Staub bewirkte mechanische Reizung der Lunge eine der wesentlichsten Gelegen heitsursachen für die Infection mit Tuberculose darstellt. „Verhältnißmäßig weit gefährlicher noch als die Stallbinhalationskrank heiten sind die durch die Einathmung giftiger Stoffe hervorgerufenen Er krankungen. Unter diejenigen Betriebe, in beiten unter 100 Arbeitern durch schnittlich 65—80 an gewerblichen Vergiftungen leiden, rechnet Hirt: „Die Gewerbebetriebe der Feucrvcrgoldcr und Feuerversilberer, Gürtler, Spiegelbeleger; das Arbeiten in Arsenik-, Blei-, Quecksilberhütten, mit bleihaltiger Nähseide, das Aufträgen bltlhaltiger Glasuren mittels Einstäuben, das Auspressen der gebrauchten Quecksilberbeutel, die Eontre-Oxidation des Eisens, das Einstäuben von Brüsseler Spitzen und weißen Glace handschuhen mit Bleiweiß, das Entsilbern des Werkbleies, die Herstellung der Zündmasse für Phosphor-Zündhölzchen, das Pattinsvnicren, das Verpacken der fertigen Chromfarben; die Fabrication von eisenhaltigen Anilinfarben, Buntpapieren, künstlichen Blumen, Baum wollstoffen und Tapeten, von Bleiweiß, von Blumenblättern, von Kupfereifenfarben, Phos phor-Zündhölzchen, Schweinfurtergrün, Zündhütchen. „Nach demselben Autor leiden unter 100 Arbeitern durchschnittlich 25—30 an gewerblichen Vergiftungen in folgenden Betrieben: In den Gewerbebetrieben der Anstreicher, Buchdrucker, Färber, Maler, Lackirer, Pho tographen, Zinngießer; in Blei-, Arsenik-, Quecksilbergruben, in Antimon-Gruben und -Hütten, beim Arbeiten mit Quecksilbermethyl, in Feilenhauerwerkstätten, beim Auftragen bleihaltiges Glasuren mittels Eintauchen, beim Bürsten der Strohhüte mit Bleiweiß, beim Beizen der Felle mit Arsenik und Quecksilber, beim Destilliren des Phosphors, beim Verzinnen und Verzinken; bei der Fabrication von Alkaloiden, arsenfreien Anilinfarben, arseniger Säure, Bleichromat, Bleizucker, bleiernen Spiegelrnhmen, von Chlorzink, Droguen und chemischen Präparaten, Firniß, physikalischen Instrumenten (Barometern und Thermometern), 3 ot)ä methyl, giftgrünen Kerzen, Knallquecksilber, Mennige. Musivgold, Musselinglas, optischen Gläsern, Rauch- und Schnupftabak, Telegraphenglocken, Verbandstoffen (Carbol- und Sa licylsäure), Zinnober, Zinnsalz. „Es ist eine große Zahl von Betrieben, die für die in ihnen Beschäftigten Gesnndheitsschädigungen erheblichsten Grades bedingen, und ein beträchtlicher Procentsatz aller gewerblichen Arbeiter gehört ihnen und andern, wenn auch min-° der, so doch immer noch so stark gefährdeten Betriebsarten an, das; unter dem Einfluß der Beschäftigung die Sterblichkeit gegenüber derGesammtbevölkerung eine verhältnißmäßig große ist. Wenn wir daher die durch gewerbliche Krankheiten hervorgebrachten Schädigungen an Leben und Gesundheit mit des Gefährdung der arbeitenden Bevölkerung durch Betriesunfälle vergleichen, so ist unverkennbar, daß letztere in ihrer Bedeutung gegen erstere erheblich in den Hi"' tergrund treten." Wir könnten die beigebrachten Beweise — namentlich aus England — dusch manchfache weitere Beispiele bestätigen (vergl. unsern Artikel „Arbeiterfrage" im „Staats-Lexicon" S. 295 ff.); wir beschränken uns auf die Wiedergabe folgender. Von den 16 000 Arbeitern der Krupp Äschen Gußstahlfabrik starben (nach Beyer', Fabrik-Industrie des Reg.-Bez. Düsseldorf) in den drei Jahren von 1872 - ^ 429, davon 172 (fast 40 Procent) an Lungen- und Kehlkopfschwindsucht - c * n um so höherer Bruchtheil, wenn man bedenkt, daß nur gesunde Arbeiter auf Grund vorheriger ärztlicher Untersuchung angenommen werden. Neben der'