47 etmgc «stunden gearbeitet, wenn es früh 7 Uhr zur Schule kommt und durch das an ocm Tage bereits Erlebte, Gesehene, Gehörte wird auch in der Schule die Aufmerksamkeit vom Unterricht abgelenkt. Hausaufgaben können bcm Kinde nicht gegeben werden Man sollte meinen, die frühzeitige Arbeit mache die Finger geschickt. Dies ist dà aus nicht der Fall, denn unsere Kinder sind unbeholfen und stellen sich weder mm ^reiben noch zum Zeichnen geschickt an, weil die Beschäftigung im Sticksaale eine aan- culseitige ist, welche wenig Geschicklichkeit erfordert. — Die Kinder lernen wenig von ihrer nächsten Uingebung kennen; was ihnen nicht am Wege zur Fabrik oder am Schulweae üegt, hat kein Interesse für sie, daher wird über Mangel an Beobachtung geklagt Auch das Interesse an irgend einem Unterrichts-Gegenstände zu erwecken, hält schwer ' das Ķind hängt an der Arbeit und diese nimmt alle seine Gedanken und Sorgen in Anspruch - - - Mit dem Eintritt in das Fabrikleben hört überhaupt die Sorglosigkeit, die Harm losigkeit, die wohlthuende körperliche und geistige Frische auf und die Arbeit in der Fabrik bildet nunmehr den Mittelpunkt im kindlichen Leben, während cs in diesen Jahren nur die Schule sein sollte." (Gutachten der Lehrer in Plauen.) Ueberall dort, wo nur wenige Kinder die Fabrik besuchen, wird ein besonderer (Halbtags-Unterricht) sich nicht einrichten lassen; dann aber muß ber Unterricht vollends ungenügend sein — falls nicht alle andern Schul kinder darunter leiden sollen. Wenn im Uebrigen auch zugegeben werden kann, daß die Arbeit allein die Kräfte der Kinder nicht übermäßig in Anspruch nimmt, so bleibt doch anderseits wahr, was der Fabrik-Jnspector be züglich Lüdenscheid (1886) hervorhebt: daß die Fabrikkinder täglich ìn Fabrik und Schule zusammen mindestens 9 Stunden (abgesehen Non dem Wege zwischen Fabrik, Schule und Wohnung, der täglich mehrere Male zurückgelegt werden muß) geistig und körperlich angestrengt werden, d. h. pro Woche 54 Stunden, also 22 Stunden mehr als bie übrigen Kinder. Jedenfalls wird für Theilnahme an den Spielen ber Jugendgenossen in Gottes freier Natur wenig Zeit und Lust mehr übrig bleiben, und auch die Erinnerung an die „frohen Tage der Ķindheit und Jugendzeit" für das ganze Leben verkümmert sein. Deutschland darf vor dem entscheidenden Schritt: Verbot der Kinder arbeit in Fabriken um so weniger zurückschrecken, als sowohl die Schweiz wie Oesterreich uns mit gutem Beispiel vorangegangen sind. Wie Fabrikinspector Schuler (in seinem bereits angeführten Referat) consta- kiren konnte: „ist es (geradezu) auffallend, wie die Opposition" — in ļļ er Schweiz, wo auch das Verbot „zuerst zu den schlimmsten Voraussagen Anlaß gab" — „verstummt ist und nur noch die Nichtübereinstimmung zwischen der Schul-Gesetzgebung der meisten Kantone und dem Fabrik gesetz als schwerer Nachtheil empfunden wird." Es muß dieses um so wehr ermuthigen, als die Schweiz mehr noch wie Deutschland auf den Export angewiesen ist, welcher durch die wachsenden Schutzzoll-Bestre bungen der verschiedenen Länder noch erschwert wird. Was speciell die oft behauptete „Unentbehrlichkeit der Kinderarbeit aus technischen