 
nungsjahre 18*78« 92’850,1 17 Doll. Einnahme (davon 64’022,863 aus 
Zöllen, S’917,645 ^' aus Landverkäufen), während die Ausgaben nur 
72’948,792 betrugen; ebenso 18*"/,, 88’532,839 Einnahmen gegen 
64’878,828 Ausg. — Dagegen schloss das Budget für 18*7,« so ab: 
Bedarf 81’585,667, Einnahme 46’557,569, Deficit 35’028,098 (unter 
den Ausg. : Militär 25’485,384, Marine 1 3’976,000, Schuld 9’684,538 ; 
— unter den Einnahmen: Zoll 41’789,621 , Landverkauf 3’513,686). 
Auch in den nächsten Jahren ergab sich noch ein Ausfall. Für 1 8*7«o 
stellte sich die wirkliche Abrechnung folgendermaassen • 
Einnahme 
Zölle 0 53’189,000 
Landverkauf. . . . PT 79,000 
Verschiedene Einn. 
Zus 
Aus Anlehen 
Total 
PO]0,000 
. 55’978,000 
20’774,000 
ÿ'76’752,000 
Aufgabe 
Civildep., Auswärt, etc 
Depart, des Innern. 
- Kriegs 
der Manne 
Schuld .... 
/ Zus 
27’970,000 
3’956,000 
16’410,000 
11’513,000 
17’613,om) 
77’4G2,000 
Von 18®'*/«! schien das Gleichgewicht nahezu hergestellt. Für 
1S®‘«2 nahm man einen Bedarf von 68’364,000 und eine Einnahme von 
64’496,000 $ an (wozu der Zoll 60, der Landverkauf 3 Mill, liefern 
sollte). Allein im Frühjahre 1861 brach der Aufstand der Südstaaten
        <pb n="455" />
        VEREINIGTE STAATEN. - Finanzen. 
431 
aus, und nun forderte der Finanzminister unterm 4. Juli des genannten 
Jahres neue Credite, namentl. ISO*/*Mill, für Militär, 30 /% für Marine, 
2 ly, für Schuld. Der ganze Jahresbedarf erhöhte sich auf 318’519,581 ; 
Anlehen und neue Abgaben wurden gleichzeitig angewendet, insbes. 
der Zoll erhöht. Doch blieb das Ergebniss der Abgabenvermehrung um 
25’447,334 ^ hinter den verschiedenen Voranschlägen zurück, indem 
die Gesammteinnahme nur 54 552,655 betrug. Dagegen erhöhten sich 
die Ausgaben auf 532’423,809 S, wov. 394’064,996 für die Armee.— 
Später stellte der Finanzminister seine Berechnung iolgendermassen ; 
IS*'/». Einnahme 56’''&lt;i9,131, Bedarf 543’4U6,426 
IS'*.. - 95’SOU,OUU, - 4T5’331,246 
1S*%. - 161’5tiS,5oO, - 749’731,961 
Die Einnahmeerhöhung ward durch die Einführung neuer Auflagen 
bewirkt; das Deficit musste jedes Jahr durch Vermehrung der Schuld 
gedeckt werden. Aber — alle diese \ oranschläge blieben hinter der 
Wirklichkeit des Bedarfes zurück, besonders um desswillen, weil man 
mit der Vermehrung des Papiergeldes dessen Entwerthung vergrösserte 
und in Folge davon alle Leistungen fortwährend theurer bezahlen musste. 
Somit sind alle Budgets täuschend so lange der Krieg dauert und die 
Papierwährung nicht abgeschafft ist. Für das Finanzjahr 18%= entwarf 
der Finanzminister im Dec. 1864 folg. Uebersicht. 
Einnahme 
Zölle ^ 70’272,092 
Verkauf von Ländereien 642,185 
Innere Auflagen . . . 249’562,S60 
Verschiedene Quellen . 24’02(),171 
Besondere Auflagen . ._ 16,080 
Zus. 344’512,389 
Somit unmittelbar oder 
mittelbar zu decken 
des Deflcit .... 1064’570,067 
Zahlungsrückstände . f 380’387,050 
Kriegswesen .... 625’945,T-12 
Marine llu’047,460 
Civilliste (Civilverwaltg.) 21’“96,572 
Pensionen u. Indianer . 6’590,098 
Verschiedene Ausgaben 9’152,oo7 
Verzinsung der Schuld 91’h1(&gt;,215 
Zus. "1245’729,136 
Dazu : verfallende 
Schuldtitel .... 163’353,320 
Totalbedarf 1409’082,456 
Für IS^Vee lautet ein vorläufiger Ueberschlag: 
Civilliste 33’(iS2,097 j Zölle . . • • • • 
Pensionen u. Indianer . 14’196,050 j Innere Einkünfte 
Kriegswesen .... 531 758,121 i I.ändereien . . . . 
Marine 121’219,663 | versch. Quellen . . ^ 
Zinsen der Schuld . . 127’000,000 I Zus. 
81Y256,005 Deficit 
70’000,000 
300’000,000 
1’000,00(1 
25'000,000 
396’000,000 
422’256,005 
Eine früher sehr bedeutende Einnahmequelle ist ziemlich versiegt : 
der Erlös aus Staatsländereien hat sich in Folge des Heimstättegesetzes 
(s. unten, Socialverhältnisse) ungemein vermindert. Derselbe belief sich 
mir noch auf 
18*V„ 
884,887 
Im letzten Jahre 
18*'/„ 18"/., 
125,048 136,078 
wurden abgegeben • 
gegen Baarzahlung . . , . 
gegen Militär-Warrants . . 
gegen Agriculturalscrips . . 
an Staaten für Eisenbahnen . 
unter dem Heimstättegesetze . 
Zusammen 
18'".. 
678,007 ^ 
432,773 Acres, 
519,900 - 
214,418 - 
857,1''0 - 
1’261,592 - 
3’281,865 Acres.
        <pb n="456" />
        432 
VEREINIGTE STAATEN. — Finanzen. 
Die Gesammtsumme der Staatsländereien wird auf 1000 Mill. Acres 
geschätzt. Vermessen, aber noch nicht abgegeben waren am 30. Sept. 
1864 133’517,587 Acres. 
Die neuen Auflagen sind sehr mannichfach und erstrecken sich über 
eine Menge Lebensbedürfnisse. Eine Grundsteuer, die wieder eingeführt 
worden, bestand vom Anfänge der Union bis 1818 in sehr niedrigem 
Betrage (1 Cent für den Acre Landes) ; seitdem hatte jede directe Steuer 
für Zwecke des Gesammtstaats aufgehört ; jetzt hat man auch Einkom 
men- und Gewerbsteuer sowie Stempeltaxe. Die übrigen neuen Steuern 
gehören theils in die Kategorie der Accise, theils der Zölle, woran man 
cherlei sonstige Auflagen sich anreihen (auf Zucker, Kaffe, Thee ; de- 
stillirte Getränke ; Equipagen , Schmucksachen ; dann Banknoten , Le 
gate etc.). — Die Zölle werden theils nach Gewicht und Maas, theils 
nach dem Werthe erhoben, mitunter hat man auch beide Systeme oom- 
binirt (bei Cigarren z. B. nach der Qualität 80—100 Cents pr. Pfund 
und 10 To des Werthes). — Unter den (erst seit dem Krieg eingeführ 
ten) innern Auflagen erscheint zunächst die Einkommensteuer. Alle 
Einkommen unter 600 $ sind frei, und bei den höheren darf dieser Be 
trag abgerechnet werden. Für die gewöhnlichen Gewerbe sind Jahres 
taxen bestimmt (wie in Frankreich die Patentsteuer) ; alle Gewerbtrei- 
bende (wobei auch die Aerzte und Advokaten) müssen diese Abgabe 
entrichten ; bei fabrikmässigem Betriebe sind die Unternehmer verpflich 
tet, jeden Monat ihre Production anzugeben, wonach sich dann die Auf 
lage bemisst. — Das ganze System der innern Auflagen ist noch neu 
und erst in der Ausbildung begriffen. Im Finanzjahre lS®Te, erlangte 
die Staatscasse hiedurch nicht mehr als 39 Mill., 18®Te* schon 110, u. 
für 18®Ye6 geht die officielle Schätzung auf 250. Man hofft, bei Durch 
führung der Organisation später nicht weniger als 300 Mill, zu erlan 
gen, ungerechnet das insurgirte Gebiet. 
Was die Ausgaben betrifft, so beträgt die höchste Besoldung, die 
des Präsidenten der Union, nicht mehr als 25,000 Doll., jene des Vice- 
präsidenten nur 5000. Im Uebrigen vermisst man eine so zweckmässige 
Finanzverwaltung, wie sie namentlich in der Schweiz besteht ; man be 
gegnet vielmehr häufig der Verschwendung und dem Betrüge. 
Geschichtliche Notizen. Im Jahre 1781 sollten 8 Mill. Doll, für die 
Centralregierung aufgebracht werden. Diese Summe ward nach Maass 
gabe des vermuthlichen Werthes der angebauten Ländereien (demnach 
als Grundsteuer) in folgender Weise repartirt (woraus unter anderm er 
sichtlich, wie weit der jetzige Grossstaat New-York [the Empire-State] 
den meisten andern Provinzen noch nachstand) : 
Virginien . $ P307,594 New-Jer.sey . ^ 705,979 
Massachusetts l’307,49ü Nord-Carolina 022,077 
Pennsylvanien 1'120,794 Süd-Carolina 373,598 
New-York . 373,598 
Maryland 
Connecticut 
933,990 
727.196 
Rhode-lsland ^ 216,684 
New-llampshire 173,398 
Delaware . 112,085 
Georgien . 24,905 
Die Einkünfte der Union stiegen folgendermassen ; 
1792 3’652,014 
1795 5’920,216 
1800 10’624,997 
1810 9’299,737 
1815 15'411,634 
1820 16’779,331 
1825 21'342,906 
1830 24’280,888 
1835 34’103,635 
1840 16’993,858 
1845 29’769,134 
1850 43’375,798
        <pb n="457" />
        VEREINIGTE STAATEN. — Finanzen. 
433 
lieber die neuere Finanzgeschichte s. unten, Schuld. 
Schuld. Am Schlüsse des Fiscaljahres war die Staatsschuld 
auf 25’125,155 S herabgebracht. In Folge des Zollausfalls seit 1857, 
dann der Kriegsausgaben, stieg sie 
lS‘»/,o auf 64’769,703, IS'%, auf 90’907,829 ^ 
lieber die Gestaltung der Finanz - und insbesondere der Schuld 
verhältnisse seit dem Ausbruche des Bürgerkriegs entnehmen wir dem 
im Dec. 1864 dem Congress erstatteten Berichte des Finanzministers 
folgende Notizen : 
Am 4. März 1861 war die Staatsschuld höchst unbedeutend. — In seinem 
Jahresberichte vom 4. Juli 1861 schätzte der damalige Finanzminister seinen 
Etat für das am 30. Juni endende Fiscal-Jahr auf 318'519s581 $, welche er 
durch die ordentlichen Einnahmen und eine Anleihe von 270 Mill, f reichlich 
zu decken hoffte. Weitere 20 Mill. 0 directer Steuern und eine Taxe von 3% auf 
alle Einkommen über 800 0 wurden durch Congressbeschluss vom 5. Aug. 1861 
angeordnet. Die Erfahrung lehrte, dass die Schätzungen des Finanzministers 
unzulänglich waren, u. am 9. December desselben Jahres sah er sich genöthigt, 
den Congress um Mittel zur Deckung eines Deficits von 213’404,427 S anzu 
gehen. in seinem Berichte von genanntem Tage wurde das Budget für das 
nächste Fiscal-Jahr auf 475’331,245 ^ abgeschätzt. — Eine Erhöhung der 
Steuern erschien unabweisbar, und so erging unterm 1. Juli 1862 das neue all 
gemeine Steuergesetz, woran sich unterm 14. Juli die Erhöhung der Einfuhr 
zölle reihete. — Doch die Bedürfnisse stiegen immer mehr. Man glaubte das 
Ergebniss der Unterhandlungen wegen eines Anlehens nicht abwarten zu kön 
nen, und so beschloss der Congress die Ausgabe von 300 Mill. Papiergeld, nach 
dem schon früher die Emission von 60 Mill, verfügt worden war. Dasselbe er 
hielt Zwangscurs. Diese Noten waren zur Conversion in 6% mit Gold zu ver 
zinsende Obligationen zulässig, für deren Zahlung die Einkünfte aus Zöllen 
ebenfalls in Gold — speciell verpfändet waren. Dasselbe Gesetz ermächtigte 
zur Emission von 500 (später 511) Mill. Obligationen, nach 5 oder 20 Jahren 
rückzahlbar. — Trotz dieser umfassenden Bewilligungen für das am 30. Juni 
1863 endende Fiscal-Jahr ergab der Bericht des Finanzministers vom 4. Dec. 
1862 ein Deficit von 276’912,517 0 und der Voranschlag für das folgende Jahr 
einen solchen Ausfall von 622*388,186. Der Congress autorisirte deshalb am 
3. Mai 1863 eine Anleihe von 300 Mill, für das laufende und von 600 Mill, für 
das nächste Fiscal-Jahr. Hievon sollten 400 Mill, in 6proc. Schatzscheinen und 
150 Mill, in Papiergeld ausgegeben, von der letzten Summe aber 50 Mill, für 
Rückzahlung temporärer Depositen reservirt werden. Zur Bestreitung tempo 
rärer Auslagen, die im Laufe des Jahres nothwendig würden, gestattete der 
Congress am 1. März 1863 noch die Emission von 6% nach Jahresfrist rück 
zahlbarer Certificate und genehmigte die Entgegennahme von Depositen für 
picht kürzer als 30 Tage gegen lOtägige Kündigung. Von ähnlichem Charakter 
ist die unterm 3. März 1863 genehmigte Ausgabe eines limitirten Betrages Pa- 
pierg^eld in Stücken unter \ 0. . 
Das Jahr 1864 brachte (zum Theil in Gemässheit der frühem allgemeinen 
Beschlüsse) neue Anlehen und Steuererhöhungen, namentlich bei den Zöllen 
(Gesetz vom 30. Juni).— Es ist uns noch nicht möglich, eine vollkommen klare 
Uebersicht über die mannichfachen seitherigen Finanzoperationen zu erlan^n. 
~7 Nach den Angaben des Finanzministers vom Dec. 1864 waren seit dem^- 
ginne des Fiscaljahres (also in der kurzen Zeit v. 1. Juli bis dahin) 641 12 &lt;,213 0 
neue Schuldscheine emittirt, dagegen allerdings auch eine sehr ansehnliche (der 
Ziffer nach uns jedoch nicht bekannte) Summe eingezogen (oder eigentl. umge 
wechselt) worden. — Ein Erlös aus dem Verkaufe von Ländereien hat beinahe 
ganz aufgehört in Folge des Heimstättegesetzes, durch welches den Einwande- 
rern unentgeldlich Land überlassen wird (s. unten, Social Verhältnisse). 
Ueber den Gesammtstand der Schuld erklärte der Finanznuniider : »Der 
Gesammtbetrag des unverzinslichen Nationalpapiergeldes, ohne die ^oten von 
Weniger als einem Dollar und die Noten der Nationalbanken, ist auf 400 Mill. 
Kolb, sutiitlk. 4. Aufl. 28
        <pb n="458" />
        434 VEREINIGTE STAATEN. — Finanzen. 
beschränkt, abgesehen von 50 Mill. Reservefond für temporäre Depositen. Von 
5proc. verzinslichen Noten waren am 1. Nov. 1864 120^519,110 S im Umlauf 
Die Couponnoten haben sich als unpractisch erwiesen und es sind etwa 90 Mill, 
von der ursprünglichen Emission von 150 Mill, eingezogen, vernichtet und durch 
Noten ersetzt worden, einlösbar in 3 Jahren und 6% Zinsen tragend, halbjähr 
lich zahlbar. — Der den Nationalbanken ausgestellte Notenbetrag war am 22. 
Nov. 65’160,110 Diese Summe kann aber nicht als eine entsprechende Ver 
mehrung des Papiergeldes angesehen werden, weil viele Staatsbanken in Na 
tionalbanken umgewandelt wurden und deshalb ihr früheres Papiergeld einge 
zogen. Der Umlauf von Staatsbanknoten betrug am 1. Jan. 1864 169’926,129, 
im Juli 1864 (in dem loyalen Landestheile) nur 126’196,606 $. — Am 25. Juli 
wurde zu Zeichnungen auf eine neue Anleihe eingeladen. Der Erfolg hat nicht 
ganz den Erwartungen entsprochen. Um die grosse Summe der ausstehenden 
Verpflichtungen, die auf 130 Mill, angeschwollen waren, aufzubringen, war es 
nötnig, die eingezogenen 5proc. Schatzamtsnoten im Betrage von über 80 Mill, 
durch eine neue, gleich grosse, oder noch etwas grössere Emission zu ersetzen. 
— Um anderen Forderungen zu begegnen, wurde abermals eine Anleihe von 
32 Mill, ausgeschrieben. Das Resultat war sehr befriedigend, es wurden Ange 
bote für 70 Mill, gemacht und der ganze Betrag mit durchschnittlich 4 % Prä- 
mium genommen. Darauf am 1. üct. wurde abermals eine Anleihe von 40 Mill, 
auf Fünfzwanziger-Obligationen ausgeschrieben.« 
Der Minister hebt noch hervor, dass die Zinsen der in Goldwäh 
rung abgeschlossenen Anlehen jährl. bereits 56 Mill, erforderten, also 
beinahe den ganzen Betrag der (ihnen gleichsam als Unterpfand dienen 
den, weil gleichfalls in Gold zu entrichtenden) Zölle. 
Der Stand der Staatsschuld war am 1. Nov. 1864 folgender: 
A. Consolidirte Schuld: Capital 
in Gold verzinslich $ 947*228,700 
in gesetzl. Währung verzinslich . . 598*185,216 
auf welche die Zinszahlung erloschen 267,030 
Zus. consolidirte 1545*680,946 
B. Papiergeld: 
Noten on demand 613,132 
Tresorscheine 432*547,437 
Postal Currency 10*037,913 
Fract. Currency (Kleingeld) . . 10*687,958 
(5 % Schatzscheine auf 1 u. 2 Jahre*) 120*519,110) 
(Compound Int. Notes*) . . . . 102*329,680) 
Zusammen netto 471*533,688 
Total^20i7*214,629 
JahreBzins 
55*726,182 
35*839,434 
91*565,616 
Hiezu kommt noch das Bankpapiergeld mit 191*356,816 ^S', 
neml. 65*160,210 Noten der Nationalbank, und 126*196,606 Noten 
der Staatenbanken. 
Alsbald nach Einführung des Papiergeldes musste Gold mit Agio 
bezahlt werden; Ende 1862 mit 33 %, Febr. 1863 72, August 22. 
Zu Ende des Jahres 1863 war das Aufgeld his zu 52 Procent wie 
der gestiegen. Doch erst im Jahre 1864 erfolgte das ärgste Steigen 
des Goldagio, also die Entwerthung des Papiergeldes. Im monatlichen 
Durchschnitt betrug das Aufgeld nach den New-Yorker Notirungen 
nach Procenten : im Januar 55,03, Februar 58,80, März 63,37, April 
73,09, Mai 79,02, Juni 105, Juli 158,06, August 154,09, September 
*) Diese beiden (zwischen Parenthesen gestellten) Papiergeldarten sind 
bereits oben unter der »in gesetzl. Währung zu verzinsenden« Schuld aufge 
führt (weil verzinslich', desshalb bei der Summirung hinweggelassen.
        <pb n="459" />
        28* 
\T£REINIGTE STAATEN. - Finanzen. 
435 
122,59, October 107,35, November 133,75, December 129,28; I. Se 
mester 72,17, II. Semester 134,03, im ganzen Jahre 1864 : 103,15* 
Proc. ; Minimum am 6. Jan. 51,5, Maximum am 11. Juli 175,5 %. 
Finanzen der Südstaaten. Ueber diese entnehmen wir dem Berichte, 
welchen der Finanzminister der Conföderirten, Mcmminger, im Dec. 
1803 an den Congress erstattete, folgende Angaben. 
In den 9 ersten Monaten 1863 betrugen diegesammt. Einkünfte 601’522,893 S, 
wovon aber nur 6’945,241 aus gesunden Quellen herrührten, neml. 4’128,988 
Kriegssteuer, 934,798 Zölle etc. Die übrigen Mittel waren : 391’623,53ü S Tre- 
sorscneine, ca. 175 Mill. Anleihen zu 8, 7, 6 und 5% , 1’862,550 durch Seque 
stration erlangt, 2 Mill. Baumwollen-Certificate, 24’498,217 durch diverse Mit 
tel erzielt etc. — Diese Zahlen reprásentiren in allen Fällen Papier, welches 
sich damals gegen Gold durchschnittlich wie 1 zu 12 verhielt. Das Kriegsde 
partement kostete ca. 378 Mill., die Marine 38, der Civildienst erforderte 12, 
die öffentl. Schuld 32’, ausgelöste Tresorscheine 59’, fundirte Tresorscheine 65’, 
Total 584’368,559 ff, demnach Bestand 17’154,334. 
Die Regierung der Südstaaten deckte ihre Bedürfnisse vorzugs 
weise durch Ausgabe unfundirten Papiergeldes. Zu Anfang des Jahres 
1864 war dessen Betrag blos in Schatzscheinen auf die enorme Summe 
von 700 Mill, und von Vao Ponds auf 200 Mill. $ angewachsen, die 
Kauffähigkeit aber tief herabgesunken. Da erliess der südstaatl. Con 
gress ein Decret (promulgirt unterm 27. Febr. 1864), nach welchem 
den Inhabern der Schatzscheine auferlegt wurde, die genannten Papiere 
' bis spätestens zum 1. April (also innerhalb 33 Tage!) gegen 4proc. 
Bonds zu convertiren. Nach Ablauf dieser Frist wurden die Papiere 
nur noch um % ihres Nominalwerths angenommen, und jeden Monat 
weiter 10®/, mehr abgezogen. Ebenso mussten die Yao Bonds con ver 
ti rt werden. — Es war eine colossale Repudiirung, ein vollständiger 
Bankerott! Bei der Ungeheuern Ausdehnung des Landes und dem Ab 
geschnittensein grosser Landschaften von der secessionistischen Regie 
rung , war es gar nicht möglich, alle Papiere rechtzeitig zur Conver- 
tirung anzumelden. Die Inhaber waren kurzweg ihres Eigenthums 
beraubt ! 
Die Gesammtschuld der südstaatlichen Confederation wurde gleich- 
wol von deren Finanzminister für den 1. Oct. 1864 auf 1147 970,208 ^ 
angegeben, wovon 549’340,090 verzinslich, der ganze Rest aus Schatz 
bonds bestehend, welche bis Ende des gedachten Jahres convertirt sein 
Würden. Nicht eingerechnet sei das sogen. Baumwollen-Anlehen, 
2’200,000 £ betragend, zu dessen Deckung 250,000 Ballen Baum 
wolle dienten; nicht eingerechnet sind ferner die repudiirten Summen. 
Zur Schuldgeichichte. Nach dem Unabhängigkeitskriege hatte man : 
Auswärtige Schuld: an Frankreich 38 Mül. Livr. 
an Holland, Capital 671,200, Zinsen 26,848 = 
an Spanien 
Einheimische Schuld: 
Anlehen, unbezahlte Zinsen, Sold 
Gesammtschuld 
7’037,037 ft 
698,048 
150,000 
7’885¡08^ 
34’115,290 
42’000.375 
In der Folge stellte sich indess eine bedeutend grössere Ziffer heraus; 
auch ward die zur Verzinsung erforderliche Summe auf nicht weniger 
als 3’4 15,955 ^ berechnet. Später betrug die anerkannte Schuld :
        <pb n="460" />
        436 
VEREINIGTE STAATEN. — Finanzen. 
1790 79’124,404 1812 45’209,737 1830 48’505,40t) 
1791 75’4()3,476 1810 127’334,9.34 *) 1833 4’774,334 
1834 war die Schuld vollständig getilgt; 1835 wurden sogar Ueber- 
schüsse von der Union an die einzelnen Staaten vertheilt. Der mexica- 
nische Krieg und die neuen Landerwerbungen veranlassten bedeutende 
Geldaufnahmen. Auf den Schuldenstand wirkten in verschiedenen Zei 
ten wesentlich folgende Momente ein: Unterm 30. April 1803 erkaufte 
die Union von Napoleon Louisiana um 12 Mill. ebenso unterm 
22. Febr. 1811) Florida von Spanien um 5 Mill.— Mit Texas über 
nahm man ungef. 10 Mill. Schulden. Für Abtretung Californiens etc. 
wurden etwa 20 Mill, an Mexico vergütet (15 Mill.baar). 1834 wurden 
20 Mill, für Anlage von Kunststrassen und Kanälen bestimmt. 1835 
erhielt die Union von Frankreich 25 Mill. Fres, (fast 5 Mill. zur 
Entschädigung für die ihr durch Napoleon’s Gewaltmaasregeln in den 
grossen Kriegen verursachten Verluste. Von sämmtlichen Indianer 
stämmen erkaufte die Union bis zum J. 1840 4 12 806,370 Acres 
Land, wofür sie S5’088,800 ^ bezahlte. Dagegen verkaufte sie von 
1833 bis 1857 114’271,800 Acres um 132’650,347^. Da die meisten 
Ländereien nicht erkauft, sondern als herrenloses Gut in Besitz genom 
men waren, so besass die Union 1857 noch 1080 Mill. Acres Land, 
ungerechnet 401’004,988 Acres für Schulz wecke etc. 
Finanzverhältnisse der einzelnen Staaten, 1800. 
Californien . 
Connecticut . 
Illinois . . 
Indiana . . 
Iowa ,**) . . 
Maine . . . 
Massachusetts 
Michigan . . 
New-llampshire 
New-Jersey . 
New-York . 
Ohio 
Penn sylvan ien 
llhode-Island 
Vermont . . 
AVisconsin 
I. Nicht-Sklaven- 
Einnahme 
1M84,221 
757.088 
753,011 
1’288,445 
777,033 
431,700 
2’012,050 
692,482 
206,890 
207,737 
10*835,962 
3*520,153 
3*826,350 
264,777 
241.089 
979,464 
Staaten. 
Ausgabe 
1*109,143 
723,835 
761,977 
1*218,185 
751,403 
394,008 
2*293,206 
721,437 
184,445 
200,993 
11*018,798 
3*552,995 
3*879,054 
269,095 
230,489 
713,853 
II. Sklavenstaaten. 
Alabama . . 
Arkansas . . 
Carolina, Nord- 
— Süd- 
Delaware . 
Florida 
Georgien . 
Kentucky 
Louisiana 
912,722 
484,911 
6*496,925 
958,307 
42,009 
91,924 
1*165,162 
983,623 
2*538,703 
939,744 
441,571 
6*065,691 
908,698 
41,927 
68,772 
1*179,110 
883,887 
2*396,135 
Schuld 
4*048,781 
11*138,454 
10*286,855 
322,295 
1*037,386 
6*743,428 
2*289,842 
95,000 
33*570,238 
17*223,153 
38*638,961 
100,000 
6*773,000 
3*092,622 
9*125,505 
3*691,574 
143,000 
3*170,750 
5*479,244 
10*023,903 
*) Folge des Krieges mit England 
**) Siehe folgende Seite.
        <pb n="461" />
        VEREINIGTE STAATEN. - Militär. 
437 
**). 
Einnahme Ausgabe Schuld 
1’04S,339 l’30ü,043 14’&amp;21,473 
Ü24,02Ü 707,015 7’271,707 
3’454,77S 2'137,069 23’301,000 
1*848,094 1*704,287 16*643,666 
424,771 1*005,888 — 
4*326,550 4*222,537 40*386,659 
Die Rechnung der mit Sternchen (**) bezeichneten Staaten umfasst 
zwei Jahre. Auch scheinen verschiedene der vorstehenden Angaben 
nicht sehr genau. Die Aufstellung von 1858 hatte ergeben: 
Maryland ^ 
Mississippi 
Missouri r 
Tennessee 
Texas . . 
Virginien 
Einnahme Ausgabe Schuld Zins^ 
Nicht-Sklavenstaaten 30*066,964 34*577,429 123*795,081 5*829,375 
Sklaven-Staaten . . 13*862,555 13*840,043 125*543,932 4 734,022 
Zusammen 43*929,519 48*417,472 249*339,013 10*563,397 
Die meisten Staaten besitzen eigene » Schulfonds a. Im Ganzen 
ward der Retrag derselben Ende 18o9 zu 40 598,690 ^ angegeben. 
Derselbe rührt von der Verpflichtung her, einen Theil des Staatsgrund 
eigenthums für den Unterhalt der UnteiTichtsanstalten zurückzubehal 
ten. Es soll der 16. Theil der zum Verkaufe bestimmten Ländereien 
dazu verwendet werden. — Der Umfang des von der Union an die Schul 
anstalten überlassenen Grundbesitzes ward 1856 zu 52 970,2.11 Acres, 
und deren Werth zu 200 Mill. S geschätzt. 
Militär. A. Landmacht. In den Zeiten des Friedens bestimmt der 
Congress die Zahl der Truppen von zwei zu zwei Jahren. Sie werden 
geworben, mit 30 bis zu 200 $ Handgeld. Die Capitulationszeit ist 
gewöhnlich 5 Jahre (in Kriegszeiten weniger). Nach deren Ablauf er 
hält der Wiedereintretende, ausser dem neuen Handgelde, Anspruch 
auf eine Zulage, und nach der Verabschiedung 180 Acres Land. In den 
20 Jahren 1833 — 53 wurden 26 Mill. Acres an ausgediente Soldaten 
überlassen (besonders nach dem mexicanischen Kriege, denn in Kriegs 
zeiten müssen, um die nöthigen Soldaten zu erhalten, grössere Zuge 
ständnisse gemacht werden, sofern nicht eine Aushebung stattfindet). 
Indess erhält der Angeworbene, schon in gewöhnlichen Zeiten, ausser 
dem Handgelde : Kost, Kleidung und monatltch 7 , nach zwei Monaten 
10 $ Sold. Für im Dienste invalid Gewordene wird reichlich gesorgt. 
Unter den Soldaten befinden sich viele Fremde. — Vor Ausbruch des 
Bürgerkrieges umfasste das stehende Heer 19 Regimenter, nemlich 
10 Inf., 4 Artill. , 4 gewöhnl. Cavallerie- und 1 berittenes Schützen 
regiment. Der Formationsstand war 17,984, der wirkliche Stand indess 
nur 15,764. ^ 
Sogleich beim Ausbruch des Aufstandes zeigte sich der völlständige 
Mangel einer wahren Militärorganisation, die bei dem Milizsystem 
durchaus nothwendig ist. Der Amerikaner lässt sich eine Aushebung 
für ein stehendes Heer so wenig gefallen wie der Schweizer. Allerdings 
ist ein jeder Bürger vom 18. bis zum 45. Altersjahre verpflichtet er 
klärt, zur Vertheidigung seines Vaterlandes mitzuwirken, und so hatte 
man 1860 eine Anzahl von 3’070,987 Gemeinen und 51,460 Officieren 
— auf dem Papiere. Das Ganze aber war in Wirklichkeit nichts Anderes 
als eine Spielerei, völlig verschieden von der Milizeinrichtung der Schweiz, 
Es fehlte gehörige Organisation, Uebung und Disciplin vollständig.
        <pb n="462" />
        438 
VEREINIGTE STAATEN. - Militär. 
Während die Bundesversammlung der kleinen Schwei/ blos an Auszug 
und Reserve S8 Linien-Bataill. etc. kurzweg zum Ausmarsch befehligen 
kann, besass die Union in jenen angeblichen drei Millionen Milizen 
nicht eine einzige zum Felddienst zu befehligende organisirte Compagnie ! 
Es ist ein halbes Wunder, wie aus diesem Zustande ein wirkliches Heer 
herausgebildet werden konnte, und doch gelang es, wenn auch allerdings 
mit schweren Opfern, die sehr wol zu vermeiden gewesen wären. Man 
vermehrte nun zunächst die Linientruppen auf 19 Reg. Infant., 6 Ca valí., 
5 Artill. (im März 1S62 39,3/3 M.) ; dann folgte die Werbung von 
s. g. »Freiwilligen« auf kurze, später auf längere Zeit; endlich im Juli 
1863 zum erstenmal die wirkl. Aushebung durch Conscription mit der 
Befugniss des Loskaufs. Da diese Befugniss aber wesentl. beitrug, dass 
man die nöthige Mannschaft nicht erlangte (nach Angabe des Kriegs 
ministers vom Dec. 1863 erhielt man statt der ausgeschriebenen 300,000 
Recruten in Wirklichkeit nur 50,000), so ward 1864 diese Begün 
stigung beseitigt und dafür die Stellvertretung gestattet. Stellt man nun 
einfach die verschiedenen Truppenaufgebote zusammen, so erhält man 
allerdings folgende colossale — aber täuschende — Zahlen • 
Die wirkliche Vermehrung der Truppen erfolgte aber nicht entfernt 
in dieser Ausdehung. Vor Allem wurde (wie uns bestimmt versichert 
wird) die jeweils geforderte Gesammtsumme auf alle Staaten der Union, 
also auch die insurgirten, ausgeschlagen, in denen natürlich eine Aus 
hebung gar nicht stattfinden konnte (von 500,000 trafen ungef. 360,000 
auf die bundestreuen Staaten) ; sodann kamen die Loskäufe, welche der 
Unionscasse zwar Geld aber keine Mannschaft lieferten, und endlich er 
folgte Entlassung aller Soldaten , sobald deren (anfangs nur so kurz be 
stimmte) Dienstzeit vorüber war, da man nicht, wie in Europa, während 
des Krieges jede Entlassung der Gesunden verweigerte. Jene Aus 
schreibungen besitzen also keineswegs die gleiche Bedeutung wie etwa 
die vom alten Napoleon angeordneten Aushebungen (siehe S. 82). Da 
gegen ist allerdings zu erwähnen , dass die Aushebungen in den Süd 
staaten vom April 1861 bis Juli 1864 zu 498,500 Mann angegeben 
werden. Nach dem Army-Register sollen die bundestreuen Staaten vom 
Anfang des Bürgerkriegs bis Ende 1864 1'258,761 M. wirklich gestellt 
haben. Davon seien aber 497,875 Milizen nur auf 3 oder 9 Monate ein 
gereiht gewesen, wonach für den längeren Dienst zusammen nur 
760,886 Mann verblieben. 
Ueber die Formation und Stärke fehlen uns verlässige Ueber 
sichten durchaus. Schwerlich betrug die Stärke der Unionsheere auf den 
1861, April, Freiwillige auf 3 Monate 
77,875 
660,971 
300,000 
300.000 
120.000 
300,000 
300,000 
300.000 
700.000 
500.000 
300.000 
Dec., 
1862, Juli, 
Aug., Miliz 
3 Jahre 
— 3 — 
9 Monate 
-loo Tage 
Í863, Juli, Conscribirte 
2 Jahre 
3 - 
- 3 
- 3 - 
- 3 - 
- 3 - 
Zusammen in 4 Jahren 3’858,846
        <pb n="463" />
        VEKEINIGTE STAATEN. - Militär. 
439 
Amerikaner 
16,000 
4,500 
3.300 
1777. März 
Juni 
Briten Amerikaner 
27.000 4,500 
30.000 8,000 
verschiedenen Kriegsschauplätzen, aber zu einer und derselben Zeit zu- 
sammengerechnet, jemals über 500,000 M. ) 
Festungen. Bis zum Beginne des Bürgerkriegs waren deren eigent 
lich keine vorhanden, nur hatte man die grossen Hafenplätze durch Forts 
gedeckt, namentlich New-ltork, Boston, New-Orleans, Charleston etc. 
Auch gegen die Indianer hat man an manchen Puncten Forts errichtet. 
Dagegen haben die Südstaatlichen sogleich nach dem Beginne des Auf 
standes eine Reihe von Plätzen stark befestigt, vor Allen Richmond. 
Geschichtliche Notizen, Die Nordamerikaner haben es bisher immer 
versäumt, ihre Milizen während des Friedens gehörig zu organisiren. 
Dennoch schufen sie, so oft Gefahr vorhanden war — allerdings anfangs 
nie ohne schwere Menschenopfer — eine tüchtige Militärmacht. So war 
es schon im Unabhängigkeitskriege. Folgende Gegenüberstellung der 
gegenseitigen Streitkräfte zu verschiedenen Zeiten jenes Kampfes rührt 
von einem Militär von Fach her, und zwar nicht von einem Ameri 
kaner, sondern von einem Gegner derselben,einem Briten , Stedman, 
der gerade in diesem Kriege selbst diente, und zwar unter dem ausge 
zeichneten englischen Obergenerale Lord Cornwallis. {Stedman, History 
of the war of Nor th-America.) Es betrug die Zahl der Kämpfer : 
Briten 
1776. August 24,000 
November 26,900 
December 27,700 , 
Aus dem Jahre 1781 liegt uns folgende Berechnung über die Streit 
macht der Amerikaner vor ' 
Infanterie, 49 Regim., jedes von 9 Comp, zu 46 Mann 28,224 
Ä Î : ’ 
Cuvallerie, 4 - 6 Escadr. - 64 
Zusammen 32,580 
Unmittelbar nach beendigtem Kriege waren nur noch 4800 Mann 
Infanterie und 2600 Cavallerie vorhanden. Die gesammte Streitmacht 
verminderte sich dann auf 1500 M. Als dagegen 1794 ein Krieg mit 
Frankreich drohte, standen 75,000 M. kriegsbereit. Bei Beendigung des 
zweiten Krieges mit England, 1815, hatte man 32,000 Soldaten, deren 
Zahl schneU auf 6,000 vermindert ward. — Im inexicanischen Kriege 
wurden 90,067 M. aufgestellt, wovon 4,443 Officiere. Es starben an 
♦) Ueber die Verluste im Felde sind sehr übertriebene Angaben verbreitet 
worden. Der zu Lynchburg (Virginien) Ende 1864 'eröffentlichte »Süd^^lma- 
nach« enthält eine Zusammenstellung, welche angebl. aus amtlichen (Jue 
herrührt ..»eit »ie die drei,er,te„ %*M.hjlbeWmW«AüB^e.^furja, 
Veit nicht 
Verluste 
Todte Verwundete 
der Unionisten 43,573 132,265 8.,48 
- Südstaatlichen 26,720 101,843 &lt;8,731 
Zusammen 70,293 234,TÖT 166,212 
Zu erüähuen i.t hier „och, %St%%„du„dt 
nion abgetreten worden sind.
        <pb n="464" />
        440 
VEKEINIGTE STAATEN. — Militär. 
Wunden 121 Off. und 1399 Gemeine; an Krankheiten 86 O., 6,063 
Gern.; durch Zufälle 108, zus. 7777 Todte. Verwundet wurden ausser 
dem 3743, worunter 300 Offic. — Zahl der Deserteure 4966. 
Zum Schluss eine Uebersicht der zur Bekämpfung der Stelbständig- 
keit Amerika's verkauften deutschen Truppen (nach Franz Löher’s »Ge 
schichte der Deutschen in Amerika«). Es verkauften die Fürsten von 
Hessen . . 16,992 Mann, wovon 6,500 umkamen 
Braunschweig 5,723 - - 3,015 
Hanau. . 2,422 — — 981 
Anspach . . 1,644 - - 461 
M’^aldeck . . 1,225 - - 720 
Zerbst ... 1,160 - - 176 
Zusammen 29,166 Mann, wovon 11,843 umkamen 
B. Marine. Beim Ausbruche des Bürgerkriegs hatte man zwar 10 
alte Linienschiffe, von denen aber keines mehr diensttauglich war, 10 Se 
gelfregatten, davon blos 3 brauchbar u. s. f. Die allein noch in Betracht 
kommende Dampfflotte bestand aus 6 Fregatten, zus. mit 222, 27 klei 
neren Schiffen mit 224 , und einer schwimmenden Batterie mit 8 Kano 
nen. Aber schnell ward eine ganz neue Flotte hergestellt, lieber deren 
Stärke und Leistungen bis Ende 1864 enthält die Botschaft des Präsi 
denten der Union an den Congress folgende Notizen : 
»Der Bericht des Flottensecretärs bietet eine umfassende und befriedigende 
Darstellung des Flottendepartements. Es ist ein Gegenstand gerechten Stolzes 
für unsere Landsleute, dass eine Flotte von so grossem Umfange in so kurzer 
Zeit organisirt und mit so grossem Erfolge geführt worden ist. l)ie Flotte be 
steht (die am 1. Dec. 1864 im Bau begriffene ist eingeschlossen) aus 671 Fahr 
zeugen von 510,396 Tonnen Gehalt, bewaffnet mit 4610 Geschützen. Es ergibt 
dies trotz dem Verluste durch Schifflirüche und Schlachten gegen das vorige 
Jahr einen Zuwachs von 88 Fahrzeugen, 167 Kanonen und 42,427 Tonnen. Es 
dienen gegenwärtig auf der Flotte mit Einschluss der Offleiere 51,000 Mann. Es 
wurden im Laufe des Jahres 324, und seit Beginn der Feindseligkeiten 1374 
feindliche Fahrzeuge, darunter 267 Dampfer, aufgebracht; der Erlös beim Ver 
kaufe dieser Prisen beläuft sich auf 14,396,250 S. Die Totalausgaben des ge- 
sammten Flottendepartements mit Inbegrifl der ungeheuren Geschwader, die 
seit dem 4. März bis zum 1. November 1864 geschaffen worden sind, betragen 
238*647,262 ^.« — Wir entnehmen dem ministeriellen Berichte noch folgende 
nähere Angabe über den Bestand der Kriegsmarine einschl. der im Bau be 
griffenen Schiffe, am 1. Dec. 1864 : 
Zahl der 
Geschütze 
113 Schraubendampfer, besond. für den Kriegsdienst gebaut 1,426 
52 Schaufelrad-Dampfer, do 524 
71 Panzerschiffe 275 
149 Schraubendampfer, gekauft, gekapert etc. u. zum Kriegs 
dienst eingerichtet 6J4 
174 Schaufelrad-Dampfer, gekauft etc. do 921 
112 Segelfahrzeuge ^50 
671 Tbtar5;61Ö 
Tonnen 
zahl 
169,231 
51,878 
80,596 
60,380 
78,762 
69,549 
510,396 
Ueber die im Bau begriffenen Panzerschiffe sagt der Bericht: Von 
den Fahrzeugen der Monitor-Classe sind nur zwei, der Dictator und Puritan 
für den Dienst auf hoher See bestimmt. Vier Thurmschiffe sind in den Bau 
höfen der Regierung von Holz gebaut und mit Eisen gepanzert worden, wo 
durch sie sich von den ursprünglichen Monitors unterscheiden, die ganz von 
Eisen sind. Die einzigen auf hoher See verwendbaren Panzerschiffe ausser dem 
Dictator und Puritan sind die New-Ironsides, die Fregatte Koanoke, die ge 
panzert wurde, und derDunderberg, ein Kasemattenschiff. Die jüngst gebauten 
und die noch im Bau begriffenen Kriegsschiffe sind von Holz; die der kleineren
        <pb n="465" />
        VEREINIGTE STAATEN. — Sociales. 
441 
Classe sind Kanonenboote, darunter 8 von je 6UU Tonnen Gehalt, mit einem 
schweren Parrottgeschütz und vier Breitseitekanonen. — Zur Aufrechthaltung der 
Blockade empfiehlt der Marinesecretär den Bau schnellerer Kriegsdaim)fer, 
weil die im Auslande gebauten Blockadebrecher ausgezeichnet schnelle Fahr 
zeuge sind. Sieben solcher Fahrzeuge sind im Bau begriffen, drei bereits vom 
Stapel gelaufen. Ferner sind zwanzig Dampfer von geringerer Schnelligkeit, 
aber mit schwereren Geschützen versehin, im Bau. Zehn derselben haben ge 
schützte Kanonen verdecke und werden je zwanzig schwere Geschütze führen. 
Zwei werden einen dünnen Eisenpanzer zum Schutz gegen Bomben bekommen. 
Die übrigen zehn sind von geringerer Grösse, aber haben gleich starke Maschi 
nen und sind für eine grössere Schnelligkeit bestimmt. Seit dem letzten Jah 
resberichte bis zum 1. Nov. 1864 wurden dem Departement 324 Prisen ge 
meldet, darunter 105 Schooners, 88 Dampfer, 40 Schaluppen, 3 Barken, 3 
Briggs und 85 kleine Boote. Seit Anfang der Rebellion wurden 1379 Prisen 
gemacht, nemlich 652 Schooner, 267 Dampfer, 171 Schaluppen, 34 Briggs, 29 
Barken, 15 Schiffe und 117 Yachten und kleine Boote. Im Ganzen wurde aus 
dem Verkaufe condemnirter Prisengüter die Summe von 0 14*396,250 51 Cts. 
erlöst, womit 0 1*237,153 96 Cts. Unkosten verknüpft waren, und 9 13*153,341 
46 Cts. zur Hälfte der Mannschaft der betreffenden Kriegsschiffe, und die an 
dere Hälfte den Ver. Staaten als Pensionsfond für die Marine zufiel. 
Während des Unabhängigkeitskrieges bestand die amerik. Seemacht 
zunächst nur aus Kapern und Kreuzern. Nach dem P'rieden verkaufte 
man die Kri^sschiffe wegen Untauglichkeit und aus Geldmangel. Später 
wollte man 20 eigentliche Kriegsschiffe bauen. Allein erst 1801 begann 
man nur einigermassen damit. Beim Ausbruche des Krieges von 1812 
bestand die ganze Seemacht aus 4 Fregatten und 8 Sloops, mit 6000 M. 
Dennoch errangen die Amerikaner mehr Vortheile, als die Pranzosen 
während ihres ganzen Krieges. Man vermehrte die Kriegsmarine durch 
Kauffahrteischiffe. In den meisten Kämpfen befanden sich die Ameri 
kaner im Vortheile, allerdings unter Vermeidung einer eigentlichen See 
schlacht. Der Commodore Rodgers nahm bis Ende 1813 den Englän 
dern 218 Schiffe mit 574 Kanonen und 5106 M. Laut britischem Par 
lamentsausweis büssten die Engländer vom 1. Octbr. 1812 bis 1. Mai 
1813 im Ganzen 382 Fahrzeuge ein. 
Sociales. Den schwärzesten Punct bildete bisher die Negerklaverei. 
P'reilich war dieselbe aus den Zeiten der Monarchie überkommen, allein 
unter der Republik hatte sich das Uebel noch furchtbar ausgebreitet, 
Wenngleich Amerika zuerst unter allen Staaten (vom 1. Jan. 1808 an) 
den Sklavenhandel, d. h. die Sklaveneinfuhr verboten hatte. Allerdings 
nahm die Zahl der Freien im Ganzen mehr zu als die der Sklaven. Das 
Verhältniss war aber umgekehrt, wenn man blos die Sklavenstaaten be 
rücksichtigt. Zudem gelang es den Sklavenzüchtern, das Gebiet der 
Sklaverei zu erweitern. Während man es dem Christenthume als eines 
seiner höchsten Verdienste anrechnet, die Sklaverei gebrochen und auf 
gehoben zu haben, wissen wir nicht nur aus der Geschichte, dass gerade 
bei den christlichen V ölkern die Negerklaverei ihre Begründung 
fand, sondern wir bekamen auch das empörende Schauspiel, dass nament 
lich Geistliche am eitrigsten waren in Vertheidigung und Aufrechterhal- 
tung jenes schändlichen Institutes. Nach Scherzer's Versicherung be 
fanden sich unter den Sklavenzüchtern nicht weniger als »1 600 Geist 
liche, welche zusammen über 600,000 Sklaven, also ein Pünftheil der 
Gesammtsklavenbevölkerung als ihr Eigenthum« besassen. Hoffentlich 
wird der furchtbare Bürgerkrieg nicht ohne das welthistorische Ereigniss
        <pb n="466" />
        442 
VEREINIGTE STAATEN. — Sociales. 
der vollständigen Abschaffung der Sklaverei endigen. Ein erster grosser 
Schritt geschah, nach anfänglichem Schwanken, durch die Proclamation 
des Präsidenten Lincoln vom 22. Sept. 1862, nach welcher alle Sklaven 
in den rebellischen Staaten vom 1. Jan. 1863 an unbedingt frei sein 
sollten, während den bundestreuen Staaten, welche die Sklaverei frei 
willig aufheben würden, eine Unterstützung für zu leistende Entschä 
digung in Aussicht gestellt ward. — Ein Congressbeschluss vom Febr. 
1865 (der freilich einer Zustimmung von % der Staaten bedarf) erklärt 
die Sklaverei im ganzen Unionsgebiet aufgehoben. Eine Reihe Einzel 
staaten sind für sich diesem Beschlüsse vorangegangen. Auch sind viele 
Tausende von Negern durch die Waffen der Unionisten befreit worden. 
Im Uebrigen gibt es in Nordamerika keinen Unterschied nach ge 
sonderten Ständen, insbesondere keinen Beamten stand als solchen, 
da die öffentlichen Stellen durch freie Wahl und nur immer auf gewisse 
Zeit übertragen werden. Man schätzt die Zahl Derjenigen, welche von 
Berufsarbeiten leben, die eine s. g. höhere Bildung voraussetzen, nur 
auf ungefähr 200,000. Im Civildienste sind blos gegen 24,900 angestellt. 
Kirchen. Ihre Anzahl ward 1854 zu 38,061 angegeben, der Ge- 
sammtwerth des Kirchenvermögens aber zu 87’328,800 D#ll 
Schulen. Ihre Zahl betrug 1840 50,624, und hat sich seitdem wol 
verdoppelt. — Im Staate Massachusetts wurde 1845 bei 900,000 
Einw. eine Mill. S fOr den Volksunterricht verwendet. Selbst in dem 
eben neu entstandenen Staate Wisconsin betrug der Schulfonds des 
Staats schon 1851 765,109 welche, zu 7 Procent angelegt, 53,557 
Doll, jährlich ertrugen. 
Bibliotheken. Es gab deren 1859 40,890 mit 12’720,686 Bänden, 
davon 1297 öffentl. Bibliotheken mit 4’280,866 Bänden. (1793 erst 35 
öffentl. Bibliotheken mit 75,000 Bänden.) 
Zeitungen tmd andere Zeitschriften. 
1775 37 Zahl der jährlich verbreiteten Nummern 
1801 203 1828 etwa 00 Mill. 
1950 252 1850 - 420 - 
1800 4051 1800 - 028 - 
Tägliche polit. Zeitungen gab es 1860 372, mit einer Nummern 
verbreitung von 443 Mill.*) 
Agricultur, Industrie- und Handelsverhält)iisse.**) 
Bebautes I.and 
1783 l’l20,000 Acres 
1810 40’950,000 - 
1850 113’032,014 - 
I860 I63’261,389 - 
Nach der »Heimstättebill« vom 20. 
Mai 1802 kann jeder Bürger und jeder 
Eingewanderte, der seine Absicht, dies 
werden zu wollen, erklärt hat, 100 Acres 
vermessenes Staatsland in jedem Theile 
*) Im Nov. 1864 erschienen 159 deutsche Zeitungen, davon in Cali 
fornien 4, Connecticut 1, District von Columbia 1, Illinois 14, Indiana 5, Kan 
sas 1, Kentucky 2, Louisiana 2, Maryland 2, Massachusetts 2, Michigan 3, 
Minnesota 4, Missouri 8, New-Jersey 3, New-York 18, Ohio 21, Pennsylvanien 
45, Wisconsin 15, Tennessee und West-Virginien 1. 
**) Steigen des Grundicerthes. Hier ein Paar Beispiele : Der Boden, auf 
welchem die Stadt Chicago steht, und dessen Verkaufswerth man bereits im 
J. 1852 auf mehr als 1 Mill. ^ schätzte, ward 1815 um 30 tt verkauft. — Die
        <pb n="467" />
        VEREINIGTE STAATEN. — Sociales. 
443 
Werth der Fabrikerzeugnisse 
1810 198% Mill. 
1850 1020% - 
1860 1900 
Werth des gesammten Privat 
eigenthums 
1850 wirklicher Werth 7,135 Mill. 
1860 - - 16,159 - 
der Union in Besitz nehmen, gegen 
blosse Registrirgebühr von 10 Der 
definitive Besitztitel wird nach 5 Jah 
ren ausgefertigt, während welcher Zeit 
der Eigenthümer das I,and nicht über 
6 Monate verlassen darf. Stirbt er, so 
gehen seine Rechte auf die Erben über. 
Ausserdem erfolgt frühere Ausferti 
gung nur gegen Entrichtung von % 0 
pr. Acre. 
Nach dem Census von 1860 hatte das Immobiliareigenthum einen Geld 
verth von 11,272 Mill., das Mobiliareigenthum einen solchen von 4,831 Mill. 0, 
und darnach sind die Steuern repartirt, die Annahme also unbedingt zu niedrig. 
{Von der Gesammtsumme kamen auf die »loyalen«, der Union treu gebliebenen 
Staaten 10,900 Mill. 0, worunter 3,270 Mill. Mobiliareigenthum.) 
Der Geldwerth einiger der wichtigsten Ackerproducte wurde für 
1S62 und 63 folgendermassen berechnet: 
1862 1863 
Waizen . . . Bushel 169’993,500 191'088,238 
Hafer .... - 172’520,997 174’858,167 
Mais .... - 586’704,474 449’! 63,894 
Heu .... Tonnen 20’000.000 18’500,000 
Tabak . . . Pfund 208'807,078 258’442,412 
Wolle .... - 63’524,172 79’405,212 
Die wichtigsten Bergproducte waren 1860: 884,474 Tons Roheisen 
(19’487,799 S Werth), 406,298 Tons Stab- und Walzeisen (22’248,796 ^) und 
für 27’970,193 0 Gusswaaren ; 8% Mill, kommen davon auf den Staat New- 
York, fast 5 Mill, auf Pennsylvanien. Zu der auf 19 Mill, abgeschätzten Kohlen- 
production lieferte Pennsvlvanien 9’397,333 Tons, Anthracit für 11’869,574 0 
und 66’994,295 Bushels Steinkohlen zu 2’833,859 Ohio 28% Mill., Virginien 
9% Mill. Bushels Steinkohlen. 
Posten 1 
Briefbeförderung 
265,545 Briefe 
Jahr Postämter Poststrassen 
1790 75 1,875 engl. Meil. 
1851 21,551 196,290 - 
1856 25,565 219,935 - 
1859 28,539 260,052 - 
Telegraphenlinien 
1848 10,339 engl. Meil. 
1852 ..... 16,000 - 
mit den Doppellinien 27,177 
Kanäle. Von 1815—35 wurden 2800 engl. Meilen angelegt. 
1790 blos 
1800 circa 2 Mill. 
1815 über 7 - 
1825 geg. 10 - 
1840 circa 40 - 
1855 fast 120 - (119’634,418) 
(in Grossbritanien 1863 642 Mill.!) 
1851 betrug 
die Gesammtlänge etwa 4000 Meilen. Kosten : 90 Mill. Dol 
Eisenbahnen. Im Betriebe standen 1864 34,442 engl. = 7468 deutsche M., 
wofür, einschl. Betriebsmaterial 1,287’311,000 0 aufgewendet worden waren. 
Auf die einzelnen Staaten kamen 1860 engl. Meil. Bahn: 
1. Pennsylvanien 3610 
2. Ohio . . . 3389 
3. Illinois . . 3120 
4. New-York . 2869 
5. Indiana . 
6. Georgien . 
7. Virginia . 
8. Tennessee 
2199 
1421 
1378 
1317 
9. Massachusetts 
10. Wisconsin 
11. Süd-Carol. . 
12. Nord-Carol. . 
1281 
1045 
988 
977 
Rodenfläche, auf der sich die Stadt Cincinnati erhebt, wurde vor 67 Jah 
ren um ein Pferd abgetreten. — Der Grund und Boden der Stadt New- 
York und Umgegend ward im J. 1624 für 24 Doll, verkauft, während derselbe 
1852 einen Werth von mehr als 300 Mill, repräsentirte. — Im Uebrigen begeg 
net man in den amerik. Angaben sehr oft aen fabelhaftesten Uebertreibungen, 
und beinahe alle Zahlen können nur mit Vorbehalt angenommen werden.
        <pb n="468" />
        444 VEREINIGTE STAATEN. — Agricultur, Industrie, Handel. 
13. Missouri . . 925 
14. Alabama . . S91 
15. Michigan . . 874 
16. Mississippi . 867 
17. New-Jersey . 836 
18. Iowa . . . 805 
19. New-Hampshire 659 
20. Connecticut . 635 
21. Vermont . . 586 
22. Kentucky . . 564 
23. Maine . . . 510 
24. Marj'land . . 467 
25. Texas . . . 452 
26. Florida. . . 401 
27. Louisiana . . 336 
28. Minnesota . 161 
29. California . . 147 
30. Delaware . . 127 
31. Rhode-Island . 119 
32. Kansas ... 40 
33. Arkansas . . 38 
34. Oregon ... 20 
1836 gab es in der Union erst 1421 engl. Meil. Schienenwege, 1848 5,265, 
1852 10,878, 1855 19,438 und 1856 23,242 Meil. — Die Bahnen sind meist sehr 
unsolid; viele Gesellschaften (man rechnete deren 1854 325) haben ihre Gläu 
biger betrogen ; gleichwol besitzt Amerika ein ungeheueres Eisenbahnnetz. 
Handelsmarine, nach Tonnen berechnet : 
1791 1822 1842 1847 1852 1855 
502,146 1'324,692 2’092,390 2’839,045 4T38,439 5’212,000 
Eine Berechnung von 1855 ergab: 
Tonnenzahl der freien Staatep 4’321,951 
- Sklavenstaaten 859,032 
Zusammen 5*180,983 
Zahl der Schiffe fast . . . 30*000 
davon : New-York . . 
Massachusetts . 
Maine . . . 
Pennsylvanien . 
1860 
5*219,181 
1*464,221 
978,210 
806,605 
397,767 
In Folge der Unsicherheit durch Caper, sank die Handelsflotte der 
Union 1864 bis auf 1*664,516 Tonnen herab. Eine nicht unbedeutende 
Anzahl Schifle ward neml. durch die Secessionisten vernichtet (im Jahre 
1863 452 Fahrzeuge mit einem auf 20% Mill, geschätzten Werthe), 
noch weit mehr wurden aber verkauft und fuhren unter neutraler Flagge. 
Der Friede wird das frühere Verhältniss zieml. rasch wieder hersteilen. 
Dampfschifffahrt. 1811 erschien der erste Dampfer ; 1852 besass 
die Union 1450 Dampfschiffe von ungefähr 450,000 Tonnen, darunter 
125 Oceandampfer von 120,000 Tonnen, 1860 dürfte sich die Zahl der 
Dampfschiffe auf mehr als 2400 belaufen haben. Ihr Tonnengehalt wird zu 
867,937 angegeben (oben einbegriffen). — Matrosen rechnete man schon 
1845 gegen 100,000, von denen 52,000 im auswärtigen Handel, 26,000 
bei der Küstenschifffahrt, 10,000 beim Stockfisch-, und 550(1 beim Wall 
fischfange, endl. 6500 bei der Binnenschifffahrt Verwendung fanden. 
Kill- und ausgelaufene Schiffe. 
1832 17,606 Sch. v. 2*765,636 Tonn. 
1849 46,513 - - 8*798,269 - 
1857 44,432 - - 12*141,432 - 
1858 52,651 Sch. v. 13*467,837 Tonn 
1859 45,271 - - 15*721,796 - 
1860 .... - - 17*665,125 - 
Eisenbahn- und DampfbootunfHile. Nach einer (wol nicht ganz 
vollständigen) Zusammenstellung sind in dem Jahrzehnt 1855—04 Un 
fälle vorgekommen auf: 
Eisenbahnen 1637, dabei getödtet 1683, verwundet 6766, 
Dampfschiffen 244, - - 2997, - 1689, 
Gesammthandel; die Rechnungsjahre vom 1. Juli an: 
Ausfuhr 
18"/» : 275*156,846 
18»%*: 326*964,968 
18»%,: 362*949,144 
18»%*: 324*644,421 
18»%,: 356*789,462 
18»%*: 406*122,296 
18'%, : 331*869,459 
Einfuhr 
261*468,526 
314*639,942 
366*896,141 
282*613,156 
338*768,136 
362*166,254 
252*187,587 
Mit Ausschluss 
Ausfuhr 
218*965,563 
281*219,423 
293*883,222 
272*611,274 
356*419,759 
336*234,885 
267*652,849 
des Geldes 
Einfuhr 
257*868,708 Doll. 
316*432,316 
348*428,372 
263*338,654 
319*488,634 
355*796,551 
242*631,939
        <pb n="469" />
        VEREINIGTE STAATEN. — Agricultur, Industrie, Handel. 445 
Hauptverkehrsländer 18*%,*) 
Grossbritanien . . . 
Britisch - Nordamerika 
Britisches Ostindien 
Frankreich .... 
Cuba 
Hamburg und Bremen 
Mexico 
Brasilien 
China 
Einfuhr aus Ausfuhr nach 
13S’59t),4S4 202’34Ü,921 Doll. 
23’&amp;51,381 22’7ü6,328 
lü’f)92,342 r240,650 
43’219,549 62’206,2T8 
34’032,276 12’382,899 
18’498,607 18*378,708 
6*935,872 5*354,073 
21*214,803 6*280,235 
13*566,587 8*906,118 
Da in den Ver. Staaten der Zoll nach dem declarirten Werthe erhoben %ird, 
so sind (obwol jede Declaration beschworen werden muss) falsche Angaben 
an der Tagesordnung. (Der Senator Bigles hob schon 1859 in einem Berichte 
hervor, wie in den officiellen Eisten über den Handel Frankreichs von 1858 die 
Ausfuhr von dort nach der Linion um 20 Mill. Doll,, also über 100 Mill. Fres., 
höher angegeben war, als dieselbe Waarenquantitàt in den Listen der Verein. 
Staaten. — Gold wird im eigentl. Sinne wie eine AVaare, als gewöhnlicher Aus 
fuhrartikel angesehen. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts betrug der ge 
summte auswärtige Handel von England, Frankreich und Russland, mit Ein 
rechnung der jetzigen Verein. Staaten, nur etwa 180 Mill. Doll. !) 
Fallimente: 1857 4937, 1858 4225, 1859 3912; die Schuldenmasse betrug 
in diesen drei Jahren 291*750,000, 95*749,662 u. 64*294,000 f (Eine andere 
Angabe lautet: 1859 4936, 1860 3676 Fallimente.) In den nördlichen (bundes 
treuen) Staaten war der Betrag der Fallimente: 
1857 
1858 
1859 
1860 
Zahl 
4,257 
3,113 
2,950 
2,733 
Banken. 
Schuld 
265*818,000 
73*608,747 
51*314,000 
61*739,474 
1850 
1860 
1861 
1862 
1863 
1864 
Zahl 
5,935 
1,652 
495 
510 
Schuld 
178*682,170 
25*049,300 
7*899,000 
8*579,700 
» 
872 mit 227 Mill. Capital 
1642 - 421 - 
und 207 Mill. Zettelumlauf. 
Fondspapiere. Zufolge eines Senatsbeschlusses legte der Staatsse- 
cretär 1854 dieser Versammlung eine Uebersicht des ungefähren Betrags 
circulirender Fondspapiere vor. Darnach belief sich die Gesammtsumme 
der Fondspapiere auf 1,178*567,882 $, wovon 184*184,714 im Besitze 
von Fremden. Später ward die Summe noch ungemein vermehrt. Die 
schamlosesten Betrügereien knüpfen sich daran, nicht selten begünstigt 
und unterstützt durch eine wahrhaft ehrlose Art der Justizpflege. Nach 
Hunt*s Merchants Magazin betrug der Nominalwerth aller in den 
Ver. Staaten von Corporationen ausgegebenen Obligationen und Actien 
im Jahre 1790 . . . 70*500,000 S 
- 1840 . . . 734*546,000 
- 1860 .. . 2,211*290,000 
Münze, Maasse. Der Dollar 0 = 9,7211 eine feine Mark, eingetheilt in 100 
Cents. Wirklicher Werth 1 Thlr. 12 Sgr. 7,96 Pf., also beiläufig 2 fl. 29 kr. rh. 
oder 5 Francs 35 Cent. Da aber die Gold- neben der Silberwährung besteht, 
und bei dem Sinken des Goldwerthes die Silberwährung jetzt schon verdrängt 
ist, so wird man den Dollar nur noch zu 1 Thlr. 11 ogr. annehmen können. 
(Gesetzlich ist der deutsche Gulden nur zu 40 Cents tarifirt, so dass 2/, tt. — 
1 Doll. — Die */, Doll, werden Schillinge genannt. — Papiergeld s. S. 434). 
*) Wir ersetzen diese ältere Liste nicht durch eine neuere, da seit dem 
Beginne des Bürgerkriegs die officiellen Listen durchaus keine richtige Dar 
stellung mehr genen. So ist namentl. der Verkehr mit dem Süden nicht nur 
auf Umwege, sondern wesentl. auf den jeder Aufzeichnung sich entziehenden 
Schleichhandel verwiesen.
        <pb n="470" />
        446 
MEXICO. 
— Die Maas se sind meistens die englischen. Der Acre = 1,5S49 preuss. Mor 
gen oder 40,4671 Aren, die Hectare also 2,47 Acres. 640 Acres sind eine ameri 
kanische Quadratmeile. Die amerik. Längemeile, 1609 Met. = 0,217 deutsche 
Meil. — Das Bushel = % Berliner Schelf. — Der Centner wird zu 112 Pfund 
gerechnet. Das Pfund 0,454 Kilogr. Der Fuss {foot) = 30*; Centimeter Der 
L'íírrf = 0,914 Meter. 
Mexico (Kaiserthum). 
Aufetwa45,000 Q.-M. lebten in den neunzehn verbündeten Staaten, 
nach der Aufnahme von 1853 7’661,520, n»ch einer andern Angabe 
Ende 1862 8’629,982 Menschen (eine eigentliche Zählung hat indess 
nie stattgefunden). Den Nationalitäten nach sind die Einwohner 
entweder europ. Abkunft, Weisse (getheilt in wirkl. Europäer, etwa 40,000, 
Creolen, etwa 300,000, u. Chapetones, Mischlinge, die sich für Weisse 
halten, ungef. 800,000) oder Farbige, Mestizos (aus Racen Vermischung 
enstanden) gegen 1%—2 Mill., oder Indianer, ungefähr 3% —4 Mill., 
oder Neger, nur 16,000. Die Indianer haben sich unterworfen Indios 
ßdeles), oder sind noch frei und ungetauft [Indios bravos). Sonst trifft 
man fast nur Katholiken, obgleich andere Cuiten gestattet sind. Städte: 
Mexico 205,000 (270,000) E., Puebla 71,600 (85,000) Guatalaxara 
63,000 (90,000), Guanaxuato 48,000, San Luis 40,000, Colima 31,800, 
Merida 30,000, Queretaro 29,700, Zacatecas 25,000, Morelia 25,000, 
O ajaca 25,000. 
Die Finanzen sind, bei den fortwährenden Bürgerkriegen, in 
starker Zerrüttung. Schon 1836 hatte man, bei einer auf 11% Mill. 
Piaster veranschlagten Einnahme, fast 8 Mill. Deficit. Die Geldzahlung 
der Vereinigten Staaten für die Abtretung von Neu-Mexico und Ober- 
californien (siehe S. 436) konnte kaum momentan Aushülfe gewähren. 
Das Budget für 1856 berechnete einen Staatsbedarf von 13’126,239. 
und dagegen eine Einnahme von nur 8% Mill. Piaster. Die Schuld ward 
damals zu 133% Mill. Piaster angegeben, wovon 52% Mill, äussere 
Schuld. Die Hälfte der Einnahmen floss aus Zöllen ; dann bestanden 
Monopole auf Tabak, Salz, Pulque (Getränk der Indianer) und Schiess 
pulver; auch unterhielt der Staat eine Lotterie. Die Zinsen der auswärt. 
Schuld wurden seit 1851 nicht mehr bezahlt. Im Oct. 1857 schloss die 
Regierung ein Lotterieanlehen mit amerik. Bankiers ab, rückzahlbar in 
47 Jahren. Um die Finanzverhältnisse zu ordnen, verfügte Präs. Juarez 
im Juli 1859 die Einziehung der Kirchengüter, wodurch man wenigstens 
40 Mill. Piaster zu erlangen hoffte. 
Doch die ganze Staatseinrichtung ward umgestürzt in Folge der 
franz. Intervention. Die republik. Regierungsform wurde vernichtet und 
dafür der Bruder des Kaisers von Oesterreich als Maximilian I. auf den 
wiederhergestellten Kaiserthron erhoben (1864). Zur Regelung der Fi 
nanzen schloss dieser (März 1864) ein 6% Anlehen von 8 Mill. £ oder 
201,6 Mill. Fres, im Curse von 63 mit dem Londoner Hause Glyn, 
Mills &amp; Comp. ab. — Nach einem Vertrage vom 10. April 1864 mit 
Frankreich erhielt dieses weitere 105 Mill. Fres, des nemlichen Anlehens
        <pb n="471" />
        MEXICO. 
447 
in demselben Curse, somit angenommen für 66 Mill. Fres., auf Ab 
rechnung. 
Durch kaiserl. Decrete vom 10. und 11. April 1864 aus Miramar 
wurde die Einsetzung einer Finanzcommission und Anlegung eines 
Grossen Buches der Staatsschuld angeordnet, ln das Letzte sollten einzu 
tragen sein: 1) die 3proc. engl. Bonds von 1851 mit 10 241,6o0 A-j 
2) eine jährl. Rente von 480,000 JC oder 12’096,000 Fres, für das neue 
Anlehen von 8 Mill. JG; 3) eine Rente von 6,6 Mill. Fres, oder 261,905 £ 
für die an Frankreich überlassene (obige) Summe von 66 (resp. 105) 
Mill. Fres. ; 4) eine Rente von 153,625 £, als Zins der consolidirten 
(bisher nicht bezahlten) Zinsen für das engl. Anlehen von 1851. — Dies 
ergibt zusammen 27 561,975 £ Capitalschuld mit 1'202,780 £ Jahres— 
zins. — Ausser der in Schuldscheinen abgetragenen Summe hat sich 
aber der neue Kaiser von Mexico Frankreich gegenüber weiter zur Zah 
lung von 210 Mill. Fres, in Annuitäten von je 25 Mill, verpflichtet, wo 
mit die Kosten der franz. Expedition bis zum 1. Juli 1864 ausgeglichen 
wurden. Dies ergibt eine Gesamratschuld von etwa 900 Mill. Fres. Ca 
pital und etwa 40 Mill. Fres. Zins, ungerechnet die besonderen Ent 
schädigungsansprüche von Privaten (die berüchtigte Jecker sehe b or— 
derung). Daneben hat Mexico vom 1. Juli 1864 an für den Unterhalt etc. 
der franz. Hülfstruppen zu sorgen. (Der Staatsbedarf soll 18 /g, etwa 
40 Mill. Piaster betragen, die ordentl. Einnahme nur 11 — 13 I) 
Jft7iíâr. Dasselbe war früher formationsmässig zu 91,299 M. be 
stimmt. wovon 26,353 stehend. Nach dem Vertrage mit Frankreich 
vom April 1864 sollten vorerst 25,000 Mann franz. Truppen im Lande 
bleiben, wofür Mexico pr. Jahr und Mann 1000 Fres, zu vergüten habe. 
Diese Truppen würden allmählig zurückgezogen. Nach der Räumung 
bleibt die im franz. Dienst stehende Fremdenlegion (etwa 6000 Mann) 
noch 6 Jahre im Lande. — Seitdem haben Werbungen für den me.^. 
Dienst in Oesterreich und in Belgien stattgefunden. Man hofft 4urch 
dieselben 8—9000 M. zu erhalten. Unter den festen Puncten ist Vera 
Cruz oder vielmehr das Fort von San Juan d’Ulloa am bedeutendsten. — 
Die ganze Marine besteht nur noch aus 9 kleinen Fahrzeugen, zus. 
mit 35 Kanonen (nach Andern nur aus 3 Schiffen). 
Nach einer kaiserl. Verordnung vom Jan. 1865 soll das Heer fol- 
gendermassen formirt werden : 
(Gendarmerie: 1 I.egion, 1945 Mann. 
Infanterie : 12 Linien- und 2 Jägerbataill. zu 8 Comp., à 84 M. Friedens 
und 134 Kriegsstärke. i, , -j- i n 
Cavallerie: G Regim. zu 4 Escadr., à 120 resp. IGO M. ; 12 Präsidial-Cav.- 
Comp. (für Sicherung der Nordgrenze gegen die Indianer zu 100 M. 
Artillerie'. 1 Bataill. Fussart. mit G Batterien von 72 resp. 120 M.; 1 Keg. 
mit 4 berittenen und 4 Gebirgsbatterien. . 
Zusammen 18 Generale, 114G Offic., 22,374 M. im Friedens- resp. 30,044 
im Kriegsstande: — G04G Pferde, 1000 Maulthiere etc. 
Freni'ie Truppen: etwa 7000 (lesterreicher, 1500 Belgier (sämmtl. geworben) 
und die franz. Fremdlegion von etwa 6000 M. 
Sociales. Das Eigenthum des angebauten Bodens befindet sich in 
den Händen der überhaupt herrschenden Weissen. Der Klerus besass 
übermässigeReichthümer. Man schätzte dieselben auf 400 Mill. Piaster.
        <pb n="472" />
        448 
STAATEN VON CENTRAEAMERIKA. 
Die Finanznoth zwang auch hier zur theilweisen Einziehung der Geist 
lichengüter. Es sollen deren noch für 250—300 Mill. Piaster vorhanden 
sein (nach Don Miguel Lordo). 
Der Aufstand Mexico’s gegen Spanien begann 1810 und endete erst 1821. 
Seitdem gab es blos bis 1850 200 verschiedene Aufstände. 
Handel des Hafens von Vera Cruz 1856: Einfuhr 88’027,455, Ausfuhr 
44*578,975 Eres, (über die Hälfte des Verkehrs traf England). — 1800: Einfuhr 
13’198,400, Ausfuhr 0’883,000 Piaster. 
Gold- nnd Silberausbetite. Mexico hat, zufolge der neuesten Nachweisungen 
Tejada’s, vom J. 1090 bis einschl. 1852, nicht weniger als für 2734*704,897 Pia 
ster an edlen Metallen zum Ausnrägen geliefert, wovon nur 82*119,162 Plast. 
Gold. Für die Zeit von der Eroberung bis 1690 nimmt Tejada eine Silberaus 
beute an von 827% Mill. Piaster, so dass Mexico im Ganzen an 3502% Mill. 
Pesos an edlen Metallen lieferte, wovon höchstens 100 Mill, auf das Gold kom 
men. (Californien und Australien zusammen liefern gegenwärtig in einem 
Jahre weit mehr Gold, als Mexico in 330 Jahren.) 
Münze. Piaster {Pesos) — Dollars (die verbreitetste Münze in der Welt), 
M erth 1 Thlr. 12 Sgr. 8 Pf. od. 5 Eres. 35 Cts. — Maasse etc. wie in Spanien. 
Staaten von Central - Amerika (5 Republiken). 
Staaten *) 
Guatemala 
San Salvador .... 
Honduras 
Nicaragua (mit Grevtown 
und Mosquitogebiet) . 
Costa-Rica 
Q.-M. 
1918 
345 
2215 
2730 
1011 
Sevölk. 
850.000 
000,000 
350.000 
400.000 
130.000 
Nationalitäten. Weisse, eine 
Menge von Mischlingen, u. etwa 
1 Mill. Indianer. Die letzten thei- 
len sich in Ladinos oder Quiche, 
d. h. abhängige, bekehrte (ka- 
tholische), — und Pravos oder 
Zusammen etwa 8225 2*300,000 Parbaros, — unabhängige, freie. 
^tädte : Guatemala 60,000 (?) Einw, , Comayagua (in Honduras) 
18,000, Leon (in Honduras) 35,000, San-José (Costa-Rica) 30,000. 
Finanzen. In Duros (Piastern oder Dollars) angeblich ; 
Guatemala 
San Salvador 
Honduras 
Nicaragua 
Costa-Rica . 
Einkünfte 
1*280,000 
550.000 
250.000 
380.000 
1*000,000 
Schulden 
1*200,000 
1*500,000 
600,000 
4*000,000 (?) 
keine 
(1862) 
(1861) 
(circa) 
(1859) 
Einfuhr 
1*093,000 
1*320,000 
750.000 
500.000 
911.000 
Ausfuhr 
1*587,000 
2*340,000 
800,000 
500,000 
1*373,900 
Historische Daten. Unabhängigkeits-Erklärung (erst) 21. Sept 1821 — 
nung vom mexicanischen Bundesstaate 1. Juli 1823. — Unionsvertrag'der 
Trennung Guatemala’s 21. März 1847. 
Trennung 
5 Staaten 7. October 1842. 
*) Die Arealangaben nach den Berechnungen Petermann’s resp. der ver 
dienstvollen Perthes sehen geogr. Anstalt in Gotha ; die Bevölkerungsangaben 
nach des Nordamerikaners Sanier »The States of Central-Ameiica.« Vergl. fer 
ner Goth. geneal. Almanach für 1865.
        <pb n="473" />
        COLUMBIA. — VENEZUELA. 
449 
Vereinigte Staaten von Colninbia (Föderativ-Republik) 
(früher genannt Neu-G ran ad a). 
Areal 13,500 Q.-M., Bev. 2*800,000. Die 9 föderirten Staaten 
und deren Bev. sind: Panama 173,000, Bolivár 175,000, Magdalena 
100,000, Santander 490,000, Antioquia 327,000, Boyaca 443,000, 
Cundinamarca 391,000, Cauca 437,000, Tolima 251,000. (Die Stadt 
Bogota mit 43,000). 
Ein Budgetentwurf ergab vom 1. September 1801 bis dabin 1802 
1*824,000 Piaster Einn. gegen 2*130,517 Bedarf. — Eine Schätzung 
für 1804 lautet auf 2,2 Mill. Einnahme und 2,7 Mill. Ausgabe. Zölle 
bilden die Haupteinnahmequelle ; sie ertragen etwa 1 Mill. Der Präsident 
der Republik bezieht 9,500 Piaster Gehalt, und seine 3 Minister er 
halten je 2,500, die Generale in Activität 2000 Piaster, — Die ScJiuld 
belief sich schon 1801 auf 44 Mill., wovon 34*090,000 Piaster englischen 
Gläubigern gehören, nemlich : 
1) Ursprüngl. Schuld von 16 Mill., nach einer Uebereinkunft von 1845 zu 
verzinsen, erst zu 3*/*%, dann steigend auf 6% ; 2) differirte Schuld, d. h. capi- 
talisirte Zinsen, 16*090,000, jetzt noch unverzinsl., in einigen Jahren von % auf 
3% steigend; endlich 3) neue nicht bezahlte Zinsen seit 1853, 2*600,000. Un 
gerechnet die letzte Summe , sollten 1859 an die englischen Gläubiger 640,000 
Piaster bezahlt werden. Mit den übrigen Ausgaben ergab sich schon 1861 ein 
Bedarf von 2*640,000, sonach Deficit 890,000 Piaster. 
Die bewaffnete Macht, im Frieden auf 2000 M. bestimmt, beträgt 
thatsächlich nur 500. Eine Kriegsmarine ward ganz aufgegeben. 
Handel 1863: Einfuhr 14% , Ausfuhr 12 V, Mill. Piaster. — Der über den 
Isthmus gehende und stark steigende Verkehr ward 1863 auf 16% Mill, x ge 
schätzt (Goth. Alm.). . T. . 1 
Münze. Durch Gesetz vom 27. Juli 1857 ist der alte Piaster (Peso) beseitigt, 
und dafür das franz. Münzsystem, und zwar Gold wie Silber, angenommen. Der 
neue Piaster ist dem 5Fr.-Thlr., der Real dem halben Franken gleich. 
Historische Daten. Die Revolution in dem spanischen Königreiche Neu- 
Granada begann 1811. Die Schlacht bei Calobozo entschied 1818 die Unabhän 
gigkeit. Die 1819 unter dem Namen Columbia vereinigten Gebiete von Ca- 
raccas und Neu-Granada, denen sich 1821 Uuito und 1823 Panama anschloss, 
zerfielen 1831 wieder in die 3 Staaten: Neu-Granada, Venezuela und Ecuador. 
1864 Wiederaufnahme der alten Benennung des Staats und Herstellung einer 
der nordamerikanischen nachgebildeten Föderativverfassung. 
Vciirziicla (Republik). 
Grösse gegen 20,000 Q.-M, Bevölkerung lSo8 1 504,000 , dar 
unter (1851) 298,000 Weisse, 480,000 von gemischten Racen, 48,000 
Sklaven, 100,000 bekehrte, 14,000 unterworfene und 52,000 unabhän 
gige Indianer. — Der Rechnungsabschluss von 18“*/a* zeigte 8 248,031 
Besos Bedarf und nur 2*705,055 Einnahme. Die Schuld betrug 1855 
angeblich 19*945,000, während eine andere Angabe dieselbe schon für 
1849 auf fast 23 Mill, berechnete. Im Oct. 1859 erging ein Decret, 
folgendermassen lautend : 
Ko 11», StiUiütik. 4. Aufl. 
29
        <pb n="474" />
        450 
VENEZUELA. - ECUADOR. - PERU. 
»Die Regierung, in Betracht, dass ihre gegenwärtigen Bedürfnisse die Ver 
wendung aller ihrer natürlichen Ilülfsmittel erfordern, da sie kein Anlehen ma 
chen will, welches den Handelsstand drücken würde, der ohnehin schon so viele 
Opfer bringt, noch andere schmerzliche, mit dem allgemeinen AVohle nicht ver 
trägliche Massregeln nehmen mag, hat befohlen, dass alle Zahlungen für Con 
tracte und Creditoperationen aller Art fürs erste suspendirt werden sollen.« 
Handel 18*%g ; Einfuhr 7, Ausfuhr 8,3 Mill. Pesos. 
Münze, Maasse. Pesos, zu 1 Thlr. 2% Sgr. Im auswärtigen Handel wird 
nach spanischen Piastern gerechnet. Maasse: die spanischen. 
FiCiiador (Republik). 
Der Umfang dieses (Quito, Guayaquil und Assuay in sich begrei 
fenden) Staates wird auf 13,500 Q.-Meil., die Bevölkerung auf 1 Mill. 
Menschen geschätzt, worunter etwas über die Hälfte Nachkommen von 
Europäern, die übrigen meist Indianer (Stadt Quito 70,000 Einw.). 
— Einkünfte 1 , Schuld über 19 Mill. Piaster. Einfuhr 2'/% Mill., 
Ausfuhr 2*/¡, Mill. Stehende Truppen und Kriegsflotte gibt es nicht. 
(1850 ward das franz. Münz- und Gewichtssystem angenommen.) 
Peru (Republik). 
Areal gegen 24,000 Q.-M., Bevölk. etwa 2*4 Mill., ungerechnet 
die Indianer (geschätzt auf y. Mill.). 
Finanzen, 1801 : Einn. 21’245,832 ^ (darunter 10*921,751 für Guano,*) 
3*251,755 aus Zöllen); Ausg. 21*440,400 (davon 5% Mill, für die Schuld und 
10*/j* für Heer und Flotte. — Früher wurden alle Staatshedürfnisse mit 0 Mill. 
Piaster bestritten : jetzt reichen 20* nicht aus. — Sclnddenstand am 1. Jan. 1804 : 
28*702,700 ^ auswärtige, 5*525,545 innere, zus. 34*288,245. Dabei schuldet aber 
die Regierung gewöhnlich bedeutende Summen (1859 etwa 10 Mill.) an Vor 
schüssen auf Guano. (Ein Anlehen von 10 Mill. ^ ward im Dec. 1800 in Eng 
land nicht untergebracht.) — Nach Vertrag mit Spanien vom 27. Jan. 1805 
muss Peru an dieses 13 Mill. Pesos fuertes Kriegskosten an dieses entrichten 
und sonstige Entschädigung leisten, erhält dagegen die von den Spaniern weg 
genommenen Chincha-lnseln zurück. Man hat Papiergeld (Vales) ausgegeben. 
Die Verschleuderung wird als sehr gross geschildert. 
Truppen 11,000 Mann, ungerechnet 4000 Gendarmen. — Marine 18 kleine 
Schiffe mit 90 Kan., ausserdem ein Monitor. 
*) Die Guanolager auf den Chincha-lnseln bilden somit für jetzt den 
Hauptreichthum des Staates. Man berechnet, dass dieselben mindestens 4 Mill. 
Tonnen umfassen, im Geldwerthe von etwa 230 Mill. (Andere schätzen 000 
Mill. ^.) Die Mächtigkeit der I.ager steigt auf 30 Meter. (A. v. Humboldt 
nahm an, dass der Koth der Vögel in 300 Jahren erst eine Erhöhung von einem 
Centimeter habe herbeiführen können. Diese Berechnung ward mehrfach, 
namentlich von Rigero, geprüft und richtig befunden. Darnach hätte es also 
900,000 Jahre bedurft, bis die jetzige Höhe erreicht werden konnte. Wir legen 
derartigen Berechnungen keinen besonderen Werth bei, doch mag es als Cu- 
riosum erwähnt werden, dass die gewöhnliche Rechnung vom Bestehen der 
Welt erst seit 5 — 0000 Jahren — sogar durch das Guanolager ziemlich un 
zweifelhaft umgestossen wird.)
        <pb n="475" />
        29* 
BOLIVIA. — CHILE. 
451 
Handel 1862 : Einf. 27,1, Ausf. 32,9 Mill. 1863 betrug die OuanoauRfuhr 
280,049 Tonnen, während der Verkauf mit den bereits exportirten Quantitäten 
auf 328,474 Tonnen stieg. Salpeter wurden 1'540,963 Cntr. ausgeführt. —Han- 
didaßotte 1861 : 110 Schiffe von 24,234 Tonnen [nach dem Brem. Handelsbl.). 
Münze. Nach dem Gesetze vom 31. Jan. 1863 ist der silberne 5Frcsthlr. 
unter dem Namen »Sonne« als Münzeinheit angenommen, abgetheilt in 100 
centanos. Dann werden Goldstücke geprägt im Verhältniss zum franz. Münz- 
fusse (also Doppelwährung !). 
Bolivia (Republik). 
Etwa 24,000Q.-M. und 185S l’987,352Einw., worunter 245,000 
Indianer (nach Goth. gen. Alman.). Städte: La Paz 76,372, Cocha 
bamba 40,676, Potosí 22,850, Sucre 23,979 E. — Der 1809 begon 
nene Aufstand endete erst 1825. — Die Einnahme ward 1850 zu 
1’976,217, die Ausgabe zu 1'738,744 Piast. veranschlag;!. Die Schuld 
Soll bis auf etw'a 100,000 Piaster getilgt sein. — Truppen 1500 M. — 
Werth der Einfuhr (1853) 6’897,925 Franken. 
Chile (Republik). 
Areal (bei sehr unsichern Grenzen) gegen 3000 Q.-Meil. Bevölk. 
ungefähr 1’600,000. Darunter sollen sich nur 150,000 Weisse befinden 
(wobei Einwanderer aus Eluropa) , Mill. Neger, die übrigen Misch 
linge, getaufte und ungetaufte Indianer. Das Land ist in 14 Provinzen 
und 60 Departemente getheilt. Stadt: Santiago mit 80,000 Einw. Un 
abhängigkeitserklärung vom 18. Sept. 1810; doch dauerte der Kampf 
bis 1820. Staats einnahme: 
1851 1853 1857 1860 1862 
4’581,254 5’869,910 6’419,142 7’494,750 6’287,155 
(Unter den Einnahmen von 1862: 3'841,374 Zölle, 1'090,080 Mono 
pole, 666,722 Grund-, 76,018Gewerbsteuer, 291,710 Ilnregistremcnt, 
103,165 Stempel, 38,092 Weggelder, 120,810 von Posten.) Das 
Budget für 1863 betrug (&gt;’24 4,887 Einn. und 7’585,983 Ausg. Schuld 
(Elnde 1862) innere 3185,625 Pesos, ältere auswärtige 857,300 JC, 
Ensenbahnschuld (von 1858) l’485,800 i^; Gesammtschuld 14’900,000 
Pesos (dabei 1 124,900 Pesos bei der innern und 509,200 .£ beider 
äusseren Schuld, bestehend aus consolidirten Zinsen, welche nicht bezahlt 
Worden waren). Militär 1862 3093 stehend, Nationalgarde 29,700. 
Marine 5 Dampfer von 29 Kan.; worunter 1 Schraubencorvette von 20. 
In 950 Schulen (worunter 384 von Privaten) zählte man (1861) 39,697 
Schüler. 7/fl«i/c/(l 862) Einfuhr 1 7'226,655, Ausfuhr 21*994,432 Pesos 
(1860 für 14’1 74,477 Kupfer, 1854 erst für 4’316,616, 1859 für 
11’894,404). — Marine (Ende 1862) 259 Schiffe von 57,110 Tonnen. 
Hisenbahn: 120 deutsche Meilen (von S. Jago nach San Fernando); 
2 Telegraphenlinien. 
Münze. Peso fuerte = 5 Fres. Seit 1860 franz Maass und Gewicht.
        <pb n="476" />
        452 ARGENTINISCHER STAATENliUNI). — PARAGUAY. 
Argoiitiiiisclifr Staateiibuiul (Republik). 
Dnabliängigkeitserklärung vom 9. Juli 1816. Nach dem Wicder- 
anschluss des aus der Conföderation ausgetreten gewesenen Buenos- Ayres 
umfasst der Bund neuerdings 11 Staaten, mit etwa 10,500 Q.-M. und 
(einschliessl. 100,000 freien Indianern) 1'2T1,600 Einw. ; 5362 Q-M, 
und 350,000 Menschen kommen auf Buenos-Ayres ; die Hauptstadt des 
letzten allein mit ungefähr 1 10,000, worunter 56,000 Europäer, davon 
20.000 Italiener, 15,000 Franzosen, 10,000 Spanier, 5000 Briten, 
2500 Deutsche. Die Zahl der Emtcanderer ist im Staate Buenos-Ayres 
bedeutend; seit 1856 jährl. 6000—8000, 1862 6,706, 1863 10,-108, 
1864 wol mehr, zur Hälfte Italiener, überhaupt überwiegend Romanen. 
— Emanzen. Das Budget für 1 865 schliesstab mit 8’595,037 Pesos fuertes 
Bedarf und 8’293,300 Finn., sonach einem Deficit von 301,737 Pesos. 
— Unter den Ausg. : Krieg und Marine 2'76 1,316, Schuld 2 94 7,172 
(davon 1’068,631 für Einlösung des Papiergeldes), ausserdem erscheinen 
im Etat des Min. d. Finanzen 800,000 Pesos für Tilgung eines vorüber 
gehenden Anlehens. — Die Einkünfte rühren vorzugsweise her von ; 
Eingangszoll 4 Mill., Ausgangszoll 1’550,000, Stempelpapier 130,000, 
Post 64,000, Zuschlagsprocente zu Abgaben 2’250,000, directe Steuer 
150.000 etc. — Schuld: britische (von Buenos-Ayres aufgenommen) 
2’285,000.b, innere Schuld 101’21 7,648 Papier-Piaster = 900,000 b 
— Buenos-Ayres hat 1857 ein Abkommen mit seinen engl. Gläubigern 
getroffen ; die verfallenen Zinsen wurden capitalisirt (oben einbegriffen) ; 
sie trugen von 1861—65 1 % Zins, dann 2%, von 1870 an 3%. — 
Ausser obigen Schulden 340 457,656 Piaster Papiergeld. Dieses soll 
nun aber, zufolge Gesetzes vom Nov. 1864 durch eine Staatsbank mit 
Notenemission, in der Weise eingelöst werden, dass für 25 Papierpiaster 
je 1 Peso fuerte gegeben werde. Um die nöthigen Geldmittel aufzu 
bringen, sollen die Staatseisenbahn und Staatsländereien verkauft und 
überdies ein Anlehen von 4 Mill. Pesos, zu 7% verzinst und ausserdem 
mit 1 ®/q Amort., im Inland aufgenommen werden. Die Einlösung des 
Papiergeldes sollte am 1. Januar 1865 beginnen, und bis 1. Mai 1866 
wenigstens % desselben beseitigt sein. —Militär etwa 10,700, Na 
tionalgarde in Buenos-Ayres 19,867. Flotte etwa 7 kleine Dampfer 
und 10 Segelschiffe. — Handel von Buenos-Ayres (1858) Einfuhr 312 
Alill., Ausfuhr 271 Yg Mill. Papierpiast. (20—25 Pajjierpiaster gelten 
seit Jahren nur 1 wirkl. Peso = 5 Fres. 40 Cent.) — Im Handel 
die Wollcausfuhr bes. Wichtigkeit erlangt. Während 1832 nur 94 1 
Ballen exportirt wurden, stieg die Zahl 1840 auf 3677, 1 850 auf 1 7,069, 
dann 18"%, auf 60,892, und 18"%* sogar auf 91,381 Ballen. 
Paraguay (Republik). 
Ueber 16,000 Q.-Meil., 1857 mit 1’337,431 Einw., wovon etwa 
y,o Weisse, %,) Creolcn, %o Neger, Miscblinge. Einkünfte 1 2’ 14 1,323 
Fres. Militär 12,000 M. stehend, 45,000 Miliz; 15 kleine Dampfer. 
Einfuhr 1859 8%, Ausfuhr 7% Mill. Piaster.
        <pb n="477" />
        ITUUGliAY. — BRASILIEN. 
453 
limalla} (Republik). 
Die »Republica oriental del Uruguay a (wol auch nach dem Haupt- 
hc'standtheile Montevideo genannt) umfasst etwa 3400 Q.-Meil. und 
210,000 Menschen. Stadt Montevideo 40,000 Einw. — Budget für 18 
Monate vom I. Juli 1860 bis Ende 1801 : Einn, und Ausg. 3’579,802 
Piast. Schuld 20 Mill., ausserdem 50,000 C engl. Schuld; die meisten 
Zinsen rückständig. (Im Decbr. 1801 ward ausserdem zu London ein 
Oproc. Anlehen von 1 Mill. Pf. Sterl. im Curse von 00 aufgelegt.) — 
Handel 1801: Einf. 0 012,522, Ausf. 7’570,257 Piaster. 
Krasilieii (Kaiserthum). 
Areal etwa 1 18,000 Q.-Meil. Bevölkerung, naeh einer s. g. Auf 
nahme von 1850, 7’077,800, 1850 (nach ministerieller Schätzung) über 
8 Mill. ; worunter über 5 Mill. Freie, 2% Mill. Negersklaven und % Mill. 
Wilde (nach einer altem Angabe etwa l'300,000 Weisse). Die Sklaven 
sollen sich grosstentheils im Besitze von 10,000 Eigenthümern befinden. 
Cultus der katbolische, mit kümmerlicher Duldung anderer Confessionen. 
(Vgl. »Brasilien unter Kaiser Dom Pedro II.« ; von Pereira da Silva; 
übers. V, Cap. Hörmeyer.) Rttitvanderung aus Europa ist ziemlich zahl 
reich , hat aber zahllose Klagen der Einwanderer veranlasst. Eine, je 
doch unvollständige, officielle Zusammenstellung von 1801 führt 55 Co- 
lonicn auf mit 33,070 Menschen. Am bedeutendsten ist darunter S. Leo 
poldo mit 15,200 Personen. Städte: Rio de Janeiro 1855 mit 200,130 
Einw., Bahia über 120,000. — 1808 flüchtete die portugiesische Kö 
nigsfamilie nach Brasilien, 1815 ward diese Colonie zu einem » König 
reiche« erklärt. Nachdem der Hof 1820 nach Europa zurückgekehrt, 
erfolgte 1822 der Zusammentritt einer Nationalversammlung, 1. August 
Erklärung der Trennung von Portugal, 12. Oct. Erhebung des Kron 
prinzen zum Kaiser des selbständigen Reiches Brasilien. Verfassung 
vom 11. Dec. 1823. 
Finanzen. Das Budget für IS^Vss schliesst ab mit 52 Mill. Mil-Reïs 
Einn. und 50’588,818 Bedarf (davon 1’078,000 Hof, 14’012,014 Land- 
und 7’000,100 Seemacht; die Schuld erfordert etwa 7’/* Mill.). Dazu 
kommen 10—12 Mill. Provincialbedürfnisse. Die Budgetsätze reichen 
thatsächlich nie aus. So betrug der Voranschlag für 1857 blos 35'/% Mill., 
während die wirkl. Ausgabe 18% überstieg. Allerdings vermehren sich 
die Einkünfte fortwährend ( 1820 erst 10 Mill, [oder 10,000 Contos de 
Reïs], 1838 bereits 20’), allein trotzdem gelangt man nicht zum Gleich 
gewichte (Budget von 18"%, Einn. 30’128,000 gegen 40’007,000 Be 
darf ; Budget von 18"%, Einn. 45 Mill, gegen 48 303,000 Bedarf, 
18'%, 51%’ Einn., 53’878,000 Bedarf). Zu den Einkünften liefern 
die Zölle %; 18'%, 35’023,000 Mil-Reïs (darunter 5’123,000 von 
Ausfuhrzöllen), und seitdem hat man die Gebühren noch erhöht.
        <pb n="478" />
        454 
HAYTI und ST. DOMINGO, 
Das Capital der Innern fundirtcn Schuld betrug am 31. December 1SG3 
7G’777,400 Mil-Reïs, das der dussern 10’S20,2üO£ (worunter 2’GO 1,900 
für Eisenbahnzwecke), zus. ungefähr 124% Mill. Mil-Reïs. Daneben 
gibt es aber eine schwebende Schuld, neml. l’apiergeld mit nicht selten 
schwankendem Curse, wovon Ende Dec. ISGl 4’33G,5Ò0 Mil-Reïs in 
Schatzscheinen und 35’249,151 in eigentlichem Papiergeld im Umlauf 
waren. Die Noten der Bank erhielten im Sept. 18G4 Zwangscurs. 
Militär. Zunächst Werbung mittelst Handgelds und Landschen 
kung an die Ausgedienten. Da man indess auf diese Weise nicht genug 
Soldaten bekommt, so wird die fehlende Zahl durch «Pressen« ergänzt 
Ueber drei Viertheile der Mannschaft werden durch solche gewaltsame 
Recrutirung aufgebracht. Die Gepressten geniessen nicht nur nicht die 
erwähnten Vortheile der Geworbenen, sondern erhalten überdies ge 
ringem Sold. Darum desertirt in jedem Jahre durchschnittlich ein 
Zehntel der gesammten Mannschaft, und zwar von der Marine wie vom 
Landheere. Das letzte besteht formationsmässig aus 22,540 Mann, wo 
von 3727 Cavallerie (in 4 leichten Reg.) und 3582 Artillerie. (Haupt 
infant.-Corps : 15 Linienbataillone.) Dazu kommen 4G00 Seesoldaten. 
Auf dem Papiere hat man auch 57 7,329 M. Nationalgarden, die aber 
meistens nicht einmal Waffen besitzen. 
Die Marine zählt 22 Dampfer und IG armirte Segelschiffe 
Volksschulen. 1856 erst 2460 mit 82,500 Schülern (1 auf 100 Einw.!). 
18"%, kamen von der Einfuhr über 59 
Mill, aus England u. dessen Colonien 
(1856 bestanden davon gegen 27 Mill. 
Vc 
Handel, Einfuhr Ausfuhr 
1840; 57’727,129 41’671,791 
18*%«: 9P2.33,818 96’4.31,315 - 
18*%T : 123’855,958 114’503,411 aus Baumwollwaaren). Von der Aus- 
18'%,: 130’263,844 96T 99,753 
18'%, : 127’268,194 106'782,223 
18*%,: 111'622,684 112’950,010 
18«%,: 119’326,301 127’293,599 
18«%,: 98’190,647 122'554,130 
Handelsmarine: 148 Schiffe von 
langem Curs und 1400 Küsten- und 
Flussfahrer. 
Arobas = gegen 4 Mill. Centr. ; dann 
8 Mill. Arob. Zucker, 600,000 Arob. 
Tabak, 250,000 Arob. Cacao, gegen 
40,000 Jlectol. Zuckerbranntwein. Seit 
dem auch starken Anbau von Baum 
wolle. 
Eisenbahnen'. Zwei, etwa 30 deutsche Meil., veranschl. zu 38 Mill. Milreïs. 
Münze. Das Milreïs (1000 Reis) in Silber gleich 1 Th Ir. 15 Sgr. 2 Pf. • in 
Papier ist der Werth schwankend; er betrug 1S41 25%, Sgr. 1852 22*/ Stir 
Der Conto de Reis = 1000 Milreïs oder 1 Million Reis. Grössere Summen wer 
den gewöhnl. in Contos berechnet, und in etwas eigenthüml. Weise geschrieben 
z. B. es betrugen die Staatseinkünfte von 1838: »20,039:858 U 567 Reis« also 
20,039 Contos, 858 Milreïs und 567 Reis. Der Annäherung an das Thalerver- 
hältniss wegen blieben wir bei der Berechnung nach Mil-Reïs. 
llayti und Santo Domingo (Republiken). 
Der Umfang der ganzen Insel wird zu 1350 Quadr.-Meil., ihre Be 
völkerung zu 800,000 angegeben, worunter 400,000 Neger, fast eben 
soviel Mulatten und 30,000 Weisse. — Auf Hayti (im Westen, ehemals 
französisch) rechnet man 550 Q.-M. mit 600,000 Bew. (Stadt Port-au-
        <pb n="479" />
        HATH und ST. DOMINGO. 
455 
Prince, 21,000); hier herrschen die Schwarzen und hier bestand bis 
zum Jan. 1859 das Carricaturkaiserthum Soulouques. Auf St. Domingo 
(im Osten, vormals spanisch) kommen 800 Quadr.-Meil., aber nur etwa 
200 000 Bew unter dem Vorherrschen der Weissen, mit afrikanischer 
Beimischung. — Der Staatsbedarf Hayti’s war 1846—49 durchschnitt 
lich 5*421,000, das Einkommen 4*629,800 Fres., wovon Ertrag der 
Zölle 4*219,000. Im J. 1862 sollen die Einkünfte 1*157,682, die Aus 
gaben nur 1*326,160 Piaster betragen haben. — Hayti sollte (laut Ver 
trag von 1825) an Frankreich 150 Mill. Entschädigung bezahlen. Ob- 
wol aber diese Summe 1838 auf 60 Mill, herabgesetzt wurde, war der 
Staat doch ausser Stand, seine Verbindlichkeit zu erfüllen. Die Zah 
lungsfrist ward bis 1872 verschoben, nachdem ursprüngl. 1,9 Mill. Fres, 
abgetragen, dagegen aber 1825 ein Anlehen von 12,7 Mill, aufgenom 
men worden war. Hiezu kommt eine 5proc. innere Schuld von 35,500 
Gourdes. Endlich ist das Land mit 13% Mill. Gourd. Papiergeld über 
schwemmt. Dies ergibt zus. etwa 105 Mül französ. 
Theil der Insel machte sich 1791 , der spanische 179o an Frank 
reich abgetreten) später unabhängig. Nach mancherlei V andlungen - 
Vereinigung und Wiedertrennung beider T heile — brachten es die Spa 
nier zu einer scheinbar freiwilligen Unterwerfung St. Domingo s unter 
ihre Herrschaft. Die Bevölkerung erhob sich aber mit solchem Nach 
druck und solcher Ausdauer dagegen, dass sich Spanien endlich 1865 
zum Aufgeben seiner Herrschaftsansprüche entschliessen^te -^f 
Hayti hat man die Armee, früher 30,000 M., im Dec. I860 auf 16,000 
vermindert und dadurch Mittel für Erziehungszwecke gewonnen. Es er 
halten 13,000 Kinder unentgeltl. Unterricht in loO öffentl. Schulen. 
Der Werth der Ausfuhr ward 1855 auf 25 Mül. l*rcs. angeschlagen. 
1789 betrug derselbe 205, 1801 65, 1821 22%, 1829 nur noch 4 Mül. 
Die Einfuhr Hayti*s ward übrigens 1862 zu I 0/» , die Ausfuhr zu 
11*/ Mül preuss. Th Ir. berechnet. Davon kamen in Mül. ihlr. auf 
* Nordamerika . . . 5,2 Mül. Einfuhr, 2,0 Mül. Ausfuhr 
England und Colonien 2,7 - - " 
Frankreich .... 1*3 " " o*^ " 
lleutschland . . . - - 3,4 - . 
Münze: Gourdes, Dollars oder snan. Piaster. — MaasM u. (ieioxchte: die 
alten französischen, jedoch für Flüssigkeiten das englische Wcin-Gallon. 
Die übrigen Erdtheile. 
Die Colonien, welche verschiedene europäische Mächte in den 
andern Erdtheüen besitzen, haben wir stets bei den betr. Staaten er 
wähnt. Von einer Statistik der übrigen Länder in den drei Erd- 
theilen Asien, Afrika und Australien kann keine Hede sein. Bei der 
hohen Wichtigkeit mehrer dieser Länder wollen wir es gleichwol 
versuchen, wenigstens einige Notizen, die freilich in den meisten 
Fällen kaum mehr als Schätzungen oder Andeutungen sind, zusammen 
zu stellen.
        <pb n="480" />
        456 
ASIEN. 
Asien. 
China. Der Umfang des Uauptlandes beträgt etwa 70,000 geogr. 
Q.-M. (nach Barrow nur 00,072, nach Mac Culloch dagegen 76,815); 
der der Schut/iländer 150—180,000. Während die Schutzländer äusserst 
gering bevölkert sind (zusammen wol nur von wenigen Mill. Menschen 
bewohnt) , umfasst das Hauptland eine Volksmenge wie kein anderer 
Staat der Erde. Eine sog. »Zählung« soll im J. 1852 die ungeheuere 
Summe von 53()’009,300 Einwohnern ergeben haben, somit fast die 
doppelte Zahl der Bevölkerung aller Staaten Europas zusammen genom 
men. Wol mag dabei die bekannte orientalische Uebertreibung mitge 
wirkt haben, was sich um so mehr annehmen lässt, als die angebliche 
Zählung vom J. 1812 doch nur die Ziffer von 300’279,5U7 aufweist. 
Indess lässt sich eine Bevölkerung von 100, höchstens 150 Mill, aller 
dings annehmen. — Die Staatseinkünfte sollen im J. 1811 lOUSül,! 10 
Taels (der Tacl etwas über 2 i)reuss. Th Ir.) betragen haben. — Die 
Stärke des Heeres wird auf 200,000 tartarischc und 000,000 chines. 
Soldaten geschätzt; cs ist eine Art Miliz. — Im Ausfuhrhandel 
nimmt der Thec die erste Stelle ein. Der Export ward 18auf 
HO’067,000, 18«%, aber auf Mi)’05G,9 15 Pfund berechnet. Die Aus 
fuhr von roher Seide stieg in der nemlichen Zeit von 01,542 auf 75,910 
Ballen (18®%, sogar auf 81,250). 
Japan. Der Umfang dieses Inselreichs wird auf etwa 7000 Q.-M., 
I seine Einwohnerzahl auf ungef. 25—30 Mill, geschätzt (die Angaben 
schwanken zwischen 10 und 10 Mill.) — Die Einkünfte der japanes. 
Regierung dürften sich höchstens auf 10 — 12 Mill. Taels belaufen. 
AVeit grösser sind (zusammen gerechnet) die der vielen halbsouveräncn 
Dynasten. Japan wird nemlich von einer Feudalaristokratie beherrscht. 
— Die Truppenmacht des Taikun (weltlichen Kaisers) wird auf etwa 
80,000 M. geschätzt, während die Daïmios (Lehnsfürsten) zusammen 
über eine viel grössere Anzahl verfügen. — Der Werth der Ausfuhr 
ward 1803 zu 5, jener der Einfuhr zu 1 % Mill. Doll, angegeben, allein 
diese, wenn auch auf quasi-officiellc Angaben sieb stützende Berechnung 
ist jedenfalls zu niedrig, indem der Betrag der Rohseidcausfuhr allein 
8 Mill Doll, überstiegen haben dürfte. 
Persien. Auf beiläufig 20,000 Q.-M. leben höchstens 10—12 Mill. 
Menschen. Die Einkünfte werden auf 3 Mill. Toman (wenig über 3 Mill, 
preuss. Ihlr.) geschätzt. Es gibt eine von europ. Officieren organisirte 
Armee, angebl. gegen 00,000 M. betragend, doch bestehen die liaupt- 
streitkräfte aus Irregulären, mindestens 200,000 M. Die Schätzung des 
Werthes der Ein- und Ausfuhr zu je 21 Mill. Thlr. ist rein willkürlich. 
Von den andern Ländern Asiens, soweit sic nicht europäische Be 
sitzungen sind (s. Ostindien bei Grossbrit., asiat. Russland und asiat. 
Türkei bei Russland und lürkei, dann die ind. Inseln bei Nicderl. etc.) 
kann höchstens die Arealgrösse einigermassen berechnet werden. Ueber 
Bevölkerung, Kriegsmacht und Handel Hessen sich nur völlig haltlose 
Schätzungen aufstellen, ohne allen praktischen Werth.
        <pb n="481" />
        AFRIKA. — AUSTRALIEN. 
457 
Afrika. 
Republik am Orangefluss (Batavisch-Afrikanische Maatschappij), von 
den holländischen Boern gegründet, die 1835 und 3(J vom Cap weg- 
Kogen und deren Unabhängigkeit durch Vertrag vom 23. Februar 1854 
von England anerkannt wurde; — etwa 3200 deutsche Q.-M., 1858 
mit 12,839 Bewohnern europäischer Abstammung, — Holländern und 
Engländern — und etwa 5000 Schwarzen, ungerechnet die wandernden 
Buschmänner. 
Transvaal’sche Republik, ungef. 2400 Quadr.-Meil., (nach Hall) mit 
18,000 weissen Bewohnern. Die Zahl der Schwarzen (Kaffem) unter 
Botmässigkeit der Boern wird (wol zu hoch) auf 100,000 geschätzt. — 
Eine andere Schätzung nimmt die gesammte Bevölkerung zu 40,000 
Menschen an. 
Liberia, die 1823 von den Nordamerikanern an der afrikan. West 
küste gegründete Negerrepublik, soll etwa 40,000 Menschen zählen, 
aus Amerika zurückvcr])Hanzte und eine Anzahl freiwillig in das Ge 
meinwesen getretene Neger. Die von dieser Schö[)fung gehegten Er 
wartungen wurden nur in sehr beschränktem Masse erfüllt. 
Aiisfralini. 
Hawaiische (Sandwich-) Inseln. Königreich, 8 grössere Inseln mit 
284 Q.-M. (wovon 187 auf die Hauptinsel kommen) und (1801) 07,084 
Einw., ausserdem 27 10 Fremde. In den zwei Jahren vom l. April 1858 
bis dahin 00 betrug (nach dem Goth. Alm.) die Einn. 050,210 (wo 
von 213,209 aus Zöllen, 108,812 aus Innern Abgaben, 100,831 aus 
dem Verkauf von Staatseigenthum). Die Ausgabe war 04 3,088 (davon 
Civilliste 52,320, llegierungspressc 20,000, Unterricht 23,743, Ge 
richte 90,928, öffentliehe Arbeiten 131,821 , Militär 45,495 ^'). Die 
(meist zu 12% verzins!.) Schuld betrug 128,777 ^. — Der Werth der 
Kinfuhr ward 1802 zu 998,240, jener der Ausfuhr zu 580,542 ^ an 
gegeben.
        <pb n="482" />
        Fünfte Abtheilung. 
Allgemeine Uebersichten. 
I. Land und Lente. 
A. Staaten Europa 
Q.-M. 
Grossbritanien (mit Malta etc.) .... 5,800 
Frankreich 0,853 
Russland (europäisches) 00,230 
Oesterreich 11,702 
Preussen 5,005 
Deutschland (ohne Schleswig) * **) ) . . . 11,455 
(Rein deutsche Staaten) (1,470) 
Schleswig 107 
Italien (sammt Rom) 4,885 
Schweiz 740 
Belgien 537 * 
Niederlande 508 
Dänemark (mit Island) 2*080 
Schweden 8,025 
Norwegen 5,800 
Spanien 0,200 
Portugal 1,780 
Griechenland 047 
Türkei (sammt europ. Schutzländern) . 0,870 
Gesammt-Europa (abzügl. doppelte Posten) 181,420 
Bevölk. Auf d.Q.-M 
20*300,000 5,050 
37*400,000 3,707 
05*800,000 003 
35*200,000 2,003 
18*500,000 3,031 
45*402,000 3,000 
(18*073,500) 4,035 
410,000 2,405 
22*500,000 4,600 
2*510,000 3,302 
4*840,000 0,01I 
3*008,000 6,003 
1*070,000 621 
4*050,000 504 
1*680,000 303 
15*700,000 1,700 
4*035,000 2,315 
1*325,000 1,300 
15*800,000 1,001 
282*300,000 1¡555 
B. Staaten Amerika s. 
Deutsche Q.-M. 
Vereinigte Staaten von Nordamerika . . 140,000 
Mexico . . 45,000 
Central-Amerika (5 Staaten) und Hayti . 8,800 
Columbia-Staaten (3 Staaten) .... 47,000 
Peru, Bolivia und Chile 51,000 
Argent. Staaten, mit Paraguay u. Uruguay 60,000 
Brasilien 148,000 
Polarländer 88,000 
Patagonien 24,000 
Hiezu ! Europäische Besitzungen . . . 70,000 
Gesammt-Amerika ungefähr 682,000^ 
Bevölk. Auf d.Q.-M 
33*000,000 235 
8*000,000 177 
2*000,000 329 
5*400,000 115 
6*000,000 117 
2*800,000 46 
8*000,000 54 
0*000,000 ÕÕ 
73*000,000 ÍÕ7 
*) Die verschiedenen deutschen Staaten siehe in der Uebersicht S. 195. 
**) Man nahm früher eine ^össere Summe an, da man das Festland gegen 
den Nordpol hin viel weiterreichend glaubte, als sich seitdem ergab.
        <pb n="483" />
        ALLGEMEINE UEBEKSICHTEN. — Bevölkerung. 
459 
r. Die übrigen Erdtheile. 
Wir sind nicht im Falle, eine ähnliche Berechnung bezüglich der 
drei übrigen Erdtheile zu geben. Es fehlen dazu, mit wenigen Ausnah 
men, alle festen Anhaltspunkte. In ganz allgemeinen Umrissen wollen 
wir nur Folgendes erwähnen. In Asien sind zwei Länder von sehr 
starker Bevölkerung : Clÿna, dessen Einwohnerzahl (obwol zu 537 Mill, 
angegeben) wir auf lUÜ—450 Mill, schätzen, und Ostindien (sammt 
der Indo-Chinesischen Halbinsel und den Inseln), mit etwa 250 Mill. 
Japan mag ungef. 25-30, die asiatische Türkei 10, Persien gegen 
1 0 Mill, umfassen. Alle andern Länder sind sehr gering bevölkert. — 
Ganz unsicher ist die Einwohnerzahl Afrika’s*). Dies vorausgesendet 
(und insbesondere die chinesische Angabe reducirt), können wir für die 
verschiedenen Erdtheile, in mehr oder minder begründeter, theilweise 
aber allerdings ganz unsicherer Schätzung, etwa folgende Zahlen an 
nehmen ; 
ü. biciiaiiiiiitnborbliek der (irbsse und Bevôlkeniiitç. 
Europa 
Amerika . 
Asien . . 
Afrika . . 
Australien 
Gesammtsumme ungef 
ft.-M. 
181,420 
082,000 
785.000 
545.000 
170.000 
“2^37000 
Menschenzahl Aufd. Q.-M. 
282% Mill. 
73 
780 
80 
2 
1,220 Mill. 
1,555 
107 
004 
147 
12 
517 
Confessionen in Europa. 
Griechen 
Andre 
Christ. 
200,000 
30,000 
Katholi- Protestan 
ken. ten. 
Grossbritanien 5’8(i0,000 23’200,000 — 
Frankreich 34’500,000 2’000,000 — 
Hussl., europ. ü’500,000 3'800,000 53’500,000 
Oesterreich 27’500,000 3'500,000 2’020,000 
Preussen Ü'007,000 11'300,000 1,200 
Deutschland 24’004,000 20’003,800 44,100 
Jaden 
40.000 
60.000 
1'800,000 
54.000 1'050,000 
30.000 255,000 
Klein-Deutschl.) (6'083,000 11'753,800 23,300 
22'400,000 
1'023,000 
4'800,000 
1'230,000 
3,200 
1,000 
15'700,000 
4'000,000 
30,000 
650,000 
50.000 
1'477,000 
15.000 
2'010,000 
1'714,000 
4'040,000 
1'680,000 
— 5,900 
— 10,000 
— ’ ’ 400 
— 300 
15,000 1'300,000 
Moham 
medaner 
300,000 
495,000 
202,000) 
45.000 
4.200 
1,500 
64.000 
8.200 
1,000 
Italien 
Schweiz 
Belgien 
Niederlande 
Dänemark 
Schweden 
Norwegen 
Spanien 
Portugal 
Griechenland 
Türkei, europ 
Zusammen etwa 137,2 Mill. 66,6 Mill. 67,7 Mill. 354,000 3,6Mill. 4,8Mill. 
Den Katholiken sind übrigens hier die un ir ten Griechen beigerechnet. 
500 — 
lO'OOO 000 70,000 4'500,000 
*) Dieterici glaubte 200 Mill, annehmen zu dürfen. Dies ist aber unzwei 
felhaft viel zu viel.
        <pb n="484" />
        460 ALLGEMEINE UEEERSICHÏEN. — Bevölkerung. 
In Amerika wird man etwa 35 Mill. Katholiken und 36 Mill. Pro 
testanten annehmen können. 
Die gesummte Menschenzahl dürfte sich nach Confessionen etwa so 
vertheilen : 
Christen : 
Katholiken*) . . . 185 Mill. 
Protestanten . . . I0(i - 
Griechen SU - 
Andere Christen . . 15 - 
Nichtchristen: 
Mohammedaner . . TU Mill. 
Juden u - 
sog. Heiden .... 76U - 
'wiTMilL 
386 Mill. 
Von sämmtlichen Menschen bekennt sich sonach nicht einmal ein 
Drittel (eigentlich noch nicht einmal 31,62 Proc.) zum Christenthum. 
In diesem selbst bilden die Katholiken nicht ganz die Hälfte (nur 
4 7,91 7(,), während sie von der Gesammtmasse der Menschen noch 
nicht den siebenten Theil ausmachen (nur 15,14 %). — Von den nicht- 
christl. Glaubensbekenntnissen zählt der Buddhismus weitaus die mei 
sten Bekenner, wahrscheinl. gegen 500 Mill. , also fast um die Hälfte 
mehr als alle christl. Confessionen zusamniengenommen und beinahe 
dreiinal so viel als die kathol. Kirche. (Emil Schlagintweit’s Schätzung 
von 310 Mill. Buddhisten u. 335 Mill. Christen ist in beiden Annah 
men zu niedrig, besonders aber in der ersten.) 
Germanen: 
a. Deutsche, in 
1 )eutschland . . 
übrig. I'reussen 
Oesterreich 
Schweiz .... 
Frankreich . . . 
Buss. Ostseeländer 
Holland . . . 
Belgien . . ^^ 
Zus. Deutsche 
b. Unten . . . 
c. iSkanJinat'icr 
Zus. Germanen 
Die drei Hauptvölkerstämme in Europa. 
Mill. 
38,5 
2,5 
2.5 
1,8 
2 
0,6 
3,2 
2.6 
53.5 
24.5 
J7,3 
85.5 
Romanen: 
a. Franzosen in 
Frankreich. . . 
Belgien .... 
Schweiz .... 
Slawen: 
b. Italiener . 
c. Jlisjiano-Por- 
tugiesen .... 
Zus. Romanen 
Mill. 
31.5 
1,8 
0,6 
33,0 
25.5 
10 
78,4 
a. Fussen . . . 
1). Polen u. Lit- 
thauer in Russland 
c. S lar en in 
Oesterreich. . . 
Preussen . . . 
Türkei .... 
Zus. Sluven 
Mill. 
48 
2.4 
4 
70,1 
Auswärtige Besitzungen europäischer Staaten. 
Grossbritanien 
Russland 
Türkei ' . . 
Niederlande 
Spanien . . 
Q.-M. 
230.000 
205.000 
53,000 
33,300 
8,700 
Bevölk. 
11)0 Mill. 
8,4 - 
22,5 - 
18 
6’400,000 
Frankreich . . 
Portugal. . . 
Dänemark . 
Schweden . . 
Zus. etwa 
Q.-M. 
8,300 
20,00U 
200 
1 
648,500 ^Mül. 
Bevölk. 
3,8 Mill. 
2’500,000 
45,000 
2.800 
5 dem (unirten) orientalischen Ritus angehören, 146 Erzbisthümer, 604 Bisthü- 
mer ; 106 Diöcesen sind vacant darunter die meisten in Italien. Die Zahl der 
betitelten Prälaten, welche die kathol. Hierarchie bilden, beläuft sich auf 980
        <pb n="485" />
        ALLGEMEINE UEBERSICHTEN. - Bevölkerung. 
461 
Die grossen Städte in Europa. 
I. Classe, mit mehr als einer Mill. Einw. — 2 Städte : London mit2’Sü.‘l,000, 
Paris l’G9G,00(i, Constantinopel (angehl.) 1’075,000. 
II. CI. mit mehr als % Mill. — :( Städte: Berlin 545,000 (G30,000) , Wien 
580,000, St. Petersburg 580,000. 
III. CI. mit 200—500,000. — IG Städte : Manchester 4G0 Tausend, Liver|)ool 
444, Neapel 410; — Glasgow 305, Moskau 33G, Lyon 310; Birmingham 205, 
Brüssel 281, Madrid 281 ; Lissabon 275, Amsterdam 2GG, Marseille 2G1, Dublin 
258, Warschau 230,000, Leeds 207, Edinburgh 2o2,oO0. 
IV. CI. mit 100—200,000. — 42 Städte: Rom 197, Mailand 19G, Sheffield 
185, Turin 180, Hamburg 170, Barcelona 178, Palermo 1G7, Bordeaux 163, Ko 
penhagen 155, Bristol 154, München 148 (IGG), Wolverhampton 147, Prag 142, 
Breslau 140, Adrianopel ungef. 140, Pesth 13^, l.ille 131, Dresden 128, Genua 128, 
Venedig 124, Bukarest 124, Gent 120, Coin 119, Belfast 110, Stockholm 117, 
Antwerpen 114, Nantes 114, Florenz 114,Toulouse 113, Rotterdam 112, Sevilla 
112, Murcia 100, Newcastle 100, Bradford lOG, Valencia 1 OG, Triest 105, Ode.ssa 
104, Rouen 103, Stoke-up-Trent 101, Cork lol, Granada 101. 
Fügen wir noch die Mittelstädte hinzu, nemlich jene mit 50 bis 
100,000 Einw. als Classe V, mit 40—50,000 als CI. VI, und mit 25 
—10,000 als CI. VII, so erhalten wir nach den verschiedenen Ländern 
folgende Zusammenstellung : 
Grosstädte Mittelstädte 
Grosshritanien . 
Frankreich . . . 
1 leutschland . . 
íKlein-I leutschland) 
Preussen .... 
Oesterreich . . . 
Italien (ohne Venedig) 
Russland . . 
Schweiz . . . 
Belgien . . . 
Niederlande 
1 länemark . . 
Schweden . . 
Norwegen . . 
Spanien . . . 
Portugal . . . 
Griechenland . 
Türkei . . . 
— Schutzstaaten 
Classen : 1 
1 
II 
III IV Z UB. 
1 — 2 
— 2 — 
— 1 — 
2 
— 1 
8 
5 
7 
(:i) 
2 
4 
5 
1 
2 
1 
1 
I 
IG 
8 
0 
(:i) 
3 
5 
G 
4 
3 
2 
1 
1 
4 
1 
3 
1 
V 
10 
13 
14 
(d) 
G 
8 
4 
8 
1 
1 
2 
VI VII Zus 
10 25 54 
IG 
14 
(«) 
7 
21 
16 
13 
2 
6 
5 
1 
1 
2 
10 
8 
(«) 
3 
4 
2 
5 
2 
1 
2 
— 1 
30 
36 
(21) 
IG 
33 
22 
26 
5 
8 
7 
1 
1 
2 
13 
1 
3 
2 
1 
Zus. 3 3 16 42 64 
76 48 14G 270 
Grosshritanien — insbesondre aber England — ist sonach am reich 
sten sowol an Gross - als an Mittelstädten — 1G der Ersten, 51 der 
Letzten — und es bleibt dieses Verhältniss, gleichviel ob wir blos die 
absolute Zahl der Städte, oder die relative Zahl nach der Bevölkerung 
des ganzen Staates ins Auge fassen. An Grossstädten kommen dann: 
Deutschland mit 0, Frankreich mit S und Italien mit G (7). Mittelstädte 
besitzt Frankreich 30, Deutschland 3G, Oesterreich 33, Italien 22, 
Während das an Gressstädten ohnehin ganz arme Russland nicht mehr 
als 2G besitzt. Spanien zählt nur 4 Gross- und 13 Mittelstädte, ist so 
hin sehr arm an städtischer Bevölkerung.
        <pb n="486" />
        462 
ALLGEMEINE UEBEKSICHTEN. — Staatsschulden. 
II, Finanzen. 
Jährlicher Bedarf der europäischen Staaten. 
Bruttosummen, in Mill. Thlr. 
Einkünfte Bedarf 
Grossbritanien . . . 463 450 
Frankreich 588 630 
llussland 318 344 
Oesterreich 326 347 
Preussen 144 144 
Deutschland (Klein-) * **) ) 166,5 166,5 
Italien (mit Rom) . . 1611 242 
Schweiz (blos Bund) . 5,2 5,2 
Belgien 42,1 42,1 
Niederlande .... 49,4 49,4 
Dänemark 10 10 
Schweden 14 14 
Norwegen 7,2 7,2 
Spanien 168 175 
Portugal ..... 30 30 
Griechenland .... 6,5 7 
Türkei 80 86 
Türkische Schutzstaaten 7,5 7,5 
Zus. ungefähr Mill. 2,591 2757 
Davon erfordern 
Hof 
3,3 
10 
8,6 
5.0 
3.1 
9.7 
4.5 
0,9 
0,5 
0,5 
0,5 
0,2 
3.5 
1 
0,25 
6.7 
0,4 
Militär 
180 
160 
146 
77 
41.7 
25,5 
77 
0,88 
9.7 
12,3 
3,0 
5.4 
2,3 
40 
6.5 
2 
32 
4 
Schuld 
178 
186 
58 
104 
16,2 
27,0 
100 
0,05 
8,4 
22,6 
3,2 
2,6 
0.7 
28 
8,6 
28 
0,6 
58,7 
825 
773 
Es ergibt sich also eine gewöhnliche Einnahme von etwa 2591 
Mill. Thlr. gegen einen gewöhnlichen Bedarf von ungefähr 2757, 
sonach ein Ausfall (Deficit) von 160 Mill. Thlr. Ziehen wir die blos 
durchlaufenden Posten (Betriebskosten der Staatsanstalten, Erhebungs 
kosten der Auflagen etc.) ab, so bleiben: Reineinnahme beiläufig 2100, 
gegen Reinausgabe 2266 Mill. Thlr. Hievon erfordern : 
die Höfe beiläufig 58,7 Mill. = 2,59% 
das Militär (Land- und Seemacht) 825 - = 36,41 
die Staatsschulden 773 - = 34,1 1 
Zusammen diese drei Posten 1656,7 Mill. = 73,11 % 
Bleiben für alle andern Bedürfnisse nur 609,3 - = 26,89 
Im Uebrigen verweisen wir, was Berechnung der Einnahmen und Ausgaben 
betrifft, auf unsere Bemerkungen S. 199 folg. 
Uebersicht der europäischen Staatsschulden 
in Millionen Thalern. 
Grossbritanien . . 
Frankreich . . . 
Oesterreich . . 
Russland . . 
Spanien . . . • 
Italien .... 
Niederlande . . . 
Deutschland (Klein-) 
Preussen .... 
Portugal .... 
5,390 Mill 
3,706 - 
2,065 - 
2,052 - 
1,400 - 
1,220 - 
580 - 
574 - 
292 - 
266 - 
Türkei . . 
■ Belgien . , 
Dänemark . 
Griechenland 
Schweden 
Norwegen 
Türk. Schutzstaaten 
Schweiz .... 
Zusammen ungef. * *) 
320 Mill. 
169 - 
63 -' 
50 
30 - 
12,8 - 
1,2 - 
1 - 
18,200 M. 
*) Siehe die Einzelheiten S. 202 u. 203 folg. 
**) A. Moser, »Svstemat. Mitthlgen aus den Gebieten der Statistik, Nat.- 
üekon.etc.« hat berechnet, dass—natürl. mit Einschluss aller Actienunlerneh-
        <pb n="487" />
        AIJ.GEMEINE UEBERSICHTEN. — Kriegskosten. 
463 
Die Staatsschulden sind in der Neuzeit zu einer früher nie gekann 
ten Höhe emporgetrieben worden. Insofern die neuen Anlehen zu pro 
ductiven Zwecken, namentl. Eisenbahnanlagen, verwendet werden, kann 
die Schuldvermehrung sogar entschieden nützlich sein. Anders aber, 
wenn dieselben zur Deckung von Ausgaben im laufenden Dienste und 
besonders zur Unterhaltung enormer stehender Heere dienen. 
Allerdings hat sich das Nationalvermögen seit Beendigung der 
grossen Kriege in Folge der ungemeinen industriellen Thätigkeit äus- 
serst ansehnlich vermehrt. Ausserdem ist der Geldwerth in Folge der 
Ungeheuern Goldfunde sehr bedeutend gesunken. Gleichwol hat auch 
die Zahlungsfähigkeit der Staaten ihre Grenze. Die frühere Staatsschul- 
den-Geschichte weiss von gar vielen offenen und verdeckten Staatsban 
kerotten, z, B. den Law’schen Papieren und den Assignaten in Frank 
reich , den Capital - und Zinsreductionen, sogar mit der Beigabe einer 
Zwangsarrosirung in Oesterreich, den frühem Schuldherabsetzungen in 
Holland, Dänemark, Spanien und Portugal u. s. f. Und auch die Neu 
zeit kennt eine Nichterfüllung der finanziellen Verpflichtungen nament 
lich in Griechenland und den meisten Staaten Amerika's. Und wenn 
man auf England hinweist, so darf billig gefragt werden, ob man etwa 
beweisen wolle, dass dessen Wohlstand das Product der Schuldanhäu 
fung sei? Wir wissen im Gegentheile, dass die Anstrengungen in den 
Napoleonischen Kriegen mit jenen Schuldanhäufungen eine wahre finan 
zielle Erschöpfung des Volkes zur Folge hatten, so dass dessen Con- 
sumtionsfähigkeit drei Jahrzehnte nach Wiederherstellung des Friedens 
noch nicht die geringste Zunahme erkennen Hess (vergl. S. 30). Der 
Krimkrieg allein hat Euroj)a über 0 Milliarden Franken oder 1900 Mill. 
Thlr. gekostet, wovon 1100 Mill. Thlr. durch Anlehen aufgebracht 
Wurden*). Noch fehlen uns die Materialien zur genauen Berechnung der 
Verluste (an Menschen und Geld), welche der italienische Krieg veran- 
lasste. **) Welche Theorien im Uebrigen aber auch erdacht werden 
men u. Anlehen von Gesellschaften, Vereinen u. s. f., der europ. Geldmarkt 
vom 1. Jan. 1801 bis 1. Oct. 1803, also in 2*/* Jahren, im Ganzen mit einer 
Summe von 5687 Mill. Fres, in Anspruch genommen worden sei (Engel ent 
ziffert 5494 Mill. Fres od. 1405 Mill. Thlr.). 
*) Wir veranschlagen die Kosten dieses Krieges nach möglichst genauen 
Detailrechnungen so: England 520 Mill. Thlr., Frankreich 019 (wovon 560 
durch Anlehen aufgebracht!), Türkei 50, Sardinien 16, Russland (mindestens) 
350, Oesterreich (für Rüstungen) 148, übrige Staaten 30 Mill. — Der Men 
schenverlust, soweit derselbe constatirt vorliegt, war: Briten33,037, Fran 
zosen 86,982, Sardinier 2^532. Rechnen wir dazu 50,000 Türken und 200,000 
Russen, so ergibt sich ein unmittelbarer Verlust von 373,000 Soldaten, — 
jungen Männern in den besten Lebensjahren ! 
**) Die Zahl der Todesfälle bei der franz. Armee in Italien werden zu 10,173 
angegeben [Statistique gén., tome 11, page, XXXVIH), natürl. ungerechnet die 
jenigen, welche verwundet nach ihrer Ileimath gebracht wurden und dort star 
ben, ebenso ungerechnet die zu Krüppeln Gewordenen. Die Vollständigkeit 
der franz. officimlen Angaben über die in Italien erlittenen Verluste ist viel 
fach, nicht ohne plausible Gründe, bezweifelt worden. Relativ sehr unbedeu 
tend war der Menschenverlust im letzten dänischen Kriege. Nach den officiel- 
len Angaben hat derselbe der preussischen Armee (allerdings ohne die österr. 
Einbusse) nicht mehr als 29 Officiere und 370 Unterofficiere und Soldaten ge 
kostet, zus. 405 Mann.
        <pb n="488" />
        4G4 
ALLGEMEINE UEBERSICHTEN. — Stehende Heere. 
mögen, immer wird die mit der Schuld Vermehrung zu unproductiven 
Zwecken gleichen Schritt haltende Ab gab en Vermehrung in nack 
ter Wirklichkeit beweisen : dass die Staatsschulden mittelbar zugleich 
Schulden jedes einzelnen Eintvohners eines Landes, Schulden jeder Fami 
lie sind ; Schulden, icelche jedes Grundstück, jedes Geschäft, jedes Ver 
mögen belasten. 
III. Stellende Heere der europäischen Staaten. 
Abgesehen von allen besondern Anstrengungen im Falle wirklicher 
Kriege, haben die stehenden Heere auch im Frieden beiläufig nach 
bemerkten Formationsstand, der natürlich verschieden ist von dem 
Effectivstande, welcher sich namentlich in Folge von Beurlaubun 
gen mindert. 
Grossbritanien (mit Indien) 220,000 
Frankreich 430,000 
Russland 700,000 
Oesterreich 417,000 
l’reussen 230,000 
Deutschland (Klein-) . . 200,000 
Italien 200,000 
Schweiz — 
Belgien 80,000 
Holland 00,000 
Dänemark 10,000 
Schweden 70,000 
Norwegen 10,000 
Spanien 230,000 
Portugal 30,000 
Griechenland 10,000 
Türkei u. Schutzstaaten . . 100,000 
Zusammen 3’087,000 
Rechnen wir dazu die Kriegsmarinen mit mehr als 200,000 Mann, 
so erreicht die Zahl derjenigen Männer, deren freiwillig gewählter oder 
aufgezwungener Beruf während des kräftigsten Alters das Kriegsge 
werbe ist, die enorme Summe von weit mehr als drei Millionen. 
Ein einziger Staat in ganz Europa unterhält keine stehenden Trup 
pen; es ist die Schweiz, welche, ungeachtet ihrer geringen Volkszahl, 
im Falle des Bedarfs in kürzester Frist ein geübtes Milizheer von 
100,000 Mann zu ihrer Vertheidigung aufzustellen vermag. Allerdings 
werden jene 3 Millionen Männer nicht beständig bei den Fahnen gehal 
ten, sondern ein ansehnlicher Theil davon befindet sich gewöhnlich in 
Urlaub. Man wird aber das Höchste annehmen, wenn man die Hälfte 
der Mannschaft als beurlaubt rechnet. 
Sonach bleiben noch weit über anderthalb Millionen Männer, welche 
permanent einer bürgerlichen Beschäftigung entzogen sind. Wir haben 
S. 462 die Kosten des Heerwesens der sämmtlichen europäischen Staa 
ten im Frieden zu 825 Mill. Thlr. veranschlagt. Volkswirthschaftlich 
ist aber das Opfer noch ungleich grösser. Nimmt man an, dass jeder von 
jenen anderthalb Millionen kräftigster Männer täglich nur einen halben 
Thaler verdienen könnte, so ergibt sich, dass den europäischen Län 
dern, mit der Arbeit jener Leute, täglich eine Production im Werthe 
von mindestens 750,000 Thlrn. entzogen ist. Zieht man dabei noch 
die Einbusse der Arbeitskraft von mindestens 300,000 Cavallerie- und 
Artillcriepferden in Betracht, so wird der Gesammtverlust jährlich (bei
        <pb n="489" />
        ALLGEMEINE UEBERSICHTEN. - Europa 1812. 
465 
300 Arbeitstagen) nicht unter 250 Mill. Thlr. (fast 1000 Mill. Fres., 
also einer Milliarde) zu veranschlagen sein.*) 
Hieran reihen sich, als Folgen des stehenden Heerwesens: mas 
senhafte heimliche Auswanderungen der kräftigsten jungen Männer, 
Selbstverstümmelungen und eine gegen das natürliche Verhältniss oft so 
gar verdoppelte Sterblichkeit der Einkasemirten. 
Anhang. — Historische Notizen. 
A. Statistische Uebersicht von Europa 
vor der Zeit der ersten französischen Revolution (1780). 
Staaten Q.-M. 
Deutsches Reich .... 12,000 
Oesterreich (übriges) . . 7,200 
Preussen (übriges) . . . 1,400 
Frankreich 9,500 
Grossbritanien u. Irland . 5,800 
Spanien 9,200 
Portugal 1,800 
Italien, 11 Staaten . . . 5,500 
Verein. Niederlande, Republik 625 
Schweiz 700 
Dänemark (mit Norwegen) 7,800 
Schweden 11,000 
Polen, Republik**) . . . 10,500 
Russland (in Europa, . . 75,000 
Türkei 11,500 
Gesammtsumme 170,000 Í67’ 655—680’Th. 4000—4500’ Th 
B. Politische Statistik von Europa im Jahre 1812. 
I. Das französische Kaiserreich und die von demselben 
abhängigen Staaten. 
A. Das französische Kaiserreich Selbst. 
Dasselbe umfasste; Das heutige Frankreich, Belgien, Holland, Theile von 
Deutschland (das ganze linke Rheinufer, Elb- u. Wesermündungen etc.), Theile 
*) Vergl. die Schriften von Dr. Schulz-Bodmer (dem 1860 gestorbenen 
theuren Freunde des Verf. gegenwärtigen Buches) : »MilitUrpolitik. Mit beson 
derer Beziehung auf die Wulerstandskraft der Schveiz und den Kampf eines Mi- 
l^zheeres gegen stehende Heere. Leij)zig 1855« und: »Die Bettung der Gesellschaft 
aus den Gefahren der Militiirherrschafl. Leipzig Ferner die Broschüre : 
*&gt;Die Nachtheile des stehenden Heerwesens und die Nothwendigkeit der Ausbildung 
eines l’^olkswehrsystems. Von G. F. Kolb. Vortrag, in Druck gegeben auf Ver 
anlassen des volkswirthschaftlichen Vereins für Südwestdeutschland. Leipzig 
1862. FörstneVsehe Buchhandlung.« 
**) Zu Bolen gehörten damals noch: 1) Grosspolen (Marschau, Posen, Frau- 
*tadt, Kalisch, Gnesen, Polozk etc.) ; 2) Kleinpolen Krakau, Czenstochau, I.u- 
blin, Chelm, I.uck, Kaminieezk etc.) ; 3) das Grossfürstenth. Lithauen (Milna, 
Grodno, Kowno, Brzesc, Minsk etc.) ; 4; Die freien Städte Danzig nnà Thorn 
^it Gebiet; 5) Das Herzogthum Curland und Semgalleti. — Vor 1772 umfasste 
Polen über 13,600 Q.-M. und 18—20 Mill. Menschen. 
Kolb, Stati.tik. 4. Aufl. 
Bevölk 
(Mill.) 
26% 
9% 
1% 
25 
12 
10% 
3 
16% 
2% 
5‘(; 
3 
14 
25 
15 
. Einkünfte 
(Mill.) 
60’ fl. 
90—115’ fl. 
22—30’ Thlr. 
430’ livres. 
13%’ £. 
100’ Piaster. 
18’ Thlr. 
26’ - 
40’ fl. 
7’ Thlr. 
9’ - 
7’ - 
70’ - 
30’ - 
Schulden 
(Mill.) 
100’ fl. 
160—200’ fl. 
(Schatz 60’ Th. 
3700’ Livres. 
240’ y. 
130’ Piaster. 
20’ Thlr. 
50’ - 
2000’ fl. 
14’ Thlr. 
40’ - 
80’ - 
keine 
30
        <pb n="490" />
        466 
ALLGEMEINE UEBERSICHTEN. — Europa 1812. 
von Italien (das Festland der sardin. Staaten g „ Damalige Truppen- 
Parma,Theilev. Modena,Toscana,Rom),Theile ’ Bevölkerung macht 
der(Genf, Neuenburg, Wallis), zus. 13,(500 42’3(5(5,000 0(50,000 
B. Vasallenstaaten, die gleichsam vollständig /ranz. Präfecturen waren. 
1. Das Königreich Italien 1,520 6’500,000 50,000 
2. Illyrien 1,140 1*530,000 .... 
3. Das Königreich Westfalen 825 2*100,000 30,000 
4. Das Grossherzogthum Berg 315 880,000 5,000 
Zusammen ungefähr 3,800 11*000,000 85,000 
D. Sonstige Vasallenstaaten. 
5. Die übrigen 33 Rheinbundsstaaten (Bayern, 
Sachsen,"Württemberg etc. [siehe S. 223]) 4,250 10*500,000 100,000 
(5. Das Königreich Neapel 1,82 5 4*(500,000 (50,000 
7. Das Herzogthum Warschau 2,825 4*000,000 (50,000*) 
8,000, I‘TI 00,000 220,000 
Frankreich s«//í;h¿ rfcnFrtía/ícn beiläufig 2(5,300 72*500,000 0(55,000 
II. Staaten unter dem überwiegenden Einflüsse Frankreichs. 
Q.-M. Bevölkerung 
1. Helvetische Eidgenossenschaft (520 1*500,000 
2. Preussen**) 2,870 4*000,000 
3. Oesterreich 10,000 20*000,000 
4. DAMcwmrÄ (mit Norwegen und Schleswig-Holstein) 8,800 3*100,000 
Zusammen ungefähr 22,300 29*200,000 
III. Wirklich unabhängige Staaten. 
Q.-M. Bevölkerung 
1. Grossbritanien 5,800 18*000,000 
Vasallenstaat: Insel ÄtciVfcn ....... 500 1*700,000 
2. Russland, europäisches 95,000 40*000,000 
Zusammen etwa 100,000 (50*000,000 
IV. Staaten im Kampfe um Erhaltung ihrer Selbständigkeit. 
1. Spanien 9,200 10*500,000 
2. Portugal 1,800 3*500,000 
11,000 14*000,000 
V. Sonstige Staaten ohne höhere politische Bedeutung. 
1. Schweden (ohne Finland und ohne Norwegen) . . 8,000 2*800,000 
2. Insel Sardinien 440 500,000 
3. Türkei 9,000 12*000,000 
Zusammen beiläufig 17,500 15*500,000 
*) Beim Beginne des Feldzuges von 1812 gegen 75,000. 
**) Preussen, das nur 42,000 Soldaten unterhalten durfte, musste für den 
russischen Feldzug ein Contingent von 20,000 stellen; Oesterreich, das nicht 
über 150,000 haben durfte , musste gleichfalls 30,000 stellen.
        <pb n="491" />
        30* 
ALLGEMEINE UEBEliSICHÏEN. — Sociales. 
467 
Zusammenstellung. 
Q.-M. Bevölkerung. 
I. Frankreich mit 39 VasallenstaaU-n 29,300 ”2'/, Mili. 
II. 4 Staaten unter Frankreichs Einfluss 22,300 29 
III. 2 unabhängige Staaten 'Englanu, Russland) . . 100,000 00 
IV. 2 Staaten im Kampfe um ihre Selbständigkeit . . 11,000 14 
V. 3 Staaten ohne politische Bedeutung . . . . . 17,500 15% 
Zusammen 51 Staaten mit 177,000 191 Mill. 
III. Industrie- und Verkehrs Verhältnisse. 
Dermaliger Welthandel. 
Werth in .Millionen Thalrm. 
Grossbritanien 
Frankreich 
Deutschland (ohne Oesterreich) 
Vereinigte Staaten .... 
Belgien 
Holland 
China und Australien . . 
Oesterreich 
Russland (mit Finland) . . . 
Brasilien 
Schweiz 
Engl. Ostindien 
ÍX 
2500 
1586 
1400 
1000 
549 
472 
400 ! 
394 
380 
360 
280 
260 
250 
Spanien und Portugal 
Türkei und Aegypten 
Scandinavien . . . 
Brit. Nordamerika . 
Antillen . . . . 
Holl. Ostindien . . 
Chile, Peru . . . 
Columbiastaaten 
Argentinische Staaten 
Mexico 
Griechenland 
Centralamerika . . 
230 
180 
150 
100 
100 
92 
80 
66 
60 
35 
30 
17 
Dies ergibt zusammen fast 11,000 Mill. Thlr. (10,971 Mill). Selbst' 
verständlich handelt es sich nur um eine Schätzung, welche unmöglich 
eine absolute Richtigkeit besitzen kann. Nun ist aber die Summe vor 
Allem auf die Hälfte zu reduciren , also auf 5000 Mill., da dieselben 
Waaren steth mindestens zweimal abgeschätzt sind, bei der Ausfuhr 
des einen, und ebenso bei der Einfuhr des andern Landes. Allein auch 
diese Hälfte ist noch zu viel, weil eine Menge von Waaren nicht unmit 
telbar vom Absendungs- nach dem Bestimmungsorte gelangen, sondern 
zuvor andere Länder passiren (transitiren), und dort ebenfalls, unter der 
»Durchfuhr« erscheinen. Ja in einigen Staaten, wie Frankreich und Bel 
gien , werden die transitirenden Waaren (sehr missbräuchlich) sogar 
doppelt gerechnet: beim Ein- und dann wieder beim Ausgange. Dadurch 
vergrössert sich auch die Summe des Handelsverkehrs der betreffenden 
Staaten (also namentlich Frankreichs und Belgiens) sehr bedeutend. 
Dieser Verkehr ist in Wirklichkeit weniger gross, als er auf dem Papiere 
scheint.*) Wenn sich nun aber der internationale Handel ungleich 
*) In den »Beiträgen zur Statistik der Industrie und des Handels der Schweiz, 
Von G. F. Kolb« (bes. abgedruckt aus der »Monatsschrift des wissenschaftlichen 
Vereins in Zürich« 1859), haben wir übrigens auf die Lnzuverlässigkeit und die 
Widersprüche in den Handelslisten der verschiedenen I.änder aufmerksam ge 
macht, sowie darauf, dass, wenn man den internationalen Handel nach Kopien 
der Bevölkerung berechnen will, unrichtige und irreführende Resultate zum 
Vortheile der kleinen Staaten) sich ergeben müssen. 
Nach den (übrigens im Einzelnen auf verschiedenartigen Berechnungswei-
        <pb n="492" />
        468 
ALLGEMEINE UEI3ERSICHTEN. — Handelsflotten. 
kleiner erweist, so umfasst hinwieder der wirkliche Gesammtver- 
kehr bei weitem colossalere Werthe, als alle obigen Ziffern erkennen 
lassen. Weit grösser als der Handel mit entfernten Nationen ist in der 
Regel der Verkehr, den jedes Volk im eigenen Lande führt: der Handel 
linter den eigenen Angehörigen. Darüber mangeln aber meistens alle 
statistischen Aufzeichnungen.*] 
Die Handelsflotten. 
1. Grossbritanicn . . 
2. Vereinigte Staaten**) 
3. Deutschland (s. S. 21Í 
— übriges Desterre 
4. Frankreich 
5. Italien . . 
6. Holland 
7. Norwegen 
8. Spanien . 
9. Russland (mit F 
10. Dänemark 
11. Schweden 
12. Griechenland 
13. Türkei . . 
14. Portugal . 
15. Belgien 
ch 
nland) 
Schüfe 
28,040 
38,000 
29,500 
7.200 
15,005 
10,550 
2,230 
5.500 
4,800 
3,000 
2,700 
3,100 
4.500 
1.200 
000 
111 
Tonnen 
5’330,000 
5’350,000 
2’580,000 
93.000 
rooo,oo8 
080,000 
540.000 
745.000 
370.000 
370.000 
200.000 
400.000 
300.000 
170.000 
83.000 
30,700 
uannschait 
180,000 
190.000 (?) 
46.000 
20,600 
25.000 
50.000 
14.000 
32,500 
36.000 
16.000 
26,000 
6,000 
8,000 
1,400 
Zusammen ungefähr 162,800 18’250,000 650,000 
Entscheidend ist der Tonnengehalt, und darin besitzen die germa 
nischen Völker ein grosses Uebergewicht. Indess sind See- und Fluss 
schiffe leider nicht gehörig ausgeschieden und es ist'wesentlich dieser 
Umstand, dem Deutschland die obige hohe (relativ zu hohe) Ziffer ver 
dankt. (Vgl. übrigens S. 219).***) 
Eisenbahnen. 
1864 im Betriebe gegen 15,000 deutsche Meilen, davon: 
Ver. Staaten 6750, deutsche Staaten 2541, Grossbrit. 2506, Frankreich 1667, 
(Preussen 830, Oesterreich 813,) Ostindien 600, Spanien 520, Russland 471, Ita 
sen beruhenden) officiel len Listen des internationalen Handels hat sich derselbe 
von 1830 bis Ende 1855 vergrössert: in Frankreich um 145 Proc., in England 
um 211, in den Vereinigten Staaten um 270%. 
*) Geschichte der Himdelskrise von 1857. In den Ver. Staaten zählte 
man 4937 Fallimente von 292 Mill. Doll.; in Grossbritanien stellten 151 grössere 
Handelsfirmen ihre Zahlungen ein ; an deren Passiven, 74’427,569 £ betragend, 
gingen etwa 25% verloren. --In Hamburg kamen 145 Zahlungseinstellungen vor! 
**) Stand vor dem Kriege; die jetzige Verminderung muss als vorüber 
gehend betrachtet werden. 
***) Im Jahrzehnt 1850— 59 war die durchschnittl. Zahl der verunglückten 
Schiffe 2066; 1860 dagegen 2148, 1861 2171. — Die transatlantische Dampf 
schifffahrt begann 1838. In den 18 Jahren von 1841 bis anfangs I860 sind 20 
grosse Dampfer zu Grunde gegangen, deren Werth auf 15*930,000 £ geschätzt 
wird. Es kamen aus dieser Veranlassung 2807 Menschen ums Leben. Ungefähr 
noch zweimal so viel kleinere Dampfer blieben ungerechnet. Von obigen Schiffen 
sind 4 spurlos verschwunden, 3 sanken in den Grund, 3 scheiterten an der west 
lichen Küste, 5 an der östlichen, 1 versank durch Zusammenstoss, und 1 ver 
brannte auf offener See.
        <pb n="493" />
        , ocuweiz lui, australien 
Schweden 76, Niederlande 65, Aegypten 60, Portugal 40 
Die Gesammtlänge würde beinahe dreimal um die ganze Erde rei 
chen, und doch sind erst 30 Jahre verflossen seit Eröffnung des ersten 
mit Dampfkraft befahrenen Schienenwegs (zwischen Liverpool und Man 
chester, März 1829.*) 
Electrische Telegraphen. 
Ver. Staaten ungef. 7500 deutsche Meil. ; Russland 4300; deutscher Tele- 
graphenverem 5206 ; Frankreich 3600; Grossbrit. 3000; Britisch - Ostindien 
^OÜO; Italien 1760; Pj renäenhalbinsel 860; Südamerika 700; Schweden 680; 
' Nonvegen 350; Australien 300; Belgien 225. — Im Ganzen über 
Za,000 Meilen, — fast das Fünffache des Erdumfangs, ungerechnet die unter 
seeischen Telegraphen (1851 der erste zwischen Dover und Calais) und ebenso 
ohne die mehrfachen Drahtleitungen. 
c , Veranlassung des Abschlusses eines Telegraphenvertrags zwischen der 
Schweiz und den angrenzenden Staaten erhielt man 1864 folgende Notiz über 
die Zahl der Stationen (Bureaux) : Schweiz 202, Baden 116, VVürttemberg 101, 
Bayern 200, übriger deutsch-österr. Telegraphenverein, umfassend Oesterreich, 
Preussen, Sachsen, Hannover, Mecklenburg, Hansestädte, Nassau, Nieder 
lande etc. 1777, Frankreich 1126, Belgien 230, England 1275, Italien 512, Spa 
nien 193, Portugal 66, Algerien und Tunis 51, Schweden 83, Norwegen 83, 
Dänemark mit Schleswig-Holstein 72, Russland 118, Türkei mit Schutzstaaten 
ünd Griechenland 106, Aegjpten, Tripolis, Ostindien, China u. Australien 256. 
Metall- and Mineralaasbeate. 
a. Edelmetalle. Man schätzte deren jährliche Ausbeute 
um 1500 jährlich 1 Mill. Thlr. 
- 1550 - 4 - - 
- 1600 15 
- 1650 - 23% - 
um 1700 jährlich 30% Mill. Thlr. 
- 1750 49 
- 1800 - 76 - - 
- 1850 - 177% - 
Dabei wird die Gesammtproduction in diesen vierthalbhuiidert Jah- 
*“en so angenommen (Mill, preuss. Thaler) : 
*1 Commission der italien. Abgeordnetenkammer hat 1864 folgende 
crechnung der Personen-Beforderungstaxen nach Kilometer und in Centimes 
aufgestellt : 
, Klasse I. II. 
Italienische Staats- u. Süditalienische Bahnen . . lo 7 
I.ombardische Bahnen, gewöhnliche Züge ... 11 s 
- - Schnellzüge . . . . . 13,2 9,6 
t-entrahtalienische u. römische, gewöhnliche Züge .10 8 
_ - Schnellzüge . . . 12 9,6 
f ranzösische Bahnen lo 7,5 
Englische Bahnen durchschnittlich 13 lo 
Oesterreichische Bahnen Zahlung in Banknoten) 11,8 8,9 
I reussische Bahnen IV. Classe 2,5 Centimes) . • lo 7,5 
Bayrische Bahnen 8,6 4,8 
Badische Bahnen 9 6 
Belgische Bahnen ........... 8 6 
Schweizerische Bahnen 10,8 7,3 
m. 
5 
.5,7 
.5,5 
6,5 
5,9 
5 
4 
5,2
        <pb n="494" />
        470 
ALLGEMEINE UELERSICHTEN. — Goldproduction. 
Gold Silber Zusammen 
in Amerika 2701 7307 10,008 
in Europa, exclus. Russland . 140 530 070 
in Russland 300 88 388 
in Afrika u. den Sunda-Inseln 680 — 080 
Zusammen 3821 7025 11,740 
Vorrath aus dem Mittelalter . 80 200 280 
Total 31Hñ 8125 12,026 
Dem W e r t h e nach .... 33% 07% 
Gewicht in Cölner Mark 17’077,099 580*334,544 
Dem Gewichte nach . . . 3% 97% 
1548 begann die Goldausbeute in Californien, 1851 jene in Austra 
lien. Im ersten Lande wurden in den 10 Jahren 1848 bis Ende 1857 
ungefähr 1*940,000 Zollpfund Gold gefunden, werth gegen 776 Mill. 
Thlr. ; im letzten in den 9 Jahren 1851—59 beiläufig für 750 Mill. 
Thlr. (siehe S. 47); dazu kommt die Ausbeute in Russland, geschätzt für 
1845 —60 auf*ungefähr 300 Mill, und die seitherige Production, in 
Victoria allein von etwa 200 Mill. Thlr. (im Ganzen in dieser Colonie 
seit 1859 über 800 Mill. Thlr.) — Die Silberproduction vermehrte sich 
nur wenig. Das Verhältniss der Goldausbeute zur Silberausbeute war : 
1800 ; 29% Gold, 71% Silber 
1845 : 49 - 51 - (Russisches Gold) 
18"%„ : 82 18 - (seitdem noch grösseres Missverh&amp;ltniss,. 
Nach der Berechnung eines Nordamerikaners betrug die Production 
an Edelmetallen (Gold und Silber) 1846 62 Mill. Doll. , 1863 dagegen 
271 Va Mill.) davon: 1846 ,1863 
Australien — 75*000,000 
Californien — 70*000,000 
Andere Theile der Ver. Staaten 1*300,000 30*000,000 
Russland 18*000,000 22*000,000 
Mexico 18*500,000 25*000,000 
Britisch Columbia — 0*000,000 
Süd-Amerika 13*000,000 13*000,000 
Europa ausser Russland 0*000,000 0*800,000 
Asien und Afrika 4*000,000 5*775,000 
Neu-Seeland etc — 12*000,000 
Andere Länder — 0*000,000 
Hiezu liefern Nord- und Süd-Amerika jährlich ü 90*350,000 Gold und 
47*050,000 Silber; Australien, Russland und alle übrigen Länder 108*230,000 
Gold und 19*345,000 Silber ; zusammen also beläuft sich die Production von 
Gold (75,34 Proc ) ^ 204*580,000, Silber (24,00 Proc.) ^ 00*995,000, Total (379 
Mill, preuss Thlr.) ^ 271*575,000. 
Das Kilogramm (Doppelpfd.) reines Gold wird in Frankreich zu 3444 Fres. 
44 Cent., das Kilogr. reines Silber zu 222 Fres. 22 Cent, ausgemünzt, oder; 
das Kilogr. Gold ®/,o fein zu 3100, das Kilogr. Silber ®/,o fein zu 200 Fres. — ln 
Deutschland wird, nach der Münzconvention, das Zollpfund (genau '/, Ki 
logr.) feines Silber ausgeprägt zu 30 Thlr., oder 45 österr. oder 52% rhein. Gul 
den. Das relative AVerthverhältniss von Gold zum Silber ist in den Ländern, 
welche noch Münzen in beiden Metallen einen fixen "Werth zu geben versuchen 
(welche also entweder Doppelwährung, Doppelstandard haben, oder Silber als 
Scheidemünze behandeln) folgendes : 
in Frankreich .... 
in England 
in Spanien 
in Portugal früher 15,48 
seit 1855 .... 
15,5 zu 1 
14,28 zu 1 
15,75 zu 1 
14,188 zu 1 
in Russland 15 zu 1 
in den Ver. Staaten früher 
15,98, seit Febr. 1853 14,88 zu 1
        <pb n="495" />
        ALLGEMEINE üEBERSICHTEN. — Goldproduction. 
471 
Nach einem englischen Parlamentsausweise wurden in den 7 Jah 
ren 1851 bis Ende 1857 in Europa eingeführt: für 130 Mill. £ Gold 
und für 29’870,000 £ Silber; — aus Europa exportirt dagegen an Edel 
metallen für 79’170,000 £ (wovon 50*670,000 in Silber nach Indien 
und China). Sonach verblieb Europa eine Vermehrung der Edelme 
talle von 80*700,000 £(über511 Mill. Thlr. oder fast 2018 Mill. Frkn.). 
blos in der kurzen Zeit von 7 Jahren. Diese Annahme erscheint sogar 
noch bedeutend zu gering. Es sollen nemlich von jener Summe auf 
Grossbritanien allein kommen: Einfuhr an Edelmetallen 138 856,000, 
Ausfuhr 104*538,311 £, sonach in Grossbritanien allein eine Vermeh 
rung von 34*328,000 £ (fast 229 Mill. Thlr. oder über 858 Mill. Frkn.) 
In den 5 Jahren 1858 bis Ende 1862 ergab sich in England folgendes 
Verhältniss : 
Einfuhr Gold 
Silber 
Zus. Einfuhr 
89*744,149 £ 
50*206,924 
Ausfuhr Gold 
Silber 
73*540,092 £ 
57*450,194 
139*951,073 Ausfuhr 130*990,286 
Sonach neuerdings Vermehrung fast 9 Mill £ = fast 60 Mill. fhlr. 
ln Frankreich betrug in den 15 Jahren 1850 bis Ende 1864 die Einfuhr 
der Edelmetalle 8047, die Ausfuhr 6076 Mill., wonach sich in diesem 
Lande der Vorrath um 1971 Mill. Fres, vergrösserte. — Eine solche 
colossale Vermehrung der Edelmetalle musste eine Verminderung des 
Geldwerthes zur Folge haben.*) 
Masifs 
kann sich das Sinken des Werths der Edelmetalle überhaupt äussem) Dass 
das Silber mit herabgedrückt wurde, ist sehr erklärbar, einmal weil auch dessen 
Production sich nicht unbedeutend vermehrte, ganz besonders aber infolge des 
Verdrängens der Silberwährung aus vielen Ländern, und somit der Nermmde- 
rung seiner Consumtion. Sehr begreiflich ist es, d^s die durch die Mirren in 
Amerika momentan in einiges Stocken gerathene Goldzufuhr aus Californien 
sogar ^^vorübergehendes Steigen der Goldpreise zur I olge haben musste. 
- Einer Preisberechnung der wichtigsten Waaren der Hamburger Horse ent 
nehmen wir folgende Notizen. Es kosteten durchschnittlich Ihlr. . 
18'%, 
Baumwolle . . . 18,04 
Butter 20,02 
Cafl'e 12,43 
Cigarren .... 146,53 
Eisen, roh . . . . 1,11 
Eisen waaren, grobe . 4,05 
Flachs 16,44 
Fleisch,Ochsen-, gesalz. 10,31 
Garn, Baumwollen . 30,77 
— I,einen u. Zwirn . 51,40 
— Wollen-u. Halbw. 97,43 
Häute, amerik. . . 14,84 
Holz, Blau- . . 1,68 
Hopfen 16,37 
IntUgo 147,40 
18**/.. 
18,06 
27.29 
16,77 
160,47 
1,30 
5,80 
17,20 
13,80 
33,57 
52.30 
91,97 
26,63 
2,11 
31,40 
204,31 
Kupfer 
Leder, Sohl- . . • 
Mehl, Koggen . • 
— Weizen . . 
Del, Oliven-, Fabrik- 
Speise . . • 
— Cocus- . . • • 
— Palm- . • • • 
— Lein- . . • • 
— Küb- . • • • 
Pfeffer 
Reis, Carolina . . 
— Java . . . • 
Roggen . • • • 
Saat, Klee-, roth 
18*%. 18**4. 
28,68 35,60 
28,12 39,08 
1,86 4,02 
4,57 5,76 
14,18 17,21 
21,05 25,65 
14,43 15,15 
10,46 13,41 
9,85 11,47 
11,66 13,75 
9,34 13,97 
7,10 7,64 
4,24 4,32 
1,97 2,86 
11,50 16,49
        <pb n="496" />
        472 
ALLGEMEINE UEBERSICHTEN. - Unedle Metalle. 
b. Ausbeute unedler Metalle und Mineralien. Nach Millionen Zoll- 
centnern berechnet betrug die Production von Steinkohlen und Eisen in : 
Grossbritanien (1S()2) 
Steinkohlen 
1640,00 Mill. Cntr. 
300,00 
Roheisen 
79.00 Mill. Cntr. 
18.00 
5,75 
6,04 
23,6 
6,35 
0,26 
0,89 
4,28 
Ver. Staaten (1860) 
Preussen (1861) 235'19 
Belgien (1861) 200,00 
Frankreich (1863) 200,00 
Oesterreich (I860) 34,80 
Sachsen (1859) 30,39 
Bayern (1858) 5,29 
Russland (1857) 1,04 
Italien (1861) 1,50 
Schweden (1857) 4,40 (1863) 4 39 
Saat, Klee-, weiss 
— Raps- u. Rüb- 
Salpeter, roh ostind 
Südsee . . 
— raffln. . . . 
Schiffsbrod . . 
Schinken u. Speck 
Schwefel, roh . . 
— raffin. . . . 
Seide, roh u. gezwirnt 
18*%. 
10,56 
4 — 
9,84 
4,11 
11,52 
4,10 
15,54 
2,24 
3,03 
642,06 
18*%. 
19,89 
5,28 
13,12 
5,26 
14,21 
5,37 
18,61 
2,45 
3,50 
586,97 
Sprit, französ. . . 
— Korn- u. Kartoffel- 
Tabak 
Thran 
i Wein 
Weizen 
Wolle 
Zink 
Zucker, roh 
— raffln. 
18*%, 
9,14 
5,72 
16,48 
9,60 
6,78 
3,08 
60,71 
4,99 
7,34 
9,13 
18*%, 
22,82 
9,26 
22,08 
11,82 
11,95 
3,96 
65,31 
7,25 
8,74 
11,25 
benen 
annimmt 
Lebensmittel 
^ : . aun uor AiCIL ^ 
den Motiven 
IpïSiï
        <pb n="497" />
        ALLGEMEINE UEBERSICHTEN. — Colonialproducte. 
473 
Tonnen ausgeführt. Dieses I.and allein könnte den Bedarf von ganz Europa 
während 4000 Jahren decken. 
Die Quecksilberproduction wird im Ganzen auf 00,000 Cntr. geschätzt, w 
Almadén 15,000, Californien 30,000 und Peru 3,000 Cntr. liefern. 
ozu 
Der Gesammtgeldwerth der Bergproducte war in Mill. Thlr. 
Grossbritanien (1803) , . 230 Mill. 
Preussen (1800) .... 32 - 
Frankreich (1803) ... 32 - 
Belgien ungefähr ... 30 - 
Oesterreich (1800) 
Spanien (1800) . , 
Russland (1857) 
28 Mill. 
10 - 
14 - 
c. Sonstige besonders wichtige Natur- und Industrieproducte. 
1. Baumwolle. Von allen Xaturproducten findet die Baumwolle nach 
dem Getreide die ausgedehnteste Benützung. Der Verbrauch derselben 
in Indien und China — diesen Ländern, welche wenigstens die Hälfte 
der gesammten Menschenzahl auf Erden umfassen, und deren Bevölke 
rung sich zum Theil ausschliesslich in Baumwolle kleidet — lässt sich 
kaum annähernd schätzen. Gleichwol ging der colossale Baumwollever 
brauch in Europa nicht von Asien, sondern — in entgegengesetzter Rich- 
tung — von Amerika aus. Die Quantität, welche überhaupt in den uns 
bekannten Handel kommt, wird zu IG—18 Millionen Centner jährlich 
veranschlagt. Davon producirten früher die Vereinigten Staaten allein 
zwei Drittheile ; rS50,000 Centner kamen aus Ostindien in den euro 
päischen Verkehr: 1'10U,000 aus dem übrigen Asien, und 650,000 aus 
Mexico, Brasilien und den andern Ländern Südamerika’s. Der Geld 
werth blos der nordamerik. Baumwollerndte in dem günstigen Jahre 1859 
Ward auf 290 Mill, preuss. Thlr. geschätzt. Dies ist mehr als die cali- 
fornische und australische Goldausbeute zusammengenommen. 
Grossbritanien verarbeitet mindestens ebenso viel Baumwolle, als 
alle andern Länder. Von 1735 —1719 verbrauchte man daselbst jähr 
lich nur eine Million Pfund, I860 mindestens 1000 Mill., sonach mehr 
an einem Arbeitstage, als zu jener Zeit in drei Jahren. Seit Ab 
schaffung der Eingangszölle ist der Verbrauch auf das IGfache gestiegen. 
Vermittelst der Maschinen liefert ein Arbeiter so viel Gespinnste, als 95 
— 100 indische Handspinnerinnen. — Obwol eine indische Spinnerin 
früher blos etwa 8 Sgr. wöchentlichen Lohn erhielt, während in Eng 
land die Arbeiter, einschliesslich der Frauen und Kinder, im Durch 
schnitte IG Sgr. täglich verdienen, vermögen dennoch die bis zum 
Aeussersten wohlfeilen indischen, mit den sehr theuern englischen Ar 
beitern nicht zu concurriren. Die Zahl der in allen Baumwollfabriken 
Ëuropa’s und Amerika's beschäftigten Arbeiter wird, einschl. der Kin 
der, auf 1 Mill, geschätzt; ihre Löhne, durchschn. zu 130 Thlr. an 
genommen, betragen jährlich mehr als 162 Mill. Es ist aber vielleicht 
eine viermal grössere Anzahl als jene mittelbar in ihrem Lebensunter 
halte von der Stabilität der gedachten Industrie abhängig. Leider hat 
auch die Negersklaverei in Nordamerika ihre Ausbreitung dem Baum 
wolleanbau zu verdanken, wozu gegen eine Million Schwarze verwendet 
Wurden. Die älteste Angabe der Baumwolleausfuhr von Nordamerika 
findet sich in einem Handelsberichte der Stadt Charleston (Südcaro 
lina) von 1747, — damals handelte es sich um sieben Säcke ! Als 1784 
71 Säcke von dort in England ankamen, ward Beschlag darauf gelegt, 
-OÊsn-
        <pb n="498" />
        474 
ALLGEMEINE UEBEllSICHTEN. — Colonialproducte. 
IVegen falscher Consignation, »Aveil Amerika so viel gar nicht produciren 
könne. « Der Verbrauch roher Baumwolle (aus den verschiedenen Län 
dern) ward 1859 so geschätzt: Grossbrit. 2’294,000 Ballen, Vereinigte 
Staaten 928,000, Frankr. 525,000, Russl. 334,000, Deutschi. 212,000, 
Holland 125,000, Spanien 118,000, Italien 101,000, Oesterr. 66,000, 
Belgien 64,000. (Die Liste ist indess nicht ganz genau, wie denn na- 
mentl. die Schweiz in derselben fehlt.) Der Verbrauch steigt mit dem 
Wohlstände und der höhern Cultur. Während in England auf jeden 
Kopf eine Jahresconsumtion von 24 Pfd. kommt, beträgt dieselbe in der 
Türkei und andern gleich wenig cultivirten Gegenden nur 2—2% Pfd. 
— Der Bürgerkrieg in Nordamerika hat eine ungeheuere Störung her 
vorgebracht. Natürlich empfanden dieselbe nicht blos die Productions- 
lünder, sondern ebenso alle Gegenden, in denen die Baumwollefabri 
kation eine Wichtigkeit erlangt hat, namentl. England. Der Baum 
wolleanbau ward nun in verschiedenen Ländern in einer gegen früher 
nicht geahneten Ausdehnung betrieben, namentlich in Ostindien und 
Aegypten, theilweise auch in Brasilien, Mexico, der asiat. Türkei, und 
einigen südl. Gegenden Europa’s. In den beiden erstgenannten Ländern 
ist dadurch ein Zufluss von Metallgeld veranlasst worden, der bereits zu 
einer Art socialer Revolution geführt hat. 
Nachfolgende Zusammenstellung der Einfuhr roher Baumwolle in 
England deutet die stattgehabten Veränderungen an (die Quantität in 
engl. Pfunden) : • 
aus den Ver. Staaten 
- Bahama- u. Bermuda- 
Inseln .... 
- übrig, brit. Westindien 
- Brasilien .... 
- Mexico .... 
- der Levante . 
- Ostindien . . . 
- China 
- andern Ländern 
Zusammen 
1860 
1115’b9(l,00S 
585,984 
464,800 
n’286,864 
44’036,608 
204’141,168 
3,920 
8’528,800 
1861 
819’500,528 
10,864 
485,520 
1-'290,336 
41’4T9,200 
369’040,448 
9’177,840 
1862 
13'524,224 
5’403,328 
722,736 
23’339,00S 
3’131,520 
65’238,320 
392’654,528 
I'766,016 
18’193,616 
1863 
6'394,080 
29’771,392 
2’556,848 
22’603,168 
19’278,112 
107’358,944 
434’420,7H4 
30’856,336 
16'343.600 
1390’938,752 1256’984,736 523’973,296 669’583,264 
Für 1864 veranschlagte der Economist: 
aus Nord-Amerika . 150,000 Ballen à 438 Pfd. = 65’700,000 Pfd. 
- Ostindien . . 1'398,000 - - 365 - = 5l0’270,000 - 
- Aegypten . . 257,000 - - 500 - = 127’500,000 - 
- Brasilien . . . 212,000 - - 180 - = 38’160,000 - 
Für 1865 geht eine vorläufige Schätzung der als wahrscheinlich zu 
erwartenden Zufuhr auf 2’900,000 Ballen (von oben bezeichneten Ge 
wichtsverschiedenheiten), nemlich 150,000 Ballen aus Nordamerika, 
250,000 aus Brasilien, 100,000 (à 200 Pfd.) aus Westindien und Peru, 
l'500,000 aus Ostindien, 300,000 aus Aegypten, 1 00,000 (à 355) aus 
der Türkei und 500,000 (à 240 Pfd.) aus China und Japan. 
2. Wolle. Auf Grundlage der Berechnungen des Generalconsuls für 
Uruguay in Berlin, Hrn. J. J. Sturz, liefern wir folgende Zusammen 
stellung :
        <pb n="499" />
        ALLGEMEINE UEBEKSICHTEN. 
Colonialproducte. 
475 
Schafe 
in Europa .... 224’28S,00(» 
- Amerika . . • 44’3t)0,0ü0 
- Australien . . . 2SM2f&gt;,000 
Zusammen ungef. 2y7’OÜO,üOO 
W oUeproduction 
5()0’T 10,000 Pfund 
9rsoo,ooo - 
92’425,000 ^ 
Í45'ÕÕÕ/9I0 
Dies ergibt durchschnittlich kaum 2 Pfd. Wolle auf jeden Kopf der 
Bevölkerung. (Es ist dabei angenommen, dass die Zahl der Schale be 
trage: in Grossbrit. 40 Mill., in Frankreich 35, dem Zollverein 32, 
Oesterr. 30%, Russl. 52, Spanien 20 Mill. ; dann in den Ver. Staaten 
20, den Argentinischen 8, Uruguay fast 4 Mill.)*) — 
3. Zocker. Die Gesammt-Rohrzuckcrproduction ward 1859 von der 
engl. Regierung auf 1’365,500 Tonnen (27 310,000 engl. Centner) ge 
schätzt, nemlich : 
Cuba . . . 
Porto-Rico . 
Brasilien . . 
Ver. Staaten . 
Brit. Ostindien 
Mauritius . . 
Reunion . . 
415.000 Tonnen 
58.000 
75.000 
10.000 
100.000 
120,000 
55,000 
Antillen franz. . 
— dänische 
— holländ. 
— englische 
Java .... 
Manila . . • 
100.000 Tonnen 
8’500 
14,000 
180.000 
110,000 
00,000 
I liezu Runkelrübenzucker, im nemlichen Jahre, geschätzt auf 
427 500 Tonnen = 7’550,000 engl. Cntr., wovon 2 Mill. Cntr. in 
Frankreich erzeugt, 2’ in Deutschland, 1,4 Mill, in Oesterr. , 800,000 
in Russl. und Polen und 350,000 in Belgien. Der Zuckerverbrauch 
war nach Zollpfundcn : 
Grossbrit. (1803) 29,25 
Dänemark (1852) 13,13 
Frankreich (1859) 10,28 
Schweiz (1858) . 9,32 
Niederlande (1852) 8,95 
Zollverein (180.3) . 7,50 
Spanien (1800) . 4,23 
Oesterreich etwa . 4,50 
Griechenland . . 2j 
Türkei .... 2 
Russland (1800) . 0,93 
Ver. Staaten (1802) 24,71 
Victoria (1857) . 57,00 
4. Caffe. Die Schätzungen der Production schwanken zwischen 
5% und 10 Vs Mill. Cntr. (gute oder schlechte Emdten). Bei 0% Mill. 
Cntr. nimmt man einen Werth von 150 Mill. Thlr. an. Production in 
guten Jahren in Mill. Centner : 
Mill. Mill. 
Brasilien . . . 5,19 Sumatra . . . 0,30 
Java 2,02 i Cuba, Porto-Rico 0,30 
Ceylon .... 1,05 ; Venezuela . . . 0,30 
St. Domingo . . 0,75 | Costa-Rica . . 0,15 
Mill. 
Mocca .... 0,075 
Engl. Westind. . 0,075 
Uebriges Westind. 0,03 
Manila.... 0,045 
*) Vor etwa zwei Jahrzehnten ward die M olleconsumtimi in England zu 
an 
Pf., stieg 
den 
aus 
aus 
brit 
Australien
        <pb n="500" />
        47G 
ALLGEMLIXL ULBLliSlCIITEX. — Colonialproducte. 
Verbrauch 1858 (auf Zollgewicht reclucirt) : 
im Ganzen pr. Kopf 
Holland. 400,0(10 Ctr. 12 Pf. 
Belgien . . 428,302 9,2 
Ver. Staaten 2'512,550 9,13 
Schweiz . . 150,541 0,02*) 
*) Caffc und Caffesurrogate. 
im Ganzen ' pr. Kopf. 
Zollverein . 1’300,000 Ctr. 3 94 pf 
Frankreich 564,010 i’,57 
Oesterreich 403,200 i’jj 
Grossbritan. 318,043 i’o9 
Spanien (1860) 19,696 ff’13 
d&lt;!'Kohseidq,roduction wird durchsdmitt- 
lieh auf 1120 Mill. tres, geschätzt; davon: Europa 415 Mill. (Italien 
285, Frankreich loS), China 425, Ostindien und Japan 200 (andere 
nehmen nur 120 an) , übrige Länder 80 Mill. - An Seidewaaren ver 
braucht England über halb so viel, als das ganze übrige Europa • ein 
Engländer consumirt etwa 5mal so viel als ein Franzose, obwol sein 
Land kein Pfund roher Seide erzeugt. 
6. Wein. 
preuss. Eimer 
Frankreich*) 
Oesterreich . 
Spanien . . 
Italien . . 
Portugal 
Die Production in Europa übersteigt durchschn. 124 Mill, 
(über 85 Mill. Hectoliter) ; davon erzeugen : 
. TO’000,000 Eimer 
. 28’100,000 
8’000,000 
8’000,000 
5’500,000 
Zollverein 
Schweiz . -. 
Griechenland 
Südrussland . 
3’000,000 Eimer 
1’600,000 
500.000 
200.000 
7. Hopfen 
England 
Bayern . . 
Böhmen . 
Preussen 
Baden . . 
Württemberg 
In guten Jahren 1 — 1% Mill. Cntr. : in 
600.000— 750,000 
100.000— 230,000 
60.000— 90,000 
35.000— 40,000 
20.000— 30,000 
10.000— 15,000 
üebriges I leutsch- 
land . . . 
Belgien . . . 
Eisass .... 
Amerika . . . 
Zusammen 
10,000— 20,000 
40.000— 60,000 
20.000— 30,000 
120,000— 130.000 
1’015,000—1’375,000 
8. Tabak. In dem deutschen Zollvcreinsgcbiete waren 1860 nur 
noch 71,735 preuss. Morgen mit Tabak angebaut (früher bedeutend 
mehr), 1861 sank die Ziffer auf 55,885 preuss. Morgen herab, mit einem 
Ertrage von 354,335 Cntr. Davon kamen auf; 
Preussen (mit Enclaven) 
Baden. ... 
Bayern . . . 
Grossh. Hessen 
Hannover . . 
Thüringen . . 
Kurhessen . . 
Württemberg . 
Sachsen ... 
Braunschweig . 
In Frankreich waren 1861 
Morgen (in 15 Departementen, 
Morg. Ertrag 
20,59(i 140,815 Cntr. 
18,722 117,987 
12,138 63,018 
1,824 10,491 
1,228 9,012 
&lt;&gt;04 4,737 
529 6,663 
189 1,084 
48 437 
7 88 
5,000 Hectaren, also beiläufig 60,000 
von 37,000 Grundeigenthümern) mit 
iue uurchschn 
1 roüuction ward officiell geschätzt auf 48’240,000 Hect. 
1850 
1851 
1852 
45’266,000 Hect. 
39’429,000 - 
28’636,000 - 
1853 
1854 
1855 
22’682,000 Hect. 
10’824,000 - 
15’175,000 - 
1856 
1857 
1858 
21’294,000 Hect. 
35’410,000 - 
45’805,000 -
        <pb n="501" />
        AIíIjGEMKIXE UliliEHSICHTEX. — Colonialproducte. 
477 
Tabak bepflanzt. In Oesterreich soll die mit Tabak angebaute Fläche 
1860 42,750 Hectaren (über 160,000 Morgen) betragen haben, wovon 
36,000 Hectaren in Ungarn, — Dieterici berechnete, auf Grundlage der 
(freilich nicht mehr neuen) Daten von 1852 : 
Tabaksconsum. Besteuerung des Tabaks 
im Ganzen Pf. pr. Kopf Überhaupt pro preusa. Pfd. 
Preussen . . 4S’333,037 Pfd. 2,85 1’387,802 Thlr. 00 Sgr. 10,34 Pf. 
Orossbritanien 27’566,011 1,004 30’283,807 32 11 5 
Frankreich . 4.3’811,896 1,224 25’986,001 17 9*61 
Oesterreich . 34’566,400 0,92 5’845,320 5 0,88 
Im Königreich Italien betrug 1862 der Verbrauch 19 898,044 Zoll 
pfund = 0,91 Pfd. pr. Kopf; in Spanien, Durchschnitt der 3 Jahre 
1858 — 60, 14’733,696 Zollpf. = 0,98 Pf. pr. Kopf (Cigarren durch 
schnittlich nur 3370,318 Stück = 0,226 auf jeden Einwohner). 
Die Production der Tabaksmanufacturen betrug 
in Oesterreich in Frankreich 
1860 1861 
Rauchtabak 581,700 Zollcentner 329,800 Zollcentner 
Schnupftabak 60,700 - 16,048 
Cigarren 837’900,000 Stück 806’250,000 Stück 
Reinertrag 36’436,344 fl. 114’115,000 Fres. 
(Die neueren Ergebnisse siehe S. 64 u. 148.)
        <pb n="502" />
        Sechste Abtlieiluiig. 
Allgemein menschliche Verhältnisse. 
Wir haben bisher zunächst von rein staatlichen oder wirth- 
schaftlichen Zuständen gesprochen; es sei uns vergönnt, in einer 
letzten Abtheilung, gleichsam einem Anhänge, auch Einiges über all 
gemeine, rein menschliche Verhältnisse beizufügen. 
Es ist unverkennbar, dass die Materialien für Lösung der grossen 
» socialen Frage « noch lange nicht genügend gesammelt, noch weniger 
in allen ihren Beziehungen gesichtet und geordnet sind. Insbesondere 
hat die politische Arithmetik erst begonnen, ihre Aufgabe in dieser Rich 
tung nur zu erkennen. Kaum ist ein Anfang gemacht, die Lösung der 
selben in einzelnen Theilen zu versuchen. Obwol aber die erlangten 
Resultate verhältnissmässig erst wenige Punkte der wichtigen Frage 
umfassen, und selbst in dieser Beziehung nur auf annähernde, nicht auf 
absolute Richtigkeit Anspruch machen können, so erweisen sich doch 
schon diese Ergebnisse vielfach als überraschend, und dermassen 
praktisch wichtig, dass sie die Aufmerksamkeit jedes denkenden Men 
schen in Anspruch nehmen müssen.*) 
Sterblichkeitsherechnungen im Allgemeinen. Als im 17. Jahrhun 
derte, zunächst durch die Hazardspiele, — die Wahrscheinlichkeits 
rechnungen etwas entwickelt wurden, brachte ein Blick auf die Geburts- 
und Sterblisten der Stadt Breslau den genialen Halley, den Berechner 
der Wiederkehr des nach ihm benannten Kometen, im Jahre KiiKl auf 
den Gedanken, die Methode dieser Rechnung auch auf die Dauer des 
menschlichen Lebens anzuwenden, — freilich, wie man nach dem Titel 
der ersten Abhandlung Halley’s über diesen Gegenstand annehmen muss, 
zunächst nur, um ein neues Feld für die Glücksspiele zu eröffnen ! Ihm, 
wie später Déparcieux, kam es hauptsächlich auf die genauere Berech 
nung von Renten und Tontinen an. Der Deutsche Süssmilch ist es, 
*) Es ist eine treffende Bemerkung des viel verdienten Dr. Engel : »Das 
durch die Individuen des Volks repräsentirte Capital ist bei weitem das be 
trächtlichste im Staate ; und das in der lebenden Generation ruhende Erzie- 
hungscapital übersteigt weit die Summe aller übrigen Capitalien. Jede Ver 
kümmerung der physischen Beschaffenheit der Bevölkerung, der hätte ent- 
gegengewiÄt werden können, ist eine Verschwendung des edelsten Capitals, 
der Intelligenz und der physischen Kraft der Bevölkerung, und kommt einer 
absoluten Capitals Vergeudung gleich.« 
Sehr wahr bemerkt auch Wappäus (»Allgem. Bevölkerungsstatistik«): 
»Wie viel Hoffnungen, wie viel Glück werden begraben mit einem frühzeitigen 
Tode? Eine allmählige Annäherung an das Ideal (der grössten iiatürl. Lebens 
dauer) liegt nicht ausserhalb des Bereichs des menschl. Strebens. Jeder wahre 
Fortschritt einer Nation in Sittlichkeit, Wissenschaft und Kunst bringt sie 
ihm näher, denn eine grosse Zahl der nicht natürlichen Todesursachen sind 
Wirkungen negativer Culturzustände.«
        <pb n="503" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 47ÍÍ 
dem das grosse Verdienst gebührt, das Problem der Mortalität über die 
niedere Region solcher Anwendung empor gebracht zu haben, und gerne 
übersieht man es dabei, dass ihn ein orthodox-theologisches Streben 
erfüllte. 
Die ersten Versuche konnten nur ziemlich roh sein. Man nahm das 
Material wo und wie man es eben fand. Allmählig musste man sich von 
der Nothwendigkeit überzeugen, dieses Material strenger zu sichten. 
Man gewahrte Unterschiede und erkannte namentlich, dass alle Stände,, 
alle Classen und Geschlechter in demjenigen Verhältnisse, in welchem 
sie vorhanden sind, bei der Berechnung vertreten sein sollten. 
Allein auch bei der grössten Genauigkeit wird man immer Resul 
tate bekommen, welche eine absolute Richtigkeit nur gewähren für 
einzelne Gegenden, und zwar auch hier nur für diese oder jene ver 
gangene Zeitperiode. Denn sogleich im nächsten Nachbarlande, 
in welchem z. B. die Stadt- oder die Landbevölkerung, der Fabrik- oder 
der Agriculturbetrieb mehr vor waltet, werden die Ziffern nicht unwe 
sentliche Modificationen erfahren. Das Nemliche wird stattfinden, wenn 
im Laufe der Zeit Veränderungen in der Lebensweise, der Ernährung, 
der Wohnung einer Bevölkerung eintritt Wir haben überdies bereits 
wiederholt darauf hingewiesen, wie sogar in einem und demselben 
Lande, und hier selbst in ganz kurzen Perioden, die Verhältnisszahlen 
sehr wesentlich sich ändern. (Siehe z. B. das S. 3 über die Bevölkerungs 
zunahme in Grossbritanien, und S. 55 — 58 über die Zahl der Ge 
burten, Heirathen und Sterbfälle in Frankreich Bemerkte, oder die 
Ziffern über den Bevölkerungswechsel in sämmtlichen Staaten Deutsch 
lands.) Denn ein Stillstehen findet sich nirgends in der Natur, — 
nirgends im Leben, eigentlich nicht einmal im Tode, wo in stiller 
Wirksamkeit wenigstens noch die Macht der Zersetzung ihre gewal 
tigen Kräfte entwickelt. 
Ueber den jetzigen wissenschaftlichen Stand der Frage verdanken 
wir die nachfolgende klare und treffliche Abhandlung der freundlichen 
Gewogenheit des hierin so besonders erfahrenen und kenntnissvollen 
Hrn. Finanzraths G. Mopf in Gotha, welcher diese Abhandlung eigens 
für unser Buch zu bearbeiten die Gefälligkeit hatte. (Einige Bemerkun 
gen fügen wir bei.) 
Sterblicbkeitsiisten. 
Schon längst hat man erkannt, dass das Absterben der Menschen, wenn 
auch im Einzelnen vielerlei Zufälligkeiten ausgesetzt und scheinbar regellos 
eintretend, doch im grossen Ganzen nach gewissen Gesetzen erfolgt. Es zeigt 
sich, dass der Mensch gleich nach seiner Geburt im hohen Grade der Gefahr, 
dem Tode zu unterliegen, ausgesetzt ist, dass diese Gefahr Anfangs sich mit 
jedem Tage mindert und schon nach dem ersten Lebensjahre wesentlich gerin 
ger geworden ist, dass sie auch von hier an noch fällt bis zur Periode vom 10. 
his 14. Lebensjahre, wo eine Art Stillstand stattfindet. Von diesem M ende 
punkte an, wo die Gefahr zu sterben am Geringsten ist, geht sie in die entgegen 
gesetzte Richtung über, sie nimmt mit dem fortschreitenden Lebensalter zu 
pnd steigt ununterbrochen bis zur höchsten Lebensgrenze, Anfangs langsam, 
jenseit des 55. Lebensjahres aber in rascher Progression. In diesen allgemei 
nen Umrissen lässt eine aufmerksame Beobachtung der täglich unter unseren 
Augen vorgehenden Erscheinungen das denselben zu Grunde liegende Gesetz 
der Sterblichkeit unschwer erkennen. Schwieriger ist es, dieses Gesetz im
        <pb n="504" />
        4SI) ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 
Einzelnen numerisch zu bestimmen. Um dies zu können, muss man genau 
beobachten, in welchem Verhältnisse in ganzen Bevölkerungen auf ausgedehn 
tem Gebiete unter verschiedenen Verhältnissen die Sterbfälle ein treten. Es 
muss dazu festgestellt werden, wie viel in jedem Lebensalter 
von einer gewissen möglichst grossen Zahl Lebender, welche 
in dieses Alter eintreten, im Laufe desselben sterben. Dies ist 
die für die Sterblichkeitsstatistik zu lösende Aufgabe. Zeigt es sich z. B., dass 
von 10,000 neugebornen Knaben im I.aufe des ersten Jahres 1S50 und von 
einer gleich grossen Zahl neugeborner Mädchen während der nemlichen Zeit 
1725 sterben, so ist das Sterblichkeitsverhältniss der Knaben im ersten Le 
bensjahre 18*4 Brocent, dasjenige der Mädchen nur 17'/*, — und findet es sich, 
dass im 25. Lebensjahre von 10,000 Personen männlichen Geschlechts, welche 
in dasselbe ein treten, im Laufe desselben 84, und von ebensoviel Personen 
weiblichen Geschlechts 88 gestorben sind, so wird das Sterblichkeitsverhält 
niss des männlichen Geschlechts im 25. Lebensjahre 0,84 Proc., dasjenige des 
weiblichen Geschlechts dagegen 0,88 Proc. betragen. Aus diesen Zanlen erge 
ben sich von selbst zwei wichtige Verhältnisse, nemlich der Grad der Wahr 
scheinlichkeit oder der Gefahr, im Laufe des nächsten Jahres zu sterben, und 
ebenso der Grad der Wahrscheinlichkeit, das darauf folgende Jahr zu erreichen. 
Da für den einzelnen Menschen eines oder das andere dieser Ereignisse eintre- 
ten muss, so bilden jene beiden Wahrscheinlichkeiten zusammen die Gewiss 
heit, welche durch 1 ausgedrückt wird. Nach den eben angegebenen Zahlen 
wird bezüglich des nächsten Jahres die Sterbens Wahrscheinlichkeit sein : 
für den Neugebornen für den 24jährigen 
männl. Oeschl. — weibl. Geschl. männl. Geschl. — weibl. Geschl. 
0,1850 0,1725 _ _ 0,0084 0,0088 
und die Ueberlebens Wahrscheinlichkeit : 
0,8150 0,8275 0,9010 0,9912 
Sa. 1. 1. 1. 1. 
Sind diese Verhältnisse für jedes Lebensalter (nach einzelnen Jahren und 
für die erste Zeit nach der Geburt, wo in kürzeren Perioden Veränderungen ein- 
treten, nach Wochen und Monaten) genau erforscht, so ist das Wesentlichste 
für die Bestimmung des Sterblichkeitsgesetzes und für Aufstellung einer Sterb 
lichkeitsliste gewonnen. Letztere soll anzeigen, wie viel von einer gewissen 
Zahl Neugeborner in jedem folgenden Lebensjahre (für das erste Lebensjahr 
in kürzeren Zeitabschnitten) mit Tode abgehen, bis alle gestorben sind. 
Solche Beobachtungen ergeben allerdings nur, wie die Verhältnisse auf 
einem gewissen Baume und während einer gewissen Zeit wirklich waren ; wenn 
aber Baum und Zeit eine so grosse Ausdehnung haben, dass auf ihm und in ihr 
die verschiedenen Einflüsse, welche die Sterblichkeit verändern, gleichmässig 
zur Geltung kommen konnten, so ergeben die Beobachtungen an der Vergan 
genheit das mittlere Maas, nach welchem auch künftig die Sterblichkeit 
stattfinden wird. Tausenderlei zufällige Ereignisse bringen zwar fortwährend 
Abweichungen von diesem mittleren Maase bald nach dieser bald nach jener 
Seite hin zu Wege, allein, wenn auch dem Gange der Sterblichkeit des Men 
schen nicht so feste Bahnen, wie dem Laufe der Himmelskörper vorgezeichnet 
sind, so sehen wir doch die Schwankungen dieses Ganges in ziemlich enge 
Grenzen gewiesen. Aus den Beobachtungen an der Vergangenheit kann daher 
stets ein annähernd richtiger Schluss auf die Ereignisse der Zukunft gezogen 
werden, für so lange, als nicht tief eingreifende sociale Aenderungen eintrelen. 
Es könnte nach Gbigem leicht und einfach scheinen, das Gesetz der Sterb 
lichkeit für jedes Alter zu bestimmen, indem man dazu nicht etwa nöthig hat, 
zu beobachten, nach welchem \ erhältnisse eine gewisse grössere Zahl Neuge 
borner beiderlei Geschlechts successive abstirbt, — wozu, abgesehen von andern 
Schwierigkeiten, ein langer Zeitraum gehören würde, — sondern nur zu beob 
achten braucht, wie viele von einer auf einem grösseren Baume lebenden 
Bevölkerung in jedes Lebensjahr eingetreten und wie viel davon im Laufe des 
selben gestorben sind. Gleichwohl unterliegen diese Beobachtungen grossen 
Schwierigkeiten, weniger in Betreff der Gestorbenen, als in Betreff der i,eben 
den, auf welche jene zu beziehen sind. Solche Beobachtungen sind in der That
        <pb n="505" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 4gI 
in grösserem Maasstabe noch nirgends mit Genauigkeit vorgenommen worden 
und es ist ein noch ungelöstes Problem der Statistik, Mittel und Wege zu fin 
den, welche es möglich machen, mit Genauigkeit in ganzen Bevölkerungen 
nach einzelnen Altersjahren und für die erste Zeit der Geburt nach kürzeren 
Zeitabschnitten die Zahl der Lebenden festzustellen, unter welchen die in 
diesen Lebensabschnitten vorgekommenen Todesfälle eingetreten sind. 
Lange Zeit hindurch hat man geglaubt, das Sterblichkeitsgesetz lediglich 
nach den in einem Lande vorgekommenen Todesfällen bestimmen und daraus 
allein eine Sterblichkeitsliste herstellen zu können, welche jenes Gesetz für 
i edes Lebensalter erkennen lasse. Man hat dazu die während einer längeren 
*eriode vorgekommenen Todesfälle verzeichnet, dieselben nach den Altersjah 
ren, in denen sie eingetreten waren, zusammen^estellt und angenommen, alle 
Gestorbenen wären gleichzeitig geboren. Bei dieser Annahme ergibt die nach 
den Todesjahren vorgenommene Zusammenstellung der Gestorbenen ohne Wei 
teres die Sterblichkeitsliste. Sie zeigt an, in welcher Reihenfolge sämmtliche 
Todte von Zeit ihrer Geburt an successive abgestorben sind. Die Summe aller 
verzeichneten Todten ist die Zahl der Neugebornen ; indem man von derselben 
die im ersten Lebensjahre vorgekommenen Todesfälle abzieht, erhält man die 
Zahl derjenigen, welche von den Neugehornen das nächste Jahr erleben und 
80 fort durch Abziehung der in jedem Altersjahre Gestorbenen die Zahl derer, 
welche das nächste Jahr erreichen. Diese einfache Methode, eine Sterblich 
keitsliste lediglich nach den Todesfällen zu construire!), heisst die Halle)'sehe, 
weil Hai lev seine Sterblichkeitsliste auf die in der Stadt Breslau in den Jahren 
von 1()87 bis 1091 vorgekommenen Sterbfälle stützte, ohne nach den ein 
zelnen Altern die Zahl der Lebenden zu kennen, unter denen diese Sterbfalle 
vorgekommen waren. Dieselbe führt nur unter der Voraussetzung zu richtigen 
Resultaten, dass die betreffende Bevölkerung, welcher die Todesfälle entnom- 
nien sind, nicht nur während der Zeit, wo diese .Aufzeichnung stattfand, son 
dern schon längere Zeit vorher in einem völligen Beharrungszustande sich be 
fand, dass also die Zahl der Geburtsfälle der Zahl der Sterbfalle gleich war 
und auch durch Ein- und Auswanderungen der Bevölkerungsstand und die 
Alters Verhältnisse in demselben nicht verändert wurden. Diese Voraussetzung 
findet nirgends statt und hat niemals irgendwo stattgefunden. Desshalb sind 
die nach jener Methode construirte!) Sterblichkeitslisten, wie die bekannte und 
vielfach angewandte Süssmilch-Bau mann'sehe, die Northampton'sche, welche 
den Berech))ungen der meisten englischen Lebensversicherungsanstalten zu 
Grunde liegt, die von Duvillard für Frankreich, die älteren belgischen Listen 
u. s. w. unrichtig und unzuverlässig. Da nach dem allgemeinen Gesetze des 
Fortschritts, wie im ganzen Menschengeschlechte, so auch in den Bevölkerun 
gen einzelner l.änder, ein Ueberschuss der Gehörnen über die Gestorbenen 
Und daher, abgesehen von localen und periodischen Störungen, eine fortschrei 
tende Zunahme der Bevölkerung stattfindet,*, so zeigen die nach jener Methode 
t'onstruirten Sterhlichkeitslisten eine verhältnissmässig zu grosse Zahl von 
Sterbfällen in den jüngern Altern und somit ein zu rasches Absterben an. An 
demselben Fehler würde eine Sterblichkeitsliste leiden, welche man durch .Auf 
zeichnung aller gleichzeitig Lebenden nach den einzelnen .Altern gebildet hätte. 
Das Fehlerhafte jener Methode blieb nicht lange unerkannt, gleichwohl hat 
Ulan bei dem Mangel anderer Hülfsmittel bis in die neueste Zeit fortgefahren, 
Sterblichkeitslisten lediglich nach den Todesfällen zu construiren. Die zur 
Beseitigung der Fehler hie und da angehrachten Correctionen sind ungenü 
gend und desshalb fehlt uns noch eine zuverlässige Sterblichkeitsliste, 
Welche genau darstellt, wie auf einem grösseren Ländergebiete während einer 
längeren Zeit das Sterblichkeitsverhältniss in jedem Lebensalter wirklich war. 
Brst in neuerer Zeit ist durch Vervollkommnung der Volkszählungen etwas 
besseres Material zur Berechnung solcher Sterblichkeitslisten gewonnen wor 
den. Wir lassen hier zwei Listen folgen, welche, nach diesen neueren Erhe 
bungen berechnet, wenigstens mehr Vertrauen als die älteren verdienen. 
*) Wesentlich in dem Maase, in welchem der allgemeine Fortschritt der 
A/ultur die Mittel schafft, eine grössere Anzahl Menschen ernähren zu können. 
Kolb, Statiatik. 4. Aufl. 31
        <pb n="506" />
        1 
2 
4 
5 
G 
7 
8 
9 
10 
11 
12 
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15 
IG 
17 
18 
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2G 
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31 
32 
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34 
35 
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41 
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44 
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46 
47 
ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 
irblichkeitslisteD nach den Beobachtungen an ganzen Völkerschaften. 
Belgien, von Quetelet 1856 
Sachsen, v. Heym 
Männer 
Frauen 
1840 — 49 
Le 
bende 
SF: i 
Ster 
bende 
Mittlere 
I.ebens- 
dauer ! 
Le 
bende 
Ster 
bende 
Mittlere 
Lebens 
dauer 
1000 
638 
782 
752 
734 
720 
710 
702 
695 
689 
684 
679 
675 
672 
669 
666 
663 
659 
654 
647 
640 
633 
626 
618 
611 
604 
597 
589 
581 
574 
566 
558 
550 I 
541 
533 
525 
517 
509 
501 
493 
484 
475 
467 
459 
451 
443 
435 
426 
162 
56 
30 
18 
14 
10 
8 
7 
6 
5 
5 
4 
3 
3 
3 
3 
4 
5 
7 
7 
7 
7 
8 
7 
7 
7 
8 
8 
7 
8 
8 
8 
9 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
9 
9 
8 
8 
8 
8 
8 
9 
8 
37.42 
43.56 
45,63 
46.44 
46.57 
46.47 
46.12 
45,63 
45.09 
44.48 
43,80 
43.12 
42.37 
41.56 
40,74 
39,92 
39.10 
38,33 
37,62 
37,03 
36.43 
35,82 
35,22 
34,67 
34,06 
33.45 
32.84 
32.28 
31.71 
31,09 
30,53 
29.96 
29,20 
28,87 
28.29 
27.72 
27,14 
26.56 
25.97 
25.38 
24.85 
24.31 
23.72 
23,12 
22,52 
21,92 
21.31 
20,75 
1000 
864 
808 
777 
756 
741 
730 
720 
712 
705 
699 
694 
690 
687 
684 
681 
678 
674 
669 
660 
650 
641 
631 
622 
614 
607 
600 
594 
588 
582 
576 
570 
562 
555 
547 
539 
531 
523 
515 
507 
499 
491 
483 
475 
467 
459 
451 
442 
136 
56 
31 
21 
15 
11 
10 
8 
7 
6 
5 
4 
3 
3 
3 
3 
4 
5 
9 
10 
9 
10 
9 
8 
7 
7 
6 
6 
6 
6 
6 
8 
7 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
9 
9 
38.95 
44.01 
46.02 
46,84 
47,13 
47.07 
46.77 
46,41 
45.93 
45,38 
44.77 
44.09 
43.54 
42,52 
41,71 
40,89 
40.07 
39,30 
38.59 
38.11 
37,69 
37,21 
36,80 
36.32 
35.78 
35,20 
34.60 
33.94 
33.29 
32,62 
31.96 
31.29 
30.55 
30.11 
29.54 
28.97 
28,40 
27,83 
27,24 
26,68 
26.10 
25,51 
24,82 
24.33 
23,74 
23,15 
22.55 
22,00 
6415 
6368 
6321 
6274 
6228 
6182 
6134 
6085 
6035 
5985 
5933 
5881 
5826 
5770 
5713 
5655 
5595 
5536 
5476 
5415 
5354 
5292 
5229 
5163 
5096 
5025 
4952 
4877 
47 
47 
47 
46 
46 
48 
49 
50 
50 
52 
52 
55 
56 
57 
58 
60 
59 
60 
61 
61 
62 
63 
66 
67 
71 
73 
75 
76 
39,308 
38,594 
37,877 
37,157 
36,428 
35,696 
34,971 
34,249 
33,528 
32,804 
32,087 
31,367 
30,658 
29,951 
29,244 
28,539 
27,840 
27,131 
26,423 
25,715 
25,002 
24,289 
23,576 
22,871 
22,165 
21,471 
20,780 
20,092
        <pb n="507" />
        Al 
ter 
~4^ 
49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 
60 
61 
62 
63 
64 
65 
66 
67 
68 
69 
70 
71 
72 
73 
74 
75 
76 
77 
78 
79 
80 
81 
82 
83 
84 
85 
86 
87 
88 
89 
9(1 
91 
92 
93 
94 
95 
96 
97 
98 
99 
LGEMEINE VERHÄLTNISSE. - Sterblichkeitslisten. 483 
Belgien, von Quetelet 1856 
Sachsen, von Heym 
Männer 
Frauen 
1840—49 
Ster 
bende 
Mittlere 
Lebens 
dauer 
Le 
bende 
Ster 
bende 
Mittlere 
Lebens 
dauer 
Le 
bende 
Ster 
bende 
Mittlere 
Lebens 
dauer 
418 
410 
403 
396 
389 
382 
374 
366 
358 
349 
340 
330 
319 
307 
294 
280 
265 
250 
235 
220 
205 
192 
179 
166 
153 
139 
125 
111 
9# 
88 
78 
69 
60 
52 
45 
38 
32 
26 
21 
17 
13 
10 
7 
5 
4 
3 
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0,4! 
0,2i 
8 
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8 • 
9 
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10 
11 
12 
13 
14 
15 
15 
15 
15 
15 
13 
13 
13 
13 
14 
14 
14 
12 
11 
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9 
9 
8 
7 
7 
6 
6 
5 
4 
4 
3 
3 
2 
1 
1 
0,6 
II 
0,5 
0,2 
0,2 
0,2 
20,14 
19,52 
18.85 
18,18 
17.50 
16,81 
16,16 
15.50 
14,83 
14,20 
13,57 
12,96 
12,39 
11.86 
11,36 
10,90 
10,49 
10,09 
9,70 
9.33 
8,98 
8.55 
7.55 
7.74 
7.55 
7.04 
6,77 
6.56 
6.30 
6,02 
5.74 
5,41 
5.16 
4,87 
4,55 
4.30 
4,01 
3,82 
3,61 
3.34 
3,22 
3.04 
3,13 
3,18 
2.85 
2,63 
2.17 
1.85 
1,59 
1,50 
1,00 
0,50 
433 
424 
415 
406 
397 
389 
381 
373 
365 
358 
351 
344 
337 
329 • 
321 
311 
301 
290 
279 
267 
253 
238 
221 
204 
187 
170 
154 
137 
123 
110 
98 
87 
76 
66 
57 
48 
41 
35 
29 
24 
19 
15 
11 
8 
6 
5 
3,7 
2.4 
1.5 
1,0 
0,6 
0,4 
9 
9 
9 
9 
8 
8 
8 
8 
7 
7 
7 
7 
8 
8 
10 
10 
11 
11 
12 
14 
15 
17 
17 
17 
17 
16 
17 
14 
13 
12 
11 
11 
10 
9 
9 
7 
6 
6 
5 
5 
4 
4 
3 
2 
1 
1,3 
1,3 
0,9 
0,5 
0,4 
0,2 
0,4 
21,44 
20,89 
20.33 
19.77 
19,21 
18.59 
17.97 
17,35 
16,72 
16,04 
15.34 
14,65 
13,94 
13,27 
12.59 
11.97 
11.35 
10.77 
10,17 
9,61 
9.11 
8,65 
8,28 
7.93 
7,60 
7,32 
7,02 
6.83 
6,55 
6,27 
5,98 
5,67 
5.42 
5,16 
4,90 
4,72 
4,44 
4.12 
3,87 
3,57 
3,37 
3,14 
3,10 
3.07 
2.93 
2.42 
2.07 
1,96 
1.83 
1,50 
I.n 
0,50 
4801 
4724 
4643 
4560 
4473 
4381 
4283 
4180 
4070 
3956 
3838 
3716 
3588 
3453 
3315 
3169 
3017 
2858 
2692 
2523 
2351 
2178 
2003 
1829 
1651 
1477 
1308 
1145 
991 
849 
720 
604 
500 
407 
330 
262 
204 
155 
114 
82 
57 
38 
24 
15 
9 
5 
3 
1 
11 
81 
83 
87 
92 
98 
103 
110 
114 
118 
122 
128 
135 
138 
146 
152 
159 
166 
169 
172 
173 
175 
174 
178 
174 
169 
163 
154 
142 
129 
116 
104 
93 
77 
68 
58 
49 
41 
32 
25 
19 
14 
9 
6 
4 
2 
2 
1 
19,403 
18,711 
18,028 
17,347 
16,675 
16,015 
15,370 
14,736 
14,119 
13,513 
12,913 
12,321 
11,742 
11,182 
10,627 
10,094 
9,577 
9,082 
8,611 
8,154 
7,714 
7,287 
6,880 
6,487 
6,133 
5,797 
5,481 
5,190 
4,919 
4,658 
4,403 
4,152 
3,912 
3,692 
3,436 
3,198 
2,966 
2,745 
2,553 
2,354 
2,167 
2,000 
1,875 
1,700 
1,500 
1,300 
0,833 
0,500 
31*
        <pb n="508" />
        484 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 
Während es grossen Schwierigkeiten unterliegt, in ganzen Völkerschaf 
ten genau zu beobachten, wie die Sterblichkeit in jedem Lebensalter sich ge 
staltet, ist es leicht, diese Beobachtungen anzustellen an geschlossenen Gesell 
schaften, deren Theilnehmer beim Eintritt ihr Lebensalter nachweisen müssen, 
wie bei Rentenanstalten, Wittwencassen und Lebensversicherungsanstalten. 
Nach solchen Beobachtungen sind einige zuverlässige Sterblichkeitslisten be 
rechnet worden, die wir hier folgen lassen. Die betreffenden Gesellschaften 
waren zwar nicht sehr zahlreich, allein was den an denselben gemachten 
Beobachtungen an Umfang abgeht, wird reichlich durch die Sicherheit und 
Genauigkeit derselben ersetzt. 
Sterblichkeitslisten nach Beobachtungen an geschlossenen Gesellschaften. 
Preuss. Wittwen-Verpfleg.-Anst. 
1776 —1845, von Brune 
17 engl. Lebens- 
vers.-Anstalten 
Franz, lontinen 
1689 — 96 
von Deparcieux 
Frauen 
1762 
840 
Männer 
% c 
3 C 
Al 
W g 
xt ï 
tu 
ter 
90 
1000 
4&lt;,71 
48.17 
48,27 
48.20 
47,98 
47,66 
47.30 
46,83 
46,26 
45.58 
44,89 
44.20 
43.51 
42,82 
42.17 
41.52 
40.87 
40.22 
39,62 
39,00 
38,40 
37,78 
37.17 
36,55 
35,93 
35.30 
34,69 
34,06 
33,29 
32,80 
32,16 
31.52 
30.88 
30.23 
29.58 
28.89 
28.18 
970 
22 
948 
130 
915 
902 
890 
100000 676 
48,36 
47.68 
47.01 
46,33 
45,64 
44,96 
44.27 
43.58 
42,88 
42,19 
41,49 
40,79 
40,09 
39,39 
38.68 
37,98 
37.27 
36,56 
35.86 
35.15 
34.43 
33.72 
33.01 
32,30 
31.58 
30.87 
30.15 
29.44 
28.72 
28,00 
880 
99324 674 
872 
98650, 6721 
97978 671! 
97307} 671 
966361 671 
95965 672 
95293 673 
94620 675 
93945 677 
93268 680 
866 
860 
854 
848 
162 
40.56 
40,22 
39,86 
39.47 
39,06 
38.61 
38,12 
37.61 
37,08 
36,52 
35.94 
35,35 
34,76 
34,16 
33.56 
32.95 
32,34 
31,72 
31,10 
30.47 
29,83 
29,19 
28,54 
27,89 
10000 
9838 
9682 
9533 
9392 
9266 
9136 
9019 
8908 
8802 
8700 
8600 
8501 
8402 
8304 
8207 
8110 
8014 
7918 
7823 
7729 
7636' 
7543I 
74511 
842 
56 
835 
149 
828 
141 
821 
132 
814 
92588 
91905 
91219 
90529 
89835 
89137 
88434 
87726 
87012 
86292 
85565 
84831 
84089 
83339 
82581 
81814 
81038 
80253 
79458 
683 
124 
58 
806 
9260 
9202 
9144 
9085 
9025 
8964 
8903 
8842 
8780 
8717 
8653 
8587 
8518 
8445 
8369 
8291 
8210 
8125 
8036 
39,50 
38.75 
38,00 
37,14 
36,49 
35,73 
34,97 
34.21 
33,45 
32,69 
31.93 
31,17 
30,42 
29,68 
28.94 
28.21 
27,48 
26.76 
26,05 
117 
686 
798 
58 
22 
111 
790 
59 
690 
23 
60 
06 
782 
694 
24 
102 
774 
698 
25 
100 
766 
&lt;03 
26 
99 
&lt;08 
758 
62 
99 
&lt;î)0 
28 
63 
20 
98 
&lt;42 
29 
64 
&lt;34 
30 
66 
&lt;26 
69 
96 
&lt;18 
32 
750 
96 
710 
33 
&lt;58 
95 
34 
02 
767 
94 
35 694 
36 I 686 
93 
&lt; &lt;6 
85 
&lt;80 
93 
89 
&lt;95 
92 
38 
805 
93 
90 
39
        <pb n="509" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeilslisten. 485 
Franz. Tontinen 
Preuss. Wittwen-Verpfleg.-Anst. 
177Ü — 1S45, von Brune 
17 engl. Lebens- 
vers.-Anstalten 
10S9 —96 
von Deparcieux j 
Männer 
Frauen 
1 &lt; 02 — 1840 
Al 
ter 
40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 
5(1 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 
59 
60 
61 
62 
63 
64 
65 
66 
67 
68 
69 
70 
71 
72 
73 
74 
75 
76 
77 
78 
79 
80 
81 
82 
83 
84 
85 
86 
87 
88 
I 6" 
657 
650 
643 
636 
629 
622 
615 
607 
599 
590 
581 
571 
560 
549 
538 
526 
514 
502 
489 
476 
463 
450 
437 
423 
409 
395 
380 
364 
347 
329 
310 
291 
271 
251 
231 
211 
192 
173 
154 
136 
118 
loi 
85 
71 
59 
48 
38 
29 
22 
27.48 
26,77 
26,06 
25,34 
24,62 
23,89 
23,15 
22,45 
21,74 
21,07 
20,38 
19.73 
19.11 
18.48 
17.85 
17.25 
16.64 
16,02 
15,44 
14.84 
14.25 
13.65 
13,04 
12,43 
11.86 
11.26 
10.69 
10,14 
9,61 
9.11 
8,64 
8,17 
7.73 
7,31 
6,90 
6,50 
6,10 
5,71 
5.36 
5.00 
4.69 
4,39 
4.01 
3.84 
3,52 
3,21 
2,92 
2,67 
2.36 
7943 
7847 
7749 
7649 
7546 
7440 
7330 
7216 
7097 
6973 
6845 
6714 
6579 
6440 
6296 
6147 
5992 
5830 
5662 
i 5487 
5304 
5112 
4910 
4699 
4481 
4258 
4032 
3804 
3573 
3338 
3100 
il 2859 
I 2617 
il 2374 
2132 
1895 
1667 
1457 
1269 
1103 
954 
817 
689 
568 
454 
350 
261 
187 
127 
k % 
96 
98 
100 
103 
106 
110 
114 
119 
124 
128 
131 
135 
139 
144 
149 
155 
162 
168 
175 
183 
192 
202 
211 
218 
223 
226 
228 
231 
235 
238 
241 
242 
243 
242 
237 
228 
210 
188 
166 
149 
137 
128 
121 
114 
104 
89 
74 
60 
47 
II 
25,35 
24,65 
23,96 
23.27 
22,58 
21,89 
21,21 
20,54 
19,88 
19.22 
18.57 
17,92 
17.28 
16.64 
16,01 
15,39 
14,77 
14,17 
13.58 
13,00 
12,43 
11,87 
11.34 
10,83 
10,33 
9,85 
9,37 
8.90 
8.44 
8,00 
7,58 
7,17 
6.79 
6.44 
6,11 
5.81 
5,.54 
5,26 
4,97 
4.64 
4,29 
3,93 
3,57 
3.22 
2.90 
2,62 
2.34 
2,07 
1.81 
Mill 
3761 
7273 
7187 
7102 
7018 
6934 
6849 
6762 
6674 
6584 
6492 
6397 
6299 
6197 
6090 
5976 
5853 
5722 
5583 
5437 
5286 
5130 
4969 
4802 
4627 
4442 
4246 
4038 
3819 
3591 
3356 
3117 
2877 
2637 
2398 
2163 
1935 
1718 
1516 
1330 
1159 
1000 
849 
706 
575 
461 
366 
289 
228 
88 
86 
85 
84 
84 
85 
87 
88 
90 
92 
95 
98 
102 
107 
114 
123 
131 
139 
146 
151 
156 
161 
167 
175 
185 
196 
208 
219 
228 
235 
239 
240 
240 
239 
235 
228 
217 
202 
186 
171 
159 
151 
143 
131 
114 
95 
77 
61 
48 
27.22 
26.55 
25,86 
25.16 
24,46 
23.75 
23,03 
22,32 
21,61 
20,90 
20.19 
19,48 
18.78 
18,08 
17,.39 
16,71 
16,05 
15.41 
14.78 
14.16 
13.55 
12,95 
12,35 
11.76 
11.19 
10,64 
10,10 
9,60 
9,12 
8,67 
8,24 
7,83 
7,45 
7,08 
6,73 
6.41 
6,11 
5.82 
5,52 
5.22 
4,92 
4,63 
4.36 
4,14 
3,97 
3.83 
3,70 
3.55 
3.36 
iîP 
78653 
77838 
77012 
76173 
75316 
74435 
7:1526 
72.582 
171601 
70580 
6951 
68409 
67253 
66046 
64785 
63469 
j 62094 
60658 
59161 
57600 
55973 
54275 
52505 
50661 
48744 
46754 
44693 
42565 
40374 
38128 
35837 
33510 
31159 
28797 
26439 
24100 
21797 
19548 
17369 
15277 
13290 
11424 
9694 
8112 
6685 
5417 
4306 
3348 
2537 
815 
826 
839 
857 
881 
909 
944 
981 
1021 
1063 
1108 
1156 
1207 
1261 
1316 
1375 
1436 
149 
1561 
1627 
1698 
1770 
1844 
1917 
1990 
2061 
2128 
2191 
2246 
2291 
2327 
2351 
2362 
2358 
2339 
2303 
2249 
2179 
2092 
1987 
1866 
1730 
1582 
1427 
1268 
1111 
958 
811 
673 
27,28 
26.56 
25.84 
25,12 
24,40 
23,69 
22.97 
22,27 
21.56 
20,87 
20,18 
19.50 
18,82 
18,16 
17.50 
16,86 
16,22 
15.59 
14.97 
14,37 
13,77 
13.18 
12,61 
12,05 
11.51 
10.97 
10,46 
9,96 
9.47 
9,00 
8,54 
8,10 
7,67 
7,26 
6,86 
6.48 
6,11 
5,76 
5,42 
5.09 
4,78 
4.48 
4.18 
3,90 
3,63 
3,36 
3.10 
2.84 
2.59 
dauer
        <pb n="510" />
        486 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 
Franz. Tontinen 
Preuss. Wittwen-Verpfleg.-Anst. 
1776 —1845, von Brune 
1689 — 96 
von Deparcieux 
Männer 
Frauen 
17 engl. Lebens- 
vers.-Anstalten 
1762—1846 
Al 
ter 
^ Hl 
¡II 
II 
89 
90 
91 
92 
93 
94 
95 
96 
97 
98 
99 
16 
11 
7 
4 
2 
1 
ü 
2,06 
1,77 
1,50 
1,25 
1,00 
0,50 
80 
46 
24 
11 
4 
1 
34 
22 
13 
7 
3 
1 
1,58 
1,37 
1,16 
0,95 
0,75 
0,50 
180 
141 
108 
80 
57 
38 
24 
14 
3 
1 
3,13 
2,85 
2,57 
2.30 
2,03 
1,78 
1,54 
1.30 
1,07 
0,83 
0,50 
1864 545 
1319 427 
892 322 
570 231 
339 
184 
89 
37 
13 
4 
1 
155 
95 
52 
24 
9 
3 
1 
2,35 
2,11 
1,89 
1,67 
1,47 
1,28 
1,12 
0,99 
0,89 
0,75 
0,50 
Wahrscheinliche und mittlere Lehensdauer. Unter wahrscheinlicher 
^Lebensdauer [vie probable, probability of life) versteht man (nach Hall^’’) die 
Anzahl der Jahre, nach deren Ablauf die Wahrscheinlichkeit, dass ein M’^ensch 
noch lebe, und die Wahrscheinlichkeit, dass er nicht mehr lebe, dieselbe ist, 
wo also jede dieser Wahrscheinlichkeiten einen Werth von */, hat. Dies ist 
der Fall, wenn die Zahl der Lebenden des Alters, von welchem man ausgeht, 
auf die Hälfte reducirt ist. Nach der obigen Sterblichkeitsliste für Belgien 
leben z. B. von 1000 lebend gebornen Knaben nach Zurücklegung des 38. Le- 
ben^ahres noch 501, nach zurückgelegtem 39. Lebensjahre noch 493, die 
Hälfte ist also zwischen dem 38. und 39. Lebensjahre gestorben. Die wahr 
scheinliche Lebensdauer für den neugebornen Knaben liegt daher nach obiger 
Liste zwischen diesen beiden Altersgrenzen, und zwar stellt sie sich, da im 
39. Lebensjahre von 501 Personen 8 starben, auf 38'/* Jahr. Bei Bestimmung 
des ebenbemerkten Bruches von % wird vorausgesetzt, dass die in einem 
Jahre vorkommenden Sterbfälle sich auf die einzelnen Zeitabschnitte dessel 
ben gleichmässig vertheilen, was, von den niedrigsten und höchsten Le 
bensaltern abgesehen, als approximativ richtig angenommen werden kann. — 
Um die wahrscheinliche Lebensdauer für den 20jänrigen Jüngling nach obiger 
Liste zu finden, hat man zu berücksichtigen, dass von den im 20. Lebensjahre 
noch lebenden 640 Personen die Hälfte, nemlich 320 zwischen dem 59. und 
60. Lebensjahre gestorben ist. Da im 60. Jahre von 330 Lebenden 11 starben, 
so wird die wahrscheinliche Lebensdauer für den 20jährigen 59'®/,, —20 = 39'®/,, 
Jahre sein. Eben so berechnet sich die wahrscheinliche Lebensdauer für das 
40. Jahr, in welchem Alter nach obiger Liste noch 484 leben, wovon die 
Hälfte = 242 nach dem 65. Jahre gestorben ist, auf 65"/,, — 40 = 25"/,, Jahre 
u. s. f. Man kann hienach für jedes Lebensalter aus irgend einer Liste die 
wahrscheinliche Lebensdauer leicht finden. 
Verschieden von der wahrscheinlichen Lebensdauer und viel wichtiger als 
diese ist die mittlere Lebensdauer (vie moyenne, expectation of life, after 
life-time). Man versteht darunter (nach Deparcieux) die Anzahl Jahre, welche 
der Mensch von einem gewissen Alter an im Durchschnitte noch zu leben 
Aussicht hat. Nach der obigen Sterblichkeitsliste von Brune für Männer lebt 
nach zurückgelegtem 94. Lebensjahre nur noch eine Person, welche im Laufe 
des nächsten Jahres stirbt. Da dies in jedem Zeitpunkte desselben geschehen 
kann, so nimmt man nach Grundsätzen der Wahrscheinlichkeit an, dass der 
Tod in der Mitte des nächsten Jahres eintrete. Es wird daher die noch zu er 
wartende Lebensdauer für den 94jährigen = '/, Jahr sein. Nach zurückgeleg-
        <pb n="511" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 487 
tem 93. Lebensjahre leben noch 4 Personen, von denen 3 im nächsten und 1 im 
darauf folgenden Jahre sterben. Das Mittel der von jeder noch zu durchlebenden 
Jahre oder die mittlere Lebensdauer des 93jährigen ist daher —y=0,75 
Jahre. Nach zurückgelegtem 92. Lebensjahre leben noch 11 Personen, von de 
nen 7 im nächsten, 3 im darauf folgenden und 1 im letzten Jahre sterben. Das 
Mittel der von jeder derselben noch durchlebten Jahre oder die mittlere Le 
bensdauer für den 92jährigen wird daher sein 
11+4+1 1 
11 
— 2 = 0,95 Jahre u. s. f. 
Die mittlere Lebensdauer wird sonach für jedes Lebensalter x dadurch gefun 
den, dass man die von diesem Lebensalter x ab bis zum höchsten Alter der Sterb 
lichkeitsliste Lebenden addirt, die Summe mit der Zahl der Lebenden bei x 
dividirt und den Quotienten um % vermindert. In dieser Weise ist die mittlere 
Lebensdauer für jedes Alter in obigen Sterblichkeitslisten berechnet worden. 
Die Kenntniss der mittleren Lebensdauer eines Volks sowohl für die Zeit 
der Geburt, als auch für jede folgende Altersstufe ist ein höchst wichtiges 
Hülfsmittel für viele anthropologische und volkswirthschaftliche Untersuchun 
gen und Vergleichungen. Dieselbe kann aber nur gefunden werden auf Grund 
einer mit Genauigkeit construirten Sterblichkeitsliste, und es ist daher eine 
der wichtigsten Aufgaben der Statistik, obiges Problem zur Gewinnung sol 
cher Listen zu lösen. Die Versuche, die mittlere Lebensdauer für die Zeit der 
Geburt aus andern Verhältnisszahlen, namentlich aus den Geburts- und Sterb 
lichkeitsziffern eines Landes, oder aus dem arithmetischen Mittel beider Zif 
fern, oder aus dem Durchschnittsalter der Lebenden und Gestorbenen abzu 
leiten oder damit zu identificiren, führen zu unrichtigen Resultaten. Alle diese 
Verhältnisse können sich je nach dem Geburtsverhältniss und der Frequenz 
der verschiedenen Altersclassen ändern, ohne dass die Sterblichkeit die ge 
ringste Aenderung erfährt und eben so umgekehrt. Gleichwohl haben sich • 
manche Statistiker dieser Irrthümer und Verwechselungen schuldig gemacht. 
Wenn daher von der mittleren Lebensdauer einer Bevölkerung oder eines ge 
wissen Berufstandes die Rede ist, so hat man zu berücksichtigen, ob die An 
gabe sich auf eine gehörig construirte Sterblichkeitsliste gründet, ehe man 
derselben Glauben schenkt. Ist von der mittleren Lebensdauer eines Beruf 
standes die Rede, so muss ausserdem, da die Ausübung des Berufs nicht mit 
der Geburt beginnt, angegeben sein, auf welches Anfangsalter sich die mittlere 
Lebensdauer bezieht. 
Die mittlere I.ebensdauer für die Zeit der Geburt ist nach den bes 
seren der dermalen vorhandenen, wenn auch noch nicht ganz zuverlässigen 
Sterblichkeitslisten folgende : 
männl. Oeschl. 
Belgien 1856 (Quetelet) . . . 37,42 Jahre 
Niederlande 18*%, (v. Baumhauer) 35,44 
Frankreich 18'%, (Demonferrand) 39,29 
England 1841 (Farr) 40,19 - 
weibl. Oeschl. 
38.95 Jahre 
38,20 - 
40.95 - 
42,18 - 
Stadt Carlisle 17'%, (Milne) . . 38,72 Jahre 
Schweden 1/*%, (M argentin-Price) 33,20 Jahre 35,70 Jahre 
Die mittlere Lebensdauer des Menschen in der neueren Zeit schwankt 
hiernach für das männliche Geschlecht zwischen 35 und 40 Jahren, für das 
weibliche zwischen 38 und 42 Jahren ; in den früheren Zeiten, namentlich vor 
Einführung der Kuhpockenimpfung, scheint sie ein Paar Jahre kürzer gewe 
sen zu sein, doch lässt sich für diese Annahme aus Mangel genauer Nach 
weise über die damalige Sterblichkeit ein stricter Beweis nicht beibringen. 
Zur Erläuterung sei hier noch bemerkt, dass einige Statistiker, wie Diete- 
rici und Wappaeus, unter mittlerer Lebensdauer das Durchschnittsalter 
der Gestorbenen in einem Lande verstanden und für unsere mittlere Lebens 
dauer den Namen »Vitalität« eingeführt wissen wollen. Es widerstreitet dies 
jedoch einem fast hundertjährigen Sprachgebrauche. Zur Vermeidung von 
Missverständnissen möge man daher bei diesem durch die Natur der Sache 
gerechtfertigten Sprachgebrauche stehen bleiben. Eben so bezeichnet »Durch-
        <pb n="512" />
        488 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. - Sterblichkeitslisten. 
schnittsalter der Gestorbenen « den auszudrückenden Begriff sehr prägnant, 
man hat daher nicht nöthig, einen andern Ausdruck dafür zu substituiren. 
Am wenigsten würde mittlere Lebensdauer der geeignete Ausdruck sein, da, 
wie gleich nachgewiesen werden wird, das Durchschnittsalter der Gestorbenen 
einer Bevölkerung die für den Neugebornen im Durchschnitte sich berechnende 
mittlere Lebensdauer nicht ausdrückt. 
Gehurtsziffer tend Sterblichkeitsziffer. Die Geburtsziffer drückt das Ver- 
hältniss der jährlich in einem Lande Geborenen zur Zahl der Bevölkerung, 
die Sterblichkeitsziffer das Verhältniss der jährlich Gestorbenen zur Be 
völkerung aus. Beide Verhältnisse pflegt man in der Weise zu bestimmen, 
dass man angibt, wie viel Lebende auf einen Geburts- und wie viel Lebende 
auf einen Sterbfall kommen. Die gesuchten Ziffern werden daher gefunden, 
wenn man die jeweilige Bevölkerungszahl mit der Zahl der jährlichen Geburts 
und mit der Zahl der jährlichen Todesfälle dividirt. Kommen unter einer Bevöl 
kerung mit 1 Million Seelen jährlich 40,000 Geburts- und 30,000 Sterbfälle vor, 
so ist die Geburtsziffer und die Sterblichkeitsziffer = 33 %. 
Nach dieser Ausdrucksweise ist also das Verhältniss der Geburts- und Sterb 
fälle zur Bevölkerung um so grösser, je kleiner die Geburts- und Sterb 
lichkeitsziffer ist, und ebenso umgekehrt. Wie viel Geburts- und Sterbfälle 
in einern Lande während des Jahres Vorkommen, ist unschwer festzustellen. 
Diese Feststellung erfolgt jetzt fast in allen civilisirten Staaten. Allein der 
andere Theil der Rechnung, die Zahl der Lebenden, unter denen die Geburts 
und Sterbfälle eintreten, unterliegt ununterbrochenen Schwankungen und ist 
für jeden Tag im Laufe des Jahres ein anderer. Es fragt sich daher, welche 
Zahl der Lebenden aus dem Laufe des Jahres soll der Rechnung zu Grunde 
gelegt werden ? Um die richtige Mittelzahl zu finden, bedarf es nicht nur 
einer genauen Feststellung der Bevölkerungszahl am Anfänge des Jahres und 
der darin im Laufe des Jahres vorgehenden Veränderungen , sondern auch 
eines auf diese Data gegründeten umständlichen mathematischen Verfahrens. 
In dieser genauen Weise hat noch nirgends die Berechnung der Geburts- und 
Sterblichkeitsziffer stattgefunden. Als Zahl der Lebenden wird gewöhnlich 
das Resultat der an irgend einem Termine im Laufe des Jahres vorgenomme 
nen Volkszählung angenommen, und wo, wie in den meisten T.ändern, nicht 
jährlich gezählt wird, sucht man die Zahl der Lebenden für das betreffende 
Jahr nach den beiden zunächst liegenden Zählungen und den Differenzen zwi 
schen den Geburts- und Sterb-, sowie zwischen den Ein- und Auswanderungs 
fällen während der Zwischenperiode annähernd zu bestimmen. Auf mathema 
tische Genauigkeit hat dieses Verfahren zwar keinen Anspruch, doch ist bei 
Bevölkerungen, deren Bestand nicht sehr grossen Schwankungen unterliegt, 
der Fehler nur ein kleiner. 
Nach den neueren derartigen Erhebungen*' waren 
nach dem Durchschnitte der Jahre die Geburtsziffer die Sterblichkeitsziffer 
in Sachsen (1S47 — 50) .... 24,S2 34,12 
- Württemberg (1S43 — 52) . . 24,S5 31 00 
- Preussen (1844 — 53) .... 25,47 33.’&gt;'5 
- Oesterreich (1842 — 51) . . . 25,80 20 72 
- Sardinien (1828 — 37) .... 27,52 33,34 
- Bayern (1842 —51) 28,33 34,05 
- Holland (1845 — 54) .... 29,02 30,25 
*) Wappaeus, Allgem. Bevölkerungsstatistik, I. Theil, S. 150 und 100. 
(Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht ermangeln, auf das genannte vor 
zügliche Werk überhaupt hinzuweisen. Bedarf dasselbe auch in wissenschaft 
lichen Kreisen längst keiner besonderen Empfehlung mehr, so wäre ihm 
doch eine viel allgemeinere Verbreitung zu wünschen. — Viele Geburts 
und Sterblichkeitsziffern aus neueren Jahren finden sich übrigens in unserm 
Buche bei den BevölkerungsVerhältnissen der einzelnen Staaten angegeben. 
Kolb.\
        <pb n="513" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 489 
nach dem Durchschnitte der Jahre die Geburtiziffer die SterblichkeiUaiflfer 
in England (1845 — 54) .... :i0,06 43,79 
- Norwegen (1846 —55) . . . . 30,35 51,77 
- Dänemark (1845 — 54), . . . 3u,83 45,00 
- Hannover (1846 — 55) . . . . 31,36 40,09 
- Schweden (1841—50). . . . 31,38 46,67 
- Belgien (1847 —56) 32,83 40,08 
- Frankreich (1844 — 53) . . . 35,82 41,73 
Bei Bestimmung dieser Verhältnisse sind die Todtgebornen sowol zu den 
Gehörnen, wie zu den Gestorbenen gerechnet worden, mit Ausnahme von 
England, wo die Todtgebornen nicht registrirt zu werden pflegen. Das Ver- 
hältniss sämmtlicher Gehörnen zur Bevölkerung schwankt in obigen Ländern 
zwischen 1 :24,82 und 1 :35,82, das Verhältnis sämmtlicher Gestorbenen zur 
Bevölkerung zwischen 1:30,31 und 1:51,77. Ein allgemeiner Durchschnitt 
aus obigen Ländern ergibt ein Mittelverhältniss der Gebomen zu den Leben 
den oder eine mittlere Fruchtbarkeit von 1 :29,53 und ein Mittelverhältniss 
der Sterblichkeit von 1 :36,21. 
Ein hohes Geburtsverhältniss ist in der Regel die Folge häufiger 
Ehebündnisse im Lande und diese werden wiederum bedingt durch die Leich 
tigkeit des Erwerbs der zur Begründung eines Hausstandes erforderlichen 
Subsistenzmittel. M o Unterhalt leicht zu gewinnen, Arbeitskräfte leicht und 
vortheilhaft zu verwerthen sind, da sind auch die Bedingungen zunehmenden 
M'ohlstandes vorhanden. Beruht hierin, wie gewöhnlich, die grössere Frucht 
barkeit einer Bevölkerung, so ist sie ein erfreuliches Zeichen materiellen 
Wohlbefindens. Zuweilen ist sie freilich auch das Product des Leichtsinnes 
in der Schliessung der Ehebündnisse bei ungenügendem oder unsicherem Er 
werbe und der Häufigkeit ausserehelichen Umgangs. *) Es zeigt sich dies 
nicht selten in Gegenden mit vorwaltend industrieller Beschäftigung, die bei 
günstigen Conjuncturen reichen Lohn gewährt, bei ungünstigen grossen 
Mangel erzeugt. Die nach solchem Mangel oft plötzlich eintretende Leichtig 
keit reichlichen Erwerbs verführt, wie zu manchem anderen Leichtsinne, so 
auch oft zu unbedachtsamen Ehebündnissen, und es ist daher eine oft ge 
machte )Vahrnehmung, dass bei industriellen Bevölkerungen das Geburts- 
verhältniss ein höheres als bei ackerbauenden ist. Doch kann dies nicht 
als Regel aufgestellt werden und es kommen auch viele Fälle vom Gegen- 
theile vor. So erreichte in den drei östlichen Provinzen des preussischen 
Staates (Ostpreussen, Wcstpreussen und Posen), wo die Beschäftigung, von 
den wenigen Seestädten abgesehen, fast ausschliesslich eine ackerbautrei 
bende ist, das Geburtsverhältniss während der ersten Jahre nach Herstellung 
des Friedens (1816 — 29) die enorme Höhe von 1 :18,57, dasselbe sank zwar 
hierauf während der Periode von 1821 —1830 etwas herab, jedoch nur wenig, 
indem es sich auf 21,83 minderte und beträgt noch jetzt daselbst zwischen 
22 und 23. Der Aufschwung, den in jener Periode Preussen nahm, hatte auf 
die dortige Bodencultur einen vortneilhaften Einfluss und erleichterte in 
hohem Grade die Gründung ländlicher Haushaltungen auf dem damals noch 
schwach bevölkerten Terrain. Und dieser Einfluss dauert auch jetzt noch fort; 
er ist der hauptsächlichste Grund des starken Geburtsverhältnisses in jenen 
Provinzen. 
Engel hat in seinen gründlichen Untersuchungen über die Populations 
verhältnisse im Königreiche Sachsen nachzuweisen gesucht, dass dasGeburts- 
•) Bei den Geburten unterscheidet die Statistik zwischen ehelichen 
und unehelichen, — vernünftiger M eise nicht sowol um damit das Maas 
der Sittlichkeit oder Unsittlichkeit der Bevölkerung zu bezeichnen (denn die 
Masse der unehelichen Geburten ist gewöhnlich das Ergebniss fehlerhafter 
socialer Zustände, namentlich einer Erschwerung der Ansässigmachung und 
Verehelichung, z. B. in Folge der Heimathsrechts-, Zunft- und Militärverhält 
nisse), als vielmehr wegen der im Allgemeinen viel übleren Erziehungsbedingun 
gen und der furchtbar gesteigerten Sterblichkeit der unehelichen Kinder. Kolb.
        <pb n="514" />
        490 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 
verhältniss in Abhängigkeit stehe von der vorwaltenden Art der Arbeit einer 
Bevölkerung. Allein die interessanten Schlüsse, zu denen er gelangt, haben 
vorerst nur Gültigkeit für das Königreich Sachsen. Während hier der gewerb- 
treibende Theil der Bevölkerung das höchste (23,72) und der ackerbauende 
das niedrigste (25,80) Geburtsvcrhältniss zeigt, findet das völlige Gegentheil 
im Königreiche Preussen statt. Hier steht dem ungemein hohen Geburtsver- 
verhältnisse in den ackerbautreibenden drei östlichen Provinzen von 22,36 ein 
ungemein niedriges (27 — 28) in dem industriellen Rheinland und Westfalen 
gegenüber. Eben so wenig allgemeine Gültigkeit hat der alte, neuerdings von 
Guillard hervorgehobene und als eins der Hauptergebnisse seiner, wie er 
meint, nnouvelle sciencehingestellte Satz, dass sich die Fruchtbarkeit einer 
Bevölkerung umgekehrt wie ihre Dichtigkeit verhalte. Es gibt sehr dicht be 
völkerte Gegenden, wie Sachsen, wo ein überaus hohes, und schwach bevöl 
kerte Gegenden, wie Hannover, wo ein geringes Geburtsverhältniss statt 
findet. Die wesentlichste Bedingung für das Maas der Fruchtbarkeit einer 
Bevölkerung bleibt die grössere oder geringere Leichtigkeit des Erwerbs und 
der häuslichen Niederlassung, die Wirkungen derselben können jedoch durch 
Nebeneinflüsse mancherlei Art alterirt werden. 
Die Sterblichkeitsziffer lässt nur das Verhältniss der Sterbfälle 
zur Bevölkerung erkennen. Wäre die Gefahr, dem Tode zu unterliegen, für 
alle Lebensalter gleich, so würde die Sterblichkeitsziffer in alleiniger Abhän 
gigkeit von dem jeweiligen Maase der Sterblichkeit stehen und denselben 
Schwankungen wie dieses unterliegen, also einen Rückschluss auf das Sterb 
lichkeitsgesetz selbst gestatten. Da aber die Gefahr zu sterben in verschie 
denen Altersstadien eine verschiedene ist, so kann die Sterblichkeitsziffer einer 
Bevölkerung sich ändern, ohne dass das Sterblichkeitsverhältniss in den ein 
zelnen Altersclassen die geringste Aenderung erfährt. Es ist dies der Fall, 
wenn Veränderungen in der Frequenz der Altersclassen eintreten. So zieht 
namentlich eine Vermehrung der Geburten eine stärkere Besetzung der jün 
geren Altersclassen nach sich ; da nun diesen eine höhere Sterblichkeit eigen 
ist, so wird eine grössere Zahl von Sterbfellen eintreten und dadurch das Ver 
hältniss der Sterbfälle zur Bevölkerung, d. h. die Sterblichkeitsziffer erhöht 
werden. Es ist daher eine allgemeine Wahrnehmung, dass in Bevölkerungen 
mit hoher Geburtsziffer auch die Sterblichkeitsziffer eine hohe ist und eben so 
umgekehrt. Im Königreiche Preussen war während der Jahre 1822 —1837 
Die grosse Verschiedenheit, welche in den verschiedenen Provinzen ein 
und desselben Landes in den Geburtszifl’ern stattfand, übertrug sich daher in 
entsprechendem Grade auch auf die Sterblichkeitszitfern. Es würde ein gros 
ser Fehlschluss sein, aus der Verschiedenheit der letzteren Ziffern für die 
verschiedenen Provinzen des preussischen Staats eine eben solche Verschie 
denheit des Sterblichkeitsgesetzes folgern zu wollen. Das letztere war höchst 
wahrscheinlich während jener Periode in allen Provinzen annähernd dasselbe 
und jene grosse Verschiedenheit der Sterblichkeitsziffern hatte nur in der 
verschiedenen Besetzung der Altersclassen ihren Grund, namentlich waren 
in Folge der zahlreicheren Geburten in den östlichen Provinzen die jün 
geren, einer höheren Sterblichkeit unterworfenen Altersclassen verhältniss- 
mässig viel zahlreicher als dieselben Classen in den westlichen Provinzen 
besetzt. 
Hieraus erhellt deutlich, dass die Sterblichkeitsziffer nicht die mittlere 
Lebensdauer ausdrückt, wie viele Statistiker, namentlich auch der geniale 
Hoffmann, angenommen haben. Eben so wenig wird dieselbe durch die Ge 
burtsziffer, oder, wie Price und einige andere Statistiker meinen, durch das 
arithmetische Mittel zwischen Geburts- und Sterblichkeitsziffer ausgedrückt, 
obwol letztere Annahme der Wahrheit näher kommt. Die mittlere Lebendauer 
kann, wie oben bemerkt, nur gefunden werden aus einer auf Grund zuverläs 
siger Erhebungen construirten Sterblichkeitsliste. 
die Oeburtsziffer die Sterblichkeitsziffer 
in den östlichen Provinzen . 
- - mittleren 
- - westlichen
        <pb n="515" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 491 
Durchschnittsalter der Lebenden. EineVerbesserung bei den neueren Volks 
zählungen besteht darin, dass von jedem Individuum nach seiner oder seiner 
Angehörigen Angabe das Alter, in dem es sich befindet, verzeichnet wird. Es 
hat sich zwar gezeigt, dass diese Angaben nicht mit hinreichender Genauig 
keit erfolgen und dass namentlich die runden Alterszahlen eine eigenthümliche 
Anziehungskraft ausüben, so dass die Alter von 20, 25, 30 etc. Jahren in der 
Regel viel reicher besetzt erscheinen, als die anstossenden Alter von 19, 26, 
29, 31 etc. Jahren. Ist es daher auch nicht möglich gewesen, eine von Alters 
stufe zu Altersstufe fortschreitende Bevölkerungsliste, welche man als völlig 
richtig hätte ansehen können, aufzustellen, so ergab doch die Beobachtung, 
dass jene Unrichtigkeiten gewisse mässige Grenzen nicht überschreiten und 
dass es wenigstens möglich ist, nach diesen Erhebungen Altersclassen von 
5 zu 5 Jahren und selbst für kürzere Zeitabschnitte mit annähernder Richtig 
keit zu bilden. *) Aus solchen Tabellen hat man das Durchschnittsalter, wa 
ches der lebenden Bevölkerung eigen ist, abgeleitet. Man hat dazu nur nöthig, 
die Summe der Alter aller Lebenden einer Bevölkerung mit der Bevölkerungs 
zahl zu dividiren. Es betrug dieses Durchschnittsalter der Lebenden nach 
"VVappaeus (Bd. 11. S. 76) für 
Frankreich (1851) 
Belgien (1846). . 
Kirchenstaat (1853) 
Dänemark (1845). 
Holland (1849) . 
Schleswig (1815) . 
Schweden (1850) . 
Norwegen (1855). 
31,06 Jahre Sardinien (1838) . . 
28,63 - Grossbritanien (1851) 
28,16 - Holstein (1845) . . . 
27,85 - Irland (1841) . . . . 
27,76 - die Vereinigten Staaten 
27,74 - (1850) . . . . . 
27,66 - Untercanada (1852) . . 
27,53 - Obercanada (1852) . . 
27.22 Jahre 
26,56 - 
26,52 - 
25,32 - 
23,10 - 
21,86 - 
21.23 - 
Für das Königreich Sachsen (1852) berechnet Engel das Durchschnitts 
alter der Lebenden auf 27,25 Jahre und für l’reussen schlägt er es nach appro 
ximativer Schätzung auf 27,50 Jahre an. 
Zwischen obigen Ländern findet eine höchst frappante Verschiedenheit 
statt. Die Differenz der beiden Extreme von Frankreich, welches das höchste 
Durchschnittsalter von 31,06 Jahren aufweist, und Obercanada, dessen Be 
völkerung nur ein Durchschnittsalter von 21,23 Jahren hat, beträgt fast 
10 Jahre, das ist fast ein Drittel des Satzes für die erstere und fast die 
Hälfte des Satzes für die letztere Bevölkerung. Diese Verschiedenheit be 
ruht in der Verschiedenheit der Frequenz der einzelnen Altersclassen und 
letztere ist hauptsächlich wiederum eine Folge der Verschiedenheit des Ge 
burtsverhältnisses. In Ländern, wie die amerikanischen, mit starker Repro 
duction sind die jüngeren Alter verhältnissmässig viel zahlreicher besetzt, als 
in Ländern mit schwacher Reproduction, wie Frankreich, wodurch sich na 
türlich für jene das Durchschnittsalter der Bevölkerung niedriger als für diese 
stellen muss. Es vertheilt sich in obigen Ländern die Bevölkerung auf die 
verschiedenen Altersclassen in folgender Weise. Von 10,000 Lebenden kom 
men nach Wappaeus (Bd. II. N. 44 und 45) in den verschiedenen nachverzeich- 
neten Ländern auf die 
*) Das nächste Ziel muss aber doch die Herstellung von Listen nach den 
einzelnen Jahren sein, wie v. Hermann deren im 9. Hefte der »Beiträge 
zur Statistik von Bayern« aufzustellen begonnen hat, wodurch eine Klar 
heit erzielt wird, die bei dem Zusammenlassen der Altersgenossen von je 
5 oder gar 10 Jahren durchaus fehlt. Zur Erlangung richtigerer Resultate 
dürfte es nicht wenig beitragen, wenn bei den Volkszählungen die Trage ge 
stellt würde : »in welchem Jahre und Monate ist jede Person geboren?« statt: 
»wie viel Jahre zählt dieselbe?« Dadurch würde schon die wesentliche Ver 
schiedenheit beseitigt, dass die Einen das angetretene, die Anderen das be 
reits zurückgelegte Jahr angeben. Allerdings bedarf es daneben möglichst 
genauer Ein- und Auswanderungs-, ganz besonders aber — genauer Sterb 
listen. Kolb.
        <pb n="516" />
        492 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 
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I — — 040405-0 1(5 501-00 05 0 
i I I I I I I M I I U 
K5C&gt;i(50i(500000&gt;Of 
— — O4O4CC-OK55C4-O0T: 
Aus dieser Tabelle lässt sich 
leicht ableiten, wie sich der vor 
zugsweise productiveTheil der Be 
völkerung zu dem unproductiven 
verhält und welches Verhältniss 
der wehrfähige zu dem nicht wehr 
fähigen einnimmt. Wappaeus ge 
langt nach Zusammenfassung obi 
ger Zahlen zu folgenden allgemei 
nen Schlüssen : »Es kömmt in un 
seren Staaten überhaupt über ein 
Drittel (33,06 Proc.) der ganzen 
Bevölkerung auf die Individuen 
bis zum 15. Lebensjahre, d.h. über 
ein Drittel der ganzen Bevölke 
rung besteht aus den Mitgliedern 
der Gesellschaft, welche noch nicht 
durch ihre Arbeit eine Compensa 
tion für ihren Unterhalt geben 
können; ferner, beinahe ein Zehn 
tel (9,72 Proc.) fällt auf die Alters- 
classe von 15 — 20 Jahren, in der 
Regel noch die Altersstufe des 
heranreifendenAlters und für viele 
noch die Zeit der Ausbildung und 
Vorbereitung für einen bestimm 
ten Lebensberuf; nicht ganz 
die Hälfte -(48,SS Proc.) kömmt 
auf die Periode der vollen Kraft 
und Thätigkeit zwischen 2U und 
60 Jahren; auf die Altersclasse 
von 60-— 70 Jahren, die Periode 
der meist schon abnehmenden 
Kraft, fällt ungefähr ein Zwanzig- 
theil (4,92 Proc.), und endlich auf 
die Classe des hohen, in der Re 
gel nicht mehr productiven und 
schon mehr oder weniger hülfs- 
losen Alters kommt wenig über 
ein Vierzigtheil (2,81 Proc.), also 
ein sehr geringer Theil der Be 
völkerung im Vergleiche mit der 
grossen Proportion der Classen 
des Kindesalters, mit welchem 
dies hohe Alter in so fern gleich 
steht, als es eben so unproductiv 
zu sein und von der Gesellschaft 
überwiegend nur Opfer zu for 
dern pflegt.« Hoffmann hebt auf 
Grund ähnlicher Untersuchungen 
die Thatsache hervor, »dass der 
Nation die Erfüllung der Dank 
barkeit gegen ihre abgelebten 
Greise sehr viel weniger schwer 
ist, als die Pflege der Hoffnung 
für die Zukunft, welche der Kind 
heit und dem heran wachsenden 
Geschlechte gewidmet werden 
muss. Durchnittlich kommt erst 
ein Uebersiebzi^ähriger auf 12 
Unterfünfzehnjährige.«
        <pb n="517" />
        ALLGEMEINE VERHÄLINISSE. —Sterblichkeitslisten. 
493 
man die Alter, welche die in einem Lande während einer eewrissen 
Periode Gestorbenen zur Zeit ihres Todes hatten, addirt und die Summe mit 
der ^hl der Gestorbenen dividirt, so erhält man das Durchschnittsalter 
der Gestorbenen. Dieses Alter ist zum Theil wol abhängig von dem Sterb- 
hchkeitsverhältnisse, welches in den verschiedenen Altern herrscht, in noch 
höherem Grade aber von der verschiedenen Frequenz der Altersclassen, und 
es leuchtet ein, dass es sich um so niedriger stellen muss, je zahlreicher die 
Jüngeren, und um so höher, je zahlreicher die höheren Altersclassen be 
setzt sind. Leider sind derartige Berechnungen nur noch sehr sparsam ange- 
^ellt worden, ln Frankreich war im Jahre 1853 das Durchschnittsalter der 
Gestorbenen excl. der Todtgebornen 37,68 Jahre, in Bayern berechnet es sich 
für das Iriennium von 1854—56 auf 29,28 Jahre, in Preussen nach approximati- 
ven Durchschnitten aus den von 5 zu 5 Jahren fortschreitenden Altersclassen 
wahrend der Jahre 1816—1860 für das männliche Geschlecht auf 26,47 Jahre, 
fur das weibliche auf 28,64 Jahre und für beide Geschlechter auf 27,53 Jahre. 
Wir fassen hier die aus Vorstehendem resultirenden Zahlenverhältnisse 
fur verschiedene Lander in folgende Tafel zusammen. Die mit A. M bezeich- 
nete Columne enthalt das arithmetische Mittel zwischen Geburts- und Sterb- 
lichkeitsziffer. 
Name des Landes 
Mittlere 
Lebensdauer 
= I Zf 
So f o 
I" 
II 
Durchschnitts 
alter 
11 
Oesterreich 
Preussen 
Bayern 
Württemberg 
Sachsen 
Hannover 
Frankreich 
England 
Belgien 
Niederlande 
Schweden 
Norwegen 
Dänemark 
Sardinien 
? 
? 
? 
? 
p 
39,29 
40.19 
37,42 
35,44 
33.20 
? 
? 
9 
? 
? 
? 
? 
? 
? 
40.95 
42,18 
38.95 
38,26 
35,70 
p 
? 
9 
25,80 
25,47 
28,33 
24,85 
24.82 
31,36 
35.82 
30,06 
32.83 
29,02 
31,38 
30,35 
30.83 
27,52 
29.72 
33,85 
34,65 
31,99 
34,12 
40,89 
41.73 
43,79 
40,08 
36,25 
46,67 
51,77 
45,00 
33,34 
27,76 
29,66 
31,49 
28.42 
29,47 
36,13 
37,78 
36,93 
36,46 
32,64 
39,03 
41,06 
37,92 
30.43 
(?) 27,50 
? 
? 
27,25 
? 
31,06 
26,56 
28,63 
27,76 
27,66 
27,53 
27,85 
27.22 
o S 
k -p 
? 
27,53 
29,28 
9 
37 
68 
erung seit einem Jahrhunderte in einem völlig, 
jährlich dieselbe Zahl geboren würde und eii 
e. I a. ..1. .. .. f .l.n ..........L 
•en 
eine 
Befände sich eine Bevölkerun 
Beharrungszustande, so dass j 
gleiche Zahl mit lode abginge, auch diese Todten sich auf die verschiedenen 
Alter ein Jahr wie das andere vertheilten und die dadurch gebildeten Verhält 
nisse der Altersclassen nicht durch Ein- und Auswanderungen gestört würden, 
so würden mittlere Lebensdauer der Neugebornen, Geburts- und Sterblich- 
keitsziner, Durchschnittsalter der Gestorbenen gleich sein und durch ein und 
dieselbe Zahl ausgedrückt werden. *) Da aber bei jedem Volke in allen jenen 
Beziehungen fortwährend grössere oder geringere Veränderungen eintreten, 
so verändern sich auch diese Zahlen Verhältnisse und zwar keineswegs in glei 
cher Proportion. Es können daher diese Werthe niemals für einander sub- 
*) Ob auch das Durchschnittsalter der Lebenden damit übereinstimmt 
hängt von dem Sterblichkeitsverhältnisse in den einzelnen Altersclassen ab' 
Vielleicht drückt diejenige Sterblichkeitsliste das allgemeine Sterblichkeitsver- 
hältniss der Menschen richtig aus, nach welcher auch das Durchschnittsalter 
der Lebenden mit dem Durchschnittsalter der Gestorbenen übereinstimmt.
        <pb n="518" />
        494 
ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit. 
stituirt oder sichere Schlüsse von dem einen auf den andern gezogen werden. 
Will man die Sterblichkeit verschiedener Völker oder die Sterblichkeit eines 
und desselben Volkes in verschiedenen Perioden mit einander vergleichen, so 
kann dies nur geschehen auf Grund einer zuvor für jedes Volk, resp. für jede 
Periode construirten genauen Sterblichkeitsliste obiger Form und auf Grund 
der daraus für jedes Alter abgeleiteten mittleren Lebensdauer. Die Anwendung 
anderer Vergleichungsmomente führt zu unsicheren Resultaten. Da solche Ver 
gleichungen gleichwol häufig vorgenommen werden, so wollen wir die Trüglich- 
keit derselben durch einige Beispiele anschaulich zu machen suchen. 
Gesetzt, das Sterblichkeitsverhältniss bei den oben (S. 492) aufgeführten 
Völkerschaften wäre ein völlig gleiches, es ginge daher in einer und derselben 
Altersclasse bei allen jährlich ein gleiches Procentmaas durch den Tod ab, so 
würden doch, wenn man nach irgend gewählten Procentsätzen die Sterblichkeit 
berechnete, die dadurch gefundenen Todten für die verschiedenen Länder ver 
schiedene Sterblichkeitsziifern und ein verschiedenes Durchschnittsalter ergeben, 
und zwar aus dem Grunde, weil die Lebenden sich auf die verschiedenen Alters- 
classen nicht in allen Ländern nach derselben Pronortion vertheilen. Die nu 
merische Verschiedenheit kann eine sehr bedeutende sein. Vergleichen wir z. B. 
Frankreich und Norwegen mit einander und nehmen an, dass die Sterblichkeit 
in beiden Ländern genau nach dem Gesetze erfolge, welches die obige Sterb 
lichkeitsliste von Quetelet für Belgien und zwar für Männer ausdrückt, wonach 
das mittlere Sterblichkeitsprocent für die Altersclasse von 0—4 Jahren = 0,8, 
von 5—9 Jahren = 1, von 10—14 Jahren = 0,5 u. s. w. ist, so würden in Frank 
reich von 10,000 Personen nur 250, in Norwegen dagegen von derselben Zahl 
202 sterben, mithin die Sterblichkeitsziffer für ersteres Land 40, für letzteres 
nur 38,17 betragen. In Frankreich würden, nach dem mittleren Durchschnitte 
der Alterscla,ssen berechnet, alle 250 Gestorbene 9487,5 Jahre, in Norwegen die 
202 Gestorbenen dagegen nur 8421,5 Jahre durchlebt haben , mithin würde das 
Durchschnittsalter der Gestorbenen für Frankreich sich auf 37,95 Jahre, für 
Norwegen nur auf 32,14 Jahre berechnen. Welche Verschiedenheit dieser Zif 
fern bei völlig gleichem Sterblichkeitsverhältnisse ! 
Umgekehrt kann bei ein und demselben Volke sich das Sterblichkeitsver 
hältniss ändern, ohne dass die Sterblichkeitsziifer die geringste Aendcrung er 
fährt. Es ist dies der Fall, wenn in einer Altersclasse so viel mehr Personen 
sterben, als in einer anderen dem Tode wenige r unterliegen. Die Gesammt- 
zahl der Gestorbenen ist dann dieselbe, mithin bleibt sich auch das Verhältniss 
derselben zur Zahl der Lebenden oder die Sterblichkeitsziifer gleich. Findet in 
solchem Falle die geringere Sterblichkeit in den jüngeren Jahren statt und 
bleibt sie auf diesem Maase stehen, so wird dadurch die mittlere Lebensdauer 
verlängert, findet dagegen die grössere Sterblichkeit in den jüngeren Alters- 
classen statt, so wird die mittlere Lebensdauer verkürzt. Im ersteren Falle 
wachsen nämlich die zwischen den beiden Wendepunkten gewonnenen Le 
bensjahre der ganzen Bevölkerung zu, in letzterem gehen die zwischen diesen 
Wendepunkten ausgefallenen Lebensjahre derselben verloren, ohne sich wieder 
zu ersetzen. 
Es kann endlich der Fall eint reten, dass in den jüngeren Altern die Sterb 
lichkeit geringer wird, während sie in den höheren Altersclassen sich in solchem 
Grade vermehrt, dass die durch letzteren Umstand der ganzen Bevölkerung 
verloren gehenden Lebensjahre genau so viel betragen , wie die durch mindere 
Sterblichkeit in den jüngeren Jahren gewonnenen. In diesem Falle bleibt die 
mittlere Lebensdauer für die Zeit der Geburt und die folgenden Altersclassen 
bis dahin, wo die Aenderung eintritt, offenbar dieselbe, (Tenn die Summe der 
von der ganzen Völkerschaft durchlebten Jahre wird durch die sich compensi- 
renden Abweichungen nicht alterirt. Um aber jenes Verhältniss herbeizuführen, 
muss im höheren Alter eine viel grössere Zahl von Personen mehr sterben, als 
in den jüngeren weniger mit Tode abgehen. Dies wird die Sterblichkeitsziffer 
oder das Verhältniss der Zahl der Gestorbenen zur Bevölkerung erhöhen, — 
was Viele als ein Zeichen verkürzter Lebensdauer ansehen. Das Durch 
schnittsalter der Gestorbenen wird aber durch die grössere Zahl der im vorge 
rückten Alter Gestorbenen erhöht, was Vielen als ein untrügliches Zeichen ver 
längerter Lebensdauer gilt. Gleichwol ist die mittlere Lebensdauer genau
        <pb n="519" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit. 
495 
dieselbe geblieben. Diese Beispiele zeigen deutlich, wie gänzlich unzuverlässig 
die Schlüsse sind, die aus der Sterblichkeitsziffer oder dem Durchschnittsalter 
der Gestorbenen auf die Lebensdauer des Menschen gezogen werden. Dass noch 
viel weniger aus der Geburtsziffer und dem Durchschnittsalter der Lebenden 
auf das Sterblichkeitsverhältniss und die mittlere Lebensdauer geschlossen 
werden kann, leuchtet von selbst ein. Es muss daher ferner jeder derartige 
Versuch als ein eitler bezeichnet und lediglich auf Herstellung genauer Sterb 
lichkeitslisten als das einzige Mittel zur Erkennung des Sterblichkeitsgesetzes 
und der mittleren Lebensdauer verwiesen werden. 
Nach den klaren Erörterungen des Herrn Finanzrath Hopf über 
allgemeine Sterblichkeitsverhältnisse richten wir den Blick noch auf 
einige besondere Punkte. *] 
Sterblichkeit in den Städten. Man gewahrte, dass die Sterblichkeit 
in den Städten eine andere, grössere sei, als die durchschnittliche. So 
kamen nach den officiellen Zusammenstellungen zu Paris je ein Sterb 
fall resp. eine Geburt. 
1 Sterbf. Ib36 auf 37,79 Einw. 
1 - 1841 - 3.1,93 - 
1 - 1846 - 36,85 - 
1 - 1851 - 38,18 - 
1 Geburt auf 31,41 Einw. 
1 - - 31,25 - 
1 - - 31,56 - 
1 - - 32,58 - 
Dagegen hatte man in den 363 Hauptorten von Bezirken in Frank 
reich (einschliesslich Paris) und hinwieder im ganzen Lande : 
1 Sterbfall 1 Geburt 
in d. Hauptorten in ganz Frankr. 
1836—40 auf 38,11 42,35 Einw. 
1841_45 _ 39,84 44,29 - 
1846—50 - 37,32 41,97 - 
in d. Hauptorten in ganz Frankr. 
auf 35,62 35,31 Einw. 
- 36,75 35,66 - 
- 37,81 37,48 - 
(Sonach grössere Schwankungen bei den Sterbfällen, als bei den 
Geburten.) Im Jahre 1858 kam 
1 Sterbfall 1 Geburt 
im Seinedepartemente Paris) auf 36,5 Einw. auf 30 Einw. 
in den übrigen franz. Städten - 35,1**) - - 33 
auf dem Lande - 44,3 - - 39% - 
In England (einschl. London) kamen im Durchschnitte der 10 
Jahre 1849 — 58 auf 100,000 Personen jährlich 2216 Sterbfälle , in Lon 
don allein aber war das Verhältniss 2425. Fasst man die 125 Districte 
zusammen, welche die grössten Städte enthalten, so war die Durch 
schnittszahl 2563, dagegen in den mehr ländlichen Districten nur 1970. 
Wappäus hat, als Durchschnitt von 9 Staaten, gefunden, dass von 
allen Geborenen (einschl. Todtgeb.) innerhalb der 5 ersten Jahre star 
ben : in den Städten 33,60% , in den Landbezirken nur 27,28 , sonach 
ein Unterschied von 6,32 auf je 100. 
*) Von Druckschriften seien (ausser den besond. angeführten von Quetelet 
und WappUns) im Allgemeinen zunächst hier envähnt: Boudin, J. Ch. M., 
Traité de Géographie et de Statistique médicales. Paris, 1857, 2 vol. — Oetter- 
len, Dr. Fr., Handbuch der medicinischen Statistik, Tübingen 1864 (ein gleich 
falls mit ungemeinem Fleisse und ausgedehntem Quellenstudium bearbeitetes 
Werk). Hirsch, Dr. Aug., Handbueh der historich-geographischen Pathologie. 
Erlangen I860. 
**) In andern Jahren war die Sterblichkeit zu Paris immer grösser als in den 
übrigen Städten. Hier ist also ein Ausnahmefall.
        <pb n="520" />
        496 
ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit. 
So leicht, wie es hienach scheint, lässt sich indess das w a lire 
Verhältniss keineswegs ermitteln. Bei allen derartigen Berechnungen 
ist das ununterbrochene Ab- und Zuströmen der fremden Bevölkerung 
ausser Ansatz gelassen. Durch klinische Anstalten und auf andere Weise 
werden Schwangere von auswärts nach den Hauptorten gezogen. Hin 
wieder verbringt man häufig die Neugebornen (also in der Zeit der 
grössten Sterblichkeit) nach dem Lande. Die höheren Schulen sowol, 
als die Gelegenheit des leichteren Verdienstes, ziehen dann wieder nach 
der Stadt. Die gleiche Strömung wird durch Spitäler bewirkt, sowie 
auch wohlhabende Provinzialbewohner sich gerne nach Beendigung eines 
thätigen Lebens hier niederlassen. *) Wie sich ein Unterschied zwischen 
den von Reichen und den von Armen bewohnten Quartieren einer 
und derselben Stadt herausstellt, werden wir unten erwähnen. Hier sei 
nur kurz berührt, wie viel durch Herstellung guter Lüftung und Reini 
gung geschehen kann. **) 
Unterschied nach Geschlechtern. Die Naturgesetze über Geburt so 
wol, als über Sterblichkeit, zeigen sich keineswegs gleich für beide Ge 
schlechter. Sie ergeben Verschiedenheit vom ersten Augenblicke bis zum 
Ende des Lebens. (Vergleiche die Tabellen S. 482 folg.) Die vorhan 
denen Ziffern schwanken zwar im Einzelnen, stimmen aber alle in fol 
genden drei Punkten überein : 1) Es werden mehr Knaben als Mäd 
chen geboren; 2) dennoch ist die weibliche Bevölkerung im Ganzen 
die zahlreichere ; 3) diese scheinbare Anomalie erklärt sich durch die 
notorisch grössere Sterblichkeit beim männlichen Geschlechte, besonders 
im ersten Lebensalter. 
1) Es werden mehr Knaben als Mädchen geboren. Nach den vorlie 
genden Geburtslisten kamen je auf lOÜO Knaben; 
in England (1859) . 95G Mädchen 
- Frankreich (1858) 952 
- Oesterreich (1858) 940 
in Preussen (1809] . . . 945 Mädchen 
- Sardinien 1828—37) . 951 
im Kant. Zürich 1850—52) 953 
Wappäus, der die Ergebnisse in 15 Ländern je während einer 
Anzahl Jahre zusammenstellte, fand, dass im Durchschn. auf 100 Mäd 
chen 106,31 Knabengeburten kamen. Die Schwankungen waren in den 
einzelnen Ländern sehr gering: Maximum 107,18 in Hannover, Mini 
mum 105,22 in Sardinien. Nahm man blos die Lebendgeborenen in 
Rechnung, so stellte sich das Mittel auf 105,83. Bei den Todtgeborenen 
dagegen ergab sich, dass auf 100 todte Mädchen 140,33 Knaben 
trafen ! ***) 
*) Bei der Zählung von 1851 fand man zu London unter 1’394,903 Men 
schen über 20 Jahren, 749,853 ausserhalb der Hauptstadt Geborene. Nach einer 
Notiz sollen unter den 1’151,978 Einw. von Paris (vor der Stadterweiterung 
nicht mehr als 09,424 eingeborne Pariser gewesen sein, also blos 1 auf 10,59 ! 
**) Visedunt Ebrington hob auf dem statistischen Congresse zu Paris hervor, 
dass Lamheth-Square in London, früher ein Hauptherd der Cholera, des Typhus 
und der Fieber, ungeachtet seiner tiefen Lage, jetzt eine geringere Sterblichkeit 
hat, als die hoch gelegene Hampstead-road, wo man, gerade der gesunden Lage 
wegen, die hygieinischen Verbe^sserungen meinte unterlassen zu dürfen. 
***) Yqjj allen bisherigen Erklärungsversuchen hat sich auch nicht einer 
stichhaltig bewiesen. Am meisten plausibel schien das s. g. Sadler-Ilofacker’- 
sche Gesetz zu sein, wonach das relative Alter des Vaters oder der Mutter in der 
Art bestimmend sein sollte, dass inEhen, in denen der Gatte mehr Jahre zähle.
        <pb n="521" />
        ALLGEMEINE VTÎRHÂLTNISSE. — Sterblichkeit. 
497 
2) Obwol allenthalben mehr Knaben ah Mädchen geboren werden, 
ist doch die weibliche Bevölkerung im Ganzen die zahlreichere. Wir ver 
weisen auf die Specialangaben bei den einzelnen Staaten. So war die 
Ueberzahl der Frauen : 
876,920 in Preussen (1858) . . 65,889 
97,217 im Zollvereine (1855) . 299,024 
1’620,080 in Schweden (1855) . . 111,096 
in England (1861) , 
- Frankreich (1861) 
- Russland (1858) 
Ausser den allgemeinen Sterblichkeitsverhältnissen tragen zu die 
sem Resultate bei : 1 ) die anstrengendere Beschäftigung der Männer, 
nur theilweise ausgeglichen durch die Niederderkunften der Frauen ; 
2) öftere Excesse in der Lebensweise der Männer ; 3) Kriege und selbst 
im Frieden — der Menschen verschlingende Militärdienst; 4) endlich 
in Europa noch die Auswanderung vorzugsweise von Männern nach an 
deren Erdtheilen. Dass in Ländern wie Californien und Australien die 
Ueberzahl auf Seite der Männer ist, bedarf keiner Erklärung. Dagegen 
muss erwähnt werden, dass in dem von Auswanderungs- und Kriegs 
verlust freien Belgien bei der letzten Aufnahme die männliche Bevölke 
rung um 14,105 überwog. Diese Erscheinung, im Zusammenhalte mit 
den Ergebnissen der früheren Zählungen, ist geeignet, uns zu der Ver- 
muthung zu führen, dass ein Ueberwiegen der weiblichen Bevölkerung 
aufhörte, wenn die naturwidrige Verminderung der Männer durch Aus 
wanderung (wie in Deutschland) oder durch Kriege (wie in Frankreich, 
unter besonderer Berücksichtigung der ununterbrochenen Soldatenopfer 
in Algerien) ihr Ende nähme. Nach den grossen Kriegen überwog die 
weibliche Bevölkerung auch in Belgien. Bei der Zählung vom Jahre 1 829 
betrug dieses Mehr auf jede Million Einw. noch 37,370; bei der Zäh 
lung von 1846 war der weibliche Ueberschuss auf jede Million nur noch 
2341, also höchst unbedeutend. Und nun fand sich 1856 sogar ein 
männlicher Ueberschuss von 3114 auf jede Mill. Einw. 
3) Die Sterblichkeit ist im Allgemeinen, und namentlich im frühesten 
Alter, grösser beim männlichen ah beim weiblichen Geschhchte. Wir ver 
weisen zunächst auf die S. 182 u. 483 abgedruckten Sterbelisten.*) In 
England ergaben sich 1859 auf je 100,000 Kinder unter 5 Jahren bei 
den Knaben 7325 Sterbfälle, bei den Mädchen nur 6363. Nach Marc 
d’Espine [Notice statistique sur les lois de Mortalité et de Survivance) 
starben in den Jahren 1838 — 45 im Kantone Genf: 
am ersten Tage . 
in der ersten Woche 
in der zweiten - 
in der dritten 
in- der vierten 
Knaben Mädchen 
78 63 
168 152 
68 53 
56 39 
29 20 
im ersten Halbjahre 
im zweiten 
im zweiten Jahre 
im dritten 
Knaben Mädchen 
536 420 
156 144 
223 201 
113 108 
eine grössere Zahl Knaben, im andern Fall eine grössere Zahl Mädchen geboren 
werde. Die verdienstlichen Untersuchungen von Prof. Dr. Itreslau in Zürich 
haben auf Grund der Erhebungen in dem genannten Kantone die Unhaltbar 
keit auch dieser Behauptung dargethan. 
*) Nach Heltft kommen von den im ersten Altersjahre sterbenden Kindern 
überhaupt auf den 1. Monat über 25 Proc., auf den 2. Monat 10%, den 3. 9,5, 
den 4. 9,8, den 5. 7,7, den 6. 6,6, den 7. 6,5, den 8. 5,5, den 9. 5,2, den 10. 5,5, 
den 11. 4,8 und den 12. 4,4%. 
Kolb, Statistik. 4. Aufl. 
32
        <pb n="522" />
        498 
ALLGEMEINE VERHÄI.TNISSE. - Sterblichkeit., 
So war schon nach einem Jahre der ursprüngliche Unterschied aus 
geglichen, und von da an ergab sich durch alle Altersclassen eine Ueber- 
zahl der weiblichen Bevölkerung. — Auch Quetelet fand in Belgien 
(nicht nur im Durchschnitte, sondern in allen einzelnen Provinzen), 
dass nach Ablauf eines Jahres das Gleichgewicht bereits nahezu herge 
stellt war. Nach den Mortalitätslisten aus England vom Jahre 1841 war 
dort die Ueberzahl der Knaben schon etwas vor vollständigem Ablaufe 
des ersten Jahres verschwunden. In Preussen hat der treffliche Beobach 
ter Engel ermittelt, dass die Sterblichkeit der Frauen die grössere ist 
blos in den Jahren 10—14, dann 25—40, endlich über GO; in allen 
anderen ist sie geringer. — Eine Aufnahme in Oesterreich im Jahre 
1851 (nicht im ganzen Staate, sondern mit Ausschluss von Wien, Italien, 
Dalmatien, Serbien, Banat, Kroatien und Slavonien) ergab folgende 
Zahl der Sterbfälle : 
Ehelich Unehelich 
männl. weibl. männl. weibl. 
von Geburt bis 1 Mon. incl. 01,080 46,806 8,705 7,567 
1- 2 Monate - 13,407 10,825 2,566 2,202 
2- 3 - - 10,336 8,281 1,806 1,761 
3- - 6 - 18,656 14,850 2,027 2,617 
6— 9 - - 13,243 11,107 1,486 1,431 
9—12 - - 15,036 13,903 1,333 1,401 
_ 12—18 - - 17,209 16,071 1,591 1,503 
- I Yz—2 Jahre - 13,346 13,200 075 1,028 
2— 3 - - 15,512 14,448 984 1,055 
3— 4 - - 9,325 0,007 516 585 
4— 5 - - 8,053 7,346 405 480 
Zusammen in 5 Altersjahren 106,103 166,343 
23,384 21,819 
Von 1000 Lebendgebornen starben also schon im Geburtsjahre ; 
männlich weiblich Unterschied 
eheliche Kinder 248 212 36 
uneheliche - 361 342 10 
In Frankreich erschienen 1854 {Siatisii^ue de la Fra7ice, deuxième 
série, tome 4) schon bei den Todtgebornen : die Knaben mit 23,544, 
gegen nur 10,234 Mädchen. Auf 100 todtgeborne Mädchen kamen also 
nicht weniger als 145,03 todtgeborne Knaben, und zwar stellt sich bei 
diesen Todtgeburten das Verhältniss ziemlich merkwürdig; auf je 100 
todtgeborne Mädchen ; 
ehel. Knaben 
im Seinedepartement 124,77 
in den übrigen Städten. 142,31 
auf dem Lande . . . 157,67 
Mittelzahl 140,87 
unehel. Knaben 
132,38 
116,97 
108,78 
116,89 
Gesammt- 
Todtgeborten 
126,90 
137.03 
152,37 
145.03 
Von 10,000 Lebendiggebornen starben dann im 1. Jahre: 1844 
Knaben, 1507 Mädchen, Unterschied 337 I In den nächsten 3 Jahren 
starben von den übrig gebliebenen 8150 Knaben wieder 1078, von den 
8493 Mädchen (also einer grösseren Anzahl 1) nur 1040. 
In Folge dieser Verhältnisse erlangt die weibliche Bevölkerung 
durchschnittlich ein längeres Leben, als die männliche , wie dies im All 
gemeinen aus allen Sterblisten zu ersehen ist (vergl. S. 483 u. 480). 
Wir erwähnen hier nur noch, bezüglich der einzelnen Schwankungen,
        <pb n="523" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit. 
499 
Folgendes : Mit dem Beginne der Mannbarkeit tritt in der Regel für beide 
Geschlechter ein Minimum der Todesfälle ein. Dann erfolgt eine Ver 
mehrung derselben, zunächst bei den Frauen ; nur in dieser kritischen 
Periode (in der die ersten Wochenbetten mehrfache Opfer fordern) haben 
sie stärkere Verluste als die Männer. Bei den letzten erfolgt die Steige 
rung etwas später; vom 21. — 25. Jahre stellen sich bei ihnen ansehn 
liche Einbussen ein; kaum ein Zweifel, dass die grosse Sterblichkeit im 
Militär auf die betreffende Ziffer ein wirkt. Darauf mit 30 Jahren ein 
zweites Minimum bei den Männern. Vom 40. Jahre an starke Zunahme 
der Sterblichkeit bei beiden Geschlechtern. 
In England berechnete man die längere Lebensdauer der Frauen 
durchschnittlich zu 2 Jahren; Milnes fand sie in Schweden 3,2, Marc 
d’Espine in Genf 3,5 Jahre. Für Frankreich ermittelte Legoyt 1851 
bis 1853 einen noch viel grösseren Unterschied, und zwar sowol was 
das mittlere Alter, als was die wahrscheinliche Lebensdauer 
betrifft, nemlich : 
Wahrsch. Lebensdauer der Männer 36 J. 3 M. Mittleres Alterd. Männer 35 J. 3M. 
- Frauen 40 - - Frauen 42-lOM. 
Untersch. zu Gunsten der Frauen 3 J. 9 M. Untersch. zu Gunsten d. Fr. 7 J. 7 M. 
Unter den Versicherten der Gothaer Lebensversicherungsbank war 
nach den genauen Beobachtungen, welche Hopf im Bulletin de la Com 
mission centrale de statistique de Belgique Tom. VIII. pg. 507 mittheilt, 
in den Altern von 20—40 Jahren die Sterblichkeit des weiblichen Ge 
schlechts noch einmal so gross wie die Sterblichkeit des männli 
chen; vom 40. bis 60. Jahre war die Sterblichkeit beider Geschlechter 
gleich, vom 60. bis 70. Jahre war die Sterblichkeit der Frauen ge 
ringer als die der Männer, und jenseits des 70. Lebensjahres wurde 
sie wieder grösser. 
Einwirhingen guter und schlimmer Jahre auf die Lebensverhältnisse, 
Wie gross diese Einwirkung, haben wir schon gelegentlich angedeutet 
(z. B. S. 55 — 58, Frankreich, Zahl der Heirathen, Geburten und 
Sterbfiille in guten und schlimmen Jahren). »Es klingt eben nicht poe 
tisch, ist aber trotzdem wahr, dass die Menge der Ehen in jedem Jahre 
von den Kornpreisen abhängt. Je wohlfeiler das Brod, desto mehr Ehen, 
und umgekehrt.« Sodann kann man bei jeder Truppenaushebung wahr 
nehmen, ob das Jahr, dem die Aufgebotenen angehören, eine reiche, 
mittlere oder schlechte Emdte geliefert hatte. Die Conscribirten aus 
1 heuerungs- und Nothjahren bleiben nicht nur der Menge nach unter 
der Mittelzahl, sondern sie sind auch im Durchschnitte weniger kräftig 
und kleiner, indem verhältnissmässig weit inehr von ihnen als sonst 
das Normalmaas nicht erreichen.*) So bestätigt sich die Bemerkung des 
trefflichen Quetelet; »Es scheint, dass Nothjahre ihr Gepräge der mensch 
lichen Gattung tief eindrücken, ganz so, wie strenge Winter ihre Spur 
in dem Holzwuchse unserer Wälder zurückzulassen pflegen.« — Beson 
ders erschreckend treten aber die Wirkungen der Theuerungsjahre in 
Man hat lange geglaubt, die kinderreichen Jahre lieferten die meisten 
Sterblinge. Die Vitalitätstafeln von Hermanns beweisen die Unhaltbarkeit die 
ser Unterstellung wenigstens als Regel, ganz übereinstimmend mit der oben 
erwähnten Wahrnehmung. 
32
        <pb n="524" />
        500 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit der Armen. 
den Sterblisten hervor. In Russland ergaben die amtlichen Aufzeich 
nungen der Geburten und Sterbfälle in den Jahren 1840—50 einen 
durchschnittlichen Ueberschuss der Geburten von 435,836 ; im Noth 
und Hungerjahre 1848 hingegen einen Ueberschuss der Sterbfälle von 
295,943, — also eine Difterenz von mehr als 730,000 gegen die Nor 
malzahl. — Man berechnete die Menge der Sterbfälle zu Paris in dem 
bedeutenden Zeiträume von 1694 bis 1784, also von 90 Jahren. Die 
durchschnittliche Sterblichkeit betrug : 
in den 10 theueisten Jahren je 21,174 Mittl. Weizenpreis pr.Setier Liv. 21 10 sous 
- - 10wohlfeilsten - - 17,529 - - - 17.05 - 
Weizenpreis Sterbf. Weizenpreis Sterbf. 
ZuLondon: 1802 58 Sh. 10 d. 20,508 I in 7 engl. Grafsch. 1801 118 Sh. 3 d. 55,905 
1800 113 - 7 - 25,6701- 7 - - 1804 60 - 1 - 44,794 
Turin: 5 wohlfeile Jahre (1828, 1830, 34—36) 4,638 Todesfälle 
5 Theuerungsjahre (1829, 1831—33, 37) 5,231 
Nicander fand (Memoiren der Academie von Stockholm), dass in 
Schweden die Zahl der Sterbfälle durch die Theuerung vermehrt wurde : 
1762 um % , 1763 um %, 1772 um , 1773 um */,, 1799 um '/?, 
1800 um %. Die Wirkung der Theuerung tritt aber um so furchtbarer 
hervor, wenn berücksichtigt wird, dass es nicht die Gesammtheit der 
Einwohner ist, welche gleichmässig zu dieser SterblichkeitsVermehrung 
beiträgt, sondern dass die Reichen so glücklich sind, gar kein Contin 
gent liefern zu müssen, wonach die ganze Erhöhung ausschliesslich von 
den Aermern herrührt, diese also nicht blos mit % , */* u. s. f., son 
dern noch weit härter betroffen werden.*) 
Einßuss von Wohlstand oder Armuth auf die Sterblichkeit. Dieser 
Einfluss ist von überraschender Ausdehnung und Grösse. Die Schriften 
von Benoiston, Morgan (Secretär ácr Equitable Society), Dr. Casper und 
Quetelet enthalten reiches Material. Nach Casper’s Untersuchungen 
leben von 1000 zu gleicher Zeit geborenen Menschen: 
Wohlhabende Arme 
nach 5 Jahren noch 943 655 
- 10 - - 938 598 
- 20 - - 866 566 
- 30 - - 796 486 
- 40 - - 695 396 
Die Zahlen der ersten 
durch Zusammenstellungen 
Wohlhabende Arme 
nach 50 Jahren noch 557 283 
— 60 - - 398 172 
— 70 — — 2.15 65 
— 80 — — 5 &lt; 9 
Colonne (Wohlhabende) erlangte Casper 
der bei adeligen Familien eingetretenen 
Sterbfälle, jene der zweiten (Arme) aber aus den Listen der seit vielen 
Jahren in Berlin verstorbenen Stadtarmen. — Die durchschnittliche Le 
bensdauer stellte sich bei den Reichen auf 50, bei den Armen nur auf 
32 Jahre. Der Zufall, der ein Kind auf dem weichen Polster der Rei 
chen geboren werden liess, gab ihm also ein Geschenk von vollen 18 
Jahren Lebensdauer mehr mit auf den Weg, als dem auf dem Stroh 
lager der Bettlerin zur Welt gekommenen Kinde. Das Missverhältniss 
tritt, wie man sieht, schon in der frühesten Zeit, es tritt aber am aller- 
*) Seit ein starkes Sinken des Geldwerthes eingetreten ist, kann der Markt 
preis des Getreides aus zwei entfernt von einander stehenden Epochen (z. B. 
aus den 1820er und 1850er Jahren) selbstverständlich nicht mehr nach der ein 
fachen Geldziffer als Maasstab der Wohlfeilheit oder Theuerung gelten.
        <pb n="525" />
        AI&gt;I&gt;GEMEINE VERHÄETNISSE. — Eebensdauer. 
501 
meisten im höheren Alter hervor , und würde noch ungleich grösser sein 
wenn sich die Reichen nicht häufig durch ein Uebermaas von Genüssen 
selbst das Leben verkürzten. (Siehe auch Quetelet’s wahrhaft treff 
liches Werk »sur Ihomme et le développement de ses facultés, ou essai 
de Physique sociale.V. Paris, 1835.) Villermé’s Beobachtungen stimmen 
damit überein. So stirbt in dem mehr von Reichen bewohnten ersten 
Stadtbezirke von Paris jährlich nur '/¡g , in dem mehr von Armen be 
wohnten zwölften Bezirke (mindestens) der Gesammtbevölkerung.*) 
Ebenso stirbt in den wohlhabenden Departementen Frankreichs jährlich 
/4s 1 iîi den armen %g der Einwohnerschaft. Lord Ebrington fand zu 
London eine durchschnittliche Sterblichkeit von 25 per mille , in einigen 
Quartieren aber stieg sie auf 40, während sie in anderen nur 13 betrug. 
Ebenso ermittelte er an einigen Orten eine mittlere Lebensdauer im Hand 
werkerstande von nur 19 — 20, in der Classe der Handelsleute und 
Gentlemen eine von 40 — 45 Jahren. Und dabei darf nicht übersehen 
werden, welche bedeutende Annäherung der Ziffern dadurch bewirkt 
ist, dass nirgends blos Reiche, nirgends bl0s Arme wohnen; schon 
der partielle Unterschied erzeugt solche Abweichungen.**) 
Ah- oder Zunahme der Lebensdauer. In früherer Zeit nahm man, 
wol nicht ohne Einwirkung gewisser durch die Bibel empfangener Ein 
drücke , unbedingt an, dass die Menschen vordem ein viel höheres Alter 
erreicht hätten. Die Grundlosigkeit dieser Unterstellung musste allmäh- 
lig erkannt werden. Nun wurden aber die glänzendsten entgegengesetz 
ten Berechnungen zum Beweise einer ungemein gesteigerten Lebensdauer 
aufgestellt. Schon d’Ivernois nannte dies »eine Lieblingsthese der Doctri 
nare.« Es ist in der neuesten Zeit zur Evidenz dargethan worden, dass 
jene Berechnungen im Allgemeinen auf irrigen Grundlagen beruhen , dass 
somit ihre Resultate unhaltbar sind. Ein mathematischer Beweis für die 
behauptete Verlängerung des menschlichen Lebens lässt sich in Wirk 
lichkeit nicht hersteilen , da es durchaus an dem nöthigen Materiale fehlt, 
die Lebensdauer nach den verschiedenen Altersclassen in den frühem 
Zeiten zu ermitteln; ist dies doch selbst jetzt nur sehr unvollkommen 
möglich. Auf die betreffenden Verhältnisse hat namentlich Wappäus 
hingewiesen. Am auffallendsten trat aber die Sache hervor, als vor 
• TT*^ Villermé kam in Paris in den Jahren 1S22—2ü ein Todesfall : 
im II. Arrondissement 1 auf 71 Lebende ; mittl. Miethpreis pr. Wohnung 605 Fres. 
- I. - 1 - (;h - _ - 408 - 
- IX- - 1 - 50 - - _ - . 172 - 
- XII. - 1-44- - _ _ - 148 - 
**) Chadwick (the duration of life, London 1844) kam zu folgenden Resul 
taten: Bei der Gentry sterben bis zum 5. Alteryahre von 100 lebend geborenen 
Kindern 20, bei der Arbeiterbevölkerung 50. Die mittlere Lebensdauer ist bei 
der ersten 44, bei der letzten 22 Jahre. 
Villermé hat aus den Altersverhältnissen von 5419 in Mühlhausen zwischen 
1823 -34 V^erstorbenen aus den Ständen der Fabrikherren, Kaufleute bis herab 
zu den Arbeitern in den Spinnereien, die wahrscheinliche Lebensdauer bei der 
Geburt (oder die Zeit, bis zu welcher die Hälfte der Lebend-Geborenen ge 
storben ist) und die mittlere Lebensdauer im 20. Altersjahre zu ermitteln, somit 
eine Statistik nach den VV'ohlstandsverhältnissen herzustellen gesucht. Er kam 
zu dem Resultate, dass die Unterschiede der wahrscheinlichen Lebensdauer bei 
der Geburt um das Neunfache, beim Eintritte des 20 Jahres aber noch um 
mehr als die Hälfte differirt.
        <pb n="526" />
        502 
ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Lebensdauer. 
einigen Jahren Dr. Engel seine mit ungewöhnlicher Sorgfalt ausgeführte 
Abhandlung über »das Durchschnittsalter der Gestorbenen oder die sog. 
mittlere Lebensdauer in Preussen in der Zeit von 1816 bis 1860« ver 
öffentlichte. Hier die wichtigsten der von ihm gefundenen Resultate. 
Das durchschnittliche Alter der Geborenen betrug nach Jahren und nach 
Geschlechtern ; Gestorbene 
1816—20 
1821—30 
1831—40 
1841—50 
1851—60 
männliche 
26.41 
27,19 
27.41 
26,21 
25,24 
weibliche 
28,80 
29,66 
29,33 
28,30 
27,63 
zufuimmen 
27,57 Jahre 
28.39 - 
28,34 - 
27,23 - 
26.40 
Da die Kinder im ersten Altersjahre einer besonders grossen Sterb 
lichkeit ausgesetzt sind, so wurden eigene Listen blos für diejenigen In 
dividuen angefertigt, welche das erste Lebensjahr zurückgelegt hatten. 
Hiebei ergaben sich nun folgende Hauptresultate : 
Gestorbene über 1 Jahr alt 
1816—20 
1821—30 
1831—40 
1841—50 
1851—60 
Dr. Engel bemerkt 
männliche 
36,65 
38,01 
36,83 
35,85 
35,14 
weibliche 
37,67 
38,76 
37,64 
36,89 
36,69 
zusainmcn 
37,14 Jahre 
38.37 - 
37,23 - 
36.37 - 
35,91 
_ bezüglich seiner ausführlichen Berechnung : 
»Diese Tabelle ist, weil eine Enttäuschung, gewiss für Viele eine Trauer 
botschaft. Ihr Inhalt ist auch frappirend. Derselbe widerlegt, gestützt 
auf so grosse Zahlen, wie sie für ähnliche Arbeiten noch niemals und 
nirgends verwendet wurden, die süsse Meinung, dass die mit dem Durch 
schnittsalter der Gestorbenen identificirte mittlere Lebensdauer stetig 
wachse oder gewachsen sei. Er erklärt alle gegentheiligen Behauptungen 
für irrig.« — Dr. Engel, der eben so gemüthvoUe Mensch als treffliche 
Statistiker, versuchte auf sonstige Weise die gefundenen Resultate 
selbst zu entkräften. Er unternahm es, das Alter der Lebenden nach 
einer ganz anderen Methode zu bestimmen, nemlich, so weit es sich 
thun lässt, dasselbe direct festzustcllen. Aber auch damit ist es miss 
lungen, bessere Ergebnisse zu ermitteln. Von je 100 Indi\iduen der 
Bevölkerung kam nemlich auf nachstehende Altersclassen folgende Pro 
centzahl : 
Männliche Bevölkerung im Alter : 1816 1840 1858 
von 14 Jahren und weniger 17,87 17,44 17,44 
- über 14—20 Jahren ... (?) 6,23 5,10 
_ _ 20—25 - ... 2,56 4,64 4,38 
_ _ 25-32 - ... 3,43 5,20 6,07 
_ _ 32—39 - ... 3,67 4,33 4,90 
_ _ 39—60 - ... (?) 9,07 9,23 
_ -00 - ... 3,33 2,99 2,73 
Weibliche Bewohner : 
von 14 Jahren und weniger 17,41 17,08 17,15 
- über 14—60 Jahren . . . 29,86 29,91 29,96 
- - 60 - ... 3,14 3,11 3 04 
(Hier ist bes. auffallend der Rückschritt im Alter von mehr als 60 Jahren.) 
Trotz des auch auf diese Weise gefundenen, das erste Resultat 
bestätigenden Ergebnisses , hegt Engel selbst Zweifel über die Richtig-
        <pb n="527" />
        503 
ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Lebensdauer. 
keit beider zur Anwendung gebrachter Methoden. Und in Wirklichkeit 
konnte das oben von Hopf mit Recht ganz besonders betonte Moment 
gleicher oder ungleicher Besetzung der verschiedenen Altersclassen in 
verschiedenen Epochen, mit dem vorliegenden statist. Material nicht 
vollständig ermittelt und gewürdigt werden. Die Verminderung der mehr 
als 60jährigen Männer ist wenigstens zum Theil unzweifelhaft den Krie 
gen beizumessen. Diese haben Lücken erzeugt in den Reihen derjeni 
gen Männer, welche bei der Aufnahme von 1858 das 60ste Altersjahr 
überschritten haben könnten und, da sie gerade zu den kräftigsten 
Jünglingen gehört, ganz gewiss grossentheils dieses Alter auch über 
schritten haben würden. Unsere Bemerkung erhält ihre Bestätigung 
dadurch, dass die Zahl der mehr als 6Ojährigen^rauen wenigstens nur 
um 0,10 Proc. abnahm, während die der Männer um das Sechsfache, 
nemlich um 0,60 Proc. sank. Ebenso bedingt ein stärkerer als der ge 
wöhnliche Ueberschuss der Geburten über die Sterbfälle mit Noth Wen 
digkeit eine stärkere Besetzung der jüngern Altersclassen in den Listen, 
somit ein Herabdrücken der durchschnittlichen Alterszahl aller Le 
benden. 
Es dürfte hiebei zu beachten sein, welche Resultate im Kantone 
Genf, also in einem vom preuss. Staate ziemlich entfernten Gebiete, 
schon vor einigen Jahren ermittelt wurden. Marc d’Espine, der die Zu 
nahme der Lebensdauer daselbst seit dem J. 1561 rühmte, gelangte 
gleichwol schon 1847 zu der Bemerkung*. »Das mittlere Alter scheint 
hier in den letzten 30 Jahren seinen Gipfelpunkt erreicht zu haben, und 
weiterer Erhöhung nicht fähig zu sein. Die Lebenserwartung ist nach 
meiner Tabelle (Ergebnisse von 1838—45 im ganzen Kantone) 43,62 
Jahre; nach Heyer (Stadt und Weichbild) war sie 1814—30 47,21 J. ; 
nach Mailet (Stadt allein) ergaben sich 1814 — 33 45,08 Jahre.« Somit 
auch zu Genf ein Rückschlag in der letzten Periode. 
Legoyt hat in Frankreich umfassende Erhebungen über die mitt 
lere Lebensdauer in den verschiedenen Perioden des jetzigen Jahrhun 
derts und nach den verschiedenen Altersclassen vorgenommen. Folgen 
des sind die erlangten Hauptergebnisse (nach Jahren und Monaten). 
Männliches Geschlecht. 
1806 
—9 
J.M. 
1810 
—14 
J.M. 
1815 
—19 
J.M. 
1820 
—24 
J.M. 
1825 11830Il835 
—29 
J.M. 
—34 
J.M. 
—39 
J.M. 
1840 1845 |1850 
—44 —49 —64 
J.M. 
J. M. J. M 
1855 
—59 
J.M. 
Bei der Geburt 
5 Jahren 
- 20 - 
- 40 
- 60 
Bei der Geburt 
5 Jahren 
- 20 
- 40 
- 60 - 
7 30 
742 
4 33 
830 
644 
2:34 
3Í24 
7 12 
5l32 2 33 
6 45' 2 46 
4 34 10'37 
10 261—! 26 
11;13| 3|13 
Weibliches Geschlecht. 
34 5 
45 6 
36 5 
25 3 
13 3 
32| 7 33 8 33 
'44 11 45 5 45 
5'34 134 
2 24 8 24 
6 12 10il2 
I I i 
32| 8^4'—|35l ll36 
3 45 10 46!—'47 
6 34 10134 9 38 
6 26 
— 13 
3 251 8 25 
91211 13 
I 1 
5'36l 
2 47 
5 38 
26 
13 
37 
47 
38 
3 26 
6 13 
1 33 
3 45 
1136 
2 25 
3!12 
7^8 
4 47 
6 38 
3 26 
6,13 
4|37 
10 
10 
5 
5 
3 
47j 5 
38 10 
26 6 
13 4
        <pb n="528" />
        504 
ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. - I.ebensdauer. 
Hier tritt uns eine Zunahme der Lebensdauer entgegen, wenn auch 
mit einzelnen Fluctuationen und namentlich einem beinahe unbedingten 
Rückschlag im letzten Quinquennium. Der Fortschritt im Ganzen ist 
augenscheinlich, — Aehnliche Ergebnisse hat man in Belgien und in 
England gefunden. 
Es würde uns hier zu weit führen, in umfassendere Erörterungen 
einzugehen. Nur wenige allgemeine Bemerkungen seien gestattet. Ma 
thematisch feststehende Resultate lassen sich , schon wegen der Mangel 
haftigkeit des Materials neben der Ungeheuern Schwierigkeit der Berech 
nung , für die vergangene Zeit nicht erlangen ; wahrscheinlich hat indess 
während der letzten Jahrzehnte kein sehr bedeutender Fortschritt statt 
gefunden ; in Deutschland namentlich verhinderten dies die zahlreichen 
Auswanderungen besonders von jungen Männern. Dennoch ist eine 
Verlängerung der Lebensdauer während der letztverflossenen zwei oder 
drei Jahrhunderte im höchsten Grade wahrscheinlich. Das freilich nur 
ungenügende Material deutet darauf, dass das höchste Alter der Greise 
sich seit Jahrhunderten und Jahrtausenden ziemlich gleich geblieben 
ist,*) dass aber die Zahl derjenigen Menschen, welche überhaupt ein 
höheres Alter erreichen, und welche insbesondere die so gefährlichen 
Kinderjahre überstehen, sich sehr bedeutend vergrössert hat. Damit 
stimmen auch die sonst wahrnehmbaren Umstände vollkommen überein. 
Die Lebensverhältnisse auch der Minderbemittelten sind relativ besser 
geworden, und die Nutzanwendung davon ergibt sich von selbst, wenn 
wir berücksichtigen, in welchem Maase schon einzelne gute oder 
schlimme Jahre auf die Lebensdauer einwirken. Uebereinstimmend da 
mit zeigt die Erfahrung, das Seuchen in der Neuzeit auch nicht an 
nähernd so furchtbar wüthen konnten , wie früher. Während zu London 
im J. 1603 15,356 Sterbfälle vorkamen, was damals beiläufig die Nor 
malzahl gewesen sein mag , stieg die Zahl im nächsten Jahre auf 97,306, 
wovon 68,596 der Pest erlagen, — dies wäre (nach Farr) bei der 
jetzigen Menschenmenge der britischen Hauptstadt gleich einem Verluste 
von 600,000 an der Pest Umgekommenen, Vergleichen wir damit die 
Verheerungen der ärgsten neuzeitlichen Seuche. In Folge der verschie 
denen Choleraepidemien starben zu London: 1&amp;®%8 6729, 1 
14,601 , 1854 11,661 oder mit Dazurechnung verwandter Krankheiten 
17,919 Menschen im letzten Jahre. In ganz Frankreich raffte die Cholera 
hinweg: 1832 102,7 35 Menschen, 1849 100,110, und 1851 145,541. 
In Preussen : 1831 32,647, 1832 9,091, 1837 13,325, 1818 26,151, 
1849 45,315, 1852 41,238, 1855 30,564. Wahrlich ein grosser Un 
terschied , und Niemand wird in Abrede stellen, dass grössere Reinlich 
keit, bessere Nahrung, Kleidung und Wohnung beitrugen, die Seuche 
wenigstens so weit zu beschränken. — Wir bedauern es, die Richtigkeit 
*) In Frankreich hat sich in den Jahren 1653 — 60 eine Verminderung in 
der Zahl den Hundertjährigen, welche gestorben sind, ergeben. Diese 
Zahl betrug: 1853 143, 1854 115, 1855 128, 1856 114, 1857 106, 1858 103, 1859 
99, 1660 84. Natürlich entscheidet dieses Ergebniss nichts in der vorliegenden 
Frage.
        <pb n="529" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit nach Monaten. 505 
der uns vorliegenden Angabe nicht prüfen zu können, dass in Frank 
reich von den ISOO bis 1807 geborenen Knaben blos 45% das Alter 
der Conscriptionspflichtigkeit erreicht hätten, von den 1822 bis 1825 
Geborenen dagegen 61%. Allerdings werden die Listen in der letzten 
Periode genauer geführt worden sein als in der frühem ; gleichwol lässt 
sich erwarten, dass schon die Verminderung der Pockenseuche sich be 
merkbar machen musste, denn die genannte Krankheit raffte nicht etwa 
blos die Schwächlinge, sondern oft die Kräftigsten hinweg. — In Lon 
don betrug die Zahl der Todesfälle von Kindern bis zu zwei Jahren in 
der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts je zwischen 9 und 10,000; 
gegen Ende des vorigen und im ersten Decennium des gegenwärtigen 
Jahrhunderts belief sie sich nur auf 5 bis 6000 ; und doch war die 
Volkszahl von 674,350 im J. 1700, auf 1’050,000 im J. 1810 ge 
stiegen. *) 
Sterblichkeit nach Monaten. Dass die Sterblichkeit sich nicht gleich 
bleibt in jeder Jahreszeit, ist bekannt. Der menschliche Körper ist ein 
so empfindlicher Organismus, dass es nur einer verhältnissmässig nicht 
grossen Steigerung der Kälte oder Hitze bedarf, um diesen Organismus 
zu schädigen oder zu Grunde zu richten. Während aber die Phantasie 
der Dichter das schlimmste Verhältniss in der Hitze — dem Feuer, 
der Hölle — suchte, erweist sich die Kälte in Wirklichkeit weitaus 
als die verderblichere Temperatur. Folgende (von Wappäus aufgestellte) 
Tabelle mag dies zeigen. Unter 12,000 Todesfällen im Laufe des Jahres 
kamen, die Monate gleich lapg angenommen, auf den 
*) Ohne den folgenden Berechnungen jetzt noch den nemlichen Werth bei 
zulegen wie bei Herausgabe der frühem Auflagen unser« Buches, wollen wir 
doch mittheilen, dass Finlaison auf Grundlage der Materialien der engl. Tonti 
nengesellschaften die wahrscheinl. Lebensdauer so berechnet: 
bei 
1695 1785—1825 1695 1785—1825 
5 Jahren 40,7 51,58 Jahre bei 40 Jahren 22,69 29,07 Jahre 
10 - 38,07 48,31 - 50 - 17,32 22,62 - 
20 - 31,79 41,19 - 00 - 12,45 15,85 - 
30 - 26,12 35,74 - 70 - 7,19 10,2 - 
Nach der gewöhnl. Weise berechnet erlebten zu Genf von 10,000 Menschen : 
10 Alter^jahre 40 Jahre 70 Jahre 90 Jahre 
1561 — 1600 480 
1601 — 1700 524 
1701—1760 601 
1761—1800 613 
1801 — 1811 694 
1814—1833 741 
1838—1845 744 
206 41 2,3 
296 80 3,7 
427 145 5 
538 Í86 51 
529 238 81 
Auf dem Londoner statist. Congresse von 1860 hob Edwin Chadwick in 
der 2. Section die wohlthätige Wirkung gesunder Wohnungen hervor. Unter 
den Arbeitern von St. Giles herrschte eine Sterblichkeit von 30 auf 1000 im 
Jahre. Bei denjenigen, welche man in Musterwohnungen unterbrachte, sank 
die Sterblichkeitsziffer bis aut 13% vom 1000 herab.
        <pb n="530" />
        506 ALLGEMEINE VERHÄI.TNISSE. — Sterblichkeit nach Monaten. 
Monat 
18*%. 
i8*y«, 
pa 
18*%, 
1 ã 
18*%, 
I 5 cs 
X 
18*%. 
, % 
18*%; 18*%,' 18»% 
S I 
Januar , 
.Februar 
März 
April 
Mui 
Juni 
Juli. 
August 
September 
October . 
November 
December 
1140 
1162 
1067 
1045 
860 
834 
910 
1084 
1021 
910 
984 
983 
1143 
1234 
1278 
1186 
978 
876 
828 
855 
880 
879 
919 
935 
1153 
1030 
1051 
1066 
1041 
918 
876 
975 
976 
924 
985 
1005 
1253 
1215 
1208 
1137 
1076 
956 
853 
839 
866 
830 
845 
972 
1191 
1094 
1097 
1020 
947 
941 
917 
954 
992 
908 
918 
1020 
1170 
1155 
1231 
1149 
1044 
925 
815 
878 
935 
846 
900 
951 
1084 
1114 
1179 
1179 
1108 
965 
971 
882 
801 
828 
909 
980 
1181 
1140 
1143 
1183 
1127 
944 
844 
839 
884 
880 
916 
919 
994 
1151 
1211 
1178 
1072 
844 
760 
821 
1019 
950 
1068 
992 
Differenz*) I 328 I 450 I 277 
423 
283 I 416 I 378 I 344 
451 
Durchgehends sind es die kalten Monate, welche eine übergrosse 
Menschenmenge hinwegraffen, ja in der Regel sind sie es allein, welche 
eine das jährliche Mittel überschreitende Anzahl Opfer fordern. Die 
heisse Jahreszeit vergrössert zwar ebenfalls die Sterblichkeit, doch nur 
wenig, blos höchst ausnahmsweise bis zur Durchschnittszahl. Natürlich 
müssen die schädlichen Temperatureinflüsse eine gewisse Zeit hindurch 
auf den Körper eingewirkt haben, ehe die Zerstörung erfolgen kann. 
Dies gilt namentlich von der Hitze. Die Kälte aber wirkt verderblich 
sowol alsbald nach ihrem Eintrit, als auch noch lange nachher. Aller 
dings stellt sich mit derselben gewöhnlich auch grösserer Mangel, Be 
schränkung des Arbeitsverdienstes bei steigendem Bedarf, ein. (Ziem 
lich abweichende Ergebnisse, die man bezüglich des Winters und Som 
mers auf der Insel Island gemacht haben will, lassen wir hier unerörtert. 
Es scheinen die Berechnungen ungenügend zu sein oder besondere Ver 
hältnisse obzuwalten.) Ein Paar helle, schneidend kalte Januar-oder 
Februartage , — dieses für so gesund gehaltene »reine , klare Wetter« — 
verniehten oft die Existenz von 1000 und mehr Menschen in einer ein 
zigen Stadt wie London im Laufe einer einzigen Woche, über die ge 
wöhnliche Sterbezahl. Viele Menschen sind nemlich durch Alter, 
Entbehrung, chronische Leiden oder Schwäche so weit herabgebracht, 
dass ein plötzliches Sinken der Temperatur das zwischen der Vitalität 
und der Krankheit gerade noch schwankend erhaltene Gleichgewicht 
zerstören und das Leben zu Ende bringen kann. So lange die Respira 
tionsorgane nicht zu stark in Anspruch genommen werden, widerstehen 
sie noch der Krankheit; eine geringe Vermehrung des ungünstigen Ver 
hältnisses in der einen Wagschale genügt dagegen, diesem ungünstigen 
Elemente das Uebergewicht zu verschaffen. 
Uebereinstimmend mit den nach Monaten gesammelten Erfahrun 
gen, dass in gemässigten Climaten nicht die Wärme, sondern die Kälte 
es ist, welche den menschlichen Organismen am meisten schadet, sind 
die Berechnungen nach Jahren (obwol uns deren zur Zeit noch wenige 
*) Zwischen Maximum und Minimum.
        <pb n="531" />
        ■m 
jjí 
ALLGEMEINE \'ERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit nach Gewerben 
vorliegen). So fand Moser (»Gesetze der Lebensdauer,« Berl. 183 
Königsberg, dass die mittlere Jahrestemperatur (-*- 6 ®) und die mi 
Sterblichkeit (1877 Todesfälle) auf die beiden Jahre 1818 und 25 tra 
die geringste Sterblichkeit (1638 Todesfälle) in dem wärmsten Ja 
1822 (Mitteltemperatur +7®), dagegen die grösste Sterblichkeit 
kältesten Jahre, 1826, vorkam, 
Sterblichkeit in den verschiedenen Ständen, namentlich den einzelnen 
Handwerken. Im vorigen Jahrhunderte glaubte man durch Herstellung 
allgemeiner Sterblichkeitstabellen das Höchste zu leisten. Indessen 
musste man sich allmählig überzeugen, dass ein grosser Unterschied in 
der Mortalität von Angehörigen der verschiedenen Stände besteht. 
Villermé [tableau de T état physique et moral des ouvriers) und Casper 
(»die wahrscheinliche Lebensdauer des Menschen,« Berlin 1835, dann 
in seiner Wochen- und Vierteljahrsschrift) waren es namentlich, welche 
diesen Zweig der Statistik förderten. Sonst befasste man sich meistens 
nur mit den s. g. gelehrten Ständen, den Geistlichen, Juristen, 
Aerzten und Lehrern, *) und verfuhr auch bei der blossen Berechnung 
meistens in einer nicht ganz richtigen Weise. Der Frankfurter Arzt de 
Neufville hat die Sterblichkeitsverhältnisse in den einzelnen 
Handwerken bei gehöriger Classification näher zu ermitteln gesucht 
(»Lebensdauer und Todesursachen 22 verschiedener Stände und Gewerbe, 
nebst vergleichender Statistik der christlichen und israelitischen Bevöl 
kerung Frankfurt’s. Frankfurt, 1 855.«). Das von de Neufville benutzte 
Material umfasste alle Sterbfälle in der Stadt Frankfurt während der 33 
Jahre von 1820—52: die Gesammtzahl dieser Todesfälle war 6867. 
Darunter befanden sich 1782 , bei denen speciell die Art der Krankheit 
angegeben war. Er fand als mittleres Alter der zu Frankfurt Gestorbe 
nen , bei den 
Weissbindern, Malern, 
Lakirern .... 
Schuhmachern , . . 
Buchdruckern . . . 
Schreinern .... 
Schlossern u. Schmieden 
Jkhneidern .... 
Steinmetzen und Bild 
hauern 
Schriftsetzern, Schrift- 
und Zinngiessern 
Lithographen u.Kupfer 
stechern 
Jahre Monate 
Jahre Monate 
Geistlichen . . . . 65 11 
l^ehrern, Gärtnern und 
Metzgern .... 56 10 
Kaufieuten .... 56 9 
Gerbern 56 7 
Fischern und Schiffern 55 9 
Juristen und Camera 
listen . ... 54 3 
Aerzten u. Wundärzten 
1. Classe .... 52 3 
Bäckern 51 6 
Bierbrauern .... 50 6 
Zimmerleuten ... 49 2 
Maurern 48 8 
Indess ist diese Liste nur mit Vorsicht zu gebrauchen, da sich die 
freie Stadt Frankfurt in sehr exceptionellen Verhältnissen befindet.**) Es 
47 
47 
47 
46 
46 
45 
43 
41 
40 
6 
3 
4 
3 
4 
10 
10 
*) Dies geschieht auch in der sonst sehr schätzbaren Schrift von Esche- 
rich : »Hygienisch-statist. Studien über die Lebensdauer in verschiedenen Stän 
den, auf Grund von 15,730 registrirten, gleichzeitig lebenden öffentlichen Be 
amten (Aerzte, katholische und protestantische Geistliche, Schullehrer, Forst- 
und Justizbeamte) des Königreichs Bayern.« Würzburg, 1854. 
**) In Berlin fand man bei 17,625 (in der Periode 1855—60) vorgekom 
menen Sterbfällen nachbemerktes mittl. Alter: Bäcker 41,6 Jahre, Bildhauer
        <pb n="532" />
        508 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit nach Gewerben. 
bedarf überhaupt Erhebungen in ganzen Ländern, um zu sichern Re 
sultaten zu gelangen. Auch ist dabei sehr zu beachten, dass einzelnen 
Gewerben vorzugsweise kräftige, anderen (z. B. den Schneidern) vor 
zugsweise schwächliche Knaben zugewendet werden.*) — In England 
hat man die kürzeste Lebensdauer bei den Stahlarbeitern, bes. bei den 
Trockenschleifern in Sheffield ermittelt. Die zweite Stelle nehmen die 
41,4, Brauer 34,3 , Buchdrucker 48,3, Fischer 47,2, Gärtner 48,4, Gerber 47, 
Kaufleute 47,2, Kürschner 38,2, Maler 45,2, Maurer 47, Metallgiesser 42,ß, 
Schifl'er 41,5, Schlächter 43,5, Schmiede41,8, Schneider 4ß,G, Schriftsetzer 34,8, 
Schuhmacher 49, Steindrucker 33, Tischler 44,7, Zimmerleute 4ß Jahre. 
*) Wenn man die Sterblisten der s. g. »gelehrten Stände« mit jenen der 
Handwerker u. s. f. vergleicht, darf nicht ausser Acht bleiben, dass die Letz 
ten meistens schon mit 15 Jahren ihren Gewerben zugerechnet werden, die Er 
sten erst nach der Anstellung, wenn sie schon gegen 30 Jahre alt sind. Studen 
ten der Theologie oder Medicin erscheinen in den Todtenlisten noch nicht als 
»Geistliche« oder »Aerzte.« Dieses Verhältniss lässt den Unterschied im mitt 
leren Alter der Gestorbenen grösser erscheinen als er ist. — Wir fügen übri 
gens die Hauptresultate bei, zu denen Escherich gelangte: »Alle gelehrten 
Stände haben im Durchschnitte eine kürzere I.ebensdauer als die un- 
unterschiedene gleichzeitig lebende männliche Bevölkerung in Bayern. Diese 
allgemeinsteWanrnehmung muss eine ebenso allgemeine Ursache haben. Die phy 
sischen Existenzbedingungen, die psychischen Einflüsse können nicht bei allen 
Ständen solche Lebensgefährdungen bringen. Die geringstbesoldeten, die Schul 
lehrer, haben im Durchschnitte aller 0 Stände eine günstigere Lebenshoffnung, 
die kathol. und protest. Geistlichen mit den festesten Stützen von Seiten der 
Psyche für ihre Lebenshoffnung, die Forstleute bei der gesundesten Lebens 
weise in freier Luft können doch nicht concurrirán in ihrer I.ebensdauer mit der 
un unterschieden männlichen Bevölkerung. Es muss allen Ständen gemein 
schaftlich noch etwas ankleben, was diese Gunst der physischen und psychi 
schen Unterstützungsmittel in seiner Rückwirkung auf die Lebensdauer üoer 
bietet, und was der ununterschiedenen männlichen Bevölkerung nicht an ge 
hört. Es kann dieses Gemeinschaftliche nur im Vorbereitungsmodus ver- 
muthet werden. Beweis dafür auch die Thatsache, dass beim Eintritte in den 
Stand die Abweichung in der relativen Sterblichkeit zwischen den Angestellten 
und Nichtangestellten am grössten, nach dem 05. Altersjahre hingegen die 
Sterblichkeit bei den Angestellten langsamer ist.« — Die Forstbeamten 
haben unter den 0 Ständen die langsamste Sterblichkeit und zwar in allen Al- 
tersclassen. — Die protest. Geistlichen zählen die meisten Greise, haben 
aber im Alter von 50—00 Jahren eine erhöhte Sterblichkeit. — Die Schul 
lehrer stehen den prot. Geistlichen am nächsten. — Die Justizbeamten 
haben zwischen dem 00. und 70. Altersjahre eine erhöhte Sterblichkeit. — Die 
kathol. Geistlichen haben besonders im Alter von 45—05 Jahren ebenfalls 
eine solche. — Die Aerzte haben unter allen Classen die grösste Sterblich 
keit, am allermeisten im frühesten Alter; % unterliegen schon vor dem 50. 
Jahre, und ‘®/,, vor dem 00! 
Bei Vergleichungen dürften die Verhältnisszahlen sehr zu beachten sein, 
nach welchen die verschiedenen Gewerbe 1852—54 in Sachsen brauchbare und 
unbrauchbare Militärpflichtige geliefert haben siehe Engel’s Mittheilungen des 
statistischen Büreau’s). Die Fischer hatten z. B 42,80% Untüchtige, die Stein 
metzen 40,39, Brauer 52,97, Zimmerleute 52,28, Maurer 54,87 , Tischler 09,91, 
landwirthschaftliche Knechte und Taglöhner 02,37 , Bergleute 07,41 , Hütten 
arbeiter 61,23, Schuhmacher 70,51, Schneider 79,94, Weber 72,77, Spinner aller 
Art 79,07 , Schriftsetzer, Buchdrucker 85,00, Lithographen 85,19, Uhrmacher 
88,23, Lehrer 87,38, Gymnasiasten 88,00, Apotheker 92,54. Im Ganzen waren 
tüchtig minder tüchtig unbrauchbar 
aus den Städten 19,73% 9,31 % 70,90% 
- - Dörfern 20,58 8,17 05,20
        <pb n="533" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit nach Gewerben. 509 
Bergleute in Steinkohlengruben ein, zum Theil in Folge der Unglücks 
fälle. *) — Ferner hat man in England die Lebenserwartung für ver 
schiedene Alter so berechnet**) : 
Alters 
jahre 
bei Arbeit im Hause mit 
weiii(( RtiwcKUug «larker Bewegung 
20 41,8522 Jahre 42,0133 Jahre 
30 35,1170 - 34,5022 - 
40 27,9113 - 27,8004 - 
50 20,5022 - 21,1805 - 
60 14,0430 - 15,1413 - 
70 8,6490 - 10,4407 - 
bei Arbeit im Freien mit 
wenig Bewegung starker Bewegung 
37,8017 Jahre 43,4166 Jahre 
30,1435 - 36,5832 - 
23,0357 - 29,1284 - 
17,2754 - 21,9732 - 
11,0169 - 15,5635 - 
4,5607 - 9,3313 - 
Dr. Guy, Vorstand eines Spitals zu London, unternahm es, die 
Kranken seiner Anstalt mit der nöthigen Vorsicht darüber zu befragen, 
durch welche Verhältnisse sie zur Ergreifung dieses oder jenes Gewerbes 
bestimmt wurden. Die Ergebnisse waren : 
Beweggründe bei der Wahl : 
66 
Man folgt dem Gewerbe des Vaters 
Man folgt dem Gewerbe des Bru 
ders oder eines sonstigen Ver 
wandten 19 
Der Vater oder ein Verwandter be 
treibt ein ähnliches Geschäft . . 3 
Das Geschäft ist im Geburtslande 
vorherrschend — 
Der Meister war befreundet ... 1 
Beschäftigungen in 
gedeckten Bäumen 
sitzend, nicht sitzend 
69 
13 
18 
2 
1 
Beschäfti 
gung im 
Freien 
Gesammt- 
zahl der 
FäUe 
172 
37 
24 
2 
2 
*) Wegen der Einzelheiten verweisen wir auf den im Anhang mitgetheil- 
ten Vortrag des Verfassers. 
ln England beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung aller 20jähri- 
gen Männer onneUnterschied 39,42 Jahre; — in den 63 gesundestenDistricten 
ist die Zahl 43,46, dagegen im übelsten der Minenbezirke (Merthyr-Tydfil nur 
30,57 Jahre. — Eine noch nicht gedruckte, schöne Arbeit von Frof. Zeuner 
(am Polytechnicum zu Zürich) über die Lebensdauer der bergmännischen und 
der übrigen Bevölkerung von Freiberg in Sachsen ergibt u. a. ; Im Alter von 6 
bis zu 30 Jahren, bei den Frauen auch im späteren, zeigt sich keine sehr auf 
fallende Verschiedenheit in den Mortalitätsverhältnissen. Dagegen beginnt bei 
den Bergmännern zwischen dem 30 und 40. Jahre schon eine grössere Sterb 
lichkeit, obwol sich die Zidern in der jüngsten Periode günstiger gestalten. Von 
je 10,000 Individuen erreichen ein Alter von 90 Jahren : 
Männer : Frauen : 
Bergleute .... 1 12 
Nicntbergleute . . 10 26 
In dem Alter zwischen 30 und 40 Jahren werden auch die meisten Bergleute 
»bergfertip«, d. h. invalid, und im Allgemeinen ist mit 70 Jahren keiner mehr 
arbeitsfähig. Die ungünstigen Ergebnisse sind ohne Zweifel herbeigeführt 
durch ärmliche Lebensweise, eine aufreibende Arbeit und (was bei einer allge 
mein dürftigen Lage immer vorkommt) allzu frühe Heirathen (von den im Alter 
von 20—25 Jahren Verstorbenen waren 18,4 Proc. verheirathet, bei den Nicht 
bergleuten nur 6,6 Proc.). Die Fälle des Verunglückens mit tödtlichem Aus 
gange sind nicht ungewöhnlich zahlreich (weit seltener, als z. B. bei Maurern 
und Zimmerleuten) ; sie vertheilen sich aber sehr regelmässig auf die einzelnen 
Altersclassen, in der Art, dass auf die Jüngsten am meisten Unfälle kommen 
(Folgen von Unvorsichtigkeit und Leichtsinn). Von 162 tödtlich geendeten 
Unglücksfällen trafen 62 auf die Altersclasse von 15. bis 25. Jahren.
        <pb n="534" />
        510 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit beim Militär. 
Beweggründe bei der Wahl: 
Beschäftigungen in 
gedeckten Räumen 
sitzend nicht sitzend 
War durch die Gemeinde in die 
Lehre gegeben .... .12 2 
Aus Neigung zu dem Gewerbe . . 53 03 
Weiss keinen besonderen Beweg 
grund 15 16 
Schwächlichkeit oder körperliche 
Fehler 8 — 
Andere Beweggründe (sehr ver 
schieden) 21 33 
Beschäfti 
gung im 
Freien 
11 
32 
Gesammt- 
zahl der 
Fälle 
14 
127 
31 
86 
Es ist bezeichnend, dass unter 503 Individuen nur acht waren, die 
bei der Wahl ihres Geschäftes durch Gesundheitsrücksichten bestimmt 
wurden. Zudem ist die Rücksicht, welche in dieser Beziehung heute 
gewöhnlich vorwaltet, in der Regel sogar eine ganz verkehrte : man be 
stimmt nicht selten Knaben ihrer Schwächlichkeit wegen gerade zu sol 
chen Gewerben, bei denen sie (in Folge des gebückten Sitzens) um so 
gewisser und so schneller zu Grunde gehen müssen. Die Ermittelungen 
der Statistik werden dahin führen, dass man die Wahl der Beschäfti 
gungsweise inskünftige weit mehr als bis jetzt Rücksicht auf die Körper 
beschaffenheit der Individuen nehmen wird. — Den Opfern gegenüber, 
welche manche Beschäftigungsweisen unbestreitbar fordern, ist es eine 
erhebende Wahrnehmung, dass Arbeit an sich der Gesundheit nicht nur 
nicht schadet, sondern dieselbe stärkt und stählt, und dass hinwieder 
Trägheit und Ueppigkeit die nemlichen Wirkungen hervorbringen, wie 
ganz ungesunde Beschäftigungen.*) 
Zwar langsam wirkende, doch ganz besonders mächtige Todesur 
sachen sind vor Allem ; wirkliche Nahrungssorgen, Mangel an genügen 
den Lebensbedürfnissen. Ein plötzliches Verhungern tritt äusserst selten 
ein; dagegen fort und fort ein Verkümmern, — ein allmähliges Verhun 
gern, — gleichsam Tag für Tag weiter greifend. 
Sterblichkeit im Militarstande. Man ist anzunehmen geneigt, dass 
in Friedenszeiten die Sterblichkeit beim Militär geringer sein müsse als 
im Civil. Doch gerade das Gegentheil tritt als Thatsache hervor; — die 
Sterblichkeit beim Militär ist wenigstens um die Hälfte grösser, zuwei 
len noch einmal so gross, als im gleichen Alter beim Civil. Die Verän 
derung in den Lebens- und Nahrungsverhältnissen, die Verlockungen 
zu einem in gewissen Beziehungen viel weniger geordneten Leben, das 
Zusammengedrängtsein in Schlafsälen , vielleicht seihst Mangel an jeder 
Arbeit in der gewöhnten Weise, mögen am meisten zu den ungünstigen 
Resultaten beitragen. Dass wir Kriegsstrapazen und eine Verlegung 
nach entfernten Ländern hier ohnehin ausser Berücksichtigung lassen, 
versteht sich von selbst. Wir reden zunächst nur von dem Militärdienste 
in der Heimath und in Friedenszeiten. — Einer unserer Freunde, der 
ausgezeichnete franz. Medicinalstatistiker, Oberarzt Dr. Boudin, lie 
ferte eine treffliche Erörterung in der gekrönten Preisschrift; Statistique 
de ï état sanitaire et de la mortalité des années de terre et de mer (Paris, 
184G). Hier zunächst einige der von Boudin festgestellten Resultate: 
') Einiges Nähere darüber in dem als Anhang folgenden Vortrage.
        <pb n="535" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit beim Militär. 511 
Französische Armee. Während die Sterblichkeit bei der 20 
— 30jährigen Civilbevölkerung je 10,3 auf 1000 betrug, war dieselbe 
auf 1000 Soldaten (zur Zeit der älteren Bourbone) : 
Ganze Armee, Durchschnitt .... 19,0 
Gemeine von der Linien-Infanterie . . 22,3 
- - Garde-Infanterie . . 16,7 
Unterofficiere von der Linien-Infanterie 10,8 
- Garde-Infanterie 9,0 
Die Gesammtsterblichkeit war also fast noch einmal so gross, als im 
gleichen Alter beim Civil. Das Verhältniss bessert sich in dem Maase; 
in welchem äusserlich die Mannschaft besser gestellt ist.*) 
Englische Armee. Der Aufwand für dieselbe ist grösser, die 
Versorgung vielfach besser, darum die Sterblichkeit geringer als im 
franz. Heere. Und dennoch folgende Ergebnisse : Von der 19jährigen 
Bevölkerung starben in England durchschnittlich 9,2 (in den Ackerbau 
bezirken nur 7,7) von 1000 ; selbst in den ungesundesten Fabrikstädten 
blos 11,9 bis 12,4. Zu den Truppen nimmt man nur kräftige Jünglinge, 
besonders zur Garde. Die Sterblichkeit ist aber: 
Gardereiterei 11 Linieninfanterie 18,7 
Linienreiterei 13,3 Fussgarde . . 20,4! 
Dagegen : Polizei (trotz des Nachtdienstes !) . . 8,92 ! 
Die Fussgarde ist besonders eng casernirt, was genügendes Lüften 
unmöglich macht. Die grössere Sterblichkeit der Garden, gegenüber den 
Linientruppen, dauert, selbst wenn sie entlassen sind , fort ! 
Britische Auxiliartruppen hatten in ihrer Heimath : 
die Fencibles (Malteser, auf Malta dienend) 9,0 Sterbfälle von 1000 
die Hottentotten auf dem Cap 12,5 
die Hindus in der Armee von Bengalen . . 13,0 
die Hindus in der Armee von Madras . . 15,0 
die Lascoreyns auf Ceylon 25,8 
Oesterreichische Armee. Nach Dr. G. A. Schimmer (Biotik 
der k. k. österr. Armee im Frieden) beträgt die jährl. Mortalität 12,037 
M. , was, den Armeestand selbst zu 653,000 M. angenommen (was 
jedenfalls zu viel ist), IS,6 Todesfälle auf je 1000 M. ergibt. 96 Proc. 
des österr. Heeres stehen zwischen 20—24 Jahren, Die Sterblichkeit 
beim Civil ist in diesem Alter 1 : 74,5, in der Armee aber 1 : 57,3. 
Pre ussische Armee. Wir lassen zunächst einige Bemerkun 
gen über dieses Heer folgen, welches früher die kürzeste Dienstzeit, 
und damit auch die geringste Sterblichkeit hatte. In der Periode von 
1821—30 betrug dieselbe bei den Männern im 20—25. Altersjahre im 
Civil 10,1 vom Tausend, beim Militär 11,7. Die Mortalität war also 
immerhin grösser als im bürgerlichen Leben, obwol man eben erst blos 
*) Dr. Bertillon, Hospitalarzt von Montmorency, hebt in seiner Schrift 
»Statistique des Causes de Décès» her\or : Er selbst habe nachgewiesen, dass die 
Sterblichkeit im Allgemeinen seit dem vorigen Jahrhunderte für alle Alters- 
classen geringer geworden; Vergleichungen der beiden Perioden 1817—31 und 
1840—49, nach den verschiedenen Methoden der Wissenschaft versucht, Hessen 
aber keinen Zweifel, dass in der letzten Periode die Mortalität unter den Jünglin 
gen erschreckend zugenommen, besonders zwischen dem 20. und 25. Altersjahre ; 
dabei sei es bezeichnend, dass das weibliche Geschlecht dieser Verschlimmerung 
entging. Bekanntlich war die Truppenzahl von 1817—30 geringer als in der Folge.
        <pb n="536" />
        512 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit beim Militär. 
die gesündesten und stärksten Jünglinge ausgehoben hatte. Und jene 
Ziffer bezeichnete schon damals nicht den ganzen Umfang des Men 
schenverlustes , weil viele Schwererkrankte aus dem Heere entlassen und 
später den Todten des Civilstandes zugezählt wurden, während sie 
eigentlich auf die Sterbliste der Soldaten gehören. — Das erste preuss. 
Armeecorps, welches allerdings die stärksten Verluste erlitt, hatte*) in 
dem Jahrzehnt 1850—59 durchschn. 17,6 Todesfälle auf 1000 wirkl. 
präsente Soldaten, nach Abrechnung der als Invaliden Entlassenen ! 
Hiezu kamen aber noch je 51,06 jener Invaliden, zus. also ein Gesammt- 
verlust von'68,66 1 (In der kurzen Zeit vom 1, Apr. 1859 bis Ende 
Juni 1860 waren in diesem einen Armeecorps 248 M. als Invaliden und 
überdies 662 als dienstuntauglich entlassen !) Allerdings stellte sich die 
Ziffer bei den übrigen Armeecorps geringer, doch durchgehends sehr 
hoch, wenn man die Entlassenen mit in Anschlag bringt.**) 
Piem ontesische Armee. In den Jahren 1834—43 war die 
Sterblichkeit der Truppen in Piemont und Savoyen 15,8 vom Tausend 
[auf Sardinien sogar 23,5), während sie bei der entsprechenden Civilbe- 
völkerung nur 9,2 betrug. 
Spanische Armee. Es wurden in den Spitälern Militäre verpflegt 
1860 1861 
Offir. Soldat. Offlc. Soldat. 
in den Militärspitälern . . . 792 119,907 112 64,514 
in den Civilspitälern . . . 1328 312,929 1138 219,398 
Zusamnien 2120 432,836 1250 1^83^942 
Bios in den Militärspitälern sind gestorben ; 
1860 56 Officiere und 4515 Soldaten 
1861 11 - - 1862 
1860 fand allerdings der Marokkanische Feldzug statt. 
Unter den Todten dieses Jahres I860 befanden sich 7 Off. u. 675 
Soldaten zu Tetuan. (Auch Spanien erlangte seinen milit. Ruhm nicht 
gerade wohlfeil.) 
Ermittlungen aus der jüngsten Zeit. Die Leistungen der Statistik, 
— die offenen Darlegungen der factischen Verhältnisse — konnten nicht 
ohne praktische Beachtung bleiben. Es erfolgten mancherlei wirkliche 
Verbesserungen ; vielfach bemühte man sich , jene gräulichen Zahlener 
gebnisse zu beseitigen. So hob der ñanz. Kriegsminister in einem Be 
richte vom 1. Oct. 1864 hervor; in den Jahren 1862 und 63 habe die 
durchschnittl. Sterblichkeit auf 1000 Mann im europäischen Frankreich 
nur noch 10, in Algerien 12 Mann betragen. Nach der Dauer der 
Dienstzeit ergebe sich folgendes Verhältniss ; auf 1000 M. unter den 
Fahnen betrage die Sterblichkeit bei einem Dienste von 
weniger als 1 Jahr . . . 11,45 
1—3 Jahren 13,38 
3—5 - 9,30 
5—7 Jahren 7,40 
7—14 - 5,35 
darüber 7,11 
*) Nach der Broschüre : »Die Militärorganisation social und deutsch beleuch 
tet. Berlin, 1862,« welche Schrift von einem Intendanturrathe herrühren soll. 
**) Bei einigen, eine sehr niedrige Sterblichkeitszifl'er ergebenden Berech 
nungen hat man nicht blos die Entlassenen ausser Ansatz gelassen, sondern 
auch — um die Todesfälle auf eine recht grosse Anzahl zu vertheilen, — die 
ganze Formationsstärke der Corps, also mit Einrechnung der gar nicht Präsen 
ten, der Beurlaubten u. s. f. zur Grundlage der Rechnung gemacht!
        <pb n="537" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. - Sterblichkeit beim Militär. 513 
Gegen die U nfehlbarkeit dieser Aufstellung müssen bescheidene Zwei 
fel erlaubt sein. Wenigstens finden wir in der offic. Statist, yén., 2. série 
tome 11 paye XXX177/die Angabe, dass im J. 1S59, bei einem Efiec- 
tivstande von 500,000 Mann, 18,075 Todesfälle vorgekommen seien. 
Dies ergibt 37,3 pr. 1000. Allerdings sind darunter 5868 auf den 
Schlachtfeldern und in den Ambulanzen Gestorbene einbegriffen. Diese 
abgerechnet, bleiben aber immer noch 12,807 Todesfälle, d. h. 25,61 
pr. Tausend 1 
Wegen des englischen Heeres siebe unten, S. 516. 
Die durchschnittliche Sterblichkeit in der preuss. Armee ward 
auf dem Statist. Congresse zu Berlin nach ministeriellen Berechnungen 
zu ungefähr 9,8 auf 1000 angegeben. 
Obwol nun aber nicht in Abrede gestellt werden kann, dass sich 
die Verhältnisse so ziemlich in allen Staaten gebessert haben, so er 
scheint doch die Grösse der Besserung, welche in den Ziffern hervor- 
trit, theilweise als Illusion. Man ist nitht nur sorgsamer in der Auswahl 
der Recruten geworden , sondern man hat insbesondere die von schwe 
ren Krankheiten befallenen Soldaten weit häufiger als sonst aus der Armee 
entlassen, wonach es kam, dass sie einerseits aus den Sterblisten des 
Militärs hinwegblieben, anderseits aber auch noch die Todtenzahl der 
Civilpersonen vergrösserten. — Während sich in der preussischen 
Armee im Jahre 1816 auf je 1000 Mann etwas über 2 Entlassungen als 
Invaliden ergaben, steigerte sich die letzte Zahl in den Jahren 184 7—57 
auf ungefähr 4, um von 1858 durchschnittlich auf 15 emporgeschnellt 
zu werden! Das Ergebniss war natürlich sehr bemerkbar: vor 1858 
zählte man auf 1000 Mann ungefähr 3 Invaliden und 10 Todte, nach 
her zwar nur 5 Todte, aber 1 5 als Invaliden Entfernte ! — Ebenso las 
sen die furchtbar zahlreichen Erkrankungen keinen Zweifel, dass die 
Sanitätsverbältnisse unter den Truppen nichts weniger als günstig sind. 
Wir wissen z. B. , dass im preuss. Heere während des Jahres 1861 
nicht weniger als 237,750 Erkrankungsfälle vorkamen, von denen 
125,866 die Aufnahme in die Lazarethe nothwendig machten.*) — Aus 
der bayerischen Armee liegt uns eine Uebersicht vom zweiten Halb 
jahre 1863 vor, wonach während dieser 6 Monate 46 Mann gestorben, 
daneben aber 124 als felddienstuntauglich entlassen worden sind. 
Eine ganz besondere Beachtung verdient die erschreckende Menge 
CiQT Selbstmorde \m Militär, ln der preuss. Armee kamen im J. 1861 
103 vor. In Frankreich blos bei der Pariser Garnison durchschnittlich 
1 auf 2307 Mann. — Nach Schimmer befinden sich in Oesterreich unter 
1000 auf gewaltsame Weise um gekommenen Personen im Civil 120,9 
'Selbstmörder, im Militär dagegen nicht weniger als 558,3! — Die Be- 
*) Nach einer Notiz in der 1). Wehrztg. wären in den 10 Jahren 1829— 
1838 in der preusH. Armee, bei einem durchschn. Bestände von 150,083 Mann, 
je 196,528 Erkrankungs- u. 2104,3 Todesfälle vorgekommen, unter den letzten 
609,4 am Typhus. Es gibt dies 13,96 Todte auf looo M. Die Zahl der Kranken 
war grösser als die der Soldaten, d. h. jeder Soldat kam durchschn. mehr als 
einmal im Jahre in das Spital. 
Kolb, Statiitik. 4. Aufl. 
33
        <pb n="538" />
        1 
514 ALLGEMEINE VERHÁLTOISSE. — Sterblichkeit beim Militär. 
rechnungen Adolph Wagners ergeben, dass auf je 100 Selbstmorde 
männlicher Civilpersonen, im Militär kommen: 
in Sachsen (1847—58) 177 Selbstmorde 
- M ürttemberg (1846—50) .... 192 
- Frankreich (1856—60) . 253 
- Preussen (1849) 293 
- Schweden (1851—55) 423 
- Oesterreich (1851—57) ..... 643! 
Rmsische Armee. Hier stieg die Mortalität sogar auf 38 vom Tausend! 
Dienst im toirklichen Kriege und ausser der Heimath. Wir reden 
nicht von den Gefallenen. Es sei nur erwähnt, dass das Ergebniss bes 
serer Verpflegung im Kriege noch mehr hervortritt, als schon im Frie 
den. So hatte, nach den Angaben des den Gesundheitsdienst leitenden 
engl. General-Inspectors Marshall, die britische Armee in den 41 Mo 
naten des spanischen Krieges, abgesehen von den Verwundungen, 
durchschn. auf 1000 Mann 118,0 Todesfälle, wovon aber auf je 1000 
Officiere nur 37 trafen. (Dagegen starben an Wunden durchschn. nur 
42,4 Gemeine, hinwieder 00 Officiere auf 1000.) 
Wir haben S. 100 gezeigt, wie gross die Sterblichkeit der franz. 
Truppen in Algerien ist (über 100,000 Todte, von denen nur 3400 
an Wunden umkamen), und lassen unten (S. 510) eine Notiz bezügl. 
der englischen Colonien folgen. Zunächst mögen einige Mittheilungen 
aus dem Krimkriege folgen. Schon am 2. Oct. 1854 hatten die Briten 
auf 34,042 Mann, ausser 1539 an der Alma Verwundeten, 5238 eigentl. 
Kranke, also über 151 auf 1000, ehe noch die eigentlich furchtbaren 
Strapazen begannen. In den ersten 7 Monaten des Krimfeldzuges be 
trug die Sterblichkeit, auf das ganze Jahr berechnet, 05% blos an 
Krankheiten, eine Mortalität, grösser als zur Zeit der Pest in London, 
und grösser als sie unter den Cholerakranken ist. Dank der freien 
Presse in England, musste schleunigst für Abhülfe gesorgt werden, und 
nun erprobte sich eine gute Verpflegung: der Zustand der britischen 
Truppen ward besser als der der französischen. Während der 0 letzten 
Kriegsmonate zählte man unter den Kranken des Krimheeres verhält- 
nissmässig nicht viel mehr Sterbfälle, als unter den (natürlich im Allge 
meinen gesunden) engl. Garden in der Heimath; ja in den letzten 5 
Kriegsmonaten starben an Krankheiten von der Armee im Felde nur 
^/g so viel, als von den Truppen zu Hause. Viele der Verbesserungen 
wurden später beibehalten, und in Folge ihrer ist die Sterblichkeit der 
engl. Truppen nun so vermindert, dass sie 1859 nur noch 9 vom 1000 
betrug, statt der frühem 17,5 (Durchschnitt v. 1837—40). — Im Fie 
brigen haben die parlamentarischen Untersuchungen noch die höchst 
wichtige Thatsache festgestellt, dass der Gesundheitszustand derjenigen 
Truppen am günstigsten ist , welche der gewöhnlichen Beschäftigung 
nicht entfremdet werden. Dies zeigte sich in der Heimath bei dem Corps 
der Royal Engeneers (bekannter unter ihrer früheren Bezeichnung 
von Sappeurs und Mineurs) ; blos ein Wochentag ist den eigentl. Mili- 
tärexercitien vollständig gewidmet, die andern Tage nur zur Hälfte ; 
die übrige Zeit wird mit gewöhnl. Arbeit zugebracht; gleichwol erwies 
sich das Corps als militärisch trefflich geschult und dabei als vorzugs-
        <pb n="539" />
        33* 
ALLGEMEINE VERHÄI-TNISSE. — Sterblichkeit beim Militär. 515 
weise gesund. Ebenso hat man bei den Truppen in Indien gefunden, 
dass diejenigen Soldaten, welche sich nebenbei mit Schneidern und 
Schustern , oder mit Buchbinderei, Uhrmacherei u. dgl. beschäftigen, 
sich in Aufführung und Gesundheit auszeichnen , unbeschadet ihrer mi 
litärischen Brauchbarkeit.*) 
Nach einer Privatmittheilung des Oberarztes Dr. Boudin wäre 
wol nie für eine Armee im Felde so vortrefflich gesorgt gewesen, wie 
für die französische im italien. Feldzuge von 1859 , weswegen nur ge 
ringe Verluste an Krankheiten vorgekommen seien. Dies ist ein Aus 
nahmefall. In der Regel kommen auch in den blutigsten Kriegen weit 
mehr Menschen durch Krankheiten als durch feindliche Waffen um. 
W^ir verweisen auf die S. 22 und 125 angeführten Beispiele. Im russi 
schen Feldzuge hatte Napoleon schon zwei Drittheile seines ausgezeich 
neten Heeres eingebüsst, als er Moskau erreichte, ob wol er die Haupt 
macht seiner Feinde nur einmal zu einer Feldschlacht gebracht hatte. 
Die schliesslich siegreiche russische Hauptarmee aber, zu der allmählig 
209,800 Mann verwendet wurden, hatte nach 5‘/* Monaten nur noch 
40,290 bei den Fahnen! In dem Heere der Ver. Staaten hatte man in 
den zwei Jahren vom 1. Juni 1861 bis dahin 1863 im Durchschnitt 
jährl. 53,2 Todesfälle auf 1000 Mann ; davon kamen nur 8,6 auf Ver 
wundungen, dagegen 44,6 auf Krankheiten. Bei den OHicieren belief 
sich die Zahl der Todesfälle durch Verwundungen auf 11 % vom Tausend, 
bei den Gemeinen nur auf 8*/* ; dagegen die Sterbfälle durch Krank 
heiten bei den Ersten nur auf 22, bei den Letzten auf 46. {A Report to 
the Secretary of War upon the Sanitary Condition of the Volunteer Army; 
by Fred. Law Ohnsted. — Mortality and Sickness of the Un. St. Vo 
lunteer forces, by E. D. Elliot.) 
Hier ist auch die Frage wegen des Acclim a ti sir en s zu er 
wähnen. In den auswärtigen Besitzungen der europ. Staaten ist die 
Sterblichkeit meist furchtbar. Man suchte durch langes Dortlassen der-* 
selben Regimenter — das »Acclimatisiren« — dem Uebel zu begegnen, 
vermehrte aber dasselbe damit. Den Bemühungen des engl. Obristen 
Tulloch und den wissenschaftlichen Nachweisungen des franz. Ober 
arztes Dr. Boudin gelang es, das entgegengesetzte System, das des häu 
figen ^Vechsels, wonach kein Corps über 3 Jahre in einer Colonie ver 
bleiben soll, zur Geltung zu bringen, weil, je länger der Mensch in un 
gesundem Clima verbleibe, sein Körper desto hinfälliger werde. Und 
*) In der piemontesischen Abgeordnetensitzung v. 2. Febr. 1857 bekl^c 
sich der Kriegsminister über die Verminderung der ihm zur Verfügung gestell 
ten Mannschaftszahl; von den 10,000 M., welche aus der Altersclasse 1830 auL 
geboten worden, seien nach 5 Jahren nur noch 5709 vo^anden gewesen, sonach 
4291 in Abgang gekommen; ebenso von der 1831er Classe 4024 in Jahren. 
Solche Menschenconsumtion erregte grosses Erstaunen. Der . Iimster 
tbeilte nun weitere Ziffern mit, die uns zu folgenden Kesulteten fuhren. Von 
den 10,000 Aufgebotenen wurden 1320 an die Marine überwiesen «der aus Fa 
milienrücksichten entlassen etc. Blieben also noch 8080. Hievon aber starben 
1120 (also über 12,9%!) und als körperlich unbrauchbar mußten aus dem Dienste 
noch entlassen werden 1850 (über 21,3%), — Gesammteinbusse über 34 /,, wo 
zu freilich der Krimfeldzug nicht wenig beigetragen haben mag.
        <pb n="540" />
        516 ALLGEMEINE \'T1RHÄLTNISSE. —Sterblichkeit in Gefängnissen. 
nun erlangte man folgende Resultate: Sterbfälle auf je 1000 M. bei dem 
Systeme 
Colonien : des Accli- des 
matisirens Wechsels 
Gibraltar ... 22 12,2 
Malta ... 18,7 18 
Ionische Inseln 28,3 13,4 
Bermudas . . 52,1 11,0 
Cap .... 15,5 12,7 
St. Helena . . 33 8,8 
Colonien : des Accli- des 
matisirens Wechsels 
Mauritius . . 30,1 22,3 
Jamaika . . . 128,0 39,7 
Kleine Antillen 82,5 59,1 
Ceylon ... 75 44,2 
Durchschnitt 48,58^ 24,2 
In Ostindien unterlagen dem Clima seit Anfang des jetzigen Jahr 
hunderts jedenfalls über 150,000 Soldaten. Selbst vom blos finanziellen 
Standpunkte betrachtet, ist dies ein ungeheuerer Verlust; jeder Mann 
kostet bis zur Landung in Indien ungefähr 100 £. 
Seedmist. Nach dem sorgsamen engl. Beobachter A. M. Tüll och 
{Comparison on the sickness, mortality and prevailing diseases among sea~ 
men and soldiers; London 1841) ergaben sich für Grossbritanien 
folgende Verhältnisse auf einen Effectivstand von je 1000 Mann: 
Gesammtmacht davon im Mittelmeere 
Marine 
1304 
11,1 
25,7 
Landtruppen Marine Landtruppen 
krank 929 1204,4 krank 1088 
todt 14 19,7 todt 20 
entlassen 20 38,1 entlassen 95 
Bei der engl. Handelsmarine betrug die Sterblichkeit im Durch 
schnitte der 8 Jahre 1852 — 50 18,7 von je 1000 Seeleuten, am wenig 
sten 1852 13,8, am meisten 1856 20,4 (22. Annual Report of the Re 
gistrar-General) . 
Sterblichkeit in den Gefängnissen. Die beachtenswerthesten Resul 
tate der »Études sur la Mortalité dans les Bagnes et dans les Maisons 
Centrales de force et de correction, depuis 1822 Jusqu’à 1837; par ordre 
du ministre de l intérieur , par Raoul Chassinat. Paris, 1844, sind: Die 
mittlere Sterblichkeit unter den Galeerensträflingen ist jährlich 4,07% 
*bei einem durchschnittl. Alter der Sträflinge von 30,66 Jahren. Unter 
den Freien in diesem Alter ist aber die Sterblichkeit nicht mehr als 1,06%. 
Es sterben also verhältnissmässig beinahe viermal so viel Galeeren 
sträflinge, als Freie (genauer 3,8 1 gegen 1). Eine Sterblichkeit von 
4,07 % tritt bei den Freien erst im Alter von 63 Jahren ein, wonach 
(wenigstens in gewisser Beziehung) jenen Galeerensträflingen das Leben 
um 32—33 Jahre verkürzt wird. — Bemerkenswerther Weise ist die 
Sterblichkeit in den »Centralgefängnissen« (bei geringeren Strafen als 
Galeeren) viel grösser als dort (was zunächst auf einen sehr Übeln Zu 
stand der betr. franz. Anstalten schliessen lässt]. In diesen Centralge 
fängnissen kamen durchschn. nicht weniger als 5,55 Sterbfälle auf jedes 
100 männliche Sträflinge, und dies bei einem mittleren Alter von 30,86 
Jahren, in welchem Lebensalter die Mortalität unter den freien Männern 
1,09 ist, so dass verhältnissmässig mehr denn fünfmal so viel Sträflinge 
als Freie (eigentlich 5,09 mal so viel) sterben. Eine Sterblichkeit von 
solcher Grösse tritt bei Freien erst im 67sten Altersjahre ein. wonach 
sich eine Lebensabkürzung von 36 Jahren herausstellt. — Eine weit 
günstigere Verhältnisszahl ergibt sich für die weiblichen Sträflinge in 
den Centralgefängnissen, noch um etwas günstiger als unter den (blos
        <pb n="541" />
        AIJ.GEMEIXE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit in Gefängnissen. 517 
aus Männern bestehenden) Galeerensträflingen. Es ist nemlich die mitt 
lere Sterblichkeit 3,95 % , bei einem durchschnittl. Alter von 32,84 
Jahren, in welchem die Sterblichkeit unter den freien Frauen 1,10 be 
trägt. Immerhin sterben 3'/. mal (3,59 mal) so viel Eingesperrte als 
Freie. Dieses Mortalitätsverhältniss entspricht dem der Freien im 62. 
Altersjahre — sonach Lebensverkürzung um ungefähr 29 Jahre.—In dem 
selben Zeiträume sterben also: 100 männliche Sträflinge in den Central 
gefängnissen, 70 weibliche daselbst, und 76 Galeerenzüchtlinge gegen 
je 20 Freie. — Die Sterblichkeit ist übrigens unter den Galeerensträf 
lingen im ersten Jahre der Gefangenschaft unverhältnissmässig gross; 
dann schwindet wenigstens dieser Unterschied (wol in Folge der Ge 
wöhnung und der streng geordneten Lebensweise). Bei den Sträflingen 
in den Centralgefängnissen findet man im ersten Jahre keine besondere 
Steigerung der Mortalität (über das in diesen Instituten gewöhnliche 
Verhältniss hinaus). — Die I.änge der Strafdauer äussert im Ganzen 
keinen wahrnehmbaren Einfluss. Dagegen ist die Mortalität unter den 
Rückfälligen geringer, als unter den zum ersten Male Eingesperr 
ten (sie haben die Eindrücke der Scham, des Kummers und Grames 
schon überwunden). Nach Ständen geschieden ist die Sterblichkeit 
am grössten : «) unter den Landleuten, Soldaten, Seeleuten, Vagabun 
den und Bettlern ; dann kommen mit einer geringen Ziffer b) Diejenigen, 
welche ein sog. »actives« Gewerbe trieben ; hierauf c) die von freien Ge 
werben und Künsten ; endlich d, die ein sitzendes Gewerbe in den Städ 
ten Betreibenden. Die Verhältnisszahlen der Mortalität sind: 151, 147, 
132 und 130. 
Nicht blos in Frankreich, sondern im Allgemeinen überall ist die 
Sterblichkeit in den Gefängnissen eine weit grössere als unter der freien 
Bevölkerung. Um die richtige Verhältnisszahl zu ermitteln, muss immer 
berücksichtigt werden, dass sich die Eingekerkerten der grossen Mehr 
zahl nach in den besten Altersjahren befinden. 
Die Wirkungen der Einzel zellenhaft auf Körper und Geist 
scheinen uns auch jetzt noch keineswegs festgestellt. Nach Füesslin 
(früher Inspector des Männerzuchthauses in Bruchsal, in seiner 1855 
veröffentlichten Schrift: »Die Einzelhaft«) hatte die Sterblichkeit nur 
11,1 vom Tausend betragen , oder mit Einschluss der Selbstmörder 17,7. 
Indess ist diese Aufstellung unhaltbar, indem, wie schon Wappäus be 
merkt hat, die Todesfälle auf die Gesammtsumme der im Laufe eines Jah 
res Verhafteten vertheilt sind, statt auf die wirkliche Durchschnittsbe 
völkerung; darnach allein schon steigen jene Zahlen auf 23,2 und 28. 
Eine Hauptfrage betrifft aber speciell die Geisteskrankheiten. Nun führt 
Füesslin für die 5 Jahre 1850—54 und bei einer (zu hoch angenomme 
nen) Durchschnittsbevölkerung von 607 Individuen, — 1&amp; hälle »eigent 
licher Seelenstörungen und schwerer Geisteskrankheiten« auf. Hieran 
reihten sich aber noch 21 weitere Fälle von »Mentalaffectionen, welche 
den Namen von Seelenstörungen nicht verdienen« sollen, und endlich 
6 Selbstmorde und »mehre« Selbstmordversuche, — abgesehen von »3 
tödtlichen Unglücksfällen.« Wir müssen gestehen, diese Ergebnisse nichts 
weniger als befriedigend zu finden.
        <pb n="542" />
        518 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Lebenskräftigkeit nach Racen. 
Lebenskräftigkeit der verschiedenen Racen und Stä?nme. Wenn wir 
das Hinschwinden der eingeborenen amerikanischen Stämme betrachten ; 
wenn wir wahrnehmen, wie diese Indianer der Kraft ermangeln, in Be 
rührung mit Europäern zu leben, so haben wir einen Beweis, dass die 
Lebenskräftigkeit der verschiedenen Racen nicht die gleiche ist. Diese 
Wahrnehmung war bekanntlich die nächste Veranlassung zur Begrün 
dung der Negersclaverei in Amerika. Und wirklich beweist die Zunahme 
der Schwarzen in den Vereinigten Staaten, ungeachtet ihrer entsetzlichen 
Lage, einen hohen Grad von Lebenszähigkeit. Haben sie sich doch in 
den »Sclavenstaaten« weit stärker vermehrt, als selbst die Freien. Aber 
nur in einem Theile der heissen Zone ist dies möglich. In kälteren 
Ländern werden die Neger durch die Schwindsucht weggerafft. Sogar 
schon in Algerien erliegen sie diesem Loose. Ja selbst unter den Tropen 
gedeihen sie keineswegs überall, wie sie namentl. auf den engl. Antillen 
ohne die Emancipation und ohne frische Zufuhr allmählig auszusterben 
drohten (s. S. 45). Auf Ceylon fand man schon 1841 keine Spur mehr 
von den 9000 Negern, welche die Holländer dahin verbracht hatten, 
und statt der seit 1803 durch die Engländer dort importirten 4—5000 
Schwarzen waren damals nur noch 2 — 300 vorhanden. — Doch nicht 
blos unter den verschiedenen Racen, sondern selbst unter den sich 
näher stehenden Stämmen einer und derselben Race zeigt sich ein 
grosser Unterschied in der Lebenskräftigkeit. 
I)as Verpflanzen nach andern Zonen. Nach den, besonders gele 
gentlich der Colonisation Algeriens vorgenommenen Untersuchungen 
(namentlich des hochverdienten Dr. Boudin) wird man in der Regel den 
Satz aufstellen können : Eine Verpflanzung nach einem Lande mit we 
sentlich anderem Clima als die Heimath ist jedem Stamme schädlich. 
Nur durch die Mittel einer höheren Cultur, in gewisser Beziehung 
einem Emancipiren, wenn auch nicht von der Erde, doch von den 
primitiven rohen Verhältnissen, — nur durch ein I.ossagen von der har 
ten Arbeit, zumal im Felde, unmittelbar unter den climatischen Ein 
flüssen , ist es dem Menschen möglich, in anderen Zonen zu gedeihen. 
Die ganze Lehre vom allmähligen Acclimatisiren beruht auf Täu 
schung. Die Erfahrung lässt keinen Zweifel, dass, je länger man in 
einer solchen, wenigstens individuell und relativ ungesunden Gegend 
verweilt, der durch die Fortdauer ungünstiger Einflüsse immer mehr ge 
schwächte Körper desto h infälliger wird. Die verderblichen Einflüsse 
sammeln sich an, sie cumuliren sich gleichsam. Den sprechendsten Be 
weis dafür liefern die Erfahrungen, welche man im englischen Heere 
machte. Man nahm wahr, dass von 1000 Mann auf Ceylon im ersten 
Jahre 44 starben, im zweiten 48,7, im dritten 49,2. Bei der nemlichen 
Anzahl Soldaten hatte man auf Jamaika im ersten Jahre des dortigen 
Aufenthaltes 77 Sterbfälle, im zweiten 87, in den folgenden 93. Auf 
Guyana wechselte die Zahl innerhalb 11 Jahren folgendermassen : 77, 
87, 89, 03, 01, 79, 83, 73, 120, 109, 140; —ungeachtet einiger 
Rückschläge, im Ganzen eine furchtbare Vermehrung! (s. Tulloch und 
Boudin). Solche Erfahrungen veranlassten endlich Aenderung des Sy 
stems. Da ergab es sich dann, dass die Zahl der Sterbfälle unter die 
Hälfte gegen früher herabsank (s. S. 510). Die nemliche Erfahrung
        <pb n="543" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit nach Racen. 519 
kann man bei sorgsamer Aufmerksamkeit fast überall machen. So findet 
man in Ostindien, dass sich, hat das dortige Clima seine schwächen 
den Wirkungen auf Europäer einmal begonnen, Rheumatismen und 
Lähmungen bei ihnen einstellen. Um für die verderbliche Malaria der 
Campagna di Roma empfänglich zu werden, muss man eine Zeit lang 
in dem Lande selbst gelebt haben. Vom blosen Durchreisen der Malaria 
gegend erkrankt man nicht. Deutsche, französische und englische Künst 
ler werden fast nie im ersten, wohl aber im zweiten und dritten Jahre 
ihres dortigen Aufenthaltes von dem Uebel ergriffen. Die franz. Trup 
pen, welche, um Joseph Napoleon auf den neapolitanischen Thron zu 
erheben, hier durchzogen, hatten weder auf dem Hin- noch auf dem 
Hermarsche von der als so verpestet geltenden Luft zu leiden, während 
das von Pius VII. hier erbaute Capuzinerkloster bald ausstarb.*) 
Darnach erklärt es sich von selbst, aus welchem Grunde die Colo 
nisation Algeriens — ungeachtet der dreissigjährigen enormen An 
strengungen der franz. Regierung, — nicht glückt. Können auch die 
Beamten, die Kaufleute , die Wirthe und selbst Handwerker in jenem 
Lande leben, so ist dagegen das Verhältniss ein anderes bei den Land 
leuten, den wirklichen Colonisten, die der Sonne und überhaupt dem 
Clima unmittelbar sich aussetzen müssen. (Beispiele in der Abhandlung 
des Verfassers »über Colonisirung Algeriens a in den Verhandlungen der 
Schweiz, gemeinnützigen Gesellschaft von IS54.) 
♦) Eine, blos in diesem einen Punkte nicht mit der vollen Schärfe der 
Consequenz durchgeführte, sonst aber treffliche Abhandlung ist die » Ueber Ac- 
clvnatisirutinsjïrozesse uuti Acclttu.-Kvatihheiteti, von lir. Clemens in tvank- 
furt a. J/.,« in Henke’s Zeitschrift für die Staatsarzneikunde, 1855. Der Ver 
fasser stellt das sj)rechende Motto voran: »Est autem óptimas uër, uni unicui- 
qae est nativas. lien ricas Jîantzovias.« Er bemerkt sodann : »Die Pflanzen ver 
mögen grösstentheils nur in den ihnen von der Natur angewiesenen Himmels 
strichen zu gedeihen. Von Thieren können nur wenige, und diese nur auf Kosten 
ihrer Gestalt und Gesundheit, dem Menschen in alle Gegenden der Erde fol 
gen.« Er fügt bei, selbst der allgemeine Satz, der Mensch vermöge es, den 
ganzen Erdball zu bewohnen, könne nur auf die Völker mit höherer Cultur an 
gewendet werden. »Die Verj)flanzungsfähigkeit steht daher in einem geraden 
Verhältnisse zur Cultur, nimmt zu wie diese, nimmt ab wie diese.« Der Verfas 
ser handelt weiter von den sog. »Acclimatisirungskrankheiten,« wobei ihm aber 
noch das wichtige Moment entgeht, dass ein vollständiges Acclimatisi- 
ren in der Regel unmöglich, namentlich Feldbau in anderen CTimaten absolut 
verderblich bleibt, — die unvermeidliche Consequenz seiner eigenen, im Uebri- 
gen so lichtvollen Aufstellung. 
Capitän Burton , der Afrika-Reisende (1857) bemerkt : »Das Clima raubt 
dem Reisenden Energie und Gesundheit. Die folgenden Seiten werden zeigen, 
dass es sogar nicht einmal rathsam ist, die einfachsten geodätischen Arbeiten 
zu unternehmen ; mein Gefährte erkrankte zweimal blos davon, dass er die Son 
nenhöhe nahm.— Derjenige widersteht dem Clima am besten, der si ch dem- 
selben am wenigsten aussetzt.«—Dennoch geräth Burton auf die her 
gebrachte Acclimatisirungstheorie, ohne wahrzunehmen, wie er sie eigentlich 
sogleich selbst widerlegt : »Reisende werden stets wohlthun, sich an der (afrik.) 
Küste zu acclimatisiren, ehe sie sich in das Innere begeben ; nach ihrer M leder- 
herstellung (nach einer ersten Erkrankung !) aber dürfen sie einen zweiten An 
fall nicht abwarten ; sie würden sonst auf diese Vorbereitung zur Reise das 
Maas von Kraft und Stärke verwenden, das zur wirklichen Ausführung dersel 
ben erforderlich ist.« (Also das directe Gegentheil der Acclimatisirung!)
        <pb n="544" />
        520 ALIiGEMEIXE VERHÄLTNISSE. — Lebenskräftigkeit nach Racen. 
Auch die Kinder der Fremden .sterben in solchen Ländern, — 
sogar die in denselben geborenen , — und zwar in noch furchtbarerer 
Menge als die erwachsenen Eingewanderten. Es zeigt sich dies in Al 
gerien, in Aegypten, auf den Antillen und in Ostindien. Der franz. 
Militärarzt Vital, der 16 Jahre in Algerien zubrachte, fand, dass die 
von europäischen Eltern zu Constantine geborenen Kinder alsbald »un 
erbittlich« hingerafft werden; von den (dem I,ande gleichfalls frem 
den) hier geborenen Negern erreichen unter lUO durch sehn, blos zwei 
das Jünglings- oder Jungfrauenalter (s. Gazette médicale, 6. November 
1852). In Aegypten waltet dasselbe Verhältniss. Mehemed Ali hatte 
90 Kinder, nur 5 konnten erhalten werden. Dieser furchtbaren Erschei 
nung misst man es bei, dass das Nilland, ungeachtet dasselbe so oft Er 
oberern unterlag, heute noch von demselben Menschenstamme bewohnt 
ist, wie zu den ältesten Zeiten (s. Schölcher’s L'Égypte en 1S45). 
In Algerien ist das Andenken an die Römer noch nicht erstorben (die 
Franzosen wurden, wenigstens anfangs — nach einer mündlichen Mit 
theilung des franz. Divisionsgenerals Neumayer an den Verf. — Rumi 
== Römer genannt) ; dagegen ist jede Spur der römischen Bevölkerung 
verschwunden. — »Kinder von Europäern, in den europ. Niederlassun 
gen an der Westküste von Afrika geboren, erreichen, bleiben sie 
an dem Orte ihrer Geburt, selten das zehnte Ijebensjahr.« — Auf den 
Antillen finden wir dieselbe Erscheinung (s. Dr. Clemens a. a O.). 
Den Einwanderern ist also in der Regel die Möglichkeit abgeschnitten, 
wenigstens ihren Kindern eine glückliche Zukunft zu bereiten. — Ein 
dem mitteleuropäischen wenigstens ähnliches Clima ist es, was die 
Auswanderung nach den nördlichen und westlichen der Vereinigten Staa 
ten vor jedem anderen Colonisationslande empfiehlt, obwol auch dort 
die Sterblichkeit unter den Eingewanderten noch immer unzweifelhaft 
grösser ist, als in der Heimath. Eigentlich vermögen wir gar nicht zu 
ermessen, wie sich die somatischen Verhältnisse der europäischen 
Stämme in Amerika gestalten würden, ohne deren unausgesetzte Er 
neuerung durch frische Einwanderer. Die Wahrnehmungen Dcsor’s 
scheinen auf eine Abnahme der Kräftigkeit bei den älteren Ansiedlern 
zu deuten, und wir möchten die Frage zu besonderer Untersuchung 
empfehlen. 
Die Erfahrung zeigt in einem analogen Falle, dass die Thierarten 
in der Regel da am besten gedeihen, wo die Natur sie entstehen liess. 
Verpflanzung ist meistens mit wesentliehen Nachtheilen verbunden. 
Gleichwohl zeigen sich sehr entschiedene Ausnahmsfälle. Auf Neuhol 
land gab es früher keine Schafe, und doch gedeihen diese Thiere, nach 
dem man ihre Art dahin verpflanzt hat, aufs Allervortrefilichste. Aehn- 
lich kann es mit einzelnen Menschenstämmen bezüglich einzelner Län 
der sich verhalten. Dies scheint wirklich der Fall in einigen Gebieten 
der südlichen Halbkugel. Die Sterblichkeit unter den Soldaten betrug 
nach den letzten Angaben: auf dem Cap 12 vom Tausend, auf St. He 
lena 10,6, Neu-Seeland 9,1, Tasmanien 7,8. — Nach den auf dem 
statistischen Congresse zu London I860 von den Vertretern Australiens 
gemachten Angaben zählte man in den verschiedenen Colonien je auf 
1000 Einwohner:
        <pb n="545" />
        ATJ.GEMEINE VERHÄI-TNISSE. — Lebenszähipkeit der Juden. 521 
Colonien 
Neu-Süd-Wales 
Victoria . . . 
Südaustralien . 
Tasmanien . . 
Xeu-Seeland . 
West-Australien 
Geburten 
"Î857 18«8 
Sterbfälle 
40,45 
47,Í5 
38,82 
37.70 
40,35 
39,93 
47,98 
37,17 
37,12 
47.90 
1857 
15,0b 
11,80 
16,90 
8,32 
1858 
17,20 
17,93 
15,73 
18,50 
9,50 
15.70 
Diese Angaben können indess auf vollständige Genauigkeit durch 
aus keinen Anspruch machen. Die Vertreter Australiens auf jenenti Con- 
gresse haben dies selbst erklärt, und wenn man berücksichtigt, wie Vie 
les die Erhebungen sogar in den bestorganisirten europäischen Ländern 
noch zu wünschen lassen, ist es augenscheinlich, dass die Notizen aus 
jenen Gegenden nicht sehr genau sein können. Wir möchten es daher 
noch keineswegs als erwiesen ansehen, dass die genannten Theile der 
südlichen Halbkugel ein den Europäern so unbedingt gesundes Clima 
besitzen. Zweifel dürften vorerst um so mehr am Platze sein, als der 
Vertreter Süd-Australiens die erschreckende Ihatsache angab unter 
den Gestorbenen hätten sich 09,28 Proc. Kinder unter 10 Jahren be 
funden. Diese Thatsacbe spricht jedenfalls dagegen, dass die euro 
päische Bevölkerung daselbst so leicht sich festsetze. 
Entgegen den erwähnten ungünstigen Einflüssen eines fremden 
Climas im Allgemeinen, kann längerer Aufenthalt in einer anderen Zone 
für gewisse Krankheiten von ausgezeichnetem Nutzen sein. Namentlich 
gilt dies von einem der am häufigsten vorkommenden Uebel, der Lun- 
gentuberculose, die, ist sie nicht schon zu weit vorangeschritten , hie 
durch in ihrer weiteren Entwicklung verzögert oder selbst geheilt wer 
den kann. Für Madeira ist dies durch den verdienten Dr. K. Mitter- 
maier aus Heidelberg statistisch nachgewiesen. Für andere Orte, beson 
ders Palermo, erscheint es nach den sorgsamen climatologischen und an 
dern Untersuchungen des wackern Forschers von Vivenot aus \\ ien 
gleichfalls dargethan. Ist einmal die medicin. Statistik weiter ausgebil- 
det, so werden die climat. Kurorte, zugleich auch durch die immer mehr 
fortschreitende Annäherung der Völker begünstigt, voraussichtlich, eine 
grössere prakt. Bedeutung erlangen.*) 
Zähigkeit des jüdischen Stammes. Wir kennen einen Menschen- 
stanim, der bei weitem mehr als jeder andere in allen Ländern und Cli- 
maten gedeiht: es ist der Jüdische. Derselbe scheint gleichsam ein 
»Monopol des Cosmopolitismus« zu besitzen, nach dem Ausdrucke Bou 
din's. Unter den furchtbarsten Verfolgungen erhielten sich die Juden 
allenthalben , wo anders nicht zu ihrer unmittelbaren Ausrottung ge 
schritten ward. Man konnte vielfach wahmehmen, dass ihre Vermeh 
rung eine grössere ist, als die der andern Nationen. Insbeson ere zeigt 
sich die Sterblichkeit unter ihnen am geringsten. — In Algerien ka 
men in den 5 Jahren 1844 — 49 auf 1000 Menschen bei den Europäern 
Zu vergl. : Mittermaier’s Schrift über Madeira und von Vivenot's 
“Palermo und die allgem. climat. Verhältnisse von Deutschland, It^ien« . 
- Von dem letztgenannten Gelehrten haben wir ein umfassendes »Handbuch 
der medicinischen Climatologie« zu erwarten, welches, nach dem, was wir dar 
über vernehmen, eine bes. Bedeutung zu erlangen verspricht.
        <pb n="546" />
        522 ALLGEM. VERHÄLTNISSE. — Krankheit b. leichtern, schwerer Arbeit. 
durchschn. 57,7 Todesfälle, bei den Juden nur 33,9. Im J. 1856 er 
gaben sich in der Stadt Algier bei den 
Europäern Moslimen Juden 
Geburten . 1234 331 211 
Sterbfälle . 1553 514 187 
Die Juden allein hatten demnach mehr Geburten als Sterbfölle. 
in Frankfurt fand de Neufville nach den Civilstandsregistern von 
1846—48 folgendes Sterblichkeitsverhältniss: 
Alter Christen Juden 
1—4 Jahre 24,1 Proc. 12,9 Proc. 
5—9 2,3 0,4 
10—14 1,1 1,5 
15—19 3,4 3,0 
20-24 6,2 4,2 
25-29 6,2 4,6 
30—34 4,8 3,4 
35—39 5,8 6,1 
40—44 5,4 4,6 
45—49 5,6 5,3 
Alter Christen Juden. 
50—54 Jahre 4,6 Proc. 3,9 Proc. 
55—59 5,7 6,1 
60—64 5,4 9,5 
65—69 6,0 7,2 
70—74 5,4 11,4 
75—79 4,3 9,1 
80—84 2,6 5,0 
85—89 0,9 1,5 
90—94 0,16 0,4 
95—100 0,04 — 
Allerdings dürfen wir bei der Beurtheilung nicht übersehen, einmal 
dass die Juden gewöhnlich jede harte Arbeit vermeiden, zum andern 
ihre massige nüchterne Lebensweise. Doch dürften beide Momente — 
(welche ebenfalls wieder eine Stammeseigenthümlichkeit bestätigen) nicht 
ausreichen, das Verhältniss in seinem vollen Umfange zu erklären. Wir 
gelangen vielmehr zu dem Schlüsse, dass sich auch hier eine ungleiche 
Lebenszähigkeit kund gibt. 
Krankheiten nach Ständen und Altern. Die Statistik hat nicht 
blos die Sterbfälle, sondern ebenso die Krankheiten nach Be 
schäftigungsweise und Alter der davon Befallenen ins Auge zu fassen. 
Sehr Vieles ist in dieser Beziehung noch zu thun. Ein interessantes Ma 
terial gewähren die englischen Unterstützungsvereine (die s. ^.Friendly 
Societies], ein Material, welches in übersichtlicher Weise in einigen Par 
lamentsacten (den blue books) niedergelegt, und von Fi niais on trefflich 
verarbeitet wurde. {Abstract of Ileturris of Sickness and Mortality, and 
of reports of assets etc., of Friendly Societies in England and Wales, 1852; 
und, daran sich anschliessend; Return; Mr. Alex. Glen Ftnlaisons re 
port, second part, 1854.) Wir geben eine Zusamenstellung der wich 
tigsten Momente. Die Zahl der Krankheitstage bei den Arbeitern, 
welche jenen Unterstützungsvereinen angehörten, war; 
in allgemeiner Arbeit 
in leichter Arbeit 
in schwerer Arbeit 
Alter 
Jahre 
15— 16 
16— 21 
21—26 
26—31 
31—36 
36—41 
41—46 
46—51 
51—56 
56—61 
61—66 
66—71 
im Ganzen per Jahr 
6,21 6‘/. Tage 
33,77 6% 
34,32 6% 
34,54 fast 7 
34,61 - 7 
39,08 7% 
44,14 8»A 
52,67 10% 
64,83 12% 
82,26 16% 
118,26 23% 
180,28 36 
im Ganzen per Jahr 
5,13 5 Tage 
30,72 6 
30,55 6 
30,14 6 
29,28 fast 6 
34,33 6% 
37,59 7% 
46,44 9% 
60,57 12 
73,13 14% 
103,86 20'. 
167,37 33% 
im Ganzen per Jahr 
6,99 7 Tage 
35,34 7 
36,33 7‘/. 
37,45 7% 
38,40 7% 
42,96 8% 
49,82 fast lO 
58,25 11 % 
68,92 13% 
91,57 18% 
133,63 26»/. 
194,13 38%
        <pb n="547" />
        4 
I 
ALLGEM. VERHÄLTNISSE. — Krankheiten wegen Lüftungsmangel. 523 
Vom 15. bis zum S5. Altersjahre, also in einer Arbeitszeit von 70 
Jahren, hat der Arbeiter genau 5 Jahre Krankheit durchzumachen. Da 
von treffen aber auf die 51 Jahre vom 16. bis zum Ende des 66. Alters 
jahres blos 78 Wochen Krankheit, also 1% Jahr. Theilen wir diese 
letzte Zeit in zwei beinahe gleiche Hälften, so kommen 
auf die ersten 26 Jahre, v. 15—41 182,52 Tage = gerade % Jahr 
auf die folgenden 25 - - 41—66 362,17 - = beinahe 1 
Ferner auf die 11 - - 66—77 543,0 - = - 1*/* ~ 
- - 8 - - 77—85 ■ 763,68 - = 2 - 
Dies der allgemeine Durchschnitt. Dagegen stellt sich das Ver- 
hältniss bei leichter und bei schwerer Arbeit folgendermassen : 
Leichte Arbeit: 
Alter 
in den 29 Arbeitsjahren von 15—44 
in den 24 - 44—68 
in den 11 - - 68—79 
in den 6 - - 79—85 
zus.in 70 
Schwere Arbeit; 
in den 24 Arbeitsjahren von 15—39 
in den 25 - - 39—64 
in den 12 - - 64—76 
in den 6 - 76—82 
in den 3 - 82—85 
zus. in 70 
Krankheit 
Tage J. Mon. 
182,37 = — 6 
356,49 = 1 — 
567,86 =1 6 
577,35 = 1 6 
1684,07 =4 6 
179,61 = — 6 
361,32 = 1 — 
582,27 = 1 7 
576,69 = 1 7 
319,67 = — 10 
2019,56 =5 6 
Bei der schweren Arbeit ergibt sich sonach ein ganzes Jahr mehr 
Krankheit."Der Arbeiter hat an seinem 39. Geburtstage ein halbes Jahr 
in Krankheit zugebracht, der Mann mit leichter Beschäftigung hat die 
gleiche Zahl Krankheitstage erst mit seinem 44. Jahre erduldet. 
Ist aber die Zahl der Krankheitstage geringer bei dem Einen als 
bei dem Andern, so vertheilt sich das eine jede Classe treffende Quan- 
tmn in merkwürdiger Regelmässigkeit der Art, dass von diesem Quan 
tum in jeder Classe auf die zweiten 25 Jahre noch einmal so viel Krank 
heitstage kommen, als auf die ersten 25. Es ergeben sich 
Alter bei leichter Arbeit bei schwerer Arbeit 
in den 25 Jahren von 15%—40•/, 154* . Tage 189*,, Tage 
- - - _ - 40'/,—65% 312%« - 391%, - 
(Die Hälfte der letzten Zahl ist 156%, - 195%, - 
In beiden Fällen starke Verdoppelung der Erkrankungszeit in 
den letzten 25 Jahren. Später steigt das Verhältniss noch mehr. 
Aus der neueren Schrift : T/ie Law relating to Frtendly Soctettes, 
hy W. Tidd Pratt, 1859, ergiebt sich u. a. folgende Classification der 
Zahl der Krankentage : 
bei leichter Arbeit bei schwerer Arbeit 
im Alter von gro#«« stsdte 
30 Jahren 4,91 Tge 
50 - 10,41 - 
70 - 26,74 - 
kleine Städte Land groaae Städte 
6,22 Tge 6,22 Tge 8,41 Ige 
11,59 - 9,37 - 12,92 - 
46,44 - 42,71 - 52,29 - 
kleine Städte Land 
7,60 Tge 7,65 Tge 
13,19 - 12,34 - 
36,62 - 47,98 - 
Krankheiten veranlasst durch ungenügende Lufterneuerung. Es liegt 
ausser unserm Plane, auf die einzelnen Krankheiten einzugehen. Doch 
möge wenigstens in Kürze eines erst in der jüngsten Zeit richtig aufge-
        <pb n="548" />
        524 AIJjGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Helrath von Verwandten. 
fassten Verhältnisses gedacht werden. Es betrifft die ungenügende 
Lufterneuerung, zumal in Kasernen, Spitälern und Strafanstalten, mehr 
oder minder aber in den Wohnungen aller ärmeren Classen. — Die 
Sache erscheint um so wichtiger, wenn wir berücksichtigen, dass unge 
fähr '/lo aller Todesfälle durch Lungensucht oder andere Krankheiten 
der Athmungsorgane veranlasst wird. 
Der schwedische Oberarzt Dr. Liljewalch war unseres Wissens 
der Erste, welcher die enorme Sterblichkeit in den stehenden Heeren 
(vorzugsweise) dem Mangel eines genügenden Quantums frischer Luft 
in den Kasernen beimass. Er berechnete, jeder Soldat bedürfe den 
Raum von 48 Cubikmetern, während das schwedische Kaserneregle 
ment auf S Cubikmeter per Kopf berechnet sei. Allein mit Recht erin 
nerte Boudin ; Die Bestimmungsweise von so und so viel Cubikmeter 
Raum sei nicht besser, als wenn man die Lebensmittel nach deren V o- 
lumen bemessen wollte, ohne Rücksicht auf den Nahrungsgehalt. Nicht 
sowol diese oder jene Cubikmeterzahl Luft, welche auf jede Bettstelle 
treffe, als vielmehr die Erneuerung der Luft sei das entscheidende 
Moment, denn auch die höchste der aufgestellten Zahlen (35—50 Cu 
bikmeter) wäre weitaus nicht genügend bei einer wirklichen (hermeti 
schen) Abschliessung. *) So bestimmte man denn die durch Ventilation 
herbeizuführende Zahl der Cubikmeter für jeden Menschen und jede 
Stunde, und zwar nahm Roscoe 30 Cubikmeter als Minimum an, 
Léon Duvoir forderte 40, Pettenkofer aber, dem wir die genauesten Un 
tersuchungen verdanken, hält 00 für nothwendig. 
Gefahren der Heirath von Verwandten. Die Kinder aus Ehen von 
Verwandten sollen insbes. einen ungewöhnlich grossen Beitrag zur Zahl 
der Taubstummen liefern. Während die Zahl der Ileirathen von nähern 
Verwandten in Frankreich kaum 2 Proc. beträgt, fand Dr. Perrin, dass 
unter den Taubstummen zu Lyon 25% der Gesammtzahl aus solchen 
Ehen hervorgegangen waren ; I)r. Boudin ermittelte zu Paris 28,35%, 
und Chazarin zu Bordeaux 30,33, Ijandes daselbst sogar 30,30% (siehe 
Boudin, Etudes statist, sur les dangers des unions consanguines, im Jour 
nal de la société de Statistique de Paris, 1802). Die Beweisführung ist 
mittlerweile angegriffen worden. Beachtenswerth ist nun aber doch die Be 
merkung von Dr. Karl Meyer (Mitglied des statist. Büreaus in Mün 
chen), dass in Bayern unter der protestantischen Bevölkerung die Zahl 
der Taubstummen nach Verhältniss noch einmal so gross ist, als bei den 
Katholiken, was wol den häufigem Heirathen unter Blutsverwandten 
bei den Protestanten zuzuschreiben sei. Dieselbe Beobachtung will man 
auch bei den Israeliten gemacht haben. Die Theorie ward besonders 
von Bewiss und Oesterlen angefochten. **) 
Einfluss der Theuerung auj die Zahl der Verbrechen. Im J. 1840 
standen in Frankreich 31,708 Individuen wegen Diebstahls vor Gericht; 
*) Eine solche ist glücklicherweise gleichsam unmöglich. Pettenkofer 
(»über den Luftwechsel in Wohngebäuden«) hat berechnet, dass durch eine 5 Me 
ter hohe und 6 Meter lange gewöhnliche Wand jede Stunde 54 Cubikmeter Luft 
dringen, wenn die I.uftströmung nur % Millimeter in der Sekunde beträgt. 
**) S. das eine Fülle des interessantesten Stoffes umfassende »Handbuch 
der medicin. Statistik von Dr. Fr. Oesterlen. Tübingen 1864.«
        <pb n="549" />
        ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Vermischte Notizen. 
525 
im Theuerungsjahre 1847 stieg die Zahl auf 41,626 ; sie ging 1848 auf 
30,000 herab. — Im Jahre 1834 betrug die Zahl der Verhaftungen we 
gen Verbrechen in England 22,451. In den beiden nächsten Jahren 
sanken die Getreidepreise und es ergab sich gleichzeitig mehr Arbeits 
und Verdienstgelegenheit; da sank auch jene Zahl. 1837 Steigen der 
Lebensmittelpreise, Handelskrise, — 2600 Verhaftungen mehr. Von 
1837—41 Fortdauer hoher Preise, schwacher Handel, allmähliges An 
steigen der Verhaftungen auf 31,309. — 1842 begann Peel die Zollre 
formen; von 1842—46 kostete der Quarter Weizen nur 54 Shillinge; viele 
Eisenbahnbauten, befriedigender Handelsverkehr. — Verminderung der 
Verhaftungen auf 24 — 25,000. — 1847 Geschäftskrise, 28,838 Ver 
haftungen ; 1848 sogar 30,249. Nun Abschaffung der Kornzölle, Ver 
minderung der Lebensmittelpreise , — ungeachtet der zunehmenden Be 
völkerung blos ein Gleichbleiben der Verbrecherzahl. 
1853 : 27,057 Verhaftungen, — der Quarter Weizen kostet 53 Shill. 
1854; 29,359 - - 72 7 Pence.*) 
Vermischte Notizen. Nach der Berechnung von Wappäus kamen 
auf 10 Mill. Geburten: 9’768,334 Einzelgeburten, 227,587 Zwillinge, 
3948 Drillinge, 118 Vierlinge und 3 Fünflinge. 
Eine auffallende Erscheinung hat sich in Frankreich ergeben : bei 
einer Bevölkerung von mehr als 36 Mill, (in den 86 frühem Departe- 
menten) ist die Zahl der Geburten nicht grösser, als sie vor 70 Jahren 
■war, obgleich der Staat damals nur etwa 24 % Mill, umfasste ; in ähnli 
chem Verhältnisse minderte sich die Zahl der Sterbfälle. Es ergaben sich : 
Geburten 
1781 970,400 1850 954,240 
1782 975,703 1851 979,907 
1783 947,941 1852 905,080 
1784 905,048 1853 927,917 
zus. 3’85ib098 3'827,134 
Sterbfälle 
1781 881,138 1850 701,010 
1782 948,502 1851 817,449 
1783 952,205 1852 810,095 
1784 887,155 1853 787,581 
3’0G9,OOO 3’177,m 
*) Einßnss der Uchtilbildiiny^ auf die Zahl der Verbrechen. Man hat wieder 
holt gefunden, dass eine unverhältnissmässig grosse Anzahl unter den Sträflin 
gen der ersten Elementarkenntnisse ermangelt. Die Thatsache ist unbestreitbar, 
nicht so die gewöhnlich daraus abgeleitete Folgerung, dass schon der erste 
Unterricht die Menschen bessere ; finden wir doch gerade von Feingebildeten 
vielfach die schmähliehsten und empörendsten Dinge verüht. Jene &gt;Ienschen 
sind in der Kegel nicht schlimmer, weil sie nicht lesen und schreiben können, 
sondern der Mangel jener Kenntniss erschwert ihnen das Fortkommen, und die 
dadurch über sie gebrachte Noth wird häufig die Ursache von Vergehen und 
Verbrechen. Gerade unter solchen Verhältnissen sind aber die Bemerkungen 
Von Courcelle-Seneail (TraiW- (F économie politique) am Platze: nl)u moment que 
iioasistance publique, cette grande excejttion au système de distribution par la li 
berté, est acceptée, on doit admettre comme une exception corrélative que les frais 
d^tne certaine instruction fassent partie des déjyenses nécessaires du gouvernement. 
En effet, cette instruction tend au même but que les secours publics, jnais elle y 
^cnd d'une manière inßnimentplus directe et plus efficace; elle attaque le pau 
périsme, non dans ses sympUUnes ou dans ses résultats, mais dans sa cause pre- 
qui, sans aucun doute, est Fignorance.«
        <pb n="550" />
        526 ALLGEMEINE ^VERHÄLTNISSE. — Vermischte Notizen. 
Die frühem hohen Geburtszahlen sind um so auffallender, als 
damals die Eintragung der Geburten in die Register keinenfalls mit der 
jetzigen Vollständigkeit, die von Protestanten und Juden aber überhaupt 
officiell gar nicht stattfand. Berechnungen über die Zeit der Verdop 
pelung der Einwohnerzahl in den verschiedenen Ländern sind prak 
tisch werthlos. Fast jede neue Zählung, selbst in dem kurzen Zeiträume 
von 3 oder 5 Jahren, liefert ganz andere Ergebnisse als die vorherge 
hende.*) Das 8. g. Mal thus'sehe Gesetz über Vermehrung der Bevölke 
rung hat sich nirgends bewährt. 
Consumtion der Hauptnahrungsmittel in den verschiedenen Städten 
und L&amp;ndem. Leider sind die Nachweise darüber noch sehr unvollständig 
und unzuverlässig zugleich. Wir wollen indess wenigstens einige Notizen 
geben, wobei wir die Berechnungen des Obersteuerraths Ewald zu 
Grunde legen (die von uns abgeänderten oder neu eingeschalteten Ziffern 
sind mit Sternchen bezeichet). Jährliche Consumtion per Kopf: 
Brod. Die Consumtion 
ist stärker in Süd- als in 
Norddeutschland u. stär 
ker auf dem Lande als in 
den Städten. 
in Preussen 324 Pfd. 
- Baden 471 - 
- England 450 - 
- Frankreich 495 - 
Stdt. Darmstadt 321,4 Pf. 
- Frankfurt 322,45 - 
* - Paris 365 
Fleisch : 
*in Preussen 35,5 Pf. 
Königr.Sachsen41,67 - 
Baden 50,8 
Kant. Thurgau 39 
*Spanien, Land 16,08 - 
Städte 46,06 - 
Frankreich 39,4 
»Städte 106,9 - 
»Land 12 
England, blos 
Rindfleisch 78,67 - 
In Palermo ist (nach 
ring, dass (während man 
England, alles 
Fleisch 136 Pf. 
»Belgien 84,46 - 
Durcnsch.v.94 
Preuss.Städt. 83,6 
»Stadt Malaga 29,24 - 
Münster 51,75 - 
»Brüssel 75 
»Dresden 87 
Bremen 89 
»Hamburg 92 
»Barcelona 60,06 - 
»Madrid 95,18 - 
Stdt.Magdeburg 97 Pf. 
Frankfurt 152,32 - 
Darmstadt 101,7 
Wien 151 (?) - 
Berlin 114 
Coblenz 140 
»Augsburg 149 
Nürnberg 167 
München 171 
»Paris 118,99 - 
Basel 153 
Genf 235 (?) - 
briefl. Mittheilungen) die Fleischconsumtion so ge 
rn Brüssel, obwol dasselbe oben nur mit so geringer 
*) Achille (Juillard, in seinen y&gt;Íüéments de Statistique humaine ou Démogra 
phie comparée,&lt;i macht die Bemerkung: «La nature et Fart rivalisent de fécon 
dité; chaque produit du travail amène un travailleur de plus. , Cette merveilleuse 
correspondance nous a induit à poser le problème suivant: »»Étant donnée la pro 
duction d'un pays, déterminer sa population, et réciproquement, »n 
Der franz. Nationalökonom P a s s y einnert: » Les populations slaves et ma 
gyares sont les moins denses et chez qui le blé est au plus bas prix, — parce qu’el 
les sont les plus dénuées d’industrie. Et cependant le blé y est encore trop cher 
pour les pauvres créatures qui le produisent. C’est presque uniquement de seigle 
qu’elles vivent, et tandis quen France le blé est au seigle comme 'à est à 1, en An 
gleterre comme 4 est à \ , en Russie, Pologne, Hongrie il est comme 1 est à 7, 
même à 9. 
Tooke berechnet, der Erndte-Ausfall bewirke folg. Steigen der Preise : 
Ausfall: 10% 20% 30% 40% 50% 
Steigen: 30% 80% 160% 280% 450% 
Doch hängt gar Vieles von andern Umständen ab, insbesondere leichter 
Zufuhr von auswärts, Vorräthen etc.
        <pb n="551" />
        ALLGEMEINE \T1RHÃLTNISSE. — Vermischte Notizen. 
527 
Ziffer figurirt, 1 geschlachtetes Thier des Jahres auf 2% Einw., u. s^ciell ein 
Stück Rindvieh auf 5 Einw. rechnet), in der Sicilian. Hauptstadt 1 Thier erst 
auf 7*/* und 1 St. Rindvieh auf 18*/, Einw. kommt. 
Die Kaffe- und Zuckersonsumtion haben wir S. 475 angegben. 
Ueber den Verbrauch geistiger Getränke liegen ganz widersprechende 
Notizen vor. (Die Bierconsumtion in England, 60 Liter per Kopf, soll 
nur von der in Bayern mit S 2 Liter übertroffen werden; in Württemberg 
54, in Preussen 13% Lit.) In Frankfurt sollen an geistigen Ge 
tränken auf jeden Einwohner 204 Liter kommen, wovon aber 48 Obst 
wein; in Darmstadt nur 78 Lit. ; in Paris 127 , in der Schweiz 54 Lit. 
blos an Wein; in Preussen nur 2% Lit. Wein, dagegen 9% Branntwein. 
— Armand Husson, »/a Consommation de Paris (1856)« rechnet per 
Kopf täglich 1 Pfd. Brod, 163 Grammen Fleisch, dann jährlich 137,12 
Lit. Wein, 14,5 Lit. Bier, 103,66 Lit. Milch und 4,85 Kilogr. Butter. 
Die Gesammtgeldausgabe für Lebensmittel betrage 497% Fr. (täglich 
1 Fr. 37 Cent.) pr. Kopf, und die ganze Consumtion der Pariser Bevöl 
kerung belaufe sich im Jahre auf 523 967,137 Fr. — Die Weinconsum- 
tion in Spanien beträgt nach der officiellen Statistik auf dem Lande im 
Durchschnitt 32,41 Liter, in den Städten 29,61 ; insbes. in Madrid 
37,86, Barcelona 51,63, Valladolid 60,23, Malaga 61,86, Caceres 82,69. 
Besondere Beachtung verdient der Wasserverbrauch. Wir theilen 
folg. Zusammenstellung mit, weniger wegen ihrer Genauigkeit (an der 
wir in manchen Beziehungen.zweifein), als weil sie uns geeignet scheint, 
die Aufmerksamkeit auf einen der wichtigsten Verbrauchsgegenstände 
zu lenken, dem man bisher noch lange nicht die verdiente Würdigung 
hat zu Theil werden lassen. 
Auf den Kopf der Bevölkerung rechnet man im grossen Durchschnitt für 
Getränk und zur Zubereitung von Speisen 2 Liter, und zu äusserlichen Zwecken, 
als Waschen u. s. w. , 18 Liter Wasser. Durch Zusammenwohnen wird dieser 
Verbrauch erheblich vermindert und es kann eine aus 5 Gliedern bestehende 
Familie mit 40 I.itern auskommen. In Paris findet folgender Verbrauch statt: 
Eine Person consumirt täglich 20 Liter Wasser, ein Pferd 75, ein zweirädriger 
Wagen 40, ein vierrädriger Wagen 75 zum Reinigen; eine Pferdekraft von 
Hochdruckmaschinen stündlich 200, eine dgl. von Mitteldruckmaschinen stünd 
lich 400, eine dgl. von Niederdruckmaschinen stündlich 800, ein Quadratmeter 
Garten jährlich 500; ein Bad consumirt täglich 300, ein Gassenspülhahn täglich 
5 bis 0000, ein Quadratmeter Strassensprengung täglich 1 Liter Wasser. Unter 
Benützung dieser Angaben , welche den Verhältnissen anzupassen sind, kann 
der Bedarf einer Stadt an Wasser leicht ermittelt und hierauf hin die Berech 
nung der nöthigen Anlagen u. s. w. einer künstlichen Zuführung des M assers 
angelegt werden. Der Verbrauch an Wasser ist übrigens selbstredend sehr ver 
schieden und regelt sich nach climatischen Verhältnissen und dem grösseren 
oder geringeren Vorrath an Wasser, wie nachfolgende Zusammenstellung des 
Wasserverbrauchs in mehreren grösseren Städten ergibt : Paris verbraucht täg 
lich für jeden Kopf 00 Liter (die Einrichtungen gestatten eine Abgabe bis 120), 
Metz und St. Etienne 20—25, Angoulême 35—40, Havre 40—45, Clermont 50 
—55, Montpellier 50—00, Toulouse und Narbonne 02—78, Grenoble 00 05, 
Dijon 198—078, Besançon 240, Marseille 470, Bordeaux 170, Altona 25, Cette 
loo, Lyon 85, Nantes 00, London 112, Glasgow 113, Genua 120, Edinburgh 50, 
Manchester 64, Philadelphia 70, New-York 508, Brüssel und München 80, Rio 
Janeiro 9, Constantinopel 20, Rom (alter Theil) 1084, Rom (neuer Theil) 1105, 
Hamburg 125 Liter.
        <pb n="552" />
        Anhang-. 
Zur Philosophie der Statistik. 
(Im Wesentlichen nach einem Vortrage des Verf. im geograph.-statist. 
Vereine zu Frankfurt a. M.) 
Es ist ein etwas kühnes Unternehmen, die Aufmerksamkeit einer 
Versammlung während eines ganzen Abends für Statistik in An 
spruch zu nehmen. Ist es auch ein Irrthum, wenn zuweilen behauptet 
wird, die Statistik bestehe nur aus Zahlen, so hates doch seine 
Richtigkeit, dass sich die Statistik vorzugsweise der Zahlen bedient. 
Diese Zahlen aber sind starr, trocken und zurückschreckend. 
Ueberblickt man überdies so manche Reihen dicker Bände kennt- 
niss- und geistlos angefertigter Tabellen, so überzeugt man sich 
leicht, dass damit Niemand angezogen werden kann, wol aber Viele 
zurückgeschreckt werden müssen. Den Meisten ist es einerlei ,^ob diese 
Meere von Zahlen so oder anders aussehen ; sie blicken mit Gleichgiltig 
keit darüber hin. Selten bleibt ein Eindruck, eine Erinnerung zurück, 
es sei denn etwa gar der Eindruck des Widerwillens. 
Berücksichtigt man zudem, für welche Zwecke die Statistik (oder 
was man so nannte) schon missbraucht ward. Nur zu oft (ganz be 
sonders vor einigen Jahrzehnten schien sie keine andere Aufgabe zu 
haben, als der Ostentationssucht der Regierenden zu dienen, und ein 
Mittel für officielle Schönfärberei abzugeben. Welche Erhebungen wur 
den schon angeordnet, und wie wurden sie durchgeführt ; in welcher 
Art hat man die Zahlen gruppirt, um die socialen Verhältnisse eines Lan 
des und Volkes in einem Glanze darzustellen, der nichts anders als ein 
unwahrer Theaterflitter war, zum Verbergen der vorhandenen Armse 
ligkeit, oder zum Aufputzen eines Gewebes von Lug und irug. 
Aber besteht denn das Wesen der Statistik in solchen Dingen 1 Ist 
sie nur vorhanden, um einem derartigen Treiben zur Unterlage zu 
dienen ? 
Wenn diese jüngste aller Wissenschaften trotz des so vielfach mit 
ihr getriebenen Missbrauchs und trotz der Unkenntniss und Unfähigkeit 
Mancher von denen , welche man mit Leitung der Erhebungen und mit 
der Verarbeitung der Ergebnisse beauftragt hat, — gleichwol mehr und 
mehr allgemeine Aberkennung sich erwirbt, — wenn sie täglich mehr 
in alle Gebiete des socialen Lebens eindringt und diese durchforscht, — 
wenn es schon jetzt dahin gekommen ist, dass man auf beinahe gar kei 
nem Gebiet mehr eine ordentliche Stellung einnehmen kann, ohne wenig 
stens einige statistische Kenntnisse zu besitzen, —so liegt bereits der that- 
sächliche Beweis vor, dass diese neue Wissenschaft eben doch etwas 
ganz Anderes als ein leeres Spielwerk sein, dass sie vielmehr hohe in 
nere Bedeutung besitzen muss.
        <pb n="553" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik.. 
529 
Doch — sagt man — das Starre, Zurückstossende, Trockene der 
Statistik bleibt immerhin. — Gerade dies ist an sich em Irrthum, so 
wenig wir eine Behandlung der genannten Wissenschaft , wie dieselbe 
Nutzen zu gewähren ? . 
^'"%mref%ühne „praktischen Werth-^wesen s^, dass die 
Statistik, wie es namentlich durch l)r. Boudin bezüglich Algeriens g 
Nord- und Mitteleuropa sind? Die Statistik hat nemlich dargethan, dass, 
während in Frankreich von 1 0,0U0 Einwohnern durchschnittlich im Ja ire 
24UsWrbmi, v^derghddmn/^izaM m Al@;erien 527 (h^did^ilod 
weggerafft werden, obwol die Colonisten in der Regel krdhigst^ 
Lebensalter angehören, in welchem in der Heiinath von 1 ^ 
100 erliegen. Als im Jahre 1853 eine Genfer Gesellschaft auf al e W . 
Landleute an warb, um eine Schweizer-Colonie m der Nähe von Setif 
zu begründen, war es die Statistik, welche die Beweisgründe lieferte, 
um vor Betheiligung erfolgreich zu warnen. Das Missglücken des 
Unternehmens ward voraus berechnet und durch eine einfache kleine Ab 
handlung bewirkt, dass Tausende, welche sich zum Wegzug bereits 
gerüstet hatten, ihren Entschluss erst verschoben, dann ganz aufgaben. 
Von den bereits Fortgezogenen aber starben 14,2 Procent im ersten 
Kolb, StatUtik, 4. Aufl. 34
        <pb n="554" />
        530 
• Anhangs. Zur Philosophie der Statistik. 
Jahre (75 Todesfälle auf 528 Individuen). Da die Statistik diese That- 
sache constatirte, war es mit der Setifcolonisirung sofort zu Ende. 
Man hat früher allgemein an ein unbedingtes «Acclimatisiren» der 
Einwanderer in entfernte Länder geglaubt, wonach der menschliche 
Körper sich allmählig an jedes fremde Clima gewöhne. Man hat in 
Folge dessen die nach weit entlegenen Colonien gesendeten Truppen 
körper möglichst wenig abgelöst, im festen Glauben, dass die Sterblich 
keit um so geringer werde, je länger ein Corps in der nemlichen Zone 
verweile. Die Statistik hat die Grundlage dieser ganzen Acclimatisi- 
rungstheorie erschüttert, indem sie nach wies, dass der menschliche Kör 
per um so gewisser zu Grunde geht, je länger er einem schädlichen Ein 
flüsse des Climas ausgesetzt ist. So kam die englische Armeeverwaltung 
dahin, im Gegensätze zu früher das Princip anzunehmen, dass kein 
Truppencorps ohne besonderes Bedürfniss länger als drei Jahre in einer 
entfernten Colonie belassen werde. Das nächste Ergebniss dieser, ver 
mittelst der Statistik erwirkten Aenderung war, dass, während man 
früher in sämmtlichen britischen Colonien auf 1000 Mann durchschnitt 
lich 48,58 Todesfälle zählte, diese Ziffer sofort auf 24,2, also voll 
kommen auf die Hälfte herabsank.*) 
Unter allen Krankheiten, von denen die Menschen heimgesucht 
werden, sind es s. g. Lungenleiden (eigentlich Krankheiten der Respi 
rationsorgane) , welche die grösste Zahl Opfer fordern. Das Uebel 
herrscht aber nicht an allen Orten gleichmässig. Doch fragt man, welche 
Orte sich als gesund empfehlen, so mangeln zur Zeit noch fast alle 
sichern Anhaltspunkte. Früher sandte man die Leidenden nach Nizza; 
endlich brachten manche schlimme Erfahrungen zur Erkenntniss, dass 
dieser Ort die Vorzüge nicht besitzt, welche man ihm beimass. Dagegen 
wurden dieselben in Madeira allerdings gefunden. Statistische Unter 
suchungen haben sodann dargethan, dass das näher gelegene, ohne so 
grosse Reisebeschwerlichkeit zu erreichende und minder kostspielige Pa 
lermo beiläufig die gleichen Vortheile gewährt. Aber welches sind die geeig 
netsten Orte in unsrer Nähe bezüglich dieser oder jener Krankheit? Wie 
Vielen könnte vielleicht durch eine verhältnissmässig kleine Ortsver 
änderung Rettung werden ! Indess bedarf es dazu einer grösseren Ent 
wicklung und Ausbildung der Statistik. Treffend hat ein franz. Schrift 
steller, der selbst Arzt ist Bertillon in Paris, Oberarzt von Montmorency), 
geäussert : «Was wissen wir von den Todesursachen, wie wir dieselben 
durch die Statistik erfahren könnten? Man frage-einen Arzt, welches 
die in Frankreich von Phthisis am wenigsten heimgesuchten Gegenden 
seien, ob bedeutende Unterschiede obwalten, ob die Nähe von Flüssen 
sich vortheilhaft oder nachtheilig erweise ? Nicht Einer vermag mit voller 
Sicherheit zu antworten. Und dies bei einer Krankheit, welche mehr 
als den zehnten Theil aller Menschen wegrafft ; welche sich vorzugsweise 
auf das werthvollste Alter, die erwachsene Jugend, wirft; welche, wie 
behauptet wird [Registrar General, 1853), die Hälfte aller Sterbfälle 
zwischen dem 15. u. 30. Altersjahre verursacht; —einer Krankheit, 
') Das Nähere siehe S. 510.
        <pb n="555" />
        34* 
Anhang., Zur Philosophie der Statistik. 
531 
die sich erblich fortpflanzt, und die oft, nachdem sie Familien unglück 
lich gemacht, nur damit endigt, dass sie dieselben ganz ausrottet ! Bios 
aus Vorurtheil (oder auf das Ungefähr hin) pflegen wir Orte und Climate 
als für die Leidenden günstig oder ungünstig zu nennen. Einer Familie, 
die, vor der Erblichkeit des Uebels zitternd, nach einer Gegend ziehen 
möchte, in welcher ihr mehr Hoffnung bliebe, sich der sie verfolgenden 
Geisel zu entziehen, können wir einen verlässigen Rath kaum ertheilen. 
Und doch — welches Uebel ist in seinen Verheerungen leichter zu erkennen 
als die Phthisis, so dass man sich zu der Behauptung berechtigt sieht : 
keine derartige Untersuchung sei wichtiger und leichter zugleich.“ — 
Welche Fülle belehrender Thatsachen wird eine verständige Aus 
bildung der Statistik für jedes einzelne Land und bezüglich aller Haupt- 
krahkheitsformen zum Heile der Menschheit enthüllen ! Ueher blickt 
man nur dasjenige Material, welches z. B. die jährlichen Truppenaus 
hebungen in einem grösseren Reiche liefert, so gewahrt man, wenn es 
durch die Statistik nur einigermassen mit Umsicht und Kenntniss ge 
ordnet und gesichtet wird, mitunter die überraschendsten Resultate, die 
ebenso oft wichtige belehrende Fingerzeige bilden. Es ist nicht Zufall, 
sondern die Wirkung bestimmter Ursachen, die sich müssen ermitteln 
lassen, wenn z. B. in Frankreich auf 100,000 Conscribirte im einen 
Departemente durchschnittlich nur 118 Befreiungen wegen Scropheln 
Vorkommen, im andern, unmittelbar an dasselbe angrenzenden dagegen 
auf die gleiche Verhältnisszahl nicht weniger als 2809 ; und doch ist 
jenes im Pas-de-Calais, dieses im angrenzenden Xorddepartement wirk 
lich der Fall. Ebenso hat man wegen Kropfes im einen Departemente 
keinen einzigen Aufgerufenen freizulassen, im andern hingegen die er 
schreckende Menge von 8832 (auf 100.000), — im Finistère einer-, im 
Morbihan anderseits; — in gleicher Weise wegen Verlusts der Zähne 
dort 30, hier 6700 u. s. w. 
Wie furchtbar ist die Sterblichkeit der Kinder im ersten Lebens 
jahre, und wie ungeheuer der Unterschied in den einzelnen Provinzen 
eines und desselben Landes. In Bayern z. B. starben 1861—62 von 100 
Gehörnen im Regierungsbezirke Pfalz 22,92, also schon eine erschreckende 
Anzahl ; in allen andern Regierungsbezirken ergab sich aber eine noch 
grössere Menge, ja in dem Kreise Schwaben stieg die Ziffer auf 43,89, 
und in Oberbayern auf 44,02. Wie viele Menschenleben können da 
gerettet werden, wenn man, durch solche Resultate zu Forschungen und 
Verbesserungen veranlasst, überall auch nur die Verhältnisszahl der 
Pfalz erreicht. 
Welche Wichtigkeit besitzen genaue statistische Forschungen in 
dem angedeuteten Sinne nicht blos für die Kranken unmittelbar, sondern 
selbst für die einzelnen Gegenden? Man wird Heilorte entdecken, wo 
man solche heute noch nicht ahnet, und man wird hinwieder, wo man 
die Grösse einer Verheerung erkennt, auf Ergründung der Ursachen 
und auf Mittel zu deren Beseitigung sinnen, und gewiss oft mit vollem 
Erfolge. 
Eine vorzügliche Beachtung verdient u. a. die Beschäftigungs 
weise der verschiedenen Classen und Stände in ihrer Wirkung auf die 
Gesundheit. Es ist sicherlich keine gleichgiltige Sache, wenn die Stati-
        <pb n="556" />
        532 
Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
Btik bereits nachgewiesen hat, dass bei den Einrichtungen des stehenden 
Heerwesens schon im Frieden fort und fort weit mehr junge Männer 
dem Tode verfallen, als wenn man dieselben in ihren gewöhnlichen bür 
gerlichen Beschäftigungen belassen, oder vielmehr (nach dem Vorbilde 
der Schweizer) nur so lange, als wirklich unbedingt nöthig ist, in den 
Waffen geübt hätte, um sie sodann blos im Falle des wirklichen Bedarfes 
zur Vertheidigung des Vaterlands unter die Fahnen zu berufen. Es liegt 
eine dringende Mahnung zur Aenderung des Heerwesens in der That- 
sache, dass schon mit dem Betreten der Kaserne diese jungen Männer 
in nicht seltenen Fällen dem Tode eine noch einmal so grosse Anzahl 
von Opfern liefern müssen, als nach dem natürlichen Laufe der Hinge ; 
und es ist bezeichnend genug, wenn in demjenigen Lande, aus welchem 
wir genauere Erhebungen darüber besitzen (Frankreich), sorgfältige 
Berechnungen zwar eine Zunahme der durchschnittlichen Lebensdauer 
im Allgemeinen ergeben, gleichzeitig aber festgestellt haben, dass eine 
einzige Altersclasse eine Ausnahme bildet, in welcher die Sterblichkeit 
nicht ab-, sondern geradezu zugenommen hat, — nemlich in der Classe 
zwischen dem 20. und 25. Altersjahre, aber auch hier nur beim männ 
lichen, keineswegs beim weiblichen Geschlechte (Bertillon). Seit der 
Restaurationszeit hat bekanntlich eine Vermehrung der stehenden Trup 
pen stattgefunden und Algerien hat beständig seine Opfer gefordert. 
Dies die einfache Erklärung. Die Zeit der Feldzüge seit 1S54 ist hiebei 
nicht einmal eingerechnet. 
Es ist sodann eine der Beachtung nicht unwerthe Bemerkung, dass 
die Lebensdauer der Geistlichen durchgehends eine viel höhere ist als 
die der Aerzte, selbst abgesehen von Zeiten der Epidemien, so dass das 
von den Ersten erreichte Alter an einem und demselben Orte durch 
schnittlich 66 Jahre beträgt, während das der Andern kaum 52 erreicht, 
wie denn die Aerzte unter allen Angehörigen der s.g. «gelehrten Stände» 
überall am frühesten hingerafl’t werden. 
Wenn in gewissen Gegenden ermittelt ward, dass von den Ange 
hörigen des Schneidergewerbcs über 30 Proc. schon im Alter von 20 
bis 30 Jahren sterben, und dass überhaupt mehr als 40 Proc. der diesem 
Stande sich Widmenden der Schwindsucht unterliegen, so dürfte darin 
allein schon eine starke Aufforderung liegen, einerseits keineswegs mehr 
vorzugsweise die schwächlichen Knaben für diese Beschäftigung zu 
bestimmen, anderseits, soweit es nicht ohnehin möglich ist, sich der 
Nähmaschine zu bedienen, wenigstens auf Mittel zu denken, um die 
gebückte Haltung bei der Arbeit zu mildern, dem Rücken eine Stütze 
zu verschaffen, und endlich für bessere Lüftung der Arbeitsräume — 
dieses noch lange nicht genügend gewürdigten Erfordernisses in solchen 
Fällen — zu sorgen. 
Von der grössten Bedeutung werden die Untersuchungen sein, 
welche sich den verschiedenen Fabrikbevölkerungen zuwenden. ,,Die 
Dame“ — so ungefähr äussert sich ein trefflicher englischer Beobachter 
— ,,die Dame, welche von ihrem mit Seidenstoff überzogenen Sopha 
aus ihren Salon überblickt, möge von den Leiden der Verfertiger bei 
nahe aller unter ihren Augen befindlichen Gegenstände erfahren. Wenn 
diese glänzende Visitenkarte reden könnte, so würde sie vielleicht von
        <pb n="557" />
        wir- 
533 
Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
der nun durch Lähmung befallenen Hand ihres Verfertigers erzählen. Jener 
herrliche Spiegel, der alle Pracht des reich ausgestatteten Saales reflec- 
tirt, hat ohne Zweifel die zitternde Gestalt des abgemagerten Künstlers 
dargestellt, den die Quecksilberdämpfe bei dieser Arbeit vergifteten. 
Diese reichen und zierlichen Vorhänge haben beigetragen, dem armen 
Weber ein tödtliches L’ebel zuzuziehen, indem sie ihn zu einem bestän 
digen Andrücken seines Magens an den Webstuhl zwangen. Sogar die 
Tapete an den Wänden, geschmückt mit einem Glanze wie der Frühling 
ihn bietet, hat durch ihren giftigen Staub die Finger des Arbeiters mit 
Geschwüren bedeckt . . . Und all dieses Leiden, wovon so Manches zu 
vermindern wäre, wird hingenommen ohne die leiseste Klage. Der Ar 
beiter fällt hinweg aus der Reihe ; augenblicklich tritt ein anderer an 
seine Stelle, und diesem folgt vielleicht bald ein Dritter.“ . . . 
In England hat man ermittelt, dass die Schleifer von Sheffield, 
namentlich die Trocken-Schleifer (the dry-grinders) von allen Arbeitern 
die am schlimmsten gestellten sind. Die mit dem Schleifen von Gabeln 
Beschäftigten unter ihnen erreichen, wie durch die Statistik ermittelt ist, 
durchschnittlich nur ein Alter von 29 Jahren I Der feine Staub des 
Stahls und Schleifsteins richtet sie zu Grunde. Ihre Krankheit wird die 
Schleifer-Fäule (the grinders rot) genannt. Die Leichenöffnung zeigt die 
Lunge so schwarz gefärbt, als ob sie in Dinte getaucht wäre, und ihre 
Textur naturgemäss schwammicht — gleicht einem Stücke Gummi 
elasticum ! Aber, wird man fragen, warum befeuchtet man den Schleif 
stein nicht, um das Stauben zu verhüten ? Der Schleifer antwortet, dass 
sich gewisse Operationen mit dem nassen Steine nicht ausführen lassen. 
So könne insbesondere nur durch die Trockenbehandlung ein abge 
rundeter Rücken an den Rasirmessern hergestellt werden, und das 
Gleiche gelte von den nach hinten abgerundeten Scheeren. Es drängt 
sich die weitere Frage auf: Wozu ist denn diese Abrundung des Rückens 
nothwendig? Aendert es für den Rasirenden auch nur das Geringste, 
wenn sein Messer hinten eckig, statt rund aussieht? Müsste die Dame, 
welche ihre müssige Zeit mit Handarbeit ausfüllt, nicht gerechtes Be 
denken tragen, sich jemals einer Scheere der bezeichneten Art zu bedie 
nen, wenn sie wüsste, dass die Herstellung jener Form das Leben eines 
ihrer Mitmenschen gefährdet ? Und doch treten solche Kleinigkeiten in 
den Vordergrund, wenn es sich um Gesundheit und Leben einer ganzen 
Classe von Arbeitern handelt ! Es ist eine der schönsten Aufgaben der 
Statistik, in solchen Dingen die Thatsachen festzustellen und auf Ab 
hilfe zu dringen. Arbeiter und Meister ihrerseits täuschen sich oft ab 
sichtlich oder unabsichtlich über die Folgen. In vielen Fällen lassen sich 
Vorrichtungen zur Abhülfe erdenken. Bei der Anwendung ist dann frei 
lich nicht selten erst das Vorurtheil oder die stoische Verzweiflung der 
Arbeiter selbst zu überwinden. 
Man hat berechnet, dass bei den Trockenschleifern in Sheffield das 
Alter, welches sie durchschnittlich erreichen, beträgt : 
Trockenschleifer von Sicheln Jahre 
- Sägen 
- Feilen 
- Tischmessern 
- Messern mit Federn
        <pb n="558" />
        534 
Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
Trockenschleifer von Schrotmessern und Wollscheeren 32 Jahre. 
- Scheeren 32 
- Kasirmessern 31 
- Gabeln 29 
Der Unterschied rührt her von der theilweisen ^VasseranWendung und 
vom spätem Eintritt in das Geschäft. In den bessern Fabriken hat man 
den Staub, indem man denselben durch Anwendung von Blasbälgen mög 
lichst nach dem Kamine treibt, zu entfernen gesucht. Allein die Arbeiter 
selbst widersetzten sich der Neuerung. »Das Geschäft geht schlecht ge 
nug «, hörte man sie sagen ; »wenn die Leute noch länger leben, ist es 
bald übersetzt, und dann kann Niemand mehr seine Lebsucht verdienen! a 
Aus dem nemlichen Grunde weigerten sie sich, Masken vor das Gesicht 
zu binden, und doch liess sich erweisen, dass schon das Tragen eines 
Schnurrbartes, der wenigstens einen Theil des Staubes von Mund und 
Nase abhielt, merklich nützte. Indess wird das Feststellen der That- 
sachen und ihr Bekanntwerden dennoch schliesslich zum Auffinden von 
Hülfsmitteln und zu deren wirklichen Anwendung führen. 
Die Bergleute nehmen in den englischen Sterblisten die zweite 
Stelle ein. Und doch sind in Grossbritanien nicht weniger als 300,000 
menschliche Wesen mit dem Bergbau beschäftigt, und — hörten sie 
plötzlich auf in ihren Gruben zu arbeiten, so geriethe die ganze britische 
und ein grosser TJieil der ausländischen Industrie mit einem Schlage ins 
Stocken ; es würde sich Mangel und Noth sofort über das ganze Land 
und die gesammte Nation verbreiten. 
Am übelsten befinden sich bei dem Bergbau die Steinkohlengräber. 
In vielen Gruben haben die Kohlenschichten nur 20 bis 25 Zoll Mäch 
tigkeit. Nun soll der Arbeiter möglichst wenig Erde mit den Kohlen 
aus dem Boden herausbringen. So müssen die Leute gekrümmt, oft auf 
dem Rücken liegend, 12 Stunden lang arbeiten. Die ganze menschliche 
Gestalt erhält eine Missbildung. Als einige dieser Leute, wegen Ver 
brechen zum Zuchthause verurtheilt, nach Wakefield gebracht worden 
waren, vernahm man von ihnen die einzige Klage, dass sie die ihnen auf 
erlegte Zwangsarbeit in aufrechter, gerader, statt gekrümmter Haltung 
verrichten müssten. Man rechnet, dass in den englischen Kohlenberg 
werken jedes Jahr 850 Menschen getödtet, gegen 10,000 sonst beschä 
digt werden. Jede Production von 71,880 Tonnen Kohlen kostet durch 
schnittlich ein Menschenleben ! Wie sehr diese furchtbare Zahl vermin 
dert werden könnte, zeigt eine Vergleichung mit dem Bergbau in andern 
Ländern. Nach den Berechnungen von Mackworth kommen auf 1000 
Arbeiter in den deutschen Steinkohlengruben 1,89 Getüdtete, in denen 
von Belgien 2,8, in den englischen durchschnittlich 4,5, in denen von Staf 
fordshire aber 7,3. — Indess bezeichnen diese Zahlen nur den unmittel 
baren, nicht auch den mittelbaren Verlust an Menschenleben Die un 
gesunde Luft, die üblen Dünste, der Kohlenstaub, welchen die Arbeiter 
einathmen, zerstören nicht minder ihre Gesundheit. Asthma, Bronchitis 
und Pneumonie stellen sich bei ihnen in furchtbarer Häufigkeit ein. 
Bereits ist festgestellt, dass die Kohlengräber in der Altersperiode vom 
20. bis zum 60. Jahre im Ganzen sich 95 Wochen lang krank befinden. 
Es sind dies um 67 Proc. mehr als bei andern Arbeitern. Die Lunge 
der Gestorbenen ist durch den Kohlenstaub schwarz gefärbt.
        <pb n="559" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 535 
Ist nun auch, wie sich aus der vorstehenden Notiz ergibt, das Ver- 
hältniss der deutschen Bergleute ein entschieden günstigeres als das der 
englischen, so haben doch Prof. Zeuners Vergleichungen*) dargethan, 
dass die Lebensdauer in Freiberg, einerseits der Bergleute anderseits der 
.Nichtbergleute, sich )0 stellt, dass von 10.000 Personen ein Alter von 
90 Jahren erreichen: 
Männer Frauen 
Bergleute .... 1 1- 
Nichtbergleute . . 10 20 
Schon in dem Alter zwischen 30 und 40 Jahren werden die meisten 
Arbeiter ,,bergfertig“, d. h. invalid. 
Selbstverständlich kann keine Rede davon sein, wirklich nothwen- 
dige Arbeiten aufzugeben, weil deren Betrieb mit Nachtheilen und Ge 
fahren verknüpft ist. Aber es gilt vor Allem, die Phatsachen zu er 
mitteln und festzustellen ; sie liefern nicht selten ganz andere Resultate 
als die blosen Annahmen und Behauptungen. Dann wird der mensch 
liche Scharfsinn darauf geleitet, Mittel zur Abhülfe der Hauptübel zu 
erdenken, und sicherlich wird ihm dies, so bald man die wahre Sach 
lage kennt, in den meisten Fällen in bedeutendem Grade gelingen. 
Den Opfern gegenüber, welche manche Arbeiten fordern, und, 
wenn auch in wesentlich vermindertem Masse, stets fordern werden, ist 
es nicht nur eine beruhigende, sondern selbst erhebende \V ahrnehmung, 
dass die Arbeit an sich nicht nur nicht schadet, sondern im Gegentheil 
zur Verlängerung des Lebens beiträgt, indem sie die Gesundheit stählt 
und stärkt, während hinwieder Trägheit und Ueppigkeit die nemlichen 
Wirkungen erzeugen, wie eine höchst ungesunde Beschäftigung. Der 
Engländer Dr. Guy, der mit vielem Fleisse die Lebensdauer in den 
vornehmen Classen zu ermitteln suchte, gelangte zur heststellung der 
überraschenden Thatsache, dass bei Erwachsenen, je höher die Stellung 
in der socialen Hierarchie, je unbeschränkter die Mittel zur Befriedigung 
jedes Gelüstes, — desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer langen 
Lebensdauer ist. Man hat sich so sehr daran gewöhnt, den Besitz von 
Reichthum als die beste Bürgschaft des körperlichen Wohlergehens an 
zusehen, dass die Meisten mit Staunen den Satz Guy’s vernehmen 
werden : die Wahrscheinlichkeit der Lebensdauer kürzt sich bei jeder 
Bevölkerungsclasse der Erwachsenen in dem Masse ab, in welchém ihr 
der wohlthätige Antrieb zur Arbeit fehlt. Zieht sich ein Mann, der lange 
Zeit in reger Thätigkeit lebte, plötzlich von allen Geschäften zurück, 
so lässt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 gegen 1 annehmen, dass 
er das wirksamste Mittel ergriffen hat, sein Leben zu verkürzen. So 
sehr wir auch über den Geschmack des Seifensieders lächeln mögen, der, 
nachdem er sich in Ruhe versetzt, gleichwohl an jedem läge des Seifen 
siedens nach seinem alten Arbeitslocale wandelte, so müssen wir doch 
anerkennen, dass der Instinct den Mann vollkommen richtig geleitet hat. 
Den Müssiggang vermögen wir am wenigsten zu ertragen, und ganz be 
sonders gilt dies von Solchen, welche sich an ein thätiges Leben einmal 
gewöhnt haben. ,,Wahrlich,“ bemerkt ein englischer Statistiker , ,,es 
giebt eine Vergeltung in diesem Leben, wenn wir dieselbe nur richtig 
') S oben S. 509.
        <pb n="560" />
        536 
Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
erkennen wollen. Der arme Bauer von 30 Jahren, der sein kärgliches 
Mittagsbrod im Schatten einer Hecke geniesst, hat eine um 13 Jahre 
längere Lebenswahrscheinlichkeit vor sich, als der Monarch vom gleichen 
Alter, der in Purpur gehüllt und vielleicht Herr eines halben Erd- 
theils ist. ‘ ‘ 
Wir haben oben verschiedene Beispiele angeführt und aus den frü 
her vorgekommenen Beispielen sofort Schlüsse gezogen für die Zukunft. 
Aber waren jene Erscheinungen nicht etwa blos zufällig? könnten die 
Verhältnisszahlen nicht eben so gut ganz anders lauten? Auf die letzte 
Frage antworten wir mit einem entschiedenen Nein ! Nach Massgabe 
der obwaltenden Zustände konnten die Zahlen nur diese und keine an 
dern sein, und nur nach Massgabe einer Aenderung dieser Zustände selbst 
können die Ziffern in Zukunft grösser oder geringer werden. 
Ein näheres Studium der Statistik beweist die überraschende That- 
sache : Es gibt keinen Zufall in solchen Dingen! 
Ueberall finden wir Ursache und entsprechende Wirkung, — 
Regelmässigkeit, Ordnung, innere Uebereinstimmung, volle Harmonie. — 
Was uns als Zufälligkeit, als etwas Ausserordentliches, in einzelnen 
Fällen selbst als Monstrosität erscheint, — es bildet nur eines der äus- 
sersten Glieder des Ordentlichen und Gewöhnlichen ; es gehört zu den 
regelmässigen Erscheinungen; ja es ist eben bei dem wohlgeordne 
ten Gange der gegebenen Verhältnisse geradezu unvermeidlich, in ge 
wisser Beziehung unentbehrlich, und es wird sich selbst in seinen mon 
strösesten Momenten mit einer Regelmässigkeit wiederholen, die man 
sogar in bestimmten Zahlen vorausberechnen kann. Man darf nur die 
s. g. ungewöhnlichen Fälle nicht zu sehr abgesondert und vereinzelt be 
trachten, sondern in ihrem factischen Verhältniss zu den »gewöhnlichen« 
oder »ordentlichen« Erscheinungen. Um dieses richtige Verhältniss zu 
ermitteln, hat man möglichst grosse Mengen in das Auge zu fassen, 
hat man sich also möglichst grosser Zahlen zu bedienen, weil dann ein 
einseitiges Hervortreten der Wirkung von Sonderverhältnissen in der 
Fülle des Ganzen gleichsam verschwindet, die bei kleinen Zahlen so stö 
renden Irrthümer ihre überwiegende Bedeutung verlieren, und sogar die 
Fehler der Beobachtung und Berechnung nach der einen Seite, sich durch 
die nach der andern im Wesentlichen auszugleichen pflegen. 
Beobachtet man die atmosphärischen, die meteorologischen Erschei 
nungen in einer Gegend, so wird man an einzelnen Tagen allerdings ganz 
gewaltige Sprünge wahrnehmen; aber man wird dennoch im Grossen und 
Ganzen, in den Monaten und noch mehr in einer Reihe von Jahren, im 
mer wieder den gleichen Phänomenen begegnen, — ähnliche Haupt 
resultate erhalten, in einer Periode wie in der andern. Gewisse Zeiträume 
zusammengefasst, wird man Mittelzahlen bekommen, die fast unver 
änderlich erscheinen. Es gilt dies für die Grösse des Luftdrucks, für 
Kälte und Wärme, Regen und Schnee, herrschende Winde und zum 
Ausbruch kommende Gewitter, wie für tausend andere Dinge. 
Tritt in einem Jahr eine starke Verminderung ein, so folgt alsbald 
die Ausgleichung durch ein (nachfolgendes) Uebersteigen der Mittelzahl, 
also durch Vermehrung. Beide Fälle aber — jenes Weniger wie dieses
        <pb n="561" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
537 
Mehr— sie gehören selbst wieder in den Kreis der gewöhnlichen 
Erscheinungen, sie bilden einen wichtigen und nothwendigen Theil eben 
dieses völlig naturgemässen Verhältnisses in seinen regelmässigen Phasen. 
Und wie gering ist gewöhnlich die Einwirkung auch der äussersten 
Schwankungen auf die Mittel-, die Normalzahl, auf das Ganze ! 
Beobachtungen, welche sich auf die lange Zeit von 115 Jahren aus 
dehnen, haben dargethan, dass im Saonegebiet durchschnittlich an 125 
Tagen im Jahre Regen ftlllt. Die Abweichungen betragen in diesem 
(hierin allerdings besonders beständigen) Clima — nicht mehr als fünf 
Tage, indem an den äussersten Grenzen einerseits 12u, anderseits 130 
Regentage erscheinen. )Iag die Differenz anderwärts allerdings grösser 
sein, — so bedeutend wie man ohne feste Beobachtung zu glauben pflegt, 
ist sie nirgends. 
Die mittlere Barometerhöhe stellt sich zu Paris, nach vielen Jahren 
berechnet, auf 756 Millimeter. Und welches ist der Unterschied in den 
einzelnen, scheinbar so sehr von einander abweichenden Jahren? Noch 
nicht einmal drei Millimeter. Die grossen Schwankungen an den ein 
zelnen Tagen reichen in ihren Wirkungen auf das Ganze nicht weiter, 
denn sie werden immer gröstentheils sofort wieder ausgeglichen. 
Aehnlich wie in der physischen Welt ist das Verhältniss auf den 
Gebieten der rein menschlichen, der socialen, ja selbst der mo 
ralischen Zustände. Auch hier findet sich überall Regelmässigkeit, 
Harmonie, Periodicität. Auch hier ist es die Aufgabe der Statistik, erst 
die Thatsachen festzustellen, dann, vermittelst der erlangten Ergebnisse, 
die betr. Gesetze zu erforschen. 
So lange die socialen Grundlagen keine wesentliche Aenderung er 
fahren , ergibt sich in jeder nur irgend ausgedehnteren Periode durch 
schnittlich die gleiche Zahl von Heirathen, Geburten und Todesfällen. 
Das Verhältniss ist aber ein noch stabileres in andern Beziehungen, in 
denen man es noch weniger erwartet. So hat der franz. Statistiker 
Valentin-Smith durch eine in der Gemeinde Chalamont vorgenommene, 
über einen Zeitraum von 40 Jahren ausgedehnte Berechnung gefunden, 
dass von den neu vermählten Frauen im ersten Jahre nach der Heirath 
regelmässig ein Siebentel Mütter wurden, im Laufe des ersten und zwei 
ten Jahres zusammen ein Drittel, und dass dagegen der dreissigste Theil 
nach fünf Jahren zum erstenmal niederkam. 
Noch merkwürdiger ist das Streben der Natur, einzelne Ueberschrei- 
tungen der gewöhnlichen Norm wieder auszugleichen, und das, was wir 
etwa (in Ermangelung genauer Kenntniss aller Verhältnisse) »Störungen« 
nennen möchten, zu verwischen. 
Im Jahre 1832 herrschte in Frankreich eine ungewöhnliche Sterb 
lichkeit ; die Cholera richtete starke Verheerungen an ; die Zahl der To 
desfälle betrug 033,733, d. h. 63,600 mehr als nach dem Durch- 
schnittsverhältniss. Aber im nächsten Jahre sank die Zahl der Sterbfälle 
auf 812.548 herab, d. i. 57,600 weniger als die Normalzahl, so dass 
sich der Ausfall sofort wieder nahezu ausglich. — Das Jahr 1847 brachte 
grosse Theuerung bei 302 Todesfällen wurde gerichtlich erwiesen, dass 
sie unmittelbar durch Verhungern oder Erfrieren veranlasst waren) ; es 
ergaben sich um 3 Procent mehr Sterbfälle als im Vorjahre. Im nächsten
        <pb n="562" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
538' 
Jahre, 1848, verminderte sich die Sterblichkeit (trotz der blutigen Juni 
kämpfe in Paris) beiläufig auf das Normalverhältniss : allein die Geburten 
vermehrten sich gerade um 3 Proc., wie überhaupt die dessfallsige Aus 
gleichung bald durch Verminderung der Todten-, bald durch Vermeh 
rung der Geburtszahl erfolgt. — 
In den 5 Jahren 1846—50 betrug die Mittelzahl der Todesfälle in 
Frankreich 848,348. Dabei kamen aber auf das Cholerajahr 1849 nicht 
weniger als 982,008 ; demnach eine Ueherschreitung der Normalzahl um 
134,000. Im nächsten Jahre, 1850, sank nun aber die Sterbliste auf 
761,610 Fälle herab, so dass 87,000 Individuen weniger als in einem 
Mitteljahr erlagen (es war gleichsam eine anticipirte Abtragung auf das 
Todescontingent geleistet, welche nun dem Schuldner abgerechnet wurde 
und somit zu gut kam). Gleichzeitig hob sich die Menge der Geburten, 
welche im fünfjährigen Mittel 1846 — 50 949,594 betragen hatte, im J. 
1849 auf 985,848, was einen aussergewöhnlichen Zuwachs von 36,000 
ergibt. Durch beide Momente zusammen, war also der ausserordentliche 
Verlust bis auf 1 1,000 ausgeglichen. *) 
In England und Belgien machte man nach den Epidemien von 1832 
und 49 ähnliche Erfahrungen. In England und Wales kamen in den 5 
Jahren 1848—52 durchschnittl. 402,550 Todesfälle vor. Das Cholera 
jahr 1849 überschritt diese Mittelzahl um 38,303. Dagegen nahm das 
nächste Jahr 1850, 33,564 Menschen weniger als die Mittelzahl hinweg, 
abgesehen von einer Vermehrung der Geburten im J. 1851 um 21,000. 
Welchen Schrecken hat die Malthus’sche Lehre von dem Anwachsen 
der Volksmenge in geometrischer Progression hervorgebracht; zu wel 
chen verkehrten Vorschlägen hat sie geführt ; wie sehr hat sie eine ver 
nünftige Entwickelung der Gesetzgebung über Verehelichung und Nie 
derlassung aufgehalten, und selbst die bereits erlangten Fortschritte viel 
fach wieder geschädigt. Wäre die Statistik damals schon zur Genüge 
ausgebildet gewesen, so würde nicht blos Vielen eine unnöthige Furcht 
erspart, sondern auch gar manche für das Volkswohl gemeinschädliche 
legislatorische und polizeiliche Massnahmen vermieden worden sein. 
Ileberall hiess es; die Lebensmittel können nur in arithmetischer Pro 
gression vermehrt werden, die Menschenmasse aber wächst in geometri 
scher Progression. Daher Erneuerung des Systems väterlicher Bevor 
mundung des Volkes durch die bureaukratische Weisheit ; daher Be 
schränkung der lleirathen, Beschränkung der Ansässigmachung, Be 
schränkung des Gewerbebetriebs, Beschränkung der Gütertheilbarkeit. 
Jeder polizeiliche Eingriff in die natürlichsten Rechte schien befugt, ja 
schien sogar nothwendig für das Gemeinwohl. Diesen Volksbeglückungs 
experimenten gegenüber blicke man doch auf die durch die Statistik fest 
gestellten Ergebnisse in Ländern, in denen man mehr oder minder voll 
ständig dem Grundsätze freier Bewegung huldigt. Hat sich die Menschen 
zahl hier wirklich in geometrischer Progression vermehrt? Die Volks 
menge hob sich, nach Procenten der vorhandenen Anzahl : 
*) Nach dem Cholerajahr 1854 konnte sich die Ausgleichung nicht sofort 
ergeben, da 1855 wieder ein Kriegsjahr war; erst später erfolgte diese Aus 
gleichung.
        <pb n="563" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
539 
Jahre 
1821—30 
1831—40 
1841—50 
1851—60 
in Frankreich 
6,69 % 
5,07 
4,49 
2,59 
in England 
15,89% 
14,27 
13,00 
11,18 
Jahre 
1831—39 
1840—46 
1847—52 
1853—55 
1856-58 
1859—62 
in Preussen 
14,49% 
7,93 
5,10 
1,57 
3,12 
4.26 
Da tritt nirgends die gefürchtete geometrische, es tritt nicht einmal 
eine constante arithmetische Progression hervor. Andere Daten aber 
lassen keinen Zweifel, dass sich in der Regel der Volkswohlstand ent 
schieden mehr hob, als die Volksmenge, und dass, wenn ausnahmsweise 
ein Stillestehen oder gar eine Verminderung der letzten sich ergab, diese 
Veränderung gerade von einer tiefen Erschütterung des allgemeinenWohl- 
befindens herrührte. Eine Vergrösserung der Verhältnisszahl bei der 
Volksvermehrung pflegt in dem Masse zu erfolgen, in welchem eine \ er 
besserung in der Lage des Volkes eine solche stärkere Zunahme eben 
so wol rechtfertigt als erklärt. . , , 
Selbst in den Erscheinungen, welche vermeintlich aus der »natür 
lichen Ordnung der Dinge.heraustreten«, ergibt sich eine B«tändig- 
keit in den Resultaten, eine periodische Wiederholung der gleichen Zah 
len, welehe weit mehr als bloses Erstaunen zu erwecken geeignet ist. 
Beim Beginne jedes neuen Jahres lässt sich bis auf kleine Schwankungen 
mit Bestimmtheit Voraussagen, wie viel Menschen im Laufe der nächsten 
12 Monate in einem Lande oder einer grossen Stadt gewaltsam umkom 
men werden, theils durch Unglücksfälle, sonach »zufällig«, wie man es 
nennt, theils durch Selbstmord, theils durch Verbrechen. Nehmen wir 
z. B. die statistischen Tafeln von Baris vor der Zeit der letzten Stadt 
erweiterung. Da hatte man des Jahres etwas mehr als «00 gewaltsame 
Todesfälle, worunter ein wenig Ober 400 »zufällige«, und davon etwas 
über anderthalb hundert durch Ertrinken herbeigeführte. So ergaben 
sich an unabsichtlichen Tödtungen (morts arndmlelks) : 
1850 419 Fälle, wovon 153 durch Ertrinken, 
1851 409 - - 157 - 
Im Ganzen kamen zur nemlichen Zeit mit Einrechnung der Selbst 
morde jährl. 200 bis 220 Personen im Wasser um, und beiläufig 50 
durch Erhängen; — gleichsam als ,,ordentliches Budget. 
Die Ermordungen werden mit solcher Regelmässigkeit begangen 
und haben ein so gleichmässiges Verhältniss zu gewissen, zum 1 heil 
bereits ermittelten Normen, wie die Bewegungen der Ebbe und Hut , 
und die gewöhnlichen Folgen der Jahreszeiten. *) Ja die Jahreszeiten 
*1 Aus der uns gerade zu Gesicht gekommen «Uebersicht der in den Jahren 
1853-62 iinGrossh. Hessen vorgekommenen gewaltsamen Tödtungen« entnehmen 
wir folg. Daten bezügl. der Tödtungen durch Unglücks fälle: 
in den 3 Jahren 1853—55. . . . 567 Fälle=jährl. 189 
1856-58. ... 554 - - 84/, 
1859—61. ... 583 - - ¡94% 
in dem einen Jahre 1862 • 
Durchschnitt 189,6 
Nimmt man zu obigen Fällen auch noch die der Tödtungen durch Ver 
brechen, Selbstmord und Hinrichtungen, so ergeben sich folgende Zahlen :
        <pb n="564" />
        540 
Aqhang. Zur Philosophie der Statistik. 
selbst äussern vielfach ganz unmittelbar ihren Einfluss, z. B. sogar auf 
die Selbstmorde ; sie bestimmen deren Verhältnisszahl in solcher 
Weise, dass man von Monat zu Monat nach weisen kann, wie die Menge 
dieser Selbstmorde steigt mit dem Wachsen der Tageslänge. Die Unter 
suchungen Hippolyte Blanc’s, welche sich über alle in den Jahren 
1854 — 58 in ganz Frankreich vorgekommenen Selbstmorde ausdehnen 
{Du Suicide en France-, Paris 1862), haben die eben erwähnte schon 
früher ermittelte Erfahrung aufs Neue in schlagender Weise bestätigt. 
Wenn wir jeden Monat auf die gleiche Zahl von 30 Tagen berechnen, 
so kamen, und zwar nach den verschiedenen Geschlechtern, auf je 1000 
Selbstmorde • 
Die einzelnen Fluctuationen sind nicht nur an sich unbedeutend, son 
dern sie verschwinden, sobald man eine andere Gruppe von Jahren ins 
Auge fasst. So folgen sich z. B. in den Jahren 18^9—53 die Monate 
August bis October bei den Männern mit folgenden Verhältnisszahlen : 
83—/6—70, wogegen man andere kleine Schwankungen wahrnimmt, 
die ihrerseits wieder in der folgenden Periode verschwanden. Die Rich 
tigkeit der Regel im Ganzen ist unverkennbar ; in einem noch grösseren 
Zeitraum zusammengenommen werden auch jene Fluctuationen ver 
schwinden. *) 
AVie klein sind überall die Abweichungen von der Mittelzahl! 
♦) In der, seit Abhaltung des vorstehehenden Vortrags erschienenen Schrift 
von Adolph AVagner: ,,l)ie Gesetzmässigkeit in den scheinbar willkürlichen 
menschlichen Handlungen,—zweiter Theil; Statistik der Selbstmorde,“ findet 
sich unsere Ansicht entschieden bestätigt. Der \’’erf. bringt 17 verschiedene 
Zusammenstellungen. Sie sind zum Theil unvollständig, zum Theil unzuver 
lässig (wie aus Russland) oder von einzelnen Städten entnommen (Genf, Frank 
furt a. M., Berlin), deren Gebiet nicht nur zu klein ist, um gegen s. g. ,,zufäl 
lige Schwankungen“ zu sichern, sondern in denen auch (eben weil es sich nur 
um die A’orgänge in solchen Städten handelt) anderweite, besondere Ver 
hältnisse vorzugsweise ein wirk en ; endlich hat er es versäumt, die Resultate 
der verschiedenen Monate auf die gleiche Anzahl von Tagen zurückzuführen. 
Natürlich fehlen da Schwankungen im Einzelnen nicht. Gleichwol wird unser 
Satz durch das Hauptergebniss entschieden unterstützt. Da aber AA'agner nicht 
das AA’’achsen oder Abnehmen der Tage, sondern nur die Hitze- und Kältegrade 
ins Auge fasste, so wusste er nicht, was mit der Erscheinung anfangen, dass die 
bei Männern 
bei Frauen 
im Januar 
68 
75 
84 
94 
96 
106 
99 
82 
74 
63 
70 
78 
93 
92 
110 
106 
89 
78 
99 
68 
60 
Februar 
März 
Juni 
Juli 
August 
September 
October 
November 
December 
61 
62 
&lt; / 
1853—55. 
1856—58. 
1859—61. 
. 941 Fälle=jährl. 313% 
. 906 - - 302 
. 906 - 
. 1023 - 
. 321 - 
341 
321 
1862. 
1 lurchschnitt 
319,1
        <pb n="565" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
541 
Die Regelmässigkeit der Wiederholungen ergibt sich u. a. auch 
bei den Ermordungen mit Vorbedacht gerade so wie bei den in Folge 
augenblicklicher Aufwallung, oder in Folge von Streitigkeiten aus schein- 
Januar 
Februar 
März 
April 
Mai 
Juni 
Juli 
August 
September 
October 
November 
December 
{IS‘% 
57 
73 
78 
94 
103 
104 
103 
94 
85 
78 
60 
05 
(18“4 
08 
77 
90 
82 
97 
102 
95 
92 
78 
84 
04 
70 
meisten Selbstmorde auf den Juni, die wenigsten auf den December fallen, 
während die Hitze und resp. Kälte allerdings erst später eintritt. Er kommt 
daher zu dem Schlüsse: ,,Die relative Gleichheit der Monate Mai bis Jimi und 
die meist schon beträchtlichere Wiederabnahme im August beweist, dass es 
nicht der absolute Hitzgrad, sondern die Ungewohnheit der Hitze und der 
U ebergang von der kalten zur warmen J ahreszeit ist, wodurch der Selbstmord 
so stark begünstigt wird.“ Unser Erklärungsversuch hat wol den Anspruc 
einfacher und zutreffender zu sein. Wir lassen einige der Zusamenstellungen 
aus andern Ländern als Frankreich folgen, obwol ihre \olkszahl viel kleiner 
und das Ergebniss somit Schwankungen ungleich mehr ausgesetzt ist, und fügen 
die Resultate von Berlin bei, als Zeichen der anomalen Gestaltung in einer 
solchen Stadt mit ihren zahlreichen anderweiten Einwirkungen. Dabei muss 
nochmals daran erinnert werden, dass W agner bei seiner sonst so sehr ver 
dienstlichen Arbeit es doch versäumt hat, die Ergebnisse der einzelnen . lonate 
auf eine gleiche Anzahl von Tagen zurückzuführen. 
Belgien Bayern Oestreich Dänemark 
- 
02 
00 
70 
88 
110 
119 
121 
98 
78 
05 
08 
'Es%1iabci noch zu bemerken, dass die Beobachtungen in den eben auf 
geführten Ländern auf etwa 12,000 Fälle beschränkt waren während die 
aus Frankreich sich (1827-58) über nicht weniger als 92,002 solcher Fälle 
ausdthnUn. „och eine Notiz bei : Für Frankreich ist constatirt, dass der 
Mann im jugendlichen Alter am meisten das Erhängen an wendet; snäter be 
dient er sich am meisten der Feuerwaffen ; im Alter entscheidet er sich neuer 
dings für das Erhängen (s. Guerry, Eomi sur la statuiUque morale de la trance, 
Earis 1033;. Bei dieser Gelegenheit mag auch noch erwähnt werden, dass die 
Neigung zum Selbstmorde nicht abnimint (wie man sonst meinte), sondern wächst 
mit den Jahren ; blos das allerhöchste Alter bietet eine geringe Verminderung 
dar. Auf je 100,000 Menschen einer bestimmten Altersclasse (also z. B. aut 
100,000 männliche oder ebenso viel weibliche Einwohner zwischen 5 und mehr 
als 80 Jahren etc.) kam in den Jahren 1849—58 in Jrankreich folgende Zahl 
von Selbstmorden : 
Lebensalter Selbstmorde von Männern 
von 5—30 Jahren 12,1 
(18‘%, 
67 
08 
03 
88 
113 
139 
110 
82 
72 
08 
71 
53 
Schweden 
(18"/.,) 
70 
78 
73 
91 
137 
96 
90 
70 
83 
73 
05 
02 
Berlin 
(18‘7..) 
97 
48 
117 
08 
112 
83 
97 
112 
59 
08 
00 
73 
30—40 - 
40—50 - 
50—00 - 
60—70 - 
70—80 - 
80 und mehr 
35,7 
50,9 
67,0 
73,4 
78.3 
69.3 
Frauen 
5,4 
10,7 
14.5 
17.5 
22,0 
23,5. 
23.5 
Somit permanentes Steigen bis zu 80 Jahren; — erst dann tritt eine Ver 
minderung ein, und selbst dies nur bei den Männern ; denn bei den Frauen muss 
man bis zur zweiten Decimalstelle greifen, um überhaupt eine V ernngerung 
feststellen zu können.
        <pb n="566" />
        542 
Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
bar ganz zufälligen Veranlassungen. Ja diese Regelmässigkeit lässt sich 
sogar in Beziehung auf die Mordwerkzeuge nach weisen, mit denen die 
Tödtungen oder Verwundungen stattfinden. 
Die Zahl der V erbrechen überhaupt unterliegt geringem Schwan 
kungen als die Zahl der Sterbfälle. — 
Somit sind wir allerdings zu der von Buckle (Gesch. der Civilisa 
tion in England) ausgesprochenen Folgerung gezwungen, ,,dass die 
Vergehen der Menschen nicht sowol das Ergebniss der Laster der einzel 
nen Individuen, als desZuStandes der Gesellschaft sind, in welche 
diese Einzelnen geworfen wurden.“ 
Ebenso wird man kaum in Abrede stellen können, dass die Ver 
mehrung d^ Selbstmorde, welche sich in der Neuzeit mehr oder 
minder fast in allen Ländern zeigt, ebenso wenig eine blose Sache des 
Zufalls oder Ungefährs ist, als die nemliche Erscheinung in verschiedenen 
Perioden der altrömischen Geschichte ohne innere Gründe hervortrat. 
Wir erblicken darin Symptome übler Socialzustände. Kommen solche 
Erscheinungen vorzugsweise in einzelnen Classen der Gesellschaft vor 
(wie z. B. nach dem italien. Kriege von 1859 in gewissen höhern Krei 
sen in Oesterreich) , so liegt darin zugleich eine Andeutung der beson 
deren Ungesundheit des Zustandes gerade in diesen Kreisen. — 
Es sei gestattet, hier einige Sätze des trefflichen Quetelet (de. Vtn- 
flucence du libre arbitre de T homme sur les faits sociaux) über die sich hier 
aufdrängende Frage wegen Einwirkung der mensehlichen Willens 
freiheit einzuschalten. ,,Die Willensfreiheit,“ sagt er, ,,dieses wun 
derliche, aller Regeln spottende Element, scheint, indem es seine Wirk 
samkeit mit derjenigen der sonst das Gesellschaftsystem beherschenden 
Ursachen vermengt, alle unsere Berechnungen für immer verwirren zu 
wollen.“ Und doch zeigt die Statistik das Gegentheil. ,,Es gibt gewiss 
keinen Act im Bereich des menschlichen Handelns, bei welchem der 
freie Wille in unmittelbarer Weise eingrifte, als bei der Heirath.“ Nun 
beweisen aber die Civilstandsregister gerade bei den Trauungen eine 
Stätigkeit und Gleichmässigkeit, noch grösser als bei den Geburten und 
Sterbfällen. Selbstverständlich macht sich jede sociale Störung, jedes 
schlimme wie jedes gute Jahr, in allen diesen Beziehungen bemerkbar. 
Gleichwol sind von den drei Momenten : Geburten, Sterbfälle und Ver 
ehelichungen, — die Schwankungen am geringsten bei den Heirathen. 
Allein es treten noch ganz andere überraschende Erscheinungen hervor. 
Ueberblicken wir die Ergebnisse in einem grösseren Lande, etwa vom 
Umfange Frankreichs oder nur Belgiens, so begegnen wir auch in den 
Unterabtheilungen im Wesentlichen immer den nemlichen Verhältniss- 
zahlen — so bei den Heirathen zwischen Junggesellen und Jungfrauen, 
zwischen Junggesellen und Wittwen, zwischen Wittwern und Jung 
frauen, endlich zwischen beiderseits Verwittweten. ,,Wps noch mehr in 
Erstaunen setzt,“ bemerkt Quetelet, ,,ist, dass diese constante Wieder 
kehr derselben Thatsachen sich bis in die einzelnen Provinzen wieder 
holt, obwol hier die Zahlen so klein werden, dass die mannichfaltigen, 
neben dem mensehlichen Willen wirkenden ««zufälligen Ursachen»» alle 
Regelmässigkeit zu zerstören drohen. . . Im thatsächlichen Verlauf der 
Dinge geht demnach Alles so, als ob vom einen Ende des Landes zum
        <pb n="567" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
543 
andern das Volk sich alljährlich verständigte, dieselbe Anzahl Heirathen 
abzuschliessen, und dieselben in gleichheitlicher Weise unter die einzel 
nen Provinzen, unter Stadt und Land, unter Junggesellen , Mädchen, 
Wittwer und Wittwen zu vertheilen. Nach Spuren eines menschlichen 
Willens könnte man nur etwa in dieser sich gleich bleibenden Verthei- 
lung suchen; sicherlich hat Niemand daran gedacht, dieselbe illkür- 
lich hervorzurufen. — Noch mehr. Es könnte scheinen, als ob eigene 
gesetzliche Bestimmungen beständen, welche für die verschiedenen 
Altersclassen je nur eine bestimmte Anzahl von Ehebündnissen bewil 
ligten" (oder vielmehr; solche geböten und wie eine Steuer forderten) , 
,,eine solche Regelmässigkeit herrscht in dieser Beziehung. . . Der noch 
nicht 30 Jahre alte Mann, welcher eine Frau von 60 Jahien heirathet, 
ist doch sicherlich nicht durch ein Verhängniss oder eine blinde Leiden 
schaft getrieben; er befindet sich im Falle, seinen freien Willen im voll 
sten Umfang anzuwenden. Und dennoch kam er dahin, diesem andern 
Budget, das nach den Gebräuchen und Bedürfnissen unsers Gesell 
schaftsorganismus geregelt ist, seinen Tribut zu entrichten; und gerade 
diese budgetmassigen Steuern werden mit grösserer Regelmässigkeit 
abgetragen, als jene, die man an die Staatscasse zu leisten hat." — 
Das von Quetelet besonders er wähnte V erhältniss ist aber um so merk 
würdiger, als es selbst in denjenigen Jahren bestätigt wird, welche (z. B. 
in Folge von Theuerung) eine Verminderung der Heirathen überhaupt er 
geben. Gerade in solchen Ausnahmsjahren hält sich die Zahl der anormalen 
Eheabschlüsse nicht blos auf der gleichen Höhe wie früher, sondern sie 
scheint sogar noch um etwas zu steigen. Wenigstens lässt solches das 
von Adolph Wagner hervorgehobene Beispiel aus Oesterreich annehmen. 
In diesem Staate betrug die Zahl der Eheabschlüsse im J. 1852 316,800, 
wovon 231,900 zwischen Ledigen und 85,000 zwischen Brautleuten, 
von denen ein Theil oder beide Theile verwittwet waren. Im J. 1855 
sank die Gesammtzahl der Heirathen auf 2 15,000 herab ; die enorme 
Verminderung von 72,000 traf indess ausschliesslich auf die Normalehen 
(zwischen Ledigen), die auf 156,000 gesunken waren, während sich die 
anormalen Heirathen sogar bis zu 79,000 vermehrten. Aber 1852 ko 
stete der Metzen Weizen nur 3,85 fl , 18o5 dagegen 6,04 fl. österr. W. 
Es scheint darin die Andeutung zu liegen, dass gerade in schlimmen 
Zeiten die (schon einen stabileren bürgerlichen Besitz geniessenden) Ver- 
wittweten mehr Gelegenheit zur Wiederverheirathung finden als sonst. 
Manche, die sich ohne die Ungunst der Zeit ebenfalls verheirathet haben 
würden, und zwar mit bisher Ledigen, wählen nun — in der Classe der 
Verwittweten (oder Geschiedenen). . 
»Man glaube nur nicht«, fährt Quetelet, übereinstimmend mit dem 
von uns bereits Gesagten fort, »dass die Heirathen die einzige Abthei 
lung gesellschaftlicher Thatsachen bilden, welche einen so regelmässigen 
und stetigen Gang aufzuweisen haben. Mit den Verbrechen verhält 
es sich ebenso, und sie ziehen alljährlich die Strafen im gleichen Ver 
hältnisse nach sich. Dieselbe Gleichmässigkeit lässt sich bei den Selbst 
verstümmelungen nachweisen, um sich der Conscription zu entziehen ; 
bei den Summen, welche in öffentlichen Spielhäusern gesetzt wer 
den ; ja sogar bei den der Post übergebenen, ungenau oder unrichtig
        <pb n="568" />
        544 
Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
adressirten und darum unbestellbaren Briefen. Mit wenigen Wor 
ten: es verläuft Alles derart, als ob die verschiedenen Classen vonThat- 
sachen ausschliesslich physischen Ursachen unterlägen.« (Ja selbst 
die Acte der Mildthätigkeit, die Unterstützungen, die «guten Werke», 
unterliegen den nemlichen Gesetzen.; 
Quetelet schliesst so : «Muss man nun, einer solchen Uebereinstim- 
mung von Thatsachen gegenüber, die menschliche Willensfreiheit un 
bedingt leugnen ? Ich glaube nicht ; ich denke nur, dass diese Willens 
freiheit in ihrer Wirkung auf sehr enge Grenzen beschränkt ist und 
bei den gesellschaftlichen Erscheinungen die Rolle einer zufälligen 
Ursache spielt. Sieht man darnach ganz ab von den einzelnen Indi 
viduen, und betrachtet man die Dinge nur im Grossen und Ganzen , so 
ergiebt sich, dass die Wirkungen der zufälligen Ursachen sich 
neutralisiren und wechselseitig in der Art ausgleichen, dass nur noch 
die wahren Ursachen vorwalten, kraft deren die Gesellschaft besteht und 
sich erhält. . . . Die Möglichkeit, eine Moralstatistik zu begründen und 
nutzbare Folgerungen daraus abzuleiten, ist vollständig von der Fun 
damentalthatsache abhängig, dass der menschliche freie Wille sich ver 
flüchtigt und ohne merkliche Wirkung bleibt, sobald die Beobachtung 
sich über eine grössere Anzahl von Individuen verbreitet. Nur dann 
lassen sich die constanten und die veränderlichen Ursachen erkennen, die 
das Gesellschaftssystem beherrschen , und man muss auf eine Modification 
dieser UrsacJum bedacht sein, wenn man nützliche Aenderungen bewirken will. « 
Der edle, tiefblickende Spinoza lehrte bekanntlich : »Die Menschen 
glauben nur darum frei zu sein, weil sie zwar ihrer Handlungen sich 
bewusst sind, die Ursachen aber nicht kennen, von denen dieselben 
bestimmt waren . . . Das Kind meint, es begehre die Milch mit Frei 
heit; der zornige Knabe, Er wolle die Rache ; der Feige, Er bestimme 
sich zur Flucht; der Betrunkene, Er spreche aus freiem Geistcsentschlusse. 
Das Kind, der Thor, der Schwätzer und die meisten Menschen dieser 
Art sind derselben Meinung, nemlich dass sie aus freiem Entschlüsse 
reden, während sie doch ihrem Drang zum Reden keinen Einhalt thun 
können.« — 
Was der edle Weltweise Spinoza im Geist erkannte, —es ist durch 
die Statistik mit mathematischer Bestimmtheit erwiesen. — 
Bleibt uns sonach, wenn die socialen Erscheinungen auf diese Weise 
in gleicher Art und gleicher Zahl an uns vorüberziehen, keine Wahl? 
— müssen wir einfach uns in stoische Ruhe hüllen, oder im Glauben an 
einen unüberwindlichen Fatalismus den Dingen zuschauen wie sie eben 
kommen mögen? 
Das sei feme! 
Gerade hier zeigt sich die P erfec tibilität unseres Geschlechtes. 
Die fortschreitende Ausbildung der Statistik wird uns mehr und mehr in 
den Fall setzen, die Wirklichkeit genau und richtig zu erkennen, und 
damit werden wir auf den Weg geleitet, der uns zu zweckmässigen Mit 
teln der Verbesserung führt. Nicht das Aufstellen neuer Moral 
oder Kirchengesetze, noch die weitere Entwicklung der alten, wird im 
Stande sein, den Zustand der menschlichen Gesellschaft wesentlich zu
        <pb n="569" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
545 
verbessern, wol aber wird eine solche Verbesserung erzielt werden durch 
eine weitere Entwicklung der Intelligenz und eine damit in Verbindung 
stehende Verringerung des vorhandenen materiellen Elends. — 
Indem wir beitragen zur Verbesserung der menschlichen Zustände, 
folgen wir gerade einem durch die menschliche Natur in uns gelegten, 
durch die Verhältnisse in uns entwickelten, durch die auf uns einwirken 
den Umstände, gleichsam von der Geburt bis zum Tode, weiter drän 
genden Triebe. i.r v i 
Und was in dieser Beziehung geschieht, ist nicht vergeblich 1 
Man hebe das die Finanzen der Staaten wie den Gesundheitszu 
stand seiner kräftigsten männlichen Jugend untergrabende stehende 
Heerwesen auf, durch Einführung einer, die Vertheidigungskratt 
unendlich erhöhenden wirklichen Wehrhaftmachung der ganzen Nation, 
nach dem praktischen Vorbilde der Schweiz, so wird man selbstverständ 
lich auch die Selbstverstümmelungen in den Reihen unserer Jugend be 
seitigt haben, und es werden ebenso die in manchen Ländern furchtbar 
zahlreichen heimlichen Auswanderungen, um sich dem Jahre langen 
blosen Casernendienst zu entziehen, vollständig aufhören. Ebenso wird 
die damit verbundene Vergrösserung der Sterblichkeit von selbst hin 
wegfallen. — Beseitigt man so viele monströse Erschwerungen der An- 
sässigmachung und Verehelichung, so wird unzweifelhaft auch die enorme 
Zahl der unehelichen Geburten vermindert, und damit in physischer 
Beziehung das Sterblichkeitsverhältniss der Neugebomen verbessert in 
moralischer die wohlthätige Wirkung der Erziehung in einem geregelten 
Familienkreise erlangt werden. „ofiopTipt 
Die Ergebnisse der Statistik führen also zu der mit mathematischer 
Schärfe zu präcisirenden Erkenntniss, dass bei dieser oder jener Ein 
richtung das eine oder andere physische oder moralische Uebel vermin 
dert oder vermehrt wird. Sie leiten uns dahin, das Eine zu thun, das 
Andere zu vermeiden, wodurch wir die Menge der UnglücksfMR und 
Missstände verringern und günstigere Verhältnisse herbeiführen können. 
Die Zahl der Häuser, welche in einer grossen Stadt niederbrennt, wech 
selt in einer gegebenen grössern Periode nur wenig, 
die gleiche bleibt. Ersetzt man aber die Holz- durch Steinbauten, d 
strohbedach,mR durch Ziegeln oder Schiefer und führt zwischen den 
einzelnen Gebäuden Brandmauern auf, so werden die Veranlassungen zu 
Feuersbrünsten allerdings wiederkehren, aber mit weit geringerem r o ge 
und weit geringerer Verheerung. Man wird von ausgedehnten Brän en nur 
in viel grösseren Zwischenräumen hören; ganze Städte wer en (¡i^a e 
nie mehr vollständig abbrennen ; und dass die Assekuranzpr mie er- 
###=## 
auf die Unfälle einwirkendes Moment einem andern substit , 
lere Lebensdauer 49 Jahre (z. B. in den gesundesten Bezirken von 
K o 1 b SUtUtik. 4. Aufl.
        <pb n="570" />
        546 
Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
England) ; unter andern Verhältnissen sinkt die Zahl der Jahre auf 25 
herab (z. B. in Liverpool, Manchester). Bleiben die Zustände die nem- 
lichen, so wird das Leben kommender Generationen die gleiche Ziffer 
aufweisen, ebenso, wie unter gleichen Windstrichen die Wellen des 
Oceans nach wie vor in der nemlichen Zahl an den Küsten sich brechen 
werden. 
Da es in die Hand der Menschen gegeben ist, die Zustände des 
Lebens zu modificiren, so besitzen sie auch die Macht, den Lauf der 
menschlichen Handlungen innerhalb gewisser Grenzen zu ändern. Ver 
bessern wir die socialen Zustände, so weit solches im Bereiche der Mög 
lichkeit liegt, so werden wir bald Erfolge wahrnehmen, die weit über 
alle anfangs gehegten Erwartungen hinausreichen. — Nicht die Lehre 
des Fatalismus, sondern im Gegentheil die der menschlichen Perfecti- 
bilität erhält durch die Statistik eine, und zwar eine unerschütterliche 
Stütze. 
Es gibt somit keine Wissenschaft, welche bei dem Streben nach 
Verbesserung aller menschlichen, aller socialen Verhältnisse einen gleich 
sichern und gleich verlässigen Leitfaden gewähren kann, wie die eben 
genannte. Sie zeigt zunächst die W^irkungen mit mathematischer Be 
stimmtheit; sie ermöglicht nicht nur, sondern sie fordert auf zum Er 
forschen der Ursachen dieser Erscheinungen, und bietet Mittel zum 
Ergründen der hier maasgebenden Gesetze. Auf der von ihr gesicherten 
festen Basis ist zunächst zu ermessen, nach welchen Punkten die An 
strengungen zu richten sind, um die menschlichen Zustände zu vervoll 
kommnen und zu verbessern. Der Forscher sieht sich dabei nicht mehr 
darauf beschränkt, von blos individuellen und vagen, für das Ganze un 
zuverlässigen W^ahrnehmungen auszugehen, woraus bisher so viele und 
nicht selten so schwere Irrthümer und Fehlgriffe entsprangen. 
Wie in der physischen, so bleibt in der socialen Welt keine 
Ursache ohne die entsprechende Wirkung. Jede Veränderung in den 
Sitten, den Gewohnheiten, der Gesetzgebung eines Volkes ruft entspre 
chende Folgen hervor. Stets macht sich dann noch weiter eine Rück 
wirkung auf andere Zustände und Verhältnisse geltend. Nichts bleibt 
in dieser Hinsicht allein und isolirt. Verbessert eure Felder, und ihr 
werdet damit nicht blos den auf denselben anzubauenden Pflanzen ein 
besseres Gedeihen sichern, sondern ebenso den von diesen Pflanzen er 
nährten Thieren, und endlich den Menschen selbst, denen diese 
Thiere dienen und von denen sie leben. Gerade so, wie hier in physi 
scher, ergeben sich in moralischer Hinsicht parallele Wirkungen von 
einem Gebiet auf das andere. 
»Indem die Statistik den wahren Zustand eines Landes, die Elemente 
seiner Kraft und seiner Schwäche, seines Reichthums oder seines Elends 
ermittelt, wird sie stets die wahrste und treueste Bezeichnerin der Weis 
heit oder Schädlichkeit der Institutionen eines Volkes, der Fähigkeit 
oder Unfähigkeit, der Würde oder Unwürde seiner Regierung sein. Ganz 
besonders sind es die Sterblisten, in denen diese Verhältnisse sich reflec- 
tiren und worin sie ihr Urthcil finden, — ein unparteiisches, unwider 
legbares Urtheil, dessen Wahrheit durch nichts getrübt zu werden ver 
mag, weder durch dieSchmeicheleien, welche die Gewalthaber sooft
        <pb n="571" />
        Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
547 
täuschen und nicht selten ins Verderben verlocken, während sie Unglück 
über ganze Länder bringen, — noch durch dieLeidenschaften, welche 
blos lästern, anzuschwärzen und herabzuwürdigen suchen. Statistisch 
hat die menschliche Perfectibilität eine mächtige Offenbarung in der re 
gelmässigen Entwicklung der Bevölkerungszunahme vermittelst des 
Ueberschusses der Geburten über die Sterbfälle, — mit andern Worten : 
in der Zunahme der mittleren Lebensdauer des Menschen, dem hohen 
und getreuen Ausdrucke der socialen Verhältnisse eines Landes und 
Volkes.» — 
So ungefähr drückt sich Valentin-Smith aus, und er hat damit 
einen Punkt bezeichnet, dessen Bedeutung weder die kriechendste 
Schmeichelei, noch die giftigste Gehässigkeit zu verwischen im Stande ist. 
Es war sicherlich nicht Folge eines blinden Ungefährs, nicht das 
Ergebniss durchaus unabwendbarer Zustände, wenn in den Jahren 1854 
und 55 zum erstenmal während des ganzen Jahrhunderts, in Frank 
reich statt jeder Zunahme der Bevölkerung sogar positiv eine Vermin 
derung derselben eintrat ; wenn sie im ersten der beiden genannten 
Jahre um 69,318, im zweiten wieder um 37,274 herabsank. 
Es war ebensowenig ein bloses Ungefähr, wenn in Preussen die 
Zahl der Geburten von 675,465 im J. 1851 auf 617,017 im J. 1855 
sich verringerte, und wenn daneben, in der nemlichen Zeit, auch noch 
die Menge der Sterbfälle von 443,838 auf 550,460 sich vermehrte. 
Es wird für alle Zeiten eine furchtbare Anklage des Waltens der 
Reaction in Deutschland nach dem Jahre 1848 sein, wenn man auf 
die Ergebnisse der Volkszählungen blickt, und durch sie eine positive 
Verminderung der Einwohnerzahl in einer ganzen Reihe von Ländern 
constatirt findet ; — einen Menschenverlu st, • 
in der bayer. Rheinpfalz von 1849—55 2J,ÜJ6 Personen, 
;WüntemberK . . . . jS4»-55 74.8,5 - 
Es ist dies ein Verlust, der im Verhältniss zur Gesammtzahl der Ein 
wohner am grössten erscheint in der bayer. Rhein-Pfalz, in Kurhessen, 
Baden und Württemberg. 
Eine Abnahme der Bevölkerung beweist, aller Schmeichelei spot 
tend, dass nicht (wie die Reaction ankündigte) eine Verbesserung, son 
dern eine Verschlimmerung der Zustände stattgefunden ; dass also die 
Veränderungen nicht zum Guten, sondern zum Schlimmen geführt haben. 
Hier muss übrigens, um Missdeutungen zu begegnen, noch eine 
Bemerkung eingeschaltet werden. Die Wohlfahrt, Kraft und Be eutung 
einer Nation lässt sich nicht unbedingt blos nach der Volksmenge be 
messen. Hier wirken allerdings auch noch andere Umstände ein, und 
kommen noch andere Dinge in Betracht, als die Erlangung der unbe 
dingt erforderlichen Nahrungsmittel. Ausser den Bedingungen zu deren 
Erwerb muss sich ein Volk im Besitz seiner natürlichen hreiheits- 
r echte befinden. Darauf beruht die menschliche Würde und das 
Bewusstsein dieser Würde, ohne welche alle edlen Befähigungen unseres 
Geschlechts verkümmern. Auch dies lehrt die Statistik, indem sie bei 
allen Erscheinungen des socialen Lebens die Ursachen und Folgen
        <pb n="572" />
        548 
Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
untersucht und würdigt. Es mag hier eine Hinweisung auf das grosse 
Reich im Osten von Asien, — eine Hinweisung auf China stattfinden, 
das trotz seiner 500 Millionen Menschen, und trotz des grossen Fleisses 
und der Genügsamkeit derselben, sich im elendesten Zustande befindet; 
wo das Weib Sklavin ist, man sich der Kinder gewohnheitsmässig 
durch deren Tödtung entledigt, und wo die Geburten sich nur zum Fül 
len der Gräber zu häufen scheinen. Auch ist es nicht etwa Mangel an 
Organisation und obrigkeitlicher Aufsicht, was dort fehlt ; ist doch 
gleichsam für Alles so umfassend gesorgt, dass man durchschnittlich auf 
10,000 Familien nicht weniger als 3000 Beamte nothwendig hält. Vor 
trefflich sind die Bemerkungen Valentin-Smith’s, der freilich ein ihm 
näher liegendes Beispiel nicht hervorheben durfte. ,,Freiheit des Men 
schen, Freiheit des Bodens, endlich alle Freiheiten, welche die Seele 
des Fortschritts sind, . . . dies ist’s, was China fehlt; und dies ist es 
auch, was immer und überall als unentbehrlich sich erweist für Ent 
wicklung der menschlichen Perfectibilität. Die Wissenschaft der Hygieine 
lehrt und die Statistik beweist, dass allenthalben, wo das Volk durch 
despotische Einrichtungen niedergedrückt wird, die Gesundheit des 
Menschen schwächlich, das Altern frühzeitig, die Lebensdauer kurz ist.“ 
Durch den Mangel an Freiheit scheint das ganze Leben in einem seiner 
Grundbedingungen angegriffen zu sein. — 
Fast alle Wissenschaften bedürfen der Statistik. Die ganze Volks- 
wirthschaftslehre wird erst durch sie eine feste Begründung erlangen, 
deren dieselbe vielfach heute noch entbehrt. Aus einem Staatsbudget wird 
man in fernen Zeiten vielfach einen bestimmtem und richtigem Begriflf 
von dem Zustande eines Volkes bekommen, als jemals durch die meister 
haftesten allgemeinen Schilderungen, wie wir solche aus dem Alterthum 
besitzen. Wie sehr deutet sodann die Criminalstatistik an, wo'die Haupt 
wunden der bürgerlichen Gesellschaft eitern; wie sehr weist sie auf die 
wichtigsten Veranlassungen der Gesetzübertretungen hin, und fördert die 
Erkenntniss der Heilmittel. — Für die Philosophie ist eine völlig neue 
Grundlage gewonnen von der ausserordentlichsten Wichtigkeit. 
Es würde viel zu weit führen , wollten wir alle Verhältnisse dieser 
Art beleuchten. Das Gesagte dürfte genügen zur allgemeinen Bezeich 
nung der unendlichen Leistungsfähigkeit der Statistik, dieser jüngsten 
Wissenschaft, die sich allerdings noch in ihrem ersten Entwicklungs 
stadium befindet, deren Kenntniss aber gleichwol der Staatsmann wie 
der Arzt, der Fabrikant wie der Kaufmann, der Gesetzgeber und selbst 
der gewöhnliche Bürger sehr bald nicht mehr wird entbehren können. 
Wir haben oben allerdings zunächst nur eine Reihe von Fragen über 
Gesundheit und Leben des Menschen erwähnt. Die Statistik beschränkt 
sich indess keineswegs auf diese Punkte, sie breitet sich vielmehr über 
alle Verhältnisse, alle Phänomene des physischen, moralischen und in- 
tellectuellen Lebens aus ; sie umfasst das ganze Wirken und Sein aller 
Classen, Völker und Nationen ; sie dringt in Tiefen, welche der mensch 
lichen Berechnung vor Kurzem noch dermassen unnahbar schienen, dass 
man Jeden, der ein Vordringen in diese Gebiete behauptet hätte, für 
wahnsinnig erklärt haben würde. Dies das Gebiet der Statistik I 
Druck Ton Breitkopf und Härtel in Leipiig.
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