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        <title>Das Unternehmen und der Unternehmergewinn vom historischen, theoretischen und praktischen Standpunkte</title>
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DAS UNTERNEHMEN 
UND DER 
IJNTERNEHMERGEWINN 
VOM 
HISTORISCHEN, THEORETISCHEN UND PRAKTISCHEN 
STANDPUNKTE. 
EDUARD AUGUST SCHROEDER. 
WIEN, 
DRUCK UND VERLAG VON CARL QEROLD’S SOHN. 
1884.
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VOM 
HISTORISCHEN, THEORETISCHEN UND PRAKTISCHEN 
STANDPUNKTE.- 
VON 
EDUARD AUGUSTjJCHROEDER. 
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DRUCK UND VERLAG VON CARL GEROLD’S SOHN, 
1884.
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Alle Rechte Vorbehalten 
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        VIRIS DE OECONOMIAE PUBLICAE DOCTRINA EGREGIE 
MERITIS, PRAECEPTORIBUS ACADEMICIS, 
DD. 
HEIDELBERGENSI 
ET 
ÜÆEISrC3-Eït 
. VTNDOBUNENSI 
HUNC LIBRUM GRATI ANIMI DOCUMENTEM EXTARE 
VOLÜIT 
VINDOBONAE, MDCCCEXXXIIII. 
EDÜARD11S AUGUSTOS SCHROKIIER.
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        Vorwort. 
nl)ie erkeiiDtriis-theoretischen üutersuchungeu auf dem Ge- 
biete (1er politischen Ökonomie sind, zumal in Deutschland, bisher 
noch keineswegs zu einer eigentlichen Methodik dieser Wissenschaft 
vorgedrungen.« So Menger '), und wie, um diesen Satz fortzusetzen, 
schreibt Knies®): «Gewiss steht die Methode der-Untersuchung, 
Beweisführung und Schlussfolgerung, welche in einer wissenschaft 
lichen Disziplin zur Anwendung gelangt, im engsten Zusammen 
hänge mit dem gesamten Charakter derselben. Darum wirkt der 
Fortschritt einer Wissenschaft im großen und allgemeinen ganz 
besonders auch auf die in ihr gültige Methode ein, und umgekehrt 
hat jede bedeutendere Besserung in der Methode der Untersuchung 
den erheblichsten Einfluss auf die Wissenschaft im ganzen aus 
geübt. Offenbar hängt es von dem Wege, den man einschlägt, ab, 
ob man ein erstrebtes Ziel erreicht oder verfehlt.« 
In keiner Frage der theoretischen Nationalökonomie hat die 
Wahrheit der Aussprüche dieser bedeutenden Volkswirtschaftslehror. 
welche, obgleich sie selbst der theoretischen Forschung hingeneigt 
sind und auf diesem Gebiete Großes erreichten, in selbständigen 
Werken die Methodik der politischen (Ökonomie untersucht haben, 
mehr herausgestellt,, als in der Frage nach dem Wesen und Inhalte 
des Unternehmens und des Unternehmergewinnes. Zahlreiche Gelehrte 
haben auf diesen Gegenstand ihre Untersuchungen konzentriert, 
') Untersuchungen über die Methode der Sozmlwissenschaftcn (Leipzig 
1H8.3). S. V. 
*) Die politisclie Ökonomie vom gesciiichtliciien Standpunkte (Diaun- 
scliweig 188.8). S. 453.
        <pb n="10" />
        VI 
aber sonderbarer Weise sind sie dabei nicht von dem Begriffe 
des iJnteriiehmens ausgegangen, obgleich einige ihn zu definieren 
getrachtet haben, sondern, ohne einen logischen Faden vom 
Unternehmen zum Unternehmergewinne zu spinnen, an 
die Forschung des letzteren geschritten; sie haben das 
Dach aufgeführt, ehe der Unterbau fest und sicher dagestanden 
hat. Kann ein Zweifel obwalten, dass diese Verirrung durch den 
Mangel einer gesunden Methodik entstanden ist? Wenn z. B. 
Koscher in den Momenten des Verkehrs und der Gefahr die bezeich 
nenden Merkmale des Unternehmens findet, so müsste folgerichtig 
sein flUnternehmerlohn« ein Lohn für Gefahr und Verkehr sein, er 
entdeckt aber an ihm nur eine praktische Eigenschaft, die, dass 
er nicht wie der Lohn ausbedungen werden kann. Wenn Rau die 
Verbindung der Güterquellen zum Zwecke der Produktion Unter 
nehmen nennt, so hätte er den Unternehmergewinn als ein Resultat 
aus dieser Verbindung und der Produktion entwickeln müssen, 
wozu auch er nicht gelangt, und über den Unternehmergewinn 
praktische Betrachtungen anstellt. 
Das Studium der methodischen Werke meines verehrten Lehrers 
Menger und des hochverdienten Knies in Heidelberg, welcher in 
dieser Richtung, wenn er auch nicht vom Katheder aus zu mir 
gesprochen hat, mein zweiter Lehrer geworden ist, hat mich ver 
anlasst, das Unternehmen und den Unternehmergewinn auf Grund 
der methodischen Untersuchungen der beiden Gelehrten zum Gegen 
stände meiner theoretischen Erwägungen zu machen, welcher wohl 
allen mit unserer Wissenschaft Vertrauten das Gefühl aufdrängt, 
dass er bisher noch keineswegs einer befriedigenden Lösung ent- 
gegengeführt worden ist. Hat sich mit ihm doch so oft schon und 
immer neuerdings der forschende Geist beschäftigt: und während 
ich dieses Vorwort schreibe, gelangen zwei neue Schriften '), welche 
«Die Lehre vom Unternehmergewinn«, nicht aber auch die Lehre 
des Unternehmens behandeln, in meine Hände. 
Nicht allein der Umstand, dass man das Wesen des Unternehmer 
gewinnes ohne methodischen Zusammenhang mit dem Begriffe, dem 
') Mataja, Die Lehre vom Untornehmergewinn (Wien 1884), und Groß, 
Die Ijchre vom Unternehmergewinn (Leipzig 1884).
        <pb n="11" />
        VII 
und Inhalte des Unternehmens als generelle Menschheits 
erscheinung zu erforschen suchte, sondern auch, dass man stets 
bemüht war, den Unternehmergewinn durch das zu erklären, als 
was er empirisch erscheint, und nicht als das hinzustellen, was 
das Wesen seines Seins ausmacht: entsprang aus dem Mangel jeder 
klaren wissenschaftlichen Methode. 
Indem ich nun in der vorliegenden Schrift mich bestrebt 
habe, die methodischen Untersuchungen Knies und Mongers zu 
verwerten und die historisch-empirischen Postulate des Ersteren 
und die exakten des Letzteren in Verbindung zu bringen; so 
unternahm ich dies aus dem Grunde, weil, wie ich mit dem 
Hechte des eingehenden Studiums der betreffenden Werke, welche 
dem oberflächlichen Leser ihre Verfasser als methodische Gegner 
erscheinen lassen dürften, behaupten kann, sich die Resultate der 
beiden Reformatoren unserer Wissenschaft in der Wahrheit begegnen, 
welche ebensoweit von der reinen Geschichtsforschung und ihrer 
empirischen Folgerungen, als von der Einengung der Geistesarbeit 
auf ein rein exaktes Gebiet unserer Wissenschaft entfernt ist; der 
scheinbare Gegensatz der Anschauungen beider Autoren entsteht 
dadurch, dass Knies die letztere und Menger die erstere bekämpft. 
Durchaus jedoch ist Knies kein engherziger und abges^ter Feind 
&lt;ier exakten Richtung in der Forschungsweise der politischen Öko 
nomie. nUm die Gesetzmäßigkeit der Analogie herauszustellen«, 
schreibt er'), »hat man nicht nur die Übereinstimmung in dem 
Gattungsmäßigen der thatsächlichen Erscheinungen und beziehungs 
weise der Reihe aufeinander folgender Thatsachen vorzuführen, 
sondern auch die Übereinstimmung und beziehungsweise die Ana 
logie der ursächlichen Kräfte.« Und gebührt doch Knies für 
alle Zeiten die Anerkennung der Entdeckung einer der exaktesten 
Wahrheiten unserer Wissenschaft, der Lehre nämlich von der 
Verschiedenheit der- Werte nach Stoff, Form, Ort oder Zeit®). 
Einer empirischen Betrachtung wäre die Erkenntnis dieser elemen 
taren Teile des Wertes niemals möglich geworden, weil sich ja 
*) Polititische Ökonomie vom geschichtlichen Standpunkte (Leipziir 
1883). S. 480. V F b 
*) Tübinger Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft 1856. Die 
nationalökonomische Lehre vom Wert.
        <pb n="12" />
        ■ "7 
VIII 
nirgend in der realen Welt Güter vorfinden, welche nur einen 
dieser Werte besitzen, sondern in jedem konkreten Falle alle drei 
Wertelemente in sich vereinigen. Menger nun ist allerdings ein 
Gegner jener Meinung, «welche die Erscheinungen der Volkswirt 
schaft nur in unzertrennbarem Zusammenhänge mit der sozialen 
und staatlichen Entwickelung der Völker« ') zu verstehen trachtet, 
aber er kann sich der Ansicht nicht entgegenstellen, ja er geht 
mit ihr, dass die exakte Richtung der Forschung im Gebiete der 
politischen Ökonomie zu verwerfen sei, «sobald von jenem Stand 
punkte aus die volle Wahrheit des wirklichen Lebens durch die 
Wissenschaft reproduziert werden solle« “) ; denn diese zu finden, 
ist die Aufgabe empirischer Untersuchungen. Aber er tritt dafür 
ein, dass nicht die volle Wahrheit des wirklichen Lebens allein 
zu erforschen, Aufgabe der theoretischen Forschung sei, sondern auch 
die selbständigen Kräfte und Gesetze, aus welchen das reale Leben 
entsteht. Wie sich der reine Sauerstoff nirgend in der Natur vor- 
finJet, so gehört auch z. B. der reine Ortswert der realen Welt 
nicht an, sie existieren darum doch beide, das erstere als natür 
liches, das letztere als ökonomisches Element, uud sind mensch 
licher Erkenntnis zugänglich. Und Menger verkennt keineswegs 
die große Bedeutung, welche die Erkenntnis der wirtschaftlichen 
Erscheinungen auf historischer Grundlage für die theoretische For 
schung hat. «Die exakten Wissenschaften«, sagt er“), «ignorieren 
demnach ebensowenig die Thatsache der Entwickelung der Phäno 
mene, als das Postulat einer jeden Theorie, dem Wechsel der 
Erscheinungen, welche sie uns zum Verständnisse bringen soll, in 
allen Phasen zu folgen«. Die großen Resultate, welche ein unbe 
strittenes Verdienst Mongers sind, wie z. B. seine exakte Theorie 
über den Ursprung des Geldes■‘), den Ursprung des Rechtes^) 
') Dietzel, Die Volkswirtschaft und ihr Verhältnis zu Gesellschaft und 
Staat (Frankfurt a. M. 1864). S. 52. 
') Knies, Die politische Ökonomie vom Standpunkte der geschichtlichen 
Methode (Braunschweig 1853). S. 29. 
®) Untersuchungen über die Methode der Sozial Wissenschaften (Leipzig 
1883). S. 116. 
Untersuchungen. S. 172 u. ff. 
*) Untersuchungen. S. 271 u. ff.
        <pb n="13" />
        IX 
und auch seine Güterlehre ') sind auf historischer Grundlage ent 
standen. 
Was Beiden gemeinschaftlich ist, drückt sich darin aus, dass 
sie den Kampf gegen die Unklarheit, gegen die Verquickung der 
nationalökonomischen Litteraturgeschichte mit der Wirtschafts 
geschichte einerseits und der theoretischen Nationalökonomie mit 
der Wirtschaftspolitik andererseits, mit rücksichtsloser Wahrheits 
liebe und Überzeugungstreue führen. 
Meine grolle Verehrung für die beiden Volkswirtschaftslehrer 
habe ich, ihrem Beispiele getreu, nicht darin zu dokumentieren 
gesucht, dass ich in sklavischer Nachahmung eine Reproduktion 
ihrer wissenschaftlichen Resultate vornahm. Ich habe meinen eigenen 
Weg eingeschlagen und verfolgt, nachdem ich einmal den Aus 
gangspunkt desselben gefunden hatte, aber ich habe die methodi 
schen Fortschritte des Heidelberger und des Wiener Gelehrten zu 
meinem Wegweiser gemacht. Und was das Sachliche anbelangt, so 
war es mir durchaus nicht schwer, auch Meinungen auszusprechen 
und zu begründen, welche den Ansichten eines der beiden Gelehrten 
nicht entsprechen; denn es würde ja gewiss weniger Verehrung 
darin liegen, Meinungsdifferenzeu zu verschweigen, als sie auszu 
sprechen. Nicht darin wurzelt ja der Dank gegen einen verehrten 
Lehrer, dass man dessen Geistesergebnisse um knetet und verviel 
fältigt, sondern auf der empfangenen Grundlage auf dem Wege 
der Forschung vorwärtsstrebt. 
Die Erkenntnis des Wesens und Inhaltes und des 
generellen Zusammenhanges der Erscheinungen des 
Unternehmens und des Unternehmergewinnes, die 
Unterscheidung der Menschheits-Phänomene: Unter 
nehmen, Wirtschaft und Volkswirtschaft, und die Ent 
deckung der natürlichen und wirtschaftlichen Ele 
mente in der Natur einerseits und im Menschen 
andererseits, welche von mir Trinitas der Kräfte 
genannt sind: stellen neue, nirgend ausgesprochene 
Theorien dar; diese sind es, welche ich durch die Wid 
mung dieses Buches auf den Altar der Verehrung gegen 
Knies und Menger niederlegen zu dürfen glaube. 
') Grundsätze der Volkswirtschaftslehre (Wien 1871). S. 36 u. flF.
        <pb n="14" />
        Ich bin mir bewusst, dass meine neuen Lehren Widerspruch 
wachrufen werden, und deren Wert erst dereinst, wenn die For 
schung auf ihren Grundlagen weiter gedeiht, anerkannt werden 
wird; denn so war es immer: während Arbeiten, die auf aus 
getretenen Wegen unter der Last alter Doktrinen weiterkeuchen, 
die Anerkennung der Gelehrsamkeit und des Fleißes nicht versagt 
wird, findet die Forschung, welche unentwegt einen neuen, unge 
bahnten Steig einschlägt und aufwärts strebt den lichtvollen Höhen 
der Wahrheit entgegen, nur selten und dann von verwandten 
Geistern den um so wertvolleren Lohn ihrer Zustimmung. 
Wien, im Februar 1884. 
Der Verfasser.
        <pb n="15" />
        % 
1 Illlillf. 
Vorwort 
I. Litteraturgescliiohtliohes 
Xenophon. — Aristoteles. — Die Schriftsteller des Mittelalters. — 
Merkantilisten und Physiokraten. — Sozialisten und Kommunisten. 
— Geschichte der Theorie: Bau, Mangoldt. — Adam Smith. — 
Malthus. — Ricardo. — M. Culloch. — Kraus. — Schlözer. — Nebe- 
nius. — Samuel Read. - Quarterly Review. — Senior. — Stuart 
Mill. — Say. — Dunoyer und Garnier. — Hufeland. — Sismoiidi 
und Rossi. — Courcelle-Seneuil. — Storch. — Schön. — Riedel. — 
Lotz. — Jacobs. — Prittwitz. - Schüz. — Hildebrand. - Thönen. 
— Roscher. — Eisein. — Rau. — Mangoldt. — Carey. — Wirth. — 
Mikszewicz. — Stein. — Sch äff le. 
II. Wirtsohaftsgesohlohtliohes 
Der Mensch im Kampfe gegen die Natur. - Das Naturalunter- 
iiehmen. — Die persönlichen Kapitalien. — Manu und Weib. — Der 
Sklave. — Die Naturalwirtschaft. — Die Familie. — Der Staat. — 
Je größer die Bevölkerung, desto kleiner der Raum ihrer wirtschaft 
lichen Thätigkeit. — Jugendliche Staaten entfalten das Waffenhand 
werk, gereifte Kunst und Wissenschaft, alternde Handel, und Gewerbe. 
— Die Inder. — Die Hebräer. — Die Ägypter. — Die Phönizier. — 
Die Griechen. — Das Sklaventum. — Die Verachtung der gewerb 
lichen Thätigkeit. — Die erste Münze. — Geldunternehmen und 
Geldwirtschaft. — Die Römer. — Der Ackerbau. — Missachtung von 
Handel und Gewerbe. — Die Hauswirtschaft. — Der römische Handel. 
— Die Germanen. — Die Klöster in Deutschland. — Die italieni 
schen Städte. — Das Kreditunternehmeu und die Kreditwirtschaft. 
— Die deutschen. Reichsstädte. — Die Feuerversicherung. — Die 
Kreuzzüge. — Hansa — Die Erfindung des Schießpulvers. — Venedig. 
— Die Erfindung des Wechsels. — Die Entdeckung Amerikas. — 
Die erste Münzverschlechterung. — Die Reformation. — Die Kolonial 
politik. -- Die privilegierten Handelsgesellschaften. — Die erste 
Handelskrise. — Das Merkantilsystem. — Die erste Postverbindung. 
Die Buchdruckerkunst. — Börsen. — Großbritannien. — Frank 
reich und der Physiokratismus. — Das Industriesystem. — Eisen 
bahnen und Dampfschiffahrt. — Der Telegraph. — Die Unter 
nehmungsarten.
        <pb n="16" />
        XII 
III. Theorie. Seite 
Empirische Untersuchungen 39 
der Unterschied zwischen Unternehmen und Wirtschaft. — Jedes 
Unternehmen ist zugleich Wirtschaft, aber nicht jede Wirtschaft 
zugleich Unternehmen. — Das Unternehmen ist die junge Wirtschaft. 
— Die Gefahren des Unternehmens. — Der Unternehmergewinn ist 
neugehildetes Kapital. — Grund und Boden ist auch Kapital. — Die 
persönlichen und außerpersönlichen Kapitalien. — Arbeit und Unter 
nehmen. — Der Unternehmergeist. — Angebot ’und Nachfrage. — 
Der Organismus des wirtschaftlichen Lebens. — Statistik der Unter 
nehmungen. — Die Unternehmerthätigkeit. 
Ji. Exakte Untersuchungen 48 
Der Weg des Menschengeschlechtes. — Die Natur und ihre Ele 
mente. — Der Mensch und seine Elemente. — Die drei Arten der 
menschlichen Bedürfnisse. — Der Kampf des Menschen gegen die 
Natur ist der Grundtypus des Unternehmens. — Die drei Richtungen 
der Arbeit. — Güter erster Ordnung. — Die persönlichen Kapitalien. 
— Kombinationen aus der Trinitas der Elemente. — Güter höherer 
Ordnung. — Die Wehrthatigkeit drückt der Zeit den Charakter auf. 
— Die Nützlichkeit der Güter. — Der Wert der (Uiter. — Stoff-, 
Form- und Ortswert. — Der Preis und das Geld. — Der Preis der 
Kapitalien und der Arbeit. — Zins und Arbeitslohn. — Unter 
nehmen, Wirtschaft und Volkswirtschaft im Kampfe gegen Popu 
lation, Recht und Staat. — Kapitalbildung, Kapitalerhaltung und 
Kapitalverteilung. — Die Qualität der Produktionsmitteln. — Das 
Gelingen und das Misslingen des Unternehmens. — Die Unternehmer- 
thätigkeit. — Die Typen der Wirtschaft. — Der reine Typus der 
Volkswirtschaft. — Das Unternehmen, die Wirtschaft und die Volks 
wirtschaft und die Befriedigung der drei Arten der Bedürfnisse. — 
Der Unternehmergewinn ist die Kapitalbildung des Unternehmens. 
— Die Beschaffungskosten. — Rohprodukte. — Kapitalzins. — Wert 
erneuerung. — Kapitalmiete. — Wertversicherung. — Arbeitslöhne. 
— Lebensunterhalt. — Regiekosten. — Steuern. — Gefahren und 
Vorteile. — Der Gewinn im einzelnen Falle. — Gesamteinnahmen. - 
Gesamtgewinn. — Verluste. '— Der Kredit. — Die Kapitalbildung 
im Unternehmen. — Die Kapitalerhaltung im Unternehmen. - Die 
Kapital Verteilung im Unternehmen. 
IV. Wlrtschaftspolltisohes 80 
Der Trieb zum Unternehmen. — Die Fähigkeiten des Unter 
nehmers. — Eine Statistik der Unternehmungen. — Handels- und 
Gewerbeschulen. — Beschaffungskosten. — Vorteile der Unternehmung. 
— Konjunkturen, — Einkauf und Verkauf. — Der Absatz. — Das 
Gelingen der Produktion und die Bewahrung der Produkte vor dem 
Verderben. — Der Kredit. — Soll und Haben. — Der aktive Kredit. 
— Der passive Kredit. — Die Gefahren des Kredits. — Handels 
krisen. — Lassalle und der ökonomische Fatalismus. — Die ökono 
mische und die juridische Selbstverautwortlichkeit. — Das Eigen 
tum. — Das Erbrecht. — Aussichten des sozialistischen Staates.
        <pb n="17" />
        I. 
Litteratiirgescliichtlidies. 
Die ältesten Schriftsteller schon haben die hohe Bedeutung 
geahnt, welche das Unternehmen und der Unternehmergewinn in 
jener Wissenschaft haben, welche die Lehre von den Erscheinungen 
iin wirtschaftlichen Leben der Menschen und den Gesetzen derselben 
sein soll. Schon Xenophon lässt in seinem Oixovo(uxòg den Sokrates 
eine Betrachtung über die Unternehmerthätigkeit anstellen. r{Ouoloyä 
iiB^sh]xtvaL (loi oitiusg fxaata ¿martjfiopefftatoí eiai xùv iu 
x7¡ nóksLU. schreibt er Kap. II, IG vxara^ad^òi/ yáç tcoxs ánò xùv 
ccvxúv tQyav xovg (itv Tcávv ájióçovg Òvxccg, xovg ôè nàvv Jtlovõíovg, 
(cTiid-ccvfiaaa, xa.1 sôo^t ^ol ã^iov tlvai t:ti(5x¿t¡}é(og v, xi eir¡ xovxo. 
xuijvQov tniaxoïtùv náw oíxstag zavxa yiyvo^uva. xovg ílív yÚQ 
xavxa jt()dxxoi&gt;xccg ^¡¡fuovfiévovg tópav, xovg Ô£ yváyixi ffvvxêxa- 
¿xuiielovfiBvovg xaï »áxxov xui p«oj/ xal WrQÓalèúxtQov 
yMxtyviov JiQÚxxovtag. úv dv xul úh ol¡uu, si ßovloto, fia&amp;óvxa, 
(fot O &amp;eòg ¿vavxLoíxo, zavv dv ôeivòv %(it¡^uxiatt}v yavtõ&amp;cu.u 
'jr schreibt also den Erfolg des Unternehmens ganz und gar der 
lüchtigkeit und der Energie der unternehmenden Person zu. Aristo 
teles sagt in seiner Politik I. Buch, Kap. III., 10: •nêoxt, dh yévog 
o XTtjxixijg, ¡¡1/ ^akiOxa xakovúc^ xai Öixcuov avxb xu7.tîv^ 
iítoTíi/, di ¡¡i/un^div òoxei Jtéçag sÍvat nXovxov xal xxr¡ó£agu. 
un lerin meint er das Unternehmen und zwar in seinem 
Unterschiede zur Wirtschaft. 
. ^ber seit den ältesten Zeiten die Unternehmer- 
,, wie dieselbe lange genannt wurde, der Erwerb von 
veic tum, eine der wichtigsten Bollen in unserer Wissenschaft spielt, 
ja gerade aus dem Gedanken, dieses wichtige Organ im wirtschaft- 
ichen Leben in der Wirtschaftspolitik richtig anzuwenden, wissen- 
ScLroeder, Das Unternehmen u. der Unternehmergewinn. 1
        <pb n="18" />
        2 
schaftliclie Systeme entstanden sind: so wurde sein Wesen lauge 
nur geahnt und nicht einmal der Versuch gemacht es zu erkennen. 
Ganz im Geiste des Aristoteles behandelte Thomas von Aquino 
und die anderen Vertreter unserer Wissenschaft im Mittelalter: 
Vincenz Belovacensis, Franciscos Patricios, Albertus Magnus, Wilhelm 
Occam, Kaymimdus Lullus, der überstrenge Johannes Gerson etc. etc. 
den Gegenstand. Auch die Nationalökonomen des Merkantilismus, 
wie Niccolo Machiavelli (1469—1527), Antonio Serra (1613) unter 
den Italienern, Fromeuteau (1581), Jean Bodin (1576), Jean 
François Melon (1731), Graslin (1767) in Frankreich, der Kaufmann 
Thomas Mun (1609—1621), Culpeper (1623), Fortray (1663), William 
Temple (1672) in England, Ch. Besold (1615), Bornitz (1608), 
Caspar Klock (1651), der Österreicher Johann Horneck (1654), 
W. von Schröder (1686), Gottlob von Justi (1755) in Deutschland 
Damian de Olivares (1621) ') in Spanien, und viele andere; dann 
die Vertreter des Physiokratismus, wie Jean Vine. Gournay (1766) 
welcher der Erfinder des „Laissez faire, laissez passer“ ist. Dupont 
de Nemours (1767), Condillac (1776), Anne Kobert Jaques Turgot 
(1766) unter den Franzosen, Fürstenau (1778), Johann Heinrich 
Jung (1789) in Deutschland, der Italiener Corniani (1777), der 
Schweizer Herrenschwand (1786) etc. etc. : sie alle konnten die Unter- 
nehmerthätigkeit nicht außer acht lassen und kannten den Unter 
nehmergewinn als wirtschaftliche Erscheinung, aber sie gingen ihr 
nicht in erkenntnisforschender Weise nach, obgleich sich die funda 
mentalen Sätze ihrer wissenschaftlichen Systeme im Grunde auf 
nichts anderes stützen, als auf das Bestreben den nationalen Unter 
nehmergewinn zu erhöhen, wobei sie sich das Kapital als das eigent 
liche unternehmende Element dachten. Eine Theorie des Unter 
nehmens oder des Unternehmergewinnes, oder auch nur einen 
nennenswerten Versuch zu einer solchen haben wir von ihnen nicht. 
Selbstredend haben uns eine solche auch nicht die Kommu 
nisten und Sozialisten jener älteren Bichtung gegeben, welche einen 
paradiesischen Staatszustand malten, teils um ihrer üppigen Phantasie 
Rechnung zu tragen, teils um durch Ironie und Satyre zu wirken. 
Die Phantasien eines Thomas Morus in seiner «Utopia« (1516), 
Tomasina Campanella in seinem «Sonnenstaat« (1623), Ch. Fourier’s 
«Phalanstère« (1772), Hugo Cabet’s «Ikarien« (1840) etc. sind nicht 
*) Die hier angeführten Zahlen sind die Jahreszahlen des Erscheinens von 
Werken der betreffenden Schriftsteller.
        <pb n="19" />
        3 
einmal für die Sozialisten der neueren Zeit, welche ihren aller 
natürlichen gesellschaftlichen Ordnung mehr oder weniger verderb 
lichen Bestrebungen eine wissenschaftliche Färbung zu geben bemüht 
sind, und oft einen großen kritischen Scharfsinn bethätigen, wie die 
Kommunisten: Babeuf, Owen, Proudhon, die Sozialisten: Henri von 
St. Simon, Louis Blanc, Ferd. Lassalle, Marx etc. von Bedeutung, weil 
ja jene gar keine ünternehmerthätigkeit des Einzelnen zu kennen, 
sich zu ihrer Aufgabe gestellt haben, während diese gerade die Unter- 
nehmerthätigkeit und den Unternehmergewinn und das Recht ihres 
Daseins zu bekämpfen gezwungen sind, um zu nichts anderem als 
jenen märchenhaften Wünschen ihrer gleichgesinnten oder besser 
gleichträumenden Vorgänger gelangen zu können. 
Mit Adam Smith, dem eigentlichen Begründer unserer Wissen 
schaft (geb. 1723, gest. 1790) beginnt, wie in so manche wirt 
schaftliche Erscheinung, auch in die des Unternehmergewinnes die 
wissenschaftliche Forschung zu dringen, und von da ab gibt es nur 
sehr wenige Nationalökonomen, welche über diese Materie gar nicht 
nachdenken; eine solche Ausnahme bildet noch Chevalier*). Aber 
sonderbar! Während der Unternehmergewinn der Gegenstand der weit 
schweifigsten Erörterungen wurde, hat das Unternehmen selbst 
noch lange niemanden zur eingehenden Untersuchung seines Wesens 
veranlasst. Wir werden deshalb auch gezwungen sein in diesem 
Teil unserei Arbeit vorzüglich dem Unternehmergewinne unsere 
Aufmerksamkeit zu widmen. 
Seit Adam Smith nun gewinnt die Ausarbeitung der Theorie 
über denUuternehmergewinn immer schärfere Formen, und sie strebt 
der Wahrheit in dem Maße entgegen, als die Wirkungen des Unter 
nehmens durch ihre historische Entwickelung sich aus den Faktoren 
der Güterverteilung hervorheben, und in dem Maße als die theore 
tische Forschung sich des Gegenstandes bemächtiget. 
Kau“) bespricht die Geschichte der Theorie über den Unter 
nehmergewinn kurz folgendermaßen: «Frühere Schriftsteller rechnen 
^ Unternehmergewinn — Rau nennt ihn «Gewerbsgewinn«) 
wirk ich zu der Kapitalrente und zwar entweder mit gänzlicher Ver 
mischung beider (Adam Smith. — Ricardo, Grundgesetz S. 92 — von 
Schlözer, Staatswirtsch. L, 53. - M. Culloch, Grunds. S. 81. — Senior 
(vermutlich zugleich Verfasser des Aufsatzes im Quarterly Rev. Jan. 
1831) fasst Zinsrente und Gewerbsgewiiin unter der Benennung Profit 
‘) Cours d^écouomie politique (Paris 1842). 
Grundsätze der Volkswirtschaftslehre (Heidelberg 1868). §. 238. 
1*
        <pb n="20" />
        4 
zusammea, nimmt jedoch (Outline S. 214) zwei Teile desselben an, 
welche jenen beiden Einkünften entsprechen, ebenso St. Mill I., 4l5, 
bei welchem der über die Zinsrente hinausgehende Teil des Kapital 
gewinnes keinen besonderen Namen hat) oder so, dass man ihn zwar 
von der Zinsrente trennt, jedoch beide unter der Benennung Kapital 
gewinn zusammenfasst (Sismondi, N. princ. I., 359. — Jacob, Grunds. 
§. 277 bis 282, doch wird von demselben in §. 292 bemerkt «der 
Profit des Unternehmers ist nichts als eine Art von Lohn für die 
Arbeit, Mühe, Geschicklichkeit, Gefahr, welche mit der Unter 
nehmung verbunden sind«). Einige betrachten ihn als eine Art des 
Lohnes (Canard, übers, von Volk, S. 8, 9, 68. — Lotz L, 471. — 
Say nimmt drei Zweige des Einkommens an, nämlich Grundrente, 
Kapitalrente und Industriegewinn, und in diesem wieder drei 
Abteilungen, nämlich die Einkünfte der Unternehmer, Gelehrten 
und Lohnarbeiter. (Handb. IV., 49, 97). Ebenso Prittwitz Volks- 
wirtsch. §. 464 und Roscher I., §. 195, der den Ausdruck Unter 
nehmerlohn braucht. Del. Valle. Corso de Ec. p. 89, stellt fünf 
Zweige des Einkommens (bajo) auf, indem er den Industriegewinn 
Says sogleich in drei Teile auflöst). Es ist dem Wesen der Sache 
am meisten angemessen, den Gewerbsverdienst als ein eigentümliches 
Einkommen anzusehen, welches aus der Verbindung der Arbeit und 
des Kapitals entspringt und in welchem der Anteil nicht auszu 
scheiden ist, den jede dieser beiden Ursachen an ihrer gemein 
schaftlichen Wirkung hat. (Storch I., 180. — Ganilh. Dictionn. 
analyt. S. 358. — Hermann, S. 148. — Courcelles-Seneuil im Diet, 
d'écon. pol. II. und andere).« 
Mangoldt ') fasst nach einer ausführlichen Darstellung der 
Geschichte der wissenschaftlichen Abhandlungen über den Unter 
nehmergewinn dieselbe in ungefähr dieser Rekapitulation zusammen : 
Die älteren Schriftsteller waren der Ansicht, dass in dem Besitze 
von Produktionsmitteln (Kapital) auch die Veranlassung, ja die 
Pflicht des Unternehmens läge. Smith und seine Nachfolger: Malthus, 
Ricardo, Culloch sagen : alles, was nach Ersatz der aufgewendeten 
Kosten übrigbleibt, ist Kapitalgewinn. Bald jedoch fanden einige 
neuere Engländer : Read, Senior, Stuart Mill, dass im Kapitalgewinne 
ein Gefahrersatz und ein Ersatz für die persönliche Thätigkeit des 
Unternehmers enthalten sei. Die Franzosen : Say, Dunoy er. Garnier, 
Droz dagegen fassten den Unternehmergewinn als Arbeitslohn auf. 
') Die Lehre vom üiiternehinergewiun (Leipzig 1855).
        <pb n="21" />
        5 
Später trat die IJnterscheidiing zwischen Arbeitslohn und Unter- 
nehmerlohn auf, und zugleich wurde die Wirkung untersucht, welche 
das Kapital auf diesen ausübt. So gelangten insbesondere deutsche 
Nationalökonomen zu vermittelnden Anschauungen zwischen den 
englischen und französischen Schriftstellern, wobei sich dieselben 
jedoch entweder da- oder dorthin mehr neigten, bis endlich das 
Geschäft des Unternehmers ganz von der Thätigkeit der einzelnen 
Produktionsfaktoren getrennt wurde. 
. Peide Zusammenstellungen haben den Fehler, dass sie bloß 
die historischen Ansichten über den Unternehmergewinn systema 
tisiert haben, ohne darauf hinzuweisen, wie dieselben teils aus der 
historischen Entwickelung des Unternehmens selbst, teils aus den 
wirtschafts-politischen Tendenzen der betreffenden Schriftsteller ent 
standen sind. 
Smith nun und die Anhänger seiner Schule konnten sich den 
Unternehmer nur als Kapitalisten denken, weil sie ja in den Händen 
der Unternehmenden stets Kapital sahen, weil wohl auch wirklich 
zumeist Kapitalisten Unternehmer waren. Es war dies also eine aus 
der Wahrnehmung gefolgerte empirische Auffassung, aus welcher 
die Vermischung von Kapitalzins und dem eigentlichen Unter- 
iiehmergewinn resultierte, und später doch wenigstens die Annahme, 
dass der Kapitalzins ein integrierender Teil des nKapitalgewinnesu 
sei. Ein anderes Merkmal dieser Schule ist, dass man unter diesen 
Kapitalen (nach Smith «gesammelte Arbeit«) nur das außerhalb 
der Person liegende Vermögen, also nicht auch persönliche Kraft 
und Fähigkeiten, und in diesem außerpersönlichen Vermögen nur 
das bewegliche Kapital, die zu Geld gewordene Arbeit oder die zu 
Tauschgütern gewordene Natur und Arbeit, dagegen nicht Grund 
und Boden verstand. Endlich dachte man sich den Unternehmer 
nicht als thätige Person, weil ja der Kapitalist, wenigstens der 
große Kapitalist nicht physische Arbeit verrichtete, damals nicht 
und heute nicht; es hängt also diese Anschauung mit der erst 
genannten zusammen. Man nahm also an, dass der Unternehmer 
stets fremde Arbeit verwerte. Aus diesen drei fundamentalen Ge 
sichtspunkten resultiert von selbst, dass man das Wesen der reinen 
Unternehmerthütigkeit ganz und gar verkannte. 
Was nun den Gewinn aus dem Unternehmen anbelangt so 
kennzeichnet Adam Smith *) selbst seine Theorie über denselben vor 
tn o Natur und die Ursachen des Nationalreich- 
tumes. 3 Bande. Aus dem Engl, von Dörrien und Garve. (Wien 1814.)
        <pb n="22" />
        6 
allem darin, dass er nur einen »Gewinn« annimmt, und dieser 
Gewinn stets aus dem Kapital entstehe, dass nämlich das Kapital, 
sobald es sich in 'den Händen Einzelner angesammelt hat, von Einigen 
derselben dazu verwendet werde, Arbeiter, die sie mit Material und 
Unterhalt versehen, arbeiten zu lassen, um durch den Verkauf der 
Produkte dieser Arbeiter oder durch das, was deren Arbeit dem 
Werte des Materials hinzufügt, einen Gewinn zu machen. Dem ent 
sprechend leitet er schon sein Werk mit folgenden Worten ein : »Von 
den Ursachen, durch welche die hervorbringenden Kräfte der Arbeit 
vermehrt werden, und von den Regeln, nach welchen sich die 
Erzeugnisse derselben unter die verschiedenen Klassen der Gesell 
schaft natürlicherweise verteilen« und bei ihm ist, wie wir das 
schon oben als Merkmal seiner Schule angegeben, Kapitalzins und 
Unternehmergewinn vollständig verschmolzen, so zwar, dass er den 
exakten Satz aussprechen konnte: »die Zunahme von Kapitalien 
erhöht den Arbeitslohn, aber den Gewinst von diesen Kapitalien 
macht sie geringer«. Wie deutlich ist es hier, dass Zins und Unter 
nehmergewinn mit gänzlicher Verkennung beider vermischt sind; 
denn die Zunahme von Kapitalien, wird wohl, wenn nicht neue Unter 
nehmungen in gleichem Verhältnis entstehen, den Kapitalzins ver 
ringern, aber den Unternehmergewinn des Einzelnen gewiss nicht. 
Smith gebraucht dort, wo wir »Unternehmen« sagen würden, das 
Wort »Kapital« : »Die Handelsleute klagen, wenn der Gewinn 
geringer wird, dass der Handel abnehme, und gerade das ist ein 
Zeichen seines Steigens, weil mehr Kapital angewendet worden ist« ; 
würden wir hier nicht gerne sagen »weil mehr Unternehmungen ent 
standen sind« ? Was freilich nach der Anschauungsweise Smiths voll 
ständig gleichbedeutend ist. 
An Smith reiht sich zunächst Malthus ') an. Er teilt (S. 233) 
den Ertrag der Produkte in Lohn, Rente und Kapitalgewinn, und der 
letztere besteht nach ihm seinem ganzen Umfange nach, den Kapital 
zins inbegriffen, in der Differenz zwischen dem Gestehungswerte des 
Produktes und dem Tauschwerte desselben und wechselt daher, je 
nachdem sich das Verhältnis zwischen diesen beiden Werten ändert. 
Ricardokennt auch nur einen Kapitalgewinn im Gegensätze 
zu dem Einkommen der Grundrente und des Arbeitslohnes. Auch 
M. Culloch®) spricht nur von drei Teilhabern an den Produkten: 
*) Principes d’économie politique, trad, par Maurice Monjeau (Paris 1846). 
. ’) Principles of political economy and taxation (1817) ch. 6, 21. 
®) Principles of political economy (London 1830) S. 364.
        <pb n="23" />
        Arbeiter, Kapitalisten, die er stets als Unternehmer ansieht, und Grund 
besitzer. Unter den deutschen Nationalökonomen gehen ganz mit 
Smith: Kraus’) der als Einkommenszweige die Bodenrente, den 
Arbeitslohn und den Verlagsprofit aufstellt, dann Schlözer’), welcher 
den über den gehabten Aufwand erzielten Überschuss kurz als 
Kapitalgewinn bezeichnet, und Nebenius»). 
Samuel Read^) war unter den Engländern der Erste, welcher 
in dieser Schule, auch eine eigene Thätigkeit, eine eigene nArbeit« 
des Unternehmers erkannte. Er sagt: «Es scheint klar, dass als 
Gewinn des Vermögens (Profit of stock) nichts angesehen werden 
kann, als was dafür ohne die Arbeit erlangt werden kann, das 
selbe persönlich anzuwenden, oder seine Anwendung zu produktiven 
Zwecken zu überwachen, weil alles, was vermittelst solcher Arbeit 
erlangt wird, Lohn ist und auf diese Bezeichnung eben so ge 
rechten Anspruch hat, als das, was durch irgend eine beliebige 
andere Art der Arbeit erworben wird.« 
Damit war der erste beziehungsweise der dritte Punkt der 
Smithschen Theorie vom Kapitalgewinn gefallen, zugleich aber auch 
die Richtung angegeben, in welcher die Freunde des Kapitals vor 
wärts schreitend, die Unternehmerthätigkeit zur Arbeit herabdrückten. 
Ein Schritt der Wahrheit entgegen, wurde in einem Aufsatze 
der nQuarteily Review« Bd. XLIV, S. 1—52 gemacht, welchen Rau, 
wie wir gesehen haben, Senior zuzuschreiben geneigt ist. Dort wird 
neben dem Gewichte, welches auf die eigene nArbeit« des Unter 
nehmers gelegt wird, auch zum erstenmal die Gefahr hervorgehoben, 
welcher sich derselbe aussetzt, immer aber noch der Unternehmer 
als Kapitalist gedacht, und unter Kapital nur das außerpersönliche 
Kapital einerseits und nur das nicht im Grund und Boden befind- 
ic le andererseits verstanden. Im Kapitalgewinne unterscheidet dieser 
Au or vier Bestandteile: 1. Kapitalzins, oder was man ohne per- 
söidiche Arbeit oder Gefahr erlangen kann; 2. Assekuranz für die 
^etahr des besonderen Geschäftes, auf welches das Kapital ver 
il T wird, 3. Arbeitslohn für die persönliche Leitung, das Talent 
1 Kapitalisten ; 4. Monopolgewinn, wie er aus 
em esi ze ausschließlicher Vorteile, als geheimer oder patentierter 
Öffentlichen Kredits (Karlsruhe 1829) 
or Wealth """ "" Vendible l’ropertj
        <pb n="24" />
        8 
Verfahningsreisen oder Instrumente, vorteilhafterer Verbindungen 
günstigerer Lage u. s. w. hervorgeht. Wir sehen, dass er in dein 
ersten Teile des Unternehmergewinnes den Kapitalzins (Interest of 
capital) als einen Bestandteil des von den früheren Schriftstellern 
" genannten Kapitalgewinn ansieht, und nur noch 
neue Bestandteile hinzufügt. 
Nicht wesentlich unterschieden, oder wenigstens durchaus nicht 
widersprechend, ist die von Senior in seinem Werke «Outline of the 
Science of Politikal Economy« (London 1836)') ausgesprochene 
heorie welche unter »Profit« Zinsrente und Gewerbsgewinn zu 
sammenfasst, jedoch in zwei diesen beiden Einkommensarten ent- 
spiechende Teile teilt. Ähnlich äußert sich John Stuart Mill ''), nach 
welchem der Kapitalgewinn in drei Teile zerfällt: Zinsen, Versiche 
rungsprämie und Lohn der Beaufsichtigung. Er unterscheidet wohl 
Arbeiter und Kapitalisten, und erkennt sowohl die eigene Thätig- 
keit als anmh die (Gefahr des Unternehmers, aber er denkt sich ihn 
docliials EuipihaBsten, und fasst den Zm« als integrierenden TeB 
des Kapitalgewinnes auf, ohne sich von der Anschauung dieser 
freimachen zu können, und auch die persönliche Kraft und 
Fähigkeit einerseits und Grund und Boden andererseits zum Kapi 
tale zu rechnen, was übrigens noch lange nicht zur herrschenden 
Meinung wird. 
Die Franzosen sind es, die mit Sayi) beginnen, das Ein- 
onamen aus dem eigentlichen Unternehmen, sie sagen aus der 
^Industrie«, und aus dem Kapitale zu trennen, indem sie erkennen 
dass der Unternehmer nicht zugleich auch Kapitalist sein müsse! 
Es wird also ein neuer Stein aus dem Gebäude der Smithscheii 
1 heorie gebrochen u. zw. der wichtigste; aber auch auf die mora 
lische, auf die eigentliche Unternehmerthätigkeit wird zum ersten- 
mal^e hingewiesen, und so bleibt von dem Smithschen Lehrgebäude 
nichts mehr übrig, als dass man zu dem Uiiternehnierkapital noch 
immer nicht den Besitz von Grund und Boden zählt. 
Say kennt drei Einkommensarten: Das Industrie-Einkommen 
(Kap. VIL, 2. Buch), das Einkommen aus Kapitalien (Kaj*. VIIL, 
2. Buch) und das Einkommen aus Grundstücken (Kap. IX., 2. Buch), 
') Neueste Ausgabe 1858. 
’) Grundsätze der politischen Ökonomie. Aus dem Kngl. von A Soetbeer 
(Hamburg 1852). 
2 Darstellung der Nationalökonomie. Aus dem Franzos, von Mör 
stadt (Stuttgart 1833).
        <pb n="25" />
        9 
und teilt das erstere wiederum in die Gewinste 1. der Unternehmer, 
2. der Lohnarbeiter, 3. der Gelehrten (de la classe savante). Den 
prinzipiellen Unterschied zwischen der englischen Schule spricht Say 
auf Seite 202 aus: «Für jetzt ist es unsere Aufgabe, denjenigen 
Einkommensteil zu erfassen, welchen der Unternehmer als Unter 
nehmer bezieht. Späterhin werden wir dann untersuchen, was der 
selbe oder ein anderer durch ihn — als Kapitalist bezieht. Ihrer 
Feinheit ungeachtet, ist diese Unterscheidung doch sehr wesentlich ; 
(enn in denjenigen Unternehmungen, wobei mehrere Personen be- 
igt sind. — die einen vermöge ihrer Arbeit, die anderen aber 
vermöge ihrer Kapitale macht jeder diejenigen Vorteile geltend, 
welche sein Beitrag der Unternehmung zuführt.« Er findet, dass 
der Unternehmer eine ganz eigenartige Thätigkeit, die «Gewerbs- 
thätigkeit«, entwickelt: «Die Kapitalien haben durchaus keinen 
Grund, sich gewissen Produktionen eher als anderen zuzuwenden, 
sie haben weder Neigung noch Willen. Das Wahre ist, dass man 
en Unternehmungen, welche einen größeren Gewinn ab werfen, mehr 
api a zuwendet, dass aber der größere oder geringere Gewinn, 
en man aus diesen Unternehmungen zieht, derjenige ist, der aus 
er Gewerbsthätigkeit der Unternehmer hervorgeht« ’). Während 
tMnith der Ansicht ist, dass die Zunahme von Kapitalien den Ge- 
wins geringer mache, sagt Say: »Am teuersten wird die Industrie 
bezahlt, wo die meisten Grundstöcke und Kapitalien liegen«. Dieser 
idersprucli ist in dem Unterschiede ihrer fundamentalen Anschau- 
heglündet. Nach Say werden die Industriedienste um so 
s r er ezahlt »1. je gefährlicher oder widerwärtiger die Arbeiten 
Wnor ^"/";'g\=tetig die Beschäftigung ist, 3. je mehr ange- 
rener lalente und erworbene Geschicklichkeit») sie voraussetzen« 
und zwar deshalb, weil: »«) entweder die Arbeiten dieser Industrie 
init Gefahren oder auch bloß mit Widerwärtigkeiten verknüpft sind, 
; oder sie gewahren keine stetige anhaltende Beschäftigung, c) oder 
M Geschicklichkeit, ein Talent von ungewöhnlicher 
Sehrift Í ortschritt von höchster Bedeutung macht dieser 
) Vergleiche Xenophon, Oixovofnxòç. Cap. II. 18. 
Kapital^’'’' Naturgeschenk, teils ein angehäuftes
        <pb n="26" />
        10 
Funktionen erheischen, und 3. durch die von ihm zu tragende Ge 
fahr.« /u Punkt 1. gehöre Kapital oder Kredit, zu 2. Beurteilungs 
kraft, Beharrlichkeit, Menschen- und Sachkenntnis, zu 3. die Ge 
fahr des Unternehmers nicht nur sein Vermögen, sondern auch 
seine Ehre*) zu verlieren. — Sav ist übrigens der erste, welcher 
dem Unternehmer unter den produzierenden Personen die erste 
Stelle einräumt, er stellt ihn, wie später Koscher und Schäffle, über 
den Kapitalisten und Arbeiter. ^Gerade in dieser Klasse (der Un 
ternehmer) wird fast alles große Vermögen erworben«, weil der Un 
ternehmer der Vermittler «zwischen Grundeigentümer und Kapita 
listen, zwischen dem Gelehrten und Handarbeiter, zwischen allen 
Klassen von Produzenten und zwischen letzteren und den Konsu 
menten« ist; «er profitiert von dem, was andere wissen und nicht 
wissen, und von jedem zufälligen Vorteile der Produktion.« 
Says Nachfolger wurden wie in manch anderer Kichtung auch 
in der Lehre vom Unternehmergewinne unter den Franzosen: Du- 
noyer in seinem Buche «De la liberté du travail« (1845, 3 Teile) 
und Joseph Garnier in seinen «Elements de l’économie politioue« 
Weit voraus der historischen Schule deutscher Nationalökono 
men eilt Hufeland®). Die Ergebnisse seiner Erwägungen sind in 
Bezug auf die Theorie über den Unternehmergewinn dieselben, welche 
die deutschen Gelehrten erst vierzig Jahre später erreicht haben. 
Er ist ein durchaus origineller Denker und hat Smith und Say in 
unserem Thema überflügelt. «Ganz genau betrachtet«, sagt er, «ist 
der Gewinn des Unternehmers, wenn man abzieht 1. den Arbeits 
lohn mit Gewinn, 2. den Ersatz des Kapitals, 3. den Ersatz für die 
Gefahr, den möglichen Schaden, eigentlich außer dem Gewinne, 
den jeder Kapitalist, der auch sein Kapital nicht selbst verwendet, 
zieht, teils Gewinn, den er wegen der größeren Gefahr zieht, die er 
als eigener Anwender des Kapitals trägt, teils eine Rente seiner 
Talente und sonstigen Eigenschaften.« 
Ganz auf dem Standpunkte Says und nicht wie Mangoldt au- 
nimmt, sich der Smithschen Schule nähernd, weil diese Schriftsteller 
gerade so wie Say die geistige Kraft und Fähigkeit des Unter 
nehmers als Kapital ansehen, nur eine andere aus sozialistischer 
*) Siehe Koscher. 
*) Eine Ausgabe von 1860 unter dem Titel: „Traité de l’économie 
politique.« 
*) Neue Grundlage der Staatswirtschaftskunst. Kd. I (Gießen 1807).
        <pb n="27" />
        arbeiterfreundlichen Tendenz entsprungene Nutzanwendung machen, 
befinden sich Sismondi und Rossi ; sie legen eben nicht wie Say, 
sondern wie Smith in ihren Theorien über den ünternehmergewinn 
den Hanptnachdruck auf das Kapital als güterbildenden Faktor. Sie 
erkennen sehr gut die moralische Thätigkeit des Unteruehmers, 
trennen sie zuerst durch empirische, erkenntnisforschende Erwägung 
vom Kapital, fügen sie jedoch daun wieder in gewaltsamer Weise 
zusammen. Sismondi') sagt: «Der Wille, der Entschluss, ein Gut 
anzuwenden, gehören notwendig zum Begriffe des Kapitals, ebenso 
wie der Entschluss, seine Glieder zu rühren und ihnen eine be 
stimmte Richtung zu geben, zum Begriffe der Arbeit, und ebenso 
wenig wie man vom Arbeiter sagen kann, er bekomme eine Ent 
schädigung für seine Arme und eine andere für den Willen, sie zu 
gebrauchen, und für die Intelligenz, welche er bei diesem Gebrauche 
aufwendet, ebensowenig kann man in Bezug auf den Kapitalisten 
sagen, ein Gewinn sei für das materielle Gut und ein anderer für 
die Aufsicht und Leitung.« Auch Rossi’) sieht die persönlichen 
Kräfte und Fähigkeiten in diesem Sinne als Kapital an, beziehungs 
weise die ünternehmerthätigkeit als einen integrierenden Teil des 
Kapitals. Sie Beide hätten recht, wenn ünternehmerthätigkeit und 
Kapital ebenso einer Person angehören müssten, wie der Arbeitswille 
und der Arm des Arbeiters. 
Der letzte Punkt der Smithschen Theorie über den Unter 
nehmergewinn fällt mit den auf merklich historischer Grundlage auf 
geführten Erwägungen Courcelle-Seneuils®), welcher den Unter 
nehmergewinn streng vom Lohne und Kapitalgewinne sondert und 
ihn auf eine Entschädigung für die gelaufene Gefahr zurückführt. 
Obgleich er sich vor allem dadurch von Say und dessen Schule 
unterscheidet, dass er der erste ist, der den Besitz von Grund und 
Boden, auch als Kapital betrachtet, wie wir ja sehen, dass er keinen 
Gewinn aus Grundeigentum speziell aufstellt: so steht doch seine 
endenz zu der Says in enger Verwandtschaft, weil er den Unter- 
ne mer nicht als eine vom Kapital dirigierte Person betrachtet, 
sondern die Wahrheit erfasst, dass die Produktionsfaktoren, also 
auc d^s Kapital umgekehrt, vom Unternehmer dirigiert werden. 
Aber nicht wie Say legt er den Hauptnachdruck auf diese ünter- 
’) Nouveaux principes. I. (Paris 1822). 
*) De la Distribution de la richesse (Bruxelles 1861). 
*) »Profit« in : Coquelin et Couillaumin, Dictionnaire d’économie politique.
        <pb n="28" />
        12 
nehmerthätigkeit, sondern begnügt sich mit einer strengen Teilung 
der Einkommensarten. ” 
Ihm gingen Storch ’) und einige deutsche Schriftsteller vor 
aus, welche die strenge Trennung in der Güterverteilung und den 
historischen Standpunkt gemeinsam haben, ohne unter den Faktoren, 
welche zum Unteruehmergewinn beitragen, auf die eigentliche ün- 
ternehmerthätigkeit ein besonderes Gewicht zu legen. 
Schön ) sagt, dass der ünternehmergewinn jene Quote des 
Unternehmers sei, welche der Überschuss des Produktionspreises 
über die Preise der Arbeit, Grund- und Kapitalnutzung nach Ersatz 
des umlaufenden Kapitales ist. Er trennt den Unternehmergewinn 
von Grundrente, Arbeitslohn und Kapitalzins, seine Theorie hat also 
mit der Courcelle-Seneuil’s viel Verwandtschaft mit dem Unter 
schiede, dass er eben die Grundrente als eine eigene Einkommens 
art auffasst. 
IliedeF) führt aus, dass der ursprüngliche Erwerb lediglich 
von der Klasse der Unternehmer gemacht wurde. Im Gewinne des 
Unternehmers erschienen alle anderen für Benützung ihrer Produk 
tionsmitteln zu machenden Ausgaben als Kosten ; er sei jener Ge 
winn, welcher dem Unternehmer lediglich in der besonderen Eigen 
schaft zufällt, durch welche er sich eben als Unternehmer aus 
zeichnet. Riedel hat die volle Wahrheit gefunden. Seine Theorie ist 
als empirische Schlussfolgerung doch ein Satz von exakter Wahr 
heit und zwar darum, weil er nicht durch das Bemühen zu ato- 
misieren von der Hauptsache abgelenkt worden ist. 
Eine Reihe deutscher Schriftsteller folgen dieser Theorie, nur 
dass sie einen ganz besonderen, einen tendenziösen Nachdruck auf 
die »Unternehmerarbeita legen, jene moralische Thätigkeit, welche 
im Begriffe des Unternehmens enthalten ist. 
LotzÜ kennt neben dem Lohne für die Leitung eines Unter 
nehmens noch den eigentlichen Unternehmergewinn. Er führt aus, 
dass sich ein Teil der Arbeitslöhne, oder das, was der Unternehmer 
weniger an Arbeitslöhnen ausgezahlt hat, als der Wert der Arbeit 
ist, im Unternehmergewinne befände; obgleich er also seine Theorie 
*) Handbuch der Nationalwirtschaftslehre, aus dein Französ. von Rau 
(Hamburg 1819). 
') Neue Untersuchungen der Nationalökonomie und der natürlichen Wirt 
schaftsordnung (Stuttgart 1815). 
®) Nationalökomie (1839). 
b Handbuch der Staatswirtschaftslehre (Erlangen 1837).
        <pb n="29" />
        13 
auf die wirkliche Unternehmerthätigkeit aufgebaut hat, so ist seine 
Tendenz dem Unternehmer keineswegs freundlich. Schon die Theorie 
und Tendenz Jacobs ') gehört aber ganz in diese auf die Unter 
nehmerarbeit das Hauptgewicht legende Richtung. Er sagt, der 
Profit des Unternehmers sei der Lohn für die Arbeit, Mühe, Ge 
schicklichkeit, Gefahr etc., also Arbeitslohn, persönlicher Lohn. Auch 
Prittwitz'•*) spricht in der Lehre von der Güterverteilung in derselben 
Weise überden Unternehmergewinn. Schüz*) rechnet den Unternehmer- 
gewinn zum Lohne, indem er ihn aus zwei Teilen zusammensetzt: 
1. aus dem Lohne für die Thätigkeit des Unternehmers, 2. aus der 
Prämie für seine Gefahr. Hildebrand folgt in Theorie und Ten 
denz dieser Richtung, und Thünen bezeichnet gleich mehreren 
seiner Vorgänger, insbesondere Schön und Riedel, jenen Ueberschuss, 
welcher dem Unternehmer zu bleiben pflegt, nachdem er von dem 
Gesamtgewinne die Kapitalzinsen, eine Assekuranzprämie und die 
Besoldung eines Geschäftsführers in Abzug gebracht hat, als Unter 
nehmergewinn. Wir begegnen hier das erstemal dem neuen Ge- 
S'D en, dass die Gefahrsprämie kein integrierender Teil des Unter- 
ue meigewinnes ist, sondern nur das Uuternehmergewinn sei, was 
nach Abzug der Gefahrsprämie bleibt. 
Noch Roscher, der zwar seine Methode in seiner «Einleitung« 
eine «philosophische« nennt, gehört in diese historische Schule 
eutscher Nationalökonomen, welche den Unternehmergewinn von 
allen anderen Einkommensarten streng trennen und ihn als den 
ohn einer ganz eigenen, der Unternehmerthätigkeit ansehen. 
Bei Roscher®) tritt uns eine Theorie des Unternehmens selbst 
entgegen. 
»Das Wesentliche einer Unternehmung im nationalökonomischen 
j^inne des Wortes«, schreibt er, «besteht darin, dass für den Ver- 
e r auf eigene Gefahr produziert wird.« Was dieser eklatanteste 
er reter der historischen Methode damit als Unternehmen nicht 
okkupatorische, das Natural-Unternehmen, welches 
i^c ür den Verkehr'produziert. Doch darauf kommen wir in den 
) Gjundsätze der Nationalökonomie (Halle 1826). 
) Volkswirthschaftslehro (Mannheim 1846). 
) Giundzüge der Nationalökonomie (Tübingen 1843). 
) Nationalökonomie der Gegenwart und Zukunft (Frankfurt a. M. 1848). 
) Der naturgemäße Arbeitslohn (Rostock 1860). 
uehmerlow”'^*^^^" Nationalökonomie (Cotta 1873). Kapitel; »Unter-
        <pb n="30" />
        empirischen Untersuchungen des dritten Teiles unseres Buches 
zurück. 
nlm Antange jeder Volkswirtschaft«, führt Koscher aus, nist 
natürlich die Selbstproduktiou der Konsumenten überwiegend, später 
hin, bei etwas mehr entwickelter Arbeitsteilung, die erst gelegent 
liche, dann berutsmäßige fixierte Übernahme von Bestellungen; 
höherer Kulturstufe, zumal auch bei der hier immer 
größeren Freiheit der Arbeiter, der Kapitalien und des Verkehres, 
die Unternehmungen eine immer wachsende Bolle zu spielen und 
immer mehr auf eigene Gefahr gestellt zu werden pflegen.« Den 
Unternehmergewinn nennt er nUnternehmerlohn« und sagt von ihm: 
»Dieser Unternehmerlohn gehorcht nun weséntlich denselben Natur 
gesetzen, wie der Arbeitslohn überhaupt. Nur insofern unterscheidet 
er sich von allen übrigen Eiukommenszweigeu, als er nie aus 
bedungen werden kann, vielmehr in dem Überschüsse besteht, welchen 
der Ertrag der Unternehmung über alle ausbedungenen oder landes 
üblich berechneten Grundrenten, Kapitalzinseu und niederen Arbeits 
löhne darbietet.« Wie innig er sich an Say anlehnt, erhellt daraus, 
dass er die Höhe des Unternehmergewinnes a) von den persönlichen 
Eigenschaften, h) von der Gefahr des Vermögens und der Ehre, 
c) von den Unannehmlichkeiten abhängig macht, dass er sagt: 
»Wenn das Geschäft übel geht, so kann sich der besoldete Direktor 
in ein anderes berufen lassen; die kummervoll durchwachten Nächte 
hat der Unternehmer und — wie oft sind dergleichen Nächte pro 
duktiv!« Weiters beweisen dies Sätze wie: »Der Unteruehmerlohu 
ist derjenige Zweig des Volkseinkommens, worin die meisten neuen 
Keichtümer gebildet werden« und: »Man darf nicht vergessen, 
dass die in wirtschaftlichen Dingen sachkundigsten, scharfsichtigsten 
und rühiigsten Menschen eben der Unteruehmerklasse angehören.« 
Einen ähnlichen Standpunkt nehmen die vor Koschers Auf 
treten bekannt gewordenen Schriftsteller Eisein und Kau ein, und 
ich nenne sie nur deshalb nicht unter den vorigen, weil sie die 
notwendige und charakteristische Eigenschaft der Gefahr, welche 
Koscher im Unternehmen findet, mit dem Unternehmergewinn nicht 
in Verbindung bringen und Unternehmungen voraussetzten, welche 
ohne die Eigenschaft der Gefahr gedacht werden können. 
Eisein ') kommt durch die Erwägung, dass im Unternehmer 
gewinne einerseits eine Art Arbeitslohn als Vergeltung für die 
*) Die Lehre von der Volkswirtschaft (Halle 1843).
        <pb n="31" />
        15 
Mühewaltung, andererseits eine Entschädigung für die etwa mit dem 
Unternehmen verknüpfte Gefahr eines Verlustes enthalten, dass diese 
Entschädigung aber ganz anderer Natur und keineswegs mit einer 
Versicherungsquote zu verwechseln sei, welche der Kapitalist in der 
Miets- oder Zinsrente dafür bezieht, dass das betreffende Geschäft 
ganz oder teilweise missglücken könne: zu dem Schlüsse, dass der 
Unter nehmergewinn, insofern er mit dieser Gefahr in Verbindung 
steht, oft ein wirklicher Gewinn ist, welcher dem Mute, sich der 
gedachten Gefahr ausgesetzt zu haben, zu teil wird. Diese Schluss 
folgerung ist charakteristisch und bedeutend deshalb, weil sie so 
klar kein anderer Schriftsteller ausspricht. Eisein kann sich, und 
auch das ist wichtig, nicht von dem Vorurteile emanzipieren, dass 
es auch Unternehmungen geben könne, die mit keiner Gefahr ver 
bunden sind. Hätte er das gethan, so würde er in der Lage ge 
wesen sein, seine Theorie auf festeren Boden hinzustellen und be 
stimmter auszusprechen. 
Auch Kau ') kann sich in diesem Sinne nicht zu einem be- 
immten Gesetze aufschwingen, indem er eben auch der Ansicht 
sein scheint, dass es Unternehmungen gäbe, die mit keiner Gefahr 
verbunden seien. Seine Theorie gehört dadurch, dass er in den 
selben keinen Reinertrag sieht, einer weit älteren Epoche an, 
obgleich er sehr wohl Arbeitslohn und Kapitalzins von dem Unter- 
uehmergewinne zu unterscheiden weiß. Seine Ansicht über das 
Unternehmen selbst dagegen ist bestimmter als die Roschers. Es 
ist auffallend, dass Rau trotz des sichtbaren Ringens nach Wahr- 
^1 1 tiotz des vielen Trefflichen, das er über diese Materie unserer 
ssenschaft bringt, nicht dazu kam, den Unternehmergewinn im 
einen .rtrage eines Unternehmens zu suchen, ln §. 136 schreibt 
wiiiü T ^^^^^Grnehmer: »Derjenige, welcher seines Gewinnes 
len die Guterquellen zum Behufe einer gütereizeugenden Wirkung 
Verbindung setzt, ist der Unternehmer eines Pro- 
Gewerbes, der Gewerbsmann.« §. 137; »Zu 
der gehört Folgendes : 1. das Zusammenbringen 
1 , !■ er IC eu Güterquellen, wozu, wenn diese überhaupt vor- 
Art z 
u^nehmer eines Gewerbes empfängt den gesamten (rohen] 
Grundsätze der Volkswirtschaftslehre (Heidelberg 1868).
        <pb n="32" />
        16 
Ertrag desselben, welcher aus den für die eigene Verzehrung be 
stimmten Erzeugnissen und aus dem Erlöse des verkauften Teiles 
derselben besteht. Hievon hat der Unternehmer denjenigen Per 
sonen , die ihm bei dem Gewerbe beistanden, die ausbeduugenen 
Anteile an Grund- und Kapitalrente und Arbeitslohn zu entrichten, 
ferner die Anschaffung der zum Gewerbebetriebe erforderlichen 
Güter zu bestreiten, insoferne nicht der eine oder der andere dieser 
Anteile ihm selbst gebührt. Was ihm nach Abzug dieser Aus 
gaben (Gewerbskosten) als Vergütung für die Beschwerden, Mühen 
und Gefahren seiner Unternehmung übrig bleibt, ist der Gewerbs- 
verdienst, profit de Tentrepreteur, nicht ganz angemessen Gewerbs- 
oder Unternehmergewinn genannt.« Wir sehen, dass er den Kapital 
zins für eigene Kapitale und den Lohn für eigene technische Arbeit 
in den Unternehmergewinn einbezieht. Gleich weiter schreibt er: 
«Ein vertragsmäßiges Ausbedingen, wie bei den drei anderen Zweigen 
der Einkünfte, kann bei diesem Einkommen nicht stattfinden, weil 
es unmittelbar von dem Erfolge der Unternehmungen bestimmt 
wird, weshalb auch seine Größe anderen Personen am wenigsten 
bekannt ist und nur aus verschiedenen Kennzeichen annähernd ver 
mutet werden kann. Wenn aber der Gewerbsverdienst ganz weg 
fiele, so würden die Unternehmungen aufhören, nur etwa solche 
einfache ausgenommen, zu denen sich einzelne Arbeiter entschließen, 
um fortwährend in ihrer Beschäftigung bleiben zu können, oder 
einzelne Grund - und Kapitalbesitzer, um sich den Bezug einer 
gewissen líente zu sichern.« — »Dies Einkommen«, führt er weiter 
aus, «unterscheidet sich wesentlich von der Kapitalrente, welche in 
sehr vielen Fällen vertragsmäßig festgesetzt wird und größtenteils 
reines Einkommen ist, aber auch von dem Lohne, weil es ebenfalls 
nicht wie dieser ausbedungen werden kann und nicht bloß von der 
Thätigkeit des Unternehmers, sondern zugleich von der Größe des 
angewandten Kapitals abhängt. Es kann betrachtet werden : 1. nach 
seinem ganzen Jahresbetrage, im Vergleiche mit dem Unterhalts- 
bedarfe des Unternehmers; 2. im Verhältnis zu dem Kapitale als 
ein gewisser Teil (Prozentsatz) desselben.« Und in der Anmerkung 
lesen wir: «Wegen des genauen Zusammenhanges des Gewerbever 
dienstes mit dem Kapitale ist es gewöhnlich, jenen in Prozenten 
des Letzteren auszudrücken.« So wirft Rau theoretische Betrach 
tungen mit praktischen Erfahrungen zusammen. Um die Quote 
des Unternehmergewinnes groß zu gestalten, gibt Rau eine Menge 
wirtschaftspolitischer Fingerzeige.
        <pb n="33" />
        17 
Die ausgedehnteste Theorie über den Unternehmergewinn gibt 
Mangoldt'). Das Unternehmen selbst definiert er: «Eine Unter 
nehmung ist ein Verkehrsgeschäft, bei welchem die Unsicherheit 
des Erfolges auf den Produzenten fällt; ein Unternehmer der Inhaber 
eines solchen Geschäftes.« Es ist dies die reinste Umschreibung der 
Koscher sehen Theorie, nichts mehr und nichts weniger. Den Unter 
nehmergewinn setzt er aus folgenden Atomen zusammen: 
I- «Entschädigung für die Last der Gefahr (Gefahrsprämie)«, 
iese Gefahr bestehe a) in den Unregelmäßigkeiten des Erfolges, 
in wirklichen Gefahren (Geldverluste, Missglücken der Produktion). 
II. «Entschädigung für die dargebrachte Kapitalnutzung und 
Arbeitsleistung (Unternehmerzins und Lohn)«. «Lohn des Unter 
nehmers ist die Entschädigung für die Anwendung solcher Fähig 
keiten, die verdungen werden können, Unternehmerlohn die Ent 
schädigung für die Anwendung solcher Fähigkeiten, die nicht ver 
dungen werden können, bezüglich für den Teil derselben, bei denen 
dies nicht der Fall ist«. „Was der Unternehmer für die eigene 
bezieht oder mehr bezieht, bildet einen 
M Unternehmergewinnes, seinen Unternehmerzins im 
genteil zum Zinse des Unternehmers, welcher nur die durch Ver 
mietung zu erlangende Entschädigung repräsentiert.« 
III. Vorteile, die aus der relativen Seltenheit der unter- 
ue mungsfahigen Subjekte fließen (Unternehmerrente). Diese Fähig 
ei eilt er ein, in A) «Fähigkeiten zu irgend welchen bestimmten 
.eistungen«, die Vorteile derselben ergeben die «Unternehmerlohn- 
(IfirliM.l Ö «Fähigkeiten, über die zu einer Unternehmung erfor- 
nehmpr^ ^^PKalien zu disponieren«, deren Vorteile: 1. «Die Unter- 
neizinsrente«, wenn sie sich durch die «Seltenheit der Art«- 
heitlsümf durch die „Selten- 
Arteo Vereinigung, dieser beiden 
SinueV. w ^ ''"'«be »die Unternehmerrente im engeren 
einbuße«^' i&gt;\ ^ Mangoldt entgegen »die ünternehmerlohn- 
“ber^Ceinh^ 
•) Die Lehre vom Dntemehmergewien (Leipzig 1866). 
. ) Preußische Jahrbücher. Bd. XIX. S. 269. 
« hr 06 der. Das Unternehmen n. der Unternehmergewinn. 2
        <pb n="34" />
        18 
Schaft keine Ahnung«, wir meinen den Amerikaner Carey‘), in ein 
ganz neues Stadium der Theorie über den Unternehmergewinn. Carey 
befindet sich auf den ersten Blick und oberflächlicher Beurteilung 
zum Teile auf dem Standpunkte Sisraondis und Rossis, zum Teile 
auf dem Seueuils. Diese sonderbare Erscheinung entsteht aus der 
Erkenntnis Careys, dass der Besitz von Grund und Boden ebenso wie 
jedes andere Kapital, Kapital ist; diese Erkenntnis ist weit bestimm 
ter als bei Seueuil. Carey kennt nur drei Einkommensarten: Lohn, 
Gewinn und Zins. Der Gewinn ist möglich aus der Anwendung von 
beweglichem Kapital und aus der Ausnützung von Grund und Boden. 
Er kennt demnach auch eine Grundrente; aber erst nach Be 
wältigung der Natur, nach Aufwand von Thätigkeit, wird die Grund 
rente möglich, und ist dann der Gewinn aus einem durch Arbeit 
und Natur entstandenen Kapital, dem nutzbargemachten Grund und 
Boden. So bringt er, wie Seneuil, bewegliches Kapital und Boden 
besitz zusammen. Thätigkeit und Kapital hat er aber streng ge 
trennt, um beide, pseudoähnlich wie Sismoudi und Rossi, im Unter 
nehmergewinne zu vereinigen. »Das ganze Einkommen einer Nation 
oder die Summen der bergebracbten tausclibartm Werte rührt von 
gegenwärtiger Arbeit unterstützt von Kapital, dem Resultate trüiierer 
Arbeit her, und ist zwischen beiden geteilt. Die Vergütung für 
die crstere ist der Arbeitslohn; der Anteil des letzteren ist der 
Gewinn. Beide vereinigt bilden den sogenannten Unternehmergewinn.« 
Wie leicht zu erkennen, umfasst Careys Forschung ein größeres 
Wirtschaftsgebiet, als die anderer Scbrittsteller. Was er unter 
Unternehmergewinn versteht, ist die Summe der individuellen Unter 
nehmergewinne, der Unternehmergewinn des Volkes, der aus tausend 
ünternehmerthätigkeiten entspringt. Diesen Standpunkt verkennen 
seine Nachfolger, machen das zum persönlichen Unternehmergewinn, 
was Carey als den Unternehmergewinn einer Nation dachte, und 
kehren so thatsächlich zu den Theorien Sismondis und Rossis zurück. 
Wenn unsere Auffassung schon in dem oben angeführten Ausspruche 
Careys ihre Bestätigung findet, so erhellt sie noch viel klarer aus 
dem, was er über die Güterverteilung überhaupt sagt’): »Der Grund 
und Boden und die Arbeit nehmen stets an Spielraum zu, wenn 
’) «Die Grundlagen der Sozialwissenschaft.« Herausg. von Dr. C. Adler 
mit einem Vorworte von Max Wirth. 3 Bände (München 1863), und „Lehr 
buch der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaft«, deutsch von Dr. C. Adler 
(München 1866). — «Principies of Political Economy«. 3 Bände (1838—1840)« 
*) Lehrbuch in einem Bande. 1866. S. 531.
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        19 
die dem Handelsmanne« (Gewinn) ndem Geldhändler« (Zins) nund 
dem Mietherrn« (Grundrente) »zustehende Quote abnimmt, indem 
sich dann die Preise der Rohmaterialien und der Fabrikate immer 
nähern und der Mensch freier wird, während die Zirkulation sich 
beschleunigt«. Zum richtigen Verständnis dieses Satzes citieren wir 
den korrespondierenden Ausspruch auf Seite 534: »Je mehr die 
Preise der Arbeit und der Rohprodukte des Bodens steigen und je 
mehr die Preise der Fabrikate fallen, je mehr sich also beide 
nähern, desto kleiner wird der Spielraum sein, in welchem sich 
der Gewinn, der Zinsfuß und die Grundrente bewegen, und desto 
größer die Quote des Menschen und des von ihm bebauten Grund 
und Bodens«. Auf Seite 531 sagt er ferner: »Das Kapital ist 
das Werkzeug, dessen sich der Mensch bei seinen Bestrebungen, 
Macht über die Natur zu erlangen, bedient, und folglich hat alles, 
was die Tendenz hat, seine Macht über dieses Werkzeug zu ver 
mehren, auch die Tendenz zur Gleichheit und Freiheit und zur 
Erhebung der Arbeit der Gegenwart auf Kosten der Ansammlungen 
der Vergangenheit. Alles dagegen, was die Macht des Werkzeuges 
über den Menschen vergrößert, hat die Tendenz, diese Ansamm 
lungen aut seine Kosten zu erheben, die Ungleichheit zu fördern 
und die Sklaverei wieder herzustellen. Da nun die Macht des Menschen 
Über das Werkzeug mit dem Zuwachs der Association und diese 
niit dem Zuwachs der Mannigfaltigkeit der Beschäftigung wächst, 
so folgt hieraus notwendigerweise, dass der Weg zur Freiheit des 
Menschen in der Richtung liegt, die zur Entwickelung der ver 
schiedenen Fähigkeiten der Individuen führt, aus welchen die Ge 
sellschaft sich zusammeusetzt«. 
Oline die weiten Gesichtspunkte Careys erfasst zu haben, ist 
Max Wirth ') der exakten Forschungsrichtung des großen Ameri 
kaners gefolgt, und das Resultat ist eine sonderbare Verquickung 
exakt angelegter Fragen und empirischer Folgerungen. Wir haben 
schon weiter oben erwähnt, wie Careys Epigonen seine Theorie über 
en Unternehmergewinn in ganz falscher Auffassung zu der ihrigen 
gemacht haben. Wirth schreibt im I. Bande, S. 289: »Der Gewinn« 
eine rein Careysche Ausdrucksweise — »ist der Ertrag, welcher 
von einem ueugeschañenen Produkte übrigbleibt, nachdem der 
Arbeitslohn und das Umlaufskapital abgezogen sind. Als Kunz sich 
selbst Ochsen und Pflug anschaflfte, war er Unternehmer, und sein 
1 Urundzüge der Nationalökonomie. 2 Bände (Köln 1861—69). 
2*
        <pb n="36" />
        20 
Gewinn als Unternehmer, der sogenannte Unternehmergewinn, teilte 
sich in Arbeitslohn und Kapitalgewinn«. Auf Seite 290: «Gewinn an 
und für sich möchten wir den Bruttoertrag des Kapitals, Zins den 
Nettoertrag nennen; Zins nämlich den Gewinn desjenigen Kapitals, 
welches gar keine Gefahr läuft; Gewinn aber den Ertrag eines 
solchen Kapitals, welches größerem oder geringerem Risiko ausge 
setzt ist und also in seiner produktiven Anwendung eine Versiche 
rungsprämie ab werfen muss.« Wir sehen, dass er die Careyscheii Ge 
danken mit der Rauschen Theorie in Verbindung bringt, welch letzterer 
in dem »Gewerbsverdienst« ebenfalls einen Bruttoertrag sieht, wie 
Wirth im «Gewinn«, unter welchem dieser (in ganz anderem Sinne 
wie Carey) hier wirklich den Unternehmergewinn meint. Er ist 
ganz aus der exakten Forschungsrichtung seines großen Vorbildes 
in die empirischen Erwägungen der deutschen Schule gedrängt. 
Nachdem durch Carey die Theorie über den «Gewinn« eine so 
weise, so geniale Beschränkung erfahren hat, sehen wir den Hang zu 
einer übermächtigen Erbreiterung schon in der Lehre Mangoldts, und 
reihen hier noch die Theorie des Prof. Mikszewicz') an, welcher 
den Kredit, nicht etwa in der bedingungsweisen Art wie Say, der 
nur durch die Notwendigkeit ein Unternehmerkapital zu finden auf 
denselben hindeutet, sondern neben Natur, Arbeit und Kapital als 
vierten Produktionsfaktor nennt!; «der Kredit«, meint er, «sei ebenso 
aus den drei älteren hervorgegangen, wie das Kapital aus den beiden 
ältesten«. «Den Unternebmergewinn fasst er dann als den Ertrag 
dieses vierten Produktionsfaktors, entsprechend Grundrente, Arbeits 
lohn und Kapitalzins.« 
Das, was Roscherwollte: «ein System von Begriffen und 
Urteilen möglichst abstrakt, d. h. möglichst entkleidet von allen 
Zufälligkeiten des Raumes und der Zeit« schaffen, und was ihm 
jedoch weder im ganzen und großen noch in Bezug auf unser 
Thema gelungen ist, das hat Stein gethan. Er ist der Philosoph 
par excellence unter den Natioualökonomen — durch die That, 
praktisch, durch Darlegung seiner Volkswirtschaftslehre — und 
zwar in gutem und schlimmen Sinne. 
Stein schreibt über das Unternehmen in dem Kapitel »Güter 
und Wertbildung« (§. 296): «Seinem allgemeinen Begriffe nach ist 
*) Siehe: Roscher, »Grundlagen der Nationalökonomie“. Kapitel: »Unter 
nehmerlohn.“ 
’) Siehe: Grundlagen der Nationalökonomie. Einleitung. 
*) Volkswirtschaftslehre (Wien 1878).
        <pb n="37" />
        21 
demnach das Unternehmen die wirtschaftliche, auf den Kapital 
gewinn berechnete Thätigkeit der wirtschaftlichen Persönlichkeit und 
ihres Handlungskapitals«. Er sagt über das Unternehmen weiter: 
jiDie Aufgabe und damit der Inhalt dieser Thätigkeit wird sonach' 
zum wissenschaftlichen System der Lehre von der Unternehmung, 
indem man dieselbe in ihre einzelnen Momente auflöst, und ihren 
formellen inneren Zusammenhang auf das Gesetz des Wertes zurück- 
ffihrt. — Darnach ist der erste Teil des Unternehmens die Erzeu 
gung von Gütern aus den beiden elementaren Faktoren aller Guts 
bildung, dem Kapitale und der Arbeit. Der zweite Teil dagegen hat 
die Aufgabe, vermöge dieser Güterbildung aus der Produktion der 
Unternehmung den Wert dieser Produkte in der Weise herzustellen, 
dass die Grundlage aller Kapitalbildung, die Differenz zwischen den 
Gestehungskosten und dem Verkehrspreise, in jedem einzelnen Ver 
kehrsakte der Unternehmung und dadurch auch in der Unternehmung 
als Ganzes erreicht werde, um aus dieser Differenz dann den Unter 
nehmungsgewinn zu bilden und in seiner Verteilung zu der Urquelle 
derselben, der Einzelpersönlichkeit und ihrer wirtschaftlichen Ent 
wickelung zurückzukehren. Betrachtet man daher das Unternehmen 
zunächst für sich, so zerfällt es in zwei Teile, die wir jetzt als den 
Betrieb und das Geschäft der Unternehmung bezeichnen. Der Be 
trieb erzeugt das Produkt, das Geschäft seinen Wert«. Über den 
Unternehmergewinn schreibt er (S. 312): «Der Unternehmergewinn 
ist der Reinertrag des Handlungskapitals, erzeugt durch die Diffe 
renz zwischen Ausgaben und Einnahmen, und bestimmt dazu, das 
Ergebnis der kapitalbildenden Kraft der Unternehmung selbständig 
vom Handlungskapitale abzulösen und es wieder zum Einzelnkapitale 
zurückzuführen, aus welchem jenes selbst entstanden ist. Er ent 
steht daher in seinen Elementen wie jeder Reinertrag, und seine 
Bestimmung ist in dem allgemeinen Wesen des letzteren gegeben, 
lillein die Faktoren, die ihn erzeugen, sind keine einfachen mehr, 
wie im Begriffe des Gutes und selbst in dem der Wirtschaft; das 
ganze wirtschaftliche Leben der Unternehmung ist tausendfach mit 
dem aller anderen verflochten; sie produziert für Dritte, konsumiert 
nur duich sie, und schon ihr Ertrag, geschweige denn ihr Reinertrag, 
wird bedingt nicht mehr bloß durch jene abstrakte Wert- und Preis 
bildung, sondern durch die Zahlungs- ja sogar durch die Kredit 
fähigkeit Dritter, die wieder ihrerseits von derjenigen des Vierten 
und sofort abhängen. Die eigenen Verpflichtungen ändern damit 
auch die Natur der Eingänge; sie sind selbst nicht mehr immer
        <pb n="38" />
        22 
Erträgnisse, sondern oft bloß durch Geld- und Kreditoperationen 
geschaffen ; der wirklich erreichte Überschuss wird zweifelhaft ; der 
Wert der Produkte sinkt und steigt durch Faktoren, welche durch- 
‘aus nicht in der Hand der Unternehmung liegen, und während 
daher im Begriffe an sich, und in den meisten Fällen auch in der 
Einzelwirtschaft, dieser Reinertrag eine einfache Resultante einfacher 
Faktoren ist, erscheint der Gewinn der Unternehmung durch be 
ständig wechselnde, ihn beständig beherrschende Faktoren bedingt; 
in ihm resümiert sich nicht mehr das Ergebnis einer einzelnen 
Arbeit, sondern das Ergebnis einer tausend Störungen and Strö 
mungen unterworfenen organischen Gesamtthätigkeit, auf deren 
Resultat nur zu oft nicht bloß die einzelnen Angehörigen des Unter 
nehmens selbst, sondern oft ganz unberechenbare Dinge Einffuss 
haben.« 
Nicht wegen der formellen Bezeichnung nKapitalgewinn«, 
sondern wegen der selbstthätigen Rolle, welche Stein dem Kapital 
— philosophisch, teleologisch — zu weist, erscheint er uns als ein 
Baumeister, welcher auf Smiths Grundstein baut, und im Grunde 
zu nichts anderem als zu den Theorien Sismondis und Rossis ge 
langt ist. Sehr auffallend ist es, dass der Philosoph nur die histo 
risch entwickeltere Unternehmungserscheinung, das Kreditunter 
nehmen als Unternehmen und alles andere als Wirtschaft auf 
zufassen scheint. Den historischen Standpunkt hat Stein hier ganz 
vernachlässigt, ein Umstand, welchem mit Knies garsehr entgegen 
getreten werden muss; aber sonderbar — trotzdessen sind seine 
Ausführungen durchaus nicht exakter Natur. 
Steins Theorie muss einfach genannt werden. Einfacher noch 
ist die Schäffles ‘), obgleich er der Thätigkeit des Unternehmers 
einen viel weiteren Spielraum lässt. Wenn sich Steins Ausführungen 
auf Smiths Vorbild anzulehnen scheinen, folgen Schäffles Grund 
gedanken der Schule Says. 
Sch äff le schreibt: »Er (der Unternehmer) ist der Mittelpunkt, 
an welchen Arbeitseffekte und Kapitalnutzungen sich herandrängen. 
Er ist der Krystallisationspunkt der wirtschaftlichen Elementar 
kräfte. Er zieht sie durch hohen Lohn und Zins an und stoßt sie 
durch niederen Lohn und Zins an andere Unternehmer ab. Er 
berechnet den Kurs der gesellschaftlichen Bedürfnisse, weil von 
’) Das gesellschaftliche System der menschlichen Wirtschaft (Tübingen 
1867), §. 107.
        <pb n="39" />
        23 
dieser Berechnung Gewinn und Verlust für ihn abhängen. Er muss 
in wirtschaftlicher Weise diesen Kurs nehmen, weil ihn dazu die 
Konkurrenz nötigt. Er kauft durch Lohn und Zins, welche er mit 
dem Arbeiter und dem Vermögensdarleiher voraus debattiert und 
festsetzt und zum Teile vorausbezahlt, die Güterelemente auf spä 
teren Ersatz aus dem Erlöse im voraus an, wozu ihn sein Unter 
nehmervermögen befähigt.« Weiters: «Außerdem, dass hierdurch 
Arbeiter und Kapitalisten in den Stand gesetzt werden, ihre pro 
duktiven Nutzeffekte der Verwertung zu jedweder und auch zur 
langwierigsten arbeitsthätigen Güterformung, ohne Gefährdung eines 
geregelten Unterhaltes in der Zwischenzeit abzutreten, wird der 
Unternehmer zugleich der Mittelpunkt der Verteilung des National 
einkommens unter den drei Formen, des Unternehmergewinnes, 
des Lohnes und des Zinses.« Dann §. 158: «Das Eigentümliche 
der Stellung des Unternehmers ist es, dass bei ihm Güterver 
mögen und Arbeitsvermögen, der sachliche und der persönliche Pol 
der wirtschaftlichen Persönlichkeit, untrennbar, verschmolzen auf- 
treten.« «Auch dem Unternehmergewinne«, sagt er aber weiter, 
«sind teilweise fremdartige Elemente: Lohn, Rente (Gewinnrente), 
Risiko beigemischt«, und spricht im §.160 sich bestimmt dahin 
aus: «Der Unternehmergewinn ist Vergütung der Uuternehmer- 
thätigkeit. Er ist gleichwohl nicht Lohn. Der Unternehmergewinn 
ist also ein Produkt untrennbaren, aus dem Begriffe der Unter 
nehmung selbst folgenden Zusammenwirkens des Arbeits- und des 
Kapitalvermögens. Wissenschaftlich betrachtet ist der Unternehmer 
gewinn weder Zins noch Lohn, noch Risiko Vergütung. Er ist Ver 
geltung jener unteilbaren Kombination von Kapital- und Arbeits 
vermögen für den volkswirtschaftlichen Beruf des Unternehmers. 
Der Unternehmergewinn ist nach alledem der Wertüberschuss, 
welcher dem Unternehmer, als dem Kombinator der produktiven 
privatwirtschaftlichen Kräfte, zukommt.« 
Mit Schäft'les Theorie, welche sich, allerdings nur auf dem 
Gebiete der empirischen Erwägungen, den Resultaten unserer eigenen 
Forschung nähert, schließen wir die Betrachtung der geschicht 
lichen Entwickelung der wissenschaftlichen Darstellungen über das 
Unternehmen und den Unternehmergewinn.
        <pb n="40" />
        II. 
Wirtscliaftsgescliiclitliches. 
Als der Mensch einzeln und allein der Natur gegenüber stand, 
da schon trat die Erscheinung des Unternehmens auf. Der Mensch 
kämpfte ohne andere Waffen als die, welche ihm die Natur selbst ver 
liehen hatte, gegen sie. Er kämpfte mit seiner physischen Kraft, 
mit dem ihm eingeborenen Intellekt und vor allem mit seinem 
Willen zuerst gegen die leblose Natur. Er nahm ein gewisses Terri 
torium in seinen Besitz, indem er sich gleich den Tieren Wege 
bahnte zum Wasser oder dort hin, wo ihm sein Intellekt Nahrungs 
mitteln verriet, er nahm einen hohlen Baum zu seiner Wohnung 
und schützte sie gegen die Einflüsse der Witterung. Dann wandte 
er sich gegen die lebende Natur: er nahm das Holz vom Baume 
ziim Werkzeuge, die Frucht zur Nahrung und entdeckte die nütz 
liche Macht des Feuers. Endlich grilf er die Tierwelt an mit Stock 
und Stein, seiner Kraft, seiner List und seinem ]\Iut; das Fleisch 
war ihm Nahrung, das Fell Kleidung, und das lebende Tier 
Arbeiter. 
Nicht zu gleicher Zeit hat sich der Mensch die notwendigen 
Lebensmitteln aus der Pflanzen- und Tierwelt geholt, sondern zu 
erst aus jener und dann erst aus dieser; war es doch leichter, sich 
einer Pflanzenfrucht als eines Tieres zu bemächtigen, zudem war 
an der Wiege des Menschengeschlechtes für eine üppige Vegetation 
gesorgt, während die Fauna in ihren mächtigen Vertretern den 
waffenlosen Menschen abschrecken musste; er lebte in den Ästen 
und Kronen der Bäume, was seine verkümmerten Hinterhände be 
zeugen, und nährte sich von Früchten — auf dem Erdboden war 
es gefährlich für ihn, nicht allein wegen der Kaubtiere, auch wegen 
der Reptilien, die in der feuchtwarmen üppigen Pflanzendecke 
wucherten und vor allem wegen der schädlichen Ausdünstungen der
        <pb n="41" />
        2õ 
tropischen Eide. Überdies, und dies ist das wichtigste Argument 
für diese Annahme, weist das affenähnliche Gebiss des Menschen 
haarscharf darauf hin, dass die Kost der Kindheit des Menschen 
geschlechtes Pflanzenkost war. Erst als der Mensch seine warme 
asiatische Heimat verließ, als er in kälteren Klimaten ein Kleid 
brauchte, nahm er es vom Tiere und aß dann dessen Fleisch, wie 
ja auch AflFen, wenn man es ihnen reicht, z. B. in der Gefangen 
schaft, Fleisch nicht verschmähen *). 
Der Mensch in seiner Isoliertheit arbeitete wohl, aber er war 
nicht Arbeiter, er war Unternehmer und seine Thätigkeit hatte alle 
Merkmale des Unternehmens, und da er nur mit der Natur zu 
thun hatte, war es ein Natural unternehmen. 
Denn die von ihm gegen die Natur gewandte Thätigkeit war 
die Thätigkeit aller seiner Kräfte, und die Waffe in diesem Kampfe 
war sein ganzes persönliches Kapital, die Kraft seines Körpers, sein 
Intellekt und sein Wille. Das Resultat dieses Unternehmens waren 
w allerdings nur Güter, die lediglich für ihn einen 
. ^ ^ durch seinen eigenen Gebrauch wieder ver- 
mchtete; dafür aber entstanden in ihm selbst Produkte, welche 
mächtige Waffen gegen die Natur wurden, es waren diese: die körper- 
iche Geschicklichkeit in den ersten Arbeiten, die Kenntnisse der 
um Ihn thätigen Natur und das wachsende Vertrauen in sein eigenes 
können, die Sittlichkeit. Und jetzt begann seine Thätigkeit sich 
^1 weiteres Ziel zu setzen. Er sammelte Vorräte, er erfand 
Waffen und Werkzeuge, er schützte sein Heim gegen Tiere, und 
wenn ihm ein Mensch nahte, auch gegen diesen. 
Er siegte und war Herr, er unterlag und wurde getötet oder 
Der erste Sklave war das Weib; den männlichen Feind ver 
nichtete der isolierte Mensch. Es war der Prozess jener natürlichen 
kennen welche wir im Kampfe der Hirsche in der Brunstzeit 
. männliche Sklave ist eine spätere sittliche und ökono 
mische Erscheinung. .In der historischen Zeit noch wurden Kriegs 
gefangene hiugerichtet. Alle jungen Völker hatten die Einrichtung 
üer Menschenopfer, erst das mildere Gemüt ließ Gnade walten und 
sc en te dem totgeweihten Feinde das Leben, wozu die Erkenntnis 
rüg, dass es vorteilhafter sei, den Besiegten lebend zur Arbeit 
382). 
‘) Anderer Ansicht ist Knies (Polit. Ökonomie 1883. S.
        <pb n="42" />
        26 
zu benützen, als ihn zu töten. Der männliche Sklave ist ein sitt 
licher und ökonomischer Fortschritt in der historischen Entwickelung 
des Menschen. 
War das Weib als isolierter Mensch auch selbst Unternehmer, 
so wurde es in der geschlechtlichen Gemeinschaft Arbeiter, es ver 
richtete im Dienste des Mannes die ihm zugewiesene Teilarbeit. 
Ihr Heim wesen wurde aber jetzt zur Wirtschaft, zu jener Er 
scheinung, die wir die isolierte Wirtschaft nennen; es war die erste 
Naturalwirtschaft, und in ihr rangen die Menschen der Natur 
nur so viel ab, als sie für ihre Bedürfnisse brauchten. 
Die Familie vermehrte sich, und es entstand auf dem Gebiete, 
welches sie innehatte, eine Bevölkerung. Der Familienvater 
war das Oberhaupt der Familie, er war ja der Stärkste, der geistig 
und sittlich Überlegenste; seine Stellvertreterin war die Mutter. Das 
war das erste Rechtsverhältnis, und in der Anerkennung dieses 
Rechtes wurden die Kinder größer und stärker, sie wurden stärker 
und mutiger als die Eltern und blieben ihnen kraft dieses 
Rechtes unter than, aber sie waren nicht Sklaven — das war der 
erste Staat. 
Und es teilte der Vater die Arbeiten zwischen seinen Kindern 
so lange, bis das Gebiet zu klein für die ganze Familie wurde, und 
neue Unternehmungen entstehen mussten. Ein Sohn zog an den 
Fluss und wurde Fischer, der andere in den Wald und wurde Jäger, 
der dritte wurde Hirt und der vierte Schmied; der alte Vater aber 
lehrte die Kleinen. Wenn eine Gefahr dem jungen Staate drohte, 
so verteidigten seine Bürger ihr Hab und Gut, ihr Eigentum, 
die Gräber ihrer Väter und die Heine ihrer Götter, ihre Religion, 
sie verteidigten ihre Freiheit, ihre Zusammengehörigkeit, ihre 
Rechtsordnung, Weib und Kind, die Ehe; und nach dem Siege 
besangen sie in Liedern ihre Thaten, das waren die Kinderlaute der 
Kunst, sie gruben das Geschehene ihrem Gedächtnisse ein und 
erzählten es ihren Kindern und Kindeskindern, und das war die erste 
Wissenschaft. 
So entstand die noklg der Griechen, so die civitas der Römer, 
so der padus der Germanen und das Dorf der Neger und Indianer. 
Der wirtschaftliche Charakter dieser ersten Gemeinden war ge 
rade so, wie die erste Thätigkeit des einzelnen Menschen ein Unter 
nehmen war, eben das Unternehmen. 
Die kleine Gemeinde unternahm es, ihren Bestand zu sichern 
und auszudehnen ; sie strebte darnach eine Staatswirtschaft zu
        <pb n="43" />
        27 
gründen, und in diesem Bestreben spielten die Waffen bei allen 
Völkern die erste Rolle. 
Zwei große Erscheinungsketten lassen sich in dem Leben eines 
jeden Volkes nachweisen. 
Der einzelne Mensch und die isolierte Familie, die noch nicht 
an ein festes Heim gebunden waren, bedurften für ihre wirtschaft 
liche Thätigkeit des größten Territoriums; denn ein weites Gebiet 
gab ihnen den Lebensunterhalt, zuerst die wildwachsenden Pflanzen 
und dann die Jagd. Ein lebendiges Bild dieser Kindheitsepoche 
bieten uns die Stämme der amerikanischen Rothäute, und nicht 
ohne Bedeutung ist es, dass jener merkwürdige Stamm der scheuen 
und furchtsamen nWurzelgräber«, welche sich nur von Vegetabilien 
nähren, der jüngste der kupferroten Rasse zu sein scheint. Später, 
als die Geschlechter zahlreicher wurden und Viehzucht zu treiben 
begannen, war das Gebiet, auf dem sie lebten, schon kleiner; die 
biblischen Hirtenvölker geben uns ein Beispiel dieses wirtschaft 
lichen Lebensstadiums. Und als die Gemeinde größer und sesshaft 
wurde und Ackerbau zu treiben anfing, da war der Raum, auf 
dem sie lebte, abermals ein kleinerer; die Städte der Griechen, die 
Marken der Römer waren solche Typen der Zeit des Ackerbaues im 
Leben dieser Völker. Noch kleiner war der Raum, als die Bevölke 
rung noch mehr anwuchs und neben dem Ackerbau, Handel und 
Gewerbe ins wirtschaftliche Leben eintraten: da sehen wir auf dem 
kleinen Gebiete einer Stadt den Reichtum eines ganzen Landes, ja 
eines halben Erdteiles zusammengetragen. Je höher also die wirt 
schaftliche Entwickelung eines Volkes stieg, desto kleiner war der 
Raum, auf dem der Einzelne lebte. 
Gas ist die eine Erscheinungskette. 
Und die zweite, auf welche schon Bacon von Verulam ’) hin 
wies, ist die, dass jugendliche Staaten das Waffenhandwerk, gereifte 
die Künste und Wissenschaften und im Niedergange begriffene 
Handel und Gewerbe besonders pflegen und entfalten. Ein Blick 
äuf die wilden Völker Afrikas und Amerikas, auf die Germanen 
zur Zeit eines Hermann des Cheruskers, eines Walter von Aqui 
tanien, eines Dietrich von Bern, auf die Griechen zur Zeit der 
Helden Homers, zeigt uns diese jungen Völker geübt in den 
Waffen und alles verachtend, was über das Waffenband werk hinaus 
ging; dem Weibe war andere Arbeit überlassen. Die Deutschen 
') Sermones fideles. Cap. 66.
        <pb n="44" />
        28 
der Gegenwart, die Römer zur Zeit eines Seneca und Pliuius, eines 
Tacitus, Virgil, Horaz, Ovid, luvenalis, die Griechen zur Zeit des 
Sokrates, Platons und Aristoteles, die Inder zur Zeit eines Kali 
dasa, zeigen uns Völker auf dem Gipfel ihrer Entwickelung iu 
ihrer vollsten geistigen Entfaltung. Und das niedergegangene Volk 
der Semiten, wie es zerstreut unter uns lebt, handeltreibend und 
nach materiellen Gütern jagend; die bezöpften Söhne des Reiches 
der Mitte in der Gegenwart, wie sie nicht nur daheim im mauer- 
umgürteten China, aber auch im erblühenden Amerika Handel und 
Gewerbe zu ihrem fast ausschließlichen Lebenserwerbe gemacht 
haben, die Mauren des Mittelalters auf der pyrenäischen Halbinsel, 
die alten Ägypter und Phönizier in ihrer Berührung mit den 
klassischen Völkern sind alternde, sinkende Nationen. 
Nach diesen geschichtsphilosophischen Betrachtungen werden 
wir die Unternehmungen der verschiedenen Völker in ihren ge 
schichtlichen Entwickelungen und in jenen Zeiten ins Auge fassen, 
in welchen ihre nationalen Charaktere in ihren ökonomischen Thätig- 
keiten zur Erscheinung kamen. 
Dort, wo die Wiege des Menschengeschlechtes durch die 
Wissenschaft entdeckt worden ist, fallen uns im Kreise der arischen 
Völker die Inder auf. Auch bei ihnen gab es eine Zeit, da Handel 
und Verkehr verachtet waren, eine Zeit, in welcher das ökono 
mische Leben und der Marktverkehr insbesondere von der Obrig 
keit bis in die tiefsten Einzelheiten bevormundet wurden, und den 
Indern eine eigentümliche Scheu und Furcht vor dem Meere und 
der Schiifahrt innewohuten. Aber schon die alten Gesetzbücher 
scheinen hierin viel vorurteilsloser zu sein, und Bohlen ') spricht 
davon, dass sich selbst die für heilig gehaltenen Brahmauen an 
dem Handel beteiligt hätten. Die epischen Dichtungen der Völker 
des Sanskrits selbst weisen darauf hin, dass bei denselben zunft- 
IInd innuugsähnliche Einrichtungen vorhanden gewesen sind. 
Bei den Hebräern des Altertums waren die Gewerbe wohl 
zumeist Angelegenheiten der Hausindustrie. 
Dagegen finden wir im Lande der Pharaonen schon eine eigent 
liche Kaste der Handwerker und seit den ältesten Zeiten eine 
gewisse Industrie, welche größere Ausdehnung genommen hat, so 
die Präparierung falscher Haare und die Fabrikation von Perücken, 
welche schon den Baumeistern der Pyramiden bekannt waren. 
') Das alte Indien. II. S. 125.
        <pb n="45" />
        29 
Die Phönizier waren unstreitig das wirtschaftlichste Volk der 
terra antiqua, sie trieben einen großen Handel mit der ganzen 
bekannten Welt, und ihre Industrie muss auf einer hohen Stufe 
der Entwickelung gewesen sein, da Färberei, Weberei, Bronzeguss, 
Töpferei, Purpur und Glas phönizische Erfindungen sind. 
Während es so bei den Phöniziern ein ausgebildetes Industrie 
system gab, welches auf freier Arbeit beruhte, und damit im 
innigsten Zusammenhänge steht, dass sie das Handwerk und das 
Verdienst aus den Gewerben nicht für schimpflich hielten, galt bei 
den Griechen eine ganz andere Anschauung. Handel und Gewerbe 
waren der Verachtung preisgegeben, weil dieselben ausschließlich 
fast von Sklaven besorgt wurden. Wir finden diese Anschauung 
überall dort, wo die Gesellschaft einen Unterschied machte zwischen 
vollberechtigten Staatsbürgern und Sklaven, Leibeigenen, Juden etc. 
Und wie lange ist es her, dass es selbst in Deutschland für schimpf 
lich galt, wenn Feudalherren Handel und Industrie trieben? 
Die Griechen nun hatten ihr Kapital so recht eigentlich in 
Sklaven angelegt. Zur Zeit der höchsten Blüte Griechenlands, im 
fünften bis dritten Jahrhunderte vor Christo, besaßen die Hellenen 
zwölf Millionen Sklaven; der Preis eines Sklaven wurde damals 
auf ungefähr 170 Franks bewertet, was ein Nationalkapital von 
2140 Millionen in Sklaven ergab, eine Summe, welche bei dem 
großen Werte des Geldes um so höher erscheinen muss. Freilich 
war der griechische Sklave Arbeiter in jeder Beziehung, nicht nur 
die ganze Nährthätigkeit besorgte er, auch die Lehrthätigkeit ver 
sah er; haben wir doch Beispiele von Sklaven, die- eine hervor 
ragende Stellung in hellenischer Kunst und Wissenschaft ein- 
Dahmen; nur die Wehrthätigkeit war das Gebiet des griechischen 
Bürgers. Ein tiefer Unterschied besteht deshalb zwischen dem 
Sklaven des klassischen Altertums und dem modernen Sklaven. 
Knies’) schreibt darüber: rUnd wenn man die geistige Natur des 
Menschen damals (im Altertume) und jetzt in Vergleichung zieht, 
so War es im Altertume die stolze Natur des Herrn, dem oft der 
geistig überlegene Sklave den Jugendunterricht erteilt hatte, heut 
zutage ist es der tiefe Stand der wilden, der Leitung und Aufsicht 
bedürftigen Natur des Negersklaven, auf welche die Ursachen einer 
solchen Institution zurückgeführt werden müssen.« 
Wie groß die Verachtung der gewerblichen Thätigkeit bei den 
Griechen zur Zeit ihrer geistigen Blüte war, wie sie aber auch 
’) Polit. Ökonomie (1853). S. 273 und (1883). S. 390.
        <pb n="46" />
        30 
andererseits zusammenhing mit der Stellung des Bürgers im Staate, 
zeigen uns zahlreiche Stellen griechischer Schriftsteller; so z. B. 
lässt Xenophon in seinem nOíxovofuxòg')^ den Sokrates zum Krito- 
bolus sagen : vAXXcc xaXäg, sq^rj, Xéysig, a KQLtoßovXe. xcd yccQ 
ài ys ßttvavoixal xaXov^svai xal ¿TCÍQQtjroí xal síxóvcog 
liévtoi Ttúvv ádo^ovvrca JCQÒg rcõv tcóXscov. xaraXv^aívovtat yàQ 
tà õáuara tãv rs èçya^oyiévav xccl rCov èTiifieXofiávcov. ávayxá- 
l&gt;)VOKi xa&amp;fjõd-UL xaí õxtazQacpEtõd-ca, iviat ôè xai nçbg TtvQ 
'fjfisQe^SLv. tæv dè ôa^iàtœv d'qXvvo^évav xai aí ilfvxal jtoXv 
àçQaõTÓtSQai yíyvovtai. xal dè ^áXiõza s%ovgl xal g)CXcov 
xal TtóXecog övvETUfieXslöO'aL aí ßavavöixal xaXovfiévai. cóõxs oí 
TOLOvTOi òoxovOi xaxol xal rpiXoLg XQÍ\Gd'ai xal talg naxQÍGiv 
áXs^7]x^çsg EÍvat. xal èv èvíaig (lèv xãv nóXeav, yiáXiúxa dè èv 
xalg s'd'JtoXéyiOíg doxovGaig slvai, ovd’ b^eõxl xãv jtoXitãv ovdsvl 
ßavavGixag xé^vag éQyá^eGd^aiu. 
Bis ungefähr 1000 vor Christo war der wirtschaftliche Ver 
kehr auf den Tauschhandel beschränkt ; langsam entstand der Kauf, 
welcher um 750 vor Christo zur allgemeinen Erscheinung gelangt 
ist. Der Tyrann Pheidon, welcher um diese Zeit über den nörd 
lichen Peloponnes, Ägina und Korinth geherrscht hat, brachte zu 
erst in die aus dem unreflektierten Gemeinwillen entstandene Ein 
richtung des Geldes“) und zugleich des Maßes und des Gewichtes 
ein auf einer allgemein gültigen Einheit beruhendes System. Die 
in Ägina geprägten Münzen und der äginatische Münzfuß ver 
breitete sich außerordentlich rasch über die ganze bekannte Welt. 
Den Wert des Geldes können wir aus dem großen Zinsfuß ent 
nehmen, welcher z. B. zur Zeit des pelopennesischen Krieges 18%, 
zur Zeit des Demosthenes 10%, zur Zeit des Aristoteles 12% betrug 
und in einzelnen Fällen bis auf 38% gestiegen ist. Schon also 
gab es Geldunternehmungen, welche zur Geldwirt 
schaft geführt haben. Seit den Perserkriegen finden wir in 
Griechenland auch schon Bankiers. 
Und auch in Griechenland wuchs der so lange verachtete 
Handel und das Gewerbe mächtig empor, so dass die Hellenen gegen 
über dem jungen Volke ider Römer als Handelsvolk erschienen, 
während die Lateiner Krieger und Ackerbauer waren. 
') Cap. IV. 2. 3. 
*) über den Ursprung des Geldes vergleiche: Aristoteles, Política A. 
Cap. III. 12—17; Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre (Wien 1871). 
S. 250 u. if.
        <pb n="47" />
        31 
Nach der Servianischen Verfassung waren Acker und Weide, 
wie in der germanischen Dreifelderwirtschaft gemeinschaftliches 
Eigentum, die wirtschaftliche Thätigkeit war im ganzen eine 
Familienthätigkeit, und nur Sklaven und Vieh waren getrennter 
persönlicher Besitz. Rom war, wie früher Griechenland, ein Acker 
baustaat und seine ganze Kriegs- und Eroberungspolitik hing mit 
seiner Agrarverfassung zusammen. Der Ackerbau wurde aber hier 
der Ausgangspunkt mannigfaltiger Unternehmungen: Die Römer 
kannten die Einrichtungen der Berieselung und der Drainage. Mit 
der theoretischen Behandlung des Ackerbaues durch die Scriptures 
de Re Agraria und Re Rustica aus der Zeit der sinkenden Republik 
entstand auch die erste physiokratische Schule der Nationalökonomie, 
welche sich mit dem 18. Jahrhundert in Frankreich im modernen 
Geiste wiederholen sollte. 
Wie in Griechenland zur Zeit der höchsten Blüte, so waren 
auch in Rom Handel, Gewerbe und Industrie verachtet. Alle Arbeit 
besorgten Sklaven, und insbesondere waren es griechische Sklaven, 
welche die Träger der Künste und Wissenschaften und die Erzieher 
der Kinder römischer Bürger wurden. Cicero*) ruft aus: nSordidi 
etiam putandi, qui mercantur a mercatoribus, quod statim vendant 5 
nihil enim proficiant, nisi admodum mentiantur, nec vero est 
quicquam turpius vanitate. Opificesque omnes in sórdida arte ver- 
saiitur; nec enim quicquam ingenum habere potest officina«. — So 
weit ging die Verachtung eines jeden Geldgeschäftes, dass man in 
Rom, wo man ja bereits alle Steuerarten kannte, welche die moderne 
f'inanzverwaltung einzuheben pflegt, die Einhebung der Steuern an 
I’rivatunternehmer verpachtete, eine Einrichtung, die zur Zeit des 
l'hysiokratismus in Frankreich ebenfalls zur Erscheinung gelangt 
ist. Die Industrie war aber für Staatsmänner Roms geradezu ein 
Verbrechen: Augustus verurteilte den Senator Avienus zum Tode, 
weil er die Leitung einer Manufaktur übernommen hatte. Und die 
geschäftliche Arbeit war eine Schande: Ladenmädchen wurden den 
Freudendirnen gleich gehalten. 
Die Gewerbe nahmen eine untergeordnete Stellung ein, und die 
Handwerker, deren es nur wenige Arten gab, als: Goldschmiede, 
Kupferschmiede, Zimmerleute, Walker, Färber, Töpfer, Schuster und 
Flötenspieler, waren vom Waffenrechte ausgeschlossen, und nur 
durch die Notwendigkeit gezwungen, wurden Zimmerleute und 
*) De offlciis. Lib. 1. Cap. XLII, 160.
        <pb n="48" />
        32 
Kupferschmiede, sowie Musikanten im Heere verwendet. Brot und 
Kleidung besorgten die Frauen. Die Hauswirtschaft der von den 
gewerbefleißigen und Handelsuatiönen der Babylonier, Griechen, 
Aegypter und Phönizier umgebenen Römer war auf demselben 
Stadium einer nicht mehr ganz isolierten Wirtschaft, wie wir sie 
heute bei Gebirgsvölkern finden, welche, umflutet von einem unter 
nehmungsreichen Strom des gewerblichen Lebens, ihren ganzen 
kleinen Haus- und Lebensbedarf durch eigene Arbeit decken und 
zur Zeit des Winters, der die Pfade unwegbar macht, höchstens mit 
den Nachbarn tauschen. Ein deutliches Bild dieser Wirtschafts 
stufe im engeren Rahmen liefert uns das kleine Völklein der Goralen 
in den Beskiden, welches seine Leinwand, seine sonstige Bekleidung 
und Beschuhung, den Fichtenspan zur Beleuchtung selbst verfertigt, 
Heide, Flachs, Kraut und Erdäpfel selbst baut, Schafe züchtet, 
Käse und Wolle selbst bereitet. 
Trotz dieser Eingenommenheit gegen alles geschäftliche Leben 
trugen aber die Römer den öffentlichen Bedürfnissen in hohem 
Grade Rechnung; davon zeugen die Wasserleitungen und Bäder 
und das große Netz der Kunststraßen. Und wiewohl von einem 
Aktivhandel der italischen Halbinsel damals noch kaum die Rede 
sein konnte, so wurde dagegen der Passivhandel ziemlich schwung 
haft betrieben: Metall waren mit wahrscheinlich babylonischem Fa 
brikszeichen (dem geflügelten Löwen auf Goldplatten) wurden aus 
Osten importiert, Thonwareu, Glas- und Bernsteiuarbeiten kamen aus 
Griechenland und Schmucksachen aus Aegypten. Im Lande selbst 
wurde nur wenig erzeugt, das Wenige jedoch überdies zum kleinsten 
Teile von freien Handwerkern; der Besitz von Sklaven erleichterte 
die häusliche Produktion. 
Das Christentum brach im Vereine mit der aus Norden daher 
flutenden Welle der freien germanischen Arbeitskraft die Sklaverei. 
Und doch war das wirtschaftliche Bild des germanischen 
Lebens um die Zeit des Sturzes des weströmischen Reiches durch 
die Ostgoten in seinen Grundzügen nicht viel verschieden von der 
römischen Wirtschaftsthätigkeit: hier wie dort finden wir den Typus 
der Dreifelderwirtschaft und große Sorgfalt dem Ackerbau gewidmet. 
Viel früher schon (310 vor Christo) erzählt Pytheas aus Massilia von 
Dreschtennen an der Ostsee, und Tacitus beschreibt später des Län 
geren den germanischen Ackerbau. Die meisten Dinge waren Frauen 
arbeit : Brot, Bier, Essig, Seife u. dgl. Mit Ausnahme des urdeutschen 
Handwerkes der Waffenschmiede, deren einzelne Erzeugnisse, wie
        <pb n="49" />
        die berühmten Schwerter des Nibelungenliedes und .des Epos Wal- 
tharius, fast wie Heiligtümer verehrt wurden, sind kriegsgefangene 
Sklaven als Handwerker verwendet worden. Den Sklavenhandel 
kannten die Germanen nicht, und ihr Warenhandel vollzog sich im 
Tausche. Geld lernten sie von den Römern kennen. 
Bis zum 12. Jahrhundert waren in Deutschland die Klöster 
der Sitz des wissenschaftlichen wie des gewerblichen Lebens. In 
der sogenannten lateinischen Zeit waren es besonders die Benedik 
tiner, welche die Wissenschaften und Künste in Deutschland pflegten, 
und manches Denkmal der deutschen Nationallitteratur z. ß. ver 
dankt die Wissenschaft dein Fleiße dieser Ordensmönche. 
Und während in Italien sich jetzt der überseeische Handel 
immer mehr und mehr entfaltete, während Genua, Pisa und Venedig 
blühende Handels-Emporien wurden; als Italien sich zu mächtigen 
Handelsstaaten umgestaltete : da ward von den Deutschen die große 
Kultursendung der wissenschaftlichen Pflege übernommen. 
So war es auch Venedig, wo im Jahre 1157 ein ganz neues, 
bisher, noch unbekanntes Unternehmen ins Leben gerufen wurde, 
es war dies die erste Bank, das erste Kreditunter 
nehmen. Und damit ist der Zeitpunkt in der Wirtschaftsgeschichte 
aller Völker gekennzeichnet, mit welchem die Geldwirtschaft 
durch die Vermittelung des Kreditunternehmens ihre 
große Mission an die Kreditwirtschaft übergeben hat. 
Was Sokrates und Aristoteles schon erkannt hatten, indem 
sie den Mittelstand den besten nannten, das entwickelte sich nun 
aus der freien Arbeit; denn erst die hat den Mittelstand geschaffen. 
Durch die Wissenschaft, durch Entdeckungen und Erfindungen ist 
der Wert des Menschen gestiegen und der Arme vom Reichen und 
der Schwache vom Starken unabhängig geworden. 
Auch in Deutschland wurden die Städte Sammelpunkte des 
Handels und der Gewerbe. Nicht allein ihre Unabhängigkeit, son 
dern auch bisweilen neben großem Reichtume eine große Macht 
wussten sie sich zu erringen und zu bewahren, und wurden später 
zur Zeit des Interregnums (1256— 1273) die Stützen des Kaiser 
reiches. Freilich ist auch darin die Ursache zu suchen, dass in 
Deutschland eine große Münzverwirrung im Mittelalter geherrscht 
hat; es gab so viele Münzarten, als unabhängige Städte und mit 
Hoheitsrechten ausgestattete Grundherren. Die kölnische Mark war 
es, die diesem Zustande ein Ende machte und gar rasch in den 
europäischen Verkehr trat. 
Schroeder, Uas Unternehmen u. der Uuternehmergewion, 
3
        <pb n="50" />
        34 
Eine spezifisch deutsche soziale Erscheinung sind die im frühen 
Mittelalter entstandenen Genossenschaften und Innungen der Hand 
werker, welche bis in dieses Jahrhundert hinein dem gewerblichen 
Charakter der deutschen Städte ihr Merkmal aufgedrückt haben. 
Zur Zeit der Karolinger schon tauchte in Deutschland eine 
neue Unternehmung auf, es war dies die Feuerversicherung, und 
zwar gleich damals in der Form, wie sie noch heute besteht, in der 
Form von Vereinen zu diesem Zwecke. In den deutschen Städten 
des Mittelalters gelangte diese Institution zu einer nicht zu unter 
schätzenden Bedeutung. 
Einen großen Einfluss auf die deutsche Industrie und den 
deutschen Handel übten das 12. und 13. Jahrhundert durch die 
Kreuzzüge aus. Neue Wege und Absatzgebiete erzeugten im Ver 
eine mit mancher Anregung zu neuen gewerblichen Unternehmungen 
ein lebhaftes, weite Kreise umfassendes Handels- und ludustrieleben ; 
Augsburg, Nürnberg, Straßburg, Köln wurden nicht minder mäch 
tige Handelsplätze wie die nordischen Hansastädte, welche sich 
durch ihre Flotte geradezu zu einer Weltmacht aufgeschwungen 
haben. Auch die zu Ende des 13. Jahrhunderts gemachte Erfindung 
des Schießpulvers, die Herstellung von Schießwaifen aller Arten 
trugen zu diesen Erscheinungen mit bei. Schon im Jahre 1372 
verteidigte sich Straßburg mit gegossenen Kanonen gegen das Be 
lagerungsheer des Herzogs Johannes von Bayern. Der Schiffsbau 
machte, gestützt auf diese günstigen Bedingungen, gewaltige Fort 
schritte, andere neue Industrien und Gewerbe entstanden und blühten 
auf, und im Zusammenhänge mit der Entfaltung eines regen Ge 
werbelebens und einer freiheitlichen lebhaften Handelsbewegung 
begannen seit der Mitte des 13. Jahrhundertes langsam Hörigkeit, 
Leibeigenschaft, Fronden und Robot zu schwinden: freie Arbeiter 
waren die Handlanger dieses mächtigen wirtschaftlichen Aufschwunges, 
welcher der Zeit den Charakter gab. Allerdings machten sich ein 
schränkende, der freien Entfaltung des wirtschaftlichen Lebens 
hinderliche Einrichtungen, auch geltend, wie z. B. die Löhne der 
Bauhandwerker durch gesetzliche Bestimmungen in den Reichsstädten 
festgesetzt wurden ; das brachte aber der große Bedarf an Baulich 
keiten mit sich, und Bauherren und Arbeiter fuhren dabei nicht 
schlecht, indem die ersteren sichere Arbeitskräfte, die letzteren aber 
eine sichere Beschäftigung hatten. 
Im Süden wuchsen die italienischen und lombardischen Frei 
staaten gerade so wie im Norden die Hansa durch das Prinzip der
        <pb n="51" />
        35 
vollen Freiheit mächtig empor. Genua, Florenz, Mailand und be 
sonders Venedig, welches z. B. im 15. Jahrhunderte 300 Kriegs 
und 3000 Handelsschiffe mit einer Bemannung von 17.000 Matrosen 
besaß, gelangten zu kolossalem Reichtum und einer großen Seeüber 
legenheit gegenüber größeren ausgebreiteten Staaten. Der Handel 
war eine Weltmacht. Schon zur Zeit der Gründung der ersten Bank 
in Venedig begann eine neue wichtige Erscheinung für das wirt 
schaftliche Leben der ganzen Welt für die folgenden Jahrhunderte bis 
auf unsere Zeit. Es war dies die erste Benützung des Wechsels, 
welche im Warenaustausche der handeltreibenden Völker zuerst 
zwischen Italien und Deutschland, dann Flandern, England und der 
übrigen Welt Platz griff. In Barcelona wurde im Jahre 1349 und 
in Hamburg im Jahre 1619 eine Bank gegründet, und im Jahre 
1664 entstand die Bank von England. 
Nach der Entdeckung Amerikas durch den Nürnberger Kauf 
mann Martin Behaim im Jahre 1484 erwuchs dem weltbeherr 
schenden Handel der deutschen Hansa und der italienischen Staaten 
eine große Konkurrenz durch Engländer, Spanier, Holländer und 
Portugiesen. Aber die Entdeckung des neuen Weltteiles hatte auf 
den europäischen Handel in der ersten Zeit keineswegs jenen för 
dernden Einfluss, welchen man vermuten sollte. Die neue Welt 
mit ihren fabelhaften Reichtümern, von welchen die Seefahrer er 
zählten, erzeugte einerseits eine große Anzahl solcher Unterneh 
mungen in allen Ländern Europas, welche auf Erwerbung neuer 
transozeanischer Länderstriche gerichtet waren, dagegen ein Zurück 
gehen reeller, schlichter Unternehmungen. Der Gewinn der neuen, 
mit großen Gefahren und oft unüberwindlichen Schwierigkeiten ver 
bundenen Unternehmungen, blieb weit zurück hinter dem gewaltigen 
Reichtume, welchen die europäischen Handelsstaaten früher zu er 
werben in der Lage waren. Die gewagten See-Unternehmungen 
zeigten bald ihre Früchte; obgleich Spanien aus der neuen Welt 
Gold und Silber holen und sich bereichern wollte, so ist gerade 
dort die erste Münzverschlechterung entstanden. Karl V. ließ 
schlechtes Geld prägen. Er war es auch, der in Amerika die Skla 
verei einführte, die in der alten Welt eben die letzten Atemzüge 
gemacht hatte. 
Und während so auf der einen Seite ein Jagen nach Reich 
tümern entstand, wozu alle Mitteln gut waren, während die Sklaverei 
und der Sklavenhandel über dem Ozeane wieder aufblühen sollten: 
drang mit der Reformation mitten aus dem Volke heraus der Ruf 
3*
        <pb n="52" />
        36 
nach Freiheit auf der alten Erde. Im Jahre 1525 traten in Franken 
und in Schwaben die Bauern auf den Schauplatz der Geschichte: 
in ihren 12 Artikeln verlangten sie Beschränkung der Zehnten, Auf 
hebung der Leibeigenschaft, freies Holz etc. Schon also machten 
sich kommunistische Wünsche geltend, welche um diese Zeit mit 
dem Wachstum der Kolonialpolitik und dem Beginne des Merkantil 
systems sich auch in der Litteratur ausdrücken sollten. 
Hand in Hand mit der Kolonialpolitik griff in der alten Welt 
die Auswanderung so um sich, dass verschiedene Staaten gezwungen 
waren, Gesetze gegen die Auswanderung zu erlassen '), damit die 
Arbeitskräfte nicht allzusehr den Gewerben und dem Landbaue ent 
zogen werden sollten. Das Merkantilsystem, welches in Verbindung 
mit der Kolonialpolitik die privilegierten Handelsgesellschaften erzeugt 
hat, noch mehr die Navigationsakte der Engländer, die ihre grolie 
Seemacht dazu benutzten, um durch Verbote und starke Auflagen 
den Seehandel ganz an sich zu reißen, waren die Ursachen des 
Niederganges der deutschen Hansa. Und schon in den Jahren 1608 
und 1620 sehen wir abermals eine ganz neue, aber traurige Erschei 
nung auf dem Felde des wirtschaftlichen Kampfes, die ersten Handels 
krisen in Lübeck. 
England ging aus dem Merkantilsystem, welches es ja geboren 
hatte, in diesem riesigen Wettstreit um die maritime und kommer 
zielle Weltherrschaft als Sieger hervor. 
Der Verkehr der Völker wurde immer enger und lebhafter. 
Nachdem schon im Jahre 1516 die erste Postverbindung für den 
öffentlichen Handelsverkehr, und zwar damals nur von Wien nach 
Brüssel, gegründet war, breitete sich bald ein großes Postnetz über 
ganz Europa aus. Um diese Zeit machte auch schon die Biich- 
dfuckerkunst, welche im Jahre 1456 der deutsche Geist erfunden 
hatte, ihren mächtigen Einfluss geltend; was sich später durch 
Eisenbahnen und Telegraph physisch vollzog, das bahnte schon 
damals auf geistigem Gebiete die Kunst Guttenbergs an, die Ver 
bindung der Völker! — Mit diesen Momenten waren dem Auf 
schwünge des Kontinentalhandels neue gewaltige Lebensbedingungen 
gegeben, welche durch die Gründung von Börsen (die erste in den 
Niederlanden im 17. Jahrhunderte) abermals um eine vermehrt wurde. 
Der erste Anstoß gegen die drückende Weltherrschaft Groß 
britanniens gegenüber den anderen Handelsstaaten ging von Frank 
reich aus, und zwar einerseits in ganz passiver Weise durch das 
*) VergL: Stein, Handbuch der Verwaltungslehre (Stuttgart 1870). S. 80.
        <pb n="53" />
        37 
wirtschaftspolitische System des Physiokratismus, und andererseits 
direkt zuerst durch See- und Handelsverträge mit anderen Mächten 
zum Zwecke der Emanzipierung von dem maritimen Drucke Englands, 
und dann durch den neuen Seekodex der Ordonnanz vom Jahre 1681, 
deren Grundsätze auch bei anderen Staaten Beifall fanden. 
Der Physiokratismus hatte dort, wo er entstand, in Frank 
reich, die Aufhebung der Fronden und Zünfte unter Ludwig XVI., 
und in Österreich die Ausdehnung der Grundsteuer auf alle, auch 
die privilegierten Klassen, durch Josef H. zur Folge, welche ja be 
kanntlich auch hier die Aufhebung der Leibeigenschaft begleitete. 
Von Frankreich aus ging der große wirtschaftliche Zug nach 
freier Bewegung. Englands Seetyrannis musste langsam dem freien 
Seeverkehre weichen. 
Auf dem Kontinente entstanden neue Verkehrsadern, Reichs 
und Kaiserstraßen; die Flussschiffahrt machte Fortschritte. Staats 
und Privatunternehmungen wetteiferten auf gewerblichem und kom 
merziellem Gebiete. 
Was Kaiser Josef praktisch mit der Anerkennung der freien 
Arbeit vollzog, hat Adam Smith wissenschaftlich gethan. Der reine 
Handel des Merkantilsystems, das große Gewicht, welches der 
Physiokratismus auf die Bodenkultur legte, sanken zurück vor den 
neuen Kultur- und Wirtschaftsbestrebungen des Industriesystems 
mit seinen freien Arbeits- und Betriebsformen. Das Verkehrswesen 
in allen Gestalten, die Technik auf allen Gebieten drangen in das 
wirtschaftliche Leben, um gleichmäßig und harmonisch Handel, 
Gewerbe und Industrie, Geld und Kreditwesen zu entfalten. 
Und als im Jahre 1814 in England die erste Dampfeisenbahn 
zwischen der Stadt Leeds und den benachbarten Kohlenwerken ge 
baut wurde, welche schon zum Personentransporte geeignet war; 
als darauf im Jahre 1827 durch Perkins, Timotheus Burstall und 
John Hill die allgemeine Aufmerksamkeit auf die verbesserten 
Dampfwagenapparate gelenkt wurde: da wurde der Grund gelegt zu 
einer ganz ungeahnten.Veränderung in allen nationalökonomischen 
Verhältnissen. Eisenbahnen und Dampfschiffahrt, welch letztere sich 
schon seit dem Jahre 1807, da der Nordamerikaner Robert Fulton 
auf dem Hudsonflusse von New-York nach Albany die erste Dampf 
fahrt gemacht, rasch alle Wasserwege erobert hatte, haben die ent 
ferntesten Weltwiukel mit einander verbunden, so zwar, dass durch 
das Hinzutreten des elektromagnetischen Telegraphs, dessen erste 
Anwendung im großen im Jahre 1839 an der Great-Wester-
        <pb n="54" />
        38 
Eisenbahn geschah, dann durch die Verbindung der Weltteile durch 
Kabelleitungen, deren erster Versuch die Kabelleitung zwischen 
Dover und Calais im Jahre 1850 war: die Schranken des Raumes 
zwischen den wirtschaftlichen Nationen der Erde gefallen sind, und 
nun die ganze Menschheit nicht allein im ganzen wirtschaftlichen, 
aber auch im gesamten Kulturleben ein großes Volk geworden ist. 
Welch großartigen Aufschwung die Unternehmungen in diesem 
Kulturleben genommen haben, das sehen wir an den mannigfaltigen 
Gestalten, in welchen sie als Einzelnunteruehmungen und als Ge- 
sellschaftsuuternehmen, und zwar wieder als offene Gesellschaft, als 
stille Gesellschaft und der aus ihr hervorgegangenen Kommandit 
gesellschaft, als Aktiengesellschaft, als Gewerkschaft und als Er 
werbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in ihren Formen, der Pro 
duktivgenossenschaft, der Partnerschaft und der Konsumvereine, 
auftreten, in einander greifen, sich verbinden und ein Leben ent 
falten, welches geradezu unentwirrbar erscheint, wie die Bahnen der 
Planeten im Weltenraume, und doch durch Gesetze geregelt ist 
wie diese.
        <pb n="55" />
        III. 
Theorie. 
A, Empirische Untersuchungen. 
Was wir nach Aristoteles in der wissenschaftlichen Litteratur 
nicht finden, und was doch in erster Linie dazu berufen ist, das 
Wesen des Unternehmens und des ünternehinergewinnes wissen 
schaftlich erkennen zu lassen, das ist die Forschung nach einem 
Unterschiede zwischen Unternehmen und Wirtschaft, 
welchen sonderbarer Weise noch kein nationalökonomischer Schrift 
steller darzulegen sich veranlasst sah, und so auch dort, wo viel 
leicht ein Unterschied wohl geahnt aber nicht erfasst wurde, nur 
Irrtüuier entstanden sind. 
In unseren exakten Untersuchungen wird sich der Unterschied 
zwischen Unternehmen und Wirtschaft als Resultat wirtschaftlicher 
Faktoren eben aus dem Unterschiede dieser Faktoren ergeben. 
ln empirischer Weise müssen wir zuerst die Wahrheit jener 
Unterscheidungen prüfen, welche ohne darauf bezügliche Absicht 
in den Lehren der nationalökonomischen Schriftsteller andeutungs 
weise entstanden sind. 
Wir fragen also, sind im Unternehmen alle Produktionsfaktoren 
und in der Wirtschaft nur eine oder die andere thätig? Kann 
das, was Stein zum Unterschiede zwischen Unternehmen und Wirt 
schaft erhoben zu wissen zu wollen scheint, jeder Untersuchung stich 
halten? Ist das Unternehmen die historisch entwickeltere, die Wirt 
schaft die historisch einfachere Erscheinung? Die Unwahrheit dieser 
Unterscheidung ist in die Augen springend, weil ja auch in der 
Wirtschaft alle Produktionsfaktoren verwendet werden können und 
müssen. Selbst die Wirtschaft des reinen Kapitalisten erfordert 
die Arbeit der Kapitalanlage, der Zinsenverrechnung etc. ; also auch
        <pb n="56" />
        40 
hier, in dera denkbar einfachsten Typus der Wirtschaft, vereinigen 
sich Kapital und Arbeit. Aber das hat Stein wahrscheinlich nicht 
einmal gemeint, es scheint, dass er das Hinzutreten des Kredits 
als charakteristisches Merkmal des Unternehmens ansieht und der 
Ansicht ist, dass dieses der Wirtschaft fehle. Wir können uns aber 
ganz gut ein Unternehmen, ein Natural- und selbst ein Geldunter 
nehmen ohne Kredit denken, dagegen aber auch eine Wirtschaft — 
wir brauchen nur im realen Leben Umschau zu halten — mit 
Kredit. 
Wollte die Unterscheidung, welche z. 15. Schober’) anzudeuten 
scheint, dass nämlich in der Wirtschaft eigene, im Unternehmen 
fremde Produktionsmitteln thätig seien, Anspruch auf Wahrheit 
erheben können: dann müsste es wirklich wahr sein, dass jede Wirt 
schaft fremdes Kapital und fremde Arbeit entbehren, und kein Unter 
nehmer alle Produktionsfaktoren sein eigen nennen könnte. 
Auch jene Auffassung, die sich aus Keschers Lehre deduzieren 
lässt, dass die Wirtschaft die Produktion für sich selbst, das Unter- 
nehmen die Produktion für den Verkehr, also für andere sei, hat 
darum als Unterscheidung zwischen beiden Menschheitserscheinungen 
keine Berechtigung, weil ja auch die Wirtschaft vielfach für andere 
produzieren muss, um sich erhalten zu können, und die Art des 
Unternehmens auch so beschallen sein kann, dass es nur für den 
Bedarf des Unternehmers produziert, z. B. eine Ziegelbrennerei auf 
einem Großgrundbesitze, deren Erzeugnisse nicht verkauft, sondern 
zu Wirtschaftsbaulichkeiten verwendet werden. 
Noch eine Unterscheidung könnte man aus Keschers Theorie 
des Unternehmens zwischen diesem und der Wirtschaft ableiten, 
nämlich die, dass das Unternehmen auf eigene Gefahr, die Wirt 
schaft ohne oder auf fremde Gefahr produziere. Die Unrichtigkeit 
dieser Annahme ist auffällig, da ja, obgleich das Unternehmen 
allerdings stets mit Gefahr verbunden ist, es dies nicht allein mit 
eigener, sondern auch gar oft mit fremder, und auch die Wirtschaft, 
wenn auch relativ weniger gefahrvoll, so doch nicht gerade gefahrlos 
ist, und jeder Schade doch, wie das Unternehmen, zuerst sie trellen 
muss und dann andere berühren kann. Die Gefahr ist ein 
notwendiges, aber kein charakteristisches Attribut 
des Unternehmens®). 
’) Die Volkswirtschaftslehre (Leipzig 1882). S. 140. 
') Wiis von Koscher gesagt ist, gilt auch vou Maiigoldt.
        <pb n="57" />
        41 
Der einzige Schriftsteller, welcher einen Unterschied zwischen 
Unternehmen und Wirtschaft wirklich machen wollte, ist Aristoteles. 
»'Ort ovv ovx 'h àvTïi Tr¡ oíaovouLXt¡ r¡ iQr¡yLazi0TLXí]u. schreibt 
der hellenische,Weltweise, und damit meint er, wie er auch weiter aus 
führt, dass sich die Wirtschaft durch ihren Erwerb an Naturalien von 
dem Unternehmen, welches den Erwerb von Geld (Reichtum) anstrebt, 
unterscheidet. Nach den Betrachtungen in dem vorigen Teile unserer 
Arbeit ist es zweifellos, dass der griechische Philosoph zu diesem 
Irrtum durch die augenblickliche Entwickelung der wirtschaftlichen 
Zustände seiner Zeit, welche sich eben in dem Übergänge ’der Na 
turalwirtschaft zum Geldunternehmen befand, geführt wurde. 
Dass es aber nach Aristoteles niemand unternommen hat, den 
Unterschied zwischen Unternehmen und Wirtschaft wissenschaftlich 
festzustellen, hat seine Ursache in der allgemein aner 
kannten Voraussetzung, dass jedes Unternehmen zu 
gleich Wirtschaft ist. Aber es bedarf bloß der Frage, 
ob auch jede Wirtschaft zugleich Unternehmen sei, was 
gewiss verneint werden muss, um dazu gezwungen zu 
sein, eine Unterscheidung zwischen Unternehmen und 
Wirtschaft zu machen. 
Jedes Unternehmen ist zugleich Wirtschaft, aber nicht jede 
Wirtschaft zugleich Unternehmen. Es ist nämlich in dem Streben 
jedes Unternehmens auch die Thätigkeit der Wirtschaft eingeschlossen, 
während die Wirtschaft nicht immer das Streben des Unternehmens 
aufweist. Das Unternehmen birgt etwas in sich, was über die 
Wirtschaft hinausgeht. Es entsteht nun die Frage, ist dieses Etwas, 
dieses charakteristische Merkmal des Unternehmens ein Fertiges, 
ein Gewordenes, oder ist es erst ein Unfertiges, ein Werdendes? 
Entsteht das Unternehmen früher als die Wirtschaft, oder entsteht 
es später? 
Die Antwort ist leicht. Das Unternehmen entsteht sowohl 
historisch als auch organisch ehe noch eine Wirtschaft gedacht 
werden kann, es entsteht in dem Streben nach Wirtschaft. 
Das Unternehmen sucht die Güterelemente zu vereinigen, es 
ist das wirtschaftliche Beginnen. 
Das Unternehmen ist die junge Wirtschaft. 
Sein Ziel ist ein sichererer, gefahrloserer Bestand, die Wirt 
schaft; das Ziel der Wirtschaft ist die Selbsterhaltung. 
*) Politik A. III. 2.
        <pb n="58" />
        42 
Das Unternehmen ist das fortschrittliche, die 
Wirtschaft das konservative ökonomische Prinzip, 
darum schreitet sie in gewohnten Bahnen, während das Unternehmen 
neue Wege einschlägt. Der Unternehmer strebt über seine Bedürf 
nisse zu produzieren, um den Überschuss zu Kapital machen zu 
können, so lange, bis das gesammelte Kapital durch seine Erträg 
nisse die Bedürfnisse der früher unternehmenden, jetzt wirtschaf 
tenden Person zu decken im stände ist, also die Wirtschaft er 
möglicht. 
Dás Unternehmen ist jene Thätigkeit, welche erstens auf die 
Deckung des Bedarfes und zweitens auf die Erwerbung neuen Ver 
mögens gerichtet ist, während die Wirtschaft nur, erstens die auf 
die Deckung des Bedarfes und zweitens auf die Erhaltung ihres 
Vermögens bedachte Thätigkeit darstellt. Der Ertrag des Unter 
nehmens daher ist unbekannt, der Ertrag der Wirtschaft unschwer 
zu berechnen; er ist beim Unternehmen der Unternehmergewinn, bei 
der Wirtschaft die Rente. 
Es ist klar, dass eine Wirtschaft, also die konservative ökono 
mische Thätigkeit, zum Unternehmen werden kann, wenn sie neue 
fortschrittliche Elemente in sich aufnimmt, wenn sie es unternimmt, 
neue Kapitale zu bilden; dann wird sie auch neue Bahnen ein- 
schlagen und ihr Ertrag wird unbestimmter werden, er wird in 
jener Quote, welche den gewohnten Wirtschaftsertrag übersteigt, 
Unternehmergewinn sein. So können in die Wirtschaft als integrie 
rende Bestandteile derselben, die eben wieder die Fähigkeit und 
das Streben in sich tragen, zu Wirtschaften zu werden, Unter 
nehmungen fallen. Das thut die alte Wirtschaft zur Selbsterhaltung 
gegenüber dem Fortschritte; denn die reine Wirtschaft, eine Wirt 
schaft, die stille steht, wird von den rings um sie her entstehenden 
Unternehmungen überflügelt. Unternehmung und Wirtschaft kämpfen 
den Kampf ums Dasein. Wiewohl in diesem Kampfe beiderseitig 
eine Gefahr liegt, ist dieselbe in Bezug auf die Wirtschaft doch 
weit geringer; denn naturgemäß ist das ältere Dasein widerstands 
fähiger, und in wirtschaftlich sicheren Zeiten und Verhältnissen 
erscheint auch der Bestand der Wirtschaft fast ganz gesichert, 
dagegen ist jedes und auch das kleinste, das einfachste Unternehmen 
mit mannigfachen Gefahren verbunden, und es wird sich auch nicht 
eines nachweisen lassen, welches ganz gefahrlos wäre. Es gilt dies 
von allen Arten des Unternehmens, welche wir nach historischer Be 
trachtung und empirischer Auffassung unterscheiden, von den Natural-,
        <pb n="59" />
        43 
Geld- und Kredituuternehmungen und ihren Verbindungen. Selbst 
redend ist es, dass sich die Gefahren einer Unternehmung, welche 
einer entwickelteren Stufe angehört, häufen und intensiver werden, 
so dass die Gefahren einer Kredituuternehmung größer sind, als die 
eines Naturalunternehmeus. Durch eine etwa mögliche Versicherung 
gegen die Gefahr aber wird dieselbe nicht aufgehoben, ihr Dasein 
gerade anerkannt und höchstens auf eine andere Unternehmung oder 
Wirtschaft überwälzt. 
Wenn der Unternehmergewinn oft eine Gefahrsprämie genannt 
worden ist, so hat das eine ebensolche Berechtigung, wie die Be 
zeichnung desselben als Lohn des Unternehmermutes, welcher sich 
der wirtschaftlicheu und moralischen Gefahr des Unternehmens ent 
gegenstellt; und wenn wir Gefahr und Mut küustlerisch erfassen 
und personifizieren, dann sind jene Bezeichnungen nichts 
als Bilder von gewisser Wahrheit, aber sie sind durch 
aus keine wissenschaftlichen Bestimmungen, denn sie 
drücken bloß aus, als was der Unternehmergewinn er 
scheint, nicht aber was er ist. 
Aus den Güterelementen, dem Kapital und der Arbeit ent 
stehen neue Produkte. In soweit nun diese Produkte oder ihre Werte 
die Bedürfnisse des Unternehmers decken, werden sie vernichtet. 
Da nun das Unternehmen nach mehr als der bloßen Deckung der 
Bedürfnisse strebt, so ist jene Menge von Produkten oder ihrer 
Werte, welche durch den Bedarf nicht aufgezehrt wird, der Gewinn 
der Unternehmung. 
Der Unteruehmergewinn ist demnach der Überschuss der Pro 
duktion der Unternehmung, welcher durch den Bedarf oder andere 
Ursachen nicht vernichtet worden ist. 
Er ist neu gebildetes Kapital. 
Nach diesem Unterschiede, welcher zwischen Unternehmen und 
Wirtschaft thatsächlich besteht, und insbesondere durch die Er 
kenntnis des Wesens und Inhaltes des Unternehmergewinnes, ergibt 
sich von selbst die Wahrheit, dass die Elemente der Güterbildung 
überall dieselben sind: Kapital und Arbeit, und dass nur die 
Thätigkeit des Unternehmers eine andere ist, als die des reinen 
Wirtschafters. Es ist ein Irrtum vieler Nationalökonomen, dass der 
Unternehmergewinn zusammengesetzt sei aus Grundrente, Arbeits 
lohn und Kapitalzins; denn jene Quoten, welche auf die Benützung 
der Produktionsfaktoren entfallen, müssen bereits bezahlt sein, und
        <pb n="60" />
        44 
'/war, da sie stets durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage 
in ihren Werten streng bestimmt werden, voll bezahlt sein, ehe 
Kapitalbilduug, also der Uiiternehmergewinn, entstehen kann. Über 
dies ist Grund und Boden auch Kapital, durch die Macht des 
Menschen, duich Arbeit und Kapital der Natur abgerungen, und 
seine Benützungsquote kann nur zum Unterschiede von'der des be 
weglichen Kapitals, vom Kapitalzinse, Kapitalmiete genannt werden. 
Wollte man Grund und Boden als etwas Eigentümliches betrachten, 
dann müsste man folgerichtig alle anderen produktionsfähigen Güter 
als ebenso viele eigenartige Güterelemente ansehen. Der Besitz von 
Grund und Boden ist ebenso ein außerpersönliches Kapital, wie 
der Besitz von Baulichkeiten, Maschinen, Vieh und Geld. 
Arbeit und Kapital also sind die Elemente der Güterbildung, 
jene Faktoren, welche der Unternehmer vereinigen muss, um neues 
Kapital zu bilden, und das ist seine Aufgabe, dadurch unterscheidet 
er sich vom Wirtschafter. Gleichwohl ist es gewiss nicht notwendig, 
dass die Güterelemente auch Eigentum der Person des Unternehmers 
sind. Es kann sowohl das Kapital einer dritten Person gehören, der 
Unternehmer muss demnach keineswegs Kapitalist sein, als auch im 
Unternehmen fremde Arbeit benützt werden, wie es thatsächlich 
stets benützt worden ist. 
Wenn wir nun die beiden Güterelemente jedes für sich be 
trachten, so werden wir zuerst finden, dass sich uns ein großer 
Unterschied im Wesen des Kapitals zeigt. 
Jene Güter, welche gewöhnlich als Kapital bezeichnet werden, 
liegen außerhalb des Menschen, sie sind ein ufittelbares oder un 
mittelbares Werkzeug zur Befriedigung seiner Bedürfnisse. Sind 
aber genau solche Werkzeuge nicht auch im Menschen einge 
schlossen? Und wenn sie es sind, sind dieselben nicht auch Kapitalien, 
ist die physische Kraft nicht ein Werkzeug um Güter zu bilden, 
sind Kenntnisse nicht ein Werkzeug dazu, sind vor allem der Wille 
und der Mut nicht geradezu notwendig, um der Natur oder der 
Gesellschaft die Befriedigung der Bedürfnisse abzuringen ? 
Es gibt also zweierlei in ihrem Wesen grundverschiedene Kapi 
talien, die persönlich en, welche teilweise angeboren und von den 
Eltern ererbt und teilweise, und zwar wieder durch Arbeit und 
Kapital erworben sind, und dann die außerpersönlichen, welche 
die außerhalb des Menschen befindliche Güterwelt darstellt. 
Die Arbeit nun ist die gegen die Natur oder die Gesellschaft 
gewandte Thätigkeit einer im Menschen eingeschlossenen Kraft,
        <pb n="61" />
        45 
eines persönlichen Kapitales zum Zwecke der Güterbildung zunächst 
gerichtet auf die Deckung der Bedürfnisse. 
Hier stellt sich uns der tiefe Unterschied zwischen Arbeit und 
Unternehmerthätigkeit dar; denn auch die Arbeit vereinigt persön 
liches mit außerpersönlichem Kapitale, aber sie thut es nur mit 
einem Teile, nur mit einer Art dieses im Menschen selbst ein ge 
schlossenen Kapitals, entweder mit der physischen Kraft, oder mit 
dem Intellekt, oder aber endlich mit dem Temperament. Jene An 
sicht, dass das Unternehmen für den Verkehr und auf eigene Ge 
fahr produziere, während die Arbeit dies nach beiden Richtungen 
nicht thue, ist falsch, es liegt nicht im Urwesen des Unternehmens, 
für den Verkehr zu produzieren, wenn dies auch nicht ausge 
schlossen ist, und es gibt Unternehmer, die zum Teil auf fremde 
Gefahr produzieren, z. B. der Sous-Unternehmer einer Bahnstrecke; 
die Arbeit produziert aber zumeist gerade für den Verkehr, und zum 
Beispiel der Stückarbeiter auch auf eigene Gefahr. 
Nur wo das ganze persönliche Kapital in Aktion tritt und 
sich im wirtschaftlichen Kampfe gegen die Natur oder die Gesell 
schaft wendet, da erscheint nicht mehr die Arbeit, da erscheint das 
Unternehmen in seiner Thätigkeit. Und während die Arbeit nur 
im Stande ist, Güter zu produzieren, welche wohl einen Wert für 
den Arbeiter besitzen können,^ so muss, um solchen Gütern einen 
allgemeinen Wert zu verleihen, um sie zum Kapital zu erheben, 
das Unternehmen seinen ökonomischen Einfluss auf dieselben aus- 
Oben. Das Unternehmen schafft durch die Verbindung von außer 
persönlichem Kapital und Arbeit und dem ganzen ungeteilten per 
sönlichen Kapital des Unternehmers nicht mehr Güter, sondern 
Kapitalien, ln der Hand des Unternehmers ist alles, was irgend 
welchen Einfluss auf das Entstehen, die Gestaltung und vor allem 
die Werterhöhung des Kapitals hat, Werkzeug zu diesem Zwecke; 
und sein Streben muss darauf gerichtet sein, sich die kapitalbil 
denden Faktoren dienstbar zu machen. 
Was ist es aber, das ihn dazu bewegt? 
Es muss doch ein von uns unerörtertes Etwas sein, das jene 
Werkzeuge gebraucht, und da es im Unternehmen die Arbeit und 
ihre Kräfte nicht thun, so müssen wir in der Person des Unter 
nehmers ein Prinzip suchen, welches es vermag. 
Es ist keineswegs genügend, wenn dem Unternehmer persönliches 
und außerpersönliches Kapital und physische, geistige und sittliche 
Arbeit zur Verfügung stehen. Es dürfen seiner Benützung wirt-
        <pb n="62" />
        46 
«chaftliche Faktoren nicht entzogen sein, welche aus der Thätig- 
keit der Gesellschaft entstanden sind, so das Eigentum, die Rechts 
ordnung, die Land- und Wasserwege, die Errungenschaften der 
Künste und der Wissenschaften, Das alles muss sich aber nicht in 
seinem ausschließlichen, persönlichen und eigentümlichen Besitze 
befinden, es kann und sollte immer der Gesellschaft Vermögen sein, 
von welcher er ein Teil ist. Und da nun auch Kapital und Arbeit 
nicht Eigentum des Unternehmers sein müssen, so ist es doch Eines, 
was eine von der Person des Unternehmers untrennbare Eigenschaft 
darstellt. Wenn auch alle Faktoren, die im Unternehmen irgend eine 
Rolle spielen, fremdes Eigentum sein dürfen, so kann es nicht der 
Mut, seine wirtschaftliche Existenz allen den mannigfaltigen Ge 
fahren auszusetzen, welche die Verbindung und Benützung der 
kapitalbildenden Elemente für den Unternehmer haben. Wie ent 
steht aber dieser Unternehmermut, was sind seine Bedingungen? 
Das Bewusstsein der Kraft ist er, das Bewusstsein alle persönlichen 
Kapitalien zu besitzen, und seine Bedingungen sind die physische, 
geistige und sittliche Gesundheit; nur aus ihr kann der Mut ent 
springen. Er erscheint als eine höhere Potenz des Temperamentes, 
deren Bethätigung sich mit der ganzen, vollen und ungeteilten Summe 
des persönliches Kapitals den Gefahren des Unternehmens entgegen 
stellt; und während selbst der leitende Beamte eines solchen nur als 
Arbeiter seine verschiedenen Thätigkeiten gegen bestimmten oder 
unbestimmten Lohn der Unternehmung widmet, so ist der Unter 
nehmer selbst, wenn er auch nicht eigene Arbeit an das Unter 
nehmen setzt, von vornherein gezwungen, demselben unter allen 
Umständen seinen Mut, und zwar jenen sittlichen Mut, der aus 
dem Vollbesitze des ganzen dreieinigen persönlichen Kapitals ent 
springt, zu weihen. 
Die Verbindung aller menschlichen Kräfte also und eine höhere 
Potenz des Temperaments ergeben das Produkt des Unternehmer 
geistes, das charakteristische Merkmal des Unternehmers und seine 
bewegende Kraft. 
Ein Irrtum aber würde es sein, wenn wir diesen Eigenschaften 
des Unternehmers allein die kapitalbildende Macht zuerkennen 
wollten, aber ohne diese Eigenschaften ist die Kapitalbildung ebenso 
wenig denkbar, wie ohne die Arbeit die Güterbildung. 
Güter bilden sich unter dem Einflüsse von Angebot und Nachfrage 
zu Kapitalien. Und alle jene Faktoren, welche der Unternehmer 
durch seine Thätigkeit verbindet, sie sind dem Einflüsse des großen
        <pb n="63" />
        47 
Gesetzes unterworfen, durch welches alles, das dem Menschen irgend 
wie nützlich sein kann, erst seinen Wert erhält, sie sind abhängig 
von Angebot und Nachfrage. 
Wir behalten uns vor, in der exakten Richtung unserer Unter 
suchungen auf diesen Gegenstand zurückzukommen. Der Einfluss, 
welchen Angebot und Nachfrage auf alle wirtschaftliche Thätigkeit 
ausüben, lässt sich aber auch vom theoretisch empirischen Stand 
punkte aus nicht verkennen; wir sehen ihn insbesondere in seiner 
Wirkung auf die Preisbildung, und erstellt sich uns in jenen Ver 
hältnissen, die man gemeinhin «Konjunktur« zu nennen pflegt, als 
das Ergebnis einer großen Anzahl von Prozessen dar, welche von 
dem Gesetze des Angebotes und der Nachfrage zum Werden und 
Wachsen geführt werden. Es ist nun nicht zu leugnen, dass, 
obgleich der Unternehmer und sein Geschäft den Kon 
junkturen unterworfen sind, er selbst andererseits auf 
die Höhe sowohl, als auf die Richtung von Angebot und 
Nachfrage einen entschiedenen Einfluss nimmt und 
den Blutumlauf des Kapitals regelt. 
Der Organismus des wirtschaftlichen Lebens ist wie der Organis 
mus des Menschen selbst. Das Knochengerüste bildet die Natur 
oder die Mehrheit der Menschen, die Gesellschaft; die Muskeln sind 
die Arbeit, das Blut das Kapital; und was alle Organe ernährt, ihre 
Thätigkeit anspornt oder verlangsamt, was den Pulsschlag des wirt 
schaftlichen Lebens, was das Wohlbefinden seines ganzen Organis- 
*mus regelt, es sind die Nerven, der Unternehmergeist. Und wie 
jene die Fülle der Lebenskraft selbstthätig auf den Gesamtkörper 
und seine Organe verteilen, so verteilt auch das Unternehmen, als 
Gattungsbegriif, das Nationalvermögen in vollkommener Zweck 
mäßigkeit auf alle Glieder des Volkes. 
Gerade aber in der organischen Kraft des Unternehmens, in 
seinem großen Einflüsse auf den Gesamtorganismus des wirt 
schaftlichen Lebens, liegt auch die große Gefahr zunächst für das 
selbe selbst und dann für die Gesellschaft. Wie der Überreiz der 
Nerven zuerst sie selbst und nach und nach alle Organe erkranken 
macht, ebenso verderblich ist das Unternehmen, wenn der Unter 
nehmergeist, der die Rolle der Nerven hat, nicht aus der Gesund 
heit des ganzen persönlichen Kapitals entsprungen ist. 
Nervenkrankheiten und ein krankhafter Zustand der Unter- 
nehmerthätigkeit sind Wahrzeichen unserer Zeit von merkwürdigem 
natürlichen und ökonomischen Einklang, und darum ist es schwer
        <pb n="64" />
        48 
zu unterscheiden, was da das Natürliche und Gesunde und was das 
Krankhafte ist. 
wEin erfahrener Franzose, Godard«, so berichten Roscher und 
Rau, «rechnet im Allgemeinen, dass von hundert versuchten oder 
angefangenen gewerblichen Unternehmungen zwanzig zu Grunde 
gehen, bevor sie irgend Wurzel gefasst haben: fünfzig bis sechzig 
vegetieren kürzere oder längere Zeit in beständiger Gefahr des 
Unterganges, und höchstens zehn kommen zu bedeutender oft nicht 
einmal dauernder Blüte.« Obgleich wir bedauerlicher Weise keine 
zuverlässige Statistik über die Lebensbewegungen der verschiedenartigen 
Unternehmungen besitzen, was wohl eine Aufgabe der Staatsver 
waltung wäre, so muss uns die Angabe Godards nach dem sinn 
lichen Eindrücke des geschäftlichen Lebens richtig erscheinen, und 
wir sehen, dass es keineswegs eine lohnende Aufgabe ist, an ein 
Unternehmen sein ganzes Können, seine ganze Persönlichkeit zu 
setzen, Unternehmer zu werden. Wir werden dies in dem wirt 
schaftspolitischen Teile unseres Buches näher zu untersuchen bestrebt 
sein. Aber schon der Umstand, dass ja der Unternehmer durch seine 
Thätigkeit den gechäftlichen Konjunkturen nicht nur die Deckung 
seiner Bedürfnisse, aber ein Mehr, einen Überschuss über dieselben 
abringen muss, lässt es uns klar erscheinen, wie schwer das Ziel 
eines Unternehmens zu erreichen ist. Wenn die Wirtschaft nur jene 
Menge an Gütern zu erwerben hat, welche die Bedürfnisse des 
Wirtschafters zu decken gerade hinreicht, so ist ja die Aufgabe des 
Unternehmers noch immer nicht erfüllt bei diesem Ziele; und selbst 
wenn ein Überschuss an Gütern sich ergibt, so müssen dieselben 
erst einen Wert erhalten und zu Kapitalien werden, und welch 
mächtiger Feind entsteht oft mit dem Überschüsse zugleich gegen 
dieses Ziel — durch die Überproduktion ! 
B. Exakte Untersuchungen. 
Der Weg, den die Menschheit zu durchschreiten 
hat, ist streng determiniert: er beginnt da, wo die 
Lebensbedingungen für das Menschengeschlecht be 
ginnen, er endigt dort, wo sie auf hören. Der Mensch 
ist ein Produkt dieser Lebensbedingungen, er ist ein 
Kapital der Natur. 
Die Lebensbedingungen des Menschengeschlechtes werden einer 
seits von der Natur selbst verbessert, und andererseits strebt der
        <pb n="65" />
        49 
Mensch die Herrschaft über die Natur zu erringen, um sich und 
seine Lebensbedingungen rascher der höchsten Vollkommenheit eat- 
gegenzuführen. Das ist die große wirtschaftliche Thätigkeit des 
Menschengeschlechtes, das ist der kulturelle Fortschritt der Menschheit. 
Wenn die Menschheit und ihre Lebensbedinguugen den Gipfel 
ihrer Entwickelung erreicht haben werden, dann wird das Menschen 
geschlecht den Weg seines Verfalles aufzuhalteu bestrebt sein, es 
wird das Schwinden seiner Lebensbedingungen mit der Macht, 
welche es über die Natur gewonnen hat, zu verlangsamen suchen, 
seinen eigenen Niedergang bekämpfen. 
Die ganze Natur, in welcher nun der Mensch als ein Produkt, 
ein Kapital dasteht, lässt sich in drei Elemente auflösen: 
1. Die Materie, die tote Natur (a) 
2. Die Kräfte, die lebendige Natur (b) 
3. Die Gesetze, die wollende Natur (c). 
Ihre Produkte sind dann: 1. Das Mineralreich (a), 2. Das 
Pflanzenreich (a -f b) und 3. das Tierreich (a -f b -f- c). 
Der Mensch als Subjekt ist ein Säugetier, in ihm sind alle 
drei Naturelemente vertreten: 
1. die Materie (a) im Körper, als Körperlichkeit, 
2. n Kräfte (b) v Geiste, « Intellekt, 
3. n Gesetze (c) n Willen, n Temperament. 
Der große Denker Schopenhauer’) sagt, der Intellekt sei, be 
dingt durch die Gehirnanlage, von der Mutter, das Temperament, 
bedingt durch die Herzthätigkeit, vom Vater ererbt. 
Aus den im Menschen eingeschlossenen natür 
lichen Elementen Körperlichkeit, Intellekt und Tem 
perament ergeben sich die drei Arten der Bedürfnisse, 
die körperlichen, geistigen und sittlichen Bedürfnisse. 
Die Natur steht dem Menschen, der von ihr mehr verlangt, 
als sie ihm freiwillig gibt, als etwas Feindliches gegenüber. Er muss 
der Natur die Befriedigung seiner Bedürfnisse abringen. Seine 
Naturanlagen werden in dem Augenblicke, da er dieselben bethätigt, 
zu Werkzeugen, zu Waffen im Kampfe gegen die Natur, also zu 
Produktionsmitteln, zu Kapital; es sind dies die fundamentalsten, 
die wichtigsten Kapitalien, die persönlichen Kapitalien erster Ordnung, 
welche einer Vernichtung durch den Gebrauch nicht ausgesetzt sind, 
') Welt als Wille und Vorstellung (Leipzig 1873). Bd. II. 
Schroeder , bas Unternehmen u. der Unternebinergewinn, 
4
        <pb n="66" />
        \ 
50 
sr- 
welche im Gegenteile durch die Übung wachsen und sich zu per 
sönlichen Kapitalien höherer Ordnung ausbilden. 
Dieser Kampf gegen die Natur ist der Grundtypus 
des Unternehmens, und sein Inhalt ist die mensch 
liche ganze, ungeteilte Thätigkeit mit den Werkzeugen 
des gesamten persönlichen Kapitals zunächst erster 
Ordnung. , , . 
Hier offenhart sich der Unterschied zwischen Arbeit und 
Unternehmen, ein ebenso bedeutendes Moment für die exakte 
Wissenschaft, wie der Unterschied zwischen Unternehmen und Wirt 
schaft, zu dessen Feststellung uns bald die Elemente aller Mensch 
heitserscheinungen führen werden. 
Der Mensch kämpft gegen die Natur zunächst mit seiner 
Körperlichkeit, seinem Intellekt und seinem Temperament (a 4- &amp; + c) 
um die Befriedigung aller drei Arten seiner Bedürfnisse, und dieser 
Kampf ist das Unternehmen. 
Der Mensch" kämpft aber auch nur mit einer seiner Kräfte 
gegen die Natur: 
1. mit seiner Körperlichkeit gegen die Materie, 
2. n seinem Intellekt r&gt; n Kräfte und 
3 „ n Temperament » n Gesetze, und 
es ergibt die Materie: Körperlichkeit = die Nährthätigkeit, 
V Kräfte: Intellekt = die Lehrthätigkeit, 
7) Gesetze: Temperament = die Wehrthätigkeit; 
und so entsteht die je einer Bedürfnisart entsprechende Arbeit und 
so teilt sie sich zugleich in drei große Richtungen, deren jede eine 
eigenartige Qualität in der Menschheitsgeschichte behauptet. 
Solange, oder wenn der Mensch, seine Einheit, allein der Natur 
gegenübersteht, so müssen diese Thätigkeiten vereinigt bleiben in 
seiner, in einer Person, sie können nicht geteilt werden,, und er ist 
gezwungen Unternehmer zu sein. 
Wenn sich die Arbeit gegen die Natur wendet, entstehen 
Güter, welche geeignet sind, den Bedürfnissen des Menschen zu 
dienen. , 
Es entstehen: 
aus der Materie X Nährthätigkeit = 1. Grund und Boden, 
„ n « X Lehrthätigkeit = 2. Wege, 
„ „ n X Wehrthätigkeit = 3. Bauten,
        <pb n="67" />
        4 
51 
aus den Kräften X Nährthätigkeit = 4. Werkzeuge, 
71 n 77 X Lehrthätigkeit = 5. Pflanzennahrung, 
71 77 77 X Wehrthätigkeit= 6. Maschinen, 
77 77 Gesetzen X Nährthätigkeit = 7. Fleischnahrung, 
77 77 77 X Lehrthätigkeit = 8. Pelze, 
77 77 77 X Wehrthätigkeit = 9. Haustiere (Sklaven); 
es sind, um den Mengerschen Ausdruck') mit viel Berechtigung-zu 
gebrauchen, Güter »erster Ordnung« : Grund und Boden ist bloß die 
Besitzergreifung desselben, Wege sind die Pfade nach den Quellen 
der Genussmitteln, Bauten sind die einfachsten Schutzwaffen gegen 
die feindliche Natur, z. B. ein hohler Baum, Werkzeuge sind die 
ersten Trutzwaffen, wie Stock und Stein, die Pflanzennahrung geben 
ohne Zuthun des Menschen gewachsene Pflanzen, die Maschinen 
sind die dienstbargemachten Kräfte der Natur, z. B. das Feuer, die 
Fleischnahrung erkämpft der Mensch im tierischen Kampfe mit der 
Kraft des Körpers, Pelze lehrt ihn sein Intellekt vom Tiere zu 
nehmen, Haustiere sind die besiegten, zur Arbeit oder Nahrung ver 
wendeten, wollenden Naturprodukte (a h c). 
Diese Güter erster Ordnung haben einzeln und an sich noch 
weder die Fähigkeit der Aufbewahrung, also der Kapitalisierung, 
noch die des Tausches, sie sind nur geeignet den Bedürfnissen des 
Menschen zu dienen und dadurch vernichtet zu werden. 
Der vom Baume genommene Apfel ist das bloße Ergebnis der 
lebendigen Natur und meiner Lehrthätigkeit, der Arbeit des Intel 
lekts in mir, der mir sagte, dass der Apfel essbar und durch meine 
Macht erreichbar sei. Ich kann den Apfel nur essen, also seinen 
Wert, den er für mich hat, vernichten. Verarbeiten könnte ich ihn, 
wenn ich ein anderes Gut hätte, z. B. die dienstbargemachte Kraft 
des Feuers zum Braten. Eintauschen könnte ich ihn nur dann, 
wenn ich 1. mit etwas anderem meinen Hunger stillen könnte, 
2. einem anderen Menschen begegnen würde, 3. dieser Mensch das 
Bedürfnis nach dem Apfel hätte, 4. derselbe] etwas besäße, womit 
der Apfel einzutauschen wäre, und 5. wenn dieses Etwas den Tausch 
für mich und ihn ökonomisch erscheinen ließe. 
Zum Produktionsmittel werden ^diese Güter erster Ordnung 
also sehr bald durch Hinzutreten eines geeigneten anderen Gutes 
dieser Ordnung. Dem Tausche aber stellen sich noch viele feind- 
*) Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. S. 4. Dort in etwas anderer 
Auffassung.
        <pb n="68" />
        52 
liehe Momente entgegen. Sie sind also keine Kapitalien, tragen aber 
schon die Fähigkeit in sich, es zu werden, wenn sie die Thätigkeit 
des Menschen mit anderen Gütern in Verbindung bringt. 
Diese Thätigkeit ist die Unternehmerthätigkeit. 
Das Unternehmen schafft Kapitalien, und auch die Güter erster 
Ordnung sind dann Kapitalien, wenn sie nicht durch Arbeit, 
sondern in gemeinsamer Thätigkeit des ganzen persönlichen Kapitals 
entstanden sind; denn dann sind sie in einer Mehrheit geschaffen, 
welche ihre Entstehung der Eignung verdankt, dass sich ihre Teile 
gegenseitig zu Produktionsmitteln, zu außerpersönlichen Kapitalien, 
erheben. 
Das Unternehmen ist die Thätigkeit mit allen 
drei Elementen des persönlichen Kapitals in einer 
Person vereinigt, die Arbeit ist die Thätigkeit mit 
einem oder dem anderen elementaren Teile des persön 
lichen Kapitals. 
Die persönlichen Kapitalien einer höheren Ordnung entstehen 
durch die dreieinige Thätigkeit aller persönlichen Kapitalien erster 
Ordnung im Menschen selbst: 
Aus der Nährthätigkeit -f Lehrthätigkeit 4- Wehrthätigkeit multi 
pliziert mit der Natur des Körperlichen im Menschen entsteht 
= 1. die Geschicklichkeit; 
Nährthätigkeit -f Lehrthätigkeit + Wehrthätigkeit X Intellekt 
= 2. die Kenntnisse; 
Nährthätigkeit -f Lehrthätigkeit + Wehrthätigkeit X Temperament 
= 3. die Sittlichkeit. 
Diese Produkte sind wirkliche Kapitalien und sie könnten nur 
persönliche Güter genannt werden, wenn sie nicht untrennbar im 
Menschen vereinigt und nicht produktionsfähig, wenn sie aus Arbeit 
und nicht aus der Unternehmerthätigkeit entstanden wären. Sie 
entstehen aber durch das Zusammenwirken aller drei Elemente des 
persönlichen Kapitals erster Ordnung, so dass immer ein Element 
potenziert erscheint: in der Geschicklichkeit die Körperlichkeit, in 
den Kenntnissen der Intellekt, in der Sittlichkeit das Temperament. 
Durch die Deckung der Bedürfnisse werden diese Kapitalien auch 
nicht vernichtet, und sind stets geeignet, in Verbindung mit Arbeit 
der Natur neue Güter abzuringen. Und ihr eigentümliches Wesen 
besteht darin, dass sie durch den Gebrauch vermehrt, dagegen
        <pb n="69" />
        53 
durch Unthätigkeit vermindert werden. Das ist das charakteristische 
Merkmal der persönlichen Kapitalien und unterscheidet sie von den 
außerpersönlichen Kapitalien, welche durch die Deckung des Bedarfes 
vermindert werden. 
Körperlichkeit ; Geschicklichkeit = Ruhe 
Intellekt : Kenntnisse = n 
Temperament : Sittlichkeit = n 
Thätigkeit 
n 
n 
Ehe wir zu weiteren Combinationen im Gebiete der nPoli- 
tischen Ökonomie« aus der Trinitas der Elemente der Natur und 
der im Menschen eingeschlossenen Prinzipe schreiten, wollen wir 
deren Wahrheit an Menschheitserscheinungen erweisen, welche dem 
großen Kreise der Sozialwissenschaften angehören. 
Es ist klar, dass eine Teilung der Arbeit, das ist der 
reinen Arbeit, erst dann möglich wird, wenn mindestens drei 
Menschen sich in die drei Richtungen aller Arbeit zu teilen in der 
Lage sind, und dann entstehen: 
1. Aus der Körperlichkeit X Nãhrthâtigkeit = Nährstand, 
Lehrstand, 
Wehrstand, 
Eigentum, 
Religion, 
Rechtsordnung, 
2. 
3. n n V 
4. n dem Intellekt 
Ò. n V n 
'6. n fl fl 
X Lehrthätigkeit 
X Wehrthätigkeit 
X Nãhrthâtigkeit 
X Lehrthätigkeit 
X Wehrthätigkeit 
oder die auf die Wehrthätigkeit gerichtete That des Intellekts, eine 
moralische Schranke aufzurichten, welche die beiden Schwächeren 
gegen den dritten Stärkeren schützt'), oder das objektive Recht, 
7. aus dem Temperament X Nãhrthâtigkeit = Ehe, 
8. fl fl fl X Lehrthätigkeit = Kunst, 
9. fl fl fl X Wehrthätigkeit = Wissenschaft. 
Bisher haben wir den Menschen in seiner Isoliertheit be 
trachtet. Fassen wir ihn als Gattung ins Auge: 
Der Mensch, als Subjekt A X mit der Natur = Population 
fl fl Ä X M .4 (a-j-h-j-c) = Recht 
fl ” ((t h -p c) X ^ A A -j- .4 (ö -p 6 c) etc. 
= Staat; 
•) Vergl, Menger: Untersuchungen über die Methode der Sozial Wissen 
schaften (Leipzig 1883). S. 271 u. If. 
*) Ein Verhältnis, das erste Vertrags- oder Machtverhältnis, das erste 
subjektive Recht. Vergl. «Rechtsordnung“. ^
        <pb n="70" />
        54 
aus dem Einflüsse des rein Natürlichen vermehrt sich die Gattung, 
und entsteht die Population, in der Berührung mit einem anderen 
Individuum, welchem die elementaren Eigenschaften der Körper 
lichkeit, des Intellekts und des Temperamentes (a -f &amp; + c) mne- 
wohnen, entsteht das Recht, und unter dem Einflüsse der Mehrheit 
solcher Individuen die Gemeinde, der Staat, (nóXig^ ci vitas, padus), 
so klein er auch sein mag, auch wenn er erst die Familie ist. 
Wir wollen unsere Theorie der Trinitas der Kräfte weiter 
versuchen: 
aus 
n 
r&gt; 
» 
V 
n 
n 
n 
n 
der Körperlichkeit X niit Population 
dem Intellekt X ” » 
n Temperament X ” ” 
der Körperlichkeit X ” Recht 
dem Intellekt X ” ” 
n Temperament X ” ” 
der Körperlichkeit X ” Staat 
dem Intellekt X ” ” 
n Temperament X ” ” 
= Geschlechterordnung, 
= ständische Ordnung, 
= Staatsbürgerschaft, 
= Familienvater 
(Patriarch) 
= Richter, 
== Geschworene, 
= Absolutismus, 
= Staatsrat. 
= Verfassung. 
Wir finden darin eine historische und organische Überein 
stimmung, ein Leben, welches nicht allein historisch, aber ohne 
Grenzen von Zeit und Raum überall da in seinen Grundtypen auf- 
tritt, wo sich diese Natur- und Thätigkeitsfaktoren zu Menschheits 
erscheinungen gestalten, eine Übereinstimmung, welche an der 
Wahrheit unserer neuen Theorie keinen Zweifel lässt. Sie haben 
einen maßgebenden, oft gestaltenden Einfluss auf die Güterbildung 
und Güterverteilung. Für unsere Zwecke genügt es, wenn wir später 
hin die Erscheinungen der Population, des Rechtes (des subjektiven 
Rechtes) und des Staates in ihren Zusammenwirkungen mit Arbeit 
und Kapital untersuchen. 
Wenn sich die Elemente der Arbeit und die persönlichen 
Kapitalien höherer Ordnung verbinden, entstehen Begriffe, welche ins 
reale Leben übersetzt außerpersönliche Kapitalien schaffen, welche 
getauscht werden können, ja in sich die Bedingung des Tausches 
enthalten : 
Nährthätigkeit X Geschicklichkeit -f Kenntnisse + Sittlichkeit 
= Ackerbau, 
Lehrthätigkeit X Geschicklichkeit -f- Kenntnisse -j- Sittlichkeit 
= Gewerbe,
        <pb n="71" />
        55 
Wehrthätigkeit X Geschicklichkeit Keuntnisse Sittlichkeit 
= Handel. 
Diese Erscheinungen gestalten unter dem Einflüsse der per 
sönlichen Kapitalien’) die Güter erster Ordnung zu vollkommeneren 
Produkten, zu: 1, Urbarem Lande, 2. Straßen, 3. Häusern, 4. Waffen 
und Handwerkzeugen, 5. Bodenprodukten, 6. Maschinen, 7. anima 
lischen Produkten, 8. Kleidern und 9. Erzeugnissen der Viehzucht 
und geborenen oder gehandelten Sklaven. Es sind Güter zweiter 
Ordnung, die in ihrer Vereinigung mit neuer Arbeit, immer unter 
der Produktionskraft der persönlichen Kapitalien, Güter dritter, und 
in den fortschreitenden Prozessen dieser Produktionsfaktoren Güter 
)i -f U«" Ordnung gebären. 
Es ist gewiss interessant, hier Careys'Anspruch bestätigt zu 
finden: „Verkehr ist das Ziel, das man erreichen will, Handel das 
Werkzeug dazu. Der Verkehr wächst mit dem Sinken der Macht 
des Handelsmannes. Der Handel strebt nach Zentralisation und nach 
Störung des öffentlichen Friedens, Krieg und Handel betrachten den 
Menschen als ein Werkzeug, dessen sie sich bedienen; der Verkehr 
betrachtet den Handel als ein Werkzeug zum Gebrauche des 
Menschen.« ’) Der Verkehr nun bildet sich in den oben ausgeführten 
wirtschaftlichen Prozessen als eine Folge jener Güter aus, welche 
aus dem einfachen Produkte von Materie und Lehrihätigkeit, aus 
den Wegen, Straßen etc. entstehen, während der Handel, das Pro 
dukt der Wehrthätigkeit und der persönlichen Kapitalien höherer 
Ordnung ist; darum seine Verwandtschaft mit dem Kriege. Wenn 
auf den Wegen erster Ordnung, den Pfaden nach den Quellen der 
Genussmitteln, zwei Menschen Zusammenkommen, so treten sie in 
Verkehr oder in Krieg, in Lehr- oder Wehrthätigkeit. Der Krieg ge 
fährdet den Verkehr. Und wenn zwischen Beide vermittelnd ein 
Dritter erscheint, so entsteht Handel anstatt des Krieges, und auch 
er hindert und benachteiligt den Verkehr. 
Wenn wir nun die exakte Übereinstimmung mit den Resul 
taten unserer historischen Betrachtungen suchen, so müssen wir zu 
gestehen, dass es die Wehrthätigkeit ist, welche im einzelnen der 
That und der Person, und im ganzen und großen der Zeit den 
Charakter aufdrückt. Wir haben in unserem wirtschaftsgeschicht- 
*) Schäffle : nArbeitsvermögen 
’) Die Grundlage der Sozial wissenscliait. Herausgegeben von G. Adler. 
(3 Bdc. 1863.)
        <pb n="72" />
        56 
lichen Teile gesehen, dass bei jungen Völkern das Waifenhandwerk, 
bei gereiften die Wissenschaften und bei alternden der Handel zu 
besonderem Ausdrucke gelangen. Die reine Wehrthätigkeit, 
der einfache Kampf der Körperlichkeit gegen die 
Natur erzeugt die Held en, dieWehrthätigkeit in Verbin 
dung mit dem entsprechenden persönlichen Kapitale 
erster Ordnung die Wissenschaft, und dieWehrthätig 
keit mit den persönlichen Kapitalien höherer Ordnun g 
den Handel. Der historische Ausdruck der Entwicke 
lung der Völker verhält sich demnach geradeso wie die 
exakte Entwickelung ihrer persönlichen Kapitalien. — 
Die organische Eigenschaft aller Güter aller Ordnungen ist 
die Nützlichkeit, weil sie ja um des Nutzens wegen der Natur 
abgerungen werden. Die Nützlichkeit ist positiv, wenn der Mensch, 
sie ist negativ, wenn die Natur im Kampfe siegt, sie hebt sich 
auf, wenn der Kampf erfolglos bleibt. 
Aus dem Made der Nützlichkeit wächst der Wert hervor. 
Die Nützlichkeit eines Gutes ist um so größer, je größer durch 
dasselbe die Macht des Menschen über die Natur ist, der Wert 
eines Gutes ist um so höher, je größer der Widerstand ist, den 
die Natur der Erwerbung dieses Gutes entgegensetzt’). 
Es verhält sich ein Gut (/) zu seinem Werte (yy), so wie 
sich die Macht des Menschen (a) zum Widerstande der Natur (ß) 
verhält. I : yy — a : ß. 
Der Widerstand des Wassers, das jedem zugänglich ist, sei 1, 
die Macht des Menschen über dasselbe 1000. — / : yy = 1000 : 1 
yy = 10ÕÕ’ 
also sehr gering. 
Wenn aber irgendwo kein Wasser zu linden und der Wider 
stand der Natur = 1000, und die Macht des Menschen nur = 1 ist, 
dann T : yy = 1 : 10(X) 
yy = 1000, 
also sehr groß. 
Die Macht des Menschen verhält sich ferner zum Widerstande 
der Natur, so wie die dienstbar gemachte Menge eines Gutes zu 
*) Carey: »»Nützlichkoit ist das Maß der Macht des Menschen über die 
Katur. Wert ist das Maß der Macht der Natur über den Menschen.«
        <pb n="73" />
        57 
dessen Bedarf, oder da sich im wirtschaftlichen Leben die dienstbar 
gemachte Menge eines Gutes durch Angebot (¡a) und sein Bedarf 
durch die Nachfrage (v) ausdrücken, so verhält sich: a : ß = (i : v. 
Der Widerstand des Steines ist gewöhnlich gering, die Macht 
des Menschen über denselben groß, es wird demnach das Verhältnis 
des Angebotes zur Nachfrage sich in diesem Verhältnis bewegen. 
Sollte aber der Widerstand, den die Natur dem Menschen dadurch 
entgegensetzt, dass entweder der Stein schwieriger zu gewinnen ist, 
oder dass der Mensch eine größere Menge von Steinen im Kampfe 
gegen die Natur braucht, größer werden, dann wird das Angebot 
verhältnismäßig sinken und die Nachfrage verhältnismäßig steigen. 
Da sich 1 : y y =. a : ß und a : ß = (i : v verhält, so verhält 
sich auch I : y y = : v. Ein Gut verhält sich zu seinem Werte, 
so wie Angebot zu Nachfrage, oder da die Nachfrage stets der Aus 
druck des Bedarfes und dieser der Ausdruck der Nützlichkeit (o) 
ist, so verhält sich auch 
I : yy =.fi : o dann ist yy = und o =• ÍLp.'. 
Der Wert eines Gutes ist gleich dem Produkte des Gutes und 
seiner Nützlichkeit dividiert durch das Angebot, oder die Nützlich 
keit eines Dinges gleich dem Produkte seines Angebotes und seines 
Wertes, geteilt durch die Zahl seiner Einheiten. 
Die Nützlichkeit eines Pfund Silbers z. B., dessen Wert 
ö. W. fl.45, ist bei Angebot nur 1 (Pfund) = also ö. W. fl. 45. 
Wäre das Angebot sehr groß, so müsste die Nützlichkeit des Silbers 
sehr gering geworden sein, d. h. es müsste die Nützlichkeit anderer 
Güter gestiegen und darum die des Silbers gefallen sein, es müsste 
demnach sein Wert ein geringerer werden. 
Die Nützlichkeit des Wassers ist im allgemeinen groß, und 
doch kann die Nützlichkeit eines bestimmten Wassers durch den 
Widerstand, welchen die Natur seiner Benützung entgegenstellt, sehr 
klein werden. Ein Brunnen außerhalb einer Stadt hat viel und gutes 
Wasser, aber der Weg dahin ist zu weit, als dass sein Wasser 
benützt werden könnte ; es hat in ökonomischem Sinne keine Nütz 
lichkeit. Desselben Brunnens Wasser erreicht eine hohe Nützlich 
keit und wird dadurch sehr wertvoll, wenn sämtliche Brunnen der 
Stadt versiegen. Wenn aber jemand, so lange noch in der Stadt 
selbst genug und gutes Wasser ist, das Wasser jenes Brunnens zur
        <pb n="74" />
        * 
58 
Stadt brächte, so würde seine Nützlichkeit steigen, und die Nach 
frage nach demselben eine größere werden als früher, es würde 
ebenso nützlich als das Wasser der Stadt, sein Wert größer als 
früher sein, und zwar so groß wie der des Stadtwassers, dessen 
Nützlichkeit und zugleich dessen Wert durch erhöhtes Angebot an 
Wasser überhaupt jetzt gegen früher fallen müsste'). Würde alles 
Wasser allmählich von der Erde verschwinden, dann müsste seine 
Nützlichkeit zuerst wachsen, später aber der Mangel einer Lebens 
bedingung des Menschen und die dadurch hervorgerufene Sterb 
lichkeit seines Geschlechtes, die Nützlichkeit des Wassers eine Zeit 
lang constant erhalten, bis entweder der Mensch in der Lage wäre, 
das" Wasser durch eine chemische Verbindung aus Wasserstoff und 
Sauerstoff zu ersetzen, also der Natur neu abzuriugen, oder aber das 
Menschengeschlecht zu sein aufgehört hat, 
i ; yy = (I : o. Die Formel bewährt sich, sollte sie auch 
negative Resultate ergeben. Negative Nützlichkeit ist Schädlichkeit. 
Ein Gut von negativer Nützlichkeit hat auch einen negativen Wert. 
Es sei irgendwo eine Überschwemmung, also zu viel Wasser, Wasser, 
welches eine Schädlichkeit hat. 
I : yy = ^ : o und ft = 100, während o = — 100, so ist 
yy — -Æ = — l; steigt die Schädlichkeit bei gleicher Menge 
(Angebot), so fällt der Wert unter — 1, 
ft = 100 undo = —1000, so ist y y = loo 
fällt die Schädlichkeit bei gleicher Menge (Angebot), so steigt der 
Wert über — 1 ; denn wenn ft = 100 und o = — 1, so ist 
J'»' = W = ~ 
Für die Werte aller Güter bildet sich durch den Tauschver 
kehr und den dazwischen tretenden Handel insbesondere, durch jene 
Menschheitserscheinung also, die das Produkt der Wehrthätigkeit des 
Menschen und seiner persönlichen Kapitalien höherer Ordnung ist, 
welche die Expansivkraft des Menschen gegenüber der Natur aus 
drückt, der Preis. Das Mittel dieses Maßes mag selbst den Ein 
flüssen von Angebot und Nachfrage unterworfen sein, in seinem 
Verhältnis zum Wert ist es es nicht. 
■) Ricardo: «Der Wert richtet sich nicht nacli der angewandten Arbeit 
des Produzenten, sondern nach der ersparten Arbeit des Konsumenten.“
        <pb n="75" />
        59 
Es verhält sich der Werteines Gutes zum Preise (jr) 
desselben, wie Angebot zu Nach frage, y y 7C = a : v. 
Was hier Angebot und Nachfrage hervorruft, das ist eben das 
Maß der Nützlichkeit, welche dreierlei ist; und darum ist auch.der 
Wert dreierlei. Die Nützlichkeit rührt her 1. vom Stoffe, 2. von 
der Form und 3. vom Orte oder der Zeit des Gutes; so beziehen 
sich auch Angebot und Nachfrage 1. auf den Stoff, 2. auf die Form 
und 3. auf den Ort oder die Zeit des Gutes, und stellen so den 
Wert als Stoff, Form und Orts-(Zeit-)Wert her^. 
Wenn wir den Stoffwert mit a, den Formwert mit &lt;p und 
den Orts- oder Zeitwert mit g bezeichnen, so entsteht die Formel: 
0 Tt = IL 'V. 
Es ist klar, dass die Höhe dieser drei Wertelemente ver 
schieden sein kann, und oft die eine oder die andere den Aus 
schlag gibt, ja dass es oft vorkommt, dass eine Wertgattung ein 
und desselben Gutes fast 0 ist, wie z. B. der Formwert des Brenn 
holzes, ebenso klar, dass, wenn eine Wertgattung negativ und die 
selbe größer ist als die Summe der beiden anderen, der ganze 
Wert des Gutes, als Wert dieses Gutes negativ sein muss, z. B. 
ein Schloss aus Eis, wenn sein Ortswert (Klima) oder sein Zeit 
wert (Jahreszeit) negativ wird, so dass das Eis zu schmelzen beginnt. 
Die Verbindung der Güter und ihre gegenseitige Einwirkung 
auf einander ist die Verbindung und gegenseitige Einwirkung ihrer 
elementaren Werte. 
Der Stein im Bruche besitzt alle Wertelemente (&lt;J -h 9 -p S) 
und oft ist sein Form- und Ortswert größer als sein Stoffwert; 
besitzt er aber einen geringen Form- und Ortswert, so kann ihm 
der Steinmetz einen neuen höheren Form-, der Frächter einen neuen 
höheren Ortswert geben. Aus Steinen entsteht das Haus, und der 
Stoff-, Form- und Ortswert des Steines geht in dem Stoffwert des 
neuen Produktes auf, sein Form- und Stoffwert entsteht aber neu. 
Der Wert des Hauses ist dann gleich = (a -p f/) -j- g des Steines) -f- 
(o -P y -p ^ des Holzes) -P (&lt;J -p (/) -p g des Eisens) -f des Mörtels, 
des Glases etc. -f seinem ç/ 
Die Wertelemente steigen und fallen mit und durcheinander. 
Die Steine (Stoffwert) eines fertigen Hauses sind unter Um 
ständen wertvoller als andere Steine. Die Leinwand und die Farben 
') Vergl. Knies: »Die nationalökonomische Lehre vom Wert.“ Tübinger 
Zeitschrift für die gesamte Staats Wissenschaft, 1865. S. 468 u, ff.
        <pb n="76" />
        GO 
eines Kiinstgemäldes sind wertvoller, als die Leinwand und die Far 
ben, ehe sie zu demselben verwendet wurden, aber sie besitzen einen 
geringeren Wert, wenn sie in einer Schmiererei aufgegangen sind. 
. Die negative Höhe eines Wertelementes zieht darum die Höhe 
der anderen Wertelemente bis auf 0 herab, oder die negative Höhe 
eines Wertelementes steigt im Verhältnis der Höhe der anderen 
Wertelemente. 
In dem Augenblicke, da der Stoffwert eines Kunstgemäldes 
negativ wird, z. B. durch Einwirkung des Feuers, steigt er zu der 
selben Höhe negativ an, welche positive Werthöhe der Form- und 
Ortswert repräsentieren. War sein Stoffwert 1, sein Formwert 100, 
sein Ortswert 50 = 151 vor dem Brande, so stellt sich sein Gesamt 
wert im Falle des Brandes so dar: a = — 150, y = 100, Ç = 50; 
— 150 4- 100 + 50 = 0; sein Gesamtwert ist vernichtet; so zwar, 
dass überdies unter Umständen der Gesamtwert durch den Über 
schuss der Schädlichkeit des Stoffwertes negativ werden kann. Wenn 
der Stoffwert über — 150 steigt, z. B. auf — 151, dann ist der 
ganze Wert negativ = — 1. Da nun ö (p ^ : tt = ^ : v, so 
ist der Preis des Kunstgemäldes, welcher ursprünglich den Wert 
von 151 hatte, im ersten Falle — .u = 0 im zweiten Falle -.u. 
Der Stoffwert entspricht dem persönlichen Kapital der 
Körperlichkeit, und geht in jedem Gute aus der Nähr- 
thätigkeit hervor, der Form wert entspricht dem Intellekt 
und geht aus der Lehrthätigkeit hervor, der Orts- und Zeit 
wert entspricht dem Temperament und stammt aus der Wehr- 
thätigkeit. Nur in der Verbindung aller drei Wertelemente liegt 
der Wert des Gutes selbst und sein Preis bildet sich durch An 
gebot und Nachfrage. 
Das Maß des Preises ist das Geld ’)• 
Der Preis des Geldes selbst mag nun sein, welcher 
immer, stets wird es als Preismaß eines Gutes, das 
Verhältnis dessen Wertes zu seinem Preise nur imVer- 
hältnis des Angebotes dieses Gutes zu seiner Nach- 
ra geausdrücken. 
Sowohl Güter und Kapitalien als auch die Arbeit haben einen 
Wert und einen Preis. 
Nachdem der Wert aller Güter durch den Einfluss von Angebot 
und Nachfrage bestimmt wird, und das Angebot der Arbeit das Ergebnis 
0 Vergl, Menger: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. S. 250 u. ff.
        <pb n="77" />
        61 
einer gewissen Menge freier persönlicher Kapitalien, die Nachfrage das 
Ergebnis des Mangels dieser Menge von persönlichen Kapitalien ist : 
so ist es auch die Menge und Qualität der zu der Produktion eines 
Gutes aufgewendeten persönlichen Kapitalien, welche den Wert des 
selben ausmachen. Je stärker die Naturanlagen, je größer die Ge 
schicklichkeit eines Arbeiters, je größer seine Kenntnisse und seine 
Sittlichkeit (Sorgfalt), die er zur Erzeugung eines Gutes verwendet, 
desto wertvoller ist das Produkt, das entstandene neue Gut, und 
desto größer ist der Wert der Arbeit, die in dem Produkte ein 
geschlossen ist — seine Arbeit. «Tb yàç áTCorslovfisvov ành xùv 
ßsktiovov ßikxiov êçyovfi sagt schon Aristoteles *). 
Von dem Werte des Kapitals ist in exaktem Sin ne 
seine Benützungsquote unabhängig. Nicht alle Kapitalien 
unterliegen dem gemeinschaftlichen Angebote und der gemeinschaft 
lichen Nachfrage, sondern jede Kapitalsart für sich ihrem Angebote 
und ihrer Nachfrage. So entstehen die Artenwerte im Gegensätze 
zu den oben dargelegten Wertarten. Und die Benützungsquote 
für die Artenwerte ist abermals eine vom Kaufe verschiedene, durch 
Angebot zur Benützung und Nachfrage der Benützung entstandene, 
und kann ein anderes Zahlenprodukt sein, als das Resultat des 
Angebotes zum Kaufe und der Nachfrage zum Kaufe eines Gutes 
derselben Art uud Ordnung, aus der Ursache, weil die Höhen der 
Faktoren andere sein können. 
I : TT = ju : V 
Kapital : Kapital -f Zins = p' : v' 
Es ist der Wert jeder außerpersönlichen Kapitalsart das 
Ergebnis eines anderen Angebotes und anderer Nachfrage, und die 
Benützungsquüte jeder außerpersönlichen Kapitalsart ebenfalls ver 
schieden nach Maßgabe des auf sie bezüglichen Angebotes und der 
auf sie bezüglichen Nachfrage. Der Preis und der Zins ist also 
ein organisch anderer für 1. Grund und Boden, 2. Wege, 3. Bauten, 
4. Werkzeuge, 5. Pflanzennahrung, 6. Maschinen, 7. Fleischnahrung, 
8. Pelze und 9. Haustiere, und zwar ein anderer für diese Güter 
1., 2., 3. und Ordnung. 
Ein Gut höherer Ordnung druckt den Preis eines Gutes bis 
zur Wertlosigkeit herab, nach Maßgabe des Angebotes dieses Gutes 
höherer Ordnung zu der Nachfrage nach den Gütern dieser Art; 
*) Política. Lib. I. Cap. II. 8.
        <pb n="78" />
        62 
denn deckt das Angebot des Gutes höherer Ordnung vollständig die 
Nachfrage nach den Gütern dieser Art, dann wird das Gut niederer 
Ordnung vollständig wertlos: das Steinmesser ist gegenüber dem 
Stahlmesser, die Schleuder gegenüber dem Revolver, der Sturmbock 
gegenüber der Kanone, die Silhouette gegenüber dem Photogramm 
wertlos geworden. 
Auch die Benützungsquote für ein Gut niederer Ordnung 
erscheint gedrückt, wenn das Angebot eines Gutes höherer Ordnung 
steigt: die Wohnungen in alten Häusern werden billiger, wenn Neu 
bauten entstehen, selbst dann, wenn sich kein Wohnungsüberfluss 
einstellt. 
Die Nachfrage nach Arbeitern der höchsten Leistungsfähigkeit 
ist stets die größte; die höchste Leistungsfähigkeit ist ja die höchste 
Macht des Menschen über die Natur. 
Arbeit : Lohn = ^ : v 
und zwar verschieden für die Arbeit: 
1. der Nährthätigkeit mit der Körperlichkeit, 
2. V Nährthätigkeit n dem Intellekt, 
3. n Nährthätigkeit v n Temperament, 
4. n Lehrthätigkeit n der Körperlichkeit, 
5. V Lehrthätigheit n dem Intellekt, 
6. n Lehrthätigkeit n n Temperament, 
7. n Wehrthätigkeit n der Körperlichkeit, 
8. fl Wehrthätigkeit „ dem Intellekt, 
9. fl Wehrthätigkeit a a Temperament, 
10. fl Nährthätigkeit n der Geschicklichkeit, 
11. fl Nährthätigkeit a den Kenntnissen, 
12. fl Nährthätigkeit a der Sittlichkeit, 
13. fl Lehrthätigkeit a a Geschicklichkeit, 
14. fl Lehrthätigkeit a den Kenntnissen, 
15. fl Lehrthätigkeit a der Sittlichkeit, 
16. fl Wehrthätigkeit a a Geschicklichkeit, 
17. fl Wehrthätigkeit a den Kenntnissen, 
18. fl Wehrthätigkeit a der Sittlichkeit. 
Im Lohne für die Arbeitsgattungen wird schon der Kapital 
zins, der Zins für die persönlichen Kapitalien bezahlt, und zwar 
seinem vollen aus Angebot und Nachfrage hervorgegangenen Be 
nützungswerte nach.
        <pb n="79" />
        63 
Kapital und Arbeit stehen in organischer Wechselbeziehung. 
Wenn die Nachfrage nach Benützung eines außerpersönlichen Ka 
pitals oder einer Arbeitsart steigt, dann fällt das Angebot zur Be 
nützung einer anderen Kapitals- oder Arbeitsart. Steigt die Nach 
frage nach einer Arbeitsart, dann fallt das Angebot einer außer 
persönlichen Kapitalsart zur Benützung. Nach diesen Gesetzen 
bewegen sich Kapitalzins und Arbeitslohn. 
Der Preis und das gemeinsame Maß desselben, das Geld, hat 
den Ausdruck dieser Prozesse verwischt, und erst dann, bis die 
Summe der Nachfrage nach Arbeitsarten überhaupt größer ist, als 
die Summe des Angebotes von außerpersönlichen Kapitalsarten 
oder umgekehrt, kommen sie zur Erscheinung: steigt dann die Nach 
frage nach Arbeit, so fällt das Angebot von Geld; so steigt der 
Arbeitslohn und steigt der Kapitalzins. 
Das Geld ist nur das Maß des Preises in seiner Benützung 
als Tauschmittel. Als Kapital, als Ware unterliegt es den Gesetzen 
der Nachfrage und des Angebotes, wie alle Kapitalien. 
Steigt der Preis des Geldes ; dann fallen alle dafür einzu 
tauschenden Arbeitsarten und außerpersönlichen Kapitalswerte, es 
fallt der Arbeitslohn und der Zins für alle außerpersönlichen Kapi 
talien mit Ausnahme des Zinses für Geld. Das Verhältnis bleibt 
dasselbe, nur die Preise steigen oder fallen nach dem Preise des 
Geldes. 
Persönliches Kapital ohne Arbeit ist schwach und geht zurück, 
in Verbindung mit Arbeit ist es um so stärker, je größer es ist, 
weil die persönlichen Kapitalien und die Arbeit zusammenstreben. 
Das außerpersönliche Kapital, aus der wirtschaftlichen Feindin 
Natur entstanden, und die Arbeit streben auseinander, bekämpfen 
sich und werden erst durch das persönliche Kapital gebunden. Das 
persönliche Kapital macht somit den Wert des Menschen aus'). 
Es verbinden sich also außerpersönliche Kapitalien nur dann 
mit Arbeit, wenn persönliche Kapitalien auf sie einwirken. 
Es bestehen die Prinzipe: 1. der Population, 2. des Rechtes, 
3. des Staates. Sie haben ihren gestaltenden Einfluss auf die Ver 
bindung von Kapital und Arbeit. 
') Carey: »Der Fortschritt des Menschen steht im geraden Verhältnisse 
zu dem Sinken des Wertes der Lebensbedürfnisse und dem Steigen des eigenen 
Wertes.“
        <pb n="80" />
        64 
Population : Nähr- + Lehr- + Welirthätigkeit X Kapital = Unter 
nehmen, 
Recht ; Nähr- Lehrthätigkeit X Kapital = Wirtschaft, 
Staat : Nährthätigkeit X Kapital = Volkswirtschaft. 
Es erscheinen hier die aus den natürlichen Fak 
toren entstandenen Resultate der Population, des 
Rechtes und des Staates als Feinde der Menschen- 
Thätigkeit und des Kapitales, sie übernehmen die 
Rolle der Natur. 
Diese Wahrheit in ihrem Grundgedanken hat vor mir Stein 
auf teleologischem Forschungswege erkannt, aber in nationalökono- 
mischer Beziehung nicht verfolgt. Stein') schreibt; rSo entsteht 
in jedem Rechtsgebiete im Staate im allgemeinen, aber zugleich in 
jedem Verwaltungsgebiete im besonderen ein Leben, in welchem 
die Idee des Rechts — das Gerechte, to díxatov — mit dem posi 
tiven, durch die bestehende Gesellschaftsordnung gesetzten Rechte 
kämpft und sich gegenüber den gesellschaftlichen Ordnungen ihre 
Anerkennung und Geltung zu verschaffen sucht. Diese Bewegung 
ist der größte organische Prozess, den die Welt kennt. Es ist der 
Entwickelungsprozess, in welchem der Geist sich durch seine eigene 
Arbeit zur Herrschaft über das thatsächliche Daseiu erhebt. Das 
ist das wahre und ewige Leben der Erde, und die Geschichte dieses 
gewaltigen, alle vergangenen Jahrtausende umfassenden und alle 
kommenden erfüllenden Prozesses ist die Weltgeschichte !u 
Dort, wo die Population die Rolle der Natur übernimmt, 
kämpft das Unternehmen nicht mehr mit den persönlichen Kapi 
talien allein, sondern nimmt die außerpersönlichen zu Hilfe, und 
es ist besonders das Auftreten der Welirthätigkeit, welche diesen 
Kampf aktiv macht. Die Wirtschaft kämpft gegen die Natur bloß 
mit der ihr eigenen Nähr- und Lehrthätigkeit, gegen das Recht 
aber zugleich mit außerpersönlichem Kapital; ihr Kampf ist passiv, 
weil ohne Wehrthätigkeit. Die Volkswirtschaft, welche sich 
gegen die Natur nur mit der Nährthätigkeit wendet, kämpft gegen 
den Staat mit Nährthätigkeit und außerpersönlichem Kapital an; 
ihr Kampf ist weder aktiv noch passiv, er verschwindet, Staats 
und Volkswirtschaft verschmelzen. 
Das Unternehmen kämpft mit der Thätigkeit aller 
elementaren Kräfte, die Wirtschaft mit Nähr- und 
Lehrthätigkeit, die Volkswirtschaft nur mit der Nähr- 
Handbuch der Verwaltungslehre (Stuttgart 1870). S. 12.
        <pb n="81" />
        65 
thâtigkeit. Die Volkswirtschaft entfaltet allerdings, wie die 
Arbeit, nur eine Thätigkeit, ihr Unterschied von dieser besteht 
aber darin, dass ihre Thätigkeit erst entsteht, wenn ein Staat 
entstanden ist: die Arbeit besteht überall, wo der Mensch nur 
eines seiner persönlichen Kapitalelemente der Natur entgegenstellt. 
Die Thätigkeit der Volkswirtschaft ist demnach eine 
von der Gattung ausgegangene Erscheinung, die Arbeit 
ist die Thätigkeit des Individuums. Zwischen dem 
Leiter eines Unternehmens aber und dem Unternehmer selbst 
besteht der sehr feine Unterschied, dass im ersteren allerdings 
auch alle Thätigkeiten zur Erscheinung zu kommen vermögen, aber 
sich in ihm nicht organisch verbinden, sie erscheinen einzeln als 
eine Mehrheit von Thätigkeiten, nicht als eine Thätigkeit mit 
allen Elementen des persönlichen Kapitals: die Thätigkeiten des 
ersteren sind Arbeiten, die Thätigkeit des letzteren die Unter- 
nehmerthätigkeit. 
Population 
(Nähr- + Lehr- + Wehrthätigkei’t) X Kapital ~ Unternehmen, 
daraus folgt, dass 
Population = Thätigkeiten X Kapital X Unternehmen, 
Recht = Nähr- -f Lehrthätigkeit X Kapital X Wirtschaft, 
Staat = Nährlhätigkeit X Kapital X Volkswirtschaft. 
Nur in Verbindung mit den Begriffen des Unternehmens, der 
Wirtschaft und der Volkswirtschaft sind die Thätigkeiten der per 
sönlichen Kapitalien und die außerpersönlichen Kapitalien dem Kampfe 
mit Population, liecht und Staat gewachsen, das drückt hier 
das Gleichheitszeichen aus, und nur dann können sie zu Pro 
duktionskräften werden. 
Das Unternehmen kämpft gegen die Population und strebt sie 
sich dienstbar zu machen, um zur Wirtschaft zu werden; und dieser 
Prozess wird sichtbar in der Heranziehung von Arbeit und Kapital, 
in der Aufsuchung von ßinkaufsquellen einerseits und der von Absatz 
quellen andererseits; er wird sichtbar in dem Kampfe des 
Unternehmers gegen alle anderen wirtschaftenden 
Personen. 
Die Wirtschaft kämpft gegen das Hecht, das ist das subjektive 
Hecht, und sucht sich es dienstbar zu machen ; sie strebt nach Volks 
wirtschaft. Dieser Prozess wird sichtbar in dem Kampfe gegen das 
Unternehmen, welcher sich dem Hechte des Aufschwunges desselben 
Schroeder, Das Unternehmen u. der Unternehmergewinn.
        <pb n="82" />
        66 
durch deu Bestand der Wirtschaft entgegenstellt. Die Wirtschaft 
strebt die Arbeiter, die Kapitalien, die Einkaufs- und Absatzquellen 
zu behalten. Sie will sich die wirtschaftlich dienstbar gemachte 
Population auch rechtlich dienstbar machen. Sie kämpft gegen 
das Recht des wirtschaftlichen Aufschwunges anderer. 
Das Fideikommiss ist ein Typus der W irtschaft und wir sehen es in 
diesem Kampfe. 
Die Volkswirtschaft kämpft gegen den Staat, sie will die 
Schranken, welche ihr derselbe setzt, durchbrechen, ihre Expansiv 
kraft strebt nach weiteren Grenzen, sie will nähren und ernähren, 
darum die Kapitalien verteilen. Die Volkswirtschaft ist der 
Kampf des wirtschaftlichen Rechtes des Volkes gegen 
das Recht der Staatsverwaltung, und seine Anerkennung 
sind die Verwaltungsgerichtshöfe. 
Das Unternehmen ist die junge nach Fortschritt 
strebende Wirtschaft. Und sein Zweck ist die Kapital 
bildung, wie der Zweck der Wirtschaft die Kapital 
erhaltung und jener der Volkswirtschaft die Kapital 
verteilung: 
Po])ulation 
(Nähr- -f- Lehr- -f- Wehrthätigkeit) X Kapital 
= Kapitalbildung, 
Recht 
(Nähr- -f- Lehrthätigkeit) X Kapital 
= Kapitalerhaltung, 
Staat 
Nährthätigkcit X Kajätal 
= Kapitalverteilung. 
Unter Festhaltung dessen, was wir oben von den Merkmalen 
der Arbeit gesagt haben, stoßen wir hier auf ein anderes sie von 
den Thätigkeiten des Unternehmens, der Wirtschaft und der Volks 
wirtschaft in ihrem innersten Wesen unterscheidendes Kennzeichen. 
Während die Resultate dieser drei gewaltigsten Menschheitserschei 
nungen immer Kapital sind, u. zw. beim Unternehmen neues 
Kapital, bei der Wirtschaft das alte erhaltene Kapital, und bei der 
Volkswirtschaft das verteilte Kapital, hat die Arbeit wohl mit 
Kapitalien zu thun, aber ihre Resultate sind nicht Kapitalien sondern 
Güter, welche erst durch das hinzutretende Unternehmen, sei es 
durch Sparen, sei es durch Tausch, sei es durch Verwendung als 
Werkzeug, von der Kraft des größten wirtschaftlichen Gesetzes, des 
Angebotes und der Nachfrage erfasst, einen Wert erhalten, und zu 
Kapitalien erhoben werden.
        <pb n="83" />
        67 
Das Unternehmen strebt darnach über seinen Bedarf zu pro 
duzieren und zu verwerten; es ist die Thätigkeit, so viel Produkte 
und so wertvolle Produkte zu schaffen, dass deren Summe größer 
ist, als die Summe der Gesamtbedürfnisse des Unternehmens, und 
aus dieser Thätigkeit gewinnt die Population, gegen welche sich der 
Kampf des Unternehmens gewendet. 
Die Wirtschaft ist die Thätigkeit, welche eine vollkommene 
Deckung aller Bedürfnisse und ihre eigene Selbsterhaltung anstrebt ; 
eine Thätigkeit ohne das Streben der Selbsterhaltung wäre Unwirt 
schaft. Das Resultat der Wirtschaft, eben die Selbsterhaltung, kommt 
ihrem subjektiven Rechte zu gute. 
Die Volkswirtschaft ist jene Thätigkeit, die eine möglichst voll 
kommene Kapitalverteilung anstrebt, und das Ergebnis dieser Thätig 
keit kommt durch die Steuerkraft des Volkes dem Staate zu gute. 
Je besser, je geigneter, je vollkommener nun die Bütteln sind, 
die der Mensch hat, um die Natur zu bekämpfen, desto größer ist 
seine Macht über die Natur, desto leichter der Sieg, desto geringer 
kann die angewandte Arbeit sein, und desto höher der Erfolg, die 
Kapitalbildung, der Unternehmergewinn werden. 
Die Qualität der Produktionsmitteln liegt, die außerpersön 
lichen Kapitalien betreffend, in der in den Gütern Ordnung 
ruhenden Quantität von mit Geschicklichkeit, Kenntnissen und 
Sittlichkeit multiplizierter alten Arbeit, und, die gegenwärtige 
Thätigkeit betreffend, in der Qualität und Quantität der persön 
lichen Kapitalien. 
Ein Jäger mit einer guten doppelläufigen Schrotbüchse wird 
bei sonst gleichen Bedingungen gewiss ein viel größeres Jagdresultat 
haben, als ein, Jäger, der mit einer Schleuder bewaffnet ist. Es 
liegt in der modernen Büchse ein möglichst großer Aufwand von 
Geschicklichkeit, Kenntnissen und Sittlichkeit (Sorgfalt). Der Wilde 
mit seiner physischen Kraft und seiner Körpergewandtheit ist schwach 
gegenüber dem physisch schwächeren und ungelenkigeren, aber gut 
bewaffneten Weißen; denn dieser trägt die mit persönlichen Kapi 
talien multiplizierte Arbeit vieler mit sich. — Robinson Crusoe hat 
es viel schwieriger gehabt, auf seiner Insel ein Feuer zu entzünden, 
als Vernes Cyrus Schmidt auf dem einsamen Eilande im Weltmeere 
Nitro-Glycerin zu erzeugen und Felsenmassen zu sprengen. Robinson 
hatte keine Kenntnisse, die Qualität seiner persönlichen Kapitalien 
war gering, Cyrus Schmidt dagegen eine ausgezeichnete technische 
Geschicklichkeit und große Kenntnisse. Robinson hätte eine noch so 
6*
        <pb n="84" />
        große Menge von Naturprodukten finden können, aus welchen Nitro- 
Glycerin zu erzeugen möglich ist, er hätte es nicht zustande gebracht, 
weil er Nitro-Glycerin nicht zu bereiten verstand, weil er es gar 
nicht kannte. Er musste aber auch seine ganze Sittlichkeit (Aus 
dauer, Fleiß, Energie und Gottvertrauen) gegen die Natur ins Feld 
führen, um nicht zu unterliegen*). 
Das Unternehmen vereinigt immer alle Arbeitsgattungen und 
alle persönlichen und außerpersönlichen Kapitalien, wenngleich ver 
schiedener Ordnung, es strebt jedoch immer in seinen Produktions 
mitteln die höchste Ordnung zu erreichen, damit seine Produkte 
gleichfalls der höchsten Ordnung angehören. 
Hier gilt, was von dem Werte der Güter und der Arbeit gilt. 
Je mehr die Arbeitsgattungen von geeigneten persönlichen 
Kapitalien unterstützt werden, je höher entwickelt die persönlichen 
Kapitalien sind und einer je höheren Ordnung die im außerpersön 
lichen Kapital enthaltenen Güter angehören, über welche der Unter 
nehmer verfügt, und je zweckmäßiger alle diese Faktoren zu einer 
ökonomischen Zusammenwirksamkeit verbunden sind: desto wahr 
scheinlicher ist das Gelingen des Unternehmens 
Das Gelingen eines Unternehmens verhält sich zu 
seinem Misslingen, wie die Verfügbarkeit der Faktoren 
zu ihrem Mangel. 
Wenn wir alle die Faktoren relativ höchster Ordnung mit f 
bezeichnen und den Mangel derselben mit w, so entsteht die Formel : 
Gelingen: Misslingen — f : m. 
Die absolut vollständige Verfügbarkeit aller Faktoren relativ 
höchster Ordnung muss auch das Gelingen im Gefolge haben, der 
absolut vollständige Mangel aller dieser Faktoren das gewisse 
Misslingen. — j 
Die Unteruehmerthätigkeit ist die Verbindung aller drei Arbeits 
arten zu einer Thätigkeit in der Person des Unternehmers, das ist 
die Dienstbarmachung über quantitativ und qualitativ geeignete Arbeit 
•) Darum ist die Geschichte Robinsons eine moralische Erzählung von 
hohem Werte für die Jugend und das Volk, sie ist aber auch eine bedeutende 
nationalökonomische Abhandlung in erzählendem Kleide, welche ein Stück 
individueller Natural-Wirtschaftsgeschichte vom Unternehmen bis zur Volks 
wirtschaft enthält. Die Bildung der persönlichen Kapitalien höherer Ordnung, 
die Produktions- und Steigerungsprozesse der Güter aller Art und mehrerer 
Ordnungen bis auf den Sklaven, den Robinson vermöge seiner Sittlichkeit zum 
Arbeiter erhob, zeigt uns diese Erzählung in überaus anschaulicher Weise.
        <pb n="85" />
        69 
(auch fremde) und quantitativ und qualitativ geeignete außerper 
sönliche Kapitalien. Ini Unternehmer selbst ist eine Arbeitsteilung 
nach ökonomisch-exakten Gesetzen unmöglich. Die Dienstbarmachung 
aller für das Unternehmen notwendigen Faktoren enthält seine eigene 
Körperlichkeit, sein Intellekt und sein Temperament, seine Nähr-, 
Lehr- und Wehrthätigkeit. Schon darin, dass er eine zweite Person 
(Geschäftsführer) dies zu thun beauftragen würde, entwickelt er 
alle Arten von Thätigkeit in dreieiniger Weise. 
Alle anderen Produktionsfaktoren, außer den persönlichen 
Kapitalien erster Ordnung, müssen nicht sein Eigentum, aber ihm 
dienstbar und verfügbar sein, so die persönlichen Kapitalien höherer 
Ordnung, insoweit sie das Unternehmen noch erheischt, und die 
selben nicht durch die eigene Person aufgewendet werden, die darauf 
bezügliche Arbeit, und die verschiedenen außerpersönlichen Kapitalien. 
Dagegen werden gewisse Produktionsmitteln höherer Ordnung in 
seltenen Fällen sein Eigentum sein können, so die Wege höherer 
Ordnung, die Verkehrsmitteln für Sachen (Eisenbahnen), für Mit 
teilungen (Post und Telegraph), deren Benützungsquote er als soge 
nannte Regiekosten an andere Unternehmungen (auch Staatsunter- 
nehmuugen) wird bezahlen müssen. Auch jene Menschheitseinrich 
tungen, welche ihren gestaltenden Einfluss auf jede ökonomische 
Lebensäußerung ausüben, und deren Grundtypen im Nähr-, Lehr- 
und Wehrstand, im Eigentume, der Rechtsordnung, Ehe, Kunst 
und Wissenschaft erscheinen, sind niemals ganz seiner Verfügbar 
keit untergeordnet; das Maß an deren Benutzung muss er gleich 
falls bezahlen — wir nennen das Steuern. 
Wenn die Unternehmung zur Wirtschaft wird, was darin liegt, 
dass sie nicht mehr nach Kapitalbilduug, sondern nur noch nach 
Kapitalerhaltung strebt, dann wird die Wehrthätigkeit entfallen. 
Die Wirtschaft kennt keine Wehrthätigkeit. Wo dieselbe auftritt, 
da handelt es sich um keine Wirtschaft, sondern um ein Unter 
nehmen. Es ist auch ein Unternehmen, seine Wirtschaft zu ver 
teidigen, weil aus der Gefahr des Unterganges die neue Kapital 
bildung hervorwächst.' Die Wirtschaft verzehrt ihr Einkommen. 
Wenn sie aber Kapital erspart, so ist das Ersparen Kapitalbildung, 
’ also ein Unternehmen, es ist die Vereinigung der Produktions 
faktoren zum Zwecke der Kapitalbildung; denn das Sparen ist 
Nähr-, Lehr- und Wehrthätigkeit gegen die Natur, gegen die Be 
dürfnisse in Verbindung mit außerpersönlichem Kapital, und das 
Ergebnis sind Produkte, deren Werte der Konsumtion entrissen 
erscheinen, Kapital.
        <pb n="86" />
        70 
Es gibt nur wenig reine Typen der Wirtschaft, weil die 
Wirtschaft dem Untergange verfallen ist, wenn sie sich nicht 
durch wenigstens einzelne Unternehmungsfälle auf dem fortschritt 
lichen Niveau ihrer Umgebung erhält. Sie müsste im Kampfe gegen 
die Unternehmungen erliegen, wenn sie nicht selbst Unternehmungen 
schaffen würde. 
Nur die isolierte Wirtschaft, die reine Kapitalsverwaltuug 
und das Fideikommiss sind Typen der Wirtschaft. 
Und so auch ist es mit der Volkswirtschaft. Nur jene Volks 
wirtschaft ist ihr reiner Typus, deren Thätigkeit nur auf ihre 
Aufgabe beschränkt bleibt, die Nährthätigkeit. Der reine Typus 
der Volkswirtschaft ist die freie Entfaltung der wirtschaftlichen 
Prozesse, und er findet sich nur im Organismus der Unternehmer 
welt, und gelangt nur noch im Vereinswesen hie und da zum Aus 
drucke. Die Aufgaben der Volkswirtschaft und des Staates sind 
verschiedene, die Volkswirtschaft hat nur die Aufgabe der Er 
nährung des Volkes und darum die der Kapitalverteilung, der Staat 
hat die Aufgabe der Verwaltung der Wirtschaft der Gesellschaft. 
Darum liegen Volkswirtschaft und Staat im Kampfe, und da die 
Volkswirtschaft der Gipfelpunkt in der Reihe der wirtschaftlichen 
Erscheinungen: Unternehmen, Wirtschaft und Volkswirtschaft ist 
und keinen höheren Entwickelungsgrad in seinem Individualleben 
erreichen kann ; so wird es immer so bleiben : der reine Typus der 
Volkswirtschaft des Staates wird niemals zur selbständigen exakten 
Erscheinung kommen. Was gewöhnlich Volkswirtschaft genanut wird, 
ist Volksunternehmen in seiner fortschrittlichen und Wirtschaft 
mit dem Volke in seiner konservativen Bedeutung. 
Das Unternehmen ist das Jünglingsalter, die 
Wirtschaft das Mannesalter und die Volkswirtschaft 
das Greisenalter im wirtschaftlichen Leben. 
Die Thätigkeit des Unternehmens = Nähr--f Lehr- -j-Wehrthätigkeit, 
r&gt; 7) der Wirtschaft = Nähr- -j- Lehrthätigkeit, 
D r&gt; n Volkswirtschaft = Nährthätigkeit. 
Die in der Unternehmerthätigkeit eingeschlos 
sene Wehrthätigkeit ist ihr unternehmendes, kapital 
bildendes, die in der Unternehmerthätigkeit einge 
schlossene Lehrthätigkeit ihr wirtschaftliches, 
kapitalerhaltendes und ihre Nährthätigkeit ihr volks 
wirtschaftliches, kapitalverteilendes Prinzip.
        <pb n="87" />
        71 
Das Unternehmen strebt nach Befriedigung aller 
Bedürfnisse, der Bedürfnisse der Körperlichkeit, des 
Intellekts und des Temperaments, die Wirtschaft 
nur nach der Befriedi gung der Bedürfnisse der Körper 
lichkeit und des Intellekts, die Volkswirtschaft end 
lich sucht die Befriedigung der körperlichen Bedürf 
nisse allein. 
Wir wiederholen es: das Unternehmen ist die junge Wirt 
schaft, welche nach Kapitalbildung strebt. Es ist die Vereinigung 
der Produktionsmitteln zum Zwecke der Kapitalbildung. 
In den Momenten der Vereinigung der Produktionsmitteln und 
der Kapitalbildung liegen die Merkmale der Definition, weil die 
Wirtschaft mit bereits vereinigten Produktionsfaktoren arbeitet und 
nur Kapitalerhaltung anstrebt, und die Volkswirtschaft die Ver 
teilung des Kapitals zum Zwecke hat. 
Der Ertrag des Unternehmens ist doppelt : 1. jener Teil des 
selben, welcher der in ihm eingeschlossenen Wirtschaft angehört, 
und zur Deckung der Bedürfnisse, also zur Vernichtung bestimmt 
ist, und 2. jener, der zur Kapitalbildung bestimmt ist. 
Der zweite Teil ist sein eigentümlicher Ertrag, der Uuter- 
nehmergewinu, das neugebildete Kapital. 
Der Unternehmergewinn ist die Kapitalbildung 
des Unternehmens. 
Wie entsteht Kapitalbildung? 
Aus dem Produkte der Produktionsfaktoren, wenn es 1. nicht 
durch den Konsum vernichtet, und 2. wenn es einen positiven 
Wert hat. 
Wann hat es einen positiven Wert? 
Wenn seine Nützlichkeit positiv ist, wenn wenigstens eine 
wirtschaftliche Person bei noch so hohem Angebote Nachfrage 
darnach erhebt. 
Kapitalbildung ist demnach vor allem jene Gütersumme, welche, 
nachdem alle Benützungsquoten bezahlt worden sind, und zwar 
alle Arten von Arbeit und Kapitalien, ganz gleichgültig, ob die 
selben der Person des Unternehmers selbst eigentümlich angehören, 
oder anderen, übrigbleibt. Daraus ergibt sich, dass auch das im 
Unternehmen notwendig aufgewendete persönliche Kapital, welches 
in allen seinen drei Faktoren, zum mindesten erster Ordnung, stets in 
der physischen oder juristischen Person des Unternehmers vor-
        <pb n="88" />
        72 
handen sein muss, bezahlt sein müsse, ehe die als Unternehmer 
gewinn anzusehende Quote entstehen kann. 
Der Unternehmergewinn {U) oder die Kapitalbildung des Unter 
nehmens ist die Differenz zwischen den Einnahmen und den Aus 
gaben, welche die Deckung aller im Unternehmen verwendeten 
Arbeits- und Kapitalsarten an und für sich und die Deckung ihrer 
Benützungsquoten, die Versicherungsprämie gegen Elementarschäden, 
die Benützungsquoten für fremde, allgemeine Einrichtungen (Regie) 
und die für jene Gesellschaftserscheinungen, welche zumeist als 
Staatseinrichtungen Einfluss auf alle ökonomische Thätigkeit üben, 
die Steuern, umfassen. 
Da sich das Resultat der Unternehmung aus mehreren Unter 
nehmungsfällen zusammensetzen kann, so ist der einzelne 
Unternehmungsfall zu betrachten. 
Der Gewinn (G) im einzelnen Falle ist gleich der Differenz 
zwischen den Einnahmen (jK) und den Gestehungskosten, welche 
wir richtiger, weil allgemeiner, Beschaffungskosten nennen. 
Die Beschaffungskosten summieren sich; 1. aus dem aufge 
wendeten Kapitale (AT) selbst, mag nun dasselbe in Geld oder in 
anderen Werten, %. B. Rohprodukten, bestehen, 2. dem Kapi 
talzinse (%), jener Benützungsquote für das im Unternehmen 
verwendete Betriebskapital, welche auf den Unternehmungsfall, 
als Einheit gedacht, 3. der Werterneuerung {W) jener Quote, 
welche auf die Abnützung von A n lags kapital i en {AK), Grund 
und Boden, Baulichkeiten, Maschinen, Vieh etc. für den einzelnen 
Fall entfällt, also eigentlich dem Ersätze des aufgewendeten in das 
neue Produkt übergegangenen Teil des Anlagskapitals selbst, 4. der 
Kapitalmiete {M), der Benützungsquote für das Anlagskapita 1 
{AK) in gleichem Sinne wie dem Kapitalzinse, welche darum eine 
von diesem verschiedene sein kann, weil erstens Angebot und Nach 
frage sich auf einem engeren Raume bewegen (Ortswert), als das Spiel 
des großen Weltmarktes, weil aber zweitens, wie wir gesehen haben, 
stehende Kapitalien einen anderen Stoff- und Formwert haben, als be 
wegliche, 5. aus der Wer t ver siche rung ( U), jener Quote, welche 
in ihrer Summe den durch Elementarereignisse vernichteten Wert 
des Unternehmungskapitals in seiner augenblicklichen Gesamtheit 
zu ersetzen bestimmt ist, 6. den Arbeitslöhnen (yf), der Be 
nützungsquote für alle Arten von Arbeiten, welche auf den Fall 
berechnet werden müssen, 7. aus dem Lebensunterhalt (7&gt;), der 
Deckung der durch die persönlichen Kapitalien der Körperlichkeit,
        <pb n="89" />
        73 
(les Intellekts und Temperamentes entstandenen Thätigkeit und Ab 
nützung der Persönlichkeit des Unternehmers selbst, endlich 8. aus 
den Regiekosten ^R), der Benützungsquote für Einrichtungen 
allgemeiner Benützbarkeit in fremdem Besitze, und schließlich 9. den 
auf den einzelnen Unternehmungsfall zu repartierenden Steuern 
(St), der Benützungsquote der durch die Thätigkeit der Gesellschaft 
(Staat) entstandenen Einrichtungen und Produktionsfaktoren. 
Die Beschaffungskosten (B) sind demnach gleich 
AT+Z-f TU-f Ji-h St 
1. Kapital ist hier ein Gut niederer Ordnung vor der Pro 
duktion oder ein Gut derselben Ordnung vor dem Verkaufe; es 
heiße Bö (Rohprodukt). Das Rohprodukt verhält sich zu seinem 
Preise (tc) wie sein Angebot (/¡i) zu seiner Nachfrage (v) : 
Bo : 7c ^:v „ — 
2. Kapitalzins, der Zins für dieses Betriebskapital, für das 
Rohprodukt oder dessen Wert. Das Kapital verhält sich zum Ka 
pitale samt seinem Zinse, sowie sein Angebot zur Benützung zu 
seiner Nachfrage der Benützung: 
K : AT 4- Z = Z = ^ - K. 
3. W erterneueruug des Anlagskapitals. Das ursprüngliche 
Anlagekapital (A K) verhält sich zu dem abgenützten (a Ä) wie 
das Angebot des letzteren zu der Nachfrage nach demselben; in 
dem Preise des abgenützten Anlagskapitales wird sich nämlich durch 
die Wage von Angebot und Nachfrage der durch die doppelten 
Einflüsse geschaffene neue Wert stets richtig ausdrück en: 
Ak : ah = : v‘* ; 
Werterneuerung ;= Wertabnützung = Ak — ak 
W= Ak - ak = __ é!^Lll 
4. Kapitalmierte für das Anlagskapital. Das Anlagskapital 
verhält sich zu sich selbst samt seiner Miete, wie das Angebot 
seiner Benützung zur Nachfrage nach seiner Benützung: 
Ak : Ak 4- A/ = /u"' : M = Ak. 
5. Wertversicherung. U sei hier jener Teil der Versiche 
rungsprämie (tcq), welcher auf den Einzelfall zu berechnen ist, 
also TtQ’.n.
        <pb n="90" />
        74 
Die Prämie muss, wenn überhaupt Wertversicherung entstehen 
soll, sich aus der Multiplikation der versicherten Summe also des 
Anlagskapitals mit der Gefahr (Gf), in ihrem Resultat das Risiko, 
und der Division durch die mutmaßliche, statistisch wahrschein 
liche Zahl der Prämienzahlungen {x) ergeben, selbstredend mit Ein 
rechnung der Zinsen und Zinseszinsen {ZZ) der einzuzahlenden 
Prämien: 
71Q 
_L 
zz 
TCO 
: Ah = Gf : x. 
V =r 
Ak . Of 
X 
6. Arbeitslöhne. Die Arbeit verhält sich zu ihrem Preise 
{tc*), wie Angebot zu Nachfrage 
M = u'"' : Î/""; Tt^ — 
Das Angebot der Arbeit einer und derselben Art und Richtung 
darf nicht über ihre Nachfrage steigen, sonst würde sie in Sklaverei 
ausarten. Wenn fi'"' = 2 und — 1 ist, so ist ti' = und 
da nun M jenen Wert der Arbeit ausdrückt, welcher gleich ist dem 
Existenzminimum des Arbeiters, so würde der Preis der Arbeit 
unter das Existenzminimum fallen. Diese Gefahr verhütet das 
Unternehmen, indem es in das wirtschaftliche Leben mit der Nach 
frage nach Arbeit eintritt. 
7. Lebensunterhalt des Unternehmers, ist die Summe der 
Güter, welche die Bedürfnisse der eigenen Körperlichkeit, des eigenen 
Intellekts und eigenen Temperaments des Unternehmers zu decken 
bestimmt sind = w . L; im Einzelfalle L. L : jt*' = ft''"' : y'"", der 
Lebensunterhalt verhält sich zu seinem Preise (Kosten) wie Ange 
bot zu Nachfrage; 
In diesem Punkte liegt das Schwergewicht aller Faktoren, 
welches in hervorragender Weise für das Resultat des Unternehmer 
gewinnes maßgebend ist; denn nicht in gleichem Verhältnisse stehen 
die Lebensbedürfnisse zu dem Aufwande von Körperlichkeit, Intellekt 
und Temperament. Je höher der Aufwand dieser persönlichen 
Kapitalien und je höher ihre Qualität, desto höher gestaltet sich der 
Ertrag des Unternehmens, aber auch je niedriger der Anspruch 
an das Leben und seine Freuden, desto höher der Unternehmer 
gewinn.
        <pb n="91" />
        75 
8. Regie. Je größer die Zahl der Unternehmungen, desto 
kleiner werden die Benützungsquoten sein, welche der Einzelne für 
fremde Einrichtungen zu bezahlen hat, und zwar je größer die 
Zahl jener Unternehmungen, welche diese Einrichtungen brauchen, 
also nach ihrer Dienstbarkeit nachfragen, als auch je größer die 
Zahl jener Unternehmungen, welche diese Einrichtungen ins Leben 
rufen, also deren Dienstbarkeit anbieten. Die Arbeitsleistung dieser 
Einrichtungen verhält sich zu den Regiekosten, wie Angebot zu 
Nachfrage. 
9. Steuern. Je größer die Anzahl der wirtschaftlichen 
Persönlichkeiten, desto kleiner ist die Quote, welche auf den ein 
zelnen Steuerzahler entfällt. Die Leistungen des Staates (auch A) 
sollen sich zur Steuerquote (St) verhalten wie Angebot zur Nach 
frage. Das heißt je höher der Staat jene öffentlichen Einrichtungen, 
welche in seinen Wirkungskreis fallen, entwickeln, je mehr persön 
lichen Kapitals von den gesetzgebenden und Verwaltungskörperu 
aufgewendet wird, desto höher wird die Leistungsfähigkeit des 
Staates, und je größer die Nachfrage nach dieser Leistungsfähigkeit 
sein kann, desto größer kann die aufgelegte Steuersumme und desto 
kleiner das Steuerverhältnis für den Einzelnen sein. 
Die Steuer ist bei demjenigen höher, der die staatlichen Ein 
richtungen mehr braucht *). 
Jedes der 9 angeführten Momente birgt die Gefahr 
von Verlusten durch den Wert der Faktoren in sich, 
welche sich in der Höhe der einzelnen Resultate und 
schließlich in der Höhe der Beschaffungskosten aus 
drückt. In unseren praktischen Erörterungen werden wir noch 
eine neue Gefahr in der Eigenschaft der Fortdauer der meisten 
Momente über die Zeit des einzelnen Unternehmungsfalles finden. 
Ebenso groß wie die Gefahren, weichein diesen Momen 
ten schlummern, sind auch die Gewinnchancen, die in 
*) Diese Theorie stellen wir nur im Kähmen der Unternehmungen auf, 
ohne dadurch den allgemeinen Prinzipien der Steuerfreiheit des Existenzmini 
mums und der progressiven Besteuerung außerhalb der Unternehmungen ent 
gegentreten zu wollen. 
A:R = : v'"'" 
A : St — 
V
        <pb n="92" />
        76 
ihnen liegen. Ja die im Vorhinein bestimmte oder 
erreichte Höhe eines Faktors in jedem der 9 Punkte 
kann dem Unternehmer Vorteile in die Hand geben, 
welchen Schriftsteller, welche auf dem Boden empi 
rischer Forschung gestanden, «Seltenheitswerte« ge 
nannt haben. So kann es ein solcher Seltenheitswert sein, 
wenn jemand die Nachfrage nach einem bestimmten Rohprodukte 
auf einem gewissen Gebiete in seiner alleinigen Gewalt hat, wenn 
er den Ortswert eines Rohproduktes allein zu bestimmen in der 
Lage ist, so kann es, um ein weiteres Beispiel anzuführen, ein 
Seltenheitswert sein, wenn jemand die Nachfrage nach der Dienst 
leistung einer öffentlichen Einrichtung (Eisenbahn) zu beherrschen 
in der Lage ist, etc. So zwar, dass das günstige Resultat eines 
der 9 Rechnungsposten auch mehrere ungünstige Resultate anderer 
Posten aufzuheben vermag, und unter normalen Verhältnissen der 
anderen Posten den Ausschlag in Rücksicht auf die gesamten 
Beschaffungskosten geben wird. So ist es erklärlich, dass, wenn 
auch die Preise der Rohprodukte niedrige sind, und die Preise der 
Fabrikationsprodukte hohe, noch immer kein Gewinn erzielt sein 
muss, weil die Resultate aller 9 Posten erst die Beschaffungskosten 
ausmachen ; andererseits erklärlich, dass hohe Preise der Rohprodukte 
durchaus nicht einen viel höheren Preis der Fabrikationsprodukte 
erheischen, weil ja der Wert der 8 übrigen Postenresultate ver 
schwindend klein sein kann, oder aber, weil es dem Unternehmer 
möglich war, kraft seiner ausschließlichen, oder naliezu ausschließ 
lichen Herrschaft über einen dieser Posten, ein niedrigeres Gesamt 
resultat der gesamten Beschaffungskosten zu erzielen, als die 
Konkurrenz. 
Auch die Produkte aus den Unternehmungsfällen müssen sich 
dem Einflüsse des Angebotes und der Nachfrage aussetzen, damit 
sich ihre Werte bilden können. Es verhalten sich die Beschaffungs 
kosten des Produktes zur Einnahme ÇE) für dasselbe, wie Angebot {M) 
zur Nachfrage {N) 
B E = M: N, der Wert der Einnahmen ist demnach E = 
K v‘ 
M
        <pb n="93" />
        77 
Der Gewinn (6r) im Einzelnfalle ist gleich der Einnahme 
ist die Kapitalbildung des Einzelnfalles. 
Die Gesamteinnahmen der Unternehmung im ganzen oder 
Der Gesamtgewinn des Unternehmens oder der Gewinn in 
einem bestimmten Zeitabschnitte ( U) ist gleich den Gesamteinnahmen 
weniger der Summe der Beschaffungskosten (n. B), weniger den 
Verlusten, das sind die negativen Einnahmen. 
denn sonst ist ein etwa entstandener Verlust in dem 
Begriffe der Beschaffungskosten enthalten und darin 
ausgedrückt. 
1. Wenn das Produkt physisch zu Grunde geht, wenn es schon 
während der Fabrikation missglückt ist*}, oder als fertiges Er 
zeugnis, ohne einer Reproduktion zugeführt worden zu sein, ver 
nichtet würde **), wenn also im ersteren Falle das Angebot oder im 
anderen Falle die Nachfrage nach dem Produkte negativ geworden ist; 
BN BN _ BN 
M ~ M~ -M ~ M 
2. Wenn sein ganzer Wert *) verloren geht, wenn nicht das 
auf den Gegenstand bezogene Angebot oder diese Nachfrage, wohl 
aber gleich das ganze Ergebnis negativ wird, und dies geschieht 
durch den aktiven Kredit. 
Der aktive Kredit hat die Fähigkeit, den passiven Kredit 
ein und derselben Person zu vergrößern. Der passive Kredit hat 
die Fähigkeit, den aktiven Kredit derselben Person zu erzeugen. 
Der aktive Kredit einer Person ist immer der passive Kredit einer 
anderen und umgekehrt. Deshalb ist der Verlust des Kreditors 
der Gewinn des Debitors; die Reduktion des »Soll« ist das Wachsen 
des »Haben«. 
') Wenn der Stoffwert, ’) wenn der Formwert, *) wenn der Ortswert 
vernichtet wird. 
weniger den Beschaffungskosten, G = E — B = B, das 
in einem bestimmten Zeitabschnitt sind n .E — n 
Verluste in diesem Sinne entstehen, wenn negativ wird ; 
BN . , 
wird negativ:
        <pb n="94" />
        78 
Verlust : Gewinn = Aktiver Kredit : Passivem Kredit. 
Je höher der aktive Kredit’), desto höher die Verluste, je 
höher der passive Kredit, desto höher der Gewinn. Diese exakte 
Wahrheit kommt durch die Menschheitserscheinung der Rechts 
ordnung verhindert, nicht mehr ganz zum Ausdrucke; es steigen 
wohl die Verluste, wenn der aktive Kredit steigt, aber der Nach 
satz ist unter der Einwirkung der Rechtsordnung unmöglich. 
Bezeichnen wir die Zahl der Verluste mit &lt; so ist ihre 
Wertsumme = x* ^— 
' M ' 
Und nun wird auch das Endresultat V zu Kapital, indem 
Angebot und Nachfrage darauf einwirken und ihm seinen Wert 
verleihen; es verhält sich 
U:K' — Ar : N' 
und dieses Kapitalist der Unternehmergewinn, das 
durch das Unternehmen neu gebildete Kapital. — 
In den Lebensfunktionen des Unternehmens liegt 
die Thätigkeit der Wirtschaft eingeschlossen. Ehe die 
Kapital bildung aus dem Unternehmen hervorgeht, 
muss die Kapitalerhaltung vor sich gegangen sein. 
Ja, die Kapitalerhaltung im Unternehmen muss vor sich 
gehen selbst auf Kosten der Kapitalbildung. 
Auch die Deckung der Bedürfnisse der wirtschaftlichen Person 
geschieht auf Kosten der Kapitalbildung 5 denn der Anfangspunkt 
und das Endziel jeder Wirtschaft, auch der im Unternehmen ein 
geschlossenen, sind streng determiniert: der Anfangspunkt ist die 
augenblickliche Verfügbarkeit von zur Deckung der körperlichen 
und geistigen Bedürfnisse geeigneten Mitteln, das Endziel ist diese 
möglichst vollkommene Deckung selbst — immer und überall. 
Innerhalb dieser Grenzen bewegt sich die Thätigkeit jeder Wirt 
schaft, und der wirtschaftliche Weg von jenem Ausgangs 
punkte zu diesem Ziele kann nur einer sein, und das ist der 
jenige, welcher die Kapitalerhaltung ermöglicht — jeder andere 
’) Die Gefahr des passiven Kredits hat seine Ursache lediglich in dem 
aktiven Kredit. Siehe Kap. IV. dieser Schrift.
        <pb n="95" />
        79 
Weg ist unwirtschaftlich^). Im Unternehmen ist diese Thätigkeit 
(1er Wirtschaft gefährlich, weil, trotz der Bestimmtheit des Aus 
gangspunktes und des Endziels, der Ausgangspunkt, welcher in 
diesem Sinne gewiss überall existiert, unbekannt ist. Das zur 
Deckung der Lebensbedürfnisse bestimmte Maß an Gütern ist in 
der reinen Wirtschaft bekannt, in der im Unternehmen einge 
schlossenen unbekannt, und zwar deshalb, weil der Ertrag der reinen 
Wirtschaft bekannt ist, der Ertrag des Unternehmens unbekannt. 
In den Lebensfunktionen des Unternehmens liegt 
auch die Thätigkeit der Volkswirtschaft, c^ie Vertei 
lung der außerpersönlichen Kapitalien, eingeschlossen. 
Die Kapitalverteilung stammt nicht vom Unter 
nehmergewinn, sondern aus der Thätigkeit des Unter 
nehmens; denn der Unternehmergewinn, die Kapital 
bildung, ist die Zentralisation des Kapitals. Die 
Thätigkeit des Unternehmens ist die Dezentralisation 
des Kapitals zum Zwecke der späteren Zentralisation. 
Indem der Unternehmer die Produktionsfaktoren vereinigt, 
bezahlt er die Werte der vereinigten Faktoren, er bezahlt mit 
Kapital alle jene Arbeite- und Kapitalsarten, welcher er zur Pro 
duktion bedarf, und dieses Kapital verteilt sich an alle jene, welche 
ihm die Arbeite- und Kapitalsarten liefern, und von diesen rollt 
es weiter, überall wird es benützt zur Deckung des Lebens 
bedarfes, nährt und ernährt so eine Reihe von Kreisen, um 
endlich zum Unternehmer zurückzukehren, von ihm als zentrali 
siertes, neues Kapital verwendet zu werden, und abermals seinen 
ernährenden Rundkreis anzutreten. Das ist die Nährthätigkeit des 
Unternehmens, seine volkswirtschaftliche Thätigkeit. 
Dreieinig verbunden in einer Thätigkeit, sind diese Rich 
tungen der Wirksamkeit des Unternehmens, und diese Thätigkeit 
bildet Kapital, erhält Kapital und verteilt Kapital. Die Kapital 
verteilung ist die notwendige Folge jedes Unternehmens, die Kapital 
erhaltung die nächstfblgende und ein seltener Erfolg die Kapital 
bildung, der Unternehmergewinn. — 
') Vergleiche: Mengen, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, S. 36 u. ff.
        <pb n="96" />
        IV. 
Wirtschaftspolitisches. 
Pen Trieb zur Wirtschaftlichkeit und insbesondere zur Unter- 
uehmerthätigkeit im Eigennutze’) zu suchen, war Ahnung der Wahr 
heit; denn die bewegende Kraft, welche zu den Erscheinungen der 
Wirtschaft und des Unternehmens führt, muss ja im Menschen 
liegen; aber einer einzigen menschlichen und gewiss nicht elemen 
taren Eigenschaft, diesen großen Einfluss auf das wirtschaftliche 
Leben einzuräumen, war ein um so größerer Irrtum, als ja der 
Eigennutz ein keineswegs allen wirtschaftlichen Personen gemein 
schaftliches Attribut ist, und mannigfache Unternehmungen zu allen 
Zeiten entstanden sind, an welchen der Eigennutz auch nicht den 
geringsten Teil hat. 
Der Trieb zum Unternehmen liegt unbestritten in der Natur 
des Menschen, jedoch nicht in einer halb angeborenen und halb an 
erzogenen Eigenschaft, sondern wie wir gesehen haben, im harmo 
nischen Einklang aller seiner Kräfte und der aus dem Bewusstsein 
ihres Besitzes hervorgegangenen höheren Potenz des Temperamentes. 
Und nehmen wir auch nur eines der Natur-Elemente im Menschen 
weg, so ist jedes Unternehmen unmöglich. Gerade durch die Ver 
einigung jener Trinitas der persönlichen Menschenkapitalien und durch 
die gegenseitigen Einwirkungen ihrer Arten auf einander ist der 
Mut zum ersten Unternehmen im Menschen, und der Urtypus des 
Unternehmens entstanden, und seine Entwickelung zu den mannig 
faltigen Gestalten und Formen ist mit der Entwickelung der per 
sönlichen Menschenkapitalien Hand in Hand gegangen. Der Gipfel 
punkt in der Entfaltung der menschlichen Kräfte wird 
*) Vergleiche: Knies, Polit. Ökonomie (1883). S. 236 u. if. und Menger, 
Untersuchungen. S. 71 u. ff.
        <pb n="97" />
        81 
»■V l 
auch den Gipfelpunkt des wirtschaftlichen Fortschrittes 
der Menschheit bezeichnen! 
Wie aber der Dampf wohl im stände ist, eine Maschine zu 
bewegen, aber ganz und gar nutzlos erscheint, wenn nicht die Ma 
schine da ist, so ist auch der Unternehmergeist, die organische 
Trinitas menschlicher Kräfte, nutzlos, wenn er nicht Arbeit und 
Kapital in den Kreis seines Einflusses zu ziehen vermag. 
Was also zuerst vom praktischen Standpunkte für den Unter 
nehmer in betracht kommt, das ist die Erkenntnis seiner eigenen 
Fähigkeiten und die zielbewusste Ausbildung derselben, nicht allein 
in einem Umfange, welcher den Anforderungen des geplanten Unter 
nehmens Rechnung zu tragen scheint, sondern auch in einer ein 
heitlichen, gegenseitig sich ersetzenden und durchdringenden Ge 
samtentwickelung ; denn sowohl ein kranker Körper, als auch geringe 
für die heutige Stufe des ökonomischen Lebens nicht genügende 
Kenntnisse, und vor allem ein schwacher, nicht von Sittlichkeit 
getragener Wille, werden eine gedeihliche Unternehmerthätigkeit 
nicht entstehen lassen. In der harmonischen und auf eine geeignete 
Entwickelungsstufe gelangten Ausbildung aller Natur-Elemente im 
Menschen entsteht zugleich die Fähigkeit, die persönlichen Kapitalien, 
das Arbeitsvermögen, anderer Menschen zu erkennen und richtig zu 
beurteilen, also die Grundbedingung, sich geeignete Arbeitskräfte 
dienstbar zu machen. Es liegt auch die Fähigkeit darin, sich die 
wirtschaftliche Lage zur Erkenntnis zu bringen, das Bedürfnis nach 
einer Unternehmungsart zu erkennen und Kredit zu erwerben, also 
Kapital an sich zu ziehen. 
Es ist zu bedauern, dass uns eine, zuverlässliche Statistik der 
Unternehmungen in Bezug auf ihre Arten, auf ihren Umfang betreffs 
Arbeits- und Kapitalsverweudung, auf die Dauer ihres Bestandes, 
auf ihre Erfolge und endlich auf die Eigenschaften der unterneh 
menden Persönlichkeiten mangelt; denn es würde uns dadurch nicht 
allein der Umstand klar werden, dass diese letzteren den mächtigsten 
Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens ausüben, sondern auch 
unserer Erkenntnis die Gelegenheit geboten werden, sich ein Bild 
darüber zu schaffen, wie sich einerseits die mannigfaltigen Gefahren, 
welche sich der Unternehmerthätigkeit entgegenstellen, zu größerer 
oder geringerer Intensivität konzentrieren, und andererseits, in welchen 
Momenten zumeist die großen Vorteile der prosperierenden Unter 
nehmungen liegen. Bisher lag eine in dieser Richtung entfaltete 
aber keineswegs qualitativ genügende und alle Momente durch- 
Schroeder, Das Unternehmen u. der Unternehmergewinn. 6
        <pb n="98" />
        82 
dringende statistische Thätigkeit in den Händen des Vereinswesens, 
besonders der zum Zwecke der Kreditregelung entstandenen Kredit- 
Vereine. Wenn wir auch nicht dafür plaidieren können, dass die 
Staatsverwaltung an die Erfüllung einer solchen Unternehmungs 
statistik ohne Hilfe des Vereinswesens und der Selbstverwaltungs 
körper schreitet, so glauben wir doch vorschlagen zu dürfen, dass 
die Staatsverwaltung zur Anlegung einer alle wichtigen Momente 
umfassenden geschäftlichen Statistik einen geordneten Organismus 
ins Leben rufen, und Vereinswesen und Selbstverwaltungskörper 
mit der sammelnden Thätigkeit betrauen, während eine staatliche 
Zentralbehörde die Arbeiten der Resultate besorgen sollte. 
Ist ja doch bisher, um nur ein staatliches Moment zu würdigen, 
noch keinerlei Beweis dafür erbracht worden, dass die technische 
und pädagogische Anlage der zahlreichen Handels- und Gewer|)e- 
schulen jenen Hoffnungen entspricht, welche man in Bezug auf ihre 
wohlthätige Wirkung auf das geschäftliche und gewerbliche Leben 
in sie gesetzt hat. 
Die empfohlene Statistik würde nicht nur Veranlassung zu 
mancherlei Verbesserungen in Bezug auf das gewerbliche Schul 
wesen geben, sondern ihren regenerierenden Einfluss auf manche 
bereits bestehende und einen gestaltenden Einfluss auf neue Unter 
nehmungen ausüben. 
Urn in der ersten Richtung ein Wort zu sprechen, so sei be 
merkt, dass der Mangel der Aufnahme der Nationalökonomie und 
der Finanzwissenschaften in den Lehrplan für Gewerbeschulen, und 
der Vortrag unserer Wissenschaft durch nicht immer geeignete Ver 
treter derselben an den Handelsschulen, Übelstände sind, welche 
durch eine rationelle geschäftliche Statistik zur Erkenntnis gelangen 
dürften, um behoben werden zu können, und dann, wenn sie in das 
Gegenteil umgewandelt worden sind, ihre gedeihliche Wirkung nicht 
nur auf das geschäftliche Leben allein, sondern auch auf die sozialen 
Bestrebungen des Arbeiterstandes, dessen unheilvolle Verblendung 
in der Unkenntnis der nationalökouomischen Wahrheiten wurzelt, 
auszuüben. Denn gerade unsere Wissenschaft vom Volksleben trägt 
ja den Beruf in sich, nicht das ausschließliche Eigentum der gelehrten 
Welt zu bleiben, sondern in das Volk getragen zu werden, damit 
es sein eigenes Leben, den wirtschaftlichen Organismus desselben 
und seine Gesetze kennen lerne. Wenn die Naturwissenschaften in 
die Werkstätten und Fabrikssäle, in die Laboratorien und Berg 
werke, in Land- und Forstwirtschaft gedrungen sind, warum soll
        <pb n="99" />
        2* 
83 
es nicht auch die politische Ökonomie? Freilich sind die Gefahren 
einer Popularisierung unserer Wissenschaft viel größer als die an 
derer Wissensgebiete; denn das Missverständnis eines naturwissen 
schaftlichen Lehrsatzes kann wohl nur in seltenen Fällen und her 
vorgegangen aus einer unheilvollen Kombination verschiedener be 
gleitender Umstände verderblich werden, nationalökonomische Irr 
lehren in den Händen des Volkes aber sind von weittragender, 
unberechenbarer Gefahr. Und darum sollte die staatliche Verwaltung 
eine ganz besondere Sorgfalt auf die Auswahl der Lehrkräfte für 
Nationalökonomie in gewerblichen und Handelsschulen legen, damit 
dieser bedeutungsvolle Zweig des Wissens nicht »unheiligen Händen«, 
wie sich Kautz *) ausdrückt, überlassen wird. 
Der Gedanke einer erschöpfenden geschäftlichen Statistik hat 
uns zu dieser Abschweifung verleitet; wir glauben, dass in der 
Realisierung dieses Gedankens und besonders in der allgemeinen 
Zugänglichkeit eines solchen statistischen Materials, wie wir schon 
früher bemerkt haben, für das geschäftliche Leben in direkter 
Weise sowohl, als auch durch neue empirische Erkenntnisse durch 
die Wissenschaft vielfache Vorteile erwachsen würden. 
Wir wenden uns den einzelnen Seiten des geschäftlichen Lebens 
zu, welche vom praktischen Standpunkte im Unternehmen die sorg 
fältigste Berücksichtigung herausfordern. 
Die größte Bedeutung im Individual-Leben eines Unterneh 
mens hat nach der Person des Unternehmers selbst, welcher wir 
ja oben unsere Aufmerksamkeit geschenkt haben, die Beschaffung 
jener Güter, deren Reproduktion sich das Unternehmen zur Auf 
gabe gestellt hat. Es ist selbstverständlich, dass wir hier nicht 
auf alle Momente eingehen können, welche den Wert derselben 
bestimmen. »Keine Abhandlung der Nationalökonomie«, schreibt 
Say*'), »wie bändereich sie auch sei, vermag alle einzelnen Fälle, 
die auf den Wert der Dinge einwirken können, vorauszusehen; wohl 
aber kann sie die allgemeinen und stetig fortwirkenden Ursachen 
nachweisen. Jeder kann alsdann je nach den vorkommenden Fällen 
die Modifikation abwägen; welche aus den Umständen entstanden 
sind, oder entstehen müssen.« Auch wir haben in dem vorigen 
Teile dieser Schrift auf solche Umstände hiugewiesen. 
*) Theorie und Geschichte der Nationalökonomik Bd. II (Wien 1860). S. X. 
*) Ausf. Darstellung der Nationalökonomie. Aus dem Franzos, von Mör 
stadt (Stuttgart 1833). Bd. II. S. 184.
        <pb n="100" />
        84 
Der Unternehmer wird sein Augenmerk stets in erster Linie 
darauf richten müssen, dass sich die Beschaffungskosten jener Kapi 
talien, an welchen das Unternehmen seine reproduzierende Thätig- 
keit ansüben soll, möglichst gering stellen. Das ist keineswegs 
einfach. Denn nicht der Preis jener Kapitalien allein macht schon 
die Beschaffungskosten aus, und der Unternehmer muss darum seine 
praktische Beachtung auch auf den Kapitalzins, auf die Werterneue 
rung des Anlagekapitals, auf die Kapitalmiete desselben, auf die Kosten 
der Versicherung gegen Elementarschäden, auf die Höhe der Arbeits 
löhne, auf die zur Deckung seiner eigenen Bedürfnisse notwendige 
Gütermenge, auf die Höhe der Regiekosten und endlich auf die 
Höhe der Steuern lenken. Jedes einzelne dieser Momente 
birgt aber die Gefahr in sich, dass seine Höhe allein 
oder in Verbindung mit anderen dieser Rechnungs 
posten die Beschaffungskosten so hoch gestaltet, dass 
sie den Wert des reproduzierten Kapitals übersteigen. 
In unseren exakten Untersuchungen haben wir diese Momente 
einzeln dargestellt und auf ihre Grundlagen zurückgeführt. Ein 
billiger Einkauf der Rohprodukte, billiges Geld, die günstige Er 
werbung von Anlagskapital, billige Miete, feuerfeste Baulichkeiten, 
welche überdies in erfahrungsgemäß anderen elementaren Schäden 
nicht ausgesetzten Gegenden liegen, z. B. nicht in Inundationsgebieten, 
dagegen in Landschaften, wo die Lebensmittel billig sind ; die Er 
richtung von Arbeiterwohnungeu, um mit niederem Lohn das 
Existenzminimum, ein menschwürdiges Dasein der Arbeiter, möglich 
zu machen (Nährthätigkeit), die Nähe von Eisenbahn-, Post- und 
Telegraphenstationen und niedrige Steuern: sind ebenso geeignet, zu 
besonderen Vorteilen einer Unternehmung zu werden, wie ein großes 
Absatzgebiet, wie ein natürliches oder künstliches Monopol, wie das 
Eigentum einer geheimen oder patentierten Verfahruugsweise. Es 
wird sich aus einer Reihe der oben angeführten Punkte für den 
Unternehmer besonders die Frage ergeben, ob es für ihn und seine 
Unternehmung zweckmäßiger sei, den Sitz derselben auf das Land, 
welches billigere Baulichkeiten, billigere Miete, billigere Wertver 
sicherung, niedrigere Arbeitslöhne und kleinere Steuern ermöglicht, 
oder in die große Stadt, wo diese Vorteile wegfallen, dagegen an 
dere, z. B. der leichtere Absatz und größere Umsatz entstehen, zu 
verlegen, und die Erwägungen, die hier einen Entschluss zeitigen 
können, werden Angelegenheit des organisatorischen Talentes, der 
persönlichen Kapitalien, des Unternehmers sein.
        <pb n="101" />
        85 
Es ist eben Sache der geschäftlichen Praxis, sich in alle 
Punkte nach der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage zu ver 
tiefen, sie zu durchdringen und für sich zu benützen; die Wissen 
schaft hat nur die Aufgabe, auf diese Punkte hinzu weisen und die 
Gesetze zu finden, welche auf sie einwirken. 
Es ist das geschäftliche Leben, wenn man auch die Ver 
kettung seiner Verhältnisse noch heute «Konjunktur« nennt, keines 
wegs die durchaus unverständliche, von Schicksalsmächten dirigierte 
conjunctio rerum omnium, die orphische Kette der alten Orphiker, 
die ivâeaig rãv òvtav, der ôee^òg ãççrjxrog') das unzerreißbare 
Band des Schicksals; sein Zusammenhang ist vielmehr ganz gut, 
wiewohl nicht von jedem entwirrbar, wenn auch nicht immer und 
überall die Macht vorhanden ist, den Gang der Dinge in einen 
anderen Weg zu leiten. Und es wird stets dem Unternehmer so 
viel Spielraum bleiben, um nach der Erkenntnis der Konjunkturen 
den Stoffwert, wenn er Fabrikant, und den Formwert, wenn er 
Kaufmann ist, in seine Kalkulationen ziehen zu können, und so 
sich entweder zu einer Forcierung von Einkäufen zu entschließen 
oder aber lieber einen Stillstand darin ein treten zu lassen. 
Hinwiederum wird er bei dem Verkaufe den Orts-, beziehungs 
weise Zeitwert seiner intensivsten Beachtung unterziehen und in 
Vergleichung mit allen Momenten der Beschaffung bringen müssen. 
Wenn es sein Streben sein muss, dass sich die Beschaffungskosten 
möglichst niedrig stellen, so muss es auch darauf gerichtet sein, 
dass die Verkaufskosten eine möglichst große Höhe erreichen. Er wird 
also vor allem darauf bedacht sein müssen, dort die Nachfrage 
und hier das Angebot nicht plötzlich und in größerem 
Maße ohne gewichtigen Grund selbst zu erhöhen. 
Da nun die Differenzen zwischen Beschaffungs- und Verkaufs 
kosten den Gewinn in den einzelnen Unternehmungsfällen darstellen, 
und insbesondere deshalb, weil jene Aufwandsummen, welche wir 
oben und, wie es uns scheint, mit viel Berechtigung zu den Be 
schaffungskosten gerechnet haben, • in der Praxis von dem ganzen 
Unternehmen nicht getrennt werden können, sondern ununter 
brochen fortlaufen, auch wenn keine Geschäftsvorfälle entstehen: 
so wird es eine fundamentale Aufgabe des Unternehmers sein, die 
Zahl der Geschäftsvorfälle oder — in ihre Teile zerlegt — die Höhe 
der Produktion und die Höhe des Absatzes möglichst groß zu 
') Heraklit. Th. I. S. 374-379.
        <pb n="102" />
        86 
gestalten, damit zuerst die Summe des Profits alle laufenden Auf 
wandskosten zu decken im stände sei, und einen möglichst großen 
Kein- und Gesamtgewinn ergebe. Auch die hierin liegende Gefahr, 
dass nämlich die Höhe des Absatzes nicht die Höhe der Fabrikation 
erreiche, ist sehr groß und fordert die ganze kaufmännische Tüch 
tigkeit des Unternehmers heraus. Selbstredend besteht diese Gefahr 
ebensogut für den Kaufmann, wie für den Gewerbetreibenden; und 
sind die Fälle im praktischen Geschäftsleben, in welchen ein großer, 
über das Verhältnis zum Absätze gemachter Einkauf, die alleinige 
Ursache des Konkurses wurde, nicht selten, wenngleich diese Ur 
sache nicht immer erkannt wird. Der möglichst hohe Absatz macht 
diese Gefahr geringer in demselben Maße, in welchem er steigt. 
Was alles der Erreichung dieses Zieles günstig und ungünstig ist, 
wechselt nach Zeit und Ort und nach der Art der Unternehmung 
so sehr, dass solche Einwirkungen allgemein nicht anzugeben 
sind, aber gewiss ist, dass sie sich in gegebenen Fällen finden 
und berücksichtigen lassen, und auch hier die Tüchtigkeit des 
Geschäftsmannes oder, in unserer Ausdrucksweise, die Quantität 
und Qualität seiner persönlichen Kapitalien die größte Bolle spielen. 
Wenn man eine praktische, allerdings ganz selbstverständliche 
Seite des gewerblichen und geschäftlichen Lebens, das Gelingen 
der Produktion einerseits und die Bewahrung der Produkte vor 
dem physischen Verderben andererseits ins Auge fasst, so muss 
man, so groß auch die Bedeutung dessen in wirtschaftspolitischer 
Hinsicht ist, ja eigentlich im Gebäude des Unternehmens so recht 
den Unterbau ausmacht: doch abermals sagen, dass auch diese 
Seite, die rein technische Momente umfasst, ganz in den Wir 
kungskreis der persönlichen Kapitalien des Unternehmers gehört, 
und in einer eigenen Wissenschaft der Gewerbekunde behandelt 
werden sollte. Wir wollen nur einen Grundsatz citiereu, der alles 
zusammenfasst, was hier etwa gesagt werden könnte: «Nichts 
Nutzfähiges ungenützt zu lassen, und den größten Nutzeffekt mit 
den geringsten Mitteln zu erzielen« '). 
Eine andere und offenbar die größte Gefahr für ein Unter 
nehmen liegt im Kredit. 
Die Erscheinung des Kredits ist historisch erst nach dem 
Bestände der Geldwirtschaft geworden, und in empirischer Weise 
der Kegelmäßigkeit ihres Vorkommens nach von der Ge Id Wirtschaft 
’) Knies, Tübinger Zeitschrift für Staatswissenschaft 1855. S. 469.
        <pb n="103" />
        % 
87 
nicht zu trennen. Der exakten Forschung jedoch erscheint der 
Kredit als ein ganz allgemeiner Begriff, dessen Ausdruck überall 
und zu allen Zeiten möglich ist, da das Darlehen in Naturalien, 
wenn es als Rechtsforderung einer dritten Person übergeben wird, 
ganz denselben Inhalt, wenngleich nicht denselben Umfang und 
die volkswirtschaftliche Bedeutung, und sohin den geschäftlichen 
Einfluss des Geldkredits, richtiger des Preiskredits, besitzt. 
Dieser ist es, der uns hier beschäftigt. 
Dass der Kredit zweierlei Natur ist, weiß jeder, der wissen 
schaftlich oder praktisch sich mit wirtschaftlichen Dingen befasst. 
Es gibt einen aktiven und einen passiven Kredit, und dieser Dua 
lismus findet in der Geschäftswelt seinen bezeichnenden Ausdruck 
in »Soll« und «Haben«. Die Wechselwirkung und die Umge 
staltung dieser beiden Arten des Kredits sind im kaufmännischen 
Leben der Neuzeit die Basis des Verkehrs geworden. Jeder aktive 
Kredit hat die Eigenschaft, im Momente seines Entstehens der 
passive Kredit einer anderen Person zu werden; jedes «Soll« 
wird zum «Haben« des Kreditnehmers, jedes «Haben« zum «Soll« 
des Kreditgebers. 
Es ist nicht zu beweifeln, dass der aktive Kredit die große 
Fähigkeit hat, den Absatz zu befördern, und die wissenschaftliche 
Begründung dessen ist, dass der passive Kredit das Streben hat, 
sich möglichst intensiv auszudehnen, weil ja in ihm die Heran 
ziehung des Kapitals für das Unternehmen liegt. Aber die Vorsicht 
des praktischen Geschäftsmannes muss der Expausivkraft des passiven 
Kredits Anderer trotz dessen, dass dadurch der Absatz gar sehr ge 
hoben werden kann, eine die ganzen Verhältnisse des Geschäftslebens 
erforschende Schranke durch die entsprechende Einengung des- 
aktiven Kredits entgegensetzen; denn aus dem aktiven Kredite 
entstehen die gefährlichsten, das sind jene Verluste, in welchen 
schon die reproduzierten, neugebildeten Kapitalien aus den einzelnen 
Unternehmungsfällen, welche bereits alle Gefahren ihrer Zusammen 
setzung und Bildung' glücklich überstanden haben, enthalten sind. 
Es bleibt von Fall zu Fall der praktischen Einsicht des Kauf 
mannes ein wichtiges Feld der Bethätigung seiner Tüchtigkeit, zu 
ermessen, wann, selbst auf die Gefahr einer Verminderung des 
Absatzes hin, der aktive Kredit einzuschränken sein wird, um 
dadurch der Gefahr empfindlicherer Verluste, oder aber der Gefahr, 
dass, wenn auch sichere, so doch in ihrer Summe zu große Außen 
stände seine Unternehmungskraft lahm legen könnten, vorzubeugen.
        <pb n="104" />
        88 
Im ganzen und großen wird sich aber wohl der Grundsatz 
aufstellen lassen, dass der aktive Kredit so weit eingeschränkt 
werden soll, als durch das Gegenteil ein Mehr irn Absätze ent 
stehen würde, welches die Kapitalmitteln'der Unternehmung über 
das Maß der Vorsicht in Anspruch nehmen würde; das heißt, als 
ein passiver Kredit entstehen müsste, dessen Deckung voraussicht 
lich durch das Übermaß des aktiven Kredits unmöglich werden 
dürfte. So weit also, als unter Berücksichtigung aller Umstände 
und Verhältnisse, deren Einfluss auf das geschäftliche Leben wir 
darzulegen versucht haben, es thunlich ist, wird der Unternehmer 
bestrebt sein müssen, möglichst wenig Kredit zu geben. 
Unter Festhaltung dieser Grundsätze wird sich dagegen eine 
möglichst große Ausnützung des passiven Kredits empfehlen. Hier 
gilt im allgemeinen das, was wir oben vom Einkäufe gesagt haben, 
und der kalkulierende kaufmännische Geist wird hier das nichtige 
in gegebenen Fällen nach der Art des Unternehmens, nach dem 
Umfange desselben, nach Zeit- und Ortsverhältnissen, nach der 
eigenen Kapitalskraft und der Eingangswahrscheinlichkeit der durch 
den aktiven Kredit entstandenen Außenstände suchen müssen. 
Das Verhältnis des aktiven zum passiven Kredit wird in der 
dargestellten Weise zum wichtigsten Momente nicht allein in dem 
Leben einer Unternehmung. Es ist der Regulator der größeren oder 
geringeren Zahlungsfähigkeit des Unternehmers, ja oft der Grund 
der absoluten Zahlungsunfähigkeit und des Ruins desselben, wenn 
die Zahlungsverbindlichkeitem aus dem passiven Kredit größer sind, 
als die Summe der gesunden, eingangsfähigen, aktiven Kreditposten 
plus dem verwendungsfähigen Kapitalbesitze, wenngleieh der Wert 
des gesamten * aktiven Vermögens nicht nur die Höhe der augen 
blicklichen Zahlungsverbindlichkeiten, sondern auch alle passiven 
Kreditposten übersteigt. So wird nun aber das Verhältnis des 
aktiven zum passiven Kredite die Ursache sogenannter Handels 
krisen in dem ökouömischen Leben ganzer Völker, ganzer Erdteile. 
Wenn der passive Kredit in einem Maße in Anspruch ge 
nommen wird, welches durch seine tausend Wechselbeziehungen 
nach seinen wirklichen Grundlagen schwer berechnet werden kann, 
und vornehmlich aus dieser Ursache, wiewohl andere Motive, welche 
sich jedoch nur auf die in unseren exakten Untersuchungen dar 
gestellten Momente beziehen können, nicht ausgeschlossen sind, zu 
einer Höhe anwächst, welche entweder in dem Leben eines Volkes 
oder in dem Leben einer Handels- oder Fabrikationsgruppe das
        <pb n="105" />
        89 
verweDíluDgsfahige Vermögen, in welchem der aktive Kredit immer 
eingeschlossen ist, übersteigt, wobei der Grund der eingerechneten 
Verwendungsfähigkeit des Aktivvermögens in seiner mannigfaltigen 
Entstehung welcher immer sein mag: dann entsteht die Zahlungs 
unfähigkeit des Volkes, des Staates, einer bestimmten Handels 
oder Fabrikationsgruppe. 
Und auch hier sei darauf hingewiesen und abermals betont, 
dass solche Erscheinungen keineswegs Ergebnisse des blinden Zu 
falles sind, sondern dass deren Konjunktur in allen Zeiten teils 
von Männern der Wissenschaft, teils von glücklich angelegten 
praktischen Geschäftsleuten durchdrungen und erkannt worden ist. 
Freilich liegt es im Interesse gewisser Tendenzen, den organischen 
Zusammenhang aller Erscheinungen im ökonomischen Leben zu 
leugnen, an dessen Stelle den blinden Zufall zu setzen, und 
so lieber auf die fatalistischen Anschauungen einer hilflosen und 
niederdrückenden antiken Religiosität zurückzugreifen, als sich ehr 
lich zu bemühen, die natürliche und durch Studium erhöhte Kraft 
des Menschengeistes an die Untersuchung der wirtschaftlichen 
Organismen zu setzen. 
Die einstimmige Verurteilung jener Vertreter der deutschen 
Nationallitteratur, welche dem blinden Zufalle eine so große Rolle 
im Leben des Menschen eingeräumt haben, ist bekannt; die deutsche 
Litteraturgeschichte hat ihnen ein eigenes Kapitel gewidmet, und 
sie nSchicksalstragödiker« genannt. Solch ein Schicksalstragödiker der 
tendenziösen Nationalökonomie ist Ferdinand Lassalle. Er schreibt ') 
gegen den verdienstvollen Schulze-Delitzsch: «Der Eine wird hoch 
aufgeschnellt in diesem Spiele, das unbekannte und umsomehr un 
beherrschte Mächte mit ihm treiben, hoch hinauf in'den Schoß des 
Reichtums; hundert andere werden tief hinabgestürzt in den Ab 
grund der Armut, und das Rad der gesellschaftlichen Zusamenhänge 
geht umprägend und zerquetschend über sie und ihre Handlungen, 
über ihren Fleiß und ihre Arbeit hinweg. Der Zufall spielt Ball 
und die Menschen sind es, die in diesem Spiel als Bälle dienen. 
Nun werden Sie vielleicht bei ernstlicher Bemühung begreifen, dass 
wo der Zufall herrscht, die Freiheit des Individuums aufgehoben ist. 
Sie werden begreifen, dass der Zufall nichts anderes ist, als die 
Aufhebung aller Selbstverantwortung und Zurechnungsfähigkeit und 
*) Herr ßastiat Schulze von Delitzsch, der ökonomische Julian, oder 
Kapital und Arbeit (Berlin 1864). S. 26.
        <pb n="106" />
        90 
somit aller Freiheit.« Was dieser selbstbewussteste aller Sozialisten, 
welcher in maßloser ekelhafter Eitelkeit und Selbstverehrung dem 
ebenso redlichen als anspruchslosen Schulze-Delitzsch in seinem 
Nachworte: »Eine melancholische Meditation« zuruft: »Herr Schulze 
ich habe Sie tot gemacht und begraben«, damit als aufgehoben aus 
gesprochen hat, das ist neben der ökonomischen Selbstverantwort 
lichkeit des Armen auch die juridische Selbstverantwortlichkeit des ; 
Verbrechers. So wenig aber der gesunde Menschenverstand zugeben 
kann, und um der Wohlfahrt des gesamten Menschengeschlechtes 
willen, dessen Teil ja der Arme und der Verbrecher auch ist, zu- . 
geben darf, dass die eine aufgehoben sei, ebenso wenig, dass es die 
andere wäre. 
Obgleich die Gesellschaft, welche in dem Begriffe des Staates 
zur selbstthätigen und selbstbewussten Persönlichkeit erhoben * . 
erscheint, die Aufgabe hat, die Bedingungen der Armut sowohl als 
auch des Verbrechens, soweit sich dieselben außerhalb der Person 
des Armen und des Verbrechers befinden und dem Einflüsse des 
Staates zugänglich sind, durch geeignete Mitteln aber unter Auf- 
rechterhaltung des unverletzlichen Rechtes der Willensfreiheit aller j 
Bürger auch des Armen und des Verbrechers hinwegzuräumen: so 
kann doch vernünftiger Weise niemals die Rede davon sein, dass i 
irgend ein Mensch der Selbstverantwortlichkeit, sei es der ökono- : 
mischen oder der juridischen enthoben werde, weil sie eben 
ihren Grund in der ökonomischen undjuridisch en Frei 
heit hat, und jene erst dann als aufgehoben gedacht 
werden könnte, wenn diese den Menschen wirklich 
entzogen wäre. 
In der ökonomischen Selbstverantwortlichkeit liegt die Freiheit 
der Bethätigung der im Menschen eingeschlossenen persönlichen 
Kapitalien ; und was der Hintergrund aller sozialistischen und kom 
munistischen Bestrebungen ist, das ist die Ausgleichung der Ver 
schiedenheiten in Quantität und Qualität dieser persönlichen Kapi 
talien bei allen Personen, also geradezu eine Unzucht wider die 
Natur, eine Absicht, welche ein Verbrechen gegen die natürlichen | 
Gesetze darstellt. 
In den beiden Kardinalpunkten der Aufhebung des Eigentums 
und des Erbrechtes liegt das Schwergewicht des sozialistischen Pro 
gramms. 
Abgesehen davon, dass die Aufhebung des Eigentums schon 
deshalb unmöglich ist, weil ja das Streben des Menschen jedes
        <pb n="107" />
        91 
Sporns dazu entbehren würde, sein persönliches Kapital über das 
Maß seiner Bedürfnisse anzuwenden, also Unternehmer zu werden, 
weil die Möglichkeit des Unternehmergewinnes gänzlich ausgeschlossen 
wäre; weil auch das geistige Eigentum, Eigentum ist und bleiben 
müsste, und niemand gezwungen werden kann, es jemandem anderen 
zuzuwenden, da doch jeden in diesem Punkte die Natur schützt: so 
ist noch ein anderer Grund der Unverrückbarkoit des Begriffes des 
Eigentums vorhanden. 
Wenn das Eigentum aufgehoben wäre, dann sänken alle Bürger 
zu Arbeitern herab, der Staat wäre der Unternehmer und das Ge 
samtvermögen der Nation das Unternehmerkapital. Und es entsteht 
die Frage: wie soll denn die Arbeit bezahlt werden, wenn der 
Arbeiter kein Eigentum haben darf, wie soll denn der qualitative 
und quantitative Wert der Arbeit sich im Lohne ausdrücken, wenn 
derselbe nicht die Fähigkeit haben soll, Eigentum zu werden? — 
Dem Gewichte dieser Frage wollten St. Simon und seine Nach 
folger’) durch die Anerkennung des Privateigentums auf Lebens 
zeiten ausweichen, und gipfelt also dann das sozialistische Pro 
gramm lediglich in der Aufhebung des Erbrechtes. 
Es bleibt wohl kein Zweifel, dass auch die Aufhebung des 
Erbrechtes die Produktion in unberechenbarer Weise lähmen würde; 
denn eine mächtige Triebfeder zur Arbeit und zum Erwerben würde 
ja dann fehlen; was aber das Wichtigste ist, sie würde nicht nur 
fehlen zur Erwerbung außerpersönlicher Kapitalien, sie würde auch 
fehlen zur Ausbildung und Bereicherung der persön 
lichen Kapitalien; dies würde den Wert der Menschheit ver 
ringern, und sie müsste viel früher, als ihr dieses Ziel gesetzt ist, 
im Kampfe gegen die Natur unterliegen. — Sie müsste es, wenn 
eben den sozialistischen Träumereien zuliebe der streng determinierte 
Weg der Menschheit abgelenkt werden könnte, aber sie muss es 
nicht, sie kann es nicht! 
Und wenn wirklich die sozialistischen Träume verwirklicht 
werden sollten, so werden sie das Leben einer kurzen, tollen Nacht 
haben, aus welcher um so strahlender das Morgenrot der natür 
lichen Weltordnung sich erheben wird! Sind denn menschliche 
Einrichtungen im stände, es zu verhüten, dass die wichtigsten 
Produktionsmitteln, die persönlichen und natürlichen Kapitalien der 
•) Système industriei (1821—1823), 3 vol. 
’) Buzará, Exposition de la doctrine de St. Simon (1830). 2 vol.
        <pb n="108" />
        Körperlichkeit, des Intellekts und des Temperaments vererbt werden ? 
Sind sie im stände, zu verhindern, dass sich die erworbene Muskel 
stärke, die angeeignete Verstandes- und Willenskraft dem Orga 
nismus des Menschen bleibend einprägen, seine Organe regenerieren 
oder aber degenerieren, und sich mit den so erworbenen 
Merkmalen in den Organen zur Zeit der Zeugung auf 
die Leibeserben übertragen? 
Sehen wir aber von dem Veto, welches die Natur solchen 
Bestrebungen entgegenruft, ab, so finden wir, dass in einem sozia 
listischen Staate nach den ökonomischen Gesetzen, welche wir in 
den theoretischen Teilen unseres Buches darzulegen bemüht waren, 
die Kapitalbildung unmöglich ist, weil das Unternehmen und sohin 
auch sein Gewinn unmöglich werden würde. Die wirtschaft 
liche Persönlichkeit des Staates müsste, um Unter 
nehmer zu sein, um Kapital bilden zu können, nur den 
wirtschaftlichen Krieg anderen Staaten erklären. Aber 
auch die Wirtschaft des «freien Volksstaates«, also die Erhaltung 
des Vermögens, müsste zu Grunde gehen, weil weit mehr verbraucht 
als erzeugt werden könnte; und auch eine sozialistische Volks 
wirtschaft kann auf die Länge der Zeit nicht gedacht werden, da 
ja eine Verteilung des Kapitals durch den dann rastlosen Rück 
schritt der Produktion auf allen Gebieten dem einzelnen Menschen 
nicht mehr das Existenzminimum bieten könnte. Und in diesem 
Palle würde der reine Typus der Volkswirtschaft in seiner charak 
teristischen Eigenschaft, in der Feindseligkeit gegen den Staat, 
durch einen Krieg gegen den heute von der Verblendung herbei 
gewünschten sozialistischen Staat, seinen Ausdruck finden, und die 
ersten Bedingungen zur Rückkehr der sozialen Ordnung in die 
natürliche Bahn vorbereitet werden. —
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        Verlag von Carl Gerold s Sohn in AVI en. 
Theorie und Geschichte 
der 
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