<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Eduard August</forname>
            <surname>Schroeder</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>829740287</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>41 
Der einzige Schriftsteller, welcher einen Unterschied zwischen 
Unternehmen und Wirtschaft wirklich machen wollte, ist Aristoteles. 
»'Ort ovv ovx 'h àvTïi Tr¡ oíaovouLXt¡ r¡ iQr¡yLazi0TLXí]u. schreibt 
der hellenische,Weltweise, und damit meint er, wie er auch weiter aus 
führt, dass sich die Wirtschaft durch ihren Erwerb an Naturalien von 
dem Unternehmen, welches den Erwerb von Geld (Reichtum) anstrebt, 
unterscheidet. Nach den Betrachtungen in dem vorigen Teile unserer 
Arbeit ist es zweifellos, dass der griechische Philosoph zu diesem 
Irrtum durch die augenblickliche Entwickelung der wirtschaftlichen 
Zustände seiner Zeit, welche sich eben in dem Übergänge ’der Na 
turalwirtschaft zum Geldunternehmen befand, geführt wurde. 
Dass es aber nach Aristoteles niemand unternommen hat, den 
Unterschied zwischen Unternehmen und Wirtschaft wissenschaftlich 
festzustellen, hat seine Ursache in der allgemein aner 
kannten Voraussetzung, dass jedes Unternehmen zu 
gleich Wirtschaft ist. Aber es bedarf bloß der Frage, 
ob auch jede Wirtschaft zugleich Unternehmen sei, was 
gewiss verneint werden muss, um dazu gezwungen zu 
sein, eine Unterscheidung zwischen Unternehmen und 
Wirtschaft zu machen. 
Jedes Unternehmen ist zugleich Wirtschaft, aber nicht jede 
Wirtschaft zugleich Unternehmen. Es ist nämlich in dem Streben 
jedes Unternehmens auch die Thätigkeit der Wirtschaft eingeschlossen, 
während die Wirtschaft nicht immer das Streben des Unternehmens 
aufweist. Das Unternehmen birgt etwas in sich, was über die 
Wirtschaft hinausgeht. Es entsteht nun die Frage, ist dieses Etwas, 
dieses charakteristische Merkmal des Unternehmens ein Fertiges, 
ein Gewordenes, oder ist es erst ein Unfertiges, ein Werdendes? 
Entsteht das Unternehmen früher als die Wirtschaft, oder entsteht 
es später? 
Die Antwort ist leicht. Das Unternehmen entsteht sowohl 
historisch als auch organisch ehe noch eine Wirtschaft gedacht 
werden kann, es entsteht in dem Streben nach Wirtschaft. 
Das Unternehmen sucht die Güterelemente zu vereinigen, es 
ist das wirtschaftliche Beginnen. 
Das Unternehmen ist die junge Wirtschaft. 
Sein Ziel ist ein sichererer, gefahrloserer Bestand, die Wirt 
schaft; das Ziel der Wirtschaft ist die Selbsterhaltung. 
*) Politik A. III. 2.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
