49 Ungarn keine Gefabr, denn die Deutschen verabscheuen den starren Zentralismus, welchem die geistig und kulturell weit unter ihnen stehenden slavischen Völker offenbar zustreben; ihren Bedürfnissen entspricht weit mehr ein Bundesstaat, dessen ein zelne Glieder möglichst wenig in ihrer freien Beweglichkeit ge hemmt erscheinen, welcher aber trotzdem einer kräftigen Ober leitung nicht entbehrt, denn nur eine solche ist im Stande, feind liche Angriffe mit Erfolg abzuwehren und die Nation dauernd vor dem Zerfall zu schützen. Für Oesterreich-Ungarn ist es demnach geradezu eine Lebensfrage und für das Deutsche Reich ist es von äußerster Wichtigkeit, daß in den Ländern diesseits der Leitha die Deutschen, jenseits derselben die Magyaren die Herrschaft in Händen behalten. Nun machen freilich, wie wir gesehen haben, weder die Deutschen hüben noch die Magyaren drüben auch nur die Hälfte der Einwohnerschaft aus, dennoch ist jedes dieser beiden Völker in seiner Reichshälfte nach immer das tonangebende. Am wenigsten ist es leider in Cisleithanicn das deutsche Volk. Wenn übrigens die Deutschen Oesterreichs gegenwärtig an allen Ecken und Enden vor dem slavischen Ansturm zurückzuweichen gezwungen sind, so tragen sie an dieser bedauerns werthen Schwäche ohne Zweifel selber den größten Theil der Schuld. Bcthört durch hohle Schlagworte, durch internationale Mächte beeinflußt, ordneten sie verschiedenen, oft einander schnür- stracks entgegengesetzten Parteibestrebungen das nationale Wohl unter und bewilligten den Slaven, welche die Parteiströmungen zu benutzen wußten, aber nie in wahlberechtigtem Egoismus ihr nationales Interesse aus dem Auge verloren, eine Forderung nach der andern, bis ihnen schließlich die Bäume über den Kopf zu wachsen drohten. Trotz alledem besitzen die Deutschen über die anderen Völkerschaften der cisleithanischen Kronländer noch 4