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            <surname>Hertzka</surname>
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        Inhaltsverzeichniss. 
Einleitung 
Erstes Buch. 
Das Papiergeld. 
I. Capitel. Geschichtliches über die österreichischen Valutaverhältnisse. 
Hie osterr. Nationalbank. Hedeckungsverhältnisse der Noten, Schuld des 
. taates an die Bank. Valuta Schwankungen /.wischen J84R und 1875 
II. Capitel. Einnuss der Valuta auf die Capitalvertheilung und den 
Ausscnhandcl. 
Verschiebung der Vermögens, uml Einkommens-Verhältnisse in Folge der 
reldentweHhung. Capitalgewinn auf dem Wege der Zettelemission. Ein 
fluss der Valuta-Schwankungen auf den Aussenhandel. Unmöglichkeit 
(en ( urdí die Valutaschwankiiugen hervorgerufenen Verlusten im 
Fremdhandel durch Schutzzölle entgegenzutreten 
III. Capitel. Einfluss der Valuta auf die Productionsverhältnisse. 
Die der Concurrenz des Weltmarktes unterworfenen Preise folgen den 
Schwankungen des Geldwerthes rascher als die des Kleinverkehres und 
der Lohne. Hieraus ergeben sich für die I^roducenten Gewinne bei stei- 
gendem, Verluste bei sinkendem Disagio des Papiergeldes 
IV. Capitel. Einfluss der Valuta auf die Preise und Löhne. 
Verschiedene österr. Preislisten für die Zeit von 1848—187îi. Preis 
steigerung bei steigendem, Preisermässigung bei sinkendem Geldwerthe. 
20 
37
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        TV 
Seite 
Vorscliiedeiihoit dor Preisbewegung bei den Artikeln des Grossbandeis, 
des Kleinbandeis und bei den Lohnen. Differenz zu Gunsten und zu 
Ungunsten der Producenten. Abnorme Lobnsteigerung in Oesterreieb 
unter dem Eintlusse der Valutascbwankungeu. Ernteergebnisse, Steuer- 
verbältnisse und Krieg genügen nicht zur Erklärung der abnormen 
Preisfluctuationen. Diese lassen sich nur durch die Valuta-Schwankun 
gen erklären 
V. Capitel. Einfluss der Valuta auf den Zinsfuss. 
AVirthschaftliche Vortheile eines billigen Zinsfasses. Der Zinsfuss ist 
,licht von der Geldmenge, sondern vom Capital abhängig. Unterschied 
zwischen Geldreichthum und Capitalreichthum. Unmöglichkeit, den Geld 
umlauf willkürlich zu vermehren oder zu vermindern. Ausgleichende 
Tendenz der Edelmetallströmungen. Das Papiergeld verändert bei 
willkürlicher extensiver Veränderung seiner Menge seinen intensiven 
Werth. Die Kaufkraft der Papiergeldzeichen ist vom Vertrauen in der 
Regel unabhängig. Die Zinsfusspolitik der Notenbanken bei Metall- 
währuug und bei Papierwährung. Die Valutaschwankungen halten den 
Zufluss fremden Capitales ab und zwar dann am wirksamsten, wenn 
der Bedarf darnach am grössten ist 
VI. Capitel. Einfluss der Valuta auf den Wechselcours. 
Der AVechsel als internationales Zahlmittel ist kein blosses Zahlungsver 
sprechen, sondern ein durch bereits vorhandene Gegenwerthe gedeck 
tes Werthpapier. Genesis der AVechselcourse. Internationale Gewinne 
und Verluste aus den AVechselcoursen. Nicht jede Edelmetallströmung 
hat in den Wechselcoursen ihren Grund und umgekehrt kann das 
Saldo der Zahlungsbilanz auch ohne Edelmetallsendungen beglichen 
werden. Die Valutazerrüttung verschlimmert die Wechselcourse noch 
über die Agiodifferenz hinaus. Nachweis hiefür an der Hand der öster 
reichischen Wechselcourse zwischen 1819 und 1875. Diese waren 
günstig bis zum Jahre 1848, von da ab ungünstige. Approximative 
Schätzung der hieraus für Oesterreich sich ergebenden Verluste . . 115 
VII. Capitel. Die Wechselcourse und der internationale Handel. 
Ausgleichende Wirkung der Wechselcourse im internationalen Verkehr. 
Günstiger AVechselcours befördert die Importe und erschwert die Exporte, 
ungünstiger AVechselcours befördert die Exporte und erschwert die 
Importe, Ebenso steigert der Edelmetallabduss in Folge schlechter AVech- 
selcourse und vermindert der Edelmetallzufluss in Folge günstiger 
Wechselcourse die Concurrenzfähigkeit auf dem AVege der Einwirkung 
auf die Preisverhältnisse. Unmögliehkeit dauernder Geldzu- oder Ab 
flüsse in Folge der Wechselcourse. Internationale Verschuldung zu un 
productiven Zwecken ist unmöglich. Die ausgleichende Wirkung der
        <pb n="11" />
        V 
Seite 
Wechselcourse wird durch die Geldzerrüttung verwirrt und gehemmt. 
Die Verringerung des Edelmetallwerthes im Papiergeldlande als Folge 
der Demonetisirung des Edelmetalles wirkt gleich einer Importprämie 
und gleich einem Exportzölle. Die ausgleichende Wirkung der Edel 
metallströmungen kann durch die Zollpolitik nicht ersetzt werden. 
Ungünstige Zahlungsbilanz ist kein Hindemiss der Valutaherstellung 165 
' VIII. Capitel. Einñuss der Valuta auf die wirthschaftliche Thätigkeit 
im Allgemeinen. 
Die Schwankungen des Geldwerthes verändern die Erwerbs- und Bedürfniss- 
Sphäre jedes Einzelnen, machen die Geschäftsthätigkeit von Zufällig 
keiten abhängig und dadurch alle Speculation zum Spiele. Abhängig 
keit der Papiergeldländer vom Auslande im Grosshandel. Fictive Natur 
der durch Valuta-Conjuncturen erwirkten Gewinne im Waarenhandel. 
Verleitung zum Bürsenspiel durch die Valutaschwankungen, Störung 
der Consumtions-Verhältnisse in Folge der verschiedenen Expansivkraft 
und Compressibilität der Bedürfnisse 
IX. Capitel. Einfluss der Valuta auf die Staatsfinanzen. 
Zinsenersparniss durch die Zettelausgabe. Dieser stehen entgegen Cours 
verluste, Schwächung der Steuerkraft in Folge der wirthschaftUcheu 
Nachtheile der Papiergeldwirthschaft und Verringerung der Staatsein 
nahmen ohne entsprechende Verringerung der Staatsausgaben. Unmög 
lichkeit, mit dem Steuersätze den Schwankungen des Geldwerthes zu 
folgen. Unverhaltnissmässige Anschwellung der Budgets in den Papier 
geldländern. Verschiedenartige Wirkung der Agioschwankungen auf 
die verschiedenen Staatsausgaben. Finanzielle Ohnmacht als Conse- 
quenz der Zettelwirthschaft . .. oa« 
Zweites Buch. 
TUiö M ü n % m et all. 
I. Capitel, Geschichtliches. 
e verschiedenen Metalle als Münzstoffe. Allgemeine Herrschaft der 
bilberwahrung im Alterthume und im Mittelalter. Schwankungen der 
Werthrelation zwischen Gold und Silber von der Perserzeit bis zur 
Gegenwart. Historische Entwickelung des Geldwesens. Die verschie 
denen Währungssysteme . 
II. Capitel. Silber- und Goldwährung. 
Rückgang des relativen Geldwerthes im historischen Verlaufe und daher 
Btetig zunehmende Eignung des Goldes zu Münzzwecken, ln den 
letzten Jahrhunderten ist der Silberwerth grösseren Schwankungen 
unterworfen als der Goldwerth. Unmöglichkeit einer unbegrenzten 
Entwerthung des Silbers 
250
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        VI 
Seite 
III. Capitel. Die Doppel- oder Alternativ-Währung. 
Die Doppelwährung ist ursprünglich durch das Bedürfniss nach Gold 
münzen bei herrschender Siliierwährung hervorgerufen. Unterschied 
zwischen Doppelwährung und Alternativwährung. Angehllche Vorzüge 
beider. Unmöglichkeit, eine fixe Werthrelation zwischen Gold und Silber 
selbst auf dem Wege eines Weltmünzhundes mehr als vorübergehend 
fest zuhalten. Irrthümliclikeit der Wolowski’schen Alternativtheorie. 
Die Werthrelation zwischen Gold und Silber ist nicht blos schwankend, 
sondern auch dauernder Veränderung unterworfen. Die Alternirung 
im Währungsmetalle ist mit Verlusten für das davon betroffene Land 
verbunden. Die Entlastung der Schuldner im Wege der Alternirung 
ist nicht blos ungerecht, sic erfolgt auch zum Schaden der Gesammt- 
huit 2()&lt;) 
IV. Capitel. Vortheile der Goldwährung in den Staaten abendländischer 
Cultur. 
Alle Staaten abendländischer Cultur sind für die Goldwährung reif. Die 
Silberwährung hält den Notenumlauf auf ungebührlicher Höhe. Gefahren 
hieraus speciell für Oesterreich-Ungarn. Die Silberwährung isolirt an 
gesichts der gegebenen Verhältnisse jedes europäische Land vom Münz 
wesen der Nachbarn. Nachtheilo hieraus für den Aussenhandel und für 
die internationalen Schuld Verhältnisse. Im internationalen Verkehre 
wird bei längeren Darlehen Gold dem Silber vorgezogen. Im Silber- 
währungslandc trägt die Verluste aus dem Schwanken der Werthrelation 
bei alten Contracte!! der auswärtige Gläubiger, bei neuen der inländische 
Schuldner ¡¿98 
V. Capitel. Schwierigkeiten*des Währungswechsels. 
Die Münzverluste bei Einführung der Goldwährung sind verschieden, je 
nachdem früher Doppelwährung, Silberwährung oder Papierwährung 
bestand. Lander mit gesetzlicher Silberwährung und factischer Papier- 
circulation haben Itfim Uebergange zur Goldwährung keine grösseren 
Münzverluste, als beim Uebergange zur factischen Silberwährung. Fehler, 
die beim Währungswechsel in den Ländern mit Silberwährung schwer 
zu vermeiden sind, können in den Papiergeldländern leicht vermieden 
werden. Beim Währungswechsel müssen alle auf Silber gestellten 
Contracte auf Goldwährung umgerechnet werden. Dieses kann nur 
nach der Marktrelation zur Zeit des Währungswechsels geschehen. Die 
Relation des lateinischen Münzbundes ist nur für die diesem Bunde 
angehörigen Staaten bindend 316 
VI. Capitel. Die Edelmetallströmungcn. 
Die Besorgnisse vor dem Abflüsse des Goldes wegen internationaler 
Armuth oder ungünstiger Zahlungsbilanz sind unbegründet. Die Frage
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        VÎT 
(les internationalen Reichthums hat mit den Edelmetallströmungen über 
haupt nichts zu thun. Eine ungünstige Zahlungsbilanz könnte blos 
einen zeitweiligen Abfluss der über den Circulationsbedarf hinaus 
vorhandenen Edelmetallbestände hervorrnfen. üebereinstimmung der 
continuirlichen, säcularen Edelmetallströmungen von den Productions- 
gebieten der Edelmetalle nach Europa und von Europa nach Ostasien 
mit den allgemeinen Gesetzen des Handels- und Wechselverkehrs. Die 
europäischen Staaten haben aus allgemeinen Gründen regelmässige 
säcnlare Edelmetallzufnhren zu erwarten 
VII. Capitel. Die wirthschaftlichen Nachtheile isolirter Währung. 
Analogie der wirthschaftlichen Wirkungen isolirter Metallvaluta und der 
Papiervaluta. Durch beide sind die Schwankungen des Geldwerthes 
losgelöst von denen auf dem Weltmärkte. Dies stört den Handel und 
die Rechtscontinnität. Der Geld wert h ist desto stabiler, je grösser das 
Verkehrsgebiet, welches das nämliche Münzmetall besitzt. Die Wechsel- 
course isolirter Silberländer sind ungünstig aus demselben Grunde, wie 
die der Papierländer. Isolirung der Währung vertheuert in Ländern, 
die auf fremdes Capital angewiesen sind, den Zinsfuss, macht ihn aber 
allerdings stabiler. Die höhere Verkehrsentwicklung in Folge der Gold 
währung macht Erschütterungen des Handels häuflger. Abziehung des 
Geldes aus international verschuldeten Ländern durch Kündigung 
seitens der internationalen Gläubiger ist ein Ding der TTnmöglichkeit. 
Der internationale Geldbedarf wirkt blos auf den Wechselverkehr, 
nicht auf die dauernden Schuldverhältnisse. Erklärung der englischen 
Zinsfuss-Schwankungen aus dem Reichthume Englands. Schädliche 
Wirkungen der isolirten Währung auf die Staatsflnanzen 
Vlli. Capitel. Der Schlagschatz. 
^•n hoher Schlagschatz ist wegen seiner isolirenden Wirkung schädlich, 
-r erschwert die Concurrenzfähigkeit auf allen fremden Märkten bei 
an wie bei \ erkauf. Er schiebt die ausgleichende Wirkung der 
ai ungsbilanz und der Wechselcourse von den Preisverhältnissen auf 
•e insfuMsverhältnisse. TIebertreibung Seyd’s, der von der Ermässigung 
Schlagschatzes allein Unabhängigkeit im internationalen Wechsel 
verkehre erwartet 
Capitel. Die Goldwährung in Oesterreich. 
Gold *,^*"*^*^*^ Herstellnng der Valuta ist in Oesterreich auf Basis der 
als w'ogen des billigeren Zinsfusses der Goldanleihen billiger 
StatTt"^ der Silberwahnpg. Bei Letzterer könnten allerdings mehr 
Kctährr"^^" Gircnlation gelassen werden, was jedoch wirthschaftlich 
der wäre. Die Münzreform ist in Oesterreich mit Einziehung 
Wilbermünze und mit deren Umprägung zu Scheidemünze zu 
Seite 
341 
35B 
.379
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        beginnen. Oesterreich hat auch beim Uebergange zur Goldwährung kein 
Silber zu verkaufen. Prägegewicht der groben Silberscheidemunzen. 
Die neuen Goldmünzen sind nicht im Anschlüsse an irgend einen aus 
ländischen Münzfuss, sondern als Werthäquivalente der alten Silber- 
gnldcn zu prägen. Feststellung der Werthrelation zwischen Gold und 
Silber. Vorsichtsmassrcgeln gegen unnöthigen Abfluss der neuen Gold 
münzen und gegen Erschütterungen des Verkehres bei Durchfiilming der 
Münzreform. Die Contingentirung des Banknoten-Uiplaufes ist im Falle 
der Münzrefonn aufzugeben. Möglichkeit, die Goldrechnung vor voll 
ständiger und factischer Einführung der Goldwährung zu etabliren .
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        Einleitung. 
Im ersten Buche dieses Werkes soll der Nachweis er- 
bracht werden, dass für jedes Land unter allen Umständen 
eine reine Metallwährung die einzig vortheilhafte Basis des 
(Geldwesens bilden könne ; ira zweiten Buche der Nachweis, dass 
für die Staaten der abendländischen Civilisation die Goldwährung 
der Doppel- und Silberwährung vorzuziehen sei. Man wird viel 
leicht einwenden, dass die erstere dieser Behauptungen ein längst 
bekannter, ausführlichen Nachweises nicht mehr bedürftiger 
Gemeinplatz , die zweite dagegen noch allzu strittig sei, um 
jetzt schon ein endgiltiges Urtheil zu ermöglichen. Wenn hier 
nichtsdestoweniger nach beiden Bichtungen eine möglichst ein 
gehende und positive Beweisführung versucht wird, so geschieht 
dies aus dem Grunde, weil nach der Ansicht des Verfassers 
weder die Verwerflichkeit der Zettelwirthschaft derart all 
seitig anerkannt, noch umgekehrt der Vortheil der (Goldwäh 
rung so zweifelhaft ist, als ziemlich allgemein angenom 
men wird. 
Es hat sich in jüngster Zeit gezeigt, dass über die Wir 
kungen einer Papiervaluta die Meinungen sehr weit auseinan- 
deigehen, ja es hat sich unter der Führerschaft Careys sogar 
eine allerdings nicht sehr angesehene Schule herangebildet, die 
ganz oifen die Lehrmeinung vertritt, dass unter gewissen 
wiithschaftlichen Voraussetzungen die Zettelwirthschaft von 
den wohlthätigsten Folgen begleitet sein könne, und dass jene 
Doctrin, nach weicherblos die Edelmetalle sich zu den Functionen 
Dr. Th. Hertzka, Währung luid Handel. i
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        2 
des Geldes eignen sollen, lediglich Principienreiterei wäre. Die 
Thatsache, dass gegenwärtig nicht weniger als vier grosse Cnltnr- 
staaten, nämlich Oesterreich, Russland, Italien und Nord 
amerika , vorübergehend sogar ein fünfter, Frankreich, ihren 
Metallumlauf durch Papiergeld ersetzt haben und sich dabei 
zeitweilig sehr wohl befanden, wird nach Kräften zu Unter 
stützung dieser Doctrin ausgebeutet. Insbesondere wird das 
merkwürdige Phänomen, dass Frankreich unmittelbar nach einem 
verheerenden Kriege, der diesem Lande die ungeheuersten 
Opfer auferlegte, sich mit staunenerregender Raschheit unter 
der Herrschaft des Zettelwesens erholen konnte, dahin gedeutet, 
dass es eben das Papiergeld sei, welches die wirthschaftliche 
Regeneration ermöglicht oder doch merklich begünstigt habe. Man 
erinnerte sich dabei an die allerdings auffallenden Thatsachen, 
dass die Vereinigten Staaten von Nordamerika und in einem spe- 
ciellen Falle auch Oesterreich unter ähnlichen Verhältnissen 
einen ähnlichen Aufschwung genommen haben, ln beiden Staa 
ten hatte vor einem Decennium ein kostspieliger Krieg umfang 
reiche Zettel-Emissionen im Gefolge gehabt, und es trat dann 
unmittelbar nach dem Kriege bei stark vermehrter Papiergeld- 
circulation eine rasche Erholung ein. Die Versuchung liegt sehr 
nahe, aus der zeitlichen Aufeinanderfolge dieser Erscheinungen 
auf einen Causalnexus, der zwischen beiden bestehen soll, zu 
schliessen. Da der wirthschaftliche Aufschwung nach der 
Papiergeld-Emission auftrat, so folgert man ohne weiters, dass 
er durch sie hervorgerufen worden sei. Es kann dies umso 
weniger überraschen, da man in dieser Verwechslung einer 
blos zeitlichen Aufeinanderfolge mit einem ursächlichen Zusam 
menhänge so weit ging, selbst dem Kriege an sich die Wir 
kung einer Förderung des Volkswohlstandes zuzuschreiben, so 
dass derzeit die Ansicht nicht eben selten ist, unter gewissen 
Umständen sei ein möglichst verheerender Krieg das beste 
Mittel, die volkswirthschaftliche Blüthe eines Landes zu begün 
stigen. Ganz neu ist diese Irrlehi e und die ihr zu Grunde 
liegende Begriffsverwirrung nicht; sie stammt aus jener Zeit, 
in welcher man jede noch so unwirthschaftliche Consumtion für 
förderlich hielt, wo man an die capitalerzeugende Wirkung 
des Luxus, der stehenden Heere, der Staatsverschuldung glaubte, 
einfach aus dem Grunde, weil zur Ersetzung der durch eine
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        3 
1* 
derartige Capitalsvergeudung erzeugten Verluste in der Regel 
eine stärkere Anspannung der Production nothwendig wurde. 
Man verwechselte eben die Hast der Production mit ihrem 
wirthschaftlichen Effecte und kam auf diesem Wege dahin, die 
Zerstörung für nützlich zu halten, weil ihr in der Regel ein 
Wiederaufbau folgen muss. 
Im Uebrigen hört man nur höchst selten die Behauptung, 
dass der Bestand eines gestörten Geldwesens im Allgemeinen 
nützlich und wünschenswerth sei; es wird zumeist principiell 
^^igGgGben, dass es vortheilhaft wäre, die metallische Basis 
der Circulationsmittel zu besitzen, dass es aber aus ganz 
speciellen Gründen und mit Rücksicht auf die einzelnen Gebiete 
des Wirthschaftslebens unmöglich oder gefährlich sei, den 
Metallumlauf auch thatsächlich herzustellen. Bald ist es die 
Lage der Staatsfinanzen, was angeblich die Herstellung des 
normalen Geldumlaufes unmöglich machen soll, bald die Rück 
sicht auf die Production, die durch das Zettelwesen — wenn 
auch in ungesunder Weise — begünstigt werde, bald wieder die 
Gefahr, dass die Einziehung der unbedeckten Noten den Zins- 
fuss gewaltsam erhöhen, das Creditwesen des betreffenden Ver 
kehrsgebietes erschüttern würde, und endlich die Besorgniss, 
dass eine ungünstige Handelsbilanz alle Bemühungen zur Her 
stellung der Valuta vereiteln könnte, was die „principiellen“ 
Freunde der Valutaherstellung zu deren praktischen Gegnern 
macht. Man könne einem richtigen Principe die nun einmal 
vorhandenen reellen Bedürfnisse des Verkehres nicht opfern — 
heisst es dann — ; man müsse warten, bis sich die Lage der 
art verbessert habe, um die Regelung der Valuta ohue Gefahr 
weitgehender Erschütterungen möglich zu machen, — und der 
schliessliche Effect von all’ dem ist, dass man die Papierwirth- 
sehaft, gegen die im Principe mit hochgradiger moralischer 
Entrüstung gedonnert wird, in praxi mit grosser Zärtlichkeit 
hegt und pflegt. Ja diese platonischen Verehrer eines gesun 
den Geldwesens sind in Wahrheit noch viel gefährlichere Feinde 
desselben als diejenigen, die rundweg erklären, vom 3Ietall- 
umlaufe unter keiner Bedingung etwas wissen zu wollen. Denn 
gegen die offenen Inflationisten nährt die öffentliche Meinung 
ein lebhaftes Misstrauen ; trotz der Verschrobenheit der national 
ökonomischen Begriffe, die sich in den Papiergeld-Ländern
        <pb n="18" />
        4 
einznstellen pflegt, verliert man doch auch dort nur selten das 
instinctive (xefülil dafür, dass dieZettelwirtliscliafteinewirtli- 
schaftliche ]\[onstruüsität sei. Die sogenannten „Praktiker“ aher, 
welche die Richtigkeit des Principes der Metallvalnta anerken 
nen und nur unter Hinweis auf die „gegebenen Verhältnisse“ 
die Herstellung des Geldwesens auf spätere, bessere Zeiten 
verschieben wollen , erreichen damit nur zu häufig, dass die 
öffentliche Meinung gerade sie für die vernünftigen Realpoli 
tiker hält, die gleich weit entfernt von den theoretischen Irr- 
thümern der grundsätzlichen Inflationisten wie von der „ahstrac- 
ten Principienreiterei“ der unbedingten Anhänger der Metall 
valuta, die Anforderungen einer concreten wirthschaftlichen 
Lage am besten zu würdigen wissen. Es muss daher gezeigt 
werden, dass die metallische Basis des Geldumlaufes nicht blos 
das Postulat einer wirthschaftlichen Theorie sei, sondern auch 
den praktischen Anforderungen aller Gebiete der Volks- und 
Ötaatswirthschaft ausschliesslich entspreche; dass alle die an 
geblichen praktischen Vortheile der Zettelwirthschaft lediglich 
auf Irrthümern beruhen, die insgesammt auf denselben Grund 
fehler zurückzuführen sind, auf welchen die principiellen 
Anhänger der Zettelwirthschaft ihre Ansichten stützen. 
Und was die zweite Frage anlangt, so ist es allerdings 
richtig, dass der Streit über die Vorzüge der Goldwährung 
einerseits, der Doppelwährung und der Silberwährung anderer 
seits, noch lange nicht vollständig zur Ruhe gekommen ist; 
aber dem aufmerksamen Beobachter kann es doch nicht ent 
gehen, dass die Argumente für die Goldwährung im Wesen 
der Sache selbst begründet sind, wälirend die Argumente für 
die Doppel- oder Silberwährung ohne Ausnahme sich blos auf 
örtliche und vorübergehende Utilitätsgründe stützen, ja dass 
in Wahrheit selbst die eifrigsten Anhänger der Silber- oder 
Doppelwährung kaum mehr bezweifeln, das Gold an sich sei 
als Circulationsinittel vorzuziehen, und sich darauf beschränken, 
geltend zu machen, wie unter gewissen gegebenen Bedingungen 
der Uebergang von der Silber- oder Doppelwährung zum 
Golde mit Opfern verbunden wäre, die grösser seien, als die 
zu erwartenden Vortlieile. Der Streit dreht sich also gar nicht 
mehr darum, ob Gold oder Silber besser sei. Ls wird zuge 
geben, dass überall dort, wo man die Freiheit der Wahl
        <pb n="19" />
        5 
besitze, das erstere erwiinsebter wäre, und strittig ist mir die 
Frage nach dem Umfange und nach der Bedeutsamkeit jener 
Vorzüge, die dem Golde als Circuíationsmittel zuerkannt wer 
den müssen. Insbesondere wird bestritten, dass diese Vorzüge 
gewichtig genug seien, um j edem Lande mit zwingender Ge 
walt die Nöthigung aufzuerlegen, alle anderen Währungen auf 
zugeben und zur Goldwährung überzugehen. 
Nun steht aber in Oesterreich-Ungarn, mit dessen Geld 
verhältnissen sich dieses Buch hauptsächlich beschäftigen soll, 
die krage gar nicht so, ob vom Silbergelde der Uebergang 
zu dem Goldgel de durchzuführen sei oder nicht. Wenn in 
anderen Staaten die Frage des Währungswechsels ventilirt und 
von den Schwierigkeiten, die dabei zu bewältigen sind, gespro 
chen wird, so besteht die stillschweigende Voraussetzung, dass 
die metallische Grundlage der Währung mit der factischen 
Valuta identisch sei, eine Voraussetzung, die für Oesterreich 
bekanntlich nicht zutrifft, denn die Währung ist hier auf Sil 
ber basirt, der Umlauf besteht aus Papier. Die Frage einer 
Aenderung des V ährungsmetalls tritt aber, was die Schwierig 
keit des Uebergangs anbelangt, vor derjenigen der s. g. Va 
lutaherstellung vollständig in den Hintergrund, u. z. in dem 
i^Iasse, dass, so lange die Papiervaluta vorhanden ist, für die 
Wahl des Münzmetalls vollständig freie Hand bleibt und es 
dem österreichisch-ungarischen Geldverkehr durchaus keine 
grössere Schwierigkeit bereiten kann, vom Papiere zum Golde 
uberzugehen, als wenn man den Uebergang blos zur Silbervaluta 
wählen sollte. Es soll dies an anderer Stelle ausführlich nach 
gewiesen werden. Vorläufig genügt die Erkenntniss, dass jene 
piaktischen Bedenken, die seinerzeit in Deutschland und Skan 
dinavien, gegenwärtig in Frankreich und Holland gegen den 
Uebergang vom Silber oder von beiden Metallen zum alleinigen 
Golde geltend gemacht werden, für Oesterreich keine Anwen 
dung ünden können , und dass man es daher bei dem Widerstande 
gegen die Einführung der Goldwährung in unserer Monarchie 
v\ eiliger mit diesen aus dem jiraktischen Geldverkehre hervor 
geholten Argumenten, als mit einer von Vorurtheilen aller Art 
»Hctirten Aengstlichkeit zu tliun hat, für welche stichhältige 
und sachliche Gründe kaum vorhanden sind. 
Beide Fragen, die der Valutaherstellung und die des
        <pb n="20" />
        6 
Münzmetalles, sind also im Hinblick auf die österreichischen 
Verhältnisse unter demselben (Tesiclitspunkte zu behandeln. 
Weder ist die Noth Wendigkeit der Valutaherstellnng eine all 
gemein anerkannte Wahrheit, noch ist der Vortheil der (xold- 
währnng hier eine blosse Hypothese ; vielmehr muss Beides als 
Forderung einer gesunden unbefangenen Geldpolitik aufgefasst 
werden, deren Dnrchñlhrnng dieselben zumeist ans der Butt 
gegriffenen Vornrtheile sich widersetzen. Diese Vorurtheile 
können nicht durch principielle, theoretische Anseinandersetzun- 
gen bekämpft werden, denn es gibt leider bei der hei rschenden 
Begriffsverwirrung kaum eine Theorie und ein Princip, welches 
nicht bestritten würde. Die Beweisführung muss von den ein 
fachsten und nnwiderleglichsten Thatsachen ansgehen und von 
diesen fortschreitend auf die allgemeinsten Hrnndsätze znrück- 
führen. Es muss für alle Verkehrsgebiete im Detail gezeigt 
werden, dass die Herstellung der Iffetallvalnta, insbesondere 
aber der Hold Währung von wesentlichem greifbaren Nutzen 
begleitet wäre, dem beim Verharren auf der Papiervalnta 
oder Silberwährnng eben so viele Nachtheile gegenüherstehen. 
Erst wenn dieser Nachweis gelungen sein sollte, ist Aussicht 
vorhanden, dass die Vornrtheile verschwinden, die sich, in 
einer irrigen AnÜässnng der thatsächlichen Verhältnisse wur 
zelnd, nur znin Schein mit falschen Principien drapirt haben.
        <pb n="21" />
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erstes Bucli. 
Das Papiergeld
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        I Capitel. 
GescLicLtliches über die österreichischen Yalnta- 
Verhältnisse.
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        10 
Ueachickliclikeit ihrer Leitung als dem Umstande zu verdanken, 
dass ihr Capital für die Bedürfnisse des Verkehrsgebietes, dem 
sie diente, überreichlich genügte und dass dieser Verkehr durch 
lange Zeit jene Stabilität bewahrte, die den Handelsbeziehungen 
primitiver, auf einer niedrigen Stufe der wirthschaftlichen 
Entwickelung stehender Länder in der Regel eigen ist. Dieses 
Capital betrug im ersten Jahre (1818) 13,791.000 fl. C. M. ; 
vom Jahre 1819 bis Ende des Jahres 1854 30,3&lt;2.G00 fl. C. M. ; 
im Jahre 1855 wurde es auf 09,875.800 fl. C. M. und im 
darauffolgenden Jahre auf 103,125.800 fl. C.M. oder 109,384.590 fl. 
ü. W. erhöht; in den Jahren 1803 bis 1807 erreichte der 
Bankfonds seinen höchsten Stand von 110,250.000 fl. ö. W ., 
um endlich im Jahre 1808 auf 90 Millionen Gulden reducirt 
zu werden, welche Höhe derselbe auch gegenwärtig inne hat. 
Bedenkt man, dass das Capital der Bank von Frankreich 
derzeit blos aus 73 Millionen Gulden besteht, das der preus- 
sischen aus 32,800.000 fl. bestand, so wird sich nicht läugnen 
lassen, dass der österreichische Bankfonds auch dann unver- 
hältnissmässig gross erscheint, wenn man mit in Rechnung zieht, 
dass die zwei genannten ausländischen Institute regelmässig 
über einen sehr hohen Betrag fremder Depositengelder ver 
fügen, die grössten Theils zur freien Verwendung in ihren Ge 
schäften geeignet sind, während die österreichische National 
bank auf diese Unterstützung ihrer Geschäftsthätigkeit durch 
das Privatcapital beinahe vollständig verzichten muss. Insbe 
sondere bis zum Jahre 1848, wo das Capital der Bank im 
VeNiältnisse zu seiner gegenwärtigen Höhe noch gering war 
und trotzdem die Baarzahlungeu aufrecht erhalten wurden, 
darf nicht übersehen werden, dass der Notenumlauf in Oester 
reich-Ungarn ein überaus beschränkter war, dass es die Bank 
sich gar nicht zur Aufgabe stellte, die ganze Monarchie aus 
reichend mit diesen bequemen Circulations - Instrumenten zu 
versehen, sondern beinahe ausschliesslich dem grossen in Wien 
concentrirten Banquiergeschäfte diente. Die Pro^ünz entbehrte 
der Banknoten fast gänzlich derart, dass diese letzteren 
häufig, wenn mau ihrer bedurfte, mit einem nicht unbeträcht 
lichen Aufgelde bezahlt wurden. Als daun im Jahre 1854 der 
erste Versuch zur Valutaherstelluug eingeleitet wurde und 
durch die inzwischen eiugetreteue kolossale Entwickelung des
        <pb n="25" />
        Verkehrs sich die Nothwendigkeit ergab, auch dem kleinen 
Pro^inzyerkelire die Banknoten, an die er sich gewohnt hatte, 
zukünftig zu sichern, wurde der Bankfonds, wie bereits er 
wähnt, in ausgiebigster Weise, u. zw. sehr rasch um 
verstärkt. Die im darauf folgenden Decennium abermals ver- 
iugte Reduction dieses Fonds erscheint daher nicht blos durch 
die inzwischen eingetretene Staatsnoten-Emission, sondern auch 
durch die Erkenntniss hervorgerufen, dass ein Capital von 
90 Millionen Dulden für alle Fälle genüge, um der öster- 
reic lise len Notencirculation als Assecuranzfonds zu dienen. 
... *^|^/^^’ganisation der österreichischen Nationalbank war 
anfänglich keine sehr geschickte und stand nicht in jedem 
nn e auf der Höhe der Zeit. Bis zum Jahre 1841 war ihr 
le Betreibung des Hypothekgeschäftes gestattet, ohne dass 
dieser Geschäftszweig, wie jetzt der Fall ist, mit genügender 
Sämige von d^^mfm^mbWmnCb,s^iäR^ g^nmnt g^^^m 
wäre. Heber das Verhaltniss des Notenumlaufs zur Bedeckung 
^t trotzdem in dem ersten Statute vom Jahre 1817 nichts 
■ 
Ifilüsü
        <pb n="26" />
        12 
manTiigfachen Schwankungen his ant' I : 10 77 im Jahre 1840; 
nichtsdestoweniger erhielten sich die Banknoten ohne Disagio 
und theilweise sogar mit einem Auf'gelde im Umlaufe, weil die 
Summe dieser Circuíationsmittel, weit entfernt das Bedürfniss 
zu tthersteigen, hinter demselben znrückhlieh und daher auch 
der verschwindend geringe Metallschatz, da er eben gar nicht 
in Anspruch genommen wurde, für die Bedeckung vollkommen 
ausreichte. Als dann später der Bankfonds verstärkt wurde 
und der Metallschatz dem entsprechend so sehr vergrössert 
werden konnte, dass trotz des bedeutenden Anschwellens der 
Jah 
res. 
zalil 
1818 
1819 
1820 
1821 
1822 
1823 
1824 
1825 
1820 
1827 
1828 
1829 
1830 
1831 
1832 
1833 
1834 
1835 
1830 
1837 
1838 
1839 
1840 
1841 
1842 
1843 
1844 
¡1845 
1840 
¡1847 
¡1848 
1849 
1850 
1851 
1852 
1853 
Banknoten- | Miinivor- 
Umlauf I rath 
20,738.365 
43,786.915 
51,915.255 
34,827.785 
48,294.765 
51,028.596 
68,057.250 
82,110.710 
82,319.990 
87,363.065 
95,697.515 
107,563.540 
111,988.605 
123,929.640 
119,879.440 
125,063.915 
135,752.065 
151,160.675 
153,752.155 
¡146,172.870 
¡166,929.360 
166,553.875 
167,079.390 
166,601.755 
173,410.105 
¡179,386.560 
¡197,754.625 
¡214,760.790 
213,690.055 
218,971.125 70,240.569 
¡222,976.504 
Vitrhält-ll Jah- 
nias bei-' res- 
(Ver I zahl 
19,214.658 1 
33,061.150 
29,424.892 
18,423.054 
19,089.177 
15,508.766 
22,071.736 
19,012.266 
14,765.204 
20,050.084 
22,302.068 
21,868.261 
17,565.422 
12,781.745 
22,618.894 
31,843.940 
39,390.742 
34,649.685 
25,292.379 
31,805.643 
30,062.715 
23,413.242 
15,513.549 
39,939.706 
58,242.815' 
67,345.719 
88,909.235 
95,153.949 
86,933.477 
30,425.945 
250,477.658 30,064.823 
255,367.221 
215,636.519 
32,303.124 
42,827.656 
194,943.256 43,247.365, 
188,309.217 ¡44,881.3341 
• t-»8 
l-as 
t'77 
t-b!) 
3,, 
** 0« 
5^j 
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I:: 
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1::; 
1854 
1856 
1866 
1867 
1868 
1869 
1860 
1861 
186Ä 
1863 
1864 
1866 
1866 
1867 
1868 
1869 
1870 
1871 
187« 
1873 
1874 
1876 
Banknoten- 
Umlauf 
1383,491.000 
347.880.275 
380,181.085 
383,480.789 
370,022.355 
466,758.923 
474,861.562 
468,874.423 
426.877.276 
396,655.626 
375,828.020 
351,100.755 
283,988.480' 
247,021.120 
276,185.150 
283,699.220 
296,893.160 
317,333.530 
318,365.470 
358,942.580 
293,762.350: 
286,242.330 
Mttnivor- 
rath 
Verhält- 
45,307.0821 
49,710.554 
87,240.6091 
98,043.0201 
98,577.444' 
80,187.756 
89,167.926 
99,148.381 
105,071.147 
110,709.583 
112,191.238 
121,521.769 
104,008.582 
108,346.593 
108,642.872 
116,861.841 
114,327.175 
143,496.444 
142,933.328 
143,836.691' 
139,368.889, 
134,416.8941 
8.4« 
7-nB 
4'86 
3 p, 
3-76 
K 
"*•32 
4^3 
4.00 
I 
2., h 
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Jah 
res 
zahl 
Í8(&gt;() 
1807 
1868 
1800 
1870 
1871 
187« 
1873 
1874 
1875 
Oesainmt- 
unilauf 
499,783.120 
548,157.807 
574,516.027 
598,768.850 
649,006.679 
690,934.424 
694,357.356 
702,975.550 
639,044.544 
632,743.363 
Münz vor- ¡Verhält 
rath I niss 
104,008.582 1 
108,346.593, 
108,642.872 
116,861.841 
114,327.1751 
143,496.444 
142,933.328 
143,836.691 
139,368.889 
134,416.894 
5-20 
il
        <pb n="27" />
        13 
Notenciroulation ausreichende Dritteldeckung vorhanden war, 
gal) es doch ein zeitweilig zu sehr bedeutender Höhe steigen 
des Disagio der Noten, weil die Circulationsmittel überreich- 
IC voi landen waren und keinerlei Deckung genügen konnte, 
ese» „ ju viel zu paralysiren. Ciul bedürfte es noch eines 
erste^*^!^- Werth eines Cirenlationsmittels. in 
I ,, \ eriiültniss des Circulatiunsquantums zu 
en Verkelirsbedürfnissen massgebend ist, so kann dieser darin 
ge nnden werden, dass bis zum .lal.re 1848, wo die Uber- 
, ssige ermelirimg der Noteneirculation begann, eine Cours- 
.fferenz zwischen dem Metallgeld und den Banknoten nicht 
bestand trotzdem der §. Iß,der Statuten vom ,Tahre 1841 die 
ans, ruckliehe Bestimmung entl.ielt, dass zur Annahme der 
anknoten im 1 rivatverkehre kein Zwang stattttndet, währen,1 
vertü"i i“' “'’ ~ "»dl einmal im Jahre 1808 
ver,.4:is:-=r:;:ta:"^ 
■
        <pb n="28" />
        14 
Vom Ende des Jahres 1862 bis zum dO. April 1866 ver 
minderte darauf die Bank abermals ihren Notemunlaut um 
88’9 Millionen und sie stand wieder der Aufnahme der Baar- 
Zahlungen — für welche das Jahr gesetzlich vorgesehen 
war — sehr nahe, als die Staatsnoten-Emission in Folge des 
österreichisch-preussischen Krieges alle zur Erreichung dieses 
Zieles gemachten Anstrengungen paralysirte, indem damit 
jene ungebührliche Ausdelinung der Circulationsmittel zu Wege 
gebracht wurde, unter deren Folgen der österreichisch-unga 
rische Geldumlauf bis zum heutigen Tage leidet. 
Die Insolvenz der österreichischen Nationalbank war 
also stets durch die Verschuldung des Staates hervorgeruten. 
Es lassen sich in dieser Beziehung drei Epochen unterscheiden. 
Die erste, von der Gründung der Bank bis zum Jahre 1848 
reichend, umfasst jenen Zeitraum, in welchem der Staat bis 
zu einem Betrage von 126’8 Millionen Gulden Schuldner der 
Bank wurde, ohne dadurch deren Solvenz zu stören, da eben 
trotz dieser Verschuldung ein Missverhältniss zwischen den 
Circulations-Mitteln und den Circulations-Bedürfnissen nicht 
hervorgerufen wurde. Die zweite Epoche von 1848 bis 1866 
umfasst eine Zeit, in welcher der Staat mit so hohen Beträgen 
der directe Schuldner der Bank wurde, dass diese letztere 
nothgedrungen ihren eigenen Notenumlaut über die Verkehrs 
bedürfnisse hinaus ausdehnen musste und dadurch ein Disagio 
dieser Noten hervorrief. Nur vorübergehend, insbesondere in 
den Jahren 1851 bis 1854, ging mit dieser directen Verschul 
dung an die Bank und mit dem dadurch erzwungenen An 
wachsen der Banknotencirculation auch die Emission von 
Staatspapiergeld Hand in Hand. In diesen 18 Jahren machte 
der Staat zweimal Anstrengungen, sich seiner Schuld zu ent 
ledigen und die Valuta herzustellen, wurde aber immer durch 
dazwischen tretende politische Verwicklungen und Kriege an 
der vollständigen Durchführung seines Vorhabens gehindert. 
Die dritte Epoche endlich — vom J ahre 1866 bis zur 
Gegenwart — zeigt ein stationäres directes Schuldverhältniss 
des Staates zur Ban^ und zwar ein Schuldverhältniss in einer 
Höhe, welches für sich betrachtet die Basis des Geldumlaufes 
noch keineswegs angreifen würde. Dass nichtsdestoweniger 
auch in dieser letzteren Periode die österreichischen Noten
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        f 
— 15 — 
nur mit einem Disagio circiiliren, hat in der directen Zettel- 
^mission des Staates seinen Grund und in der VerpHichtung 
ijer Bank, die Staatsnoten an Zahlungsstatt zu nehmen, so 
( ass sie indirect Mitschuldnerin für die gesammte vom Staate 
ausgegebene Zettelmenge ist. 
y 1, Uebersicht über die (ienesis der verschiedenen 
chuldverhaltnisse des Staates an die Bank ergibt das Folgende. 2) 
le älteste Sclmld, die sogenannte Ur- oder fundirte Schuld, 
rührt daher, dass die Bank für die Staatsverwaltung die Ein- 
^"genannten Wienerwähi-ungpapiergeldes überiiom- 
4«-&lt;) ‘inn- i'^l'kwlde löste die Bank im Ganzen 
mm 
Es betrug ; 
Die Staat« 
Im 
Jahre 
Im Staat«- 
Jahre “cliuW an die 
Bank 
Die KtaatH- 
Bchuld an die 
im 
Die Staatm 
achuld an die 
Bank 
Im 
Jahre 
Jahre au die 
Bank 
Bank 
1818 
1819 
1820 
1821 
1822 
1823 
1824 
1825 
1820 
1827 
1828 
1829 
1830 
1831 
1832 
10,490.000 
23,732.000 
34,231.541 
28,009.541 
39,796.735 
47,044.2t&gt;0 
57.529.760 
72.229.760 
81.838.760 
87,029.760 
98,035.760 
105,928.760 
108,029.760 
112,018.760 
114,098.760 
1833 
1834 
1835 
183« 
1837 
1838 
1839 
1840 
1841 
1842 
1843 
1844 
1845 
1846 
1847 
104,029,760 
114.029.760 
128,029.760 
128,029.760 
129,140 950 
131,443.148 
129,343.834 
126,304..387 
125,931.083 
114,984.086 
110.591.450 
108,515.108 
106,363.872 
104,622.427 
126.791,324 
1848 
1849 
185« 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
185« 
1857 
1858 
1859 
18«« 
1861 
178,644.778 
189,081.035 
150,402,918 
121,699.243 
130,660.278 
121,710.690 
294,226.495 
25.3,175,172 
212,779.561 
203,784.354 
145.733.823 
300,169.337 
257,054.159 
249,817.212 
1862 
1863 
1864 
1865 
18«« 
1867 
186S 
1869 
187« 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
217,289.244 
186,373.140' 
175,907.1611 
144,292.631' 
140,000.000, 
80,000.000 
80,000.000 
80,000.000 
80,000.(XK) 
80,fX)0.000 
8o,ooo.rm 
80,000.000 
80,000.000 
80.0CX).000
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        16 
bis auf den Betrag von T'/g Millionen alsbald zurückerstattet 
wurden. 
Eine vorübergehende Episode bildet in dieser Epoche, wie 
bereits erwähnt, die Ausgabe von unverzinslichen Reichsschatz 
scheinen mit Zwangscüurs, für welche eine IVlaximalgrenze von 
200 i\[illionen Gulden festgestellt wurde. Dieses Staatspapier 
geld einzulösen verpflichtete sich die Bank im Uebereinkommen 
vom 28. Februar 1854, und um nunmehr die solcher Art zu 
bedeutendem Umfange angewachsene Bank-Schuld des Staates 
zu tilgen , wurde ein Theil des Erlöses aus dem 1854er National- 
anlehen, nämlich der Betrag von 184'/a Millionen Gulden und 
überdies das Zollerträgniss der Bank zugewiesen. Nach mannig 
fachen Verzögerungen der Rückzahlung und nach verwickelten 
neuen Anlehensbewilligungen des Institutes an den Staat wurden 
diesem endlich zur Ermöglichung der Wiederaufnahme der 
Baarzahlungen durch Uebereinkommen vom 26, December 1858 
30 ^Millionen Gulden in fünf gleichen Jahresraten vom 1. No 
vember 1860 bis zum 1, November 1864 aus den Kaufschillings 
raten der Südbahn und rund 23 Millionen Gulden Tirundent- 
lastungsohligationen übergeben. In der That begann nun die 
Bank vom September 1858 bis A])ril 1850 die Baarzahlnngen. 
In Folge des ausbrechenden Krieges erreichte jedoch kurz 
darauf die Schuld des Staates eine bisher nicht vorhanden 
gewesene Höhe; bis Ende August 1850 wurden der Bank Vor 
schüsse im Gesammthetrage von 133 Millionen Gulden, über 
dies ihrem Baarschatze 20 Millionen Gulden IMetallgeld ent 
nommen. 
Im Jahre 1862 wurden abermals Anstrengungen zur Ord 
nung des Geldwesens gemacht. Im Sinne der damals beschlos 
senen neuen Bankacte sollten von der Schuld des Staates, die 
damals rund 217*3 ]\lilHonen Gulden betrug, 20 Millionen in 
Silber und 117 3 Millionen in Noten bis zum Jahre 1867 zurück 
gezahlt werden. Es sollte die Bank die in ihrem Besitze 
befindlichen, zur Deckung verschiedener Schuldbeträge des 
Staates dienenden Effecten veräussern, so dass im Ganzen eine 
Schuld von 80 Millionen Gulden übrig geblieben wäre. Die 
Rückzahlungen des Staates erfolgten dieses Mal thatsächlich 
trotz des inzwischen ausgebrochenen Krieges ; an die Aufnahme 
der Baarzahlungen im Jahre 1867 war aber trotzdem aus dem
        <pb n="31" />
        A 
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1 h. llertzka, Währung und Handel.
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        2* 
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e=5 
ãS 
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— 18 — 
Die Bewegung des österreiolnsclien (leldwertlios unter 
dem Einflüsse all’ dieser gescliiclitlicli naeligewiesenen Verän 
derungen zeigt nun die folgende Tabelle, in welcher vom 
Jahre 1848 bis zum Schlüsse des Jahres 1874 die höchsten 
ti 
M ^ % o Î- ^ ^ ^ ^ ^ 
I = Ê Isis i i i I i 
äs 3g S5S iss 32 22 S3 2| 3S iS 3g SS 
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III
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        II. Capitel. 
Einfluss der Valuta auf die Oapitalvertheilung und 
(len Aussen lian (lei. 
Wie schon Eingangs bemerkt, wurde in versciiiedenen 
Staaten die Erfahrung gemacht, dass die wirthschaitlichen 
Verhältnisse nnmittelhar nach zerstörenden Kriegen und nacli 
Einfiilirnng einer l^apiergeldwirthschaft einen rapiden Anl- 
schwung nahmen. Wenn man daraus folgert, dass Krieg und 
Zettelwesen der wirthsc.haftlichen Entwicklung förderlich seien, 
so ist dies allerdings ein arger Trugschluss; aber wie jedei" 
IrrthuHi in der gel einen Kern von V ahrluut in sieh hiigt, 
so kann auch hier aller ursächliche Zusammenhang zwischen 
den zeitlich aufeinanderfolgenden Erscheinungen keineswegs 
geleugnet werden, (xleichwie es naturgemäss ist, dass die Hau 
handwerker reichliche Heschäitigung linden, wenn eine Stadt 
durch ein Erdbeben zerstört wird, und trotzdem kein Vernünf 
tiger bestreiten wird, dass ein Solches die furchtbarste wirfh- 
schaftliche Calamität für das davon betroffene (lebiet sei , so 
befördern die IT'oduction zeitweilig auch Krieg uud Hapiergeld 
in ganz analoger Weise, ohne deshalb den ( haraktei wiifh- 
schaftlichen Unglücks zu verlieren. Die Analogie zwischen 
Krieg und Erdbeben ist auf den ersten Hl ick einleuchtend. Man 
wird leicht einsehen, dass jener sogenannte Aufschwung, den
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        (1er Krieg im Gefolge liât, doch nur dahin führt, schliesslich 
jenen Zustand wieder zu erreichen, der vor dem Kriege vorhan 
den war, und dass demnach hier von keinem Fortschritte, son 
dern höchstens von einer beschleunigten ^Wiederein 
setzung inden vorigen Stand die Rede sein kann, ist diese 
re.stitutio in integrum vollzogen, dann hat es mit den ver 
meintlichen wohlthätigen Folgen der vorangegangenen Zerstö- 
rung sein Ende, dann muss die (xesammtwirthschaft ihr Werk 
(Olt A\iedei aufnehmen, wo sie es vor dem Kriege verlassen, 
iK es wild ihi dies voraussichtlich in Folge der geschwäch 
ten La¡)italskraft nur in langsamerem Tempo möglich sein, als 
es 0 ine Krieg der Fall gewesen wäre. 
Eine eben so directe Analogie zwischen der Wirkung der 
.ettelwirthschaft und einer durch Elementargewalt hervorge 
rufenen Capita Iszer.störiing be.steht nun allerdings nicht, um so 
weniger, da der Zettelemission vielfach die Wirkung nachge 
sagt wird das Capital zu vermehren und dadurch erst recht 
einen wirt ischaftlichen Aufschwung einzuleiten. Und dies ist fürs 
l-mte „ucl. theilwe.i,« ricl.tig. Zwar .lass eine solcl.e Emission 
vl'lV T "• 'gel'einle Entwertlmng der I.ainles- 
ntd den in (,eld ausgedriickten Weith aller anderen Caiii- 
talien und insbesondere den Umfang des eireiilirenden (ield- 
voiTiit ,es steigert , ist Idos eine scheinbare Ca,ntiilsvermebrung, 
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Summo P- . .1 Ginc in Landesgeld ausgedrückte höhere 
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ie iitsclasse deren Einkommen ein nominell feststehendes ist 
11 I je nac I ( em Umtange der (ieldentwertbiing mehr oder 
minder bedeutend gesebiidigt sehen wird, aus welcher «chadi- 
gung dann die anderen Kerufsclassen für sich einen verhält- 
nissinassigen Crewnin werden herausschlagen können, da wie
        <pb n="35" />
        22 
erwähnt, die Ge.sammtsnmme des Nationaleinkommens sich für's 
Erste auf unveränderter Höhe erhält. Aber schon diese Ver 
schiebung der Erwerhsverhältnisse, die sieh selbstverständlich 
nicht auf die mit fixen Besoldungen angestellten Berufsclassen, 
sondern weiter sch reitend auch auf jene ausdehnen wird , die 
wieder vorwiegend durch diese Eixhesoldeten beschäftigt wur 
den , muss eine Beeinträchtigung der allgemeinen Production 
im Gefolge haben. Gewaltsame und %*löt%liche Verschiebungen 
in den Vermögens- und Erwerbsverhältnissen wirken eben in 
der Hegel nachtheilig, einerseits, weil sie zu unwirthschaftli- 
clien Ausgaben reizen, indem nämlich die plötzlich Hepossedir- 
ten es nicht immer verstehen, sich sofort auf dem niederen 
Lebensstande einzurichten, und andererseits die plötzlich 
Beschenkten nicht immer in der Lage sind, von dem Zuwachse 
an Vermögen und Einkommen den besten Gebrauch zu machen. 
Das Ca])ital ist ein Instrument, dessen nutzbringende Hand 
habung ebenso eine gewisse Hebung voraussetzt, wie die irgend 
eines anderen Instrumentes. So unwirthschaftlich es nun wäre, 
die verschiedenen Handwerker in ihrem Arbeitsgeräthe zu ver 
kürzen und damit die llentner zu beschenken, ebenso unwirth 
schaftlich der Art, wenn auch nicht der Intensität nach ist 
ein unvermittelter Besitzwechsel anderweitiger Capitalien. 
Die Verdrängung des Metallgeldes durch dieselbe Func 
tion übernehmende Papierzettel ist aber andererseits, wie 
bereits angedeutet wurde , mit einem directen Capitalsgewinne 
verbunden, und es soll nun untersucht werden , in welcher 
Weise dieser Capitalsgewinn erzielt wird und ob aus demsel 
ben für die Gesammtheit ein Nutzen erwächst. 
Für die aus dem Verkehre verdrängten metallischen Geld 
zeichen , die ja das betreffende Land nicht unentgeltlich in das 
Ausland strömen lässt, werden AVerthe aller Art, und zwar 
je nach den Verhältnissen Waaren, Dienstleistungen oder 
Werthpapiere erworben, und da nun jenes Gut, für welches 
all dieses eingetauscht wird, kostenlos ersetzt wurde, so repi’ä- 
sentiren diese neuen Werthe einen Zuwachs des G esamnitVer 
mögens. Wenn beispielsweise ein Verkehrsgebiet Alillio- 
nen Gulden verschiedenartiger Capitalien besitzt, davon lou 
Millionen in Form von Circulationsmittelii, so wird es nach 
der Zettelemission an Stelle der 1(H&gt; Alillionen Aletallgeldes
        <pb n="36" />
        23 
|lie ffleiche Menge Papiergeldes haben, das dieselbe wirthschaft- 
Iiche Arbeit verrichtet, und für sein .Aletallgeld KK&gt; Millionen 
anderweitiger Werthe erworben haben, so dass nunmehr 
lÜO Millionen Circulationsmittel und 1(KK) Millionen ander 
weitiger Werthe, zusammen also 11(J() Millionen vorhanden 
sein werden. Aber dieser Zuwachs von KX) Millionen (der 
u Ilgens, wie sich alsbald zeigen mrd, nicht voll sein kann) 
ist nicht aus dem Nichts geschaffen, nicht durch die Zettel- 
emission neu erzeugt, sondern auf Kosten und mit einem Ver 
luste aller anderen Verkehrsgebiete der Erde herangezogen 
worden Dadurch nämlich, dass das betreffende Land die 
Ldelmetalle bei sich zu Hause demonetisirt und um deren 
e rag en Edelmetallvorrath der gesammten übrigen AVelt ver 
mehrt, verringert sich der Werth der gesammten früher vorlian- 
enen Circulationsmittel genau um den nämlichen Betrag, in- 
( Uli ( le vermehrte Ciiculationsmenge insgesammt keine höhere 
lausch- und Kaufkraft besitzt als die frühere geringere. Wenn 
beispielsweise die aus dem Papiergeldlande abströmenden Edel- 
^ ^'ii’milationsmittelquantums aller Metall- 
ffeldlander zusammen ausmachen, so wird jeder Geldbesitzer 
&lt; er ganzen Erde eine Devalvation der Kautkraft seiner Geld- 
erfahren. Es werden also vorerst die 
Ä“;:” :.;r =r,; 
^ 'If T'"“ einer Neu«ehöi.fung, son- 
vor sich ^ Beraubung aller anderen Verkehrsgebiete 
^ ^ möglich, kann es der wirthschaftlichen Gerech 
tigkeit irgendwie entsprechen, dass diese Beraubung sich vidl- 
ein ^ ‘^uiür den Beraubten in anderer Form
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        24 
Schatzung aufzuerlegen, ohne dafür irgend eine wirthschaftliehe 
Leistung zu bieten? Und wenn dies möglich wäre, müsste 
nicht die seit Jahrtausenden geübte fxeldwirthschaft unseres 
Planeten als ein geradezu lächerlicher Irrthum erscheinen? 
Wozu hätte man ungezählte Milliarden von Arbeitstagen daran 
gewendet, um der Erde ihre Schätze an Gold und Silber zu 
entreissen und diese den Circulationszwecken dienstbar zu 
maehen, wenn derselbe Zweek durch bedruckte Papierstück 
chen zu erreiehen ist? Wäre nicht jenes Land das weiseste 
gewesen, welches vom Anbeginn den anderen Staaten die ]\[ühe 
und die Kosten überlassen hätte, sich einen möglichst stabi 
len Werthmesser zu beschalfen, während es selbst sich begnügt 
hätte, Ilechenmarken zu erzeugen, denen von Dbrigkeitswegen die 
Eunction des metallischen Werthmessers übertragen wird? Und 
sollte man vielleicht einwenden, dass anch die bedeckte Banknote 
in gewisser Beziehung eine derartige Rechenmarke ist, nnd dass 
daher ganz dasselbe, was soeben gegen die Möglichkeit der wirth- 
schaftlichen Berechtigung des Papiergeldes gesagt wurde, auch 
gegen die Banknote geltend gemacht werden'kann, so vergisst 
man, dass der Nutzen, den die Banknote ihrem Erzeuger 
gewährt, um den Preis eines sehr reellen wirthschaftliehen 
Gegendienstes erkauft ist. Ganz abgesehen davon, dass schon 
die Aufrechterhaltung des LeckungsVerhältnisses eine Arbeit 
ist, verbunden mit ausserordentlichem Scharfsinn und mit 
grossen Kosten, die in der Regel jeden über das Dui’chschnitts- 
mass hinausgehenden Nutzen der Notenemission absorbiren, so hat 
ja die Banknote auch den Beruf , dem Verkehre eine Krleich- 
terung und eine Bequemlichkeit zu verschaffen, die ihm das 
Metallgeld nicht gewähren kann, und die Berechtigung der 
Banknote geht eben nur so weit, als sie sich auf die Gewäh 
rung dieser Erleichterungen beschriudvt. Das Pa])iergeld dage 
gen will sich kostenlos und ohne jede wirthschaftliehe Arbeit 
und Gegenleistung an die Stelle des mit grossen Kosten erzeug- 
' ten Metallgeldes setzen; es will seinem Erzeuger einen Nutzen 
zuwenden, ohne dass derselbe dafür etwas zu leisten brauchte, — 
und wenn dies gelingen könnte, so läge hierin eine vollstän 
dige Verneinung des obersten Grundsatzes aller wirthschaft- 
I liehen Beziehungen, wornach es keine Leistung ohne Gegen- 
1 leistung gibt.
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        25 
Und in der That wohnt dem Papiergelde die Zauberkraft 
'licht inne, diesen Grundsatz auf den Kopf zu stellen. Jlit 
seiner Hilfe kann allerdings jedes Land einen Rauh an allen 
Veikehrsgehieten begehen, aber es muss dafür voll 
ständige und schwere Busse gewahren. Es hat damit verzichtet 
au eine der wichtigsten Errungenschaften der letzten .lahr- 
ausende, auf die ü eldwirthschaft, es ist von dieser zur 
lauschwirthschaft zurückgekehrt, indem sein Werthmesser 
sammthl-r"*n*’^.“‘* "ber die Ge- 
SfatiTi"! ^ Civilisirten Staaten gleichniässig verbreitete 
dere, w T ’ vielmehr eine Waare geworden ist, 
11 pI® * "v'i'viiikt wie der jeder anderen Waare. 
8“’“ nämliche, ob man das 
liehe \b' i ""if «etrade oder ähn- 
e Kothbehelte der auf dem Zustande der Tauschwirthschaft 
behndlichen Länder ersetzt. Die ungeheure Arbeit, mit welcher 
die J emscbheit sich seit .Tabrtausende« die relativ stabilsten 
keife 77’ "^"«rben hat, wurde 
nnd d'-je:;;:'7 Surirtfit 
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        26 
messer des Papier)iuides von dem der l^idelmetallländer zwar 
verseliiedeii aber niclit scliwankend, so würde sicli selir 
l)ald ein stetiges Verliältniss 1er inländisclien und auslän- 
(lisclien Preise für alle Güterclasseu lierausstellen. Man würde 
iin Handel mit dem Auslande nicht mehr gewinnen und ver 
lieren, als wenn man selbst eine Metallvaluta besässe, wobei 
nur der schädliche Einfluss der Valutaentwerthung auf die 
W^echselcourse, der später behandelt werden soll, von nach 
theiliger Wirkung wäre. Man könnte beispielsweise für eine 
Waare, die 10 H. im entwertheten, aber nur H H. im voll 
werthigen Gehle gilt, im Auslande eine andere Waare ein- 
tausclien, die wieder nur H fl. im vollwerthigen, aber 10 11. 
im entwertheten Gelde gelten müsste. Durch die Schwan 
kungen der Valuta wird dies Verliältniss jedoch gestört. 
Es ist nämlich einleuchtend, dass man im Papierlande erzeugte 
Güter dann mit dem grössten Vortheile im Auslände wird vcj- 
kaufen können, wenn durch eine plötzliche Verschlechterung 
der eigenen heimischen Valuta das Geldstück, das man 
im Auslande erhält, in inländischem Gehle ausgedrückt 
eine grössere Summe repräsentirt, als zuvor; während man 
umgekehrt im Auslande dann am vortheilhaftesten wird 
kaufen können, wenn durch eine plötzliche Verbesserung 
der eigenen heimischen Valuta das Geldstück, das man dem 
Auslande bezahlt, in heimische Valuta umgerechnet einen 
geringeren Betrag repräsentirt als zuvor. Dadurch aber wii'd 
sich für dieses Land die unselige Tendenz lierausstellen, an 
das Ausland dann am meisten zu verkaufen, wenn der ge 
ringste reelle Geldwerth für jede Waare zu erlangen ist, 
und von dem Anslande dann am meisten zu kaufen, wenn 
der höchste reelle Geldwerth für jede Waare bezahlt wer 
den muss. 
Nehmen wir ein concretes Beispiel. Ein Fabrikant des 
Papicriandes habe zum Preise von 50 H. in ^Metallgeld per 
Centner Baumwolle gekauft. Die Differenz zwischen dem 
Landgelde und dem Metall- oder Wcltgelde lief rüge 10 Percent; 
er wird also 55 fl. in eigener Valuta dafür gezahlt haben. 
Diesen Rohstoff verwandelt er, indem er lOO Arbeitstage da 
ran wendet, in ein Gewebe; der mittlere Arbeitslohn soll sich 
auf 50 kr. Silber, das wäre also in die Landesvaluta um-
        <pb n="40" />
        - 27 - . 
Ri'i'fcli.iet, auf õõ kr. belaufen. AVir geben mm v„„ ,1er Vor 
ansaetzimg aus, dass Kohstoffe und Arbeitslöhne durchscbnitt 
in dem J.ande mit Papiervaluta und in den benachbarter 
Staaten im gleiclien Wertlie stehen. Die Waare wird also in, 
Auslamle KHI H. in Silber, indem l'apierlande 110 11. i„ 
v n Fertigstellung beanspruchen. So- 
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        28 
Papiervaluta unter sonst gleich bleibenden Verhältnissen mit 
Vortlieil zu importiren. Denn er wird nun für dassfdbe Produet, 
dessen Erzeugung im Papierlande 120 fl. gekostet bat, bei 
spielsweise 115 d. nehmen, weil diese 115 fl. in Silbeigeld 
umgereclinet, bei 10 Percent Agio noch immer 104 fl. 54 kr,, 
ihm also einen Nutzen von 4 fl. 54 kr. ergeben. Bei diesem 
Geschäfte wird gleichzeitig der Käufer im Papierlande einen 
scheinbaren Gewinn von 5 fl. erzielt haben. 
Der Nutzen des Ausländers wird sowohl bei den früher 
billiger gekauften, wie jetzt bei den theuer verkauften Waa- 
ren ein wirklicher sein. Der Nutzen des Käufers im Papier 
lande ist aber ebenso trügerisch, wie es früher der Nutzen 
des Verkäufers dort war, denn er hat für ein Product, welches | 
hinkünftig, so lange sich das Disagio von lo Percent erhält, ! 
im eigenen Lande um 110 fl. zu beschaffen wäre, 115 fl. ge- | 
geben, also 5 fl. oder 0 Arbeitstage vergeudet. Noch auttal- j 
liger wird dieser Verlust, wenn man sich etwa voistellt, dass ; 
es ganz dieselbe Waare sei, die zuerst für llo fl. bei einem i 
Agiostande von 20 Percent, also für einen Silberwerth von ; 
94 fl. an’s Ausland verkauft und später wieder für 115 fl., 
aber bei einem Agiostande von 10 Percent und folglich für . 
einen Silberwerth von 104 fl. 54 kr. vom Auslande zurück- | 
gekauft wurde. AVenn man die Landesvaluta als !Massstab i 
nimmt, wäre diese ganze Transaction, allerdings ohne jeden , 
Verlust vor sich gegangen, und doch werden 9*/2 1^- ^i^hei 
oder 19 Arbeitstage dabei an’s Ausland abgegeben worden 
sein, ohne dass dafür irgend ein Gegenwerth zu erhalten ge- ; 
wesen wäre. | 
Man wird vielleicht ein wenden, dass es ja durchaus keine ■ 
den Ländern mit gestörter Valuta allein eigenthüinliche Ten- ¡ 
denz sei, im Auslande dann einzukaufen, wenn dort billiger ^ 
produeirt wird als im Inlande, und dahin zu verkaufen, wenn i 
umgekehrt im Inlande billiger produeirt wird. Thatsächlich j 
liegt das Wesen des internationalen Handels in diesem Stre- I 
ben, beim Kaufe wie beim Verkaufe aus allen sich ergeben- i 
den Differenzen der Productionsbedingungen zweier Länder ; 
Vortheil zu ziehen. Aber es besteht ein ungeheurer Unterschied 
zwischen der Conjunctur, wie sie naturgemäss im intermitió- , 
nalen Handel ausgenützt wird, und derjenigen, die sich im Ge- 1
        <pb n="42" />
        — 29 — 
folge der Valutüscliwaiikuiigeii bei Ijäiidern mit Papiervaliita 
lierausstellt. Während nämlich dort die T)ilferenz der Produc- 
tionsbedingnngen, aus denen der Vortlieil gezogen werden soll, 
eine reelle, wirklich greifbare ist, ist diese Differenz hier nur 
scheinbar und trügerisch. Es ist allerdings die Pegel für 
jedes Jjand, dass es dasjenige exportirt, was es auf dem frem 
den Markte billiger abzngeben vermag, als es auf diesem frem 
den Markte producirt werden kann, und umgekehrt im Aus 
lande dasjenige kauft, was dort billiger zu erhalten ist, 
als es im Inlande producirt werden könnte. Kann man nun 
\yr 'lieh die betreffende Waare billiger oder then rer erzeugen 
a s der Ausländer, so erfolgt dieser Güteraustausch zu beider 
seitigem Vortheile, denn es wird an beiden Orten Arbeit er 
spart und Geldwerth gewonnen. Man würde, um auf das vorige 
Beispiel zurückzukommen, das Baumwollgewebe, dessen Ge 
stehungskosten im Auslande KX) fl. Silber sind , nur dann dort 
hin ex])ortiren, wenn es im Inlande durch irgend eine Verbes 
serung des Betriebes, durch die Gunst natürlicher Verhältnisse 
oder durch eine abnorme Wohlfeilheit der Lebensmittel und 
Lohne gelange, dieselbe Waare für 90 oder 95 H. Silber her- 
J^aistellen, und umgekehrt für dieses Gewebe im Auslande blos 
( ann 04' , fl. in Silber bezahlen, wenn man dasselbe im In- 
amle aus irgend welchem entgegengesetzten Grunde um den- 
"iGht herzustellen vermöchte. Unter der 
anwirkung der Valutaschwankungen aber sind , wie oben ge- 
2ich"T' geradezu entgegengesetzter Natur 
möglich, also ein wirklich verlustbringender auswärtiger Han- 
&lt;0, (er unter normalen Verhältnissen der Natur der Sache 
'lurchaus zuwiderläuft. 
Um Missverständnissen vorzubeugen, soll hier ausdrück- 
ich zugegebni werden, da.ss allerdings auch unter normalen 
.eh yerhaltnissen im internationalen Handel Verluste eben.sowohl 
niog ich .sind, wie umgekehrt auch eine schwankende Valuta 
wirklich nutzbringende internationale Handelsgeschäfte nicht 
mi.s.schliesst. Was das Erstere anbelangt, so entstehen solche 
m lüste durch falsche Speculation, durch abnorme Wechsel 
&lt;ler (rnnjunctur und dergleichen mehr; sie sind aber immer 
imr eine Ausnahme und _ worauf es hauptsächlich ankommt — 
»» Absicht des Speculanten. Unter der
        <pb n="43" />
        30 
Herrschaft der Papiervalnta aher arheiteu die Exporteure und 
Importeure geradezu auf den Verlust der Allgemeinheit los, 
das heisst sie speoiilireu dann und nach jener Richtung am häu 
tigsten, wo eine scheinbar günstige Conjunctnr ihnen trügerische 
(rewinne zeigt, die in Wahrheit Verluste sind. Nichtsdesto 
weniger ergibt ohne Frage das (xesammtresultat des inter- 
natioualen Handels auch für ein Papierland (Gewinne. Man 
wird auch hier ganz in derselben Weise wie bei Ländern mit 
gesundem (Geldwesen vorwiegend jene Waaren exportiren , die 
zu Hause wirklich billiger erzeugt werden, dagegen di(\¡enigim 
im])ortiren, hei denen das Umgekehrte der Fall ist, und der 
daraus resul tiren de Nutzen wird in der Regel doch grösser 
sein als die Verluste, welche die Ausnützung jeder trügerisch 
durch das Agio liervorgerufenen Conjunctnr nach sich ziehen. 
Man darf nicht vergessen, dass das Rechenexempel, welches 
hier zum Ausgangspunkte genommen wurde, von einer in \\ irk- 
lichkeit nicht vorhandenen Voraussetzung ausgeht, nämlich von 
der, dass die (iestehungskosten jener Waaren, die im inter 
nationalen Handel bewegt werden, auf Silber reducirt, im Fx- 
port- und Tmportlande die nämlichen sind. Fs geschah dies, 
um die Rechnung zu vereinfachen. Aber es ist auch nicht 
schwer zu zeigen, wie unter der Wirksamkeit der Agioschwan 
kungen der Cewinn aus dem internationalen Handel vei rin 
gert wird, wenn man Waaren vor Augen hat, bei denen eine 
bedeutende thatsächliche Ditferenz der (Iestehungskosten vor 
handen ist. Fs erfordere beisjiielsweise der Centner liaumwoll- 
waare, dessen Frzengung im Auslande nm bO Silbergulden 
Pohstotf und 1(M&gt; Arbeitstage à bO kr., also zusammen einen 
Kostenaufwand von 1(M) fl. beansprucht, im Inlande neben den 
bo H. für Rohstotf nur 80 Arbeitstage à bo kr. Silber, zu 
sammen also Idos 90 Ü. Silber; es steige nun das Disagio von 
10 auf 20 Percent, so wird der inländische Fabrikant, der für 
sein Product 99 H. in Papier ausgegeben hatte und der, wenn 
er es früher im Auslande für 100 fl. Silber verkauft hätte, einen 
Nutzen von 11 tl. Papier erzielt hätte, plötzlich beim Verkaufe 
um dieselben lOO Silbergulden eine scheinbare Cewinnstmarge 
von 21 Ü. Papier vor Augen sehen. Er wird der Ansicht sein, 
von diesem ihm plötzlich über seine eigene Erwartung zuge 
wachsenen Nutzen im Concurrenzkampfe leicht einige Cuiden
        <pb n="44" />
        31 
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        — 32 
Einzeljalire der ganzen E])()che beträgt rnnd 17 Percent. *) 
Die Schwankung innerhalb , eines einzelnen Monates betrug 
einmal 29 V* Percent und überstieg füntzehnmal 10 Percent. 
Man ermesse nun, welche Umstülpung aller Productions- und 
Absatzbedingungen derartige Fluctuationen des Geldwerthes 
hervorriifen mussten. 
In diesem Verhältnisse mag auch der Grund liegen, 
warum in Ländern mit gestörten Geldverhältnissen die Schutz 
zolltendenzen so leicht zur Geltung kommen. Man fühlt in 
einem solchen Lande instinctiv, ohne den inneren Zusammen 
hang überall klar einzusehen, dass an den Gewinnsten des 
auswärtigen Handels etwas nicht richtig sei, und man ist 
dann geneigt, die Schuld nicht jenem Factor zuzumessen, der 
den Schaden wirklich herbeiführt, sondern jener Verkehrs- 
thätigkeit, welche durch diesen Factor geschädigt wird. Es 
ist nun nicht Sache dieser Abhandlung, auf die Berechtigung 
oder VerwerHichkeit der Schutzzolltheorie im Allgemeinen 
einzugehen; gezeigt aber muss hier werden, dass Schutzzölle 
— gleichviel, welche heilsame Wirkung ihnen im Uebrigen 
mit Hecht oder Unrecht zugesprochen werden mag — den 
Effect nicht haben können, die schädlichen Wirkungen der 
Valutaschwankungen im auswärtigen Handel zu ])aralysiren. 
‘) Die jährlichen Coursschwankungen für Silber an der Wiener Börse in 
den .Tahren 1848 bis 1875 waren die folgenden : 
I Höchster 
Jahr' Silber- 
I Cours 
Höchster Niederster 
Niederster T^tcrvall der 
Intervall der 
Jahr Silber- 
Sllller- 
Silbei 
Cours I »(«"'egung 
Heweguiijç 
CourH 
CüurH 
1848 
1849 
185U 
1851 
1852 
1853 
1851 
1855 
1851) 
1857 
1858 
1859 
18(iU 
1891 
117 
127 
150 
134 
125 
119.;, 
149.. , 
113., « 
109.. , 
109.. 5 
153.^0 
144.30 
152.. , 
101 
105 
111 
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101.» 
103.„ 
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1^.2, 
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9.«« 
52.,« 
19.«« 
18.«. 
Percent 
1892' 
1893, 
1894 
1895 
1899 
1897 
1898 
1899 
1870 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
139. «« 
123.«« 
121-7« 
114., « 
140. «« 
133., « 
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133.«, 
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109., « I 
Ill 
109., « 
112.*« 
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        r , 
— — 
orderst ist zu bedenken, dass der auswärtige Hände 
im grossen Ganzen trotz Zettehvirtliscliaft und Valutamisèrí 
(ienn docli einen Gewinn übrig lässt, der durch die Valutü 
y.wiiv beeinträchtigt,^ aber selten vollständig aufgezehrt odei 
vo ends in einen Verlust umgewandelt werden kann, AVil] 
man a so dem Schutzzölle schon um dessentwillen in einem 
lapierlande segensreiche Wirkung zuschreiben, weil er der 
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,,2 2 l'inau», al. 
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Th. Ilertzka, Währung und Hnn.lel. ..
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        34 
mögliche Gewinn, 'dessen Verringerung oder vollständige 
Absorption die Wirkung einer sogenannten für den Import 
günstigen Valutaconjunctur ist, vorweg verkleinert und deshalb 
die Grenze, wo der Gewinnstentgang in positiven Verlust 
übergeht, viel näher gerückt. 
Drittens und hauptsächlich ist aber zu beachten, dass 
der Schutzzoll sich nur auf eine beschränkte Anzahl von Gü 
tern , die im auswärtigen Handel bewegt werden, erstreckt, 
dass er überhaupt niemals die Macht besitzt, die gesammte 
Summe der Exporte und Importe in massgebender Weise zu 
beeinflussen, sondern höchstens die Güterbewegung von gewissen 
Waaren ablenken und auf andere hinleiten kann. W^erden z. B. 
Baumwollgewebe geschützt und wird dadurch deren Import 
erschwert, so wird der Import bis zu jener Höhe, die noth- 
wendiger Weise erreicht werden muss, um die Verbindlich 
keiten des Auslandes zu begleichen, eben in einer anderen 
Gattung vonWerthen erfolgen. Man wird hier wahrscheinlich 
einwenden, dass dies keineswegs so ausgemacht, ja eigentlich 
eine Absurdität sei, da schlechterdings nicht abgesehen werden 
könne, warum ein gewisses .Verkehrsgebiet, das bisher vom 
Auslande Baumwollwaaren bezogen hat, nun plötzlich, weil 
Baumwollwaaren geschützt sind , einen höheren Bedarf beispiels 
weise an Glaswaaren zeigen sollte. Dieser Zusammenhang 
zwischen dem Schutze auf die eine und dem erhöhten Bedarfe 
für die andere Güterclasse ist jedoch durchaus nicht paradox, 
er ist vielmehr durchaus nothwendig. Denn wenn Baumwoll 
waaren höher geschützt, also vertheuert werden, vertheuern 
sich — wenn auch nur um ein Geringes — die Productions- 
bedingungen füi- alle inländischen Erzeugnisse, also auch für 
Glaswaaren. Diese werden nunmehr minder concurrenzf a big gegen 
das Ausland sein, und wenn diese Verminderung ihrer Con- 
currenzfähigkeit nicht durch eine entsprechende Erhöhung des 
Schutzes auch für sie ausgeglichen wird, so muss eben eine 
Steigerung des Importes die unvermeidliche Folge sein. Die 
schädlichen Wirkungen der Valutaschwankungen beziehen sich 
aber ganz in gleicher Weise auf jede im Lande der Papier 
währung vor sich gehende Production und der Schutzzoll wird 
daher, ganz abgesehen von seinen anderweitigen Konsequenzen, 
in dieser Hinsicht — nämlich zur Verhütung uder Verrin-
        <pb n="48" />
        35 
■''“oxr: it:„ t: 
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        <pb n="49" />
        {lacominodiron sich erst allmälig dieser Veränderung. Der Pro- 
idncent wird l)ei einer sogenannten günstigen Dxportcnnjunctnr 
liatsäcldicli nocli eine Zeit lang zn Preisen prodnciren können, 
die, in Papiergeld ausgedrückt, hilliger sind, als die früheren. 
Wann die endliche Ausgleichung eintritt, weiss er durchaus 
nicht und noch weniger kümmert er sich in der Regel um 
diese zukünftige Ausgleichung. 
Mit welch’ unherechenharer Capitals- und Kräftevergeu- 
dung für jedes Land ein Jahrzehnte lang andauernder Zustand 
sein muss, hei welchem fast ununterhrochen im auswärtigen 
Handel Gewinnste preisgegehen und Verluste erlitten werden, 
die im natürlichen Verlaufe der Dinge bewahrt, respective 
vermieden hätten werden können, wird sofort klar, wenn man 
sich die riesigen Summen vergegenwärtigt, die hei den hoch 
entwickelten Verkehrsverhältnissen der Gegenwart im aus 
wärtigen Handel jedes civilisirten Landes bewegt werden. 
Seit dem Jahre 184S, also seit dem Bestehen der Zettelwirtli- 
schaft in Oesterreich betrug dessen auswärtiger Waarenhandel 
rund 17 Milliarden Gulden. Wenn von dieser Summe im Durch 
schnitte durch den Einfluss der Valuta auch nur um 2 Percent 
weniger verdient wurde, als sonst der Fall gewesen wäre, so 
genügt schon der solcher Art gefundene Betrag überreichlicli 
zur FJulösung der gesummten in unserer Monarchie seit 1S4.S 
vorhanden gewesenen nicht bedeckten Geldzeiidien. Die Zettel 
emissionen Oesterreichs haben also schon aus diesem einen 
Titel allein um mehr als ihren Betrag Capital vergeudet. Der 
Unterschied zwischen der Ca|ätalsvergeuduug (lundi Kleiuentar- 
Eceignisse oder Krieg und derjenigen (lundi solidie Zettvl- 
emissionen besteht darin, dass die erstere mit Einem Schlage 
eintritt und dadurch deutlicher erkennhar und schmerzlicher 
fühlbar wird, dafür aber, ist die Katastrophe einmal vorüber 
gegangen, dem Verkehre und den wirthschaftlichen Kräften 
freie Bahn zur Heilung der erlittenen Schäden lässt ; während 
die Ca])italsvergeu(lung der Zettelwirthsidiaft unuuterhnxdien 
wirksam bleibt und dauernd jede gesunde wirths(diaftli(die 
Thätigkeit hemmt.
        <pb n="50" />
        in. (Ja;lite]. 
luiKItiss der Valuta auf die Pioduclioiisverhiiltiiisso. 
Im VorheriRcn win-de Kuseinamleixesetzt, welchen Einfluss 
eine gestörte Valuta auf die Gütervertheilung im Allnemeinen 
ausul,t Es ist nun auffallend, dass trutz der eminent scl.iid- 
mhen M irkunsen die sich schon hier zeigen, die ziemlich 
ve t verbreitete Amsicht bestehen kann, dass die Störung des 
dnlnrar” " r'i' 
aNM 
1 eil sogar als Vortheil empfunden wird. An, allerwenigsten 
einen ‘It 7 "" ge.störter Valuta geneigt, 
etwa duel, wahrgenommeneil Xachtlieil auf Ibechniing 
r wählen Ursachen zu setzen. Was die Verschiebung der 
yermogensyerhältnisse, anlaiigt, so wlnl dieselbe von ,leii Ite- 
nachtheiligteii gar nicht bemerkt, ,1a ja der nominelle Betrag 
Kaufkraft *" geneigt, ,lie Ursache dieser veriinderten
        <pb n="51" />
        Bedürfnisse zuzusclireiben, und für diese Theiieriiiifç macht man 
dann den Steuerdruck, die Eisen1)ahnverhindun^en, die Ver 
mehrung der Bevölkerung, kurz alles Andere eher veraut- 
wortlich, als eben die Verschlechterung der Valuta. Umgekehrt 
empfinden Jene Bevölkerungsschichten , die nunmehr ein nominell 
höheres Einkommen empfangen , gleichviel, ob diese Krliöbung 
eine reelle ist oder nicht, dies doch als augenscheiidiche V ohl- 
that, und wenn es sich dann herausstellt, dass auch sie trotz der 
nominellen Einkommensvermehrung ihre Lebensverhältiiisse nur 
im geringen Grade oder auch gar nicht verbessern können, so 
wird aueh hiefür die ,,Theuerung“ mit ihren verschieden 
artigen fälschlich angenommenen letzten Ursachen haftbar 
gemacht. 
Noch weniger kann die Störung der auswärtigen Handels 
beziehungen zum Bewusstsein jener Kreise gelangen, die sich 
mit diesen Angelegenheiten praktisch beschäftigen; eben hier 
wirkt Alles zusammen, um den reellen Nachtheil mit dem Scheine 
eines Vorthciles zu umkleiden. Der Exporteur, der durch ein 
steigendes Disagio verleitet und gezwiTngeir^wird, mit einem 
geringeren Nutzen für die Allgemeinheit an das Ausland zu 
verkaufen, sieht doch seinen • in Landesvaluta ausgedrückten 
eigenen Gewinn vermehrt. Ja wenn die Va lufa Verschlechterung 
durch eine längere Zeit in fortschreitender Zunahme begritfen 
ist, emplindet er dieselbe zunächst als eine contlnuirliche Be 
günstigung seines Geschäftes und er hat weder eine Ahnung 
davon, noch kümmert es ihn, dass die Vermehrung seines 
Ge^winnes durch einen doppidten Verlust am Volksvcrmögen 
und an der Volkskraft erkauft werden muss. Ganz dasselbe 
gilt für den Importeur, wenn die Scala des Disagio nach 
abwärts gleitet. Allerdings haben im ersten Falle die Impor 
teure, und im zweiten Falle die Exporteure Grund sich zu 
beklagen; allein auch hier, insbesondere aber im ersten Falle 
wird die Schuld der Schädigung nur selten auf die Valuta, 
zumeist aber wieder auf andere handeis- und verkehrsj)oli- 
tisehe Verhältnisse geschoben, und wenn es hoch kommt, so 
hört man thatsächlich bei einer Verbesserung der Val uta Ver 
hältnisse, niemals aber in Zeiten der Verschlechterung derselben, 
Klagen über die Störung iip Aussenhandel. Fs ist nämlich ein weit 
verbreiteter und schwer auszurottender Irrthum. dass der
        <pb n="52" />
        Export von grösserer AMehtigkeit sei, als der Import. Von 
dem nothvvendigen Zusammenhänge beider haben nur Wenige 
eine Ahnung, und so glaubt man denn Alles, was den Export 
befördert, als eine AV ohltbat begrüssen zu müssen, während 
man sieb über die Behinderung des Imports leichteren Herzens 
bin wegsetzt, ja dieselbe sogar als wirtbsebaftlicb heilsam 
anslebt. 
Hoch Alles dies würde nur für jene der Zahl nach 
^ ^^*^lii'nnkte Classe von Handelsleuten gelten, die den auswär 
tigen Aeikebr des Landes vermitteln. Die Ansicht, dass eine 
schlechte Valuta von günstiger AVdrkung sei, ist aber ins- 
lesondeie auch in den Kreisen der Producenten sehr stark 
verbreitet und hat sich gerade hier mit ausserordentlicher 
Zähigkeit festgehalten. Der Grund hiefür liegt im Folgenden. 
ir haben bereits gesehen, dass in Zeiten zunehmender A^aluta- 
verschlechterung der Producent in der Lage ist, für seine 
AV'aare einen in Landesvaluta ausgedrückt höheren Betrag zu 
erhalten, als den Productionskosten entsprechen würde Der 
Preis seiner Pro.lucte richtet sich der Hauptsache nach, in 
lolge der Concurrenz des AVeltmarktes, nach dem AVeltpreise 
in Metallgeld berechnet; würden sich nun auch die Productions- 
kosten sofort in demselben Masse erhöhen, so wäre der 
scheinbare Nutzen blos ein einmaliger, er könnte sich nur für 
jene AVaare ergeben, die zur Zeit der Valutaänderung bereits 
geRemiber. _l ist jedocl, nielit «o. Wii- in. vni-igen 
-npi el gezciKt wurde, riclitet siel, selbst die auf dem Welt- 
markte cononrrirende Waare in ihrem Preise niebt sofort nnd 
0 * sm lg naeb den im Auslande unter der Herrschaft der 
stabilen Metallwabrung beaablten Preisen. Der Preis wird 
&lt; ure 1 die Ibatsaelien der scheinbar billigeren Gestehungskosten 
ini 1 er sincuilenz derartiger scheinbar billigerer Waareii 
auf dem Markte gedruckt, und dies in desto böberem Masse 
,|e mehr der Preis blos durch die inländische Concurrenz 
uni je weniger er durch die ausländische beeinflusst werden 
kann. ln. kleinen Verkehre und bei den Lohnverhällmissen,
        <pb n="53" />
        40 
wo (lie fremdländisclie Coiiourrenz fast gänzlich fehlt, wird 
sich vorerst eine Wirkung der (xeldentwertlinng nur äusserst 
langsam geltend machen. Diese Preise und Löhne werden an 
fänglich entweder gar nicht oder nur um einen so geringen 
Betrag steigen, dass sieh für dieselben, wenn man die in 
Landesvaluta gezahlten Preise in Silber umrechnet, eine sehr 
ausgiebige Ermässigung ergehen muss. Der Producent wird 
also verhältnissmässig, d. i. im Vergleiche zu den Preisen, die 
er früher und jetzt für seine Waaren bekommen kann, billiger 
produciren und folglich mit grösserem Nutzen verkaufen 
können, als zuvor. Dass diese Wohlfeilheit nur auf Kosten 
des Arbeiterstandes un^l des mit diesem zunächst in Ver 
bindung stehenden Kleinhandels und der kleinen Gewerbekreise 
möglich ist, kümmert ihn zunächst nicht, da für ihn das 
bücherniässige Ergehniss seiner Geschäftsgebahrung wohl das 
allein Massgebende ist. Die Arbeiter selbst werden nicht 
augenblicklich den Druck der neuen Conjunctur empünden, 
denn, wie bereits bemerkt, ändern sich auch die.Preise im 
Kleinverkehre, aus welchem sie ihre Bedürfnisse besoigeu, nur 
sehr allmälig und sie werden daher für den essentiell vermin 
derten Lohn im Durchschnitte doch dieselben Bedürfnisse 
befriedigen können, wie früher. Dasselbe gilt dem Wesen nach 
. auch für den Kleinhändler und für den (lewerbetreibenden, so 
lange dieser nicht genöthigt ist, seine Vorräthe auf dem Welt 
märkte zu erneuern und dort inne zu werden — nicht etwa, 
dass das Geld, welches er von seiner Arbeiterkundschaft erhält, 
nicht mehr den gleichen Werth repräsentirt, denn für so 
j subtile Unterscheidungen fehlt diesen Kreisen alles und jedes 
Verständniss — sondern dass wieder einmal eine „Theuerung“, 
ein Aufschlag der Waaren in Folge von Krieg, Misswachs, 
schlechter Verwaltung oder was sich sonst als passender Sün- 
; denbock darbieten mag, eingetreten sei. Nun erst wird er seinen 
j Kunden den Brodkorb höher hängen und nun erst beginnt für die 
Arheiterbevölkerung jene Zeit der Entbehrung, die in Ländern 
I mit gesunder Valuta die unmittelbare Folge jeder Lohnmin 
derung sein muss. Diese Entbehrungen dauern so lange, bis 
es den Arbeitern gelingt, vom Unternehmer jene nominellen 
Lohnerhöhungen zu erzwingen, die vom Anbeginn der Geld- 
entwerWiung entsprochen hätten.
        <pb n="54" />
        Hppawfpr 
Inzwischen alier ist eine neue (iehlentwerthnni? ein- 
Ketreten. J)er Unternelimei- kann wieder den erliöhten |„dm 
lewilligcn und dooli noch einen durcli die (Jnnst der Valiita- 
eonjnnctmJ.ei vorgerufenen (Jewinn in seine »neher einstellen. 
- 
(1er Grund, warum die Classe der Unternehmer ! 
mc 1 regelmassig mit der Störung der Geldverhältnisse so gern/i 
hefre„„, et Ihr Nutzen wird allerdings nur auf kL7 
die (Inr kleinen Gewerbetreibenden möglich, 
Ilrodhert Geschäftsverluste die Bilanz ihrer 
ffilt der müssen; aber hier mehr wie anderwärts 
sofort anfT' l'“"" Gowinnste augenfällig hervortreten und 
ipüüü 
### 
■Sü
        <pb n="55" />
        sächlich (1er AVerth der in’s Kndluse veriiielirteii (-rehlzeichen 
mit geringen Ruhepausen in’s Ungemessene, bis schliesslich 
doch das Ende mit Schrecken, nämlich der allgemeine Banke 
rott eintrat oder in Haiti eintreten wird. Will man solche 
Zustände voraussetzen, dann kann allerdings der Unternehmer 
während der ganzen Dauer der Zettelwirthschaft und bis 
knapp vor Einbruch der Katastrophe fortwährend jene He- 
winnste einheimsen, die hier in ihrem Ursprünge nachgewiesen 
wurden. Aber solche Zustände existiren derzeit in keinem 
civilisirten Staate und es ist anch nicht an/.unehmen, dass die 
selben von irgend einer Seite ernstlich herbeigewünscht werden. 
AVomit wir uns zu beschäftigen haben, das ist der wirth- 
schaftliche Zustand in einem Lande mit begrenzter Zettel- 
Emission, und in diesem sinkt der A\^ertli der Landesvaluta 
i nicht continuirlich, sondern ist den unberechenbarsten Schwan- 
i klingen nach aufwärts und abwärts unterworfen. Das Disagio 
der Noten eines solchen Landes steigt durch eine Reilie \on 
•Jahren, bleibt dann eine Weile lang stationär, schwankt hier 
auf unentschieden nach auf- und abwärts, sinkt dann wieder 
durch längere Epoclien, um sotort abermals zu steigen, zu 
schwanken und zu sinken. Sehen wir nun, wie sich die \&gt;i- 
hältnisse der Rroducenten bei diesen verschiedenartigen 
Bewegungen der \aluta gestalten. 
AVenn der Heldwerth, nachdem er einen gewissen Tief 
punkt erreicht hat, durch längere Zeit annähernd gleich bleibt, 
so ist es klar, dass die in der Kpoche der fortschreitenden 
(iJeldentwerthung zurückgeblielienen Lohne und Kleinpreise 
endlich nach Verlauf einer kürzeren oder längeren Frist den 
vom Weltmärkte dictirten AVaarenpreisen nachfolgen und sich 
mit denselben in's (Heicligewicbt stellen. Nun werden die 
Unternehmer genau unter denselben A'erhältnissen arbeiten, 
als wenn eine (ieldentwerthung überhaupt nicht vorhanden 
wäre. Sie werden allerdings ihre Uroductionskosten im 
schlechten Heide bezahlen und für ihre A\'aaren Bezahlung im 
schlechten Heide empfangen; wenn sie aber Beides, Ausgaben 
und Einnahmen auf Aletall umrechnen, so werden sie linden, 
dass ihr Nutzen ceteris paribus der nämliche ist, den sie 
unter der Herrschaft einer Aleta 11 Währung hätten erreichen 
können. Ihr Hewinnst aus der steigenden Agioconjunctiir wird
        <pb n="56" />
        43 
aiifgehort haben, ai,er sie werden auch keinen directen Schaden 
aus der Geldentwertliung erleiden und der bestehende Zu 
stand des Geldwesens wird daher für ihre Interessen gleich- 
gilt lg sein. 
Nun soll .sich aber der Geldwerth wieder verbessern, das 
•'agio soll sinken. Jetzt werden abermals die Preise der 
iin er (er Conciirrenz des A\'eltmarktes stehenden Prodiicte sich 
nac*h den Weltpreisen richten müssen, d. h. sie werden in 
die TI , sinken. Auch jetzt wird allerdings 
stehnn^rf^' Waarenvorräthe zu nominell höheren Ge- 
vorhanden sind und ÜDlglich die ndândisGum 
■
        <pb n="57" />
        44 
feillieit“ erstaunen, so könnten sie allerdings auch mit ihren 
't Preisen herahgehen, gleichwie sie früher bei derselben Gelegenheit 
' mit ihren Preisen hinaufgingen. Es liegt aber in der Natur 
j der Sache, dass sie dies nur schwer und ungern thun werden, 
wahrscheinlich nicht mit jener Raschheit, mit der sie sich 
früher der Preissteigerung accomodirten. Der Vortheil des 
Arbeiters wird also für längere Zeit trotz des im V esen 
erhöhten Lohnes ein verschwindend geringer sein und dies kann 
insüferne auch dem Producenten nicht gleichgiltig bleiben, als 
die im grossen Ganzen gleichbleibende Lage des Arbeiter 
standes ihn der j\löglichkeit berauben muss, die Löhne nun 
mehr in derselben Weise herabzusetzen, wie er sie trüber, 
gedrängt durch die beginnende Noth seiner Arbeiter, herauf 
setzen musste. 
Allerdings wird die Entscheidung dieser Frage, ob näm 
lich eine Erhöhung odhr Herabsetzung des Lohnes sich je nach 
der wechelnden Conjunctur rascher vollziehen lässt, zunächst 
von dem Verhältnisse des Angebots und der Nachfrage von 
Arbeit abhängen. 1st nämlich in einem Lande das Angebot 
von Arbeitskräften sehr gross, dann wird der Unternehmer 
bei einer für ihn nachtheiligen Conjunctur sehr rasch, auch 
ohne Rücksicht auf die Lage seiner Arbeiter, eine Lohnreduc- 
tion erzielen können, und dies wird dann wohl auch im Klein 
verkehre eine verhältnissmäsig rasche Ermässigung der I’reise 
herbeiführen. Wenn aber umgekehrt die Nachfrage nach Ar 
beitskraft grösser ist als das Angebot, so wird der Unter 
nehmer auch bei ungünstiger Conjunctur den höheren Lohn so 
lange ertragen müssen, bis nicht die schliesslich doch eintre 
tende Preisermässigung im Kleinverkehr die Lohnerliöliung 
zum Bewusstsein des Arbeiters bringt, dessen Lebensstellung 
verbessert und dadurch eine Vermehrung des Arbeiterangebots 
herbeiführt. Im erste reu Falle wird der Gewinn des Unter 
nehmers aus der steigenden Conjunctur grösser, sein Verlust 
aus der sinkenden geringer sein; im letzteren Falle aber wird 
das Umgekehrte eintreten. 
Speciell in Oesterreich scheint, wie sich später ergeben 
wird, das Verhältniss zwischen Angebot und Nachfrage ziem 
lich dauernd zu Gunsten des Arbeiterstandes zu sein, denn
        <pb n="58" />
        45 
! ' y'l"»'rt"ll.nngen l,al,™ siel, rascher vollzogen nnd länger 
enalten, als die Lohnermässignngen. Dadurch ergab sich 
allerdings der in socialpolitischer Beziehung nicht hoch genug 
anzuachlagende Vortheil, dass unter dem Wechsel der Valuta- 
• i.jiuictni nicht ausschliesslich die Arheiterhevölkening zu lei- 
. ' CU hatte. Bedeutend war ihr (JeiWnii dagegen nicht, denn, 
le sich ehenfall» später heraus.stelle,n wird, sind auch die 
'nehmer . ''adilich wirkungslos verloren. Kür die Unter- 
Vilnt.e &lt;^&lt;;sanuutwirkung llieser wechselnden-^ 
Disa,rio Kcradezii erdrückende. Bei steigendem 
närer vTT*'""*”,*“' ''«''''"'tnissi^s.slg nicht viel, hei statio-
        <pb n="59" />
        40 
ahgehen, oline jemals in die Lage zn kommen, sicli dort anf 
älmliolie eise selladlos zu halten — immer vorausgesetzt, 
dass diese Fremde ein Land mit gesunder Basis des Greld- 
wesens ist. Denn ein solches Land kennt Scheinconjuneturen 
nicht, wie sie eine entwerthete Valuta im (tefolge hat; es 
kommt, von ganz almormen, hier nicht näher in Betracht zu 
ziehenden Zwischenfällen abgesehen, niemals in die Lage, sich 
über den Effect seiner auswärtigen Handelsheziehungen zu 
täuschen und sich seihst (lewinne vorzulügen, wo solche nicht 
vorhanden sind.
        <pb n="60" />
        J-V. Cai3ite]. 
^ Einfluss der Valuta auf die Preise und Löhne. 
##### 
, ÍTeMwaitl. mit geringen Al.vveiel.nngen eine besthnm-
        <pb n="61" />
        _ 4H — 
einlipitliclie Riclitmis vorfolRte. Pio TaKossoliwiiiilüiiiKen der 
Valuta, ja selbst die Osoillatiouen derselben innerlialb Hines 
.labres werden sieb in ilirer liiiclvwirbnnf; auf die I’reisver- 
bülfnisse leicbt paralysircn, nneb bevnr peinigende Zeit r.nr 
Hevvorl)vingun&lt;^ des ihnen ei^jentluimliehen Effectes vorhanden 
war End sollten diese AVirknnp^en doch äusserlich lier vortreten, 
^ M wkidm' m dM- NaWrderS^ffæ.d^^ diesn^ht 
angenldicklicli, sondern erst iiaclitriiglicli geschehen kann zu 
einer Zeit, die sich vorher nicht lierçchnen lässt, m welchei 
alter der Stand des Agio’s sich bereits geändert haben kann ; 
so dass es bei Betrachtung derartiger kurzer Epochen 
schlechterdings unmöglich bleiben muss, den Zusammenhang 
zwischen Ursache und Wirkung herauszufinden. Anders wird 
dies jedoch, wenn man mehrjährige Epochen vor Angen hat, in 
denen eine bestimmte, deutlich hervortretende Bewegungs 
richtung der Agiüverhältnisse constatirt werden kann. Hiei 
werden die Veränderungen des (xeldwerthes die erforderliche 
Zeit haben, auf die Preise zu wirken, und die, wenn auch 
nicht absolut gleiche, so doch im gros.sen Ganzen gleich- 
niässige Bewegung dieses Geldwerthes wird genügen, um die 
Wirkungen kleinerer, dazwischen liegender Schwankungen 
anszugleichen. 
In der That lassen sich nun die 28 Jahre von 1848 bis 
187') in mehrere grössere Abschnitte zerlegen, in deren jedem 
die Valuta eine ganz eigenartige Tendenz der Bewegung aut- 
weist. 
Es betrug nämlich : 
Das DurchscliiiiltsaKio 
Tin .Talire 
1848 
1849 
187)0 
187)1 
187)2 
187)8 
187)4 
187)7) 
187)() 
109 Jü 
li:k87) 
119-82 
12()-07) 
119- 77) 
110-02 
127-77) 
120- 02 
107)-:;7
        <pb n="62" />
        40 
Im Jahre 
1857 
1858 
1859 
18G() 
18G1 
18G2 
18G3 
18G4 
18G5 
18GG 
18G7 
18G8 
18G9 
1870 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
Das DnrcliscliniOsagio 
105.50 
104-12 
120- G2 
132-25 
141-25 
128-07 
113- 09 
115-72 
108- 32 
119- 84 
124-31 
114- 48 
121- 02 
121-89 
120- 38 
109- 27 
108-14 
105 — 
103-40 
4
        <pb n="63" />
        insgesammt um nmd 17 Percent. Da indessen ans den letzten 
Jahren halbwegs verlässliche Preislisten nicht zn erlangen 
waren, zudem aber in diese letzte Epoche eine verheerende 
Krisis fällt, die mit ihren abnormen Preisschwanknngen jeden 
falls zn falschen Schlüssen verleitet hätte, so wurden die 
Preisberechnnngen nnr bis znm Jahre 1872 tortgetührt. 
Um nun zu finden, wie sich unter dem Einilusse dieser 
Valutaschwankungen die Preise der verschiedenen V a aren- 
kategorien bewegten, wurden fünf verschiedene Preislisten 
untersucht, u. zw. die Jahresdurchschnittspreise von 14 V aaren- 
gattungen, wie sie von der Pester Handelskammer am Pester 
i^Iarkte für die Jahre 1840 bis 1872 berechnet sind; verschie 
dene 31 ittelpreise auf den österreichischen 3Iärkten nach 
den officiellen Angaben der österreichischen statistischen 
Centralcommission vom Jahre 1840 bis 1872; 31ittelpreise in 
Wien für die Jahre 1850 bis 1872 nach den Xotirungen der 
Wiener 3larkt-Commission ; dann die Preisangaben für 3Iauer- 
ziegel und Eisen von 1854 bis 18(55, wie sie von der Pragei 
Handelskammer in den auf der Wiener A\ eltansstellung ans 
gestellten Listen zu finden waren. Schliesslich wurden ans 
den halbwöchentlichen Preisnotirnngen der Wiener Handels 
kammer, soweit diese eben reichten, die Jahresdurchschnitte 
für Baumwollgarn, Roheisen, Zucker und Stärke in den Jahren 
1854 bis 18G5 herausgezogen. 
Zieht man ans den von der Bester Handelskammer no- 
tirten Preisen die Dnrchschnitte einerseits für die Epocliß 
1840—184(5 (das Jahr 1847 ist als ein ganz abnormes Hunger- 
jahr ausser Rechnung gelassen), andererseits für die Epocliß 
1872 und nimmt man die für die erste Epocli« 
gefundenen 3iittelwerthe als Einheit an, so ergibt sich di^ 
nachfolgende Steigerung der Preise: 
WaareiigattuiiK 1840—1840 186(i—187¿ 
Weizen .... 100 10-1., 
Roggen .... 100 187-4 
Gerste .... 100 181., 
') Die Bnda-Pester Handels- und Gewerbekammer hatte auf der Wien«f 
Weltausstellung „Beiträge zur Geschichte der Preise ungarischer Landesproduct« 
im 19. Jahrhunderte nach den Xotirungen des Pester Marktes“ ausgesteHj 
Nach den in dieser vortrefflichen Arbeit enthaltenen Angaben ist die nachfo* 
gende Tabelle berechnet:
        <pb n="64" />
        Õ1 
Waarengattung 
Hafer 
Mais . . 
Rüböl . , 
Spiritus . . 
Ochsenliänte 
IJnschlitt 
Seil weine feit 
Speck , . 
Hanf . . 
Honig 
Wachs . . 
Durchschnitt 
1840—1840 1800—187¿ 
100 1G2.. 
100 
100 
100 
100 
loo 
100 
100 
100 
100 
loo 
181., 
133.. 
128., 
124., 
132., 
172., 
184., 
169., 
109., 
104., 
152 
— 
N I Si'-S fe rr, l~l . ' ' 
I « 
O 
W ¡ I 1 g II 
per niederosterr. Metzen 
1840 '¿.49 
ïï'.!^:îî; 
K IS 
1845 Z.40,i 
•S40 S.50., 
1H47 5.11, 
&gt;«48 a.85, 
l«4ü 2.82, 
&gt;«5U 2.03, 
&gt;*51 2.30, 
&gt;»52 3.04, 
&gt;«53 3.78g 
&gt;«54 5.40g 
1855 A.41, 
&gt;«58 ,4.90, 
&gt;«57 3.34« 
&gt;«o8 3.20o 
&gt;«^9 ,3.15, 
&gt;«30 3.53, 
F a 
Ë# 
str 
&gt;«72 6.12^ 
1.72« 
104.« 
per Wiener Centner 
1.09, 
1.45, 
1.07, 
1.07, 
.»5j 
1.30, 
1.80, 
2.78, 
1.17, 
1.37o 
1.54) 
l.OOj 
1.95, 
2.43, 
2.88, 
2.77, 
2.18« 
2.00, 
2.31« 
1.92, 
2.09, 
2.08, 
2.71« 
2.58, 
.88, 
1.52, 
2.27, 
2.78« 
2.10, 
16.18 
21.4.3 
10.90 
12.9(î 
12.51 
19.10 
13.20 
19.15 
12.87 
21.83 
19.57 
19.14 
14.88 
22.05 
25.57 17.40 
23.12 21.93 
23.08 ■ - 
20.52 
24.30 
21.70 
22.15 
22.44 
19.04 
21.50 
, 22.34 24.27 
.45, 21.39 - 
..53, 23.07 
.49« 23.18 
I 20.77 
! 21.80 
19.30 
19.33 
• 22.41 
I 24.24 
1 23.37 
i 20.20 
21.39 
17.92 
17.78 
19.59 
y.43 
10.07 
19.01 
29.53 
18.83 
24.47 
22.01 
18.55 
17.77 
10.45 
10.80 
12..50 
14.05 
17.12 
20.25 : 
18.75 
22.5:1 
20.40 
31.05 
29.87 
25.92 
25.80 
18.84 
19.02 
22.28 
25.21 
28.79 
21.15 
23..59 
22.55 
.850 27.73 
49« 28.65 
.4:1, 3:1.84 
.43, 27.34 
.50: 28.0!» 
.45« 30.4.3 
—.48, 28.24 
.44# 25.28 
.48..' 23.7 
—.4:1,, 21. 
:i9„ 23.90 
—.4 4. 21 
23.84 17:30 I9..%0 
27.14 25.:18 
29..54 :il.;j2 
34.42 29.84 
32.53 37.54 
32.26 ;i2.07 
33.27 3:1.78 
31.75 30.95 
27.87 23.58 
9.07 
8.08 
8.49 
8.79 
9.17 
9.14 
9.95 
10.31 
8.01 
10.08 
9.78 
— 13.01 
23.02 15.00 
24.38 10.N5 
20.55 17.14 15.54 
29.67 10.40 21.8? 
29.90 18.20 17.09 
30.23 16.(»9 20.15 
27.09 16.88 19.91 
19.17 13.52 1.5.54 
84.00 
83.21 
&gt; 1.53«*» 1:89/ 
1.8.3, 
1.69, 
1.60, 
2.58, 
2.82. 
3.02 
17..5fl —..14« ¿1 (¡,¡ 
.30..59 
29.32 
1 28.91 
filii 
24.42 28.97125.30 
I' 20.02 30.03 29.58 
28.84 33.88 33.(»4 
27.53 33.20 .30.63 
'1 28.24 31.33 30.41 
2 28.19 28.90 28.07 
m 9fi fio oj __ 
15.09 
15.49 
13.72 88.89 
18.41 88.99 
18.87 87.94 
18.18 87.07 
13.52 83.12 
13.39 88.90 
71.77 
81.31 
84.82 
87.(»h 
18.83 90.90 
18.01 «4,12 
87.78 
89.89 
90.67 
99.22 
98..53 
90.28 
15.31 9.3.9.^ 
18.09 94.02 
19.98 93.72 
17.28 190.14 
16.90 10:1.25 
.29 
15.24 
15.20 15.05 
15.29 93.33 
12.83 87.78 
97.70 
&gt;«&lt;«3 95:81 
&gt;5«5 . 
% a ::ii'
        <pb n="65" />
        52 
53 
Wíinron 1H40—1K4C 1866 -1872 
Weizen 100 1^0-s 
Roggen 100 144.j 
Mais 100 lOO.g 
Gerste 100 167-3 
Hafer 100 1 /5.j 
Haidekorn . 100 97-, 
Erbsen 100 229-0 
Bohnen 100 150-e 
Linsen 100 142-3 
Hirse . . • 100 138.J 
Reis 100 91-4 
Die nach den officiellen Angaben des statistischen Jahrbuches für Oester- 
Mittel preise auf den österreichischen Märkten 
-fahr 
per nieder-österreichischen Metzen 
1840 
1841 
1842 
1843 
1844 
1845 
1846 
1847 
1848 
1849 
1850 - 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1856 
1857 
1858 
1859 
1860 
1861 
1862 
1863 
1864 
1865 
1866 
1867 
1868 
1869 
1870 
1871 
1872 
3-05 
2-77 
3.05 
2.56 
2.40 
2.63 
2.77 
5 22 
3.51 
3.58 
2.93 
3.10 
3.56 
4.57 
5.67 
(trOl 
5.95 
4.26 
3.92 
3.70 
4.33 
4.18 
3.76 
2.51 
4.32 
5.04 
5.07 
4.09 
4.44 
5.01 
5.84 
2.15 
1.89 
1.94 
1.70 
1.58 
2.— 
2.80 
3.82 
2.42 
2.43 
2.06 
221 
3.02 
3.47 
4.16 
4.42 
3.94 
2.99 
2.69 
2.45 
3.04 
2.78 
2.52 
2.51 
3.12 
3.53 
3.56 
2.91 
3.01 
3.29 
3.81 
2.21 
1.89 
1.89 
1.65 
1..54 
1.79 
2.28 
3.41 
2.14 
2.57 
2.47 
2 45 
3.14 
3.35 
3.83 
3.87 
3.45 
3.09 
2.95 
2J6 
3.29 
3.38 
3.08 
2.83 
3.12 
3.28 
3.13 
2.71 
2.90 
3.34 
4.— 
1.80 
1.58 
1.61 
1.45 
1.33 
1.63 
2.17 
2.98 
1.76 
2.19 
1.81 
1.88 
2.43 
2.86 
2.55 
3.35 
3.12 
2.32 
2.29 
2.11 
2.48 
2.40 
2.26 
2.12 
2.51 
2.79 
2.91 
2.52 
2.61 
2.76 
3.22 
1.24 
1.14 
1.14 
1.07 
-.98 
1.16 
1.44 
1.73 
1.25 
1.55 
1.36 
1.35 
1.60 
1.85 
2.03 
2.14 
1.94 
1.83 
1.69 
1.62 
1.61 
1.74 
1.70 
1.48 
1.61 
1.66 
1.89 
1.76 
1.85 
1.86 
1.94 
3.52 
3.24 
3.20 
3.22 
3.27 
3.60 
4.32 
4.80 
3.83 
2.87 
3.60 
4.40 
4.19 
4.63 
4.65 
4.85 
4.52 
3.63 
3.15 
2.94 
3.26 
3.16 
2.96 
3.22 
3.55 
3.46 
3.46 
2.95 
3.13 
3.29 
3.83 
3.89 
3.85 
4.03 
4.03 
3.71 
3.94 
4.83 
6.56 
5.07 
4.— 
4.43 
4.10 
5.07 
6.37 
6.60 
7.05 
6.99 
5.74 
5.54 
4.94 
5.36 
5.24 
5.02 
5.22 
5.39 
5.40 
5.35 
5.09 
5.11 
5.53 
5.81 
3.10 
3.96 
3.22 
3.03 
3.85 
2./o 
2.91 
4.13 
3.27 
3.10 
3.96 
3.06 
2./5 
3.76 
2.49 
2.89 
3.87 
3.22 
3.37 
4.60 
3.66 
4.71 
6.42 
4.74 
3.80 
5.10 
3.61 
3.0 
3.05 
3. 0 
4.63 
2.74 
2.78 
4.63 
3.35 
3.97 
3.72 
5.05 
4.47 
4.57 
6.28 
5.03 
6.52 
5.05 
5.09 
6.72 
5.18 
4.82 
6.93 
J.19 
4.38 
5.87 
4.28 
4.01 
5.81 
4.32 
3-54 
5.05 
3.65 
5.33 
5.48 
5.37 
5.52 
6.— 
5.86 
5.77 
5.47 
5.60 
5.67 
5.81 
3.86 
3.97 
4.04 
3.85 
4.15 
4.50 
4.34 
4.13 
4.15 
4.22 
4.88 
4.05 
3.97 
4.77 
4.08 
4.49 
4.39 
4.73 
4.03 
4.13 
4.55 
4.96 
Waareu 
1^40—184 61860—1872 
Kartoffel 
Rindfleisch 
Wein 
Bier i 
Holz hart 36" 
„ weich . 
Heu . . . . 
Stroh . . . 
niedrigster Preis 
Taglohn Í niedrigster 
1 mit Kost .... 
mit Kost 
Durchschnitt 
100 
100 
100 
100 
100 
100 
100 
100 
100 
100 
164-, 
207-, 
156., 
174., 
156-5 
146., 
119., 
141., 
182., 
164- 
100 
158-, 
«i* b.r«h»elcn MiltelpreUe gibt die nachfolgende Tabelle: 
_jj)_22!jl2^il»t«rreielijocher Währung .Silber. 
II 
« TC 
16.31 
17.15 
16.91 
15.93 
16.85 
16.97 
16.66 
16.22 
15.08 
15.34 
15.21 
14.53 
14.28 
15.88 
16.19 
16.01 
18.63 
17.62 
17.49 
15.4(1 
14.96 
15.77 
15.42 
16.03 
16.49 
15.23 
15.75 
U..34 
14.27 
14.33 
16.29 
-.88 
—.75 
—.84 
—.81 
-.74 
—.82 
—.95 
1.70 
k22 
1.19 
1.30 
1.29 
1.61 
1.77 
1.84 
1.86 
1.81 
1.59 
1.41 
1.38 
138 
1.32 
1.33 
1.27 
1.29 
1.41 
1.3() 
1.17 
1.29 
1.55 
1,60 
llllll 
g I s 
per n.-österr. 
Moass 
—.09, 
-i»6, 
— 09, 
—.10, 
—.09, 
—.10, 
—.09, 
— .11, 
—.10, 
-:\k 
—.14, 
— .13; 
—. 15^ 
-.14, 
i 
-.19, 
.21 
.19, 
.21, 
.22 
25. 
-.25 
-.22, 
-.22, 
-.23, 
-.25 
-.25 
-.19 
^22 
-.29, 
-.23; 
-.33, 
-.28, 
-.33 
Î 
.34 
-••3.3, 
—.36, 
— .34, 
-.37, 
.36; 
—.36, 
— 37, 
—.33 
3 
—.08, 
-.08; 
-.08, 
—.09, 
—.08; 
—.09, 
-.10, 
-.11 
-.09, 
—.08, 
-.07, 
—.09, 
—.10, 
—.12, 
—.12, 
—.12, 
—.21, 
—.19p 
:::: 
-.13, 
:::: 
-.15; 
.15 
•14, 
.16, 
ï 
•18j 
P 
II 
per Wiener 
Klafter 
per Wiener 
Centner 
5.53 
5.67 
5.67 
5.72 
5.76 
5.93 
6.35 
6.88 
5.85 
6.26 
6.64 
6.59 
7.66 
8.32 
7.17 
7.40 
9.03 
9.16 
8.19 
7.20 
7.84 
8.20 
8.10 
8.70 
7.74 
8.29 
9.02 
7.67 
9.05 
9.94 
11— I 
4.06 
4.18 
4.24 
4.50 
4.36 
4.45 
5.04 
5.37 
4.58 
4.. 56 
4.95 
4.84 
5.84 
6.03 
5.2(1 
5.61 
6.. 50 
i).68 
6.07 
5.20 
5.48 
6.04 
5.73 
6.01 
5.46 
5.74 
().40 
6.:38 
6.40 
6.95 
7.86 
1.21 
1.31 
1.35 
1.23 
1.05 
1.23 
1.17 
1.38 
1.29 
1.29 
1.38 
1.28 
1.46 
1.55 
1.24 
1.52 
1.73 
1.82 
1.81 
1.52 
1.70 
1.53 
1.53 
1.54 
1.42 
1.24 
1.37 
1.37 
l.()4 
1.60 
1.58 
-.74 
—.77 
-.82 
—.70 
—.61 
—.74 
-.77 
—.8(3 
-.78 
—.76 
—.76 
—.75 
-.97 
1.19 
-.92 
1.09 
1.40 
1.31 
1.08 
-.97 
—.94 
1.09 
—.92 
1.- 
—.93 
—.79 
—.98 
—.98 
1.17 
1.20 
1.17 
i 
—.35 
—.35 
—.35 
—.35 
—.35 
—.35 
—.35 
—.44 
—.38 
—.36 
—.43 
-.45 
-.47 
-.52 
-.48 
—.53 
—.61 
— 60 
—.57 
—.47 
—.64 
—.73 
—.49 
-.57 
—.53 
—.55 
—.51 
—.59 
-.62 
-.71 
—.88* 
-.19 
—.19 
-.19 
—.21 
—.19 
-.19 
—.20, 
—.22 
-.24 
—.20 
—.22 I 
-.22 
-.25 
—.29 
-.25 
—.26 
—.30 
-.;30 
-.31 
— 29 1 
-.40 
—.44 
—.26 
—.28 
—.27 
-.27 
-.31 
—.29 
-.34 
-.36 
—.46
        <pb n="66" />
        Vergleicht man die hier gefundenen Resultate, so ergibt 
sich schon hieraus fiir’s Erste eine Preissteigerung, die, wie 
später gezeigt werden soll, um ein bedeutendes giössei ist als 
die gleichzeitig in anderen europäischen Ländern beobachtete, 
sodann aber ist ersichtlich, dass die Preissteigerung in Pest, 
wo die Notirungen für den (Irosshaudel gelten, im Durch- 
Die von der Wiener Markkomission zur Verfüpunp; gestellten Daten fol- 
Mittelpreise in Wien 
Artikel l| Quantität \\ 1850 ! 1851 ! 1852 | 1853 | 1854 | 1S55 ' 1856 | 1857 \ 1858 
Weizen . . 
Korn . . . 
(Îerste . . . 
Hafer .... 
Auszugmelil 
Kaisersemmel 
¡Weisses Prod 
; Krbsen . . 
1 Erditnfel . • 
! Rindfleisch . 
1 Kalbfleisch . 
I Schaffleisch 
ISohweinfleisch 
¡.Schweinschmal/ 
Putter 
iRier . 
I Milch . 
1 Ken 
Stroh . 
IPrennholz, hart 
„ weich • 
! Geringster Taglohn 
1 Metzen 
1 l'fund 
per Pfund 
Vd Metzen 
1 Metzen 
1 Pfund 
1 Stück 
1 Mass 
1 Centner 
1 Klafter 38 
1 Tag 
3.34 
2.60 
1.71 
1.55 
—.10 
—.lli 
—.04, 
—.51, 
1.05 
—.18b| 
-.13* 
■ ^.15»! 
—.24 I 
' —.36,), 
—.37 1 
-.01, 
—.13 j 
1.39 
1.06 
' 15.14 
! 9.46 
' -.39, 
3.33 ; 
2.46 
2.02 
1.82 
—.09g 
—.12 
r 9^ 
—.50, 
! 1.20 
—.17»! 
—-17» 
—.15» 
.25., 
.24, 
.37 
—.01, 
-.12, 
1.28 
1.29 
17.81 
11.06 
—.52» 
3.72 
3.26 , 
2.45 
1.89 
—.10, 
—.134, 
—.06» 
—.72 
1.88 
—.16,: 
—.20» 
—.17» 
—.25, 
—.30» 
=:% 
1::' 
1.42 
¡18.19 
!i2.42 
'—.58» 
4.55 I 6.20 
3.46 ! 4.44 
2.65 ; 2.97 
2.18 ! 2.39 
—.12, 
—,85 
—.14 
—.17, 
6.80 , 
4.46 
3.26 
2.17 
—.15» 
—.184 
.09; -.10, 
—.87 
1.22 j 1.65 
—.18»—.17» 
—.284—.22» —.23, 
—,18»'—.IO»!—.20, 
—.39,1—.30¿ —.37, 
—.854 
1.81 
-.20 
—.25» -—.34 
—.45»—.45» 
—.03, !—.01» 
—.20»!—,22 
1.69 , 1.32 
2.22 ! 1.57 
18.82 116.53 
11.84 i 10.61 
—.63» I—.54, 
-.42,1 
-.52, 
-.01» 
—.17, 
1.52 
1.69 
18.46 
10.57 
—.64, 
6.54 
3.95 
3.08 
2.03 
—.16, 
-.2O4 
—.09, 
—.92, 
1..57 
—.23» 
-.27» 
—.24 
—.43» 
-.43 
1—.40.» 
-.01., 
1.60 
¡21.42 
13.15 
—.74 
4.33 ' 
2.55 
2.22 
1.91 : 
—.12» 
—.16» 
-;»i 
1.40 
—.21, 
.26»' 
—.19»' 
.43,1 
-.39»! 
—.48 
—.02 
Til'i 
2.04 ' 
22.38 
14.18 
— .74; 
3.84 
2.53 j 
1.87 ; 
1.98 
—.12 ; 
—.14,1 
—.06,1 
1.19 : 
1.69 1 
-.21» 
—.28» 
—.23,1 
—.41» 
—.36,' 
—.514 
—.01» 
-.22, 
2.14 
1.63 
22.51 
14.36 
—.75» 
Da alle diese Angaben bios die Preise für Koliproducle, Lebensmittel 
und Lübne bieten, so war es der Vollständigkeit lialber nothwendig, auch 
für die Industricproducte verlässliche Angaben aufzutreiben. Es war je 
doch unmöglich, derlei für eine längere lieihe von Jahren und für eine 
grössere Zahl von Waarengattungen zu erlangen. Die Wiener Handels 
kammer iiotirt erst seit dem Jahre 185d die Marktpreise der hier gehandelten 
Waaren und dies in höchst unvollständiger Weise. Zum Ucberflusse eignen 
sich die wenigsten dieser Angaben zu einer durch mehrere Jahre fortgeführten 
Vergleichung, da die Qualität der einzelnen Gattungen nicht gleichmässig durch 
alle Jahre fortläuft. Die Preise ans der Zeit vor der Valutaherrschaft fehlen 
hier gänzlich, es ist daher für diese Industrieartikel die Erhebung der wäh 
rend der ganzen Valutaherrschaft stattgefundenen Preissteigerung unmöglich, 
so dass, sich die Aufgabe des Verfassers hier nothgedrungen darauf beschränken 
musste die für den vorliegenden Zweck interessanteste Periode von 1854 bis 
1865 in welcher die Eewegnngstcndenz des Geldwerthes sieb dreimal in ganz 
radicaler AVeise änderte, zur Beobachtung lieranzu^elien. 
Die Ausbeute aus den Preislisten der Handelskammer ist aus diesen 
Gründen trotz der liebenswürdigen TInterstiitzung von Seite des Secretariats 
dieser Kammer eine liöobst magere und beschränkt sieb auf das Folgende:
        <pb n="67" />
        55 
schnitte am geringsten, bei den Mittelwerthen für Oesterreich, 
die zumeist die Preise im Kleinverkehr angeben, schon um 
einiges höher, am bedeutendsten aber beim Taglohne ist. 
Kliminirt man aber aus lieiden Tabellen gleichmässig die 
1 reise für Weizen, Koggen, ]\IaÍ3, (ierste und Hafer, bei denen 
die Preissteigerung aus einem von den Valuta Verhältnissen 
Ken hier gleichfalls in Silber umgerechnet; 
tn Gulden öaterr. Währ. Silber. 
18-)9 I 1860 1861 j 18fi2 1863 ¡ 1861 | 1865 ! 1866 ' 1867 | 1868 
1863 1870 1871 
—.aOi —.19 
.325 
—.37i 
—.34o —. 
—.03, —.1 
20; I .19y —. 
70 I 1.87 1. 
67 I 1.26 1. 
73 'l9.— '20.1 
10.93 ¡12.31 ,11.49 12. 
87,-.864 -.i 
—.70,'—.78, — 
1872 
Ohresdurchschnitts preise nach den Notirungen der Wiener 
Handelskammer in (Je. W. Silber. 
18.54 
18.5.5 
18.5H 
1857 
18.58 
18.59 
18H(» 
1801 
1802 
1805 
1804 
1805 
Schliesslich wurde, 
Baurawoll- 
icarnNr. 20 
1 79 
1 80 
208 
2 21 
221 
250 
Roh 
eisen 
537 
470 
528 
580 
572 
588 
595 
404 
385 
stärke Zucker 
14-82 
1590 
921 
707 
10- 
12-92 
1305 
12-32 
12-75 
11-84 
9-07 
27.89 
28.15 
35.79 
35-84 
31-79 
28-60 
27.08 
. nin die Angabe für die Indnstrieartikel doch einiger- 
ossen zu ergänzen, auf die von der Träger Handelskammer veranstaltete 
» nllectivausstellung von lieitrágen zur Geschichte der Preise“ zurückgegriften. 
(}"i dieser Handelskammer, Herr I)r. Edmund Schebek, hatte die 
0, einen sehr werthvollen Extract aus mehreren im Kataloge verzeichneten 
î^nimlnngeu einznsenden, ans welchem die Preise von Jlauerziegeln und Schmied-
        <pb n="68" />
        ganz unabhängigen Grunde, nämlich wegen der inzwischen 
eingetretenen Verbesserung der Communicationsinittel in Un 
garn grösser sein musste als in Oesterreich ^), so stellt sich 
das Verhältniss noch augenfälliger dar. 
eisen, wie sie anf den KronRül^rn Bnstéhrad, Katzow nnd Kronporióain ver 
kamen , sich zur besonderen Ueniilzung eigneten. Aus den für diese drei Orte 
notirten Preisen wurden die Mittelwerthe gezogen, diese in Silber um gerechnet 
und das Resultat in der naclil'olgenden Tabelle zusammengestellt. 
Mittelpreise in Buêtëhrad , 
Oe. W. 
1854 
1855 
1858 
1857 
1858 
1859 
1860 
1861 
1862 
1866 
1864 
1865 
Katzow und Kronporièain in 
Silber. 
Mauerziegeln Eisen 
822 5g 
921 6, 
1063 7- 
10-62 7., 
10-76 6* 
937 % 
8-67 8, 
8- Tg 
8- 95 8, 
9- 99 9, 
994 8g 
1045 9, 
*) Die Getreidepreise sind nämlich seit Beginn der Eisenbahnära, wie 
E. Laspeyres so überzeugend nachgewiesen hat, in den Ländern, die einen 
TTeberschuss producircn, in einer sehr raschen Steigerung begriffen, während 
jene Länder, die zur Deckung ihres Bedarfes an Brodfrüchten auf den Import 
angewiesen sind, zum Theile sogar einen Rückgang der Getreidepreise erfahren 
haben. Nimmt man die Preise von 1821 bis 1840 gleich 100, so betrug die 
percentuelle Höhe der Weizenpreise in 
Perioden 
1821—1840 
1841—1850 
1851—1860 
1861—1870 
Ungarn Böhmen Preusseu Frankreich 
100 100 100 100 
136 128 129 105 
179 161 163 118 
182 146 157 111 
England 
100 
72 
94 
89. 
Noch deutlicher tritt das Sinken der Getreidepreise in den Consumtions- 
ländern im Verhältnisse zu den Preisen der Productionsgebiete hervor, wenn 
man die Preise des Productionslandes Ungarn gleich 100, und die Preise der 
anderen in Vergleich gezogenen Länder als Ratio daneben setzt. Es ergibt 
dies dann das folgende Verhältniss: 
Perioden 
1821—1840 
1841—1850 
1851-1860 
1861-1870 
Ihigani 
100 
100 
100 
100 
Böhmen 
139 
131 
126 
112 
Prcusseii Frankreich England 
143 216 287 
136 168 195 
130 142 151 
123 135 140. 
Die Erklärung dieser Erscheinung ist sehr einfach Die Eisenbahnen 
ermöglichen in stets ausgiebigerer Weise die Bewegung der Getreidemassen 
aus dem Productionslande in jenes Land, welches der Zufuhren bedarf; die
        <pb n="69" />
        57 
Ks betrug nämlich nach Eliminirung der Cerealienpreise die 
Preissteigerung von 1840—1846 auf 1866—1872 in 
Percenten 
lür die Productenpreise in Pest 37 
n „ Mittelpreise in Oesterreich . . . 51 
„ den Taglohn (mit Kost) in Oesterreich . 64.| 
« « n (ohne Kost) in Oesterreich . 82.9 
Ks sind also in der beobachteten Epoche die fiir den 
Weinverkehr Reitenden Jlittelpreise in Oesterreich «m ein gutes 
ntttheil starker gestiegen als die Productenpreise in Pest- 
1 .. vollends die Taglöhne ohne Gewährung von Ver- 
os ,g„ng um 60 Percent stärker als die österreichischen 
iittelpreise, und um 120 Percent stärker als die Pester Pro- 
&lt;iuctenpreise. 
s betrug in der That, diesem Gesetze entsprechend, die 
l'ercentuelJe Steigerung der Getreidepreise 
mo bis 1846 1866 bis 1872 
.... 100 181., 
„ Oesterreich. . 100 172. 
” .... 100 162.! 
Wnisleriu’' 
als für Getreide in ganz Oesterreich grösser ist 
1
        <pb n="70" />
        58 
Es war nun diese Preissteigerung ip allen Kategorien jeden 
falls wesentlich höher als an irgend einem westeurop. Hanpt- 
handelsplatze. Da es sich jedoch hei den in den obigen Listen 
verzeichneten Waaren um Jlohproducte handelt, die aus früher 
angeführten Gründen auch abgesehen von den Valutastörungen 
in Westeuropa nothweiidigerweise minder rasch steigen mussten 
als in Oesterreich, so kann eine Zusammenstellung der hier 
gefundenen Preisverhältnisse mit den etwa für Hamburg zur 
Hand liegenden keine massgebenden Resultate liefern. Anders 
jedoch verhält es sich, wenn man die Lohnsteigerung in Oester 
reich mit der in den benachbarten Staaten vergleicht. Einer 
statistischen Arbeit „Ueber die Lehre vom Arbeitshdine“ von 
Dr. Carl Strassburger im 18. Rande der Hildebrand'schen 
„Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik" ist folgende 
Steigerung verschiedener Lohnsätze von 1840—1846 aut 
zu entnehmen. 
Durchschnitts lohn. 
1810—IfUfi 1866—1871 
■i der Cigarrenfabrikation in Berlin für 1000 Cigarren in Thir. 1.,^ ^ 
;ini Ziegelstreichen in Jena für 1000 Ziegel in fegi . . 14. 14.j 
îtzerlohn in Bern für 1000 n in Cts 3») 42 * 
lö 90 
®) Es war die Preissteigerung in Hamburg thatsäelilieh im Durchschnitt 
im 12 Percent geringer als in Pest. Ziehen wir aus den zu Hamburg regelmässig 
veröffentlichten Preislisten die Durchschnittspreise lur sieben Waarengattungen, 
die sich auch in unserer Pester Tabelle (11) linden, fur die Epochen 1841 bis 
1860 und 1868 bis 1872 heraus und vergleichen wir die gewonnenen Durch 
schnittszahlen mit den Durchschnittszahlen der Pester Preise für dieselben 
Epochen, so gewinnen wir die folgende Peticrsicht : 
OnrchschnittBprcise 
Il Verliälliiisszahlen 
in Hamburg 
in Pest 
W a a r e 11 
Hanf . 
Talg . 
Rübül 
Roggen 
Weizen 
Gerste 
Itafer 
1S41 
bis 
IH.'iO 
13.03 
14.03 ' 
11.90 ; 
2.07 
2.90 
1.76 
1.47 
1868 
bis 
1872 
12.75 
14.74 
12.67 
2.96 
3.90, 
:b29 
2.69 
1841 
bis 
1850 
9.36 
22.31 
16.96 
1.80 
3.04 
1.36 
1.05 
1868 
bis 
1872 
15.61 
27.51 
20.02 
2.90 
4.80 
2.19 
Hanptdnrcbsrbnitt 
in Hamburg 
ill Pest 
1841,50 
1 auf 
1868,72 
1841 50 
auf 
1868,72 
1 98 
104.* 
106.* 
! 143 
134., 
; 187 
¡1 183 ■ 
167 
123., 
: 11« 
161 
s 
1 m
        <pb n="71" />
        59 
Percentuelle Steigerung der Lohnsätze. 
Bei der Ciparrenfabrikation in Berlin 
Beim Ziegelstreichen in Jena . 
Bea Setzerlohnes in Bern . 
” I, „ Jena . . . . 
100 
100 
100 
100 
Geaammtdurchschnitt . 100 
133, 
113., 
118 
161 
131.. 
ilie durchschnittliche Steigerung beträgt demnach hier 
' 5 Percent, davon aber entfällt der Löwenantheil auf den 
‘^etzerlohn, der auch in Oesterreich während dieser Epoche 
in noch w eit höherem Masse gestiegen ist, als der mittlere 
Lohnsatz. Die ordinäre Handarbeit stieg in Berlin und Jena blos 
in , resp. 14 2 Percent, während in Oesterreich die Lohn- 
^eigei ung mehr als 80 Percent betrug. Hass vollends in 
V' ien der mittlere Taglohn von 41 4 Kreuzern im Durch 
schnitte der Jahre 1841—1840 auf 87 9 kr. im Durch- 
sc^irntte der Jahre 1866—1872, also um 112 Percent stieg, 
«e hier nur nebenbei erwähnt werden, da sich nicht verkennen 
cisst, dass diese ganz abnorme Preissteigerung weniger mit 
en allgemeinen wirthschaftlichen Verhältnissen, als mit den 
Vi.. ^eichen giossen Bauten, die vom Jahre 1870 angefangen in 
len iin Werke waren, zusammenhängt. Aber auch die aiis- 
sc ireitende Lohnsteigerung in ganz Oesterreich lässt auf eine 
SHnz speciell wirkende Ursache schliessen , als welche denn 
^ s )ald die Valutaschwankungen nachgewiesen werden sollen. 
Um zu erkennen, in welcher Weise diese Valutaschwan 
Bigeii wirkten, wird es wohl am dienlichsten sein, wenn mar 
sich jene Perioden ganz besonders vor Augen hält, in dener 
Í er (reldwerth in Oesterreich eine gleichmässige Bewegungs 
endenz bewahrte. Es sind dies, wie erwähnt, vornehmlicl 
^ icr, nämlich die Zeit von 1854—1856, in welcher das Disagic 
lapid von 27*75 auf 5*67 sank, ferner die Epoche von 185t 
IS 18,)^8, wo das Jahresmittel des Disagios um kaum mehi 
«Is 1 Percent, nämlich von 5*67 auf 4*12 sich bewegte und 
j|”c 1 die Intervalle der Bewegung im selben Jahre die gering- 
i'gigsten wahrend der ganzen Herrschaft des Zettelwesens 
Hien, dei (xeldwerth also verhältnissmässig am stationärsten 
* ich; dann die Epoche von 1858 auf 1861, wo das Disagio 
18n T". ^ *tieg, und endlich die Epoche von 
* 8(,5, wo das Agio von die.sem höchsten Jahresmittel
        <pb n="72" />
        60 
wieder auf 8-32 sank. Da in diesen unmittelbar aufeinander 
folgenden vier Epochen die Werthveränderung des Geldes einen 
ziemlich scharf ausgeprägten (3iarakter hat, so lässt sich in 
denselben auch die Gesetzmässigkeit des Einflusses der Valuta 
strömungen auf die verschiedenen Preisverhältnisse am deut 
lichsten beobachten. 
Sehen wir nun, wie sich thatsächlich in diesen Zeitab 
schnitten die Preise der verschiedenen in den Tabellen ver- 
zeichneten Werthe verhielten: 
Percentuelle Preissteigerung in l’est für 
1 
1854-56 
1856—58 1 1858—61 
1861—65 1 
1) Weizen 
2) Roggen 
3) Gerste 
4) Hafer 
5) Mais 
11-37 
- w.„ 
Ü9.j3 
'¿0-89 
— 34-71 
— 42-4, 
+ n: 
4- ü.ß. 
+ 20-8 
+ 30., 
zis- 
=&amp;: 
— 2«., : 
(1—5) Durc.hschnilt . . 
— 19.,5 
1-5.2« 
8-9 
— 2t)., 
H) Riibül 
7) Sj)iritn.s 
8) Ochsenliäiite 
0) TInschlitt 
10) Schweinefett 
11) Speck 
12) Hanf 
13) Honig 
1 14) Wachs ... • 
+ 
10.2g 
-h ^4-83 
4- 
+ 9-53 
4- 13-83 
-t- ä.jo 
= # 
9-jM 
7-58 
+ 1^-58 
-h 8-87 
13-7 
-1-11-3 
-f )¿-3 
19-3 
— 12.3 
=3":; 
-17.; 1 
—15.4 
4- 19.3 
+ 52.4 
— 1-5.4 
— 1-4 
(6—14) Durchschnitt . . jj fl- 5..,« 
— 3.J, 
- « 
4- 4.9 
Es zeigt sich in dieser Tabelle ein auffallender Gegen 
satz zwischen der Preisentwicklung der Getreidesorten — in 
der Tabelle an erster bis fünfter Stelle angeführt — und jener 
der anderen Rohproducte. Getreide ist in seinem Preise eben 
in erster Linie durch die Gunst oder Ungunst der Ernte Ver 
hältnisse bestimmt, während die anderen Producte, insbeson 
dere die unter Nummer 8—15 angeführten, von den Erntever 
hältnissen nicht so unmittelbar beeinflusst werden. Es ist für 
den vorliegenden Zweck gleichgiltig, ob Getreide in Pest zu 
nächst aus dem Grunde wohlfeiler oder theurer wurde, weil 
die Ernte in Ungarn reichlich oder spärlich ausfiel, oder ob 
dabei mehr die fremdländischen Ernteverhältnisse massgebend 
waren. Von entscheidender Pedeutung war, dass von 1854 auf 
1856 die Getreidepreise in Pest um lIl’To Percent sanken, die 
allgemeinen Ernteverhältnisse also offenbar überaus günstig sein
        <pb n="73" />
        T 
— Gl — 
mussten, trotzdem aber die Preise der ülmigen Producte um 5*30 Per 
cent in die Höhe gingen. In jener Epoelie verbesserte sieli der 
Heldwertli. Nach den frülier auf deductivem Wege gewonnenen 
Resultaten sollten also die Preise gestiegen sein. Bei den (le- 
treidesorten tritt dieses Ergebniss nicht zu Tage, da eben die 
Ernteverhältnisse die Wirkung der Valutaschwankungen para- 
lysirten ; bei den anderen Productenpreisen aber zeigt sich bereits 
trotz der günstigen Ernteverhältnisse die erwartete Preis-Er 
höhung. Von 1856 auf 1858 sanken die Getreidepreise abermals in 
lolge noch reicherer Ernteergebnisse; die Valuta war in die 
ser Zeit stationär, und in der That zeigen sich auch die Preise 
der anderen Rohproducte ermässigt, zwar nicht in demselben 
Grade wie Getreide, da selbstverständlich auch hier die Ernte 
•nicht von so bestimmendem EinÜusse sein konnte, aber man 
sieht denn doch, dass alle Producte, mit Ausnahme von Honig 
nnd Wachs, dem naturgemässen durch die Gunst der Ernte 
gegebenen Impulse folgen können. Von 1858 auf 1861 sinkt 
lier Geldwerth; die Preise sollen also nach dem Gesetze des 
Heliarrens auf den nominellen Sätzen essentiell zurückgehen, 
nnd es ist dies in der That bei den Artikeln 6 bis 14 der 
Pall, trotzdem die Getreidepreise, unter der Herrschaft der 
Ernteverhältnisse stehend, gestiegen sind. Von 1861 auf 1865 
verbesserte sich der Geldwerth ; die Preise sollen also steigen, 
nnd abermals folgen die Productenpreise diesem Gesetze, trotz 
dem das Getreide im Preise sehr wesentlich sinkt. Mit einem 
V’orte : die Productionspreise folgen dem auf abstractem Wege 
geiundenen Gesetze mit merkwürdiger Genauigkeit, trotzdem 
zufälligerweise die Ernteverhältnisse eine geradezu entgegen 
gesetzte Bewegung der Getreidepreise im Gefolge hatten, und 
nlso unter normalen Wirthschaftsverhältnissen eine ganz an- 
tlere allgemeine Preisbewegung zu vermuthen wäre. 
Untersucht man nach derselben Methode die Preisbewe- 
gnng in den V iener Notirungen, so ergibt sich das Folgende :
        <pb n="74" />
        02 
Perce n tu elle Preissteigerung in Wien. 
|¡ 1851—.’)(■) ! 1858—58 ! 1858—(11 ' 18G1—C5 
Auszugnielil . 
Kaiserseuiiiiel 
Weisses Brod 
Erbsen . . . 
Erdäpfel . . 
Rindfleisch 
Kalbfleisch 
Schaffleisch . 
Schweinefleisch 
Schweinschmalz 
Butter . . . 
Eier .... 
Milch .... 
Heu .... 
Stroh . ■ . . 
Brennholz, hari 
4- 15.7-, j — 4.2 + Zg 
+ 15.»i —2»).,8 +12.; — 4., 
— 5.,-, ' — 80 — 0.., — 4.; 
weich 
Durchschnitt 
Je eingehender man die hier enthaltenen Angaben jiriitt, 
desto anfallender wird die Harmonie der thatsüchlichen Preis- 
hewegnng mit der vom Einflüsse der Valuta %ii erwartenden. 
Es ist dies insbesondere der Fall, wenn man die in der Pester 
Tabelle verzeichneten Preise, die die Pewegnng im (4rosshan 
del wiedergeben, mit den Wiener Detailpreisen vergleicht. 
Von 1854 auf 1850, in der Ejmche des steigenden (îeld- 
werthes, sinkt der Wei/enpreis um Percent, Auszug 
mehl aber steigt um 15 75 Percent, desgleichen Ivaiser- 
semmel (das feinste Laxusgebäck) um 15 Ul Percent; Roggen 
sinkt in derselben Zeit um nahezu 20 1+rcent, weisses Brod 
dagegen blos um 5 Percent. Schweinespeck steigt im (4ross- 
h andel um 7 Va Percent, im Klein verkehre um 25 Vs Percent. 
Ebenso sinkt in der zweiten Epoche des steigenden Geld- 
werthes (1801—1805) der Weizenpreis im Grosshandel um 
27‘/s Percent, im Kleinverkehre aber der Ih-eis der Semmeln 
blos um 4'8 Percent, und der Mehlpreis steigt vollends um 
2 0 Percent. Roggen fällt um Jo'O Percent, weisses Brod blos 
um 4 7 Percent. In der Epoche des sinkenden Geldwerthes 
1858 bis 1801 — dagegen, steigt der Weizenpreis im Gross 
handel um 20-8 Percent, der des feinen Gebäcks dagegen blos 
um 12-7 Percent, und der ]\Iehl])reis sinkt um 42 Percent. 
Der Roggenpreis (Grosshandel) steigt um JOT Percent, der 
Preis für Weissbrod (Kleinhandel) aber blos um 0'5 Percent.
        <pb n="75" />
        63 
/u eben so aníTálligen Resultaten führt eine Zusammen 
stellung (1er Preisflucluationen für die wenigen, in der nach 
folgenden, leider so unvollständigen Tabelle enthaltenen In- 
dustrieerzeuguis'se. 
Percentueile Preissteigerung. 
für 
von 1854 
bis 185« 
von 185« 
bis 1858 
von 1858 
bis 18C1 
von 1861 
bis 1865 
1) Mauerziegel (Böhmen) 
2) Eisen (dto.) 
ö) Roheisen (Wien) 
4) Stärke (dto.) 
5) Zucker (dto.) 
ti) Baumwollgarn (dto.) 
+ % 
+ Iti.,, 
55.-0 
+ 6.,3 
— 34.J 
+ 19.; 
+ 84.g 
-f- 10.9 
tfo: 
+ 3.3 1 
1 
4- 56., 
Durchschnitt . . 
i 
+ 22.0; 
— 13.4h 
4- 20., 
4- 9., 
Die Ziegelpreise steigen von 1854 auf 1856 und von 1861 
ftnf 1865 offenbar weil sie nur höchst unwesentlich von den Ver 
hältnissen des Weltmarktes und beinahe ausschliesslich vom 
Lohnsätze bestimmt werden ; aus ganz demselben Grunde fallen 
f’ie ganz im Gegensätze zu den Preisen aller anderen in den 
Tabellen enthaltenen Tndustrieproducte von 1858 auf 1861. 
Risen dagegen, im hohen Grade unter der Herrschaft der 
M eltconjunctiir stehend, steigt ziemlich gleicbmässig trotz 
aller Agioschwankungen von Epoche zu Epoche, und macht 
blos zwischen 1856 und 1858 in Folge der damals herrschenden 
Krisis eine Ausnahme. Aebnliches gilt für Baumwollgarn 
(dessen abnorme Preissteigerung voii 1861 auf 1865 jedenfalls 
iiielits mit den Valutaverbältnissen zu thiin bat, sondern auf 
den damals wüthenden Secessionskrieg zurückzuführen ist). 
Stärke folgt naturgemäss den PreisHuctuationen des Getreides 
and auch für Zucker waren zwischen 1851 und 1865 die 
Hübenpreise massgebend. 
Die nachfolgende Tabelle zeigt in übersichtlicher Zu 
sammenstellung, wie die IMreise der verschiedenen Kategorien 
la den einzelnen Epochen von einander abwicben, und gestattet 
%agleich einige Rückschlüsse auf die Productionsbedingungen 
ai diesen selben Epoche. 
ia54 M 
• 1^-7S 
+ ö-S« 
4- 12.;, 
4- 
tJetreidepreise in Pest . . . 
Pi’oductenpreise in Pest . . 
htbensiTiittelpreise in Wien . 
'l’aglolin in Wien . . . • . 
IH.W; r.H 
— 14.,4 
ö.j, 
+ 4.„j 
4- i-ii 
IH.Ví (il 
+ 8-»o 
8-00 
— 19-»« 
— 7.,„, 
1K«|—6S 
îS 
■f 30.,0
        <pb n="76" />
        64 
Von 1854 bis 1850 sinken die Getreidepreise, nnd zwar 
ganz ausgiebig, nämlich um 19®/* Perc. ; nnter normalen Ver 
hältnissen hätte dies ohne Frage eine Ermässignng aller 
anderen Preise, oder — wenn man gelten lassen will, dass 
anderweitige Ursachen eine gleichsam säcnlare, allmälige 
Preissteigernng involvirten — doch znm mindesten einen Still 
stand im Preisaufschlage zur Folge haben müssen. Statt dessen 
sehen wir, dass die Productenpreise um 5 80 Perc., die Lebens 
mittelpreise um 12 71 Perc. und der Taglohn vollends um 
80 U7 Perc. gestiegen sind. Der Geldwerth hatte sich ver 
bessert und die Preise beharrten auf den nominellen Sätzen, 
und zwar genau in jener Reihenfolge, die als nothwendig vor 
hergesehen wurde, nämlich die Löhne am entschiedensten, die 
Lebensmittel preise schon im minderen Grade und die Producten 
preise in noch geringerem. In dieser Epoche müssen sich also 
die Arbeiter sehr wohl befunden haben, denn sie hatten es 
verstanden, jede nominelle Lohnverkürzung von sich abzu 
wenden, und erhielten doch für denselben Lohn verhältniss- 
mässig mehr Lebensmittel als früher. Ebenso befand sich der 
Kl ein verkehr in trefflicher Lage, denn seine Preise gingen 
nominell nur unwesentlich zurück, die Anschaffungen aber 
waren ihm zu nominell, und soweit es sich um die Beschaffung 
von Cerealien handelte, sogar zu essentiell ermässigten Preisen 
ermöglicht. Sehr schlecht aber befanden sich die Prodncenten. 
Sie alle mussten im Durchschnitte nominell die alten, ja zum 
Theil erhöhte Lohnsätze bewilligen, bekamen aber für ihre 
Producte fast ohne Ausnahme reducirte Preise. Tn der Land- 
wirthschaft war diese Reduction für Cerealien nicht blos eine 
nominelle, sondern sogar eine essentielle ; doch mag hier immer 
hin das günstige Ernteergebniss, welches eben die starke Preis- 
ermässigung herbeiführte, den Schaden zum Theil ausgeglichen 
haben. Eine vollständige Ausgleichung wird aber schwerlich 
auch hier vorhanden gewesen sein, denn das inzwischen ent 
standene Missverhältniss zwischen Preisen und Löhnen war 
allzugross, es stieg allmälig bis auf nahezu 50 Perc. Wenn 
z. B. im Jahre 1854 auf eine bestimmte Anzahl von Arbeits 
tagen 100 ff. gewendet und für eine bestimmte Menge Ge 
treide ebenfalls 100 ff. gelöst wurden, so mussten im Jahre 
1850 für dieselben Arbeitstage 180 ff. bezahlt werden, während
        <pb n="77" />
        a&amp;sn 
— (50 — 
ínr dasselbe Cxetreidequantum bios 81V4 H. gelöst wurden. 
^Venn also im letzteren Jahre dieselbe Arbeitsleistung nicht 
Win 50 Perc. ’ vermehrten Ertrag lieferte — und dies ist 
^cliw erlich anznnehmen — so muss auch die landwirthschaft- 
Hche Hanptprodnction in eine wesentlich verschlimmerte Lage 
gprathen sein. 
Die Erzeuger jener anderen landwirthschaftlichen Pro- 
«liicte, die in der Pester Tabelle von Nr. 0 bis U angeführt 
sind, hatten im Jahre ISbÜ gleichfalls um .80-07 Perc. mehr 
an Arbeitslöhnen für dasselbe Product zu leisten als 1854. 
Sie mussten überdies ihren eigenen Lebensunterhalt um 12-7 
Í erc. them er bezahlen als im Jahre vorher, während sie für 
ihre Erzeugnisse blos um 5 4 Perc. mehr erhielten. Es ergab 
sich also eine Differenz von 81 0 respective 7 8 Perc. zu ihren 
Ungunsten. 
Nicht viel besser erging es in jener Epoche den In- 
ilustriellen. Zwar für die Ziegelfabrikanten war die Differenz 
nicht sehr gross, denn auch der Preis ihres von den Welt- 
inarktverhältnissen unberührt gebliebenen und unmittelbar von 
Jen Arbeitslöhnen abhängigen Productes war sehr wesentlich 
gestiegen; aber sie arbeiteten yerhältnissmässig doch um 
nahezu 7 Perc. theurer als zwei .Jahre zuvor. Bei den böh- 
niischen Eisenwaarenfabrikanten betrug die Differenz der Preis 
steigerung des Productes und der Arbeit mehr als 15 Perc., 
bei den Baumwollspinnern nahezu 2o Pej-c. ; sie alle batten 
nberdies unter der Tlieuerung der Lebensmittel zu leiden. 
ln der Epoche des stationären Disagio’s folgen die Pro- 
Jnctenpreise bereits ganz ausgesproidienermassen dem Sinken 
Jes (xetreidepreises. Dass die Lebensmittelpreise und die Tag- 
bihne sich trotzdem erhöhten, dürfte jedenfalls auf die Schwan- 
«ungen zurückzuführen sein, die selbst in dieser stationären 
■'poche innerhalb der einzelnen .Jahre vorgekommen sind, und die 
nn 'Jahre 18{)7 5'/, Perc., im .Jahre 1858 Oi/j Perc. betrugen. 
Je I reise folgten auf den von der Concurrenz des Weltmarktes 
nicht berührten (lebieten der sie nach aufwärts tragenden 
^ cllcnbewegung weitaus rascher als der abwärts führenden, 
ninl so ist denn das schliessliche Resultat bei den Jjebens- 
iiiittelpreisen immer noch eine Steigerung um nahezu 5 Perc., 
icim Tagloline eine sedche von nahezu 1 Vs Perc. Doch ist die 
Wr. Th. Hertzka, Währung nnrl Handel. r.
        <pb n="78" />
        GO 
Differenz zwísclien Product und Prodnctionskosten überall sehr 
wesentlicli znrückgegangen ; sie beträgt zwischen (ietreidepreis 
und Taglolm nur nielir Perc., zwischen IVoductenpreis 
und Taglolm 5 Perc. Aebnlich bei den Industrieerzeugnissen. 
Die Preisfluctuation für Ziegel harmonirt beinahe vollständig 
mit der Preisbewegung des Lolines; zwischen Eisenpreisen 
und Taglöhnen ist eine Differenz von 7 Perc. zu Ungunsten, 
bei Baumwollgarn und Taglöhnen eine solche von 4*/4 Berc. 
zu Gunsten des Producenten entstanden. 
Der enorme Preisabschlag für Stärke hängt mit der 
Fluctuation der Getreidepreise zusammen, wobei noch zu be 
merken ist, dass in dieser Epoche der Preisabschlag für 
eizen, Roggen, IMais und Kartoffeln in Oesterreich stäi ker 
war als in Pest, nämlich im Mittel mehr als 2G Percent 
betrug. 
Von 1858 bis 1861 sank der Geldwerth, es sollen 
also nach den auf aprioristischem V ege gefundenen Ergeb 
nissen vermöge der Beharrnngstendenz die Preise gesunken 
sein, n. z. desto stärker in je geringerem Grade dieselben von 
den Fluctuationen des 'Weltmarktes berührt wurden. Nur für 
die Löhne wurde eine Abweichung vermuthet, da diese in 
Folge des dauernd geringen Angebotes an Arbeitskräften jeder 
Preisreduction einen zähen Widerstand entgegensetzten. Die 
thatsächlichen Re.sultate harmoniren damit in merkwürdiger 
Weise lind die.se Harmonie ist um so auffälliger, da abermals 
die Ernteverhältnisse, weit entfernt eine Iheisreduction plau 
sibel zu machen, vielmehr auf eine Tlieuernng liinweisen 
sollten. Nunnielir gewinnen die Ib-oducenten. Die Erzeuger 
von Cerealien erhalten um nahezu \) Bercent erhöhte Breise 
und bezahlen um 7 Bercent reducirte Löhne; die Erzeuger 
anderer Landesproducte verlieren zwar im Durchschnitte um 
1 Percent mehr am l’reise, als sie an den Löhnen gewinnen, 
aber sie werden dafür durch die Differenz von nahezu 12 Ber 
cent entschädigt, die zwischen den Breisen ihrer Broducte und 
den Kosten der Beschaffung für ihren Lebensunterhalt ent 
standen ist. Unter den in den Tabellen entbaltenen Tndmstrie- 
producten folgen, wie früher, abermals blos die Mauerziegeln 
den Fluctuationen des Geldwmdhs. Eisen, Baumwollgarne und 
Stärke, unter dem Eintlusse der Weltmarktpreise stehend.
        <pb n="79" />
        Ò* 
G7 
steigen zufolge der sclilecliten Ernteverliältnisse und liefern 
dadurch ihren Erzeugern dopjielt grossen (xewinn. 
Aber schon in der nächsten Epoche tritt wieder ein Rück- 
«c dag ein, um so auffälliger, da gleichzeitig die (xetreidejireise 
wm mehr als 2() Percent gesunken sind. Tn Folge des gestei 
gerten (xeldwerthes vertheuern sich die Pröductenpreise nm 
naiezu o Percent , die Lehensinittelpreise um l.-UVrcent, der 
Taglohn um Percent. Es gilt hier für alle Producenten 
VMe( er genau das Nämliche wie in der Ejioche von 1804 his 
sie erleiden ganz gewaltige Verluste. Die Differenz 
»etragt jetzt hei den Erzeugern von Cerealien DG d Percent 
den Erzeugern anderer J.andesproducte im Durchschnitte 
-) 2 Percent, hei den Eisenfahrikanten in Böhmen 10 Percent 
auf dem Wiener Markte 20 Percent. J)er Preisabschlag für 
î^tarke und Zucker ents^iricht zwar zum Theil den vermin 
derten Beschaffungskosten des Rohmaterials, trägt aber der 
»Steigerung des Arbeitslohnes doch offenb'ar keine Rechnung; der 
1 reisaiifschlag für Baumwollgarne ist ausschliesslich auf die Ibn- 
'valzuiigen auf dem Baumwollmarkte in Folge des amerikanischen 
‘ ecessionskrieges zurückzuführen und blos die Ziegelfäbrikanten 
'vissen ihre Preise mit den Löhnen in Kinklaug zu bringen. 
Die Thatsachen erhärten also in ^anz überraschender 
‘'iwe das auf deductivem Wege gefundene (iesetz. Was 
["pPeiell die Lebensmittelpreise betrifft, so findet sich überdies 
ästerreichischen Verzehrungssteuer - Krgebnissen für 
/lu und Most, dann für Fleisch, Schlacht- und StechvielO) 
2T inerkwürdige Bestätigung der Thatsache, dass die- 
• den sich genau in jener Weise bewegt haben müssen, wie 
officiellen Preislisten angeben. 
Ergebiiiss der Verzelirungsstener auf 
. KlelHch-, I 
\\ein und Schlacht- „ 
Most I u. Stecli- /"«ammen 
„ ! Vieh 
JH5r&gt; 
1H5() 
I8ü7 
1858 
1859 
i 
Millionen Gulden 
‘■‘I: 
I 
5., 
5., 
I Fleisch-, I 
Wein und Schlacht- | » 
Most u. Stech- 
Vieh 
18ÜU 
18ÜI 
\8{i2 
18U:i 
I8t)4 
1805 
I 
Millionen Gulden 
r 
) Es wurden absichtlich blos die Ergebnisse dieser zwei Stenerarten 
in
        <pb n="80" />
        08 
Wie hieraus ersiclitlicli ist, hat sicli das Erträgiiiss 
dieser Verzelinnigssteuern von 1854 auf“ 1850, also jener 
Zeit, für welche eine Tlienernng der lichensniittel anf dednc,- 
tivem, wie auf indnctivein A\'eg(f gefunden wurde, um 
2 Percent und in der Zeit von 1801 bis 1805, für welche 
dasselbe gilt, sogar nm 12 Percent vermindert. In der Zeit 
von 1850 auf 1858 bei stationärem Disagio und dem zufolge 
stationären Ijebensmittelpreisen stiegen die Steuererträgnisse 
um 12 Percent. In der Zeit von 1858 bis 1801 aber, wo anf 
inductivem, wie anf deductivem Wege eine Ermässigung der 
Lebensmittelpreise gefunden wurde, steigerte sich der Ertrag 
der Verzehrungssteuer nm volle 40 Percent. 
Es ist nunmehr zu untersuchen , ob nicht von den Valuta 
verhältnissen ganz abgesehen auch anderweitige Ursachen 
vorhanden waren, die derartige ganz abnorme Preisschwanknn- - 
gen hervorgerufen haben konnten. Da es sich hier nm eine Ei - 
scheinung handelt, die ausschliesslich anf Oesterreich beschränkt 
war und für welche in den Preisverhältnissen der anderen 
europäischen Staaten durchaus keine Parallele zu finden ist, 
so muss vom Ein Müsse etwaiger allgemeiner Spéculai iuns- 
epochen, europäischer Krisen n. dgl. ganz abgesehen werden. 
Allerdings darf man nicht ausser Augen lassen, dass jene 
Epochen, in denen* der Oeldwerth in Oesterreich stieg und 
daher aus diesem Grunde eine abnorme Erhöhung der Arbeits 
löhne und Lebensmittelpreise sich zeigte, zugleicdi auch jene 
waren, in denen die innere Ruhe sich befestigte und daher 
ein Aufschwung des Uuteruebmuugsgeistes wohl zu erwarten 
war. Aber wenn dieser die bestimmende Ursache der Lohn 
steigerung .sein scdlte, so hätten die Produete, insbesondere die 
Fabrikate mit der Preis.steigernng vorangehen, die Lolinstei- 
gerung erst nachtblgen müssen. Es ist aber gerade das 
RcclunmK gezogen, und die für liier, Wein und Zucker ganz ansser Acht ge 
lassen, da der Ertrag dieser letzten drei Stenern weniger von dem Stande der 
inländischen Consnmtion, als von der Ausdehnung der Production, die wieder 
von auswärtigen Ahsatzverhältnissen bedingt ist, . abhängig erscheint, tim aber 
auf die inländischen Preisverhältnisse Rückschlüsse zu gewinnen, musste ledig 
lich untersucht werden, cd» von den verzehrnngsstener|iHiehtigen (Jegenständen 
im Inlande mehr oder weniger in einer gegehenen Epoche consumirt wurde, 
lind dies zeigen die Stenererträge nur bei den obigen Verzehrnngsgegen- 
ständen an.
        <pb n="81" />
        6'J 
Unigekelirte der Fall. I)ie Loliiisteigeruiig übertriitt in dieser 
i^poelie weitaus jede andere Preissteigerung, sie muss also in 
erster Linie das bestimmende gewesen sein. 
Im Uebrigen aber ist es notorisch, dass eine Steigerung 
des Unternehmungsgeistes und der Production thatsächlich 
nur in einer der beiden Epochen steigenden Geldwerths, 
nämlich von 1854 bis 1856 stattfand, während von 1861 
1865 bei sinkendem Disagio des österreichischen Papier 
geldes der Unternehmungsgeist darniederlag, in höherem 
Grade als vielleicht jemals zuvor. Nichtsdestoweniger stiegen 
flie Löhne beinahe im selben Masse, wie in der Epoche 1854 
^&gt;is 1856. Umgekehrt war die Epoche des sinkenden Geld 
werths 1858 bis 1861 allerdings auch eine Zeit stagnirenden 
Unternehmungsgeistes; dass aber der Lohnabschlag darauf 
^Pein unmöglich • zurückgeführt werden kann, geht daraus 
hervor, dass in derselben Zeit die Preise so wichtiger Industrie- 
Erzeugnisse wie Eisen und Ihiumwollgarne namhaft gestiegen 
Die Zunalime oder Abnalime der Unternehmungen und 
pEr Arbeitsgelegenheit kann daher wohl hie und da die Wir- 
kung der Valutaschwankungen verstärkt haben, zur Begründung 
der trüber besprochenen Preiserscheinungen aber reicht dieser 
-rklärungsgrund keineswegs aus. Am ^llerdeutlichsten geht 
dies aus dem Erträgnisse der Verzehrungssteuer hervor, 
^‘ire die Lolinsteigerung und die Steigerung der Lebensmittel- 
Pi'eise in den Jahren 1854 bis 1856 und 1861 bis 1865 vor 
wiegend auf eine Zunahme des Unternehmungsgeistes zurück- 
zuführen, so hiesse dies speciell für Lebensmittel, dass diese 
^ i’Eise stiegen, weil mehr consumirt wurde; die Steuerlisten 
&lt;&lt;ber zeigen ganz direct, dass das Gcgentheil richtig ist, 
•^'ämlicli dass die Consumtion zum mindesten für V ein, Most 
’ind P leiscb in der Abnahme begriffen war. Und ebenso hätte 
die Preisermässignng der Lebensmittel in der Zeit von 1858 
Pis |S()l nui^ dann eine P\)lge des sinkenden Unternehmungs- 
REistes sein können, wenn weniger consumirt worden wäre, 
zuvor; während, wie die Steuerlisteii beweisen, in V ahr- 
*EÍt gerade in dieser Epoche die Consumtion an V ein und 
Eiseh stieg. Ks können also, durchaus nicht die Consumtions- 
^^iid also auch nicht die Productionsverhältnisse die I rsache 
^ Er abnormen Preisschwalikungen gewesen sein.
        <pb n="82" />
        70 
Ist dies aller nicht der Fall, so Hessen sich mir noch 
drei weitere Ursachen der Freist!nctnationen finden, nämlich 
Ernteverhältnisse, Steuerdruck und Krieg. 
Dass die ersten die Preisschwankungen nicht erklären, ist 
bereits wiederholt hervorgehoben worden. Es waren zutalliger- 
weise die Getreidepreise gerade in jenen Jahren am massigsten, 
in denen Löhne und Lebensmittel stiegen, und umgekehrt am 
höchsten, wenn die anderen Preise sanken. Es ist nun für die 
vorliegende Betrachtung ganz gleichgiltig, ob diese Preis Ver 
hältnisse des Getreides durch die speciell inländischen Ernte 
ergebnisse oder durch die Conjunctur auf dem Weltmärkte 
bedingt waren; auf die Preise im Allgemeinen wirken eben 
die Ernten nur in Folge ihres Einflusses auf die Getreide 
preise und wenn daher die IMöglichkeit vor Augen gehalten 
wird, dass die abnormen Ih-eisbewegungen in den beobachteten 
vier Epochen durch die Ernten hervorgerufen sein könnten, 
so kann dies nichts anders heissen, als dass vielleicht das 
effective Zurückgehen der verschiedenen Preise in den Zeiten 
steigenden Disagios nicht auf das Beharren der Preise auf 
dem nominellen Satze, sondern auf eine Wohlfeilheit der Boden 
früchte in Folge reichlicher Ernten zurückzuführen sei und 
umgekehrt, das Steigen der Preise in Zeiten fallenden Dis 
agios nicht auf das Beharren der Preise bei den nunmehr ver 
minderten Werth repräsentirenden nominellen Sätzen, sondern 
‘auf eine Theuerung der Bodenfrüchte in Folge dürftiger Fi nten. 
Nun wurden aber die Bodenfrüchte theurer gerade in den 
Zeiten sonst allgemein sinkender Preise, wohlfeiler in den 
Epochen sonst steigender Preise. Die Ernteverhältnisse hätten 
also geradezu entgegengesetzte Erscheinungen als die beobach 
teten hervorrufeii müssen und da sie dieses nicht thaten, so 
muss eben die Ursache, nach der hier geforscht wird, mit um 
so grösserer Kraft gewirkt haben. 
Was den zweitmöglichen Erklärungsgrund, nämlich die 
Höhe des Steuerdruckes anlangt, so ist es allerdings richtig, 
dass dieser letztere in Oesterreich sowohl absolut, als relativ 
im Vergleiche zur Ijeistungsfähigkeit der Bevölkerung, weit 
aus grösser ist, als in den meisten anderen Staaten Europa's. 
Es ist jedoch eine schon von Tooke widerlegte irrige Ansiclit, 
dass Steuern im Allgemeinen die' Productionskosten und
        <pb n="83" />
        dadurcli die l^reiwe erliöhen. Von einer alle Bewohner eines 
Bandes gleiclimässig treffenden Steuer gilt dies entschieden 
nicht; denn wenn auch die Producenten in einem derartig 
hesteuerten Lande die Tendenz haben mögen, von den Con 
dimenten die Steuer liereinzuhringen, so werden sie daran auf 
das wirksamste durch das dem entgegenstellende Bestreben 
der Consumenten, ihrerseits die Steuererhöhung an den Preisen 
bereinzubringen, gehindert, umsomehr, da die Consumenten in 
der Verringerung der Consumtion das drittel an der Hand 
haben, diesem ihrem Bestreben Nachdruck zu verleihen, wäh 
rend die Producenten die Production nicht verringern können, 
da es eben an Gelegenheit fehlt das Anlagecapital, welches 
bei der einen Productionsart besteuert worden ist, in einer 
anderen Anlage' unversteuert und daher nutzbringender zu 
verwenden. Im selben Sinne wirkt die fremdländische Concur- 
renz, und ttitt daher gleichzeitig mit dem Steuerdrücke nicht 
auch eine Vernichtung gewisser Arbeitsca]»italien ein, so kann 
keine Theuerung die Folge der höheren Steuer sein. Anders 
verhält sich allerdings die Sache, wenn nur ausnahmsweise 
einige Productionsarten von der Steuererhöhung üherhaupt 
‘»der in bedeutenderem Masse getroffen werden. Die Erzeug 
nisse solcher Productionszweige werden im Prei.se steigen, 
gleichviel ob die Begierung durch einen Schutzzoll die aus 
ländische Concurrenz fernhält und dadurch die Preiserhöhung 
begünstigt, oder ob sie dies nicht tliut. Denn im letzten Falle 
würden aus der derartig gedrückten Productionsart (Kapitalien 
herausgezogen und das Angebot wird insolange sinken, bis in 
Folge der gestiegenen Preise wieder eine entsprechende Ren 
tabilität für die betreffenden Productionsarten gewonnen ist. 
Aber auch eine derartige Steuererhöhung bei einzelnen Pro- 
‘bictionen wird nicht die Wirkung haben, eine allgemeine 
Preiserhöhung herbeizuführen; es kann im Gegentheile be- 
hauj)tet werden, dass das Herausziehen von Cajdtalien aus 
^Ipn überlasteten Geschäftszweigen und deren Verwendung zu 
anderweitigen productiven Zwecken das Angebot bei den nicht 
bedrückten Productionen erhöhen und dadurch eher eine Ver- 
ininderung der Preise herbeiführen wird. 
ln Oesterreich hat nun neben der allgemeinen Steuer- 
Erhöhung auch eine specielle stattgefunden, weli^ie die Erzen-
        <pb n="84" />
        72 
giiiift’ zalilreicher wichtiger Waaren selir einptiiidlich trat. Von 
Artikeln dieser Art sind in der Tabelle Bier, Fleisch, AVein 
und Spiritus enthalten, von denen zwei, nämlich Fleisch und 
Bier, thatsächlich über den allgemeinen Durchschnitt hinaus 
gestiegen sind, während AVein sich in seiner Preissteigerung 
iin Alittel der anderen AVaaren hielt und der Preisautschlag 
auf Spiritus vollends hinter dem Alittel zurückbleibt. AVürde 
man also auch diese AVaareu aus den Tabellen eliminiren, so 
könnte dies die gefundenen Resultate nicht wesentlich alteriren. 
Im Uebrigen mag man über die AVirkung der Steuern 
auf die Preise denken wie immer, so könnte man durch diesen 
Factor höchstens eine theilweise Erklärung dafür linden, warum 
die Preise von Anfang bis zum Schlüsse der Vergleichsepoche 
in Oesterreich stärker gestiegen sind als in den minder hoch 
besteuerten Ländern. Keinesfalls aber liefert diese Annahme 
auch nur den geringsten Erklärnngsgrund für die ganz merk 
würdigen AVellenbewegungen der I’reise in den einzelnen 
Epochen. Ahm 1854 bis 185(5 und von 18(51 bis 18(55 hat eine 
Erhöhung des Steuerdruckes nicht stattgefunden nnd die ab 
norme Preissteigerung in diesen Fj«ochen lässt sich daher aus 
den 'Steuerverhältnissen durchaus nicht hegründen. AVährend 
umgekehrt gerade in der Kpoche sinkender Preise 1858 bis 
18(51 der italienische Krieg thatsächlich den Steuerdruck er 
höhte. 
Es bleibt zur Erklärung der Preissteigerung und der 
Preistluctuationen noch der Einlluss der Kriege zu unter 
suchen*. Von solchen haben während der letzten 2(5 .lalire fünf 
von grösserem Umfange stattgefunden : der Revolutionskrieg 
von 1848—18411, der Krimkrieg von 1855—1854, der italie 
nische Krieg im Jahre 18511, der preussiscli - österreichische 
Krieg im Jahre 18(5(5, und der deutsch-französische Krieg von 
1870—1871. Es muss nun vor Allem principiell bestritten wer 
den, dass den Kriegen jener grosse Einlluss auf die Preis Ver 
hältnisse innewohnt, der ihnen ziemlich allgemein zugeschrie 
ben wird. Die Kriege steigern allerdings die Preise aller 
AVaaren, die zum eigentlichen Kriegsbediu’fe gehören, sie hin 
dern auch die Production sehr häutig im Allgemeinen, aber 
sie gleichen du'S wieder dui'ch eine Einschränkung der allge-
        <pb n="85" />
        73 
meinen Consiimtion, die eine naturgemässe Folge des erhöhten 
Steuerdruckes ist, aus und es wird stets von ganz specielleu 
Verhältnissen ahhängen, uh das (iewicht des ersten oder des 
zweiten h actors überwiegend ist, und ob daher als unmittel 
bare Folge des Krieges ein Fallen oder Steigen der Preise 
angenommen werden muss. Fin umfangreicheres Steigen der 
Preise in Folge eines Krieges kann nur dann eintreten, wenn 
die Behinderung der Production wegen lange andauernder Ver- 
• Wüstung, lange andauernder llechtsunsicherheit und ebenso 
lange andauernder massenhafter Brachlegung von Arbeitskraft 
einen hohen Umfang erreicht. Alles dies könnte für die öster 
reichisch-ungarischen Verhältnisse in bedeutenderem blasse bei 
den Revolutionskriegen und in etwas beschränkterem blasse 
bei dem italienischen Kriege angenommen werden. Die Tabel 
len zeigen aber für 1848—1H4Í) durchaus keinen hohen Preis, 
nnd auch tür das Jahr 18:)Ü eher billigere als theuerere Preise 
denn im Durchscbnitle der vorhergehenden und darauf folgen 
den Jahre. Das Jahr 1854 brachte allerdings eine gewaltige 
Preissteigerung der Körnerfrüchte und Debensmittel. Fs wäre 
jedoch etwas allzu kühn, angesichts des geringen Fin Musses 
der früher erwähnten zwei Krieg.sepochen behaupten zu wollen, 
«lass diese durch den Ki imkrieg hervorgerufen worden 8ei, der 
ja Oesterreich direct gar nicht getroffen hat. Die Preise der 
Jahre 18t;ti und insbesondere die von 1870 sind gleichfalls 
höher als die der vorhergehenden Jahre, aber diese Steigerun 
gen stören denn doch den Durchschnitt der Preise nur in 
höchst geringfügigem blasse. 
Fs mag aber die Wirkuiig des Krieges auf die Preise 
"ie iininei geartet sein, so kann dadurch doch keineswegs die 
Dichtigkeit der aus den Vergleichstabellen gezogenen Schluss 
folgerung alterirt werden, da gerade in jenen Jahren, wo in- 
fensive Preissteigerungen gefunden wurden, Kriege überhaupt 
nicht vorkamen. Die Preise stiegen von 1854 auf lK5t;, also 
'^011 einem Kriegs- zu einem FriedeHsjahre, und ebenso von 
If^bl auf 18lh), die beide Friedensjahre sind; sie sanken fer 
ner \ on I8i)8 auf 1X01, die abermals beide durch Kriege nicht 
gestört waren. Das inzwischen liegende 1850er Kriegsjahr 
•ätte, so sollte man meinen, eher eine IPreissteigerung hervor- 
i’ufen sollen.
        <pb n="86" />
        Auch das Verhältniss der österreichischen und der fremd- 
ländisclien Preisductuationen zu einander kann durch den 
Einlluss der Kriege nicht erklärt werden. Unter den Krie 
gen, die in dem letzten Vierteljahrhundert stattgefunden 
haben, sind allerdings zwei, die auf die österreichischen 
Verhältnisse eine grössere AVirkung geül)t haben mögen als 
auf die des benachbarten Deutschland, nämlich der Krimkrieg 
und der italienische Krieg. Dem steht jedoch der' schleswig 
holsteinische Krieg und der deutsch-französische Krieg gegen 
über , die wieder Deutschland in höherem Alasse berührten, 
und so müsste sich denn, wenn Ki'iege auf die Preissteigerung 
Einfluss gehabt hätten, dieser Einfluss hier und dort die 
Wage halten. 
Es zeigt sich also durchaus kein halbwegs genügender 
und der Kritik standhaltender Erklärungsgrund für die that- 
sächlich vorhandenen Preiserscheinungen, als der in den 
Valutaverhältnissen gebotene. Die Annahme, dass ein rapides 
Sinken des (Teldwerthes ein Sinken der Lebensmittelj)reise, ein 
rapides Steigen des (Teldwerthes aber ein ebenso rapides 
Steigen der Debensmittelpreise hervorrufen müsse, lässt sich 
nicht widerlegen. Die Vermuthung, dass die Producenten nicht 
aus dem absoluten geringen (xeldwierthe, wohl aber aus der 
sinkenden Richtung desselben Vortheile, dagegen aber aus 
einer steigenden Tendenz Xachtlieile ziehen mussten, hat sich 
als richtig erwiesen. A\ enn wir jedoch den (iesammteflcct der 
Valutaschwankungen überblicken, so lindet sich, dass die 
Vortheile für die Producenten nur gering, die Nachtheile aber 
ganz ungeheuer sind; denn die Löhne und Lebensm it tel |i reise 
haben sich den durch die AVerthverringerung des (fehles 
bedingten Steigerungen der nominellen Preisansätze weit rascher 
accommodirt, als umgekehrt den nominellen Preisrückgängen, 
die durch das Steigen des (feldwerthes bedingt worden wären, 
ln dem Schaukelspiele der Valuta sind namentlich die J^öhne 
mehr den sie emportragenden Wellen, als denjenigen gefolgt, 
die nach abwärts geführt hätten und auf dem (febiete des 
(f rosshandels auch thatsächlich die Preise nach abwärts geführt 
haben. Der Producent erhält gegenwärtig in Oesterreich für 
Product allerdings einen namhaft höheren Preis als vor einem 
Vierteljahrhuuderte, aber noch um ein \’ielfaches höher muss
        <pb n="87" />
        — 75 — 
-r5 
er die Arbeitskraft und seinen eigenen Lebensunterhalt bezahlen. 
•Ta, es zeigt sich schliesslich, dass die {Steigerung der Preise 
im Grossbandel zu einem grossen Theile hervorgeiufen ist 
flurch die jedes Mass überschreitende Vertheuerung der Produc- 
tionskosten, und dass sie jedenfalls besteht auf Kosten der 
Concurrenztahigkeit mit dem Auslande.'
        <pb n="88" />
        V. Capitel, 
Einfluss (1er Taliita auf den Zinsfiiss. 
Es ist ein nnlengharer Vortheil für jedes Land, bil 
ligen Zinsfiiss zu besitzen, und mit Recht wird daher Alles, 
was dahin wirkt, diesen dauernd herabzudrücken, für eine Be- 
törderung der nationalen AVohlfahrt gelialten. Auf den ersten 
Blick sollte man allerdings meinen, dass es für das gesammte 
Einkommen gleichgiltig bleibt, ob ein verbaltnissmässig grös 
serer oder geringerer Theil desselben sich aus (npitalrente 
einerseits oder aus Unternehmergewinn und Arbeitslohn an 
dererseits zusammensetzt. Unter sonst gleichbleibenden Ver 
hältnissen wird zwar jede Erhöhung des Uapitalzinses auf 
Kosten der anderen beiden Einkommenzweige vor sich gehen; 
aber, da (xewinn auf der einen und Verlust auf der anderen 
Seite sicli einander die Wage halten, so wird der rein wirth- 
schaftliche Gesammtetfect auf die Höbe des Volkseinkommens 
der nämliche bleiben; was Unternehmer und Arbeiter ver 
lieren, wird eben der (Kapitalist gewonnen haben. Zuvörderst 
aber ist in socialer'Beziehung die VerHieilnng des National 
einkommens keineswegs gleichgiltig. Es ist nicht wünschens- 
wertli, dass die Capitalisten sich auf Kosten der direct jiro- 
ducirenden Bevölkerungsclassen bereichern, während umge 
kehrt eine Steigerung des Einkommens dieser letzteren zum 
Schaden der Rentner eine weitaus lieilsninere Verniögensver- 
schiebung hervorruft, die sociale (fleichheit befördert. Aber 
auch in rein wirthschaftlicher Beziehung ist die Art dei' Ein-
        <pb n="89" />
        77 
koinmensveiiheilung nicht gleichgiltíg. Die Erliöliung des 
Avheitslolines steigert die Arbeitstliätigkeit und wirkt über 
dies in gesunder A\"eise fördernd auf die Volksvermelirung; 
die Ei’liöliung des Enternelimergewinnes erweitert den Kreis 
(1er Unternelimungen und befördert daher in ähnlicher eise 
die Production. Dem gegenüber ist allerdings zu bedenken, 
dass auch die Steigerung der (/aj)italrente als Beförderung 
der Capitalansammlung aufgefasst werden muss, und dass 
schliesslich jede Capitalvermehrung wieder die Zunahme 
(1er Production begünsfigt; aber das letztere kann doch nur 
mittelhar dadurch geschehen, dass -eben die Vermehrung des 
verfügbaren Capitals den Zinsfuss ermässigt, und wenn man 
daher die Sache bei Lichte besieht, so läge bestenfalls ein 
wirthschaftlicher Nutzen hoher Capital reute darin, dass diese 
sich durch ihre längere Wirksamkeit von selbst aufhebt, d. h. 
ihre Ermässigung herbeifuhrt. Man kann also in Wahrheit 
sagen, dass unter jedem (Tcsichtspunkte eine massige (Kapital 
rente das zu erreichende wirthschaftliche Ziel ist, und dass 
liöchstens eine künstliche Ermässigung dieser Rente insofern 
überflüssig oder selbst schädlich sein könnte, als dadurch die 
Herbeiführung jenes nafurgemässeu Zustandes verzögert wird, 
bei welchem auch ohne jede gewalfsame Einwirkung der Zins, 
fuss sich von selbst ermässigen würde. 
Dies alles gilt in dem Falle, wenn (hipi tal rente, Unter 
nehmergewinn und Arbeitslohn, die in einem Verkehrsgebiete 
verdient werden, zur (länze im Tnlande verbleiben. (k»mplicirter 
gestaltet sich die Sache , wenn mau von der Voraussetzung 
ausgellt, dass ein Theil dieses im Inlande verdienten Ein 
kommens vorübergehend oder dauernd in’s Ausland wandert. 
Ks kann ein Land mit fremdem (Kapitale ai'beiteu und daher 
einen Theil der (hijiitalrente, an das Ausland abgeben müssen; 
es können ferner ausländische Unternehmer, die jedoch mit 
inländischem ('apitai arbeiten, ihre Kräfte diesem Jiande widmen 
nnd in diesem Falle wird ein Theil des Unternehmergewinnes 
ni’s Ausland gehen; schliesslich können fremde Arbeiter im 
Hände verwendet werden, und in diesem Falle wird ein Theil 
der etwaigen Ceberschüsse des Arbeitslohnes früher oder 
*^pätfü' in die Fremde abHiessen. In jedem dieser drei Fälle wird 
für das betreffende Land unmittelbar einen Gewinn am
        <pb n="90" />
        78 
Xationaleinkommen repräsentiren, wenn jener Einkoinmenszweig, 
an welchem das Ansland partici])irt, znm Nutzen der anderen 
Einkommenszweige geschmälert wird. Im ersteren Falle wird 
ein Druck auf die Capital reute, im zweiten ein solcher auf 
den Tlnternehmergewinn, im dritten eine Ermässigung der 
Löhne — alles selhstverstiindlich zu Gunsten der anderen 
Einkommens-Kategorien — den im Inlande verbleibenden Rest 
des Nationaleinkommens steigern. Ob dieser Gewinn um die 
etwaigen schädlichen Folgen 'eines solchen Druckes nicht allzu 
theuer erkauft sein kann, das wird einerseits von der wirth- 
schaftlichen Bedeutung der derart benachtheiligten Einkom 
mens-Kategorien , andererseits von dem Umfange der fremd 
ländischen Betheiligung an denselben abhängen. Hier aber 
wird ohne Zweifel der erstere Fall, nämlich die Vergrösserung 
des Uuternehmergewinnes und Arbeiterlohnes auf Kosten der 
mit dem Auslande getheilten Capitalrente, die grössten Vor 
theile und die geringsten Nachtheile im Gefolge haben. 
Es ist nun andererseits allerdings waln*, dass ein Land 
umgekehrt auch an den Einkommenszweigen eines fremden 
Verkehrsgebietes participireu kann, dass seine (Kapitalisten, 
Unternehmer oder Arbeiter im Auslande Beschäftigung suchen ; 
aber diese Fälle gehöi’en nicht in den Kreis dieser Unter 
suchung, denn hier handelt es sich nur um Vortheile oder 
Nachtheile aus der inländischen Einkommensvertheilung, 
Die Länder mit gestörter Valuta — Frankreich, bei 
welchem übrigens das Bapiergeld nur eine vorübergehende 
Erscheinung ist, ausgenommen —- gehören nnn zu jenen Ver 
heb rsgehieten, die fremdes Ca])ital im grossen Umfange be 
schäftigen. Sie haben also schon um desswillen ein sehr leb 
haftes Interesse daran, die. (Kapitalrente niedrig zu erhalten, 
und sie sind daher im vollen Rechte, wenn sie Alles, was 
diesen Effect herheiführen kann, mit Rücksicht auf die nationale 
Einkommenvertheilung für vortheilhaft halten. Tn diesen Län 
dern wird aber ziemlich übereinstimmend der Valuta Verschlech 
terung die Wirkung nachgesagt, den Zinsfuss zu ermässigen, 
und eine der Hauptursachen, warum sie sich so schwer zur 
Herstellung der gestörten Geldverhältnisse entschliessen, liegt 
eben darin, dass sie davon eine allgemein dauernde Erhöhung 
des Zinsfusses besorgen.
        <pb n="91" />
        79 
-Die Quelle dieses Trrtliums liegt in der Verwechslung 
des Capitals mit dem Circulationsmedium. Der Zinsfuss rich 
tet sich auf die Dauer weder nach dem wirklichen, noch nach 
dem scheinbaren Umfange der in einem Lande vorhandenen 
( irculationsmittel, sondern nach dem Umfange der in diesem 
vorhandenen Capitalien, oder noch richtiger gesagt, nach dem 
Verhältnisse dieser Capitalien %u der durch diese zw leisten 
den wirthschaftlichen Arbeit. Nun haben wir allerdings früher 
gesehen, dass durch die Zettelemission dem Lande für’s erste 
ein Vermögenszuwachs in den Schoss geworfen wird. Für die 
Drage des -Zinsfusses ist dies jedoch ganz irrelevant. Das Ver- 
haltniss der für die innere Production verfügbaren (Kapitalien 
[l^esen zu leistenden Arbeit bleibt im grossen 
Canzeii das nämliche, gleichviel ob ein Land jene Bedürfnisse, 
&lt; ie zur Zettelausgabe geführt haben, durch diese oder durch 
ein verzinsliches Anlehen deckt. Ist der Zinsfuss des Landes 
welches vor dieser Alternative steht, höher als im Auslande! 
«0 wird es sein verzinsliches Anlehen im Auslande unter' 
J)nngen und folglich auf dem inländischen Markte der 
Production auch auf diese Art kein Ca])ital entziehen; ist 
sein Zinsfuss mässiger, so wird es die durch die Zettel- 
emission frei werdenden (Kapitalien im Auslande anlegen und 
anch dadurch kein vermehrtes (Kapitalangebot für die in 
ländische Production hervorbringen. Wnn umgekehrt im 
ersteren Falle, nämlich bei höherem inländischen Zinsfnsse, 
zur Zettelausgabe geschritten wird, so verhindert dies, dass* 
‘las Ausland jene Werthpaj.iere kauft, die es ohne das Da 
zwischentreten dieses Umstandes in dem betreffenden Lande 
anvorbeii und dadurch diesem neue (Kapitalien zugeführt 
. ; glftiehwie, wenn bei mässigerem beiniischen Zinsfnsse 
pn Anlehen aufgelegt wird, dieses das heimische (Kapital ver- 
un ert, im Auslande jene Werfhpapiere zu kaufen und (la 
unch demselben jene (Kapitalien zuzuwenden, die es ohne das 
Dazwischentreten dieses Umstandes von dorther bezogen, 
î’espective dahin gesendet hätte. Für den ersten Moment 
‘Allerdings wird diese Ausgleichung sich nicht vollständig voll- 
zie leii, und daher durch eine Zettelemission eine vorübergehende 
S teigerung des (’ajntalangebotes hervorgebracht werden; auf 
AA* Dauer jedoch muss in allen Fällen das nämliche Veihältniss
        <pb n="92" />
        80 
(les (^Kapitalangebotes sieb berstellen, und tolglicb jede einseitige 
Wirkung auf den Zinsfuss entfallen, i) Ein Ibiterscbied wird 
allerdings darin liegen, dass die Bescliaftung eines ( apitais 
auf dein Wege eines Anlebens mit directen Kosten verbunden 
ist, was bei dem im Wege der Notenemission bereingezogenen 
*) Um (lies deutlicher zu machen, möge ein coneret.es Beispiel 
diirchgeführt werden. Ein bestimmter Staat soll zur Deckung von Kriegs 
kosten ein Anlehen hrauchen. Der Zinsfuss in dem hetretienden Lande betrage 
5%, in den Nachbarländern 4®/o. Wenn nun der Staat ein fünfpercentige« An 
lehen aufnimmt, so wird dasselbe im Auslande untergeh rächt werden, dagegen 
wird das Ausland, insolange als dieses neue Anlehen nicht vollständig placirt ist, 
keine anderen Capitalien nach dem betrellenden Lande senden, was ohne dieses 
Anlehen unstreitig der Fall gewesen wäre. Der Zinsfuss im Inlande wird unver 
ändert bleiben, im Auslande wird derselbe durch das Anlehen gesteigert Werden, 
und diese Steigerung wird eben die Zuflüsse der ausländischen Capitalien 
hemmen. Für den Erlös des Anlehenshetrages wird der Staat im Auslande ent 
weder seinen Kriegsbedarf direct eintauschen und überhaupt eine Nachti age 
nach irgend welchen Erzeugnissen im Inlamle nicht hervorruten, oder er wird 
seinen Kriegsbedarf trotz des Anlehens im Inlande aufbringen; dann aber muss 
die Anlehenssumme vom Auslande in andern Gütern entrichtet werden, und 
der Steigerung der Frodaction zu unjwodiictivem Kriegsgehrauch, die eine 
Erhöhung des Zinsfusseshervorrufen würde, steht ein Nachlassen der Production 
auf anderen Gebieten gegenüber, so dass das Gleichgewicht nicht gestört wird. 
Emittirt der Staat dagegen Noten, so kann er hiefür wieder seinen 
Kriegsbedarf im Auslande kaufen (d. h. er wird mit den Noten zuerst das 
)letallgeld und mit dem Metallgelde den Kriegsbedarf kaufen); oder er kauft 
den Kriegsbedarf im Innern, dann werden für das verdrängte Metallgeld ander 
weitige Güter hereinströmen und abermals wird der Steigerung der Production 
zu Kriegszwecken ein Nachlassen derselben auf anderen Gebieten gegenüher- 
stehen, die Anforderungen an das .arbeitende Capitel werden sich nicht er 
höhen, der Zinsfuss wird der nämliche bleiben. Ganz dasselbe gilt, wenn man 
annimmt, dass es nicht unproductive, sondern productive Zwecke seien, zu 
denen der Staat im Wege einer Anleihe oder der Notenemission sich das 
Capital verschaflen will. Haut er z. H. eine Eisenbahn ans dem Erlöse eines 
Anlehens, so wird sich der Zinsfuss, wenn er das Anlehen im Auslande auf 
nimmt, nicht ändern, und ebensowenig, wenn er die Schienen mit dem gegen 
Noten eingetauschten Metallgelde im Auslande bezahlt oder auch, wenn er sie 
gegen seine Noten direct im Inlande kauft, da in diesem Falle für das frei 
werdende Metallgeld andere Güter hereinströmen. Bringt er dagegen das An 
lehen im Inlande unter, so wird er allerdings dadurch den Zinsfuss erhöhen, 
aber dies kann ihm nur gelingen, wenn der Zinsfuss früher mässiger war als 
im Auslande, und in einem solchen Falle würde das hetreIfende Land das aus 
der Notenemission freiwerdende Metallgeld nicht zum Einkäufe von Producteii, 
sondern zum Einkäufe von Werthpa]deren benützen, der Steigerung der Produc 
tion aus dem erhöhten Schienenhedarfe stünde keine durch die Producten- 
einfuhr herheigeführte Ermässigung anderweitiger Productionen gegenüber und
        <pb n="93" />
        81 
Capitale nicht der Fall ist. Aber dies wird blos auf den Um 
fang der Zinsenrente, nicht aber auf den Zinsfuss einen Ein 
fluss nehmen, und was es mit dieser Rente für eine ßewandt- 
niss hat, soll später gezeigt werden, 
]\Ian könnte vielleicht noch ein wenden, dass eine Papier 
geld-Emission dem betreffenden Lande allerdings keinen direc- 
ten Zuwachs an frei werdendem Capitale zuführe, daher auch 
flen Zinsfuss desselben aus diesem Grunde nicht direct er- 
mässige ; dass aber eine Wirkung doch nicht ausbleiben könne, 
indem ja die Aufnahme eines Anlehens durch die Vermehrung 
der Capitabiachfrage auf dem Weltmärkte eine allgemeine 
Zinssteigerung herbeiführen müsse — allerdings eine geringere, 
als wenn sich diese Nachfrage blos auf das betreffende Land 
beschränken würde — und "dass dann rückwirkend das Einzel 
land selbst von dieser Zinsfusssteigerung betroffen werden 
müsste; während im Falle der Zetteleniission eine solche Nach 
frage weder auf dem heimischen Markte, noch auf dem Welt 
märkte einträte, eine Zinsfusssteigerung also nirgends sich 
geltend mache und daher das betreffende Land auch von 
der Participation an der allgemeinen Zinsfusssteigerung des 
Weltmarktes verschont bliebe. Dies ist jedoch ebenfalls un- 
lichtig. Line Notenemission ist für den Welf markt zwar mit 
keiner directen Capital nach fr a ge, wohl aber, wie an an 
derer Stelle ausgeführt wurde, mit einer directen Capital- 
2 er Störung gleichbedeutend. Das Geldcapital des Welt 
marktes wird durch den Zufluss an Edelmetallen nicht essen 
tiell vermehrt, seine anderweitigen (Kapitalien aber werden um 
einen entsprechenden ßefrag verringert, und cs wird also die 
Notenemission eine Lücke im Weltcapitale erzeugen, die sofort 
^nf den Zinsfuss, wenn auch nur in verschwindend geringem 
blasse, zurückwirken muss, und diese Rückwirkung wird sich 
flann selbstverständlich auch auf das Papiergeldland erstrecken. 
Diese Erwägungen sind es indessen gar nicht, die bei der 
Behauptung, Zettelwirthschaft erniässige den Zinsfuss, in Frage 
kommen. Es wird ganz einfach geglaubt, dass die Emission 
nunmehr müsste der Zinsfuss genau in der nämlichen Weise steigen. Der 
aizige Unterschied liegt darin, dass der Staat im ersteren Falle Zinsen zu 
^ den hat, im letzteren Falle nicht, diese Zinsenzahlungen werden aber keines- 
den landläufigen Zinsfuss alteriren. 
Th. Uertzka, Währung und Handel. 
6
        <pb n="94" />
        82 
unbedeckter Greldzeiclien das Geld vermebre. Dieses ist ganz 
und gar unricbtig, denn jedes Land bat eine bestimmte zur Be 
wältigung seiner Circulationsbedürfnisse notbwendige (-leidmenge 
und kann diese dauernd wieder vermebren oder verringern. Der 
Umfang dieses Geldbedürfnisses richtet sich nach dem Umiange 
des Verkehrs , der Raschheit der Circulation und nach der Organi 
sation jener Hilfsmittel, die, abgesehen vom Gehle, dem Verkehre 
in Form von Credit geboten werden. Je grösser der Verkehr, 
desto grösser, und je ausgebildeter der Credit, desto geringer 
unter sonst gleichbleibenden Verhältnissen der Geldumlauf. 
Ein Land kann ungeheuer capitalreich und doch áusserst 
geldarm sein, wenn sein Verkehr gering oder sein Credit- 
system zu einer überaus hohen Entwicklung gelangt ist, und 
umgekehrt kann ein Land capitalsarm und doch geldieich 
sein, wenn sein Verkehr gross oder seine Creditorganisation 
sehr mangelhaft ist. Ja insofern, als der Reichthum an Capital 
die Organisation des Credites ausserordentlich befördert, indem 
naturgemäss wohlhabende Leute einander gefahrloser und daher 
leichter creditiren werden, als arme, kann sogar von einem 
Gegensätze zwischen Capital- und Geldreichthiiin gesprochen 
werden. Für den Reichen ist der Besitz von Baargeld in der Regel 
überflüssig, für den Armen die unerlässlichste Bedingung jedes 
Geschäftes. An Beispielen dafür, dass dies keine abstráete 
Speculation, sondern der reellsten Wirklichkeit vollkoinmen 
entsprechend ist, fehlt es nicht, ja alle einschlägigen Erschei 
nungen sind unwiderlegliche Beweise für diese Behauptungen. 
So ist Holland bekanntlich eines der ea]»italreichsten Lander 
der Welt, an Circiilationsmitteln aber ausserordentlich arni, 
da sowohl sein Creditsystem hoch entwickelt, als andererseits 
sein Verkehr verhältnissmässig nicht gross ist. Auch das 
reiche England ist verhältnissmässig sehr geldarm; sein Verkehr 
ist zwar ungeheuer, aber der colossale Capitalreichthum 
Hand in Hand gehend mit der zur höchsten Spitze getriebenen 
Entwicklung des Credits macht Baargeld im Verkehre selten 
nothwendig. Weitaus reicher an Circulationsmitteln sind trotz 
\ ihres verhältnissmässig hohen Reichthums Frankreich und 
\ Deutschland aus dem Grunde, weil auch ihr Verkehr sehr 
\gross ist, das Creditsystem jedoch im Verhältnisse zuni eng 
lischen auf einer niedrigen Stufe steht. Die Vereinigten
        <pb n="95" />
        83 
Staaten von Nordamerika besitzen einen relativ sehr geringen 
( apitalreichthnm, sind dagegen ausserordentlich geldreich, 
Jenn ihr Verkehr ist sehr lebhaft und ihr Credit ziemlich 
unsicher. Vergleicht man diese fünf Verkehrsgebiete mit 
Rücksicht auf iliren landläufigen Zinsfuss unter einander, so 
wird man finden, dass derselbe gerade im umgekehrten Ver 
hältnisse zur circulirenden Geldmenge steht. Den massigsten 
Zinsfuss hat das geldärmste Holland, den höchsten das an 
(xehl reichste Nordamerika ; denn dort wird mit viel Capital 
wenig, hier mit wenig Capital viel gearbeitet. 
Man glaubt gemeinhin , dass die Feststellung des Zins- 
iusses das Ergebniss des Verhältnisses zwischen Angebot und 
Nachfrage nach Geld sei, während es sich doch in Wahrheit 
bei diesem Angebote sowohl als bei der Nachfiage nicht um 
Gehl, sondern ausschliesslich um Capital handelt, welches 
allerdings häufig in der Form von Geld gegeben und empfangen 
wird. Um dies einzusehen, muss man sich blos vergegen 
wärtigen, dass erstens in der überwiegend grossen Mehrzahl 
der Leihgeschäfte das (leid gänzlich ausgeschlossen ist. Der 
Lachter eines Grundstückes, der Miether eines Hauses, einer 
Fabrik, einer Geräthschaft zahlt Leihgebühr für die Be 
nützung fremden Capitals ganz in derselben Weise, wie der 
Kaufmann, der seinen V echsel escomptiren will. Und wenn 
auch die Mietlie , die für die (Bewährung jener Capitalien 
bezahlt wird, einen anderen Namen hat als die Miethe, 
die für eine geliehene Geldsumme zu zahlen ist, so besteht 
•loch mit Rücksicht auf den Zinsfuss nicht der geringste 
essentielle Unterschied zwischen beiden, und es wäre eine ver- 
bängnissvolle Kurzsichtigkeit, wenn man übersehen wollte, 
üass der landläufige Zinsfuss durch Nachfrage und Angebot 
beim Grundcapital ganz in derselben Weise beeinflusst wird, 
wie durch Nachfrage und Angebot beim Geldcapitale. Zwischen 
• ein Zinssätze in beiden Fällen kann allerdings ein Unter 
schied bestehen, hervorgerufen durch die grössere oder geringere 
Sicherheit und Bequemlichkeit der Leihgeschäfte oder durch 
diniere Lrsachen ; ist aber dieser Unterschied einmal festgestellt, so 
wird jedes Herabgehen des (Grundzinses den Zinsfuss im Escompte 
oder im Lombardgeschäfte genau so beeinflussen, wie umge 
kehrt der Zinssatz in diesen beiden (Geschäften den Grundzins 
ö *
        <pb n="96" />
        84 
beeinflussen muss. Vorübergehend mag allerdings durch eine 
ganz s])ecielle Conjunctur der Zinssatz in dem einen oder an 
deren Geschättszweige in ganz abnormaler Weise alterirt 
werden. Es kann durch besondere Ereignisse eine plötzliche 
migewölinliche Verstärkung der Nachfrage gerade nur nach 
Grundcapital eintreten und der Grundzins wird dann über 
sein gewöhnliches Verhältniss zum Geldzinse steigen; daraus 
aber folgern zu wollen, dass beide etwas essentiell Verschie 
denes seien, wäre genau derselbe Irrthum, als wenn man aus 
einer abnormen, durch irgend eine Börsenconjunctur hervor 
gerufenen Steigerung des Lomba rdzinsfusses den Schluss ziehen 
wollte, dieser Zinsfuss sei vom Escomptesatze unabhängig, zur 
Gewährung des Lombardcredites sei ein Capital ganz anderer 
Natur nothwendig, als dasjenige zur Gewährung von Escompte- 
Darlehen. Ferner werden auch die sogenannten reinen Geld- 
gescliäfte nicht immer, und in Ländern mit entwickeltem 
Creditsysteme sogar sehr selten, durch wirkliche Vermittlung 
der Circulationsmittel empfangen und bewilligt, ln England 
beispielsweise werden fast alle sogenannten Geld-Darlehen 
[durch einfaclie Umschreibungen in den Büchern durchgeführt. 
Der Capitalist erlaubt dem Unternehmer über einen gewissen 
Hestaudtheil seines — des (Kapitalisten — Vermögens zu ver 
fügen. Dieser Bestaiidtheil wird in Pfunden und Schillingen 
ausgedrückt, aber zu seiner Ausfolgung bedarf es dieser 
Pfunde und Schillinge nicht, dazu genügt ein beliebiges Blatt 
Papier, auf welchem A erklärt, dass B auf seine (befahr und 
Rechnung über ein Capital von bestimmter Höhe dispon!ren 
dürfe. Man könnte sich ganz gut vorstellen, dass der Verkehr 
überhaupt ohne jede materielle Intervention von Geld be 
werkstelligt, dass Darlehen bewilligt und genommen würden, 
ohne dass jemals ein Geldstück oder eine Banknote von Hand 
zu Hand zu wandern brauchte. Der Zinsfuss würde sich da 
rum nicht minder nach dem Verhältnisse des zu Unteruehmungen 
verfügbaren Ca^ütals zu den Unterjiehmungen, die Capital 
beanspruchen, richten, er würde je nach den Schwankungen 
dieses Verhältnisses auf und ab steigen und das Geld hätte 
dabei keine andere Function als die, die Rechnungseinheit, 
den Massstab für den Verkehr zu bilden. 
Man könnte nun einwenden, dass allerdings das Geld
        <pb n="97" />
        85 
Wos em, m gewissen Fällen notliwendiges Instrument des Ver 
kehrs sei Insoweit aber der Verkehr dieses Instrumentes bedürfte 
musste doch der «ehrauch desselben bezahlt werden, u. zw’ 
hoher oder geringer, je nachdem dasselbe reichlich oder spür- 
ich vorhanden sei. England, so könnte man beispielsweise 
Bagen, brauche allerdings im Verhältnisse zu seinem Verkehre 
diese'' ", "le «&lt;^’''menge als Oesterreich, aber wenn 
diese verhaltmssmassig geringe Geldmenge durch irgend einen 
t-ingnff noch unter den Bedarf herab vermindert würde so 
wurde eben doch Geldknappheit und in deren Folge ein ’ao- 
i^iehen des Zinsfusses eintreten. 
Soll damit nur gesagt sein, dass der Zinsfuss vorüber 
gehend und partiell auch durch die Fluctnationen in der Geld 
menge eines Landes gestört werden könne, .so ist dies richtig 
na das Creditsystem keines Landes .so hoch entwickelt ist! 
sä 1 r I entbehrlich zu machen, .so bedürfen that- 
: f^kpitalsuchende auftreten, dieses 
-apitals häufig in der bestimmten Form des Geldes und wenn es 
Verb" f "'"r '^es Geldstandes mit Schwierigkeiten 
ei hunden ist, ihnen das Capital in dieser Form zu gewähren 
so werden sie gern auch einen höheren Zinsfuss als denjenigen,’ 
den das 1 erhaltniss zwischen Capita langebot und Nachfrage im 
AllKeineinen vorauHsetzeii würde, bezahlen. Umgekelirt werden 
bei einem (ie Id Überflüsse die Besitzer des Geldes nach Capital 
«nchenden ausgehen, die Capital gerade in dieser Foi-m nehmen 
wollen, und sie werden im Notlifalle, für diese Form des Capitals 
?*; 
riz:: 's, t 
mtsen als es zur Befriedigung seiner Circulationshedüifnisse 
raucht, da es ja anderenfalls den Ueberschuss über seinen 
mgenen Bedarf sofort gegen andere Capitalien, die es relativ drin 
gen, er benothigt, im Auslände eintaimclien und umgekehrt jede 
'IK! e in seinem Circnlationshedarfe gegen andere Cai,Italien 
sei, denen mindere Nachfrage herrscht, aus dem Auslande 
&gt;eder fallen kann. Es ist ebenso leicht möglich, das Wasser 
einem Gefäs.se stellenweise anfznhänfen oder amszuschöpfen 
île dass sofort durch Abströmeii oder Zufluss die Uneben-
        <pb n="98" />
        l.eit ausgeglichen wür.le, als es möglich ist, Circnlationsmittel 
in einem Laide iiher den Bedarf aufeuspeichern oder aus dem- 
selben unter der Bedarfsgrenze lieranszuzielien, ohne dass der 
Weltmarkt seine nivellirende Wirkung üben würde. Wo Weid 
über dem Bedarf vorhanden ist, dort vermindert sich die 
Kaufkraft desselben und es wird wahrlich Niemand ein Weld- 
stück in einem Lande behalten, wenn er für dasselbe im 
Nachbarlande einen höheren Werth erhalten kann; ebenso 
wird Niemand auf die Daiier in Verlegenheit sein, ein (Teld- 
stück zu erhalten, wenn er für dasselbe mehr zu bieten ver 
mag, als im Naehbarlande für dasselbe zu erhalten ist. Im 
Stande der Circulationsmittel eines Landes können daher 
allerdings Wellenbewegungen eintreten, ja da ein Zustand ab 
soluter Ruhe angesichts der Verkehrsentwicklung der Legen- 
v,art kaum denkbar ist, so werden solche Vf^dlenliev/egiingen 
auch continuirlich vorhanden sein ; aber jedes Wellenthal wird 
sofort durch einen heranspülenden Wellenberg ausgeiullt und 
dieser Wellenberg wird wieder einem Wellenthale Platz 
machen müssen. Jm grossen Wanzen wird das Niveau des 
Gleichgewichtes immer erhalten bleiben, wobei allerdings zu 
bemerken ist, dass dieses Gleicbgewicht nicht etwa in einer 
Gleichheit der ]\ienge je nach der Ko]ifzabl oder nach dem 
inächeniiihalte eines i.andes besteht, »hindern nacli dem A/er- 
hältnisse zwischen Vorrath und Circulât,onsbedurtniss sich 
ricditet. 
]\lit apderen AVorten, es wird überall aut die Lauei so 
viel an Circulationsmitteln vorhanden sein, als dem Verkehie 
und der Crediteiitwickluiig entspriclit, und als zur Erhaltung 
der Glelchmässigkeit der Kaufkraft des Geldes in allen Ver- 
kehrsgebieten erforderlich ist. 
Lass aber die Kaufkraft der Edelmetalle, ihr Tausch- 
werth sinken oder steigen muss, je nachdem sich ihre ]\lenge 
bei sonst gleich bleibenden Bedürfnissen des Verkehres ver 
mehrt oder verringert, ist ebenso einleuchtend. 
Lie W^erthrelation aller Waaren untereinander richtet 
sich lediglich nach dem Verhältnisse von Angebot und Nach 
frage. Allerdings kann der verhandene Vorrath jeder Waare 
vermehrt oder verringert werden , ohne dass sich deshalb ihr
        <pb n="99" />
        Tauschwerth zu ändern brauchte, wenn nämlich mit dem 
Wechsel des aufgestapelten Vorrathes auch eine Veränderung 
des Gebrauchswerthes Hand in Hand geht. Es kann der Vor 
rath an Korn absolut betrachtet steigen, ohne dass der Preis 
des Kornes sinken muss, wenn gleichzeitig der Kombedarf 
durch ein Wachsthum der Bevölkerung oder durch das Auf 
treten eines neuen Korn consumirenden Industriezweiges sich 
steigert. Und ebenso kann umgekehrt der Kornpreis auch 
hei einer Verminderung der Ernteergebnisse der nämliche 
bleiben, wenn gleichlaufend durch irgend welche Ursachen eine 
Verminderung des Consums eingetreten ist. Erhält sich aber 
der letztere auf gleicher Höhe, so muss Jede Niveauveränderung 
im verfügbaren Vorrathe sofort auf die Preisscala zurück 
wirken. Ganz das Nämliche gilt für die Edelmetalle, und eine 
gegentheilige Autfassung könnte nur von der Annahme aus 
gehen, dass yler Gebrauchswerth dieser edlen Metalle, die den 
Stoff zum (Ttelde, also zum allgemeinen Werthmesser geben, 
an keine Grenzen gebunden sei, dass der Tauschwerth eines 
Pfundes Gold der nämliche bleiben müsse, gleichviel, ob von 
diesem Stoffe viel oder wenig vorhanden sei. 
Eine solche Auffassung wäre jedoch nicht nur irrig, sie 
würde sogar das directe Gegentheil der thatsächlichen Sach 
lage darstellen; denn es gibt in Wahrheit kein Gut von be- 
grenzterem Gebrauchswerthe als gerade die Circulationsmittel. 
Wenn das Angebot an Kleidungsstücken gross ist, und dem 
entsprechend deren Tauschwerth zu sinken beginnt, so wird diese 
Wohlfeilheit sofort eine Steigerung der Nachfrage hervorrufen 
und dadurch dem weiteren Sinken des Tauschwerthes eine 
Grenze gezogen werden. Beim Korne ist diese Dehnbarkeit 
fies Consums schon viel geringer, und daher* die Veränderlich 
keit des Tauschwerthes viel grösser; der Gebrauchswerth des 
Geldes dagegen ist noch in viel höherem Grade unveränder 
lich, und daher der Tausch werth desselben lediglich von dem 
jeweiligen relativen Stande des Geldvorrathes abhängig. Denn 
•las Geld als solches dient dem unmittelbaren Consum gar nicht, 
cs ist lediglich ein Instrument des Verkehres, und ohne vorher 
gehende Veränderung des Verkehrsumfanges kann daher das 
Hedürfniss nach Geld weder gesteigert noch vermindert werden. 
Wenn ein Land zu Besorgung der dem Gelde obliegenden
        <pb n="100" />
        Fiinctioiieii friilier tausend Pfunde Goldes gehraueht hat und 
es würden diesem Lande plötzlich tausend neue Pfunde Goldes 
zugeführt, ohne dass sich in den (Kredit- und Verkehrsver- 
hiiltnissen desselben etwas geändert hätte, so werden nunmehr 
die zwei tausend Pfunde doch nur dieselben Functionen be 
sorgen können wie die alten tausend, sie werden insgesanunt 
den nämlichen Gebrauchswerth und den nämlichen Tausch 
werth repräsentiren wie früher das halbe (Quantum und die 
Kaufkraft jedes einzelnen Goldstückes in diesem Lande wird 
genau um die Hälfte verringert sein. 
Fine Störung erleidet diese genaue mathematische um 
gekehrte Proportion zwischen Vorrath und Tauschwerth nur 
dadurch, dass die Edelmetalle neben ihrer Function zur Ver 
mittelung des Verkehres auch eine Verwendung etwas minder 
stabiler Natur haben, indem sie nämlich zu Schmuckgeräthen, 
Gefässen und insbesondere in neuerer Zeit auch zu mancherlei 
industriellen Zwecken benutzt werden. 
Auf diesen Gebieten wird nun allerdings jede Verringerung 
des Tauschwerthes eine Zunahme des Consumes im Gefolge 
haben, und dies muss nothwendiger Weise dem Sinken des 
Tauschwerthes entgegenwirken. Wäre jedoch dieser zweite Ge 
brauchswerth für Gold und Silber nicht vorhanden, würden 
sie blos zu Geldzwecken verwendet werden, so müsste bei 
gleich bleibendem Verkehre auch ihr Tauschwerth genau im 
umgekehrten Verhältnisse znm vorhandenen Vorrathe stehen. 
Wäre es möglich, den Abfluss der in einem Lande künstlich 
aufgestapelten überflüssigen Fdelmctallvorräthe zu verhindern, 
so könnte die Ausgleichung und IRückkehr znm normalen 
Tauschwerthe erst dann erfolgen, wenn durch inzwischen ein- 
gctretene Steigerung des Verkehres auch der Gebraucliswerth 
des Geldes wieder entsprechend gestiegen wäre, beschleunigt 
würde diese Ilückkehr dadurch, dass in Folge der künstlichen 
Verringerung des Tauschwerthes die Production von Fdcl- 
metallen in einem solchen Lande unmöglich lohnend sein 
könnte und daher für die Verluste durch Abnützung u. s. w 
kein Ersatz vorhanden wäre. 
Da es unmöglich ist, durch irgend welche Mittel das Zu- 
nnd Abströmen der Edelmetalle nach und von einem Verkehrs 
gebiete wirksam zu verhindern, da überdies der Einfluss des
        <pb n="101" />
        — «9 — 
Edelmetallconsnms zn anderen als monetanschen Zwecken die 
Ixenanigkeit der Beobachtung stören muss, so ist es äusserst 
schwer, in einem Lande mit Metallvaluta diese strenge Pro 
portionalität des Geldwerthes zu den Verkehrsbedürfnissen zu 
beobachten. 
Weit einfacher stellt sich die Aufgabe in einem Lande 
mit Pajüervaluta. Zwar glauben Viele, selbst Solche, die sich 
der Erkenntniss nicht verscliliessen können, dass es unmöglich 
sei, einem Lande das für dessen Verkehrsbedürfnisse noth- 
vvendige Edelmetall zu entziehen oder zu vermehren, es müsse 
dieses Problem gerade in einem Lande mit Papiervaluta ge- 
ingen, da ja hier eine Ausgleichung der gestörten Niveauver- 
laltmsse durch Zu- oder Abfluss vom Auslande nicht erfolgen 
könne. 
In Wahrheit kann aber der Betrag der Circuíationsmittel 
‘lurch die Zettel-Emission eben so wenig vermehrt werden, als 
‘lurch die Aufspeicherung von ^Metallgeld. Jede Geldnote,’ die 
‘ em Circulationsbedarfe des Landes hinzugefügt wird, verdrängt 
ßiu entsprechendes Metallgeldstück aus dem Verkehre. Hat die 
^otcn-Emission den vollen Umfang des nominellen Geldbedarfes 
‘es betreffenden Landes erreicht, so i.st alles Metallgeld aus 
‘lemselben abgestossen. Werden dann noch mehr Noten aus- 
gegeben , so kann allerdings kein ferneres Abströmen stattfinden 
und hierin liegt in j)raxi ,1er Unterschied zwischen Metall- und 
apiercirculation. Der bei der ersten jedoch nur hypothetisch 
angenommene Fall, dass es gelingen könnte, über den Bedarf 
voiLandene Circulationsmittel künstlich im Lande zu erhalten, 
l^ntt hier sofort mit allen seinen dort als nothwendig nach- 
gcwiesenen Wirkungen auch praktisch ein. Jede einzelne der 
im Verkehre befindlichen Noten verliert genau so viel an 
*^aufkraft, als neue Noten über den Bedarf hinaus ausgegeben 
"erden. Beträgt diese Ueberemission 10 Pecent, so wird bei 
sonst glcichbleibenden Verkehrsverhältnissen jede einzelne-Note 
&gt; Percent an Werth verlieren, beträgt sie 50 Percent, so 
Jer,len 50 Percent an Werth verloren gehen , und man mag 
''e Anzahl und den Umfang der Geldzeichen bis in’s Unendliche 
ermehren, ihre Gesammtkaufkraft wird doch immer die 
^^m iche bleiben, die Geldmenge wird nur extensiv, niemals 
er intensiv zugenommen haben. Dass dem so sei, beweist 
I i;
        <pb n="102" />
        90 
die Geschichte aller Zettel-Emissionen. j\ran glaubt häufig, dass 
es das ^tisstrauen in die Einlösbarkeit der Geldzeichen sei, 
was deren Entwerthung hervorrufe, und häufig tritt allerdings 
der Factor des Misstrauens in Form einer Versicherungsprämie, 
die noch über das Verhältniss der Geldmenge zum Geldbedarte 
hinaus vom Geldwerthe abgezogen wird, hinzu, so dass durch 
eine Noten-Emission, wenn mit derselben auch lüisstrauen ver 
bunden ist, die Geldmenge intensiv sogar vermindert wird, 
statt sich zu vermehren. Aber, dass das Ausschlaggebende 
doch nur das rein mechanische Verhältniss der Geldmenge zum 
Geldbedarte bleibt, hat sich an wiederholten Beispielen gezeigt. 
Als die Bank von England ihre Baarzahlungen einstellte, ihre 
Noten daher Uber den Bedarf ausgegeben werden konnten und 
zeitweillig auch in der That ausgegeben wurden, war von 
Misstrauen in die dauernde Solvenz der Bank niemals die 
Rede. Jedermann wusste, dass das Vermögen der Bank intact 
sei, dass sie bei ruhiger Licpiidation nicht nur alle ihre Gläu 
biger befriedigen, sondern auch ihr volles Actiencapital retten 
und für die Actionäre noch einen Nutzen herausschlagen 
i könnte. Die Noten wurden doch nicht zum Nennwerthe an 
genommen , weil mehr als erforderlich von denselben vorhanden 
\ war. Ebenso macht der österreichische Verkehr zwischen den 
Noten der österreichischen Bank und denen des Staates 
keinen Unterschied. Beide steigen und fallen im Werthe 
lediglich nach dem Verhältnisse, das sich zwischen dem Ver 
kehrsverhältnisse und der Notenmenge herausstellt ; ja als die 
im brefidge der letzten Krisis einhergehenden gehäutten Zah 
lungsverbindlichkeiten, insbesondere aber die Erschütterung des 
Credits ein grösseres Bedürfniss nach Circulationsmitteln zur 
Folge hatte, verbesserte sich sogar die Kautkratt der öster 
reichischen Geldzeichen trotz der Vermehrung derselben und 
trotzdem gleichzeitig das Vertrauen in die Solvenz des Staates 
und der Bank unmöglich gestiegen, sondern vielmehr noth- 
wendigerweise gesunken sein musste. Im Jahre 1872, in der 
Zeit der wachsenden Steueriiberschiisse musste Jedermann den 
österreichischen Staat weit eher in der Lage glauben , seine 
Staatsnoten einzulösen, als zwei Jahre s])äter, wo die Krisis 
das Deficit wieder zum Vorschein gebracht und die finanzielle 
liage des Staates bedenklich verschlimmert hatte. Trotzdem
        <pb n="103" />
        91 
hatte das österreichische Papiergeld im Jahre 1872 ein durch 
schnittliches Disagio von O'/a Percent, im Jahre 1874 dagegen 
hl OS ein solches von 5 Percent. 
Und wenn — was ein günstiges Geschick ab wenden möge 
— in Folge eines Krieges oder anderer Unglücksfalle die 
österreichischen Staatsnoten abermals, wie zu Beginn dieses 
Jahrhunderts, devalvirt werden sollten, so wäre die Bank noch 
immer in der Lage, ihre Notenbesitzer zu befriedigen, und zwar 
vollständig, wenn die Staatsnotendevalvation eine massige ist, 
und selbst im Falle des vollständigen Staatsbankerotts noch 
mit einer sehr namhaften Quote. Der Courswerth beider ist 
aber ganz der nämliche und richtet sich nach dem Verhält 
nisse zwischen Circulations- und Verkehrsbedürfniss. 3) 
*) Dass in der That das Disagio nicht direct von dem jeweiligen Stande 
des Staatscredits ahhángt, ebensowenig aber ausschliesslich von der absoluten 
Höhe des Notenumlaufs, sondern hauptsächlich von der Wechselwirkung der 
drei Factoren: Geldumlauf, Verkehrsbedürfnisse und Entwicklung des Credit- 
systems, beweist die folgende Tabelle : 
■fahr 
18-18 
1849 
1850 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1850 
1857 
1858 
1859 
1800 
1801 
1802 
1803 
1864 
1805 
1800 
1807 
1808 
1809 
1870 
1871 
1872 
1873 
1874 
Agio 
iS; 
!!*'■&lt;• 
mZ 
% 
104.. 1 
141.. 0 
128.„, 
Ë 
I;;: 
m'Z 
121.P, 
120.„ 
109.. , 
106.. , 
Notenumlauf | Handel 
105., 
222.,, 
250.. , 
255.„ 
188.. , 
383.,, 
383.. , 
370.. , 
400.. , 
474.. , 
408.. , 
420.. , 
390.. , 
375.. , 
351.. 0 
499.. , 
548.. , 
049.OO 
09O.„ 
%::: 
639.n. 
130., 
1.54., 
277 
310., 
405., 
433., 
433., 
474., 
518., 
496., 
486., 
418 
473., 
520., 
532.0 
545., 
578., 
601., 
547., 
701., 
810., 
857^ 
827., 
1008., 
1001.; 
1006., 
1017.. 
Escompte 
30.„ 
Ol.yo 
37.. , 
45.. , 
36.. , 
Ö3.,4 
73.. , 
86.. , 
76.. , 
35t, 
58.. , 
61.„ 
06,, 
89.. , 
106::: 
% 
81.3 
87.» 
109.» 
136.. , 
167.. , 
Cours der 
l’apierobligation 
und der Rente 
181., 
142.. 
60.. 0 
64*. 
54.. , 
ë 
I
        <pb n="104" />
        92 
Eine Papiergeld-Emission vermehrt also die umlanfende 
Geldmenge blos den Ziffern, nicht aber dem Wesen nach, es 
kann ihr ans diesem Titel auch keine Wirkung auf den Zins- 
Um einen Massstab für den Staatscredit %n finden, wurde der Durchschnitts- 
cours des massgebenden östeireichischen Staatspapieres und zwar bis zum Jahre 
18(58 der in Papier verzinslichen Staatsobligationen und von 1869 an der 
Papierrente genommen. Aus früheren Jahren waren die Durchschnittscourse 
nicht zur Hand, da verlässliche Aufzeichnungen und Berechnungen darüber 
erst seit dem Jahre 186.1 von der Wiener Börsenkammer zusammengestellt 
wurden. Als Massstab für die Bedürfnisse des Verkehrs dienen einerseits die 
Aufzeichnungen über die Bewegung im auswärtigen Handel, andererseits die 
Aufzeichnung über die Inanspruchnahme der Nationalbank im Escompte- 
geschäfte. Ein genaues Yerhältniss beider zu dem wirklichen Umfange des 
Verkehrs in jedem einzelnen Jahre kann zwar nicht behauptet werden, jedoch 
bieten ohne Zweifel diese Daten im Ganzen und Grossen ziemlich verlässliche 
Anhaltspunkte zur Beurtheilnng der einschlägigen Verhältnisse, in der Art, 
dass eine Steigerung des auswärtigen Verkehrs und 'der Inanspruchnahme der 
Bankcassen im Escomptegeschäfte auf eine allgemeine Steigerung der Verkehrs- 
thätigkeit gedeutet werden kann und umgekehrt. Hinsichtlich des Umlanges 
der Circnlationsmittel muss jedoch bemerkt werden, dass die Zitier des Noten 
umlaufs bis zum .Tabre 18.53 inclusive ungenau ist, da nur der Banknoten 
umlauf am Schlüsse eines jeden Jahres sich verzeichnet findet, neben demselben 
aber noch ein Umlauf von Staatspapiergeld existirte. In den ersten 3 Jahren 
1848, 1849 und 1850 war jedoch diese Staatsnotencirculation unbedeutend ; erst 
von da ab bis zu Beginn des Jahres 1854 wurden grössere Quantitäten unver 
zinslichen Staatspajjiergeldes in Cours gesetzt; auf dieses Staatspapiergeld konnte, 
wie bemerkt, in obiger Zusammenstellung keine Rücksicht genommen werden, 
da der von Jahr zu Jahr wechselnde Umfang dieser Emissionen in den Quellen 
nicht angegeben ist, und die für diese 3 Jahre verzeichnete Circulationsmenge 
erscheint demnach in der Tabelle wesentlich geringer, als sie in Wirklich 
keit w.ßr. 
Es zeigt sich nun, dass vom Jahre 1848 bis zum Jahre 1850 der Noten 
umlauf steigt, und dem entsprechend auch der Werth der Circnlationsmittel 
sich verringert. Wohl haben sich gleichzeitig die Umsätze im Escompte und 
insbesondere im Aussenhandel gesteigert, dies dürfte jedoch durch die Wieder 
einsetzung des Credites in seine durch die Revolutionsereignisse gestörten 
Functionen wettgemacht worden sein. Dass im Jahre 1854 die Geldentwerthung 
fortschreitet, trotzdem das Bedürfniss im Escompte sich namhaft erhöht hat 
und trotzdem auch der Banknotenumlauf zurückging, erklärt sich daraus, dass 
in diesem Jahre zum ersten Male ein besonders starker Umlauf unverzinslichen 
Staatspapiergeldes neben dem Bankgelde auftritt. ln den zwei folgenden 
Jahren sinkt das Disagio sehr wesentlich, obwohl sich der Notenumlauf nur 
unwesentlich vermindert, da insbesondere im letzteren Jahre, in welchem auch 
die Verbesserung des Geldwerthes einen schärferen Ausdruck erlangt, Aussen 
handel und Escompte grössere Ziffern zeigen. Im folgenden Jahre steigt das
        <pb n="105" />
        93 
fuss zugeschrieben werden. Richtig bleibt allerdings, dass di 
otenbank eines Randes mit gestörten Geldverhältnissen i, 
rer nnsfusspolitik \nel unabhängiger von den reellen Markt 
■ 
.,i« der T" 'i™ Verrrhllmmeums de. Beldwehlie., 
•‘“leeiiden T 1 ""f Staat.papicrc parallel läuft. Im 
weuu au »«■■Oour. der 6perre„t«en Ol.ligalluueu,
        <pb n="106" />
        94 
Verhältnissen ist, als unter der Herrschaft der Metallvaluta 
der Fall wäre. Bort, wo beispielsweise wie in Oesterreich die 
Notencircnlation an eine hestiinmte gesetzliche IVlaxinialgrenze 
und des Escomptes. Im nächsten .Jahre 18G8 dagegen verbessert siel, der 
Geldwert!, trotzdem der Notenumlauf weiter gestiegen ist ; es dürfte eben in 
diesem .Jahre die ßteigernng des Verkehrs noch grösser gewesen sein, als 
die Zittern über den Aussenhandel und Escompte andeuten. A\ enn man die in 
die.sem Jahre im gsossen Umfange beginnende Eisenbahn-lianthätigkeit bedenkt, 
so erscheint dies vollauf erklärlich. Der Cours der Staatspapiere aber steigt 
in kaum nennenswerthem Masse, keinesfalls entspricht diese Steigerung der des 
Geld wert hes. Hier muss jedoch bemerkt werden, dass dieses Stationarbleiben 
der Staatspapiercourse wohl zumeist darin begründet sein mag, dass in diesem 
Jahre die Zinsenreduction der österreichischen Staatspapiere discutirt wurde 
und sich des Capitals in Folge dessen weitgehende Besorgnisse bemächtigten. 
In den folgenden B Jahren ruft die fernere bedeutende Vermehrung der Circu-. 
lationsmittel trotz gleichzeitigen Wachsthums des Verkehrs eine abermalige Ver 
schlechterung des Geldwerthes hervor. Im Jahre 1872 bleibt der Geldumlaut sta lo- 
när die Verkehrsbedürfiiisse steigern sich, das Üisagio sinkt demnach mit rapiden 
Sprüngen. Die Steigerung des Verkehrs ist auf der Tabelle, insbesondere 
¡111 auswärtigen Handel nicht ersichtlich, letzteres schon aus dem Grunde nicht, 
weil die Wertliangaben der otticiellen Handelslisten die inzwischen eingetie- 
tene Veränderung aller Waareiipreise nicht brachten. Wer aber die Geschichte 
des Schwindeljahres 1872 kennt, für den bedarf es keines Beweises, dass in 
diesem Jahre die Verkehrsbedürfnisse ganz ausserordentliche waren. Das Jahr 
1873 zeigt einen ferneren Rückgang des Disagios ungeachtet abermaliger, wenn 
auch geringfügiger Steigeruttg des Notenumlaufes, und trotzdem eine Steigerung 
des Verkehrs für dieses Jahr unbeschadet der erhöhten Ziffer des Escompte- 
Portefeuilles nicht anzunehmen ist, wohl aus dem Grunde, weil damals bereits 
die Krisis ausgebrocheii und folglich die Function des Crédités gelähmt war, 
demnach ein relativ grösseres Bedürfniss nach Circulâtionsmittelii herrschte. 
Tm .Jahre 1874 endlich ruft die gleichbleibende Wirksamkeit des letzten Um 
standes , verbunden mit einer ausgiebigen Ermässigung des Umlaufes trotz 
gleichzeitigen Rückgangs des Verkehrs eine abermalige Verbesserung des Geld 
werthes hervor. Die Rentencourse laufen mit der Werthbewegung der Fapiei- 
geldzeichen in dieser letzten Epoche ziemlich parallel. 
Es zeigt aber diese Tabelle auch, dass der Geldbedarf in Oesterreich 
während des letzten Vierteljahrhunderts sehr bedeutend gestiegen und gegen 
wärtig mindestens dreifach so gross ist, als zu Beginn der Epoche. Damals 
konnten rund 223 Millionen Banknoten, Hand in Hand gehend mit einer höchst 
geringfügigen Circulation veizinslicheu Staatspapiergeldes, sieh nur mit einem 
Disagio im Verkehre erhalten, welches höher war als das Disagio der dreifach 
vergrösserten Zettelmenge der letzten Jahre. Es ist eben auch der Verkehr m 
diesem Vierteljahrhundert ganz ausserordentlich gestiegen u. zw. aller Wahr 
scheinlichkeit nach noch bedeutender als der Notenumlauf. Der Aussenhande 
hat sieh mehr als verdreifacht, der Escompte der Natioualbank vervierfacht.
        <pb n="107" />
        95 
Kestookt T r ' ' ''!’ ^"'^f"«»r»l'Mk gewisse Schranken 
f&gt;n, l. r ’ rt "■«‘«■■e, als sie bei einer baareinlösen,len 
. T •■»■senbliekliel, lül.lbar werdenden üblen Folgen 
,F&lt;ler falschen Zinsfnsspolitik gezogen sind. Die Banken in ln 
,ve"l' "7’ y'^t^llgcbl niü.ssen ihren Zinsfhas stets nach den 
will! " 7 'icl'f""- ^'-nrden sie billigeres Geld be- 
gen, als diesen Verhältnissen entspräche, so würden ihre 
le aiikeii in ihrer Metallre-serve einen sehr empfindlichen 
.ironieter. Das Ausland kann ihre Noten nicht braiiehen, wer 
in tremden Lande Geld sucht, sucht eben nur lletallgeld ; wird 
iinii dem Auslände in grossen Beträgen baarer Credit bewil- 
igt, oder, was der Wirkung nach auf dasselbe hinaiisläuft 
uas Ausland veranla.sst, seine im inlande gewährten Credite 
^nruckzuz.el.en, so .strömt das Metall ab, es verringern sich 
die Reserven der Banken, und da die letzteren sehr wohl wissen 
(diieb wenn ihnen das (besetz in dieser Bichtung keinen i 
ja wfünrlocl". Da» Creditweaen aber »cheint sich in dieser Zeit in Oeslerreicb- 
' garn nur sehr inivvesenliich, keineswegs aber in dem Masse gehoben r.n 
::£Lf “ 1 =;:Zn:;r::r=':,-a: 
Jahre i«“ a'‘lor''oaT"' "" «rcniationsmit.ein ; in. 
Kunf. Millionen I'fund iJoldmünze, 18 Millionen Pfund Silber- und 
i*fnnd*^T”^^/ iíiHíonen Pfund Noten, zusammen also 162'/, Millionen 
Zeit ' ¿ dass der Verkehr Englands sich in dieser 
nicht mindestens in demselben Masse gehoben hätte, wie der Verkehr 
ij T' ^^^4; wenn trotzdem die Steigerung des 
üurlnisses nach Circulationsmitteln im letzteren Verkehrsgebiete eine vierfach 
Jas in Cirossbritannien, so kann dies seinen Grund nur darin haben, 
(Ve^t ? (^"«giGl'igerem Masse die Umsätze durch Vermittlung des 
•ts bewerkstelligt wurden, während hier zu Lande der Uebergang von der 
- uwirthsehaft zur t-'reditwirlhschaft noch kaum begonnen hat
        <pb n="108" />
        96 
Fingerzeig gibt), dass die Verringerung ihrer ^tetallreserve ihre 
Solvenz gefährdet, so sehen sie sich alsbald gezwungen, dure i 
Zinsfusserhöhungen die Creditsuchenden ini eigenen Lande so 
wohl als in der Fremde von ihren Gassen fern zu halteiu Sie 
werden dies um so rascher tlmn müssen, da ihnen das Lde - 
inetall nicht blos für Rechnung des Auslandes, sondern auc i 
für Rechnung des Inlandes, welches sie so Überreichlich um 
allzu billig mit Credit versehen, entnommen wird; denn der 
inländische Verkehr bedarf nur eines bestimmten Quantums 
von Noten und er wird daher jene Notenmenge, die ihm ubei 
den Bedarf hinaus zugeführt wurde, bei den Banken gegen 
Metall eintauschen, welches, wenn überüü^ig, iivs Ansian 
, wandern kann. Wenn umgekehrt diese Banken den Zmstuss 
höher halten wollten, als es den thatsächlichen Verhältnissen 
des luaiides eiitspreclien würde, so werden sich ihre 
nicht blos in dem Masse verringern, als etwa durch Erhohun- 
cren des %:insfusses der TJbrternehiniingSjgeist eingeschrinikt sena 
^dRe, sondern sie hüben amdilder (kr Concur^n^ des VeR- 
marktes zu begegnen. Die Creditsuchenden im eigenen Lande 
werden ausländisches Geld zur Verfügung haben und den 
theueren eigenen Bankcredit gar nicht benützen. Die Thatsache 
aber dass das Darniederliegen ihrer Geschäfte nicht die Folge 
ehies allgmnemen DarmedeDmgens des Dntmnehmungs^nsR^ 
sondern die der ungebührlichen Höhe ihres Zinssatzes sei, win 
den Banken ^^nnmls augeMdicklmh durch das JLmichv^dlen 
ihrer Metallvorräthe angezeigt, denn das hereinstromende hemi e 
Geld langt eben als Metallgeld an, dessen sich der inländische 
Verkehr, soweit es seinen normalen Bedart übersteigt, ent 
ledigen und dasselbe bei den Zettelbanken gegen Noten ein 
tauschen wird. Die Banken werden also im 'erstereii Falle 
die Zettel, die sie allzu billig ausgestreut, immer wieder aut 
Kosten ihrer Goldvorräthe zurückerhalten und bald inne wer 
den dass sie statt der Noten eigentlich ihren Metallschatz so 
billiir verschleuderten; im zweiten Falle werden sie dagegen 
inne wenkn, dass sm dieZetRd, dm sm dem VerkMire allzu 
theuer machten, demselben nunmehr unentgeltlich uheidassen 
müssen Beides werden sie unmöglich durch längere Zeit tort- 
setzen, das erstere niclit aus selir begründeter Furcht vcir (lern 
Bankerotte, das zweite nicht ans Sorge für ihre Geschalte.
        <pb n="109" />
        97 
pie Zettelbanken in den Papierländern befinden sieb dem 
gegenüber in der auf den ersten Anblick sehr bequemen, in 
\ abrheit aber doch höchst peinlichen Lage, erst sehr spät zu 
\\isseu, ob ihre Zinsfusspolitik den reellen Verhältnissen des 
(Geldmarktes entspricht oder nicht. Allerdings haben auch sie 
f*iiien IMassstab darin, dass sie den Zinsfuss, wie er sich auf 
ofienem ^larkte gestaltet, mit dem ihrigen vergleichen ; aber 
dieser Vergleich kann sehr oft trügen, da die Geschäfte, die 
auf offenem Markte abgeschlossen werden, nicht immer der 
(Tüte und Sicherheit nach die nämlichen sind und überdies 
‘lieser Markt, nach dem man sich richten könnte, nur selten 
Hn einheitlicher ist und sich häufig jeder Controle entzieht. 
Haben sie nun überhaupt keine Grenze für ihren Notenumlauf 
al.s das eigene Belieben, so werden sie in dem Falle, wo sie 
mit ihrem Zinsfusse allzu billig sind, zwar bemerken, dass die 
(^reditsuchenden massenhaft herbeiströmen, sie werden aber 
niemals wissen, ob dies in einer hochgradigen Steigerung des 
I nternehmung.sgeistes oder darin seinen Grund hat, dass sie 
selb.st den offenen Markt allzu erfolgreich unterbieten. Die Con- 
tnirrenz des Weltmarktes wird sich viel schwerer bemerkbar 
machen, indem die gestörte Valuta gleichsam eine Scdieidemauer 
zwischen dem inländischen und ausländischen Verkehre zieht, 
nie zwar nicht absolut unübersteiglich ist, jedoch immerhin aus- 
ijeicht, um sehr bedeutende Differenzen zwischen dem inlän- 
nischen und au.sländischen Zinsfusse möglich zu machen, ohne 
nass man (Kredit vom Auslande suchen oder gewähren würde. 
Ist dies auch der Fall, so wird sich doch die Wirkung eines 
allzu billigen Zinsfusses nur in der abnormen Vermehrung der 
K reditgesuche zeigen, und dies wird eine kurzsichtige Bank- 
Piping mit Rücksicht auf die Steigerung ihrer Geschäfte mög- 
mherweise sogar für einen Gewinn zu betrachten geneigt sein, 
he einmal ausgegebenen Noten können nicht zurückströmen, 
•(eil Metallschatz nicht angreifen und folglich ihr Uebermass 
^mht fühlbar machen. Umgekehit wird die Bank, wenn ihr 
piisfuss höher ist, als es die Marktverhältnisse bedingen, aller- 
mgs ihre (Geschäfte durch die Concurrenz des offenen Marktes be 
einträchtigt sehen ; dies wird jedoch erstlich, wie bereits erwähnt, 
"'egen der Scheideniauer des Disagios und der demzufolge er- 
«ehwerten Concurrenz des Auslandes nicht in so hohem Masse 
m. Th. Hertzka, Währung und Handel.
        <pb n="110" />
        98 
(1er Full sein, wie in einem Lunde mit ^[etallw.ilirung ; sodann aber 
wird die Bank niemals wissen, ob der Rückgang ihrer Geschäfte in 
einer allgemeinen Stagnation des Unternelnnnngsgeistes oder 
in ihrer fehlerhaften Discontopolitik %n suchen ist. i\ian wird 
ihr kein Metallgeld zur Umwechslung gegen Noten präsentiren 
und die Thatsache, dass sie dem Verkehre Geld, dessen er 
wirklich bedurfte, vorenthalten hat, kann nicht direct bemerk 
bar werden. 
Auch bei jenen Banken in Papiergeld-Ländern, die lui 
ihre Notenausgabe eine gesetzliche Grenze haben, ist zu Le- 
urtheilung der Richtigkeit der Zinspolitik kein director An 
haltspunkt gegeben. Die Vermehrung der Noten wird allerdings 
nicht in’s Ungemessene vor sich gehen können, aber es wild 
eben von der jeweiligen Höhe des wirklichen realen Geldbe 
dürfnisses abhängen, ob die Kreditgew ährung nicht schon lauge 
bevor die gesetzliche Grenze der Notenausgabe erreicht ist, 
mit einer ungerechtfertigten Unterbietung des idarktes Hund 
in Hand ging. 
Der Zinsfiiss in einem Lande mit gestörten Geldver 
hältnissen ist daher nicht massiger, wohl aber willküi- 
lieber als der in einem Ijaiide mit Metallvaluta, und da die 
Gesetzmässigkeit des Zinsfusses angesichts der steten Schwan 
kungen in den Marktverhilltnisseu mit einer sehr schwanken 
den Disconto])olitik gleichbedeutend ist, während die Villküi, 
die es nicht nötliig hat, sich nach der von Woche zu Woche 
ändernden Conjnnctur zu richten, in der Regel durch längere 
Zeit-auf ihrem Sinne heharren wird, so besitzen die Länder 
mit gestörter Valuta fast ohne Ausnahme auch einen stabi 
leren Zinsfuss. als die mit Metalkeld. Ob dieser willkür 
liche und stabile Zinsfuss im Diirchscbnitte höher oder billiger 
ist, als es bei dem Bestehen einer IMetallvaluta der Fall wäre, 
das ward zunächst von der individuellen Auffassung jener Per 
sönlichkeiten abhängen , die den Banksatz zu regeln haben. 
Auf die Dauer ist jedoch gerade in einem Lande mit gestörter 
Valuta die Aufrechthaltung eines ungebührlich theueren Zins- 
fnsses viel leichter möglich, als die eines ungebührlich 
niedrigen. Insbesondere gilt dies dann, wenn der Noten 
vermehrung. eine Maximalgrenze gezogen ist, sei es durch 
gesetzliche Feststellung eines Verhältnisses zwischen ^letall-
        <pb n="111" />
        99 
■ 
»■B
        <pb n="112" />
        100 
Beointviiol.tígten angonWicldiol. mit omov n™'‘" 
molift'age mir Completining ilircs V.in-atlms auf (fern Markte 
■rsolieiuen; wäliremi .lerjeinge, der die ueueu îsoteii cimtt.rt, 
lamit die Verfügung iil.er ein gaim neuen sonst. 
muden gewesenes (inantnm von Circnlat.onsmitteln evlmlt und 
.s daher demjenigen, der in diesem Momente mit einer (seld- 
inforderiing l.erantritt, mi liilligereii lîediiignngcii iil,erlassen 
kann und muss, als sonst der Fall gewesen wiire. Und liipr 
zeigt siel, abermals, dass die Benacbtl.eiligten, die eine Ver- 
mindernng ihres Geldvorratlies erleiden mussten, die Unbill, 
die sie erfahren, nicht auf Rechnung der wirklichen Ursache 
schieben, während der Bevormigte, der momentan billigeres 
Geld erhält, die erfahrene Gunst der Notenemission znschreibt. 
Obwohl nun dies nur so lange währen kann, als die Zette- 
menge im Zustande des Wachsthnmes ist. erhält sich doch 
das Bewusstsein der Wirkung dieses Zustandes auf den Zins- 
fiiss dauernd, und man glaubt, dass es nicht diese vori.ber- 
gehende Epoche der activen Zettclvermelu-nng, sondern dei 
Zustand des vermehrten Zetteliimhinfes sei, was den Zinslnss 
ermässige. Man übersieht, dass eine Verdoppelung der Um- 
lanfsinittel der Zahl nach notbwendiger Weise wirkungslos 
bleiben müsse, wenn man zur Besorgung jedes Geschäftes 
nunmehr nominell die doppelte Menge an Umlai.fsm.tteln in 
Anspruch nehmen muss; man bemerkt nur die ihatsache der 
nominellen Verdoppelung und zieht daraus seine Schlüsse, nn- 
bekümmert darum, ob die Thatsachen denselben entsprechen 
oder nicht. . 
Umgekelirt sind die Befürclitnngen iur den /instuss bei 
Wiederbevstidlnng einer gestörten Valuta insofern gereebt- 
fertio-t als für die Dauer des ITeberganges tbatsiicblicb alle 
dieieniUn, die während dieser Zeit (leid henötbigen, einer 
Restriction unterworfen sein können. Die Valutaberstellung ist 
nur im Wege einer Einziehung aller überflüssig circulirenden 
Noten möglich. Bis zu dem ]\Iomente, wo die cireiilirende 
Geldmenge den normalen Umfang erreicht, können neue (xeld- 
darlehen nur sehr schwer und nur unter harten Bedingungen 
gewährt werden, l^iit jedem Betrage, der den Cireiilations- 
initteln des Landes entnommen wird, steigt zwar der innei 
Werth des in Circulation verbleibenden Restes der (xeU-
        <pb n="113" />
        — 101 
Zeichen, alle Besitzer dieser Geldzeichen werden die Kauf 
kraft ihres Geldes vermehrt sehen und einen Ueberschuss in 
Händen haben, den sie zur Besorgung ihrer Geschäfte nicht 
verwenden müssen und der daher wohl geeignet wäre, auf 
dem Geldmärkte den durch die Noteneinziehung verursachten 
Abgang zu ersetzen. Aber auch dieser Rrsatz kann sich nicht 
augenblicklich vollziehen, am wenigsten geschieht dies an 
jener Stelle wo die Einziehung der Noten vorgenommen wird; 
diese wird die Credit Suchenden zurückweisen, denen es erst 
allmälig und unter grossen Schwierigkeiten gelingt, statt der 
gewohnten Geldquelle jene andere zu finden, die aus den 
Ueberschüssen der unter zahllose Besitzer vertheilten Circu- 
lationsquantitäten erst später und allmälig sich ansammeln 
kann. 
Dabei darf man jedoch nicht übersehen, dass die Re 
striction nur so lange fühlbar ist, als mit der Einziehung der 
Noten jene Grenze erreicht wird, bei welcher die (iesammt- 
summe der Umlaufsmittcl den normalen Stand erreicht. Jede 
weitere Noteneinziehung kann nur mehr den Effect haben, 
das Pajüergeld, welches früher ausschliesslich den Verkehr é 
beherrscht hat, durch Metallgeld zu ersetzen. Werden Noten 
unmittelbar gegen Metallgeld eingewechselt, so wird dieses 
Metallgeld allerdings, so lan^e als das normale Niveau der 
Circulationsmittel noch nicht erreicht ist, in’s Ausland abfilessen ; 
in dem Augenblicke jedoch, wo der Zustand des Gleich 
gewichtes eintritt, wird dieser Abfluss aufhören und nunmehr 
wird die Einlösungsstelle selbst für jedes Papiergeldzeichen, 
das sie dem Verkehre entzieht, demselben das entsprechende 
Metallgeldzeichen verabreichen. Erfolgt jedoch die Einziehung 
der Noten auch ohne jeden unmittelbaren Ersatz an Circula- 
tionsmitteln seitens der Einlösestelle, so wird in dem Momente 
des erreichten Gleichgewichtes der Ersatz vom Auslande 
her erfolgen. Denn ebenso wenig als es gelingen kann, ein 
metallisches Circulationsmedium dauernd unter den Verkehrs- 
bedarf zu erniedrigen, ebenso wenig ist dies beim Uebergange 
von der Zettelwirthschaft zum Metallgelde der Fall. So wie 
dies versucht wird, steigt die Kaufkraft des Geldes über 
die normale Höhe, und die Edelmetalle, die früher aus dem 
Lande verdrängt wurden, weil sie eine Verminderung ihrer
        <pb n="114" />
        102 
i 
Kaufkraft nicht v erf ragen konnten , werden nun hereinströmen, 
angelückt durch die Steigerung ihrer Kaufkraft. Es ist dahei 
auch ganz gleicligiltig, oh der Staat cs ist, der die papierenen 
Circiüatiüiisinittel etwa gegen Ausgabe von Schuldtiteln ein 
zieht, oder eine Kotenhank, die dies in Form von llestrictionen 
durchführt. In beiden Fällen handelt es sich nur um die 
UeherWindung der Schwierigkeiten des ersten Ueherganges, 
nämlich darum, dass die hereinströmenden Metallgeldstücke 
nicht sofort zur Verfügung jener Zahlstellen sein werden, die 
bisher die Creditgeschäfte des Irnndes besorgt haben. Eine 
Störung der Creditverhältnisse kann also bei unvorsichtiger 
und ungeschäftsmässiger Durchführung der Noteneinlösung 
allerdings hervortreten — eine Einengung der Circulationsver- 
hältnisse niemals, und da es sehr wohl möglich ist, den 
Uebergang ohne einen solchen Fehler zu vollziehen, so ist auch 
die ausschweifende Furcht der Credithedürftigen vor den 
Störungen des Ueberganges nur bedingungsweise gerechtfertigt. 
Speciell in Oesterreich, wo gegenwärtig das Disagio auf wenige 
Procente gesunken, eine namhafte Ueherfüllung an Circulations- 
mitteln also derzeit nicht vorhanden ist, ist mit Rücksicht 
auf die ungestörte Function des ('redites während der Ueber- 
gangsepoche hauptsächlich nur darauf zu achten, dass die 
eingelösten Papierzettel sofort und an der rechten Stelle durch 
Metallgeld ersetzt werden. 
Davon, in welcher Weise dieser Uebergaiig mit den 
geringsten Störungen vollzogen werden kann, soll an anderer 
Stelle ausführlich gesprochen werden. Hier genüge es zu con- 
statireii, dass der Zustand einer durch Vermehrung der (Jeld- 
zeichen hervorgerufenen Valuta Verschlechterung den Zinsfiiss 
in heilsamer Weise unmöglich heeinflussen kann. Der Zinsfuss 
eines Papiergeldlandes wird willkürlicher und minder schwan 
kend, aber auf die Dauer und im Durchschnitte eher höher 
als niedriger sein , denn unter der llerrscüiaft geregelter (ield- 
verhältnisse. 
Wir entnehmen theils dem Buche Seyd’s „Die wahren 
Orundsätze des Bauhuoteuweseiis", theils dci" gründlichen 
Arbeit desGcneralsecretäis Lucam „Die österreichische National 
bank während der Dauer des dritten Privilegiums“ die folgende 
Zusammenstellung über die hei den Banken von England,
        <pb n="115" />
        — 108 — 
Frankreich, Preiisseii und (Jesterreiel] wälirend der 30 Jahre 
vom September 1844 bis Ende 1873 geltenden Zinssätze. 
Es herrschte ein 
Zinsfu.ss von 
3.,?: 
4v!: 
5":: 
durch Wochen 
hei der Bank 
von England 
134 
5¿71 
364 
96 
162 
54 
153 
36 
89 
49 
46 
41 
13 
21 
bei der Bank 
von Frankreich 
163 
172 
143 
530 
21 
262 
18 
167 
1 
42 
3 
5 
2 
bei der preuasi- 
»chen Bank 
947 
205 
244 
7 
69 
7 
30 
6 
5 
bei der osten- ' 
Nationnlbank i 
768 
595 
73 
87 
Daraus erfriht sich vor allem, dass der Zinssatz hei der 
Dank von Enß^land im Durchschnitte dieser HO .Jahre H 001 Per 
cent, hei der Hank von Frankreich 4-20.^) Percent, lad der 
pieussischen Hank 4‘4.^&gt;0 Percent und hei der österreichischen 
National-Hank 4'582 Percent betrug. Er war also hei der 
letzteren höher als bei den drei anderen Hanken und es 
zeigt sich zugleich, dass die Schwankungen des Zinssatzes 
sieh hei allen vier Hanken im umgekehrten V'erhältnis.se zur 
durehschnittlichen Höhe des Zinsfusses verhalten. Die grössten 
Schwankungen nach Zahl und Intensität hatte die Hank von 
England; sie wechselte in diesen 1520 Wochen den Zinssatz 
nicht weniger als 212 Mal, also im Durchschnitte nach je 
00 Tagen einmal und bewegte sich dabei innerhalb der (irenze 
Von 2 bis lo Percent; der Durchschnitt-Zinstiiss abei- ist der 
nuissigste. ^ach ihr folgt die Hank von Frankreich, deren 
Schwankungen sich zwischen 2%) Percent und 9 Percent, 
nlso innerhalb einer Dseillationsgrenze von (iba Percent 
bewegen; sie wechselte den Zinsfuss 8H Mal , also im 
^Mittel alle 129 Tage. Wieder höher ist der Zinsfuss der 
preussischen Hank, deren Dseillationsgrenze aber blos b Per-
        <pb n="116" />
        — 104 — 
cent beträgt, und die blos 68 i\Ial, oder nach je 157 Tagen 
eine Veränderung vornahm. Den höchsten Zinstuss hat die 
österreichische Nationalbank mit einer Dscillationsgrenze von 
blos 2'¡2 Percent, und mit 14 maliger , oder je einer 
Zinsfussveränderung nach durchschnittlich 760 Tagen. Im 
Uebrigen gibt eine Vergleichung der Zinssätze in ^ dieser 
60jährigen Epoche kein genaues Bild der wirklichen Zinsfuss- 
verhältnisse auf dem Geldmärkte, insbesondere tiii Gesteiieich, 
denn vom 4. April 1866 bis zum 22. September 1856 ver 
harrte die österreichische Nationalbank aut dem ganz willkür 
lichen , künstlich festgesetzten Zinstüsse von 4 Percent, ohne 
irgendwie das Bestreben zu zeigen, sich den IMarktverhält- 
nissen auch nur im Geringsten zu accommodiren. Es ist selbst 
verständlich , dass sie mit diesem ihrem künstlichen Zinssätze 
den landläuiigen Zinstuss nicht beherrschen konnte. J)ieser 
war für Papiere erster Kategorie häufig massiger als der 
ihrige, zeitweilig aber auch doppelt so hoch; der Bankzinsluss 
war lediglich für gewisse ])rivilegirte Personen bestimmt, die 
um diesen Preis Geld an den Bankcassen erhalten konnten, um 
es dann den Marktverhältnissen entsprechend vertheuert weiter 
zu geben. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes hat nun 
der Generalsecretär v. Lucam in seinem oben citirten Buche 
die nachfolgende Tabelle (s. Seite 105) über die Veiändei ungen 
des Zinssatzes tür die Zeit vom 1. «laniiar 1863 bis 61. De 
cember 1875 zusammengestellt. 
Es zeigt sich im grossen Ganzen auch hier die nämliche 
Erscheinung. Den massigsten Zinssatz hat die Hank von Eng 
land mit einer Oseillationsgrenze von 8 Percent; ihr tolgt 
die Bank von Frankreich mit einer Oseillationsgrenze von 
5V2 Percent, sodann kommt die preussische Bank mit einer 
Oseillationsgrenze von 5 Percent und den Reigen beschliesst 
wieder die österreichische Nationalbank mit einer Oscillations- 
grenze von 2^'% Percent. 
Es scheint im Uebrigen, dass die österreichische National 
bank die ihr durch die Uneinlöslichkeit ihrer Noten gegebene 
Macht, sich von den reellen Marktverhältnissen zu emancipiren, 
nicht blos dazu benützte, um den Zinsfuss stabil zu erhalten, 
sondern thatsächlich auch dazu, um mit demselben willkür 
lich unter jene Grenze hinabzugehen, welche durch die-
        <pb n="117" />
        105 - 
/ 
Veränderungen des Zinssatzes vom 1. Jänner 1863 bis 31. December 1875. 
; Zins- 
; tuBH in : M 
; Per- « 
centen j ’S 
: ^ 
iank von hngland, reiclf Ij Preussische Bank 
(Product I 
der || 
Wochen !' 
und Per- 
cente) ^ 
I (Product ! 
der I 
Wochen : 
und Per- 
cente) 
87 
4 
61 
141% 
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2 
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3 
3% 
4 ' 100 
4V, : 28 
5 
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8 ' 
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34% 
3 
54«/, 
34'/, 
13% 
174 
9 
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275“*‘ 
126 
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137.. .» — 
163«/, 
57'/, 
29% 
134 
23 
142 
95 
í6¡ = 
536 I 388'/, 
103.J 50% 
29%' 
4% 
710 
570 
206. 
56. 
143% 
52 
67,1 
9 I 
(Product 
der 
Wochen 
und l’er- 
cente) 
Oesterr. National-; 
bank 
(Product 
der 
Wochen 
und J’er- 
cente) ¡ 
1553,40 
226,», 
7^6.4„ 
312 
210 
42„ol 
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141% 
57«/, 
566. 
260..,u., 
386«/,! 1934.,, 
87 I 522 
5 ! 3^ 
678%! 27710,0 678% 2846.,o, 678%l 3141,,, 678'/,! 3315.4., 
m 
4 om l’ercent l.,„ Percent ' 4.*^, Percent i 4..,. Percent 
^larktverhältnisse geboten gewesen wären. Ihr Durchschnitts- 
zinssatz ist blos um (1^50 Percent höher als der der Bank 
von Preussen, um 0 001 Percent höher als der der Bank von 
Frankreich und um 0-802 Percent höher als der der Bank von 
England. ]\lan wird schwerlich behaupten wollen, dass in 
fliesen Differenzen der Unterschied des Capitalreichthums, wie 
er zwischen Oesterreich und diesen Ländern besteht, zum 
vollen Ausdrucke gelangt. Wäre wirklich der Zinsfuss in 
Deutschland blos um V4 Percent, in Frankreich um Percent 
und in England um %Q Percent mässiger als in Oesterreich, so 
wäre es unbegreiflich, warum alle diese Länder andauernd so 
ijedeutende Capita lien nach Oesterreich entliehen u. zw. trotz 
fier Scheidemauer, welche die Zettelwirthschaft zwischen ihrem 
und dem österreichischen Capitalmarkte aufgerichtet hat. Wer 
flie Verhältnisse des österreichischen, deutschen und franzö 
sischen (Geldmarktes genauer kennt, wird ohne weiters zu 
geben, dass zwischen dem ersten und zweiten jedenfalls ein
        <pb n="118" />
        106 
grösserer Unterschied des Reichtlinins besteht als zwischen 
dem zweiten und letzten und doch beträgt die Differenz des 
Zinssatzes zwischen der österreichischen und preussischen Dank 
1)los Vt Tercent, die des Zinssatzes zwischen der preussischen 
und französischen Bank aber beinahe '/a Bercent. Die Auf 
klärung dieses Häfhsels liegt ziemlich nahe. Die Bankraten 
der westeuropäischen grossen Zetfelinstitute sind eben mit dem 
durchschnittlichen Zinsfusse, wie er sich auf offenem idarkte 
für erstes l’apier herausstellte, im grossen (faiizen immer 
gleichbedeutend, während die österreichische Bankrate iin 
Durchschnitte nicht unwesentlich niedriger ist, als der Durch 
schnittssatz auf dem österreichischen idarkte und keinen ver 
lässlichen Anhaltspunkt für die wirkliche Höhe des landläu 
figen Zinsfusses gibt. ]\[au darf nicht vergessen, dass eine 
Zettelbank wohl einen sehr bedeutenden Antheil vom Escompte- 
geschäfte jedes Landes absorbirt, dasselbe jedoch keineswegs 
monopolisiren kann. Nach einer Zusammenstellung, welche die 
in Wien unter dem Titel „D(‘r Tresor“ erscheinende Zeitschrift 
am 10. November 1875 über das Escompteportefeuille aller 
österreichischen und ungarischen Creditinsfitute brachte, war die 
österreichische National bank im .Jahre 1871 mit o4 l’crcent, im 
Jahre 1872 mit J5 6 Bercent, im Jahre 187J mit J7'8 Bercent 
und im Jahre 1874 mit JO Bercent am gesammten Escompte 
der österreichischen Creditinstitute betheiligt, also im Durch 
schnitt mit ungefähr einem Drittheil. Bedenkt man, dass ausser 
den Creditinstituten (zu denen übrigens in der Zusammen 
Stellung des Tresor auch die Sparcasseu und Versicherungs 
gesellschaften gerechnet sind) noch sehr bedeut ende ander 
weitige Geldquellen in jedem Laude existireu — wir erwähnen 
blos die grossen Eisenbahnen und die Brivatescompfeure — 
und dass ferner insbesondere in Oesterreich auch das Ausland 
an den Escomptegeschäften stark betheiligt ist, so wird mau 
zu ' dem Schlüsse gelangen, dass die österreichische National 
bank schwerlich mehr als 20 IVrcent" des Gcsammt-Esconqife- 
geschäftes der iMonarcIde in Händen hat. Und es ist eine in 
Oesterreich ebenso bekannte Thatsache, dass die andern Geld- 
([uellen mit ihrem Escomptesafze unbekümmert um die Bank- 
rate fast ausnahmslos sehr bedeutend, in der Provinz häufig 
mit dem Doppelten, über diese hinausgehen.
        <pb n="119" />
        107 
tfcö 
Qt 
, ^ Uniuer/itc 
Aul die durclisclinittliche Höhe des landläuf ' 
insses muss aber die willkürliche und ungenügende « 
Hankrate offenbar eher schädlich als nützlich zurü^ 
aben. Vergrössert wurde blos der Gewinn der inlünuiscnrrr 
Hscompteure und jener Geschäftshäuser, die in der Lage 
waren, die Hankcassen direct in Ansjiruch zu nehmen. Für 
'lie Gesammtheit der geldbedürftigen rroduccnteu und Handel 
treibenden musste dies aus dem Grunde naehtheilig sein, weil 
i^ie wulernatürliebo Ermässignng der Hankrate dem auslän- 
•lischen Cajutale den Zutritt erschwerte, felglich dessen Con- 
eurrenr. auf dem inländischen Cajiit aismarkte verringerte und 
T 'J.*' inländischen Cajdtalisten iu den Stand setzte, 
'lenZinstuss hoher zu erhalten, als sie bei höherer Hankrate 
hie eine stärkere Betiieiligung des ausländischen Capitals zur 
0 ge gehabt hatte, im fetaiide gewesen wären. Es war also 
Wieder nur eine willkürliche Verschiebung, nicht aber 
■iiue wirkliche Verbesserung der Zinsfussverhältnisse, was 
&lt;lie Emancipation der Hank von den reellen Marktverhält- 
iiissen herbeitiilirte. Und diese Verschiebung war um so un 
gerechter und schädlicher, da sie diejenigen am härtesten traf, 
'lie der meisten Schonung und Unterstützung bedürfen, näm- 
icli die kleinen l'roducenten und Händler, die am voUstän- 
'ligsten von den Zwischcn-Escompteuren abhängig sind. 
Dass auch die Hankrate selbst durch die Zettelwirth- 
sehaft nicht ermässigt werden kann, wenn anders in solchem 
talle die betreffende Hank es versteht, sich den reellen-Markt- 
Verhältnissen zu accommodiren, zeigt der Zinsfiiss der Hank 
von hrankreieh während der letzten ,Jahre, wo diese durch 
'Ion Staat verhindert war, ihre Noten haar eiiiznlösen. Ihr 
-iiistuss 111 dieser Zeit betrug im J)urch.schiiitte rund iyjiy 
'■rcent, also um rund Udfi Percent mehr als im Durchschnitte 
1er vorhergehenden .Jahre, in ,lenen ihre Solvenz nicht ge- 
Stört war. ” 
Kraniz *• ''«kaniitlich den Noten der Jtank von 
"i/ZZ y r """"Tnr ^ hatte 
fol.! , Von da ah fände,, hi« Kode ]87r, die 
b*^n,len \ erajitiernnpen statt: 
Am i¿(). Juli 1871 wurde der Zinsfass auf 5 Percent lixirt 
« '4. November 1871 „ „ (j
        <pb n="120" />
        108 
Alles bisher Gesagte gilt auch unter der Voraussetzung, 
dass das arbeitende Capital eines Landes, dessen b iille doch 
in erster Linie den Zinstuss bestimmt, durch den Zufluss frem 
der Capitalien oder durch den Abfluss eigener (’apitalien in 
die Fremde, keiner Veränderung unterworfen ist. Nun sind 
aber die Verkehrsgebiete, die lediglich mit eigenem Capitale 
arbeiten und deren Capitalien sich aut das eigene Land be 
schränken, in Wirklichkeit kaum vorhanden. Das Capital ist 
im höchsten Grade kosmopolitisch und lässt sich nur schwer 
in nationalen Grenzen festhalten. Betrachtet man aber den 
Einfluss der Valutastörung auf die internationale Capital be we- 
gung, so ist unmöglich zu verkennen, dass dieser Einfluss nur 
ein hemmender sein kann. Jede Wanderung von Capital aus 
oder nach einem Lande mit gestörter Valuta ist einei soge 
nannten Valutasjieculation gleichzuachten. Der Capitalist, der 
nach dem Lande mit zerrüttetem Geldwesen leihen will, ^iid 
sich dieser Valutaspeculation nur sehr schwer unterziehen, er 
wird in der Hegel seinem Schuldner die Verpflichtung auiei- 
legen, ihm Zahlung nicht in dem schwankenden Landgelde, 
sondern unter allen Bedingungen in vollwerthigem Metallgelde 
zu leisten. Dieser Bedingung aber wird sich der Schuldner nur 
sehr widerwillig fügen. Zwar ist der Werth des Metallgeldes 
Am 28. Februar 1872 
„ 15. October 1873 
„ 10. November 1873 
» 18^ 
r 2T , 18^ 
„ 5. Marz 1874 
„ 4. Juni 1874 
Es herrschte also : 
urde der Zinstuss 
n n n 
n n n 
n M M 
)) n rt 
n n « 
» » ” 
auf 5 Percent fixirt, 
» Ü II I» 
I, 7 „ II 
n fl « ” 
n 4V2 II « 
»4 M M 
Ein Zinsfuss von 
Durch Wochen 
Dies ei’Kiht ein Product der 
Wochen imd Percente. 
4 Percent. 
4’/s n 
5 n 
6 
7 
30 
12«/7 
6IV7 
79*/: 
D/: 
120 1 
57*/, 
307*/, 
475*/, 
10
        <pb n="121" />
        109 — 
«las Stal&gt;i]e und der Werth seiner Landesvalnta das Schwan 
kende; er aber wird die Saclie nmgekelirt empfinden, nnd 
zwar ans dem ixrnnde, weil sich die Preise der meisten 
\ aalen nnd der Löline, wie früher gezeigt wurde, in 
einem Lande mit gestörter Valuta nicht sofort nach den 
Schwajiknngen des (-»eldwerthes richten nnd demnach im Falle 
solcher Schwankungen für den Schuldner eine sehr empfind- 
liehe, unter Umständen sogar eine ihn zu Grunde richtende 
Ditferenz entstehen kann. Wenn er z. B. 1000 fl. in Silber ent 
liehen hat, unter der Voraussetzung, dass er mit dieser Summe 
2000 Arbeitstage werde bezahlen können, und nun der Werth 
der Landesvaluta plötzlich sinkt, so wird er möglicher AVeise 
beim Fälligkeitstermin seiner Schuld zum Ankäufe der 1000 
Silbergulden eine Summe in Landesvaluta verwenden müssen, 
mit welcher er ÖOOO Arbeitstage hätte bezahlen können. Er 
wird zwar auch die Chance eines analogen Gewinnes haben, 
doch wird es in den seltensten Fällen den Neigungen eines 
Holiden Unternehmens entsprechen, ausser der Gefahr, die sein 
Gcschätt auch bei der genauesten, sorgfältigsten Berechnung 
«chou aus inneren Gründen für ihn bergen kann, auch noch 
die Gefahr einer von seiner eigenen Geschäftsconjunctur ganz 
unabhängigen Valutaconjunctur auf sich zu nehmen. 
Dazu kommt noch, dass diese letztere (xefahr für den 
inländischen Unternehmer allemal dann am grössten ist, wenn 
der Unternehmungsgeist gerade durch dieselbe Valutaconjunctur 
den stärksten Impuls empfängt, und daher nach Capitalien 
eine starke Nachfrage herrscht. Wie nämlich früher gezeigt 
wurde, wird der Fxport jedes Landes mit gestörter Valuta 
dann in dei höchsten Blüte stehen, wenn die Geldentwerthung 
tortschreitet. In einer solchen Epoche wird Capital ge 
sucht sein, aber jeder Unternehmer wird dasselbe, selbst zu 
lästigeren Bedingungen, lieber von einem inländischen Capita- 
bsten entlehnen, den er in inländischer Valuta zu zahlen hat, 
bevor er sich entschliesst, bei steigendem Disagio die Verpflich 
tung zu übernehmen, in Metallgeld zu zahlen. Leichter würde 
man sich in einem Lande mir gestörter Valuta zur Ueber- 
Uahme derartiger Verpflichtungen bereit finden lassen, wenn 
bie Landesvaluta in einer Verbesserung begriffen ist. Aber in 
t-ljoehen, wo dies geschieht, liegt der Unternehmungsgeist, wie
        <pb n="122" />
        lio — 
^leiolifalls tVi'ilior gozrigt wnrde, daruieder, man brandit in 
soldien Zdtan wenig Capital nnd man wir'd daher im Allge 
meinen in dem Papiergeldlande fremdes (\apital verliältniss- 
mässig am leichtesten nehmen, wenn man es nicht hranelit, 
verilältnissmässig am schwersten jedoch in Zeiten, wo man es 
hranchen könnte, lias (iesammtresnltat wird sein, dass frem 
des (Kapital in ein solches Land iiherhanpt nnr selten, jeden 
falls weit seltener gelangen kann, als unter der Herrschaft 
gesunder GrcldVerhältnisse der Fall wäre. Und ähnlich verhält 
es sich nach der entgegengesetzten Seite, weiin das Land mit 
gestörter Valnta im Besitze iiherfliissiger ('apitalien ist, die 
im Anslande Verwendung snchen. Hier wird der (Kapitalist 
es sein, der in allen Fällen die Cfefahr der Valntaconjnnctnr 
anf sich nehmen muss, da der Ausländer, dem er seine (Kapi 
talien darleiht, kaum jemals gesonnen sein dürfte, sich zn einer 
Rückzahlnng in der fremden, ihm nnhekannten nnd schwan 
kenden Landes valnta zn verpflichten. Hie Rentner des Pajiier- 
1 andes werden aher ehen so wenig als die irgend eines anderen 
Verkeil rsgehietes sonderlich geneigt zn Valntaspecnlationen 
sein, nnd daher schon ganz im Allgemeinen lieber zn billigem 
Zinssätze im eigenen Lande als zn hohem im fremden Lande 
Held ansleihen. Dazu kommt ancli hier wieder, dass für sie 
die (Hüahr der Valntaspecnlation dann am grössten ist, wenn 
sie für ihr Capital im eigenen Lande die geringste Verwen- 
dnng haben, nämlich wenn ihre heimische Valnta in tortschrei 
tender Verbessernng begriffen ist nnd sie daher beisjiielsweise 
für Í000 (Hilden Landesgeld, mit denen sie NOO (Hilden Silber 
geld gekauft nnd an das Ansland verliehen haben, nach Ablauf 
einiger Monate zwar dieselben 800 (Hilden Silbergeld znrück- 
erhalten, die aber nunmehr etwa blos 0(X) Gulden Landesgeld 
werth wären. Umgekehrt werden sie in Zeiten fortschreitender 
(feldverschlechternng zwar leichter geneigt sein, die mit einem 
Darleihensgeschäfte in die Fremde verbundene Valntaspecn- 
lation zu übernehmen ; aber gerade in solchen Zeiten werden 
sie das Ausland auch leicht entbehren können, da das Wachs 
thum des inländischen Unternehmungsgeistes ihren Capital len 
daheim reichliche Beschäftigung bietet. 
Für alle Fälle ist also eine Absch 1 iessnng des ein 
heimischen (Kapitals vom ausländischen die Folge. Tndessen
        <pb n="123" />
        Ill 
e „Inder mit verlmltnissmässig geringer (;a|)it,ilskraft sind 
Die gestörte Valuta liält also von tlesterreiel, fremde 
apitahen fern. Es i.st dies ein Moment, welei.es nicht nur 
n /insfnss ganz im Allgemeinen und dauernd erliölien muss 
sondern überdies dnrel, das Hinzntreten des Umstandes, dass 
die fremden Kapitalien gerade in den Zeiten der leldiaftesteii 
nteinelimiingsliist am wirksamsten versclieiielit werden zu 
Kerade dann siel, znrüekziel.t, wenn der Zin.sf„ss obneliin 
" ‘ -'.’'.liiiictiir, bei weleber die beimi.sebe IVoilnetion 
11 grosseren, I mfange für das Ausland z« arbeiten in der 
Uge ware. Mass der Nutzen, den die IVodnetion des Landes 
n solchen Zeiten ans der sogenannten giinsligen Valnlaeon. 
. iiietnr zieht, ziim grössten Theile nur ein .scheinbarer ist 
a . er d.yan dar, bans nichts; die Verthenernng ,les Zimsfasses 
Kann hochslens den einen Effect haben, der l'rodnction aaeh 
&lt;•11 geringen liest reellen Nutzens, den sie aus der Con- 
. iiictar zic icn konnte, za rauben and den Rentnern des 
candes in den Seho.ss z„ werfen. Um sich vorzustellen, dass 
" . Hehinderang der Production ein 
«irkl,eher Nutzen geleistet würde, müsste man annehmen, dass 
nitcr der Herrschaft einer solchen Valatacon,i«nct„r nicht nur 
« Jhal des scheinbar erzielten Exportiintzens, sondern dieser 
ganze Nutzen anreell and ffctiv sein masa. 
H^genri;iöt%/1%" mr ffn,!:,/'! 
•■iiihaltnng der fremden Kapitalien der Zinsfuas in de,,, Lande
        <pb n="124" />
        112 
nit gratörtPr Valuta sich claupniil liiiliar gastalt™ muss als 
niter'lier Herrscliaft georcliieter (Tcldverliültniaae der Fall 
vnre TMe scl.eiul.ar lieilsaine Wirkung derValntastörnug au 
ion Zinsfnss liât sirl. also iu das «egentlieil verwandelt. Und 
nit Riicksiclit auf diesen Factor Initten In'iclistens die « a,nta- 
isten ein Interesse daran, für die Aufreelitlialtung der Zettel- 
ivirtliseliaft einzustellen. Für die (lesannntlieit alier .st diese 
Wirkung der Zettelwirtliseliaft iiielit Idos iu socialer 1 insu i , 
näinlicli in Folge der nngereeliteren drückenderen Elllkoinraeiis- 
vertlieiliing, vonUeliel, sondern aneli insofern, als dadme i , as 
lietreftende Land dem Auslai.de iu liölierein (T.-ade trdni a. 
wird als sonst der Fall wäre. U-a.iz aligel.alteii werden 
iiiiinlicli die fremden Capitalien auch durch die Valntastorung 
nicht, sie werden nur, wie wir gesehen haheii, zu driickeiidereu 
SÄTrr 
welchen durch die Valuta.störnng der Ziiisfi.ss iiherden noriiialeii 
Stand erhöht wird, ist als directer mir durch diesen tactoi 
liervorgerufener Verlust für die (lesamiiitheit zu hetrachten 
Um Miasverstiindni.sseu vorzuheiigen, soll hier sofort heineik 
werden, dass diese Auffassung mit derjenigen, die in jedef 
Keilte, die für geliehenes Capital in’s Ausland wandert, einen 
Verln.st erblicken will, nh lits gemein hat. Die irenideii Capi- 
talien arbeite« hu Inlande, und in. Durchs,liintte ist es 
ganz unzweifelhaft, dass der Nutzen, den sie mit sich hiingeii, 
grösser ist als der Zins, der tür sie entrichtet werden muss. 
\Vilre, es anders, so würde man sie eben nicht entleihen, denn 
die Unternehmer werden unmöglich Capitiilien anine niieii 
wollen, wenn deren Verwendung ihnen nicht iiher die Zinsen 
hinaus noch einen Unternelnnergewiun filing lasst. Also auch 
die unter der Herrschaft der l’apiervaliita zu relativ drücken 
deren Bedingungen entlehnten Capitalien müssen n.i Lande 
„och einen Nutzen zurücklassen ; aber darum hleiht es nicht 
minder wahr, dass jener Betrag, um welchen die fremde 
setzen ist Denn iu dieser Hinsicht hleiht es gleichgiltig, o 
mit Rücksicht auf andere wirthschaftliche Factoreu v.m einem
        <pb n="125" />
        113 
/um Solilusae soll liier noch ein Argument erwälinl 
werden, das liänfig gegen die Anschaiinng geltend gemachl 
wird, dass der Zinsfhss nicht von der Geldmenge, sonderr 
\on der ( apitalslülle abhänge. Man verweist darauf, dass die 
grossen Banken regelmässig ihren Zinsthss erhöhen , wenn ihre 
Metallreserye angegriffen wird, und hält dies Schwinden der 
Reserve mit einer Verringerung der Circulationsmittel für 
gleichbedeutend. Tn Wahrheit ist jedoch diese Identität der 
Reserve und des jeweiligen Umfanges der Circulation nur unter 
gewissen Voraussetzungen vorhanden. Wenn die Circulations- 
mittel durch das Hereinströmen fremder Metalle sich ver 
mehren, dann wird diese Thatsache in einer Anschwellung 
der Bankreseiwe zum Ausdrucke kommen und demzufolge ermäs- 
sigend auf den Zinsfuss wirken, und umgekehrt wird eine 
Verringerung der (ärciilationsmittel, die durch Abströmen 
der Edelmetalle hervorgerufen wird, die Bankreserve ver 
mindern und dadurch eine Erhöhung des Zinsfnsses hervor- 
míen. Wenn jedoch die Vermehrnng der IJmlanfsmittel durch 
eine Vennehrung der Notenausgabe seitens der Bank vor sich 
geht, dann wird dies die Bankreserve vennindern, und um 
gekehrt wird eine Verminderung des Notenumlaufes durch die 
Bank die Bankreserve erhöhen; nunmehr wird die Vennehrung 
der Circulation zur Zinsfusserhöhung, die Verminderung der 
selben zur Zinsfussermässigung führen. Ini Allgemeinen soll 
aber mit der Bebau|,tnng, dass der Zinsfuss vom Capital- 
and nicht vom (leldvorrathe abhänge, durchaus nicht gesagt 
sein, dass nicht eben der Zinsfuss berufen sei, regulirend auf 
den Celdvorrath zu wirken , d. h. Held herbeizuziehen, wenn 
davon vorübergehend weniger vorhanden ist, als den Circiila- 
Ronsbedürfnissen entspricht, und umgekehrt den Abdusss des 
selben zu erleichtern, wenn davon über den Circulationsbedarf 
sich angesammelt hat. Nur dürfen dabei der Stand der Circulations- 
mittel und der Zinsfuss, nicht in der M^eise als Ursache und Wir 
kung betrachtet werden, als ob der letzte Urund immer in dem 
^laen, die Wirkung immer in dem anderen zu finden wäre, oder als 
ab es gelingen könnte, durch wie immer geartete Veränderung ini 
j^taiide der Geldzeichen den Zinsfuss dauernd zu beeinflussen. Beide 
Gdingen sich wechselweise, und zwar so, dass hoher Zin.sfuss Geld- 
a lerfluss herbeirnft, dieser wieder den Zinsfuss erniässigt, mässigei 
Hr. TU. H e r t z k a , Währung und Handel. y
        <pb n="126" />
        114 
ZiiisfnsR dann Geldmangel liervorrnft, der wieder den Zinsfusi^ 
erhülit und so fort in’s Unendlielie. Die unerliissliclie Voraus 
setzung dieser V'ecliselwirkuug ist eben die stete Veränder- 
liclikeit des Geldumlaufes in Form von Abfluss und Zufluss 
der Edelmetalle. Vlirde diese Strömung gebemmt, würde der 
Geldumlauf von auswärtigen Einflüssen isolirt, so wurde 
augenblicklicb jeder Einfluss der Circulationsmenge auf den 
Zinsfuss aufhören, denn dann träte an die Stelle der Veran- 
derlicbkeit der Umlaufsmenge die Veränderliobkeit des 
Wert bes der gleiclibleibenden Umlaufs(|nantitäten. Bei einer 
Veränderung der Verkebrsbedürfnisse könnte dann durch den 
Zinsfuss nickt mehr Geld angelockt oder abgestossen, sondern 
blos der Geldwerth erhöbt oder vermindert werden. Die \or- 
stellung aber, dass man durch Zufuhr von Circulationsmitteln 
den Zinsfuss niedrig, ihn durch Abfuhr hoch erhalten 
könne, ist eine Verwechselung von Wirkung und Ursache, 
eine Verwechselung um so bedauerlicherer Art, da die V irkuiig 
die nämliche bleibt, wenn es durch ein künstliches Mittel 
gelingt, die angebliche Ursacdie feruzuhalten, und umgekehrt 
Inch "diese Ursache künstlich hervorgerufen werden kann, ohne 
die angeblich mit ihr noth wendig verbundene Wirkung zu 
äussern. , ,, • .r 
Wir resumiren also: Der Zinsfuss ist abhängig vom Ver 
hältnisse des verfügbaren Capitals zur capitalbedürttigen 
Production; auch der für Geldcapitalien zu zahlende Zinsfuss 
hängt auf die Dauer nicht von der Geldmenge ab, denn diese 
ist eine durch das Ciiculatiousbedü rfuiss gegebene Grösse, 
die willkürlich weder verringert noch vermehrt werden kann; 
nur vorübergehend, wenn in Folge einer Veränderung der 
Verkehrsverhältnisse der Bedarf nach Circulationsmitteln sinkt 
oder steigt und dem entsprechend ein Abfluss oder Zufluss 
von Geld nothwendig wird, richtet sich der Zinsfuss für Geld 
capitalien während der Dauer der Ausgleichung, d. h. inso- 
lange als durch Ah- oder Zufluss das Gleichgewicht im Circu- 
lationsmittelstande nicht hergestellt ist, auch nach dem Ver 
hältnisse des Geldvorrathes zum Gebrauche.
        <pb n="127" />
        8* 
VI. Capitel 
Einfluss (1er Valuta auf den Wechselcours. 
Da namentlich in neuerer Zeit auf keinem anderen (Gebiete 
der Handelmwissenschaften grössere Trrtlnimer und folgen- 
scl.werere Begriffsverweelislungen begangen werden als auf dem 
I er Theorie der AVeehseleourse, so wird es nicht überflüssig sein 
diese Theorie, so treffend sie auch kürzlich von mehreren 
Autoritäten, insbesondere von (löschen, Soetbeer, Nasse und 
Bamberger erläutert worden ist, hier nochmals in ihren (frund- 
zügen zu beleuchten, um dann von den gewonnenen Resultaten 
auf die Beeinflussung dieses hochwichtigen Factors der inter 
nationalen Hamlelsheziehungen durch die Valutaverhältnisse 
überzugehen. 
(Gleichwie im Binnenhandel nur ein geringer Theil d 
Handelsgeschäfte durch Vennittlung des (Feldes bewei 
_ igt ^iid, so gilt dies auch für den international 
Verkehr. Es hängt von der Entwicklung des Oeditsystei 
der handeltreibenden Nationen ab, ob sie ihre Zahlungsverbir 
iichkeiten mehr oder minder vollständig ohne das Dazwische 
reten von (lold- und Silbersendungen ausgleichen könnf 
^wischen dem Handelsverkehre, der mit ganz rohen, all 
redites entbehrenden Völkerschaften getrieben wird in 
&gt;ei denen daher jeder Güteraustausch eine materielle iinmitb 
are Zahlung in (?eld oder in einer anderen Waare erforde 
und zwischen dem Verkehre, wie er sich etwa zwisch 
England und Holland gestaltet, wo kaum jemals ein (ieschs
        <pb n="128" />
        ulnie Vermittlung des Credits ahgescldnssen wird, gibt es eine 
grosse Anzahl .der versebiedenartigsten Mittelstufen. Im Allge 
meinen aber kann von dem Anssenbandel civilisirter Länder 
füglich bebani)tet werden , dass liier der Credit eine 
noch viel wichtigere Rolle spiele, als im Binnenhandel, 
und dass die Function der Geldzeichen dabei auf ein viel 
bescheideneres Mass beschränkt sei, als im Verkehre, den die 
Binnenhändler unter einander und mit ihren Kunden betreiben. 
Die Ursache liegt darin, dass im internationalen Handel auch 
die Continentalstaaten sich daran gewöhnt haben, die Ver 
mittlung der Banquiers zu Ausgleichung ihrer Zahlungen in 
Anspruch zu nehmen, und dass überdies jene Personen und 
(leschäftskreise, die den internationalen Handel betieiben, zni 
Creditbewillignng geneigter und befähigter sind, als das 
grosse Publicum, welches beim Binnenhandel in Betracht zu 
ziehen ist. 
Das Creditinstrnment, dessen sich der internationale 
Handel bedient, ist der Wechsel. Der Importeur, der Waaren 
aus dem Anslande bezieht, gibt als Zahlung für dieselben 
nicht baares Geld, sondern Wechsel. Diese Gepflogenheit ist 
keine willkürliche, sondern hat ihren guten Grund in zweierlei Um 
ständen : erstens darin, dass die Sendung metallische] Zahlmittel 
von Land zu Land mit Münzverlnsten, Flucht-und Versicliernngs- 
kosten verbunden wäre,, die im Anssenbandel, wo häutig mit 
geringen Nntzenantheilen geai’beitet wird , sehr schwel empfun 
den würden, sodann aber darin, dass der Lnqilänger dei 
W a are fast niemals in der Lage ist, dieselbe so fold zu \ er 
kaufen , oder wenn er dies ancb kann, von heimischen Käufern 
sofort haare Zahlungen zu ei langcn, so dass auch er seinen 
Kunden Credite in Form von Wechseln gewähren muss und 
daher über ein anderes Zahlungsmittel als diese Wechsel in 
der Regel nickt disponirt. Der internationale Verkäufer, der 
haare Zalilnng fordern würde, müsste sieb daher einerseits 
dazu verstehen, wegen der Kosten der Baarsendnng mit 
geringerem Nutzen zu arbeiten, andererseits wegen Mangel 
an Käufern, die haar zahlen können, sich mit einem geringen 
Kundenkreise zu begnügen. Nicht übersehen darf dabei werden, 
dass diese Zahlung mit Wechseln im internationalen Ver 
kehre, wenn sie den Stempel der Solidität nicht veiHeien
        <pb n="129" />
        117 
soll, nur theilweise den Character eines Creditgeschäftes, dem 
Wesen nach aber den einer wirklichen effectiven Zahlung 
besitzen muss, d. h. der solide Importeur darf die bezogene 
Waare nicht etwa mit Wechseln begleichen, die er erst dann 
einzulösen in der Lage ist, wenn es ihm bis zum Verfallstage 
gelingt die bezogenen Waaren zu verkaufen, also nicht mit 
solchen , auf denen er als letzter Schuldner erscheint, vielmehr 
mit Rimessen, die sich in seinen Händen als Zahlung für 
früher von ihm abgegebene Waare befinden. Diese Rimessen 
müssen in jedem Falle, auch wenn er die neubezogenen 
Waaren nicht verkaufen könnte, bezahlt werden u, z, nicht 
vom Importeur, sondern von einem Dritten, der den Gegen- 
werth bereits in Händen hat, so dass in Wahrheit er nicht 
der Schuldner, sondern blos der Bürge auf den an Zahlungs 
statt gegebenen Wechselbriefen ist. 
Diese Unterscheidung ist von wesentlicher Bedeutung 
bei Beurtheilung der internationalen Zahlungsverbindlichkeiten, 
denn sie zeigt, dass in solider Art kein Land irgend eine 
vom Auslande bezogene Waare diesem unbedeckt schuldig 
werden kann, sondern sie mit reellen bereits bestehenden 
V erthen bezahlen muss. Das Ausland borgt dem importiren- 
den Lande keine Güter, es empfängt Zahlung in effectiv vor 
handenen Werth en, die aber erst in einem späteren Termine 
zur Ausgleichung gelangen. Wäre das Gegentheil der Fall, 
würde der Importeur seinem ausländischen Lieferanten eine 
Schuldurkunde ausstellen, so wären regelmässig Zweifel 
darüber zulässig, ob er dieselbe am Verfallstage einzulösen 
im Stande sein wird, und was die Hauptsache ist, es wäre auf 
diese Weise möglich, Güteiiiuantitäten zu beziehen, welche die 
Kautkratt des eigenen Landes übersteigen. Da jedoch, wenn 
mau die Sache bei Lichte besieht, der heute ankommende 
Laumwollballen blos mit der Schuldurkunde über einen gestern 
bereits consumirten Baumwollballen bezahlt werden kann, so 
wird unmöglich mehr bezogen werden können, als das eigene 
Land zu kaufen im Stande ist. Ein Ueberschuss kann nur 
dadurch entstehen, dass bei gleichbleibender Conjunctur der 
Restern vom Impoideur verkaufte Baumwollballen von ihm in 
&lt;ler Regel zu höherem Preise abgesetzt worden ist, als ihm 
&lt;ler vom Auslande bezogene Ballen kostet. Er wird daher mit
        <pb n="130" />
        118 — 
neun verkauften Ballen vielleicht zehn neue kaufen und es 
mag nun fraglich erscheinen, oh es ihm gelingen wird, diese zehn 
ebenso rasch ahzusetzen, als die früheren neun. Im Wesen der 
Sache ändert dies jedoch nichts und es muss daher für die 
Gesammtheit des internationalen Handels die Thatsache fest 
gehalten werden, dass die an Zahlungsstatt gegebenen und 
angenommenen Wechsel keine in der Luft schwebenden Zah 
lungsversprechen repräsentiren, für welche die Deckung erst 
beschafft werden muss, sondern solche, für welche die Deckung 
bereits vorhanden ist. Dies wird um so augenfälliger, da sehr 
häutig, wie sich sofort zeigen wird, der fremdländische Lieferant 
gar nicht die im Portefeuille des Importeurs befindlichen inlän 
dischen Wechselbriefe in natura erhält, sondern zumeist Wechsel 
briefe seines eigenen Landes, die der Importeur gegen sein 
Portefeuille ausgetauscht hat. Dadurch tritt die Thatsache, 
dass im internationalen Handel nicht geliehen, sondern gezahlt 
wird, mit dem alleinigen Unterschiede, dass die Zahlung nicht 
in Metall, sondern in einer Art Werthpapier erfolgt, noch 
klarer zu Tage. 
Ausnahmen von dieser Hegel finden allerdings statt, u. zw. 
in Form der sogenannten Wechselreiterei. Diese hat im inter 
nationalen Handel sogar unter Umständen eine ganz legitime 
nützliche IMission ; ihr Eingreifen stört trotzdem häufig die 
naturgemässe Entwicklung der Handelsbeziehungen und der 
Wechselcourse. Aber diese Störungen können doch nur vor 
übergehend sein und dürfen hier füglich, wo es sich um die 
Darstellung der Principien des legitimen internationalen Ver 
kehrs handelt, ausser Betracht gelassen werden. 
Da nun der Verkäufer im Auslande die Güte jener 
Wechselbriefe, die ihm sein Kunde für die bezogene Waare 
senden könnte, nur höchst selten zu prüfen in der Lage ist, 
und er ohne die genaue Kenntniss der einschlägigen Verhält 
nisse eine Zahlung in solcher Form anzunehmen kaum geneigt 
wäre, so tritt zur Ermöglichung derartiger Zahlungen die 
Intervention der Banken hinzu. Der Importeur sendet nämlich seine 
Wechselbriefe nicht immer direct seinem Lieferanten, sondern 
er übergibt sie einem heimischen lJan(piier, dieser beschafft 
ihm für den Werth derselben ein passenderes Zahlungsmittel 
und dieses kann nun doppelte Form haben, entweder sind es
        <pb n="131" />
        lio 
Wechsel aus jenem Lande, in welchem die Zahlung ' geleistet 
werden soll, oder es ist eine Anweisung auf einen dortigen 
Banquier, ln beiden Fällen läuft die Abwicklung des Geschäftes 
darauf hinaus, dass die inländischen Wechsel des Importeurs 
gegen Wechsel auf das Land, in welchem er Zahlung zu 
leisten hat, ausgetauscht werden. Im ersteren Falle geschieht 
dies direct, im zweiten indirect, denn auch der heimische 
Banquier kann die Anweisung oder den Wechsel auf den 
fremden Banquier nur in dem Falle ausstellen, wenn er bei 
diesem eine Forderung in der gleichen Höhe ausständig hat, 
und das wird nur dann der Fall sein, wenn er dem fremden 
Banquier früher Wechsel, die im fremden Lande zu zahlen 
sind, zum Incasso übersendet hat oder demnächst solche über 
senden kann, oder auch, wenn ihn der betreffende fremde 
Banquier zur Leistung einer ähnlichen Zahlung auffordert 
oder aufgefordert hat. Immer werden es Zahlungsverpflich 
tungen in Form von Wechseln sein, die zwischen den beiden 
Ländern ausgetauscht werden, und es wird von der Natur 
und den speciellen Einrichtungen der Creditwirthschaft ab- 
hängen, welche dieser verschiedenartigen Proceduren mit Vor 
liebe gewählt wird. 
Nehmen wir zur Vereinfachung der Betrachtung die 
Regel, dass jeder Importeur, nachdem er die in seinem 
Portefeuille befindlichen Kundenwechsel seinem Banquier über 
geben hat, direct oder durch diesen V echsel auf jenes Land 
sucht, aus welchem er die zu bezahlende Waare bezog. 
Umgekehrt werden die Importeure in dem betreffenden fremden 
Lande V echsel auf das erstere Land zur Begleichung ihrer 
Verpflichtungen an dasselbe suchen. Es werden ferner die Fixpor 
teure des Landes die fremden Wechsel, die sie als Zahlung 
für ihre Sendungen in Händen haben, zu verkaufen trachten 
und ebenso die Exporteure im fremden Lande die in ihren 
Händen befindlichen V echsel aus dem ersteren an Mann 
bringen wollen. Mit demselben Angebot und mit derselben 
Nachfrage werden alle Banquiers aus beiden Ländern, die 
sich mit derartigen Transactionen beschäftigen, auf dem Markte 
erscheinen. Der Natur der Sache nach wird jeder Verkäufer 
eines fremden Wechsels sich unter Umständen auf einen kleinen 
Abzug vom vollen Werthe seines Besitzes gefasst machen, da
        <pb n="132" />
        120 
er ja, wenn es ihm nicht gelingen sollte, diese im Inlande zu 
veräussern, auf den Bezug des Metallgeldes aus dem fremden 
Lande Kosten wenden müsste; und ebenso werden diejenigen, 
die fremde Wechsel suchen, bereit sein, für dieselben etwas 
mehr, als den inneren Werth zu bezahlen, da sie ja andern 
falls, wenn sie keine solchen fremden Wechsel erhalten können, 
für die Baargeldsendungen, zu denen sie verpflichtet sind, Ver 
sicherungsgebühr und Frachtspesen ausgeben müssten. Selbst 
verständlich werden beide Theile, wohlwissend, dass eine 
derartige Disposition auf der anderen Seite besteht, auch 
bestrebt sein, mehr zu erhalten, respective weniger zu geben, 
als dem inneren Werthe des (ieschäftsobjectes entspricht. 
Welcher von beiden Theilen bei diesem Feilschen Sieger bleiben 
wird, das hängt lediglich davon ab, ob in einem gegebenen 
;^[omente mehr fremde Wechsel zum Verkaufe ausgeboten als 
gesucht, oder umgekehrt mehr Wechsel gesucht als zum Ver 
kaufe ausgeboten werden. Eine Grenze müssen aber Gewinn 
und Verlust, sowohl des Käufers als des Verkäufers haben 
und diese Grenze wird eben durch den Kostenaufwend 
bestimmt, der mit der Sendung oder mit dem Empfange jenes 
effectiven Geldbetrages, auf welchen der betreffende Wechsel 
lautet, verbunden wäre. 
Da diese Concurrenz in den grossen Geldplätzen eines 
Landes ziemlich concentrirt ist, und da dieselbe überdies zum 
allergrössten Theile durch Bankhäuser vermittelt wird, die 
sich auf ihren Vortheil ausgezeichnet verstehen und die Lage 
auch gehr klar zu überblicken vermögen, so wird es nur in 
den seltensten Füllen möglich sein , dass den Verkäufern 
fremder Wechsel oder, wie sie kurz heissen,, von Devisen , ein 
irgendwo vorhandenes Bedürfniss nach jener Waare entgehen, 
oder dass den Käufern ein irgendwo vorhandenes Angebot der 
von ihnen gesuchten Waare unbekannt bleiben sollte. Die 
Wechselcourse, die im beiderseitigen Feilschen um den Wechsel 
preis Vorkommen, werden daher mit nahezu mathematischer 
Genauigkeit das wirkliche Verhältniss zwischen Angebot und 
Nachfrage wiedergeben. 
Nun werden aber fremde Wechsel immer dann über 
wiegend angeboten, wenn ein l,and vom Auslande mehr Zah 
lungen zu empfangen, als an dieses zu leisten hat, und es
        <pb n="133" />
        121 
werden umgekehrt fremde Wechsel über das Angebot hinaus 
gesucht werden, wenn das betreffende Verkehrsgebiet an’s 
Ausland mehr Zahlungen zu leisten, als von diesem zu 
empfangen hat. Welcher Natur diese Zahlungen sind, und in 
welchen (Tcschäftcn sie ihren Ursprung haben, ist dabei natür 
licher Weise ganz gleichgiltig, denn es wird dem Baumwoll- 
importeur niemals beifallen, zur Zahlung an seinen fremdlän 
dischen Lieferanten eben nur den Wechsel eines fremdländischen 
Baumwollhändlers zu suchen, ebensowenig als der Baumwoll- 
exporteur das geringste Interesse daran hat, die in seinen 
Händen befindlichen Wechsel der fremden Baumwollhändler 
mit Vorliebe an die einheimischen Baumwollimporteure zu ver 
kaufen. Der Erstere wird seinem Bedürfnisse genau in der 
nämlichen Weise genügt haben , wenn er einen fremden Wechsel ' 
erhält, der als Zahlung für geleistete Frachtdienste, für 
gekaufte Wcrthj)aj)iere oder zu Beschaffung der Subsistenz 
mittel für einen im Inlande weilenden fremden Beisenden 
begeben wurde; und ebenso wird der Verkäufer fremder 
Wechsel dieselben ebenso gern und zu demselben Preise an 
denjenigen überlassen, der damit Frachtkosten an fremde 
Iransportgesellschaften bezahlen, fremde V erth%)apiere kaufen, 
oder seinen im Auslande weilenden Angehörigen Geldbeträge 
remittiren will. Im internationalen V echselhandel wird also 
die Summe sämnitlicher, unter welchem Namen und aus 
welchem Ui's])runge immer herrührenden internationalen Zah 
lungen hervortreten, und der Wechselcours, wie er im Aus 
tausche der von Land zu Land laufenden Wechsel sich ergibt, 
ist weit entfernt, das Spiegelbild blos eines bestimmten inter 
nationalen Handelszweiges, etwa des V aarenhandels zu bieten, 
Pr zeigt vielnlehr, ob die Gesammtheit der von einem 
Lande bezogenen und nun zu begleichenden Wert he aller 
Art grösser sei , als die Gesammtheit der von diesem 
Lande gelieferten und nunmehr von ihm einzucassirenden 
Werthe. 
Dabei fällt nun sofort die merkwürdige Erscheinung in 
die Augen, dass die Gesammtheit der Verpflichtungen und 
der zu emjjfangenden Zahlungen im grossen Ganzen bis auf 
pine geringe Oscillationsgrenze sich beinahe immer annähernd 
die Wage hält. Dies muss nämlich stets der Fall sein, so
        <pb n="134" />
        122 
lange die Verlust- oder Gewinnstgrenze der echselcourse 
nicht erreicht wird. Beim Paricourse ist offenbar voUkom- 
menes Gleichgewicht vorhanden; dasist jedoch selhstverstandlic i 
nur ausnahmsweise der Fall. Doch auch die Coursdifferenzen 
innerhalb jener Grenze, hei welcher Baarsendungen lohnend 
werden , können nur durch verhältnissmässig höchst gering- 
tägige Differenzen in der beiderseits vorhandenen V'echsel- 
menge hervorgerufen sein. . 
Es handelt sich hier um ein Angebot und um eine ISach- 
frage, die beide auf anderem V'ege gar nicht zu heiriedigen 
sind. Niemand wird — wenn nicht specielle Beweggründe 
vorliegen — zu Baarsendungen greifen, so lange er, und sei 
es mit noch so geringem Vortheile, einen Wechsel erlangen 
kann, der seinem Bedürfnisse genügt ; man sollte daher meinen, 
dass das geringfügigste Ueber^^degen der Nachfrage oder des 
Angebotes den Cours augenblicklich zu der Verlust- oder 
Gewinngrenze treiben müsste. Dem wirkt nun entgegen, ( ass 
die Arbitrage häuffg durch künstliche Mittel, durch Voraus- 
beschaff’nng der fehlenden, Voraushegebung der iiberflussigen 
Devisen, das Gleichgewicht hcrzustellen bemüht ist. Doch kann 
ihr dies auf die Dauer unmöglich gelingen und der V echsel- 
coui-s bleibt daher selbst für relativ überaus geringe Diffe 
renzen im Verhältnisse des internationalen Wechselangebotes 
höchst empffndlich. 
Die Differenz des Wechselcourses ist aber für das davon 
begünstigte Land ein reiner Nutzen, sie repräsentirt gleich 
sam die Prämie der Enthaltsamkeit für denjenigen, der weniger 
kauft als er verkauft, und der dadurch in den Stand 
wird, noch über den Unterschied seinei Einkäufe und kaute 
hinaus Zahlungen vom Auslande zu erlangen. Hat ein Land 
so viel auf den fremden Märkten zu bezahlen, als es von dort 
her zu empfangen hat, so werden die beiderseitigen Wechsel 
einfach ohne jede Prämie ausgetauscht; hat es mehr zu be 
zahlen, als zu empfangen, so wird es nicht nur den in der 
Kegel geringen Ueherscliuss der Zahlungen in Form ^ von 
Baarsendungen entrichten müssen, sondern ausserdem hei jener 
ganzen Summe der Zahlungen, die gegen die Empfänge aus 
getauscht werden kann, eine durch den Coursverlust ini 
Wechsel ausgedrückte Aufzahlung leisten müssen; und wenn
        <pb n="135" />
        — 123 — 
es schliesslich mehr zu empfangen als zu zahlen hat, so wird 
es nicht nur den Ueberschuss der Empfänge, sondern von der 
ganzen gegen seine eigenen Zahlungsverpflichtungen aus 
getauschten Summe der an das Ausland geleisteten Zahlungen 
die durch den Gewinn am A\ eclisel ausgedrückte Aufzahlung 
einstreichen. Und der eigentliche Gewinn und Verlust für 
jedes Land liegt gar nicht in jenen Haarsendungen , die als 
Zahlung tür die Ueberschüsse nach der einen oder andern 
Seite geleistet oder empfangen werden, denn für diese Zah 
lungen wurden eben reelle Gegenwerthe geliefert oder emj)fangen ; 
jene Zahlungen dagegen, die lediglich in dem Course des 
Wechsels ihren Lrsprung haben, sind reiner, durch keine 
Gegenleistung aufgehobener Gewinn oder Verlust. Wenn z. H. 
ein Land tür l(KX) IMillionen Gulden Waaren, Werthpapiere 
und Dienste vom Auslande bezogen hat, dagegen aber für 
lOlt) ^Millionen Gulden Waaren, erthpa2)iere und Dienste 
an dasselbe lieferte, so wird es allerdings schon deshalb 
allein 10 Millionen Gulden herausbezahlt erhalten, aber 
dabei unter sonst gleichbleibenden Verhältnissen im inter 
nationalen Handel nicht mehr gewonnen haben als jene 
Verkehrsgebiete, mit denen es in Handesbeziehungen steht; 
denn tür diese lO Millionen hat es eben Waaren, Dienste oder 
Werthpapiere geliefert, die auf seinem Markte allerdings einen 
geringeren Werth repräsentiren müssen, als diese 10 Millionen 
(fla es sie sonst voraussichtlich nicht in das Ausland geliefert 
hätte), die aber umgekehrt im Auslande einen höheren Werth 
als 10 Millionen repräsentiren müssen (da sie sonst das Aus 
land ebenso wenig bezogen hätte). Die Folge dieses Ueber- 
schusses von 10 Millionen ist jedoch, dass sich der Wechsel- 
cours für das betreffende Land günstig stellen muss, da dessen 
Wechsel mehr gesucht als angeboten sein werden, und dass 
sich umgekehrt die Course jener fremden Wechsel, die das 
Land tür seine Zahlungen braucht, ungünstig stellen müssen, 
da von diesen fremden Wechseln dem betreffenden Lande um 
10 Millionen mehr angeboten als von ihm gesucht wurden. 
Beträgt die solcherart entstehende Coursditferenz beispiels 
weise 1 Percent, so wird dieses Land im Austausche der 
beiderseitigen Wechselverpflichtungen 10 andere Millionen ge 
winnen, für die es absolut nichts zu leisten hat, die es ein-
        <pb n="136" />
        124 
mais erhalten hätte, wenn es vom Auslande mehr gekauft 
oder das Ausland von ihm um 10 Millionen weniger bezogen 
hätte. Die 10 3Iillionen, die es mehr geliefert hat, bringen 
ihm also auf diese Weise 20 Millionen herein und umgekehrt 
kosten dem Auslande die 10 ]\Iillionen, die es mehr bezog, 
20 ^Millionen. 
Zu bemerken ist hier noch, dass ein wirkliches reelles 
Ab- und Zuströmen der Edelmetalle in holge der W eehsel- 
course ebenso wenig nothwendiger Weise vorhanden sein muss, 
als umgekehrt eine thatsächlich eintretende Edelmetallstromung 
allemal ohne weiters Rückschlüsse auf die Wechselcourse und 
auf die Zahlungsbilanz gestattet. Davon, dass die wirklichen 
Edelmetall Strömungen sieh nur sehr schwer controliren lassen, 
indem häuüg buchmässige Uebertragungen und Zahlungs 
anweisungen an deren Stelle treten, und umgekehit nicht 
selten zur Ersparung von Kosten Edelmetallsendungen gai 
nicht als solche declarirt sind, soll hier nicht weiter gesprochen 
wèrden; aber auch die in den Handelsausweisen verzeichneten 
Kdelmetallsendungen haben häuüg in anderen Iransactionen 
ihren (%rund, als in jenen Zalilungen, die zur Begleichung 
internationaler Forderungen nothwendig sind. 1 )ie Rroductions- 
länder der Edelmetalle versenden diese zum grössten Theil 
nicht zur Ausgleichung empfangener Bezüge, sondern es sind 
dies Exporte, die sich von den Exporten anderer Waaren in 
nichts unterscheiden und für welche Zahlung erst zu enq.fangen 
ist. Es verschifft beispielsweise Australien alljälirlich enoime 
(Toldquantitäten nach England und seine Zahlungsbilanz ist 
trotzdem in der Regel günstig. Hier tritt die Wirkung des 
günstigen Wechselcourses nicht in Form von Fdelmetallbezügen 
zu Tage, sondern macht sich höchstens in einer Verringerung 
der Metallsendungen um den Betrag des Activsaldos fühlbar. 
Aber auch die Begleichung eines effectiven Activ- oder 
Passivsaldos aus der Zahlungsbilanz erfolgt nicht immer durch 
Edelmetallsendungen, oder bei den Productionsländern der 
Edelmetalle durch eine Veränderung in der Ausfuhr oder Ein 
fuhr gerade dieser Waare. Fs kann eben die Rückwirkung 
der Edelmetallbewegung auf den Stand der (Ürculationsmittel 
und von diesen auf die Productionsbedingungen sofort escomptirt 
werden, das heisst: ein Land, welches in holge einer günstigen
        <pb n="137" />
        125 
Zalilniigsbilanz Baarzalilungpii zu empfangen hätte, braucht 
nicht erst zu warten, bis diese Baarzalilungen durcli ihren 
Kinriuss auf die Kaufkraft seiner (Hrculationsinittel seine 
impnrtfähigkeit erliüht liaben ; "es kann vielinelir den Saldo 
sofort tlieilweise oder gänzlich in Foi-m von anderen W'erthen 
beziehen, ln diesem Falle realisirt dasselbe seinen Nutzen viel 
unmittelbarer, als wenn es baare Sendungen empiängt, die es 
ja schliesslich, wie sich späte]- zeigen wird, doch gegen (rüter 
anderer Art umsetzeu müsste, und auch die Schwankungen 
dei intei nationalen Zahlungsbilanz werden auf ein geringeres 
.Mass reducirt. Der WVchselcours hat dann seine ausgleichende 
A\ il kling nicht erst nachträglich, sondern augenblicklich ausgeübt. 
Sehen wir nun, wehdien Kinfiuss eine gestörte Valuta 
auf den Wechselcours übt. Käme in dem Disagio der Geld 
zeichen eines Kandes blos der Unterschied zwischen dem 
^ ííi’the der Papiergeldzeichen und dem Geldwerthe auf dem 
^ f*itinarkte zum Ausdrucke, so müsste ein sfdidier Einfluss 
überhaupt geleugnet werden. Ein beispielsweise in Wien aus- 
ge.stellter AWchsel über 110 H. ö. W. Parlier wäre in Paris 
bei einem Agiostande von llu, lOO Ü. Silber oder da 2'4(391 
Fram-s einem österr. Silbergulden gleich sind, 240-91 Francs 
werth und bei einer Gleichheit des Angebots und der Nach 
frage würden diese 240 91 Francs auch thatsächlich in Paris 
für denselben gegeben, und umgekehi-t würden in Wien für 
einen Pariser Wechsel von 240 91 Francs 110 fl. in österr. 
I.aiidesvaliita zu erhalten sein. Die Sache verhält sich jedoch 
nicht so. Die 1 10 fl. österr. Dandesvaluta sind in Oesterreich 
nicht so viel werth, als die 240 91 Francs in Paris, u. zw. 
aus dem einfachen (irunde nicht, weil auch die lOO fl. ö. W. 
Silber, die in Oesterreich für llO fl. Landesvaluta zu ei-halten 
sind, in ( lesterreich selbst gar nicht so viel wei-th sind und 
werth sein können, als dasselbe Silberquantum, aus welchem 
allerdings genau 24091 Francs geprägt werden, in Paris 
werth ist. 
Es ist nämlich ein gewaltiger Irrthum, wenn man etwa 
glaubt, dass die im Oourse angegebene Devaluirung der Geld 
zeichen eines J^andes das Verhältniss dieses Geldwerthes zum 
Geldwerthe auf dem A\ eltmarkte ausdrückt. In diesem (Jours 
verluste spiegelt sich blos die Differenz im Wert he des Metall-
        <pb n="138" />
        12G 
geldes npd des Papiergeldes in den betreffenden Ländern der 
Papiervaluta selbst ab, und es bestellt noch eine fernere Diffe 
renz zwischen dem Werthe des Metallgeldes im Papierlande 
und zwischen dem Werthe des Metallgeldes aut dem Welt 
märkte, Die Zettelemission vermehrt in derselben Weise, wie 
eine durch irgend welchen Umstand lierbeigefíihite Anschwel 
lung des Edelmetallvorrathes, das im Lande vertiigbare Cir- 
culationsquantum, und da eine solche Vermehrung bei gleich 
bleibenden Bedürfnissen mit einer Verringerung der Kaufkraft 
aller (Geldzeichen Hand in Hand gehen muss, so sinkt um den 
entsprechenden Betrag nicht hlos die Kaufkraft des Papier- 
geldes, sondern auch die des vorhandenen Metallgeldes. Ja im 
Papiergehllande ist diese Thatsache der Beobachtung viel zu 
gänglicher, als eine unter analogen Verhältnissen vor sich 
gehende Entwerthung der (Geldzeichen in einem Lande mit 
metallischer Circulation. Während man in letzteren den wirk 
lichen Sachverhalt blos aus der höchst mühsamen Vergleichung 
aller Waarenpreise finden kann und dabei stets im Unklaren 
darüber ist, wieviel von einer etwaigen Steigerung auf eine 
innere Veränderung des Cebrauchswerthes der betreffenden 
Waaren selbst, und wieviel auf die Verringerung des Ce 
brauchswerthes des Circulationsmittels, gegen welches sie ein 
getauscht werden, zu stellen ist, liegt die Sache im Papier 
geldlande viel einfacher. Hier zeigt schon der Umstand, dass 
das Metallgeld aus dem Lande verdrängt wird, in ganz un 
zweideutiger Weise, dass dessen Kaufkraft gesunken sein muss. 
Wäre dies nicht der Fall, würde das Celdstück im Inlande 
nicht weniger werth sein als im Auslande, so könnte dasselbe 
nicht abströmen, da ja dieses Abströmen mit nicht unbeträcht 
lichen Kosten für Transport und Versicherung und überdies 
mit Münzverlusten verknüpft ist. Wer es vorzieht, ein österr. 
(Guldenstück nach Deutschland zu senden, der muss wissen, 
dass er für dasselbe draussen mehr erhalten kann als daheim, 
und da er bei einem Agiostande von beispielsweise 110 ini 
Inlande für den Silbergulden Waaren im Werthe von I H. 
10 kr. Tiandesvaluta erhalten kann, so folgt daraus, dass auch 
diese 1 fl. 10 kr. Landesvaluta dem Weltpreise des Silbers 
nicht voll entsprechen, d. h. dass jener füntündvierzigste Theil 
eines Pfund Eeinsilber, den der Silbergulden enthält, in Oester-
        <pb n="139" />
        127 
reich weniger wertli ist, als auf dem Weltmärkte. Und es ist 
dies anders gar nicht möglich. Im Lande mit Papiercirculation 
haben die Edelmetalle aiifgehöM als (xeld zn functioniren ; sie 
wären absolut werthlos, wenn sie nicht einerseits durch ihre 
Verwendbarkeit zu anderweitigen Zwecken, andererseits durch 
ihre Exporttähigkeit auf einem gewissen Preise gehalten 
würden. îsun ist es aber klar, dass Silber und (lold, wenn 
ihnen die Verwendbarkeit zu ( urculationszwecken genommen 
würde und sie hlos jenen tlehrauohswerth behielten, der aus 
ihrer Verwendbarkeit zu Schmuckgeräthen und zu industriellen 
Zwecken hervorgeht, ganz ungeheuer im Preise sinken müssten. 
Gelänge es, den Export der edlen Metalle aus einem zum 
Papiergelde ühergegangenen Verkehrsgehiete zu verhindern, 
so müsste innerhalb der (Grenzen dieses Landes diese Ent- 
werthung des (loldes und Silbers im vollen Umfange ein- 
treten. Dass dies nicht geschieht, hat seinen (Irund lediglich 
darin, dass man tîold und Silber sehr leicht exportiren kann, 
sie auch thatsächlich ausser Landes schafft, sowie ihre inlän 
dischen Preise so weit zurückgegangen sind, dass die Ausfuhr 
lohnend wird. Es muss also noth wendige iweise der gesammte 
Edel meta llvoirath eines solchen Landes mindestens um den 
Betrag der Münz-, Fracht- und Vei’sicherungskosten geringer 
sein, als er es auf dem \\ eltmarkte wäre, da ja dieser in 
ländische Preis, hei Lichte besehen, lediglich aus dem W elt 
preise, abzüglich der erwähnten Spesen besteht. Nehmen wir 
an, dass diese Sj)esen 1 Percent vom Werthe betragen, so 
wird Silber und (lold im Inlande um I Percent weniger 
werth sein, als auf den Märkten der Metallgeldländer und da 
das Disagio der Landesvaluta hlos die Differenz zwischen dein 
inländischen Metall- und dem Papiergelde ausdrückt, so 
wird die Differenz zwischen der Landesvaluta und dem Welt- 
jireise des Edelmetalls noch uni 1 Percent grösser sein. 
Man wird also beispielsweise für 240 91 Francs in Paris 
hei einem Agiostande von 110 nicht 110 fl., sondern 111., fl. 
Papier gehen müssen. Der Wechselparicours zwischen Wien 
und Paris wird nicht der inneren (Qualität des beiderseitigen 
Metallgeldes entsprechen, sondern erst dann im (Gleich 
gewichte stehen, wenn 1 Percent vom österr. Werthe ab 
gezogen, respective 1 Percent zu den französischen Werthen
        <pb n="140" />
        128 
zugeschlagen ist. Dev Betrag, um welelieu der W eclisel des 
Pamergeldlandes auf diese Weise noch über die uiläudische 
Cuursdiffereuz hinaus auf allen fremden ^Märkten entwertliet 
wird, entsprießt genau jenem Betrage, über welchen die IVeis- 
differenz der Devisen aus Ländern mit ]\Ietallvaluta in der Rege 
gar nicht gehen kann, nämlich den Münz- und Transportknsten 
der Edelmetalle; es wird also der Paristand dieser Papiergeld- 
wechsel genau auf der Verlustgrenze aller audm-en V echsel 
stehen. Den Coursstand, auf welchem beispielsweise ein 
deutscher Wechsel in Paris erst dann sinken kann, wenn die 
Zahlungsverpflichtungen Deutschlands an Frankreich die Eni- 
piiinge von dorther in solchem Atasse überwiegen, dass Baar- 
geWsendungen lohnend werden, muss der österr. Wechsel 
bl Paris dann inne haben, wenn zwischen österreichischen und 
französischen Zahlungsverpflichtungen vollkommenes Gleich 
gewicht herrscht; während bei einem Verhältnisse von Zah- 
Inngsverpflichtungen, welches Baarsendnngen von Oesterreich 
nach Frankreich nothwendig machen würde, die österr. W echsel 
in Paris noch einmal nm den Betrag der Versendungsspesen 
für Edelmetalle sinken inüs.sten. 
Die österreichischen Wechselconrse sind ein lehrreicher 
Beleg zu dieser BehauptungJ) Während dieselben vor Eintritt 
der Zettelwirthschaft beinahe ohne Ausnahme günstig waren, 
wurden sie von da ab ebenso regelmässig ungünstig. Eine aut 
grosse Vollständigkeit allerdings keinen Ans])ruch machende 
Zusammenstellung für die .Jahresmittelwerthe der Devise 
') Es ist keine leichte Aufgahe, insheson.lere in Oesterreich, wo stati 
stisches Material erst in jüngster Zeit systematisch gesammelt nnd gesichtet 
wird für eine längere Reihe von .fahren verlässliche Auf/.eichnnngen über die 
jeweilige Höhe des Wechselconrses/.u erhalten ; werden doch seihst derzeit von keiner 
öffentlichen Behörden die entsprechenden Daten veiwerthet. Die Wiener Börse- 
kanimer veröttentlicht zwar von .fahr zu .fahr die Durchschnittscourse verschie 
dener an ihr gehandelten Werthe, aber unter diesen Durchschnitten heflndet 
sich merkwürdiger Weise kein einziger Devisencours. Ebenso wenig existirt 
bisher eine Privatarheit über diesen Gegenstand. Das erforderliche Material 
musste daher, soweit es sich nicht zufällig in den 1‘uhlicationen der österr. 
Nationalhank aus dem Jahre 18til geordnet vorfand, aus den einzelnen Cours 
blättern der Wiener Börse ausgezogen, berechnet und gesichtet werden. 
Die erwähnte Publication der Bank enthält die höchsten und niedersten 
monatlichen Durchschnittscourse auf Augsburg, wie sie an der Wiener Börse
        <pb n="141" />
        129 
„Augsburg“ an der Wiener Börse aus den Jahren 1819 bis 
1847 zeigt, dass dieser Cours im Durchschnitte dieser 29 Jahre 
um 0-72G Percent unter Pari stand, d. i. also um diesen Per- 
ßeit, der Gründung der Nationalbank bis zum Jahre I860 vorkamen. Eg ist 
nun allerdings nicht ganz correct, die Mittelwerthe aus diesen höchsten und 
niedersten Coiirsen als Jahresdurchschnitte aufzufassen. Da indessen, insbeson- 
dere fur die ersten Decennien, ein anderes Material absolut nicht vorhanden ist 
und da ja überdies die reelle Fehlergrenze bei allen Durchschnittsberechnungen 
insofeme man nicht.auch das Quantum der zu jeder einzelnen Notiz gehandelten 
Waare kennt, eine kaum minder grosse ist, so müssen hier eben nothgedrungen 
diese aus den höchsten und niedersten Coursen gezogenen Mittelwerthe als 
Durchschnitte gelten. Es ist dabei noch zu bemerken, dass die Augsburger 
letzten Jahre den «r die 100 fl. süddenleeh berechneten Onur. in da. Aequi- 
valent fnr 100 fl. ii. W. Silber, so erhält man da» folgende Resultat; 
Höchster Niederster 
monatlicher Durch 
schnitt-Vistacours auf 
Augsburg 
1819: 
1820!| 
18211 
18221 
I82:i 
1824 
1825 
1826 
1827 
1828 
1829 
18: tu 
18H1 
1882 
1888 
1834 
i 1885 
; 1836 
I 1837 
! 1888 
1839 
99V, 
99V, 
98V, 
99 V, 
100 
99V,. 
99V, 
99V, 
100‘:, 
99‘V,4 
99 
99»/, 
1(X)V, 
loov. 
% 
% 
97V, 
98't 
99V, 
98% 
99 
99", 
iS 
B: 
99V„ 
i:;v 
Daraus 
berechnetes 
Mittel des 
Jahres- 
courses. 
98.40 
99.00 
98.. 0 
99.. 0 
98-00 
98.0, 
98-00 
99 
99 
99 
99.; 
100 
99., 
99.; 
99., 
98.0 
99., 
99.0 
1(10., 
100., 
100., 
,. Höchster Niederster ' Daraus 
! ; — - berechnetes 
II monatlicher Durch- ' Mittel dem 
j schnitt-Vistacours auf Jahres- 
I Augsburg ' courses 
1840 
1841: 
18421 
1843 
18441 
1845 i 
18461 
1847 i 
1848! 
1849 
1850 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1856 
1857 
1858 
1859 
1860 
% 
1%9V„ 
1% 
128V„ 
% 
106"/,, 
:::: 
99"/„ 
1 
100‘/„ 
m‘i, 
iiS’ 
110V4 
% 
S? 
i 
99.. , 
MV' 
126.. 0 
1 
106.. , 
iS 
Vom Jahre 1861 an fehlen auch diese dürftigen Aufzeichnungen und e 
bleibt daher kein anderes Mittel als das Zurückgreifen auf das Urmaterial 
den Courszettel. Da nunmehr die Wahl zwischen den sämmtlichen im off 
ciellen Coursblatte verzeichneten Wechselcoursen offen stand, so wurde di 
Dr. Th, Ilertzka, Währung und Handel. g
        <pb n="142" />
        130 
^entsatz günstig für Oesterreich war. Der günstigste Cours 
tindet sich im Jahre IH44 mit 2-3 Percent unter, der ungun- 
mmmm 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner bis 
Am I Jänner 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
Ü. 
h 
9. 
lü. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
11). 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
2Ü. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
109 40 2'A 
; 111-85 
112- 50 
111-80, 
: 112-65 
114-- 
113- 50 
113-15 
113-30 
113-35 
113-20 
113-30 
113-50 
113-50 
113-55 
U4-— 
Februar 
115 25 
113-40 
113-50 
113- 751 
114- 201 3 
114- 80 
115- 451 
3 
113-20 
113-85 
113-35 
111-95 
100.80 
107- 20 
108- 65 
108--1 
108- 75' 
111-251 
111-85: 
111-35 
110 45 
110-55 
110— 
110-60! 
110- 40' 
111- 25 
110-35 
109- 75' 
110- -I 
110-35' 
März 
IIO-40I 
110- 65 
111- 65 
112- -: 
112 00 
112-20 
110-85 
110-85 
110-75 
110.05 
110-40 
110-45 
110-50 
110-25 
110- 45 
110-60 
111- — 
110-751 
110-50' 
110-35 
11153 
110-111 
10760, 
110-60 
110- 90 
111- 85 
112- - 
11 MT 
113 44 
110-88 
April 
I “/o 
- . I 3 
112 50, 
112- 85 
112 75 
113— 1 
112- 85j 
113— 1 
113-10', 
11385 
113 55: 
113— I 
113—1 
112- 90i 
113- 30 
113-40 
113—1 
113-15 
112-75 
111-35 
111-45 
111-70; 
111-75 
11145 
110-75 
l(ÍÕÓO 
110-65 
11327 
114 70 
110.42 
Mai 
I ' 
110-60, 
110—1 
110 75 
110—j 
108-lOi 
108-50; 
108-85: 
108 Õ5 
107-55! 
105-701 
103-60 
105- -' 
103-75 
105.—' 
106- 05 
106-25 
105-75' 
105—1 
104-60 
104-35; 
103-90; 
103 — 
10375j 
102 40' 
10707 
111 58 
103 17 
Juni 
r/ 
101-75 i 
101 30 
101-50 
101- 85 
103-45 
103-55 
103-35 
103- 30, 
104 50: 
104- 15' 
103 55! 
103-351 
103-35! 
102- 60 
102-50: 
102551 
102-50 
102- 30' 
102-20, 
103- 
102-80 
103-25 
103-05 
103-10 
103 64 
105 28 
102(H) 
115-40 
116 - 
112-25! 
__ 116— 
D. 0.11437! 
H. 0.116.87 
N. 0.110 081 
a V i s t a - P a 1» i e r. 
Der JabresJurohscbnitts-Cours pro
        <pb n="143" />
        9* 
131 
stigste im Jahre 1837 mit 0-2 Percent über Pari für Augsburg 
verzeichnet. Während der ganzen Epoche ergibt sich blos für 
der Wechselcours im österreichischen Gelde ausgedrückt nicht blos von den 
Schwankungen im Wechselverkehre und im Disagio der österr. Noten, sondern 
auch von jenen in der Werthrelation zwischen Gold und Silber abhängig wurde. 
I)ie nachfolgenden Tabellen geben nun die Originalnotizen für die ll¿ Jahre 
1861—1872 und überdies berechnet nach dem jeweiligen Hamburger Zinssätze 
die Vistacourse für die höchsten, niedersten und für die Durchscbnittsnotizen 
eines jeden Monats und Jahres. 
Courses auf Hamburg, 3/M. Sicht. 
31. December 1861 
Juli 
103-30 
103-15 
103-50 
103 95 
103-60 
103-40 
103-25 
103-35 
103-30 
103-60 
103-25 
103-35 
103-30 
103-10 
102- 75 
10200: 
103- 201 
103-25 
103-2o! 
103-751 
103-55 
103-051 
102-751 
102- 65! 
103.-I 
103.- 
103- 05 
104-1 
10473. 
103 371 
1861 für a 
August 
% »/o 
3 103— 3 
102-30 
101-90 
101-55! 
101 36 
101-60 
101- 65 
102- 25 
102-35 
102-65' 
102-50 
102-40: 
IO2-45I 
102-40 
— . I 
102-35 
102-40! 
102-75 
103 20 
102-70 
102-40 
102-25 
102-50 
102-10 
102-15 
102-30 
102.15 
1030« 
10397 
10211 
September 
I % 
101-75: 3 
101- 50, 
101-80 
102- - 
10210 
102-05; 
101-60 
101-20 
101-65 
101-55 
101-45 
101-30 
101-k) 
101-—! 
100-75 
100- 90! 
101- 20 
100-75 
100-85 
100-40 
100-30 
100 2« 
100-40 
100-70 
100-70 
10193 
October 
' % 
100 30 3 
100 95 
101-65 
101- 75 
102- 1 
102-40, 
102-90 
10335 
102-85 
102-20 
101- 65 
102- 40* 
102-75 
101- 95 
102- 40 
102-20 
101-65 
101-15 
101-75, 
101-75 
101-85 
101-90 
101- 85 
102- 15 
102—1 
102 — 
101-95 
102 75 
10412 
10106 
102 87 
100 95 
vista-Papier ist 10« 95. 
November 
102 10 3 
— • I 
102-10 
102 301 
102-501 
102-65: 
10275 
102-70 
102- 65 
102 9513'/ 
103- 30 
103-40 
103-45 
103-25 
103-20 
102- 90 
103- 45 
103-10 
102-90 
— ■ I 
102-75' 
102-85: 
102- 85! 
103- 20; 
103-25, 
103 70 
3 
4 
103 84 
104 74 
102 8« 
December i 
104-10 
104-20 
104-80 
104- 70' 
105- 45 
10«10 
106-10: : 
105-10' Í 
105-30 ! 
105-60; 
104- 75; 
104 35 
105- 65| ! 
105-70, 
105-55! 
105-351 
105-70 
105-351 
105-801 
105-50 
105-20' 
105-65; 
105 9ol 
105 70 
10« 15 
10« 90 
10513 , 
schnitts-Course (D. C.) berechnet. — Hei allen Tabellen wurden Bruchtheile unter 
^ichneten Tagen wurde in Wien keine ööentliche Börse abgehalten. — An den 
toursblatte nicht angegeben war, wurde derselbe aus dem Geld- und Waaren- 
pro Monat, H. 0. Höchster Cours und N. C. Niedrigster Cours, sämmtlich für
        <pb n="144" />
        132 
5 Jahre ein höchst geringfügiges Aufgeld für diese fremde 
Devise. Ganz anders gestaltet sich das Bild vom Jahre 1848 
bis 1875. Nimmt man hier eine Zusammenstellung des Courses 
der Devise Augsburg von 1848 bis 1800, der Devise Hamburg 
vom Jahre 1801 bis 1872 und der Devise London von 1873 
bis 1875, so ergibt diese ein durchschnittliches Aufgeld von 
U-2740 Bercent. Unter Pari, also günstig für Oesterreich standen 
die Durohschnittsnotirungen dieser fremden Wechsel (selbst 
verständlich nach Anrechnung des Silberagios) in diesen 
28 Jahren überhaupt nur achtmal, nämlich in den Jahren 
1850, 1801, 1808, 1809, 1870, 1871, 1872 und 1874. Der 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jiinner bis 
Am 
Jänner 
1. — 
2. ! 105-30 
3. 105 05 
4. I 105-55 
(i. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
lÜ. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
20. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
105-30 
105-40 
105-30 
104-85 
104-00 
104-85 
104-75 
104- 85 
105- — 
104-95 
104-80 
104-05 
104-85 
104-20 
104-30 
104-20 
104-20 
103-75 
103-35 
10316 
103- 05 
104- — 
L&gt;. c. 105.40 
H. C. 100-44 
N. C. 103 92 
Fehrnar 
% 
104-15 3 
104 40 
104-25 
104-- 
103-50 
103-45 
103-15 
101 50 
101- 90 
102- 55 
102-30 
102- 75 
103- — 
102- 95 
103- 10 
103-10 
103-- 
102-50 
102-50 
102-70 
102-55 
102-45 
102-45 
102-40 
10371 
105-18 
10220 
März 
102- 75 
102-80 
10310 
103- 10 
103- 
102-90 
102-05 
102-75 
102-70 
102-00 
102-45 
102-35 
102-—I 
lOl-Boj 
101-50 
101- 95 
102- 05 
101-80 
101-55 
101-09; 
101-45' 
101 35 
101-75' 
101-45, 
101-45 
102 97 
103 87 
102 11 
Ajiril 
101-55 
101-55 
101-45 
101.50 
101-30 
101-20 
101-10 
101 70 
100-25 
99-40 
99- 20 
99-i)5 
99- 25 
9945 
100- 
100- 15 
99-05 
99-45 
99-45 
99-10 
99-15 
97-25 
97-05 
97.-I 
100 04 
10240 
97 73 
Der Jahre 
Mai 
9590 
90-85' 
97-70' 
97-55: 
97-25 
97-15 
97- 05 
98- 15 
98-05 
98-251 
98-151 
98-25 
98-lOi 
98-30 
98-40 
98-10 
98- 80 
99- 55 
BMI 50 
99-05 
99-20 
98-55 
98-00 
98-20 
98-50 
97-35 
9892 
10125 
9002 
sdurchsclinitts 
9705 
90-90 
90.50 
90-05' 
90 30, 
90-15, 
95--i 
9385 
94-00 
94- 95, 
95- 25 
95-30 
95-45 
95-45 
95-25 
95--| 
95-40 
95-35 
94- 85 
95— 
9.5-10 
94-80, 
94-25 
90 18; 
97-78, 
94 55 
■Cours |)ro
        <pb n="145" />
        138 
ungünstigste Cours stellte sich im Jahre 18«6 mit 1 05 Per 
cent heraus, der günstigste mit 0-83 im Jahre 1871. Es hat 
sich also der Durchschnitt der gesummten Epoche gegen die 
Zeit vor 1848 ziemlich genau um ein Percent verschlimmert ; 
der beste unter der Herrschaft der Zettelwirthschaft erreichte 
Jahresdurchschnitt war um I 47 Percent schlechter als der 
günstigste, der schlechteste der zweiten Epoche um 
0.85 Percent schlechter als der schlechteste Wechselcours der 
ersten Epoche. 
Es zeigt sich also in der That, dass die Papiemirth- 
schaft in Oesterreich die Wechselcourse nicht nur verschlimmert. 
Courses auf Hamburg, 8 ^1. Sicht. 
31. December 18ti2. 
Juli 
94ÍÍ5 
95-25 
95-40 
95-65 
95-45 
9565 
95-30 
95-- 
94- 85 
95- - 
95-10 
94-95 
94-85 
94-70, 
94-45I 
94-25 
94-2()| 
91-15 
94-20 
94-05 
94-25 
94 50 
94-05 
93-70 
93-60 
9360 
93-90 
96 52 
96 61 
94 30 
August^ 
93-851 3 
93- 85 
94- 35 
94-75 
94-70 
94- 85 
95- 401 
95- 50j 
9770 
97-551 
96- 05 
95-85:' 
95 50: 
— • I 
95-801 
95-401 
95-101 
95.55 
95.70 
9Ô6OI 
95-601 
95..50 
95- 85' 
97- 10; 
96- 90Í 
96-85; 
96 381 
98 43 
9465 
September 
I 7, 
94-751 3 
94- 95 
95- 30' 
95-15 
95 35 
95-351 
95-30 
95-35 
95-05 
95-25 
95-05 
95-— 
95-15 
94-95 
94-65 
94 45 
94-15 
9375 
92- 90 
93- 35 
93-35 
93-35 j 
9345j 
92 70 
92-90 
95 15 
9607 
93 40 
Octol)er 
I ' 
93 15 : 
92- 70 
93- 05 
92-75 
92-ïo; 
92-60 
92-20' 
91-15 
91-20 
91-35 
1&gt;0.20 
90 15 
9130 
91- 40 
92- 25 
91-60 
91-- 
91-20 
91-20 
90-80 
90-85 
90- 80 
91- 10 
90- 95 
91- 80 
91-35 
91-55 
92 23 
93 85 
90-83 
November 
I 7o 
91-40 ; 
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92- 05 
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9353 
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-IV 
1862 für a vista-Papier ist 97.15. 
December 
91-30'4V, 
91 40 
90-951 
90-20 
90-- 
89-30 
88-60 
89-15 
89-15 
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89.30 
89-— 
88-80 
87-85 
87- 75 
88- 40 
88-70 
88-25 
88-20 
88-45 
87-45 
86-tK) 
X6 10 
86-30 
8970 
9243 
86 96
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        — 184 — 
sondern die früher regelmässig vorhandenen Coursgewdnne in 
ebenso regelmässig auftretende Coursverluste verwandelt hat. 
Im günstigen Wechselcourse der Epoche vor 1848 spiegelt 
sich unter anderem auch die Thatsache ab, dass Oesterreich ein 
ärmeres Land ist als jene Länder, mit denen es die lebhaf 
testen Verkehrsbeziehungen unterhält, und dass es daher 
schon aus diesem Grunde in der Regel nicht im Stande war, 
von diesen so viel zu kaufen, als diese von ihm kauften. Da 
jene Zahlungsverpflichtungen, zu deren Ausgleichung die 
Wechsel dienen, nicht blos aus der Lieferung von Waaren, 
sondern auch aus der von Werthpapieren und Dienstleistungen 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner bis 
ä.m 
8. 
9. 
10.1 
11. 
12.1 
13. i 
14. I 
15.1 
16., 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
D. C 
H. C 
N. (! 
Jänner 
®/o 
85- 10 4 
84-25 
84- 85 
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86- 45 
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86-25 
85 75 
85- 75 
86- — 
85- 80 
86- 
86-10 
86- 50 
87- 40 
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87-45 
86-80 
86-75 
87-35 
87-15 
86- 95 
87- — 
86-60 
86-65 
87- 23 
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Februar 
86-25 
86-65 
86-60 
86-90 
86-85 
'/o 
März 
86-80 
86-95 
86-60 
86-70 
86-80 
86-85 
86- 70 
87- - 
87-- 
86-75 
86-70 
86-55 
86-50 
86-30 
86-60 
86-45 
86-25 
85-20 
86 20 
86 10 
86-20 
86-50 
86-35 
86-90 
86-35 
86-30 
86-30 
86-20 
86-10 
85-40 
87-25 
86- 90 
87- 25 
87-- 
8730 
87-25 
85-20 
84-70 
83-76 
84-35 
83-95 
8740 
87-96 
86 76 
83-95 
83-80 
86 46 
87-60 
8-138 
April 
83-55 
83-10 
3 
83-65 3 
83-76 
82-70 
82-30 
82- 30 
82-60 
82-80 
83- 15 
82- 90 
83- 15 
83-35 
83-70 
83- 75 
84- - 
85-20 
84-70 
84-20 
84-— 
83- 90 
84- 15 
86-26 
84-90 
84-15 
83-85 
83-15 
82-70 
82-50 
82- 95 
83- 05 
82-40 
82-20 
82-16 
82-60 
82-70 
82-75 
82-60 
82-55 
82-70 
82-65 
82-65 
82-96 
83-05 
83-55 
83-20 
82-95 
82-80 
84-28 
86-89 
8292 
8346 
84-38 
82-77 
82-96 3 
83-- 
83-20 
83-35 
83-30 
83-35 
83-35 
83-65 
83-45 
83-25 
83-40 
83-30 
83-10 
83-20 
83-15 
83-10 
83-20 
83-35 
83-40 
83-30 
83-45 
86 69 
83-25 
82-90 
84-- 
84-44 
86-67 
Der JaliresduiThschnitts-Cours pro
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        135 
entstehen, so ist dies auch leicht erklärlich, und das Ver- 
hältniss konnte sich erhalten selbst in jenen Jahren, wo etwa 
durch die Ungunst der Productionsverhältnisse Oesterreich 
ausser Stand gesetzt war, seine Schuldigkeiten durch Waaren- 
sendungen an das Ausland ahzutragen. 
Sollte sich dies im Jahre 1848 urplötzlich geändert haben, 
sollte Oesterreich vom Momente der Inflation angefangen durch 
ein Vierteljahrhundert beinahe ohne Unterbrechung mehr auf 
den fremden Märkten gekauft, als an diese verkauft haben? 
Im ersten Momente, solange der durch die Valutastörung 
bedingte Silberahfluss währte, geschah dies sicherlich; aber 
Courses auf Hamburg, 3;M. Sicht. 
31. December 1863. 
Juli 
82- 90 4 
83- - 
82- 85 
82-85 
83- - 
82- 95 
83- 05 
83 — 
83-05 
83-10 
83-15 
83-20 
82- 90 
83- 05 
83-20 3V, 
83-35 
83-90 
83- 75 
84- — 
84-30 
84- 65 
85- — 
84-70 
84-25 
84-10 
84-- 
84-- 
8431 
85-74 . 
83-68 
August 
84- 
84-15 
84 05 
84- 
84-05 
84-20 
84-10 
84-20 
8415 
84-10 
83-95 
83-90 
83-80 
83-65 
83-40 
8325 
83 50 
83 65 
83-65 
83-35 
83-40 
83-30 
83-45 
83-55 
83-50 
84 44 
8194 
83-87 
3‘A 
3 
September 
83-55 
83 30 
83 60 
83-55 
83-40 
83-40 
83-30 
83- 30 
83-25 
83-15 
83-20 
82- 90 
83- 15 
83- 
82- 95 
8295 
82-90 
83 10 
83- 15 
8310 
83-15 
83-15 
83-20 
83 10 
83-— 
88-81 
84- 18 
8352 
3 
October 
% 
83-— 3 
83 25 
83-20 
8350 
83 90 
83-70 3'/, 
83-60 
83-45 
83-50 4 
83-55 
8355 
83-60 
83-60 
83-60 
83-60 
83-75 
83-80 
83-80 5 
83-90 
8415 
83 95 
83-85 
83-60 
83-55 
83- 80 
83 95 
84- 10 
84- 52 
85- 20 
8362 
November 
84-25 5 
84-90 
84-60 
84- 90 
86.50 
85- 75 
86 05 
87-15 
87 25 
87-- 5V, 
87-20 
87- 40 
88- 15 
8890 6 
91-- 
91-60 
91-25 
91-35 
92 90 
91-65 
9150 
90-— 
90-45 
90-25 5V, 
90-85 
89-74 
94 29 
8530 
December 
91- 5V, 
90 75 
91-30 
91-40 
90 95 
90 65 
89- 75 
90- 15 
89-90 
89 25 
88- 75 
87-85 5 
87- 50 
89- 25 
89-85 
89-- 
88- 70 
89- 75 
88-95 
89 05 
88-75 
88- 25 
89 — 
89- 60 
9077 
92-66 
88-95 
I 
I 
I 
1863 für a vista-Papier ist 85-87.
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        — 136 — 
nachdem das Silber einmal ausgewandert war, ist nicht 
abzusehen, wie dies Land seine reicheren Concurrenten auf 
dem Weltmärkte überbieten, mehr als sie an (lütern, 
Werthpapieren und Dienstleistungen von dorther hätte beziehen 
können ? Man braucht blos an die riesigen Anlehen zu denken, 
die von Oesterreich gerade in den letzten Decennien im Aus 
lande aufgenommen wurden, und deren Summe sich auf 
Milliarden beläuft, um jeden Oedanken an die Möglichkeit, 
dass Oesterreich trotzdem für Bezüge irgendwelcher Art noch 
einen Saldo an das Ausland zu entrichten hatte, als wider 
sinnig fallen zu lassen. In der That fanden diese Mehrbezüge 
Täglicher Stand des Wechsel- 
VoiH 2. Jänner bis 
Am l| 
IÎ 
5. 'i 
IÍ 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
1% 
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I 21. 
I 22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
D. C. 
H. C. 
N. C. 
4 
3»/, 
Jänner I 
% 
90 — 
90- 40 
91- 30 
90-75 
90-25 
90-20 
90-65 
90-30 
90-20 
90 10 
91 — 
90- 85 
91- 75 
92 75 
9220 
91-85 
91-40 
91-75 
91-45 
91-40 
90-75 
90- 70 
91- 20 
91-85 
9202 
9308 
91 - 
Februar 
92-05 
91-80 
91- 55 
92- 
91-60 
90-35 
90-25 
90-25 
9010 
89- 85 
90 05 
80-90 
90- 25 
89-90 
89- 50 
89 35 
90— 
90 
90- 
89 75 
89 25 
89-15 
88 60 
89-— 
91 1« 
9304 
8949 
4 
4V, 
März 
89-85 
89-65 
89- 65 
90 25 
90- 
90-25 
90 30 
90-25 
90-20 
90-- 
89-70 
89-’- 
89-20 
89 15 
88-50 
88-25 
88-75 
88 75 
88-40 
88-60 
88-50 
88-55 
88-30 
8825 
87-25 
90- 
91 15 
S902 
*/« 
37, 
37, 
April 
88-15 
87-75 
87-50 
87-40 
87-20 
87-65 
88 25 
87-45 
87-40 
87-10 
86-70 
86-30 
8610 
85-40 
84- 85 
85-50 
85- 66 
8615 
86'30 
86- 25 
85-90 
85-65 
85-50 
85-80 
85-50 
87-40 
89 13 
85- 70 
Mai 
85- 85 
86- 05 
86-35 
80-70 
86-40 
86-40 
86-10 
86-- 
86 25 
86 20 
86 10 
85-90 
85- 95 
86- 15 
86 
86 15 
86-25 
86- 
85 75 
85 95 
85-80 
85-85 
85-80 
8704 
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80 00 
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4 
17, 
Juni 
8585 
85-85 
85-80 
85-85 
85-80 
85- 90 
86- 10 
86 — 
85-70 
85-85 
85-80 
85- 85 
86 05 
86 05 
86- 10 
86-35 
86 60 
86-30 
86-15 
86-20 
86- 90 
87- - 
87 15 
86-40 
86-25 
80 94 
88-02 
i 80-45 
37, 
37: 
Der Jahresdurchsclinitts-Cüurs pro
        <pb n="149" />
        gar nicht statt. Der ungünstige Wechselcours ist nicht der 
Ausdruck einer passiven Zahlungsbilanz, sondern lediglich die 
Consequenz dessen, dass 100 fl. C.-M. Silber in Augsburg 
mehr werth waren, als 100 fl. C.-M. Silber im Papierlande 
Oesterreich, und dass ebenso 100 fl. ö. W. Silber in Hamburg 
wohl 128*55 Mark Banco galten, in Wien aber um eben so viel 
weniger werth waren, als die Münz-Fracht und Versicherungs 
spesen für diese selben KK) fl. von Wien bis Hamburg 
betragen. Der fremde Wechsel repräsentirt nun , wenn er in 
Wien zum Verkaufe ausgeboten wird, ein Silberquantum, 
welches beinahe kostenlos in’s Ausland versetzt werden kann. 
Courses auf Hamburg, 3/M. Sicht. 
31. December 1864. 
Juli 
8615 
86-30 
' 86-55 
86-50 
86-45 
8670 
86-75 
86-65 
86-25 
86- 
85-85 
85-60 
85-85 
85-80 
85-80 
85-70 
85-9(1 
85 85 
85-75 
85-80 
85- 85 
86 05 
86- 15 
85-95 
85()5 
85-70 
56 0O 
57 62 
S6-40I 
1884 für a 
3V, 
August 
85-50 
85 55 
85 55 
85- 75 
86- -. 
86-05 
86 05 
86-— 
85-75 
85-75 
85 80 
85-65 
85-65 
85-70 
85-50 
85-40 
85 50 
85 50 
85-55 
85-45 
H5-65 
85-40 
85-30 
85-15 
85-15 
85-45 
8676 
87*04 
86 32 
4Y 
n. 
5V, 
September 
% 
85 95 6 
85-60 
85-55 
85-85 
85-85 
85 95 
86-90 
86- 75 
86 80 
87- — 
87-35 
87-45 
87- 75 
87 65 
87-30 
87-15 
86-80 
87 05 
87-- 
87-- 
86- 85 
86 65 
86 75 
87- 20 
87-30 
88- 13 
80 29 
86-83 
OV, 
5’/. 
October 
87-35 
87 60 
87-75 
87 30 
87-10 
87-40 
87-45 
87-65 
87-30 
87-25 
87-80 
87-25 
87 40 
87 io 
67-45 
87-50 
8815 
87-95 
87- 95 
88- 15 
88-45 
88-70 
88 65 
88- 
88-20 
88-10 
8H-78 
8050 
88-10 I 
3‘/. 
37« 
November 
% 
87-45 
87-75 
87-60 
87-35 
87-55 
87-45 
87-30 
87-45 
87-20 
87-30 
87 io 
87-35 
87-65 
87 70 
87-75 
87 90 
87-75 
87-65 
87-45 
87-35 
87-75 
87-60 
87- 65 
87-55 
88- 35 
88-64 
87-81 
3V, 
4'/. 
December 
% 
87 55 Vi 
87 80 
87- 75 
88- — 
87-90 
87-90 
87-80 
87 75 
87-75 
87-00 
87 85 
87-85 
87 60 
87-85 
87-90 
87-70 
87-60 
87-45 
87-40 
87-35 
vista Papier ist 88 50. 
86-90 
86-70 
86 60 
86-60 
86 75 
88-48 
80-— 
87-47 
V-;
        <pb n="150" />
        138 
und er wird schon aus diesem Grrunde allein tlieurer bezahlt, als ein 
Silberquantum , welches ihm an Werth dann, aber nur dann 
ganz gleich wäre, wenn es sich eben auch im Auslande befände. 
Es sind aber die oben erwähnten U-2746 Tercent, um 
welche die fremden Wechsel im Durchschnitte des letzten 
Vierteljahrhunderts an der Wiener Börse noch über den 
.Aletallgeldpreis hinaus bezahlt wurden, keineswegs das volle 
Aequivalent jener Spesen, welche die Versendung des Silbers 
von Wien nach Augsburg und Hamburg, oder des Goldes 
nach Ijondon verschlingen würde. ]\Ian hat also füi die fremden 
Wechsel an der Wiener Börse im Durchschnitte gar nicht den 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner bis 
Am 11 Jänner 
1. ll 
2. 
3. 
4. 
5. ' 
6. 
7. 
8. 
9. : 
10. 
11. 
12.) 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. ! 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
87 16 
86-95 
86-90 
86-70 
86-90 
86-90 
86-60 
86-90 
86-90 
86 85 
86-60 
86-70 
86-85 
86- 95 
1 87 
, 87-05 
i 87-05 
: 86-75 
87- - 
86-95 
86-85 
86-85 
I 86 60 
85-80 
85-6: 
D.C. 87-64 
H.C. 88-02 
N.C. 86-51 
X 
Febrnar 
85-55 
85-25 
84-75 
84-65 
84- 75 
85- - 
85-30 
85-55 
85-40 
85 55 
85-50 
85-05 
85 
85 
84-75 
84-75 
84- 75 
85- 
84-80 
84-70 
84-60 
84-50 
84-70 
85-66 
8641 
85 13 
März 
84 65 
84-45 
84-35 
84-15 
84-30 
84-30 
84-50 
84-25 
84-10 
84-05 
83-50 
83-80 
83-80 
83-60 
83-80 
83-80 
73-75 
83-65 
83-40 
83 40 
83-10 
82-90 
82-50 
82-25 
82-35 
82-50 
84- 10 
85- 28 
82-66 
X 
2‘/, 
April 
82-75 
82-85 
82-65 
82-20 
82-30 
82-30 
82 15 
82-— 
81-75 
81-70 
81-60 
81-35 
81-30 
81-50 
81-25 
81-25 
81-05 
80-70 
80-70 
80-35 
80 70 
80-90 
81 — 
8197 
83-26 
8070 
1% 
Mai 
81-15 
81 — 
81-— 
80- 95 
81- 15 
81-20 
81-15 
81-10 
81-25 
81-30 
8130 
81-30 
81-50 
81-50 
81-50 
81-45 
81-45 
81-20 
81-25 
81-30 
81-25 
81-15 
81-- 
80-95 
80-65 
8065 
81 65 
8201 
81 15 
X 
8136 
8161 
8110 
Der Jahresdurchschnitts-Conrs pro 
Juni 
8060*2V, 
80-75 
80-80 
80-95 
80-80 
80- 85 
81- 10 
80-70 
80-70 
80- 75 
81- - 
80-75 
80- 95 
81- ’- 
81-10 
81-- 
81-10 
81-10 
80-85 
80-65 
80-70 
80-80 
80-75
        <pb n="151" />
        139 
vollen Betrag dessen bezahlt, was sie in Wiener Silber oder 
Grold werth waren, und dies ist nur daraus erklärlich, dass 
durchschnittlich ein die Nachfrage übersteigendes Angebot 
dieser Wechsel vorhanden sein musste, d. h. dass die Zah 
lungsbilanz für Oesterreich wirklich günstig war. 
Es kann nun die Frage entstehen , wie so es kam, dass 
in einzelnen Jahren die Wechselcourse auch unter der 
Herrschaft der Zettelmisère nicht blos relativ, sondern absolut 
günstig für Oesterreich standen. Wenn, theoretisch betrachtet, 
der mathematische Paristand schon die Gewinngrenze für den 
Wechselcours eines Papiergeldlandes darstellt, so muss in der 
Courses auf Hamburg, 3/M. Sicht. 
31. December 1865. 
2V, 
Juli 
80-80 
81-10 
81-45 
81-55 
81-25 
81-- 
81 
81-30 
80-90 
HO(JO 
80-65 
80- 95 
81- 05 
81-25 
81-35 
81-25 
81-25 
81-20 
80- 95 
81- 25 
81-40 
81-40 
81-40 
81-50 
81 60 
81-30 
81-80 
82-42 
8120 
1865 für a 
•3V, 
August 
81-35 
81-50| 
81-70 
81- 90 
82 
82- 
81-70 
81-65 
81-90 
81-65 
81-70 
81-Ò5 
81-- 
81-05 
81-05 
81-05 
8105 
81- 
80-80 
80-65 
80-80 
80-85 
8060 
80-75 
80-80 
80-90 
8206 
82-82 
81-411 
vigía Papier 
Septemlær 
81— 
80-65 
80- 95 
81- 20 
81-05 
81-35 
81-25 
81-15 
81-30 
81-10 
81-20 
81-10 
81-- 
80-90 
80-90 
80- 85 
81- 20 
80-85 
80-85 
80-75 
80-70 
80-65 
80-45 
8025 
80-35 
81- 77 
82- 16 
81 25 
ist 82-65. 
October 
8020 
80- 45 
80 75 
80 65 
8115 
81- 25 
81-70 
81 70 
81-25 
81-30 
81-30 
81-— 
81 io 
81-15 
81-10 
8120 
81-20 
81 15 
80-90 
80-50 
8050 
80-30 
80-15 
80 39 
80-15 
80-15 
8204 
82-98 
81 20 
% 
5V, 
6V, 
7 
November 
% 
80- 40 
80 90 
81- 05 
80- 70 
8105 
81- 10 
8105 
80 90 
80-95 
80-70 
80-55 
80-60 
80-50 
80-85 
81 15 
80-80 
80-60 
80-65 
80-40 
80-25 
80-25 
80-20 
80-10 
79 80 
8P89 
82-57 
80-80 
December 
79-80 
79-85 
79-30 
79-- 
79-05 
7880 
78-90 
78- 90 
79- 25 
79 — 
79 05 
7890 
7895 
78 60 
78-90 
78-50 
7815 
7805 
7810 
77 35 
77 20 
77 20 
77-40 
7967 
80-85 
78-35 
T'
        <pb n="152" />
        That die Ueberschreitung dieser (-rewinngrenze auf besondere 
Ursachen zurückzntühren sein. Diese Ursachen finden sich 
leicht; es sind ganz die nämlichen-, xlie auch in den Metall 
geldländern gar nicht selten die AMechselcourse vorübergehend 
oder auch für längere Zeit über die mathematische Crewinn- 
oder Verlustgrenze hinaus treiben. Vor Allem darf nicht 
übersehen werden, dass diese Grenze selbst eine variable 
Grösse ist, da die Kosten, Umständlichkeiten und Gefahren 
director Edelmetallbezüge von mancherlei Zufälligkeiten ab 
hängig sind. Ein Krieg z. B. dehnt in der Regel diese Grenze 
sehr bedeutend aus. Es sei hier unter Anderem auf die riesigen 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner bis 
Am 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
G. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
If). 
IG. 
Sj 
19. I 
20. 
21. 1 
22. ! 
23. 
24. 
25. ' 
2G. 
27. 
28. 
29. i 
30. 
31. 
D. 0. 
H. C. 
'N. C. 
Jänner 
77-80 
78-05 
78-45 
7865 
6‘A 
Ü 
78-50 
78-45 
78-40 
78-35 
78-35 
78-30 
78-30 
78-40 
-78-35 
78-35 
78-40 
78-45 
78-50 
78-45 
78-2: 
78-55 
78-50 
78-55 
78-40 
78-10 
78-15 
7957 
7986 
7906 
Februar 
78-05 
77*70 
77-65 
77-30 
77-- 
7G75 
7G-G0 
7660 
76 85 
77-- 
77-30 
77-30 
7690 
7G-G0 
77-10 
77-- 
7685 
76-90 
76 50 
76-50 
76-25 
76-10 
7575 
7769 
79 12 
7651 
März 
76-30 
76-20 
7645 
76-25 
76-40 
76-55 
7615 
7620 
76-10 
7625 
76-10 
76-10 
76-10 
76 10 
76-20 
76- 85 
77- 20 
77- 85 
79-25 
8030 
78- 60 
77- 80 
77 60 
7810 
78- 65 
78-70 
77-83 
81 
76-86 
3'/ 
April 
57, 
4 
Mai 
81 50 
85-- 
88- 
89-25 
90 20 
92-- 
95 — 
96-75 
98-- 
95-75 
9895 
98-50 
95-25 
96 
95-35 
96 — 
67, 
7 
7850 
78-50 
78 65 
78- 45 
7840 
79 20 
79- 20 
78- 75 
79- 20 
8050 
78-50 
78- 60 
79 — 
79- 50 
79- 
78-85 
78-05 
78-75 
78-60 
78-35 
78-— 
78- - 
78-85 
80- — 
79- 89 
81 61 
79 17 
Der Jahresdurchschnitts-Cours pro 
96-25 
96 65 
95 — 
92- 50 
95 — 
94-70 
94--I 
93- 50' 
9549! 
100 93 
82-621 
Juni 
95- 
94 50 
96 25 
97-25 
98 50 
100- 
101- 
100 50 
101- 29 
102- 25 
103- 
103- 50 
104- 65 
105 50 
103-90 
103.50 
102-75 
101 51 
102 25 
102-25 
99 15 
98 50 
98 — 
97- 25 
98- 75 
102 32 
10761 
96 15
        <pb n="153" />
        141 
Differenzen zwischen Silber- und Wechselcours hingewiesen, wie 
sie in der weiter unten beigefügten Vergleichstabelle für das 
Jahr 1866 im Monate Juli berechnet sind. Der Wechselcours 
auf Hamburg stand da in seinem Maximum um volle 7 Per 
cent über dem höchsten Silbercourse desselben Monats und der 
niederste Wechselcours auf Hamburg um 5*2 Percent über dem 
niedersten Silbercourse. (janz Aehnliches kommt unter analogen 
Verhältnissen oderbei intensivenVerhebrsstörungen, die auf andere 
Ursachen zurückzuführen sind, bei Paniquen u. d. gl. an allen 
(xeldplätzen vor. Auch gibt es immer eine bedeutende Anzahl von 
Personen, die der grösseren Bequemlichkeit halber es vorziehen. 
Courses auf Hamburg, 3/M. Sicht. 
31. December 1866. 
.ruli 
101-50 
101- 50 
102- - 
101-75 
06-— 
08-25 
100- 15 
l(HJ-(;0 
90 50 
101 50 
101- 75 
102- — 
10075 
102-60 
100-501 
08-— 
96 
06 - 
96-80 
97.10 
101 40 
104-65 
0720 
1866 für a 
August 
I 
08-85! 5 
97-50 
97-25 
97-40 
97-.50 
97-— 
96-25 
9&lt;)-30 
96 — 
96- 30 
95 65 
94-— 
0075 
95 50 
94-50 
94- 75 
95- 50 
97- 
97-10 
97- 50 
98- 20 
97-75 
97-25 
96- 25 
95-25 
7-4Ö0 
100 00 
0469 
vista Papiere 
September 
95-40 
95-40 
0495 
95-75 
95- 60 
96- 50 
97 50 
97-30 
96-70 
96 — 
96-(K) 
96 — 
96 25 
96-25 
96 25 
96-05 
96 10 
96-60 
96 05 
95-50 
95- 55 
96— 
96-60 
95 — 
96 90 
9866 
95-78 
ist 01-08. 
n 
üctotmr 
04 50 
95- 10 
96- 
95-90 
95t)5 
95-70 
95-40 
95-70 
95 (iO 
95-60 
95-95 
95- 85 
96- 25 
96-50 
07 45 
97 15 
96 75 
96 35 
96-10 
96-45 
96-30 
96-25 
96 — 
96-40 
96-— 
96-10 
9655 
06 07 
0842 
0545 
3V, 
Noveml&gt;er 
0665 
96-25 
95-85 
96 — 
95-75 
95-90 
95-95 
95-75 
95-55 
95-60 
95-75 
95-— 
95-25 
04 50 
94- 85 
95 — 
95- 40 
95-35 
95-30 
95-35 
95-15 
95-45 
95 75 
95-90 
06 51 
0762 
0545 
®/o 
ÜecemJier 
06 — 
96-40 
96-10 
96-25 
96-35 
9t)45 
97-10 
97-15 
97- 
96- 75 
97 15 
97- 50 
98- 40 
08-75 
98-50 
98-40 
98-10 
98-30 
98-30 
97-65 
96 60 
97-50 
97-55 
08-18 
0074 
0606 
37,i 
.1 
I
        <pb n="154" />
        142 
zu ihren Zahlungen Wechseln statt des Baargeldes zu ver 
wenden , auch wenn dies mit einem geringen Mehrbeträge an 
Kosten für sie verbunden wäre. Wenn also die Zahlungs 
bilanz eines Landes im hohen Grade und dauernd activ 
geworden ist, so werden seine Wechsel leicht über die Gewinn 
grenze steigen. Jedenfalls muss aber die Zahlungsbilanz in 
jenen Jahren, wo die fremden Wechselcourse in Wien unter 
pari standen , eine überaus günstige für Oesterreich gewesen 
sein. Dies zu constatiren, ist insbesondere für die Jahre 
von 1868 bis 1872 von grosser Wichtigkeit. Bekanntlich 
wurde gerade in dieser Epoche die Bilanz im Waarenverkelire 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner bis 
Am 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
lü. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
Jänner 
% 
97-75 
97-30 
97- 90 
98- - 
98-25 
98-301 
98-601 
98- 65 
99- 20 
99-15 
99-40 
99 — 
98-85 
98- 75 
99- 15! 
99-35! 
99-501 
99 55| 
99-15 
99-1 
99-101 
98-60 
98-10 
97-35 
9675 
97-25 
1). C. 99-29 
H.C.100 80 
N. C. 97-48 
Februar 
1 
96-501 3 
95-85 ¡ 
9575, 
95-60 ; 
95- 75 
96- -: 
96-10! 
95-302V. 
94 55! 
95-35; 
95-40; 
95-20 
95-15 
94-951 
94- 801 
95 — 
95- 10 
95-25 
95-30 
95-10 
95 — 
95 — 
95-— 
95-14 
9798 
95-14 
März 
I 
95--I2V. 
94- 95 
95- — 
95-35 
95-15 
95-60 
85-10 
94 90 
95-- 
95-40 
95- 50I 
96- 10, 
96 — 
95 50, 
95- 50 
96- 25 
96-25 
95- 75 
96 20 
96- 10 
96- 
96-- 
95-60 
95-90 
95-90 
96 20 
96-851 
95491 
April 
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9575'3V, 
95- 95 
96- 60 
96-45 
96-40 
96-30 
98-25 
98-10 
98-85 
98-60 
98-80 
98-40 
98-35 
98-- 
98-15 
98- 30 
99- 75 
99-75 
100-60 
100*75 
99-75 
99-15 
98-50 
98-50 
98-88 
10138 
9635 
Mai 
I 
98-75 2V, 
98-40 
97- 95 
98- 
97 90 
98-20 
98-- 
97-60 
96-- 
96.- 
95-25 
94-75 
94-40, 
94-25 
94-201 
94-60| 
94-301 3 
93- 25 
94- 30'2V. 
94-35 
94-75 
94-50 
94-20 
94-10 
93-90 
92 90 
9632 
9961 
9348 
Juni 
1“/. 
92-052V, 
92-15! 
91-80 
92- 1 
93- 501 
93-85 
93-30! 
92-50 
92-50 
92-60 
92-75 
92-25j 
92-15; 
92-75 
92-15 
92-25 
92-20 
92-05 
92-40 
92-35 
92-45 
9305 
94 44 
9237 
Der Jabresdurchschnitts-Cours pro
        <pb n="155" />
        — 143 — 
mehr und mehr ungünstig. Im Jahre 1866 hatte der Waaren- 
handel einen Activsaldo von 1116 Millionen ergeben, im 
Jahre 1867 einen solchen von 113 1 Millionen; trotzdem blieben 
die Wechselcourse in beiden Jahren für Oesterreich ungünstig, 
im ersteren sogar mit 1 05 Percent schlechter als jemals zuvor 
und nachher. Die Zahlungsbilanz im Ganzen muss also noth- 
wendigerweise verhältnissmässig schlecht gestanden sein. Im 
Jahre 1868 und 1869 sank der Activsaldo des Waarenhandels 
auf 415 respective 19 2 Millionen; die Wechselcourse aber 
wurden jetzt günstig, u. z. desto mehr, je mehr sich die Bilanz 
des Waarenhandels verschlimmerte. 1870 ergaben die officiellen 
Courses auf Hamburg, 3/M. Sicht. 
31. December 1867. 
Juli 
I 
92-502V 
92-65 
92- 90 
93- 25 
93-05 
93--I 
I 
92 90 
92-90 
92- 90 
93- 25 
93-40 
93-50 
93-60 
93- 65 
94- 30 
95- 
94-85 
94-40 
94-15 
94--I 
94 20' 
94-40 
94-— 
94-65' 
94-65 
94-40' 
94-45| 
9432! 
9629 
9303 
August 
94--2 V 
9425' 
93-85 
93-85 
93-60 
92- 95 
93- 15 
9330 
93 20 
93-20 
92-35 
92 — 
92-35 
92-40 
92-601 
92-40 
92-30' 
92-20, 
92-20' 
92-25 
— • i 
92-40 
92—1 
91- 90, 
92- —I 
92-05, 
91 80 
9359 
64 84 
9238 
91 72 
92 32 
9127 
1867 für a vista-Papier ist 94 42 
September 
I 
91-05‘2V, 
90- 90 
91- 05 
91-05 
90 90 
91-15 
91-10 
91-35 
91-25 
91-10 
91-25 
91-15 
90-90 
90-75 
90-70 
9070 
90- 851 
91- 25| 
91-45! 
91-25! 
91-30, 
91-551 
91 75 
91-50; 
91-60 
October 
91 60 
91-95 
91-95 
91-95 
91- 89 
92- 05 
91-95, 
91-75 
91-70 
91-70! 
91 75j 
91-70! 
91-65 
91- 851 
92- -! 
92 50 
92 10 
92-10 
91- 85 
92- 05 3 
91-90 
91- 80 
92- 15 
91-m 
91-80 
91-75 
91-80 
9250 
9308 
92 17 
November 
I * » 
91.80 ¡ 3 
9I-80! 
9180 
91-75 
91-65 
91-40 
91-20 
91-05! 
91-05' 
91-—! 
90-95 
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90-70^ 
90-15' 
90-10, 
90-15' 
90-20 
90-10 
90-10' 
89-35 
89-60 
88-40 
88-80 
88-65 
9121 
9249 
89-06 
December 
88-80 3 
88- 50 
8895: ■ 
89- 35 
90- 251 
90-10! 
69-8o! 
89- 551 
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89-45; 
89-45 
89-60 
89-60 
89-80 
89-50 
89-75 
89-85 
89-75 
89.9o! 
90-25 i 
90251 
89-85 
90-28 
90 93 
8916
        <pb n="156" />
        Handelslisten einen Passiv saldo von dG’5 Millionen ; dei 
Wecliselcours aber blieb zum Vortlieile Oesterreichs mit 
1 pro mille, das wäre, wenn man die störende M irhung der 
Agioverbältnisse mit ungefähr 1 Percent in Anschlag bringt, 
in Wahrheit eine durch die Zahlungsbilanz hervorgerufene 
Gunst von 11 pro mille. Im Jahre 1871 stieg der Passivsaldo 
des Waarenhandels auf 781 Millionen; der Wecliselcours aber 
wurde günstig mit 0’88, also relativ mit nahezu 2 Percent. 
Im Jahre 1872 stieg der Passivsaldo des Waarenhandels voll 
ends auf 225-7 Millionen ; der Wecliselcours aber blieb günstig 
mit 0-47 , resp. 1 V2 Percent. Eine handgreiflichere Widerlegung 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner bis 
Am 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
G. 
7. 
8. 
9. 
! 10. 
iii 
14. , 
15. 
IG. 
17. 
18. 
19. ; 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
2G. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
D.C. 
H.U. 
N. 0. 
Jänner 
I 
90.15 3 
90 — 
9u-— 
89-40 ; 
89-40 
89-50 
89- 
89- 
89-—! 
88-90! 
88- 90; 
89- 15j 
89-— 
88-90 
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8S--Î 
88-401 
88- 7O1 
89- —I 
88-751 
88-65 
88-65 
88-80 
88-45 
88-30 
8905 
90- 80 
88-00 
Februar 
«/o 
88-25'3 
88-05 
87-80 
87-75 
87-8" 
87-80 
87-45 
87-Õ5 
87--1 
86- 951 
87- 51) 
87-— 
87-30 
87-— 
86-95 
86-90 
86-65 
86-55 
86.15 
86-50 
80-— 
86-15 
86.45 
86.40 
86-65 
87-00; 
88.91, 
80-541 
2'/, 
März 
86-35 
80-50 
86-35 
85- 70 
86- 
85-70 
85-70 
85-70, 
85-80 
85-80 
85-95 
85- 95 
86- 20 
86-15 
85-75: 
85-70 
85-50 
85-40 
85-45 
85— 
85-60 
85-35 
85-30 
85-60 
85-40 
80 29 
8704 
85 53 
“Io 
2V, 
April 
r/o 
85-35'2V: 
85.05 
85-40 
85- 65 
8545 
85 50 
85 65 
86- 15 
8625 
87-— 
86-70 
86.10 
86-15 
86-15 
86-25 
86-30 
86-15 
86-25 
86- 25 
86-10 
86-'- 
85-60 
85-95 
86 — 
80 51 
87- 54: 
85-58: 
Mai 
1 "0 
86-202'/. 
86-30 
86-20! 
86-20; 
85 90 
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80 45 
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86-15; 
86-10 
86-05 
86-—! 
86-—! 
86-05; 
86-—I 
86-05! 
86-20' 
86-25 
86-40 
86-10 
86-25 
86-20 
86-15 
86-15 
86-10 
80 09, 
80 99 
80 441 
Juni 
85- 752//, 
86- — 
8b-—I 
86-05 
86-10 
80 io 
85 80 
85-75 
85-75 
85-50 
85-45 
85-50 
85-85 
85-75 
85-70 
85-70 
85-55' 
85-40 
85-35 
85-30 
85-30 
85-40 
85-50 
80 21 
80 (G 
85-83 
Der Jahresdurcbschnitts-Cours pro
        <pb n="157" />
        145 — 
der so vielfach begangenen Verwechslung zwischen der Bilanz 
im Waarenhandel und der gesammteii Zahlungsbilanz lässt 
sich schwer finden. Deutlicher selbst als die glänzende theo 
retische Beweisführung Soetbeer’s zeigt die Tliatsache der 
gerade in der Zeit der ungünstigsten Handelsbilanz auftretenden 
absolut günstigen Wechselcourse, dass Oesterreich-Ungarn 
seine Waarenbezüge nicht mit Geld oder Wechseln, sondern 
mit Werthen anderer Art (im vorliegenden Falle mit Werth 
papieren) bezahlt hat, und dass noch ein sehr bedeutender 
Ueberschuss der Effectenbezüge des Auslandes über die 
Waarenbezüge Oesterreichs vorhanden gewesen sein muss. 
Courses auf Hamburg, 3/M Sicht. 
31. December 1868. 
Juli 
August 
September 
% 
October 
I 
85 30 2V, 
X5 4D 2V, 
85-25 
84-95 
84-85 
• I 
84-75 
83-90 
83-70 
83-80 
83- 95 
84- -1 
— • 
84-15! 
84-25: 
84 15: 
84-101 
84-15 
84-401 
84-40, 
84-lo! 
83- 90 
84- 25 
83 85 
83-95 
83-90 
83-90 
83-90 
8335 
84 73 
85 03 
83-87 
83-50|2V, 
83-75! 
83-751 
83-80: 
83-80 
83-75 
83-80 
83-70 
83-70 
83-70 
83-65 
83-90 
83- 90 
84- 10 
84- 401 
85-40 
85- 20 
84851 
84-15 
83- 90, 
84- — 
84-15 
84-05 
84-- 
84-- 
84 50 
85 03 
84 02 
84-05 2V, 
84.35 
84-50 
84-20 
84-30 
84-20 
84-35* 
84-40 
84-25 
84-65 
84 80 
84- 60 
85- 45 
85 05 
84-70 
84- 75 
85-45 
85 20 
85- — 
8515 
85-25 
85-15 
85 10 
85-15 
85-28 
85-08 
84-57 
85-20 
85-15 
85-20 
85-35' 
85-30 
85-35: 
85-55 
8570 
85-40, 
85-35 
85-25; 
85-30 
85-35: 
85-55| 
85-15! 
85-15 
85-10 
85-45, 
85-10' 
85-05 
85-— 
' 85-25' 
85-35 2»/, 
85-55, 
85-45 
85-40 
85-85 
80-24 
85-53 
November 
85-60 
85- 65 
81-95 
8,-90 
86- 25 3 
86 40 
86-50 
86-40 
86-30 
86-15 
86 05 
86-05 
86-30 
86-45 
86-45 
86-50 
86-k) 
86-55 
86- 75 
87- 15 
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88-00 : 
85-84: 
December 
I % 
80-05 3 
87-25 
87-45 i 
87-40 
87-90 
87-55 
87- 75 
88- 50 
88-60 
89- - 
88-55 
88.60 
88-60 
88-55 
88-60 
80-35) 
8860| 
88-40: 
88-40 
88-20 
88-25 
88-15 
88-20 
88-15 
88-87 
0002 
87-00 
10 
1868 für a vista-Papier ist 80 00. 
Dr. Th. Hertzka, Währung und Handel.
        <pb n="158" />
        146 
Was aber für den vorliegenden Zweck insbesondere wichtig 
ist: mit dieser Thatsacbe zerfallen auch die Declamationen 
über die Unmögliclikeit, die Valuta lierzustellen, so lange die 
Handelsbilanz ungünstig sei , in Nichts. Wohl blieben die 
Besorgnisse, dass das Metallgeld wieder verschwinden könnte, 
unbegründet, selbst dann, wenn die Zahlungsbilanz derMonarchie 
thatsächlich so ungünstig wäre, als behauptet wird, da in 
diesem Falle ein wirklich beginnender Edelmetallabfluss sie 
sofort herstellen müsste ; aber es ist doch bezeichnend, dass auch 
die Prämisse selbst, auf welche so falsche Schlussfolgerungen 
gebaut wurden, falsch ist. Die österreichische Zali- 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner bis 
Tuiu 
Mai 
1 
90-80 ö 
90 05 
April 
Marz 
Februar 
Jauner 
Am 
91 50 
91-50 
9130 
91-40 
91-40 
94-05 3 
94 60 
92-85 
89-20 
87-90 
91-50 
91-40 
9065 
90-80 
88-80 
89-- 
89-15 
89-05 
87-75 
87-90 
90-70 
92-80 
92-25 
92- 65 
93— 
93-10 
92 90 
91-45 
91-40 
91-30 
91-40 
91-60 
90- 75 
91- - 
88-60 
88-40 
88-50 
89-10 
90- 90 
9125 
91- 50 
90-90 
90-85 
01 50 
89-40 
89-35 
89-45 
89-65 
10 
88-55 
88-45 
88-45 
88-65 
88-60 
88-60 
11. 
92-05 
92-10 
91-65 
91 20 
91-90 
91-60 
12. 
91-35 
13 
91-25 
91-10 
01.- 
91-10 
91-10 
91-35 
90-90 
90-85 
14 
91-30 
91-70 
91-30 
91-50 
91-50 
91-90 
15 
90-10 
90-80 
01 10 
90 50 
90-20 
17. 
91-05 
90-95 
0060 
90-80 
90-75 
88-80 
89 35 
88-80 
89-15 
18. 
9195 
91-45 
91-55 
91-25 
91-25 
91-— 
19 
20. 
91-60 
01-73 
91-50 
91-35 
91-35 
91-35 
21 
92-15 
92-30 
92-40 
90— 
90 05 
89- 95 
90- 25 
90-10 
90-55 
22. 
89-30 
23 
90- 85 
91- 20 
24. 
8930 
89-25 
89-50 
89-45 
89-25 
80-50 
25. 
90-60 
89-75 
8030 
89- 70 
90- 20 
26. 
92-95 
27. 
91-35 
3V 
91-20 
9125 
28 
29. 
91-40 
0375 
93-75 
02-48 
04 45 
01 33 
30. 
9135 
01-83 
0242 
01-50 
31. 
02.28 
0267 
01-01 
02 40 
0501 
0001 
0047 
91-78 
89-47 
89-44 
9017 
88-41 
D.C. 
H. C 
Der Jabresdurchschnitts-Cour.s pro
        <pb n="159" />
        10' 
147 
lungsbilan/ war günstig auch unter der Herr 
schaft der Zettelwirt li Schaft; die Verluste anden 
Wechselcoursen in der durchschnittlichen Höhe von nicht 
ganz 8 per mille sind, wie bereits erwähnt, durch die Ent- 
werthung des Edelmetalls in Oesterreich, nicht aber durch 
die Ungunst der Zahlungsbilanz zu erklären. Wenn die 
Valuta in Ordnung gewesen wäre, so hätten ohne Frage auch 
die Wechselcourse absolut günstig sein müssen, wie sie es in 
den vorhergehenden Decennien wirklich waren. Denn ein 
Grund für eine urplötzliche im Jahre 1848 eingetretene Ver 
schlimmerung der Bilanz, d. h. für ein Ueberwiegen der Ein- 
Courses auf London, 3/M. Sicht. 
31. December 1869. 
Juli 
91-45 
91 45 
91- 60 
9225 
92 — 
92- 10 
92 30 
92-25 
92 — 
9210 
92-20 
9215 
91-60 
91-50 
91-65 
91-60 
91- 90 
92- 05 
92-10 
92-25 
92 — 
91-70 
91-70 
91-85 
91-70 
91-50 
91-55 
92-79 
9322 
92 86 
1869 für a 
August 
91-35 
91 35 
91-10 
90-80 
90-70 
90-80 
90-60 
90-65 
90-75 
90-80 
90-80 
90-85 
90-90 
90-85 
90-75 
90-70 
90-55 
90-55 
90-40 
90 — 
8950 
89-20 
88- 95 
89-70 
91 43 
92 26 I 
89- 84 
September 
89-65 4 
89-55 
89-15 
89-75 
9060 
90 25 
88- 25 
87- 95 
89- 55 
89-30 
89- 75 
90 — 
90- 15 
90-15 
90-20 
90-15 
90-05 
89- 95 
90- 10 
90-15 
89-90 
89-60 
89-75 
89-85 
89-80 
9060 
91-40 
88- 83 
vista Papier ist 91 69. 
October 
89-50 
89- 80 
90- 35 
90-45 
90-30 
90-25 
90-40 
90-50 
90-40 
90-10 
90 — 
90-35 
90-40 
90-45 
90-45 
90-55 
90 50 
90-65 
90-45 
90- 
9050 
90-35 
90-30 
90-80 
90-95 
91 66 
91 39 
92-68 
9039 
4V, 
November 
91-85 
91-45 
91-40 
91-45 
91-50 
91-65 
91-55 
9116 
91-45 
91-50 
91-55 
91-60 
91- 90 
92 25 
92- 20 
9215 
92 — 
91-90 
91- 95 
92- 05 
92-10 
92-20 
92 30 
9236 
9274 
93 21 
9236 
3*/. 
December 
3% 
92-20 
92-26 
92-20 
92-05 
91-80 
91.50 
91-65 
91-40 
91-25 
91-40 
91-40 
91-70 
91-50 
91-60 
91-35 
91-06 
91-15 
91-40 
91-25 
91-35 
91-35 
91-25 
91-30 
91-25 
9235 
93-10 
91-84 
3% 
3V,
        <pb n="160" />
        148 
käufe Oesterreich-Ungarns auf den fremden Markten statt des 
früher vorhandenen Ueberwiegens der Verkaufe lasst sic i 
ilnrchaus nicht finden. Wohl aber sind Oründe und ^fotive in 
genügender Menge vorhanden, die zn der Annahme drangen, 
Lss nach dem Jahre 1848 das Verhältniss der Internationa en 
Bezüge und Verkäufe in Oesterreich noch günstiger geworden 
ist, als zuvor. Man braucht hlos auf die inzwischen vom Staate 
sowohl als von verschiedenen Privatgesellschaften im Anslam e 
Contrahirten riesigen Schulden hinzuweisen, um dies vollaut 
erklärlich zu finden, 
Im Durchschnitte der letzten fünf Jahre aber, die man 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner bis 
Am 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
: 12. 
dt 
: 15. 
; 16. 
17. 
I 18. 
I 19. 
20. 
21. 
22.. 
! 23. 
! 24. 
! 25. 
! 26. 
i 27. 
28. 
1 29. 
30. 
¡31. 
Id. c 
H. c 
N. C 
Jänner 
Februar 
“/o 
91 30 
91-25 
91-20 
91-25 
91-10 
9075 
90- 85 
91 15 
91- 
91-- 
91-20 
91-15 
91-05 
91-05 
91-15 
90- 95 
91- - 
i 90-95 
' 91-05 
91 
91-05 
91-20 
, 91-20 
' 91-10 
91- 88 
92- 09 
91 54 
91-25 
91-30 
91-15 
91-05 
9095 
91-10 
91-25 
91 45 
91-40 
91-80 
91-70 
91-70 
91-65 
91-60 
91-60 
91-80 
91- 85 
92- 10 
92-15 
92-15 
9205 
92 30 
9285 
9174 
3'A 
März 
“/o 
92 05 3 
91-70 
91- 90 
92- 05 
92-— 
91-90 
91-75 
91-90 
91-75 
91-55 
91- 85 
9190 
92- 05 
91-75 
91-80 
91-70 
91-70 
91-60 
91-50 
91-50 
91-55 
91- 55 
91-65 
91-55 
91-60 
92 44 
9274 
92- 19 
April 
91-55 
91 05 
91-50 
91-30 
91-40 
9115 
91-15 
91-20 
91-10 
91-10 
91-15 
91-10 
91-10 
91-05 
91 - 
91-15 
91-30 
91-25 
91-35 
91-30 
91-35 
Mai 
91-45 
91-60 
91-60 
91-60 
91-50 
91-60 
91-55 
91-40 
91-50 
91 70 
91-65 
91-65 
91-60 
91-60 
91-60 
91-55 
91-40 
91-35 
91-35 
91-45 
91-50 
91-40 
0005 
90-95 
9103 02 15 00 01 
0234 0230 0178 
01-68 01 32 88 00 
Der .Tabresdurobsolmitts-Oours pro 
Juni 
91-05 
01 10 
9D9Ü 
90-70 
90-75 
90-— 
89-55 
89-60 
89-30 
88-70 
88-— 
88-10 
88-85 
88-70 
88-80 
88-80 
88-65 
83-65 
88-70 
88-65 
88-60
        <pb n="161" />
        149 
hauptsächlich im Auge hat, wenn die Handelsbilanz gegen die 
Möglichkeit der Valutaherstellung in’s Feld geführt werden 
soll, waren die Wechselcourse sogar positiv günstig und zwar 
durchschnittlich mit mehr als Ve Percent. Dass bei einem solchen 
Stande der Wechselcourse von einem Abströmen der Edelmetalle 
keine Rede hätte sein können, ist selbstverständlich. Bei ruhiger 
Ueberlegung hätte schon die Fluctuation im Silberagio auf 
diese handgreifliche Thatsache aufmerksam machen sollen. 
Dieses Agio sank nämlich während der letzten fünf Jahre um 
rund 17 Percent. Dass trotz alledem die Herstellung der 
Valuta, wenn ihr nicht eine entsprechende Restriction der 
Courses auf London, .^ 'M. Sicht. 
31. December 1875. 
Juli 
88- 7D 
8915 
89-55 
89- 85 
90- 05 
89- 90 
89-50 
89- 95 
92-80 
90- — 
90- 35 
91- 40 
92- 75 
94-10 
98-75 
KKIÖO 
95 — 
93- 10 
93-30 
98-- 
96-75 
96-— 
96-50 
96-50 
91194 
101 59 
8997 
AugUBt 
96-- 
96 — 
96-25 
96-50 
9075 
94-50 
92-80 
92-25 
04-50 
94-— 
93-35 
92 — 
92-50 
92-50 
91 50 
92- 25 
93- 95 
93-15 
92- 75 
93- 10 
93-'- 
92-50 
92-35 
94 80 
98-08 
9259 
4'/, 
September 
I «;o 
91- 75 ,3'/. 
92- 20 I 
91-45 
92-75 
92-80 
92-35 
92* 
91 50 
91-65 
91-75 
9185 
91-95 
01-90 
91-80 
01-85 
91:90 
91- 85 
92- — 
92-15 
91- 95 
92- 10 
91-95 
9272 
9:101 
92:10 
October 
92-10 
9230 
9210 
92-30 
91- 75 
92- 
91-95 
91-85 
91-50 
9175 
91-60 
91-45 
91-50 
91-70 
91-75 
91-45 
9115 
90-80 
00-85 
90-85 
90-85 
90-85 
90-70 
90-25 
90 io 
92 10 
9299 
90-78 
November 
89-75 
8940 
89 50 
89-55 
89-60 
89-65 
89 60 
89-85 
89-90 
91-20 
9130 
91- 50 
92- 75 
9325 
92 25 
91- 70 
92- 25 
92-25 
92-05 
9205 
91-75 
91-70 
91-60 
91 89 
9808 
9007 
-P/, 
4V, 
December 
% 
91-05 47, 
91-30 
90-90 
90-55 
90-70 
90-80 
9030 
90- 80 
91- 20 
91-20 
91-40 
91-45 
91-40 
9170 
91 75 
91 65 
91-80 
91- 86 
91 60 
91-45 
91-45 
92- 28 
92-88 
91-32 
1875 für a vista-Papier ist 92 :17
        <pb n="162" />
        150 
Circiüationsmittel vorherginge, wahrscheinlich ein gering 
fügiges Abströmen der Edelmetallmünzen als erste Folge 
hätte, jedoch mir ein Ahströmen bis zu dem Belaufe, wo die 
zurückbleibenden Circulationsmittel dem Verkehrsbedürfnisse 
entsprechen, ist allerdings richtig; aber daraus wird kein 
Verständiger eine Gefahr für die Valuta deduciren wollen. 
Als durchschnittliche Differenz des Wechselcourses in 
der Nach-achtundvierziger- gegen den in der Vor-achtundiüer- 
ziger-Epoche wurde die Ziffer von rund 1 Percent gefunden. 
Ob nun wirklich unter normalen Geld Verhältnissen die Wechsel- 
course für Oesterreich-Ungarn in den letzten Decennien noch 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner 1871 
Am 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
10. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
20. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
D. C. 
H. C. 
N. C. 
.Ttlnnor 
91-45 
91-65 
91-55 
91-25 
91-40 
91-55 
91-75 
91-75 
91-80 
91-85 
‘&gt;105 
91-85 
91-85 
91-85 
91-90 
91-85 
91-85 
91- 90 
91-80 
91-65 
9105 
92-54 
92- 75 
91-85 
3V, 
Februar 
91-10 ‘ 
3'/, 
91-20 
91-30 
91-30 
91-35 
91-35 
91-40 
91-60 
9165 
91-50 
91-30 
91-40 
91-40' 
91-20 
91-15 
91-30 
9105 
91-35 
91-45 
91-30 
91-30 
91-40 
91-55 
9214; 
92 45 
91 85 
März 
91-70 
91-65 
91 »0 
91-80 
91-70 
91-65 
91-60 
91-60 
91-90 
91-95 
91- 95 
92- — 
91- 75 
91 95 
92- 05 
92-55 
92-40 
92 — 
91-85 
91-80 
92-— 
92-15 
91- 75 
92- 15 
92- 
92-69 
9336 
9210 
April 
92-10 
92-20 
92-10 
92-30 
92-60 
92-70 
92-60 
92-25 
92-20 
9205 
92-10 
92 15 
92 35 
92-30 
92*30 
92-30 
92-40 
92-30 
92-25 
92-20 
92-05 
92-10 
3V, 
9307 
9351 
92 74 
Mai 
1 
92-05 3 
9215 
92-10 
92-15 
92-05 
91-95 
27: 
91- 95 
92— 
92 05 
92-— 
92- 
92-— 
91-85 
91-85 
91-80 
91-65 
91-65 
9165 
9155 
91-65 
91-65 
91-45 
91-30 
9120 
92-42 
92-84 
9177 
91-62 
91 07 
98-27 
Der Jaliresdurchsclmitts-Cours pro 
27, 
.luni 
90-95 
90-65 
90-30 
90-55 
.90-60 
90-60 
90- 75 
91- 15 
91-45 
91-20 
91- 
91-05 
91 
91-05 
91-05 
91-20 
91-30 
91-30 
91-40 
91-45 
9160 
91-50 
9105
        <pb n="163" />
        — 151 — 
-iOCi ’«3 
günstiger geworden wären als zuvor, oder ob nicht etwa der 
Durchschnittscours auch ohne den Einfluss der Valutastörungen 
sich um einige Tausendtheile verschlimmert hätte, das ist 
eine mit Sicherheit kaum mehr zu beantwortende Frage. 
Aber, wie bereits erwähnt, sprechen alle Gründe dafür, dass 
die Zahlungsbilanz dieses Landes sich wahrscheinlich noch 
verbessert haben würde, d. h. also, dass ohne die Valuta 
störungen der Durchschnittswechselcours statt mit V4 Percent 
zu Ungunsten Oesterreichs zu stehen, wahrscheinlich mit mehr 
als s/4 Percent zu dessen Gunsten sich erhalten hätte. Schon 
a priori muss dies angenommen werden, da die Entwerthung 
Courses auf Hamburg, fl/M. Sicht. 
bis 31. December 1871. 
fei 
October 
November 
September 
% 
80— 2'/ 
88-80 
Augnst 
December 
.Tull 
90-60 
90-15 
90-15 
90*30 
90-95 
2'/ 
80-- 
87-- 
87*55 
87*- 
87-50 
85*50 
87 15 
86*50 
86*50 
3V 
87-10 
9065 
90*65 
91*20 
91*46 
91-30 
91-25 
88 65 
88*30 
88*35 
88-35 
87-35 
87*30 
87-25 
86-80 
87*15 
87*05 
86-60 
86-65 
86-70 
86-70 
90-20 
90-05 
89-95 
89-80 
89-95 
89-80 
87-95 
88-05 
88-10 
87-75 
87-30 
87*55 
87-25 
87-15 
91-40 
91-30 
91-20 
91-20 
91-15 
91-10 
87-25 
87-45 
87-50 
87-40 
87*30 
87-20 
87-30 
87*45 
87-35 
87-45 
87-35 
87*40 
86-65 
86 65 
89-75 
I i 
87*20 
87*45 
87-45 
87*60 
87*75 
85*75 
86-65 
86-65 
86-80 
89-45 
89-35 
89-20 
89-15 
91-15 
91-— 
87- 40 
87*45 
8y-60 
88*25 
88- 75 
88*90 
86-70 
86-65 
86-85 
86-85 
86*50 
86*45 
86*75 
86*80 
86-90 
90- 90 
91- 05 
91*- 
89-35 
89*65 
89*75 
89-50 
89-25 
89 05 
87-60 
87*60 
87-75 
87-75 
87*25 
2«/, 
90-85 
90-75 
90-80 
90-80 
90-75 
90*70 
86 50 
8865 
88-45 
88*— 
87*75 
87*- 
80 40 
86*65 
86*85 
86 90 
86.15 
85*95 
85*90 
85*70 
88*50 
89- 
88- 95 
89- - 
9019 
91 17 
89-05 
vista-Panier 
87 75 
87 25 
88*02 
88*98 
80 66 
3V 
íK)-85 
9168 
9202 
91 22 
1871 für a 
87- 46 
88- 00 
86 04 
88-00 
8967 
87-06 
ist 90 00. 
87-07 
8791 
87 14
        <pb n="164" />
        I 
i :: 
— 152 — 
fier Edelmetalle innerhalb der Grenzen der Monarchie in Folge 
ihrer hier stattfindenden Demonetisirung — und diese Ent- 
Am I' Jänner 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner 1872 
8580 
85-30 
85 25 
85-65 
85-50 
85-15 
85-10 
85-—: 
85-40 
85-30 
85-50 
85-65 
85-50 
85-40 
85-55 
85-65 
85-55 
85-65 
85-85 
85-50 
85-05 
85-10, 
84-80 
8465 
8(1- — 
86 40 
85-28 
Februar 
84-lo! 
84-10 
84-— 
83-90 
83-45 
83- 80 
84- 30 
84-30 
84-50 
84-35 
84-35 
84-45 
84-50 
84-50 
84-25 
83-90 
83-80 
83-90 
83-75 
83-55 
83-75 
83-75 
K4(i0 
H513 
8417 
März 
83 55 3 
83.30 
83 25 
83-05 2V, 
82- 95 
83- 10 
82-70 
82-75 
82-70 
82 — 
82-20 
81-95 
81-50 
8130 
8165 
81- 85 
81-80 
82- 25 
82-25 
82-10 
81-90 
81-90 
82-SO 
S4-1S 
81-Sl 
April 
81-70 
81-80 
81-90 
81-95 
8170 
81-75 
81-75 
81-85 
8190 
81-70 
81.60 
8170 
81-75 
81- 85 
82- 10 
82 05 
8210 
82-15 
82 30 
82-10 
82- 50 
83- 15 
83 35 
83-25 
2V. 
Mai 
"/o 
83-102% 
83-20 
83-20 
83 25 
83-35 
83- 50 
84- -; 
84 20 
83-45 
83-80 
83-55 
83 35 
83 50 
83-35 
83 20 
83-35 
83-40 
83-25 
8310! 
83-05 
83 io; 
83- 
S3 01 
S473 
S3(»2 
Juni 
82-60 
82-55 
82-60 
82-45 
82-35 
82-65 
82-75 
82-70 
82-40 
82-20 
82-25 
82-50 
82-55 
82-65 
84-65 
82-75 
82-75 
82-35 
82-30 
82 15 
81 00 
83 10 
8237 
8251 
Wenn man nun finden will 
82- 51 
83- 87 
82(111 
Der Jahresdiirchschnitts-Cours pro 
, wieviel von Fall zu Fall für fremde 
Wechsel an gleichwerthiRem österr. Oelde gezahlt wurde, so muss man vom 
Preise der Wechsel vorher noch das Silberagio abziehen. Da almr die 
Wechselcurse vom Jahre 1848 bis zum Jahre I860 nicht nach dem Durch 
schnitte aller einzelnen Tagesnolizen, sondern nach den Mittelwerthen aus 
den höchsten und niedersten Monatsdurchschnitten berechnet wurden, so 
ist es unzulässig, dieselben mit dem aus den einzelnen Tagesnotizen be 
rechneten Durchschnittsagio zu vergleichen ; sie müssen vielmehr den in ganz 
ähnlicher Weise berechneten Mittelwerthen des Silberpreises gegenüber gestellt 
werden. Daraus erklärt sich, dass in der nachfolgenden Tabelle die als Durch 
schnitt des Silberagio angegebenen Zahlen mit den im Capitel I enthaltenen 
nicht identisch sind:
        <pb n="165" />
        153 
vverthung wurde ja eben als Grund des Umschlages in den 
Wechselcoursen erkannt — mit 1 Percent wohl zu niedrig 
Courses auf Hamburg, 3/M. Sicht, 
bis 31. December 1872. 
Juli 
81 
8185 
81-851 
81- 85 
82- 051 
8240 
82-05 
82 — 
81-80 
81-65 
81-90 
81-70 
81-70 
81-70 
81-75 
81- 95: 
82- 25 
82-20 
82-35 
82-15 
82-20 
82-30 
82-20 
82-05 
82-- 
81-70 
81-65 
82-57 
8302 
82-2« 
3 
August 
! ®/o 
81-80, 3 
81-30' 
81-30: 
81-25, 
81-25' 
81-451 
81-25 
81-202'/, 
81-10 
81-10 
81-15 
80-90 
80-75 
80- 85 
81- 05 
81-- 
80-70 3 
80- 75 
81- 05 
8095 
80-75 
80-80 
80-55 
8045 
8100 
82 41 
81 05 
September 
®/o 
80-45 
80-35 
60-40 
80-40 
80 30 
80-35 
80-40 
80-35 
80-35 
October 
I 
79-954'/, 
79-85 
79- 95 
80- 15 
80-10; 
80-25! 4 
8050 
80-30 
80-10 
80-05 
37 
November 
78-30 
79-80 
78-30 
78-60' 
78- 75' 
79- -I 
79-40 
79-10 
79-15 
37: 
80-30, 
80-25! 
8015 
— • I 
80-15 
80- 50 
81- 
81'-'4'„ 
80-85 
80-65 5 
80-65, 
— - ,17% 
80-40 
80-45 
8035 
80-25| 
8130 
81 01 
8005 
79- 90 
80- io 
79- 90 
80- 05 
79-95 
79-85! 
79-70' 
79-70 
7940 
79-45 
79-35 
79-10 
79-15 
79- 
78-75 
78 30 
78-70 
80.43 
81 31 
78-00 
79-25 
79-15 4 
7920 
79-ioj 
79-25'4'/% 
79-40 
79-50 
79-55 
79-40 
79-65 
79-95 
80 — 
8010 
79-50 
79-35 
79-35 
4 
8000! 
81 •- 
78-00! 
1872 für a vista-Papier ist 82 51. 
1848 107.,, 
1849 11.3.,. 
1850 121.0, 
1851 126.0, 
1852 118.., 
Attpb. (100 i. 
*ioa‘,7 I 1853 
114. , 1854 
121 I 1855 
126.,0 I 1856 
119.5« I 
811b«nct« 
111.0 
127., 
119.0 
105.. 
WMhMlMmri #. 
(100 fl. 
1 
1857 
1858 
1859 
1860 
Bllberafl« 
106.0 
103., 
li: 
December | 
70 50 4 ! 
80-—! ; 
79- 90, I 
80- 15! ! 
80-20 I 
80-15 I 
80-15 
80-30 
80-05 ' 
79- 85 : 
8015 
80- 25: 
80-451 ! 
8035 I 
80-30 4', 
80-25 ! 
8030 
80-30 
80-30 
79-85 I 
80-08 
8130 
8030 i 
W*cbMl«oiiri a. 
Au«»b. (100 fl. 
% 
Um das vom Jahre 1861 bis 1872 gebotene reichhaltige Material über 
sichtlich zu ordnen und die Vergleichung mit den Agioschwankungen zu 
erleichtern, sind in der nachfolgenden Tabelle die höchsten und niedersten 
Silbercourse eines jeden Monats mit den höchsten und niedersten Wechsclcoursen 
ferner das jährliche Durchschnittagio mit dem jährlichen Dnrchschnittwechselcourse 
zusammengestellt, zuvor aber die in den Originalnotizen für 100 Mark Banco 
angegebenen Wechselcourse in die Aequivaleute für 100 fl. ö. W. Silber umgesetzt.
        <pb n="166" />
        — 154 — 
Í 'i 
gegriffen ist, indem internationale Edelmetallsendungen im 
Durchschnitte einen grösseren Kostenbetrag, denn einen solchen 
Höchster 
Niederster 
Höchster 
Niederster 
Höchster 
Niederster 
i ” 
I Höchster 
I ri 
Niederster 
Jahr 
1861 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1862 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1863 
Silbersours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1864 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1865 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1866 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1867 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1868 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1869 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours . 
Wechselconrs 
1870 
Silbercours . 
Wechselconrs 
Silbercours 
Wechselconrs 
Jänner 
139.. , 
Í3?::: 
137.23 
115.— 
110.. 5 
1/2.3, 
121.. , 
Februar März April I Mai 
115.,; 
llß.— 
113-50 
n4.„ 
113.50 
109:1, 
/09.,, 
108., 
IO!).. 
10ÍK— IOC,., 
106., 
Í07 
107.2, 
107.— 
131 50 
/aa,o 
109.- 
109.— 
1.30.— 
/23.. 
114 
113 
Höchster 
Niederster 
110. 
114.— 
105. 
108., 
113., 
111. 
112. 
104. 
106. 
103.go 
104.,, 
101.50 
101.— 
105.. , 
ior&gt;.„ 
103.. 5 
104.. ., 
Höchster 
Niederster 
101.35 103.25 
101.... . 104... 
133.2, 
/33.„ 
126.5, 
127.— 
126.. 5 
127.. , 
125 50 
120.— 
131,3 
l2S.t, 
128.,5 
128.,, 
125.50 
120... 
Höchster 
Niederster 
115.3, I 115.— 
//'^.44 I //'/-«B 
113.- 114 30 
113.— 114.— 
117 
114. 
119-05 
nt 
117.— 
Höchster 
Niederster 
114. 
lli..,. 
114. 
112 
114 
112. 
119-25 
119.- 
116.25 
110... 
121.« 124 
121.75 
120.3, 
120... 
125.,; 
119» 
Höchster 
Niedei'ster 
121. 
mZ 
120... 
118. 
118 
118.— 
I l21.g, 
121.,, 122.— 
120.3; 120.33 
121,— ! 120.,, 
121.- 
mZ 
120.,, 
! 121.40 
122.,, 1 122.3, 
120.3, I 121— 
121.— 1 121.,, 
Höchster 
Niederster
        <pb n="167" />
        155 
von 1 Percent bedingen, insbesondere, wenn es sich nicht um 
die Sendung von Barren allein, sondern auch um die Sendung 
Juni 
Juli 
138.. 0 
iS:: 
128.. 0 
m.— 
124.- 
111.- 
114.„ 
m: 
114.— 
140.. , 
142.— 
125.. 0 
124.- 
it“ 
72/„ 
114,0 
i'S" 
773.. , 
122., 
122.- 
121., 
121.. 
120.,„ 
121.— 
llb.;, 
117.— 
138.- 
m... 
137.- 
136.30 
127.. , 
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124.. 
111, 
113., 
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110. 
114.- 
mZ 
114.— 
107.» 107.» 
JO7.80 108..^ 
106.,o 106.» 
107.— 107.— 
131.- 
138.— 
123.- 
723.. 0 
125.» 
723.. 4 
122., 
112.» 
773 ,0 
110.» 
770.. , 
12.2.. , 
123.— 
121.,, 
727.. , 
133.. , 
134.— 
117.. , 
118.— 
August 
137.» 
m: 
134... 
129.- 126. 
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724.. , 
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112.— 
110.. , 
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113.» 
All 
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108.» 
707.. , 
129.» 
132.— 
125.— 
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124.» 
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121., 
121. 
79 
3i 
Sei»tmbr. 
October 
136.» 
% 
733.,, 
m“ 
723.» 
111-6. 
/;/.— 
110,0 
770.» 
115.» 
117.— 
113., 
774.. « 
107.» 
703.. , 
107.- 
707.. . 
128.» 
/26 — 
122.» 
720.44 
114 — 
112.» 
777.40 
114 
II. 3. 
III. » 
770., 
121.» 121.— 
I m::! 
773.. , I 7/7.» 
129.» 124.- 
720.» ' 723.43 
122- 122.» 
122.— . 727... 
138» 
m: 
733., 
123.» 
% 
779.» 
112,0 
770.» 
117.. 0 
i'S;: 
776.. 0 
109.- 
106:» 
707.. 4 
129.- 
126» 
72«.— 
123.- 
mZ 
727,3 
114.- 
AI: 
772.«. 
121-7, 
722.— 
119.» 
779. _ 
122.» 
779..« 
Novnibr. i Decmbr. 
138.» 
iS: 
735.g4 
121.» 
i:.;: 
727.» 
123.» 
nt 
"2... 
116... 
S; 
775.» 
108— 
703.» 
106.» 
706.» 
128 — 
723.» 
126.25 
726.— 
122.- 
722.— 
118.» 
777.» 
i: 
121.» 
727.» 
124,3 
nt 
773.,. 
142.— 
141.— 
138., 
733., 
121., 
727., 
114.- 
774.» 
121,0 
nt 
777.» 
116.» 
114.:: 
773.» 
106.» 
706.» 
103.» 
703.» 
131,0 
1% 
727.» 
120.» 
120 — 
118— 
777.. . 
117.— 119- 
773., 
115.4 
775.. 
123.» i 122.» 
72.3.— I 722..« 
120» 
727.,, 
122» 
1% 
720.« 
Jahres- 
Durchschnitt des 
Silber- Wechsel- 
agio 
141., 
128.« 
113.« 
115., 
108.. 
119.. 
124.. 
114 
141. 
128.4 
113.. 
116., 
108.« 
120., 
124.* 
114.,, 
121.,, 120.» 
1Ü1-S9 I 127.,0
        <pb n="168" />
        — 156 — 
von pjemünztem Metalle handelt. Es würde jedoch zu weit und 
kaum zu einem vollkommen genauen Resultate führen, wenn 
Jahr 
Jänner 
Februar 
März 
April 
Mai 
1871 
Höchster Silbercours .... 
„ Wechselcours . . . 
Niederster Silbercours .... 
„ Wechselcours . . . 
1872 
Höchster Silbercours .... 
„ Wechselcours . . . 
Niederster Silbercours .... 
„ Wechselcours . . . 
122.. 0 
121.- 
/2Í.,2 
114,3 
it:: 
112.. , 
122 — 
121. 
121.— 
121,12 
112.3 
J/2,3 
110.3 
111.’— 
123.. 3 
123., 
122 — 
IIO30 
in.— 
107.43 
fO?«, 
122.03 
123.2, 
122.— 
122.22 
110.. 3 
108.. , 
122.03 
1224, 
122,, 
^2/.3p 
112- 
lll-Ti 
110.43 i 
110.2, 1 
Für die 3 Jahre 1873 bis 1875 wurde die Devise London und das Gold- 
agio zur Vergleichung herangezogen. 
Täglichei Stand des AVechsel- 
Vom 2. Jänner 1873 
Am 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23 
24. 
25. 
26. 
: 28. 
29. 
! 30. 
I 31. I 
|D. C. 
.Tanner 
I 
108'5o!57o 
108-25; 
108-10 
108-15 
108-20 
108-501 
108-651 
108- 5014,/, 
109- - 
109-05 
108-85 
108 85 
108-80 
108-80 
108-85; 
109-05 
109-- 
108- 90; 
109- 10 
10940 
4 
109-30 
109-20 
109- - 
108 90' 
108-95 3'/: 
110- 01 
Februar 
“/o 
109 - 3V, 
109-05 
10915! 
109-05! 
108 90 
108 90 
108-90; 
108 90; 
108-85: 
108-85 
108- 90 
10915 
109- 25 
109 25 
109-40 
109-45 
10955 
100-50 
109-30 
109 25 
109-35; 
109 501 
109-35! 
109 201 
11011 
März 
109 20 3 V: 
109-15' 
109 10 
109 05 
109-10! 
109-15 
109-15| 
109 2o| 
109-15, 
109-15! 
10920 
109-151 
109 25 
109-30' 
109 25! 
10925 
10930 
109 20; 
10910: 
109-io! 
— • i 
109-05 
109-05 4 
109-10 
109-05 
109-- 
11013 
April 
i 
108-90 4 
108 85 
108-90 
108-90 
108-80^ 
108-80, 
108-80; 
108 85! 
108-90 
108-80 
108-8-11 
108-80' 
108-85, 
108- 95 
10905! 
109- —I 
109-05' 
109 05 
109 05, 
109 05 
-. I 
109 05 
109- 05 
108-95 
110- 01 
Mai 
1% 
109--;4 
108- 90 
109— 1 
108 90 
109 05 
10910 
109 05'4V: 
109-10 
108- 70 
109- — 5 
111-05! 
111-80! 
11150, 
111 50! 
111 20| 
110 751 6 
109-70! 
109- 75 
110- 50 
110-70 
110- 85 
111- 05 
111 35 
11120 
110-85 
11040 
11157 
Juni 
110-20 6 
11020 
110- 30, 7 
110 70 
111— j 
111-25 
111- 65 
112- 251 
112 20 6 
112 30 
II2-80' 
112-90 
112-55! 
11215 
112-15 
112-10 
11185' 
11155 
111-20 
110-70 
110 25 
11010 
110-10 
iiai5 
.TahresdurchschniU
        <pb n="169" />
        157 
man nachträglich berechnen wollte, um welchen Betrag die 
für Oesterreich bestehende Nöthigung, sein Silber erst ins 
Juni 
Juli I August -SeptmbrJ October j Novmbr.,Decinbr. 
121.,, 
Í1K, I 
110 ,5 I 109.,5 
108.,, I 108.,5 
I 70«.„ 
121., 
720, 
120.,0 
*2 ^^^11 
119.«5 : 117.,5 
777;, 
■^^'^•58 I 
118.^ I 117.— 
i ^1^-92 
117.— 115.,, 
774.,, 774.0, 
108.. , I 108.,, I 107.,5 i 108.,5 
1V8,, 70&amp;„ ^ 707.,, ; 70/;„ 
107.. , ! 107.,, 105,5 , 105.,0 
700.. , j 700.,, ! 704.,, 704.,, 
117.00 
770.. , 
114.75 
109.. 5 
70/ .,0 
lOG-oo 
705.. . 
Jahres- 
Durohschnitt des 
Silber- jWechsel- 
agio I courses 
120.,. 119.,, 
109 „ 108., 
Courses auf London, :i/M. S. 
bis 31. December 1873. 
Juli 
11010 0 
110 30 
110 70 
111-25 
111-40 
August 
111-—! 
111-45 
3'/, 
111-45 
111-45 
111- 75 
112- 20 
112-40 
111-30 
111-20 
111-05 
lil 
ilí 95 
11150 5 
110 95 
111— 
111 05 
111-40 
111.50 
111 — 
110 90 
111- 
111-50 
111 20 4V* 
11140 
111-70 
112 — 
111-90 
111-95 
111-85 4 
111-75 
\ 111-50 
111-10 
110-95 
110-95 
112 81 
111-10 
111-Ï5 
111-25 
111-50 
111-60. 
111-30 3 
111-20 
111-20 
111-25 
111-30 
111-25 
111-30, 
111-30 
112-15 
pr» 1873 112-44. 
Sejdeinlier 
111-25 3 
111-30 
111-40 
111-55 
111-70 
111-70 
111-85 
111- 95 
112- 10 
112 25 
112-35 
112-35 
112-35 
112- 45 
112.55 
112-60 
J12-70 
113- — 
113-25 
113-45 
113-65 
October 
j ®/o 
113-85' 5 
113-85 
113 60 
113-10, 
113-10 
112-90 
112.90 
112-85 
112-85 
112-85 
112-90 
112-95 
112- 95 6 
113- 05 
113-—: 
113-- 
I 
112-85 7 
112-70 
112-75 
112-55 
112-55 
112-45 
November 
Vo 
113- 75, 8 
114- 15 
114-25 
114 35 
114- 30, 
114 75' 9 
115- (VJ 
115-15 
114-95' 
114 6;5' 
113 95 
113.55 
113 25 
113-35 
113-60 
113- 70 8 
113.85 
114- 05^ 
114-10 
113-50 
113-55 
113-70 
113-80 5 
1 13-39 
112-55 
112-35' 
112-40 
112-75 
112-90 
1 14-59 
113-75 
113 20 
113-30 6 
113-50' 
11Ü 43 
December 
113-65 6 
113-80, 
113-85 
113- 90 
114- - 5 
114 — 
113-80 
113-80 
113-75 
113-60 4 7; 
113-()5 
—. i 
113-40 
113-40 
113-40 
113-45 
113-50, 
11355 
113-55 
113-70 
113-80 .1 
113-65 
113-20 
113-10 
112-90 . 
11 4 98 I
        <pb n="170" />
        — 158 — 
Ausland zu senden, um es auf den vollen Werth zu bringen, 
seine Wechselcourse thatsäclilich verschlechtern musste. Selbst 
bei der Annahme, dass diese Verschlimmerung wirklich blos 
1 Percent betragen haben sollte, ergibt sich im Durchschnitte 
der Nach-achtundvierziger-Epoche ein Wechselverlust von er 
schreckender Höhe für das Land. Der internationale Waaren- 
handel der Monarchie betrug in diesen 29 Jahren rund 
17 Milliarden Gulden. Nimmt man für den Effectenhandel 
und für alle andern internationalen Transactionen blos die 
Summe von 3 Milliarden, so ergibt dies für den gesammten 
Güteraustausch 20 Milliarden. An dieser ganzen Summe ver 
loren Production und Handel Oesterreichs unter dem Einflüsse 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner 1874 
Am 
! 1. 
2. 
3. 
4. 
Jänner 
1 "" 
112-65 4 V, 
112-4ü; 
112-65' 
6. —. I 
7. 113-05: 
113-10 
113-25' 
113-30, 
113-75, 
113-80 
113-75 
113-75, 
113-75 
113-75 
113-75 
113-80 
113.75 
113-35 
113-40 
113-45: 
113-50 
113-45 
113-45 
113-05 
112-75 
112-85 
ID.C. 114-42 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
Februar 
]■% 
113-30 3 V, 
113-20' 
113-25 
113-10 
112-90 
112-701 
112-60 
112-75 
112- 95 
113- 05' 
113-—! 
112-75 
112-55 
112-30 
112-05 
111-85 
111-85 
111-75 
111-60 
111-65 
111-75 
111-75 
111-55 
118 42 
März 
111-45 3‘A 
111-35 
111-25 
111-10 
111-05 
111-35 
111-75 
111-55 
111-30 
111-35 
111-50 
111-85 
112 15 
111-85 
111-95 
111-80 
111-80 
111-75 
111-75 
111-80 
111-80 
111-75 
111- 75 
111-85 
111-95 
112- 61; 
April 
: 
112-15 3* 
112-25 
112-40 
112-60 
112-45 
112-45 
112-35 
112-15 
112--; 
111-75 
111-90 
111-85 
111-90 
111-95 
111-85 
111-75 
111-75 
111-70 
111-85 
111-95 
111-40 
111-25 
111-65 
111-90 
Mai 
i "/. 
111-70 4 
111-85 
11180 
111-80' 
111-75 
111-80 
111-80 
111-75 
111-90 
111-95 
11185: 
111-80! 
111-75 
111-80 
111-85 
111-75 
111-75 
•111-70 
111-75 
111-70 
111-70 
11165 
111-50 3*/. 
11150 
112-95 112-86 112-53 
Uar Toliroadnrelisebniff-Ponrs nrn 
Juni 
\X 
111 50 3'A 
11150 
111-45 
111 40 3 
111 40 
111 45 
111-60 
111-70, 
111-801 
111-801 
11175 
111- 85 
111 95 
112 — 
112- 05 
112— 
112— 
112--2*/* 
111IK) 
111-80 
111-55 
11155 
111-55 
11160
        <pb n="171" />
        159 
der Valutazerrüttung im Durchschnitte 1 Percent, also effective 
200 Millionen Gulden. Aber diese Summe ist eben nur als 
ein Minimum zu betrachten, denn es war nicht blos aller 
Wahrscheinlichkeit nach der Percentsatz des Verlustes grösser, 
sondern auch der Betrag, um den es sich dabei handelt, 
wesentlich höher als 20 Milliarden. Letzteres insbesondere ist 
nicht blos wahrscheinlich, sondern absolut sicher. Die officiellen 
Listen für den Waarenhandel sind unvollständig, namentlich 
in der Ausfuhr. An allen Grenzen weisen die Nachbarstaaten 
mehr Einfuhren aus Oesterreich, als Oesterreich Ausfuhren 
nach den betreffenden Staaten aus. Diese Differenz beträgt 
z. B. nach einer genauen Vergleichung der österr. Export- 
Courses auf Hamburg, 3 M. Sicht, 
bis 31. December 1874. 
Juli 
111 TU 
111-75 
111-70 
111-75^ 
111-70 
111-65 
111-65 
111-65 
111-75 
11170 
11160 
111-60 
111-55 
11150 
111-05 
110-85 
110 90 
110-90 
110-80 
110-80 
110-85 
110-85 
110-90 
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110-65 
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110-15 
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1874 für 
August 
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HO-— 
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109 80 
109-65 
109-75 
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109-90 
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109 75 
109-80 
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109-90 
109-90 
109-75 
109-80, 
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October 
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109-80 
109-85 
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HO-— 
109 90 
109- 95 
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110- 05 
110-10 
11015 
110-20 
110-15 
110-35 
110-35 
110-45 
110-40 
110-20 
110-05 
109-85 
109-90, 
110 91 
Noveml&gt;er 
: 
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109 90 
109-95 
109 85 
109- 90 
HO-- 
110- 10 
110-20 
110-60 
110-45 
110-30 
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110-30 
11040 
110-30 
110-35 
110-30 
110-30 
110-40 
110-50 
110-50 
110-60 
110-55 
110-55 
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111 52 
December 
1 
110-40 6 
110-45 
110-45 
110-55 
110-65 
110-60 
110-65 
110-70 
110-70 
110 70 
H0 70; 
110-80 
110-85 
110*90 
110-80 
110 85 
110-80 
110-85 
11095 
110-95 
110-85 
110-85 
110-75 
110 60 
112-38 
à vista-Papier ist 112*24.
        <pb n="172" />
        160 
listen mit den deutschen Importlisten für das Jahr 1873 
31 Percent. Ebenso unterliegt es keinem Zweitel, dass die 
Wertherhebungen des statistischen Amtes zu gering gegriffen 
sind, so dass unter Berücksichtigung dieser Irrungen der wirk 
liche Waarenhandel der gesummten Epoche mit 20 Milliarden 
jedenfalls der Wahrheit entsprechender geschätzt erschiene, 
als mit den officiell ausgewiesenen 17 Milliarden. Und dass 
die Transactionen in Werthpapieren, im Transportdienste und 
in anderen entgeltlichen Leistungen zwischen Oesterreich und 
dem Ausl au de mit 3 Milliarden für 29 Jahre viel zu niedrig 
geschätzt sind, dürfte auch Jedermann einleuchten, der da 
weiss, dass in dieser Epoche, die Schuld des Staates sich um 
Täglicher Stand des Wechsel- 
Vom 2. Jänner 18/0 
Aitril 
Mai 
Marz 
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Februar 
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111 20 
111-45 
111-50 
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111-60 
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37 
111-30 
111-35 
111-40 
11140 
111-50 
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37 
111-25 
111-20 
111-15 
37 
37, 
11-05 
110 60 1 6 
111-15 
111 20 
111-25 
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ll 1-05 
111-10 
111-15 
110-70 
110-85 
111-10 
111 — 
111-05 
111-05 
111-05 
111-15 
111-30 
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111-65 
111-60 
111-60 
111-70 
111-70 
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111-40 
111-35 
111-35 
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11150 
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111-35 
111-40 
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11150 
11155 
111-65 
111-50 
10. 
110-75 
110-60 
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110.65 
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11. 
111-20! 
Il 1-35 i 
111-35 
111-35! 
111-45 
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13. 
111-55 
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111-35 
111-45 
111.50 
111-45 
14. 
111-30 
111-35 
111-40 
111-40 
111-40 
111-45 
111-40 
111-40 
111-40 
111-40 
111-50 
111-45 
15. 
16. 
17. 
111-45 
111-35 
11135 
111-30 
11145 
110- 90 : 
Il 1-15 I 
111- 20! 
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111-20 i 
111-15 
111-40 
111-40 
111-35 
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111-20 
111-20 
37 
19. 
20. 
111-50 
111-50 
111-50 
111-50 
111-50 
111-50 
21. 
111-50 
111-50 
111-45 
111-50 
111-45 
111-40 
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111-30 
111-35 
22. 
23. 
111-45 
11150 
111-50 
24 
111-20 
111-15 
111-15 
111-10 
111-05 
111-10 
25 
111-25 
111-25 
111-25 
11125 
11120 
26. 
111-40 
27. 
111-50 
111-45 
111-45 
28. 
29. 
111-45 
111-40 
111-40 
ll‘/i-40 
30. 
11145 
11Ä38 
31. 
112 51 
112 21 
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112 22 
11219 
D.C 
Tahresdurclischnitt-Conrs 
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        — 161 — 
1 
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zwei Milliarden vermehrte, für ungefähr denselben Betrag 
Eisenbahnen gebaut wurden, dass ein grosser Theil des Ver- 
sieherungsgeschäftes in Oesterrreich noch vor Kurzem von 
ausländischen Anstalten besorgt wurde, und dass die Fracht 
verrechnungen aus dem Eisenbahnverkehre allein viele hun 
derte Millionen betragen haben. 
Vor allem aber ist nicht zu übersehen, dass diese Ver 
luste aus dem internationalen Wechselverkehre sich natur- 
gemäss von Jahr zu Jahr steigern. Vor 30 Jahren betrug der 
Aussenhandel der Monarchie knapp 400 Millionen Gulden ; 
derselbe hat gegenwärtig lOOO Millionen überschritten und 
wird sich ohne Frage von Jahr zu Jahr weiter vermehren. 
Courses auf London, 3;M. S. 
bis 31 December 1875. 
Juli 
111-50^3'/ 
111-45 
111-55 
111-50' 
111-45 
111-40 
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111-40: 
111-40 
111-50 
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111-05 
111-70 
111-70: 
111-05 
111-75 
111-05 
111-75, 
111-70, 
111-05' 
111-55 
111-55 
111-45 
111-40 2*/, 
111-45 
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August 
111-452*/ 
111-40 
111-35 
111-40 
111-40 
111-40 
11140 
111-40 
111-50 
111 05 
111 05 
111-00 2 
11155 
111-55 
111-50 
111-00 
111-85, 
111-80 
11190 
111-95; 
111-80 
111-80; 
111-80 
111-75 
111-70 
111- 70 
112- 23 
September 
111-70, 
111-80 
111-85 
111-95 
111-95 
111-90 
111 85 
111-85 
11185 
11105 
111-00 
111-75 
111-80 
111-85 
111-85 
lll-iKJ 
111-90 
111-90 
111-85 
11185 
11175 
111-75 
111-75 
111-80 
111-95 
112 38 
October 
111-952 
111- 90 
112- i 
112 05 
11215 
112-20 
112 25 2*, 
112-25 
112 35 
112-35 
112-40 
112-45 
112-50 3* 
11245 
112 70: 
112-80' 
112- 90 
113- 25 
113-80 4 
113-70 
113-15 
112-80 
112-20 
112-30 
112-40 
112-80 
113 41 
November 
113-- 
113-- 
113-20 
113-25 
113-90 
113-85 
113-75 
113-85 
113- 80 
114- 15 
114--' 
114-05 
113- 90 
114- 
113-95 
113 95 
113 85 
113-85 
113-60 
113-40 
113 50 
113 50 
113-65- 
11365 
114-70 
1875 für a vista-Papier ist 112-77. 
Dr. Th. Hertzka, Währung Und Handel. 
December 
113-65,! 3 
113-60' 
113-351 
113-20; 
11295 
113-15 
113-25; 
113-40 
113-35, 
113-55. 
113-55 
113-60 
113-45 
113-65, 
113-80 
113-80 
113-70 
113-60: 
113-50 
113 40 
113-15 
113-05 
113-15 
113-05 
113-05 
114 26 
11 
■1
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        1G2 
Ebenso steigert sieb der Umfang der ans dem Eisen- 
balmverkelire berrülirenden internationalen Zahlungen. Auch 
Die nun folgende Tabelle bietet eine vergleichende Zusammenstellung 
der Monatsdurchschnitte des Goldagios und des für die Devise London gezahl 
ten Aufgeldes von 1873 bis 1-875. Das Goldagio ist nach dem Course der 
Zwanzigfrancs-Stücke berechnet (ein Zwanzigfrancs-Stück gleich 8 fl. 10 kr. ö. W. 
Silber). Zum Behufe grösserer Uebersichtlichkeit ist der Cours auf London in 
Percenten umgerechnet und überdies die Differenz zwischen dem (xoldagio und 
18 7 3 
18 7 4 
18 7 5 
1 
i 
i 
A 
1 
0 
i 
1 
ji 
!i 
j 
Jänner 
Februar .... 
März 
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Mai 
Juni 
Juli 
August 
September . . . 
October .... 
November . . . 
December .... 
107.,, 
107.. , 
108.gg 
110 
109.. , 
109.. 5 
110.99 
111-8. 
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112.. , 
107.. 9 
107.. 0 
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109.. , 
109.. 9 
111-0. 
112.. , 
113.g9 
112..,, 
+ 0.68 
+ 0.82 
+-0.,g 
+•0-04 
4-0.34 
4-0.77 
-i-0.69 
4-0.34 
4-0-02 
4-0-33 
4-0.40 
+-O.35 
111-60 
110.7, 
110.33 
110-32 
109.. , 
108.. , 
108.63 
109.,3 
109.78 
109^9 
112-0. 
111-03 
110.,, 
110-38 
110.49 
110.,, 
109.38 
108.4, 
108.,, 
110-02 
•+O-0.- 
109-8, 
109-8, 
109.63 
109.63 
109.88 
109.78 
109.78 
1 io.„ 
110.,, 
111... 
112.47 
112.69 
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110.03 
%: 
1%: 
109-8, 
110.02 
111-02 
112-29 
’ük« 
0-03 
—-Oo: 
+-O.40 
-+O.22 
4r0+4 
4-0.39 
4 0.,; 
0-26 
0.|0 
— 0-09 
—0.,g 
~0-23 
Jahresdurchschnitt , I09.¿g 
.i'lO.flg 
•+O.30 
109.99 
l09.g, —0.,, 
1 10.38 
1 10.40 
14-0.0, 
ii,s eruurigi iiuiuurin s- 
in den nun folgenden zwei Tabellen geschehen ist. Die erste enthält die 
AVechselcourse auf Augsburg vom Jahre 1819 bis 1847 und die Differenz der 
selben gegen den Paristand. Die zweite Tabelle bringt vom .Fahre^ 1848 
bis 18G0 die Wechselcourse auf Augsburg, vom Jahre LSfil bis 1872 die 
Wechselcourse auf Hamburg in Percenten und verglichen mit den Agio- 
durchschnitten der entsprechenden R|inche, endlich die Vergleichung dei 
Wechselcourse auf London mit dem Goldagio für die drei Jahi 
1873 
bis 1875. 
Jahr 
1819 
1820 
1821 
1822 
1823 
1824 
1825 
182(5 
1827 
Vista- 
Wechsel- 
coursp 
Ahwoi- 
chung des 
Courses 
Jahr 
Vista- 
Wechsel 
course 
Abwei 
chung des 
Courses 
, 98^ 
99.68 
98-76 
99.,6 
08.96 
98.6, 
' 98-90 
99.60 
99.,6 
~l-60 
~0.p3 
1-30 
—D.gn 
—1-0.- 
—1-60 
l-.O 
O-40 
O.go 
1828 
1829 
1830 
1831 
1832 
1833 
1834 
1835 
1830 
00.., 
99.95 
100.,6 
99.96 
99.30 
99.. 6 
98.. , 
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—0.6.-, 
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—9-45 
- 0.,o
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        103 
der Austausch von Werthpapieren zwischen Oesterreich und 
dem Auslande wächst, wenn man von der vorübergehenden 
Jahr 
Vista- 
Wechsel- 
course 
Abwei 
chung des 
Courses 
Jahr 
Vista- 
Wechsel- 
course 
Abwei 
chung des 
Courses 
1837 
1838 
1839 
1840 
1841 
1842 
100.,0 
100.,o 
100.,o 
■£ 
+ 0.,o 
% 
‘•O.gj 
~l-45 
1843 
1844 
1845 . 
1846 
1847 
99.4J 
— 1-46 
=t: 
—0.40 
“0.,, 
Durchschnitt der gesumm 
ten Epoche .... 
~0.;2* 
Jahr 
1848 
1849 
185U 
1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1856 
1857 
1858 
1859 
186U 
1861 
1862 
1863 
1864 
1865 
1866 
1867 
1868 
1869 
1870 
1871 
1872 
Durchschnitt 
des Silber- 
Agio 
118... 
1 
106.,. 
103.. , 
123.. , 
133.. , 
lä: 
113.0« 
!&amp; 
119.. , 
124.. , 
i2i;;i 
121.. , 
120... 
109.0» 
Durchschnitt 
des Wechsel- 
courses in 
Percenten 
108.,, 
126.,. 
I 
106.,, 
104.. , 
I:: 
128^ 
113.. , 
116.. 0 
108.. . 
120.., 
124.. 0 
114.. , 
120.. 0 
121.. , 
Differenz des 
Silber- und 
Wechselcourses 
119. 
108.O 
»5 
Jahr 
1873 109.,. 
1874 109.p, 
1875 ,110 »« 
Durchschnitt der Epoche 1848—187; 
Durchschnitt 
des Gold- 
Agio 
Durchschnitt 
des Wechsel- 
conrses in 
Percenten 
110.O. 
109... 
110.40 
Diflerenz des 
Silber- und 
Wechselcourses 
-hO.jo 
"^11 
+ 0.04 
-}-o., 
2748 
Es zeigt sich also, dass in den 29 .Jahren, in denen die Haarzahlnnger 
*11
        <pb n="176" />
        164 
Störung, wehilie die Krisis im Gefolge gehabt hat, und ebenso 
von den Ausschreitungen der Ueberspeculation absieht, von 
Jahr zu Jahr. Wenn daher die Verluste aus den A\'e&lt;disel- 
coursen in den drei Decennien seit 1848 auch wirklich blos 
200 Millionen betragen haben sollten, so entfiele von dieser 
Verlnstsninme auf das erste Decenninm wahrscheinlich blos 
auf das zweite “/;, auf das dritte d. h. die Wechsel 
verluste dürften in den Fünfziger-Jahren durchschnittlich je 
i\ Millionen, in den Sechziger-Jahren je 0 Millionen, in den 
Siebziger-Jahren je 12 Millionen Gulden per Jahr betragen 
haben. Sie werden aber im nächsten Decenninm, wenn die 
Valutazerrüttnng fortbestehen sollte, wahrscheinlich 24 j\Iil- 
lionen und abermals ein Decenninm später wahrscheinlich 
50 Millionen im Jahre erreichen — vorausgesetzt, dass die 
Constitution dieses Landes robust genug ist, um die Segnungen 
der Zettelwirtlischaft noch weitere zwei Decennien lang zu 
ertragen. 
Dass die Wechselcourse trotz der Papierwirthschaft vor 
übergehend günstig waren, und dass dies gerade im Durch 
schnitte der letzten Jahre wieder der Fall ist, ändert an der 
Thatsache dieser Verluste nichts. 
Es muss eben als unzweifelhaft hingestellt werden, dass 
die Wechselcourse unter normalen Geldverhältnisson noch 
mindestens um 1 Percent günstiger gewesen wären. Mit Rück 
sicht auf die Wirkung der Valuta ist es aber ganz gleich- 
gütig, ob der durch sie verursachte Schaden sich in Form 
eines positiven Verlustes, oder in Form einer entsprechenden 
Gewinnstverkürznng ansspricht. 
in Oesterreicli herrschten, der zur Vergleichung herangezogene fremde Wechsel 
im Durchschnitt^ 0'72ü Percent unter pari, also um diesen Betrag günstig 
für Oesterreich stand; im Durchschnitte der 28 Jahre von 18-18 bis 1875 unter 
der Herrschaft der Zettelwirtlischaft dagegen notirten die zur Vergleichung 
herangezogenen fremden Wechsel D 274ü Percent iiher ¡itirl, also um diesen 
Betrag ungünstig für Oesterreich.
        <pb n="177" />
        VIT. Capitel. 
Die Wecliselcourse und der internationale Handel. 
Es soll nun untersucht werden, welchen Einfluss die Wech-' 
selcourse auf die internationalen Handelsbeziehungen üben. 
Dabei ist auf Zweierlei Rücksicht zu nehmen, erstlich auf die 
Wirkung der Coursdiflerenz an sich, zweitens auf diejenige 
der mit den A\’’echselcourseii Hand in Hand gehenden Edel 
metallströmung. 
Wenn die Wecliselcourse für ein Land ungünstig stehen, 
so heisst das, dass dasselbe bei Begleichung seiner internatio 
nalen Verpflichtungen stets noch einen Zuschlag zu den lau 
fenden Zahlungen in Eomi von Courseinbussen gewähren muss. 
Ein günstiger Wechselcours dagegen ermöglicht dem Lande 
die Heschatfung der Zahlungsmittel an das Ausland zu billigen 
gewinnbringenden Coursen. Dabei ist nun zu unterscheiden 
zwischen dem Wechselcourse , wie er im Momente des Geschäfts 
abschlusses vorhanden war, und jenem, wie er zur Zeit der 
vollständigen Abwicklung, wenn nämlich die ausgestellten 
Wechsel zur Zahlung präsentirt werden, sich ergeben kann. 
Die in der Zwischenzeit eintretende Veränderung schlägt 
naturgemüss zum Vortheile derjenigen , die fremde Wechsel 
zu kaufen, und zum Nachtheile derjenigen aus, die solche zu 
verkaufen haben, wenn der Cours für das eigene Land günstig 
wird, und umgekehrt. Es gewinnen also die Exporteure, 
wenn sich die Zahlungsbilanz verschlimmert, die Importeure, 
wenn sie sich verbessert. Aber da sich Gewinn und Verlust der
        <pb n="178" />
        Ißß — 
Exporteure von Fall zu Fall genau compensiren, ja in Wahrheit 
nur gegen einander ausgetauscht werden, so ist diese Wirkung 
der Coursfluctuationen für die Gesammtheit gleich gütig. 
Anders verhält es sich mit den Coursen, wie sie im 
JVlomente jedes Geschäftsabschlusses gegeben sind. Diese 
bewirken, dass ein Land auf den fremden Märkten billig oder 
theuer kauft, theuer oder billig verkauft, je nachdem 
seine Zahlungsbilanz günstig oder ungünstig ist. Der 
Wechselcours drückt eben aus, wie hoch die Zahlungs 
mittel jedes Landes auf den fremden j\[ärkten im Preise 
stehen , d. h. ob ihre Kaufkraft grösser oder geringer 
ist als die der Zahlungsmittel anderer Länder. Wenn der 
Wechselcours auf London in Paris ein Percent unter Pari 
stellt, so bedeutet dies, dass ein Pfund Gold zu englischen 
Sovereigns ausgeprägt in Frankreich um ein Percent weniger 
Güter aller Art kaufen kann, als dasselbe Pfund Gold in 
französischen Zwanzig-Francs-Stücken, und dass man umgekehrt 
für ein Pfund französischen Goldes in England um ein Percent 
mehr zu kaufen vermag , als für ein Pfund englischer Gold 
münze. Das im Wechselcourse begünstigte Land gewinnt 
also beim Verkaufe und erspart im Einkäufe auf allen fremden 
Märkten. Es ist aber klar, dass Derjenige, dem für dieselbe 
Waare mehr bezahlt werden muss als jedem Anderen , und 
dessen Zahlungsmittel höheren Werth haben als die aller 
Concurrenten, schwer verkaufen und sehr leicht kaufen wird. 
Wenn in London der Wechselcours auf Paris ein l’ercent über 
Pari, der auf Berlin dagegen Pari steht, so wird der Engländer 
unter stmst gleichbleibenden Verhältnissen es vorziehen, in 
Deutschland statt in Frankreich zu kaufen, da er auf diese 
Weise dem einpercentigen Abzüge von seiner Zahlungsvaluta 
entgehen kann. Dagegen wird der Franzose in England den 
deutschen Käufer leicht überbieten können, da dort eben seine 
Münze lieber genommen wird als die deutsche. Jedes Land 
wird also desto leichter kaufen und schwerer verkaufen, je 
günstiger, und umgekehrt desto leichter vei-kaufen und schwerer 
kaufen, je schlechter seine Wechselcourse sind. Wenn der fran 
zösische Exporteur, solange die Course Pari standen, von 
seinem englischen Kunden einen Wechsel über 100 Pfd. Wt. für 
eine bestimmte Waa reu Sendung erhielt, so wird er, wenn der
        <pb n="179" />
        167 
r 
■'P.'-.»' T 
Cours für Frankreich um ein Pereent, günstiger, also für 
Londoner Wechsel schlechter wird, lOl Pfd. St. fordern müssen, 
um denselben Betrag in Franken aus dem Verkaufe dieser 
Wechsel zu lösen. Der Londoner Exporteur dagegen, der 
heim Paristande von seinem französischen Kunden 100 Fres, 
forderte, wird sich nunmehr mit einem V echsel über 99 hrcs, 
begnügen. 
Ungünstige Wechsel course befördern also den 
Export und erschweren den Import, günstige 
Wechselcourse erleichtern den Import und er 
schweren den Export. Nun sind aber die erster en 
durch ein Ueberwiegen des Importes über den 
Export, die letzteren durch ein lieber wi egen des 
Exportes über den Import hervor gerufen, und die 
Wechselcourse haben daher die Eigenschaft, jene 
Verkehrsrichtung zu heben, durch deren Darnie 
der 1 i e g e n , und umgekehrt jene einzuengen, durch 
deren un verhä 1 tn issmässige Ausdehnung sie her 
vor ge rufen sind. Sie tragen solcher Art ein sehr 
wirksames Mittel zu ihrer eigenen Paralysirung 
in sich selbst. 
Dazu kommt noch, dass mit ungünstigenWechselcoursen 
regelmässig ein Export, mit günstigen ein Import baarer 
Zahlmittel Hand in Hand geht. Jener Theil der Verpflich 
tungen eines Landes an das andere, der gegen schuldige 
Empfange von dorther nicht,ausgetauscht werden kann, ver 
mehrt noch durch die Differenz , die bei dem Austausche der 
beiderseitigen Wechsel durch den Coursabstand entsteht, wird 
durch Edelmetallsendungen ausgeglichen. Wenn beis])ielsweise 
ein Verkehrsgebiet 1000 Millionen Dulden vom Auslande zu 
empfangen, und 1010 )Iillionen Dulden an das Ausland zu 
bezahlen hat, und es stellt sich demzufolge der Wechselcours 
etwa mit 1 Percent zu seinen Ungunsten , so wird es erstlich 
die 10 Millionen Dulden, um die es thatsächlich mehr Werthe 
aus dem Auslande bezogen hat, sodann aber auch jene zehn 
Millionen Dulden, um die es beim Austausche seiner Wechsel 
gegen die fremden durch den Coursstand benachtheiligt wurde, 
baar bezahlen müssen. Es wird den schliesslichen Saldo von 
20 Millionen Dulden seinem Baarmittelvorrathe entnehmen
        <pb n="180" />
        / 
— 168 — 
und um denselben Betrag den Baarmittelvorratli jener Länder 
vermehren, denen es denselben schuldig geworden ist. Dadurch 
aber wird die Kauflvraft des Geldes in dem betreffenden Lande 
steigen und in den fremden Ländern, welche die Baarsen 
dungen erhalten haben, entsprechend sinken ; es werden also 
hier die Geldpreise aller Güter sinken, dort die Preise der 
selben Güter steigen. Dies kann unmöglich ohne Einfluss 
auf den Handelsverkehr bleiben. AVenn in einem Lande die 
Preise zurückgehen, so wird dies nothwendiger Weise die 
früher bestandenen Importe mancher ’W'^aare aufheben, die 
früher nicht vorhandene Exportfähigkeit anderer Waaren her 
beiführen, und dies umsomehr, wenn gleichzeitig in den Ver 
kehrsgebieten, mit denen dieses Land seinen Aussenhandel 
betreibt, eine relative Preissteigerung cintritt. Jetzt wird erst 
recht der Import dieses Landes sinken, sein Export steigen, 
u. z. insolange, bis das Gleichgewicht in dessen Zahlungs 
bilanz hergestellt ist. Und dies wird sich mit der Gewalt 
eines Naturgesetzes vollziehen; denn solange die ungünstige 
Za Illungsbilanz anhält, wird auch der Abfluss der Circula- 
tionsmittel nicht auf hören, und dadurch wird nothwendiger 
Weise doch endlich jene Wohlfeilheit aller Güter herbeigeführt, 
die ein ferneres Ueberwiegen der Importe über den Export 
unmöglich macht. Allerdings kann, wie schon im vorigen 
Capitel angedeutet wurde, der durch die Zahlungsbilanz 
bedingte Edelmetall - Zu- oder Abfluss dadurch vermindert 
oder auch vollständig aufgehoben werden, dass der Saldo der 
Bilanz und ebenso der Saldo aus dem Wechselaustausche durch 
Werthe 'anderer Art (Effecten, Waaren, Dienstleistungen) 
beglichen wird. Geschieht dies aber, so ist damit die soeben 
geschilderte ausgleichende Vlrkung der Wechsel course schon 
vorweg escomptirt. Es wird in dem Lande mit passiver Bilanz 
nicht erst der thatsächliche Abfluss der Circulationsmittel und 
die dadurch hervorzurufende Wohlfeilheit der anderen Güter 
abgewartet, um die Exporte zu steigern, sondern diese Steige 
rung tritt augenblicklich ein. Unter normalen Verhältnissen 
sind also dauernd ungünstige Wechselcourse schlecliterdings 
unmöglich. Sie können durch längere Zeit in Kraft bleiben, 
wenn das davon heimgesuehte Verkehrsgebiet durch eine Ver 
kettung von Umständen sein Bedürfniss an Circulationsmittelu
        <pb n="181" />
        169 
stetig sinken sieht, was, wie in einem früheren Capitel ansge 
führt wurde, entweder durch ein Zurückgehen des Verkehrs, 
oder durch eine steigende Entwicklung des Creditsystems vor 
sich gehen kann. Aber endlich wird auch hier nach einer 
Reihe von Jahren der Vorrath an Circulationsmitteln derart 
eingeengt sein, dass ein ferneres Angreifen desselben ohne 
allgemeinen Preisrückgang nicht mehr möglich sein wird. Im 
Uebrigen ist diese Voraussetzung, dass ein Land bei stets 
sinkendem Verkehre dauernd als Käufer im Auslande auftreten 
könnte, an so viele kaum jemals zusammentretfende Bedingungen 
geknüpft, dass dieselbe wohl niemals zutreffen dürfte. 
Diese ausgleichende Wirkung der Wechselcourse ist im 
internationalen Handel von unermesslicher Bedeutung. Es läge 
allerdings im Interesse jedes Verkehrsgebietes, die Gewinne 
aus den Wechselcoursen dauernd zu geniesssen ; keines könnte 
aber in Wahrheit den dadurch hervorgerufenen stetigen Zu 
fluss der Edelmetalle durch unbeschränkte Zeit vertragen. 
Von Vortheil wäre eine dauernde Gunst der Exportfähigkeit 
im V aarenhandel, d. h. es wäre für jedes Land wünschens- 
W’erth, Güter aller Art billiger zu erzeugen als die Gesammt- 
heit der anderen Länder, vorausgesetzt natürlich, dass diese 
V ohlteilheit der Production nicht etwa um den Preis eines 
niedrigeren Lebensstandes der Arbeiterbevölkerung erkauft 
wird, Sündern durch leichtere wohlfeilere Lebensbedingungen 
und durch höhere Geschicklichkeit der Arbeiterbevölkerung 
hervorgerufen ist. Aber gerade hiefür ist eine der nothwen- 
digsten Voraussetzungen, dass die Zahlungsbilanz des 
betreffenden Landes nicht dauernd günstig sei. (Unter welchen 
Voraussetzungen eine scheinbare Ausnahme von dieser all 
gemeinen Regel ei nt reten kann, soll im zweiten Buche dar 
gelegt werden.) Ein einseitiges Ueberwiegen der V aaren- 
exporte oder der von einem Verkehrsgebiete dem Auslande 
geleisteten entgeltlichen Dienste ist schon aus dem Grunde 
auf die Dauer unmöglich, weil in einem solchen Falle die 
Zahlung gar nicht geleistet werden könnte. 
Das exj)urtirende liand geriethe durch eine solche llandels- 
eonjunctur in die Lage des Midas, unter dessen Händen sich 
alles, was er berührte, in Gold venvandelte und der daran 
eiendlich zu Grunde gegangen wäre, hätten die Götter den
        <pb n="182" />
        170 — 
Fluch nicht wieder von ihm genommen. Was sollte man auch 
mit stets neuen Baargeldsendungen heginnen, wenn einmal 
der Verkehr mit Baargeld gesättigt ist? Das einzige Aus 
kunftsmittel wäre, die hereinströmenden Goldstücke einzu 
schmelzen und zu Frunkgeräthen zu verarbeiten ; wie stünde 
es aber mit einem Lande, das fortwährend Producte aller 
Art ausführt und dafür lediglich Silber- und Goldgeräthe 
einhandelt? 
Man nehme immerhin an, dass es die segensreichste, an 
sich von den unermesslichsten Vortheilen begleitete Conjunctur 
sei, was die Gunst der Zahlungsbilanz hervorrief; der \or 
theil dieser Conjunctur für die Gesammtheit wird doch erst 
dadui’ch zur Geltung gelangen können, dass der Import von 
Circuíationsmitteln seine volle V irkung auf die Productions- 
verhältiiisse äussert, das heisst die Gunst der Zahlungsbilanz 
und damit endlich sich selbst wieder aut hebt. 
Es möge z. B. in einem einzelnen Lande eine Erfindung 
gemacht werden, dnreh welche sich plötzlich die iruchtbar- 
keit aller Aecker verdoppelt. Es wäre dies sicherlich eine der 
grossartigsten, heilsamsten Revolutionen, die im Verkehrsleben 
eines Landes vor sieb gehen mag, und doch könnte das be- 
tretfende Volk nicht den vollen Nutzen aus ihr ziehen, ja es 
müsste nach mancher Richtung in eine höchst kritische Lage 
gerade durch dieselbe gelangen, wenn jene ausgleichende V ir 
kung der Edelmetallströmungen nicht vorhanden wäre. A\ enn 
der durch den Export von Cerealien hervorgerutene Gold- 
zulluss nicht allmälig alle Preise derart erhöhen würde, dass 
endlich die Getreide-Exporte auf das frühere Niveau zurück 
kehren müssten, so würde diese grossartige Errungenschatt dem 
betretlenden Lande zwar sehr viel Cold, aber durchaus keinen 
höheren Culturstand verschallen. Seine Arbeiter würden nicht 
besser bezahlt, seine Industrie, seine Gewerbethätigkeit nicht 
vermehrt, denn Niemand erhielte bessere Iheise als zuvor; 
man wäre nicht besser genährt, nicht besser gekleidet, nicht 
mit besseren Geräthen versehen als vorher. Der Getreidestrom, 
der aus dem Igamie, der Goldstrom, der in das Land ginge, 
würden die wirthschaftlichen Verhältnisse durchaus nicht 
berühren. Die Grundbesitzer würden ungeheuer reich an Gold, 
der wirthschaftliche Zustand aber bliebe der nämliche. Glück-
        <pb n="183" />
        licherweise aber kann dies nicht stattfinden, der Goldzuflnss 
wirkt sehr rasch auf die Preise. Es werden nun die Arbeits 
löhne steigen, es steigen in gleicher Weise die Preise aller 
Waaren. Und da die Preissteigerung bei den Löhnen und 
Fabrikaten grösser sein muss, als bei jener Waare, deren 
massenhaft vermehrtes Angebot eben den Goldzufluss her 
vorgerufen hat, so wird-die Tendenz entstehen, von dem über 
schüssigen Getreide mehr und mehr im Lande selbst zu ver 
zehren, d. h. die Arbeiterbevölkerung zu vermehren, die 
industrielle Production zu steigern, und dies wird so lange 
geschehen, bis endlich die Preise auf eine solche Höhe ge 
stiegen sind, dass man trotz verdoppelter Ergiebigkeit des 
Bodens kein Getreide mehr exportiren kann, d. h. verhältniss- 
mässig so viel wie vor dem Eintritte der verdoppelten Frucht 
barkeit im eigenen Lande consumirt. Dies wird nun allerdings 
die Vermehrung des Goldvorraths ins Unendliche verhindern, 
statt des todten Goldschatzes aber eine Verdoppelung des 
Culturstandes ’ herbeigezaubert haben. Und damit man nicht 
etwa glaube, dass dieser Gegensatz ein reines Phantasiegebilde 
sei, oder dass in diesen Schlussfolgerungen irgend eine 
Lücke bestehe ; so stelle man sich einmal vor, dass die Grund 
besitzer eines Landes, dessen Fruchtbarkeit sich plötzlicli 
durch irgend ein Natur- oder Culturereigniss verdoppelt hat, 
die leidige Gewohnheit annähmen, all’ das Gold, das sie für 
ihr Getreide erhalten, zu vergraben oder zu Schmuekgeräthen 
umzuschmelzen. Jetzt werden in der That die Preise nicht 
steigen, denn das neu hinzuströmende Gold kann den Circu- 
lationsmittelvorrath nicht vermehren ; es wird aber auch die 
Blüthe und der V ohlstand des Landes nicht zunehmen, 
trotz der Schätze, die in den Schmuckkästen und Kellern der 
(Grundbesitzer aufgehäuft sein mögen. Sowie jedoch die Grund 
besitzer den doppelten Krtrag ihrer Felder in ähnlicher Weise 
verwenden, wie früher den einfachen, nämlich zu Verbesserung 
ihrer Lebensstellung, zu Capitalsanlagen u. dgl., wird noth- 
wendigerweise eine zunehmende Theuerung mit dem zuneh 
menden allgemeinen Wohlstände Hand in Hand gehen und es 
muss endlich jener Zustand eintreten, wo das l^and verhält- 
nissmässig nicht mehr exportiren kann als früher, weil seine 
Consumtion entsprechend gestiegen ist.
        <pb n="184" />
        172 
Es ist also heilsam und nützlich, dass der Goldzufluss 
in Folge gesteigerter Concurrenzfahigkeit seine dahingehende 
Wirkung, diese gesteigerte Concurrenztahigkeit wieder zu 
verniehten, ausüben kann. J)ass aueh umgekehrt die paraly- 
sirende Wirkung des (loi dabfl usses nützlich und heilsam 
sei, bedarf in den Augen der meisten Menschen gar keines 
Beweises, trotzdem eigentlich der Natur der Sacke nach dieses 
weit minder einleuchtend erscheinen sollte, als das erstere. 
Wenn nämlich die Fähigkeit zu kaufen durch das Abfliessen 
des (loides nicht gestört würde, so käme man dadurch in die 
sehr angenehme Lage, für die nützlichsten und nothwendigsten 
Dinge des Gonsums eine Waare, nämlich Gold oder Silber, abzu 
geben, deren Abgang, wenn er keine Lücke in die Circulation 
reisst. Niemandem Entbehrungen auferlegt. Aber wenn dies mög 
lich wäre, so könnte ein Verkehrsgebiet thatsächlich seine ge- 
sammten Umlaufscapitalien consumiren. Es könnte so lange 
mehr verzehren als erzeugen, bis all’ seine (ürculationsmittel 
ausserhalb der Landesgrenzen wären, und stände dann aber 
mals vor der Alternative, entweder den Gon sum gewaltsam 
einzuschränken und durch Steigerung der Production das ver 
lorene Umlaufscapital zurückzuerlangen, oder aber ganz in 
derselben Weise die anderen Betriebscapitalien aufzuzehren. 
Es liegt durchaus kein Grund vor, die Umwandlung aller 
Grundstücke, Häuser, Maschinen und Arbeitsgeräthe in Nah 
rungs- und Kleidungsmittel für unmöglich zu halten, wenn 
man die Umwandlung aller Girculationsmittel in derlei Genuss 
mittel für möglich hält. Ein Land könnte sich also, wenn 
eine wirkliche passive Zahlungsbilanz nicht sofort die Preise 
drücken und dadurch das fernere Einkäufen auf dem Welt 
märkte unmöglich machen müsste, schliesslich mit Stumpf und 
Stiel selber verschlingen, sieh gleichsam durch den eigenen 
Klagen, durch die eigene Gui'gel hindurchjagen, und das wäre 
nachgerade ebenso unangenehm, als das ohnmächtige* Ver 
harren auf derselben Gulturstufe trotz aller Steigerung der 
Production im umgekehrten Falle. 
Import und Export sind überdies unter dem Gesichts 
punkte zu betrachten, dass ein Theil derstdben aus Werth 
papieren besteht. Wenn die Bilanz im Waarenhandel activ 
ist, so wird nothwendiger Weise die Bilanz im Etfectenhandel
        <pb n="185" />
        173 
passiv sein, und umgekehrt, l^iit Rüeksielit auf die AVechselcourse 
ist es gleichgiltig, ob ersteres oder letzteres der Fall ist; hier 
handelt es .sich hlos darum, oh der Import aller Werthe zusammen 
genommen vom Exporte aller Werthe übertrolfen wird oder diesen 
übertrifft. ^lan könnte nun allerdings sagen, dass es vurt heil halt 
sei, dauernd eine active Zahlungsbilanz zu besitzen, wenn 
nur der Ursprung des Activsaldos im Waarenhandel und in 
der Bilanz der Dienstleistungen, nicht aber im Effectenhandel 
zu suchen sei; auf die Dauer aber ist eben ein solches Ver- 
hältniss unmöglich ; es ist nicht denkbar, dass ein Land unauf 
hörlich Waaren exportirt, A\^erthpa¡)iere importirt und noch 
einen Saldo an Haarmitteln zu fordern hat, u. z. aus folgen 
dem Grunde: Die hereinströmenden Werthpapiere absorbiren 
das überschüssige Capital des Landes, ihre Concurrenz hat 
die Tendenz, den Zinsfuss zu erhöhen ; kommt dazu noch das 
Hereinströmen von Haarmitteln, welches die Preise steigert 
und dadurch den Markt für die fremden Werthpapiere in 
unverminderter Kauflust erhält, so werden alsbald der heimischen 
Production Capitalien entzogen werden, und diese wird der 
ausländischen gegenüber nicht blos mit der bereits in ihren 
\\ irkungen nachgewiesenen Preissteigerung auf ihre Producte, 
sondern überdies noch mit stets steigender Zinsfusserhöhung zu 
kämpfen haben. Die Werthpapierimporte werden also mehr 
und mehr die inländische Production hemmen und den Waaren- 
export einschränken. Auf irgend eine Weise wird nun die 
Ausgleichung eintreten müssen , und es geschieht dies in der 
für die Production förderlichsten Wei.se jedenfalls dadurch, 
dass die Summe der Bezüge die Summe der Exporte eneicht 
oder übersteigt, womit dann der günstige Wechselcours und 
mit ihm der Edelmetallimport aufhört. Dadurch allein kann 
die Exportfähigkeit der Production erhalten bleiben. Eine 
stetige Steigerung der Gütererzeugung bei gleichzeitiger Ver 
wendung der einheimischen (’apitalien im Auslande kann aller 
dings Hand in Hand gehen, aber die Voraussetzung beider 
ist, dass nicht nebenher Geldimporte laufen, das heisst, dass 
der Saldo der Zahlungsbilanz nicht dauernd activ sei. Dies 
geschieht nun in der That nicht. Strömen Edelmetalle dadurch 
herein, dass der Passivsaldo aus dem Effectenhandel hinter 
dem Activsaldü aus dem W^aareidiandel zurückbleibt, so
        <pb n="186" />
        174 — 
wird die Aiizielmiigskraft des Landes für fremde AVertli- 
papiere erhöht, seineExpnrtfäliigheit im Waarenliandel gleich 
zeitig vermindert; sinkt dagegen der Activsaldo ans dem 
Waarenliandel unter den Passivsaldo ans dem Effectenhandel, 
so steigert sich in Folge des Ahtlnsses der Edelmetalle und der 
damit Hand in Hand gehenden Wohlfeilheit die Exportfähigkeit 
der A\'aaren nnd es sinkt der Import von Werthpapieren. 
Wenn umgekehrt ein Land Waaren importirt nnd Werth 
papiere exportirt, so wird anch hier nothwendiger Weise eine 
Ansgleichnng eint reten. Der Fall, dass die exportirten Werth 
papiere direct dazn dienen sollen, den Consnm der importirten 
Waaren zu ermöglichen, dass also die für die exportirten 
Werthpapiere in’s Inland strömenden Capitalien unproductiv 
consumirt würden, ist, wie hier nebenbei bemerkt ^ werden 
soll, aus zwei Gründen unmöglich; erstens weil, wie 
im vorigen Capitel ansgeführt wurde, im internationalen 
Handel unbedeckte Credite böchstens per nefas gewährt wer- 
tlen und daher zu unproductive!’ Consumtion bestimmte 
Gütei- nur im Anstausidi gegen andere Güter hereingelangen 
könnten. Man müsste sich nur etwa vorstellen, dass die 
Grundbesitzer eines solchen Landes Hypotheken autnehmen, 
nicht um ihre Liegenschaften zu verbessern, sondern nm ihre 
Kleider- und Weinrechnungen zu bezahlen. Das geschieht 
nun in der That bei keiner Nation. Geschähe es aber, so 
wäre damit gar bald jedem ( xnisum, dem jiroductiven wie 
dem unproductive!!, eine (L'cnze gesteckt. Lin Volk, welches zu 
Zwecken seiner Consnmtion sein Vermögen statt seines Linkom- 
mens angi’cifen wollte, würde bald wedc!’ Ve!’mögen noch Linkom- 
men besitzen, und damit vom Weltmärkte als Käufer sowohl wie 
als Verkäufer verschwinden. Wenn daher ein Verkehrsgebiet seine 
Bezüge an Waaren und Dienst!eistnngen auch mit Werth- 
papieren bezahlt, so geschieht dies doch nur, weil die Schuld- 
ui’kunden, welche die Werthpapiere darstellen, Zwecken der 
Production dienen. Gleichwie das Imnd, welches fremde 
Werthpapiere kauft, seine Capitalien im Auslande arbeiten 
lässt, so lässt das Land, welches seine Werthpapiere verkauft, 
fremdes Capital innerhalb seiner Grenzen arbeiten ; ersteres 
ist gleichsam in der Lage eines Landwirthes, der die Ueher- 
schüsse seiner Ernten auswärts zinsti’ageml anlegt, letzte!es
        <pb n="187" />
        in der eines Landwirt lies , der zu Verbesserung seiner Wirtli- 
scbaft eine Hypothek aufniinmt. Dass keiner von Beiden zu 
Durchführung dieser Transactionen des haaren Geldes bedarf, 
ändert an der Sache nichts. Der Erstere tauscht eben sein 
Getreide direct gegen zinstragende Papiere aus, der Letztere 
lässt seine Ernten theils unmittelbar durch die hei den ver 
schiedenen Investitionsarheiten beschäftigten Arbeiter autzehren, 
theils tauscht er gegen dasselbe unmittelbar die nothwendigen 
Maschinen und Instrumente ein, und ebenso lässt er sich auch 
die Darlehenssumme, die er auf seine Hypotheken erhält, 
unmittelbar in Form von Maschinen, Werkzeugen, Kleidern 
und Nahiningsmitteln für seine Arbeiter verabfolgen. Wenn 
Beide gleich vernünftig handeln, so wird das schliessliche 
Ergebniss nach einer Reihe von Jahren sein, dass der erstere 
Landwirth ein Capital von bestimmter Höhe in Werthpapieren 
angelegt besitzen, der zweite den Werth seines Gutes um 
denselben Betrag, und zwar über die Schuldverpflichtung hin 
aus erhöht haben wird. Da hier Missverständnisse sehr häutig 
sind , so soll das Beispiel in positiven Zahlen gegeben werden. 
Der erstere Landwirth wird also unter sonst gleichen Verhält 
nissen nach Ablauf einer Reihe von .lahren ein Grundstück 
in unverändertem Wert he und Gulden in zinstragenden 
Papieren haben, der zweite wird den Werth seines Bodens 
um 2i)0.(KH) Gulden erhöht haben und Gulden 
schuldig geworden sein. Db es vernünftiger ist, den ersteren 
oder den letzteren Weg zu wählen, wird lediglich davon 
abhängen, ob in dem betreffenden Lande Werthpapiere oder 
Ameliorationen von Grund und Boden höheren Ertrag liefern. 
Es ist aber klar, dass nutzbi'ingend anzulegende Capi 
talien nicht ins Unendliche vermehrt werden können und auch 
nicht ins Unendliche vermehrt zu werden brauchen. Bei guter 
Verw^endung derselben wird alsbald der Zeitpunkt kommen, 
wo sich die Früchte der Investitionen zeigen müssen. Jetzt 
wird die gesteigerte Production nicht blos hinreichen, um die 
eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und die Zinsen für das 
aufgenommene Darlehen zu bezahlen, sondern es wird noch 
ein Ueberschuss bleiben, der nun, wenn auf eigenem Boden 
entsprechende Gelegenheit zu nutzbringender Anlage fehlt, zu 
Abtragung der Schulden und schliesslich zinstragend in der
        <pb n="188" />
        170 
Fremde angelegt werden kann. Für alle Fälle werden die 
Tiivestitionen mit Hilfe fremden (Kapitals aufliören müaaen, aueli 
wenn die früheren Investitionen verfehlt waren und nicht die 
erwartete Rente ahwerfen. Der Unterschied wird dann darin 
bestehen, dass nunmehr nicht der Ertrag es ist, der sich er 
höht hat, sondern der Consum, der verringert werden muss. 
So viel zur Widerlegung der häufig auftreteuden Ansicht, 
dass der Export von Werth})a])iereu an sich schädlich sei und 
durch die wachsende Verschuldung zu einer Verarmung des 
Landes führe. Es mag diesbezüglich nur noch bemerkt werden, 
dass UapitalVergeudung in Folge von Schuldverhältnisseu mit 
dem Auslande weit häufiger und weit leichter dann eintritt, 
wenn man die eigenen Capitalien im Auslande anlegt als umge 
kehrt, wenn ausländische Capitalien im eigenen Lande verwendet 
werden. Es liegt nämlich in der Natur der Sache, dass man 
sich weit seltener darüber täuschen wird, oh jene Anlage, die 
mit Hilfe des fremden Capitals durchgeführt werden S(dl, auch 
wirklich den erwarteten Nutzen abwerfen wird, als darüber, ob 
das (hi])ital, das man in der Fremde anlegt, nicht etwa gefährdet 
ist. Mit all’ dem soll natürlich nicht geleugnet werden, dass 
ausnahmsweise auch die im Wege internationaler Verschul 
dung beschaftteu Capitalien vergeudet werden können. Es 
geschieht dies sogar häufig mit jenen Anlehen, die unter 
finanzieller Misswirthschaft leidende Staaten im Auslande auf- 
nehmeu. Allein hier liegt weder die Ursache noch das Symptom 
des Uebels im Fremdhaudel. Der Effect wäre der nämliche, 
wenn die. betreffende Staatsverwaltung inländisches statt des 
ausländischen (’apitais entlehnt hätte. Es würde dann das 
vergeudete (’aj)ital entweder der inländisc hen Rroduction 
fehlen, oder es müsste durch Anleheii zu ju-oductiven %we( ken 
von Aussen her ersetzt werden. Zieht man die Bilanz, so 
bleiht dieselhe in allen drei Fällen — fremdes ^nlehen zu 
Zwecken der Vergeudung, einheimisches Anlehen zum selben 
Zwecke ohne Ersatz aus der Fremde, oder endlich einheimisches 
Anlehen znm seihen Zwecke mit nachträglichem Ersätze durch 
fremdländische productive Anlehen — genau die gleiche. 
Das Spiel der W^ech sei course regelt nun auch in jenem 
Laude, wehdies Werthpapiere exportirt und andere Werthe
        <pb n="189" />
        impoî'tirt, das gesunde Verliältniss der Importe und Exporte 
in sehr wohltliätiger Weise ; es verhütet einerseits, dass mehr 
Waaren eingetührt werden, als das Ausland unter günstigen 
Bedingungen im Austaimche gegen Werthpapiere überlassen 
mag, und umgekehrt, dass mehr Werthpapiere exportirt werden, 
als mit Vortheil gegen Werthe anderer Art umgesetzt werden 
können. Erreicht der Waarenimport eine ungebührliche Höhe, 
so wird eben ein Abfluss von Zahlungsmitteln die Folge sein, 
die Preise werden sinken und da dies gleichzeitig einen ver 
mehrten Abfluss an Werthpapieren hervorruft und das Capital- 
angebüt des Auslandes steigert, so wird nunmehr aus doppelten 
Gründen, nämlich einerseits wegen Verschlechterung der inneren 
Marktverhältnisse, andererseits wegen der grösseren Leichtig 
keit der Production, hervorgerufen durch die Steigerung des 
(Kapitalangebotes, der Export im Waarenhandel steigen, der 
Import sinken. Wenn umgekehrt der Export von AVertli- 
papiei en ein Uebermass erreichen sollte, so werden Baarmittel 
hereinströmen, die Preise werden steigen und dies wird einer 
seits den Waarenimport befördern, andererseits alle Exporte 
hemmen. 
Es geht aus all’ dem hervor, dass ungünstige Wechsel- 
cüurse zwar stets einen effectiven Verlust für jedes davon 
betroffene Land bedeuten, dass aber unter normalen Verhält 
nissen erstens diese Verluste immer nur vorübergehend sein 
können, dann aber, dass sie zur Herstellung des gesunden 
Gleichgewichtes der Producfions- und Absatzverhältnisse bei 
tragen und daher gleichsam die nofhwendige Arznei sind, 
durch welche das Uebel, dem sie ihren Ursprung verdanken, 
in del’ wirksamsten Weise geheilt wird. 
Dies gilt jedoch uneingeschränkt nur für Länder mit 
normalem Geldumläufe. Unter der Herrschaft des Papiergeldes 
gestaltet sich die Wechselwirkung zwischen echselcours und 
Absatzverhältniss nicht blos weitaus complicirter, es wird auch 
der Heilungsprocess, der oben behandelt wurde, wesentlich 
modificirt, ja häufig paralysirt. 
Dass dies der Fall sein muss, geht vor Allem schon aus der 
Thatsache hervor, dass die Wechsel course auf ein Land mit Papier 
valuta dauernd ungünstig bleiben können, was für die Jiänder 
mit gesundem Geldwesen, wie oben nachgewiesen wurde, 
Or. Th. Hertzka, Währung und HauJfl. 12
        <pb n="190" />
        178 
immöglich ist. Es muss also notliwendigerweise ein störender 
tactor vorhanden sein, der den Wechselcuurs verhindert, aut 
die Ursachen, die ihn herheitührten, einzuwirken, und der 
gleichsam den Organismus des Verkehrsgebietes unempfänglich 
macht für das Heilmittel, unter dessen Eintlnss andere Vei’- 
kehrsgehiete so rasch genesen. Sehen wir zu, welches dieser 
störende tactor ist, und in welcher Weise sich seine chronische 
Wirkung fühlbar macht. 
Her ungünstige Wechsel cours vertheuert auch iu dem 
Lande mit Papiergeld den Bezug aller fremden Werthe und 
verwohlfeilt für alle Länder, die mit dem ersteren in Handels 
beziehungen stehen, den Bezug von dessen Erzeugnissen, 
Dienstleistungen und Werthpapieren. Stünde beispielsweise 
der V echselcours zwischen Oesterreich und Deutschland auf 
])ari, so dass bei einem angenommenen Agiostande von 10 Per 
cent ein Wechsel über 110 ff. o. W. in Frankfurt so viel werth 
wäre, als ein deutscher Wechsel über 2(M) ^fark (von der 
Diflei enz zwischen dem (xold- und Silbercourse sehen wir zur 
Veieiufachuug der Untersuchung ab), so könnte man eine 
A\ aai’e, deren Productionskosten nach Zuschlag oder Abzug 
der Frachtspesen in Deutschland und OesterreicI, gleich huch 
wäien, von dem einen zum anderen Lande weder importiren 
noch exportiren. ird aber der Wechsel cours ungünstig für 
Oesten-eich, erhält man für den Wechsel über 110 H. ü. W. 
i apier in t rankfurt blos 198 Mark, dagegen für den deutschen 
200 Mark-Wechsel in Wien 1111 H. ö. W. Papier, so wird 
in Oesterreich der Export der früher nicht exportfähigen 
\\ aare, in Deutschland der Import der früher nicht im])ort- 
fähigen Waare lohnend geworden sein. 
Es werden ferner bei einem solchen Wechselcourse Edel 
metalle aus Oesterreich nach Deutschland strömen. Aber dieser 
Abfluss wird zwar in Deutschland die Wirkung haben, die 
Preise zu erhöhen, nicht aber in Oesterreich die Wirkung, 
die Preise direct zu errnässigen, denn hier wird durch den Ab 
fluss der Edelmetalle der Vorrath von Circulationsmitteln nicht 
verringert, da das Circuíationsmedium eben aus Papierzetteln 
besteht, die unter keiner Bedingung abfliessen können. Es 
fehlt also das weitaus wirksamste Reizmittel, welches in den 
Landern mit Metallgeld zu Hebung der Exporte und zu Ver-
        <pb n="191" />
        riiîgerimg der Importe beiträgt, nämlich die Steigerung der 
Kaufki-aft des Geldes im eigenen Lande. Statt dessen greift 
hier ein anderer Factor ein, der schliesslich zwar auch die 
Wirkung hat, die Zahlungsbilanz zu ändern, dies jedoch in 
ganz anderer Weise thut, als in den Ländern mit Metallvaluta 
die Verringerung der (ürculationsmenge. W enn nämlich in 
Folge ungünstiger Zahlungsbilanz die in den Papiergeldländern 
vorhandenen Edelmetalltpiaiititäten in's Ausland strömen , so 
wird dadurch zwar nicht der Vorrath an Tauschmitteln (da 
ei,en die Edelmetalle hier keine Tauschmittel sind), wohl aber 
(1er Werth der vorhandenen Papiergeldzeichen verringeid. Es 
steigt nämlich das Disagio der Noten. Dass dem thatsächlich 
so ist, lehrt nicht nur die Erfahrung, es folgt auch mit Noth- 
wendigkeit aus der Natur der Sache, da Ja die Nachfrage 
nach Edelmetallen in den betreifenden Ländern eine Preis 
steigerung derselben in Noten ausgedrückt, d. h. eine ]*reis- 
verringerung der Noten erzeugen muss. Es wird also auf 
einem Umwege dasselbe erreicht, was in den Metallgeldländern 
unter analogen Verhältnissen beobachtet wird. Dort verringert 
sieh bei ungünstiger Zahlungsbilanz der Umfang der (ürcula- 
tionsmittel ; hier bleibt der Umfang unverändert, dagegen aber 
sinkt der intensive Werth des Tauschmittels; und da in letzter 
Linie der W'erth des Cinmlationsmittehjuantums auch in den 
Papiergeldländern nach dem in ^Metallgeld umgerechneten 
Wert he bemessen werden muss, so hat sich dadurch auch hier 
der Vorrath an (hrculationsmitteln verringeid. 
Dadurch entsteht auch hier nun ein Druck auf die Preise 
aller Waarengattungen. Da der Umfang an ('irculations- 
mitteln bei gleichem Circulatioiisbedürfnisse der nämliche 
geblieben ist, so entfällt auf jeden Bruchtheil des Verkehrs 
bedürfnisses das nominell gleiche Circulationsmittelquantum, 
und da dies intensiv eine Reduction erfuhr, eigentlich ein 
essentiell geringerer Tauschmittelbetrag. Es müssen also alle 
gegen Geld umzusetzenden Dinge in Metallgeld umgerechnet 
billiger werden, und dadurch müsste das Bestreben entstehen, 
durch Verkauf an’s Ausland die Preisausgleichung herzustellen. 
Selbstverständlich gilt aber dies Alles nur unter der Voraus 
setzung , dass bei solcher Art verringerter Kaufkraft der Geld 
zeichen deren Zahl im Papiergeldlande nicht vermehrt wird, 
12*
        <pb n="192" />
        180 — 
denn nur dann wird eben zur Ausgleichung der Preis- 
verliältnisse der internationale Markt in Anspruch genommen 
werden müssen. 
Die Länder mit geregelter Valuta besitzen auch gar 
kein anderes Mittel der Ausgleichung in einem solchen Falle, 
denn die Circulation einlöslicher Banknoten kann angesichts 
eines Edelmetallabflusses nicht dauei nd vermehrt werden, und 
bei ihnen wirkt daher nothwendigerweise die durch den Abfluss 
der Edelmetalle herbeigeführte Preisreduction mit ihrer vollen 
Wucht auf den Aussenhandel, Die Papiergeldländer aber 
haben einen sehr becpiemen Ausweg, ihren Geldvorrath 
ganz anderswoher als vom Weltmärkte zu ergänzen — es 
ist dies die neuerliche Anwendung der Notenpresse. Wenn 
in Folge einer Werth Verringerung des Circuí ationsraittel quantums 
die Tauschkraft des Gesammtumlaufes sinkt, und dadurch 
im Vergleiche zu dem früheren Zustande eine Lücke im Celd- 
vorrathe entsteht, so gibt man eben mehr Papiergeldzeichen 
aus und hält dadurch grossentheils den Druck auf die 
Preise auf. 
Man darf daher von dieser Wirkung des Edelmetall 
abflusses auf die Handelsbilanz in den Papiergeldländern - 
und diese Wirkung wäre eine gesunde, denn sie bestünde in einei- 
thatsächlichen reellen Preisermässigung — in der Regel nur 
wenig erwarten ; dagegen tritt ganz unfehlbar und in aus 
schlaggebender AVeise jene AVirkung hervor, die im zweiten, 
dritten und vierten Capitel beleuchtet wurde. Das Empor- 
schnelleij des Disagios der Noten befördert, auch wenn keine 
reelle Preisermässigung damit verbunden ist, den Fxport und 
hindert den Import. An die Stelle der wirklichen ti-itt eine 
scheinbare Productionserleichterung, und es wird dahei- der 
Export, trotzdem er im grossen (lanzen, ungeachtet des Edel 
metallabflusses, nicht vortheilhafter betrieben werden kann als 
zuvor, doch einen grösseren Umfang erreichen und der Import 
wird sinken, trotzdem der Nutzen aus demselben nur scheinbar 
gesunken ist. 
Umgekehrt würde sich die Sache verhalten, wenn ein 
Papiergeldland eine günstige Zahlungsbilanz besässe und nun 
mehr die Edelmetalle in dasselbe einströmen würden. Auch 
hier könnte dieser Zufluss direct den Vorrath an Circulations-
        <pb n="193" />
        181 — 
mittein nicht vermehren und dadurch keine Preiserhöhung 
herbeifiiliren ; wohl aber sinkt durch das wachsende Angebot 
der Preis der Edelmetalle in diesem Lande in Papiergeld aus 
gedrückt , d. h. es steigt der Edelmetallwerth seiner Papiergeld 
zeichen, und folglich repräsentirt nunmehr dessen vorhandenes 
Tauschmittelquantum trotz des unveränderten Umfanges der 
Circulation doch einen höheren V erth. Die Preise werden jetzt, 
in l'apiergeld ausgedrückt, / die nämlichen bleiben, dagegen 
aber in Edelmetall umgerechnet, steigen, so dass aus diesem 
Drunde der Import lohnender, der Export minder lohnend 
werden, die Zahlungsbilanz sich verschlimmern müsste. Aber 
diese auf einem Umwege erfolgte gesunde Wirkung der Edel 
metallströmung kann auch hier dadurch paralysirt werden, 
dass das Papiergeldland in einem solchen Falle ein 
anderes den internationalen Handel nicht berührendes Mittel 
der Ausgleichung besitzt, nämlich die Restriction seines Noten 
umlaufs. Unfehlbar treten dagegen sofort jene Erscheinungen 
ins Sjuel, die in den Capiteln 2, 3 und 4 erörtert wurden. 
Die Production wird, wenn auch nicht effectiv, so doch schein 
bar erschwert, an die Stelle der Exporthinderung und Import 
beförderung durch reelle Preisverhältnisse tritt die nämliche 
AVirkung in Folge einer wirthschaftliehen Fiction. 
Nun wäre bei so gearteter A erschiebung der AA irkungen 
zwar für alle Fälle der Schaden vorhanden, dass die Her 
stellung des (Gleichgewichts in der Zahlungsbilanz nach der 
einen oder anderen Seite nicht dadurch erfolgen könnte, dass 
jene Seite der internationalen Handelsgeschäfte stärker culti- 
virt wird, die im Augenblicke mit grösserem reellen Nutzen 
betrieben werden kann, sondern zumeist dadurch, dass sich 
der Nutzen des einen oder anderen Zweiges nur scheinbar 
erhöht; aber es könnte zum Alindesten dieses Gleichgewicht 
erreicht werden. 
In Wahrheit aber gelingt dieses Kunststück der Her 
stellung des Gleichgewichts in Ländern mit Papiervaluta last 
niemals, zum Alindesten nicht in jenem Alasse, dass sie beim 
Austausche der beiderseitigen AA’^echselverbindlichkeiten einen 
wesentlichen Coursgewinn erreichen können. 
Ganz abgesehen von den internationalen Verkehrsbezie 
hungen besteht eben, wie im VT. Capitel nachgewiesen wurde.
        <pb n="194" />
        182 
in solchen Ländern eine continnirliche Tendenz des Edel 
metall ah fluss es, so dass derjenige AVecliselcours, der für 
ein Metallgeldland die Verliistgrenze wäre, für das Papier 
geldland dem Paristande gleich zu achten ist, d. h. jenem 
Stande, der sich ergehen würde, wenn Empfänge und Ver 
pflichtungen im internationalen Handel im Gleichgewichte sind. 
Der rix])unkt, um welchen die Course oscilliren, ist nicht der 
Paristand, sondern das mathematische Pari ahziiglich aller 
Transportspesen für Edelmetall. 
Man könnte dem entgegenhalten, dass eine (Trenze für 
den ungünstigen Wechsel cours schliesslich doch dadurch ge 
geben sei, dass der Edelmetallvorrath des Papiergeldlandes 
endlich erschöpft werden müsse; dann aber sei weiterer Ab 
fluss der Edelmetalle nicht mehr möglich. Hier vergisst man 
jedoch, dass der Coursverlust, den ein Land beim Austausche 
seiner Wechsel Verpflichtungen gegen seine AVechselempfänge 
erleidet, durchaus nicht in Edelmetall sal dirt zu werden 
braucht, sondern, wie bereits einmal auseiiiandergesetzt wurde, 
sowohl nachträglich durch V erthpapiere oder Waarensen- 
düngen ausgeglichen oder auch in solcher Form vorher schon 
escomptirt werden kann. Es können also auch jene Länder, 
die kein Edelmetall selbst produciren, dauernd ungünstige 
Wechselcourse haben, nur kann bei diesen allerdings kein 
dauernder Edelmetallabfluss stattflnden. Bei den Productions- 
ländern der Edelmetalle aber ist selbstverständlich auch das 
Letztere recht wohl möglich, ja, wenn die Kdelmetallproduction 
einen grosseren Umfang erreicht, sogar noth wendig. 
Um die Verderblichkeit der durch die Zettelwirthschaft 
herbeigeführten Demonetisirung der Edelmetalle zu begreifen, 
halte man sich auch Folgendes vor Augen. Da in Folge dieser 
Demonetisirung, wie schon erwähnt, nicht nur das I’apiergeld 
im Verhältnisse zu den Edelmetallen, sondern das Edelmetall 
selbst innerhalb der Landesgrenzen im Verhältnisse zu den 
Edelmetallen auf dem Weltmärkte entwerthet ist; so ergibt 
sich dadurch, dass Jedermann, der an das hetreffende Land 
erkauft und dort Zahlung empfängt, die empfangenen Zah 
lungsmittel kostenfrei heimtragen kann, denn die Transj)ort- 
und Münzkosten, ja in der Regel noch ein kleiner Gewinn 
über dieselben hinaus, werden schon bei der Zahlung selbst
        <pb n="195" />
        &amp; 
183 
vergütet, indem dabei das bezahlte Edelmetall zu verringerten 
Preisen angerechnet wird. AVenn dagegen ein Bürger des 
betreffenden Papiergeldlandes im Auslande verkauft und dort 
Zahlung empfängt, so muss er die Fracht- und Alünzspesen 
für die empfangenen Zahlungsmittel doppelt tragen, ein Mal 
indem er die Verfrachtung wirklich zu besorgen hat , ein 
zweites Mal, indem ihm daheim, wenn er die empfangenen 
Zahlungsmittel realisiren will, die Frachtkosten nochmals 
abgezogen werden. Jedes Metallgeldstück wird eben im Werthe 
um einige Pfennige erhöht, so wie es die Grenzen des Papier 
geldlandes verlässt, und um einige Pfennige im AVerthe ver 
ringert, sobald es diese fluchbeladenen Grenzen überschreitet. 
Dies wirkt selbstverständlich für das betreffende Land gleich 
einer Importprämie, verbunden mit einer Besteuerung des 
Exportes. Beides, Prämie wie Zoll ist zwar, in Percenten 
ausgedrückt, nur gering, aber es wird unerbittlich für Alles 
gezahlt und für Alles erhoben , was im A^erkehre des betref 
fenden Landes mit allen Nachbarstaaten nur irgend AA^erth- 
bares ein- oder ausgeht. Gegen diesen Zoll gibt es keinen 
Schmuggel und die Prämie kann Keinem entzogen werden, der 
irgend Etwas, seien es Dienstleistungen, AVaaren oder Werth 
papiere, in s Papiergeldland liefert. Und in dieser gespen 
stischen unfassbaren Auflage, die sich das Papiergeldland zu 
Gunsten seiner Concurrenten und zum Schaden seiner eigenen 
Producenten und fhipitalist^en auferlegt, liegt die hauptsächliche 
Sühne für den Raub, den es an allen Ländern des Erdballs 
in jenem Momente begangen, wo es ihnen das eigene Circula- 
tionscapital als werthlosen Ballast vor die hüsse warf, und 
im Austausche dafür Güter aller Art in Empfang nahm. Nur 
zu reichlich muss es die Zinsen dieses Capitals zurückzahlen. 
Es hat sich selbst ausgeschlossen aus der Geldgemeinschaft 
der civilisirten Nationen. 
Es ist nun die Frage, ob es ein Alittel gibt, in den 
Ländern mit Papiervaluta die ausgleichende A\ irkung der 
Wechselcourse künstlich zu ersetzen. Da hier die AVechsel- 
course in der Regel ungünstig sind , so würde es sich zunächst 
darum handeln, vollen Ersatz für den die Exporte, befördern 
den , die Importe hemmenden Abfluss der Edelmetalle zu 
gewinnen. Als solche Ersatzmittel werden häufig Schutzzölle
        <pb n="196" />
        empf(»lileii ; diese sollen denselben Effeet, den in den Ländern 
mit Metallvaluta die Wechselcourse besitzen, herbeituhren, 
und in der That konnte man bemerken, dass beinahe ohne 
Ausnahme die protectionistischen Tendenzen zumeist in den 
Ländern mit gestörten Ueldverhältnissen und häufig unmittelbar 
nach erfolgter Störung des Geldumlaufes zur Geltung zu 
gelangen versuchen. Russland, Oesterreich, Italien, Nord 
amerika, in jüngster Zeit vorübergehend auch Erankreieh sind 
Beispiele dafür. Es gehört dies mit zu der verhängnissvollen 
Verwirrung aller wirthschaftlichen Anschauungen, welche die 
Zettelwirthschaft überall nach sich zieht. Denn in Wahrheit 
kann durch die Zollpolitik wolil das Verhältniss jener Eaetoren 
unter einander, aus denen sich die Gesammtheit der Zahlungs 
verpflichtungen einerseits und der Empfänger andererseits in 
einem Lande zusammensetzt, alterirt, niemals aber das Ver 
hältniss aller Verpflichtungen zu allen Empfangen geändert 
werden. 
Die Grundursache des Irrthums liegt darin, dass man die 
Bilanz im Waarenhandel mit der gcsammten Zahlungsbilanz 
verwechselt, und dass man insbesondere glaubt, durch die 
Einschränkung der Waarenimj)orte die Bilanz im günstigen 
Sinne ändern zu können. Dass durch eine Erhöhung der Zölle 
die Importe vieler Waaren für’s Erste verringert werden, kann 
nicht bestritten werden. Der Zoll wirkt hier in derselben 
V eise, wie ein ungünstiger V echselcours ) er erschwert den 
Bezug der davon betroffenen Waaren. Aber schon hier erstreckt 
sich die Wirkung nicht auf die Gesammtheit aller Waaren- 
bezüge, sondern blos auf jenen Theil derselben, der durch 
die Zollerhöhung direct betroffen wurde; auf alle anderen 
Importe dagegen , hauptsächlich aber auf die Gesammtheit der 
Waarenexporte äussert der Schutzzoll eine geradezu entgegen 
gesetzte Wirkung. Während nämlich Edelmetallabfluss Wohl 
feilheit zur Eolge hat, vertheuern die Schutzzölle, die Produc- 
tion; sie schwächen also die Concurrenzfähigkeit aller im 
Inlande erzeugten Waaren auf den fremden IMärkten. d. i, 
also die Exportfähigkeit, und sie erhöhen auch die Concurrenz- 
fähigkeit aller vom Schutzzölle nicht getroffenen fremden 
Waaren auf den inländischen Märkten, d. i. die Ini])ortfähigkeit 
deiselben. Ja diese letztere Wirkung wird sich sogar bei
        <pb n="197" />
        —*- 18Õ — 
einem Theile tier mit Zöllen belegten Waaren äussern, bei 
jenen nämlich , wo der Zollschutz geringer ist als im Durch 
schnitt der anderen Waaren, denn bei diesen A\drd die \ er- 
theuerung der inländischen Production grösser sein, als die 
Vertheuerung der ausländischen Bezüge. Doch selbst, wenn 
es möglich wäre, alle iin internationalen Handel irgendwie 
belangreichen AVaaren mit verhältnissmässig gleich hohen 
Schutzzöllen zu belegen, so würde dadurch der Saldó der Zah 
lungsbilanz nicht verändert, ja es wird dies nicht einmal bei 
dem Saldo der AVaarenbilanz der Fall sein. Es wird im 
grossen Ganzen die A^ertheuerung der inländischen Production 
der A^ertheuerung der fremdländischen Bezüge entsprechen, 
diese beiden AVirkungen werden sich vollständig paralysiren 
und der schliessliche Effect wird nicht ein Deber wiegen des 
Exportes über den Import, sondern eine gleichniässige A'er- 
ringerung Beider sein. Das Interessanteste dabei aber ist, 
dass dieser schliessliche Effect gar nicht dadurch hervorgerufen 
sein wird, dass die Impoide in das betreffende Land erschwert 
wurden, und erst diese Erschwerung eine Erschwerung der 
Exporte zur Folge hatte, sondern die AV'irkung wird umgekehrt 
gerade von den Exporten ausgehen, ln dem Schutzzoll lande 
selbst wird sich nämlich in Hinsicht auf den auswärfigen 
A\ aarenbezug gar Nichts geändert haben; man würde dort 
ebenso leicht imjiortiren können wie zuvor, da ja durch die 
mit der A^ertheuerung der Importe Hand in Hand gehende 
A ertheuerung der inländischen Production das A erhältniss 
zwischen auswärtigen und einheimischen I’reisen das nämliche 
geblieben ist. Für die erste Zeit allerdings, in welcher die 
A'ertheuerung des Consnms durch die Schutzzölle auf die Lohn- 
verhältnissc noch nicht die volle A\ irkung äussert, entsteht 
eine Differenz zu Gunsten der inländisclten Erzeugung, die 
hinderlich für den Import ist; sowie aber einmal die l’roduc- 
tionskosten sich den veränderten Preisverhältnissen angepasst 
haben, verschwindet diese Differenz und im grossen (Tanzen 
wird dann — immer vorausgesetzt, dass alle Einfuhrartikel 
gleichmässig vertheuert sind — der Importeur genau unter 
den nämlichen Bedingungen auswärtige A\'aaren beziehen 
können wie früher. 
Beeinflusst wird die Handelsbewegung durch ilie Schutz-
        <pb n="198" />
        186 
zolle von einer ganz anderen Seife her, als in der Absicht 
derjenigen liegt, welche das Schutzzollsystem befürworten ; es 
werden direct nicht die lmj*orte, sondern die Exporte vereitelt 
und erst die Unmöglichkeit, die fremden Bezüge durch ein 
heimische Waaren zu bezahlen, verringert diese. 
Das Ausland nämlich hat durchaus keinen Drund, die 
durch die Zollpolitik vertheuerten Producte des „geschützten"' 
Verkehrsgebietes höher zu bezahlen; es wird einen grossen 
Theil der Waaren, die es vorher dort kaufte, entweder aus 
anderen Ländern einführen oder selbst erzeugen, letzteres um 
so leichter, da ja der Zoll, der auf seine Exporte gelegt 
wird, bei ihm die entgegengesetzte Wirkung üben wird, wie 
im Schutzzollande, er wird nämlich seine Producenten zwingen 
billiger zu verkaufen , als sie es vordem thaten. Die Erzeug 
nisse des Schutzzollgebietes werden in solcher Art von den 
fremden Märkten mehr und mehr verdrängt werden und dies 
wird allerdings schliesslich auch dessen Import verringern. 
Wie man sieht, wird schon auf dem (ilebiete des Waaren- 
handels der Schutzzoll, weit entfernt eine günstige Bilanz 
zu erzwingen, ganz im Cregentlieile nach Ueberwindung der 
ersten vorübergehenden Uebergangsconjuncturen die Bilanz 
und folglich die Wechselcourse nur noch schlechter machen. 
Noch deutlicher zeigt sich dies jedoch, wenn man die Bewe 
gung im Etfectenhandel und die Bilanz der Dienstleistungen 
mit in den Kreis der Betrachtung zieht. Die Vertheuerung 
der Production wird noth wendigerweise den Zufluss fremder 
Capitalien gegen einheimische Werthpapiere unterbinden. Der 
Zinsfuss der Papierwerthe wird sinken und es muss daher für 
das Ausland minder lohnend werden, seine Capitalien in dem 
betreffenden Lande arbeiten zu lassen. Umgekehrt wird ganz 
aus der nämlichen Ursache das einheimische Capital die Ten 
denz haben, mehr als früher der Fall war, ins Ausland zu 
strömen. Es wird sich also die Bilanz im Effeetenhandel ver 
schlimmern; diese Verschlimmerung findet ihre (Lenze nur 
darin, dass in Folge der Erschwerung aller Production die 
inländischen Capitalien langsam ei- zunehmen werden als zu 
vor und dadurch einerseits der Abfluss einheimischer Capitalien 
verringert, andererseits das Bedürfniss nach fremden Capitalien 
erhalten wird. Es wird dann davon abhängen, ob die Unter-
        <pb n="199" />
        187 
bindung der Capitalsansammlung oder die Unterbindung der 
Production sieb energischer fühlbar macht, um den Ausschlag 
bei der AVaaren- oder bei der Effectenbilanz zu geben. Ist 
Kr.steres der Fall, beginnen trotz gestörter Production die 
Capitalien zu mangeln, so \\ird sich die Ungunst der Bilanz 
hauptsächlich im Waarenhandel zeigen; ist letzteres der lall, 
so wird dies zunächst beim Etfectenhandel der Fall sein. 
Immer jedoch werden die Schutzzölle die Tendenz haben, die 
Exporte zu hemmen, und nur wenn auf der einen Seite diese 
Hemmung einen ganz unverhältnissmässigen Umfang erreicht, 
wird dies eine relative Besserung auf der anderen Seite er 
zwingen. Granz dasselbe gilt von den Dienstleistungen. Die 
Vertheuerung aller Preise muss nothwendigerweise auch alle 
jene Dienstleistungen, deren Kosten sich vornehmlich aus 
Löhnen zusammensetzen, vertheuern und folglich deren Con- 
curren/ auf dem AVeltmarkte erschweren. Eine Reaction kann 
auch hier lediglich dadurch eintreten, wenn etwa die Unter 
bindung des Unternehmungsgeistes die Löhne trotz der Theue- 
rung aller Lebensbedürfnisse nicht nur relativ, sondern auch 
absolut herabdrückt. 
Mit einem AA'orte, die Schutzzölle würden auf allen Ge 
bieten des internationalen Verkehrs die Zahlungsbilanz fort 
während verschlechtern, wenn nicht die in ihrem Gefolge 
gehende Erschwerung der Production, die Unterbindung des 
wirthschaftlichen Aufschwunges, dem Uel)erwiegcn der Bezüge 
an AVaaren, Dienstleistungen und A\'erthpapieren eine Grenze 
zögen. Die Schutzzölle regeln also allerdings auch die Zah 
lungsbilanz, aber in ganz anderer AVeise, als es bei den 
AVechselcoursen der Fall ist. AVährend hier die Beförderung 
der Eoncurrenzfähigkeit in Folge des EdelmetallabHusses 
das Correctiv ist, liegt dieses bei den Schutzzöllen in dei 
Vei armung, hervorgerufen durch die Erschwerung der 
Production. 
Im Uehrigen aber handelt es sich bei jeder Schutzzoll 
politik nicht um die gleichmiissige Vertheuerung aller A\ aaren- 
hezüge. sondern um die gewisser bevorzugter Kategorien, hür 
diese kann nun allerdings eine Aenderung in der Handels- 
bewegnng erzwungen werdtui. Wenn beispielsweise ein Land 
mehr Kisen imporlirt als exportirt und es wird nun ein aus-
        <pb n="200" />
        188 — 
giebiger Schutzzoll auf Eisen gelegt, so wird dieser die Eisen- 
Exporte nur massig beeinflussen, es sei denn dadurch, dass der 
steigende Consum inländischer Erzeugnisse für den Export 
Weniger übrig lässt, oder allenfalls noch dauurch, dass all- 
mälig die durch den Schutzzoll eingeschlafeite industrielle 
Regsamkeit der Concurrenzfähigkeit auf den fremden ^Märkten 
schadet; die Eisen-Importe dagegen werden direct und aus 
giebig gehindert, vielleicht auch gänzlich abgehalten werden 
und es wird sich jedenfalls das Verhältniss zwischen Export 
und Import weitaus günstiger gestalten als früher. Bei allen 
anderen Waaren muss jedoch das (xegeiitheil eintreten. So 
gering auch für jeden einzelnen Bewohner eines solchen Lan 
des die Vertheuerung seiner Lebensbedürfnisse durch die Ver- 
theuerung seines Bedarfes an Eisen sein mag, so wird diese 
Vertheuerung eben doch bestehen und zurückwirken auf alle 
Preise und Löhne ; die Production aller Waaren wird da 
durch, wenn auch nur um ein Geringes erschwert werden. 
Um dieses Geringe aber vermindert sich eben die (’oncurrenz- 
fahigkeit aller einheimischen Güter sowohl auf den einhei 
mischen als auf den fremden Märkten, es werden daher nm 
dieses Geringe bei allen Waaren unter sonst gleichbleibenden 
Verhältnissen die Exporte sinken, die Importe steigen, und die 
Summe aller dieser Einbussen wird schliesslich doch grösser 
sein, als der Gewinn bei den Eisenwaaren. Lass sie grösser 
sein muss, sowie erst einmal die Vertheuerung der Production 
in Folge der Eisenvertheuerung Zeit gehabt hat, ihre Wirkung 
zu äussern, folgt aus derselben Betrachtung, die früher unter 
der Voraussetzung angestellt wurde, dass der Zoll gleich- 
massig auf alle Güter gelegt wird. 
Es soll nun noch die hie und da auf tauchen de Besorg- 
niss, dass -ein Land mit ungünstiger Handelsbilanz die Valuta 
nicht herstellen könne, weil in diesem Falle die Edelmetalle 
sofort wieder abströmen müssten, erwähnt werden. Es stellt 
dies die Sache geradezu auf den Kopf. Davon, dass 
man unter dieser Handelsbilanz in der Regel nur die 
Balanz des Waareiihandels versteht, und deren Ungunst für 
gleichbedeutend hält mit der ungünstigen Balanz des ge 
summten internationalen Austausches eines solchen Landes, 
mag nicht weiter gesprochen werden. Loch selbst, wenn die
        <pb n="201" />
        189 
ganze Zahlungsbilanz ungünstig sein sollte — und sie kann 
dies 'sein, selbst wenn die Balanz des Waavenhaiidels günstig 
ist — wird dadurch eben so wenig eine vorher gesunde 
Valuta zerrüttet, als die Herstellung einer zerrütteten Valuta 
verhindert werden.*) Vor allem schon deshalb nicht, weil 
die Wechselcourse und folglich die Zahlungsbilanz in solchen 
Ländern vorwiegend nur aus dem Grunde ungünstig sind, 
weil eben die Valuta zerrüttet ist; beseitigt man diese Ursache, 
') Selbst Göschen (Theorie der auswärtigen Wechselcourse) begeht in 
diesem Punkte einen bedauerlichen Irilhum. Er hält es tur wahrscheinlich, 
«dass in vielen Fällen die Rntwerthung der Münze die directe oder indirecte 
Folge übermässiger Einfuhren ist, mindestens eben so häufig, als die Folge 
von Schulden und Bankerotten der Staaten“. Nichts kann unrichtiger sein. 
Niemals haben übermässige Einfuhren eine Papiergeldemission erzwungen, nie 
mals kann sich ohne die letztere eine Landesvaluta um mehr als den Betrag 
der natürlichen Verlustgrenze der Wechselcourse entwerthen. Denn ohne die 
Zettelemission kann sich das IJebermass der Einfuhr unmöglich dauenid er 
halten , da der beginnende Abzug des Baargeldes nothwendiger Weise die 
Zahlungsbilanz alsbald herstellen muss. Nur wenn die Emission uneinlöslicher 
Noten in die durch den Baarabfluss entstandene Lücke im Circulationsbedarfe 
eintritt und dadurch die Rückwirkung des Geldabflusses auf die Preisverhält 
nisse ])aralysirt, ja an die Stelle der sonst unweigerlich eintreteuden Erraässi- 
gung aller Preise sogar eine Preissteigerung treten lässt; nur dann kann sich 
das Uebermass der Importe dauernd erhalten und nur dann kann trotz stetiger, 
bis zu völliger Erschöpfung fortschreitender Vermiudernng des MetalIgeldvor- 
rathes eine Üeldeutwerlhung eintreten. Der Richtigkeit dieses Sachverhaltes 
kann sich dieser hervorragende englische Volkswirth selbst nicht verschliessen, 
denn in der, dem oben citirten Satze unmittelbar folgenden Begründung wird 
der Verlauf der Ereignisse in den Papiergeldländern doch so geschildert, dass 
allemal die Zettelemission — gleichviel zu welchem Zwecke und aus welchem 
Anlasse — den Beginn macht und die steigende Einfuhr blos die nothweudige 
Folge ist; es wird auch nachdrücklich betont, dass Zettelemissionen die Zah 
lungsbilanz stets mehr und mehr verschlimmern ; es wird sogar an einem 
Beispiele gezeigt, dass besorgnisserregende Geldausfuhren, da eine Zettel- 
emission vermieden wurde, ganz von selbst wieder aufliörten nichtsdesto 
weniger wird am Schlüsse nochmals die Möglichkeit einer „Erschöpfung“ 
des haaren Geldvorrathes ohne vorherige Emission von Papiergeld statuirt, 
und von der Herstellung des Gleichgewichtes in der Zahlungsbilanz erst nach 
erfolgter Entblössung des Landes von Eirculationsmitteln gesprochen. Bei der 
grossen Autorität, die Göschen in England wie auf dem Continente mit Recht 
in allen Fragen des Wechselcourses und der internationalen Zahlungsbilanz 
geiiiesst, wäre es von grossem Nutzen, wenn er diesen Irrthum, der namentlich 
im österreichischen Laienpublicum viel Unheil gestiftet hat, bei passendem 
Anlässe selbst corrigiren wollte.
        <pb n="202" />
        — 190 — 
so hört aiicli die Wirkung aof. Damit soll selhstverständlieli 
nicht gesagt sein, dass nicht auch nach erfolgter Hei stalling 
der Valuta ans anderweitigen Ursachen \V echselcours und 
Zahlnngsbilanz nngünstig sein können, in welcliein balle dann 
allerdings Edelmetalle ans dem betreffenden Lande abströmen 
werden. 
Aber für alle Fälle wird dieser AbHnss nnr so lange 
währen können , bis in Folge desselben die ( ■ircnlationsniittel 
im dem betreffenden Lande jenen Stand erreichen, der den 
normalen Vevkebrsbediirfnissen entsjiricbt, wo dann sofort die 
regnlirende Wirkung dev Wecbselconrse eintreten muss. Und 
aneh den znr Herstellnng der Valuta selbst dienenden Opera 
tionen kann ein Einflnss anf die Wechselconrse nnd anf 
die • Fdelinetallströmnng nicht ahgesprochen werden. ]n 
erster länie werden diese ( fjierationen , die zumeist in der 
Anfnahme ansländischer Metallanlehen bestehen , ganz nn- 
zweifelhaft in ausgiebiger Weise dahin wirken, die \\ ech- 
selconrse zn verbessern; denn ein solches Anlehen ist eben 
gleichbedentend mit dem Abschlnsse eines Fffeetenverkanfs- 
geschäftes an das Ansland nnd hat daher Zahlungen des 
Anslandes an das Inland znr nothwendigen (k)nse&lt;|nenz. Ist 
aber das znm Zwecke der Valntaherstellnng anfgenummene 
Metallanlehen zn gross, so dass die in Fcdge desselben her 
einströmenden Zahlnngsniiftel den Bedarf des Landes über 
steigen, so wird im ferneren Verlaufe selbstverständlich ein 
Kiiekströmen der (ürcnlationsmittel nach dem Anslande die 
Folge, nnd mit diesem Rückströmen eine Verschlechternng 
der Wechsehionrse verbunden sein , jedocb nicht in der Wise, 
dass der Edelmetallabflnss die Ursache nnd der schlechte 
Wechselconrs dessen Folge ist, sondern umgekehrt werden die 
Edelmetalle wieder abströmen, weil zuvor schon die Wechsel- 
course schlecht geworden sind, nnd diese werden schlecht 
geworden sein, weil der Ueberfluss an Circulationsmitteln in 
dem betreffenden Lande die Preise emporgetrieben, folglich 
den Exporthandel beeinträchtigt, den ImporHiandel gesteigert 
haben wird. Ist umgekehrt bei den zur Herstellung der Valuta 
dienenden Operationen zu wenig IMetallmünze geprägt, zn viel 
an Geldnoten eingezogen worden, so wird Edelmetall noch 
über den Anlehensbetrag in das betreffende Verkehrsgebiet
        <pb n="203" />
        191 
eíustromeii, die Wecliselcüurse werden günntig bleiben. Tn dem 
Momente also, wo die Baarzalilungen hergestellt sind, werden 
die Wechseleourse auf die Handelsbeziehungen und auf den 
¡Stand der Cireulationsmittel genau die nämliche ausgleichende 
Wirkling üben wie in jenen 1 .«ändern, welche die metallische 
Basis des Geldwesens niemals verlassen haben. 
Die einzige Schwierigkeit für jedes Land, welches zu 
den Metallzahlungen zurückkehren will, liegt blos darin, dass 
die Einziehung der Noten möglichst gleichlaufend mit der 
Sättigung des inländischen Verkehres durch ^letallgeldzeichen 
fo lisch reiten muss. Geht die Kinziehung zu rasch vor sich, 
so wird damit eine vorübergehende Beengung des Geldstandes 
verbunden sein und diese kann gefährliche Erschütterungen, 
ja verheerende Krisen im Gefolge haben; geht die Einziehung 
zu langsam von Statten, so ist dies mit einer Verschwendung 
an Prägekosten, mit unnöthigem Zeitverluste verbunden, 
indem die überHiissig ausgegebenen Metallgeldzeichen t heil weise 
wieder abströmen, im Auslande eingeschmolzen werden und 
nunmehr neue geprägt werden müssen.
        <pb n="204" />
        VTIT. Capitel 
Einfluss (1er Valuta auf die wirtliscliaftliche Tliätig- 
keit im Allgemeinen. 
Die Stövnng des (reídwesens wirkt liilnnend anf jede 
gesunde Regung des Speenlatinnsgeistes. Rer (’apitalist wird 
dadnreli geliindert, in Zeiten sinkenden TTnternehinnngsgeistes 
von seinem l^esitze eine, wenn aneh im Dnreliscknitte massigere, 
so do(di ents]n'ecliend regelmässige Rente zu ziehen ; der l'uter- 
nelimer sieht sieh ausser Stande, in Zeiten des Hedarls zu 
relativ billigen Bedingungen Capital zu erhalten ; der Arbeiter 
endlich wird hei günstigen Conjnnctnren um einen Theil der 
ihm gebührenden Imlinerhöhnng verkürzt. Umgekehrt kann 
der Capitalist zeitweilig eine nngehührlich hohe Rente er 
zwingen, der Unternehmer sieht sich hei ungünstigen (kuijunc- 
turen von einem unmässigen ('apita Isangebote umseh wärmt 
und d&gt;r Arbeiter endlich erhält hei ungünstigen (Xinjuncturen 
einen durch Nichts gerechtfertigten Zuschlag zu seinem laduie 
auf Kosten der Production. Auch die grosse Classe der auf 
tixe Bezüge und Gehalte Gesetzten verliert durch die immer 
währenden Schwankungen in der Kaufkraft des (xeldes den 
Massstab für eine vernünftige Begrenzung der Lebeusbedüi'f- 
nisse. Derselbe Bezug, der gestern noch reichliches Auskommen 
bot, kann möglicherweise heute schon ungenügend sein zur 
Bestreitung der nothwendigsten Bedürfnisse, und da es stets 
leichter ist. die Bedürfnisse zu erhöhen als sie einzuschränken, 
so wird in der Regel eine unvernünftige unwirthschaftliche 
Ausdehnung der Ausgaben die Folge solcher Schwankungen sein.
        <pb n="205" />
        193 
Insbesondere bei der Classe der Unternehmer und 
Capitalisten wird zu dem unausbleiblichen Rückschläge, den 
die Schwankungen des Geldwerths in der Bedürfnisssphäre mit 
sich bringen, noch die directe Verlockung zu unwirtbschaft- 
licher Verwendung des Capitals und der Unternehmerthätigkeit 
treten. Auch in den Rändern mit Metallvaluta ist es eine 
bekannte Thatsache, dass immer, wenn auf eine Zeit hoch 
gespannter wirthschaftlicher Regsamkeit eine Epoche der 
Reaction folgt, in welcher Capital und Arbeit durch längere 
Zeit geringe Rente ab werfen, die Gemüther in unwidersteh 
licher Weise zu waghalsigen Speculationen gereizt werden. 
Der Capitalist, der seine Rente durch den Stillstand aller 
Geschäfte übermässig verkürzt sieht, der Unternehmer, der 
keine Gelegenheit findet, seine Thätigkeit zu verwerthen, sie 
beide werden endlich begierig und ohne gewissenhafte Prüfung 
nach allem Neuen greifen, das ihnen nach längerer Entbeh 
rung endlich wieder höheren Gewinn in Aussicht stellt. Nach 
Epochen wirthschaftlicher Stagnation folgen Epochen der 
Ueberspeculation und des Schwindels — das ist eine allge 
meine, übeiall beobachtete Erscheinung. Während aber unter 
normalen Verhältnissen der Uebergang von wirthschaftlicher 
Regsamkeit zu wirthschaftlicher Stagnation nur nach längeren 
Zwischenräumen und als Eolge allgemein wirkender Ursachen 
eintritt, kehren in den Ländern mit Papiervaluta solche Ueber- 
gänge in raschem Wechsel wieder. Dazu kommt noch, dass 
die Bevölkerung in einem Papiergeldlande ganz ohne ihr Da- 
zuthun, ja oft wider ihren Willen foitwährend zu waghalsigen 
Speculationen ganz besonderer Art gezwungen wird. Jeder 
Besitzende in einem solchen Lande ist Valutaspeculant, also 
genöthigt,, ein Spiel mitzumachen, von dem er in der Regel 
nichts versteht, ja dessen Wirkungen er häufig gar nicht 
verspürt. V er Geld oder Geldrente besitzt, wird hier bei 
steigendem Disagio stets verlieren, bei sinkendem Disagio 
gewinnen, und so wenig ihm dies auch sofort deutlich werden 
mag, es wird endlich doch insofern zu Jedermanns Bewusst 
sein gelangen, als unmöglich verborgen bleiben kann, dass bei 
hohem Agiostande nach Bestreitung der Lebensbedürfnisse 
eine geringere, bei niedrigem Stande des Disagio eine höhere 
Summe von Ersparnissen erübrigt werden muss. Der Besitzer 
Ur. Tli. Hertzka, Währung und Handel. 13
        <pb n="206" />
        ^ 194 
von G-ütern anderer Art wird umgekelirt bei steigendem Dis 
agio einen liölieren, bei tieferem Stande des Disagio einen 
geringeren Erlös zu erzielen im Stande sein. Dies muss jede 
geschäftliolie Combination auf solider Basis unmöglich machen. 
Auf einen Wechsel der Conjunctnr wird jeder Geschäftsmann 
gefasst sein, aber er wird sich nach Kräften bestreben, die 
wahrscheinliche Conjunctur vorher zu berechnen, und sich 
überhaupt zu Speculationen nur dann entschliessen, wenn 
nach seiner Erfahrung und Berechnung ein günstiger AV echsel 
wahrscheinlicher ist, als ein ungünstiger. Man kann nun vom 
Getreidehändler verlangen, dass er sich über die zukünftige 
Lage des Getreidemarktes, vom Kaffeehändler, dass er sich 
über die Conjunctur auf dem Kaffeemarkte eine mehr oder 
minder begründete Ansicht bilde ; man kann von Beiden fordern, 
dass sie Speculationen unterlassen, wenn sie nicht die nöthige 
Sachkenntniss, nicht den nöthigen Scharfsinn haben, um der 
artige Combinationen, mit einiger M'ahrscheinlicheit das Rich 
tige zu treffen, anstellen zu können. Von keinem Geschäfts 
manne kann man aber fordern, dass er alle die unzähligen, 
seiner eigenen Geschäftssphäre entrückten 1* actore kennen 
und in dei’ Wirkung voraiishereehnen soll, die auf den ?^tand 
des Geldwerthes in einem Lande mit Pa})iervaluta Einfluss 
haben. Und da in dem Papiergeldlande die Schwankung des 
Geldwerthes jede andere Conjunctur mit beinahe souverainer 
Gewalt beherrscht und folglich die genaueste , scharfsinnigste 
Combination über die zukünftigen Preisverhältnisse welcher 
Waare immer ganz werthlos ist, so lange sie nicht durch 
eine eben so verlässliche Combination über den zukünftigen 
Geldwerth ergänzt werden kann: so haben die Unternehmer 
in den Papiergeldländern nur die Wahl, entweder auf jede 
Speculation zu verzichten oder jede Speculation aufs Gerathe wohl 
zu unternehmen. Daher kommt es denn in der That, dass kühne 
und doch klug rechnende Kaufherren mit weitem Blick für die 
Verhältnisse des Weltmarktes fast nur in den Ländern mit Metall 
valuta Vorkommen, während es in den Papiergeldländern Börsen- 
spleler — oder Krämer gibt. Hindernisse reizen allerdings den 
Menschengeist zu erhöhten Anstrengungen, aber dies ist nur dann 
der Fall, wenn diese Hindernisse keine absolut unbesiegbaren, 
aller menschlichen Voraussicht spottenden sind, denn dann
        <pb n="207" />
        195 
’ 13* 
tritt an die Stelle der geistigen Anstrengung zur Besiegung 
des Hindernisses die stumme Resignation, die Ergebung in's 
Unabänderliche. 
Der deutsche, der französiclie, der englische Händler 
und Fabrikant — sie alle bemühen sich, die Conjunctur für 
jene Waaren, mit denen sie Handel treiben und die sie er 
zeugen , für eine kürzere oder längere Zeit vorher zu berechnen 
und je nach dem Resultate ihres Nachdenkens ihr Lager zu 
vermehren oder einzuschränken. Für jeden Geschäftszweig 
finden sich in diesen Ländern scharfsinnige Köpfe, die mit oft 
staunenerregender Geschicklichkeit alle Verhältnisse ihres Be 
triebes beherrschen, und die gerade wegen dieser Voraussicht, 
mit der sie die Bedürfnisse der Zukunft vorhersehen, den 
Handel zu Ehren bringen und seine ausgleichende Mission bei 
Vermittlung des Angebotes und der Nachfrage auf dem 
Weltmärkte erfüllen. Es ist ja die Aufgabe des Speculanten, 
vom Ueberflusse der Gegenwart für die Noth der Zukunft 
aufzus])eichern, und umgekehrt die Noth des Augenblicks aus 
dem Ueberriusse der Vergangenheit, ja zum Theil aus dem 
der nächsten Zukunft zu lindern. Ersteres besorgt die Hausse- 
speculation, letzteres die Baissespeculation, die Beide nicht 
da sind, um sich* im blinden Glücksspiel gegenseitig die Wage 
zu halten, sondern vornehmlich dazu , um in richtiger Erkennt- 
niss dessen, was der nächste Augenblick bringen muss, die 
momentanen Ausscbreitungen der Theuerung sowohl, als der 
Wohlfeilheit zu bekämpfen. 
Tn den Tjändern mit Papiervaluta ist Alles dies nur sehr 
schwer möglich. Die grossartigste, in ihrer Feinheit bewun 
derungswürdigste Combination des Speculanten, er mag das 
zukünftige Verhältniss zwischen Angebot und Nachfrage in 
seinem Fache noch so richtig berechnet haben, wird durch die 
nächstbeste Schwankung der Valuta über den Haufen gewor 
fen; und umgekehrt kann die Gunst der Valutaconjunctur die 
schlimmsten Fehler des glücklichen W^aghalses gut machen, 
der ohne Kenntniss und Verständniss Etwas unternimmt, was 
nicht seines Amtes ist. Die Händler und Fabrikanten des 
Papiergeldlandes werden sich auf diese Weise nach und nach 
entwöhnen, die geschäftliche Conjunctur auch nur zu prüfen; 
die Ausdehnung oder Einschränkung ihrer Geschäfte wird
        <pb n="208" />
        196 
Lei ihnen kaum mehr Sache der Berechnung und der Combi 
nation, sondern Sache des Temperaments und der Laune sein. 
Dadurch aber wird ein doppelter Nachtheil entstehen. 
Vor allem wird das Land mit Papiervaluta im Welthandel 
auf jede selbstständige Berechnung mehr und mehr verzichten 
und schliesslich dahin gelangen, von den Speculanten des Aus 
landes vollständig abhängig zu werden. Damit allein schon 
wird für dasselbe jener sehr bedeutende Dewinn verloren sein, 
den andere Länder aus der kaufmännischen Geschicklichkeit 
und Unternehmungslust ihrer grossen Handelshäuser ziehen. 
Es wird seine Vorräthe nicht dann ergänzen, wenn dies nach der 
WeJtconjunctur jedes einzelnen Artikels am vortheilhaftesten 
möglich ist, und auch bei einer vorübergehenden Theuerung 
seine Käufer nicht unter das normale Mass einschränken, son 
dern, wie dies bei kleinen Krämern üblich ist, der Hauptsache 
nach stets den gleichen Vorratli halten, und für den Bedarl 
des Augenblickes sorgen. Auch andere Länder können bei 
ihrer Handelsthätigkeit Irrthümern unterworfen sein und häuüg 
durch fehlerhafte Speculation Verluste erleiden ; aber im Durch 
schnitte ist denn doch die grosse W’aarenspeculation gewinn 
bringend und das kapiergeldland wird auf einen ihm 
gebührenden Antheil an diesen Gewinnen verzichten. 
Noch schlimmer gestaltet sich dieses Verhältniss, wenn 
ein solches Land den grossen Speculationen nicht gänzlich 
entsagt, dagegen aber bei denselben mehr durch Rück 
sichten auf* die Valutaconjunctur als auf die den betreftenden 
Handelszweigen selbst eigenthümliche Combination geleitet 
wird, Wie dies unter der Herrschaft des Papiergeldwesens nur 
zu häuüg der Fall ist. Dann wii'd dasselbe nicht nur aul den 
reellen Speculationsgewinn verzichten, sondern in der Regel 
von den Speculanten des Nachbarreiches ausgebeutet werden. 
Diese werden kaufen oder verkaufen, je nachdem sie die Con- 
junctur für die bestimmte Waare für günstig oder für un 
günstig halten; die Abnehmer oder die Abgeber werden sie 
aber mit Vorliebe dort suchen und in der Regel auch linden, 
wo man Käufe und Verkäufe unabhängig von diesen Combi- 
nationen nach ganz anderen Gesichtspunkten vorzunehmen 
püegt. Dass dann in der Regel Diejenigen Recht behalten 
werden, die unter der Erwägung der reellen \ erhältnisse
        <pb n="209" />
        197 
gehandelt haben, nicht aber Diejenigen, die anf die Zufälle 
der Valutaachwanklingen rechneten, ist selbstverständlich. iLs 
mag auch hänlig der Fall sein , dass beide Theile gewinnen, 
wenn nämlich der ausländische Spéculant die Waarencon- 
jnnctnr, der Spéculant des Papiergeldlandes die Valuta con- 
jnnctnr errathen hat; aber der Unterschied wird darin liegen, 
dass der Gewinn des einen ein reeller, der des andern ein 
tictiver ist. Venn z. B. ein Berliner Getreidehändler nach 
sorgfältigen Erkundigungen über den Stand der Ernten in 
den europäischen und amerikanischen Prodnctionsländern den 
Entschluss fasst, Getreide anfznkaufen, und der Pester Getreide 
händler durch das stete Sinken des Disagios veranlasst 
wird, Getreide in bianco zu verkaufen : so wird, wenn die 
Combination Beider richtig ist, der Berliner Spéculant schliess 
lich für den Weizen, den er etwa mit 4 Thalern per Zoll- 
centner gekauft, 4’'2 Thaler erhalten; der Pester Händler 
aber wird die 4 Thaler, die er erhalten, beim Agiostande 
von beispielsweise 130 gegen 1 fl. 80 kr. ö. W. iimgewechselt 
haben. Ist nun das Disagio auf 110 gesunken, so werden die 
4V2 Thaler Silber, die der Weizen nunmehr werth ist, blos 
7 fl. 42 Va kr. ö. W. repräsentiren , der Pester Spéculant mrd 
also mit einem scheinbaren Gewinne von 37 Va hr. per Centner 
decken können. Für seine Person wird dieser Gewinn auch 
wirklich und greifbar sein, denn für ihn handelt es sich nicht 
darum, welchen inneren Werth die früheren 7 fl. 80 kr., und 
welchen die gegenwärtigen 7 fl. 42 Va hr. repräsentiren ; ihm 
ist es gleichgiltig, dass mit dem Betrage, den er erhalten 
eine geringere Anzahl von Arbeitstagen , eine geringere Menge 
von Producfen aller Art eingetalischt werden konnte, als mit 
jenem Betrage, den er zu bezahlen hat; ihm erscheint mit 
Hecht ausschlaggebend, dass 37^'2 hr. für jeden Centner in, 
seinen Händen bleiben. Anders aber gestaltet sich die Sache mit 
Hinblick auf den Nutzen der Gesammtheit. Für diese ist nicht 
der nominelle Befrag der Geldzeichen, sondern der essentielle 
W erth des Kmpfanges und der Zahlung von Bedeutung. Wenn 
man den Arbeitstag zu 50 kr. ö. W. Silber rechnet, so 
konnten für die 7 fl. 80 kr., die der Spéculant empfanden 
hat, und die nur fl fl. Silber repräsentirten, 12 Arbeitstage 
oder Producte im Werthe von 12 Arbeitstagen eingetauscht
        <pb n="210" />
        198 
werden; dafür aber mussten später Producte im AVerthe von 
IHV2 Arbeitstagen im Austausche gegeben werden. Das Land 
hat also 1 V2 Arbeitstag oder 75 kr. Silber auf jeden Centner 
gelieferten Getreides verloren, und wenn der Spéculant nichts 
destoweniger kr. Papiervaluta gewann, so musste um 
diesen Betrag irgend einer seiner Landesgenossen noch über 
die 75 kr. Silber hinaus geschädigt worden sein. 
Um dies zu verdeutlichen, stelle man sich vor, dass der 
Pester (xetreidespeculant zugleich der Tdeferant jenes Land- 
wirthes sei, von welchem er späterhin das Getreide zur Lie 
ferung nach Deutschland kauft ; das (xeschäft, um das es sich 
hier handelt, möge 1000 % oll centner AVeizen umfassen. Nun 
liefert der Pester Spéculant um denselben Betrag von 
4000 Thalern = 7800 fl. ö. A\A Papier, die er bei einem 
Getreidepreise von 4 Thalern oder 6 fl. Silber und bei einem Agio 
stande von 130 für den in bianco verkauften A\'eizen erhalten 
hat, dem l.andwirthe Maschinen und A\'erkzeuge; späterhin 
empfängt er von demselben Landwirthe die KMX) Centner Ge 
treide, schreibt diesem, da inzwischen der A\''eizenpreis auf 
41/a Thaler oder fl.75 Gulden Silber gestiegen, das Agio aber 
auf 110 gesunken ist, dafür 7425 H. Papier gut, ist damit 
seiner Verpflichtungen gegen seinen Berliner Geschäftsfreund 
ledig, und hat noch 875 fl. Papier von seinem landwirth- 
schaftlichen Kunden zu fordern. Dieser aber muss 1000 Cent 
ner Getreide und überdies 875 fl. Papier für Maschinen 
bezahlen , die er nunmehr für den AVerth von rund 886 Cent 
ner AVeizen erhalten könnte. Lr hat also 114 Centner 
AVeizen und überdies 875 fl. zu viel bezahlt; die 114 Centner 
AVeizen repräsentireu den Verlust an das Ausland, die 875 fl. 
den Gewinn des inländischen Speculanten. 
Dass derlei Geschäftsconjuncturen kein Pantasiebild, 
sondern der traurigen reellen Wirklichkeit entnommen sind, 
davon wissen die Speculanten Oesterreichs und Ungarns gar 
mancherlei zu erzählen. Es ist sehr selten vorgekommen, dass 
ausländische Speculanten den Kürzeren zogen, wenn sie in den 
(Geschäftsverbindungen mit unserer Monarchie eine entgegen 
gesetzte Speculationstendenz verfolgten, als diese letztere; da 
gegen ist es die Regel, dass österreichische und ungarische 
Speculanten, wenn sie sich in Gegensatz zum Auslande
        <pb n="211" />
        — 109 
stpllteii, (leu Kürzeren zogen, wenn ihnen nicht etwa die 
Valuta zu Hilfe harn und den Schaden von ihren Schultern 
auf die der Gesammtheit überwälzte. Wiederholt wurde auf 
diese Weise der Pester durch den Berliner Getreidehändler, 
der Priester durch den Hamburger KafFeehändler, der Wiener 
durch den lüverpooler Baumwollhändler ausgelieutet. Man gab 
dann in solchen Fällen als Krklärungsgrund an,, dass die Aus 
länder durch ihre grössere allgemeine Bildung, durch die engeren 
Verbindungen mit den grossen Bezugsquellen u. dgl. m. in 
die Lage versetzt wurden , die Situation richtiger zu heur- 
theilen. Es mag dies in vielen Fällen auch wirklich mit 
dazu heigetragen haben , den Vortheil des Auslandes auf Kosten 
Oesterreichs zu sichern; aber die erste hauptsächlichste Uisache 
lag doch darin, dass die Zettelwirthschaft den Speculationsgeist 
in Oesterreich zerstört, den Spielgeist an dessen Stelle 
gesetzt hat. 
Dies wäre übrigens noch mit verhältnissmässig geringen 
Nachtheilen für das Land verbunden gewesen — obwohl" der 
Nutzen einer tüchtigen, geschäftskundigen Speculation keines 
wegs unterschätzt werden darf — wenn nicht ganz aus dem 
selben Grunde die Neigung zu leichtsinnigem Glücksspiele alle 
Berufsclassen der Monarchie mehr und mehr erfasst hätte. 
Die Valutaschwankungen zwangen jeden Fabrikanten, jeden 
Gewerbsmann, mit den Vorräthen, die er nothwendiger Weise 
halten musste, gleichsam an der Geldbörse zu spielen. Heber 
Nacht konnte ihnen allen ein Emporschnellen des Disagios 
Gewinnste, ein plötzliches Sinken des Disagios Verluste 
bringen, gegen die es keine Mittel der Abwehr gab. Was 
war natürlicher, als dass diejenigen, die auf diese Weise 
wider Willen in den Kreis der Fonds- und Geldbörse gezogen 
wurden, allmälig an dem Spiele derselben Geschmack fanden, 
und nunmehr auch freiwillig das thaten, was sie doch für alle 
Fälle nicht gänzlich umgehen konnten. Dazu rechne man die 
steten Schwankungen in der Lebensstellung, hervorgerufen 
durch die Schwankungen des Geldwerthes und des Preises 
aller Lebensbedürfnisse, und man wird es nur zu begreiflich 
finden, dass Unsolidität und Spielwuth sich der weitesten 
Kreise bemächtigen; überall sind Diejenigen , die plötzlich den 
Kreis ihrer gewohnten Genüsse eingeschränkt sehen, die
        <pb n="212" />
        200 
gezwungen werden, liebgewordenen Bedürfnissen zu entsagen, 
im höchsten Grade geneigt, das Gewagteste zu unternehmen, 
um diese Nothwendigkeit von sich ahzuwehren. In den Ländern 
mit schwankender Papierwährung geräth hei jedem Sinken 
des Papierwerthes die grosse Masse der Bevölkerung in eine 
derartige Lage und die fortgesetzte Versuchung untergräbt 
endlich auch in den Massen die Freude an der ehrlichen 
Arbeit, deren Lohn so unsicher und schwankend ist. 
Es verdient, ganz abgesehen von diesem Einflüsse gestörter 
Geldverhältnisse auf die active wirthschaftliche Thätigkeit, 
auch die Störung der Consumtionsverhältnisse in Folge der 
selben Ursache besondere Beachtung. Lehrreich ist, was Julius 
Faucher in seiner Vierteljahrsschrift für Volksmrthschaft und 
Culturgeschichte (Band 23 und 24) in seiner bekannten geist 
reichen Methode über dieses Thema geschrieben. Er untersucht 
den Einfluss der Valutastörung auf die Verschiebung des Preis 
verhältnisses der einzelnen V^aaren und Dienstleistungen unter 
einander, indem er zeigt, dass bei einem raschen Wechsel der 
Wohlständigkeit in breiten Gesellschaftsschichten die verschie 
denen Bedürfnisse je nach ihrer Expansivkraft und Compressi- 
bilität eine wesentliche Veränderung durchmachen. „Indem die 
künstliche Vermehrung der Zahlmittel znächst die Nachfrage 
vermehrt, kann sie doch nur nach Massgabe der Expansivkraft 
des einzelnen Bedürfnisses vermehren, welches im Verein mit 
den Zahlmitteln hinter der Nachfrage steht. Ebenso wie das Be- 
dürfniss keine Nachfrage erzeugt, sowie die Zahlfähigkeit fehlt, 
erzeugt auch die Zahlfähigkeit keine Nachfrage, soweit das Be- 
dürfniss fehlt .... Nun ist die Expansivkraft des Bedürfnisses 
— des gewohnheitlichen und des conventioneilen Bedürfnisses, 
zu welchen das natürliche Bedürfniss im Fortschritte der Cul- 
tur anschwillt, eben dadurch die Cultur bildend — ein sehr ver 
schiedenes, schon wenn nur diejenigen Bedürfnisse herangezogen 
werden, welche in die grosse Dreitheilung Nahrung, Kleidung, 
Wohnung sich einfügen lassen. Das Nahrungsbedürfniss besitzt 
z. B. schon im Allgemeinen weniger Expansivkraft als das 
Kleidungsbedürfniss und dieses besitzt wieder weniger als das 
Wohnungsbedürfniss .... Auf dem Gebiete der Nahrungs 
mittel ordnen sich die Unterschiede der Expansivkraft des Be 
dürfnisses und in Folge dessen des Verbrauches derart, dass
        <pb n="213" />
        201 
nächst fiem Salze die geringste hei Pflanzenkost vorhanden ist, 
die im festen Aggregatzustande genossen wird ; dass thierische 
Kost die Mitte bildet, und dass in erster Linie dieSpecereiwaaren, 
der Zucker und die geistigen Gretranke stehen, die letzteren in 
der aufsteigenden Reihe : Wein, Bier Branntwein, denen allen der 
Tabak voraneilt. In dieser Reihe nimmt der Verbrauch zu bei 
Vermehrung der Zahlmittel, aber so nimmt er nicht wieder 
ab bei deren Verminderung. Die Expansion und Compression 
folgen beim Spiel der Elasticität des Bedürfnisses nicht den 
selben (resetzen .... Die Unterschiede der Compressibilität 
fies Bedürfnisses und in Folge dessen des Verbrauchs ordnen 
sich dagegen derart, dass nächst dem Salze die geringste bei 
Tabak, demnächst beim Branntwein stattfindet, dem die übrigen 
geistigen Getränke folgen. Es beginnt dann der Thee die Reihen 
folge der Pflanzenabsude, in denen ein Alkaloid das Reizmittel 
bildet, und der Zucker schliesst sich hier an. Auch die Gewürze 
gehören in diese erste Gruppe, wahrscheinlich an hoher Stelle. 
Es folgt die Pflanzenkost in der Richtung von der weniger nahr 
haften zur nahrhafteren und den Reigen schliesst die Kost aus 
dem Thierreiche mit dem frischen Schlachtfleische als eigent 
licher Schlussstein. “ 
Faucher beweist diese Behauptung an der Hand höchst 
origineller Untersuchungen und geht dann zur Erörterung 
des Kleidungsbedürfnisses über. Er führt aus, wie dessen 
Expansivkraft weitaus grösser sei, als die des Xahrungs- 
bedürfnisses, dass seine Compressibilität aber beinahe ganz 
und gar im umgekehrten Verhältnisse zur Expansivkraft 
stehe, „ln denjenigen Richtungen der Entwicklung des Hcdüi f- 
nisses, in denen es am leichtesten vorwärts geht — und das 
sind vor Allem die Häufigkeit des Mode Wechsels, die Anpas 
sung an die Jahreszeit, die Reinlichkeit und der Prunk — 
geht es am schwersten zurück. Denn ohne Schaden für den 
Einzelnen, welcher im Verfalle der Selbstachtung besteht und 
kaum weniger zerstörend wirkt als unzureichende Ernährung, 
geht es nur zurück, wenn die schwierige Aufgabe gelöst wird, 
die Gcsammtheit einen Schritt zurückthun zu lassen.“ 
Das Wohnungsbedürfniss im weitesten Sinne sei wieder 
exjjansivfähiger als das Kleidungsbedüidhiss. obwohl im Ganzen 
'loch compressibler als dieses. Unter Wohnungsbedürfniss versteht ' ^
        <pb n="214" />
        202 
der Vei’fassfr hier "nicht Idos das AVohngelass, sondern auch 
Alles, was dasselbe füllen muss, wenn darin gelebt, gearbeitet 
und (%escbäft betrieben werden soll, nicht blos die Dinge, 
sondern auch die Dienstleistungen, die dazu geböienj nicht 
blos die (rebäude im persönlichen, sondern auch die Debaude 
im öffentlichen Besitze; nicht blos das Dach und Fach, son 
dern auch den A\'eg und Steg — mit einem M'orte den selbst 
geschaffenen Theil der Keimat des Volkes in seiner Uesammt- 
heit. Fr untersucht schliesslich auch den Unterschied, den es 
macht, ob es sich um den Kinfluss einer vorübergehenden Fi- 
höhung der Zahlfähigkeit auf die Nachfrage, oder um eine 
dauernde Erhöhung handelt. Im ersteren Falle kommt es nicht 
blos auf die Weite des S¡)ielraums für die Fxpansivkraft des 
Bedürfnisses, wie er in der Natur des Menschen und des Ver 
brauchsgegenstandes gegeben ist, sondern auch darauf an, ob 
die Expansion schneller oder langsamer vor sich gehe. „Nun 
steht die möglichste Schnelligkeit der Fx])an.sion häutig in fast 
umgekehrtem Verhältnisse zur Weite des Spielraums für die 
Expansivkraft. Das Nahrungsbedürfniss erfordert täglich neue 
Befriedigung; schon das Kleidungsbedürfniss kennt dagegen 
die tägliche Wiederkehr z. B. nur bei der Wäsche, Haar- 
priege u. s. w., für den Rest können Veränderungen nur in 
langen Zwischenräumen sich vollziehen, welche schon namhaften 
Unterschied unter einander aufweisen. Den Heisepelz wechselt 
man nicht so schnell wie den (-rlacéliandschuh, und Schmuck 
aus Uold und Edelstein ist gar erst langlebig und unterliegt 
nur dem Modewechsel. Noch weit mehr und grössere Unter 
schiede in der Ueriodicität des Bedürfnisses walten zwisclum 
den einzelnen Zweigen des Wohnungsbedürfnisses ob. Ein 
Jahrhundert und mehr verfliesst zwischen der Herstellung 
eines Baues und dem Eintritt der absoluten Nothwendigkelt 
einer Erneuerung, während die Reinlichkeit, Heizung und 
Beleuchtung der Müdiniing fast ununterbrochen sich 
wiederholende. Ansprüche zu stellen vermögen. Die. Einwir 
kling einer Erhöhung oder Verminderung der Zahlfähig- 
keit auf die Nachfrage fällt daher je nach deren Dauer 
verschieden aus. Nur wenn der Veränderung der Zahl 
fähigkeit ein wirklicher wirthschaftlicher Vorgang zu 
(Grunde liegt, d. h. wenn sie aus der wirklichen Vermehrung
        <pb n="215" />
        203 
odpr Vprmindprunpj dps Xationalwohlstandps unter dem Kin- 
duss des technischen und sittlichen Fortschrittes oder Rück 
schrittes tiiesst, also aus einer Ursache, welche in abstracto 
als bleibend anzusehen ist, ist die Weite des Spielraums 
für die Expansivkraft und Compressibilität — je nachdem — 
als das ]\Iass für die zu erwartende Veränderung in der 
Gliederung der Nachfrage, und in dem Verhältniss der Preise 
unter einander, soweit diese von der Nachfrage abhängen, 
anzusetzen. Wo es sich dagegen um vorübergehende, 
weil künstlich herbeigeführte Veränderungen der Zahlfähig 
keit handelt, vollzieht sich die neue Gliederung der Nachfrage 
und das Verhältniss der Preise unter einander, soweit die 
selben von der Nachfrage abhängen, nur unvollendet, bleibt 
auf halbem Wege stehen und erzeugt kein reines Rild* einer 
höheren oder niederen Culturstufe, sondern nur einen ver 
wirrten Ansatz zu einem solchen, oder, wenn man es so 
nennen will, den Torso eines solchen. Vorzüglich auf dem 
Gebiete des Wohnungsbedürfnisses macht sich ein fragmen 
tarischer Charakter der in der Lebensform vor sich gehenden 
Veränderungen geltend, welcher sich häutig in wunderlichen 
Incongruitäten verräth. Mächtige Kronleuchter prangen in 
Zimmern von zwei Quadratruthen und das Wachs träutelt 
von denselben auf Schlepj)kleider nieder, welche zwischen sich 
keinen Raum auf der Diele lassen. Schlafzimmer werden 
zeitweilig ausgeräumt, um ein Tafelservice für 24 Personen 
aufstellen zu können; ein Bedienter schläft im Corridor, der 
nach dem Abort führt, die Köchin bewohnt einen Schrank in 
der Küche, der sich zur Lagerstätte aufschlagen lässt, und 
das Hausmädchen schläft unter der Treppe ! Dagegen ist nichts 
einzuwenden, wenn bei steigendem Nationalwohlstand des 
gleichen Incongruitäten den Uebergang zu einer im Allgemeinen 
erhöhten Lebensform darstellen, denn ein Fortschritt erzwingt 
den andern, und was noch fehlt, wird dann eben nach 
Massgabe der Periodicität des Bedürfnisses wirklich nach 
geholt, Aber wenn die Steigerung der Zahlfähigkeit, welche 
den fragmentarisch vor sich gehenden Umschwung in der 
Lebensform in Gang bringt, mit jähejn Abschluss, wie bei der 
Papiergeldwirthschaft der Fall ist, wieder aufzuhören bestimmt 
ist, nach unbeugsamem Gesetze, dann wird die Lebensform, die
        <pb n="216" />
        204 
sonst bios üpherfçaiip^, oilier dauernd gefälschten, die Incon- 
grnitäten werden zur Regel und die A^erwirrung in Avelche 
die Cultiir geratlien ist, wird dadurch noch gesteigert, dass 
die Compressibilität des Bedürfnisses, an welche nun die 
Reihe kommt, nirgends genau zusammentällt mit der .Expansiv 
kraft .... Denn geht es rückwärts mit der Zahltähigkeit, 
so tritt ja auch in BetreflP des Wohnungsbedürfnissesund seiner 
einzelnen Zweige dieselbe Unterscheidung bei Bemessung der 
Compressibilität gegenüber der Expansivkraft eiii, die schon 
beim Nahruugs- und Kleidungsbedürfnisse zur (-reltung kam ; 
— Gewohnheit und Convention schwächen die Compressibilität, 
während sie den Spielraum der Expansivkraft erweitern. Und 
ebenso ist die Stelle des einzelnen Postens im Personalbudget 
auch hier nicht ganz ohne Einfluss. In der Ausdehnung, A^er- 
t heil un g und Einrichtung des AVohnungsgel asses behauptet 
die Gewohnheit, die sich hier erst recht zur Sitte erhebt, 
daneben sogar auch eine oft ganz sinnlose Mode, ihr Recht ; 
Stotf wie Form einmal eingeführt, Averden zum Zwang; Por- 
cellan, Silber und Sjiiegelglas lassen sich leichter herbeirufen, 
als Avegscbicken ; die Zahl der Dienstboten lässt sich leichter 
vermehren, als ATrmindern. Im Ganzen lässt sich Alles, Avas 
man a'oii Aussen sieht, scliAverer, nur das, Avas man Amn Aussen 
nicht sieht, leichter einschränken. A\ eil es dergleichen bei 
Befriedigung des AVohnungsbedürfnisses gibt, Aväbrend cs beim 
Klcidungsbedürfniss nur in ganz einzelnen Dingen vorkommt 
— der Ersatz des HemdAA Ccbsels durch blossen A\ cchsel des 
Vorhemdes, in Erankieicb und Deutschland, nach der Avirtb- 
schaftliclrcn Erschöpfung durch die Kriege im Anfang des 
.lahrhunderts, ist ein Beispiel — ist das AVohnungsbedürtniss, 
wenn auch noch ex])ansivkräftiger, als das Kleidungsbedürf- 
niss, doch zugleich im Ganzen compressible!' als dieses. 
Auch lehrt schon der eiste Blick in die Geselligkeit und den 
Strassenverkehr in den grossen Städten jener Culturstaaten. 
in AA^elchen es zu entAverthetem Papiergelde gekommen ist, 
nämlich Oesterreich, Amerika, Italien und Russland, dass wir 
Völker A^or uns haben, bei Avelchem der Luxus in der Klei 
dung ausser A^erhältniss zum Luxus auf anderen Gebieten 
steht .... Die Zunahme der Zahlfähigkeit bei der ersten 
Ausgabe des Papiergeldes erzeugte ihn. aber als cs bei dessen
        <pb n="217" />
        205 
Entwerthung zur Notliwendigkeit der Compression des Bedürf 
nisses überhaupt kam, leistete das erhölite Kleiduiigsbedürf- 
niss stärkeren Widerstand, als der Rest des Bedürfnisses/ 
Zu all dem kommt aber noch, dass die Production jener 
Steigerung oder Einschränkung der Nachfrage, wie sie unter 
der Herrschaft der eben besprochenen (besetze stattündet, nicht 
überall in gleicher W eise folgen kann, dass demnach die Preise 
jener Bedürfnisse, die nicht so rasch neu erzeugt , als neu ge 
sucht werden, unverhältnissmäsaig steigen und fallen, während 
die Preise anderer Güter, die leichter nachzuschaffen, deren 
Erzeugung rascher einzuschränkeu ist, stabiler bleiben. In 
erster Linie kommt hier die Möglichkeit des Importes oder des 
Exportes in Erwägung zu ziehen und es zeigt sich hier nun 
unseligerweise, dass dieselben Luxusbedürfnisse, deren Expansiv 
kraft so überaus gross ist, auch am leichtesten und raschesten 
vom Auslande zu beschaffen sind, während ihre allerdings 
ebenso grosse Exportfähigkeit wirkungslos bleibt, da die ge 
ringe Compressibilität dieser Bedürfnisse es selten zu einer 
Abnahme des inländischen (Konsums und folglich zu keiner 
Nothwendigkeit des Exports kommen lässt. Es ist leicht zu 
ermessen, in wie ungesunder und zerstörender Weise die Lebens 
gewohnheit eines Volkes, dessen Lebenssphäre steten Schwan 
kungen unterworfen ist, unter der Herrschaft dieser Gesetze 
sich gestalten muss. Der Genuss von Tabak und geistigen Ge 
tränken wird rasch steigen und nicht wieder zurückgehen, es 
wird vielmehr bei einer Verminderung der Consumtionsfähig- 
keit die Einschränkung auf dem Gebiete der animalischen und 
des gesunderen Theiles der vegetabilischen Nahrung vor sich 
gehen. In ähnlicher \\ eise wird der Kleiderluxus der oberen 
Gesellschaftschichten zu ungemessener Höhe steigen, noch bevor 
die unteren Volksschichten zu zweckmässiger und besserer 
Kleidiuig überzugehen Zeit gehabt haben. Die Wohnungen 
werden nicht gesunder und geräumiger, wohl aber reichlicher 
gefüllt mit Luxusgeräthen aller Art sein. Es wird sich also 
Wohl der Luxus, nicht aber der Standard of living der Ge- 
«ammtheit erhöhen. Ein derartiges Volk wird für seine Bedürf 
nisse mehr ausgeben als zuvor, ohne besser genährt und ge 
kleidet oder mit gesunderen Wohnungen versehen zu sein. 
Nun ist es allerdings erwiesen, dass die Erhöhung des
        <pb n="218" />
        — 206 
Lebensstandes einer Nation, die Vermehrung de^ Aufwandes 
für die Bestreitung ihrer Bedürfnisse, bei vernünftiger Ver 
wendung sich in wirthschaftlicher Beziehung vollauf bezahlt 
macht; je ausgiebiger sich ein Volk nährt, je vollkommene] 
es sich gegen die Unbilden der Witterung schützt, desto 
Tüchtigeres wird es zu arbeiten im Stande sein und die Ca- 
pitalbildung wird steigen, trotz der vermehrten Ausgaben. 
Wenn aber diese letzteren nicht in einer Weise verwendet 
werden, dass dadurch die Arbeitsfähigkeit steigt, dann wird 
selbstverständlich die Steigerung des Aufwandes gleichbedeutend 
mit einer Verminderung der Capitalbildung und dies wieder 
gleichbedeutend mit wirthschaftlichem Rückgänge sein. 
Es sind nun glücklicherweise in dem Talirluindeite, in 
welchem wir leben, die Fortschritte auf allen Gebieten der 
Ciiltur so rasch und mächtig, dass in keinem halbwegs civili- 
sirten Staate ein wirklicher wirthschaftlicher Riickschritt 
beobachtet werden kann ; aber der Fortschritt wird eben lang 
samer, wenn ihn so zerstörende Ursachen, wie die Zettel- 
wirthschaft eine ist, behindern. Auf alle erdenkliche Weise 
tritt diese verheerende Seuche dem wirthschaftlichen Auf 
schwünge in den Papiergeldländern entgegen. Sie reizt zu 
Bedürfnissen eines übertriebenen Luxus auf Kosten jeder Aus 
dehnung der gesunden Volksbedürfnisse; sie vermehrt die Aus- 
.aben, ohne die Arbeitskraft zu stärken; sie verwirrt die Pro- 
ductionsbedingungen und macht den Handel verlustbringend; 
sie untergräbt die Arbeitslust und nährt einen verderblichen 
Spielgeist; und all dieses um eines finanziellen Vortheils willen, 
der wie sich sofort zeigen wird, auch nur auf dem blossen 
Scheine beruht und in Wahrheit gleich all den anderen Vor 
theilen, die der (feldzerüttung angedichtet werden, bei näherer 
Betraciitung sich in einen geradezu unberechenbaren Schaden 
verwandelt. •
        <pb n="219" />
        Oe 
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ÍÍ3V 
IX. Capitel 
Einfluss der Valuta auf die Staatsflnauzen. 
EjS hat sich gezeigt, dass die Emission unbedeckter Geld 
zeichen in volkswirthschaftlicher Beziehung die grössten Nach 
theile im Gefolge hat. Dagegen wurde bereits im 2. Capitel 
angedeutet, dass für die Staatsfinanzen ein director Vortheil 
aus der Zettelausgabe fiir’s erste allerdings sich insofern 
ergeben könne, als hiedurch der Staat in den Besitz eines 
zinslosen Darlehens gelangt und folglich Interessen erspart, 
die er fiir ein verzinsliches Darlehen bezahlen müsste. Die 
Capitalvermehrung, von der wir an jener Stelle sprachen, 
kommt also dem Staate zugute. Durch die Zettelemission 
wird jener Bestandtheil des Volksvermögens, der früher in 
metallischer Circulation angelegt war, frei, er wird dazu 
benützt, um im Austausche gegen das in die Fremde wan 
dernde Metallgeld Güter anderer Art hereinzuziehen, und da 
gleichzeitig die kostenlos emittirten Geldzeichen die Function 
des Circuíationsmediums ausüben, also dessen Abgang ersetzen, 
so bilden die für die früheren Circulationsmittel hereinströmenden 
anderweitigen Güter einen Zuwachs zum Gesammtvermögen. 
Der Besitzer dieses Zuwachses ist derjenige Factor, der die 
Zettel emittirt. Es ist dabei ganz gleichgiltig, ob dieser die 
neu hereinströmenden Güter auch factisch in Händen behält 
oder ob er sie verbraucht; im ersteren Falle wird sein Ver 
mögensstand eine positive Vergrösserung erfahren haben, im 
zweiten Falle wird jene Verminderung des Vermögensstande«,
        <pb n="220" />
        208 
die ohne dieZettelansgahe unvermeidlich gewesen wäre, verhütet, 
da eine unverzinsliche und uneinlosliche Schuld eben keine 
directe Belastung des Vermögens darstellt. 
Man könnte dem entgegenhalten, dass die Zinsen 
ersparnisse wohl einen Gewinn für die Staatsñnanzen an sich, 
nicht aber einen Gewinn für die wirthschaftliche Gesanimtheit, 
zu der doch auch der Staat gehört, repräsentiiden. Die Zinsen 
müssten eben an die Gesammtheit der Bürger gezahlt werden, 
und wenn nun diese, um das Zinsenerforderniss des Staates 
zu decken, zu entsprechend höheren Steuerleistungen heran 
gezogen würden, so hätten sie dadurch weder gewonnen noch 
verloren , sie müssten die empfangenen Zinsen einfach wieder 
zurückerstatten und der schliessliche Etfect bliebe derselbe, 
als ob Zinsen überhaupt nicht gezalilt worden wären. Nur die 
Vertheilung des Einkommens und der Lasten würde in beiden 
Fällen nicht die nämliche sein. Im erst eren Falle, wenn 
Zinsen gezahlt und beigesteuert werden müssen, würden die 
Gapitalisten einen Gewinn, die Gesammtheit der anderen Steuer 
zahler eine dem entsprechend höhere Belastung emptinden ; im 
zweiten Ealle würde der Gewinn der Gapitalisten, aber auch die 
höhere Belastung der anderen Steuerzahler fehlen. Es ist aber 
zu bedenken , dass der Zinsengenuss für die (kqütalisten kein 
reiner durch das Staatsanlehen nengeschaMener Gewinn ist. Ihr 
Capital würde auch ohne dieses Anlehen Zinsen tragen, und es 
kann sich für sie demnach nur um die Ditferenz der vom Staate 
bewilligten und der landläuügen Zinsen handeln, während die 
Gesammtheit nicht blos diese Ditferenz, sondern den gesammten 
Zinseübetrag beisteuern muss, eine Nothwendigkeit, der sie bei 
lier Aufnahme eines zinslosen Anlehens enthoben ist. Nicht 
anders verhält sich die Sache, wenn man die Eventualität voi’ 
Augen hält, dass auch das Ausland zur Aufbringung der ver 
zinslichen Aidehenssumme herbeigezogen werden müsste, ja in 
diesem Falle wird die Sache noch viel klarer. Hier steuert 
zwar das Ausland ein Capital zur Deckung der Staatsbedürfnisse 
bei und dieses Capital wird ohne Zweifel in dem betreftenden 
Lande nutzbringend angelegt werden, sei es direct dadurch, 
dass der Staat selbst eine solche nutzbringende Anlage vor 
nimmt, sei es indirect dadurch, dass inländisches Capital, 
welches sonst vom Staale nnprodnctiv consumirt würde, der
        <pb n="221" />
        Production erhalten bleibt; aber für das entliehene Capital 
werden eben die Zinsen in’s Ausland wandern, während bei 
der Notenemission dasselbe Capital zinslos bereingezogen wird, 
ohne dass im Austausch dafür etwas anderes gegeben zu 
werden brauchte, als der Bestand metallischer Circuí a- 
tionsmittel, deren Function nunmehr die Papierzettel über 
nehmen. 
Dieser anscheinend unwiderlegliche Vorth eil für die 
Staatsfinanzen wird aber für’s erste schon dadurch paralysirt, 
dass die Schuldenlast, in welche sich ein Staat durch die Zettel- 
ausgahe stürzt, in ihrer absoluten Höhe ohne Ausnahme jene 
Schuldenlast weitaus überragt, die durch die Aufnahme eines 
verzinslichen Anlehens entstünde. Wenn der Staat im letzteren 
Falle seinen (Häubigern jene Zinsen bewilligt, denen er sich 
nach seinen Creditverhältnissen unterwerfen muss, so wird er 
den vollen Betrag der Darlehenssumme auch wirklich und im 
guten (reble erhalten. Verlangt man beispielsweise 5 Percent 
Zinsen von ihm und erreicht der durch das Anlehen zu 
bedeckende Bedarf die Höhe von beispielsweise 2(X) Millionen, 
so ward der Staat für 2(X) Millionen üpercentiger (Obligationen 
2(M) Millionen in Metallgeld erhalten und mit diesem Be 
trage seine Bedürfnisse vollständig befriedigen können. Emit- 
tirt er jedoch Stuatsnoten, so wird diese Emission, je weiter 
sie fortichreitet, den Werth der Greldzeichen desto intensiver 
drücken; der Staat wird, um einen Bedarf von 2(K) Millionen 
eüectiven Geldes zu decken, nicht 2(M.) Millionen, sondern 
250 Millionen, vielleicht 300 Millionen Zettel cmittiren müssen, 
und folglich statt 200 Millionen, 250 Millionen oder 300 Mil 
lionen schuldig geworden sein. Es wird nun davon ahhängen, 
ob bis zur Rückzahlung der Notensohuld eine kürzere oder 
längere Zeit verstreicht, um die Frage zu entscheiden, ob der 
Staat am Coursverluste bei der Ausgabe seiner Zettel mehr 
verliert, als er an Zinsen erspart hat, oder ob umgekehrt die 
Summe der Zinsenersparnisse grösser wird als die der Cours 
verluste. Denn die Noten müssen, falls nicht etwa ein Staats 
hankrott den Knoten entzweihaut, zum vollen Nennwert!)e 
eingelöst werden, trotzdem bei der Emission derselben und 
beim Eintausche jener Bedürfnisse, welche die Emission hervor 
gerufen haben, die Zettel nur gegen einen (’oursverlust ange- 
Dr. T h. H e r t z k a , Wähnmg und Handel. 14
        <pb n="222" />
        210 — 
mmmen wurden. Wenn man aber glaubt, diesem Coursveidnste 
dadurcl, entgehen an können, dass man die Staatanoten über 
haupt nicht einlüst und die metallische Oirculatiou dauern 
durch dieselbe ersetzt, so hat man dadurch den hnauziellen 
Nachtheil der Ziusenzahlnug dauernd gegen ,,ene^ mit der 
schwankenden Valuta unzertrennlich verbundenen Nachthei e 
eingetauscht, deren verheerende wirthschattliche Folgen im 
Vorhergehenden beleuchtet wmrden und deren zerstörende 
Rückwirkung auf die Staatsflnanzen nunmehr untersucht wei- 
Für jeden Staatsmann, der den innigen Zusammenhang 
der Gesammtheit in Folge der Valutazerriittung grosser sind, 
in einen Zuwachs des Staatseinkommens verwandelt werden 
kan«, und dass auch umgekehrt nicht jeder Verlust am Volks- 
10 Perceirt, oder 100 Millionen an den Staat steuei so ‘ 
wemi sich d^ \r,Dcsmidmnmien mn 50 M hm^n 
verringert, das Staatseinhoimnen nicht nm diese .&gt;0 M.l-
        <pb n="223" />
        211 
14* 
kommen des Staates nickt erst in jenem Momente gänzlich 
verschwunden sein wird, wenn auch das Volkseinkommen gänz 
lich vernichtet ist, sondern dass die Steuerleistungsfähigkeit 
der Bürger eines solchen Staates sofort aufliören muss, sowie 
deren Einkommen nur mehr hinreicht zur Bestreitung der 
noth wendigsten Lebensbedürfnisse, d, h. wenn sie für den Staat 
nichts mehr übrig haben. Es werden also, wenn beispielsweise 
zur Bestreitung der noth wendigen Lebensbedürfnisse 000 Millionen 
Gulden erforderlich sind, die 100 Millionen Steuereinkünfte gänz 
lich verloren sein, wenn sich das Nationaleinkommen um 400 Mil 
lionen Gulden vermindert. Es ist eben unmöglich, dass der Staat 
an jedem Bestandtheile des Volkseinkommens gleichmässig parti- 
cipirt. Die Möglichkeit dieser Participation wird desto grösser, 
je mehr ein Theil des Nationaleinkommens als absolut reiner, 
durch die dringendsten Lebensbedürfnisse unberührter Zuwachs 
anzusehen ist, und desto geringer, einen je grösseren Bruch- 
theil des Einkommens die Deckung dieser Lebensbedürfnisse 
erfordert. Zwischen den zwei Extremen, bei deren einem der 
Zuwachs des Volkseinkommens beinahe vollständig in die 
Staatscassen geleitet werden kann, während bei dem anderen 
die Verminderung des Volkseinkommens beinahe vollständig 
aus den Staatscassen gezogen werden muss, gibt es eine 
Unzahl von Abstufungen, und es ist ganz unzweifel 
haft, dass auf die Dauer die Staatsfinanzen bei jeder Ver 
änderung der Einkoinmensverhälfnisse einer Nation, insoweit 
dieselbe nicht durch eine Steigerung oder Verminderung 
der Lebensbedürfnisse ])aralysirt wird, zum vollen Betrage 
participiren. 
Dass aber die (Tesammtheit der wirthschaftlichen Schäden 
in Folge der Val uta Zerrüttung den Gewinn des Staates aus 
seinen Zinsenersparnissen weitaus übertrifft, bedarf wohl keines 
Beweises. Man kann annehmen, dass das Bedürtniss an (är- 
eulationsmitteln bei keinem civilisirten Lande 10 Percent des 
jährlichen Volkseinkommens übertrifft. Diese 10 Percent des 
Volkseinkommens sind also das Maximum dessen, was der 
Staat an Papiergeldzeichen einittiren kann, auch wenn neben 
seinem eigenen Papiergelde kein anderes (ärculationsmittel 
existirt. Was er darüber hinaus emittirt, ist blos eine nomi- 
neUe, nicht aber eine essentielle Vermehrung der Emission,
        <pb n="224" />
        212 
! 
lind kann ihm keineswegs höheren Ertrag bringen, als eine im Um 
fange des Circiilationsbedürfnisses etwa aufgelegte verzinsliche 
Anleihe. Von diesen 10 Percent des jährlichen Volkseinkommens 
kann also im günstigsten Falle der Staat durch eine Zettel- 
emission Zinsen ersparen. Bei Zugrundelegung eines 5percen- 
tigen Zinsfusses würde dies eine Ers^iarniss von V2 Percent 
des Volkseinkommens repräsentiren. Man mag nun die Nach 
theile der Valutazerrüttung nach welcher Richtung immer 
ins Auge fassen, so wird mau finden, dass der durchschnitt 
liche durch sie hervorgerufene Verlust weitaus grösser sein 
muss, als dieses V2 Percent. Man rechne die Verluste aus der 
Störung der Production, aus der Verschiebung der Capitals- 
bewegung und aus den Wechselcoursen zusammen und man 
wird alsbald erkennen, dass es thöricht wäre zu glauben, 
das Volkseinkommen werde durch all’ diese schädlichen Ein 
flüsse zusammengenommen hlos um den V200 Th eil vermindert. 
Jede darüber hinausgeliende Verminderung aber ist bereits 
ein directer Verlust für die (fesammtheit, den Staat mit ein 
gerechnet, und es ist schwerlich ühertriehen, wenn mau an 
nimmt, dass dieser Verlust im Durchschnitte der Jalire zum 
mindesten das Drei- und Vierfache dessen beträgt, was der 
Staat durch seine Zinsenersparnisse gewinnen kann. 
Es wird aber seit der Epoche der grossen stehenden 
Heere in ganz Europa und insbesondere in jenen capitals- 
ärmeren Ländern, die ja gerade diejenigen sind, wo die Valuta 
zerrüttung herrscht, systematisch ein finanzieller Raubbau 
betrieben, der den Zusammenhang zwischen dem (tedeihen der 
Volksvfirthschaftund dem Gedeihen der Staatsfinanzen vollständig 
ignorirt, und man wird — nebenbei bemerkt — nicht irre gehen, 
wenn man annimmt, dass die Armuth dieser Länder zum grossen 
Theile in diesem uinGrthschaftliehen Aussaugungssysteme ihren 
Grund hat. Man begreift leider nur selten, dass es die Henne 
tödten heisst, welche die goldenen Eier legt, wenn man die Staats 
einkünfte auf der gleichen Höhe erhalten, oder vermehren will, 
ohne gleichzeitig für eine Erhaltung oder entsprechende Ver 
mehrung des Volkseinkommens zu sorgen. Angesichts dieser 
Begritfsverwirrnng kann es wenig frommen, wenn man beweist, 
dass der Gewinn des Staates aus der Valutaversehlechterung 
nur durch vielfach grössere Verluste am nationalen Wohl-
        <pb n="225" />
        213 — 
Stande erkauft wird; liier muss gezeigt werden, dass auch 
abgesehen von der Ben achtheil igung des Volkswohlstandes, 
die Staatsñnanzen direct durch die gestörte Valuta zu 
Schaden kommen. Und in der That ist dieser Schaden so 
handgreiflich und offen zu Tage liegend, dass, um ihn zu er 
kennen, durchaus kein tieferes volkswirthschaftliches Wissen, 
sondern blos eine oberflächliche Bekanntschaft mit den Ge 
setzen der Mathematik nothwendig ist. 
Wie bereits einmal erwähnt wurde; bringt die Valuta 
zerrüttung eine Verschiebung der Einkommensverhältnisse mit 
sich, bei welcher zunächst Diejenigen benachtheiligt werden, 
die ein nominell flxirtes Einkommen beziehen. Zu, diesen 
aber gehört in erster Linie der Staat. Die Mehrzahl 
seiner Revenuen ist genau und fest vorherbestimmt und auch 
jener Theil derselben, der gesetzlich nicht solcher Art fixirt 
ist, verfolgt doch eine unverkennbare Tendenz des Beharrens, 
II. zw. nicht des Beharrens auf dem essentiell, sondern auf 
dem nominell gleichen Betrage. Die Einkommensteuer z. B. 
soll in Percenten des Volkseinkommens bezahlt werden. Wenn 
daher dieses Einkommen selbst essentiell dasselbe geblieben 
ist, sich aber wegen der Verringerung des Geldwerthes nomi 
nell erhöht hat, so sollte man meinen, dass nunmehr auch die 
Steuer genau um den nämlichen Betrag nominell wachsen 
müsse. Es ist aber eine bekannte Thatsache, dass sich dies 
nicht so verhält, dass zum mindesten die Steigerung der 
nominellen Steuerhöhe der nominellen Steigerung des Einkom 
mens nur sehr allmälig und unvollständig folgt. Allerdings 
steht es der Finanzveiwaltung in solchem Falle frei, den 
Steuersatz zu erhöhen und dadurch den Ausfall hereinzu- 
bi'ingen, und in der That sieht sich der Eisens in allen 
Staaten mit schwankender Valuta weit rascher als in den 
Staaten mit gesunder Metallvaluta genöthigt, solche Steuer 
erhöhungen vorzunehinen ; aber selbst bei Anwendung der 
grössten Härte wird es niemals möglich sein, auf diesem Wege 
jenen Einkommensstand zu erreichen, der bei geordneten Geld 
verhältnissen ohne jede liscalische Anstrengung sich von selbst 
erhielte. Vor Allem wird es der Staatsverwaltung unmöglich 
sein, bei der Besteuerung zwischen jenen ihrer Bürger, die 
auf ein fixes, nominell gleichbleibendes Einkommen gesetzt
        <pb n="226" />
        — 214 — 
sind, und denjenigen, deren nominelles Einkommen sich mit 
dem Sinken des Geldwertlies erhöht, einen Unterschied zu 
machen; schon aus dem Grunde, weil die Grenzlinie zwischen 
heiden gar nicht gezogen werden kann, indem nicht alle, die 
ein sogenanntes fixes Einkommen beziehen, in die erste Kate 
gorie, und nicht alle, deren Einkommen ein unfixirtes ist, in 
die letzte Kategorie gehören. Es gibt ganze Classen, die 
zwar einen „festen“ Gehalt beziehen, jedoch in der Lage sind, 
diesen Gehalt höher"oder niedriger tixiren zu lassen, je nach 
dem die allgemeinen Geld- und Einkommensverhältnisse sich 
ändern; umgekehrt gibt es Gewerbsleute und Handeltreibende, 
die in ihrejn Einkommen von den auf fixen Gehalt Gesetzten 
vollständig abhängen und von jeder Verschlechterung des 
Geldwerths beinahe in dem nämlichen Grade getroffen werden, 
wie diese. Ebenso ist es bei den einzelnen Einkommenszweigen 
des Staates schwer zu unterscheiden, inwieweit sie sieh den 
Schwankungen des Geldwerths accommodiren oder nicht, und 
der Staat wird daher, wenn er den Versuch macht, die für 
ihn aus dieser Schwankung resultirende Benaelitlieiligung anf 
die Steuerzahler abzuwälzen, nach der einen Seite seinen 
Zweck nicht vollständig erreichen, da er mit dem Steuersätze 
nicht hoch genug hinaufgehen kann, nach der anderen Seite 
den Steuersatz über die Ausgleichsgrenze hinaus erhöht haben. 
Pis ist aber klar, dass er das, was er auf der einen Seite 
noch immer zu wenig einnimmt, auf der anderen Seite nicht 
hereinhringen kann, da die überlasteten Theile des Volksein 
kommens die geforderten Steuererträge eben nicht bieten werden. 
Anderseits aber vereiteln auch die stetigen Schwankungen des 
Geldwerthes jede ausgleichende Tendenz der Steuergesetz 
gebung. Eine Steuerhöhung, die heute noch genügend sein könnte, 
kann morgen schon zu gering, übermorgen wieder zu hoch sein, 
und das Traurige für den Staat ist auch hier, dass das zu 
Niedrig ihm schaden, das zu Hoch aber wenig nützen wird. Wenn 
der Steuersatz geringer ist, als der Steuerfähigkeit entsprechen 
würde, so wird eben nur der geringere Steuerertrag einlliessen ; 
ist aber der Steuersatz höher, als der Zahlungsfälligkeit 
entsjn-icht, so wird die Steigerung des Steuersatzes mit 
der Steigerung des Steuereinkommens keineswegs gleichbe 
deutend sein.
        <pb n="227" />
        — 215 
Der Staat wird also durch die örtliche und zeitliche 
Verschiebung der Einkommens Verhältnisse in gleicher Weise 
benachtheiligt. Er wird zwar sowohl diejenigen seiner Bürger, 
die bei der Einkommensverschiebung zu kurz gekommen sind, 
als auch die Gesammtheit der Bürger in den Zeiten nomineller 
Einkommensverringerung ungebührlich bedrücken, dadurch 
aber niemals die Verluste voll hereinbringen, die ihm aus 
der von ihm nicht beabsichtigten stetigen Entlastung der 
durch die Vermögensverschiebung begünstigten Bürger und 
der zeitweiligen der Gesammtheit in Zeiten nomineller Ein 
kommenssteigerung erwachsen. 
Die Ausgaben des Staates aber bleiben im grossen 
Ganzen trotz der Schwankungen des Geldwerthes essentiell 
die nämlichen, ja, wie schon die im 4. C apitel nachgewiesene 
Preisbewegung für Oesterreich schliessen lässt, pflegen sie 
sogar unter dem Einflüsse dieser Schwankungen zu .steigen. 
Da Lebensmittel und Lohne durch die Zettelwirthschaft 
allgemach zur ungebührlichen Höhe emporgeschraubt wurden, 
müssen nothwendigerweise in demselben Grade auch die 
Staatsausgaben sich unter dem Einflüsse der herrschenden 
Theuerung gesteigert haben. 
Vergleicht man das Wachsthum des Staatsaufwandes in 
den westeuropäischen Staaten mit dem Oesterreichs und 
Russlands, so muss die ganz nnverbältnissmässige Anschwel 
lung der Budgets in den beiden letzteren Papiergeldländern 
in Erstaunen setzen. Nach Czörnig’s Angaben in dessen 1858 
erschienenem Buche „( )esterreichs Neugestaltung“ betrugen die 
Ausgaben der fünf grossen europäischen Staaten im .Jahre 
1841) die folgenden Summen: 
In Grossbritannien und Irland 
„ Erankreich 
„ Preiissen 
„ Russland 
Oesterreich (inch Ungarn) . . 
Zusammen 
508.7 Mill. Gulden, 
544.2 „ n 
120.g „ n 
440.g „ n 
^41.J M M 
lfl28.4 Mili. Gulden. 
Nach den Budgets des ,1 ah res 1875 stiegen die Aus 
gaben ;
        <pb n="228" />
        In Grossbr. u. Irland auf rund 730 M. G., d. i. um 28.4 1 erc., 
Frankreich 
Preussen 
Russland 
Oesterreich-Ungarn 
arn „ „ 632.2 „ „ M « » 161.3 „ 
Zusammen 3714.7 M. G., d. i. um 02.o Perc. 
Selbst die Militärstaaten par excellence, Preussen und 
Frankreich, letzteres trotz des unermesslichen Aufwandes, den 
der jüngste Krieg verursacht *), bleiben also, was die Anschwel 
lung des Budgets anlangt, weit hinter Oesterreich und Russ 
land zurück. Die Ausgabenvermehrung betrug hier nahezu 
zweimal so viel als in den beiden anderen continentalen Gross 
staaten und fünfeinhalbmal so viel als in Grossbritannien. 
Und dies ist nur zu gut durch die ValutaverhUltnisse zu er 
klären. Denn von den iStaatsausgaben besteht nur ein sehr 
geringer Theil aus solchen, die von der Veränderung des 
Geldwerthes direct unabhängig sind. Strenge genommen ge 
hört hiezu hlos der Zinsenaufwand für Staatsschulden, deren 
Interessen in Papiergeld zu bezahlen sind. Ein zweiter Theil 
(1er Staatsausgaben richtet sich unmittelbar nach jeder 
Schwankung des Geldwerthes. Dazu gehören die in Silber zu 
bezahlenden Interessen der Staatsschuld und alle Einkäute des 
Staates auf offenem Markte, wozu die Naturalvcrpflegung des 
Militärs, die Ausrüstung der Landarmee und Flotte, die Ein 
käufe und Investitionen der Tabakregie, der Montanverwal 
tung, des Post- und Telegraphenwesens und schliesslich alle 
Bauten^ zu rechnen sind. Eine dritte Kategorie bilden jene 
Ausgaben, die den Schwankungen des Geldweithes nicht 
augenblicklich, aber doch im Laufe der Zeit ganz unfehlbar 
nachfolgen. Es sind dies hauptsächlich alle vom Staate be 
zahlten Gehalte. 
Dass die in Papiergeld tixirten Zinsen der Staatsschuld 
durch die Schwankungen des Geldwerthes unmittelbar nicht 
beeinflusst werden, ist selbstverständlieh. Uebersehen darf 
jedoch auch hier nieht werden, dass dies blos für die Zinsen 
der alten Anlehen gilt, während in dem Momente, wo ein 
*) Die Steigerung der Ausgaben bis 1870 batte ungcaclitet der schlimmen 
Finanzwirtlischaft unter dem Kaiserreiche blos üB., Percent betragen.
        <pb n="229" />
        217 
neues Anlehen contrahirt wird, der zufällige Stand des Geld 
wertlies sofort von ausschlaggebendem Einflüsse auf die vom 
Staate zu übernehmenden Opfer ist. Abgesehen davon, dass 
bei hohem Agiostande der Zinsfuss, den der Staat auf oftenera 
Geldmärkte zu bezahlen hat, auch absolut höher zu sein 
pflegt, ist für alle Fälle auch bei gleichem Zinsfusse der Er 
trag eines Papiergeldanlehens geringer liei hohem, und höher 
bei massigem Disagio. Es muss eben zur Deckung des näm 
lichen Bedürfnisses der nominelle Stand des Anlehens höher 
bei hohem als bei niedrigem Disagio bemessen werden. 
Dass die Zinsen der Silberanlehen einen grösseren Theil 
der Staatseinnahmen vorweg absorbiren bei hohem als bei 
niedrigem Agiostande, ist selbstverständlich. Ganz das näm 
liche aber gilt von den Einkäufen des Staates auf offenem 
Markte, gleichviel ob dieselben iin Auslande oder im Inlande 
vorgenommen werden. Denn in beiden Fällen richten sich die 
Preise in der Hauptsache nach dem in ^Metallgeld umgerech 
neten Weltpreise ; es muss also ein höherer Preis in Papier 
geld gezahlt werden, wenn der Werth des letzteren sinkt, ein 
niässigerer, wenn dieser Geldwerth sich gehoben hat. 
Dass aber auch die Gehalte schliesslich durch die Schwan 
kungen des Geldwerthes beeinflusst werden müssen, folgt mit 
Noth Wendigkeit daraus, dass in Folge dieser Schwankungen 
der Kaufweidh der ursprünglich in ^Metallgeld flxirten Gehalte 
sich stetig verringert, die Staatsbeamten demgemäss stets 
schlechter bezahlt erscheinen und nunmehr der Staat vor der 
Alternative steht, die Gehalte entweder auf den früheren 
oflectiven Stand zu erhöhen, oder aber in Folge der luigenü- 
gendeii Gehalte die Tüchtigkeit und Arbeitslust seiner Diener 
andauernd zu verringern. Da in den Ländern mit gestörtem 
Geldwesen die Finanzlage aus den oben angegebenen Ursachen 
beinahe immer schlecht ist, so werden sich diese nur sehr 
»ehwer entschliessen, ihren Staatsdienern jene Gehaltzulagen 
zu bewilligen, die nothwendig wären , um den effectiven Werth 
der Gehalte auch nur annähernd auf der gleichen Höhe zu 
erhalten. Erspart wird aber dadurch nichts ; denn nunmehr 
muss an die Stelle der Gehaltaufbesserung eine continuirlich 
fortschreitende Vermehrung der Beamtenzahl treten, da der 
Natur der Sache nach die tüchtigeren arbeitsfähigen Individuen
        <pb n="230" />
        — 218 — 
es in einem solchen Lande mehr und mehr verschmähen 
werden, die Staatsdienste autznsuchen, wo sie keine ihren 
Fälligkeiten entsprechende Entlohnung mehr linden. Die un 
tüchtigeren Individuen, die an ihre Stelle treten, können dann 
selbstverständlich nicht mehr dasselbe leisten wie jene, um so 
weniger, da schliesslich auch sie sieh genöthigt sehen werden, 
Nehenverdienste aul’zusuchen, deren Ertrag iluien dasjenige 
ersetzen soll, was ihnen der Staat vorenthält, und eine solche 
(Icpllogcnhcit nicht darnach angethan ist, die Arbeitslust in 
den Bureaux des Staates zu erhöhen. Und wenn schliesslich 
die Entwerthung des Geldes und die damit Hand in Hand 
gehende Theucrung einen allzu hohen Grad erreicht haben, so 
slelit sich der Staat endlich doch gezwungen, die Gehalte zu 
erhöhen, und er hat dann in doppelter Beziehung verloren, 
nämlich durch die Vermehrung sowohl als durch die Erhöhung 
der Dotationen. 
Für den Staat ist also die Wirkung der Valuta Verschlech 
terung keine wesentlich andere als für jenen riieil dei Staats 
bürger, der dadurch am meisten benachtheiligt wird, nämlich 
für die auf Hxe Gehalte Gesetzten. Seine Einnahmen kann er 
nur unwesentlich und das nur unter den grössten Schwieiig- 
keiten erhöhen ; bei seinen Ausgaben dagegen muss er sich fast 
vollständig der allgemeinen Preissteigerung unteiwerfen. Wie 
verderblich sich ein solcher Zustand für die Finanzen eines 
Staates erweisen kann, zeigt sich mit erschreckender Klarheit 
an dem Beispiele der österreichischen Finanzlage. Die Zinsen- 
ersparnisse aus jeneu zinsenlosen Anlehen , die seit dem 
,1 ahre* 1848 die österreichische Valutaversclilecbterung zui 
Folge gehabt haben, beliefen sich hochgerechnet auf durch 
schnittlich 1.5 Millionen Gulden im Jahre. Da in derselben 
Zeit die durchschnittlichen Ausgaben des Staates ungefähr 
450 Millionen Gulden im Jahre betrugen und von diesem Ge 
sa mmtbetrage reichlich in jene Kategorie gehören, die von 
jeder Schwankung des Silberwerthes unmittelbar berührt 
wurde, Vio in jene Kategorie, bei welcher sich der Ein Muss 
dieser Schwankungen zwar nicht sofort, aber auf die Dauer 
doch ganz unfehlbar einstellte, und hoch gerechnet bio von 
den Schwankungen des Geldwerthes überhaupt nicht direct 
berührt wurde; und da, wie sich im 4. Capitelbgezeigt hat.
        <pb n="231" />
        219 
die durch die Valiitascliwankungen hervorgerufene Theuerung 
der Lebensinittelpreise und Löhne noch über das durch die 
Verminderung des Geld wertlies bedingte Mass hinaus ging; 
so stellt sich die Rechnung folgendermassen : Bei ®/i„ der 
Ausgaben muss man die Preissteigerung zum mindesten mit 
dem vollen Betrage der Geld Verschlechterung in Anschlag 
bringen; diese betrug iiiiniin Mittel der ganzen Epoche der Geld 
zerrüttung 17 ^ 3 Percent und es würde sieh also bei dieser ersten 
Ausgabekategorie eine Zubusse von rund Millionen im 
Jahresdurchschnitte ergeben ; bei den '’’/n, der zweiten Kategorie 
kann die Erhöhung mit mindestens 10 Percent, das wäre mit 
27 Millionen im Jahre berecluiet werden, so dass sich 
die Gesammterhöhung der Ausgaben in Folge der Val uta- 
Schwankungen auf durchschnittlich öO Millionen Gulden im 
Jahre belaufen würde. Zieht man davon die 1Ò Millionen 
Gulden Zinsenersparnisse ab , 'SO bleibt ein Deficit von 
dÜ il Honen Gulden im Jahre. Von diesem Deficit konnte 
allerdings durch willkürlichen Steuerdruck und durch unver- 
liältnissmässige Belastung einzelner Steuerträger ein geringer 
Theil hereingebraeht werden; wenn man jedoch bedenkt, dass 
die Staatsausgaben regelmässig dann am grössten waren, wenn 
die Valuta am schlechtesten stand, da ja zumeist dieselben 
Ereignisse, welche den Geldwerth in Oesterreich am ra])idesten 
versehlechtcrten, zugleich auch die Bedürfnisse des Staates aut s 
höchste steigerten, und überdies in solchen Fällen gerade jene 
Ausgaben zu abnormer Höhe an wuchsen, bei denen unmittelbar 
der volle Betrag der durch die Valutaversehleehterung bedingten 
Preissteigerung zugesetzt werden musste j wenn man erwägt, dass 
aus diesen Gründen eine Jahr für Jahr vorgenommene detaillirte 
lleclinung zeigen würde, wie thatsächlich in Folge der Valuta 
seh wankuugen zu den Staatsausgaben weit mehr zugesetzt wer 
den musste, als die obige Durchschnittsrechnung ergibt; so ist 
es keine Uebertreibung, wenn man behauptet, dass trotz aller 
dagegen angewendeten Steuererhöhungen der durch die Valuta- 
niisère herbeigeführte Ausfall im Staatshaushalte im Durch- 
selinitte der Jahre mimlestens die obigen 05 Millionen Gulden 
betragen haben müsse. Dies ergäbe aber für die abgelaufenen 
28 Jahre der Zettelwirtbsehaft eine Summe von 980 Millionen 
und mit Zinseszinsen rund 2 Milliarden, Das ist nun annä-
        <pb n="232" />
        220 
liernd der Betrag, um welclien die österreicliische Staatsöcluild 
seit dem dahre 1848 gewachsen ist, wohlverstanden, wenn 
man die schwebende Schuld und die (Irundentlastungsschulden 
mit in Rechnung zieht. Man kann also die gesammte inzwi 
schen eingetretene riesige Verschuldung des österreichischen 
Staatswesens füglich auf Rechnung jener Finanzweisheit setzen, 
die, um Zinsen zu ersparen, den gesammten Volks- und Staats 
haushalt in die heilloseste Verwirrung stürzte. ’) Und dabei 
sind blos die directen ‘fiscalischen Wirkungen der Valutazer- 
rüttnng in’s Auge gefasst. Wenn man bedenkt, um wie viel 
rascher der österreichische National Wohlstand gestiegen wäre, 
wenn ihm während der letzten 28 Jahre jene andauernde 
Erschwerung der Production, Behinderung der Capitals-An- 
sammlung und Verschlechterung der auswärtigen Handelsbezie- 
hungen erspart geblieben wären, die alle im (refolge dei 
Zettelwirthschaft gingen ; wenn man die Rückwirkung der 
volkswirthscliaftlichen Zustände auf die StaatsÜnauzen nicht 
aus dem Auge lässt : so gelangt man zu dem Schlüsse, dass 
dieses Reich ohne Zweifel bei sonst gleichbleibenden Verhält 
nissen zu de linanziell blühendsten Eu ropa's gehören müsste ; 
dass es keine Finanzdeiicite gekannt und niemals ^ zu 
einer Zinsen reduction hätte schreiten müssen, wenn es nicht 
mit dem Fluche der Zettelwirthschaft behaftet gewesen wäre. 
.) Wem dies übertrieben erscheinen sollte , der lese die Ansicht Tooke's 
Uber die FoIrcu der en^Hsebeu Zettelwirthschalt zu UeRinii dieses Jahrhunderls. 
Prince'Smith iiusserte sieh auf dem siebenten ColiRresse deutscher Volkswirt he 
folgendermassen über dieses Thema: „Während etwa 15 Jahren schloss man 
alle Geschäfte,. Schuldverträge, Pachtcontracte nach I'lunden nicht zu 
sondern zu bis einer Unze Goldes. Die britische Regierung borgte 
etwa 51X1 Millionen solcher leichten Pfunde. Nach beendigtem Kriege nun 
sollte die Einlösbarkeit der Noten wieder hergestellt und für dieselben wieder 
auf Verlangen Gold gegeben werden .... Die geborgten leichten Pfunde 
der Staatsschuld wurden dadurch in schwere Pfunde verwandelt ; — und die 
Moral von der Geschichte ist, dass die britische Regierung etwa 140 Millionen 
Pfund einbüssen musste, weil sic einige ^0 Jahre früher sich nicht eiitschliesson 
konnte mit einem kleinen Opfer ihre Schuld von 11 Millionen an die Rank 
zu zahlen, und um jeden Preis die Einlösbarkeit der Ranknoten aufrecht zu 
erhalten.“ Es hat also auch der englische Staat lediglich an seiner Staatsschuld 
ungefähr das Zehnfache dessen durch die Valutamisère eingcbüsst, was ur 
sprünglich durch die Zettelausgabe erspart wurde.
        <pb n="233" />
        221 
Welch gefährliche, von der grössten politischen Kurz 
sichtigkeit Zengniss ablegende Thorheit es insbesondere in den 
continentalen (xrossstaaten ist, durch längere Zeit eine Geld- 
zerrüttnng bestehen zn lassen, sieht man erst recht ein, wenn 
man bedenkt, dass ein solcher Zustand den betreifenden Staat 
im Falle eines Krieges hnanziell wehrlos macht. Man kann 
von österreichischen Politikern häiihg hören, dass es ein eigenes 
^Missgeschick gewesen sei, welches diese Monarchie mit einem 
Kriege zweimal in dem Momente übetraschte, in welchem es 
nach gewaltigen Anstrengungen beinahe gelungen wäre, die 
Valuta wiederherzustellen. In Wahrheit legt dies nicht von 
dem Missgeschicke, sondern von dem beispiellosen sprichwöit- 
lich gewordenen (xliicke Oesterreichs Zengniss ab. Hätten 
diese Kriege Oesterreich in einem andern Augenblicke getroffen, 
so hätten sie möglicher Weise mit seiner Vernichtung geendet. 
Und wenn man nunmehr aus Furcht, es könnte etwa ein 
dritter Krieg abermals die zur Herstellung der Valuta ge 
machten Anstrengungen vereiteln, diese Anstrengungen unter 
lässt, so dürfte dies Jeden, der die grenzenlose Begriffsver- 
wiriung nicht kennt, die hier zu Lande in allen Fragen des 
Oeldwesens herrscht, zu der Meinung verleiten, dass die 
österreichischen Staatsmänner in noch schlagenderer Weise, 
als bereits zweimal geschehen, den Beweis liefern wollen, wie ein 
Staat, der sich die drei Haupterfordernisse der Kriegführung, 
nämlich Oeld, Geld und nochmals Geld, nicht verschaffen 
kann, besiegt ist, bevor er den ersten Schuss getlian.
        <pb n="234" />
        AP; 
iii ' ' 
Àã
        <pb n="235" />
        Zweites Buell. 
as Münzmetall.
        <pb n="236" />
        1:8
        <pb n="237" />
        L Capitel. 
(i e S c h i c h 11 i c 11 e S. 
Von (lern Augenblicke an, wo die in der Cnltnr vorge 
schrittenen Völker die Nützlichkeit eines Wertlnnessers er 
kannten, der iin (iuteraustausclie gleichsam als gemeinsamer 
Massstab und Vermittler bei Käufen und Verkäufen dienen 
sollte, wo mit einem Worte der Gedanke des Geldes entstand 
und wo es sich darum handelte, unter den Stoffen zu wählen, 
aus denen diese Werthmassstäbe, die aber zugleich auch die 
Werthträger sein mussten, verfertigt werden sollten ; war es 
natürlich, dass die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen 
Metalle sich lenkte. 
Diese eignen sich sowohl durch ihre allgemeine Nützlich 
keit als durch die im Durchschnitte für jedes einzelne unter 
ihnen ziemlich gleichmässige Schwierigkeit der Förderung, als 
auch schliesslich durch ihre Dauerbarkeit, vor allen anderen 
Stoffen zu diesem Zwecke, und so finden wir denn in der 
That beinahe alle IMetalle zu Münzen verwendet. Eisen wurde 
nach dem Zeugnisse griechischer Schiiftsteller in mehreren 
Staaten des Alterthums, insbesondere in Sparta, ausgemünzt ; 
in Japan coursirte noch kürzlich eiserne Scheidemünze und im 
Innern Afrika’s dienen auch jetzt eiserne Barren als vor- 
nehmliche Vermittler des Tauschhandels. Blei wurde ebenfalls 
im alten Italien und Griechenland zu Münzen geprägt, und 
in Birma finden Bleigewichte heute noch Verwendung als 
Scheidemünze. Zinnmünzen gab es im alten Syracus, Rom, 
Dr. Th. liertzka, Währung und Handel. 15
        <pb n="238" />
        220 
dem alten Britannien nnd selbst noeh im 17. dalirliunderte in 
einigen enropäisclien Staaten; auf melireren liinteiasiatiseben 
Inseln und in îlexiko war Zinngeld lange Zeit gdiräuclilieli. 
Aueli die Ausprägung von Blatln wurde 1828 bis 1845 in 
Russland versuclit, jedoch wegen der allzu grossen Werth- 
Schwankungen dieses Metalls bald wieder aufgegeben. 
In den civilisirten Staaten werden gegenwärtig nur mehr 
Nickel, Kupfer, Silber und Gold als Münzmetalle betrachtet 
u. zw. die ersten beiden als Stoffe zur Ausprägung von 
Scheidemünze, die beiden letzteren als eigentliche Währungs 
metalle. Die Geldfunction des Goldes und des Silbers ist jedoch 
eine uralte. Vermöge der ihnen anhaftenden ganz besonderen 
Unzerstörbarkeit und wegen ihres hohen Werthes haben diese 
beiden edlen Metalle schon im grauen Alterthume bei jedem 
Volke, das mit ihnen bekannt wurde, alsbald die Herrschaft 
im Geldverkehre erobert und diese aucli bis zum heutigen 
Tage unbestritten behauptet. 
Es unterliegt keinem Zweifel, dass sich alle Metallgeld 
systeme ursprünglich aus dem Gewichtsgelde entwickelten. 
Im alten Testamente finden sich unzweifelhafte Beweise dafür, 
dass die Hebräer das Geld lange Zeit nicht zählten, sondern 
wogen. Dieselbe Gepflogenheit besteht auch heute in den 
meisten Ländern Ostasiens, so in China und Hinterindien. Sie 
gilt übrigens auch in den Ländern abendländischer Civilisation 
noch immer im internationalen Handel als Regel. Ausserhalb 
der Landesgrenzen haben die meisten IMünzen keinen ( ours- 
werth mehr, sie werden nur nach ihrem Gewichte angenommen 
und selbst die sogenannten Weltmünzen bleiben, wenn sie 
einigermassen abgegriffen und abgenützt sind, demselben 
Schicksale unterworfen. 
Es liegt aber auf der Hand, dass im internen Verkehre 
dieses Gewichtgeld von den grössten Unbequemlichkeiten be 
gleitet ist. Schon in früher Zeit versuchte man daher 
gleichzeitig bei verschiedenen Culturnationen die umständ 
liche Procedur des Wägens, insbesondere aber des Unter- 
suchens auf den Feingehalt, überflüssig zu machen, indem man 
die eursirenden Metallstücke als Beglaubigung für ihren Werth 
mit dem Stempel irgend einer anerkannten Autorität, als die 
sich naturgemäss in erster Linie die Staatsgewalt darbot, ver-
        <pb n="239" />
        15* 
Hall, E« sclieiiit, dass man sicli zuerst darauf beschränkte, den 
Feingehalt zu bestätigen; denn die ältesten auf uns gekom 
menen Glänzen sind in einer AVeise geprägt, dass gegen die 
A^erkürziing des Gewichts durchaus keine Sicherheit geboten 
war. Es waren Blechstücke, die auf einer Seite den Stempel 
trugen, rings um denselben aber so viel freien Baum Hessen, 
dass sie recht gut, ohne den Stempel im Geringsten zu be 
rühren, auf die Hälfte, ja auf den vierten Theil ihres Ge 
wichtes durch Beschneiden und Abschaben reducirt werden 
konnten. Diese Stempel unterscheiden sich nicht wesentlich 
von den Stempeln der heutigen Ihinzirungsämter und sie werden, 
wenn sie vielleicht auch anfangs von der Staatsgewalt in der 
Absicht aufgeprägt wurden, den Werth sicherzustellen, 
schliesslich im Verkehre doch nur als Beglaubigungszeichen 
des Feingehalts angesehen worden sein. Später erst sorgte 
man dafür, durch zweckentsprechende Abstempelung auf beiden 
Seiten und über die ganze Fläche auch das Gewicht sicher 
zustellen, und von diesem Alómente erst dürfte die AVage aus 
dem Geld verkehre der Culturnationen verschwunden sein. Ein 
festes Verhilltniss der einzelnen Alünzen zu einander, überhaupt 
ein bestimmter Alünzfuss, wurde aber trotzdem ursprünglich 
wohl bei keiner Nation festgesetzt. Der Staat beschränkte sich 
darauf, durch seine Autorität zu beglaubigen, dass ein ge 
stempeltes Aleta 11 stück eine bestimmte Zahl Gewichtseinheiten 
und einen bestimmten Feingehalt besässe ; er prägte auch wohl, 
um den verschiedenartigen Verkehrsbedürfnissen zu genügen, 
Geldstücke von kostbarem und minder kostbarem Aletalle, über- 
liess es aber gänzlich dem freien Ermessen jedes Einzelnen, 
zu berechnen, wie viel von den Alünzen des einen Stoffes für 
die des anderen in Handel zu geben seien. Hier zeigte sich 
jedoch wieder der Uebelstani, dass die Umrechnung der Alünzen 
aus unedlem Aletalle gegen ihr Aequivalent in Gold- oder Silber 
stücken grossen Schwankungen und Irrungen unterworfen war. 
Trotz dieses Gebrechens bestehen derartige Geldsysteme auch 
h(*ute noch an manchen Orten, allerdings nicht absichtlich durch 
ii’gend eine Gesetzgebung herbeigeführt und sanctionirt, wohl 
aber dadurch entstanden, dass im Verkehre verschiedene Geld 
sorten verschiedener fremder Völker herrschend geworden sind 
und zwischen den einzelnen Stücken ein übersichtliches AVertli-
        <pb n="240" />
        — -228 
verliitltnis» aus diesem Gnmde gar iiielit. festgestellt werden 
kann. An der Westldiste Afrika'« und in mehreren »udamen- 
kanisclien nnd asiatischen Staaten eircnlirt in hnnter Idisthung 
englisches, holländisches, deutsches, spanisches nnd tranzosisclies 
Geld, zura Tlieil gemengt mit einheimischen Scheidemnnzen. 
Iter nächste Schritt in der Vervollkommnung des Jlunz- 
wesens ist die Feststellung einer einfachen gesetzlichen Wahrung. 
Es wird bestimmt, dass alle bedungenen Zahlungen, falls Anderes 
nicht ausdrücklich stipulirt ist, in den aus einem bestimmten 
Metalle geprägten Münzen zu leisten und zu empfangen sind. 
Münzen aus anderem Metalle werden überhaupt nie i gepi ag , 
oder wenn dies geschieht, so hleiht es gänzlich dem freien 
Verkehre überlassen, wie und in welcher Weise er dieselben 
liewerthen will. Eine derartige einheitliche Währnng hat den 
grossen Nachtheil, dass je nach der Natur des MunzmeWIs 
für den grossen oder kleinen Verkehr eine wesentliche Ei- 
schwernng entsteht. Ist das alleinige Munzmetall Silbei odei 
vollends Gold, so fehlt dem Kleinverkehre das gesetzliche 
Zahlmittel und derselbe wird auf die Stufe des Tauschhandels 
herahgedrUngt. Ein Beispiel hiefür finden wir in England zur 
Zeit wo dort Geld nur aus Silber geprägt wurde. Die kleinste 
Münze war der Silherpfennig, der 1'42fi Gramm wog und 
man sah sich daher genötliigt, diese Pfennigstücke zu halbiren 
nnd zu viertheilen, und da .selbstverständlich auch dies nicht 
genügte, gaben die Krämer auf eigene Hand Knpftrniunzeii 
aus, die, da sie einem wirklichen Bedürfnisse entsprachen auch 
„ein genommen wurden. Ist dagegen das Wiihrungsnieta 1 eines 
der line,Heu, wie es z. B. im vorigen .labrlmnderte in Schweden 
und Russland das Kupfer war, so wird der grosse Verkehr 
im höchsten Grade behindert, gleichsam ohne gesetzliches Zahl- 
mittel gelassen. . 
Um auch diesem Uebelstande abznlielten, ergriffen die 
civilisirten Staaten zweierlei Ansknnttsmittel. Sie adoptirten 
entweder einlieitlicbes AVäbrungsgeld nnd prägten für (len 
Kleinverkehr ein Zeichengeld, die sogenannte Scheiilemnnze, 
ans • oder aber sie versuchten es, die verschiedenen AVährnngs- 
metalle in eine fixe Werthrelation zn einander zn bringen, eine 
vielfache Währung zn etabliren. Letzteres wurde nicht blos 
für die edlen, sondern, nnd zWar mit demselben Recht, auch
        <pb n="241" />
        229 
für (lie unedlen Metalle versuclit. So bestand in Schweden eine 
Zeit lang Doppelwährung für Kupfer und Silber. In der Kegel 
aber ist unter vielfacher Währung doch nur die Doppelwährung 
für Gold und Silber zu verstehen. In den Staaten, wo diese 
besteht, werden die kleinen Münzen aus unedlem IMetalle nui 
als Zeichengeld ausgeprägt, dessen Courswerth nicht aut der 
Fiction eines festen Werthverhältnisses, sondern lediglich auf 
der gesetzlich geregelten Thatsache beruht, dass sie in be 
schränkter Zahl von Jedermann angenommen werden. 
Bei der gemischten Währung ist Gold und Silber tür 
sich allein das ausschliessliche Münzmetall und es werden daneben 
noch aus anderen ]\Ietallen Geldstücke von doppelter Art ge 
prägt, und zwar Zeichengeld für den kleinen Verkehr, dessen 
Werth blos auf der Kläglichkeit seiner Umwechslung gegen 
Währungsgeld beruht, und Handelsmünzen aus dem für die 
Währung nicht acceptirten anderen Edelmetalle, deren Werth 
ein schwankender ist und lediglich von den Klarktverhältnissen • 
abhängt. Es steht dem selbstverständlich nicht gegenüber, 
dass einerseits auch Zeichengeld aus dem Währungsmetall 
selbst geschlagen wird, welches dann eben unterwerthig aus- 
zuj)rägen ist, und dass andererseits die Ausprägung von Han 
delsmünzen gänzlich unterbleibt. Je nachdem das Währungs 
metall Gold oder Silber ist, nennt man diese gemischte Währung 
gemeinhin Gold- oder Silberwährung. Und ebenso wie bei der 
Herrschaft der Silberwährung Hanilelsmünzen aus Gold und 
Scheidemünzen aus Silber geschlagen werden, könnten auch 
in den Ländern der G(ddwälirung Handelsmünzen aus Silber 
und Zeichenmünzen aus Gold geprägt werden. Letzteres ge- 
schielit aber thatsächlich niemals, und zwar aus dem Grunde, 
weil das Bedürfniss nach beiden fehlt. 
Bevor die Frage nach dem relativ besten Klünzsysteme 
an der Hand der theoretischen und praktischen Gründe, die 
für die eine oder die andere Ansicht geltend gemacht weiden, 
untersucht wird, dürfte es von Vortheil sein, einen geschicht 
lichen Rückblick zu werfen auf die Wandlungen, die sich von 
der ältesten Zeit bis zur Gegenwart im Werth Verhältnisse 
und in der Geldfunction der beiden Edelmetalle vollzogen 
haben. 
Ini Alterthiime war fast allenthalben das Silber das
        <pb n="242" />
        eigentliche W ä h r un g s ni e t a 11 ; (Toldmiinzen wurden entweder 
überhaupt nicht geprägt oder cursirten doch zumeist nur neben 
dem Silbergelde zu ganz bestimmten Zwecken, ln Jlum war 
antaugs ganz unzweifelhaft die Silberdrachme die IMünzeiuheit 
und die Goldstatereu sanken oder stiegen im Preise ganz in dem 
selben blasse, wie etwa heute die Dukaten oder goldenen Acht- 
giildeiistücke in Oesterreich. Herodot erwähnt als ganz be- 
sonderaMerkwürdigkeit, dass die dem Perserkönige unterworfenen 
indischen Völkerschaften ihren Tribut nicht wie die anderen 
Nationen in Silber, sondern in Gold entrichteten. Der (»rnnd 
dieser lange Zeit andauernden allgemeinen Herrschatt des 
Silb(‘ig(ddes ist ganz unzweifelhaft darin zu suchen, dass 
das Gold damals ein allzu kostbares und seltenes Metall 
war, dass Goldmünzen, die dem Hedarfc des täglichen Ver 
kehrs genügt hätten, allzu klein hätten ausgeprägt werden 
müssen, und dass demnach die Jiücksicht auf die \erkehrs- 
bedürfnisse gebieterisch die A\'ahl eines ^Münzmetalls forderte, 
dessen Tauschkraft den anderen Waaren gegenüber nicht 
allzu gross war. 
Hrst später wurden in vielen alten Staaten Gold- und 
Silbermünzen gemischt in einem fixen Werth Verhältnisse aus 
geprägt, d. h. eine Art Doppelwährung beliebt. Nichtsdesto 
weniger war das wirkliche Werthverhältniss von Gold und 
Silber nie und nirgends weder örtlich noch zeitlich stabil. 
.Je nachdem neue Fundorte des einen oder andern Edel 
metalls erschlossen wurden oder die Redüifnisse des Ver 
kehrs schwankten, bekam man am selben ()rte für dieselbe 
Gewichtseinheit Silbers zu verschiedenen Zeiten grössere oder 
geringere Gewichtseinheiten Goldes und ebenso bekam man 
zur selben Zeit an verschiedenen Orten mehr oder weniger 
Gobi für die Gewichtseinheit Silber. Insbesondere die Dnter- 
schiede in der letzten Richtung waren bis in die neueste Zeit, 
wo die Indie Ausbildung der Gommunicationsmittel örtliche 
Preisverschiedenheiten nur bis zu einem gewissen Grade zu 
lässt, .sehr häufig und intensiv. 
Nach Soetbeer’s Annahme war die erste am allgemeinsten 
verbreitete und, wie es scheint, von der längsten Dauer be 
gleitete Werthrelation der Edelmetalle die von 1 zu l.ö'/a- 
Das war die Werthrelation der persischen Golddarriken zu
        <pb n="243" />
        231 
den persischen Silbersiglos. Aus altegyptischen Inschriften 
lässt sich eine ähnliche Werthrelation erkennen, aber ganz 
ebenso unzweifelhafte Beweisstücke sprechen dafür, dass ab 
wechselnd mit dieser Werth relation in den Staaten der alt- 
asiatischen Cultur auch das Verhältniss von 13 zu 1, 12 zu 1 
und IIV2 zu 1 sich lange Zeit erhielt. Geschichtliche Docu 
mente aus der Zeit vor Christus berichten auch über vor 
übergehende Werthrelationen von 10 zu I und von 8 zu 1 ; 
sowie umgekehrt 21-8 v. dir. in Horn einmal Goldmünzen in 
(1er Relation von 1714 zu 1 geprägt wurden. Man sieht also 
dass Schwankungen von über UH) l’ercent sich aus der ältesten 
Zeit nachweisen lassen. 
Unter den römischen Kaisern hielt sich die Werthrclation 
der Gold- und Silbermünzen im Durchschnitte auf ungefähr 
11 zu 1. Doch war dieselbe steten Schwankungen unter 
worfen und zu Constantins Zeiten galt 14 zu 1 als das Nor 
male. Die Ursachen all’ dieser Veränderungen waren wohl 
die nämlichen, die auch heute die Preise der Edelmetalle be 
einflussen, nämlich neue Funde reichhaltiger Silber- oder Gold 
minen, neu angeknüpfte Handelsbeziehungen mit Ländern, die 
stärkeren Begehr nach Silber oder Gold hatten, oder von diesen 
^Metallen bedeutende (Quantitäten abgeben konnten. 
Im ganzen Mittelalter schwankte die Werthrelation ört 
lich und zeitlich zwischen 12’ , zu 1 und 0 zu 1. Anhalts 
punkte dafür, dass das Gold unter das Neunfache des Silber- 
werthes im I’reise gesunken sei, sind uns nicht erhalten, wohl 
aber stieg sein Werth, wenn auch nur vorübergehend, bis 
über das Dreizehnfache. ’) 
') Soetboer vi'röftentliclit im 1875er Dando von Mirth’s .\nnalen einige Zn- 
sammenstellungen über die Werthrclation der Edelmetalle nach englischen und 
deutschen Quellen. Er bemerkt dabei, dass diese (¿ucllen mit einiger Vorsicht 
zu gebrauchen seien, da nicht überall klar ware, ob nicht in mancheir hallen 
der zur Zeit angenomiuene Goldmünzfuss zu Finanzoperationen benützt wurde. 
Unter diesem Vorbehalte ergibt sich aus englischen Münzverordnungen von 
1104 bis 1404 folgende Schwankung der Werthrelation; 
im Jahre 1104 wie 1 : O-o 
„ „ 1256 „1:9., 
„ „ 1262 „ 1 : 9-, 
„ „ 1292 „ 1 : l2.i(V) 
„ „ 1344 „ 1 : 110 
„ „ 1346 „ 1 . 11.; 
im Jahre 1352 wie 1 : ll'.¿ 
1412 „ 1 : 10.., 
1422 „ 1:12 
1465 „ 1 : 11., 
1494 „ 1:12
        <pb n="244" />
        282 — 
Bald nach der Entdeckung Amerika s zeigte sich in ganz 
Europa eine continuirliche und ausgiebige AVertherhöhung des 
Goldes dem Silber gegenüber. Als Grund dieser Erscheinung 
lässt sich hier schon mit aller Bestimmtheit die gewaltige 
Silhereinfuhr aus dem neuen Continente bezeichnen. Insbeson 
dere seit dem Jahre 1557, wo die Silbergewinnung mittelst 
Qnecksilberamalgation in den peruanischen und mexikanischen 
]\Iinen zur Anwendung gebracht wurde, begann ein mächtiger 
Silberstrom nach Europa zu fluten. Zwar nahm gleichzeitig 
auch die Goldgewinnung einen grösseren Umfang an, aber 
sie wurde bei weitem von der Silbergewinnung übertrotfen. 
Man schätzt die in den drei und ein halb Jahrhunderten von 
1500 bis 1848 in den Welthandel gebrachten Gold(juantitäten 
auf rund GOOO ^Millionen Gulden, die Silheivpiantitäten auf 
rund 18500 Millionen Gulden. Unter dem Einflüsse dieser Ver 
hältnisse stieg in England die Vierth relation des Goldes zum 
Silber von 11-80 zu 1 im Jahre 152(1 auf 14 50 zu 1 im 
Jahre 1670; in Frankreich stieg die Werth relation von 11 70 
zu 1 im Jahre 1561 auf 1540 zu 1 im Jahre 1680 und 
schliesslich in Deutschland (nach den Reichsmünzordnungen 
und den IMünzverordnungen einzelner Kreise) von 11 "88 zu 1 
im Jahre 1524 auf 1511 zu 1 im Jahre 1660. 
Aur den Rechnungen des deutschen Ordens in Preussen wurde nach 
vierzigjährigen Durchschnitten die Werthrelation der Edelmetalle folgender- 
massen festgestellt : 
1351—1390 wie 1 : V¿^ 1 1409-1448 wie 1 : 13., 
1369-1405 „ 1 : 12.8 ' 1455-1494 „ 1 : 10., 
1393-1432 „ 1 : 12., ; 1469-1.508 „ 1 : 9., 
El)enso geben die Lübecker Munzrechnungen die Werthrelation der Edel 
metalle in Norddeutschland, wo, nebenbei bemerkt, zu Anfang des 13. .Tahr- 
hunderts der Sachsenspiegel das Pfenniggewicht Gold zum Zehnfachen des 
Pfenniggewichts Silbers angesetzt hatte, wie folgt : 
Die Mark fein Gold 
im Jahre 1351 zu 
1375 „ 
1403 „ 
1411 „ 
1451 „ 
69 Gulden à 10 Schill. 
69 „ a 12 „ 
69 „ à 16 Va n 
69 „ Ä 16 „ 
69 „ à 21 
69 » à 27 „ 
Die Mark fein Siibcr Werthreiation 
zu 56 Schill. 1 : 12", 
„67 „ 1 : 12., 
„ 87V,a . 1 ; 12., 
„92 „ 1 '• 12.p 
„ 123 V@ „ 1 • Ibj 
„ 160 „ • 1 ; 11.,
        <pb n="245" />
        233 
Vom letzten Decenniiim des 17. Jahrliundertsbis zum .Jahre 
1H5() dagegen zeigten die Gold- und Silberpreise eine verhältniss- 
mässige Stabilität.^) Die Schwankungen überragter] nur selten 
1 Percent, es war also eine Epoche verhältiiissmässiger Kühe ein 
getreten. Zwar dauerte die Silberzufuhr aus Amerika im unver 
minderten, ja im gesteigerten Masse fort, aber gleichzeitig hatte 
sich auch die Goldzufuhr wesentlich gehoben, und was die 
Hauptsache ist, die ostasiatischen Länder begannen jetzt stets 
steigende Quantitäten Silbers zu absorbiren, so dass dem 
amerikanischen Silber ein theilweiser Abfluss nach Gstasien 
ei'öflhet war. Erklärt wird dieser Abfluss nach Ostasien 
durch den Umstand, dass die Werthrelation der Edelmetalle 
zu Anfang des 18. Jahrhunderts in Japan 0 zu 1, in China 
10 zu 1 und in Ostindien 12 zu 1 war, und dass der gestei 
gerte Consum ostindischer Artikel in Europa, dem damals 
noch kein irgendwie nennenswerther Consum euro])äischer 
Artikel in Ostasien gegenüberstand, die jährliche Ausgleichung 
eines in der Bilanz des Waarenhandels sich ergebenden Sal 
dos an Ostindien erforderte. 
*) Nach den halbwöchentlichen Notirungen im Hamburger ('oursblatte 
berechnet Soetbeer die folgenden zehnjährigen Durchschnitte. 
Jahr 
1687—1690 
1691—1700 
1701-1710 
1711-1720 
1721-1730 
1731-1740 . 
1741-1750 
1751—1760 
1761-1770 
1771-1780 
1781—1790 
1791—1800 
1801-1810 
1811-1820 
1821-1830 
1831—1840 
1841-1850. 
(ioldpieiB in 
Hamburg Mk. Banco 
per Mk. f. 
Hieraus sich ergebende 
Werthrelation des Goldes zum 
Silber 
415.. , 1 
415.« 
423.. , 
420.. , 
418.. , 
418.. , 
414.3, 
405,0 
410.00 
406.3, 
409.. , 
427.3, 
433.. , 
430,3 
438.. , 
434.. , 
59®/,, Pence pr. Pfund St. 
14- 98 
14. „ 
15.. , 
15. „ 
15- 09 
Id-o, 
14- 93 
14.. 9 
14.. , 
14. „ 
14., « 
15. „ 
15«, 
15.3, 
15.80 
15 s, 
15- 83
        <pb n="246" />
        234 — 
Mit dem Jahre 1848, insbesondere jedoch seit 18ol trat 
abermals eine Wendung in der Werthrelation der Edelmetalle 
ein. Damals wurden zuerst in Californien und dann iu Austia- 
lien überaus reichhaltige lioldlager entdeckt, die sehr rasch 
die Goldgewinnung, die zu Anfang des Jahrhunderts iur den 
bekannten Theil der Erde auf 45.000 Pfund und 1840 noGi 
auf 120.000 Pfund jährlich geschätzt wurde, im Jahre 18o3 
auf 500.000 Pfund Gewicht oder einen Werth von nahezu 
350 Millionen Gulden hoben, während die gleichzeitige Silber- 
production 84 Millionen nicht überschiitt. ) 
Gleichzeitig aber erreichten die Silberverscliitfungen nach 
Ostasien früher ganz unbekannte Dimensionen.«) Auf die Ur 
sache dieser Erscheinung wie überhaupt der ostasiatischen 
Silberbezüge soll noch zurückgekommen werden. Aber es ist 
klar dass der so plötzlich anwachsende GoldzuÜuss, verbun 
den ’mit einer das Angebot übersteigenden Silbernachfrage für 
Ostasien, eine Umwälzung in den Preisverhältnissen der bei 
den edlen ]4etalle herbeizuführen vollständig geeignet war. 
ln der That sank die Werthrelation, die 1850 1 zu 15*83 ge 
wesen, um einige Bruchtheile und zwar im Durchschnitte des 
s) Nach der iur die französische Enquête veranstalteten Untersnehung war 
die Gesammtproduction von Gold und Silber in den Jahren 1816 und 1819 bis 
1867 die folgende; 
Gold 
Fiai 
1846 . . 214,265.000 
1849 .' . 385,392.000 
1850 . . 432,189.000 
1851 . . 510,644.400 
1852 . . 821,848.700 
1853 . . 868,678.600 
.. 
1855 . . 757,534.300 
1856 . . 801,923.200 
1857 . . 783,171.600 
Silber I 
ieu 
197,580.000 1858 . 
212,010.000 1859 . 
231,990.000 1860 • 
223,110.000 1861 . 
219,780.000 1862 . 
207,570 000 1863 . 
210,900.000 1864 . 
222,000.000 ' 1865 . 
225,330.000 1866 . 
235,320.000 1867 . 
iJold Silber 
Franken 
760,461.000 249,750.000 
710,736.700 251,970.000 
659,465.800 264,180.000 
660,672.000 276,390.000 
652,069.500 294,150.000 
662,392.500 321,900.000 
667,295.000 326,340.000 
695,082.000 360,750.000 
709,704.000 355,200.000 
714,007.500 360,750.000 
«) Nach den Jahresberichten der Londoner Bouillon Brokers betrug die 
Silberausfuhr von Europa nach Ostasien per Ueberlandspost von 1851 bis 1856 
7 754 000 Bfund Gewicht im Werthe von rund 352 Millionen Gulden, d. i. jähr 
lich 1292 Pfund im Werthe von 58*6 Millionen Gulden, und von 1857 bis 186;, 
vollends 26,280.000 Pfund im Werthe von 1179 Millionen Gulden, d. i. jährlich 
2,920.000 Pfund im Werthe von 131 Millionen Gulden.
        <pb n="247" />
        — 235 
Jahres 1859 his auf 1 zu 15*21, um sich dann bis zum Jahre 
1867 allmälig wieder auf 1 zu 15*57 zu heben. 
Offenbar entspricht aber diese Veränderung, die im ]\Iaxi- 
mum 1 Percent nicht erreichte, den oben erwähnten gewaltig 
wirkenden Ursachen nur sehr unvollkommen. Kalifornien und 
Australien, zwei Länder, die früher als Goldproducenten gar 
nicht in Betracht gekommen waren, hatten in dieser Epoche, 
gering gerechnet, für :f5(M&gt; Millionen Gulden neues Gold auf 
den Markt geworfen und an Silber nahmen die ostasiatischen 
Länder mehr von den europäischen Märkten, als die Gesammt- 
production von Jahr zu Jahr betrug. Dadurch kam es, dass 
der Edelmetallvorrath der Länder abendländischer Civilisation, 
der 184Í* noch auf IJ' j Milliarden Franken in Gold und 20 
il Harden in Silber geschätzt wurde, also aus 58 Percent in 
Silber und 42 Percent in Gold bestand, 1867 umgekehrt aus 
42*5 Percent Silber und 57*5 Percent Gold sich zusammen 
setzte. •') 
*) Nach den Londoner 
folgende Werthrelation: 
. 1851 
1852 
1853 
1854 
1855 
1856 
1857 
1858 
1859 
1860 
1861 
1862 
1863 
1864 
1865 
1866 
1867 . • 
Die tranzö 
Silhcrpreisen ergibt sich von 1851 bis 1867 
DurcbBchnittspieis de« 
Jahre« Werthrelation 
l’ence per Unze St. 
Amerika s, wie folgt 
61 
m,« 
61t, 
61'/, 
61% 
61', 
61*, 
61% 
62 
61% 
60'%« 
61% 
61%« 
61', 
61% 
61',« 
60"/., 
1 
15,« 
15.» 
15 „ 
I5.„ 
15., « 
15-,, 
15.» 
15.3« 
15.. , 
15«, 
15» 
15., « 
15.. , 
15,« 
15.,, 
15.„ 
15;, 
1849 
1850 
he Kn.jnête schlitzte den Kdelmetallvorrath Europa’« und 
Francs 
Oold Silber Zunammen 
. . 11.413.259., 20,075.243.« 34,488.502.« 
. . 14,788.014., 20,050 910.« 34,838.924«
        <pb n="248" />
        Man muss iÜHoimch Uis^^ien ampien, dm ekie ßru^iere 
Vei'ychiebnngderPreisverhältmssG xnverliüWi geeignet waren, 
und eine solche ñndet sich denn thatsäehlich iin iranzosisehcui 
Münzgesetze vom 7. Germinal des Jahres XI der l^epuhlik 
mit welchem dort die IJoppelwälirimg gesetzlich eingeiuhit 
wurde. Dieses Gesetz, welches bekanntlich teststellt, dass 
Zahlungen je nach Belieben in Gold oder Silber nach demüxen 
AVerthverhältnisse von 15^/, zu 1 geleistet werden können, 
bhdrt J(Mmnmnn dm Mnglh^hkeit, in Fiank^imh ^mmn 
ShBœn dM Gkd^meh^sCkdd ^^^n Smrnr undnn^^dmhrt bm 
einem Sinken des Silberpreises Silber gegen Gold auszutauschen. 
Um diese Operation durchzutühren, ist nichts weiter noting, 
als dass man das wohlfeile Metall auf dem Weltmärkte kauft, 
es in der französischen ^lünze ausprägen lässt, dm geprägten 
Stücke gegen Münzen aus dem theureii Metall umwechselt und 
diese dann einschmilzt. Diese Operation kann so lange fort- 
rresetzt werden, als der V(,rrath Ifrankreielis an ^dünzen des im 
Preise gestiegenen IMetalls reicht, und als andererseits dm 
französische IMünzc die Ausprägung des wohlfeilen IMetalls zu 
bewältigen im Stande ist. Der Münzvorrath Frankreichs aber 
ist schwer zu erschöpfen, denn dieses- Land ist eines der geld- 
^or WpU Seine Circulation an Edelmetallen ist 
1851 . 
1852 . 
1853 . 
1854 . 
1855 . 
1856 . 
1857 . 
1858 . 
1859 . 
1860 . 
1861 . 
1862 . 
1863 . 
1864 . 
1865 . 
1866 . 
1867 . 
Krancf* 
Gold Silber 
15.214.613.. , 20,017 799.« 
16,002.523.« 19,981.555., 
16.810.589.4 19,9,33 267.;, 
17.522.210., 19,888,531 4 
18,215.576.^ 19,855.423.« 
18,950.619.0 19,821.312.« 
19.654.319., 19,640.892.; 
20,335.284.« 19,476.716., 
20.962.517.5 19,309.095.« 
21,536.361, 19,150.630., 
22.110.893., 19,001.698.« 
22.907.248., 18,829 322.« 
23,020.570., 18.677.146.5 
23,480.058.) 18,517.392., 
23,965.724.« 18,399.238., 
24,535.090.5 18,449.237-, 
25,141.312.0 18,628.702.« 
ZuHninmen 
35.258.413., 
35,984.079., 
36,743.856, 
37.410.745., 
38,071.000., 
38,774.932.« 
39,295.211. 
39,812.001., 
40.271.61.3., 
40,686.991.« 
41.112.502., 
41.732.571.. , 
41,697.716« 
41.997.541., 
42,364.952.» 
42.984.328.. , 
43,770.014.6
        <pb n="249" />
        237 
weitaus grösser selbst als die Englands und wird von keinem 
der andern europäisehen Staaten' auch nur annähernd erreicht. 
Und da überdies auch Belgien und die Schweiz, nachdem sie 
das Frankensystem angenommen hatten, unter dem Einflüsse 
der französischen Geldverhältnisse standen, und auch in den 
Vereinigten Staaten von Nordamerika die Doppelwährung — 
allerdings unter Festhaltung eines anderen Werth Verhältnisses 
— bestand, so war es ein Münzvorrath von mindestens 1U ^Mil 
li arden Franken, aus dem die Edelmetall-Arbitrageure schöpfen 
konnten, wenn sie beim Austausche von Silber gegen Gold 
ihre Rechnung fanden. So lange aber diese Umwechslung des 
auf dem Weltmärkte sinkenden iMetalls gegen das im Preise 
gestiegene in Frankreich möglich ist, kann selbstverständlich 
die Preisdifferenz der Beiden sich nicht wesentlich über jenen 
Betrag erheben, der die Kosten einer derartigen Umwechs 
lungsoperation repräsentirt. 
Es zeigt sich nun in der That, dass Frankreich und die 
Länder der Doppelwährung es waren, die einen grossen Theil 
des Goldstromes aus Kalifornien und Viktoria aufgenommen 
und mindestens die Hälfte des für Ostasien erforderlichen Sil 
bers abgegeben hatten. Auf diese Thatsache leitet vor Allem 
die Beobachtung, dass die ]\[ünzausj)rägung Frankreichs, die 
von 1H()3 bis 1848 blos 1217 Millionen Franken in Gold, da 
gegen rund 3000 Millionen in Silber betragen hatte, von 1851 
bis 1807 sich auf 5800 Millionen Franken in Gold und blos 
auf 383 Millionen Franken in Silber belief. Gleichzeitig weisen 
die französischen Handelslisten einen IMehrimport in Gold von 
rund 4 Milliarden und einen ^lehrexport an Silber von rund 
2 ^Milliarden Franken aus. Die beiden letzten Ziffern sind 
jedenfalls ungenau, da bekanntlich die Edelmetallbewegung 
sich nur schwer controlireu lässt, insbesondere wenn Diejenigen, 
welche diese Edelmetallbewegung hervorgerufen haben, wie im 
vorliegemTen Falle, ein lebhaftes Interesse besitzen, sich nicht 
allzu genau in die Karten blicken zu lassen. Wahrscheinlich 
War der thatsächlich stattgehabte Zufluss von Gold und Ab 
fluss von Silber noch grösser. 
In ähnlicher Weise bestand auch die Münzausprägung 
in Nordamerika zu jener Zeit zu 01 Percent in Gold und 
blos zu 0 Percent in Silber. Es trat also der vermehrten
        <pb n="250" />
        — 238 — 
Golílpi'odiiction (lie künstlich gescliaítene vermehrte (xohlnacli- 
Irage der Düppelwährungsländer und der vermehrten Silber 
nachfrage Ostasiens das künstlich geschaffene Silberangebot 
derselben Länder entgegen. Beides konnte zwar die Verände 
rung der Werthrelation nicht vollständig paralysiren, genügte 
aber, um dieselbe innerhalb enger Grenzen zu halten. 
Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, dass die Länder der 
Doppelwährung diese ausgleichende Wirkung nicht in alle 
Ewigkeit äussern konnten ; es musste noth wendigerweise der 
Moment eintreten, wo ihr Silbervorrath erschÖ2)ft und damit 
auch ihre Aufnahmsfähigkeit für Gold an ihre Grenze gelangt 
wäre. Thatsächlich begann es dort bereits nicht blos an den 
groben silbernen Courantmünzen, sondern auch an den als 
Scheidemünzen dienenden kleinen Silberstücken zu fehlen und 
man sah sich deshalb in Frankreich zu ernstlichen Gegen- 
massregeln gezwungen. In Nordamerika, wo inzwischen das 
Papiergeld zur Herrschaft gelangt war, trat die Münzfrage 
selbstverständlich in den Hintergrund. Frankreich, die Schweiz, 
Belgien und Italien aber schlossen im Jahre 1800 die 
sogenannte lateinische Münzconvention, die gegen das drohende 
Unheil Abhilfe schaffen sollte. Es wurden Zwei-, Ein- und Ein- 
halb-Frankenstücke nunmehr als Scheidemünze ausgeprägt, 
um deren Einschmelzung zu verhindern und in solcher Art 
dem Verkehre die noth wendigen kleinen Geldstücke zu 
bewahren. Da die Circulation im Uebrigen bereits thatsächlich 
ans Goldstücken bestand, so regten Italien, Belgien und die 
Schweiz die reine Goldwährung an. Deren Annahme scheiterte 
jedoch am Widerspruche Frankreichs und die kleineren Staaten 
gaben nach, umsomehr da die factische Goldwährung gesichert 
schien. 
Bald darauf aber trat ein abermaliger Umschwung in 
der Werthrelation ein, und dessen Wirkungen wurden diesmal! 
da weder die nordamerikanische Union, noch die lateinische 
Münzconvention mit ihren Edelmetallvorräthen ausgleichend 
dazwischen traten, in ganz anderer Weise fühlbar als die ent- 
gegengesetzte Umwälzung des früheren Decenniums. Die Werth 
relation, im Jahre 1807 ziemlich hart an der von der lateinischen 
Münzconvention festgesetzten Grenze von löVa stehend, hob
        <pb n="251" />
        239 
sicli mit Ende des dalires 1875 auf 15'i)2 %u 1 und erreichte 
in den ersten ]\ronaten des Jahres 187(3 voriibergeliend das 
Verliältniss von 20 zu IJ) Die Ursache der Umwälzung ist 
abermals in den veränderten Productions-Verhältnissen der 
Edelmetalle und in der Silbernachfrage für Dstasien, dann 
aber in den Münzmassregeln mehrerer europäischer Staaten 
55U suchen. Bis zum Jahre 1800 etwa entfielen ungefähr der 
gesammten Silberproduction der Erde auf Mexico, Peru, Bolivia 
und Chili und die Gewinnung dort hielt sich mit geringen 
Schwankungen so ziemlich auf gleicher Höhe. Zwar stien- 
schon im vorigen Decennium die Silberausbeute in einigen 
europäischen Staaten, namentlich in Spanien und Deutschland 
verhältnissmässig ziemlich bedeutend, aber die absolute Höhe 
der Production erreichte hier doch keinen derartigen Umfang, 
dass dadurch die Productions-Verhältnisse der Erde wesentlicn 
alterirt worden wären. Es hielt sich die Gesammtproduction 
im Mittel auf 2 ]\lillionen Pfund (Gewicht im Werthe von 
rund 90 Trillionen Gulden im Jahre. Von 1870 trat mit der 
Auffindung neuer überaus reichhaltiger Silberlager in den 
westlichen Theilen der Vereinigten Staaten, insbesondere in 
Nevada, ein neuer bis dahin wenig beachteter Producent auf 
den Weltmarkt. Die Production dieser Gebiete hatte im Mittel 
’) Nach (len .Iahres-, respccUve Monatsdurchschnitten des Londoner 
Silherpreises herechnot sich die Werthrelation wie folgt: 
1868 
1869 
1870 
1871 
1872 
187.3 
1874 
1875 .Tanuar—.Inni 
1875 .Tlili - December 
1876 Januar 
dto. Februar 
dto. Mar/, 
dto. April 
dto. Mai 
dto. Juni 
l)urcb8clinittHiirein 
(len Sil liera 
Wertbrolatlon 
60'/, 
GO'/,. 
59' 
58'/, 
57'/,, 
56% 
55"/„ 
54'/,, 
53% 
53% 
52'/, 
51% 
15.„ 
15.. . 
15.. 0 
15.*. 
15.„ 
15.^0 
IG,* 
IG.» 
IG.» 
1G.M 
17.» 
17.» 
17.*, 
17.«, 
18.. .
        <pb n="252" />
        (1er Sechziger Jahre rund 450.000 Pfund (lewicht ini Werthe 
von ungefähr 20 IMillionen Gulden betragen. Die«çlbe 
aber betrug ini Jahre 1870 750.000 Pfund im Werthe von 
iVò^lt Millionen und stieg im Jahre 1875 annähernd auf 
2,700.000 Pfund im Werthe von 120 Millionen Gulden. Durch 
diesen neuen Zufluss ist die gesanimte Silberproduction auf 
ungefähr d,000.000 Pfund im Werthe von 102 Millionen Gulden 
gestiegen, hat sich also um mehr als 80 Percent gegen das 
vorige Decennium vermehrt, während gleichzeitig die Gold 
gewinnung von rund 240 Millionen Gulden gegen Ende des 
vorigen Decenniums auf 190 Millionen Gulden im IMittel der 
letzten Jahre sank. Während also im Decennium 1851 —18()0 
die (Goldgewinnung auf 75 9 Percent und die Silbergewinnung 
auf 24'1 Percent und im Decennium 1801—1870 die erstere 
noch immer auf 07‘4 Percent, die zweite auf J2'0 Percent ver 
anschlagt wurde, schätzt Soetbeer für die 4 Jahre 1871 18 &lt;4 
die Gold])roduction nur mehr auf 50 Percent gegen 44 Percent 
Silbergewinnung und für 1875 dürfte sich das Verhältniss 
vollends auf 54 Percent zu 40 Percent stellen. 
Mit dieser Verminderung des Angebotes für Gold und 
der Vermehrung desselben für Silber ging aber Hand in Hand 
einerseits eine Verminderung der Nachfrage für Silber, ander 
seits eine Steigerung der Goldnachfrage. Als hauptsäch 
licher Grund der verminderten Silbernachfrage wurde bereifs 
die Veränderung im Silberbedarfe üstasiens angedeutet. 
Während nämlich, wie früher gezeigt worden ist, die Ver 
schiffung per Ueberlandpost in den Jahren 1857—1805 durch 
schnittlich 2,920.000 Pfund im Werthe von Ul IMillionen 
Gulden betrug, also um ungefähr 900.000 Pfund mehr als die 
damalige durchschnittliche Silberproduction, sank im Decennium 
18GÜ—1875 die durchschnittliche Verschiffung auf 1,000.000 
Pfund im Werthe von 47^4 IMiHionen Gulden, d. i. um unge 
fähr 2 ]\Iillionen Pfund Gewicht unter die durchschnittliche 
Gewinnung dieses Decenniums und um 2’/» Millionen Pfund 
unter die Gewinnung des letzten .Jahres. Zur selben Zeit ver 
minderte sich aber auch der ^lünzbedarf Europa’s an Silber, 
ja mau kann sagen, dass hier die Silberausprägungen bis auf 
veihältnissmässig sehr geringe Beträge ganz eingesfellf wurden. 
Zwei der grössten Staaten mit Silberwährung, Oesterreich und
        <pb n="253" />
        241 
Russland, hatten in Folge der Papierwirthschaft schon längst 
aufgehört für die Edelmetall-Märkte massgebend zu sein. Deutsch- 
land, welches früher zu seinen Circulations-Zwecken jährlich 
(lern Edelmetall-Markt bedeutende Silberquantitäten entnommen 
hatte, ging zur Goldwährung über und stellte damit selbst 
verständlich die Silberausprägung ein ; ebenso aber restringirte!! 
die Staaten der lateinischen Münzconvention, und nicht minder 
Nordamerika, also die Länder der Doppelwährung, ihre Sil 
berausprägung. Zwar im Jahre 1808—1878 wurden noch in 
Paris, Brüssel und Mailand ungefähr 00(1 Millionen Francs 
Silber geprägt, indem bei dem eintretenden Sinken des Silber 
preises unter den sogenannten Paristand der lateinischen 
Werthrelation die Arbitrage, gleichwie sie früher Silber gegen 
(irold eingetauscht hatte, nunmehr den Versuch* machte, das 
tlieuer gewordene Gold gegen Silber aus diesen Ländern her 
auszuziehen. So lange dies möglich war, hielt sich in der That 
der Rückgang des Silberpreises in mässiger (Grenze ; aber die 
Regierungen des lateinischen Münzbundes erkannten gar bald, 
dass die Arbitrage ihr gesammtes Circulationsgebiet nur zu 
rasch allen Goldes berauben würde, wenn ihrem Treiben kein 
Riegel vorgeschoben würde. Sie hatten sich ein Deeennium 
zuvor die Umwechslung ihrer schweren Fünffrankenthaler 
gegen die goldenen Zwanzigfrankenstücke gefallen lassen, 
trotzdem sie auch bei dieser IManipulation sich dessen wohl 
bewusst waren, dass sie unter dem Zwange eines verfehlten 
Gesetzes eine werthlosere Waare gegen eine werthvollere er 
hielten ; sie duldeten dies aus dem (rrunde, weil das Publicum 
die Goldcirculation als eine wesentliche Erleichterung empfand 
und die unhandlichen unbequemen Silberstücke auch mit Ver 
lust gerne verschwinden sah. Aber sie konnten diesmal nnmög- 
lich ruhig Zusehen, wie es die Arbitrage unternahm, nunmehr 
An die Stelle des bequemen Goldstückes, an das sich der Ver 
kehr gewöhnt hatte, wieder die plumpen Ecus zu setzen. Um 
dem vorzubeugen, gab es kein anderes Mittel, als entweder 
den gesetzlichen Uebergang zur alleinigen (-ioldwährung und 
die gänzliche Sistirung der Silberauspräguug, oder als Palliativ- 
mittel die Einschränkung dieser letzteren. Es wurde das 
letztere gewählt, und von Jahr zu Jahr für die Silberaus 
prägung ein Maximalbetrag bestimmt, der für die fünf Staaten 
Ur. Th. Hertzka, Währung und Handel. 20
        <pb n="254" />
        242 
? 
des Mnnzbimdes im Jahre 1S74 120 JMilHonen Francs, 1875 
150 Millionen Francs und 1870 129 Millionen Franes betrug.«) 
Zu all’ dem trat dann noch die Goldnaclitrage und das 
Silberangebot Deutschlands, in ihren Wirkungen gesteigert 
durch die Perspective auf ähnliche IMassregeln jener anderen 
Staaten, die sich gleich Deutscdiland zum Uebergange zur 
Goldwährung entschlossen haben, dieselbe thedweise thatsaeh- 
Uch schon in Angriff nahmen oder demnächst in Angriff 
nehmen werden, Deutschland allein hat 200 bis 2;)0 Millionen 
Thaler Silber verkauft oder noch zu verkauieu. Annähernd 
die Hälfte dieses Betrages dürfte das Silber ausmachen, dessen 
sich Holland, Schweden, Norwegen und Dänemark zu ent 
ledigen haben; für alle Fälle werden die aut* diese letztere 
Weise frei werdenden Silberbeträge zum mindesten tür ein 
Decennium genügen, um die Münzstätten der lateinischen 
Staaten, selbst in dem Falle, wenn diese den radiealen Ihmch 
mit dem herrschenden Systeme verzögern solltmi, voilant zu 
speisen, so dass die gesammte Silberproduction der Fr de tür 
Ostasien und für die verschiedenen Industriezwciîke 1 rei ver 
fügbar erscheint und naturgemäss durch die Wucht ihrer 
rie'sig angewachsenen Menge die Preise im hohen Grade 
drücken muss. 
Ob unter so bewandten Verhältnissen vorerst ein 
ferneres Sinken des Silberpreises zu erwarten ist oder nicht, 
und wovon die Beantwortung dieser Frage in erster Reihe 
abhängig werden dürfte, soll siiäterhin untersucht werden. 
Vorerst möge in Kürze dargelegt werden, wie sieh unter dem 
Einflusse dieser steten Veränderungen in der Werthrelafion 
der Edelmetalle die modernen (%eldsysteme im gesehichtliehen 
Verlaufe gestalteten. 
®) Auf die einzelnen Staaten vertheilt sich dieses Contingent wie folgt; 
1874 1875 
Millionen Kr 
Frankreich .... GO 75 
Italien dü 50 
Belgien 1% 15 
Schweiz 8 10 
Griechenland .... — — 
Zusammen . 120 150 129. 
1870 
54 
45 
10.« 
7., 
12
        <pb n="255" />
        243 
10* 
ln England bestand vom Jahre 1275 bis zum Jahre 
1&lt;)&lt;)4 die Dopi^elwälirung, in der Art, dass von Zeit zu Zeit 
das AVerthverliältniss der in Silber ausgeprägten Schillinge 
zu den in (xold geprägten Guineen gesetzlich geregelt wurde. 
Doch waren dabei die englischen Gesetzgeber jener Zeit nie 
mals von der Absicht beherrscht, ein bestimmtes Werthver- 
h.iltuiss festhalten zu wollen j ibi e Absicdit ging vielmehr 
dahin, die auf dem Edelmetallmarkte thatsächlich vorhandene 
delation richtig zu erfassen und in gesetzliche Normen zu 
l)iiiigen. Dass sie dies thaten, hatte seinen Grund ganz aus 
schliesslich in dem praktischen Bedürfnisse des englischen 
Vei kehrs nach (?oldmünzen und in der Erkenntniss, dass es 
eine grosse Erleichterung sei, wenn Zahlungen ohne weit- 
läuiige und schwierige Umrechnungen gleichmässig in beiden 
Edelmetallen geleistet werden können. Da mithin das eigent 
liche Princip der Doppelwährung in England nicht verfolgl 
wurde, dieses Geldsystem gleichsam blos von Fall zu Fall 
und auf Kündigung etablirt wurde, so schlief zwischen Idb4 
und 1717 die Doppelwährung von selbst wieder ein, indem 
ganz einlach keine neue Feststellung der Werthrelation er 
folgte, der Werth des Silbers aber inzwischen derart gesunken 
war, dass die alten Feststellungen nicht mehr Geltung be- 
luilten konnten, die Guineen damit zur Handelsmünze wurden. 
Es bestand also wieder die alte einfache Silberwährung. 1717 
wurde aber .auf den Rath des damaligen königlichen Münz- 
uieiaters Sir Isaac Newton wieder zur Doppelwährung zurück- 
gegriffen. Man setzte den Werth der Guinee auf 21 Schillinge 
überschätzte aber damit den Werth des Goldes um un 
gefähr 1 V2 Percent, und die Folge davon war, dass sich nun- 
uielir sehr rasch eine tactische Goldwährung in England 
( ta bl irte. Die vollwichtigen Silbermünzen wunderten aus, die 
Guinee wurde thatsächlich alleinige Zahlungsmünze Englands. 
Dn Jahre ISUo schrieb Lord Liverpool seine berühmte „Ab- 
l'andlung über die Idünzen des Königreichs, ein Brief an die 
Königin". Er empfahl darin die Annahme der einfachen gemischten 
\Väbrung unter Zugrundelegung des (K)ldes als alleinigen 
* Binzmetalls. Im Jahre l.Slö wurden seine Vorschläge ange- 
klommen und seitdem besitzt England ununterbrochen die reine 
f^üld Währung.
        <pb n="256" />
        244 
ln Frankreich bestand bis znm Jahre 180J die Silber- 
währnng. Durch das Gesetz vom 7. Germinal des Jahres XT 
der Republik wurde die Doppelwährung eingeführt, nnd zwar 
unter Festhaltung der Werthrelatiou zwischen Gold und 
Silber von 15^2 1. Dem ursprünglichen Begründer des 
Systems in Frankreich, Gaudin, schwebte allerdings der Ge 
danke vor, diese Werthrelation, wie sie damals dem Ätarkt- 
verhältnisse entsprach, ähnlich den alten englischen Gesetzgebern, 
von Fall zu Fall zu verändern, wenn nämlich die IMarkt- 
relation dies erfordern würde. — Die französische Gesetz 
gebung hat aber diese Absicht fallen gelassen, sie betrachtete 
die Werthrelation als etwas unabänderlich Feststehendes. Tn 
Folge davon fanden wiederholt schon Auswanderungen des 
einen oder andern auf dem Edelmetallmarkte über die gesetz 
liche Werthrelatiou hinaus gestiegenen ]\Tetalls statt, und zwar 
geschah dies bis zum Jahre ISbO mit den Goldmünzen. Diese 
wurden schliesslich in Frankreich beinahe gar nicht geprägt 
und mussten in der Regel mit einem Agio bezahlt werden ; 
sie waren zu ITandelsmünzen degradirt und damit bestand dort 
trotz des loi du 7. Germinal XT facti sch die Silberwährung. 
Zwischen 1850 und 18(17 strömten wieder die Silberstücke 
ab, so dass die Währung sich zu einer factisehen Gold 
währung umgestaltete. Gegenwärtig wird das abermalige 
Abströmen der Goldmünzen nur durch Thnschränkung der 
Silberaus])rägungen sowohl, als durch die Sus])ension der 
Daarzahlungen seitens der französischen Bank verhindert. 
*■ Die Schweiz hatte bis zum ]\Iünzbunde mit Frankreich 
die reine Silberwährung. Durch den Tim stand jedoch, dass 
dort die Ausprägung des Silbergeldes in Folge des Gesetzes 
vom 7. Mai 1850 nach dem französischen Francfusse erfolgte 
und sich dadurch eine Art thatsächlieher Münzeinheit zwischen 
beiden Däudern etablirte, wurde die Schweiz, als die Gold- 
eiuwanderungen nach Frankreich grössere Dimensionen an- 
nahmen, gleichfalls mit den französischen Goldstücken über 
schwemmt, im Jahre 1800 zu gesetzlicher Zulassung dieser 
Münze gedrängt und gehört heute dem lateinischen IMünz- 
bunde an. 
ln Belgien wurde im Jahre 18J2 das französische Münz 
system angenommen, jedoch um die Girculatiou des Goldes zu
        <pb n="257" />
        245 — 
ermöglichen, im Jahre 1S47 die Werthrelation auf 1 zu 15 81 
feHtge.stcllt. Als aber bald darauf das rapide Sinken des 
(iüldwerthes eintrat, wurde die Prägung von Goldmünzen 
sistirt und die reine Silberwährung wieder eingeführt. Die 
französischen Zwanzig-Francsstücke sollten blos zu ihrem 
Marktwerthe circuliren ; aber im Verkehre machte sich die 
Nothwendigkeit möglichst ungehinderten Münzverkehrs mit 
Frankreich in so zwingender V eise geltend, dass schliesslich 
im Jahre 1801 das französische System der Doppelwährung 
vollständig acceptirt wurde, dessen Consequenzen seither das 
Irnnd in ähnlicher Weise zu tragen hat, wie die anderen Ge 
biete, die nachträglich noch demselben Systeme beigetreten 
sind. Zum lateinischen Münzbunde gehören jetzt nächst Frank 
reich, der Schweiz und Belgien noch Italien, Griechenland, 
Spanien und Rumänien. In Amerika haben Peru, Neugranada 
und Ecuador die Doppelwährung. 
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika besassen noch 
zur Zeit des Secessionskrieges die Doppelwährung, und zwar 
nach dem Münzgesetze vom Jahre 1807 mit der Werthrelation 
von 1 zu 15'988. Als demzufolge nach Entdeckung der austra 
lischen Goldfelder das Silber abzuströmen begann, veränderte 
man im Jahre 1850 den Münzfuss der kleinen Silbermünzen 
nach der Werthrelation von 1 zu 14'88, legte diesen den Cha 
rakter von Scheidemünzen bei und stellte die Prägung der 
Silbercourantmünzen gänzlich ein. Damit war, wenn auch 
nicht gesetzlich, so doch thatsächlich die Goldwährung einge 
führt. Doch hätte immerhin für den Fall, als Gold dereinst 
bis zur Werthrelation von 1 zu 15'988 steigen sollte, die 
Doppelwährung wieder factisch in’s Leben treten können. In 
zwischen brach der Secessionskrieg und mit ihm die Indation 
herein, und als die nordamerikanische Gesetzgebung daran 
ging, die Valuta zu regeln, war die Zeit der Doppelwährung 
vorbei, und der Congress entschied sich fíir die Goldwährung. 
In den Niederlanden bestand bis zum Jahre 1825 die 
Silberwährung, von da an die Doppelwährung nach der gesetz 
lichen Relation von 1 zu 15870. Dies hatte zur Folge, dass 
die groben Silbermünzen sehr rasch aus dem Verkehre gedrängt 
wurden , trotzdem die Ausmünzung des Goldes nur von Staats 
wegen erfolgte und für Private nicht geübt wurde. Man er-
        <pb n="258" />
        246 — 
kannte die Notliwendigkeit, von der Doppelwährung ahzugehen, 
und im Jahre 1847 wurde nach hartem Kampfe zwischen den 
Anhängern der Gold- und Silberwährung von der Kammer mit 
2 Stimmen Majorität die letztere aceeptirt. Mit der Frage 
der nachträglich eingetretenen weitergehenden Entwerthiing 
des Goldes hatte diese Münzmassregel nichts zu tlmn, jeden 
falls aber ist es ein Irrthum, wenn, wie es häutig geschieht, 
behauptet wird, Holland wäre damals von der Goldwährung 
zur Silberwährung übergegangen. Es wurde ganz einfach die 
Doppelwährung mit der einheitlichen Währung vertauscht, 
und dass man als Basis der letzteren damals das Silber wählte, 
wurde hauptsächlich damit begründet, dass bei den Schwan 
kungen der Werthrelation der beiden Edelmetalle der Silber 
preis denn doch das bleibendere sei, u. z. aus dem Grunde, weil 
der Silbervorrath der Welt grösser sei, als der Goldvorrath. 
Es hat sich dies inzwischen geändert und die Niederlande ent 
schlossen sich, als die Scliwankungen des Silberpreises stets 
grössere Dimensionen annahmen, im Jahre 1875 zum Ueber- 
' gange von der Silber- zur Goldwährung. Der Verlust der 
niederländischen Staatseasse bei Durchführung der im Jahre 1850 
abgeschlossenen Münzveränderung betrug 1,0(51.125 il. (nicht 
wie irrthümlich gar häutig behauptet wird 10 Millionen 
Gulden); der Verlust bei der nunmehr beschlossenen Münz 
Veränderung wird jedenfalls viel grösser sein , denn die idenge 
der jetzt einzulösenden Münzen ist grösser als jene rund 
50 Millionen Gulden, die vor einem Viei'tcljahrhundert an den 
Staaf^cassen präsentirt wurden, und auch der Fei centsatz 
des Verlustes wird namhaft höher auslallen. 
ln Deutschland beschäftigte man sich schon seit dem Jabi-e 
1850 sehr ernsthaft mit der Münzreform. Die Bestrebungen waren 
jedoch vorläutig in erster Linie darauf gerichtet, die nach 
verschiedenartigem Münzfusse ausgeprägten Silbercourant 
stücke der einzelnen Staaten auf einheitliches System zurück 
zuführen. Der Gedanke eines Ueberganges zur Goldwährung 
wurde für Deutschland zuerst von Oesterreich angeregt, u. z. 
auf der im November 1854 in Wien zusammengetretenen 
idünzconferenz , an welcher Bevollmächtigte Oesterreichs, 
Preussens, Baierns, Hannovers und Frankfurts thcilnahmen. 
Die österreichischen Bevollmächtigten schlugen eine Münz-
        <pb n="259" />
        247 
einigung mit Deutschland vor und beantragten ferner mit 
Rücksicht darauf, dass die grössten Handelsstaaten Europa’s 
thatsäehlich die Doldwahrung besassen, die Annahme dieser 
letzteren als Grundlage der Münzeinigung. Die anderen Be 
vollmächtigten widersetzten sich jedoch diesen Vorschlägen, 
und als die Conferenzen im Jahre 1856 wieder aufgenommen 
wurden, war die Beibehaltung der Silberwährung bereits ent 
schieden. Es wurde aber trotzdem die Ausprägung einer ein 
heitlichen Handelsmünze in Gold beschlossen, und so enthalten 
denn die Artikel 18, 10, 20 und 21 des Wiener Münzver 
trages vom 24. dänner 1857 die Bestimmungen über die Aus 
prägung der Ivronen und halben Eronen in den Staaten des 
Münzvereins. Ausdrücklich wurde dabei stipulirt, dass diese 
Vereinsgoldmünze in keinem Staate als Währungsgeld zu 
gelassen werden dürfe; sollte einer der Vereinsstaaten die 
Krone nach einem vorausbestimmten Course bei seinen Cassen 
zulassen, so dürfe sich diese Vorausbestimmung höchstens auf 
die Dauer von 0 Monaten erstrecken und der Cassencours nicht 
höher sein als der Durchschnitt des amtlichen Börsencourses 
in den vorausgegangenen 0 Monaten. Wo für ältere Gold 
münzen ein unabänderlicher Cassencours bereits festgesetzt 
war, sollten diese Goldmünzen allmälig aus dem Verkehre 
gezogen werden. Fremde Goldmünzen durften zwar angenom 
men werden, jedoch nur zu einem Werthe, der wenigstens 
um Va Bercent unter dem inneren Gehalte steht. Auf dem 
ersten deutschen Handelstage im Jahre 1861 fand aber die 
Goldwährung bereits zahlreiche Vertreter, und seither gewann 
dieselbe so sehr an Anhang, dass nach Constituirung des 
deutschen Reiches das nunmehr praktisch in die Hand genom 
mene Werk der Münzeinigung beinahe ohne Widerspruch auf 
Rasis der Goldwährung durchgeführt werden konnte. Im Ge 
setze vom 4. April 1871 wurde die Goldmark als deutsche 
Währungsmünze acceptirt. Von den Schwierigkeiten, welche 
die Durchführung der deutschen ^lünzreform zu bestehen hatte 
und von der Rückwirkung dieser Massregel auf die Münzver 
hältnisse der ganzen Welt soll noch eingehender gehandelt 
werden. 
ln Gesterreich-Ungarn wurde seit den Wiener Münzver 
handlungen der Gedanke des Ueherganges zur Goldwährung
        <pb n="260" />
        — 248 — 
nicht fallen gelassen. Der Desetzartikel 1(1 vom Jahre 1867 
bestimmt in seinem 12. Art. unter Berufung auf den Pariser 
iMünzvertrag, dass den Legislativen Oesterreichs und Ungarns 
je früher gleichartige Gesetzesvorlagen über die Einführung 
der Goldwährung vorgelegt werden sollen. Im Jahre 1870 
wurden die sogenannten „Aclitguldenstücke“ gleich 20 hiancs 
an die Stelle der Kronen gesetzt, doch nur als Handels- 
münze, deren Werthbestimmung ausdrücklich dem freien 
Verkehr überlassen blieb. Der Cassencours dieser neuen 
Münzen sollte von Fall zu,Fall ähnlich dem der Kronen, je 
nach den Schwankungen des Courswerthes bestimmt werden, 
was denn in der That seither bei den Gassen der Telegraphen 
ämter, welche diese :Münzsorten anzunehmen in die Lage 
kommen, allmonatlich geschehen ist. ®) 
«) Nach Welttheilen geordnet, stellen sich die Münz Verhältnisse der ver 
schiedenen Länder wie folgt dar. Es besteht ; 
ln Europa 
j Goldwährung 
Doppelwährung 
Sillierwährung 
1 
! England, 
Deutschland, 
Niederlande, 
Schweden, 
Norwegen, 
Dänemark, 
Portugal. 
D . 
Frankreich, 
Belgien, 
Schweiz, 
Italien (Papier), 
Spanien, 
Griechenland, 
Rumänien, 
Türkei (1:15.,), 
Finnland. 
in 
Russland (Papier), 
Oesterreich (Papier), 
Serbien (fremde Münzen). 
1 
1 
In Amerika 
Goldwährung | Doppelwährung 
Silberwährung 
in 
Vereinigte Staaten, 
Canada, 
Cuba (Papier), 
Brasilien (Papier), 
Argent. Republik. 
in 
Chile (1 ; 16.3o„J, 
Vereinigte Staaten von 
Mittelamerika, 
Ecuador, 
Neugranada, 
Peru, 
Bolivia. 
in 
Mexico, 
Uruguay (Papier), 
Haiti, 
Domingo (Papier).
        <pb n="261" />
        — 249 — 
g 
Goldwährung 
Persien, 
Japan (?). 
Goldwährung 
In Asien 
Doppelwährung 
ln Afrika 
Doppelwährung 
Aegypten (1 : 
Algier, 
Britische Colonieii. 
In Australien endlich herrscht die Goldwährung. 
Silberwährung 
in 
Indien 
China 
Siam. 
bilberwährung 
in 
Tunis, 
Abessinien.
        <pb n="262" />
        TT. Capitel. 
Silber- und Goldwährung:. 
Nachdem im vorigen Capitel die historische Kiitwicklung 
der Miinzziistiiiide in den civilisirten Staaten geschildert wurde, 
handelt es sich nni die Entscheidung der Frage, welche ]\Iiinz 
Verfassung die relativ beste sei, welches. Geld den Anfor 
derungen des Verkehrs von Fall zu Fall am besten entspreche. 
Um diese Frage zu entscheiden, muss man sich den Zweck 
des Geldes vergegenwärtigen. Dieser besteht darin, dem Ver 
kehre einen Werthmesser zu geben, der möglichst unveränder 
lich durch längere Zeit die nämliche Kaufkraft behält und der 
überdies in denkbar bequemster handlicher Form die Geschäfte 
vermittelt. In allen Beziehungen bieten hier die Edelmetalle 
Gold und Silber vor den anderen bekannten Gütern so viele 
und so Ausserordentliche Vortheile, dass die Wahl nur zwischen 
diesen beiden schwebt. Vermöge ihrer Unzerstörbarkeit hat 
sich in ihnen die Arbeit vergangener Jahrhunderte und Jahr 
tausende vollständiger aufgestapelt, als in irgend einem andern 
St(jiïe so dass im Vergleiche zu dem vorhandenen Vorrathe 
die laufende Broduction, sie mag noch so gross sein, verhält- 
nissmässig doch nur wenig in’s Gewicht fällt. Dies sichert 
die relative Stabilität ihres Preises, obwohl es ganz unzweifcl- 
haft ist, dass gerade wegen dieser unnnterbrochenen Aufsta 
pelung ihr Tauschwerth im Vergleiche zu allen anderen Gütern, 
die sich mehr oder minder rasch abnützen und stets neu erzeugt 
werden müssen, in einem continuirliclien säeularen Sinken be-
        <pb n="263" />
        251 
griflPen ist. Zugleich ist aber dieser Werth noch immer so hoch 
geblieben, dass in einer verhältnissmässig geringen ]\Ienge 
Kdelmetalles doch eine sehr bedeutende Tauschkraft steckt 
und dieses also auch heute noch ein höchst bequemes Zahl 
mittel ist. Aber hier darf nicht verkannt werden, dass in 
letzterer Beziehung die Eignung der Edelmetalle zu Geld 
zwecken eine Einbusse erlitten hat. Vor einem halben Jahr 
tausende noch Hess sich kaum ein im praktischen Verkehre 
vor kommendes Geschäft denken, welches durch Vermittlung 
des Metallgeldes nicht in einfachster und bequemster Weise 
hätte beglichen werden können. Es gab Wenige, deren Ver 
mögen dem Werthe eines Centners Gold gleichgekommen wäre ; 
es konnte also Jedermann, wenn es ihm beliebte, sein ge- 
sammtes Um und Auf in Goldform leicht bewahren, ja bequem 
bei sich tragen und jedenfalls ohne Belästigung mit Silber 
oder schlimmstenfalls mit Gold die umfangreichsten Trans 
actionen vollführen. Es ist dies heute durchaus anders ge 
worden. Bie Kaufkraft der Edelmetalle ist derart gesunken, 
dass die Transactionen im grossen Verkehre sehr oft den Um 
satz von vielen Centnern Goldes, und selbst im kleinen Ver 
kehre den Umsatz von Centnern Silbers erfordern. Ihr Vermögen 
in Edelmetallform mit sich zu führen, ist heute nur den Minder 
bemittelten möglich, kurz die Edelmetalle sind als Instrumente 
des Verkehrs so schwerfällig geworden, dass sie nicht mehr 
allen Bedürfnissen desselben entsprechen, ln wie weit dies 
nun ihrer wirklichen Entwerthung oder anderweitigen Ur 
sachen zuzuschreiben sei, ist allerdings eine andere Frage. 
Denn daraus, dass ein Pfund Gold heute seinen Besitzer minder 
reich macht als vor einigen Jahrhunderten, ohne weiters fol 
gern zu wollen, dass dieses Gold selbst im Werthe zurück 
gegangen sei, wäre allerdings nicht streng logisch. Es können ^ 
sich eben auch die Begriñ'e über iieichthum geändert haben, es 
können die Güter, die gegen Gold eingetauscht werden sollen, 
an innerem Werthe gewonnen haben; und Beides hat in der That 
stattgefunden. Die Bedürfnisse der Menschen haben sich im ge 
schichtlichen Verlaufe ganz ausserordentlich vermehrt. Ein 
Kleid, ein Schwert, eine dürftige Hütte, Korn und Fleisch, 
das war das Ziel der Wünsche selbst des freien wohlhabenden 
Mannes im frühen Mittelalter. Inzwischen sind tausend neue 
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        <pb n="264" />
        — 252 — 
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Genüsse und Bedürfnisse Iiinzugekominen, und selbst die 
uralten, soweit die menselilielie Erinnerung zurüekreielit, als 
sülelie vorhandenen Erfordernisse des Lebens haben sieh ver 
feinert und coniplicirter gestaltet. Es wäre also sehr wohl 
niöglieh, dass man sich mit einem Pfund Gold aueh heute noch 
dasselbe versehaffen könnte, was vor 1()(K) Jahren dafür zu 
erhalten war, dass aber die nämlichen Güter, deren Besitz \oi 
Generationen glücklich, zufrieden, ja reich machte, heute 
selbst den Wünschen des ärmsten Bettlers nicht zu genügen 
vermöchten. Aber für den vorliegenden Zweck ist die Spaltung 
der Era ge nach diesen zwei Seiten ganz überflüssig, üb man 
mehr Gold braucht, weil das Edelmetall selbst werthloser 
geworden, oder ob dies blos aus dem Grunde geschieht, weil 
die Bedürfnisssphäre gestiegen ist, ändert doch nichts an dei 
Thatsache, dass nunmehr in den Händen der civilisirten 
Menschheit 10 Pfund Gold nicht denselben Dienst verrichten, 
wie 1 Pfund Gold in den Händen unserer Urahnen. Und 
ebenso wenig kann diese im allgemeinen geschichtlichen Ver 
laufe beobachtete Erscheinung in ihrer Richtigkeit dadurch 
alterirt werden, dass ausnahmsweise auch in früheren Epochen 
der Edelmetallvcrrath an bestimmten Orten dermassen gehäuft, 
die Bedürfnisse derart verfeinert wurden, dass die absolute 
oder relative Kaufkraft des Geldes damals schon eine ähnliche 
Reduction erfuhr, wie gegenwärtig. Im alten Rom z. B. ei - 
reichte die Theuerung nachgerade beinahe dieselbe Höhe, wie in 
irgend einer modernen Grossstadt. Aber die unmittelbare 1 elge 
davon, war auch dort, dass das Silbergeld selbst für den all 
täglichen Verkehr zu unbequem wurde, dass das Gold das eigent 
liche Circulationsmetall bildete und dass man schliesslich, als 
auch dieses zu schwerfällig wurde, den Credit zu Vermitt 
lung von Zahlungen benützte. In ganz ähnlicher Weise kann 
aueh die rasche Entwicklung der Creditgeschäfte aller Formen 
während der letzten Jahrhunderte durch die steigende Un 
bequemlichkeit, die der Gebrauch des Metallgeldes mit sich 
brachte, theilweise erklärt werden. Die Banknote z. B. war 
entbehrlich in früheren Jahrhunderten ; sie ist heute eine uner 
lässliche Nothwendigkeit geworden. Da es keinen kostbareren 
StoflP als die Edelmetalle gibt, der sich kraft seines inneren 
Werths zum Tauschmittel für grössere Transactionen eignen
        <pb n="265" />
        — 253 
würde (die Edelsteine sind ans teclinisclien Gründen zn Geld 
zwecken absolut unbrauchbar), so musste eben der Credit in 
die Lücke treten, die der steigende Verkehr geschaffen. 
Schon diese einfache Betrachtung erklärt, warum, ganz 
ahgesehen von anderweitigen Gründen, aus Rücksichten der 
Handlichkeit und Beijuemlichkeit das Gold in den meisten Staaten 
den Vorzug vor dem Silber errungen hat, und je weiter die 
Verminderung der Kaufkraft beider Edelmetalle im Verlaufe 
der Zeiten fortschreiten wird, ihn immer mehr und mehr ge 
winnen muss. Derselbe Grund, der vor der kolossalen Ver 
mehrung des Edelmetall-Vorrathes der civilisirten Welt in Folge 
der Entdeckung Amerika’s für das Silber als Währungsmetall 
sprach und demselben auch thatsächlich die beinahe ausschliess 
liche Herrschaft sicherte, nämlich die Rücksicht auf die Ver 
kehrsbedürfnisse, spricht gegenwärtig in ebenso starker Weise 
für das Gold. So lange man ein Joch Ochsen für wenige 
Gulden kaufte und für ein Huhn einen Geldbetrag zahlte, der, 
wenn er in Gold ausgeprägt worden wäre, nur mit Hilfe guter 
Mikroskope sichtbar gewesen wäre, so lange war es naturge- 
mäss, das Silber als Werthmassstab zu gebrauchen. Heutzu 
tage, wo ein gutes Joch Ochsen mehrere hundert Thaler kostet, 
wo also der Landmann, wenn er auf dem Viehmarkte seinen 
Einkauf macht, einen Wagen mit Silbergeld mit sich führen 
müsste, und wo umgekehrt selbst die meisten Gegenstände 
des kleinen Gebrauches mit (Goldstücken bezahlt werden können 
— heute verlangt der Verkehr das (loldgeld. Dieselbe histo 
rische Entwicklung, die vor Jahrtausenden den Uebergang von 
Kn])tcr und Bronze als Währungsmetallen zum Silber erzwang, 
wird nunmehr den Uebergang vom Silber zum Golde er 
zwingen. 
Man unterschätze die V ichtigkeit dieses Bequemlichkeits- 
jMomentes nicht. Niemand wird bestreiten, dass die Zahlung 
grösserer Beträge in Silbermünze überaus lästig ist, dass der 
Verkehr in den Ländern mit reiner Silberwährung sich häufig 
gezwungen sieht, zu allerlei Surrogaten zu greifen, gleichviel 
oh dieselben Banknoten oder fremde Goldmünzen seien. Beide 
sind gleich schädlich. Die Banknote ist ein Hebel, wenn auch 
ein nothwendiges, ihr sind vornehmlich die grossen Erschüt 
terungen zu verdanken, die im Geld verkehre der civilisirten
        <pb n="266" />
        — 254 
/ 
Völker periudiscli vurkommeii, denn ihr Undaiit' ist nicht wie 
der des guten Metallgeldes ansschliesslich von den mit Natnr- 
gewalt wirkenden Gesetzen des Verkehrs, sondern znni grossen 
Theile von menschlicher Willkür abhängig und diese Will 
kür kann irren und hat häutig schon die t'olgeschwersten 
Irrthümer begangen. Wäre das Becjnemlichkeits-Moment nicht 
vorhanden, so würde die Banknote kaum existiren, es sei denn, 
wenn sie dem Verkehre durch den Zwangscours autgenöthigt 
würde, denn Niemand hätte ein Interesse, statt wirklicher 
Zahlung ein Zahlungsversprechen an zun eh in eu. Der Zutluss 
und Ahilnss metallischer Zahlmittel regelt sich nun je nach dem 
Verhältnisse der internationalen Zahlnngsverpfliehtnngen und 
Emptänge von seihst. Der Wechselconrs ist der Regulator, 
nach welchem der Mechanismus des iuternatioualeii Verkehrs 
sich selber steuert u. zw. mit untrüglicher Sicherheit uud 
Genauigkeit, 1st zu viel j\Ietallgeld vorhanden, so steigen die 
Preise und die hiedurch hervorgenifenen Käufe im Auslande 
drängen den Ueherschuss ausser Landes. 1st zu wenig 
Metallgeld vorhanden, so sinken die Preise und die da 
durch hervorgerufenen Käufe der Ausländer im Inlande 
ziehen die fehlenden Metalle herein. Es ist dabei ganz 
unmöglich , dass sich irgend Jemand über den Umfang 
der (Kreditmittel, die ihm zur Verfügung stehen, mit denen 
er Andere betheiligen kann, täusche. Anders ist es mit der 
Banknote, Auf die Dauer kann allerdings auch von diesen 
nicht mehr ausgegeben werden, als der Verkehr bedarf ; denn, 
wenn dies geschieht, so werden sie eben an die Gassen des 
Emissions-Institutes zurückströmen, sich in jMetallgeld Um 
setzen und dann in Form dieses letztem ausser Landes 
strömen. Aber wenn dies einmal geschieht, ist es zu spät, das 
inzwischen hervorgerufene Unheil zu verhüten. Es kann sich 
nur mehr darum handeln, die schädlichen Folgen desselben zu 
bekämpfen. Die Bankuoteupresse ist ein Instrument, mit dessen 
Hilfe Geldstücke geprägt werden, die sich über Nacht in 
werthloses Pa])ier verwandeln können, und das Traurige ist, 
dass dieser letztere Umwand 1 ungsprocess, wenn er uiiver 
muth et eintritt, Verlegenheiten für denjenigen im Gefolge hat, 
der die Banknoten])resse leichtsinnig in Bewegung setzte, und 
dass diese Verlegenheiten zu Krisen für ein ganzes Land
        <pb n="267" />
        2Õ5 
werden können. Dass nichtsdestoweniger aueli die Ausgabe 
nietalliscli nicht voll bedeckter Noten wirthschaftlich gerecht 
fertigt ist, ja unter Umständen ein grosses wirthschaftliches 
(xlück und gerade das Schutzmittel gegen Krisen der ver 
derblichsten Art werden kann, das zu begründen und zu er 
örtern, gehört nicht in den Kähmen dieser Arbeit. Aber klar 
ist jedenfalls, dass es von Vortheil für jedes Land ist, 
wenn sein (Teldverkehr nicht in allzu grossem Betrage durch 
Noten bedient wird, wenn die sichere, sich selbst regulirende 
Grundlage möglichst bieit und der von menschlicher Willkür 
abhängige papierene Autbau möglichst klein ist. Nimmt man 
an, dass auch eine tüchtige Verwaltung eines Zettel-Institutes 
sich über den Umfang der Noten-Ausgabe um 10 Bercent 
irren kann, so wird dieser Irrthum nur 8 Bercent des 
gesammten Geldumlaufes betragen, wenn die (Kddcirculation 
zu 2/j aus Metall und blos zu bs aus Banknoten besteht. Ist 
aber das umgekehrte Verhältniss der Fall, so wird ein Irr 
thum voll 10 Bercent im Notenumläufe b (i Bercent des 
gesammten Umlaufes betragen und die Krisis, die ein solcher 
Irrthum hervorrufen kann, wird im zweiten Falle doppelt so 
intensiv sein als im ersteren. Das Bedürfniss nach Noten ist 
aber ganz naturgemäss in dem Lande mit Silberwährung viel 
grösser als in dem Lande mit Goldwährung, denn dort wird 
das Bedürfniss nach 10 d.-Noten ein viel dringenderes sein 
als hier nach 100 fl.-Noten, da 10 H. in Silbergeld schwerer 
und unbequemer sind als 100 fl. in Gold ; sie haben bei der 
heute geltenden Werthrelation von 1:19 nahezu das doppelte 
Gewicht und nicht viel unter dem vierfachen Rauminhalte. 
Das specitische Gewicht des Goldes ist nämlich beinahe dop 
pelt so gross als das des Silbers; ersteres ist 19bb, letzteres 
IOV2 ^^al so schwer als Wasser. Bei einer Werthrelation von 
1:19 repräsentirt also ein Stück Gold das übfache des 
Werthes eines gleich grossen Stückes Silber. 
Die reine Silberwährung eignet sich daher aus allen 
diesen Giünden gegenwärtig nur mehr für jene Länder, in 
denen die grosse Masse der Bevölkerung so arm ist und wo 
die Preise gleichzeitig so niedrig sind, dass zur Mehrzahl der 
Transactionen noch immer die Silbermünzen ein vollkommen 
ausreichendes Tauschmittel abgeben. Dies ist thatsächlich in
        <pb n="268" />
        — 256 — 
,w Innterasiatkchen Ländern der Fall. Während der englische 
Arbeiter seine Wochenlöhne in Sovereings und in ansgiebigen 
Brncbtheilen desselben befahlt erhält, lassen .sich die Lcd.ne 
indischer und chinesischer Arbeiter in Goldstncken schwer 
berechnen und bezahlen. Derselbe Unterschied besteht für 
die Preise der gangbarsten Lebensmittel. Die Münzen, die 
das Volk der asiati.schen Reiche zu Markte bringt, können 
keine Goldmünzen sein, denn dort würde eine solche nicht das 
Ansgabe-Uiulget weniger Tage, wie es doch in allen civili- 
sirteii Staaten Fnropa's der Fall ist, reprasentiren, sondem (in 
gan/ps Vermögen. 
In Europa ist aller Orten vom reinen Silbergelde abge- 
gaiigen worden, sei es durch den Uebcrgang zur Goldwiibriing, 
sei es durch die Znlassniig fremder Gnldimmzeii, sei s‘s 
durch' Papiergeldwirthscbaft, sei es endlich durch die Doppel- 
wälirnng. ' ... 
Es wäre nunmehr noch zu nntersnelien, oh dieSilherwahimiig 
nieht etwa doch der Goldwäbning gegenüber den Vorzug grosse 
rer Stabilität beaiisprneben könnte. Wird doch behauptet, dass 
die derzeit so enoriiieii PreisHuctiiatioiieii in der Wertlirelation 
der beiden Edelmetalle hauptsächlich auf die so sehr ge.steigerte 
Giddnacbfrage znrückziifiiliren sei, mit anderen Worten, dass 
eeirenwärtig nicht das Silber im Preise sinke, sondern iiiiige- 
kehrt das Gold es sei, welches im l’reise steige Es wird 
ferner darauf liiiigewiesen, dass im liistori.schen Verlauf.' die 
man die (Johlproduction in den dreieinlmll) dahrhundeiien 
von ir,()0 bis 1848 auf nicht ganz 18 Millionen (iulden, von 
1848 hi.s 1875 aber auf annähernd 250 Millionen Gulden im 
Jahresdurchschnitte, während die Silberproduction von 88 Md- 
lionen dulden im Mittel der dreieinhalb Jahrhunderte bis 1848 
blos auf 120 Millionen dulden im Büttel der letzten 28 Jahre 
stiecr. Während also beim dolde eine Zunahme der Production 
umliahezu das Ufache zu berechnen ist, stieg die Silber- 
production um wenig mehr als das Dreifache. Daraus geht nun 
allerdings unwiderleglich hervor, dass die (4oldproduction im weit 
aus stärkeren Masse zugenommen hat, als die Silbergewinnung.
        <pb n="269" />
        257 
Aber wenn daraus ein Schluss auf die Preisbeständigkeit der 
beiden Edelmetalle gezogen werden dürfte, so könnte dieser 
doch offenbar nur dabin gehen, dass wegen dieser Productions- 
verhältnisse der Werth des Goldes im Verhältnisse zum 
i^ilberwerthe nothwendigerweise hätte sinken müssen. Merk 
würdigerweise ist aber gerade das Entgegengesetzte eingetreten. 
Ti-otz unverhältnissmässiger Zunahme der Goldproduction ist 
das Gold gegen Silber kostbarer geworden. Zu Anfang des 
Ib. Jahrhunderts galt ein Pfund Gold im Durchschnitte nicht 
ganz 12 Pfund Silber; in der Zeit der höchsten Goldproduction 
dagegen und, nachdem dieselbe eine totale Umwälzung in den 
^.idelmetallvorräthen der ganzen V eit hervorgerufen hatte, 
waren für ein Pfund Gold immer noch mehr zu erhalten als 
15 Pfund Silber und jetzt sind nahezu 20 Pfund des weissen 
Metalls dafür zu kaufen. Die grosse Steigerung der Gold 
production hat also offenbar den Werth des Goldes nicht ver 
ringert, zum mindesten nicht ausgiebiger verringert als die 
verhältnissmässig viel bescheidenere Siíberproduction den Werth 
des Silbers. 
Es kann aber auch dem wieder entgegengehalten werden, 
dass allerdings vom Jahre 1500 bis zur Gegenwart der Preis 
des Goldes im Verhältnisse zu dem des Silbers gestiegen sei, 
dass dies aber lediglich aus dem Grunde geschah, weil zwischen 
1500 und 1848 die gesammte Goldproduction blos 6140 Mil 
lionen Gulden, die Silperproduction dagegen 13250 Millionen 
Gulden, also um mehr als 7000 ]\Iillionen mehr als jene be 
tragen habe, während von 1848 bis 1875 allerdings 7000 Mil 
lionen Gulden (soldes und blos 3400 IMillionen Gulden Silbers 
producirt wurden, der Ueberschtiss der Goldgewinnung also 
4600 Millionen Gulden betrage, was aber immer noch ‘ im 
Verhältnisse zum Silberüberschusse, den die früheren Jahr 
hunderte aufgehäuft, gegen Anfang des 16. Jahrhunderts einen 
PeberschuHS der Silbergewinnung über die Goldgewinnung von 
mehr als 3b'a Milliarden Gulden ausmache. Es seien mit einem 
^^orte in den letzten Jahrhunderten 16550 Millionen 
Gulden Silbers und blos 13140 Millionen Gulden Goldes pro- 
'lucirt worden, also noch immer mehr Silber als Gold, und es 
'vilre demzufolge ganz erklärlich, dass Gold jetzt höher im 
ih-eise stände als SHber. Wenn aber die gegenwärtigen 
- Th. Hertzka, Währung und Handel.
        <pb n="270" />
        258 
e 
Productionsverhältnisse noch genügend lange Zeit andanern, 
oderw^m vWknd^ was ja aWrmah mnü^:en d^ 
(Goldgewinnung einen neuen Aufschwung nehmen sollte, werde 
sh^ zmgmi, ^Lss ge^m im Ihreme ^dlen 
müsse. . . . _ .... 
Aber auch dies ist ganz und gar unstichlialtig. Her tui 
die europäischen Staaten erübrigende Tleherschnss an Silber ist 
niemalä erheblich grösser gewesen als der Ueberschnss an 
Gold. Trotzdem ist unter diesen geringen Ueberschussen der 
(Toldwerth gegen Silber fortwährend gestiegen, wahrend um 
gekehrt selbst das bedeutendste Ueherwiegen der Goldansamm 
lung im letzten Vierteljahrhunderte den Goldpreis kaum 
wesentlich zum Reichen bringen konnte. Von 1500 bis in die 
Mitte dieses Jahrhunderts wurden allerdings um 7 Milliarden 
Gulden mehr Silber als Gold producirt, aber von dem produ- 
eirten Silheixpiantnm flössen in derselben Zeit mindestens 
0 Milliarden nach Ostindien ah, es verblieben also für die 
Länder der abendländischen Civilisation 0 Milliarden G(dd 
crecren 7 Milliarden Silber zurück. Das eigentliche Missver- 
hâîtniss zu Ungunsten des Silbers betrug also ungefähr eine 
Milliarde oder 17 Percent; und dies genügte, nm die Wertli- 
relation von ungefähr 11 1 15t g zu 1, oder um 
20 Percent in die Höhe zu treiben. Von 1848 bis 1875 aber 
Müssen von den 8400 Millionen der Silherprodiiction abermals 
mehr als 2000 Millionen nach O.stasien, so dass für die Lander 
der abendländischen Civilisation ein Ueberschnss von unge 
fähr ** 1V* Milliarden verfügbar blieb ; diesem stand nun ( n 
neue (Goldausbeute von 7 Milliarden gegenüber. Der vertug- 
bare (Toldziiduss war also um 500 bis d(M) Percent starker, 
als der verfügbare Silherzufluss und doch hat dies so colossale 
Missverhältniss die Werthrelation kaum vorübergehend ver 
ändert, ja schliesslich sogar eine neuerliche 20 Percent er 
reichende Preissteigerung gerade des so überreichlich zuströ- 
inenden Metalls nicht verhindern können. 
Worin ist nun die Ursache dieser eigenthümlichen Lr- 
Hcheinungeu zu suchen Y Und i.st es inshe.sondere das (Gold, 
welches im Laufe der .lahrhnnderte — gleichviel oh Meine 
Prodmdion einen grösseren oder geringeren Umfang als du* 
des Silbers hatte — im Preise stieg, -oder ist es umgekehr
        <pb n="271" />
        259 — 
(las Silber, welches im Preise sank, und zwar langsamer, 
wenn seine Production in massigen (Grenzen blieb, stärker, 
wenn es diese Grenzen überschritt? 
Alle Gründe sprechen für das Letztere. Es ist vor 
Allem otfenbar, dass auch der Goldwerth im Laufe der Jahr 
hunderte nicht absolut stieg, sondern olfenbar gefallen ist, 
Wohl kauft man heute für ein Pfund Gold mehr Silber als 
vor J und 4 Jahrhunderten, aber man kauft weniger von der 
weitaus grössten Mehrzahl aller anderen Waaren dafür. Es 
sind also Gold und Silber zugleich in ihrer Tauschkraft zu 
rückgegangen, nur allerdings das Silber weit bedeutender als 
das Gold. Diese Thatsache, die wohl schwerlich bestritten 
werden dürfte, genügt für’s erste vollkommen zu Erbringung 
des Beweises, dass im säcularen Verlaufe die Kaufkraft des 
Goldes stationärer geblieben sei, als die des Silbers. 
Dass dem aber so ist, dürfte im Folgenden seinen Grund 
haben : 
Die fortschreitende Production beider Edelmetalle, und 
die damit Hand in Hand gehende Entwerthung beider, drängte 
stets fühlbarer zum Gebrauche des Goldes zu Geldzwecken ; 
beim Golde stand daher der Entwerthung ein stets wachsender 
Gebrauchswerth entgegen, während die durch das Productions- 
verhältniss bedingte Entwerthung des Silbers noch durch das 
Abnehmen des Gebrauchswerthes zu Circulationszwecken be 
schleunigt wurde. Diese Disparität in der Entwicklung der 
Werthrelation hätte noch viel schrotfer hervortreten müssen, 
wenn Ostasien mit seinem ausschliesslich auf Silber gerich 
teten Bedürfe dem abendländischen Angebote nicht entgegen 
gekommen wäre. Von den Ursachen dieses ostasiatischen Be 
darfes soll späterhin noch ausführlicher gesprochen werden. 
' Doch kann. es offenbar a priori keinem Zweifel unterliegen, 
dass für den Fall, als die ostasiatischen Länder bezüglich 
ihrer Aufnahmsfähigkeit den Edelmetallen gegenüber die 
selben Verhältnisse zeigen würden, wie das Abendland, d. h. 
wenn auch bei ihnen das Bedürfniss nach Gold mehr und 
mehr gestiegen, das Bedürfniss nach Silber mehr und mehr 
in den Hintergrund getreten wäre, der Werthabstand beider 
Edelmetalle heute voraussichtlich ein noch weitaus höherer 
geworden wäre, als es thataächlich der Fall ist.
        <pb n="272" />
        Nun ist die rroduütiüii beider Edelmetalle in fortschrei 
tender Progression begritfen; physikalische und geographische 
Entdeckungen trugen gleichmässig dazu bei, diese Production 
zu erleichtern und zu vermehren. In je ausgiebigerem ]\Iasse 
(lies aber geschieht, je mehr sich also beide Edelmetalle zugleich 
(Mitwerthen, desto mehr verringert sich der (lebrauchswerth 
des Silbers und steigt nothvvendigervveise der Gebrauchswerth 
des G(ddes, da für jenes Bedürfniss, um dessen Befriedigung 
es sich hier handelt, nämlich für das Circulationsbedürfnlss, 
blos die Wahl zwischen Gold und Silber offen steht. Das In 
teressanteste dabei ist, und zugleich jenes ^Moment, auf w(d- 
cdes bei Beantwortung der vorliegenden Frage die grösste 
Aufmerksamkeit gewendet werden muss, dass auf diesem 
Wege selbst eine einseitige Steigerung der Goldproduction 
dazu beitragen könnte, den Gebrauchswerth des Silbers 
zu ermässigen, den des Gcddes zu steigern. Jedes neu ausgt 
prägte Geldstück, gleichviel ob es aus Silber oder G(dd be 
stehen ■ mag, vermehrt den Geldvorrat!! der Welt, erniedrigt 
unter sonst gleichbleibenden Verhältnissen die Kaufkraft des 
Geldes, macht also die Silbermüiizen stets unhandlicher, den 
Gebrauch des Goldgeldes stets noth wendiger. Und so ist es (leim 
durchaus nicht so absurd, als es auf den ersten Blick scheinen 
mag,,dass gerade der kolossale Goldzufluss des letzten Viertel 
jahrhunderts, trotzdem sich der Silbervorrath in der letzten 
Zeit kaum wesentlich vermehrt hat, nicht das Bedürfniss nach 
Gold, sondern nach Silber verminderte. Vor 25 Jahren waren 
in Europa und Amerika keine G Milliarden Goldgulden in 
Circulation, heute sind es mehr als 12 Milliarden; die Silber- 
circulation ist auf derselben ungefähren Höhe von H IMilliarden 
geblieben, und doch wird das Silber stets lästiger, das Gold 
stets gesuchter. Denn das Ausschlaggebende ist, dass suJi die 
Circulation von zusammen nicht ganz 12 Milliarden auf 
mehr denn 20 Milliarden gehoben hat, dass also jedes einzelne 
Geldstück in seiner Kaufkraft beeinträchtigt wurde, und dass 
diese Beeinträchtigung zunächst dem Silber schadet 
Und voraussichtlich wird sich dieses Verhältniss dem 
Wesen nach gar niemals mehr ändern, sich weit eher mehr 
und mehr verschärfen. Ein Umschlag in den l’roductionsver- 
bältnissen, der dem Silber nützlich wäre, ist kaum nmglich.
        <pb n="273" />
        261 
Eine Steigerung der (icddprudnction wird auf Silber und Gold 
beinahe gleiclimässig drücken ; ein Zurückgeben der Gold- 
production das (irold jedenfalls inebr in seiner Kaufkraft 
stärken, als das Silber. Ein nachhaltiges Zurückgehen der 
Si Iber production kann als beinahe unmöglich bezeichnet werden, 
denn dies wäre gleichbedeutend mit einem Zurückgehen der 
technischen Hilfsmittel des Bergbaubetriebes. Die Silberpro- 
duction kann nur in Folge des Preisrückganges für 
Silber zurückgehen, und also niemals die Ursache einer nach 
haltigen Preissteigerung dieses Edelmetalls sein. Nimmt 
vollends die Silberproduction, wie es allen Anschein hat, fer 
nerhin zu, so wird dies naturgemäss den Silberpreis vollends 
drücken. 
]\rit all dem aber soll keineswegs behauptet werden, 
dass eine ungemessene fernere Erweiterung des Preisabstandes 
zwischen Gold und Silber wahrscheinlich oder auch nur nach 
menschlicher Voraussicht zu erwarten sei. Bis zu dem Zeit 
punkte allerdings, wo die sämmtlichen Staaten der abendlän 
dischen Civilisation zur Goldwährung übergegangen, ihres 
überschüssig werdenden Silbervorrathes ledig sein werden, 
sind weitgehende PreisHuctuationen, die im grossen Ganzen 
dem Silber sehr schädlich sein werden, allerdings mit Sicher 
heit vorauszusehen. Wenn insbesondere die Länder der latei 
nischen Münzconvention die Silberprägungen gänzlich ein 
stellen, mit ihrem Silbervorrathe auf dem Markte erscheinen 
und Gold dafür zu kaufen beginnen werden, ist ein ferneres 
ausgiebiges Fallen des Silber])reises unmöglich zu vermeiden. 
Wie weit dies gehen wird, lässt sich mit Bestimmtheit nicht 
einmal annähernd Vorhersagen, aber gross werden die Fluc- 
tuationen in diesem Falle jedenfalls sein, und keine andere 
Grenze, als die im Silberbedarfe Ostasiens gelegene haben. 
Dieser Silberbedarf aber muss noth wendigerweise hervortreten, 
und zwar desto stärker, je mehr sich das Silber in Europa 
entwerthet. Die jenigen, die da annehmen, dass der Preis 
abstand der beiden fletadle aus dem Grunde grösser werde, 
weil das Gold an Kaufkraft gewinnt, mögen allerdings auch 
glauben, dass dieser Abstand bis in’s Unendliche wachsen 
kann. Wer aber der Ansicht ist, dass die Vergrösserung 
des Preisabstandes hauptsächlich auf eine Verringerung des
        <pb n="274" />
        262 
Silberwerthes in Europa xuiiick/ufübrcn ist, der kann keinen 
Augenblick darüber in Zweifel sein, dass diese Verringerung 
nicht f^tsclii'eh^akan^ o^ie mit N^^nmt^vend^^mteimm 
Silberabfluss nach Ostasien berbeizuführen. Wenn Silber um K 
Percent im Preise fällt, so heisst das dann nicht blos, dass 
für Gold um 10 Percent mehr Silber gegeben werden muss, 
sondern auch, dass fiir ein IPfuiid Tfhee, Air ein l^fhrnl Eaaiin- 
ivolle, IiKligro oder dgl. der in Silber ausgedriuflkte Ireis 
steigt. Geschieht das nun auf den europäischen Markten, so 
muss dies nothwendigerweise eine Anziehungskraft auf al e 
diese Artikel ausüben; diese Anziehungskraft wird desto 
grösser, je mehr die in Silber ausgedrückten Preise auf den 
europäischen Märkten steigen, und sie muss so lange wahren, 
bis der als Rembourse für die ostasiatischen Waarensendungen 
dahin abfliessende Silberstrom die Kaufkraft des Silbers auci 
(fort allniäligr verHngrert, d. h. die bereise steigert, lind ebenso 
verringert die in Gold berechnete Preisermässigung aller 
abendländischen Erzeugnisse im Oriente dort deren Absatz- 
fäbigkeit, stellt also auch aus diesem Grunde die Handels 
bilanz günstiger für Ostasien , so lange dieses seinen Silber- 
vorrath nicht auf die entsprechende Höhe gebracht hat. 
Aus diesem Grunde ist es sogar höchst wahrscheinlich, 
dass der Silberabfluss nach Ostasien grössere Dimensionen an 
nehmen wird, noch bevor die Demonetisirung dieses Edelmetalls 
in Europa vollständig durchgeführt ist, und dass dies den 
europäischen Völkern den Hebergang zur Goldwährung 
wesentlich erleichtern wird. Dieselbe Wirkung hat vor zwei 
Decennien die ausserordentliche Vermehrung der Goldproduc- 
tion geäussert, durch welche der (xeldwerth im Allgemeinen 
in Europa gedrückt und damit die Demonetisirung des Silbers, 
wenn auch nicht gesetzlich , so doch thatsächlich im stärkeren 
Masse begonnen wurde. Der Münzvorrath des Abendlandes 
stieg damals rasch, der Geldwerth sank damit im Allgemeinen, 
Ostasien konnte in Europa weniger kaufen und mehr verkaufen 
als früher und gelangte auf diese Weise in den Besitz von 
a/ der damaligen gesammten Silberproduction. Es scheint aber 
in jener Zeit aus Ursachen, die noch näher beleuchtet werden 
sollen, der Silberabfluss, insbesondere nach Indien, rascher 
vor sich gegangen zu sein, als den natürlichen Preisverhalt-
        <pb n="275" />
        263 — 
Hissen entsprach, so dass damit für Hinterasien ein Vorrath 
anfgestapelt wurde, von dem diese (iehiete noch gegenwärtig 
zehren, und nunmehr, da diese störenden abnormen Ursachen 
hinweggefallen sind , der Silberabfluss in s Stocken gerathen 
ist, trotzdem die Veränderung auf dem europäischen Edel 
metallmarkte demselben derzeit eben so förderlich wäre , als 
sie es vor zwei Decennien war. Aber endlich dürfte sich das 
Gleichgewicht wieder hersteilen und dann bei jeder weiter 
schreitenden Entwerthung des Silbers in Europa der nach 
Asien gehende Strom grössere Dimensionen annehmen. 
Wenn man die Aufnahmsfähigkeit, die Ostasien insbe 
sondere von 1851 bis 1865 für Silber an den Tag gelegt hat, 
mit den Productionsverhältnissen und mit dem voraussicht 
lichen Ueberschusse des abendländischen Silberbestandes nach 
erfolgter Demonetisirung des Silbers zusammenhält, so kann 
kaum ein Zweifel darüber entstehen . dass jene fernen men 
schenreichen, wenn auch derzeit relativ verkehrsarmen Gebiete 
vollkommen im Stande sind, die Werthrelation dauernd auf 
einer entsprechenden Höhe zu halten. Indien und China ab- 
Korbirten damals im Jahresdurchschnitte ungefähr so viel 
Silber, als derzeit von allen Producti on sgebieten auf die Märkte 
gebracht wird. Es sind aber jetzt überdies die Ueberschüsse 
des gegenwärtigen abendländischen Silbervorrathes unterzu 
bringen. Wenn man diesen ganzen Vorrath derzeit auf acht 
Milliarden Gulden schätzt und annimmt, dass davon die Hälfte 
aus der Circulation verdrängt werden müsse, so wäre nur 
noch zu erforschen, welchen Preisabschlags und welcher Zeit 
es bedürfe, damit das Abendland einen derartigen Silberbefrag 
theils zur fortlaufenden Ergänzung seiner dann noch verblei 
benden Silbercirculation, theils zu industriellen und decorativen 
Zwecken absorbiren könne , um darüber in’s Reine zu kommen, 
wann bei sonst gleichbleibenden Productionsbedingungen der 
Ruhepunkt erreicht werden kann. Nun sind 4 Milliarden aller 
dings ein enormer Betrag, aber die Aufnahmsfähigkeit Europa s 
und Amcrika’s für Silber zu obgedachtem Zwecke ist nicht 
minder eine enorme. Von 1851 bis 1865 z. B. muss diese 
Aufnahmsfähigkeit auf ungefähr 2 Milliarden geschätzt werden, 
denn der Münzvorrath Europa’s an Silber verminderte sich 
damals um nahezu 1 Milliarde, von den 3V, Milliarden der
        <pb n="276" />
        204 
Silberproduction aber nahm Ostasien blos 2V2 Anspruch, so 
(lass I Milliarde ans dem IMnnzvorrathe, und 1 Milliarde ans 
der Prodnction znr Verfügung stand. Diese 2 Milliarden wurden 
binnen D/g Decennien consnmirt, und die Werthrelation hatte 
sich dabei sogar zn Gunsten des Silbers verbessert. Inzwischen 
haben sich die industriellen Verwendnngsarten des Silbers wesent 
lich vermehrt und an Ausdehnung gewonnen ; tritt hiezu noch die 
den Consum stimulirende Wirkung eines Preisabschlags, so 
kann füglich erwartet werden , dass das Abendland in längstens 
zwei Decennien den doppelten Silberbetrag, nämlich 4 Milliarden 
zu consumiren vermag. Ist dies aber einmal geschehen, so 
wird damit jeder ferneren Preisermässigung des Silbers vorge 
beugt sein, die europäischen und amerikanischen Verkehrs 
gebiete werden vielmehr, um in den Besitz des ihnen auch 
dann noch nöthigen Silbers zu gelangen, mit Ostasien bei der 
Nachfrage um die Ergebnisse der Silberproduction in Con- 
currenz treten und damit die Silberpreise wieder in die Höhe 
treiben müssen. 
Von einer dauernden, noch viel weniger von einer ins 
Bodenlose gehenden Entwerthung des Silbers durch dessen 
Demonetisirung in Europa kann daher absolut keine Hede 
sein, so lange die ostasiatischen Länder sich dieses Edel 
metalls zu Circulationszwecken ausschliesslich bedienen. Eine 
andere Frage ist es, was dann geschehen soll, wenn dies Letztere 
aufhört, wenn nämlich die fortgesetzte Vermehrung des Edel- 
metallvorrathes der gesummten Erde auch in den hinterasiati 
schen Verkehrsgebieten die Preise und Löhne derart steigert, 
dass Silber zu Circulationszwecken unhandlich wird und daher 
gegen Gold umgetauscht werden muss. In diesem Falle würde 
allerdings die Preisreduction des weissen Edelmetalls bis an 
jene Grenze gehen müssen, die ihm sein Nutzwerth zu indu 
striellen und decorativen Zwecken allein vorschreibt, und 
gleichzeitig würde eine solche Revolution in den Verkehrs 
gewohnheiten Ostasiens, je nachdem sie sich rasch oder lang 
sam vollzieht, entweder eine allgemeine, wenn auch nur vor 
übergehende, Steigerung der Kaufkraft des Goldes oder doch 
zum mindesten eine bedeutendere Verzögei-ung seiner sonst 
unvermeidlichen, säcularen Werthveränderung im Gefolge 
haben müssen. Aber wenn man die Natur des hinterasiatisclneji
        <pb n="277" />
        Verkehrslebens näher befrachtet, so kann man die Rernhifrung 
erlangen, dass eine derartige Umwälzung dort erst nach 
Ablauf einiger Jahrhunderte möglich ist. Und die Kosten der 
selben müsste schliesslich Ostasien bezahlen, während die 
abendländischen Verkehrsgebiete davon eine ausserordentliche, 
wenn auch nur vorübergehende Steigerung ihres Wohlstandes, 
ihrer wirthschaftlichen Uebermacht mit Sicherheit zu gewär 
tigen hätten. 
Und was schliesslich dann geschehen soll und wird, wenn 
dereinst durch stetige Aufspeicherung der Goldvorräthe aucli 
die Kaufkraft des Goldes in einem Masse gesunken sein sollte, 
die dasselbe zu \erkehrs- und Circulationszwecken unhandlich 
und unbrauchbar machen sollte, das zu untersuchen ist wohl 
nicht Aufgabe unseres Jahrhunderts. Früher oder später wird, 
wenn anders sich die Productions-Bedingungen nicht radical 
ändern, auch dieser Zustand unvermeidlich eintreten ; aber bis 
dahin wird der Menschengeist wohl die Mittel gefunden haben, 
um an die Stelle des unpraktisch gewordenen Tauschmittels 
ein anderes besseres zu setzen. Für den vorliegenden Zweck 
genügt der ach weis, dass auch in Hinsicht auf die Stabilität 
der Kaufkraft das Gold den Vorzug vor dem Silber habe und 
dass dieser Vorzug in der nächsten Zukunft voraussichtlich 
stets entschiedener hervortreten werde.
        <pb n="278" />
        ITT. (TajMtel. 
Die Dop|)ol- oder Altcinativwiiliiuii!:. 
Der Gedanke, Gold und Sillier gleiclizeitip; als Grundlage 
des Miinzwesens zu wählen, indem man hehle Kdelmetalle in 
eine bestimmte Werthrelation bringt, entstand schon im Alter 
thum , als ln einzelnen Cultuvstaaten, insbesondere in Koni, 
durch' die Gäufiing der Edelinetallvorriithe die Kaiifkratt des 
Goldes wie des Silbers derart gesunken war, dass das erstcre 
anting zu Zwecken des grossen Verkehrs unhandlich zu werilen. 
Dass man in diesem Falle nicht einfach zur Goldwährung 
überging, hat mehrere Gründe: man scheute vor Allem die 
Kosten des Währnngsweehsels, die in jenen Zeiten relativ noch 
weitaus bedeutender gewesen wären als gegenwärtig , wo die 
ungeheure lüasse des aufgespeicherten Vorraths sowohl als 
der laufenden Production beider Edelmetalle seihst die gross- 
artigsten Münzmassregeln eines einzelnen Staates verhaltnisa- 
mässig doch leicht durchführbar macht; sodann aber war das 
Silhergeld für zahlreiche Bedürfnisse allerdings zu schwel, 
dagegen aber das Goldgeld für manche , nicht minder beach- 
tenswerthe Verkehrszweige noch allzu kostbar. Da man nun 
bemerkte, dass die Werthrelation der beiden Edelmetalle sich 
in der Regel durch längere Zeiträume mit geringtugigeii 
Schwankungen auf derselben Hohe erhalte, so liciiützte man 
diesen Umstand zu einer gesetzlichen Fixiriing des V erthver- 
hältnisses der Gold-' und Silbermünzen. Jtan war sich dabei 
sehr wohl bewusst, einen Eingriff in die natürliche Grdniing
        <pb n="279" />
        267 
der Dinge zn begehen ; allein es bot sieb eben kein bequemeres 
Mittel der Abhilfe gegen die nun einmal bestehenden TTebel- 
stände der einheitlichen Silberwährung, üeberdies waren die 
Gefahren und Nacbtheile der Doppelwährung im Alterthum 
bis in das späte Mittelalter, wo der Verkehr im Allgemeinen 
auf so überaus niederer Stufe stand, die ]\rünzverhältnisse dgr 
einzelnen Länder isolirt waren, die moderne Arbitrage gar 
nicht existirte, minder gross als gegenwärtig. Nichtsdesto 
weniger haben die alten Gesetzgeber die von ihnen angenom 
mene Werthrelation niemals als etwas für alle Zeiten unabän 
derlich Feststehendes betrachtet; sie veränderten dieselbe, wenn 
sich die lyfarktverhältnisse änderten, was in der That, wie- 
im l.^Capitel nachgewiesen wurde, im Verlaufe der Jahrhun 
derte und Jahrtausende sehr häufig geschah. Ja die Doppel 
währung wurde sogar in der Hegel derart aufgefasst, dass 
dem Wesen nach blos das eine der l\rünzmetalle, u. z. das 
Silber, der eigentliche Werthmesser war und derMünzfuss der 
Goldstücke durch Neuausprägung und Neutarifirung verändert 
wurde, wenn sich der Marktwerth wesentlich verschoben hatte. 
Die Doppelwährung, wie sie beisj)ielsweise in der zweiten 
Hälfte des Mittelalters in England bestand, war eigentlich 
eine Silberwährung, verbunden mit der gesetzlichen Ver 
pflichtung, (xold zum Marktwerthe an Zablungsstatt anzu 
nehmen. 
Auch den französischen Gesetzgebern. als sie vor nun 
mehr drei Vierteljahrbänderten an die Aenderung der bis dabin 
ausschliesslich auf Silber basirten Währung Frankreichs 
gingen, schwebte ursprünglich der Plan einer derartigen Anpas 
sung des Doppelwäbrungssystems an die reellen ]\larktver- 
hältnisse vor. Die Wertheinbeit sollte der Silberfranc sein, 
und Gewicht oder Werth der Goldstücke sollte je nach den 
Schwankungen der ^larktverhältnisse wechseln. Wäre dieser 
Gedanke vollständig zur Durchführutig gelangt, so wäre damit 
für Frankreich derselbe Zustand des (Geldwesens geschaffen 
worden, wie er etwa in Oesterreich vorhanden wäre, wenn 
hier die Duc a ten oder goldenen Zwanzig-Francsstücke zu einem 
vom (Gesetzgeber von Fall zu Fall festzusetzenden Cassencourse 
als gesetzliches Solutionsmittel gelten würden. 
Im französischen (Gesetze vom Jahre 1803 wurde jedoch
        <pb n="280" />
        2C8 
die Claiisel, welche von der Veränderlichkeit des i\Iiinzfusses 
für (Goldstücke handelte, weggelassen, und da in der nächsten 
»Folgezeit die .Schwankungen der Werthrelation — allerdings zu 
meist gerade unter dem Einflüsse des französischen i\lünzgesetzcs 
und der in Frankreich gehoteuen i\Iöglichkeit, das im Werthe 
gesunkene Metall gegen das im Werthe steigende anszu- 
tauschen — sich innerhalb sehr geringer Grenzen hielten, 
so dachte man lange Zeit nicht daran, dass es doch immerhin 
möglich wäre, der trotz all’ dem Decennien lang beobachteten 
Ausfuhr des (Goldes durch eine Veränderung des iMünzfusses, 
durch das Zurückgreifen auf die ursprüngliche Idee Gandins 
ein Ende zu machen. Aber als ein Heiligthum, als ein un 
abänderliches, für alle Zeiten gegebenes (Grundgesetz betrachteten 
auch die Franzosen ihre Werthrelation von 1 zu 15^2 damals 
nkht. Von 1850 bis 1867. als das (Gold nach Frankreich 
strömte und das Silber abfloss, wurde die Frage einer i\lünz- 
reform bereits leidenschaftlich discutirt und wie sich heute 
kaum mehr verbergen lässt, nur durch den überwiegenden 
Einfluss des Hauses Rothschild und der Bank von Frankreich 
noch einmal zu (Gunsten der Doppelwährung entschieden. Es 
geschah dies umsomehr, da damals die französische Regie 
rung noch hoffen durfte, dass in ähnlicher Weise wie Italien, 
Belgien, die Schweiz und später S])anien, Griechenland und 
Rumänien, auch die Mehrzahl der anderen europäischen Staaten 
sich diesem Systeme anschliessen würden , und in diesem Falle 
allerdings die Nachtheile der .Doppelwährung, über ein grösseres 
Verkehrsgebiet verbreitet, für Frankreich minder tühlhar 
geworden wären, wodann Frankreich thatsächlich klug ge 
handelt hätte, eine Reform seiner eigenen Münzpolitik erst 
dann in Angriff zu nehmen, wenn die Kosten dieser Iteform 
nicht von ihm allein, sondern von ganz Europa mitzutragen 
gewesen wären. Es ist aber anders gekommen , und wenn sich 
in Frankreich nun abermals eine Partei findet, die der Doppel 
währung das Wort redet, so kann man deren Existenz recht 
eigentlich auf die Erkenntniss der furchtharen Verluste zurück- 
führen, die Frankreich aus seinem iMünzsysteme bedrohen. 
Der IJebergang zur (Goldwährung würde heute in Frankreich 
zum mindesten nahe an eine Milliarde Francs, vielleicht aber 
auch das Doppelte und Dreifache kosten, und da ist es denn
        <pb n="281" />
        269 
nur zu erklärlich, dass man in Paris von einem Weltmünzbunde 
auf Grund der Doppelwährung phantasirt und vor den kühnsten 
Theorien nicht zurückschreckt, um diesen Weltmünzbnnd 
namentlicli Deutschland und England plausibel zu machen. 
Es kann nicht schaden, zur Beleuchtung des Streite.s 
übel* die Doiipelwährung nochmals festzustellen, dass diese 
sicli von jeher, und so auch gegenwärtig, gleichsam in der 
Defensive befindet, während die einheitliche ährung in aus- 
gesjirochener Offensive begriffen ist. Zahlreiche Staaten haben 
es sich wiederholt schon die grössten Opfer kosten lassen, um 
ein einheitliches AMihrungssystem herzustellen; insbesondere, 
um in den Besitz der Goldwährung zu gelangen, werden selbst 
die ungeheuersten Kosten, Verluste von unzähligen Millionen 
nicht gescheut. Die Doppelwährung dagegen wurde immer 
blos als das beipiemste Auskunftsmittel in Fällen der Noth 
ergriffen. Die A^ertheidiger der Doppelwährung beliaupten 
allerdings, dass es ein Phantom sei, welchem beim Ueber- 
gange zur Goldwährung so grossartige Opfer gebracht werden ; 
aber es muss doch immerhin einiges Nachdenken erregen, wenn 
man sieht, dass auf der einen Seite für ein Princip gekämpft 
wird, zu dessen Verwirklichung die Anhänger desselben vor 
Nichts zurückschrecken, während auf der anderen Seite ein 
System in b rage kommt, von welchem , insbesondere unter den 
heutigen Verhältnissen, füglich angenommen werden kann, dass 
es der Vergessenheit anheim fiele, wenn es nicht einzelne 
läinder gäbe, die an seiner Verfechtung ein so augen.scliein- 
Tclies Interesse haben. Es müsste mit sonderbaren Dingen 
zugehen, wenn Frankreich nicht begierig zugreifen würde, so 
wie ihm die Möglichkeit geboten wird, dieser von ihm so 
lioch gepriesenen Dojipelwährung mit verhältnissmässig geringen 
Kosten los und ledig zu werden. Diese Erwägung allein muss 
jedenfalls dazu beifragen, um jene Staaten, welche die Dojipel 
währung zu ihrem eigenen Glücke noch nicht besitzen , gegen 
die Lobpreisungen dieses letzteren Münzsystems einigermassen 
misstrauisch zu machen. 
Die Anhänger der I )opj,elwährung—von Denjenigen, die 
fçanz offen zugeben, das Bestehende nur aus Furcht vor den 
Ojifern des A\ iihrungswechsels aufrecht zu erhalten, soll hier 
Voilüulig ganz abgesehen werden — scheiden sich in zwei
        <pb n="282" />
        Lager. Lie Einen behaupten, dass die Taritirung der beiden 
Edelmetallsurten die Macht habe, die Werthrelation Liat- 
sächlich auf der gleichen Höhe zu erhalten, jede einseitige 
Lreisveränderung des Goldes oder Silbers zu verhüten. Lie 
Andern aus der Schule Wulowsky’s geben zu, dass die hest- 
haltung der Werthrelation ein Ling der Unmöglichkeit sei, 
wenn die Marktverhältnisse sich ändern; sie bestreiten auch 
nicht, dass bei jeder Verrückung der Werthrelation das im 
kreise steigende Edelmetall aus dem Verkehre verschwinden 
müsse, aber sie glauben, dass dies mit keinem Nachtheile, ja 
sogar mit wesentlichen Vurtheilen verbunden sei, dass temer 
nach einiger Zeit, wenn sich die AVerthrelation abemials an 
dere das zuvor abgetlossene Edelmetall wieder zuruckkehren 
müsse. AVolowsky hat deshalb auch an die Stelle des A\ ortes 
i Doppel Währung“ das von ihm erfundene „Alternativ- 
I Währung“ g;e8etzt; denn die Tender des Hanzôsi^dmn 
Gesetzgebers ist nach ihm nicht, Gold und Silber ziigleic, i 
zum Werthniesser zu macheii, sondern abwechselnd bohl oder 
Silber, je nachdem das eine oder andere ini Preise sin *e. 
Beide Schulen fügen hinzu, dass sich die Üxe Taritirung nicht 
, auf die Lauer erhalten könne, wenn es blos ein einzelnes 
( Land sei, welches dieselbe decretire. Wenn jedoch alle Staaten 
der Erde oder doch die grössten wichtigsten derselben sich zu 
einem Münzbiinde auf Basis des Loppelwähriingsgesetzes 
einigten, so müssten nach der Ansicht der Emen Gold- und 
Silbermünzen für ewige Zeiten friedlich neben einander cour- 
siren, nach der Ansicht AVolowsky’s müsste in einem s&lt;.lchen 
Falle AbHuss und ZuHuss der Gold- und Silbermüiizen sich 
in sehr bescheidenen Grenzen halten , die Abweichung der 
Marktrelation von dem gesetzlichen Eixpiinkte konnte nach 
oben wie nach unten stets nur eine minimale Grösse sein. 
Lie erstere, die starre Doppel Währungstheorie, 
ist seit Wolowsky’s Auftreten seitens der Nationalökononien 
von Fach gänzlich aufgegeben worden. Nur ein geistreicher 
Dilettant, Heinrich Cernnschi, hält noch an dieser alten Loctnn 
fest. Mit beispielloser Ilührigkeit und seltenem Geschicke hat 
dieser in Frankreich impatriirte Italiener den dein Entschlaten 
nahen Streit wieder aufgenommen : seine Schritten machen 
insbesondere auf das Laienpubliciim grossen Eindruck, und e
        <pb n="283" />
        271 
ist daher trotz der augentalügen Absurdität aller Grund 
pfeiler der Cernusclii'sclien Tlieoiie durchaus nothwendig, sich 
mit derselben zu befassen. Ornuschi hält oder hielt sich 
offenbar für einen Anhänger olowsky's, trotzdem er im 
Grunde genommen nur die von diesem liervorragenden Gelehr 
ten längst widerlegten Jrrthnnier im verstärkten Masse wieder 
vorbringt, Er hat für die Doppelwährung einen neuen Namen, 
den des „ Bimetallismuserfunden, indem seiner Ansicht nach 
ilire Wirkung die wäre, die beiden Edelmetalle gleichsam 
in eines, welches er „Electron“ nennt, zu verschmelzen. Die 
(iründe, mit denen Cernuschi für dieses sein Electron in’s 
Feld zieht, sind die folgenden : Es sei eine ganz irrige, ja un 
sinnige Principienreiterei der Nationalökonomen, zu bestreiten, 
dass es Amt des Gesetzgebers wäre, in seinen Machtbefug 
nissen liege, ein bestimmtes Werthverhältniss zwischen den 
Gold- und Silbermünzen festzustellen. (toüI und Silber dürf 
ten nicht als W aare betrachtet werden, deren Werth 
lediglich durch das Verhältniss von Angebot und Nach 
frage bestimmt werde. Den Werth der ^Lünzen mache das 
Gesetz, ohne Gesetz wären sie werthlos. (Bei letzterer 
Behauptung ist es nicht klar, ob der Verfasser glaubt, Gold 
und Silber hätten, wenn sie zu JMünzen nicht geprägt würden, 
überhaupt keinen Tauschwerth, etwa gleich atmosphärischer 
Luft und fliessendein Wasser, oder ob es blos seine Ansicht 
ist, dass der, abgesehen vom gesetzlichen )lünzwerthe, in den 
Fdelmetallen vorhandene anderweitige Gebrauchs wert,h im 
Verhältnisse zu jenem eine verschwindende (frösse sei. Die 
B e h auptu ng des Verfassers, dass der (Gesetzgeber 
jede ihm beliebige Werthrelation wählen könne, 
leitet aber jedenfalls auf die erste re Annahme 
hin.) Diese Macht des (Gesetzgebers, den Werth des (Geldes 
zu schaffen, erhelle am besten aus der Befähigung des Staates, 
Papiergeld in Umlauf zu setzen. Was für das Pajiier gelte, 
müsse doch ebenso auch für das Metall in Wirksamkeit sein. 
Da also der Staat in den Ländt*ru der Goldwährung den 
Werth der Silhermünzen und in den Jhindern der Silber- 
Währung den \\ erth der Goldmünzen gesetzlich regele, so 
läge absolut kein (Grund vor, ihm zu verwehren, dass er auch 
Beides gleichzeitig time. Damit aber sei der Bimetallismus
        <pb n="284" />
        272 — 
etablirt und dieser sei in Wahrlieit das uaturgeinässeste 
^liinzsysteiii, denn die beiden Jídelinetalle hätten das nämliche 
Recht, den nämlichen Anspruch, zu (ieldzwecken gebraucht 
zu werden. ])ie Natur selbst habe die idenschen daiauf hin 
ge wiesen. Sie habe es in ihrer eisheit so eingerichtet, dass 
ein minder kostspieliges weisses, ein kostspieligeres gelbes 
Edelmetall sich dem (Gebrauche darbiete; sie babe überdies 
die Rroductionsverhältnisse so gestaltet, dass die Ausbeute 
beider Edelmetalle für sich betrachtet, den grössten Schwan 
kungen unterworfen sei und daher auch der (leldwerth in 
den Ländern mit einheitlicher Währung schwanken müsse, 
die Schwankungen in der (fohl- und Silberausbeute sich aber 
gegenseitig in der glücklichsten Weise compensiren, so dass 
das „Electron“ unter stetigeren Productionsverhältnissen 
.stehend, auch in seiner Kaufkraft stetig bleiben werde. Die 
„Monometallisten“ (so werden die Anhänger der Goldwährung 
genannt) seien auch ganz ausser Stande, ihre Ideen durch 
zuführen, denn die Natur enthalte ihnen das zu ihren Zwecken 
nöthige G(dd vor und für das Silber, dessen sie sich entledigen 
müssten, gebe es keine Verwendung; sie vernichteten in frevent 
licher und nutzloser Weise den Werth eines so überaus nütz 
lichen Stoffes, wie es Silber bisher gewesen, und früher oder 
später müsse der Moment kommen, wo sich Alle, ge di angt 
durch die Verhältnisse, zum Bimetallismus bekehren; dieser 
aber werde den Zustand vollständigster Ruhe heibeifühien. 
Ein einzelner Staat könne allerdings die Werthrelation nicht 
willkürlich tixiren. Zwar habe das französische Gesetz eine 
ganz ungeheure Wirkung geäussert, ja es habe allein 
trotz allen Veränderungen der Production die Werthrelation 
durch viele Decennien beinahe unverrückbar festgehalten. Die 
Schwankungen, die von 180:1 bis zur Gegenwart im Gold- 
werthe vorgekoinmeii sein mögen, seien zudem gai nicht aut 
die Productionsverhältnisse, sondern auf jene Irrthümer zurück 
zuführen, die in der Münzgesetzgebung verschiedener Staaten 
begangen wurden. Jetzt aber sei der nionometallistis(die Wahn 
sinn zu gross geworden, Erankreich, welches früher den Münz 
revolutionen sein (píos ego entgegengerufen, sei mit seinen 
Kräften zu Rande gelangt und die Münzunion^ daher zur 
Noth Wendigkeit geworden. Diese müsse aus (gründen dei
        <pb n="285" />
        273 — 
TTtilität (lie lateinisclie ]\rünzre]ation von i zu aceeptiren. 
lili Principe aber wäre es ebenso gut möglich, auch eine 
Werthrelation von 1 zu 1 festzustellen. 
Dass derlei Dinge im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts 
gesell lieben und insbesondere in Oesterreich von einer zahl 
reichen Partei als Evangelium geglaubt werden, ist jedenfalls 
eine ganz merkwürdige Erscheinung. Man weiss nicht, soll 
man sich mehr über die Kühnheit jedei- einzelnen Behauptung, 
oder mehr darüber wundern, dass der Verfasser die Wider 
sprüche, in die er sich selber verwickelt, nicht bemerkt. 
Dass die Edelmetalle werthvoll waren, noch bevor sie 
zu Oeldzwecken verwendet wurden, und dass dieser V eitli 
von der Nachfrage einerseits, von den Productionskosten an 
dererseits bedingt wurde, ist historisch allzuleicht nachzu 
weisen, als dass darüber viele Worte zu verlieren wären. 
Herr Cermischi selbst gesteht dies zu in einem Momente der 
Vergesslichkeit, wo er nämlich von der, nebenbei bemerkt, gar 
nicht vorhandenen grossen Regelmässigkeit der Productions 
Verhältnisse bmder Edelmetalle zusammengenommen sprichtJ 
ja er kann diese im 0runde genommen jedem vernünftigen 
Menschen unausrottbar inhärente Vorstellung gar niemals voll 
ständig los werden. Es ist beinahe ergötzlich zu sehen, wie 
er sich selbst Zwang anthiit, sich selbst hintergehen will, um 
den Productionswerth aus den Edelmetallen hinauszubekonunen. 
So tragt er z. H., um seine (Gegner ad absurdum zu tÜliren, 
ob denn ein Klumpen (iold, der etwa vom Himmel Hele’ 
werthlos sei, tn.tzdeni doch otfenbar keinerlei Menschenarbeit 
zmr Erzeugung dieses Geddklumpens nothwendig sei. Diebeste 
Antwort auf diese Frage wäre allerdings tür C. .sowohl 
als^ für seine Nachbeter der Rath, das Capitel über den 
„V erth" in einem beliebigen nationalökonomischen Handbuche 
nachznlesen ; da aber die Zahl dieser Nachbeter Legion ist und da 
sie insbesondere in Oesterreich sogar Kinlluss auf die Regierung 
haben, so muss man widerstrebend .sich mit Dingen befassen, 
die Jedermann, der in der Währnngsfrage das Wort ergreift, 
längst erledigt haben sollte. Der vom Himmel gefallene 
Kluin])en (lold erfordert allerdings keine Arbeit und ist trotz 
dem so viel werth , w ie jeder andere vom gleichen Cewichte 
nnd gleichen Feingehalt; aber ganz das Nämliche gilt ja für 
Or. Th. Hertzka, Währung und Handel. lo
        <pb n="286" />
        274 
jedes andere Gut äucli. Ein vom Himmel gefallener Sack 
Weizen ist nickt weniger wertli, als ein imiksam gesäetei, 
geernteter und gedroscliener ; warum folgert C. nickt, dass 
aiioli der Preis des Weizens von den Pi-oductionskosteu nii- 
akkängig sei? Allerdings, wenn es so viel Hold vom Himmel 
regnete, als die i\lenscken gekraueken wollten, und man daher 
keines produciren müsste, dann allerdings kesUsse Hold eken- 
sowenig Tansckwertk als Lntt und messendes \\asser; akei 
ganz das Nämlicke gälte anck für Weizen, Korn, für jedes 
Hut, welckes Tansckwertk kat, weil es Trodnctionskosten ver- 
nrsackt und von der (jesellsckait gekrauckt wird. 
Das zweite Argument für die Mackt des (4e§etzgekers, 
die Wertkrelation keliekig zu üxiren, ündet H. dann, dass 
das Hesetz den Wertk der Münzen des einen Edelmetalls 
anck in den Ländern mit einkeitlicker Wäkrnng kestimme. 
Das ist eken einfack nnricktig. Die Hitate ans Aristo 
teles, Locke und Newton, die der Verfasser zum Belege seiner 
Bekanptnng citirt, keweisen entweder das stricte Hegentkeil 
oder etwas ganz Anderes. Wohl kaken die gelekrtesten Männer 
liäntig den Irrtknm kegangen, zu glanken, dass das Hesetz, 
die ansdrücklicke Hekereinknnft, der Hrnnd sei, dass die 
Edelmetalle zu Ci renia ti on sz weck en verwendet wurden. \\ le 
gross aller ikr Wertk sein solle, das zu kestimnien kat noch 
Niemand der Hesetzgeknrig zngemntket. In Wakrkeit kes&lt;4irankt 
sick die Ennction des Staates in den Ländern mit eiiikeitlielier 
Wäkrnng lediglick darauf, das He wirkt und den Peingelialt 
der Edelmetalle zu iieglankigeii und die derart in ikreiii He- 
kalte kegkinkigten Stücke zu gesetzlielien Werthmessern zn 
erklären. Tier Staat sagt keispielsweise in ( )esterreirk : „Dieses 
Stück Sillier entkält den Tfi. Tkell eines Münzpfniides; ich 
verseile es mit meinem Stempel und nenne es Hnldeii. Wer 
Hnlden zn zaklen oder zn empfangen hat, hat sieh in solekeii 
Stücken zu lösen und sich dnreh den Empfang soleker Stücke 
für kefriedigt zn erklären.“ V &lt;i ist hier die Bestimmung 
eines WerthesV Um.-(1er Voranssetzniig zn entsjiivehen, 
müsste der Staat etwa noch liiiiznfügen : „Dieses Stück Sillier 
'ist im Wertke gleick 20 Bfniid Prod, einer Elle Tneh oder 
2 Arkeitstagen.“ Tkäte der Staat das letztere, dann wäre es 
1 allerdings anck ganz dasselbe, wenn er hinznfügen würde:
        <pb n="287" />
        275 
18* 
„lind ferner ist dieses Stück Silber gleich x Grammen Gold.“ 
da auch in den Doppelwälirungsstaaten bestimmt das Gesetz 
den W'^ei'th dei- ]\rnn%en im Allgemeinen nicht; es gibt auch 
dort kein bestimmtes Wertbverbältniss des Geldes zu irgend 
eineni^ Gute, nur ganz ausnahmsweise ein Wertbverbältniss 
dei- Kdelmetalle zu einander. Wer also die Zulässigkeit dieses 
letzteren beweisen will, der darf sich mit nickten auf das be 
rufen, was in den Staaten der einheitlichen Währung ge 
schieht; denn wenn in Wahrheit in den Doppelwährnngs- 
1 ändern mit (-iold und Silber zugleich nur dasselbe geschähe, 
was in den Silherländern mit dem Silber und in den Gold 
ländern mit dem Golde geschieht, so müsste man sich eben 
(laranf beschränken, Feingehalt und Gewicht von Gold- und 
Silherstüeken zugleich zu beglaubigen, d. h. zwei AWrthmesser 
neben einander, aber unabhängig von einander 
in Umlauf zu setzen. 
Die bisher behandelten groben Urtliümer werden nun 
von Vielen als solche erkannt, die trotzdem dem „Himetallis- 
mns“ anhängen. Diesen haben es eben die kosmopolitischen,/ 
Weltfrieden yerheissenden Versprechungen des Systems ange-ji 
than. Um die Alles bezwingende IMacht eines universellen 
Münzhnndes zu beweisen, argnmentirt G. folgendermassen : ' 
Trotzdem auf den Fdelmetallmärkten des Auslandes die Werth- 
relation auf 1 zu 1‘) stieg, gehe man in Frankreich doch 
willig und gern 1 Pfund (told für Ih'/a Pfund Silber, ledig 
lich weil das (tesetz es so verlangt; allerdings aber sei hier 
Gefahr vorhanden, dass das Ausland alles Gold an sich ziehen, 
d. h. gegen Silber anstanschen künnte. Wie aber, wenn es kein 
Ausland gäbe, wenn alle Staaten der Welt demselben Gesetze 
thlgen würden; wohin sollte man da das Gold senden, woher 
das Silber beziehen? Wer sollte überhaupt das (told höher 
bewerthen, das Silber im Preise diücken? Fs gäbe dann kein 
Ausland, keine Fdelmetallarbitrage, das (tleicbgewicht müsste 
si&lt;‘b erhalten, weil Niemand da wäre, um es zu stören. Man 
könnte dann immerhin auch 1 Pfund (told für 1 Pfund Silber 
geben, denn Niemand hätte Verwendung für sein (told zu 
Iniheren Preisen. 
In einer Beziehung hat nun hier C. allerdings Recht. |( 
\NTnn man die Werthrelation von 1 zu löVj für ewige Zeiten
        <pb n="288" />
        — 2 i 6 — 
feststellen kann, so muss es auch möglich sein, eine solche 
von I ku 1 festzuhalten, denn daraus, dass die erste den 
reellen IMarktverhältnissen der (legenwart näher liegt als die 
letztere, folgt noch keineswegs, dass dies für ewige /eiten so 
hleihen müsse. Dass "aber beide Behaujdungen nicht gleich 
richtig, sondern gleich unrichtig sin-d, wird seihst einem Manne 
gegenüber, der die (Irundprincipien der nationalitkonomischeii 
Wissenschaft beinahe sännntlich in’ Drage stellt, zu beweisen 
nicht schwer sein. 
0. leugnet zwar, dass die Productionskosteu der Edel 
metalle deren Preis bestimmten, aber er wird hoffentlich zu 
geheu, dass die Production der Edelmetalle mit Kosten ver 
bunden sei, und dass die Production des Goldes höher zu 
stehen komme als die des Silbers; letzteren Umstand hat 
er in seiner Publication ^Michel Chevalier et le Bimétallisme'^ 
sogar als eine ganz besonders weise Fügung der ^ Natur 
liervorgehohen. Oh nun C. nicht etwa glaubt, dass die kro- 
dnetion von Gold genau löVainal so theuer sei, und für 
alle Zeiten um so viel theurer hleihen müsse als die des 
Silbers, lässt siOi mit Bestimmtheit nicht angehen ; aber 
gleichviel — er weiss, dass man für die Productionskosteu 
eines Ihundes Gold sehr viele Pfunde Silber produciren kann. 
Was geschieht nun, wenn ein Gesetz erklärt, dass Gold und 
Silber Pfund gegen Pfund auszutauschen seien? Davon, dass 
die Kaufkraft der Oircnlationsmittel vom Verkehrshedürfnisse 
einerseits und vom Umfange des vorhandenen \orrathes andei- 
seits^ahhänge, hat C. merkwürdigerweise ganz klare Vor 
stellungen; er weiss also und verwertliet dieses sogar im Sinne 
seines „Electrnm“, dass bei sonst gleichbleibenden Verkehrs 
verhältnissen die Gesammtkauf kraft des Circulât ionsmitt el- 
vorraths eines Landes sowohl, als der gesammten civilisirten 
Welt die gleiche bleiben müsse. Er weiss demnach, dass 
die 00 Milliarden des ahendländischen ]\I etallgeldvorraths 
insgesammt dieselbe Kaufkraft besitzen müssten, die ihnen 
jetzt inne wohnt, wenn die Werthrelation geändert würde. 
Nun bestehen aber diese bP Milliarden zu einem Drittel aus 
180 Millionen Pfund Silber und zu zwei Dritteln aus 17 Mil 
lionen Pfund Gold; hinkünftig müssten folgerichtig 107 Mil 
lionen Pfund Electron die nämliche Kaut kraft erlangen, woraus
        <pb n="289" />
        277 
sich ergäbe, dass jedes einzelne Pfund rund 250 Francs Tausch, 
werth haben müsste. Die Gleic])stellung des Tauschwerthes 
hätte also für Silber eine Erhöhung um mehr als das Dop 
pelte, tür (toM eine Ermässigung um ungefähr das Siebenfache 
zu bedeuten. Was wären die Folgen für die Production? Die 
Silberminenbesitzer sähen ihren Nutzen um das Doppelte ge 
steigert; ]\iinen, die früher nicht lohnend waren, würden es in 
ganz ausserordentlicher Weise. Neue (’apitalien müssten diesem 
Industriezweige Zuströmen, der so ausserordentliche Rente 
abwirft, und es würde eben von den verfügbaren Capitalien, 
sowie von dem Umfange jener IMinen abhängen, die bei dem 
Steigen de^ Silbers um's J doppelte rentabel werden, ob die 
Silberproduction von 2ÍK) IMillionen blos auf 400 bis .5(V) oder 
aut 2rMM) bis öOO() Millionen Gulden im Jahre steigen soll. 
T^mgekehrt wird es sich bei der Goldj)roduction verhalten. Da 
es nicht möglich ist, mit demselben Ertrage, den gegenwärtig 
ein Arbeiter aus der Mine zieht, 7 Arbeiter zu einähren, so 
wird man die (xoldminen verlassen; eine Ausnahme werden 
vielleicht vorübergehend einzelne besonders reiche Gänge 
machen, die vielleicht auch nach Devalvirung des Goldwerthes 
um das Siebenfache ihre Besitzer mtch ernähren können. Man 
wird also gegenüber den Hunderten vielleicht Tausenden Mil 
lionen der Silberproduction einige Tausend und, wenn es hoch 
kommt, einige Hunderttausend Gulden Gold erzeugen. 
Desto schlimmer für die Goldproducenten und desto 
besser für die Silberminenbesitzer wird vielleicht, kurz ent 
schlossen, U. entgegnen, obwohl man ihm vielleicht auch hier 
schon die Frage entgegenhalten könnte, mit welchem Rechte 
er denn die Einen ruiniren, die Andern bereichern darf. In 
dessen die Bimetallisten nehmen dieses Recht im Namen einer 
angeblich weltbeglückenden Theorie in Anspruch ; sie werden 
möglicherweise darauf verweisen, dass jede grosse Idee Opfer 
verlange, und so wollen wir uns denn besehen, wie sich die 
liage auf dem Markte gestalten wird. 
Da auch gegenwärtig auf ISO Millionen Pfund Silber blos 
17 Millionen Pfnnd Gold existiren, da Gold also thatsächlich 
seltener ist als Silber, so ist nicht anzunehmen, dass die Mensch-
        <pb n="290" />
        27H 
heit so urplötzlich das seltenere Gold dem häutigeren Silber in 
jeder Beziehung gleich schätzen werde, wenn ein bimetalli- 
sches Gesetz es fordert. Es wird wahrscheinlich in alle 
Zukunft ^Menschen geben, die goldene Binge, Armspangen, 
ührketten und Gefässe den silbernen vorziehen. ie die Dinge 
heute liegen, behilft man sich mit dem Silber, weil das Gold 
um so viel theurer ist. Wenn der Bimetallismus die Barität 
im Preise herstellt, so werden wahrscheinlich nicht Wenige 
ihre silbernen Geschirre in die iVfünze tragen und alle die 
tausenderlei Luxusartikel, die heutzutage jeder Wohlhabende 
aus Silber verfertigen lässt, gegen goldene umsetzen. Ls ist 
zu bezweifeln, ob die 17 ^Millionen l'fund (xold, die im Abend 
lande vorhanden sind, hinreichen werden, um einen scdchen 
Tausch zu ermöglichen. Aller AVahrscheinlichkeit nach existiren 
hier mindestens 50 Alillionen Pfund Silber in horm von (to- 
räthen und es müsste daher eine sehr grosse Zahl von Alen- 
schen durch den Bimetallismus zu einer ganz neuen (ie- 
schmacksrichtung bekehrt werden, um nicht sofort zu Zwecken 
der verschiedenen industrien eine Goldnachfrage hervorzu 
rufen, welcher das Angebot selbst bei vollständiger Lr- 
schöpfung des Aliinzvorraths schon im ersten Augenblicke nicht 
genügen könnte. Diese Gefahr ist um so augenscheinlicher, 
als die ostasiatischen Barbaren, die verhälfnissmässig noch 
viel mehr Silber und viel weniger Gold besitzen als das 
Abendland, durch die AVerthrelation von 1 zu 1 gereizt 
werden könnten, ihre silbernen Spangen, Halsketten und Be 
schläge gegen goldene zu vertauschen. Diesen A\'ilden würdet’, 
sicherlich ganz vergebens erklären, dass das Gold nicht mehr 
werth sei als das Silber; sie werden eben finden, dass es 
ihnen besser gefällt und werden tauschen, so lange es etwas 
zu tauschen gibt, da es ist sogar zu vermuthen, dass die 
Nachfrage nach Gold einen einigermassen ängstlichen und 
dringenden Charakter annehmen dürfte, wenn man in Erfah 
rung bringen wird, dass alle Goldminen feiern, die Silber- 
minen dagegen in geometrischer Progression wachsende (Quan 
titäten ihres IToductes auf den Alarkt schicken. Das Gold ist 
ein Ding, das sich langsam zwar, aber allmälig abnützt; 
zudem gibt es Productionsarten, die das Gold nicht nui 
gebrauchen, sondern verbrauchen. Ls wird also .ledermanii
        <pb n="291" />
        270 
besorgen müssen, dass nach einer Reihe von Jahren das Giold 
überhaupt von der Erdoberfläche verschwunden sein könnte 
und sich daher beeilen, dasselbe gegen Silber so rasch als 
möglich auszutauschen. Nicht einen Tag, nicht eine Stunde, 
nicht eine Secunde lang könnte sich das derart auf die Spitze 
getriebene bimetallische Weltmünzsystem in Kraft erhalten. 
Der Gesetzgeber hätte gut sagen, dass ein Pfund Gold so viel 
werth sei als ein Pfund Silber. Die Gläubiger müssten sich 
den Raub, der an ihnen begangen wird, allerdings gefallen 
lassen, und die Schuldner würden von demselben profitiren; 
aber Niemand würde eine Goldstück, das er in Händen hat, 
anders als zu seinem vollen Werthe hergeben. Die Goldpro 
ducenten würden daher ihre Production gar nicht einstellen, 
denn sie wüssten sehr gut, dass man ihnen ihr Gold zu einem 
Preise abkaufen wird, der ihren Productionskosten ent 
spricht, aus dem einfachen Grunde, weil man des Goldes auch 
zu diesem Preise bedarf. Es ist möglich, dass der Weltmünz 
bund, wenn er mit Galgen und Rad die Befolgung seiner 
Thorheit überwachen würde, es erzwingen könnte, dass das 
Gold als Zahlmittel überhaupt nicht mehr benützt wird, und 
in diesem Falle würde der Preis des Goldes allerdings sinken, 
insolange bis die Nachfrage zu rein industriellen und decora- 
tiven Zwecken mit dem Angebote in Finklang gelangte; aber 
wenn die Grausamkeit mit der Thorheit nicht im Bunde stände, 
liesse sich dem Verkehr das Gold nicht einmal zu (ürculationa- 
zwecken entziehen. Der Staat würde keine Goldmünzen 
prägen? Man würde in Barren handeln. Die Konsequenz des 
bimetallischen Weltmünzhundes wäre also gesetzliche Silber 
währung zu Zwecken des kleinen Verkehrs und goldenes 
Wägegidd im grossen Verkehr. 
Wenn sich aber (% anf die Analogie mit dem Papier 
gelde beruft und meint, dass in ähnlicher \\ eise wie dieses 
auch ^Metallgeld ohne Bücksicht auf seinen Productivnswerth 
in Umlauf erhalten werden müsse, so ist dem Folgendes ent- 
gegenziihaltiui : 
Der Staat hat allerdings die Macht, dem Verkehre ein 
Tauschmittel aufzudrängen, dessen innerer Werth der Func 
tion nicht entspricht, die ilim aufgebürdet wird, ln diesem
        <pb n="292" />
        gso — 
Falle wird sieh der Werth dieses Tausehmittels lediglich nach 
seinem (-lehrauehswerthe zu Geldzweckeu richten. Die Note 
mit Zwangscours wird als das Aeq ui valent jenes Kdelmetall- 
quantums angenommen, welches erforderlich ist, um jenen 
Dienst in der Circulation zu verrichten, der von ihr nach der 
jeweiligen Lage der Verhehrsverhältnisse eben gefordert wird. 
Ilehersteigt die Illenge der ausgegehenen Noten das Verkehrs- 
hedürfniss nicht, so werden diese zum vollen Werthe ange 
nommen. Das Edelmetall, dessen Repräsentanten sie sind, wird 
ungestört nehen ihnen circuíiren. 
Wenn man nun auf die (hrculation der Edelmetalle das 
selbe Zwangsrecht ausiihen will, welches für die unbedeckte 
Note so oft mit Erfolg gehandhaht worden ist, so wird man aller 
dings dasselbe, aber mit Nichten ein weitergehendes Resultat 
erlangen. i\Ian wird es zu Wege bringen, dass das höher- 
werthigeAIetall nehen dem minderwerthigeu circulirt, solange eben 
das minderwerthige dem Verkehrshedürfnisse nicht voll ent 
spricht. Man könnte also allerdings die Werthrelation von 1 
zu 1 zwischen (fohl und Silber fcststellen und (fohl doch 
noch im Verkehre erhalten, wenn es eben möglich wäre, dies 
zu bewerkstelligen, ohne dass die Silhercirculation alle Ver 
kehrscanäle ausfüllt. Aber das ist eben unmöglich. Denn der 
TTnterscliied zwischen Papiergeld und Metallgeld besteht unter 
Anderem auch darin, dass Pajiiergeld nur von Demjenigen er 
zeugt werden darf, der dazu ein specie lies Privilegium besitzt, 
während Metallgeld von Jedermann erzeugt werden kann, der 
das betretfende Metall besitzt oder producirt. In dem Alómente 
nun, wo durch eine DopjielWährung iler Werth des einen der 
Edelmetalle überschätzt wird, werden alle vorhandenen Be 
stände des anderen Edelmetalls auf den (feldmarkt gezogen, 
es wird überdies die Production zu vermehrten Anstrengungen 
gereizt, und endlich wird mit Naturr.othwendigkeit der l\Io- 
ment eintreten, wo die Circulation des einen im Werthe über 
schätzten Metalls den ganzen Verkehr erfüllt. Von dem .Alasse 
der Ueherschätzung und von dem Umfange des Verkehrs-lfe- 
bietes wird es ahhängen, oh dieser Zustand früher oder später 
eintritt, und angesichts einer Ueherschätzung, wie sie C. für 
möglich hält, wird eben die Verdrängung des höherwerthigen 
Metalles aus dem (ieldverkehre und die Zurückführung des
        <pb n="293" />
        281 
minderwerthigen auf den normalen Tausehwerfh augenblicklich 
ei nt reten. 
Das teleologische Argument, dass die Dop]»elWährung 
schon deshalb die beste Währung sei, weil die Natur, indem 
sie (xold und Silber zugleich schuf, die Menschen auch auf 
den (gebrauch beider Metalle angewiesen habe, ist vollends 
merkwürdig. Als ob die Natur nicht auch Eisen , Blei und 
Zinn geschaffen hätte, und als ob man nicht kraft derselben 
Argumentation schliesslich auch dahin gelangen müsste , alle 
Naturproducte als Geldstoffe zu empfehlen ! Oder soll sich 
etwa diese teleidogische Schlussfolgerung blos auf Edelmetalle 
beziehen? Ja, was sind eigentlich nach C.’s Auffassung Edel 
metalle? J)er hohe Werth des Goldes und Silbers, das ent. 
scheidende Kriterium in den Augen anderer Leute, kann von 
ihm nicht benützt werden, denn nach seiner Ansicht ist ja 
dieser Werth erst nachträglic h durch den Gesetzgeber geschaffen. 
M ill er blos die grössere Unzerstörbarkeit und Schwere wie 
den höheren Glanz als das Entscheidende ansehen , so müsste 
er wieder a' priori dem (irolde grössere Eignung zu Geld 
zwecken beilegen, was seinem System schnurstracks zuwider 
läuft. I nd tür alle källe kann das Platina aus der Reihe 
der Edelmetalle nicht gestrichen werden. Aluminium wird 
auch demselben zuzuzählen sein, und möglicherweise bescheert 
uns die Chemie demnächst ein viertes und fünftes Edelmetall. 
Um also im Sinne (Vs den (geboten der Natur zu folgen, 
müssten wir keine Doppelwährung, sondern jedenfalls eine 
dreifache , unter Umständen eine vierfache oder fünffache 
Währung empfehlen. :\lan sieht, zu wehdien Absurditäten es 
führt, wenn man eine widersinnige Künstelei durih die Beru 
fung auf Naturgesetze stützen will. Die Natur mai ht durch 
aus keinen essentiellen 1 nterschied zwisi hen den Edelmetallen 
und beli(d)ig anderen durch Arbeit zu erzeugenden Gütern, 
und in der 1 hat hat die menschliche tdesellschaft nach ein 
ander sehr verschiedene Naturproducte zu Geldzwecken ver 
wendet. Das Electron Cern lisch is aber ist kein Natur-. 
Sondern ein Kunstproduct, ja in ahrheit das Product einer 
irregeleiteten Phantasie. 
Ein weiterer Vorwurf, den nicht blos (’., sondern auch 
andere Doppelwährungsmänner den von ihnen sogenannten
        <pb n="294" />
        — 2H2 — 
,.l[onometallÍ3ten“ maclieii, ist der, class diese in '''«n An- . 
schauungen vom Zufall geleitet seien. Gestern sei es das hillier 
gewesen, heute das Gold, morgen werde es vielleicht wiecler 
das Silber sein, welehes zum alleinigen Geldstoffe gewählt 
wird, denn die Prodnetionsverhältnisse kdnnten wechseln, wie 
sie gewechselt haben, und da man immer jenes Metall in 
Acht erkläre, dessen Ausbeute zufällig über das norma e 
Mass gestiegen sei, so würde die monmnetalliache Doctrin 
die gebildete AVelt steten Störungen des Geldwesens aussetzen. 
Dieser Vorwurf zeugt von einer merkwürdigen Verkennung 
geschichtlicher ïhatsachen und Verhältnisse. Man 
(Icdd als Währungsmetall nicht deshalb vor, weil diebilbei- 
ausbeute steigt, sondern aus ganz anderen Gründen , die theils 
im vorigen Capitel bereits angedeutet wurden, theils in den 
folgenden noch ausführlich besprochen werden sollen. Ins 
besondere aber sind Kngland sowohl als Deutschland zur Gold- 
machte, oder auch nur vorhergesehen werden ¡'"»"G- • 
sneciell in Deutschland hat Soetheer seine schliesslich von 
so grossem Krfolge gekrönte Agitation für die Goldwährung 
in einem Momente eingeleitet, wo das Silber im Preise ges iegen 
war und die pacitischen Goldländer die unge heuersten Guau- 
hervorragende Nationalökonoinen seinerzeit den Uebeiga g 
SFSSHSSEr
        <pb n="295" />
        2H3 
europäische Staaten mit Ausnahme Englands dieses Münzsystem, 
und es ist, wie später nachgewiesen werden soll, unter allen 
Umständen ein ungeheurer Vortheil, mit seinen Nachbarn 
dieselbe Basis der AVährung zu besitzen ; andererseits bestand 
die thatsächliche Circulation Frankreichs beinahe ausschliesslich 
aus Silbermünzen und nur ziim geringen Theile aus Najmleon- 
d’ors. Der Uebergang zur Silberwähmng war also leicht, der 
zur (Goldwährung überaus schwierig. Aehnliche (Gründe waren 
auch in Holland massgebend; nur war dort dieCireulation zu 
einem grösseren Theile mit (Gold gesättigt, der Uebergang zur 
(Goldwährung wäre daher leichter gewesen, und dies erklärt 
zur (Genüge , dass damals schon in Holland eine sehr starke 
(Goldpartei bestand, die in der Kammer nur mit zwei Stimmen 
der Silberpartei unterlag. Seit jener Zeit aber haben sich 
die factischen iMünzverhältnisse Europa’s radical zu (Gunsten 
des Goldes verändert ; es hat sich überdies eine so allgemeine 
und ausgiebige Preissteigerung aller Waaren vollzogen, dass 
das Hcipiemlichkeitsmoment, welches für die Goldwährung 
spricht, mehr und mehr in den Vordergrund tritt. Alles dies 
erklärt zur (Genüge, dass heute keine ernst zu nehmenden 
Vertheidiger der Silberwährung mehr den ausschliesslichen 
Vertheidigefn der (Goldwährung gegenüberstehen. (Die öster 
reichische Silberpartei ist eben nicht ernst zu nehmen.) 
Schliesslich erklärt C., dass die Monometallisten das 
(Gold, dessen sie zur Durchführung ihrer Pläne bedürften, 
gar nicht erhalten könnten, und dass es ihnen ebensowenig 
möglich wäre, ihr Silber zu verkaufen. Letzteres, nämlich 
der Verkauf des Silbers, wird allerdings mit grossem Verlu.ste 
verbunden sein; aber die davon betroffenen Staaten thun wohl 
daran, sich diesen Verlusten zu unterziehen, denn die han 
delspolitischen und tiananziellen Vortheile, die sie damit er 
langen, sind so gross und allumfassend, dass selbst die 
schwersten Opfer dagegen kaum in’s (Gewicht fallen. Dass es 
aber unmöglich sei, das zur Durchführung der Goldwährung 
noth wendige gelbe Edelmetall zu beschaffen, ist wieder eine 
jener Behauptungen, die auf gänzlicher Verkennung aller 
Verkehrsprincipien beruhen. Selbst wenn die (Goldausbeute der 
Erde völlig autbören würde, wäre es immer noch möglich, 
— wenn auch aus mancherlei Gründen nicht vernünftig die
        <pb n="296" />
        Goldwährung überall einzuführen. Die HO Milliarden Franken, 
die gegenwärtig den Circulationsbediirfnissen der alten Gold- 
währnngmländer dienen, müssten eben auch für die Bedürfnisse 
der neuen herhalten. Das Gold würde dadurch allerdings 
theurer, seine Kaufkraft würde steigen; aber eben dies hätte 
zur Folge, dass beispielsweise Grossbritannien, welches heute 
20.000 Centner Gold zu seinen Circulationszwecken braucht, 
mit 10- oder 12,000 Centnern demselben Bedürfnisse in ganz 
ähnlicher Weise genügen könnte, gleichwie umgekehrt bei 
einem Steigen des relativen (ürculation.smittelvorrathes sich 
auch das Bedürfniss jedes einzelnen Landes extensiv vergiösseit. 
Aber so steht die Sache gar nicht. Die Goldminen der Erde 
liefern im l\Iinimnm HOO.(MM) Pfund Gold im Jahre, sie werden, 
wenn in der That der Vorrath der alten Goldländer auch nur 
im (xeringsten angegriileu und dadurch eine Steigei ung dei 
Kaufkraft des Goldes hervorgerufen werden sollte, wahrscheinlich 
in der Zukunft noch mehr liefern. Und es ist dies ein Quan 
tum, aus welchem immerhin ganz bedeutende neue Bedürfnisse 
befriedigt werden können. Thatsächlich macht der deutschen 
Reichsregierung die Beschaffung des zu völligem Abschlüsse 
der Münzreform noch nothwendigen geringen Goldquantums 
durchaus keine Sorge, und da auch die Münzreforüi in anderen 
Staaten, die sich zum Uebergange zur (xoldwährung ent 
schlossen haben, nicht in einem Jahre diirchgefiihrt werden 
dürfte, so ist nicht einmal eine wesentliche Preissteigerung 
des Goldes zu besorgen, wie denn auch bisher Alles dafür 
spricht, dass die Verrilckiuig der Werthrelation zwischen 
Gold und Silber weniger in einer Wertherhöhung des Goldes, 
als in einer Werth Verminderung des Silbers ihren Drund 
habe. Sollte es aber auch anders kommen , sollten thatsächlich 
die Münzmassregeln Hollands, Xordamerika’s-, Desferreichs 
und in nicht gar weiter Ferne auch der Staaten der lateinischen 
Münzconvention einen Sturm auf dem Goldmarkte hervorrufcn, 
so wäre dies allerdings ein Uebel , sogar ein sehr grosses, 
dessen Consequenzen unter Umständen verhängnissvoll waren. 
Aber dann würde der Kehler nicht in der Goldwährung, sondern 
im mangelnden Zusammenwirken, in der gegenseitigen Con- 
currenz der einzelnen Staaten zu midien sein. Den Lowen- 
antheil des Schadens wird aber jedenfalls derjenige haben, der
        <pb n="297" />
        2S5 
sich am längsten besinnt, dasjenige in Angriff zu nehmen, was 
dauernd zu vermeiden nicht mehr in der ^iacht eines euro 
päischen Staates liegt. 
Was nun die Wolowsky'sche Alternativwährung anlangt, 
so geht zwar auch diese von irrigen Voraussetzungen aus, 
aber sie schildert doch Zustände, wie sie unter einem Zusammen 
wirken günstiger Verhältnisse sich eine Zeit lang erhalten 
können, und that sächlich auch durch JJecennien erhalten haben ; 
sie stellt die Natur nicht auf den Kopf, und ihre Conseipienzen 
sind in keinem Punkte absurd, 
Wolowsky anerkennt, dass der Preis der Edelmetalle 
durch das Verhältniss von Angebot und Nachfrage bestimmt 
sei; er bestreitet nicht, dass es unmöglich sei, die Werth 
relation beider unabänderlich zu fixiren; er gibt zu, dass bei 
einer Differenz zwischen der Alarktrelation und dem gesetz- 
lichen Werthverhältnisse das im Preise gestiegene ]\Ietall sich 
allnuilig aus dem (leidverkehre zurückziehen müsse. Er beugt 
sich also vor allen wirthschaftlich festgestellten ('onsecjuenzen 
einer solchen Eixirung der Werthrelation , und be.streitet nur 
Zweierlei: erstens, dass diese ( onseipienzen zu einer vollstän 
digen und da u e r n d e u Dcmonetisirung des einen Metalls 
führen können, und zweitens, dass die von ihm vorausgesetzte 
Alternirung in der (leldfünction beider Metalle irgendwie 
schädlich oder ungerecht sei. ,1a er sucht sogar zu bewei.seii, 
dass seine Alternativwälnung in do])j)elter Richtung sehr 
bedeutenden Nutzen brächte. 
Ein Staat, der die Alternativ Währung einfühlt, muss 
ihm zufolge auf Gimnd sorgfältiger Erhebungen das durch 
eine längere Periode tliatsächlicli bestehende Werth verb ält- 
niss der Edelmetalle zu ergründen suchen und dieses dann zur 
Hasis seiner Gesetzgebung machen. Die lateinische Relation 
von I zu 10Va entspreche nun, wie die Erfahi ung gezeigt 
habe, iliesen Anforderungen im hohen Grade, denn die Werth 
relation habe sich bis in die jüngste Zeit ihr ziemlich genau 
angepasst; sic könne daher füglich weiters in Kraft erhalten 
werden. Dies würde nun, selbst wenn alle civilisirten Staaten 
dem französischen ^lünzbunde beitreten wollten, keineswegs 
verhindern, dass bei einem Sinken der Goldproduction oder
        <pb n="298" />
        — 286 — 
Steigen der Silherproduetion der Goldpreis, bei einem ^ Sinken 
der Silberproduction nnd Steigen der (joldprodnction der 
Silberpreis über die gesetxliebe Relation binans steigen müsste, 
was dann notbweiidigerweise eine Veriindernng im (ürculations- 
stande zur Folge batte. Man würde die .Münzen des tbener 
gewordenen Metalls einscbmelzen und dnre.b die des billiger ge 
wordenen ersetzen. Aber wie Wolowsky u. zw. dies mit 
vollem Rechte deducirt, wäre diese Umwechslung 
eben das ausgiebigste Hinderniss erheblicher 
Pr eis Verrückung. Schon die Möglichkeit, in trankreich 
allein Silber gegen Gold anszntauschen, habe trotz der ^ rie 
sigen ITeberhandnahme der (toldprodnction in den Sechziger- 
Jahren die Preisschwankungen aut* einen Betrag reducirt, der 
im Wesen niemals grösser war als der Betrag der Fracht- 
und Münzspesen; um wie viel nachhaltiger müsse sich diese 
Wirkung äussern , wenn eine derartige Timwechslung an allen 
Münzstätten der Welt möglich wäre. Vor Allem könnte die 
Differenz nur mehr die Prägekosten umfassen, da ja Fracht 
kosten niidit zu bezahlen wären ; sodann aber wäre der Vor- 
ratb, aus welchem geschöpft werden könnte, unendlich grösser, 
so dass jene Gefahr der Rrschöjifung, die den französischen 
Kdelmetallsbeständen in vorigen Decennien drohte, kaum zu 
besorgen wäre. Denn wenn die Vertheuernng des einen Edel 
metalls durch genügend lange Zeit angehalten, müsse eben 
wieder ein Umscblag eintreten, es werde sich dann das an 
dere Edelmetall vertheuern und die umgekehrte Umwechslung 
stattünden. Dadurch werde der Verkehr abwechseld aus Gold 
und Silber bestehen. Allerdings wäre es immer das relativ 
wohlfeilere Metall, welches den (ärcnlationszwecken dient, 
aber dies sei niidit hlos kein Uebel, sondern mit Rücksicht 
darauf, dass es billig und nützlich sei, die Schuldner vor den 
(Däiibigern zu begünstigen, sogar ein Vortheil für die Ge- 
sammtheit. Der Austausch des billigen gegen das tbeiiere 
Edelmetall gehe ohne Verlust vor sicli, denn s])äterhin, wenn 
sich die Verhältnisse wieder ändern, erhalte man dasselbe 
Metall, das man ursprünglich besessen, wieder kostenlos 
zurück. Der Vortheil der Alternativwährung sei also eine 
Entlastung der Schuldner und grössere Stabilität des Geld- 
werthes.
        <pb n="299" />
        Sellen wir nun zu, wie es sieh' mit allen diesen Vor 
theilen, ja mit der Durchführbarkeit der Alternativwährung 
überhaupt verhält. 
Vor Allem muss der Alternativwährung entgegengehalten 
weiden, dass seihst tür den Fall, als sie dauernd durchgeführt 
weiden könnte und alle sonstigen Vorzüge vorhanden wären, 
dieselbe doch das denkbar unbequemste Währungssy.stem 
genannt werden müsste. Sie will dem Verkehre (icdd und 
Silber zugleich als legales Zahlungsmittel verschaffen und 
gelangt schliesslich stets dahin, ihn auf eines dieser beiden 
zu beschränken, was dann um so störender und gefährlicher 
ist, da die Bevölkerung zuvor an den entgegengesetzten Zu 
.stand gewöhnt worden war. Sie verleitet den Verkehr, sich 
auf (xold und Silberstücke zugleich eiiizurichten, und entzieht 
ihm dann abwechselnd eines von beiden, ja sie bietet ihm 
1111 raschen Uebergange plötzlich das eine statt des anderen. 
In der ersten Hälfte dieses .Jahrhunderts musste .sich so der 
französische Verkehr mit den unbehildichen Fünffrankenstücken 
genügen lassen, was um so härter empfunden wurde, da die 
bequemen (Goldstücke den Franzosen stets von ferne vor- 
schwebten, ihnen aber praktisch nicht erreichbar waren. An den 
zienilicb jäh und unvermittelt erfolgten Uebergang zur (Gold- 
ciiculation nach 1 S:)l gewöhnten sich die Franzosen rasch, da 
es das (Goldgeld eigentlich ist, welches läng.st schon ihren/Be 
dürfnisse entsprochen hätte. Man kann aber wohl behaupten, 
(la.ss •nunmehr ein abermaliger Uebergang zur groben Silber 
münze, wie er unvermeidlich wäre, wenn die Länder des latei- 
ni.schen Münzbundes gegenwärtig mit der IhqipelWährung Ernst 
machen wollten , vom französischen Volke .schlechterdings 
nicht vertragen werden könnte. 
Bcijuem wäre also diese Alterniriing nicht. Ist sie aber 
in Wahrheit vorhanden? Kann man mit Sicherheit darauf 
rechnen, dass das aus der (b'rciilatton eines Landes oder der 
gesammten Welt verschwundene, im Preise gestiegene Edel 
metall demnächst oder überhaupt jemals wieder in den Ver 
kehr gelangen würde, so lange die (Gesetzgebung auf der ein 
mal angenommenen Werthrelation beim nt? Es ist dies möglich, 
aber durchaus nicdit .sicher, ja wenn man die ge.schichtlichen 
Erfahrungen zu Käthe zieht, nicht einmal waluscheinlich.
        <pb n="300" />
        — 288 — 
Die Preisvelation zwischen Gold und Silber ist im geschicht 
lichen Verlaute nicht hlos den grössten Schwankungen 
unterwürfen gewesen, sondern sie hat sicli im Allgemeinen 
auch dauernd verrückt. Unter steten Schwankungen allei- 
dings, aber im grossen (ranzen doch nnauthaltsam ^ voi \\ äi ts 
schreitend, ist diese \\ erthrelation im letzten duhrtuusend 
von 1 zu 11 auf } zu 15 als Minimum gestiegen und es liegt 
durchaus keine Gewähr dagegen vor, dass sie — ganz ab 
gesehen von der gegenwärtig vielleicht nur vorübergehenden 
Verrückung ■ im nächsten &lt;J ahrtansende ant I zn 2(.) odei 
a nt 1 zu öO steigen wird. 
\\ enn man zwischen Weizen und Korn, zwischen Korn 
und Gerste eine feste Werthrelation bestimmen wollte, so 
könnte ein solches Beginnen innerhalb gewisser Schranken 
nicht als unmöglich bezeichnet werden; denn der Gehrauchs 
werth dieser beiden Cerealiengattungen lässt sich durch 
chemische und physiologische Feststellung ihres Nährwerthes 
annähernd genau taxiren; ihre Prodnctionskosten stehen ebenso 
aus physikalischen (-iründen in annähernd derselben Proportion 
wie ihr Nährwerth; und ihr Verbrauch endlich ist ein ganz will 
kürlicher und daher folgerichtig ant die Dauer lediglich durch 
die Preisverhältnisse bedingt. Man kann es ans diesem (irnnde 
für absolut unmöglich erklären, dass Korn jemals ant die 
Dauer theurer sein sollte als V eizeu, oder dass Weizen jemals 
ant die Dauer um etwa das Doppelte im Preise über Korn 
steigen sollte. Bei Gold und Silber aber kann Aehnliches 
nicht ^ behauptet werden. A\ ohl mag die Nutzbarkeit des 
(ioldes wegen seiner grösseren Unzerstörbarkeit höher sein 
als die des Silbers; aber dass dies allein nicht ausschlag 
gebend ist, sondern gerade bei den Edelmetallen die Selten 
heit und die Pi-oductionskosten allein das Bestimmende sind, 
bedart wohl keines Beweises, sonst müsste jedentälls Eisen 
theurer sein als Gold und Silber. Die Productionskosten der 
Edelmetalle aber lassen sich blos auf empirischem Wege und 
da nur annähernd in ein Verliältniss zu einander bringen. 
Ein Pfund Gold zu erzeugen, mag heute lOmal so kostspielig 
sein als die Erzeugung eines Pfund Silber. Es ist aber in 
thesi möglich. dass demnächst einmal die G(ddj)roduction 
billiger sein wird als die Production von Silber odei uni-
        <pb n="301" />
        — 28Í) 
gekehrt õOnial und l(M)inal so theuer. Es sollte daher auch 
Niemand beifallen, die 3Iöglichkeit zu bestreiten, dass nach 
Verlauf eines genügend langen Zeitraumes Gold lOOfach so 
hoch oder vielleicht auch nur halb so hoch im l^reise stehen 
kann als Silber. Man ist derart bei Eeststellung einer Werth- 
lelation, man mag es dabei wie immer anstellen, lediglich auf 
die nackte Willkür gewiesen. 
Die Alternativwährung würde also voraussichtlich zur 
factischeii Silberwährung werden, sie würde, auch wenn sie 
von allen Staaten der Erde acce¡,tirt wurde, allgemach das 
Gold aus der Circulation verdrängen und dasselbe niemals 
wieder in dieselbe zurückkehren lassen. Im Principe ist aller 
dings auch das Umgekehrte möglich, nämlich die vollständige 
Verdrängung des Silbers; aber wahrscheinlich ist nur das 
Erstere und Wolowsky wird zugeben, dass dies von der 
grössten Unbequemlichkeit für den modernen Verkehr begleitet 
.sein müsste. ^Möglicher-, ja wahrscheinlicherweise könnte sieh 
in einem solchen Falle die Gesellschaft dazu gezwungen sehen, 
sieh des Goldes, welches im gemünzten Zustande nicht mehr 
existireu würde, in Barrenform zu bedienen und dasselbe, ganz 
unbekümmert um die gesetzliche Tarifirung, den reellen Markt- 
verhältnissen entsprechend, zu bewerthen. Per Effect wäre 
also' lediglich ein Zurückgreifen auf den Zustand des reinen 
Wagegeldes für den grossen Verkehr. 
Was hat es nun mit der Entlastung der Schuldner durch 
die Alternativwährung .für ein Bewandtniss? 
Vor Allem muss bestritten werden, dass die Entlastung, 
auch wenn sie auf anderem Wege, als durch eine Schädigung 
der Gesammtheit vor sich ginge, so durchaus billig und human 
sei, wie Wolowsky glaubt. So macht z. B. Knies mit Recht 
darauf aufmerksam, dass es auch reiche Schuldner und arme 
(7laubiger gebe, dass es insbesondere angesichts des modernen 
Actienwesens nicht eben human und billig genannt werden 
könnte, den kleinen Rentner, die arme Waise, die sich im Be 
sitze einiger Prioritäten oder Pfandbriefe befinden, zu Gunsten 
der grossen Actionäre oder der (7 rossgrundbesitzer zu ver 
kürzen. Aber allerdings hat in diesem Punkte Eaveley inso 
fern Recht, als er geltend maeht, dass der Schuldner denn 
doch im grossen Ganzen der Ihoducent, der active Erzeuger 
l)r. Th. Hertzka, Währung und Handel, 19
        <pb n="302" />
        von Gütern wäre, während der Gläubiger, er mag noch so 
arm und hilflos sein, denn doch als lientner anfznfassen sei, 
und dass es demnach eine Begünstigung der i)roducirenden 
auf Kosten der passiv verzehrenden Classen sei, wenn man 
die Schuldner begünstige. Laveley legt also im Gegensätze zu 
\\Olowsky nicht auf das ])olitische und humanitäre, sondei’ii 
auf das rein ökonomische ]\Iornent das Hauptgewicht, und wie 
uns scheinen will, in grösserer Uehereinstimmung mit den 
Thatsachen. 
Oh aber dieser Standpunkt auch sittlich berechtigt ist, 
erscheint denn doch fraglich, umsomehr, da ja alle Jene, die 
Darlehen auf längere Zeit contrahirt haben, auch ohne das 
Dazwischentreten der Alternativwährnng schon durch die 
Natur begünstigt werden. Denn angesichts der stets wachsende 
Dimensionen annehmenden Edelmetallausbeute , wie nicht 
minder der steten Entwicklung der (!reditwirthschaft ist eine 
continuirliehe säeulare Abnahme des Geldwerthes heute noch 
mit grösserer Sicherheit vorherzusagen, als in der Vergangen 
heit zu constatiren. Es ist also eine doppelte Ungerechtigkeit, 
die schon von Natur aus Begünstigten noch künstlich zu be 
vorzugen. 
Im Uebrigen erscheint auch die wirthschaftliche Berech 
tigung einer solchen einseitigen Begünstigung sehr fraglich, 
denn die Gläubicrer, die Darlehen auf längere Zeit bewilligen. 
sind durch Nichts verhindert, sich schon im Vorhinein für die 
Gefahren der Alternation schadlos zu halten. Ob eine derartige 
Versicl^erungsprämie in den Doppelwährungshindern tür län 
gere Darlehen bisher schon vorhanden war, lässt sich für die 
Vergangenheit unmöglich nachweisen, ja es ist dies sogar un 
wahrscheinlich, denn die Gefahren der Alternation waren 
bisher der Capitalistenwelt kaum bewusst. Für die Zukunft 
aber, nachdem einmal die ungeheuerlichen Werthschwankungen 
der Gegenwaid dem Geldmärkte die Augen geöffnet haben, ist 
mit der grössten Sicherheit anzunehmen, dass die Alternativ 
währung den Zinsfuss auf längere Darlehen steigern müsste. 
Laveley glaubt allerdings, dass eine Steigerung des Zinsfüsses 
gerade durch den Monometallismus eintreten müsste, indem 
durch denselben, wenn er allgemein durchgeführt wird, der 
Circulationsmittelvorrath des Abendlandes verringert würde.
        <pb n="303" />
        19* 
291 
Dieser gelehrte Dekonoiiiist übersieht in der Hitze des Streites 
dass eine extensive Verringerung des Circulationsniittelvor 
ratJies bei gleichbleibendein intensivem'Wertlie der einzelner 
zeldstiicke allerdings die Circulation beengen und folglich den 
Zinsfuss erhöhen muss; insoweit dagegen mit der extensiver 
Einschränkung des Circiilationsmittelstandes eine intensive 
W'ertlisteigerung der Circiilationsmittel Hand in Hand geht 
kann eine Beengung des (ieldstandes höchstens vorübergehend 
Platz greifen, insolange nämlich, bis die Preise sich den ver- 
änderten Verhältnissen angeiiasst haben. Durch den .Jlono- 
metallismus“ könnte wohl die Anzahl der Centner Edelmetalle 
ans denen die abeiidländrsche Circulation besteht, nicht aber 
die psaininte Kaufkraft der abendländischen Circiilationsmittel 
verringert werden, und jener Zinsfiisssteigerung für längere 
Darlehen, wie sie als wahrscheinliche, ja notbwendige Folge 
der Alternativwährung behauptet wurde, steht zum mindesten 
keine dauernde Zinsfusserhöhiing in Folge desMonometallis- 
iniis gegenüber. 
Von ausschlaggebender Bedeutung aber erscheint uns, 
I ass die angebliche Begünstigung der Schuldner durch die 
A ternativwahrung mit einem positiven Verluste für die Ge- 
sammtheit verbunden ist, dass in Wahrheit gar nicht die 
. c luldner es sind, denen man dasjenige gibt, was den Gläu 
bigern entzogen wird, sondern dass den Gewinn ans der Alter 
nation lediglich das Ausland oder im Falle eines kosmopoli 
tischen Jliinzbiindes jener Theil der Geselhschaft zieht der 
das löherwerthige Metall rechtzeitig und kostenlos gegen das 
111 Entwerthiiiig begritfene austaiisclit. Diese Uuiwechslung 
geht iiamlieh keineswegs so kostenlos von Statten, wie 
«olowsky meint, sie ist vielmehr mit ganz unerme.sslicheu 
Veiliisten für das davon betrotfene Verkehrsgebiet verbunden. 
Zur Vereinfachung der Untersuchung sehen wir einstweilen 
von dein iitopisehen Weltmünzbunde ab und untersuchen wir 
den EinÜmss der Alternation auf ein einzelnes Land, etwa auf 
Fi’aiikreich. 
Zwar die Jlegiening Fraiikreiclis iiatte in der ersten 
Hälfte des Jahrhunderts keine Kosten daran gewendet, um 
die Circulation des Landes mehr und mehr mit Silherthalern 
zu sättigen, gleichwie sie in den Fünfziger- und zu Anfang
        <pb n="304" />
        202 
Emme 
Auf den ersten Blick erscheint es zwar nicht recht klat, 
was der Franzose dabei verlor, wenn er heispielswe.se iin 
wemligen Edelmetallmenge hervortritt. JJie 1 anschkratt de» 
gesainmten Circulationsiiuantums hleiht nach erfolgter /utiihi 
wie nach erfolgter Ahfuhr die nämliche; während aber in dem 
einen Falle für die Zufuhr Güter anderer Art ahgegehen 
werden müssen, erhalten die Länder im zweiten hale Inr 
ihren Ueherschims an Edelmetallen Werthgegenstämle, die sie 
sonst nicht erhalten hätten. Neliiiien wir hei»inel»weise an, 
(lass das Cii’culationsLedürlniss Viiiglaiids untei iionu.i tu
        <pb n="305" />
        — 2t&gt;a — 
hältnissen durcli 2(),(XW&gt; Ctr. Gold befriedigt werde. Fällt nun 
der (ioldwertli um 5 Percent, so wird England unter sonst 
gleiehbleibenden VeTliältnissen lOOD Ctr. neuen Goldes zur 
Sättigung seines Circnlationsbedürfnisses einfüliren, und fíir 
diese Goldquantität beispielsweise 1 Million Ctr. Banmwoll- 
waaren abgeben müssen. Es wird also, da nunmehr die 
21.(KK) Ctr. Gold nicht mehr werth sind und ihren Zweck 
nicht besser befriedigen als die früheren 20.(X)0, die Million 
(vtr. Banmwollwaaren rein verloren haben. Wäre dagegen um 
gekehrt der Goldwerth um 5 Percent gestiegen, so hätte 
Kngland 1ÍKX) Ctr. Gold aus seinem Circnlationsbedürfnisse ab 
geben können, dafür beispielsweise 20 Millionen Ctr. an ver 
schiedenen Körnerfrüchten eingehandelt, und da es dem Wesen 
nach an Gold nicht ärmer würde als zuvor, diese 20 Millionen 
Ctr. rein gewonnen. Im ersteren Falle wäre der Verlust auf 
Kosten aller Geldbesitzer und Gläubiger in England gegangen 
und die Schuldner hätten nichts verloren, aber im grossen 
Ganzen auch nichts gewonnen; die einzigen Gewinnenden in 
einem solchen Falle wären jene Länder, die das England feh 
lende Metall abzugeben vermöchten. Im anderen Falle würden 
die Gläubiger und die Geldbesitzer gewinnen, die Schuldner 
aber in Wahrheit nichts vei’lieren, da der Gewinn diesmal auf 
Kosten jener Länder ginge, die das in England überschüssige 
]\retall kaufen müssten. Zu bemerken ist dabei, dass wenn 
hier Schuldner und (Bäubiger einander gegenübergestellt 
werden, unter den ersteren jene Personen zu verstehen sind, 
die eine Geldsumme entliehen, aber noch nicht verwendet 
haben. In dem Falle, wo diese Verwendung 'ijereits vor er 
folgter Preisverändernng des Zablmittels vor sich gegangen ist, 
werden allerdings^ die Schuldner aus einem Sinken des Geld- 
werthes Vortheil ziehen, aus einem Steigen des Geldwerthes 
Verluste erleiden, da sie im ersteren Falle für die noch wohl 
feil gekaufte Waarc einen höheren Erlös erlangen und doch 
nur dieselbe Summe an ihre Gläubiger entrichten müssen, zu 
der sie verpflichtet gewesen wären, auch wenn die Preisver- 
bältnisse sich nicht verändert hätten; und im zweiten Falle 
werden sie wegen der inzwischen gesunkenen Preise geringeren 
Erlös erzielen und doch den unveränderten Schuldbetrag ent 
richten müssen. Aber wenn dies geschieht, compensirt sich
        <pb n="306" />
        204 
e&gt;)eii Verlust und Gewinn des Schuldners durch die Gewinne 
und Verluste desjenigen, von welchem das betreffende (but ge 
kauft wurde, denn dieser hat nun einen Geldbetrag in Händen, 
dessen Kaufkraft sieb verringert oder vermehrt bat. (-Jewinn 
oder Verlust der Gläubiger steht jedenfalls den sich compen- 
sirenden Verlusten und Gewinnsten auf der anderen Seite i^e- 
genüber. Ist dagegen die Verwendung des Schuldbetrages von 
Seite des Schuldners noch nicht erfolgt, so tritt ganz klar zu 
Tage, dass auf dieser Seite Gewinnste oder Verluste über 
haupt nicht Vorkommen können. Die Kaufkraft des entliehenen 
Geldes hat sich zwar verändert, es ist für dasselbe mehr oder 
weniger zu erlangen als zuvor, aber es muss eben auch im 
selben Gehle gezahlt werden, also mit Edelmetallquantitäten, 
deren Kaufkraft grösser oder geringer geworden ist, als sie 
cs zur Zeit der Schuldcontrahirung war. Diese Auseinander 
setzung ist nicht überflüssig, da sie zeigt, durch wie ver 
schiedenartige Uehergänge sich Gewinne und Verluste aus 
einer Preisveränderung des IMünzmetalls in allen Verkehrs 
schichten vertheilen; wie aber stets bei einer Wertherhöhung 
des den Münzheatand eines Landes bildenden Edelmetalls der 
Summe aller möglichen einzelnen Verluste Einzelgewinne 
gegenüherstehen, die genau um den Betrag des Bilanzgewinnes 
der ganzen Nation grösser sein müssen als jene, und umge 
kehrt stehen hei einer AVerthVerminderung des Alünzmetalles der 
Summe der einzelnen Gewinne Einzelverluste gegenüber, die 
^ insgesammt nm den Verlust der Nation wieder jene ühei- 
tß ragen. 
AWe vefliält sich die Sache unter der Herrschaft der 
I 1 Alternativwährung? Hier wird stets das im Preise gestiegene 
\ Aletall von der Arbitrage aufgekauft, die Wirkung der Preis- 
Steigerung für die Gesammtheit also unwirksam gemacht. Er- 
I weitert sich nnn die Differenz in der Werthrelation der beiden 
f Edelmetalle in Folge einer Preissteigerung des einen, so 
ist der Effect für das Doppelwährungsland derselbe , als ob 
|. eine Preisveränderung überhaupt nicht stattgefundeu hätte. 
Es wird sich kein Ueberschuss an Edelmetall herausstell en, es 
. wird folglich gegen Waaren Nichts an das Ausland abgegeben 
werden können, die Schuldner werden Nichts verlieren, aber 
die Gläubiger und Geldbesitzer auch Nichts gewinnen, viel-
        <pb n="307" />
        295 
mehr wird der vom Aii.sJande einzuheimsende Nutzen von den 
Arlutrageuren, ii. z. sovvol.I von den inländisdien als von den 
ansland,sehen eingesaekt weiden. A\'ährend also England im 
Falle der Goldsteigerung um 5 Percent 20 Mill. Centner 
\\eizen kostenfrei erhalten hat, würde Frankreich in einem 
ähnlichen Falle den Werth dieser 20 3Iillionen Centner den 
Arbitrageuren der ganzen M'elt als gute Beute überlassen. 
enn sich aber umgekehrt die Preisdifferenz der beiden Edel- 
nietalle dadurch erweitert haben sollte, dass das eine im 
Preise gesunken wäre, so wird vorerst die Arbitrage die 
C,oursdifFerenz zwischen Gold und Silber eineassiren, dann 
abei wird das Boppelwährungsland , wenn erst einmal seine 
Ciidilation vollständig aus dem minderwerthigen Metalle 
besteht, neue Edelmetallzufuhren benöthigen und die Kosten 
derselben aus Eigenem bezahlen müssen. Seine Gläubiger und 
Geldbesitzer werden nunmehr verlieren, die Schuldner aber 
nichts gewinnen, denn der Nutzen wird, ähnlich wie im frü 
heren Falle bei England gezeigt wurde, an’s Ausland bezahlt 
werden müssen. 
Die Sache stellt sich also in Wahrheit folgen,lermassen: 
i)as Land mit einheitlicher A\^ährung gewinnt durch das Me 
dium seiner Gläubiger und Geldbesitzer, wenn der Preis seines 
Edelmetalls steigt, es verliert durch das .Medium derselben 
Individuen, wenn der Preis seines )lünzmetalls fällt. Die 
Preisfluctuationen des anderen Edelmetalls berühren es direct 
gar nicht. Das Dojipelwälirimgsland gewinnt niemals, es sei 
denn durch das .Aledium seiner Arbitrageure, die aber ihren 
Gewinn mit dem ganzen Weltmärkte theilen müssen. Es ver 
liert dagegen genau denselben Betrag, wie die Länder mit 
einheitlicher Währung, wenn der Preis eines der Edelmetalle 
fallt. ^ Dass der Verlust der nämliche ist, wie in den Ländern 
mit einheitlicher Währung, trotzdem die Münzen im Doppel 
währungslande a jiriori nur zu einem Theile aus dem ent- 
wertheten , zum anderen aus dem im Werthe gleichbleibenden 
oder vollends steigenden Aietalle bestehen , hat seinen Grund 
darin, dass die Arbitrage für ihre Rechnung und zu ihrem 
Nutzen die Umwechslung des höherwerthigen gegen das min- 
derwerthige besorgt und nach Ablauf einer gewissen Zeit der 
^lünzvorrath des Doppelwährungslandes stets zur Gänze aus
        <pb n="308" />
        20() 
dom entwertheten ^feWle besteht. Ks liât also das T)oppel- 
wäliruTigsland absolut keine Gewinnstcbance und genau die 
doppelte Verlustcbance wie das T.and mit einbeitlieber Wäh 
rung , und wenn man etwa annehmen wollte, dass die Chancen 
des Steigens und Fallens für jedes Edelmetall und auch unter 
beiden gleich seien, so befände sich das Doppelwährungsland 
diesbezüglich genau vierfach schlechte r als jedes Land 
mit einheitlicher Währung. 
(xanz das nämliche gilt mutatis mutandis auch für den 
kosmopolitischen IVRinzbund mit Alternativwährung. Nur ist 
es hier nicht das Ausland, welches aus der Künstelei des 
Gesetzge^s zum Schaden der Gesammtheit Vortheil ^eht; 
sondeim jener Theil der Bevölkerung der — gleichviel, zu 
welchen Zwecken der Industrie — das theuere, Metall dem 
Verkehre entnimmt. 
Es bleibt also als alleiniger Vortheil der Alternativwäh 
rung all’ diesen Nachtheilen gegenüber deren ausgleichende 
Wirkung auf die Schwankungen der Werthrelation. Dass diese 
• Wirkung nur insolange vorhanden sein kann , als dem Verkehre 
das vertheuerte ISletall noch nicht vollständig entzogen ist, 
darf als selbstverständlich gelten. Aber auch von dieser tem 
porären Ausgleichung haben lediglich die Staaten mit einheit 
licher Währung, nicht aber das betreffende Verkehrsgebiet mit 
Alternativwährung den Vortheil, denn die Schwankungen des 
Geldwerthes werden zwar durch die Wirksamkeit der Alter 
nation minder intensiv sein, dagegen aber häuüger eintrcten, 
als in den Ländern einheitlicher Währung. Eine I’reisver- 
änderung des Silbers wird von den Goldländcrn , und ebenso 
eine Breisverändcrung des Goldes von den orientallseben 
Silberländern nicht als Verrückung des Werth messers 
empfunden ; die Alternativwährung dagegen macht das Gebiet 
ihrer Geltung gleich empündlich für jede wie immer geartete 
Ih’eisrtuctuation auf dem Edelmetallmarkte. Sie hat überdies 
die. Tendenz, jede Verschiebung der Prodiictionsverhältnisse 
dauernd zu erhalten und zu steigern. Wenn sie das eine der 
Edelmetalle aus dem Verkehre verdrängt, so bewirkt sie dadurch 
einerseits eine Steigerung der Nachfrage gerade nach jenem 
Edelmetalle, dessen Preisabschlag die Umwälzung hervorge 
rufen, und reizt dadurch zu fernerer Steigerung der lioduction
        <pb n="309" />
        — 207 — 
A 
gerade dieses F^delmetalIes ; andererseits verringert sie die Nach 
frage nach dem im Preise gestiegenen Metalle und hindert dadurch * 
die Ausdehnung der TVoduction desselben ¡ sie steigert also 
&lt;lie Production dort, wo sie früher schon zu gross war, und 
veiiingert sie dort, wo sie früher zu gering war | sie ist 
dadurch, so lange ihre AVirksamkeit währt, selbst das Hin 
derniss einer naturgemässen Ausgleichung der Preise.
        <pb n="310" />
        TV. Gap i tel. 
Yorllicile der Uoldwälining in den Staaten abend- 
ländisclier Ciiltiir. 
Da die Doppel- oder Alteriiativwillirniig sieh als prah- 
t\s(di unhalthar mal als logischer Widersinn erwiesen hat, kann 
es sich bei der Frage nach dem zukiinttigen IMänxsystem der 
europäischen Staaten eigentlich nur mehr um die Wahl zwischen 
der (johl- oder Silherwährung handeln. Es wurde bereits her- 
vm-gehohen und wird auch von Niemandem bestritten, dass 
sich hier die Waagschale mehr und mehr zu Dunsten des Döhles 
neigt, u. z. in dem blasse stärker, als ein Land in seiner 
wirthschaftlichen Entwicklung und der damit Hand in Han(l 
gehenden Steigerung des Verkehrs vorwärts schreitet. Dabei 
darf beinahe als Axiom festgehalten werden , dass die Zukunft, 
wenn nicht etwa eine radicale Umwälzung in den Werthver 
hältnissen beider Edelmetalle eintritt, d. i. also unter der 
Voraussetzung, dass das Dold stets um ein vieltaches kost 
barer hleihen wird als das Silber, ganz unstreitig aller Orten 
dem Dolde gehört, indem hei stetem Anschwellen der Edel- 
metallvorräthe und hei gleichzeitiger Entwicklung des Cultur- 
standes das Silber endlich im Verkehre aller Nationen zu 
schwerfällig werden muss. Abgesehen von diesem allgemeinen 
Vorzüge des (joldes, wird es aber auch von den besonderen 
Verhältnissen jedes einzelnen Landes abhängen, für welches 
Währungsmetall es sich entscheiden muss. 
Hat man speciell die Frage vor Augen, zu welchem 
Währungssysteme Oesterreich bei Herstellung seiner Valuta 
übergehen soll, so kann schon aus rein praktischen Dründen
        <pb n="311" />
        yon der Dopiiel- odor AItcrnativwiilii-ung keine Rede sein 
•lese, das wird von ihren Verteclitern liehanptet, ist dann 
'hirchtülirliar, wenn an ihrer Rerstelinng ein kosmonoli- 
tiaehcr Jliinzhnnd Rcsehlossen wird, ln (lesterreieh hat man 
also mir die Wahl, entweder mit der Vahitaherstelinng iiher- 
hanpt an warten, hi.s ein solelier Jliinahnnd an Stande kommt 
oder aller sich für eines der einlieitlichen Währungssysteme an 
entyeheiden. Stünde die Werthreiation awisclie'n Gold nhd 
Silher im Angenblieke anfiillig auf löV, an 1, oder doch 
annähernd auf dieser Stufe, so wäre es allerdings noch immer 
horicht, ,m Vertrauen auf die Beständigkeit einer derartigen 
Relation dem lateini-sclien JJausse- nnd Baisseconsortium für 
Rilelmetali heianiretaTTher dieser Beitíítt ^ie'ilien'TÄt 
nnmogltcli hei einer Werthreiation, die awisclien 17 und 
’ schwankt, und die im Angenhlicke, wo man den 
\\ ahrungawecli.sel durchführen will, vielleicht auf 25 au 1 stehen 
wird. ^ Man kann es angesichts der argen Begrifftverwirriing 
die hier au Lande, genährt durch die nalieau il Decennien 
lange Zettelwirthscliaft, in den Jlünafragen herrscht, vielleicht als 
eine hesondere Gunst des Schicksals betrachten, dass dem so 
ist und dass damit ein unübersteigliches Hinderniss etwaigen 
Idiilantropiselien Gelüsten; au Gunsten alter Völker des Erdballs 
die Edelmetallpreise gegen alle Schwankungen au assecuriren 
eiitgegemstelit. Benn so viel Einsicht wird man hier für alle 
falle besitaen, um au begreifen, dass die Priigestätten für 
»lold 1111(1 Silber aiigleich nicht geüfiiiet werden dürfen wenn 
nmn von vornherein gesonnen ist, für jedes neu ausgeprägte 
. i berstuck um 15—2ii Percent mehr Gold au geben, als es 
au dem Weltmärkte Werth ist. Man könnte also schlimmsten 
falls die Doppelwäliriing im „Principe“ annehmen, dabei aber 
aeüscli nur Munaeii in Einem Metalle ausprügen, und das 
Ware fur’s erste die factische Durchführung einer einheitlichen 
üliriing, hei der die Verhältnisse schon von selbst dafür 
sorgen würden, dass sie auch in Zukunft niemals anr Doppel- 
Wahrung würde. Sollte also in Oesterreich auch die Geneigtheit 
lesteheii, aut die lateinische Lcim.s|üiidel der Doppelwährung 
yufaiisitaen, so hat man sieh damit praktisch nicht weiter au 
beschäftigen, sondern lediglich die Frage zwischen Silber nnd 
’7ol(l nntprsiiolipii.
        <pb n="312" />
        — nod 
Die GesichtHimukte, niicli denen dal.ei verge-angen werden 
mnsH, Sind dreitaclier Art. Zuvîirderst ist zu nntersuehen, 
welches ]\lilnzmetall den inneren Verkelirshediirfnissen entspnc i , 
d. h. oh die Preise hier im Allp:emeinen jene Höhe erreie it 
haben, dass das Silber zu schwerfällig geworden, oder oh nicht 
umgekehrt die Preise noch so niedrig sind, dass Gold als zu 
kostbares Matei-ial zur Vermittlung der Zahlungen im 
verkehre angesehen werden muss. In zweit 3 Linie lallt die 
Rücksicht auf den internationalen Verkehr, namlicli darau , 
welches das Währungsmetall.jener Nachbarstaaten ist, mit 
denen der lebhafteste Verkehr unterhalten wird. Schliesslich 
sind noch die Schwierigkeiten in Erwägung zu ziehen, ^ die 
für den Fall, als der innere und äussere Verkehr einen 
Wechsel des Währungsmetalls erfordern sollte, der prak- 
tischen Durchführung dieses Wechsels entgegensWien Es 
kann möglich sein, dass ein bestimmtes Land die ñnanziellcn 
Opfer, die mit einem Währungswechsel verknüpft sind, einst 
weilen nicht zu ertragen vermöchte; es könnte schliesslich die 
HugonblickUclie läge des Edelmetellmarktes dafür massgebend 
sein den Uebergang zu verzögern. Es muss jednch hier snfnrt. 
bemerkt werden, dass Erwägungen dieser letzten Art mit 
grosser Vorsicht zu handhaben sind, da \vir es hiei ung eu i 
den ersteren Wesiebtspnnkten nielit mit positiv vorliegenden 
Tbatsacben nnd Verhältnissen, sondern stets mit (.oiiibina- 
tionen der unsichersten Art zu tlinn haben, mit laetoren, die 
sieh im Vorhinein kaum berechnen lassen. 
. Was nun die Innern Verkehrsverhiiltnissc ^ anbeiiingt, so 
fordern diese in Oesterreich gebieterisch nnd in nicht mi.ss- 
ziiverstelicnder Weise die Goldwährung. Die Dölme stehen hier 
annähernd auf derselben Höhe, wie in den west.liehen euro 
päischen Staaten mit alleiniger Ausnahme Englands; die I reise 
der meisten Dehcnsiiiittel höher als in Deutschland, aiiiiaheriid 
so hoch wie in Erankrcicli und allerdings niedriger als aber- 
mais in England. Die im übrigen Europa cnrsirenden Gold- 
münzen sind für die österreichischen Verhältnisse nicht zu 
gross und zu kostbar. . , n •. v 
Umgekehrt würde gerade die österreichische, an das 1 apn i' 
gehl gewöhnte Bevölkerung die Riickkel.r zur groben Silber- 
münze als eine Belästigung empfinden und es bcstiinde dalu
        <pb n="313" />
        — 301 
hier mehr als anderwärts die (jefahr, dass die Silber- 
wälirung eine unmässige Ausdehnung des Banknoten- 
unilaufs ini Gefolge hätte. Man hört allerdings hie und da 
flie Behauptung, dass in Folge des durch ein Vierteljahr- 
Iiundert geinihrten Idisstrauens in die Beständigkeit der 
Baarzahlungen das österreichische Publicum Banknoten ungern 
annehmen und jedes ]\retallgeld mit Vorliebe gebrauchen würde. 
Aber diese Behauptung beruht auf einer vollständigen Ver 
kennung des Wesens des Geldumlaufes. Derlei Erwägungen 
sind nur für denjenigen massgebend, der thesaurirt, nicht aber 
für den, in dessen Händen das Geld ein Instrument des Ver 
kehrs ist, der es empfängt, um es wenige Tage, in der Regel 
sogar wenige Stunden später, wieder auszugeben. Hier kommt 
das Moment des Vertrauens ganz und gar nicht in Betracht. 
Vorausgesetzt, dass der Courswerth der nämliche ist, wird 
liier lediglich die Beipiemlichkeit massgebend sein, man wird 
die Banknote dem Silber vorziehen, selbst wenn Zweifel in 
die Beständigkeit der Baarzahlungen noch so intensiv und 
allgemein verbreitet sind. Die Circulation an Fünf- und Zehn- 
gnldennoten beträgt in Oesterreich durchschnittlich zwischen 
200 und 2i)0 Millionen Gulden und man wird nicht weit von 
dei* Wahrheit abweichen, wenn man annimmt, dass unge ta In 
die Hälfte dieser Bestandtheile des Zettelumlaufs unter der 
Herrschaft der Goldwährung verschwinden, unter der Hej-r- 
scbaft der Silberwälirung dagegen erhalten bleiben müsste. 
Es ist aber gerade für Oesterreich und Ungarn von 
ausschlaggebender Hedeutung, dass die Notencirculation, und 
«ei sie metallisch noch so gut bedeckt, auf ein gei inges Mass 
i'edncirt werde. Die Verkehrsverhältnisse sind hier minder 
«tabil als in den höher entwickelten Culturstaaten ; insbeson 
dere die Ackerbaudistricte der Monarchie sind in ihrem Geld- 
liedarfe sehr grossen Schwankungen unterworfen. Sind es nun 
der Mehrzahl nach metallische Circulationsmittid, deren man 
«ich bedient, so regulirt sich der Umlauf ganz von selbst 
durch das Medium der Handels- und Zahlungsbilanz in Form 
des Zu- und Abströmens der Edelmetalle. Ungarn z. B. braucht 
•a-i i-eieber Ernte und im Palle lebhaften Expoi-tes grosse 
V'iantitäten an Zahlmitteln; es liegt auf der Hand, dass es 
dieselben in einem sidclien Palle auch erhält, wenn die Zahl-
        <pb n="314" />
        802 
mittel eben derart bescbalfen sind, dass sie vom Auslande bei- 
(restent werden können; und ebenso kann in diesem Falle der 
Geldbedarf rasch sinken, ohne eine lästige Wetliora mit allen 
ihren scliädliclien Conse(pienzen zu erzeugen, da dann der 
ITelierscbuss der Circiilationsmittel in’s Ausland abstronit. 
Bestellt hingegen die Geldcirciilation zu einem grossen Tlieile 
aus Banknoten, so werden im Falle lebhaften Bedarfes die 
Bankkassen unmässig nach Noten bestürmt, und wenn ^ der 
Bedarf wieder sinkt, wird durch die zurückströmenden Noten 
(1er Metallschatz ebenso heftig angegriffen werden. Umfang 
reiche Schwankungen im Baarschatze und im Notenumläufe 
der Bank sind unter so bewandten Verhältnissen unver 
meidlich. Und je grösser derartige Schwankungen sind, desto 
mehr ist die ' Stellung des Kmissionsinstitutes gefährdet, 
desto minder ist dieses in der Lage, das jeweilige Circulations, 
bedürfniss vorher zu berechnen, desto häufiger ^ werden 
seine Irrthümer in dieser Beziehung, desto intensiver die 
Folgen derselben sein. Die Bank wird das eine Mal dem 
Verkehre ganz unnöthigerweise die Circulationsmittel, deren er 
wirklich bedarf, vorenthalten und dadurch ein auf gesunder 
Basis sich entwickelndes Geschäft hemmen, ein anderes Mal 
die Verkehrsbedürfnisse überschätzen und dann durch das all 
zu heftige und unerwartete Zurückströmen der Noten zu 
llestrictionen genöthigt werden, die eine Krisis im Gefolge 
haben können. Auch gegenwäi-fig schon waren derartige Irrungen 
* häutig nicht zu vermeiden , aber ihre Conseiiuenzen wurden 
(lure'll die Suspension der Baarzahlung abgeschwächt. Die Bank 
war niemals in Gefahr insolvent zu werden, weil sie es eben von 
Anfang an war. Für ihre Manipulationen waren in erstei 
Tiinie nicht die schwer zu übersehenden Marktconstellationen, 
sondern die Paragraphe des Bankstatuts massgebend, und 
wenn demzufolge diese Manipulationen mit den realen Ver 
hältnissen in Widerspruch traten, so war die Folge davon 
nicht ein Sturm auf ihre Cassen, nicht das Zu- und Abströmen 
der edlen Metalle, sondern eine Krhöhung oder Verringerung 
des inneren Werthes der Geldzeichen. Dass eine solche Wertb- 
Veränderung auf die Dauer weitaus verderblicher wird, aD 
selbst die intensivste Edelmetallströmung, ist allerdings richtig, 
aber im Momente empfindet der Verkehr dieselbe nur m
        <pb n="315" />
        • — 303 — 
##### 
l.alt.np fonlern in (»esterreicl,-Ungarn ,lie Jliieksicht^nTuf 
infei nationalen Beziehungen die Moldwährung. Von Län 
i
        <pb n="316" />
        ein ganz imberaclienbarcr Vortheil, dasselbe il ii z iii e t a 11 zu 
besitzen. Denn das eigentliclie, jetzt scliun praktisch erieichbaie 
universelle Zahlmittel ist das edle Metall in Barrenform, und 
der Aussenhandel jedes Landes wird dann mit den geiingsten 
Schwierigkeiten zu kampien haben und am vortheilhattesten 
betrieben werden lionnen, wenn die Landesmünze, das gesetz 
liche innere Zahlmittel, diesem internationalen Zahlmittel so 
nahe als möglich kommt, wenn sie mit den denkbar geringsten 
S(diwierigkeiten und Kosten in dasselbe verwandelt und aus 
demselben hergestellt werden kann. Nun wird dies in ^ der 
einfachsten zweckentsprechendsten eise dann nur erreicht, 
wenn das ]\Lünzmetall der durch den Handel verbundenen 
Länder das nämliche ist. In diesem Falle braucht die Münze 
des einen Landes, um coursfähig im anderen zu werden, blos 
in den Schmelztiegel und aus diesem wieder in die Alünzstätte 
zu wandern und der Zweck ist mit verhältnissmässig ge 
ringen Kosten vollkommen erreicht; die beiden ^lünzen sind 
in ein festes unabänderliches Verhältniss zu einander gebracht. 
Man weiss jederzeit genau, wie viel inneren Werth die eigenen 
]\lünzen im Nachbarlande repräsentiren, denn um dies zu linden. 
Il muss man vom Werthe im eigenen Lande blos die Kosten des 
ilsehmelzens, Prägens und des Transportes abziehen. Ls ist 
dabei von geringem Belange, wenn die hier und dort aus 
geprägten IMünzstücke verschiedenes Gewicht haben, denn 
; dies complicirt blos um Einiges die Arbeit der Umiechnung, 
j was gerade für jene Kreise, die sich mit der Vermittlung des 
Iinternationalen Hai)dels befassen, keine besonders lülilbaie 
I Belästigung ist. Wichtiger als das gleiche Gewicht ist schon 
die Gleichartigkeit der Legirung, denn diese erhöht die 
directe Umwandlungstähigkeit, sie ist eine Gleichartigkeit im 
\\h‘sen, während das gleiche Prägegewicht blos eine (kleich- 
aiHgkeit der Form ist, auf die es weniger ankommt, da ja 
bei wirklich erfolgender Zahlung von Land zu Land die Form 
olinehin im Schiaelztiegel verschwinden muss. 
Ist dagegen das IVIünzmetall zweier Länder nicht das 
nämliche, so hört diese Umwandlungsfähigkeit vollständig auf. 
Ls ist damit factisch unmöglich geinaclit, von einem Land)* 
zum anderen im eigenen (relde zu zahlen ; die Zahlung muss 
vielmehl' hierhin und dorthin in einer W a a re eilolgen, deien
        <pb n="317" />
        — .305 — 
Vorzug vor anderen Waaren, die zn demselben Zwecke ge- 
branclit werden könnten, nur darin besteht, dass ihr Werth 
denn doch in der Regel stabiler ist. Damit ist in den inter 
nationalen Handel ein nenes Zwischenglied hineingebracht, 
der Zwischenhandel mit Edelmetallen, der wie jeder andere 
Mühe und Kosten verursacht, überdies auch einen Zwischen 
gewinn vorwegnimmt, und folglich den Güteraustausch ganz 
nnnöthigerweise vertheuert. Ob nun die Reibung, welche dieses 
ganz überflüssigerweise in das Getriebe des internationalen 
Handels eingefiigte Zahnrad verursacht, durch die Anstren 
gungen beider handeltreibenden Theile zugleich bewältigt 
werden muss, oder ob es unmittelbar nur der eine Theil ist, 
der den Zwischenhändler zu bezahlen hat, bleibt sich dem 
schliesslichen Effecte nach in der Regel ganz gleich. 
Ein Unterschied kann höchstens darin bestehen, dass 
jenes Verkehrsgebiet, dessen Angehörige den Edelmetall 
zwischenhandel betreiben, jenen Theil der Kosten, der den 
Gewinn des Händlers repräsentirt, bewahren kann; aber die 
reinen Kosten werden jedenfalls verloren seui, und auch der 
Verth des erwähnten Oommissionsgewinnes erscheint sehr 
problematisch, da er durch eine unpioductive Arbeit erzielt 
wird, durch eine Arbeit, die bei vernünftiger Gestaltung des 
Geldwesens auf j)roductivere Gebiete hätte gewendet werden 
können. 
So stellt sich die Sache, so lange die Werth relation der 
zwei verschiedenen Edelmetalle, aus denen die Zahlmittel der 
zwei Ränder bestehen, keiner merklichen Schwankung unter 
worfen ist. Sowie aber diese Werthrelation namhaft zu 
oscilliren beginnt, tritt zu dem obenerwähnten Kostenpunkte 
auch noch ein anderes Id ornent hinzu, welches für den inter 
nationalen Handel unter Umständen noch weitaus beschwerlicher 
ist als jener. Wenn früher der Verkäufer sich vom Käufer in 
jenem Jjande, dessen Währungsmetall ein verschiedenes ist, 
einen Aufschlag zur sonst nothwendigen Zahlung ausbedingen 
musste, um die Kosten der Umwechslung des Silbers in Gold 
oder umgekehrt des Goldes in Silber zu bestreiten, so wird er 
jetzt überdies noch eine Versicherungsprämie verlangen müssen 
um gegen die allfälligen (Gefahren eines Preisabschlages jener 
Waare gesichert zu sein, in der er bezahlt wird. Derartige 
l)r. Tli. llertzka, Wäliniiig und Uandftl.
        <pb n="318" />
        — 806 — 
Versicherungsprämien sind zwischen Ländern mit gleicliem 
^Vährmig^mmtane ganz üherflüss^^ und ihr Hmzutrd:en Wu 
den Täindern verschiedener AVähi-ung wird — verknüpft mit 
den' unter allen Umständen zu zahlenden Kosten der Ldel- 
metallumwechslung - den Verkehr mehr und mehr er- 
sehweren, ja unter Umständen dahin führen, den Austausch 
gewisser Güter in ganz neue Bahnen zu drängen, die ohne 
das störende Hinzutreten der Valutaversehiedenheit niemals 
betreten worden wären. Es ist recht gut möglich und prak 
tisch in vielen Eällen sicherlich vorgekommen, dass ein Land 
gewisse (Liter, die es unter sonst gleichen Verhältnissen jeden 
falls vom Nachbarlande A bezogen hätte, da sie am billigsten 
dort producirt werden können, nun vom Nachbarlande B be 
ziehen muss, lediglich deshalb, weil es im Handel mit diesem 
letzteren an seiner Münze ausser den Transportkosten blos 
die (Gebühren für Unisehnielzung und Umpragiing verliert, 
während es im Handel mit dem ersteren ausserdem noch die 
Gommissionskosten für den Edelmetallniakler und eine Ver 
sicherungsprämie daran wenden müsste. 
Betrachtet man die Sache in abstracto, so verlieren auch 
bei einem solchen Verhältnisse beide Tlieile in gleicher Weise; 
das eine Land, weil es ni,dits vevUanft, «dev, nin tvotn dieser 
Stiirnngen eoncurvenüfiiiiig /.n Ideilien, sonst dnirl, nnd.ts 
yereelitfertigte Nael.lUsse ini Lreise bewilligen nniss; das 
ändere Iniinl, indeiii es tl,eurer kauft. Aber in W iiLIn likeit 
vertbeilt sieb der Si liaden dni li niebt in gleielier AV eis,, mit 
laiinler.mit verseliic,lener Wiilirnng, vieinwbr bängt ,lie (,rosse 
,les Verlustes zimiiclist davon ab, ob die Isolirnng in böige 
der Val uta Verschiedenheit für das eine oder das andere er- 
kelinsgebiet einpfindliclier ist, ,1. b. ub das eine oiler das an- 
dere mit seinem AVälirungsmetalle unter den Han, el tieiben t 
Nationen mehr oder minder vereinzelt ilastelit, oder mit einem 
mehr oder minder grossen Tlieile derselben die naniliehc (,e ,1- 
basis besitzt. Es ist nicht gar lange her, da hatten unter , er 
Erschwerung der 11 iinzversehiclenheit in Europa die (lold- 
länder mehr zu leiileii als die Silberliinder, ikiiii sie waren in 
der IMinorität, und mussten daher den grosseren ^ lei ( •. 
Verlustes auf sich iieliinen; heute wäre ganz initsehieilen das 
Uingehebrte ,1er Fall. Behielte z. B. Oesterreieh die hilber-
        <pb n="319" />
        l.f»IVI» .U.U 
— n07 — 
Währung, so würde es sich liei seinen Handelsbeziehungen mit 
Deutschland zunächst darum handeln, ob die Nothwendigkeit 
im anderen Lande zu verkaufen oder zu kaufen, für das eine 
oder das andere grösser ist, um zu beurtheilen, ob das eiue 
oder das andere den bedeutenderen Th eil der ]\Iünzverluste auf 
seine Schultern nehmen muss. Diese Frage ist jedoch im 
grossen Ganzen a ])riori schon entschieden. Denn Deutschland, 
das mit seinem Golde in Scandinavien. den Niederlanden; 
England, Holland, Belgien, Frankreich, Italien und der 
Schweiz ohne solche Verluste kaufen kann, wird leichter des 
österreichischen Verkäufers entbehren können , als dieser 
des deutschen Käufers, der ihm ja keine grösseren Verluste 
dictiren will, als es noth wendigerweise auch der Käufer aus 
all’ den früher erwähnten Ländern thun müsste. Es wiederholt 
sich hier die alte Erfahrung, dass der Schwache vom Stär 
keren ausgebeutet wird, und der Schwache ist in diesem Falle 
derjenige, dessen iMünzmetall die geringere Verbreitung hat. 
Die Nachtheile einer Münzverschiedenheit sind also unter den 
heutigen Verhältnissen, in Europa der Hauj)tsache nach von 
den Ländern der Silber Währung zu tragen. Dass trotzdem der 
Handel auch nach Ländern mit verschiedenem i\Iünzmetall 
vortheilhaft betrieben werden kann, dass es unter sonst gün 
stigen Verhältnissen möglich ist, trotz der zu zahlenden Ver 
sicherungsprämie, Münz- und Commissionsgebühr, die Conenr- 
renz der Verkehrsgebiete mit dem nämlichen IMünzmetalle 
siegreich zu bekämpfen, ist ebenso richtig als irrelevant bei 
Untersuchung der vorliegenden Frage. Erschwert wird 
diese Concurrenz jedenfalls, der Nutzen unter allen Bedin 
gungen verringert, gleichviel ob davon nach Abzug dieser 
Verringerung noch etwas übrig bleiben mag oder nicht. 
Trotzdem es sich bei den oben beschriebenen Verlusten 
stets nur um sehr wenige Percente oder auch nui\um Bruch- 
theile von Percenten handelt, ist die Gesammtsumme derselben 
doch überaus gross. Der Verkehr mit den europäischen Län 
dern der Gold- und Doppelwährung dürfte für Oesterreich, 
wenn man den V aarenhandel, den Austausch von Dienst 
leistungen und den Ejfecteidiandel mit in Jiechnung zieht, 
wohl auf rund 1000 ^Millionen Gulden im .Jahre zu veran 
schlagen sein. Wird nun dieser Handel in Folge der Valuta- 
WO*
        <pb n="320" />
        — íi08 — 
verscliiedenlieit aucli nur um ’/a I’ercent minder gewinnreicli 
betrieben, so würde die Siîberwàbrung sclion aus diesem 
Titel allein 5 Millionen Gulden im Jalire kosten. 
Ganz eigenthüinlicli und in weit höherem liasse geíáhr- 
licher gestalten sich die Credit- und SchuldverhUltnisse 
zwischen zwei Ländern, deren Münzmetall verschieden ist. 
Während nämlich im Handel Käufer und Verkäufer einandei 
gleichberechtigt gegenüberstehen, und falls nicht die Concui- 
renz anderer Verkehrsgebiete hinzntritt, den ans der i\rünz- 
verschiedenheit resnltireiulen Schaden untereinander auftheilen 
müssen, liegt bei internationalen Schuldverhältnissen der Ver 
lust schon im Vorhinein zur Gänze auf den Schultern des 
Landes mit Silberwährung. Hei gewöhnlichen Kaufs- und Ver 
kaufsgeschäften ist die Frage darnach, welches der beiden 
Edelmetalle eigentlich im Schwanken hegriffen sei, ganz 
irrelevant. Zwischen dem Abschlüsse des Geschäftes und dei 
vollständigen Realisirung desselben verstreicht ein zu kurzer 
Zeitraum, als dass der Einfluss der Valutaschwankungen auf 
‘ die Preise hervortreten könnte. Wenn der Verkäufer aus dem 
Goldlande Zahlung in Silber zu leisten hat, so wird er nur 
die Gefahr vor Augen haben, dass der in seiner Imndesvaluta 
ausgedrückte Werth des zu empfangenden Silberquantums in 
der Zwischenzeit fallen kann; dem wird aber die Hofthung 
gegenüberstehen, dass dieser Werth inzwischen steigen könnte. 
Gewinn- und Verlustchancen werden sich also ausgleichen, und 
dass trotzdem die früher erwähnte Versicherungsprämie be 
zahlt werden muss, hat seinen Grund lediglich in der Unlust 
des soliden Kaufmannes, sich derartigen Spielchancen über 
haupt auszusetzen. Jedenfalls ist es aber dabei durchaus 
bedeutungslos, ob das Fallen oder Steigen der Werthrelation 
dadurch entstanden ist, dass sich das Gold, oder dadurch, 
dass sich das Silber in seiner Kaufkraft veränderte. Denn 
weim der Verkäufer aus dem Goldlande für das empfangene 
Silberquantum einen geringeren Erlös in Gold erzielt, so wird 
er damit auf dem Markte seines Landes im grossen (Ganzen 
doch weniger kaufen können als zuvor, auch wenn die Kauf 
kraft des Goldes inzwischen gestiegen sein sollte, da die 
Preise der meisten V aaren dieser Veränderung nicht augen 
blicklich folgen. Und umgekehrt wird er, wenn der in Gold-
        <pb n="321" />
        309 
geld ausgedrückte Erlös aus dem Verkaufe des an Zahlung- 
Statt gegebenen Silbers grösser sein sollte, auf dem heimischen 
^larkte mehr zu kaufen vermögen , gleichviel ob er den Mehr 
erlös in Crold^eld dadurch erhält, weil das Silber im Werthe 
gestiegen, oder weil das Gold im V erthe gefallen ist. Bei 
Schuldgeschäften aber, die sich auf längere Zeit erstrecken, 
tritt dieser Unterschied hochbedeutsam hervor. Niemand ist 
sich desselben klar bewusst, aber Jedermann handelt darnach, 
als ob er durch die subtilste volkswirthschaftliche Untersuchung 
in seinem Thun und Lassen geleitet würde. Wenn Jemand 
auf eine Reihe von Jahren ein Darleihen in ein Land mit an 
derer Währung abgibt, so kann es ihm weder für die inzwischen 
auflaufenden Zinsen noch weniger für die schliessliche Rück 
zahlung des Darleihens gleichgiltig sein, aus welchem Grunde ' 
sich die AVerthrelation seines Münzmetalles zum Münzmetalle 
seines Schuldners inzwischen verändert. Tritt nämlich diese 
Veränderung dadurch ein, dass die Kaufkraft seines eigenen 
Münzmetalles gewechselt hat, während die des sehuldnerischen 
dieselbe geblieben ist, so wird für den Gläubiger der Werth 
der Zahlung der nämliche bleiben wie zur Zeit, wo er das 
Darleihen gegeben ; er wird sich gerade dadurch, dass er Geld 
in das Land mit dem fremden IMünzmetalle geliehen, vor den 
Schwankungen des eigenen Münzmetalles bewahrt haben. Er 
hätte im eigenen Lande gewonnen, wenn die Kaufkraft des 
eigenen IMünzmetalles gestiegen wäre, verloren bei einem 
Sinken dieser Kaufkraft. Denn der nominell gleiche Betrag 
eigenen Landesgeldes, den er erhalten hätte, würde nicht mehr 
die nämliche Kaufkraft repräsentiren wie zuvor, während das 
fremde unverändert gebliebene Münzmetall ihm bei einem 
inzwischen eingetretenen Sinken des eigenen Münzmetalles 
einen entsprechend höheren Nominalbetrag, umgekehrt bei 
inzwischen eingetretenem Steigen der Tauschkraft des eigenen 
Münzmetalles einen entsprechend geringeren Nominalbetrag 
sichert. Wenn dagegen das eigene )Iünzmetall unveränderlich 
bleibt und das fremde in seiner Kaufkraft schwankt, so 
ergeben sich dadurch für den Gläubiger Verlust- und Gewinn 
chancen , denen er entgangen wäre, wenn er mit seinem Capitale 
im Lande geblieben wäre. 
Nun ist aber bei allen Veränderungen der Werthrelation
        <pb n="322" />
        310 
zwiscliPn Gold und Silber der Goldwertli im Glossen und 
Ganzen mehr das Stationäre, der Silberwerth mehr das 
Schwankende. J3ic Untersuchungen, die im vorigen Capitel 
zu diesem Schlüsse geführt haben, mögen in ihrer Berech 
tigung noch so sehr bestritten werden — die Thatsache, dass 
der europäische Geldmarkt die dort gefundenen Resultate 
acceptirt und demgemäss handelt, unterliegt durchaus keinem 
Zweifel. Die Goldländer weigern sich, seitdem die AVerth- 
relation in so hohem Grade schwankend geworden, ganz ent 
schieden, auf Silber lautende Darleihen zu contrahiren oder 
zu gewähren, während umgekehrt die Silberländer eine Ab 
neigung gegen Golddarleihen mit Nichten bekunden. Die 
' H(dländer z. R. legten auch, so lange sie die Silberwährung 
bcsassen, gegen französische, englische und neuerlich auch 
gegen deutsche und scandinavische Darleihen keine Abneigung 
i an den Tag. Nunmehr sie zur Goldwährung iiberziigehen 
1 sich anschicken, wollen sie von Silbcranleihcn nichts wissen ; _ 
\ ebensowenig wollen dies jetzt die deutschen,' die früher 
gleich den Holländern, solange sie Silberwährung besassen, 
auch gegen Golddarleihen nichts einzuwenden hatten. Ks ist 
11 kein Beispiel bekannt, dass ein Land mit Goldvaluta eine 
\ in Silber verzinsliche Anleihe aufgelegt hätte, u. z. geschah 
' dies weder von Seite der betreifenden Staaten noch von Seite 
|ll ihrer einzelnen Bewohner. Umgekehrt aber haben die Staaten 
|ll mit Silberwährung ohneweitejs Goldaideihen contrahirt. 
W (Min man dem gegenüber eiiiwenden wollte, dass dies erklärlich 
sei, (U ja jene Staaten, die Anleihen überhaupt gewähren 
können, alle die Goldwährung besitzen'und demnach ein Land 
mit dieser selben A\ ährung nicht so leicht in Versuchung 
kommen konnte, eine andere Währung als Grundlage der 
Contrahirten Darleihen zu wählen, so wäre dies nicht ganz 
richtig. Denn es gab noch kürzlich sehr reiche Staaten mit 
Silberwährung, die auch thatsächlich ärmeren Staaten mit 
Goldwährung nicht unbeträchtliche Beträge borgten, es aber 
trotzdem für ganz übertlüssig hielten, sich Zahlung im eigenen 
Aliinzmetalle auszubedingen. 
Oesterreich gehört nun zu den relativ arnuMi Ländern ; es 
^ ist der Schuldner der westlichen Staaten, insbesondere seiner 
deutlichen Nachbarn, und diese sind zur G&lt;ddwährung über-
        <pb n="323" />
        gegangen. Solange nun die Verschiedenheit des Währiings- 
metalles zwischen Oesterreich und Deutschland (das hier als 
Repräsentant aller Glänhiger Oesterreichs gelten mag) besteht, 
d. h. solange Oesterreich auf der Silberwährnng verharrt, 
ergehen sich ans den internatioiuilen Contractverhältnissen die 
fwlgenden Resultate : Bei den alten Contmcten fallen die || 
Verluste ans der Währnngsverschiedenheit den Gläubigern zur j| 
Last, welche den Verlust vom Capitalwerthe ihrer Forderung 
ahschreihen. Ein Vorgmil aber erwächst daraus für den 
Schuldner nicht; denn hier gilt dasselbe, was im vorigen 
Capïïéî überHen Einfluss jeder Werth Veränderung des Münz- 
metalles für die binnenländischen Zahlungsverhältnisse aus 
einandergesetzt wurde. Der österreichische Staat z. B., der 
wichtigste Schuldner im Verkehre mit dem Aúllan de, hat 
allerdings mit entwerthetem Metalle zu zahlen, aber er erhält 
auch Zahlungen in demselben entwertheten Metalle und seine 
liage gestaltete sich nicht anders, als wenn er gleichzeitig mit , 
Deutschlaiid zur old Währung übergangen wäre, nunmehr | 
in Gold zu zahlen hätte, dafür aber auch seine Steuern in ^ 
(fold einnehmen würde. Für den Privatschuldner gilt ganz i 
dasselbe. Der Hypothekenschuldner z. B. hat seine Zinsen 
allerdings im geringer werthigen (fehle zu zahlen, aber er hat 
selbst eine dem entsprechende Werthverminderung des empfan 
genen Capitales erfahren, oder aber — was für die (fesamm'theit 
das Nämliche ist — diese Werthverminderung ganz oder theil- 
weise auf die Schulteren eines Dritten überwälzt. Falls er 
wirklich gewonnen haben sollte, wird sich allemal ein Inländer 
finden müssen, dessen Verlust seinem Gewinne genau entspricht, 
so dass also die österreichische Volkswirthschaft, wenn man 
sie in ihrer (fcsammtheit aufiässt, aus dem Verluste ihrer 
auswärtigen (fläubiger keinen Gewinn ziehen kann. Der Vor 
theil bei den im Auslande contrahirteii alten Schulden wird 
lediglich darin bestehen, dass hier der Verlustüberschuss, der 
sich bei der \\ erthminderung des ^lünzmetalles nothwendiger 
Wei.se ergibt, keinen inländischeu, sondern einen ausländischen 
(fläubiger trifft. 
Ihd neuen Contracten aber wird sich die Sache umgekehrt 
verhalten. Während nämlich bei inländischen Contracten im 
Falle einer neuerlichen Werthminderung des Münzmetalles die
        <pb n="324" />
        — 312 — 
vom Lande zu tragende Verlustquote den Gläubiger trifft und 
von schuldnerischer Seite zwar kein Gewinn, aber auch kein 
Verlust zu verzeichnen ist, wird hier, wo es in der IMacht 
des Gläubigers steht, Zahlung in einem anderen Metalle aus 
zubedingen, der Verlust vom Schuldner zu tragen sein. Dieser 
wird ein CapitaMn Händen haben, dessen Werth sich nach 
träglich vermindert, und wird doch nachträglich die Zinsen 
in unverminderter Höhe bezahlen müssen. 
Dies gilt für jene Schuldner, die Zahlung in jenem Metalle 
versprechen und leisten müssen, welches der auswärtige Gläubiger 
haben will. Zwar tritt auch hier schon das IMomcnt hinzu, dass 
die Beschaffung des gewünschten IMünzmetalles von Fall zu Fall 
mit Kosten verbunden sein wird, und es ergibt sich daher 
schon daraus, dass die österreichischen Schuldner mehr ver 
lieren werden , als die Coursdifferenz zwischen Gold und Silber, 
nämlich überdies noch Fracht-, Präge- und Commissionskosten für 
die Umwandlung ihres Silbers in deutsches Gold (gleichwie 
bei den alten Schulden die auswärtigen Gläubiger um den 
Betrag dieser Kosten mehr als die Coursdifferenz verlieren). 
In Wahrheit aber ist es den meisten Schuldnern, die neue 
Contracte mit dem Auslande eingehen wollen, gar nicht 
möglich, Zahlung in einem anderen als in ihrem eigenen Wäh- 
rungsgelde zu leisten oder auch nur zu versprechen. Sie 
müssen vom Gläubiger das Zugeständniss fordern , dass dieser 
auch bei neuen Contracten Zinsen nnd Capital in Silber zurück 
empfange. Ob ihnen nun dieses Zugeständniss vom Gläubiger 
direct oder durch Vermittlung in- oder ausländischer Banipiiers 
gewährt wird, ist im Effecte ganz gleich, ln allen diesen 
Fällen wird ausser der thatsächlich bestehenden Coursdiflerenz 
zwischen Gold und Silber und ausser dem Aufschläge für 
Umwandlung des Silbers in Gold auch noch ein neuerlicher Auf 
schlag gefordert, der die Versicherungsprämie für alle hin 
künftig möglichen Schwankungen der Edelmetallpreise darstellt. 
Alle diese Kosten und Sporteln werden zum Zinsfusse dazu 
geschlagen und die Folge davon ist, dass nunmehr alle 
Schuldner des Landes ihr Geld entsprechend vertheuert in 
Händen haben. Dass diese Erhöhung des Zinssatzes aller vom 
Auslande erforderlichen Capitalien auch auf den inländischen 
Zinsfuss zurückwirken muss, und daher implicite eine Mehr-
        <pb n="325" />
        — 313 — 
belastung aller inländischen Schuldner nicht nur zum Vortheile 
der ausländischen, sondern auch der inländischen Gläubiger 
hervorruft, soll vorläufig nicht berücksichtigt werden. Hier 
handelt es sich zunächst darum, den Einfiuss der Münzver 
hältnisse für die Gesammtheit des Landes* festzuhalten, und 
diesbezüglich braucht blos constatirt zu werden , dass die 
Erhöhung der Zinsenlast an’s Ausland einen continuirlich zu 
entrichtenden Tribut an dasselbe darstellt. 
^lan nehme den Fall, dass ein österreichischer Landwirth 
lU.(KX) fl. ö. W. im Auslande aufnehme, und dass der aus 
ländische Capitalist geneigt wäre, ihm dies Darleihen zu 
o Percent vorzustrecken. Hestände nun in Oesterreich und 
in dem betreffenden Lande dieselbe Währung, so erhielte der 
Schuldner ganz einfach seine 1().(KX) fl. , gleichviel ob in 
österreichischer oder fremder Iflünze gezahlt, könnte dabei je 
nach den Wechselcoursen eine Kleinigkeit gewinnen oder 
verlieren, müsste dann fortlaufend von Jahr zu Jahr oOt) fl. 
Zinsen zahlen, bei denen abermals der Wechselcours je nach 
den Umständen einen kleinen Gewinn oder Verlust bedingen 
würde, und hätte schliesslich — etwa nach 30 Jahren 
— seine 10.000 fl. ganz in derselben Weise abzuzahlen. 
Oh inzwischen der Werth des iflünzmetalls gestiegen oder 
gefallen wäre, bliebe ganz gleicligiltig; der Gläubiger hätte 
die Chancen des Verlustes oder Gewinnes aus einer Ver 
änderung des Vünzwerthes zu tragen und würde auch 
durchaus keinen Versuch machen, diese Chancen von sich_ 
ahzuwälzen. Anders unter der gegenwärtig herrschenden Münz- 
verschiedenheit. Nehmen wir an, dass zur Zeit des Contraet- j 
abschlusses die M'crthrelation zwischen Gold und Silber 1:17 
wäre, so betrügen in diesem Falle l(t(KK) fl. österr. Währung | 
Silber rund IH.OOO deutsche Reichsmark. Bekäme nun der 
österreichische Landwirth diese IH.IMKJ Reichsmark unter der i 
Bedingung, Zinsen und Rückzahlung in österreichischem Gel de 
leisten zu dürfen, so hätte sich für ihn nichts verändert. 
Dies ist aber nicht der Fall. Er muss sich entweder ver- ' 
pflichten, Zinsen und Capital in deutscher Reichsmark zu \ 
zahlen, dann aber von Jahr zu Jahr als Käufer für OOO 
deutsche Reichsmark auf dem Edelmetallmarkte oder, was 1 
auf dasselbe hinausläuft, auf dem Devisenmärkte erscheinen,
        <pb n="326" />
        314 
I und ebenso nach Ablauf der 30 .labre dort 18.000 Reichsmark 
besebafien. Da er dabei neben der iMübe und den Kosten 
dieser Goldbesebaffunp^ aueli alle Gefahren des Schwankens 
der AV^erthreJation zu tragen hätte, so wird ihm dies scliwerlieh 
I conveniren und er dürfte es in der Hegel vurziehen, vom 
Gläubiger oder von einer beliebigen AIittelperson zu verlangen, 
statt der jährlichen OOO und schliesslichen 18,(100 Heichsmark 
Zahlung in österreichischem Silbergelde zu nehmen. Dann 
werden es aber nicht äOt) und 10.000 Silberguldcn sein, deren 
Zahlung er anbieten muss, sondern beisj dels weise 550 und 
11 .(Mio oder aber, was etwa auf dasselbe hinausläuft, jährlich 
000 und schliesslich 10.000 11.' Er wird mit einem Worte 
schon von Anfang an um 1 Percent mehr Zinsen zu zahlen 
haben, dafür allerdings aller Kebensjtescn, wie aller Gctahren 
aus der Valutaschwankung enthoben sein und unter Timstiinden 
dabei vielleicht besser fahren, als der Gläubiger und die Alittel- 
person, die gegen die Aufzahlung von ein Percent es über 
nimmt, ihn gegen diese Gefahren zu versichern. Die bedungene 
jährliche Alehrleistung an Zinsen aber wird durch keine wie 
immer gearteten ])ositivon Vortheil für ihn aufgewogen. Dass 
auch der (Gläubiger von der Alehrleistung keinen Vortheil 
zieht, kann ihm wahrlich geringen Trost gewähren. 
V^enn man nun berechnet, wie gross die jährlichen 
Zinsenzahlungen Oesterreichs an s Ausland aus neuen Con- 
tracten ungefähr sind — die Zinsenzahlungen aus den alten 
Contracten sind gering gerechnet mit 130 AI il Honen Gulden 
im dahr^zu veranschlagen, — und wenn man annimmt, dass 
sich diese neuen licistungen* in Folge der ATünzvcuschiedenheit 
im Durchschnitte um den zehnten Theil etwa von 5 aut .O'/a 
Percent erhöhen sollten, so wird mau unmöglich verkennen, dass 
die Verluste aus diesem Titel, die überdies die leidige Eigenschaft 
haben, sich von .fahr zu -Tahr zu cumuliren, sehr rasch den 
selben Umfang erreichen dürften, wie die Verluste aus der 
Behinderung des internationalen Handels durch dieselbe Ur 
sache. Die Frage nach dem von Oesterreich zu wählenden 
[Alünzmetalle mag daher, solange cs sich blos um die inneren 
j Verkehrsverhältnisse handelt, immerhin als contro\ers be- 
j trachtet werden ; sowie die internationalen Heziehungen &lt; (ester- 
! reiehs mit in Rechnung gezogen werden, ist sie von vorn-
        <pb n="327" />
        315 
herein als entschieden anzusehen. Selbst wenn für den inneren 
österreichischen Verkehr die Silbermünze um Einiges bequemer 
wäre als die (xoldmUnze, würde wühl schwerlich Jemand 
behaupten wollen, dass diese Bequemlichkeit durch die enormen 
Verluste aus den internationalen Beziehungen nicht allzu 
theuer bezahlt würde. 
ln Wahrheit aber verhält sich die Sache so, dass (lester- 
reich bei dem Beharren auf der Silberwährung die Unbe 
quemlichkeit der inneren Silbercirculation sich durch 
V'erluste erkauft hätte, die im Jahre durchschnittlich mindestens 
10 Millionen Gulden, wahrscheinlich aber das Doppelte und 
noch mehr betragen. Ein Verkehrsgebiet, welches mit den 
Ländern der Goldwährung jährlieh für ungefähr KKlO Mil 
lionen Gulden Waaren austauscht und diesen selben Ländern 
viele Milliarden schuldet; ein Verkehrsgebiet überdies, dessen 
Beziehungen zu den Ländern der Silberwährung verhältniss- 
mässig gering sind und dessen innerer Verkehr gebieterisch 
nach einer Goldmünze verlangt, hat wohl die Wahl zwischen 
Gold und Silber nicht mehr frei. Es fragt sich nur mehr das 
Line, ob dieses Land die Kraft, die Fähigkeit besitzt, den so 
gebieterisch geforderten Uebergang zur Goldwährung auch 
wirklich durchzuführen, oder ob nicht Himbynisse unterschied 
licher Art es zwingen, trotz aller Verluste, die damit ver 
bunden sind, die Silberwährung zu behalten.
        <pb n="328" />
        V. Capite]. 
Schwierigkeiten des Wäliningsweclisels. 
Jedem WähningsWechsel stehen Schwierigkeiten zwei 
facher Art entgegen: erstens die Kosten der Bescliatfiing des 
nenen und der Veränsserimg des alten Münzmetalls ; zweitens 
die Noth Wendigkeit, alle Contracte auf neue Basis zu stellen, 
d. h. allen Schuldnern wie Gläuhigern die Verpflichtung auf 
zuerlegen, Zahlungen statt in dem Metalle, auf welches con- 
trahirt wurde, iu einem anderen, welches nicht ausbedungen 
worden ist, zu leisten und zu ein})fangen. 
In Betreff des ersten Punktes besteht ein sehr tiefgrei 
fender Unterschied zwischen den Ihindern der einheitlichen 
Währung, der Doppelwährung und der Papierwährung. Die 
ersteren,«-im vorliegenden Falle also, wo es sich praktisch nur 
um den Uebergang zur (Goldwährung handelt, die Länder der 
Silberwährnng, haben allen anderen gegenüber den grossen 
Nachtheil, dass sie für das gesammte Circulatioiisbedürfniss 
als Käufer auf dem (xoldmarkte und mit ihrem gesainmten 
Circulationsvorrathe als Verkäufer auf dem Silbermarkte er 
scheinen müssen. Dies ist insbesondere bei grossen Verkehrs 
gebieten, wo es sich um die Anschaffung und Abstossung von 
illiarden handelt, eine sehr kostspielige Operation; denn da 
es nicht angeht, die Durchführung des Währungswechsels auf 
einen allzu langen Zeitraum zu vertheilen, so muss noth- 
wendigerweise die concentrirte plötzliche Nachfrage die Gold 
preise bedeutend in die Höhe treiben, umgekehrt das neu hin-
        <pb n="329" />
        zutretende stärkere Angebot auf dem Silbermarkte die Preise 
drücken. Dadurch wird der Abstand der Werthrelation beider 
Edelmetalle nothwendigerweise vergrössert, um dann nachträg 
lich, wenn die Operation vollzogen ist, bei sonst gleichbleibenden 
Verhältnissen wieder auf sein früheres mittleres Niveau zurück 
zugehen. Deutschland hat bei seinem Währungswechsel auf diese 
Weise ungefähr DU Millionen Gulden verloren. Dass übrigens 
dieser Verlust so gross wurde, hat neben den in Deutsch 
land begangenen Fehlern, auf die noch zurückgekommen 
werden soll, vornehmlich darin seinen Grund, dass mit 
den Wirkungen der deutschen Münzmassregeln mannigfache 
andere Ursachen zusammentrafen, die alle auf die Silberpreise 
drückten, die Goldpreise in die Höhe trieben. Dahin 
gehört vor Allem der gleichzeitige Uebergang zahlreicher 
anderer Staaten zur Goldwährung, die im Wesen auf dasselbe 
hinauslaufende ausserordei^tliche Einschränkung der Silberaus 
prägung durch die Staaten des lateinischen Münzbundes, die 
Steigerungen der Silberproduction und die Abnahme der Silber.- 
verschifFungen nach Ostasien. Die deutsche Münzmassregel hätte 
niemals allein jene ausserordentliche Verschiebung der Werth 
relation hervorgerufen, die von 1871 bis zur Gegenwart un 
gefähr 20 Percent beträgt und möglicherweise noch weiter 
fortschreiten wird. 
Die Staaten der Doppelwährung haben vor denen der 
Silberwährung bei einer Münz Veränderung den einen Vortheil, 
dass ihr Münzbestand schon a priori zum Theil aus Gold be 
steht, daher ihre neuen Goldanschaffungen sowohl als die Ver 
käufe an Silbergeld verhältnissmässig nicht so bedeutend sind 
wie bei den Silberstaaten. Aber dem steht unter Umständen 
das ausschlaggebende Moment gegenüber, dass die Dop])el- 
währungstaaten beim Uebergange zur Goldwährung verpflichtet 
sind, die Umwechslung der in ihrem Verkehrsgebiete vor 
handenen Silbermünzen gegen neue Giddmünzen nach der von 
ihnen gesetzlich festgehaltenen Werthrelation vorzunehmen. Es 
hängt lediglich von den Verhältnissen des Edelmetallmarktes 
ab, ob der hieraus entstehende Nachtheil mehr oder minder 
schwer in’s Gewicht fällt. Vor 5 .fahren wäre es den 
Staaten der lateinischen lMünz(;onvention weitaus leichter 
und minder kostspielig gewesen, zur Goldwährung zu
        <pb n="330" />
        318 - 
sclireiten als ^ Deutschland ; denn damals war die tliatsiicli- 
liche IVrarktrelation der in den lateinischen Staaten gesetz 
lich geltenden his auf einen geringen Brnchtheil gleich. 
Die Letzteren hätten also für ihren Silhermnnzvorrath keinen 
höheren Preis in (lold zn hieteii gehabt, als ihn auch die 
Silberländer bieten mussten. A\'äre dann Silber wohlfeiler 
und Gold thenrer geworden, so hätten doch die lateinischen 
Staaten weniger vom thenren Material zn kaufen, weniger vom 
billigeren zn verkaufen gehabt. Anders aber steht die Sache 
heute. Ein Land mit Silberwährnng, welches gegenwärtig zum 
Goldgelde greifen will, braucht den Besitzern seiner Silber; 
bestände wieder nur den gegenwärtig geltenden ^larktwerth 
zn bieten, also beisj)ielsweise ein Plniid Gold für je 10 Pt. Silber. 
Die Doppelwährungsländer aber müssten auch heute, und selbst 
wenn die Werthrelation auf 1 zu Ikö oder auf 1 zu steigt, 
immer noch 1 Pf. Gold für je 1 TP/, Pf. Silber geben. Sie sind 
also schon a priori mit mehreren Pfund Silber im Nachtheile bei 
jedem Pfund Gold, das sie einzuhandeln und gegen Silber nmzu- 
wecbseln haben. Und wenn es dann auch weniger Pfunde sind, 
an denen derart verloren wird, so dürfte schliesslich doch die 
Summe des Verlustes in den Doppelwährungsländern weitaus 
grösser sein, als in den Ländern der Silberwährung. Dies 
.Moment von sehr schwerwiegender Bedeutung muss tbat- 
sächlich von den französischen Staatsmännern beachtet 
werden und ist wohl auch der hauptsächliche Grund, weshalb 
sie den Uebergang zur Goldwährung nicht wagen. Ls handelt 
sich für . Frankreich um enorme V erluste, denn Niemand kann 
vorher bestimmen, wie tief der Silberpreis tallen wird, wenn 
dieses Land mit seinen Milliarden an Silber als \ erkäuter und 
mit seinem ebenso nach Milliarden bezitferten Goldbedarfe als 
Käufer auf dem Edelmetallmarkte erscheint. Nur so viel ist 
gewiss, dass jedes fernere Sinken des Silberpreises zu den 
15_20 Percenten, die Frankreich heute schon an seinem ge- 
sammten Silbervorratbe verlieren muss, hinzuzuschlagen ist und 
dass es sich daher bei einer derartigen Münzmassregel um das 
Vielfache der von Deutschland erlittenen Verluste handelt. 
Mieder ganz anders gestaltet sich bei einem Währungs 
wechsel die Lage jener Länder, die gesetzliche Metallwährung, 
factisch aber Papierwährung besitzen. Ihre (iuldkäufe
        <pb n="331" />
        werden zwar die Goldpreise steigern, aber ebenso müssten andern 
falls ihre Silberkänfe die Silberpreise steigern. Dagegen besteht 
allerdings liier wieder ein sehr bedeutender Unterschied zwischen 
den Doppel- nnd den Silberwährungsländern mit factischer 
Papiervaluta. Die ersteren müssen, wenn sie ‘ anders ihrer 
Valutamassregel keinen partiellen Staatsbankerott vorhergehen 
lassen, ihr Papiergeld gegen Gold nach der Werthrelation Ifrö 
zu 1 einlüsen, kämen also jedenfalls finanziell besser heraus, 
wenn siß dasselbe mit Silber zur nämlichen Werthrelation 
thiiten. Die Silberwährungsländer aber, durch nichts an 
eine bestimmte Werthrelation gebunden, haben blos die 
Marktrelation vor Augen zu halten, also wenn diese auf 1 zu 
19 steht, je 1 Pfund Gold für Noten zu geben, die 19 Pf. Silber 
repräsentiren, das wäre also beispielsweise in Oesterreich ein 
Pfund Gold für je Sböfl. ö. W. Es mag dann immerhin geschehen, 
dass die Goldkäufe der osterr. Regierung den Goldpreis noch 
etwas über diese Relation hinaustreiben, ebenso aber müssten ' 
auch ihre Silberkäufe, wenn sie sich zu diesen entschlossen 
hätte, die Silberpreise zum Steigen bringen, nnd es wird sich 
schwerlich im Vorhinein entscheiden lassen, ob das Eine oder 
das Andere im stärkeren Grade stattgefünden hätte. 
Während es sich daher sowohl bei den Ländern mit 
factischer Silberwährung, als auch bei denen mit fact i sc her 
Doppelwährung, als auch schliesslich bei denen mit ])rinci])ieller 
Do])pelwährung und factischer Papierwähi’ung beim üeber- 
gange zum Golde um mehr oder minder sichere Verluste handelt, 
ist der Wäh rungs Wechsel für das Silberland mit factischer 
Papierwährung ans dem Titel der Münzanschaffung mit wesent 
lichen Kosten nicht verbunden, wohlverstanden mit keinen 
grösseren Kosten, als der Uebergang zur factischen Silber 
währung. Dabei ist selbstverständlich wieder nur die Wirkung 
der eigenen IMünzmassregeln des betreffenden liundes auf die 
Edelmetall preise und auf die uns aus diesen resultirenden 
Verluste berücksi(;htigt. Wenn aus anderweitigen Ursachen 
die Preise des einen oder anderen Edelmetalls vorübergehend 
verändert werden, so muss dies noth wendiger weise auch auf 
die Verluste des betreffenden Landes seine Wirkung äussern; 
aber derlei anderweitige Einflüsse lassen sich ebensowenig 
berechnen, als ihnen bei der Münz])olitik ein bestimmender
        <pb n="332" />
        — 320 
Einfluss pingeräumt werde-u darf. Der Staat liât die gegebenen 
Verhältnisse und die Conse&lt;^uen%eu seiner eigenen Münzmass- 
regeln in seinen Calcul zu ziehen und muss es im Uehrigen dem 
Zuialle überlassen, ob die Concurrenz anderer Ursachen, wie 
etwa eine Veränderung der Productionsbedingungen oder der 
Kachfrageverhältnisse, seine Verluste steigern oder auch umge 
kehrt unter Umständen wohl gar in Gewinnste verwandeln wird. 
Es ist sehr wohl möglich , dass auch andere Staaten ebenso 
wie Deutschland, während sie in der Durchführung ihrer Münz 
reform begriifen sind, durch ein neuerliches Steigen der Silber- 
production oder Sinken der Silbernachfrage nach Ostasien, viel 
leicht auch wohl durch ähnliche Münzm assrege In anderer 
Staaten überrascht und dadurch grösseren Verlusten ausgesetzt 
werden, als ursprünglich vorhergesehen werden konnte; umge 
kehrt ist es aber ebenso möglich, dass ein Sinken der Silber- 
production und eine Steigerung der Verschilf ungen nach Ost 
asien die Silberpreise relativ in die Höhe treiben trotz der 
Goldkäufe, die etwa Oesterreich iu Loudon vornehmen müsste. 
Und dann hätte dieses die übrigens nicht nach jeder Richtung 
angenehme Ueberraschung, statt der erwarteten Verluste 
Gewinne zu erzielen. 
Ein sehr bedeutender Vortheil der Rapierländer im Falle 
eines Wechsels des Münzmetalls liegt auch darin, dass diese 
ihre Dispositionen bei Durchführung der Reform mit weit 
grösserer Ruhe und Sicherheit anzuordnen in der Lage sind. 
Sie kennen genau den Umfang des Circulationsmittels, welches 
sie aus. dem Verkehre zu ziehen haben und folglich ebenso 
genau die Menge des neuen Circulationsmittels, welches an 
dessen Stelle zu setzen ist. Ihr Vorrath an Silbermünze ist 
gering, dient überdies nicht den Zwecken des internen Verkehrs 
und kann daher, ganz unabhängig von den eigentlichen zur 
factischen Umwandlung der Landeswährung bestimmten Mass- 
regeln, vorher schon demonetisirt, eingeschmolzen und beliebig 
verwendet werden. Anders iu den Staaten mit factischer Me 
tallwährung. Diese lernen den Umfang ihres Circulations- 
mittel-Vorrathes erst durch die Reform selbst und auch durch 
diese nur annähernd und schätzungsweise kennen. Sie wissen 
im Vorhinein durchaus nicht, wie viel sie an Silbtrgeld ein 
zuziehen, an Goldgeld zu schlagen haben. Sie sind dabei den
        <pb n="333" />
        H21 
folgenschwersten Irrthüinern ansgesetzt, wie denn tliatsächlicli 
die deutsche l\rünzreibrm durch die auf diesem Gebiete be 
gangenen Fehler beinahe zu einer verhängnissvollen Krisis 
geführt hätte. *) Die Münzaiisprägung eines Landes ist lange 
nicht gleichbedeutend mit dem noch vorhandenen Vorrathe der 
von ihm geprägten ALinzen, denn ein grosser Theil dieser 
letzteren ist jedenfalls eingeschmolzen worden. Niemand aber 
kann wissen, in welchem Betrage dies geschah und welcher 
lîetrag noch in Münzform vorhanden ist. Aber auch dieser 
noch vorhandene Münzbetrag ist wieder nicht identisch mit 
dem Vorrathe an Circuíationsmitteln im betreffenden Jjande 
selbst, denn Idetallmünzen besitzen eine je nach ihrer kosmo 
politischen J^eliebtheit mehr oder minder grosse Freizügigkeit. 
Die (Gesetzgebung eines Landes, welches vom Silber zur (Gold 
währung übergehen will, weiss daher weder, wie viel sie an 
Silbermünzen einzulösen und folglich an (Goldmünzen zu prägen 
haben wird, noch weiss sie, wie viel von diesen einzulösenden 
Silbermünzen der (ürculation des eigenen Ijandes entnommen 
sind, und wie viel etwa aus fremden Verkehrsgebieten herbei 
strömen können, und sie weiss daher auch umgekehrt nicht, 
wie viel von den neu geprägten (Goldstücken wieder im Aus 
tausche gegen diese aus der Fremde einberufenen Silberstücke 
ins Ausland strömen können. 
Nun haben allerdings aucli die vom Bapiergeldlande 
ge])riigten Silberstücke dieselbe Freizügigkeit; aber ihre Zahl 
ist gering und worauf es vornehmlich ankommt, man kann sie 
genau sondern vom innern AVährungsgelde; man kann sich 
ihrer vollständig bemächtigen, ohne die innere Circulation im 
geringsten zu beengen, und das ist von unschätzbarem volks- 
wirthschaftlichem Voiiheile. 
Wasspeciell das österr. Silbergeld anbelangt, so schwimmt 
dieses in Folge seiner Verdrängung aus Deutschland so sehr 
au der Oberfläche und ist so sehr im Umfange reducirt, dass 
seine vollständige Einberufung, sei es zum Zwecke des Ver 
kaufes auf dem Silbermarkte, sei es zum Zwecke der Aus- 
])rägung vou neuer Scheidemünze, in jedem beliebigen Augen- 
*) Siehe: „Die Fehler der deutschen Miinzreform von Max Wirth.“ 
Ur. Th. llertzka, Währung und Handel. 21
        <pb n="334" />
        322 
blicke durcligeführt sein kann. Eine Ansnabme macken blos 
die österr. Mariatlieresientlialer, von denen allerdings bedeutende 
Quantitäten im fernen Afrika die Wälirungsmünze weitver 
breiteter Volksstämme bilden. Von diesem Gelde wurden ins 
besondere von 1858 bis 1858 bedeutende Mengen, namlicli 
für melir als 39 Millionen Gulden geprägt; aber es ist gerade 
bei dieser Münze nickt zu besorgen, dass sie jemals wieder in 
irgendwie bedeutender Masse nach Oesterreich zurückkehren 
könnte. 
Was aber die in Folge eines Währungswechsels noth- 
wendigen Aenderungen der Contracte anlangt, so ist dies aller 
dings eine Schwierigkeit, deren Bedeutung in den Papiergeld- 
ländern ebenso gross ist als in den Silbergeldländern und bezug- 
lieh deren nur die Länder mit Doppelwährung einen prmcipiell 
verschiedenen Standpunkt einnehmen. Aber es ist dies e leii 
eine Schwierigkeit, die nicht umgangen werden kann, und die im 
gr^^m Garnen nur di^^iLmSBirm^renimmmnWn km - 
vorruft, die ohne den Währungswechsel continiiirlich vor 
handen wären. 
In den Doppelwährungsländern erfahren die Contracte 
durch den Uehevgang zur Goldwährung keine formelle Verän- 
dernng. Es war früher möglich, nach Wahl i"/, 
anderen Jletalle zu zahlen ; es wird nun die W ahl heschfdii , 
es hleiht nur das eine Metall; der Schuldner muss zu dem- 
seihen greifen. Wie viel er von demselben zu zahlen verpflichtet 
ist das hat ihm sein Gesetz schon zur Zeit gesagt, wo er den 
Contract schloss. Der Unterschied besteht nur darin, dass das 
eine der Metalle, welches er auch wählen könnte, .fetzt 
nicht mehr ausgeprägt wird. Die Erage nach der W erth- 
relation nach welcher im neuen Miinzmetulle die Verhind- 
lichkeiteii ahzutrageii sind, ist iin Doppelwährungslande 
ganz gegenstandlos, und wenn auch iin Wesen die Aende- 
rung noch tiefer eingreift, als in den Ländern mit einheitlicher 
Währung, so entzieht sich dieselbe doch dem öffentlichen Be- 
wusstseiii. 
In den I/äudern der Silberwährung aber lauten die Con 
tracte auf Silber, und wenn nunmehr das Gold die Basis des 
•ilidivliii- nmniio'lieh. die alten t/t'" 
i-ipl (1 wDi*fbp.&lt;4 
sei-
        <pb n="335" />
        — 323 — 
21* 
tracte vollständig und ihren Buchstaben nach zu erfüllen. 
JJenii es wurde nicht blos auf Silber, sondern auf Silber, wel 
ches zu Münzen des betreffenden Landes geprägt ist, welche 
Münzen überdies noch das Währungsgeld des betreffenden 
Landes sein müssen, contrahirt. Nun soll es aber hinkünftig 
solche Münzen nicht mehr geben, in ihnen kann also unmöglich 
gezahlt werden und die Staatsgewalt steht daher vor dei* 
Alternative, entweder den Stoff, auf welchem contrahirt wurde, 
durch einen andern vertreten zu lassen, oder aber die Bedin 
gung preiszugeben, dass in Landesgeld gezahlt werde, und 
sich blos daran zu halten, dass der Stoff, aus welchem nach 
dem Contracte das Währungsgeld hätte geprägt sein sollen, 
geliefert werde. Die österreichische Gresetzgebung könnte also 
die Schuldner und (xliinbiger verpflichten, statt des bedunge 
nen Silberijuantums das Werth ä&lt; pii val ent in Gold zu nehmen, 
welches nunmehr das ^letall sein wird, aus welchem öster- 
reichis(dies ährungsgeld geprägt wird, oder aber sie müsste 
darauf beharren, dass für je 45 bedungene Gulden 1 Pf. Fein 
silber geliefert werde. Ob dieses Feinsilber dann überhaujd 
nur in Barrenform geliefert zu werden brauchte , oder ob die 
Staatsgewalt fernerhin Stücke, die den 45. Theil eines Münz 
pfundes haben, mit ihrem Stempel versehen wollte, bliebe im 
Wesen ganz gleichgiltig, wenn diese gestempelten Stücke nicht 
mehr das allgemeine Zahlmittel sind, und um verwerthet zu 
werden, doch nachträglich wieder in den Schmelzofen wandern 
müssten. 
Vor diese Alternative gestellt, haben sich in ähnlichen 
Fällen bisher noch die Gesetzgebungen aller Staaten dafür 
entschieden, die Leistung im Währungsgelde ihres l^andes als 
das Entscheidende, das Münzmetall dagegen als das- Unter 
geordnete , Zufällige und daher bei einem Währungswechsel 
durch ein anderes Metall Vertretbare zu betrachten, u. z. mit 
gutem runde. Denn in der That ist die Bedingung, dass 
in (xeld gezahlt wird, der Grundgedanke jedes Geldvei*trages. 
Es wurde zwar die Leistung in der Materie stipulirt, die den 
Werthmesser bildet, aber lediglich aus dem Grunde, weil sie 
ihn eben bildet. Niemand wird bezweifeln, dass bei allen Geld- 
contracten — es sei denn, dass es sich aus ganz speciellen 
Gründen um eine genau bestimmte, dann aber auch ganz
        <pb n="336" />
        324 — 
speciell stipnlirte Münze handelt — der Contract immer nur 
auf AVährnngsgeld geschlossen worden war, gleichviel ans 
welchem Metalle dieses geprägt war. Das Gesetz erfüllt also 
nur die von beiden Paciscenten ganz unzweifelhaft gehegte 
Absicht, wenn es ihnen nicht das bestimmte (Quantum 
des aushediingenen Münzmetalls, sondern das Werth ■uj ui- 
valent an neuem Währiiugsgelde ziisjiricht. Denn hätten 
die Paciscenten zur Zeit des ( :ontractsahschl usses gewusst, 
dass zur Zeit der Erfüllung das Münzmetall gewechselt 
sein würde, so hätten sie ohne Frage auf die neue Münze 
contrahirt. 
Die Gesetzgebung liât also heim AVähriingswechsel Schuld 
ner und Gläubiger zu verpflichten, nach einer genau und sorg 
fältig zu ermittelnden Werthrelation im neuen ]\Iünznietall 
Zahlung zu leisten und zu empfangen, und diese Verpflichtung 
gilt dann auch selhstverstäudlich für alle Contractsverhältnisse 
des Staates. Auch besteht über dieses Recht und diese Pfliclit 
der Staatsgewalt kaum ein Zweifel; bestritten wird aber merk 
würdigerweise gerade dasjenige, was als das am wenigsten 
Zweifelhafte gelten sollte, nämlieh dass die Werth relation 
nach den zur Zeit des Währungswechsels herr.schmiden 
Marktverhältnissen festgestellt werden müsse. Wenn blos 
darüber eine Controverse bestände, in welcher Weise diese zur 
Zeit geltende Marktrelation festzustellen sei, so wäre dies er 
klärlich, denn in der That steht man hier vor einer Frage so 
schwieriger Natur, dass dieselbe vollkommen befriedig&lt;md gar 
nicht gelöst werden kann. Offenbar kann als Werthrelation 
zur Zeit des Währungswechsels nicht der (amrs am läge dei 
Publication des betreffenden (Gesetzes betrachtet werden, es 
wird vielmehr der Durehsebnitt aus einem längeren Zeiträume 
gezogen werden müssen. Aber was für ein Zeitraum soll das 
sein? Genügt dazu ein Jahr, oder müssen mehrere .labre in 
Betracht gezogen werden, und wenn das Letztere der Fall ist, 
blos die .Jahre vor Jhibliciriing des Gesetzes oder, vielhuebt 
auch ein gewisser Zeitraum nachher ? Die Bedeutung all’dieser 
Rragen soll später untersucht werden. Die Controverse beziebf 
sieb aber gar nicht auf diese. Es wird vielmehr bestritten, 
dass man überhaupt derart vorgeheu darf, und die Werth- 
relation, nach welcher die Umreebnung aller Zahlungi n eifol
        <pb n="337" />
        325 
gen müsste, als etwas a priori Gegebenes, gar nicht erst zu 
Suchendes hingestellt. Und als dieses a priori Gegebene wird 
insbesojidere in Oesterreich vielseitig gerade die Werthrelation 
des lateinischen ]\[ünzbundes angesehen. Gründe dafür sind 
bisher allerdings nicht angegeben worden, und sofern dies ver 
sucht wurde, beruhten die Gründe auf so falschen Voraus 
setzungen, die Prämissen, auf denen weitergebaut wurde, waren 
in Wahrheit so gegenstandslos, dass man glauben sollte, es 
bedürfe nur der einfachen Constatirung der thatsächlichen 
Verhältnisse, nm diese Ansicht zu widerlegen. Trotzdem hält 
^ sich dieselbe mit merkwürdiger Zähigkeit fest, und es ist 
daher noth wendig, sie eingehend zu widerlegen. 
]\lit Jenen zu rechten, welche die Werthrelation von • 
lõVí %u 1 gleichsam als etwas von der Natur Gegebenes, 
ewig 1 Ja gewesenes ansehen, das anders gar nicht sein könne 
— wird wohl nicht nöthig sein. Um dies zu widerlegen, wird 
es genügen, auf das erste Capitel hinzuweisen, wo nachge 
wiesen wurde, welch’ colossalen Schwankungen die Werthrela 
tion zwischen Gold und Silber im historischen Verlaufe aus- 
gesetzt war, wie nicht nur der Geldmarkt, sondern auch die 
Gesetzgebungen verschiedener Staaten alter und neuerer Zeit 
wiederholt alle erdenklichen Werthrelationen acceptirten und 
wie überhaupt die sogenannte lateinische Werth relation durch 
aus keinen Vorzug vor jeder beliebigen anderen besitzt, es sei 
denn den, dass sie von einem sehr grossen Verkehrsgebiete durch 
verhiiltnissmässig lange Zeit festgehalten wurde. Aber diese 
lateinische Werthrelation ist dadurch selbstverständlich für 
jene Staaten, die dem lateinischen Münzbunde nicht aus 
drücklich beigetreten sind, ebensoVvenig rechtsverbindlich, 
als es irgend eine andere von einem anderen Staate 
anfgestellte Werthrelation für den lateinischen Münzbund 
sein kann. 
Wichtiger erscheint schon das Argument, dass Deutsch 
land, als es zur Goldwährung überging, diese lateinische Werth- j 
relation factisch acceptirte und dass darin gleichsam ein Prä 
judiz für alle anderen Staaten geschaffen sei, die Deutschlands 
Beispiele im Währungswechsel folgen. Doch ganz abgesehen 
davon, dass ein solches Präjudiz für die anderen Staaten im
        <pb n="338" />
        326 
Vorgehen T'íeutschlands selbst dann nicht läge, wenn dieses 
thatsächlich die Werthrelation von 15Va zu 1 aus dem Grunde 
acceptirt hatte, weil dieselbe im lateinischen jMiinzbundc ge 
setzlich angenommen ist, indem die Gründe, die dabei für 
Deutschland massgebend sein konnten, durchaus nicht für jeden 
anderen Staat massgebend zu sein brauchen — ganz abgesehen 
davon, erfolgte die Annahme dieser Werth relation in Deutsch 
land gar nicht aus dem angegebenen Grunde, sondern lediglich 
deshalb, weil dieselbe zur Zeit als Deutschland zum Goldgelde 
überging, den wirklichen Marktverhältnissen entsprach. Als 
die deutsche Gesetzgebung daran ging, diese Werthrelation zu 
tixiren, ignorirte sie nicht blos die lateinische ]\[ünzrelation 
vollständig, sondern sogar jene Werthrelation von 15 67 zu 1, 
nach welcher die alten preussischen Friedrichsd’or ausgeprägt 
waren, und suchte lediglich nach dem wirklichen Marktver- 
hältnisse ; sie konnte und musste dies thun, weil in Deutsch 
land die Doppelwährung nicht existirt hat, eine AVerthrelation 
daher a priori nicht gegeben war, sondern nur auf dem Alarkte 
gesucht werden konnte. Wäre die AVerthrelation im Jahre 
1871 1 zu 14 gewesen, so hätte Deutschland diese für seine 
Gontracte acceptirt, wäre sie auf 1 zu 20 gestanden, so hätte 
man ein Pf. Gold für je 20 Pf. Silber gegeben. Es ergab sich 
aber nach den von der deutschen Gesetzgebung veranstalteten 
Erhebungen, dass die damalige Marktrelation bis auf einen 
verschwindend kleinen Bruchtheil auf 1 zu 15Va stände, und 
blos deshalb wurde sie als Grundlage der Contractsumrech- 
nungen ^angenommen. Das Beispiel Deutschlands ist also, weit 
entfernt ein Präjudiz für eine a priori feststehende AVerthrela 
tion zu sein, wenn es überhaupt in dieser Frage dessen be 
dürfte, ein Präjudiz für die Berechnung der Relation nach den 
Alarktyerhältnissen. Wer anders urtheilt, der hält nicht das 
Wesen dessen, was gesucht wurde, sondern das zufällig ge 
fundene Resultat für massgebend. 
AVieder ein anderes Argument wird darin gesucht, dass 
in Oesterreich seit dem Jahre 1870 Goldstücke geprägt werden, 
die den Namen von Achtguldenstücken führen und von denen 
daher behauptet wird, dass sie beim Uebergange zur Gold 
währung für 8 Silbergulden Oe. AV. gegeben und genommen
        <pb n="339" />
        327 
werden müssen. Dieses Argument beruht aber auch auf zwei 
ganz falschen Voraussetzungen. Diese Achtguldenstücke sind 
eine Handelsmünze und das betreffende Gesetz verwahrt sich 
ausdrücklich dagegen, dass dieselben irgendwie als Währungs 
münze angesehen werden dürften, bestimmt vielmehr, dass der 
Werth dieses Goldstückes lediglich von den l^farktverhältnissen 
abhängig bleiben solle. Die betreffende Gesetzesstelle lautet : 
„Bis zu Einführung der im Artikel XII des Gesetzes vom 
24. December 1867 in Aussicht genommenen Goldwährung bleibt 
der Annahmewerth dieser Goldmünzen dem freien Uebereinkommen 
überlassen.“ Man braucht also die Achtguldenstücke im Verkehr 
überhaupt nicht zu nehmen und zu geben, wenn österreichisches 
Geld stipulirt wurde. Sollten sie aber angenommen werden, 
so setzt das Gesetz voraus, dass dies nach der im Augenblicke 
der Zahlung auf dem Geldmärkte vorhandenen Werthrela 
tion geschehen wird. Und wenn daher dieses Gesetz vom 
0. März 1870 überhaupt als Präjudiz in der Währungsfrage 
angesehen werden soll, so kann dies doch offenbar wieder nur 
in dem Sinne geschehen, dass die Achtguldenstücke bei 
einem Währungswechsel nicht 8 österreichische Silbergulden, 
sondern so viel gelten sollen, als auf dem Edelmetalhnarkte 
in Silber für sie zu erhalten wäre. Ueberdies aber sind diese 
sogenannten Achtguldenstücke gar nicht nach der lateinischen 
Werth relation, sondern nach der von 1 zu 153086 zum Silber 
ausgeprägt ; nach dem Gesetze vom 7. Germinal wären sie 
nicht 8 silbernen Gulden, sondern 20 silbernen Francs, d. i. 
8 fl. 10 kr. ö. W. Silber gleich. Wenn also überhaupt die 
Prägung goldener Handelsmünzen für irgend eine Werth 
relation präjudicirlich sein könnte, so wäre diese sicherlich 
nicht die des lateinischen Münzbundes. Die Berufung auf diese 
Handelsmünze klammert sich also lediglich an den zufällig 
gewählten Namen „Achtguldenstück“. Es wäre ebenso gut 
möglich gewesen, dass der Gesetzgeber diese Goldstücke „Gold 
gulden“ genannt hätte, und dann könnte man mit genau dem 
selben Rechte, wie gegenwärtig die Gleichstellung mit 
8 Gulden Oe. W., fordern, dass bei einem Währungswechsel 
je ein solcher „Goldgulden“ für den Gulden ö. W. gegeben 
werden müsse. 
Schliesslich aber wird noch zur Unterstützung der An-
        <pb n="340" />
        328 
sicht, dass die lateinische Werthrelation für Oesterreich a priori 
verbindlich sei, auf das österr. bgl. Oesetzbuch hingewiesen, 
dessen §. 988 lautet : „Gesetzliche Münzveränderungen ohne 
Veränderung des inneren (iehalts gehen auf Rechnung des 
Darleihers. Er empfängt die Zahlung in der bestimmten gege 
benen Münzsorte z, B. von l(X)0 Stück kais. Ducaten, oder 
3000 Zwanzigkreuzerstücken ohne Rücksicht, ob deren äusserer 
Werth in der Zwischenzeit erhöht oder vermindert worden ist. 
Wird aber der innere Werth geändert, so ist die Zahlung im 
Verhältnisse zu dem inneren Werthe, den die gegebene Münz 
sorte zur Zeit des Darleihens hatte, zu leisten.“ Das wird 
nun so verstanden, dass so viel Gold für das stipulirte Silber 
gegeben werden müsse, als zur Zeit des Darleihens dafür zu 
erhalten gewesen wäre — folglich je 1 Pf. für 15 Va sti pul irte 
Pf. Silber. 
Dass letztere Conclusion, auf die es jenen, die dieses 
Argument verbringen, hauptsächlich ankommt, für alle Fälle 
unrichtig ist, leuchtet jedem Unbefangenem ganz von selbst 
ein ; denn eine Gewichtseinheit Gold war eben auch zur Zeit 
des Darleihensabschlusses nicht ohne Ausnahme, ja sogar nur 
höchst selten für 15 Va Gewichtseinheiten Silber zu erhalten, 
sondern je nach Umständen in den letzten Decennien für je 
IÕV4 bis 20 Pf. Silber. Wenn also wirklich das österr. bgl. 
Gesetzbuch vom Schuldner und Gläubiger fordern würde, bei 
einem Währungswechsel so viel neues Metall zu zahlen und zu 
empfangen, als zur Zeit des Geschäftsabschlusses für das 
stipulirte Quantum alten Währungsmetalls zu erhalten war, 
so müsste man mit dem Courszettel in der Hand von Fall zu 
Fall erforschen, wie viel dieses in Wirklichkeit gewesen. Dar 
nach hätten die Schuldner aus dem -Jahre 1859 im Durch 
schnitte für je 15 21 Pf. Silber, die Schuldner aus dem Jahre 
1870 für je 15 0 Pf. Silber, die Schuldner aus dem -Jahre 
1874 für je IO-15 Pf. Silber, die aus dem Jahre 1870 vielleicht 
im Durchschnitte für je 20 Pf. Silber 1 Pf. Gold zu zahlen, 
unbeschadet dessen, wie viel Gold bei Abwicklung des Ge 
schäftes für ein Gewichts([uantum Silbers zu erhalten wäre. 
Dass auch dies nicht die ^Meinung des österreichischen Gesetz 
gebers war, ist nicht schwer zu erweisen ; wie man aber aus
        <pb n="341" />
        329 
seinen Worten wieder auf die leidige lateinische Werthrelation 
kommen konnte, erscheint ganz und gar unbegreidich. Offenbar 
hat der unrichtige Sprachgebrauch, von einem Paristande zwi 
schen (Told und Silber und von einem Silberagio zu sprechen. 
Vielen vollständig die richtige Auffassung getrübt ; einen 
Paristand und ein Agio können (íold und Silber nur in den 
Doppelwährungsländerii haben; überall sonst haben sie nur 
einen Preis, u. z. hat diesen immer nur jenes Münzinetall. 
welches nicht die Währung des Landes bildet. Den Silber 
preis von rund (JOVs Pences per Unce als Pari zu bezeichnen, 
ist in den Ländern mit einheitlichem Münzmetall gerade so 
richtig, als wenn man beispielsweise den Weizenpreis von 5 11. 
per Metzen für Pari ansehen und bei einem Preise von 0 11. 
von einem zwanzigpercentigen Weizenagio sprechen wollte, 
ln der That ist auch die Absicht des österreichischen Gesetzgebers 
im 988 genau die nämliche, wie bei allen anderen vertretbaren 
Leistungen. Den Fall einer Aenderung des IMünzmetalls hat 
der Paragraph direct nicht im Auge; er bezieht sich zunächst 
auf eine Aenderung des Miinzfusses für dasselbe ^lünzmetall 
ln diesem Falle, so verlangt der Gesetzgeber, soll untersucht 
werden, wie viel die gegebene, d. h. die vom Gläubiger dem 
Schuldner gegebene ]\iünzsorte zur Zeit, als sie gegeben wurde, 
werth war, d. h. also v^e viel sie Feinsilber enthielt, und im 
Verhältnisse zu diesem inneren Werthe sollen neue Münzen 
gezahlt und empfangen werden. Dem Sinne dieser Bestimmung 
entsprechend, mussten, als Oesterreich vom Conventionsmünz- 
fusse zum 4Õ-G uldenfiisse überging, d. h. als der Gulden um 
Õ Percent leichter ausgeprägt wurde, bei Erfüllung jedes Con 
tractes um f) Percent mehr Guldenstücke gegeben werden, als 
stipulirt worden waren. Wendet man aber diese Bestimmung 
auf den Fall einer Veränderung des Münzmetalls an, 
so heisst dieselbe abermals : im Verhältnisse zu dem inneren 
Werthe, d. h. zum Silbercpiantum, welches die seinerzeit 
vom Gläubiger dem Schuldner zugezählte Münzsorte werth 
war, also im vorliegenden Falle im Verhältnisse von 
1 Pf. Silber für je 45 bedungene (julden, ist die Zahlung 
in der neuen Glänze zu leisten. Dies Verhältniss der neuen 
^lünze zur stipulirten bezeichnet aber der Gesetzgeber hier 
überhaupt nicht.
        <pb n="342" />
        830 
Wollte man nun auf diese (-tesetzesstelle einfach die 
üblichen Bestimmungen über vertretbare Leistungen anwenden, 
so müsste die Werthrelation von Fall zu Fall nach den Edel- 
inetallcoursen des Zahltages berechnet werden. Aber dieses schein 
bar höchste Recht wäre unter Einem auch das höchste Unrecht, 
cs würde dem Gläubiger wie dem Schuldner einen schlechten 
Dienst erweisen. .Der Währungswechsel wäre für sie gleich 
bedeutend mit einer zeitweiligen Vernichtung des Geldwesens; 
das ]\Iass ihrer Leistungen und ihr Recht würde dadurch ab- 
häugen von den Preisschwankungen einer Waare, auf die sie 
sich allerdings verpflichteten, deren Preis ihnen jedoch von 
dem Momente, wo sie nicht mehr das Währungsmetall des 
]valides ist, ganz gleichgiltig geworden ist. Sie Beide können 
mit Recht fordern, dass der Staat dafür Sorge trage, dass 
ihr Contract niemals aufhöre ein Geldcontract zu sein, und 
gerade die Rücksicht darauf ist es, die den Staat veranlasst, 
von der stipulirten GewichtsiQuantität Silber abzusehen und 
an ihre Stelle ein gewisses Gewichts([uantum Gold zu setzen. 
Sagt er aber nicht sofort, wie gross dieses Goldquantum 
im Momente der Zahlung sein müsse, überlässt er es dem 
Zufalle, darüber zu entscheiden, so wäre es dem Wesen 
nach gleichgiltig, wenn er überhaupt von der Leistung 
in seinem eigenen Währungsgelde absehen und die Iveistung 
in dem stipulirten Gewichtsquantum des anderen Metalls 
zur Pflicht machen würde. Schuldner wie Gläubiger haben 
ein Interesse zu fordern, dass ihnen der Staat nicht blos 
das Werthäquivalent der contrahirten Summe im neuen 
Währungsgelde auferlege, sondern dass er ihnen zugleich 
im Vorhinein sage, wie gross dieses Werthäqnivalent sei. 
Dies ist nun allerdings eine contradict in in adjecto. Der 
Staat kann wissen, wie die Werth relation in dem Momente, 
wo er den Währungswechsel vornimmt, beschaffen ist; er 
kann aber unmöglich vorherbestimmen, wie sich die Verhält 
nisse des Edelmetallmarktes in jedem gegebenen zukünftigen 
Zeitpunkte gestalten werden. Ja noch mehr, er darf bei 
seinem )lachtworte, welches eigentlich im Sinne der zu erfül 
lenden Contracte auf den Versuch hinaus laufen sollte, die 
Werthrelation der Zukunft zu ergründen, dies gar nicht im 
Auge halten, während die möglichst genaue Feststellung der
        <pb n="343" />
        331 
Werthrelation zur Zeit des AVährungswechsels seine 
wirkliche Aufgabe ist. 
Jeder Geldcontraot, er mag auf welches ]\ietall immer 
gegründet sein , ist Schwankungen unterworfen. AVer sich 45 fl. 
ö. AV. Silber bedungen hat, wird zwar alle Zeit, so lange 
Silber das AVährungsmetall ist, 1 Pf. Silber erhalten müssen, 
aber er weiss durchaus nicht, ob dieses Pfund Silber dieselbe 
Kaufkraft behalten wird, die es zur Zeit, als er es darlieh, 
besessen. Er kann also zur Zeit der Contractserfüllung einen 
Gewinn oder Verlust erleiden , der zu vermeiden gewesen wäre, 
wenn er, statt das Pfund Silber darzuleihen, dasselbe ander 
weitig productiv verwendet hätte. Das Nämliche gilt für den 
') Darin, dass in den Ländern mit einheitlicher Währnnp, wenn die 
selben ihr WährnnpsmeWl ändern, bei Feststellung der Werthrelation auf 
das im freien Verkehre geltende Werthverhältniss gegrift'en werden müsse, 
und dass dieses Werthverhältniss erst auf Grund sorgfältiger Erhebungen 
zu suchen sei, sind alle Schriftsteller, die sich mit dieser Frage beschäftigen, 
vollkommen einig. Auch stimmen sie alle darin überein, dass es nicht die 
Marktrdlation zur Zeit des Contractsabschliisses, auch nicht die Marktrelation 
zur Zeit der Zahlung, sondern eine durchschnittliche Marktrelation sei, 
was gesucht werden müsse. In der Begründung aber weichen die ein 
zelnen Autoritäten sehr wesentlich von einander ab. L. Goldschmidt in seinem 
Handlmchc des Handelsrechtes läs.st sich darüber folgendermassen aus; „Hört 
das Silboi-geld auf, gesetzliches Zahlungsmittel zu sein, so müssen alle in 
Silber bedungenen Zahlungen in Gold geschehen, denn der Gläubiger hat ein 
Recht auf Zahlung in der Währung, und der Schuldner ist befugt wie ver- 
ptlichtc.t, in der Währung, also in Gold zu zahlen; die Zahlung in Silhergeld 
oder in Silberbarren wäre nicht mehr Zahlung in Währung. Da nun für Silber 
zu Gold niemals ein Nenn wert h bestand, weder zur Zeit der Schuldbegründung 
noch zur Zeit der Schuldbezahlung, so könnte nur der (Jours von Silber zu 
Gold, und zwar, sofern die Schuld, wie in der Regel, in Währung oder ohne 
alle Angabe der Münzsorte ausgedrückt ist, zur Zeit der Schuldentstehung 
massgebend sein. Da aber dieser Cours ein sehr schwankender ist, so würde 
der häutig zufällige Zeitpunkt der Schuldentstehung über die Grösse der Schuld 
entscheiden und so eine durchaus unerwartete Verschiedenheit des Werth 
betrages völlig gleichgeachtetcr Forderungen, damit aber eine unerträgliche Ver 
wirrung entstehen. Hier müsste nothwendig durchgegriften werden, indem der 
Cours eines bestimmten Zeitpunktes oder etwa der mittlere Cours eines ge 
wissen Zeitraumes für massgebend erklärt würde ; auch würde unter Umständen 
vorzeitige Kündigung langdauern dër Schuld Verhältnisse statthaft sein müssen.“ 
Hartmann dagegen, nachdem er ebenfalls betont, dass beim Uebergange 
von Silber- zur Goldwährung auf das im freien Verkehre bestehende Verhält- 
niss beider Metalle zurückzugreifen sei, erklärt: „Entscheidender Zeitpunkt
        <pb n="344" />
        I 
— 832 — 
Schuldner. Aber Beide unterwerfen sieh freiwillig und ini 
(Trnndc genommen, ohne es seihst zu wissen, dieser (Teiahr, 
weil sie eine ganz eigenartige Assecuranz gegen dieselbe 
besitzen, so lange das Metall, auf das sie contrahirt haben, 
das Münzinetall ihres Landes ist. Liese Assecuranz besteht 
darin, dass vermöge der den Preisen innewohnenden Tendenz, 
auf dem nominellen Satze zu beharren, wie im ersten Buche 
ausführlich nachgewiesen wurde, alle wirthschaftlichen Ver 
hältnisse den Preisschwankungen jenes Edelmetalls, welches 
die Währung des Landes bildet, nur sehr langsam nachfolgen 
und daher der Unterschied zwischen der nunmehrigen und 
früheren Kaufkraft des Geldes erst nach langer Zeit vollständig 
hervortreten kann. Der Geldbesitzer emptindet daher nicht 
sofort im vollen Umfange die Werthveränderung des Wäh 
rungsmetalls. Eine Werthveränderung jenes Metalls dagegen, 
welches die Währung des Landes nicht bildet, muss augen 
blicklich mit ihrem vollen Betrage zum Ausdrucke gelangen. 
Um die Wirkung dieses Unterschiedes auf die Contracts- 
verhältnisse zu veranschaulichen, möge ein concretes Beispiel 
gewählt werden. Ein Hypothekenschuldner habe jährlich fiOO 11. 
an Zinsen und Amortisationen zu zahlen; sein Landgut, auf 
.welchem die Hypothek haftet, trage im Durchschnitte 1000 fl., 
(lafiir kann aber tmmöglich der Moment der späteren Solutio jeder einzelnen 
Sehuld sein. Denn eine auf eine feste Münzsunnne einmal abgestellte Scbuld kann 
nicht rücksicbtlich der Höhe ihres Betrages für einen ganzen Zeitraum auf 
das Ungewisse gesetzt werden. — Auch würde damit gar leicht eine that- 
sächliche Benachtheilignng der Gläubiger gegeben sein. — Umgekehrt fur jede 
einzelne Schuld auf den Cours zur Zeit ihrer Entstehung zurückzugehen, datui 
würde es, abgesehen von dem Verstoss gegen das Uriucip der J’rakticabilitat 
des Hechtes, auch an allem juristischen Grunde fehlen. Hiernach bleibt nichts 
übrig, als auf Grund des durchschnittlichen Courses unmittelbar vor der Zeit 
des Ue'berganges den Werth allgemein zu ñxiren; wobei es Sache der auf 
nationalükoiiomische Untersuchung gestützten legislativen Erwägung im ein 
zelnen Falle sein muss, eine Zeit relativ dauerhaften Courses für den üeber- 
gang auszuwählen und die Grenzen für den Durchschnitt richtig festzustellen.“ 
Carl Knies dagegen begründet in seinem mit so grossem Scharfsinne 
durchgeführten Buche „Das Geld“ die rechtliche und wirtbschaftliehe Noth- 
Wendigkeit, die Relation, wie sie in der Zeit des Ueberganges vorhanden ist, 
als allein inassgebend für die Umrechnung zu betrachten, ganz stricte durch 
den Hinweis auf die rechtliche Function des Währungsgeldes als Träger 
legaler Wertlicoustauz.
        <pb n="345" />
        es blieben ihm also zur Bewirthschaftung des Gutes jährlich 
5()0 fl. ]\ran sollte meinen, dass es für den Schuldner wie für 
den Gläubiger ganz gleichgiltig sei, wenn die Kaufkraft des 
^details, in welchem die Zahlung bedungen ist, steigt oder 
fällt, ob dieses Metall AVährungsmetall ist oder nicht. Und 
ohne den Einfluss der oben erwähnten Beharrungstendenz wäre 
dem in der That so. Wäre z. B. die Zahlung in Silber 
bedungen, und Silber das Währungsmetall, so müssten bei 
einer Preissteigerung des Silbers um 1(H&gt; Percent die nomi 
nellen Einkünfte des Schuldners von KXKjfl. auf öfK) fl. sinken. 
Kr hätte statt des halben den vollen Betrag der Einkünfte an 
den Gläubiger zu entrichten und dieser würde damit genau 
zweimal so viel an Kaufkraft in Händen haben als zuvor. 
Und wäre Silber nicht das Währungsmetall, so blieben die in 
Gold berechneten Einkünfte des Schuldners allerdings unver 
ändert, er müsste aber die vollen UMM) fl. daran wenden, um 
Silber zu kaufen, welches zur Zeit des (ImWractsabschlusses 
fl. in (lold werth war, hätte somit abermals nichts in 
Händen und der Gläubiger hätte ebenso den doppelten IWrag 
empfangen. Aber in AVirklichkeit spielt sich die Sache im 
ersteien Ealle nicht so streng nach mathematischen Gesetzen 
ab. A\ enn auch auf dem AVeltmarkte der Pi eis eines der Kdel- 
metalle um 1(K&gt; Percent gestiegen sein sollte, so wird man 
doch in dem Lande, wo dieses Metall die AVährung bildet, 
nicht sofort für dieselbe Alünzeinheit desselben zweimal soviel 
kaufen als zuvor, sondern anfangs vielleicht um 10 J^ercent 
mein", wieder nach einiger Zeit um 20 Percent, dann um iU) Per 
cent mehr, und erst nach Verlauf eines sehr langen Zeitraums 
genau dop]ielt so viel. Der Hypothekenschuldner wird also 
für den Eitrag seines (Grundstückes im Durchschnitte nicht 
bOO fl., sondern vielleicht (&gt;(M) oder 7(K) fl. erhalten, es wird 
ihm immer noch nach erfolgter Abfuhr der Zinsen etwas in 
Händen bleiben und der (Gläubiger wird in seinen öiH) fl. 
nicht die, verdoppelte, sondern blos eine um einen Bruchtheil 
gesteigerte Kaufkraft erhalten. Und ganz dasselbe gilt selbst 
verständlich umgekehrt für den Fall einer Verminderung der 
Kaufkraft des Edelmetalls, in welchem die Zahlung zu leisten 
ist. Hier wird wieder der Schuldner nicht so viel gewinnen ; 
der Gläubiger nicht so viel verlieren, wenn das im Jb-eise
        <pb n="346" />
        334 
scliwaiikpiiíl gewordene Edelmetall /ngleicli das V illnnings- 
metall dea Landes ist, als im anderen Falle , wo jedes Schwanken 
für beide Theile zum vollen ungeschmälerten Ausdruck gelangen 
muss. ie sehr diese Argumentation aus dem Leben gegritten 
ist, zeigen am deutlichsten die Länder mit Papiervaluta, wo 
bei allen inländischen Contracten beinahe ohne Ausnahme aut 
Papierwährung contrahirt wird, obwohl eigentlich diese die 
schwankende, und das Metallgeld, dessen Repräsentanten die 
Papierzettel sind, das verhältnissmässig stabile ist. Vermöge 
der Beharrungstendenz der Preise erscheint aber den Bewohnern 
des Papiergeldlandes für alle (kmtracte, die nicht auf sehr 
lange Zeit berechnet sind, die Papierwährung trotzdem stabiler 
als die metallische Basis derselben, denn die Ertährung hat 
ihnen die Uebei’zeugung beigebi acht, dass in kurzen Zeiträumen 
für die meisten Artikel des gewöhnlichen Verbrauchs die 
Kaufkraft von 100 schwankenden Papierguldeu noch immer 
stabiler ist als dk^ Kaufkratt von 100 im inneren Werthe noch so 
stabilen Silbergulden. 1st dies eine schon im Verhältnisse von 
Papier und Metall der Fall, um wie viel mehr im Verhältnisse 
der beiden Edelmetalle, bei welchen sich a jtriori keineswegs mit 
solcher Sicherheit feststell eu lässt, welches eigentlich das schwan 
kende, und welches das stabile sei. Hier kann in den meisten 
Fällen ohneweiters behauptet weiden, dass für die (Häubiger 
und Schuldner in gleicher V eise das V iihrungsmetall das stabile 
sei, unbeschadet der Verhältnisse auf dem Edelmetallmarkte. 
Insbesondere für alle kürzeren (Contracte und für jene (Kon 
trahenten , die mit ihren Pedürfnissen und mit ihren Ein 
künften nicht auf den V eltmarkt angewieseu sind, wird 
dies unbestritten (Geltung haben. Für all’ diese wird die 
Zahlung in einem Kdelmetalhpiantum (oder, was im W'seu 
auf dasselbe hinausläuft, im \\'erthä(|uivalent desselben) augen 
blicklich zu einer Valutaspeculatiou , sowie dieses Fdelmetall 
nicht mehr das V ährungsmetall des Landes ist; und der (Ge 
setzgeber verrückt alle (Lundiagen des Verkehrs, wenn er zu 
derartigen Valutaspeculationen zwingt. 
Die Contracte müssen also aus diesem (f runde im Augen 
blicke des Währungswechsels und nach der zu diesem Zeit 
punkte geltenden Werthrelation auf das neue Währungsmetall
        <pb n="347" />
        begründet werden. Es i.st walir, dass dadnrcli der Sehuldner 
immer nocli zu Scliaden kommen kann, wenn in der Zwisclien- 
zeit bis zur (kintractserfüllung die Kaufkraft des neuen AMU.- 
rungsmetalls gestiegen, die des alten unberührt geblieben sein 
sollte, zu einem Schaden, dem er entgangen wäre, wenn er 
nach der AVerthrelation zur Zeit der EontractserlÜllung zu 
zahlen hätte. Aber dem steht vor allem entgegen, dass die 
selbe Wahrscheinlichkeit für das Umgekehrte spricht, dass 
nämlich ebenso der Werth des alten Währungsmetalls’ hätte 
gestiegen sein können, und dass sich daher Vortheile und 
Nachtheile schon a priori ausgleichen. Ausschlaggebend aber 
ist, dass ganz unzweifelhaft der Wille der Contrahenten dahin 
geht, jeder Verlust- oder (iewinnstchance nach Möglichkeit 
enthoben zu sein, und dass dies nur auf dem angedeuteten 
Wege möglich ist. Der Staat thut, indem er derart vorgeht, 
nur dasjenige, was die (Kontrahenten aus eigener freier Wahl 
gethan hätten; sein (lesetz wird dadurch allein zum Aus 
drucke des (îesammtwiliens der Betheiligten. Wenn alle 
Schuldner und Gläubiger eines Landes in der Lage wären, 
ihre Contracte in dem Momente eines Währungswechsels zu 
erneuern, sie würden, von ganz abnormen Fällen abgesehen, 
sicherlich insgesammt das Nämliche thun. Es kann dies bei’ 
einigem Nachdenken gar nicht zweifelhaft sein. Die AVerth- 
relation zwischen (iold und Silber sei heute zu 1 ; der 
Staat ziehe nun das Silber aus der Circulation und ersetze es 
durch G(,ld, fordere aber gleichzeitig zur Erneuerung der 
Contracte auf. Es wird ohne Frage kein Gläubiger so thöricht 
sein, für je Io’/* Ff. Silber 1 Ff. (fohl zu verlangen, da ihn 
ja in die.sem Falle der Schuldner einfach in Silber bezahlen 
könnte und dieses Silber, selbst wenn es dem (Uäubiger 
wirklich auf dessen Leistung in natura an kommen sollte, zur 
Relation von li) zu 1 auf dem Markte zu haben ist. Für den 
Moment der (/ontractserneuerung also ist diese Relation von 
selbst gegeben. Für die Zukunft aber wird Jedermann Zah 
lung in der neuen Landeswährung ausbedingen, es wird ihm 
von dem Augenblicke an ganz gleichgiltig, was mit dem Silber 
oder mit dem Golde hin künftig geschieht, er will bei der Con- 
tractserfüllung AVährungsgeld bekommen und leisten, u. z 
offenbar genau so viel, als er in dem Alómente der (Kontracts-
        <pb n="348" />
        H86 — 
' 
i' 
eriieuerong iii Kan,leí, hatte, ,las ist also je 1 Pfiiml tïir 
„rsiiriinglich stipnUrte l*f. Silber. Auf jene Personen, a.e 
etwa, von der Ansiclit ausgehend, dass (lold hinkiin tig 
i,n Preise fallen oder Silber im Preise steigen durfte, in 
ihren Contracten eine Valntaspeciilation eiii/.ngeheii geneigt 
wären, wird der Gesetzgeber scliwerlicli Rücksicht zu nelnnen 
'""^ '"Anders würde sich die Saclie allerdings für jene aus 
ländischen Contrahenten gestalten, deren Währungsmetall nach 
wie, vor das frühere des Inlandes bliebe. Für diese gälte 
das Umgekehrte, diese hätten ein Interesse daran, im Momente 
flor (lontractserfüllnng Zahlung in Silber zu empfangen oder 
zu leisten denn für sie wären die Schwankungen des Sdber- 
nreises ir^^levant, dagegren aber die (Rs Gobles vom qtöreiid- 
aten Eintlusse auf den AVerth der Contracte. Aber tur Oester 
reich gibt es solche Contrahenten, die durch den AVahrungs- 
wechsel derart berührt werden könnten, überhaupt nicht. 1 Me 
ausländischen (Uäubiger Oesterreichs haben daheim die Gobl- 
währung, für sie gilt das Nämliche, wie für die inläudis(.hen 
Gläubiger. Sie sind durch die Schwankungen der \\ 
relation bis zu dem Augenblicke des österreichischen Mbdi- 
rnngswechsels bei allen alten Contracten im höchsten (xrade 
geschädigt worden; es würde ihnen aber ebenscuvenig als den 
österreichischen Gläubigern beifallen, bei einer alltalligen ( un- 
tractserneueriiiig abermals Zahlung in Silber odei dem zu \un 
tigen AVerthäfpiivalente desselben zu fordern in der etwaigen 
Halfnung, dadurch die bisher erlittenen Verluste wieder her- 
einziilu'ingen. Ganz abgesehen davon, dass nach der Hole' ( er 
Versicherungsprämie zu schliessen, die derzeit in den (lO «- 
währungsländern von jedem Schuldner gefordert wird, der nur 
auf Silber contrahireii will, der gesammte europäische A\elt- 
niarkt der Ansicht zu sein scheint, dass in Zukunft der Ab 
stand der A\'erthrelation beider Edelmetalle eher grösser als 
kleiner werden dürfte, sind gerade diese ausländischen Gläu 
biger jeder Valutaspeeulation durchaus abgeneigt und beknn- 
dmi einen stetig steigenden Widerwillen gegen jede Zaldung 
in anderem als im eigenen W iihrungsmetalle. Alit den Silber- 
währungsländern dagegen unterhält Oesterreich-Ungarn nur 
sehr geringe Contractsverhältuisse und, wo sie doch Vorkommen,
        <pb n="349" />
        337 
(la ist (Jesterreicli der GläuLiger and das Silberwährungsland 
der Schuldner. Für diese Schuldner aber ist das österrei 
chische Währungsgesetz gleichgiltig. Sie haben, falls nicht 
etwa ausdrücklich anders bedungen worden ist, Zahlungen 
nach den eigenen Gesetzen zu leisten und ihnen gegenüber 
würde demnach der österreichische Gläubiger in dieselbe Lag(^ 
gerathen, in der sich der deutsche Gläubiger bis zum Wäh- 
rungswechsel Oesterreich gegenüber befindet. Nur ist liier 
glücklicherweise der wesentliche Unterschied, dass die Con 
tracte Oesterreichs mit den Silberländern nicht sehr zahlreich 
und noch weniger auf längere Dauer vorhanden sind. Wäre 
es übrigens auch anders, so wird die Rücksicht hier 
auf wohl von Niemanden gegen die Opportunität des Wäh 
rungswechsels geltend gemacht werden, umsoweniger als mit 
einiger Sicherheit darauf zu rechnen ist, dass unsere südlichen 
Nachbarländer, die heute schon unter dem Einflüsse der öster 
reichischen Geldverhältnisse stehen — in Serbien sind öster 
reichische Münzen das gewöhnliche Zahlmittel — wenn erst 
einmal die österreichischen Valuta Verhältnisse geordnet sind, 
sie mögen wollen oder nicht, das österreichische Währungs 
system werden acceptiren müssen, ähnlich wde dies trotz allen 
Sträubens Belgien und die Schweiz Frankreich gegenüber thun 
mussten. 
Es fragt sich jetzt, ob durch diese derart nothwendig 
werdende gesetzliche Umänderung aller Contracte im Falle 
eines Währungswechsels nicht etwa die Rechtssicherheit so 
schwer geschädigt und in’s Schwanken gebracht werden könnte, 
dass dies unter Umständen den Währungswechsel selbst un 
möglich machen oder doch zum Mindesten in bedenklichem 
Lichte erscheinen lassen könnte. 
Was die internationalen Con tracts Verhältnisse eines Landes 
anbelangt, so beantwortet sich diesbezüglich die Frage von 
selbst. V ird durch den Währungswechsel die Gleichartigkeit 
der Währung mit den Nachbarländern gestört, so tritt da 
durch an die Stelle der früher herrschenden Rechtssicherheit 
der Contracte thatsächlich eine Rechtsunsicherheit. Wird aber 
durch den Währungswechsel die Gleichartigkeit erst hergestellt 
so tritt umgekehrt an die Stelle der bis dahin herrschenden 
Rechtsunsicherheit die volle ungetrübte Rechtssicherheit. 
Ür. Th. Hertzka, Währung und Handel.
        <pb n="350" />
        Nacli Innen aber liängt die Frage, ob durch die Umrechnung 
der Contacte eine Erschütterung der liechtscoiitinuität 
liervorgerufen wird, oder nicht, lediglich davon ab, ob es 
dein Gesetzgeber gelingt, die Werthrelation, nach welcher 
die Contracte umgerechnet werden sollen, richtig, d. h. deiait 
festzustellen, dass sie dem im Momente des Währungswechsels 
herrschenden Marktverhältnisse möglichst genau entspricht. Ge 
schieht dieses, so ist jede Störung absolut ausgeschlossen. In dem 
Momente, wo der Verkehr des Landes die neuen Goldstücke als 
Zahlmittel erhält, ist der fernere Silberpreis und dessen Ver- 
hältniss zum Goldpreise für dessen Contractsverhältnisse ebenso 
gleichgiltig geworden, als etwa das Preisverhältniss zwischen 
Platina und Gold. Niemand fragt darnach und hat kein Inter 
esse zu fragen, wie viel Silber für die neuen Goldgulden auf 
dem Edelmetallmarkte hinkünftig zu erhalten sein wird. Wenn 
nur in dem Momente, wo sie dem Verkehre übergeben werden, 
die neuen Geldstücke so viel werth sind als die alten, d. h. 
wenn sie im richtigen Verhältnisse ausgeprägt worden sind, ist 
alles Fernere nicht mehr Sache des Contractrechts, sondern 
die des Edelmetallhandels. 
Aber es ist allerdings keine leichte Sache, die Werth 
relation richtig zu treffen, und dem Zufalle wird dabei immer 
ein grosser Spielraum gelassen werden müssen. Deutschland, 
bei seinem Währungswechsel überhaupt von einem ganz eigen- 
thümlichen Missgeschicke verfolgt, hat diese Relation nur 
schlecht getroffen und dadurch in der That sehr empfindliche 
Störungen des Contra ctrechts hervorgerufen. Dass dies ge 
schehen, ist th eil weise Schuld der deutschen Reichsgesetzgebung, 
theilweise auch die der Verhältnisse. Dass die Silberpro- 
duction stieg, die Silherabfnhr nach Ostasien abnahm, ki.nnte 
von Deutschland nicht vorhergesehen werden. Dass die Länder 
der lateinischen Münzconvention ihre Silberausprägungen ein 
schränkten, ist abermals nicht Deutschlands Schuld, hätte je 
doch allerdings vorhergesehen werden können. Dass aber die 
Werthrelation, nach welcher die deutschen Goldmünzen aus 
geprägt werden sollten, schon im Jahre 1871, also volle drei 
Jahre früher festgestellt wurde, als man mit der thatsäch- 
lichen Durchführung des Währungswechsels auch nur ernst 
lich beginnen konnte, das ist ganz ausschliesslich der Fehler
        <pb n="351" />
        der deiitsclien Gesetzgebung. Dieser Felder wird in Oesterreich 
zu vermeiden sein und es bleibt der üsterreicliisclien Gesetzgebung 
überdies der Trost, dass menschlicher Voraussicht nach die 
Il rthümer, denen doch auch sie unterworfen ist, nicht so gross- 
aitige Consequenzen haben werden, als die von der deutschen 
Gesetzgebung begangenen. Jm Verhältnisse zu den Operationen 
des deutschen Währungswechsels sind die des österreichischen 
blosses Kinderspiel. Hier sind keine Silbermünzen aus dem 
Verkehre zu ziehen, hier wird weiters nicht die Hälfte der in 
Deutschland erforderlichen Goldmünzen zu prägen sein. Während 
die deutsche IMünzreform allmälig durchgetÜhrt werden musste, 
steht ^ der Durchführung des Währungswechsel in Oesterreich 
mit einem Schlage nichts gegenüber. Oesterreich braucht die 
Werthrelation erst festzustellen, wenn es an die Prägung 
seiner Goldmünzen geht, und damit braucht es auch keinen 
Augenblick früher zu beginnen, als bis alle anderen Vor 
bereitungen vollständig getroffen sind. Es kann überdies mit 
dei Ausgabe seiner (ioldmünzen, wde später gezeigt werden 
.soll, weit früher beginnen, weit rascher die Papierwährung 
in eine Goldwährung verwandeln, als es Deutschland mit seiner 
Silberwährung gelang, so dass bei nur einiger Geschicklichkeit 
und bei nur einiger Beachtung der in Deutschland gewonnenen 
Lehren zwischen der Publicirung des neuen Münzgesetzes und 
dem beginnenden (ioldumlaufe nicht viel mehr Monate zu ver 
streichen brauchen, als in Deutschland Jahre verstrichen sind. 
Damit aber wäre gerade in Oesterreich die Fehlergrenze für 
die Legislative auf ein Minimum reducirt, und wenn nicht 
etwa durch ganz unvorhergesehene Ursachen eine jilötzliche 
1 I eisre volution auf dem Edel metal I markte dazwischen tritt, 
wird die Iteehtscontinuität nahezu vollständig gewahrt werden 
können. 
Ls ist nun nur noch ein Argument zu untersuchen, welches 
in Verbindung mit der Nothwendigkeit, die Contracte zu ändern, 
gegen die Einführung der Goldwährung geltend gemacht wird. 
Ls wird nämlich behauptet, dass Oesterreich dadurch auf einen 
(xewinn verzichten würde, den es seinen Gläubigern gegenüber 
aus der Silberwährung zieht. Was nun den Gewinn bis zu dem 
Momente der Feststellung der Werth relation an langt, so wird 
dieser, soweit von einem solchen überhaupt die Rede sein kann.
        <pb n="352" />
        — 840 
(Inrcli die Goldwährung nicht preisgegeben, sondern ganz im 
Gegentheile fixirt. Es wurde überdies früher schon besprochen, 
was es mit diesen angeblichen Gewinnsten für ein Bewandtniss 
hat. Für die Zukunft aber richtet sich das Mehr oder Weniger 
der Zahlung lediglich darnach, ob Gold oder Silber hinkünftig 
im Preise steigen oder fallen. Die Ansicht, dass Oesterreich 
mit der Goldwährung seine Zinsenzahlungen dem Auslande 
gegenüber erhöhen würde, kann also nur insofei n vei ti eten 
werden, als man es für sicher annimmt, dass Silber auch 
künftig noch im Preise sinken, Gold im Preise steigen werde. 
Merkwürdigerweise sind aber gerade Diejenigen, welche die 
(Gefahr einer solchen Mehrbelastung fürchten, auch zugleich 
die Verfechter der Ansicht, dass das zu Zwecken des Währungs 
wechsels theuer gekaufte Gold voraussichtlich alsbald wieder 
auf die in früheren Decennien bestandene Werthrelation sinken 
werde. Eins von beiden muss otfenbar falsch sein. Die Walir- 
heit ist, dass die Eventualität der Preissteigerung sowohl als 
der Preisermässigung für beide Edelmetalle sich mit Bestimmt 
heit nicht vorausberechneu lässt, dass also hier ein ganz 
nebulöses Argument vorliegt, welches bei Untersuchung der 
Währungsfrage nicht massgehend sein darf. Wollte man übrigens 
trotz alledem auf der Silberwährung beharren, so ist nur zu 
wünschen, dass ein gütiges Schicksal das Land vor diesen 
„Vortheilen“ bewahren möge, die ihm aus einem terneren 
Sinken der Silberpreise erwachsen können.
        <pb n="353" />
        \ 
! 
J ! 
I 
VI. Capitel 
Die E(lcJmctalJströiiuiii&lt;,^eii. 
Ks wird nun von Vielen zugegeben, dass der Uebergang 
zur Goldwährung allerdings wünschenswerth , dabei nicht 
wesentlich schwieriger und von vornherein auch gar nicht 
kostspieliger sei als der Uebergang von der Papierwährung 
zur Silberwährung, ja dass unter Berücksichtigung des Um 
standes, dass ein in Gold verzinsliches Anlehen auf dem euro 
päischen Geldmärkte billiger aufzubringen sei, als ein in Silber 
verzinsliches, die Kosten sogar geringer wären, wenn man zur 
Goldwährung, als wenn man zur Silberwährung überginge; 
aber, so behaupten Einige, dies Alles könne wenig fruchten, 
da „international arme“ Länder, wie z. ß, Oesterreich, nicht 
im Stande wären, die Goldwährung zu behalten, indem 
nothwendigerweise die in Umlauf gebrachten Goldmünzen sehr 
rasch ausser Landes strömen würden. Fragt man nach den 
Ursachen dieser sonderbaren ßesorgniss, so hört man Berufun 
gen auf die passive Handels- und Zahlungsbilanz und auf die 
Armuth Oesterreichs in internationaler Beziehung.’ Die 
jenigen, die derartige Gespensterfurcht hegen, glauben also 
offenbar, dass Oesterreichs Zahlungsbilanz ungünstiger, sein 
Wohlstand geringer sei, als in irgend einem anderen Lande, 
welches bisher die Goldwährung besass; und sie glauben ferner, 
dass Beides ein Grund dafür wäre, das Gold ausser Landes 
zu drängen.
        <pb n="354" />
        Es verhält sich aber mit dieser Argumentation genau so, 
wie mit den anderen Gründen, die gegen die Goldwährung 
vorgebracht wurden. Die Prämisse ist unwahr und überdies 
ist die Schlussfolgerung eine logisch unrichtige. Weder ist die 
Zahlungsbilanz Oesterreichs so ungünstig, oder seine Armuth 
so gross, als von dieser Seite geglaubt wird, noch würde 
daraus, wenn dem wirklich so wäre, folgen, dass es das 
zu seinen Circulationszwecken nöthige Gold nicht im Lande 
behalten könnte. Mehr als bei allen anderen Fehlschlüssen, die 
bisher widerlegt wurden, handelt es sich hier um Missver 
ständnisse der eigenthümlichsten Art, die einen Theil des 
Publicums mit geradezu abergläubischer Angst vor dem Golde 
erfüllen, welches damit gleichsam als das Zauberelixir hinge 
stellt wird, durch dessen Anwendung die Ausbeutung Oester 
reichs durch die Uebermacht ausländischer Capitalisten erst 
recht erleichtert würde. Es wird daher nötliig sein, gerade 
diese letzteren Bedenken am sorgfältigsten, zu widerlegen. 1st 
doch selbst das an wirthschaftlicher Einsicht um so Vieles 
höher stehende Deutschland von dem Schrecken nicht verschont 
geblieben, den die dort sporadisch immer noch vorhandenen 
Anhänger der Silberwährung oder der Doppelwährung gegen 
das Gold wachzurufen verstanden, als dies zeitweilig abzu 
strömen begann. Um wie viel mehr ist die Angst vor dem 
GoldabÜusse in Oesterreich zu beachten, wo die leere Phrase 
auch in wirthscliaftlichen Dingen die öffentliche Meinung gar 
leicht beherrscht, wo Jedermann, der ein paar national 
ökonomische Schlagworte zu gebrauchen versteht, das allgemeine 
Urtheil verwirren darf. 
Es wird also behauptet, dass Oesterreich zu den inter 
national armen Ländern gehöre und dass seine Zahlungsbilanz 
ungünstig sei. Beide Behauptungen werden im Uebrigen ge 
wöhnlich als identisch aufgefasst, Reichthum als gleichbedeu 
tend mit günstiger, Armuth als gleichbedeutend mit ungün 
stiger Bilanz. Dass diese Identität nicht besteht, zeigt die 
Erfahrung und nur einigcrmassen unbefangenes Nachdenken 
in gleicher Weise. Selbst wenn man aus der Gesammtheit 
der Zahlungsbilanz blos die W^aarenbilanz herausgreift, ist es 
ganz und gar unrichtig, dass die international armen Länder 
in der Regel mehr Waaren vom Auslande beziehen, als dahin
        <pb n="355" />
        — 34H — 
absenden, oder dass die international reichen Länder mehr 
Waaren absetzen als beziehen ; auch dies geschieht nur dann, 
wenn das arme Land im Auslande Schulden contrahirt und 
folglich einen Theil seiner Waarenbezüge durch Effectejisen- 
dungen deckt, und wenn das reiche Land dem Auslande Capi 
tal vorstreckt und folglich für einen Theil seiner Waarensen- 
dungen Effecten bezieht. Also auch die reine Waarenbilanz ist 
nicht günstig oder ungünstig für die international reichen oder 
armen Länder, sondern für die Capital verleihenden oder aus 
leihenden, zwei Begriffe, die einander häufig, aber durchaus 
nicht immer decken. Die Waarenbilanz eines Landes kann 
vielmehr gerade aus dem Grunde seiner internationalen Schuld 
verhältnisse günstig sein für das arme verschuldete, ungünstig 
für das reiche, nämlich dann, wenn das arme Land keine 
neuen Schulden contrahirt, sondern die Zinsen der alten 
abträgt und wenn das reiche kein neues Capital verleiht, son 
dern die alten Schuldposten und Zinsen aus irgend welchem 
Grunde einzieht. Schliesslich kann ein Land ausserordentlich 
arm, dem Auslande aber nicht einen Heller schuldig sein, und 
umgekehrt ein Land sehr reich sein, ohne sonderlich viele 
Forderungen im Auslande zu besitzen; denn die Frage der 
Schuldverhältnisse hängt nicht blos vom Keichthume, sondern 
auch vom ITnternehmungsgeiste ab. Wenn die Gelegenheit zu 
nutzbringenden Unternehmungen und die Unternehmungslust 
der Einwohner gross ist, können Schulden contrahirt werden, 
selbst bei verhältnissmässig hohem Wohlstände ; ebenso wie 
umgekehrt bei mangelnder Unternehmungslust und Arbeits 
gelegenheit selbst bei relativ geringerem Reichthume die Gut 
haben im Auslande einen relativ bedeutenden Umfang erlan 
gen können. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind 
sicherlich unermesslich reicher als Patagonien, sie sind aber 
trotzdem in Europa sehr stark verschuldet, während Pata 
gonien, soweit bisher bekannt, keine VerpHiclitnngen im Aus 
lande hat; ebenso dürfte Oesterreich-Ungarn um ein Vielfaches 
reicher sein, als das ihm benachbarte Serbien, seine Schulden 
an's Ausland aber sind unendlich grösser als die Serbiens. 
Und auch in demselben Lande ist wachsende Verschuldung 
an’s Ausland nicht immer, ja nicht einmal in der Regel, 
gleichbedeutend mit abnehmendem Wohlstände; weit eher, wenn
        <pb n="356" />
        — 844 — 
auch nicht immer mit Recht, könnte man das Gegentheil be 
haupten, Inshesundere unter den speciell österreichisclien Ver 
hältnissen, wo die Gelegenheit zu nutzbringender Verwertliung 
des Capitals jedenfalls weitaus grösser ist, als der vorhandene 
(-apitalsvorrath, hat im Durchschnitte die zweite Behauptung 
melir Berechtigung als die erste ; hier wird die internationale 
Verschuldung zumeist dann am raschesten steigen, wenn sich 
das Land am wohlsten befindet, und gerade in den Zeiten der 
ärgsten Stagnation wird die internationale Verschuldung eher 
abnehmen als zunehmen. 
Oesterreich ist nun ein international verschuldetes 
Land. Daraus aber folgt noch keineswegs, dass es zugleich 
und im selben Masse ein international armes Land sei. Für 
alle Fälle kann diese internationale Arniuth blos relativ auf 
gefasst werden ; Oesterreich ist ärmer als England, Frankreich, 
Holland, Belgien und Deutschland ; ob es im grossen Ganzen 
nicht reicher als Italien und Dänemark sei, wird schwerlich 
Jemand mit voller Bestimmtheit entscheiden können ; es ist 
aber jedenfalls reicher, als alle anderen hier nicht genannten 
europäischen Staaten und steht damit, wenn man die Verhält 
nisse des Erdballs vor Augen hat, dem Jlcichthume nach 
ziemlich hoch. Die Frage darnach jedoch, ob ein Land für 
die Goldwährung reif sei, richtet sich durchaus nicht nach dem 
Verhältnisse, in welchem sein lleichthum zu dem höher stehen 
der Culturstaaten sich befindet, sonst wäre schliesslich doch 
immer nur das allerreichste Land vollkommen reif für dieses 
Münzmetall. Sowie der lleichthum, die Vei kehrsentwicklung, 
eine derartige Stufe erklommen, dass das Silber zur Vermitt 
lung der geschäftlichen Transactionen unbequem geworden ist, 
ist die Reife aus inneren Gründen erreicht. Ob das Land 
Schulden macht oder nicht, ob es daher in diesem Sinne inter 
national reich oder arm sei, kommt nur insofern in Betracht, 
als ihm die Wahl einer bestimmten Währung das Heranziehen 
fremden Capitals unter mehr oder minder drückenden Bedin- 
1 gungen möglich machte, und da der Credit, dessen Oesterreich 
1 im Auslande bedarf, jedenfalls billiger wird, wenn man liier 
zur Goldwährung übergeht, so kann, aus diesem Gesichtspunkte 
^ betrachtet, Oesterreichs „internationale Armuth“ nur ein neues 
Motiv für die Goldwährung, nicht aber gegen dieselbe sein.
        <pb n="357" />
        845 
Was dagegen die Zahlungsl)ilanz; Oesterreichs anlangt, 
so ist diese zuvörderst gar nicht passiv ; sie war es weder vor 
dem .Jahre IH4H und ist es ehensowenig auf die Dauer nach 
her geworden. AVenn die AVechselcourse nacli 1848 im Dureh- 
sehnitte ungünstig wurden, so ist dies, wie im VI. Ca^iitel des 
l. Duches nachgewiesen wurde, die Consequenz der Valuta 
störungen, nicht aber die der internationalen Zahlungsverhält 
nisse, und es ist daher nicht nur die grösste AVahrscheinlich- 
keit, sondern geradezu die Gewissheit vorhanden, dass 
die Wechselcourse durchschnittlich für Oesterreich wieder 
günstig werden müssen, sowie die Valuta hergestellt wird, 
u. z. in desto höherem Massç, je vollständiger diese Va 
lutaherstellung erfolgt, d. h. je mehr das österreichische 
Circulationsmedium mit dem jener Länder in Ueberein- 
stimmung gebracht wird, mit welchen dieses Land die lel)- 
haftesten Verkehrsbeziehungen unterhält. Im Durchschnitte 
gerade der letzten Jahre waren übrigens, wie im selben 
(hipitel ersichtlich gemacht wurde, die AVechselcourse sogar 
tiotz dei Valutastörung absolut günstig und die Erwartung, 
dass sich diese Gunst noch steigern wird , erscheint daher 
do])pelt gerechtfertigt. 
Doch selbst wenn die Zahlungsbilanz thatsächlieh un 
günstig sein sollte, wäre es doeh durchaus absurd, aus diesem 
Grunde ein Abströmen der Goldmünzen in dem Alasse zu be 
sorgen, dass dadurch die innere Circulation gestört werden 
könnte. Wenn bei Durchführung der Alünzreform mehr Gold 
stücke ausgeprägt und dem Verkehre übergeben werden sollten, 
als dem Dedürfnisse desselben entspricht, dann wird allerdings 
Geld abströmen, u. z. wird dies sicherlich nicht etwa mit den 
im Verkehre noch vorhandenen Noten, sondern ganz ausschliess 
lich mit dem Golde geschehen ; und wenn man etwa den Ver 
such machen wollte, mehr oder auch nUr so viel Goldmünzen 
in Verkehr zu bringen, als demselben an Noten gleichzeitig 
entzogen wird, so kann sogar mit grösster Sicherheit darauf 
gerechnet werden, dass ein derartiges partielles Abströmen 
stattfinden muss. Die Auswanderung der deutschen Goldmün 
zen in den Jahren 1874 und 1875 war eben dadurch her- 
vorgeruten , dass diese ohne vorherige oder gleichzeitige 
Verringerung des Umlaufes von Silber- und Banknoten, ja bei
        <pb n="358" />
        — :J46 — 
einer gleichzeitig sehr namhaften Vermehrung dieses letzteren 
Umlaufs in Verkehr gebracht wuî’den. Das Circulationsbedürl - 
niss war für die dadurch entstandene Plethora zu gering, die 
Preise mussten folglich steigen ; dies zog eine Verminderung 
des Exports und eine Vergrösserung des Imports nach sich, 
und der dadurch entstandene Passivsaldo wurde zum Theil 
mit Baargeld beglichen. Da nun durch das deutsche Münz 
gesetz das Grold untertariürt war, mussten es die Goldmünzen 
sein, die zu den Zahlungen an’s Ausland benützt wurden ; 
wäre das Umgekehrte der Fall gewesen, hätte das IVFünzgesetz 
die Werth relation zu hoch gegriffen, so wäre Silbergeld abge 
strömt. Wenn es dagegen die deutsche Keichsregierung ver 
standen hätte,- die IMünzreform durchzuführen, ohne den Geld 
umlauf zu vermehren, so hätte Baargeld überhaupt nicht ab- 
fiiessen können. Dies war nun in Deutschland, wie bereits 
einmal erwähnt, ausserordentlich scliwer. Die Regierung konnte 
unmöglich wissen, um wie viel sich die Menge des cursirenden 
Silbergeldes vermehren würde, wenn die Zahlstellen des Reichs 
beginnen würden , Thaler gegen Goldmarkstücke umzuwechseln. 
Dass eine Vermehrung statttinden werde, hätte sie allerdings 
wissen müssen, denn es war vorherzusehen, dass schon der 
Beginn dieser Umwechslung angesichts der Ueber-Taritirung 
des Silbers alte (’ourantmünzen aus den Verstecken hervor 
locken würde, wo sie bisher, dem Verkehre überhaupt oder 
doch zum Mindesten dem deutschen Verkehre entzogen, existirt 
hatten. Aber wie gross die l\lenge des nun auttauchenden 
Silbergeldes sein würde, entzog sich in der That jeder Be- 
rechnung.*“ Nichtsdestoweniger hätte es sich empfohlen, nicht 
sofort mit der Umwechslung des alten Silbercourants gegen 
Goldmünzen zu beginnen, sondern vorher Silbermünzen gegen 
Gold in Barren einzutauschen. Damit hätte man so lange fort 
fahren können, bis Zinsfuss und Wechselcourse gezeigt hätten, 
dass alles überschüssige Silbercourant aus dem Verkehre 
gezogen sei. Das derart ausgegebene Gold wäre zwar auch 
in's Ausland gewandert, u. z. noch viel rascher und bcipiemer 
als es mit den Zwanzigmarkstücken geschah, aber cs wäre 
doch ein doppelter sehr wesentlicher Vortheil erreicht worden. 
Man hätte vor Allem das Angstgeschrei Derjenigen nicht ver 
nommen, in deren Köpfen noch die alten mercantilistischen
        <pb n="359" />
        347 — 
Ideen spuken — so wenig sie es selber wissen mögen — und 
die daher jeden Edeimetallabduss für ein nationales Unglück 
ansehen; sodann aber hätte man die deutschen Münzstätten 
nicht nnnöthiger Weise mit dem Schlagen von Goldstücken, 
die doch für den Schmelztiegel bestimmt waren, beschwert und 
hätte damit Zeit gewonnen, die in solchem Falle nicht nur, 
wie Heri v. Camphausen glaubt, „Zinsen“, sondern unter 
Umständen auch viel mehr werth ist. 
In Oesterreich wäre ein derartiger Fehler überaus leicht 
zu vermeiden. Die österreichischen Silbergulden könnten bei 
nahe bis aut das letzte Stück eingezogen sein, noch bevor ein 
einziges neues Goldstück ausgegeben ist. Die einzige Schwie 
rigkeit besteht in der Nothwendigkeit, zur Zahlung der aus 
drücklich in Silber stipulirten Verpflichtungen einen Vorrath 
von Silbermünzen so lange im Verkehre zu lassen, bis die 
neuen Goldmünzen an ihre Stelle treten können. Aber nichts 
kann dem entgegenstehen, dass die Regierung der Silberstücke 
babhatt zu werden trachtet, bevor sie an die Durchführung der 
Münzieform schreitet. Sie braucht sich dabei, um eine unnöthige 
Beengung des Geldstandes zu vermeiden, gar nicht auf Wechsel- 
course und Zinsfuss zu verlassen, denn Beides ist, so lange 
die Papiervaluta in Oesterreich besteht, vom Vorrathe an 
Silbermünzen unabhängig. Das Einzige, was sie zu beachten 
hat, ist das Silberbedüifniss für die fremden Gläubiger, und 
dies lässt sieh bis aut eine verhältnissmässig verschwindend 
geringe k ehlergrenze genau berechnen. Es können also vorher 
schon die österreichischen Silberstücke bis auf einen zu bestim 
menden genau controlirbaren Theil aus dem Verkehre geschafft 
werden, womit jede Gefahr, dass durch Silber-Courantrnünzen 
(Tfdd aus dem Lande gedrängt werden könnte, von vornherein 
beseitigt wird. Schreitet dann die Regierung oder, ' was jeden 
falls praktis(!her wäre, die von ihr mit diesem Geschäfte 
betraute österreichische Xationalbank zur Umwechslung der 
Staatsnoten gegen Goldmünzen, so hat sie blos nöthig, den 
Banknotenumlaut kurz vorher um so viel zu verringern, dass 
dei Zinstuss um ein Geringes steigt, um dann ohneweiters 
alle Sfaalsnoten gegen Gold ein wechseln zu können, ohne um 
das Schicksal des in Verkehr gebrachten Goldes im Geringsten 
besorgt sein zu müssen.
        <pb n="360" />
        — 348 - 
Alle diese Versieht,smassregeln haben aber in Wahrheit 
gar nicht den Zweck, einen Goldahiiiiss zn verhindern, sondern 
sie sollten lediglich deshalb ergrüben werden, um die voll 
ständige Sättigung des Verkehrs mit Gold möglichst rasch 
durchführen zu können. Je weniger Goldmünzen man für 
fremde Schmelztiegel prägen muss, desto rascher hat man den 
wirklichen normalen Goldumlauf im Lande erreicht. Eine 
Gefahr für die Durchführbarkeit der Goldwährung kann aber 
selbst daraus, dass man diese Vorsichtsmassregeln nicht ergreift 
und Gold also wirklich abströmt, nicht im Entferntesten er 
wachsen , vorausgesetzt natürlich, dass man im Besitze genü 
gender Baarmittel ist, um die unbedeckten Noten einzulösen. 
Der Verkehr , dem man das papierno Umlaufsmittel nimmt 
und dem zum Ersätze desselben kein anderes als das goldene 
übrig bleibt, wird sich dieses goldene nicht nehmen lassen, 
sich keinesfalls mehr davon nehmen lassen, als er wirklich 
entbehren kann. 
’) In Seyd’s sonst von genauer Faclikenntniss zeugender Darstellung 
der Gesetze des Geldverkehrs obwaltet eine bedauerlielic Regriffsver- 
w'irrung zwischen Geld und Capital. Ini internationalen Verkehre ist ihm 
Armiith und Reichthuni, Bedürfniss oder Ueherfluss an Geld gleichbedentend 
mit Armuth oder Reichthum überhaupt. Und aus diesem grundsätzlichen 
Fehler erklären sich zahlreiche Widerspruche in den sonst so schätz 
baren Auslührungen dieses Verfassers. So behauptet er z. B. knapp hinter 
einander, dass die international armen Nationen im Gegensätze zu den 
international reichen fortwährend geldbedürftig seien, dass das Geld von ihnen 
immer abstrome und dass das Geld dort hi A ströme, wo der Zinsfuss am 
höchsten ^sei. Es sind das ebensoviel logische Widersprüche. Wenn Geld 
dorthin strömen würde, wo der Zinsfuss am höchsten ist, so müsste es nicht, 
wie Seyd meint, von den international armen nach den international reichen, 
sondern umgekehrt stets von den reichen zu den armen Ländern in Bewegung 
sein. Und ebenso ist es nicht recht erklärlich, dass das Geld regelmässig von 
dort abHiessen soll, wenn man dessen gerade am dringendsten bedarf. Die 
Wahrheit ist, dass die internationalen Geldströmungen weder mit der Frage 
des Reichthums noch direct mit der Frage des Zinsfusses etwas zu thun 
haben. Um hier wohl zu unterscheiden, muss man sich vor Augen halten: 
erstlich, dass ein geldreiches oder ein geldarmes Land deshalb allein noch 
durchaus nicht reich oder arm im Allgemeinen zu sein braucht, ja dass, wie 
im V. Capitel des I. Buches einmal bereits nachgewiesen wurde, in der Regel 
die reicheren Länder verhältnissmässig geldärmer sind als die ärmeren. Das 
Geld allein ist ebensowenig der Repräsentant des Capitals oder auch des Ver 
mögens des Einzelnen wie eines gesammten Landes, als dies beispielsweise
        <pb n="361" />
        840 
% 
Ein Körnchen Wahrheit ist aber allerdings auch in dieser 
Befürchtung vor dem Abströmen der Goldmünzen. Gold ist 
in der That beweglicher als Silber ; es wandert, wenn die 
Korn oder Wolle ist. Ebenso wie ein Land oder eine einzelne Person sehr 
rcdch an A\ olle und Korn, deswegen aber noch immer sehr arm sein kann, 
ebenso können Privatpersonen oder ganze I^inder verhältnissmässig reich an 
Geld und doch in tiefe Armnth versunken sein. Man betrachte einmal die 
l’rodnctionsdistricte der Edelmetalle; dieselben sind sicherlich geldreich im 
höchsten Grade, gehören aber zum Theil ebenso unzweifelhaft zu den ärmsten 
von den Menschen überhaupt bewohnten Gerieten der Erde. Sie sind so 
arm, dass sie nicht einmal das nothwendige Capital auftreiben können, um 
die einzige Production, die bei ihnen im Schwünge ist, gehörig zu invcstiren 
und auch nur halbwegs rationell zu betreiben; sie sind beinahe durchwegs 
von Proletariern bewohnt, die kümmerlich von der Hand in den Mund leben. 
Geld aber haben sie in Fülle so viel, dass sie es fort und fort abgeben müssen, 
lediglich um die nackte Existenz kümmerlich zu fristen. Diese Länder sind 
also arm, aber Geld ist das letzte, dessen sie bedürfen ; was ihnen fehlt, das 
ist Capital, u. zw. zufällig Capital in anderer als Geldform. Um diese Länder 
reich zu machen, müsste ihnen das Capital in Form von Maschinen, Nahrungs 
mitteln und Kleidung für die Arbeiter, welche die Bergwerke investiren und 
Fabriken errichten sollen, zugeführt werden. Dagegen bedürfen gerade die 
reichsten Länder, England an der Spitze, ununterbrochen neuen Geldzuflusses ; 
sie geben Capital ab, führen aber Geld ein, dessen sie zu Completirung 
und Erweiterung ihres Circulationsmittelvorrathes bedürfen. Das Bedürfniss 
nach Geld hat also, wie man schon aus diesen zwei Beispielen ersehen wird, 
mit der Frage des Reichthums nichts zu scliaflen, ebensowenig wie das Be 
dürfniss nach Wolle oder Getreide. 
Aber auch die thatsächliche Strömung der Edelmetalle ist nicht durch 
Reichthum und Armuth, sondern durch ganz andere Verhältnisse bedingt. Im 
Verhältnisse zwischen England und den Goldproductionsländern sind es aller 
dings die ärmeren Gebiete, von denen das Gold nach dem reichen abfliesst, 
aber nicht aus dem Grunde, weil jene arm sind und dieses reich ist, sondern ledig 
lich deshalb, weil jene produciren, wessen dieses bedarf. Im Verkehre zwischen 
Norwegen und England ist es umgekehrt das arme Land, welches Geld vom 
reichen bezieht, aber wieder nicht aus dem Grunde, weil das eine reich und das 
andere arm ist, sondern lediglich deshalb, weil das eine des Geldes bedarf und 
das andere dasselbe aus erster Hand von den Minendistricten bezieht und 
daher weiter abzngeben in der Lage ist. 
Und schliesslich strömt das Geld auch dorthin nicht, wo der Zinsfuss 
am höchsten ist; der hohe Zinsfuss zieht Capital heran, und nur dann, 
wenn der Zinsfuss für Geld höher wird, als der für andere ('apitalion, 
äussert er auch seine magnetische Wirkung auf das Capital in Form 
von Geld. Der Zinsfuss in Australien und Californien ist im Durch 
schnitte der Jahre wohl dreimal so hoch als in England; nichtsdesto 
weniger fliesst Geld von Californien und Australien nach England. Von
        <pb n="362" />
        — 350 — 
Zahlungsbilanz eines Landes wirklich schlecht ist, rascher und 
leichter aus, als das schwerfälligere weisse Edelmetall ; aber 
es wandert umgekehrt auch rascher wieder ein, wenn die 
England aus Hiesst dagegen allerdings das Geld auch nach Ländern, die zu 
gleich einen höheren Zinsfuss als England haben, aber dies ist durchaus nicht 
ausnahmslos der Fall. Angebot und Nachfrage von Geld sind nur eine Unter- 
abtheilunç des grossen allgemeinen Capitalnachfrageverhältnisses. Da gerade 
auf diesem Gebiete die meisten Irrthümer begangen werden, so wird es gut 
sein, die Sache zitfermässig zu verdeutlichen. Der durchschnittliche Zinsfuss 
in Deutschland beträgt 5, in England 4 Percent ; ist nun in England wie in 
Deutschland der Geldumlauf auf normaler Höhe, so wird zwar das englische 
Capital durch das eine Percent Differenz der beiderseitigen Zinssätze ver 
anlasst werden, in Deutschland Verwendung zu suchen, es wird aber durch 
aus kein Grund vorhanden sein, dieses ('apital gerade in der Form von Geld 
nach Deutschland zu senden. Tritt dagegen durch irgend ein Ereigniss, z. B. 
durch die Ungunst der deutschen Zahlungsbilanz, ein Sinken des deutschen 
Circulâtionsmittelvorrathes unter das normale Niveau ein, so wird der Zinsfuss 
für Geld in Deutschland über den Durchschnitt von 5 Percent steigen, und 
wenn nunmehr die Circulât ions Verhältnisse in England normal geblieben sind, 
so wird allerdings das englische Capital vorwiegend in der Form von Geld 
Verwendung in Deutschland suchen, es wird also Geld nach Deutschland 
strömen. -Umgekehrt aber kann bei einer vorübergehenden Beengung des 
(b’rculationsmittelstandes in England oder bei einer vorübergehenden Erwei 
terung des deutschen Circulatiomsmittelvorrathes der Zinsfuss für Geld in 
England über das Niveau deg dortigen Diirchschnittsatzes steigen , und 
nunmehr kann gleichzeitig eine Wanderung von Capitalien in anderweitiger 
Form von England nach Deutschland und eine Wanderung von Geld aus 
Deutschland nach England ei nt reten. Das Ueberwiegen des Geldzinsfusses lür 
sich betrachtet, kann also eine Edelmetallströmnng von einem Lande zum 
andern noch nicht herbeiführen, und zwar kann dies in jenen Fällen nicht 
geschehen , wo die Ditl'erenz des allgemeinen Zinsfnsses noch grösser ist als 
die Dilferenz des Geldzinsfnsses. Um dies zu veranschaulichen, kann man 
wieder auf das Beispiel Englands und der Minendistiicte hinweisen. Der Zins 
fuss für Geld ist in San Francisco fast ausnahmslos wesentlich höher als in 
London ; nichtsdestoweniger Hiesst Geld bekanntlich nicht von London nach 
.San Francisco, sondern umgekehrt von San Francisco nach London. Der 
Grund ist, dass der allgemeine Zinsfuss in San Francisco im Durchschnitte 
noch um ein Betiächtliches höher ist als der allgemeine Zinsfuss in London, 
dass also das Gapital aus England nach Californien ganz ausschliesslich in 
anderer als Geld form strömen muss und dass nunmehr Californien als Entgelt 
für diese anderweitigen Sendungen jene Waare nach England remittirt, bei 
welcher die Ditterenz der licihgebühr hier nnd dort die geringste ist, also 
Edelmetall. 
Aus all’ dem dürfte zur Genüge hervorgehen, dass die internationalen 
Geld Strömungen durchaus von denselben Gesetzen bedingt sind, wie der inter-
        <pb n="363" />
        351 
Zahlungsbilanz wieder günstig wird — Beides selbstverständlich 
immer nur mit jenem Theile., der für die innere Circulation 
überflüssig oder erforderlich geworden. Darin liegt aber kein 
Nachtheil, sondern einer der schätzbarsten Vortheile der Gold 
währung. Diese Zu- und Abflüsse werden durch die Zahlungs 
bilanz und die mit ihr in Verbindung stehenden Wechselcourse 
regulirt ; die Zahlungsbilanz eines Landes aber, wenn ihr 
Activ- oder Passivsaldo durch Edelmetalle beglichen werden 
soll, kann aut die Dauer ebenso wenig continuirlich 
activ als passiv sein. Denn es ist ebenso unmöglich, dass ein 
Verkehrsgebiet auf Kosten der anderen stetig seinen Edelmetall- 
vorrath vermehrt, als es unmöglich ist, dass es auf Kosten 
seines eigenen Vorrathes an die anderen Verkehrsgebiete 
abgibt. Tritt das Erstere auch nur durch einige Zeit ein, so 
müssen dadurch die Preise im betreflenden Lande endlich eine 
solche Höhe erreichen, dass es an’s Ausland nichts mehr zu 
verkaufen, folglich für das Edelmetall nichts mehr zu bieten 
vermag, gleichwie im umgekehrten Falle die Preise endlich 
so tief sinken müssten, dass es vom Auslande nichts mehr zu 
kaufen und folglich tür sein Edelmetall dort nichts mehr zu 
holen im Stande wäre. 
Dass Zahlungsbilanz und Wechselcourse die Edelmetall- 
strömungen in dieser Weise reguliren (selbstverständlich immer 
vorausgesetzt, dass der Edelmetallstand eines Landes nicht 
durch papierne (Mnmlationsmittel verdrängt wird), ist so ein 
leuchtend, dass es von keinem Fachmanne ernstlich bestritten 
werden kann. Wenn man jedoch den Welthandel überblickt, 
so flndet man doch Erscheinungen, die dieser Behauptung, 
insoferne sie in dem Satze gipfelt, dass der Activ- und Passiv 
saldo eines Landes nicht durch continnirliidie Edelmetallsen- 
dnngen beglichen werden könne, .scheinbar widersprechen. Es 
gibt eben wirklich Länder die ununterbrochen Edelmetall vom 
Auslande beziehen, gleicdiwie es umgekehrt Länder gibt, die 
nationale Austausch irgend eines beliebigen anderen Gutes. Sie strömen 
dorthin, wo man ihrer dringender bedarf als anderer Waarcn, und sie Hiesseu 
von dort ab, wo man anderer Waaren dringender bedarf. Ueicbtbum nnd 
Armutb haben damit schlechterdings gar nichts, die Höhe des Zinsfusses nur 
insofern etwas zu thuii, als sich darin das Mass des relativen Bedarfs nach 
Circulationsmitteln ausdrückt.
        <pb n="364" />
        — 352 — 
ebenso nimnterbroclien Edelmetall aids Ausland abgeben. 
Aber darin liegt nur scheinbar ein "W’^iderspruch, nnd wenn 
man die Sache näher auf ihr Wesen untersucht, dient dies 
erst recht dazu , den wundervollen selbstthätigen Mechanismus, 
kraft dessen Circulationsbedürfniss und Aussenhandel eines 
jeden Landes sich selbst reguliren und controliren , vollkommen 
klar zu legen. Diese Regulirung besteht nämlich nicht darin, 
dass ein Land überhaupt nicht dauernd Edelmetall auf 
nehmen oder abgehen könne ; vielmehr ist diese continuirliche 
Aufnahme oder Abgabe nur dann unmöglich, wenn durch selbe 
das Grieicligewicht der Circulation gestört wird. Dieses 
(xleichgewicht ist aber ein durchaus relatives. Es richtet 
sich nicht blos nach dem Circulationsbedürfnisse des be 
treffenden Landes selbst, sondern zugleich nach dem Circu 
lationsbedürfnisse der Gresammtheit aller Verkehrsgebiete, 
d. h. also das Edelmetall strömt nicht in jenes Land, wo man 
dessen bedarf, sondern wo man dessen mehr bedarf als im 
Auslande, und es strömt nicht von dort ab, wo man dessen 
nicht bedarf (denn ein absolutes Nichtbedürfen kommt über 
haupt nicht vor), sondern von dort, wo man dessen weniger 
bedarf als im Auslande. Es ist dabei sehr wohl möglich, ja oft 
schon a priori anzunehmen, dass ein Verkehrsgebiet fortwährend 
ein stärkeres oder geringeres Bedürfniss nach Circulations- 
mitteln besitzen mag, als die (iiesammtheit der anderen Ver 
kehrsgebiete, und der (%rund biefür kann entweder in dem 
betretfenden Circulationsgebiete selbst oder ausserhalb des 
selben zu suchen sein. 
Es gibt eine Menge von Gründen, die für kürzere oder 
längere Dauer dahin wirken können, das Gleichgewicht in der 
Circulation derart zu stören , dass ununterbrochen mehr oder 
minder rasch Zuflüsse und Abflüsse von Edelmetallen noth- 
wendig werden. Der Verkehr eines Landes kann im stetigen 
Aufschwünge begriffen sein, und dadurch stets neue Edel 
metallquantitäten erfordern; ebenso wie umgekehrt ein conti- 
nuirliches Sinken des Verkehrs, oder hei sonst gleichbleibenden 
Verkehrsverhältnissen, continuirliche Fortschritte in der Credit- 
wirthschaft, Cürculationsmittel überflüssig machen und zum 
Abflüsse bringen können. Weitaus die wichtigste und im säcu- 
laren Verlaufe die ausschlaggebende Ursache für die im
        <pb n="365" />
        — H53 — 
V elflinndel zn beachtenden continnirlichen Edelmetallströmun 
gen liegt aber in den Productionsverliältnissen der Edelmetalle. 
Die Productionsländer für Gold und Silber, d. h. jene unter 
ilinen, deren 1 reduction den allgemeinen Durclisclinitt namhait 
übersteigt, müssen naturgemäss dauernd Edelmetall abgeben ; 
ihr Vorrath davon ist eben verhältnissmässig immerwährend 
giösser als der aller, anderen Verkehrsgebiete, und hier ist also 
auf den ersten Blick klar, dass die von ihnen ausgehende 
Strömung dazu dient, das Gleichgewicht im Circuíationsstande 
zw ischen ihnen und anderen Verkehrsgebieten herzustellen. 
Und kraft derselben Ursache, wtü nämlich das Gleichgewicht 
hergestellt werden muss, nehmen die anderen Verkehrsgebiete 
diese Edelmetallströme ebenso continuirlich auf. Mit jedem 
Gold- und Silberquantum, welches irgendwo in einem Theile 
der Erde neu zu Tage gefördert wird, vermehrt sich der Cir- 
culationsmittelvorrath der ganzen Welt und folglich der Antheil, 
der jedem Lande an diesem Vorrathe kraft seines Circulations' 
bedürfnisses gebührt. Und diesen ihm gebührenden Theil am 
Edelmetall vorrathe muss jedes Land aufnehmen, es mag sich 
dagegen durch welche Zwangsmittel immer wehren; denn so 
lange es diese seine Portion nicht in seinem inneren Verkehre 
vertheilt hat, werden die Preise in jenen Verkehrsgebieten, die 
den neuen Vorrath bereits anfgenommen, höher sein, als in ihm, 
es wird also vortheilhafter und mehr aids Ausland verkaufen^ 
weniger von diesem kaufen als zuvor, und dadurch im Wege der 
Zahlungsbilanz seinen Edelmetallantheil aufgenöthigt erhalten. 
Auf diese Weise haben die europäischen Länder seit der 
Entdeckung Amerika’s, insbesondere seit Auffindung der Gold 
felder in (Kalifornien und Australien unnnterbrochen die Edel- 
metallüberschÜHse zweier neuer Continente in sich aufnehmen 
müssen. Diese waren damit gleichsam der Bergmann, der für 
die andere Welt (told und Silber aus den Tiefen der Erde 
hervorholte, und Europa war der Industrielle, der für sie 
ebenso uuunteiblochen arbeiten musste. Gleichwie ein einzelnes 
Hüttenwerk seine geförderten Erze in die Welt hinaussendet 
und dafür seine Arbeiter von Aussen nähren und kleiden lassen 
muss; so versenden auch die Edelmetalldistricte der Welt 
ihre Producte im Austausche gegen andere nach allen Rich 
tungen der Windrose. 
Ur. Th. Hertzka, Währung und Handel. 
23
        <pb n="366" />
        T)iea würde nun allerdings vollkommen erklären , warnin 
Europa von Amerika und Australien oline Unterkrecliung 
Edelmetallzufuhren erhält, und in der That ist es, da die 
Sache hier ganz klar zu Tage liegt, keinem Volkswirthe noch 
heigefallen, darin etwas Merkwürdiges oder gar eine Ein 
schränkung der Lehre über die Wirkung der Wechselcourse 
und der Zahlungsbilanz auf die Edelmetallströmungen zu er 
blicken. Es gibt aber noch einen zweiten, kaum minder 
I grossartigen und ebenso continiiirlichen intercontinentalen 
1 Edelmetallstrom, nämlich den von Europa nach Asien, und 
\ dieser hat in der That selbst Nationalökonomen allerersten 
(Ranges bedenklich gemacht, ja sie hie und da zu dem Glauben 
verleitet, dass diese Strömung sich nur unter der Annahme 
ganz aiissergewöhnlicher nationalökononiisch nur schwer zu 
motivirender Ursachen erklären lasse. Die grossartigen Silbej- 
verschiifungen nach O.stasien, insbesondere in den Jahren ISol 
bis 1865, schienen allen Theorien über Geldw^esen und Wechsel 
course Hohn zu sprechen ; man glaubte hier etwas vor sich 
zu haben, was ganz offenbar aller Gesetzmässigkeit der inter 
nationalen Handelsbeziehungen widerspreche, nämlich ein Ver 
kehrsgebiet, dessen Edelmetallbedarf unersättlich sei, dessen 
Edelmetallvorrath in’s Unendliche vermehrt werden könne, 
ohne den Activsaldo der Zahlungsbilanz zum Sclnvinden zu 
bringen. 
In der That hat Ostasien seit Auffindung des Seeweges 
bis zur Gegenwart nahe an 8 Milliarden Gulden Silber ver 
schlungen und seine Aufnahmsfähigkeit für dieses Metall, ob 
wohl für den Moment geschwächt, war gerade im vorigen 
Decenniiim kolossaler denn jemals zuvor , ja der Heisshunger 
Ostasiens nach Silber w ar fortwährend im W achsen begrirten, 
je mehr ihm davon zugeführt wurde. In den ersten 50 Jahren 
von 1550 bis 1600 bezogen diese Gebiete nach den Schätzungen 
Humboldt’s durchschnittlich im Jahre 6V4 Millionen Gulden von 
Europa. Bis zum Jahre 1700 hatte sich die Silberverschiffung be 
reits vervierfacht, um dann von 1701 bis I8OO vollends aut durch 
schnittlich 6302 Millionen Gulden im Jahre zu steigen. Von 
da bis um die Mitte dieses Jahrhunderts zeigte sich wieder 
eine Abnahme auf jährlich 30 Millionen Gulden; von 18i)l 
bis 1865 wurde das Vaximum von durchschnittlich 131 Mil-
        <pb n="367" />
        — .‘$55 — 
lioiiPii Gulden evreiclit und im Mittel des letzten Deeenninms 
gingen immer imcli jälirlich zwischen 47 und 48 Millionen 
Gulden in jene Jjänder. Um dies zu erklären, hat Soetbeer in 
höchst eingehender und geistreicher MVise die Eigenaidig- 
keiten des indischen Volks zu ergründen sich bemüht und 
gelangte anfangs zu dem Schlüsse, dass die Gstasiaten den 
grössten oder doch einen sehr grossen Theil des Silbers, wie 
alle Zeiten, so auch in der (iegenwart thesauriren müssten, 
folglich dem Verkehre wieder entzögen, und dass dies der 
Erklärungsgrund für die stetig ungeschwächt erhaltene Auf 
nahmsfähigkeit jener Länder für Edelmetalle sei. Diese von 
Soetbeer im Jahre 1863 abgegebene Erklärung fand allgemeinen 
Anklang. Dem unbefangenen Urtheile dieses hervorragenden 
Forschers selbst scheint sie aber offenbar nicht genügt zu 
haben und ein Jahr darauf publicirte er, angeregt durch 
das Werk eines in Calcutta lebenden Engländers, Herrn 
Lees, eine neue Arbeit über diesen Gegenstand, in welcher 
er sich zur Ansicht hinneigte, dass der steigende Silber 
bedarf Indiens — zum Theile mindestens — durch die Fort 
schritte erklärt werden müsse, die unter der englischen 
Herrschaft der Verkehr des Landes genommen. Indien sei 
früher ein sehr münzarmes Land gewesen und noch gegen 
wärtig sei der Umlauf von Silbermünzen als Tauschmittel 
in den Eingeborenen-Staaten sehr beschränkt. Derselbe fände 
sich nur in den grossen Städten und Ortschaften. Seit 
undenklichen Zeiten habe im Oriente der Herrscher Anspruch 
auf einen Theil der Producte und seien die Abgaben hauptsäch 
lich in natura geleistet worden. Die grossen läinderbesitzer 
folgen bei Einhebung der ihnen zufallenden Einkünfte der 
selben Regel und auch die Umsätze der Bevölkerung unter 
sich geschehen durch Tauschhandel. Silbergeld wurde haupt 
sächlich nur im (irenzverkehre und für den auswärtigen Handel 
gebraucht. Sobald aber eine Provinz unter britische Verwal 
tung käme, ändere sich dies. Die öffentlichen Abgaben seien dann 
in Silberrupien zu entrichten, so dass auf jede neue Einver 
leibung eines Landstriches in das britische Territorium sicher 
ein gesteigerter Silberbegehr in solcher Provinz unmittelbar 
folge. Die Statistik dei* Silberabflüsse nach Ostasien entspricht 
ziemlich genau diesem Erklärungsgimnde und Soetbeer räumte
        <pb n="368" />
        35G 
demselben daher ohneweiters und ohne jede einseitige Vorliebe 
für die von ihm zuerst aufgestellte Hypothese volle Berech 
tigung ein. Aber er bezweifelte, dass dies allein genüge, um 
die Silberströninng zu erklären ; er bewies, dass dieselbe statt- 
gefnnden habe, noch bevor die ostindische Compagnie bedeu 
tendere Eroberungen gemacht habe, und kam daher zum 
Schlüsse, dass die Ausdehnung der britischen Herrschaft allein 
nicht genüge, um die Erscheinungen der Silberflnctuation 
zu erklären. 
Und in der That genügt der Erklärnngsgrnnd des Herrn 
Lees wohl, um einzelne grosse Schwankungen im Silberbedarfe 
Ostindiens zu erklären, nicht aber zur vollständigen Aufhel 
lung der seit mehr als drei Jahrhunderten ununterbrochen fort 
währenden Erscheinung. Ja, um diese Erscheinung im grossen 
Ganzen zu erklären, ist Lees’ Auseinandersetzung sogar über- 
ñüssig, denn hier genügt ganz ausschliesslich der Hinweis 
darauf, dass Indien seinen Antheil am Edel meta li 
vorrat he der AVeit über Europa erhält und dahei 
kraft desselben Gesetzes, welches den amerika 
nischen und australischen Edelmetallstrom 
nach Europa lenkte, ein Silberstrom von Europa 
nach Ostasien fliessen musste. 
Da der Edelmetallvorrath der Welt seit der Entdeckung 
Amerika’s um nahezu HO Alilliarden Gulden vermehrt wurde, 
so sollte man sich vielmehr wundern, dass die ostasiatischen Län 
der, deren Ausdehnung und Einwohnerzahl diejenige Europa’s 
und Amerika’s zusammengenommen um das Doppelte übersteigt, 
von diesem Gesammtcpiantum b 1 o s nahe an 8 Milliarden bean 
spruchten. Man hat die Thatsache vor sich, dass zwei Drittheile 
der Bewohner der civilisirten Hrde von der gesammten Edel- 
metallprodnction blos ungefähr ein Viertel und das andere 
Drittheil der Bewohner von dieser Edelmetallproduction drei 
Viertel beanspruchen. Europa hat also im Verhältnisse zu 
seiner Bewohnerzahl sechsmal mehr Edelmetall consnmirt als 
Ostasien und man sollte daher von rechtswegen untersuchen, 
nicht, warum Ostasien so viel, sondern warum es so wonig 
Silber anfgenommen hat. 
Die Erklärnngsgrüiide tür diesen letzteren Umstand 
liegen ziemlich offen zu Tage. Der Verkehi’ Ostasiens ist
        <pb n="369" />
        eben in einer vielfach langsameren Bewegung begriffen als 
der des Abendlandes. Trotz aller Fortschritte, die das Credit- 
wesen im letzteren machte, stieg sein Bedürfniss nach Cir- 
culationsmitteln noch immer viel rascher als das Ostasiens, 
und zwar, wie die historische Erfahrung zeigt, ungefähr 
sechsmal so rasch als jenes. Und nunmehr stimmt auch der 
von vSoetbeer adoptirte Erklärungsgrund Lees’ vollkommen mit 
den Thatsachen, denn wenn durch äussere Einflüsse der Ver 
kehr in irgend einem grösseren Theile Ostasiens zu rascherem 
Aufschwünge getrieben wurde, stellte sich sofort eine mit 
den europäischen Verhältnissen Schritt haltende Vermehrung 
des CirculationsbedUrfnisses, ja, da es galt, Jahrhunderte lang 
Versäumtes nachzuholen, zeitweilig sogar eine grössere Stei 
gerung des CirculationsbedUrfnisses heraus, als in Europa. 
Anderweitige Ursachen, wie z. B. die Unterbindung der 
amerikanischen Baumwollausfuhren durch den Secessionskrieg 
und der dadurch gesteigerte Bedarf an indischer Baumwolle 
thaten noch ein Uebriges, um die Schwankungen in's Unge 
heuerliche zu steigern. Aber die Thatsache des stetigen 
Silberbedarfes Ostasiens ist nur aus dem Zusammenhänge 
aller Erscheinungen des Edelmetall Verkehrs der ganzen Welt 
vollkommen zu erklären. 
Ostasien wird daher, das lässt sich mit Bestimmtheit 
Vorhersagen, stets Edelmetalle absorbiren und zwar Silber, f 
solange es auf der Silberwährung beharrt — falls nicht etwa 
in jenen Ländern selbst grossartige und ausgiebige Edel 
metallminen entdeckt und ausgebeutet werden sollten. Ob 
dieser Bedarf auch zukünftig, wie bisher, hauptsächlich durch 
Vermittlung Europa s, oder direct aus den australischen und 
amerikanischen Productionsländern gedeckt werden, ob er in 
gewissen Perioden geringeren oder grösseren Umfang erreichen 
wird, das hängt von dem Laufe der Verkehrsentwicklung in 
jenen Ländern ab. Ihre Aufnahmsfähigkeit für Edelmetall 
kann aber nur zugleich mit ihrer Cultur oder zugleich mit 
dem Ueberwiegen der Silber- und Gold])roduction im Abend 
lande verschwinden. 
Sehen wir nun zu, wie sich das österreichisch-ungarische 
Verkehrsgebiet unter einem derartigen kosmopolitischen Ge 
sichtspunkte in der Edelmetallbewegung verhält, so unterliegt
        <pb n="370" />
        es Wühl kaum einem Zweitel, dass unter sonst gleichbleiben 
den Verhältnissen Edelmetall in dieses Land strömen muss, 
dass also seine Zahlungsbilanz nothwendigerweise im grossen 
Ganzen günstig bleiben wird. Die eigene Production an Gold 
und Silber beträgt im Jahresdurchschnitte ungefähr 5 Mil 
lionen Gulden. Es wurden nämlich im Jahre 1872 2 Millionen 
Gulden Gold in Ungarn und etwas über 1 V/'a Millionen (-rulden 
Silber je in Ungarn und Oesterreich erzeugt. Die Gesammt- 
f production der Erde ist aber auf ungefähr 400 Millionen im 
Jahresdurchschnitte zu veranschlagen und es ist kaum anzu- 
: nehmen, dass der Antheil Oesterreich-Ungarns an dieser 
Gesammtförderung nicht grösser sein sollte als Percent. 
Seine eigene Production dürfte schwerlich dem Consume zu 
industriellen Zwecken genügen, und um den vorhandenen Cir- 
culationsvorrath zu ergänzen, respective von Fall zu Fall auf 
I die der Steigerung des Weltmünzvorrathes entsprechende Höhe 
' zu bringen, werden stets ausländische Zufuhren nothwendig 
sein.*) Und dass diese dann auch eintreten, dafür lasse man 
den Verkehr selber sorgen. Je geringere Schranken man diesem 
in den Weg legt, desto rascher und vollständiger wird er seine 
Functionen erfüllen. 
') Am Edelmetallhedarfe der Staaten abendländischer Civilisation durfte 
Oesterreich-Cngarn wohl im Verhältnisse seiner Bevölkerungszahl zu derjenigen 
Europa’s und Amerika’s participiren, also mit ungefähr 10 l’crcent. Das Abend 
land aber hat, wie die Erfahrungen der letzten Jahrhunderte, zeigen, im 
grossen Ganzen zwischen 7U und 75 Percent der Gesammtproduction tur sich 
in Anspruch genommen. Unter der Annahme also, dass sich diese Verhält 
nisse nicht ändern, dürfte Oesterreich-Ungarn, wenn es zur Metallwährung 
ühergegangen ist, im Jahresdurchschnitte zwischen 25 und 3U Millionen Gulden 
an Edelmetallen beanspruchen ; es wird also auf Zufuhren in der Höhe von 
20 bis 25 Millionen Gulden angewiesen sein. Es sind dies alles nur Schätzungs 
zahlen von sicherlich höchst zweifelhaftem Wert he, aber so gross dürfte die 
Unge»auigkeit derselben keineswegs sein, dass sich aus denselben nicht mit 
einiger Sicherheit auf die Gestaltung der österreichisch-ungarischen Zahlungs 
bilanz im säeularen Verlaufe zuriickschliessen liesse.
        <pb n="371" />
        VIT. Capitel 
Die wirthschaftlichen Naclitlieile isolirter Währung. 
Es wurde in den vorigen Capiteln wiederholt auf die 
holie Wichtigheit einer richtigen Wahl des Münzsystems für 
die verschiedenen Zweige des Wirthschaftslehens jedes Landes 
hingewiesen. Nunmehr soll dieser Einfluss des Währungs 
metalls auf Production, (TÜtervertheilung, Preisverhältnisse, 
Zinsfuss, Wechselcourse und schliesslich auf die Staatsflnanzen 
etwas näher untersucht werden und es wird sich dabei zeigen, 
dass in vieler Beziehung überraschende Analogien mit den im 
ersten Buche untersuchten Erscheinungen vorhanden sind; die 
meisten jener schädlichen Conseí^uenzen der Papierwährung, 
die dort nachgewiesen sind, werden sich, wenn auch nicht im 
selben (irade, so doch in ziemlich verwandter Weise als die 
unvermeidlichen Wirkungen einer falschen Wahl des Währungs 
metalls ergeben. 
' Iler unheilvolle Einfluss der Zettelwirthschaft wurde 
hauptsächlich darauf zurückgeführt, dass der Werthmesser 
eines damit behafteten Landes schwankend geworden ist. Dieser 
Begriff des Schwankens ist aber, wie sich nunmehr gezeigt hat, 
ein durchaus relativer, da absolute Stabilität keinem, wie 
immer gearteten Werth messer, er mag nun aus Gold oder 
Silber, oder aus beiden zugleich, oder aus unbedeckten Noten 
bestehen, zugesproehen werden kann. Beim Papiergelde war 
die Betrachtung allerdings dadurch erleichtert, dass dieses 
im Verhältnisse zu den Metallen unter allen Umständen das
        <pb n="372" />
        360 
scliwankende ist, indem sich ja sein Werth vor allem auf den 
Edelmetallwerth bezieht, daher an die Schwankungen dieses 
letzteren a priori gebunden ist, dann aber unabhängig von 
diesen noch seine eigenen Schwankungen durchmacht. I)ei‘ 
hauptsächliche Unterschied aber, derjenige, auf den der grösste 
Nachdruck zu legen ist, wurde darin erkannt, dass die 
Schwankungen des Ueldwerths in den l’apierländern unab 
hängig sind von den für die Gesammtheit der anderen Verkehrs 
gebiete massgebenden Edelmetallschwankungen, dass daher 
Preissteigerung und Preisermässigung dort ohne Zusammen 
hang mit den Preisverhältnissen aller Nachbarländer vor 
sich gehen. 
Dasselbe gilt aber, wenn auch nicht im gleichen Masse, 
auch in einem Verkehrsgebiete, dessen Währungsmetall ein 
anderes ist als das jener Nachbarländer, mit denen es Be 
ziehungen unterhält. Die Schwankungen des (xeldwerths ver 
folgen auch hier ihre isolirten Bahnen , und die nämliche Ur 
sache muss folgerichtig dem Wesen nach dieselben Wirkungen 
herbeiführen. 
Wenn beisj)ielsweise Oesterreich zur Goldwährung über 
geht und damit das nämliche Währungsmetall wie die west 
europäische Staatenfamilie erlangt, so wird jede Werth 
verringerung des Goldes die Preise innerhalb seiner Grenzen 
in der nämlichen Weise steigern, jede Werthsteigerung des 
Goldes dieselben in der nämlichen Weise ermässigen, wie im 
westlichen Europa. Es wird also dadurch weder seine Con- 
currenzfähigkeit auf den tonangebenden europäischen ^Märkten, 
noch die -Concurrenzfähigkeit des Auslandes auf seinen eigenen 
Märkten eine Aenderung erfahren. Wenn dagegen Oesterreich 
auf der Silberwährung beharrt, so muss die Werthveränderung 
seines eigenen Zahlungsmittels keineswegs Hand in Hand 
gehen mit einer analogen des (xoldes. Es kann also geschehen, 
dass die Preise innerhalb seiner Grenzen steigen und fallen, 
während die ausländischen Preise unverändert bleiben, oder 
es können sich umgekehrt diese ausländischen Preise bei un 
veränderten inländischen Preisen modiliciren. Würden nun alle 
Waarenpreise und zugleich die Löhne jeder Veränderung des 
(xeldwerths augenblicklich und in gleicher Weise folgen, so 
wäre dies ohne Bedeutung für die österreichische Production
        <pb n="373" />
        361 
und Conaumtion. Denn man würde z. B. bei einer Werth Ver 
minderung des Silbers allerdings mehr Silbergulden an die 
Erzeugung einer Waarc wenden müssen und das Ausland hätte 
keine Veranlassung, mehr (4old für diese Waare zu bieten 
als zuvor; aber das gleiehbleibende (iuldquantum würde eine 
entsprechend* grössere Menge Silbers rej»rasentiren, und der 
Producent hätte, im eigenen Landesgelde berechnet, so viel er 
halten als zuvor, seine Concurrenzfahigkeit wäre im Auslande 
weder geschwächt noch gesteigert. .Und ebenso würde der 
Jmi»orteur ausländischer Waare zwar ein vergrössertes Silber 
quantum aut den inländischen Märkten erhalten, aber er müsste 
ein ebenso vergrössertes Silberquantnm zu Beschaffung der 
(Toldzahlmittel tür seine ausländischen J^ieferanten verwenden 
und auch er könnte daher nicht mit grösserem (Gewinne im Aus 
lande kaufen als zuvor. Da sich aber Productionskosten und 
Lebensmittel preise den Schwankungen der Tauschkraft des 
Zahlmittels lange nicht so rasch accommodiren als die im Welt- 
- handel bewegten Waaren, so wird sich das Verhältniss wesent 
lich anders gestalten. Der Producent wird noch längere Zeit 
hindurch zu den nämlichen oder doch annähernd zu denselben 
Preisen erzeugen können wie zuvor, für den Golderlös seiner 
Waare im Auslande aber mehr Silber einhandeln können, daher 
concnrrenzfähiger geworden sein. Der Importeur dagegen wird 
*auf den inländischen Märkten zwar um etwas mehr Silber er 
halten als zuvor, aber nicht genug, um dafür angesichts der 
gesunkenen Silberpreise das nämliche Goldquantnm einzu 
handeln; seine importfähigkeit wird also geschwächt sein. Dies 
wird so lange währen, bis nicht allmälig auch die Preise im 
kleinen Verkehr den (irosshandelspreisen nachgehinkt kommen 
und sich dadurch das Gleichgewicht wieder het-stellt. Wenn 
umgekehrt die Silberpreise steigen, wird ganz aus dem näm 
lichen Grunde das Entgegengesetzte eintreten. Nun wird der 
Producent annähernd die nämlichen Erzeugnngskosten haben, 
tür das im Auslande erhältliche Gohhpiantum dagegen einen 
geringeren Erlös an heimischen Silbermünzen Umtauschen 
können als zuvor, er wird sich also in seiner Conçurrenz- 
fähigkeit geschädigt sehen; und der Importeur wird tÜr den 
Erlös seiner Waare, wenn sich derselbe auch nominell einiger- 
nassen verringert haben mag, doch einen grösseren Geldbetrag
        <pb n="374" />
        362 — 
erhalten und dadurch leichter zu importiren vermögen, als vor 
eingetretener Veränderung. 
Man sieht, es ist das genau das Nämliche, was im dritten 
und vierten Capitel als Wirkung der Papiervaluta nachge 
wiesen wurde. Die Production wird zu übermässiger Tliätigkeit 
aufgestachelt werden bei sinkenden, sie wird unter verhängniss- 
vollen Rückschlägen zu leiden haben bei steigenden Silbei- 
preisen, und da aller Wahrscheinlichkeit nach — gleichwie dies 
für die Vergangenheit nachgewiesen wurde die kleinen 
Preise den nach aufwärts führenden Wellenbewegungen auch 
in Zukunft viel rascher folgen dürften als den nach ab 
wärts führenden, so wird der schliessliche Effect genau wie 
bei der Papierwährung eine empfindliche Schädigung der Pro 
duction sein. Dass nichtsdestoweniger die Silberwährung 
gerade unter Jenen, welche die Production, insbesondere die 
industrielle Production, mit allen ]\Iitteln schützen wollen, so 
lebhafte Freunde hat, ist auf denselben Grund zurückzuführen, 
der auch für die Begünstigung der Zettelwirthschaft seitens 
derselben Kreise massgebend war. Es ist die nämliche Kurz 
sichtigkeit, die um augenblicklicher Vortheile willen die Zukunft 
preisgibt. Da in den letzten .labren der Silberpreis conthmir- 
lich fiel, so war in der That die Wirkung für die österreichische 
Production genau die soeben beschriebene, günstige. Den ledig 
lich aus der zeitweiligen Bewegungsrichtung des Silber- 
Preises hervorgebenden Effect setzten aber die Industriellen obne- 
weiters auf Rechnung der Beweglichkeit selbst. Sie glauben, 
wie sie dies so lange Zeit bei der Papiervaluta geglaubt batten, 
dass es das Schwanken des inländischen im Verhältnisse zu 
dem ausländischen Geldwerthe sei, das Vorhandensein einer 
sogenannten Agioditferenz zwischen inländischer und aus 
ländischer Valuta, was ihnen Vortheil bringe. Und ihre un 
wissenden Wortführer bestärkten sie in diesem Glauben. Sie 
werden seinerzeit mit Erstaunen inne werden, dass die bequemen 
Consequenzen des Goldagios ebenso wie die des Silberagios 
aufhören müssen, sowie dieses Agio aufhört, sich von Woche 
zu Woche, von Monat zu Monat zu vergrössern, und es wird 
ihnen endlich auch die Erfahrung nicht erspart bleiben können, 
dass ihrer Concurrenzfähigkeit die empfindlichsten Wunden ge 
schlagen werden, wenn das Goldagio wieder in abwärts gleitender
        <pb n="375" />
        363 — 
Bewegimgist. Gleichwie für sie ein durch längere Zeit stationäres 
Silberagio von 50 Percent keinen anderen Effect hätte, als 
ob ein Silbergio überhaupt nicht bestände, so kann auch die 
höchste Preisdifferenz zwischen Gold und Silber diesbezüglich 
keinen direten Xachtheil oder Vortheil bringen, wenn sich 
dieselbe stationär erhält. Die Schwankungen aber schaden oder 
nützen ihnen, je nachdem sie nach aufwärts oder abwärts 
gehen, und wenn sie nach Verlauf eines längeren Zeitraumes 
Bilanz ziehen würden, so müssten sie, gerade so wie dies mit 
Pücksicht auf das Zetteldisagio erkannt wurde, finden, dass 
im Grossen und Ganzen ihre Verluste grösser waren als die 
Gewinne. 
Diese Verschiebungen und Schwankungen in den Preisen 
und Productionsverhältnissen. sind aber naturgemäss auch für 
die gesammte Vermögensverthcilung nicht gleichgiltig. Vor 
Allem ist in Betracht zu ziehen, dass in einem Lande, dessen 
Währungsmetall das nämliche ist, wie das der Nachbarländer, 
die Kaufkraft des Geldes lediglich von den Schwankungen 
dieses einen ]\lünzmetalls abhängig sein wird, während, wenn 
das betreffende Land mit seiner Währung isolirt ist, die Kauf 
kraft des Geldes nicht blos von dessen eigenen AVerthschwan- 
kungen, sondern von denen auch des Münzmetalls der Nach 
barländer beeinflusst ist und dass schliesslich unter Umständen 
die AWrthschwankungen des eigenen Münzmetalls durch die 
in entgrgenprfsetzfer Richtung erfolgenden Werthschwankungen 
des ausländischen in ihrer V'irknng verschärft werden können. 
A\ er auf ein üxes Einkommen gesetzt ist, wird allerdings aneh 
im ersteren Falle in seiner (Genussfähigkeit geschädigt oder 
begünstigt, je nachdem die Kaufkraft der Münze, in der er 
sein Finkommen bezieht, sich vermindert oder steigert ; aber 
was mit dem anderen Münzmetalle vorgeht, ist ihm ganz 
gleichgiltig. Er wird ferner vorübergehende Schwankungen 
in ihref* Wirkung kaum vers])üren, da die Lebensmittelpreise 
diesen Schwankungen bekanntlich nur sehr langsam folgen und 
von auswärts her sich durchaus nichts fühlbar macht, was 
diese kleinen I’reise zwänge, den Edelmetallschwankungen 
rascher zu folgen. Und wenn es übei'dies ein genügend grosses 
Verkehrsgebiet ist, dessen (Geldverhältnisse derart auf einheit 
licher Basis stehen, so werden selbst im Grosshandel die mei-
        <pb n="376" />
        m 
sten Waarenpreise nur sehr langsam den Edelmetallschwan 
kungen folgen ; denn da die Produetionskosten vorerst sieh nicht 
verändern, so kann diese Nachgiebigkeit zunächst blos durch 
den Contact mit jenen Verkehrsgebieten, die ein anderes Münz 
metall besitzen, oder durch den Einfluss der Zinsfussverhält- 
nisse auf die Productionsbedingungen erzwungen werden. Je 
grösser nun das durch die IVIünzeinlieit verbundene Verkehrs 
gebiet ist, einen je bedeutenderen Th eil des Gesammtumsatzes 
dasselbe in seinem eigenen Innern, einen je kleineren es mit 
dem münzverschiedenen Auslande unterhält, desto langsamer 
werden alle Waarenpreise und Löhne der Werthveränderung 
des Münzmetalls auf dem Edelmetallmarkte folgen, desto min 
der empfindlich wird diese Werthveränderung und die in ihrem 
(befolge gehende Vermögens Verschiebung sein. 1st dagegen 
ein Land mit seiner Währung von den Nachbarn isolirt, so 
werden alle Preise den Veränderungen des Edelmetallwerthes 
viel rascher folgen. Es ist nicht schwer einzusehen, dass es 
einen grossen Unterschied macht, ob die Preise aller west 
europäischen und amerikanischen Staaten durch die Rückwir 
kung der russischen und ostasiatischen Preisverhältnisse zum 
Weichen oder Steigen gebracht werden sollen, oder ob etwa 
die österreichischen Preise durch den Druck der Preisverhält 
nisse in allen europäischen Ländern beeinflusst werden sollten. 
Der Werth des Goldes kann beträchtlich sinken, bevor man 
in Europa aus diesem Grunde allein genöthigt wird, beispiels 
weise die Eisenpreise zu steigern. Denn die Produetionskosten 
für Eisen werden sich zuvörderst in ganz England, Frankreich, 
Deutschland, Belgien und, wenn auch Oesterreich zur Gold 
gemeinschaft gehört, auch in Oesterreich nicht erhöhen, und die 
in Folge der relativen Wertherhöhung des Silbers gesteigerte 
Aufnahmsfähigkeit Russlands und Ostasiens für Eisen wird 
schwerlich von grossem Fin dusse sein. Wenn dagegen Oester 
reich Silberwährung besitzt und es entwerfhet sich das Silber, 
so werden allerdings die Produetionskosten des österreichischen 
Eisens noch geraume Zeit die nämlichen bleiben ; aber nun 
mehr wird offenbar die durch das relative Steigen des Gold- 
werthes verminderte, Concurrenzfähigkeit und gesteigerte Auf 
nahmsfähigkeit der Goldländer für österreichisches Eisen trotz 
der unveränderten Produetionskosten sehr rasch eine Preis-
        <pb n="377" />
        ê 
— 365 — 
erliöLung lierbeiführen. In älmliclier Weise werden dnrcli den 
(xegensatz zu den ausländischen Productionsbedingungen die 
Preise zahlreicher anderer wichtiger Artikel verändert ; dies 
wird dann naturgemäss zur Folge haben, dass auch die vom 
Aussenhandel direct nicht berührten Preise und Dienstleistun 
gen sich verändern, dass also die Veränderung der Kaufkratt 
des Greldes auf stets weiteren (Gebieten zum Ausdrucke ge 
langt. Dadurch wird selbstverständlich jede Schwankung im 
Geldwerthe für alle Besitzverhältnisse viel empfindlicher, die 
Schwankungen in der Lebensstellung jedes Einzelnen werden 
häufiger und zahlreicher, als ohne diese Isolirung der Wäh 
rung der Fall gewesen wäre. 
Aber selbst die Schwankungen im Werthe jenes Edel 
metalls, welches nicht die Währung des Landes bildet, können 
nicht verfehlen, ihren Einfluss, allerdings im entgegengesetzten 
Sinne, auf die Vermögensverhältnisse jedes Landes zu üben, 
wenn in den wichtigeren Nachbarstaaten jenes andere Edel 
metall die Grundlage der Währung ist. Denn wenn sich bei 
spielsweise das Gold im Werthe ermässigt, so wird die Kauf 
kraft der Geldzeichen des Silberlandes im Auslande steigen, 
die Concurrenz der billig hereinströmend^n fremden Erzeug 
nisse wird die eigenen Preise drücken, und der Effect wird 
der nämliche sein, als ob das Silber im Preise gestiegen wäre, 
selbst wenn eine solche Preissteigerung absolut gar nicht statt 
findet, sondern nur im Verhältnisse zum Go Id werthe eingetre 
ten ist. Dadurch kann es kommen, dass die Störungen in den 
Besitzverhältnissen in dem Lande mit isolirter Währung nicht 
blos dann heftiger sind als im Auslande, wenn das eigene Wäh 
rungsmetall seinen Werth verändert, sondern sogar dann, wenn 
das ausländische allein seine Kaufkraft verändert. Dies wird 
desto deutlicher hervortreten, je kleiner das isoliide Verkehrs 
gebiet im Verhältnisse zu jenen Ländern ist, die das von iíím 
verschiedene Währungsmetall besitzen, und je lebhafter sich 
der Güteraustausch mit diesen letzteren gestaltet. Denn desto 
mehr wird dann die beklagenswerthe Erscheinung zu Tage 
treten, dass der eigentliche Werthmesser nicht das eigene, 
sondern das fremde Währungsmetall ist und dass daher jede 
Schwankung in der Werth relation beider Edelmetalle, sie mag 
von dem einen oder vom anderen ausgegangen sein, in Form
        <pb n="378" />
        einer veränderten Kanikralt des (Jeldes iin isolirten Lande 
liervortritt. Desliall) spriidit man ancli nicht ganz mit TInreclit 
in solchen Ländern von einem Agio der eigenen Geldzeichen 
gegen die ausländischen, während die enropäischen Goldländer 
heute weder ein Silber- noch ein (toldagio mehr kennen, son 
dern lediglich einen Silberp reis. 
Es bedarf nun nach dem im ersten Buche Gesagten kei 
ner Wiederholung des Nachweises, dass derartige stete Schwan 
kungen in der Kaufkraft jenes (Feldes, auf das alle Besitz-, 
Gontrae.t- und Geschäftsverhältnisse begründet sind, von über 
aus schädliehen Folgen auf allen wirthschaftlichen Gebieten 
begleitet sein müssen. Lie solide Speculation wird gestört, der 
Spielgeist genährt, die Bedürfnissspliäre jedes Einzelnen ist 
ungesunden Ausdehnungen und Einschränkungen unterworfen, 
da die Folgen sind unter Umständen noch verheerender, als die 
(Konsequenzen derselben Erscbeinungen in Ba]nergeldländern, 
da eben die Schwankungen zwischen Gold und Silber zeit 
weilig sogar intensiver sein können , als zwischen l^apiergeld 
und ^Metallgeld. 
Lass die Wechselcourse unter der KMünzverschiedenheit 
leiden müssen, wurde bereits angedeutet. Gleichwie die Papier- 
wirthschaft dadurch, dass sie das Edelmetall überhaupt in 
Folge seiner Lemonetisirung im eigenen Lande entwerthet und 
dadurch den Paristand des Wechselcourses um den Betrag der 
Exportkosten des Edelmetalls herabdrückt, jedem damit be 
hafteten Lande ('oursverlnste auferlegt: so gilt das Nändiche, 
u. z. in ganz unvermindertem Masse, auch für ein Land mit 
isolirter MetalIwährnng. Ist cs ein Silberland, das sich der 
art der drückenden Gonenrrenz der Goldländer allein gegen 
über befindet, so wird dieses schon ans dem Grunde hei seinem 
Wechselverkehre ohne Ausnahme die Umweclrslungskosten des 
Edelmetalls zu tragen haben, da es im internationalen Ver 
kehre das Gold ist, welches als Zahlmittel von Land zu Land 
benützt wird. Las (bold ist aber im Silbeiiande genau wie 
im Papierlande um den Betrag der Transport- und Präge 
kosten weniger werth, als in den Goldwährnngsländern ; das 
aber will besagen, dass schon bei paritätischer Zahlungsbilanz 
ein Wechsel auf Berlin über 1 Pf. Gold ausgestellt theurer
        <pb n="379" />
        ijp.^ 
— 3*17 — '-1 
bezahlt werden muss, als ein AVeehsel auf AVien über das- 1 
selbe Pfund Grold. Wird die Zahlungsbilanz für das Silber 
land günstig, so wird allerdings von dieser zu seinen Ungun 
sten vorhandenen Differenz ein mehr oder minder grosser 
Bruclitheil verschwinden ; aber der Paricours wird für das 
selbe bereits die mathematische Gewinnstgrenze sein, die nur 
unter ganz ausnahmsweisen Verhältnissen überschritten werden 
kann ; und eine wirklich ungünstige Zahlungsbilanz wird in 
Form eines Zuschlages zu der a priori vorhandenen Coursdiffe 
renz hervortreten. Db Silber im Verhältnisse zum Golde steigt j 
(xler fällt, muss dabei ganz gleichgiltig sein. Gleichwie bei | 
Berechnung der Wechselcourse in Papier vorerst das Noten- '] 
disagio einzurechnen ist, so wird man in den Ländern mit 
verschiedenen Währungsmetallen vorerst beide Wechselcourse 
auf die l’reise im selben Metalle reduciren müssen, und dann 
immer noch finden, dass die Silberwechsel weniger werth sind ’ 
als die Goldwechsel. 
Dies gilt selbstverständlich nur fiir die i s o 1 i r t e n 
Silberländer, d. h. für jene, die in ihrem Aussenhandel von 
Goldländern abhängig sind. Die AVechsel der ostasiatischen 
Länder sind unter ganz anderen Gesichtspunkten zu beurthei- 
len. Der ungeheure Ländercomplex am indischen und chine 
sischen Ocean hat zwar mit den abendländischen Staaten sehr 
umfangreiche Verkehrsbeziehungen ; trotzdem aber verschwin 
den dieselben angesichts der weitaus bedeutenderen Beziehun 
gen, welche diese Länder unter einander selbst haben. Sie 
stehen also dem Abendlande gleichberechtigt und gleichkräftig 
gegenüber, ihre Preisverhältnisse werden von denen des Abend 
landes nicht stärker beeinflusst, als die abendländischen von 
den ihrigen ; das abendländische Gold ist für sie ebensowenig 
der Werthmesser, wie ihr Silber der Werthmesser des Abend 
landes. Die Verluste aus der Währungsverschiedenheit wer 
den also nicht von ihnen allein getragen, sondern zwischen 
ihnen und ihren abendländischen Geschäftsfreunden getheilt. 
Aber nichtsdestoweniger und trotzdem die Zahlungsbilanz 
Ostasiens fortwährend eine günstige ist, muss man es als 
wahrscheinlich ansehen, dass der grössere Theil der durch die 
Alünzverschiedenheit verursachten Wechsel Verluste nicht von 
den europäischen Staaten, sondern von Indien und (diina ge-
        <pb n="380" />
        — 3fi« — 
tragen wird. Denn diese Frage entscheidet sich nicht darnach, ol) 
ein Tvand Edelmetalle zn empfangen oder zn zahlen hat, son 
dern hauptsächlich darnach, oh seine Preise mehr von denen 
des münzverschiedenen Cîoncurrenten, oder umgekehrt die dieses 
Concurrenten mehr von den seinigen beeinflusst werden. Und im 
Verkehre zwischen dem Ahendlande und (Jstasien werden 
höchst wahrscheinlich die abendländischen Preisverhältnisse 
viel massgebender in Ostasien sein, als die ostasiatischen im 
Abendlande, u. z. aus dem (trunde, weil im ungeheuren abend 
ländischen Verkehre die ostasiatisehe Quote mehr verschwindet, 
als die Quote des Abendlandes im ostasiatischen Verkehre. 
Auch der Einfluss der IVIünzVerschiedenheit auf den Zins- 
fuss eines Landes bietet viele Analogien mit dem Einflüsse 
der Papier wir thschaft. Eine derartige Verschiedenheit und 
die in ihrem Gefolge gehenden Schwankungen stören den Zu 
fluss fremder Capitalien, vertheuern durch Versicherungsprämien, 
die das ausländische Capital fordert, in erster Linie diese aus 
ländischen und damit rückwirkend auch die inländischen ('api- 
tal ien. Wahr ist allerdings, dass der Zinsfuss jedes europäischen 
Landes m i n d er stabi 1 wird, sowie dasselbe zur (ioldwährnng 
übergeht. Dies folgt vor Allem schon aus der leichteren Zu 
gänglichkeit desselben für fremde Capitalien , dem ebenso ein 
erleichterter Abzug dieser selben Capitalien gegenüber steht. 
Es muss daher ohneweiters zugegeben werden , wie schon im 
ersten Buche bei Gegenüberstellung der Papierwährung und Me 
tallwährung anerkannt wurde, dass insbesondere die Zinsfuss- 
politik ^der österreichischen Nationalbank weit intensiveren 
Veränderungen ausgesetzt sein wird, wenn das Land zur Gold 
währung übergeht. Auch ist es richtig, dass derartige Schwan 
kungen häutig mit weitgehenden Erschütterungen für den 
Handelsverkehr verbunden sind. Es ist dies eine nothwendige 
Consecpienz der höheren Verkehrsstufe , welche die Goldwäh 
rung der isolirten Silberwährung gegenüber repräsentirt, ja 
es gilt dies in der That nur insofern und bis zu jenem Um 
fange , in welcliem durch die höhere Währung thatsächlich 
eine höhere Verkehrsstufe erreidit wird. iirde durch die 
Goldwährung in (.lesterreich die Creditwirthschaft nicht ent 
wickelt , der internationale Handel nicht erleichtert, die Pro 
duction nicht befördert, so eiitflelen auch damit jene Ursachen,
        <pb n="381" />
        — 8()9 — 
(lip (len Zinsfuss sclnvankpTidpr machen könnt(^n. Kämen 
fremde Capitalien nicht leichter und reichlicher herein, so 
könnten sie nnmöglich zu Zeiten leichter und reichlicher ab 
strömen ; würden die internationalen Handelsbeziehungen nicht 
erweitert, so könnten fremde Handelskrisen keinen vehemen 
teren Rückschlag ausüben als zuvor, und würde die Production 
dui’ch den gesteigerten fremdländischen Absatz nicht gehoben, 
so konnte eine Stockung im fremden Absätze nicht gefährlicher 
werden als hei der Silberwährung. Die Behauptung, dass 
ein bestimmtes Land derartigen Erschütterungen noch nicht 
gewachsen , dass es ans diesem (H unde für die GroldWährung 
noch nicht reif sei, krankt daher an einem inneren Wider- 
s])ruche. Ein Verkehrsgebiet kann allerdings unreif sein für 
die (-roldwährung, aber nur ans inneren Gründen, wenn nämlich 
dieses Tauschmittel noch zu kostbar zur Vermittlung seiner 
kleineren Transactionen ist. Aber selbst einem solchen Lande 
könnte die Goldwährung in internationaler Beziehung nur 
Nutzen, aher keinen Schaden bringen. Der Nutzen wäre dann 
eben wegen des geringen Verkehrs mit dem Auslande verhält- 
nissmässig gering, aber ebenso gering müssten die Erschütte 
rungen des (/reditsystems in Folge der Goldwährung bleiben. 
Diejenigen, die das Gegentheil glauben, gehen von der 
Ansicht ans, dass internationale Schulden gekündigt werden 
können gleich einer auf kurze Sicht ausgestellten Anweisung, 
dass demnach die international verschuldeten Länder der Ge 
fahr einer plötzlichen Zurückziehung der vom Auslande bei 
ihnen investirten (Kapitalien ansgesetzt seien und dass diese Gefahr 
desto drohender werde, je bequemer den fremden (Kapita 
lien durch eine Verbesserung der heimischen Geldverhältnisse 
diese Zurückziehung gemacht wird. Man hört sehr häufig die 
Behauptung, dass England, dem die übrige Welt viele Mil 
liarden schuldig geworden sei, für den Fall, als sich dort 
eine Beengung des Geldstandes zeigen sollte, mit leichter 
Mühe durch Zurückziehung auch nur eines geringen Bnich- 
theiles seiner im Auslande placirten Gelder für das Fehlende 
Ersatz schaffen könne , während die verschuldeten Länder in 
diesem Falle wehrlos dieser Kündigung gegenüberstünden, ja 
der. Gefahr ausgesetzt wären , dass ihnen auf diesem Wege 
ihre gesammten Baarmittel eines schönen Tages entzogen 
Dr. Til. Hertzka, Währung nnd Handel. 94
        <pb n="382" />
        370 
würden. England aber, so wird weiter argumentirt, würde 
sich, wenn es Geld braucht, nicht an jene seiner Schuldner 
wenden, die zur Zahlung in Silber verpflichtet sind, da ilini 
ja mit dem Silber, das in England blos Waare ist, nicht gedient 
wäre, sondern an die zur Zahlung in Gold verpflichteten, also 
an die Goldwährungsländer. Dasselbe gälte natürlich auch 
für Eranhreich, Deutschland und Holland. Diese Handel 
hätten von Gesterreich einige Milliarden zu fordern; was wäre 
natürlicher, als dass sie, wenn sie sich einmal in Geldver 
legenheiten befänden, einen Bruchtheil dieser Milliarden plötzlich 
kündigten, wodann die österreichische Nationalbank, ehe sie 
sich nur recht besinnen könnte , ihren ganzen Metällschatz in 
Berlin, Amsterdam, Baris und London sehen würde. 
31 an sollte zwar meinen, dass Jahrhunderte lange Erfah- 
’ rungen die Grundlosigkeit derartiger Besorgnisse , ja die nn- 
freiwillige Komik, die in denselben steckt, genügend dargelegt 
haben dürften. England hatte doch auch schon bisher Forde 
rungen von ziemlich grossem Umfange an einzelne Goldwäh 
rungsländer — wir verweisen nur auf Bortugal; warum hat 
sich nun die englische Bank selbst in Zeiten der höchsten 
Noth , wenn ihr Zinsfuss auf 10 Bercent gesteigert werden 
musste, Baarmittel niemals aus Lissabon, sondern in der Regel 
ans Baris, Amsterdam oder Berlin zu verschaffen gewusst, 
aus Ländern also, die England keinen Heller schuldig sind, 
überdies regelmässig in Silber zahlten V \\&gt;r die Augen nicht 
absichtlich verschliesst, wer sich nicht selber durchaus 
„Gruseln“ machen will, dem kann es nicht schwer fallen, den 
Grund zu erkennen. Das, was man gemeinhin internationale 
Schulden nennt, kann man eben nicht kündigen, soiidein 
nur verkaufen. Man kann also einem international ver 
schuldeten Lande nicht durch den Gerichtsexecutor Geld ent 
ziehen, sondern ihm höchstens seine eigenen Schuldverschrei 
bungen zum Kaufe anbieten; und man kann es in einem sidchen 
Falle um so schwerer dahin bringen, ein derartiges Kaufanbot 
zu acceptiren , je mehr seine internationale Verschuldung wirk 
lich gleichbedeutend ist mit internationaler Armiith, je geringer 
also seine Kaufkraft ist. Und gesetzt den Fall, dass der 
artige Kaufanbote willige Käufer in dem verschuldeten Lande 
fänden, so würden diese fürs Erste den Verkäufern noch
        <pb n="383" />
        371 
24* 
laiige niolit Clold, sondern dreimonatliche Wechsel schicken, mit 
denen den Engländern, die Gold, u. z. augenblicklich Gold 
brauchen, Gold, welches nicht in Wien bereit gehalten wird, 
um später bei Begleichung des Passivsaldos der Zahlungsbilanz 
remittirt zu werden, sondern Gold, welches nach einigen Tagen 
in den Kellern der englischen Bank liegen soll, sehr wenig 
gedient wäre. Ferner aber besteht zwischen dem momentanen 
Bedürfnisse eines Landes nach Baarmitteln und zwischen seiner 
Geneigtbeit, Schuldtitres zu verkaufen, mit nickten jener innige 
Zusammenhang, der die noth wendige Voraussetzung derartiger 
Verkaufsaufträge für fremde Titres wäre. Wenn die Bankrate 
in London von 2 auf 10 Percent steigt, brauchen deshalb 
weder die Consols noch die fremden Papiere an der Londoner 
Börse auch nur um den hundertsten Theil einer dem entspre 
chenden Courseinbusse zu fallen ; und wollte der englische 
Rentner seine österreichischen Papiere nach AVien senden, so 
würde er schon an Commissionsgebühr voraussichtlich viel 
mehr verlieren als er selbst bei längerer Dauer eines so hohen 
Zinsfusses auf dem Wechselmarkte an Zinsen zu gewinnen Aus 
sicht hätte. Die Wirkung der Zinsfusserhöhung auf die in 
ternationalen Schuldverhältnisse wird sich also darauf beschrän 
ken , dass der englische Capitalist zeitweilig keine neuen 
fremden Werthpapiere kaufen dürfte ; sonst haben die Edel- 
metallfluctuationen der grossen Banken und ihre Zinsfusspolitik 
mit den dauernden internationalen Schuldverhältnissen nichts 
gemein. Wohl aber äussern diese Fluctuationen eine Wir 
kung auf den internationalen Wechselverkehr, und dies 
ist es auch, was dazu benützt wird, um im Falle des 
Bedarfes Gold von Land zu Land zu befördern. Wenn die 
englische Bank durch ihre Zinsfusserhöhung Gold herbeiziehen 
will, so fällt es ihr dabei auch nicht im Traume ein, zu hoffen, 
dass diese ihre Massregel fremde in England placirte Werth 
papiere an fremde Börsen bringen werde ; sie rechnet vielmehr 
darauf, dass der hohe Zinsfuss einerseits den englischen Ban- 
(juier abhalten wird, fremde Wechsel zu escomptiren, anderer 
seits darauf, dass die fremden Banquiers sich veranlasst sehen 
werden, englische Wechsel zu escomptiren. Beides geschieht 
nun in der That und hat überall dort, wo englische Wechsel 
gekauft oder einheimische Wechsel von englischen Banquiers
        <pb n="384" />
        zurückgewiesen werden, die noth wendige Consequenz, dass der 
Zinsfuss .steigt. Aber es ist klar , dass dieser Einfluss nicht 
dort am fühlbarsten sein wird, wo man aus einem anderen 
Titel an England am meisten schuldig ist, sondern vielmehr 
dort, wo in der Regel am meisten eigene echsel nach Eng 
land gesendet werden und wo englische A\ echsel am leich 
testen unterzubringen sind. Beides hängt ganz allein und 
ausschliesslich von der Lebhaftigkeit des Verkehrs, nicht 
aber von irgend einer Art Verschuldung ab. V ohl kommt 
Wechselreiterei auch im internationalen Verkehre zu Zwecken 
der (Teldbeschaffnng vor ; aber sie bildet glücklicherweise 
überall nur eine Ausnahme und im grossen Ganzen hat 
kein Land mehr Wechsel im Auslande, als es von dort 
Güter gekauft, und nicht mehr aüsländische Wechsel, als es 
Güter an’s Ausland verkauft hat. Die Goldwährung hat 
hier allerdings den Effect, dass sie erstens die Handelsbezie 
hungen des Landes, welches dieselbe angenommen, vermehrt 
nnd folglich auch den jederzeit schwimmenden Wechselvorrath 
desselben vergrössert, sodann aber den weiteren, dass man 
fremde Wechsel mit geringerem Verluste kaufen kann , und 
dass folglich die einheimischen Ban(|uiers im Falle eines plötz 
lichen Geldbedarfes in einem beliebigen Goldwährungslande 
leichter mit den Banquiers aller anderen Goldwährungsländer 
bei Erwerbung der Wechsel des goldhedürftigen Landes con- 
curriren können. 
Es wird nunmehr auch klar sein, warum die Zinsfnssschwan- 
kungen regelmässig in jenem Lande die grössten sind, dessen 
Reichthum der grösste, dessen Aussenhandel der lebhafteste 
ist. Dieses ist nämlich am ehesten in der Lage, zur Deckung 
des Geldbedarfes überall in der Welt beizutragen ; es wird 
an Geldüberfluss leiden , wenn ein derartiger Bedarf zufällig 
nirgend existirt, und es wird augenblicklich den Einfluss ver 
spüren, sowie ein derartiger Bedarf itn entlegensten Winkel 
des Erdballs anftritt. Oesterreich wird daher auch mit der 
Goldwährung bezüglich der Schwankungen seines Zinsfusses 
nnd der Abhängigkeit desselben von den Schwankungen in 
anderen Ländern, weit hinter den westlichen Staaten zurück 
stehen ; aber es wird allerdings — gerade weil die Goldwäh 
rung seinen Reichthum und seinen Verkehr heben muss
        <pb n="385" />
        373 
mehr und intensivere Schwankungen erleiden , als bei der Sil 
berwährung der Fall wäre. 
Dass Capitalreichthum und Intensität der Zinsfuss- 
schwankungen eines Landes im geraden Verhältnisse stehen 
müssen, geht aus Folgenden hervor: Mit der Steigerung des 
Keichthums ist beinahe immer noth wendigerweise eine höhere 
Ausbildung des Creditsystems verbunden; der Vorrath an 
effectiven haaren Circulationsmitteln ist also im Verhältnisse 
zum vorhandenen Capitale in den reichen Ländern kleiner als 
in den ärmeren. Im inländischen Verkehre des capitalreichen 
lisndes wird dem entsprechend auch jede Steigerung der 
Umsätze verhältnissmässig geringeren Zuwachs an Circula 
tionsmitteln erfordern als im ärmeren Lande und daher die 
grössere Steigerungsfähigkeit dieses Verkehrs selbst das Circu- 
lationsmittelbedürfniss doch nicht stärker berühren als hier ; 
vermöge seiner grösseren Capitalskraft aber wird das reiche 
Land viel leichter in die Lage kommen als das arme, durch 
fremde Ca¡)italbedürfnisse in Contribution gesetzt zu werden, 
und diese fremden Bedürfnisse müssen zum grösseren Theile 
durch Raargeld gedeckt werden; es kann daher eine In 
anspruchnahme'des Credits, die in Hinsicht auf die Capitalskraft 
des reichen Landes kaum in Betracht kommt, doch sehr fühl 
bare Lücken in dessen Circulationsmitlelstand reissen. Es lässt 
sich dies leicht an einem Beispiele ziffermässig veranschau 
lichen. Nehmen wir an , der Capitalsreichthum Fnglands be 
irüge 10 Milliarden Pfund, ebensoviel sein durchschnittlicher 
jährlicher Verkehr und 1(50 Millionen Pfund oder 1'5 Uer- 
cent des Verkehrs sein durchschnittlicher (ürculationsmittel- 
vorrath, V enn nun mit Hilfe des Capitals der einheimische 
Verkehr auch um 10 Millionen Pfund gesteigert wird, so 
würde sich damit ceteris paribus kraft der hohen Entwicklung 
des englischen (heditsystems der Circulationsmittelbedarf blos 
um O l (5 ^lillionen Pfund steigern. Wenn aber diese nämlichen 
10 Millionen englisches Capital beispielsweise dem portugiesischen 
Verkehre zugewiesen werden, so wird dies kraft der dortigen 
Credit- und Circulations Verhältnisse eine Vermehrung des 
Baarvorrathes in Portugal voraussetzen, die vielleicht 10 Per 
cent der Verkehrssteigerung gleich ist. England wird also bei 
den 10 Millionen Capital, die es an Portugal abgibt, 1 Million
        <pb n="386" />
        — 874 
Circulationamittei abgeben niüsaen. iJie Capitalsanswande- 
rung wird jetzt bloa 1 pro Mille, die (-leldauswanderung 
b pro Mille des englisclieii Vorratha betragen, es wird also eine 
Lücke im englischen Circulationsmittelvorrath entstehen. Und 
da es ganz kolossale Capitalssumnien sind, die in Ungland jeder 
zeit zur Verwendung im Auslande verfügbar sind, so werden 
auf diese Weise sehr häutig gewaltige Ijiicken in den Haar 
mittelstand des Landes gerissen. Wenn dagegen umgekehrt 
Capitalsrückzahlungen vom Auslande erfolgen, so vermehren diese 
den Baarvorrath Kiiglands jedenfalls in höherem Masse, als 
nach englischen Credit- und Circulationsverhältnissen der Ver 
mehrung des Capitals entsprechen würde. Und da auf diese 
Weise England als MitteJpunkt des Capital ma rktes der Welt 
einem steten Zu- und Abströmen geliehener und rückgezahlter 
Capitalien ausgesetzt ist, die Haarmittelbezüge und Haarmittel 
sendungen sich aber niemals in entsprechendem Verhältnisse 
zur Capitalsbewegung betinden, so ist in Lombardstreet die 
Zinsfussschraube in steter Bewegung. Darin und nicht in der 
fehlerhaften Organisation der Peel’schen Bankacte ist die 
hauptsächliche Ursache der ungeheueren und unvermittelten 
Sprünge des Discontsatzes der englischen Bank zu suchen, da 
es kann füglich behauptet werden, dass diese Sprünge nicht 
wesentlich geringer wären, wenn es in England blos voll- 
bedeckte Noten oder, was auf dasselbe hinauskommt, blos Cold 
gäbe. So lange man es nicht ändern kann — und das wird 
man niemals — dass jeder englische Capitalist für seine dis 
poniblen Mittel dort Verwendung sucht, wo ihm eben die beste 
und verhältnissmässig sicherste Anlage geboten wird, dass 
er ferner bei derartiger Verwendung einen grösseren Theil 
seines Capitalbesitzes in Form von Umlaufsmitteln auswandern 
lässt, als seiner Quote an Landescirculationsmitteln nach eng 
lischen Verhältnissen entsprechen würde; so lange wird man 
es nicht vermeiden, dass die internationalen Beziehungen 
des Insellandes dessen Ooldvorräthe fortwährend in der 
empfindlichsten Weise alteriren. Allerdings hat der Umstand, 
dass nach englischen Verhältnissen einer gegebenen Capitals- 
menge ein geringerer Baarmittelvorrath entspricht, als in den 
anderen Ländern, zugleich die Folge, dass die englischen Capi- 
talisten stetig die Tendenz verfolgen müssen, bei den Capital-
        <pb n="387" />
        375 
Sendungen an ihre fremdländische ('lientel sowohl als in 
den Capitalsbezügen von derselben weniger Baarmittel zu sen 
den und entgegenzunelimen, als diese von Fall zu Fall bean 
spruchen und abgeben wollen. Dass dies geschieht, kann um 
soweniger bezweifelt werden, da ja, wie soeben nachgewiesen 
wurde, umfangreiche Capitalsendungen aus England dort den 
Circulationsmittelvorrath beengen und folglich den Zinsfuss für 
(ield steigern, also das Gold gesuchter machen und den Capital- 
export in anderer Form vortheilhaft erscheinen lassen ; während 
ein umfangreiches Zurückströmen von Capital kraft derselben 
Ursachen das Gold abundant macht und folglich die Empfang 
nahme des Capitals in anderer als Goldform wünschen lässt. 
Die Baarmittelsendungen und Empfänge werden sich also in 
der Kegel weder genau den englischen, noch genau den Ver 
hältnissen jenes Landes anpassen, welches von England Capital 
nimmt oder dahin sendet, sondern sich in der Mitte zwischen 
beiden befinden. Aber die Störungen werden trotzdem immer 
empfindlicher für die englische als für die fremdländische Cir 
culation sein, denn wenn England eine Million zu viel an Cir- 
culationsmitteln entnommen, gleichzeitig aber dem Auslande 
immer noch eine Million zu wenig an Circulationsmitteln zu 
geführt worden ist, so wird dadurch in England ein Verkehr 
von 1(K) Millionen, im Auslande dagegen blos ein solcher von 
10 Millmnen der Circulationsmittel entbehren. Dies ist die 
Ursache, warum in Zeiten allgemein steigenden Unternehmungs 
geistes der Bankzinsfuss in England verhältnissmässig stärker 
steigt, in Zeiten abnehmenden Unternehmungsgeistes verhält 
nissmässig tiefer sinkt als sonst woauf dem Continente, ohne 
dass der landesübliche Zinsfuss für anderweitige Capitalien 
dieser Bewegung hier und dort zu folgen brauchte. 
Und diese Empfindlichkeit des Geldmarktes gegen die 
Ca pitaIsver Wendung nimmt naturgemäss im selben Masse ab, 
wie der Capitalsreiehthum und die Creditentwicklung ; sie 
nimmt ab mit der Leichtigkeit, an den Capitals- undCirculations- 
mittelströmungen der reicheren Länder zu participiren. Deshalb 
aber die Goldwährung zu perhorresciren, wäre ziemlich gleich 
bedeutend mit der Furcht vor kräftiger Nahrung, weil diese zu 
gleich die Begierden und Leidenschaften steigert. Der Schaden, 
den die im Gefolge der Goldwährung einhergehenden grösseren
        <pb n="388" />
        Erschütterungen im Creditwesen verursachen, kann niemals 
grösser sein als der Nutzen aus der Erleichterung des Ver 
kehrs durch die Goldwährung; denn jene Erschütterungen sind 
erst möglich, wenn diese Erleichterung ihre volle Wirkung 
äussert. Sie sind gleichsam die Symptome, an denen man die 
gesteigerte und daher heftiger schäumende Kraft des Wirth- 
schaftslebens erkennt. Wie überall, so ist auch hier Leben 
und Gesundheit gleichbedeutend mit Bewegung, Iluhc und Still 
stand gleichbedeutend mit Verfall. 
Da in solcher Weise eine isolirte Währung auf allen 
Gebieten der Volkswirthschaft von den nachtheiligsten Folgen 
begleitet ist, so sollte a priori schon einleuchtend erscheinen, 
dass auch der Einfluss derselben auf die Staatsflnanzen durch 
aus schädlich sein muss. Doch da gerade im Währungsstreite 
aus den richtigsten Prämissen häufig die irrigsten Schlüsse 
gezogen werden und grösste Klarheit nach jeder Richtung 
noth tliiit, so wird es gut sein, wenn man auch die Rückwirkung 
des Währungssystems auf die Ordnung im Staatshaushalte ganz 
speciell untersucht. 
Hier gilt nun zuvörderst im grossen Ganzen wieder das 
Nämliche, was im ersten Buche als finanzielles Ergebniss der 
schwankenden Papiervaluta gefunden wurde. Unter den Privat 
einkommen bestehen mannigfaltige Abstufungen hinsichtlich der 
mehr oder minder grossen Schnelligkeit, mit der sieh diese 
Einkommen den Schwankungen des Geld wert hs acconiniodiren 
Wälu'end gewisse Producenten bei einem Sinken des (Kdd- 
werths ihr frei verfügbares Einkommen nicht blos relativ, 
sondern sogar absolut gesteigert sehen werden, wird bei anderen 
die nominelle Steigerung des Einkommens blos mit dem Sinken 
der Kaufkraft des Geldes Schritt halfen , wieder bei anderen 
wird sie mehr minder hinter der Geldentwerthung Zurück 
bleiben. Die auf fixe Besoldung Gesetzten werden lange Zeit 
trotz der verminderten Kaufkraft des Geldes doch nojiiinell 
nur denselben Geldbetrag empfangen ; bei diesen kann sich die 
Ausgleichung nur sehr allmälig vollziehen und zwar lediglich 
dadurch, dass der Druck aut die Lebensstellung der derart 
Betroffenen zahlreiche Personen davon abhalten muss, einen 
ähnlichen Beruf zu ergreifen, dass sich dem entsprechend auf 
den betreffenden Gebieten das Angebot an Arbeitskraft ver-
        <pb n="389" />
        H77 
riiigert und dadurch die Arbeitgeber genöthigt werden, die 
Uelialte zu erhöhen. Der Staat aber gehört, wie im 1. Buche 
bereits hervorgelioben wurde, gleiclisam zu den tix Besoldeten ; 
die meisten Steuern liefern, solange der Steuersatz nicht 
erhöht wird, nur unwesentlich höhere Tlrträge, auch wenn das 
steuerpflichtige Crut noch so sehr im Preise steigt. Der Steuer 
satz aber kann im Falle der (xeldentwerthung nur schwer und 
allmälig erhöht werden, zunächst schon aus dem 1%runde, weil eine 
grosse Classe von Steuerträgern das Schicksal des Staates 
theilt, nämlich trotz der allgemeinen Preiserhöhung unfähig 
ist, auch nur nominell höhere Lasten zu tragen. Zudem ist 
jede Verschiebung der Vermögens- und Einkommensverhä 11- 
nisse im Volke den Staatsfinanzen schädlich, denn die ver 
minderte Leistungsfähigheit der Benachtheiligten wird sich 
augenblicklich fühlbar machen, die erhöhte Leistungsfähig 
keit der Begünstigten dagegen kann nur selten rasch genug 
ausgebeutet werden. Aus demselben Grunde werden auch ganz 
im Allgemeinen für den Staat die Folgen einer Geldentwerthung 
weit rascher fühlbar sein als die einer Geldvertheuerung. 
Die Staatsausgaben dagegen richten sich beinahe sämmt- 
lich nach den auf dem Weltmärkte herrschenden Preisen, und 
zwar geschieht dies, wie im IX. Capitel des I. Buches nachge 
wiesen wurde, mehr oder minder rasch, je nachdem es sich 
um die Zinsen im Auslande untergebrachter Anlehen, um Waaren- 
eiiikäufe am offenen Markte oder um Gehalte handelt. Der 
Staat mit isolirter Silberwährung wird also bei einem Fallen 
des Silberpreises, oder was für ihn auf dasselbe hinausläuft, 
bei einem Steigen des Goldpreises, im grossen (Tanzen nominell 
dieselben Einnahmen, aber gesteigerte Ausgaben, bei einem 
Steigen des Silberpreises oder Fallen des Goldpreises annäherml 
dieselben Einnahmen, aber verminderte Ausgaben haben ; er 
wird im ersteren Falle Deficite, im zweiten Falle Ueberschüsse 
in seinem Haushalte entstehen sehen, die nicht vorhanden 
wären, wenn sein Währnngsmetall das der Nachbarstaaten 
wäre. Aber während sich Verlust und Gewinn bei den 
Ausgaben in beiden Fällen so ziemlich die Wage halten, 
wird bei den Einnahmen der Gewinn aus einer Steigerung 
des (xeldwerths dem Verluste bei der (xeldentwerthung niemals 
gleichkommen, es wird sich auf die Dauer immer ein lieber-
        <pb n="390" />
        B 
— 378 — 
.schuss an Vei’lusf ergehen. Verderblielier noch als diese eftec- 
tiven A'^erJuste wird aber für den Staatshaushalt, jedenfalls die 
stetige Ungewissheit über die zukünftige (festaitung desselben 
sein. Von den Zufälligkeiten des A'^erhäUnisses von Angebot 
und Nachfrage für Udelinetallç auf dem A\'^eltmarkte wird die 
jeweilige Finanzlage eines solchen Staates abhängen, und dies 
kann unmöglich der guten Wirtbschaft förderlich sein. 
Die hauptsächlicben Verluste für die Staatsünanzen aus 
der unrichtigen Wahl des AVährungsmetalls werden sich aber 
in Folge (1er Schädigung der volkswirthscliaftliclien Interessen 
ergeben. Die Behinderung des Handels, die Verluste aus den 
AVechselcoursen , die Frschütterung der Production, die Fr- 
schwerung der an's Ausland zu zahlenden Zinsenlast, all’ dieses 
muss sich nothwendigerweise auch an den Staatscassen fühlbar 
machen; denn ein Volk, dessen Arbeitskraft durch ein schlecht 
gewähltes AAnkehrsinstrument gelähmt ist, wii’d auch zu Staats 
zwecken weniger beizustenern in der Lage sein, als ein solches, 
das sich irn Besitze des passtmdsten, besten Circulationsmittels 
befindet.
        <pb n="391" />
        VIT I. Capitel. 
Der Sclilagscliatz. 
Erribt Seyd hat in seiner Broschüre „Die wahren Grund 
sätze des Banknotenwesens“ für Deutschland in überzeugender 
Weise die Nothwendigkeit dargelegt, die Münzstätten der 
Privatausprägung freizugeben und den übermässig hohen 
Schlagschatz von Va Percent ausgiebig, etwa auf V« oder 
V's Percent zu ermässigen. Er ist jedoch dabei in dem grossen 
Irrthuin befallen, diese Forderung in erster Linie mit dem 
Hinweise auf den internationalen Reichthum Deutschlands zu 
begründen, mit welchem dieselbe in Wahrheit sehr wenig 
gemein hat. Die Freigebung des Miinzrechts an Private und 
die Ermässigung des Schlagschatzes, durch welche beiden 
Massregeln die Freizügigkeit des Goldes erst zu rechter Wirk 
samkeit gelangt, sind Postulate der Vervollkommnung des 
Geldwesens für den internationalen Verkehr, und diese Voll-* 
kommenheit erweist sich gleich heilsam für die international 
armen, wie für die international reichen Nationen. Der Verkehr 
der letzteren ist allerdings lebhafter und grossartiger als der 
der ersteren und jede Schädigung desselben gelangt aus diesem 
(gründe in absolut grösseren Verlustziffern zum Ausdrucke; 
•aber die absolut geringeren Verluste sind doch für die ärmeren 
Nationen verhältnissmässig ebenso emptindlich, und die Miinz- 
vollkomnienheit muss ihnen daher ebenso werthvoll sein als 
Jenen. Und selbst wenn man die Prägegebühr als eine Ein 
nahmsquelle des Staatsschatzes betrachten wollte und nun von
        <pb n="392" />
        — aso — 
der Ansicht ausgiiig(í, dass ein reiclier Staat auf derlei Ein 
nahmen leichter verzichten könne als ein armer, so würde 
man abermals übersehen, dass es sich hier beim ersteren um 
absolut grössere Einnahmen handeln müsste als beim letzteren, 
da eben auch die Edelmetallbewegung grösser wäre. Es ver 
hält sich aber mit den Einnahmen aus dem Schlagschatze 
gerade so, wie mit den Zolleinnahmen : jede ungebührliche 
Erhöhung des Einheitssatzes hat in der Regel den Effect, 
den Ertrag eher zu schmälern als zu steigern, indem eben 
der Verkehr reducirt wird und die bewegten Mengen, aus 
denen die Einnahmen gezogen werden können, sich ver 
ringern. 
Die ^lonopolisirung der Münze für die Regierung und 
die Erhöhung des Schlagschatzes haben beide die Wirkung, 
den Zufluss von Gold in Rarrenform zu erschweren, dem 
Lande dadurch bei Ausbeutung einer günstigen Zahlungsbilanz 
in den Weg zu treten und folgerichtig bei ungünstiger Zah 
lungsbilanz sofort einen Angriff auf den Münzbestand herbei 
zuführen. Nehmen wir an, dass die österreichischen Goldmünzen 
nach der Werthrelation von 1 zu 17 Va ausgeprägt, dass also 
787Va Gulden aus dem IMünzpfunde Feingold geschlagen 
werden. Es sollte nun, wenn man von Transportkosten und 
Schlagschatz ganz absieht, ein Münzpfund Feingold überall 
in der Welt 787 Va österreichische Gulden werth sein. Da nun 
in Deutschland aus derselben" Gewichtseinheit lÖOö Mark ge- 
])rägt werden, lt)0 neue österreichische Goldgulden also gleich 
1 77T428 Reichsmark zählen, so sollte, wenn die Zahlungsbilanz 
zwischen Oesterreich und Deutschland zu Gunsten Oesterreichs 
steht, jeder deutsche Schuldner sich einer Verpflichtung von 
1 (H) fl. ö. W. durch Sendung dieser 177T428 Reichsmark entledigen 
können. Wäre dies der Fall, so müsste augenblicklich jedes Ueber- 
wiegen der deutschen Zahlungsverpflichtungen an Oesterreich 
zu einer Completirung des österreichischen Goldvorrathes von 
Deutschland her beitragen, denn kein deutscher Schuldner 
würde sich veranlasst sehen, auch nur einen Pfennig Agio 
für österreichische Wechsel zu zahlen, und da beim Mangel 
österreichischer Wechsel solche ohne Agio nicht zu bekommen 
wären, so würden die Zahlungen eben in Baarem remittirt 
werden. Dem treten aber für s Erste die mit jeder Baarsen-
        <pb n="393" />
        381 
dung unvermeidlich verknüpften Transport- und Versicherungs 
kosten entgegen ; wenn man dieselben blos mit V4 Percent 
berechnen wollte, so müsste schon dies 44V4 deutsche Pfen 
nige für je 100 fl. ö. W. ansmachen und diese 44 V4 Pfennige 
würden den Verlust des deutschen Schuldners repräsentiren, 
wenn er, um sich seiner Verpflichtungen zu entledigen, (xold 
senden müsste. Es ist klar, dass bei diesen Verlusten seines 
Schuldners auch der österreichische Exporteur nichts gewinnt, 
da ja dieser Betrag in eftectiven Spesen aufgeht. Er kann 
aber auch keinen Schaden daraus erleiden, denn der deutsche 
Importeur muss, wenn die Zahlungsbilanz Deutschlands un 
günstig ist, ganz denselben Verlust erleiden, er mag seine 
Waaren von wo immer beziehen, da ixold ohne Kosten ebenso 
wenig nach Frankreich oder England als nach Oesterreich zu 
transport!reu ist. Wäre es möglich, auch diese Kosten durch 
irgend welche Vervollkommnung zu vei’meiden, so müsste 
Jedermann einleuchten, dass jenes l^and, welches im Besitze 
einer solchen Vervollkommnung des Verkehrs wäre, auf den 
deutschen Märkten allen andern Í'Oncurrenten gegenüber, die 
nicht im Besitze dieser Erleichterung sind, mit 44Pfennigen 
bei jeder Factura über 100 fl. im Vortheil wäre, denn es 
könnte um diesen Betrag in Deutschland mehr fordern als die 
Exporteure der anderen Länder, und die deutsche Kundschaft 
hätte doch nicht mehr zu zahlen, da die Ersparniss an Trans 
portkosten dieser Erhöhung des Kaufpreises die Wage halten 
würde, in ganz ähnlicher Weise wie die Transportkosten wirkt 
aber der Schlagschatz. \\ enn in &lt; Oesterreich auch zukünftig wie 
bislang an den Münzen 1 Percent für die Prägung gezahlt 
werden müsste, so bekäme man in Wahrheit für das Pfund Feingold 
nicht 787 V2&gt; sondern blos rund 770'03 fl. und nach Abzug der 
Transportkosten vollends blos 777 67 fl. Der deutsche Schuldner 
müsste bei je 1(K) fl., die er nach Oesterreich zu senden hat, 
2 Mark 40 Pfennige verlieren, d. i. um 177 14 Pfennige mehr, 
als durch die Transj)ortko8ten allein bedingt wäre. Und dieser 
Verlust ist allerdings zu vermeiden. Er ist thatsächlich bei 
allen Zahlungen nach Frankreich, England, Amerika, wenn 
auch nicht vollständig, so doch zum Th eil nicht vorhanden, 
denn alle diese Staaten verlangen an ihren Münzstätten eine 
geringere Prägegebühr, nämlich England (wenn auch nicht
        <pb n="394" />
        gesetzlich, so docli factiscli) eine solche von ho&gt; Vereinigten 
Staaten von Nordamerika eine solche von Vö? Frankreich eine 
solche von \\ Percent. Wenn also beispielsweise österreichische, 
französische nnd englische Exporteure anf den deutschen 
Märkten mit derselben AXhiare concnrriren, deren (lesteliungs- 
kosten dort ganz die nämlichen sind, so käme dem deutschen 
Ennden die englische V aare hei gleichen Preisen nm rnnd 
1Õ5 Pfennige, die französische nm rund 102 Pfennige billiger zn 
stehen als die österreichiche, lediglich aus dem (irunde, weil 
der Schlagschatz in England und Frankreich mässiger ist. 
Und an dem dadurch bedingten Verluste wird der öster 
reichische Exporteur ebenso participiren müssen, wie der 
deutsche Importeur; es wird lediglich von der zufälligen 
Marktconjunctur abhängen, welcher von beiden Theilen den 
grösseren Betrag des Verlustes auf sich zu nehmeu hat, denn 
der in Deutschland bewilligte Preis wird nunmehr das Durch- 
schnittsergebniss der Concurrenz englischer, französischer und 
österreichischer Producto sein. Es kann derart häutig \oi- 
kommen, dass der Oesterreicher allein die durch den Schlag 
schatz bedingten Verluste tragen muss, indem er sich nämlich 
gezwungen sehen kann, die Percent, um welche die Be 
schaffung von Zahlmitteln nach Oesterreich kosts])ieliger ist 
als die Beschatfung von Zahlmitteln nach I rankreich, voll 
nnd ganz vom JMreise seiner Waare nachzulassen. Der Strat- 
zoll, den die (Gesetzgebung auf den Goldimport legt, wirkt 
auf den V aarenexpoi't, der diesen - Goldimport erst hervor- 
rufen muss, oder wenn man die Sache noch von einem anderen 
Gesichtspunkte aus betrachten will, die künstliche Hinaut- 
treibung der Wechselcourse durch den Schlagschatz, äussert 
ganz die nämliche Wirkung, wie die naturgemässe Verbesse 
rung des Wechselcourses, sie hindert nämlich die Exporte 
und wirkt dein Goldzutlusse entgegen. 
Die Sache hat nun allerdings ihre zwei Seiten, den 
geleugnet kann nicht werden, dass der hohe Schlagschatz, in 
dem er den GoldzuHuss erst bei einer sehr günstigen Gestal 
tung der Wechselcourse ermöglicht, dadurch die Gewinnst- 
chanee aus den Wechselcoursen für das betreffende Land 
erhöht. Während z. B. unter Zugrundelegung von '|^ Percent 
Transportkosten und ohne die Einwirkung des Schlagschatzes
        <pb n="395" />
        Baarsendungen aus Deutschland nach Oesterreich schon bei 
einer (auf den Vistacours umgerechneten) Notiz von 177-580 
Reichsmark für den Wiener Wechsel über KX) fl. lohnend 
werden müssten, und eine Erhöhung der Wiener Notiz au 
der Berliner Börse über diesen Stand nur ausnahmsweise 
möglich wäre, muss ein in Oesterreich erhobener Schlagschatz 
von 1 Percent die mathematische Gewinnstgrenze auf 17fl'80 
Reichsmark erhöhen, da erst bei diesem Coursstande die 
Sendung von Gold vortheilhafter wäre, als die Beschafl'nug 
von Wiener ^Vechseln. 
Ein Land kann also in der That bei höherem Schlag 
schatze höheren Coursgewinn aus seinem internationalen 
A\ echselverkehre ziehen, als bei massigem Schlagschatze, Allein 
da dies nicht kraft einer Conjunctur geschieht, die für alle 
anderen Nationen die nämliche ist, sondern kraft einer künst 
lichen ]\Iasaregel, an der die anderen Concurrenten nicht 
Theil haben, so wirkt hier die Concurrenz der anderen diesem 
(gewinne entgegen. Während bei normalem Schlagschatze die 
Exportfahigkeit, welche die günstige Zaliluiigsbilanz hervor- 
gei uten hat, durch Edel metal ly uflüsse und durch die im Innern 
erzeugte grössere (îoncurrenz der einheimischen Käufer ein 
geschränkt und auf diesem A\ ege das Gleichgewicht in der 
Zahlungsbilanz hergestellt wird, geschieht dies bei übermäs 
sigem Schlagschatze nicht durch den Edelmetallzufluss, sondern 
durch den Vorsprung der fremden Concurrenz. Man kann in 
ersterem Falle weniger an's Ausland verkaufen, weil im Tn- 
lande mehr gekauft wird, im zweiten Falle, weil das Ausland 
sich fremden (k)ncurrenten zuwendet. 
Aber noch nach einer andern Lichtung wird die Freude, 
die man an der durch den hohen Schlagschatz hervorgerufenen 
(Linst der MVchselcourse haben mag, getrübt. Auf die Im- 
])orte wirkt nämlich dieser Schlagschatz geradezu im entgegen 
gesetzten Sinne. Es ist selbstverständlich, dass auch der 
höchste Schlagschatz, er mag den Wei-th des fremden Goldes 
auf den eigenen Märkten noch so sehr drücken, den W erth 
des eigenen (ioldes auf den fremden Märkten keineswegs» zu 
heben im Stande wäre. Wieviel österreichische Gohlgiilden 
der österreichische Importeur nach Deutschland zu senden 
hat, um damit seine Schuld in deutscher Reichsmark abzu-
        <pb n="396" />
        — 384 — 
tragen, das rid it et midi nidit nadi dem Sddagsdiatze, wie er 
in Üesterreidi, sondern (abgesehen von den Transportkosten) 
nur nadi dem Sdilagsdiatze, wie er in Dentsddand liezalilt 
werden muss. Für den import wäre also, an sidi betraditet, 
der inländisdie Sddagsdiatz gleidigiltig. Aber da ein bober 
Sdilagsdiatz die Wirknng bat, (ioldzntlüsse abznlialten und 
demzufolge fremdes Gold in ]\lünz- oder liarrenform dem Tm- 
poi'tenr nidit zu Gebote steht, so muss er, wenn er im Aus 
lande zahlen will, das erforderlidie (told aus dem Idünzum- 
laufe des eigenen Landes nehmen. ]\iünzgobl ist aber im 
internationalen Handel weniger wertb als Barrengidd, inso- 
ferne nämlich, als durch die Abnützung während der (’ircu- 
lation die. Münzstücke selten vollwichtig sind, und daher 
787V2» ime.h der A\^ei'threlation von 1 zu 17’/¡j ausgeprägte 
österreidiisdie Goldguhlen fast niemals ein volles IMünzpfund 
Feingold wiegen werden. Der Abgang schwankt in der Regel 
zwischen V4 und Vn l^ercent. Der lm])orteur wird also durch 
die fehlerhafte IVIünzteclinik seines imndes schon von vorn 
herein gezwungen, sich die Zahlmittel für das Ausland mit 
einem Veituste von mindestens \\ Percent zu heschatfen. Der 
Effect wird also sein, dass kraft derselben Massregel nicht hlos 
der Exjiorteur schwerer verkaufen, sondern auch der Impor 
teur schwerer kaufen kann. Und auch diese Differenz wird 
zum grösseren Theile von dem betreffenden Lande getragen 
werden, denn der deutsche Kx^auieur, der von seinen franzö 
sischen und englischen Kunden Zahlung in Barrengohl erhält, 
hat durchaus keinen (trund, dem österreichischen Kunden im 
Preise A\"esentliches nachzulassen, weil dieser durch seine ver- 
fcliHcn (besetze gehindert wird, Barren zu senden. Dass ganz 
der nämliche Fehler auch in Deutschland gesetzlich besteht, 
ändert an der Sache nichts, wo es sich um die ('Oncurrenz 
der Engländer und Franzosen auf dem deutschen Idarkte 
handelt. 
Wie stellt sich nun unter der Einwirkung dieser dojijiel- 
ten Behinderung der internationale Verkehr eines mit hohem 
Schjagschatze behafteten Landes im Verhältnisse zu dem der 
anderen Jjänder? Seine Zahlungsbilanz wird nicht besser und 
nicht schlechter, denn der Erschwerung des Exports steht die 
Erschwerung des Imports gegenüber. Sein Passiv- oder
        <pb n="397" />
        % 
— m* — 
Activsaldo wird nicht steigen, denn, um was es mehr zu verkanten 
vermöchte, wenn sein Schlagschatz massiger wäre, um das 
selbe könnte es auch in solchem Falle inehi’ kaufen. Aber 
das Gleichgev^dcht wird hier in Wahrheit durch zweiseitige 
Verluste hergestellt. Der Saldo ist der nämliche, aber der 
(jesammtverkehr ist herabgedrückt. Es ist nicht anders, als 
ob um ein solches Land ein Kranz unwegsamer Gebirge ge 
zogen wäre, welche die Frachtkosten für jedes aus- und ein 
gehende Gut gleichmässig vertheuerten. Wenn nun ein solcher 
Gebirgszug von der Natur hingeptlanzt ist, so ])flegt man in 
modernen Culturstaaten die kolossalsten Arbeiten nicht zu 
scheuen, um durch Tunnels und andere Kunstbauten das natür 
liche Hinderniss zu überwinden. So unsinnig aber war für- 
wahr keine Nation — es sei denn die chinesische — um ihrem 
Verkehre derartige Hindernisse, wenn sie von Natur nicht 
vorhanden waren, künstlich zu schaffen. Hit dem internatio 
nalen Keichthume hat all’ dies nichts zu thun. Ob es AWrtîi- 
papiere, W'aai’en oder Dienstleistungen sind, die ein Land an s 
andere verkauft oder von diesem kauft, ändert nichts an der 
.überall gemeinsamen Thatsache, dass Käufe wie Verkäufe 
durch den Sclilagschatz gehindert und folglich dem Umfange 
nach reducirt werden. 1st das Land auf die (kuitraliirung 
von Schulden angewiesen, exportirt es also Werthpapiere und 
importirt es Waaren, so wird es weniger tür seine Werth 
papiere erhalten, mehr für die AA'aarenbeziige zahlen müssen. 
Ist es ein reiches Land, welches Capitalien ausleiht, also AA'erth- 
papiere importirt und Waaren exportirt, so wird es die Werth- 
papiere theurer bezahlen, seine Waaren schlechter verkaufen. 
W o da der von Seyd behauptete essentielle I ntel schied liegen 
soll, ist nicht recht einzusehen. Das zur (xmipletirung des 
Cärculationsmittelstandes nothwendige Gold werden internatio 
nal arme, wie international reiche Staaten durch den Schlag 
schatz in derselben Weise vert heuert erhalten. Da jede Ge 
wichtseinheit Gold, sowie sie an die Alüiizstätte gelangt, von 
ihrem AVerthe verliert, so müssen mehr Gewichtseinheiten 
auf dem A\ eltmarkte erworben werden, und da der A\ clt- 
preis des Goldes vom Sclilagschatze eines Einzel landes nur 
unwesentlich beeinflusst werden kann, so muss man eben mehr 
Güter bieten, um den nämlichen Bedarf an Münzgold zu decken. 
Dr. Tb. Hertzka, Wahrung und Handel. 25 
1 
'i
        <pb n="398" />
        — 386 — 
Wenn beispielsweise ein Pfund Gold in London 100 Ctr. W ei- 
zen gilt, so brauchte Oesterreich (von den Transportkosten 
soll hier abgesehen werden), um seinen Circulationsmittelvor- 
rath um 787'/a h. zu vermehren, blos KMJ Ctr. Weizen in 
London zu verkaufen. Wenn jedoch ein Schlagschatz von 
1 Percent erhoben wird, so müssen 101 Ctr. Weizen ver 
kauft werden, um jene 1 01 Pf. Gold dafür einzuhandeln, aus 
denen nunmehr 787'5 österreichische Goldgnlden geprägt wer 
den können. Und ebenso erhält umgekehrt ein Land in Folge 
hohen Schlagschatzes, wenn es Ueberschüsse an Edelmetallen 
abzngeben hat, in der Regel weniger für dieselben, da es sich 
nur selten im Besitze von Barrengold befindet und statt des 
selben Münze senden muss, an welcher zum mindesten die 
etfectiven Prägekosten ganz nutzlos verloren gehen. 
Besonders einleuchtend wird aber die schädliche Wirkung 
eines hohen Schlagschatzes, wenn man untersucht, in welcher 
Weise durch denselben die Productionsbedingungen und der 
Einsfuss beeintlusst werden. In der grossartigen, mit so unfehl 
barer Sicherheit wirkenden Mechanik des Verkehrs hat jede 
Verschiehung der Productions- und Absatzbedingungen die 
Tendenz, eine Strömung herbeizuführen, die ausgleichend auf 
die gestörten Verhältnisse wirkt. Und diese ansgleichende 
Wirkung ist heilsam nach jeder Richtung, gleichviel ob da 
durch einer vorübergehenden Erhöhung oder Verminderung 
der Concurrenzfähigkeit auf dem Weltmärkte entgegengetreten 
wird. (Siehe Capitel Vil des 1. Buches.) Der hohe Schlag 
schatz -hat nun, wenn auch in mässigem Crade, den Ettect, 
die Rückwirkung der Zahlungsbilanz auf die Preisverhält 
nisse und dadurch weiterschreitend auf die gesammte wirth- 
schaftliche Lage aufzuhalten oder do(Ji zu verzögern. Eine 
Steigerung der Production, deren Folge der vermehrte Export 
gewesen, oder das Sinken der Kaufkraft, welches eine Ver 
ringerung der Importe herbeiführte — gleichviel welches von 
diesen beiden die Ursache einer günstigen Zahlungsbilanz 
sein mag — diese Ursache kann länger in Kraft bleiben, 
ohne durch das Hereinströmen von Edelmetallen paralysirt 
zu werden, wenn der Schlagschatz dieses Hereinströmen er 
schwert. Die Preise steigen im Inlande nicht, und dadurch 
geht der Gesammtheit der Producenten jener Impuls verloren,
        <pb n="399" />
        der nur auf* dein W'ege einer Verinelirnng der ('ironlationá- 
luittel tiir sie liervortreten kann. Die (’onr.sgewinne ans dem 
Wechsel verkehre werden allerdings höher sein können, als 
beim massigen Schlagschatze möglich wäre. Aber ganz abge 
sehen davon, dass diesbezüglich das früher Ausgeführte gilt, 
nämlich dass die fremde (’oncnrrenz auf dem Weltmärkte eine 
einseitige Ansbentung derartiger Wechselconjnnctur auf die 
Dauer unmöglich macht : so ist es doch klar, dass solche (’ours- 
gewinne allein, selbst wenn sie wirklich nicht blos dem Per 
centsatze, sondern auch dem Umfange nach in Folge des 
Schlagschatzes grösser sein sollten, der Gesammtwirthschaft 
die befruchtende Wirkung eines, zur Herstellung des Gleich 
gewichtes in allen Productionsgebieten dienenden, Edelmetall 
zuflusses nicht ersetzen können. 
Es ist ferner zu beachten, dass die, Behinderung des 
freien Edelmetallverkehrs auch auf den Zinsfuss nicht ganz 
ohne Einfluss bleiben kann. Wenn ein Productionsgebiet in 
Folge gesteigerter, erleichterter Arbeit auf dem Weltmärkte 
concurrenzfähiger wird und dadurch seine Zahlungsbilanz sich 
günstig gestaltet, so wird allerdings ein demzufolge eintreten 
der Edelmetallzufluss die Preise erhöhen und dadurch die 
Concurrenzfähigkeit wieder auf das normale Mass bringen. 
Derselbe Edelmetallzufluss hat aber auch die Tendenz, die 
Leihgebühr für Baargeld, d. i. also den Geldzinsfuss vor jeder 
ausschweifenden Erhöhung zu bewahren. Die Vermehrung der 
Production geht naturgemäss mit der gesteigerten Inanspruch 
nahme des Capitals Hand in Hand, dieses wieder mit dem 
gesteigerten Bedarfe nach Circulationsmitteln, und ohne den 
Edelmetallzufluss würden daher eben dieselben wlrthschaft- 
lichen Erscheinungen, welche die günstige Zahlungsbilanz er 
zwungen haben, auf eine Erhöhung des Zinsfüsses hinwirken 
und dadurch endlich die Production derart vertheuern, dass 
die Concurrenzfahigkeit dem Auslande gegenüber aus diesem 
Grunde wieder auf das normale Maas herabsänke. Wenn also 
durch irgend eine künstliche Störung, im vorliegenden Bei 
spiele also durch den Schlagschatz, der Edelmetallzufluss ge 
hindert wird, so wirkt die gesteigerte Concurrenzfähigkeit 
statt auf die Preise auf den Zinsfuss. Der schliessliche 
Effect für die Zahlungsbilanz ist allerdings in beiden Fällen
        <pb n="400" />
        — 388 
(1er nämliche; in der Regel aher wird es für jedes irth- 
schaftsgebiet von nnendlicli grösserem Vortheile sein, wenn 
seine (hmcnrrenzfähigheit dem Anslande gegenüber dnreh eine 
Pi’eissteigernng im Innern anfliöi’t, als wenn dies dnreh Kr- 
liölinng des inländischen Zinsfnsses vor sich geht. Im ersteren 
Falle 1 iahen alle prodncirenden Classen in gleicher Weise den 
Ynrtheil,, im zweiten Falle nnr die ansleihenden Capitalisten. 
In analoger Weise schiebt auch im umgekehrten halle, 
wenn Edelmetall in Folge nngünstiger Zahlnngsbilanz ah- 
tliessen sollte, der hohe Sehlagschatz die irknng von den 
Preisverliältnissen auf die Zinsfnssverhältnisse. Der Edel- 
metallahduss würde die Preise ermässigen und dadurch die 
Concurrenzfähigkeit mit dem Auslande wieder auf das nor 
male Mass zurückführen, gerade dieser Abfluss aher würde 
den Zinsfuss vor weitgehenden Ermässigungen bewahren. Ist 
dagegen dem Golde der Austritt über die Landesgreiizen er 
schwert, so wird der Zinsfuss bei sinkender Concurrenziähig- 
keit rascher fallen, die Ib’eise werden sich aher langsamer 
ermässigen, als sonst der Fall wäre,. Dies könnte nun unter 
Umständen eine sehr vortheilhafte Lichtseite des hohen Schlag 
schatzes werden. Aber es ist immerhin der Uebelstand damit 
verbunden, dass schliesslich, wenn die Ungunst der Wechsel- 
course einen gewissen Grad erreicht hat, und nunmehr Edel 
metall doch abfliessen muss, dies in Ermangelung von Bar 
rengold durch unmittelbare Inanspruchnahme des Münzvor- 
rathes vor sich geht und jetzt die Ermässigung der Preise und die 
Erhöhung des Zinsfusses viel rascher und sprunghafter eintntt, 
als im normalen Verlaufe der Fall gewesen wäre, wo zur Be 
gleichung der internationalen Schuldigkeiten Barrengold vorhan 
den ist. Es bedarf wohl nach all’ dem, was hierüber schon in 
den früheren Capiteln gesagt wurde, keines detaillirten Nach 
weises dafür, dass alles das, was bezüglich der Concurrenz- 
■ fähigkeit auf dem Waarenmarkte gilt, ganz in der nämlichen 
Weise auch für den EfFectenhaiidel Geltung hat. Aber hier 
tritt die Störung noch viel augenfälliger zu Tage. Denn wenn 
ein Land mit seinen Werth]iajiieren auf dem Weltmärkte vou- 
eurrenzfähig wird, so heisst das hier, dass es diesel heu wegen 
Capital- und Geldmangels billiger verkaufen muss. Unter 
normalen Verhältnissen macht nun das Hereinströnien dei
        <pb n="401" />
        380 
Edelmetalle dieser Billigkeit ein Ende ; ist dagegen der Edek 
metallzufluss gehemmt, so bleiben die Preise der Werthpapiere 
im Inlande die nämlichen, der steigende Wechselcours aber 
vertheuert dem Anslande den Bezug und schränkt dadurch 
die Exporte ein. Ebenso wird umgekehrt im Falle des steigen 
den Effectenimports und der dadurch heraufbeschworenen un 
günstigen Zahlungsbilanz bei Behinderung des Goldabflusses 
die fernere Effecteneinfuhr statt durch eine directe Preis- 
ermässigung im Inlande, durch erschwerte Beschaffung der Zahl- 
mittel auf das normale Mass zurückgeführt. 
IMan mag daher die Sache wie immer betrachten, der 
hohe Schlagschatz stört in schädlicher Weise die Erhaltung des 
wirthschaftlichen Gleichgewichts zwischen Productionskosten, 
Circulationsmitteln und Zinsfuss und ruft dadurch Erschütte 
rungen hervor, die blos deshalb nicht so leicht in ihren üblen 
Consequenzen erkannt werden, weil es verhältnissmässig 
geringe Grössen sind, um die es sich dabei handelt. Mehr als 
I Percent wird ein civilisirter Staat nicht so leicht an 
Schlagschatz erheben, weniger als Ve Percent kann andererseits 
aus Rücksicht für die Leistungsfähigkeit der Münzstätten nicht 
gefordert werden. Die Differenz beträgt also im Maximum 
Percent. Aber auch dieser Bruchtheil fällt im internationalen 
Handel grosser Staaten, wo im .lahresdurchschnitte Hunderte 
und Tausende von Millionen bewegt werden, schliesslich doch 
mit sehr bedeutenden Gewinn- oder Verlustziffern in’s 
Gewicht, und auch die Bück wirk un g auf die gesammten wirth 
schaftlichen Verhältnisse, obwohl sie von Fall zu Fall kaum 
wahrzunehmen ist, kann am Ende doch ihren Effect nicht 
verfehlen. Vortheile aber bietet der hohe Schlagschatz im Allge 
meinen nicht, u. z. weder in finanzieller noch in wirthschaft- 
lieber Hinsicht. 
Wenn jedoch Seyd glaubt, dass die Präponderanz Englands 
auf dem Geldmärkte, insbesondere sein nahezii unbestrittenes 
Monopol in der Vermittlung von Wechseltransactionen aller 
handeltreibenden Länder h auptsäch lieh auf die geringe 
Höhe der englischen Münzgebühr zurückzuführen sei, ja wenn er 
die Hoffnung aussprieht, dass Deutschland, wenn es in dieser Hin 
sicht England nachahme, dadurch allein schon in die Lage 
kommen dürfte, den englischen Wechselmarkt zu entbehren, so ist
        <pb n="402" />
        — HOO — 
dies (loch eine etwas weitgehende Erwartung. Wahr ist allerdings, 
dass Deutschland, solange es den Schlagschatz von V2 Percent bei- 
behält, kaum jemals dazu gelangen dürfte, sich von der englischen 
Vermittlung bei seinen internationalen Kauf- und Verkauf 
geschäften zu emancipiren, indem die Differenz von V3 Percent, 
die im Preise von Markt-Barrengold zu Gunsten des englischen 
Marktes vorhanden ist, stets unter sonst gleichbleibenden Um 
ständen den directen Edelmetallstrom von Deutschland abhalten 
und für England monopolisiren müsste; aber mit der Beseiti 
gung dieser Differenz ist eben noch nicht Alles gethan. 
Der Wechsel wird allerdings caeteris paribus mit Vorliebe 
jenen Markt aufsuchen, wo er am leichtesten in Gold umzu 
setzen ist; in erster Linie aber sucht er ohne Frage jenen 
Markt auf, wo er sicher sein kann, einen Abnehmer zu finden, 
der ihn gegen einen a n d e r e n W e c h s e 1 austauscht. Der Welt 
markt für Geld und Credit wird daher stets jener Platz sein, der 
seinen Bang als Weltmarkt für Waaren und Werthpapiere 
behaupten kann. Solange man in Berlin nicht jederzeit Wechsel 
auf Bond)ay,. Canton und Pangkong in beliebiger Auswahl 
vorräthig findet, sondern diese in Jjombardstreet suchen muss, 
wird man auch die Vermittlung Lombardstreets zu Zahlungen 
nach China, Vorder- und Hinterindien in Anspruch nehmen 
müssen. Aber der hohe Schlagschatz verhindert, dass die 
fremden Importeure, selbst wenn sie Zahlungen nach Deutsch 
land zu leisten haben, diese in Deutschland selbst, zahlbar 
machen , da sie eben bei der Zahlung nach London eventuell 
I/3 Percent am Schlagschatze ersparen. Die Commission zwischen 
London* und Merlin mag dann immerhin dieses Drittel 
Percent — und mehr noch — verschlingen ; der indische und 
chinesische Bamjuier wird von vornheiein, solange ihm die 
A\*ahl bleibt, doch vorziehen, nach London zu remittiren. 
Die Concurrenz eines Landes mit England im internationalen 
Wechselverkehre wird daher durch einen hohen Schlagschatz 
von vornherein unmöglich gemacht; durch die Ermässigung 
des Schlagschatzes ist nun die Bahn für diese Concurrenz frei 
geworden, aber sie kann wirklich erst dann in's Leben treten, 
wenn der Handel des betreffenden Landes an Ausdehnung und 
Vielseitigkeit dem englischen wenigstens annähernd gleich 
wird. In Deutschland, dessen fortschrittliche Handelspolitik in
        <pb n="403" />
        301 
den letzten Jalirzehnten von so staunenswertliem Erfolge be 
gleitet war, kann man in der That, wenn eine ebenso freisinnige 
Münzpolitik binzutritt, schon im nächsten Jahrzehnte auch 
die TTnahhängigkeit von Lombardstreet anbahnen. Und auch für 
den Wechsel verkehr minder verkehrsreicher Länder ist die 
Lrmässigung des Schlagschatzes nicht belanglos ; sie sichert 
ihnen zum mindesten die Unabhängigkeit im Verkehre mit den 
näher gelegenen Staaten , während eine fehlerhafte Technik 
des Münzwesens sie seihst hei den Transactionen mit den un 
mittelbarsten Nachbarn unter fremde Vormundschaft bringen 
kann. Aber allzu sanguinischen Hoffnungen darf man sich 
diesbezüglich nicht hingeben. Wenn Seyd darauf hinweist, 
dass unmittelbar nach der Ermässigung des französischen 
Schlagschatzes von V2 auf V4 Percent der Edelmetallzufluss 
nach Frankreich sogar den nach England übertraf, und 
wenn er daraus den Schluss zieht, diese vernünftige Münz- 
massregel habe es zuwege gebracht, dass Paris im Geld- 
verkehre London ebenbürtig wurde , so verwechselt er da doch 
zwei Dinge mit einander, die sehr wenig gemein haben. Die 
Edelmetallzuflüsse nach Frankreich in jener Epoche hatten ihren 
Grund einfach darin, dass an den französischen Münzen das 
billiger gewordene Gold gegen das theure Silber umgetauscht 
wurde. Dieses Gold diente nicht zur Vermittlung irgend 
welcher Handelstransactionen, sondern sein Zuströmen war ein 
Geschäft für sich, es war die Ausnützung der Doppelwährung 
durch die Arbitrage der ganzen Welt. Schon der Umstand, 
dass der Goldzufluss mit einem Schlage zweimal so gross wurde 
als der nach England , trotzdem der Schlagschatz in Frankreich 
noch immer um Vn Percent höher war als dort, sowie der 
fernere T^mstand, der Seyd unmöglich entgangen sein kann, 
dass trotz dieses Ueberwiegens der französischen Goldimporte 
die Oberherrschaft Ijombardstreet^s im Geldverkehre der V eit 
auch in jener Zeit denn doch nicht an Paris übergegangen 
war, hätte ihm zeigen sollen, dass seine Schlussfolgerung eine 
falsche sei.
        <pb n="404" />
        IX. Caj)itel. 
IMo (ioldwiihrniip: in Oesferreich. 
Nachdem iin \orliBi'^elieiideii die Xothwendigkeit und 
Nützlichkeit der (loldwaliruii^ tür jedes der abeiidländisclien 
Völker tarn die angehörige Land uachge wiesen wurde, sollen 
nunmehr die näheren Bedingungen des AVälirungswechsels 
speciell für Oesterreich dargelegt werden. 
Der unerlässliche erste Schritt zur Herstellung der Va 
luta ist hier ohne Frage die BeschafFung der (reldmittel zur 
Einlösung der unbedeckten Banknoten. Ob man zur metallischen 
Silber- oder (foldwährung übergeht, ist diesbezüglich gleich- 
gütig. Ein Unterschied wäre höchstens insofern zu constatiren. 
als ein Ooldanlelien jedenfalls zu billigerem Zinsfusse zu 
contiahiien ist als ein Silberanlehen, umsomehr, wenn das 
selbe zur Durchführung der Ooldwähruug bestimmt wird. Es 
wurde allerdings im IV. Oapltel erwähnt, dass die österr.- 
nngar. Xotencircnlation nm KM) bis 150 Millionen Dulden 
niedriger zu veranschlagen ist, wenn die Ooldstücke die Fünf- 
und Zehnguldennoten entbehrlich machen. Aus diesem 0runde 
müsste thatsächlich das Valuta-Anleheu zur Herstellung der 
Silbercirculation geringer sein , als ein zur Durchführung der 
Goldwährung bestiuimtes, und um einen entsju'echenden Betrag 
würden sich auch die Tvosten der gesammten Oj)cration cr- 
mässigen. Man würde statt 500 iüillionen Staatsnoteu etwa 
blos 2(M) IMülionen einzulösen haben und damit immer noch 
trotz des unzweifelhaft mässigeren Zinsfnsses, zu welchem das
        <pb n="405" />
        303 — 
(roldanlehen aiifzubringen wäre , an Zinsen nicht Unbeträcht 
liches ersparen. I nter der Annahme einer erthrelation von 
1 zu 17 müsste man beispielsweise, um die 3()(&gt; ^Millionen Gulden, 
gleich 0^3 Trillionen Pfund Silber, gegen Gold einzulösen, rund 
.302.000 I’iund Gold im Wege des Anlehens auf bringen. Um 
dieses Capital mit (i Percent zu verzinsen, wären jährlich 
23.500 Pfund Gold im Werthe von ungefähr 4O0.iX)0 Pfund 
Silber erforderlich. Wollte man dieselbe Notenmenge in Silber 
einlösen, so würde das dazu erforderliche Silberanlelien in der 
vollen Höhe von ß^/g Millionen Pfund, zu 6 5 Percent gerechnet, 
einen jährlichen Zinsenaufwand von 433.333 Pfund Silber, 
also um 33.333 Pfund Silber, d. i. um rund 1‘5 Tlillionen 
Gulden jährlich mehr erfordern, als das oben berechnete Gold- 
anlehen. enn man aber blos 2(M) Millionen, d. i. 4*/^ Millionen 
Pfund Silber einlösen wollte, so stellt sich der Zinsenauf 
wand hiefür selbst bei ß'/^percentiger Verzinsung blos auf 
rund 2H0.(HK&gt; Pfund Silber d. i. um lll.lHHI Pfund oder rund 
b Tlillionen Gulden im .Fahre niedriger. Allein es ist nicht 
zu vergessen, dass dafür eben 100 TI il Honen Staatsnoten im 
Verkehre verbleiben müssen, diese Schuld des Staates an die 
(lesammtlieit mit all’ ihren schädlichen Conseipienzen daher 
nicht vollständig getilgt ist. Ks wäre dann zu untersuchen, 
ob um den Preis aller Verluste, welche die isolirte Silber 
währ,mg für die Velkswirthschaft wie für die Staatswirth- 
seliatt im (lebdge hat, veihunden mit den Gefahren einei" auch 
fernerhin bestehenden ungedeckten (’ireulalion von 1(K) Mil 
lionen Gulden, diese jährliche Krsparniss von .5 Millionen nicht 
allzu theuer erkauft wäre, und die lleantwortnng dieser Frage 
könnte kaum zweitelhatt erscheinen. Fegt man auf deiartige 
Krsparnisse das Hauptgewicht, so ist es eben das Fintächste, 
die \alnta gar nicht herzustellen, denn in diesem Falle können 
eben auch die anderen 13 Tlillionen jährlicher Zinsen erspart 
werden. 
Ahe,’ so wird die Frage von den Verfechtein der Silber 
währung gar nicht gestellt. Die Thatsaehe, dass beim Heber- 
gange zur (loldwähi ung die (’ireulation vcdlständiger auf 
..Metall gestellt werden kann und muss, ist von jener Seite 
noch gar nicht beleuchtet worden, und zwar aus dem sehr 
naheliegenden Grunde, weil überall dort, wo diese'Krkenntniss
        <pb n="406" />
        304 
sich einmal Bahn gebrochen hat, gerade darin das wirksamste 
Argument für die Goldwälirnng erkannt werden müsste, Ks 
wird vielmehr von den (TCgnern der Gold Währung behanptef-, 
dass die Einlösung der nämlichen Notenmenge höher %n 
stehen käme, wenn man für die ausser Cours zu setzenden 
ungedeckten Noten Gold gäbe. Und diese Behauptung beruht 
lediglich auf einer gründlichen Verkennung der Pflichten des 
Sfaatsschatzes in seiner Eigenschaft als Notenschuldner und 
aut der durchaus irrigen Annahme, dass bei diesem Einlösungs 
geschäfte die lateinische Werthrelation massgebend sein müsse. 
In diesem Falle allerdings wäre der Uebergaiig zur (Gold 
währung eine sehr kostspielige Sache. Wenn man für :&gt;&lt;M) 
^Millionen Noten, welche die Repräsentanten von (P/j Millionen 
Pfund Feinsilber sind, bei einer Marktrelation von beispiels 
weise 1 zu 17 statt der oben berechneten 302.000 Pfund (%old 
rund 430,0(K), also um 38.000 Pfund mehr geben müsste, als 
dem Vollwerthe dieser Noten entspricht, dann allerdings 
müsste der Staat ungefähr 30 Idillionen an Caj)ital verlieren. 
Aber selbst in diesem Falle wären die Zinsen, die er für das 
(Toldanlehen zu zahlen hätte, kaum grösser als die für das 
um 10 Percent geringere Silberanlehen , da eben der Zinsfuss 
mit dem Uebergange zur Goldwährung sich voraussichtlich um 
den entsprechenden zehnten Theil ermässigt hätte. Es ist je 
doch überflüssig, sich mit diesen ganz grundlosen Bedenken 
näher zu befassen. Für die Einlösungspflicht des Staates in 
Betreff seiner Notenschuld gilt ganz dasselbe, was bezüglich 
aller aus alten Contracten verpflichteten Schuldner nachge 
wiesen \Amrde ; die Noten werden daher in (Gold blos nach 
jener Werth relation einzulösen sein , die beim Währungs 
wechsel für alle Gonfractverhältnisse des Landes gesetzlich 
festgestellt werden muss. 
AV^as aber die thatsächlich vorhandene Möglichkeit an 
langt, beim Uebergange zum Silltergelde eine grössere Ateuge 
an Noten im Verkehre zu belassen, so soll hier nur nochmals 
wiederholt werden, dass insbesondere nach den unange 
nehmen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte es sich jedenfalls 
empfehlen würde, wenn Oesterreich sowohl als Ungarn mit 
dem Systeme des Staatspapiergeldes vollständig brechen wollten. 
Es Hessen sich zwar ungefähr 100 Millionen Gulden kleinerer
        <pb n="407" />
        395 
Noten selbst mit der Goldwährung ohne Zwangscours als 
Steuergeld im Verkehre erhalten. Aber diese Circulation 
könnte im Anfänge leicht gefährlich werden und wäre auch 
später geeignet, dem Staatsschätze bei jedem Nachlassen 
des Circulationsbedürfnisses Verlegenheiten zu bereiten. Das 
\ aluta-Anlehen sollte also so gross bemessen werden, dass mit 
demselben die sämmtlichen Staatsnoten eingezogen werden 
können. Allenfalls kann sich ja der Staat für den höheren 
Zinsenaufwand bei vollständiger Einziehung seiner Zettel 
durch die Bank theilweise schadlos halten, denn es ist klar, 
dass diese grössere Opfer zu übernehmen sehr wohl in der 
liage ist, wenn ihren Noten durch die des Staates keinerlei 
Concurrenz gemacht wird. 
Der Staat hat nun die Pflicht, die ]\fnnzrefbrni in einer 
V eise durchzuführen, dass durch dieselbe dem Verkehre keinen 
Augenblick lang die nöthigen Circuíationsmittel entzogen wer 
den ; er muss ferner dafür sorgen, dass die Durchführung der 
Befoi’in nicht unnöthigerweise verzögert wird, und schliesslich 
dafür, dass dieselbe möglichst ohne Störung und Verwirrung 
der Contractverhältnisse vor sich geht. 
Es wird sich daher empfehlen, mit der Einziehung der 
circulirenden Silbercourantmünze zu beginnen und den auf 
Noten gegründeten Verkehr fürs Erste ganz aus dem Spiele 
zu lassen. Am einfachsten und raschesten wird der Staat der 
Silbermünze habhaft werden, wenn er bei Ausschreibung seines 
Anlehens die Möglichkeit offen lässt, dasselbe nicht blos in 
Gold, sondern auch in österreichischer Silbermünze, und zwar 
unter Feststellung einer dem Silber günstigen, also mit einem 
Rruchtheile über den Marktverhältnissen stehenden, Werth 
relation einzuzahlen. Da es ferner der Staatsverwaltung nicht 
aut den Besitz fremder (Goldmünzen, sondern auf den Besitz 
von Barrengold ankommt, so ist es nui’ vernünftig, wenn die 
Einzahlung auch in solchen Barren genommen wird, wobei 
dem fremden Geldmärkte eine an sich geringfügige, der Arbi- 
tiage aber hoch willkommene und von dieser sicherlich rasch 
ausgebeutete Gewinnstchance geboten würde, die dem Staate 
nicht einen Heller zu kosten braucht und ihm doch die Mani 
pulation erleichtert. Es ist überflüssig zu bemerken, dass die
        <pb n="408" />
        396 
bei der Anlehensaussehreibung festgestellte Werthrelation 
zwischen österreichischer Silbermünze und Gold durchaus kein 
Präjudiz für die zukünftige, in der Münzreform selbst anzu 
nehmende Werthrelation bilden könnte. 
Um Zinsen zu ersparen, müssten die Einzahlungen auf 
das Anlehen derart auf längere Zeit erstreckt werden, dass 
die letzte Anlehensrate knapp vor der wirklichen Durchfüh 
rung der Münzreform, also je nacli der Leistungsfähigkeit der 
mit dem Prägewerke betrauten ^Münzstätten nach einer kür 
zeren oder längeren Frist fällig würde. Einzahlungen in der 
eigenen Silbermünze dürften aber blos für die ersten Raten 
angenommen werden, und zwar aus dem Grunde, weil diese 
Silbermünzen — wie sofort ersichtlicb gemacht werden soll — 
früher benöthigt werden, als das einzuzahlende Gold. Die 
derart in den Besitz des Staates gelangende Silbercourant 
münze — und wenn der Cours, zu welchem diese angenommen 
wird, im Verhältnisse zum Golde genügend hoch an gesetzt ist, 
so kann ohneweiters darauf gerechnet werden , dass dies 
ziemlich vollständig der ganze Vorrath sein wird — muss 
sofort dazu verwendet werden, um mit der Ausprägung von 
Silberscheidemünze zu beginnen. Die ganz kleinen Stücke 
(10 und 20 kr.), wie nicht minder die Kujtfermünze, brauchten, 
wie sich späterhin ergehen wird, nicht erneuert zu werden. 
Wenn jedoch die Notencirculation wirklich eingeschränkt und 
der Verkehr nach ]\Iöglichkeit auf metallische Grundlage ge 
legt werden soll , so müssen auch Stücke zu 50 kr und zu 
1 und 2 Ü. geschlagen werden. Da dieselben als Scheide 
münze unterwerthig aiisznprägen sind, so kann diese Operation 
dui'chgeführt werden, noch bevor die Werth relation zwischen 
der neuen (Lüdmünze und der alten Silhermünze gegeben ist. 
Dabei wird sich allerdings der Uebelstand herausstellen, dass 
die Werthrelation, in welcher die Goldcourantmünze zur Sil 
berscheidemünze steht, gänzlich dem Zufälle überlassen bleibt ; 
aber es ist für den Verkehr in Wahrheit auch ganz und gar 
gleichgiltig, ob dabei eine mehr odei* minder irrationale Grösse 
herauskommt. Zu beachten ist Idos, dass die grobe Silher- 
scheidemünze ihrem vollen Silherwerthe weder so nahe stehe, 
dass bei einem allfälligen in der Zukunft doch immerhin mög 
lichen Steigen des Silberpreises ihr innerer Werth dem der
        <pb n="409" />
        397 
Goldmünze, dessen Repräsentant sie zukünftig werden soll, gleich 
kommen kann, noch dass sie derart niinderwerthig ausgeprägt 
werde, dass ihr allzu schlechter Gehalt gleichsam als empünd- 
liche Schädigung des vollen AVerthes im gesammten Münzum 
laufe anzusehen wäre. Am meisten würde es sich empfehlen, 
das auch von Deutschland adoptirte Verhältniss von 1 zu 14 
zwischen Silberscheidemünze und Gold festzuhalten. Wie 
viel »Silberguldenstücke aus dem Münzpfunde Feinsilber nach 
dieser Relation zu schlagen wären, das hängt dann von jener 
Werthrelation ab, nach welcher im Verhältnisse zu dem ein- 
znlösenden Silberoourantgelde die neuen Goldstücke geprägt 
werden müssen. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Ueber- 
sicht, in welcher Weise die aus einem Münzpfunde Feinsilber 
zu schlagende Stückezahl der Scheidemünzgulden wachsen 
muss, um auf der Werthrelation von 1 zu 14 zu verharren, 
wenn die Werthrelation, nach welcher die neuen Goldstücke 
ausgeprägt werden sollen, sich zwischen 1 zu 1 b' % und. I zu 
20 bewegt. 
Werthrelation zwischen 
Gold und Silber. 
Stückzahl der Scheidemünzgulden 
aus dem Pfund Feinsilber. 
1 : 1Õ.5 
1 : 16 
1 : 16., 
1 : 17 
1 : 17.6 
1 : 18 
1 : 18.6 
1 : 19 
1 : 19.5 
1 : 20 
49.82 
51.48 
53.08 
54.04 
56.20 
57.86 
59.46 
61 .07 
1)2.68 
64.28 
Nun ist es aber zu vermeiden, dass die Gesetzgebung 
die Werthrelation, nach welcher die Goldstücke ausge])rägt 
werden sollen, schon zur Zeit, wo die Silberscheidemünze ge 
schlagen wird, vorher bestimme ; diese V erthrelation ist daher, 
da sich die Marktverhältnisse inzwischen ändern können, zu 
jener Zeit noch nnbekannt. Fs wird also in der IMiat nichts 
anderes übrig bleiben, als die Marktrelation, \v7e sie iin Augen 
blicke besteht, wo mit der Prägung der Silberstücke begonnen 
'I 
I
        <pb n="410" />
        wird, als Basis zu ueliiiien, woltei sich daun allerdings ergeben 
kann, dass bei einem ferneren Fallen des Silberpreises die 
Scheidemünze im Verhältnisse zum 1%«ddconrantgelde schwerer, 
im Falle einer inzwischen eingetretenen Preissteigerung des 
Silbers leichter ausgeprägt sein würde, als der Relation von 
1 zu 14 entspräche. Sollte in der Zwischenzeit die Preis Ver 
änderung des Silbers sehr gross gewesen sein, so ist es 
sogar nicht unmöglich, dass eine nachträgliche abermalige Ein 
ziehung und Umprägung der Scheidemünze noth wendig werden 
kann. Aber diese Gefahr ist immerhin weniger bedeutsam als 
die eines Trrthums in der Feststellung der Werthrelation für 
die neuen Goldstücke, denn nur diese werden den Massstab 
für den zukünftigen Verkehr des Landes bilden, und bei diesen 
ist daher Alles, was in menschlicher Kraft steht, daran zu 
wenden, dass von dem Momente, wo die Werthrelation gesetz 
lich geregelt wird, bis zu jenem, wo der Verkehr thatsächlich 
auf Gold gegründet ist, die Gefahr einer Veränderung des 
Werthes auf ein Minimum reducirt sei. 
Wenn man annimmt, dass zur Zeit , wo mit dem 
Schlagen der Silbermünzen begonnen wird, die Marktrelation 
von Gold und Silber zwischen 17 und 18 zu 1 sich bewegen 
dürfte, so werden ungefähr 55 Scheidemünzgulden aus einem 
Pfunde Feinsilber zu prägen sein. In Deutschland wurde 
der Maximalbetrag der Reichssilbermünze auf 10 Mark per 
Kopf festgestellt ; fixirt man, dem entsprechend, den Be 
darf Oesterreich-Ungarns an grober Scheidemünze auf 5 ti. 
per Kopf (was für den Fall, als der neue österreichische 
Goldgulden zur Werthrelation von 17 bis 18 zu 1 geprägt 
würde, um 10 bis 15 Percent weniger wäre, als in Deutsch 
land für nothwendig gehalten wurde), so würde sich der 
Gesammtbetrag der zu .schlagenden Silbermünze auf ungefähr 
170 Millionen neuer Gulden beziffern. Dazu wären, wenn 
aus dem Münzpfunde 55 Stück geschlagen werden sollen, nahe 
an 140 Millionen Silbergulden alter österreichischer Wäh 
rung erforderlich. Dies dürfte nach übereinstimmenden 
Schätzungen ungefähr soviel sein, als der gesammte Silbervor- 
rath, den Oesterreich einlösen und verwerthen muss. 70 Mil 
lionen Silber sind im Besitze der Bank, der Vorrath, der sich 
zeitweilig in den Staatscassen anhäuft, schwankt zwischen öO
        <pb n="411" />
        — 399 
und 40 Millionen, und da die österreicliisclien Silbergulden 
stücke derzeit nirgend mehr cursiren, so werden kaum mehr 
als 20 Millionen ausserhalb der Bank und den Staatsoasseii 
dem Schmelztiegel entronnen sein. Es wurden allerdings von 
1858 bis 1870 2'87 Millionen Zweiguldenstücke, 143 77 Mil 
lionen Einguldenstücke und 153*5 Millionen Viertelguldenstücke, 
zusammen also für 190 Millionen Gulden österreichisches Sil 
bercourantgeld geschlagen ; aber dies repräsentirt auch, mit 
Ausnahme der geringen . in den letzten Jahren geschlagenen 
Stücke, die Gesammtsumme der Ausprägungen ; denn die nach 
dem Conventionsmünzfusse ausgeprägten alten Stücke wurden 
beim Uebergange zur österreichischen Währung nach 1857 
eingezogen. Die Einschmelzungen brauchen also nicht einmal 
einen bedeutenden Umfang erreicht zu haben, wenn die obige 
Schätzung der derzeit noch vorhandenen Menge Silbergeldes 
richtig sein soll. Sonst circuliren noch Levantinerthaler, die 
jedoch, wie bereits früher erwähnt wurde, kaum in bedeuten 
der Menge zur Einwechslung präsentirt werden dürften. Alles 
im Allem wird däher Oesterreich schwerlich mit seinem,Wäh 
rungswechsel die Silberpreise beeinflussen, da es eben kein 
Silber zu verkaufen hat. Es wird segar, um die Einlösung 
seiner Silbeicoupens bis zu durchgeführf em Wäh rungs Wechsel 
zu ermöglichen, nicht sofort seinen ganzen Bedarf an Silber 
scheidemünze decken können, sondern darin einstweilen eine 
Lücke lassen müssen, die dann nachträglich, wenn die alten 
Silbermünzen vollständig überflüssig geworden sind, ausgefüllt 
werden kann. Welcher Zeit die österreichischen Münzstätten 
bedürfen, um ungefähr 2()0 Millionen Stücke 1-, 2- und Va-Gulden- 
stücke zu prägen, wird wohl von der Energie abhängen, mit 
welcher das Prägewerk in Angriff genommen wird. Im Jahre 
1859 wurden 53*955 Millionen fl. Silbermünzen, ausserdem 10*2288 
Millionen fl. Goldmünzen und 2*780 Millionen fl. Kupfennünzen ge 
schlagen. Es waren das nahe an 100 Millionen Gold- und Silber- 
coiirantstücke und nahe an 300 Millionen Stück Scheidemünze. 
Mit der Ausprägung der neuen Silberscheidemünze wird daher 
die österreichische Münze, wenn die Vorbereitungen nur einiger- 
massen energisch in die Hand genommen werden, höchstens 
b'a Jahr lang beschäftigt sein. Es würde sich empfehlen, diese 
Scheidemünze fortlaufend, so wie sie fertig gestellt ist, gegen
        <pb n="412" />
        — 4ü(» 
Staatsnoten umznwechseln und in den Verkehr zu setzen 
Diese Massregel würde voraussichtlich niclit hlos das Disagio 
der Noten einigerinassen drücken, sondern überdies auch den 
kleinen Verkehr an den Gebrauch des Metallgeldes gewöhnen und 
gleichzeitig, was wohl die Hauptsache sein dürfte, der Staats 
verwaltung werthvolle Anhaltspunkte darüber verschaffen, 
welches der eigentliche Bedarf des österreichischen Circuía- 
tionsgebietes an derartiger Silberscheidemünze wohl sei. 
Nachdem jedoch das alte Silbergeld mit Ausnahme jenes 
Betrages, der zur Deckung der Silbercoupons noch erforderlich 
ist, in Scheidemünze verwandelt sein wird, muss die Gesetz 
gebung unverweilt an die Fixirung der Werthrelation zwischen 
(fold und Silber schreiten, eine AVerthrelation, die dann mass 
gebend zu sein hat für alle Contractverhältnisse des Landes. 
Die Principien, nach denen diese Werthrelation festzustellen 
ist, müssen vorher schon vollständig klargestellt sein. Sie 
werden jedenfalls gleichzeitig mit dem (fesetze, welches die 
Herstellung der Valuta anordnet, zu erörtein sein, so dass 
zur Namhaftmachung der Relatiouszitfer nur mehl' ein ein 
faches Rechenexempel, welches von der Legislative füglich 
der Verwaltung überlassen werden kann, zu lösen sein wird. 
Die Gesetzgebung muss früher schon festgestellt haben, nach 
welchem Durchschnitte sie diese Relation berechnet haben will. 
Da es hauptsächlich darauf ankommt, dass diese Werthrelation 
möglichst dem Marktverhältnisse im Momente der Durchfüh 
rung des Währungswechsels entspreche, so dürfte es gut sein, 
wenn der Durchschnitt einer dem Momente der factischen Geld 
zahlungen möglichst naheliegenden Periode der Ifechnung zu 
grunde gelegt wird, unbekümmert darum, wie die Relation in 
der Vergangenheit war und wie sie in der Zukunft sein wird. 
Beides ist für die liechtsconfinuität der (’ontracte irrelevant. 
Letzteres überdies absolut nicht zu berechnen. Es wird ferner 
noth wen dig sein, der Regierung genau umschriebene. Vollmacht 
zu ertheilen, in welcher V eise sie die Relation nach oben 
oder unten abrunden darf, wenn die ihr vorgeschriebene 
Durchschnittsrechnung eine allzu irrationale Zahl ergeben 
sollte. Da aus sofort zu erörternden Gründen der neue (Jold- 
gulden nicht nach einem vorher schon von der Gesetzgebung 
bestimmten Gewichte, etwa gleich 2 deutschen Reichsmark,
        <pb n="413" />
        ausziiprägen sein wird (in welcliem Falle zu berechnen gewesen 
wäre, wie viel von diesen neuen Goldgulden auf den alten 
►Silbergulden gehen), sondern nach einem Gewichte geschlagen 
werden soll, welches gemäss der zu findenden Werthrelation 
dem alten Silbergulden gleichwerthig ist — so wäre es iiir 
das Umwechslungsgeschäft und für den gesammten inneren 
Veikehr ganz gleichgiltig, ob die Werthr’elation eine runde 
/ahl oder einen Bruch mit 10 Decimalen vorstellt. Aber es 
ist aus mancherlei (B ünden wünschenswerth , dass der Gold 
gulden in einem gewissen, leicht ersichtlichen Verhältnisse zu 
. Goldmünzen, insbesondere zur deutschen Reichsmark 
stehe, und dass auch sein Verhältniss zum Münzpfunde 
Feinsilber sich leicht berechnen lasse. Es muss daher der Exe 
cutive die Möglichkeit geboten sein, das auf mathematischem 
AVege gefundene Resultat diesen Anforderungen entsprechend 
abziirunden. A jiriori spricht durchaus kein Grund dafür, 
dass diese Abrundung eher nach oben als nach unten vorge 
nommen werde, das heisst, dass man den Goldgulden lieber 
um einen Briichtheil schwerer als leichter auspräge, als nach 
dem auf mathematischem AVege gefundenen Mittelwerthe der 
Relation nothwendig wäre. Es ist, wie ausführlich nach- 
gevdesen wurde, durchaus ein Irrt hum, zu glauben, dass die 
Gläubiger aus dem Grunde, weil der Silberpreis seit einigen 
dahren gefallen ist, ein Recht hätten, auch nur um den tau 
sendsten Theil eines (Traiuiues mehr Gold für das Münzpfund 
Feinsilber zu fordern , als sie auf dem Edelmetallmarkte dafür 
erhalten können. Insbesondere den ausländischen Gläubigern 
wird durch den TIebergang zur (Goldwährung unter Zugrunde 
legung der Marktrelation ein so bedeutender , von ihnen selbst 
so hoch angeschlagener A^ortheil zugewendet, dass eine der 
artige HegrirtsVerwirrung nicht die geringste Berücksichtigung 
verdienen ^ sollte. Aber sie besteht einmal in zahlreichen 
KAijifen ; insbesondere von den inländischen Gläubigern werden 
sieb Alele tür beua&lt;;htheiligt halten, wenn ihnen beispielsweise 
1 Bfund G(dd für 17'/^ Pfuml Silber geboten wird, während 
umgekehrt kein Schuldner sein Interesse für geschädigt halten 
‘lüi-fte, weil ihm eine derartige Zahlung in Gold statt im sti- 
pulirten Silber zur Pflicht gemacht wird. Dass im Falle 
Ur. Th. Ilertzka, Währung und Handel. 26
        <pb n="414" />
        — 402 
eines ferneren Sinkens der Silberpreise die Sacke sicli in 
ESBSS# 
paribns wohl empfelilen, unter sonst gle.ckbledieniten U 
ständen einer Abrundung nach oben, d. k. .u Gunsten de, 
Gläubiger, vor der entgegengesetzten den Vorzug zu geben. 
Selbstverständlick ist, dass diese Rneksickt fur ™ 
recktigten Wakn nickt so weit geben darf, um ikretm len ■ 
praktiscke und greifbare Verkekrserleicktevnngen preiszugeben. 
SoUte Sick beispielsweise ergeben, dass naob der matbematiscben 
Relation der neue österreicbiscbe Goblgnlden I7irl dentscbe 
Pfennige scbwer ansznpriigen wäre, so innsste man ibn eben 
du,-Cb den bedeutenden Gewinn der Gesamintbeit ans dem 
Besitze einer Münze, die in diesem Falle im Verbaltniss^ 
7 yn 4 zur dentscben Reicksniark stünde. Aebnlicbe Erwä 
gungen könnten nncb bei anderen Zablen massgebend sein ; 
L dies aber nickt der Fall ist, sollte, wie gesagt, die Ab- 
r;:;i%=h::tgen beiB,irebf«brn„g 
■
        <pb n="415" />
        26* 
403 
werden, da diese nur um den Preis von (iefaliren und Scliwie- 
rigkeiten erkauft werden könnten, die ungleich schwerer in 
die Wagschale fallen. Es wäre allerdings von ausserordent 
lichem Nutzen für den • österreichisch - deutschen Verkehr, 
wenn der Österreichische (loldgulden als Zweimarkstück unge- 
hindert in Deutschland cursiren könnte, und wenn ebenso die 
deutschen IMarkstücke in Oesterreich zum vollen Nennwerthe 
angenommen würden. Damit dies jedoch geschehe, wäre für 
alle Fälle die Ahschliessung einer Münzconvention mit Deutsch 
land nothwendig, und wenn dieses gesonnen ist, auf eine solche 
einzugehen, so ist es, um die wesentlichen Vortheile, auf die 
es hier ankommt, zu erlangen, durchaus nicht nothwendig, dass 
die Rechnungseinheit in Oesterreich der in Deutschland voll 
kommen adäquat sei. Ohnehin wird es keinem Staate erwünscht 
sein, wenn seine eigene ]\Iünze sich mit der eines fremden 
Staates vollkommen durchdringt, etwa derart, dass der Ver 
kehr diesseits und jenseits der Grenzen mit den beiderseitigen 
Münzen in beinahe gleicher Weise gesättigt ist. Darauf kommt 
es bei den Vortheilen einer Münzeinigung auch gar nicht an. 
Zu erreichen ist blos, dass die eigene Münze im fremden 
Lande und die fremde im eigenen Lande zum vollen Werthe 
angenommen wird ; erwünscht aber ist, wenn die beiderseitigen 
]\Iünzen dabei die stetige Tendenz bewahren , in ihre Heimat 
znrückzuströmen, d. h. wenn bei Baarmittelsendungen in’s 
Nachbarland mit Vorliebe dessen eigene Münzen verwendet 
werden. Dies wird nun erreicht, wenn zwei Staaten eine 
IMiinzconvention abschliessen, kraft deren sie sich gegenseitig 
vej’pflichten, im fremden Lande Einlösungsstellen für ihre 
eigenen Münzen zu halten, wogegen dann die contrahirende 
Regierung das Zugeständniss macht, dass die Münzen des 
anderen Theils an ihren eigenen Cassen an Zahlungsstatt an. 
genommen werden. Sind nun in einem solchen Falle die beider 
seitigen Münzen vollkommen gleich, so pflegt es zu geschehen, 
dass der Münzumlauf in der oben beschriebenen Weise sich 
gleichsam vollkommen durch Diffusion vermengt; stehen die 
beiden Münzen überhaupt in keinem leicht übersehbaren und 
berechenbaren Verhältnisse zu einander, so können sie über 
haupt auch nicht vorübergehend, in den jenseitigen Verkehr 
gelangen, sondern werden von demselben augenblicklich an die
        <pb n="416" />
        404 
Einlösungsstellen abgegeben und können bei neutralem Wech- 
selcourse nur mit einem, allerdings geringen, die ]\Iübe und 
den Zeitaufwand der Umwechslung repräsentirenden Disagio 
Vorkommen. Sind jedoch die beiderseitigen Münzen nicht gleich, 
stehen aber in einem leicht übersichtlichen Verhältnisse zu 
einander, z. B. in dem oben erwähnten von 4 zu 7, so werden sie 
ohne die geringste Conrseinbusse in den jenseitigen Verkehr gelan 
gen, von diesem aber doch immer wieder abgestossen werden. Es 
wird nun allerdings im Verhältnisse des österreichischen Dulden 
zur deutschen Reichsmark vom Zufalle abhängen, ob der eine 
oder andere Fall eintritt. Aber selbst schlimmsten Falls 
müssten für Oesterreich dieselben Erwägungen massgebend 
sein, die Deutschland dazu bewogen haben, bei seiner Münz 
reform weder das Zwanzigfrancsstück noch den Sovereign zu 
acceptiren, sondern eine Münze, die nach der damaligen W erth- 
relation Vs Thaler gleich war. Denn im internationalen Verkehre 
ist die Schwierigkeit der Umrechnung einer Münzsorte in die 
andere ohne Belang ; dem Arbitrageur kommt es nur darauf 
an, zu wissen, wie viel in dem einen oder anderen Lande an 
Goldstücken erforderlich ist, um 1 Münzpfund Feingold zu 
erhalten. Dass die Anzahl der Stücke hier und dort gleich 
sei, fordert er durchaus nicht, und es ist ihm dieses, wenn 
die Gleichheit der Stücke nicht Hand in Hand geht mit der 
gleichberechtigten Zulassung im beiderseitigen iVlünzverkehre, 
auch ganz gleichgiltig. im internen Verkehre dagegen sind 
Umrechnungen zu vermeiden , umsomehr im vorliegenden 
Falle, wo die Begriffe über das Contractrecht ohnehin in 
bedauerlicher Weise verwirrt sind. Würde man selbst einen 
neuen höherwerthigen Silber gulden prägen, so würde es 
namentlich im Kleinverkehre häufig auch Schwierigkeiten er 
geben, die Zahlungen nach altem Gehle in die nach neuem 
umzurechnen ; aber es würde sich zum mindesten Niemand für 
geschädigt halten, wenn die Umrechnung ergäbe, dass er nunmehr 
eine geringere Anzahl von Guldenstücken zu erhalten habe als 
bei der alten Währung der Fall gewesen wäre. Nunmehr aber, 
da der neue Gulden in Gold ausgeprägt werden muss, würden 
gar Manche noch glauben, Anspruch auf die gleiche Stückzahl 
zu haben, auch wenn diese neuen Stücke um 10, 15, vielleicht 
20 Percent mehr werth sind als die alten. Bei jeder Trans-
        <pb n="417" />
        action würde diese leidige Frage aufs neue auftauchen und 
stets neue Streitigkeiten erregen. Die Hauptsache aber ist, 
dass in der That die Ausprägung eines höherwerthigen 
Goldguldens geeignet wäre, die Preisverhältnisse und damit 
rückwirkend auch die Contractverhältnisse zu verschieben. 
Die Tendenz des Beharrens auf den nominellen Sätzen ist 
bei vielen Preisen und Löhnen so gross, dass mit Bezug 
auf sie eine Erhöhung des Guldenwerthes um 15 Percent 
ziemlich gleichbedeutend wäre mit einer Vertheuerung um 
denselben Percentsatz. Es gibt eine Menge Dinge, die ledig 
lich deshalb mit ^ dem neuen Goldgulden bezahlt werden 
müssten, weil sie früher einen alten Silbergulden galten ; 
für die kleinen Dinge des täglichen Gebrauchs würde man 
die nämliche Anzahl Kreuzer zahlen, gleichviel ob diese 
Kreuzer den hundertsten Theil vom fünfundvierzigsten Theile 
oder vom Werthäquivalente des vierzigsten Theiles eines 
Münzpfundes Feinsilber sind. Diese Preisverschiebung, die 
naturgemäss allen Jenen zum Nachtheile gereichen müsste, 
die aus alten Contracten berechtigt sind und nunmehr doch 
nur nach der geltenden Werthrelation in Gold bezahlt wer 
den sollen, kann nur vermieden werden, wenn man den alten 
Silbergulden und die ihn repräsentirende Note gegen einen 
ungetheilten Goldgulden auswechselt, d. h. den neuen Gold- 
gnlden so ausprägt, dass er nach der geltenden Relation 
dem fünfundvierzigsten Theile eines Münzpfundes Feinsilber 
gleichwerthig ist, d. h. also beispielsweise 
bei einer Werthrelation von 1 : 15.5 müssen 697.5 Stück 
n » » « 
n » T) ri 
r&gt; n n V 
» » • » w 
r M » » 
n ry w » 
yy » , yy » 
yy yy yy yy 
neue Goldgulden aus dem 
1 : 16 
1 : 16.5 
1 : 17 
1 : 17.5 
1 : 18 
18.5 
1 
1 : 19 
1 : 19.5 
1 : 20 
720 
742.5 
765 
787.5 
810 
832.5 
855 
877.5 
900 
» . 
Münzpfunde Feingold geschlagen 
werden. 
Damit ist überdies der ausserordentliche Vorth eil ver-
        <pb n="418" />
        406 
blinden, dass die Neuprägung der kleinen Scheidemünze über 
flüssig wird, wie denn überhaupt im grossen Bereiche der 
inneren Cxeldverhaltnisse nichts geändert zu werden braucht. 
Das neue Goldgeld tritt ohne weiters und ohne die geringste 
Störung zu veranlassen in die Function des Papiergeldes ; 
die kupferne und kleine silberne Scheidemünze braucht weder 
die Form noch den Werth zu verändern. Und da die Unter- 
theilung im österreichischen Münzwesen auch heute eine durcb- 
aiis rationelle ist, daher nicht geändert zu werden braucht, 
so wird hier auch die Verwirrung, die im deutschen Klein 
verkehr anfangs durch die Idarkrechniing geschaffen wurde, 
ganz vermieden sein. Das Publicum wird plötzlich statt der 
Fünf- und Zehnguldennoten Goldmünzen, statt der Gulden 
noten Silbermünzen in den Taschen haben, im Uebrigen 
aber von der Veränderung im Münz wesen keinerlei Störung 
empfinden. 
Nachdem auf diese Weise das Fein- und Rauhgewicht der 
neuen Goldstücke — die selbstverständlich, da die Congruenz 
mit den Zwanzigfrancsstücken a priori verloren wäre, nicht 
mehr in der Form von Acht- oder Vier-Guldenstücken , sondern in 
der von 5 und 10 Ü. ausgeprägt werden müssten — festge 
stellt wäre, müsste alle Energie daran gesetzt werden, dass 
die factische Durchführung des Währungswechsels sich auch 
keinen Tag länger verzögere, als unerlässlich nothwendig ist. 
Es würde sich empfehlen, die säinmtlichen circulirenden 
Noten augenblicklich zu Goldnoten zu erklären und mit ihrer 
Einlösung gegen Gold auch augenblicklich, d. i. also noch 
bevor auch nur ein einziges Goldstück wirklich geprägt wäre, 
zu beginnen, u. z. in der Art, dass man die Noten, soweit 
sie präsentirt werden, bis zu einem gewissen Termine in 
Barrengold oder gegen fremde Münze zu einem für jede Sorte 
genau festzustellenden Course einlöst und mit der Um Wechs 
lung der Gulden gegen neue österreichische Goldmünzen erst 
später beginnt, wenn das Prägegeschäft einigermassen fortge 
schritten ist. Keinesfalls dürften die neuen Goldstücke früher 
in Verkehr gesetzt werden, als bis das Nacblassen der Nach 
frage nach Barrengold und fremde Goldmünze der Regierung 
bewiese, dass ein Goldexport fernerhin nicht mehr zu besorgen 
ist. In dem Elemente, wo dies geschieht, könnte auch die
        <pb n="419" />
        — 407 
1-^ &gt; 
Bank ihre Baarzahlungen wieder aufnehmen, selbstWstaifSílá^ 
auch sie insoîange, als sie den erforderlichen GoWi^inzvor- 
rath von der Be^;ierung nicht gelieiert erhalten 
erst nur mit der Verpflichtung, Barrengold und fremde"Gold-' 
münzen für ihre Noten zu gehen." Von dem Augenblicke aber, 
wo das Aufhören der Nachfrage nach Barrengold zeigen wird, 
dass die Wechselcourse im entsprechenden Masse günstig 
gestellt sind, müsste die Regierung ihre noch coursirenden 
X(»ten in möglichst kurzem Termine einberufen , u. z. jetzt 
nicht mehr ' facultativ, sondern imperativ. Den Noten wäre 
nach Ablauf dieses Termines der Zwangscoiirs zu nehmen, deren 
Annahme an den öffentlichen Cassen direct zu verweigern, derart, 
dass Demjenigen, der den Kinberuiungstermin versäumt, in 
der Nöthigung, sich nur mehr an einige wenige Zahlstellen zu 
wenden — die selbstverständlich mit der Einlösung nach wie 
vor fortfahren müssten — eine Art Pönale auferlegt würde. 
Es mag nun die Besorgniss entstehen, dass durch die 
soeben besprochene Maniitulation der Umwechslung von Noten 
gegen Barrengold und fremde ]\lünze ein fühlbarer Geldmangel 
entstehen könnte, der nachgerade eine Krisis heraufzubeschwö 
ren im Stande wäre. Es könnte, so wird argumentiif, ge 
schehen, dass der Regierung der grösste Theil ihrer Noten 
augenblicklich präsentirt, ihr dadurch all’ ihr Barrengold ent 
zogen würde, und wenn dann der (Teldbedarf sich noch so 
dringend gestaltete, so würde eben die Möglichkeit fehlen, 
demselhen abzuhelfen, es sei denn, dass die Regierung neuer 
dings die kaum eingezogenen Noten emiffirt. Dieser Besorgniss 
lässt sich jedoch leicht die Spitze abbl echen. Zu einem Gold 
exporte kann es nur dann kommen, wenn relativer Ueberfluss 
an Zahlmitteln im Lande vorhanden ist; wenn man aber 
glaubt, dass der Regierung — allerdings nicht zu Zwecken des 
Exports, wohl aber aus Misstrauen in die vollständige Durch 
führung der Valutaregelung — das zu IMünzzwecken erforderliche 
Edelmetall entzogen werden könnte , und dass dann dem Ver 
kehre mit diesem Münzmetalle, auch wenn es in Barrenform 
im Lande bliebe, vorläufig nicht gedient sein könnte, so kann 
immerhin durch die der Bank auferlegfe Verpflichtung, Barren 
gold und fremde Goldmünzen gegen eine Provision von höch 
stens V4 Percent gegen ihre Noten umzuwechseln, eventuell
        <pb n="420" />
        408 
auch diircli die Taritirung der autígegebenen fremden 
sorten, geholfen werden. Diese Tarif)rung liätfe aber jedenfalls 
nur so lange Deltung %u behalten, bis der Staat mit seinem 
Münzgeschäfte fertig geworden ist. Tn dem ^fomente, wo die 
250 bis dOO Millionen neuer Goldgulden, deren er zur Einlö 
sung seiner Noten und für den Metallschatz der Bank bedarf, aus 
geprägt sind, müssten die fremden Münzen zu dem degradirt 
werden, was sie von Rechtswegen im eigenen Ijande sind, 
nämlich zu einer Waare. Die erforderlichen I\I assregeln hätten 
einander also in folgender Weise zu ergänzen: 
1. Nach Vollendung der Silberausprägung und Eeststel- 
lung der Werthrelation, in welcher die neuen Goldmünzen zu 
prägen sind, werden alle Schuldner, gleichviel ob sie auf 
ö. W. Silber oder Papier contraliirt haben mögen, verpflichtet, 
auf Verlangen des Gläubigers in Gold Zahlung zu leisten, jedoch 
bis zu einem vorher genau festzustellenden Termine in Barren- 
gold oder in fremder Goldmünze. Die Gläubiger sind bereehfigf, 
bis zu demselben Termine, der zugleich der Einlmrufüngsteiinin 
der Staatsnoten ist, Zahlung statt in Gold je nach ilii’em 
Contracte in Silber oder in Noten zu fordern. 
2. Am gleichen Tage werden die Einlösungsstellen für 
die Staatsnoten eröffnet, jedoch wird voi läulig bis auf weif ere, 
, flem Ermessen der Regierung überlassene Verfügung, die Ein- 
lö'sung blos gegen Barrengold oder je nach Wunsch der Prä 
sentanten gegen fremde Goldmünze vorgenonimcn. Als solche 
zur Ausgabe gelangende fremde Münze wäre womöglich blos 
eine Sorte, selbstverständlich jene, von der sich am meislen 
im Besitze der Regierung befindet, zu wählen und zugleich der 
Courswerth, zu welchem diese fremde IMünze bei allen Zah 
lungen zu verwenden ist, anzugeben. Die Baidc ist zu vei-- 
pdichten, gegen V4 Percent Provision, jedoch ohne Einrechnung 
irgend welcher anderweitiger Kosten, für Barrengold und fremde 
Goldmünzen nach ihrem Eeingehalte Noten zu geben. 
o. Sowie der Vorrath der Regierung an neuen G,ddniünzen 
eine genügende Höhe erreicht hat, erfolgt die imjierafive Einbe 
rufung der Sfaatsnoten ; gleichzeitig erklärt sich die Regierung 
bereit, Barrengold und fremde IMünzcn gegen einen Schlagschatz 
von V4 Percent für Privatrechnung lunzuprägcn respective so 
lange der Vorrath reicht, gegen eigene Münze sofort einzu-
        <pb n="421" />
        wechseln. Tm selben Zeit])nnkte hat auch die Bank die Baar- 
zahhingen aufznnehmen. 
Bei einer derartigen Durchführung der Münzreform dürfte 
es wohl kaum möglich sein, dass dem Verkehre eine andere 
Schwierigkeit, als schlimmstenfalls die erwächst, dass durch 
einige Tlonate fremde Münzen stärker in Umlauf kommen, was 
allerdings um so unbequemer wäre, als diese fremden Mün 
zen, sie mögen nun Zwanzigfrancsstücke, Zwanzigmarkstücke 
oder Sovereigns sein, keinesfalls in einem sehr adäquaten Ver 
hältnisse zum eigenem Währungsgel de stehen dürften. Aber 
gefährliche Consequenzen kann eine solche Unbequemlichkeit 
sicherlich nicht haben, und es dürfte dies jedenfalls der sicherste 
und zugleich naheliegendste Ausweg sein, um die ]\Iünz- 
reform mit der denkbar grössten Beschleunigung und doch oline 
jede Erschütterung und Einengung des Credits durchzuführen. 
Dass mit den eigentlichen ^iünzmassregeln der Sache ent 
sprechende Vorkehrungen im Bankwesen Hand in Hand, zu 
gehen haben, ist selbstverständlich. Die österreichische Bank 
acte, wie sie im .Jahi’e ISGö geschaffen wurde, war allerdings 
bestimmt für den Zusfand vollständiger Sidvenz des Zettel- 
institutes ; aber dii^ Thatsache, dass man damals bereits durch 
1 Va Decennien unter der Herrschaft des Zettel wesen s stand, 
kennte doch nicht ganz verleugnet werden; zudem wurden die 
den Notenumlauf regulircnden (iesetze unter der Voraus 
setzung erlassen, dass das Silber das legale Zahlmittel sein 
solle. Wird nun das tTold zum Währungsmctall erhoben, so 
ändert sich auch die Basis des Notenumlaufs ; das Bedürfniss 
nach papiernen Umlaufsmitteln muss relativ geringer werden. 
Andererseits aber hat sich seit jener Zeit das Bedürfniss nach 
Circulationsmitteln im Allgemeinen in Oesterreich erhöht. 
Währen«1 von 1858 bis 18(15 der gesammte Notenumlauf zwi 
schen Ö.50 und nahe an 5(H( ^Millionen Dulden schwankte, und 
selbst dieses Quantum sich nur mit einem beträchtlichen Dis 
agio im Verkeil]e erhalten konnte, stieg in den letzten .fahren 
die Desammtcirculation an Staats- und Banknoten im Durch 
schnitte auf nahe au 7(M) Millionen Dulden, und das Disagio 
war doch ein geringeres. Bei Bcurtheilung des Notenmaxi 
mums für die Zukunft würde daher der Desetzgebung selbst 
jener, auch damals im Drunde genommen rein willkürliche
        <pb n="422" />
        410 
Massstab fehlen, der sie im Jahre 1S68 dazu veranlasste, eine 
Circulation von 200 Millionen metallisch nicht bedeckter Noten 
für zulässig zu erklären. Es ist absolut ungewiss, welche 
(Irenze hei einer derartigen Naelialimung der Peelsacte der 
zukünftigen österreicliiscli-ungarisehen Noteneirculation ge 
steckt werden könnte. Oh es überhaupt zulässig ist, eine 
solche (Irenze zu ziehen, soll hier nicht untersucht werden; 
aber jedenfalls kann dies nur geschehen, wenn die Clesetz- 
gehiing wenigstens annähernd das Bedürfniss des Verkehrs zu 
heurtheilen im Stande ist. Ebenso willkürlich und gefährlich 
wäre im Falle des Währungswechsels die Contingentirung de,s 
Notenumlaufs im Verhältnisse zum IMetallschatze. Gerade in 
einer Zeit, wo die innere Diseontpolitik nur unter sorgfältig 
ster Beachtung der Wechselcourse und der Edelmetallströmun 
gen gehandliaht werden darf, ist jede willkürliche Reglemen- 
tirung, welche die Einsicht der Bankleitung durch den (le- 
setzesparagraphen ersetzen zu können glaubt, doppelt gefähr 
lich. ln dem Momente, wo die Baarzahlungen aufgenommen 
werden sollen, fällt dem Zettelinstitute eine mit hoher Ver 
antwortlichkeit verbundene, überaus schwierige Aufgabe zu, 
und es ist durchaus nothwendig, einerseits, dass ihm die volle _ 
Verantwortlichkeit für alle Massregeln, die es im eigenen 
Wirkipigskreise unternimmt, ganz ausschliesslich überlassen 
bleibe, anderseits auch, dass ihm die Freiheit des Handelns 
nach keiner Richtung beschränkt werde. Da es von vorn 
herein als ausgemacht angesehen werden kann, dass die Con 
tingentirung ganz willkürlich wäre und mit den realen An 
forderungen des Verkehrs nur schlecht harmoniren könnte, so 
darf der Bankleitung weder die Möglichkeit geboten werden, 
ihre eigenen Fehler durch das Gesetz zu bemänteln, noch darf 
sie der Gefahr ausgesetzt sein, durch das Gesetz in wirklich 
heilsamen Massregeln gehindert zu werden. 
Es wurde bereits dargelegt, wie nothwendig es beim 
Währungswechsel sein wird, den Notenumlauf derart einzu 
schränken, dass ein Ueberfluss an Circulationsmitteln nicht 
vorhanden sei. Ob diese Grenze erreicht ist oder nicht, das 
wird von Fall zu Fall der Wechselcours und der Zinsfuss auf 
offenem Markte angeben, und es kann überdies als unzweifel 
haft hin gestellt werden, dass diese Grenze selbst während der
        <pb n="423" />
        411 
m- 
■I I««, 
5CI 
mm 
Ueber^angsmassregeln mannigfachen Schwankungen, je nach 
den veränderten Verkehrsbedürfnissen, ausgesetzt sein muss. 
Wenn der Notenumlauf gesetzlich geregelt ist, wenn es bei 
spielsweise bei dem derzeit geltenden Gesetze sein Bewenden 
haben sollte, wonach die Bank, da sie sich im Besitze eines 
Metallschatzes von rund 15() IMillionen befindet, 850 Millionen 
Gulden Noten ausgeben dürfte — so würde sie es vielleicht 
für überfiüssig halten, die Zinsfiissschraube anzuziehen, im 
Discontiren vorsichtiger zu werden, auch wenn die Wechsel- 
course noch so schlecht wären, so lange die ihr vom Gesetze 
zugesprochene Reserve nicht erschöpft ist. Und wenn sie es 
selbst wollte, so würde ihr dies durch den Widerstand .der 
öffentlichen Meinung, die gerade hier in Oesterreich in derlei 
Dingen von falschen Voraussetzungen ausgeht, überaus er 
schwert, denn das Publicum würde, so lange das gesetzliche 
Notenmaximum nicht erreicht ist, jede Restriction als über- 
llüssige Chicane aufiässen. .Die Bank aber würde dann hinter 
drein, wenn ihr durch die übermässig ausgegebenen Noten 
(Told entzogen werden sollte, die gewaltsamsten Anstrengungen 
machen müssen, um ihre Solvenz aufrecht zu erhalten; die 
(Geschäftswelt müsste die vorübergehende ungehörige Erleich 
terung voraussichtlich mit einer Krisis bezahlen. Ebenso ist 
es aber umgekehrt möglich, dass das vom Gesetze angenommene 
Notenmaximum sich den Anforderungen der Praxis gegenüber 
als zu gering erweist, dass die Bank ohne Gefahr für den Wech- 
selcours und ohne unter den Marktdiscont herabgehen zu 
müssen, mehr als 2(X) Millionen metallisch nicht bedeckter 
Noten ausgeben kann. Es kann dies insbesondere sehr leicht 
eintreten, falls das Publikum sich seines Staatsnotenbesitzes 
allzu rasch entledigt, das für dieselben erlangte Gold in grös 
seren Beträgen exportirt und nun in der Zwischenzeit bis zum 
abermaligen Zurückströmen des Goldes ein Geldmangel eintritt. 
Warum soll der Bank verwehrt werden, in diese Lücke zu 
treten, warum soll insbesondere die Beengung des Geldstandes 
dadurch künstlich zur Panik gemacht werden, dass man der Ge 
schäftswelt von vornherein die Besorgniss einflösst, es werde bei 
einer gewissen (Grenze überhaupt nicht mehr Geld zu erlangen 
sein ? Aus diesen Gründen muss daher mit den Massregeln der 
Münzreform die vollständige Freigebung des Notenemissions-
        <pb n="424" />
        412 
rechtes an das Zettelinstitiit verbunden werden, selbstver 
ständlich unter der demselben auferlegten Verpflichtung, die 
einmal begonnenen Baarzahlungen unter allen Umständen auf 
recht zu erhalten. Es kann dies um so unbedenklicher in 
Oesterreich geschehen, als der Baarschatz der österreichischen 
Nationalbank im Idomente des Währungswechsels ein verhält- 
nissmässig ausserordentlich grosser sein wird, und zu allem 
Ueberflusse das Einlösungsgeschäft der Begierung die Opera 
tionen der Bank wesentlich unterstützen muss. So lange dieses 
Einlösungsgeschäft dauert, wird Gold an den Begierungs- 
und an den Bankcassen in gleicher Weise zu haben sein, 
während Noten nur bei der Bank erliältlich sein werden. Und wenn 
anders mit Aufnahme der Baarzahlungen der richtige IMoment 
abgewartet wurde, wo das Bediirfniss nach Gold im Allgemeinen 
nicht grösser ist, als das nach Noten — was wieder einzig die 
Wechselcourse anzeigen können — so hat die Bank einen An 
griff auf ihren Meta 11 schätz für s erste überhaupt nicht zu 
besorgen. 
1st aber erst einmal die Beform durchgeführt, der Ver 
kehr mit Gold gesättigt und die letzte Staatsnote eingezogen, so 
wird der Zustand des österreichischen Geld- und Creditwesens 
nach keiner Bichtung einer anderen Fürsorge bedürfen, keinen 
anderen Gefahren ausgesetzt sein, als in den Ländern, die 
früher zur Goldwährung übergegangen sind. Das tîcdd wird 
ab- oder Zuströmen, der Zinsfuss wird steigen oder fallen, je 
nachdem es die Weehseleourse bedingen. Der Verkehr im 
Allgemeinen, insbesondere aber die Leichtigkeit der Geld- 
Transaetionen mit dem Auslande, wird sieh ungemein erhöhen, 
aber dabei werden die Verhältnisse des österreichischen Geld 
marktes immer noch weitaus stabiler bleiben als die der west 
europäischen Staaten, da eben nicht angenommen werden kann, 
dass die Fortschritte in F'olge des Wäh rungs Wechsels das 
Land mit einem Schlage auf jene Verkehrsstufe heben könnten, 
welche jene Länder schon vorlängst erreicht' haben. Dass 
aber die Fortschritte sehr bedeutend, dass die wirthschaftliche 
Energie und demzufolge der Beichthuni in früher kaum 
geahntem Umfange wachsen müssten, wenn Production und 
Handel durch den Uebergang vom Wäbrungsmetalle des Orients 
zu dem der Culturstaaten des Abendlandes eine sichere, verhält-
        <pb n="425" />
        413 
nissmässig unverrückbare Basis erhielten, das glauben wir im 
Bisherigen mit genügender Klarheit dargethan zu haben.— 
Es wäre zum Schluss noch zu untersuchen, ob nicht auch 
für ( lesterreich, gleichwie dies in Deutschland geschah , die 
Einführung der Doldrechnung vor factischer Durchfíihrnng der 
(fohlWährung sich empfehlen würde. Dieser Gedanke muss 
um so näher liegen, als ohne Zweifel der materielle Wäh 
rungswechsel , der mit einer (Consolidining der schwebenden 
Schuld verbunden sein müsste, gewaltige finanzielle Anstren 
gungen erfordert, deren Nutzen zwar so handgreiflich und 
gross ist, dass sie unter allen Umständen gemacht werden 
sollten, vor denen aber trotzdem, wie die Verhältnisse nun 
einmal liegen, die leitenden Staatsmänner dieses Reiches zu 
rückschrecken. Gelänge es aber, ohne so grosse Opfer für’s 
erste auch nur die österreichischen Silbernoten in Goldnoten 
zu verwandeln, so wäre damit jedenfalls das Eine gewonnen, 
dass die österreichischen Valutaschwankungen hinkünftig nur 
mehr von der verhältnissmässigen Ausdehnung oder Einschrän 
kung des Notenumlaufes, nicht aber auch von den Schwankungen 
des Silberwerthes abhängig würden. Gerade die Erfah 
rungen der jüngsten Monate haben gezeigt, dass diese Letzte 
ren weitaus intensiver sein können, als die einer Papiervaluta, 
deren gesetzliche metallische Unterlage relativ unabänder 
lich ist. Goldnoten wären nicht nur in ihrer Kaufkraft 
stabiler als Silbernoten, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach 
nm vieles stabiler als metallisches Silbergeld. Die österreichische 
Währung wäre in einem solchen Falle zum mindesten unabhän 
gig von den Fluctuationen der Edelmetallmärkte, und es läge 
immerhin in der Macht einer vorsichtigen und geschickten Bank- 
leitnng, selbst in der Zwischenzeit bis zur metallischen Gold 
währung die Valutaschwankungen auf ein Minimum zu reduciren. 
Tn der That ist eine solche vorläufige Währungsreform 
sehr wohl möglich, ja auf den ersten Blick die denkbar ein 
fachste Operation. Der Staat braucht blos zu erklären, dass 
die mit Zwangscours umlaufenden (fnldennoten nicht die Re 
präsentanten des 45ten Th eiles von einem Münzpfunde Fein 
silber , sondern etwa des 81 Oten Theiles eines Münzpfundes 
Feingold seien, dass sie bei dereinstiger factischer Herstellung
        <pb n="426" />
        414 
(1er Valuta mit diesem Betrage eiugelöst werden sollen; die 
Bank branclite blos verpflicbtet zu werden, in äbnliober 
Weise bei Aufnabme der Baarzabluugen ihre Banknoten statt 
mit den alten Silbergulden mit den neuen Groldguldeu einzulösen ; 
es brauchen ferner nur alle laufenden Contracte entsprechend 
umgeändert zu werden — und Oesterreich hat von dem Tage, 
wo ein derartiges Gesetz publicirt wird, die Goldrechnung 
statt der Silberrechnung. Aber so ganz ohne Schwierigkeiten 
ist diese Reformmassregel, deren heilsame Wirkungen nicht 
bestritten werden sollen, denn doch nicht. Ja es ergeben sich 
bei derselben Gefahren und Verluste, die heim sofortigen 
Uebergauge zur factischeu Goldwährung nicht zu besorgen 
sind. Während nämlich im letzteren Falle das Reich, wie oben 
gezeigt wurde, auch nicht einen Silbeigulden auf dem Edel 
metallmarkte zu verkaufen brauchte, müsste, wenn lediglich 
die Gold rech nun g belicht wird, der Vorratli circulirender 
österreichischer Silhergulden abgestossen werden, da für den 
selben keine Verwendung vorhanden wäre. Es ist ein Trrthum, ' 
wenn man glaubt, diese Silbergulden Hessen sich auch vor 
factischer Herstellung des Metallumlaufes so ohne weiters als 
Scheidemünze ausprägen und in Circulation erhalten. Möglich 
wäre dies allerdings, aber gleichbedeutend mit einer ganz 
ausserordentlichen Verschlechterung des Geldwesens, denn 
diese unterwerthig ausgeprägten und der inneren Circulation 
übergebenen Silberstücke wären in ihrer Wirkung einer Ver- 
mehrnng des Papiergeldumlaufes ganz gleich zu achten. Sie 
würden die Kaufkraft, d. i. den Courswerth aller österrei 
chischen Geldzeichen dem Golde wie dem Silber gegenüber 
ausserordentlich, wahrscheinlich mit mehr als 10Percent unter 
den gegenwärtigen Stand drücken, derart, dass sie — was 
im Uebrigen hier nur nebenbei bemerkt werden soll, — um sich 
im Course zu erhalten, sehr stark unterwerthig ausgeprägt 
werden müssten. Eine Ausprägung zu höherem Feingehalte 
wäre in Wahrheit in ihrer Wirkung mit Verkauf auf 
dem Edelmetallmarkte gleichbedeutend; denn der innere Ver 
kehr könnte die in ihrem Feingehalte nicht bis auf die Ent- 
werthung des Papiergeldes herabgehenden Silberstücke nichl 
aufnehmen, eine sonstige Verwendung für dieselben wäi’e 
auch nicht vorhanden , sie müssten also in den Schmelztiegel
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        415 
wandern, und es ist selbstverständlich für den Staat ganz 
gleich, ob dies von ihm direct veranlasst wird, oder ob dies 
erst nachträglich Diejenigen thun , denen er diese neuen Silber 
stücke unter irgend welchem Titel übergibt; sie würden doch 
nur zu jenem Courswerthe genommen, der sich auf dem Silber 
markte erzielen liesse. Eine andere Verwendung als in Form von 
Scheidemünze für den innern Verkehr oder in irgend welcher 
Form für den Edelmetallmarkt kann aber das derzeitige österrei 
chische Silbercourantgeld vor erfolgtem Uebergange zur 
factisclien (Goldwährung nicht ftnden, da ja alle Zahlungen, die 
gegenwärtig noch in diesem Silbergelde geleistet und in diesem 
Silbergelde angenommen werden, schon in Folge der Goldrech 
nung in den neuen (Goldguhlen geleistet werden müssten. 
Damit wäre zugleich die Nöthigung verbunden, als Käufer auf 
dem (Goldmarkte aufzutreten. Oesterreich müsste mit einem 
Worte bei Einführung der Goldrechnung sein Silbergeld ver 
kaufen , ungefähr für denselben Betrag Gold kaufen und (Gold 
stücke prägen. Eine Anlehensoperation könnte also allerdings 
vermieden werden. Aber es würden dadurch Münzverluste 
entstehen, die zu vermeiden sind, wenn Goldrechnung und 
factische Goldwährung gleichzeitig eingeführt werden. Diese 
Münzverluste wären um so grösser, da Oesterreich späterhin, 
wenn es die factische (Goldwährung einführt, dasselbe Silber 
wieder zui'ückkaufen müsste, um dem dann thatsächlich 
vorhandenen Bedarfe an grober Scheidemünze zu genügen, 
liei der hohen Einpündlichkeit, die der Silbermarkt in der 
jüngsten Zeit bewiesen hat, muss man eben nicht übermässig 
ängstlich sein, um die derart beim Verkaufe und nachträg 
lichen Wiederkaufe von ungeiähr 150 Millionen Gulden zu ge 
wärtigenden Coursverluste auf eine Summe zu beziffern, mit 
welcher sich die Interessen eines ausgiebigen Valutaanlehens 
für eine Reihe von Jahren decken lassen. Und da der Zweck 
einer solchen Transaction schliesslich nur darin läge, vorüber 
gehend Zinsen zu ersparen, so ist es unter allen Umständen 
vernünftiger, diese Zinsen in einer Weise zu verwenden, dass 
(1er volle Nutzen der Münzrefoim erzielt wird, als sich die- 
sell&gt;en ( )pfer aufzuerlegen nnd doch nur einen Theil des Erfolges 
zu erzielen. Aber es gibt denn doch einen Ausweg aus diesem 
Dilemma, und dieser besteht darin, vorläufig blos ein Anlehen
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        — 41G — • 
ill jener Höhe, aiifziinelimeii, die nothwendig ist, um Staats- 
noten im seihen Betrage einzuziehen, um welchen durch die 
Ausprägung unterwerthiger Silhermünze die innere (hrciilation 
vermehrt werden soll ; also um es in Zittern auszudrücken, 
ein Anlehen von etwa 150 Millionen Gulden eftectiv. Geschähe 
dieses, so könnten die neuen Silberscheidemiinzen iinhedenklich 
dem Verkehre übergehen werden; ihr Zu Muss würde dann die 
Kaufkraft des österreichischen Geldes nicht vermindern, das 
Disagio der österreichischen Noten , welches im Augenblicke 
zwischen 1 Percent und ö Percent schwankt, würde sich nicht 
erhöhen und es bestände thatsächlich bis auf diese Agiodiffe 
renz genau jener Zustand , der in Deutschland durch die 
Markrechnung sich établirte. Der Erlös des Anlehens müsste 
zum Ankäufe von Gold verwendet werden , welches sofort 
nach der genau zu berechnenden und dann gesetzlich zu piibli- 
cirenden Werthrelation in Goldgiilden aus^uprägen wäre. Das 
österreichische Metallgeld wäre den Schwankungen des Silber 
marktes entrückt, der Papiergulden würde, sofern sich in den 
Verhältnissen des inneren Verkehres nichts ändert, keine 
grösseren Schwankungen dem Goldgulden gegenüber aufweisen, 
als gegenwärtig dem Silbergulden gegenüber, und es wäre damit 
thatsächlich ein Fortschritt von sehr wesentlicher Bedeutung 
erzielt. Aber dies wäre doch immer nur eine halbe Massregel, 
und es ist in Wahrheit ganz überflüssig, sie zu empfehlen. 
Denn Diejenigen, die da anerkennen, dass es nüfzlich und 
nothwendig sei, eine Zinsenlast von jährlich 0—10 Millionen 
zu übernehmen, um die Schwankungen des Silberwerthes aus 
dem österreichischen Geldwesen zu entfernen, werden auch 
nicht anstehen zu erklären, dass es. um so nützlicher und 
noth wendiger sei, das d(»p])elie Opfer an Zinsen zu bringen 
und jedes schwankende Element aus der österreichischen 
Währung, zu beseitigen. Diejenigen dagegen, die das jletztere 
nicht zu begreifen vermögen, jene Volkswirthe und Staats 
männer, die Milliarden vergeuden, um Millionen zu ei’sparen, 
sie werden sich auch zu dem geringeren Opfer nicht verstehen. 
Hier gilt es ein „Entweder - Oder“, das Aufratfen zu einer 
ganzen That, oder das Verharren in der bisherigen fata 
listischen ünthätigkeit.
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