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        <title>Die Sonneberger Spielwaaren-Hausindustrie und ihr Handel</title>
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            <surname>Fleischmann</surname>
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        Bibliothek 
des Instituts für Weltwirtschaft 
an der Universität Kiel
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und ihr Handel. 
Zur Abwehr 
gegen die 
fahrenden Schüler des Katheder-Sozialismus 
in der National - Gekonomie. 
Von 
A. ŞfCeifcŞmcmn. 
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Verlag von Leonhard Simian. 
1883. 
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Die Sonneberger 
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Zur Abwehr 
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in der National -Gckonomie. 
Von 
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Berlin. 
Verlag von Leonhard Simion. 
1883.
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Inhalt 
Sozial - Politik und -Wissenschaften gegen Industrie und Handel .... 5 
Die deutsche Spielwaaren-Kunst- und kunstverwandte Industrie im Welt 
handel und daheim 13 
Die Sonneberger Spielwaaren - Hausindustrie und ihr Handel 
Gegen die fahrenden Schüler des Kathedersvzialisnlus . . 
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        Sozial-Vâk mit -Wissenschaften gegen Industrie und 
Handel. 
3n ben miturftaaten, me# %e normiegenb ber Snbustrie 
unb bem Hanbel verdanken, erkennt man bie von göttlicher Weisheit zeugende 
SM)## an, baß bie Bolf§mirtb#ft außerhalb alter absoluten ®e#e 
fteßt, unb baß meber ißre Beßre not ißre (ßfleße in matemati# begrenze 
Creile ber abstraften 38###%% ßt einhängen lassen. 3n#behcit 
ßnb eë bie beiben Ģauptfaftoren — Snbuftrie unb ^anbel — mel^e 
bon ßaat#lttt#n Maßregeln ni^t ßt bemeißern unb beüormunben 
lassen, meil ße, mit bem frisen Beben unb ber materiellen %iften&amp; ber 
Golfer in engster, ununterbrotener Begießung ßeßenb, lebiglit unter ber 
freien Initiative des selbstständig schassenden Arbeitsgeistes gedeihen 
sönnen, ber ben fortmaßtenb # oer#ebenben Behältnissen, mettlnben 
^l^^^^auungen unb Beburfniffen aller BolMlaßen non selbst # an&amp;u= 
Passen hat. 
Nur in Deutschland», bem Laube, das seiner geographischen Lage, 
seiner klimatischen und Bodenverhältnisse wegen mehr denn sedes andere 
auf Weltiudustrie unb Aktivhaudel angewiesen ist, will die in Regieruugs- 
unb ®eleßrtenfreiie^^au§gebilbete teorie ber 28ißen#ften ben ntatur^ 
gesehen des freien praktischen Erwerbslebens sich nicht fügen, „sie will viel 
mehr, in kurzsichtiger Vermessenheit, einseitig Verhältnisse heben, um andere 
unterdrücken zn können, Lehre und Pflege der Volkswirthschaft nach den 
Grundsätzen ihrer eigenen juridischen unb politischen Anschauungen modeln 
unb üben"*), bie n#ö meniger alë auf prafti#n (Srfaßrungen baßren. 
Jedem inmitten der gewerblichen und industriellen Erwerbthätigkeit 
der auf Selbsthülfe angewiesenen Volksgruppen stehenden unbefangenen 
unb an diesem Leben beteiligten unb unparteiischen Beobachter entrollt 
*) @0 unb ausführlicher sprechen sich hierüber eine Reihe von volkswirthschaft- 
lichen Leitartikeln des Berliner Tageblattes, 1882, I, aus.
        <pb n="10" />
        *) Siehe Anmerkung Seite 54.
        <pb n="11" />
        7 
ist beim anet, bie(DiiT(%Mntttäbilbitiiß, wel# in Berits# 
lemb biird) bie Bolts- imb #%eren Spulen angestrebt wirb, Mt (m&amp;f#e&amp;= 
UámiMení4oÍtii(í)eT Matur nnb geMie^t aus kosten fast ieber 
Elementarpflege der bildenden Künste, vornehmlich in all den höheren 
Bürger', Meal- %c. Stilen, me^e nebenbei &amp;uin einj^ä^rigen 
Militärdienst vorbereiten sollen. 
Äber gemi^ (amt bie bnr# bie beut#e(scWbilbnng erstrebte Gl e tr 
arti gleit beS ^iffenS allein ni(t)t geeignet fein, alle bie Jünglinge 
an bcglücten, wel(t)e i^em späteren Berufe na(^, ben bewerben unb ber 
Snbnftrie, aumal beS ßnnftgebteteö &amp;nfaiien, wenn unter einer Jnf- 
bnrbnng non gel)rftoffen, bie sie im prattifci)en geben, niemals brau^^en nin 
anni graten ^eile geistig nnb forcem ni^t vertragen sonnen, ui# ein 
mal bag %n Mein Erwerbsleben so notliweubige 3ei^^nen genngenb 
il)neu gelehrt wird?) 
Ant bo^^ Cutter Matur %e geistigen Gaben aUegeit nad) amci 
Richtungen hin ausgetheilt: zu Gunsten der Wissenschaften und 
der Künste, und zwar in wunderbar fachlicher Abstufung, wie sie uc 
%ol)lfal)rt eines miturbolíeS nnb feine Bebiirfniffe ^#¡#11: feien es bie 
geistigen, we^e bie reine Geistesarbeit befriebigt, ober bie materiellen, Don 
ber 1)1)^1^011 Arbeit oerforgten. 3n Englanb nnb in Morbamerita a» 
weift barmn ber BolfSgeift ber Gele^famteit bie gebi^renhe Mangfteíliing 
¿il, ol)iie bie ^errfcfiaft über baS freie Dielgeftaltige Erwerbs- nnb Ber- 
(erleben anSf^^lie^li^^ il)r einanränmen. SBenn bann ans bereu Wern 
bie (Saaten bnrd) bie Spulen oollenbet finb, überlä# man ber Selbst- 
ftänbigteit %er Bebauer, bie Ber(el)rSwege selbst au ri#n, 5" bahnen 
und zu ebnen, nach eigner Initiative, die doit man allezeit unter 
ftü#, weil lie am auoerlaffigften aur geheU^en Entwictelimg ber Joltü- 
Wohlfahrt führt. 
In jenen Ländern ist man klar darüber, daß Kraft und Ac acht eineu 
^nltnr^^aateS in ben geiftnngen reiner Geists arbeit allem ni# 
gipfeln weder in den Wissenschaften noch in den Künsten, daß sie vielmehr 
'in berEigenartigfeit berMópferifd) ^afienben Elemente 
") Ober Qlmibt mmi mullid), t# bind) gürtbilbimobunterrid)t mibciDnlb ber 
%rbeitöacit lörpcrlid) imb ßeiftig ermübctcii gcbrļimgen bnö ibnen fcblenbe Siffen imb 
Können noch beizubringen fei v
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        wf æ Ü If f TT!" lmb par mnei &gt; mUd &gt; in der individuellen Arbeits- 
Mid Schlamm aufhaust, darunter er viel schöpferische Lebenskraft begräbt, 
erscheint uns der deutsche Bildungsgang, der von den Volks- und Bürger- 
lchnlen durch die Lehrzimmer der höheren Anstalten unsere Jugend den 
a Ì ,f T!î ä «-chi'«-» Mühlwerks zutreibt, wo ohne Rücksicht auf die 
S f »«Wetten kr Einzelnen sogar die künstlerischen Richtungen der- 
slben „I wissenschaftliche umgewandelt weà Dies geschieht 
nach eriiem System deutscher Schulweisheit, dessen Ursprung in den auf 
1»%” H°ŗsâ'e« der Katheder-Philosophie gesammelten theo- 
ret,scheu Anschauungen und staatssozialistifchen Ideen zu suchen ist, die 
vSCDcm aufmerksamen Beobachter der Zustände des öffentlichen Lebens 
begegnen auf unseren scholastischen Irrwegen Schaaren verschulter und ver- 
bUdeter Ķglrnge, auf deren fahlen Gesichtszügen die Dressur des Lernens 
tief eingefnrcht steht, aus deren blödsichtigen Augen kein individuelles Licht 
mehr spricht, womit die Natur sie beliehen haben mochte. 
Sie sind die leibhaftigen Opfer überstrenger, widernatürlicher Schola 
stik, an denen der Staat sich versündigte, indem er durch die Schulen fremde 
" l t'™ geistigen Organismus von Individuen legen ließ für die 
kein Boden vorhanden war. Ein Chaos von wissenschaftlichen Lehrstoffen, 
die sie obligatorisch haben verschlucken müssen, aber geistig nicht verdauen 
konnten, mag bei der Mehrzahl als Präservativ ausreichend sein heiler 
Haut das Spießruthen - Examen zu durchlaufen, welches der Militari«- 
mus befiehlt. 
Ein verhältnißmäßig sehr kleines Häuflein ist es, das mit wahrer 
Befriedigung der Alma mater überantwortet werden kann; der weitaus 
größte Theil der Jünglinge miiß ein selbstständiges Erwerbsfeld suchen oder 
dem subalternen Beamtcustande sich zuwenden. 
Was nun wählen? Auf der Mehrzahl der Wegzeiger steht groß Uiid 
deutlich angeschrieben: „Zum Rährstande", d. h. zu Gewerbe, Kunst- 
gewerbe, Industrie, Handel -c. Jnng-Deutschland aber rümpft die Rase uiid
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        9 
wendet stolz sich ab mit dem Losungsworte „zum Staatsdienst", be 
lagert dessen Pforten nub harrt davor, bis eine, wenn auch nur zu knapper 
aber sicherer Existenz führende, sich aufthut. 
So nimmt der Nährstand zum Erschrecken ab, und alle übrigen Stände 
wachsen zum Erdrücken desselben. Deutschland ist jetzt schon außer Stand, 
alle in seinen wissenschaftlichen Lehranstalten Erzogenen gebührend zu 
versorgen. — Der Aspiranten nach Beamtenstellen werden immer mehr, welche 
mit vollem Recht vom Staate verlangen können, daß er, ihrer Schulbildung 
entsprechend, auch irgendwie für sie sorge, nachdem sie vorschriftsmäßig 
nach seinen Programmen sich haben schulen lassen. Selbst die Mittelklassen 
der landwirthschaftlichen und gewerblichen Bevölkerung lassen, wenn irgend 
ihre pekuniären Mittel es gestatten, die Söhne eine solche höhere, wissen 
schaftliche Bildung genießen. — Es mag dies zumeist aus moralischer, 
edler Ueberzeugung geschehen, leider aber auch, — und nur zu häufig — 
ans blindem Ehrgeiz und um des Vortheils willen, durch den Erfolg 
einer fünf- bis sechsjährigen höheren Schulbildung die Vergünstigung 
des einjährigen Militärdienstes zu erlangen. 
Die Geistesbildung solcher Schulen aber, nach dieser Richtung hin, 
wurzelt nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit; daher lehren 
sie nicht das Verständniß für das Neue, das aus dem Leben der Gegen 
wart Hervorgehende. Nahezu verbannt aus ihren Lehrplänen ist die elemen 
tare Volkswirthschaftslehre. An ihrer Statt prangen den Geist einschnü 
rende und ertödtende Syllogismen, mathematische Schemata, diophantische 
Lehrsätze und andere. Nicht berücksichtigt man, wie sehr durch solche Be 
stimmungen der Nährstand geschwächt wird, nicht ahnt man, daß damit 
in zahllosen Fällen geistige Anlagen erstickt und ausgetrieben werden, 
welche die Vorsehung Jünglingen eingegeben hatte: S i n n, V e r st ä n d n i ß, 
Talent für die bildenden Künste und Liebe zum Schaffen darin 
— Eigenschaften, die für den Nachwuchs zahlreicher, großartiger deutscher 
Weltindustriezweige, namentlich der Kunstindustrie und mit ihr 
verwandter Gewerbe von außerordentlichem Werth sein würden, wären 
sie der Jugend erhalten und in ihr nur einigermaßen genährt worden. 
Sogar die solchen Zwecken dienenden Kunst in du strie- und Ge 
werbeschulen lassen die Jugend völlig im Dunkeln über die außerordent 
lich große Mannigfaltigkeit unserer weltberühmten Jndustriefelder, namentlich
        <pb n="14" />
        die der Hausindustrie und über die Vortheile, welche letztere den gering 
Bemittelten bietet*), über¿(#eid)e feibftftdiibigeermerbèfelber, me^c fast 
ade nur des geistigen Zuwachses harren, um durch den Handel zu dem 
Aufschwung zu gelangen, den das Ausland von ihnen verlangt und erwartet. 
Ueberhaupt ist Lehrmethode und Erziehung in Deutschlands Gewerbe-, 
polytechnischen und Kunstgewerbe-Schulen vielmehr der Art, daß wohl 
2#cr imb Şrofeffomi borona ^erüoroe^e^, ober teine diäten, bie 
das Erlernte in das praktische, selbstständige Erwerbsleben mit Befriedigung 
zu übertragen verstehen.**) 
Legt der Staat dem Volke Schulzwang aus, so hat er auch die Pflicht 
für Lehranstalten zu sorgen, die den geistigen Naturanlagen der Jugend 
wenigstens nach deren Hauptrichtnng hin elementar entsprechend organisirt 
|inb, feineafalië aber # er boa Med)t, 3imgliii(1e anberö nnb ^cr 
erziehen, als ihre geistigen Fähigkeiten reichen und als die Erwerbsselder 
liegen, ans bie frii^eitig %e iiotiirlid)eii äniogen nnb i#e Bentfamo# 
hinweisen. 
Das deutsche Volk mag eine Menge Gewerbtreibender auszählen, die 
etmaä Rotein, ^angöfifet), 9^011)0110#! Bersteten, bie ba missen, non melden 
Industrie- und Handelszweigen die Phönizier gelebt, oder mit welchen 
111011)01101^(1)60 (Spielereien bie Bobgloiitcr fid) befo# #60. %bcr in i#er 
Werkstatt können sie die einfachsten Figuren nicht zeichnen, weshalb sie 
beim and) in i^cit 06)96?%%# Beifiimgen ^1?!!^ ft 61)60.. ^oa boltf^^e 
Volk mag ja belehrter und gelehrter sein als andere, es ist darum aber 
nicht praktischer und nicht gescheidter. 
Es gilt hier nicht weiter zu erörtern, in wie weit wegen des Erstrebens 
einer mittleren Durchschnittsbildnng und Gleichartigkeit des 
Wissens auch in den Volksschulen durd) übermäßig aufgehäuften, frucht- 
lasen Lehrstoff das Volk in der Entwickelung seines praktischen gewerb 
lichen und kunstgewerblichen Lebens schon gehemmt, obendrein gesundheitlich 
geschädigt worden ist. Gewichtige Stimmen genug verlauten darüber ans 
allen Ständen und aus dem Lehrstande selbst, von Männern, die über die 
") Siehe Seite 23, 31, 32, 33, 39, 40. 
") Vergleiche: „Fr. Pecht: Ueber den technischen Unterricht" in Nr. 150 der 
„Täglichen Rundschau". Berlin, 7. Okt. 1882.
        <pb n="15" />
        direkten Leistungen der deutschen Volks- und höheren Schulen hinweg 
unbefangen auf deren Wirkung im praktischen Leben schauen. 
Geklagt sei hier nur, welcher Schaden dem deutschen Reiche erwächst 
ans dem Mangel an Kenntniß seiner Weltindustriezweige, welche 
den bildenden Künsten und nicht den Wissenschaften Unterthan 
sind, in deren Früchte, einzig ihrer Art, alle Länder der Welt sich theilen 
und für welche sie Millionen an Deutschland zahlen, obschon sie mehr dem 
Luxus als zum Gebrauche dienen. 
Nur falschen Anschauungen konnten jene staatssozialistischen und staats 
politischen Prinzipien entspringen, die, in den Organismus des praktischen 
Erwerbs- und Verkehrslebens eingeführt, geeignet sind, nicht blos die welt 
berühmte deutsche Arbeitskraft und Energie zu schwächen, sondern die 
natürlichen Existenzbedingungen ganzer Arbeitergruppen zu zerstören, welche 
statt Schutz der nationalen, individuellen, vorwiegend 
geistigen Arbeit zu gewähren und den Aktivhandel zu heben, 
beide schädigen durch den Schutz — der neuen Zollpolitik — der, wie 
zu erwarten war, Interessen-Koalitionen hervorrufen mußte, sobald 
Deutschland sich anschickte, auf Kosten anderer Nationen sich zu bereichern. 
„Dieses naturgesetzwidrige Eingreifen des Staates in den alle Völker 
interessen ausgleichenden Handelsverkehr, die Vermessenheit, die göttliche 
Gerechtigkeit nachahmen zu dürfen, einer Nation geben, der anderen nehmen 
zu können,"*) büßen jetzt die Kerntruppen des deutschen Arbeitervolkes, welche 
keinen Schutzzollbrauchen, und durch die Originalität ihrer individuellen 
Produkte überwiegend geistiger Art alle Völker sich tributpflichtig 
gemacht haben, ohne Schutzzoll bedurft zu haben. So muß z. B. 
die deutsche Spielwaaren-Jndustrie zuschauen, wie als Abnehmer 
ihrer Früchte ein Land nach dem anderen abfällt: Oesterreich, Ruß 
land, Schweden, Dänemark, Frankreich. Diese Länder haben als 
Retorsion ihre Eingangszölle so bedeutend erhöht, daß dem 
nächst nur noch geringste Quantitäten Spielwaaren dahin 
ausgeführt werden können. 
Wir müssen dahin gestellt sein lassen, ob Deutschland als Culturmacht 
vom Ausland höher angesehen ist wegen der Productivität in den Wissen 
schaften und Künsten und der Art und Weise ihrer Pflege oder wegen der 
physisch und geistig schaffenden Urkraft seines erwerbthätigen Volkes. Aber 
*) Siehe die Anmerkung auf Seite 5.
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foöiei steht fest, daß Deutschland auf dem Gebiete der bildenden, beson 
ders der plastischen Künste eine Menge Industriezweige besitzt, die, 
dem immergrünen, uralten Nürnberger Kunst - Jndustriestamm entsprossen, 
einteilt Ba^e^en beutf^^et0enen @noerbfieißea finí), 31tfammeli eine 
Cultmmacht bilden, dergleichen kein anderes Land der Welt sich 
rühmen kann. Diese Macht der Arbeit ist es, um welche das 
deutsche Reich vom praktischen Auslande mehr beneidet 
iDirb, ai8 um gar Diele anbete feinet üo(fëmirt^f^^üfm^^cn, 
nationalen Habseligkeiten, welche in Deutschland, aber nur 
1^6111^^0 selbst, man am .^ften preist.
        <pb n="17" />
        II. 
Die deutsche Spirlrimaven-Kunst- und kunstvermundte 
Industrie im Welthandel und daheim. 
Soweit die Erzeugnisse deutscher Manufaktur-Kurzwaaren, meist Kunst- 
und kunstverwaudteu Industriezweigen angehörig, in regelmäßigem Begehr des 
Welthandels stehen und soweit dieser sie in eineKategoriezusammenfaßt*), 
*) Toys and Fancy-Goods; — Jouets et Bimbeloterie; — 
Spielwaaren; Lehrmittel; kleine Luxus-, Gebrauchs- und Decorations- 
Gegenstände; Galanterie- und Nippsachen; — aus Holz, Papiermasse, Pa 
pier, Pappe, Leder, Textilstoffen, Flechtmaterialien; Gummi, Guttapercha, Wachs, 
Horn, Bein; aus Glas (Gaslampen-Gebläsearbeiten) ; aus Porzellan; aus Thon ge 
brannt ; aus Metallen: Blei, Zinn, Blech, Messing, Eisen rc. 
I. Spielsachen zur Unterhaltung und Belustigung: 
Puppen, Figuren, Thiere, Reiter, Wagen, Schiffe, Kähne, Spielzeug zum Aufstellen, 
Möbel, Ställe, Theater, Gewehre, musikalische Instrumente, Drehorgeln, musikalische 
Spielsachen, mechanische Spielwaaren mit Musikwerken, Wiegenpferde rc. 
II. Spielsachen zur geistigen Unterhaltung und als Lehrmittel: 
Spiele aller Art, musikalische Instrumente, Baukästen, Menagerien, Farbkästen, 
Schiefertafeln und Stifte rc. 
LH. Kinder-Gebrauchs - und Luxussachen: 
Schul - Requisiten, Bücher - und Noten - Tornister, Chatullen, Weiden - und andere 
Körbchen, desgl. Kinderwagen, Draisinen. — Christbaum-Ornamente und Verzierungen, 
Nippsachen rc. 
IV. Luxus- und Gebrauchs - Gegenstände, Nippsachen und Galanterie 
waaren sur Erwachsene: 
Attrapen, Cartonnagen, Masken, Cotillon - Decorationen, Schreibtafeln, Chatullen, 
Toiletten, Spiele, Schreib-Requisiten rc. 
Zimmerdecorations - Gegenstände : 
Figuren, Statuetten, Büsten, Thiere, Thierköpfe, Carricaturen, Vasen rc. 
NB. Bei der ungeheuren Mannigfaltigkeit in diesen Waaren muß hier auf deren Auf 
zähl ung verzichtet und auf die Verzeichniffe des Groß- und Exporthandelsstandes demie en 
werden.
        <pb n="18" />
        14 
kann neuererzeit deren Werth auf mindestens 150 Millionen Mark jährlich 
8efd#t loerben, loooon allein bie (sļilelmami imb eiitfd)lä0lid)en Slrtifel 
circa 100 Millionen betragen, davon gegen 70 Millionen durch den Activ- 
handel bisher dem deutschen Reich aus fremden Ländern zuflössen. 
@ri#eit)06tf6 unb f^orabtf(^, ^anailtbll^^rteíí nub fabrtfiitößio 
bert Dörfern imb (Stabten betrieben, erftredt fid) fold)e @meTWtl)áti0reit 
liber I)alb 3)6(0^)101^, bom Sd)ioarg)uatb bia gum 9%i6fen06bir06. 
Am bedeutendsten und mannigfaltigsten wird die Spielwaaren- 
^abrihition in beiiiDberlanbe b6§^6r$O0t^n^slSa^^fe1l = ^ei= 
Hingen betrieben,*) wo sie, namentlich im Kreis Sonneberg, in allen For- 
men auftritt, ala #aua=, ^eiu- ullbgabrifinbu^^ri6 unb burd) bie 
Şorgellaii:**) imb ^iaafabrifen^) and) aia ^roBinbuftrie. 
3)ie 36r^^reut^6^t ber ^01)061^611 .ßeerbe solfea auß6rûrb6nt^(d) oiel= 
aitigeu Gewerbfleisies mag llrsad)e sein, basi von dessen Bedeutung im 
Welthandel das deutsche Volk im Allgemeinen keine Ahnung hat. Daß aber 
trotz des ungeheueren statistischen Apparates und der staatswissen- 
*) Im Gesammtwerth von jährlich ca. 15 Millionen Mark. 
") Äon ben 60 Äorgcilonfobrifen m Sbnringcn fobrigiren bie meisten 
Spielsachen: Puppen, Thiere, Figuren, Service, Nippsachen u. s. w. ; für Er- 
ma#ne: Soffen, serbice, %obaföpfcifcnfö^fe, ^üdiengerötbe; @ufu8., @ebroud)g. »nb 
Decorations-Gegenstände: Vasen, Schreibzeuge u. f. w., Lithophanien, Thiere, Büsten, 
^0»ren, borunter ^ u n ft io e r i e ber % í o ft i r unb ber Dì a I e r e t. %uf ben ^retë 
Sonneberg entfalten 4 ^oraeMonfobrden : ^üttenfteino^ (2), Äouenfteln unb ßimbod,, 
lettere die älteste, von dem selbstständigen Erfinder des Thüringer Porzellans, Gott 
helf Greiner a) im Jahre 1772 gegründet, die Mutter aller Thüringer Porzellan 
fabriken. 
a) Siche „kulturhistorische Bilder aus dem Oberlande des Herzogthums Sachsen- 
Mermngen." Hildburghausen, Kesselring'sche Hofbuchhandlung. 1876. 
) Die Glasfabriken in Lauscha (3), Steinach, Ernstthal (2), Piesau 
(Meininger Oberland) und andere benachbarte, stellen zwar nur einen Spielwaaren- 
Wrtifel, b(e @10814)#^ für ben^onbeiŞer, ober ße besassen ein^orbfobrt(ot: 
weiß e und farbige Glasrohre, aus denen die Haus-, Klein- und 
5obrifinbuftrie in 6oi#o, So^icb, ernftt#, ©teinbeib (grciö ©onneberg), 
^îesau (Mein. Oberland), Geiersthal und Neuhaus (Schwarzb.-Rud.) die verschieden 
artigsten, weltberühmten Gaslampen - Gebläsearbeiten alle manuell herstellt, namentlich 
alle hohlen, farbigen imb Fischschuppen-, sogenannten W achs - Perlen, Christ b aum - 
Decorationen, Nippfachen, Früchte, Thiere, Figuren, Thermometer, 
physikalische und medizinische Instrumente rc.
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        15 
schaftlichen Lehrstätten, welche das Deutsche Reich unterhält, das 
Gebiet dieser deutschen Weltindustrie, und ihres Activhandels, der Millio- 
neii ®etbe§ ooin Mlmib gid)t, ffir n^^ere 9%ei# = itnb @tooWrcgiernngen 
noch eine Art terra incognita ist, das zeigen die Untiefen, in welchen unser 
deutsches, schwerfälliges, mit Lootsen und Matrosen überfülltes Staatsschiff 
„die Statistik" sich befindet und die Art, wie es dem Volke vorleuchtet. 
So hat es das Kaiserliche statistische Amt in Berlin, in einem Bericht an 
ben @too#cretár beö innern, oom 1. Suit 1881 olë eme er 01111^(1 = 
ßiuiß" begegnet, baß im 3#e 1880 bei gntommenpodong oel^^^^iebener 
Artikel aus der Spielwaarenbranche 219512 kg Spielwaaren zum Gesammt- 
^^'^6 bon 344470 ^ort miiitid) „oW 0ßie1maaren" beîlorirt werben bnrften, 
eine bie imgef# bem 10^11(^60 e^ort eine§ einigen ®roß^01lbeM)anìe§ 
in Nürnberg, Waltershausen oder Sonneberg entspricht! —Dies geschieht in 
^011(100^11110 einer ^en#rtft, reiche bie ßanbel3= nnb ©emerbefomincr in 
©oitneberg, bot. 31. mini 1881 01t bo3 9ftei^^ëfongIeTomt mit bem erimiien 
gerichtet hat, „in dem amtlichen Waaren-Verzeichniß den Artikel Spiel- 
io nor en nutet einer etl^^ettíi^^en, ftntt nod) bem ®efe$ born 20. 3nit 
1879, unter neun verschiedenen Rubriken aufführen losten zu wollen, zur 
SBereinMitng ßonbeiaoerfeßrea", imb um - wie mir 1)in&amp;nfn0en — ben 
Handel von einer ihn schädigenden bureaukratischen Einrichtung zu befreien, 
welche nur geeignet ist, die Vermehrung niederer Beamtenstellen nothwendig 
gn moißen, iiberbteë bn# nnpTü!tif^^c Reitling beë SSegr#, einen %8tW' 
Handelsartikel w i e Spielwaaren i n s e i n e r B e d e u t n n g h e r a b z u s e tz en. 
3m SlnMoiib ist mon fiber bic bent^e ^bnftne be^^er iinterrid)tet. 
Die Importeure aller Weltgegenden kennen genau die Ursprungsorte, die 
Städte und Dörfer in Deutschland, deren Haus-, Klein- oder Fabrikindustrie 
die deutschen, hunderttausendfältigen Fabrikate entstammen. Jährlich be 
suchen Hunderte von Käufern die Produktionsorte und Tausende die Leip 
ziger Messen, ihren Waarenbedarf selbst auszuwählen und neue Handels 
artikel aufzufinden. 
Die Mehrzahl dieser Käufer kommt von Amerika und von England 
über Paris nach Deutschland*) und macht Sonneberg zu einer Haupt- 
*) Nürnberg-Fürth, Lichtenfels rc. (Korbwaaren), Sonneberg- 
Nenstadt. Die Thüringer (Spielwaaren-, Puppen-rc.) -Fabriksorte, Por 
zellan-Fabriken und Gl a sin du strie orte; die Spielwaaren - Fabriksorte des 
Sächsischen Erzgebirgs rc.; Berlin rc.
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        16 
station*) als Vorort der Spielwaaren- und verwandten Industrie 
und weil es den meisten Porzellanfabriken, Glas- und Korbwaaren-Jndustrie- 
Orten m%e liegt, gnm %er ®ef^^ä^^a = ^nnbre^^en Regelt ¡eite 
Kaufleute auf den Leipziger Ostermessen mit den Fabrikanten zusammen 
zutreffen, die sie in ihren Orten nicht aufsuchten und die aus den Messen 
Musterlager halten. 
Häufig, und zwar aus eommerziellen Interessen, haben fremde Kaufleute 
oerMt, bte ^01)16^0^2 = €^1611000^11 ^0^1^1011 in %e 
Ģegend zu verpflanzen. Aber auch auswärtige Staatsregierungen in 
Wennnng bea 001^1^1)^0^110)611 ^ertGea ber @^¡6110000611= 
Hausindustrie haben ihre Aufmerksamkeit auf sie gerichtet, indem sie für 
SBerpfkwawig 0011 giDetgen berfelben in tGre üönber bei gñn^^tge^ Erfolg 
Prämien aussetzten. Selbst deutsche Regierungen haben sichs angelegen 
sein lassen, die Papiermasse-Spielwaaren-Fabrikation in bestimmten Orten 
einzuführen, aber nirgends mit anderem Erfolg als dem der Begründung 
von Fabriken, die, sie mögen noch so sehr sich vergrößern, doch nicht an- 
get^Olt^^nb, an einer feststen, ¡61^011^611 ^onatltbn^^rte 
den Grund zu legen. 
Während so die deutsche Hausindustrie, insonderheit die Sonn e ber g er, 
Dom Änaianb Mge^ü# unb otelgepricfeit, ola ein mi)re8 æoí(a=^íetnob 
gilt, betrachtet man sie in der Heimath vielmehr als ein altüberkommenes 
Erbe, gleich einem von selbst angeflogenen, festgewurzelten Wald, der keiner 
sonderlichen Pflege bedürfe, um fernerhin ins Geld zu wachsen. 
3mor %atte (sonneberg #on int atoeiten Viertel btcfeë 3a#nnberta 
ber Fürsorge ¡etnea BanbeaGemt@r.^oGett bea Go(G|eltgen ^eraoga BernGorb 
zu Sachsen-Meiningen das Glück zu verdanken, in der Person des Kunstmalers 
Bandorf einen Zeichen- und Modellirlehrer zu besitzen, dessen schöpferischer, 
kunstindustrieller Sinn und praktische Lehrmethode der Sonneberger Industrie 
außerordentlichen Vorschub leistete, indem er sie nach allen Richtungen hin 
veredelte, überdies die Terraco tta-Kunstindu stri e einführte und der 
Erfinder einer e l a st i s ch e n M a s s e (zu figürlichen Zwecken ) war. 
Freilich damals vergönnte die Bürgerschule den Jünglingen min- 
*) Dadurch, daß Sonneberg der Mehrzahl von Import-Großhändlern zum längeren 
Aufenthalte dient, bietet es den dortigen Industriellen und Kaufleuten den Vortheil 
eines längeren persönlichen Geschäftsverkehrs und Zdeen-Austausches mit jenen.
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        17 
2 
bestens zwei volle halbe Tage in der Woche zur Freiheit oder zum Zeichen- 
Unterricht — und mit Freude, weil mit Muße, genossen sie auch letzteren. 
Anders schon gestalteten sich die Verhältnisse der Pflege des Zeichen- 
und Modellir-Unterrichts in Sonneberg, als Se. Hoheit der regierende Herzog 
Georg zu Sachsen-Meiningen mit bekanntem lebhaften Interesse für Kunst 
und Kunstindustrie und fürstlicher Munifizenz zugleich, schon als Erbprinz 
bedeutende Summen nach Sonneberg verwendete für Gründung eines kleinen, 
aber werthvollen Museums gediegener plastischer Modelle und kostbarer Bild 
werke, für jahrelange Unterhaltung einer Modellir-Kunstschule*) und zur 
Errichtung einer Holzbildhauerschule.**) Aber die niederen und mittleren 
Klassen der Oberländer Industrie, denen jene Bildungsstätten und Mittel 
zu Statten kommen sollten, schlugen die Gelegenheit aus, ihren Jünglingen 
eine technisch - künstlerische Ausbildung geben zu lassen, trotzdem sie äußerst 
billig und für Arme kostenlos war. 
Wie damals, so heute noch und zwar nicht allein hier, sondern überall 
rechnen die selbstständigen Gewerbetreibenden die Geschäftszeit als 
Geld es werth. Als Eltern verlangen sie, daß ihre Söhne alsbald nach 
der Entlassung aus der Volks- oder Bürgerschule in praktische Lehre treten 
oder in Fabriken ihren Lebensunterhalt verdienen, und als Arbeitgeber 
weigern sie sich, von der Geschäftszeit ihren Zöglingen die Stunden zu opfern, 
welche man zu deren weiteren theoretischen Ausbildung beansprucht. Sie 
verlangen nicht unbillig einen Abschnitt zwischen obligatorischem theore 
tischen Unterricht und praktischer Lehre. Denn mit demselben Rechte, wie 
der Theoretiker dem Gewerbsmann sagt: „Dein Junge hat in der Schule 
noch nicht genügend gelernt, er muß weiter lernen," kann auch der Praktiker 
fragen: „Warum hat die Schule im Laufe von acht Jahren dem Jungen 
nicht genügend gelehrt und warum hat sie ihm Lehrstoffe geboten, die er 
zum praktischen Leben nicht braucht, um derenwillen er jetzt nachholen soll, 
was an ihm versäumt worden ist?" — Bewahrheitet sich doch das pädago 
gische Wort: „was Hänschen in der Schule nicht lernt, Hans nimmermehr 
lernt," wenn er als Lehrling tagsüber praktisch arbeiten mußte, ermüdet 
des Abends der Ruhe bedarf. 
Und in der That, weil die Fortbildungsschulen obligatorisch sind 
*) Aus der die bekannten Terracotta Götter- und Heldenfiguren aus der Odyssee 
und antike Gefäße (von Prof. A. Schmidt) hervorgingen. 
**) Durch den tyroler Holzbildhauer Klotz.
        <pb n="22" />
        für geistarme wie für talentvolle Jünglinge — ohne Unterschied — so befimbet 
dies, daß auch letztere als ungenügend geschult zu erachten sind, um mit bem 
14. Lebensjahr der Praxis überantwortet werden zu können. Dann dürfte es 
gerathen erscheinen, den Volks- und Bürgerschulenunterricht um ein Jahr zu 
verlängern, dann aber die Jünglinge der Praxis unbehelligt zu überlassen. 
Die bemittelten und höheren Gesellschastsclassen machten für ihren 
Nachwuchs gar keinen Gebrauch von den dargebotenen kunstgewerblichen 
und kunstindustriellen P riv a t-L ehr an sta l-ten, weil sie vom Staat nicht 
organisirt, sanktionirt und protegirt waren. Aber auch die staatlichen 
Lehr statt en jener Richtung übten eine Anziehungskraft selbst in den Kreisen 
nicht aus, welchen die beste Gelegenheit geboten war, von den in kunstin 
dustriellen Berufszweigen erreichbaren günstigen Erfolgen sich zu überzeugen. 
War dem allezeit und überall in Deutschland so, daß man die Jugend 
vorzugsweise die vom Staate vorgezeichneten höheren Schulbildungswege 
durchwandeln hieß, neuererzeit namentlich alle diejenigen, welche zur Be 
rechtigung des einjährigen Militär-Dienstes führen, so war schon daraufhin 
den Bemittelten aus allen Ständen die Losung gegeben, ihre Söhne vor 
zugsweise dem Beamtenstand zuzuführen, der, wie in Deutschland, so in keinem 
anderen Lande eine Menge ruhiger und sicherer Stellungen verheißt. 
So trugen denn auch seit dem politischen Umschwung der letzten Jahre 
die anti-liberalen Regierungen eifrig das Ihrige bei, möglichst viel Jüng 
linge in jener Richtung schulen und den Glauben an die Autorität und die 
Gefügigkeit des Willens ihnen anerziehen zu lassen. Und in der That ist der 
Staat nicht nur bestrebt, das Heer der Beamten zu vermehren, sondern er 
geht auch daraus aus, die Stellung derselben durch die verschiedensten Bevor 
zugungen zur Befestigung seiner eigenen Autorität zu verbessern, in Folge 
dessen die Beamtenstettungen in immer weiteren Kreisen begehrenswerth 
erscheinen, *) zur Schädigung und Beeinträchtigung und nicht zu Nutz und 
Frommen der heiligsten Rechte des Volkes: — seiner politischen Frei 
heit und Unabhängigkeit. 
In den irregeleiteten Volkskreisen, wo es gilt, der Jugend zur Berufs 
wahl mit Rath an die Hand zu gehen, braucht man keine Besorgniß zu 
hegen, daß es in Deutschland an ehrbaren, ertragfähigen und ergiebigen 
Erwerbszweigen mangele. In gewissen Gegenden Deutschlands giebt es 
*) Siehe den Artikel: „Der Rückgang der höheren Bürgerschulen" in Nr. 227 
der Volkszeitung. Berlin 1882.
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        eine Menge Industriezweige, die unter günstigen Verhältnissen auf freiem 
Felde selbstständig erwachsen, unabhängig wie sie sind, ebendeshalb keiner 
besonderen Gunst und Pflege seitens conservativer Regierungen sich erfreuen, 
weil sie zu dem Gedeihen bürgerlicher Selbstständigkeit der Atmosphäre 
des politischen Liberalismus bedürfen, die jenen nicht behagt, — 
nichtsdestoweniger aber Erwerbszweige sind, welche je nach dem Grad 
der in ihnen entwickelten persönlichen Thatkraft und Energie rascher zu 
sicheren Existenzen führen, als die, welche der Staat auf seinen überfüllten, 
erschöpften Berufsfeldern zumeist nach langjährigem Harren unter höchst 
bescheidenen Verhältnissen dem Volk zu bieten vermag. 
So ist das Oberland*) des Herzogthums Sachsen-Meiningen (Vorort 
Sonneberg), kaum 9 ^Meilen umfassend, eine für verschiedenartigste Industrie 
zweige von Natur gesegnete Gegend wie keine zweite in Europa, bewohnt 
von einer Bevölkerung, deren Fleiß, Rührigkeit und schöpferischer Arbeits 
geist unter selbstgestellter Organisation ihres Schaffens weltbekannt ist, wie 
nicht minder wegen des dort herrschenden gerechten Verhältnisses zwischen 
der selbstständigen Haus- und Kleinindustrie und dem lokalen Großhandel. 
Gerade die Sonneberger Spielwaaren-Manufaktur bietet für alles 
selbstständige plastische Schaffen, das vom mechanischen bis hinauf zum rein 
künstlerischen reicht, eine Stufenleiter, wie keine zweite Industrie, weil 
sie in einer selbstständigen Hausindustrie, dergleichen keine zweite existirt, 
ihren Stützpunkt hat. Eben dadurch, daß die Sonneberger Industrie zur 
untersten Staffel die Hausindustrie, zur nächsten die Kleinindustrie, 
zur folgenden die Fabrikin du stri e hat, bietet sie jedem sie betretenden Zög 
ling, sobald er als selbstständiger Fabrikant in das praktische Leben eintritt, auf 
jeder ihrer Staffeln, darauf er stehen geblieben, genau nach 
dem Erfolg seines materiellen oder nach dem Grad seines künstlerischen, durch 
geistigten Schaffens, den gerechten Lohn durch den lokalen Großhandel. 
Hier ist der Ort, wo man arbeiten sieht und wo arbeiten gelehrt 
wird, physisch und geistig, wo Jeder, der ein weltoffenes Auge hat, wahre 
National-Oekonomie praktisch studiren kann, faßlich und leicht. Was hier ge 
schaffen wird, geht über alle Meere, weiter, viel weiter, als gar manches 
*) Die Schätze daselbst sind: seltener Holzreichthnm; bester Schiefer 
zur Dachdeckung und zu Schiefertafeln; weicher Schieferstein, einzig seiner 
Art zu Griffeln und zu Wetzsteinen, Kalksteine (Marmor) zu Kinder 
schussern; Erdfarben, darunter der berühmte Goldoker; Kaolin und Eisen 
erze; Steinkohlen; feuerfester Thon in der Nähe. 
2*
        <pb n="24" />
        20 
deutsche assert, das wohl bou „Stempel der Wissenschaft" trägt, aber darum 
nod) feine m%e 9Biffmfd)aft enti#. 
^eerb einer Ärbeitergn#e oon STanfenben felbftftanbiger ^,aua= 
nnb meininbnftrielien, bie für ben 2Bcl%nbcI Raffen, inmitten einer 
In bu strie, deren Idealismus in den bildenden Künsten und in ben Wissen 
schaften nur so weit wurzelt, als sie dienen sollen, Männer von bescheidener 
Bildung und von festem Charakter zu erziehen, wäre Sonneberg einer 
ber Geeignetsten Orte gnr (Brnnbung einer ^nu^^inbu^^ricfd)uIe. 
ßreitid), nenn ^11^11^61^611 in 4)okular werben 
nnb praktisch wirken sollen, den Nührstand zu vermehren und den deutschen 
Aktivhandel zu heben, so müßte vorerst der Staat solche Schulen auf 
gleiche Rangstufe stellen, wie die wisfenschaftlichen, welche zur Berech- 
tigung bea einjährigen ^1110^611^ führen. 
. ^ußer dem staats- nnb volkswirthschaftlichen Interesse fordert die Hn- 
' man * töt ' öaß in den Schulen die geistigen Leistungen und Erfolge künst 
lerisch begabter, phantasiereicher Jünglinge gleiche Geltung nnb Wür- 
bignng erlangen, wie jene in ben Bd^eru ber mffcnf^^aften,'aulucift ben 
abstrakten, auf welche hin ber Staat jene Begünstigung gewährt, die 
weti sie nur bemittelte Glossen trifft, feine gere# fein sann nnb 
beai# aur ßoige %at, baß bag ^íei^^gewi^^t in ben Beruföarten ein 
ali g emein gestörtes ist. 
Um so mehr aber wäre Gouneberg ber geeignetste ^iaß für eine must; 
indnstiieschnle, weil hier den unbemittelten, mehr oder weniger talent- 
üoKen Soglingen fritijaeitig (Belegenheit geboten wäre, bureß beit Berfauf 
Ujier plastischen, figürlichen Modelle, die sie während des Unterrichtes her 
zustellen haben, bei den Fabrikanten der Sonneberger Industrie und den 
f oraeüanfabrifen *) einen Serbiens! # gn oerfeßaffen. 
Wöge bienaüfolgenbe, 0^0^06 0(1,^6^ ber^auaiubnftric 
nW 001^#^^# wütigsten pastora ber @onneberger 0^ict = 
waaren = 9Ranufaftur nnb bea non iljr 111136^611^1(^011 (BroßhanbeM 
ben Swecf erregen, ihnen bie geblt^rcnbe^nerfennnng gn oerfchaffeit auutai 
beibe, namentlich aber ber an bela staub, uon ber Beber etnea fa^rcuben 
emitiera ber mobernen %atiouaí=Oefonoutiennb @taatawiffenf^^aftcu arg oer= 
nnglimpft worden sind, in Bezug worauf wir auf unser Schlnßkapitel verweisen. 
*) Sie zusammen gebrauchen jährlich viele Tausende von Modellen 
Art, die zumeist rein künstlerischen Anforderungen entsprechen sollen. 
verschiedenster
        <pb n="25" />
        III. 
Die Soimetrerger Kpielmaarerr - Hausindustrie und ihr 
Handel. 
Ņenn jemals eine Volksgruppe glänzend bewiesen hat, was Selbst- 
hülfe nm der Existenz willen vermag, so waren es die Oberländer des 
Herzogthums Sachsen-Meiningen, die Begründer der Spielwaareu- 
H a n s i n d u st r i e t m Oberland e des Herzogthums Sachsen- 
M e i n i n g e n. 
Als echtes „Kind der Noth" nach den Drangsalen des dreißigjährigen 
Krieges im Dorfe Judenbach*) bei Sonneberg auf reich bewaldeten, aber 
gering ergiebigen Bergrücken ersprossen und lange Zeit vom Handel der 
Spielwaaren-Mntterstadt Nürnberg genährt und groß gezogen, ließ sie die 
armen, von Kriegsnöthen oftmals heimgesuchten Urheber jenes Hausge 
werbes nicht ahnen, welch' unschätzbares, unvergängliches Erbe sie geschaffen, 
das in Form einer seßhaften Hausindustrie sie ihren spätesten Nachkommen 
hinterließen. 
Nachdem im Lause eines Jahrhunderts unter den fleißigsten, spar 
samen Arbeitern ein genügender Grad von Schulbildung, Geschästskenntniß 
und von Wohlhabenheit erreicht war, schickten sie ihre Söhne ins Ausland, 
in kaufmännische Lehre und auf Reisen, um direkte Handelsverbindungen 
einzuleiten. 
So wuchs seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in Sonneberg, 
dem Vororte jener Production, ein Handels- und sprachenknndiger Groß 
handels sta nd empor, dessen Fleiß und Unternehmungsgeist es nach und 
nach gelang, die Sonneberger Spielwaaren-Haus-Jndnstrie**) 
zu welthand el sgeschichtlich er Bedeutung zu erheben. 
*) An der alten Heerstraße zwischen Nürnberg-Leipzig gelegen. 
**) Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts erstreckte sich die Svnneberger Spiel 
waaren - Fabrikation blos auf Holz. von dort ab wandte man auch Teigmasse an, in 
Verbindung mit Holz.
        <pb n="26" />
        Das jeder selbstständigen, von einem lokalen Exporthandelsstand ge 
stützten Hausindustrie zu Grunde liegende sozialhumane Moment liegt in 
her @e#oftigfeit ber ßwmlten, in ber Boppeiergiehnng %ea 9tad)üm#a 
bi# Weit gnr Weit im eiterten ^nl^^e für bie lonfenben ^e^nfte 
ber ^abrifAtimt nnb ber angíeicb. 3n ihr werben (Söhne 
imb 3:ö#er, nnbe#nbet #er geî^^nf^i^^en ^iterwerbthntig(ett, gn ihrem 
Röteren l^ebenabernfe hernngegogen imb bemfelben nicht entfrenibet, wie 
biea bei gnbrifnrbeitern beiberíei ®eî^^ïe^^ta nnbermeiblicher Beife ber 
W ist. 
Forterblich in der Familie, Wie die Hausindustrie an und für sich, ist 
auch Litte und Arbeitsweise in derselben, welche letztere unter einem aus 
freier Initiative des Arbeiterstandes selbst hervorgegangenen Systeme der 
Weitatheilnng*) betrieben wirb, wie ea (111#^ rotioneüer ni# hotte 
erbn#, prämier ni# finite orgnnifirt werben sönnen, ßeine ^nbnftrie 
gCtgt uns so wie die Hausindustrie, bis zu welchem Grad der Sicherheit 
imb ßertigfeit, jn gum Shell erftnllní^^^er mln^^fertig!eit, eine bon ßinbea« 
^àaden an datirende Uebung gleichförmiger Arbeitsverrichtung führen kann. 
%on ^ef^íediit gu ©e^lecht bercrbt # bie SinfteRigfeit gu frühgeitiger Er= 
tnngimg ninniieüer ^irtiiofitot in ber ^er^^eIlnng, welche ben Ergebnissen 
bie niebrigften greife berleiht, bie, bor frember Eoncnrreng sie f#ihenb, 
in ben Welthandel sie einführen. 
Änf bem coíoffníen, forinenrei^en mifterfeibe ber pínftifchen Spiel, 
wnnrcn tonn ¡eber feíbftftnnbige ^niiainbiiftrieae ein einförmigea @6^0^ 
selb gnw %ebniien sich Wählen, bngn er petimiär nt# mehr Mittel ge= 
bi on#, als zum Betrieb eines einfachen Handwerkes erforderlich sind. 
Daraus schaffend, kann er seine Fähigkeiten frei entfalten, wobei schon 
solide Arbeit und Fleiß genügen, um seinen Fabrikaten im Handel Geltung 
zu verschaffen. 
In soweit wäre, im politisch-sozialen Staatsleben, die Hausindustrie 
ber (üro&amp;inbnftrie gegenüber ungefähr boa, woa ber freie 0niiernftniib ist 
gegenüber beni @rohgrnnbbe|ihc. — Äber - weil boa Schaffen onf 
beni plastischen, industriellen Spielwnnren-Gebiete für 
jeden, der da will und kann, auch ein geistiges ist, so ist 
*) Namentlich in der Spielwaarenindustrie im Meininger Oberlande und im 
Sächsischen Erzgebirge.
        <pb n="27" />
        23 
jedem Fabrikanten, auch dem unbemittelten, die Möglich- 
keit geboten, im Concurrenzkampfe mit seinen Fachge 
nossen ein „unbegrenztes" Erwerbsfeld sich zu erringen, darauf er 
nach Maßgabe seiner Strebsamkeit, seiner Fachbildung und seiner künst 
lerischen Fähigkeit des Erfolges feiner materiellen und geistigen Productivität 
völlig theilhaftig werden kann. 
Än 3# selbst stan bi g er ^abrif anten, Me Me bents d,e @piel= 
maaren = 3nbuftrie belästigt, steht iie nur gewissen Steigen Mr 2eytil= 
Industrie nach, an volkswirthschaftlichem Werthe aber wird sie von keiner 
anbeten Snbnftrie übertroffen, soweit beren %abriiation 
hausindustriell betrieben wird. Die Hausindustrie stellt auch den 
kleinen Mann in seinem Schaffen und Handeln so selbstständig und 
frei wie den großen Fabrikanten und setzt ihn mit dem Welthandel in 
bireften %erfebr, menngleid, er %mn m#e feiner ^igniffe ber 
Vermittelung eines lokalen Großhandelsstandes sich bedient, 
welcher der Sorge um den Verschleiß seiner Fabrikate nach Außen auf 
Credit ihn enthebt, indem er sie ausschließlich gegen Baarzahlung 
ihm abkauft, um verpackt, auf eigene Rechnung und Gefahr sie zu versenden. 
Erst durch das Bündniß dieser beiden Faktoren, der Pro 
duktion mittelloser, handelsunkundiger Fabrikanten mit dem 
Kapital (aufmännifd, gesamter, nnternebmenber m-ofi' 
und Exporthändler, empfängt der Organismus der Ha usin dust ri e 
seine Lebenskraft und wächst an wirthschastlichem Werthe, in je weiteren 
Kreisen der Exporthandel den Erzeugnissen Absatz verschafft. 
3n oer^iebenen (Begenben 3)ent#lanbS, in Springen, im ^ra, m 
der Röhn re. vegetiren wie von Alters her so heute noch armselige Arberter- 
gruppen, we^e ihre meist groben ^olawaareneraellgniffe gnm persans ans 
barite nnb Reffen selbst Raffen müssen, weil (ein ^0%#^#^ in 
ihren ^robl^^tionëorten oorbanben ist, ber mit bem Gim nnb ^erlauf ihrer 
Maaren ¡id) Ms# nnb ihre Ärbcit ans bessere, üWenbere m^nen len( . 
6ol(heS MoinabenleMn, baS einen iiniiberminbii(hen Alicia fnr bie Leute bat, 
lä^t es an (einer Ge#aftigfeit in ber ^auSinbuftrie (ominen aerjtort ben 
Arbeitssinn mb schadet moralisch und auch pekuniär, weil handelsuntundige 
Arbeiter, beionberS auf mffen, a^meift @dhminblern in Me Wbe faüen. 
Slnbcrcr^eits ļìnb ami, bie %&amp;Ke im ^cininger Dberlanbe nnb auS= 
marts a#reid), basi ^auSinbuftrieKe, bie meber hanbelStmibig noth mo#, 
habend genug waren, um mit ihren Erzeugnissen direkte Geschäfte auf
        <pb n="28" />
        ^rebtt machen zu können, dennoch das Verlangen trugen, von dem lokalen 
0^ort%aiibeIäftanb # &amp;n entangif)iren in ber SKeinnng, beffen 
ßdb ^neignen git sönnen, menu fie %e ^abrüate ans Greblt 
selbst exportrrten. Auch sie fielen, zumeist auf Messen, Schwindlern in 
bie #ibe, an me% sie einen guten ^eiï %eS %ennögenä nerioren. 
^e ^leunaaren^erfertiger in ber #në = , ^iein= nnb 
f roßrndustrie theilen sich in zwei Haup tgrnppe n, in Fadri- 
f an ten, me% bie Baaren fertig fñr ben ßanbel liefern, nnb in bereu 
^nl sä arbeiten*) 0cibe @n#en ^0^ in meiere mttnnqcn nnb 
bicfe ibernin in eine anßcrDrbentíi^^ große 911#% oon ärten. ^ebtcrc 
( nitppe, bte Hülssarbeiter, in Siedelnng nnb Sitte den ländlichen Hand- 
werkern gleichend, besassen sich mit der Verfertigung von Bestandtheilen 
zu den Spielwaaren. Ein anderer Theil dieser Hansindustriellen beschäftigt 
# mit ber Ņrobnftion arbinärer, eorrenter ^anbeWarti!eI, befonberä im 
Quitei', mcnn bie Gnitnrarbcit nnb baö ^oí¿fäiten in ben Balbnngen non 
r? 'ß' ""b mcnn sie i%e eigenen [anbmirt#aft= 
ltd)en Geschäfte besorgt haben. 
Ips^s 
mssm 
§ä§‘SS=5 
SSSÈžm
        <pb n="29" />
        25 
Selten anders als unter zäher Bewahrung seines angestammten Zweig 
berufs, des Ackerbaues, befaßt sich der Dorfarbeiter mit der Fabrikation. 
Der entscheidende Grund dazu liegt in der Sittentreue und in der Tradi 
tion gediegener Volksweisheit, daß einer Familie Existenz nicht ausschließ 
lich aus die Gunst des wandelbaren Handels, vielmehr auf den Ertrag von 
fooiel eigener 1^61010^^#^^ gebaut fein foli, ala ber IMe^ali ber Samilic 
mâ^eiib beë 2BMer8 ober monatelang bauernber ungünstiger ^anbeIa=(Son= 
juncturen erheischt. 
% Materialien, melice §u #ielmaareu oerarbeitet werben, finb 
zumeist Naturerzeugnisse billigster Art, daher die Preise der Fabrikate 
daraus vornehmlich nach dem Grad und dem Maaß der von Menschenhand 
auf sie verwandten Mühe und des damit erreichten Erfolges ihre Werth 
bestimmung empfangen. 
Zunächst ist es das bildsame Holz, welches man als billigstes, zu 
gleich dauerhaftestes Material in der Spielwaaren-Fabrikation be 
nutzt, zu einfachen, einförmigen Drechslerwaaren, zu flüchtig geschnitzten 
figürlichen Sachen und zu Bestandtheilen von Papiermasse-Spielwaaren, zu 
Kästchen Schachteln k. als Zubehör zu jenen. 
Zu besser, oft künstlerisch geformten Spielwaaren verwendet die Sonne 
berger Industrie das nächstbilligste Material, die Papiermasse (xapior 
wnaren - Großhandelsstand und zwar unverpackt, gegen baar, nicht an 
auswär t i g e Kun d s ch a f t auf Eredit. 
Klein- wie Hausindustrie sind daher mit ihrem Siß auf unmittelbare Nähe 
eines Groß- und Exporthandelsstandes angewiesen, der speziell mit dem Verschleiß 
ihrer Fabrikate sich befaßt und sie gegen Baarzahlung kauft. 
Die Fabrikindustrie wird wie die Kleinindustrie, nur umfangreicher betrieben, 
unter technischer und kaufmännischer Leitung, weil sie auf den Selbst- 
Export ihrer Erzeugnisse eingerichtet ist, daher sie außer H an d e ls w i s se n- 
schaft auch H andelsbetriebs-Capital erfordert. 
Die Großindustrie der Porzellan- und Glasfabrikation bedingt zur Pro 
duktion spezielle Bauanlagen und Maschinen, durch elementare 
Kräfte betrieben, und Apparate zur Vorbereitung der Rohmaterialien, Forni en 
und Brennöfen zur Herstellung der Fabrikate lind Halbfabrikate, uub zu Be 
arbeitung , Bemalen und Dekoriren derselben, geistige Arbeitskräfte, unter 
technischer und kaufmännischer Leitung und Selbst-Export ihrer 
Erzeugnisse. ;
        <pb n="30" />
        mâché), welche im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts von dem Kauf 
mann Friedrich Müller in Sonneberg eingeführt wurde. 
Während bei massiv hölzernen Waaren jedes einzelne Stück aus freier 
Wb ge^n^t werben muß, bebáis eg bei bei Sß&amp;pieimaffe mir eineg 
Modelles aus Thon zu einer Form aus Schwefel oder Gyps, aus 
welcher Tausende von Abdrücken manuell gewonnen werden können. 
Den Eigenschaften der Papiermasse, daß sie knetbar-plastisch in 
die Formen eingedrückt, nicht gegossen wird und nicht gebrannt zu werden 
braucht, daß sie in warmer Zimmertemperatur rasch genug erhärtet, um 
aus ein er Form ununterbrochen Abdrücke nehmen zu können, sowie, daß sie 
an Billigkeit von keiner anderen Masse übertroffen wird, verdankt die 
plastische Spielwaaren-Jndnstrie allein den großartigen Auf 
schwung, den sie zumeist im Kreis Sonnzeberg, dann in Thüringen 
und darüber hinaus genommen hat. 
Während in der Herstellungsweise verschiedenartiger Industrie-Erzeug 
nisse eine wahre Umwälzung sich vollzog und fortwährend stattfindet, indem 
die Großindustrie vermöge ihres Capitals, vermöge der Ausnützung wissen 
schaftlicher Erfindungen und Anwendung großartiger maschineller Ein 
richtungen den Gewerben einen Handelsartikel nach dem andern abringt, 
bestehen die Hauptgruppen der deutschen Spielwaaren-Haus- 
und Kleinindustrie im Meininger Oberlaude und im Sächsi 
schen Erzgebirge nicht nur ungeschmälert fort, sondern sie haben alle be 
deutend sich erweitert. Weil ihre Fabrikate nur manuell herzustellen 
sind, weil jeder Artikel eine verschiedenartige, mehr oder weniger geistige, 
inbioibneKe Bebanblnng e^ei^t, so #en med)ani#e mtfel gn ^wnn^ 
hafterem Fabrikationsbetrieb hier keine Nutzanwendung, zumal die Mehr 
zahl der hunderttausendfältigen Spielwaarengebilde, um den wechselnden 
Geschmacksrichtungen der verschiedenen Völker und ihrer Classen zu ent 
sprechen, häufigen Veränderungen in der Gestaltung unterzogen werden 
müssen und überdies in verhältnißmäßig nur kleinen Quantitäten, aber in 
um so größerer Varietät vom Handel begehrt werden. Deshalb eignet sich 
nächst dem Holze die bildsame Papiermasse so vortrefflich zur Herstellung 
billigster, figürlicher Spielwaaren für die einfachen Verhältnisse der Spiel 
waaren-Hansindustrie, wie sie in Sonneberg und Umgegend betrieben wird. 
Während bei Fabriken das Wohl und Wehe der Arbeiter häufig nur 
von einer Person, dem dirigirenden Arbeitgeber, abhängig ist, — sind
        <pb n="31" />
        27 
die selbstständigen Haus - und Kleinindustriellen auf ihre eigene Kraft, im 
Uebrigen lediglich auf die Geschicke des Handels direkt angewiesen, wie 
Große ^abrifantcn au#. S)te (trfolge alíer ^aWgcWfte baßer 
ausschließlich von dem beseelenden Geiste ihrer Leiter und zwar von der 
Stellung ab, die diese gegenüber ihrer Con eu rrenz behaupten, welche das 
Perpetuum mobile des Fortschrittes ist und ein ewiges Auf- und Nieder 
wallen unter den Produktionsstätten verursacht. Neue erstehen, kräftige 
proëpertren, f#ma#e begettren, ein Sßeü rapt ß# auf, ein anderer ber= 
f#minbet gang nnb gar oom 9JWte. %a, gange Siebelungen bon felbß= 
ßänbigen ^au8arbeitern sonnen bon ißrem Sßoben fôrmíi# ßinmeggearbettet 
merben, menu ißre 3lrbeit8leißungen anberömo bnr# ^af#inen nbertropen 
werden, wie z. B. bei den Webern. 
Nicht so bezwingbar find im Großen und Ganzen die Gruppen der 
^au8; unb ßleininbuftrie in ber plaftif#en 6pielmaaren = %Ranu= 
faftu r, welche durch rationelle Arbeitstheilung unter sich Conglomerate 
bon na# Saufenben gaßlenben, felbftftänbigen ^abriíanten hüben, bcren 
Schaffen biel zu verschiedenartige Manipulationen persönlicher, meist geistiger, 
¡a fñnftíerif#er Matur erßeißßt, ai8 baß fokße bnr# 3Raf#inen geleitet 
und verdrängt werden könnten — als daß überhaupt eine fremde Concnr- 
ren&amp; bie palans ¡euer Gruppen auf irgenb einer (Seite ber materiellen 
oder geistigen Arbeit durchbrechen und ihnen corrente Handelsartikel ab- 
ringen sonnte, na#bem ein ^eil ¡euer Gruppen, ber materieííen nieberßen 
Produktion ergeben, dem Druck der Concurrenz sich gefügt hat und in der 
^crßeIIung orbinärer Waffen = %rtüeí ans ber nieberßen ^rei8ßufe bereite 
angekommen ist. 
@oI#e Gruppen ber ^61^^^0118= unb ^Ieininbußrie, míe pe 
im ^etë Sonneberg, im Sä#fif#en ßrggebirgc, in Mürn^ 
berg-Fürth und anderen Orten, von Fabriken untermischt, existiren, sind 
bon ißrerS#oile ni#t ßinmcgguarbeiten, - sie f^b nur an8 = 
g uß ungern. ^eä gu bemerfßeüigen bermö#te nur ein äußerer 
Feind, im Krieg mit Deutschland — mittelst einer Kontinentalsperre, — 
ober aber die neue deutsche Zollpolitik kann es zu Stande bringen, 
wenn in Folge von ihr fremde Länder als Repressalien gegen Deutsch 
land ihre Eingangszölle auf deutsche Spielwaaren bis zu 
Prohibitiv-Zöllen erhöhen, wie dies schon länger mit Rußland und 
Oesterreich, jetzt auch mit Frankreich, Schweden und Dänemark thatsächlich 
der Fall und allem Anschein nach mit anderen Ländern im Werke ist.
        <pb n="32" />
        28 
Jeder wesentliche Fortschritt in der Herstellung neuer, origineller 
wie auch jede bedeutende Preisermäßigung alter, aber corre nt er 
^anbeí3arttfcI omirMteme ÄerMiebung ber ^robuítiona = 
statten*) und somit der Bezugsquellen des Handels, dessen 
wichtigste Aufgabe es ist, unter den letzteren die besten und 
billigsten zu erspähen und zu benutzen. 
Lo sind auch unter den in der Spielwaaren-, Haus- und Kleinindustrie 
verwandten Gruppen häufig solche Verschiebungen in der Produktion wahr- 
aunebincn, Wd)e Me %oige einseitiger #ertbcucrung bei: MobiiiatcraKen, 
besonders des Holzes sind, wo nicht die eine der anderen gewisse Artikel, die 
sie vormals unter gegenseitiger Concnrrenz sabrizirten, durch billigere Erzeu 
gung abrang. So hat das Meininger Oberland aufhören müssen,**) 
enic Menge 0^111^6^013^16111^^11***) au Verfertigen, ineil 
Me mi @&lt;i(Wissen (Sragebirge bimgcrf,crgcfMtücrbc,i, obgíeid) 
bort baa ,#3 aua ^ôblncn bezogen loerbcn inu&amp; baa Meininger Oberianb 
über solches massenhaft exportirt. Außer dieser Concnrrenz in Holz-Spiel- 
maami unterlag Ne @onnebcrger3nbu^^ric ber freier Eoucurrena (soeben) 
m orbutdren bölaernen Eiicberboden, ama guten %bcil ber ^ö^^if^^en in 
roben Holzwaaren unb Schachteln unb der auf dem Bayerischen Wald in 
Holzdraht, Zündhölzern k. 
ber Einführung ber ^ a p i e r in a f f e in @ o n n c b e r g ersero# ber 
fabrikmäßige Betrieb in der bis dahin rein als Hausindustrie be 
triebenen Sp ietwa aren-Manufaktur, indem Friedrich Müller zuerst 
die Fabrikation von Puppenköpfen derartig betrieb. 
Aber so viel Nachahmung diese Fabrikationsweise auch fand, so konnte 
üe bia beute bod) nur auf bie forrenteften Gpielmaarcn, uwucutm auf 
Rispen, ^u^penfDbfe unb möfen fid) erftreden, beim foincit baa uiige= 
) tu Folge künstlichen Hinaufschraubens der Holzpreise, 
mente @ficlfa(bcn, Ißu^en, @cn,cbic; 3nftm
        <pb n="33" />
        29 
heure Prodnctionsfeld zwischen „Arbeit daheim" und „Arbeit in 
der Fabrik" sich irgendwie theilen ließ, zog stets mit Erfolg die Haus 
industrie den Theil an sich, der ihren räumlichen und pekuniären Verhält 
nissen sich anpassen ließ. Schließt dieser Theil auch nicht die correntesten 
Handelsartikel in sich, so umfaßt er doch den an Mannigfaltigkeit plastischer 
Gebilde reichsten Theil, die von der Gestaltung niederster Art bis hinauf 
zur Kunst an einander sich reihen. 
Zudem bildet hier die Handelsindustrie die Grundpfeiler 
der Klein- und der Fabrikindustrie im Spielwaarenfach, auf welche 
beide sich stützen, indem sie die Mehrzahl der Bestandtheile ihrer Fabrikate 
von der Hausindustrie verfertigen lassen, welche sie so billig wie jene 
nicht produziren können. 
Unabhängigkeit und Freiheit in der Bewegung des selbstständigen 
Schaffens, Arbeit für eigene Rechnung im Kreis der Familie, die Mithülfe 
derselben im Ringen um die Existenz und im Streben nach Verbesserung 
derselben, sind die Faktoren, welche der selbstständige n Hausindustrie 
im Spielwaarengebiet die mächtige Anziehungskraft verleihen, zugleich 
d# 01^0^0^ leisten, bd^ bon beb nnb beT @elb^^^^dnbtg= 
Mt ber Metter ### nnb geistig nte^ nnb größere Erfolge an er= 
warten stehen, als von der Lohnarbeit in Fabriken, zumal jene unter dem 
Drucke der freien Concurrenz, der altbewährten Geißel alles Stillstandes 
zu arbeiten haben, — letztere nicht. Weil jene Geißel direkt immer nur 
den Arbeitgeber, nicht seine Arbeiter trifft, so kommt es, daß Fabrik 
arbeiter wie alle in das Wesen der Industrie und des Handels nicht Ein 
geweihte den Druck der äußeren Concurrenz als einen willkürlichen, 
von des Arbeitgebers Eigennutz ausgehenden zu betrachten nur zu gerne 
geneigt sind. Denn außerhalb des Concurrenz - Wettkampfplatzes stehend, 
entfernt von dem Getriebe von Industrie und Handel und dem Mechanis 
mus derselben, werden sie durch äußerliche Erscheinungen nur zu leicht ge 
blendet und irre geführt. 
Klein- und Fabrikindnstrie, die neuerer Zeit zur Puppenfabri 
kation massenhaft erstand, erfordern eine noch ausgeprägtere Arbeitstheilung 
als die Hausindustrie und auch größeres Anlage- und Betriebscapital, 
annidi die Fabrikindustrie, welche ihre Erzeugnisse selbst in den Handel 
einführt, weshalb handelswissenschaftliche und technische Kenntnisse bei ihr 
gepaart sein müssen.
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3)er #nbcl3ftmib $imã(^ft ist eë, bem bie üûden in feiner Snbnftrie 
fid) geigen, nnb mcil fcincriei intelligente ^(ifte, gefoult für bic Şlaftif 
ber Spielwaaren-Jnbustrie, ans anbeten Kreisen, als aus denen ber Spiel- 
waaren = 3nbnftrie selbst, beren Gebiet betreten, ber ĢanbeWstanb aber mie 
in allen Fächern so auch im Spielwaarenfache überfüllt worben ist, so ist 
die natürliche Folge, daß kaufmännisch erzogene junge Kräfte einen Theil 
%e3 ^apital8 ber Snbnftrie gumenben, um selbst auf %en gelbem grumte 
gu bnnen, mie jie ber ^anbeí verlangt, erregt bie mein= unb gabrif= 
Snbuftrle au^er i^em materieüen Mcminn and) geistige Erfolge be§ gort= 
fchrittes, feijafft sie Neues, Besseres, Originelleres, wouad) der Welthandel 
allezeit sud)t — so wirkt ihr Schaffen befruchtend auf die Hausindustrie und 
übt günstigen Einfluß zugleich auf ben Handel aus. Denn bei der int 
Sonneberger Spielwaareufach ziemlich allgemeinen Erflndungsarmuth lauert 
die raubgierige Coueurrenz der niederen Production auf das Erscheinen 
jeder, auch der geringfügigsten Novität und ihre Schaaren stürzen sich auf 
bereit ^ad)a^mung, nm frifd)e %a^rungëguedeu fid) gn er^l^en, inbent 
sie die Fabrikate geistärmer und zu billigeren Preisen für niedere Volks- 
claffen ^er^^eüen. ^ibigt Mein: nnb gabri^gnbuftrie bent gort^ritte 
nid)t, arbeitet sie blos nach Gewinn, so wird sie nicht nur nicht gedeihen, 
vielmehr bald der Coueurrenz unterliegen, weil sie theuerer arbeitet als 
die Haus- und Kleiu-Judustrie. 
So hoch auch die Stufen der plastischen Spielwaaren-Judustrie in das 
reine ^nftgebiet i)tneinragen, so fe^ ber 3Beít^anbeí an gelegenen, 
tünftlerifd)en Spiels a^^en Mangel leibet, — tro$bem er für fo^e fe^- gute 
Preise bietet, — zur weltberühmten Souueberger Spielwaaren-Judustrie 
und zu ihren kunstverwandten Nebeuzweigen ist noch kein Knustschüler, 
kein Polytechniker herabgestiegen, viel weniger einer derjenigen 
Akademiker, die nicht bis zur Höhe der reinen Kunst emporgekommen 
sind. In Fr au kr e id) ist das anders. Dort empfängt die Kuustindustrie 
bis herab zu der int Spielwaarenfache ihre Befruchtung direkt von den 
bildenden Künsten, daher die Ueberlegeuheit der Pariser in fast allen Kunst- 
iudustriezweigeu. In Deutschland empfängt die Spielwaareuiudustrie 
ihre Befrud)tung von einzelnen talentvollen Autodidakten, die Mutter- 
Natur der heimischen Industrie geboren und erhalten hat, und — von jungen 
Kaufleuten, welche eine der Fabrikation entsprechende ted)uische nnb 
künstlerische Bildung nicht genossen haben. Ihren Zuwad)s an ausführenden 
Arbeitskräften aber empfängt diese Industrie zumeist aus den niedrigsten 
vr.
        <pb n="35" />
        31 
Classen der weiten Umgegend, aus einer Jugend, die jegliches Zeichen 
unterrichtes entbehrt hat. 
So zehrt jetzt die Sonneberger Industrie vornehmlich vom mate 
riellen Theil der Erbschaft ihrer Urväter. Geistig sind die Schatze derselben 
zum allergeringsten Theil gehoben. Der Welthandel zeigt die Richtung, wo sie 
liegen, aber zum Heben derselben ist die Wünschelruthe: „Bildung" nöthig, 
die als idealer Schutz, weit über alle Monopole und Schutzzölle gehend, 
nur von den bildenden Künsten*) ihr wie der gesummten Spielwaaren- 
industrie verliehen werden kann. 
Spielwaaren, so weit der Handel sie trägt, in allen Ländern, in 
allen Volksschichten, in den Palästen der Reichen und in den Hütten der 
Armen, sind sie willkommene Gaben, angethan, das Auge zu erfreuen, das 
Gemüth zu erheitern, den Geist zu unterhalten und zu belehren. Sie haben 
den hohen künstlerischen Anforderungen der gebildeten Classen zu ent 
sprechen, durch naturalistische Formentreue ihrer Gebilde, die als Alphabet 
der Kunst sie gelten läßt, den jugendlichen Formensinn zu schärfen und 
zu bilden. Aber nicht minder auch hat die Fabrikation den Anforderungen 
der zahlreichsten Menschen, welche die mittleren und niederen Volks- 
cla ss en ausmachen, gerecht zu werden, und zwar unter Berücksichtigung ihrer 
pekuniären Verhältnisse, zumal der untersten Volksschichten, deren con- 
sumirender Theil mit den geistärmsten, billigsten Produkten des Materialis 
mus völlig sich begnügt. 
Darum ist der goldene Boden des unabsehbar ausgedehnten Spiel- 
waarenfeldes ein unerschöpflich ergiebiger wie für alles 
materielle, so auch für alles geistige Schaffen — vornehmlich in 
der Plastik der Sonneberger Waaren. 
*) Mit den Wissenschaften, selbst den Naturwissenschaften steht die plastische Industrie, 
darunter die der Spielwaaren-Manufaktur, in keinerlei direkter Beziehung. Außer der 
Galvanoplastik hat sie nur der Chemie eine Anzahl Farben zu verdanken, von denen 
jedoch ein guter Theil von einer anderen Wissenschaft (der Hygiene) zur Anwendung 
ihnen verboten worden ist. Weil international noch nicht festgestellt ist, welche 
Farben an Spielwaaren schädlich oder unschädlich sind, so ist das Urtheil dar 
über der Willkür der Sanitätspolizei eines jeden fremden Zollgrenzortes anheim 
gegeben, wodurch dem deutschen Aktivhandel, namentlich im Spielwaarenfache, eine 
höchst empfindliche Schädigung erwächst.
        <pb n="36" />
        Jedem Fabrikanten, zumal dem Städter, und sei er auch der kleinste 
Hausindustrielle, der selbstständig und direkt für den Welthandel arbeitet, 
liegen Me Segnungen Mffelben aüegett bor Singen. @r braud)t nur au9 
feiner @nge auf Me @trn^e gn fd)auen. 3n Mm Meigeftaltigften treiben 
M§ wtrt^f(^astlt^^en nnb ^anbel9gef^^âft9Derte^r9 um i^t ^erunt offenbaren 
sich ihm die äußeren Merkmale des Segens des Handels durch die Erfolge 
der Strebsamkeit seiner Mitmenschen in allen Gewerben. Deutlichst erkennt 
er sie unter seinen Fachgenossen. 
^^#6 ^nfer geigen i^n Me Më ##9, Mr 
Gparfamfett, be9 geistigen gortf^^rttte9. Gie finì) erbaut Don ®emcrbe= 
tretbeuben unb %abnfanteu, Me er al9 arme Se^jungen gesaunt, Me burd) 
itérer ^äuM Weit wo^í^abeub, ja re^ geworben finb. Slber er fiel)t gu= 
aiettí) au^^ ba9 ®egent^etl. 3n ben ^a^^^^ñb^^en wol)uen ebenfaM Wri' 
kanten; auch sie sind ihm von Jugend an bekannt, aber als leichtsinnig 
ober faul. Gte i)aben ntd)t9 gelernt, waren íet^^tIebtg unb sonnen ¡e¿t 
tnt Alter sich und ihre Familien nur nothdürftig ernähren. 
^o^e etttbrüde, Me jeber, ber ein offeneë Singe #t, auf ben Straßen 
und in den Häusern VON Sonneberg in kurzer Zeit gewinnen kann, sind die 
eflatantefte üe^e für ben, ber oou betn Gegen ber SnMiftrie, nic^t blo9 Don 
betn M9 ^anbel9 # üMrgeugen will, obfd)on selbst unter Mm ßaufmann9= 
staube, ttieilê burd) eigene %erf^^ulbung, ^cilê bui^ gefd)âftít^^e%er = 
lüfte es allezeit auch Unbemittelte, ja Arme giebt. 
Solche Eindrücke sind es eben, die unter einer freien selbstständigen 
Strbeiterbeoõíferuitg eine un^a^are, au^erûrbeutít^^e ^^11^9%*% auf 
diejenigen ausüben, bereit Thatkraft durch die Concurrenz erst angespornt 
werben muß, um fid) me^ unb besser ^erDorgut^un, ube^au^t an #0^#% 
gu benfen unb Har gu fe^en, wie gered)t unb strenge ber ^anbeí Me 
Arbeit lohnt, die materielle, geistlose schlecht, diesolide, durch 
dachte Arbeit gut, die erfinberifd)e und künstlerische glän 
zend. Gar Mancher, wenn er Andere durch bessere oder vermehrte Arbeits 
leistungen vorwärts kommen sieht, schickt zum Wettkamps der Arbeit nach 
besserem Gewinne und höherem Erfolge mit seinen Fachgenossen sich an, 
wenigstens greift er fr# gur Slrbeit, feine ^e^ttlfen gu ücrme^rtem #let&amp; 
anspornend, mit der Mahnung „Zeit ist Geld!" 
So pulsirt der Welthandel auch in den Adern des kleinsten Heim 
arbeiters, dem in seiner entlegenen Waldhütte der Landpostbote einen
        <pb n="37" />
        83 
Antheil von der Bestellung überbringst welche dem Kaufmann aus dem Lande 
der Antipoden zugekommen ist. 
Das Arb ei 1s leb en der selbstständigen Hausindustriellen ist ein ge 
sellschaftliches. Meister und Gehülfen haben einander in die Hände zu 
arbeiten. Eine Unterhaltung und ein Ideenaustausch kann zwischen ihnen statt 
finden, unbeschadet der nöthigen Flinkheit und Aufmerksamkeit bei der Arbeits 
verrichtung. Daher verbannt auch der Meister den Humor und Mutterwitz und 
auch den Gesang eines Liedes nicht vom Arbeitstische, vielmehr begrüßt er sie 
als willkommene Gäste, zur Arbeit anzufrischen. Ja, er zieht dazu noch andere 
liebe Gäste bei. Vögel, die er im Herbst auf dem nahen bewaldeten Berg 
rücken selbst gefangen, sollen durch ihren Gesang bei der Arbeit ihn ergötzen. 
Er macht so die Thierchen zu Schicksalsgefährten seiner und der Seinigen, 
die Jahr aus Jahr ein an den Werktagen von frühem Morgen bis spät in 
die Nacht in die Werkstube gebannt, die allbelebende Frische der freien 
Waldesluft entbehren müssen. 
Solche „Poesie in der Arbeitsstube" des Hausindnstriellen herrscht 
schon weniger in der des kleinen städtischen Fabrikanten und sie ist gänzlich 
verpönt in den Fabriken, wo die Arbeit in strenger Ordnung geschäfts 
mäßig betrieben wird. 
Die Segnungen des Welthandels bestehen für die Sonneberger 
Industrie in dem fast ununterbrochenen, gleichmäßigen Bedarf von Waaren, 
wie solcher nur durch einen über alle Länder der Erde verbreiteten Consum 
herbeigeführt werden kann. Während Bestellungen auf Waaren, etwa für 
Weihnachten, aus entferntesten Gegenden wie Indien und Australien, schon 
zu Anfang des Jahres am Produetionsorte eintreffen und ausgeführt werden 
müssen, sind für minder entfernte Länder wie Amerika, die Aufträge erst 
gegen Mitte des Jahres auszuführen, für nähere Gegenden noch später, für 
den Bedarf des Heimathlandes zuletzt. 
Durch die Transportzeit, bedingt durch die verschiedenen Entfernungen 
der consumirenden Länder vom Orte der Production, vertheilt sich der Welt- 
markts-Waarenbedarf fast auf alle Monate des Jahres, somit auch die Be 
schäftigung und der Verdienst der Fabrikanten. 
Weiter führt der Welthandel für die Industrie den Vortheil mit sich, 
daß er die für neue Handelsartikel gezahlten höheren Preise auf 
längere Zeit hinaus stabil erhält. Denn, ist ein deutsches Fabrikat neu 
in Deutschland in den ersten Monaten des Jahres, so kommt es in Amerika 
3
        <pb n="38" />
        34 
erst gegen Mitte des Jahres als Novität zu Markt, in Australien erst zu 
Ende des Jahres, — in Folge der längeren Transportzeit. 
Weil die Bevölkerung der Erde zum weitaus größten Theil arme, 
gering bemittelte und uncivilisirte Menschen in sich schließt, so erfordert der 
Welthandel zu deren Versorgung eine entsprechende große Mehrzahl 
von Waaren billigster Herstellung, die, flüchtig gearbeitet, selbst 
verständlich nur von geringer und geringster Qualität sein können?) 
Industrie und Handel, der Menschheit bereitwillige Diener, haben 
allezeit genau nach den Bedürfnissen der Consumenten und ihren 
Ansprüchen sich zu richten, und je gründlicher sie dies thun, desto mehr 
fördern sie ihr eigenes und gemeinschaftliches Interesse. 
Besonders leicht fällt es der Production, den Welthandel mit ordinären 
Erzeugnissen zu versorgen, und zwar um so leichter, je ordinärer, geistloser der 
Handel sie verlangt, denn um so rascher kann sich der Fabrikant billige 
Hülsskräste dazu heranziehen. Um so früher und zahlreicher erwächst freilich 
auch die Concurreuz den Produzenten ans jenen Lehr- und Hülfskräften, 
die ganz in dem Verhältnisse sich vermehrt, wie die Nachfrage nach ihren 
Erzeugnissen im Handel steigt. Der massenhafte Bedarf und der regel 
mäßige Absatz solcher Waaren für die untersten Volksclassen veranlaßt wohl 
einen Theil des Handelsstandes, Geschäfte damit zu treiben, ein anderer 
Theil jedoch befaßt sich nur mit besseren Waareu und soweit er solche von 
seiner heimathlichen Industrie nicht geliefert erhält, bezieht er sie von 
auswärtigen Fabriken. 
Jede Handelsstockung bewirkt alsbald das Angebot der niederen 
Arbeiterclassen, weil deren Existenz ununterbrochene Arbeit und regelmäßigen 
Absatz erheischt. Durch diese Angebote werden ausschließlich die Kaufleute 
in den Stand gesetzt, die Fabrikate nach ihrem Werthe zu prüfen, nach den 
Preisen sie zu vergleichen, qualitativ gegenseitig sie abzuwägen und die 
Preise zu nor mir en. Indem so der Kaufmann die erforderlichen 
Waarenkenntnisse sich aneignet, die bei seinen Bestellungen überhaupt 
*) Privatstatistische Ermittelungen des Consums Sonneberger Spielwaaren in 
Deutschland und in England ergaben, daß von hundert Stück Spielsachen 70 auf ordi 
näre, 25 auf mittlere und 5 auf feine Sorten entfallen. Andere Länder, welche der, 
Eingangszoll auf Spielwaaren nach dem Gewicht derselben erheben, können nicht in 
Vergleich gezogen werden, da sie die Einfuhr ordinärer Spielwaaren meist fast un 
möglich machen.
        <pb n="39" />
        35 
ihn zu leiten haben, muß er das Resultat seiner gewonnenen Ueberzeugung 
gestreng zu seiner Richtung nehmen, denn bei massenhaft begehrten Handels 
artikeln handelt es sich häufig um wenige Pfennige Preisdifferenz sür's 
Dutzend, ob das eine oder das andere Großhandlungshaus den Auftrag 
empfängt. Kauft das eine um diese Differenz zu theuer von der Production, 
so geht es dafür der Bestellung verlustig, wo nicht gar der Kundschaft selbst. 
Denn auch diese, die Imp or teure und Detail li st en arbeiten unter 
C o neurrenz. Um sich ihr Absatzgebiet nicht schmälern zu lassen, müssen auch 
sie allezeit auf der Luge sein, für ihren Waarenbedars die billigsten Bezugs 
quellen zu erspähen. Sie verlangen und erwarten von ihren Vertretern, den 
Kaufleuten am Orte der Production, daß sie der letzteren gegenüber ihr Inte 
resse wahrnehmen, sowohl in Bezug auf die Qualität der zu vereinbarten 
Preisen zu besorgenden Waaren, wie namentlich auf die Preisreductionen 
correnter Sorten, wie solche, durch die Concurrenz herbeigeführt, in der Pro 
duction oft unvermuthet vorkommen, auf daß auch sie ihren Abnehmern, 
den Konsumenten solche sofort theilhaftig werden lassen, sobald ihre 
Concurrenz es thut. 
Daß dies gewissenhaft geschieht, dafür sorgt am sichersten der gefürchtete 
strenge Popanz, die Concurrenz unter den Kaufleuten. 
Jedes industrielle Geschäft, auch das des kleinsten Hausindustriellen, 
ist auf Massenproduktion und folglich auch auf Massenabsatz an 
gewiesen. Letzteren möglichst ohne Unterbrechung herbeizuführen, ist die Auf 
gabe und das Interesse eines den Sitz der Produktion theilenden Export- 
tz and eisstand es. Dieser sammelt die von verschiedenen Fabrikanten ge 
kauften Waaren, bis alle zur Completirung der Aufträge eingegangen sind. Um 
solche schneller ausführen zu können, kauft die Mehrzahl der Sonneberger 
Handelshäuser Waaren auf Lager, die nicht jederzeit in genügender Menge 
von den Fabrikanten zu beschaffen sind, oder solche, die man allein vom 
Fabrikanten beziehen will, um sie im Handel der Concurrenz zu entziehen. 
Oder auch die Kaufleute alle benützen den Tiefgang der 
Preise correnter Waaren, indem sie auf Lager kaufen. Dies 
zu thun, fordert das Interesse eines jeden Großhändlers, der unter Con 
currenz arbeitet, sowohl dem Fabrikantenstand gegenüber, welcher beschäftigt 
sein will, und den an sich zu fesseln in seinem Interesse liegt, als auch seiner 
Kundschaft gegenüber, welche nur so lange ihm treu bleibt, als er sie gleich 
3 *
        <pb n="40" />
        36 
1 
Vortheilhaft, ebenso schnell und ebenso billig wie jedes andere Geschäftshaus 
bedient. So ist das Verhältniß zwischen Großhandel und der 
Produktion selbstständiger Fabrikanten überall und kann übrigens 
im Interesse des Consumè auch nicht anders sein.*) 
In allen Fällen, wenn der Großhandelsstand Waaren au f La g er gegen 
baar einkauft, selbst wenn er einen Vortheil dabei hat, erweist er sich dem 
Arbeiterstand gegenüber als wahrer Bundesgenosse, und dies mit so mehr, 
je stärker das Angebot ist. Für die Humanität aber, die dabei der Kauf 
mann an den Fabrikanten übt, und wenn er in Zeiten der Noth als Rath 
geber und Belehrer an ihnen sich bethätigt, lohnt ihn bei Wiederkehr ge 
schäftsreger Zeit, da es an schaffenden Händen fehlt, — die Anhänglichkeit 
und Dankbarkeit jener. 
So unentbehrlich wie für Haus- und Kleinindnstrie am Orte der 
Produktion ein ansässiger Export-Großhandels st a nd, so unumgänglich 
ist auch für den auswärtigen Großhandel des Importes ein solcher, 
zumal im Spielwaarensache, weil darin die Muster-Auswahl eine außerordent 
lich große, vielfältige und die Zahl der Fabrikanten eine nicht viel geringere ist. 
Deshalb können, außer von correnten Sorten Puppen und wenigen anderen 
Artikeln auswärtige Käufer ihren Waarenbedarf von den einzelnen Fabrikanten 
direkt nicht beziehen, abgesehen davon, daß die Mehrzahl dieser keine Geschäfte 
ans Credit hin machen kann , wozu Betriebskapital, Haudelswissenschaft und 
Sprachkenntniß nöthig ist, und daß viele Fabrikanten überhaupt keinen 
Exporthandel mit ihren Fabrikaten treiben mögen, vielmehr nur gegen 
baar an den lokalen Großhandel sie zu verkaufen vorziehen. 
Je massenhafter fremde Großhändler Waaren importiren, um so 
eifriger in der Regel suchen Exporthändler und Fabrikanten sie als Abnehmer 
zu gewinnen, weil Massen-Produktion und Massen-Absatz, selbst wenn sie zu 
erniedrigten Preisen geschehen, mancherlei Vortheile bieten. Deshalb kaufen 
auch Großhändler Waaren in bedeutenden Quantitäten billiger als 
Kleinhändler und Detaillisten; besonders wenn diese ihre Waaren- 
Einkäuse auf Messen rc. persönlich machen und durch unverhültnißmäßige 
hohe Spesen den Consumenten die Waaren vertheuern. So kommt es denn, 
daß in England, Dank der Vermittelung eines Großhandels dort, 
*) Siehe Seite 23, 38, 42, 43.
        <pb n="41" />
        37 
deutsche Spielwaaren ebenso billig, zum Theil billiger zu kaufen 
sind als wie in Deutschland selbst*). 
Je erfindungsärmer der überwiegende Theil einer plastischen Industrie- 
Gruppe ist, desto geistärmer wird deren individuelle Handarbeit und um so 
gieriger zieht sie die Geistesarbeit ihres Faches in den Sumpf des Materialis 
mus, darin er seine Nahrung findet. 
Und in der That, noch ehe der Erdenker eines originellen Handels 
artikels einen entsprechenden pekuniären Nutzen vom Erfolge seines geistigen 
Schaffens hat, indem er ihn für die besseren Classen solid fabrizirt, weil 
diese für geschmackvolle Arbeit gute Preise zahlen, stürzen sich Dutzende von 
Fabrikanten auf dessen Nachahmung, um ihn in ordinärer Qualität 
billiger für die zahlreicheren Mittelclassen herzustellen und 
Hunderte gehen nach und nach auf dessen nochmalige Verschlechterung der 
Qualität aus, um ihn zu allerniedrigsten Preisen den untersten Volks 
schichten zugänglich zu machen. 
Genau den Graden der Geschmacksbildnng und des Wohlstandes, 
welche die verschiedenen Classen aller eivilisirten Länder von einander ab 
schichten, entspricht der Consum in jedem Lande. Nach ihm richtet sich 
dessen Im porthandel, indem er seinen Bedarf nach den Stufen mißt, 
auf denen seine Kundschaft steht, und seine Bestellungen nach Preisen ertheilt, 
welche inclusive der Transport- und anderer Unkosten, auch inclusive seines 
und der Detaillisten Nutzen, dem Werth der in seinem Lande couranten 
*) Man vergleiche Puppen, Pferde, Esel und andere beliebte Spielwaaren zu 10, 
50 Pf., zu 1, 1^2 und 2 Mark rc. in deutschen großstädtischen Läden mit solchen zu 
den entsprechenden Preisen in vornehmen Spielwaarenläden Englands, namentlich in 
London, und man wird diese Behauptung völlig bestätigt finden. Freilich ist hierbei 
in Betracht zu ziehen, daß der Engländer bei seinen Einkäufen geringfügiger Alltags- 
Luxus- und Gebrauchssachen wie Spielsachen überhaupt praktischer verfährt als der 
Deutsche. Jener bestimmt im Voraus die Münze, um die er kaufen will, 
letzterer fragt nach dem Preise. Darum hat der Engländer nur mit einem 
Faktor, der Waaren-Qualität, der Deutsche aber mit zwei Faktoren, der Qualität und 
dem Preise, resp. Werth, zu rechnen. Dieser erschwert sich, jener erleichtert sich das 
Geschäft und erlangt Kenntniß des Werthes der Waaren viel leichter. 
mit Ausnahme der in Deutschland erst neuerer Zeit sporadisch auftretenden 10 und 50 Pfennigs- 
Artikel-Verkaussläden,
        <pb n="42" />
        Münzen entsprechen,') nach welchen das Publikum seine Einkäufe zu 
machen pflegt. So kauft es in Deutschland vorzugsweise Spielwaaren, welche 
in die Detailpreise passen 
äu: 10, 20, 25, 30, 40, 50 ^ 1, 1,50, 2,- 
in England, zu: 1, 2, 3, 4, 0d, l sh —, lshOd, 2 sh — re., 
in Ämerifa, an: 5, 10, 25, 50, 75 Genta, 1 ^Har x. 
imi) zwar lauten die Bestellungen bei zunehmenden Preisen in abfallenden 
Quantitäten, etüa mie 100 %b., 80 ^b., 60 %b., 40 ^b. x. 
Seil allenthalben das Publikum die Verkaufsstellen ausforscht, von welchen 
an bestimmten Reifen bie besten, größten unb fünften Sauren an fiaben 
(mb, so fi# bie Go neu r rena ber ben ^etaiI^anbeI oerforgenbenSm^on 
teure jeberaeit eifrig n# ben billigsten VeaugSgiieden am Qrt ber &lt;ßrobuc= 
tion. Sie benutzt dazu bie Goncurrenz unter den Exporthäusern, die 
ihrerseits die Eoncurrenz unter den Prodnzente n anfsnchen, um womöglich 
lenen änforberungen entffred,en au sönnen, bie fd,ließlid) alle bod) 
nur ben Gonfumenten au dunsten (ominen. 
^eiMníicb gef#en fold)c VreiSrebuctionen non einer Şreiäftufe 
aur na# nieberen unb fiaren ¡cbcSmaí für bie Sßrobuctton unb ben Aanbel 
ben Vortheil mit sich, daß der Waarenabsatz wesentlich gesteigert wird 
@te merben entmeber auf gegenseitige Vereinbarung am#en Kaufmann unb 
Fabrikanten getroffen, wenn es gilt, einen nicht mehr neuen Artikel einfacher 
orbinärer unb barmn billiger ßeraufteKen, bamit in einer tieferen $reiS= 
stufe ein neues größeres Äbfaßgcblet ißm eröffnet merbe, - ober bie 
Preisherabsetzungen sind — in den meisten Fällen — das natürliche 
Ergebniß ber Goncurrena unter ben Ņrobuaenten selbst 
Senn ein ^ad,gcuoffe ra^er, fleißiger arbeitet, fein Ge#äft rationeller 
organismi ßat aiS ber anbere, menu ber Gine im Staube ist, eine funere 
ober längere (Nefd,äftSftoduug Muniär auSaußalten, ber Änbcre nießt, so 
ist bie golge, baß leßterer feine Saarcu au billigeren greifen ausbietet 
um Arbeit und Verdienst zu bekommen, woraufhin die anderen Fachgenossen 
nachfolgen müssen, bis schließlich die Goncurrenz erschöpft, der Artikel auf 
ber niedersten Herstellungs-Preisstufe angelangt, unvermeidlich dem Schicksale
        <pb n="43" />
        39 
DerfäHt, baß alíe ßanbelßartlfel um so früher ereilt, ie begetter sie finb 
und je leichter ihre Herstellung ist. 
Ein willkürliches Herabdrücken der Preise Seitens der 
Kaufleute kann überhaupt da nicht stattfinden, wo wie in 
Sonneberg und in dem nahen Neustadt, über sechszig Groß 
handlungshäuser ihre Waaren von unabhängigen, selbst 
ständigen Fabrikanten kaufen müssen, um Handel treiben 
zu können, wo jeder geschickte Fabrikant, der für die mittleren und 
höheren Gesellschaftselassen originelle, fein oder künst- 
lerifcf) gearbeitete Äßaaren verfertigt, bie außerhalb ber 
Eoneurrenz stehen, allezeit die Preise erhält, die er vorschreibt. 
Seber ^abrifant l)at Wegezeit, unter beu fe^ig ®ro#aublungä= 
Ijänfern in @onneberg unb %euftabt fid) baßfenige außgumä^leu, mel^eß bie 
^õ^^^^eu ^reife für feine ^aaren i# #lt, eine ^e^â^berfe#^^ 
lei^termig, bie amar bem .Kaufmann abge#, meil feine gibue^ner über aüe 
Känbcr vcrtíjeilt stub, bacìi) ^at and) er eelegei^ett, unter beu Şrobuaenten 
bicfenigeu ¡id) außaumä^len, meld)e für einen, bur^^ bie Goncurrena be= 
stimmten Preis die besten Waaren liefern. 
Dem Handel können nur Waaren-Preise bienen, um welche der 
Fabrikant jederzeit lieferfähig ist, denn der Kaufmann darf nicht zu billigeren 
Preisen offerirei:, als die, zu denen er liefern kann. Er liefe sonst Gefahr, 
von seiner Kundschaft als leistungsunfähig angesehen und für die Folge 
von ihr gemieden zu werden. In diesem Umstand, der Liefer- 
beß ^anbelß, welche bie 8ei^^ungßfa^igfeit ber 
Production bedingt, liegt die Bürgschaft, daß letztere überhaupt nicht 
unter einem Preis arbeitet, der keinen Nutzen ihr gewährt. 
Weil die Angebote der verschiedenen Fabrikanten ausschließlich an die 
Kaufleute ergehen, so sind auch nur sie ausschließlich in den Stand gesetzt, 
Vergleiche der Leistungsfähigkeit unter den Fabrikanten anzustellen und nach 
bem (»rabe ber Dualität ber Maaren bie ^eife au noriniren. Su ben 
illngen Handelsunkundiger mögen solche Preisnormirungen a lu bau Resultat 
beß Drudeß ber .Kaufleute e^clueu, in ber %l)at finb sic aber nur baß beß 
S)nideß ber Goncurrena in ber ^0^1^011 selbst, melier in ben üerfd)iebenen 
Angeboten sich äußert. 
Wie die Erfolge großartiger Erfindungen erst dann allseitig die Menschen 
beglücken, der Production, dem Handel und Verkehr Millionen eintragen, wenn
        <pb n="44" />
        40 
fte durch Concurren; zu freier Ausbeute gelaugt find, genau s° verhält es 
sich mit dem erfolge der Erfindungen auf den, scheinbar geringfügigen Ge- 
biete bei- ßinberfpteimaaren. 
9U3 gegen Witte biefeä 3a#unberta bie mobernen ^uff)en (3:äuf= 
den Chinesen nachgeahmt, mit durch Wach« überzogenen Köpfen und 
fiebern guerft in 6onneberg Derfertigt mürben, mars beren ißrobuftion 
em ersten Mrifanten*) bcrfeiben giängenben %ußen ab nnb inatte ibn 
inimr#ib 15 Sauren gum reißen Wanne, ßaum minber begiMte biefe 
Fabrikation feine nächsten Nachfolger nnb zahlreichere mettere mürben rnohl- 
baoon. Stod; feßt tragen bie feinen ©orten Şuppen ißren %er= 
fertigem guten Nutzen ein, rnährenb bie Sorten mittlerer Qualität ae- 
rtng, bie ber orbinärften %t Mlecßt Dom #nbei gelo# merben, beim 
auf fie, aië am meisten Dom #anbei begeht nnb am tet^eften ^er. 
delibar, fturgt fid) bie niebere Ambustión in übermiegenber gaM nnb 
burdi^ernieíirung berGoncurreng unter ißr ben Tiefgang ber greife be» 
fchleunigend, setzt sie biefe schließlich selbst auf Hungerlöhne herab. 
^Dagegen ist gu berl^d!^^^^tigen, baß biefe Ņuppenfabrtfation, bie änfangä 
in eonneberg unb 9Balter3ßaufen säum STaufenb Wenden belästigte, 
+ ^ ^ 3:aufenb Wenf^en, feßt für geßn= 
rTlrf ^uringen einen %aßrungggueß biibet, ber Dorant 
114^1^ mit ber uberaíí ßcß Dermeßrenben ^inberfd^aar macßfen mußte 
64ranfen nid)t gefteßt, frembe Sänber burá 
„Schutzzölle nicht ihm verftzerrt mürben/*) 
rDşşşş BSS 
Maaren frobugirt, um so meßr sann ber %eítí)anbel baä Wbfaßgebiet für 
) Heinrich Stier in Sonneberg 
mm«;
        <pb n="45" />
        sie erweitern, um so stärker wird deren Consum und um so mehr Produzenten 
vermag dann der Handel zu beschäftigen. 
Wir überlassen den Schülern der modernen Nationalökonomie die Lösung 
des volkswirthschaftlichen Rechen-Exempels: ob die industrielle Produktion 
segensreicher wirkt, zur Zeit, da ein Welthandelsartikel neu, von hundert 
Fabrikanten zu hohen Preisen für die bemittelten Klassen verfertigt 
wird, oder ob zur Zeit, da er veraltet, der Coneurrenz verfallen, von 
lausend Fabrikanten zu niedrigsten Preisen und zwar zu Gunsten 
von Millionen armer und gering bemittelter Consumenten hergestellt wird. 
Der Segen, den eine blühende Weltindustrie spendet, erstreckt sich nie 
mals auf deren Production und den Exporthandel allein. Gewerbe und 
Landwirthschaft werden davon in nicht minder reichem Maaße betroffen, 
besonders die beiden letzteren Faktoren in einer an selbstständigen 
Fabrikanten so reichen, dicht bevölkerten Gegend, wie das Meininger 
Oberland. Namentlich ist die Wirkung großartig, welche die Sonneberger 
Spielwaaren-Jndustrie auf fremde Industriezweige ausübt. Mate 
rialien und Stoffe*), die sie zur Fabrikation besonders von Puppen gebraucht 
und von auswärts, zum Theil vom Auslande, beziehen muß, betragen jährlich 
vier bis fünf Millionen Mark. 
Die große Mehrzahl der Hülfskräfte, welche die ordinäre Puppen 
fabrikation in Sonneberg massenhaft erheischte, um zu dem jetzigen Auf 
schwung zu gelangen und den Handel zu befriedigen, empfing sie ans weiter 
Umgegend bis nach Baiern hinein, wo in den Gewerben und in der Land 
wirthschaft eine Verdienstlosigkeit und Armuth herrscht, wie man sie in 
Sonneberg und nächster Umgebung nicht fennt.**) 
*) Schirl ing rc. für Puppenhemdchen, Textil st offe aller Art; Posa 
menten, Spitzen rc. zur Puppenbckleidnng; Wachs, Stearin, Paraffin; Leim; 
Farben; Mohair; Tuch schür; Firniß, Lacke; Bronze; Luxus-Papiere, 
Pappe, Papier-Borten; Schafleder; Wolle; Felle, Pelzwerk; 
H a r m o n i k a st i m m e n , Musikwerke, Saiten; Gummi; Draht; Deco 
rations- und Schmucksachen für Puppen rc. rc. Außerdem zur Verpackung der 
Waaren: Papier, Pappe, Bindfaden; Zinkblech zu Kisten; Oeltuch, 
Wachspapier; Jutesäckchen zu Marbeln rc. 
**) In den eine Meile von Sonneberg entfernten Steinkohlenbergwerken verdienen 
die erwachsenen Bergleute durchschnittlich Mk. 1 pr. Tag, in Sonneberg beträgt der 
Tagelvhn Mk. 1,50 und 2, der Handwerksgesellen Mk. 2 und 2,50 mindestens.
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        42 
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Su demselben Verhältniß wie Industrie und Handel haben auch die 
feitf»»f»»bbreißi0 3#en genommen. 
Zahl der Großhandelshäuser ist seit damals von 20 auf 60 gestiegen 
^1^0 bte ®enaste ber ®roß= ttitb meiitgernerbe »itb beg 2)etaiibaitbelg! 
.JZ# noch bat fitß ber %obnWen= mb beffe» ^ltIfgarbeiterftaltb oermeíirt 
u»b gmor »m bag Äterfacbe. Snnerbaib ber ießtc» fünf Mrc ist bte gaßl 
ber ^^11= imb (#(#^01# iâbríicb itm 10, 20 ¡a 40 nemathfc». Sie 
entstanden nach Bedürfniß, angemessen dem Geschmack und der Wohlhabeu- 
^eit ihrer Waiter ober ^eßßer, meldbe Derbältitißmaßtß biel mcßr beut 
^abritante»; imb (Bemerbeftanb, alg bem ^a»beIgfta»b angeboren 
Sebe Snbitftrie, meitbe materielle %e#e»arbeit erbeifcbt, mim btcfc 
beocr lohne», alg bte ganbmirthfdhaft imb bte ®emerbc eg th»» mili sie 
ans btefe» Wore» %efrtttirimq ersten. 3)arttm iibt beim '»»d, bie 
(5 0 »ne b er 0 er S11 b » ft rte eme mácbttqe m»3tebtmggiraft mis ben arbeit; 
fame» 3betl ber bebrüte» »iebcrc» %oífgcíaffe» in metter llmqeqenb 
aitg imb ber mindert das Proletariat unter ihnen, indem sie Arbeit 
fbeitW imb Äerbienft, mo ber Segen ber Äatitr aüem nicht aitgreichL bte 
Tuschen zu ernähren, wo es für die Jugend an Erziehungs- und an Lehr- 
Itatte» ber Arbeit gttr Arbeit gebricht. 3» bit stri cor te imb ßabrife» 
ober |mb miter alle» Umftäiibe» Statte», melcße bte gage ber Mensen 
oteï mehr berbeffent aW oerfchlechteni, imb »»ter jene» stehe» bte Orte ber 
^anginb»#^ oben ait, meti bet % bte Went bte Arbeitgeber ihrer Mnber 
selber sind. 
. Eine Industrie, einzig in ihrer Art, wie die Sonueberger, bereit Aufgabe 
Zeugnisse» be» Aitforberimgeii t» ¿C3»g auf Onalitat 
nnb ^erftealmqgļ)reife alíe» ^oifgclaffc» tit aile» Säubern herab big ut 
be» imctotltlirte» mter» 3» cntfhrccheit, muß be» Material i gm» g 
ber ^^^11^10» i» sich bertreteii habe», ¿itr Besorgung »nb 
Befriedigung des Materialismus im Consum. Geschähe dies 
von Sonneberg aus nicht, so würde es sicherlich anderwärts geschehen 
%td)t im interesse ber ^»36^6113116111, bicïmehr 3» ® tut ftc» beg 
E 0 il s u m s wirkt die Industrie für das Gebiet des internationalen Güter 
austausches. Fortwährend wird die Industrie vom Handel bestürmt Neues 
Lnqtiteiteg 3» iMcn, ans ^Mittel imb 28ege 3» ß»»e», ihre e^eitaittffe 
nt Qualität zu verbessern, in Geschmack zu veredeln oder Nachge- 
#mteg billiger ber3itfteiie», ans baß biejenige» tritate, mc'% 
4È
        <pb n="47" />
        43 
bisher nur die reichen Classen sich beschaffen konnten, den mittleren Classen 
zugänglich gemacht werden und daß das, was bisher für diese pekuniär 
erreichbar war, jetzt auch den niederen Classen theilhaftig gemacht werde. 
Das humanste aller Naturgesetze ist es, welches das Inter 
esse der Consumen ten wahrt, indem es in den Mechanismus alles 
Schaffens die Concurrenz einsetzte, als Sporn zum Fortschritte, als Druck 
auf den Stillstand. Erst durch die Concurrenz empfängt die Industrie die 
volle Weihe jenes Weltgesetzes, wenn sie den Exporthandel in den Stand 
setzt, ihre Erzeugnisse in alle Länder einzuführen und alle Volksschichten 
damit zu beglücken. Mag dies auch in Zwischenräumen der Art geschehen, 
daß vorerst die Reichen und Wohlhabenden von der fortschrittlichen Industrie 
versorgt werden, welche für den Reiz der Neuheit, für gediegene oder künst 
lerische Ausführung ihrer Waaren die höchsten Preise von jenen erhält, so 
tritt doch früher oder später die Concurrenz in ihre Rechte ein, unter deren 
Druck die Waaren in geringerer Qualität zu allerniedrigsten Preisen ver 
fertigt werden, um auch den Aermsten, entferntest Wohnenden zugeführt 
werden zu können. 
Wo Maschinen nicht in Anwendung kommen können, wo alle Arbeiten 
von Menschenhänden verrichtet werden müssen, wie in der plastischen Spiel- 
waaren-Fabrikation, da hat auch die materielle industrielle Arbeit ihre volle 
humanitäre Berechtigung im Verkehrsleben. Ihre Erzeugnisse sind 
im internationalen Güteraustausch Pioniere der Civilisation, wenn auch nur 
ihrer Billigkeit halber. Mit einem Groß ordinärster Spielsachen gewinnt 
der Missionär eine ganze Schaar Heiden für seine Lehre. Dem Negerweib 
gefällt die allerordinärste Puppe, welche in Culturländern für häßlich be 
funden wird, aber sie ist ihm immer noch zu theuer. Darum ist auch das 
geflügelte Wort „billig und schlecht" — ein von Industrie und Handel 
belächeltes, weil es von Unkenntnis; des Welthandels zeugt, der alle Menschen 
ohne Unterschied des Bildungsgrades — die ärmsten natürlich billigst — 
mit möglichst vielerlei Bedarfs- und Luxuswaaren versorgen soll. 
Wenn freilich „billige und schlechte Waaren", welche von der 
Industrie im Auftrage des Handels „für U n ci v i li si r t e" verfertigt werden, 
von civilisirten Menschen gekauft werden, so trägt die Verantwortung weder die 
Industrie noch der Handel, vielmehr trifft sie denjenigen Culturstaat, dem 
die Geschmacklosen, Ungebildeten angehören, die solche Waaren ihrer Billig 
keit wegen kaufen. Indem sie dies thun, vermehren sie den Absatz solcher 
Waaren und damit den Materialismus in der Produktion. Bei der außer-
        <pb n="48" />
        ordentlich großen Mannigfaltigkeit der Spielwaaren und deren Abstufungen 
m ber Dualität, mie jie ber Raubet begeht, fami tu ber Şrobuction baß 
materielle Schaffen vom geistigen getrennt werden, ohne eine Störung des 
t leichgewichtes. im Handel zu verursachen, weil es diesem gleichgiltig ist 
bou wo^er er Me nöt^igen Baaren begie^. #er oolfSwirt^s^^astli^^ 
Mt ber @4aben, — mib er erwä^^st beut Staate, welci)em eiue Snbustric 
angehört, darin die Mehrzahl der Produzenten dem Materialismus fröhnt, 
ben ^^011061 Wol)l mit orbiiiärfteu Baaren gu niebrigsten ^reisen oersorgt,' 
aber mcí)t im 6tanbe ist, bie besseren Baaren &amp;u liefern, Welche bie Iteren 
(Älafien begehen nnb wofür sie sel)r gute greife ^a^len. 
2)^ sol(l)eS Mis oer^ltui^ We^eS auf bem Gebiet ber 6 0 n n e b e r g e r 
@pielwaaren = Manufaftur, in Welker bie ^ïastif oon ber festen ^orm= 
btloncrei bis hinaus zu Kunstgebilden reicht, sehr fühlbar ist, wächst mit der 
geistigen Armuth auch die physische, in der Produktion vermindert sich die 
GMeu^h^ unter ben Snbustrteííen, manbert baS Capital beS ^anbelS auS= 
tosti-té,*) bahin, wo speciell die Gattung seiner, geschmackvoller Spielsachen 
verfertigt werben, wie sie ber #anbel begeht. 
Sur Wrifation orbinärer Massemärtifel, namentlid) im ^uppensa^^e 
ber ^pielwaaren, weil sie nur manuell uMani^e Arbeitsleistungen c^eis^t, 
finb aííe Mens^^en^ânbe geeignet, we^e bie nötige %irtuofitat\u ben Oer, 
fctliebenen ArbeitS, Manipulationen ^ erlangen im Gtanbe finb 3)abei 
sonnen Säuglinge unb Wählen fru^eitigst %en SebenSunterlialt # be= 
— w%enb &amp;iir Sabrifation besserer, fa flìnstïeris^^er Baarcn 
selbstverständlich eine längere Lehr- und Lernzeit erforderlich ist, die häufig 
obendrein Lehrgeld kostet. Daher liegt für unbemittelte und einsichtslose 
A-anulienOater bie Äerfud)ung nal)e, %e ^nber na# bereu Entlassung auS 
ber Mule in Sabrifen gu seiden, wo sie alSbalb ®elb oerbienen. 
@0% natlìrli^^e Strömung ist fünstlid) niemals gn ^emmen, benn es 
Mt ue Macht des Welthandels, die sie verursacht und nährt. Auch wird 
ber .hanbel ben Materialismus in ber ^robl^^tion, ben er in bem Maofie 
wie er ihn branchi, allezeit getreulich sorternähren, vorausgesetzt 
daß durch menschliche Bestimmungen keiner der naturgesetz- 
lichen Wege seines internationalen Handelsverkehrs ihm 
0 e r f p e r r t w i r b. Aber eben biese 111^11^1^6 Strömung ber materieileu 
) Außer nach deutschen großen Städten, nach Wien und 
Paris für seine Spielsachen.
        <pb n="49" />
        Arbeit nach, welche Lehrlinge und Gehülfen massenhaft absorbirt, — reißt 
unter dem jetzigen Verhältniß auch viele junge Talente mit fort, welche der 
Kunstsinn bedürftigen Sonneberger Industrie nützlich, dem Handel förderlich 
hätten werden können, wenn sie gerettet, rechtzeitig in künstlerisch praktische 
Schule und Lehre gezogen worden wären. 
Wie bisher, so heute noch hängt es vom Spiel des Zufalls ab, wie 
viele von den angehenden Fabrikanten an den Scheidewegen zur Produktivität, 
der geistarmen, der besseren oder der künstlerischen sich zuwenden und in wie 
weit sie als Zöglinge bei geschickten, autodidaktisch gebildeten Fabrikanten 
ausharren, um genügend von ihnen zu lernen und selbst dem Fortschritt zu 
huldigen, zur Herstellung von Waaren, die dem Geschmacke der höheren 
Classen entsprechen. 
In allen Ländern schreitet die Cultur vor und mit ihr steigen die 
Anforderungen auch an die Spielwaaren - Industrie. Deshalb paßt das 
national - ökonomische Motto: „laisser aller“ wohl allezeit auf das frei- 
händlerische Panier des Sonneberger Welthandels, aber nicht auf das seiner 
Industrie, welche überwiegend Hausindustrie ist. 
Arm und nur itt Zeiten der Noth erwachsen, festgewurzelt auf der 
Scholle, an die sie nun gebunden ist, wird die Sonneberger Spielwaaren- 
industrie, wie die des Sächsischen Erzgebirges auch, in den untersten Re 
gionen ihres materiellen Schaffens stets den Urtypus der physischen Ver 
kommenheit in dem Maaße tragen, in welchem man ihre geistige Vor 
bildung läßt. Sie zu heben ist Sache des Staates. 
Ein dankbareres, ausdehnungsfähigeres Arbeitsgebiet 
als dieses, das nur unten auf den Feldern des physischen Schaffens an 
Arbeitern zum Erdrücken voll, während es auf der Höhe an geistigen 
Bebauern leer ist, giebt es für ihn nicht. 
Würde nur ein Theil der fortwährend vom Sonneberger Handel be 
gehrten besseren, künstlerischen Spielwaaren und Decorations-, Luxus- und 
Gebrauchsartikel neuer Gattung und feineren Geschmacks hier verfertigt 
werden, so würden Tausende geschickter, geschulter Fabrikanten mehr 
Beschäftigung bei reichlichem Verdienste erhalten können, als jetzt die 
Hunderte, welche als eingeborene, nach geistigem Erfolg arbeitende Auto 
didakten über dem Materialismus der Produktion schwimmend, das Ehren 
banner ihrer Industrie rettend über die Wogen halten.
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        Şegerr die fahrenden Schüler des Katheder-Sozialismns. 
Wit ber #i)ereit Wfa, nnb ^ur^^nittäbilbmig im bentfcben %olf 
ermi# in i^n eine Vorliebe gum aSeatntenftaub, bergiei^en in feinem an, 
beren ßnlturftaate M bemerfiic^ ma#, nnb biefe Vorliebe steigerte fid) 
gum Drang, als mit ber Wenbung ber Regierungspolitik betn Volk ein be= 
fonòereê Patrimonium in Aussicht gestellt würbe, als bas staatssozialistische 
Prinzip, welches halb auf humanitären, halb aber auf reaktionären Anschau- 
ungen basirt, in ber Wissenschaft nnb in bett Regierungskreisen zur Be- 
refttgnng i^er ^errf^^aft ben ersten ^ia^ einna#. 
&amp;en ans bie materiede ^efriebigung gerichteten ^ûnf^^en ber %e, 
volkerung, gegen Versorgung betn Staate bienftbar zu werben, suchten bettn 
au4 btc ^egierungen aííegeit na^^ Graften gu el#re^^en. bereinigte ia 
bo^ bte Sbee etnea fogiai^iit^en ^efDrm^^aatea baa streben, möglt# 
utüe befttgtttne ana ben bef^^äftigunga= nnb @rmerbafreifen ber brinaten 
anzufangen, mit bent, bas Beamtenheer zu vermehren, selbst auf bie batnit 
uerbunbene (^efa^ i)in, ben ãrbeitabrang nnb baa ßingelftreben na^^ selbst, 
ļtanbtgen unab^ängigen Gfiftengen in ben 9Renfd)en gn ncrni^^ten/) 
Şo groß auch ber von Oben künstlich erzeugte nnb protegiste Aubrang 
gtt bett Hochschulen sich gestaltete, immer wußten bie Regierungen zum Ab- 
sluß jener Strömung burch Vermehrung alter nnb Errichtung neuer (Sa= 
nàte für bereit Aufnahme nnb zweckeutsprecheube Vertheiluug zu sorgen. 
) wiege Den lettarüfel: „der Beamtenstaat und der Einzelne' 
Berliner SügeHatteë (nom 15. mr; 1882). %ud) Gelte 54. 
m ycr. 125 des
        <pb n="51" />
        47 
Insonderheit ist es jetzt das unabsehbare, unergründliche Gebiet der 
National-Oekonomie, als von der Theorie der Wissenschaften noch 
am wenigsten cultivirt, aus welches man Schaaren junger Philosophen lenkte, 
um als zukünftige Docenten der modernen Volkswirthschaftslehre dem selbst 
ständigen und unabhängigen Arbeitervolk auf seinen freien Feldern statistisch 
nachzuweisen, zu lehren und zu wissen zu thun, wie, außer der Pflichtarbeit, 
den Staatsanforderungen zu genügen, sie zu handeln und wohl gar auch zu 
denken und zu glauben haben, um den Staatssozialismus im Reformstaat 
zu kräftigen. 
Ausgestattet von der Alma mater mit dem unvermeidlichen Doctorhut 
der deutschen Universitäts-Philosophie*), gehüllt in den Mantel der Gelehrt 
heit, von dem das deutsche Volk so leicht wie kein zweites sich blenden läßt, 
den altelassischen Folianten in der Rechten, woraus sie ihre Weisheit sogen, 
zurechtgestutzt im Geiste eonservativer Regierungen in eigens zu dem Zwecke 
organisirten stantswissenschastlichen Seminaren, stürmten diese Novizen „der 
modernen Klöster der Staatswissenschaften", wie man hier im Nährstand sie 
nennt, in Massen aus den Volksstaat ein. 
Sie sind nichts anderes, als was im Bienenstaat die Drohnen sind, — 
bekannt als Katheder-Sozialisten der jüngeren Schule der Na 
tional-Oekono mie, welche unter bereits anrüchig eelatanter Art der 
Aufrührung wirthschaftspolitischer Verhältnisse sich hervorthaten, dem Volke 
glauben zu machen, daß unter der Kutte ihrer Schulweisheit ein empfind 
sames Herz für die Arbeiten und Leiden des Volkes Pulsire, und daß mit 
den bekannten, abgedroschenen Gebeten aus ihren Schul-Brevieren die 
sozialen Verhältnisse gebessert werden könnten. In der That aber wissen sie 
nur ihre Klagelieder mechanisch abzusingen nach Noten, welche schon vor 
tausend Jahren gedient haben und voraussichtlich in aller Zukunft frommen 
Seelen zum Anstimmen dienen werden. Denn sie haben kein Verständniß 
vom realen Leben, weil sie selbstständig zu arbeiten nicht gelernt, keine 
eigenen Gedanken haben und deshalb auch ihre Begriffe nur einseitig und 
leicht sich bilden. 
Abgeschlossen vom frischen freien Erwerbsleben, zehren sie in ihren 
Zellen von veralteten Sätzen veränderlicher Glaubensweisheit und von der 
Kenntniß geschichtlicher Thatsachen, ohne Verständniß von den Existenz- 
Bedingungen, den Mitteln und Wegen der Gegenwart, welche zur Erkennt- 
*) Siehe Schopenhauer's Kapitel: „Ueber Universitäts-Philosophie."
        <pb n="52" />
        Hiß ber %e#ítmffe fiaren, miter benen bie mis Seíbfthñífe angetoiefenen 
Menschen, welche ihre Individualität und Unabhängigkeit bewahrt wissen 
1^«^, lehrhaft mib eWid) arbeiten miiffen, mii ben Ä#r#cn beö 
Staates als solchen gerecht werden zu können. 
Beil für bicfe Species oon ^olfgbegiitcferii batbige (StaaWoerforgmia 
Sebengfrage ist, so erwärmen |ie sich fc^neít mtb Ieid)t für aüe po(itif^^ell 
m\b unpolitischen Angelegenheiten im Dienste reaktionärer Regierungen und 
entwickeln unter einer ihnen sonst fremden Art von Thätigkeit eine ver- 
inehiWd) erfolgreiche BBirffomfeit (loie 0. in Ņren&amp;en 'oor mib nad) 
öen Wahlen) — bis der Erfolg derselben in einer Professur seinen Ab 
schluß findet. 
®* e f eu Don öer Gelehrsamkeit eingeführten Staatspensions- 
Aspiranten stehen die meisten Zeitungen offen zur Veröffentlichung ihrer 
^nm^^mlßell über Äerhüttniffe beg praftifd)en %erfehr§iebeng, nid)t miiibcr 
natürlich auch die von gelehrter Hand, wobei eine die andere wäscht ge 
schriebenen Rezensionen. 
Auf ihren wissenschaftlichen Geschäfts- und Studienreisen wenden sie 
M) ben herborrageiiben beatmen 3^11^06^1^11 unb ^ bereu 
0eoöitermig bi# bie Originalität ihreë (Echafienê bem Stnglmib gegenüber 
in 1)61(6111 Sichte steht, baö freilich amt) mioermeiblich bmitie fatteli wirft, 
loeí^e ben berf^^llíten mtgen biefer (Gattung üon belehrten ans mibefaimtem 
We mn so besser paffen, aW bann, ini Äothlicht fo^ia(bemofratifd)er Sa= 
temen, fie ihre ,,%achtbiiber be§ ^rbeiterIebenä" greiier ausmalen mib ni, 
tauter beschreiben können. 
Mam im Saufe be§ ooroorigeii3ahrcë ein fahrenber Schüler ber ftaatëfo= 
zialistischen Rational-Oekonomie, Namens Dr. Emanuel Sap, auf längere 
Seit wieberi)olt in baö Oberlanb be§ ^6^00(^111$ Sad)fen = 3^6(11(119611 ge= 
^gen, anëgeftattet mit Empfehlungsschreiben ber ^ergogi. (Sachsen ^eD 
iiiiigenichen StaatSregicrmig, bie aüe ^ioe ihm öffneten, ans bereu Stften 
er feine 3861%% #4#, nm bicfe mit ben Einbrüchen, welche bie that- 
f«4Hd)en Wirthfchaftíichen %erhâítnlffe an Ort mib (Steile auf % gemad,!", 
ņi einem Werk über die dortige Hausindustrie zusammenzustellen *) zugleich' 
loie er in feinem Vorwort sagt „einem ^ebiìrfniB gn entsprechen, bordi 
foieijeö Studium zu einem tieferen Verständniß einer kritischen Würdigung 
*) „Die Canginbuftrie in fingen; I. 3)ag Meininger OWanb"' oon 
Dr. Emanuel Sax.
        <pb n="53" />
        49 
i 
der national - ökonomischen Theorien wie der wirthschaftlichen Gesetzgebung 
zu gelangen." Solchem Bedürfniß zu entsprechen, hat er allerdings 
das Verdienst sich erworben, auf die erschreckende Versumpfung im Deutschen 
Reich unwillkürlich hingewiesen zu haben, welche, die Luft verpestend, eine 
Unmasse Irrlichter produzirt, die das Volk bethören. 
Wenn je die Wissenschaft aus der Höhe akademischer Selbstüberhebung 
einen plumpen Fall gethan, durch den sie ihre Blößen zeigte, so war es der, 
den sie auf dem von allen andern Nationen beneideten Gebiet der Sonne 
berger Spielwaaren-Hausindustrie und ihres Handels durch das Sax'sche 
Werk erlitt. Zwar ist es die Arbeit eines fahrenden Schülers der Univer 
sitäts-Philosophie, die wesentlich sich unterscheidet von der reinen Philo 
sophie, welche völlige Unabhängigkeit voraussetzt.*) Immerhin ist es die Arbeit 
eines Doetors der Philosophie, dem die Herzogl. Sachsen -Meiningen'sche 
Staatsregierung — indem sie ihn als Doctor philosophiae im Voraus zu 
einer wissenschaftlichen Sektion der Sonneberger Industrie und Handelsver 
hältnisse für befähigt halten mußte — ihre Unterstützung angedeihen ließ, 
vielleicht zur Klärung und Bereicherung ihrer eigenen Kenntniß darüber. 
Diese Arbeit ist als eines jener „Zeichen der Zeit" zu betrachten, 
die einzeln als Sternschnuppen bald hier, bald dort sich zeigend, nach und 
nach überall den beschränkten Unterthanenverstand zur Erkenntniß des Firma 
mentes führen, unter dessen Sonnen das deutsche Volk zu arbeiten und zu 
sorgen hat. Deshalb fühlen sich denn auch die liberalen Industriellen 
und Kaufleute des Sonneberger Kreises der Herzogl. Sachsen-Meiningen'schen 
Staatsregierung, insonderheit dem Herrn Geheimen Staatsrath Heim zu 
gleichem Dank verpflichtet, wie Herr Dr. Sax seinerseits, daß ihnen durch 
dessen „Versuch auf handelswissenschaftlichem Gebiet" der derzeitige Stand 
deutscher staatssozialistischer National-Oekonomie gekennzeichnet und über 
haupt gezeigt worden ist, was die Philosophie der jüngeren deutschen Schule 
zu leisten vermag.**) 
Wohl erscheint das Sax'sche Buch in gelehrtem Gewand, denn es strotzt 
') Siehe Schopenhauer's Kapitel: „Ueber Universitäts-Philosophie." 
") Namentlich die des Staatswissenschaftlichen Seminars in Halle, Director Herr 
Professor Jvh. Conrad, dem Herr Dr. Sax seine dankbaren Gesinnungen dafür bezeugt, 
„daß er ihn auf das Thema dieser Arbeit hingewiesen und unermüdlich sie gefördert 
habe" — und dem als Herausgeber der „Sammlung national-ökonomischer und statisti 
scher Abhandlungen" das deutsche Arbeitervolk überhaupt zu besonderem Dank ver 
pflichtet ist.
        <pb n="54" />
        50 
von archivEschen Quellen - Angaben, welche eines Autors „Forschergeist" 
um so besser kennzeichnen, je tiefer er sie aus alten Aktenstücken herausschöpft. 
Um so leerer aber gingen durch solches Erforschen veralteter Thatsachen 
alle in der Gegenwart Lebenden aus, welche vom Geist der forschenden 
Gelehrsamkeit die Kundgebung erwarteten, wie die Verhältnisse des 
Erwerbslebens und der sozialen Zustände, der Jetztzeit ent 
sprechend, um- und neuzugestalten seien, zu Nutz und From 
men d e r M e n s ch h e i t. Statt dessen speist Hr. Dr. Sax die Wißbegierigen 
mit allbekannten balsamischen Kräutern ab, davon die Katheder-Volkswirth- 
schaftler stets einen Vorrath im Sacke haben, die auf bekannte Vorschläge, 
— wie permanente Muster-Ausstellungen, Fachschulen re. hinauslaufen, der 
gleichen schon lange vor des Messias Erscheinen hier wiederholt versucht 
worden sind, —und auf bekannte genossenschaftliche Einrichtungen 
hindeuten, durch welche die Vermittelung und das Kapital des Großhandels 
umgangen und eine bureaukratische Geschäftsführung für Rechnung Dritter 
zur Heilung des „Arbeiter-Elendes" herbeigeführt werden soll. 
Durch das ganze Sax'sche Werk ist der rothe Faden gesponnen, dessen 
sich die Sozial-Demokratie für ihre Zwecke in allen Industriestädten bedient, 
jene Farbe, die in pikanter Schattirnng aufgetragen, auch gemüthvolle Seelen 
von oberflächlicher Denkungsart besticht, die aber nicht waschecht ist und 
verblaßt, wenn sie der Atmosphäre einer unabhängigen, s e l b st st ä n d i g e n 
Haus- und Kleinindustrie wie der in Sonneberg ausgesetzt wird, 
wo jeder Fabrikant, groß oder klein, völlig selbstständig für eigene Rechnung 
arbeitet und schafft , wo auch dem armen schlichten Mann gesunden Ver 
standes das Walten eines Naturgesetzes nicht entgeht, welches von der Wir 
kung auf die Ursache ihn schließen läßt, warum im Kampf ums Dasein und 
um Verbesserung desselben der Eine arm, der Andere wohlhabend, ein 
Dritter reich geworden?) 
Durch das ganze Werk") wehen die Klagen über einen „latent perenni- 
*) Siehe Seite 32, 40. 
**) Der Eine rühmt das Sax'sche Buch als einen „wer th vollen Beitrag 
zur Pathologie der sozialen Zustande in Deutschland", der Andere als „eine mirth- 
schaftspolitische Studie nach Art einer privaten Enquöte an Ort und Stelle 
eines leider nur erst wenig behandelten Gebietes" angestellt; ein Dritter belobt es 
als eine Monographie zur Kenntniß der Lage unserer Arbeiter-Classen, zumal des 
„ haus industriellen Elendes", einen willkommenen Beitrag zu dem, was man 
den descriptiven Theil der National-Oekonomie nennen könne rc. rc.
        <pb n="55" />
        51 
renden Nothstand in der Sonneberger Hausindustrie", als einer Production, 
die jeder höheren, sittlichen Organisation ermangelt, von „abhängigen" Fabri 
kanten und Arbeitern, die ohne innern Zusammenhang, ohne gemeinsame 
Institution alle Mittel entbehren zu einem Aufschwung in bessere Verhält 
nisse*). Und inmitten seines tiefschwarzen Gemäldes stellt er den nackten, kauf 
männischen Egoismus in rother Höllengluth dar, als den Urheber und Nährer 
des grausigen Elendes unter einem „Proletariat der schlimmsten Sorte."**) 
Der Universitäts-Philosoph sieht den Wohlstand nicht, der in Sonne 
berg und Umgegend unter allen Klassen vorherrscht, die direct und indirect 
von der Blüthe des Handels leben. Er sieht nur wohlhabende Kaufherren, 
aber keine wohlhabenden Fabrikanten und Gewerbtreibende, aber um so 
größere Schaaren eines Arbeiter-Proletariates, welche unparteiische Be 
obachter hier nicht sehen, vielmehr auswärts in einer viel traurigeren 
Lage finden, da, wo keine Industrie und kein Handel ihren Segen spenden. 
Man fragt daher erstaunt, ja empört, w o, in welchen anderen Regionen 
zwischen Production und Handel für erstere günstigere, humanere Verhältnisse 
existiren, als hier, wo jeder einzelne Fabrikant dem lokalen Großhandels 
stand so unabhängig und selbstständig gegenübersteht, wie der Detaillist 
und der Handwerker dem Publikum. Genau so wie dieses***) und 
nicht anders verfährt die Sonneberger Kaufmannschaft bei ihren Waaren 
einkäufen gegenüber den Fabrikanten,-^) nur daß im Großhandel, weil 
fortwährend unter Production und Consum eine Fluctuation gleich Ebbe 
und Fluth stattfindet, beide Factoren dem Gesetz des Angebotes 
und der Nachfrage unterworfen sind.şş) 
*) Wie ein Rezensent im Interesse des Sax'schen Werks in der Straßburger 
W (23. Äug. 1882) fWM. 
**) Wie ein Rezensent in der Weser-Zeitung (vom 27. September 1882) sich ver 
lauten läßt. 
***) Der fahrende Schüler der National - Oekonomie kauft seine Brödchen bei dem 
Bäcker, der die größten und besten liefert, imb der Herr Professor erspäht dasjenige 
Geschäft, in welchem er seine Bedürfnisse bester Qualität zugleich billigst empfängt. 
Beide erachten es als selbstverständliche Aufgabe der Concnrrenz, daß die Consú 
mente» der Willkür der Produzenten nicht preisgegeben werden, daß sie vielmehr die 
Preise der Erzeugnisse fortwährend erniedrige durch wirksamen D r u ck auf Arbeit, Fort 
schritt und Erfindung. 
t) Glefic Gelte 23, 29. 
tt) Gl# Güte 34, 39.
        <pb n="56" />
        R2 
Während der Schüler der „descriptive:: National-Oekonomie" aus alten 
verstaubten Akten seine Weisheit sammelte, entflog ihm der Geist des Leben 
digen, der ans den geschästbelebten Straßen und in den Häusern die 
schaffenden und schöpferischen Elemente bewegt, welch' lärmendes Treiben 
nur eine Störung für seine philosophischen Arbeiten gewesen sein mag. 
Ohne Vorkenntniß von Wesen und Geist in Industrie und Handel, ja 
nicht einmal ausgestattet mit dem Verständniß des Begriffs „ Concur 
re nz", zu dem jedes Conversationslexikon leicht und billig ihn hätte 
führen können, hat es doch dem Herrn Seminarist der Staatswissenschaften 
beliebt, unter sozialdemokratischen Einflüsterungen seine Begriffe so zu 
bilden, wie zu seinem „Studien-Schattenbild nach der Natur" sie 
ihm und seinen Auftraggebern paßten. Er hat die Zustände an einigen 
Familienheerden der niedersten Classen studirt und die Häuser und „Villen" 
aller vom Handel wohlhabend gewordenen Gewerbetreibenden, Fabrikanten 
und Kaufleute möglichst gemieden, - um als Pathologe der modernen 
Philosophie keine andere als seiner Patienten Luft zu athmen, welche 
übrigfna int ßnn&amp;en %Retniiioer DWmib Mnegireßö eine fo^MbentoWtf^^e, 
sondern vorherrschend eine liberale ist.*) 
Gerade in solchen Häusern der Wohlhabenden hätte er erfahren können, 
was in den Hütten der Armen ihm nicht erklärt werden konnte, und was 
sein eigner Geist an Ort und Stelle nicht hat erforschen können, unter 
welchen Grundbedingungen nämlich die Phasen in Gewerbe, Industrie 
und Handel in Sonneberg und Umgegend vor sich gehen, wie da durch Fleiß 
und Energie im Schaffen, mit Sparsamkeit gepaart, auf pyramidalen Stufen 
der Aufschwung möglich ist. So stammen nicht nur alle eingeborenen 
wohlhabenden Fabrikanten, zumeist in zweiter Generation, sondern auch alle 
Kaufleute in dritter, aus dem niederen Arbeiterstande, ja zum Theil aus 
dem untersten, demselben, welchen Herr Dr. Sax als „Proletariat" zu be 
zeichnen beliebt. Die Großväter der Aeltesten der Sonneberger Kaufmann 
schaft waren: Maler und Spielwaarenmacher, Nagelschmiede, Wetzstein- und 
Schiefergriffelmacher, Bäcker rc. Solche Stammbäume, die jene Kaufleute 
mit Stolz die ihrigen nennen, zeugen vom „Adel der Arbeit", den die 
Sippe der Katheder-Sozialisten nicht anerkennen will, so lange unter dem 
*) Die letzten Reichötagöwahlen ergaben in der Stadt Sonneberg 949 liberale, 
110 conservative, 10 sozialdemokratische Stimmen.
        <pb n="57" />
        53 
(BroGWbel i# ^me Slrbeitergruppen stehen, bereu meli l#en 
die Möglichkeit zu geistigem Aufschwung geboten, ein ungleich günsti- 
ßeteä ist*) ata baa cur ber er armer ^rbcitcrgruppen, ¡eaer, 
die bem Großgrundbesitz, Bergwerkbesitz re. „dem Adel von 
Geburt", gur Arbeit bienen muffen, biefelben, bienotligebrangt gei^cr 
massenhaft zur Auswanberung schritten. 
Im Gegentheil, der Forschergeist des fahrenden Schülers der deutschen 
National-Oekonomie hat die Quelle der Armuth und des Elendes der nie 
dersten Arbeiterklassen unter dem nackten Egoismus des Kapitals 
im Handelsstand von Sonneberg entdeckt, und er schilt diesen als 
verantwortlich um so herber, als er schon von Alters her niemals gebührend 
gefügig den Privilegien und Bestimmungen seiner Regierung gegenüber sich 
Debatten #be, meld)e auf ^er^^eIlung bea ®lei^^gemi^^tea #^11 Ņrobuction 
mb 9861%^ „für ben ^eiS (Sonneberg" bod) so meife beregnet gemefen 
stub. Er beweist dies aus alten Aktenstücken vom vorigen Jahrhundert, 
deren Inhalt den Grundzügen des Staatssozialismus von heute sehr 
ähnelt und welche in ihren Extremen sozialdemokratische berühren. 
Sie benutzt Dr. Sax als die beiden Pole zur Entzündung eines Spreng 
stoffes, den, gehüllt in eine „wissenschaftliche Industrie- und Handels-Studie", 
er unter eine fleißige, in allen Welttheilen rühmlich bekannte Arbeitergruppe 
mit einer Keckheit schleudert, welche, die Höhe der Bahn kenn 
zeichnend, auf der senes Geschoß gekommen, eine peinliche, unver- 
wischliche Spur hinterläßt, zugleich von Unkenntniß und von unverzeihlicher 
Nichtwürdigung des wahren Kleinodes von Industrie und Handel zeugt, 
mit welchem die Natur das Meininger Oberland gesegnet hat. 
Daß das grausige Instrument nicht hier, vielmehr in der Werkstätte 
explodire, in welcher es geschmiedet, daß damit ein Claffenverband von Jn- 
¿#16= unb ^anbeïtrctbenben #1 auaeinanber gesprengt merbe, mie ge = 
rade hier zu G n n st e n unbemittelter, aber st r e b s a m e r H a n v - 
arbeitet die Natur ihn nicht weiser hätte bilden können, 
dafür bürgt der gesunde Verstand der Fabrikanten**), der ihnen 
*) Siehe Seite 22. 
**) Denn was Fabrikanten und Gewerbtreibende, nicht nur Kaufleute über das 
Elaborat des Hrn. Dr. Sax urtheilen, beweist eine von der hiesigen Handels- imb Gewerbe 
kammer in Gemeinschaft mit dem Gewerbeverein erlassene Entgegnung, worin es u. A.
        <pb n="58" />
        54 
W, baß mir bnrd) SMbilbnng ißnen mifge^Ifen merben (mm imb 
bnßimllebrigenße born Biegen in bie Traufe gefi# merben mürben, menu 
[ie ihren altbewährten Grnnbsatz: „Vertrau auf Gott und arbeite " :n 
mniten beä [081011^1^^ aufgeben moííten, ber bn sagt: Bertrán mis ben 
Şîuat und lasse vou ihm deine Arbeit dir vorschreiben. 
(sd)hmin genng, baß längst man in ^eiit^Ianb ben BlrbeiW, nnb 
Unternehmungsgeist, ber in England und Amerika, dem wirthschaftlichen Ge- 
biet zugeführt, dort demselben wenigstens erhalten wird, auf Bahnen lenkte 
mo bic Wßeit ber Snitintioe in ber SBebõKernng import, mo ^elbfttlintin^ 
W 8iir @rnnbung eigener %ifteii8en be^imirt, ber eintrieb ^iiin ©cßnßen nnb 
(streben m ben BRenfcßen In# gelegt mirb;*) — # limin er nod, baß 
WMM-Ş 
■ 
issassi 
.(picim aber hegt ber größte ocrßttíi^^enbc (Segen ber inbinibueHen greift.
        <pb n="59" />
        55 
in Deutschland, das mehr denn jedes andere Land auf Industrie und Aktiv 
handel angewiesen ist, seitdem ein anderer Factor, die Landwirthschaft, zum 
nationalen Sorgenkind geworden, die vorhandene Arbeitskraft gehemmt und 
erschwert wird, — mußte es auch schon zum Schlimmsten kommen: daß 
durch die famose wissenschaftliche Erziehung und die Ueberproduction von 
Wissenschaftlern auf dem Gebiete der philosophischen National-Oekonomie dem 
deutschen Reich ein Proletariat erwuchs, das unter den Fittichen des 
Staates erzogen, von ihm benützt und genährt, in wahrhaft erschreckender 
Weise auf Kosten und zur Unterdrückung des Nährstandes — sich vermehrt, 
bis dann: — Mögen die Vertreter desGedankens von der irdi 
schen Staatsvorsehung und des reaktionären Staatssozia 
lismus die furchtb are Tra zweite der Gefahr solchen Trei 
bens s e l b st e r m e s s e n! 
Weil kein Stand ohne Proletariat, so muß wohl oder übel auch der 
Sonneberger Handelsstand das seinige haben. Aber wir finden, daß ein 
solches weder für die Produktion, noch viel weniger für den Consum gemein 
schädlich sein kann, weil überhaupt mit Sonneberger Waaren kein Betrug 
verborgener Art getrieben werden kann, wie etwa bei Lebensmitteln. Jede 
äußerlich klar liegende Fälschung rächt sich direkt an dem Thäter, während 
Trägheit und Fahrlässigkeit im Geschäft jedes einzelnen Kaufmanns von 
selbst sich strafen. Sogar der Druck, den der Kaufmann auf den selbst 
ständigen Arbeiter in Concurrenz ausübte, würde dadurch gebüßt, daß er 
keine Waaren von ihm erhält, sobald er solche braucht.*) Ein Natur 
gesetz**) wahrt die Interessen der Consumenten in Industrie und Handel, 
oenmttelft ber 6on cur rena, 106% für Me @6%#%% 
der menschlichen Gesellschaft von um so segensreicherer Wirksamkeit ist, als 
aüeë sie in 9% nnb marni oerfc^ nnb baë #6%%^% 06^#^ ba= 
gegen aber dafür sorgt, daß Fleiß und Liebe zur Arbeit, alles Edle im Schaffen, 
vornehmlich das des nutzbringenden Fortschrittes gebührend belohnt wird.***) 
m^ie nana anberë e8 wn baë geistige Raffen in ben 3Biffen= 
schäften! Wer kennt das Naturgesetz, das den Gelehrten straft, der unter 
Auf der anderen Seite aber droht vom Staatssozialismus eine leicht verunsittlichende 
Massenerschlaffung." (Aus: „Der Beamtenstaat und der Einzelne", in No. 125 
des Berliner Tageblattes vom 15./3. 1882.) 
*) (5% Seite 85, 39. **) Sie%e ©eite 30, 42, 48. ***) S#e Seite 
32, 39, 40.
        <pb n="60" />
        Fürstlich prid. Hosbuchdruckerci (g. stliitzlaff), Rudolstadt. 
d" Larve der Philosophie das Volk irre führt oder gar anlügt? Wer 
kennt cm Land, wohin deutsches Wissenschafts-Proletariat auswandern 
? effer - "Ş es ausgewandert werden sollte, das unter de», 
Brustschilde der Germania gebrütet, ja gezüchtet und genährt, in den 
Aalten des Gewandes sicherlich aufwärts, hinauf bis zu Krone und Schwert 
sich versteigt, wenn es den Körper mit seinem Gift überzogen haben wird? 
■ Í Ķbert muß wohl sich gedulden, bis das Rad der 
Geschichte Uber die Köpfe hinweggegangen sein wird, deren Scharfsinn 
Drohnen züchtet, stracks entgegen dem Instinkt kluger Thi-rchen, deren 
Arbcitsstaat den Menschen zum Vorbild dienen sollte. 
, î» ^ ert Zf af ’ ia§ Mn "ns-itigster Beurtheilung und grenzen 
los leichtfertiger Auffassung der Verhältnisse in Stadt uiid Kreis Sonncberg 
zeugt von Verdächtigungen und Entstellungen strotzt, während es alle 
wohbeta,inten Lichtseiten verschweigt,*) entbehrt jedes handelswissen 
schaftlichen Werthes und in Folge dessen auch des industriellen, indem 
Handel und Industrie hier unzertrennlich in einander verflochten sind 
Einen praktisch-industriellen Werth aber kann das Buch empfanaen 
ms rjl blC , in bcn Ştaatsarchiocil aufzubewahrenden Exemplare,' 
der Rest derselben den Rückweg so vieler gelehrten Werke gewandelt ,-in 
wird - den zur Sonneb-rg-r Papiermüchö-Spielwaaren- 
F a o r t ï a 11 o n. 
) Vergleiche unsere Beschreibung der Sonneberger Hausindustrie 
Seite 16, 19, 22, 23, 26, 29, 32, 39, 42. 
und ihres Handels
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        <pb n="62" />
        Fürstlich priv. Hofbuchdruckerej (F. Mitzlaft), Rudolstadt. 
&lt;T &lt;sã- 
'^@gß 
Von demselben Verfasser und im Verlag der Kesselring'fchen Hofbuchhandlung J 
in Hildburghausen sind ferner erschienen: 
Geschichte der Gewerbe, Industrie und des Handels 
des Ueininger Oberlandes. 
Lieferung I. — V. à Lieferung l JL 
Gulturşistorische Wilder 
aus dem Meininger Oberland. 
Lieferung I. Aus dem Arbeiter- und Äanfmannsteben. 
Lfg. il. u. in. Lebensbeschreibung des Gott helf Greiner 
in Limb ach, Erfinder des Thüringer Porzellans. 
Preis à Lieferung 1 JL 
Mne volksmirthfchaftliche Mahnung. 
#ei0 25 
Die Berchtesgadener Emigranten. 
#(10 25 ^ 
Der dlane Montag. 
" SßreiS 20 ^ 
Die Gnlsteijnng der Glasindustrie in Lauscha. 
(Auszug aus der „Geschichte der Gewerbe" 2c. 
Preis 25 ^ n 
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