66 Luxemburg. Nach der Zählung im Jahre 1885 betrug die Bevölkerung des bekanntlich durch Personalunion mit Hol land verbundenen Großherzogthums Luxemburg 213,283 Per sonen, von denen nach Hübner's geographisch-statistischen Ta bellen (Jahrg. 1888) ungefähr 209.600 Deutsche sind. Trotzdem also die Einwohner des Großherzogthums durchweg deutsch reden, ist die französische Sprache zur Amtssprache erhoben; es ist traurig, um keinen schlimmeren Ausdruck zu gebrauchen, daß man sich derartiges gefallen läßt. Nach dem Tode des gegenwärtigen Großherzogs. Königs Wilhelm III der Niederlande, ist Herzog Adolf von Nassau von Rechts wegen zur Thronfolge berufen; dann wird die sogenannte „luxemburgische Frage" ohne Zweifel wieder auf der Bildfläche erscheinen. Die Luxemburger wollen gern auch ferner dem deutschen Zollverein angehören, sie verabscheuen jedoch eine Einverleibung in das Deutsche Reich. Das heißt mit andern Worten: sie wollen die wirthschaftlichen Vortheile einer engeren Verbindung mit dem großen und mächtigen Deutschen Reiche behalten, verschmähen es aber, die mit denselben verbundenen Lasten und Pflichten auf sich zu nehmen Derartige Verhält nisse können unmöglich auf die Dauer geduldet werden. Belgien. Die Bevölkerung des Königreiches Belgien scheidet sich, abgesehen von einer verhältnißmäßig geringen Zahl Deutscher in Flamländer oder Vlämen und Wallonen, erstere dem germanischen, letztere dem keltisch-romanischen Stamm angehörend. Die Abstammung spiegelt sich auch in der Sprache wieder: die Wallonen sprechen einen französischen Dialekt, wäh rend das Vlämische nur in unbedeutendem Maße von dem Holländischen abweicht; das Vlämische soll für einen Norddeut schen noch leichter verständlich sein als das Holländische.