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        <title>Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius &amp; Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung</title>
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Bibliothek 
des Instituts für Weltwirtschaft 
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der Universität Kiel 
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Die Thcerfurbeii-Kubríkeii , 
der 
Herren Meister, Lucius &amp; Brüning 
ZU Höchst a. Main' 
in sanitärer und socialer Beziehung. 
Von 
Dr.^ürand homme, 
Arit und KreiRwundarit lu Hofhpim m. Taunu*. 
Separal AWrnck aia Ealeokere'i Vierteljahríwhriít í. içerichtl. Medid: : (ITeitl. Saiil 
Berlin, 1880. 
Gedruckt bei L. Sciiumacher. 
tgweteo. N. f. Hlil. 
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        ^ 1* 
V 
Vor w or t. 
Die Darstellung von Farben aus Bestandtheilen des Steinkohlentheers hat in 
den letzten Jahren eine Ausdehnung und Bedeutung gewonnen, wie kein zweites 
Gebiet unserer Industrie. Stoffe, welche noch vor wenigen Jahren kaum der 
Beachtung werth gehalten wurden, dienen jetzt als Basis einer Fabrikation, 
welche Tausende von Arbeitern beschäftigt und für Millionen Mark I’roducte in 
den Handel bringt. 
Diese Thatsache an und für sich^ besonders aber die Neuheit dieser ganzen 
Industrie und die geringen Erfahrungen, welche auf dein Gebiete der öffentlichen 
Gesundheitspflege sowohl über einen grossen Theil der Rohmaterialien, als auch 
der fertigen Producte gesammelt werden konnten, rechtfertigen hinreichend, die 
sem Zweige der Industrie unsere Aufmerksamkeit zu sclienken. und als Beitrag 
zu diesem Zwecke möge nachstehende Arbeit, welche die Theerfarben-Fabriken 
der Herren Meister, Lucius &amp; Brüning zu Höchst a. Main zum Gegenstände 
hat, betrachtet werden. 
Solche Arbeiten von Aerzten über Fabriken haben jedoch nur einen geringen 
Werth, wenn sie sich auf die Aufzählung und Zusammenstellung der bei den be 
treffenden Arbeitern beobachteten Krankheiten beschränken; der Hauptwerth sol 
cher Arbeiten liegt neben der sanitären Würdigung der verwendeten Rohstoffe und 
dem Verfolg aller mit diesen bis zur Fertigstellung der angestrebten Fabrikate 
vorgenommenen Proceduren — im engeren Sinne: in einer Besprechung der zur 
^ erhütung von Krankheiten in und ausser den Fabriken getroffenen prophylakti 
schen Massregeln, im weiteren Sinne : in der ärztlichen Begutachtung aller Ein 
richtungen, welche als ihr Endziel das körperliche Wohlbefinden der Arbeiter 
an streben. 
Nach meiner Auffassung gehören somit vor das Forum des Arztes nicht 
allein die sanitären, sondern auch ein grosser Theil der socialen Verhältnisse der 
Arbeiter, und ich betrachte die Zusammenstellung der Erkrankungen auf den 
Fabriken nicht als das Ziel meiner Arbeit, sondern als die Probe auf das Rechen- 
Exempel, in welchem Masse die von Seilen der Fabrikbesitzer zum Wolde ihrer 
Arbeiter getroffenen Einrichtungen ihrem Zwecke entsprechen. 
Die Grenzen meiner Arbeit stecke ich dem entsprechend ziemlich weit; 
allein nur auf diesem Wege löst der Arzt seine höhere Aufgabe, die mehr in dem 
Schutze vor Krankheiten, als in dem Curiren der ausgebrochenen bestehen muss. 
Theilen wir uns nun meine Arbeit nach diesen Grundsätzen ein, so müssen 
wir — nach einem kurzen Ueberblick über die Entstehung und die Ausdehnung
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        4 
clor bctrcíTenden Fabriken und die Ziele der Fabrikation — uns zuerst mit der 
Fra);e, wo gearbeitet wird, beschäftigen. Hierbei kommt die Bauart der Fabrik 
räume, deren Ventilation und Beleuchtung in Betracht. Dann werden wir uns 
mit den Rohmaterialien, welche zur Verwendung kommen, beschäftigen. Diese 
sowohl, wie die Zwischenglieder zwischen ihnen und den Endproducten der 
Fabrikation, sowie die Abfallstoffe haben wir während des Ganges der Fabrika 
tion in den einzelnen Räumen zu verfolgen und sie in physiologischer und klini 
scher Richtung zu prüfen, um ihren Einfluss auf die Gesundheit der Arbeiter und 
der Umgebung bemessen zu können. 
Hieran schliessen sich die Einrichtungen, welche zu Gunsten der Arbeiter, 
sowohl der gesunden, wie der erkrankten und invaliden, getroffen wurden. îsach 
einem Ueberblick über die Bewegung und die socialen Verhältnisse der Arbeiter 
im Allgemeinen gehört hierher der Modus der Aufnahme neuer Arbeiter, die 
Fabrik-Ordnung u. s. w. Bezüglich der gesunden Arbeiter müssen wir die Ar 
beitszeit und den Arbeitslohn, die Wohnung und Verköstigung derselben be 
trachten. Bei den erkrankten Arbeitern kommt die Unterstützungs-Kasse, der 
Wirkungskreis der Fabrik-Aerzte. die Führung der Kr.anken-.Journale, die Beach 
tung der Fabrik-Krankheiten in Betracht. Zum Schlüsse dieses Kapitels müssen 
die zu Gunsten der invalid gewordenen Arbeiter getroffenen Einrichtungen eine 
Stelle finden. 
Nunmehr kommt als Abschluss des Ganzen eine Zusammenstellung und Be- 
s])rechung der in den letzten 5 Jahren in den verschiedenen Räumen der Fabriken 
beobachteten Erkrankungen und im Anschluss hieran die von mir benutzte Theer- 
farben-Literatur. 
Selbstverständlich ist, dass bei einer solchen Arbeit wissenschaftlich viel 
Neues nicht geboten werden kann. Die Resultate der Erforschungen auf dem 
Gebiete der Physiologie, der Toxikologie u. s. w. werden hier in Connex mit dem 
beben gebracht und hierdurch eine gegenseitige Controle zwischen theoretischem 
Studium und den praktischen Erfahrungen geübt, welche sowohl der Wissen 
schaft, als insbesondere den Bestrebungen für das Wohl der arbeitenden Klasse 
zu Gute kommt. 
Ebenso selbstverständlich ist es. dass nicht alle Stoffe, welche auf den be 
treffenden Fabriken zur Verwendung kommen, sondern nur diejenigen, welche 
das Wesen der Fabrikation ausmachen, des Näheren besprochen werden. 
Auch beschränkten sich die von mir angestellten Thierversuche auf solche 
Stoffe, über welche entweder noch keine oder solche mit streitigen Resultaten 
Vorlagen. Dass dieselben zur Entscheidung der Frage, ob und wie weit mehrere 
derselben als Gifte zu betrachten sind, nicht ausreichen, ist klar; fielen dieselben 
nicht vielseitiger und ausreichender aus, so muss dies meine Stellung als prak 
tischer Arzt auf dem Lande, dem nur wenig Musse zu solchen, wenn sie gewissen 
haft angestellt werden, zeitraubenden Arbeiten bleibt, entschuldigen. 
Dass ich die ganze Arbeit nur im Einverständniss mit den Besitzern der 
Fabriken schreiben konnte, ist selbstverständlich. Dieselben erstrebten von Beginn 
der Fabrikation an eine möglichst genaue Beobachtung und Verfolgung aller 
Erkrankungen, einmal, um die Berechtigung oder Nichtberechtigung der vielfach 
gegen die Reschäftigung in solchen Fabriken herrschenden Vorurtheile zu prüfen, 
und dann, um die wirklichen sanitären Verhältnisse ihrer Arbeiter genau kennen
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        zu lernen, und letztere {fegen nachtheilige Kiinvirkungen auf ihre Gesundheit 
zu schützen. 
Ein solches für alle Fabriken anerkennenswerlhes Bestreben der Fabrik 
besitzer ist für chemische Fabriken geradezu eine l’Hicht und Noihwendigkeit, 
weil in diesen die Arbeiter mit ihnen vollständig unbekannten Materialien ar 
beiten und somit bei ihrer ünkenntniss von dem Einfluss derselben auf ihre Ge 
sundheit selbst sich nicht schützen können. 
A. Einleitung. 
Im Jahre 1862 wurde in bescheidenen Verhältnissen eine Fabrik 
zur Herstellung von Anilinfarben in der unmittelbaren Nähe von 
Höchst erbaut, welche rasch an Ausdehnung gewann. Bei dem zu 
Ende der 60er Jahre immer lebhafteren Aufblühen dieser Industrie, 
die als Ausgangspunkt für die verschiedenen Farbstoffe stets das ver 
mittels Arsensäure erzeugte Fuchsin benutzte, führte das Bestreben, 
die giftige Arsensäure zu umgehen und auf eine gefahrlose Weise 
durch Itinwirkung von Nitrobenzol auf Anilin Fuchsin darzustellen, zu 
dem Projecte, das Anilinöl selbst zu machen, und so wurde 1860 
ca. 800 Meter westlich von Höchst und 600 Meter von der bestehenden 
habrik eine Anilinöl-Fabrik erbaut, mit der 1870 eine Anlage ver 
bunden wurde, welche der Erzeugung des Fuchsins ohne Arsensäure 
dienen sollte und seit Ende 1872 auch in jeder Hinsicht gedient hat. 
Seit dieser Zeit wurde überhaupt gar keine Arsensäure mehr verwendet. 
Im Jahre 1869 wurde die Entdeckung von Graebe und Lie 
bermann zur Herstellung des Alizarins aus Anthracen industriell 
ausgeführt, im Jahre 1870 eine Fabrik zur umfangreichen Herstellung 
dieses wichtigsten Farbstoffs nordwestlich von der Anilinöl-Fabrik er 
richtet und in den Jahren 1872—1879 bedeutend erweitert. 
Die maschinellen Bedürfnisse des nun schon sehr umfangreich 
gewordenen Unternehmens führten 1871 zur Erbauung einer sehr voll 
ständig eingerichteten mechanischen Werkstätte. 
Nachdem in den neuen Anlagen der Schwerpunkt des Geschäfts 
sich immer mehr concentrirt hatte, beschloss man 1872, sich in un 
mittelbarer Verbindung mit der Anilinöl- und Fuchsin-Fabrik für 
Anilinfarben einzurichten und die alte Fabrik abzubrechen. Im Som 
mer 1874 ward die Uebersiedlung in die neuen Werkstätten vollendet, 
und auch das Comptoir hatte seinen Platz zwischen der Anilin- und 
Alizarin-Fabrik gefunden. 
Im Jahre 1874 wurde eine allen Fabriken dienende Wasser-
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        6 
station ill (1er Nähe des Alains erbaut, welche ein Röhrennetz von 
ca. 8000 Meter Länge, armirt mit 90 Feuerkrahnen, durch alle Höfe 
der Fabrik speist. 
Tin Jahre 1875 traten die Resorcin-Farben (das Eosin und die 
ihm verwandten Körper) in den Kreis der Erzeugnisse der Fabrik. 
Im gleichen Jahre wurde auf einem nordöstlich von den Fabriken, 
zwischen der Eisenbahn und dem Zeilsheimer Weg gelegenen Terrain 
von ca. 4 Hektaren die Erbauung von Arbeiterwohnungen — vorerst 
für 40 Familien — begonnen, und sind ungefähr 100 Familienwohnun 
gen mit Garten für dieses Terrain in Aussicht genommen. Die Schwie 
rigkeit, für die zahlreichen Beamten in Höchst Wohnungen zu finden, 
veranlasste 1876, 4 Familienwohnungen für Beamte auf der nord 
westlichen Seite von Höchst zu errichten, denen noch 2 weitere 1879 
gefolgt sind. 
Die Entdeckung der Naphtolfarben im Winter 1877/78 gab zu 
einer weiteren, sehr erheblichen Ausdehnung des Etablissements in 
den Jahren 1878 und 1879 Anlass, ln diese Jahre lallt auch die 
Verbindung der Alizarin-Fabrik mit den Geleisen der hess. Ludwigs 
bahn durch einen Schienenstrang und der Anschluss der Anilin- und 
Farben-Fabrik hieran durch eine mit Pferden betriebene, schmal 
spurige Rollbahn. 
Dies in kürzesten Worten die geschäftliche Entwickelung des 
Unternehmens, welches gegenwärtig eine Grundfläche von 86 Hektaren, 
davon ca. 32000 Qu.-Meter unter Dach befindliche Fläche besitzt, 
über 1000 Arbeiter, ausserdem 40 Aufseher und technische Beamte, 
25 Chemiker, 1 Ingenieur und ein Comptoir-Personal von 30 Per 
sonen beschäftigt und den Dampf von 28 grossen Dampfkesseln in 
seinen Fabrikräumen consumirt. 
Nach diesem kurzen historischen üeberblick der Entstehung der 
Fabriken wird ein schematischer Verfolg der verschiedenen Fabrika 
tionen uns die Rohmaterialien, die Zwischeiiproducte der Fabrikation 
und die fertigen Waaren kennen lehren. Wir beginnen 1) mit der 
A nil in brauche, gehen 2) auf das Resorcin und seine Farbstolfo 
über, behandeln dann 3) die Naphtolfarben und schliessen 4) mit 
dem Alizarin. 
Die meist von England bezogenen Benzole werden soi^fältig durch Destil 
lation getrennt und dann durch ein Gemisch von Salpetersäure und Schwefel 
säure in Nitrokörper verwandelt; diese werden der grössten Menge nach durch
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        7 
Reduction mit Eisen und Salzsäure in die Amidoverbindung — Anilin und 
Toluidin — übergeführt, in kleiner Menge direct zur Fuchsinschmelze verwandt. 
Die hierbei auftretenden Abwässer sind Kühlwässer, die zum Theil direct ab- 
fliessen, zum Theil das Badehaus speisen. 
Die Fuchsin-Fabrikation basirt auf der Erhitzung von Anilin und 
Nitrobenzol bei Gegenwart von Eisen und Salzsäure. Die erhaltene Fuchsin 
schmelze wird mit Wasser ausgekocht; aus der Lösung krystallisirt das Fuchsin 
in den bekannten Krystallen. Der Mutterlauge werden noch gelbe und braune 
Farbstoffe (Cerise, Grenadin, Marron) entzogen, ehe sie als kaum gefärbte, 
kochsalzhaltige Flüssigkeit abläuft. , 
Das Fuchsin mit Anilinöl erhitzt liefert die spritlöslichen Anilinblaus, 
welche in Sulfosäuren übergeführt die wasserlösliche Form annehmen. 
Anilin mit Holzgeist erhitzt geht in Methylanilin über, welch letzteres 
durch Oxydation mit chlorsaurem Kali und Kupfervitriol das Methylviolett bildet, 
aus welchem durch Anlagerung von Chlorihethyl das Methylgrün abgeleitet wird. 
Das Resorcin entsteht aus dem disulfobenzolsauren Natron durch Schmel 
zen mit Natron und erzeugt, mit Phtalsäure verbunden, das Fluorescein, wel 
ches durch Aufnahme von Brom in Eos in übergeht. 
Das Naphtol (entstanden durch Schmelzen der Naphtalinsulfosäure mit 
Aetznatron) verbindet sich, in seine Sulfosäure übergeführt, mit den Diazo-Yerbin- 
dungen der Benzole, des Naphtalins und der Phenoläther zu gelben, rothen und 
braunen Farbstoffen, welche sich durch grosse Aechtheit auszeichnen. Obwohl 
erst seit 1878 technisch dargestellt, haben sie schon eine weitgehende Verwen 
dung gefunden. 
Die Alizarin-Fabrikation beschäftigt sich mit der Reinigung des An- 
thracens durch Umkrystallisiren aus Naphta und verwandelt das Anthracen durch 
Oxydation mit saurem chromsaurem Kali und Schwefelsäure in Anthrachinon. 
Die hierbei erhaltene Chromoxydlösung wird mit überschüssigem Kalk gefällt; 
die abfiltrirte Mischung von Chromoxyd und Kalk oxydirt sich im Flammofen er 
hitzt zu chromsaurem Kalk, dessen Chromsäure wieder in der Oxydation ver 
wendet wird. Die Abwässer aus der Chromsäureregeneration enthalten das Kali 
des verwendeten sauren cliromsauren Kalis als schwefelsaures Salz. Aus dem 
Anthrachinon erzeugt man die Sulfosäuren, welche durch Schmelzen mit Natron 
in Alizarin übergehen. Das Alizarin wird aus der in Wasser gelösten Natron 
schmelze durch Schwefelsäure oder Salzsäure gefällt, abfiltrirt und als Teig von 
10—20 pCt. Gehalt an Farbstoff in den Handel gebracht. 
Was den Export und Lnport des Geschäfts anbelangt, so giebt uns hierüber 
der Jahresbericht der Handelskammer zu Wiesbaden pro 1878 Aufschluss. Nach 
diesem l&gt;etriig der Consuni pro 1878 an 
Kohlen . . . 
Anthracen . . 
Naphta ( 
Benzol / ’ ' 
Chrom-Kali . . 
Caustischor Soda 
17,000,000 kg 
825,000 - 
950,000 - 
280,000 - 
1,245 000 - 
Schwefelsäure . . 2,250.000 kg 
Salzsäure . . . 4,050,000 - 
Salpetersäure . . 825,000 - 
Spiritus .... 91,500 - 
DiverseChemikalien 3,560,000 -
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        8 
An fertigen Producten wurden erzeugt: 
Alizarin .... 2,000.000 kg Anilinfarben . . 300,000 kg 
Anilinöl .... 640,000 - 
Von den Anilinfarben wurden 70—80 pCt. exportirt, 20—30 pCt. im 
Inlande verkauft. Von Alizarin wurden 80—90 pCt. hauptsächlich nach England 
exportirt; nicht unwesentliche Mengen wurden jedoch auch nach Amerika, Russ 
land, Frankreich, Holland, Spanien und Italien verkauft. 
Was die Leitung des Geschäfts anbelangt, so befindet sich dieselbe in erster 
Linie in den Händen der Besitzer. Unter diesen, fungiren für das kaufmännische 
Bureau ein Bureau-Chef und für die Fabrikation ein technischer Director. An 
der Spitze der Alizarin-Fabrik steht ein Chemiker als Leiter der ganzen Fabrik, 
während auf der Anilin-Fabrik jeder einzelne Chemiker in seiner Branche selbst 
ständig arbeitet und direct unter dem technischen Director ressortir!. Die Lei 
tung der mechanischen Werkstätte und deren Verbindung mit den Fabriken be 
sorgt ein Ingenieur. 
Jede Fabrik hat einen Oberaufseher, welcher die Personalien der Arbeiter 
hat, die Löhne ausbezahlt, die Krankenbücher führt u. s. w. 
In jedem Raum ist ein Aufseher; unter diesem stehen die Vorarbeiter und 
die Arbeiter. 
Der durchschnittliche Jahresgehalt eines Aufsehers, welche monatlich be 
zahlt werden, beträgt 1200 Mark; dieselben sind Mitglieder der Pensions-, je 
doch nicht der Krankenkasse. 
B. Die Fabrikrämne. 
Das System der für die ganze Fabrik-Anlage am meisten zur Verwendung 
gekommenen Bau-Conslruction ist der sogenannte Shedbau oder das Sägedach 
(siehe Anlage B. 1.), welcher erlaubt, jede Grundüäche zu überdachen und durch 
die Beleuchtung von oben die vollkommenste Ausnützung der Räume ermöglicht. 
Die Stockhöhe beträgt bis zur Dach-Construclion ca. 5 Meter:, die nach Bedürfniss 
auf den Dachfirsten angebrachten Dachreiter erlauben eine ausreichende Ventila 
tion. Ausserdem durchzieht ein System von unterirdischen Kanälen die Fabrik- 
Anlagen, welche die Feuergase den 30—50 .M. hohen Kaminen zuführen und 
alle sich local entwickelnden Gase aufnehmen. Reactionen, bei welchen sich be 
lästigende Gase entwickeln, werden in geschlossenen Gefässen vorgenommen, die 
in die unterirdischen Kanäle ihren Abzug haben. 
Der Boden sämmtlicher Fabrikräume ist durch eine Doppellage in 
Gement gelegter Backsteine gegen das Eindiingen von Flüssigkeiten ge 
schützt und mit einer grossen Anzahl cementirtor Rinnen durchfurcht, welche das 
Stagniron von Flüssigkeiten verhindern. Die Seitenwäude sind mit Kalk verputzt 
und werden in allen Räumen mit starker Gas- und Staubentwicklung zweimal 
jährlich geweisst. Nach einer, gewöhnlich nach zwei Richtungen besitzen die 
Seitenwände grosse Thore, welche in Verbindung mit den Dachreitern einen 
wesentlichen Bestandiheil der Ventilation bilden. 
Bei der Höhe der Räume reicht diese Vorkehrung in den meisten Fällen aus; 
sind die sich entwickelnden Gase an und für sich oder durch ihre Concentration
        <pb n="11" />
        9 
der Gesundheit der Arbeiter schädlich, so werden dieselben durch Aspiration der 
hohen Fabrikschornsleine dadurch abgeleitet, dass die betreffenden Apparate ent 
weder einzeln oder in eine gemeinsame Kammer eingeschlossen durch eine Köhren 
leitung mit den Schornsteinen in Verbindung stehen und gegen die Fabrikräume 
derart abgeschlossen sind, dass ein Entweichen von Gasen in dieselben nicht 
möglich ist. 
Dass der angestrebte Zweck durch diese Einrichtungen erreicht wird, be 
weisen die Tabellen über die Krankenbewegung, aus welchen hervorgeht, dass 
Gas- und Staub-Inhalationskrankheiten in keinem Raume sich bcmerklich machten. 
Die Beleuchtung der Fabriken geschieht fast durchweg mittelst Gas, wei 
ches früher auf der Fabrik selbst bereitet, in den letzten Jahren von der städti 
schen Gas-Anstalt geliefert wird. Einzelne Räume, in welchen feuergefährliche 
Materialien verarbeitet werden, sind durch elektrisches Licht nach Siemens &amp; 
llalske erhellt, und zwar bestehen zur Zeit 8 Maschinen, von welchen jede eine 
Lichtstärke von 700 Normalkerzen hat. Oefters werden mehrere Räume durch 
eine elektrische Lampe erleuchtet; sämmtliche Lampen sind luftdicht gegen die 
Räume durch dicke Spiegelscheiben abgeschlossen. Die Qualität des Lichtes lässt 
Jedenfalls Nichts zu wünschen übrig: einer allgemeinen Einführung für Fabrik 
zwecke wird sich der Preis entgegenstellen, welcher überall da, wo nicht Dampf 
kräfte zum Betriebe der Maschinen billig zur Verfügung stehen, ein verhältniss- 
mässig hoher ist. 
Die Wasserversorgung der Fabriken, ist eine doppelte. Zu Fabrik 
zwecken besteht in der Nähe des Mains ein Wasserwerk, welches aus vier Brun 
nen mittelst einer starken, Dampfmaschine Wasser auf einen ca. 30 M. hohen 
Thurm hebt. Auf diesem Thurme finden sich zwei Bassins von einem Gehalte 
von je 40000 I. Wasser. Von diesen Bassins werdén alle Theile der Fabriken 
durch eine Köhrenleitung mit Wasser versorgt. An dieser Röhrenleitung finden 
sich zahlreiche Hydranten zgr Benutzung gegen Brände. Auch befinden sich in 
den meisten Fabrikräumen grosse Reservoirs, welche stets mit Wasser gefüllt sind 
und mit zahlreichen Pumpen in Verbindung stehen. Zur Versorgung der Fa 
briken mit Trinkwasser besteht im Norden derselben nach dem Gebirge zu, ca. 
500 Schritte von den äussersten Fabrikgebäuden entfernt, ein Brunnen, welcher 
mittelst einer Dampfmaschine das Trinkwasser in ein Reservoir auf der Alizarin- 
habrik liefert, von wo aus es durch eine Leitung von Zinnrohren mit Bleimantel 
dem einzelnen, zahlreich vertheillen Brunnen zugeleitet wird. Das Reservoir ist 
niit schlechten Wärmeleitern umgeben, so dass die Temperatur des Wassers eine 
möglichst gleichmässige ist; das Wasser selbst hat sich bei wiederholten Unter 
suchungen als ein gutes Trinkwasser bewährt. 
Die Feuergefährlichkeit einzelner Materialien und vieler chemischer Processe 
bedingte entsprechende Vorkehrungen durch die Gründung einer vollständig 
orgjinisirten Fabrik-Feuerwehr, welche die Bedienungsmannschaften der 
Spritzen aus den Arbeitern der mechanischen Werkstätte, die Druckmannschaften 
aus den Holärbeiiern und leichter entbehrlichen Raum-Arbeitern entnimmt. 
Bei Ausbruch eines Brandes innerhalb der Fabrik darf eine grössere Alarmi- 
rung mit den speciell hierzu dienenden Signal-Hörnern nur auf speciellen Befehl 
stattfinden; für gewöhnlich gilt §. 10. der später folgenden Fabrik-Ordnung. 
Alle Brände werden ihrer Zeitdauer und Ausdehnung nach in ein eigens
        <pb n="12" />
        10 
dazu angelegtes Buch eingetragen und dieses am Schlüsse des Jahres dem 
Comptoir eingereicht. 
Bei Bränden und Feuerwehr-Uebungen innerhalb der ordnungsmässigen 
Arbeitszeit erhalten die Mannschaften keine Vergütung; für jede sie in Anspruch 
nehmende Leistung über die gewöhnliche Arbeitszeit erhalten dieselben pro Stunde 
einen Zuschlag von 10 pCt. ihres Tagelohnes. 
Die Ableitungen der Abwässer aus den Fabrikräumen geschehen durch 
die oben erwähnten cementirten Rinnen ; von da gelangen dieselben in weite Thon 
leitungen, welche alle in einen Hauptabzugskanal führen. Letzterer beginnt auf 
der Alizarin-Fabrik mit Röhren aus Thon; auf der Anilin-Fabrik besteht derselbe 
aus einer Sohle von ausgehauenem und getheertem Sandstein mit cementirter 
Wölbung aus Backsteinen. Dieser Hauptkanal mündet an dem südlichen Ende 
der Fabriken in einen grossen Klär-Schacht, welcher seinen Inhalt durch ein 
gusseisernes Rohr mitten in den Main entleert. Die Ausmündung dieses Rohres 
in den Main kennzeichnet sich niemals durch eine Verfärbung des Wassers an 
dieser Stelle, was seinen Grund in der grossen Verdünnung der Abwässer hat; 
durch den Hauptkanal fliessen nämlich sämmtliche Tagwässer und von der 
Wasserstation — excl. des nicht sehr hohen Procentsatzes, welcher verdampft 
wird pro Stunde 250,000 Liter reines Wasser. 
C. Die Fabrikation. 
Gehen wir nunmehr zu der Fabrikation über, so müssen wir, ehe 
wir die einzelnen Räume mit ihren speciellen Aufgaben betrachten, 
vorerst eine Anzahl von Körpern nach ihrer chemisclien Zusammen 
setzung und ihrem Einflüsse auf die Gesundheit des Näheren be 
sprechen, welche die Grundlage sämmtlicher Fabrikationszweige bilden. 
Es sind dies die Benzole, das Naphtalin und das Anthraccn. 
I. Die Rohstoffe. 
1) Die Benzole. 
Die Benzole, welche zur Fabrikation von Anilinöl Verwendung 
finden, sind von 1—1 pGt. im Steinkohlentheer enthalten und wer 
den daraus durch fractionirte Destillation und Behandlung der Destillate 
mit Natron und Schwefelsäure gewonnen. 
Die Benzole bilden eine farblose, stark lichtbrechende, aromatisch riechende 
Flüssigkeit, deren Siedepunkte nach den Qualitäten zwischen 80 und 150*^0. 
liegen, und bestehen der Hauptmasse nach aus Benzol und Toluol, in zurück 
tretender Menge aus Xylol und höheren Homologen des Benzols. 
In reinem Zustande siedet 
das Benzol bei . . . 81®C., 
das Toluol bei . . . 111®C., 
das Xylol bei . . . 13G—139®C.,
        <pb n="13" />
        11 
und auf der Verschiedenheit der Siedepunkte beruht die Reindarstellung dieser 
Kohlenwasserstoffe, welche jedoch bezüglich ihrer Wirkung auf den menschlichen 
Organismus fast identisch sind und deshalb gemeinschaftlich betrachtet werden 
können. 
Ueber die physiologischen Wirkungen derselben liegt eine Reihe von Ver 
suchen an Thieren vor, deren Resultat folgendes ist : 
Die Dämpfe von Benzol wirken anästhesirend. ln erster Linie 
entstehen Symptome von Aufregung: die Thiere werden unruhig, die 
Respiration wird beschleunigt und der Puls frequenter. Wird eine 
grössere Quantität verdunstet, z. ß. bei Versuchen mit Katzen und 
jungen Hunden ‘20—‘25 g, so folgt auf die Zeichen der Aufregung 
sehr rasch Betäubung. Eingeleitet von einem Schüttelfröste steigert 
sich rasch die Frequenz der Respiration, der Puls wird klein, das 
Athmen oberflächlich und unregelmässig, und mit oder ohne voraus 
gegangene klonische Krämpfe, tctanischem Strecken der Hinterbeine, 
Zittern oder allgemeinen Convulsionen fallen die Thiere betäubt nieder. 
Unter Zuführuhg von frischer Luft erholen sich dieselben rasch wieder, 
taumeln jedoch noch eine Zeitlang beim Gehen und sind schlafsüchtig. 
Noch grössere Mengen werden tödtlich, so z. B. für Katzen die Ver 
dunstung von ca. 50 g, upd zwar tritt der Tod unter epileptiformen 
Krämpfen ein. 
Sectionen ergeben Dünnflüssigkeit des Blutes, Blutreichthum der Gefasse 
der Gehirnhäute, seröse Durchtränkung der Gehirnsubstanz, Blutextravasate in 
den Pleurasäcken; Herz und Lungen sind blutleer. (Felix.) 
Untersuchungen des Blutes, welche Star ko w anstellte, ergaben, dass bei 
directein Contacte sich rasch Hämoglobin-Krystalle aus scheiden und dass die 
Blutkörperchen aufgelöst werden. 
Eine ähnliche Einwirkung haben Benzoldämpfe auf den Menschen. 
Bei der Einathmung von ca. 10 g entsteht durch Reizung der Nerven- 
centren Eingenommensein des Kopfes, Schwindel, Ohrensausen, Brech 
reiz, Hustenreiz und Schläfrigkeit. Der anfangs beschleunigte Puls 
wird bei fortgesetzter Einathmung langsam. Grössere Gaben von 
40—50 g bringen bei längerer Einathmung neben reichlicher Schweiss- 
secretion einen höchst unbehaglichen Zustand und grosse Hinfälligkeit 
und später Schlaf und eine der Chloroformwirkung ähnliche Anästhesie 
hervor, auf welche nach dem Erwachen noch längere Zeit Uebelkeit, 
Schläfrigkeit und allgemeines Unbehagen fortbesteht. 
Klinische Beobachtungen über die Wirkung der Benzoldämpfe liegen 
wenige vor. Zur Zeit, als noch Handschuhe mittels Benzol’s als sog. 
Fleckenwasser gewaschen wurden, beobachtete man bei den Wäsche-
        <pb n="14" />
        12 
rinnen den liysterischen Zuckungen und Krämpfen ähnliche Zufälle, 
ln Färbereien, in welchen Stoffe durch Benzol entfettet werden, be 
dingen die Benzoldämpfe bei den Arbeitern einen Zustand förmlicher 
Trunkenheit. Auch lokal wirken dieselben auf Hände und Arme. Diese 
Theile zittern, die Haut schrumpft zusammen und die Kranken klagen 
über ein lästiges Gefühl von Ameisenkriechen und Trockenheit in der 
Haut. Als Grund hierfür führt Perrin die durch den Contact mit 
Benzol bedingte Wärmeentziehung und Auflösung des die Haut be 
deckenden Fetttalgüberzugs an. 
Innerlich genommen wird Benzol in ziemlich grossen Gaben ver 
tragen, wie dies die Versuche von Mosler, welcher 8 g pro die gab, 
beweisen. Auch ist bis jetzt nur ein Fall von Benzolvergiftung in 
der Literatur bekannt, welcher nach Genuss von einer grösseren 
Benzolmenge unter den Frscheinungen einer tiefen Narkose verlief 
und mit Genesung endete. Auch bezeugen die Beobachtungen von 
Hirt, dass ziemlich grosse Mengen von Benzoldämpfen vertragen 
werden, indem derselbe bei Arbeitern in Gummifabriken, trotzdem 
dieselben sich stets in einer mit Benzoldämpfen sehr stark geschwän 
gerten Luft aufhielten, weder eine Verminderung an der Respiration, 
noch an dem Pulse wahrnehmen konnte. Bei Allen war der Appetit 
gut und in keinem Falle wurde irgend eine Störung der geistigen 
Thätigkeit beobachtet. 
2) Das Xaplitallii. 
Das Naphtalin, ein Product der trocknen Destillation vieler orga 
nischer Körper, findet sich zu 2—4 pCt. im Steinkohlenfheer. Bei 
der Destillation des letzteren geht die Hauptmasse des Naphtalins 
zwischen 180 und 220®C. mit anderen Körpern über. 
Aus dem Destillate wird Naphtalin durch Krystallisirenlassen und Fressen 
bis zu einem gewissen Grade der Reinheit erhallen und durch mehrmaliges Um- 
krystallisiren aus Naphta oder Alkohol oder durch Sublimation weiter gereinigt. 
Es schmilzt bei 70® und siedet bei 218®, sublimirt aber schon bei niederer Tem 
peratur. Es bildet wohl ausgebildete, glänzende, blättrige Krystalle, die nach 
Styrax riechen und einen eigenthümlichen, scharf aromatischen Geschmack be 
sitzen. In Wasser unlöslich, sind dieselben in Benzol. Alkohol, Aether etc. leicht 
löslich. Sie sind leicht entzündbar und brennen mit rossender Flamme. 
Auch über Naphtalin liegen einige Thierversuche (Eulenberg) und einige 
klinische Beobachtungen vor. 
Die Thierversuche lehren, dass die Naphtalindämpfe reizend auf die Schleim 
haut der Nase, des Mundes und der Augen wirken ; dass sie jedoch, so lange sie 
kalt sind, ziemlich ^ lange ohne Nachtheil vertragen werden. Die betreffenden 
Thiere bekamen vermehrte Speichel- und Thränen Secretion, die Fresslust blieb
        <pb n="15" />
        .ie&lt;locli unveriindert, und die Thiere erholten sich vollständig. Dagegen wirkt bei 
innerlichor Anwendung das Naphtalin reizend auf den Magen; die Thiere be 
kommen Erbrechen, so z. B. eine Taube nach 0.5 g. Aber auch hier trat Er- 
Iiolung ein. ohne dass irgend eine Gesundheitsstörung zurückblieb. 
Klinische Beobachtungen lehren, dass nur die Einwirkung sehr heisser 
Dämpfe schädlich ist. Bei der Destillation resp. Ilectification der Pressrückstände 
sind die Arbeiter oft Tage lang Dämpfen von ziemlich hoher Temperatur ausge 
setzt ohne dass Gesundheitsstörungen auftreten. Nur einzelne klagen zeitweise 
über Schmerzen und Eingenommensein des Kopfes; es entsteht wohl auch eine 
Conjui.ctivitis oder durch Reizung der Schleimhaut des Kehlkopfes leichter 
Husten, allein die Erscheinungen verlieren sich bald wieder. 
Innerlich kann man Naphtalin bis zu 4 g nehmen; Dosen von 0,02—0,2 
werden selbst bei längerem Gebrauche gut vertragen und neuerdings gegen Gicht 
und chronischen Katarrh der Luftwege empfohlen. 
Auch äusserlich in Salbenform (1 auf 20) wird Naphtalin nicht selten ge 
braucht. ohne dass schädliche Nebenwirkungen beobachtet werden. 
Es geht hieraus hervor, dass Naphtalin im Allgemeinen sanitär nicht zu 
fürchten und nur in Form heisser Dämpfe zu meiden ist. 
3) Dam Authraceii. 
Bei (Jer Destillation des Steinkolilentlioers geht nach den Oelen, 
welche die Hauptmasse des Naphtalins enthalten, das sog. Grünöl 
iiher. aus dem sich beim Erkalten und längeren Stehen Anthracen 
mit einer Reihe anderer Körper ausscheidet. 
Durc;i Abpresson als Rolianlhracen gewonnen, wird es für die Fabrikation 
diucli L'mkryslallisiren aus Naphta und Sublimation weiter gereinigt. In reinem 
Zustande krystallisirt es in kleinen monoklinen Tafeln mit blauvioletterFluoresconz. 
Leber diesem Körper besitzen wir so gut wie keine physiologischen Versuche. 
Nur Eulen be rg erwähnt denselben und sagt, dass die unangenehm riechenden 
Dämpfe desselben ähnlieb wie die von Naphtalin reizend auf die Schleimhaut der 
Respirations-Organe wirkten. 
Klinische Beobachtungen liegen gar keine vor; es steht jedoch fest, dass 
das Rohanthracon Kör(*er enthält, welche die Haut reizen und Anlass zu Eczemen 
geben. Dass dasselbe im Uebrigen mit keinen Nachtheilen für die Gesundheit 
der Arbeiter verbunden ist, geht aus den nachfolgenden Tabellen hervor, nach 
welchen unter 484 Erkrankungen, welche in den letzten 5 Jahren auf der Alizarin- 
habrik beobachtet wurden, nicht eine einzige ist. welche in Zusammenhang mit 
der Einwirkung von Anthracen steht. 
11. Die A nil in-Fabrik. 
\erloig(!ii wir nunmehr die weitere Verarbeitung dieser Stoffe, so 
beginnen wir am besten mit der Anilin-Fabrik und halten uns auf 
derselben an deren einzelne Räume.
        <pb n="16" />
        14 
1) Der Nitrobenzol - Ilaiiin. 
Die Trennung der im Handel vorkommenden Benzole in die Kohlen Wasser 
stoffe Benzol, Toluol und Xylol geschieht in grossen eisernen Apparaten mit 
kupferner Colonne, wie sie zur Rectification von Spiritus angewendet werden. 
Sämmtliche Bewegungen dieser leichtflüchtigen Körper geschehen unter sorgfälti 
gem Luftabschluss, und hat das Benzol und seine Dämpfe niemals Anlass zur 
Erkrankung von Arbeitern gegeben. 
Der grossen Feuersgefahr halber ist in der Benzol-Keclifikation- und dem 
Xitro-Raum Beleuchtung durch elektrische Lampen eingeführt. 
Die Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol und Xylol werden in geschlossenen, 
gusseisernen Rührapparaten durch Einfliessen einer Mischung von concentrirter 
Salpetersäure und Schwefelsäure nitrirt, die Nitroverbindungen werden von der 
verdünnten Schwefelsäure durch Absitzen getrennt und mehrmals mit Wasser 
gewaschen. Die nicht nitrirten Kohlenwasserstoffe entfernt man durch Abtreiben 
mit directem Dampf. Die so gereinigten N i tro prod ucte: Nitrobenzol. Nitrotoluol, 
oder Nitroxylol sind zur weiteren Verarbeitung fertig. 
Es sind gelb gefärbte Flüssigkeiten von bittermändel - ähnlichem Geruch 
und süssem Geschmack, schwerer wie Wasser und darin unlöslich und destilliren 
bei 205—24O0C. 
Nitrobenzol. 
Die Aufnahme des Nitrobenzols in den Körper kann sowohl in flüssiger^ 
Form per os, als in Dampfform durch Resorption vermittelst der Schleimhäute 
stattfinden. Ob, wie Olli vier und Bergeron behaupten, flüssiges Nitrobenzol 
in’s Blut Übertritt, ist eine Frage, die nach den neueren Untersuchungen verneint 
werden muss; viel wahrscheinlicher ist es, dass auch vom Magen aus das Gift in 
Dampfform seine Wirkung entfaltet. Wenigstens ist bis jetzt von Niemand 
Nitrobenzol in den Ausscheidungen mit Sicherheit nachgewiesen worden; dagegen 
hat Eulenberg die von Letheby aufgestellte, vielfach negirte Behauptung, 
Nitrobenzol werde innerhalb des Organismus in Anilin umgewandelt, bestätigt 
und bei einem Thierexperimont von längerer Dauer im Urin, in der Leber und 
in der Lunge Anilin nachgewiesen. 
Ueber die Wirkung des Nitrobenzols liegen viele Thierversuche und 44 kli 
nische Beobachtungen vor. 
Charakteristisch nach beiden Richtungen ist das oft sehr späte Auftreten 
der Intoxicationserscheinungen : G — 24 Stunden nach der Aufnahme des Giftes. 
Diese Thatsacho steht in Einklang mit einem Versuche von Bergmann, wel 
cher nach Einverleibung des Giftes per os noch 3 Tage später Tropfen von 
Nitrobenzol in dem Magen des damit vergifteten Hundes fand. Eine viel schnellere 
Wirkung entfalten die Dämpfe, sowie bei Einverleibung per os das Vorhandensein 
oder die Zufuhr von Alkohol in den Magen. 
Die Symptome, welche bei den Tliiorversuchen auftraten, bestanden in 
starkem Speicheln, Thränen der Augen. Dyspnoe. Taumel. Schlalsucht ohne 
Anästhesie, Zuckungen einzelner Muskeln, sowmo allgemeinen tonischen und klo 
nischen Convulsionen. Der Tod trat jedoch auch oft unter dem Bilde einer allge 
meinen Uaralyse ohne Convulsionen auf. 
Die Section en ergaben übereinstimmend einen sehr starken Geruch aller 
Organe nach Bittermandelöl, welcher immer sehr lange, in einem Falle (Casper)
        <pb n="17" />
        15 
14 Tage, anhielt. Die Leichenstarre ist stark, die Muskeln behalten lange ihr 
frisches Aussehen, das Blut ist dunkel, das Herz ist blutreich, die Gehirnhäute, 
Plexus und Sinus sind stark mit Blut gefüllt; an den Lungen zeigen sich in 
vielen Fällen als Symptom der Suffocation subpleurale Ecchymosen; in dem 
Magen fand man oft ölige Tropfen von Nitrobenzol. Anilin wurde nie in dem 
Blute, von Bergeron und Ollivier jedoch angeblich in der Leber und der Milz 
gefunden. Versuche von Ewald ergaben bei tödtlichen Gaben von Nitrobenzol 
2—3 pCt Zucker in dem Urin. 
Bei den klinischen Fällen muss man schwere und leichte unterscheiden; 
alle bis jetzt beobachteten Fälle verdanken ihre Entstehung einer acuten Intoxica 
tion, ohne dass man deshalb jedoch die Möglichkeit weder einer kumulativen 
Wirkung dieses Giftes, noch die einer chronischen Nitrobenzolvergiftung von der 
Hand weisen darf. 
In den leichten Fällen klagen die Kranken über allgemeines Unbehagen, 
Brennen in dem Munde, Prickeln auf der Zunge, Ueblichkeit und Schwindel 
gefühl. Dabei besteht eine leichte Cyanose der Lippen und des Gesichtes. 
Die schweren Fälle zeigen ausser diesen Symptomen : Depressionser- 
soheinungen, als Coma, Schläfrigkeit, Angst, perverse Empfindungen in 
verschiedenen Organen als Ameisenkriechen unter der Kopfhaut, Ohrensausen, Kopf 
schmerz, Coordinationsstörungen als taumelnder Gang, lallende Sprache, 
Reflexkrämpfe und Convulsionen (Trismus, Opisthotonus, tetanische 
Krämpfe und allgemeine Convulsionen); erweiterte Pupillen; bisweilen Rotations- 
krumpfe des Augapfels und hierdurch Bewegung des Bulbus von rechts nach links; 
keuchende, irreguläre Respiration ; anfangs vermehrte, später verminderte Herz 
action; livide Färbung der Haut, beginnend im Gesichte und oft persistirend nach 
Ablauf aller übrigen Symptome; starker specifischer Geruch des Athems und der 
erbrochenen Massen nach bittern Mandeln. Spontanes Erbrechen ist jedoch im 
Allgemeinen selten. Die Temperaturangaben sind mangelhaft und nicht überein 
stimmend. A priori darf man jedoch für die schweren Fälle eine Erniedrigung 
der Temperatur eher als eine Erhöhung annehmen. 
Der Verlauf ist verschieden. In einzelnen Fällen traten Intermissionen 
ein, auf welche unter Exacerbation der Erscheinungen der Tod folgte; in vielen 
Fällen steigerten sich die Intoxicationserscheinungen bis zu einem vollständig 
comatösen Zustande, in welchem entweder der Tod erfolgte, oder aus welchem 
die Kranken mit einem auffallendem Nachlasse aller gefahrdrohenden Erschei 
nungen erwachten. Von den 44 in der Literatur verzeichneten Fällen endeten 
14, also ca. 32 pCt., tödtlich. 
Ml as den Weg der Aufnahme des Giftes anbelangt, so wurde von 41 Fällen 
dasselbe in einem Falle per os und Inhalation, in vier Fällen ausschliesslich 
durch Inhalation und in 36 Fällen per os aufgenommen. 
Von diesen 36 Fällen ist bei 31 die Zeit des Eintritts der Intoxications 
erscheinungen angegeben, und diese traten auf: 
unmittelbar io 2 Fällen, 
nach 15 Minuten in 1 Fall, 
15—20 Minuten in 18 Fällen, 
30—60 Minuten in 4 
• - 1—2 Stunden in 4
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        16 
nach 3 Stunden • 1 Fall. 
5’ 2 Stunden 1 - 
Die Dosis des eingenommenen Giftes ist nur in wenigen (5) Fällen ange 
geben, Dieselbe schwankt zwischen einigen Tropfen und einem grossen Brannt 
weinglas voll; es lässt sich jedoch weder die Schwere des einzelnen Falles, noch 
der Zeitpunkt des Auftretens der ersten Vergiftungserscheinungen mit der Grösse 
der eingenommenen Dosis in Einklang bringen. Wesentlich hierbei ist jedenfalls 
der wirkliche Gehalt der getrunkenen Flüssigkeiten an reinem Nitrobenzol; ohne 
eine grosse Verschiedenheit in dieser Richtung Hessen sich sonst nicht scheinbare 
Widersprüche in der Literatur erklären, nach welcher z. B. in dem einen Falle 
(Bahrdt) nach 6—7 Tropfen der Tod eintrat, während in einem anderen Falle 
(Braglocher) der Genuss von 400 g bei einem 40jährigen Manne mit Gene 
sung endete. Bezüglich der Applicationswege im Verhältniss zu dem Ausgang 
scheint ein wesentlicher Unterschied zu sein, indem in den 4 Intoxicationen per 
Inhalation eine tödtlich und 3 in Genesung, von den 36 per os 13 tödtlich und 
23 in Genesung endigten. Es ist dies insofern wesentlich, als hieraus die ge 
ringe Gefährlichkeit (ähnlich wie bei Carbol) der Manipulationen mit Nitrobenzol 
in Fabriken, bei welchen ausschliesslich das Verschütten resp. Verdunsten des 
Nitrobenzols die Ursache der Vergiftungen abgiebt, hervorgeht. Auch befinden 
sich unter den erwähnten 44 Fällen von Nitrobenzolvergiftungen nur 4, welche 
durch Fabrikbeschäftigung entstanden sind; von den andern 40 waren 33 durch 
Zufall, 3 durch den Versuch zum Selbstmord und 4 aus nicht angegebenen Ur 
sachen entstanden. Auch steht fest, dass die Nitrobenzol-Vergiftungen in den 
letzten Jahren wesentlich geringer wurden. Wenigstens war es nicht möglich, 
in der mir zu gängigen Literatur aus den Jahren 1877 und 1878 mehr wie 
einen Fall zu den aus dem Jahre 1876 stammenden Statistiken von Böhm und 
Jfldell hinzuzufügen. 
In Betreff der pathologischen Anatomie stimmen die Angaben nicht immer 
überein, und es ist deshalb um so schwieriger ein genaues Bild zu geben, als die 
Anzahl der Sectionen eine sehr geringe (7) ist. Soviel steht jedoch auf der einen 
Seite fest, dass niemals Veränderungen in den Organen des Körpers gefunden 
werden, welche für Nitrobenzol-Vergiftung characteristisch wären, während auf 
der anderen Seite Hyperämie in dem venösen Kreisläufe, Ecchymosen der Schleim 
haut des Magens und der sie zunächst begränzenden Mucosa der Speiseröhre und 
des Dünndarms neben dunkelbraunem, schwer gerinnbarem Blute und der Per 
sistenz des specifisclien Bittermandelöls-Geruchs sich übereinstimmend in allen 
Sectionsprotocollen finden. 
Was die Behandlung der Nitrobenzol-Vergiftungen anbelangt, so gibt es kein 
speciflsches antidotorisches Verfahren. Entfernung des Kranken aus der Nitro- 
benzolathmosphäre, event. Entleerung des Magens durch Brechmittel oder Magen 
pumpe, was bei Vergiftungen per os bei der langsamen Resorbirbarkeit des Nitro 
benzols auch in vorgerücktem Stadium noch indicirt ist ; Excitantien, künstliche 
Respiration sind wohl die wichtigsten therapeutischen Maassregeln. 
Was unsere Erfahrungen in dem Nitrobenzol-Raume anbelangt, 
so sind dieselben äusserst günstig. Ein Fall von Nitrobenzol-Ver 
giftung kam überhaupt nicht vor und dann nimmt der betreffende
        <pb n="19" />
        2 
it 
Raum in der Reihenfolge aller zur Anilinfabrik gehörenden Räume 
unter 12 den 4. ersten Platz ein. Bei einem durchschnittlichen Be 
stand von 8 Arbeitern erkrankten pro Jahr deren 4, ohne dass Er 
krankungen irgend eines Organes prävalirteti. E. Tab. 9 u. 12. — 
Von diesen 8 Arbeitern waren 2 durch 9 Jahre und je einer durch 
ß resp. 8 resp. 10 Jahre in diesem Raume beschäftigt. 
2) Der Uediictioiis-Kaiiin. 
Wir gehen jetzt über zu der Darstellung des Anilins aus dem 
hiitrobenzol. Es geschieht dies in dem Reductionsraume, in welchen 
das Nitrobenzol durch Luftdruck übergeleitet wird. 
Die Aufgabe dieses Raumes ist es, durch Einwirkung von metallischem 
Eisen und Salzsäure die Nitro-Körper in die betreffenden Basen überzuführen. 
Es geschieht dies in grossen'gusseisernen Apparaten mit Rührwerken, in welche 
unter vollständigem Luftibschlhss das Nitrobenzol einläuft, während Eisen und 
Säure durch auf dem Deckel dieser Gefässe angebrachte Füllöffnungen von Hand 
eingebracht wird. Die durch die nunmehr statifindonde Reaction überdestilli- 
renden Producto passiren den Kühler, um wieder in die Apparate zurückzu 
laufen. Nach beendeter Reaction wird das gebildete Anilin dimch Dampf in Re 
servoire überdestillirt. Diese Reservoire sind mit Deckel und Abzügen versehen, 
um jede Ausdünstung von Anilin in den Raum möglichst zu vermeiden. Eine 
uun noch folgende Rectification in schmiedeeisernen Retorten bildet den Schluss 
der Darstellung von Anilin. 
Der in den Apparaten verbleibende Rückstand von Eisenoxyd, Chlorcal 
cium, Wasser und einigen organischen Verbindungen wird mit gespannter Luft 
in zu diesem Zwecke construirte Sturzkarren übergeführt, um auf einem .entfernt 
liegenden Felde ausgeleert zu werden. Hier wird derselbe durch die Luft ge 
trocknet und dann an Hochöfen zur Wiedergewinnung des in ihm enthaltenen 
Eisens verkauft. Ein Theil desselben geht auch an Gasfabriken, für welche das 
Gemenge ein brauchbarer Stoff zum Reinigen des Gases ist. 
Anilin. 
Unter Anilin im gewöhnlichen Sinne versteht man ein zur Farben 
bereitung verwendbares, in seiner Zusammensetzung wechselndes Ge- 
Hiisch von Anilin, Toluidin und wohl auch Xylidin. Mit den Fort 
schritten in der Farbentechnik beanspruchte mau die Isolirung und 
Reindarstellung dieser 8 Bfestahdtheile, die sich sowohl in ihrem 
chemischen, als auch in ihrem Verhalten bei der Bildung von Farb 
stoffen sehr VN'cscutlich von einander untci'scheiden. 
Das Anilin, als chemisches Individuum und Abkömmling des Benzols 
resp. Nitrobenzols betrachtet, ist ein farblose« Gel, das sich aber bald an Luft 
und Licht färbt, von einem spec. Gewicht von 1.086 bei 0®; sein Siedepunkt 
liegt bei 184,5 C. Bei —&lt;-8® krystallisirt es, jedoch nur, wenn es von jeder Ver-
        <pb n="20" />
        18 
unreinigung frei ist. In Wasser ist es zu 3 pCt. löslich und zeigt diese wässerige 
Lösung mit Chlorhalhlösung eine charakteristisch purpurrothe Färbung. Mit der 
nöthigen Vorsicht ausgeführt, lässt sich durch diese Reaction noch Vtoooo Anilin 
nachweisen. Durch Anwendung von Chlorkalklösung und 1 g Schwefelammo 
nium wird diese Empfindlichkeit noch bedeutend gesteigert. Das Anilin ist eine 
starke Base. Seine Salze krystallisiren leicht und sind sehr beständig. Mit vie 
len Metallsalzen bilden dieselben Doppelverbindungen. 
Das aus dem Toluol resp. Ni tro toluol dargestellte Toi ui din ist eine Flüs 
sigkeit wie Anilin, hat aber 0,998 spec. Gewicht bei 15® C. und ist ein Ge 
menge von 3 Isomeren. 
Xylidin ist eine bei 216® siedende Flüssigkeit, die die grösste Aehnlichkeit 
mit gewöhnlichem Anilin und Toluidin hat. Seine Salze sind gut krystalli- 
sirbar. — 
Auch über das Anilin liegen zahlreiche physiologische Versuche und klini 
sche Beobachtungen vor. 
Erstere von Schuchardt, Sonnenkalb, Ollivier und Bergeron, 
Gmelin, Letheby, Gerhardt und Turnball, Bergmann, Starkow, 
Eulenberg, Hirt u. s. w. angestellt, ergaben im grossen Ganzen nach Hirt 
folgende Resultate. Bald nach Einführung des Giftes durchläuft ein convulsivi- 
sches Zittern den ganzen Körper des Thieres; das Athmen wird rascher; die Be 
wegungen werden heftig, unregelmässig; das immer unruhiger werdende Thier 
beginnt zu taumeln, fällt auf die Seite, kann die hinteren Extremitäten nicht 
mehr bewegen, während es mit den vorderen noch Versuche zum Aufrichten 
macht; es treten fibrilläre Zuckungen neben Convulsionen ganzer Muskelgruppen 
auf. Dieser Zustand kann V.¿—2 Stunden andauern. Die Pupille, vorher ver 
engert, erweitert sich, die Cornea wird anästhetisch, Athem und Herzschlag wer 
den langsamer und der Tod tritt mit — bisweilen auch ohne Convulsionen ein. 
Bei Einwirkung geringerer Mengen beobachtet man veränderte Fresslust, 
Würgen, Erbrechen und vermehrte Speichelabsonderung. 
Aus allen Versuchen scheint hervorzugehen, dass das Anilin in erster Reihe 
auf das Centralorgan der Alhmung wirkt, und zwar, anfangs erregend, später 
lähmend ; in zweiter Reihe scheint gleichzeitig eine Einwirkung auf die peripheren 
Vagusendigungen in der Lunge vorhanden zu sein. 
Die Einwirkung auf die Circulation besteht in einer sehr kuiz andauernden 
Verlangsamung und hierauf folgenden starken Beschleunigung der Herzthäligkeit, 
mithin in einer primären Erregung des regulatorischen Centrums für die Herz- 
bowegungen mit secundärer Lähmung des Herzmuskels. 
Trächtige Thiere, welchen verhältnissmässig grosse Mengen subcutan bei 
gebracht wurden, abortirten sehr rasch. Im Fruchtwasser Hessen sich Spuren 
von Anilin nachweisen, während solche im Foetus nicht aufzufinden waren. 
In pathologisch-anatomischer Beziehung ergeben die Sectionon 
nach Thierversuchen, dass die Todesstarre rasch auftritt und rasch wieder ver 
schwindet. Das Blut ist dunkel und dünnflüssig; die Gelasse der harten Hirnhaut 
sind meist stark injicirt; die Hirnsubstanz ist normal; die Lungen sind blassroth, 
blutleer; das Herz ist mit dunklem Blute reichlich gefüllt; die Leber blutreich; 
Magen und Därme durch Gase aufgetrieben; die Blase mehr oder weniger mit Urin 
gefüllt, in welchem sich Anilin nachweisen lässt. Ebenso ergaben Lunge und
        <pb n="21" />
        2* 
19 
Leber (Eulenberg) in einzelnen Fällen in ihren Destillaten mittelst Chlorkalk 
und Chromsäure eine starke Reaction auf Anilin. 
Bezüglich der Wege der Einverleibung im Verhältniss zu der Gefährlichkeit 
der Wirkung ergeben die Thierversuche, dass Einathmungen der Dämpfe am 
spätesten und relativ geringsten wirken, während die directe Einführung in das 
Blut die schnellsten und schwersten Folgen hatte. 
Bei den klinischen Beobachtungen müssen die acuten Vergiftungen von 
den chronischen getrennt werden. 
Viele der bis jetzt in der Literatur verzeichneten Fälle sind mit grosser Vor 
sicht aufzunehmen, weil nicht überall die nothwendige Trennung der Wirkung 
des Anilins von dessen Derivaten im Auge behalten wurde. Dieser Punkt ist um 
so wesentlicher, als zu der Darstellung der Anilin-Derivate d. h. der Anilinfarben, 
noch vielfach neben anderen unschädlichen Stoffen grosse Mengen von Quecksilber 
und Arsenik verwendet werden, und hierdurch die Möglichkeit einer combinirten 
Wirkung von Anilin mit Quecksilber resp. Arsenik gegeben wird. 
Auf der anderen Seite liegt jedoch auch eine Reihe von Beobachtungen vor, 
die sich auf die Einwirkung von reinem Anilin beziehen, so dass das klinische 
Bild des Anilismus in deutlichen tfmrissen gezeichnet werden kann. 
Was die Entstehung der Anilin Vergiftungen anbelangt, so sind 
weitaus die meisten Folge der Einathmung von Anilindämpfen. Eine Resorption 
durch die unverletzte äussere Haut ist, wenn auch möglich und in einzelnen 
Fällen wahrscheinlich, bis jetzt nicht erwiesen und die Einführung des Anilins 
per OS dürfte sich auf die wenigen Fälle beschränken, in welchen durch Zufall 
Anilin geschluckt wurde ; denn zur medicamontösen Anwendung wird nie Anilin, 
sondern nur ein oder das andere Anilin-Salz genommen. Die Möglichkeit der 
Einverleibung von Anilin in den Magen durch den Genuss von Nahrungsmitteln, 
welche mit Anilinfarben gefärbt sind, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, 
weil es vorkommt, dass einige Anilinfarben noch überschüssiges freies' Anilin 
enthalten : wenn man aber bedenkt, welche geringe Quantitäten von Anilinfarben 
genügen, um den betreffenden Nahrungsmitteln die gewünschte Farbe zu geben, 
und weiter in Anschlag bringt, dass die diesen Farben anhaftenden Mengen von 
nilin immer höchst minimal sind, und dass es eben nur einzelne Anilinfarben 
Sind, bei welchen ein Ueberschuss von freiem Anilin möglich ist, so muss man 
le Möglichkeit der Entstehung von Anilinvergiftung auf diesem Wege theoretisch 
wohl zugeben, in Wirklichkeit wird jedoch eine solche wohl nie verkommen. 
Was die Ausscheidung des Giftes aus dem Körper an belangt, so sind hier 
Resultate der Thierversuche von den klinischen Beobachtungen verschieden, 
ährend bei den Thierversuchen der Nachweis von Anilin in dem Urin erwiesen 
ist, liegen für die klinischen Fälle keine Beweise eines Gehaltes des Urins an 
Anilin vor; in specie war uns trotz der sehr scharfen, oben angegebenen Reactionen 
in keinem Falle von Anilismus trotz massenhafter Untersuchungen in den ver 
schiedensten Stadien des Anfalls der Nachweis von Anilin in dem Urin möglich. 
Eine Zersetzung des Anilins im Körper derart, dass das Anilin zu einem 
violetten Farbstoff oxydire, und so die cyanotische Hautfärbung bei Anilismus be- 
&lt;linge, wie es Turn bull annimmt, wird von Bergmann und zwar mit Recht 
bestritten, während die Ausscheidung des Giftes durch die Lungen in dem starken 
Gerüche des Athems der Vergifteten nach Anilin eine Stütze hat.
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        20 
Gehen wir zu den klinischen Symptomen der acuten Anilinvergiftungen 
über, so müssen wir in erster Linie die lokalen und die allgemeinen, durch das 
lilut vermiltelten Wirkungen unterscheiden. Die lokale Wirkung auf den Ort der 
Application ist gering und ist begründet in der Eigenschaft des Anilins, Eiweiss 
lösungen zum Gerinnen zu bringen. Sonnen kalb fand, dass 1 g Anilin 4 g 
Eiweiss coagulirten und dass diese Eigenschaft weder dem Kitrobenzol noch dem 
Benzol zukomme. Trotzdem sind die localen Erscheinungen gering und wenn 
auch die Einverleibung grösserer Mengen per os gastroenteritische Erscheinungen 
veranlassen kann, so ist dies doch, wie die Versuche von Bergmann bei Thieren 
beweisen, höchst selten. 
Ungleich wichtiger sind die Symptome der allgemeinen Wirkung des Ani 
lins. Diese bieten eine Kette graduell verschiedener Erscheinungen dar. welche 
zwischen einer in wenigen Stunden vorübergehenden, leichten Gesundheitsstörung 
und den schwersten, mit dem Tode endigenden Symptomen variiren. 
ln den leichtesten Fällen, wie man solche an heissen Tagen in 
den Reductionsräumen nicht selten zu beobachten bekommt, überfällt 
den in einer mit Anilindämpfen geschwängerten Atmosphäre be 
schäftigten Arbeiter ein Gefühl von Müdigkeit und Schwäche; der 
Kopf ist eingenommen; die Augen sind matt; der Gang ist taumelnd, 
unsicher; die Bewegungen haben ihre Elasticität verloren; die Sprache 
ist langsam, schwerfällig; der Zustand gleicht dem einci leichten 
Trunkenheit; die Gesichtsfarbe ist fahl, blass; der Lippensaum ist 
bläidich; der Appetit fehlt vollständig, ln einzelnen Fällen klagen 
die Kranken über Flimmern vor den Augen, in anderen ist der Drang 
zum Urinlassen vermehrt; der Urin selbst erscheint dunkel, ohne 
jedoch Anilin zu enthalten. Symptome einer Reizung der Schleim 
häute der Athmungswerkzeuge boten unsere Beobachtungen in keinem 
Fall und stimmen dieselben somit mit der Ansicht von Hirt überein, 
welcher die von Friedrich, Rörig u. A. beobachteten Bronchial- 
catarrhe und deren Folgezustände nicht auf Rechnung des Anilins, 
sondern auf die anderer Schädlichkeiten in spec, von Säuredämpfen, 
wie solche bei dem Darstellen von Anilinfarben verkommen, schreibt. 
ln anderen Fällen ist der Verlauf ein anderer. Die Arbeiter 
empfinden von ihrer Intoxication mit Anilin gar nichts und nur die 
Umgebung, in spec, die Aufseher, welche in dieser Richtung instruirt 
sind, sehen die Lippen blau werden. Fragt man dann einen solchen 
Arbeiter, ob er sich unwohl fühle, so verneint er diese Frage; es 
fehlen somit in diesen leichtesten fällen alle subject!ven Störungen, 
und die Anfälle gehen, sowie die vorher beschriebenen, in wenigen 
Stunden vorüber, wenn der Erkrankte die anilinhaltige Atmosphäre
        <pb n="23" />
        $1 
rechtzeitig verlässt. Irgend welche Gesundheitsstörungen bleiben nie 
zurück. 
Günstig auf den Verlauf wirkt der Gebrauch eines salinischen 
Laxans, und zwar wird in Höchst Bittersalz oder Karlsbadersalz ge 
geben. Ungünstig dagegen und stets mit entschiedener Verschlim 
merung der bestehenden Symptome verbunden ist der Genuss von 
Alkohol, zu welchem die Arbeiter in Form eines Schnapses gegen 
ihr Gefühl von Mattigkeit und Schwäche gern ihre Zuflucht nehmen. 
War die Einwirkung der Anilindämpfe eine längere, oder waren 
die Dämpfe concentrirter, wie dies durch Verschütten von Anilin in 
spec, bei Durchtränkung der Kleider mit Anilin vorkommt, so sind 
die Symptome schon schwerer. In diesen Fällen ist der Beginn der 
Krankheit wie bei den leichten: Schläfrigkeit, Schwindel, Gefühl von 
Hinfälligkeit u. s. w. Diese Symptome steigern sich jedoch in mehr 
oder weniger kurzer Zeit. Die anfangs livide Farbe der Lippen wird 
dunkelblau, selbst schwarz. Der Gang wird so unsicher und der 
Schwindel so stark, dass der Kranke zu Boden stürzt; der Puls ist 
verlangsamt, die Temperatur jedoch wenig alterirt; die Pupillen sind 
verengert; die Sensibilität ist vermindert; die ausgeathmete Luft hat 
einen deutlichen Anilingoruch. Kommen die Kranken wieder zu sich, 
was sehr oft unter Erbrechen geschieht, so klagen sie über heftigen 
Kopfschmerz; gegen Nahrungsmittel haben sie einen förmlichen Wider 
willen. ln einigen Fällen tritt Strangurie mit dunklem, dickem Urin 
auf — alle diese Fälle gehen jedoch nach wenigen Tagen in Genesung 
über, wobei es vorkommt, diiss nach Ablauf aller anderen Symptome 
der vermehrte Drang zum Urinlassen noch durch mehrere Tage fort- 
bcsteht. 
ln diesen Fällen sind Reizmittel in Form von Ucl)crgieSsungen 
oder der innerlichen Anwendung von Aether, Ti net. Mosch i etc. indicirt. 
In noch schwereren Fällen, deren wir noch keinen zu beobachten Ge 
legenheit hatten, soll nach Hirt der Arbeiter, nachdem grosse Mengen Anilins auf 
einmal inhalirt resp. verschluckt wurden, plötzlich zu Boden stürzen; die Haut 
ist kalt und blass; Lippen und Nasenschleimhaut sind blau; der Athem riecht stark 
nach Anilin; der Puls ist klein, beschleunigt; die Itespiration verlangsamt; die 
von vornherein herabgesetzte Sensibilität erlischt allmälig ganz und in den 
meisten Fällen erfolgt, bisweilen nachdem Convulsionen vorausgegangen waren, 
der Tod in einem comatösen Zustande. 
Auch in Bezug auf die chronischen Anilinvergiftungen müssen wir 
uns an die Schilderungen von Hirt halten, indem wir bis Jetzt eine solche nicht 
beobachtet haben, lieber dieselben liegen überhaupt ausser den von Hirt in Hyde 
bei Manchester, wo Anilin im Grossen dargestellt wird und die Einwirkung aller
        <pb n="24" />
        22 
weiteren Stoffe ausgeschlossen ist, gemachten Beobachtungen nur die Berichte 
von Charvet vor. Bei dessen Beobachtungen ist jedoch die Möglichkeit der Mit 
wirkung von Arsenik nicht ausgeschlossen und wir halten uns deshalb ausschliess 
lich an die Beschreibung von Hirt. Nach diesem prävaliren bei dem chronischen 
Anilismus die nervösen Erscheinungen; allgemeineAbgeschlagenheit,Kopfschmerz, 
Ohrensausen, Sensibilitätsstörungen und oft hochgradige Mobilitätsstörungen sind 
die wesentlichsten Symptome. In zweiter Linie stehen Störungen der Verdauung, 
Aufstossen, Ekelgefühl, Erbrechen, Diarrhöen u. s. w. und Hauterkrankungen: 
eczematöse, pustulöse Anschläge, welche an verschiedenen Körperstellen, in spec, 
an dem Scrotum auftreten. 
Bezüglich der pathologischen Anatomie der Anilinvergiftung sind 
unsere Kenntnisse sehr dürftig; von der chronischen Form liegen gar keine und 
von der acuten nur sehr wenige Sectionen vor. Aus den letzteren ist hervor 
zuheben: starke Füllung der Gefässe der Dura; die Pia ödematös getrübt; die 
Ventrikel erweitert, mit Serum gefüllt; die Hirnsubstanz blutreich, in der Umge 
bung der Ventrikel massig erweicht; in dem Sack der harten Rückenmarkshaut 
vermehrtes Serum; die Substanz des Rückenmarks blutreich; die Lungen auf der 
Schnittfläche Zinnober- bis Itellkirschroth, leicht ödematös, sehr blutreich; im 
linken Herzen hellrothes, dünnflüssiges Blut; der Darinkanal durch Gase stark 
ausgedehnt; das Nierenparenchym sehr blutreich; die Rindensubstanz unbedeu 
tend getrübt. 
Dass Anilin in irgend einer Form, wie dies Galezowski in 3 Fällen beob 
achtet haben will, schädigend auf die Augen einwirkt, konnten wir nicht beob 
achten , indem in keinem der Räume, in welchem Anilin verarbeitet wird, jemals 
Klagen über Sehstörungen etc. zu unserer Kenntniss kamen. 
Was die Erkrankungen in dem Reductionsraume an belangt, so 
kamen bei einem durchschnittlichen Bestände von 13 Arbeitern neun 
also 74 pCt. Erkrankungen pro Jahr vor. (E. Tab. 13). Unter diesen 
Erkrankungen sind 3 Fälle von Anilismus, welche in einem späteren 
Abschnitte des Näheren besprochen werden. Unter den anderen 
Krankheiten stehen unter einer Gesammtzahl von 48 Erkrankungen 
innerhalb der letzten 5 Jahre die Krankheiten der Respirations-Organe 
mit 14 und die Verletzungen mit 8 Fällen voran (Tab, E. 9.) Von 
den Arbeitern waren 
4 durch 1 Jahr 
2 . 2 n 
2 , 3 , 
1 « 4 „ 
1 „ ^ " 
2 „ 7 „ 
1 . 8 . 
in dem Raume beschäftigt.
        <pb n="25" />
        3) Der Fuchnln-Rauin. 
Zur Fuchsindarstellung erhitzt man in gusseisernen Kesseln mit 
Rührwerk ein Gemenge von Anilin, salzsaurem Anilin, Nitrobenzol 
und Eisenchlorür, bis der dickflüssige Zustand der dunkelbroncegrünen 
Schmelze die Vollendung der Reaction anzeigt. Das während des 
Processes übergehende Destillat, ein Gemenge von Anilin und Nitro 
benzol, wird vollständig reducirt und als eine geringere Sorte Anilinöl 
oder in der Form von salzsaurem Anilin an Kattundruckereien verkauft. 
Das erhaltene Rohfuchsin wird durch Umkrystallisiren gereinigt und kommt 
dann in grünen, metallisch glänzenden Krystallen vom Aeussern der Canthariden- 
flügel unter verschiedenen Namen — Diamantfuchsin, Rosein, Magenta u. a. 
in den Handel. Es ist das salzsaure Salz der Rosanilinbase, welche letztere bei 
Versetzung einer heissen Fuchsinlösung mittelst Kalkmilch aus der heiss filtrirten 
Lösung in schwach röthlichen Krystallen sich ausscheidet. 
' Das Fuchsin und die Base desselben, das Rosanilin, sind wenig löslich 
in Wasser, leichter in Alkohol, nicht in Aether. Mit einem Theil Fuchsin können 
etwa 300—400 Theile Wolle in mittlerer Stärke gefärbt werden. 
Die von den Fuchsinkrystallen ablaufenden Mutterlaugen werden auf gelbe 
und braune Farbstoffe verarbeitet, die im Handel den Namen Grenadin, Coris, 
Marron, Phosphin führen. 
Rowmlllm. 
Das sanitär Wichtigste dieses chemischen Processes ist die That- 
sache, dass das Fuchsin nicht das Salz von Anilin, sondern von Ros 
anilin ist, und da die Gefährlichkeit der Base mehr oder minder zu 
einem Schlüsse auf die Gefährlichkeit deren Salze berechtigt, so 
kommt hier dié Giftigkeit oder Nichtgiftigkeit des Rosanilins in erster 
Linie in Betracht. 
Sonnenkalb äussert sich über dasselbe dahin, dass es für 
«indifferent“ gehalten werde. Eulenberg sagt, dass es nicht giftig 
wirke und dass dies durch zahlreiche eigene und fremde Erfahrungen 
bestätigt sei. 
Sowohl die Erfahrungen auf den uns beschäftigenden Fabriken 
als auch meine Versuche an Thieren bestätigen diese Ansichten voll 
kommen. 
Erkrankungen in den entsprechenden 1 abrik-Räumen, welche in 
Zusammenhang mit Rosanilin zu bringen wären, kamen nicht vor. 
Wochenlang fortgesetzte Fütterungen von Lapin s mit Rosanilin, 
derart, dass in 5 g haltende spirituöse Lösungen 500 g Gerste 
getränkt und binnen 8 Tagen verfüttert wurden, ergaben ebensowenig, 
wie durch mehrere Tage fortgesetzte subcutane Injectionen einer
        <pb n="26" />
        U 
1 pCügcn Lösung irgend,, welche Gesundlipiisstörungen. Der Urin 
war dünnflüssig, röthlich. Die chemische Untersuchung ergab Ros 
anilin, aber kein I^iweiss. 
Auch Inhalationen einer ,1 pCtigen Ijösung, so lange forlgesetzt, 
dass die Schnauze und die Brust der Tliiere, roth gefärbt waren, , er 
gaben nicht die geringste Aenderung in deren Befinden. 
Wir sind somit zu dem für die Anilinfarben im Allgemeinen 
sehr wichtigem Schlüsse berechtigt, dass Rosanilin nicht 
gesundheitsschädigend wirkt. 
Fuchsin. 
Unter allen Theerfarben spielt zur Zeit das Fuchsin in sanitärer 
Beziehung die grösste Rolio^ und über alle anderen Theerfarben zu 
sammen ist nicht so viel geschrieben und gestritten worden, wie über 
das Fuchsin allein. Der Grund hierfür ist ein doppelter. Einmal 
schloss man, dass das Fuchsin sowohl an und für sich als auch als 
Grundlage vieler anderer Anilinfarben, weil es aus dem Anilin dar 
gestellt werde, gerade deshalb wie Anilin ein Gift sein müsse und 
übersah, dass das Fuchsin ein Salz des Rosanilin’s, nicht des Anilin's 
ist, und dann trennte man bei dçn bekannt gewordenen, nachtheiligen 
Wirkungen des Fuchsins niemals scharf die Wirkung des Fuchsins 
von der des zu seiner Darstellung früher stets gebrauchten Arseniks 
resp. des Arsengehaltes des fertigen Fuchsins. 
So sagt in ersterer Richtung Sonnenkalb, dass man a priori 
eine gewisse Berechtigung habe, die Anilinfarben als Salze des Anilins 
unter die Gifte zu zählen, — giebt aber wenige Zeilen später selbst 
zu, dass das Anilin zur Herstellung seiner Farben in einen ganz 
anderen Körper, das Rosanilin, umgcwandplt sei. 
In zweiter Richtung liegen inehreie Fälle aus, der Literatur vor. Ein überall 
citirter ist der von Friedrich in der Deutschen Klinik 186.‘{, No. 49 erzählte. 
Ein junger Mann, welcher G .fahre vorher an Morh. bright, gelitten hatte, er 
krankte in einem Drogiiengeschäft, wo er die Verpackung der Anilinfarben zu be 
sorgen hatte, nach voransgégangenem L'nngencatnrrh an Müdigkeit. Ohnmachts 
gefühlen, Kopfschmerzen, trockener Zunge, Schmerzen in der Nierengegond, 
saurem Geschmacke, Stumpfsein der ZäJine, ge.schwoilenem Zahulloisoh und litt 
später beim Einschlafen und während des Schlafes an klonischen Krämpfen in den 
Extremitäten und den Gesichtsmuskeln bei erweiterter, trüge reagirender Pupille. 
Der Fall endete in Genesting, und Friedrich erklärt denselben dahin, dass die 
Nierenschmerzen als Folge des früheren Morb. Bright., die Geschwulst des Zahn 
fleisches als Folge des in den Anilin-ihäparaten vorkommenden Quecksilbers und 
die klonischen Krämpfe als Folge der Anilin-Wirkung zu betrachten seien. Ohne
        <pb n="27" />
        25 
mich auf eine nicht schwer fallende, anderweitige Erklärung des ganzen Symptom- 
Complexes einzulassen, bemerke ich einmal, dass in den Farbstoffen, welche als 
Lyoner-Blau, als Fuclisiu und Violet de fuclisine bezeichnet sind, wohl schwerlich 
Anilin enthalten war, und dann, dass in den Fabriken der Herren Meister, Lucius 
und Brüning, in welchen jedenfalls viel grössere Quantitäten von Anilin-Farben 
als in dem genannten Droguen-GeSchäfte verpackt werden, noch niemals die 
geringsten Gesundheitsstörungen bei den Arbeitern in den Lager- und den Pack- 
Bäumen vorgekommen sind, welche mit der Einwirkung von Anilin hätten in Ver 
bindung gebracht werden können. 
Auf gleicher Stufe wie der Friedrich’sche Fall stehen alle 
anderen mir aus der Literatur zugänglichen Fälle, d. h. bei allen ist 
die Materia peccans nicht das Fuchsin an und für sich, sondern das 
zu seiner Darstellung benutzte und den fertigen Präparaten noch an 
hängende Arsen. 
So erzählt Dahl von einem Mädchen, welches innerlich 1,25 g Diamant- 
Fuchsin genommen habe, dass dasselbe unter Schmerzen im Magen und Kopfe 
ohnmächtig und bewusstlos geworden sei, kirschrothe Lippen- und Rachen- 
Schleimhaut gehabt und rothe Massen erbrochen habe; 4 Tage gefiebert, am 
4. Tage klonische Krämpfe bekommen habe und erst nach 20 Tagen wieder ge 
nesen sei, — setzt aber zum Schlüsse dieser Fuchsin-Vergiftung hinzu, dass das 
bestehende Fuchsin 8,1 pCt. arsenige Säure enthalten habe. 
Einen anderen Fall tlieilt Jäderholm in den Jahrbüchern für Pharmacie 
mit. Eine Familie von 5 Köpfen erkrankte nach dem Genüsse von Kartoffeln, 
welche in einem Kessel gekocht waren, welcher vorher zum Färben von Wollen 
garn mit Anilinroth war gebraucht worden. Es traten Erscheinungen einer toxi 
schen Magen-Darm-Entzündung auf; die 3 Kinder starben ; die Eltern genasen. 
Die Untersuchung der Kartoffeln ergab, dass dieselben Arsenik enthielten'; auch 
das Wollengarn erwies sich arsenhaltig. 
Weitor finden sich in der Literatur verschiedene Fälle angeführt, 
in welchen nach mit Fuchsin geRirbten, auf blosser Haut getragenen 
Jacken, Strümpfen u. s w. Lezeme und Erytheme sich sollen ent 
wickelt haben. Wenn auch in diesen Fällen der directe Nachweis, 
dass das betreffende Fuchsin arsenhaltig war, nicht erbracht ist, so 
liegt eine solche Annahme doch sehr nahe und ist um so berech 
tigter, einmal weil die Fuchsinfarben den Fasern der Wolle, Baum 
wolle, Seide etc. so fest anhaften, dass durch sie ein Reiz der Haut 
kaum möglich ist, und dann, weil Eczemc und Erytheme bei Arbeitern 
in Anilinfarben-Eabriken nicht vorzukommen pflegen, in specie kamen 
auf den Höchster Fabriken in dem Fuchsin-Hanme (E. Tab. 0) inner 
halb 5 Jahren hei einem durchschnittlichen Bestände von *28 Arbeitern 
nur 5 Fälle von Hautkrankheiten und unter diesen kein Fall von 
Eczem und nur ein Fall von Erythem vor. Diese Thatsache ist um
        <pb n="28" />
        26 
so beweisender, als viele der betreffenden Arbeiter 8 und mehr Jahre 
stets in demselben Raume arbeiteten, und die Hautoberfläche sämmt- 
licher Arbeiter täglich von dem Farbstoffe durchaus geröthet wird. 
Während so die klinischen und gewerblichen Beobachtungen als 
übereinstimmend zu betrachten sind, mir wenigstens aus der Literatur 
und meiner Erfahrung kein Fall bekannt ist, in welchem durch er- 
wiesenermassen arsenfreies Fuchsin Nachtheile für die Gesundheit 
eines Menschen entstanden sind, stehen die Resultate der physiolo 
gischen Experimente zur Zeit noch sich gegenüber. 
Die ersten Versuche stellte 1863 Sonnenkalb und zwar mit „giftfreiem“ 
Fuchsin an. Er benutzte Frösche und Hunde und fand, „dass diesem Farbstoffe 
eine irgend wie giftige Einwirkung auf den thierischen Organismus nicht bei 
zumessen sei.“ Später erschienen Versuche von Bergeron und Clouet, welche 
ebenfalls die Unschädlichkeit des reinen Fuchsin’s erwiesen. 
Auf diese folgten die auch in No. 36 des Jahrganges 1877 der Veröffent 
lichungen des deutschen Gesundheits-Amtes übergegangenen Untersuchungen von 
Ritter und Feltz, nach welchen — Moniteur scientifique, tom. VI, pag, 856 — 
Fuchsin der Gesundheit schädlich ist und der fortgesetzte Genuss von mit Fuchsin 
gefärbtem Weine Koliken, Diarrhoen und eiweisshaltigen Urin hervorruft. 
Auffallend bei diesen Untersuchungen ist der Titel: recherches experimen 
tales sur l’action de l’aniline. Die bestehenden Weine waren mit „fuchsine pure“ 
gefärbt, und es dürfte doch schwerlich zu rechtfertigen sein, die Wirkungen von 
Fuchsin und Anilin zu identificiren. 
Auf diese Untersuchungen folgten von denselben Verfassern zwei Reihen 
von Thier-Versuchen, deren Resultate in dem Moniteur scient, tom. VII. pag. 77 
enthalten sind. 
Die erste Reibe enthält Versuche über Einverleibung von Fuchsin in den 
Magen. „Verhältnissmässig geringe Dosen“ erzeugten bei Hunden Eiweissgehalt 
des Urins. Die zweite Reihe umfasst Versuche über Einspritzungen von „fuchsine 
pure“ in das Blut. Auf diese zeigte sich Fuchsin und Eiweiss sowie granulirto 
Cylinder in dem Urin, in einem Falle auch allgemeine Wassersucht. Mit diesen 
Beobachtungen im Leben standen die Befunde zahlreicher Sectionen im Einklang. 
Bei diesen Versuchen wird speciell hervorgehoben, dass dieselben mit 
arsenfreiem Fuchsin angestellt wurden. 
In directem Widerspruch mit denselben steht eine weitere grosse Versuchs 
reihe von Bergeron und Clouet, deren Resultate ebenfalls in torn. VII des 
Moniteur scientifique enthalten sind. 
Einer dieser Forscher nahm durch 16 Tage jeden Morgen eine Quantität 
Fuchsin, im Ganzen 8 g ohne irgend welche Verdauungsstörung zu spüren, in 
specie ohne Eiweiss in dem Urin zu zeigen. 
ln einer anderen Versuchsreihe wurde durch 9 Monate theils nüchtern, 
theils nach dem Essen Fuchsin genommen, ohne dass Diarrhoen oder Koliken 
auftraten. Auch hierbei war kein Eiweiss in dem Urin nachzuweisen. 
Gleiche Resultate hatten Versuche mit Fröschen und Lapins, welche durch
        <pb n="29" />
        27 
sieben Wochen fortgesetzt wurden. Niemals konnte Eiweiss in dem Urin der oft 
mit starken Dosen gefütterten Thiere nachgewiesen werden. 
Das Fuchsin, womit Bergeron und Clouet experimentirten, kam aus dem 
Hause Lazard-Godchaux in Brüssel und war dargestellt durch Oxydation von 
Anilin mittelst Nitrobenzol in Gegenwart von Eisen und Salzsäure. 
Auch von Husson in Nancy liegen mehrere Thier-Versuche mit Fuchsin 
vor, welche dessen Ungefährlichkeit documentirén. 
So gab iiusson einem Lapin innerhalb 8 Stunden 8 g Fuchsin, ohne jede 
weitere Wirkung als die Zeichen einer beschleunigten Athmung. 
Die Section des später getpdteten Thieres ergab ausser einer Blutstauung 
in den Lungen nirgends eine Erkrankung irgend eines Organs. 
Das Interessanteste in dieser Richtung ist eine von Dr. Périquet in Benze- 
ville mitgetheilte Krankengeschichte eines 9 jährigen, an Morbus Brightii leidenden 
Mädchens, bei welchem sich von 0,1 bis 0,4 pro die /steigende Dosen von 
Fuchsin gegen die Krankheit derart heilsam erwiesen, dass anfangs nach dem 
Aussetzen von Fuchsin der Eiweissgehalt des Urins stets wuchs. Im Ganzen hatte 
das Mädchen, welches geheilt wurde, circa 20 g Fuchsin genommen. 
Bei diesen Widersprüchen der verschiedenen Experimentatoren 
sind jedenfalls unsere Beobachtungen auf der Höchster Fabrik von 
grosser Bedeutung, für welche wir aus dem Vorhergegangenen reca- 
pituliren wollen, dass die Darstellung des Fuchsins auf dieser die 
selbe ist, wie die des Hauses Lazard-Godchaux. 
Tab. D. 6. b. zeigt uns, dass von 41 in dem Fabrik-Raume 
beschäftigten Arbeitern 
6 durch 3—4 Jahre, 
10 n b—6 n 
4 „ 8—10 „ 
1 , 14 
in diesem Raume beschäftigt waren. Bei keinem dieser Arbeiter 
konnte man jedoch eine Abnahme des Körpergewichtes oder 
Neigung zu Diarrhöe oder Koliken, oder Störungen in der Urin- 
secretion nachweisen, trotzdem der feinvertheilte Farbstoff selbst das 
Innere der Mundhöhle täglich röthet und so das Verschlucken nicht 
unbeträchtlicher Mengen von Fuchsin mit dem Speichel nicht zu ver 
meiden ist. Auch ergaben Urin - Untersuchungen vieler Arbeiter, 
welche Samstag Abends, also nachdem die Arbeiter die ganze Woche 
hindurch in dem Fuchsin-Raume beschäftigt waren, vorgenommon 
wurden, niemals eine Sjiur von Eiweiss. Gleiche Resultate liefert die 
Zusammenstellung der Erkrankungen in den Lager- und Expeditions 
räumen, wie dies die einschlägigen Tabellen des Capitols E. zeigen. 
Zur Controle der erwähnten Thier-Versuche fütterte ich durch mehrere 
Wochen 2 Lapins mit Hafer und Gerste, welche mit Fuchsin gefärbt war. Es
        <pb n="30" />
        28 
wurden pro die 50 g Gerste resp. Hafer, gefärbt mit 0,5 Fuchsin gegeben. 
Die Thiere frassen langsam, blieben aber vollständig munter. Der Urin war dick, 
gelblich, zeigte aber keine Spur von Eiweiss. Nach einigen Tagen Panse wurden 
15 g Fuchsin zur Färbung von 1500 g Gerste verwendet und binnen 
14 Tagen verfüttert. Auch hierauf trat irgend welche Störung in dem Befinden 
der Thiere nicht ein. Eine gleich negative Wirkung hatten •ßubcutane Injectionen 
— täglich 1 — 2 Spritzen einer 1 pCt. Lösung. Auch ist ein Huhn, welches durch 
3 Wochen mit Fuchsin gefärbten Hafer frass, heute noch, nach mehreren Wochen, 
gesund. 
Marron Phosphin Grenadin. Ceris. 
An dieser Stelle müssen noch einige weitere Farbstoffe erwähnt 
werden, welche aus den Rückständen der Fuchsin-Schmelze gewonnen 
und unter obigen Namen in den Handel gebracht werden. 
Auch mit diesen stellte ich Fütterungsversuche an, indem ich je 5 g zum 
Färben von 1 kg Gerste benutzte und innerhalb 10 Tagen an je 3 Lapins ver 
fütterte. Sämmtliche Thiere zeigten nie irgend eine Störung ihrer Gesundheit. 
Bemerken will ich hierzu, dass Jousset de Bellesme — recherches sur 
l’action physiologique du grenat ou résidu de fabrication de la fuchsine —■ be 
hauptet, dass zum Färben der Weine weniger Fuchsin als Grenat benutzt werde. 
Die Lösungen des Fuchsin seien zu frischroth und in ihren Verdünnungen zu 
rosa, während die Lösungen von Grenat der wirklichen Kothweinfarbe mehr ent 
sprächen. 
Nach Thier-Versuchen hält Jousset das Grenadin für gesundheitsschädlich, 
indem seine Hunde, Katzen und Lapins nach 4 — 6 Wochen starben, und er bei 
der Section einen Ueberschuss von HarnstolT in dem Blute und Urämie als Ursache 
des Todes fand. 
Meine Versuche in dieser Richtung sind zur Zeit noch nicht abgeschlossen 
und werde ich dieselben demnächst im Detail im Anschluss an eine specielle 
Arbeit über Fuchsin verölTentlichen : soviel dürfte jedoch schon jetzt feststehen, 
dass bei dem Mangel jeglicher weiteren Angaben Jousset’s über das von ihm 
verwendete Grenadin die Annahme berechtigt ist, dass das entsprechende Fuchsin 
mittelst Arsen gewonnen wurde, und dass somit die Rückstände, aus welchen das 
Grenat dargestellt wurde, ebenso wie das Grenat selbst nicht frei von Arsen waren. 
4) Der IHan-Kanin. 
Durch Erhitzen des Fuchsin’s oder besser des Rosanilins mit 
reinem Anilin bei Gegenwart einer organischen Säure (am besten 
Benzoesäure) entsteht ein spritlöslicher, blauer Farbstoff, das Tri- 
phenylrosanilin, welcher durch Fällen der Schmelze mit Salzsäure und 
Wasser als krystallinisches Pulver erhalten wird. 
Der spritlösliche Farbstoff wird selten in der Färberei verwandt, wohl aber 
das in Wasser lösliche sulfosaure Salz des Triphenylrosanilins, welches durch 
Einträgen des spritlöslichen Körpers in erwärmte englische Schwefelsäure entsteht; 
die hierbei auftretenden salzsauren Gase werden in den Kamin abgeführt.
        <pb n="31" />
        29 
Die sanitären Verhältnisse des Blauraumes waren die Rüstigsten 
der ganzen Anilin-Fabrik. Bei einem durchschnittlichen Bestände von 
14 Arbeitern kamen in den letzten 5 Jahren nur durchschnittlich pro 
Jahr 5 Erkrankungen in demselben vor, von welchen die meisten auf 
Uheumatisnien und Bronchial-Catarrhe entfallen. Es wurde jedoch auch 
1 Fall von Anilismus in diesem Raume beobachtet. 
Mit dem im Wasser löslichen Farbstoffe wurden durch längere 
Zeit Thier-Versuche an gestellt, welche dessen Ungefährlichkeit ergaben. 
An 3 Lapin’s wurden in einem Zeiträume von 4 Wochen 15 g des 
Farbstoffes, benutzt zum Färben von 1500 g Gerste, verfüttert, ohne 
dass eine Aenderung in dem Betragen, der Fresslust, dem Aussehen 
u. s. w. der Thiere eintrat. 
5) Der Dahlia-Kaum. 
Der Ausgangspunkt für den Dahliafarbstoff oder das Methyl- 
violett ist das Methylanilin, welches durch Erhitzen von salzsaurem 
Anilin mit Methylalkohol in emaillirten Autoklaven hergestellt wird. 
Das Methylanilin liefert durch Oxydation mittelst chlorsauren Kali’s und 
Kupfervitriol die Violettschmelze, aus welcher der in Wasser lösliche Farbstoff 
durch wiederholtes Unilösen und Fällen mit Kochsalz als harzige, tief goldgrüne 
Masse erhalten wird, welche nach dem Trocknen und Mahlen als Pulver oder in 
groben Stücken in den Handel kommt. Die Chlorzinkverbindung des Methylvio 
letts bildet kleine Krystalle. 
Das gewöhnliche Violett geht bei Einwirkung von Chlorbenzyl in alkoholi 
scher, alkalischer Lösung in blaue Nuancen über. 
Sowohl über diesen Raum als auch über den entsprechenden 
Farbstoff lässt sich in sanitärer Beziehung dasselbe sagen, wie ad 4. 
Auf einen durchschnittlichen Bestand von 18 Arbeitern kamen 
auf das Jahr 7 Erkrankungen, unter welchen Verletzungen in erster 
und Bronchial-Catarrhe in zweiter Linie stehen. 
Fabrik-Erkrankungen kamen in diesem Raume nicht vor. 
Mit dem fertigen Farbstoffe wurden Lapins wochenlang wie ad 4 
gefüttert, ohne dass eine schädigende Wirkung auch dieses Farbstoffes 
eingetreten ist. 
(&gt;) Der Drilii-Kauni. 
Durch Anlagerung der Haloidverbindungen der Alkoholradicale 
(%. B. Jodmethyl, Chloräthyl) entsteht aus dem Methylviolett das 
Methylgrön in gelbem und blauem Nuancen; es wird sowohl als 
Pulver und in Krystal len, wie auch als spritlösliche Paste den Con 
sumen ten geliefert; letztere ist das pikrinsaure Salz der Grünbase.
        <pb n="32" />
        30 
Das Methylgrün ist dadurch characterisirt, dass es beim Erwärmen (z. B. 
beim heissen Bügeln gefärbter Waaren) in Violett übergeht. 
Eine bedeutende Cjoncurrenz ist dem Methylgrün in dem Malachitgrün er 
wachsen, dem Product der Einwirkung von Benzotrichlorid auf Methylanilin. 
Wenn auch als Farbe etwas weniger fein, wie das Methylgrün, hat dies neue Pro 
duct bei gleichem Preise eine fast dreifache Ergiebigkeit: es genügt ein Theil 
davon, um 500 Theile Wolle in mittlerer Stärke zu färben. 
Betrachten vnv die Krankenbewegung in diesem Raume, so finden 
wir bei einem durchschnittlichen Arbeiterbestande von 8 Mann pro 
Jahr zwischen 4 und 5, im Durchschnitt 55 pCt. Erkrankungen. Von 
denselben — 25 in den letzten 5 Jahren — entfallen 11 auf Ver 
letzungen, 6 auf die Athmungsorgane u. s. w. — Tab. E. 9; Er 
krankungen, welche mit der Fabrikation in Verbindung stehen, kamen 
keine vor. Von den Arbeitern waren 3 zwischen 3 und 6 Jahre und 
2 durch 11 Jahre in dem Raume beschäftigt. 
Fütterungsversuche in der Dauer und Dose der vorhererwähnten 
mit Methylgrün, Malachitgrün und pikrinsäurehaltigem Grün hatten 
keinen nachtheiligen Einfluss auf die betreffenden Thiere; ebensowenig 
Injectionen von Methyl- und Malachit-Grün. Dagegen verendete ein 
Lapin zwei Stunden nach einer Injection von 2 Spritzen einer 1 pCtigcn 
Lösung von pikrinsäurehaltigem Grün unter Lähmungserscheinungen, 
nachdem derselbe durch mehrere Tage die Injection einer Spritze gut 
vertragen hatte. In den Eingeweiden konnte der grüne Farbstoff, 
nicht aber Pikrinsäure nachgewiesen werden. 
7) Der Eosiii-Raiiiii. 
Das ResorCin — ein hydroxylirtes Phenol oder Diphenol — 
welches aus dem disulfobenzolsauren Natron durch Schmelzen mit 
Aetznatron entsteht und der in Wasser gelösten, mit Salzsäure zer 
setzten Schmelze durch Schütteln mit Aether entzogen wird, ist ein 
in Wasser, Alkohol und Aether leicht löslicher Körper von unange 
nehmem, kratzend süssen Geschmack; es krystallisirt in farblosen 
Tafeln, die sich an der Luft bald bräunen. 
Bei der Kuppelung des Resorcin’s mit Phtalsäuro (einem Oxydationsproduct 
des Naphtalin’s) entsteht das Flnoi'escfe'in, welches in alkalischen ^Flüssigkeiten 
auch bei sehr grosser Verdünnung eine prachtvoll grüne Fluoroscenz zeigt. Das 
Eosin (von Eos, Morgenröthe) ist das Kaliumsalz des Totrabromfluoresceins; seine 
wässrige Lösung ist im durchfallenden Licht schön gelbroth und zeigt eine grün 
gelbe Fluorescenz. Ein brillanter FarbstoiT auf Seide, Wolle und Baumwolle bildet 
das Eosin mit Metalloxyden schön gefärbte Lacke, und haben namentlich die Zink- 
verbindungen eine grosse Wichtigkeit erlangt.
        <pb n="33" />
        31 
Eine blauere Nuance wie das Eosin zeigt das Erythrosin — das Kaliumsalz 
des Tetrajodfluorescëins. 
Die Resorcinfarben, wie auch die noch zu besprechenden Naphtolfarben, 
haben nur ungefähr den zehnten Theil des Färbevermögens wie die Anilinfarb 
stoffe. 
EoiiN. 
Das Eosin ist demnach keine Anilin-, sondern eine Resorcin- 
Farbe. lieber das Resorcin besitzen wir physiologische Versuche nicht; 
nur Eulenberg erwähnt, dass ein Nitroproduct desselben, das Trini- 
troresorcin unschädlich sei, indem Tauben 1 g pro die vertrügen. 
Die Erkrankungen der Arbeiter in dem Eosin-Raume sind in Tab. 
E. 9 und E. 18 enthalten. Aus letzterer ist ersichtlich, dass im 
Durchschnitt 17 Arbeiter beschäftigt wurden, und dass auf diese pro 
Jahr 16 Erkrankungen, also fast 100 pCt. kamen. Unter diesen 
nehmen die erste Stelle die 17 Fälle von Hyperidrosis localis ein, 
welche des Näheren in Abschnitt E. gewürdigt werden. An sie 
schliessen sich die Verletzungen, ebenfalls in einer Anzahl von 15 
Fällen und 11 Fälle von Erkrankungen der Verdauungswerkzeuge. 
Mit Eosin machte ich durch 2 Monate Fütterungsversuche. Zuerst erhielten 
2 Lapins innerhalb 10 Tagen 2 g Eosin, benutzt zum Färben von Gerste. Dann 
erhielten dieselben Thiere innerhalb 8 Tagen 5 g und dann 3 andere Thiere in 
gleicher Zeit ebenfalls 5 g Irgend eine Aenderung in dem Befinden der Thiere 
konnte nicht nachgewiesen werden. i 
Auch mit Erythrosin machte ich Versuche, indem ich an 3 Lapins 5 g des 
selben, auch zum Färben von Gerste benutzt, verfütterte. Irgend welche G.çsund- 
heitbstörungen traten nicht zu Tage. 
,&lt;l . 
M) Der Naplitol- und Orange - Kaiiiii. 
Am Schlüsse der Anilinfarbenbranche bringen wir das Naphtol 
und seine als Farbstoffe werthvollen Abkömmlinge; letztere sind ent 
weder Diazoverbindungen der Sulfosäuren der Amide (Anilin und seine 
Homologe, Naphtylamin) in Verbindung mit Phenolen (Phenole der 
Penzolreihe, Naphtol) oder Kupplungen der Sulfosäuren des Naphtols 
mit den Diazoverbindungen des Benzol’s und seiner Homologe, des 
Naphtalin’s, der Aether der Phenole. 
Die Farbstoffe, welche entstehen, sind gelb, orange, braun, roth bis violett, 
und zeichnen sich durch grosse Aechtheit aus; sie sind bestimmt, die Kurkuma 
wurzel, das Flavin, die Cochenille, die Orseille zu verdrängen. 
Das Naphtol ist das Phenol des Naphtalins und wird erhalten aus der 
Naphtalinsulfosäure durch Schmelzen mit Natron und Zersetzen der in Wasser 
gelösten Schmelze mit einer Säure; es scheidet sich hierbei als blättrig krystalli-
        <pb n="34" />
        32 
nische Masse aus. Das Naphtol ist fast geruchlos uud schmeckt brennend; als 
Dampf und Staub reizt es zum Husten und Niesen. 
Die Sulfosäuren der Amide, wie auch die des Naphtols entstehen durch Er 
wärmen der betreffenden Körper mit englischer Schwefelsäure. Die Diazover 
bindungen bilden sich bei Einwirkung von salpetrig-saurem Natron auf eine Lö 
sung des sulfosäuren Salzes der betreffenden Amidoverbindung unter Abkühlen. 
Die Bildung der Farbstoffe erfolgt leicht durch Vermischen der wässrigen 
alkalischen Lösungen der bezeichneten Körper; sie werden durch Umlösen und 
Fällen mit Kochsalz rein erhalten und getrocknet als Kalium- oder Natrium- 
Salz in den Handel gebracht. 
Aus den einleitenden Bemerkungen über Naphtalin ad 1. 2 geht 
hervor, dass dasselbe nur in Form heisser Dämpfe zu furchten, im 
Uebrigen sanitär nicht schädlich sei. Die Erfahrungen, die wir bei 
der Darstellung der betreffenden Farben machen konnten, sind noch 
sehr gering, weil dieser Zweig der Fabrikation erst seit einem Jahre 
besteht. Im Jahre 1878 waren in den beiden Räumen zusammen 49 
Arbeiter beschäftigt, welclie 42 Erkrankungen aufweisen. Mit Aus 
nahme von je zwei Fällen von Ilyperidrosis localis in Jedem Raume, 
kamen Fabrikerkrankungen nicht vor, und der verhältnissmässig hohe 
Procentsatz der Erkrankungen in dem Naphtol-Raume (94 pCt.) hat 
seinen Grund in einer grossen Anzahl von leichten Verletzungen — 
10 Fälle — welche bei dem grösseren Vertrautwerden mit den Han- 
tirungen für die Zukunft wohl wegfallen werden, ln dem Orange- 
Raume vertheilen sich die Erkrankungen — 75 pCt. — fast gl eich- 
mässig in die verschiedenen Rubriken. 
Mit Orange fütterte ich durch 10 Tage drei Lapins, indem die 
selben 1 kg Gerste, gefärbt mit 5 g Orange erhielten. Die Tiñere 
blieben gesund und sind es auch jetzt, 10 Tage später, noch. 
111. Die Alizarin-Fabrik. 
Die Alizarinfabrik beschäftigt sich zuerst mit der Reinigung des 
von den Theersiedereien kommenden Rohanthracens, welches einen 
Gehalt von 20 bis 40 Procent an reinem Anthracen liât. 
Durch, wenn nöthig wiederholtes, Waschen mit warmer Naphta, hydrau 
lisches Pressen und durch Sublimation erzielt man ein Product von 50 pCt. und 
darüber, welches der weiteren Fabrication genügt. 
Die A nth racen reinig ung ist mit Feuersgefahr verbunden, weil man das 
zu sublimirende Anthracen mit freiem Feuer erhitzt und weil die verunreinigte 
Naphta durch Destillation über freiem Feuer wiedergewonnen wird. Diese Mani 
pulationen sind deshalb in vielen kleineren Bäumen vertheilt. (KaumVl,Vll und 
YHl.)
        <pb n="35" />
        3 
33 
Die Oxydation des so gereinigten Anthracens geschieht in Raum I 
und II in grossen verbleiten Cylindern mit Hülfe von saurem chromsauren Kali 
und Schwefelsäure. Da ein grosser Theil der Chromsäure wiedergewonnen wird, 
so ist nur ein Bruchtlieil des Oxydationsmittels als saures chromsaures Kali zuzu 
kaufen. Das erzeugte Rohchinon wird abfiltrirt; die davon abfliessende Chrom 
oxydlösung wird im Raum V mit einem Ueberschuss von Kalkmilch gefällt. Der 
Niederschlag, bestehend aus schwefelsaurem Kalk, Chromoxydhydrat und Kalk 
hydrat unterliegt in rotirenden Oefen einer Trocknung und Röstung, wobei der 
•Sauerstoff der Luft die Chromsäure regenerirt, die dann wieder in der Oxydation 
Verwendung findet. • 
Aus dem rohen Anthrachinon erhält man den reinen Körper durch Subli 
mation. In reinem Zustande krystallisirt das Anthrachinon aus Lösungsmitteln, 
wie Naphta oder Eisessig, oder beim Sublimiren in langen gelben Nadeln, schmilzt 
bei 273 ® 0. und zeichnet sich durch seine grosse Widerstandsfähigkeit gegen 
über chemischen Agentien aus. Es ist das einzige, in reiner Form hergestellte 
Zwischenproduct der Alizarinbranche. Das Anthrachinon wird durch Erhitzen 
mit rauchender Schwefelsäure, die 20—60 pCt. freies Anhydrid enthält, sulfirt, 
und die erzeugten anthrachinonsulfosauren Salze gehen durch Schmelzen mit 
Aetznatron in Alizarin über. (Kaum III.) Die Manipulationen mit der rauchenden 
Schwefelsäure geschehen in gusseisernen Kesseln unter Luftabschluss. 
Die Alizarinnatronschmelze wird in Wasser gelöst und mit Salzsäure 
oder Schwefelsäure zersetzt, wodurch der Alizarinfarbstoff in gelbrothen Flocken 
sich ausscheidet. (Raum IV.) Nach dem Abfiltriren und sorgfältigen Auswaschen 
mit Wasser werden die Filterpiesskuohen uochmals zerrührt, und der erhaltene 
orangefarbige Teig ist das Alizarin des Handels. 
Wird dieser Teig getrocknet und vorsichtig sublimirt, so erhält man das 
reine Alizarin in schönen, orangerothen Nadeln, gruppirt wie die Fahne einer 
Feder. In Wasser ist das Alizarin nur wenig löslich, wohl aber in Alkohol, Aether, 
Eisessig. 
An und für sich kein Farbstoff hat das Alizarin die Eigenschaft, mit Metall 
oxyden imprägnirte Baumwolle unter Lackbildung zu färben, und zwar erzeugt 
es auf der Baumwolle mit Thonerde Roth und Rosa, mit Eisenoxyd Violett und 
Schwarz, mit einer Mischung von Eisenoxyd und Thonerde oder mit Chromoxyd 
Braun. Auf mit Oel und schwefelsaurer Thonerde gebeizter Baumwolle erzeugt 
Alizarin das Türkischroth. Die grosse Schönheit und Aechtheit der mit Alizarin 
erzeugten Farben hat schon längst die Krappwurzel zum wichtigsten Farbstoff 
gemacht, und seit der künstlichen Erzeugung des Alizarins hat sich der Gonsum 
dieses Farbstoffs vervielfacht. 
Anschliessend an das Eingangs dieses Abschnittes über das An- 
thracen Gesagte, kann ich mich über die Darstellung des Alizarins, 
d. h. über die hierbei beobachteten Erkrankungen der Arbeiter kurz 
fassen, weil in den letzten 5 Jahren Fabrik - Erkrankungen auf der 
Alizarin-Fabrik nicht beobachtet wurden. Tab. E. 1 zeigt, dass im 
Durchschnitt 210 Arbeiter auf derselben beschäftigt waren, und dass
        <pb n="36" />
        34 
von diesen pro Jahr 46 pCt, erkrankten. Weitaus die meisten Er 
krankungen, 115 von 436, also 26 pCt., kommen auf die Ver 
letzungen. Auf diese folgen Erkrankungen der Verdauungs- und 
Athmungswerkzeuge, ohne dass jedoch irgend ein Zusammenhang 
zwischen denselben und der Fabrikation besteht. Dieselben waren 
nämlich bei den Hof-Arbeitern mindestens ebenso zahlreich, wie in 
den Räumen. 
Im Allgemeinen prävaliren etwas die Hauterkrankungen. Es 
kamen deren nämlich bei einem durchschnittlichen Arbeiter-Bestände 
von 190 Mann auf der Anilinfabrik von 1874—1879 im Ganzen 18 
Fälle vor, während die Anzahl derselben auf der Alizarin-Fabrik bei 
210 Arbeitern 42 betrug. Besonders ist es eine grosse Anzahl von 
Eczemen — 13 — welche in den Räumen 1, 2, 3, 4 und 5 beob 
achtet wurden. In sämmtlichen Räumen der Anilin-Fabrik wurden 
deren nur 3 beobachtet. Weitere Beobachtungen müssen ergeben, ob 
auch das gereinigte Anthracen reizend auf die Haut einwirkt, oder ob 
das bis jetzt constatirte Prävaliren der Hauterkrankungen auf der 
Alizarin-Fabrik nur vorübergehend ist. 
D. Die Arbeiter. 
I. Allgemeine Bemerkungen. 
Die Arbeiterbewegung ist stets eine ziemlich grosse. Man kann 
p. p. annehmen, dass 50 pCt. sämmtlicher Arbeiter stationär, die 
anderen 50 pCt. in steter Fluctuation begriffen sind. Nach der Fabrik 
ordnung — vid. Dl — kann an Stelle der gesetzmässigen 14 tägigen 
Kündigung die letztere gegenseitig jederzeit geschehen; hat jedoch ein 
Arbeiter ohne triftigen Grund die Fabrik verlassen, so wird er binnen 
Jahresfrist nicht wieder angenommen. Die Firma ist der Ansicht, nur 
in denjenigen Leuten tüchtige Arbeiter zu besitzen, die ein lebhaftes 
materielles und moralisches Interesse an die Fabrik fesselt. Auf eine 
humane und gerechte Behandlung der Arbeiter durch Vorgesetzte jeder 
Art wird deshalb das grösste Gewicht gelegt. Von vorgesehenen Geld 
strafen wird fast nie Gebrauch gemacht, und als einzig wirksames 
Disciplinarmittel die in Aussicht gestellte Entlassung betrachtet. Die 
Durchführung der angeführten Grundsätze hat bis jetzt die erfreuliche 
Folge gehabt, dass noch kein Arbeiter den Rechtsweg gegen die 
Fabrik betreten hat.
        <pb n="37" />
        3* 
Arbeiter, welche Materialien oder fertige Fabrikate mitnehmen, 
werden entlassen und nie mehr angenommen. Strenge muss darauf 
geachtet werden, dass innerhalb der ¡Fabrik und deren Höfen nicht 
geraucht wird; es ist dies durch die grosse Feuergefährlichkeit ver 
schiedener Materialien geboten. Dagegen ist das Rauchen in den 
Speisesälen während der Ruhepausen gestattet. Ebenso streng muss 
darauf geachtet werden, dass die Arbeiter nicht dem Trünke ergeben 
sind; denn es ist eine erwiesene Thatsache, dass der Genuss von 
Spirituosen die Aufnahme einzelner Stoffe, wie besonders des Nitro 
benzols und des Anilins, in den Körper erleichtert und so zu Intoxi- 
cationen führen kann, welche ohne den Genuss der Alkoholica hätten 
vermieden werden können. 
Fabrik-Ordnung 
von Meister, Lucius und Brüning in Höchst a. M. 
D 1. 
§. 1. Jeder Arbeiter empfangt bei seinem Eintritt ein Exemplar dieser Fabrik- 
Ordnung. 
§. 2. Die Kündigung kann gegenseitig jederzeit stattfinden. 
§. 3. Die Arbeiter stehen unmittelbar unter einem Aufseher, dessen Anord 
nungen sie willig Folge zu leisten haben. 
§. 4. Die Glocke verkündet den Arbeitern des Morgens und des Abends den 
Anfang und das Ende der Arbeitszeit. 
§. 5, Bei verspätetem Erscheinen meldet sich der Arbeiter bei seinem Auf 
seher, welcher die Zeit des Arbeitsantritts bestimmt. 
§. 6. Wer die Arlieit vor oder nach dem regelmässigen Schichtwechsel ver 
lässt, hat sich beim Portier (Nachtwächter) abzumelden. 
§. 7. Es darf kein Arbeiter ohne Anzbige und Erlaubniss seines Aufsehers 
Ausbleiben. Io unvorhergesehenen Fällen hat er sioh über den Grund seines Aus 
bleibens genügend zu rechtfertigen. - 
§. 8. Ruhiges, anständiges Benehmen wird jedem Arbeiter zur Pflicht ge 
macht. Er hat auf Reinlichkeit an sich selbst, wie in seinem Arbeitsraum streng 
zu achten und den für die einzelnen Arbeitsräume getroffenen Anordnungen pünkt 
lich Folge zu geben. , 
§• 9. Kein Arbeiter darf einen anderen Theil der Fabrik betreten, als den 
jenigen, wo ihm seine Beschäftigung angewiesen. 
§. 10. Kein Arbeiter darf ohne Erlaubniss des Aufsehers seine Arbeit ver 
lassen; insbesondere muss derselbe an seinem Platze bleiben, wenn in einer der 
Fabriken der Unterzeichneten durch Brand oder andere Ereignisse aussergewöhn- 
liche Störungen eintroteu. 
§. 11. Jeder Arbeiter ist für den Schaden verantwortlich, den er der Fabrik 
durch Nachlässigkeit, Unachteamkeit/ oder Bosheit izufügt; er ist ferner für den 
Bestand der ihm anvertrauten Werktage, Geräthschaften uud Maschinen haftbar.
        <pb n="38" />
        36 
§. 12. Kommt Etwas an Maschinen oder Geräthen in Unordnung, so muss 
der Arbeiter sogleich seinem Aufseher Anzeige machen, der allein bezüglich der 
Reparaturen das Erforderliche zu veranlassen hat. 
§. 13. Angetrunkene Arbeiter werden in der Fabrik nicht geduldet. Nei 
gung zur Trunksucht hat Entlassung zur Folge. 
§. 14. Es ist untersagt, geistige Getränke in die Arbeitsräume mitzubringen. 
§. 15. Das Tabakrauchen ist innerhalb der Fabrik und deren Höfen, wie 
auch bei dem geschäftlichen Verkehr zwischen den einzelnen Fabriken und der 
Eisenbahn verboten. Tabakspfeifen und Zündhölzer dürfen nicht mit in die Fa 
brikräume gebracht werden. Im Speisesaal ist das Rauchen während der be 
stimmten Ruhezeit erlaubt. 
§. 16. Bei Nichtbeachtung der gegebenen Verordnungen können Strafen bis 
zu drei Mark zuerkannt werden. 
§, 17. Die Arbeiter haben sich aller Miltheilungen, die Fabrikation betreffend, 
an Dritte, wie auch unter sich, zu enthalten. 
§. 18. Das Mitnehmen von Materialien und fertigen Fabrikaten wird streng 
untersagt und jede Entwendung der Art, auch der kleinsten Probe, als Diebstahl 
verfolgt werden. 
§. 19. Die Unterzeichneten werden an bewährte tüchtige Arbeiter jährliche 
Gratificationen austheilen. 
Von den Arbeitern sind die meisten aus Höchst und dessen Umgebung; eine 
nicht geringe Anzahl ist jedoch aus entfernten Orten, hat in Höchst ein Logis ge- 
miethot oder nimmt daselbst nur eine Schlafstelle und geht wöchentlich oder mo 
natlich einmal oder mehrmals nach Hause. Ueber die Vertheilung der Arbeiter 
nach ihrem Wohnorte und dessen Entfernung von Höchst gibt Tabelle D 2 
Aufschluss. 
Wohn-Orte. 
Tab. D 2. 
Entfer 
nung von 
Höchst 
in km. 
Wohnort. 
Maurer. 
Mech. Werk 
stätte. 
Fuhrwesen, 
Hofarbeiter. 
Alizarin. 
Anilin. 
Summa. 
1.5 
4.5 
3,0 
2.25 
3,0 
6,0 
6.75 
8.25 
9.75 
11,25 
7.5 
6,0 
Höchst 
Nied 
Griesheim 
Schwanheira 
Unterliederbach 
Sossenheim 
Sulzbach 
Niederhofheim 
Münster 
Kelkheim 
Hornau 
Neuenhain und 
Altenhain 
Eschborn 
11 
11 
3 
3 
4 
2 
39 
7 
1 
5 
3 
2 
2 
8 
1 
1 
44 
7 
2 
2 
5 
1 
2 
2 
3 
97 
13 
3 
11 
6 
9 
1 
1 
10 
1 
7 
121 
28 
3 
12 
19 
25 
3 
2 
3 
8 
4 
2 
3 
320 
66 
12 
31 
33 
40 
10 
3 
6 
20 
5 
14 
3
        <pb n="39" />
        37 
Entfer 
nung von 
Höchst 
in km. 
Wohnort. 
Maurer. 
Mech. Werk 
stätte. 
Fuhrwesen. 
Hofarbeiter. 
Alizarin. 
Anilin. 
Summa. 
4.5 
3.75 
6,0 
7.5 
6.75 
9.75 
14,25 
14.25 
11.25 
14.25 
11.25 
9.75 
6.75 
8,25 
13.5 
13.5 
Zeilsheim 
Sindlingen 
Kelsterbach 
Okriftel 
Hattersheim 
Eddersheim 
Flörsheim 
Wicker 
Weilbach 
Wallau 
Diedenbergen 
Marxheim 
Kriftel 
Hofheim 
Lorsbach 
Langenhain 
Diversa 
4 
3 
1 
2 
1 
2 
1 
1 
2 
1 
1 
2 
5 
3 
3 
1 
2 
2 
1 
3 
1 
1 
1 
9 
6 
5 
4 
2 
2 
3 
4 
2 
8 
6 
11 
3 
6 
1 
4 
5 
7 
1 
5 
2 
7 
7 
23 
19 
15 
14 
18 
11 
1 
9 
1 
4 
5 
11 
10 
4 
1 
15 
22 
49 
41 
23 
30 
23 
19 
7 
20 
1 
4 
9 
14 
21 
5 
3 
24 
53 
78 
15 
106 
225 
401 
878 
Nach ihr entfallen auf Höchst selbst 320 oder 36 pCt. der Arbeiter; in 
einer Entfernung von bis zu 5 km wohnen 253 d. h. circa 30 pCt. der Arbeiter. 
Hie übrigen Arbeiter sind aus entfernteren Ortschaften, gehen jedoch theilweise 
bis zu einer Entfernung von 10 km jeden Abend nach Hause. 
Ein sehr buntes Bild bilden die Antecedentien der Fabrik-Arbeiter im engeren 
Sinne des Wortes d. h. der in den eigentlichen Fabrikations-Räumen beschäftigten 
Arbeiter. Fabriken gab es früher in hiesiger Gegend nicht; die in den letzten 
Hecennien angelegten mussten sich somit aus den verschiedensten Berufsarten 
rokrutiren. Dass hierbei die sog. Tagelöhner d. h. solche Arbeiter, welche in 
ihrer Jugend ein specielles Gewerbe nicht erlernten, das grösste Contingent stellten, 
ist selbstverständlich. 
Unter 503 eigentlichen Fabrik-Arbeitern finden wir deren 205 oder 40pCL; 
unter den Gewerben sind, wie dies aus Tab. D3 ersichtlich, am meisten vertreten: 
Die Schuhmacher mit 45 Mann oder 5,2 pCt. 
- Maurer - 43 - - 5,0 - 
- Weber - 25 - - 3,1 - 
- Schreiner - 23 - • 2,6 - 
- Bergleute - 20 - - 2,2 - 
- Zimmerleute - 18 - - 2,0 - 
Die anderen Arbeiter zerstreuen sich auf 28 weitere verschiedene Gewerbe.
        <pb n="40" />
        38 
Tab. D 3. 
Ihrer früheren Beschäftigung nach waren die eigentlichen Fabrik-Arbeiter 
(excl. Mech. Werkstätte, Heizer, Schlosser u. s. w.) 
Zahl. 
Gewerbe. 
5 
6 
6 
4 
5 
6 
5 
4 
3 
2 
4 
2 
Steindrucker 
Bierbrauer 
Kutscher 
Kellner 
Sattler 
Bildhauer 
Schriftgiesser 
Bürstenbinder 
Buchbinder 
Glaser 
Tapezierer 
Gewerbe. 
Zahl. 
Gewerbe. 
Zahl. 
Taglöhner... 
Schuhmacher 
Maurer 
Weber 
Bergleute ... 
Ziramerleute . 
Schreiner.... 
Schlosser .... 
Bäcker 
Metzger 
Gerber 
Korbmacher.. 
205 
45 
43 
25 
20 
18 
23 
13 
13 
11 
7 
6 
Schiffer 
Cigarrenmacher.... 
Gärtner 
Weissbinder 
Schneider 
Landwirthe ....... 
Bader 
Müller 
Häfner 
Wagner 
Küfer 
Lackirer 
Summa | 503 
Da die Arbeiter in der mechanischen Werkstätte, die Schlosser und die Fuhr 
leute, in ihrer früheren Beschäftigung weiter arbeiten, so kamen bei Tab. D 3 
nur die eigentlichen Fabrik-Räume in Betracht. In diesen waren 528 Arbeiter 
beschäftigt, von welchen bei 503 die frühere Beschäftigung wie Tab. D 3 ange 
geben ist. 
Ihrem Familienstande nach waren von 869 Arbeitern: 
ledig 297 oder 34 pCt. 
verheirathet 563 - 65 - 
Wittwer 9 - 1 - 
Die Vertheilung den einzelnen Beschäftigungen nach giebt Tab. D 4 und 
zeigt diese, dass weder auf das Abschliessen der Ehen, noch auf die Anzahl der 
Kinder ein wesentlicher Unterschied zwischen den Maurern, den Arbeitern in der 
mechanischen Werkstätte, den Ilofarbeitern u. s. w. einerseits und den eigent 
lichen Fabrik-Arbeitern andererseits besteht. 
Familien-Verhältnisse. Tab. D 4. 
Ledig. 
Wittwer. 
Verheira 
thet. 
0 
1 
2 1 3 j 4 
K i 
5 
n d 
6 
e 
7 
r. 
8 
9 
10 
Maurer 
Mechan. Werkstätte 
Fuhrwesen 
Hofarbeiter 
Schlosser u. Heizer 
Expedition, Lager 
u. Färberei .... 
Anilinfabrik 
Alizarjnfabrik .... 
21 
30 
3 
38 
13 
24 
98 
70 
1 
1 
3 
4 
31 
47 
12 
58 
33 
30 
202 
150 
2 
6 
7 
6 
2 
21 
15 
9 
8 
2 
17 
10 
8 
56 
32 
5 
12 
2 
5 
5 
6 
48 
33 
5 
11 
3 
11 
6 
6 
41 
28 
2 
5 
1 
12 
3 
14 
22 
4 
4 
2 
5 
3 
3 
14 
14 
4 
1 
2 
2 
6 
4 
1 
1 
1 
2 
1 
3 
3 
1 
1 
2 
1 
1 
I297 
9 
563 
59 
142 
116 
111 
59 
49 
19 1 12 
4 
1 
1
        <pb n="41" />
        Was die Stärke der einzelnen Familien anbelangt, so hatten von 572 ver- 
heiratheten Arbeitern : 59 Arbeiter keine Kinder 
142 - 1 Kind 
116 - 2 Kinder 
111 - 3 - 
59 - 4 . 
49 - 5 . 
19 - 6 - 
12 - 7 - 
4 8 
1 - 9 - 
.1 - 10 - 
Das Alter ist von 869 Arbeitern angegeben, und giebt über dasselbe Tab. 
D 5 Aufschluss. Aus ihr sieht man, dass, von 5 zu 5 Jahren gerechnet, die 
meisten Arbeiter zwischen dem 26. und 30. Lebensjahre stehen, und dass im 
Ganzen von 869 Arbeitern 747 oder 86 pCt. das 40. Lebensjahr noch nicht er 
reicht haben. Aelter als 50 Jahre sind 32 Arbeiter, und unter diesen einer mit 
63 Jahren. 
Alters-Verhältnisse. 
Tab. D 5. 
Maurer 
Mechan. Werkstätte. 
Fuhrwesen 
Hofarbeiter 
Schlosser und Heizer. 
Expedition, Lager u. 
Färberei 
Anilin-Fabrik 
Alizarin-Fabrik 
15 
7 
1 
18 
2 
15 
26 
17 
5 
21 
14 
12 
12 
51 
32 
11 
19 
5 
26 
11 
9 
HO 
74 
12 
16 
2 
9 
6 
6 
51 
37 
7 
6 
3 
8 
10 
4 
30 
27 
1 
5 
4 
1 
4 
16 
21 
1 
1 
3 
13 
1 
4 
10 
6 
101 147 265 139 95 52 38 21 9 2 
Was die Dauer der Beschäftigung auf der Fabrik anbelangt, so giebt hier 
über Tab. D 6. Aufschluss. 
Wie lange auf der Fabrik? Tab. T) 6a. 
1 
ï 
1 
CO 
1 
1 
CO 
. 
I 
-4" 
a 
1 
o 
h 
7 
r 
00 
i. 
1 
CO 
o 
T 
(Ti 
11 
13 
14 
15 
Maurer 
Mechanische Werkstätte 
Fuhrwesen 
Hofarbeiter 
Schlosser und Heizer 
Expedition, Färberei und Lager . 
Anilin-Fabrik 
Alizarin-Fabrik 
14 
8 
2 
23 
9 
9 
112 
37 
17 
29 
1 
30 
10 
11 
63 
49 
6 
9 
1 
5 
4 
7 
28 
•23 
3 
10 
8 
1 
7 
22 
23 
12 
5 
1 
6 
9 
2 
14 
29 
1 
4 
5 
6 
3 
6 
15 
23 
2 
2 
11 
4 
4 
11 
21 
4 
1 
3 
1 
2 
6 
12 
3 
1 
4 
7 
1 
8 
3 
1 
6 
3 
1 
2 
4 
4 
3 
1 
1 
1 
1 
214 
210 
83 
74 
78 
63 
55 
29 
15 
19 
10 
4 
3 
1 
2 
1
        <pb n="42" />
        40 
Tab. D 6b. 
Raum. 
Anili n-Fabrik. 
Wie lange auf der Fabrik? 
‘,1 |i|2|3|4|5|g|7|8|9 Iio|i i!i2|i3|'i4|i5 
Jahre. 
1 i 
beide 
4U 
28 
Raume erst 
( seit 1877 
3 3 
; im Betriebe. 
Nitrobenzol. 
21 Arbeiter 
Reduction. 
28 Arbeiter 
Fuchsin 
41 Arbeiter 
Blau. 
21 Arbeiter 
Violett. 
23 Arbeiter 
Grün 
18 Arbeiter 
Eosin. 
18 Arbeiter 
Orange. 
72 Arbeiter 
Naphtol 
59 Arbeiter 
120|63|28|22|14|14|11| 6| 
Von Jahr zu Jahr gerechnet sind demnach die meisten von den 862 Ar 
beitern, von welchen desfallsige Angaben vorliegen, weniger als 1 Jahr auf den 
Fabriken beschäftigt. Die Anzahl derselben beträgt 424 oder fast 50pCt. sämmt- 
licher Arbeiter. Der Grund hiervon liegt zum kleineren Theil in der Eingangs 
erwähnten Fluctuation der Arbeiter-Bevölkerung, zum grösseren Theil in der "seit 
circa einem Jahre stattgefundenen, wesentlichen Vergrösserung der Fabrik. Wäh 
rend die Anzahl sämmtlicher Arbeiter am ersten Januar 1878 nur 490 betrug, 
wuchs dieselbe bis zum 1. Januar 1879 auf 730 und betrug am 15. August 
1879, dem Tage, dessen Bestand allen diesen meinen Tabellen zu Grunde liegt, 
878. Nehmen wir für das Jahr 1878 einen mittleren Bestand von 610 Arbeitern 
an, so hat also in Jahresfrist die Zahl der Arbeiter um 268, also um 60 pCt. der 
vorher erwähnten 424, zugenommen. Rechnen wir diesen Zuwachs ab, so stellt 
sich bezüglich der Arbeiter-Bewegung im grossen Ganzen das Verhältniss so, dass 
von sämmtlichen Arbeitern auf der Fabrik beschäftigt waren ; 
0—1 Jahr 156 Arbeiter d. h. 26 p0t. 
1—2 
2— 3 
3— 4 
4— 5 
5— 6 
6 — 7 
7—15 
83 
74 
78 
63 
55 
29 
56 
14.5 - 
12,0 - 
13,0 - 
10.5 - 
10,0 - 
5,0 - 
10,0 -
        <pb n="43" />
        41 
Weil für die Beurtheilung der später folgenden Zusammenstellung der 
Kranken-Bewegung in den letzten 5 Jahren die Räume der Anilin-Fabrik am we 
sentlichsten sind und bei Beurtheilung der Gesundheitsverhältnisse der Arbeiter 
die Dauer von deren Aufenthalt in den einzelnen Räumen nicht ausser Betracht zu 
lassen ist, so habe ich für die Anilin-Fabrik eine getrennte Tabelle aufgestellt, und 
ergiebt diese, mit Weglassung der erst seit einem Jahre in Betrieb befindlichen 
Orange- und Naphtol-Räume, einen durchschnittlichen Aufenthalt der Arbeiter in 
den einzelnen Räumen wie folgt: 
1. In dem Blau -Raume von Jahren 5,5. 
2. - - Violett - - - - 4,0. 
3. - - Fuchsin - - - - 3,4. 
4. - - Nitrobenzol- - - - 3,0. 
5. - - Grün - - - - 2,7. 
6. - - Reductions- - 2,2. 
Was die socialen Verhältnisse der Arbeiter, im engeren Sinne des Wortes, 
anbelangt, so wäre neben den unten folgenden Lohnverhältnissen eine Statistik 
darüber sehr erwünscht gewesen, in wie weit die einzelnen Arbeiter ausser ihrem 
Lohn noch anderweitige Einnahmequellen haben. Es war jedoch nicht möglich, 
eine zuverlässige derartige Zusammenstellung zu Stande zu bringen und kann 
deshalb nur soviel bemerkt werden, dass eine nicht geringe Anzahl von Arbeitern 
durch eine kleine Oeconomie, durch Arbeitslöhne der Frau und erwachsener Kinder 
und auch durch eigene Nebengeschäfte auf ihren Fabriklohn nicht ausschliesslich 
angewiesen ist. Einen Beitrag nach dieser Richtung liefern die Wohnungsver 
hältnisse der einzelnen Arbeiter. Eine Angabe hierüber liegt von 864 Arbeitern 
vor und ist in Tab. D 7 enthalten. 
Tab. D 7. 
Wohnungsverhältnisse. 
0 Maurer 
2) Mech. Werkstätte 
3) Fuhrwesen 
4) Hofarbeiter 
5) Schlosser und Heizer ... 
6) Expedition, Lager und 
Färberei 
Anilinfabrik 
2¿,A|izarinfabrik 
Summa 
Nach dieser besitzen: 
159 Arbeiter d. h. 
408 
249 
48 
Anzahl. 
Eigene 
Wohnung. 
Miethe. 
53 12 
78 14 
15 8 
20 
33 
7 
2 haben 
99 
46 
21 
6 
48 
27 
Schlaf- Bei den 
stelle. Eltern. 
21 
31 
3 
freie Wohnung. 
23 6 
13 — 
54 
298 
223 
864 
6 
64 
33 
159 
31 
150 
92 
408 
4 
74 
81 
249 
13 
10 
17 
48 
ca. 18 pCt. eine eigene Wohnung. 
- 47 - wohnen zu Miethe. 
- 29 - haben nur eine Schlafstelle. 
6 - wohnen bei ihren Eltern.
        <pb n="44" />
        42 
Die Betheiligung der Arbeiter an Kranken-, ünterstützungs- und Sterbe- 
Kassen in ihren Wohnorten ist eine verhältnissmässig geringe, indem von 864 nur 
341, also nur 40 pCt. Mitglied einer solchen sind. Es ist dies um so auffallender, 
als in allen Orten hiesiger Gegend solche Kassen bestehen, welche bei einer ge 
ringen wöchentlichen Einlage einen verhältnissmässig hohen Satz an Unter 
stützungen bei Erkrankungen, einzelne auch bei eingetretener Invalidität und bei 
Sterbefällen zahlen. Im Anschluss an die Tabelle D 8, welche eine Vertheilung 
der Mitglieder von Krankenkassen auf die einzelnen Räume und Beschäftigungen 
enthält, füge ich aus den vor mir liegenden Statuten von 20 Ortschaften ein 
Schema bei, welches zeigt, wie die einzelnen Vereine ihren Zweck zu erreichen 
suchen. 
Ünterstützungs- 
Ge- 
No. 
Ort u. Name. 
stif 
tet. 
Zweck. 
Alter 
Ver- der 
mögen. Auf 
nahme. 
Eintrittsgeld. 
1. Höchst. 
Arbeiter- 
Verein. 
1872. 
Unter 
stützung 
erkrankter 
Arbeiter 
in 
Fabriken. 
M. 2000. 
Mit 
glieder 
140. 
17—50 
17—25 J.... M. 2.— 
25—30 J. ... M. 4.— 
30—35.1. ... M. 8.— 
35—40J.... M. 12.— 
40—45 J ... M. 24.— 
45—50 J.... M 48.— 
2. 
Nied. 
Männer- 
Kranken- 
Verein. 
1846. 
Unter 
stützung 
erkrankter 
Mit 
glieder. 
M. 3400. 
Mit 
glieder 
141. 
18—45 
18—25J. ... 
25—30 J.... 
30—35 J.... 
35—40 J.... 
40—45 J.... 
M. 5.15. 
M. 8.54. 
M. 17.14. 
M. 34.29. 
M. 68.57. 
3. 
Langen 
hain. 
Kranken- und 
Sterbe- 
Verein. 
1878. 
vid. No. 2. 
M. 1300. 
Mit 
glieder 
90. 
17—40 
17—20J M. 2.60. 
20—25 J. ... M. 3.45. 
25—30.1 M. 4 30. 
30—35 J M. 5.15. 
35—40 J. ... M. 6.—. 
Tab. D 8. 
Anzahl 
der 
Arbeiter. 
Anzahl 
. der 
Mitglieder 
einer Kra 
pCt.-Satz 
der 
Mitglieder 
akenkasse. 
Maurer 
53 
78 
15 
99 
46 
54 
298 
223 
23 
29 
7 
19 
21 
18 
127 
97 
43 
37 
47 
20 
45 
33 
42 
43 
Fuhrwft.sftn 
Hofarheitftr 
Schlosser lind Heizer 
Expedition Lager und Färberei 
Anilin - Fabrik 
Alizarin-Fabrik 
Summa 
864 
341 
40 
Kassen. Tab. D 9. 
Wö 
chent 
licher 
Bei 
trag. 
20 Pf. 
12 Pf. 
9 Pf. 
Beginn 
der 
Unter 
stütz 
ung. 
''4 Jahr 
nach 
Ein 
tritt. 
1 Jahr 
nach 
Ein 
tritt. 
ViJahr 
nach 
Ein 
tritt. 
Höhe der Unterstützung 
bei Erkrankungen. 
Wöchentlich M. 8.—. 
I.Qrtl.pr.WocheM.7. 
II. - - - - 5.50. 
III. - - - - 4.— 
IV. - - - - 2.50 
Jede weitere Woche 
M. 1.50. 
pr. Arbeitstag 86 Pf. 
durch */, Jahr. 
Inva 
lidi 
tät. 
M. 1.50 
pr. 
Woche. 
Vom 
Verein 
in jedem 
einzel 
nen Fall 
zu be 
stim 
men. 
Tod 
des 
Mannes. 
M.42.86 
Sarg 
und 
M.24.— 
Tod 
der 
Frau. 
Bemerkungen. 
Ausser dieser 
Kasse besteht 
in Höchst 
noch ein Män- 
ner-Kranken- 
Verein mit 
128 Mitglie 
dern und 
2000 M. Ver 
mögen. 
Krankheiten 
unter 4 Tagen 
werden nicht 
bezahlt. 
Die Mitglieder 
beiträge ruhen 
während der 
Dauer der 
Erkrankung.
        <pb n="45" />
        44 
Ge- 
No. 
Ort U. Name. 
stif 
tet. 
Zweck. 
Alter 
Ver- der 
mögen. Auf- 
Eintrittsgeld. 
nähme. 
4. 
Eschborn. 
Männer- 
Kranken- 
Kasse. 
1848 
rev. 
vid. No. 2. 
M. 1600. 
Mit- 
20-45 
20—22 
22—25 
25—30 
1858. 
glieder 
66. 
30—35 
35—40 
40—45 
j! '. '. ! 
j'.'.W 
J.... 
M. 1.70. 
M. 2.60. 
M. 3.40. 
M. 5.10. 
M. 6.80, 
M. 10.20. 
5. Hatters 
heim. 
Kranken- 
Verein. 
1862 
rev. 
1867. 
vid. No. 2. 
M. 2700. 
Mit 
glieder 
82. 
20-50 
20—25 
25-30 
30—35 
J. 
J. 
•T. 
35-40 J. 
40—45 .1. 
45—50 J. 
. M. 1.70. 
. M. 3.40. 
. M. 6.80. 
. M. 10.20. 
. M. 13.70. 
. M. 17.10. 
6. 
II reck en- 
hcim. 
Kranken- 
und Sterbe- 
Verein. 
1865. 
Gegen 
seitige Unter 
stützung 
in Krank- 
heits- und 
Sterbe- 
Fällen. 
M. 1400. 
Mit 
glieder 
82. 
17—50 
17—20 J.... M. 2 .50 
20-25 J. ... M. 3.40 
25—30.1 M.4 20 
30—35 .T M. 5.10 
35—40 J.... M. 6.— 
40—45 J. ... M. 6.80 
45—50 J M. 7.60 
7. Griesheim. 
Männer-Kran- 
ken-Unter- 
stützungs- 
Verein 
„Eintracht“. 
1870. 
Unter 
stützung er 
krankter 
Mitglieder 
und deren 
Hinterblie 
benen. 
M.1700. 
Mit 
glieder 
146. 
16-40 
16-30.1. . 
31—35 J.. 
36—40 J. . 
M. 1.70. 
M. 3.40. 
M.5.10. 
45 
Wö 
chent 
licher 
Beginn 
der 
Unter- 
Boi 
stütz- 
Höhe der Unterstützung 
bei Erkrankungen, 
Inva- 
lidi- 
Tod 
des 
Tod 
der 
Bemerkungen. 
trag. 
ung. 
tät 
11 Pf. 
1 Jahr 
nach 
Ein 
tritt. 
I.Qrtl. pr.Woche M 3.40. 
II. - - - - 2.60. 
HI. ... - 1,70. 
IV. - - - - 1.70. 
per 
Woche 
85 Pf. 
nach Be 
schluss 
der 
General- 
Ver 
samm 
lung. 
Mannes, 
Frau. 
M. 18.80. 
Die Mitglieder 
erhalten ihre 
Medicamente 
aus der Kasse 
bezahlt. 
Das 
1. Halb 
jahr 
17 Pf., 
später 
11 Pf. 
7,Jahr 
nach 
Ein 
tritt. 
I.Qrtl. pr. Woche M.5.70. 
II. - - - - 4.—. 
III. ... - 2.30. 
IV. - - - - 1.70. 
Bei theilweiser Arbeits 
fähigkeit: 
I.Qrtl, pr.Woche M.2.85. 
H. - - 2.30 
III. ... - 1.70. 
M.21.50. 
12 halb- 
pfün- 
dige u. 
1 pfün- 
dige 
Kerze. 
Die Unter 
stützung 
beginnt erst 
am 7tenKrank- 
heitstage. 
Die Mitglieder 
haben freie 
ärztliche Be 
handlung. 
8 Pf. 
und 
ausser 
dem bei 
jedem 
Sterbe 
fall 
34 Pf. 
*4 Jahr 
nach 
Ein 
tritt. 
Täglich 68 Pf. durch 
7t -liihr. 
Später muss General- 
Versammlung deren 
Fortsetzung speciell 
besohl lessen. 
M.17.14 
und so 
viel Mal 
74 Pf. 
als der 
Verein 
z.Z. Mit- 
M 17.14 
glieder 
hat. 
Die Beiträge 
(wöchent 
liche) ruhen 
wähn-nd der 
Krankheit 
17 Pf. 
und 
ausser 
dem 
werden 
die 
Sterbe- 
Renten 
auf die 
einzeU 
uen Mit 
glieder 
ausge- 
schla 
gen. 
1 Jahr 
nach 
Ein 
tritt. 
I. Qrtl. pr. Woche M.5.10. 
II. - - - - 4.20. 
III. - - - - 3.40. 
Für den Rest des 
Jahres pr. Woche 
M. 1.70. 
M.27.40. 
M.20.50. 
Nach Ablauf 
eines Jahre.s 
der Erkran 
kung hört der 
Betretende 
auf, Mitglied 
des Vereins 
zu sein. 
Die Unter 
stützung 
beginnt erst 
nach dem 
6ten Krank 
heitstage.
        <pb n="46" />
        Ein grosser Unterschied besteht zwischen diesen Vereinen nicht. Interessant 
sind jedoch einige Gegensätze. So unterstützt der Griesheimer Verein seine Mitglieder 
nur durch 1 Jahr. Dauert eine Krankheit länger, so wird der Betreffende als aus 
dem Verein ausgetreten betrachtet und verliert seine Anrechte an denselben. Dem 
gegenüber stehen andere Vereine, welche ihre Mitglieder bei eingetretener Inva 
lidität durch das ganze Leben unterstützen. So wird z. B. nach den Nieder Sta 
tuten jedes Mitglied, welches länger als 1 Jahr krank ist, als invalide betrachtet 
und erhält eine wöchentliche Unterstützung von 1 M. 50 Pf. Aehnliche Bestim 
mungen finden sich bei den meisten Vereinen. Neben diesen Unterstützungen bei 
Erkrankungen und Invalidität zahlen die meisten Vereine bei dem Tode des Mit 
gliedes und einzelne Vereine auch bei dem Tode der Frau eines Mitgliedes neben 
oder ohne die Kosten der Beerdigung einen einmaligen Betrag von zwischen 10 und 
30 M. und entnehmen denselben entweder ihrer Kasse, oder die Mitglieder müssen 
für jeden einzelnen Sterbefall einen Extra-Beitrag liefern. Nur 2 Vereine gehen 
in ihrer Fürsorge für ihre Mitglieder weiter, indem einer derselben (Eschborn) 
den Erkrankten die Medicamente, der andere (Hattersheim) den Arzt aus der 
Vereinskasse bezahlt. 
Im Allgemeinen haben sich diese Unterstützungs- und Sterbekassen in hie 
siger Gegend lebensfähig gezeigt; die Betheiligung ist meistens eine gute und die 
Verwaltung eine geregelte; es steht indessen zu befürchten, dass bei dem längeren 
Bestände derselben, d. h. bei dem vorrückenden Alter der Mitglieder die An 
sprüche an die Kasse grösser als in den ersten Jahren werden, und es lässt sich 
deshalb noch nicht absehen, ob diese mit den verhältnissmässiggeringen wöchent 
lichen Einlagen auf die Dauer zu halten sind. 
Zu bedauern ist, dass die Arbeiter so wenig Gebrauch von den jetzt so zahl 
reichen und verhältnissmässig billigen Lebensversicherungen machen. Zumal 
auf einer Fabrik, auf welcher die Arbeiter gar keinen Beitrag zu der Kranken-Un- 
terstützungskasse zahlen, und die Löhne verhältnissmässig hoch sind, hätte man ein 
grösseres Interesse für diese segensreichen Einrichtungen erwarten sollen. Eine 
wöchentliche Einlage von 50 Pf. eines 25jährigen Arbeiters entspricht bei dem 
Tode desselben einem Capital von 1500 M., und es sollte doch wahrlich dem 
grösseren Theil der in Rede stehenden Arbeiter nicht schwer werden, von ihrem 
Lohne per Woche 50 Pf. zu erübrigen. 
So viel festzustellen möglich war, sind jedoch von sämmtlichen Arbeitern 
nur 5 in einer Lebens-Versicherung. 
Die Aufnahme der Arbeiter geschieht derart, dass die Arbeitsuchenden 
sich auf dem Fabrik-Comptoir melden und von da, sobald eine Stelle frei ist, Nach 
richt erhalten. Gewöhnlich ist eine grosse Anzahl Arbeitsuchender daselbst vor 
gemerkt. Zur Aufnahme ist in erster Linie nothwendig, dass der Arbeitsuchende 
nicht unter 16 Jahren und —- für gewöhnlich — nicht über 30 Jahre (in Aus 
nahmefällen bis zu 35 Jahren) alt ist; in zweiter Linie muss derselbe sich einer 
ärztlichen Untersuchung unterziehen, ob durch die Fabrikation kein Nachtheil für 
seine Gesundheit zu befürchten ist. Ehe diese Frage erledigt ist, wird kein Ar 
beiter in einen Fabrikraum aufgenommen. Solche Untersuchungen von Arbeit 
suchenden geschehen wöchentlich 2 — 3 mal; werden Arbeiter in den Zwischen-
        <pb n="47" />
        47 
Tagen angenommen, so werden dieselben bis nach stattgehabter Untersuchung 
in dem Hofe beschäftigt. 
Ueber die Untersuchung wird ein Buch geführt nach Formular D 10. 
Arbeiterliste. 
Tab. D 10. 
No. 
Namen 
und 
lleimath. 
Tagd.Unter- 
suchung. 
Alter. 1 
Gewerbe. 
Familie. | 
Erkran 
kungen. 
Militär 
pflicht. 
Grösse. | 
-4-» 
1 
Bru 
Umf, 
1 
st 
ing. 
1 
Innere Or 
gane. 
Aeussere 
Organe. 
Bemer 
kungen. 
Die ersten 5 Colonnen werden von dem Aufseher, die anderen vom Arzte 
ausgefüllt. Dass bei diesen Untersuchungen auf kleine körperliche Gebrechen 
weniger Werth, als auf intacte Brustorgane gelegt wird, ist selbstverständlich. 
Von der Aufnahme ausgeschlossen sind alle, bei welchen Verdachtsgründe oder 
Zeichen der Trunksucht vorliegen; leidet der Arbeitsuchende an Erkrankungen 
der Augen, der Lider oder der Haut, so gebieten die in den einzelnen Fabrik- 
Bäumen nicht zu vermeidenden Ausdünstungen, denselben nicht anzunehmen. 
Eine Unterscheidung zwischen Fähigkeit zu Hofarbeiten oder Beschäftigung in 
den Räumen kann nicht gemacht werden, indem es täglich verkommen kann, dass 
die Fabrikräume sich aus den Hofarbeitern recrutiren, und letztere deshalb hin 
reichende Gesundheitsverhältnisse besitzen müssen. Im Uebrigen finden die Un 
tersuchungen nach den Prinzipien statt, nach welchen man im gewöhnlichen 
Leben Atteste zur Aufnahme in eine Krankenkasse ausstellt. Ergiebt die erste 
Untersuchung kein bestimmtes Resultat, so wird der Untersuchte 3 Wochen auf 
der Fabrik beschäftigt und dann zum zweiten Male untersucht. Ebendasselbe ge 
schieht, wenn ein Arbeitsuchender mit irgend einem leichten Ausschlage oder 
Sons), einer leichten Erkrankung, deren vollständige Heilung in kurzer Zeit zu er 
warten ist, behaftet ist. Unrichtige Angaben über hereditäre Verhältnisse,Militär- 
pflichl, frühere Erkrankungen etc. haben die Entlassung zur Folge. Als Ueber- 
sicht dieser Untersuchungen dient Tab. Dil, welche die Aufnahme des Jahres 
1878 darstellt. 
Tab. D 11. 
der im Jahre 1878 neu eingetretenen Arbeiter bezüglich deren Gesundheits- 
Verhältnisse. 
Zahl der 
einge 
trete 
nen Ar 
beiter. 
Taug 
lich. 
Un 
taug 
lich. 
Zwei 
felhaft. 
Bei d 
Unters 
taug 
lich. 
er II. 
Lichung 
un 
taug 
lich. 
Im G 
taug 
lich. 
anzen 
un 
taug 
lich. 
Alizarinfabrik ... 
Anilin fabrik . 
Mech. Werkstätte 
141 
26U 
52 
118 
233 
48 
6 
8 
17 
28 
4 
11 
18 
2 
6 
10 
2 
129 
251 
50 
12 
18 
2 
462 
399 
14 
49 
31 
18 
430 
32
        <pb n="48" />
        4 
48 
Sämmtliche Arbeiter sind bei der Magdeburger allgemeinen Versicherungs- 
Actien-Gesellschaft gegen alle Verletzungen versichert und zwar in 3 Gruppen: 
1. Gruppe für Arbeiter mit einem Wochen lohn bis zu M. 12. mit M. 3000 
pro Kopf. 
2. Gruppe für Arbeiter mit einem Wochenlohn zwischen 12 und 18 M. mit 
M. 4500 pro Kopf. 
3. Gruppe für Arbeiter mit einem Wochenlohn über 18 M. mit M. 6750 pro Kopf. 
Ausser den Arbeitern sind von Seiten der Fabrik auch sämmtliche Aufseher 
und Beamten mit entsprechend höheren Summen versichert. 
An Prämien wurden hierfür im Jahre 1879 von der Fabrik bezahlt M. 11179, 
während die Versicherungsgesellschaft an Verpflegungskosten nur ca. M. 5000 zu 
vergüten hatte. 
Gehen wir nunmehr nach diesen mehr allgemeinen Betrachtungen zu unsern 
speciellen Fragen über, so kommen wir zuerst zu der 
II. Fürsorge für den gesunden Arbeiter. 
Hier hätten wir, — da über die Einrichtungen der Fabrik-Räume, 
deren Ventilation etc. bereits das Nöthige gesagt ist, — die Arbeits 
zeit und den Arbeitslohn, die Arbeiter-Wohnungen, die Menage und 
die Bäder in Betracht zu ziehen. 
1) Die Arbeitszeit. 
Was die Arbeitszeit betrifft, so beginnt dieselbe stets Morgens um 6 Uhr 
und endet Nachmittags um 5 Uhr. Pausen sind zum Frühstücke eine halbe Stunde, 
Lohn-Ver- 
Unter 
2 M. 
2.00. 
2.10. 
2.20. 
2.30. 
2.40. 
2.50. 
2.60. 
2.70. 
2.80. 
2.90. 
3. 
3.10. 
Maurer 
Mechan. Werk 
stätte 
Fuhrwesen... 
llofarbeiter .. 
Schlosser und 
Heizer 
Expedition, 
Färberei und 
Lager 
Anilinfabrik . 
Alizarinfabrik 
9 
2 
1 
9 
1 
9 
3 
1 
2 
7 
4 
1 
3 
1 
4 
8 
1 
7 
23 
2 
2 
14 
3 
3 
1 
2 
G 
1 
8 
149 
7 
2 
26 
2 
9 
46 
49 
6 
4 
4 
25 
13 
1 
5 
8 
4 
19 
38 
5 
4 
2 
5 
14 
49 
2 
1 
5 
1 
4 
5 
13 
14 
14 
6 
9 
3 
8 
12 
4 
3 
1 
7 
1 
31 
t 
5 
43 1 31 
174 
134 
52 
75 
79 
31 
66 
16 
49 
und zwar für die eine Hälfte der Arbeiter von 8 — und für die andere von 
^29—9 Uhr, und Nachmittags eine ganze Stunde von 12 — 1 resp. 1—2 Uhr 
zum Mittagessen. Es wird somit im Ganzen 9* j Stunden gearbeitet. Eine Pause 
für den Nachmittagskaffee gibt es nicht ; dafür wird bereits um 5 Uhr geschlossen. 
Wo Tag und Nacht gearbeitet werden muss, geht die Arbeitsschichte von 6—6 
Uhr, und wird die Ueberstunde mit lOpCt. Lohn-Zuschlag vergütet. Ausserdem 
geniesst die Nachtschichte einen weiteren Zuschlag von 10 pCt. des Lohnes. Ac- 
cord-Arbeit ist sehr selten , weil die Eigenthümlichkeit der Fabrikationen nur in 
Ausnahmefallen eine solche gestattet. 
Die Arbeitszeit ist demnach den meisten andern Fabriken gegenüber eine 
kurze. Die Herren Meister. Lucius &amp; Brüning gingen hierbei von der Ansicht 
fius, dass eine solche etwas verkürzte Arbeitszeit die Leistungsfähigkeit der Ar 
beiter erhöhe, und dass somit an Arbeitskraft gewonnen werde, was an Arbeitszeit 
verloren gehe. Ausserdem gebietet auch die bei vielen Arbeitern nicht unbe 
trächtliche Entfernung ihres Wohnortes von der Fabrik eine auf das Möglichste 
beschränkte Arbeitszeit. Ausser an Sonntagen ruht die Arbeit an: Neujahr. 
Charfreitag, Ostern, Himmelfahrtstag, Pfingsten, Frohnleichnamstag, Weihnach 
ten. sowie an dem Sedanstag. An Wahltagen erhalten die Arbeiter auf ihr Ver 
langen den für Ausübung ihres Wahlrechtes nöthigen Urlaub. 
2) Die Arbeitslöhne. 
Der Arbeitslohn variirt pro Tag zwischen 1 M. und 5 M. 20 Pf. Eine ge 
naue Löhnung von 876 Arbeitern enthält Tab. D. 12. An dem Sedanstage er 
halten die Arbeiter ihren vollen Lohn; bei den Reichstagswahlen dürfen dieselben 
die Fabrik eine Stunde früher verlassen, ohne dass der Lohn dadurch verkürzt 
wird. Bei den Landtags- und Gemeinde wählen hängt die Beurlaubung, 
Welche speciell nachgesucht werden muss, von dem Stande der Arbeit ab. 
• • Tab. I) Î2. 
1‘ältn isse. 
3.20. 
3.30.3,40. 
! 
3..50. 
3.60. 
3.70. 
3,80. 
4.90. 
4. 
4.10.4.20. 
4,30. 
4 40. 
4.50. 
5. 
5 20. 
lu 
11 
2 
2 
9 
1 
6 
1 
42 
1 
1 
2 
1 
11 
2 
18 
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1 
2 
1 
3 
2 
4 
2 
3 
2 
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Ill 1 III 1 
1 
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— I 3 
1- 
1
        <pb n="49" />
        50 
Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass nur 31 Arbeiter einen Lohn unter 
2 M. erhalten. Es sind dies jugendliche Arbeiter zwischen 16 und 20 Jahren, 
welche meistens bei den Maurern, im Hofe, in der Expedition u. s. w. mit leich 
teren vVrbeiten beschäftigt sind. Weitaus die meisten Arbeiter und zwar 743, 
also 85 j»Ct. von obigen 876 Arbeitern, erhalten einen Lohn von 2 M. 20 Pf. bis 
3 M. 20 Pf. Berechnet man den Durchschnitt der Löhne nach den einzelnen Be 
schäftigungen, so erhält 
1. ein Arbeiter in der mechanischen Werksstätte täglich M. 3. 20 Pf. 
2. ein Schlosser oder Heizer in den Fabrikräumen „ „ 3. 15 „ 
3. ein Arbeiter bei den Maurern „ 3. — „ 
4. „ „ bei dem Fuhrwesen „ 3. — „ 
5. r r&gt; der Alizarinfabrik „ 2. 60 „ 
6. „ r der Anilinfabrik „ 2. 50 „ 
7. „ r in der Färberei, Expedition u. s. w. „ 2. 50 „ 
8. „ „ in dem Hofe « 2.50, 
ISach diesen Zahlen könnte es scheinen, als seien die Arbeiter auf der Ali- 
zarin-Fabrik besser bezahlt, als auf der Anilinfabrik. In Wirklichkeit ist dem 
nicht so, indem die LohndilTerenz zur Zeit ihren Grund ansschliessllich in dem 
Umstande hat, dass in dem letzten Jahre auf der Anilinfabrik verhältnissmässig 
mehr Arbeiter aufgenommen wurden, wie auf der Alizarinfabrik: auf letzterer so 
mit mehr ältere Arbeiter mit höherem Lohne waren, während die vielen frisch 
eingetretenen Arbeiter auf der Anilinfabrik einen niederen Lohn beziehen und 
dadurch den Durchschnittslohn etwas herabsetzen. Im grossen Ganzen sind die 
Löhne für die entsprechende Altersklasse in beiden Fabriken vollkommen gleich. 
Zu diesem Lohne treten nun noch monatliche und Jahres-Prämien hinzu, welche 
sich bei tüchtigen, zuverlässigen Leuten bis zu M. 100 und darüljer per Jahr 
erhöhen können. Solcher Prämien wurden im Jahre 1879 im Gesammtbetnig von 
13600 M. ertheilt, und zwar erhielten: 
5 Arbeiter Gralificationen von M. 100 und darüber. 
69 r ^ „ 50—100 
81 n »• Í? « 25—50 
825 „ „ „ w 2—25 
Rechnet man solche Prämien in die Lohnverhältnisse mit ein, so stellt sich 
im Durchschnitt das directe jährliche Einkommen eines tüchtigen Arbeiters, wel 
cher einige Jahre auf der Fabrik beschäftigt ist, auf ca. 1000 Mk., eine Bezah 
lung, wie dieselbe im Verhältniss zu der Kürze der Arbeitszeit und der Unge- 
lahrlichkeit der Beschäftigung in wenigen Fabriken den Arbeitern geboten wird. 
Nimmt man hinzu, dass denselben keine Beiträge für die Krankenkasse abge 
zogen und für das Mittagsessen nur pro Tag 20 Pf. angerechnet werden, so muss 
obige Summe den Verhältnissen hiesiger Gegend entsprechend als vollständig 
ausreichend für die Ernährung einer Familie bezeichnet werden. 
3) Die Woliiuiiigsverhiiltnisse der Arbeiter. 
Was die Wohnungsvcrhältuisse der Arbeiter betrifft, so giebt liicrüber die 
schon früher erwähnj^e Tabelle D 7. Aufschluss. 
Nach ihr besitzen 159 Arbeiter eigne Wohnungen, 408 wohnen in Miethe,
        <pb n="50" />
        4* 
51 
249 haben bios eine Schlafstelle und 48 wohnen bei ihren Eltern. Die Fabrik 
selbst besitzt 50 Wohnungen und 51 Schlafstellen, letztere in 8 getrennten 
Zimmern. Von den ersteren befinden sich 10 iin directen Anschluss an die Fa 
brik; die anderen stehen auf einem abgerundeten Terrain nördlich und etwa 
5 Minuten von der Fabrik entfernt an dem Wege von Höchst nach Zeilsheim, auf 
dem sogenannten See-Acker. Die Anlage D 13. gibt einen Situationsplan dieser 
Wohnungen, während die Anlagen D 14. und D 15. Pläne der Bauart der 
Wohnungen darstellen. Die Wohnungen unter sich sind in so fern verschieden, 
als ausser den entsprechenden Nebenräumen eine Parterre-Wohnung (D 14) zwei 
Zimmer und 1 Küche, eine Wohnung (D 14) über eine Stiege 2 Zimmer, 2 Dach 
kammern und 1 Küche und jede Wohnung (D 15) zwei Zimmer. 3 Dachkammern 
and 1 Küche enthält. Bei diesen Wohnungen war man bestrebt, eine möglichste 
Trennung der Familien durchzuführen, derart, dass jede Familie ihren eigenen 
Eingang und vollständig abgeschlossene Wohn-, Keller- und Speichorräume hat. 
Am bessten hat sich in dieser Richtung das sogenannte Mühlhausener System des 
einstöckigen mit ausgebautem Kniestock versehenen Hauses (D 15), welches sich 
la 4 vollständige Wohnungen theilt, bewährt. Sämmtliche Häuser liegen in 
einem Garten von 250 qm Fläche, derart, dass zu jeder Wohnung ein kleines 
Gärtchen gehört. In diesem steht, zu jeder Wohnung gehörend, eine kleine Stal 
lung. Die Aborte befinden sich bei D 15 neben dem Stalle im Garten, bei 
II 14 sind dieselben an die Häuser angebaut; bei allen befinden sich die cemen- 
tirten Gruben im Freien. Die wöchentliche Mietho dieser Wohnungen ist ver 
schieden. Dieselbe beträgt für eine Wohnung in D 1 5 per Woche 3 Mk., für 
eine solche in D 14 in dem unteren Stock 2, in dem oberen Stock Mk. 2.50, 
also im Durchschnitt pro Jahr incl. Stallung und Garten ca. Mk. 150. 
Ein .Mieth-Vertrag über eine solche Wohnung zwischen der Fabrik und den 
Arbeitern liegt als Anlage D 16. bei. 
M ieths-V ertrag. 
D. 1 fi. 
Zwischen der Handelsgesellschaft Meister Lucius und Brüning einer 
seits und anderseits ist am heutigen Tage folgender Miethsvertrag ab- 
fiieschlossen worden : 
§• 1. Die genannte Handelsgesellschaft vermiethet vom 18.. 
^^an die Wohnung No. . . . bestehend aus 
sowie den zu diesem Hause gehörigen Garten für die vereinbarte Summe von 
* Mark per Jahr oder per Woche gegen eine beiden Theilen 
joder Zeit freistehende 14 tägige Kündigung. 
§. 2. Der wöchentliche Miclhbetrag wird am Ende jeder Woche bei der 
Ablöhnung in Abzug gebracht. 
§• 3. Mietber bekennt, die Wohnung in gutem, baulichem Zustande erhal- 
lon zu haben, versjtricht dieselbe reinlich zu halten und kommt für alle Beschä 
digungen auf, ausser für den gewöhnlichen Verschleiss. 
§• 4. Der Miether hat kleine Reparaturen, z. B. das nöthige Ausweisen 
wod Tapezieren, Versetzen und Putzen derOefen, die Wiederherstellung verdor- 
oner Schlösser und Beschläge, zerbrochener Fensterscheiben und dergl. auf seine,
        <pb n="51" />
        52 
(les Miethers. Kosten vornehmen zu lassen. Für die Reinigung der Schornsteine 
und Abtrittgruben hat der Miether aufzukommen. 
§. 5. Die Handelsgesellschaft bezeichnet einen Beamten, welchem die Auf 
sicht über die Reinlichkeit und den baulichen Zustand der Wohnung zusteht. 
Derselbe hat jeder Zeit freien Zutritt zu allen Räumen und kann unterlassene 
Reparaturen auf Kosten des Miethers anordnen, welche Kosten bei der Auslöh 
nung in Abzug gebracht werden. Sämmtliche Bewohner haben diesem Beamten 
mit Achtung zu begegnen und sich seinen Anordnungen zu fügen. 
§. 6. Als Sicherheit für die §§. 4. und 5. entsprechende Erhaltung der 
Wohnung werden dem Miether Jede Woche 50 Pfennige eingehalten, bis dieser 
Einhalt 15 Mark beträgt, und wird dieser Betrag erst nach Lösung der Miethe und 
vorschriftsmässiger Rückgabe von Wohnung und Garten zurückbezahlt. 
§. 7. Kündigung der Arbeit durch den Miether oder Vermiether schliesst 
jeder Zeit Kündigung der Wohnung ein. 
§. 8. Für den etwa in Aussicht stehenden Ertrag des Gartens kann im 
Falle der Kündigung der Wohnung keine Entschädigung verlangt werden und 
verzichtet der Miether ausdrücklich auf Geltendmachung einer solchen. 
§. 9. Der Miether darf die Wohnung nur für sich und seine engere Familie 
benutzen und kann dieselbe ohne Genehmigung der Vermietherin weder ganz 
noch theilweise, weder unentgeltlich noch gegen Miethe an Andere überlassen. 
§. 10. Die Aufnahme von Aftermiethern, die stets Arbeiter der Vermiethe 
rin sein sollen, bedarf für jede aufzunehmende Persönlichkeit die ausdrückliche 
Genehmigung der Handelsgesellschaft, welche durch den zur Aufsicht bestellten 
Beamten nachgesucht wird und jeder Zeit widerrufen werden kann. 
Die Zahl der Arbeiterwohnungen soll mit der Zeit noch vermehrt werden, 
daneben soll jedoch, wie später des Näheren besprochen werden wird, das zur 
Pension von erwerbsunfähigen Arbeitern stipulirte Capital einen Theil seiner An 
lage darin linden, dass aus demselben den Arbeitern zum Bau einer Wohnung, 
sei es in Höchst oder ausserhalb, Geld zu massigem Zinsfusse gegeben und hier 
durch denselben die Gründung eines eigenen Herdes ermöglicht werde. 
im Anschluss an diese Arbeiterwohnungen füge ich D 17. den Plan einer 
Beamtenwohnung hei: ein Doppelhaus mit verticaler Theilung, so dass vom Keller 
bis zum Speicher nur eine Familie verkehrt. Eine solche Wohnung enthält im 
Kellergeschoss ausser den Kellerräumen eine Waschküche, im unteren Stocke 8 
Zimmer und eine Küche und im oberen Stock 4 Zimmer. 
4) Die Dado-Kinrichtuiigeii. 
Einen sehr wesentlichen Punkt in der Fürsorge für die Gesundheit der Ar 
beiter bildet deren Hautpflege. Hierzu reichen, besonders auf einer Farb-Fabrik 
einfache Waschungen nicht aus, und es wurde deshalb gleich mit der Verlegung 
der Fabrik auf ihr jetziges Terrain ein grosses Badehaus mit 1 8 Badezollen er 
baut. 1 1 dieser Zellen enthalten je 4 verbleite, zwei je 1 emaillirte gusseiserne 
Wanne; in allen können kalte und warme Bäder genoniinon werden. Um den 
Arbeitern die Benutzung derselben möglichst leicht zu machen, wurde die sehr 
bewälirte Bestimmung getro(Ten, dass die auf das Baden verwendete Zeit 
als Arbeitszeit angerechnet wird. Die Badenden dürfen nämlich ',4
        <pb n="52" />
        53 
Stunde früher Feierabend machen und da jeder Arbeiter ausserdem 10 Minuten 
seiner Arbeitszeit zur Reinigung und zum Umkleiden hat, so erhält auf diese 
Weise der Arbeiter 25 Minuten zu seinem Bade. Die einzelnen Badezellen sind 
vertheilt auf die einzelnen Räume, so dass die Arbeiter aus gleichen Bäumen 
auch dieselben Baderäume benutzen. Den Plan des Badehauses enthält Tab. 
D 18., zu welchem noch zu bemerken ist, dass in den letzten Wochen auf dem 
selben, mit Aufgang von dem Hofe aus, ein Speisesaal für 400 Arbeiter er 
baut wurde. 
Was die Benutzung der Bäder in dem Badehause anbelangt, so werden im 
Durchschnitt täglich im Sommer 50, im Winter 30 warme Bäder genommen. 
Ausser diesen Bädern befinden sich in dem Fuchsin-, dem Violett- und dem 
Orün-Raume noch weitere, in speciell diesem Zweck dienenden, von der Fa 
brikation getrennten Räumen, 54 in Holz ausgeführte und verbleite Badewannen, 
welche täglich von sämmtlichen Arbeitern benutzt werden. 
Als Beförderungsmittel der Reinlichkeit erhalten ausserdem diejenigen Ar 
beiter, welche in der Farbenbranche beschäftigt sind, wöchentlich einen reinen 
Anzug, bestehend aus Jacke und Hose, sowie ferner 2 Handtücher und 0,5 kg 
Seife. Die nicht mit Farben in Berührung kommenden Arbeiter erhalten ein 
Handtuch und 0 25 kg Seife per Woche. 
Õ) Die Menage. 
Von nicht geringerer Bedeutung, wie die Pflege der Haut, ist die Fürsorge 
für eine zweckentsprechende gute Ernährung des Körpers. Für diese dienen 2 
in ihrer Verwaltung vollständig getrennte Menagen; die eine für die Alizarinfa- 
brik, die mechanische Werkstätte und das Fuhi-wesen . die andere für die .\nilin- 
fabrik. Im Ganzen werden dieselben zur Zeit von ca. 730 Arbeitern benutzt 
und ergaben die wiederholt vorgenommonen Untersuchungen der Suppe und des 
^^alTee, dass die Bereitung, was Nährkraft und Schmackhaftigkeit anbelangt, nichts 
wünschen übrig lässt. 
Die Menage-Ordnung ist in Anlage D 19. enthalten. 
1) 19. 
Menage-Ordnung. 
§• 1. Die Unterzeichneten errichten in ihren Fabriken gemeinschaftliche 
Küchen, damit den Arbeitern eine kräftige und billige Nahrung geboten ist. 
§. 2. Die Verwaltung dieser Küchen geschieht durch die Arbeiter selbst. 
§. 6. Die Arbeiter wählen zu diesem Zwecke alljährlich einen Ausschuss 
6 Mitgliedern durch absolute Majorität. 
§. 4. In diesem Ausschuss sind die Unterzeichneten durch eines ihrer Mit- 
glieder oder einen Bevollmächtigten vertreten. 
§. 5. Jeden Monat wählt der Ausschuss aus seiner Mitte einen Obmann, 
üeni die Leitung und Ueberwachung der Küche übertragen ist. 
§• 6. Der Ausschuss ernennt die Person, welche die Küche besorgt und 
stellt deren Lohn fest. Er beschliesst über die Bezugsquellen von Fleisch und 
loderen Bedürfnissen der Menage. 
§• 7. Die Einlage eines jeden Arbeiters beträgt zwanzig Pfennige pro Tag. 
§• 8. Die Unterzeichneten zahlen für jeden beiheiligten Arbeiter zehn
        <pb n="53" />
        54 
Pfennige jtro Tag und den Lohn für den angeslellten Koch oder Köchin. Sie 
stellen die nöthigen Räume nebst Inventar und tragen die Heizungskosten. 
§. 9. Die Ausgaben und Einnahmen der Menage werden in einer beson 
deren Kasse mit Einsichtnahme des Ausschusses verrechnet. 
§. 10. Die Theilnehmer haben den Anordnungen des Obmanns, die Menage 
verhältnisse betreffend, Folge zu leisten. 
Höchst a. M., 1. Januar 1878. 
Meister, Lucius &amp; Brüning. 
Aus derselben ist ersichtlich, dass die Fabrik das Local, das Inventar und 
die Heizung stellt, den Lohn des Koches bezahlt und für jeden betheiligten Ar 
beiter 10 Pf. täglich an Geld zuschiesst, im Uebrigen jedoch die Verwaltung 
vollständig den Arbeitern überlässt. Diese wählen aus ihrer Mitte jährlich einen 
Ausschuss und dieser aus sich auf die Dauer eines Monates einen Obmann. Der 
Ausschuss bestimmt d'e Bezugsquellen, aus welchen das Fleisch und die sonstigen 
Bedürfnisse der Küche bezogen werden sollen, stellt den Koch an und normirt 
dessen Gehalt; der Obmann leitet und überwacht die Küche. An Zahlung hat 
jeder Arbeiter pro Tag 20 Pf. in die Menage zu zahlen und erhält dafür 2 mal 
täglich ', 2 Biter Kaffee und 1 mal Mittags 1 Liter Suppe. Brod und event. Milch 
bringen die Arbeiter sich mit. 
Was den Mechanismus der Verwaltung an belangt, so werden Kartoffeln, 
Bohnen, Linsen etc. im Grossen bezogen und in einem Magazin aufbewahrt. Der 
Schlüssel zu diesem Magazin ist in Händen des Ober-Aufsehers der betreffenden 
Fabrik. Jeden Vormittag wird derselbe von dem Obmann der Menagen abgeholt, 
und Obmann und Koch holen gemeinschaftlich aus dem Magazin die für den Tag 
nöthigen Nahrungsmittel. Hierauf wird das Magazin wieder verschlossen und der 
Schlüssel an den Aufseher der Fabrik zurückgegeben. Auf diese einfache Weise 
besteht eine Controle zwischen Küche und Magazin, die sich vollständig bewährt 
und früher vorgekommene Unzuträglichkeiten beseitigt hat. 
Das Fleisch wird täglich von dem betreffenden Metzger in Gegenwart des 
Obmanns und des Koches abgeliefert und gewogen. Nach den getroffenen Ver 
einbarungen muss sämmtliches Fleisch ausgobeint sein; auf 100 kg Fleisch 
dürfen jedoch nicht mehr als 12 kg Knochen geliefert werden. Der Gehalt an 
Fett wechselt und hängt von dem Geschmack der Arbeiter ab; im Allgemeinen 
lieben dieselben kein fettreiches Fleisch, so dass auf 100 kg Fleisch nur 10 
bis 20 kg Fett gewünscht werden. 
Die Beiträge der Arbeiter für die Menage werden diesen an ihrem Lohne 
abgehalten; diese Beträge in Verbindung milden von der Fabrik zu leistenden Zu 
schüssen von 10 Pf. pro Tag und Kopf werden in einer für beide Menagen ge 
trennten Kasse verwaltet. Die Menagen haben mehrere um die Fabrik gelegene 
und dieser gehörende Aecker in Benutzung, für welche dieselben ausser der Be 
stellung mit Kartoffeln etc. keine Ausgaben haben. 
Auf diese Weise, hauptsächlich aber durch die vermehrte Frequenz, ist es 
in der letzten Zeit dahin gekommen, dass die Menagen, entgegen dem früheren 
jährlichen Deficit, jetzt finanziell so gut stehen, dass die eine Kasse am 1.October 
1879 einen Baarbostand von 1345, die andere von 1859 Mark hatte. Diese
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        55 
Summen werden verwendet, um günstige Conjuncturen für Einkäufe von Kar 
toffeln, Hülsenfrüchte u. s. w. zu benutzen. 
Die Zubereitung der Speisen geschieht in grossen Kesseln mit Dampfheizung. 
Das Küchenpersonal besteht je aus einem Koch resp. einer Köchin, zwei Küchen 
jungen zum Schälen der Kartoffeln etc. und 1 Küchendiener zum Reinigen des 
Locals und der Geschirre. Die Vertheilung und das Ausschneiden des Fleisches 
geschieht durch den Obmann. 
Als Nahrungsmittel dienen neben dem Kaffee : Ochsen fleisch, Hülsenfrüchte, 
Deis, Kartoffeln und Mehl. 
Das Quantum Fleisch ist in beiden Menagen fast gleich, indem dasselbe auf 
der Alizarinfabrik 172, auf der Anilinfabrik 164 g pro Tag und Kopf beträgt. 
Der Kartoffel-Verbrauch ist auf der Alizarinfabrik grösser als auf der Anilin 
fabrik; dagegen wird auf der Alizarinfabrik gar kein Mehl bei der Zubereitung 
^6r Speisen verwende!, während die Anilinfabrik täglich je nach den Speisen J 
4 kg verbraucht. Auch ist der Verbrauch von Hülsenfrüchten auf der 
Anilinfabrik grösser, als auf der Alizarinfabrik. 
Zu allen Suppen kommt, neben Gewürzen, reichlich Grünes in Form von 
Sellerieblättern, Weisskraut u. s. w. 
Geliefert wird dasselbe von dem Koch, welcher als Entgeld hierfür die 
Düchen-Abfälle erhält. Letztere werden pro Jahr und Menage auf circa 50 M. an 
^Verth geschätzt. ' 
Reis resp. (îerste wird nur ahf der Anilinfabrik und auch hier nur 1 Mal 
in der Woche gelacht. Gewöhnlioh wird zwischen Kartoffel-, Linsen-, Bohnen- 
ond Erbsen-Suppe abgewechselt. 
An Kaffee verbraucht die Alizarinfabrik mehr als die Anilinfabrik. Bei den 
oun folgenden Zahlen ist gebrannter Kaffee zu verstehen, welcher sich aus rohem 
so berechnet, däs6“36 kg Roh-Kaffee circa 30 kg gebrannten geben. 
Verbrauch in den Menagen 
pr. Tag auf 100 Arbeiter in Kilogramm. 
Speisen. 
Alizarin. 
Anilin. 
kg 
kg 
Kaffee. 
hartó fl'el-Suppc. 
Hülsenfrüchte - Suppe. 
i 
Reis-Suppe. 
I 
I 
I 
I 
Kaffee 
Cichorien 
Fleisch, 
Kartoffeln 
Mehl 
Fleisch 
Bohnen, Linsen od. Erbsen 
Kartoffeln 
Mehl 
Fleisch 
Reis. Gerste od. Nudeln. 
Kartoffeln 
Mehl 
1,04 
0,28 
17,2 
34,7 
17,2 
6,6 
28,0 
0,70 
0,:48 
16,4 
28,0 
1,0 
16,4 
9,2 
24,0 
1 
16,4 
5,5 
24,0 
1
        <pb n="55" />
        56 
Das Brod, welches die Arbeiter mitbringen, beträgt pro Tag und Kopf 
zwischen V2 »"d 1 hg; ausserdem bringen einige Milch, andere Wurst oder 
Käse, ziemlich viele etwas Butter mit. 
Das Nachtessen zu Hause besteht bei den Meisten aus Kaffee und Brod, 
Suppe oder Dickmilch und Kartoffeln. 
Betrachten wir die Art der Verköstigung der Arbeiter etwas näher und 
spec, die der beiden Menagen, so kommt einerseits der Kostenpunkt und ander 
seits der Nährwerth in Betracht. 
Die Durchschnittspreise der Nahrungsmittel enthält Tab. D 19. b. 
Tab. D 19. 1). 
.lährlicher Durchschnittspreis für 1 kg 
Alizarinfabrik. 
Anilinfabrik. 
Kaffe (roh) 
1,68 
0,56 
1,20 
0,06 
0,26 
0,30 
0,40 
2,40 
0,56 
1,28 
0,40 
1,08 
0,05 
0,25 
0,33 
0,35 
Cichorien 
Ochsenfleisch 
Reis 
Mehl 
Kartoffeln 
Bohnen 
Erbsen 
Linsen 
Hiernach berechnen sich die einzelnen Nahrungsmittel und Nahrungen pro 
100 Mann wie folgt: 
Nahrungsmittel. 
_ Alizarin. 
Anilin. 
Hfirk 
Kaffee. 
Kaffee 
Cichorien 
1,75 
} 1,90 
0,15 
Kartoffeli-Suppc. 
Fleisch.., 
Kartoffeln 
Mehl 
22,001 
2,25)24,25 
19,681 
1,40 ¡22,18 
l,08j 
Hülsenfrüchte-Suppe. 
Fleisch 
Kartoffeln 
Mehl 
Hülsenfrüchte ... 
22,00) 
^^&gt;25,61 
2,13) 
19,68 
1,22 
1,08 
2,85 
24,83 
Gerste- (Nudeln, Reis) 
Suppe. 
Fleisch... 
Kartoffeln 
Mehl 
Reis 
19,68) 
l,20f 
1,061 
2,20) 
24,16 
Es kostet somit im Durchschnitt die Suppe von 100 Arbeitern pro Tag: 
auf der Alizarinfabrik . . . M. 24,90. 
auf der Anilinfabrik .... M. 23,70.
        <pb n="56" />
        Hierzu kommt noch der lägliche Kaffee, welcher mit 1,90 angegeben ist, 
jedoch in Wirklichkeit durch die Preisdifferenz zwischen rohem und gebranntem 
Kaffee (circa 20 pCt.) sich auf M. 2.28 stellt. 
Rechnet man ferner auf jede Suppe noch für circa 25 Pf. Gewürze, so be 
rechnet sich die aus der Menage gelieferte Tages-Kost für 100 Arbeiter: 
auf der Alizarinfabrik zu . . M. 27,43. 
auf der Anilinfabrik zu . . . M. 26.23. 
Da nun 100 Arbeiter pro Tag 20 Pf. und die Fabrik für jeden Arbeiter 
^’eitere 10 Pf. zahlt, so beträgt die Einnahme pro 100 Arbeiter täglich M. 30,—. 
Diese Summe überschreitet nicht unwesentlich die Ausgaben, so dass diese 
Differenz zur Zeit wohl ausreichen würde, die Ausgaben für Küche, Heizung und 
Personal zu bestreiten, und ist hierdurch der Beweis geliefert, dass die Menagen 
finanziell auf einer richtigen Grundlage beruhen. Wir wollen jedoch nicht unter 
lassen zu bemerken, dass zur Zeit die Preise für Fleisch, Kartoffeln und Hülsen 
früchte niedrig sind. 
An fügen will ich hier, dass die Hamburger Volksküche, die einzige der mir 
bekannten Volksküchen, welche sich mit unseren Menagen vergleichen lässt, eben 
falls ihr Miltagsessen mit 30 Pf. berechnet und hierfür dieselbe Nahrung liefert, 
welche etwas, jedoch nicht viel hinter den unsrigen an Nahrungsstoffen zurück 
stellt (Eiweiss 50, Fett 20, Kohlenhydr. 135). 
Wir kommen nunmehr zu der Frage des Nährwerthes der gelieferten Nah 
rungen. 
Um Namensverwechslungen zu vermeiden, schicke ich voraus, dass ich nach 
dem Vorgänge Voit’s Stoffe, welche den Verlust eines zur Zusammensetzung 
des Körpers nothwendigen Stoffes verhüten oder die Anbildung, das Wachsthum, 
ermöglichen (Fette, Stärkemehl etc.) Nahrungsstoffe nenne; unter Nahrungs- 
mittel verstehe ich ein Gemenge von mehreren Nahrungsstoffen und unter Nah 
rung die Summe von Nahrungsmitteln und Nahrungsstoffen mit den nothwen 
digen Genussmitteln, welche den Körper in seiner Zusammensetzung erhält oder 
denselben auf eine gewünschte Zusammensetzung bringt. 
Bekanntlich liegt die Lehre der Ernährung des menschlichen Körpers noch 
sehr im Argen, und geradezu beschämend ist es, eingestehen zu müssen, dass 
wir über eine rationelle Ernährung unserer Hausthiere wissenschaftlich und prak 
tisch mehr wissen, als über unsre eigne. 
Und doch ist die Frage einer rationellen Ernährung wenn für alle Menschen, 
so speciell für den Arbeiter eine so wichtige, dass dieselbe in Arbeiten, wie die 
Vorliegende, nicht übergangen werden darf. Auch ist dieselbe nunmehr, nachdem 
die bahnbrechenden Arbeiten von Pettenkofer und Voit viele Fundamental- 
^ätze zum Abschluss gebracht haben, nicht mehr so arg schwer zu lösen. 
Diese beiden Forscher weisen bekanntlich die Liebig-Moleschott'sche 
scharfe Trennung der Nahrungsmittel in plastische und respiratorische zurück und 
haben durch fortgesetzte Untersuchungen einerseits der Bestandtheile der täglichen 
ahrungseinnahnien und anderseits der von dem Körper durch Lungen, Haut, 
leren und Darm abgegebenen Zersetzungsproducte eine Reihe von Lehrsätzen 
^ber die Ernährung des menschlichen Körpers aufgestellt, welche sowohl durch 
ontrol-Versuche an Thieren, als auch durch Beobachtungen an Menschen und 
urch eine grosse Reihe von Erfahrungen sich als richtig erwiesen haben.
        <pb n="57" />
        58 
Nach diesen Lehrsätzen muss eine richtige Nahrung 
1) genügende Mengen von Nahrungsstoffen enthalten. 
2) diese Nahrungsstoffe müssen in einem richtigen Verhältniss zu einander 
stehen, 
3) es muss die Möglichkeit einer Resorption der Nahrungsstoffe vom Darme 
aus ohne zu grosse Belästigung der entsprechenden Organe vorhanden 
sein und 
4) müssen mit den Nahrungsmitteln eine Anzahl s. g. Genussmittel (Thee. 
Kaffee, Alcohol, Gewürze etc.) verbunden sein, welche durch Anregung 
des Nervensystems und durch Erregung der Secretion der Drüsen sowohl 
auf die Verdauung, als auch anf die Resorption von wesentlichem Ein 
flüsse sind. 
Während die drei letzten Punkte dieser Arbeit etwas fern liegen, es d esshalb 
nur nöthig ist, dieselben im Vorübergehen zu berühren, bedarf Pos. 1 einer ein 
gehenden Würdigung. 
Nach ihr muss also eine ausreichende Nahrung eine gewisse Menge von 
Nahrungsstoffen enthalten, und diese Menge ist für einen Arbeiter von Voit pro 
Tag nach den oben angegebenen Untersuchungen berechnet worden auf 
118g Eiweiss, 
56 g Fett und 
500 g Kohlenhydraten. 
Es ist weiter von Voit angegeben worden, dass eine richtige Vertheilung 
dieser Nahrungsstoffe auf die verschiedenen Tageszeiten nicht ohne Einfluss auf 
die Leistungsfähigkeit des Arbeiters ist, und fordert dom entsprechend Voit, dass 
von diesen Nahrungsstoffen 
59 g Eiweiss, 
34 g Fett und 
160 g Kohlenhydrate 
in dem Mittagsessen enthalten sein sollen, und zwar soll das Eiweiss und ein 'l'heil 
des Fettes in 178 g fetthaltigem Fleische gegeben werden. 
Die übrigen Nahrungsstoffe können zu fast gleichen Theilen auf das Früh 
stück und das Abendessen entfallen. 
Legen wir diese wissenschaftlich berechtigten Ansprüche Voit’s an eine 
für einen Arbeiter genügende und ausreichende Nahrung den Berechnungen der 
Nahrungsstoffe und der Nahrungsmittel unserer Menagen zu Grunde, so finden wir 
folgende Zahlen. 
Nach obiger Tabelle erhält ein Arbeiter auf der Alizarinfabrik 172, auf der 
Anilinfabrik 164 g Fleisch in seinem Mittagessen. 
Um die Nahrungsstoffe dieser Fleischquantitäten zu bestimmen, müssen wir 
zuerst die Bestandlheile des Fleisches im Allgemeinen in das Auge fassen. Nach 
den Durchschnittsberechnungen, welche in Kasernen, Krankenhäusern, Volks 
küchen u. s. w. angestellt werden, sind in 100 Theilen Fleisch enthalten : 
reines Fleisch 75 Theile, 
Knochen 15 „ 
Fettgewebe 10 „ 
Wir haben nun oben gesehen, dass nach den von den Menagen mit den 
Metzgern abgeschlossenen Verträgen auf 100 kg Fleisch nicht mehr als 12 kg
        <pb n="58" />
        59 
Knochen geliefert werden dürfen, und dass im Durchschnitt auf dasselbe Quan 
tum Fleisch 15 kg Fettgewebe kommen. 
Für un« stellt sich-«omit das Verbal Iniss so, dass in 100 Theilen Ochsen- 
beisch enthalten sind: 
reines Fleisch . . . j. . . 73 Theile, 
Knochen “¡T . . 1 ~ . 12 „ 
Fettgewebe! . . . i. . . 15 „ 
Es geniosst somit pro Jl’ag ein Arbeiter 
i aof der Alizarinfabrik 151,4 g 
I auf der Anilinfaibrik 145,0 g 
knochenfreies Fleisch. I 
Da nun 100 Theile Fleisch 73 Theile fett frei es Fleisch und 15 Theile Fett 
gewebe enthalten, so kommen auf jeden Arbeiter täglich in runden Zahlen auf der 
Alaarinfabrik: Fettgewebe 26 ''g, reines Fleiách 125 g, 
Anilinfabrik: „ 25 „ „ „ 120 „ 
Nehmen wir nunmehr die von Voit aufgestellte Tabelle über die in den ver 
schiedenen Nahrungsmitteln enthaltenen Nahrungsstoffe zu Hülfe, so finden 
wir in derselben für unseren Zweck folgende Zahlen: 
Kohlen- 
Nahrungsmittel. 
Wasser; 
““KiweßST" 
Fett. 
hydrate. 
Ochsenfleisch rein 
Fettgewebe ..., 
Mehl.... ' 
Reis 
75,9 
3,7 
14,0 
13,5 
21,9 
1,7 
11,0 
7,5 
0,9 
94,5 
.71,9 
78.1 
21,8 
44.2 
58.2 
55,6 
55,0 
Kartoffeln 
Brod 
Erbsen 
Bohnen . ^ 
Binsen .. 
75,0 
46.3 . 
14.3 
14,5 
14,5 
' 
2,0 
8,3 
22.5 
24.5 
26,0 
— 
Rechnen wir zu den von uns angeführten auf 100 Arbeiter pro Tag kom- 
*T!6nden Nahrungsmitteln noch das entsprechende Quantum Brod hinzu und be 
rechnen dieses nach dem Verhältniss, dass ein Arbeiter pro Tag im Durchschnitt 
0,75 kg Brod geniesst, dep Mittagstisch auf 250 g, so erhalten wir in den 
verschiedenen Mittag-Mahlzeiten folgende Nahrungstoffet 
1. Alizarinfabrik: Kartoffelsuppe. 
Nahrungsmittel. 
Quantum. 
Kiweiss. 
Fett. 
Kohlen 
hydrate. 
1* letsch.. 
Fettgewebe 
Kartoffeln : 
Brod.. 
125 
26 
347 
250 
'27.40 
0,59 
1 7,00 
21.00 
1,12 
24,60 
76 
110 
Summa... 
55,90 
25,72 
186
        <pb n="59" />
        60 
2. A lizar ill fabrik: H ¡j Isen fr iicb te-Suppe. 
Nahrungsmittel. 
Quantum. 
Kiweiss. 
Fett. 
Kohlen 
hydrate. 
Fleisch 
12.5 
26 
280 
66 
250 
27,40 
0,50 
5,60 
15,80 
21,IX) 
1,12 
24,60 
61 
37 
110 
Fettgewebe 
Kartoffeln 
Hülsen fruchte 
Hrod 
Summa... 
70,30 
25,72 
208 
3. Anilinfabrik: Kartoffel-Suppe. 
Nahrungsmittel. 
Quantum. 
FelL 
Kohlen- 
hydrate. 
Fleisch 
120 
25 
280 
1 
250 
26,30 
0,40 
5,60 
0,10 
21,00 
1,08 
23,60 
61.00 
0,70 
110,00 
Fettgewebe 
Kartoffeln 
Mehl 
Hrod 
Summa... 
53,40 
24,68 
171,7 
4. Anilinfabrik: Hulsenfrüchte-Suppe. 
Nahrungsmittel. 
Quantum. 
Kiweiss. 
Fett. 
Kohlen 
hydrate. 
Fleisch 
Fettgewebe 
Kartoffeln 
120 
25 
240 
26,30 
0,40 
4,80 
1,00 
23,60 
1 1 &amp; 
Hülsenfrüchte 
Mehl 
Hrod 
92 
1 
250 
22,10 
0,10 
21,00 
— 
51,10 
0,70 
110,00 
Summa... 
74,70 1 24,60 
214,10
        <pb n="60" />
        Gl 
5. Aiiilinfabrik: Reissiippe. 
Nahrungsmittel. 
Quantum. 
Eiweiss. 
Fett 
Kohlen- 
hydiatc. 
Fleisch 
120 
25 
240 
55 
1 
250 
2G.30 
0.40 
4,80 
4,00 
0,10 
21,00 
1,08 
23,GO 
52,30 
42,90 
0,70 
110,(M» 
F'.'ttgcwclK} 
Kartoffeln 
Ibns 
Mhl 
Drod . . 
Summa... 
5G,G0 
24,68 
205,90 
•Stellen wir das KesulUit dieser 5 Tabellen zusammen so ergibt sich: 
Nahrung. 
Fabrik. 
Eiweiss. 
Fett. 
Kohlen 
hydrate. 
Kartiiffclsuppe. 
D ü Isen iVüch le.Suppe. 
Ileissilppc. 
Alizarin, 
ui lin. 
.Mizarin. 
Anilin. 
.Anilin. 
5(: 
53 
70 
75 
57 
2G 
25 
26 
25 
25 
186 
172 
208 
214 
206 
Im Durclisclinilt erhält somit jede Suppe G2 Kiweiss. 25 Fett und 200 
Kohlcnhydnile und wir sehen also, dass von den von Voit für das Mittagessen 
Verlangten 50 Kiweiss. 34 Fett und IGO Kohlenhydraten das Eiweiss und die 
Kohlenhydrate ein Plus, das Fett ein Minus zeigt. 
Ini Allgemeinen entspricht Jedoch die Miltagsknst vollständig den von der 
\\ issenschall an sie zu stellenden Ansprüchen, weil die geringe Differenz zu Uu- 
Rdnsten des Fettes mehr wie genügend durch das Plus bei dem Eiweiss, dessen 
^ersetzting bekanntlich eine nicht unwesentliche Menge Fett liefert, ersetzt wird. 
Nehmen wir noch hinzu, dass auf der Anilinfabrik die Kartoffelsuppe so wenig 
l'cliebt ist. dass dieselbe in den letzten Monaten ganz in Wegfall kam. so dass in 
Woche 5 mal llülsenfrüchtesuppe und 1 mal Reis- oder (jorstensup[&gt;e gekocht 
"Urde, iiiii) (i;,ss auf der Alizarinfabrik auf 3 llülsenfrüchtesuppen 1 Kartoffel- 
^"Ppe kommt, so stellt sich das Verhältniss des Nährwerthes der Mittagskost noch 
{günstiger. Wir haben nämlich dann im Durchschnitt pro Tag: 
1- für die Alizarinfabrik Eiweiss G3.5, Fett 2G und Kohlenhydrate 202 
für die Anilinfabrik . 72 „ 25 „ 212 
Dctiachten wir nunmehr die Tageskost, so nahmen wir pro Tag und Ar- 
öiter 750 g Drod an und haben von diesem noch 500 g zu verrechnen. Die- 
^ölben enthalten 42 Eiweiss und 220 Kohlenhydrate.
        <pb n="61" />
        Rechnen wir diese NahrungsstolTe zu denen der Suppen in deren Durch- 
schniltswerthe hinzu, so erhalten wir für die 
Alizarinfahrik: Eiweiss 108, Fett 25, Kohlenhydrate 422. 
Anilinfabrik; „ 114 „ 20 „ 430. 
Nehmen wir nun, wie oben angegeben, die Tagesnahrung auf 118 Eiweiss, 
56 Fett und 400 Kohlenhydrate an, so blieben bei ihr noch 10 (4) Eiweiss, 30 
(31) Fett und 78 (70) Kohlenhydrate zu decken, welche der Abendmahlzeit zu 
fielen. Dass das fehlende Eiweiss und die Kohlenhydrate durch dieselbe mehr als 
gedeckt werden, ist ausser Zweifel; bezüglich des Fettes ist dies sicherlich nicht 
der Fall. 
Da jedoch die meisten Arbeiter Butter, Käse, Wurst etc.. also Nahrungs 
mittel, welche Fett enthalten, mit zur Fabrik bringen, so dürfen wir die erste 
Bedingung, welche wir oben an eine richtige Kost der Arbeiter stellten, nämlich 
dass dieselbe eine genügende Menge von Nahrungsstoffen enthalte, als erfüllt 
betrachten. 
Die zweite Bedingung bestand in dem richtigen Verhältnisse der einzelnen 
Nahrungsstoffe zu einander. 
Bekanntlich ist keins unserer Nahrungsmittel für sich allein geeignet, allen 
Anforderungen an eine gute Kost zu genügen. Wollte man durch Fleisch allein 
die zum Leben und Arbeiten nothwendige Kohlenstoffmenge dem Körper zuführen, 
so müsste man täglich 2,5 kg Fleisch essen und würde hierdurch eine unver- 
hältnissmässig grosse Quantität Eiweiss imnöthigerweise mit geniessen. Umge 
kehrt müsste man, um den Eiweissbedarf des Körpers mit ausschliesslicher Kar 
toffelnahrung zu decken etwa 4,5 kg essen und würde hierdurch eine Ueberbür- 
dung der Verdauungsorgane mit Kohlenhydraten bedingen. Es müssen somit zu 
einer richtigen Ernährung die stickstoffhaltigen und die stickstofffreien Stoffe in 
einem richtigen Verhältniss zu einander stehen und dieses Verhältniss wurde durch 
Berechnung des Stoffverbrauches für einen Arbeiter auf 1:4,5 bestimmt: ein Ver 
hältniss, welches wenn auch nicht vollkommen, so doch annähernd in den oben be 
rechneten Nahrungsstoffen unserer Menagen enthalten ist. 
Das dritte Erfordern iss an eine richtige Kost besteht in der Möglichkeit und 
Leichtigkeit der Resorption von dem Darme aus. Die Erfahrung und das Expe 
riment haben gelehrt, dass in dieser Hinsicht ein wesentlicher Unterschied zwischen 
pflanzlichem und thierischem Eiweiss besteht. Präevaliren die pflanzlichen Nah 
rungsmittel. so findet man im Koth viel unverdautes Eiweiss während das Eiweiss 
ans thierischen Nahrungsmitteln leicht und fast vollständig verdaut wird. Hieraus 
folgt, dass die dem Körper pro Tag zuzuführenden 118 g Eiweiss sich am 
Besten aus diesen zwei Klassen von Nahrungsmitteln zusammensetzen, und dürfte 
das oben angegebene Verhältniss. nach welchem von 100 Theilen Eiweiss, 24 
thierischen, 76 ])flanzlichen Nahrungsmitteln ihren Ui-sprung verdanken, als richtig 
zu bezeichnen sein. 
Dem 4. Postulat, dass mit den Nahrungsmitteln eine gewisse Masse an s. g. 
Genussmitteln verbunden sei, wird durch die täglich verabreichten 2 Portionen 
Kaffee Genüge gothan, so dass wir die Ernährung der Arbeiter auf den Fabriken 
der Herren Meister. Lucius &amp; Brüning als eine ausreichende und den wissen 
schaftlichen Ansprüchen vollständig genügende bezeichnen dürfen. Dem ent-
        <pb n="62" />
        r,3 
sjireclieiid ist das Aussehen und das Befinden der Arbeiter im Allgemeinen sehr 
Ifut und die Zahl der Erkrankungen eine geringe. 
Höchst interessant ist hierbei die Thatsache. dass die jetzige Ernährung 
&lt;îer Arbeiter aus deren eigener Initiative hervorging, indem dieselben, selbst 
ständig in der Auswahl ihrer Nahrungsmittel, nach anfänglichem längerem 
Schwanken und Experimentiren durch ihre praktischen Erfahrungen zu den jelzi- 
isCn Zusammensetzungen ihrer Suppen kamen. 
HI. Fürsorge für den erkrankten Arbeiter. 
Zur Unterstützung und Pflege der erkrankten Arbeiter besteht 
eine Krankenkasse, welche ausschliesslich von der Fabrik errichtet 
"urde und unterhalten wird. 
Ihre Statuten enthält die Anlage D ‘20. 
Kranken-Unterstützung. ^ 
§. 1. Jeder Arbeiter, der mindestens 6 Wochen hier in Arbeit steht, wird 
"II Falle der Erkrankung während C Wochen nach folgender Scala unterstützt: 
*be 2 ersten .Arbeitstage während der Erkrankungszeit werden nicht bezahlt, die 
•f folgenden werden mit üOpCt., die weiteren bis zu 6 Wochen mit 60]»Ct, des 
U'iglolins vergütet. 
§. 2. Der Erkrankte hat sofort am 1. Tage unter Einholung seines Kranken 
buches den für ihn vorgeschiiebenen Fabrik.sarzt zuzuzieheu und über den Grund 
lind die Zeit der Arbeitsunfähigkeit eine ärztlicl'.e Bescheinigung beizubringen, 
bii halle der Unterlassung dieser Vorschrift geht der Anspruch auf Unterstützung 
'■‘‘lloren. 
§. 3. Wer ohne sein Verschulden bei der Fabrikarbeit beschädigt wird, 
i^ihält auf ärztliches Zeiigniss hin für eine durch die Unterzeichneten näher zu be- 
•‘‘Dnuiicnde Zeit drei Viertel do» 'l'agelohns. In .Ausnahmsfällen kann der ganze 
bohn bewilligt werden. Der Beschädigte hat sofort genaue Meldung des Unfalls 
bei seinem Vorgesetzten zu machen und sein Krankenbuch einzuziehen, in 
"elches die Ursache der Beschädigung eingetragen wird. Bezüglich der weiteren 
biiflpllicht ist auf die bestehenden Gesetze verwiesen. 
§• 4. Ausgeschlossen von jedem Anspruch auf Unserstützung sind Kranke 
oder Verwundete, die in Folge von Ausschweifungen Völlerei, Rauferei, Unrein- 
l'chkeit, sowie anderen groben Selbstverschuldungen es geworden sind, oder ihre 
Krankheit durch Ungehorsam gegen die Anordnungen des Arztes verlängert haben. 
§• 5. Während der Dauer der Krankheit ist der Wirthshausbesuch verboten; 
Arbeit in Haus und Feld bedarf der ausdrücklichen Erlaubniss des Arztes. 
b. Für die kostenfreie Behandlung der Arbeiter werden bestimmte Aerzte 
^xpichuet und nur deren Recepte durch die Fabiik-Kasse bezahlt. 
Hie Veitheilung der Arbeiter unter die Fabrikärzte wird alljährlich bekannt 
gegeben. 
§• 7. Bei einem Sterbefall werden 30 M. zu den Kosten der Beerdigung 
beigetiagen.
        <pb n="63" />
        r.4 
Aus diesen Statuten ist ersichtlich, dass kein Arbeiter einen Beitrag zur 
Kasse bezahlt, ferner, dass das Anrecht auf eine Unterstützung 0 Wochen nach 
der Aufnahme des Arbeiters beginnt und die Unterstützung im Falle einer nicht 
durch Völlerei, Rauferei oder Ausschweifungen entstandenen Erkrankung nach 
folgender Scala stattfindet : 
die ersten zwei Erkrankungstage werden nicht bezahlt, 
die vier folgenden werden bezahlt mit öOpCt.. 
die weiteren bis zu 6 Wochen mit GOpCt, des Tagelohns. 
War die Erkrankung Folge einer ohne Verschulden des Arbeiters beim Be 
trieb entstandenen Verletzung, so erhält der Arbeiter seine Unterstützung stets, 
auch wenn derselbe noch keine 6 Wochen auf der Fabrik beschäftigt war. 
Dauert eine Erkrankung länger als b Wochen, so hängt es von dem Er 
messen der Fabrik ab, ob und in welcher Höhe eine weitere Unterstützung ge 
währt werden soll. Massgebend hierbei sind die Vermögens- und Familienver 
hältnisse des Erkrankten, sowie die Dauer seiner Beschäftigung auf der Fabrik. 
Im Allgemeinen wurden verheirathete Arbeiter, auf deren Lohn die Familie an 
gewiesen ist, stets weiter unterstützt. Auch wird den Frauen solcher Arbeiter 
Beschäftigung mit Nähen von Filtern, Handtüchern etc. flir die Fabrik gegen 
entsprechende Vergütung gegeben. Ausser diesen Unterstützungen werden bei 
einem Sterbe fall 30 Mk. als Beitrag zu den Beerdigungskosten von der Fabrik- 
bezahlt. 
Für die kostenfreie Behandlung der erkrankten Arbeiter sind mehrere Aerzte, 
zur Zeit 3, engagirt. welche von der Fabrik nach der Anzahl der in ihrem Be 
zirk vorhandenen Arbeiter honorirt werden. Für dieselben bestehen Salzungen, 
welche in Anlage D 21 enthalten sind. 
T) '21 
Satzungen 
für die Fabrikärzte der Herren Meister, Lucius &amp; Brüning. Höchst a M. 
1. Die von Seiten der Fabrik am Ende eines jeden Jahres auf die Dauer 
des folgenden Jahres engagirten Aerzte haben gegen eine auf gegenseitigem Ueber- 
einkommen beruhende Aversional-Summe die ihnen von der Fabrik bezeichneten 
Arbeiter kostenfrei ärztlich zu behandeln. 
Der Verkehr der Aerzte mit der Fabrik geschieht stets unter der Adresse 
der Firma der Fabrik, niemals direct mit den einzelnen Abtheilungen derselben. 
§. 2. Jeder Arbeiter hat sich seinem Arzte gegenüber bei jeder Erkran 
kung durch Vorlage seines Krankenbüchelchens. in welchem der Tag der Anzeige 
der Erkrankung, so wie event, die Ursache einer bei der Arbeit erlittenen Be 
schädigung von Seilen seines Aufsehers bescheinigt sein muss, zu legitimiren. 
§. 3. In das Krankenbüchelchen hat der Arzt die Diagnose der Erkran 
kung. seine Ansicht über deren Entstehung, sowie nach Ablauf der Krankheit die 
Dauer der mit derselben verbundenen Arbeitsunfähigkeit einzutragen. War der 
Arbeiter überhaupt nicht arbeitsunfähig, so ist dies specie!I zu bemerken und 
die Dauer der betreffenden Erkrankung zuzufügen. 
§. 4. Diejenigen Arbeiter, welche sich nach §. 2. event. §. 3. dem Arzte 
gegenüber legitimirt haben — vd. §. 8. —. bekommen ihre Recepte durch die 
Fabrik in der Apotheke bezahlt, und ist deshalb von den Aerzten auf den Recepten 
ausser dem Namen der Erkrankten die Firma der Fabrik zu bemerken.
        <pb n="64" />
        5 
05 
§. 5. Ist bei einem Kranken die Hülfe eines Baders notliwendifç, so ge 
schieht diese auf Requisition des behandelnden Arztes, und muss von letzterem 
die betreffende Rechnung des Baders vor deren Einreichung auf der Fabrik nach 
der Nothwendigkeit der einzelnen Verricîitungen und der Bich'.igkeit der bean 
spruchten Gebühren atteslirt sein. 
§. 6. Ausser dem Eintrag in die Krankenbüchelchen haben die Acrzte über 
jede Erkrankung eine der ihnen durch die Fabrik zugestellten Postkarten sofort 
nach Inanspruchnahme ihrer Hülfe auszufüllen und der nächsten Poststation zu 
übergeben. Steht die Erkrankung mit der Fabrikation sicher oder niuthmasslich 
in Verbindung, so ist eine zweite Karte auszufüllen und diese unter kurzer An 
gabe der wesentlichsten Krankheitserscheinungen an den revidirenden Fabrikarzt 
(§• 10.) einzusenden. 
§. 7. Nach Ablauf einer jeden mit der Fabrikation in Verbindung stehen- 
üen Krankheit ist der für diesen Falle vorgedruckte Fragebogen von dem betref 
fenden Arzte auszufüllen und dem revidirenden Fabrikarzte bald thunlichst ein- 
znsenden. Fehlen bei einzelnen Fragen die entsprechenden Notizen über das 
Personale des Erkrankten oder über die ersten Krankheits-Symptome, so ist von 
Seiten des behandelnden Arztes der Nachtrag der fehlenden Angaben sofort bei 
der Fabrik zu erbitten. Solche Fragebogen sind immer auszufüllen, auch wenn 
die betreffende Erkrankung keine Arbeitsunfähigkeit des Erkrankten zur Folge liatte. 
8. Ist ein Arbeiter von seiner Erkrankung theilweise hergesiellt. so dass 
noch nicht wieder vollständig arbeitsfähig, jedoch im Stande ist. leichte Ar- 
l^iten zu verrichten, so ist dies durch den Arzt der Fabrik unter Angabe der zu 
lässigen und event, za vermeidenden Verrichtungen schriftlich, event, durch das 
Krankenbüchelchen mitzutheilen. 
§. 9. Von der kostenfreien Behandlung durch Arzt und Apotheker sind 
Ausgeschlossen alle in §. 4. der Kranken-Unterstiitzung“ vorgesehenen Fälle. 
10. Aus den behandelnden Aerzten wird von Seiten der Fabrik ein Arzt 
bestimmt, welcher als revidirender Fabrikarzt eineslheils als technischer Bekath 
Fabrik überall zur Verfügung steht, wo es sich um mcdicinal-polizciliche oder 
G&amp;nitäre Fragen handelt, und welchem anderntheils die Führung der Kranken- 
dournale, die Erstattung eines jährlichen Berichtes über die Gesammt-Kranken- 
liewegung auf der Fabrik, die Untersucliung der neu eintretenden Arbeiter, sowie 
speciello Beobachtung aller mit der Fabrikation in Verbindung stehender 
Krankheiten obliegt. 
§• 11. Im Laufe eines jeden Quartals findet eine Zusammenkunft sämmt- 
'cher Aerzte statt, zu welcher von Seiten der Fabrik die Einladung geschieht, 
ßrhinderungsgründe an der Theilnahme eines Arztes sind so frühzeitig der Fa- 
‘‘•k mitzutheilen, dass ein anderer Termin angesetzt und hiervon den anderen 
^®rzten Kerintniss gegeben worden kann. 
Hie Vertheilung der Arbeiter unter die Aerzte geschieht jährlich und wird 
orselben dte Ausdehnung der sonstigen Praxis dieser Aerzte zu Grunde gelegt, 
'f'ßr der Aerzte fungirt als revidirender Fabrikarzt. Derselbe steht als tech 
nischer Beirath der Fabrik überall zur Verfügung, wo es sich um sanitäre oder 
niedicinal-polizeiliche Fragen handelt. Ausserdem liegen demselben die Auf- 
na ime-Untersuchungen, die Führung des Kranken-Journals, die Abhaltung der
        <pb n="65" />
        Sprechslunden, dio specielle Beobachtung aller mit der Fabrikation in Verbindung 
stehenden Erkrankungen sowie die jährliche Erstattung eines Krankenberichtes 
ob. Am Ende eines jeden Vierteljahres findet unter dem Vorsitze eines von der 
Fabrik commitirlcn Herrn eine Zusammenkunft aller Aerzto statt, in welcher die 
Vorkommnisse des abgelaufenen Quartals besprochen, sanitäre Vorschläge gemacht 
und entgegengenommen, sowie nicht bewährte Einrichtungen geregelt werden. 
Der Modus der Krankenmoldung ist ein streng geordneter. Es ist dies sowohl 
im Interesse der Fabrik, als auch der erkrankten Arbeiter durchaus nothwendig. 
Jeder Arbeiter, welcher erkrankt, hat sofort vom ersten Tage seiner Erkran 
kung den für ihn bestimmten, also in den meisten Fällen den ihm zunächst woh 
nenden Fabrikarzt zuzuziehen und auf der Fabrik bei seinem Aufseher Meldung 
seiner Erkrankung zu machen. Auf seine Meldung erhält der Arbeiter einmal 
als Legitimation dem Arzte gegenüber und dann als Basis der Eintragungen in 
das Kranken-Journal ein Kranken-Büchelchen — vd. Anlage D 22. — dessen 
linke Seite der Fabrik, dessen rechte Seite dem Arzte zur Verfügung steht. 
~ “ D 22. 
Meldete sich den 187 Litt an; 
krank. 
Ursache der Erkrankung: Ursache der Erkrankung: 
Arbeitete zuletzt in; War arbeitsunfähig vom 187 
bis 187 
Höchst a M., den 187 den 187 
Der Aufseher: Der behandelnde Arzt: 
Auf die linke Seite wird von dem zuständigen Aufseher auf der Fabrik der 
Tag der Krankmeldung, wenn möglich die Ursache der Erkrankung und der 
llaum, in welchem der Erkrankte zuletzt arbeitete, eingetragen, während rechts 
von dem Arzte die Diagnose der Erkrankung und nach deren Ablauf die Dauer 
der Arbeitsunfähigkeit niedergeschrioben wird. Die Krankenbüchelchen behält 
der Arzt bis zur Genesung des Arbeiters. In Verbindung mit den Kranken 
büchelchen stehen zwei weitere Scheine, welche von dem Arzte auszufüllen sind. 
Der erste dient zur Erhebung des Krankengeldes. Derselbe hat den Zweck, dass 
der Arbeiter bei längeren Erkrankungen nicht erst am Ende derselben, sondern 
wöchentlich schon im Laufe derselben sein Krankengeld erhält. Dieselben lauten 
wie Form. D 23. und müssen Freitags zur Fabrik geschickt werden, damit Sams 
tags die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt. 
No. . . . 
Krankengeld-Anweisung 
für den Arbeiter 
in der -Fabrik 
D 23. 
Die Arbeitsunfähigkeit für die Dauer vom 
187 . . bescheinigt 
der behandelnde Arzt; 
187 . 
bis
        <pb n="66" />
        Der zweite Schein ist die Anmeldung des Kranken bei der Fabrik durch 
den Arzt, und dies geschieht in Form von Postkarten mit vergedruckter Adresse 
der Firma der Fabrik. Hierdurch wird der Fabrik Kenntniss gegeben, dass der 
Arbeiter sofort einen Arzt zu Rathe gezogen hat, und woran derselbe leidet — 
vd. Form. D. 24. — 
1) 24. 
Postkarten zur Krankon-Anmcldung. 
aus 
beschäftigt : 
leidet an: ■’.... 
in Folge von: 
ist arbeits . . fähig; 
meldete sich krank: 
Bemerkungen: 
Der Arzt: 
Diese Karten sind nicht ohne Werth. Einmal geben sie der Fabrik für den 
Pall der plötzlichen Erkrankung eines Arbeiters, wenn derselbe nicht selbst so 
fort der Fabrik Meldung zugehen lassen konnte, Kenntniss über den Grund des 
I'ehlens des Arbeiters, und dann erhält durch diese Karte die Fabrik schon am 
ersten Tage der Erkrankung Mittheilung über deren Entstehungsursache. Ist 
dies ein Unfall, eine Verletzung, welche der Erkrankte im Momente der Ent 
stehung gering achtete und deshalb seinem Aufseher nicht anzeigte, so giebt die 
Karte die Veranlassung zur Anmeldung bei der Rückversicherungs-Gesellschaft, 
fiing die Ursache der Erkrankung mit der Fabrikation zusammen, so kann sofort 
o&gt;ne Untersuchung des betretenden Raumes event. Abstellung eines gefundenen 
Missstandes erfolgen. 
Stand die Erkrankung mit der Fabrikation in Verbindung, so muss der be 
handelnde Arzt eine zweite Karte ausfüllen und diese dem revidirenden Arzte 
^■usenden. Ausserdem muss der behandelnde Arzt über jede solche Erkrankung 
oine Krankengeschichte an fertigen und diese durch Ausfullen eines Fragebogens 
^■0 Ende der Erkrankung dem revidirenden Arzte einsenden. Solche Frage 
bogen lauten wie Anlage D 25. Besitzt der behandelnde Arzt nicht hinrei- 
&lt;^hende Kenntniss über das Personale des erkrankten Arbeiters, über die Ent 
stehung der Erkrankung oder die ersten Symptome derselben, so sendet derselbe 
^on Fragebogen zuerst an die Fabrik, um die oiTnen Fragen daselbst ausfüllen 
*0 lassen. Diese Fragebogen haben in erster Linie Erkrankungen durch Anilin 
®der Nitrobenzol im Auge und sind demgemäss angelegt; dieselben lassen sich 
jodoch leicht auch zu Jeder anderen Fabrik-Erkrankung benutzen. 
D 25. 
Fabrik-Erkrankungen 
^uf den Fabriken der Herren Meister, Lucius &amp; Brüning in Höchst a M. 
Fabrik . 
Raum 
!• Namen dos Erkrankten . 
• Wie lange auf der Fabrik
        <pb n="67" />
        — (j8 — 
ii. Wie lange in rleni Kaum 
4. Wo früher 
5. Personale des Erkrankten; 
a) dessen Alter 
b) Lebensweise 
c) frühere Erkrankungen 
6. Worin bestand die schädliche Einwirkung . . . 
7. Tag und Stunde der Einwirkung 
8. Art der Einwirkung 
9. Quantität der Schädlichkeit 
10. Temperatur derselben 
11. In Verbindung mit welchen anderen Stoffen 
wirkte derselbe 
12. In welcher Form wirkte dieselbe — flüssig, 
pulverförmig u. s. w 
13. Auf welchen Körpertheil, durch den Mund, die 
Lungen, Kleider, Hände, Gesicht u. s. w. . . . 
14. Wann traten die ersten Krankheits-Erscheinun 
gen auf 
15. Worin bestanden die subject!ven Symptome in 
spec. Schlafsucht, Angst, Schwindel, Gefühl von 
Zusaminenschnüren in der Kehle, Trockenheit 
derselben, Ameisenkriechen, Uebelkeit, Druck in 
der Magengegend, Sinnesstörungen spec, des 
Gehirns und des Sehens u. s. w 
IG. Worin bestanden die object!ven Symptome: 
a) Bewusstlosigkeit 
b) Empfindlichkeit gegen äussere Reize . . . 
c) psychische Excitation 
d) taumelnder Gang 
e) Convulsionen, Kinnbackenkrampf, hiervon- 
krampf u. s. w 
f) Sprachstörungen — lallende, unarticulirte 
Sprache 
g) Verhalten der Augen, Keactionen der Pupillen, 
Weite derselben, Rotationen der Augäpfel . 
h) Erbrechen, Leibschmerzen, Incontinentia 
ani 
i) Dyspnoe, Oppression, oberflächliche, keu 
chende, irreguläre Athmung, Röcheln . . . 
k) Herzklopfen, Tempo des Pulses, Regelmäs 
sigkeit desselben 
l) Blasenreiz, Drang zum Uriniren, Incontinen 
tia der Blase . . . . , 
m) Beschaffenheit dos Urins, Eiweiss, Anilin, 
Zucker
        <pb n="68" />
        — r,9 — 
n) Verhalten der Haut, Farbe derselben, livid, 
blau, trocken, schweissig 
o) Farbe der Bindehaut des Auges 
p) Störungen des Gefühls der Haut 
q) Wahrnehmbarer Geruch, wo? 
r) q'emperatur in der Achselhöhle 
Î7. Verlauf der Erkrankung, nene Symptome, Re 
missionen, Dauer der einzelnen Symptome, Stei 
gerung einzelner Symptome 
18. Therapie 
19. Dauer der Erkrankung . 
20. Ausgang derselben 
21. Weitere Bemerkungen 
22. Name des Beobachters der Erkrankung .... 
Der Werth solcher Fragebogen ist nicht zu verkennen. Einmal lenken die 
selben den Beobachter auf die wesentlichsten Symptome; dann ermöglichen sie, 
dass die Fabrik-Erkrankungen, auch wenn dieselben von mehreren Aerzten beob- 
achtet werden, von einem gemeinsamen Gesichtspunkt aus betrachtet werden, und 
erleichtern am Schlüsse des Jahres die Zusammenstellung der einzelnen Fälle. 
Mit der Zeit geben dieselben jedenfalls ein sehr scliiltzbares Material zur klini 
schen Bearbeitung mancher bis jetzt noch nicht oder nur wenig bekannter Fabrik- 
Erkrankungen und ich glaube nicht, dass es eine zu grosse Belästigung für die 
Industrie wäre, wenn die Ausfüllung ähnlicher Fragebogen für alle Fabriken mit 
specifischen Erkrankungen, obligatorisch von Seiten des Staates gemacht würde. 
Ist eine Krankheit abgelaufen, so werden die Krankenbüchelchen von dem be 
handelnden Arzte ausgefüllt und der Fabrik zugestellt. In demselben wird gleich- 
zeitig bemerkt, ob und in welcher Richtung der Arbeiter noch der Schonung be- 
^ärf, ob derselbe unbeschadet seiner Gesundheit wieder in seinen Raum eintrelen 
hann, oder ob derselbe noch eine Zeit lang im Hofe oder sonst wo beschäftigt 
^crden soll. Auch kann durch dieselben eine bleibende Versetzung eines Ar 
biters in einen anderen Raum beantragt werden. 
Auf Grund dieser Kranken bücheichen wird durch den revidirenden Fabrik- 
^'zt das Krankenjournal A vid. Form D 26 geführt. 
N. 
NK 
Namen 
und Ort. 
Aller. 
Raum. 
V 
auf der 
Fa 
brik. 
V 
in dem 
Raum. 
Dia 
gnose. 
Ur- 
sache. 
Sym 
ptome. 
Ver 
lauf 
und 
Dauer. 
Bemer 
kungen
        <pb n="69" />
        70 
Die 3 Colonnen über Diagnose, Verlauf und Symptome werden von dem 
Arzte, die andern 9 vorher von dem betreffenden Aufseher ausgefüllt. 
Heber die Art, wie die entsprechenden Colonnen von den Aufsehern aus 
gefüllt werden sollen, besteht eine Instruction, welche in Anlage D. 27 ent 
halten ist. 
D 27. 
Kegle ment 
über die Führung der Kranhen-Journale. 
1) In die erste Colonne ist die laufende No. der Erkrankungen, jedes Jahr mit 
dem Januar mit No. 1 beginnend, einzutragen. 
2) In der zweiten Colonne steht die No. des Krankonbüchelchens des betref 
fenden Arbeiters, welche gleichlautend mit dessen No. in der Arbeiter- 
Liste sein muss. 
3) In der fünften Colonne hat der Kaum, in welchem der betreffende Arbeiter 
beschäftigt ist. zu stehen. 
4) In Colonne 9 wird die Ursache der betreffenden Erkrankung von Seiten des 
Aufsehers derart eingetragen, dass ersichtlich ist, wie die betreffende Ver 
letzung entstanden ist. In denjenigen Fällen, in welchen eine Ursache der 
Arbeitsunfähigkeit auf der Fabrik nicht bekannt wurde, ist dies in der 
Colonne mit vac. zu bezeichnen. Wurde bekannt, dass der betreffende Ar 
beiter sich die Krankheit ausserhalb der Fabrik durch eigenes oder fremdes 
Verschulden zugezogen hat, so ist dies in Colonne 14 zu bemerken. 
5) In Colonne 10 soll links oben der Name desjenigen Arztes eingetragen 
werden, welcher den betreffenden Krankheitsfall behandelte. War ein Ar 
beiter arbeitsunfähig, ohne einen Arzt zu gebrauchen, so ist dies in Co 
lonne 14 zu bemerken. 
6) In Colonne 12 sind immer nur diejenigen Tage als Ausdruck der Arbeits 
unfähigkeit einzutragen, an welchen auf der Fabrik gearbeitet wurde, also 
die Sonn- und Feiertage nicht. 
7) War ein Arbeiter länger krank als die statutenmässige Unterstützungszeit, 
so ist in Colonne 14 anzugeben, wie lange Zeit der betreffende Arbeiter 
Krankengeld erhielt. 
8) In Colonne 14 ist ein Hinweis auf die vorhergegangene Erkrankung des 
betreffenden Arbeiters so einzutragen, dass bei wiederholten Erkrankungen 
dahin geschrieben wird : Siehe No. . . des Jahres 187.. 
9) Tritt ein Arbeiter, der krank war, aus oder wird derselbe aus der Fabrik 
entlassen, oder stirbt ein Arbeiter, so ist dies in No. 14 mit Angabe des 
'Pages des Austritts resp. des Todes anzumerken. 
10) Am Ende eines jeden Jahres ist eine' Zusammenstellung der Krankenbe 
wegung der Art zu machen, dass der Krankenl&gt;estcind eines jeden Kauiies 
für den Anfang sowie für das Ende des Jahres, ferner die Anzahl der ein 
zelnen Erkrankungen, sowie die Gesammt-Erkrankungstage, die Namen der 
Verstorbenen und Pensionäre, sowie die Zahl der in das folgende Jahr über 
tragenen Kranken eingetragen wird. 
Diese Journale werden getrennt für die Alizarinfabrik, die Anilinfabrik und 
die mechanische Werkstätte geführt.
        <pb n="70" />
        71 
Ausser diesen hauptsächlich für die mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Ei- 
krankungen bestehenden Einrichtungen finden auf der Fabrik wöchenlich drei 
Mal an bestimmten Tagen und zu bestimmter Stunde Sprechstunden von dem 
revidirenden Fabrikarzte für die arbeitsfähigen Erkrankten statt. Ueber die hier 
beobachteten Erkrankungen werden die Kranken .Journale B, vid. Formular D28. 
ebenfalls getrennt nach den 3 Abtheilungen der Fabrik geführt und bilden diese 
mit den oben eiwähnten Kranken-Journalen A die Grundlage für den am Ende 
eines jeden Jahres zu erstattenden Bericht über die Gesammt-Krankenbewegung. 
Kranken-Joumal B. 
Tab. D 28. 
N. 
N.K. 
Perso 
nale. 
Raum. 
Diagnose. 
Theiapie 
Zeit. 
Bemerkungen. 
I 
Diese Sprechstunden werden abgehaltcn in den Krankenzimmern. deren 2 
bestehen, eins für die Alizarinfabrik und die mechanische Werkstätte, das andere 
für die Anilinfabrik und das Fuhrwesen. In Jedem dieser Ziniiner steht ein Bett 
Aufnahme bei plötzlichen Erkrankungen oder Verletzungen. Des Weiteren 
finden sich in denselben eine Tragbahre, eine Wanne aus Zinkblech für Voll-, sowie 
kleinere Wannen für locale Bäder, säinmtlicho für das Anlegen eines ersten Ver- 
bandes nothwendigen Utensilien, Tourniquet’s u. s. w. In einem Schrank linden 
sich Carboilösungen in verschiedener Concentration, Carbol-Oel, Brandsalbe, llefi- 
pfiaster u. s. w., um bei kleineren Verletzungen sofort Hülfe leisten zu können. 
An der Wand sind Blechkasten mit Wasser angebracht, welche zu Douchen dienen, 
jedem Arbeiter selbstständig das Ausspülen und Reinigen kleiner Wunden zu 
ermöglichen. 
Ausserdem sind die Loeb’schen Respirationsapparate vorräthig, sowie die 
Müller-Skrzeczka’schen Tafeln, auf welchen eine mit Abbildungen illu- 
strirte Anweisung für die ersten Ilülfeleistung bei Uiiglücksfällen enthalten ist. 
Auch hängt in jedem Krankenzimmer eine Tafel, auf welcher die Namen der 
arbeitsunfähigen Arbeiter nach dem Tage ihrer Krankmeldung, dem Raume ihrer 
^«schäfiigung und der von dem Arzte gemeldeten Krankheitsdiagnose verzeichnet 
so dass stets ein Deberblick über den Krankenstand sowohl nach dem Cha 
rakter der Erkrankungen, als auch nach den einzelnen Arbeitsräumen gegeben ist. 
Passt man diese zu Gunsten erkrankter Arbeiter bestehenden Einrichtungen 
^^sammen, so lässt sich denselben, so human und praktisch dieselben auch durch- 
Keführt sind, prinzipiell der Vorwurf machen, dass die Arbeiter gar keine Zubusse 
der Krankenkasse leisten. Die Herren Meister, Lucius und Brüning er- 
, ®”nen dies iu so fern an, als es im Interesse der socialen Stellung der Arbeiter 
«sserwäre, wenn alle Arbeiter zu solchen Kassen einen Beitrag lieferten; sie gehen 
J®doch hierbei von der Vorbedingung aus, dass solche Ka.ssen sich über grosse 
®zirke und mehrere Fabriken erstrecken müssten, damit Arbeiter, welche
        <pb n="71" />
        7-2 
aus einer Fabrik austreten, mit dem Eintritt in eine andere Fabrik ihre Rechte 
und Ansprüche an die Krankenkasse in ihre veränderte Stellung mit hinüber 
nähmen. Ist dies nicht der Fall. d. h. bestehen solche Kassen nur für kleine 
Bezirke oder für eine einzelne Fabrik, so liegt in der Beitragspflicht eines Ar 
beiters zu einer Krankenkasse in so ferne eine Härte gegen den Arbeiter, als der 
selbe bei seinem Austritt oder seiner Entlassung aus der Fabrik der von ihm ge 
zahlten Beiträge in sehr vielen Fällen — d. h. in allen, falls er während seines 
Aufenthalts auf der Fabrik nicht krank war — ohne jeglichen Ersatz verlustig 
geht. Prinzipiell muss daher das Streben auf grosse Kassen, welche als Binde 
mittel das Gleichartige der Beschäftigung der Arbeiter, nicht aber des Geschäftes 
odes des Ortes, haben, mit combinirteu Beiträgen der Arbeitgeber und der Ar 
beiter gerichtet sein. 
JV. Fürsorge für den invaliden Arbeitet. 
Was die Fürsorge für die invaliden Arbeiter anbelangt, so 
wurden seither solche aus der Kranken-Ünterstützungs-Kasse mit einer 
jährlichen Pension bedacht. Für die Zukunft besteht hierfür ein spe- 
cieller Fond, indem die Herren Meister, Lucius und Brüning zur 
Feier der goldnen Hochzeit unseres Kaiserpaares unter dem Namen: 
Kaiser Wilhelm und Augusta-Stiftung 150000 M. den Arbeitern hin 
wiesen, welche selbstständig verwaltet und zu Gunsten der Arbeiter 
verwendet werden sollen. Diese Stimme soll nach einer zweifachen 
Richtung hin wohlthätig wirken. Einmal sollen aus derselben Capi 
talien zu einem niederen Zinsfusse an die Arbeiter zum Bauen von 
Wohnungen, Erwerb von Gärten etc. gegen eine nicht zu rigoros ge 
nommene Sicherheit und gegen einen niedern Zinsfuss ausgoliehen, und 
dann sollen von den Zinsen des Capitals geregelte Pensionen den 
invaliden Arbeitern gegeben werden. Ein specielles Statut, welches 
diese Angelegenheit ordnen soll, ist in Arbeit begriffen, zur Zeit je 
doch noch nicht vollendet. 
E Die Krankenbewegung in den Jahren 1874—1879. 
Wir kommen nunmehr zur Betrachtung der in den letzten 5 Jahren 
auf den Fabriken vorgekommenen Erkrankungen. Aufgezeichnet wurden 
dieselben nach dem vorher erörterten Modus und können dieselben 
somit auf möglichste Genauigkeit Anspruch machen. Aus der ersten 
Hälfte des Jahres 1874 sind diese Aufzeichnungen jedoch bezüglich 
der Diagnose der Erkrankungen nicht vollständig; auch lieferte damals 
ein oder der andere Arbeiter bei der Neuheit der Einrichtung sein
        <pb n="72" />
        73 
Krankenbüclíclclien niclit ab, so dass von circa 80 Erkrankungen wohl 
deren Dauer, nicht aber deren Diagnose bekannt ist. Hieraus erklären 
Kleb -4Üwge klerne Dißerenxen in 4len Tabellen, tleren k h mehrere zur 
Uebersicht, sowohl der Krankenbewegung iiii Allgemeinen, als auch 
Erkrankungen in den einzelnen Fabrikations-Käumen folgen lasse, 
denselben !$nd überall, wo esisich um die Krankenbewegung im All 
gemeinen handelt, sämnltliche Erkrankungen, in den anderen Fällen 
nur diejenigen Erkrankungen, yon welchen eine sichere Diagnose ein 
getragen istj, zu Grunde gelegt* 
kom 
Ini Ganzen kainen 1163 Erkrankungen in diesen 5 Jahren vor. von welchen 
^84 j^uf die Alizarii^fabrik. 561 auf die Anilinfabrik und 118 auf die mecha 
nische Werkstitte entfallen. Betrachtet man diese Zahlen im Verbaltniss zu den 
’n den einzelnen Abtheilungen beschäftigten Arbeitern, so ergibt sich, dass: 
1. auf 100 Arbeiter der Anilinfabrik 60 Erkrankungen, 
2. „ „ „ , Alizarinfabrik 46 „ 
3. „ « „ meph Werkstatte 40" „ 
Die Erkrankungen waren somit auf der Anilinfabrik am zahlreichsten 
auf der mechanischen W^ikstätte am geringsten. Betrachtet mau dagegen 
die durchschnittliche'Dauer jder einzelnen Erkrankungen (Tab. E. 1, 2 u. 3), so 
’st das Verhältnlss ein andkres. Die Gesammtzahl der Erkrankungstage betrug 
l'ÄDilich 11342. Von diesen kommen auf die Alizarin-Fabrik 5459, auf die Ani- 
'D‘-I*abrik 4857 und auf die mechanische Werkstätte 1036. Vergleicht man 
mit dieser Anzahl der Erkraukuugstage die Anzahl der Erkrankungsfalle, so steht 
"6r die Alizarin-Fabrik mit einer Duchschnillsdauer ihrer Erkrankungen von 
lO lagen voran; ilir folgt die mechanische Werkstätte mit 8 Tagen, und am 
*sten situirt 1st die Anilin-Fabrik mit 6 Tagen. Dieser Unterschied in der durch 
schnittlichen Dauer der einzelnen Erkrankungen ist so wesentlich, dass hierdurch 
' ^ Plus, welches zu Ungunsten der Anilin-Fabrik bei der Anzahl der Erkran- 
^ngen besteht, fast vollständig derart aufgehoben wird, dass ein grosser Unter 
schied bezüglich der Erkrankungen in den einzelnen Abtheilungen der Fabrik 
•Hebt besteht. 
Dien. 
A lizarin-Fabrik. 
• Durchschnittlicher Arbeiter-Bestand ... 
• Anzahl der cikraaktcn Arbeitet 
■ Anzahl der Krkrankungsfälle , 
• Anzahl der Erkrankungsta^c ......... 
ede einzelne Krkmnkung dauerte durch- 
Auf jeden einzelnen Arbeiter kommen 
7 j,^*^®^schnittlich Krankentage 
rocentsatz der erkrankten Arbeiter ... 
1874 
201 
124 
133 
1742; 
13,1 i 
1875 
11,G 
187(j 
208 
86 
90 
804 
8,8 
Tab. E. 1. 
1877 
9,6 
1878 
10,6
        <pb n="73" />
        74 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1. Durchschnittlicher Arbeiter-Bestand 
2. Anzahl der erkiankten Arbeiter 
3. Anzahl der Erkrankungsfälle 
4. Anzahl der Erkrankungstage 
5. Durchschnittliche Dauer der einzelnen Er- 
148 
71 
97 
813 
9 
5,5 
65 
150 
85 
112 
1114 
10 
7,0 
74 
171 
71 
84 
926 
11 
5.4 
45 
212 
83 
98 
950 
10 
4,5 
45 
267 
110 
170 
1054 
62 
3,i&gt; 
63 
6. Auf jeden einzelnen Arbeiter kommen 
durchschnittlich Kranken tage 
7. Procentsatz der erkrankten Arbeiter .... 
Tab. E. 3. 
Mechanische Werkstiltte. 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
Durchschnittlicher Arbeiter-Besland .... 
Anzahl der erkrankten Arbeiter 
Anzahl der hkkrankungsfälle 
Anzahl der Erkrankungstage 
Durchschnittliche Dauer der einzelnen Er 
krankungen 
Auf jeden einzelnen Arbeiter kommen 
durchschnittlich Krankentage 
Procentsatz der erkrankten Arbeiter.... 
56 
36 
377 
10 
70 
42 
340 
74 
25 
207 
7,0 
64 
4,8 
60 
2,8 
35 
96 
15 
15 
112 
8 
1,3 
75 
Dagegen besteht in allen Abtheilungen der Fabriken ein wesentlicher Unter 
schied zwischen den einzelnen Jahren und dieser lässt einen grossen Fortschritt 
in sanitärer Beziehung erkennen. 
Hierüber geben Tab. E. 4 und Tab. E. 5 Aufschluss. 
Tab. K. 4. 
Jahr. 
Anzahl der 
Arbeiter 
Erkrankungs- 
Tage. 
Es kommen somit auf jeden 
Arbeiter 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
849 
406 
450 
496 
610 
2555 
2903 
2070 
1786 
2055 
7,30 \ 
7,15 / 
4.60 &gt; Krankheitstage. 
3.60 1 
3,37 )
        <pb n="74" />
        75 
Tab. E. 5. 
T 
Jähr. 
Anzahl der 
Arbejter. 
1 
Erkran 
kungsfälle 
! 
Es erkrankten 
somit Von 
sammtiiéhen 
Arbeitern 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
349 
406 
4.50 
496 
610 
•230 
269 
216 
(198 
'262 
' 
66 pCt. 
66 - 
48 - 
38 - 
43 - 
n- .1 ' ' ■ 
L»ie erstcre. erörtert das Veiimltniss der Anzahl der Arbeiter zu der Anzahl 
er Erkrankungstage und beweist, dass die auf jeden einzelnen Arbeiter fallende 
«rchschnittszahl ron Erkrankungstagen von 7,30 im Jahre 1874 auf 3,37 im 
ä^hre 1878, also fast um 50pGt. gefallen ist. 
Die Tabelle E 5 gibt einen ¡genauen Ueberblick über das Verhältniss der 
^nzahl der Arbeiter zu den einzelnen Krankheitsfällen und zeigt, dass auch der 
Anzahl der erkrankten Arbeiter von Jahr zu Jahr gefallen ist. Nur 
Jahre trat eine kleine 'Steigerung ein, welche jedoch dadurch ausge- 
en wird, dass die Dauer der einzelnen Erkrankungen abgenommen hat. Die 
^rchschnittliche Dauer einer Erkrankung betrug nämlich: 
im Jahre 1874 . 
,, ,, 1875 . 
„ M 1876 . 
» „ 1877 . 
„ „ 1878 . 
13 Tage. 
11 „ 
9,6 „ 
9,5 „ 
^ W as den Ausgang sämmtlicher Erkrankungen anbelangt, so trat in den weit- 
Palien Genesung ein. Gestorben sind in den Jahren 1874 —1779 
^ anzen 8 Arbeiter und zwar im Jahre 1874 bei einem durchschnittlichen 
Jah von 349 Arbeitern 1, im Jahre 1875 bei 406 Arbeitern 2, im 
j . 1^78 bei 450 Arbeitern 2, im Jahre 1877 bei 496 Arbeitern 1 und im 
re 1877 bei 610 Arbeitern 1. Es kommen somit auf 1000 Arbeiter: 
im Jahre 1874 . . 2,5 Todesfälle 
,, ,, 1875 • . 5,0 „ 
,, ,, 1876 . . 4,4 ,, 
,, ,, 1877 , . 4,0 ,, 
„ „ 1878 . . 1,8 
den die 'i’()desursachen, das Alter und die Dauer der Beschäftigung auf 
*^^8rikon gibt Tab. E. 6 Aufschluss,
        <pb n="75" />
        70) 
Tab. K. f&gt;. 
No. 
Namen. 
Ort. 
,\lter. 
Wie lange 
auf der 
Fabrik. 
Wo. 
Todesursache. 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
G. 
7. 
8. 
Hochheimer 
Hrcndel 
Schneider 
Klein 
Port 
Andrée 
Müller 
Gödecker 
Wei Ibach 
Höchst 
Schwan 
heim. 
Höchst 
Sossenheim 
Höchst 
Höchst 
Wicker 
45 
32 
38 
38 
58 
18 
27 
25 
1 .fahr 1 
3 Jahr| 
2 Jahr| 
2 Monat j 
8 Jahr 
1 Jahr 1 
12 Tagej 
1 Jahr 1 
! 
Alizarin-F. 
Baum Hl 
Alizaiin-F. 
Baum 1 
Alizarin-F. 
Hofaii)eiter 
Anilin-F. 
Heizer 
Fuchsin-F. 
Alizarin-F. 
Baum VI. 
Alizarin-F. 
Baum V. 
Alizarin-F. 
Hofarbeiter 
^Apoplexie. 
^Tuberc d. Kehlkopf. 
^Tuberc. der Lunge. 
1 Lungenentzündung. 
Marasmus, 
j Brandwunden. 
^Lungenentzündung. 
jTubcrc. der Lunge. 
Es entfallen somit 6 Todesfälle auf die Alizarin-Fabrik und 2 auf die Ani 
lin-Fabrik. Mit der Fabrikation in director Verbindung steht keiner derselben, 
indirect könnte Andrée dahin bezogen werden. Dieser halte sich mit entzündeten 
Gasen, welche beim Oeffnen einer Kammer aus dieser schlugen, verbrannt. Die 
Brandwunden waren zwar grösstentheils oberflächlich, dieselben erstreckten sich 
jedoch über mehr als den dritten Theil des Körpers und führten am 14. Tage 
unter Erscheinungen des Starrkrampfes zum Tode. 
Invalide d. h. dauernd arbeitsunfähig wurden von 1874—1879 3 Arbeiter: 
der an Marasmus im Jahre 1876 veretorbene, seit 1875 pensidTiirte Tort und die 
zur Zeit noch pensionirten Arbeiter Teter Nuss aus Sossenheim und Johann Christ 
mann aus Höchst. 
Schwere Verletzungen, welche den Verlust eines wesentlichen Gliedes etc. 
nach sich gezogen hätten, kamen nicht vor. Es wurde überhaupt nur eine grössere 
Operation gemacht, und zwar musste dem Vorarbeiter Brendel, — dem Bruder des 
1875 an Tuberkulose des Kehlkopfes verstorbenen Brendel. — wegen Knochen frass 
des Handgelenkes der Vorderarm amputirt werden. Trotz der hereditären Belastung 
und deutlichsten Anzeigen der Scrophulose heilte die Amputalionswunde günstig 
und rasch, und Brendel versieht heute bei weitem gesunder, als vor der Ampu 
tation, den Dienst als Portier an der Fabrik-Eisenbahn. 
Was die Qualität der einzelnen Erkrankungen anbelangt, so gibt hierüber 
Tab, E. 7 Aufschluss:
        <pb n="76" />
        77 
Ge ncral-Tabc 11 c. 
Tab. K. 7. 
No 
Krkraiikungcn. 
Aliga- 
rill. 
Anilin 
Me 
chan. 
Wei k- 
slätle. 
Summa 
Pro 
cent 
satz. 
1 
2. 
S 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
y. 
10. 
11. 
12 
Infections- und allgerpeine Krankheiten 
Krankheiten des Nervensystems 
Krankheiten des Gefässsystems 
Krankheiten der Athmungswerkzeuge . 
Krankheiten der Verdauungswerkzeuge 
Krankheiten der Harn- und Geschlechts 
werkzeuge 
Krankheiten der Haut 
Krankheiten der Augen und Ohren ... 
t hirurgische Krkraiikungen 
Verletzungen 
Fabrik-Krank heilen 
Diversa 
53 
15 
4 
83 
87 
1 
42 
n 
2f) 
115 
0 
1 
59 
20 
3 
109 
111 
3 
18 
14 
24 
137 
31 
10 
3 
1 
17 
22 
1 
10 
3 
3 
38 
1 
1 
122 
38 
8 
209 
220 
5 
70 
26 
53 
290 
32 
22 
10 
3 
1 
19 
20 
0,5 
6 
2 
5 
27 
3 
0,3 
Summa 436 529 110 1075 
Dieselbe erstreckt sich iilrer 1075 einzelne Erkrankungen und lehrt, dass 
i" Verletzungen und Krankheiten der Verdauungs- und der 
mungswerkzeuge bestanden, und dass nur ein sehr geringer Procent-Satz auf 
'® l'abrikkranklieilen kommt. •• 
12 wir kuerst die Pabrikerkrankungen, so bestanden dieselben in 
allen von Vergiftungen mit Anilin, von welchen 7 im Fuchsin-, 4 im Rc- 
^*ictions- und 1 im Hlau-Kaum vorkamen, und in 20 Fällen in einer übermässigen 
'^eisssecretion an den Händen, von welchen 15 auf den Eosin-, je 2 auf den 
*^1* &gt;to|- und Orange- und 1 auf den Fuchsin-Raum fallen. 
Näh ‘^'® Kntstehuug und das Wesen des Anilismus wurde bereits oben das 
K^'sagt. Unsere Fälle entstanden alle durch Einathmung von Anilin- 
und beanspruchten eine Gesammtdauer von 1 11 Erkrankungstagen; es 
*^®rte somit im Durchschnitt jeder Fall von Anilismus zwischen 9 und 10 Tagen. 
Deber die Vertheilung auf die einzelnen .Jahre gibt Tab. E. 8 Aufschluss. 
Tab. K. 8. 
Jahr. 
Anzahl 
der Fälle, 
Gesamint- 
dauor 
derselben. 
Durchschnitt 
liche Dauer 
eines Falles. 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
3 
2 
1 
3 
3 
27 
18 
15 
35 
16 
9 
9 
15 
12 
5
        <pb n="77" />
        78 
Auch bei diesen Erkrankungen lässt sich eine Wendung zur Besserung der ' 
sanitären Verhältnisse nicht verkennen, denn einmal ist die Zahl der Ajbgiter jn 
den beiden Räumen, welche überhaupt nur in Betracht kommen, dem Reductions- 
und dem Fuchsin-Raum, von 38 im Jahre 1878 auf 55 im Jahre 1878 gestiegen, 
ferner wurden in diesen Räumen im Jahre 1878 mehr als noch einmal so viel 
Anilin verarbeitet, als in dem Jahre 1874, und dann betrug die durchsclmiiÜicUe 
Dauer einer Erkrankung im Jahre 1878 zwischen 5 und 6 Tagen, während die 
durchschnittliche Dauer dieser Erkrankungen aus den 5 Jahren 9 —10 Tage war. 
Diese günstigen Verhältnisse sind einestheils den verbesserten Ventilationseinrich 
tungen in den Räumen und den vervollkommneteren Verschlüssen an den Appa 
raten, anderentheils dèr genaueren Beobachtung der Arbeiter durch die Aufseher, 
besonders an heissen Tagen, tuzuschreiben. Es gibt nämlich Fälle von Anilismus. 
in welchen sich die Lippen der Arbeiter als Zeichen der beginnenden Intoxication 
bläuen, ohne dass der betretende Arbeiter subjective Empfindungen der ihn ¡be 
drohenden Krankheit hat. Wird hierauf von Seiten der Aufseher geachtet und'der 
Arbeiter aufmerksam gemacht und veranlasst, den Raum zu verlassen, so koihmt 
ein eigentlicher Anfall von Anilismus nie zum Ausbruch, sondern der Arbeiter ist im 
Stande, nach wenigen Stunden seine Arbeiten wieder aufzunehmen. Auch wird es 
mit der Zeit dahin kommen, dass Erkrankungen an Anilismus durch die eigentliche 
Fabrikation, d, h. durch Entweichen von Anilin-Dämpfen bei derselben, entweder 
ganz vermieden oder wenigstens auf ganz leichte Formen beschränkt werden, 
während durch Verschütten von Anilin beim Ausleeren von Gefässen, in specie beim 
Reinigen von Anilin-Apparaten oder durch Reparaturen an denselben die Gefahr 
für Anilismns nicht ganz zu vermeiden sein wird. 
Fälle von sog. chronischem Anilismus, wie diese von Hirt in Hyde bei Man 
chester beobachtet wurden, kamen bis jetzt, trotzdem einzelne Arbeiter in den be 
treffenden Räumen 6—10. ja 14 Jahre beschäftigt sind, nicht vor. Die Er 
scheinungen dieses chronischen Anilismus sollen neben Sensibilitäts- und Motili- 
täts-Störungen in Störungen der Verdauung und Erkrankungen der Haut be 
stehen , — von solchen Symptomen konnten wir jedoch, weder bei den Arlæitern 
in dem Fuchsin-, noch bei denen im Reductionsraum, etwas wahrnehmen. In dom 
Fuchsinraum praevalirten zwar die Erkrankungen der Verdauungswerkzeuge der 
art, dass von 88 in denselben vorgekommenen Erkrankungen 21, also ca. 25 pGt., j 
auf die Verdauungswerkzeuge entfallen, allein in keinem einzigen Falle handelte 
es sich hier um chronische AITectioncn; es waren dies stets leichte acute Magen- 
und Pharyngeal Catarrhe, wie sie auch in allen übrigen Räumen.in specie auch i 
bei den Hofarbeitern und in der mechanischen Werkstätte in gleicher Häufigkeit j 
workommen. So entfallen z. B. bei dem Fuhrwesen von 32 Erkrankungen 23, ! 
also 72 pCt., in der mechanischen Werkstätte von 110 Erkrankungen 22, also 
20 pOt., auf die Krankheiten der Verdaungswerkzeuge, — gewiss kein Unter 
schied, der zu der Annahme einer schädigenden Einwirkung des Anilins auf die 
Digestions-Organe berechtigte. Aehnlich liegen die Verhältnisse im Reductions- 
raum, ln ihm kamen von 48 Erkrankungen 9, also nicht ganz 20 jtCt., auf die i 
Verdanungswerkzeuge. 
Auch einen Einfluss a uff Erkrankungen der Haut ergeben unsere Tabellei' 
nicht, indem unter den 1 3(1 Erkrankungen in dem&gt; Fuchsin- und Reductions-
        <pb n="78" />
        79 
Raumen 8, von den 110 Erkrankungen in der .inechauischen WerksUitte 10 auf 
die Haut-Erkrankungen fallen. 
'on AíTeclionen der Central-Organe kamen gar keine Erscheinungen vor, 
''oder über Motililäts- noch Sensibilitäts-Störungen, weder über Hyperästhesien 
•'ocli Anästhesien wurde von den Arbeitern in den betreffenden Räumen geklagt. 
Ein sehr gutes Yorbeugungsmittel gegen solche chronische, gewerbliche 
ergiftupgen besteht jedenfalls neben einer guten, nicht in den Arbeitsräumen 
staUfindenden Ernährung des Körpers, und einer geregelten Hautpflege, in dem 
möglichst langen Aufenthalte in freier Luft, wie denselben ein grosser Theil der 
öchster Arbeiter durch ihren oft stundenlangen 'Veg m und von der Fabrik 
geniesen. 
Ebensowenig wie chronische Anilin-Vergiftungen konnten wir bei den 
Reuten einen Einfluss auf die Respirations-Organe beobachten. Bekanntlich be- 
^opten Rörig, Friedrich. Dupuy u. s. w,. dass unter dem Einflüsse von 
nilindämpfen sich häufig Bronchial-Catarrhe und deren Folgezustände entwickel- 
Dagegen macht Hirt darauf aufmerksam, dass die Arbeiter, von welchen 
? Autoren sprechen, in Anilin - Farben - Fabriken beschäftigt waren, und dass 
’*1 diesen neben dem Anilin noch andere Agen tien in Betracht kommen, welchen 
•er als dem Anilin die Einwirkung auf die Bronchial-Schleimhaut zuzumessen 
Ensere Beobachtungen bestätigen die Richtigkeit der Annahmen von Hirt. 
Von allen Erkrankungen in allen Abtheilungen der Fabrik ent 
eilen (Tab. E. 7) 19 pCt. auf die Erkrankungen der Athmungs- 
^^b‘ine; von den 88 Erkrankungen in dem Fuchsin- und den 48 in 
Heduotionsrauin kommen 8 resp. 14 auf Erkrankungen der Luft- 
also bilden letztere in dem Fuchsin-Raum 10 pCt., in dem 
^ •^'luctions-Raum 30 pCt. sammtlichcr in diesen Räumen beobachteten 
"•"krankungen. Nun haben wir oben gesehen, dass von den 12 Fällen 
Anilismus 7, also 58 pCt, auf den Fuchsin- und nur 4, also 
pCt., auf den Reductions-Raum kommen. Hieraus dürfen wir 
^l'liessen, dass die vermehrten Erkrankungen der Luftwege in dem 
^^ductions-Raum — 30 pCt. gegen den obigen Durchschnitt von 
pCt. -T- nicht dem Anilin, sondern einer anderen Schädlichkeit 
^'Uzuschreihen sind. Als solche ist jedenfalls der starke Luftzug in 
betretlenden Raume anzusprechen. 
ln dem Raume also, in welchem die meisten Fälle von Anilis- 
vorkamen, ist der Rrocentsatz der Erkrankungen der Luftwege 
nin die Hälfte geringer, als der Durchschnitt in sämmHieben 
‘^'•nien, und in dem Reductions-Raumc, in welchem der entsprechende 
/^^entsatz höher ist, liegt eine andere Ursache näher, als Anilin. 
1 entspricht der Verlauf der einzelnen Erkrankungen der Imftwege 
in Räumen nicht obiger Behauptung von Rörig u. s. w., denn 
einem einzigen Falle waren es chronische Catarrhe oder Emphy-
        <pb n="79" />
        80 
seme, die zu unserer Beobaelitung kamen, sondern es waren: 15 Fälle 
von acutem Bronchial-Cat., 3 Fälle von Lungenentzündungen, 2 Rippen 
fellentzündungen und je 1 Fall von Tuberculose und Laryngeal-Catarrh. 
Eine schädigende Einwirkung der Anilin-Dämpfe auf die Ath- 
mungswerkzeuge fand demnach in unseren Fällen nicht statt, dagegen 
konnten wir neben der Bestätigung der oben pg. 20 u f. beschriebenen 
centralen Erscheinungen in 3 Fällen eine bisher in der Literatur nicht 
verzeichnete Einwirkung des Anilins auf die Harnwerkzeuge beobachten. 
In diesen Fällen trat nämlich kürzere oder längere /eit nach Eintritt der 
anderen Symptome von Anilismus eine heftige Strangurie auf, welche in einem 
Falle noch fortbestand, nachdem alle anderen Krankheitserscheinungen ver 
schwunden waren. 
Die ersten derartigen Beobachtungen wurden im Jahre 1877 gemacht. 
Zwei Arbeiter reinigten im Juli d. J. einen eisernen Cylinder, wie dieselben zur 
Destillation von Anilin benutzt werden. Beide bekamen durch Verdunsten von in 
dem Cylinder rückständigem Anilin Anilismus und beide litten, obgleich früher 
nie blasenleidend, durch mehrere Tage an vermehrtem Drange zum flamen an 
Schmerzen beim Harnen und an Blutabgang mit dem Urin. Die Dauer der Er 
krankung betrug bei dem Einen 9. bei dem Anderen Iti Tage so dass beide 
schon zu den schwereren gerechnet werden müssen, 
Der dritte Fall betraf den Arbeiter K.. welcher am 20. December 1878 
durch Verschütten eines Kübels sich den Rücken, die Arme und die Kleider mit 
Anilin übergossen hatte. Neben den gewöhnlichen Symj)tomen trat am 22. De 
cember unter Schmerzen in der Blasengegend eine quälende Strangurie mit blut- 
rothem Urin auf, welche bis zum 28. December anhielt. Alle anderen Symptome 
waren bereits am 25. vollständig verschwunden. Auch dieser Fall muss sowohl 
nach seiner Dauer, als auch nach seiner Entstehung in specie dem Quantum des 
verschütteten Anilins zu den schwereren gerechnet werden. 
In diesen 3 Fällen haben wir es mit einer Cystitis acuta zu thun, welche 
ihre Entstehung dem Anilin verdankt. Dieses muss hier ähnlich wie Cantharidin 
wirken. Die Erklärungsweise der Art der Wirkung ist jedoch bei diesem Stolle 
leichter, weil derselbe auch nach der äusseren Einwirkung in Form von Blasen 
pflaster, als solcher resorbirt und durch die Nieren ausgeschieden wird, also wohl 
durch seine directe Berührung die Blasensclileimhaut reizt und entzündet. D:is 
Anilin wird jedoch, wie pag. 19 bereits erwähnt, nicht durch den Urin ausge 
schieden, und es bleibt somit unerklärt, in welcher Form der Zersetzung diis 
Anilin seine reizende Wirkung auf die Schleimhaut der Blase ausübt. Vor der 
Hand ist nur zu constatiren, dass in allen 3 Fällen die Einwirkung des Anilins 
eine stärkere und von den weitaus meisten der anderen Fälle des Anilismus, ver 
schieden war. Während nämlich von den 12 beobachteten Fällen von Anilismus 
8 ihre Entstehung der Einathmung von Luft in den Arbeitsräumen, welche mit 
Anilindämpfen und in 2 Fällen mit Spuren von Nitrobenzoldämpfeii leicht ge 
schwängert war, verdankten, entstanden die 4 übrigen durch Einwirkung von 
concentrirteren Dämpfen, und bei 3 von diesen 4 Fällen traten die beschriebenen 
Symptome von Strangurie auf. Auch ist bei diesen 4 Fällen die Möglichkeit
        <pb n="80" />
        81 
einer coinMniiten Anilin-Wirktmg: durch Einatlimung der Dampfe und durch Re 
sorption mittelst der Haut nicht von der Hand zu weisen, indem in den zwei 
Italien beim Reinigen von Cylindern die Hände, in den 2 anderen durch Ver 
schütten nicht von Kleidern bedeckte Theile des Obeikörpers mit dem Anilin in 
irecte Berührung kamen. Wie bereits pag. 19 erwähnt, ist diese Frage der 
esorption des Anilins durch die Haut noch eine offene. Greif sagt zwar (Corre- 
spondenz-Blatt des niederrheinischen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, 
and II. pag. 98), dass „Anilin oder Nitrobenzol durch Athmung oder durch 
ufsaugen durch die Haut schädlich wirken“, allein Thatsachen für die Richtig- 
®it dieser Annahme sind nirgends erbracht. 
Wir kommen nunmehr zu deti erwähnten *20 Fällen von vermehrter 
('liweissecretion, welche Anfangs ausschliesslich im Eosin-Raum, später 
auch im Naphtol-, dem Orange- und dem Fuchsin-Raum auftraten. 
^ Beobachtung stammt aus der zweiten Hälfte des Jahres 1877 und 
p. Arbeiter S. aus Höchst. Bei einer schmerzhaften Empfindlichkeit der 
P 'K^i'spitzen beider Hände bestand eine solche Vermehrung der Schweisssecre- 
d nach erfolgter Abtrocknung der Hände der Scliweiss sofort wieder von 
M n '^K®rn herabträufelte. Nach 5 Tagen war unter Anwendung adstringirender 
^ ‘wel die Haut wieder normal. Derselbe Arbeiter erkrankte später noch 2 Mal unter 
enseiben Erscheinungen, einmal im October und das andere Mal im November 1877. 
ehnl,che Erscheinungen boten die Arbeiter H. aus Schwanheiiu und G. aus 
diesen 5 im Jahre 1877 beobachtelen Fällen kamen im .Jahre 
2 weitere 15 hinzu und entfallen von letzteren 10 auf den Eosin-Raum, je 
Orange- und Naphtol-Raum und 1 auf den Fuchsin-Raum. Das Krank- 
^ei sbild ist bei allen Beobachtungen dasselbe. Nach kürzerem oder längerem 
^ n enthalte in dem betreffenden Ramne fangen die Fingerspitzen und nicht selten 
des Daumens an schmerzhaft zu werden,; die Hände stehen in Cou- 
i^nnsstellung; in den meisten Fällen entstehen Schrunden an der Volariläche 
in ' IIi" dem Handteller; in einigen (3) Fällen bildeten sich Abscesse; 
Zu- 1'allen ist die Schweissecretion eine so starke, dass die 3'ropfen dicht 
^janimen stehen und beim Abwärtssenken der Hände abtllessen. Dabei ist das 
Oiilf^ nach keiner Richtung gestört, und weder makroskopisch noch 
roskopisch noch dem Gerüche nach an dem Schweisse etwas Abnormes nach- 
^'“Weisen. 
Be Ursache dieser Hyperidrosis localis ist. müssen erst noch weitere 
^^^0 JUchtungen lehren: für jetzt steht nur fest, dass das fertige Eosin event. 
^ aiige u. s. w. die Materia peccans nicht sind, indem in dem Lager- und Expe- 
welchem die Arbeiter täglich mit ihren Händen in Berührung 
Au J ^^ireffenden Stoffen kommen, nie eine .solche Erkrankung beobachtet wurde, 
oin^ * die bis jetzt beobachteten Fälle dafür, dass nicht alle Arbeiter, 
"ämp^ '**’*®®*' hohem Grade, zu dieser Affection disponirt Smd ; es erkrankten 
* 'c I 1878 von den 15 in dem Eosin-Raum beschäftigten Arbeitern: 
7 gar nicht an Hyperidrosis, 
2 1 Mal „ „ 
2 2... 
1 4 „ „ „ 
r.
        <pb n="81" />
        H2 
Die Dauer siimmllicher Erkrankungen war eine sehr kurze, und zwar betrug 
die mit denselben verbundene Arbeitsunfähigkeit: 
in 4 Fällen 0 Tage, 
„ 1 Fall 1 Tag, 
„ 3 Fällen 2 Tage, 
- «d „ 3 „ 
r r ^ »" 
„2 ,, ,, 
,. 1 Fall 6 „ 
„1 „••••* 12 „ 
Es kamen somit auf 20 Fälle GO Erkrankungstage. d. h. auf den einzelnen 
Fall im Durchschnitt 3 Tage. 
Bezüglich der Behandlung wurde den Arbeitern prophylactisch das Ver 
meiden scharfer Substanzen beim Waschen der Hände und Einreibungen von 
Talg nach dem Waschen angerathen. Gegen die Hyperidrose selbst wurden ad- 
stringirende Salben und mehrtägige Entfernung aus dem Kaum verordnet. 
Fassen wir säinmlliehe s. g. Fabrik-Erkrankungen zusaninicn, so 
machen dieselben (32 auf 1075) 3 pCt. aller Erkrankungen aus. 
Bringen wir ihre Dauer in Anschlag, so gestaltet sich das Verhältniss 
für sie noch günstiger. Säm int liehe Erkrankungen erforderten nämlich 
11352 Krankheitstage; von diesen kommen auf die Fabrik-Erkran 
kungen 171, also nur 1,5 pGt. Die durchschnittliche Dauer aller 
Erkrankungen betrug 10 Tage; dieienigen der Fabrik-Erkrankungen 
nur 5, so dass somit die Fabrikerkrankungen, sowohl ihrer 
Zahl, als auch ihrer Schwere nach, auf den uns beschäfti 
genden Fabriken sehr wenig in die Wagschale fallen. 
Gehen wir zu den anderen Erkrankungen über, so stehen der 
Zahl nach die Verletzungen mit 27 pCt. oben an. 
Dieselben bestanden : 
1) in 117 Fällen von Quetschungen 
2) „ 90 „ „ Verbrennungen. 
3) „ 51 r « traumatischen Augenentzündungen, 
4) „ 14 , „ Brüchen, 
5) „ 5 p p Luxationen, 
G) ,, 4 „ „ Verstauchungen. 
7) ^ 4 „ p Muskelzerrungen und 
8) , 4 „ r offnen Wunden, 
im Ganzen also 289 Fälle. Von allen diesen Fällen war jedoch kein einziger, 
trotz der langen Dauer einiger Heilungen, besonders nach Verbrennungen, niB 
einem bleibenden Nachtheile für die Gesundheit oder dem Verluste eines Gliedi*!^ 
verbunden. 
An die Verletzungen schliessen sich die Erkrankungen der Respira 
tions- und Verdaunngs-Werkzeuge mit 19 resp. 20 pCt. Unter den 
ersteren, von welchen im Ganzen 209 Fälle zur Behandlung kamen, prävalire"
        <pb n="82" />
        83 
die Catarrhe der Laftröhren-Schleinihant mit 1 32 Erkrnnkungeii. Dieselben bilden 
somit 63 pCt. aller Erkrankungen der Luftwege. An sie scliliessen sich 30 Fälle 
von Pneumonie, 12 Fälle von Pleuritis 7 von Hämoptoe, einige Fälle an Laryn 
gitis, Tuberculose, Asthma u. s. w. ohne dass jedoch, wie Tab. E. 9. 10 und 1 1 
ergeben, in einzelnen Räumen eine oder die andere Lungenerkrankung prävalirte. 
Unter den Erkrankungen der Verdauungs werkze uge. deren 220 Fälle 
behandelt wurdeq. stehen die Magen- und Darm-Catarrhe mit 119 Fällen, oder 
pCt. in dem Vordergrund. In zweiter Linie folgen Pharyngeal-Catarrhe und 
^ndelentziuidun¿en in der Anzahl von 40. FällenjJdaniijkoimuen 12 Fälle von 
Cardialgie, einige Fälle von Kolik und Cholerine und vereinzelte Fälle von Ty 
phlitis und Magenblutungen. Unter allen diesen Fällen finden sich jedoch schwere 
Störungen der Verdauung nicht, in specie sind chronische Catarrhe des Magens 
*^ur in vei-einzeltan Fällen und gunz ausser Zusammenhang mit der Fabrikation 
'orgekommen. Beispielsweise sei angeführt, dass bei dem Fuhrwesen mit 15 
ann 13. in dem Fuchsin-Ra ime mit 40 Mann 21 Erkrankungen der Verdauungs- 
Werkzeuge vorkamen, und dass der einzige Fall von zahlreichen Recidiven eines 
^lagen-Catarrhs bei dem Fuhrwesen sich fand. 
^on den übrigen Erkrankungen verdienen nur noch die Infections- und all- 
^cnieine Krankheiten einige Worte. Unter ihnen prävaliren die Rheumatismen 
Sehr wesentlich, und zwar machen diese unter 122 Fällen mit 87 Fällen 71 pCt. 
äus. Weitaus die meisten derselben waren Muskelrheumatismen ; acuter Golenk- 
j^ieumatismus kam nur in einem Falle zur Beobachtung. 
Unter den übrigen Infections- und allgemeinen Krankheiten finden sich: 
1) 
2) 
3) 
4) 
5) 
6) 
11 Fälle an intermittirondem Fieber. 
10 „ ,, Erysipel. 
7 „ „ Typhus, 
4 ,, Diphteritis, ; 
2 ,, ., Feb calarrhalis, 
1 tScrophulose. 
^lle andern Erkrankungen sliid so unwesentlich, dass dieselben ausser ihrer 
■ W^'ihnung und Zusammenstellung in der Generaltalielle, einer weiteren Bespre- 
■c Hing nicht bedürfen. 
I^a.s weyentlicite Resultat dieser Zusaiiimcnstellung, wie sie Tab. 
10 und 11 giebt, ist die Tbatsacbe, dass weder in einem ein 
zelnen Fabrik-Raum noch in den P^abrik-Räumen im Allgemeinen 
.^^St'nüber den Re.schäftigtingeii in der mecbáni.sclien Werkställe, auf 
s. w., Krk rank ungen irgend eines Organes prävaliren. 
Hofe u. 
"i'li liefert diese Zn.snmmenslellung den Beweis, dass üborliaupt P&gt;- 
^’’•‘nkungen iq den P'abrik-Räumen nicht häufiger sind, als ausser 
^ W'^^f'lbeu, und dass somit von einem naclitliei ligen liinfluss der 
^^brikation auf die Arbeiter iiiclit dip Rede sein kamt. In 
^^Grbinduitg mit Tab. D. ß a. und b. zeigt ^ie ferner, dass auch der 
A ufen totale in doit P'äbrikations-Räunt^n keineswegs erhöhte 
’’‘inkheits-Brócente mit sielt bringt, wie dw^ses am deutliclisten der 
C*
        <pb n="83" />
        «4 
Fnchsin-Haum /oigt. ln ihm sind im Durchschnitt 34 Arbeiter im 
Jahre 1878 beschäftigt gewesen; von denselben sind die Hälfte länger 
als 3 Jahre in demselben, und gerade auf diese entfallen von den ‘24 
Alizarin- 
N.V 
L lind II 
Ill 
IV 
3. 
4. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12 
Infections- und allge 
meine Krankheiten. 
Krankheiten des Nerven 
systems. 
Krankheiten des Gefäss- 
systems. 
Krankheiten der Alh- 
mungswerk/.euge. 
Krankheiten der Ver 
daunngswerkzeuge. 
Krankheiten der Harn- 
lind GeschKchtswcrk- 
zeuge. 
Krankheiten der Haut. 
Krankheiten der .\iigen 
und Ohren. 
Chirurgische Erkrankun 
gen. 
Verletzungen. 
Fahrikkraukheiten. 
Diversa. 
Rheum. 4 
ntermittens 2 
Erysipel 2 
Xcur. supraorb. 2 
\eur. cer. occip. 1 
Congestionen I 
Bronch. ("at. 
Hämopt. 
I’neumon. 
Cat. ventric. 12 
('at. pharyng. 
Párulis 
Cholerine 
Cardialgic 
.Magenblutung 1 
Hodenentzündg, 
Rheum. 
Intermittens 
Erysipel 
Diphlerit. 
Bronch. ('at. 
Bronchitis 
Pneumonie 
Pleuritis 
Cat. ventric. 
Cat. pharyng. 
Cholerine 
Párulis 
Cardialgic 
Hämorrh. 
Eczern 
•'arunkel 
'hiegmone 
Conjunct, cat. 3 
Panaritium 
.\bscesso 
Fiissgescbwürc 
Entzdg. Kniege 
lenk 
Caries 
Conjunct.traum. 
Verbrennungen 
(Quetschungen 
Rheum. 8 
Ii.termittens 1 
Typhus 1 
Üiphtcrit. 1 
Neur. supraorb. 1 
Ncur. occipit. 1 
Ischias 1 
Bronch. Cat. 
Pneu mon. 
Pleuritis 
Laryngitis 
10 Cat. ventric. 
4 Cat. pharyng. 
Cholerine 
Cardialgic 
Dyspeps'e 
Eczern 
Urticaria 
Otitis, ulcerosa 1 
Panaritium 
.\bscessQ 
Ulcus 
Entzündung, 
Ellenbogen 
Periostitis tibiae 1 
Conjunct.traum. 7 
Verbrenuuugenl3 
(Quetschungen 13 
Muskelzerrung 2 
Fracturen 
Eczern 
Carbunkcl 
Herpes Zoster 
Panaritum 
Abscess 
Conjunct, träum. 2 
Verbrennungen 0 
(Quetschungen 
Fractur 
Luxation 
Wunde 
90 
I ^ i ^ r 
— 85 — 
Erkrankungen, welche 1878 in dem Fuchsin-Raume beobachtet wurden, 
nur 6, während die übrigen 18 Erkrankungen meistens frisch cingc- 
tretene I^eute befielen. 
Fabrik. 
Tab. E. 9. 
VI 
VII 
Hof und 
Kesselhaus. 
Suinina. 
Rheum. 
Neur. trigein. 1 
Rronch. Cat. 
Rneumon. 
Cat. ventric. 
Cat pharyng. 
1^ nolcnnc 
r 
Rhuum. 
Eiysipel 
Ischias 
Lumbago 
Bronch. Cat. 
Bronchitis 
Pneumonie 
Pleuritis 
Cat. ventric. 
llCat. pharyng. 
Párulis 
Rheum. 
Erj'sipel 
Prosopalgie 
Bronch. Cat. 
Bronchitis 
Pneumonie 
7 Cat. ventric. 
1 Cat. pharjng. 
'''Czem 3 
("arunkel 2 
yythein 2 
Phlegmone 1 
Otitis ] 
Panaril. 
träum. 3 
Verbrennungen 7 
^^etsch ungen 5 
Oistorsioii 1 
Farunkel 1 
'htigmonc I 
Conjunct. 
Panarit. . 1 
Abscess ¡ 2 
Entzdg. Kniege 
lenk i 1 
Conj. träum. 1 
Verbrennungen 3 
Quetschungen 11 
Luxationen 2 
Rheum. 
Febr. larvata 
Diphteritis 
Neur. catarrh. 
Neur. supraorb. 
Febr. occipit. 
Ischias 
Apoplexie 
Vit. cord. 
Bronch. Cat. 
Bronchitis 
Tuberculose 
Cat. ventric. 
Cat. pharyng. 
Párulis 
12 
Fiu'uiikel 
Scabies 
.Abscess 
Quetschungen 
Distorsion 
Eczcin 
Urticaria 
Phlegmone 
Farunkel 
Conj. cat. 
Ulcus 
Keratitis 
Abscess 
Periostitis 
Luxation 
Entzdg. Kniege 
lenk 1 
Quetschungen 4 
Verbrennungen 1 
Distorsion 1 
Muskelzerrung 1 
Mania acuta I 
47 
49 
21 
73 
53 
15 
3 
83! 
87 
42 
2(1 
115 
435
        <pb n="84" />
        87 
Anilin 
Mo. 
Nitro 
benzol. 
lleduction. 
Fuchsin. 
Illau. 
Dahlia. 
ürün. 
7. 
lÜ. 
11. 
12. 
Infections- u 
allgemeine 
Krankheiten. 
llhcum. 3 
In term. 1 
Rheum 2 
To hyp h o id 
Rheum. 12 
nterm. 1 
ITiysipc^ I 
Krankheiten fTiUmbSg. 2 
des Nehcn- 
systetns. 
Krankheiten 
des Gelass- 
systems. 
Kr; nk hei ton Bronchial- 
der AI h- Cat. 8 
mungswerk- Pneum. 2 
zeuge. Tu here. 1 
Meur.occ Iffschias 8 I 
bum bag. 3 
Neuralgi 3 
Rheum. 5 
Acuter Ge- 
lenkrhcu- 
malism. 1 
Typhus 1 
schias 1 
Neuralg. 1 
Krankheiten 
der Vel'dau- 
ungsrtcrk- 
zeugo. 
Krankheiten 
der Harn- u. 
Gosch lechts- 
werkzeuge. 
Krankheiten 
der Haut. 
Krankheiten 
der Augen u 
Ohren. 
Chirurgische 
Krkçvn- 
kungen. 
Ver 
letzungen 
Fabrik- 
Krankheiten. 
Diversa. 
Cardialg. 1 
Cholcrin 1 
Bronchial- 
Cat. 11 
Pneum. 2 
Tubcrc. 1 
Ijntesl. C. 6 
Phar. C. 1 
Cholerin. 1 
6'ámorrh 1 
Otitisexi. 1 
Blutge- 
schwür 1 
Erfrorene 
Fusse 1 
Verbren 
nung 
Summa 
19 
Eezem 1 
Phlegm. 1 
Oedem. 1 
Otitisex. 2 
Conjunct.1 
Lid. Oed. 1 
Farunkcl 1 
Gonitis 1 
Frost 
wunde 1 
Conj. tr. 2 
Quetschg.2 
Verbren 
nung 
Fractur 1 
Anilism. 4 
Bronchial- 
Cat. ’ 4 
Laryng.C 1 
Pneum. 1 1 
Pleurit. 2 
Intest.CA 8 
Cardialg. 4 
Phar. C. 4 
Párulis 2 
Icterus ; 1 
Typhi, st. 1 
Dyspep» 1 
Balano|Jo- 
stitis ( 1 
Erythem 1 
Ucticarin 1 
Prurigo 2 
Carbunk. 1 
Otorrhoe 
Bronchial- 
Cat. 5 
Pneum. 1 
Häraopt. 1 
Intest. C. 3 
Phar. C. 1 
Nephritis 1 
Rheum. 1 
Typhus 1 
fntarm. 1 
Ischias 1 
Brohchial- 
Cat. 8 
Lan C. 1 
'neum. 1 
Intist. C. 4 
Phar. C. 1 
Magenblu 
tung 1 
Quetschg 7 
Verbren 
nung 11 
Conj. tr. 1 
Fractur 1 
Anilism. 
Hyperh. 
Quetschg. 
Verbren 
nung 
Conj. tr. 2 
Anilism. 1 
Rheum. 1 
Bronchial 
Cat. 3 
Laryng.C 1 
Pneum. 1 
Hämopt. 1 
Intest. C. 2 
Colic 
Scabies 
Farunkcl1 
Otitis 
Gonitis 
Panarit. 
A b^ccss 
Qudtschg.? 
Verbren 
nung 
Conj. tr. 3 
Verstau 
chung 1 
Gonitis 
Panarit. 
Quetschg. I 
Verbren 
nung 
Conj. tr. 
48 
88 
26 
36 
25 
Fabrik. 
Tab. E. 10. 
Eosin. 
Naphtpl. 
Drange. 
Lager. 
Schlosser 
u Heizer. 
Hof. 
Fuhr 
wesen. 
Sa. 
Rheum. 1 
Rheum. 3 
Erysipel 2 
Typhus 1 
Diphther. 1 
Scrophul.l 
Neuralg. 2 
Rheum. 1 
Bronchial 
Cat. 2 
Pleuritis 1 
Intest. C. 7 
Phar. C. 1 
*urulis 1 
Colic 1 
'typhlitis 1 
Strangur. 1 
Vit. cord. 1 
Bronchial 
Cat. 3 
Pleurit. 1 
Tuberc. 1 
Intest.C. 4 
Dys peps. 1 
Cholcrin. 1 
Vit, cord 2 
Bronchial- 
Cat. 1 
Bronchit. 1 
Intest. C. 1 
Colic. 1 
Eczem 1 
Phlegm. 1 
Eczem 
Bronchial- 
Cat. 6 
Bronchit. 1 
Pneum 3 
Pleuritis 1 
Asthma 1 
Emphys. 2 
Intest.C. 4 
Phar. C. 3 
t'holorinel 
Folie 1 
Dyspeps. 1 
Tänia 
1 ¡Scabies 1 
Phlegm. 1 
Bronchial 
CaU 3| 
’neuin. I 
luteste. 6 
Phar. C. 2 
Párulis 1 
Keratitis 1 
(jlcus am 
^agelglied 
Coujunct.2 
Ulcus 2 
Panarit. 1 
Otitis ex. I 
Queisi 
Vei’brcn 
chg.a C 
niing 
Conj. tr. 
r ractur 
:'onj. tr. 
Verbren 
nung 
Conj. tr. 2 
Quetschg. 1 
Gonitis 1 
Panarit. 1 
Abscess 1 
Eingew 
Nägel I 
j. tr. 3 
Quetschg. 
Verbren- 
2 Conj 
nung 
Luxation 1 
Ulcus 
Abscess 
Sehnen- 
scheiden- 
Enlz&lt;lg. I 
Conj. tr. 2 
3 Quetschg.9 
Verbren 
nung 
Hyperh. 15 
Ilyperh. 2 
Hyperh. 2 
Rheum 11 
Interin. 1 
Typhus 1 
Erysipel 2 
Neur.ilg. 
Rheum. 2 
Bronchial 
Cat. 19 
Pneum. 3 
Pleurit. 1 
Tuberc. 1 
Hämopt I 
Intest. C. 5 
Phar. C. 5 
Cholcrincl 
Párulis 1 
Cardialg. 1 
Bronchial 
Cat. 3 
Pneum. 2 
Intest C.t 
Phar. C. 2 
Dyspeps 
Eezem 1 
Oedem. 1 
(]arbunk. 1 
Gonitis I 
Fussge- 
lenk-Ent- 
zündg. 1 
Qutschgl6 
Verbren 
nung 
Fraetur I 
Verstau 
chung 
Otitis ext.1 
Entziindg, 
Ellenbo 
gen-Ge 
lenk I 
Quetschg 6 
Fraelur 
Luxati n 1 
59 
20 
109 
111 
18 
14 
24 
137 
31 
47 
27 
15 
52 
31 
83 
32 
529
        <pb n="85" />
        88 
Mechanische Werkstiitle. 
Tab. K. 11. 
El krankimgen. 
; i 
Werkstätje. 
Maurer. 
Summa 
Beinerkungeiij 
fi. 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 
Ififi.ctions- mul allge 
meine l{ rank hei len 
Krank hei len ¡des Ner- 
ven.syslein(s 
KraTikheiten! des Ge- 
fäss.s\ slem.s. 
Krankheiten der Ath- 
nuingsweikzeuge. 
Krankheiten der Ver 
• dauungswerkzeuge. 
Krankh. der Harn u. 
i Gesell lecbtswcrkz. 
Krankheitciv d. Haut. 
Krankheiten d. Augen 
und Ohren. 
Chirurgische Krank 
heiten. 
Verlelzungeii. 
Fabrik-Kraiskheitcn. 
Diversa. 
Bhi.'uma ‘ (i 
Intermití. 2 
Typhus ; 1 
iÿeur. trig. • 2 
Lumbago j 1 
ficrzermüdimg 1 
Summa 
Bronch Cat.: 
Laryng.Cat. 
pneumonic ; 
Pleuritis ; 
Asthma 
Darm- Cat. 
Pharyng.Cal 
Colik 
Peritonitis 
Darm - Entzün 
dung 1 
Gastralgie 1 
Hoden - Entzün 
dung 
Phlegmone 
Farunkel 
Otitis cxt. 
ponj. cxt. 
panaritium 
Geschwür 
Conj. träum 
Quetschungen 15 
Verbrennungeid) 
Fracturen 3 
\V unden ' 2 
Muskelzerrung 1 
Coiidyl. ani; 1 
Kheiima 1 
Broijih.Cat. 
Darm-Cat. 1 
I’harjng.Cat.l 
97 
Phlegmone 2 
AbsJess 1 
Quetschun 
gen 2 
Fraclur 1 
Wunde 1 
VerUrennungl 
Anilismus 1 
10 
3 
1 
17 
22 
Zu Tab. I. cj 
wird bemerkt, 
ddss aus dem] 
J‘1874 keinej 
Krankenbo-1 
richte der I 
mpchanischeij 
Wçrkslalte da 
sind und dast^ 
im J. 1875 
über die Ar-j 
beiter der 
Werkstätte u. 
die Maurer j 
eine gemein-: 
.ichafi liehe 
Lüste geführt 
wurde. 
13 
1 
10 
3 
3 
38 
110 
Zum Schlüsse füge ich eine getrennte Zusammenstellung der Er 
krankungen in den einzelnen Abtheilungon der Anilin-Fabrik bei als 
weiteren Beleg für meine obige Behauptung. Der Reihe nach betragen 
die Procentsätze der Erkrankungen: 
1. iu dem Eosin-Rauin . . 
2. Naphtol-Rauin . 
3. „ ., Orange-Raupi . 
4. ,, ,, Heductions-Raum 
5. bei dem Fuhrwesen . . 
b. in dem Fuchsin-Raum . 
94 pCt. 
93 
75 
74 
71 
64 
}» 
I
        <pb n="86" />
        80 
7. 
8. 
■0. 
10. 
11. 
12. 
bei den Hilfsarbeitern 56 pCt. 
in dem Grün-Raum ........ 55 „ 
;;—.; Nttrobeníot-ltaTiTTí': t~7 . 'iflrT,'' 
bei Arbeitern in dem Lager 43 
in dem Blau-Raum 40 „ 
I 12. ., ,, Dahlia-Raum 40 „ 
Belraelitet man diese Zahlen näher, so ergiebt feich ein wesent 
licher (Unterschied zu Ungunsten der Fabrikation nicht. Nur in dem 
Uosin-Èaum waren es mit der Fabrikation in Verbindung stehende 
l'älle \|on Hyperidrose, welche den hohen Procentiatz aasmachen; 
allein diese Fälle waren alle so leicht und verliefen so vollständig 
ohne ajle allgemeine Gesundheitsstörungen, dass denselben ein hoher 
^^erth nicht beizulegen ist. In dem Orange-, dem Naphtol- und dem 
11 eductions-Raum waren es chirurgische Erkrankungen, welche den 
- '^^oentsab: erhöhten. Alle übrigen Räume stehen unter jdem Durch-. 
^hnitt der bei dem Fuhrwesen Bediensteten. 
__ _ S[)e( iell sei noch erwähnt, dass bei den in den Lagerräumen beschäf- 
l'gten Arbeitern, welche mit dem Verpacken der fertigen Farbstofle zu 
ll‘un halben und hierbei den ganzen Tag über dem fein vtertheilten Staube 
derselben ausgesetzt sind, fast die günstigsten Gesundheitsverhältnisse 
herrschten. 
«i. Raum: Nitrobenzol. Tab. K 12. 
• Durchschnittlich. 
9 ^^'"itcrbcstand.. 
- ^"zahl d Erkran 
o 
IfocüntRatiidoroi: 
K'-ankheiten.... 
1874. 
1875. 
1876. 
1877. 
■ 1878. 
Durch 
schnitt. 
13 
6 
- 
4 
4 
4 
4 
10 
*3* 
11 
2 
'S* 
3,8 
100 
100 
30 
18 
46 
45 , 
Raum: Reduction. 
Tab. K 13. 
3 
•:íSS;M 
*^^ankheitcn.... 
1874. 
6 
5 
83 
1875. 
13 
12 
90 
1876. 
13 
6 
46 
1877. 
17 
7 
41 
1878. 
21 
17 
81 
Vcrletzun 
gen. 
Durch 
schnitt. 
13 
9,5 
74
        <pb n="87" />
        ao 
Raum: Fuchsin. Tab. K H. 
1874. 
1875. 
1876. 
1877. 
1 
1878. 
Durch 
schnitt. 
1. Durchschnittlich. 
Arbeiterbestand. . 
2. Anzahl d. Erkran- 
32 
20 
64 
Ver- 
dauungs- 
|werkzeuge. 
22 
22 
100 
Äth 
in ung.s- 
werkzeuge. 
24 
11 
46 
Rheuma 
tismus. 
30 
11 
36 
Ver 
letzungen. 
34 
24 
70 
Ver 
dauungs 
werkzeuge. 
28 
18 
64 
3. Procentsatz d. er 
krankten Arbeiter 
4. Prävalirende 
Krankheiten 
Raum: Blau. 
Tab. E 1.^- 
1874. 
1. Durchschnittlich. 
Arbeiterbcstand.. 
2. Anzahl d. Erkran 
kungen 
3. Procentsatz d. er 
krankten Arbeiter 
4. Prävalirende 
Krankheiten 
15 
7 
47 
1875. 
1876. 
3 
3 
100 
15 
6 
40 
1877. 
1878. 
17 
6 
35 
18 
4 
22 
Durch 
schnitt. 
Raum: Dahlia. 
13,6 
5,2 
40 
Tab. K l6- 
1874. 
1875. 
1876. 
1877. 
1878. 
Durch 
schnitt. 
1. Durchschnittlich. 
Arbeiterbestand.. 
2. Anzahl d. Erkran 
kungen 
18 
4 
22 
16 
19 
4 
16 
6 
14 
6 
18 
7 ^ 
3. Procentsatz d. er 
krankten Arbeiter 
4. Prävalirende 
Krankheiten 
22 
Ver- 
73 
Ath- 
21 
36 
43 
Bronehial- 
Catarrh, 
Ver 
letzungen 
40 
dauungs- 
werkzeuge. 
mungs- 
werkzcuge.
        <pb n="88" />
        91 
Raum: Grün. Tab. E 17. 
1874. 
1875. 
1876. 
1877. 
1878. 
Durch 
schnitt. 
Durchsdinittlich. 
Arbeiterbcsfand.. 
• Anzahl d. Erkran- 
Kungenl 
8 
3 
38 
Aih- 
mungs- 
werkzeuge. 
9 
9 
100 
Ver 
letzungen. 
9 
4 
44 
Ver 
letzungen. 
9 
4 
44 
8 
4 
50 
Ver 
letzungen. 
8,6 
4,8 
55 
Procentsatz d. er- 
. krankten Arbeiter 
PnivaUrknde 
Krankheiten . . 
Raum: Kosin. Tab. E 18. 
1874: 
1875. 
1876. 
1877. 
1878. 
Durch 
schnitt. 
ßurchsdhnittlich. 
y Weiterbestand.. 
' Anzahl jd. Erkran- 
kungen, 
— 
13 
9 
69 
Ver 
letzungen. 
24 
17 
70 
Ilyperi- 
drose und 
Ver 
dauungs 
werkzeuge. 
14 
21 
150 
Hyperi- 
d rosis. 
17 
16 
94 
1 
yocentnatz d. er- 
4 Arbeiter 
Pr&amp;valirende 
Krankheiten 
Raum: Napbtol. Tab. K 19. 
1874. 
1875. 
1876. 
1877. 
1878. 
Durch 
schnitt. 
Durchschnittlich. 
2 A ^Weiterbestand.. 
' r^ahl d. Erkran- 
‘''■auk liciten 
El 
. ' 
•st seit 187 
8 in Betrie 
b. 
29 
27 
93 
Ver 
letzungen. 
29 
27 
93
        <pb n="89" />
        92 
Raum: Orange. Tab. K 20. 
1874. 
1875. 
1876. 
1877. 
j 1878. 
Durch 
schnitt. 
1. Durchschnittlich. 
Arbeiterbestand.. 
2. Anzahl d. Krkran- 
kungen[ 
3. Procentsalz d. ei- 
krankten Arbeiter 
4. Prävalirende 
Krankheiten 
Kr 
st seit 187 
8 in Hctrii 
:b. 
20 
15 
?.. 
Chirurg. 
Krkran- 
kungen. 
20 
15 
7. 
Raum: Lager. Tab. K 21 
1874. 
1875. 
1876. 
1877. 
1878. 
Durch 
schnitt. 
1. Durchsi 
Arbeite 
2. Anzahl 
kungen 
3. Procent 
krankte 
4. Prävalii 
Krankh 
shnittlich. 
rbestand.. 
d. Krkran- 
20 
5 
25 
12 
8 
66 
20 
9 
45 
Ath- 
mungs- 
werkzeuge. 
28 
11 
40 
Ver 
dauungs 
werkzeuge. 
40 
19 
47 
Alh- 
mungs- 
werkzeuge. 
24 
10 ; 
43 
satz d. er- 
n Arbeiter 
•ende 
siten .. :.. 
Tab. K 2:i. 
Ilülfsarbeiler, Heizer, Schlos.ser, Hofarbeitcr. 
Dm ch:^ 
luid* 
löib. 
10/ Í. 
1 O 1 o. 
schnitt. 
- 
1. Durchschnittlich. 
Arbeiterbestand.. 
2. Anzahl d. Erkran 
kungen 
3. Procentsatz d. er 
krankten Arbeiter 
4. Prävalirende 
Krankheiten 
37 
24 
65 
Ver 
letzungen. 
23 
33 
143 
Catarrhe. 
45 
18 
40 
Ver 
letzungen. 
46 
20 
43 
Ver 
letzungen. 
53 
20 
38 
Ath- 
niungs- 
werkzeuge 
Verletzun 
gen. 
41 : 
23 
56
        <pb n="90" />
        93 
Fuhrwesen. 
Tab. K 23. 
1874. 
• !;)"'ch.schnill|¡ch. 
Arheiterbestand. . 
d. Krkran- 
o Ju"fçcn 
1 '■«cunt.salz d. er- 
Krankten Arbeiter 
f'avalirende ‘ 
Krankheiten 
1875. 187r,. 
13 
• 11 
65 
Ver 
letzungen' 
Ver- 
dauungs- 
werkzc-uge. 
1877. 
14 
14 
100 
Ver 
letzungen, 
Ver 
dau ungs- 
werkzeujre. 
1878. 
15 
7 
46 
Ath- 
mungs-, 
Ver 
dauungs 
werkzeuge. 
Durch 
schnitt. 
14 
11 
71 
Reimer. 
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