98 rath" an jener Aufgabe mitzuarbeiten hatten, diese Fragen z» lösen, überlassen wir den ausführenden Behörden." Handelskammer zu Worms. „Die wichtigste wirthschaftliche Angelegenheit, die in der Berichtspericde zur Verhandlung und mit einer Ausnahme zum Austrag kam, war der Abschluß der Zollverträge mit Oesterreich, Italien, der Schweiz, Belgien und Spanien. Wir haben zu verschiedenen Malen, während der Verhandlungen, theile- aus eigner Initiative, theils auf Veranlassung hiesiger Industriellen, die hiesigen Interessen den maßgebenden Stellen gegenüber zum Ausdruck gebracht, und sind noch in der letzten Zeit wegen des spanischen Vertrags thätig gewesen. Da die betreffenden Berichte und Eingaben sich der Oeffentlichkeit entziehen, geben wir hier nur eine Resolution, welche die Handelskammer im December 1891, kurz nach Bekannt- werdung der Verträge mit Oesterreich und Italien, an den Reichstag gefaßt hat: „Obgleich die Tragweite der Handelsverträge für alle Zweige der deutschen Industrie und des deutschen Handels im Einzelnen noch nicht übersehen werden kann, glaubt die Handelskammer doch ihr Urtheil darüber im Ganzen dahin abgeben zu können, daß die Handelsverträge sich als wohlthätig für die deutsche Industrie und den deutschen Handel erweisen werden." Die Handelskammer bat bei verschiedenen Gelegenheiten, insbesondere in ihren beiden letzten Jahresberichten für 1886/87 Seite 47 u. ff. und für 1888/89 Seite 35 bis 38 befürwortet, das seitherige System der autonomen Zolltarife und der einfachen Meistbegünftignngskausel zu verlassen und zu dem der Vertragstarife überzugehen, selbst wenn damit auch Differentialtarife nothwendig würden. Zugleich wurde der Wunsch ausgesprochen, mit den mitteleuropäischen Staaten in ein Zollbündniß zu treten, daß unter Anderem gegen das Prohibitivsystem Rußlands und der Vereinigten Staaten von Nordamerika Front mache und diese Staaten zwinge, entweder ihre Grenzen unseren Waaren zu öffnen, oder sich für ihre Ausfuhrartikel höhere Zölle bei dem lieber schreiten unserer Grenzen gefallen zu lassen. Nach dieser Richtung hin scheinen die vorgelegten Zollverträge unseren Wünschen zu entsprechen Jedenfalls haben sie die Folge, die seither in fortwährender Steigerung begriffene wirthschastlickw Absperrung der Nationen von einander für längere Zeit zu unterbrechen, für diese Zeit stabile Verhältnisse zu schaffen und der wirthschaftlichcn Thätigkeit der vertragschließenden Völker zu gestatten, sich nach Normen einzurichten, deren Be ständigkeit für eine Reihe von Jahren gewährleistet ist. Was die besonderen Geschäftszweige unseres Bezirks betrifft, so ist hervorzuheben, daß in dem öster reichischen Vertrag der dortige Zoll auf Lackleder aus die Hälfte (von 18 fl. aus 9 fl.) herabgesetzt ist und der deutsche Zoll aus Lohrinden für alle meistbegünstigten Staaten, also auch für Frankreich wegfällt. In Bezug auf die Kornzölle haben wir seither immer keinen der extremen Standpunkte eingenommen. Im Jahre 1885 haben wir für eine mäßige Erhöhung der Kornzölle laus 3 Mt. für Roggen und Weizen) gestimmt, aus Gründen, die wir in dem Jahresbericht für das Jahr veröffentlicht haben, und es blieb uns daraufhin der Vorwurf, agrarische Tendenzen zu haben, nicht erspart. Dagegen haben wir zwei Jahre später. 1887, unsere Stimme nicht einer nochmaligen Erhöhung dieser Zölle auf 5 Mt. gegeben, wofür wir uns den Vorwurf, Manchestermauucr zu sein, gefallen lassen mußten. Die jetzt vorgeschlagene Herabsetzung aus 3,50 Mk. entspricht demnach dem, was