<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Untersuchungen über die Theorie des Preises</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Rudolf</forname>
            <surname>Auspitz</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>82998786X</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        t &amp; 
en 
Jä i]ntrrsuchun(;en 
^ ÜBER DIE 
THEORIE DES PREISES 
. de 
l- 
• -f 
ses 
í í 
srrr 
IW Jé 
mmfi 
yjr 
- . yT- 
V 
&lt;■ -j 
5 
':ü': idr : .- 
VON 
R. AUSPITZ uNü R. LIEBEN 
in 
4 ’t
        <pb n="2" />
        m
        <pb n="3" />
        I 
WP-*:; 
at 
a
        <pb n="4" />
        / 
EIGENTUM 
DÇS 
INSTITUTS 
FÜR 
WELTWIRTSCHAFT
        <pb n="5" />
        UNTKI{SÜ(JllUN(;iJi\ 
L’BKH DIE 
THHOlUK DKS l'KKISES.
        <pb n="6" />
        mmm 
^-:' 
4 , 
•m 
f: t 
&lt; • 
•m 
.i! 
••-I 
) '4 
% 
, ■!!■ 
r ; 
w;.: 
'm 
t«5&lt;. V 
ri 
1^: 
4T _ 
:M 
.' 
: 4 
ikkm 
/■. 
¿üK Í 
IcAkSTV
        <pb n="7" />
        UNTERSUCHUNGKN 
(■HKK DIE 
TllliOlüli lilis IMililSliS, 
V( &gt;x 
KIDOLF AluSI’ITZ UM, incilAKI) LIFIJEN. 
UCII’ZIU. 
Vhl!l,A(; VON DUNCKKI! &amp; llUMIil.OT.
        <pb n="8" />
        vv 
^ Ms' 
. « - 
\aeb*// 
''X 
% 
## 
Druck vou Ailolf lluDliuuscn, 
k. k. llof- nuil lillivnrsitäts-UiiclicIriirkci- in Wim
        <pb n="9" />
        VO|||{KI&gt;K. 
Dl« EntHickliingsstiifc, welche die Volkswirtli 
schiiftslelire hin heute eneielit hat, ist dadurch ¡iekeuu 
&gt;^&lt;'iHmet, dass de,- Wi,le,st,eit ,1,-r Mei„„„j.e„ siel 
'l’''»&gt;ile der Wisseusehaft e,-st,eekl 
«&lt;&gt; dass sieh ka,„„ Ki„ Lel„-sat% „„hest,itte„er Auer 
&lt;en„„„K- e,-f,-e„t. Dies Reht so weit uud riilut viel 
&lt;‘iHd auch davou he,-, dass fast Jede,- Autor es fii 
nothweudlif hält, die «-.„udleireudeu lieK,-itfe ueu „ 
»ormulu-eu uud u,it Ausdrücke,,, wie „(tut „„d \Ve,th“ 
nNutzhehkeit uud Selhstkosteu“, „U„te,-„eh,„e,-Kcwi„u‘ 
"• 8- w. ciucu jedes,„al audccu Si„„ vc,-hiude„ 
Idiafeu sieh die Missvcstäuduisse, uud „.auch, 
a„Kst c-kauute Waluheit wi,d iuuuer n ieder i„ Zw.-ifel 
K'‘»-}ieu. Zu diese,,, Zustau,le der Vc-wir,-,,,,^ 
h^.-,-.yle das ff,-osse lutcesse, ,h,s wi,-tl,»el,aftlicheu 
I ■•&lt;&gt;hle,„cu vou alle,, Seite,, zu Theil wi„l, viel hei- 
«-eh-aoeu hah,'„. lu. Kau,;,fe der politisehcu l'arteieu 
"•Hl ,1er wi,-th«ehaftli.-he„ lutcesseuR,-.,,we,-,!,.,, 
W,sse„sehaftliche Lel„-sätze ,„it \'orliehe augerufeu 
i"Hl, «euu sich kciue solche,, fiudeu wolle, die sich 
""''isseusehaftlieheu Ziele,, decke,,
        <pb n="10" />
        so werden in kürzester Zeit nene ertnnden. Ott aneli 
olanl)t der Eine oder Andere, nnf Ert;dirnn{&gt;en ge 
stützt, die er sieli mif irgend einem he^renzten (ie- 
hiete erworl&gt;en Imt, in die Diskussion eintreten zn 
sollen lind ist sofort bereit, die llieliti^keit der Tlieorie 
in Abrede zn stellen, wenn sie seine Ansiebten niebt 
bestütio-t. In allen soleben Füllen wird immer wieder 
die oft betonte Untersebeidiino- zwiseben der reinen 
Wissenselmft und ihrer Anwendung- überseben. Jeder 
Tao bringt der angewandten Oekonomik neuen Stoff 
und neue Aufoiiben, mit weleben sieb der prnktisebe 
\Virtbsebafts])olitiker, mai&gt;- er nun in der Keoiernn^, 
im Parlamente oder in der Presse tbäti^ sein, eben 
so abzuffnden sneben muss, wie dies der Ingenieur 
oder Arzt in seiner Praxis zn tbiin ^enötbi^t ist. 
Sobald über in neuen und verwiekelten Fällen die 
eigene Erfabriin^, sowie die überkommenen Vor- 
sebriften und Pezejite niebt aiisreieben, ffndet mieb 
der I Taktiker miir an den tbeoretiseben Ornndbi^en, 
auf weleben die angewandten Disziplinen beruben, 
eine Stütze. Der Teebniker, sowie der Arzt wird 
an dem Wertbe idiysikalisebcr, ebemiseber oder jdiy- 
sioloo-iseber Theorien niebt irre, wenn aiieb die be- 
reelmete Fluftbabn der Kanonenkugel dureb den Luft 
widerstand eine Modifikation erfährt, oder wenn ein 
Mittel, dessen Wirkiinj»* für gewisse Krankbeitsformen 
klar^estellt ist, sieb niebt bewährt, sobald anderwei 
tige Komidikationen binzntreten; er weiss, dass jedes
        <pb n="11" />
        VII 
wisseiiscliaftMcIicr Uiitcrsuclimio- irgend ein 
mal iiiitzlieli werden kann, wenn iinn aiieli die Mittel 
nicht »ehoten werden, um da« Luftsehiff zu lenken 
ndu die ( linlera zu keilen. Der Forseker kin^e^en 
ist sidi darnker klar, dass er nielit die Frsekeinun^en 
in ikiei kunten kol^e, weleke das Er^ekniss kiindert- 
taek sieli kreuzender Einflüsse darstellen, zur (irund- 
laj&gt;e scinei I ntersuekun^en nekuien daif^ er wird die 
Ersekeinuno-ei, vielinekr zu is(diren sueken, um fest 
zustellen, wie Jede einzelne Ursaeke, von allen Stö- 
nincren frei, wirken müsste. Die reine Wissensekaft 
schreitet am rasehesten vorwärts und dient damit auek 
Ici I laxis am kesten, wenn sie, unkeirrt von den 
Strömungen des l'a^es, ikren Wef*- ^ekt, die Ersekei 
inini»en in ikrer einfaeksten Form keokaektet, IJr- 
saeke und Wirkung aufdeekt und die Gesetze er- 
torsekt, weleke den Ersekeinun^en zu Grunde liefen. 
Hei der Untersuekun^ der wirtksckaftlickcn Fkä- 
noinene ^ekt es ^anz ekenso; dem tkeoretiseken Volks- 
wirtke ist allerdings das Experiment versauft, und er 
•st ^ezwiin^en, mit seinen Vorstellungen in eine 
akstrakte Welt, die siek leiekter ükerklieken lässt, 
zu flüekten; dann aker muss er diirek allmäli^e Aen- 
•leriiniT seiner Annakmen der Wirkliekkeit wieder nake 
kommen sueken. Die Volkswirtksekaft liât es ^e- 
•ade so, wie irgend eine der exakten Wissensekaften, 
Stets mit messkaren Grössenverkältnissen zu tkun; sie 
i-eniesst so^ar den Vortkeil, dass ikr von vornkerein
        <pb n="12" />
        VIII 
ein riesiges, wenn nneli reelit Inekiniliaftes Zitteni- 
innterinl zur Verfn^nn^' stellt. Die Astronomen und 
IMiysiker, die es zuerst iinternnlnnen, Formeln niit- 
znstellen, um mit deren Hilfe die Frselieinun^en der 
Wirklielikeit zu liereelmen, mussten dies, wie devons 
bemerkt, mit reelit ungenauen Daten unternelimen und 
o-elan^-ten erst allmäli^- dureli mnlisame und lan^wie- 
ri&lt;j^e 1) eolia eil tunken und ]\iessun^en zu eini^ermassen 
veri ässli eil eil Zalilenbestimmun^en. I la^e^en sind in 
Tausenden von ^Faektlierieliten die Fntselieidun^en 
selion nieder&lt;&gt;‘ele&lt;i,t, welelie der menseldielie Wille bei 
jedem Kaufe oder Verkaufe, bei jedem 1 )a rieb en, bei 
jeder Faelitun^' oder Hestellun^', bei jeder Taritirun^ 
oder Lolinbestimmun^- ^etrotfen bat. Der menseldielie 
Wille wird aber, um devons in seiner Ausfiilirun«»- 
weiter zu folgen, bei seinen Fntselieidun^en dnreb 
Uefiilile der Imst und Unlust bestimmt. Die (ddülile 
des Einzelnen lassen sieb nun allerdings nielit messen, 
und noeli weniger lassen sieb die (íefiilile. verseliie- 
dener Fersonen mit einander vergleielien. Wenn es 
sieb aber um (defülile bandelt, die sieb naliezu das 
(Heiebgewiebt halten, so dass ein kleiner Ueberselmss 
den Aussei da g gibt und den Willen naeli der einen 
oder andermi Seite lenkt, so ist liierin ein Anbalts- 
|)unkt für eine IMassbestimmung gegeben. Wir sehen 
nun, dass ein Geldbetrag sowol zum Verzieht auf 
einen Genuss, als aiieli zu einer Meliranstrengung ver 
anlassen kann; wir glauben daher in der That einen
        <pb n="13" />
        IX 
Mansstab zu liabeii, zwar uiclit für die individuelbui 
Oetüble im ganzen^ wol almr für die kleinen, ent- 
Hebeidenden Veränderungen derselben. Wir wissen 
i&gt;’anz wol, dass die Wertbsebäfznn^ des Geldes von 
K))oebe zu E])oebe, von Individnnin zu Individuum 
und aneb bei jedem Einzelnen je naeb seinen Ver- 
bältnissen eine veränderliebe ist. Aber wenn aneb 
der Gulden oder aneb der Kreuzer für den Reieben 
und für den Armen einen sein* nn^leieben Wertb bat, 
so bat doeb das letzte riieileben irgend eines Artikels, 
das der Kine oder der Andere für den ^leieben Geld 
betrag eben noeb kauft, für jeden gerade denselben 
V ertb, wie dieser Geldbetrag. Die Sebeii vor dem 
Sebwanken des (íeldwertbes sebeint nun aber die 
meisten unserer \ (u'^än^er von der ITntersnebnnji der 
Rreistbeorie ab^ebalten und sie veraidasst zu haben, 
sieb lieber mit dem Rnddeme des Tansebes zu be- 
sebätti«»en, bei dem die Wertbsebätznn^ des Geldes ans 
dem S])iele bleibt. Indessen ist bekanntlieb jedes Mass 
nur relativ, jeder Massstab bleibt veränderlieb, und der 
Irrtum ents)n*in«*t immer nur da, wo die Veränderlieb- 
keit des Massstabes ans den An^en verloren wird. 
Wir haben uns in (bm vorliegenden, rein tbeo- 
retiseben Unt(‘rsnebnn«*en auf ein en»** nmsebriebenes 
Feld besebränkt; doeb seinen uns die Rreistbeorie 
darum besonders wiebti^*, weil es sieb aneb bei der 
f eststellnn^ der Bodenrente, des Kapitalzinses und 
des Arbeitslohnes immer nur um Rreisbestimmnn¿**en
        <pb n="14" />
        X 
Imiidelt 1111(1 sich (liilier nach allen lliclilnn^en hin An- 
knüjifnn^en ergehen. Der unserer ganzen Arbeit zu 
Grunde ii(í¿»ende Satz, dass der Preis sowol der 
X ützliehkeit des letzten ^e k auf ten Theilehens, 
als den Kosten des letzten verkauften Theil 
ehens f»‘leieh sei, liesse sieh in seinem IJrsjirun^’e 
bis auf die bekannten, von Anderson, Malthus 
und Hieardo hezü^li(di der Bodenrente auf^estellten 
Lidiren zuriiek verfolgen. Der wesentliche Inhalt 
dieser Lehren lautet: Der Ertrag- des letzten, sehleeh- 
testen, entlegensten, noch in Kultur genommenen 
Grundstückes, dessen Ertrag- gerade nur die Bear- 
heitun^skosten deckt, bestimmt den Betrao- der Boden 
rente aller Grundstücke. Ricardo sa^t weiter: Es 
ist das Korn, dessen Produktion am meisten Arbeit 
erfordert hat, welches den Preis des Kornes regelt. 
Schon ThüneiP) verallgemeinert diesen Gedanken, 
indem er (Theil 1, Abtheilung II, Seite 100) sagt: 
„Die Rente, die das Kajntal im ganzen beim Aus 
leihen gewährt, wird bestimmt durch die Nutzung des 
zuletzt angelegten Ka|utaltheilchens" und (Theil II, 
Abtheilung I, Seite (59): „Nun bestimmt aber der 
Werth der Arbeit des zuletzt angestellten Arbeiters 
den Lohn aller übrigen.“ Die Erkenntniss, dass in 
der Entwicklung dieser Gedankenreihe die Grund- 
') Der isolirtc Slant von Ucinrirli v 'I'Iiüimmi Uostook 1S42 
und 1803.
        <pb n="15" />
        XI 
für (lie Preisbestimmung im allgemeinen ge 
wonnen sei, findet sieh bei (iossen') zuerst, l)ei 
devons’^) am klarsten aiis&lt;»;es)»roeben. Gossen sa^f 
(Seite 45): „Um ein (Grösstes von Lebensgenuss zu 
erhalten, bat der Mensch seine Zeit und Kräfte auf 
die Bereitung der verschiedenen Genüsse derart zu 
vertheilen, dass der Werth des letzten, hei jedem G(;- 
nnsse ^esehatfenen Atoms der Grösse der Beschwerde 
jileich kommt, die es ihm verursachen würde, wenn 
er dieses Atom in dem letzten Momente der Kraft- 
entwicklnn^ schatfte.“ Jevons sa^t (Seite 2()h): „Die 
im 1 an sehe j^eí^ebenen oder em)dän^enen Gütermen«fen 
verhalten sich gerade so, wie die (Bade der Brodnk- 
ti\ität der auf ihre Herstellung verwendeten Arbeit 
lind umgekehrt so, wie die Werthe und Preise dieser 
(»iiler und wie deren Herstellungskosten ¡»er Einheit, 
oder endlich wie deren letzte (irade von Nützlichkeit 
(final decrees of utility).“ Aehnliches hat Walras"*) 
(Seite Si»j: „Wenn zwei Waren auf einem Markte ^e- 
j;chen sind, wird das Maximum der Befriedigung oder 
der ettektiven Nützlichkeit für jeden Besitzer derselben 
erreicht, wenn das Verhältniss der Intensitäten der 
') Kntwicklmif!: üci («rwt (Ick iiiciiscliliclicii Vcrkcliics un&lt;i 
&lt;l(ir (Inrnus ilicsHcnUcn Itfifclii für iiiniHolilirlicH Ilandein von IIcrinann 
Heinrich (Joaacn. Ihannachweis, Friedrich \'ieweg &amp; Solin, 1854. 
’) I hc riieory of Political Kconoiny hy W. Stanley .Icvona. 
London, Macmillan and Co., 1871, zweite vermehrte Auflage 1879. 
*) LIementa d'economie politiiine pure on I hóorie de la richesse 
sociale par Léon Walraa. Lausanne, L. Corhaz &amp; Co.. 1874. 
i 
-J 
4
        <pb n="16" />
        lotztcii, befriedigten Bedürfnisse oder der Seltenbeiten 
den Preisen ^leieb wird." Dabei ist (Seite 102) die 
Seltenlieit als der 1 litferentiabjnotient der effektiven 
Niitzliebkeit, bezogen (par rap|)ort) auf die besessene 
Men^e, definirt. Aneb Mender’) sa^t (Seite 107): 
„Der Wertb eines konkreten Ontes oder einer ¡be 
stimmten Tbeil(|iiantität der einem wirtbsebaftlieben 
Subjekte verfügbaren Gesammbjuantitiit eines (Bites 
ist für dasselbe demnaeb ^leieb der Bed entuno-, welche 
die wen io st wiebtio-en von den dureb die verfüo-bare 
Uesammt(|nantitäf noeb ^esieberten und mit einer 
sol eben Tbeilquaufität berbeizufübrendeu Bedürfniss- 
befriedi^uno-en für das Subjekt haben." 
W ieser,^) der fiir „final deorei' of utility" den 
Ausdruek „Grenznutzen" einführt, sao-t: „Der wirtb- 
sehaftliehe Werth ist Grenzwerth" und Seite 127: 
„Der Werth eines einzelnen (Bites aus einem Vor- 
ratbe wird durch das Interesse an derjenio-en Nutz- 
leistuno- bestimmt, welelu; unter den dureb den oan/(&gt;n 
Vorratb (einsehliesslieb des frao-lielien Stückes) oe- 
d(‘ekten, wiebtio-sten Nutzleistuno-(‘ii die mindest wich 
tige ist, kurz gefasst: (1er Werth der (Bitereiiiheit 
wird durch die gerinoste unter den wirthsehaftlieh 
znlässio-en Nutzleistunoeu der Einheit bestimmt." 
’) (innulsiitzc der VolksMiitlisoliiiftslelin“ von Dr. C:irl Menacer. 
Wien, Willielni Urauiniillcr, 1871. 
Uobor (len Ursprnn^ und die ll:ini»tfîesetze des wirUiseliaCUielien 
Wertlies von Dr. Friedrich v. Wieser. Wien, Alfred Holder, 1884.
        <pb n="17" />
        — XIIÍ — 
Uühiii-l^íiwerk') Seite fj'M: „IMe Wertli- 
luid l*reiöl)ildim«»- iiimint ihren Aus^aii^ von der sid»- 
jektiven Wertliseliätziin«;' der fertigen Produkte diireh 
ihre Konsumenten. Sie hestinnnen die NaelitVaj^e naeli 
diesen Produkten, der als Angebot zunäelist die Vor- 
ratlie der Produzenten an fertij:;er Ware ^^'ej^’enüber 
stellen. Der Kreuzunj^sjmnkt der beiderseitigen Wertb- 
sebätzun^en, die Sebätzun^sböbe der „Grenz|iaare^, 
bestinnnt in bekannter Weise den Preis, und zwar 
natiiiiieb tür jede Art an Produkten besonders.^ 
berner (Seite 53Í)): „(Jrerade so, wie der subjektive 
NVertb der Produktiv^üter vom Wertlie ihres j*’erin^- 
wertbinsten oder Grenzproduktes abbän;*’t, ebenso wird 
der Preis der Produktiv- oder Kosten^üter dureb den 
Preis ihres Grenzjiroduktes rej.^irt.'^ Auf verwandten 
Grundlagen tussen Launbardt^j und Andere. 
Wir haben uns bei unseren llntersuebun^en der 
analytiselien Methode und nanientlieb der x,rapbiseben 
Darstellun»»; bedient, nielit nur weil sieb diese Beband- 
lun¿*sweise überall, wo sie überliaupt anwendbar ist, 
und nanientlieb in den naturwissensebaftlieben Fäebern 
glänzend bewährt bat, sondern banptsäeblieli aiieb 
darum, weil sie eine Präzision mit sieb brinx,t, welelie 
alle aus vieldeutigen Wortdetinitionen entsprin^emlen 
') (înmdzüfçc der 'l'heorie des wirtliscliat'tlielieii (Jüterwerthes von 
1'^. V. nöliiii-Uiiwerk. .lena, (\»nrad's .lalirltiielier XIII, ISSO. 
Matlieniatiselie Ue^^rlindiin^ der Volksw irlliseliaUslelire von 
Wilhelm Lannliardt. Leipzig;, Wilhelm Kiiÿ^elmann, ISS.'».
        <pb n="18" />
        XIV 
Missvcivstíiiidinssc missclilicisst. Wenn wir z. H. die 
Naelifrage iiLs eine Kurve darstellen und dabei, wie 
bei allen von uns vor^efübiten Kurven, die ]\Ien^en 
ir&lt;»end eines bestiinniten Artikels als Abszissen, d. li. 
als llorizontalabstände vom Nullpunkte ab, aut'tra^en; 
wenn wir ferner dureli die Ordinaten, also dureb die 
Vertikalabstände jedes Punktes der Kurve von der 
Horizontalen, Geldbeträge ausdrileken : so ¿»eben wir 
dureb die Form der Kurve eine Detinition der Naeli- 
frage, wie wir sie in Worten idclit mit gleicher 
Sebärfe ^eben könnten. Jeder Punkt der Kurve bat 
seine Abszisse und seine Ordinate, und man siebt 
sofort, wie der (Jeldbetra^-, der au%ewendet wird, für 
Jede Men^-e ein anderer wird und also von dieser 
Menge abbängt, wie ferner dieser Betrag mit waeb- 
sender Menge erst zunimmt, dann wieder abnimmt 
u. s. w. In älinlielier Weise wird eine ganze Keibe 
von Beziebungen gra))biseb dargestellt, so dass sie sieb 
dureb den blossen Augensebein immer wieder finden 
und iiberjíriiíen lassen. Dass unsere Kurven immer nur 
unter den jeweilig genau bestimmten Voraussetzungen 
Geltung haben, wird immer wiedir liervorgeboben, 
um zu verbiiten, dass sie auf Fälle angewimdet 
werden, für welebe sie entweder gar nielit, oder doeb 
nur unter wesentlieben Modifikationen benützt werden 
dürfen. Ebenso begnügen wir uns, den allgemeinen 
Formebarakter unserer Kurven zu ermitteln, und ent- 
balten uns, eine Näberungsgleieliung derselben zu
        <pb n="19" />
        XV 
wie (lies etwa mit Hilfe der ¡Statistik für l&gt;e- 
stiiiiinte t alle versucht werden könnte. I )ie der Er- 
lahrnng entnommenen An^rahen haben nämlich zwar 
einen historischen Werth, sind aber sonst schwer ver 
gleichbar, da in verschiedenen Zeitmomenten nicht nur 
die 1 leisverhältnisse, sondern auch andere, vielleicht 
höchst wichtige Umstände sich geändert haben werden; 
solche Daten können also unseren Voraussetzungen 
nicht ents])iechen. Ueberdies müsste eine Formel, 
die dei Wiiklichkeit ^enü^en wollte, so unklar und 
vei wickelt ansfallen, als es die Wirklichkeit selbst ist. 
Wii haben nun zunächst im ersten Kapitel die 
Herstellungskosten und die Nützlichkeit durch je eine 
Km ve daigestellt und die Heziehun^ klar zu machen 
^,csucht, die unter ifcnau testj(cstcllten Voraussetzungen 
zwischen Nützlichkeit und Nachfrage, sowie zwischen 
Kosten und An^rebot besteht. Die Abhängigkeit des 
Freises von Angebot und Nachfrage lässt sich dann 
leicht verfolgen. Unsere Kurven unterscheiden sieh 
«Chon durch die zu Grunde ^rde^ten Koordinaten von 
Jenen unserer Vor^än^er, daher auch alles, was sich 
auf die Form und den Hau dieser Kurven bezieht, in 
früheren Arbeiten keine Stütze findet. Nur Eaun 
hai dt hat eine auf dieselben Koordinatim bezogene 
Nützliehkeitskurve — die Nützlichkeit selbst wurde 
«ehon von Du pu iE) ebenso definirt, wie von uns—; 
') hi mesure de l’utilité des truvuux publies, pur M Oupuit. 
Auuub's des |M)uts et eliaussées, IHM.
        <pb n="20" />
        XVI 
¡ndeiii er aber an einer jiaraboliselien Näbernn^äfbrin 
für diese Kurve festbält, ^elan&lt;»i er zu Resultaten, 
die sieli nielit aufreebt erhalten lassen, da es sieb bei 
näherer Rriifun^- zei¿»t, dass die Parabel die wesent- 
lielien Kij^enscbaften einer Niitzlielikeitskurve nielit 
besitzt. 
Das zweite Kapitel ist vorwiegend der einge 
henden llntersuebun^- und Re^ründun^' der über den 
Forinebarakter der vor¿»efübrten Kurven auf^estellten 
Rebau|)tun^en gewidmet. In den Kapiteln III und 
IV behandeln wir das Ziel alles wirtbsebaftlieben 
Strebens, die Erreiebiin^- der ^rösstinö^lieben Hefrie- 
di«;unj»‘ des Individuums, ina|»' dieses blos konsuniiren 
oder aueb produziren. Weiters verfolgen wir die Ab- 
bäiiiiiiikeit der Refriediüuim von der An- oder Verkaufs 
men^e irgend eines bestimmten Artikels und untersuelien 
aueb, in welebem Sinne sieb die hierbei mitw irkenden, 
sonstigen Einflüsse geltend maeben können. Es zei^t 
sieb hier, dass die Kostenkurve und die Nützliebkeits- 
kurve, deren völlige Analogie anfangs befremdlieb 
sebeinen dürfte, ei{;entlieb nur die beiden Tlieile einer 
einzigen, einbeitlieben Kurve bilden. In dem 'etwas 
sebwieri^eren, fünften Kapitel wird ^ezei^t, dass sieb 
unsere Retraebtun^sweise aueb auf solche Fälle aus- 
debuen lässt, bei denen manebe der anfangs autle 
st eil ten, vereinfaebenden Voraussetzungen fallen &lt;j'e- 
lassen w erden müssen. I )ie I Jntersuebnn^- des Monopols 
und des internationalen Verkehres im sechsten Kapitel
        <pb n="21" />
        íícstiiltct 8Ícli mit Hilfe der ^ra])liiselien Dar 
stellung übersielitlieli und einfach. 
Die unseren Kurven und ihren Beziehungen zu 
(gründe liegenden, einfachen, analytischen Kenneln 
tinden sich im Aidian^e I znsammen^estellt. Anhang II 
enthält da^e^en eine rein analytische Untersnehnn^ 
iihei die Ahhàn^i^keit der Befriedigung ven den ver- 
sdiiedenen, më&lt;»liehen \ ariaheln; diese I ntersnehnn^ 
tidnt zu einer Brntnnj»- und Be^rnndnn^' unserer Verans- 
setzun^en und ermë^lieht es endlich, durch eine Dar- 
stelhino- in drei Dimensionen auch noch den Fall zu 
hehandeln, dass die Werthsehätzuno- des Geldes eine 
variahle wäre. Der Einhiiss einer wechselnden Werth- 
schätzun» aut die Betriedi«»un^ zei^t sieh im wesent- 
iichen mit dem ühereinstimmend, was sehen Ber- 
ueulli ) und Bajilaec') iiher die Beziehungen der 
„teitune moiale“ zur „fertune jdiysique“ aus^es)»reehen 
hahen. Im Anhänge III wird ein sjiezielles Brehlem, 
das für die rntersuehuno- der Gehrauehsartikel ven 
Interesse ist, in einer ven der sonst fest^fehaltenen 
Gwas ahweiehenden Weise hehandelt. Anhang IV 
endheh zeio-t, dass, wenn wir nur annehmen dürfen, 
dass jedes Individuum die ¿•rösstmöj.liehe Befriedigung, 
anstrehe und das hierzu (jJeeignetste zu wählen wisse, 
soA&gt;el die Kinzelmengen, als die Gesammtmengen aller 
) aniel Bern oui li, .Specimen tlieoriae novae de mensura sortis, 
tomment. Acad. scient, imp. Betropolit. 1738. 
') Laplace P. S., Théorie analyticpie des probabilités. Paris 1812. 
Auspitz U. Lieben. UiitersucU. üb. U Theorie d. Preise». b
        <pb n="22" />
        XVIII 
Artikel so, wie die Preise derselben, diireb eine liin- 
reicliende Anzald von Gleielmn^-en bestiinint ersebeinen. 
Dil dies aueb dann zntrittt, wenn die Alende der Ziv- 
knlationsniittel Verändernn^en unterließt, erßeben sieb 
hierbei eiidße Ausblieke auf die (ieldtbeorie. 
Wir haben es vorßezoßen, unsere Krörterniißen 
zusannneidiäiißend vorzutraßen, statt sie diireli die An- 
fiibrunß übereinstimmender oder dureb die Pekämpfunß 
widers])reebender Meinunßen Anderer zu unterbreeben. 
Dureb blosse Zitate hätten wir dem Faebmanne nichts 
Neues ßeboten; er wird unschwer erkennen, wo wir 
z. B. Faucher (12) oder Alicbaelis (i!d) oder an 
anderen Stellen anderen anerkannten Autoritäten 
folßcn; dem Unbewanderten daßeßen würden blosse 
Anfübruiißen keine andere Belebruiiß bieten, als er 
ohnedies in jedem ausfiibrlicben Lelirbucbe tinden 
kann. Nur über jene unserer AOrßänßer, die sieb 
ßleiebfalls der analytischen Aletbode bedient haben, 
sind vielleicht noch einiße Bemerkuiißen am Platze, 
da die einscbläßißen Arbeiten bisher eine allzu ßc- 
riiißc Würdißuiiß ßcfunden haben. Wir verweisen 
zunächst auf das sehr umtäiißreicbe Litteraturverzeicli- 
niss, das devons in der zweiten Auflaßc (1879) seiner 
„Theory of Political Economy“ briiißt, und beschrän 
ken uns auf die Bes]»recbunß der wiebtißsten, uns 
bekannt ßcwordenen Schriften. 
A. Cournot, als ausßezeiebneter Alatbematiker 
allßcmein bekannt, liess seine „Reeberebes sur les
        <pb n="23" />
        XIX 
])iin(*i])es inatlicMiiatiques de la tliéorie des riehesses“ 
«(‘lion iin Jahre 18J8 ersehe! a en; doeli o-elan^- es ilmi, 
"ie er sieh in s]ñiteren Seliriften hekla&lt;rt, nielit ein- 
iiiitl III seiiieiii \’aterliiii(le, lieiiclitiiiifr %„ finden. Er 
stellt cinc XaelifrafTcknrve auf, deren Al.szisseii den 
IVeis eines Artikels und deren Ordinateii .Mensen 
liai sti llen. El tindet, dass der I insatz liei einem se- 
wisscn I'reise ein Maxiinnni erreielit, und nnterselieidet 
Ilie Waren, deren Markt,neise über oder unter dieser 
Grenze zu stehen |ittesen. Er ermittelt diesen Preis 
znnäehst im Kalle des Mono,,»ls und gelanst zu dem 
Satze, dass die Piodnktion keinesfalls weiter aiisRe- 
ilelint werden wird als bis zu jener .Men-'e, von der 
an .1er Xnwaebs an Produktionskosten dem Znivaebse 
an Erlös sleielikommt. Er nntersnelit den Elndnss 
versebiedener Steneifor.nen auf seinen Kall, behandelt 
ilann auch jenen der Konkurrenz und geht dann zu 
I ntersnehnngen über den internationalen Verkehr und 
&lt;las Nationalvcnnö^t’cn iiher. 
(tossen stellt überhaniit keine Kurven auf, son- 
ilern begnügt sieh meistens mit der Anniihernng, ah- 
thllende und ansteigende gerade Einien zu betraehten. 
Als Abszisse ,lient ihm die znm Gemías oder zur 
Arbeit aufgewendete Zeit, als Ordinate der im Zeit- 
iiK'inente erzielte Genuss oder die auf den .Moment 
enttallende liesehwerde; die von seinen Einien einge- 
schlossene KlUehe stellt demnach den in einer gewissen 
/ieit erreichten Genuss oder die entstehende Beschwerde 
b*
        <pb n="24" />
        XX 
(lar; mir gelegentlich erseheiiicii auch IMengeii als Ah- 
szisseii. J\Iit so mivollkoinmeiieii Hilfsmitteln behan 
delt er den Tausch und eine ganze Reihe anderer 
Prohlenie, gelangt aber als durediaiis origineller Denker 
doch zu einer Reihe werthvoller Resultate. So tindet 
er z. H. den Satz (Seite 24j: „Dass die Grösse des 
Werthes der Aussemvelt genau gemessen wird durch 
die Grösse des Lebensgenusses, den sie uns ver- 
sehaift.“ (Seite 33:) „Von Allem, welches üherhau|)t 
Werth erlangen kann, hat nur ein bestimmtes, mehr 
oder weniger grosses IVIass Werth, eine Vermehrniig 
dieses Masses über diesen Punkt himius bleibt wertli- 
los. Dieser Werthlosigkeit nähert sieh die Saelie 
immer mehr mit Vergrösserung des Masses, so dass 
mithin das Erste, was von einer Sache Werth erhält, 
den höchsten Werth hat, jedes neu hinzukommende 
von gleicher Grösse einen minderen Werth, bis zuletzt 
Werthlosigkeit eintritt.“ Ferner ebenda: „Wenn seine 
Kräfte nicht ausreiehen, alle möglichen Genussmittel 
sieh vollauf zu versehatfen, muss der Mensch sieh ein 
jedes so weit verselmtfen, dass die letzten Atome hei 
einem jeden noch für ihn gleichen Werth behalten.“ 
Dieser Satz tritt hei uns, da wir nicht den Tausch, 
sondern den Marktverkehr behandeln, nicht hervor. 
Da nach unserer Darstellung die Nützlichkeit des 
letzten Theilehens jedes gekauften Artikels dessen 
Markt])reise gleich sein muss, die Markt|)reise aber 
verschieden sind, sind auch die Nützlichkeiten nicht
        <pb n="25" />
        XXI 
miter einander «rleieli. Wo] aber ist die Niitzlielikeit 
&lt;ies letzten, ant irgend einen Artikel au%ewendeten 
Ueldtlieileliens bei allen Artikeln dieselbe; denn sie 
konnnt der Antzliebkeit des ^len^entbeilebens, ^etbeilt 
dm di dessen Preis, ^leieli, ist also innerhalb unserer 
\ manssetznn«fen immer ^leieb Eins, da, wie eben er- 
"älmt, die Niitzlielikeit des letzten Men^entbeileliens 
dein 1 leise j»leieli ist. Ciossen sa^t ferner (Seite 85): 
„Painit dm eh den 1 auseli ein (Grösstes von Wertli 
entstelle, nmss sieb naeli demselben jeder einzelne 
u^enst.ind mitei alle Menseben so vertlieilt finden, 
das letzh Atom, welebes jedem von einem jeden 
(ie^enstande zufällt, bei ilmi den ^leieb grossen Genuss 
lattt, wie das letzte Atom desselben Gegenstandes 
einem jeden anderen.“ Aueli dieser Satz kann 
ui unseiei 1 bustellnn^- nur als etwas Selbstverständ- 
lidies erseheinen; denn, da die Niitzlielikeit des letzten, 
lAekautten ddieilebens für jedes Individuum dem Preise 
&lt;les betretfe.Hlen Artikels ^leieb ist, der Preis aber 
tur alle derselbe ist, nmss die Niitzlielikeit des letz 
ten Ibtibbens liei allen kantenden Individuen die 
iileielie sein. 
Man^'oldt') ^ibt eine ^Ta|diiselie Darstellung mit 
Men^enaliszissen und Preisordinaten, ermittelt den 
l’ivis und Absatz dureli den Selmitt einer abstei- 
^amden Naelifra»ekurve und einer ansteigenden An- 
') (SnmdiiHs (1(T VolkswiitliHcliMltHlHiri“ von II. v. Alnneol.lf 
otuttfçart, ,1. Kiifçelliorn, 1SG:5.
        <pb n="26" />
        XXII 
^►•ebotskiirve iiiid betont den asynijdotiseben Verlaut* 
der letzteren; er unterscheidet auch den Einduss 
konipletirender und konkurrirender Artikel. 
.levons, auf dessen anregende und klare 1 Dar 
stellung wir am liebsten in ihrem ganzen Umfange 
verweisen, bat überdies das Verdienst, Gossen aus 
seiner völligen Versebolleidieit wieder bervor^ezo^en 
zu haben. Er ist selbständige zu im wesentlieben über 
einstimmenden Resultaten gelangt, indem er zunächst 
von einem Koordinatensystem ausgeht, in welchem 
auch die Zeit die Abszisse und die Intensität der 
Em))tindung die Ordinate einer Kurve bildet. Weiter 
hin werden Mengen als Abszissen genommen, um die 
Xützliehkeit durch die von einer absteigenden Kurve 
begrenzte Eläehe darzustellen; der Grad der Nütz 
lichkeit wird durch den 1 )itferential(|Uotienten der 
Eläehe, also durch die Ordinate der Kurve, zur An 
schauung gebracht. Für eine zweite Kurve wird die 
Arheitsaustrengung als Ordinate benützt. Die anzu 
führenden Sätze wären zu zahlreich, um hier IMatz 
zu tinden. So sagt er z. 11., dass die Arbeit mit der 
Zeit, und also auch mit der Eroduktmenge, immer an 
strengender wird, dass die Arbeit daher nur so weit 
fortgesetzt werden wird, bis deren Nutzen der An 
strengung gleich kommt; ferner, dass die Anstrengung 
auf versehiedene Leistungen so zu vertbeilen sei, dass 
der letzte (Lad der Nützlichkeit aller Produkte der 
selbe sei. Weiterhin drückt er die (Lundrente dureh
        <pb n="27" />
        XXIII 
l^onnd /^(/) (/) aus, in der er mit Í die 
aiit^ewendete Arbeit, mit l\l) das Arlieits^irodubt lie- 
xcieimet; er stellt dies ^ra]»bisell dar, indem er Arbeits- 
men^cn als Abszissen nimmt und das Produkt dnreb 
die Quadratur der Kurve ansdriiekt. 
alras, der in wesentlieben Ibinkten mit devons 
Übel einstimmt, nimmt den Tansebjireis, das Tanseb- 
veili.iltiiiss, als Abszisse, die Alende als Ordinate, um 
i^rn’ne Kinzel- oder Gesammt-Tansebnacbfra^’eknrven 
konstrniren. Er stellt für jeden der beiden lanseb- 
aitikel eine solebe Xaebfra^eknrve auf und gestaltet 
'laiin die Xaebtra^e naeb dem einen l'anseliartikel zu 
einei An^ebotsknrve des anderen Artikels um. Dnreb 
den Sebnitt je einer auf denselben Artikel bezogenen 
Angebots- und Xaebfra^eknrve ergibt sieb dann die 
Men^e und der Preis; doeb können sieb dabei aneb 
diei Selinitt|mnkte ergeben. Dieses Resultat ist sehr 
anttallend; bei näherer Prüfung zei^t sieb, dass sebón 
Antstellnn^' zweier, auf versebiedene Artikel be- 
^^&lt;&gt;ii,enei Naelitraj»eknrven, die ^leiebzeiti^' zur Geltung 
•&lt;&lt;»nnien sollen, nnznlässig- int. Wenn Walras nieli 
«null über die seinen Kurven zu (irnnde liegenden 
Voianssetznn^en niebt ansspriebt, muss er doeb, um 
il^Mibaiijit zu einer ebenen Kurve zu ^elan^en, sieb 
‘Ult zwei \ a l iable besebränken und somit alle anderen, 
\\ ilkli( bkeit variablen Grössen als konstant an- 
'ulnnui. Sollen also die Men&lt;*en des Artikels A und 
^ — (Ins ransebverbültniss von A zu
        <pb n="28" />
        XXIV 
alien übrigen Artikeln, also aiieli zu B — variabel 
bleiben, so müssen die Preise oder Taiisebverlnilt- 
iiisse aller übrigen Artikel ^e^en einander konstant 
sein. Um nun die Xaebfraj»ekurve tur B aiifstellen 
zu können, müsste man ebenso das 'Pausebverbältniss 
von B zu allen Artikeln, also aneb zu A, offen lassen, 
bingegeii das Tausebverbältniss von A zu allen anderen 
Artikeln festle^en, während eben dies variabel bleiben 
muss, wenn die erstere Kurve mö^lieb bleiben soll. 
Die ^ieiebzeiti^e Geltung* der beiden erwäbnten Naeb- 
fragekiirven, auf die sieb die weiteren Austübriingen 
stützen, berubt demnaeli aufeinander widerspreebenden 
Voraussetzungen. Weiterbin stellt \\ alias die Nütz- 
liebkeit dureb die Quadratur einer Kurve dar, deren Ab 
szissen den (trad der Nützliebkeit und deren Ordinaten 
wieder Mengen bezeielmen; dureb den 1 Üfferential- 
(|U()tienten der Nützliebkeit will er die Seltenbeit dar 
stellen. 
Launbardt, der, wie sebón erwähnt, eine Nütz- 
liebkeitsknrve mit denselben Koordinaten, die wir aneb 
benützen, aufstellt, bebt aueb die Bedeutung des 1 )itfe- 
rential(|uotienten dieser Kurve hervor und gelangt zu 
dem Satze, dass der Preis einer Ware gleieb ihrem 
Nützliebkeitsgrade sein muss; ferner spriebt er aneb 
aus, dass die Preiswürdigkeit aller zum (tebraiiebe 
gelangenden Güter die gleiebe sein muss. 
Angebot und Naebfrage behandelt Launbardt 
äbnlieb, wie Wal ras. Kr findet, dass der volkswirtb-
        <pb n="29" />
        XXV 
scliaftlielie CítMneiimiitztMi sein Maximum erreiclit, wenn 
&lt;ler Taiiseli zu dem Gleieli^ewielitsj)reise erfolj*t, der 
&lt;lureli den Selmitt der Angebots- und Xaelifraj^ekiirve 
l^estimmt wird. Xaelidem er dann noeli naebgewiesen 
luit, dass jedes Monojad den Gemeinnützen selimä- 
lert, ^elan^t er zu dem Uberraselienden Ergebnisse, 
dass dureli den sogenannten „wiederliolten I auseb^ 
&lt;ler Gemeinnützen noeb Uber sein Maximum liinaus 
^estei^ert werden könne. I &gt;ies le^t er an einem Zalden- 
i&gt;eis))iele dar, in weleliem ein Individuum I, das von 
einem Gute A 40U Einbeiten und von einem (inte 
uneli nielits besitzt, mit einem anderen Individuum II, 
welebes nielits von A, aber 480 Einheiten von B be 
sitzt, in Tauseliverkelir tritt; dabei ist I&gt; das wertli- 
vollere Gut, da von demselben zum Gleieb^ewiehts- 
lireise eine Einheit f;ej*en zwei Einheiten von .1 
vertauselit wird. Xaeh Eaunhardt s Formel soll es 
nun das allgemeine Wol erfordern, dass die Freis- 
bilduno- mö^liehst zu Gunsten des Individuums I be 
einflusst werde, und dieses Individnnm nennt er ohne 
KUeksieht auf dessen sonsti^fen Besitz das ärmere. 
^Venn also, z. B. ein reieher Gutsbesitzer, der von 
winer Ernte nur noeb 400 k«r. Buehweizen verfügbar 
init und diese j;e^en Zueker zu tausehen wiinseht, mit 
^‘inem Krämer in Verkehr tritt, der 480 k^\ Zucker, 
î^uiist aber vielleicht sehr weni;;’ besitzt, so wäre der 
Gutsbesitzer als der ärmere und schutzbedUrfti^e an- 
%usehen. 1 lessen unbeachtet trä^t Eaunhardt kein
        <pb n="30" />
        XXVI 
Hedeiiken, das Eingreifen einer „weisen Wirtliseliafts- 
politik“ zu fordern, um die mö^lieliste Fraktionirun^- 
der Tuuseli&lt;j^eseliäfte und Zuwendung;- monopolistiselier 
Vordieile an den jeweilig’ ärmeren der beiden tau- 
selienden Tiieile zu erreieben. Darauf, wie dies dureli- 
^esetzt werden könne, g’clit Launliardt niclit ein; 
er g-laubt, dureli seine Jkreelinun^en den Grundsatz 
„laissez faire, laissez ])asser“ end^iilti^* widerlegt zu 
haben, beaebtet aber niebt, dass sebón die Voraus 
setzungen, in denen er mit Wal ras übereinstimmt, 
an dem oben darnele^ten Widerspruebe leiden. 
Die Mühsal stellt Launliardt als Funktion der 
Zeit dar, findet aiieb, dass der sebwäebste llnternebmer 
den Freis regelt, und bebt die Analogie zwiselien 
Fnternebmer^ewinn und Bodenrente hervor; dann 
wendet er sieh anderen Froblemen zu. 
Endlieb müssen wir noeb Böhm-Bawerk beson 
ders bervorbeben; er bedient sieb zwar niebt der ana- 
lytiseben Darstellung', kam aber in seinen oben an 
geführten Aufsätzen unseren Ansebauungen in maneben 
Funkten so nabe, dass wir uns dadureli veranlasst 
sahen, das längst abgeseblossene Kapitel I der vor 
liegenden Fntersuebungen, mit denen wir uns sebón 
seit nahezu zehn daliren beseliäftigen, unter dem Titel 
„Zur Theorie des Freises“ im gleieben Verhige im 
Jänner LS87 selbständig ersebeinen zu lassen. 
Wien, im Juni 188&lt;S.
        <pb n="31" />
        1 
I 
4 
INHALT. 
Seite 
Vorrede V 
I. Die Kurven der Herstellungskosten und der Nützlichkeit, 
des Angebotes und der Nachfrage. 
Die Gesammtkurven. 
1. Allgemeine Voraussetzungen 3 
2. l)ie Kostenkurve 5 
3. Die Niitzliclikeitskurve 8 
•L Die abgeleiteten Kurven II 
5. Der Preis ; 17 
0. Der Nutzen der Produktion, der Nutzen der Konsumtion und der 
&lt; Gemeinnützen 21 
Die Einzelkurven. 
7. Allgemeine Eigenschaften der Einzelkurven 25 
ö. Kombination der Einzelkurven zu (íesauuntkurven 28 
0. Die Einzelnlengen und der tGemeinnützen :13 
10. Nicht effektives Angebot und nicht effektive Nachfrage ... 3tj 
Angebot und Nachfrage. 
11. Steigen und Fallen des Angebotes oder der Nachfrage. ... -11 
12. Einreihung verschiedener Artikel in drei (Gru|i|ien 40 
13. Der Eintluss veränderten Angebotes 53 
14. Der Einfluss veränderter Nachfrage 57 
15. Der Eintiiiss der Verinögeusverhältnisse 00 
10. Aenderungen im Werthe des (Geldes 03 
17. Die Wirkungen der liesteueruug 08 
: .-n."
        <pb n="32" />
        XX VIII 
Seite 
IL Die Formelemente der Kurven. 
Betriebs- und Lebensweise. 
18. Kcniizeirlmuii^ di r JUdriidts- und LfbiMiswi-ise duicli die Artikel 77 
lU. Personale und Zeitcintheilnnji 7!* 
20. Die Konsnniportionen 82 
21. (Jrenzen für die Festlialtnng einer bestiininten Betriebs- und 
Lebensweise 80 
Kurven bestimmter Betriebs- und Lebensweise. 
22. Der Verlauf der Kurven bestiinniter Betriebs- und Lebensweise 00 
23. (íefíenkriinnnnufíen 00 
21. Der tan^irende Radiusvektor lol 
25. Relative Laj^e der Kurven verseliiedener, bestiniinter Betriebs- 
nnd Lebensweisen lol 
Zusammensetzung der Kurven vortheilhaftester Betriebs- und Lebensweise. 
20. Die geringsten Herstellungskosten und die grösste Niitzlielikeit I Io 
27. Anssclieidnng der nnzweekniässigen .Mengen 1I I 
28. Konvexität und Konkavität der Kurven vortlieilliaftester Be 
triebs- und Leidens weise 117 
20. Kleinste, inarktiiblielie .Mengeneiidieiten 123 
30. Die (lesannntknrven als polygonale Linien 130 
III. D^s konsumirende Individuum. 
Die Lebensgenusskurve. 
31. Die Niit/.lielikeit eines Artikels und der gesaniinte Konsuln 130 
32. Die Befriedigung bei einer bestinnnten Konsnnikoinbination . Ill 
33. Die vortlieilliafteste Konsnnikoinbination Ill 
34. Der Lebensgenuss und die Anfangsbefriedignng 118 
35. Verlauf der Lebensgennssknrve 150 
30. Koinpletirende und konknrrirende .Vrtikel 151 
Der Einfluss der Natur des Artikels und der bestehenden Preise auf die 
Lebensgenusskurve. 
37. Korrespondirende Punkte 157 
38. Die Po rin der auf verseliiedene Artikel bezogenen Lebens 
gennssknrve 150
        <pb n="33" />
        XXIX 
Seite 
XO. Uiioiitbclirliolie und unbegrenzt begehrte Artikel 1G4 
40. Verwolfeilung und Vertbeuerung irgend eines anderen Artikels 168 
^41. Preisändernngen konkurrirender und konijiletirender Artikel 170 
42. Preisändernngen fernstehender und neuer Artikel 176 
Der Einfluss der Individualität auf die Lebensgenusskurve. 
43. Die individuelle Wertsebäfznng des (leides 180 
44. Die individuellen Anspriiebe 184 
45. Die individuellen Neigungen ... 187 
46. Die (iewölinung und der anlangliebe Besitz 191 
IV. Das produzirende Individuum. 
Die Lebensgenusskurve mit Berücksichtigung einer produktiven Thätigkeit. 
47. Die voitlieilbafteste Konsum- und Produktkoinbination . . . 201 
48. Lebensgenuss, Nützlichkeit und Herstellungskosten 205 
49. Die Lebensgenusskurve, auf ein blosses Produkt bezogen . . 209 
50. Die Anfangsbefriedigung des Unternehiners 214 
Die Lebensgenusskurve in ihrer allgemeinen Form. 
51. Die Lebensgennsskurve, auf einen Artikel der eigenen Kon 
sumtion und Produktion bezogen . . . i 218 
52. Die Asymptoten und der Scheitel der durchlaufenden Lebens 
genusskurve 229 
53. (legenseitige Beziehungen der verschiedenen Artikel .... 232 
54. Die Lebensgeniissknrve, auf verschiedene Artikel bezogen 237 
Aenderungen der Lebensgenusskurve. 
55. Der KinHuss von Preisändernngen anderer Artikel . 243 
56. Der Einfluss der individuellen Werthschätzung des (leides. . 250 
57. Der Kinflnss der individuellen Eigenschaften 252 
58. Der Einfluss der (lewöhnung und des anfänglichen Besitzes 257 
V. Das Vorrath haltende Individuum. 
Die Spekulation. 
59. Der Einfluss eines Anfangsvorrathes 267 
60. Die Haltung eines Schliissvorrathes 271
        <pb n="34" />
        XXX 
(51. Der Vorratlishaiulel 
(12. Der 'J'eriniiihandel 
(;;i. Report- und Drämieii^escliätte 
(14. Die Werthpapiere 
.Seite 
278 
285 
290 
295 
Unverkäufliche Vorräthe. 
(15. Konsnintioiis- und Prodnktionsreste *^04 
(1(1. Die vortlieilliafteste Verwendim^sart eines Debraiiehsartikels llll 
(17. Die Lehensgennssknrve, auf einen (lebranchsartikel bezof?en :117 
(18. Der Lebensgenuss iin allgemeinsten Falle der \orratbsbaltung .12(1 
09. Der 
Die Einzelobjekte. 
70. Kauf und Verkauf eines Finzelobjektes ‘"*43 
71. Die Herstellung eines Einzelobjektes 351 
VI. Der Einfluss des Einzelnen auf den Preis. 
Das Monopol. 
72. Das Verkaufs- und das Ankaufsinonopol 
7:1. Der Monopolsnutzen 
74. llescbränkungen des Monopols .... 
75. Oertlicbe Monopole 
301 
30(1 
372 
378 
Das freie Angebot und die freie Nachfrage. 
70. Die Kurve des Geineinnutzens. . . . 
77. Monopolistische Preisbestimmung bei 
78. Die Wirkungen der Konkurrenz 
79. Die Preisbestimmung mit Rücksicht 
elemente der Kurven 
383 
freier Konkurrenz . . 388 
395 
auf die letzten Form- 
402 
Der internationale Verkehr. 
80. Import und Export 
81. Der Einfluss der Zölle 
82. Steuern und Zölle 
408 
415 
419 
Anhang I. 
Die Gleichungen der Kurven 
433
        <pb n="35" />
        XXXI 
Seite 
Anhang IL 
1 Die liefriediffuiifisfuiiktioii und das Maximum der HefViediffiiiiff 451 
2. Die Heíriediííuiiff bei unveränderlicher WerfhschäfxuuK des 
Deldes 470 
X Die Hofriedifiuuifsfläche 4R4 
Anhang III. 
Die Ivebensgeuusskurve, auf Verimtzuuffsmeuß^eu bezogen.... 515 
. Anhang IV. 
Die Gleichungen zur Hestimmnng aller Mengen und Preise . . . 537 
■]
        <pb n="36" />
        <pb n="37" />
        Autpitz u. Lieben. Untcmuch. Ob. d. Theorie d. Preises. 
1 
I. 
Die Kurven der Herstellungskosten 
und der Nützlichkeit, 
des Angebotes und der Nachfrage.
        <pb n="38" />
        # 
^9 
vr
        <pb n="39" />
        Die Gesammtkurven. 
1. Allgemeine Yoraussetziiiigeii. 
Um ])ei (len fortwährenden Seliwanknnfçen aller 
Preise und der nnUhersehharen Zahl der Faktoren, 
welche auf diese Schwankungen Einfluss nehmen, den 
Zusammenhang der verschiedenen Ursachen und Wir 
kungen verfolgen zu können, ist es zweckmässig, einen 
grossen Markt im Zustande eines vollkommen stabilen 
Gleichgewichtes zum Ausgangspunkt zu nehmen. Ein 
solcher Gleichgewichtszustand besteht dann, dass die 
Preise aller Artikel während einer bestimmten Epoche, 
also z. 11. während eines Jahres, völlig unverändert 
bleiben. Hierzu ist es erforderlich, dass die in diesem 
Zeiträume produzirten, dem Markte zufliessenden Men 
gen jedes Artikels den von demselben abfliesseiiden 
und konsumirten Mengen gleich seien, so dass alle 
Eager und Vorräthe auf gleicher Höhe bleiben. 
Wir müssen ferner annehmen, dass jedes auf dem 
Markte verkehrende, wirthsehaftlieh selbständige In 
dividuum in voller Kenntniss der Preise aller erdenk 
lichen Artikel seine Produktion und Konsumtion in 
1*
        <pb n="40" />
        4 
joder llinsioht auf das zwcokniässip;ste oiiiriolite, d. li. 
HO, dass ilim die grösste Befriedi^im^' erwaelise. Iin 
übrigen wird es ^*aiiz und ‘»•ar von den Xei^uu^eu 
und Leideuseliafteu des Einzel neu aldiän^en, ob diese 
grösste Hefriedi^'uu&lt;r in einseitiger Verfolj»nn»- des 
Geldinteresses oder in materiellem Wolleben, in g-ei- 
stig-en Genüssen oder in der lletbätignng der Xäebsten- 
liebe und des Gemeinsinnes gefunden wird; nur müssen 
wir daran festbalten, dass die individuellen Eigen- 
scbaften eines Jeden während der betrachteten Epoche 
völlig unveränderlich bleiben. 
Wir werden nun, von dem geschilderten Gleich 
gewichtszustände ausgehend, einen einzelnen Artikel 
heransgreifen, um zu ermitteln, welche Faktoren für 
dessen Preis massgebend sind. Dabei halten wir dnreh- 
gehends die Voraussetzung fest, dass während der be- 
zeiehneten E])oehe, wie immer auch der Preis dieses 
einen Artikels sein möge, die Preise aller anderen 
Artikel unverändert die gleichen bleiben, und dass 
ebenso aneh bei* allen Personen die von deren Ver 
mögensverhältnissen abhängige, individuelle erth- 
sehätzung des Geldes unberührt bleibe. 
Wir nehmen ferner bis auf weiteres an, dass 
zwischen den Verkäufern jedes Artikels und ebenso 
auch zwischen dessen Käufern ein vollkommen freier 
Wettbewerb herrsche, sowie auch, dass der Markt so 
gross sei, dass jeder Einzelne auf feste Preise aller 
Artikel rechnen könne, und sieh daher bei seiner Pro 
duktion und Konsumtion so benehme, als wenn sein 
Verkauf und Ankauf ohne jeden Einfluss auf die
        <pb n="41" />
        o 
l*reÍ8e bliebe. Wir selilies.sen also zuiiäebst jene Ob 
jekte aus, von weleben es, wie von Häusern, Kunst 
werken u. (ler^l., niebt einmal zwei identisebe Exem- 
])lare ^ibt, und besebränken uns auf Artikel, die naeb 
Mass, Gewiebt oder Stiiekzabl verkauft werden; in 
erster Reibe betrachten wir solche, die, wie Mehl, 
Retroleuin u. s. w., beliebig tlieilbar sind, und die 
durch die 1 beilun«f nichts von ihren wesentlichen 
Eigenschaften einbüssen. 
t. Die Kosteiikiirve. 
Wären wir nun ini Besitze aller eifordcrliehen 
Daten, so könnten wir an^eben, welche Kosten die 
Herstellung der, beim Bestände des besprochenen, sta 
bilen Gleieh^ewiehtszustandes j)roduzii*ten, ^esammten 
Jahresmen^e irgend eines bestimmten Artikels A ver 
ursacht. Unter den Herstellungskosten oder Selbst 
kosten einer bestimmten Jahresmen^e eines Artikels 
verstehen wir jenen ^erin^sten (Kddbetra^, welchen 
die Rroduzenten dieses Artikels in ihrer Gesammtheit 
erhalten müssen, um eben diese ^len^e ohne Naeh- 
theil hersteilen zu können; sie haben dann noch keiner 
lei Vortheil von ihrer Thäti^keit, so dass es ihnen 
gerade j»leiehj&gt;ilti^’ bleibt, ob sie diese Alende oder 
aber ^ar nichts von dem betretfenden Artikel her- 
stellen. Wir könnten aber dann ebenso auch die 11er- 
stellun^skosten jeder grösseren oder kleineren Jahres- 
men^e desselben Artikels ermitteln, wenn wir dabei 
unseren Voraussetzunjçen gemäss annehmen, dass einer-
        <pb n="42" />
        — () — 
seits (lie Preise aller anderen Artikel, andererseits 
aneil die individuellen Eigenschaften der Produzenten 
des Artikels A völlig unverändert bleiben. 
Konstruiren wir nun ein Koordinatensystem (Ei^\ 1), 
dessen Abszissen ^ieng-en des Artikels A und dessen 
Ordinaten Geldbeträge bedeuten. Tragen wir dann 
die verscbiedenen, mö«»lieben Jabresproduktmen^en 
horizontal und die entsprechenden llerstellnn^skosten 
vertikal auf, so erhalten wir eine Reibe von Punkten, 
l\r 1. 
Jf 
M 
die, verbunden, eine Kurve OA darstellen, welche wir 
die Kurve der gesammteu 1 lerstellun^skosten oder die 
Gesammtkostenkurve nennen. Von dieser Kurve, 
deren nähere Bescbaffenbeit wir erst sjiäter ^enau 
untersueben werden, können wir doch schon jetzt Fol 
gendes aussagen : 
1) Die Kurve beginnt im Nnllpunkte des Koor- 
dinatensySteines, da, wenn der Artikel A, auf den die
        <pb n="43" />
        'f!*r 
Kurve ])ezo&lt;»’eu iíst, ^ar iiielit produzirt wird, aiK 
keine Herstellungskosten desselben erwaehseii können. 
2) 1 )ie Kurve verlauft ansteigend, weil — iin all 
gemeinen — die Herstellung grösserer Jabresmen^en 
aueb grössere Kosten verursaebt. 
3) Die Kurve muss sebliesslieb ansteigend ^fgen 
eine vertikale Asyni])tote verlaufen, weil es aueb 
mit dem grössten Kostenaufwande und der äussersten 
Anstrengung der Produzenten niebt mö^lieb sein würde, 
die Jahresproduktion über eine gewisse, endliebe Grenze 
hinaus zu steigern, wenn aueb diese Grenze weit jen 
seits der gewöbnlieben Produktmenge liegen mag. 
4) Die Kurve OA verläuft durchaus konvex, d. b. 
jede folgende Tangente ist steiler gestellt als alle 
vorhergehenden. Ein ehr quantum verursaebt also 
um so grössere Mehrkosten, je grösser die Jahres 
produktion ist, zu der dieses Mebrquantum binzutreten 
soll. So lange nämlieb bei irgend einer Produktion 
an einer bestimmten Betriebsweise festgebalten wird, 
also mit gegebenen Masebinen und unverändertem 
Personale innerhalb einer bestimmten Arbeitszeit ein 
grösseres Quantum bergestellt werden soll, kann das 
nur dureb raseberen Gang der Masebinen ermöglicht 
werden, und dies erfordert einen mehr als proportio 
nalen Mehraufwand an Sebmiermaterial und Erbal 
tungskosten und bei i lampfmasebinen namentlieb aueb 
an Brennmaterial. Ebenso werden die etwa in Ver 
wendung stehenden Arbeitstbiere und endlich auch 
die bei der Produktion beschäftigten Personen, mögen 
sie dabei körperlich oder geistig tbätig sein, zu grös-
        <pb n="44" />
        síMTii Leistungen 1ieran^e%o^en werden müssen. Diese 
Leistungen werden aber aneli kosts])ieli}ier, weil sie 
mnbsanier werden; denn es ist ein allgemein »ilti^-es, 
pbysiolo^-isehes Gesetz, dass jede Mebrleistnn»- eine 
um so grössere Meliranstren&lt;&gt;-nni&gt;; erfordert, je grösser 
die Leistling sebón war, zu welelier dieses Mehr bin- 
zntreten soll. Ferner wird bei raseberer Arbeit aneb 
die Ansnntznn^' der Hob- und llilfsstotfe eine immer 
man^elbaftere werden. Alle diese Eintlnsse können 
zwar dnreb zweckmässige Iktriebsändernn^en, deren 
reebtzeiti^e Vornabme eine notwendige b'ol^e unserer 
Voraussetzungen ist, ab^esebwäebt, aber doch niebt 
^aiiz aufgehoben werden. Den Nach weis hierfür und 
somit für unsere Behauptung' des dnrebans konvexen 
Verlaufes der Kostenknrve OA wird die spätere, ein 
gehendere Untersuchung' dieser Kurve liefern. 
3. Die Niitzliclikeitskiirve. 
Die seitens Üer Produzenten auf den Markt ge 
brachte Jabresmen^e des betrachteten Artikels A wird 
von den Konsumenten gekauft werden, wenn ihnen 
dieselbe für den eigenen Konsum oder für weitere 
Verarbeitung' eine Nützlichkeit bietet. Diese Nütz 
lichkeit lässt sich an der höchsten Anstrengung' oder 
der grössten Geldsumme bemessen, welche die Kon 
sumenten für diese Meno-e ohne Nacbtbeil anfwenden 
könnten; bei diesem Anfwande würde ihnen der Kon 
sum keinerlei Vorth eil bieten, so dass es ihnen ge 
rade ¿»'leicbj^'iltig' wäre, ob sie die betretfende Men^^e
        <pb n="45" />
        í) 
kaufen oder nielits von dem Artikel konsiiiniren. Die 
XUtzliehkeit einer bestiininten JahreNmen^e irgend 
eines Artikels ist also ^leiehbedeutend mit dem Ue- 
braucliswerthe eben dieses Quantums. Ebenso wie 
die NUtzliebkeit dieses einen Quantums könnten wir 
aber, wenn wir alle einseblä^%en Verhältnisse voll 
kommen überseben würden, aueb die NUtzliebkeit jeder 
anderen grösseren oder kleineren Jabresmen^e unseres 
Artikels an^eben, indem wir dabei, ebenso wie trüber, 
im Sinne unserer Voraussetzungen, annebmen, dass 
einerseits die Preise aller anderen Artikel, und ander 
seits die individuellen Ei^ensebaften der Konsumenten 
des Artikels A völlig unverändert bleiben. 
Tragen wir nun auf dem Koordinatensystem 
(Fi^»’. 2) die versebiedenen, mö^lieben Jabreskonsum- 
men^en unseres Artikels horizontal und die entspre- 
ebenden Nützliebkeiten vertikal auf, und verbinden 
wir die so bestimmten Punkte, so erhalten wir die 
Kurve OV, welebe wir die Kurve des ^esammten 
(iebrauebswertbes oder die Gesammtnützliebkeits- 
kurve nennen. Aueb diese Kurve werden wir erst 
später jj^enauer untersueben, doeb können wir von der 
selben sebón jetzt Folgendes aussa^en: 
1) Die Kurve entspringt im Nullpunkte ; denn 
die NUtzliebkeit der Jabresmen^e Null kann ebenfalls 
nur (fleieb Null sein. 
2) Die Kurve verläuft zuerst ansteigend, erreicht 
einen Scheitelpunkt und fällt dann wieder ab; denn 
ein grösseres .Jabres(piantum muss, wenn der Artikel 
überhaupt begehrt wird, aueb eine ifrössere Nützlich-
        <pb n="46" />
        keit i&gt;ewälimi, jedoch mir bis zu einer {&gt;ewisseu 
Grenze, welelie dnreli die Abszisse des Selieitelpnnktes 
bezeiebnet wird. Diese Abszisse ¿»ibt die Jniiresmen^e 
an, welche die Bedürfnisse der Konsumenten vollauf 
befriedigt, so dass ein Mehr darüber hinaus nicht be 
gehrt wird. Diese Menge, die Menge der vollen Be 
friedigung, wird, z. B. bei Luft und Wasser unter nor- 
Fig. 2. 
malen Verhältnissen, wirklich konsumirt. Eine weitere 
Steigerung des Verbraiiebs würde nicht mehr angeiiebm, 
sondern uuaugeuebm em])fuudeu werden, oder den IVr- 
sonen, welche den Artikel A zur Weiterverarbeitung an- 
kanfen, nicht mehr Vortheil, sondern Naelitbeil bringen, 
weshalb die Kurve ON von hier an abfallend verläuft. 
3) Die Kurve muss seldiesslieh absteigend gegen 
eine vertikale Asymptote MA/ verlaufen, weil der Ver- 
braneb eines Artikels, selbst wenn hiezu ans irgend
        <pb n="47" />
        11 
welclieii (íriiiideii die ^röHsten Aimtren^nn^en í^emaelit 
werden sollten, nicht Uber eine gewisse, endliche Men^e 
hinaus (fcstei^ert werden kann, weil der Feberdrnss all- 
zngross wird, oder weil die mit der Weiterverarbeitnn^ 
verbundene Anstrengung bis zur Erschöpfung führt. 
4) 1 )ie Kurve ON verläuft durchaus konkav, d. h. 
jede folgende Tangente ist flacher gestellt, als alle 
vorhergehenden. Es wird also die durch ein }[ehr- 
quantum erzielte Mehrnützlichkeit immer geringer, je 
grösser die Jahresmenge ohnedies schon war, zu 
welcher dieses Mehrquantum hinzutritt, während nach 
Ueberschreitung der Menge der vollen Befriedigung 
die Gesammtnützlichkeit durch jedes weitere Mehr 
quantum in immer stärkerem Masse geschmälert wird. 
1 )en strengen Nachweis der Allgeineingiltigkeit dieser 
Behau])tung wird unsere sj)ätere, genauere Unter 
suchung der Kurve ON liefern; hier genügt es, dar 
auf hinzuweisen, dass der behauptete, konkave Verlauf 
dieser Kurve das allgemeine, ])hysiologisehe Gesetz 
zum Ausdruek bringt, dass ein hinzutretender, kleiner 
Heiz um so sehwächer wirkt, je mehr gleichartige 
Heize demselhen schon vorangegangen sind, und daws 
nach l'eberschreitung der Grenze voller Sättigung 
jeder weitere, kleine Heiz in stets steigendem Masse 
unangenehm empfunden wird. 
4. Die abgeleiteten Kurven. 
Die beiden Kurven, die wir bisher kennen ge 
lernt haben, geben uns noch keinen unmittelbaren Auf-
        <pb n="48" />
        12 
Schluss (lariihcr, welche (üehlheträ^e die Koiisuiiieiiteii 
tur bestimmte, auf dem Markte umgesetzte Quantitäten 
unseres Artikels thatsäehlieh aufwenden, und welehe 
somit die Produzenten wirklich erlösen werden. Denn 
die Konsumenten werden bestrebt sein, ihren Aufwand 
niederer als den vollen (iehraiichswerth zu halten, 
während die Produzenten sieh bemühen werden, mehr 
als gerade nur die Selbstkosten zu erreichen. Nach 
welchem Gesetze regelt sich nun der wirkliche Erlös 
der Produzenten und der wirkliche Aufwand der Kon 
sumenten ? 
Betrachten wir (Fig. 3) die Kostenkurve OA und 
bezeichne OQ die in einem Jahre thatsäehlieh erzeugte 
und umgesetzte Menge des betrachteten Artikels A, 
so können wir uns dieselbe in eine Anzahl kleiner, 
gleicher Theile zerlegt denken. Jedes dieser kleinen 
Theilchen wird, da die ganze Stenge zu einem und 
demselben Preise verkauft wird, auch den gleichen 
Erlös bringen. Die Herstellungskosten sind aber ver 
schieden; denn' jedes weitere Theilehen verursacht 
grössere Herstellungskosten als das vorhergehende. 
Wenn die Produzenten sich veranlasst sehen sollen, 
die ganze Menge OQ zu erzeugen, so muss der Erlös 
des letzten Theilchens, das wir mit ST bezeichnen, 
^ mindestens so gross sein als die Mehrkosten, welche 
durch die Erzeugung dieses letzten Theib'hens verur 
sacht werden; sonst unterbliebe nothwendiger Weise 
dessen Herstellung. Wäre dagegen der Erlös dieses 
Theilchens grösser als die Kosten, die es verursacht, 
so würden die Produzenten durch die zwischen ihnen
        <pb n="49" />
        13 
herrschende, freie Konkurrenz dahin geführt werden, 
ilire Erzen^nuß- noeli weiter zu verineliren. Da wir 
mm angenommen haben, dasH der Zustand ein stabiler 
sei, und OQ die angemessene Jaliresmen^e darstelle, 
so müssen die Kosten TR^ die zur Herstellung des 
letzten, wirklich ])roduzirteii Theileliens ST eiforder- 
lieh sind, dem Erlöse desselben ji^enau gleich sein. 
Die Länge TR stellt somit den Erlös des letzten Pro- 
Kií?. 8. 
R 
i—i i 
dukttheilehens ST dar. Da aber nur Ein Preis be 
stellt, der für die ganze Jahresmenge OQ, ebenso wie 
für deren letztes 1 heilehen S2' gilt, so muss sieh 
die Jahresproduktmenge zu ihrem Uesammt- 
erlöse verhalten wie ST zu 'TR. 
Ziehen wir nun durch den Nullpunkt eine Paral 
lele zu dem Kurvenstüeke SR^ welches wir als gerad 
linig betrachten können, wenn wir die riieilehen, in 
welche die Jahresmenge zerfällt, klein genug gewählt
        <pb n="50" />
        14 
haben, mul das uns dann die Tan^entialrielitun&lt;r der 
Kostenknrve im Punkte R angiid. Diese Parallele 
sehneidet die verlängerte Ordinate des Punktes R in 
R\ und die Länge QR' gibt uns den Gesaminterlös, 
der obiger Proportion entspriebt, und den die Produ 
zenten erreichen müssen, damit sie sich veranlasst 
sehen, die Menge OQ zu erzeugen. Führen wir dann 
dieselbe Konstruktion für jede andere Jahresmenge, 
von der kleinsten bis zur grössten, durch, so erhalten 
wir eine Reihe von Punkten, die eine neue Kurve 
OA' darstellen. Jede Ordinate dieser Kurve gibt uns 
unmittelbar den wirklicben Erlös, den die Produzenten 
in ihrer Gesammtbeit erzielen müssen, wenn sie sieh 
veranlasst sehen sollen, die durch die zugehörige Ab-, 
szisse bezeiehnete Jahresmenge des Artikels A her- 
znstellen; oder auch: die Ordinaten dieser Kurve be 
zeichnen die Geldbeträge, gegen welche die durch 
die Abszissen angegebenen Jabresprodnktmengen wirk 
lich angeboten werden. Wir nennen daher diese Kurve 
die Gesammtangebotskurve. 
Wenden wir uns nun zu der Nützlichkeitsknrve 
ON (Fig. 4), und stellen wir in Bezug auf das wirk- 
lieh konsumirte Jahres(piantnm OQ ganz dieselbe He- 
traehtnng an, die wir eben in Bezug auf das wirklich 
])rodnzirte Quantum gemacht haben, so linden wir, 
dass auch die Konsumenten unter dem Einflüsse ihrer 
gegenseitigen, freien Konkurrenz sich veranlasst sehen 
werden, mit ihrem Konsum soweit, aber auch nicht 
weiter, zu gehen, bis der von ihnen für das letzte, 
wirklich konsumirte Theilehen l^T gemachte Aufwand
        <pb n="51" />
        15 
(1er NUtzlielikeit TR eben dieses Tlieilcliens p^enan 
^leieli wird. Wenden wir dann zur Ermittelnnp^ des 
wirklichen Gesammtaiifwandes der Konsumenten die 
selbe Scldussfolgernnp: und die p^leicbe Konstruktion 
an, wie vorhin bezüp^Iich des wirklichen Erlöses der 
Produzenten, legen wir also durch den Nullpunkt eine 
Parallele zu aSVi\ das ist zur Tangente der Niitzlieh- 
keitskurve im Punkte R, ko erhalten wir den Punkt 
/?', und die Entfernung C¿R' ntellt uns den gesuchten 
Gesammtaufwand dar. Indem wir dann wieder für das 
konsumirte Jahres(juantum alle möglichen Annahmen 
machen, erhalten wir die neue Kurve ON'. Jede Or 
dinate der so gefundenen Kurve gibt uns unmittelbar 
den Geldbetrag an, den die Konsumenten in ihrer 
Gesammtheit wirklich aut wenden werden, wenn sie 
sieh veranlasst sehen, gerade die durch die zugehörige 
Fiff. 4. 
Ü
        <pb n="52" />
        U) 
Abszisse bezcieliiiete Jaiircsmen^e unseres Artikels zu 
kousuniireii5 oder auch: die Ordiuateii dieser Kurve 
bezeiclmeii die (Geldbeträge, mit welcbeu die Kousu- 
meiiteii die betreffeiideu Jabresmeu^eu uacbtra^eu ; 
wir ueuueu sie daher die G esammtuacbtra^ekurve. 
Die Gestalt der abgeleiteten Kurven OÁ' und 
ON' — die wir der leichteren Unterscbeidiiu»- we^eu 
in unseren Figuren rotb gezeichnet haben — wird 
durch die Art ihrer Fntstehnn^' ans den nrsprihiolichen 
Kurven OA und ON bestimmt. Diese bringt es mit 
sieb, dass der Radiusvektor jedes Punktes der abge 
leiteten Kurve der Tangente des über derselben Ab 
szisse ^ele(2,enen Punktes der nrsinnn^liehen Kurve 
parallel sein muss. Daraus ergibt sich, dass jeder fol- 
o-ende Radiusvektor in der An^ebotsknrve OA' steiler, 
in der Kachfra^ekurve ON' aber üacber gestellt sein 
muss als alle vorb ergeben den. Jede der beiden ab 
geleiteten Kurven entspringt im Nullpunkte mit der 
gleichen Tangentialrichtnng, wie die betrettende nr- 
sprnnglicbe Kurve, und wird auch nach rechts dnidi 
dieselbe Asymptote begrenzt; dabei nimmt jedoch mit 
wachsender Abszisse der A ertikalabstand dei abge 
leiteten von der ursprünglichen Kurve tortwährend 
zu. Die Nachtragekiirve ON' schneidet die Abszissen- 
acbse genau unter dem Sebeitelpnnkte der Nützlicbkeits- 
knrve ON, wo also die Tangente der letzteren hori 
zontal ist. Die Ordinaten des unter die Abszissenacbse 
fallenden Tbeiles der Nacbfrageknrve bezeiebnen die 
Geldbeträge, welche die Konsumenten erhalten müssen, 
wenn sie sieb veranlasst sehen sollen, die betrettenden,
        <pb n="53" />
        17 
ül)er (lie Menge der vollen Befriedigung liinausgelien- 
den Jahresmengen zu verbrauehen. 
5. Der Preis. 
Stellen wir nun in Fig. 5 die auf einen Artikel 
A bezogenen Kurven der Kosten und der Nützlieh- 
riff. 5. 
A 
0.4 a a 
keit OA und ON, dann die Angebots- und die Naeli- 
fragekurve OA’ und ON' dar, so mlissen sieb die 
beiden letzteren notbwendigerweise sebneiden. 1 )er 
Scbnittjuinkt c ist der Punkt, bei dem Angebot und 
Nachfrage gleich sind, seine Abszisse Oa ist der wirk 
liche Jahresabsatz unseres Artikels, seine Ordinate 
(IC der wirkliche Jahresumsatz in Geld. Würde 
uändich eine geringere Menge Oa, {uoduzirt, so wäre 
Augpitz u. Lieben. Untoriuch. üb. d. Theorie d. Preise«. ‘2
        <pb n="54" />
        18 
a¡Ci (1er Aufwand, den die Konsnnienten zn maelien 
bereit sind, grösser als die Forderung' a¡z¡ der Fro- 
dnzenten, und dies müsste zn einer Steifernn^ der 
Produktion fiiliren; wäre da^e^en die Jaliresju’odnktion 
Oog, so wäre der Aufwand rZgL, zn welelieni die Kon- 
sninenteii sich entscldiessen würden, kleiner als die 
Forderung' ßgZg der Produzenten, daher die Produktion 
verringert werden müsste, so dass in beiden Fällen 
die Produktion auf Oa, auf die dem vorausgesetzten, 
stabilen Gleicbgcwicbte entsprechende Men^-e, zurück- 
geführt würde. 
Ziehen wir nun durch den Nullpunkt und den 
Punkt c eine Gerade OP und hezeiehnen den Neigungs 
winkel derselben mit i'/, so ist: 
^ ,, ac I insatz 
t q O' = - = — 
Oa Absatz 
reis : 
wir nennen daher diese Gerade die Preislinie, und 
werden uns fortan gestatten, den jeweiligen Preis des 
betrachteten Artikels immer durch eine solche, vom 
Nullpunkt ausgehende Gerade zu bezeichnen. Die 
Preislinie muss, da sie ein Radiusvektor sowol der 
Angebots-, als auch der Naehfra^eknrve ist, zugleich 
auch der 'Pándente an die Kostenknrve OA im Punkte 
6, sowie auch jener an die Nützlichkeitskurve ON 
im Punkte d jiarallel sein. Somit haben diese beiden 
Kurven an den dem Schnittpunkte c entsprechenden 
Punkten gleiche Tan^entialriehtun^en. Die Nei^nn^en 
der Tangenten gegen die Horizontale nehmen aber 
hei der einen Kurve OA fortwährend zn, hei der 
anderen ON fortwährend ah. Es gibt daher nur ein
        <pb n="55" />
        lí) 
einziges Paar vertikal Uber einander liegender Punkte 
dieser beiden Kurven, deren Tan^entialricbtiin^en 
i^leicli sind. ir liätten demnach Absatz, Umsatz 
nnd Preis aneli unmittelbar ans diesen beiden Kurven 
idme /nbiltenabme der abg-eleiteten Kurven bestimmen 
können. Ls würde ^enU^ren, auf den ursprünglichen 
Kurven (JA und ON dieses Punktepaar zu ermitteln, 
und {*ibt dann dessen Abszisse den Absatz Oa, und 
die gemeinsame Tan^entialricbtun^ der beiden Kurven 
i;ibt den Preis tg (h, mit anderen Worten: die Rich 
tung der parallelen J aumenten der Kostenkurve 
und der Niitzlicbkeitskurve bestimmt den Preis. 
Wir sind bei getrennter Betrachtung der Produ 
zenten einerseits und der Konsumenten andererseits 
schon trüber zu dem ¡Resultate gelangt, dass die 
Herstellungskosten des letzten produzirten Tbeilebens 
gleich dessen Erlös, dass ferner die Nützlichkeit des 
letzten konsumirten Tbeilebens gleich dem dafür ge- 
maebten Aufwande sein müssen. Da nun Erlös und 
Aufwand für das letzte, wirklich umgesetzte Tbeilcben 
mieb untereinander gleich sein müssen, so ergibt sieb, 
dass auch die Herstellungskosten des letzten prodn- 
zirten und die Nützlichkeit des letzten konsumirten 
Tbeilebens einander gleich sein müssen. Der Paral 
lelismus der Tangenten der beiden Kurven OA und 
ON und der Preislinie OP liefert bieifür den geo 
metrischen Nachweis. 
Wii sehen, dass Preis und Absatz irgend eines 
Artikels A le(lii&gt;lieli durcli den Heliidtt]niid(t der auf 
duiHtlbeii bezo^feiieii Angebots- und Nacbfragekiirve
        <pb n="56" />
        — áo — 
bestimmt werden, wälireml der übrige Verlauf dieser 
Kurven ohne Einfluss bleibt. Sobald da^e^en die eine 
dieser Kurven, z. B. ON\ sieb ändert, wäbreud die 
andere, OA\ unverändert bleibt, ^ibt die letztere alle 
Punkte an, in die der neue Scbnittjmnkt fallen kann, 
und bestimmt somit aueb die Aenderun^en, welche 
der Preis und der Absatz des Artikels A erleiden 
müssen. Es ist nun allerdings einleucbteud, dass diese 
Aenderun^en nicht ohne Einfluss auf die Preise aller 
übrigen Artikel werden bleiben können, da der ver 
änderte Absatz des Artikels A aueb einen anderen 
Verbrauch der zu seiner Ilerstellun^r erforderlichen 
Bob- und Hilfsstoffe, sowie eine veränderte Produktion 
der etwa ^leicbzeiti^^' mit dem Artikel A entstehenden 
Neben])rodukte zur Fol^e haben muss; das kann aber 
nicht ohne AVirkung' auf die Preise dieser Artikel 
bleiben, und daran werden sieb weitere Einwirkungen 
auf die Preise auch ^anz anderer Artikel knüpfen. 
Ferner werden diese mani^facben Preisänderun^en 
auch die Vermö^ensverbältnisse der Produzenten und 
Konsumenten des Artikels A alteriren, wodurch bei 
diesen Personen eine veränderte, individuelle Wertb- 
sebätzuu«»’ des Geldes berbei^efübrt werden wird. So 
bald sieb aber der Preis irgend eines anderen Artikels 
oder die AVertbsebätzung’ des Geldes seitens eines der 
Produzenten ändert, können auch die J [erstellun^skosten 
irgend einer Afeude von A andere werden, so dass auch 
die Kurve OA und daher auch OA' eine Formänderung- 
erfährt. Um diese Bückwirkun^^en auszuscbliessen, 
haben wir ^anz allgemein angenommen, dass, wenn
        <pb n="57" />
        21 
8ic*li auch (1er Preis eines einzelnen Artikels ändert, die 
1 leise aller anderen Artikel und die Werthsehätznn^^ 
des Geldes seitens aller in Betracht kommenden Per 
sonen völli&lt;^ unveränderlich bleiben. Solche Vorans- 
setzim^en sind nnerlässlieh, weil ein Einblick in die 
I reisbildnng- nnmö^lich wäre, wenn wir alle Elemente 
gleichzeitig schwanken lassen wollten 5 so lan^e wir 
aber an unseren Annahmen festhalten, bleibt die Kosten 
kni ve OA und daher auch die An^ebotsknrve OA in 
ihiem ganzen \ erlauf in Geltung, wenn auch die 
Niitzliehkeitsknrve ON und mit ihr die Naehfra^e- 
knrve ON' sich ändert, und umgekehrt. 
(*&gt;. Der Nutzen der Produktion, der Nutzen der Kon 
sumtion und der (iemeinnntzen. 
A\ enn wir nun die abgeleiteten Kurven in ihrem 
gesammten Verlaute betrachten, so sehen wir, dass, 
da bei der Angebotsknrve jeder folgende Uadinsvektor 
steiler gestellt ist als alle früheren, bei steigenden 
Prodnktmengen der Preis steigen muss, wenn die Pro 
duzenten sieh veranlasst sehen sollen, diese zunehmen 
den Prodnktmengen auch wirklich herziistellen. Aus 
dieser gleichzeitigen Steigerung der Menge und des 
I leises ergibt sich eine um so grössere Vermehrung 
des Erlöses. Gleichzeitig steigt auch der Ueberschnss 
des Erlöses über die ilerstellnngskosten, d. i. der 
Nutzen, der allen Produzenten des Artikels A zu 
sammen aus der Produktion speziell dieses einen 
Artikels erwächst. Derselbe wird für jede Ibodukt-
        <pb n="58" />
        mcii^’c dure]I deu eutspreelíendeii Vertikalal).staud der 
Kurven OA uiid OA' ano-e»-el)eu. 
Der entgegengesetzte Forineliarakter der Xaeli- 
frag’ekurve ON' bringt es mit sieh, dass mit steifen 
den Konsummeiifen der Preis faden muss, wenn die 
Konsumenten sieli veraidasst selien sollen, diese zu 
nehmenden Mengen wirklieh zu kaufen. Die hier 
einander entfefenlaufenden Aenderunfen der Meiife 
einerseits und des Preises anderseits hriiifen dann 
die Wirkung hervor, dass der Aufwand der Konsu 
menten zwar anfaiiflieli steift, dass er aber in dem 
höehsten Punkte der Nachfrafekurve ein Maximum 
erreicht und dann wieder ahnimmt. Es fiht also hei 
jedem Artikel eine Meiife, für die der höchste Auf 
wand fcmacht werden kann, während alle frösseren 
Menfen nur dann konsumirt werden, wenn der Auf 
wand, den sie erfordern, entsprechend kleiner wird. 
Hei dem Preise Null, welcher die Konsumenten ver 
anlasst, fcrade die durch die Abszisse des Sehuitt- 
puuktes der Kurve ON' mit der Ahszissenachse he- 
zeielinete Meiifc der vollen Hefriedifiinf zu ver- 
hrauchen, wird auch der Aufwand fleich Null. Der 
Ueherscliuss der Nützlichkeit der fekauften Meiife 
über den dafür femachten Aufwand, d. i. der Nutzen, 
der allen Konsumenten des Artikels A zusammen aus 
der Konsumtion speziell dieses Artikels erwächst, 
wird für jede Konsummenf e durch den entsprechenden 
Vertikalahstand der Kurven ON und ON' hezeiehnet 
und nimmt mit derselben kontiniiirlieh zu. Hei der 
Meiife der vollen Hefriedif unf wird dieser Nutzen
        <pb n="59" />
        (1er »aiizeii Xiitzliclikeit dieser Meiij^e. Noeh 
grössere Meiii»en können nur j»ej»en eine Anfzaldnnj»*, 
also ])ei negativen Preisen des Artikels A, verbraiielit 
werden; diese Anfzahlnn«- tritt dann zn der Niitzlieli- 
keit der betreffenden Men^e binzii, der Nutzen der 
Konsumtion wird also nach w ie vor diireb den Verti 
kalabstand der Kurven ON und ON' bemessen und 
wird daher mit der Men^e fortwährend grösser. 
Hetraebten w ir nun aiieb den Vertikalabstand der 
nrsj)riinj»licben Kurven OA und ON^ so bemisst der 
selbe über jeder Abszisse den dureb den Absatz der 
betreffenden Menjçe erzielten Uebersebuss der Niitz- 
liebkeit über die Herstellungskosten. Dieser stets in 
Ueld bemessene Uebersebuss wird bei der Jabres- 
men^e Oa dureb die Länf^e hd darjçestellt, wovon 
der Tbeilbetraj»- hc den Produzenten und cd den Kon 
sumenten zutallt. Es lie^t offeid)ar im allgemeinen 
Interesse, dass dieser beiden Tbeilen gemeinsame 
I ebersebnss mö^liebst ^ross ausfalle, und w ir nennen 
denselben den G'emeinnntzen. Nun wissen wir, dass 
mit znnebniender Abszisse die Tan&lt;renten der Kurve 
OA immer steiler, jene der Kurve ON immer ffaeber 
werden, und die Fol^e davon ist, dass der in Rede 
stehende Vertikalabstand dort am grössten ist, wo 
diese Tangenten j&gt;arallel laufen, dass also der grösste 
Gemeinnützen gerade dureb die Jabresmen^e Oa er 
zielt wird, die bei freier Konkurrenz tbatsäeblieb um- 
tfesetzt werden muss. Indem also die Produzenten 
und Konsumenten, blos von ihrem Interesse geleitet, 
einerseits ihre Produktion genau soweit ausdebnen.
        <pb n="60" />
        24 
bis der Erlös des letzten Produkttlieileliens seinen Her- 
stellung^skosten gleieh wird, und anderseits ihren Kon 
sum so einrichten, dass für das letzte Konsuintheilehen 
Aufwand und Nützlichkeit {z,'leieh werden, wird auch 
der grösste Gemeinnützen erzielt, welcher unter den 
gegehenen und als unveränderlich angenommenen He- 
dingungen üherliaupt erreicht werden kann. Es würde 
also diesclhe Menge Oa, welche hei freiem Verkehr 
sich als die angemessenste erweist, auch dann die 
vortheilliaftestc hleihen, wenn hei sonst unveränderten 
Verhältnissen Produzenten und Konsumenten sich zu 
einer Korporation, zu gemeinsamen Zwecken, ver 
einigen wollten.
        <pb n="61" />
        Die Einzelkurven. 
7. Allgemeine Eigenschaften der Einzelkiirven. 
AVir haben uns bisher nur mit der Gesammtheit 
sowol der Produzenten als der Konsumenten eines Ar 
tikels, also mit Gruppen von Individuen, besehilftigt; 
wir können aber die so gewonnenen Anschauungen 
untei h esthaltung unserer Voraussetzungen ganz wol 
auch auf die Einzel neu übertragen. Es lässt sieh 
demnach auch für jeden einzelnen Produzenten eines 
Artikels eine Kostenkurve, wie z. H. Oa (Fig. (5), und 
tiir jeden einzelnen Konsumenten desselben eine Nütz- 
liehkeitskurve, wie On (Fig. 7), aufstellen, und aus 
jeder dieser Kurven lässt sieb eine Einzelangebots 
kurve Oa oder eine Einzelnaebfragekurve On ab 
leiten. Diese Einzelkurven werden denselben Form- 
ebarakter wie die Gesammtkurven haben ; Oa muss 
durchaus konvex. On durchaus konkav verlaufen, wie 
dies später eingehend begründet werden wird. Dem- 
naeb muss mit waebsender Abszisse der Radiusvektor 
in Oa immer steiler, in On! immer Üaeher werden 
and beidemale der Vertikalabstand der Abgeleiteten 
von der ursprünglichen Kurve fortwährend zunehmen.
        <pb n="62" />
        Dadurcli ist jcdocli eine iiiieiidlielie ^laimi^talti^keit 
in der (Gestalt der auf denselben Artikel bexn^enen 
F]g. (5. 
Kurven verschiedener Individuen keineswegs ausge 
schlossen. 
Der Gesamnitverlauf jeder Ei nze 1 k os te n k nrve 
wird sich nni so Hacher gestalten, je grösser die Ge 
schicklichkeit, der Fleiss des Unternehmers ist, und 
je g*Unstig-er die Urodiictionsbedin^nn^en sind, unter 
denen er arbeitet; über irgend einer Abszisse ist die 
Kurve um so Hacher, je mehr seine ^anze Einrichtung- 
für die Herstellung- gerade der betreHenden Men^e 
^eei^net ist. Die Kurve wird da^e^en um so steiler 
ansfallen, je rascher die Anstren^nn¿( wächst, welche 
zn einer Drodnktionsvermehrnn^ erforderlich ist. In 
dividuelle Neigungen und Gewohnheiten der Konsu 
menten, soweit es sich um solche handelt, die den 
Artikel für den eig-enen Bedarf kaufen, alle Verhält 
nisse, die auf ihren Produktionszweig- EinHnss haben, 
bei jenen Personen, welche den Artikel als Roh- oder
        <pb n="63" />
        lliltWoñ' für eine andere Produktion verwenden, t)e- 
«timinen die Formen der verHeliiedenen Einzelniitz- 
Fiff. 7. 
lielikeitskurven. Hier werden über irgend einer 
Al)HzÍH8e die Kurven jener Käufer steiler verlaufen, 
deren Hedüifniss oder Neigung nach der betreffenden 
Menge des Artikels lebhafter ist. Nicht minder ver- 
sebiedenartig wird sieb die Nützlicbkeitskurve des 
selben Individuums je nach der Natur des betraebteten 
Artikels gestalten, und das Uleiebe gilt auch von der 
Kostenkurve eines Produzenten, wenn dieselbe einmal 
auf dessen Hau])t|)rodukt, ein andermal auf irgend 
eines der etwa gleichzeitig entstehenden Nebenprodukte 
bezogen wird. Auch die Vermögensverbältnisse haben 
einen massgebenden Einfluss auf sämmtliebe Einzel 
kurven; je günstiger dieselben sind, je geringer daher 
bei einem bestimmten Individuum die WertbsebUtzung 
des Geldes ist, desto grössere Beträge wird dasselbe
        <pb n="64" />
        für (lie gleiche, ])ers()nliclie Anstrengung verlangen 
1111(1 auch wieder für den gleichen Genuss anfznweiideii 
in der Lage sein. Je wolhahender also ein Indi- 
vidnnm ist, desto höher sind im allgemeinen die jeder 
Abszisse entsprechenden Ordinatcn seiner Kosten- oder 
seiner Nützlichkeitsknrve, desto steiler ist daher der 
ganze Verlauf der Kosten- und der Angehotsknrve, 
während die Nützlichkeits- und die Nachfragekiirve 
zwar auch steiler ansteigen, aber nach dem Scheitel 
auch umso rascher ahfallen. Endlich ist nicht zu 
ühersehen, dass ebenso, wie die früher anfgestellten 
Gesammtknrven, auch jede, auf welchen Artikel immer 
bezogene Einzelkosten- oder Nützlichkeitsknrve irgend 
eines gegebenen Individnnms auf der Voraussetzung 
unveränderlicher Preise aller anderen Artikel beruht 
1111(1 daher eine mehr oder weniger merkliche Aende- 
rnng erfahren wird, sobald Einer dieser Preise sieh 
ändert. 
8. Kombimition der Einzel kurven zu 
Gesaniintknrven. 
Da die Gesammtknrven die Gesammtheit aller 
Einzel kurven darstellen und nur ans solchen entstanden 
sein können, muss sich die Art der Vereinignng von 
Einzelknrven zu Gesammtknrven verfolgen lassen. Die 
Abszisse — die gesammtc IMcnge des Artikels — und 
die Ordinate — der entfallende Geldbetrag — jedes 
Punktes der Gcsammtknrve ist noth wendigerweise die 
Summe der Abszissen, hezw. Ordinatcn, der für den 
gleichen Preis geltenden Punkte sämmtlieher Einzel-
        <pb n="65" />
        — 29 — 
kurven. Die Punkte ^leiclien Preises sind bei 
den urs])riing-lielien Kurven die Punkte gleielier Tan- 
i*'entialricbtun&lt;j^; bei den abgeleiteten Kurven sind es 
die Punkte, die auf demselben Radiusvektor lieg;en. 
Koinbiniren wir naçb dieser Regel in Fig. 6 aus 
drei Kinzelkosten- und Angebotskurven, die wir der 
Kintacbbeit wegen identisch annebinen, und deren jede 
durch Oa, bezw. (Ja, dargestellt sei, die Gesanmit- 
kiinen OA und (JA', so sehen wir, dass die letzteren 
viel weniger gekrümmt sind, sieb also von ihrer An 
fangstangente, welche mit jener der Einzelkurven 
zusa mm entail t, viel langsamer entfernen, somit über 
jeder Abszisse flacher verlaufen ; und dies wird umso- 
niebr der Fall sein, je grösser die Zahl der kombi- 
niiten Einzelkurven ist. Koinbiniren wir nach dem 
selben Grundsätze drei identische Einzelnützlicbkeits- 
und Xachfragekurven On und On' zu den Gesammt- 
kurven ON und ON' in Fig. 7, so sehen wir, dass 
auch hier die Gesammtkurven viel weniger gekrümmt 
sind, sieb also wieder von ihrer Anfangstangente lang 
samer entfernen, somit hier über jeder Abszisse steiler 
verlaufen, als die Einzelkurven; und dies umso mehr, 
je grösser die Zahl der letzteren ist. 
Der bisher behandelte Fall identischer Einzel 
kurven wird kaum jemals Vorkommen. Hei der un 
endlichen Mannigfaltigkeit sowol der individuellen An 
lagen, als auch der äusseren, für Produktion und Kon 
sumtion massgebenden Verhältnisse ist eine Ueber- 
vinstimmung der auf verschiedene Verkäufer oder 
Käufer desselben Artikels bezüglichen Kurven gar
        <pb n="66" />
        — :u) — 
nicht zu erwarten. Seien nnn in Fiß". 8 Oa¡ mul 
Oa, mul Oa'2 die Kosten- mul An^ehotsknrven zweier 
Produzenten desselben Artikels, so fol^t die Gesaimnt- 
kostenknrve OA antan^lich der tlaeheren Kurve Oa, 
bis zu jenem Punkte dessen 1 anuente der Anfan^s- 
tan^ente der Kurve Oa,j ¡»arallel ist; denn für alle 
Preise, die niederer sind, als der durch die Hicbtunj»* 
dieser Tangente au^e^ebene Preis, ^ilt die Kurve 
Fig. 8. 
A 
til 
Oa, allein. Von hier an macht sieb der Eintluss der 
zweiten Einzelkurve geltend. Im Punkte i nimmt 
daher die Krümmung' der Gesammtkurve OA ]dötz- 
licb ab und bleibt auch im weiteren Verlaufe immer 
eine geringere, als in den Punkten gleichen Preises 
der Einzelkurven. Ebenso folj&gt;t die Gesammtan^ebots- 
kurve OA zunächst der Einzelkurve Oa, bis zu dem 
vertikal über i liegenden Punkte dessen Radius 
vektor zugleich der daebste der Kurve Oa^ ist. Von
        <pb n="67" />
        — íil — 
liier al) muss sich der Einfluss der letzteren Kurve, 
n. z. durch einen ent8])rechenden Zuwachs zu jedem 
Radiusvektor der Kurve Oa,^ geltend machen. Im 
Runktc ?/ zeij^t die Gesammtkurve OA eine Ecke, 
indem hier ihre Tangente und ihr Radiusvektor zn- 
sammentallen, während unmittelbar vorher, wo noch 
die Einzelkurve Oa, zu«fleich Gesammtaii^ehotskurve 
ist, deren 1 anuente weit steiler als der Radiusvektor 
\eiläuft. ährend also im Punkte i der Gesammt- 
kostenkurve OA nur eine Krümmun^sahnahme be- 
meikbai ist, trotzdem aber die Tangenten immer steiler 
werden, hat die (Iesammtan^ehotskurve i' einen Eek- 
luinkt, ihre Radienvektoren aber werden trotzdem 
iumier steiler, und der Vertikalabstand der beiden 
Kurven nimmt fortwährend zu. 
(:*anz analo&lt;&gt;'e Erscheinungen zeigen sieh (Ei^. Í) 
a und h) hei der Kombination von zwei verschiedenen 
Einzelnützliehkeits- und Kaehfra^ekurv en On, und G??,, 
On, und zu einer Gesainmtnützliehkeitskurve ON 
und Gesammtnaehfra^ekurve ON\ Der Eek])unkt i’ 
der letzteren Kurve kann sieh hier (Ei^. Í) h) zu einem 
Tiefjuinkte gestalten, auf den dann ein zweiter Seheitel- 
imnkt fol^t, was aber nicht hindert, dass auch hier 
jeder folgende Radiusvektor flacher gestellt sein muss, 
als alle vorhergehenden. 
Wir sehen also, dass im allgemeinen jeder weitere 
^ erkäufer oder Käufer des betrachteten Artikels auch 
einen weiteren Eckpunkt in der Gesammtangebots-, 
liezw. in der Gesammtnachfragekurve, herhciführt und 
überdies in der letzteren auch einen weiteren Scheitel-
        <pb n="68" />
        puiikt, sobald nämlich der steilste Radiusvektor der 
übrigen Einzelknrveii kombinirte esammtnaebfra^e- 
kurve in einer abfallenden Strecke trifft. Wir bringen 
jedoch der Einfaebbeit we^cn in unseren Ei»nren diese 
Eckpunkte und Tiefpunkte nicht jedesmal zur An- 
scbaiuing- und zeichnen daher auch die Gesammtnacb- 
fraßeknrve mit blos Einem Scheitel. ]3ei Artikeln des 
nnmittelbarcn Konsnmes würden die durch die Ein 
zelnen bervorgerufenen, zahlreichen Scbcitclpnnktc 
ohnedies nur wenig- hervortreten, weil der Bedarf des 
Einzelnen gegen die Gesammtmenge verschwindet. Hei 
Artikeln dagegen, welche, wie z. H. Kohle, nebst der 
Verwendung in den Ilanshaltnngen auch noch in aus 
gedehntem liasse als Ililfsstotfe der Industrie dienen, 
würde die Gesammtnaehfragekurve, welche so ver 
schiedenartige Verwendungen znsammenfasst, wie in 
neu hinzutretenden Einzelnachfragekurve die aus den
        <pb n="69" />
        33 
i'îft'- íí 1), zwei oder vielleielit aiicli nielir so stark aus- 
eiiiaiidertreteiide Sclieitelj)imkte aiifweisen, dass die 
selben nickt nbcrseben werden diiifen. Dies ¿»ilt auch 
von Aiisfulirartikeln, wie Weizen in Amerika oder 
Hnssland, indem die Gesammtnaehfra^eknrve nebst 
dem Begehr der iidändischen Konsumenten auch die 
^&gt;ei entsprecliend niedrigem Preise zur Geltung kom- 
luende Nachfrage der Exporteure mitenthält. 
Fig. 9 b. 
A 
IH(‘ KiiizoliiKMigoii 1111(1 der Beiiieiiiiiiitzcii. 
I in nun zu bestimmen, welche Jahresmenge 
Unseres Artikels die einzelnen Produzenten herstellen 
und verkaufen und die einzelnen Konsumenten kaufen 
und verbrauchen, geht es nicht an, etwa eine Einzelan- 
Kehots- mit einer Einzel nachfragekurve zum Schneiden 
bringen; denn der Einzelne steht auf dem grossen 
^larkte nicht dem Einzelnen gegenüber; er findet viel- 
uiehi unseren \ oraussetzungen gemäss den Preis schon 
uusges]U'ochen. Sei dieser in Fig. 10 durch OP dar- 
^O• Pitz n. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 3
        <pb n="70" />
        34 
gestellt, und sei Oa die Kostenkurve eines einzelnen 
Produzenten, so wird dessen Nutzen für jede Jalires- 
inenge dnreli den Vertikalabstand der Preislinie von 
der Kosten kurve l)ei der betreffenden Abszisse be 
messen. Dieser Abstand wird an^ensebeinlieb bei jener 
Menge Oq ein Maximum erreieben, bei weleber die 
Tangente der Kostenknrve im Punkte r der Preislinie 
j)arallel ist, und da der Produzent natnrlieb bemüht 
ist, den grössten, bei dem bestellenden Marktpreise 
Fig. 10. 
P 
erreiebbaren Nutzen zu erzielen, muss er eben diese 
Menge bersteilen. Da die Aiigebotsknrve Ua 
unseres Produzenten von der Preislinie OP in einem 
Punkte V gesellnitten wird, der vertikal über r liegen 
muss, liesse sieb die angemessenste Kinzelprodnkt- 
menge Oq aneb unmittelbar dnreb diesen Selmitt be 
stimmen. Der Abstand rr bemisst den grössten, für 
das betraebtete Individiinm bei dem bestellenden Preise 
07^ erreiebbaren Prodnktionsnntzen. 1 lerselbe Nutzen
        <pb n="71" />
        cistlieint statt in Geld in Mengen des Artikels A aus- 
^tdiiiekt in dein Abstande der sieb ergibt, wenn 
"il die 1 anuente an die Kostenkurve ini Punkte ?• 
bis zur Abszissenaebse verlängern. Wäre der Artikel 
%. H. eine (^etreideart, so würde rr die Geldrente, 
aber die (^etreiderente des betreffenden Produ- 
iienten darstellen. 
Ganz ebenso veranlasst das Streben naeli Er- 
laiigun¿&gt;‘ des ^rösstinö^lieben Nutzens aueb alle anderen 
Produzenten des betraeliteten Artikels A gerade jene 
dabresinen^en berzustellen, welebe in ihren Einzel 
kostenkurven dureb die Tan^entialriebtun^ OP oder 
in ill reu Einzelan^ebotskurven dureb deren Sebnitt 
mit der Preislinie OP an^e^eben werden. Die Sunnne 
dieser Einzeliiroduktnienoen ergibt notbwendi^erweise 
die Abszisse des Sebnitt|mnktes der (¿esannntan^ebots- 
kurve mit der Preislinie OP; in diesem Punkte wird 
aber die Gesammtan^rebotNkurve aueb von der (iesammt- 
•laebfraiiekurve ^etn^ffen, weil ja eben bierdureb der 
I Veis Ol* bestimmt wird. Nun wissen wir, dass die Ab- 
«/iHse des ebenerwäbnten Sebnitt|mnktes zugleich jene 
Menj»e bezeielmet, deren Absatz den ;»Tössten Gemein- 
'•Htzen berbeitiibrt; wir linden also, dass das Privat- 
mteresse jedes einzelnen Produzenten zur Erzeii^un^ 
^‘ken jener Einzelmen^en und somit aueb jener Ge- 
Hammtmeni.e drängt, welebe aueb im allgemeinen 
Interesse die vortbeilbat'teste ist. 
In i»leieber Weise ergibt sieb aus Ei^. 11 die Jabres- 
konsummen^e eines einzelnen Konsumenten, indem 
eiselbe duieli den \\ unseli, einen mö^lielist grossen
        <pb n="72" />
        Nutzen der Konsumtion zu erzielen, veranlasst wird, 
gerade die Menjj^e Oq zu konsnmiren, welelie dem 
Selmittjmnkte seiner Naelifra^eknrve On mit der Markt 
preislinie OP und daher auch dem orössten Vertikal 
abstande rr dieser Linie von der Niitzlichkeitsknrve 
On entspricht. Auch hier lässt sieh darthnn, dass das 
Lrivatinteressc jedes einzelnen Konsumenten den Kon 
sum jener Gesammtmen^e herheifnhrt, welche durch 
den Sehnittpnnkt der (iesammtanj»ehots- und Gesannnt- 
naehfrao-eknrve bezeichnet wird und den grössten Ge 
meinnützen hervorrnft. 
10. Nicht etfcktivos Angebot iiiid nicht effektive 
\ erbleichen wir nun (Fib- 12) die Finzel kurven 
Oa, und ()a\ und On'^ zweier Frodnzenten / und 
0 
Nachtrabe.
        <pb n="73" />
        4, 
37 
// desselben Artikels. Nach dem ( Iben^esap^ten ist 
Produzent II der minder ^esebiekte, der unter un 
günstigeren Verhältnissen arbeitende, oder aiieh der 
minder erwerbslnsti^e, ina^ nun sein ^erin^erer Eiter 
dnreb bessere \ ermö^ensverbältnisse oder durch andere 
I rsachen begründet sein. Man siebt ans der Fi^nr, 
dass bei dem Bestände des Preises ()P Produzent I 
die grössere Jabrcsmcnge Oq,^ Produzent II da^e^en 
Fig. 12. 
A’ 
nur die ^erin^ere Menjre Üq, berstellen wird. Dem- 
ii^emäss ist auch der Nutzen der Produktion bei dem 
einen r^Vt viel grösser als jener bei dem andern. 
Hetraebten wir nun eine ^anze Círuj)i)e von Einzel- 
an^ebotskurven, welche sich zu einer Gesammtan^e- 
botskurve vereinigen lassen. Es können dann zu den 
eben betraebteten Kurven auch solche wie (Ja^ binzu- 
treten, deren Abgeleitete wie Oa^ mit der Preislinie
        <pb n="74" />
        38 
iiiclit zum Sdiiiitte kommen, weil ¡lire Autanj»stanj»‘eiiteii 
seliou steiler als OP sind. Die steilere Kinzelan^ebots- 
kurve Oa^ kann somit auf die (iestait der Desammt- 
ang’ebotskurve OA' erst jenseits des Sebnitt|)unktes c 
mit der (iesainmtnaelifra^eknrve OiV' mitbestimmend 
ein wirken. Das Angebot aller jener Drodnzenten, 
deren Kinzelknrven sieb so wie (Ja^ verhalten, können 
wir nicht effektives Angebot nennen. Die be- 
tretfenden Produzenten sind, solange der j&gt;e&lt;&gt;ebene 
Marktjireis besteht, nicht in der La^e, irgend eine 
Men^e des betrachteten Artikels auf den Markt zu 
bringen ; sie sind »enötbi^t, die Erzeu&lt;» unj»' dieses einen 
Artikels zu unterlassen, ohne übrigens darum auch 
ihren Betrieb, der sieb auf die Herstellung- verwandter 
Artikel zu erstrecken ]&gt;ile^t, ^anz einstellen zu müssen. 
So kann ein Walzwerk, das auf die Produktion von 
Schienen eingerichtet ist, durch einen niedrigen Preis 
dahin gedrängt werden, statt der Schienen Bleche 
herzustellen; nur durch eine Stei^erun^- des Sehienen- 
jireises würde das Werk wieder dahin ^elan^en, sich 
an der Schienenproduktion zu betheili^en, sein An- 
iïebot würde also erst dann etfektiv werden. 
Wir können in ^aiiz ähnlicher Weise in Fi^*. 18 
die Einzelnützlichkeitskurven (hi¡ und Ori^ zweier Kon 
sumenten / und // darstellen. Konsument 1 ist ent 
weder durch seine günstigeren Vermögensverhältnisse 
oder auch durch seine Neigungen und Gewohnheiten 
veranlasst, den gleichen Konsummengen grössere Nütz 
lichkeit beizulegen als Konsument //; wird der be 
trachtete Artikel nicht direkt konsumirt, sondern weiter
        <pb n="75" />
        39 
verarbeitet, so ist der Käufer / deijeui^e, der unter 
K'ülistigeren Medin^uu^en arbeitet. Die Fi¿(ur zei^t, 
dass beim Bestände des Preises OP Konsument I 
die grössere Men&lt;j^e Konsument 11 nur die ^e- 
rin^ere Men^e 0&lt;¡¿ kaufen wird. Demgemäss ist aucb 
der Nutzen dieses Konsumes liei dem einen r¡r\ viel 
Fiff. IX. 
", 
grösser und bei dem anderen r¡r'¡ bedeutend kleiner. 
Aueb liier können wir eine Grupjie von Einzelnaeb- 
tragekurven aufstellen, von denen einige, wie 
daeb verlaufen, dass sie die Preislinie OP nicht 
&lt;^cbneiden. Solche Kinzelnaebfragekurven nehmen, 
'Venn wir sie zu den früh er betraebteten binziifiigen, 
auf die Gestalt der Naebfragekiirve (fN' erst jenseits 
des Sebnittjmnktes c mit der (iesammtangebotskurve
        <pb n="76" />
        40 
Oä Einfluss. Sie stellen die nicht effektive Xaeh- 
fra^'c jener Konsumenten dar, die hei dem hestehen- 
den Preise auf den Ankauf des hetreflenden Artikels 
verzichten, sich also vielleicht mit einem Surrogate 
hehelfen müssen, die aber hei einem niedrigeren Preise 
mit einer effektiven Xaehfra^e auf dem Markte er 
seheinen würden. 
Wir sehen also, dass unsere (xesammtkurven auch 
die für die wirklich um^esetzte ^ien^‘c nicht in Pe 
tracht kommenden Einzelkurven jener Personen, deren 
Angebot oder Xaehfra^e nicht effektiv ist, mitenthalten. 
Diese Kurven j»‘eben somit auch über jene Aenderun^en 
Aufschluss, welche dadurch bedingt werden, dass eine 
Vertheuerun^ des Artikels die Zahl seiner effektiven 
Verkäufer vermehrt und zugleich bewirkt, dass die 
Xachfra^e mancher bisherigen Käufer nicht effektiv 
wird, während umgekehrt eine Verwolfeilun»- die Zahl 
der effektiven Verkäufer vermindert, jene der Käufer 
vermehrt.
        <pb n="77" />
        Angebot und Nachfrage. 
11. St(‘¡íí(‘ii und Fall(‘ii dos Aiiicohotos odor dor 
Naoliíraíro. 
Klie wir daran ^ohcn, die Kurven, welche wir 
kennen «Gelernt haben, näher zu nntersuelien, wird es 
zweckmässig' sein, uns mit deren Anwendung' durch 
Beispiele vertraut zu maehen und einige der allgemein 
anerkannten Krtahrun^ssätze an ihnen (lurchzu&lt;*ehen. 
Zunächst wollen wir zeigen, wie das Steifen und Fallen 
des Angebotes oder der Xachfra^e an diesen Kurven 
zur Erscheinuuji' kommt. 
Betrachten wir (Fi^. 14 a und h) die vier (le- 
Kammtkurven UN und ()N\ die Xiitzlichkeits- und 
Xachtra^ekurve, sowie 0.1 und Oyl', die Kosten- und 
Anj^ehotskurve eines bestimmten Artikels A auf einem 
l&gt;estimmten Markte, so können wir jede Veränderung^ 
von Angebot und Nachfrage veifol^en. Wenn ÍFi&lt;&gt;’. 
a) die Kurve UN steiler ansteigend und daher 
OW höher wird, diese Kurve also, z. B. die j)unktirte 
^orm anuimmt, so heisst dies: „die Nachfrage steift 
^inniint zu“, weil dann gleichen Abszissen längere 
Ol dimiten entsjirechen, also die gleichen Jahreskon-
        <pb n="78" />
        42 
suinineiig’eii des Artikels A mit grösseren Aufwaiids- 
beträgeii iiacligefragt werden. Der 8elniitt))nnkt c 
riiekt nach redits in den Punkt c„ der Absatz ()a 
nimmt zu, und der Preis OP steigt auf OPj. I )agegen 
muss die Kurve OA und somit aueli OA' tlaelier werden, 
z. Ik die jmnktirte Form (Fig. 14 b) nnnebmen, um 
auszudrüeken, dass „das Angebot steigt“, „zunimmt“. 
weil dann gleicben Ordinaten grössere Abszissen ent- 
spreeben, also gegen gleielie Gelderlöse grössere dabres- 
produktmengen unseres Artikels angeboten werden. Es 
wird also der Sebnittjninkt c wieder naeb reebts in 
den Punkt rüeken, der Absatz Oa wieder zunelimen, 
der Preis OP aber nun auf OI\ sinken. Es darf 
niebt Uberseben werden, dass liier die grajibisebe Dar 
stellung mit der durcb den Spraeligebraiieb festge- 
Fig. 14 a, 
0
        <pb n="79" />
        Í 
43 
stellten Aiisdriicksweise nicht nbereinstinnnt, indem die 
Anj»-el)otskiirve niedri^z^^er wird, wenn das Angebot steift. 
Eine Abnahme des Angebotes oder der Nachfrage 
eharakterisirt sich natürlich in jeweilig ^enaii ent{jfcj»en- 
gesetzter Weise. Dabei ist aber wol zu beachten, 
dass selbstverständlich eine Aenderun^ der Nachfrage 
Fig. 14 b. 
Ä 
A 
keineswegs dasselbe, wie eine entß^e^enß^esetzte Aende- 
i’Uiif^’ des Angebotes ist; denn wenn die Xachfra^e 
^ Ik znnimmt, steift zwar der Preis, ebenso wie bei 
sinkendem Angebote, der Absatz aber und somit die 
Produktion werden grösser, während sie bei tällendem 
An{i,ebote zurüek^e^an^en wären; die analoge Ver- 
sehiedenheit ist zwisehen fallender Xaehfra^'e und 
steifendem Angebote wabrnehmbar.
        <pb n="80" />
        44 
Wir sellen weiter, dass der l’reis um so stabiler 
sein wird, je kleiner der Winkel ist, unter dem die 
Angebots- und die Naebfragekurve sieb schneiden, 
während schon eine ^erin^e Aendernn^- einer der 
beiden Kurven eine umso wesentliebere rreisändernn^' 
bervorrnft, je grösser der Winkel ist, unter dem sie 
sieb tretten. 
Der Geldumsatz endlieb, welcher durch die Läii^e 
ac ans^-edriiekt ist, erleidet bei jeder Aenderuno- der 
Naehtrag-e die gleiche Aendernng-, Avie der Absatz, 
und zwar in verstärktem Masse, weil ja in diesem 
Falle auch der 1/reis sieb im selben Sinne ändert. 
Anders ist es bei Aenderun^en des Angebotes; Ab 
satz und Freis verändern sieb hier im entgegenge 
setzten Sinne, und je naebdem daher das Mass dieser 
Aendernn^- bei Ersterem oder bei Letzterem überwiest, 
wird der Umsatz sieb im selben oder nm^ekelirten 
Sinne, wie der Absatz, ändern. In unserer g'rajilii- 
seben Darstellung' tritt dies deutlich hervor, je nach 
dem die Kurve ON' bei ihrem Zusammentretten mit 
der Kurve OA'^ Avie in Fig. 14, absteigend oder, Avie 
in Fi^'. 15, ansteigend verläuft. Mit steifendem An 
gebote Avird der Umsatz im ersteren Falle kleiner, 
im anderen aber grösser, oliAvol der Absatz beidemal 
znnimmt. Wir können daher, Avenn Avir bei den ver 
schiedenen Artikeln beobachten, in Avelehem Sinne und 
in Avelcher relativen Stärke durch Aendernnfcn des 
Angebotes der Absatz einerseits und der Umsatz ander 
seits beeinflusst Averden, schliessen, in Avelchem Tbeile 
der GesammtnachfrafekurA'e der Schnitt]mnkt c lieft,
        <pb n="81" />
        45 
und wie diese Kurve daselbst verläuft. In dieser 
lliusicht lassen sich jene Artikel, von denen wir, wie 
früher (8) erwähnt, aiinelinien können, dass die Ge- 
sanimtnachfrn^eknrve nur Einen Scheitel auf weist, in 
drei Grnj)])en eintheileii. Bei der ersten Gruppe 
liej&gt;t der Schnitt])nnkt c in dem entschieden ansteijcen- 
den, weni^- gekrümmten, etwa bis znm Punkte L 
Fig. 15. 
/ 
(Fi«*-. 14 und 15) reichenden Anfan^sstücke der Kurve 
GiV'; mit steifendem Aiifehote nimmt hier der Ab 
satz verhältnissmässif stark zu, während der Preis 
nur wenif sinkt, so dass der Umsatz nahezu dem 
Absätze jirojiortional steift. Bei den Artikeln der 
zweiten Grnjijie lieft der Schnittjmnkt c in dem 
stärker fekrümmten Scheitelstücke JjM\ ein Steifen 
des Anfchotes wird hier den Absatz wenifer ver-
        <pb n="82" />
        inelireii, den Preis a1)er stärker drüeken. Der Um 
satz nimmt bis zum Seheite]])unkte zwar noeh zu, 
al)er bei weitem niclit mehr dem Absätze projxwtional, 
und jenseits des Sclieitelpunktes nimmt er sebón al). 
Ist der Selieitel tiaeb, so werden die Aenderun^en 
des I msatzes innerhalb der Selieitelstreeke keine be 
deutenden sein, weil zwar der S])ielraum für Aende- 
run^en des Absatzes ein weiter ist, diese aber dnreli 
die ent^eoeno-esetzten Aendernn^en des Preises nahe 
zu k()in])ensirt werden. Hei Artikeln der dritten 
(iru])|)e endlieb lie^t der Sebnitt])unkt c in dem 
entsebieden abfallenden, wieder weniger gekrümmten 
Kndstüeke der Kurve ()N\ so dass bei steifendem 
Aiifebote der Absatz nur mehr wen if znnimmt, der 
Preis aber raseb sinkt, daher der Uinsatz hier ent 
sebieden und dem Ibeise nahezu ])ro])ortional abnimmt; 
dies nmso mehr, je steiler die Kurve OX' abfällt. 
12. EiiiiTilmli^’ versdiitMleiier Artikel in drei 
(!rn|i|ien. 
Hefinnen wir mit der zuletzt erwähnten Dnippe 
von Artikeln, n. z. zunäelist mit solelien, welebe den 
S(*hnitt))nnkt c fFif. 14) in feriiifer llorizontalent- 
ternniif von dem 1 birebfanfe der Naehfrafekurve 
dureb die Abszissenaebse haben. Die wirkliebe Ab- 
satzmeiife ist dann niebt viel feriiifer als jene Maxi- 
malmenfe, welebe konsnmirt werden würde, wenn 
der Artikel, so wie Lnft und Wasser, nnentfeltlieh zn 
haben wäre. Ob dies bei einem bestimmten Artikel der
        <pb n="83" />
        47 
Fall ist, kann man (larnach benrtlu“ik*n, ob Reiche 
lind Anne nn^efäbr gleiche Einzelinenj&gt;’en konsniniren. 
Hei Artikeln, die nnent^eltlieb zu haben sind, ver 
seil windet nändieb der I iitersebied von Reich und 
Arm; denn abgesehen von individuellen Versehieden- 
beiten, die mit den Vermögensverbältnissen nichts zu 
tbnn haben, wird der reichste i\lann nicht mehr Luft nnd 
'TrinkWasser konsniniren als der Hettler. Ist also hei 
einem Artikel der Konsum des Reichen nnd des Armen 
nicht sehr verschieden, dann kann man mit Sicherheit 
annehmen, dass eine weitere Verwolfeilnng nnd seihst 
der Preis Null den Absatz nicht erhehlieh steigern 
würde. Der Sehnitt|innkt c liegt also dann dem Ende 
der Naehtrageknrve nahe, nnd der Artikel gehört 
zweifellos in die dritte (iru])])e. 
Es dürfte kaum einen Artikel gehen, hei welchem 
das anfgestellte Kriterinm so vidlkommen zntrittt, als 
heim S])cisesalz; dasselbe gehört also an die Sjiitze 
der dritten (íriíjijie, vorausgesetzt dass es als selb 
ständiger, von Vieh- nnd Fahriksalz scharf getrennter 
Artikel in den \ erkehr gesetzt wird. Der Heiche 
geniesst seh weil ich mehr Salz als der Arme. Ein 
Fntersehied im Verhranehe wird wesentlich nur darin 
liegen, dass der letztere gezwungen ist, aiieli mit dem 
Salze haiisznlialten nnd nicht in der Lage ist, die 
Füllung des Salzfasses hei jeder geringsten Veriin- 
reinignng zu ernenern. Hei einer Rreisermässignng 
wird der Absatz daher nur mehr wenig znnehmen, hei 
einer Erhöhung wird er nur nnheträehtlieh ahnehmen 
können. Der Sehnittpunkt liegt daher hier zweifellos
        <pb n="84" />
        4« 
ill dein alifalleiideii ddieile der Gesammtiiaclifra^’e- 
kiiiTc, welche liier steil verlaufen dürfte. Dem Speise- 
salze ii'anz äliiilicli verhalten sich die verschiedenen 
Gewürze. 
So werden Pfefter, Ziniint, Gewürznelken 
n. dgl. zwar je nach nationalen und individuellen (Ge 
wohnheiten von versehiedenen Personen in sehr nn- 
^•leiehen ^len^-en konsninirt, aber hei der (Geringfüo-io*. 
keit der Mengen und daher auch der Auslage, nm 
die es sich dahei handelt, sind die Vermöge]isveriiä 11- 
nisse nicht massgehend. Aehnliches dürfte auch für 
Tinte n. dgl. gelten ; 
eine noch so weitgehende Ver- 
wolteilnng würde hei solchen Artikeln gewiss den Ab 
satz nicht wesentlich vermehren. 
Zweitelhatter wird es schon, oh wir auch jene 
Artikel, welche die llanjitnahrnng des Volkes bilden, 
hier einreihen dürfen. Brod und Mehl, und somit auch 
deren Bohmaterialien Roggen und Weizen, werden in 
zivilisirten Ländern in so ausreichendem Masse kon- 
sumirt, dass eine Preisermässigung nur einen Theil 
der ärmeren Bevölkerung zu einer namhaften Steige 
rung ihres Konsiimes veranlassen dürfte, und das 
(jleiehe gilt von Reis und Mais in jenen Ländern, 
wo diese die Basis der Volksnahrung ahgehen. Wenn 
aber auch der inländische Konsum keine grosse Lx- 
pansionsfähigkeit mehr zeigt, wächst der Absatz der 
erwähnten Rohstotfe doch hei einer einschneidenden 
Preisermässigung, u. z. in grossartigem Massstahe, 
weil dann die Nachfrage für den Kxjiort oder für 
die Fabrikation von Kornhranntwein effektiv wird. 
Wenn der Schnittjmnkt c sich also auch, so lauge
        <pb n="85" />
        49 
diese Naciifra^en nicht zur Geltung kommen, in einer 
ahfallemlen Strecke der Gesammtnachfra^ekiirve be- 
tindet, lässt sicli doch nicht annehmen, dass er schon 
in jener Strecke lie^e, die sich bis zur Abszissenachse 
lierabsenkt. In {¿,anz ähnlicher Weise macht sich die 
industrielle Verwendung' bei Kartoffeln und vollends 
bei Holz lind Kohle geltend. Ueberdies ist das Heiz 
material, wenn man auch mir die Verwendung in 
Stuben und Küchen allein betrachten wolltcr, keines 
wegs mit dem Mehl auf eine Stute zu stellen, da es 
jedem weit eher möglich ist, seinen Verbrauch an 
Hrennmatcrial, als jenen an Mehl einznschränken. 
Diese ^rüssere Koinjiressibilität des Bedarfes weist 
darauf hin, dass bei diesen Artikeln der Schnittpunkt 
in der Nähe einer Scheitelstrccke der Gesanimtnach- 
fra^eknrve zu suchen ist. 
Eher werden sich hier die meist verbreiteten 
Leuchtstoffe, also etwa das Hetroleiim, einreihen lassen, 
jedoch mir in jenen Ländern, wo nicht der Breis des 
selben durch eine starke Besteiiernn^- hoch^ehalten 
ist. Line j&gt;anz ähnliche Bewandtniss dürfte es mit 
ordinärem Tabak haben; in Deutschland und vielleicht 
so»ar in Oesterreich wird er in die dritte Gruppe, da- 
»e^en in England und Frankreich we^en der enormen 
Bestenernn}»- in die zweite Grujipe ifchören. Ferner 
durfte auch gemeiner Branntwein zur dritten Grnp]ie 
zu zählen sein; denn wenigstens im Norden und Osten 
Europas würde bei dem ohnehin bedeutenden Konsum 
eine Verwidfcilnn^ zwar gewiss vorübergehend den 
Absatz steigern, doch dürfte das Jahresqiiantum, das 
Aaspitz u. Lieben. Untersuch, ttb. d. Theorie d. Preises. 4
        <pb n="86" />
        50 
bleibend koiisnniirt wird, niebt sehr bedeutend grösser 
werden, als das jetzt verbrauebte. In sehr reieben 
Weinländern, deren Wein niebt trans])orttabi^- ist, ge 
bürt vielleicht auch Wein, in Baiern vielleiebt aueb 
Bier in die dritte (^ru])])e. Fleisch dürfte vielleiebt 
in England, auf dein Kontinent aber nicht einmal in 
den (frossstädten zur dritten (iru])])e gehören, während 
dagegen Milch gerade nur auf dem Lande und in 
den kleineren Städten gewiss hier einzureiben ist. 
In die zweite Gru])])e gehören alle jene Artikel, 
welche in namhaften ]\Iengen, also von dem grössten 
Tbeile der Bevölkerung konsumirt werden, aber doch 
nur von den Beieben und dem sogenannten ^littel- 
stande in Mengen, die dem individuellen Konsumtions 
maximum nabe kommen, von den ärmeren Volks- 
sebiebten dagegen tbeils gar niebt, tbeils nur in Men 
gen gekauft werden, welche hinter der )Ienge der 
vollen Befriedigung noch weit Zurückbleiben. \ cm 
Nab rungs- und Genussmitteln gehören hierher: Fleisch, 
abgesehen von den schon erwähnten Ausnabmsfällen, 
dann Zucker, Katfee oder Tbee, Bier und gewöbn- 
lieber Wein, letzterer nur dort, wo er niebt, wie im 
Norden und Osten Eurojms, schon zu den ausge- 
sjiroebenen Luxusartikeln zählt; endlieb die ordinären 
Zigarren, während die feinen Sorten unbedingt Luxus 
artikel sind. Zunächst reiben sieb hier die fast in allen 
Haushaltungen üblichen X'erbrauebsartikel wie Seife, 
Zündhölzchen, Sebreib])a])ier, Bindfaden n. s. w. an. 
Ferner gehören die gewölmlieben (iebrauebs- 
artikel hierher, also die Bekleidungsstotfe, sowie die
        <pb n="87" />
        51 
Kleidim^sstückc selbst, ferner Haus- und \\ irtbseliafts- 
j»erätlie, sowie die verbreitetsten Einricbtun^sstiieke, 
— alle diese Din^e in ihrer landesüblieben Qualität. 
Dass diese Artikel trotz ihrer all^emeineu \ erbreituu^ 
nicht in die dritte Gru])])e j»ehören, erhellt schon 
daraus, dass MUhe und Sorgfalt auf ihre Instand 
haltung»' und Keini^un^ verwendet wird. Ihre Ver 
wendung»; würde erst dann der Menj»;e der vollen He- 
friedigun^' nahe kommen, wenn sie vermöge eines 
ausserordentlich niedrigen Preises den Charakter von 
Verbrauchsartikein annehmen würden, also nur 
einmal zur Henützun^ kämen und jedesmal frisch an- 
i^'cschatft werden könnten. Da eine solche Umwälzung 
in der Art der Verwendung:,' seihst hei grossen Preis 
schwank un ji'en nicht zu heohachteu ist, können wir 
schliessen, dass die auf einen solchen Artikel bezogene 
Xachfraj»ekurve ein ausgedehntes Scheitelstück und 
ein nur allmäli^ abfallendes Endstück aufweisen dürfte. 
Es lässt sich übrigens je nach der Daiierhaftijikeit 
und der stärkeren Abnützung' heim Gehrauehe eine 
Reihe von Ewischen^liedern aufstellen, welche den 
I eher^an^ von Gebrauchs- zu Verhrauchsartikeln 
hildeu. Juwelen, Kunstwerke u. dj»!. leiden durch den 
Gebrauch ^ar nicht; Gebäude und Möbel unterließen 
schon einer Abnützung, doch kann man von derselben 
noch ahsehen und ihre Benützunj»' {»e^en eine Miethe 
einräumen. Bei Maschinen, M erkzeujicn und Xutz- 
thieren ist die Benützung' von der Vernutzun^' schon 
schwer zu trennen; hei Kleidern und W äsche endlich 
ist eine solche Trennung kaum mehr möglich. 
4*
        <pb n="88" />
        52 
Von Land zu Land treten in der Ab^renzun^* 
der zweiten Gruppe die anftallendsten Unterschiede 
lier vor, die sieh in der Tracht und noch mehr in der 
l^anart und Einrichtung" der Wohnungen aiissjireehcn. 
Während in Amerika Tepinche, Sjiie^el, Badeeinrich- 
tuno-en fast zu jeder Wohnung" gehören, werden ge 
dielte l^öden in vielen ländlichen Wohnungen der alten 
Welt noch als Luxus angesehen. Nur ganz herah- 
gekommene Bettler zeigen sich in England harfuss, 
in slavischen Ländern dagegen gehen die Weiher in 
den Dörfern zumeist nnheschnht und tragen Stiefel nur 
als Sonntagsstaat. Für den deutschen Bauer ist der 
Regenschirm ein wesentlicher Bestandthcil der standes- 
gemässen Ausstattung; der Besitz einer Taschenuhr 
kennzeichnet in verschiedenen Ländern sehr verschie 
dene Wrmögensstnfen. Die von der Landessitte für 
die Han])tmasse der Bevölkerung als uncnthehrlicli 
angeseheilen (jcgenstände, so mannigfaltig sie auch 
sein mögen, gehören in unsere zweite (irujijic. 
In die erste Gru])pe endlich sind die eigent 
lichen Luxusartikel einzureihen. Nur die wolhahen- 
den Volksklassen können iihcrhaiijit etwas von diesen 
Artikeln konsumiren, nur die Reichsten solche Men 
gen, welche der individuellen, vollen Befriedigung nahe 
kommen. Eine Aufzählung der hierher gehörigen Ar 
tikel ist kaum möglich, umso weniger als auch die 
hei den früheren Griqipen erwähnten, insoweit sie 
feinere Sorten oder hessere Qualitäten aufweisen, hier 
als Luxusgegenstände wieder erscheinen. Bei einem 
ausges])rochenen Luxusartikel nimmt, wenn der Breis
        <pb n="89" />
        53 
KÎiikt, (1er Umsatz dem Absatz nahezu jiroportional 
zu; bei Cbam])a^uer z. H. ist es wol uuzweitelliaft, 
dass eine verliältuissmässij*- ^eriu^e Preisermässi^uu^ 
^euü^eu würde, um den Absatz zu verdo]())eln und 
dalier nahezu den do])])elten Kriüs zu erzielen. Dureli 
eine ausreieliende Preisermässij&gt;un&lt;;' des Cliampa^ners 
liesse sieb dessen Konsumtionskreis so selir erweitern, 
dass leielit die fünffache, zebnfaclie Alende ab^esetzt 
werden könnte. Bei ^ewöbidieliem Wein, der zur 
zweiten Gruj&gt;|)e gehört, liesse sieb die do]»pelte Alende 
im Inlande nur durch eine einschneidende Breisermäs- 
sij»unj»- absetzen, die zehnfache Alende wahrsclieinlicb 
überliau])t nicht. Bei Mehl endlich oder Salz, den 
l\e])räsentanten der dritten firujijK*, kann seihst der 
billigste Breis keine W rdoppelun^ des Konsumes er 
wirken. Wir sehen also, dass die Kx])ansionsfähi^keit 
des Verbrauches der Artikel der ersten (iruj)pe eine 
ungemein grosse ist. 
IX. Iler Kinfluss veränderten Angebotes. 
Der Nutzen, der der (iesammtheit aus dem Kon- 
sume eines Artikels erwächst, wird hekaiintlich durch 
den Vertikalahstaud der Kurven (^N und UN' heim 
Schnittpunkte c fFij;-. 14 oder 15) an^fe^ehen; derselbe 
wird daher nur ^eriup[ sein, solange der betreffende 
Artikel zur ersten Gru])]»e «&gt;ehört, und könnte erst 
dann ansehnlieh werden, wenn der Artikel durch ein 
Steifen des Angebotes iu die zweite oder endlich 
in die dritte Gru]&gt;j&gt;e vorrücken würde. Mit wachsen-
        <pb n="90" />
        54 
(leni Angebote wird ein Artikel, der früher nur den 
Keiehen zngän^lieli war, allinäli^- zu einem (%e^en- 
stande ausgedehnten Verhranehes und kann seldiesslieli 
dem fast allgemeinen Kon sinne erreiehhar werden. So 
sind die nherseeischen G ennssmittel : Zneker, Kaffee, 
Thee, Tabak allmäli»- zu universeller Verbreitung- j»e- 
lan^t, und ist in den letzten Dezennien das Halten 
von Zeitungen, die Henütznn^- der Hriefjmst und des 
Tele^ra])ben, sowie die Anwendung- der Hboto^-rajdiie, 
Gemeingut geworden. Allmäli^- j»-ebt die Vorrüeknnj»- 
der Artikel auf der Stufenleiter der Gru])})eneintbeilnn^- 
immer weiter, und aller wirtbscliaftliebe Fortsebritt 
zielt darauf ab, in möglichst vielen Artikeln der vollen 
Befriedigung- mehr und mehr nabe zu kommen. Je 
mehr man sieb aber bei irgend einem Artikel diesem 
Ziele sebón genähert bat, desto einsebneidender muss 
die Preisermässigung- sein, um den Absatz noeb wesent- 
lieb zu steigern, weil die Expansionsfähigkeit des 
\ erbrauebes nur mehr eine geringe ist, sobald der 
Sebnittjmnkt in den entsebieden abfallenden Tbeil der 
Gesammtnaebfragekurve gerückt ist. 
Sinkt dagegen das Angebot, so kann der Feber- 
gang eines Artikels der dritten (Tru])])e in die zweite 
und endlich in die erste (fruppe erfolgen, doch ver 
halten sieb dabei die wiebtigsten Lebensbedürfnisse 
anders als sonstige, zur dritten (Luppe gehörige Ar 
tikel. Dies kommt in unserer grapbiseben Darstellung 
dadurch zum Ausdrucke, dass die auf ein nnentbelir- 
liebes Lebensbedürfniss bezogene Gesammtnaebfrage 
kurve ON'i (Fig. 16) einen boeb über ihrem Schnitt-
        <pb n="91" />
        oo 
))Uiikte c mit der Gesammtaiiji:ebotskiirve OA liegenden 
Selieitel anfw eisen wird, so dass es einer einsebnei 
denden Reduktion des An&lt;^ebotes, also einer bedeu 
tenden Preisstei{z,ernn|^-, bedürfte, nin den Selmittpnnkt 
c in die Nähe des Selieitels zu bringen. Dagegen 
wird die Gesamintnaelifra^eknrve, wenn wir sie auf 
einen minder wiebti^en Artikel beziehen, etwa die 
(westalt OxVg besitzen, wobei wir mir der Gebersiebt- 
Fig. 16. 
N 
iV, 
licbkeit weilen diese Kurve trotz der Versebieden- 
arti^keit ihrer Abszissen in derselben Ki^nr zur An- 
sebanmii»- bringen und ans demselben (irnnde aimelimen, 
dass die An^ebotsknrve dieses anderen Artikels mit 
jener ()A identiseb sei. Wir sehen, dass min eine 
viel ^erin^ere Aendernng; der An^ebotsknrve, also 
ancb eine ^erin^(ere l*reissteij»ernnji:, ^enn^en wird, 
nm den Sebnittpnnkt c in die Nähe des Scbeitelpmiktes 
der Kurve zu bringen, d. b. den betreffenden
        <pb n="92" />
        50 
Artikel aus der dritten in die zweite (jrnppe znriick- 
znschieben. So werden viele Artikel, welche, ohne 
jemals Lehensbediirfniss zn sein, doeh bei billigen 
Preisen von der blasse des Volkes konsnmirt werden, 
z. 11. die gewöhnlichen Obstsorten, in ^nten Jahren 
zur dritten Onippe gehören, während sie in einem 
Missjahre in die zweite nippe znrnckkehren und 
vielleicht so^ar Luxusartikel werden können. Diese 
Aendernn^'cn in der Ornppenstellnn^' werden nament 
lich auch bei solchen Artikeln Vorkommen, welche 
leicht durch Surrogate, z. 11. durch schlechtere Sorten, 
ersetzt werden können. 
Hei allen Artikeln der Urproduktion hän^t es in 
erster Unie von den jeweiligen, imtnrlichen Verhält 
nissen ab, wie sich das Angebot gestaltet, ob mit der 
gleichen Anstrengung' grössere oder «^erin^ere Pro- 
dnktmen^en erzielt werden. Hei Hodenprodnkten drückt 
sich dies in filter oder schlechter Ernte ans; hier 
sind also die eleitientaren Eindiisse massgebend. Ganz 
ähnlich verhält es sieh mit den Erzeugnissen der Ja^'d 
lind des Eischfan^es. Das Angebot von ller^werks- 
jirodnkten jeder Art wird durch die unberechenbaren 
Zufälle der Erschliessung- oder Erschö])fnn^' cr^iebi^er 
La^er, Plötze und Gän^e bestimmt. Neben diesen 
wechselnden Eindiissen machen sich aber bei allen 
Erzeugnissen der Urproduktion die Ausbreitung' der 
Kulturvölker über nene Landstrecken und der tech 
nische Fortschritt im Sinne einer stetigen Stei^ernn{¿,' 
des Angebotes f»'eltend. Das Angebot von Indnstrie- 
prodnkten ist weit weniger durch natürliche Faktoren
        <pb n="93" />
        57 
bep-eiizt, und die elementaren Kindnswe wirken hier 
mir indirekt. Dalier tritt eine stetige Stei^ernn^ der 
Produktion durch Erweiterung- hestehender und Er 
richtung- neuer Anlagen deutlich hervor, um so mehr, 
als die schärfere Konkurrenz jeden Produzenten zwingt, 
sich jeden technischen Fortschritt alshald anzuei^ncn 
und immer neue Investitionen zn machen. Das An- 
jçehot wächst also, von Krisen und ungünstigen Kon 
junkturen ah^-eseheu, fortwährend, nur mehr oder 
minder rasch, je nachdem Ei-tindun^en und Verhesse- 
rnn^en schneller oder langsamer anf einander folgen, 
lind die Verhältnisse des ( Geldmarktes fordernd oder 
hemmend wirken. Anderseits können äussere Tin- 
stände das Angebot zeitweilig schmälern, Kriej»e und 
Kev'olutioiien können die Produktion oder die Zufuhr 
hehindern, eine Hlokade (Kontinentalsperre) kann diese 
f&gt;anz aiisschliessen, und so können jene Preissteige 
rungen entstehen, wie sie in einer helaj*erteu Stadt 
am grellsten hervortreten. 
U. Iler Kintliiss veränderter Naelifrnfre. 
Um die Wirkunj^en wachsender Nachfrage zn 
verfolgen, stellen wir in Fij»-. 17 wieder der leichteren 
Vergleichung- vvc^en der Au^ehotskurve DA', die wir 
in heiden Fällen identisch annehmen, einmal die Nach- 
fra^eknrv e ()N^'¡ eines Artikels der ersten Grnjipe, 
dann wieder an deren Statt die Kurve DA g eines 
.Artikels der dritten Grujijie ^e^enüher. Stellen wir 
uns nun vor, dass aus irgend einem Grunde die Gr-
        <pb n="94" />
        Õ8 
(üiuiteii (1er Kurve ON't j&gt;-leieliuiässi&lt;&gt;-, z. H. um 10%, 
Avueliseii, so dass die Kurve die scliwarz puuktirte 
Form aiiiiehme, so selieii wir, dass Absatz, Freis und 
Umsatz liier viel bedeutender zunebmeii, als wenn 
wir bei der Kurve ON^ die &lt;&gt;leiebe Veränderung- 
eiutreten lassen. Dass eine allgemeine Erböbunj&gt;- des 
Wolstandes eine so j»leiebmässij&gt;e Einwirkung- auf die 
Naelifra&lt;*-e naeb versebiedenen Artikeln üben würde. 
lässt sieb niebt erwarten; vielmebr dürfte in solebem 
Masse zunebmen, als jene naeb Massenartikeln. Wir 
seben aber, dass, selbst wenn die Stei^erun^- der 
Absatz sieb bei Luxusartikeln viel deutlielier geltend 
maebt als bei Massenartikeln. 
Fiíí. 17. 
Ä 
0 
Naebfra^e für alle Artikel eine ^anz ^leiebmässi^-e 
wäre, aueb dann noeb dieser Eintluss auf Freis und
        <pb n="95" />
        - 59 — 
Wenn da^ejícn ans irgend einem Grunde die 
Naeiifra^e sinkt, und die Ordinaten der Xaciifraife- 
knrve in beiden Fällen nun um 10% abnelnnen, so 
dass die Kurve jedesmal die rotb punktirte Form an 
nimmt, so Avird unter allen Umständen der Freis, der 
Absatz und der Umsatz fallen. Bei Massenartikeln 
von allgemeinem Verbraucbe wird aber, wie aus der 
Fij»ur ersiebtlieb ist, dieser Hiiekoan«»- verbältniss- 
mässi^ viel ^erin^fü^i^er sein als bei Luxusartikeln, 
auf welche daher auch eine allgemein un^ünsti^e Kon 
junktur am intensivsten einwirkt. — Auch die Nacb- 
fraj^e ist von Elementareintlüssen nicht unabbän^i^ ; 
ein besonders strenger Winter steigert die Nacbfrajçe 
nach Brennmaterialien und warmen Kleidungsstücken, 
ein besonders beisser Sommer jene nach leichten Klei 
dern, Eis und gewissen Nahrungsmitteln. In erster 
Linie wird die Nachfrage aber von den individuellen 
Nei^un^en, Ansprüchen und Gewohnheiten abbän^en ; 
diese ändern sich oft nur durch das Bedürfniss nach 
Abwechslung', wie sich dies in der stets veränderlichen 
Mode äussert, welche die Nachfrage bald auf den 
einen, bald auf den anderen Artikel lenkt. Ertindun^fcn 
und Verkebrserleicbtcrun^en lassen j&gt;anz neue Xacb- 
fraj&gt;en nach früher unbekannten oder nicht begehrten 
Artikeln entstehen, während da^c^cn jene nach früher 
üblichen verschwinden. So ist z. B. das Fctroleiim 
ein Artikel all^mneinei» Verbrauches geworden und 
bat die Nachfrage nach Kerzen und Ocl noch mehr 
geschmälert, als dies seinerzeit durch Einführung der 
Gashelenchtung schon geschehen war. Dem Gase
        <pb n="96" />
        00 
droht (las idoktrischo Ucht Ivoiikurmiz zu machen, 
während die Wachskerze, die einst weit verbreitet 
war, zu einem weni{^ gesuchten Luxusartikel geworden 
ist. Die Lichtscheere endlich, die früher in keiner 
Haushaltung- fehlte, ist mit der I iisehlittkerze zu^leieh 
durch alle diese Neuerungen ausser (iehraueh g-e- 
kommen und wird kaum mehr fahrizirt. 
Jeder ungewöhnliche liedarf und oft schon die 
hlosse Erwartung eines solchen, d. i. das Auftreten 
der S])ckulation, bewirkt ein Steigen der Nach frage, 
indem hei den \ (u rathshändlern zu dem Hegehr für 
den gegenwärtigen Verbrauch noch ein solcher zum 
Zwecke der Aufs])eicherung hinzutritt, so dass die 
hetretfenden Linzeinachfragekurven und dadurch auch 
die (iesammtnachfragckui-vc wesentlich höher werden. 
So schlagen z. H. die Preise von Hafer und Spiritus 
auf, wenn ein Krieg droht. 
Line langsam, aber beständig wirkende Trsaehe 
steigender Nachfrage bildet die Vermehrung der He- 
völkerung. Dieselbe wirkt zwar auch steigernd auf das 
Angebot, aber es wird doch wesentlich von der Nach 
frage des B(‘völkerungszuWachses ahhängen, welchen 
Artikeln sich das vermehrte Angebot vorwiegend zu 
wendet. 
15. Der Einfluss der Vermögensverhiiltiiisse. 
Schärfer noch als hei den (fesammtkurven lässt 
sich die Linreihung der Artikel in unsere drei Drup))en 
den Linzeinachfragekurven gegenüber durchführen.
        <pb n="97" />
        61 
Dureil (lie Koniliiiiatiou verschiedener Kurven zu einer 
(jesaniintkurve ergibt sich nämlich nur ein Durch- 
selinittsresultat, das keineswegs für jeden Einzelnen 
massgebend ist, namentlich wenn der Artikel tiir die 
eine Hevölkerung’sklasse noch ein Luxusartikel ist, 
während er von der anderen schon für unentbehrlich 
angesehen wird. Sowie sich liei der Gesammtheit 
Landessitte und Nationalwolstand als massgebende 
Faktoren für die Grujijieneintheilung' erwiesen hallen, 
machen sich verschiedenen Individuen ^e^enüber die 
soziale Stellung" und am wirksamsten die \ ermü^ens- 
verhältnisse jedes Einzelnen geltend. 
Vergleichen wir in Fi^. 18 die auf denselben 
Artikel bezogenen Einzelnachfra^ekurven On,^ G//', 
Ou'a und On^ von vier Individuen, welche darin über 
einstimmen, bei der gleichen Alende ihre volle Be 
friedigung* zu finden. Nehmen wir ferner an, dass 
die Konsumenten 11, 111 und 1\ bereit und dureh ihre 
verschiedenen Verniöj»ensverhältnisse auch in der La^e 
seien. Je zweimal, dreimal und viermal so grosse Geld 
beträge für denselben Genuss aufzuwenden, als der 
Konsument 1. 1st nun (die Freislinie, so schneidet 
dieselbe die Nachfra^ekurve G/¿' in ibrem abfallenden 
Stiieke, Oug im Seheitelstüeke, Gr/' im ansteigenden 
Stüeke, während die Kurve ()n, von der Freislinie 
lA'ur nicht geschnitten wird. Für den reiehen Mann 
1\ gehört also dieser Artikel in die dritte Gruppe; 
«ein Konsum wird bei Freissehwankun^en so ziemlich 
der gleiche bleiben, und sein Aufwand für diesen 
Artikel wird sich im gleichen Sinne wie der Freis
        <pb n="98" />
        02 
inid demselben nahezu pmpnrtional ändern. Für den 
wolluibenden iVíann III gehört der Artikel bei diesem 
Preise in die zweite (lrnp)»e; sein Konsum wird dnreb 
Ibeissebwanknn^en erbeblieb beeindusst, während sein 
Aufwand sieb niebt bedeutend ändern wird. Für den 
in besebeidenen Verhältnissen lebenden Mann II ist 
dieser Artikel bei diesem Preise ein nur in ^erin^er 
Men&lt;&gt;e konsumirbarer Luxusartikel; selbst bei ^erin^en 
Fi&gt;. 18. 
Preissebwanknn^en ändert sieb sein Konsum relativ 
sehr bedeutend (aufs do])])elte oder halbe), ebenso 
aiieb sein Aufwand, dem Konsnme nahezu ])ro])ortional. 
Der arme Mann I endlieh konsnmirt diesen Artikel 
o’ar niebt, seine Kaebfra^e naeb demselben ist niebt 
effektiv. 
Diese Heis])iele veransebanlieben, dass, wie wir 
bei der Einreibnn&lt;&gt;' der Artikel in unsere drei (inippen
        <pb n="99" />
        — G3 — 
voraiis^i’escliickt liaboii, mir jene Artikel, die auch der 
ärmeren Klasse als iinentbelirlieh gelten, unbedingt 
in die dritte (Irnjijie gebären, und mir solebe unbe 
dingt in die erste, welebe aiieb für den Wolbabenden 
Luxusartikel bleiben, während es bei allen anderen 
Artikeln von dem mimeriseben Verhältnisse der Wol 
babenden und der Unbemittelten abbän^t, in welchen 
Tbeil der (iesammtnacbtra&lt;»ekurve der Sebnittpunkt 
mit der Gesammtanj*;ebotskurve fallen wird. 
1(). Aoiidoniiiiieii iin Worthe des Ueldes. 
Welche Aenderun^ eine Einzelkurve erleidet, 
wenn sieb die Vermö^ensverbältnisse des betretfenden 
Individuums ändern, lässt sieb im allgemeinen nicht 
verfolgen. Wenn auch in der He^d die Ordinaten 
der Kurven länger werden, wenn das Individuum 
wolbabender wird, so wird dies doch keineswegs 
j»leiebmässi^- der Fall sein, vollends nicht, wenn wir 
verschiedene Artikel betrachten. Jede Aenderun^* einer 
Einzelkurve muss auch auf jene Theile der Gesammt- 
kurve, in denen diese Einzel kurve zur Geltung- kommt, 
Einfluss nehmen. 
Eine einfache und j»leiehmässij»e Aenderun^' der 
auf weleben Artikel immer bezogenen Eiuzel- und 
Gesammtkurven tritt da{j;e^en dann ein, wenn sieb 
die Wäbrun^'sverbältnisse eines Landes verändern, weil 
dann nur die Masseinheit für die Ordinaten der Kurve 
eine andere wird. Ist der Währun^sweebsel ein blos 
nomineller, wie es z. 11. der Ueber^an^ von Kon ven-
        <pb n="100" />
        64 
tioiisiiiihizc zur ôsterreicliisclieii AVüliruu^' war, so re- 
(luzirt sicli die ^auze Aeiiderim^' darauf, dass, was 
frülier CM. d. 20 liiess, miuiuehr ÓAV. ti. 21 lieisst. 
Säiuintliclie Ordinateii aller Angebots- und Naelifra^e- 
kurveii werden um '/g^ länger, während die Ilorizontal- 
ahstände unverändert hleihen. Hei allen Artikeln bleibt 
der Absatz derselbe, während Preis und Umsatz steifen. 
Aendert sieb der Werth des Celdes aber wirk 
lieb, tritt z. Ik eine Vermehrung' der Zirkulationsmittel 
ein, wie sieb dies am deutliebsten bei einer Pa])iergeld- 
emission zu Krie^szweeken verfolgen lässt, so werden 
wieder die Ordinateii aller Kurven länger, und sebliess- 
lieb wird sieb aiieb hier ein neuer Gleieb^ewiebts- 
zustand bersteilen; dies ^esebiebt aber niebt j^leieb- 
zeitij»' und ¿»leiebmässij»'; jedeställs vertiiesst darüber 
eine geraume Zeit. Nehmen wir an, die Emission 
des Pa])iergeldes würde bis zur Verdrängung des ge- 
sammten Metallgeldes und darüber hinaus fortgesetzt, 
bis ein Agio von 10 Prozent eintritt. Dieser Agio 
stand besagt, dass 110 jiapierne (ieldeinbeiten mit 
100 metalliscben (Ieldeinbeiten gleiebwertbig seien, 
dass also der Werth jeder umlaufenden Geldeinheit 
jetzt nur ‘7u früheren beträgt. Es sollten also 
die Ordinateii aller Kurven, alle Preise und die Um 
sätze in allen Artikeln ”/i„ mal so gross sein als früher, 
während der Absatz aller Artikel gleich zu bleiben 
hätte. Eine so gleichförmige Vertheilung kann aber 
erst, wenn einmal das Agio von 10 Prozent längere Zeit 
bestanden bat, eintreten; während der Zettelemission 
jedoch wird sich das Plus an Zirkulationsmitteln in den
        <pb n="101" />
        \ 
65 
lÍHiideii eines kleinen Hrnehflieils der Bevölkerung 
Lieferanten und Broduzenten von Kriegs- 
l)edarf, konzentriren. in Kol^e dessen wird die Naeli- 
Bage dieser Personen naeli verseliiedenen Aidikelii 
iiuneliinen und somit der Preis und auch der Absatz der 
letzteren, namentlich aber auch jener der Luxusartikel, 
steigen. Dadurch verbessert sieh die Situation der 
I roduzenten aller dieser Artikel; es werden auch ihre 
Nachtragen nach anderen Waren znnehnien, die Preis- 
iiiid Absatzsteigerung also immer weitere Fortschritte 
machen und sich auf eine immer grössere Zahl von 
Artikeln und zuletzt auf alle erstrecken. Wir haben 
also die bekannte Erscheinung einer allgemein giin- 
sHgen Konjunktur und einer Stimulirnng der Konsum 
tion und Produktion durch Vermehrung der Umlaufs 
mittel vor uns. 
Aber die Dinge gehen weiter. Durch die Preis- 
Hiid Absatzsteigerung aller Artikel, auch der Kohstotfe, 
und sddiesslieh durch die Erhöhung der Löhne, die 
Naehtheil der arbeitenden Klasse zuriiekgehliehen 
"aren, ist die oben erwähnte, gleiehniässige Vertheilung 
des Zuwachses an I inlaufsmitteln auf alle Klassen 
«1er Bevölkerung angehahnt, und die Folge davon ist, 
dass nun sukzessive auch die Angehotskurven der 
verseliiedenen Artikel steiler werden. Dadurch werden 
i'^'var die Preise noch weiter steigen, aber der Absatz 
ahiii Innen, und wir haben nun ungünstige Konjunktur 
"ad Bückgang der Konsumtion und Produktion, nicht 
vB\a durch Restriktion der Fmlaufsmittel, sondern 
lediglich durch den Stillstand der Inflation. 
n. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. Õ
        <pb n="102" />
        «fi 
1Í) stellt uns dar, wie die Gesannutan^ebots- 
kurv'c OA' eines Artikels bei danerndeni Bestände 
eines Aj&gt;ios zn ()A\ wird; ans der Naeb- 
traj»eknr\ e ON' wird ON'j ; der Absatz Oa bleibt, 
wenn inzwiseben iiiebt nene Investitionen &lt;»einaebt 
worden sind, sebliesslieb wi( der der ^leicbe, während 
der Preis von OP auf OP, nni 10 Prozent ^estie^en 
geändert babe, während die Naebfra«»e sebón ihre 
volle Höbe erreiebt hätte, so würde dies den äns- 
sersten Höhepunkt der Prodnktions- und Konsinntions- 
Fig. 19. 
0 
a a 
P 
sein wird. Betraebten wir nun aber ein Zwiseben- 
stadinni, und nelnnen wir dabei der 1 lentliebkeit 
we^en an, dass sieb das Angebot noeb j»ar niebt 
stinnilirnng- darstellen; der Absatz wäre dann Oa^^ 
der Preis OP».
        <pb n="103" />
        5* 
67 
Wir könnten aucli den entgegengesetzten Fal 
einer \'ennindernn^ der Zirkulationsmittel verfolgen 
I&gt;ie Nachfrage sinkt zum Schaden der Produzenten 
&lt;1h* Produktion wird ein^escliränkt, alle Preise ^eliei 
ííiiruek, scldiesslich werden auch wieder die Löhm 
reduzirt. 1 )er alte Zustand wird aber nicht vollständig 
wieder her^estellt, weil inzwischen gemachte Investi 
tionen und veränderte Gewohnheiten dies nicht &lt;»*e 
statten. 
Ganz ähnlich, wie eine Pajder^eldemission, wirkt 
auch eine A'ermehriin^- des Metallgeldes, wenn sic 
nicht durch die Bedürfnisse des Verkehrs, sondern 
durch andere Ursachen, z. H. den Emjifang- einer 
Kriegskoiitrihution, hervor^erufen wurde. Die Wir- 
kuni&gt;en köiiiien aber schon deshalb nicht so tiefgreifend 
sein, weil ein Ueherschuss an Aletall^eld in das Aus 
land ahdiesst, ein Mangel durch das Ausland ergänzt 
wird. Die fortwährende Produktion von Edelmetallen 
jiat den Verkehr an eine beständige Zunahme der 
Zirkulationsmittel gewöhnt, so dass eine Verringerung 
1 roduktion, also eine \ erlan^samun^ der ^ewohn- 
Icii Zunahme, schon ähnlich, wie der Stillstand einer 
Pidation, eni)ifunden wird. 
Einer nominellen Währun^^sänderun^r ^anz analog, 
"urde der l'eher^aiift zu einem neuen Mass- oder 
('cwichtssystem statt der Ordinaten die Abszissen 
«ammtlicher Kurven der hetretfenden Artikel ^leich- 
uiässif)- verändern.
        <pb n="104" />
        17. Die Wirklingen der Bestenernng. 
Bei EiiifUhruiig' einer Besteuerung' zeigen die ver 
schiedenen Artikel je nach ihrer GruppensteBung 
wesentliche Unterschiede. Wird eine Steuer auf einen 
Artikel in der Weise gelegt, dass sie nach der Menge 
des fertigen Produktes bemessen und hei den Produ 
zenten cingehohen wird, so vertheiiert sich jede Menge 
um den entfallenden Steuerhetrag, und somit steigt 
jede Ordinate sowol der Kosten-, als auch der An- 
gehotskurve um einen der Abszisse genau ju'oportio- 
nalen Betrag. 
Betrachten wir (Fig. 20 a) einen unserer dritten 
Gruppe und dann (Fig. 20 h) einen unserer ersten 
Gru])])e ungehörigen Artikel, deren Produktion nun 
mehr mit einer Steuer Ujo belegt wird, so stellen die 
Ordinaten der Geraden OS', welche mit der Ahszissen- 
aehse den Winkel a einschliesst, die auf jede Menge 
entfallenden Steiierheträge dar. Durch die Ih'steucrung 
erhöhen sieh also die Ordinaten der Kurven (h\ und 
OA um die ents])rechenden Ordinaten dieser Geraden, 
und wir haben nunmehr die Kurven OA^ und O/t^; 
der Absatz sinkt von üo, auf Oa„ und der Preis 
steigt von OP auf OU,. Mit dem Absätze sinkt natür 
lich auch der Nutzen der Produzenten: derselbe wird 
durch den Vertikalahstand der neuen Kurven 0/1, 
und OA, heim Schnittpunkte c, der letzteren mit 
der unveränderten Kurve ON' angegeben. Derselbe 
Nutzen erscheint aber, da die Besteuerung den Ver-
        <pb n="105" />
        69 
tikalabstaiid der Kosten- und An^ebotskurve iinbenibrt 
lässt, ancb in der Län^e welche kleiner ist als 
jene hc, die fniber den Nutzen der Produzenten an- 
i?ab. Ebenso ^ebt ancb der Nutzen der Konsumenten 
von cd auf c,d, zurück, während die Länge 
Fig. 20 a. 
N 
/ 
K /U. 
y 
A 
y 
a, O. 
'velebe der Ordinate a¡s, gleich ist, den Steuerbetrag 
darstellt. 
Wir sehen (Fig. 20 a), dass bei Artikeln der 
‘liitten Gru])|)e der Absatz relativ nicht bedeutend 
^iiikt, der Preis dagegen fast um den vollen Steiier- 
*^atz steigt, so dass hier die Produzenten nicht viel ver-
        <pb n="106" />
        70 
Heren, und die Steuer beinahe j&gt;anz von den Konsn- 
menten ^etra^en wird. Da^e^en zei^t sieli (Fi^. 20 b), 
dasB in der Gruppe der LuxuBartikel der Al)Batz re 
lativ Bebr bedeutend zurück^ebt und der Preis relativ 
weni^ steift, so dass nebst den Konsumenten auch 
die Produzenten emptindlicb getroffen werden. Unter 
Fig. 20 b. 
/b 
t/j 
Umstanden kHini hier die Besteuerung das völlige Anf- 
bören der Produktion lierbeitnbren. Wo dies niebt 
gesebiebt, wird die Ueberwälznng der Steuer von den 
Produzenten auf die Konsumenten sieb allmälig doeb, 
wenn aiicb erst nach Jahren, mehr oder minder voll 
ständig vollziehen. Abgesehen von Krisen und Kata-
        <pb n="107" />
        ■xn 
71 
8tro])hen bewirkt nämlich das Wachsen der Hevöl- 
kernn^ und des Wolstandes ein alhnäli^es Steifen 
der Nachfrage. Während min dieser wachsenden Nach 
frage unter normalen Verhältnissen auch eine allmälige 
Vermehrung des Angebotes gegenUhersteht, indem neue 
Produktionsstätten errichtet und alte erweitert werden, 
wird das Angebot stationär bleiben, so lange die be 
trettende Produktion unter einer durch die Hesteuening 
gescliattenen, ungünstigen Konjunktur leidet. Die Kon 
kurrenz wird erst dann wieder in Thätigkeit treten, 
wenn durch das Anwachsen der Nachfrage die un 
günstige Konjunktur beseitigt und die Steuer zum 
grössten I heil abgewälzt sein wird. 
Die Krsclieinungen bleiben im wesentlichen die 
selben, wenn die Steuer statt bei den Produzenten 
bei den Konsumenten eingehoben wird. Wiederholen 
wii- die vor der Besteuerung geltenden Kurven aus 
Fig. 20 a und b, und kürzen wir nun die Ordinaten 
der Kurven (JN^ und ON' um die demselben Steuer 
sätze tga ents})rechenden Beträge, so erhalten wir 
fFig. 21 a und b) die neuen Kurven ON, und ON',‘^ 
die letztere schneidet die Kurve OA' in einem Punkte 
c„ der mit dem Punkte //, der früheren Fig. 20 iden 
tisch ist, während der frühere Schnitt|mnkt c, (Fig. 20) 
mit dem nunmehrigen Punkte d', zusammenfällt. Es 
wird also, obwol der neue Marktpreis OP, nun um 
den vollen Steuersatz niedriger ist, als jener OF, 
(H ig. 20), doch der Absatz, der Steuerertrag und der 
Nutzen der Produzenten und Konsumenten der gleiche, 
wie bei der Produktsteiier, sein.
        <pb n="108" />
        72 
Audi wenn die Steuer statt von dem Finalpro 
dukte von einem Roll- oder llilfsstoffe — Unbenstener, 
Malzsteuer — oder naeb dem Geldumsätze oder als 
Natural quote oder nach dem Reineinkommen der be 
treffenden Unternebmung bemessen wird, gelten ana- 
21 a. 
L-— 
Ä \ 
N, 
P I 
A 
K .T, 
N 
loge Retraebtnngen, während solche Stenern, di(‘. von 
der Frodnktinenge ganz nnabbängig sind, wie eine 
Grund-, Gebäude- oder Gewerbesteuer, nicht hierher 
gehören. Eine Einkommensteuer endlich, welche nicht 
blos die Produzenten eines bestimmten Artikels, sondern 
alle Staatsbürger trifft, bat natürlich keinen speziellen
        <pb n="109" />
        73 
Einfluss auf Absatz und Preis eines bestimmten Ar 
tikels, sondern diiickt nur die Naclifrage nach allen 
Artikeln mehr oder weniger herab. Dagegen wirken 
Fig. 21 b. 
N 
y 
CL, a 
Verkaufs- oder Einkaufsprovisionen, Marktgebiibren, 
Transportkosten u. dgl. ganz so, wie eine Produkt 
oder Konsumsteuer.
        <pb n="110" />
        i-tHI*
        <pb n="111" />
        I im 
% 
H 
II 
I . 
Die tormeleinente (1er Kiirven 
rà
        <pb n="112" />
        <pb n="113" />
        Betriebs- und Lebensweise. 
18. Kciiiizoiclimiiiíí der Betrielts- und l&gt;ebensneisc 
(liircli die Artikel. 
Wir sind bei Aufstellung unserer Kurven von 
der Voraussetzung ausgegangen, dass jedes wirtli- 
seliaftliclie Individuum seine Produktion und Konsum 
tion stets aut das zweekmässigste einriclite. Wollten 
wir von dieser Voraussetzung abgeben, so könnten 
wir aueb versueben, Kurven unter der Annabme auf 
zustellen, dass ein Individuum an einer bestimmten 
Betriebs- und Lebensweise festbalte; allerdings zeigt 
Hieb dann bald, dass das, was eine bestimmte Betriebs 
und Lebensweise bildet, keineswegs feststebt, sondern 
wesentlieb von der individuellen Beurtbeilung abbängt. 
In erster Linie wird jede Betriebs- und Lebens 
weise dureb die Art der Artikel ebarakterisirt, welche 
•&gt;ei derselben für den persönlieben Verbrmieb und 
tfebraueb — Nnbrung, Kleidung, Wohnung etc. — 
Howie als Erfordernisse einer etwaigen Produktion zu 
besebatten sind, und ebenso aueb dureb jene Artikel, 
"elebe als Erzeugnisse der letzteren abgegeben wer 
den. Als Produktionserfordernisse sind niebt nur die
        <pb n="114" />
        78 
Koli- 1111(1 IlilfsstoftV*, sondem mieli alle Werk%eu^e, 
Mascliiiieii, Kalniks- und Wirtliseliafts^-ebäude etc. an- 
zuselieii, während nicht nur die Hauj)terz(‘uj&gt;nisse der 
verschiedenen, von deinselhen fndividuum etwa hetrie- 
henen Produktionszweige, sondern auch alle etwaigen 
Nebenprodukte, Ausschuss und Abfälle als Produkte 
zu gelten haben. Es wird nun ganz allgemein als 
eine Aenderung der Lehensweise anerkannt, wenn 
jemand von Pflanzennahrung zur Fleischkost oder von 
Branntwein zu Ib’er oder Wein übergeht; nicht minder 
haben wir unzweifelhafte Aenderungiui der Betriebs 
weise vor uns, wenn ein Zuckerfabrikant statt Boh- 
ziicker Haffinade oder statt Melasse den daraus ge 
wonnenen Sjiiritus auf den Markt bringt oder statt 
Holzfeuerung Kohlenfeuerung einführt. Es hängt da 
gegen von der individuellen Beurtheilung ab, ob auch 
schon jeder Uebergang von Einer Fleisch-, Wein-, 
Zucker- oder Kohlensorte zur anderen als Aenderung 
der Betriebs- und Lebensweise emjifunden wird, oder 
ob kleine Unterschiede dieser Art unbeachtet bleiben 
können. Ebenso wird eine Aenderung der Heizan 
lagen im Kesselhause zum Zwecke der Kohleners])ar- 
niss als Aenderung der Betriebsweise angesehen, 
während die dem gleichen Zwecke dienenden Vor 
kehrungen gegen die Verwitterung oder \A‘rschlej)pung 
der Kohle, gegen die Abkühlung der Kessel und 
Dampfrohre meist übersehen werden. 
Die Anschaffung einer Dam])fmaschine oder einer 
Werkzeugmaschine mehr, die Ersetzung einer kleineren 
durch eine grössere wird ebenso, wie die Vertauschung
        <pb n="115" />
        70 
«■in«-« alt.'.,, Mobiliars goKn, ein „..„es 
.■l.‘ffantere« o.lrr vollstän,libero«, als .weitWIo«,, A, 
iiiiijj lier lietriebs- iiiiil Lebensweise gelten. Die Aii- 
aclrnmniff eines weiteren Nebranbstoekes «,1er selbst 
"Hl- einer Feile mehr kann für ilen kleinen llanil- 
«erker sebón eine verün,leite lietriebs- „nil Lebens 
weise be.ie.iten, während das Gleiehe in einem grossen 
iit.tnelnnen, ohne einer l.esonderen reherleffiinif und 
&lt;;ac ilnssfassunfr des llesikers oder a.ieh nur des 
iiaktors zn bedüifen, von linter^,'ordneten (»ifranen 
'oiWenommen werden kann. Kbenso wir.l selbst .-ine 
] K'"'«.ldiK.'.iK lies Faniilien- 
- .■ine.,, reiel,..,. 
l!&gt;. /Vrsoiialp 1111(1 ZpitPiiitheiliiiitr, 
Nieht minder ist für die lietriebs- „ml Lebens- 
lies wirths,.haftlieh «elbstständi&gt;en Individni.ms 
SfSi
        <pb n="116" />
        80 
mir ein licscliriinktcr Wiikuiijiskieis iil)ei-tra}teu wird, 
sondern ancli die Autnalnne eines Tafilöliners mein- 
oder aneil sclioii ein Wechsel in der l'erson, seihst 
nur eines solchen, ehenso, wie jede l'ersonaländeriiiiK, 
ini Haushalte als veränderte Hetriehs- und Lehens 
weise des Unternehniers eniiifiinden, sobald eine solche 
Veränderung nur durch diesen seihst und nicht etwa 
durch hierzu hestelltc Organe vorgeuonnnen wird. 
Dass wir hier nicht hloss eine Aeuderung der Zahl 
der l'ersoneu, sondern auch schon einen blossen 
Wechsel derselben initanfiihren nuissten, riihi-t daher, 
dass sich zwei l’ersoneu niemals identisch nach jeder 
Hinsicht entsprechen, so dass eine l’eisonalverändernug 
ehenso wirkt, wie die Ersetzung eines lioinnaterialcs 
oder Werkzeuges durch ein nicht ganz identisches. 
Ferner ist die zeitliche Vertheihing der l’rodnktiou 
lind Koiisinntion für die Hetriehs- und Lehensweise 
von wesentlicher Bedeutung. Hei grossen l’nter- 
uehinungeu bildet nicht mir der Lehergaug von zwölf- 
stiindigeui Tagcshetrieli zu achtzehnstüudigeni oder 
gar zu iiuunterhrochener Tag- und Nachtarbeit eine 
wesentliche Hetriehsändernug, sondern auch eine ge 
ringe Ucherschreitung der gewöhnlichen Arheitsdaucr 
wird schon hesondere Vereiiihariiugen mit dem zahl 
reichen l’ersonalc erfordern, während allerdings gerade 
I.llrtiwKx’iivb-or alle 
V a &amp; 1 kl I 1 l*á 1 
Gehilfen arbeitet, eine ähnliche Ueherschreitung kaum 
als Aeuderung der Hetriehs- und Lebensweise gelten 
wird. Hei jenen l’roduktionen, die nicht das ganze 
.lahr hindurch fortgesetzt werden, ist für die Hetriehs-
        <pb n="117" />
        81 
"n.l Lebensweise auch die jiibrlielie Arbeitsdaner inass- 
«el)end; „ietit minder and, die Jal,.es/.eit nnd oft 
selbd die Kalendertage, welche der hetiettenden Albeit 
Ifewidinet werden. Nicht mir die Dauer der Canina^ne, 
»ondern auch der Zeitpunkt ihres lle^iniies nnd die 
dwa notbwcndiifen Unterbreeb„„sc„ konnnen tiir die 
Hetnebsweise einer Ziiekeifabrik und anderer land- 
'nrthsebattbeben Industrien in Hetraebt. Noch deiit- 
H-ber zei&gt;t sieb der Kintli.ss der .labreszeiten nnd 
besonders der weebselnden WitteriinKSverbidtnisse bei 
der Landwirtbsebaft selbst, da hier die Eif,n,,„ff ver- 
sdnedener l'afre tiir die versebiedenen en 
•■. •normen Verbältnissen besondere Dispositionen, die 
a « Aenderiinfren der Betriebs- „nd Lebensweise em- 
"^'fdderlieb. Ein iibniieber Weebsel 
Id Lei nabezii allen l'rodnktionen 
«abiziineinnen, da immer ein Tbeil des Ta^es oft 
aueb eine längere Zeitdauer, zu \'orbereit„n«s- 
", '"«;a'"ll'alb,nKsarbeite„ verwendet werden „iiiss. 
ei eisonen endbeb, welebe jfanz versebiedene Be- 
•■utsz.weiife vereinigen, wie z. B. bei dem Kleinbauer, 
' .a- nebst der Feldarbeit eine Hausindustrie betreibt, 
"H( ( IC Hetnebs- und Lebensweise von der Zeit be- 
viuHiisst, die auf die eine oder andere Tbätiifkeit 
verwendet wird. 
Hei der \ ertlieilnno- der Zeit auf Arbeit nnd l:r- 
‘0 nn^ tiitt es am dentlielisten hervor, dass Hetriebs- 
mi( Lebensweise ein nntrennlmres (Janzes bilden, 
«*pitz H. Lieben. Untenmeh. üb. d. Tbeorio d. Prciaen. 6
        <pb n="118" />
        wenn íineli bei Rentnern und Pensionisten nnd deij!,!., 
welebe i&gt;ar keine produktive ddiätio-keit entwiekeln, 
oder l&gt;ei Beamten, Lelirern, Ottieieren ii. s. w., tiir 
deren Leistung* das materielle Mass fehlt, von einer 
Betriebsweise niebt j»-es])roelien zn werden pde^t. Ks 
ist darum die %eiteintbeilnn^' Überhaupt, niebt bloss 
jene, welebe die versebiedenen Tbäti^keiten regelt, 
sondern aueb jene, welebe in der Erholnn^szeit ein^e- 
balten wird, für die Betriebs- nnd Lebensweise von 
wesentlieber Bedeiituno-. Es ist keineswegs ^leieb^nlti^-, 
wie viel und welebe Zeit der körperlieben Erholung", 
dem Essen, Seblafen, Spaziren^eben, Turnen, Reiten, 
Jaj&gt;-en, Reisen nnd ebenso den ^eisti^en (Bndissen, 
Lesen, Sebreiben, ^lusiziren, Theater und Gesellig 
keit "ewidmet wird. 
20. Ilio Koiisiiinportioiieii. 
Ebenso, wie bei der Arbeit und Erholung", ist die 
Zeitdauer aneb versebiedenen Konsumartikeln i»e«»en- 
über für die Betril'bs- und Lebensweise ebarakteristiseb. 
Der Verbraueb von Heiz- nnd Leuebtstotfen richtet 
sieb bei }&gt;‘e}¿,‘ebener Zahl und (% rösse der ()eten und 
Brenner wesentlich nach der Brenndauer, und bei 
manchen Personen bän^t der Verbraueb an ^eisti^en 
Getränken so ziemlieb von der Zeit ab, die sie im 
Wirtbsbans znbrin^en. Bei den meisten andern Kon 
sumartikeln bän&lt;&gt;t der Verbraueb weniger von der 
Dauer des jedesmaligen Konsumes, als von dessen 
mehr oder minder häutigen Wiederholung' al). Es bildet
        <pb n="119" />
        einen grossen Unterseliied der Lebensweise, ob Fieiseli 
ni)erliauj)t etwa nur an einigen liolien Festtagen oder 
alle Sonntage oder nielirinals die Woebe oder tä^lieb 
oder endlieb nielirinal des Ta^es genossen wird; 
man kann sieb also den jäbrlieben Fleisebverbraueb 
in ents])reebend viele Konsniii])oi*tionen zerlegt denken, 
deren Zahl ein ebarakteristisebes Moment der Lebens 
weise bildet. Während nun, solange die Zabi der 
Konsum])ortionen eines bestimmten Aitikels an sieb 
ferino* ist, das Hinzutreten einer weiteren Foilion 
meist als Aenderun^ der Lebensweise empfunden 
werden wird, wird das Gleiebe bei reieblieber Ver- 
wendun^, d. i. bei grosser Fortionenzabl, nur dann 
der Pall sein, wenn jemand an einer in allen Details 
^eregelten Lebensweise testbält. Im allgemeinen wird 
eine so strikte Auttassun^- der Lebensweise kaum Flatz 
i»reifen, so dass der Feber^an^- von 300 zu 301, 302, 
303 jäbrlieben Fortionen niebt mebr als Aenderunj»' 
der Lebensweise anerkannt werden wird. ICbcnso 
/ei«&gt;t sieb die versebiedene Auffassung- dessen, was 
versebiedene Fersonen ihre Lebensweise nennen, darin, 
ob die Frsetzun^- aueb nur einiger Konsumportionen, 
z. H. von Wein dureb eine andere Sorte, oder ob die 
etwas häutigere Verwendung- eines grösseren Gerätbes, 
einer grösseren Kuebenform oder Lampe statt 
einer kleineren, sebón als Aenderun^- der Lebensweise 
angesehen wird oder niebt. Fine Aenderun^, die aueb 
wieder aut Vermebruno- der Konsumportionen binaus- 
läutt, lie^t vor, wenn ein Hausvater, der tä^lieb eine 
bestimmte \\ einsorte ^eniesst, ^ele^entlieb aueb einen 
6*
        <pb n="120" />
        84 
Gast oder die anderen Fainilienniit^lieder daran tlieil- 
nelnnen lässt, oder wenn in einem reielieren Hanse 
ausser den Tiseli^-enossen ^ele^entlieh aueli das Ge 
sinde Zinn Wein^eniiss zu^ezo^en wild, während es 
allgemein als eine Aenderuno- der Lebensweise gelten 
würde, wenn die Zahl der Hersonen, die regelmässig- 
\\ ein &lt;»-eniessen, vermehrt wird. 
Die Zahl und Art der Konsumjiortionen eines 
Artikels hän^t wesentlieh aueh davon ah, oh derselbe, 
wie Hier und rahak, nur direkt konsumirt wird, oder 
aueh ^-leiehzcitio’ oder aussehliesslieh nur als Koh- 
oder I lilfsstott' einer auf Verkauf ahzielenden Produk 
tion oder zur Herstellung- der mannigfaltigen, erst im 
Haushalte zu bereitenden Gegenstände des unmittel 
baren (Genusses dient. Es ist eine j»-anz versehiedene 
Lebensweise, oh Jemand, der im Gast- und Katfee- 
1 lause lebt, nur fertige Geriehte bezahlt oder z. H. 
sein Frühstiiek aus seihst gekauften Ingredienzien be 
reitet oder, oh er cndlieh einen eigenen Haushalt 
führt und daher die Marktartikel roh einkauft. Der 
Hetretfende wird*im ersten Falle, z. H. Zueker, über 
haupt nieht kaufen, im zweiten Falle Zueker nur zum 
Süssen des Katfees oder Idiees benützen, während 
in der eigenen Wirthsehaft Zueker aueh zur Herei tu ng- 
der versehiedeilartigsten Sjieisen, zum Süssen roher 
und eingemaehter Früehte u. s. w. gehraueht wird, so 
dass man, abgesehen von der Zahl der gleiehartigen 
Konsum])ortionen, eine ganze Reihe ihrem Zwecke 
nach versehiedener unterseheiden könnte. Ebenso ist 
es, um noch ein anderes Heis])iel anzufübren, für die
        <pb n="121" />
        lk‘tnel).s- und Lclurnsweine «(dir l)(*z(*iclmend, ob Kolde 
ausser zur KüHieufeueruu^ aueli zur l^idicizuu^- eines 
oder inelirerer Wolmräuiue oder aiieli von Geseliäfts- 
lokaleu und Werkstätten oder eudliel. auel. zur Heizung- 
eines oder inelirerer kleinerer oder grösserer Danipt'- 
kessel dient, und ob z. B. eine Znekeifabrik dieselbe 
oblensorte wie im Kesselbanse aneb tnr ihre Knoebeii- 
kolilenöfen benützt oder die letzteren etwa mit Holz 
beheizt. 
All« (U.n aiiifeführtoii lieispioleii ciliellt, von wel- 
clieii vci-scliieileiuM, Momenten die Zahl «ml Aid der 
konaiin,,,Oldionen, d. i. die VerwendiiiiK«art eine« 
Artikel« hei irgend einer hestiininten Hetriel.«- und 
ladiensweisc eine« Iiidividiiiini», ahhänjjt. Aiieh sehen 
wir an dem 15ei«piele der Kohle, dass ein Artikel 
/.Uffleieh Konsinntion«- und l'rodiiktionseiforderni«« sein 
kann. Eheiiao kommt es nicht selten vor, dass der- 
«elhe Waííen «ainint Oe«,iann hald znm \'eríínii¡ren 
kahl Zinn Oesehiift venvendet wird, oder dass die' 
«Olheii Lokalitäten als WohniniK und Werkstiitte he- 
uutzt werden n. s. w. Nicht minder niannigfaltiir als 
die ver«ehiedenen Verwendmiffsaiden, die ein Artikel 
uuni Verhraneh oder Oehraneh al« Eiddrderni«« der 
Konsumtion oder l’rodnktion oder heider ziif.|eieh 
kmleii kann, sind aller aneh die ller«telliiiiK«arten, 
'lic hei der Erzeiiifiins einffehalten werden können. 
hidiiifrt ininilieh nicht hioss jede wesentliche, «on- 
*^111 hei «tu np;ei Aiittassnnp^ aneh «i hon eine p^anz 
KeriiiKt%i^e Aenderniiff de« teehnisehen Wifahren«, 
' or zeithehen Vertheiliing der IVodnktion oder de«
        <pb n="122" />
        86 
bei derselben beseliäftij»ten l’ersonals eine veränderte 
Herstellungsart. Jede bestimmte Betriebs- und 
Lebensweise kommt also irgend einem einzelnen kon- 
sumirten Artikel gegenüber in dessen Verwendungs 
art und ebenso jedem produzirten Artikel gegenüber 
in dessen Herstellungsart zum Ausdruek, und ganz so, 
wie bei der Konsumtion eines Artikels von reieblieber 
oder sj)ärlieber Verwendung, wird aiieb bei der Pro 
duktion von mebr oder weniger intensiver Betriebs 
weise ges])roeben. Jede Aenderung der Betriebs- und 
Lebensweise bedingt aueb eine Aenderung der Ver- 
wendungs- oder Herstellungsart eines oder mehrerer 
Artikel, und dureb die Verwendungs- und Herstellungs 
art aller Artikel wird die Betriebs- und Lebensweise 
vollkommen ebarakterisirt. 
21. Uroiizeii für dio Fostimltuiig oinor bostiiimitoii 
Botriobs- 1111(1 Lobeiiswoiso. 
Aus den angestellten Betraebtungen gebt hervor, 
dass jedes wirtiisebaftliebe Individuum, das unserer 
urs])rünglieb(Mi Annabme gemäss bestrebt ist, jew eilig 
auf das zweekmässigste vorzugeben, zu fortwährenden 
Aendernngen seiner Betriebs- und Lebensweise ge 
drängt wird, sobald es sieh darum handelt, die Jahres 
menge irgend eines seiner Produkte, Produktions 
oder Konsumtionserfordernisse in irgend erhehlieher 
Weise zu verändern. Wollte dagegen jemand an einer 
bestimmten Betriebs- und Lebensweise auch über die 
Grenzen ihrer zweekmässigen Geltung hinaus hart-
        <pb n="123" />
        ,:r,;v^ ; ;, , .v;'; •• 
— 87 — 
nUcki^ testlialteii, so würden sieli doeli bald Seliwierii^- 
keiten ergeben, welche sieb einer wesentlichen Ver- 
^rössernn^ oder Verringerung der Men^e ent^e^en- 
stellen. So wird z. B. in jeder mit I )anij)fkraft 
betriebenen h abrik bei ^(%ebener Einrichtung und 
Aibeitsdauer eine Steigerung der Kohlennienge und 
somit auch der ganzen Produktion, sowie des Ver 
brauches aller übrigen Produktionseifordernisse, keines- 
talls weiter getrieben werden können, als der Fassungs 
raum der Feuerungsanlage Mussersten Falles gestattet. 
Anderseits wird auch die Reduktion des Kohlenver 
brauches und der Produktmenge, wenn dieselbe eigen 
sinnigerweise ohne Verringerung der Arbeitsdauer, der 
Zahl der geheizten Kessel, des Personales u. s. w. 
vorgenommen werden wollte, Jedestalls dort ihre Grenze 
tindeii, wo die autgeschüttete Kohlennienge zu gering 
wird, um die I)ani))fentwickelung ununterbrochen in 
(iang zu halten. Selbstverständlich kann nach oben, 
wie nach unten, auch schon viel früher eine Schranke 
gebinden werden, wenn, wie z. H. in der Textilindu 
strie, der (Ring der S))innmaschinen oder meehanisehen 
Webstühle nicht zu sehr beschleunigt werden darf, 
ohne die (¿ualität des Produktes zu verderben, und 
aueh nicht zu sehr verlangsamt werden kann, ohne 
dass die Widerstände die Masehinen zum Stocken 
iMingen. Aehnlieh verhält es sich mit allen Werk- 
zi ugniaschinen, während bei jenen Industrien, wo Ver- 
danijdiings-, (lährungs-oder andere ehemisehe Prozesse 
(ine gewisse iMillung der vorhandenen (iefässe voraus 
setzen, hierdurch nach beiden Pichtungen eine Grenze
        <pb n="124" />
        88 
ist. Dieselbe Holle s])ielen in der llaiis- 
lialtiino- die Koeliiiesehirre und verseliiedene andere 
(ieräthe, da es z. H. selnvieri^' wäre, in einem Zinnner- 
oten das Fener mit allzu ^erin^en llrennstotfmen^en 
in (Üan{i,- zu erhalten oder aiieli allzu {»-rosse Mengen 
in der {*-e{»:el)enen Zeit zu verhrennen. 
Aueh wenn die Festhaltnn»- einer bestimmten Be 
triebs- und Lebensweise niebt an soleben teebniseben 
Hindernissen sebeitert, werden sieb doeb wieder andere 
Sebwieri{»-keiten fnblbar maeben. Der Unternehmer, 
der selbst pbysiseb tbäti»* ist, kann seine Leistunj»- 
niebt über die Grenze der Ersebö])fiin&lt;»- stei«»-ern. 
während er, wenn er den Betrieb nur nberwaebt und 
leitet, aiieb mit dem {»rossten Anf{j,ebot an Milbe und 
Fner{»ie die Leistung- seiner auf fixen I^obn an^e- 
wiesenen Arbeiter niebt erbeblieb über das {fewobnte 
Mass zu stei{z,-ern vermö{»-en wird; endlieb wird es ihm 
aiieb l)ei den Aeeordarbeitern niebt {»•elin{»en, deren 
Leistun»»- über die Grenze ihrer Frmüdnn{( hinaus zu 
vermehren. Es ist also bierdureb für die Vermehrung 
(1er Bro(lnktmen{»e und somit aneb für den Verbraueb 
jedes Froduktionserfordernisses eine unübersebreitbare, 
obere Grenze {»esetzt. Niebt minder wird es dem 
Unternebmer schwer werden, viel weni{»er als die 
{2,ewohnte Meii{i;e berzustellen, solan{^-e er dennoeb 
bartnäeki{»- an der unveränderten Arbeitsdauer, Ein- 
riebtun{&gt;- und Arbeiterzabl festbalten wollte. Zunäebst 
wird sieb die Unzufriedenheit der Aeeordarbeiter {»el- 
tend maeben, welche bei einer rednzirten Arbeitsmen{fe 
niebt bestehen können. Aber auch die Ta{»löbner
        <pb n="125" />
        89 
werden se]iwiei% werden, wenn inan ilnien ziiniutliet, 
die f^anze Arbeitszeit vorsieliti^ und langsam mit einer 
Ariieitsmen^e zu verinin^en, die sie bequem in viel 
kürzerer Zeit bewältigen könnten. Der I nternebmer 
sellist endlieb wird erbiüite Aufmerksamkeit, Umsiebt 
und ^lübe autvv enden müssen, um die Kinbaltun^ der 
reduzirten Jabresmen^e durebzusetzen. 
Aueb die ^labresmen^e eines Konsumartikels lässt 
sieb bei Kestbaltun^ seiner Verwendun^sart, also bei 
bestimmter Zabi und Art seiner Konsinnpoitionen, 
niebt über gewisse (irenzen binaus verdrössern oder 
verkleinern, weil jede Konsumpoidion, sobald sie über 
die )icn^e binaus, bei der sie volle Mefriedi^un^ ^e- 
wäbrt, weiter ^estei^fert werden soll, Ueberdruss er- 
Kjj^t. isiebt minder wird die Verkleinerung der 
Konsumportionen, sofeni sie niebt sebón früher an 
teebniseben Sebwieri^keiten sebeitert, dort ibr Ende 
finden, wo die einzelne Portion niebt mebr ausreiebt, 
um einen wabruebmbaren Genuss zu gewähren. Wollte 
ü. H. jemand sieb und seinen llaus^enosen Hier tä^r- 
beb nur ein Weinglas oder ^ar nur einen Löffel voll 
zumessen, so würde dies gewiss die Ibizufriedenbeit 
&lt;lu*ser Personen erregen, welebe dasselbe jäbrliebe 
Piciquantum weit lieber in ausreiebenden, wenn aueb 
selteneren Portionen ^eniessen würden; zu^leieb würde 
(lern Hausvater selbst das än^stliebe Abzirkeln der 
1 Oltionen nur Al übe und L n^eduld bereiten.
        <pb n="126" />
        Kurven bestimmter Betriebs 
und Lebensweise. 
tl. Der Verlauf der Kurven bestiunuter Hetriebs- 
iiiid Lebensweise. 
'Protz (1er Sebwieri^keiten, welelie die Kinlialtunj»* 
einer bestimmten Betriebs- und Lebensweise bietet, 
sobald es sieb darum bandelt, die Jabresmen^e irgend 
eines dabei in Betraebt kommenden Artikels erbeblieb 
zu vermebren oder zu vermindern, wollen wir doeb 
diese Vorstellung" festzubalten versueben. Wir können 
dann in Bezu^" auf jeden Artikel, dessen Men^-e ohne 
Aenderun»" der Betriebs- und Lebensweise variiren 
kann — also mit Aussebluss jener Artikel, von denen 
sebón Ein Stiiek mebr oder weniger eine unzweifel- 
bafte Aenderun^' der Betriebs- und Lebensweise mit 
sieb bringt — eine Kosten- oder Niitzliebkeitskurve 
aufstellen. Eine Kostenkurve ergibt sieb, wenn der 
betrettende Artikel bei der bestimmten Betriebs- und 
Lebensweise als Produkt verkauft wird, eine Niitz 
liebkeitskurve aber, wenn der Artikel als Eiiörderniss, 
sei es der Produktion, sei es der Konsumtiou, oder
        <pb n="127" />
        91 
aucli beider zu^leieli, anj^ekauft wird. Selbstverstäiid- 
Heb können wir aneli diese Kurven nur unter den 
frülier (1) erwälinten Voraussetzungen aufstellen, dass 
die individuelle W ertbsebätzunj»’ des Oeldes die ^leiebe 
bleibe, und dass die Preise aller anderen Artikel un- 
\eiänderlieb ^e^eben seien. Ks ist einleuebtend, dass 
die Kurve anders ausfallen würde, wenn die übrigen 
Aitikel andeie Preise hätten. l)ie Herstellungskosten 
jeder Jabresmen^e eines Produktes bänden selbst- 
verständlieb von den Preisen der llilfsstotfe und der 
Nebenprodukte ab, doeli inaeben sieh auch die Preise 
&lt;ler Konsunitionserfordernisse und aneb jene sebeinbar 
ji-miz ferne stehender Artikel geltend. Ebenso ist die 
Niitzliebkeit eines Produktions- oder Konsnintions- 
erfordernisses von den Preisen der Produkte und aller 
iibiijren Eifoi dernisse, die das erste re erjj^änzen oder 
ersetzen können, abbän^i^. 
Die auf irgend einen Artikel bezogene Kurve 
bestiimnter Betriebs- und Lebensweise, sei es eine 
Koshn,kurve (Fi^r. 22) oder eine Niitzliebkeitskurve 
( F i^. 23j, unterselieiden sieb von den früher be- 
sproelienen Kurven, welche auf der Voraussetzung^ Je- 
weili«r vortbeilbaftester Betriebs- und Lebensweise be- 
niben, wesentlieb dadureb, dass sie niebt ini Nullpunkte 
des Koordinatensystenies ents]uin^en. Es kommt da- 
dui(li die I nmö^liebkeit, die ,labresmen^e eines Ar 
tikels bei unveränderter Betriebs- und Lebensweise 
iu s I nendliebe zu vermindern, zum Ausdrucke. Ander 
st its kommt die (dumtalls schon bes])roebene -1 iimö«f- 
liebkeit, die dabresmen^e irgend eines Artikels über
        <pb n="128" />
        eine gewisse Grenze liinaiis zu stei^ern, dadureli zmn 
Ausdnieke, dass die Kurven xa und Iv ebenso, wie 
die frülier l)eliandelten Kurven, naeli reelitsliin asyni- 
])t()tiseb zu einer Vertikalen verlauten. Dabei sehen 
wir davon ab, dass die Kurven meistens, sowol links, 
als reebts, sebón früher bei jenen ]\Ien^en, welebe 
V\g. 22. 
0 
¡X’ 
aus teebniseben Gründen niebt überseliritten werden 
können, abbreeben. 
Die Kostenkurve xa verläuft im allgemeinen kon 
vex, weil sieb l)ei bestimmter Betriebs- und Lebens 
weise deutlieber noch als bei der \ oraussetzun^- je 
weilig vortbcilbaftester Betriebs- und Lebensweise das 
früher erwähnte ])bysiolo‘»isebe (besetz geltend maelit, 
dass die Unannebmliebkeit einer weiteren Leistung-
        <pb n="129" />
        93 
um 80 mein* empfunden wird, je melir ^leieiiarfi^e 
Leistungen sclioii voran^e^an^en sind. Ueberdies 
nimmt ebenso wie die Anstrengung des I iiterneliiners 
und seiner Hilfsarbeiter mit steigernder Ibodnktmen^e 
aneil der Antwand für die sonstigen IVodnktions- 
Fig. 2:i. 
—— 
ei-tordernisse rascher als die Ib'odnktmen^e zu, weil 
die letztere bei unveränderter Metnebsweise nur dnreli 
Hts( blenni^un«»* und Foreirnn^ des Betriebes ^estei^ert 
Werden kann, wobei die Ausnutzung der Kob- und 
Hiltsstotte eine immer man^relbaftere wird. Dieselbe 
bleibt hinter der vollen tbeoretiseben Ausbeute immer
        <pb n="130" />
        94 
melir zurück, mir die Ausladen für die Verfraclituuo* 
und auuälierud aucli jene für die Verpaekuu«»“ steifen 
mit der Produktiueu^-e ^euau i)ro})()rtioual. 
Der Umstand, dass mit steifender Verlirauclis- 
ineiife eines Roh- oder Ililfsstottes die Produktmeiife 
laufsamer zunimmt, briiift es mit sieh, dass aueli der 
Krlös, und also aueli die Nützlichkeit jedes Produktions 
erfordernisses, wenif-er als projiortional zunehmen und 
daher die auf ein solches hezofene Kurve Iv im all- 
f'emeineu konkav verlaufen muss. Diese Kurve hat 
auch einen Scheitel und dann einen ahfallenden Theil; 
denn jeder Unternehmer kann hei einer hestimmten 
Betiiehsweise von einem einzelnen Produktionserfor 
dernisse, wenn es auch unentgeltlich zu hahen wäre, 
doch nur eine gewisse Meiife verwenden, welche ihm 
volle Refriedifuiif fewährt; mehr könnte er nur fefen 
eine angemessene Aufzahluuf, also zu einem nefa- 
tiven Preise des hetretfenden Artikels, ohne Nachtheil 
verarheiten. Ist die Kurve Iv dafefen auf ein hlosses 
KousumtioiIserforderniss hezofen, so macht sich das 
früher erwähnte jihysiolofische Gesetz darin felteud, 
dass hei einer Vermehrunf des Konsumes, welche 
hier, also hei unveränderlicher Verwenduiifsart des 
Artikels, nur durch VerfTÖsseruuf seiner Konsumjmr- 
tionen möflich ist, die Nützlichkeit der fesammten 
Jahresmeiife zwar zunimmt, aber immer laiifsamer 
zunimmt, bis die Meiife der vollen Befriedifinif er 
reicht ist. Bei dieser Meiife hat auch jede einzelne 
Konsumportion die Grösse erreicht, die nur iifend 
wün’schenswerth erscheint; eine weitere Verfrösserunf
        <pb n="131" />
        «1er KonKinii)&gt;ortíoi)cii «ml somit der .Jalircsmenjre 
'viiido «¡eilt «lelir aii^eiielim, sonder« ««aii^eiiclmi 
ompfinide«, so dass grössere Jahresmeiige« bei ï'est- 
lialtimg der aiigeiioimneiie« \'enve»d««gsart des Ar 
tikels mir da«« kimsiimirt werde« würde«, wen« liierzii 
d«uli Koiisnmprümie«, d. i. dureli negative Preise des 
Artikels, ei« Anreiz geboten wiire. Die riiaimebmlieb- 
keit des übergrosse« Koiisumes wird sieb sebliesslieb 
zimi Hiiüiierwimlliebeii reberdriisse, d. b. ins l'iieml- 
liehe Steiger«, was grapbiseb dadiireb z«m Ansdrneke 
kommt, dass der re,dite, abfallende Tbeil der \ütz- 
liebkeitsknrve asyiiiptotisidi zii einer Vertikalliiiie ver- 
liiuft. Ks ist aber klar, dass eine Kurve, die zu 
erst ««steigt, eine« Sidieitelpiiiikt errei,bt «ml dann 
ins l'iiendlbbe abfallt, oliiie naeli re,dits hi« eine 
liestiiiiiiite Abszisse z« übers, breiten, «iebt aiidm-s als 
ii« ganzen konkav veilaute« kan«; ilies gilt also 
von der Kurve ;.r, mag diese auf eine« Artikel be 
zogen sei«, der als Koiisiniitioiis- oder als IVodiik- 
tionsertbr,lerniss oder in beide« Kigensebafte« ziiglei.di 
îHit’tntt. 
Kndlicli lico-t CK bei der zwisclien Produktion und 
Kontsuintion dureli^eliends walmieliuilmren Analogie 
Halle, jeder Ko.stenkurve bentiiuinter Betriebs- und 
PobeiiHWeiHe einen dem Selieitel der Niitzlielikeitskurve 
analoo-en llet'|mnkt zuzusebreiben, zu deKHen I.iuken 
Kurve wieder aimteiot. Hei eintaelien Arbeits- 
1^‘ÍHtuuoen, z. H. bei weiblieber Handarbeit, tritt e.s 
l&lt;bn zu I a^e, dasH es, wenn eine bestimmte Arbeits- 
Z(.it ein^ebalten werden muss, eine gewisse an^e-
        <pb n="132" />
        OG 
iieliiustc Meni»*e j&gt;ibt, weil die Ungeduld, die .sieh des 
Arheiteiideii hemäehti^t, wenn er dieselbe Zeit mit 
noeb kleineren Mengen verbringen soll, ebenso lästig' 
empfunden wird, wie die dureb grössere Mengen ver- 
ursaelite Anstrengung'. Diese angenehmste ^len^e, 
bei weleher die Kostenkurve einen Tiefpunkt zeij&gt;t, 
ist zu»'leieh diejeni{&gt;‘e, die aueh dann her^estellt würde, 
wenn das Produkt nur unentj»eltlieb ab^e^eben werden 
könnte, während eine weitere Kinsebränkun*»' der Pro 
duktion nur dann statttindet, wenn noeb eine Auf 
zahlung an den Abnehmer des Produktes erforderlieb 
wäre. Es ist daher be^reiflieh, dass der Tiefpunkt 
und vollends der links ansteigende Zwei^ der Kosten 
kurve nur ausnahmsweise bei gewissen Artikeln 
wahrnehmbar sein wird. Meistens brieht die Kosten 
kurve lan^e, ehe sie ihren Tiefpunkt erreieht, bei einer 
weit grösseren Men^e ab; aus dem j&gt;leieben Grunde 
lässt sieh aueh der linke Ast der Kurve ;.y, wenn 
sie auf ein Produktionserforderniss bezogen ist, nieht 
weit naeh unten verfolgen. Ist die Kurve Iv aut ein 
Konsumtionserforderniss bezogen, so muss bei ab 
nehmender dabresmen^e, wenn also die Konsum])or- 
tionen allzu klein werden, die Niitzliebkeit endlieb 
o-anz versehwinden. 
23. (iepieiikriimimiiigen. 
Naehdem wir alle Umstände hervor^eboben haben, 
welebe die Konvexität jeder Kurve x«, sowie die 
Konkavität jeder Kurve Iv begründen und verstärken.
        <pb n="133" />
        07 
müs.sen wir auch der cut^e^enwirkeudeu Ursaelieii 
gedenken. Ikd jeder Produktion ¿»iht e« aiisner dem 
IIau))t|)rodukte aucli Neheuprodukte oder miudesteus 
AushcIiuss und Al)talle, und die Jahresiueu&lt;»'e eines 
jeden dieser Nehenj)rodukte nimmt in der Rej^el rasclier 
zu als jene des Hauptproduktes; daher steift in dem- 
selljen rascheren Masse auch der Erlös dieser Neben 
produkte, sobald dieselben verwerthhar sind. Dieser 
Erlös kommt aber bei Ermittlung der Herstellungs 
kosten des Hauptproduktes in Abschlag, so dass hier 
durch die Konvexität der auf das letztere bezo«renen 
Kostenkurve ab^escbwäcbt wird. Durch eben diesen 
Einfluss wird auch die Konkavität jeder auf ein Pro- 
duktionserforderniss bezogenen Niitzlicbkeitskurve be 
stimmter Betriebs- und Lebensweise vei rin^ert, da durch 
den Nebenprodukterlös und dessen relativ raschere 
Zunahme die Nützlichkeit jedes Hilfsstotfes erhöbt und 
die Abnahme der Nützlichkeit jedes weiteren Verarbei- 
tun^'sipiantums desselben verlangsamt werden muss. 
Wo zahlreiche, quantitativ bedeutende und weHbvolle 
Nebenprodukte Vorkommen, w ie in einer chemischen 
Fabrik oder in einer Mablmüble, welche neben der 
feinsten auch noch zahlreiche andere Meblsorten bis 
zur Kleie herab erzeugt, macht sich dieser Einfluss 
in wirksamer Weise geltend. 
Die Kostenkurve für eine bestimmte Betriebs 
und Lebensweise lässt sich statt auf das Haiqitprodukt 
ebensoout auch auf ir&lt;&gt;end eines der anderen Produkte 
bezoo'en aufstellen, sobald nur die Preise aller anderen 
Artikel, also nun insbesondere auch jener des 1 laupt- 
Auspitz II. Lieben. Untemuch. üb. &lt;1. Theorie d, 1‘reises. 7
        <pb n="134" />
        98 
])ro(lukte.s, .sind. Dies von allen, also 
aneh von den nnnderwertln^en IVodnkten, und es liesse 
sieh für eine Zuekerfahrik z. Ik die Kostenkurve einer 
hestiiniuten Betriehs- und Lebensweise statt auf eine 
der erzeu^dcn Zuekersorten auch auf die ]\ielasse, die 
an Brennereien verkauft wird, oder auf den Knoehen- 
kolilenstaul), der an elieinisehe Fabriken ab^e^eben 
wird, oder auf die aus^elau^ten Bübensebnitte, die 
als Viebfutter dienen, oder auf den Sebeideseblainin, 
der als Dünger verwendet wird, oder endlieb so&lt;»ar 
auf die Steinkoblenasebe, die nur Fortsebatfun^’skosten 
verursaebt, beziehen. Da die Frzeu^un^snien^e des 
]Iau|)t])roduktes, des Zuekers, lanj^sainer zuniinmt als 
jene des Nebenproduktes, und das (Beielie natiirlieb 
aueb von dein Zuekererlöse ^ilt, der nunniebr bei 
Frniittlun^' der Herstellungskosten des betraeliteten 
Neben])roduktes in Abzu&lt;*’ zu bringen ist, so werden 
aueb hier diese Kosten raseber waebsen als die er 
zeugte Aleñoe, wodureb der iin alloemeinen konvexe 
(diarakter der auf das Nebeiijirodukt bezo^^enen Kurve 
xa begründet ist. Fs ist daj»eoen bei einem derartio-cn 
Brodukte fra^lieb, ob der Aufwand für die 1 lilfsstotfe 
raseber zuneliinen werde als die Frzenounosineno-en. 
Der Verbraueb jedes 1 lilfsstotfes nimmt zwar ebenso, 
wie die Frzeuo'un^" jedes Nebenproduktes, raseller zu 
als jene des Ilaujitjiroduktes, aber der Verbraueli 
eines oder mehre rer Broduktionserfordernisse kann 
bald raseber, bald lano-samer zunebmen als die Menoe 
des Nebenjiroduktes, auf welebes die Kurve xa nun 
bezooen ist. 1 )er Aufwand für jene 1 lilfsstotfe, deren
        <pb n="135" />
        lîedarfsmeiioe ruHclier wächst, steigert die Konvexität 
der Kurve y.a\ da^ejfen werden alle llilt'sstotte, deren 
Verhranehsnien^e langsamer zuniimnt als die Erzeii- 
}^un^sinen^e des betrachteten Ahfallsstottes, die Kon 
vexität der Kurve xa ahschwächen. 
Kei Produkten dieser Art kann der oben erwähnte 
l'all, dass sie unentgeltlich ah^c^ehen werden, sehr 
leicht Vorkommen, da, wenn ein Produkt, wie z. H. 
die Melasse, unverkäuflich wird oder sogar Fort- 
schatfungskosten verursachen würde, darum doch die 
angenommene Betriebsweise einer Zuckeifahrik ganz 
wol hei behalten werden kann. Demgemäss wird die 
Kostenkurve y«, wenn sie auf dieses Produkt bezogen 
ist, wie in Fig. 24, unter die Ahszissenachse herah- 
reichen und eineji Tietpunkt dort aufweisen, wo die 
durch die Abszisse angegebene Melassenmenge gerade 
so gross ist, dass deren Herstellung nur dann statt- 
tinden kann, wenn deren Fortschatfung keine Kosten 
verursacht. Müssten an die Fortschatfung der Melasse 
noch Kosten gewendet werden, so würde sich der 
I nternehmer aut die Herstellung kleinerer Mengen 
beschränken, während noch grössere Melasse- und 
somit auch Zuckermengen nur dann erzeugt werden 
können, wenn die Melasse verwerthhar wird. 
Endlich ist noch zu bemerken, dass es seihst 
hei strenger Festhaltung einer bestimmten Betriehs- 
iind Lebensweise möglich ist und daher auch ange- 
streht werden wird, durch zweckmässige Anpassung 
&lt;les N erhrauches verschiedener Konsnmartikel an die 
wechselnden Produktmengen einer allzu raschen Zu-
        <pb n="136" />
        100 
nalinic der ÁnstrcH^im^-, also aiieli der Hersfelhm^^s- 
kosteii, eiit^eí^eiizmvirkeii. So wird iianieiitlieli ein 
kleinerer Unternelmier, der selbst pliysiseb arbeitet, 
es zweckmässig- finden, bei steifender Arbeitsleistniif 
die Konsnin])ortionen seiner Nabrnnfs- und Gennss- 
mittel zn verfrössern, wodureb die frössere Anstren- 
Fig. 24. 
CL 
X' 
. fiiiif weniger eni])findlieb wird; dnreb diese Ein- 
wirknnf wird die Kriiininniif der Kostenknrve x«, 
sowie aneb jene der auf irfend ein Eroduktionsertbr- 
derniss bezofenen Niitzliebkeitsknrve A/', vermindert. 
Ferner kann ein Ibodnzent, z. Ji. ein Haner, der das 
Korn, das er ])rodnzirt, tb eil weise aneb selbst kon- 
snmirt, dnreb eine Einsebränknnf des Selbstverbranebes
        <pb n="137" />
        101 
eine Venneiiiun^- der Verkaiifsnien^e mit ^erin^erer 
Anstrengung erzielen, als dies diireli blosse Stei^ernn^ 
der Produktion mö^lieh wäre. Nielit minder wird 
die Niitzliehkeit von Konsumstei^erun^en, z. 11. des 
llanptnabrun^smittels, dadurch lau^samer abiiehmen, 
die Konkavität der betrettenden Kurve ).r also da 
durch verringert werden, dass der Unternehmer bei 
reieblieberem Konsume in der La^e ist, grössere 
Arbeitsleistungen zu verl iebten und daher auch grössere 
Erlöse zu erzielen. In äbnlieher Weise wird die Ab 
stumpfung gegen wachsende Konsummengen, z. B. 
von Kattee, durch die ^lögliebkeit abgesehwäebt, in 
geeigneter Anpassung auch den Zuekerkonsum zu 
steigern, den etwaigen Tbeeverbraucb aber zu ver- 
miudern u. dgl. 
Aus allen diesen Gründen können wir bei den 
Kurven bestimmter Betriebs- und Lebensweise, trotz 
ihres im ganzen unzweifelhaft konvexen, beziehungs 
weise konkaven, Formebarakters, die Möglichkeit des 
Vorkommens stellenweiser Gegenkrümmungen nicht un 
bedingt aussebliessen, und zwar schon darum nicht, weil 
es bei dem geringen Umfange des tbatsäeblieben (iel- 
tungsgebietes jeder bestimmten Betriebs- und Lebens- 
weise gar nicht möglich ist, eine solche Kurve an der 
Hand der Erfahrung durch eine längere Strecke zu 
verfolgen. 
24. Der tangireiidc Rüdiusvcktor. 
Dieselben Erwägungen, wie früher (4), und die 
gleiche Konstruktion, wie dort, führen uns auch von
        <pb n="138" />
        102 
(1er Küstenkiirve /?« 22 oder 24) oder von der 
NUtzliclikeitskurve Iv 23) zu den Al){;-eleiteten 
'A a und ÀV', welelie uns die Au^ebotskurvc für irgend 
eines der Produkte, bezieliun^-sweise die Nuelit'ru^e- 
kurve naeli einem Produktions- oder Konsuintions- 
erfordernisse, bei der unbenommenen, bestimmten l^e- 
triebs- und Lebensweise darstellen. Der Umstand, 
dass die Kurven xa und Iv niebt im Xull])unkte ent- 
s])rinbeiï, bedin^t iu dem Verlaute ibrer Ab^eleiteten 
einib'e auffallende Abweiebunb'eu von jenem der An- 
b'ebots- und Naebfrabekurve vortbeilbaftester Hetriebs- 
uiid Lebensweise, welebe wir trüber kennen b^dernt 
babeii. Zunäebst beb'iunen uatiirlieb aiieb die Kurven 
xd und }'v niebt im Nullpunkte, sondern vertikal 
über oder unter dem linken Ende der ursprünblieben 
Kurven xa oder Xv. Ferner selmeiden die abbelei- 
teteii Kurven die ursj)rünblieben im Punkte o, wo in 
letzteren Kurven die Taubente und der Padiusvektor 
zusammeufalleii; dieser taubirende Padiusvektor ist 
bei der Nützliebkeitskurve Iv unter allen der steilste, 
bei der Kostenkurve xa aber der Üaebste, und er ist 
im Falle der Fib’. 24 naeli abwärts b'i'i'icbtet. 
Die Piebtuiib des steilsten Padiusvektors der Nütz 
liebkeitskurve bezeiebnet uns den böebsten Preis, zu 
welebem der Ankauf des betreffenden Artikels bei der 
anbenuinmenen Petriebs- und Lebensweise b'erade noeb 
statttinden kann 5 denn bei jedem böberen Preise würde, 
wie die Fib. %eib't, der Aufwand die Nützliebkeit 
übersteiben. Ebenso bezeiebnet der Üaebste Padins- 
vektor der Kostenkurve xa (Fi’b. 22) den niedrib'sten
        <pb n="139" />
        103 
Preis, zu (lein die Produktion und der Verkauf des 
betraeliteteu Artikels bei der ^edaeliteu Betriebs- und 
Lebensweise noeb luö^lieb ist, da bei jedem (feriu^eren 
Preise der Lrlös binter den Herstellungskosten ziiriiek- 
Ideiben wurde. In Pi^. 24 bezeielinet der tan^irende 
Radiusvektor den böebsten negativen Preis, also die 
böebsten Fortsebatfnn^skosten, welebe für das betref 
fende Produkt anf^ewendet werden können. Ferner 
liezeiebnet die Aliszisse des Punktes a (Fi^. 22) aiieb 
die Meiii»*e der wolfeilsten Herstellung der ^len^en- 
einbeit, somit der gerilltsten 1 )nrebseliiiittskosteii jenes 
Produktes, auf welelies die Kurve xa bezoteii ist. 
Die Dnreliselmittskosteii jeder Mente werden iiämlieli 
dnreb die Rielitniit der Radienvektoren der Kosten- 
knrve antefeben, und diese werden sowol reebts als 
links vom Punkte a immer steiler. 
Zur Reeliten ihres Sebnittjinnktes mit der Niitz- 
liebkeitsknrve li' senkt sieb die Xaelifrateknve )! v 
zur Abszisseiiaelise herab, sebneidet diese tenan unter 
dem Selieitel|mnkte der erstereii Kurve und verläuft 
sebliesslieli asymptotiseli zu derselben Vertikallinie. 
Fbenso wird aneb die Antebotsknrve xa zur Reeliten 
dnreb die Asyni|itote der Kostenknrve xa betrenzt 
und kann die Abszisseiiaelise mir tenan dort sebiieideii, 
wo letztere Kurve ihren tiefsten Punkt bat. Nach 
links bin verlaufen die Abteleiteten in enttetente- 
setzter Riebtnnt und Kriimninnt, wie die iirspriint- 
lieben Kurven.
        <pb n="140" />
        25. Relative La^e der Kurven verschiedener, 
hestiininter Betriebs- und Lebensweisen. 
Um die IK'xiebim^' %w¡Neben Kurven beNtinnnter 
lind soleben vortlieilliaftester IKdriebs- und Lebens 
weise besser aiifziiklären, können wir jede mö^lieiie, 
bestimmte Betriebs- und Lebensweise eines wirtli- 
sebaftlieben Individuums dureb je eine auf densellien 
in seiner Qualität ^an% unveräuderlieben Artikel A 
bezogene Kurve xa oder Ir zur Ansebauun^- liringen. 
Diese Kurven werden die grösste Mannigfaltigkeit 
der (Gestalt und La^e aufweisen, sie lassen sieb aber 
über den j»leieben Abszissen darstellen. Selbstver- 
ständlieb ist dies nur zulässig, wenn der Artikel «»enaii 
bestimmt ist, genauer als dies der ^ewöbnliebe Sjiraeli- 
o-ebraiieb erfordert, naeli welebem Meid, Zueker, (larn, 
Kohle ete. als je ein Artikel gelten, während wir die 
versebiedenen Sorten und (Qualitäten, sobald sie Urei«- 
unterseliiede bedingen, als selbstständige Artikel an 
seben müssen. 
Ver{i,deielien wir nun (Ui^'. 25) zwei auf dasselbe 
Produkt Á bezogene Kostenkurven je einer bestimmten 
Betriebs- .und Lebensweise x^a^ und x.jCi.j desselben 
Individuums, welebe sieb über dem Punkte J selmeiden, 
so zei^t die Ui^iir, dass kleinere Mengen als (U naeli 
der Betriebsweise x¡ wolfeiler berzustellen sind, 
während grössere Mengen naeli der Betriebsweise 
^2«2 íAerinoere IIerstellunp;skosten erfordern. Ls ist 
deninaeb die Betriebsweise Xja¡ für kleinere, x¿a¡¡ für
        <pb n="141" />
        105 
grössere Mengen vorzuzielieii. Eine l^etriebsweise, 
deren Kostenkurve wie durchaus liölier verläuft, 
würde für ^ar keine Meiifje zweckmässig sein; wir 
sehen also, dass nehst der Fonn auch die Höhenlage 
jeder Kurve von wesentlicher Bedeutung ist. 
Die Eifahrung zeigt, dass es unter den verschie 
denen Elementen, welche die Herstellungskosten zu- 
Fig. 25. 
0 
sammensetzen, solche gibt, welche mit der l’rodukt- 
menge stetig zu- und ahnehmen, und solche, welche, 
solange die Betriebs weise nicht geändert wird, ganz 
unabhängig von der Produktmenge die gleichen bleiben. 
Zu den Auslagen der letzteren Art gehören alle festen 
(iehalte und Löhne vom Direktor und Werkführer 
bis zum letzten Taglöhner, nicht aber die Accord-
        <pb n="142" />
        — i()(; — 
1111(1 Stücklöline, wiM'k'rs alle Mietli- und l*aclitj»i‘l(ler, 
Zinsen und Ainortisationen. Zn diesen Ansiaren ^e- 
liören ferner die Kosten der Helenelitnn^- und Helieiznnj»- 
der Lokalitäten, sowie jener Tlieil des Koldenver- 
Inaiielies, der zur In^an^lialtnn^' der Maseliinen wäli- 
rend der ganzen Hetrielisdaner erforderlieh ist, oder 
auch das sogenannte Krhaltnn^fsfntter der Arheitsthiere, 
wälirend das KoldeiHjnantnni, sowie das Melirfntter, 
das dariihcr hinaus zur Verrielitnn^- der eigentlichen 
Arbeit erforderlich ist und also von der Lrodnktnien^e 
ahhän^'t, nicht hierher gehört. Ke^ie und A'oransla^en, 
wie die angeführten, können auf die Form einer Kurve 
hestinmiter Hetriehs- und Lebensweise keinen FinÜnss 
aiisnhen, wol aber sind sie für die Höhenlage jeder 
solchen Kurve massgebend, und zwar bringt es jede 
Lrhöhnii”- dieser Ansiaren mit sieh, dass jede für die 
hetretfende Betriebs- und Lebensweise ^'eltende, auf 
welchen Artikel immer bezogene Kostenknrve y.a 
hinanfrüekt, während da^e^en jede Nützliehkeitsknrve 
Iv sieh nm ebenso viel lierahsehieht. Die blosse Aende- 
rnn&lt;»- in der Höhenlage einer Kurve, hei sonst völlig' 
unveränderter Form, bewirkt immer auch eine 1 lorizon- 
talverschiehnnj»' des Fnnktes o (Fi^\ 22, 2Ö, 24) des 
tan^irenden Radiusvektors, während die ah^-eleitete 
Kurve durch eine solche Aendernii”* in keiner Weise 
heeinflnsst wird. 
Eine Betriebs- und Lebensweise, welche grössere 
Rc^ie lind Voransla^en — län^'ere Arbeitszeit, zahl- 
reieheres l’ersonal, grössere Investitionen — erfordert 
als eine andere, wird also dnreh eine Indier verlan-
        <pb n="143" />
        c» 
ao 
— 107 — 
fende Kostenkurve y.a zum Ausdnieke ^ebraelit und 
kann dalier nur dann in Hetraelit kommen, wenn in 
dieser Kurve der Punkt des taiij^iremleii Radiusvektors 
weiter re ei its lie^t und sie dalier aueli erst bei ^rös- 
seren Mengen steil ansteigend wird. Sowie im kleinen 
die Vervieltalti^un^ und genauere Anpassung der 
Werkzeuge für ibren Zweck eine Erböbung der \'or- 
auslagen mit sieb bringt und die zur Herstellung grös 
serer Mengen erforderliebe Anstrengung vermindert, 
so wirkt im grossen die Verdrängung des Lastwagens 
dureb Eisenbabnen, die Ersetzung der Mensebenarbeit 
dureb die Masebine u. s. w. l eberall bringt der in 
dustrielle Fortsebritt eine Erböbung der Investilionen 
lind Vorauslagen, dagegen eine Verminderung der Be 
triebskosten dureb zweckmässige Verwendung und 
bessere Ausnützung der Kräfte mit sieb. Die Her 
stellung klm'ner Mengen wird dabei kostsjiicliger, aber 
die Jalires|)roduktmenge, welebe ohne erbebliebe For- 
eirung des Betriebes bergestellt werden kann, nimmt 
zu. Es ist übrigens zu bemerken, dass niebt jede 
Investition ein 1 lölierrüeken der Kostenkurve bewirken 
muss. Wird z. B. in einer Zuckerfabrik, welebe ibre 
Melasse selbst zu Spiritus verarbeitet, die Einrielitung 
der Brennerei vervidlkomnmet, so werden die Her 
stellungskosten des Zuckers zwar dureb diese Auslage 
erbölit, zugleieb aber in noch stärkerem Masse dureb 
den Erlös tur den mebr erzeugten Spiritus vermindert. 
Ebenso kann es vortbeilbafte Investitionen gi ben, 
Welebe sogar eine geringere Erzeugung des Artikels 
A berbeifüliren. Wenn z. B. eine Zuckerfabrik dazu
        <pb n="144" />
        108 
Ubergellt, Wiirfelzueker zu erzeugen und eiitspreelieud 
weniger Brodzucker auf den Afarkt zu bringen, so 
wird die auf l^rodzueker bezogene Kostenkurve dieser 
neuen Betriebsweise sebón bei geringeren Mengen 
steiler ansteigen als jene der früheren Betriebsweise. 
Nicht weniger Versebiedenheiten werden aneh die 
auf ein und dasselbe Prodnktions- oder Konsnnitions- 
erforderniss A bezogenen Niitzlielikeitsknrven ver 
schiedener, bestimmter l^etriebs- und Lebensweisen 
desselben wirthschaftlieheii Individuums wahrnehmen 
lassen. Eine je reiehliehere Verwendung des Artikels 
A bei einer bestimmten Betriebs- und Lebensweise 
stattfindet, desto weiter nach rechts wird der Sehcitel- 
pnnkt der auf denselben bezogenen NUtzliehkeitsknrve 
dieser Betriebs- und Lebensweise liegen, wie dies in 
Fig. 26 bei der Kurve im Vergieieh zu jener 
l^v¡ der Fall ist. Ob in der Kurve mit längerer 
Abszisse des Seheitelpnnktes derselbe aneh höher 
oder, wie bei der Kurve tiefer liegen werde, 
hängt davon ab, ob die reiehliehere Verwendung des 
Artikels A dem Individuum für seine Produktion oder 
für seinen persönlichen Konsum aneh wirklich eine 
grössere Niitzliehkeit bietet oder nicht. Dabei werden 
sowol die durch die reichlichere Verwendung erziel 
baren, grösseren Prodnkterlöse oder persönliehen Ge 
nüsse, als aneh die durch den grösseren Konsum etwa 
bedingten Mehranslagen für andere zugehörige Pro 
dnktions- oder Koiisnmtionserfordernisse in Betracht 
kommen. Auch ohne solche zugehörige Mehranslagen 
kann die Nützlichkeit einer allzu reiehliehen Verweil-
        <pb n="145" />
        — lOí) — 
(liin^ eines bestimmten Artikels geringer sein als 
jene einer massigeren, da z. H. spriebwürtlieb niemand 
wünsebt, das ganze Jabr bindiireb täglicb Rebhühner 
Mz. 2G. 
O 
V, 
4, 
zu essen. Endlieb kann eine Betriebs- und Lebens 
weise, deren Kurve wie durebans tiefer verläuft 
als andere, bei gar keiner Menge zweekmässig sein.
        <pb n="146" />
        Zusammensetzung der Kurven 
vortheil härtester Betriebs- und 
Lebensweise. 
2(). Die ^eriii^Hteii Herstellungskosten und die grösste 
Niitzlielikeit. 
Deidvcii wir uns nun sännntliclie, iin Laufe der 
betraeliteten Kpoehe inö^lielien, bestiininten Hetriehs- 
nnd Lebensweisen eines wirtbsebaftlielien Individnnins, 
bei weleben der (¡nalitafiv stets ^leiebe Artikel A vnr- 
konnnt, in Liner Fi^nr dnreb die entsj)re(*benden, auf 
eben diesen Artikel bexe^enen Kosten- und Xiitz- 
liebkeitsknrven dar^estellt, so werden diese Kurven 
ansserordentlieb zablreieb sein und diebt auf einander 
folgen. Da näinlieb oft sebón ^'erin^fü^i&lt;*e Aende- 
rnn^en der Zeiteintbeilnn^^', des Personales, derWerks- 
vorriebtnn^en oder Gerätbe, der Qualität der anderen 
Artikel n. s. w. den Ueber«an&lt;&gt;- zu einer neuen, wenn 
aneb nur weni^' versebiedenen Hetrie))s- und Lel»ens- 
weise bedingen, wird jedermann selbst bei den ein- 
faebsten Produktionen und dem besebeidensten Hans-
        <pb n="147" />
        Ill 
lialte zwisclien zalilreiclien Betriebs- mid Lebensweisen 
zu wälilen baben. Wenn aiieli liei grösseren I nter- 
nebiniinf»en, sowie in reieben Häusern, nielit sebón 
jede Kleinigkeit als Aenderiin^ der Betriebs- und 
Lebensweise i»ilt, wird darum doeb die Zabi der als 
inö^lieb in Betracbt kommenden Aenderiin^en liier 
i»ewiss niebt ^erin^er sein. Sobald wir aber nun bei 
dem betraebteten Individuum niebt mehr ein bart- 
näeki^es Festbalten an irgend einer bestimmten Be 
triebs- und Lebensweise annebmen, sondern, wie sebón 
ein^an^s der ganzen Untersuebun^, das Bestreben 
voraussetzen, jede Jabresmen^e des Artikels À in 
wolt'eilster Weise berzustellen, werden von allen denk 
baren Kostenkurven bestimmter Betriebs- und Lebens 
weise mir diejenigen in Betraebt kommen, welebe 
wenigstens in einem riieile ihres \ erlautes tiefer 
liefen als alle anderen, und zwar nur mit eben diesen 
Streekeii. Fassen wir sonaeb diese bervortretenden 
Kurvenstreeken zusammen, so erbalten wir die unre^el- 
mässio- ^ebroeliene Linie der gerilltsten I lerstellunts- 
kosten . . . rf (Fit. u oder bj. Die analofe 
Voraussetzunt, dass jedes Individuum bestrebt sei, 
jede Verbrauebsmeiite von A so zu verwenden, dass 
sie die t&gt;‘&gt;sstmötliebe Nützlichkeit t^^währe, fiilirt 
uns dabin, in t^^iHier Weise von allen denkbaren 
Niitzlicbkeitskurven bestimmter Betriebs- und Lebens 
weise nur die bervortretenden, böebsten Strecken zu der 
tobroebenen Linie der t'i'dssten Nützlichkeit . . . n 
(tif. 2&lt;S) zusammen zn fassen. Jede Ordinate der 
einen oder der andern dieser t^broebenen Linien lie-
        <pb n="148" />
        112 
zeiclmet die ^crin^stcn nerstelliiiiíçskosten, welche 
(las Individuum hei den ^e^eheueu Preisen aller 
Fi{?. 27 a. 
r 
, ' / }i 
kJs k 
anderen Artikel auf die Herstellung der hetreffeudeu 
Menjic des Artikels A aufwenden muss, oder die 
Fiff. 27 1». 
O &gt; 
/ — 
je 
A.2 
o-rösste Nützlichkeit, welche die hetretfende Men^e 
ihm gewähren kann. Da ferner jede eontinuirliehe.
        <pb n="149" />
        113 
zwischen je zwei aufeinanderfolgenden Eckpimkten 
liegende Strecke dieser Linien der Kurve je einer 
bestinnnten Betriebs- und l^ebensweise an^ebört, so 
sellen wir auch, welche Betriebs- und Lebensweise 
für jede Men^e des Artikels A die geeignetste ist, 
und innerhalb welcher Grenzen sie dies bleibt. 
Da die Linien XjS,e2 . . . a und . . . n aus 
lauter Kurven bestimmter Betriebs- und Lebensweise 
Kiff. 28. 
4 
kJ, 
ks f. 
zusammenx^esetzt sind, können sie ebenso, wie diese, 
nicht im Nullpunkte beginnen und nach rechtshin 
nicht anders als asymptotisch ansteigend, beziehungs 
weise absteigend, zu einer Veilikallinie verlaufen. 
Durch Letzteres kommt die Tbatsacbe zum Ausdruck, 
dass auch bei zweckmässi^stcr Wald der Betriebs 
und Lebensweise sowol der Erzeugun^, als auch 
dem Verbrauche jedes Artikels bei irgend einer end 
lichen Men^e uniibersteiglicbe Schranken gesetzt sind. 
Auspitz u. Lieben. Untersiirh. üb. d. Theorie d. Preises. 8
        <pb n="150" />
        114 
Ferner muss die Linie ^8) i'otli- 
wendi^^erweise Uber die Abszissennehse einpoiinj^en, 
wenn anders der Verl)raneb des Artikels A tiir das 
betraebtete, wirtbsebaftliebe Individiinm niebt völlig' 
ans^eseblnssen sein soll, während die Linie a/4 - • • öf 
entweder, wie in Fig*. 27 a, ^anz Uber odei, ^&gt;ie 
in Fií?. 27 b, aiieb tbeilweise unter der Abszissen- 
aebse verlaufen kann ; letzteres wird eintreten, sobald 
aneb nur eine einzige der mit in Hetraebt kommen 
den Kostenknrven bestimmter Betriebs- und Lebens- 
weise, wie in Fig. 24, unter die Abszissenaebse berab- 
reiebt. 
27. Aiisscbeidiiiig der iiiizweckmässigeii Mengen. 
Wir haben bei Anfstellnng der Kosten- und Niitz- 
liebkeitsknrve vortbeilbaftester Betriebs- und Lebens 
weise angenommen, dass jedes einzelne, wirtbsebaft 
liebe Individiinm sieb bei völlig freier Konkurrenz 
auf dem grossen Markte so benähme, als wenn sein 
Angebot und seine Naebfrage ohne Fintlnss auf die 
]Vrarkt])reise bliebe. Sehen wir dieser Voraussetzung 
gemäss davon ab, dass sebón dureb das Auftreten 
eines Einzelnen der Preis seines Produktes gedruckt, 
jener seiner Produktions- und Konsumtionserforder 
nisse gesteigert werden könne, so sind wir in der Lage, 
bei dem Bestände irgend eines Marktjneises des Ar 
tikels A ans unserer grapbiseben Darstellung (Fig. 27) 
die Jabresmenge zu ermitteln, deren Herstellung und 
Verkauf fUr das Individuum am vortbeilbaftesten ist.
        <pb n="151" />
        115 
Wenn wir näinlieli jene Abszisse anfsuclien, l»ei wel- 
clier (1er Vertikalal)stand der betreffenden Preislinie 
Uber der gebroelienen Linie x,6¡e¡ . . .a am grössten 
ist, so haben wir damit die Men^e des Artikels A 
gefunden, welebe bei dem bestellenden ^tarktpreise 
den grössten Uebersebiiss des Erlöses Uber ihre {’ge 
rilltsten nerstelliiiit«kosten ei’tibt. Daraus fol^t, dass 
die Ricbtnnt des Uaebsten Radiusvektors Oh^ an die 
gebroebene Linie x¡s¡t2 . . . a (Fig. 27 a) den Mini- 
nialpreis angibt, zn dem das betrachtete Individuum 
den Artikel A Überhaupt noch berstellen und verkaufen 
kann; denn bei jedem niedrigeren Preise bliebe der 
Erlös selbst hinter den geringsten Herstellungskosten 
zuriiek. Die ents])reehende Abszisse Ok¡ gibt die 
Minimalmenge des Produktes A an, kleinere Mengen 
sind völlig ausgeseblossen. Das Gleiebe gilt aucb 
in den Fällen der Fig. 27 b mit dem einzigen Unter- 
sebiede, dass der hier abwärts verlaufende Radius 
vektor Oh, einen negativen Minimaljireis, d. i. höchste 
Fortschaffungskosten des Produktes A, bezeichnet. 
Wenn nun diese Fortscbaffungskosten geringer werden 
oder, um zu dem einfacheren Falle der Fig. 27 a 
zurU(‘kzukebren, der Verkaufspreis des Produktes A 
Uber die Minimalgrenze Oh, steigt, wird auch die 
Abszisse des grössten Vertikalabstandes der betreffen 
den Preislinie Uber der gebrochenen Linie x,e,£¡ . . . a 
wachsen, also eine grössere Jaliresmenge von A zu 
Markte gebracht werden. Dabei wird jene bestimmte 
Betriebs- und Lebensweise, welche der durch den 
Radiusvektor Oh, getroffenen, continuirlicben Strecke 
8*
        <pb n="152" />
        IIG 
(1er oc])roclieiicii Linie entspricht, bis zu dci IMen^e 
Oll beibehalten. Diese ^Icn^e wird dnreb den Punkt 
il bestimmt, von dem ans sieb die tlaebste, gemein 
same Taiiocntc iX an die bisher geltende nnd an 
irgend eine andere Kurven strecke ziehen lässt. enn 
nnn gerade jener IVlarktpreis OFi des Artikels A be 
steht, welcher durch die Richtung der gemeinsamen 
Tangente iih^ an^e^eben wird, so ergibt sieb für das 
betrachtete Individuum ^enau derselbe ErlösUbersebuss, 
mao- dasselbe nun — unter Beibehaltung seiner bis 
herigen Betriebs- und Lebensweise — die kleineic 
Menge Oli oder aber — unter Annahme der betretfen- 
den, intensiveren Betriebs- und Lebensweise — die 
grössere Menge Ok, berstellen. Dieser ErlösUbersebuss 
ist zugleich der grösste, der beim Bestände des Preises 
OPi erreicht werden kann. Bei niedrigeren Preisen 
sind kleinere Klengen als Oli die vortbeilbaftesten, 
während bei höheren Preisen nur grössere Mengen 
als Ok, den höchsten ErlösUbersebuss geben wUrden. 
Wir sehen demnach, dass die Herstellung oder der 
Verkauf der IMengen zwischen Oli und Ok¡¡ bei gar 
keinem Preise vortheilhaft sein kann, nnd dass dabei 
auch die ganze Strecke der gebrochenen Linie zwischen 
¡I und h, nicht zur Geltung kommt. Ebenso werden 
alle jene Kurvenstreeken ausznseheiden sein, welche 
durch gemeinsame, tlaehste l angenten u.s. a\. 
UberbrUekt werden, gleichviel ob diese Tangenten von 
einer Kurve bestimmter Betriebs- und Lebensweise 
mir bis zur nächsten Ubergehen oder deren mehrere 
Überspringen.
        <pb n="153" />
        117 
Endlich führen Schritt für Schritt analoge, auf 
die ^ehrocliene Linie . . . n (Fiji. 28) anj*ewendete 
Betraclitiinjien dahin, auch alle jene Verhranchsinenj^en 
des hetrachteten Artikels A als iinvortheilhaft aiiszu- 
scheiden, die kleiner sind als die Alininialmenjre 
Ok¡ oder welche zwisehen Olj und Ol¿ und Ok^ 
u. 8. w. liejien; hier bezeichnet also die Kichtunji des 
steilsten, tanj»irendcn Radiusvektors Oh¡ den Maxi 
mal preis, hei dessen lleherschrcitunji der Ankauf 
des Artikels A seitens des betrachteten Individuums 
l)ei den bestehenden Freisen aller anderen Artikel 
rationellerweise einj^estellt werden muss. 
28. Konvexität und Konkavität der Kurven vortlieil- 
haft(‘ster Betriebs- und Lebensweise. 
Fassen wir nun die in Fijf. 27 a oder h, sowie 
in Fiji;'. 28, nach Ausscheidunjf aller ühcrhrückten 
Strecken ührij*' hleihenden Kurvenstückchen 
lts¿^ u. 8. w. mit den sich tanj^ential anschliessenden, 
j^eraden Strecken Oh¡^ u. s. w. zusammen, 
so erhalten wir (Fijç. 21) a und h und Fij*'. 30) das 
einemal die Kurve Oí?, das anderemal aber die 
Kurve Ow, die beide im Nullpunkte entsprinj^en. In 
der Kurve (Ja ist jede Tanjfente steiler, in der Kurve 
()n aber ist jede Tanj^ente Hacher jf estel It als alle 
vorherjfehenden. Diese Kurven sind nichts anders als 
die fniher (7) j&gt;eschilderte Einzelkosten- oder Nützlich 
keitskurve eines bestimmten Individuums, auf einen 
j»'enau detinirtcn Artikel A bezoj&gt;'en; denn wir sind
        <pb n="154" />
        118 
nur auf uuscre ursprüngliche Voraussetzung ziiriiek- 
^ekommeii, dass dieses Individuum bei jedem be 
stimmten Preise des Artikels A jene Meu^e desselben 
berstelle oder verbraucbe, welche bei den ^e^ebeueu 
Preisen aller anderen Artikel die vortbeilbafteste ist. 
Wir sehen nun auch, dass Gegenkriimmun^en, die 
Fig. 2!t n. 
in den Kurven bestimmter Hetriebs- und Lebensweise 
etwa aiiftreteii mö^en, ^anz belanglos bleiben, weil 
solche, wenn sie Überhaupt in der gebrochenen Linie 
ZjtjBa ... a oder . . .n ersebeineii sollten, ganz 
ebenso, wie die Eekimnktc dieser Linien, durch gerad 
linige Tangentialstrecken überbrückt werden müssen. 
Damit ist der früher (2 und 3) unvollständig gebliebene
        <pb n="155" />
        lio 
Nachweis zunächst für die Eiiizclkurveii erbracht, dass 
jede Kostenkurve konvex, jede Nützlichkeits 
kurve aber konkav verlaufe; dass das Gleiche 
aber auch für Gesaniintkurven gelten müsse, geht 
daraus hervor, dass ja die Kombination der Einzel 
kurven zu Gesammtkurven darauf beruht, die auf 
einander folgenden Tangenten nach ihrer Uiehtung zu 
ordnen und aneinander zu reihen, so dass durch die 
Kombination niemals Gegenkrümmungen entstehen 
können. Weiters bemerken wir, dass jedes der in 
den Kurven (Ja und On vorkommenden, krummen 
Stückchen /¿.,4 u. s. w. je einer bestimmten 
Betriebs- und Lebensweise entspricht, welche für die 
Fig. 21t 1», 
0 
'u
        <pb n="156" />
        120 
(lureli (lie betrelt'enden Abszissen aii{»’egebeneii Jahres- 
nieiift’en des Artikels A die zweekmässi^ste ist. Die 
Horizontalansdebniing dieser krummen Stücke ist Avenu 
dies ancb in unserer Fi^nr nicht überall deutlicb ber- 
vortreten konnte) im Vergleiche zu jener der Tan- 
^entialstrecken eine gerin^-e; dies bringt den wiederholt 
betonten Umstand znm Ansdrncke, dass der Spielraum 
für Acndcrnn^cn der . Iah resinen i&gt;e jedes Artikels, 
l’iiT. 30. 
lu i, 
innerhalb dessen eine bestimmte Betriebs- und Lebens 
weise zweekmässi^erweise fest^ebalten werden kann, 
ein sehr besebränkter ist. Die zwisebeidie^enden, ji'e- 
raden Strecken iJt, n. s. w. lassen erkennen, 
dass bei den dureb ihre Riebtiinj«- angegebenen Freisen 
des Artikels A Aenderun^en der Betriebs- und Lebens 
weise eintreten, durch welche die Znnabme der Jler- 
stellungskosten eines weiteren Frodiiktciuantums oder
        <pb n="157" />
        121 
bei der Kurve Ou die Abnalmie der Niitzlicbkeit 
eines weiteren Verln*anelis(jnantnins des Artikels A 
wesentlieli langsamer erfolgt, als wenn an einer un 
veränderten Betriebs- und Lebensweise fest^ebalten 
werden wollte. Jede dieser Aendernn^en, die nin 
so einseimeidender sind, je grösser die liorizontal- 
ansdebnnn^ der betreffenden, {geraden Streeke ist, er 
fordert einen Kntseblnss, der nur auf Grund einer 
inebr oder weniger eingebenden I eberlegnng gefasst 
werden kann. Die geradlinige Anfangsstrecke ühj 
zeigt gleicber Weise an, dass beim Minimal-, be- 
ziebnngsweise Maximal]n*eise, der Uebergang zu einer 
Betriebs- und Lebensweise vor sieb gebt, bei wel- 
eber der Verkauf des Produktes A, beziebnngsweise 
der Ankauf des betracbteten Artikels, ganz ausge 
schlossen ist. 
Die in der Kostenknrvc Oa und in der Niitz- 
licbkeitsknrve Ou wabrgenommene Aufeinanderfolge 
gerader und krummer Strecken muss sieb natnrlicb 
ancb in den abgeleiteten Kurven — in der bei vor- 
tbeilbaftester Betriebs- und Lebensweise des betracb 
teten Individuums geltenden Angebotsknrve G« oder 
Nacbfrageknrve On' des Artikels A — wiederholen. 
Die gerade Anfangsstrecke Oh¡ ist in Fig. 29 a und b 
den Kurven Oa und Oa! oder Fig. 30 den Kurven 
Oll und Oll gemeinsam, während vom Funkte h, 
ab durch den Finffnss der krummen Stücke der Ver 
tikalabstand der Abgeleiteten von der ursprünglichen 
Kurve immer grösser wird. Die anderen geraden 
Strecken A«, u. s. w. der Kurven Oa und On
        <pb n="158" />
        122 
finden sich in den Ab¿»eleiteten Oa und On über 
denselben Abszissen in &lt;&gt;*enau gleicher Kiebtung und 
Länge, und zwar als Uadiusvektorstrecken i¡ Ag, ?g //.i 
n. s. w. wieder, während auch den zwisebenliegenden, 
kruninien Stüekeben h¡ij^ ebensolche in 
gleicher llorizontalansdebnnng, aber in vergrösserter 
Vcrtikalausdebming, entsprechen. Die so entstehenden 
gekrümmten Strecken /¿;?/, /4*2 Km ven 
Oa und 0)1 sind zugleich die zur Geltung kommen 
den Theile je einer Angebots-, heziehnngsweise Nach- 
frageknrve, bestimmter Hetriebs- und Lebensweise, und 
diese Kiirvenabsebnitte werden dmeb die Kadiiis- 
vektorstrecken, deren Hiebtungen jene Preise des 
Artikels A bezeichnen, bei welchen Aenderungen der 
Betriebs- und Lebensweise eintreten, begrenzt und 
untereinander verbunden. Obwohl diese kontiniiiilieben 
Kiirvenstreeken durch die sie beständig iinterbreeben- 
den, gleichsam fächerförmig aufeinanderfolgenden Ua- 
dinsvektorstreeken auseinandergeseboben erscheinen, 
zeigt die Angebots-, sowie die NaebtVagekurve, doch 
den früher (4) geschilderten Verlauf und besitzt die 
«•iiiiriikhoMstisebe, LiiTcnscbatt, (lass die Kadiusvektoiui 
in der ersteren immer steiler, in der anderen immei 
fiacber werden. Dies gilt vermöge ihrer Lntstebiings- 
art ganz ebenso auch von den Gesammtkurven des 
Angebotes oder der Nachfrage. Wir sehen nun schon 
in jeder Einzelangebots- und Naebfragekurve zahl 
reiche Eckpunkte i], 4 n- derselben Art, wie 
wir solche früher (8) nur bei der Kombination von 
Einzelkurven zu Gesammtkurven kennen gelernt haben.
        <pb n="159" />
        so (lass jede Angebots- und Naelifragekiirve ein säge- 
förmiges Aussehen erhält. 
29. Kleinste, markt übliche Mengeneinheiten. 
Wir haben früher (18) bemerkt, dass die ßenr- 
theiliing dessen, was noch als eine unveränderte He- 
triebs- und Lebensweise und was schon als Aenderung 
derselben zu gelten habe, innerhalb ziemlich weiter 
Grenzen dem subjektiven Ermessen des betrettenden 
Individuums anheimtälle. Wird nun die Auffassung 
einer bestimmten Betriebs- und Lebensweise immer 
enger und strikter, so werden schon geringfügige 
Modifikationen im Detail des Haushaltes oder Be 
triebes, die sonst anderen Familienmitgliedern oder 
dem Personale überlassen bleiben, als Aenderungen 
der Betriebs- und Lebensweise empfunden werden. 
Wir kommen dann zu Kurven genauer bestimmter 
Betriebs- und Lebensweise, welelie sieh zu den bis- 
her besprochenen Kurven bestimmter Betriebs- und 
Lebensweise ähnlieli verhalten, wie diese selbst zu 
den Kurven vortheiliiaftester Betriebs- und Lebens 
weise. Dadurch werden auch in den gebrochenen 
Linien der geringsten Herstellungskosten X/fyty . . . n 
(Fig. 27) oder der grössten Nützlichkeit . . . n 
(Fig. 28) die Eckpunkte immer zahlreicher hervortreten 
und in immer kleineren Horizontalabständen aufein 
ander folgen. Endlich wird man so weit kommen, 
in grossen wie in kleinen ITnternehmungen, in reichen 
wie in ärmlichen Haushaltungen jedem Stücke mehr
        <pb n="160" />
        124 
oder weniger eines noch so nnhedentenden, untlieil- 
baren Artikels, also selbst jeder Feile oder Zigarre, 
oder gar jedem Zündbölzeben und nicht minder aneb 
jeder noch so geringfügigen Aenderiing in der Zahl 
lind Art der Konsiim])ortionen eines tbeilbaren Ar 
tikels die Hedeutiing einer Aenderiing der Hetriebs- 
iind Lebensweise beiznlegen. Dadiireb wird der inner- 
balb einer unveränderten Betriebs- und Lebensweise 
für Mengenänderiingen irgend eines tbeilbaren Artikels 
frei bleibende Siiielraum zuletzt ganz versebwinden. 
In Wirklichkeit erfolgt nämlieb der Umsatz auch bei 
iinendlicb tbeilbaren Artikeln nach gewissen endlichen, 
marktüblicben Einbeiten, so dass wir es schliesslich 
bei jeder bestimmten Betriebs- und Lebensweise mit 
je einer bestimmten Zahl solcher Mengeneinbeiten der 
tbeilbaren Artikel gerade so, wie mit einer bestimmten 
Stückzahl jedes untbeilbaren Artikels, zu tbiin haben. 
ln unserer grajdiiscben Darstellung werden nun 
die gebrocbeneii Linien der geringsten 11 erste!lungs 
kosten und der grössten Nützlichkeit, die früher aus 
kontinuirlicben Kurvenabsclmitten zusammengesetzt 
waren, in eine Ueibe von Punkten zerfallen. Diese 
Punkte, welche in g leieben, der kleinsten, marktüblieben 
engeneinbeit des Artikels A ents])recbenden llori- 
zontalabständen aufeinander folgen, geben diireb ihre 
Ordinaten (Fig. 31 a und b) die geringsten llerstelliings- 
kosteii oder (Fig. 32) die höchste Nützlichkeit der be 
treifenden Anzahl von Mengeneinbeiten an. Von diesen 
Punkten können wir dann durch Wiederholung der 
obigen Betraebtungen in Fig. 31 alle jene aiissebeiden.
        <pb n="161" />
        125 
welclic liölicr liegen als die gerade Verbindungslinie, 
die zwiseben irgend welchen dieser Punkte gezogen 
werden kann, wobei der Nullpunkt als erster in dieser 
Reihe niitznzäblen ist. Wir erhalten so wieder eine 
Kurve (Ja und in ganz analoger Weise in Fig. 32 
eine Kurve On\ beide Kurven bestehen nunmehr ans 
lauter geradlinigen Elementen; aber diese polygonalen 
Kiif. 31 !i. 
Linien verlaufen doch, die eine konvex, die andere 
konkav. Von der Darstellung der Kurven (ki und 
(hl in Fig. 29 und 30 nntersebeidet sieb die jetzige 
darin, dass in Folge der genaueren,'man könnte sagen, 
mikrosko]&gt;iseben Untersnebung nun aueb jedes der 
dort kontinnirlieb gezeiebneten Knrvenstüekeben 
Juin n. s. w. in eine Reibe sehr kurzer, geradliniger
        <pb n="162" />
        120 
Elemente aufgelöst erseheint, wobei aneli die geraden 
Streeken Oh,, i,lh, »• s. w. kleine Aenderiingen 
ihrer lliehtnng und Lage erleiden können. Demgemäss 
zeigen min auch die Abgeleiteten — die Angebots- 
knrve Oci und die Naebtrageknrve On — zwischen 
ihren bald über nur eine, bald über mehrere Mengen- 
Fiff. 311). 
einbeiten binwegreicbenden Hadiusvektorstreeken mir 
lauter genau vertikale Stücke, indem nunmebr auch 
die früher Fig. 29 und 30 gezeiebneten, krummen 
Stüekeben h,i'„ n. s. w. wieder in eine Reibe 
entsiireebend feiner Zäbncben zerfallen. Der Umstand, 
dass die Angebotskurve mul die Nacbfragekiirve vor- 
tbeilbaftester Betriebs- und Lebensweise mm nebst
        <pb n="163" />
        127 
(len Hadiusvektorstreeken nur lauter ebenfalls gerade, 
nändieh vertikale, Elemente aufweisen, ändert jedoeb 
niebts an der cbarakteristiseben Eigenschaft dieser 
Kurven, dass jeder folgende Radiusvektor in Oa 
immer steiler, in On aber immer tlaeber gestellt ist 
als alle vorber^ebenden. Wir sehen in Fij»*. 32, dass 
Fig. 32. 
liM;: 
P !ÍÍi!Í 
A 
I' 
üüiMÜiiiii! 
die Zähne der Abgeleiteten (dierbalb der Abszissen- 
acbse spitzwiidceli^, unterhalb derselben aber stumpf 
winkelig sind, während der entgegengesetzte Verlauf 
der Kurven in Fi^. 31b die ^e^entbeilix;c Erscheinung 
mit sich brinj&gt;t und die Abgeleitete in Fij^. 31 a nur 
stum])fe Zähne auf weist. Wir bemerken ferner, dass 
nur solche Schwankungen im Preise Ö7^, die denselben
        <pb n="164" />
        128 
iil)cr (lie (Im-eli die nächst steilere lladinsvektorstreeke 
an^ejrebene Grenze steigern oder unter die nächst 
haehere Hndiusvektorstreeke herahdrUeken, einen Kin- 
huss auf die Men^e ausiil)en werden, die das he- 
traehtete Individuum von dem Artikel A verkaufen 
oder ankaufen wird. Alle innerhalb der hezeielineten 
Grenzen hleihenden Preisänderun&lt;»en des Artikels A 
werden daher ohne eine Aenderun^' der )len^e nur 
eine ^enau proi)ortionale Aenderuno* des Erlöses, ¡be 
ziehungsweise des Aufwandes, mit sieh bringen. 
Bei allen Artikeln, deren kleinste, marktiihlielie 
Mengeneinheit im Vergleiehe zur Jahresmenge eine 
sehr geringe ist, werden die polygonalen Linien Oa 
(Fig. 31) und On (Fig. 32) von kontinuirliehen Kurven 
kaum zu unterseheiden sein; ebenso nähern sieli die 
gezahnten Abgeleiteten immer mehr einer kontinuir 
liehen Kurve, welche durch die aufeinanderfolgenden, 
rechtsliegenden Endpunkte der Uadiusvektorstreeken 
der Kurven Oa[ und On' (Fig. 31 und 32) zu ziehen 
ist. Doch werden auch in diesen Kurven nur die 
kleinen Ecken und Zähne der Ahgeleiteten ver 
schwinden, während etwaige grosse Zälme, deren 
Uadiusvektorstreeken jene Preise angehen, hei uelelien 
mit Uehers])ringung zahlreielier, zwisehenliegendei 
Klengen einschneidende Aenderungen in der llerstel- 
lungs- oder Verwendungsart des Artikels A vorge 
nommen werden, auch hier ersichtlich hleihen. Da 
durch kann auch die kontinuirlich gezeichnete Kurve 
Oll zwei oder mehrere, deutlich auseinander tretende 
Scheitel aufweisen, wie wir dies früher (8) nur hin-
        <pb n="165" />
        129 
siclitlicli (1er Gesaiimitnaclifra^ekiirve liervor^elioben 
liabeii. A\ enii wir uns also im Kapitel 1 oder aueli 
.sonst »ele^rentlieli erlaubt haben, abgeleitete Kurven 
völlin- kontinnirlieb zn zeiebnen, so ist dies mir als 
eine sebeinatiselie Darstellung’ anznseben. 
Hei einem Artikel da^e^en, dessen Jabresmenoe 
nur wenige Men^eneinbeiten umfasst, können die dent- 
lieli i)olyj»’onalen und orob ^ezabnten Kurven keines- 
we&lt;»s dnreli kontinnirlieb &lt;»ezeielmete ersetzt werden. 
Dies ifilt von Artikeln, wie Sebnben, Hüten, fertigen 
Kleidnno’sstneken oder in einfaeben llansbaltnnoen 
aneb von Cbamjia^ner mul anderen tbeneren Flascben- 
weinen, da der Jabreskonsnm des Einzelnen sieb in 
der Heo-el auf eine massige Stiiekzabl beschränkt. 
Die ff rosse Vertikaldimension der einzelnen Zähne der 
ant einen soleben Artikel bezoffenen Einzelnaelifraffe- 
knrve briiifft den Umstand znm Ansdrnek, dass liier 
der Jabreskonsnm innerhalb ziemlieb weiter I’reis- 
ffrenzen nnverändert bleibt, mul dass erst einseimei 
dende l*reisändernnf»’en die Jabresmenffe beeinflussen. 
Die analoffe Ersebeinmiff wird sieb in der Aiiffebots- 
knrve bei den anf»efiibrten Artikeln nicht wiedertinden, 
wol aber dort, wo ein Stück seboii einen erbeblielien 
Tlieil der Jabresiirodiiktmeiiffe des Einzelnen bildet, 
wie dies bei Ju)komobilen, landwirtbsehaftlieben Ma- 
sebinen n. dffl., die nach «»ewissen Tyjien auf Eaffcr 
ffearbeitet werden, der Fall ist. Damjifmasebinen, 
\\ affen oder aneb Kleider und Selmbwerk naeb Mass, 
die nur ant Hestellmiff berf»estellt werden, f*ebören 
als Einzelobjekte nicht bierber. 
Augpitz u. Lieben. Untergiich. üb. d. Theorie d. l'reineg. 1)
        <pb n="166" />
        130 
'M). Die (iesamiiitknrveii als ])oly^onale Linien. 
Vcrtblj^cii wir nun wieder die Kornl)iiiatioii der 
Kiiizelkiirveii zu Gesaiumtkurveii, so ist dies mir inö»- 
lieli, wenn alle zu koiuliiuireudeu Kiiizelkurven sieh 
auf ideutiseh den gleichen Artikel, wie ein solcher 
früher (25) gckeiiuzeichiiet wurde, hezieheii, und wenn 
ihnen allen die gleichen, gegehencn 1’reise aller anderen 
Artikel zu (irunde liegen. Dies alles muss auch hin 
sichtlich der einander gcgenUbcrznstellenden Gcsainnit- 
knrven gelten. 
Hei der Koinhination von Einzelkosten- oder Niitz- 
liehkeitsknrven muss sieh jede, in einer derselhen 
vorkoniniende, geradlinige Strecke in der hetrettenden 
Gesaninitknrvc in genau gleicher Richtung und Länge 
wiederfinden. Das Gleiche gilt von den Radinsvektor- 
streekcn der Abgeleiteten. Wenn zwei oder mehrere 
Einzelknrven irgend eine Strecke genau gleicher 
Richtung enthalten, so wird in der Gesammtknrve 
eine parallele Strecke so lange, wie die Snnime der 
Einzellängen, anftreten. In solchem Falle hat die he- 
tretfende, längere, geradlinige Strecke der Gesammt 
knrve keineswegs die Hedentnng, dass alle zwisehen- 
liegenden Mengen nicht nmgesetzt werden können, 
ähnlich wie es auch in den Einzelknrven Oa und (hi 
(Fig. 31 und 32) Vorkommen kann, dass mehrere 
Punkte der Pnnktreihe in dieselbe gerade \ erhindnngs- 
linic fallen. Sehr häufig dagegen werden sieh hei der 
Kombination zwischen zwei aufeinanderfolgende, gerad-
        <pb n="167" />
        131 
Strecken irgend einer Einzelkosten- oder Xiitz- 
lielikeitsknrve eine oder mehrere Strecken anderer 
Einzelknrven einseliieben, welche steiler als das daehere 
lind daeher als das steilere der heidcn Naehhareleniente 
verlaufen. Daher kommt es, dass der ¡mly^onalc Form- 
eharakter, den wir in letzter Auflösung jeder Einzel 
kosten- oder Niitzliehkeitskiirve ziisehreihen mussten, 
in den Gesammtkiirven noch viel weniger hemerkhar 
ist. In den ah^eleitetcn Kurven macht sieh die Ein- 
sehiehnn^ von Kadiiisvektorstreeken dadurch auffälliger 
hemerkhar, dass überall da, wo eine solche Einsehie- 
hnno- stattdndet, eine Vcrtikalstrecke nnterhroehen und 
dadnreh auch verkürzt werden muss. Fi^. 33 macht 
dies an der Kombination zweier Einzelnaehfra^eknrven 
On] lind On'a ersichtlich und lässt erkennen, dass 
die Xahnnn^ der Gcsammtkurve ON' noch viel feiner 
anstallen würde, wenn noch mehr Einzelknrven zur 
Kombination kämen, weil die \ ertikalstreeken nicht 
nur relativ, sondern auch absolut kürzer werden; das 
Gleiche ^ilt natürlich auch von der Gesammtan^ehots- 
kurve. Es werden jedoch jene Preise des Artikels 
y1, welche einschneidende Aendernn^en der Hetriehs- 
nnd Lebensweise hei einzelnen und namentlich grös 
seren Käufern oder Verkäufern herheiführen, auch in 
der Gcsammtkurve durch lan^e Hadiusvektorstreeken 
aiittälli&lt;r hervortreten. Insbesondere ^ilt dies von 
jenen Strecken der (iesammtkurven, die von den A li 
tan «»sst reck en der Einzelknrven herrühren, die also 
die völlige Einstellung' des Kaufes oder Verkaufes 
seitens der hetretfenden Individuen anzei^en. Ferner 
' 9*
        <pb n="168" />
        132 
wird die Gesamintkostenkurve unter die Abszissen- 
iielise lierabreielien, sobald die Aiitaii&lt;»sstreeke aueli 
mir Kiner der Einzelkosteukiirven, wie Fi*;'. 2b b oder 
31 b, naeli abwärts ^eriebtet ist. 
Wir haben trüber (5) ^eseben, dass der Preis 
und Absatz irgend eines bestimmten Artikels A dnreb 
den Sebnitt der auf denselben bezogenen (iesammt- 
knrven OA' und ON' des An^^ebotes und der Naeb- 
fra^e bestimmt wird. Hetraeliten wir nun mit Hiick- 
Fiif. 88. 
siebt auf die jetzt gewonnene Kenntniss der letzten 
Formelemente dieser Kurven ibr Znsammentretfen »e- 
naner, so zeigen sieb versebiedene Fälle, die wir in 
den folgenden Figuren ersiebtlieb maeben; dabei stellen 
wir der Dentliebkeit we^en nur die dem Sebnitt]mnkte 
näebst ^ele^enen Uadinsvektor- und Vertikalstreeken 
der Gesammtknrven des Angebotes und der Xaebfra^e 
in ver^rössertem IMassstabe dar, und zwar zur leieb- 
teren Fntersebeidnn&lt;&gt;- die erste re Kurve rotb, die 
zweite sebwarz. ln den vier Fällen der Fi&lt;&gt;'. 34 ist
        <pb n="169" />
        133 
(1er Absíitz ^enau bestiinnit, wâlireiid (1er Prein iimer- 
balb (1er diireli die Punkte c¡ und aii^e^ebeiieii 
(kreuzen unbestimmt bleibt und nur dureb Feilseben 
festjíostellt werden kann; die Piebtun^en der reebts 
miebsttol^enden Kadiusvektorstreeken bezeielmen die 
Preise, zu denen ein Mebniuantum zu kaufen und zu 
verkaufen ¿¡^esuelit wird, also den Untersebied zwiseben 
„Geld und Ware“. In den Figuren 35, 3G und 37 
Fi&gt;. M. 
Cs 
Cm 
baben die beiden Kurven eine gemeinsame Padius- 
vektorstrceke, so dass der Preis bestimmt erseheint. 
Die beiden Kurven haben in den vier Fällen (Fig. 35) 
aueb je eine Vertikalstrecke gemeinsam, so dass auch 
die Alende bestimmt ist, während in Fi^. 3G zwei 
Vertikalstrecken zusammentällen, und daher zwei Ab- 
satzmen^en möglich sind. In Fi^. 37 baben die Kurven 
keine gemeinsame Vertikalstrccke, so dass eine Fini-
        <pb n="170" />
        134 
j&gt;un^’ über die Absatzmeii^e immö^lieb ersebeiiit. lii 
Fi^. 38 endlieb haben die beiden Kurven mir Einen 
Funkt geineinsain; dennoeb ist eine Ucbereinstinnnnn^' 
Fig. 35. 
weder liinsiebtlieli der Menj&gt;e, noeb liinsiebtlidi des 
Freises vorhanden. Tritt jedoeli der oben erwälinte 
Fiff. 3(). 
c» 
Fall ein, dass aneb solebe IMen^en nni^esetzt werden 
können, die dureb eine Radinsvektorstreeke nber^an- 
o'cn ersebeinen, so kann in Fi^. 38 Menge und Freis
        <pb n="171" />
        135 
¿»eimii I)estiiniiit «ein; in 37 kann zu dem aus der 
sieh ergebenden Ih’eise eine Kini^^nn^ Uber die 
Fiff. 87. 
Men¿»e erzielt werden, während sieb wie in Fig. 36, 
nun auch in Fi¿^. 35 die Möj^liebkeit versebiedener Ab- 
Fiff. .88. 
satznien^en ergeben würde. Wir sehen also, dass sieb 
bei der genauen Festsetzung des Preises und der Ab-
        <pb n="172" />
        satzimMií*e der Eiiiduss des Individuums ¡felteml uiaelit. 
Sobald sieh miii der Eiuzeluc seines Eiufiusses auf die 
Preishilduu^- bewusst wird, liört er auf, sieli unserer 
Voraussetzung" gemäss so zu verlialteu, als ob er 
auf «;egebeue Preise uiebt nur der anderen Artikel, 
sondern aueb des Artikels A recbnen könne. In 
weleber Weise und innerhalb weleber Grenzen dann 
der Einzelne auf den )larkt])reis einzuwirken vermag-, 
werden wir später noch untersuelien.
        <pb n="173" />
        III. 
Das koiisuinireiide Individiiiim 
I 
■r r
        <pb n="174" />
        m 
-ff:"?
        <pb n="175" />
        Die Lebensgenusskurve. 
.‘Jl. Die Nützlichkeit eines Artikels und der ^esammte 
Konsuln. 
Die auf irgend einen bestiniinten Artikel l)e%n^ene 
Kosten- oder Niitzlielikeitsknrve eines ¿»e^elienen, 
wirthscliaftlicheii Individuums beruht, wie mebrfacb er 
wähnt, auf der Voraussetzung, dass dieses Individuum 
in voller Kenntniss der Preise aller anderen Artikel 
seinen ^esammten Jahreskonsum, sowie seine etwaige 
eigene, ]u*oduktive Leistung stets auf das Vortheilliaf- 
teste einriehte. t in nun aber den EinÜiiss einer Aende- 
run^ aueh nur eines der als ^e^^ehen vorausgesetzten 
Kleniente auf die (lestait der Kosten- oder Xützlieh- 
keitskurve verfolgen zu können, ist eine weitere Unter- 
suehun^' noth wendig. Wir herinnen diese an der Niitz- 
liehkeitskurve, weil jedes Individuum, das jiroduzirt, 
aueh konsumiren muss, die Produktion sieh daher 
nieht mit Aussehluss der Konsumtion behandeln lässt, 
während ein Konsum ohne Produktion, wie wir dies 
hei Pensionisten, Rentnern u. s. w. sehen, ^anz wol 
mö^lieh ist. Bei einem sol eh en Individuum bleibt die 
Nützliehkeit, die dasselbe einer bestimmten Jahres-
        <pb n="176" />
        uo 
meiij»c irgend eines Artikels keilest, zwar von dein 
Einflüsse produktiver ddiäti^keit frei, sie ist aller von 
dein ganzen, iiliri^en Jalireskonsuni aliliän^^i^- und lässt 
sieh nur iin /Cusaniuienlian^e mit diesem feststellen. So 
wird die Nützlielikeit, die jemand einem liestimmten 
Jaliresquantum, z. B. von Brod, keilest, eine sekr ver- 
sekiedene sein, je nackdem nekstkei auek noek viel 
oder Aveiiig- oder ^*ar kein El ei sek genossen wird, und 
ekenso wird die Nützlielikeit jedes Nakrun^sniittels 
nielit minder davon keeintlusst, ok der Betreffende 
durek Kleidun»*, Wolinun^, Bekeizun^* ^e^eii die I n- 
kildeii der Witterun»* mekr oder weniger »ut »esekützt 
ist. Aller auek alle sonstigen Ei»*eiilieiten des Indi 
viduums und seiner Eekensweise maelien sieli »eltend; 
es ist nielit gleieli¿&gt; iiltiji,*, ok dasselke lekkafte Bewe^un»* 
maelit oder die Buke liekt; ok es »eisti»*e Beseliäfti»‘uii^* 
oder andere \ er»nü^un»*en vorzielit; ok es en^lierzi»' 
oder ^rossmütki»' ist; ok es mekr oder weniger lie 
st relit ist, etwas für die Zukunft zu erükri»‘en u. s. w. 
Der Konsum eines kestimmten Artikels ist niemals 
Selkstzweek; er tritt erst im Zusanimenlian»e mit dem 
»esammten Jakreskonsuuie des Individuums in seiner 
rieliti»*eii Bedeutun»* liervor, und der ^esanimte .lakres- 
konsum kildet ein (ianzes, das dem einzigen Zwecke 
dient, dureil seine angemessenste Eintlieilun^* dem 
Individuum die ^Tösstmö^lieke Befriedi^^un»* zu ver- 
sekaiten. 
Eine kestimmte Jaliresmen^e irgend eines Ar 
tikels A kann demnack nur dadurek eine Nützlielikeit 
»ewälireu, dass sie die Befriedi»un»' des Individuums
        <pb n="177" />
        141 
zu Nfci^cru vermag. Die XUtzliclikeit stellt also nicht 
die «çaiize Befriedigung', wol aber den Befriedi^un¿(s- 
zmvach.s dar, welcher durch den Konsum des Artikels 
A ohne Rücksicht auf den hierfür erforderlichen Auf 
wand hei zweckmässi^ster Kombination des ^esammten 
Konsums erzielt werden kann. Müsste für die kon- 
sumirte )len^e von A deren voller Gehrauchswerth 
bezahlt werden, so würde keinerlei Befriedi»unos- 
zuwachs übri^' bleiben, und die Befriedigung- wäre 
dann gerade nur die gleiche, die auch bei Ausschluss 
des Artikels A erreicht werden kann. 
112. Die BcfriíMliiíiiiiií bei ei her bestimmten Konsiim- 
kombinatioii. 
Die Feststellung- der Nützlichkeit irgend einer 
.Jahresmen^e eines bestimmten Artikels A erfordert 
also, wie wir sehen, die Vergleichung der Befriedigung-, 
welche die beim Konsume dieser ^len^e vortheilhafteste 
Kombination des ^esammten Jahreskonsumes gewährt, 
mit jener Befriedigung, welche auch bei Ausschluss 
des Artikels A erreicht werden kann. Wir müssen 
daher vorerst die Befriedigung in ihrer Abhängigkeit 
von der jeweiligen Kombination des ^esammten .Jahres 
konsumes behandeln, und es muss zu diesem Zwecke 
die Konsumkomhination seihst noch weit genauer 
in allen Einzelheiten fest^estellt sein, als dies hin 
sichtlich der Lebensweise auch bei der striktesten 
Auffassung, die wir ihr früher (2‘J) ^e^eben haben, 
geschehen ist. Vor allem muss daher die Qualität
        <pb n="178" />
        142 
aller, ill (1er Koiiibiiiatioii erselieiiieiiden Artikel auf 
(las Genaueste liestiiuiut sein. Ifiiisielitlieli jedes Ver- 
brauclisartikels ^eiiü^t es iiiebt, dessen Jabresuieu^e 
zu keiiueii, sondern es muss aneb deren Vertbeilnn^ 
auf die einzelnen, naeli Zahl und Art &lt;»enan bestiinniten 
Konsnmportionen ^e^eben sein. Dabei sind aneb die 
Nntznn^en aller bloss ^einietbeten Gebranebs^e^en- 
stände, ferner die Leistnn&lt;j^en des Gesindes, der 
Lehrer, Aerzte n. dgl. den Verbranehsartikeln znzn- 
zäblen, nicht minder aneb alle, mit Geldaufwand ver 
bundenen Ver»nno*nn&lt;4en, zu welelien aneb die He- 
tbäti^nnj&gt;- der Näebstenliebe und des Gemeinsinnes 
l^ebört. Ilinsicditlieb jedes Gebranebsartikels muss 
niebt mir die Zahl und Art der neu aiiznkanfeiiden, 
sondern aneb die Zahl und der Abniitznn^sznstand 
der am He¿»inn des betraebteten Jahres etwa schon 
vorhandenen Stiudee ^i%eben sein; die Konsumkom 
bination ist nur dann vollkommen fest^estellt, wenn 
die Zahl der im Laufe des Jahres naebeinander oder 
nebeneinander in Benntznn^' stellenden Stücke und 
die Art dieser Benntznn^' so ^enan bestimmt sind, 
dass sieb daraus die Zahl und der Lrbaltnn^sznstand 
der am Scblnsse des Jahres verbleibenden Stücke 
von selbst ergibt. So muss z. 11. bei Kleidern und 
Wäsche nebst der Zahl und llescbattenbeit der am 
lle^'inn des Jahres vorhandenen und der anznkanfenden 
Stücke aneb noch bekannt sein, wie oft jedes Stück 
zur Henütznn»- kommt, wie lan^e jede einzelne lle- 
nütznno- dauert, welcher Grad von Sorgfalt auf die 
Keini^nn«’ und Instandbaltnn^' verwendet wird n. s. w.
        <pb n="179" />
        143 
Sänniitliclic zur Eiiiriclitunfr ^cliürcndcH 
Howie (1er etwaige Haus- oder Griiudbesitz ii. s. w. sind 
zu den (^el)rauclisartikelu zu zäldeii; ferner muss aber 
aueli der Hesitz au ertbj)aj)iereii und sonstigen Kaj)i- 
talsaida^eu, Gebalts- und Pensionsansprüclie u. d^l., 
gegeben sein, so dass bei jeder bestimmten Konsum- 
kombiuation auch schon das Einkommen des Indivi 
duums bekannt sein wird, wogegen seibstverständlieb 
aueb die etwai((en Lasten nicht zu übersehen sind. 
1 )ie Feststellung der Konsumkombination eifordert 
ferner, dass auch die ^anze Zeiteintbeilun^ des be 
trachteten Individuums ^enau bestimmt sei, weil die 
Hefriedi^un^ durch den ^esamniten Konsum auch von 
den mit keinerlei Geldaufwand verbundenen Annebm- 
licbkeiten und anderseits auch von den etwaigen Fn- 
annebmlicbkeiten ablnin^t. Keine Konsumkombination 
ist von I nannebmlicbkeiten ^anz frei, da jedermann, 
Menu wir auch von der Anstrengung einer ])roduktiven 
1 büti^keit vorderhand ^anz abseben, doch gewisse 
bäuslicbe Arbeiten selbst verrichten oder doch deren 
Leistuiiir durch andere anordnen und überwachen muss. 
Es erfordert Mühe und Sorgfalt, reberscbreituniren im 
Konsum der Verbraucbsartikel und in der Abnützung 
der Gebrauchsartikel bintanzubalten; ohne diese Sor^- 
talt würde die Grösse und Hescbatfenbeit des am 
Schlüsse des Jahres verbleibenden Besitzes sieb andern, 
und dann würde die Konsumkombination nicht mehr 
dieselbe sein. 
Von grossem EinÜnss auf die Befriedigung sind 
auch die pliysiscben, ^eisti^en und moralischen Ei^en-
        <pb n="180" />
        144 
schäften niclit nur der Faniilienan^eliöri^en des be- 
traeliteten Individunnis, sondern aueli aller andern in 
dessen Haushalt vereinigten Personen, so dass zur 
Feststellung einer Ivonsinnkoinhination auch in dieser 
11 insieht die genaueste Präzisirung erforderlieh ist. 
Die Naturalbezüge der Hausgenossen gehören mit zur 
Konsninkonihination des Fainilienoherhau])tes, ebenso 
deren Zeiteintheilung, soweit das letztere hierauf Kin- 
tluss nimmt; nicht minder kommt auch die Zufrieden 
heit dieser Personen in Betracht, da \ erdrossenheit 
und Willigkeit einen Untersehied in der Qualität der 
Leistung mit sich bringen. Die selbstständige Ver 
fügung der Hausgenossen über die Barhezüge, welche 
den Preis ihrer Leistungen bilden, und über ihre freie 
Zeit hat dagegen mit der Konsnmkomhination des 
Familienoberhauptes nichts zu sehatfen. 
X). Die Yorthcillmftosto KoiiHimikoiiibiiiatioii. 
Die Befriedigung, die irgend eine bestimmte 
Konsnmkomhination hervorhringt, hängt keineswegs 
bloss von den mit ihr verknüj)ften Annehmliehkeiten 
und Fnannehmliehkeiten, sondern ganz wesentlich auch 
von dem Kintlnsse ah, den sie durch den erforder 
lichen Aufwand im Fntgegenhalte znm Finkommen 
und durch die mit ihr verbundene Abnützung der 
(iehrauehsartikel auf das am Schlüsse des betrach 
teten Jahres dem Individuum verbleibende \ ermögen 
ansüht. Wenn es auch schwer wäre, die ganze Be 
friedigung, welche ein gegebenes, wirthsehaftliehes
        <pb n="181" />
        145 
Iiulividuuin bei irgend einer bestimmten Konsnmkom- 
bination em])tindet, in Geld zn bemessen, so ist es 
doeb klar, dass, wenn z. B. dnreb \ erwolt'eilnn^' eines 
zn dieser Kombination ^eböri^en Artikels das sebliess- 
lieb verbleibende Vermögen nm einen gewissen Geld 
betrag steift, aneb die Befriedij»nn«»- znnebmen muss. 
Diese Befriedi^nn^sznnabme wird diesem Geldbeträge 
genau ents])reeben, sofern wir annebmen dürfen, dass 
die Vermebrnng der scbliesslieben Vermögensinventiir 
die subjektive Wertbscbätznng des Geldes seitens 
des in allen seinen Eigensebaften und in seinem an 
tanglieben Besitz genau bestimmten Individuums un 
berührt lasse. Unter dieser stets festzuhaltenden 
Voraussetzung wird aber ein solebes Individuum 
aneb in der Lage sein, den Untersebied der bei ge 
gebenen Preisen aller Artikel aus versebiedenen Kon 
sumkombinationen bervorgebenden Befriedigung in 
Cteld zu bemessen. Ist nämlieh aneb die \\ aid 
zwiselien zwei versebiedenen Konsumkombinationen 
mit Hüeksiebt auf deren Annebmliebkeiten und Un- 
aniiebmliebkeiten, sowie auf die in beiden Fällen 
sebliesslieb verbleibenden \ ermügensin\ enturen, sonst 
ganz zweifellos, so wird sieb doeb immer ein Geld 
betrag feststellen lassen, dureb dessen Aufzahlung 
seitens einer fremden Person die eine Seblussinven- 
tur soweit aufgebessert werden könnte, dass die Betrie- 
digung in beiden Fällen wieder die gleiebe würde. 
Bei dieser Bemessung des Unterschiedes der mit ver 
sebiedenen Konsumkombinationen verbundenen Betrie- 
digung maeben sieb alle jdiysiseben, geistigen und 
le 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 
10
        <pb n="182" />
        140 
luoralisclicii Ei^eiiscliaftcii des riidividmiins, seine Be 
dürfnisse, Nei^nn^en und (iewolndieiten und über 
dies aneil noeli die Grösse, die Art und Besebatfen- 
beit seines anfä unlieb en Besitzes geltend. Zn&lt;»leieli 
konnnt dnreli diese l^einessnno; ancli die von denselben 
Faktoren abbän^i^e, individuelle Wertbsebätziin&lt;&gt;’ des 
Geldes zmn Ansdriiek. Der anfäno-licbe Besitz, z. B. 
eines bestimmten Wobnbanses, wird es mit sieb bringen, 
dass in der Ue^^el nur solche Konsnmkombiiiationen, 
welche den Besitz eben dieses Hanses in sich schliessen, 
üherhanjit in Betracht kommen, während eine Konsnm- 
kombination, welche darauf hernht, dass dieses Hans 
verkauft, da^e^en eine andere Wohnung-, vielleicht 
so^ar in einer anderen Stadt, ^emiethet und etwa 
Wertbpapiere gekauft würden, mir unter j&gt;-anz ansser- 
»•cwöhnlichen Umständen in Frwä^nn^' ^ezo^en wer 
den wird. In gleicher Weise, wenn aiieh in sehr ver 
schiedenem Masse, macht sich bei Bemessung- des 
Unterschiedes der mit verschiedenen Konsnmkombi- 
nationen verbundenen Befriedigung' der anfängliche 
Besitz jeder Art, also auch an Finrichtnn^sstücken, 
Kleidern, Wäsche n. s. w. bis zmn kleinsten herab 
»eltend. Für jedes solcher Art, nicht mir in seinen 
jiersönlichen Fi^enschaften, sondern auch in der 
Grösse und Vertbeilnn«»' seines anfänglichen Besitzes 
&lt;*enan hestimmte, wirthschaftlicbe Individiimn wird, 
wenn die Preise aller Artikel ohne Ausnahme i»'ej*e- 
ben sind, unter zahllosen mö^&gt;lichen immer mir Fine 
die vortheilhafteste Konsnmkombination sein, 
welche die i&gt;'rösste Befriedigung gewährt. Jede Ab-
        <pb n="183" />
        10* 
147 
wei(*liun&lt;j^ vou dieser Koiiibinatiou würde entweder 
nur uuau^eueluu oder zwar an sieb an^enelnn sein, 
doch würde dieser Vortbeil dureb die erforderlielie 
Meliranslafj^e, welelie eine Selnnälernn^ der sebliess- 
lieben Vennö^ensinventurlierbeifübrt, oderdiircli andere 
sieli ergebende Unannelmdiebkeiten mehr als anfge- 
wogen werden. So würde eine Vennebrnng der Kon- 
sninj)ortionen eines Verbranebsartikels oder die Er 
setzung aueb nur einer kleineren dureb eine grössere 
Eoition entweder einen zu grossen Mebranfwand oder 
bei Festbaltnng der gleicben Jabresnienge die iininer 
besonders unangenebin eni])fnndene Nötbignng karger 
Heniessnng der einzelnen Portionen zur Folge haben. 
Ebenso würde jede Vennebrnng der Zahl der Be 
nutzungen irgend eines Gebraucbsartikels oder eine 
Verlängerung der Dauer auch nur einer dieser Be 
nutzungen die scbliesslicbe Vennögensinventur beein- 
träebtigen oder, wenn die Jabresvernutzung des be 
treffenden Gegenstandes unverändeid bleiben soll, zu 
peinlieber Sorgfalt bei jedesiualigeiu Gebrauebe nötbi- 
gen. Eine an sieb wünscbenswertbe, gesteigerte 
Leistung des Gesindes bringt die Fnannebndiebkeit 
mit sieb, die betreffenden Personen hierzu aidialten 
zu müssen und bei denselben Verdrossenheit zu er 
regen. Jede Aenderiing der Zeiteintlieilung zu Gunsten 
irgend einer Besebäftigung oder eines Genusses kann 
nur durch Beschränkung der für andere Zwecke ver- 
tugbaren Zeit erzielt werden u. s. w.
        <pb n="184" />
        148 
,‘U. Der LclKMiH^oiiiiss und die Anfun^Hl)efncdi^nn^. 
Um mm den Einfiiiss weeliselnder Mengen eines 
bestinmiten Artikels A auf die Hefriedi^'un^-, die ein 
^e^ebenes, wirtlisehaftliclies Individuum em])tindet, 
verfolgen zu können, stellen wir uns vor, dass dem 
selben, während die Preise aller anderen Artikel ^e- 
^eben seien, irgend eine Men^e von A unent^eltlieb 
zur Verfii^un&lt;»‘ stehe. Dabei nebmeu wir an, dass 
diese Men^e nur zum Zweeke des diesjährigen \'er- 
b rau eh es mit Aussebluss jeder Vorratbsbaltung bei 
gestellt werde, und dass das Individuum aiieli an- 
fänglieb keinerlei Vorratb von A besitze. Eben 
darum besebränken wir uns zunäebst auf \'erbrauebs- 
artikel, weil bei (Jebraiiebsartikeln niebt wol davon 
abgesehen werden kann, dass zumeist ein Vorratb 
sebón gebrauebter, aber noeb niebt ganz verbrauebter 
Stiieke übrig bleibt, und dass ein soleber aueb am 
Beginne des Jahres sehon vorhanden sein wird. Das 
Individuum hat dann hei jeder bestimmten Menge x 
des Verbrauebsartikels A immer noeb die Wald 
zwiseben vielen versebiedenen Konsumkombiiiat'onen, 
welebe sehr versehiedene Mengen der anderen Arti 
kel und versehiedene Verwendungsarten derselben 
Menge x von A mit sieb bringen; doch wird 
von allen diesen Kombinationen immer nur je ICine 
die vortbeilbafteste sein. Eben diese für den \ er- 
braueh der Menge x von A geeignetste Kombi 
nation bleibt aber — so lange die individuelle
        <pb n="185" />
        140 
WertliHcliâtziiiiíç des Geldes als iinveränderlieh ange 
nommen werden kann — a lieh dann die vortlieilliafteste, 
wenn die Men«(e x statt iinentgeltlieh mir zu irgend 
einem Preise fgi}- erhältlieh wäre. Unter der eben 
erwähnten Voraussetzung reduzirt sieh nämlich ebenso, 
wie die schliessliehe Vermögensinventur, auch die Be 
friedigung hei allen, dieselbe Menge x von A ent 
haltenden Kombinationen um den gleichen Aufwands- 
hetrag xAgih 
Die Befriedigung nun, welche die für die Jahres 
menge X des Verhraiiehsartikels A geeignetste Kon- 
sumkomhination ohne Biieksieht auf die Bcsehatfiings- 
kosten dieser ^lenge bietet, nennen wir den Lebens 
genuss, den eben diese Stenge gewährt. Wir können 
dann in gleicher Weise für jede Jahresmenge des 
hetraehteten Verhraiiehsartikels den Lebensgenuss aut- 
stellen, und endlich auch jenen, den die Menge Null 
bietet, und das ist die schon oben erwähnte, auch 
ohne den Artikel A erreiehhare Befriedigung, welche 
aus derjenigen Konsumkomhination hervorgeht, die 
unter allen, hei Ausschluss von A Uherhauid mög 
lichen die vortheilhafteste ist. Diese Betriedigung 
nennen wir die Anfangshefriedigung. Da wir mm 
schon gesehen haben, dass die Nützlichkeit irgend 
einer Jahresmenge eines bestimmten Artikels A den 
Befriedigungszuwachs angiht, den der Konsum dieser 
Menge ohne Hücksicht auf die Kosten ihrer Besehat- 
fung hervorhringt, so ist es klar, dass wir den mit 
der hetrettenden Menge verbundenen Lebensgenuss 
erhalten, wenn wir die Anfangshetriedigung zur Nütz-
        <pb n="186" />
        liclikeit liiiizufÜj)eii, sowie dass uingekelirt die Nütz- 
lielikeit dersell)eii Alende iiielits anderes ist als der 
um die Anfauß^sbefriedi^nn^- verminderte j.ehens- 
¿»eniiss. 
155. Verlauf der Lebeiisgeiiusskurve. 
Wenn wir in Fi^. 3Í) über dem Nnlljmnkt die An- 
fan^sbefriedi^nn^' Oh und über jeder anderen Abszisse 
den mit dem Konsume der betreitenden dabres- 
men^e x des Artikels A verbundenen Lebensgenuss 
als Ordinate anftra^en, so werden wir eine im all 
gemeinen unrej»elmässi^- verlaufende Funktreibe er 
halten, deren Ordinaten diirebaus um Oh länger sind 
als jene in Fi^\ 32. Wir können dann, statt wie 
dort vom Nulljmnkte, jetzt vom Funkte l&gt; ausgehend, 
im übrigen aber in ^anz ^leieber Weise verfahren, 
um die nnzweekmässi^en Alenden ansznsebeiden, und 
erhalten so eine konkave Kurve h&lt;j, die Lebens- 
^ennssknrve, bezoj»-en auf den Artikel A. Dieselbe 
Kurve ergibt sieb aiicb, wenn wir die Nützliebkeits- 
kurve On (Fij&gt;-. 32) ])arallel mit sieb selbst um die 
Län^e Ob liinanfsebieben, während wir uns nm«»e- 
kelirt aneli die Nützlielikeitskurve On dadureh ent 
standen denken können, dass die Kurve hg um die 
Län^^e Oh berab^eseboben wird. Da sieb die Kur 
ven hg und On nur dureb ihre Höbeida^e unter 
scheiden, lässt sieh die Naclifra^ekurve On ebensowol 
aus der Kurve hg^ wie aus der Kurve 0%, ableiten. 
Jede Ordinate der Lebens^ennsskurve J&gt;g bezeielmct 
zugleich die Befriedigung bei der für den Konsum
        <pb n="187" />
        lõl 
(1er betreffeiideii Menjçe von A geeignetsten Kon sum- 
kOinlnnation, wenn diese Meiif^e nnent^eltlieh zur \ er- 
tü^nn^r stünde. 1st dat^e|*‘en der Artikel A nur zum 
Marktpreise t^i9 zu haben, so dass sieb die Betrie- 
di^un^' um den entfallenden Aufwand x.tg 0^ ver- 
Fig. 89. 
B. 
rindert, so wird dieselbe dureb den Vertikalabstand 
der Lebens^enusskurve hg von dem Sebnittpunkte 
der Naebfraji^ekurve On mit der Breislinie Ol 
dar^estellt. Wir sehen also, dass sieb die Btfiiedi 
^untf aus der Anfan^sbefriedit^imtf Oi&gt;
        <pb n="188" />
        152 
mit (lern Konsum einer iMen^e x von A beim 
I’reise tg ih verl)un(Ienen Befric(lij&gt;;iing*szuwaelis zu 
sammensetzt, und dieser letztere, der diireli den \ er- 
tikalabstand der Kurven On und On' dar«» estel It 
wird, ist nichts anderes als der von uns schon früher 
behandelte Nutzen der Konsumtion eben dieser Men^e 
des Artikels A. Dabei ist nicht zu übersehen, dass 
dieser ßefriedif^un^szuwaehs lucht etwa durch ein 
fachen Ilinzutritt der Alende x von A zu der sonst 
unveränderten, bei Ausscbluss dieses Artikels vor- 
theilhaftesten Konsumkombination erzielt wird; viel 
mehr werden im allgemeinen durch den Verbrauch 
des Artikels A j»anz andere Konsumkombinationen, 
also auch veränderte IMen^en anderer Artikel, vor- 
theilhaft werden. 
Die Hiehtun”’ der ersten, vom Punkte h ausge 
henden, geraden Strecke der Lebens^enusskur\e hg 
bezeichnet, da sie der geraden Anfan^sstreeke der 
Kurven On und. On' ])arallel ist, den Maximal|)reis 
Ol)i. 1st der Artikel ^1 then rer, so wird das be 
trachtete Individuum bei den bestehenden Preisen der 
anderen Artikel nichts von A konsumiren, sondern 
sieh auf die die Anfan^shefrie(Ii^unOb gewährende 
Konsumkombination beschränken. Beim Bestände des 
Maximal])reises kann die Minimalmen^e Oft konsu- 
mirt werden, die Befriedigung- unterscheidet sich aber 
nicht von der A11fan^sbefriedi{^'un. Sinkt da«i,e^en der 
Breis von A weiter, so nimmt die Befriedigung- fort 
während, und zwar ununterbroehen, zu, wenn auch die 
Konsummenge von A immer nur um ganze Mengen-
        <pb n="189" />
        153 
einlieitcn, also sprunghaft zuniimnt. lU*i (1er ^len^e 
(1er vollen Hefriedi^fiin^ (lurch den Artikel A, deren 
Konsum den Preis Null voraussetzt, erreicht die Be- 
friedi^'un^ den ganzen Lebensgenuss, weil der Auf 
wand für A entfällt; zugleich .wird ebenso, wie die 
Nützlichkeit, auch der Lebensgenuss am grössten und 
würde hei noch stärkerem Konsume von A wieder 
ahnehmen. Solche üher^rosse Konsummen^en würden 
nur hei negativem Preise von A möglich sein; an 
die Stelle eines vom Lebensgenuss in Abschlag zu 
bringenden Aufwandes für den Artikel A tritt dann 
eine Aufzahlung zum Lebensgenuss hinzu, und eben 
darum nimmt trotz des sinkenden Lebensgenusses 
die Befriedigung' — der Vertikalahstand der Kurven 
und On — fortwährend zu. 
Ohwol die Lehens^enusskurve sich nur durch 
ihre llöheula^e von der Nützlichkeitskurve unter 
scheidet, hat sie doch, weil sie eben auch die An- 
fan^'shefriedi^un^' ersichtlich macht, für uns eine grosse 
Bedeutung». Tritt nämlich in irgend einem der als 
^e^ehen vorausfz,esetzten Elemente — sei es in einer 
der Eij&gt;'cnschaften des Individuums, sei es im Preise 
eines der anderen Artikel — eine Aenderun^ ein, 
so wird dadurch auch die A ufa n^sl »et ried i^u n ^ mehr 
oder wein^er hetrotfen. Die Formänderung»;, die sich 
daraus für beide Kurven ergibt, und auf die wir 
noch eingehender zurückkommen werden, liesse sich 
demnach an der Nützlichkeitskurve allein nicht voll- 
ständi^ verfolgen.
        <pb n="190" />
        154 
í}(&gt;. Koinpletiremio mid koiikiirrimido Artikel. 
Diircli (len Selinilt|ninkt der den jeweiligen 
Markti)reis i//,9 des Artikels A darstellenden Kreis 
linie mit der Naelifra^eknrve Ou' eines bestimmten, 
wirtliseliaftlieben Individmims wird die für letzteres 
vortlieilliafteste Men^e dieses Artikels an^e^eben und 
%11^'leieli aiieh die für diese )len^e geeignetste Kon- 
snmkombination, also aiieh die zn^eböri^e Jabres- 
nien^e jedes anderen Artikels, bestimmt. Wenn wir 
nun tiir den Preis des Artikels A sukzessive versebie- 
dene Annahmen inaeben, werden mit weebselnder 
Konsnmmen^e dieses Artikels immer andere Konsnm- 
kombinationen mit veränderten Mengen aneb der ande 
ren Artikel vortbeilbaft werden. Hei maneben Arti 
keln wird keine Aendenin^- eintreten, bei einigen 
wird sie im ^leielien, bei anderen wieder im ent 
gegengesetzten Sinne, wie jene des Artikels A, erfol- 
^•en. Eine Konsnmstei^ernn^' des Artikels A wird 
in der Pe^el aneb einen vermehrten Verbraneb jener 
Artikel mit sieb brin^^en, welebe dazu dienen, den 
(liireb den Konsum von A an^estrebten Genuss zu 
kom])letiren; so steift z. H. der Zuekerverbraueb 
mit dem von Katfee oder Tbee u. d»-l., während da- 
o-eoeii bei jenen Artikeln, die mit dem Artikel A 
konkurriren, wie Tbee mit Katfee, Wein oder Bier 
mit Branntwein u. s. w. ^ewöbnlieb eine Einsebrän- 
kun»- des Konsums eintreten wird, wenn der Ver- 
braueb von A zunimmt. Jedoeb können dnreli die
        <pb n="191" />
        155 
kícIi &lt;lurclikreuzi*ii(leii WcclisclWirkungen 
(1er verKcliiedenen Artikel aufeinander initnnter aneli 
í^aiiz entgegengesetzte Erselieinnn^en zn Taj»*e treten. 
So wird eine Stei^ernn^ des Kalteekonsunis zwar 
immer eine Vennelirnn^" des speziell zum Süssen von 
Kattee verwendeten Znekenpiantnms bedingen; wenn 
aber dasselbe Individuum aneb Tbee eonsnmirt, und 
sein Tbeeverbraueb dureb den gesteigerten Kattee- 
konsiim stark reduzirt wird, könnte es j»esehehen, 
dass sein ^esammter J^nekerverbraiieb statt znzn- 
nebmeii, so^ar kleiner wurde. Ebenso wird bei einem 
Individuum, das nebeneinander Wein, Bier und Brannt 
wein konsnmirt, eine Stei^ernn^' des Weinverbranebes 
zwar jedesfalls einen Drnek auf den Bier- und Brannt- 
weinkonsnm ausnben; wenn aber dadiireli der letztere 
besonders stark ein^esebränkt wird, könnte es Vor 
kommen, dass von Bier statt weniger so^ar noeb 
melir konsnmirt würde. 
Es ist allerdings niebt zu übersehen, dass unsere 
Annabme, dass die Preise aller anderen Artikel die 
^leieben bleiben, wie immer aneb der Preis des Arti 
kels .1 sein mö^e, der Wirkliebkeit nur innerhalb 
entrer Grenzen entsju’iebt. Wenn wir für den Preis 
des Artikels A sukzessive verschiedene Annahmen 
machen, so dass die Konsumenten dieses Artikels 
sieb veraidasst sehen, entsprechend veränderte Meii- 
^en zn verbrauchen, welche bei Einzelnen veränderte 
Konsnmkombinationen und daher veränderte Mengen 
auch der übrigen Artikel mit sieb bringen, werden 
aneb die Preise dieser anderen Artikel nicht unbe-
        <pb n="192" />
        150 
rülirt bleiben können. Eine weiter^eliende KMiek- 
wirkniii»- ‘dieser Art kann eine Preisänderiino- de« 
Artikels sei es direkt, sei es dnreb ihren Eindnss 
auf die Preise anderer Artikel, aneb auf die ZutVie- 
denbeit der zum Haushalt des betreffenden Indivi 
duums o-ebörio-eii Personen ausüben, indem diese mit 
ihren Ibirbezü^en nicht mehr das Auslangen finden, 
so dass dadurch auch deren Eohnans])rüche beein 
flusst werden. Durch alle diese Emstande wird ein 
inni^-er Zusammenhang- zwischen den gleichzeitig- mö^-- 
lichen Preisen der versehiedensten Artikel, einschliess 
lich der persönlichen Dienste, her^estellt. Dieser Zu- 
sammenhaui»- erstreckt sich so^ar noch weiter; denn 
der veränderte Preis des Artikels A wird, abgesehen 
von der Rückwirkung- auf die Preise anderer Artikel, 
den Aufwand jedes Käufers, sowie den Erlös jedes 
Verkäufers des Artikels .1, heeinflusseu, und es lässt 
sich nicht verkennen, dass, sobald sich diese Aende- 
runo- dem einzelnen Individuum mit Rücksicht auf sein 
Vermöo-en fühlbar macht, auch seine Werthsehätzuiio- 
des (ieldes sich ändern wird. Wir haben von vornherein 
durch Annahme unveränderlicher Preise aller anderen 
Artikel und ebenso unveränderlieher Werthsehätzun^- 
des Oeldes seitens jedes ^e^ehenen, wirtlisehaftliclien 
Individuums von allen diesen Zusammeidiän^en ab 
gesehen und müssen an diesen Voraussetzungen, wie 
schon erwähnt, darum festhalten, weil es hei gleich 
zeitiger Variation aller Elemente nicht möglich wäre, 
den Einfluss eines derselben zu verfol^-en.
        <pb n="193" />
        Der Einfluss des Artikels und der 
Preise der anderen Artikel auf 
die Lebensgenusskurve. 
in. K()rres])on(lireii(le Punkte. 
Eh in (1er Natur der Saelie, dass sieh die 
Eebens«»‘emiHHkurve einen l)eHtiininten, wirtlisehattliehen 
IndividiinniH in Hezu*»- auf welelien Artikel iniiner dar- 
Htellen lännt, wenn nur jedeninal die Preine aller 
anderen Artikel unveränderlieli ^e^eben nind. Wir 
gellen nun von irgend einer bentiniinten Annabine tur 
die Pleine aller Artikel und der dann vortbeilbaftenten 
Konnuinkoinbination aun und bezeiebnen die mit diener 
Kombination verbundene Pefriedi^un^' aln die faktinebe. 
Lannen wir dann naebeinander den Prein je einen der 
in der erwäbnten Konnuinkoinbination ernebeinenden 
Artikel unbentimmt, wäbrend alle anderen Pleine immer 
unveränderlieli dienelbeii bleiben, no erbalten wir die 
Lebennj»enunnkurve den betraebteten Individuunin der 
Weibe naeb auf jeden diener Artikel bezo{»en. In 
jeder diener Kurven niunn nieb die taktinebe Hetrie- 
dij»un&lt;*’ aln Abntand der Eebennj^enunnkiirve von ilirer
        <pb n="194" />
        Al)»eleiteteii da zeigen, wo die letztere von jener 
IVeiwlinie geselinitten wird, welche den anfanglieh 
angenoninienen Preis des hetretfenden Artikels he- 
zeichnet. Die Abszisse dieses Sehnittjmnktes gibt 
nothwendigerweise eben die I\ienge des betreffenden 
Aitikels an, die zu der Konsinnkoinbination, von der 
wir ausgegangen sind, gehört. Es gibt deinnaeb in 
allen, auf je einen Konsulnartikel desselben Tndivi- 
duiiius bezogenen Eebensgenusskurven je einen kor- 
1 esjiondirenden Punkt, dessen Abszisse die zur ur- 
sprUuglieben Konsulnkombination gehörige Menge des 
betreffenden Artikels und dessen Vertikalabstand von 
der anfänglich geltenden Ibeislinie desselben immer 
die gleiche, luimlieb die faktische, Pefriedigung an 
gibt. Der Lebensgenuss ist auch in diesen Punkten 
der verschiedenen Kurven jedesmal ein anderer; denn 
die Befriedigung, welche die ursprüngliche Kombina 
tion dann ergeben würde, wenn jedesmal der durch 
die Abszissen der betreffenden Kurve bemessene Ar 
tikel unentgeltlich zu haben wäre, ist keineswegs die 
gleiche. Ausserhalb dieser korres¡iondirenden Punkte 
besteht zwischen den auf verschiedene Artikel be 
zogenen Lehensgenusskurven desselben Individmims 
keinerlei Beziehung, denn bei wechselndem Preise eines 
jedesmal anderen Artikels und unveränderten Preisen 
je aller übrigen Artikel werden sukzessive immer 
andere Konsumkombinationen vortheilhaft werden. 
Endlich ist noch zu erwähnen, dass, wenn die 
anfänglich vorausgesetzten Preise gerade solche sind, 
dass die Preislinie eines Artikels A mit einer Radius-
        <pb n="195" />
        159 
vektorstrecke der auf eben diesen Artikel bezogenen 
Naelifra&lt;»ekiirve ziisaininenfállt, es in der That zwei 
Konsninkoinbinationen ^eben muss, die ^enaii gleich 
vortbcilbaft sind. Die betreffende Kurve weist dann 
zwei Punkte auf, die mit je einem Punkte aller anderen 
Kurven korrespondiren, wenn die beiden Konsum 
kombinationen sich nur durch die Menge des Artikels 
A unterscheiden. Meist aber werden diese beiden 
Konsumkombinationen zwar in den Mengen vieler 
Konsumartikel übereinstimmen, aber doch kleine \ er- 
sebiedenbeiten in den Mengen komjdetirender oder 
konkurrirender Artikel aufweisen. In der Kurve dieser 
letzteren Artikel muss sich dann eine korrespondirende 
Radiusvektorstreckc wiedeiünden. 
:1S. Der EinfluHS des Artikels auf die Form der 
Lebensgeiiusskurve. 
Vergleichen wir nun, von dem korrespondirenden 
Punkte der faktischen Konsumkombination ausgehend, 
den Verlauf der Lebensgenusskurve desselben Indi 
viduums, wenn sie nacheinander auf versebiedene Ar 
tikel bezogen ist, so werden wir Formversebieden- 
beiten dieser Kurven wabrnelnnen, welche von der 
Natur des betrachteten Artikels berriibren; doch sind 
dabei selbstverständlich die individuellen Eigensebatten 
des Konsumenten, sowie die geltenden Preise der 
anderen Artikel, mitbestimmend. Es ist klar, dass 
bei jedem wirklich konsnmirten Artikel die Antangs 
ordinate der auf denselben bezogenen Lebensgenuss-
        <pb n="196" />
        U)0 
km VC, (1. i. (lie bei Aussciiliiss dieses Artikels erreicli- 
bare IktViedi^inio-, kleiner sein muss als die faktisebe 
Hefriedio-nno-, und zwar um so kleiner, je wiebtioer 
der betreffende Artikel für das Individuum ist oder 
demselben ersebeint, je mehr also dureb die Entbebruno- 
dieses Artikels die Hefriedi&lt;&gt;uno- beeinträebtiot wird. 
.Andelseits ist die faktisebe lletriedi^un^' wieder notb- 
vv ( ndi^ei \v eise kleiner als dit‘Jeni^‘(^, welebe erreiebt 
werden könnte, wenn der Preis irgend eines der wirk 
lieb konsumirten Artikel auf Null sinken würde, somit 
kleiner als die Sebeiteljmnktsordinate der auf irgend 
einen dieser Artikel bezogenen Eebens^ennsskurve. 
Nur bei jenen wirklieb konsumirten Artikeln, deren ' 
Preis gleieb Null ist — wie bei Luft und Wasser 
unter ^ewöbnlieben Umstünden — wird die Selieitel- 
punktsoidinate der betreffenden I^ebens^enusskurve 
der faktiseben Befriedionn^- gerade ^leieb sein. Be- 
traeliten wir dann aueb noeb jene Artikel, welebe bei 
den bestellenden Preisen von dem Individuum oar 
niebt, also nur in der Alende Null, konsiimirt werden, 
so wird die faktisebe Befriedigung' ¡„ der Anfun^s- 
ordiimte jeder, auf einen soleben Artikel bezogenen 
Lebens^eiliisskurve ersebeinen. Diese Kurven baben 
jedoeb nur dann einen Selieiteljuiiikt, wenn es sieb 
um Artikel bandelt, die we^en ibrer zu bolien Preise 
niebt konsumirt werden. l)a«*e&lt;»en ^ibt es aueb Arti 
kel, die von dem betraebteten Individuum unter dun 
^e^ebenen Umständen o-ar niebt begehrt werden, und 
dies kommt dann in unserer oru)diiseben I larstelluno* 
dadureb zum Ausdriieke, dass, wie in Ei&gt;. 40, die
        <pb n="197" />
        — IGl — 
Le])eiisjçeiiusskiirve hg und ebenso aneh die Nntz- 
lielikeitsknrve On dnrelians absteig’end verlaufen und 
daher letztere, sowie die Naebf'ra^eknrve On\ dnreli 
ans unter der Abszissenachse lie^t; ein solelier Arti 
kel wurde von dein betraeliteten Individnnni nur g’eg’en 
Anfzablnnj»- konsninirt werden. 
Fig. 40. 
Der I iitersebied zwiselien der Anfangs- und der 
Sebeitelpnnktsordinate der Lebens^ennssknrve, und so 
mit bei der Niitzlielikeitsknrve die Sebeiteljmnktsordi- 
nate selbst, wird bei jenen Artikeln am grössten sein, 
deren Kntbebrnn^' sehr emjifindlieb wäre, oder deren 
reiebliebere Verwendung noeh lebhaft j*ewnnselit 4\iid 
oder vollends dort, wo beides zn^leieb zntrifft. So winde 
Auspitz u. Lieben. UntersucU. üb. d. Theorie d. Preises. 11
        <pb n="198" />
        1G2 
Z. B. (lie Befnedigiin«’ eines Konsuineiiten, (1er sieh 
llindtleiseli niir aiu Sonntage ^•estatteii kann, sehr l)e- 
einträchti&lt;&gt; t werden, wenn er hierauf verzieliten müsste, 
lind anderseits wesentlieli steifen, wenn er sieh diesen 
Gmmss tätlich gestatten könnte. Da^e^en würde die 
Entl)(‘hrnn^‘, namentlieh aber der Befriedi^nn^^'sznwaeiis 
viel geringer ansfallen, wenn es sieh statt nin Kind- 
deiseh, z. B. um Kehhülmer, handeln würde; ähnlich 
verhalten sieh alle nothwendi^en Artikel iin A er- 
&lt;&gt;lei(*he zu den Luxusartikeln. 
Bei Artikeln, die für eine Verwendung' unent- 
hehrlieh nnd unersetzlich sind, wird, so lan^e nnr 
diese Verwendnn^sart in Betraeht kommt, die Mini- 
malmen^e hinter der IVien^e der vollen Befriedigung" 
nicht weit zurüekhleiben ; wenn man Luft zum Athmen, 
Wasser zum Trinken, Salz zum eigenen Gehraueh 
so viel haben kann, als zum Lehen nnenthehrlieh ist, 
verlangt man nicht gar viel mehr. Jedoch wächst 
die i\Ienge dey vollen Befriedigung, sobald andere 
Verwendungsarten in Betracht kommen, wie die des 
Wassers zum Kochen, Waschen, Baden, die des 
Salzes für einen eventuell reduzirharen Hausstand oder 
gar die Verwendung als Viehsalz. Bei nicht unent 
behrlichen und dabei vielfacher Verwendungen fähigen 
Artikeln werden die Minimalmenge und jene der 
vollen Befriedigung weit anseinander liegen, wie wir 
dies an den mehrfach benützten Beisiiielen des Fleisches 
oder Weines schon gesehen haben. 
Das Verhältniss der Anfangsordinate der Lehens 
genusskurve zur Ordinate der Minimalmenge ist nebst
        <pb n="199" />
        163 
(1er Grösse der ^Iiiiimalmeni&gt;e selbst für die Xei^im^ 
der geradlinigen Anfanjçsstreeke, d. i. für die Höbe 
des Maxiinaljn'eises, massgebend. Der Maxiinaljuvis 
ist bei soleben Artikeln am böebsten, deren Kntbelirnn&lt;*- 
emptindlicb ist, von denen aber sebón kleine ^1 enteil 
einen ^rossen Lebensgenuss gewähren. Ist überdies 
die Ordinate der Minimalmenjj^e niebt viel kürzer als 
jene des Sebeitel]mnktes, während doch die Men&lt;*e 
der vollen Befriedigung- die Minimalmen&lt;»e weit über 
steigt, so wird dadurch an^ezei^t, dass es sieb um 
einen Artikel bandelt, der in einer Verwendung- un- 
entbebrlieli ist, während andere reieblicbere Verwen- 
duno-sarten viel weniger wichtig sind. Das Gleiche 
o-ilt auch von Artikeln, die gerade dem betretfenden 
Individuum unersetzlich erscheinen, an deren Konsum 
überhaupt sieh Leidenschaft, Eitelkeit oder ^esell- 
sebaftlicber Ehr{»-eiz knüpfen, während auf eine »rosse 
Konsummen^e weniger \\ erth jçele^t wird. In der 
Xaelifra^ekurve zei{z,t sich dann üher der Minimal- 
menj»e eine lanj^e Vertikalstrecke, und wir sehen in 
der That, dass derartige Artikel in ihren kleinen 
Konsnmmen»;en von den Schwanknn^en ihrer Preise 
innerhalb weiter Grenzen nnabbän^fi^- bleiben. N\ ei 
z. B. es für eine Ehrensache hält, seinen (lästen ein 
mal im Jahr Champagner vorsetzen zu können, vhd 
dabei von Preisstei^erun^fen weni^ beeinflusst eiden, 
während ein reichlicherer Konsum — weil er den 
Lehens^ennss nicht mehr erbehlicb zu stei^ei n nci- 
ma^ — mir zu sehr niedrigen Preisen statttinden 
würde. 
11*
        <pb n="200" />
        1(54 
3í). und iiiilx'íímizt l)(‘^(‘lirt(‘ Artikel. 
Da die Aiifaii»'.sordiiiate der J^ekeiis^enusskurve 
um wo kürzer ist, je unaii^eiielmier die Eutbeliruii^- 
des betreffenden Artikels empfunden wird, müsste sie 
gleich Null werden, jeder Lebensj»-ennss müsste ver- 
sebwiiiden, wenn es sieb um einen völlig- nnentbebr- 
licben und nnersetz!ieben Artikel bandelt. Nun ^ibt 
es aber ausser der zum Atbmen erforderlicben Luft 
keinen Artikel, der niebt entbehrt oder dnreb Surrogate 
ersetzt werden könnte; wir können uns aber denken, 
dass unter ansserordentlicben Umständen, z. Ik in einer 
belagerten Stadt, alle Surrogate erscbö])ft oder nur 
zu ganz nnersebwinglieben Preisen zu haben wären, 
so dass die Fristnng des Lebens in der That von 
einem einzigen Artikel abbienge. In einem solchen 
Falle würde die Lebensgeniissknrve und die Nützlieb- 
keitskurve znsnmmenfallen. Stellen wir nun eine der 
artige Kurve On (Fig. 41) dar, so bezeiebnet die 
Minimalmenge Ofi die kleinste Menge, welche zur 
Erhaltung des Lebens während eines ,Jahres erforder 
lich ist; denn unsere Abszissen bezeichnen durchaus 
Jabresmengen. Lei sehr bolicu Preisen werden aber 
selbstverständlieb auch noch kleinere Mengen gekauft 
werden, da niemand darauf verzichten wird, sieb so 
lange als möglich zu erhalten, wenn er auch nicht 
auf ein volles Jahr gesichert ist, da ja immer noch 
die Hoffnung auf einen Wechsel der \ erbältnisse übrig 
bleibt. Diese Käufe können aber in unseren stets
        <pb n="201" />
        165 
nur auf Jalircsmen^en bczn^encn Kurven niclit znin 
Ausilruekc konnnen. Die anf^estellte Kurve bedarf 
aber einer noeli weiteren Prüfung»-. Wir liaben näin- 
lieli bislier die Ordinaten einer Lei)enK^enuHKkurve 
wol untereinander verblieben, uns al)er enthalten, 
deren absolutes Mass in Geld zu b^ben; denn es 
lässt sieb zwar der Untersebied des Lebensbenusses, 
den zwei Konsuinkoinbinationen bv'väbren, dureb einen 
Fig. 41. 
TC 
Geldbetrab aiisdrUeken, den LebeiisbenUKH an sieb abei, 
den eine bestimmte Kombination einem bestimmten 
Individuum bietet, in (ield zu bemessen, biesse den 
Wertb des Lebens selbst bestimmen wollen. Hiei 
nun scheint die ^löbliebkeit b^d&gt;oten, den Lebensbc- 
nuss Null mit irbend einem andern Lebensb’enuss, dei 
in derselben Kurve ersebeint, verblvieben zu können 
und so ein absolutes Mass zu ermitteln. Die \ei- 
bleiebuiib des Lebensbcnnsses, den die versebiedenin.
        <pb n="202" />
        166 
ill der Kurve aiis^edriickteii Konsiiiiikoinbiiiatioiieii 
liieteii, ist l)is zu jener Koiiiliiiiatioii, welelie auf der 
Miiiimaiiiieii^e des uueiitlielirlielieii Artikels lierulit, 
zulässig-; die Ver^leiehuii^- dieses ^eriii^steii Lelieus- 
^•eiiusses, liei dem die Fristuii^ des Lebens iioeli für 
ein Jahr gesichert ist, mit dem Lebens&lt;çenuss Null 
ist aber unausführbar. Die Kurve briebt liier ab, 
weil Konsumkombinationen, die niebt für ein ganzes 
Jahr ausreiclien und daher in unserer ^rapbiseben 
1 larstelluno- nicht ersebeinen können, sich gerade hier 
iinabweislicb aufdrängen werden. Ebenso ist es un- 
möglicb, unsere unerlässliche Annahme, dass die in 
dividuelle Wertbsebätzung des Geldes unverändert 
bleibe, auch in einem Falle aufrecht zu erhalten, wo 
die Existenz auf dem Spiele steht. Es bleibt über 
dies unbestimmbar, ob der Lebensgenuss Null den 
Hungertod oder Selbstmord bedeutet, oder ob nur 
unsere Voraussetzung, dass das Individuum ohne jede 
jiroduktive Tbätigkeit blos konsumire, unhaltbar wird. 
Es wird von der Individualität abbängen, ob die ]\Iög- 
licbkeit eines Erwerbes oder der Erlangung privater 
oder ötfentlicber Unterstützung sieh darbietet und aus- 
reiebt, einen Verzweiflungssebritt zu Verbindern. 
Alle Verbrauebsartikel, die iinentbebrlicben ganz 
so, wie die entbebrlieben, erregen, sobald die Menge 
der vollen Befriedigung übersebritten wird, den Ueber- 
druss des Konsumenten, so dass der Lebensgenuss 
gesellmälert wird; ebenso können wir liinsiebtlieb der 
(iebrauebsartikel, mit denen wir uns später eingehend 
beschäftigen werden, schon hier bemerken, dass die
        <pb n="203" />
        mit einem tbrtvviihremleii Weelmel immer neuer Stiieke 
verbundene Midie, sowie der Zeitaufwand, Ungeduld 
und Ermüdung iiervoriirin^en würden. Ein vielmaliger 
Wäselieweebsel im Ta^^e wird jeden, ein beständiger 
Toiletteweebsel wird selbst die eleganteste Dame so 
un&lt;reduldi^ macbeii, wie eine fortwäbrende Aenderun^ 
der Wobnun^ oder des Aufenthaltes. Dureli die be 
ständige Erneuerung wird, aiieb abgesehen von der 
Fiir. 42. 
Ermüdunjj^, jede einzelne llenützun^sdauer so sein 
verkürzt, dass endlieb jedes \ er^nü^en selnvinden 
würde5 es bat also auch die aut einen (lebiaiiebs- 
artikel bezogene Lebens^enusskurve einen Sebeiti 1 
und dann einen abfallenden Verlauf. Nur bei solchen 
Artikeln, deren Benützung mit keiner Ermüdung oder 
Abstumpfung und mit keinem nennenswertben Zeit 
aufwand verbunden ist, die aber, wie zinstiagende
        <pb n="204" />
        168 
Anlagen, die I^eseliaff'im*»- der mamd^faki^steii Genüsse 
ermöft’lielien, ^ibt es überlianpt keine volle Hefriedi- 
^nn^ lind somit keine Grenze für die 1 )e^elireiiswertlie 
iMen^e. Bei solelieii Artikeln verläuft die Leüens- 
^eniisskiirve bff (Fif»\ 42) asyinptotiseli zu einer Hori 
zontalen, die in einer gewissen Höhe über der Ab 
szissenachse lie^'t, während diese seihst die Asymjitote 
für die Naehfra^eknrve bildet; die Sä^ezähne der 
letzteren werden iin nier niedriger und sind schliesslich 
í¡:ar nicht mehr als solche wahrnehmbar. Ebenso, wie 
Artikel, welche ^eei^net sind, künftige (ienüsse zu 
sichern und die Sorge für die Zukunft zu verringern, 
gehören auch jene hierher, welche dazu dienen, das 
Eos der Mitmenschen zu erleichtern ; auch für die 
Werke der Mildthätigkeit, wenn sie ko^sten-und mühe 
los geübt werden könnten, gibt es keine Begrenzung. 
40. Yerwülfeiliiiig und VertluMieruiig eines anderen 
Artikels. 
Wir haben schon wiederholt betont, dass die auf 
irgend einen bestimmten Artikel A bezogene Eebens- 
gennsskiirve und ebenso die zugehörige Nützlichkeits- 
kiirve eines bestimmten, wirthschaftlichen Individnnms 
nur bei gegebenen Preisen aller anderen Artikel ge 
dacht werden können und Aendernngen ansgesetzt 
wären, sobald in einem dieser Preise eine Aendernng 
eintritt. Wir wollen nun den Versuch machen, diese 
Beziehungen einigermassen zu verfolgen, müssen dabei 
aber, sowie bisher, von der Rückwirkung absehen.
        <pb n="205" />
        169 
welche die Preisäiideruiiji eines Artikels auf die Preise 
anderer Artikel und auf die individuelle Werthsehätznnjr 
des Geldes ansznühen vermag. 
Wird irgend ein Artikel wolfeiler, der in einer 
oder in mehreren der Konsninkoinhinationen enthalten 
ist, welche in der auf den Artikel A hezo^enen Lehens- 
p;eniisskurve erscheinen, so wird der mit diesen Kom 
binationen verhnndene Lehens^ennss um den durch 
diese Verwolfeilun^ ersparten Anfwandshetra^ zii- 
nehmen. Die hetretfenden Ordinaten der Kurve hg 
werden um ^enan ehensoviel länger oder auch um 
mehr, und zwar letzteres dnnn, wenn die Verwol- 
feilnn^ des anderen Artikels die Pol^e hat, dass für 
den \ erhraiieh der zugehörigen Menj»;en des Artikels 
.1 neue Konsnmkomhinationen die vortheilhaftesten 
werden. Aus demselhen Grunde kann der Lehens- 
Genuss auch hei jenen MeuGcn von A zunehmen, in 
deren vortheilhafteste Komhination der andere Artikel 
erst durch seine VerwolfeilunG eintritt. Ehenso können 
alle oder einiGc Ordinaten der LehensGenusskurve 
läuGcr werden, wenn ein Artikel wolfeiler wird, der 
früher in G‘**’ keiner der in der Kurve erscheinenden 
Konsumkomhiimtionen auftrat. Durch die VertheueruiiG 
des andern Artikels daGCG^ni kann die auf den Artikel 
A hezoGcne LehensGenussknrve nur dann heeindusst 
werden, wenn derselhe in einer oder in mehreren der 
in dieser Kurve erscheinenden Komhinationen enthalten 
war. Die hetretfenden Ordinaten der LehensGcnuss- 
kurve werden kürzer, und zwar entweder um den 
vollen HetraG des durch die VertheueruuG verursachten
        <pb n="206" />
        170 
^lehiíiiifwaiKles oder nur in geringerem Masse, wenn 
die Vertlieuerung die Folge liât, dass früher minder 
geeignete Konsumkomhinationen nun die geeignetsten 
werden. Die Einwirkung jeder Preisänderung eines 
anderen Artikels kann sich natürlieh aueh auf die 
Anfangsordinate der Lehensgenusskurve erstrecken 
und lässt sieh daher nur an dieser Kurve, nicht aber 
an der Niitzlichkcitskurve, vollständig veifolgen, ohwol 
diese jede Formänderung der ersteren genau mit 
machen muss. 
Aus dem Gesagten erhellt, dass die Preisänderung 
eines anderen Artikels, wenn sie die auf A bezogene 
Lchensgenusskurve üherhaujit beeinflusst, die ver 
schiedenen Ordinaten dieser Kurve in der Kegel un- 
gleichiiiässig verlängern oder verkürzen und also die 
Form dieser Kurve und somit aueh die der Nützlieh- 
keitskurve verändern wird. Wir können annäherungs 
weise verfolgen, in welchem Sinne eine derartige 
Formänderung vor sich geht, wenn es sich um eine 
Preisänderung eines mit A konkiirrirenden oder diesen 
kompletirendcn Artikels handelt, während die Ein 
wirkung ferner stehender Artikel nur schwer zu er 
mitteln wäre. 
41. J’reisâiideriiiiiçeii koiikiirrimider und kom¡dc- 
tirender Artikel. 
Wird ein konkurrirender Artikel wolfeil er, so 
w ird sich die Verlängerung der Ordinaten der Lehens- 
gemisskurve fxj (Fig. 4ö) hei der Anfangsordiiiate
        <pb n="207" />
        r_ 
— 171 — 
1111(1 (len nächstfolgenden am stärksten ¿geltend machen, 
dagegen hei reichlicher Verwendung des Artikels A 
und vollends hei deijeni^en, welche platz^reifen würde, 
wenn letzterer unentgeltlich zu hahcn wäre, wenig 
oder gar nicht fiihlhar sein. Die Kurve h(j wird also 
flacher werden, und eine Gestalt, wie die theilweise 
rothgezeichnete annehmen. Wenn dagegen ein 
Fig. 43. 
0 
koin|detirendev Artikel wolfeiler wird, so wird die 
\'erlängerung der Ordinaten der Kuiwe hg in und 
hei dem Scheitelpunkte sehr stark, hei der Anfangs 
ordinate am wenigsten hemcrkhar sein, weil die \ ei- 
wolfeilung eines den Artikel A komjdctirenden Arti 
kels hei reiehlieher Verwendung des ersteren weit 
mehr ins Gewicht fallt als hei Ausschluss desselhen;
        <pb n="208" />
        172 
(lie Kurve h;j wird also steiler, wie die tlieilweise 
puiiktirt ^ezeielmete hu,. Die Vertlieiieruii^- eines 
koinjdetirendeii Artikels liât selbstverstäiidlieli die 
entgegengesetzte Wirkung-; die Kurve wird also 
daelier, wie W ir sehen, dass die nrsjiriin^liehe 
Niltzliehkeitskurve On diireh die X'erwolteiliin^- eines 
konijdetirenden Artikels steiler wird wie (hi,^ während 
sie durch die A'ertheuerun^* eines solchen Artikels 
und ehenso durch die A'crwolfeilun^' eines konkur- 
rirenden Artikels flacher wird, so dass sie, wie in 
unserer Ki^ur, heideinal die ¿»leiehe Form (hi, an- 
nehnien kann. Diese heiden Fälle, die ^anz ^leieh- 
artii»- ein Flaeherwerden der Nützliehkeitskurve he- 
nirken, lassen sieh nur an der Lehens^enusskurve 
klar unterscheiden. 
J^ei namhaften Freisänderun^en dieser Art kann 
auch die IMen^e der vollen Befriedigung" kleiner 
werden ; denn die Konsumkonihinationen mit reieh- 
lieher Verwendung- des Artikels A werden dureh die 
Vertheuerun^" eim's koinjdetirenden Artikels absolut 
unvortheilhafter, während sie dureh Verwolfeilun^- eines 
konkurrirenden Artikels zwar an sieh vortheilhafter, 
aber doch relativ ^e^en Konsumkonihinationen mit 
hesehränkter Verwendung- des Artikels A un^"üns%er 
werden. Ebenso, wie dureh die ent^-e^-en^esetzten 
Freisänderun^en Konsumkonihinationen mit noch reieli- 
lieherer Verwendung- des Artikels A als vortheilhaft 
hervortreten und die Idente der vollen Befriedigung- 
verg-rössern können, werden hier Konihinationen mit 
mässig-erer Verwendung- des betrachteten Artikels nun-
        <pb n="209" />
        173 
mehr den grössten Lel)ensj&gt;emiKs gewähren, so dass 
schon l)ei kleineren ]\Ien^en die volle Hefriedi»»un»‘ 
eintreten wird. Wenn diese Wirkung" weiter^eht, die 
reiehlieheren Konsninkoinhinationen immer iinvortheil- 
hafter werden, so kann die Lehens^ennsskurve all- 
mäli&lt;»- die Gestalt, wie Fi^. 40, annehmen, d. h. der 
Konsum des Artikels A kann durch Verwolfeilun^ 
der Surrogate oder durch die Veitheuerun^ der ihn 
erglänzenden Artikel endlich ^anz aufhören. So wird 
z. 11. ein Sinken des Weinj)reises hei vielen Personen 
die Nachfrage nach Hier heschränken und schliesslich 
^anz aufhehen. Die gleiche Wirkung kann ein Sinken 
des Hierpreises auf die Hranntweinuachfra^e ausühen, 
während die verschiedenen Sorten dieser (Getränke 
einander auch schon hei ^erin^en Preisschwankungen 
ersetzen und verdrängen können. Aehnliche Wechsel- 
heziehun^en bestehen innerhalh aller (Huj)|)eu von 
Artikeln, die verwandte Hediirfnisse befriedigen, 
zwischen den verschiedenen Hrodstotfen oder Fleisch 
sorten, den verschiedenen Leucht- und Hrennstotfen, 
den mancherlei Anrej»uu{;smitteln, den zahllosen Fr- 
zeu^nissen der Textilindustrie u. s. w., und weiterhin 
treten auch diese (Huppen seihst, z. H. die verschie 
denen Nahrungsmittel, mit einander in Konkurrenz. 
ITm aber den Zusammenhan«»- der Preise, der sich 
schliesslich zwischen einander fernstehenden Artikeln 
bis ill’s Einzelne verfolgen liesse, zu ühersehen, ist 
auch wieder die Er^änzun^ des Genusses durch der 
Art nach ^anz verschiedene Artikel zu heachten. So 
kann durch riieuerun^ des Zuckers die Nachtra»i*e
        <pb n="210" />
        174 
niíinclier Personen naeli KafTee oder Idiee g'eselnnU- 
lert oder ^anz anff&gt;eliol)en werden; ebenso ergänzen 
sieli die Geträid^e und festen Naiirun^snnttel u. s. w. 
Eine älinlielie Ikzieliuno*, wie zwisclien koinjdetirenden 
Artikeln, bestellt zwiseben den drei grossen llauiit- 
bediiifnissen, Wohnung, Kleidung und Nahrung; für 
die Art und Weise dieses Zusaininenbanges sind 
jedoeb die Verniögensverbältnisse, die soziale Stel 
lung und der Gesebmack des Individuums massgebend. 
Die in Rede stehendeii Preisänderungen anderer 
Artikel werden natürlich aueb auf das Grössenver- 
bältniss der Ordinate der Miniinalinenge zur Anfangs 
und zur Scheitelpunkts-Ordinate und oft aueb auf die 
Miniinalinenge selbst ihren Einfluss geltend machen. 
Die dadurch bedingten Eorinänderungen der Lebens 
genusskurve hg (Eig. 44), welche je naeb Umständen 
sehr verschiedenartig sein werden, treten am deut- 
liebsten hervor, wenn wir die Menge der vollen Re- 
friedigung und deren Ordinate davon unberührt lassen. 
Wächst die Anfaiigsbefriedigung durch die Verwol- 
feilung eines konkurrirenden Artikels in stärkerem 
Masse als der Lebensgenuss der Konsumkombinationen 
mit s])ärlicber Verwendung des Artikels A, so dass 
S(debe Konsumkombinationen ausser Retraebt kommen 
und in der neuen Kurve h,g üliersjirungen werden, 
so steigt die Minimalmenge z. R. von 0/¿ auf Ou,^ 
und der Maximalpreis sinkt. Der Konsum des Arti 
kels A findet überhaupt nur zu niedrigeren Preisen 
statt, ist also erschwert, nur die reieblieben Verwen 
dungsarten kommen überbauiit noch in Retraebt ; eine
        <pb n="211" />
        derartige Aeiuleniii«»- kann eintreten, wenn die Ver- 
wolfeilnn^ eine ])essere Sorte betrifft. WäeliKt da- 
^e^en die Ordinate der Miniinalinen&lt;»e um ebeimoviel, 
wie die Anfan^sordinate, ko Ideilff die Miniinalinen^e 
KelbKt und aneli der ]\Iaxiinal])reÍK völlig unverändert, 
nur wird die Kurve, wie in ihrem weiteren Ver 
lauf ffaeher. Eine Kolelie Aenderun^ kann durch Ver- 
wolfeilunj»' einer minderen Sorte bewirkt werden, weil 
F¡í?. 44. 
dann die reieldiehe Verwendung des Artikeln A nur 
hei ermäKKi^ten 1’reinen Platz greifen wird, während 
der Genunn kleiner Mengen ehenno »enueht bleiben 
ma^, wie früher. 
En kann aber auch Vorkommen, dann der Lehenn- 
^eniinn, den kleine Mengen des Artikeln A bieten, 
stärker zunimmt als die Anfan^nbefriedi^un^, no dann 
die iMinimalmen^e kleiner, der Maximalprein höher, 
die Kurve also, wie die in der Fi^ur rotb^ezeiehnete.
        <pb n="212" />
        17G 
aiiH^cbaucliter wird. Eine solche Aeiideruii^’ könnte 
%. H. die auf Kaffee bezogene Lebens^ennssknrve 
erleiden, wenn Cieliorie billiger würde. Die Scbeitel- 
pnnktsordinate, sowie die Anfangsordinate, können un 
verändert bleiben, wenn das Individmun beim Kaff'ee- 
preise Null, sowie bei Aussclduss von Kaffee, keine 
Cieliorie konsuinirt, während ihm bei hoben Kaff’ee- 
preisen ein Cicborienziisatz sehr erwünscht sein kann. 
Nicht minder mannigfaltige Aenderungen kann die 
Lebensgenusskurve durch Vertbeuerung eines konkur- 
rirenden oder Dreisänderungen eines kompletirenden 
Artikels erleiden. 
42. Preisäii(leruiig:(Mi fernstcdieiider und neuer Artikel. 
Wenn wir auf den Aufbau der Nützlicbkeitskurve 
Ü7i bei vortbeilbaftester Detriebs- und Lebensweise 
aus Kurven bestimmter Betriebs- nnd Lebensweise 
(Fig. 28 und ßü) zurüekgreifen und uns diese sämmt- 
1 ich en Kurven um die Anfangsbefriedigung Ol) des be 
treffenden Individuums binaufgeseboben denken, so ge 
langen wir wieder zu einer Lebensgenusskurve /oy, 
wie sie jetzt behandelt wurde. Zugleieb erbalten wir 
aber auch ein ganzes System von Lebensgenusskurven 
bestimmter Betriebs- und Lebensweise, deren Ordi- 
naten den Lebensgenuss angeben, der durch wech 
selnde Mengen des Artikels A erreiebt werden kann, 
wenn für jede dieser Mengen nicht die absolut geeig 
netste, sondern nur die vortbeilbafteste derjenigen 
Konsumkombinationen gewählt würde, welche bei eigen-
        <pb n="213" />
        — 177 — 
sinnigem Festhalten an irgend einer bestinnnten l^e- 
triebs- nnd Lebensweise noch inöglicli bleiben. Jede 
dieser Lebensgenusskurven ist natürlich ihrer Form 
naeb mit der für dieselbe bestimmte Betriebs- und 
Lebensweise geltenden Xiitzliebkeitskurve Iv (Fig. 28) 
identisch, und man erhält die letztere, wenn die erstere 
um Oh^ die bei völligem Ausschluss des Artikels A 
erreichbare Befriedigung, berabgescboben wird. Wird 
nun z. B. ein mit A konkurrirender Artikel, der bei 
der betrachteten, bestimmten Betriebs- und Lebensweise 
gar nicht konsumirt wird, wolfeiler, so wird die be- 
tretfende Lebensgenusskurve dadurch natürlich' gar 
nicht berührt werden; wol aber kann bierdurcb die 
eben erwähnte Anfangsbefriedigung, welche bei einer 
ganz anderen Betriebs- und Lebensweise erzielt wird, 
erhöbt werden. Die für die betrachtete, bestimmte Be 
triebs- und Lebensweise geltende Nützlicbkeitskurve 
(Fig. 28) wird also in ihrer Fonn unverändert 
bleiben, aber eine gegen den Nulljmnkt tiefere Lage 
einnebmen, weil die betrettende Lebensgenusskurve be 
stimmter Betriebs- und Lebensweise nun um die grösser 
gewordene Anfangsbefriedigung berabzusebieben ist. 
Fs zeigt sieb also, wie die Freisänderungen auch 
ganz ferne liegender Artikel, so wie früher (22) an 
gedeutet, die Lage der Xützliebkeitskurven bestimmter 
Betriebs- und Lebensweise und dadurch auch die Form 
der Kurve On beeinflussen, eine Finwirkung, die sieb 
nur an der Lebensgenusskurve verfolgen lässt. 
Fin Artikel, der früher nicht Gegenstand des 
Konsumes des betrachteten Individuums war, kann dies 
Aaipitz u. Lieben. Untersuch. Ob. d. Theorie d. Preises. 12
        <pb n="214" />
        178 
werden, indem er selbst billiger wird, oder aber, 
indem ein bisber konsnmirter, konknrrirender Artikel 
tbeurer oder ein kompletirender Artikel wolteiler wird. 
In den beiden letzteren Fällen wird nämlieb das eine- 
mal dureb Verminderung- der Antan^sbetViedi&lt;»un&lt;»-, 
also dureb Verkürzung- der Antan^sordinate, das an- 
dercmal aber dureb Verlän^-eruno- der folgenden Or- 
dinaten der auf den neuen Artikel bezogenen Lebens- 
o-enusskurve der AIaximal]n-eis dieses Artikels für das 
betraebtete Individuum erböbt und da dureb der Kon 
sum ermö&lt;»-liebt. 
Handelt es sieb da^ej^-en um einen Artikel, 
der dem Individuum bisher unbekannt war, wie dies 
Tabak oder Kartoffeln vor einigen Jabrbunderten, 
oder wie es das Petroleum vor einigen Jabrzelmten 
war, so werden einzelne aus Neugierde oder aus 
Interesse an Experimenten versuebsweise voran&lt;&gt;-eben. 
In der auf den neuen Artikel bezogenen Lebens- 
o-enusskurve dieser Personen drüekt sieb deren Er 
wartung^ aus, ihre bisher erreiebte Pefriedigung, welebe 
dureb die Anfangsordinate der neuen Kurve aiisge- 
driiekt wird, erhöben zu können. Fällt die Probe 
günstig aus, ist also die nunmehr tbatsäeblieb sieb 
ergebende Hefriedigung grösser als der \ ertikalabstand 
der erwähnten Kurve von der zugehörigen Naebfrage- 
kurve bei der wirklieb konsumirten Menge des neuen 
Artikels, so wird der betreffende Punkt der Lebens 
genusskurve der Erfahrung entsj)reebend binaufrüeken, 
und ebenso wird die Kurve sieb aueb in ihrem son 
stigen Verlauf, also aueb für reiebliebere und spär-
        <pb n="215" />
        179 
Hellere Verwendungen, rieliti^ stellen. Durch das Bei- 
s])iel der ersten wird sich alhnäli^ auch hei anderen 
die neue Lehens^enusskurve gestalten, während sie 
früher ^an% tehlte und dann hei noch mangelhafter 
Kenntniss der Kigensehaften des neuen Artikels noch 
unhestininit und schwankend hlieh. 
12*
        <pb n="216" />
        Der Einfluss der Individualität 
auf die Lebensgenusskurve. 
43. Die individuel le Wertliscliiitziing des (ieldes. 
Naclidein wir im vorigen Abselinitte Veriniitlmngen 
darüber aufgestellt haben, wie die auf einen Artikel A 
bezogene Lebensgenusskurve dureb Lreisänderungen 
anderer Artikel beeintiusst wird, liegt es nabe, nun 
aucb anderseits den Versueb zu machen, den Eintluss 
gewisser Aenderungen in der Individualität des be- 
traehteten Konsumenten auf dessen nacheinander auf 
verschiedene Artikel bezogene Lebensgenusskurve zu 
verfolgen. Selbstverständlich müssen wir dabei nun 
wieder voraussetzen, dass jedesmal die Preise aller 
anderen Artikel unveränderlich gegeben seien, und es 
wird sieb auch hier wieder zeigen, dass, obwol die 
Nützliebkeitskurve jede Formänderung der Lebens 
genusskurve mitmaebt, diese Aenderungen sieb nur 
an der letzteren Kurve verfolgen lassen. 
Nebmen wir zunächst an, dass der betrachtete 
Konsument wolbabender und in Folge dessen seine 
individuelle Wertliscbätzung des Geldes kleiner ge-
        <pb n="217" />
        181 
worden sei, so muss die Form der Lebens^enusskurve 
und somit aueli jene der Nützlielikeitskurve eine andere 
werden. Diese Formänderungen werden allerdings — 
auch hei gleich grosser Ahnahme der individuellen 
\\ eidlisehätzung des Geldes — je nach Art und Ver- 
theilung (33) des Zuwachses des anfänglichen Besitzes 
verschieden sein, doch können wir diese Verschieden 
heiten nicht verfolgen. Wir müssen uns vielmehr darauf 
heschränken, nur jene Wirkung zu hehandeln, die, ah- 
gesehen von der veränderten Aid und Vertheilung des 
anfänglichen Besitzes, lediglich durch die verringerte, 
individuelle \\ erthschätzung des Geldes ausgeüht wird, 
gerade so, wie wenn wir die Kurven zweier Indivi 
duen vergleichen würden, die sich hei sonst gleichen, 
jiersönlichen Eigenschaften und auch hei ganz gleichem 
Anfangshesitze nur darin unterscheiden, dass trotzdem 
ihre individuelle Werthschätzung des Geldes eine ver 
schiedene wäre. Unter dieser Einschränkung und, 
wenn üherdies angenommen werden könnte, dass für 
jede Menge des Artikels A die gleiche Konsumkom- 
hination, wie früher, die vortheilhaftcstc hliche, kömmt 
eine Ahnahme der Werthschätzung des Geldes um z. B. 
10®/„ dadurch zum Ausdruck, dass das Individuum 
bereit und in der Lage wäre, für den mit jeder Menge 
von A verbundenen Lebensgenuss einen entsjirechend 
erhöhten Geldbetrag aufzuwenden. Es werden also 
alle Ordinaten der Lehensgenusskurve im Verhältniss 
von y : 10 länger, daher diese Kurve, sowie die Nütz- 
liehkeitskurve, steiler ansteigend, und die Nachfrage- , 
kurve höher werden. Es würden demnach hei jedem
        <pb n="218" />
        182 
Preise von J Menj&gt;*en gekauft werden, welehe früher 
nnr hei einem mn 1U% niedrigeren Iheise^gekauft 
worden wären. Der Preis des Artikels .1 erscheint 
also dem wolhahender gewordenen Konsumenten nm 
10 7o ennässi^t. Ganz ebenso werden aber auch die 
Preise aller anderen Artikel, sowie alle baren Kin- 
nabmen und Verptliehtnn^en dem Individnnm nun 
mehr reduzirt erscheinen, so dass die bei verschie 
denen Meng-en von .1 vortheilhaftesten Kombinationen 
der anderen Artikel nicht mehr die «^leiehen bleiben 
können, und daher die Lebensj*eniisskiirve noch weitere 
Kormänderun^en erfahren muss. Während nämlich 
durch die subjektive Verwolfeilun^-jener Artikel, welehe 
den Artikel .1 kom])letiren, die Debens^enusskurve 
nur noeb steiler gestaltet wird, macht sieh die Ver- 
wolfeilun^' der konkurrirenden Artikel, durch welehe 
insbesondere die Anfan^sordinate und die näebst- 
foli&gt;-enden Ordinaten der Lebens^enusskurve verlängert 
werden, im entgegengesetzten Sinne geltend. Dadurch 
kann es geschehe]), dass, während die Dehens^enuss- 
kurve des wolhabender gewordenen Käufers in der 
Pe^el steiler wird, der Konsum also zunimmt, die 
Kurve ausnahmsweise auch Hacher werden, vielleicht 
sopir, wie in Fi^. 40, j»anz ausser Petracht kommen 
könnte. Dies kann Vorkommen, wenn die Kurve auf 
einen jener Artikel bezogen ist, welehe, wie z. P. 
S])eck oder Pranntwein, nur dem Minderbemittelten 
wichtig, vielleicht sogar unentbehrlich sind. Solche 
Personen glauben, dass sie von den betretfenden Ar 
tikeln bei niedrigen Preisen weit mehr konsumiren
        <pb n="219" />
        183 
wühUmi, wälimid tliatsäclilicli ein ans^ieln^er Preis- 
inckj»’{in^ und die dadureli lierbei^efiilirte Ersparnis^ 
die individuelle Werth.seliätzun^- des Geldes so beein 
flussen kann, dass die Men^r der vollen Befriedi^nn^r 
kleiner wird, weil sie dann ebenso, wie Wolbaben- 
dere Uberbanjd, zu feineren Xabrun^sinitteln und Ge 
tränken greifen. Ebenso werden ordinäre Kleiderstoffe, 
Möbel und dergleieben dureb die bei steifendem Wol- 
stande ziifäiiflieb werdenden, besseren Sollen ver- 
dräiift. Bei sinkendem Wolstande und steifender 
Mertbsebätzniif des Geldes wird die T^ebensfennss- 
kurve, fera de auf bessere Soiien und Luxusartikel 
bezofen, tlaeber, so dass sebliesslicb die Nacbfrafe 
naeb soleben aufbören wird. Das Gleiebe kann dann 
aueli binsiebtlieli soleber Artikel fesebeben, welebe 
zu ihrer Komjdetirunf anderer bedürfen, die nun zu 
kostspielif erselieinen. W er keine Pferde kaufen 
kann, bat kein Bef ehr naeb Heu oder Hafer; wer 
die Ansebatfuufskosten einer Lampe sebeuen muss, 
bat keine Naebfrafe naeb Petroleum, und ohne den 
Besitz eines Ofens oder Herdes fibt es aueb keine 
Naebfrafe naeb iifend weleliem Brennstoff. Selbst 
die Naebfrafe naeb an und für sieb kostenlosen, fei- 
stifen oder anderen (ienüssen muss versebwinden, 
wenn die hierzu nötliife, arbeitsfreie Zeit, die wir als 
komjdetirenden Artikel anseben müssen, zu kostspielif 
wird; wer seine fanze Zeit zum Broderwerb ver 
wenden muss, kann sieb aueb den Besueb eines Lese 
zimmers oder selbst das Verfiiüfen eines Sjiazir- 
f a Ufes niebt festatten.
        <pb n="220" />
        184 
44. Die iiidividiieileii Ansprüche. 
Hand ill Hand mit stoij&gt;’(*nd(‘r Wollialumlieit 
])flej&gt;;eii auch die Aiisjiriielie des Konsumenten zu 
wachsen; doch können wir uns vorstellen, dass die 
Ans])riielie auch bei ^anz «leielibleibenden Vennö^ens- 
verhältnissen steifen ; jedestalls verhalten sieh ver- 
sehiedene, selbst gleich wolhabende Personen in dieser 
Hinsicht sehr versehieden. So haben wir in Fi^. 45 
die Lebensj»-enussknrven von drei verschiedenen Per 
sonen /, JI lind ///, bezogen auf denselben Artikel, 
z. H. Kaffee, dar^estelIt, welche alle die gleiche An- 
fan^'sbefriedi^nng und dieselbe IMen^e der vollen He- 
friedi^nn^' haben, während I und II noch überdies 
den ^'1 ei eben Maximaljireis, // und ///dieselbe Scbeitel- 
pnnktsordinate, / und III aber die gleiche Minimal- 
men^e O/// anfweisen. Der Käufer 11 erbebt in 
Beziijj,- auf diesen Artikel die grössten Aiisjiriiche, da 
er denselben mir dann konsnmirt, wenn er sieh einen 
sehr reicblicben, z. H. mindestens tä^liehen, Verbrauch 
gestatten kann. Die beiden anderen Konsumenten 
sind weit ansjirucbsloser, da sie sieh eventuell auch 
mit einem viel gerillteren Konsum, etwa einmal 
wöcbentlieb, betidl^en, ohne dämm den Artikel aiif- 
ziifeben. Dabei left der Käufer / dem Kaffeekonsume 
nberbaii])t nicht mehr Werth bei als der Käufer // 
lind ist für reichlichere Verwendnnten sog-ar viel 
tleicbtültiter als dieser. Der Käufer III dat'eten 
wird tKisserc Kaffeementeii zwar auch nur zu nicht
        <pb n="221" />
        185 
viel höheren Preisen kaufen, wie /, da^e^en weit 
höhere Preise zu zahlen bereit sein, nm sieh doch 
wenigstens kleine Mengen zu verschaffen. Er ist in 
Hezn^ auf die Menj^e ansjirnehslos, le^t aber auf 
den Kafteekonsnni überhaupt grossen Werth, vielleicht, 
wie früher erwähnt, mir ans Hüeksiehten der Kon- 
venienz und des gesellsehaftliehen Ehrgeizes. 
Die Naehfragekiirve des letzteren Käufers ///, 
gezeiehnet haben, zeigt hei der Mininialinenge Ofit 
eine grössere Vertikal strecke, jene des Käufers II 
zeigt eine solche hei der viel grösseren Minimal menge 
welche einen täglichen Konsum gestattet und 
in unserer Figur eine ebensolche hei einer grösseren 
Menge, welche etwa zu einem zweimal täglichen 
Fig. 45. 
die wir der leichteren Unterscheidung wegen roth
        <pb n="222" />
        186 
Kaíteekoimuni erforderlicli ist. Die ^rossen Vertikal- 
streckeii, weielie eine ^erin^e Einj)6ii(llielikeit des Fn- 
dividuuins für I’reisseliwankiing’en aiisdrUeken, Inin^en, 
vereint mit langen Kadiusvektorstreeken, welelie zald- 
reiche, zwiselienliegende IVFengen nl)ers])rin»en, die 
Anspriielic des Individuums zur Anseliauun^-, zugleieli 
aber aueli seine Sclieu, Mühe und Sorgfalt an die Auf- 
sueiiun^' der jeder Preissclnvankung- angemessensten 
Konsumkombination zu wenden. Die Käufer f und 
III da^i-eg-en, deren Xaeiifra^ekurven in ihrem weiteren 
Verlaute keine flössen Zähne aufweisen, sind niebt 
nur ans})ruelisloser in Bezu^' auf die Konsummen^e, 
sondern aueli mehr darauf bedaebt, selbst kleinen 
Dreissebwankun^en zu folgen. Eine solebe sorgfältige 
Anj)assun»- des Konsumes liegt im Wirkungskreise der 
wirtbsebaftlieben Hausfrau, welebe zugleieb darauf 
bedaebt ist, die mögliebst vollständige Ausnützung 
der angekauften Mengen der versebiedenen Artikel 
zu erzielen. Be\ vielen Artikeln ist eine vollständige 
Ausnützung gar niebt möglieb, da ein gewisser \"er- 
lust, z. B. bei Ivoble dureb Abrieb und namentlieb 
durch den nicht kontinuirlieben Dang der Feuerstellen, 
unvermeidlich ist. Ebenso gebt bei Zueker, Meid, Salz 
u. dgl. notbwendigerweise etwas durch Verstreuung 
und Beschmutzung verloren, oder bei allen Speisen 
und Getränken alles, was an den Geschirren haften 
bleibt. Noch mangelbafter ist die Ausnützung der 
Speisen und Getränke in allen jenen Haushaltungen, 
in welchen die Portionen nicht knapp vorgelegt 
werden und mit Absicht mehr bereitet wird, als
        <pb n="223" />
        187 
voraussiclitlicli zur volhui lU‘tVie(li^un^ der Tineli- 
íçeuossíMi erforderlicli ist. Wir sell eu also, dass bei 
einer ^‘ewisseii Aukauf'smeu^e eines Artikels immer 
noeli verseliiedeiie Konsumkombinationen, die sieb in 
der Ausnützung dieses Artikels untersebeiden, mö^- 
lieb sind, dass aber die Kombination, welebe die voll 
ständigste Ausnützung mit sieb bringt, keineswegs 
aueli die vortbeilbafteste sein muss. Wäbrend es also 
bei strenger Wirtbscbaftliebkeit mö^lieb wäre, aus 
den an^ekauften Mengen mehr oder grössere Konsum 
portionen berzustellen, wird der ansjiruebsvollere Kon 
sument die bierzu nötbi^e Zeit, ^lübe und Sorgfalt 
niebt aufwenden wollen. Jene Individuen da^e^en, 
die immer eine mö&lt;»liebst vollständige Ausnützung der 
gekauften Aleiij^en anstreben, werden auch ^erin^- 
tVijiin-e Aenderun^en der Ankaufsmen^e niebt ausser 
Aebt lassen; ihre Lebens^euusskurveu werden daher 
weniger lan^e, gerade Streeken, also einen mein* kon- 
tinuirlieben Verlauf, aufweisen. 
45. Die individu(*ll(‘ii 
Der I ntersebied der Nei^un^en verseliiedener 
Individuen oder Aenderun^eu, die der (iesebmaek 
desselben Individuums erleidet, maebeii sieb in der 
verseliiedenen Kmjifindunf»* und Deurtbeilun^ aller an- 
{ietVibrten KinÜüsse geltend. So ist z. D. die Hüek- 
siebt auf Konvenienz bei jedem Individuum eine andere 
und leiebt veränderliebe; je naeli Umständen wird bei 
der Wald der jeweilig* zweekmässigsten Konsumkom-
        <pb n="224" />
        188 
hinatioii nebst der ei^eiien Nei^nn^ die KUeksielit 
auf das Uidlieil der Gesellseliaft, in der man sieli i)e- 
wej?t, mein* oder weniger mitspielen. Dies gilt keines 
wegs blos von den sogenannten höheren Sehiehten 
der Gesellschaft; gerade der Dauer hält zähe an dem 
1 lergehraehten fest und wird seihst mit den grössten 
Ol)fern auf keinen jener Artikel verzichten, deren 
Konsum er für standesgemäss hält. Ebenso ist die 
individuelle Neigung dafür massgebend, welchen Ar 
tikeln gegenüber ein Individuum grössere oder gerin 
gere Ans])rüche stellt, und hei welchen Artikeln sieh 
der Einfluss steigender Wolhahenheit auf die Nach 
frage am meisten geltend macht. Ganz besonders 
wird es aber von dem Geschmacke und den Neigungen 
des Individuums ahhängen, welche Artikel ihm als kon- 
kurrirende und welche als kompletirende erscheinen. 
\\ ährend z. B. für die meisten Konsumenten geistiger 
Getränke der ihanntwein nur ein Surrogat der wol- 
schmcckenderen Getränke bildet, wird dieser dem 
Gewohnheitstrinker, dem nicht die leichte Erregung, 
sondern nur die J runkenhcit Genuss gewährt, als ein 
Artikel erscheinen, dem Wein und Bier gar nicht 
Konkurrenz machen können. Kaftee, Thee und (lioko- 
lade mögen von manchen gleich geachtet werden, so 
dass der JVeis allein die Wahl bestimmt, während 
andere so ausgesprochene Neigung oder Abneigung 
empfinden, dass es für sie gar keine Wahl gibt. Daher 
kommt es anch, dass Preisschwankungen der minderen 
Sorten oft ohne Einfluss auf den Konsum der besseren 
Sorten bleiben, weil die wolhahenden Abnehmer der
        <pb n="225" />
        189 
letzteren die geringeren Qualitäten gar nicht als kon- 
kiirrirend anerkennen. Andere Konsumenten wieder, 
die z. Ik zweierlei Weinsorten zu trinken pflegen, 
werden je nach ihrer Neigung, wenn die eine Sorte 
billiger wird, nur von dieser mehr, von der anderen 
aber gleich viel oder weniger trinken, oder auch den 
Konsum beider Sorten vermehren. Immer aber scheint 
die bessere Qualität der geringeren wirksamere Kon 
kurrenz zu machen als umgekehrt. 
Die individuellen Neigungen machen sich hei 
der Wahl der geeignetsten Konsumkomhinationen be 
sonders durch die Reihenfolge der Wichtigkeit geltend, 
welche der Befriedigung der verschiedenen Bedürf 
nisse zuerkannt wird. Der eine wird sich mit der 
hescheidendsten Ernährung begnügen, um immer reine 
Wäsche und anständige Kleidung erschwingen zu 
können. Bei anderen wieder steht dieses Verlangen 
in zweiter Reihe und wird erst befriedigt, wenn für 
Sj)cise und Trank ausreichend gesorgt ist. In dem 
einen Haushalt sjuelt Essen und Trinken die Haupt 
rolle, in dem anderen die Erziehung der Kinder und 
die (Gesundheitspflege, hei anderen wieder das Streben 
nach Unterhaltung oder die Toiletten der Frau, hei 
anderen die Sorge um die Zukunft; kurz, so mannig 
faltig die menschlichen Neigungen, so unherechenhar 
die verschiedenen (Geschmacksrichtungen sein mögen, 
immer finden sie in der Vertheilung des Ausgahenhudgets 
des Hauses ihren charakteristischen Ausdruck. Dabei 
macht sich nicht minder der (Geschmack des einzelnen 
in der Beurtheilung dessen geltend, was zusammen-
        <pb n="226" />
        100 
j»-eliört, zusainmeiii)íisst. Es ist geradeso (iescliinacks- 
saclic, welcher Aufputz zum Kleid, welelie Sanee zum 
Hrateu gehört, als etwa, welelie Eiurielituu^- zur 
Wolimm«»*, welelie Wolmung-und wie viel Dieiierseliaft 
u. s. w. zur Aufreelitlialtuu^' des ^eei^uetsteu Zuselmittes 
der »auzeu llauslialtuuo- erforderlich erscheint. 
Die iudividuelleu Nei^uuo-eu können soj&gt;ar soweit 
verschieden sein, dass dieselhen zwei Artikel dem 
einen kompletirend, dem andern aber konknrrirend 
erscheinen. So ^iht es Kalfeekonsnmenten, welche 
an einem gewissen Zusatz von Ciehorie Gesehmack 
finden und hei Ereisändernn^en das ihnen angenehme 
Men^enverhältniss nur weni^' modifiziren, während 
andere mir hei steifendem Kaffeejireise mehr und 
mehr Ciehorie znsetzen und sich schliesslich auch mit 
blosser Ciehorie hcfiiüfen werden. Einen dritten Fall 
endlich, wo Ciehorie auch nur hei hohem Kattec])reise, 
aber doch nie allein, konsnmirt wird, haben wir schon 
früher erwähnt. 
Die fcfenseitife Stellniif verschiedener Artikel 
wird f-anz auffallend durch das hei versehiedenen Per 
sonen niifleich lebhafte Hediirfniss nach Ahwechslnnf 
heeindnsst. Dieselben Artikel, welche — wie die 
verschiedenen Fleisch- oder Mehlspeisen, die mannif- 
taltifen Kleider- oder Möbelstoffe, Stadt- und Eand- 
wohnmifcn n. dfl. — einander ersetzen können und 
somit meistens als konknrrirende erscheinen, werden 
von anderen Personen der Ahwechslnnf halber neben 
einander konsnmirt und treten dann als komjiletirende 
Artikel auf. Wenn es von den Vermöf ensverhältnissen
        <pb n="227" />
        191 
ill welcluMii Mas^e dem ll(‘(liiifiii«&gt;se iiacli 
Aliweclisluiif»* tliatsäehlieli Reclimiii«»’ ^elra^eii wird, 
so können wir nns doeli ^an% j»ut aneli zwei ^leieli 
Avollialiende Konsnnienten denken, von welelien der 
eine das &lt;»anze Jahr hindureh Kaffee, der andere 
aller zeitweilio^ zur Abweehslun»' IJiee zum Frühstiiek 
nimmt, oder von denen einer immer nur Halsbinden 
von ^leieber Form und Farbe, der andere daj»e&lt;»en 
‘»•ein niö^liebst versebiedene trä»*t. Das Streben naeb 
Abweebslun»* kann noeb viel weiter &lt;»ebeii; so wird 
eine elegante Dame ‘»ar kein Verlangen tragen, aiieb 
nur zwei ^anz j*leiebe Kleider oder Hüte zu besitzen, 
ebenso wie der Sammler von Hüebern, Münzen, Bildern, 
zwar immer niebr, aber nur neue, versebiedenarti^e 
Stüeke begehrt. 
4(). Die (iewöbnmii; und der aufäu^lielie Besitz. 
Eine der bäuff^sten und ei^entbümliebsten Aende- 
ruii^en der individuellen Nei^un^en wird dureb das 
Auftreten einer Dewöbnun^' bewirkt. Wir bemerken, 
dass sieb ein Individuum au einen Artikel überbaii|it 
oder an eine reiebliebe oder spärliebe Verwendung" 
desselben ^ewöbnen kann, oft aueb an eine Gruppe 
einander nabestebender Koiisuinkombinationen, welebe 
dann dem Individuum als zu einer bestimmten Lebens 
weise ^eböri^ ersebeinen, oder endlieb an eine Grupjie 
verwandter Lebensweisen. Die Gewölmun^ bnii^t es 
immer mit sieb, dass jene Koiisiimkombinationen oder 
Lebensweisen, an welebe sie sieb knüpft, einen re la-
        <pb n="228" />
        192 
tiv liöliereii Lebeiisgeimss gewähren, als jene, auf 
welche sie sich nicht erstreckt. 
Stelle nun bg (Fig. 46) die Lehensß^enusskurve, 
auf irgend einen Artikel A bezogen, vor Eintritt einer 
Gewöhnung" dar, und nehmen wir an, dass die Er 
höhung- des Lebensgenusses durch die Gewöhnung an 
den betreitenden Artikel eine für alle Mengen des- 
Fig. 46. 
selben ganz gleichniässige sei, so kann sich diese Er 
höhung doch nicht auf die Anfangshefricdigung Oh 
erstrecken; diese wird vielmehr unverändert bleiben. 
Wir können uns aber ebensogut auch vorstellen, dass 
alle übrigen Ordinaten der Kuiwe hg gleich bleiben, 
und nur die Anfangsordinate kürzer werde, indem der 
Verzicht auf den Ailikel, nachdem man sich an den 
selben gewöhnt hat, schmerzlicher empfunden wird.
        <pb n="229" />
        193 
Es lässt sicli in einem solelien Falle nielit nnterselieiden, 
ol) die Kurve hg die Gestalt hg¡ oder h¡g anniniint, 
weil diese, der Form naeli identiseli, sieh mir diireh ihre 
Höhenlage nnterselieiden; wir sehen, dass der Maximal- 
preis höher, die Minimalmen^e Ofi aber kleiner, nämlieh 
geworden ist, weil nunmehr aneh früher iiher- 
Fig. 47. 
sprnngene Konsiimkomhinationen mit spärlieherer Ver 
wendung des Artikels A in Hetraeht kommen werden. 
Geht die Gewöhnung dahin, die reiehlicheren 
Verwendungsarten mehr zu sehätzen, so erhöht sieh 
die Seheitelstreeke der Lehensgenusskurve, während 
' die Konsumkomhinationen mit sjiärlielierer Verwen 
dung von A vielleicht ganz ausser Betracht kommen. 
Die Kurve hg kann dann eine Form wie hg¡ (Fig. 47) 
annehmen, so dass sowol der Maximalpreis steigt, 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, fib. d. Theorie d. Preises. 13
        <pb n="230" />
        104 
als auch die Maximahueu^e vou Oft auf Qu, wächst. 
Erstreckt sich da^e^eu die Gewöhuuuj»- nicht auf die 
reichlicheren, souderii umgekehrt gerade auf die s])är- 
lichereu Verweuduu^sarteu, so wird die Kurve hg die 
roth^ezeichuete Aushauehuu^' erfahren; der Maxiuial- 
])reis steift, während die Aliuimahueu^e kleiner, uäui- 
lich wird ; da aber die Kurve iui Gegensätze zu 
dem Falle Ei«;-. 4 G in ihrem weiteren Verlaufe Hacher 
o-ewordeu ist, kann der Ueher^au^' zu grösseren Meuten 
erst hei niedrigeren Preisen als früher cidolgen. Geht 
die Aeuderuug in derselben Hichtuug sehr weit, so 
kann der Scheitel der Leheusgeuusskurve nach links 
rücken, die Menge der vollen Befriedigung also ah- 
nehmen, so dass die reichlicheren Verwendungsarten 
ausser Betracht kommen. 
Knüpft sieh die Gewöhnung endlich nur an eine 
bestimmte Lebensweise, und ist ßy (Eig. 48) die für die 
selbe geltende Lebensgenusskurve, so wird die letztere 
unter dem Eintiuss der Gewöhnung die erhöhte, punk- 
tirte Lage einnehmen. Die Lebensgenusskurve hg vor- 
theilhaftester Betriebs- und Lebensweise erhält dadurch 
die in der Eigur punktirt ersichtlich gemachte Aus 
bauchung. Geht die Erhöhung des l.ebensgenusses 
durch die Gewöhnung weit genug, so können dadurch 
die Lebensweisen mit spärlicher Verwendung des Ar 
tikels Á ganz übersprungen werden und anderseits auch, 
wie im vorigen Ealle, jene mit reichlicherer \ er Wen 
dung ganz oder theilweise ausser Betracht kommen. 
Die Gewöhnung knüj)ft sich begreiflicherweise 
in sehr ungleichem Masse an verschiedene Artikel;
        <pb n="231" />
        195 
am auftalli»’«teii tritt ilirc Wirkung l)c*i den Erre^nn»s- 
initteln liervor, weil diene in der Re^el nielit von 
Jiij»end auf ^enonnen werden und daher dan Eintreten 
der Gewöhnung»’ nieli he&lt;d)aehten lännt. Bei Artikeln, 
deren Genunn mit einer Anntren^nn^- verbunden int, 
wie Jau'en, Beiten ii. d^l., bewirkt die Gewöbniin»»-, 
Fig. 48. 
' / 
dann eine Ermüdung' ernt npäter eintritt. Die Ab- 
Htumptim^- ^e^en irgend einen Genunn wirkt da^e^en 
in einem der Gewöhnung gerade ent^e^en^enetxten 
Sinne. 
Die neben früher (33) erwähnte Einwirkung' der 
Art und Benebatfenbeit den antan^lieben Benitzen auf 
die Wald der vortbeilbaftenten Konnumkombination und 
somit aueb auf die Gestalt der Lebenngenunnkurve, 
13*
        <pb n="232" />
        19G 
zeij&gt;-t (lie g-rösste Aelnilielikeit mit jener der Gewöli- 
mino-. Dies tritt deutlich hervor, wenn die Kurve 
auf einen jener Artikel bezogen ist, deren Verhrauch 
einen entsprechenden Besitz gewisser Gehrauchsartikel 
voranssetzt. Ist die Lehens^ennsskurve z. B. auf Betro- 
Icuni hezo^en, so wird dieselhc verschieden gestaltet 
sein, je nachdem das Individuum mit einer für alle 
Fälle ausreiehenden Anzahl von Kämpen versehen ist, 
oder oh es nur eine ^erin^e Zahl oder o-ar keine Lampen 
besitzt, im letzteren Falle wird der mit dem Kon 
sum von Petroleum überhaupt verbundene Lehens- 
o’enuss durch die Nothwendi^keit einer Auslage zur 
Ansehatfun^' von Lampen heeinträchti^t, während sich 
diese Wirkung", wenn einige Lampen vorhanden sind, 
erst hei reichlieherer Verwendung’ von Petroleum fühl 
bar macht. Die I.ehcnsgenusskurve wird also heim 
Besitze weniger Lampen von einer gewissen Menge 
ah-, ohne einen solchen aber durchaus hacher ansteigen 
als in dem ersterwähnten Falle, wo der reichliche 
Lam])enhesitz mit einer Gewöhnung an I etioleum 
überhaupt zusammenfällt und auch, wie eine solche, 
wirkt. Der Uehergang zu reichlicherer Verwendung 
eines \^erhrauchsartikels wird demnach erschwert, wenn 
hierzu Kapitalsauslagen erforderlich sind, und zwar 
nni so mehr, je mehr das Individuum I rsache hat, 
das mit solchen Investitionen verbundene, mehrfache 
Risiko zu scheuen. Nicht bloss die Gewöhnung an 
einen Verhrauchsartikel überhaupt, sondern auch die 
an gewisse engen desselben findet ihre Analogie in 
der Art und Weise, wie sich der Besitz gewisser
        <pb n="233" />
        Gel)rauclisartikel bei der Wald der vortheilliaftesten 
Konsumkombiiiation geltend macht. Wer z. B. ein 
Paar Pferde liält, liât einen lebhaften Begehr nach 
einer angemessenen Menge Hen und Hafer, während 
alle Konsumkomhinationen, die wesentlich grössere 
oder kleinere Mengen dieser Artikel enthalten, fiir 
ihn nicht in l^etracht kommen.
        <pb n="234" />
        hm 
-m 
r i 
: t 
fö:.-- 
ir« 
;*■•&gt;•' 
l*&amp;. 
;mm# 
&lt;-r 
^rnrnm^^'k
        <pb n="235" />
        ï 
i 
SAT 
V. 
Das produzirende Individuum
        <pb n="236" />
        .1
        <pb n="237" />
        Die Lebensgenusskurve mit Be 
rücksichtigung einer produktiven 
Thätigkeit. 
47. Die vortlieilliafteste Konsinii- und IVodukt- 
koiiibiiiatioii. 
Wir liabni im vorigen Kaj)itol nur den Hpeziellen 
Kall einen annneldiennlieli konsninirenden Individnnnin 
behandelt, wir können aber die gewonnenen Renultate 
ohne weiteren auf den allp;emeinen Kall einen aiieb 
produktiv tbäti^en Menneben übeiira^en. Auch ein 
noleber int bentrebt, jeweilig die ^rönnte Hefriedigun^* 
zn erreicben, und wird daher bemüht nein, unter allen 
erdenklieben Kombinationen neiner ^enammten daliren- 
konnumtion und aueli neiner ^enammten Jabrenjmo- 
dnktion die bei den ^e^ebenen Kreinen aller Artikel 
vortbeilbaftente zn wählen. Zn den Konnnmartikeln 
treten nnnmebr die Kroduktionnertbrderninne hinzu, 
wodnreb nieb der Aufwand vermehrt, während ander- 
neitn aneb die Produkte, welche durch ihren Krlön 
dan Einkommen erhöben, und deren Mengen daher aln 
ne^rative Konnnmmen|fen an%efannt werden können.
        <pb n="238" />
        202 
mit il) der Komliiiiatioii ersclieiiieii. Das Einkommen 
umfasst also nnnnielir ausser den sonstigen Zuflüssen 
au eil den bei den ^e^ebenen Preisen aller Artikel 
sieb ergebenden Erlös für alle Produkte, Abfälle, abge 
nützte Gerätbe u. d^l., während der Aufwand sieb 
nun aueb auf alle Produktionserfordernisse, also auf 
die Bescbatfun^' der 1 lilfsstotfe, auf Löhne, Gebalte, 
Passivzinsen, Steuern, Mietb- und Paebtzinse u. s. w. 
erstreckt. Dem durch die Produktion erhöhten Ein 
kommen, welches einen reicheren Konsum ermöglicht 
oder auch eine grössere, seidiessliehe Vermö^ens- 
inventur herbeiführt, stehen bei jeder ])roduktiven 
Idiäti^keit die Unannehmlichkeiten ^e^enüber, welche 
dem Unternehmer aus der eigenen, ]diysischen und 
j»eistig-en Anstrengung', aus der Aufmerksamkeit und 
Mühe, die er aufwenden muss, so wie aus der Sor^e 
und Aufrej&gt;'U!){:•' bei der Leitung- und Ueberwachun^' 
seiner Untergebenen und des ganzen Unternehmens, 
erwachsen. Die- schliessliche Vermö^ensinventur ist 
hier, wie früher, von der Grösse und Art des anfäng 
lichen Besitzes, von dem Einkommen, das für jede 
Kombination durch den sich ergebenden Aufwand und 
Erlös f&gt;'enau bestimmt ist, sowie von der mit derselben 
verbundenen Abnützung- aller, der Konsumtion oder 
Produktion dienenden Gebraucbs^e^enstände, abbän^ij»-. 
Zur Feststellung einer bestimmten Kombination 
der ^esammten Jabreskonsumtion und -Produk 
tion müssen daher alle zu verbrauchenden oder auch 
zu benützenden Konsumtions- und Produktionserforder 
nisse, sowie aueb alle Produkte, hinsichtlich ihrer
        <pb n="239" />
        203 
Qualität und Quantität und ihrer Verweuduu^H-, be- 
%iebuu^8weÍHC Her^stelluu^sart, ebenso ^;enau in allen 
Kinzelnbeiteii bekannt sein, wie wir dies zur Fest 
stellung einer bestimmten Konsnmkombination eidorder- 
lieb gefunden haben. Es müssen ferner nebst der 
Individualität und der ganzen Zeiteintbeilnnji des 
Unternehmers selbst aneh die physisehen, j^eisti^en 
und moralischen Eigenschaften nicht nur der zu seinem 
Haushalte ^eböri^en, sondern auch aller bei seinem 
Unternehmen beschäftigten Personen teststehen, und 
ebenso muss die Zeiteintbeilun^* aller dieser Personen 
bei allen ibren vom Unternehmer abhän^i^en Tbäti^- 
keiten ^enau ^ere^elt sein. Bei der Wahl der vor- 
theilhaftesten unter allen jeweilig- möglichen Kombi 
nationen müssen wir wieder annehmen, dass die 
individuelle Wcrtbschätzun«»* des Ueldes seitens des 
Unternehmers von der schliesslich verbleihendcn, grös 
seren oder kleineren Vermö^ensinventur nicht beein 
flusst werde. Für diese Wahl ist nebst der Besebatten- 
lieit des anfänj»licben Besitzes, namcntlicb also der 
Ai*t und (irössc der schon ‘»cmachtcn Investitionen 
nebst den Bedürfnissen, Nei^un^en und Gewohnheiten 
des Unternehmers nun auch noch dessen natürliche 
oder erworbene Ei^nun^' zu jeder der verschiedenen 
Arten ])roduktiver Thätiji'keit besonders massgebend. 
Von allen erdenklichen Kombinationen sind zu 
nächst die undurchführbaren auszusebeiden; denn es 
^ibt Produktmen^en, welche mit ^e(febenen Mengen 
aller Produktionserfordernisse aus techniseben Gründen 
schlecbterdin^s nicht her^estcllt werden können. Die
        <pb n="240" />
        '¿KR 
— 204 — 
analoge Erseheimiiig nmnöglicher Konsiimkombina- 
tionen ist weniger auffällig, obwol es einleiielitend 
ist, (lass z. B. auch ein gewisses Quantum im llaiis- 
halte zu hereitcnder Speisen eine entsprechende Brenn- 
stoftmenge erfordert. Unter den technisch möglichen 
Komhinationen ist auch hier wieder keineswegs immer 
jene die vortlieilhafteste, welche der theoretischen 
Ausnützung der verschiedenen Hilfsstofte am nächsten 
kommt; denn eine solche würde oft unverliältnissmässige 
^lühe oder kostspielige Investitionen oder eine allzu 
grosse Ahnützung der Geräthe oder eine allzugrosse 
Inanspruchnahme der Leistung der llilfsarhciter er 
fordern. Der Spielraum für die Aufsuchung der ge 
eignetsten Komhination hleiht dahei immer ein unge 
mein grosser, da diescll)e Broduktmenge aus sehr 
verschiedenen Mengen der verschiedenen llilfsstoffe 
hergestcllt werden kann, wenn an den Einrichtungen 
und dem Verfahren geeignete Aenderungen vorge 
nommen werden. Einen ähnlichen Eintiuss hahen 
Aenderungen in der täglichen und jährlichen Arheits- 
daucr oder in der Verth (dl ung des jährlicli zu vei- 
arheitenden Rohstott(|uanturns aut die ott unglch 1i 
geeigneten Jahres- und Ihgeszeiten. So wird die 
Broduktmenge z. B. einer Brennerei wegen der fort 
schreitenden Deteriorirung des Rohstoü'es hei der Auf- 
hewahrung oder wegen anderer Einflüsse der Jalircs- 
z(dt kleiner ausfallen, wenn das ganze Jahr hindurch 
ein täglich gleiches Arhcitscpiantum festgehalten werden 
wollte, als wenn diesen Umständen in geeignetster 
Weise Rechnung getragen wird.
        <pb n="241" />
        205 
48. Lebensgenuss, Niitzliclikeit und Herstellungs 
kosten. 
Hetracliten Avir mm unter verschiedenen Konsnni- 
nnd lh()dnktkonil)inationen, Avelelie sieh einem prndn- 
zirenden Individnnin darhieten, jene, Avelelie einen be 
stimmten Verhranelisartikel A enthalten, der bei gar 
keiner Kombination als Produkt, sondern immer nur 
als Krforderniss der Konsumtion oder Produktion oder 
beider zugleich anftritt, und von welchem sich weder 
ein anfänglicher \ orrath im Besitze des betrachteten 
Individuums hetinde, noch ein solcher am Schlüsse 
des Jahres gehalten Avird. Nehmen Avir dann Avieder 
an, dass nur die Preise aller anderen Artikel gegeben 
seien, so können Avir die früher (34) für ein bloss 
konsnmirendes Individuum angestellten Betrachtungen 
Schritt für Schritt Aviederholen. Wir Averden so unter 
steter Festlialtnng unserer Voraussetzung uiiAeränder- 
licher, individueller Werthschätzung des Geldes Avieder 
dahin geführt, dass mit jeder Jahresmenge des Arti 
kels A ein bestimmter Lebensgenuss — die Betrie- 
digung l)ei unentgeltlicher Beistellung der betrettenden 
Menge — verbunden ist; der bei der Menge Null, 
also bei Ausschluss des Artikels vl, erreichbare Lebens 
genuss bildet Avieder die Aufangsbetriedigung. M ii 
könnten also ganz, Avie dort, eine aut das Konsum- 
tions- oder Produktionserforderniss A bezogene Lehens 
genusskurve eines ])roduktiv thätigen Indi\ iduums 
aufstellen und aus derselhen auch wieder die Nütz-
        <pb n="242" />
        200 
lichkeits- iiml die Na(*lifraf»-ekurve erlialteii; die«e 
Kurven zeigen wieder den friilier l)e8])roelienen Forni- 
eliarakter. 
Neliinen wir da^e^en an, dass der Artikel v1, 
dessen Preis nielit hestiinint ist, während alle anderen 
Preise ^e^ehen seien, nunnielir als Produkt und hei 
keiner in Petraeht kommenden Kombination als Kr- 
forderniss auftrete, und dass auch weder irgend ein 
anfän^lieher Vorrath von demselben vorhanden sei, 
noch ein solcher am Schlüsse des Jahres gehalten 
werde. Auch hier können wir unter allen Konsum- und 
Produktkomhinationen, welche dieselbe Jahresmen^e 
.r von A enthalten. Eine heraushehen, welche die 
grösste Befriedigung gewährt und daher hei jedem 
Preise von A, auch wenn die hetretfende Alenge nn- 
ent^eltlieh ah^e^ehen werden müsste, die vortheil- 
hafteste hleiht. Selhstverstiindlich &lt;»ilt dies hier, wie 
früher (34), nur als Eol^e unserer Voraussetzung- un 
veränderlicher W-erthschätzun^ des (Yeldes. Dort wurde 
durch den Bestand eines Ankaufsjueises die Be- 
friedi^'un^ hei allen, die gleiche A erhrauchsmen^e o' 
enthaltenden Kombinationen um den gleichen Aufwands- 
hetra^* geschmälert, während hier heim Bestände 
eines \ erkaufspreises (7/1 die Befriedigung- hei allen, 
die gleiche Erzeii&lt;i,un^smen«»e x enthaltenden Kombi 
nationen um den gleichen Erlös xU/iJ' erhöht wird. 
Unserem früheren Vorj&gt;ani&gt;e analog-, hezeiebnen wir 
die Befriedigung-, welche die hei irgend einer Menge 
X vortheilhafteste Kombination ohne Rücksicht auf einen 
Erlös für den Artikel A gewährt, als den mit dieser
        <pb n="243" />
        ÍÍRfücJ: 
Un, 
— 207 — 
.íalircs])ro(liiktiiieii^e verl)uii&lt;l(‘neii L e b e ii s e n u « h. 
E1)ctiho iieiineii wir jene BetViedi^i^ung', welebe any der 
bei der Brodiiktiuen«»e Null — bei Niebtberytellunj»- 
des Produktes A — vortbeilbaftesten Kombination ber- 
vori^ebt, auch hier wieder die Ant'an^sbefriedi^un^'. 
Der Untenielnner muss nun immer mindestens 
die Anfan^^sbefriedi^un^' erreieben, da er selbstverständ- 
lieb die Produktion von A einstellen würde, wenn dureb 
dieselbe seine ]^efnedi^un^, statt erhöbt zu werden, 
soo-ar noeb ^esebmäleid würde. J &gt;a nun mit waebsender 
Produktmen^e die Anstrengung- und die Ausladen zu- 
nebmen, wird die Befriedigung, wenn die Produktmen- 
»en wirk lieb unent^eltlieb ab^ej(eben werden müssten, 
abnebmen und hinter der Anfan^sbefriedi^un^- mehr 
und mehr zurüekbleiben; die Befriedigung ohne Erlös 
für den Artikel A ist aber eben das, was wir unter 
r^ebens^enuss verstehen. Der Unternebmer kann also, 
sobald der mit irgend einer Produktmen^e von A ver 
bundene Lebensgenuss kleiner ist als die Anfan^çs- 
befriedi^un^, diese Menj^c nur dann ohne Naebtbeil 
bersteilen, wenn er für dieselbe mindestens so viel er 
löst, als nötbi^ ist, um seinen Lebensgenuss so weit 
zu ergänzen, dass seine Befriedigung der Anfan^s- 
befriedi^un^- wieder ^leieb kommt. Dieser ^erin^ste 
Erlös, bei dem der Unternehmer von seiner Produktion 
noeb &lt;&gt;ar keinen Vorth eil bat, so dass es ihm gerade 
»leieb^iiltiji bleibt, ob er die betretfende Alende oder 
»*ar niebts von A bersteilt, ist also eben das, was w ir 
früher (2) die Selbstkosten oder die Herstellungskosten 
"enannt haben. Wir sehen daher, dass die Herstel- 
•fffr 
ittkf
        <pb n="244" />
        208 
liino’skosteii irgend einer Jaliresj)ro(luktineng’e dureli 
den ITekerselinss der Antang-f^betViedio-nno’ Uber den 
mit dieser Alende verl)nndenen Lebensgenuss bemessen 
werden, ^an% so, wie die Niitzliebkeit einer Jalires- 
konsummeno’e dnreb den Uel&gt;erselmss des Lebensj»'e- 
niisses Uber die Anfan^'si)efriedi^nn^' an^e^eben wird. 
Die Selbstkosten oder IIerstellnn^skosten irgend einer 
zu verkantenden Jabres])rodiiktmenj&gt;'e, welebe nebst den 
baren Ausladen aueli eine Entsebädi^nin»- fUr die An 
strengung-, Milbe und Sorge des Ibiternebmers mit ent 
halten müssen, bilden also einen genauen Gegensatz 
zu der Niitzliebkeit oder dem Gebrauebsweiibe einer 
anzukaufenden Jabreskonsummenge. Ganz so, wie der 
Konsum keinen Kefriedignngsznwaebs, also nur die 
Anfangsbefriedigung, gewähren würde, wenn für die 
anzukaufende Menge ihr ganzer Gebrauebswertb auf 
gewendet werden müsste, bringt aueb die Produktion 
keinerlei Einbnsse an Befriedigung, also wieder die 
Anfangsbefriedigung, hervor, wenn für die erzeugte 
Menge der volle Ersatz ihrer Herstellungskosten er 
löst wird. Die Anfangsbefriedigung bildet also immer 
den Ansgangs])unkt, gleiebsam den Pegel, mit dem 
der Lebensgenuss, den irgend eine Konsum- oder Pro 
duktmenge des jeweilig betraebteten Artikels gewährt, 
verglieben werden muss, um das einemal die Niitz 
liebkeit, das anderemal die Herstellungskosten der be- 
t reif en den Menge ermitteln zu können.
        <pb n="245" />
        200 
4í). Die Lelieiisíreiiusskiirve, auf ein blosses Produkt 
bexo^eu. 
Stellen wir nun den mit jeder Jaliresnien^'c eines 
niii als Produkt aiittrctenden Aitikels A verbundenen 
Lebensgenuss dureli je eineOrdinate dar, so müssen 
wir die Produktnien^en, da sie verkauft werden, als 
negative Ankaufsmen^en anselien und sie daher links 
von der Ordinatenaehse auftra^en, während die An- 
tanoshefriedio-iino- Oh wieder üher dem Xullpunkte er 
scheint. Wii eihalten so (l"i^. 40^ eine im allgemeinen 
unre^elmässio- verlaufende Punktreihe, von weleher wir 
dureh Ausseheidun^- der unzweekmässi&lt;;en Mengen, d. i. 
derjenigen Punkte, die tiefer liefen als die gerade 
Verhinduu^slinie ir»eud weleher anderer Punkte, zu 
dei durehaus konkaven, in unserer 1" i^*ur schwarz ^e- 
zeiehneten Kurve j»elanoen. Ls ist dies die auf 
das Produkt A bezogene Lebens^enusskurve des 
betraehteten, wirthsehaftliehen Individuums hei den 
j*e;*ebenen Preisen aller anderen Artikel. Drehen wir 
diese Kurve um DSU", so erhalten wir die rotli »e- 
zeielmete, konvexe Kurve in v\eleher die Produkt- 
men^en dureh positive Abszissen, die Anfan^shefrie- 
di^un«*' Oh aber und der Lebensgenuss dureh negative 
Ordinaten dar^’estellt werden. I lieselbe Kurv e, in beiden 
I larstellun^'en dureh den Xull¡mnkt «feiert, ji;iht jedes 
mal die Kostenkurv e Ouj und zwar stimmt die rot he 
Kurve Oa mit unseren früheren 1 )arstellun¿»en der 
Kostenkurve überein. Die Kosten kurve und die Lehens- 
Auipitz u. Lieben. Uiitcrtiucb. üb. d. Theorie d. Preises. 14
        <pb n="246" />
        210 
^eimsskiirvc iiuters(*liei(l(‘ii siHi mir durcli iliro um Oh 
vcrscliicdciie llöliculaoc, weil, wie wir mm wissen, die 
Herstellmii&gt;skosteii jediw Meii&lt;i,e eines Produktes A dnreli 
den Unterseliied zwiselien dein mit dieser Men&lt;2;e ver- 
Fiff. 19. 
int, 
P 
bnndenen Lebensgenüsse und der Ant}mj&gt;-sbetViedi&lt;»nnj&gt;- 
Oh an^ereilen werden. Die An^ebotsknrve Oa lässt 
siel) ebensowol ans der einen, wie ans der anderen 
Kurve ableiten, mir ersebeint ebenso, wie die seliwarz-
        <pb n="247" />
        211 
íifozciclíncte Kosten kurve, aiieli deren Ab^eleífete in nin- 
K'ekelirter Stellung-, daher die letztere mit der naeli 
liidcH verlängerten Preislinie POP des Artikels A zum 
kSdmitt ^ehraelit werden muss. Der Selinittpunkt der 
Preislinie mit der Kurve Oa hezeielinet in beiden Dar 
stellungen dureli seine g’leieh lan^e Abszisse die vor- 
tbeilbatteste Jabresproduktmen^e x von A, dureb seinen 
V ertikalabstand von der Lebensg’enusskurve die Be- 
triediguno-, d. i. die Summe von Lebensgenuss und Er 
lös, und endlieb dureb seinen Abstand von der Kosten 
kurve den dureb die Produktion der bezeiebneten Atenle 
von A über die Anfangsbefriedi^un^ erzielten Hefriedi- 
«unf» szmvaebs, und dies ist der sebón trüber besproebene 
Nutzen der Produktion des Artikels vi. Das Ende der 
geradlinigen Antan^sstreeke der Kurve hg bezeiebnet 
iiueb liier dureb seine Abszisse die Miniinalnien^e Om 
des I roduktes A, während die Nei^un»’ dieser Antan^s- 
streeke hier den Alinimaljireis P„OP,„ an^ibt, bei 
dem die Erzeugun^- dieses Produktes gerade noeb 
mö^lieb ist, aber keine höhere als die Antanj^'sbetrie- 
&lt;li«&gt;un^- Oh gewährt. Bei jeder weiteren Verwolt'eilun^ 
des Artikels A wird das betraebtete Individuum dessen 
1 roduktion einstellen, während bei höheren Preisen 
Hukzessiv grössere Men&lt;»’en ber^estellt werden und die 
Betriedi^un^ kontinuirlieb zunimmt. .Je grösser die An- 
tan^'sbetriedi^un^ ist, desto höher stellt sieb der Mini- 
malpreis, und desto grösser wird die Minimalmenj»e, 
während ein Individuum, das bei Einstellung der spe 
ziellen Produktion von A nur eine ^erin^e Anfan^s- 
betriedi^un&lt;r erreieben könnte, bei dieser Produktion 
14*
        <pb n="248" />
        212 
auslialteii muss, wenn aucli der Preis des Artikels A, 
und also der erreickbare PetViedi”-uii&lt;&gt;szuwaebs, mir 
ein ^erin^er ist. 
Der ]\Iinimal])reis ist in Pi^'. 4Í) ein positiver; 
doeli i&gt;il)t es aiieli Artikel, wie Melasse, Steinkolden- 
aselie n. d^l., die we^en ihres teelinisehen Zusammen 
hanges mit werthvolleren Produkten aueh dann noeh 
erzenst werden, wenn seihst Fortsehatt‘iin&lt;&gt;-skosten für 
dieselben gezahlt werden müssen. Die Lebens^ennss- 
knrve erseheint dann, wie in Fi»-. 50 (dieselbe Kurve, 
um 180" gedreht, ist roth ‘»•ezeiehnet); sie beginnt mit 
einer geraden Streeke, deren Riehtunj»- einen nega 
tiven iMinimalpreis, also höehste Fortsehattnn^skosten, 
anoil)t. Die Kurve % und die Kostenkurve Oa zeigen 
in Fi{&gt;*. 50 einen Seheitel, wie ihn die Nützliehkeits- 
kurveii »ewöhnlieh haben; derselbe Punkt erseheint 
in der rothen Zeielmun«»’ als Tiefpunkt und &lt;»-ibt jedes 
mal die Men^e an, welehe die vortheilbafteste ist, 
wenn das Prodnkt zwar nur umsonst, aber doeb aiieli 
ohne Fortsebatfnn^skosten anbrin^lieh ist. Bis zn 
dieser )len^e verhält sieh ein Produkt, für das Fort- 
sehatfun^skosten bezahlt werden müssen, ^enau wie 
ein Prodnktionserforderniss, indem der Debens«^ennss 
bis zn dem Seheitel der Kurve h&lt;j znnimmt. Soweit 
der Tjebens^enuss die Anfan^sbefriedi^un^- übertritft, 
verläuft die Kostenkurve Oa in der seliwarzen Zeieh- 
nuno- über, in der rothen Zeiehnunj»’ unter der Ab- 
szissenaehse, wodurch aus^edrüekt wird, dass die 11 er 
stell nno- der betretfenden Alenden nieht nur niehts 
kostet, sondern bei den ue&lt;,ebenen Preisen aller an-
        <pb n="249" />
        213 
(It'ivii Artikel, iiishesoiidere der anderen Produkte, 
noeli einen Ue))erseliiiKH ^’ibt. Hei einem Produkte, 
wie Steinkoldenaselie, kann begreiflieherweise über- 
banpt mir der Idieil der Kurve bis zum Sebeitel, bzw. 
I ietpnnkte, in Hetraelit kommen. Darüber hinaus kann 
Fig. 50. 
die Produktion nur dann auso-edelint werden, wenn 
das betrett'ende Ib'odukt wirklieb verkäuflieb wird, 
lind der weitere Verlauf der Kurve ist dem abfallen 
den Stiieke einer auf ein Konsnmtions- oder Prodnk- 
tionserforderniss bezogenen Lebens^enusskurve, das
        <pb n="250" />
        214 
tur Meuten Aveldíc mir Aufzuliluii»- koii- 
HUinirt werden, ¿»aiiz aiuilo»^'. Die Kurve 4D) 
tindet da^e^eu ihre Analogie in jener (Fi^\ 40) eines 
Konsinnartikels, der nielit he^elirt und da lier iilier- 
hau])t nur bei negativen Preisen, also ^e^en Aufzali- 
lun^', konsinnirt wird. 
50. Die Aiifuii^sbefriedi^iiii^ des Uiiteriiehmers. 
Wir haben »‘eselien, dass die Nützlielikeit eines 
Produktionserfordernisses, ebenso wie die eines Kon- 
suinartikels, und anderseits, dass die Jlerstellunoskosten 
eines Produktes in ihrer Peniessun^' wesentlieb von der 
Anfano-sbefriedio-un^- abbän^en. Die Anfan^sbefriedi- 
«•uiii»-, die einem produktiv tliUti¿»en Individuum ver 
bleibt, Avenn ein bestimmter Artikel ausu-eseblossen 
ist, wird sieb je naeb der Natur dieses Artikels sehr 
verseilieden ^ross erweisen. Wenn z. H. ein Xueker- 
fabrikant auf ein.Produkt, wie Wiirfelzueker, oder ein 
Frforderniss, wie eine gewisse Kol den sorte, verziebten 
soll, wird es nur einer ^aiiz «;vriiiofii&lt;;i&lt;;eii Aenderun«»- 
seines Hetriebes bedürfen, um zu anderen Sorten, die 
vielleiebt früher aiieli sebón erzeugt, bzw. verwendet 
wurden, Überzug eben. Fbenso wird es einem Ijund- 
wirtbc keine besondere Sebwieri^keiten niaeben, dureb 
eine blosse Aenderun«»’ seiner Fruebttbl^e eine Kultur- 
pbanze dureb eine andere zu ersetzen oder selbst von 
der Fleisebjiroduktion zur Milebwirtbsebaft überzu^eben. 
Siebt sieb der erwälmte Fabrikant da^e^en veranlasst, 
keine Hüben niebr zu verarbeiten oder, Avas (lasse!lut
        <pb n="251" />
        215 
i«t, keine aiifs^elau^ten Iviibenselmitte melir zii erzeu- 
j&gt;en, «0 i«t (1er Weiterbetriel) des Unternelmiens ais 
Zuekertabrik iiimiôj»lieli, iind es bietet sieli die Er- 
dar, ob bei den ^e^ebenen Preisverliältnissen 
die Uniwandlnn^' der Fabrik in eine Haftinene oder 
die Verwendung’ des Gebäudes und eines Idieiles der 
\\ erksvorriebtun^en zu einer ^anz anderen Fabrika 
tion odei- der \ erkauf der ganzen Anla&lt;»e und die 
Wald eines neuen Berufes am ^eratbensten sei. Selbst 
in einem so weitgebenden Falle bleibt also dem Unter- 
nebmer, wenn er nur in der Lage ist, sein Leben zu 
fristen, eine Antängsbefriedigung. Dieselbe wird nm 
so grösser ausfallen, je leiebter dem Individuum der 
Febergang zu einer anderen Tbätigkeit wird, je ge 
ringer also seine Sebeu vor einer Aenderung und dem 
mit einer soleben verbundenen Risiko ist, je vielseiti 
ger seine Vorbildung war, die ibm aueb einen anderen 
Beruf ermögliebt, je geringer der \^erlust ist, der ibm 
bei der Realisirung seiner Investitionen drobt, und je 
geringere Auslagen die etwaigen, neuen Investitionen 
erfordern, oder je unemjdindlieber ilm in dieser llin- 
siebt seine Wolbabenbeit maebt. Armntb, Fnwissen 
beit, Fnbebilflielikeit driieken die Anfangsbefriedignng 
herab, nicht minder ersebwert eine aiisgesproebene 
Neigung für die bisherige Tbätigkeit den Febergang 
zu einer anderen und ebenso das Vorurtbeil und die 
Rüeksiebt auf Konvenienz, durch welche z. B. ein 
Angehöriger der sogenannten besseren Stände sieb 
abbalten lässt, ¡diysiseb zu arbeiten, ein Handwerks 
meister sieb sträubt, seine Selbstständigkeit aufzugeben
        <pb n="252" />
        U. In (leinsellHMi Sinne wirkt jeder Zwan^- nnd 
Jede ^‘esetzlielie Seliranke, Zunftzwan&lt;i,‘, Heseliränkiin”- 
der Freizügigkeit n. s. w. Endlieli könnte die Antan^*«- 
l&gt;efriedi^nnj»; aneh pmz versehwinden, wenn der I nter- 
nelnner — als einen solelien können wir mich jeden 
Stiieklolmarheiter liinsielitheli seiner speziellen Leistung- 
ansehen — völlig mittellos wäre, nnd wenn deinselhen, 
sobald ihm die gewohnte llesehäfti^nn^ entzogen wird, 
&lt;»ar keine andere Arheits^ele^enheit offen stünde. 
Der Nutzen der Produktion eines hestimmten Er 
zeugnisses ist, sowie der Nutzen der Konsumtion eines 
hestimmten Erfordernisses, nichts anders als der durch 
ehen diese Herstellung oder diesen Verhrauch erzielte 
Hefriedi^un^'szuwachs über die betreffende Anfan^s- 
hefriedi^'un^' und hän^t daher von jenen individuellen 
Eigenschaften des Produzenten ah, welche für die 
subjective Pemessnn^- der Anfanshefriedi^nnmass- 
iiehend sind. Daher kommt es, dass auch die Praxis 
zu keiner festen lK%el für die Pereehnun^' des Nutzens, 
sowie der Selbstkosten ^elan^en konnte. Es ist in der 
Idiat. willkürlich, oh und welchen Lohn sich der 
Unternehmer für seine ])ersönliche Mühewaltnui;- rech 
nen will, oh und welche Zinsen von eigenen Ka])italien 
er einem hestimmten Geschäftszweige auflastet, wie 
viel er von den gemachten Invi'stitionen amortisirt, 
(1. h. zu welchen Preisen er die vorhandenen Anla^e- 
ohjecte in seine Pilanz einstellt. So steht es einem 
Grundbesitzer, dessen Produktiv z. P. durch den Pan 
einer Eisenbahn dauernd im Preise o-estie^en sind, 
frei, seinen Produktionsnutzen als ^estei^-ert anziisehim
        <pb n="253" />
        217 
und die Hewertliuii^* seines (inindstUekes nmeräiidert 
’/Al lassen, oder nin^ekehrl seinen Besitz liölier zu be- 
Avertlien, wodnreli der Prodnktionsnutzen wieder ^e- 
seliniälert erselieint; allerdings ist es bei ländliebein 
lind städtisebeni Grundbesitz ber^ebraebt, naeb der 
letzteren Art zu veifabren und also jede Erhöhung 
der Rente sofort zn kapitalisiren. Alle solebe, von der 
individuellen Anttassnn^' abbän^i^en Umstände kommen 
in der Annalnne über die relative Grösse der Anfan^s- 
befriedi^iinj»- zum Ausdrucke.
        <pb n="254" />
        Die Lebensgenusskurve in ihrer 
allgemeinen Form. 
51. Dio Lobciis^oiiusskurvo, auf oiiioii Artikol dor 
okoiioii Koiisiimtioii iiiul Produktion bozo^oii. 
Wir wollen nun den nll^emeinen Fall eines Ar 
tikels, der von demselben Individuum zn^leieb ver- 
braiielit und erzeugt wird, beliandeln. Wir liaben selion 
früher (2o) das Deisj)iel des Landmannes, der Korn 
produzirt und konsiimirt, ^ebraeht. Aelmlielies sehen 
wir hei den meisten landwirthsehaftliehen Produkten ; 
ebenso verwenden die Kohlenwerke einen Theil ihres 
Frzeuj;nisses zum Petri ehe der Fördermasehinen, und 
in einer vereinigten S])innerei und Weberei dienen die 
in der ersteren erzensten (Linie als Rohstotf des an 
deren (iesehäftszweites n. s. w. Wir halten aber aueh 
nun an der Voraussetzung' fest, dass von dem zu^leieh 
konsumirten Produkte A keinerlei Anfan^svorrath vor 
handen sei und aueh am Sehlusse des Jahres keiner 
lei Vorrat!) iihri^' behalten weide. Das Individuum hat 
dann von diesem Aitikel, wenn es im Laufe des Jabíes 
die Alende v veilnaueht und. die Men^e e eizeu^t, nur
        <pb n="255" />
        219 
(len (liireli die eigene Erzeii^unj»’ nicht gedeckten 
Melirverhraucli (¿; — e) anzukaufen oder die dureli den 
eigenen \ erhraueli nicht in Anspruch ^•enoininene Melir- 
erzeu^un»»’ (e — v) zu verkaufen. Es ist daher, wenn 
wir allgemein jede Ankaufsnien^e mit (H- x) und jede 
\ erkautsinen«»'e mit (— x) bezeichnen, immer 
X = V — e, 
und es tindet weder Ankauf, noch Verkauf statt, wenn 
V = e, also X = 0, 
ist. 
Für jede An- oder Verkaufsmen^e x und ebenso 
aiieli für x = 0 wird es unter zaldreiehen, mö^liehen 
Komhinationen, die nun auch verseliiedene \\*rhranelis- 
und Erzeu^un^smen^en v und e von A seihst ent 
halten können, immer je Eine vortheilhafteste ^ehen; 
die Befriedigung', welche diese Kombination hei un 
entgeltlicher Beistellun^, hzw. Abgabe, der hetretfenden 
An- oder Verkaufsmen^e x von A «Gewähren würde, ¡be 
zeichnen wir wieder als den mit eben dieser Men«»'e ver 
bundenen Eehens^enuss. Tragen wir nun in Fi^. 51 a, 
f) oder c die versehiedenen Ankaufsmen^en nach rechts, 
die Verkaufsmen^en aber nach links als Abszissen und 
über jeder Abszisse, wie auch über dem Nullpunkte, 
den entsprechenden Eehens«*;enuss als ( Irdinate auf, so 
erhalten wir wieder eine im allgemeinen unregel 
mässig- verlaufende Funktreihe, die aber jetzt die* 
Ordinatenaehse durchsetzt. Wir können auch hier 
wieder die unzweekmässi^en Alenden, deren entspre- 
ehende Funkte in dei" gedachten Feihe tiefer liefen
        <pb n="256" />
        220 
als (lie direkten Verbiiidim^sliiiieii anderer Punkte, 
ausselieiden und erkalten so die konkave Kurve 
(1. i. die Lebenso-enusskurve des betraebteten, wirtb- 
sebaftlieben Individuums, bezogen auf das zu^leieb 
Fig. 51 a. 
R 
p 
R 
auch der eigenen Konsumtion dienende Produkt .1. 
Als Anfan^'sordinate dieser Kurve bezeiebnen wir 
wieder die Hobe ihres Sebnitt)uinktes mit der Or- 
dinatenaebse, und die Kurve ^ibt uns, um diese Läu{»e 
berab^eseboben, die Kosten- und Xiitzliebkeitskurve
        <pb n="257" />
        221 
a On; (lie Ordiiiaten dieser Kurve stellen iiämlieli 
reel its vom Nulijmiikte die Nützlichkeit jeder Aii- 
kaiifsineii«»e, links aber die Kosten jeder Verkanfs- 
meime dar. Durch die gewohnte Ahleitnnj»- erhalten 
Fig, 51 1). 
E 
R 
9a 
I ir die Angebots- und Naehfra^eknrve a ()n\ welche 
rotz ihres zu beiden Seiten des Nnlljninktes sieb er- 
treekenden Verlaufes doch von keiner der ebenfalls 
laeh rechts und links dnrehznziehenden Preislinien 
iiehr als einmal getroffen wird. Der Sehnitt¡mnkt der
        <pb n="258" />
        222 
jeweiligen Preislinie, z. 1&gt;. P,OP, oder J\()Po, des Arti 
kels A mit der Almeleiteten bezeielinet dnrcli seiiu*, Ab- 
Fiff. 51 e. 
y? 
% 
szisse, wenn er rechts lie^t, die v(n theilhnfteste Ankaufs-, 
wenn er links lie^t, die angemessenste Wnkanfsmen^e 
und zn^'leieh durch seinen Vertikalahstand von der Kurve
        <pb n="259" />
        223 
aOn im ersten Faile den Nutzen eines die ftleieli- 
zeiti&lt;»’e, eigene Produktion nni die Anknnfsmen^e über 
steigenden Verl)rmielies, im anderen Falle aber jenen 
einer Produktion, welebe nm die Verkanfsmen^e grösser 
ist als der eigene \ erbraneb. Die Grösse des eigenen 
Verbrauches v und der eigenen Produktion &lt;? ist in der 
Figur nicht ersichtlich, sie ist aber ebenso bestimmt, 
wie die Menge jedes anderen Artikels, welche zu der 
Konsum- und Iboduktkombination gehört, die bei der 
betreffenden An- oder Verkaufsmenge x des Artikels 
A die vortbeilbafteste ist. Wir können noch bemerken, 
dass der Fnternebmer bei steigendem Preise des Ar 
tikels A nicht nur seine Produktion erhöben, sondern 
auch seinen Verbrauch einsebränken wird, wodurch 
die Zukaufsmenge abnimmt, endlich verschwindet und 
dagegen eine immer wachsende, verkäufliche Menge 
sich ergibt, Pei noch höheren Preisen hört der Ver- 
braneb ganz auf, und die ganze j)roduzirte Menge 
kommt zum Verkauf; ebenso wird, von einer gewissen 
Grenze ab, bei niedrigeren Preisen die Produktion 
eingestellt und die ganze Verbrauebsmenge angekauft. 
Die Hefriedigung wird allemal durch den Vertikal- 
abstand der Lebensgenusskurve von der Abgeleiteten 
beim Sebnittjmnkte der letzteren mit der Preislinie 
angegeben, und dieser Abstand nimmt nach rechts, 
wie nach links, mit der Fntfernung vom Nulljmnkte 
fortwährend zu, d. b. die Hefriedigung ist am kleinsten, 
wenn die Kurve d On von der Preislinie, z. H. L\,OP„, 
gar nicht geschnitten, sondern nur im Nullpunkte be 
rührt wird, so dass weder ein Ankauf, noch ein Ver-
        <pb n="260" />
        224 
kauf (les Artikels A stattfiiulet. Diese kleinste Hefrie- 
(lio-uiio- Ob (Fio-. 51 a oder b) beruht auf einer Kom 
bination der j»esannnten dabreskonsmntion und -Fro- 
duktion, bei weleber von dem Artikel A gerade so 
viel verbrauebt als erzeiio-t wird, und die bei den oe- 
j»-cbenen Freisen aller anderen Artikel unter allen Kom 
binationen, bei denen v = &lt;' ist, die vortlieilbatteste 
ist. Diese Hefriedio-uuo- ist zuoleieb als die Anfauo-s- 
befriedi^'un^' aiizusebeu, weil sie, so lauo-e eben die 
betretfeude Kombination test^^ebalten wird, von dem 
Freise des Artikels A ebenso unabbUno-io- ist, wie die 
Anfan^-sbefriedi^uno- bei Ausselduss iro-end eines blossen 
Froduktes oder blossen Frfordernisses von dem Freise 
des betretfenden Artikels. Die Hefriedio-imo- wird daher 
auf die Aufanosbefriedi^uno- immer dann besebränkt 
bleiben, wenn das betraebtete Individuum gerade nur 
seinen ¿»-anzen, li^enen Bedart des Artikels A bei- 
stellen, binsieldliidi desseU)en also an der Xatural- 
wirtbseliaft festbalten wollte. Fine Neio-uno-, sieb die 
Artikel des eigenen Bedarfs womöo-lidi selbst berzu- 
stidlen, also eine {gewisse Sehen vor der Midie, den 
Markt aufzusueben und den riebti^en Freis zu er 
mitteln und sieb demsellien anzupassen, ist namentlich 
bei Landwirtbeii und kleineren I nternelimern biiutio- 
wabrnebmbar. Fine derartio-e Abneio-imo- oencu die 
reine Geldwirtbsebaft, zu deren Ueberwindun^- es so 
einsebneidender Freisänderun^en bedarf, dass der Zu 
kauf oder Abverkauf einen wesentlieben Vortlieil bietet, 
kommt in unserer o-rapbiseben Darstelluuo- ( Fi}&gt;-. 51 a 
oder b) dadureb zum Ausdrueke, dass die in der Ordi-
        <pb n="261" />
        Auspitz u. Lieben. Untoi-suub. üb. d. Tbeurie d. Preises. 
IÛ 
225 
iiat(“iiac]ise an einander stosnenden, geraden Streek en 
der Lel)ensoeniisskurvc,9„ç„ einen erlieldielien Xei^nn^N- 
nnterseliied anfweisen; es wird td)c*n dnreli die Kieli- 
tiin«*- der reeliten Streeke der Aiaxinialankautsjireis, 
dureil jene der linken Streeke der Miniinalverkaufs- 
jireis an^e^eben. Das (tleielie %ei^t sieh aneli dann, 
wenn die l.ehens^ennssknrve auf ein Zwisehenprodukt, 
wie z. H. (jiarn in der oben erwähnten, vereinigten 
Spinnerei und Weberei, bezogen ist. Je mehr zwei 
sniebe (^esebäftszwei^e ihrem rmtän^e nach einander 
an^epasst sind, desto schwerer ist der Kntseliluss, von 
dem Zwischenprodukte etwas anzukanten oder zu ver 
kanten, weil hierzu eine ausser^ewöhnliehe Einsehrän- 
kuiiii: der einen und zu^leieh eine Foreirun»- der an 
deren Produktion ertorderlieh wäre. Dies ^ilt ins 
besondere aueh von jenen Zwisehen)irodukten, welche 
namentlieh in der (irossindiistrie die verschiedenen 
Stadien einer komjilizirteren Fabrikation bezeichnen, 
die aber «rewöhnlieh nicht auf dem Markte erseheinen, 
weil die zu deren I lerstellun^' und Weiterverarbeitung 
dienenden Werksvorriehtun^en einander ¡renau ent- 
sjireehen. Die Preiserenzen, innerhalb deren weder 
ein Ankauf, noch ein Verkauf statttindet, werden noch 
erweitert, wenn für den Artikel vi J'ransportsjiesen, 
Markt^'ehiihren, Provisionen oder derlei zu tragen sind; 
durch solche Spesen werden nämlich die Ordinaten 
beider Aeste der Dehens^enusskurve oder doch eines 
derselben verkürzt, während die Anfangsordinate Oh 
(Fig*. 51 a oder h) unverändert bleibt; ebenso werden 
durch eine heim Ankauf oder Verkauf zu zahlende
        <pb n="262" />
        — 22f) — 
Steuer die Ordiiiateu des reeliteu, bzw. linken, Astes 
der Lebens^-ennssknrve verkürzt. 
Der Selieitel der Lel)ensi&gt;ennssknrve, der in 
Fij&gt;‘. 51 a zur Itecbteii der Ordinatenaebse lie^t, kann 
aneli in dieselbe fallen oder, wie in ti^’. 51 b, zu 
deren Linken ersebeinen. Tde«ft der Sebeitel in der 
Ordinatenaelise, so kann ein die Lrzen^nn^' iiber.stei- 
j&gt;ender Verbraneb mir ^e^en Konsnnianfzablnn«»-, also 
mir bei ne|&gt;*ativen Preisen, erfolgen. Letzteres i»ilt 
aneb in dem Falle (Fi»-. 51 b). Hier kann aber im 
Gegensätze zn den beiden frnberen Fällen eine den 
Selbstverbraneb nberstei^emle Frzen^nn^' aneb bei ne- 
o-ativem Preise, also ^e^en Fortsebatfnn^skosten, statt- 
tinden. 
Hei der oben bes])roebenen Anssebeidnn&lt;&gt;- der nn- 
zweekmässi^en Mengen kann es gesell eben, dass, wie 
in Fi&lt;&gt;-. 51e, aneb der über dem Xull)mnkte liegende 
ddieil der Pnnktreilie dnreb eine gerade Streeke, welche 
die Ordinatenaelise dnrebsetzt, überbriiekt wird, wo- 
dnreb an^ezei^t wird, dass die bei der An- und \ er- 
kanfsmen^e .r = 0 vortbeilbafteste Konsum- und Pro- 
dnktkombination niemals znm Vorsebein kommt, son 
dern übers))rnn^en wird. Fs wird nänilieli bei dem 
dnreb die Hiebtnn^»' der oedaehten, geraden Streeke 
an^e^^ebenen Preise sotort von der AlinimaH eikants- 
menj*e Om zn der in unserer Fiour viel kleineren 
Minimalankanfsmenge Ofi überoeji,an»en. Der Hetrieb 
einer grossen Unternelnnnn^', z. H. einer Znekerfabrik, 
deren Produkt A in derselben niebt etwa zu^leieli 
aneb als Prodnktionserforderniss anftritt, wird wol
        <pb n="263" />
        227 
niemals auf den eigenen 1 Bedarf des Unternehmers re- 
du/irt, vielmelir hei nn^iinsti^er Konjunktur mit Ueher- 
s])rin^un&lt;»- so kleiner l’roduktmen^en «»•anz eingestellt 
werden, worauf der Unternehmer sofort als Käufer 
seines hisheri^en Produktes auftreten wird. Kbenso 
wird umgekehrt, %. H. der Unternehmer einer grossen 
Brauerei, der nur einen ^anz ^erin^fü^i^en (jlrund- 
hesitz hat, sieh niemals auf die Verarheitun«»' der ei^^enen 
(ierste hesehränken, sondern hei einem allzuhohen 
G ersten j)reise sofort von einer grossen Minimalankaufs 
menge zur Einstellung seiner Brauerei und zum Ver 
kaufe seiner kleinen Gerstenernte übergehen. Die 
Kosten- und Niitzliehkeitskurve aOn ergibt sieh aueh 
in den Fällen der Fig. 51 c, indem man die Eehens- 
genusskurve (j^g„ um Oh herabsehieht, so dass der in 
der Ordinatenaehse liegende Punkt der Punktreihe 
sehon unter den Nullpunkt riiekt. Die Anfangsordi- 
nate Ol) hezeielmet aber hier nieht die (dine Ankauf 
und \ erkaut des Artikels A erreiehhare, sondern die 
grössere Befriedigung, welehe durch den \ erkauf der 
Menge Om oder ebenso dureh den Ankauf der Menge 
Oft zu dem dureh die Bieiitung der erwähnten, ge 
raden Strecke hezeiehneten Uehergangspreise erzielt 
werden kann, und die kleiner ist als die Befriedigung, 
die hei irgend einem anderen Preise erreicht werden 
könnte. 
Endlich könnten wir in den drei Fällen der 
Fig. 51 den zur Unken der Ordinatenaehse liegenden 
riieil der Kurven um 180" drehen, so dass z. B. aus 
Fig. 51 a dann Fig. 52 wird, welehe je zwei getrennte, 
15*
        <pb n="264" />
        228 
ill »leiclier llölie Uber und unter dem Nullpunkte be- 
¿»•iiiiieiide Ae«te und der Lebensj*emisskiir\e 
Fig. 52. 
9w 
B 
U 
9a9n und wo iiiiii aiieb die Kosten- und die Aii- 
»ebotskurve (Ja und ()a in der trüber ^ewobnten Stel 
lung' ersebeineii.
        <pb n="265" />
        229 
í&gt;2. Dio Asyiii])t()toii iiiid dor Solioitol dor diiroh- 
laiifoiidoii L(d)(‘iisíroiiiisskurvo. 
Dio Lobeiís^omisskiirve eines Artikels, der von 
deni Produzenten aneli selbst verbranelit wird, ist uns 
darnin besonders wiebti^, weil sie den allgemeinsten 
b nil bildet, wabrend die trüber bebandelten Kurven, 
die sieb nur aut einer Seite der ( Irdinatenaebse er- 
streekten, mir als sjiezielle Fälle ersebeinen. Jedes 
Individuum kann nämlieb dureb einen ung'ewöbnlieh 
bollen Preis eines Artikels, den es ^ewübnlicb nur 
konsumirt, dabin &lt;&gt;etiibrt werden, denselben zu jiro- 
diiziren, so dass sein unter normalen Verbältnissen 
nielit ettektives Angebot effektiv wird; ebenso kann 
jedes Individuum dureb einen niifrewöbnlieb niedrigen 
Preis oder dureb eine Konsumjirämie veranlasst wer 
den, einen Artikel, den es früber nur jiroduzirte, nun 
zu konsumiren, so dass seine Xaebfra^e effektiv wird. 
1st der Preis, bei dem die Produktion beginnt, böber 
als der Maximalankautsjireis, oder ist der Preis, bei 
dem die Konsumtion beginnt, niedriger als der Mini- 
malverkantsjireis, so berubt die Antan^sbet'riedi^nn^ 
Ob fFi^’. 51 a oder b) auf einer Kombination, bei 
weleber der betreffende Artikel weder konsumirt, iioeb 
jiroduzirt wird. In diesem Falle stellt die Kurve 
dureb ibren reebten Ast den Lebensgenuss bei aus- 
sebliesslieber Konsumtion, dureb den linken Ast aber 
den Lebensgenuss bei aussebliesslieber Produktion dar. 
Wir seben also, dass in allen Fällen die Lebens- 
^enusskurve sieb zu beiden Seiten der Ordinatenacbse
        <pb n="266" />
        230 
erstreckt und beiderseits asymptotisch zu je einer Verti 
kalen abtallt, deren Abszisse die Men^e ])ezeiebnet, 
die auch bei den böelisteu 1‘reisen uielit produzirt und 
anderseits auch ^e^eu die böebste Autzabluu^’ uiebt 
konsumirt werden kann. Zwiselien den Asyiujdoten 
muss die durchaus konkav verlaufende Kurve irgendwo 
einen Scheitel haben; der Scheitel hezeiehuet die ^Meii^-e, 
hei welcher der Lehens^enuss sein )laximum erreicht 
und ebenso, wie hei der ]\Ieu^e Null, der Betriedi{z,'im^ 
gerade gleich wird. Es ist dies die Meu^'e der vollen 
llefriedi^'uu^', bis zu welcher, wenn der Scheitel rechts 
liej&gt;t, der Ankauf (v — e) nur daun ausgedehnt werden 
kann, wenn er nichts mehr kostet, oder bis zu wel 
cher, wenn der Scheitel links lie^t, die ahzu^eheude 
Men^-e (e — v) nur daun ^estei^ert werden kann, wenn 
sie keine Eortschatfun^skosten mehr verursacht. Das 
Auftreten des Scheitels zur Linken der Ordiuateuachse 
ist nicht nur hei den wiederholt erwähnten, miuder- 
werthi^eu Neheuprodukteu, sondern auch hei den Pro 
dukten dilettantischer Arbeit wahrnehmbar, die ohne 
Absicht auf Erlös als Probe der (íeschickliehkeit, als 
kör])erliche Inhun^' u. s. w. zum Verj&gt;nüj»-en hetrieheu 
wird; die Scheiteljmnktahszisse ist daun in der That 
eine angenehmste Meuj»e der vollen Pefriedi^uu^' durch 
die hetretfende ddiäti^keit. Grössere Menjien als die 
Meu^e der vollen Befriedigung werden nur ^e^eu 
Kousumprämien übernommen oder nur ^e^eu einen 
positiven Verkaufspreis ah^e^eheu. 
Da die Lehens^euusskurve beiderseits asympto 
tisch ill’s I bien dl idle nach unten verläuft, muss sie
        <pb n="267" />
        231 
iiotlnvfii(l¡ji:i‘nví*ise dio Abszissoiiaolisi* zweimal solmoi- 
d(Mi; bei den dureli diesen Selmittpnnkt bezeielmeten 
Meneen würde der Lebensgenuss versebwinden, wäh 
rend die Hefriedijiun«»; dem Erlöse, bzw. der Auf- 
zablnn^', gerade &lt;»leieb wird. Es ist jedoeli klar, dass 
unsere Voraussetzung- unveränderlieber Wertbsebätzun^ 
des Oeldes niebt bis zum Aufbören jedes Lebens 
genusses, wo also selbst die pbysisebe Existenz auf 
dem Spiele stünde, fest^ebalten werden kann; aueb 
wenn es sieb nur um die wirtbsebaftliebe Existenz 
bandelt, wenn Bankrott, wenn Btandun^ droben und 
zu deren Abwendung- Oelder zu den drüekendsten 
Bedingungen ^esuelit werden, kann von einer unver 
änderten Wertbsebätzuiij*- des Oeldes niebt mebr ^e- 
sproeben werden, ^lit Hüeksiebt bierauf haben wir 
seil on früher betont, dass wir niebt den Werth des 
Lebens, also aueb niemals die j^anze Befriedigung- 
oder den ganzen Lebensgenuss irj^end einer bestimm 
ten Konsum- und Broduktkombination, in Oeld be 
messen können, sondern stets nur deren I ntersebied 
bei versebiedenen Kombinationen oder versebiedenen 
Preisen. Souaeb bleibt die absolute llölienla^e der 
Lebens^enusskurve immer ^auz unbestimmt, und Je 
naelidem wir sie höher oder tiefer zeiebnen, rüeken 
ihre Sebnitt|)unkte mit der Abiszissenaebse weiter aus 
einander oder näher zusammen. 
Die Abgeleitete a On in ihrer völligen Entwiek- 
lun^ verläuft asymptotiseb zu denselben \ ertikalen, 
wie die Kurve yaOn' Naelidem sie vom Nulljmnkte 
reehts oder links über die Abszissenaelise empor^^e-
        <pb n="268" />
        ^32 
stie¿»’eii ist, fällt sic vertikal unter dem Selieitel der 
Kurve wieder unter die Abszisseuaelise und hat 
daher ihren höchsten Punkt unter dem vom Null))unkte 
aus ansteigenden Theil der Lehens^enusskurve. ln 
diesem über der Ahszissenaehse liegenden Theile weist 
die ah^eleitete Kurve s])itze Zähne auf, während sie 
unter der Ahszissenaehse beiderseits nur stumj)fe 
Zähne zeij»t. 
Endlich ist noch zu heaehten, dass die Gesammt- 
kurven der Nützlichkeit und der Kosten, der Nach 
frage und des Angebotes sieh dadurch ergehen, dass 
der rechte, hzw. der linke, Ast der Kurve aOn oder 
a On (Eig. 51) mit den analogen Kurven der anderen 
Individuen komhinirt werden; die (iesammtkosteid&lt;urve 
und die Gesammtangehotskurve erscheinen dabei um 
18Ü" gegen die gewohnte Stellung gedreht. 
53. (iegeiiseitige Jlezieliimg(‘ii der verseliiedeiieii 
Artikel. 
Durch den Schidtt der Ereisliine irgend eines 
Artikels A mit der Abgeleiteten der auf eben diesen 
Artikel bezogenen Lehensgenusskurve wird nicht nur 
die für das betrachtete Individuum angemessenste An 
oder Verkaufsmenge dieses Artikels, sondern zugleich 
auch die vortheilhafteste Kombination der gesammten 
Jahresproduktion und -Komsumtion angegeben, somit 
auch die gleichzeitigen Konsum- und Eroduktmengen 
aller anderen Artikel. Eine Preisänderung des Ar 
tikels .1, die eine Aenderung der Jahresmenge des-
        <pb n="269" />
        Hellíeii bewirkt, wird aiieb andere Konsum- und Pro- 
duktkoinbinationen und somit aueli veränderte Menj^en 
anderer Artikel berbeifnbren. Der Kreis der Artikel 
ist dnreli das llinzntreten der Produkte und Produktions- 
ertordernisse nunrnebr erweitert und, wenn wir wieder 
komjdetirende und konkurrirende Artikel unterscheiden 
wollen, so bemerken wir sofort, dass die verschiedenen, 
aus demselben tecbniseben Prozesse bervor^ebenden 
Produkte und ihre Produktionserfordernisse in einem 
gewissen ^fen^enverbältnisse zu einander stehen und 
einander kom])letiren. Aber auch die Konsumtions 
erfordernisse des rnternebmers sind, namentlich wenn 
derselbe selbst ])bysiscb mitarbeitet, wie llilfsstotfe 
anzuseben, sie ermöglichen eine grössere Leistung, 
und ihre Meiii*en ]»tiefen mit der Produktmen^e zu- 
zunebmen. Artikel da^e^en, die, sei es, als Konsum- 
tions-, sei es, als Produktionserfordernisse einander 
ersetzen können, wie z. H. die verschiedenen Koblen- 
^attun^en, machen sich ^e^enseiti^' Konkurrenz, sowie 
aueb die maneberlei Sorten odei’ ^anz verschiedene 
Artikel, welebe durch ^eei^nele Modifikationen des 
Verfahrens oder der Werksanlage als Produkte aus 
demselben Etablissement bervor^eben können, sieb 
^e^enseiti^' ersetzen und verdrän«ren. Das Gleiche 
^ilt auch von den Erzeugnissen versebiedener (te- 
scbättszwei^e oder ^anz selbstständiger Etablissements, 
die von demselben I nternebmer betrieben werden. 
Die Produkte und Prodnktionserfordernisse Jedes sol 
chen Geschäftszweiges bilden für sieb je eine Gruppe 
kompletirender Artikel, stehen aber mit den entspre-
        <pb n="270" />
        234 
eilenden Grn])])en der anderen Betriebe in Konkurrenz, 
weil die erliölite Anstrengung-, die der Unterneliiner, 
der selbst ¡ibysiseli niitarbeitet, sowie die erbölite Ant- 
nierksanikeit und Zeit, die der mir ilberwaebende 
Unterneliiner dein einen Geseliäftszwei^-e zuwendet, 
die anderen niebr oder weniger beeinträeiiti^en ninss. 
Die Konsuniartikel, welelie wieder untereinander tlieils 
konkurriren, tlieils sieb konipletiren, seliliessen sieb 
keiner dieser Gru])|)en an; dir Verbraueli steift und 
fällt iin allgemeinen mit der Gesanimtleistun^- des 
I'iiteriieliiiiers und wird hícIi daber der jeweilig- vor- 
wie};enden Tbäti^keit desselben zumeist au)iasseii. 
Eine äbnliebe Holle sjiielt aiieb ein Artikel, der, wie 
z. B. Koble, j»leielizeiti^‘ in mebreren der konkur- 
rirenden Gesebäftszwei^e als Broduktionserforderniss 
auftritt. 
Ueberbaujit bleiben die Beziebun^en der verseliie- 
d eil eil Artikel zu einander keineswegs unter allen Um 
ständen die »’leicben und sind aiieb von Individuum zu 
Individuum versebiedeii. So zei^t es sieb bei manelieii 
Konsuniartikelii, nanientlieli bei den &lt;*eistij»en Ge 
tränken, dass sie, inässi^- genossen, die produktive 
Leistun^sfäbi^-keit steigern, wäbrend ein Ueberniass 
zur Arbeit unfäbig- maebt, so dass dann aus kom- 
pletireiiden Artikeln konkurrirende werden. Ebenso 
nimmt zwar, z. B. in einer Kobziiekerfabrik, der Ver- 
braiieb von Hüben, Koble, Kalk, Knoebenkoble ete. 
^leiebzeiti^ mit waebsender Erzeuj&gt;unj&gt;- des Ilaiijit- 
prodiiktes, der minderen Xaebprodukte, der Melasse 
u. s. w. zu, doeb kann dureb eine g’eeigmete Betriebs-
        <pb n="271" />
        235 
äiideruiiji der Gebraiieli von Kalk zur Heini^un^ des 
HiiluMisat’tes soweit ^esteigert werden, dass jener der 
Knoelienkolde ein^eseliränkt werden kann. In gleicher 
Weise wird bei niedrigem Ziieker])reis die Entzucke 
rung der Melasse weniger weit getrieben werden, so 
dass niebr von der letzteren und w eni^er Zucker auf 
den Markt kommt. Werden ^leiebzeiti^ konkurrirende 
llilfsstotfe verwendet, z. B. zwei Koblen^attun^en, so 
werden dieselben sieb koinpletiren, wenn an einem 
gewissen Misebun^sverbältnisse fest^ebalten wird. Das 
(ileiebe kann von konkurrirenden Broduktsorten, die 
^leiebzeiti^ ber«»estellt werden, gelten, w enn aus irgend 
einem (irunde, z. B. um das La^er mit allen (Quali 
täten wol zu assortiren, ein gewisses, beiläufiges Men- 
^enverbältniss derselben ein^ebalten wird. Oft wird 
a lieb die Konkurrenz versebiedener Produkte diireb 
o-ewisse, teebnisebe Beziebun^en begrenzt. So kon- 
kurriren bei sogenannter freier Wirtbsebaft Getreide-, 
llaekfruebt- und Kleebau miteinander, doeb nur bis 
zu einem j»ewissen Grade, da keine dieser Kulturen 
ohne Sebaden für die anderen allzusebr eiiif^eseliränkt 
werden kann. 
Bei konkurrirenden Ililfsstotfen ^ilt dieselbe Be 
merkung»:, die wir sebón bei Konsumartikeln ^emaelit 
baben, dass nämlieb die bessere Sorte der minderen 
weit wirksamer Konkurrenz maebt als umgekehrt. 
Bei konkurrirenden Produkten ist gerade das (ie^en- 
tbeil wabrnebmbar; der Produzent wird zwar bei un 
günstiger Konjunktur bessere Sorten zu erzeugen 
sueben, weil dann die Konsumenten zu diesen über-
        <pb n="272" />
        236 
gellen, docli ist dies iiielit olme grössere Investitionen 
nnd gesteigerte Sorgfalt mö^Iieli und daher nieht so 
leieht dnreh/nführen, als die Er/enj*nn»‘ der minderen 
Sorten zn steigern. Die Prodnktinen&lt;»-e anf Kosten 
der (Qualität diireli heseldenni^te Arl)eit zn vermehren, 
erfordert nändieh zumeist keine besonderen Vorans- 
la^en nnd {gestattet eine minder aufmerksame I eher- 
wachnn^- des Personales nnd seiner Iveistiin^-; dieser 
Ueher^an^' wird daher immer leieht erfolgen, sobald 
bei steifender Xaebfrafe die Konsumenten wenifer 
ans])rnehsvoll werden. Ebenso kann der Landwirth 
den Anban von Poffen, Gerste, Hafer weit eher anf 
Kosten des Weizenbanes ansdehnen als nnifekehrt. 
Aehnliehe Bemerknnfen Hessen sieh anf das wesent- 
liehe Prodnktionserforderniss — mensehliehe Thätif- 
keit — ansdehnen. Die Arbeiter derselben Sehieht 
kompletiren ihre Leistniif, die selbstständifen Aeeord- 
arbeiter machen einander Konkurrenz. Wo die Men- 
sehenarbeit mit d'en Leistniif en meehaniseber )lotoren 
konknrrirt, wird sie anf die Dauer den Kürzeren 
zieben; wo dafefen die Mensebenarbeit leitend, über- 
waebend, komjdetirend zn der Masebinenarbeit hinzu 
tritt, bleibt ibr ein Feld, das sieh fera de mit dem 
Fortsehreiten der teehnisehen Hilfsmittel immer noch 
erweitert. 
Es ist nur eine Wiederholinif des schon früher 
Gesaften, wenn wir hervorheben, dass sieb die dnreb 
Preisünderniifen irfend eines Prodnktes oder Erforder 
nisses hervorferufenen Aenderunfen der Meiife des 
betrettenden Artikels nur dann verfolfen lassen, wenn
        <pb n="273" />
        237 
(lie Preise aller anderen Artikel und die individuelle 
Wertliscliätziinjif des (leides dabei unverändert bleiben, 
dass diese \OranHMetznn^ aber in der Wirklichkeit 
nur innerhalb en^er (Irenzen zutretten kann. Kine 
^estei¿»erte Produktion drückt den Preis des Pro 
duktes, vertbeuert die 1 liltsstott’e, und der Zusaninien- 
han«»’ der Preise pflanzt Jede Holehe Kinwirkunfr oft 
auf die scheinbar weitest a blieben den Artikel fort. 
Dieser Zusaniiuenhan«»- erstreckt sich nicht minder auf 
den Preis der menschlichen Arbeit, auf (lehalte und 
Löhne. Der Preis der menschlichen Arbeit richtet 
sich nach der (Qualität der l^eistun^, welche sieh zu 
nächst in der aufmerksamen Pehandluno- der Produkte, 
der sorgfältigen Ausnützung- der Ililfsstotfe, der scho 
nenden Henützun^ der Werkzeuge und (leräthe gel 
tend macht, und welche daher von der Verdrosseidieit 
oder \V illi^keit des Personales — der Arbeiter wie 
der Ilaus^renossen — keineswegs unabbän^i^ ist. Die 
Zutriedenheit jedes Linzelnen hän^t aber nicht nur 
von dem Grade der Aufmerksamkeit, die von ihm 
gefordert wird, also von der (Qualität seiner Leistung, 
ab, sondern sie steht auch mit der durch den Lohn 
ermöglichten lAîbenshaltun^-, und somit auch wieder 
mit den Preisen der Konsumartikel, in Zusammenhang»-. 
r&gt;4. Die Lebeiisíçemisskurve, auf verschiedene Artikel 
bexo^eu. 
Wenn wir, von einer bei ^e^ebenen Preisen aller 
Artikcd vortheilhaftesten Konsum- und Produktkombi-
        <pb n="274" />
        — 2:-i8 — 
nation 1111(1 (1er mit derselben verl)un(lenen, taktiselien 
llefriedi^nno- ans^c'liend, naeb einander den Preis 
immer je eines Artikels nnbestimnit lassen, während 
immer alle anderen Preise unverändert bleiben, können 
wir der Reibe naeb die Lebensj;enusskurve des be- 
traebteten Individumns, auf jeden dieser versebiedenen 
Artikel — Konsmntions- und Produktionsertordernisse 
lind Produkte — bezogen, darstellen, ln jeder dieser 
Kurven werden wir die faktische Retriedi^un^' als 
\'ertikalabstand von der zugehörigen Abgeleiteten dort 
linden, wo die letztere von der anfän^lieb ange 
nommenen Preislinie des betreffenden Artikels •»e- 
sebnitten wird, und es wäre sonach alles zu wieder 
holen, was wir früher (37) über die korres)Mmdiren- 
den Punkte der nacheinander auf verschiedene Artikel 
bezogenen Lebens»enussknrve desselben Individuums 
schon j*,esaj&gt;t haben. Selbstverständlich ist auch bei 
den korres))ondirenden Punkten der Abstand der ab 
geleiteten Kurve von der Kosten- und Xützlicbkeits- 
kurve keineswegs der gleiche. Der Nutzen des \ er- 
braucbes der zu der faktischen Konsum- und Produkt 
kombination notbwendi^- anzukaufenden Menj*e, sowie 
der Nutzen der Produktion der bei derselben Kom 
bination zu verkaufenden Menj&gt;e ist von Artikel zu 
Artikel ein un^leicber, weil von der stets ‘•leicben, 
faktischen Refriedi^un^- eine Jedesmal andere Anfan&lt;*s- 
befriedi^un^' in Abschlag- kommt. 
Ver^leicben wir nun die (lesbilt der nachein 
ander auf verschiedene Artikel bezoi»enen Lebens- 
»•enusskurve desselben Individuums, so wird dieselbe,
        <pb n="275" />
        — 28‘.í — 
und zwar in Hirer allgemeinen Form, Helhntverständ- 
licli jedesmal verscdiieden sein. 
Wir haben sehon früher (50) an dem Beispiele 
eines Znekerfahriksbesitzers gesehen, dass die An- 
fan^'shefriedi^nn^' Je naeh der Natur des Artikels eine 
sehr versehiedene sein kann. Die Anfan^shefriedi&lt;*nnj»- 
^in^ dort, wo die eigene Verwendung des hetraehteten 
Produktes aus^esehlossen war, aus einer Kombination 
hervor, hei welcher der Artikel weder jiroduzirt, noch 
konsumirt wurde, während derselbe nun hei der durch 
laufenden Lehens^enusskurve auf einer Kombination be 
ruhen kann, hei welcher von dem Artikel A ebensoviel 
konsumirt, als jiroduzirt wird. Ist der Artikel /Í z. B. 
ein sol eher, wie aus^elau^te Kühensehnitte, so konnte 
dort, wenn dieser Artikel aus der Kombination aus 
geschlossen werden sollte, der Betrieb nicht fortj»e- 
fiihrt werden, daher die Anfan^sordinate eine sehr 
kurze war; hier da^e)»en kann die auf eben diesen 
Artikel bezogene Lehens^ennsskurve trotzdem eine 
lan^e Anfang)sordinate haben, d. h. der Unternehmer 
kann auch ohne Kauf und Verkauf von A eine grosse 
Befriedigung erreichen, wenn er in der l..a^e ist, seine 
i^anze Frzeu^un^ an Biihenschnitten in der eigenen 
Wirthsehaft als Viehfutter zu verwenden. Die Antän^s- 
hefriedi^un^ wäre da«fe^en eine wesentlich kleinere 
als in dem letzteren Falle, wenn A das llauptprodukt, 
also den Zucker, bedeutet, weil die Finschränkun^- 
der Produktion auf den eii&gt;enen Bedarf, sofern der 
selbe kein industrieller ist, wie sehon erwähnt, nicht 
Platz greifen wird, sondern die völlige Finstellun^
        <pb n="276" />
        240 
(1er Fabrikation des betreffenden Artikels eintreten 
würde. 
Die Antan^sbetViedio-nn^’ ist sein* ^erin^\ wenn 
die Lebens^ennssknrve auf ein Produkt bezogen ist, 
das nur einen unbedeutenden Selbstverbraueb gestattet, 
und bei dessen Krzeui&gt;un&lt;&gt;* der Deberánn^- zu anderen 
Sorten niclit wol niö^lieb ist; so kann z. 11. der Be 
trieb einer Leuclit&lt;&gt;-astabrik nielit fort^efülirt werden, 
wenn tur die Abgabe vou Gas uiebt einmal der Mini- 
inalj)reis erreiebbar wäre; die Miininalverkautsinenj&gt;e 
wird eine um so j»rössere sein, je mehr die betreffende 
Aida^’e auf eineu grossen Absatz berechnet ist, und 
hierdurch, sowie durch die ^eriu^e Anfan&lt;&gt;‘shcfricdij&gt;un&lt;i 
wird der iMinimalj)reis herab^edrückt. Genau dieselbe 
kurze Anfan^sordinate und Avieder eine lan»e, diesmal 
nach rechts gehende, gerade Anfan&lt;*sstrecke wird in 
diesem Falle auch die auf Kohle bezogene Lebens- 
o-enusskurve aufweisen, wenn nur eine einzige, zur 
Gaserzeugung ^eei^'nete Kohlensorte zur \'erfü^un^' 
stehen sollte, und muss hier trotz der &lt;i,rossen Mini- 
malankaufsmen^e ein hoher Maximal))reis zum \'or- 
scbein kommen. 
Bei den Erzeu^missen des handwerksmässi^en Be 
triebes, der keine kostspieligen Werksaida^en und keine 
grossen Be^ieausla^en ii. d^l. erfordert und daher leich 
ter ein^'cscbränkt werden kann, ])ffe^t die Mini mal men&lt;»‘c 
auch im Ver^leiclie zn dem normalen Arbeits(¡nantum 
kleiner zn sein als beim industriellen Grossbetriebe. 
Wir haben schon der Möglichkeit gedacht, dass 
die Antan^-sbefriedig-nn»’ eines völlig- mittellosen, auf
        <pb n="277" />
        241 
eine einzige Art ])ro(liiktiver "l'liäti^keit angewiesenen 
Individminm bei Entzielinn^ der letzteren ^anz ver- 
seliwinden könnte. Die Lebens^ennssknrve fallt dann, 
ina^* sie nun auf das betretfende Produkt oder auf 
einen zu dessen Herstellung' unentbehrlichen Robstotf 
bezogen sein, mit der Kosten- und NUtzlicbkeitskurve 
zusammen, wie wir dies in dein schon früher (Fi^. 41) 
behandelten Falle eines absolut unentbehrlichen und 
unersetzlichen Xabrun^smittcls bemerkt haben. In 
Wirklichkeit werden sich aber dann hier, wie dort, 
Konsum- und Produktkombinationen, die nicht auf ein 
ganzes .Jahr berechnet sind und daher in unserer 
&lt;»ra|)biscben Darstellung- nicht erscheinen können, un- 
abweislicb aufdrän^en. 
Feberbaujit lassen sich die an Konsumartikeln 
an «gestellten Pctrachtun^en auch auf Produktionserfor 
dernisse und Produkte ausdehnen. Die bei ^e^ebenen 
Preisen aller Artikel erreichte, faktische Pefriedi^un^' 
erscheint als Anfan^sordinate der Debens^enusskurve, 
wenn dieselbe auf irgend einen jener Artikel bezogen ist, 
die weder konsmnirt, noch ju'oduzirt werden, und nun 
auch, wenn sie auf solche Artikel bezogen ist, deren Fr- 
zeu«^'un^' auf den Sclbstverbraucb beschränkt bleibt. In 
jeder, auf irgend einen Artikel, der wirklich gekauft 
oder verkauft wird, bezogenen Lebens^enusskurve ist 
die Anfan^sordinate da^e&lt;^en kleiner als die faktische 
Hefriedi^uii”'. Die Scheitel¡ninktsordinatc ist, wenn (1er 
Scheitel rechts vom Nullpunkte lie^t, und der Artikel 
gekauft wird, grösser als die faktische Pefriedi^^un^, 
ausser bei Artikeln, die, wie Duft und Wasser, den 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Thcuric d. l'reises. 1(5
        <pb n="278" />
        242 
Preis Null oder die vollends einen negativen Preis 
1 iahen. Hei Artikeln, die von dein Individniiin selbst 
&lt;^ar nicht begehrt, aber doch mir gegen einen ]iosi- 
tivcn Verkaufs])reis hergestellt werden, ist die An 
fangsordinate zngleieh an eh die Scheiteljninktsordinate. 
Liegt der Scheitel endlich links vom Nnll])unkte, so 
ist seine Ordinate mir dann grösser als die faktische 
Pefriedignng, wenn für das hetretfende Produkt Fort- 
schattungskosten gezahlt werden müssen. 1st der Fort- 
sehattungsjireis gleich Null, so ist die faktische Be 
friedigung der Se h ei tel I ) u n k tsor d i n a te gerade gleich, 
während hei allen Produkten, die einen jiositiven 
Verkaufs])reis haben, die Seheitelpnnktsordinate kleiner 
als die faktische Befriedigung ist.
        <pb n="279" />
        Aendeningen der Lebensgenuss 
kurve. 
öf). Der Kiiiilussvon Proisändcrmiitoii aiuloror Artikel. 
Die auf irifcud einen Artikel be/oj^ene l^ebeiiH- 
j^ennsskiirve einen in-odnktiv tliäti^en IndividnninH, die 
Helbntverständlieli aneli nur l)ei ^e^el)enen Preisen aller 
übrigen Artikel an%estellt werden kann, ist Fonn- 
ändernn^en ans^esetxt, sobald sieb der Preis eines 
dieser Artikel ändert. Wir haben das Gleiebe aneb 
sebón an der Kurve eines blos konsninirenden indi- 
vidnnnis wabr^enommen, mir blieb dort die Vertbene- 
rnnx," nines Artikels, der in keiner der in der Kurve 
ersebeinenden Kombinationen enthalten war, ohne jeden 
Kindnss. Jetzt aber, da die Aiö^liebkeit besteht, dass 
ein hoher Preis irgend eines Artikels das Individnnm 
veranlassen könnte, denselben berznstellen, fällt aneb 
diese Ansnabme we^, so dass sieb jedem einzelnen 
Individnnm der Zusammenbau^’ aller Preise fühlbar 
maebt. 
Hetraebten wir zuerst die Lebens^ennssknrve, 
nur auf solche Artikel bezogen, die nicht gleichzeitig 
16*
        <pb n="280" />
        244 
])ro(liizirt und koiisuiuirt werden, und zwar znnäelist 
auf einen Artikel yt, den das Individnnni bins als 
Konsnintionserforderniss verwendet; dann erscheinen 
aiieh alle Prodnktionsertordernisse als koinjdetirende 
Artikel, deren kreisändernn^en in der früher (41) 
l)es])roehenen Weise wirken. Auch die Ihndnkte sind 
als k(mi])letirende Artikel anznsehen, doch haben deren 
kreisändernn^en natürlich den gerade ent^e^en- 
o-esetzten Kintinss, weil eine Znnahnie des Erlöses 
einer hestininiten Emdnktinen^e sieh in demselben 
Sinne geltend machen muss, wie die Verminderung 
des Aufwandes für irgend ein Erforderniss. Der 
Lehensgennss steigt also, wenn ein Produkt then rer 
wird, gerade so, wie wenn ein Konsnmtions- oder 
Prodnktionserforderniss billiger wird. Wird min der 
Artikel auch als Prodnktionserforderniss oder mir als 
solches verwendet, so wird jede Verwolfeilnng eines 
mittelst desselben herznstellenden Produktes oder jede 
N'erthenernng ehies den llilfsstotf A konijiletirenden, 
anderen Prodnktionserfordernisses den Eehensgennss 
verringern. Die Verkürzung der Ordinaten der Eehens- 
gennssknrve wird sich aber in der Anfangsordinate 
gar nieht oder doch weniger geltend machen als hei 
den rechtsfolgenden und wird hei der Scheitel|ninkts- 
ordinate viel stärker sein. Der rechte Ast der Eehens- 
gennssknrve und mit ihm die Nützlichkeitsknrve wird 
somit Üacher, und der Maximaljireis wird sinken. Hei 
weitgehenden Preisändernngen dieser Art kann auch 
die Menge der vollen Hefriedignng kleiner werden, 
indem die reichlicheren Verwendnngen des llilfsstottes
        <pb n="281" />
        245 
A unvortlieilliatt werden; der Selieitel kann endlich 
in die Ordinatenaehse rücken, ho dans die Xaehtra^e 
nach dem I liIfWoft'e .1 ^an% verschwindet, weil der 
I nternehmer das mittelst desselben herznstellende 
Produkt weg^en seines zn niederen Preises oder we^en 
der Verthenernnji* eines andern, hierzu nöthi^en Erfor 
dernisses &lt;&gt;anz anf^'ehen muss. Wird da^cjfen ein mit 
dem Hilfsstotfe .4 konknrrirendes Prodnktionserfdr- 
derniss wolfeiler oder ein Produkt thenrer, das an 
Stelle des ans dem Hilfsstotfe A hervorgehenden her- 
gestellt werden könnte, so steigt der Lebensgenuss. 
Von allen Ordinaten des rechten Astes der Lehens- 
geniissknrve wird dann die Anfangsordinate am meisten 
verlängert, während die Seheitel])iinktsordinate viel 
weniger heeintlnsst wird; die dem früheren Falle 
entgegengesetzte Einwirkung anf die Ordinaten der 
Lehensgennssknrve bringt also doch wieder die gleiche 
Formänderung und somit eine Verflaehnng der Xiitz- 
liehkeitsknrve hervor, die auch wieder bis ziim \ er 
sehwinden der Xaehfrage gehen kann. 
Hetraehten wir nun den linken, anf die blosse 
Produktion des Artikels hezügliehen Ast der Lehens 
gennssknrve unter dem EinÜnsse analoger Preisände- 
rimgen. Die Verthenernng eines lliltsstottes, sowie 
die Verwolfeilnng eines Xehen))rodnktes schmälert den 
Lehensgennss, während derselbe steigt, wenn ein Pro 
dukt thenrer wird, das an Stelle des betrachteten hei- 
gestellt werden könnte, oder wenn ein znr llerstellnng 
eines solchen erforderlicher lliltsstott wolteiler \\iid. 
Da aber aneh hier die .Vntangsordinate hei dei Sehniti-
        <pb n="282" />
        24(1 
lerini^' des Lebeiis^eiiiisses am wenigsten verkürzt, 
l)ei der Stei^eruii^' desselben am stärksten verlängert 
werden wird, muss der linke Ast der Lebens^eiinss- 
kiirve und mit ihm die Kostenkiirve beidemale steiler 
werden. Der Minimal])reis wird daher steifen, so dass 
bei weitgehenden Dreisändernn^en dieser Art die Her 
stellung- des betraebteten Produktes eingestellt werden 
müsste. So bedarf es in der lliat nur geringer Preis- 
versebiebungen, um die Produzenten z. B. von Zueker, 
Mehl u. dgl. zu veranlassen, von einer Sorte oder 
Qualität zur anderen überzugeben. Die gleiclie Leich 
tigkeit des I eberganges haben wir seitens der Kon 
sumenten sebón früher (41) hervorgehoben; beide I r- 
sachen wirken zusammen, um bei allen Schwankungen 
die Preisunterschiede verwandter Sorten in engen 
Grenzen zu halten; dadurch allein wird es möglich, 
dass dieselben in der Praxis als Ein ^larktartikel 
zusammengefasst werden. 
Auch wenn, die Lebensgenusskurve auf einen 
Artikel, der zugleich kousumirt und ])roduzirt wird, 
bezogen ist, lässt sich der Einfluss von Preisänderungeu 
anderer Artikel von Fall zu Fall verfolgen. Betrachten 
wir z. B. die auf Garn bezogene Lebensgenusskurve 
(jaOn (Eig. 53) des Besitzers einer vereinigten S]unnerei 
und Weberei, so wird sowol eine \ erwolfeilung des 
Final])roduktes, der Gewebe, als auch eine Vertheue- 
rung des Bohstotfes, der Baumwolle, den Lebensgenuss 
verringern, so dass die Ordiuaten der Kurve 
kürzer werden. Die Kurve nimmt in dem ersteren 
Falle die ¡mnktirt dargestellte Form an, sie trennt
        <pb n="283" />
        247 
sich links von der nrspniiifçlielien Kurve und verläuft 
weiterhin tlaeher und hat einen niedriji;eren Seheitel. 
Der Lebensgenuss wird nämlich durch die Verwol- 
feiluuj4’ der Gewebe nicht geschmälert, wenn der (iarn- 
])reis ein so hoher ist, dass die Weberei ausser Hetrieh 
kommt, während der Lebensi^enuss umsomehr heein- 
Fig. 53. 
0 
träehtij*t wird, je grösser die Gewehejn'oduktion und 
somit der (warnverbrauch ist. Bei der \ ertheuerun^ 
der Baumwolle da^e^en wird die Kurve die in unserer 
h inur roth ^exeiehncte Form annehmen, also steilei 
verlaufen, weil der Lebensgenuss, wenn der (wain- 
preis so niedrig" ist, dass die S])innerei eingestellt \\iid, 
dureh die \ ertheuerun^ der Baumwolle kaum herühit
        <pb n="284" />
        w(‘nl(Mi wird, wälireiid er mehr inul mein* heeiiiträeli- 
werden muss, je melir Haumwolle verl)rauclit wird, 
je kleiner also der Ankauf oder je grösser der Ver 
kauf von Garn ist. Die Kosten- und Xiitzlielikeits- 
kurve erfährt jedesmal die ^1 ei ehe Formänderung-, wie 
die Lebensgennssknrve, während aneh die Angehots- 
iind Xaehfrageknrve a On die entsjn-eehenden, in 
unserer Figur ersiehtlieh gemaehten Aendernngen er 
leidet. Zngleieh wird unter dem Findnsse der erwähn 
ten Preisändernngen, die beide nnvortheilhaft sind, hei 
jeder gleichhleihenden An- oder Verkanfsmenge von 
Garn, also hei jeder bestimmten Abszisse unserer 
Figur, weniger Gewebe ])rodnzirt, also weniger (larn 
verhraueht, zugleich aber auch weniger Garn erzeugt 
und also weniger Panmwolle konsnmirt; dies gilt aneh 
hei der Abszisse Xnll, avo der Garnverhraueh der 
Garnerzengnng gerade gleiehkommt. Ausserdem sehen 
wir, dass dieselbe Tangentialriehtnng, Avelehe die nr- 
spriingliehe Kurve in der Ordinatenaehse anf- 
weist, sieh in der ])nnktirten Kurve Aveiter links, in 
der rothen Kurve aber Aveiter rechts Aviedei-tindet. Hei 
dem gleichen Preise des Artikels y\ kann also durch 
die blosse Preisänderimg eines anderen Artikels das 
Individuum veranlasst aa erden, von der X'erarheitnng der 
ganzen, eigenen Erzeugung zum AI)a erkaufe oder zum 
Zukaufe von (;arn nherzngehen. ln demselben Sinne, 
AA ie durch die Verthenerimg der HanniAvolle, Aviirde die 
Lehensgennssknrve aneh durch eine Preissteige 
rung der Kohle heeintlnsst Averdeii, sofern der Hrenn- 
stotfverhraneh für die Spinnerei hei normalem Gange
        <pb n="285" />
        249 
(1er ji^aiizeii riitenielnmin^' der überwiegende ist; wird 
die Kolile da^e^fen liau])tsäeldieli für die Weberei ver 
wendet, so würde die Vertlienernn^ derselben ebenso, 
wie eine Verwolfeilnii^ der (iewebe, wirken. 
1‘reisändenin^eii eines Konsninartikels beeinflussen 
die auf ein Produkt, Prodnktionserforderniss oder Zwi- 
sebenprodnkt bezogene Lebens^eniissknrve im all 
gemeinen in demselben Sinne, wenn auch zumeist 
sebwäeber, wie solebe komjdetirender llilfsstoffe. Jede 
den bes])roehenen entgegengesetzte Preisändernn^ bat 
natürlieb die ^e^entbeili^e Wirkung'. 
Kommt ein Individunm in die Lage, einen neuen 
llilfsstoff zn verwenden oder ein nenes Produkt ber- 
znstellen, mit dessen Eigensebaften es noeb wenig 
vertrant ist, so kann die auf einen sol eben nenen 
Artikel bezogene Lebensgennssknrve, so wie wir dies 
früher (42) binsiebtlieb eines neuen Konsnmai’tikels 
bes])roeben haben, erst allmälig und mit waebsender 
Erfabrnng ihre definitive (westalt annebmen. So wie 
ebendort bei einem blossen Konsnmartikel, könnten 
w ir aneb in Pezng anf weleben Artikel immer Lebens- 
gennssknrven, die mir für je eine bestimmte Petriebs- 
nnd Lebensweise gelten, anfstellen und uns die Lebens 
gennssknrve gaifn kvi vortbeilbaftester Betriebs- und 
Lebensweise ans soleben Kurven zusammengesetzt 
denken. Jede dieser Lebensgennssknrven unterschei 
det sieb mir dnreb ihre nm die Anfangsbefriedignng 
Oh (Fig. 49—52) verschiedene Höhenlage von je einer 
sonst identischen Nützlielikeits- und Kostenknrve be 
stimmter Betriebs- und Lebensweise. Nun ist aber
        <pb n="286" />
        250 
die Aiifaii}4\sbetVic(lij&gt;-iiii&lt;¿,- (th aiudi von den Ib’eis- 
ändenin^vn soldier Artikel aldiänf^ij»-, die bei irgend 
einer bestimmten Betriebs- und Lebensweise weder 
konsumirt, noeb jirodnzirt werden. Der trüber (22) er- 
wäbnte Linduss sol eher Preisänderun^en auf die Niitz- 
licbkeits- lind Kostenknrven bestimmter Betriebs und 
Lebensweise maebt sieb also dadiireb &lt;»eltend, dass 
deren llöbenkme von der Antanüsbefriediüuim’ abbäimt. 
ab. Der Einfluss der iiidividiielleii AVertbsebät/uup: 
des Geldes. 
Wir wollen nun aiieb unsere frUberen Bemerkungen 
über A endenin ji,en der individuellen Wertbsebätznnj»- des 
Geldes erweitern und auf die allgemeine Form der 
r.&lt;ebensj»ennsskiirve ansdebnen. Ist ein Individnnm 
wolbabender geworden, so wird sieb die dadnreb ber- 
bei^efübrte Abnabnie seiner AVertbsebätznn^' des Geldes 
dem einen eben betraebteten Artikel A ^e^enüber 
ebenso, wie früher (43), ziinäebst dadnreb geltend 
maeben, dass der mit irgend einer An- oder Yerkanfs- 
nienj&gt;’e .T verbundene Lebensgenuss dnreb einen böberen 
Geldbetrag bemessen wird; alle Ordinaten der Lebens- 
geniisskiirve werden sieb gleiebmässig jirojiortional ver 
längern, die Kurve wird also steiler ansteigen und jen 
seits des Sell ei tels steiler abfallen. Aneli alle Ordinaten 
der Kosten- und Nützliebkeitskiirve, sowie die der An 
gebots- lind Naebfragekiirve, werden gleiebmässig pro 
portional länger; der reieber gewordene Fnternebmer 
wird nämlieb seine Anstrengung und somit die Selbst-
        <pb n="287" />
        251 
kohitíMi jediM'V(‘rkaut*Kiueii^’e (‘l)eiiso, wie die Niitzlicli- 
keit jeder Ankmifsmen^e des Artikels A, ^leielimässi^ 
liölier veranselda^en. Die ]\len^e der vollen Befriedi 
gung' wird davon nicht heriihrt, ebenso weni^ die Mini- 
nialnien&lt;(e des Verkaufes und Ankaufes, obwol der Mini- 
nialVerkaufs-, sowie der ^Iaxiinalankaufs])i*eis, ^leieli- 
niässi«»' stei^'en. Die 1 jebens^enusskurve und mit ihr die 
anderen Kurven unterließen jedoch noch anderen Fonn- 
änderuiißen, die, wie schon früher erwähnt, daher 
rühren, dass auch die festßelcßten Preise aller anderen 
Artikel dem Individuum nun reduzirt erscheinen. Diese 
subjektive Verwolfeiluiiß aller komjdetirenden und kon- 
kurrirenden Artikel wird je nach deren Beziehuiißen 
zu dem einen eben betrachteten Artikel die zuerst 
hes])rochene Formäuderuiiß* der auf denselben hezo- 
ßenen Lehensßenusskurve entweder noch steißcrn oder 
ahschwächen oder soßar in ihr Geßentheil verkehren. 
Dass die TA*hensßenusskurve des reicher gewordenen 
Unternehmers, auf manche Artikel bezoßeii, nicht 
steiler, sondern Hacher ansteißen wird, ßeht schon 
daraus hervor, dass derselbe sonst hei den ßleich- 
hleihenden Preisen aller Artikel von allen seinen Pro 
dukten wenißer hersteilen und verkaufen und zußleich 
von allen Erfordernissen mehr kaufen und verbrauchen 
müsste, was technisch ßanz unmößlich ist. Bei einem 
Produkte, dessen llerstelluiiß dem Unternehmer be 
sondere Mühe und Anstreiißiiiiß verursacht, während 
der Aufwand für die llilfsstotfe nur eine ßeriiiße Holle 
s])ielt, wird der linke Ast der Lehcnsßenusskurve und 
somit die Kostenkurve jedesfalls steiler werden, weil
        <pb n="288" />
        252 
der Wollmbeiidere seine Leistung’ Indier vernnseldn^t; 
aus demselben 0runde wird der reelite Ast der auf 
den betreffenden Hidistoff’ be/n^enen Lebenx^ennss- 
knrve und somit die Xiitzlielikeitsknrve ffaeber werden. 
Wo dn^e^en bedeutende Ausladen für llilfsstoff'e und 
namentlicb grosse Investitionen, an die der minder 
Hemittelte ^ar nicht denken kann, erforderlieb sind, 
wird die grössere Leieliti^keit der Hesebaffnn^ aller 
Prodnktionserfordernisse für den wolliabender ^'ewor 
denen I nternebmer mehr ins (lewicht fallen als die 
höhere Veranscbla^nn^' der ei{j,enen Anstrengung'. Es 
wird also seine auf ein Produkt bezogene Eebensj» enuss- 
kurve in ihrem linken Aste und somit auch die Kosten 
kurve ffaeber werden, während die auf ein Produktions- 
erforderniss bezogene Xiitzlielikeitsknrve steiler wird. 
57. Der Einfluss der individuellen Ei^enselinften. 
Die Xei^nn^en und Ans]nücbe des I nternebmers 
kommen in seiner auf ein Produkt oder ein Produk- 
tionserforderuiss bezogenen Eebensj*enusskurve weniger 
zur deltun^', als wenn sieb diese Kurve auf einen 
Artikel seines pcrsönlieben \ erbranebes bezieht. Diese 
Ei^ensebaften sind wol für die \\ aid des llerutes 
oder für einen Hernfswecbsel, also für die Anfan^s- 
ordinate, massgebend; so lan^e aber der Betrieb des 
Unternehmens nicht in Era^'c steht, können vollends, 
wo kosts])ielii*'C Werksanlagen und viele Mitarbeiter 
erforderlicli sind, der individuelle (lesclimack und die 
persönlichen Xei^nn^en und Ansjiriiclie des Unter-
        <pb n="289" />
        253 
iieliincrs in keiner inerklielien Weise ziini Ausdniek 
kommen. Ein Individuum, das aus Laune oder aus 
Lust an Abwechslung' z. H. andere llilfsstoite ver 
wenden oder andere Produkte lierstellen wollte als 
die bei den bestehenden Preisen vortbeilbaftesten, 
ents})riclit unseren allgemeinen \'oraussetzunj»en nicht 
mehr. Da^e^en machen sich hier andere ])ersönliche 
Eiji’enschaften des Lnternehmers, seine Kenntnisse, 
sein Fleiss, seine sj)ezielle Eij»nung', ^anz besonders 
aber sein ()rj&gt;anisationstalent und seine Fähigkeit, für 
jede Stellung- den geeignetsten Alaun heraiiszutinden 
oder heranzubilden, in der Lebens^enusskurve dadurch 
«»•elteud, dass diese individuellen Eigenschaften für 
die Beurtheilun^' der jeweilig' vortheilhaftesten Be 
triebsweise massgebend sind. 
Es hänj»'t viel davon al), ob der 1 nternehmer 
seine Thäti&lt;*keit und Aufmerksamkeit auf die grossen 
Betriebsäuderun^en, welche durch Bauten, Autstellunj»' 
neuer Alaschineu, Eu{z,a^emeut von Beamten, Eintüh- 
run^' anderer llilfsstotfe oder Produkte ^ekennzeichuet 
werden, beschränkt, ohne sich selbst oder durch seine 
Angestellten um die Details des Betriebes zu küm 
mern. Die Lebens^enusskurve wird dann, auf jedes 
Produkt oder Produktionserforderuiss bezogen, hin^e, 
geradlinige Strecken aufweisen; dieser j)olyj»'onale \ er 
lauf, der sieb natürlich in der Kosten- und Nützlich 
keitskurve gerade so wiederholt, spricht sich in der 
Angebots- und Nachfra^ekurve durch eine jorobe /ah- 
nunj»' aus. Dadurch wird an^fczei^t, dass kleine Preis 
schwankungen unbeachtet bleiben, und dass imiiiei
        <pb n="290" />
        254 
mir einscliiieideiide l^(*triel)sUiid(‘rmio-eii vorf^eiioimneii 
werden, während zwiselienlie^ende, an sieh vortlieil- 
hafte Konsum- und Produktkoinhinationen ülier^an^en 
werden. Ein solelier Unterneliiner findet es, wie der 
ansiiruehsvolle Konsument, nielit der Midie wertli oder 
aiicli nielit vortlieilhaft, seine Zeit und Aufmerksam 
keit zu zersjdittern, um die möo-liehst vollständige 
Ausnützung* der gekauften Hoh- und llilfsstotfmen^en 
zu erzielen, um jeden Ah^an^* an den einmal her- 
bestellten, verkäufliehen Produktmenb'en thunliehst zu 
verhüten, um die sehonendste Verwenduiib der \"or- 
riehtunb'en und (xeräthe diirehzusetzen ii. db‘l. Wer 
dabeb'eu die Mühe nieht seheiit, die Leistuiib jedes 
Taolöhners, wie jeder Masehine, seihst Ins in’s Kleinste 
zu üherwaehen, wer jede Anordnung von seiner Ent- 
seheiduno* ahhäno-io- maeht, läuft wieder (tefahr, in 
lauter Kleinliehkeiten aiifzuo-ehen, darüber den wei 
teren Ueherhliek zu verlieren und die reehtzeitio-e 
Vornahme wichtioerer Aenderiinoen zu übersehen. 
Hei einem solchen wird die Eehenso-eniisskurve viel 
kontiniiirlicher als die früher besprochene verlaufen, 
sie wird aber, wenn sie auf ein Produkt bezob'cn ist, 
in ihrem linken Aste für o-rösserc Meiiben steiler, für 
kleinere Hacher, somit im Ganzen ausbehauchter sein 
und daher auch früher ihre asymjitotische Hebrcnzuiib 
tiiiden; der rechte Ast taiigt, wenn die Kurve auf ein 
Produktionserforderniss bezoo*en ist, steiler an und 
krümmt sich b'Kichfalls rascher. Wird jeder Fehler 
nach beiden Richtuiibcn vermieden und dadurch auch 
wirklich für jede An- oder Vcrkaiifsmenbe der höchste
        <pb n="291" />
        255 
Leheiis^einiSK erreiclit, so wird die Kurve einen niö^- 
liclist kontinuirlielien und zu«»leieli weni«»' gekrümmten 
Verlauf annelimen; dieser Form kann sie durch eine 
zweck- und faeli^emässe Tlieilun^’ der Arbeit am 
nächsten kommen. Die Anordnung- der grossen l^e- 
triel)sänderungen wird immer Sache des Cdiefs oder 
des leitenden Direktors sein müssen, während hei 
einer richtigen Hesetzun&lt;*‘ der nnteren Stellen durch 
tüchtige Werkführer, Aufseher und ^esehiekte Arbeiter 
und hei fachkundiger Anleitung und Aneiferun^ der 
selben, z. H. durch ein richtig" bemessenes Främien- 
system, auch die kleineren Aendernn^en und V er 
besserungen nicht unheaehtet bleiben werden. 
de kleiner das Fnternehmen ist, desto weniger 
wird eine so ndlständi^e I heilun^- der Arbeit ange 
messen und durchführbar sein; der Unternehmer muss 
die Aufgabe des Leiters, Werkmeisters und schliess- 
lieh auch die des Arbeiters mitühernehmen, und seine 
¡»ersönliehe Fi&lt;fnun^ zu allen diesen Verrichtungen 
kommt in entsj)reehender Weise in der Lebensg’enuss- 
kurve zum Ausdrucke; der Sjiielraum für die Wahl 
der jeweilig- vortheilhaftesten Betriebsweise wird dabei 
immer en^er. Der Handwerker, der ohne (Gehilfen, 
oder der Stücklohnarheiter, der zu Hause arbeitet, hat 
als Unternehmer kaum mehr als die Arheitsdauer zu 
bestimmen und die {geeignetste Kintheilunjr der Arbeit 
vorzunehmen, da im ühri{^en die zvveckmässi{^ste Be 
triebsweise zumeist dureh die Umstände vor{çeschrieben 
ist. Dem Stüeklohnarheiter in der Fabrik endlich ist 
auch die Arbeitszeit meist ge^^eben, oft auch durch
        <pb n="292" />
        256 
(len Gang- der Maschine eine nhere und nnteie Grenze 
der täg-liclien Arbeitsleistung- gesetzt, so dass seine 
eigene Ueberlegung- bei der Wald der einznbaltenden 
Betriebsweise nicht zur Geltung kommt und seine 
persönlichen Kigenschaften sich meist nur in der guten 
Ansniitzimg der Ililt'sstott'e und der schonenden Be 
nutzung der Werkzeuge und Geräthe bethätigen kön 
nen. Dabei wird aber die sju'zielle Kignnng des 
Individuums zu Jeder besonderen Art produktiver Thä- 
tigkidt deutlich hervortreten, (irössere Geschieklich- 
keit setzt ebenso, wie grössere Körperkraft, den 
Arbeiter in die Lage, die gleiche Leistung mit ge 
ringerer Anstrengung zu vollbringen; dadurch wird 
der ganze Verlauf und namentlich der Anfang der 
Kostenknrve eines Broduktes Hacher, jener der Xütz- 
lichkeitskurve eines 1 lilfsstotfes steiler; der Minimal- 
])i-eis wird niederer, bzw. der Maximalpreis höher. 
Der Fleissige ist bemüht, weder Zeit, noch Anstrengung 
zu vergeuden, und es gelingt ihm gleichfalls, mit der 
selben Anstrengimg eine grössere Leistung zu erzielen. 
Dass au(*h die Kostenkurve des minder Bemittelten 
einen flacheren Wrlaiif nimmt, beruht, wie schon er 
wähnt, darauf, dass er nicht in der Lage ist, seine 
Anstrengung so hoch in Geld zu bemessen, als der 
Wolhabendere. Durch geeignete Aideitung und hauj)t- 
säehlich durch 1 ebnng erwirbt endlich jeder einen 
höheren (frad von Geschicklichkeit und wird dadurch 
befähigt, die (Benzen der Ermüdung weiter hinaus 
zuschieben, so dass die Kostenkurve erst bei einer 
grösseren Broduktmenge ihren steilen Verlauf annimmt.
        <pb n="293" />
        — 2f)7 — 
lîci einem ])liysÍ8cli fliäfi^en Produzenten tritt aneh 
melir als bei dem, der bloss anordnet und überwaebt, der 
Zusammenlian^ zwischen den zweekmässi^st an&lt;»e])ass- 
ten Konsum- und Produktmen^en zuTa^e. Es kann nicht 
nur durch eine ^eei^nete Ernälirung die Leistungsfähig 
keit erhöht und die Grenze der Erschö])funjr hiiiaus- 
^erückt werden, die Kost und die ganze Lebensweise 
muss mit der Perufsthätigkeit im Einklänge stehen; der 
Schmied braucht eine andere Nahrung als der Schnei 
der, der Matrose eine andere als der Itergmann u. s. w. 
Ein leistungsfähigeres, aber auch anspruchsvolleres 
Individuum, das sieh also zu einer höheren Lebenshaltung 
aufgeschwungen hat, wie z. P. ein amerikanischer Arbei 
ter im (Gegensätze zu einem osteuropäischen, wird in der 
auf seine Produkte bezogenen Lebensgenusskurve eine 
längere Anfangsordinate und nach links hin eine steilere 
Antängstangente aufweisen, von deren Pichtung aber sieb 
die Kurve nur langsam entfernt. Pei niedrigerer Lebens 
haltung beginnt die Kurve tiefer, verläuft anfangs flacher, 
krümmt sich aber dann rasch, weil auch ein hoher Lohn 
den schlecht genährten und bedürfnisslosen Arbeiter 
nicht zu grossen Leistungen zu bringen vermag, während 
er bei kleinen Leistungen und kargem Lohn ausharren 
'vird, ohne an einen Perufswechsel zu denken. 
58. Der EiiillusH 
der (iewölmimg mul des aiifäiiti- 
lielieii Besitzes. 
Die Erhöhung des Lebensgenusses durch das Ein 
treten einer (Gewöhnung an eine gewisse Konsum- und 
Auspitz u. Lieben. Untursueb. üb. d. Theorie d Preises. 17
        <pb n="294" />
        l*ro(luktkoml)iiiatioii oder liäufi^cr an eine Gni])])e ein 
ander nalie stellender, sol eher Koniliinationen inaelit 
sieh hei kleinen Betriehen mehr als hei grossen Unter- 
nelnnnn^en geltend; doch lässt sich namentlich hei 
erstcren die Analogie mit der Gewöhnung' an einen Kon- 
snmartikel auch hinsichtlich eines Produktes oder eines 
Prodnktionserfordernisses vollständig durchführen. Der 
Unternehmer kann sich an eine gewisse Thäti^keit üher- 
haiijit gewöhnen, wodurch seine Scheu vor dem üeher- 
gang zu einer anderen gesteigert wird, er kann sieh 
an einen eingeschränkten Betrieh gewöhnen, und das 
wird sich durch eine erhöhte Ahneigung gegen jede Be- 
triehssteigerung zeigen, oder an eine starke Production, 
wodurch seine Scheu vor Peductioiien, Arheiterentlas- 
suIlgen etc. vergrössert wird, oder endlich, er wird in 
immer weiteren Grenzen gegen Preisschwankungen un- 
emjitindlich und entschMesst sich nur sehr schwer, von 
seinem gewohnten Betriehsumfange wesentlich ahzu- 
gehen. Die Kurve kann also Macher, steiler, ausge 
hauchter werden seihstverständ 1 icli hringt aber dieselhe 
( wewöhnung, welche den Alinimal|ireis eines Produktes 
herahdrückt, eine Krhöhung des Maximalpreises für 
dessen Produktionserfordernisse mit sich. Diner sich 
festsetzenden (Knvöhnung gerade entgegengesetzt wirkt 
ein allmälig sich einstellender Ueherdruss an einer ge 
wissen Art der Thätigkeit. 
Wir hahen schon früher (4G) hemerkt, dass die 
Beschatfenheit des anfänglichen Besitzes einen sehr 
älinlichen Einfluss, wie die Gewöhnung, auf die Form 
der Lehensgenusskurve namentlich dann ausüht, wenn
        <pb n="295" />
        259 
(lie letztere auf einen Artikel bezogen ist, dessen Ver- 
l)raneli den Besitz gewisser Gebranelisartikel vorans- 
setzt. In einer Beziebnn^ derselben Art steht al)er 
jedes Brodnktionserforderniss und jedes Produkt zn 
den für die betreffende Produktion erforderlichen Werk 
zeugen, Maseliinen, Banlielikciten n, dgl. Namentlich 
bei grösseren Unternebinniigen wird die Prodnktinenge, 
von der nicht g’erne abgegangen wird, nicht sowol 
dnreli eine etwaige Gewöliniing, als vielmehr durch 
den Umfang der thatsäehlieli vorhandenen Werksan 
lagen vorgesehriehen. Es wird hier nur selten mög 
lich und vortheilhaft sein, eine erhebliche V^ergrösserung 
der Produktion ohne neue Investitionen, also nur durch 
Betriehsänderungen, wie Verlängerung der Arbeitszeit, 
Vermehrung der Taglölmer, Uehergang zu anderen 
Sortmi eines Hilfsstotfes u. dgl., zu erreichen. Solche 
Betriehsänderungen können allerdings jederzeit, wenn 
die Preisschwankung, durch welche sie veranlasst 
wurden, wieder verschwindet, ohne Verlust riiekgän- 
Jiig gemacht werden, und das hierfür in Anspruch ge- 
uommene Betriebskapital wird wieder verfügbar. An 
ders ist es, wenn die vorzunehmende Betriehsänderung 
dauernde Investitionen, wie Umbauten, Neubauten, 
Maschinenansehaff'ungen u. dgl. erfordert. Es ist näm 
lich von voridierein klar, dass, wenn die eingetretene 
Preisänderung des Artikels A nicht, wie erwartet, zn 
einer bleibenden wird, sondern die Konjunktur sieh 
wieder ändert, und man daher wieder den früheren 
Stand herstellen wollte, das aufgewendete Anlage- 
kajntal entweder gar nicht oder doch nur tlieilweise 
17*
        <pb n="296" />
        liereiii^'el)m(*lit werden könnte. Zn dem Kisiko eines 
solelien Verlustes gesellt sieh oft noch der Naelitlieil 
einer I5etriel)sstörun&lt;»- und die Befürelitun^*, dass die 
einseitige Neuerung' iioeli weitere Ansinnen naeli sieh 
ziehen werde, die sieh nielit gleich ermessen lassen. 
Mit Beriieksiehti^un{;* aller dieser Umstände wird die 
(irösse des Risikos von jedem Individuum anders ver 
án schlaft ; dabei maelien sieb seine Vermögens- und 
Knulitverliältnisse, also die Leiebti^keit der Geldbe- 
sehatfun^' ebenso, wie seine Nei^nn^en und Gewolin- 
h ei ten, sein Optimismus oder 1 Vssimismns, geltend. 
d(i p,rösser das Risiko eisebeint, je ^lösser also die 
Sebeii vor neuen Investitionen ist, desto ^erin^-er ist 
der Uebens^ennss, den jene An- oder Verkaiitsnieii^e 
von A erwarten lässt, für welebe die betreffende In 
vestition ^(unaebt werden soll. Die Uol^e davon ist, 
dass die Ijebens^ennssknrve, wenn es sieb um eine 
Investition znni Zwecke einer Melirerzeiioani^' des Pro 
duktes oder Zinn Zwecke eines Minderverbrauebes 
oder der Selbsterzeii^iin^’ des 1 lilfsstotfes Ä bandelt, 
zur Linken der bisberi^en Verkaufs- oder Ankaufs- 
men^e um so steiler abfallen wird, je grösser die 
Sebeu vor der betretfenden Investition ist. Bezweckt 
die vorziinebmende Investition da^e^en eine vermebrte 
Herstellung" eines anderen Produktes, so dass dadureb 
weniger von A ])roduzirt wird, oder bezweckt sie die 
Mebrverarbeituiii»" eines Roh- oder 1 lilfsstotfes oder 
die Selbstverarbeitunj»" eines eigenen Produktes A, 
so wird die Ijebeiis^enusskurve rechts von der bis 
herigen An- oder Verkaufsmenge um so tlaeber an-
        <pb n="297" />
        201 
steifen, je melir die betreffende Investition ^eselieut 
wird. Ganz, wie eine Gewöliniing- an «gewisse Mengen, 
bewirkt also auch die Hellen vor grösseren Investi 
tionen, dass das Individinini innerhalb weiter Preis 
grenzen an seinen Einriebtnngen nichts ändert, und 
dass es einschneidender Preisändernngen bedarf, um 
dasselbe znni I ebergange zn solchen An- oder Ver- 
kanfsmengen von A zn veranlassen, welche nene In 
vestitionen erheischen. 
Ist dagegen eine nene Investition einmal gemacht, 
so hat sich der nrspriinglich angenommene, faktische 
Besitz des Unternehmers bleibend verändert. Er hat 
nun zwar eine grössere oder vollkommenere Werks 
anlage, aber weniger flüssiges Kajiital, oder er ist 
mehr schuldig; eben darum wird sein Lebensgenuss 
hei allen jenen An- oder Verkanfsmengen von A, für 
welche die hetretfende Investition nicht nöthig oder 
zweckmässig ist, nun ein geringerer sein als früher. 
Es werden also entweder alle znr Beeilten oder alle 
%nr Linken der nenen An- oder Verkanfsmengen lie 
genden Punkte der diirchlanfcnden Lehensgeniissknrve 
herahrücken, je nachdem die gemachte Investition, sei 
es, eine Mehr|nodnktion, sei es, einen Minderverhranch 
von A oder aber das Gegentheil bezweckte. Dagegen 
bleiben jene Ordinaten der Kurve, deren Abszissen die 
nenen Mengen angehen, unverändert, so dass die Kurve 
in der Strecke zwischen der alten und der nenen 
Menge das einemal Hacher, das anderemal steiler wird, 
als sie früher war ; die Bückkehr von der neuen znr 
alten Menge kann also erst hei einem Preise von A
        <pb n="298" />
        — 2()2 — 
eifolgeii, (1er viel niedriger, l)zw. viel hölier, ist, als 
derjenige, bei dem das Individuum den Entschluss, 
die betreffende Investition zu machen, gefasst hatte. 
Ebenso bleiben, von der neuen ^lenge, für welche die 
Investition zunä(dist erforderlich war, ausgehend, auch 
die folgenden Ordinaten der Lehensgenusskurve je 
doch nur iiisolange unberührt, als die genannte In 
vestition auch noch für die betreffenden, weiteren 
Klengen zweckmässig bleibt. Würde z. II. zu vier be 
stehenden I)am])fkesseln ein fünfter aufgestellt, so 
werden die Ordinaten der Lehensgenusskurve auch 
hei Produkt- und Hilfsstotfmengen, für welche die 
fünf Dampfkessel nicht mehr ausreichen, die gleichen 
bleiben, wenn die weitere Ausdehnung der Heizanlage 
durch die Aufstellung des fünften Kessels nicht er 
schwert oder vertheuert worden ist, während diese 
Ordinaten verkürzt werden, wenn die Aufstellung des 
fünften Kessels die weitere Vergrösserung irgendwie 
behindert. Der vermehrte Besitz an dauerhaften Ge 
brauchsartikeln, .also z. II. an Dam]&gt;fkesseln, wirkt 
allemal, wie eine neu eingetretene Gewöhnung, und 
fällt auch mit einer solchen zusammen. Die Bück Ver 
setzung in den früheren Stand bleibt natürlich mög 
lich, sie ist aber nunmehr mit neuerlichen Auslagen 
und Betriebsstörungen verbunden. Wenn nun auch hei 
kleinerer Ih’oduktion die Mitbenützung der neuen An 
lagen oder deren blosse Benützung als Reserve oder 
deren theilweise oder gänzliche Aussergangsetzung 
Betriebsweisen gestattet, die vor Herstellung der neuen 
Einrichtung nicht in Betracht kommen konnten, so
        <pb n="299" />
        263 
bleibt (loch immer die Herstellung kleinerer Alenden 
mit grossen Werksanlagen nnvortbeilbaft. Die Knek- 
kebr zn der alten ^ienge ist also durch die inzwischen 
gemachten Investitionen in allen Fällen erschwert. 
Die hier besprochenen Formänderungen der Le- 
hensgennssknrve, die sich natürlich auch in der 
Kosten- und NUtzlichkeitsknrve genau wiederholen und 
entsj)rechende Aendernngen der Angebots- und Nacli- 
frageknrve nach sich ziehen, treten besonders deut 
lich hervor, wenn es sich für das betrachtete Indivi- 
dnnm nicht bloss nm die Erweiterung und Verbesserung 
bestehender, sondern nm die Schaffung ganz neuer 
Werksaidagen handelt, vollends, wenn damit der IVber- 
gang zu einem neuen Beruf eifolgt. Die Formände 
rung der Lebensgenusskurve zeigt dann, wie bei diesem 
Individuum das früher nicht etfektive Angebot des Pro 
duktes oder die Nachfrage nach dem Ililfsstotfe etfek- 
tiv werden. 
Nicht selten trägt gerade der ansehnliche Nutzen, 
den eine günstige Konjunktur gewährt, dazu bei, den 
I nternchmer lässig zu machen und ihm eine über 
triebene Scheu vor jeder Aenderung, also auch vor 
neuen Investitionen, einzutlössen. Tritt dann eine un 
günstige Konjunktur ein, so kommt es vor, dass der 
I nternehmer, statt seinen Betrieb einzusehränken, neue 
Investitionen maeht, um durch die wolfeilerc Erzeu 
gung oder Verarbeitung grösserer Klengen konkurrenz 
fähig zu bleiben. I nter dem Einfluss des geschmälerten 
Einkommens steigt nämlich die individuelle NVerth- 
sehätzung des Oeldes, so dass die Form der Lebens-
        <pb n="300" />
        2t&gt;4 
^emisHkiirvc sicli ändert und da1)ci naincntlicli für 
»Tössere Mengen eines Produktes oder lliltsstottes 
neue Konsum- und Produktkombinationen zum Vor- 
seliein kommen, die frülier l)ei günstiger Konjunktur 
unbeaelitet l)lieben. So ist es eine iläufige Folge der 
dureil einen Zollscliutz geseliaffenen, günstigen Kon 
junktur, dass in der betreffenden Industrie kostsjiielige 
Verbesserungen unterlassen und erst dann nacbgebolt 
werden, wenn dureb Herabsetzung des Zolles eine 
sclileebte Konjunktur eingetreten ist. 
Selbstverständlicb haben entgegengesetzte ür- 
saelien aueb gegentbeilige Wirkungen. So wird, z. H. 
wenn ein Unternehmer seine der Produktion des Ar 
tikels A gewidmete Werksanlage ganz auflöst, der 
linke Ast seiner Lebensgenusskurve und mit ihm die 
Kosten- und Angebotskurve gleieli vom Anfänge an 
steiler werden, ganz so, wie sie in Folge der Er- 
riebtung oder Erweiterung solcher Anlagen einen 
dacberen Verlauf annebmen. Endlich machen sieb 
alle hier besjiroebenen Aenderungen einer einzelnen 
Kosten- und Nützlicbkeitskurve auch in den Gesammt- 
kurven geltend.
        <pb n="301" />
        \ 
T 
Das VojTatli haltende Imlividimm.
        <pb n="302" />
        <pb n="303" />
        Die Spekulation. 
50. Der EiiifluNs eines Aiifangsvorrathes. 
Wir luil)eii bMicr immer angenommen, dass das 
betraelitete Individuum von dem Artikel A keinerlei 
Selilussvorrath halte und auch keinerlei Anfangsvor- 
rath von demselben besitze, und wollen nun znnäehst 
diese letztere Voraussetzung fallen lassen und den 
Kintluss eines Anfangsvorratbes besprechen. 
Sei in Fig. 54 die schwarz gezeichnete Kurve 
.7a.7» die auf den Artikel A bezogene, den bisherigen 
Voraussetzungen entsprechende Lebensgenusskurve, 
und nehmen wir ferner an, dass durch den Besitz 
eines Anfangsvorrathes a von A, den das Individuum, 
z. B. zum Geschenk, erhalten hätte, in dessen sonsti 
gem Besitz, sowie in seinen persönlichen Eigenschaften 
keinerlei Aenderung eintrete. Es ist dann klar, dass 
der Lebensgenuss, der dem Individuum durch eine 
bestimmte Konsum- und Broduktkomhination, hei der 
es von dem Artikel A die Menge v verbraucht und 
die Menge e erzeugt, geboten wird, durch den Besitz 
des Anfangsvorrathes a gar nicht beeinflusst werden 
kann. Dagegen bringt es dieser Besitz mit sich, dass 
nun nicht der ganze I cherschuss (v — c) des Ver 
brauches ül)er die eigene Erzeugung, sondern nur die
        <pb n="304" />
        2Ü8 
kleinere (v — c — a) anziikauten ist, oder dass 
inn^ekelirt nielit Idoss der Ueberseliuss (e — v) der 
Krzeu^img* über den eigenen Verbraneli, sondern die 
Fig. 54. 
ffn, 
grössere Alende (e-v-\-a) verkauft werden kann. 
Es ist also nun die An- oder Verkaufsinen^e 
X = V — ß — 
wälirend bisher x = (v — e) war. Nun werden aber 
durch die Abszissen der Eebens^enusskurve //„//„ 
eben diese letzteren Mengen an^e^eben, und wir 
müssen daher jede Ordinate dieser Kurve um die 
den Anfang-svorratb a bezeiebnende Eän^e (Ja nach 
links versebiel)cn, wenn wir den Lebensgenuss, auch
        <pb n="305" />
        jetzt — mit l^crücksicliti^’Uii«!^ des Anfaii^svorratlies 
— wieder auf An- oder Verkanfsmen^en tmzow-en, dar- 
Htellen wollen. Wir erhalten so die nun geltende, in 
unserer Figur roth gezeichnete Lehensgennssknrve 
OatOn,' I" derselben steht die der früheren Anfangs 
ordinate Oh gleiche Ordinate aß^ welche den Lebens 
genuss hei V = e, also hei einem der gleichzeitigen 
Frzeiigung gerade gleichen Verbrauche, angiht, über 
der negativen Abszisse 0«, während die über dem 
Null})unkte stehende Ordinate Oòy die ohne Kauf und 
Verkauf erreichbare Anfangshefriedigung hezeichuet, 
welche nun durch einen die gleichzeitige Frzeiigung 
gerade um a übersteigenden Verbrauch erzielt wird. 
Schieben wir die Kurve ßa,9n, die Ordinate Oh¡ 
herab, so erhalten wir die ebenfalls roth gezeichnete 
Kurve a,Orij^ deren Ordinaten rechts die Nützlichkeit 
jeder Ankanfsmenge, links die Kosten jeder Verkaufs 
menge angehen; es ist dies also die Kosten- und 
Nützlichkeitskurve des Verkaufes und Ankaufes, wäh 
rend die schwarz gezeichnete Kurve aOn nach wie 
vor die Kosten der Produktion und die Nützlichkeit 
der Konsumtion darstcllt. Demgemäss ist die eben 
falls roth gezeichnete Abgeleitete a,On', der Kurve 
Ha,9n, (»der a,On, zugleich die Angebots- und Nach 
fragekurve des mit dem Anfangsvorrathe a ausgerüste 
ten Individuums, und ihr Schnittpunkt mit der jeweilig 
geltenden Preislinie 1*0P heniisst durch seinen Ver- 
tikalahstand von der rothen Lehensgenusskurve die 
Befriedigung. Diese ist in Folge des Besitzes des 
Anfangsvorrathes a hei jedem Preise tui)- um aUj 9
        <pb n="306" />
        i^Tösser als vordem, wo sie dureli den Vertikalabstand 
der seil Warzen Lebens^-ennssknrve von ihrer Abgelei 
teten dOn beim Sebnitt¡mnkte der letzteren mit der 
selben Preislinie POP an(fe^eben war. Es haben 
nämlieb vermöge der vor&lt;2,enommenen Versebiebnn^' 
die Punkte »leieber Tan^entialriebtun^- in der rotben 
und sebwarzen Lebens^enusskurve aueb ^leiebe Or- 
dinaten, nur liefen die betrettenden Punkte in der 
rotben Kurve um a weiter links; der Vertikalabstand 
der Eelmns^enusskurve von dem Sebnittpunkte ibrer 
Abgeleiteten mit der Preislinie muss daher bei der 
rotben Kurve um atf) ih grösser sein nls bei der 
sebwarzen. Der Sebnittjuinkt der sebwarzen Ab&lt;&gt;e- 
leiteten dOn mit der Preisliuie bemisst nach wie 
vor die riebti^e Alende (v — bzw. (e — v)^ um 
welebe der Verbiaueb die Erzeu^^un«^' iiberstei&lt;;t oder 
liinter derselben zurüekbleibt, und diese Men&lt;»-e bleibt 
von der Urösse des Anfangs vor ratbes ^ünzlieb un 
berührt; der Vertikalabstand dieses Selmittpunktes von 
der Kurve aOn, bezeiebnet wieder den Nutzen der 
Komsumtion oder Produktion eben dieser Alende. Dass 
dieser Nutzen sieb dureb den Pesitz eines \Orratbes 
a niebt ändert, obwol, wie. wir gesehen haben, die 
täktisebe PetViedio-uno- dureb diesen Pesitz um at(j ih 
¿»•estie^en ist, erhellt daraus, dass wir, um diesen 
Nutzen zu ermitteln, beidemale die täktisebe Pefrie- 
di^un^' mit jener vergleichen müssen, welebe bei v = e, 
also dann erreicht wird, wenn die Erzeugun^- dem 
Verbrauebe gerade ^leieb kommt. Diese Pet‘riedi&lt;^un”’ 
ist aber in dem einen Ealle während sie in dem
        <pb n="307" />
        — 271 — 
Falle, (la88 ein Verra th a vorhanden ist, der znni 
Preise verkauft werden kann, nicht durch aß = OA, 
sondern durch den Vertikalahstand /i des Punktes/? 
von der Preislinie bemessen wird, und dieser Abstand 
ist nin «/?, also inn den Betrag grösser. Was 
endlich den Vertikalahstand der rothen Kurven a,On, 
und a'jOn'j aid)elangt, so bezeichnet derselbe den 
Nutzen des Ankaufes oder Verkaufes der durch 
die Abszisse angegebenen Menf»e; denn er stellt immer 
den IJehersehuss der faktischen Befriedigung', d. i. des 
\ ertikalahstandes der Kurven und a/Jn'j Uber 
die ohne Kauf oder Verkauf von A erreichbare An- 
fan^'shefriedi^'un^' Oh, dar. 
,le grösser der Anfan^svorrath a ist, desto mehr 
riiekt die nrspriin^liche Kurve //„//,, uueh links, desto 
flacher wird also die neue Lehensficnnsskurve ga,iJn, iu i 
ihrem I lurch^an^' durch die Ordinatenachse, und desto 
mehr nimmt daher die Nachfrage des Individuums nach 
dem Artikel A ah, sein Angebot aber zu. Das (íe^en- 
thcil würde eintreten, wenn das Individuum sich ver- 
¡»tliehtet hätte, im laufenden Jahre eine gewisse Mcn^e a 
von A an andere Personen ahzu^ehen; diese Alende ist 
dann als ein negativer Anfan^svorrath anzusehen, und 
die ursprüngliche Kurve //„(/„ wäre dann um eben so 
viel statt nach links nun nach rechts zu verschieben. 
()0. Die Haltung? eines Schliissvornithes. 
Die in Fijr. 54 roth {gezeichnete Lebens&lt;çenuss- 
knrve trä{»t zwar dem Vorhandensein eines Anfanj^s-
        <pb n="308" />
        vorratlics a Rcc1mim^\ l)cni1it aber docli immer iioeb 
auf (1er l)is mm fest ^elialteueu Voraussetzuui»-, dass 
jeder Ankauf des Artikels A mir zur Deckuu»- des 
laufeudeii Bedarfes erfolo-e, oder dass das ^auze, aus 
der diesjährigen Erzeugung', so wie aus dem Aufauos- 
vorratlie stammende Quantum, so weit es nicht seihst 
verhraucht wird, zu jMarkte g-ehra(dit wird. Nun kann 
aber in der Be^el am Beginne eines Jahres nur daun 
ein Vorrath vorhanden sein, wenn das Individuum im 
Vhujahre einen Schlnssvorratli desselben Artikels an- 
^esammelt hat, und dies kann wieder nur dann ge 
schehen, wenn ein Theil der Ankanfsmenge nicht kon- 
snmirt oder ein Theil der (lisi)onihlen Brodnktmenge 
nicht verkauft, sondern zur Vorratlishildnng verwendet 
wurde. Nebst allen anderen, mannigfaltigen Verwen- 
dnngsarten eines Artikels A kommt also nun auch noch 
jene zur Bildung eines Schlnssvorrathes in Betracht. 
Während nämlich schon bisher hei jeder bestimmten 
An- oder Verkanfsmenge x = (v — e — a) viel oder 
wenig konsnmirt und ])rodnzirt werden konnte, tritt 
nun zu Verbrauch und 11 erstellnng auch noch die 
Spekulation hinzu, indem ein Schluss vor rath .s- gehalten 
wird, und auch dieser kann hei gleichhleihender An 
oder Verkanfsmenge a", die nun = (v — c — a -h .s) 
ist, gross oder klein sein, je nachdem der Konsum 
mehr oder weniger eingeschränkt oder die Produktion 
mehr oder weniger ausgedehnt wird. Selbstverständ 
lich kann unter allen nun noch zahlreieheren, mög- 
liehen Kombinationen eine solche, welche einen Sehlnss- 
vorrath mit sieh bringt, nur dann als die vortheil-
        <pb n="309" />
        273 
liîifteste ersclieinen, wenn der Besitz dieses Vorratlies 
dem Individnnm inelir HefViedijiiin«»’ «»’ewälirt, als wenn 
es die Meiii»e .&lt;? zur \ ennelirnn^ seines Verbraiielies 
oder zur Minderung' seiner Produktion verwenden 
wollte. 1 )er Besitz eines \ orratlies, der dein Konsuine 
entzogen ist, der meist aueli noch, wenn er nicht in 
seiner Suhstanz leiden soll, Mühe und Sorgfalt erfor 
dert, kann aber eine Erhöhung der Befriedigung" nur 
dadurch hervorrufen, dass er eine Aufbesserung der 
sehliesslichen Vermö&lt;&gt;ensinventur bewirkt. Eine solche 
Aufbesserung" wird jedoch das Individuum nur dann 
richtig zu schätzen wissen, wenn es sieh eine Vor 
stellung von dem Betrage machen kann, den es im 
nächsten Jahre durch den Verkauf des Vorratlies er 
lösen oder durch einen gleich grossen Minderankauf 
ersparen wird. Für die Bewerthun^" eines Sehluss- 
vorrathes .v, der im laufenden Jahre nicht mehr ver 
wendet wird, so dass der ^e^enwärti^e Breis tgih 
iiieht mehr massgebend sein kann, muss daher dem 
Individuum jener Breis bekannt sein, den es für das 
nächste Jahr erwarten zu können glaubt. Eine An- 
nahim* in dieser Hinsicht ist die unerlässliche Voraus 
setzung" jeder Sjiekulation, und nur eine solche kann 
zu dem Entsehluss führen, einen Vorrath von he- 
stimmtem Ausmasse zu halten; so ist es auch schon 
eine S])ekulation, und zwar auf höhere Preise, wenn 
jemand jahraus, jahrein ständige Vorräthe hält, um 
von Störungen im Bezüge seiner Eonsunitions- oder 
Broduktionserfordernisse iinahhän^i^ zu sein, oder um 
einer dringenden Nachfrage nach den eigenen Bro- 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 18
        <pb n="310" />
        274 
(lukten ciits])re(*lK‘ii zu kiniiieii. l ebri^Tus lässt sicli 
die neue Venveuduii&lt;&gt;- des Artikels A zur Hilduiij*- eines 
Seldussvurrutlies zuj*leieli aueli als die Herstellung 
eines neuen Artikels „Artikel yl für künftige \ er- 
wendun^’“ anselien, und es ist daher be&lt;»reiflieli, dass 
der Preis dieses neuen Artikels, d. i. der künftige 
Preis des Artikels yl, dein Individuum, welelies für 
jede An- oder \'erkaufsinen»e von yl die zweek- 
inässij*ste Koiubination seiner ganzen Konsumtion und 
Produktion zu ermitteln liât, ebenso, wenigstens in 
seiner V’orstellung', bekannt sein muss, wie die Preise 
aller übrigen Artikel. 
Sei nun U/t dieser von dem s])ekulirenden Indi 
viduum erwartete, künftige Preis, so wird doeb die 
mit dem besitze des Selilussvorratlies verbundene Auf 
besserung- der \ ermö^ensinventur niemals dem vollen 
Petra^e s*^/Ç "leiebkommen, weil selbst, abgesehen 
von baren Aufbewabrunj&gt;skosten, La^erzins, Assekuranz 
u. (1^1., doeb jedesfalls der Umstand in’s (lewiebt fällt, 
dass der Betraj*- uiebt als Bargeld, sondern nur 
als „künftiges (leid“* in der diesjäbrij»-en \ ermö^ens- 
inventur ersebeinen kann. Die Veranseblaj&gt;un&lt;»- jedes 
solebeii, künftigen Geldbetrages bleibt aber immer 
hinter dem Nominalbeträge zurüek, und bän^t von 
dem Uälli^keitstermine und von dem Risiko der uiebt 
vollen llealisiruu^- ab. 
Was zunächst den Fälli{^keitstermin anbelan^t, 
so müssen Avir uns darüber klar Averden, dass Avir 
bisher immer eine Schmälerung- oder Erhöhung der 
schliesslichen A^ermögensinventur gerade um den Auf-
        <pb n="311" />
        275 
wand tur die au^ekauftc Meii&lt;&gt;*e oder um den Erlös 
der verkauften Meu^e des Artikels A aii^-euomineii 
haben. Würden nun die Zahlungen je nach Einstän 
den schon am Beginne oder im Laufe des Jahres 
erfolgen, so müssten jedesmal auch die Zinsen von 
dem Zeit|)unkte der Zahlung* bis zum Jahresschluss 
in Heehnung^ gestellt werden. Der Einfachheit wegen 
enijitiehlt es sich daher, anzunehmen, dass, wann im 
mer auch die Lieferung der für das betrachtete Jahr 
gekauften oder verkauften Mengen erfolge, der Preis 
Htets als am Jahresschluss zahlbar verstanden sei, und 
ist es zweckmässig, diese Annahme durchwegs fest 
zuhalten. Der erwähnte Zukunftsbetrag ist also 
trühestens — wenn nämlich die Realisirung des 
ganzen Vorrathes schon im nächsten Jahre zu ge 
wärtigen ist — am Schlüsse des nächsten Jahres 
tällig, so dass derselbe, selbst abgesehen von jedem 
Risiko, jedesfalls nur um die mindestens einjährigen 
Zinsen reduzirt, in der Vermögensinventur erscheinen 
kann. Schon dieser Zinsenverlust wird mit wachsen 
der (irösse des Spekulationsvorrathes s, zumeist wenig- 
Htens von einer gewissen (Lenze ab, mehr als )u*o- 
])ortional steigen, die Veranschlagung für die Ver- 
luögensinventur also schon aus diesem (iruude mit 
Wachsender (irösse des Vorrathes weniger als pro- 
portional zunehmen. Noch mehr gilt dies aber im 
Hinblick auf das mit jeder Aufbewahrung verbundene 
Hisiko, dass der betretfende Vorrath mittlerweile ver 
loren, zerstört, beschädigt oder in seiner (Qualität be 
einträchtigt werden könnte. Dazu kommt noch das 
18*
        <pb n="312" />
        27(3 
weitere, vou jedem Sj)ekulauteii sehr wo] zu l)eaeli- 
teiule und mit der Urosse seiner S])ekulatiou raseli 
waehseude Risiko, dass er l)ei der Kealisiruuo' seines 
Vorratiies den erwarteten Preis nieiit voll erreichen 
werde, und zwar schon darum nicht, weil im nächsten 
Jahre seine eigene Nachfrage um so o'erin&lt;»er und 
sein An^ehot um so grösser, dadurch also auch der 
Marktpreis um so ^edinekter sein wird, je &lt;&gt;Tösser in 
Fol^e der S])ek(dation sein Anfan^svorrath dann ist. 
Alle diese Umstände vereinigen sich mit der hei 
steifender (jirösse des Schlussvorrathes zunehmenden 
Mühe und Sorfc um seine unversehrte Aufhewahrnuf, 
und hriiifen es mit sich, dass seihst, wenn das he- 
trachtete Individuum den Artikel à weder konsumiren, 
noch ])roduziren würde, also nur ein Vorrathsliändler 
wäre, seine auf den Artikel A hezofene Lehens- 
fenussknrve doch, wie (Fif. 55), konkav verlaufen 
würde. Dieselhe hefinnt links vom Xidlpunkte üher 
der den Antäufsvorrath a aiifehenden Abszisse (ht 
mit der Ordinate «/y„, welche den Uehensfamuss hei 
Ausschluss von /l, also die Hefriedifunf hei unent- 
feltlicher Wcffahe des f a uzen Antänfsvorratlies o, 
hezeichnet; die Kurve verläuft zuerst ansteifend und, 
nachdem sie, wenn auch wol erst in sehr frosser Fnt- 
fernmif, rechts von der Ordinatenachse einen Scheitel 
erreicht hat, wieder ahsteifend. Fs wird nämlich im 
mer eine gewisse, wenn auch sehr weit festreckte 
Orenze fehen, üher welche hinaus das Individuum 
seinen Spekulationsvorrath wefcn der mit der Auf- 
bewahruiif verbundenen Helästifuiif und Mühe nur
        <pb n="313" />
        277 
cine Aufzaliliiii«»- auwdeliiieii würde. Die Kurve 
öaOni die Aiitau^’sbefriedi^iin«: Oh lieral)f»‘e8eliid)eii, 
^ibt die Kurve aOn^ welelie links die bei einem &lt;ränz- 
lieben oder tbeilweisen Verkaufe des Anfan^svorratbes 
in Anselda^ zu bringenden Sell)stkosten, reelits die 
Fig. 55. 
E 
Nützlielikeit einer Vennelirun^ des Vorratlies dnreb 
Ankauf darstellt. Die Abgeleitete a ()n ^ die ebenso, 
wie die Kostenknrve, vertikal unter dem Punkte 
und zwar in abbriebt, ist zu^leieb die An^ebots- 
und Xaebfra^ekurve des blossen Vorratbsbändlers. Die 
Hiebtunj»- des ersten Kadiusvektors Od bezeichnet
        <pb n="314" />
        278 
jenen liöehsten Preis bei dem eine spekulative 
Vorratlislialtiing mir eben noeli mü^licb bleibt, so 
dass, wenn der gegenwärtig" geltende Marktjireis tfiih 
böber steigt, gar kein Seblussvorratb inebr gebalten 
werden kann, sondern der ganze Antangsvorratb ver 
kauft wird. Der Preis 07^, muss also mindestens um 
die einjäbrigen Zinsen und die etwaigen baren Auf 
bewahrungskosten niedriger sein als der Zukunfts- 
])reis tgt^ und es ist klar, dass, wenn das Individuum 
über letzteren Preis keine bestimmte Meinung und 
daher aueb keinen Grund hätte, tgt böber oder nie 
derer als tgth anzunebmen, kein Seblussvorratb ge 
halten werden könnte. 
()1. Der VoiTatlisliaiidel. 
Kehren wir nun wieder zu dem allgemeinen Falle 
eines Individuums, welelies den Artikel A konsumirt 
und produzirt, zurüek, und sei die durebaus schwarz 
gezeicbnete Kurve g^g^ (Fig. 5b a oder b) die dem 
Vorhandensein eines Anfangsvorratbes a Heelinung tra 
gende Lebensgenusskurve dieselbe, wie g„g/„, (Fig. 54). 
Diese Kurve wird, sobald das Individuum einen be 
stimmten, künftigen Preis fgll, von A erwartet und 
daher aueb als Sjiekulant — als Vorratbshändler — 
auftritt, eine Formänderung erfahren, indem sie von 
einem gewissen Punkte y ab den höheren, rotb ge 
zeichneten Verlauf yg„^ annimmt und aueb erst viel 
weiter rechts ihren Scheitel erreicht. Dass beide 
Lebensgenusskurven von links her bis zum Punkte y
        <pb n="315" />
        279 
zusaiiiinenlaufen, rührt daher, dass na türlieh auch bei 
ergebenen! Ziikiiiiftspreise tgt, doeli kein Sehlnss- 
vorratli gehalten werden wird, so lan^e nocli jeder 
Minderverkant’ oder Melirankaiif vortlieilhafter zur 
Einseliränknnj» der Produktion und Stei^ernn^^- der 
Fiff. 56 a. 
9n 
B 
n, 
Konsumtion als zur Vorrathsbildnn^ verwendet werden 
kann. Der Maxinial])reis für die Vorrathshaltnn^ 
der, wie oben erwähnt, niederer als tyX&gt; wein muss, 
erscheint in der Kiehtinif»- der ersten, geraden Strecke 
des rothen Knrvenzwei^es die sieh, im Punkte y 
tan^irend, an die Kurve g^Qn ansehliesst. Die er-
        <pb n="316" />
        wähnte gerade Streeke wird oft, wie yy¡ in unserer 
Fi»-iir, eine anselndiehe Län&lt;i,*enansdelmnn{4- aufweisen, 
weil die 8i)ekulation ^liilie und Aufmerksamkeit er 
fordert, der sieh die meisten nieht um ^eriu^er ^len^en 
willen unterziehen werden, de niedriger der für das 
nächste Jahr erwartete Preis fy'Ç ist, desto Hacher 
muss auch 0I\ verlaufen, und desto weiter rechts 
lie^'t daher der Punkt y; unsere Fi^ur 5da beruht 
Preises als jene 5Gh. 
Die Fehens^eniisskurve ^iht, um ihre An- 
fan^'sordinate herahgeschoben, die hei dem jeweilig' ^e- 
«••ehenen Zukunfts])reise t/jt geltende Kosten- und Xiitz- 
lichkeitskurve aiOn^ (Fi^\ 5 G a) oder aOui (Fij»-. 5G h) 
des besprochenen, Vorrath haltenden und zugleich j&gt;ro- 
Fiíç. 56 b. 
also auf der Frwartuu^' eines viel höheren Zukunfts-
        <pb n="317" />
        281 
(luzireiidoîi Koiisiinu'iitoii. Dieselbe ist in Fi&lt;^. 56 a 
j»’anz rotli ^ezeiebnet und lie^t links tiefer, und zwar 
links von y dnrebans um den I ntersebied der Anfan&lt;rs- 
ordinaten Oh und Ohj tiefer, reebts aber liöber als 
die sebwarz ^ezeiebnete, bei unbekanntem tffZ geltende 
Kosten- und Xiitzliebkeitsknrve aOn. In Fi«»-. 56 b 
bleibt da^e^en die letztere Kurve von links ber bis 
zu dem vertikal unter y liegenden Funkte in Ueltun^, 
und die bei dem j^e^ebenen, niedrigeren Zukunfts 
preise geltende Xiitzliebkeitsknrve On, zweigt 
erst von liier — rotb ^ezeiebnet — ab. Aueb die 
Abgeleitete d On, der Kurve die Angebots- und 
Xaebfra^ekurve des Vorratbsbändlers, ist, so weit sie 
sieb von jener d On des niebt s]iekulirenden Individuums 
unterscbeidet, das ist reebts von dem unter y liegenden 
Funkte y\ rotb ^ezeiebnet. Diese Kurve verläuft in 
Fi^. 56 a zw i sell en y und dem Xulljiunkte sebnenarti^' 
unter der schwarzen Abgeleiteten und erst reebts vom 
Xulljmnkte über derselben. Der Sebnittjmnkt der je 
weilig- geltenden Freislinie mit der d Orí, bezeiebnet 
dureb seine jiositive oder ne^fative Abszisse die g-anze 
An- oder Verkaufsmen^e ic = (v — e — a -f .ç); die 
Hetriedi^un^ ersebeint aueb liier wieder in dem Ver 
tikalabstande der Lebensf»enusskurve der Xutzen 
des Ankaufes oder \ erkaufes aber in jenem der Kosten- 
und Xützliebkeitskurve a,On, — oder in Fi{^. 56b 
aOn, — von dem ^cdaebten Selinittpunkte. Lie^t der 
Selinittjiunkt links von y\ so wird kein Selilussvor- 
ratli s ^ebalten, lie^t er reebts von y\ aber noeb 
links vom Xullpunkte (Fi^-. 56 a), so wird nur ein
        <pb n="318" />
        ^82 
Tlieil (les vevtii^bareii l’roduktes verkauft, der Kest 
aber als Sebhissvorratli zurück^-ebalteii; lie^t er zwar 
rechts vom Xidlpimkte, aber links von ;/ (Fi«:. 56 b), 
so beschränkt sieb der Znkanf auf die Deckung- des 
eigenen Bedarfes, während, wenn der Scbnitt]nmkt 
rechts von / und auch rechts vom Nnll])nnkte fällt, 
noch über den eigenen Bedarf für die Vorrathshildnnj»- 
gekauft wird. Die (irösse des jeweilig- zu haltenden 
Schlnssvorrathes s ist im übrigen in der Fi^nr eben 
sowenig“ ersichtlich, wie jene des Verbrauches v oder 
der Frzen«nn^“ e. Die Fi^nr zei^t zwar, um wie viel 
mehr hei jedem Preise gekauft, oder um wie viel 
weniger verkauft wird, als wenn die Haltung eines 
Schlnssvorrathes ausgeschlossen wäre, doch braucht 
diese Menj*e nicht mit dem Schlnssvorrathe nherein- 
znstimmen, da es das Individuum vortheilhafter tinden 
kann, nun auch von seiner früheren Produktion und 
Konsumtion ahzn^ehen. 
Die Nützlichkeitsknrve On¡ und ebenso die Kosten- 
knrve Oa¡ oder/Dt (Fi«“. 56 a oder h) eines Vorraths 
händlers oder iiherhau]&gt;t eines s])eknlirenden Indivi 
duums, das also einen bestimmten Znknnfts))reis 
des Artikels yl erwartet, kann «anz wol mit den ana 
logen Finzel kurven der anderen Individuen, «leichviel 
oh diese auch spekuliren oder nicht, zu je einer (ie- 
sammtkurve komhinirt werden. Drehen wir die hei 
dieser Kombination links vom Nullpunkte erhaltene (xe- 
sammtkostenkurve um 180°, so steht sie in gewohnter 
Weise der (íesaimutuützlichkeitskurve o“e^(‘idiher, und 
der Schnitt der Abgeleiteten dieser beiden Kurven he-
        <pb n="319" />
        283 
stimmt (leu l’reis tg íí- und den Gesammtahsatz. Der 
\ ertikalabstand dieses Sclinittpnnktes von der Ge- 
samintnützliclikeits-, bzw. Gesainmtkostenknrve, be- 
zeielmet den Nutzen, den alle Käufer von A zusammen 
dnreb den Ankauf und alle V erkäufer dnreb den \ er 
kauf erzielen, während der Vertikalabstand dieser 
beiden Kurven beim Sebnitt])unkte den Gemeinnützen 
an^ibt, der, ans Kant und \ erkauf znsammen^enom- 
men, fiir die Gesammtbeit erwächst. Wir müssen aber 
beaebten, dass nun, naebdem wir bei den Einzelnen 
das Vorhandensein wechselnder Vorrätbe nicht mehr 
anssebliessen, eben bierdnreb die nrs)n nn^licb (1) ^e- 
inacbte Voraussetzung', dass die Ea^er und Vorrätbe 
stets auf gleicher Höbe bleiben, fallen gelassen ist. 
Daher kann nun ancli bei der Gesammtbeit der Ab 
satz mit der Jabresjn'odukt- und Konsnmmen^e nicht 
inebr idcntitizirt werden. Ebenso bat der Ankanfs- 
nnd Verkanfsnntzen, der früher mit dem Konsnmtions- 
nnd l'rodnktionsnntzen znsammentiel, nun eine all 
gemeinere Hedentnn«»', indem er den ans dem Vor- 
ratbsbandel erwachsenden Nutzen mit umfasst, und 
dies j*ilt nunmehr aneli von dem Gmneinniitzen. 
Endlich sehen wir ans Fi«»‘. bb a und b, dass, je 
liöber der Znknnftspreis fgt ist, den ein bestimmtes 
Individuum erwartet, desto höher aneb seine Naeb- 
tra^ekurve verläuft,. während in der An^ebotsknrve 
(1er Punkt y, bis zu welchem die rotbe Abgeleitete 
tiefer lie^t als die schwarze, immer mehr nach links 
rückt; es wird also auch die An^( botsknrve, wenn 
wir sie um 180*’ drehen, in einer um so längeren
        <pb n="320" />
        284 
Strecke liölier liefen. Der Kiiiftiiss, den der erwartete, 
liöhere Zukunftsjnvis auf die Form der Einzelkiirven 
ausübt, maebt sieb in analoger Weise aueb liei den 
(iesannntknrven in dem Sinne geltend, dass die dureb 
deren Verlauf bestimmte l’reislinie steiler wird. Es 
wird also der ^e^enwärti^- ^eltemb^ Marktpreis ^an% 
bej&gt;reiflieber Weise, wie schon (14) erwähnt, steifen, 
wenn Einer oder Mehrere auf einen höheren Znkunfts- 
])reis s])eknliren und demgemäss bandeln. Anderseits 
ist es klar, dass grosse, von S])ekulanten anf^ebänfte 
Schlnssvorräthe, die in das nächste Jahr als Anfan^-s- 
vorrätbe überleben, wie ^1 eich falls schon erwähnt, 
dazu beitragen, den nächstjährigen ]Markt])reis herab- 
zndriieken. Die S])eknlation bewirkt also eine Tlerab- 
minderiin^' eben jener Ereisstei^eriin^', auf deren Er 
wartung- sie sieh gründet; sie ist also, insofern sie 
eine richtige ist und daher den betretfenden S])ekn- 
lanten Vortheil bringt, auch gemeinnützig)-; denn alle 
heftigen Preissehwankungen beeinträchtigen den Vor 
theil der Gesaiumtheit. AVenn der S])ekulant sich 
da^e^en irrt, und wenn statt der von ihm erwarteten 
Vertheuerun^- eine Verwolfeilimg- eintritt, wird er 
nicht nur sich, sondern auch der Gesammtheit ge 
schadet hahen, weil er dann durch sein Auftreten 
die Preissehwankuno- nicht gemildert, sondern ver 
schärft hat. Die entgegengesetzte Einwirkung- eines 
Individuums, welches einen Preisrückgang erwartet, 
^eht über den blossen Vorrathsbandei hinaus. Ein 
S])ekulant mit solcher Ansicht müsste den Artikel A 
auf künftige Lieferung- verkaufen, also ein Termin-
        <pb n="321" />
        285 
{j^escliäft inaclieii, das auf den {re^euwärti^eu Markt- 
preis mir einen indirekten Kintiiiss nelinien kann; er 
muss sieli im üln i^en du rauf beseliränken, keinen 
Seldussvorratli /u lialten, wus ja aber aueli selion 
dünn »eseliielit, wenn der &lt;&gt;e^enwärti&lt;&gt;- geltende Markt- 
jireis tgih nur liölier als 01\ ist, darum aber doeb 
noeb niedriger als tgZ sein kunn. 
()2. Der Terminliandel. 
Ein viel weiteres Gebiet eröffnet sieb der Sjie- 
kulation, sobald der A erkebr sieb niebt auf jiromjite 
Ware beseliränkt, und dureb den Destand einer Börse 
ein regelmässiger Markt aueb für Absebliisse auf 
spätere Lieferung' eröffnet wird. Jede Art von Zeit- 
Kesebäften in irgend einem Artikel A bildet selbst 
wieder einen besondern und je naeb dem vereinbarten 
1 ermine und den sonstigen Lieferungsbedingungen 
aueb wieder jedesmal einen anderen Artikel. Xebmen 
wir nun, um bei einem bestimmten Beispiele zu bleiben, 
dureb^ebends die näebsljäbri^e Lieferung' als verein 
bart an, so muss uns, wenn wir die auf einen sol- 
eben Terminartikel bezogene Lebens^enusskurve 
(Fi^. 57) aufstellen wollen, nebst den Freisen aller 
anderen Artikel aueb der ^e^enwärti^' für ¡u'ompte 
Lieterun«»' von A geltende Freis ^e^eben sein, 
während wir mit tgih nun den für näebstjäbri^e Liefe- 
ruiif»- geltenden Freis, der Jetzt allein unbestimmt 
bleibt, bezeiehnen. Für das Individuum ^ibt es dann, 
insolante der Terminbandel in dem Artikel A ^anz
        <pb n="322" />
        2RC 
íiiis&lt;&gt;csehlossen bleibt — also z. H. solange dasselbe 
über den naebstjabri^en Preis tg'C von A keine be- 
stinnnte ]\ieinnn^' bat — mir Eine vortbeilbafteste 
Konsum- und Prodnktkonibination, welebe die Antan^s- 
bet‘riedi«&gt;nn&lt;»' Oh «-ewäbrt. Bei dieser Kombination 
wird das Individiiiim a neb dann stellen bleiben, wenn 
es zwar für das näebste Jabr einen bestimmten Preis 
Fig. 57. 
R 
R 
t(jX&gt; erwartet, derselbe aber bei dem eben bestellenden 
Terminjireise tgih weder einen Terminankanf, noeb 
einen Terminverkauf lohnend ersebeinen lässt. 
Stellen wir uns nun, um vorerst den rechten Ast 
der Lebens«)enussknrve zu verfolgen, vor, dass 
dem Individuum eine sukzessiv waebsende Men^e x 
näebstjäbri^er Lieferung- von A unent^eltlieh zur Ver-
        <pb n="323" />
        287 
gestellt Avürde, so Avird dadurch sein Lchcus- 
‘»ciiuss zunächst iihcr Oh liiiiaus ^cstci^crt Avcrdcii, 
jcdocli keinesfalls uni den vollen, künftigen Betrag’ 
xUjt. I&gt;er letztere Avird Aielniehr in der Verniö^ens- 
imentnr nur in einem im Hinhlicke auf seine erst 
spätere Fälligkeit und auf das mit der Spekulation 
verhnndene Risiko rednzirten Ansmasse erscheinen. 
Hin soleher Ahsehla^, soAvie eine etAvai^e Alarkt^ehnhr, 
Sensarie n. d^l., muss auch schon bei der Minimal- 
ankanfsmen^e Ou in Rechnung' gestellt aa erden, und 
es AA’ird daher auch schon der durch die Anfan^s- 
richtnn^' des rechten Kiirvenastes an¿(e^ehene 
Maximalankanfsjireis OP/j nächstjähriger Lieferung- 
A'on A niedriger sein, als der von dem Individuum 
eiAvartete Znknnftsjireis tij'Ç. Nun nimmt aber das mit 
der Spekulation A'erhnndene Risiko — dass nämlich 
der eiAvaitete Preis tgX&gt; im nächsten Jahre hei der 
AhAvicklnnj»- des Geschäftes nicht voll erreicht AA erden 
Avird — mit Avaehsender Grösse der Spekulation immer 
rascher zu, und zumeist steift auch der aus der erst 
nächstjährigen Fälligkeit des Betra;»‘es xtgZ erwach- 
sende Zinsenahschla^' mehr als proportional. Schon 
diese Umstände hrin«^en es mit sich, dass der rechte 
Kurvenast sich in seinem Aveiteren Verlaufe mehr 
und mehr von seiner Anfan^srichtun;;- ahkriimmen 
muss; zu alledem kommt aber noch die Unannehm- 
liehkeit, für die ettektive Uehernahnie des Artikels 
im nächsten Jahre, also für Lagerräume, Aufsicht 
u. s. Av. vorsor¿(en zu müssen. Diese Sorge und Un 
annehmlichkeit, die hei grossen Mengen rasch zu-
        <pb n="324" />
        288 
iiimnit, wird der Stei^enm^- des Lel&gt;eii.s»’emisses eiid- 
lieli eine Uren%e setzen, so dass der Kurvenast 6r/„ 
einen Sell eitel aiit'weisen und dann wieder a 1 dallen 
wird. Nur, wenn der ini näelisten Jahre effektiv zu 
iihernelnnende Artikel /I ein Werthpajiier ist, und da 
für o-esoro-t wäre, dass dessen Uehernainne aiieli in 
noeli so grossen Heträ^en keinerlei I nannelnnlieh- 
keiten bereite, so dass ein noch so grosser Besitz nie 
lästig" werden kann, nur dann würde der reel de Kurven 
ast wie in Fio'. 42, durchaus ansteigend und 
sehliesslich asyniptotiseh zu einer Horizontalen ver 
laufen. Betrachten wir nun den linken Ast dessen 
Ordinaten den mit wachsenden Terminverkaufsmen^en 
verbundenen Lehens^’enuss darstellen oder auch die 
Befriedigung- hei Uehernainne der Verjitlichtuno-, ini 
nächsten Jahre den Artikel A effektiv und unentgelt 
lich zu liefern. Die Anfan^srichtun^- dieses Astes he- 
zeiclmet jenen niedrigsten Kurs OP,,, für nächstjährige 
I Jeferun«^- von H, hei dem das Individuum mit Rück 
sicht auf alle obwaltenden Umstände einen Termin 
verkauf, und zwar im Ausmasse der Minimalmen^-e 
Om, eben noch vornehmen kann. Der Minimal]neis 
OJ^,„ häng-t von dem erwarteten Kreise und dem 
Risiko, dass dieser zu tief geschätzt worden sei, ferner 
von etwaigen Marktj&gt;ebühren ab, und kommt endlich 
noch der Umstand in Betracht, dass die ühemommene 
\ er|)tlichtun^- erst im nächsten Jahre fällig- wird. Weiter 
hin entfernt sich der linke Ast von dieser seiner An- 
fan^srichtun^- immer mehr und wird endlich durch eine 
nach abwärts gehende, vertikale Asymptote begrenzt.
        <pb n="325" />
        289 
Auipitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 
19 
Es iiininit näiiilicli mit waclisender Grösse des l'ermin- 
verkaufes das Kisiko, dass im iiäelisten Jalire ])e]nifs 
Eiiiilhm^ der eiii^e^aii^reneii Liefermi^sverj)iiiclitun^ 
ein liölierer als der erwartete Preis tfjX werde bezahlt 
werden müssen, immer rascher zu, und die daraus 
erwachsende Sor^e und Unannehmlichkeit wird sich 
zuletzt ill’s Unendliche steigern. Es wird immer eine 
gewisse (irösse des Terminverkaufes ^eheu, über 
welche hinaus das Individuum sich um keinen Preis 
entsehliessen würde, seine Verptlichtun^, im nächsten 
Jahre effektiv zu liefern, auszudehnen. 
Selbstverständlich stellt die Kurve um die 
A11fan^'sllefriedi^u11Oh lierahf&gt;eschohen, die Kosten- 
und Niitzliclikeitskurve aOn des betrachteten Indivi 
duums für Terminverkauf und -Ankauf dar, während 
die Abgeleitete a On' die An¿;;eh()ts- und Naclifra^e- 
kurve ist; letztere würde, wenn A ein Werthjiajiier 
wäre, rechts asymjitotisch zur Ahszissenachse ver 
lauten. I )er Sclinitt]mnkt der für Termin ware jeweilig’ 
geltenden Preislinie mit der Abgeleiteten a On' he- 
zeiclmet die anzukaufende oder zu verkaufende Alende, 
der \ ertikalahstand dieses Schnittjuinktes von der 
heniisst die Hefriedi^un^-, jener von der aOn den 
Petriedi^un^szuwachs, den das Eingehen auf die Sjie- 
kiilation ¿»ewälirt. Die Nützlichkeitskurve (hi und die 
Kostenkurve Oa lassen sich mit den analogen Kurven 
aller anderen Personen zu je einer Gesamnitkurve — 
die ( lesammtnützlichkeits- und (iesamnitkostenkurve für 
Terminware — komhinimi, und wenn wir die letztere 
Kurv(‘, um 180“ gedreht, der Gesammtnützlichkeits-
        <pb n="326" />
        290 
kurve ^•ej&gt;‘eiiüber8tel]eii, so wird durch den Scdniitt 
der Ah^eleiteteii dieser beiden Kurven der 'Periuin- 
kurs tg ih und der Uesaiuudabsatx iii d\*nuinware 
bestimuit. Der \'ertikulabstaiid der (Íesaiuiutiiüt/dielí- 
keits- und Gesammtkosteukurve bei diesem Selmitt- 
l&gt;uukte bezeielmet deu Gemeiuuutzen, der sieb für die 
Gesaimutlieit aus der Alö^liebkeit ergibt, dureli den 
l'iusatz in d'eriuimvare dem Kiiizeliieu eine neue (ie- 
winnebance zu eröffnen oder das Risiko weiterer Rreis- 
sebwankung'en abzunelimen. Der ei^entliebe Nutzen 
der Spekulation kann sieb daj»ej» en für jeden Einzelnen 
selbstverständlieb erst im näebsten Jahre, wenn bei 
der Abwicklung’ des (iesebäftes der dann für prompte 
Ware geltende Marktj)reis bekannt ist, zeigen. 
()J. Report- und Priimiengescliäfte. 
Nach unserer Resjueebung der Kurven 
(Eig. 57) ist.es klar, dass deren beide nach rechts 
und links von 'der Ordinatenaebse ausgebenden An- 
fangsstreeken um so steiler sein werden, je höher der 
Preis L ist, den der Einzelne für effektive Eieferung 
von A im näebsten Jahre erwartet. Um so mehr 
wird also dieses Individuum die Gesammtkurven im 
Sinne einer Erhöhung des durch deren Verlauf be 
stimmten Terminkurses tgd beeinffussen. Wenn aber 
durch das Auftreten vieler Terminkäufer — Haus 
siers — der Terminkurs tgih wesentlich über den 
Marktjweis für prom])te Ware tgd'^, steigt, so wird 
auch dieser der steigenden Bewegung folgen müssen.
        <pb n="327" />
        291 
Diese Wirkung l)erulit auf dem Eingreifen von Per 
sonen, die gar nielit s])eknliren wollen, welche aber 
in der Lage sind, sobald der Terniinknrs tgO^ ent- 
spreebend höher als der Markt|)reis ist, })ronipte 
Ware zu kaufen und gleichzeitig dasselbe Quantum 
Termin ware zu verkaufen. Diese Personen treten 
ohne jegliches spekulative Risiko — als Verwahrer 
der j)romjden Ware und dadurch zugleich auch als 
Produzenten nächstjähriger Ware, d. i. als Rej)or- 
teure — auf, um ihre disj)onihlcn Lagerräume aus 
zunutzen und mit ihren Ka))italien bessere Zinsen zu 
machen. Wir sehen also, dass jede Erhöhung des 
Terminkurses tgS- eine gesteigerte Nachfrage der 
Reporteure nach ])rompter Ware und daher eine Er 
höhung auch des Marktpreises tgih^ zur Folge haben 
muss. Dadurch wird die Spannung zwischen den 
gleichzeitig möglichen Preisen der ju’omptcn Ware 
und der Termimvare — der Report — innerhalb ge 
wisser Grenzen gehalten und eine ähnliche Beziehung 
hergcstcllt, wie wir sie zwischen den Preisen ver 
wandter Artikel schon wiederholt hemerkt haben. 
Ebenso wird umgekehrt, wenn ein oder mehrere Spe 
kulanten, die einen niedrigen, künftigen Breis tg'Ç von 
A erwarten, als Vcrkäufci' von Terminware — als 
Baissiers — auftreten, dadurch nicht nur der dVrmin- 
kurs tgih herahgcdrückt werden, sondern auch ein 
Rückgang des Preises für promjde Ware er 
folgen. 1 lies geschieht durch das Eingreifen von Per 
sonen, welche effektive Vorräthe von A halten und 
daher hei einem entsprechend niedrigen Terminpreise 
ly*
        <pb n="328" />
        2í)2 
t(jfy ill (ler La^e sind, prmiijite Ware zu verkaufen 
und ^'ieieiizeiti^' dassellie Quantum auf sjiätere Liefe- 
run«»- zurüekziikaiifen ; sie ers|)aren dadiireli die Kosten 
und das Risiko der AufheAvalining- und ^eniessen ülier- 
dies, wenn der Terinin¡neis ///// niedrigerer ist als 
der Rreis für proiii))te Wan , aiieli nocli eine 
Leili^ebülir — den 1 )eport. Dureli das Auftreten 
dieser Personen — der Darleiher etfektiver Ware 
oder Deiiorteure — wird also der Preisriiek^an»»- von 
der Termin ware auf die effektive Ware iihertra»-en, 
und die in das nächste Jahr effektiv iiher^vhenden 
Vorräthe von A werden reduzirt. Aus alledem er 
hellt, dass nicht nur der Vorrathshändler, sondern 
dureli das Kin^reifen der Rejiorteure und Deporteure 
auch derjenige, der auf ein Zeitj»eschäft ein^eht, da- 
dureh den ^'ej»'enwärti^en Marktjireis des hetretfenden 
Artikels, sowie die (1 rosse der in das nächste Jahr 
üher^ehenden Vorräthe heeinffusst. Nun wirkt aber, 
wie s(üion erwähnt, die Spekulation durch die Re^e- 
lun^' des \ ()rrafhsstandes dahin, die erwartete Ah- 
weiehun^' des kiinfti&lt;&gt;-en )Iarkt)ireises von dem j^’eoeu- 
wärtigen ahzusehwäehen. 1 )ureh die geschilderte 
Kinwirkiing’ der l erminliândler aut den ^e^enwärti^en 
und den künftigen Marktpreis werden also die Preis- 
sehwankiin^en gemildert, insotern sieh die Spekulation 
hei ihrer Ahwiekliin^- als richtig- und somit auch ^e- 
winiihrin&lt;*end erweist, während die verfehlte Speku 
lation auch der (iesammtheit schadet. Wenn sieh 
dagegen heiderseits hlos Terminhündler — Haussiers 
und Baissiers — gegeniiherstehen würden, so dass
        <pb n="329" />
        203 
ilire Käufe iiiul \'erkäutV sicli ausf»lei(*lieii, so bleifit 
(1er Markf])reis so wie der Stand der \ orräflie 
unberiilirt. I ebri^ens können, nainentlieb wenn die 
Möf»lie]ikeit geboten ist, aneli in der Zwiselienzeit 
zwiseben dein Abseldusse des Geschäftes und dessen 
Abw ieklnn^ aut Grund veränderter Ansiebten I )eekun^s- 
o])erationen vorzunebinen, Sjiekulanten, Re])orteure und 
\ orratlisliändler oft auch ^e^en ilire urs])rün^liebe 
Absiebt ihre Rollen vertauseben. Es ist überbaujit 
niebt inö^lieb, eine teste Grenze zwiseben der Speku 
lation und dein sogenannten reellen Geschäfte zu 
ziehen, da es sieb ini allgemeinen niebt einmal ent 
scheiden lässt, ob jemand sjiekulirt, wenn er einen 
küntfi^en Bedarf dureb ein Zeitgeschäft deckt, oder 
lieber das Risiko auf sieb nimmt, zum je- 
weilii»en )larkt)ireise promjit zu kaufen. 
Ebenso wie bei den Reporteuren die prompte 
*'l*^ Hiltsstotf auftritt, ohne dessen Ankauf 
kein \ erkant von I erminware statttindet, kommen bei 
anderen Personen Zeit^eseliäfte der bisher betraeb- 
teten Art nur in Kombination mit anderen zu Stande, 
welche ^eei^net sind, das sjiekulativi* Risiko des Ein 
zelnen zu begrenzen. Es sind dies die Prämien^e- 
seliätte, die wir liier nur in ihrer eintäelisten Form 
bes]ireelien wollen, da sieb die konijilizirteren Formen, 
die „Dont-, Xoeli- und Stella^ejfeseliäfte^, immer auf 
ein eintaelies Prämien^^eseliäft mit ^leielizeiti^eni Kauf 
oder Verkauf in jironipter oder Terniinware zurüek- 
tiiliren lassen. Reim eintäelien Präniien^esebäfte zahlt 
der Präniienzaliler oder Prämienkäufer einen bestimm-
        <pb n="330" />
        204 
teu Hetruj»', die Präiuie, um sieh das Heelit zu siclieru, 
zu einem ^ewisseu Termine, z. H. wieder iiaeli einem 
J all re, ein liestimmtes (^lantum eines Artikels A zu 
einem bestimmten Preise, in der Pe^el zu dem i»egen- 
wärti^' für diesen Termin geltenden Kurse, kaufen, 
oder aueli von diesem Kaufe abstelien zu können; 
auf den ent^e^enj&gt;esetzten Fall, dass eine Prämie für 
das Heelit, ein gewisses Quantum einer Ware zu ver 
kaufen oder von diesem A erkaute a list eben zu können, 
gezaldt würde, wollen wir liier der Kürze wegen 
nielit eingelien. Der Präniienzabler greift erst bei 
Ablauf des Termines und nur dann in den Markt ein, 
wenn er es vortlieilliaft findet, von seinem Kaufs- 
reelite Gebraueb zu maelien, und wenn er die dann 
effektiv zu überneliniende Ware nielit selbst ver 
wenden oder einlagern, sondern verkaufen will. Der 
Prämienzieber oder Prämien Verkäufer dagegen bat, 
wenn er die betretfende Menge von A auf Lager 
bält und der Prämienzaliler von seinem Ueelite abstellt, 
sein Lager unverändert erlialten und den Prämienbetrag 
gewonnen, wälirend er, wenn der Prämienzaliler von 
seinem Heelite Gebraueb niaelit, dieselbe )leiige um 
den Prämienbetrag liölier verkauft bat, als er dies beim 
Abscliluss des Geseliäftes hätte tliun können, allerdings 
aber meist selileeliter, als wenn er sie selbst bis zum 
Terminablaufe behalten hätte. Demnaeh wird aueh 
der Prämienzieher, der Lager hält, erst hei Ablauf 
des Termines, und zwar nur dann eine Gegmiope- 
ration in effektiver Ware auszuführen haben, wenn 
er seinen Vorrath, den der Prämienzaliler nielit über-
        <pb n="331" />
        205 
nimmt, nun selbst losselila^en oder, wenn er sieh die 
von dem I’rämienzaliler tliatsäeldieli übernommene 
Menge wieder ersetzen will. Anders ist es, wenn 
der Prämienzieber die Ware niebt auf Lager bat; er 
muss dann gleieb bei Abseblnss des Oesehäftes das 
betreffende Quantum von A auf Lieferung kaufen, 
wenn er naeb seiner Ansicht über den Gang der 
Preise erwartet, dass die Gegenpartei von ihrem Kauf- 
rechte Gebraueh maehen werde. Der Prämienzieher 
sowol, als der Prämienzahler wird übrigens noeb 
öfter als der blosse Terminhändler die Möglichkeit, 
auch während der Laufzeit des Geschäftes Zwischen 
operationen maehen zu können, benützen. 
()4. Die \Verthpa])iere. 
luter jenen Artikeln, welche den Gegenstand 
der Spekulation und des Terminhandels bilden, nehmen 
die Werthpaj)iere insoferne eine besondere Stellung 
ein, als sie niemals verbraucht werden, und daher 
ihnen gegenüber jeder, der nicht etwa zu deren Aus 
stellung berechtigt ist, in der Lage des früher (öO) 
besprochenen, blossen \ (urathshändlers sich befindet. 
Petrachten wir unter den Wei"thpa))ieren zunächst 
Wechsel auf fremde Personen, so müssen wir solche 
je nach der Person, auf welche sie lauten, und je 
nach dem Zahlungstermine als ebenso viele, gesonderte 
Artikel ansehen. .Jede auf einen derartig bestimmten 
Artikel .1 bezogene Ia bensgenusskurve //„//„ (Fig. 58) 
beginnt im allgemeinen, wie in Fig. 55, links vom
        <pb n="332" />
        296 
Nulljmiikte Uber einer Abszisse O«, welebe den 
etwaigen Anfan^svorratb a beinisst; die Abszissen 
bezieben sieli liier niebt etwa auf die StUckzalil der 
Weebsel, sondern auf die Suinine ihres Noniinalbe- 
tra{j&gt;-es. Die erste Ordinate ag^ bezeiebnet den Lebens 
genuss ohne das eben betraelitete Wertli])a])ier, also 
Fi^. 58. 
die llefriedi^nn^' bei unent^eltliclier \\ e^^^abe des 
»anzen Anfanj&gt;-svorratbes, während die Ordinate Oh 
auch hier die ohne Kauf und Verkauf von .1 er 
reichbare Aufan^'sbefriedi^un^' au^ibt. Die Kurve 
hat aber keinen Seheitel, sie verläuft durehaus an 
steigend und schliesslich asyinjitotisch zu einer Hori 
zontalen, weil, wie schon früher (62) erwähnt, der He-
        <pb n="333" />
        297 
sitz eines noeli so grossen Quantums des i)etraeliteten 
Artikels, d. li. eines noeli so grossen Ikdrages künf 
tigen Geldes, nie lästig" werden kann; wir sehen dabei 
von der Mö^^lielikeit ah, dass dureh die Auszahlung 
des Metrajes in grober Münze Mühe und Kosten 
erwaehsen könnten. Kntspreehend dein horizontal- 
asyin])totisehen \ erlaufe der Kurve der sieh 
natürlieh auch in der um Oh tiefer liegenden Kosten- 
und Xützliehkeitskurve aOn wiederholt, verläuft auch 
die Abgeleitete a'On — die Angebots- und Xach- 
fra^ekuiTC — nach rechts asymjitotisch, und zwar 
zur Ahszisscnachsc. Links bricht die Abgeleitete 
ebenso, wie die Kurve aOn^ ^enau unter dem Punkte 
ah; doch können wir die naeh unten verlängerte 
Ordinate des Punktes a als eine Kortsetznn^ der 
An^ehotskurve Oa ansehen. Ks wird nämlich, wenn 
der Preis die durch die Pichtun»' des Padiusvektors 
Oa an^e^ehene (Lenze 01\ üherstei»t, der ^anze 
Anfangsvorrath verkauft, und die Pefriedi^nn^, die 
immer in dem Vertikalahstande der Kurve von 
der Abgeleiteten heim Schnittjinnkte der letzteren mit 
der Preislinie erseheint, wird dann durcli den \'erti- 
kalahstand des Punktes g^ von der Preislinie an»c- 
j»ehen. 
Pei auf inländisehe Währun»’ lautenden Wecliseln 
ist der künftige Preis tgZ von vorne herein bekannt 
und unveränderlich = 1, d. h. cs wird erwartet, dass 
der Wechsel am Fälligkeitstermine mit seinem Xomi- 
nalhetra^e ein»ehe. l&gt;a sonach tgX, durch den unter 
45" laufenden Padinsvektor dar»estellt wird, bezeichnet
        <pb n="334" />
        1 
— 208 — 
(1er Nei^imí*siiiiterseliie(l ZAviselieii dieser (Geraden und 
der jeweilig»’ geltenden Preislinie den Kskoinpte. Nun 
ist aber der Besitz von A\ eeliseln, sowie von Wertli- 
])a])ier(Mi iil)erlian])t, wenn aneli nie nnan^enelim, doch 
aneil nielit an und für siel) angenelini; er wird viel- 
nielir mir we^en der damit verlmndenen Anfbessernnj»- 
der \ ermö^ensinventnr begehrt, und diese Anfbesse- 
rnn^' bän^t wesentlieb von der Laufzeit der Weebsel 
ab. Letztere ist daher für die Form der Lebens- 
^ennssknrve und insbesondere für deren Tan- 
^entialriebtnn^ im Punkte welche den Grenzpreis 
OP, bestimmt, massgebend, während der weitere Ver 
lauf der Kurve sieb banptsäeblieb nach der Schätzung- 
des Risikos, ob die erwartete Zablnng- voll und jiünkt- 
licb ein^eben werde, richtet. Dieses Risiko nimmt 
selbstverständlieb mit wachsender Grösse des Besitzes 
zu. Die IRmrtheilnng* dieses Risikos und somit die 
Veransebla^nn^ des Besitzes der Weebsel .1 für die 
Vermö^ensinventnr bän^t aber keineswegs nur von 
der Grösse diek'S Besitzes selbst, sondern aneb von 
der ^esammten Kombination ab, insbesondere aber 
von dem ^leiebzeiti^en Besitz an solchen Kajiitals- 
anla^en, deren Sieberbeit auf denselben oder ver 
wandten Grundlagen bernbt, wie der betraebtete Ar 
tikel. Für die Wald der bei irgend einer An- oder 
Verkanfsmeno-e x von A vortbeilbaftesten Kombination 
sind natürlich die j»(‘»ebenen Preise aller anderen Ar 
tikel lind darunter ganz besonders jene Preise mass 
gebend, zu welchen Surrogate des Artikels yl, d. i. 
andere Anlagen, erworben werden könnten. Bei Arti-
        <pb n="335" />
        — 2ÍI9 — 
kein (1er mm betraeliteten Art, sowie bei Wertlipa])ieren 
iiberliau])t, wird es sieb für das Individimin oft als zweck 
mässig erweisen, bei wachsendem Besitze der einen 
Anla^eform den Besitz einer anderen einziisebränken. 
In Wirkliebkeit kommt bei dieser Erwäynn^ noch 
als besonders massgebend die Biieksiebt auf die Be- 
sebränktbeit der verfügbaren Glitte! hinzu, ein I in 
stand, auf den wir, solange wir an unserer Vorans- 
setznng nnveränderlieber Wertbsebätzun^ des Bargeldes 
festbalten, nicht ein^eben können. 
Lauten die Wechsel auf eine fremde Währung, 
die Kursschwankungen unterließen kann, so ist tfjlÇ, 
nicht von vorne herein ß^ßeben, vielmehr muss sieb 
das Individuum eine bestimmte Vorstelluiiß von dem 
Kurse ///T bilden, den die fremde Wäbruuß zur Zeit 
der Fällißkeit der Weelisel haben wird. Handelt es 
sieb niebt um Weebsel, sondern um AVertbjiajiiere mit 
fester Verzinsuuß, wie Beuten, Oblißationen u. dßl., 
so ist der S])ielraum für die subjektive Beurtbeiluiiß 
des künftißcn Ibeises tgX&gt; noch ßrösserer, und dies 
ßilt bei Wertbpapieren mit variablem Erträßniss, wie 
bei Aktien, in noch viel höherem Masse. Hierbei ist 
zu bemerken, dass der Breis tg'Ç so zu verstehen ist, 
dass er das Erträßniss des künftißcn Jahres mitent- 
liält, während von dem jetzißcn Kurse der Ertraß 
des laufenden Jahres, den der Käufer in bestimmter 
Zeit bar zurüekerbält, abzuseblaßen ist, so dass der 
Taßcsjireis tg immer „ex eoujion“ zu verstehen ist. 
Im iibrißen findet das von Wechseln Gesaßte auch 
auf andere Wertlipapiere analoßc Anwenduiiß, und
        <pb n="336" />
        — :ioo — 
endlich licHsen sich ähnliche Hctrachtiin^-cn auch hin- 
sichtlich der Lcihrcntcn, sowie anderer Versieheriin^s- 
t'orinen, anstellen. 
1st der Artikel A das auf einen hestiininten, kiint- 
ti}i,en Termin lautende Zahhinj&gt;-svers])reehen des he- 
traehteten Individuums seihst, so ist dieses darum doch 
ebenso wem'o- als ein Produzent anznsehen, wie der Be 
sitzer fremder Zahhin^sversjneehen als Konsument. 
Der %nkunftsj)reis tgt ist wieder = 1, und die Lehens- 
»•ennsskiirve (Fi^\ 59) wird im allgemeinen zur 
Beeilten der Ordinatenaehse herinnen und nach links 
verlaufen. Die Abszisse Oa hemisst nämlich den 
am Beginne des hetraehteten Jahres etwa schon in 
Zirknlation hetindliehen Betrag- gleichartiger, d. li. 
auf denselben Fälligkeitstermin lautender Zahlun^s- 
verspreehen des hetraehteten Individnnms; dieser Be 
trag- an Sehnlden ist rechts aufzutra^en, weil er das 
De^entheil eines Vorrath es — einen negativen Vor 
rath — darstellt. Die Ordinate «//„ hezeiehnet die 
Befriedigung", die das Individuum erreichen könnte, 
wenn ihm diese Sehuhl ^anz erlassen würde, während 
die links folgenden Ordinaten jedesmal die Befriedi 
gung- an^ehen, welche hei Frlassnn«»" des durch die 
hetretfende, positive Abszisse heinesseuen Theiles dieser 
Schuld erreicht werden würde. I )ie Anfan^sordinate 
Ob stellt die Befriedigung" hei Ausschluss jeder Ver 
minderung", aber auch jeder A ermehrun^- der anfäng 
lichen Schuld dar, während die noch weiter links 
folgenden Ordinaten die Befriediounn- unentgelt 
lich er Uehernahme immer {grösserer Zahlun^sverjitlieh-
        <pb n="337" />
        801 
tunden derselben Art an»»ebeii. Die Sor¿&gt;*e und Un- 
annebnilielikeit waehsender /Caldnn^sverpHiebtnn^en 
nimmt mit dem Betrage mehr als ])m)mi"tinnal zu, und 
es ist klar, dass niemand nnendlieb grosse Verbind- 
Dies kommt dadiireb zum 
liebkeiten ein^eben wird. 
F¡íí. 59 
9a 
Ausdrueke, dass die Kurve links dureli eine ab- 
wäi*ts gebende \ ertikalasym|)tote begrenzt wird. Die 
um (H) tiefer liegende Kurve aOn stellt reebts di(* 
Nützliebkeit des Küekkaufes der bereits emittirten 
Sebuld]iaj)iere, links aber die Kosten, d. i. jene Be-
        <pb n="338" />
        302 
träo'c^ (lar, welche dem Individuum mindestens vergütet 
werden müssten, um es zur Vermehrung- seiner Ver- 
hindliehkeiten zu veranlassen. Die Ahgeleitetc a On 
hezeiehnet durch ihren Schnittpunkt mit der Preislinie 
den rückzukaufenden oder neu zu hegehenden Nomi- 
nalhetrag eigener Schuldver])tlichtungen. Sinkt der 
Preis auf die durch die Richtung des Radiusvektors 
Ü7i augegeheue Grenze Ol\ und darunter, so wird 
die ganze, anfängliehe Schuld zurückgekautt ; die ( Or 
dinate des Punktes n ist als eine Fortsetzung der 
Nachfragekurve anzusehen. Anderseits wird die Xeu- 
emissioii von Zahlungsverspreehen hei steigendem 
Preise, also sinkendem Diskonto, mehr und mehr 
wachsen und hei einem durch die 45" Linie ange 
gebenen Preise, wo das Individuum also Geld un 
verzinslich gegen die blosse Aufbewahrung erhält, 
jedesfalls sehr gross werden; steigt der Preis noch 
weiter, wird also eine Aufhewahrungsgehühr bezahlt, 
so nimmt die Emission zwar noch hedcutend, aber 
doch keineswegs in’s Unendliche zu. 
Der Preis und der Gesammtahsatz wird auch 
hier durch die Gegenüberstellung der (jesammtkurven 
bestimmt. Zu der Nachfrage aller anderen Personen 
nach Zahlungsverspreehen des hetretfenden Indivi 
duums tritt noch dessen eigene Nachfrage der oben 
hesiu-ocheue Rückkauf — hinzu, während sieh zu 
seinem Angebote noch jenes der Personen gesellt, 
welche schon einen Vorrath desselben Werth))apieres 
besitzen. Es komhiniren sich demnach mit der im 
Punkte n ahhreehenden Nützliehkeitskurve On (Fig. 50)
        <pb n="339" />
        303 
(lie auf (leu ^leielieu Arh'kel bezogenen iiud, wie iii 
Fi»»-. 58, ill’s Uiieu(lli(*lie laufenden Niitzlielikeitskurveii 
aller anderen Personell und anderseits die Kostenknrve 
Oa (Fi^. 59) mit den, wie in Fi^. 58, links abbreelien- 
den Kostenknrven der \ orratlisbesitzer. Dnreli die 
Gegenüberstellung" der so erhaltenen Gesainmtnntz- 
lielikeits- und Gesamnitkostenknrve zei^t sieb in deren 
Vertikalabstand beim Selinittpnnkte ihrer Abgeleiteten 
der Gemeinnützen, der sieb für die Gesammtlieit ans 
der Möj»"lielikeit des Umsatzes in dem betrachteten 
Wertbpajiiere ergibt. Dieser (iemeinnntzen stellt, da 
er sieb eben nur auf Fin Wertlipapier, bei Wechseln 
nur auf solche, die auf eine hestimmte Person und 
auf Einen Fälligkeitstermin lauten, beschränkt, immer 
nur einen kleinen 1 heil des durch den Kredit und 
Etfektenverkebr ^escbatfenen Nutzens dar.
        <pb n="340" />
        Unverkäufliche Vorräthe. 
()5. Koiisiiiiitioiis- uii(i ProduktioiiBreste. 
Wir lial)cii nun gesellen, dass unsere l^etraeli- 
tungsweise aueli auf den Fall, dass variable La^er 
und Vorräthe gehalten werden, ausgedehnt werden 
kann, sobald nur die von dein hetretfenden Indivi 
duum erwarteten Zukunftsjireise tgt aller Artikel, 
von welchen Vorräthe gehalten werden können, ebenso 
gegeben sind, wie die Marktjireise tgih der verschie 
denen Artikel, einschliesslich aller Terniiimrtikel. 
Dabei haben wir bisher iininer angenonnnen, dass 
ebenso, wie die An- und Verkaufsinengen, auch die 
aus Zukauf oder eigener Produktion stammenden 
Vorräthe aus lauter ganzen, wie früher (2il) erwähnt, 
im Ararktverkehr üblichen Finheiten bestehen. Nun 
werden aber ausser diesen verkäuflichen \ (uräthen 
sehr oft auch unganze und daher unverkäufliche Vor 
räthe gehalten, indem erst theil weise verbrauchte Fin 
heiten für spätere N'erwendung aufhewahrt werden. 
Dies kommt hei allen jenen Verhrauchsartikeln vor, 
deren ALarkteinheiten mit der kleinsten, von dem Fin-
        <pb n="341" />
        305 
/einen in seinem Haushalte oder l^etriebe noch beach 
teten Men^e — der Konsiiinportion — nicht iiher- 
einstiinmen. So werden Zündhölzchen und bessere 
Zi^arrensorten idcht in einzelnen Stücken, sondern in 
i^anzen Sehaehteln oder Kistehen, feine Weine nur in 
ganzen Flaschen und andere Stückartikel nur nach 
Hunderten, Dutzenden u. d&lt;çl. verkauft. Ausserdem 
werden auch solche Artikel, die, wie z. B. ordinäre 
Zigarren, in einzelnen Stücken verkäuflich sind, doch 
— sofern sie nur nicht, wie Milch oder frisches Fleisch, 
rasch verderben — von vielen der Bequemlichkeit 
wegen in grösseren Partieen gekauft. Ebenso werden 
viele Artikel, wie Kohle, Eisen, Zucker, in ganzen 
Waggonladungen, andere in Fässern, Ballen u. s. w. 
bezogen, die kein ganz genau vorgeschriehenes Gewicht 
haben. In allen angeführten Fällen müssen sich am 
Jahresschlüsse Reste ergehen, die einmal im Besitze 
des letzten Abnehmers keinesfalls zum vollen Markt- 
preise verkäuflich sind. 
Demnach kommt hei jeder An- oder Verkaufs 
menge X eines Verhrauchsartikels A, der in grösseren 
Markteinheiten gekauft wird, nebst \ erhrauch und 
Erzeugung und ausser der Ansammlung eines ver 
käuflichen Spekulationsvorratlies auch noch die neue 
\'erwendung zur Haltung eines unverkäuflichen Restes 
in Betracht. Die Berücksichtigung dieser neuen Ver 
wendungsart ist aber für uns darum besonders wichtig, 
weil sie es ermöglicht, nun auch die (iehrauchsartikel, 
die wir bisher hei Seite lassen mussten, in den Kreis 
unserer Betrachtung zu ziehen. Die einzelnen Stücke 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theurie d. l’reises. 20
        <pb n="342" />
        non 
jedes Gel)raiichsartikels bleiben nämlich am Sebliisse 
des Jahres in mehr oder weniger abgeniit/Jcm Zu 
stande znriick, und mir die im Laufe des Jahres ein 
tretende, je nach der Danerhaftigkeit des Artikels 
lind nach seiner jeweiligen Verwendungsart bald 
grössere, bald kleinere Abnützung oder Vernntznng 
bildet den (xegenstand des unmittelbaren Konsumes. 
Demnach können wir uns jedes neue Stück eines 
Gebrauchsartikels iu hundert Verbrauchsjierzente 
zerlegt denken, die gerade so nacheinander konsu- 
mirt werden, wie die hundert Zigarren, die, in einem 
Kistchen vereinigt, auf einmal gekautt werden. Doch 
hängt es bei einem Gebrauchsartikel nicht so sehr 
von dem (Lade ])hysischer Abnützung eines schon 
benutzten Stückes, als vielmehr von dem subjektiven 
Ermessen des Besitzers ab, zu wie viel Berzenten eines 
neuen, nngebrauchten Stückes er dasselbe veran 
schlagen will, und wann er das Stück als für seine 
Zwecke unbrauchbar, d. h. als verbraucht, ansicht. 
Nur wird bei ' dieser Veranschlagung der I instand 
mit ill’s Gewicht fallen, dass selbst ein sehr dauer 
hafter Gebrauchsartikel, und zwar auch ein nur wenig 
oder selbst ein noch gar nicht gebrauchtes Stück, nicht 
mehr als derselbe Artikel angesehen wird, sobald sich 
dieses Stück in der Hand des letzten Ivonsumenten 
betindet, dass es daher keinesfalls zum ^larktpreise 
neuer Stücke, souderu, wenn überhau])t, nur zu einem 
viel niedrigeren Preise verkant lieh ist. Benützt nun 
jemand im Laufe des Jahres eine Anzahl, sei es, neuer, 
sei es, gebrauchter Stücke eines (Gebrauchsartikels A,
        <pb n="343" />
        so ))leibeii dieselben am Jabresseliliisse mein* À)ler 
weniger, im allgemeinen aber un^leieb abgenützt zu- 
riiek, lind wenn wir die naeb dem Ermessen des 
Individuums an Jedem dieser Stiieke dann nocb baf- 
tenden Verbraiiebsjierzente betraebten, so kann keiner 
dieser Reste auf Null berabsinken, so lange das be 
treffende StUek noeb nicht als völlig verbraucht an- 
gescben wird, und es kann auch keiner derselben 
gleieb Eins werden, wenn das betreffende Stück aueb 
noeb so wenig abgenützt, ja selbst wenn es noeb gar 
nicht abgenützt und nur überbaujit zum Konsum be 
stimmt worden ist. Die Summe aller dieser Reste 
stellt dann den sebliesslieb verbleibenden Konsumtions 
rest des Artikels A dar, der keinesfalls zum Markt- 
ju’eise verkäuflicb ist. 
Der beim Konsume eines Verbrauebs- oder Ge 
brauchsartikels übrig behaltene, unverkäufliche Rest 
kann bald weniger, bald mehr als eine ganze Markt- 
einbeit ausmaehen. Selbst von Zigarren oder Zünd- 
liölzeben, deren einzelne Stücke beim Konsume doch 
ohne Rest aufgeben, werden oft mehrere Kistelien 
oder Sebaebteln derselben Sorte gleichzeitig neben 
einander in Gebraueb genommen, so dass am Seblusse 
des Jahres mehr als der Inhalt einer solchen Markt 
einbeit übrig bleiben kann. Von Kerzen werden sehr 
häutig so viele Stücke zugleich benützt, dass die am 
Schlüsse des Jahres übrig bleibenden, tbeilweise ab 
genützten Stücke mehr als eine ganze Markteinbeit, 
d. i. hier ein Racjuet, ausmaehen können. Noch all 
gemeiner zeigt sieb dies bei den Gebrauebsartikeln,
        <pb n="344" />
        308 
(la ja (lie meisten Verwemlim^sarten, z. B. von Hem 
den, (len gleiehzeitigen Besitz mehrerer Stücke erhei 
schen, seihst wenn die Verwendung eine so s])ärliehe 
ist, dass der an allen Stücken zusammen eintretende 
Verhraiieh noch keinem ganzen Stücke gleiehkommt; 
ebenso kann der Betrieb einer Fabrik das Vorhanden 
sein von fünf 1 )am])fkesseln erfordern, die aber so 
sebommd benützt werden, dass sie zwanzig Jahre ans 
halten und daher der Jahresverhraueh noch lange 
keinen ganzen Dampfkessel ansimudit. 
Aehidiehes zeigt sieh in noch grösserem Masse 
hei der Produktion jedes, sei es, (bdnanehs-, sei es, 
Verbranehsartikels, bei dessen Frzengnng mehrere, ge 
sonderte Arbeitsstadien anfeinanderfolgen. Wir können 
uns dann jedes herzustellende Stück oder jede erst 
herzustellende Markteiidieit eines solchen Artikels in 
hundert 11 erstell un gs])erzente, die nacheinander 
produzirt werden, zerlegt denken, und wird es auch 
wieder von dem subjektiven Ermessen nun des Pro 
duzenten ahhängen, zu wie viel Perzenten eines fer 
tigen Stückes er ein erst theilweise vollendetes, für 
s]ältere Fertigstellung zurück behaltenes Stück ver 
anschlagen will. Jedesfalls wird es aber, namentlieb 
im Grossbetriebe, nur selten Vorkommen, dass immer 
nur eine Markteinheit nach der anderen in Angritf 
genommen und vollendet wird, da vielmehr in der 
Regel eine grössere Anzahl Stücke gleiehzeitig in 
Arbeit steht und daher am Schlüsse des Jahres in 
unfertigem Zustande Zurückbleiben wird. Die Summe 
der nach dem subjektiven Ermessen des Produzenten
        <pb n="345" />
        309 
an allen diesen, nielir oder weniger unfertigen Stucken 
ziisarnnien selion haftenden llerstellnngs])erzente bildet 
dann einen Produktionsrest, der — wenigstens znm 
Markt])reise fertiger Stiieke — ebenso nnverkänflicb 
ist, wie die bisher bes]»roebenen Konsuintionsreste. 
Selbstverständlieb wird ein solcher Produktionsrest nur 
wegen der durch dessen Bewerthung herbeigeführten 
Aufbesserung der Verinögensinventur bergestellt wer 
den, und ebenso wird aucb ein Konsunitionsrest — 
den Pall bereits erreichter, voller Sättigung ausgenom 
men — nur aus diesem Grunde dem Konsume des 
laufenden Jahres entzogen werden. Es kommt also 
einem aus Konsumtion oder Produktion oder auch 
einem aus beiderlei I rs])iung stammenden, unverkäuf 
lichen Reste r irgend eines A erbrauchs- oder Ge 
brauchsartikels vl auch schon ein s])ekulativer GÍia- 
rakter zu. Für die Bewerthung eines solchen Restes 
kann nur der von dem Individuum erwartete Zukunfts- 
preis txjX von A massgebend sein, gleichviel, ob dieser 
Rest allein gehalten wird, oder ob daneben aucb noch 
ein aus lauter ganzen und daher zum Markt))reise 
von A verkäuflieben Stücken bestehender, eigentlicher 
Spekulationsvorrath s vorhanden ist. Der Preis tgt 
muss daher dem Individuum, welches für jede An 
oder Verkaufsmenge x von A die vortheilhafteste Kom 
bination und den durch dieselbe erreichbaren Lebens 
genuss zu ermitteln bat, aucb wenn dasselbe hierbei 
von der Haltung eines verkäuflichen Vorratbes 5 ganz 
absehen wollte, ebenso bekannt sein, wie die Preise 
aller anderen Artikel.
        <pb n="346" />
        310 
Selbstverständlich kann aneli ein unverkäuflicher 
Rest r keinesfalls mit dem vollen, auf denselben ent 
fallenden, erst künftig' realisirharen Betrage 
sondern nur in einem reduzirten Ausmasse iu der 
\'ermögensinventur erscheinen, weil der Zinsenverlust 
und das Risiko der Aufbewahrung sieh auch hier 
ganz so, wie früher (00), geltend machen. Ferner 
kommt auch hei einem unverkäuflichen Rest das 
Risiko, dass der wirkliche, künftige Marktpreis von 
A hinter dem erwarteten tgt zurückhleihe, dadurch 
iu Betracht, dass dann- der Miuderaufwand oder der 
Mehrerlös, den sich das Individuum für das nächste 
Jahr von der Aufbewahrung des Konsumtions- oder 
Rroduktionsrestes verspricht, geringer ausfallen würde. 
Zu alledem kommt aber, wenn es sich um einen 
Konsumtionsrest handelt, noch das weitere Risiko 
hinzu, dass durch Rreisermässigungen der koukurri- 
reuden oder durch Rreiserhöhungeu der kompletireuden 
Artikel oder dui;ch veränderte Neigungen oder durch 
verschleehtertc Yermögensverhältuisse des Individuums 
die Nützlichkeit, die dasselbe dem Artikel A künftig 
beilegen wird, kleiner werden oder ganz versehwiuden 
könnte, von der ^Möglichkeit ganz abgesehen, dass 
dasselbe — wenn der Konsum des Restes voraus 
sichtlich eine längere Zeit erfordern sollte — das 
Ende dieser Konsnmirungs])eriode etwa gar nicht er 
lebe. Ebenso kommt bei einem Produktionsreste das 
Risiko einer künftigen Vertbeiierung der 1 lilfsstotfe 
oder Verwolfeilung der Neben])rodukte, sowie auch 
wieder möglicher Aenderungen der Individualität in
        <pb n="347" />
        311 
Betracht. Auch ist es klar, dass in beiden Fällen 
alle Bisiko-Moniente und nicht minder auch der Zin 
sen Verlust nur umsomehr beachtet werden müssen, je 
längere Zeit der Konsum des Restes oder dessen Er- 
^änznn«^ zu lauter ^anz fertigen Markteinheiten voraus 
sichtlich erfordern wird, je grösser also der Rest r 
im Vergleiche zum Jahresverhrauche v oder zur 
Jahreserzeu^un^' e ist. Da^e^en ist aber zu beachten, 
dass die Haltung verhältnissmässi^ kleiner Konsum- 
tions- oder Rrodnktionsreste ausser durch den heinahe 
gänzlichen Wej&gt;fall von Zinsenverlust und Risiko auch 
noch dadurch erleichtert wird, dass hei Artikeln, wo 
solche Reste iiherhaujd Vorkommen, jedermann mit 
deren Aufbewahrung von vorneherein vertraut ist, 
so dass dieselbe keine besondere 1 nannchmlichkeit 
verursacht. Die Haltung" eines verkäuflichen S]»eku- 
lationsvorrathcs wird da^e^cn von \ ielen als ein beson 
deres (Geschäft an^csclien, dessen Mühen und Sorten sie 
sich nicht um ^crin^er Menj*en willen, sondern nur dann 
unterziehen, wenn eine ansehidiche Ditferenz zwischen 
dem ^e^enwärti^'cn Marktpreise i//// und dem erwar 
teten, künftigen Preise tíjX, des hetretfenden Artikels es 
ihnen lohnend erscheinen lässt, dieses Spekulations 
geschäft gleich in grösserem Massstal»e zu unternehmen. 
(1(5. Die YortlieiIliaft(‘st(‘ Verweiidim^Hüit eines 
(iehraiielisartikeJs. 
Wir betrachten nun einen (iehrauchsartikel A 
von grösserer oder geringerer 1 )auerhaftigkeit, der in
        <pb n="348" />
        312 
zalilrciclieii, identisdieii Stücken anftritt, und indem wir 
davon abseliCTi, dass aiieli solelie Artikel oft mir in grös 
seren ^larkteinlieiten nmgesetzt werden, nehmen wir 
vielmehr an, dass der Gehranehsartikel A in einzelnen 
Stneken gekauft werden könne. Da es für den Pro 
duzenten und ehenso auch für den Vorrathshändler 
ganz gleichgültig ist, oh seine Ware von den Kantern 
auf einmal verhraucht oder mehrmals gehrancht und 
dahei nur allmälig vernutzt wird, kann die I nter- 
scheidung zwischen Verhrauchs- und Gehrauehsartikeln 
nur hei der Konsumtion hervortreten, und wollen wir 
daher vorerst ein Individuum hetraehten, welches 
hinsichtlich des Gehrauehsartikels A aussehliesslieh 
als Konsument anftritt. Ein sol eher kann, auch wenn 
er einen Anfangsvorrath mehr oder weniger gehrauchter, 
ja seihst ungchrauchter Stücke von A besitzt, doch, 
wie oben erwähnt, nie als Verkäufer, sondern mir 
als Käufer dieses Artikels auf dem Markte erseheinen, 
und wir können/laher schon hier bemerken, dass seine 
auf den Artikel A bezogene Lehensgcnusskurv'e sich 
nur zur Kechten der Ordinatenachse erstrecken wird. 
Bei der Aufstellung dieser Kurve werden wir zu 
beachten haben, dass sich dem in seinen ]&gt;ersönlichen 
Eigenschaften, sowie in seinem anfänglichen Besitz 
genau bestimmten Individuum hei jeder Ankaufsmenge 
X von A und — wenn ein Anfangsvorrath dieses Ar 
tikels vorhanden ist — aueh hei der Ankaufsmenge 
Null zahlreiche Kombinationen seiner gesammten Kon 
sumtion, Produktion und Vorrathshaltung darhieten, und 
diese Kombinationen werden nicht nur verschiedene
        <pb n="349" />
        313 
Meiiííeii anderer Artikel, sondern aiieli verseliiedene Ver- 
wendnn^'sarten des Artikels .1 selbst mit sieb bringen ; 
jede dieser \ erwendnn^sarten wird den \ erbraneb je 
einer anderen, bestimmten Summe v von Verbraiiebs- 
perzenten bedingen, welebe also liier, obwol die Pro 
duktion ans^eseblossen ist, aiieb abgesehen von einem 
etwaigen Ant'an^svorratb, mit der Ankaiifsmen^c x 
keineswegs nbereinziistimmen bralieht. Jedoeb kann 
der Jabresverbraneli v von vt, wenn kein Anfan^s- 
vorratb vorhanden ist, böebstens = x sein, während 
er sieb andernfalls aiieb auf die vorrätbi^en Stiieke 
erstreeken kann. Dabei ist zu beaebten, dass die 
nnmerisebe (irösse des ans dem Kon sinne des Vorjahres 
iibri^’ gebliebenen und für den Verbraneb des laufen 
den Jahres verfügbaren Anfangsvorratbes sieb keines 
wegs naeb der Zahl der vorhandenen Stüeke, sondern 
nur naeb den an denselben noeb haftenden Verbranebs- 
perzenten riebtet. Aiieb werden die vorhandenen 
Stüeke, selbst wenn sie ^ar niebt benützt, sondern 
nur aiifbewabrt, ja selbst wenn sie aufs sorgfältigste 
in Stand gehalten würden, am Kn de des Jahres im 
allgemeinen doeb in ihrer (Qualität versebleebtert oder 
jedeställs weiter entwertbet ersebeinen. Nur die Summe 
an Verbranebsjierzenten, die dann bestentalls, also bei 
sebonendster Verwendung*, noeb verbleiben würde, ist 
für den diesjährigen Konsum vertli^bar und bildet das 
anreebenbare Ansmass des Antän^svorratbes. \\ enn 
also z. H. Jemand am Anfänge des Jahres einen sebón 
^ebranebten lint zn 50 7« verán soldait und er diesem 
Stüeke am Seblnsse des Jahres aneb bei sebonendster
        <pb n="350" />
        — ;U4 — 
Verweiidimg’ mir iiocli "/o zusclireilieii würde, so 
liât er, wenn er den lint iin Laufe des Jahres gänz 
lich vernntzt, nicht 50%, sondern nur eben jene 30% 
vcrhrancht, die er andernfalls in seiner Vernii&gt;&lt;*-ens- 
inventur behalten hätte. Kauft ein solcher Konsument 
noch X neue Hüte zu, so kann sein diesjähri&lt;j,’er Ver 
brauch an Hüten höchstens = (a; + 0-3) werden. Bis 
zu der so hestiininten ]\Iaxinial^renze wird jedoch 
der wirkliche Jahresverhrauch v von A mir dann aiis- 
o-edchnt werden, wenn es dem Individumn vortheilhaft 
erscheint, sowol die anfänglich vorhandenen, als auch 
die neu an^ekanften Stücke so intensiv zn benützen, 
dass sie von ihm am Ende des Jahres insf»esammt als 
völlig vernntzt angesehen werden. Im allgemeinen 
wird dagegen ein als solcher miverkänflicher Kon- 
snmtionsrest r von A znrückhehalten werden, indem 
der Verhranch v mir so weit ans^fedehnt wird, dass 
jeder weitere Mehrverhranch entweder an und für sich 
nnan^enehm wäre, also ^ar keine Nützlichkeit bieten 
würde oder mir eine solche, die ^eringer veranschlagt 
wird, als die durch die Verminderung' des Bestes 
also des künftigen Betrages herhei^eführte Ver- 
sehlechternn^' der Vermö^ensinventur. Wir sehen also, 
wie das Individuum, welches die Preise aller anderen 
Artikel und den von ihm erwarteten Zukunftspreis tg'C 
von A kennt, für jede Ankaufsmen^e x von .1 die 
geeignetste Kombination und somit nicht nur die vor- 
theilhaftesten Mengen der anderen Artikel, sondern 
auch die vortheilhafteste Verhrauehsmenge v, also die 
angemessenste Verwendungsart des Artikels H, zu er-
        <pb n="351" />
        815 
inittelii vermag, wie es also den liöelisteii, mittelst der 
betreffenden Ankaiifsmenge x von A erreiehbaren 
Lebensgenuss feststellen kann. Ebenso wird das In- 
dividiinm aneb zn benrtbeilen wissen, wie es den er 
mittelten, vortbeilbaftesten Jabresverbraueli v von A 
auf die einzelnen, sei es, anfänglieli vorhandenen, bin- 
siebtlicb des Erbaltnngsziistandes eines Jeden genau 
gegebenen, sei es, neu zuzukaufenden Stücke zu ver- 
tbeilen bat, wie viele Verbrauebs])erzente es also 
sebliesslieb an jedem dieser Stücke noeb belassen soll. 
Unter den Verwendungsaiien, die ein Gebrauebs- 
artikel A finden kann, sind noeb jene bervorzubeben, 
bei weleben einige der im Laufe des .labres benützten 
Stücke — und zwar aueb solche, die noeb nicht als ganz 
verb raucht ersebeinen — doch dadurch verbraucht 
werden, dass sie verschenkt oder in der eigenen Wirtb- 
sebaft zu anderen Gegenständen von bekanntem Preise 
verarbeitet werden. Eben bierber gehört aueb der Fall, 
dass ein schon benütztes Stück als ein von A ver 
schiedener Artikel zu einem Preise verkauft wird, der 
sieb nach dem jeweiligen Erhaltungszustände des be 
treffenden Stückes richtet, und der für jeden Ab 
nützungszustand als gegeben vorausgesetzt werden 
muss. Das Vergnügen des Sebenkens, der ers])arte 
Aufwand oder der erzielte Erlös, anderseits aber auch 
die mit der Selbstverarbeitung oder mit der Veräus- 
serung verbundenen Mühen und Kosten, z. B. beim 
Demontiren alter Masebinen, kommen natürlich bei 
Beurtbeilung des Lebensgenusses, den die versebie- 
denen, bei der gleichen Ankaufsmenge x von A mög-
        <pb n="352" />
        316 
lidien Kombinationen bieten und dalier aneb bei der 
Answald der vortbeilbaftesten Kombination mit in 
Ansebla»’. Hobe Preise ^ebranebter Stiieke, die ^leieb- 
sam als Xebeiijirodiikte beim Konsnme des Artikels A 
abtallen, sowie der Gegenstände, zu deren Herstellung’ 
sol ehe Stiieke verwendet werden können, erhöben den 
mit dem Ankäufe neuer Stiieke von A verbundenen 
Lebensgenuss, während niedrige Preise alter Stiieke, 
die aueb als Surrogate des Artikels A gelten und statt 
neuer Stiieke gekauft werden können, den mit dem 
Ankauf der letzteren verbundenen T^ebens^enuss berab- 
driieken. Kndlieb können bei dauerhaften Gebrauebs- 
artikeln aueb noeb solebe Kombinationen in Petraebt 
kommen, welebe als Surrogat des Ankaufes von A 
die blos mietbweise Beniitziinji’ oder umgekehrt die 
Vermietbiiug als eine besondere Verwendungsart der 
an ge kauften Stiieke in sieb sebliessen. Jede Mietbung 
oder \ ermietbnng ist als ein besonderer Artikel und 
je naeb der Dauer und den Nebenbedingungen der 
Mietbe jedesmal als ein anderer Artikel anzuseben, 
der je einen besonderen Preis bedingt, und es müssen 
daher, um den mit irgend einer Ankaufsmenge æ von 
A verbundenen Lebensgenuss ermitteln zn können, 
auch alle diese Mietb|)reise gegeben sein. Dazu sei 
hier uoeb bemerkt, dass die mietbweise Benützung 
eines (íebrauebsartikels — eines Möbelstiiekes, eines 
Wagens, eines Xutztbieres, einer Masebine, eines 
Hauses u. dgl. — und dessen Besitz, selbst bei völliger 
Identität der betretfenden Stücke und ganz gleieber 
Verwendungsart, meist doeb einen ganz verschiedenen
        <pb n="353" />
        317 
Lebeiisgemiss ])ieten. Ob dieser Lebensgenuss ini 
Falle des Besitzes oder im Falle der Mietbe grösser 
anstallt, bän^t nicht nur von den Bedingungen der 
letzteren, sondern wesentlich auch von der Natur des 
Artikels und von den Nei^nn^en des Individuums ab. 
()7. Die Lebeiisgemisskiirve, auf einen (iebranelis- 
artikel bezogen. 
Denken wir uns min den höchsten Lebensgenuss, 
den der betrachtete Konsument des Gebrauchsarti 
kels A mittelst jeder Ankaufsmenge x erreichen kann, 
festgestellt, und tragen wir diesen Lebensgenuss jedes 
mal über der betretfenden Abszisse x als Ordinate 
auf, so erhalten wir eine im allgemeinen unregel 
mässig verlaufende Funktreibe und aus derselben 
ganz so, wie in Fig. 3‘J, die durchaus konkave Lebens 
genusskurve ¡)g (Fig. Güj. Die Anfangsbefriedigung 
Ob beruht hier auf einer Kombination, welche den 
(Gebrauch des Artikels A nur dann ganz ausscbliesst, 
wenn von demselben kein Anfangsvorrath vorhanden 
und die blos mietbweise Benützung, sowie der An 
kauf alter Stücke unmöglich wäre, während sie, wenn 
solche schon anfänglich vorhanden sind, deren vor- 
tbeilbafteste Verwendungsart mit sieb bringt. Die 
Kurve hg gibt, um die Länge Ob berabgeschoben, 
die Nützlicbkeitskurve G/¿, während die Abgeleitete 
On die Nacbfragekurve darstellt. Der Schnittpunkt 
der letzteren mit der jeweilig geltenden Freislinie 
bemisst durch seinen Vertikalabstand von der Kurve On
        <pb n="354" />
        (len Nutzen des Ankaufes der dnreli die Abszisse an- 
^eßeigenen Men^-e, wäbrend der Vertikalabstand von 
der Kurve hg die HetViedi^iinf»- bezeiebnet. I)afj^ej»-en 
ist der daliresverbraneli, sowie der seldiesslieb ^e- 
baltene Vorratli liier ebensowenig- ersicditlieb, wie in 
der auf einen \^erbranebsartikel, der in kleinsten 
Mengen nm^esidzt wird, bezo^enmi Kurve i^. 5(1) 
eines zn^leieb jirodiizirenden und \'orratb haltenden 
Konsiinienten. Teberdicvs ist zu beaebten, dass dort, 
wo es sieb mir iini einen • verkänflieben Seblnss- 
vorratb s gebandelt bat, die Haltung- eines solchen 
erst dann beginnen konnte, wenn der ^larktpreis 
tg xh unter den Grenz})reis OI\^ der selbst wieder 
niedriger als der erwartete Znknnftsjireis tgt ist, ge 
sunken war. Hier dagegen wird ein nn verkauf lieber 
Rest r oft nicht so sehr mit Riieksiebt auf das Ver- 
Fig. 60. 
n 
0 
\ti'
        <pb n="355" />
        319 
liältniss (1er IVeise tgi)' iiiid tgt, gehalten werden, als 
mit Ilücksie.lit auf die Aiiiielimliclikeit, Be(j[iiemlicli- 
keit und sell)st Notliwendi^keit, einen Vorratli noeli 
Inanekbarer Stücke zu besitzen. Die Zahl der in 
Verwendung stellenden Stücke mancher dauerhafteren 
und wichtigeren Gehraiiclisartikel ist neben der Zeit- 
eintheiliing das wesentlichste Kennzeichen jeder be 
stimmten Betriebs- und Lebensweise und wird mit 
unter wegen der Erfordernisse des Betriebes oder 
durch die Macht der Neigungen und Gewohnheiten 
zähe festgehalten und bedarf zu ihrer Abänderung 
eines merklichen Entschlusses. 
So wird z. B. jemand, der einen Winterrock zu 
besitzen wünscht, auch wenn er keinen hesonders 
hohen, künftigen Breis tgC erwartet, sich doch seihst 
durch einen hohen Marktpreis tgih nicht ahhaltcn 
lassen, einen solchen anzuschatten. Er wird dieses 
Stück vielleicht im laufenden Jahre so oft benützen, 
als es ihm nur irgend angenehm ist, und auch auf dessen 
Instandhaltung nur jene Sorgfalt verwenden, welche 
nöthig ist, um es auch für die letzte Benützung dieses 
Jahres noch in dem wünschenswerth guten Zustande 
zu erhalten; derselbe wird aber doch, wenn er nur 
nicht so anspruchsvoll ist, einen Winterrock schon 
muh einjähriger Benützung als völlig verbraucht an 
zusehen, in den Verhrauchs])erzenten, die er diesem 
Kleidungsstücke am Ende des Jahres noch zuschreiht, 
einen Rest r zurückhehalten. Dieselbe Berson kann 
hei einem entsprechend niedrigen Breise tg!)- auch 
zwei oder mehrere solche Stücke kaufen und benützen.
        <pb n="356" />
        320 
wenn sie nur das Ver^-nngen, iin laufenden Jahre 
jedesmal besser geschonte oder etwa abwechselnd ver 
schiedenfarbige Stucke desselben Artikels aidegen zu 
können, höher schätzt als die Schmälerung der \ er- 
mögensinventur, welche trotz des grösseren 1 testes r 
durch den jMehraufwand unzweifelhaft eintritt. Wenn 
auch in dem gewählten lleis])iele, wo schon das erste 
Stück ohne besondere Schonung, soweit es irgend an 
genehm ist, heiditzt wird, durch den Besitz mehrerer 
Stücke die Zahl dieser Benützungen, sowie die Art 
der Instandhaltung nicht verändert wird, so wird doch 
nun der gesammte Jahresverbrauch v ein grösserer 
sein, weil, wie schon erwähnt, jedes Stück im Besitze 
des Konsumenten, ganz abgesehen von der Benützung, 
an Werth verliert, also etwas abgenützt erscheint. 
Nehmen wir als nächstes Beispiel einen schwarzen 
Tuchrock, dessen stärkere oder geringere Benützung 
den Neigungen des Besitzers einen grösseren Spiel 
raum bietet, so werden wir Individuen linden, die 
ganz wie in dein früheren Beis))iele verfahren, da 
gegen auch zuhlreiche andere, die einen solchen Bock 
vielleicht nur an Sonntagen tragen und sorgfältigst 
in Stand halten. Diese schätzen otfenhar die Auf 
besserung der Vermögensinventur durch den wol- 
erhaltenen Bock höher als den Zuwachs an W*rgnügen, 
der durch eine häutigere, etwa tägliche Benützung 
und sorglosere Instandhaltung erreicht werden würde; 
dabei wirkt der Hinhlick auf einen bestimmten Zu- 
kunftsimeis allerdings mit, nur braucht dieser nicht 
höher als tg&amp; zu sein.
        <pb n="357" />
        — 321 — 
Tn jenen Fällen da^e^en, wo die wiinseliens- 
wei tlie \ erwendnno- den Besitz einer gewissen Stiiek- 
zald notliwendig inaelit, also z. B. bei Hemden, wird 
derjenige, der einen ansreiclienden \ orratli des be- 
tiettenden Artikels besitzt, weitere Stücke nur zu 
sein niederem Preise ansebatfen, während er einen 
hoben Preis bewilligt, um seinen Vorratb auf die 
notln&gt; endig’e /abl zu ergänzen ^ bat er bin^e^en noch 
f^ai keinen Besitz an Hemden einer gewissen Cíattnn^*, 
so wild er solche überbau])t nur kaufen, wenn deren 
I leis ihm ¿gestattet, die ihm erforderlich scheinende 
Stückzahl aut einmal aiizuscbatfen, sonst abci* es vor- 
zieben, sieb mit einer anderen Sorte zu behelfen. 
Ganz äbnlicb muss ein ITnternebmer, der z. B. fünf 
1 )amj)tkessel einer gewissen Konstruktion zum Be- 
tiiebe seiner T abrik bedarf, verfahren. Fr wird 
innerhalb weiter Preis^renzen an der ihm vortbeilbatt 
erscheinenden Kesselanla^e festbalten und dieselbe 
ohne Bintksiebt aut den Preis so stark benützen, 
als dies einerseits die bei den geltenden Preisen aller 
anderen Produktionserfordernisse und aller Produkte 
vortbeilbatteste Betriebsweise vorsebreibt, und als dies 
anderseits zur Vermeidung- von Betriebsstörnn^en und 
I n^lückställen notbwendi«** ist. Steht ein solcher Unter 
nehmer vor dem Fntscblusse, seine noch betriebsfähige 
Kessclanla^e durch eine bessere Konstruktion zu er 
setzen, so wird er die neuartigen Kessel nicht ^erne 
Stück um Stück ansebatfen, sondern zu dem verän 
derten System nur dann überleben, wenn der Preis 
der neuen Kessel es ihm ¿gestattet, die ^anze, erforder- 
Auspitz u. Lieben. Untersuch. Ob. d Theorie d. Preises. 
21
        <pb n="358" />
        322 
lidie Stückzahl auf einmal zu kauten. * Kr wird da- 
i*-ei&gt;-en vor einem ludieren l’rcds nicht znrückschrecken, 
um seine Anlage aut* die nothwendi^c Ivessclzahl zu 
(‘ro-änzen, während ihn nur ein hesonders uiedri^er 
Preis VC rau lassen würde, seine Anlage durch Aufstel 
lung' von Keservekesseln zu erweitern. Kr wird sieh 
zu einer solchen üher das Mass des Nöthi^'cn hinaus- 
o'ohenden Auslage um so hdehter entsehliessen, einen je 
höheren, künftigen Preis tgZ erwartet. Sein dahres- 
verhrauch v wird durch eine sidehe Ansehalfunj*’ zwar 
im ersten ,lahre erlüdit, da^e^en hleiht ihm ein j»rös- 
serer Rest r für die hd^enden ,lahre, wodurch der Zeit 
raum verlängert wird, nach dessen Ahlaut eine vollstän 
dige Krneuerung der ganzen Kesselanlage iiöthig wird. 
Wir ersehen ans den angeführten Reis)iielen, dass 
der \ erlauf der Kehensgenusskurve hg und nament 
lich ihre Anfangsriehtung, welche den Maximalan- 
kaufs]&gt;reis angiht wenn wir von der Mög 
lichkeit eines Umsatzes in alten Stücken, sowie von 
einer hlos miethweisen Renütznng ahsehen — ausser 
von der Natur des Artikels und den Neigungen des 
Individuums wesentlich davon ahhängt, (di letzteres 
von dem Artikel A schon einen ausreichenden Vor 
rath besitzt oder nicht. Ist der \'orrath noch aus 
reichend, so wird die Kurve fl ach begin neu und ver 
laufen, um so daelier, je grösser der Vorrath noch 
ist; doch ist es dabei keineswegs gleichgültig, oh die 
gleiche Summe verfügbarer \'erhrauehs)ierzente an 
vielen oder wenigen Stücken hattet, da der Ankauf 
eines neuen Stückes in der Regel weit weniger wün-
        <pb n="359" />
        323 
21* 
selieiiswertli crsclieiiit, wenn ancli mir wenige, aller 
i?nt erlialtene, als wenn viele, selion stark alijen ätzte 
Stiieke vorlianden sind. Der Maxiinalankanfs|ireis wird 
da:(e^en ein weit höherer werden, wenn es sieh iiin die 
Koinjdetiruno: des nnthwendi^ eraehteten Besitzstandes 
handelt; die hierzu ertbrderliehe Stückzahl hildet dann 
die Miniinalinen^e Ou, hei welcher die Lehens^enuss- 
kuive, ic in hi^. 00, eine starke Uichtiin^sänderiin^' 
«nid ihre Abgeleitete eine hohe Vertikalstreeke ant- 
weist, welche anzei^t, dass an dieser Ankantsnieno-e 
innerhalh weiter Dreis^renzen festfrehalten wird. 1st 
iTiir kein anfänglicher Besitz vorhanden, so wird die 
Miniinalinenire eine -rössere sein, der Maxiinalan- 
kaufspreis kann jedoch ein hoher oder niederer sein, ¡e 
naehdeni der Artikel A durch Surrofrate schwer oder 
leicht ersetzt werden kann. Die Miniinalinenire hleiht 
aber klein, sie beschränkt sieh soo-ar auf Kins, und 
dei Maxiiualankautsjireis ist ein hoher, wenn eben nur 
auf den Besitz Kines Stückes Werth (relcfrf wird, wie 
in dein Beispiele des Iväuters, der seinen schwarzen 
ltO(;k nur als Sonnta&lt;rsstaat trä^rt und den Besitz 
Kines solchen Stückes als für seine standes&lt;reniäss(* 
Ausrüstuiiir nothwendiir ansieht.• Khenso wird Kin Paar 
1 landsehuhe von nianehein als ein unerlässlicher Besitz 
hetiachtet, während anspruehsv'ollere Bersonen, welelu! 
1 landsehuhe öfter trairai und schon nach einigen Be- 
uützuniren als verbraucht ansehen, eine «rrössere 
Miniinalinenire, und zwar eine um so «rrössere ver- 
langen, je ¡ledantiseher sie dabei an der ifanz irhuelum 
Qualität festhalten.
        <pb n="360" />
        324 
Die ^Menge der vollen Het'riedi^rim«)' hän«t nament 
lich davon ab, ob der nene Zustand des Artikels sehr 
j&gt;eseliätzt wird oder niebt, ob also die erste Henützuno- 
sehr viele oder mir wenige \A‘rbraucbs])erzente in An- 
s])rneb nimmt. Wir haben früher (12) erwähnt, dass 
die volle Hefriedi^nn^- durch einen Gebrauchsartikel die 
Verwendung- eines »-anz neuen Stückes für jede ein 
zelne Benützung- erfordert, und in der That würde von 
Wäsche, Kleidern u. dgl. jedesmal ein neues Stück he- 
nützt werden, wenn sie unentgeltlich zu haben wären. 
Dies würde von allen Gebrauchsartikeln gelten, wenn 
sie immer in der erwünschten Beschatfenheit käutlich 
sein würden’, es ^ibt aber auch Artikel, wie Stietel, 
viele Werkzeuge u. s. w., welche diese Beschatfenheit 
erst durch mehrmalige Benützung- erlauben, so dass 
ein neues Stück bei jeder Benützung" geradezu unan- 
o-enehm wäre. Die Alende der vollen Befriedigung- ist 
daher hei solchen Artikeln eine kleinere, wenn auch 
immer noch ein Mehrfaches der Minimalmeno-e. Aehn- 
liches zei^-t sich in unserem Beispiele der Dampfkessel. 
Die Alende der vollen Befriediounj»- ist hier nicht viel 
o-rösser als die Alinimalmen^e, und zwar bewirkt dies 
vorzugsweise die Kostspieligkeit der koiu])letii enden 
Artikel, zunächst des Brennmateriales, dessen er 
brauch stei}&gt;-t, wenn allzuviele Kessel gleich zeitigt" 
heizt würden, während auch, wcuu die Reservekessel 
ungeheizt hlieben, die Kosten der Kinmauerung, der 
Erweiterung- des Kesselhauses u. s. w., seihst wenn 
Kessel unentgeltlich zu haben wären, immer noch ins 
Gewicht tielen.
        <pb n="361" />
        325 
Die Meiij*e der vollen Befriedijiun^ ist besonders 
klein lind fällt so^ar mit der Miniinalinen^T Kins zusam 
men, wenn mehrere Stücke derselben Gattung ^ar nicht 
begehrt werden, wie dies meistens den verschiedenen 
Exemplaren eines Buches, eines Knjiferstiches oder 
einer Photof»ra])liie, den gleichen lh*onze- oder (xvps- 
ah^iissen desselben Modells ^e^enüber der Kall ist. 
Bei soleben Artikeln, wenn sie auch in vielen identi 
schen Stücken ber^estellt werden, und gleichviel, ob 
sie einer Abnützung" durch den Gebrauch unterließen 
oder nicht, macht sich das Streben nach Ahwechsliniß 
ßcltend. Dieses Verlaiißen kann z. B. auch dahin 
führen, jedesmal Handschuhe von verschiedener Karbe 
traßen zu wollen; hätte nun jede Karbe einen anderen 
Kreis, wäre also Jede ein besonderer Aitikel, so tiele 
die Meiiße der vollen Befriedißiiiiß für ein Individuum, 
das heständiße Ahwechsluiiß lieht, mit der Minimal- 
meiiße Eins zusammen. Besitzt nun ein solches Indi 
viduum schon ein Exenijdar des ßewünschten Artikels, 
von dem es kein zweites heßehrt, so würde seine 
auf diesen Artikel hezoßene Eehensßenusskurve /&gt;//, 
wie in Kiß. 40, durchaus ahstcißcnd verlaufen. 
Schliesslich können wir noch bemerken, dass, 
namentlich wenn der (liehrauchsartikel A nicht in 
einzelnen Stücken ßekauft werden kann, sondern, wie 
Hemden, Keilen und andere, nur in ßanzen Dutzenden, 
Hunderten u. s. w., oder auch, wenn das Individuum 
aus Betriehsrücksichten oder aus Be(|uemlichkeit auf 
einen ßrösseren \ inrath Werth leßt, der Best r auch 
ßanz uiißehrauchte Stücke enthalten kann.
        <pb n="362" />
        ()8. Der Lebeiisgemiss im alliieiiieiiisteii Falle der 
Vorratlislialtiiiiír. 
Nclnneii wir mm an, dass der betrachtete Koii- 
simient des Gebraiielisartikels A diesen aneli selbst 
herstelle, und dass er auch als Vorrathshändler aiif- 
treten könne, so werden sieh iin allgemeinen am 
.Jahressehlnsse dreierlei Vorräthe des Artikels .1 er 
geben. Xel)en dem znletzt bes])roehenen Konsnmtions- 
reste kann ein ans unfertigen Stacken bestehender 
Drodnktionsrest und endlich auch noch ein ans nen 
gekauften oder ^anz fertig- gestellten Stücken beste 
hender, verkänflieher S])eknlationsvorrath s gehalten 
werden ; daher kann dann auch der Anfan^svorrath 
nebst einem verkänfliehen Theile auch schon &lt;&gt;-e- 
hranehte, sowie nnferti^e Stücke enthalten. Die letz 
teren tinden ihre han])tsäehliehste, dem Yerbranehe 
analoge Wrwendun&lt;&gt;- in der Ferti^stellnn^-, wenn auch 
der \ erkauf unvollendeter Stücke zu besonderen, von 
Fall zu Fall ^e^ebenen Freisen nicht ausgeschlossen 
ist. Wenn aber die Ferti^^stellnn^- unterlassen werden 
wollte, werden die nnferti^en Stücke gerade, wie schon 
^ebranehte Stücke, doch auch bei sorgfältigster Anf- 
bewahrnng- am Ende des Jahres mir mehr in vcr- 
sehleehterter Hesehattenheit vorhanden sein, nnd mir 
jene Summe von IIerstellnn^s])erzenten, die dann noch 
verbleiben würde, bildet das anrechenbare Ansmass, 
mit dem die anfänglich vorräthij»-en, nnvollcndeten 
Stücke in der sehliessliehen Verniö^ensinventiir er-
        <pb n="363" />
        327 
sclieiiien köimtcii. Wenn also z. Ik ein Fabrikant von 
Werkzen^’inaseliinen am Anfang des .labres ein lialb- 
fertiges Stiiek besitzt, das er mit 50 Ilerstellnngs- 
])erzenten veranseblagt, so würde er dieses aneli bei 
sorgfältigster Aufbewabrung doeb am .Jabresseblnsse 
mir mit weniger, etwa mit 45 %, bewertben können. 
ird er dagegen in seiner Arbeit nicbt nnterbroeben, 
so kann er das vollendete Stück zum Marktjireise 
verkaufen oder seinem verkänflieben Vorratbe s binzii- 
fügen, so dass er seine Vermögensinventnr dnreb die 
Fertigstellung um 55% verbessert und also niebt 50, 
sondern 55 % erzeugt bat. Stellt nun dieser Produ 
zent im Laufe des .labres im ganzen f Stücke des 
.Vrtikels vl fertig, so ist seine diesjäbrige Frzeugung 
mindestens = (/—0'45). Auf das so bestimmte Mini 
mum wird jedoch die wirkliche .Jabrcserzeugung c von 
A nur ausnahmsweise beschränkt bleiben, indem zu 
meist darüber hinaus noch ein un verkäuflicher Fro- 
duktionsrest unfertiger Stücke bergestellt werden )\ird. 
Der Fnternebmer wird nämlich, wenn die Arbeit ein 
mal im Gange ist, die Herstellungskosten eines sol 
chen Festes geringer veranschlagen als die im Hin 
blicke auf den erwarteten, künftigen Preis ^ von A 
mit dieser Herstellung verbundene Aufbesserung der 
\ ermögensinventur und daher seine Frzeugung e ge 
rade so weit aiisdebnen, bis die Selbstkosten einer 
weiteren Vermehrung des Produktionsrestes mehr aus- 
maeben würden als die gleichzeitige Aufbesserung der 
\ ermögensinventur. Die Herstellungskosten der j 
fertigzustellenden Stücke werden durch die gleich-
        <pb n="364" />
        — ;-î28 — 
zeitij&gt;c weiterer Stiieke, die ain Hmle 
(les Jahres iiiivolleiidet hleibeii iiiid die Verniôg-eiis- 
inveiitiir verbessern, rednzirt, ^anz el)enso wie die 
Niitzliebkeit der neu in (iebraneli ^ennnnnenen Stiieke 
von ^1 sieb dadureli erhöbt, dass, wie früher (66) er 
wähnt, dureli eine angemessene Kinseliränknn«»' des Ver- 
brancbes v ein Konsnintionsrest iibri^- behalten wird. 
Wir sehen also, wie das Individunni, welches 
nebst den Preisen aller anderen Artikel auch den von 
ihm erwarteten, künftigen Preis tgt von A kennt, im 
Stande ist, jene Krzen&lt;»nn¿^smení4’e e und jene Ver- 
hranehsmen^e v zu ermitteln, durch welche eine be 
stimmte, fertig' zu stellende Stückzahl f am vortheil- 
haftesten herg-estellt und eine gleichzeitig' neu in 
(tehraneh zu nehmende, bestimmte Stückzahl // am 
vortheilhaftesten verwendet werden kann. Dadurch ist 
dann auch der schliesslich zu haltende Produktions 
und Konsnintionsrest von seihst ^e^ehen; auch wird 
das Individuum bestimmen können, wie weit es einer 
seits jedes einzelne der schon im Vorjahre benützten 
oder neu in (iehraueh genommenen Stücke im laufen 
den Jahre verhrauehen und anderseits, wie viele 
Stücke es in Arbeit nehmen und wie weit es in der 
Ferti^'stellun^' jedes einzelnen ^ehen soll. 
Wir können aber auch noch weiter &lt;»'ehen und 
die Ermittlung' der vortheilhaftesten Verwendun^s-, 
beziehungsweise Herstellungsart jeder An- oder Ver- 
kanfsmen^^e von A verfol&lt;&gt;'en. Dem rndividnum bieten 
sieh nämlich bei jeder bestimmten Menge x zahlreiche 
Kombinationen, die sieli nicht nur durch verschiedene
        <pb n="365" />
        329 
Mengen anderer Artikel, sondern aueli dadureli unter- 
selieiden, dass die Beniitzung’sinenge sowie der ver 
kant liehe Scddiissvorrath s von A ^ross oder klein 
sein können, wenn nur auch die Zahl f der fertig* 
zu stellenden Stücke ents])reehend ¿»toss oder klein 
ist, so dass — wenn wir den verkäuflichen Theil des 
Anfan¿»svorrathes mit a bezeichnen — immer 
= ff 4- .9 —/— a 
hleiht. Jede dieser verschiedenen Koinhinathmen wird, 
ah¿»esehen von dem Aufwande oder Erlöse für die 
An- oder Verkautsmen¿re z, je eine bestimmte Hefrie- 
di¿»un¿»’ herheitühren, und Eine derselben wird die 
¿»•rösste Uefricdi&lt;»un&lt;»- ¿»ewähren. Durch die Auswahl 
dieser vortheil hattesten Kombination werden also nebst 
den Men¿&gt;’en aller anderen Artikel auch die (irössen 
//, s und y und zu¿&gt; leich auch der mit der hetretfenden 
An- oder Verkaufsmen¿»e x von A verbundene Lehens- 
¿^enuss bestimmt. Es lässt sich also auch eine auf 
den Artikel A hczo¿rene, den drei verschiedenartig»en 
\ orrathshaltun¿»'cn, die wir nun kennen ¿»clernt haben, 
líechnun¿*‘ tra¿»cnde Echens¿^enusskurvc aufstcllcn, die 
sich nun wieder, wie in Ei¿»\ 50, hei einem jirodu- 
zirenden Konsumenten, der nur einen verkäuflichen 
Schlussvorrath .s hielt, zu beiden Seiten der Ordinaten- 
achse erstreckt. Auch wird in dieser Kurve, sowie 
in jener //„//„ (Ei«»'. 50), eine ¿¿gewöhnlich etwas hin¿»ere, 
¿gerade Strecke hervortreten, deren Richtun¿»' jenen 
hinter noch zurückhleihenden (irenzj)reis an¿fiht, 
von dem ah, wenn der Marktpreis weiter fällt.
        <pb n="366" />
        (lie eines verkänflielieii Selilussvorrntlies .v erst 
beginnt. Es ist niimlieli klar, dass ein solelier nielit 
j&gt;elialten werden wird, so lan^e eine Vernnndernn^' 
der Verkantsinen&lt;&gt;e oder eine Vermelirnn^' der An- 
kaufsnien^e noeli vortkeilliafter dazu verwendet werden 
kann, sei es, die Zald / der ^anz fertig" zu stellenden 
Stücke zu rednziren, sei es, die Zald g der neu in 
Gebraucli zu mdiinenden Stücke zu verdrössern. Selbst- 
verständlicb bän^t die Eorni der Lcbens^ennssknrve 
ancb liier, wie in Fio-. ß()^ von dein antano-licben, nn- 
verkäiiflicben Konsiuntionsvorratb und mm ancb noeb 
von dein anfän^licbcn Prodnktionsvorratb ab, und ist 
es ancb bei diesem keineswegs ^leieboiilti^-, ob er ans 
wenio-en, beinabe ^aiiz vollendeten, oder ans vielen, 
eben erst an^efan^enen Stücken sieb znsaininensetzt. 
Der allo-eineinste Fall der Vorratbsbaltnno-, den 
wir nun kennen ß(dernt baben, koinint ^anz ebenso 
ancb bei jedem Verbranebsartikel vor, der mir in 
o-rösserem ^larkteinbeiten nmo-esetzt werden kann; aber 
ancb bei Artikeln, die in kleinsten Meno-en nmo-esetzt 
werden, wird neben einem verkänflieben Seblnssvor- 
ratb ancb ein nnverkänflieber Frodnktionsrest ant- 
treten, sobald sieb bei der betrettenden Produktion 
vers(diiedene Arbeitsstadien nntersebeiden lassen. 
Endlieb können wir alle diese Ibdraelitmioen 
ancb auf den Fall ansdebnen, dass der (^ebranebs- 
artikel A bei seiner Penütznno- keinerlei Abnütznno- 
unterließen würde. Dabei zeißen sieb manelie \'er- 
einfaebuiißen, denn es ßibt liier — ausser im Weße 
des Verselienkens oder des Verarbeitens zu einem
        <pb n="367" />
        331 
anderen Artikel von bekanntem Preise — keinen 
\ erbraneli v, so dass aneli von einem iinverkänt'lielien, 
sei es, antan^lielien, sei es, seldiesslielien Konsnndions- 
vorratli nielit die Pede sein kann. Es stellt dem 
Individnum vielmelii" vollkommen trei, den {ganzen, 
ans Ankant und ei^’ener Fertigstellung' bervor^elien- 
den, verkänflielien Seldnssvorratli s naeb Belieben zu 
benutzen, so dass ein soleber liier nielit, wie trüber 
(60) erwalint, an und tlir sieb nnan^enebni, sondern 
— wenigstens bis zur Grenze voller Sätti^un^' — 
an^enebni sein wird. Ein verkauf lieber Seblussvor- 
ratb s kann daber liier aueli sebón bei einem ^larkt- 
]&gt;reise t(/ // ^ebalten werden, der keineswegs niedriger 
zu sein brauebt als der erwaidete künftige Preis ff/t; 
doeb werden, so lan^e das Individuum den Artikel 
aueb selbst jiroduzirt, diese Abweiebun^en von dem 
trüberen b alle in der Kurve niebt deutlieli liervor- 
treten. Wäre da^e^en die eigene Produktion des Ar- 
tik(*ls ausj»'esebloss(*n, so würde die auf denselben be 
zogene Eebens^enusskurve im allgemeinen niebt etwa, 
wie bei einem abnützbaren Gebrauebsartikel (Fi^. 60), 
in der Ordinatenaebse, sondern, wie bei einem W ertb- 
jiajiier (Fi^-. 58), weiter links über einer Abszisse, 
welelie den Anfan^svorratli a bemisst, beginnen, vor 
ausgesetzt, dass aueb dieses niebt jiroduzirende Indi 
viduum seinen Besitz an diesem Artikel immer zum 
vollen Markt])reise verkaufen kiinne. Tritft diese Vor 
aussetzung- niebt zu, so sind solebe Artikel, wenn sie 
aueli beim Gebraueb keiner jibysiseben Abnützung- 
unterließen, doeli als abnützbare Gebrauelisartikel an-
        <pb n="368" />
        332 
ziiselieii. IJelni^Tiis ist zu lu'iicliteii, dass es in Wirk 
lichkeit nur wenige Artikel j^iht, die keiner Ahnützun^' 
unterließen, und die zußleieli in zaldreiehen, identischen 
Stücken anftreten; seihst Perlen und Edelsteine kininen 
nur insolante hierher ßcreehnet werden, als es sieh 
hloss um kleine Stücke handelt, während hei ßrösseren 
Exemplaren die von Stück zu Stück wahrnehmharen 
Untersehiede nicht nnheaehtet hleihen können, so dass 
jedes solche Stück als je ein hesonderer Artikel, der 
auch je einen anderen Preis hediiißt, aiißesehen werden 
muss. 
Wir sehen ans allen vorstehenden Anseinander- 
setznnßen, dass, wenn die An- oder Verkanfsinenßc 
mit dem Unterschiede von N'erhraneh und Erzeiißniiß 
nicht mehr ühereinstimmt, wenn also das Individuum 
nicht nur konsnnnrt und j)rodnzirt, sondern auch s]&gt;e- 
knlirt, verkäufliche und nnverkänfliehe Vorräthe hält, 
die charakteristischen Eißensehaften der Lehensßcnnss- 
knrve und ihrer Ahßeleiteten und somit auch jene 
der (iesammtknrven, die den Preis hestimmen, doch 
die ßleiehen hleihen. Der sehr wesentliche Umstand, 
oh ein Individuum hei der Wahl der für jede Meiiße 
X vortheilhaftesten Komhination auf alle diese recht 
komplizirtOn Verhältnisse Küeksieht nimmt oder nicht, 
kommt wol in jeder einzelnen Ordinate, keineswcßs 
aber in einer an und für sieh wahrnehmharen Weise 
in der Form der Kurve zum Ausdrucke.
        <pb n="369" />
        333 
()í). Dor Zwisclieiilmiidol. 
All (lie Jicliaiidluiifr jener \"eiimnicli.sartikel, die 
nur in grösseren Kinlieiten anf deni Markte ersclieinen, 
wälirend liei der Konsumtion und Produktion des Ein 
zelnen noeli kleinere Einheiten in Betracht kommen, 
und die sich, wie wir gesehen haben, ^anz wie Ge 
hrauehsartikel verhalten, lässt sich noch ein spezieller 
l'îdl anreihen, der we^en seines häufigen Vorkommens 
von Wichtigkeit ist. Es bestehen nämlich oft auch 
tiir (jualitativ ^anz gleichartige Aitikel doch Je nach 
der üblichen (Düsse der einzelnen I insätze ^leich- 
zeitio- verschiedene Preise. So ^ilt z. B. hei Zucker 
ein Preis tiir den Verkehr in ganzen Wa^^onladun^en 
zwischen den Eahrikanten und den (Dosshändlern, 
ein anderer für den hutweisen Verkauf seitens der 
letzteren an die Krämer und so^-ar noch ein dritter 
noch höherer Preis, zu dem die letzteren ihren Kunden 
den Zucker in aus^esehla^enen Stücken zu wiegen. 
Naelidem wir schon früher (2f)) hervor^ehohen haben, 
dass jede Soite z. B. auch von Zucker, sobald der 
(Qualitätsunterschied eine Preisdifferenz hedin«ft, als 
Je ein besonderer Artikel anzusehen ist, müssen wir 
nunmehr noch weiter wehen und auch „Zucker in 
g-anzen Wa^'^onladunwen^\ „Zucker in Hüten“ und 
„solehen in ahwewn^enen Stücken“ als verschiedene 
Artikel i&gt;elten lassen. Die Preise dieser Artikel, von 
welchen der zuerst genannte gleichsam das Rohmate 
rial bildet, aus dem der Grosshändler „Zucker in
        <pb n="370" />
        Iliiteii“ ebenso b erstellt, wie der Krämer die abge 
wogenen Stücke ans dem &lt;»-an/en lint, kalten sieb 
zwar da sie &lt;&gt;anz so, wie andere verwandte Sorten, 
einander aiieb vertreten können — innerhalb en^er 
Grenzen, ändern sieb aber beim Steifen und Fallen 
keineswegs immer ^anz ^•leiebmässi»*. Die ITnter- 
nebmiin^* des Grossbändlers und des Krämers, die 
sieb jener des Fabiikanten an reibt und oft aiieb noeh 
Transj)ortkosten mit sieb bringt, vollendet erst die 
11 erste!lun&lt;&gt;’ des im Detail verkänflieben Artikels, 
^anz wie umgekehrt der Händler, der landwirtbsebaft- 
liebe Produkte und Abfälle auf kauft, um sie in ganzen 
\Va»-^’onladun^-en weiter zu verkaufen, als Produzent 
von Artikeln für den Grossverkebr anzuseben ist. 
Ueberdies kann Jemand, der das Gesebäft des De- 
taillirens oder umgekehrt des Zusammentässens zu 
grösseren Einheiten betreibt, ^leiebzeiti^- aueb Kon 
sument und aueb noeb Produzent im enteren Sinne 
des Wortes sein; ein soleber ist in der Ea^e, die 
Haltung" von Konsumtions- und Produktionsresten zu 
vermeiden, indem er diese zu einem inedrio-eren De- 
tail))reise verkauft, oder aueb, indem er sie dureli Zu 
kauf zu einem höheren Detail)»reise auf oanze Afarkt- 
einbeiten abrundet oder endlieb dureb eben sol eben 
Zukauf es ers))art, ^anze Einheiten anzukaufen, die 
er niebt mehr auf brau eben könnte. Es ^ibt also 
Artikel, welebe neben allen anderen Verwendungen 
noeb die weitere, zur Herstellung- eines (¡ualitativ &lt;»anz 
^leiebarti^ en, für den Detail verkehr oder aueb um 
gekehrt für den Grossverkebr bestimmten Artikels,
        <pb n="371" />
        finden können, und zwar kann dies neben oder aueh 
statt der Ilaltnn»- nnverkänt’lielier Reste &lt;»-eselielien. 
Um die aut einen solelien Artikel A bezogene Uebens- 
i»*enusskiirve riebti^" autstellen zu können, müssen duller 
nebst den Preisen aller anderen Artikel und nebst 
dem von dem betrettenden Individuum erwarteten Zu- 
knnttsjireise tff 'Ç von A aueb noeb Jene Preise ^e- 
«»•elum sein, zu weleben, sei es, kleinere, sei es, orös- 
sere Markteinbeiten ^leieber (Qualität ^ekautt oder ver- 
kaiitt werden könnten, äbnlieb, wie zur Aufstellung" der 
aut einen (Udnanebsartikel bezogenen Uebens^enuss- 
kurve die Preise alter Stücke, so wie die Alietbun^s- 
und \ ermietbun^spreise bekannt sein mussten. Wir 
können aber liier der völligen Gleieliarti^keit des 
Artikels we^'en von Fall zu Fall die ^loditikation, 
welelie die Uebens«fenusskurve erleidet, verfolgen und 
wollen dies an einem Heisjiiele zeigen. 
Denken wir uns ein rndividuum, welelies Zigarren 
einer bestimmten Sorte konsumirt und jiroduzirt und 
aneli mit solelien sjiekuliren kann, und sei 7„//„ (Fi^. 
01 aj dessen auf diesen Artikel bezogene Uebens- 
^enusskurve, welebe für den Fall ^ilt, dass der An- 
und \ erkauf nur naeb einzelnen Stüeken erfolge ; 
zu^leieb seien in dieser Fi^ur die Abszissen, welche 
den Ankauf oder Verkauf von 100, 200, 300 u. s. w. 
Stücken an^eben, durch aus^ezo^ene Ordinaten be- 
zeielinet. Würde da^e^en der Verkehr nur in ganzen 
Kistcben à 100 Stück vor sich ^-elien, so hätten wir 
in Fi«»’. 01 b über den Abszissen, welebe den An 
oder Verkauf von 1, 2, 3 u. s. w. Kistcben an^reben.
        <pb n="372" />
        38n 
(lie in Gl a ans^ezn^enen Ordinaten zu re])ro(lu- 
ziren, weil sieli der Lel)enso*ciniss Gei diesen, gerade 
ganzen Kistelien ^leieliknmnienden Alenden dnrcli den 
Verkehr nach grösseren Markteinlieiten nicht ändert. 
Die zwischenlie^enden Mengen können nun iiherliau])t 
nicht nino-esetzt werden; wir erlialten also dnrcli die 
Fig. 61 a 
Vw 
V erhindnn^- der Endjinnkte der erwähnten Ordinaten 
eine neue Kurve d. i. die auf den Artikel „Zi- 
j&gt;-arren in Kistdien à 100 Stückhezo^ene Lchens- 
^•enusskurve, welche den versdiicdcnarti^en, vorstehend 
(G8) hesjiroclienen \ Orrathslialtun^en, nicht a her der 
Möolidikeit eines Detail an- oder Verkaufes Redinun^- 
trägt. Ist nun das Individuum in der Lage, einzelne
        <pb n="373" />
        337 
Zi^rarren zu dem festen Preise OPj kaufen zu können, 
und kann dasselbe solelie aucli verkaufen, jedocli nur 
zu einem niedrigeren, ebenfalls festen Preise 
so wird eine weitere Aenderun^ der Lebensg'enuss- 
kurve (big. Gl b) eintreten, indem dieselbe den 
tbeilweise rotb gezeiebneten Verlauf f)a,0n, annimmt. 
Fig". Gl b. 
\9n. 
\R 
ya 
Betraebten wir, um diese Aenderun^ zu verfolgen, 
in Fi^‘. Gl a den Sebnitt])unkt der Abgeleiteten mit 
der Preislinie OP¡ — derselbe lie^t in unserer Fi^-iir 
über der jiositiven Abszisse 210 — so finden wir in 
dem Vertikalabstand dieses Sebnittjmnktes von der 
Kurve //„//„ die Befriedi¿»un^, welebe das Individuum 
Auipitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 
22
        <pb n="374" />
        l)eiin lícstniidc dos I)otailíiukaufs])roisos OP, olmo 
Kauf und erkauf dos Artikels „Zigarren iii Kistolioii“ 
ciToiolioii kaiiii. Diese Mefriedi^uu^' lia heu wir dauii 
iu Fio-, í;i 1) als Aufauo'sordiuate Oh, der neuen J^ebens- 
o-enusskurve //„,//„, aufzutrao-cii. Diese neue A ufan "s- 
ordinate Oh, ist läno-er als jene OI&gt;\ denn, wenn 
aueli beide Ordinaten die ohne Kauf und Verkauf 
o-anzer Kisteben erreiebbare Defriedi^uno- darstellen, 
so o'ilt doob DA, so wie die ^anze Kurve (Fio-, 
Gl b) für den Fall, dass nur "anze Kisteben auf dein 
Markte ersebeinen; die Möo’liobkeit, einzelne Zio-arren, 
in unserem Beisjiiele 210 Stiiek, kaufen zu können, 
wird aber jedesfalls die Hefriediouno- erhöben. Aueb 
ist es klar, dass, wenn dem Individuum nun ein oder 
zwei Kisteben unentoeltliob beio'estellt würden, sein 
Lebenso-enuss über die Anfan" sbefriedio uno- Oh, hinaus, 
und zwar o-erade um den Minderaufwand für 100, be- 
ziebuno'sweise 200, einzelne Zio-arren zum Preise OP, 
o-esteio-ert werden würde; der reobte Ast der Debens- 
o-enusskurve //„,//„, muss also vom Funkte h, bis zu 
dem über der Abszisse 2 liegenden Funkte y g o-erad- 
linio- und der Freislinie OP, ¡la ral lei verlaufen; da- 
durob wird auso-edrüokt, dass ein Ankauf von Kist 
eben selbstverständlicb niebt statttinden kann, solano-e 
deren Freis höher als 01\ ist. Sinkt dao-e^en der 
Kisteben])reis aueb noob so wen io- unter OP,^ so wird 
das Individuum zwar naob wie vor an einem Total 
einkaufe von 210 Zigarren festbalten, denselben aber 
dadureb vollziehen, dass es zwei Kisteben zu deren 
billio-erem Preise und daneben nur noeb 10 einzelne
        <pb n="375" />
        330 
Zigarren zum Preise OPj aiikauft. Vom Punkte y» 
ab verläuft die neue Lebeusf&gt;euusskurve in der 
Picbtun^' der vom Punkte y2 au die alte Lebeiis- 
^emisskurve (Fi^. Gl b) zu lebenden Tangente, 
d. i. in dem Falle unserer Pi^ur bis zu dem über 
der Abszisse 3 lie^^enden Punkte y^\ sinkt der Kistcben- 
ju'eis unter die durch die Richtung an^e^ebene 
Grenze, so werden drei Kistclien gekauft werden, 
während der Ankauf einzelner Zigarren ^m\z aufhöid. 
Weiterhin — im Falle unserer Fi^ur bis zu dem über 
der Abszisse 5 liegenden Punkte y^ — fällt die Kurve 
an't jener //„/y„ (Fio*. 61 b) zusammen, während 
sich von hier ab wieder der Einfluss des bestehenden 
1 letailverkaufspreises 01^ geltend macht. Wir sehen 
nämlich aus Fi^\ 61 a, dass der Schnittpunkt der 
Preislinie ()1\ mit der Abgeleiteten über der Abszisse 
525 lie^t; daher wird das Individuum, welches, wenn 
dies möglich wäre, zu diesem Preise 525 Zigarren 
kaufen würde, bei dieser Men^e stehen bleiben und, 
was es mehr kaufen muss, also von sechs Kistchen 
75 Stück, zum Preise Ol\ verkaufen. Dieser Erlös 
tritt also zu dem mittelst 525 Zi&lt;j^arren erreichbaren 
Lebensgenuss hinzu. Wir le^en nun an die Kurve 
!UHn (Fii»-. 61 a), ])aralh‘l mit der Preislinie eine 
Tangente und verfolgen dieselbe bis zu ihrem Schnitt 
mit der rechts nächst folgenden, in unserer Eiern 
der sechsten, auseezoecnen Vertikallinie; die Ordinate 
dieses Schnittpunktes e^d die Hefnedieune an, welche 
das Individuum, mit Rücksicht auf die MöehOiheit 
des I )etailVerkaufes zum Preise 01^ mittelst unent- 
2-2*
        <pb n="376" />
        uo 
^•eltliclicr l^eistelliiiii»- von GOO ZipuTcii, also auch 
von sechs Ki steh eu, erreicheu könnte. Dies ^‘ilt aller 
dings nur, wenn der Verkauf einzelner Zigarren keiner 
lei Mühe und ITnannehinlichkeit verursaeht, anderen 
falls würde diese Befriedi^nn^- kleiner, aber — wenn 
nur üherhanjd von der Möglichkeit des Detail Verkaufes 
schon Gehranch gemacht wird — doch grösser ans 
fallen, als die über der positiven Abszisse ß stehende 
Ordinate der Kurve //„//„ (Di^\ Gl h); hier haben wir 
also eine längere Ordinate anfzntra^en und erhalten 
so den 1 hinkt der Lehens^enusskurve A on 
diesem Punkte le&lt;&gt;en wir dann wieder, und zwar nach 
links, eine Tangente an die Kurve 7„//„ (Fio-. (;i 
und da diese iin Punkte yr, berührt, so findet hier 
die neuerliche Trennung- der Kurven //„ r/„ und 
statt. Sobald nämlich der Kistchenjireis unter die 
durch die Pichtunj»- yr.yn an^eoehene Grenze fällt, 
werden sechs Ki steh en gekauft und von deren Inhalt 
schon etwas zum Detailjireise ()]\ verkauft, ohwol 
der Kistchen])reis noch höher als OI\ sein kann. 
Dao-e^en verläuft die Kurve //„,//„, rechts vom Punkte 
zwar höher als jene //„//„ und erreicht auch erst 
viel weiter rechts ihren Scheitel, aber die vom Punkte 
nach rechts gehende, gerade Strecke der ersteren 
Kurve ist doch schon flacher als 01^. Die Pichtnn«»' 
dieser Strecke "iht nämlich jene Grenze an, unter 
welche der Kistehenjireis sinken muss, um das Indi 
viduum zu veranlassen, sich auf das besondere Ge 
schäft des Kistchenankaufes zum Zwecke des Detail- 
verschleisses einzelner Zigarren einzulassen. Dieses
        <pb n="377" />
        i'iih 
— U\ — 
CTL*schátt wird zumeist iiiclit we^eii Eines oder weniger 
Kistelieii, sondern erst dann unternommen werden, 
wenn es ‘»leieli in grösserem Umfange betrieben werden 
kann, so dass vom Punkte naeb reelits eine länj»'ere, 
gerade Streeke folgen wird, deren Ilorizontalausdebnun^’ 
eine grössere Anzalil Kistelien an^ibt. Ganz ebenso 
wird aueli der linke Ast der Kurve vom Punkte 
h¡ auso-eliend, eine längere, gerade Streeke, die steiler 
ist als OP,^ aut weisen, weil ihre Hiebtun^ jene Grenze 
an^ibt, über welebe der Kistebenpreis steifen muss, 
um das Individuum zu bestimmen, seine Produktion 
von Zigarren einziisebränken oder autzu^eben, um 
sieb dem besonderen Gesebäfte des Ankaufes einzelner 
Stücke zum Preise OP, und des Wiederverkaufes 
derselben in ganzen Kistelien zuzuwenden. Weiterbin 
krümmt sieb natürlieb aueli dieser Kurvenast, weil aueb 
dieses Gesebätt mit waebsenden Mühen und Risiken 
verbunden ist. Die besjiroebenen I ntersebiede der 
sebwarzen und rotben Lebensp^enusskurve (Ei^\ 61 b) 
treten in deren Abgeleiteten noch deutlieber hervor. 
Selbstverständlieb würden die Modifikationen der 
Kurven //„//„ (Ei^. 61 b) andere, wenn aueb älmliebe, 
sein, wenn die Preise, zu weleben einzelne Zigarren 
gekauft oder verkauft werden können, so boeb wären, 
dass die Preislinie OP, oder vollends aueb jene OP.¿ 
die Abgeleitete (Fi^*. 61 a) links vom Xulljmnkte treffen 
würde, oder wenn es Einen festen Preis ^eben würde, 
zu dem einzelne Zigarren sowol gekauft, als verkauft 
werden könnten. Endlieb liesse sieb aueb der Fall 
behandeln, dass der Preis einzelner Stücke variabel
        <pb n="378" />
        und dagcg-eii ein fester Kistelieii])reis ^e^elurn wäre, 
oder dass es einen festen Preis ^ehen würde, zn dein 
das liidividnnni ^anze Kistehen verkaufen, und einen 
anderen liölieren, zn dem es solelie ankanfen könnte. 
In dem letzteren Falle würde sieh von der Kurve 
Ua!)n (Fig. Öl a) rechts und links je ein Ast ahzweiten, 
lind zwar würde der rechte Ast zur Geltung kommen, 
wenn der niedrige Preis einzelner Zi^-aiTen deren Zn- 
sammenlegun^ zn ganzen Kistehen, der linke Ast 
aher, wenn der hohe Preis einzelner Zigarren den 
Ankauf von Kistehen znni Zwecke des Detailver- 
sehleisses lohnend erscheinen liesse.
        <pb n="379" />
        Die Einzelobjekte. 
70. Kauf 1111(1 Verkauf eines Eiiizelobjektes. 
Selbst unter den Verbranelisartikeln ^il»t es sol- 
elie, deren einzelne Stiieke so dentlielie IJnterseliiede 
wabrnelmien lassen, dass jedes einen besonderen Preis 
bedingt und daher aneli als je ein besonderer Artikel 
an&lt;;eselien werden muss; unter den Gebranehsartikeln 
treten solche Unterschiede noch häutiger zu kai^e. Ein 
besonderes Exeni])lar eines Fisches, einer Frucht, einer 
Plume hat keinen Marktjweis, so weni^, wie ein Henn- 
pferd oder ein Hund; dasselbe ^ilt von einem nnj*e- 
wölmliehen Sehmnekstnek, von jedem Kunstwerk, von 
jeder für eine spezielle Verwendung gehanten Maschine, 
es ^ilt aber aneh von fast jedem Hause oder Grund 
stücke, sowie von jeder {.»anzen Wirthsehaft oder Fa- 
briksaidai&gt;e. Bei derartigen Artikeln gestaltet sieh 
alles viel einfacher, da es keine Gesammtkurven «^ibt 
und der Preis immer nur zwischen zwei Personen, 
dem Käufer und Verkäufer, bestimmt wird. 
Wenn wir nun unsere Betrachtung' auch auf solche 
Artikel ansdehnen wollen, so müssen wir dabei her 
vorheben, dass ein bestimmtes Einzeloljjekt A immer
        <pb n="380" />
        U4 
mir in dem Zustande, in dein es sieli eilen iietindet, 
zu verstellen ist, und dass keineswegs ein neuer oder 
es sieli, dass die auf ein solelies iiezo^ene ÏAdiens- 
g-enusskurve sellistverständlieli nur die Horizontalaus- 
delinung- Eins und aueli nur Eine gerade Streeke 6// 
(Fi^. G2 a oder b) haben kann, die zur Reeliten oder 
Linken der Ordinatenacbse liegt, je naelidein das 
Objekt A (Fig. 62 a) erst zu erwerben wäre oder 
(Fig. 62 b) scboii zum anfänglieben Besitz des be- 
tracliteten Individuums gehört. Die Ordinate Oh be 
zeichnet auch liier wieder die olme Kauf und Verkauf 
einemal (Fig. 62 a) oline Erwerbung des Olijektes J, 
das Individuum dieses Objekt niebt verkauft. Elienso 
unentgeltlieber Beistellung des Objektes A erreielibare 
Fiff. 62 a. 
■ff
        <pb n="381" />
        345 
in Fij»*. 62 b dagegen jene Befriedii^nn^, 
die dein Individiinin liei der Verän«seriin{j»‘ den Objekte«, 
Ordinate (¡¡j (Fi^*. 62 a) oder Ob (Fi^. 62 b) ausser 
von dein (iennsse oder Frträ^nisse, den das Indivi- 
diuiin von dein Besitze des ( Mijektes erwartet, wesent- 
lieb aneil von dem Betra^fe ab, mit dem dasselbe in 
die sebliessliebe Vermö^ensinventiir ein^^estellt werden 
kann. Dieser Betrag- wäre nur dann j^leieb Null, wenn 
abgesehen von dem dadureb erreielibaren Erlöse, noeli 
verbleiben würde. Demnaeh bän^t die Län^e der 
Kig. 62 b. 
b 
0
        <pb n="382" />
        34(1 
dii« Objekt ini lautenden Jahre ^aiiz verbranelit würde, 
wie die« aneli bei der blossen ^lietlie eines Hanses 
oder der Haebtnn^' eines Grnndstiiekes der Fall ist, 
oder wenn das Objekt versebenkt oder zu anderen 
Artikeln von bekanntem Preise verarbeitet würde. Der 
in allen anderen Fällen sieb ergebende Inventnrs- 
betra»- l iebtet sieb aber niebt, wie bei einem Oebranebs- 
artikel, von dem es zaldreicbe, identische Stücke ^ibt, 
nach dem erwaideten, künftigen ^Iarkt])reise neuer 
Stücke, und also aneb niebt nach den Verbranebs- 
jierzenten, die dem benützten Stücke am Ende des 
Jahres noch zuj&gt;'esebrieben werden. Hier, wo andere, 
äbuliebe Finzelobjekte nur als Surrogate angesehen 
werden können, muss sieb das Individuum vielmehr 
eine Vorstellung* von dem künftigen Preise des 
Objektes selbst, und zwar mit Uüeksiebt auf jene lle- 
sebatfenbeit bilden, die dasselbe je nach seiner dies 
jährigen Verwendun^sart dann haben wird. Das Indi 
viduum wird, wenn es das Objekt jetzt erwirbt, und 
ebenso aueb, wenn es im Falle der bä^*. b dasselbe 
jetzt niebt verkauft, im nächsten Jahre vor der Alter 
native stehen, dasselbe zu verkaufen oder weiter zu 
behalten, und wird sieb immer für das vortbeilbaftere 
entscheiden. Als künftiger Preis tfjt ist daher immer 
der böbere jener beiden Preise anzuseben, die das 
Individuum erwartet, also entweder jener, den es beim 
Verkaufe erzielen zu können ^*laubt, oder jener Preis, 
bei dem es nach seiner jetzigen .Aleinuii^* das Objekt 
aueb dann ^erne behalten möchte. Sjiekulirt z. H. 
jemand mit einem Hause oder Grundstücke, so ist
        <pb n="383" />
        347 
mir (1er erwartete, künftige Verkaufs]»reis massgebend, 
weil (1er 1 betreffende das Objekt nur zu einem niedri 
geren Preise gerne behalten würde. Handelt es sieb 
(bigegen um ein Kinriebtungsstüek, um ein für den 
eigenen Gebraueb naeh eigenem Gesebmack gebautes 
Haus oder dergk, so wird der Preis, den man bei 
einem etwaigen, künftigen Verkauf erzielen zu können 
glaubt, nicht in Betraelit kommen, weil der Genuss, 
den man sieb von der Weiterbenützung versjirielit, 
höher geschätzt wird ; es wird eben nach jetziger 
Kleinling jener Preis höher veranschlagt, zu dem man 
das Objekt im nächsten Jahre gerne behalten möchte, 
zu dem man es also dann eventuell auch gerne an 
kaufen würde. 
Der künftige Preis mag er nun in der einen 
oder anderen Weise bestimmt werden, ist ausser bei 
Kunstwerken, Sehmuekstüeken und anderen beim Ge 
brauche keiner Abnützung unterliegenden Gegenstän 
den wesentlich von der Verwendungsart abhängig, die 
das Objekt im laufenden Jahre findet, also davon, ob 
dasselbe stark abgenützt oder sehr schonend behandelt 
oder etwa gar noch verbessert wird. So kann ein 
Grundstück dureli Kaubbau deteriorirt, (lurch rationelle 
Hewirthsehaftung in unveränderter (Qualität erhalten 
oder z. H. durch eine stärkere Düngung, durch Drai- 
nirung oder andere Investitionen auch meliorirt werden ; 
ein 1 laus kann wol eine Zeit lang in unverändertem 
Stande erhalten werden, wird aber doch ebenso, wie eine 
Fabriksanlage, auch bei sorgfältigster Instandhaltung 
mit der Zeit immer weniger werth, während jedes
        <pb n="384" />
        348 
solche Objekt (lurch Umhauteii, Ziihauteii oder Adap- 
tirim^-eii auch werthvoller werden kann. Auch ein 
Xutzthier, wie z. H. ein Keini])terd, das durch üher 
ma ssi^e Aiistreu^uuo- rasch eutwerthet und vielleicht 
so^’ar schon hinnen Jahresfrist ^anz zu Grunde ^e- 
richtet wird, kann, wenn es nur nicdit schon zu alt 
ist, durch sorofälti&lt;2,*e Behandlung' werthvoller werden, 
und auch ein unahniltzhares Objekt, wie z. B. ein 
Schmuck, kann durch eine neue Fassung- höheren 
Werth erlangen. Alle diese Ihnstände, die Annehm 
lichkeit oder Unannehmlichkeit einer mehr oder weni- 
iier intensiven Benützung- oder der dadurch erzielte 
Ertrag-, die Kosten einer nothdürfti^en Instandhaltung' 
oder einer weitgehenden Adaptirun^ und die Je nach 
diesen verschiedenen Verwendun»sartén des Objektes 
d sehr verschiedenen, nächstjährigen Preise dieses dann 
mehr oder weniger veränderten Objektes kommen hei 
der Auswahl der vortheilhattesten Verweil du iif^sart und 
somit hei der Bestimmun»' der Ordinate (¡(j (Fi^'. 02 a) 
oder Ob (Fi^^'. 02 h) mit in Betracht. Auch die Preise, 
zu welchen das Objekt A unter verschiedenen Nehen- 
hedin»'un^en vermiethet werden könnte, sind hei der 
Wahl der vortheilhaftesten Verwendun»sart von Ein 
fluss und ebenso auch die Preise der Artikel, zu wel 
chen dasselbe verarbeitet werden könnte; so kann 
z. B. ein 1 laus oder eine Fabrik demolirt werden, um 
den Bau»rund und die Altmaterialien zu verkaufen, 
oder ein Haus kann zu eiiuu' Fabrik um»estaltet wer 
den oder umgekehrt. J)a&lt;^e»'en ist die Kenntniss jenes 
Preises, der für die hlos miethweise Benützun»' des
        <pb n="385" />
        Objektes A zu zaiilen wäre, sowie aueli der Preise 
anderer Gegenstände, die dassel])e ersetzen könnten, 
nur für die Erinittlunf)- der Ordinate Ob (Fi^. 62 a) 
oder jener (¡(j (Fi^. 62 b) erforderlicli. 
Der /insenverlust und das Risiko der Zerstörung* 
und Hesebädi«**un^ inaelit sieb bei Kinzelobjekten 
iianz, wie bei anderen Artikeln, geltend ; ebenso be 
stellt die Gefabr einer Fnttäusebun^ binsiebtlicb des 
naeli der jeweiligen, diesjährigen Verwendun^sart er 
warteten, künftii»*en Preises A//^. Eine solebe Ent- 
täusebun^' kann aueb bei der Weiterbeniitzun^ des 
Objektes dadureb eintreten, dass die konijdetirenden 
Artikel tbeurer, die konkurrirenden wolfeiler werden, 
oder dass die Nei^un^en des Individuums sieb ändern 
oder dessen Veriuö^ensverbältnisse sieb versebleebtern. 
Ist tfjX, da^e^en im llinblieke auf den Verkauf an 
genommen, so ist das Risiko, den erwarteten Preis 
niebt zu erreieben, liier noeb viel grösser als liei Ar 
tikeln, die einen Marktpreis haben. Dieses Risiko 
selbst ist von den jiersönlieben Ei^ensebaften des \ er- 
käufers, seiner (iewandtbeit, Kaltblütigkeit und Zähig 
keit im Feilseben abbän^i^*, niebt minder aueb \&lt;m 
seinen \ ei'mö^ensverbä 1 tnissen, da der Wolbabendere 
immer eher erwarten kann, bei einem etwaigen, sjiäteren 
Verkaufe des ( Ibjektes den ihm angemessen ersebeinen- 
den Preis ///Ç aueb wirklieb zu erreieben. I eberdies 
maelit sieb in Wirkliebkeit aueb noeb der innerhalb 
unserer Voraussetzung^ un veränderlieber Wertbsebätzun^* 
des Geldes ausser Retraebt bleibende Umstand gel 
tend, dass bei besehränkten Mitteln ein kosts¡iieli^er
        <pb n="386" />
        350 
Ankauf von vorne lierein ans^eselilossen int, oder der 
¡non)})fe Verkauf eines wertliv(dlen ()])jektes zur zwiu- 
^eudeu Notliweudi^keit werden kann. Aueli der iiäufi^e 
Fall, dass, um ein Objekt A ankaufen zu können, ein an 
deres Objekt oder aueli ^anz anders geartete Kajutals- 
anla&lt;»‘en verkauft werden luiissen, wäbreud dieser \'er- 
kauf unterbleibeu würde, weuu das Objekt A sehr 
wolfeil oder ^ar uueut^eltlieb zu haben wäre, lie^t 
ausserhalb unserer Hetraebtun^-, weil — so lan^e 
die Wertlisebätzun«»- des Geldes unveränderlich bleibt 
— aueb die für den Besitz von A vortbeilbafteste 
Kombination der ganzen Konsumtion, Produktion und 
Vorratbsbaltunj»’ bei jedem Preise von A die ^leiebe 
bleiben muss. 
Die der Verbiuduu^sliuie b(/ ¡»arállele Preisliuie 
OJ\u (Fi»-, b‘2 a) oder OP„, (Fi^\ (52 1)) bezeiebuet den 
Maximalankaufspreis, beziehungsweise den Miuinml- 
verkaufspreis, des Objektes A; das Individuum wird 
also dieses Objekt kaufen, weuu es für dasselbe böeb- 
steus den Hetra^G/r¿ (Fi^\ 02 a) aufzuwenden brauebt, 
oder dasselbe verkaufen, wenn es mindestens den lle- 
tra^' qa (Fi^\ 02 b) erli)sen kann. Kann das Objekt 
zu einem in Fi^'. 02 a niedrigeren, in Fi^- 02 b aber 
höheren Preise OP gekauft oder verkauft werden, so 
dass der Aufwand, beziehungsweise der Erlös, in der 
Ordinate q¡&gt; erscheint, so bezeiebnet die Länge ///&gt; 
die Befriedigung und jene np oder a p den Befriedi- 
gungszuwachs durch den Ankauf oder Verkauf von A. 
Wir können also die Gerade Ov (Fig. 02 a) als die 
Nützliebkeitskurve und in Verbindung mit der Ordi-
        <pb n="387" />
        nato ilircH Eml])iiiiktcs zii^leicli aiicli ais (lie Naeli- 
fra^rekurve des Iiidividiiiiiiis für das Ohjekt A aaselieii 
mid ebenso in Fi^»-. 02 b die Gerade O a als die Kosten 
kurve und zu^leieb in Verbindung mit der von ibrein 
Endpunkte abwärts «gebenden Vertikalen als die An- 
^ebotskurve. Der Naebfra^e des in Ei^. 02 a be- 
traebteten Individuums müssen wir uns die An^ebots- 
kurve des Besitzers des Objektes A ^e^enüber gestellt 
denken; ist nun der ]\IinimalVerkaufspreis des Besitzers 
etwa, wie OP„, iu Ei^\ 02 b, böber als der Maximal- 
ankauts])reis 0/^ (Eio-. 02 a) des betrachteten Indi 
viduums, so muss dieses den Ankauf unterlassen. 
Ist da^e^en der Minimalverkaufs]ueis des Besitzers 
niedriger als so bilden, wenn nielit vielleicht 
noch andere Personen in Betracht kommen, diese 
beiden Preise die (Benzen, innerhalb welcher der 
Preis durch Feilschen zwischen den beiden Be- 
tbeili^ten bestimmt wird. Ganz ebenso steht das In 
dividuum im Falle der Fi^. 02 b nur demjenigen ^e^en- 
über, der unter allen Bewerbern der Kauflustigste ist. 
71. Die Il(*rst(‘lliiiiii: eines Biiizelobjektes. 
Wir haben bisher angenommen, dass das betrach 
tete Einzelobjekt schon bestehe, und wollen nun den 
Fall behandeln, dass das Objekt A erst lierzustellen 
wäre, dass es aber doch in allen seinen Eigenschaften 
im vorhinein ^enau bestimmt sei. 
Will jemand ein solches Objekt A erwerben, und 
kann er es selbst nicht bersteilen, so befindet er sieb
        <pb n="388" />
        352 
&lt;^ciiaii ill (1er La|&gt;;e des in Fi»'. (&gt;2 a betraeliteteii Iii- 
dividuiiiiis, mir mit dem Uiiterseliiede, dass dieses 
Objekt je iiae.b seiner llerstelluii^sfrist immer als ein 
anderes anzuselien ist. Ist da^-e&lt;ien die Selbstber- 
stelhin^' mö^'lieb, so kommen bei Ermittlung- der ohne 
Kauf und Verkauf von A erreielibaren Anfan¿&gt;'sbefrie- 
di^'iin^' Ob (Fig-. 62 a) nebst allen jenen Kombinationen, 
wek'lie das Objekt A ganz ausscdiliessen, aueb noeb 
solebe in lletraebt, die dessen eigene Herstellung mit 
sieli bringen. Da diese Kombinationen den seliliess- 
lielien Besitz des fertigen oder untertigen Objektes 
A berbeifiibren, ma(*lit sieb dessen erwarteter, künftiger 
Breis tfft nun bei Ermittlung der Ordinate OJ&gt; (Fig. 
62 a) ganz in derselben Weise, wie bei der Fest 
stellung der Ordinate qfj (Fig. 62 a), geltend. Zeigt 
es si(üi dann, dass irgend eine den Besitz des Objektes 
A ganz aiissOiliessende Kombination mebr Befriedi 
gung gewäbrt als die eigene Herstellung, so wird 
diese unterbleiben; die Ordinate Ob (Fig. 62 a) be- 
bält dann ihre fiTdiere Bedeutung, und das Individuum 
kann in den Besitz des Objektes A nur dann gelangen, 
wenn sieli jemand bereit findet, ibm dasselbe zu einem 
Preise herzu stell en, der ni(dit böber ist als 01\,. Ist 
dagegen eine Kombination, welebe die Selbstberstelliing 
in sieb s(üiliesst, die vortbeilbafteste, so beriibt die 
Ordinate Ob (Fig. 62 a) nun auf dieser Herstellung, 
und letztere wird aueb tbatsäeblieb statttinden, wenn 
sieli nielit jemand tindet, der dasselbe Objekt zum 
Preise 01\i oder noeb billiger lierzustellen bereit ist. 
Ist die Herstellung dureb einen Anderen dadureb
        <pb n="389" />
        aiLSíresclilossen, dass keine fremde Leistun«’ als der 
eigenen oleieIiarti&lt;r anerkannt wird, so rediizirt sich 
die Lehens^'cnnsskiirve auf die einzige Ordinate Oh^ 
die in der eben hesjn’oelienen Weise bestiniint wird. 
Hetraebten wir nun ein Individuum, welches ein 
bestimmtes ( Ibjekt A tiir tremde Rechnung, also über 
Hestellun^ seitens eines Anderen, berstellen soll. Ein 
solcher Unternehmer erscheint, wenn er die Bestellung 
annimmt, als Verkäufer, und seine auf das Objekt 
A bezogene Lebenso-enusskurve gleicht jener h&lt;j (Ei^. 
()2 b). OJ) bezeichnet nun die ohne Herstellung des 
( )bjektes A erreichbare Betriedi^un^, die also viel 
leicht dadurch erzielt wird, dass der Unternehmer 
mit seinen \\ erksvorriebtun^en und seinem Personale 
ein anderes, ähnliches Objekt berstellt, sei es, auf Be 
stellung' eines Dritten, sei es, auf Spekulation in Er- 
wartuncr eines höheren, künftigen Preises tfit oder 
etwa für den eigenen Gebrauch. Die Ordinate q(f 
bezeichnet da^e^en den mit der Herstellung des Ob 
jektes A verbundenen Lebensgenuss, d. i. jene Befrie- 
di&lt;»un^', welche erreicht werden würde, wenn das 
Objekt A ohne Entgelt ber^estellt werden müsste. 
Zur Feststellung- dieses Lebens^fenusses müssen zwar 
die Preise aller anderen Artikel ^e^eben sein; doch 
bedarf es keiner Kenntniss, sei es, eines ^e^enwäi-ti^en. 
sei es, eines künftigen Preises von yl; da^e^en muss 
die bedunirene Vollendun^sfrist bekannt sein, da 
dieselbe, wie schon erwähnt, zu den wesentlichen 
Eigenschaften eines erst berzustellenden Objektes ge 
hört. Ist eine bloss einjährige oder eine noch kürzere 
Aaspitz u. Lieben. Untcrsiicb. üb. &lt;1. Theorie d. Preises. 23
        <pb n="390" />
        354 
Vollcn(luii&lt;i,-stVist l)C(luiií&gt;-cn, so wird der I’^iiteriielmier 
die vortheilliaftcstc llcrstclliiii^-sart gerade so zu er- 
inittclii wissen, wie jene irgend einer l)estininiten 
da1ires])rodnktmen^e eines ^ewölndiehen Verbranelis- 
oder Gebranehsartikels. Aber aiieb wenn bei einem 
(grösseren Werke eine mein* als ein ¡übrige Vollendnn^s- 
tVist bedungen ist, wird der Unterneliiner nickt im 
Zweitel darüber sein, welekc llerstellnngsart er wälden 
und wie weit er l)ci derselben die Arbeit im ersten 
Jakre fördern soll, wenn er nur über die künftigen 
Preise aller anderen Artikel, insbesondere aber seiner 
Prodnktionserfordernisse, die ganz direkt auf seine 
Selbstkosten einwirken, eine bestimmte Meinung bat. 
de mekr sekon im ersten Jakre geleistet wird, desto 
grösser ist die auf dasselbe entfallende Müke und 
Auslage, desto kleiner ersekeint aker anek die Un- 
annekmliekkeit, die restliekc Arbeit innerkalb des noek 
übrig bleibenden ddieiles der Vollendnngsfrist fertig 
stellen zu müssen, eine Unannekmlickkeit, bei deren 
Veranseblagnng das Risiko künftiger Vertkenernng 
der Prodnktionserfordernisse sekr wesentliek mit in’s 
Gewiekt fallen wird. 1 lütte der Unternekmer die 
Herstellung des Objektes A sekon im Vorjak re be 
gonnen, so würde seine Befriedigung bei unentgelt- 
lieker Herstellung binnen irgend einer bestimmten 
Frist um so grösser sein, die Ordinate &lt;¡(j also um 
so lüngcr ausfallen, je grösser der anfünglicke Pro 
duktionsrest sekon ist, je weniger also zur Vollendung 
noek feklt. Je lünger die Ordinate 7/7 und je kürzer 
jene Oh ist, desto Hacker verlüuft die Verbindungs-
        <pb n="391" />
        liiiic bf! ()2 b), deren Hielitiiiii»* den Mininnil- 
lierstcllunj»’8j)reÍ8 OP^ bewtimmt; mir liei einem liölieren 
Preise OP wird das lietraelitete Individuum das Ob 
jekt A in der bestimmten Frist lierstellen. Die Be- 
t'riedi^un^ erscheint dann in dem Vertikalabstande 
des Punktes der Nutzen der Herstellung des 
Objektes in jenem des Punktes a von der jeweilige 
geltenden Preislinie OP; die Gerade Oa stellt in 
Verbindung- mit der von a abwärts laufenden Verti 
kalen die Angebotskurve des Individuums für das 
Objekt A dar. Der Preis OP ist hier, wie immer, 
am Ende des Jahres zahlbar gedacht, und er muss 
daher, wenn er, wie bei sjiäterer Vollendung gewöbn- 
lieb, auch erst später oder in Raten fällig bedungen 
ist, nach Massgabe des Preises reduzirt werden, der 
für die auf die entsprechenden Termine lautenden 
Zablungsversjireclien des Bestellers auf dem Markte 
besteht. 
Ist der Vollendungstermin, wie bei manchen Otfert- 
verbandlungen, nicht von vorneberein bestimmt, so 
wird sieb für jeden möglichen Termin die Lebens 
genuss- und die Angebotskurve des Unternehmers 
anders gestalten. Bei einem dieser Termine wird die 
Ordinate (¡¡f am längsten, die Richtung h(j am näch 
sten und somit der Miiiimalpreis OP,„, den der Unter 
nehmer fordern muss, am niedrigsten sein, und diesen 
Termin wird der Unternehmer einbalten, wenn er 
nach seinem Ermessen verfahren kann. Es ist klar, 
dass es bei jeder bestimmten Arbeitsleistung eine ange 
messenste Vollendungsfrist gibt, und dies tritt nament-
        <pb n="392" />
        — m\ 
lieh hei j»TOBseii Werken, wie eine Tunnelhohrnn^-, 
Sehaehtahteufiini^-, Flussnîj'nlinnio- ete. ete., deutlieh 
hervor, weil die Arbeit sowol dnreh eine iiher^-rosse 
llesehlenni^nn^', als aiieh dnreh allxnlan^e Versehle])- 
inino-, l)ci der die Regiekosten nnd das Risiko des 
Unternehmers nnverhältnissniässi^ zunehmen, vertheiiert 
wird. Ist der Vollenduno-stermin in der Art unhestimmt, 
dass für die Uchersehreitun&lt;&gt;- einer hestimmten Frist 
ein Pönale, für die frühere Fertigstellung da^e^en 
eine Prämie vereinbart ist, so hat der Unternehmer 
jedem seiner naeh den versehiedenen Terminen sieh 
versehieden stellenden Minimalpreise aueh einen mit 
Rüeksieht auf Prämien und Pönale jedesmal anderen 
Preis OF ^e^enüher zu stellen; danaeh kann er die 
ihm {;-ünsti&lt;.»‘ste Arbeitszeit ermitteln. In ^anz ähnlieher 
Weise hat er seine Entseheidun&lt;»- zu treffen, wenn ihm 
sein Arbeitsverdienst erst naeh Vollendung»' zahlbar &lt;&gt;‘e- 
stellt wird; er erhält dann mit Rüeksieht auf den Zinsen 
verlust um so w.eni^er, je später er fertig- wird, und 
hat demnaeh je nneh der Dauer seiner Arbeit je mit 
einem underen Preise zu reehnen. 
Die Preisbestimmung" erfolgt hei einem erst her 
zustellenden Objekte ^anz so, wie hei einem bereits 
bestehenden, innerhalb der dnreh den Maxinmlankaufs- 
preis des Restellers und den Minimalherstellun^"s])reis 
des billigsten Unternehmers ^e^ehenen Grenzen durch 
Vereinbarung" zwischen diesen beiden Personen. Diese 
Grenz])reise treten am klarsten hei einer Submission 
oder, wenn es sieh um ein schon bestehendes Objekt 
handelt, hei einer Auktion zu Ta^e ; der Zuschlag" an
        <pb n="393" />
        357 
(len Meistbietenden erteilt bei der letzteren zu einem 
Preise, der etwas liölier ist als der ^Iaxiinalankautsj)reis 
des näebsteifri^en Bewerbers, bei einer Submission 
aber an den Mindestfordernden etwas billiger als der 
Miidmallierstellnni^s])reis des näelisteifri&lt;»en Konkur 
renten gewesen wäre. Der [Maximalankaufspreis des 
Kauflustigsten, und somit auch der wirkliche Preis, 
bleibt verbältnissmässi^' niedrig’, wenn die Niitzlielikeit 
des Objektes ^ennj»- ist, weil es leicht durch Surro 
gate ersetzt werden kann. So werden die Werke 
lebender Künstler dureb die ^löglicbkeit, äbnliebe von 
der gleieben Hand erwerben zu köuuen, gedrückt, 
während die Werke verstorbener Kleister um so höher 
im Preise stehen, je eigenartiger und je seltener sie 
sind. Der Preis einer mit Dani))f betriebenen Industrie 
anlage oder eines Wohnhauses, das in einem kleinen 
Orte oder an der Peri))berie einer Grossstadt gelegen 
ist, kann selbst bei günstiger Konjunktur für das be 
treffende Industrie])rodukt oder für Mietbwobnungen 
auf die Dauer niebt erheblich über die Ilerstellungs- 
kosteu eines älmlicben, neuen ( Ibjektes steigen ; der 
erforderliche Baugrund wird lucbt viel tbeurer bezahlt 
werden als nabe gelegenes Acker- oder Gartenland. 
Ein im Zentrum einer (irossstadt gelegenes Haus oder 
Grundstück dagegen, ebenso wie eine günstig gelegene 
Wasserkraft oder ein Bergwerk, kann durch die I n- 
möglicbkeit, ein annäherndes Surrogat zu besebaften, 
ausserordeutlicb hohe Preise erreichen. Aus demselben 
Grunde überträgt sieb auch in jeder dichtbesiedelten 
Gegend, in welcher es keinen kulturfäbigen, berren-
        <pb n="394" />
        358 
losen Gruiid iiielir jede Preisstei^eiuiig- der B(»den- 
j)rodiikte auf deu Werth der Laud^iiter und lieht diesen 
weit über die Kosten der Ihharniaehnng- und ]\Ielio- 
rinnig. Dagegen fällt aneh der Preis eines Einzel 
objektes, gleiehviel ob ein äbnliebes leiebt oder sebwer 
oder gar niebt zu besebatfen ist, tief unter die Selbst 
kosten, wenn eine ungünstige Konjunktur für die mit 
telst desselben berzustellenden Produkte eintritt. Der 
Preissturz eines soleben Objektes, z. Ik einer Fabriks 
anlage, die nicht betrieben werden kann, findet seine 
Grenze nur in der Verwendbarkeit zu anderen Zwecken 
oder endlich in dem Erlös für die Altmaterialien und 
den l^augrund. 
Im Kleinverkebr ersebeinen Artikel als Einzel- 
objektc, die es im Grossverkebr keineswegs sind. Es 
sind oft nur wenige Stücke auf Lager, welche Unter- 
sebiede des Musters, der Farbe, der Foim aufweisen, 
die im Grossverkebre keinen Preisuntersebied bedin 
gen, während dpr Gesebmaek des letzten Abnehmers 
ihnen Wichtigkeit beilegt. Auch hier wird der Preis 
oft erst durch Feilseben bestimmt, und der Detaillist 
ist in der Lage, wenn nur Ein Stück alle von dem 
Käufer gewünsebten Eigensebaften vereinigt, dieses 
bis nabe an den Maximalankaufsjireis des Käufers 
binaufzusetzen. Wir berühren damit einen Fall mono- 
])olistiseber Preisbestimmung, mit der wir uns nun ein 
gehender beschäftigen werden.
        <pb n="395" />
        Der Killfluss des Einzelnen auf den Preis.
        <pb n="396" />
        mÈÊ^SOÊÊÊæ 
m 
m
        <pb n="397" />
        Das Monopol. 
72. Das Verkaufs- iiml das Aiikaiifsiiioiioiiol. 
Nadidem wir schon bei unseren letzten Betraeli- 
tnn«*en den Kindnss des Einzelnen auf den Preis 
nicht mehr unheaehtet lassen konnten, wollen wir 
unsere früher (1) ^einaehte Voraussetzung", dass we^en 
der Grösse des Marktes jedes einzelne, wirthsehaft- 
liehe Individuum sieh so henehme, als oh sein eigener 
Aidvauf lind Verkauf ohne Einfluss hliehe, nun hin 
sieh flieh des Einen Artikels A fallen lassen und viel 
mehr annehmen, dass das hetraehtete Individuum sieh 
seiner Einwirkung auf den Preis dieses Artikels be 
wusst werde. Die Preise aller übrigen Artikel seien 
da^e^en nach wie vor unveränderlich ^eichen. Eerner 
nehmen wir zunächst an, dass die Markteinheit des 
Artikels A im Vergleiche zur Jahresmen^e sehr klein 
sei, und dass daher die auf diesen Artikel bezogenen 
Kurven kontinuirlieh verlaufen. 
Wenn ein Einzelner dureh ein Patent oder ein 
Privilegium oder dureh die aiissehliessliehe Verfü^^un^" 
über ein unenthehrliehes Produktionserforderniss das 
unein^resehränkte ^lonojiol der Erzeu^unu;" und daher
        <pb n="398" />
        362 
aucli (les Verkaufes eines Artikels A besitzt, so bildet 
dessen Einzelkostenknrve zngleieb die Gesaniintknrve 
OA (Fig-. 63). Für einen solelien Produzenten «reiten 
alle die Gründe niebt, welebe eine Anzahl konknr- 
rirender Unternebiner, deren Gesanimtkostenknrve 
gerade aneli OA wäre, bestimmen würden, ihren Ver 
kauf bis zn der Menge welebe dnreb den Sebnitt 
der rotb gezeiebneten Kurven, der Abgeleiteten OA' 
lind der Gesammtnacbfrageknrve OxV', angegeben 
wird, anszndebnen; er ist vielmehr in der l.age, einen 
kauft er z. B. nur die Menge Ga, so kann er, da 
anfznwenden, diesen ganzen Betrag erlösen und also 
den weit höheren Preis GP, der dnreb die Uadius- 
0 
.N' 
N 
iij «» a, a 
«A 
Verkauf auf eine kleinere Menge besebränkt. Ver 
die Käufer bereit sind, für dieselbe den Betrag ad'
        <pb n="399" />
        363 
v(*ktoiTÍ(*litiinj&gt;; O d' angegeben wird, erreichen. Der 
Nutzen des Monopolisten steigt dabei von aut 
bd\ wälirend jener der Käufer von auf dd' 
sinkt. Die Ausnützung des Monopols bringt den 
Konsumenten einen Nacbtbeil, der notbwendigerweise 
grösser ist als der Vortlieil des ^Monopolisten, weil 
zugleich auch der Gemeinnützen von seinem ^laximuni 
' h„d„ auf hd zuriiekgebt. Da, wie wir sehen, der 
ganze Nutzen des Monopolisten bei jeder Stenge, die 
er zu IMarkte bringt, durch den Vertikalabstand der 
Kurven OA und ON' bemessen wird, so bezeichnet 
die Abszisse Oo;, bei der diese Kurven parallele 
1 angenten und somit den grössten Abstand haben, 
die für den monopolistischen Verkäufer vortbeilbafteste 
Menge, während Üa^ die grösste Menge ist, die 
er abgeben kann. OP, bezeichnet den vortlieil- 
baftesten, den niedrigsten Preis, und innerhalb 
dieser Grenzen bängt die Preisbestimmung von dem 
Krmessen des Monojiolisten ab, indem er sieb gerade 
auf jene Menge besebränkt, die er zu dem betreftenden 
l’reise absetzen kann; er bat dagegen kein Interesse, 
den Preis noch über (fP¡ binaufzusetzen, weil sieb 
dadurch sein Nutzen wieder verringern würde. 
Würde das Mono])(d statt von einem Einzigen 
von einer Koalition aller Produzenten des Artikels 
A ausgeübt, deren Gesammtkostenkurve wieder GM 
wäre, so gelten dieselben Preisgrenzen. Hat die 
Koalition den Preis GP (Eig. ö3) vereinbart, so er 
gibt sieb für den Absatz jedes Einzelnen, damit die 
Gesammtabsatzmenge Oa nicht überschritten werde,
        <pb n="400" />
        jene Menge, bei welelier dessen Einzelkostenkurve 
dieselbe d'angentialrielitung liât, wie die Kurve OA 
ini Punkte h. Hat also die Einzelkostenkurve Ol 
(Fig. (Î4) des Unternebiners I ini Punkte r eben diese 
Tangentialrielitung, so entfällt auf denselben die 11er- 
stellung der Menge Uq, und sein Nutzen wird dureb 
■pr bemessen. Dürfte der Unternehmer I beim Pe- 
stande des Preises OP naeh seinem Pn va tinteresse 
verfahren, so könnte er dureb Herstellung der .Menge 
Oq, den weit grösseren Nutzen r¡v\ erreielien, wie 
es seine Angebotskurve OV angibt. Sobald er aber 
diese grössere ^lenge zu Markte bringt, kann der 
sprengt, und dureb die Koukurreuz aller andereu 
Produzenten würde der Preis zum Vortbeil der Kou- 
sumeuten wieder auf OL\ sinken. Hei diesem Preise 
Fi» 04. 
0 
Preis OP niebt Stand balteii; die Koalition wäre
        <pb n="401" />
        — 36f) — 
kann der Unterneliiner I nur die )ien^e Oq„^ dalier 
zwar mehr als Oq^ ahsetzen, sein Nutzen betrüge 
aber nur r„r„^ also wein^er als jener jjr^ den er 
beinj Bestände der Koalition und bei Kinbaltun^ der 
Alende Ory erreiebt hätte. 
Ebenso, wie die Produktion und der Verkauf, 
kann aneb die Konsumtion und der Ankauf eines Ar 
tikels A monoj)olisirt sein, wie dies z. B. in allen 
Ländern, in welchen das Tabakmonopol besteht, bin- 
sicbtlicb des im Inlande gebauten Tabaks der Fall 
ist. Ist nun die Niitzlicbkeitskurve des monopolisti 
schen Käufers zugleich wieder die Gesammtkurve ON 
(Fi«»-. b8), während OA' die Gesammtan^ebotskurve der 
unter einander konkurrirenden Verkäufer wäre, so 
kann der Monopolist, indem er seinen Ankauf auf 
eine ^erin^ere Men^e als Oa„ beschränkt, den Breis 
weit unter OP„ drücken. Be^nü^t er sich z. B. wieder 
mit der Men^e Oa, so braucht er nur den Betrag: 
o7/, also nur den durch die Badiusvektorrichtun^ O// 
angegebenen, niedrigeren Breis, aufzuwenden; sein 
Nutzen steift dadurcb von cjl„ i\nï 1/d, während jener 
der Broduzenten von h^c„ auf hh' und der Gemein 
nützen wieder von h„d„ auf hd zurüek^eht. Auch hier 
sinkt durch die Ausübun«^’ des Monopols der (iemcin- 
nutzen, so dass der Vortheil, den der Monopolist er 
reicht, ^erin^er ist als der Nachtheil, den die Ver 
käufer erleiden. Der Nutzen des Mono])olisten wird 
hier durch den Vertikalabstand der Kurven GA und 
OA' bemessen, erreicht also sein Maximum bei der 
Meno-e Ga^, bei welcher diese Kurven parallele Tan-
        <pb n="402" />
        — snn — 
¿renten liaben. Der vortlieilliaftesten Meng-e Oa¡¡ ent 
spricht (1er niedri¿&gt;ste Preis zwisclien diesem 
und dem Preise 01\ kann der Mono})olist durch Ein- 
scliränkun^»- seines Einkaufes den Preis beliebi«»* fest 
setzen. Wird das Moiiojk)! von einer Koalition aus- 
¿reiibt, so muss sicli wieder jeder Tlieilnelimer an der 
selben auf jene Ankaufsmenjre beschränken, die in 
analoger Weise, wie oben, zu ermitteln wäre. Wollte 
er seinem Privatinteresse gemäss mehr ankaufen, so 
würde die Koalition gesj)rengt; dies würde schliesslich 
zum eigenen Naebtheile und zum Vortbeile der Ver 
käufer gereichen und auch liier wieder den Gemein 
nützen erhöhen. 
73. Der Monoiudsmitzeii. 
Der einem monopolistischen Produzenten oder 
Konsumenten bei irgend einer Menge Oa (Fig. 63) 
zufallende Nutzen, enthält den gewöbnlicben Verkaufs 
nutzen hl) oder Ankaufsnutzen d(l\ der sich auch 
ergeben hätte, wenn der Betreffende sich bei freier 
Konkurrenz veranlasst sehen würde, eben diese Menge 
umzusetzen. Dazu kommt aber in beiden Fällen no(*h 
der weitere Nutzen l/d\ der lediglich der jirivilegirten 
Stellung des Mono¡)olisten entspringt, und den wir 
daher den Monopolsnutzen nennen. Derselbe wird 
bei jeder umgesetzten Menge des Artikels A durch 
den Vertikalabstand der Kurven OA' und ON' be 
messen; er vers(diwindet also bei der grösstmöglieben 
Menge Oa„, wäiüist dagegen, je mehr die Absatzmenge
        <pb n="403" />
        307 
eingeschränkt wird, bis er bei jener Menge bei 
welclier diese Kurven ])arallele Tangenten liaben, sein 
Maxiinnin eneiebt. Dein inonojiolistiseben Verkäufer 
oder Käufer ist es aller niclit darum zu tbun, gerade 
den grössten Monojiolsnutzen zu erzielen, denn jede » 
Steigerung des letzteren bedingt eine Scbinälerung des 
Verkaufs- oder Ankaufsnutzens; die Menge wird da 
her keinesfalls weiter als bis Oa¡^ bzw. Oa^, einge 
schränkt werden, da bei diesen Mengen der ganze 
Nutzen des Monoiiolisten am grössten wird. Während 
es von der Form der Kurven abbängt, ob Oa¡ oder 
Ogh grösser ist, muss Oa;, jedesfalls kleiner als jede 
dieser beiden Mengen sein, daher auch der Gemein 
nützen bei voller Ausnützung eines Produktions- oder 
Konsumtionsmonojiols immer noch grösser bleibt, als 
wenn das Maximum des blossen Monojiolsnutzens an 
gestrebt werden würde. Betrachten wir nun einen 
Zwischenhändler, der den Artikel A weder selbst jiro- 
duzirt, noch konsumirt, der aber das Monopol des 
Finkaufes von den Produzenten und des Verkaufes an 
die Konsumenten besässe, wobei wir überdies anneb- 
men wollen, dass dieses (jlescbäft mit keinerlei, von 
der Absatzmenge abhängigen Kosten verbunden sei. 
Einem solchen Händler, der irgend eine Menge Oa 
umsetzt, wird, indem er nach der Angebotskurve der 
Verkäufer den Betrag ab' auf wendet und nach der 
Naebfragekurve der Käufer den Betrag ad' erlöst, 
gerade der Monojiolsnutzen h'd' zutallen ; er tindet 
demnach bei der Menge Oa^ seinen grössten Vor- 
tbeil.
        <pb n="404" />
        — 3í)8 — 
Eine ^’anz älmliehe Stellung’, Avie ein ])i’ivile{^’irter 
Zwischenhändler, Aviirde eine dh-ansjxn-tnnternehninn^-, 
eine Kanal- oder Eisenhalm&lt;»esellsehaft einnehmen, 
wenn davon ah^esehen werden könnte, dass die He- 
triehskosten von der Eraehtinen^e ahhän^i^- sind, und 
wenn Avir uns vorstellen, dass alle \"erkäntvr des Ar 
tikels A an dem einen, alle Käufer desselben an dem 
anderen Ende einer ^cAvissen Strecke sieh befänden. 
Eine solche Transportnnternehmnn^' bestimmt, indem 
sie irgend einen Frachtsatz tf/a feststellt, den Unter 
schied ZAvisehen dem Verkaufs])reis, den die Produ 
zenten am Erzeuj»un^-sorte erzielen, und dem Ankaufs 
preis, den die Konsumenten ausle^en. Durch die 
Fracht, und in ähnlicher Weise durch eine We^- oder 
Ih’iickenmaut, Avird also gerade so, Avie durch eine 
Steuer (17), der Artikel um tfja vertheuert; aus der 
im Produktiousorte geltenden An^ehotskurve DyP (Fi^-. 
öf)) Avird im Konsumtionsorte durch das IIinzutreten 
der Ordinaten der Geraden OS die steilere, pnnktirte 
Kni'A e OAj, so dass nur die durch den Schintt dieser 
letzteren Kurve mit der ON' au wen ebene Men^e Gr? 
aho-esetzt werden kann. Dabei kommt der Petraj»- 
//r/', Avelcher der Trans])ortunternehmuno- oder dem 
Steueiüskus zufällt, dem Mono])olsnutzen gleich, Avei 
chen ein Monopolist erzielt hätte, der den Absatz auf 
dieselbe Aleude Gr? beschränkt hätte. Wäre der Ver 
kehr in dem betrachteten Artikel steuerfrei, oder Avürde 
die Verfrachtung- Uber die hetretfende Kanal- oder 
Hahnstrecke, Hrücke oder Strasse unentgeltlich erfol 
gen, so Avürde die grösstmögliche Menge Gr?„ um-
        <pb n="405" />
        Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 
24 
— 3í;o — 
í^’CHCtzt worden ; wird da^e^en das Transportmoiiopol 
riicksielitslos aus^el&gt;eutet, odor der liöclistc fiskaliselie 
Ertrag» der Steuer ^esiielit, so würde sieli die Unisatz- 
ineii^e auf Oa^ beseliräuken. Es bleibt dabei ^an% 
^ieieb^'ülti^\ ob die Fracht oder Steuer von dem Pro 
duzenten oder Konsumenten gezahlt wird ; im letzteren 
Fig. 65. 
X 
o 
Frille würde die Kurve ON' den Verlauf der punk- 
tirten Kurve ON¡ annebmen, also um ebensoviel ge 
drückt erscheinen, als sieh früher die An^ebotskurve 
erhöht hatte, indem aus OA' die Kurve OA't wurde. 
Immer ist es ein grösserer oder kleinerer Monopols 
nutzen, welcher der Transportunternehmun^ oder dem 
Steueiüskus zufällt. Der Gemeinnützen erscheint, wenn
        <pb n="406" />
        370 
wir (len Fracht- oder Stenerhctrn^' mit eiid)czieheii, 
in dem Vertika1at)stande der unveränderten Kurven 
OA lind ON bei der wirklich nm^esetzten j\Icn^e und 
nimmt mit dieser ah, ^eht also in unserer Fi^nr von 
h„(l„ auf l)(l zurück. Dahei ist jedoch zn beachten, 
dass der in der Fi^nr ersichtliche, ans dem Verkehr 
in dem Artikel A ents])rin^ende (iemeinnntzen, wenn 
er auch den Stenercrtra&lt;&gt;* mitenthält, doch nicht jenen 
Nutzen mitnmfasst, der durch l iehti^e Verwendung des 
Stenerertra^es für die Gesammtheit geschaffen werden 
mag ; dieser letztere Nutzen muss grösser sein, als die 
durch die Anflegnng der Steuer vernrsachte Sehmä- 
lernng des Gemeinnntzens, wenn anders die Steuer 
gerechtfertigt sein soll. Ebenso sind ja anch Brücken, 
Strassen, Kanäle und Bahnen gewiss nicht nur dann 
gemeinnützig, wenn sie dem Bnhlikiim nnentgeltlich 
zur \^erfügnng stehen. Jedesfalls sehen wir aber, dass 
jede Stenererleichternng, gerade wie jede Frachtermäs- 
signng, den Verkehr hebt und den Nutzen sowol der 
Brodnzenten, als der Konsnmenten steigert. 
Wenn wir den Gemeinnntzen, d. i. den Vertikal- 
ahstand der Kurven ON und Oyl, als eigene Kurve 
OG (Fig. OG) anftragen, so stellt uns deren Abgeleitete 
OG' nnmittelhar den ^tonopolsniitzen, den Vertikal- 
ahstand der Kurven ON' nnd OA'^ dar. Der Scheitel 
der Kurve OG liegt über der Abszisse Oa„^ jener 
der OG' über Oa». Nehmen wir nun wieder den 
Steuer- oder Frachtsatz tga an, und ziehen wir unter 
dem Winkel a die Gerade GN, so zeigt uns deren 
Schnittpunkt mit der Kurve OG' durch seine Abszisse
        <pb n="407" />
        371 
wieder den Al)satz Oa und diircli seine Ordinate den 
MonojK)lsmitzen. Ist der Fraciit- oder Steuersatz so 
liocli, dass die Kurve OQ' von der Geraden OS ^ar 
niclit ¿»etrolten wird, so liöit der Verkelir in dem Ar 
tikel A ^anz auf, und verschwindet dalier auch der 
ans demselben erwachsende Gemcinnntzen. Da der 
Fig. 66. 
a. a 
Scheitelpunkt der OCt über der Abszisse Oo,, licß-t, 
hei der die Kurven ON' und OA' einander ])arallel 
sind, lind da die letztere Kurve durchaus ansteigend 
verläuft, muss der Scheitel der OG' links von jenem 
der ON' liefen. Ebenso muss die Kurve ON' auch 
bei der Abszisse Oa,^ wo sie der Kurve OA parallel 
ist, noch ansteigend verlaufen. Es kann daher ein 
24»
        <pb n="408" />
        372 
Artikel A, bei dem der böeliste Monoiiolsnutzeii erzielt 
wird, oder bei dem aueli mir das Verkaufsmoiiojiol 
riieksicbtslos aiisgebeiitet wird, nicbt mehr unserer 
dritten Gnipjie angebören, wenn er sieb auch bei 
freiem Verkehr dieser eingereibt hätte. ]5ei einem 
Luxusartikel, dessen Nacbfragekurve noch in ihrem 
entschieden ansteigenden Tbeile von der Angebots 
kurve geschnitten wird, kann der Monojiolsnutzen 
überbau])t nur gering sein ; dies ist auch der Grund, 
warum Steuern auf Luxusartikel nicht viel einbringen 
und nur sol ehe auf Massenartikel von finanzieller Be 
deutung sind. 
74. Beschräiikiiiigeii des Monopols. 
Es wird nicht oft Vorkommen, dass ein mono- 
jiolistischer Verkäufer bis auf die untere Breisgrenze 
()]\ (Fig. ()3) herabgehen wird, es sei denn, dass er 
bei seiner Breisbestimmung an die Genehmigung einer 
Aufsiehtsbehörde gebunden wäre. Aber selbst dann 
ist der Bestand des ^lonopols nicht ohne Nachtheil 
für das Gemeinwol; denn die Sicherheit vor jeder 
Konkurrenz enthebt den Unternehmer der Sorge, für 
jede Broduktmenge die geringsten Herstellungskosten 
zu ermitteln. Er wird zweckmässige Betriebsänderun 
gen, wenn sie grössere Investitionen erfordern, nicht 
so leicht cinfiihren, und diese Unterlassungen dürften 
unter der Herrschaft des jnivaten oder staatlichen 
Mono])ols häufiger eintreten und das Gemeinwol auf 
die Dauer mehr sehädigen als der entgegengesetzte
        <pb n="409" />
        — 373 — 
Fehler hei freier Konkurrenz, das« näinlicli ühertrie- 
hene Erweiterungen hesteliender oder nheiüÜMMi^e 
Errichtungen neuer Unternehmungen vorgenonnnen 
werden. 
Aber auch zu einer vollen Ausbeiitnnjj^ eines Mono- 
pols wird es nur selten kommen. Wollte eine solche 
dnreh^efUln-t werden, so geidi^t es liicht, wie im freien 
Konkurrenzkam})fe, dass der Unternehmer seine ei^^ene 
Kostenknrve »:enaii kenne, um seine Verkanfsmen^e 
dem g’ej»ehenen ^iarktj)reise richtig anzn¡)assen ; denn 
er muss überdies auch noch die ihm geg-eniiberstehende 
Uesammtnaehfra^eknrve UN' ebenso vollständig- über 
sehen. Es wird wol nie mö^^lieh sein, sieh diese Kennt- 
niss i»enau zu versehatfen, daher wird schon die Küek- 
sielit auf die ötfentliehe Meinung- den ^lonopolisten 
veranlassen, hinter der ihm nicht genau hekannten 
Ereisgrenze OP, zurückznbleiben, um dieselbe nur ja 
nicht zum eigenen und zugleich zum noch grösseren 
Naehtheile der Allgemeinheit zu übersehreiten. Wird 
nämlieh der Monopolspreis zu hoch angesetzt, so kann 
ein Abnehmer, namentlich wenn er sieh nicht einer 
vorübergehenden Ereissehwankung, sondern einem 
dauernden Ereise gegenüber sieht, die Sehen über 
winden, an seinen Gewohnheiten etwas zu ändern 
oder bleibende Investitionen vorzunehmen, um weniger 
oder nichts von dem Artikel .1 zu brauchen und etwa 
zu einem Surrogat überzugehen; endlich kann er sich 
veranlasst sehen, wegen Verthenerung dieses Enli 
sto tfes seine Eroduktion ganz aufzugeben. 1st ein 
Fabrikant zu einer Aenderung seiner lleizvorrichtungen
        <pb n="410" />
        374 
&lt;2,es(*liritten, die es ilnu ennöolidit, Steinkohlen zn 
sj)aren oder statt derselben Hraiinkolde zn brennen, 
bat ein Abnehmer von Brennöl sieb einmal Betroleiim- 
lam])en an^esebatft, dann wird seine Einzelnaebtra&lt;»e- 
kiirve für den betretfenden Artikel dauernd verändert. 
Diese Kurve wird entweder durebaus Üaeber, so dass 
aueb der Maximalankaufs])reis sinkt, oder sie wird 
doch, wie (58) erwähnt, von jener reduzirten ^len^e 
ab ñaclier, für deren Verbraueb die neuen Einrieb- 
tun^en ])assen. Eine solche Formänderung einer Einzel- 
naebfraj&gt;ekurve bleibt für den ^lono])olisten, der seinen 
Breis niederer als OP, an^esetzt bat, ^leieli^iilti^-, 
wenn sie sieb in der Gesammtnaebfra^ekurve erst bei 
grösseren j\ren}»’en als Oa, ^elteiid maebt, weil er sieb 
dann immer noch durch eine weitere Breiserböbunj»- 
schadlos halten kann. Tritt da^e^en die Formänderung- 
der Einzelkurve in der Gesammtnaebfra&lt;&gt;ekurve ON' 
sebón bei kleineren ^len^en als Oa, hervor — und 
dies wird, wenn, die Breisj»renze OP, überschritten 
wurde, beinahe immer der Fall sein — so wird zu- 
&lt;&gt;leieb aueb diese obere Breis^renze (fP, selbst ber- 
unter^edrüekt, und der Monopolist kann nachher unter 
keinen Umständen einen ebenso grossen Vortbeil er 
reichen, wie früher. Ebenso darf nicht übersehen wer 
den, dass jede namhafte Breiserböbun^- eines Mono])ols- 
artikels das Auf tauchen von Surrogaten befördert und 
überbau|)t auf die Breise aller anderen Artikel, sowie 
auf die individuelle AVertbsebätzung- des Cieldes seitens 
der Käufer einwirkt. Wir haben diese Rückwirkung- 
auf die Gesammtnaebfrag-ekurve dureb unsere Voraus-
        <pb n="411" />
        setzimj*'cii Hii8j»eHclil()sseii, in Wirkliclikeit aber 
gerade bierin eine besondere Seliwieri^keit, den Ver 
lauf dieser Kurve riebfi«^ zu beiirtbeilen, so dass eine 
volle Ausnützung!,' des Monojxds von vornherein uii- 
niö^lieb ist. 
Alle diese Krwä^nn^en inaeben sieb aueb bei 
Staatsniono])olen tbatsäeblieb geltend. Bei Speisesalz 
ist die volle Ausnützung- des Monojiols am wenigsten 
denkbar, weil dem tiskaliseben Vortbeile eine sebwere 
Sebädi^un^' der Bevölkerung- ent^e^enstebt, sei es, 
dass einzelne sieb j»'ezwunj»en seben, ibren Salzkonsum 
zu verringern, sei es, dass die dureb den gesteigerten 
Aufwand erböbte Wertbsebätzunj»- des Geldes sie zu 
einer Einsebränkung- direr sonstigen Eebensbaltun^- 
nötbi^'t. Aus diesem Grunde konnten wir früber (12) 
das Speisesalz unbedingt aueb für die Monopolsländer 
in unsere dritte Gru)i])e einreiben, obwol dies, wie 
wir nun wissen, bei vollständiger Ausnützung- des 
^lonopols unmö^'lieb wäre. Bei Luxusartikeln da^reo-en, 
wo solebe Uüeksiebten wep,fallen, wie z. B. bei feinen 
Zigarren, ist der Monoiadsertraj»- an sieb niebt ^ross; 
überdies tindet die Preiserböbiin^' eine Be^renzun^ 
in der Büeksiebt auf die Leichtigkeit des Sebmu^'^els. 
Aueb bei anderen, staatlieben ^lonopolsartikeln bleibt 
der Breis aus anderen, wirtbsebattlieben Rüeksiebten 
oft niebt unwesentlieb hinter der mö^lieben, obersten 
Grenze zurück. Als z. B. in Oesterreieb der Wort 
tarif für Tele:!'ramme, der für die meisten Depeseben 
einer Breiserböbun^- ^leiebkam, ein^etübrt wurde, er- 
o-ab sieb eine Verminderung der Depesebenzabl und
        <pb n="412" />
        376 
eine noch hedentendere Ahnahme der Zald der tele- 
^rahrten Wörter; trotzdem stieg- der Erlös, ein Ikweis, 
dass wenigstens vorher Telegramme zn den Artikeln 
unserer dritten Grn|)])e gehörten. Dagegen scheint 
wol überall der Personenverkehr auf Eisenbahnen 
noch den Luxusartikeln, also unserer ersten Gruppe, 
nahe zu stehen, da jede Ermässigung der hetretfenden 
Tarife den IL’uttoerlös zu steigern pflegt. 
In gleicher Weise und aus denselben Gründen 
wird wol auch ein mono])olistischer Käufer, z. B. die 
Tabakregie heim Ankäufe inländischer Blätter, nicht 
bis zu dem untersten Preise OF¡¡ und der vortheil- 
haftesten ^lenge Oa^ herabgehen dürfen. Ebenso 
wird auch ein monopolistischer Zwischenhändler oder 
Transj)ortunternehmer oder der Staat, der den ^lono- 
polsnutzen in der Form einer Steuer an sich zieht, 
nicht bis zur äussersten, ihm vortheilhaftesten Grenze 
gehen dürfen. Würde die Erreichung des grössten 
^lonopolsnutzens ofler die vollständige Ausnützung eines 
Produktionsmonopols bei einem Artikel versucht werden, 
dessen Gesammtnachfragekurve ON' erst in ihrem 
entschieden abfallenden Theile von der Kurve OA' 
getrotfen wird, so wird sieb die ötfentlicbe Meinung 
gegen die monopolistische Vertheuerung eines solchen 
Massenartikels energisch geltend machen; der Mono- 
})olist wieder wird sich bereit zeigen, nachzugeben, 
sobald er findet, dass die Schädigung der Gesannnt- 
lieit durch eine weitere Preissteigerung grösser sein 
würde als sein eigener Vortheil. Pej)roduziren wir 
in Fig. 67 dieselben Kurven, wie in Fig. 66, und ver-
        <pb n="413" />
        377 
Avir diese, von der Abszisse Oa„ ausgehend, 
nacli liidvs, so sehen wir, dass znnäelist OG' steiler 
als OG lind ON' steiler als ON verläuft; in der Nähe 
des Seheitels der OG' oder der ON' sind da^e^en diese 
Kurven Hacher, als die darüber liegenden Strecken 
FiV. (J7. 
N' 
der Kurven OG und ON. Der Monoiiolsnutzeii [die 
Ordinaten der Kurve ()G'\ und ebenso der Nutzen 
eines Produktionsinonojiols [der Ordinatenuntersehied 
der Kurven ON' und OA] niniint also, so lange der 
Preis noch niedrig ist, rascher zu, uls der Gemein 
nützen abniniint; der letztere bietet sieh das einemal
        <pb n="414" />
        37* 
ill (Ifii Ordiiuitcn dor Kurve OG', das audereiunl in 
dein Vertikalabstande der Kurven ON und (L\ zum 
Ver»-leielie dar; dieses Verliältniss verkehrt sieli da- 
^e^en bei hoben IVeisen. Denmaeb muss es immer 
eine Absatzmen^e ^ebeii, die nielit ^esebmälert werden 
darf, wenn nicht der Gemeinnützen mehr beeinträchtigt 
werden soll, als die Steigerung- des Nutzens des Mono- 
])olisten beträgt. Kei dieser Menge sind die in Fig. G7 
])iinktirt gezeiebneten IMngenteii der Kurven 00 und 
OG\ anderseits jene der Kurven ON und ON\ 
gegen die Horizontale gleich geneigt. 
75. Oertlitdic Moiio])ol(‘. 
Ausser den unbedingten Monojiolen, die wir bis 
her bes))roeben haben, tinden wir sehr häutig durch 
äussere Umstände bedingte. Namentlieb im Detail- 
verkebr kommt ein einzelner Verkäufer seinen Kunden 
gegenüber leiebt in die Lage, den Freis seines Ar 
tikels, wenn a lieb nur innerhalb enger (Lenzen, mono- 
|)olistiseb festsetzen zu können. Die letzten Konsu 
menten bezahlen für eine und dieselbe Ware niebt 
nur dann einen böberen Freis, wenn ihnen dieselbe 
ill’s Haus gestellt wird, sondern auch, wenn sie die 
selbe beim näebstgelegenen Kaufmann oder Krämer 
finden; sie können nur durch einen wesentlieb niedri 
geren Freis veranlasst werden, eine entferntere Fe- 
ziigsquelle aiifzusuelien. Die gleiche Ware ersebeint 
daher in jedem dieser Fälle als ein besonderer Arti-
        <pb n="415" />
        kd, (1er mit dem, was in anderen Geseliäften ¿(ebuten 
wird, aneli bei &lt;»anz ^leielier Gnalität, nieiit &lt;^anz 
identiseli^ist. Jeder solelierart iintersebiedeiie Artikel 
bat allerdings in dem Angebote derselben Ware bei 
anderen Händlern sehr nabe verwandte Surrogate, 
die ibn leiebt vertreten können, namentlieb, wenn 
sieb, wie in grossen Städten, immer zablreiebe, ^leieb- 
arti^e Geschäfte in ^erin^er Entfernung' von einander 
finden. Der einzij^e Krämer eines Dorfes dagegen 
kann in der monojadistiseben Vertbenernn^ seiner 
Waren nm so weiter ^eben, je melir Zeit und ]\Iiilie 
seine Kunden aufwenden müssten, nm ihren Bedaif 
anderweitig- zu decken. Hei T^ebensmitteln, die wie 
Fleisch, Mileb, Weissbrod, Hier n. d^l. tätlich oder 
o-ar mehrmals im Ta^e frisch gekauft werden müssen, 
ist selbst in den Städten der mono])olistisehen Preis- 
bestimmnn^ seitens der betreffenden Verkäufer ein er 
heblicher S])ielranm ^e^ehen, weil der Zeitaufwand, 
den es erfordert, einen billigeren, aber entfernteren 
Konkurrenten anfznsnehen, auch für den ^linderbemit- 
telten in Hetraebt kommt. Dies ma^ es verursachen, 
dass die Detail|n'cise solcher Artikel von den Preis- 
sebwanknn^en auf dem grossen Markte nur weni^ 
berührt werden. Die oft bemerkte, auffallende Er 
scheinung', dass die 1 &gt;etail]»reise nur das Steifen, weit 
weniger aber das Fallen der Pobstotfpreise mitzu- 
maehen ¡»Üe^en, dürfte darin ihre Erklärung' finden, 
dass aneli die 1 )etailbändler ebenso, wie wirkliche 
Monopolisten, den Verlauf der ihnen ^e^enüherstehen- 
den Naehfra^'ekiirve nicht ¿»eiiaii kennen und daher
        <pb n="416" />
        380 
in ji^cwôlmliclien Zeiten nielit leieht eine Erliöliunj»; 
ilires Verkiuifs])reises wn^en; wenn sie aber in einer 
Eiii(»linng’ des Preises ini Grossverkelir einen Anlass 
liierzn finden und dann die Erfabriin^ niaelien, dass 
der liinan%esetzte Detailpreis den Absatz nielit all 
zusehr selimälert, so haben sie aneli weni^ Grund, 
bei einem Piiek^ang' des Marktpreises mit ihrem 
Laden])reise wieder berabzngeben. ln ähnlicher La&lt;»e, 
wie der Detailhändler ^-egenüber seinen benachbarten 
Knuden, befinden sich die Unternehmer von Bädern, 
Unterrichtsanstalten, Theatern n. dj&gt;l., die ihre Tarif- 
])reise selbstständig- monopolistisch feststellen können, 
weil ihre Konkurrenten doch nie ^anz identisch Gleiches, 
sondern nur Gleichartiges, also wieder nur mehr oder 
wenii&gt;’er vollkommene Surrogate, anzuhieten vermögen. 
Endlich ist noch zu bemerken, dass auch anscheinend 
unbedingte ^Monopole unter Umständen einer Konkur 
renz begegnen können; so wird hei zu hohen Bahntarifen 
im Lokalverkehr -die Aehsfracht, im Durehgangsver 
le ehr aber eine Vereinbarung anderer, wenn auch län 
gerer, Bahn- oder Schiffahrtslinien in Betracht kommen, 
während eine Weg- oder Brückenmaut nicht so hoch 
angesetzt werden darf, dass das Publikum veranlasst 
wird, einen Umweg vorzuziehen. 
Auch die Ankaufsmonojiole finden sich im kleinen 
und lokalen Verkehr wieder. Ein solehes kann z. B. 
der einzige Geschäftsmann eines Dorfes hinsichtlich 
verschiedener, landwirthschaftlicher Nehenjirodukte, 
eine Zuckerfabrik hinsichtlich der in ihrer Nachbar 
schaft angehauten Rühe und üherhauiit jeder Gross-
        <pb n="417" />
        — :wi — 
iiidustrielle, der ^eriii^wertlii^e, scliwer traiisj)ortable 
Holistotte verar))eitet, aiisiibeii. 
Eine wichtige, bierlier ^eböri^e Hezieliun^ ist aueli 
diejenige des Arbeitgebers zu den Arbeitnehmern. 
So lange die Arbeiter dein Unternehmer vereinzelt 
gegeniibersteben, kann letzterer den Preis der Arbeit 
— wie er sich im Stneklolm am deutlichsten ans 
drückt — monojxdistiscb berabdrUcken, wenigstens 
so weit ihm dies ohne unmittelbare Schädigung der 
Qualität der Arbeit möglich erscheint. Der einzelne 
Arbeiter wird nicht leicht die gewohnte Arbeit oder 
auch nur die gewohnte Arbeitsstätte verlassen, ins 
besondere, wenn seine Mittellosigkeit ihm nicht ge 
stattet, auch nur kurze Zeit ohne Arbeit zu bleiben, 
um sich über günstigere Arbeitsgelegenheiten zu orien- 
tiren. Sobald sich dagegen die Arbeiter zu einer 
Koalition vereinigen, steht ein Monojiolist dem anderen 
gegenüber, und die Preisbestimmung scheint inner 
halb weiter Grenzen der Willkür zu unterliegen, ganz 
so wie in jenem Falle (71), wo ein Käufer eines 
Einzelartikels einem einzigen Verkäufer gegenüber 
steht, nur dass hier auch noch die Menge, das Arbeits 
quantum, strittig sein kann. Doch wird, wenn keiner 
der beiden Theile eine nionojmlistische Ausbeutung 
sich gefallen zu lassen braucht, eine Einigung gerade 
bei dem Preise OP„ und der Menge welche den 
grössten Gemeinnützen mit sich bringt, zu Stande 
kommen. Dies ents])richt nicht nur der Billigkeit, 
weil eben hier die Kosten und die Nützlichkeit des 
letzten, hergestellten Stückes einander gleich sind.
        <pb n="418" />
        — 382 — 
sondern auch dem wolverstandenen, beiderseitigen 
Interesse, weil der Lolin, das ist der Erlös der Ar 
beiter für jedes Stück, ihrer Anstren^nn^ — ihren 
Kosten — für das letzte Stüek ^leiehkonnnt, und weil 
dieselbe Gleiebbeit aneb anf Seite des Arbeitgebers 
zwischen der Nützlichkeit und dem Aufwand besteht.
        <pb n="419" />
        Das freie Angebot und die freie 
Nachfrage. 
7(). Die Kurve des (íemeininitzens. 
Die eben bcsprocliene Erselieiininjç, dass ein ein 
zelner Käufer oder Verkäufer innerhalb gewisser, 
dnreli die Konkurrenz ^ezo^ener Grenzen den Preis 
eines Artikels inonojxäistiseb festsetzen könne, findet 
sieb bei näherer Hetraebtun^ viel häutiger als in den 
erwähnten Fällen örtlicher Monojxäe, und sie gestat 
tet uns einen Einblick in die Alt, wie der Einzelne 
auch bei freier Konkurrenz auf den Preis eines Arti 
kels Einfluss nehmen kann. 
Denken wir uns für jedes der auf dem Markte 
verkehrenden Individuen die auf einen bestimmten 
Artikel A bezogene, dureblaufende Einzelkosten- und 
Nützlichkeitskurve auf^etra^en, so erhalten wir, wie 
schon (52) erwähnt, durch die Kombination einerseits 
der rechten und anderseits der linken A este aller 
dieser Kurven die Gesammtkurve und OA 
(Fi^\ (;S). Wir können aber nun noch weiter ^ehen 
und auch die beiden Kurven GW und OA nach der
        <pb n="420" />
        384 
(1er Koinbiiuition vereinigen und ^elan^en so 
/Al (1er neuen Kurve yl7&gt;W; ^enan dieselbe Kurve 
Fig. 08. 
P 
A 
K 
J 
an a, a 
B 
hätte sieli aneb ergeben, wenn wir nicht die getrenn 
ten Aeste der erwähnten Einzel kurven, sondern diese
        <pb n="421" />
        385 
im ij^aTizen kombiiiii-t liätteii. Die neue Kurve fällt 
links vom Punkte â mit jener OA und rechts vom 
Punkte f mit der Kurve ON zusammen; sie hat im 
Punkte d dieselbe Tan^entialrichtung, wie die Anfangs 
strecke der Kurve ON^ im Punkte e aber dieselbe 
Tangentialricbtung, wie die Anfangsstrecke der Kurve 
OA. Nur zwischen den Punkten à und e weicht also 
die Kurve ABN von jener ab, und zwar in 
der Ordinatenachse am meisten. Der Punkt B der 
Kurve ABN muss nach den Pegeln der Kombination 
jenen beiden Punkten der Kurven OA und ON ent- 
s])recben, welche in gleichem Abstande rechts und 
links von der Ordinatenachse die gleiche l'angential- 
richtung haben ; die Ordinate OB muss dem Längen 
unterschiede der betreffenden, positiven und negativen 
Ordinaten gleich sein. Stellen wir nun den Kurven 
ast OA, um 180” gedreht, in der früher gewohnten 
Stellung ])unktirt dar, so sehen wir sofort, dass die 
gesuchten Punkte in den Kurven OA und ON die 
selben Punkte }) und d sind, welche der Menge Oa 
ents])rechen, die auf diesem Markte hei freier Kon 
kurrenz umgesetzt wird, und dass der Preis BOJ^., 
der sich hierbei ergibt, auch in der Kurve ABN als 
deren Tangentialrichtung in der Ordinatenachse er 
scheint. 1 )ie ( Irdinate OB endlich stellt die Differenz 
der Ordinaten der Punkte h und d, somit also den 
Gemeinnützen hei freier Konkurrenz, dar. Der Gemein 
nützen der auf einem Markte vereinigten Käufer und 
Verkäufer erscheint demnach in dieser Figur völlig 
analog dem Lebensgenüsse, den ein produktiv thätiges 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 25
        <pb n="422" />
        88G 
Tndividuum errciclit, wenn cs von einem Artikel A 
nichts kauft und nielits verkauft. 
Stellen wir uns nun in Verfol^un^ dieser Ana 
logie vor, dass dem hctraehteten Markte eine d ah res 
ínenle X des Artikels A von aussen her zuo-efiihrt 
und der Gesammtheit der Produzenten und Konsu 
menten zu zweekmässi^ster Vertheiluu^ unentgeltlich 
üherlassen würde. Der Preis des Artikels A wird 
dann sinken, der Konsum wachsen und die Produk 
tion ahnehmcn. Ein Gleichgewicht kann sieh erst 
dann wieder hersteilen, wenn die IMen^e, welche die 
Käufer dem Markte entuehmen, gerade um die Men^e 
X grösser ist als jene, welche die Verkäufer dem- 
selhen zuführen, und wenn zugleich die der freien 
Konkurrenz ents])reehende Hedin^un^ erfüllt ist, dass 
die Nützlichkeit des letzten, an^ekauften und die Kosten 
des letzten, verkauften Theilchens einander wieder 
u'leieh werden. Es muss also, wenn der Ankauf von 
Oa auf ()a„ steiß't und der Verkauf von Oa auf Oa^ 
sinkt, der Mehrankauf aa„ und der Minderverkauf aa^ 
zusammen^enommen der Men^fc x ^leiehkommen; 
ferner müssen die Tangenten der Kurven ON und 
OA in den Punkten und welche den Abszissen 
Oa„ und Oa^ entsprechen, einander jiarallel sein. 
Diese parallelen Tangenten bestimmen zugleich den 
neuen Preis und nach der Regel der Kombination 
muss auch die Kurve ABN in ihrem über der Ab 
szisse X liegenden Punkte i eben diese Tangential 
richtung haben. Wir sehen ferner aus der Figur, 
dass der Mehrankauf eine Nützliehkeitszunahme,
        <pb n="423" />
        387 
welclie durci) den Vertikalabstand der Punkte d und 
d„ bemessen wird, mit sieb bringt, und dass der Min 
derverkauf eine Kosteners¡)arniss, gleich dem Vertikal 
abstande der Punkte h und berbeitubrt. Die Summe 
dieser beiden Beträge bildet die Steigerung des Ge 
meinnutzens und erscbeint in der Kurve ABN in 
dem Vertikalabstande der Punkte B und so dass 
die Ordinate des letzteren Punktes den Gemeinnützen 
bei unentgeltlieber Beistellung der Menge x von A 
darstellt. Ebenso bezeielmet der Punkt gleicher Tan- 
gentialricbtung in jeder der eingangs erwähnten Ein 
zelkurven durch seine positive oder negative Abszisse 
die für das betreffende Individuum nunmebr vortbeil- 
bafteste An- oder Verkaufsmenge des Artikels yl; 
jeder Einzelne wird nun mehr ankaufen oder weniger 
verkaufen, und die Summe aller dieser Differenzen 
ist gleich der Menge x. So wie demnach der rechte 
Ast der Kurve ABN den Gemeinnützen bei unent 
geltlicher Beistellung wachsender Mengen des Arti 
kels A darstellt, so bezeichnet auch jede Ordinate 
links vom Nullpunkte den Gemeinnützen der Gesammt- 
beit der den Markt bildenden Individuen, wenn die 
selben verhalten wären, die durch die betreffende, 
negative Abszisse bezeiebnete Menge des Artikels A un 
entgeltlich an Aussensteliende abzugeben. Wir nennen 
demnach die Kurve ABN die Kurve des Gemein 
nutzens. 
Denken wir uns nun die Kurve ABN um OB 
herabgesehoben, so erhalten wir die durchlaufende 
Kosten- und Niitzlicbkeitskurve EOd des ganzen 
25*
        <pb n="424" />
        Marktes. Diese Kurve stellt nämlich rechts vom 
Nulljmnkte die Stei^erun^- des Gemeinnutzens durch 
von Aussen unentgeltlich heigesteilte Mengen des 
Artikels M, also die Nützlichkeit dieser Mengen, dar; 
ebenso links vom Nullpunkte die Schmälerung des 
Gemeinnutzeus durch unentgeltliche Abgabe irgend 
einer Menge, also die Kosten einer solchen. Die Ab 
geleitete E' 0,J\ die sich ebenso auch aus der Kom 
bination der durchlaufenden Angebots- und Nachfrage 
kurven aller einzelnen Individuen ergehen hätte, ver 
läuft zwischen den Punkten d' und ¿ tiefer als die 
Kurve A' ON' und fällt links vom Punkte lY und rechts 
vom Punkte t mit dieser zusammen. Sie bezeichnet 
durch ihren linken Ast das durch die Nachfrage der auf 
dem Markte auftretendeii Käufer nicht in Ans])rueh ge 
nommene, daher das noch freie Angebot der Verkäufer 
des Artikels ^1, während der rechte Kurvenast die auf dem 
Markte nicht befriedigte, daher noch freie Nachfrage 
nach eben diesein Artikel seitens der Käufer angiht. 
77. Moiioindistische Prcishcstiminiing hei freier 
Konkurrenz. 
Stellen wir in Fig. 09 a die Gesammtkurven der 
Herstellungskosten und der Nützlichkeit OA und ON 
eines Artikels A auf einem bestimmten Markte und 
die Abgeleiteten OA' und ON in der früher gewohn 
ten Stellung dar, ferner in Fig. 09 h die Kurve des 
Gemeinnutzens, sowie die Kurve EOJ und deren Ab 
geleitete, die sich aus denselben Kurven OA und ON
        <pb n="425" />
        389 
in (1er vorstelieiid ])es])roclienen Weise er«ie])eii, und 
nehmen wir nun an, dass ein Individuum I neu hin- 
zu¿»ekonimen oder dass es bei der Bildung^ der an- 
j^efUlirten Kurven ausser Betrae.lit geblieben wäre, 
so könnten wir dessen Kosten- und NUtzlielikeitskurve 
aOn nunmehr gesondert aufstellen. Tragen wir diese 
Kurve in der Fig. 69 b, um 18Ü" gedreht, auf, so 
werden die Abgeleiteten a On' und E' UJ' sieb reebts 
oder liidvs schneiden oder nur im Nulljuinkte berühren. 
Das Individuum I wird im letzteren Falle an dem 
Marktverkebr in dem Artikel A keinen Antbeil nehmen, 
während dasselbe in dem zuerst gedaebteu Falle als 
auftritt. 
Wir bemerken in Fig. 69 b, dass nunmehr der 
freien Nachfrage das Angebot des Verkäufers I 
gegeuüber steht. Derselbe kann seinen Verkauf böeb- 
Fig, G9 a. 
0
        <pb n="426" />
        390 
steiis bis zu (1er durcli den Schnittpunkt c„ der Kur 
ven Oa und OJ' angegebenen Menge Oq^ aiisdebnen; 
durcli sein Hinzutreten wird dann nicht nur für sein 
Erzeugniss, sondern auch für den ganzen Absatz der 
Marktpreis von POF auf F^ÜP^ gedrückt, derselbe 
Fi^. GO b. 
P 
B 
R 
R 
R 
(A 
Preis, der sich auch ergeben hätte, wenn die (lesannnt- 
kurven mit Herücksichtigung des Individuums I auf 
gestellt worden wären. Die Vermehrung des Gemein 
nutzens, welche durch das Hinzutreten des Individuums 
T zu dem ursjirünglichen Gemeinnützen OB hinzu-
        <pb n="427" />
        391 
wächst, wird durch den Vertikalahstaiid der Kuiveii 
OJ und Oa heiiiesseii, sie ist bei der Menge Oq, am 
grössten. Dabei entfällt auf den Produzenten I der 
Nutzen während alle übrigen, auf dem Maikte 
verkehrenden Individuen zusammengenommen duich 
sein Hinzukommen eine Vermehrung ihres Gemein 
nutzens um Cgdg erfahren. Wir sehen abei sofort, 
dass der Produzent I, wie ein Monopolist, durch Ein 
schränkung seines Verkaufes einen grösseren Nutzen 
erzielen kann, indem er trotz der freien Konkurrenz 
auf otfenem Markte in der Lage ist, den Preis inner 
halb der durch die freie Naehfrage gegebenen Grenze 
hochzuhalten. Sein Nutzen wird am grössten, wenn 
er die Menge Oqi, hei der die Kurven Oa und OJ' 
die gleiche Tangentialrichtung haben, herstellt; dieser 
Nutzen beträgt dann und der Preis steigt dann 
bis FjOFt- Allen übrigen Individuen erwächst dann 
aus dem Hinzutritt des Produzenten I nur der Nutzen 
did\^ also doch immer noch eine Vermehrung ihres 
Gemeinnutzens. 
Um die Rückwirkung der besprochenen Preis 
änderungen auf die Käufer und Verkäufer zu ver 
folgen, übertragen wir die drei Preislinien FOF^ 
FgOFg und FfiF, in die Fig. 69 a und betrachten 
deren Schnitt mit den Abgeleiteten OA und ON. 
Vor dem Auftreten des Verkäufers I war heim Be 
stände des Preises FOF der Verkauf und der An 
kauf Oa. Verkauft nun das Individuum I die Menge 
Oqg, sinkt also der Preis auf so steigt die 
Menge, welche die Käufer dem Markte entnehmen.
        <pb n="428" />
        392 
auf Ov^ und muss dann gerade um Oq^ grösser sein 
als der reduzirte Absatz der übrigen Verkäufer. 
Dabei verringert sieh der Nutzen der Letzteren, 
während der Nutzen der Käufer zunimmt, und zwar 
noth wendigerweise in stärkerem Masse, da der Ge 
meinnützen beider Gru])|)en zusammengenommen, wie 
Fig. 69 1) zeigt, um c„d, gestiegen ist. Der Eintluss 
des neu hinzutretenden Verkäufers I macht sicli 
weniger geltend, wenn dieser den Preis hoehhält, 
z. B. auf FiOPj^ indem er nur die kleinere Menge üqt 
zu Markte bringt; der gesammte Absatz steigt dann 
nur auf Ovj^ während jener der ührigen Verkäufer 
nur auf Oe^ zuriiekgeht. Der betrachtete Unternehmer 
kann also nicht umhin, wenn er durch Einschränkung 
seines Verkaufes den Preis hochhält, nebst dem eige 
nen Nutzen aueh den seiner Mitbewerber zu steigern 
und letzteren sogar in stärkerem IMasse. Jeder Kon 
kurrent würde nämlieh, wenn wir seine líinzelkosten 
kurve mit jener Oa (Fig. 69 b) gerade identisch an 
nehmen, beim Preise l\()Pi die grössere, durch den 
Schnitt dieser Linie mit der Kurve üa angegebene 
Menge herstellen. Er wird daher einen grösseren 
Nutzen erzielen als der Unternehmer 1, der sich auf 
die kleinere Menge Oqi heschränken muss, während 
beim Preise P^OP„ beide Unternehmer die gleiche 
Menge Oq^ verkauft und somit auch den gleichen 
Nutzen erzielt hätten. Ein Unternehmer, der zahl 
reiche, ebenbürtige Mitbewerber neben sich hat, wird 
sich nie entsehliessen, seinen Verkauf einzuschräidcen, 
um dadurch seinen Konkurrenten einen grösseren Vor-
        <pb n="429" />
        393 
tlieil zu verschaffen als sieh seihst. Wir konnten 
daher früher (4) mit Recht annehmen, dass jeder 
Einzelne immer die grösstmögliche Menge bei 
welcher Erlös und Kosten des letzten Tlieilchens 
gerade gleich sind, hersteilen und verkaufen werde. 
Bei vollkommen freier Konkurrenz wird also der 
Breis in der That durch den Schnitt der Gesammt- 
kiirven des Angebotes und der Nachfrage bestimmt. 
Wir sehen aber, dass Abweichungen hiervon nicht 
nur hei wirklichen Monopolen, sondern auch dann 
zu gewärtigen sind, wenn ein Einzelner seinen Mit- 
hewerhern weit überlegen ist. Je mehr dies der Fall 
ist, je geringer also die Leistungsfähigkeit der Kon 
kurrenten ist, desto steiler verläuft die Kurve OA\ 
und desto mehr nähert sich die OJ' der ()N\ wie 
dies aus der Entstehungsart der Kurve ABN und 
ihrer Ahgeleiteten K'OJ' (Fig. 68) nothwendig folgt. 
Ergibt sich aber durch die Annäherung der (U' an 
die ON' ein bedeutender Unterschied zwischen den 
beiden Breisgrenzen OP„ und ()B¡ (Fig. 69 h), so 
kommt der Unternehmer I in die Lage, ohne allzu 
grosse Einschränkung seiner Broduktion und seines 
\ erkaufeS seinen Nutzen verhältnissmässig so stark 
erhöhen zu können, dass er sich über den Vortheil, 
der gleichzeitig auch seinen schwächeren Konkur 
renten zufällt, hinwegzusetzen vermag. Noch wirk 
samer als ein Einzelner kann eine Koalition von Bro- 
diizenten oder \ erkäufern den Markt zum Schaden 
der Käufer monopolistisch beherrschen, wenn auch 
einzelne Unternehmer der Koalition fern bleiben und
        <pb n="430" />
        304 
dadurch einen verliältnissinässig noch grösseren Vor 
theil geniessen. 
Alle vorstehenden Betrachtungen gelten in ganz 
analoger Weise auch für eine Koalition von Käufern 
Fig. 70. 
P 
P / 
J. 
J 
R 
'A 
E 
oder auch für einen einzelnen Konsumenten. Fällt 
nändich, wie in Fig. 70, in der wir die Kurven EO,J 
und aOn ebenso, wie in Fig. 60 b, einander gegen 
über stellen, der Sebnittpunkt c„ der Abgeleiteten 
links vom Nullpunkte, so tritt das Individuum 1 als
        <pb n="431" />
        395 
Käufer des Artikels A auf und bewirkt dadurch jedes- 
falls eine Preisstei^j^erun^. Nunmehr ist es der Kauter, 
der in der La^e ist, durch Einschränkung seines An 
kaufes den Preis innerhalb der Grenzen 0F„ und 
OF2 monopolistisch festzustellen. Der Gemeinnützen 
steigt aber unter allen Umständen, und zwar um den 
Vertikalahstand der Kurven OE und On bei der 
wirklichen Ankaufsmenge. Von diesem Betrage, der 
hei der Menge Oq„ sein Maximum erreichen würde, 
fällt der zwischen den Kimven O71 und OE' liegende 
Antheil, der wieder hei der IVIenge Oq¡ am grössten 
wäre, dem Käufer 1 zu, während der zwischen den 
OE’ und OE eingeschlossene Best zu dem Gemein 
nützen OB aller übrigen Individuen hinzuwächst. Wir 
sehen daher, dass jede Vermehrung der Bevölkerung 
um Personen, welche sich seihst zu erhalten im Stande 
sind, gleichviel oh diese als Verkäufer oder als Käufer 
auftreten, von Vortheil für die Gesammtheit ist. 
78. Die Wirkungen der Konkurrenz. 
Einen Vors])rung, welcher eine monopolistische 
Ausbeutung gestattet, kann ein Unternehmer I er 
langen, der ein auf einer neuen Eihndung beruhendes 
Veifahren zuerst einführt, wenigstens solange dieses 
Verfahren, wenn es auch nicht geschützt ist, doch 
geheim hleiht. Die Kostenkurve Oa (Fig. G9 h) 
dieses Produzenten wird, wenn das Verfahren zweck 
mässig ist, hacher, die Preisgrenzen OF und OF, 
sinken und treten weiter auseinander, er kann also
        <pb n="432" />
        306 
einen grösseren Nutzen erzielen, indem er seine Pro 
duktion ausdelmt. Der dadureli verursaelite Püek^an^ 
des Preises kommt den Käufern zu statten und seliädi^t 
die Konkurrenten. Ist der Preisrückgang- ein bedeu 
tender, erstreckt er sicli auch auf die verwandten 
Sorten, zu deren Produktion die Konkurrenten leicht 
übergehen könnten, und gewinnen letztere die Ueber- 
zeugung von der Dauerhaftigkeit des neuen Preisstan 
des, so werden einige derselben die Scheu überwinden, 
zur Produktion ganz anderer Artikel überzugehen oder 
ihr Unternehmen ganz aufzugeben. Die auf den Ar 
tikel A bezogenen Einzelkostenkurveu jener Produ 
zenten, welche den Entschluss zu einem solchen Ueber- 
gang auch wirklich ausgefühit haben, würden, wie 
früher (58) erwähnt, in ihrer Anfangsstrecke jdötzlich 
steiler; demnach muss auch die Gesammtkurve^ OA 
und ihre Abgeleitete steiler werden, so dass sich die 
Kurve 0,/' der ON' nähert. Diese Aenderung der 
Kurven vergrössert den S])ielraum für die mono])o- 
listische Preisbestimmung des Unternehmers I und 
bietet ihm daher einen weiteren Vortheil. Wird da 
gegen die neue Ertindung sofort Gemeingut, erfordert 
sie vollends keine allzugrossen Investitionen, so kann 
sie von vielen oder gar von allen bisherigen I Produ 
zenten des Artikels A zugleich eingeführt werden. 
Dann kann es geschehen, dass der gleichhleibenden 
Gesammtnachfragekurve gegenüber solche Massen auf 
den Markt kommen, dass der Preis tief sinkt und 
für die Produzenten statt des gehofften Vortbeils 
sich ein Schaden ergibt. Erst wenn dadurch einige
        <pb n="433" />
        397 
Produzenten den Iktrieb einznstellen oder wesentlicli 
einznscliränken veraidasist werden, kann der ungesunde 
Zustand der Ueberproduktion normalen Verhältnissen 
Platz machen. 
Ebenso, wie dundi die Einführung eines neuen 
Verfahrens, wird die Kostenkurve (Ja des Unter 
nehmers I auch dann Hacher, wenn derselbe sich 
entschliesst, Investitionen zur wolfeil eren oder ver 
mehrten Erzeugung des Artikels A vorzunehmen. 
Wenn endlich ein Individuum, welches früher an dem 
Verkehr in dem Aitikel .1 gar nicht Theil genommen 
oder diesen nur konsumirt hatte, sich entschliesst, zu 
dessen Produktion üherzugehen, so können wir auch 
dies als eine Veiüachung seiner Kostenkurve (Ja auf 
fassen. Die durchlaufende Kosten- und Nützlichkeits 
kurve aOn eines solchen Individuums war früher hei 
ihrem Durchgänge durch den Nulljmnkt so steil, dass 
ihre Abgeleitete a On die E'OJ' nur im Nulljmnkte 
berührte oder links von diesem traf; durch die zur 
Errichtung des neuen Unternehmens gemachte Inve 
stition erleidet die Kurve aOn die früher (58) er 
wähnte Formänderung, so dass ihre Abgeleitete die 
K'0 J' nunmehr rechts vom Nullpunkte schneidet. 
Immer wird durch das Ilinzutreten eines Produzenten 
oder durch die Ausdehnung eines bestehenden Unter 
nehmens der Preis des Produktes gedrückt, ein Um 
stand, den wir früher nicht berücksichtigen konnten, 
der aber nicht wenig dazu beiträgt, die Scheu vor 
neuen Investitionen zu erhöhen. Der Unternehmer 
hat nämlich darauf Bedacht zu nehmen, dass seine
        <pb n="434" />
        398 
neu investirteu Kapitnlien nicht nur seinen Konkur 
renten, sondern aueli seinen eigenen, früheren In 
vestitionen Konkurrenz machen. Diese Erwägung 
macht sich, wie schon erwähnt, bei wirklichen Mono 
polen, wo jede fremde Konkurrenz wegfällt, besonders 
geltend und veranlasst die Monopolisten, lieber hei 
eingeschränkter Produktion hohe Preise festzuhalten, 
als zum Vortheil der Konsumenten geeignete Betriehs- 
erweiterungen durchzuführen. Selbstverständlich Hessen 
sieh in analoger Weise die Ursachen erörtern, welche 
die Kurve Oa steiler gestalten und zum Vortheile 
der konkurrirenden Produzenten und zum Nachtheile 
der Konsumenten den Preis des Artikels A erhöhen. 
Die durchlaufende Kurve aOn (Fig. 09 b) wird hei 
ihrem Durchgänge durch den Null])unkt auch dann 
steiler, wenn das Individuum I Investitionen zum 
Zwecke der weiteren Selhstvcrarheitung des Aidikels 
A vornimmt. Sind diese Investitionen gross genug, 
so kann es geschehen, dass die Abgeleiteten aOii 
und E'OJ' sich nur im Nulljmnkte berühren oder, 
wie in Fig. 70, erst links von demselben treffen, so 
dass der Unternehmer I seine ganze Produktion von A 
seihst verbraucht oder endlich als Käufer dieses nun 
für ihn zu einem Produktionserfordernisse gewordenen 
Artikels auftritt. Die entgegengesetzte Formänderung 
erfährt die auf ein Produktionserforderniss bezogene 
Kurve aOn eines Unternehmers, der Investitionen 
vornimmt, um diesen Artikel seihst herzustcllen. 
Nehmen wir nun an, dass die Kurve aOn 
(Fig. 09 h oder 70) des Individuums 1 unverändert
        <pb n="435" />
        309 
bleibe, das« aber mm eines der anderen Individuen 
eine Verniebrunj»’ seiner zur Ilerstellunjç des Artikels 
A oder eine Verminderung seiner zur Verarbeitung 
dieses Aidikels bestimmten Investitionen vornebme. 
Dadurcli wird die Einzelkosten- und Niitzlicbkeitskurve 
dieses Individuums bei ihrem Durcb^ange durch den 
Nullpunkt dacber, und somit wird in dem einen Falle 
die (iesammtkurve (JA, in dem andern jene in 
einem Tbeile ihres Verlaufes gleichfalls tlacber, so 
dass beidemale die Kurve AßJV im gleichen Sinne 
beeinflusst wird. Deren Abgeleitete E'()J' wird dem 
nach bei ihrem Durchgänge durch den Nullpunkt 
minder steil verlaufen; der durch diese Durcbgangs- 
riebtung angegebene Preis POP ist durch die ver 
mehrte Produktion oder verminderte Konsumtion des 
Artikels A gesunken. Tritt nun das Individuum I 
als Verkäufer (Fig. 69 b) hinzu, so findet dasselbe, 
dass auch seine obere Preisgrenze OPj sieb zu seinem 
Nacbtbeile gedrückt bat; tritt es dagegen als Käufer 
(Fig. 70) auf, so genicsst dasselbe den Vortbeil einer 
Erniedrigung seiner unteren Preisgrenze OP^- Die 
bes])rocbene Formänderung der Kurve K'OJ' wird 
sich in noch viel stärkerem Masse einstellen, wenn 
in Folge einer für die Erzeugung des Artikels A gün 
stigen Konjunktur viele und grosse Unternehmungen 
zur Produktion von A entstehen, oder wenn eine für 
die Verarbeitung desselben Artikels ungünstige Kon 
junktur das Aufgeben zahlreicher Betriebe, welche 
den Artikel als Hohstotf brauchten, veranlasst. Ohne 
diese Aenderungen hätte das Individuum I als Ver-
        <pb n="436" />
        400 
kauf er den Vortlieil, als Käufer da^e^eu den Naeli- 
tlieil der bestaiideneii Konjunktur in vollem Masse 
em¡)funden; eben diese Konjunktur aber ist es, die 
ibni das einenial, wenn sie j^Unstig* ist, die verstärkte 
Konkurrenz zuziebt und dadurch seinen Nutzen schmä 
lert, gerade so, wie sie im anderen, ungünstigen Falle 
die Zahl der konkurrirenden Käufer zu seinen Gunsten 
verringert. Wir sehen also, dass keine Konjunktur 
auf die Dauer bestehen kann, ohne jene Verände 
rungen berbeizufübrcn, welche geeignet sind, die Kon 
junktur selbst wieder aufzubeben. Zu demselben Er 
gebnisse wären wir nämlich auch dann gelangt, wenn 
wir die entgegengesetzten Konjunkturen betraebtet 
hätten, welche die Auflösung von Unternehmungen 
zur Herstellung des Artikels A oder die Errichtung 
von solchen zu dessen Verarbeitung veranlassen. Die 
Kurve E'OJ' wird dann bei ihrem Durchgänge durch 
den Nullpunkt jedesfalls steiler, woraus dem Indivi 
duum / als Verkäufer (Fig. 60 b) ein Vortheil, als 
Käufer (Fig. 70) aber ein Nacbtheil erwächst. 
Der Unternehmer / bat ein rasches Schwinden 
einer ihm günstigen Konjunktur umsoweniger zu fürch 
ten, je bedeutender der Vorsprung ist, den ihm die 
Grösse der erforderlichen Investitionen, seine beson 
dere, persönliche Eignung oder der günstige Stand 
ort seines Unternehmens vor neu entstehenden Kon 
kurrenten verschafft. Ein solcher Unternehmer nähert 
sich der Stellung eines wirklichen Monopolisten, der 
davor geschützt ist, dass sich durch das Eingreifen 
der Konkurrenz die Nachfrage nach seinem Erzeugniss
        <pb n="437" />
        401 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb J. Theorie d. Preises. 
20 
oder das Angebot, auf das er reclmet, verringere. 
Alle jene llnterneliiner dagegen, die sich nicht in be 
vorzugter Stellung befinden, können die Vortbeile einer 
günstigen Konjunktur der freien Konkurrenz wegen nur 
vorübergehend geniessen. Der Schnittpunkt der Kurve 
a Oll eines solchen Unternehmers fällt immer in die 
nahezu geradlinige Anfangsstrecke der gegenüber- 
stehenden Kurve K' OJ\ weil andernfalls konkurrirende 
Unternehmungen hinzutreten, welche die Kurve E'OJ' 
derart ändern, dass ihr Sehnitt))unkt mit der a On 
dem Nullpunkte näher rückt; deshalb kann ein solcher 
Unternehmer auch keinen erheblichen Einfluss auf die 
Preishestimmung ausühen. Von einem solchen Einfluss 
kann vollends hei jenen Käufern nicht die Rede sein, 
die den betreffenden Artikel nur für ihren ])crsön- 
lichen Konsum hegehren, weil der Redarf des Einzel 
nen im Vergleiche zum (lesammtahsatze verschwindet. 
Dagegen haben diese Konsumenten eine Schädigung 
durch das Auftreten neuer Konkurrenten am wenigsten 
zu fürchten, weil die Verwolfeilung eines Artikels, 
wenn sie auch die Zunahme der Bevölkerung fördert, 
doch nur s])ät und nur allmälig wirkt, und diese Zu 
nahme sich nicht gerade nur auf die Zahl der Käufer 
beschränkt. Daher kommt es auch, dass der Vortheil 
jeder neuen Erfindung, jeder Verbesserung, jeder 
Investition, schliesslich den Konsumenten zu Gute 
kommt.
        <pb n="438" />
        402 
7í). Die Preisbestimimiiiíí mit Kiieksiclit auf die 
letzten Foniielemeute der Kurven. 
Die Grenzen des Spielraumes für die monojm- 
listische Preisbestimmung erfordern noeli eine weitere 
Klarstellung. Wir müssen nämlich darauf Bedacht 
nehmen, dass jede Einzelkurve und daher jede Ge- 
samnitkurve, also auch die Kurve ABN (Eig. 68, 69 
und 70), in letzter Auflösung aus lauter geradlinigen 
Elementen zusammengesetzt ist, wovon wir in dem 
vorliegenden Kapitel bisher abgesehen haben. 
Stellen wir nun in Fig. 71a und h die Kurve 
KOJ, die Kosten- und Nützliehkeitskurve des ganzen 
Marktes, als polygonale, und demgemäss die Abge 
leitete E'0,r als gezahnte Linie dar, so wollen wir 
dabei erinnern, dass diese Kurven aus der Kombi 
nation von Einzelkurven hervorgehen, bei deren Auf 
stellung (27) wir vorausgesetzt haben, dass jedes ein 
zelne, wirthseiiaftliche Individuum mit festen, von 
seiner eigenen Einflussnahme unabhängigen Preisen 
auch des Artikels A zu rechnen habe. Diese Vor 
aussetzung haben wir im vorliegenden Ka])itel hin 
sichtlieh des Einen, allen übrigen gegenüberstehenden 
Individuums I fallen lassen; wir müssen deshalb, wenn 
wir ganz genau Vorgehen wollen, auch die Möglich 
keit offen lassen, dass Klengen, deren Verkauf oder 
Ankauf für dieses Individuum beim Bestände jedes 
festen Preises nicht vortheilhaft gewesen wäre, nun 
mehr doch in Betracht kommen könnten. Wir stellen
        <pb n="439" />
        403 
(lamm in Fig. 71a und b den Kurven EOJ und E' OJ' 
niclit mehr die Kosten- und Nützliclikeitskurve des 
Individuums I, sondern jene im allgemeinen unregel 
seiner durchlaufenden Lebensgenusskurve zu Grunde 
liegt, und denken uns diese Punktreibe gegen die 
frühere Darstellung um 180" gedreht. Zugleich schei 
den wir aus dieser Reihe alle jene Punkte aus, über 
welchen sich in den Kurven EOJ und E'OJ' keine 
effektiven Punkte vorfinden, wobei wir als effektiv 
die Eck])unkte der Kurve EOJ, welchen die Verti 
kalstrecken der Kurve E' OJ' ents])rechen, und ausser 
dem noch jene Punkte dieser Kurve bezeichnen, die. 
massige Punktreihe gegenüber, welehe, wie in Fig. 51 
J
        <pb n="440" />
        404 
obwol ill geraden Streekeii liegend, doeli — wie früher 
(30) erwähnt — Mengen angehen, die auf dem Markte 
niugesetzt werden können. Alle Mengen, iiher oder 
unter deren ents])reehenden Ahszissen keine effektiven 
Punkte der Kurven EOJ und K'O.I' liegen, können 
von dem Individnum I weder verkauft, noch gekauft 
Fiff. 71 It. 
% % 
werden. Der grösste Vertikalahstand der so korri- 
girten Punktreihe von dem oberen Endjmnkte 
irgend einer Vertikalstreeke oder von irgend einem 
anderen, effektiven Punkte der Kurve E'OJ' hezeielmet 
dann diireh seine positive oder negative Abszisse die 
für das Individuum I vortlieilhafteste Verkaufsmenge
        <pb n="441" />
        Oq, (Fig[. 71 a) oder Aiikaiitsmeng’c Oqs (Fi^. 71 b). 
Der für dasselbe ^ünstig^ste Preis bzw. OPj, 
wird diireli die Padiiisvektorriebhm^' des betreffenden, 
effektiven Punktes der Kurve K'O.J’ an^e^eben. 
Wollten wir dann aiieb noeli die ^rösstniö^liebe Ver- 
kanfsmenß^e Oq^ (Fi^. 71 a) ermitteln, so müssen wir 
uns ^e^enwärti^ kalten, dass das Tndividimm I höch 
stens jene Men^e verkaufen kann, bei der die Selbst 
kosten aneb des letzten Tbeib¡nantnms durch dessen 
Erlös eben noch gedeckt sind. Die Selbstkosten des 
letzten Tbeilquantnms werden aber bei jeder Verkaufs- 
men^e durch die steilste Verbindungslinie des betref 
fenden Punktes der Reibe mit irgend einem weiter 
links — eventuell auch links vom Nnlljmnkte — defien 
den Punkte anfrefieben. Der Verkauf kann daher 
nicht weiter ansgedehnt werden als bis zu jener Meiifie, 
bei w elcher die eben erw ähnte, steilste Verbindniifislinie 
doch noch ffacber ist als der Radiusvektor des betref 
fenden, effektiven Punktes der Kurve O./'; denn die 
Ricbtnnfi dieses Radiusvektors bezeichnet den Preis 
zu dem das Individuum 1 seine firösstmöfiliclie 
Verkaufsmenfi'e i)q„ eben noch absetzen kann. Ganz 
analofi wird, wenn das Individuum I, wie in Fifi. 71 b, 
als Käufer auftritt, die f&gt;Tösstmöfilicbe Ankaufsmeiifie 
Oq„ dadurch bestimmt, dass die ffacbste Verbinduiifis- 
linie des unter q^ licfienden Punktes der Reibe 
mit irfiend einem ihrer w eiter rechts defienden Punkte 
doch noch steiler sein muss als der Radiusvektor des 
betreffenden, effektiven Punktes der Kurve OK\ und 
die Ricbtuiifi dieses Radiusvektors bezeichnet den
        <pb n="442" />
        Preis 0P„, zu dem das Individuum I seine grösste 
Ankaufsmen^e eben noeli erwerben kann. Die j»-rösst- 
mög-lielie Men^e Oq, wird zumeist, wie in Fig*. 71a 
und b, aueli diejenige sein, bei weleber der Vertikal 
abstand der Reibe g^gn von irgend einem effektiven 
Punkte der Kurve KOJ am grössten ist, und welebe 
daher den grössten Gemeinnützen berbeitülirt. Aus 
nahmsweise kann es jedoch bei einem sehr unregel 
mässigen Verlaufe der Punktreibe g^g„ Vorkommen, 
dass die grösstmögliebe Menge wie sie hier er 
mittelt wird, kleiner als die Menge des grössten Ge 
meinnutzens, ja sogar kleiner als bzw. 
wäre; in den letzteren Fällen würde die grösste Ver 
kaufs- oder Ankaufsmenge zugleich auch die einzig 
mögliche sein. Uebrigens unterscbeidet sieb die hier 
vorgenommene Krmittlung der grössten Menge von 
der sonst üblieben nur dadurch, dass bei Aussebeidung 
der unzweekmässigen Mengen aus der Punktreibe 
nun, da das Individuum niebt auf feste Preise von A 
rechnen kann, auf die Form der gegenüberstebenden 
Kurve EOJ Rüeksiebt genommen werden muss. 
Der S¡)ielraum, innerhalb dessen der Finffuss des 
Einzelnen auf den Preis sieh geltend machen kann, 
ist notbwendiger Weise ein sehr kleiner, wenn es sieb 
um einen Artikel bandelt, in dessen Verkehr eine 
wirklich freie Konkurrenz herrscht, und dessen jähr 
licher Gesammtabsatz eine sehr grosse Zahl von ]\Iarkt- 
einheiten umfasst. Der Finffuss des Finzelnen tritt 
dagegen mehr hervor, wenn dieser eine bevorzugte 
Stellung oder gar ein wirkliches Monopol geniesst.
        <pb n="443" />
        % 
407 
oder wenn sieh der Gessiiinintiibisatz des Artikels an 
eine ¿¡^erin^e Stückzahl heseliränkt, oder vollends, 
wenn es sieh um ein Einzelolyekt handelt. Die Kurve 
K'O.J' des freien Angebots und der freien Nachfrage, 
die in dem zuletzt erwähnten Falle nur eine einzige 
Hadiusvektorstrecke aufweisen würde, zeigt, wenn es 
sich um eine geringe Stückzahl handelt, wenige, deut 
lich hervortretende Zähne; doch findet unsere He- 
trachtnngsweise auch auf derartige Kurven ihre volle 
Anwendung. Die in diesem Kapitel gewonnenen Re 
sultate gelten daher für alle Artikel, gleichviel oh 
deren Mengeneinheit im Vergleiche zum Gesammt- 
ahsatze klein oder gross ist. Wir bähen früher (30) 
Schwierigkeiten für die Ermittlung des Preises und 
des Absatzes darin gefunden, dass sich der Verkehr 
in jedem Artikel nach ganzen Mengeneinheiten voll 
ziehen muss, und zwar zeigten sich diese Schwierig 
keiten hei dem Zusammentrefi'en gezahnter Gesammt- 
kurveii des Angebotes und der Nachfrage, ln allen 
solchen Fällen muss sich der Einfluss eines einzelnen 
Käufers oder Verkäufers auf die Preishestimmung 
geltend machen. Wie dies geschieht, und in welchen 
Grenzen der Preis und Absatz von dem Ermessen 
des Einzelnen abhängig bleibt, können wir nunmehr 
verfolgen, indem wir, wie in Fig. 71 a oder h, die 
Punktreihe des hetretfenden Individuums der freien 
Nachfrage oder dem freien Angehotc aller Uehrigen 
gcgenüherstellen.
        <pb n="444" />
        Der internationale Verkehr. 
80. Import und Export 
Die Kurven AHN, EO.T und E'O.J' (Fig. 72) 
gewimieii eine neue Bedeutung, wenn wir uns vor 
stellen, dass dieselben aus den Einzelkurven säninit- 
liclier Bewohner eines ganzen Landes, die nur auf 
einem einzigen Markte verkehren, zusammengesetzt 
seien. Die Ordinate OB hezeiehnet dann den Gemein 
nützen, die Tangentialrielitung BOB der Kurve AB&gt;N 
im Punkte B den Preis, der sich für das ganze Land 
ergibt, wenn in dem Artikel A keinerlei Verkehr mit 
dem Auslande stattfindet, ganz älndieh, wie wir in 
Eig. 51 in der Anfangsordinate Ob der Lehensge- 
missknrve die Befriedigung eines Individuums 
im Falle der Naturalwirthschaft gefunden haben. 
Jede andere Ordinate der Kurve ABN bezeichnet 
den Gemeinnützen, der sieh für das ganze Land er 
gehen würde, wenn dasselbe die durch die hetretfendc, 
positive oder negative Abszisse angegebene Ein- oder 
Ansfuhrmenge x vom Auslande unentgeltlich empfan 
gen ' würde oder unentgeltlich ahgehen müsste. 1 )ie 
Kurve EOJ^ welche wir früher als die Kosten- und
        <pb n="445" />
        Nützliclikeitskiirvc des ganzen ]\rarktes bezeielinet 
haben, stellt uns also nun reelits vom Nullpunkte die 
Fig. 72. 
J y 
/ 
Nützliebkeit irgend einer Eint’ubrinenge, links von 
demselben die Kosten irgend einer Ausfubrmenge des
        <pb n="446" />
        410 
Artikels A dar, weshalb wir diese Kurve mm die 
KX \)ortk0sten- und 1 ui ])ort-N ütz 1 iehk eitsk urve 
ueuiieii, während die Kurve E'ÜJ' links das freie 
Ang'ehot oder das Exportang-ehot, rechts die freie 
Nachfrage oder die Tinportiiaehfrage des Landes 
darstellt. 
Tritt nun das hetrachtete Land mit dem Aus 
lände in Verkehr, und bildet sieh dadurch ein niedri 
gerer Preis oder ein höherer Preis so 
hezeichnet die positive oder negative Abszisse des 
Sehnittjmnktes der Preislinie mit der Abgeleiteten 
E'OJ' die für das Inhvnd vortheilhafteste lni])ort- 
oder Ex])ortnienge x des Artikels Á. Die Ordinate 
des Schnitt})unktes hemisst den für den lm¡)ort an 
das Ausland zu zahlenden oder den für den Ex))ort 
von dort einhiessenden Betrag, während der Vertikal- 
ahstand dieses Sehnitt))unktes von der Kurve EOJ 
den Nutzen angiht, der sieh für das ganze Land aus 
diesem Import oder Ex])ort ergibt. Dieser Nutzen 
tritt zu dem ursprünglichen Gemeinnützen OB hinzu 
und bildet so den ganzen Gemeinnützen, der dem 
Lande aus dem Verkehr in dem Artikel A erwächst; 
dieser Gemeinnützen wird unmittelhar durch den Ver- 
tikalahstand des erwähnteu Sehnitti)unktes von der 
Kurve ABN dargestellt. Dieser Abstand ist in der 
Ordinatenaehse am kleinsten und nimmt nach rechts, 
wie nach links, fortwährend zu. Der Gemeinuutzen 
eines Landes ist also, wie die Befriedigung eines 
Individuums, dann am kleinsten, wenn nichts von 
Fremden gekauft und nichts an solche ahverkaiitt
        <pb n="447" />
        411 
wird, sei es, dass dies freiwillig ^eselielie, oder dureli 
eine Prohibition des Aussenhandels erzwungen werde; 
der Geineinmitzeii wächst da^^^en, gleichviel in 
welcher Riehtung’ der Verkehr mit dem Auslände 
sieh bewegt, je grösser dieser wird. Ganz so, wie 
die Anfangshefriedigiing eines Individuums auf der 
hei Ahsehluss von Kauf und Verkauf des Artikels A 
vortheilhaftesten Kombination beruht, kann auch der 
Anfangsgemeinnntzen OB eines Landes nur dann er 
reicht werden, wenn zwar der Aussen verkehr in dem 
Artikel A ansgesehlossen ist, aber doch allen Indi 
viduen die freie Wahl der dann zweekmässigsten 
Kombination ihrer ganzen Konsumtion, Produktion 
und Vorrathshaltung gewahrt bleibt. Durch die Er 
möglichung des Aussenhandels erweitert sich für jeden 
Inländer die Freiheit der Wahl, da ihm neue Kom 
binationen zugänglich werden, und wenn diese vor- 
theilhaft sind und also ein Aussenhandcl jdatzgreift, 
muss auch der Gemeinnützen wachsen. Dass dagegen 
jede Reschränkung des Inlandverkehrs durch Mono 
pole, Steuern, hohe Frachtsätze u. dgl. die Freiheit 
in der Wahl der vortheilhaftesten Kombination be 
engt und daher unter allen Umständen den Gemein 
nützen schmälern muss, haben wir schon trüber he- 
sprochen. 
Wenn wir nun die Rückwirkung des Auslands 
verkehrs auf die iidändischen Käufer und Verkäuter 
verfolgen wollen, so liesse sich dies auch in allge 
meinster Weise durchführen; da aber gerade die Rück 
wirkung auf die Konsumenten und Produzenten von
        <pb n="448" />
        412 
besonderem Interesse ist und dnreli das DazAviselien- 
treten des Vorratlisliandels alterirt wird, so wollen wir 
anneliinen, dass sämmtlielie Inländer, die mit ihren 
Einzelknrven an der Bildung der Kurven OA und 
ON tlieilnehmen, sieh jeder S])eknlation in dem Arti 
kel A enthalten. Der Selmittjmnkt der jeweiligen 
Preislinie mit der Abgeleiteten OA hezeielmet dann 
durch seine Abszisse die inländische Produktion und 
durch seinen Vertikalahstand von der Kurve OA den 
Nutzen der inländischen Produzenten, während der 
Sehnittjmnkt mit der ON' in gleicher Weise die gleich 
zeitige, inländisehe Konsumtion und den Nutzen der 
Konsumenten an^iht. Wir bemerken, dass, je weiter der 
Preis unter POP sinkt, der Im])ort und der Konsum 
immer mehr zunimmt, die inländisehe Produktion da- 
^e^en kleiner wird, dass aber der Nutzen der Konsu 
menten in stärkerem Masse wächst, als jener der Ih'odu- 
zenten ahnimmt. Steigt der Preis dagegen Uber POP^ 
so wird die Exportmenge und die Produktion immer 
grösser, die Konsumtion immer kleiner, der Nutzen 
der Produzenten steigt, und zwar rascher, als sich 
jener der KonsumenteTi verringert. Der Ueherschuss 
der Vermehrung des Nutzens auf der einen über 
dessen Verminderung auf der anderen Seite bildet 
die Erhöhung des Gemeinnutzens, welche als \ erti- 
kalabstand zwischen den Kurven PJOJ und K'OJ' 
erscheint. Steigt der Iheis über die durch die Picb- 
tung Od' angegebene Grenze, so hört der inländische 
Konsum ganz auf, und die ganze Produktion gelangt 
zum Exj)ort; sinkt dagegen der Preis unter die Grenze
        <pb n="449" />
        413 
(Je ^ so wird der ^an%e Bedarf iinportiid und die iii- 
ländisclie ] Produktion ein^esteilt. 
Stellen wir endlich (Fi^. 73) der Imj)ortnützlieh- 
keits- und Naelifra^ekurve O./und OJ' eines Landes 
die Fx])oi*tkosten- und An^ebotskurve OK und OK' 
eines anderen laindes, und zwar die letzteren uni 
180” ^e^en die bisherige Darstellung gedreht, ^e^en- 
Uber, und nehmen wir dabei an, dass für den inter 
nationalen Verkehr in dein Artikel A nur diese beiden 
Ijänder oder Märkte in l^etracbt kommen. Seien ferner 
die unvermeidlichen Iransjiortkosten — Fracht, Ver- 
])ackiinf»’, Versicherungen, Zinsenverluste, Provisionen, 
Weehselkiirsditferenzen ii. s. w. — bei Aufstellung der 
Kurven jenes Landes, das wir als Ausland bezeichnen, 
schon berUeksichtii^t, indem die Ordinaten von OJ 
Fiff. 73. 
(
        <pb n="450" />
        414 
1111(1 O J' entspreclieiid verkürzt oder jene von OE 
lind OE' entsprechend verlängert crsclieinen, so gelten 
dann alle Kurven für den inländischen IVIarkt. Die 
Menge, die zwischen hehlen Ländern hei zollfreiem 
Verkehr iimgesetzt wird, ist dann durch die Abszisse 
Oa„ des Schnittpunktes c„ der Kurven OE' und OJ' 
angegeben. Für beide Länder zusammen ergibt sich 
hierbei der internationale Gemeinnützen an 
dem das Exportland mit dem Betrage c^, das Im- 
jiortland mit iiartieipirt. Dieser Niitzantheil an 
dem internationalen Verkehr, den wir für das Inland 
schon in Fig. 72 dargestellt haben, tritt in jedem der 
beiden Länder zu dem Gemeinnützen hinzu, den das 
selbe aus einem im Inneren freien, nach aussen aber 
gänzlich abgeschlossenen Verkehr in dem Artikel A 
gezogen hätte. Der durch den Schnitt der Kurven 
OE' und OJ' bestimmte Breis OJ\ gilt auf dem 
inländischen Markte, während sich der Breis auf dem 
ausländischen Markte, wenn dieser exportiit, um die 
Trans])ortkosten niedriger, oder wenn dieser imjiortirt, 
um ebensoviel höher stellen muss. Je geringer die 
Transportkosten sind, desto mehr treten die Kurven 
OE und (h/, sowie ihre Abgeleiteten auseinander, 
desto grösser wird also der internationale Absatz 
der Gemeinnützen h„ d„ und der Nutzantheil eines 
jeden der beiden Länder. Die Transportkosten sind 
auch dafür massgebend, wie weit die Breise aller 
anderen Artikel in den beiden Ländern von einander 
ditferiren müssen. Erst wenn in dieser Hinsicht eine 
Ausgleichung stattgefunden hat, kann jene Stabilität
        <pb n="451" />
        415 
(1er Preise in beiden Ländern eintreten, welche wir 
ebenso, wie die Unveränderliclikeit der Eigenschaften 
aller wirthscbaftlichen Individuen, voranssetzen müssen, 
um unsere Kurven aufstellen zu können. 
81. Der Einfluss der Zölle. 
Wird nun in dem einen Lande ein Einfuhrzoll 
oder in dem anderen ein gleich hoher Ausfuhrzoll ein- 
^ehohcn, so wird dadurch ^anz so, wie durch eine 
Vermehrung der Transpoiikosten, die Preisdifferenz 
der beiden Länder ^^nau um den Zollsatz erhöht. 
Der inteniationale Absatz, der ohne Zoll Oa„ (Fi^. 73) 
wäre, muss sich auf jene Mcn^e Oa beschränken, 
hei welcher der Abstand der Kurven OK' und OJ'^ 
(1. i. der hei dieser Men^e veifü^hare Monopolsnutzen, 
dem entfallenden Zollertra^e gerade gleich ist; der 
Zollertra^ s])iclt eben j&gt;anz dieselbe Rolle, wie der 
Nutzen eines monopolistischen Zwischeidiändlcrs, wie 
Fracht oder Steuer. Mit dem Absatz reduzirt sich 
auch der internationale Gemeinnützen von b„d„ auf 
wovon auf die Rewohner des Eximrtlandes nur 
hh'^ auf jene des Importlandes nur dd' entfällt, so 
dass beide Theile verlieren; da aber der Zollertra^ 
J)'d' ^anz, wie der Monojmlsnutzen, dem Nutzen jenes 
Landes, das den Zoll eiidieht, zuzurechnen ist, so kann 
dieses Land doch einen grösseren Vortheil als heim 
zollfreien Verkehr erreichen. Für das Ini])ortland ist, 
wenn darnach getrachtet wird, die Summe von Zoll- 
ertra^r und Nutzen der Hür^^er möglichst gross zu
        <pb n="452" />
        416 
gestalten, jener Einfulirzoll der giinstii»\ste, der den 
Absatz Oas herbeifnhrt, wo der Vertikalabstand der 
Kurven OJ und OK' am grössten ist. Uleieberweise 
ist für das Exportland jener Ansfnbrzoll am vortbeil- 
baftesten, der die internationale Absatzmen^e Oa^ be- 
din^'t, wo die Kurven OE nnd OJ' ihren grössten 
Abstand haben. Den grössten Zollertrag dagegen 
würde für das eine, wie für das andere Land jener 
höhere Zollsatz abwerfen, der die Menge auf Oa^ ein- 
scliränkt, bei weleber die Kurven OJ' und OK' ihren 
grössten Vertikalabstand aufweisen. 
dbetfen sieb die Kurven OK' und 0./', wie in 
Mg. 73, in dem entsehieden abfallenden Tbeile der 
letzteren Kurve, so ersehen wir daraus, dass der Arti 
kel A in dem imj)ortirenden Lande niebt nur zu unserer 
dritten Grrn))])e gehört, sondern auch dass der Im])ort 
noch einem Bedürfnisse der Massen begegnet. Legt 
in einem solchen Falle das rnij)ortland einen Einfuhr 
zoll oder das Ex])ortland einen Ausfuhrzoll auf den 
Artikel, so zeigt die Mgnr, dass jedesfalls die Preis 
steigerung in dem ini])ortirenden Lande — der Rieb- 
timgsuntcrscbied der Linien OP« nnd Od' — nahezu dem 
ganzen Zolle gleicbkommt, der Preisrückgang in dem 
exportirenden Lande aber — der Ricbtungsiintersebied 
der Linien 01\ und Oh' — nur gering sein wird. Wird 
dagegen, wie in Fig. 74, die Kurve OJ' von jener 
OK' in ihrem entschieden ansteigenden Anfangsstüeke 
getrolfen, so muss der Artikel A darum in dem Import 
lande noch keinen Luxusartikel bilden ; er kann sogar 
ein Massenartikel sein, wenn dessen Produktion im
        <pb n="453" />
        Inlande eine so reielilielie ist, dass der liegelir nach 
aiisländisclieni Erzeno-nisse den Charakter einer Lnxus- 
naclitVa^e anninnnt. Dies kann sogar hei Getreide 
zntrett’en, wenn dessen heimische Produktion den Be 
darf des Landes nahezu deckt. In derartigen Fällen 
wird ein Zoll die internationale Verkehrsmenge ver- 
hältnissmässig stärker reduziren, und die Freissteige- 
Fiff. 74. 
.r 
% 
Ua Ut a, fl 
rung in dem Imjmrtlande wird meistens geringer sein 
als der Preisrückgang in dem ex])ortirenden Lande. 
Die Absicht, das Ausland zur Tragung der Zollein 
nahmen eines Staates heranzuziehen, ist demnach durch 
Einfuhrzölle nur in geringem liasse zu erreichen; 
denn bei Artikeln, wie die in Fig. 73 betrachteten, 
wird der Natur der Sache nach doch immer vorwie 
gend das Iidand getrotfen, während Artikel, deren 
Aaspitz u. Lieben. Untersuch, fib. d. Theorie d. Preises. 27
        <pb n="454" />
        418 
Kurven der 74 eiits])rc(*lieii, eine l^elastnn«* des 
Auslandes zwar eher gestalten, dafür aber an sieh 
nur einen ^erin^en Zollertra»- ah werfen. Ein derartiges 
Ziel könnte eher durch Ausfuhrzölle erreicht werden, 
und zwar hei Artikeln, die, wie ehinesiseher Thee 
und amerikanische Baumwolle, im Anslande in grossen 
Massen konsnmirt, dort aber ^ar nicht oder nur nn- 
^enn^'cnd ])rodnzirt werden. Trotzdem zeij»t es sieh, 
dass Ausfuhrzölle mehr und mehr verschwinden, wäh 
rend Einfuhrzölle sich behaupten. Die Ursache dieser 
Erscheinung’ lie^t weniger in den noch vorhandenen 
Besten merkantilistischer Eehrmeinnn^en als vielmehr 
darin, dass jeder Ausfuhrzoll die Produzenten des he- 
tretfenden Artikels im Inlande mehr oder weni^’er 
schädigt, während ein Einfuhrzoll ihnen Vortheil bringt. 
Dieser Vortheil oder Nachtheil, der sich auf verhält- 
nissmässi^ wenige Personen vertheilt, ist eben darum 
für jede einzelne weit emptindlieher und wichtiger 
als die gleichzeitige, entgegengesetzte Wirkung auf 
die Konsumenten. Die Produzenten treten daher mit 
aller Energie gegen Ausfuhrzölle und für Einfuhr 
zölle ein, während die in der Regel weit zahl 
reicheren Konsumenten sich nicht veraidasst sehen, 
ihr entgegengesetztes Interesse, das aber jeden nur 
in einer .kleinen Quote seines Ausgahenhudgets be 
rührt, mit gleichem Nachdrucke zu verfechten. Eben 
daher kommt es auch, dass Rohstotfe der Industrie 
beinahe nirgends mehr mit Einfuhrzöllen, wol aber 
hier und da mit Ausfuhrzöllen — wie der lladern- 
zoll in Oesterreich — belegt sind.
        <pb n="455" />
        82. Steuern und Zölle. 
Die Kurve ABN (Fi^. 72), die wir nebst jenen 
0^1 und ON in Fi^-. 75 re])roduziren, erleidet eine 
Fig. 75 
B 
B. 
A 
Aendernn^, wenn der Artikel Ä in dem betreffenden 
Lande einer Produkt- oder Konsumsteuer welche 
wir durch die Gerade SOS darstellen, unterwoifen 
wird. Fs wird nämlich heim Bestände der Produkt 
steuer t(jö jede Ordinate der Kurve OA um die ent-
        <pb n="456" />
        420 
s])recliemle Ordinate der Geraden SOS länger, so 
dass aus OA die steilere, rotli gezeielmete Kurve OA, 
wird. Dagegen werden beim Bestände der Konsinn- 
steiier tga in ganz gleielier Weise alle Ordinaten der 
Kurve ON kürzer, so dass nun die niedriger ver 
laufende, ebenfalls rotb gezeiebnete Kurve in 
Geltung tritt. Diese eintäebe Aenderiing der Kurven, 
die wir sebón trüber an den Figuren 20, 21 und 05 
kennen gelernt haben, kann allerdings nur dann ein- 
treten, wenn wir uns, wie trüber (80), den inländiseben 
Vorratbsbandel ausgeschlossen denken, weil sonst bei 
jedem Kauf und Verkauf uuterscbiedeu werden müsste, 
ob die Ware der Besteuerung nocb unterliegt oder 
etwa sebón im Vorjabre versteueit wurde. Ebenso 
müssten wir Jene Individuen ausscbeiden, welche den 
Artikel A gleichzeitig konsumiren und produziren, 
wenn wir nicht, wie früher (51), annebmen dürfen, 
dass dieselben die Steuer nur von ihrer Verkaufs 
oder Ankaufsmenge zu entrichten haben. In Folge 
der erwähnten Aenderungen der Kurve (h\ oder ON 
wird auch die frühere Kurve des Gemeinuutzens AHN 
sich ändern und durch die in unserer Figur tbeil- 
weise rotb gezeiebnete Kurve A¡BaN oder AHaNs 
ersetzt werden. Diese beiden, neuen Kurven, von 
welchen die erstere für den Fall der Broduktsteuer, 
die andere für jenen der Konsumsteuer gilt, sind 
ebenso, wie jene ABN^ auf Ein- und Ausfubrmengen 
X bezogen und stellen den durch den Bestand der 
Steuer moditizirten Gemeinnützen des ganzen Landes, 
welcher so wie früher (75) den Steuertrag mitentbält.
        <pb n="457" />
        421 
(lar. Sic haben den in der Ordinatenaelise liegenden 
Punkt Ba gemeinsam, weil der bei völliger Prohibition 
jedes Anssenverkebrs, aber bei ganz freiem Binnen- 
verkebre in dem Artikel A erreichbare Gemeinnützen 
OB dnreli die Piidiebnng einer Prodnktsteuer tga 
genau um denselben Betrag reduzirt wird, wie durch 
eine gleich hohe Konsumsteuer. Dagegen ist die 
Kurve A¡BaN im Punkte Ba steiler, die Kurve 
flacher als die Kurve ABN im Punkte 
/^, weil der Marktpreis durch eine Produktsteuer er 
höbt, durch eine Konsumsteuer aber lierabgedrüekt 
wird. Der Vertikalabstand der beiden neuen Kurven 
ist über jeder Abszisse x der Ordinate xtga der 
Geraden BO^ genau gleieli. Kndlieli können wir 
noch bemerken, dass dureli die Auflegung der Steuer 
der Vereinigungspunkt der Kurve des Gemeinnutzens 
sowol mit der Gesamnitkostenkurve, als mit der Ge- 
sammtnützliebkeitskurve dem Nullpunkte näher rückt; 
im Falb* der Produktsteuer tritt an Stelle des Punktes 
d der Punkt d,, im Falle der Konsumsteuer der 
vertikal über dem letzteren liegende d^, während 
der Punkt t das einemal durch f/, das anderemal 
durch den vertikal darunter liegenden Punkt er 
setzt wird. 
Wir nehmen nun an, dass das betraebtete Land, 
welches den Artikel A juoduzirt und von demselben eine 
Produktsteuer tgo einbebt, diesen Artikel auch imi)or- 
tire. Denken wir uns dann die Kurve A,BaN 75) 
um ihre Antängsordinate OBa berabgeseboben, und 
reproduzirei! wir den rechten Ast OJ dieser Kurve
        <pb n="458" />
        422 
in Fi^. 7G, so stellt deren Ab^^eleitete OJ' die Ini])ort- 
nachtVaj2,eknrve dar. Der Selmittpnnkt der letzteren 
mit der so, wie friilier (Fig*. 78), auf den inländisehen 
Markt rediizirten Exportangebotskurve OE' des Aus 
landes bezeielinet dureli seine Abszisse Oa„ die Ein- 
Yig. 76. 
/7 
// 
fubrmenge bei zollfreiem Verkebr. Für die Ermitt 
lung des günstigsten Einfnbrzollsatzes ist aber die 
Kurve OJ noeb niebt unmittelbar verwendbar. Wir 
müssen nämlieb dem Umstande Reebnung tragen, dass 
jede Einfubrmenge .r des Artikels A eine Verminde 
rung der inländiseben Produktion und somit eine
        <pb n="459" />
        423 
Scliiuälcruii«;' des I*rodiiktsteiierertraj!^es, welelier in 
dem {ganzen Gemeinnützen des Inlandes mit enthalten 
ist, herheitnlnen muss. Um die diireli jede Kinfulir- 
men^e bedingte Selimälerunj»' der Produktion zu ver 
folgen, (greifen wir zu einer Hilfskonstruktion, indem 
wir die Al)&lt;?eleitete OAj der Kurve OAj (Fi^. 75) 
auftra^en; die Produktmen^e Oe — bei Ausselduss 
des Exportes — ergibt sieh dann dureh den Schnitt 
dieser Kurve mit jener in Fi^. 76 jmnktirten Preis 
linie, welche der Tangente der Kurve (Fij*-. 75) 
im Punkte Ba ])arallel ist. Für jeden niedrigeren 
Preis erhalten wir dureh den Schnitt der Preisliine 
mit der OJ' die Einfuhrmen^e und dureh den Sehidtt 
mit der GA; die gleichzeitige, iidändisehe Produkt- 
men^e; der llorizontalabstand des letzteren Sehnitt- 
jmiiktes vom Punkte e bemisst also die Einsehränkunjr 
der inländiseben Produktion, so dass der Steuerent- 
j»an{^- in dem Unterschiede der betretfenden Ordinaten 
der Linie OS erscheint. Kürzen wir dann jede Ordi 
nate der Kurve 0,7 um den derartig- ermittelten Steuer- 
entf^an^, so erhalten wir die neue, in unserer Fi^ur 
roth gezeichnete Kurve G,/^, und diese stellt die 
Nützlichkeit jeder Einfuhrmen^e .t von J schon mit 
Pücksicht auf die Schmälerung des Steuerertra^es 
dar; diese Kurve, welche demnach keine eigentliche 
Nützlichkeitskurve ist, hraiicht auch nicht durchaus 
konkav zu verlaufen. W ir haben also nunmehr den 
^rüssten Vertikalabstand der Kurve G,/^ von jener 
GA" aufzusuchen, und die hetretfende Abszisse be 
zeichnet die für das Inland vortheilhafteste Einfuhr-
        <pb n="460" />
        424 
menge i)a.¿. Da die Naelifrage des Iidandes durch 
den erwälinten Steuerentgang niclit heeindusst wird, 
so ist für den Zollertrag bei jeder Einfulirinenge 
und daher auch bei der eben ermittelten, günstig 
sten Menge nur der Vertikalahstand der Kurven 
0,i' und OE' massgebend. Daraus ergibt sich 
dann der günstigste Einfuhrzollsatz , und wir 
können diesen, der sich ebenso für jede Höbe des 
Produktsteuersatzes tgo ermitteln liesse, mit diesem 
letzteren vergleichen. Wärei^o = oo, d. b. die Pro 
duktion des Artikels A im Inlande verboten, so würde 
die Kurve OJj (Eig. 7(1) mit der Kurve ON (Fig. 75) 
identisch sein und sich ein günstigster Einfuhrzollsatz 
ergeben, der jedesfalls niedriger als tga wäre; 
würde dagegen die inländische Produktsteucr aufge 
hoben, also tga = 0, so würde die Kurve OJ¡ (Fig. 7(1) 
mit dem um OB berabgesebobenen, rechten Aste der 
Kurve ABN (Fig. 75) identisch werden und sich ein 
günstigster Einfuhrzollsatz ergeben, der also nun 
höher als wäre. Es wird sich daher auch ein Steuer 
satz tga¿ tin den lassen, bei dessen Pestande der für das 
Importland vortbcilbafteste Einfuhrzoll der inländischen 
Produktsteuer gerade gleich wäre; hei einer niedrigeren 
Steuer müsste also der Einfuhrzoll den Steuersatz 
übersteigen, hei einer höheren Steuer muss der Zoll 
hinter derselben Zurückbleiben, um jeweilig den höch 
sten Gemeinnützen für das ganze Land zu ergehen. 
Analoge Petrachtungen lehren, dass es in einem 
Exportlande, das von einem Artikel yl eine Konsum 
steuer cinheht, immer einen günstigsten Ausfuhrzoll
        <pb n="461" />
        425 
1111(1 (lass dieser, wenn die Steuer in einer ge 
wissen Höhe tga^ ein^ehoben wird, derselben gerade 
i»leieb sein muss. Ist die Konsumsteuer niedriger als 
tga^^ so wäre der Ausfiibrzoll höher als die Steuer 
anzusetzen; ist die Konsumsteuer höher als fga,^ so 
hätte der Ausfuhrzoll hinter der Steuer zuriickziihleihen. 
\\ ird in dem Exjioi tlande statt der Konsumsteuer eine 
Eroduktsteuer ein^ehohen, so wirkt diese ^enaii wie 
eine Konsumsteuer und ein gleich hoher Ausfuhrzoll. 
Es wird daher, wenn die Erodiiktsteiier gerade mit 
tga^ an^esetzt ist, der grösste Gemeinnützen fiir das 
Fiand erzielt, wenn kein weiterer Ausfuhrzoll ein^e- 
hohen wird, während hei einer niedri^reren l’rodiikt- 
steiier ein solcher zweckmässig wäre. Ist die Produkt 
steuer da^ejren höher als tga,^ so wäre es, um den 
grössten Gemeinnützen zu erzielen, noth wendig, hei 
der Ausfuhr einen Theil der Steuer zurück zu zahlen; 
die ^anze Steuer oder noch mehr zu vergüten, d. h. 
eine Ausfuhr|irämie zu gewähren, würde da^e^en den 
Gemeinnützen beeinträchtigen. 
Wir sehen demnaeh, dass eine Aiisfuhrjirämie, 
welche mit Hintansetzung der fiskalischen Interessen 
eine künstliche Stei^eriin^' der heimischen Produktion 
und eine Ausdehnung des Exjiortes noch über die 
Men^e ()a„ (Ei^. 78 oder 74) hinaus herheiführt, nicht 
gemeinnützig sein kann. Ebenso wirkt ein Ein^an^s- 
zoll naehtheili^', sobald er die Grenze des günstigsten 
Zolles ühersehreitet, wenn auch der fiskalisehe Er 
trag- noch wächst, bis die Einfuhr auf die Alende Ga., 
(Fij&gt;-. 7Ö oder 74) rediizirt ist. Xoeli schädlicher wird
        <pb n="462" />
        — 42() — 
(ler Zoll, wenn er mit Ansseraelitlassnnj»- des Hskali- 
schen Interesses weiter ^estei^ert wird, nin zn Gunsten 
der lieiinisclien Produktion die Kintulir noch inelir zu 
bescdiränken. Ob trotzdem durch Schutzzölle, Kx])ort- 
prämien oder durch ^anz direkte Staatsubventionen 
der Gesannntbeit 0])fer auferle^t werden dürfen, um 
durch die Sehatfung-, Ausdehnung' oder Erhaltung' be 
stimmter Produktionszweige eiium künftigen \ ortheil 
zu erreichen, hängt davon ah, oh dieser anzuhottende 
Vortheil die unvermeidlieh eintretende Sehmälerung 
des gegenwärtigen Gemeinnutzens liherwiegt. Dass 
solche ()])fer nicht immerwährend gebracht werden 
dürfen, ist einleuchtend ; sie können nur dann gerecht 
fertigt erscheinen, wenn es sieh um eine bestimmte 
Frist handelt, welelie es den hetretfenden Unterneh 
mungen ermöglicht, sieh durch geeignete Investitionen 
konkurrenzfähig zu machen oder auch sieh allmälig 
und ohne Krisis aufzulösen. Dabei müssen wir auch 
noch erinnern, dass die Voraussetzungen, auf welchen 
unsere Kurven beruhen, nicht nur die Annahme mit 
umfassen, dass alle wirthsehaftliehen Individuen beider 
Länder in ihren ])ersönliehen Figensehaften unver 
änderlich hleihen, sondern auch, dass sie in ihrem 
anfänglichen Besitz genau bekannt und bestimmt seien, 
so dass die Kurven die früher (58) hes})roehenen Aen- 
derungen erfahren, wenn in Folge zollpolitiseher Vass 
regeln neue Investitionen gemacht oder bestehende 
aufgelöst werden, oder wenn einzelne Unternehmer ihr 
Geschäft aus dem einen Lande in das andere ver 
legen oder gar sammt ihrem Personale auswandern.
        <pb n="463" />
        427 
Wälireiid ein eij^entlielier Schutzzoll die Einfuhr 
noch weiter zu besehränken sucht, als dies hei dein 
tiskalisch einträglichsten Zoll der Fall wäre, muss der 
^üns%ste Zollsatz, wie wir ihn hier kennen gelernt 
haben, jedesfalls niedriger sein als derjenige, welcher 
den höchsten Ertrag liefern würde, und der sich noch 
am ehesten durch Erfahrung feststelleu Hesse. Wenn 
nun ein Land in der That den günstigsten Zollsatz 
für einen bestimmten Artikel aiifle^en will, also nur 
die Absicht verfolgt, einen möglichst grossen Th eil 
des internationalen Gemeinnutzens an sieh zu ziehen, 
so werden sich doch dieselben Schw ierigkeiten zeigen, 
welche auch sonst der vollen Ausnützung eines Mono- 
))ols ent^e^entreten. Die Schwierigkeit ist hier noch 
grösser, da die genaueste Kenntniss der Froduktions- 
und Konsumtionsverhältnisse nicht nur des Inlandes, 
sondern auch des Auslandes erforderlich wäre. I eher- 
dies steht dem Inlande das Ausland nicht als ein 
einziger Markt ^e^enüher, sondern es umfasst in Wirk 
lichkeit den ganzen Komplex aller übrigen Märkte. 
Es ^eht also nicht an, die für jeden der ausländischen 
Plätze geltende Kurve des freien Angebots und der 
freien Nachfrage nach Mass^ahe der hetretfenden 
Trans])ortkosten auf den inländischen Markt zu redu 
zi reu und diese dann zu komhiniren, weil ja auch die 
Waren nicht sämmtlich nach diesem Markt geschickt 
werden. Es treten vielmehr mit Kücksieht aut Hrans- 
])ort- und Zollverhältnisse Ausgleichungen zwisehen 
den ausländischen Märkten ein, und erst nach deren 
Berücksichtigung Hesse sich das Ausland zu einer Ein-
        <pb n="464" />
        428 
licit zusaiiinieiifíisscii. Selbst wenn es ^elnn^en wäre, 
Hilf Grnnil der sor^fältip^sten Ermittlung' aller dieser 
Umstände den ^-iinsti^sten Zollsatz zn finden, so würde 
dessen Anfle^^nn^' doch sofort eben diese Grnndla^e 
alteriren, weil Prcisänderiing'en der versebiedensten 
Artikel im In- und Anslande eintreten müssten. Die 
Preise werden nämlich entweder durch zolljxditiscbe 
Pepressalicn anderer Staaten in Pezn&lt;&gt;' auf andere 
Artikel ganz direkt beeinflusst, oder es wird die ge 
hemmte Wareneinfiibr bei zunächst unveränderter Aus 
fuhr einen Zufluss von Bargeld hervorriifen. Dadurch 
wird die Werthsehätzung des Geldes im Inlande ver 
ringert, so dass die Preise steigen, während sich im 
Auslande die entgegengesetzte Wirkung geltend macht. 
Mit jeder Aenderung irgend eines Preises ändert sich 
aber die Gestalt unserer Kurven, so dass der ermit 
telte Zollsatz nicht mehr der günstigste sein kann. Nur 
hei völliger Stabilität der Preise aller anderen Artikel, 
sowie der Werthsrhätzung des (fehles seitens aller in 
Betracht kommenden Individuen können wir üherhau))t 
Kurven für irgend einen Artikel aufstcllen; von gleich 
zeitig für mehrere oder gar für alle Artikel geltenden 
Kurven kann daher nicht die Hede sein; die Ermitt 
lung eines ganzen Systems günstigster Zollsätze nach 
der Methode, die wir hier für Einen Artikel kennen 
gelernt haben, ist demnach ganz unmöglich. Wenn 
nun auch nicht der vortheilhafteste Zoll, sondern nur 
eine inässig gehaltene Annäherung an denselben ver 
sucht wird, so werden doch die möglichen He])ressalien 
des Auslandes, sowie die durch die Geldhewegung
        <pb n="465" />
        — 429 — 
vcraiilasstcii Preisverscliiebun^en den an^’estrebten 
Vortlieil in Fra^e stellen. Wenn sieb vollends niebrere 
Länder ^leiebzeiti^ in dem Bestreben be^e^nen, einen 
mö^liebst grossen Antbeil des internationalen Gemein 
nutzens an sieh zu ziehen, so ist nur das Eine sieber, 
(loss bei diesem Wettkamj)fe der Verkehr reduzirt 
und der tur alle erreichbare Gemeinnützen ^esebmälert 
werden muss.
        <pb n="466" />
        HÉHÉÍniÉÉÉ 
ÍM 
m 
r -5 
I 
jiÂ-v .. -Â#*^ 
WíT.. v •■• -
        <pb n="467" />
        'yrmflTf' 
It 
A 
n 
um 
o 
n
        <pb n="468" />
        <pb n="469" />
        Die Gleicliiinííeii der Kurven. 
Dem aiialytiscli f&gt;;escliulteii Leser wird es von 
selbst klar geworden sein, dass unsere Kurven dnreb- 
wegs Funktionen der Menge des Einen jeweilig be- 
traebteten Artikels A darstellen. Bezeichnen wir die 
Gesainnitinengen dieses Artikels, also die Abszissen 
in den Figuren 1—5, mit A', die Ordinaten, also die 
Gleichung der Gesammtkostenkurve OA, mit 
m 
und jene der GesammtnUtzliebkeitskurve ON mit 
so kommt die ebarakteristisebe Eigenschaft dieser 
Kurven, dass erstere durchaus konvex, letztere durch 
aus konkav ist, dadurch zum Ausdruck, dass 
(X) durchaus })ositiv und 
F^' (X) durchaus negativ ist. 
Ausserdem wissen wir, dass 
Fa{o) = F„(o) = 0 
ist, und dass es einen gewissen, endlichen Werth von 
X gibt, fUr den 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 
28
        <pb n="470" />
        434 
1111(1 ebenso einen anderen, endliclien Wertli von .Y, 
für den 
^ 
ist. Der erste Ditferentiab|iiotient /^(-Y) ist bis ziiin 
Sclieitel der Kurve ON ])ositiv, weiterhin aber negativ, 
während jener /^„(X) stets positiv oder, wenn die 
Kurve OA unter die Aliszissenaelise lierabreieht, bis 
Zinn Tiet))unhte negativ und erst weiterhin jiositiv ist. 
Die Gleiehiin^en der Ali^eleiteten OA' und ON' er- 
i&gt;‘eben sieh durch deren Entstehung sa rt; ihre Ordinaten 
sind 
X'/&lt;;'(X), bzw. X./^:(X). 
Der in dein Vertikalabstande der urs})riin&lt;&gt;liehen und 
der abgeleiteten Kurve erselieinende Nutzen der I Pro 
duktion oder Konsumtion ist daher 
I -V- f:{x) - 7.’,(X) |, i,m. \h\{x) - X- /&lt;;'(X)|. 
Heide Ausdrücke werden mit wachsendem X immer 
grösser, da sowol 
als auch 
¿ \K{X) - X- x;(X)| = _ x-x:'(x) 
stets jiositiv ist. 
Im Sehnittjmnktc der Abgeleiteten ist 
X= x.F;(X) = 
und daher 
tgt)- = f:{x) = f:{x),
        <pb n="471" />
        435 
(las lieisst: Der Preis ist der gleiche Differential- 
(jiiotient (1er Gesammtkosten und der Gesammt- 
niitzliclikeitskiirve. Ausserdem erreicht beim Schuitt- 
])uiikte der Ah^eleiteteu der Vertikalabstaud der Ge- 
sammtuützlichkeits- und der Gesammtkosteukurve, also 
der Gemeinnützen 
[i«;(x) - F,{x)\ 
sein Maximum, da ja hier 
Ix W - F-{X) = 0 
ist. 
Unterließt der Artikel A einer Prodnktstener tga^ 
so werden die Ordinaten der Gesammtkosteukurve ()A 
um den Stenerertraß X-tga läiißer, und wir haben 
dann für die Ordinaten der Abßeleiteten OA' 
-Y.A [F.(.Y) + X ff,a\ = X + X t¡,a, 
SO dass auch diese um X tga verlänßert erscheinen. 
Ebenso werden durch eine Konsnmstener tga die Or 
dinaten sowol der Gesammtnntzlichkeitsknrve ON^ 
als auch der Abßeleiteten ON' um X tga verkürzt, 
so dass beidemal der Vertikalabstand der nrsj)rünß- 
liehen und der abßeleiteten Kurve unberührt bleibt. 
Für den Verlauf einer Einzelkosten- oder Einzel- 
nützlichkeitsknrve Oa oder On (Fiß. b oder 7) und 
für deren Beziehniiß zu ihren Abßeleiteten ßilt ßenan 
das Gleiche. 
Um, wie in Fiß. 8 und 9, die Kombination von 
Einzelknrven zu Gesammtknrven zu verfolßen, be- 
28*
        <pb n="472" />
        430 
zciclmcii wir die Abszissen der zu vereiui^eudeu Einzel 
kosten- oder Niitzlielikeitskiirven mit .Tg, . . . . und 
deren Ordinaten mit fi{xi\ ferner 
mit X lind F{X) die Abszissen und die Ordinaten der 
ans der Kombination bervorgebenden Gresammtkosten- 
oder Gesammtniitzlicbkeitskurve. Es ist dann 
X + X2 + b ^nj 
F{X) = \fi{x¡) +fÿ{x^+ • • • • H- /„ (a:„) I 
und daller 
F'(X) =/;(*,). •*; + ■•■■+ /.’K) ■ 'l":: 
aX dX dA 
Nun ist aber in den Punkten ^1 ei eben Preises der 
Einzelkurven 
fl i^i) = fl(a:g) = .... = /„' (rr„), 
daher auch 
F'{X) + + =/;W, 
und also aueb 
F' (X) = f;{x,) = fi{x,) = ....= y:(æ.). 
Ferner ist 
F" (X) = /; w ^J = fi (,r,) |¡^ = ....= y- (^.) 
woraus bervorg-ebt, dass der zweite Difterentialquotient 
der Gesammtkurve und somit deren Krümmung- in 
jedem Punkte viel kleiner ist als in dem Punkte gleichen 
Preises jeder Einzelkurve; denn 
dxj dxs dx„ 
~dX' dX dX 
sind immer echte Brüche.
        <pb n="473" />
        437 
l^ezeiclmcii wir mm mit x die Abszissen der 
l^ebeiisfçemisskiirve eines ))estimmten Individuums, 
bezogen auf den Artikel A, so kann x nun aueli ne 
gativ sein, da es die Alenden an^ibt, welelie das In 
dividuum von dem Artikel A für das betraebtete Jabr 
ankauft oder verkauft. Ferner bezeiebne 
/(») 
die Ordinaten dieser Kurve, wobei wir voraussetzen, 
dass bei deren Aufstellung ebenso, wie bei den bisher 
besprochenen Kurven, alle jene ^len^en, deren Ankauf 
oder Verkauf bei keinem ^ejfebenen Preise von A 
vortbeilbaft wäre, aus^esebieden wurden. Fs ist dann 
der zweite I )itferentiab¡uotient 
/"W 
stets negativ. Ferner können wir die Ordinaten der 
Kosten- und Niitzlielikeitskurve a(hi dureb 
|/w —/(«)| 
und jene der Abgeleiteten, d. i. der Anjçebots- und 
Naelifra^ekurve a(hi^ dureb 
x-f{x) 
ausdriieken. Auch wissen wir, dass für einen be 
stimmten, negativen Werth von x 
f{x) = — CO und f (rr) = -f CO 
und ebenso, dass für einen gewissen, ])ositiven Werth 
/(*)=/(*) = -- 
wird, und dass es zwiseben diesen beiden Grenzen
        <pb n="474" />
        einen gewissen, sei es, positiven, sei es, negativen 
Werth von x gil)t, für den 
wird. Der Vertikalabstand der Abgeleiteten von der 
Tjebensgennssknrve, d. i. die Befriedigung 
ist in der Ordinatenacbse am kleinsten und nimmt 
rechts und links fortwährend zu; denn der Ditferen- 
tialquotient 
ist positiv, wenn x &gt; 0, und negativ, wenn x &lt; 0 ist. 
Bezeichnen wir nun mit x die Abszissen und 
mit F{a^ die Ordinaten der Kurven ABN (Big. 68) 
des Gemeinnutzens einer Gesammtheit von Käufern 
und Verkäufern des Artikels A, so gilt von der Funk 
tion F{x) alles, was wir soeben von jener f{x) gesagt 
haben, l'ritt dann ein Individuum I, welches hei 
Aufstellung der Kurve ABN ausser Betracht blieb, 
hinzu, so haben wir die für dasselbe monopolistisch 
vortheilhaftcste An- oder Verkaufsmenge x von A im 
allgemeinen so zu ermitteln, wie dies früher (79) be 
sprochen wurde. Würden jedoch die Kurve Kü,J 
und die Punktreihe (Fig. 71) durchaus konti- 
nuirlich verlaufen, und wäre überdies — was im all 
gemeinen nicht vorausgesetzt werden kann — die 
letztere durchaus konvex und die K' OJ' durchaus 
konkav, so Hesse sich die Älenge des grössten Ab- 
f{x) = 0 
\f{x) — x-f{x)\
        <pb n="475" />
        439 
standes der Abgeleiteten K'O.!' von der Lebens- 
^ennssknrve oder aucb von der Kosten- und Niitz- 
liebkeitskurve des Individuums I durch den Seliidtt 
zweier Kurven bestimmen. Dann könnten wir nämlich 
in Fi^-. 77 aus der rotligezeicbneten Kurve K'OJ' 
ffanz so, wie diese selbst aus jener KOJ entstanden 
ist, eine neue Kurve E"0,J" — die zweite Abge- 
Kifi. 77. 
./ 
,¡h 
leitete der Kurve AYA/—ableiten, und der Schnitt 
punkt dieser Kurve mit der ebenfalls rotben Abge 
leiteten a'()7t der Kosten- und Niitzlicbkeitskurve 
aOn des Individuums I bezeielinet durch seine Ab 
szisse die gesuchte Menge. Der Nutzen, den das 
Individuum I beim Verkaufe — oder wenn der Schnitt-
        <pb n="476" />
        440 
])uiikt links vom Nullpunkte lä^e, beim Ankäufe — 
dieser Menge erzielt, besteht aus dem in dem Verti 
kalabstande der Kurven aOn und a'On erscbeinen- 
den, gewöbnlielien Verkaufs-, bzw. Ankaiifsnntzen und 
ans dem durch den Vertikalabstand des gedachten 
Scbnitt})unktes von der A70,/' bemessenen ^lonopols- 
nutzen. Wir sehen also, dass, wie immer auch die 
Kosten- und Nntzlicbkeitsknrve des Individiiiinis I 
verlaufen und wie immer dann ancb die für dasselbe 
vortlieilbafteste An- oder Verkanfsmenge ansfallen 
möge, doch der mittelst dieser i\Ienge erreichbare 
Monopolsnutzen in dem betreffenden Vertikalabstande 
der ersten und zweiten Abgeleiteten der Kurve KO.I 
von vornherein gegeben erscheint. Für die Ordi- 
naten der ersten Abgeleiteten K'0,J' haben wir den 
Ausdruck 
X • F' (oj), 
für jene der zweiten Abgeleiteten F"0,l" 
X- ^ ^x - F{x) \ = X- F'[x) 4- x:^' F"(x) 
und daher für den Vertikalabstand der beiden Abge 
leiteten 
X • F' (x) — [a; • F' (x) -j- af ■ F" (a:) | = — - F" (a;), 
welcher stets ])ositive Ausdruck also den Älonopols- 
mitzen darstellt. Alle diese Hetracbtungen sind auch 
auf den Fall anwendbar, dass das Individuum I ein 
wirkliches, ausschliessliches Monopol des Verkaufes 
oder Ankaufes des Artikels A besässe; in diesem
        <pb n="477" />
        441 
Falle verscliwindet entweder der linke, oder der 
reelite Ast der Kurve EOJ. 
Denken wir uns nun, dass in Fi^. 77 EOJ die 
auf den Artikel A bezogene Exj)ortkosten- und Import- 
niitzlielikeitsknrve eines ganzen Landes, das wir als 
Inland bezeichnen, wäre, nnd dass a On nicht die 
Kosten- nnd Nntzliehkeitskiirve eines einzelnen Indi- 
vidnuins, sondern die mit Derüeksichtignng aller Trans 
portkosten auf den iidändisehen ]\Iarkt rednzirte Export 
kosten- nnd Iniportnützlichkeitsknrve des gesanmiten 
Auslandes für denselben Artikel A darstelle. Es ist 
dann, wenn wir die Ordinaten der letzteren Kniwe 
nun mit 
FW 
bezeiebnen, der zweite Ditferentiabpiotient F"W stets 
l)ositiv, und wenn auch die Abgeleitete 
X • F' {x) 
dieser Kurve, d. i. die ExjKutangebots- und Import- 
naebfragekurve des Auslandes, in unserer Figur a On 
ílurebaus konvex wäre, so können wir wieder eine 
zweite Abgeleitete 
X 
d_ 
dx 
\xV'{x)\ 
a;- F'W -F af- F"W 
aufstellen. Der Schnittpunkt der letzteren, in Fig. 77 
punktirten Kurve a” On" mit jener EyOJ' bezeielmet, 
wenn der Artikel A im Iidande keiner Steuer unter 
liegt, durch seine in unserer Figur j)ositive Abszisse 
die für das Inland als Ganzes vortheilhafteste Einfubr- 
menge x von A; wäre die Abszisse negativ, so würde
        <pb n="478" />
        — 442 
sie flic ^Uiisti^ste Âiisfulirmeii^T nii^el)en. Der Ver- 
tikala])staiid des Scliiiittpiiiiktes von der ersten Abge 
leiteten a On beniisst den Xoliertra^, der sieli i)ei 
Anfle^nn»* jenes Zolles ergibt, weleber die vortbeil- 
bafteste Iin])ort- oder Ex])ortinenj&gt;;e berbeifnliid. Dieser 
Zollertrag ist also 
IX- V {x) H- x‘ • V'\x) I — X - V(x) = X“ • V"(x)^ 
so dass der günstigste Zollsatz selbst dnreb 
aiisgedriiekt wird und also ])ositiv (Einfnbrzoll) oder 
negativ (Anstnbrzoll) ist, je naebdem x ])ositiv oder 
negativ ist, d. li. je naebdem das Inland importirt 
oder exportirt. Betraebten wir endlieb den Sebnitt- 
])imkt der beiden Kurven zweiter Ableitung, so be- 
zeiebnet derselbe natürlicb den grössten Vertikalabstand 
der beiden Kurven erster Ableitung, also das Maxi 
mum des Zollertrages. 
Anders ist es, wenn der Artikel A im Inlande 
einer Produkt- oder einer Konsumsteuer t(ja unterliegt. 
Bezeiebnen wir, um diesen Fall zu untersiieben, die 
Abszissen und Ordinaten der Kurve OA (Fig. 75) 
mit und F^{X^ und jene der Kurve ON mit 
und 7^'„(A"„), ferner die Ein- oder Ausfubrmenge wieder 
mit X. so ist 
X = A"„ — A"„. 
Zugleieb werden dureb x die Abszissen der Kurven 
AjBaN oder ABaN^ (Fig. 75) angegeben, und wenn 
wir die Ordinaten dieser Kurven mit 7^’/(.r), bzw. 
7^^(j'), bezeiebnen, so haben wir
        <pb n="479" />
        443 
= /'IK) - 
/'»W = I — X„'/^(t| — F„(X„). 
Da min nach der Regel der Kombination im Falle 
der Rroduktsteuer 
und ebenso im Falle der Konsumsteuer 
Z'VK) = ^VK) — tfja 
sein muss, so erhalten wir mit Hilfe der Bedingung 
X„ — X^ = X 
die Abhängigkeit der beiden Klengen und X„ von 
jener x und können also 
und Z„ = io„(.r) 
setzen. Demnach ist nun 
t ¡{x) = |to„(.T)| — I I — tga-w^{x)^ 
/'zW = Z'" I tw«WI — |to„(a:)| — tga-tí}^{x). 
Nun haben wir aber noch zu beachten, dass im Falle 
der Rroduktsteuer jede Einfuhr von A einen Stcuer- 
entgang und jede Ausfuhr einen Steuerzuwachs mit 
sich bringt, und zwar ergibt die Steuer hei Ausschluss 
jedes Aussenhandels in dem Artikel A, also hei 
X — 0, den Betrag 
tga-w,{o), 
während der Steuerertrag hei freier Ein- oder Aus 
fuhr auf 
fga&gt;io,{x) 
fällt oder steigt. Ebenso bewirkt im Falle der Kon-
        <pb n="480" />
        444 
sum Steuer die Eiiifulir einen Stenerznwaelis, die Ans- 
fnlir al)er einen Stenerent^an^'. Mit Hiieksield liieranf 
er^il)t sieli tnr den Gemeinmitzen des ganzen Inlandes 
das einemal 
b\(a?) — tga\ lo^(o)—to„(æ) | = F„| (o„(x) | — b\| (x) \ — (o), 
das anderemal aber 
b\{x) + t(ja\ m„(o) | = /^;|ío„(.t) | —7\| |— 
also, da selbstverständlieli 
ist, beidemal »enan das Gleiebe. Die Kurve, deren 
Ordinaten dnreb diesen Ansdrnek an^e^eben werden, 
ist, wenn wir sie um ihre Ant'an^sordinate 
(Fi^‘. 75) berabseliieben, in ibrem reell ten Aste mit 
der in Fi^*. 7G rotb ^ezeiebneten Kurve OJ¡ identiseb. 
Die für das Inland mit Iviieksiebt auf die daselbst 
bestellende Produkt- oder Konsnmstener tga vortlieil- 
liafteste Ein- oder Ansfnlirmen^e x von A wird also 
dnreb den grössten Vertikalabstand dieser Kurve 
von der Exjiortangebots- und Imjiortnaelifrageknrve 
I a; F'(a?) | des Auslandes oder dnreb den Selmittjiniikt 
der Abgeleiteten dieser beiden Kurven oder analy 
tisch dnreli die Gleiclinng 
K I I &lt;{x) — F; I m/a?) I m/a?) = F'(a?) -f xV"(x) 
bestimmt. Gleielizeitig erselieint der Zollertrag jenes 
Zollsatzes, der die giiiistigste Inijiort- oder Export 
menge lierbeifnlirt, in dem betretfenden Vertikalab 
stande der ansländiselien Exjiortangebots- und Im-
        <pb n="481" />
        j)ortnaclifra^ekurvc von der Abgeleiteten 
I z I der Kurve A¡BaN iin Falle der Produkt; 
Steuer oder von der Abgeleiteten | der Kurve 
ABaN^ im Falle der Konsninsteuer. Dieser Veiii- 
kalabstand ist aber das einemal 
—^a| ^a{^)\'i»'a{x) — tgO‘œ,{x)—V'{x'^, 
das andereinal aber 
| —/;'[ o)^{x)\-ü)',{x) — t(}a œ^{x)— V'{x)^ 
so dass der günstigste Zollsatz selbst jedesmal dureb 
den betrettenden, in { } stehenden Ausdruck angegeben 
wird. Mit Rücksicht auf die letzte Gleichung ver 
wandelt sich dieser Ausdruck das einemal in 
a: -V"{x) — tga-io'^{x), 
das andereinal aber in 
X •V"{x) — tfja-ü)'^{x), 
wo natürlich jedesmal der dureb die angezogene Glei 
chung bestimmte Werth von x einzusetzen ist. Für 
jenen Produktsteuersatz bei dessen Itestand der 
vortbeilbafteste Finfubrzoll der inländiseben Steuer ge 
rade gleich ist, haben wir 
— 
x-V"{x) 
1 -f io'(a?) 
und ebenso für jenen Konsumsteuersatz bei dessen 
Bestand der günstigste Ausfuhrzoll der Steuer gerade 
gleich ist.
        <pb n="482" />
        Der erstere dieser Ausdrücke ist ])ositiv, weil in dem 
selben X und auch der Nenner des Bruches positiv 
ist, da co'a(x) zwar negativ, aber immer nnmeriseb 
kleiner als Eins ist; der 1 )ifferentialqnotient cu'^(x) be- 
misst nämlieb die Sebmälerung der Produktion durch 
einen Zuwachs der Einfuhr, und zwar muss die erstere 
Menge kleiner sein als die zweite, da immer ein Tbeil 
der Mebreinfubr zur Steigerung der Konsumtion ver 
wendet werden wird. Der Ausdruck für ist da 
gegen negativ, da in demselben ausser x, das hier 
negativ ist, lauter positive Grössen Vorkommen. End 
lich liesse sich für jede Höhe der Produkt- oder Kon 
sumsteuer f(/(T auch der Zollsatz ermitteln, der jene 
lm])ort- oder Exportmenge x herbeiführt, bei welcher 
die ganze, fiskalische Einnahme an Steuer und Zoll, 
d. i. bei der Produktsteuer 
tfja- iö,{x) -f a? • I F;{x) — V' (x) |, 
oder bei der Konsumsteuer 
t()a• íü„(ír) + O’ • I / g (.r) — P' {x) |, 
am grössten wird. 
Für den Analytiker kann es noch von Interesse 
sein, zu verfolgen, wie die unseren letzten Betrach 
tungen zu Grunde liegende Annahme, dass die erste 
Abgeleitete |^ /'(^)| durchaus dieselbe Krümmungs 
richtung wie die betreifende, ursprüngliche Kurve/(.r) 
habe, zum Ausdrucke kommt. Es muss nämlich der 
zweite 1 )ifierentialquotient
        <pb n="483" />
        447 
)| 
d 
dx 
|/'(x) + x-f"{x)\ = 2f'{x) + x-f'"{x) 
stets dasselbe Vorzeicben, wie jener f" (ir), haben, so 
dass er also negativ sein muss, wenn die nrs])rUn^- 
licbe Kurve nach unten konkav gezeichnet ist. Diese 
Bedingung würde am sichersten erfüllt sein, wenn 
immer (a?) = 0, also f" (a?) konstant wäre ; doch 
hätten wir dann eine I^arabel mit vertikal nach ab 
wärts laufender Achse, also eine Kurve vor uns, die 
nicht durch vertikale Asymptoten begrenzt wäre. Wenn 
sonach f" (x) keineswegs immer = 0 sein kann, so 
muss dies aber doch wenigstens in Einem Punkte der 
Kurve J (x) der Fall sein. Um dies nachzuweisen, 
legen wir nacheinander an jeden Punkt der Kurve 
/(x) eine Parabel, welche eine vertikal nach unten 
gehende Achse hat und mit der Kurve /(x) eine Be 
rührung zweiter Ordnung eingeht, so dass ihr erster 
und zweiter 1 litferentiahpiotient = f (a-), bzw. /" (z), 
ist. Es ist nun klar, dass am rechten Ende der Kurve 
f{x) diese und die oskulirende Parabel sich derart 
schneiden müssen, dass die Kurve f{x) rechts tiefer 
und links höher liegt, während am linken Ende der 
Kuiwe f{x) das entgegengesetzte Verhältniss obwalten 
muss. Es ist also am rechten Ende der Kurve f{x) 
ihr dritter Differentiahiuotient algebraisch kleiner, am 
linken Ende aber grösser als jener der oskulirenden 
Parabel, und da letzterer immer = 0 ist, muss (a’) 
das einemal negativ, das anderemal jmsitiv sein. 
Daraus folgt, dass es in der Kurve f{x) mindestens 
Einen Punkt geben wird, wo f" (x) = 0 ist, wo also
        <pb n="484" />
        448 
(lie oskulireiule Parabel eine Beriilirung- dritter Ord- 
min^ eingebt. Docli kann es im allgemeinen auch 
mehrere solche Punkte geben, nur muss deren Zald 
immer eine ungerade sein. Vom linken Ende der Kurve 
f{x) bis zu ihrem ersten, derartigen Punkt ist f" {x) 
])ositiv und wird weiter rechts negativ, so dass in 
diesem Punkte negativ ist und daher die osku- 
lirende Parabel beiderseits über der Kurve f{x) liegt. 
Das Gleiche gilt von dem dritten, fünften u. s. w. der 
erwähnten Punkte, während im zweiten, vierten u. s. w. 
das Gegeutheil stattfindet. Unter jenen Strecken der 
Kurve/(ic), in welchen f"{x) positiv ist, d. i. also, 
wenn wir von links nach rechts gehen, unter jenen 
Strecken, welche dem ersten, dritten u. s. w. der er 
wähnten Punkte voraiigeheii, können, nur insoweit 
dieselben zur Rechten der Ordiuatenachse liegen, kon 
vexe Stellen in der ersten Abgeleiteten Vorkommen, 
weil nur hier das Produkt xf" (x) j)ositiv ist. Ebenso 
können zur Linken der Ordinatenachse Gegenkrüm 
mungen in der Abgeleiteten nur unter jenen Strecken 
der Kurve /(x) Vorkommen, welche den zuletzt ge 
nannten Punkten naehfolgen.
        <pb n="485" />
        in» 
m 
-t 
Anluin«' II. 
Autpitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d. Preises. 
29
        <pb n="486" />
        im 
J 
I 
I 
IR 
*
        <pb n="487" />
        29*- 
1. Dio fWriodi^im^Hfimktíoii iiiid das Maximum dor 
BofriíMlipiig. 
Wir wollen nun versuchen, die Ikdriediguni»- in 
ihrer Ahhän^iß^keif von allen irgend in Betracht kom 
menden Einflüssen zu hehandeln, ohne unsere his- 
heriíçen Voraussetzungen festzuhalten. Gerade dadurch 
wird sich die Nothwendigkeit aller dieser Voraus 
setzungen heraussteilen, sobald wir, wie bisher, eine 
Darstellung in der Ebene gehen wollen, während aller 
dings eine Darstellung im Raume noch möglich ist, 
wenn auch Eine der Voraussetzungen, wie wir dies 
hinsichtlich der festen Werthschätzung des Bargeldes 
hier durchführen wollen, fallen gelassen wird ; zugleich 
wird sich dabei zeigen, wie unsere verschiedenen Vor 
aussetzungen analytisch zum Ausdrucke kommen. 
Zu dem Ende bezeichnen wir mit 
2 die ikfriedigung, welche ein gegebenes, wiith- 
schaftliches Individuum durch irgend eine be 
stimmte Kombination seiner ganzen Konsumtion, 
Produktion und Vorrathshaltung hei den gegen- 
wäi-tig geltenden, am Schlüsse des Jahres zahl 
baren Preisen
        <pb n="488" />
        452 
(V (9 'h ' " (9 'K 
ffj "Ca ? CV ' • • Ul 
.9k 
• v„ 
• 
-.9« 
./;,./; 
■y: 
'^iO '"'k 
, (%;, 
K, h 
/)., Pk 
Pn 
iiiul bei den von dem Individuum 
erwarteten, künftigen Preisen 
aller Artikel B . . . N erzielt. Bei 
dieser Kombination seien 
die Verbranebsmen^en, 
die Krzen^nn^smen^en aller Artikel, 
die Zahl der von jedem Artikel neu in 
Gebraiicb genommenen und dadiireb 
zum Markt])reise nnverkänflieb ge 
wordenen, ganzen Einbeiten und 
die Zahl der ans der eigenen Pro 
duktion fertig gestellten Markt- 
einbeiten. Ferner seien 
die sehliesslieb ^ebaltenen, verküiit- 
licben \ (u rätbe aller Artikel, und sei 
der scbliessliebe Besitz an Bargeld, 
ein sei 11 iessliel i der etwa i^ei i, j ederzeit 
talli^en Gntbabnn^en und abzü^lieb 
etwaiger, derartiger Zaldun^sver- 
))tliebtun^‘en des betraebteten Indi 
viduums. Wir bezeiebnen ferner mit 
die anfäunlieb vorbandenen, ver- 
käuflieben Vorrätbe, mit 
die antan^lieb vorbandenen, un- 
ganzen und daher zum Marktjueise 
uuverkänflieben, aus dem vorjähri 
gen Konsum übrig- gebliebenen Vor 
rätbe und mit 
die anfänglich vorhandenen, unferti 
gen, unverkäiiflieben, aus der vor-
        <pb n="489" />
        453 
Jälirigeii Produktion lierriilirenden Vorrätlie. End- 
lie] i sei 
//„ der Werth, den ?] dann annelimen würde, wenn 
hei der an^enonnnenen Konihination der Aufwand 
für alle anznkanfenden Artikel dein Erlöse für 
alle zn verkaufenden gerade ¿»leieh wäre. Alle 
jene Gelder, auf deren Eingang* das Individnnni 
iin laufenden Jahre reehnen kann, sind in r¡^ 
sehon mit enthalten, während wir hinsiehtlieh un 
erwarteter Eingänge, wie Erhsehaften, Lotterie- 
gewinnste u. dgl. davon ahsehen, dass solche dem 
Individuum vor Jahresschluss bekannt würden, 
so dass wir annehmen können, dass dieselben 
sich erst hei der Ermittlung des für das fol 
gende Jahr geltend machen werden. Dagegen 
sind alle Schenkungen und Akte der Wolthätig- 
keit und des (^emeinsinnes, soweit sie nicht auf 
sehon früher eingegangenen Verjifliehtungen be 
ruhen, sowie andere Verhrauehsartikel anzusehen, 
die für die angenommene Kombination anzukaufen 
sind und die Befriedigung mit beeinflussen. 
Zum besseren Verständniss unserer Bezeiehnuiigen 
sei hier sogleich bemerkt, dass, wenn der Artikel A 
hei der angenommenen Kombination weder konsumirt, 
noch produzirt wird, v^= Qa = c« —fa — B wird. Wenn 
mm auch = 0 ist, so kann trotzdem und 
von Null verschieden sein, der Artikel A also in der 
Kombination erscheinen, wenn das Individuum hinsieht 
lieh dieses Artikels nur als blosser \ (urathshändler 
auftritt, wie dies hei einem blossen Terminartikel oder
        <pb n="490" />
        454 
einem Werthpapiere immer der Fall ist. Das Gleiehe 
gilt von einem keiner Ahniitznng unterliegenden Ge- 
hranelisartikel, von dem hei der angenommenen Kom- 
hination niehts hergestellt nnd aueh weder etwas ver 
scheidet, noch zu anderen Gegenständen verarbeitet 
wird. Dass hei einem derartigen Artikel A auch = 0 
ist, ohwol die vorhandenen Stücke benützt werden 
mögen, rührt daher, dass dieselben zum Marktjireise 
verkäuflich bleiben. 
Ist A ein Artikel, der in kleinsten IViengen ge 
kauft wird, so ist = 0 und v„ = und ebenso 
wäre pg = 0 und e„ wenn sieh hei der Produktion 
von A keine verschiedenen Arheitsstadien unterschei 
den liessen und der Verkauf in kleinsten Mengen statt 
fände; in den ersten vier Kajiiteln haben wir nur solche 
Artikel vor Augen gehabt. 
Ist A ein schon bestehendes Einzelohjekt, dessen 
Besitz zu der angenommenen Kombination gehört, so 
ist k„ = p„ = = Ja = 0, während a„ = 0 oder = 1 
ist, je nachdem das Objekt erst zu erwerben ist 
oder schon zum anfänglichen Besitz des Individuums 
gehört. Ueherdies ist = 0 und = 1, wenn 
das Objekt A hei seiner zu der angenommenen Kom 
bination gehörigen Verwendungsart in der sehliess- 
lichen Vermögensinventur in unveränderter Qualität 
erscheint. Ist dies nicht der Fall, so ist = 1 
und Sa = 0, weil wir dann in der schliesslichen Ver 
mögensinventur das ursprüngliche Objekt ^1 gar nicht 
mehr vor uns haben, sondern ein anderes, in welches 
das Objekt A durch die hetretfende, sei es, deterio-
        <pb n="491" />
        rirende, sei es ineliorireiide Verweiidim^sart verwan 
delt worden ist. Wir können dann dieses andere 
Objekt (wenn es auch das frühere, nunmehr abgenutzte 
ist) als ein neues ansehen, dessen Herstellung zu der 
angenommenen Kombination gehört, und es ist Iiin- 
siebtlich dieses neuen Objektes a = k = = ^ = U = 0 
und e =J = s = \. Bezeichnen wir dagegen mit A 
ein von dem Individuum erst herzustellendes Objekt, 
so ist zwar = k„ = = 0, aber ist, wenn 
die Arbeit schon im Vorjalir begonnen bat, &gt; 0 und 
darum natürlich &lt; 1. Letzteres ist auch bei = () 
der Fall, wenn das Objekt A im laufenden Jahre 
noch nicht vollendet wird, und daher = () ist; 
übrigens ist s„ auch dann =0, wenn das Objekt .1 
zwar im laufenden Jahre fertig gestellt wird, also 
= 1 ist, aber die Herstellung überbau|d nicht für 
eigene Reebnung, sondern über fremde Bestellung 
unternommen wurde. Ist A ein noch nicht bestehen 
des Objekt, welches für das betraebtete Individuum 
von einem Anderen bergestellt werden soll, so ist 
^■a = — Pa = = fa = ^ "ud aiicll = g^ = () 
und = 1, wenn die Vollendungsfrist eine einjährige 
oder noch längere ist; bei einem früheren Vollendungs 
termine, welcher schon im laufenden Jahre eine Be 
nützung des Objektes A gestattet, ist ganz, wie bei 
einem bereits bestehenden Objekt, = g^ = 0 und 
^a — 1 = 1 uiul = 0, jc iiaclidem 
diese Benützung die Besebatfenlieit des Objektes ganz 
unberührt lässt oder nicht. Endlich gibt es, wenn A 
ein schon bestehendes Einzelobjekt ist, das nicht ohne
        <pb n="492" />
        4Õ6 
Abnützung gel)nuiclit werden kann, gar kein 
Statt dessen müssen jene Preise tgX, bekannt sein, 
zu weleben das Individuum die versebiedenen Objekte, 
in welelie das Objekt A je iiaeli seiner Verwendungs 
art sieb verwandeln kann, im näelisten Jahre ver 
kaufen zu können glaubt, oder jene bölieren Preise, 
zu welchen es dieselben — seiner jetzigen ^Meinung 
nach — dann gerne kaufen würde. Dagegen gibt es 
ein tgX,ai weini A ein erst berzustellendes Objekt 
ist, es sei denn, dass das Individuum diese Herstel 
lung nur über fremde Bestellung vornäbme. 
Weiters kann selbstverständlieb keine der Grössen 
V, e, g,f, k oder p je &lt; 0 sein; 5 kann nur bei einem 
Terminartikel &lt; 0 werden, und ebenso kann auch a 
nur dann &lt; 0 sein, wenn das Individuum früher einen 
nun fälligen Terminverkauf des betreifenden Artikels 
vorgenommen bat. Ist A das Zablungsvers])reeben 
des betrachteten Individuums selbst, so kann sowol 
als auch niemals &gt; 0 sein. 
Bei einem Terminartikel bezeichnet tg^ den für 
den betreffenden 'Termin erwarteten Preis des dann 
effektiv zu überiiebmenden oder zu liefernden Arti 
kels. Ist A ein Wertb})a})ier, das einen Ertrag ab 
wirft, so bezeichnet tg^^ den künftig erwarteten 
Kurs, einscbliesslicb des erwarteten Ertrages, wäh 
rend der gegenwärtige Preis tgi)',, immer „ex coupon 
d. b. abzüglich des diesjährigen Erträgnisses, zu ver 
stehen ist. 
Die Befriedigung 2 bängt von der mit der an 
genommenen Kombination verknüpften Anuelimlicli-
        <pb n="493" />
        457 
keit oder Unaimelnnliclikcit und von der seldiesslieli 
verbleibenden Vennögensinventnr ab. 
Die Anneliinlielikeit oder ITnanneliinlielikeit wieder 
liän^t von allen jenen Details ab, die wir früher (32 
lind 47) als zur Kennzeiehniing einer bestimmten, ein 
ganzes Jahr umfassenden Kombination erforderlieb 
kennen gelernt haben, und überdies von der genauen 
Feststellung der in Kapitel V besproelienen, mannig 
faltigen Vorratbslialtungen in versebiedenen Artikeln. 
Wären alle diese Details wirklieb so genau gegeben, 
dass das freie Ermessen des Individuums vollkommen 
aiisgeselilossen bliebe, so wäre auch die Annelinilieb- 
keit oder IJnannehmliebkeit der Kombination genau 
bestimmt. Sind dagegen nur die Mengen u, e, /y, f 
und s jedes Artikels gegeben, so bleibt der Willkür 
des Individuums noeli ein weiter Spielraum offen. 
Dasselbe kann den gleieben Verbraueli v jedes Arti 
kels in mannigfaltigster Weise auf die versebieden- 
artigsten Konsumjiortionen vertbeilen und seine Zeit- 
eintbeiliing, sowie diejenige der von ihm abhängigen 
Fersonen und dadureb insbesondere aucb die zeitliebe 
Vertbeilung der Froduktion der von allen Artikeln 
berzustellenden, bestimmten Mengen e naeb Gutdünken 
festsetzen. Ferner kann das Individuum den sebliess- 
lieb verbleibenden Konsumtionsrest, d. i. (// -|- k — v), 
irgend eines Artikels ganz gleiebförmig oder in jeder 
anderen Weise auf die sämmtlieben, zur Verfügung 
stellenden )larkteinbeiten, also auf die neu in Gebraueb 
zu nebmenden g Einheiten und auf die den anfang- 
lieben Konsumtionsvorratb k bildenden, alten Einheiten
        <pb n="494" />
        458 
(les betreffenden Artikels vertheilen. Ebenso kann 
(las Individuum auch nebst den / fertig zu stellenden 
Einheiten von irgend einem Artikel noeli viele oder 
wenige, die unfertig bleiben, in Angriff nehmen, so dass 
der gleiche, scbliesslicbe Produktionsrest [e + p — f) 
aus vielen oder wenigen, gleicdi oder sehr ungleieb weit 
fertigen Einheiten bestehen kann. Nun wird aber unter 
den unzähligen IMögliclikeiten, die sich solcherart noch 
darhieten, wenn auch die Mengen v, c, f und aller 
Ai tikel gegeben sind, doch immer nur Eine die ange 
nehmste oder mindest unangenehme sein. Eühren wir 
nun die Voraussetzung ein, dass das Individuum 
jeweilig das ihm Angenehmste anstrehe und zu 
wählen wisse, so ist die mit einer gegebenen Kom 
bination der Mengen v, c, //,/‘und.s aller Artikel ver 
bundene Annehmlichkeit oder Unannehndichkeit genau 
bestimmt. 
Was nun die schliessliche Vermögensinventur anhe- 
langt, so hängt dieselbe nicht nur von den schliesslichen 
Konsumtionsresten [g -]r k — v), den Produktionsresten 
(c + p — /) und den verkäuflichen Scldussvorräthen s 
ah, sondern auch von den von dem Individuum erwar 
teten, künftigen Preisen tgX&gt; aller Artikel und endlich 
auch noch von dem schliesslichen Hargeldhesitze r¡. 
Die gegenwärtig geltenden Preise tgih sind dagegen 
nur dadurch mithestimmend, dass sie für die Höhe 
der Aufwands- und Erlösheträge und dadurch für den 
schliesslichen Hargeldhesitz r¡ massgebend sind ; es ist 
nämlich 
V = Vo - [iHn -fa- + S„) • t() + (&lt;j,. -/„ - a, + s,). Uf „ + ... + ((J„ -f„ -
        <pb n="495" />
        W 
L. 
¡ 
459 
Fassen wir mm jene Variabein ziisaininen, (liireli 
welche unter Festhaltim^^ unserer obigen Voraussetzung 
die l^efriedigung bestimmt wird, so können wir 
setzen. Hier ist 0( ) eine lediglich individuelle Funk 
tion, deren Form nur durch die persönlichen Eigen 
schaften des Individuums — seine Neigungen, Fähig 
keiten, Gewohnheiten, Familienverhältnisse u. s. w. — 
sowie durch die Art und Grösse seines anfänglichen 
Besitzes bestimmt wird. Der anfängliche Besitz wird 
durch die Konstanten 
1 Pay Pb * ' * Pn 
noch nicht genau genug bestimmt, weil jede der Grössen 
k und p nur die Summe der anfänglich vorhandenen, 
für die Vermögensinventur anreehenharen Verbrauchs-, 
hzw. Herstellungsperzente (66 und 68) darstellt. Nun 
ist es aber, wie schon betont, nicht gleichgültig, oh 
die gleiche Summe k verfügbarer Verhrauchsperzente 
an vielen, stark abgenützten, oder an wenigen gut 
erhaltenen Einheiten haftet und ebenso, oh p aus 
wenigen oder vielen mehr oder weniger fertigen Ein 
heiten besteht. Es müssen daher zur ('harakterisirung 
eines bestimmten, wirthsehaftlichen Individuums auch 
alle diese Details auf das Vollständigste gegeben sein, 
und sind dieselben für die Form der Funktion 0( ) 
mithestimmend. Ferner gehört allerdings auch zum 
anfänglichen Besitz des Individuums, und hätte daher 
nur die Ditferenz {rj — rj„) als Variable in der Fimktion 
zu erscheinen. Es ist jedoch für die weitere Behand-
        <pb n="496" />
        — 4f;o — 
lililí»* zwcckmässig-er, den i^aiizeii, «cliliessliclien Har- 
i&gt;*eldbesitz tj iingetreiiiit vor Augen zu lielialten; da 
sieli sonaeli der Einfluss einer etwaigen Aenderiing 
der Konstanten % schon in der Variablen // geltend 
inacbt, so ist die Form der Funktion &lt;/&gt;( ), wie wir 
sie antgestellt haben, von r¡^ unabhängig. 
Wollen wir nun einen Sebritt weiter geben, so 
sehen wir, dass, wenn auch die Grössen //, / und 5, 
die bei allen Artikeln in ganzen Markteinbeiten aiis- 
gedriiekt sind, dieselben bleiben, doch die Mengen 
^ ""(l e, die nach kleineren, individuell verseliiedenen 
Fraktionen gemessen werden, innerhalb weiter Grenzen 
variiren können. Nehmen wir nun in weiterer An 
wendung unserer ersten Voraussetzung an, dass das 
Individuum die Mengen v und e aller Artikel auf das 
Vortbeilbafteste wähle, so wird es so vorzugeben haben, 
dass liinsiebtlieb jedes der Artikel J, /&gt;’... W die 
lledingungsgleiebunneii 
2) 
•0 
dz ) 
dv 
du 
0 und 
dz _ d*/&gt;( ) 
de 
de 
= 0 
erfüllt werden. Die erste dieser (ileiebimgen besagt, 
dass der Verbraueb v Jedes Artikels nur soweit ans- 
zudelinen ist, bis ein ^lelirverbraiieb entweder an und 
till* sieb unangenehm oder doch wegen der gleieb- 
zeitigen Verminderung des von der gegebenen (le 
in auebsmenge (j übrig bleibenden Konsumtionsrestes 
+ bzw. seines künftigen Wertbes ■ /r/Ç
        <pb n="497" />
        4(51 
iinvortlieilliaft wäre. Ebenso besagt die Gieielnm^ 3), 
dass die Erzen^nn^ e nur so weit aiisziidelinen ist, 
bis die Enanneliinliclikeit einer Melirerzeiii^nn^ der 
¿»leielizeiti^en Stei^ernn^ des Wertlies (e -j- 
des l’rodnktionsrestes ^leieb kommt. Selbstverständ- 
licb entfällt die üleiebnn^ 2) binsiebtlieb jener Ar 
tikel, bei weleben naeli ihrer Natur v = 0 oder 
V = (f ist, so dass v keine selbstständige Variable 
bildet; ebenso entfällt die Gleiebnn^ 3) binsiebtlieb 
jener Artikel, bei weleben r = 0 oder e = / ist. Aber 
aneb binsiebtlieb anderer Artikel können diese He- 
din^nn^s^'leiebnnß'en Wegfällen; ist z. Ik r/„ sehr klein, 
so kann es Vorkommen, dass aneb bei dem i&gt;rösst- 
mö^lieben \ erbraneb = (//„ + A„) der Ditterential- 
(inotient ^ &gt; 0 bliebe, d. b. dass eine weitere 
dVa 
Stei^eriiiii? des Verbranebes die Befriedi&lt;»nnfç noeb 
erböben würde; dann wird aber der Verbraneb eben 
auf sein Maximnm ans^edebnt werden. Ebenso ^fibt 
es bei jeder ^e^ebenen Gebranebsmenife r/„ aneb ein 
Minimum des Verbranebes weil, wie erwähnt, 
aneb abgesehen von jeder Benützung sebón eine 
Entwerthnn^, also ein Verbraneb, eintritt, sobald die 
betreffende Alende in die Hand des letzten Kon 
sumenten überlebt. Anf dieses Minimum wird dei 
Verbraneb beschränkt bleiben, wenn so über 
mässig ^ross ist, dass aneb bei dem kleinstmöj^licben 
i;„ der Differentialqnotient 
d±il 
dv„ 
&lt; 0 bliebe; liier 
würde also eine weitereEinsebränkiin^j^des Verbranebes,
        <pb n="498" />
        4G2 
imleii) sic (lie Sclilussiiivciitur erliälit, die Befriedi^im^ 
steigern. Niclit minder kann es Vorkommen, dass aueli 
hei der kleinstmögliclien Erzen^rnn^ e„ = — yyj 
der Diiferentiakinotient 1 &lt; () bliche, weil es 
hei dem allzn^rossen /; erwünscht wäre, die Erzen- 
iiuiii»’ einscliränken zu können; die Erzeußun^ hleiid 
dann jedesfalls auf ihr Minimum hesehränkt. Wir 
können also immer alle Mengen v und e als Eiinktionen 
aller iihrigen, in der Funktion «/&gt;( ) vorkommenden 
Variahein ennitteln und sohin 
4) ^ — Ja, ; tg'ç„ ; g,,, J,,, s,,, uj'ç,,J\,.%,, t(f ; r¡) 
setzen. Hier ist % ( ) wieder eine lediglich individuelle 
Funktion, welche aber ausser auf der der Funktion 
*h{ ) zu Grunde liegenden Voraussetzung- aueli noch 
aut der weiteren heruhl, dass das Individuum die 
Mengen v und e aller Artikel in der hei den gegebe 
nen Mengen g, / und .&lt;? und den erwarteten künftigen 
Freisen í(fÇ aller Artikel vortheilhaftesten Weise wühle. 
Auch können wir noch bemerken, dass 
d'l&gt;( ) dv, , (/'/&gt;( ) dv,, , , dd&gt;( ) dv„ 
1 — 7 I , “ - • , 1 ; , -h •.. -h ^ • 
(ig (hl dv^ dr¡ dv,, d7¡ dv„ d?i 
d&lt;[&gt;( ) de.,, d&lt;l&gt;{ ) de,, , , &lt;/&lt;/.( ) de„ 
-I — H h... H 
dt] da,, di\ r/ß,, di¡ 
oder vermöge der Bedingungsgleichungen 2) und 8) 
dx{ ) ^ dd&gt;{ ) 
di¡ dr¡ 
ist, während der Ditfercntial(|Uotient von %( ) nach
        <pb n="499" />
        — 4»;3 — 
irgend einer anderen, in dieser Funktion erselieinenden 
Variablen dem betreffenden Differentialqiiotienten der 
Funktion 0( ) keineswegs gleich ist. 
Wir können nun noch weiter geben und an- 
nebnien, dass das Individuum an der ursjuUnglieben 
Kombination nur binsicbtlicb der An- oder Verkaufs 
mengen aller Aiiikel festbalten, die sämmtlieben Mengen 
//, / und s aber auf das Vortbeilbafteste wählen wolle. 
Zn dem Fnde bezeiebnen wir diese An- oder Verkaufs 
mengen mit 
^a 7 • • • • 1 
und es ist dann natUrlieb 
= g a —fa — , ^b = .Vk ~fb ~ ■ X„ = (/„ — f„ — ü„ -f- 
und daher 
g = Vo (^« ■ ^g^a + ' (9 '^6 + • • • + fg^K)- 
Um nun die Grössen x in die Funktion /( ) einzu- 
filbren, denken wir uns jede der Grössen / dureb den 
entsprechenden Ausdruck / = {y — a-\- s — x) ersetzt. 
Wir haben dann tur das bei den gegebenen Mengen x er 
reichbare Maximum der Befriedigung die Bedingungen 
A = ) + ) .Æ = u und —= Lii = 0 
(ly (ly df dy ds ds df ds 
oder aueb 
^ ^ __ ^ 
dy ds df 
Biese Gleiebungen drücken aus, dass bei jedem Artikel 
die Nützlichkeit —der letzten in Gebrauch ge- 
dg
        <pb n="500" />
        4()4 
genommenen und die Nützlielikeit ———- der letzten, 
ds 
zur Bildung- eines verküufliehen Seliliissvorrnthes ver 
wendeten Miirkteinkeit unter einander, sowie aueh der 
negativen Nützliehkeit, d. li. den Kosten 
der letzten fertig- gestellten ^larkteinlieit, gleieli sein 
müssen. Die Nützliehkeit ^ - ist natürlieh nielits 
d í¡! 
anderes als die Werthsehätzung- der letzten, zur Vor- 
rathshihlung- verweudeteu .Markteinheit und hängt da 
her ganz direkt von dem erwarteten, künftigen Preise 
tr/'C des hetretfenden Artikels ah. Aueh diese (ileiehun- 
gen sind nieht immer erfüllhar. Sie reduziren sieh auf 
die einzige 
&lt;h{ ) _ _ &lt;h( ) _ &lt;h{ ) dxi)^ 
dff dj df! ds ds df 
wenn es hei der gegebenen An- oder \"erkaufsmenge 
X des hetretfenden Artikels vortheilhaft erscheint, die 
Ansammlung- ein'es verkäuflichen Sehlussvorrathes oder 
die Fertigstellung neuer Markteinheiten oder die In- 
gehrauehnahme solcher ganz auszusehliessen. Dann 
wird aher die gegehene Menge 
[x + a) = (// —/) odei- = (r/ + s) oder = (.&lt; —/) 
sein, so dass es eben nur der Eineu Bedingungs- 
gleiehung- bedarf, um die Unbekannten 
() und /oder// und s oder / und s 
zu ermitteln. Mit blos einer Bedingungsgleiehung, und 
&lt;h\ ) 
df
        <pb n="501" />
        zwar nur mit jener —^ ^ = —, liabeii wir 
ds df 
es an eil dann zn tlinn, wenn der l)etrelt‘ende Artikel, 
der von dein Individnnin aneli selbst ber^estellt werden 
kann, beim Gebranebe keiner Abniitznn^ unterließt, 
lind wenn es ansßeseblossen ersebeint, dass von dem 
selben etwas versebenkt oder zn anderen (Gegenständen 
verarbeitet werde. Beide BedinßniißSßleiebnnßen 5) 
sind nnerfidlbar, wenn es bei dem ßeßebenen x des 
betrettenden Artikels vortbeilbaft ersebeint, ßerade nur 
die ß-anze, verfiißbare, jiositive Meiiße {x -f o) ans- 
seldiesslieb znm Konsnme oder anssebliesslieb mir zur 
Ansammbniß eines verkänflicben Heblnssvorratbes zn 
verwmiden, so dass / = .&lt;? = 0 und (j = (a? -j- oder 
/=// = 0 lind .s = (z -}- o) ist. Dasselbe ßilt, wenn 
ß era de mir die ertbrderliebe Meiiße/= (— x —a) fertiß 
ß-estellt wird, und daher // = ,ç = (j ist, ein Fall, der nur 
dann mößiieli ist, wenn x iießativ und mimeriseb ßrösser 
als a ist. Ebenso entfallen beide HedinßiinßSßleicbnn- 
ßeii 5), wenn, wie bei Terminartikeln oder Wertb- 
pajn’eren, naeb der Natur des Artikels stets /=// = 0 
niid daher .&lt;? = (,?’-| o) sein muss. Jedeställs können 
wir also immer die Meiißen //, f und s aller Artikel 
als Funktionen der An- oder Verkaiifsmeiißen .r, sowie 
der iibrißen, in der Funktion /( ) vorkommeiiden Va 
riabein ermitteln und sohin 
^0 Z =■ tfJ {x^, 1(fÇü\ Xf,, ‘ fj) 
setzen. Aneb die Fniiktion y){ ) ist wieder eine lediß- 
lieb individuelle, die aber niebt nur auf den sebón der 
Auspitz u. Lieben. Untersuch hh d. Theorie d. Preises 30
        <pb n="502" />
        — 4()G — 
Kuiiktioii /( ) zu Gniiidc liej»-cii(lcii Voraussctziiui»’cii, 
soiiderii aiudi iiocli auf der weiteren Auualmie beruht, 
dass das ludividuuiu die Meui»’eu /y,/und .s jedes Ar 
tikels ill der bei den ^e^ebeiieii Au- oder Verkaiits- 
iiieii^eii .r und den erwarteten, künftigen Preisen tfj'C 
aller Artikel vortbeilbaftesteii Weise wähle. Aueli kön 
nen wir wieder bemerken, dass vermöge der Hedin- 
o’u 11 &lt;»’S^’leiebungeii 5) 
^ &lt;h{ ) ^ ) 
(h¡ (h¡ di¡ 
ist. 
Endlieb nebinen wir nun an, dass das Individuuin 
das bei den ^e^ebenen, ^e^enwärti&lt;^en und künftigen 
Preisen aller Artikel überbauet erreiebbare Maxiiniini 
der P)efriedii&gt;uno- erzielen wolle. Es wird dann alle 
An- oder Verkaiifsnien^en .r so zu wäbleii haben, dass 
binsiebtlieb jedes Artikels die P&gt;edinoun»*soleiebiin&lt;»- 
dz ^ ) dip{ ) dr¡ ^ II 
dx dx di¡ dx 
oder 
7) _ d,p{ ) 
dx (hl 
oder au eil 
'/'K ) ^ &lt;!'/'( ) 
d{x-t(f})) (h¡ 
erfüllt wird. Diese Gleiebun«;' besagt iii der ihr zu 
letzt o-eo-cbeneii Eoriii, dass bei jedem Artikel die 
Niitzlicbkeit des letzten, auf dessen Ankauf 
d (x ■ tfi /&gt;) 
aiif«fewendeten Geldtbeilebens die j»leiebe und a lieb der
        <pb n="503" />
        407 
(hp( ) 
(u*s u“t/teii 
Xiitzliclikoit oder Wcrtliseli;ltzim&lt;»: 
(h¡ 
Ikir^eldbesitztlieilelieiis ^leieli sein müsse. Dabei ist 
binsielitlieli der Artikel, die verkauft werden, zu be- 
aebten, dass jeder Verkauf nur ein negativer Ankauf, 
jeder Erlös nur ein negativer Aufwand ist, so dass 
aneb die Xiitzliebkeit des letzten, ans dein \ erkaufe 
irgend eines Artikels erlösten (íeldtbeilebens die ^leiebe 
sein muss; eben diese Xiitzliebkeit, negativ genommen, 
bildet die Selbstkosten jenes Men&lt;¡;entbeilebens, ans 
dem das letzte Geldtbeileben für den betreffenden Ar 
tikel erlöst wird. 
Der Dmstand, dass we»en der endlieben Grösse 
der Markteinbeiten der versebiedenen Artikel die Diffé 
rentiation naeb den Mengen //, /, oder .r niebt immer 
mö^lieb sein wird, ändert niebts an dem Wesen, sondern 
mir an der Ansdrneksweise des gewonnenen Wesnl- 
tates, indem nur statt „die Xiitzliebkeit ist ^leieb^ 
^esa^'t werden müsste: „Die Xiitzliebkeit einer weiter 
anznkanfenden Markteinbeit irgend eines Artikels wäre 
kleiner, als die Xiitzliebkeit oder Wertbsebätznn^ des 
erforderlieben Aufwandes, die Kosten einer weiter zn 
verkaufenden Markteinbeit wären grösser als die Xiitz 
liebkeit oder Wertbsebätznng des erreiebbaren Erlöses“ 
oder binsielitlieli der Hedingnngsgleiebnngen 5) „die 
Xiitzliebkeit einer weiteren, dem Konsnme znznwen- 
deiiden Markteinbeit wäre kleiner, als jene der letzten, 
dem verkänflieben Selilnssvorratbezngewieseneii Markt 
einbeit oder als die Kosten der Eertigstellnng einer 
weiteren Einbeit“ n. s. w. 
;jo*
        <pb n="504" />
        4G8 
Auf (lie verseliiedeiieu l)itfereutiîil(j[U()ticiiten ^ 
werden wir iioeli zurUekkoiuiueu und wollen hier mir 
henierken, dass ^ (wenn von der Unhe(|nmn- 
dt] 
liehkeit, die ans dein Besitze grosser Geldsnnnnen 
in "-roher Münze erwaehsen nia&lt;&gt;-, ah^esehen werden 
di¡ 
= 0, 
kann) stets &gt; 0 ist. Es wird jedoch 
wenn t¡ = cc ist, weil hei nnendlieh grossem Harj&gt;ehl- 
lx‘sitze die Werthsehätznn^- eines weiteren Zmvaehses 
munidlieh klein werden muss. Anderseits innss, wenn 
// immer kleiner und endlich &lt; 0 wird, die Werth- 
sehätziin^- ^ raseh znnehmeii und zuletzt = + ^ 
di/ 
werden, wenn 7¡ jenen negativen Werth erreieht, der 
jenen Betrag- an&lt;&gt;iht, den das Individnnm änssersten 
Falles ohne hesondere Sieherstellnn^, sei es, auch nur 
durch sein eigenes Akze]it, sehnhli&lt;&gt;- hleihen könnte. 
Ans dem (fesa^ten fol"t, dass der zweite Ditferential- 
(inoti(‘nt ^ im all^enndmm negativ sein wird; 
(hf 
dass dies dnrehwe^s der Fall sein müsse, lässt sieh 
aber darum nicht nnhedin^t hehanjiten, weil ein Zn- 
waehs von // auch eine veränderte \'erwendnn&lt;*s-, 
hzAV. llerstellnn^sart der ^leiehhleihenden An- oder 
Verkanfsmen^en x aller Artikel mit sieh hrin^en kann, 
wodurch die Abnahme der Werthsehätznn^' eines wei 
teren Bar^eldtheilehcns ah^esehwäeht wird oder ^ar 
in das (je&lt;»entheil verkehrt werden könnte. Ebenso
        <pb n="505" />
        460 
werden aiieli die I )itteieiitialqii()tieiiten 
&lt;lU)t 
, welelie 
die Zunalime der Befriedigung diireli die Erwarhin^ 
eines ludieren Preises (¡jt aiisdriieken, positiv sein, 
soweit es sieh inn Artikel handelt, von welchen Vor- 
rätlie gehalten werden. Handelt es sieh da&lt;»e^en iiin 
Artikel, die das Individiinin auf sjiätere Lieferant 
verkauft, oder die es helinfs Erfällnn^ iihernoniniener 
Vei))tliehtun»en wird kaufen iniissen, so nimmt mit 
steifendem tgt, die Befried if niif ah, und die hetref- 
werden nefativ 
fenden Ditferentialqnotienten 
dUjl 
sein. Von den I )itferentiah|iiotienten 
heiden Fällen das (dien von ^ 
(I rf 
ist noch zn beachten, dass, wenn ans iifend einem 
(i runde // zimimmt, nieht bloss , sondern aiudi 
) 
dUfl 
(iesafte. 
filt in 
Endlich 
d 
V 
jeder der l)itt‘erentiah|notienten ^ niimeriseh klei- 
df(/Ç 
ner werden wird, da die verriiiferte Werthschätziinf des 
letzten Baifeldtheilehens sich auch fcfcnnher dem 
Werthziiwaehse jedes \^irrathes iifend eines Artikels 
lind auch fefennher dem Werthziiwaehse eines erst zu 
heschatfenden (¿iiantiinis fei tend machen muss.
        <pb n="506" />
        470 
t. Dio Bofi'iedi^uii^’ boi iinvoriiiulorliolioi* Wortli- 
soliiitziuiji’ (loH Doidos. 
Wir wollen nun wieder die früher stets fest^e- 
haltene, vereintaeliende Voranssetxnn«.»' einführen, dass 
die Wertlisehätziin^’ des Geldes seitens des hetraeh- 
teten Individuums wenigstens für das laufen de dahr 
hei jeder wie immer gearteten Kombination und so 
mit au eh hei jeder Grösse des sehliessliehen Har^eld- 
hesitzes t\ immer die gleiehe hleihe. 
l)emj»‘emäss setzen wir 
d\\){ ) 
(bj 
= 
wo i¡ eine Konstante ist, welehe von den persönliehen 
Ki^ensehaften und dem anfän^liehen Besitze des Indi 
viduums, sowie von dem objektiven Werthe des Geldes 
abhän&lt;»t, und die sieh daher hei Aendernn^en der 
Münzeinheit in g-enau demselben Verhältnisse, wie 
diese, ändern würde. Wir bemerken hei dieser (Gele 
genheit, dass selhstverständlieh jede der bisher he- 
sproehenen Funktionen '/&gt;( ), /( ) und y;( ) eine 
andere Form hätte, wenn die Menge x irgend eines 
Artikels naeh einer andern Einheit, z. B. naeh Kilo 
grammen statt naeh Zentnern, naeh Eitern statt naeh 
llekbditern u. s. w . gemessen w ürde oder, wenn die 
Münzeinheit eine andere wäre. Würde diese kleiner, 
z. B. Kreuzer statt (hdden, so würden nebst dem Be 
trage // aueh alle Preise Ujt in hnndertmal grösseren
        <pb n="507" />
        471 
Ziffern ersclieinen, und die Funktion \p[ ) müsste sieli 
derart ändern, dass sie trotzdem den ^leiclien Wertli 
l)eibeliielte; dadureli würden zwar ilire I )ifferential- 
(ly{ ) 
dx 
el)enso, wie \ hundertmal kleiner wer- 
(|Uotienten 
dip{ ) 
dtul 
unverändert hleihen, aber Jene 
dij 
den. Aueli wenn der Wertli des Geldes objektiv ^ieieb 
bleibt und nur subjektiv z. B. dadureb kleiner wird, 
dass das Individuum wolbabender ¿geworden ist, müssen 
nebst ^ auch die Differentialquotienten — ^ 
d 
dtfjt 
wenn aueb niebt alle gerade ganz gleiebmässig, nume- 
riseb kleiner werden; das reieber gewordene Indivi 
duum wird nämlicb niebt nur das (ield, sondern aueb 
den Besitz überbaujit geringer sebätzen; doeb wird 
diese Abnabme der Wertbsebätzung versebiedenen Arten 
des Besitzes gegenüber eine versebiedene sein. Fm dies 
alles analytiseb zum Ausdruek zu bringen, setzen wir 
if) {x„, t(jC«; tfiÇfc;... f&lt;jLj v) = ^ K, &lt;J• q ■ ■ ■ æ., (J■ t&lt;jQ + Y• 
liier ist (p( ) wieder eine lediglieb individuelle Funktion, 
die zwar ganz so, wie jene ip{ ), von den Mengenein 
beiten der versebiedenen Artikel, niebt mein aber von 
der (irösse der Münzeinheit abbängt, da, wenn letztere 
z. B. hundertmal kleiner wird, alle Preise Uj'C, hundert 
mal höher, q aber hundertmal kleiner und daher die 
Produkte q fy'Q unverändert bleiben würden. Dagegen 
werden jene Formänderungen, welebe die Funktion 
ip{ ) erleidet, wenn das Individuum wolbabender.
        <pb n="508" />
        also sein Anfan^shesitz an Vorrätlien verseliiedener 
Artikel grösser, geworden ist, aiieh in der Funktion 
(p{ ) wiederkeliren, jedoeli mir insoweit, als denselben 
Iliebt sebón dnreb das kleiner werdende 7 Keebnnng 
getragen wird. Die Verkleinerung der Konstanten 7 
ist näinlieb allerdings sebón der Ausdriiek dafür, 
dass in Folge der grösseren Wolbabenbeit die Wertb- 
sebätziing des Geldes und des Besitzes überliaujit 
abninmit; hingegen muss sieb das gegenüber versebie- 
denen Arten des Besitzes ungieiebe ^lass dieser Ab- 
nabine, sowie die dureb die grösseren Anfangsvorrätlie 
bedingte, veränderte Abhängigkeit der Befriedigung 
von den Mengen :r der betretfenden und anderer, 
kom))letirender und konkurrirender Artikel doeb noeb 
in Formänderungen der Funktion (p( ) aus)irägen. 
Die Bedingungsgleiebiingen 7) nelimen nun die Form 
d(p {x„ 7 /7L; • • • X,, (i-tifQ ^ 
d.i\, 
an. Wir sehen demnaeb, dass begreif lieberweise und 
ents|)reebend dem früher (Ib) Gesagten die für das 
betraebtete Individuum vortbeilbafteste Kombination 
ganz unverändert bleibt, wenn, wie bei einer nomi- 
d(p 7 
(Up d ‘ d Cv 
dx,,
        <pb n="509" />
        473 
rillig statt Konvciitionsinüiizc, die Mimzeinlieit kleiner 
wird, der Werth des Geldes also objektiv abniimnt, 
weil ja dann die Zittern aller Preise t&lt;j ih und 1&lt;jX&gt; in 
^enan reziprokem Verhältnisse, wie 7, sieh ändern. 
Wir sehen ferner, dass, wenn der Werth des Geldes 
sieh mir subjektiv ändert, wenn also q in Fol^e ver 
änderter, persönlieher Ei^ensehaften oder veränderter 
Wolhahenheit des Individuums z. 1&gt;. um 10% zn- 
oder ahnimmt, dies — abgesehen von den ¿»leiehzei- 
ti^en Eormändernn^en der Funktion ) — auf die 
vortheilhafteste Kombination ^enau so einwirken muss, 
als wenn hei ^leiehhleihender Werthsehätznng- des 
Geldes alle Preise t;) ih und tgt um 10% «Testieren 
oder gefallen wären. Wir haben dasselbe aueh sehon 
früher (43) hehan|)tet, dort aber aneh davon ^esproehen, 
dass dem W'olhahender gewordenen Individuum nieht 
nur alle Preise, sondern aueh alle seine baren Hezn&lt;»e 
und Ver])tliehtun^en im Verhältnisse seiner verringerten 
Werthsehätznn^ des Geldes reduzirt erseheinen. Wir 
haben eben hier so, wie früher (Ih), von Zahlnn^s- 
verspreehen abgesehen, und diese bilden, soweit sie 
auf inländisehe Währung lauten, ^e^enüher allen 
anderen Artikeln darin eine Ausnahme, dass ihr 
Nominalbetrag etwaigen Aenderun^en der Münzein 
heit &lt;»’enaii fol^mi muss, wobei jedoeh eben darum 
ihre Preise unberührt bleiben. Wir hätten daher, wenn 
z. H. A ein soleher, und zwar der Eintäehheit we^en 
der einzige, derartige Artikel wäre, 
i¡) {x„, : : X„, ,j) ^(f)iq x„, UjL„\ X,, 7-0/Ç,,;...q-UjQ -f 7 7 
zu setzen, und die Pedin{j;un^s^leiehnn{:,en 7) würden
        <pb n="510" />
        474 
daim (lie Form 
d cp {fj^' Xg^, fff Cß, Xf,j (ff • tff'Çi^^ . . . , fj tff Cn) 
r/(Y .T.) 
(1(f) (ff ■ Xg, tff'Cg^ X/^, (f'fff'Çl,^ . . . .T„, (J • tff'Ç,^ 
(IXu 
= ^fh'K 
dxp {ff’Xg. fff'Çg^ X/,, (f ' tff'C,i,’i • • • x^^, (f fff Ç,^ 
dx. 
= d ff! 
iumclimeii. Wir selicii wieder, dass eine diireli Aeii- 
derunj»’ der Miiiizeiidieit lierbeig'efiihrte Zu- oder Ab- 
uabiue von (¡ ohne jeden Findiiss auf die vortlieil- 
liafteste Kombination Ideiben wurde, wälirend, wenn 
(f z. ß. um 1 (f/o &lt;bubircb abinmmt, dass das Individuum 
wolbabender geworden ist, dies — wieder abgesehen 
von den ^leielizeiti^en Formändernn^^en der Funktion 
(p( ) — die vortlieilbafteste Kombination gerade so 
beeinflussen wird, als wenn ohne Aendernn^' von 7 
die Preise tff id und ffjiC, der Artikel B...N und 
überdies aiicb der Betrag' Xg des fremden oder eigenen 
Zablung’svers])reebens .1 um 1 gesunken wären. 
Haben wir es nun mit einem in jeder 11 insiebt, 
aiicb in seinem anfän^lieben Besitz, ^enan bestimmten 
Individuum zu tbiin, und sehen wir niieb von objek 
tiven Aenderun^en im Wertbe des Geldes ab, so 
können wir in Frman^lun^' eines absoluten Masses 
die Konstante 7 — 1 setzen, so dass die Befriedigung- 
Z = (p (Xg^ ^u'^hl • • • ^/yd“ d 
wird und die Bedin&lt;;ung-sg-leiebun&lt;j;-en 7) nun
        <pb n="511" />
        475 
lauten. 
Greifen wir dann irgend einen Artikel A heraus, 
dessen ^e^enwärti^ geltender Preis t¡! í^a ^dlein un- 
hekannt sei, und setzen wir 
n + = Vo — + . . . + X^ f!/iK) = fja, 
SO haben wir 
H) Z q) (ar„, ff/'Ça’l fflXib'y • • • + &gt;la ~ 
Wir können dann aus den (« — 1) Hedin^un^s^lei- 
eJiuiuien 
= fH'hy ~ ji-1. = 
(Ix^ dx„ 
die vortlieilliaftesten Mengen x der Artikel Ji . . . . N 
als von den Preisen t///&gt; und///Ç dieser Artikel, sowie 
aueh von abhängige, jedoeh von ganz un 
abhängige Funktionen der Menge x^ ermitteln. 
Wir sehen, wie die Annahme der festen Werth 
sehätzung des Geldes, die in den früheren Kapiteln 
festgehalten wurde, in der That dahin führt, dass, 
wie wir dies aueh stets behauptet haben, zu jeder 
Menge eines Artikels .1 eine ganz bestimmte Kombi 
nation aller anderen Artikel gehört, welebe die vor- 
theilbafteste bleibt, wie immer der Markt})reis t(f sein 
möge. Wir sind uns wol bewusst, dass in Wirklieh- 
keit sehon die Annahme unveränderlieher Preise aller 
anderen Artikel bei erhebliehen Preisseh wank ungen 
eines Artikels A keineswegs zutretfen wird, und ebenso, 
dass selbst, wenn dies der Fall wäre, die bei irgend
        <pb n="512" />
        einer Meiij*c vortlieilliafteste Koinlnnation der anderen 
Artikel keineswegs bei allen Preisen von .1 die gleielie 
bleiben wird. Sobald näinlieli der grössere oder ge 
ringere Aufwand oder Erlös für dieselbe Menge .t„ 
und die dadureb bedingte Aenderung des seldiess- 
lieben Hargeldbesitzes einj)iindlieli wird, ändert sieb 
die Wertbsebätzung des letzten Ibxrgeldtbeilebens und 
somit nach den Jîedingungsgleieliungen 7) auch die 
Kombination. Wir haben sebón früher (G4 und 70) 
auf diesen Umstand bingewiesen; doeb wird sieb der 
selbe aueb in zablreieben anderen Fällen geltend 
maeben, da namentlieb l)ei beschränkten ^Mitteln die 
Vertbeuerung eines wesentlieben Lebensbedürfnisses, 
dessen Konsum nicht eingeschränkt wird, zu einer 
Reduktion des sonstigen Aufwandes führen muss. 
l&gt;agegen ist es wol zweifellos, dass die Kombination 
sieb nicht mit jeder kleinen Aenderung von tffOa 
ändern, sondern innerhalb gewisser Preisgrenzen die 
gleiche bleiben wird. 
Führen wir die obenerwähnten Mengenverhält- 
nissfunktionen in (p[ ) und in den Ausdruck für 
ein, so können wir 
K, (vL; x,„ int,:,... tut,) + /;„ = /(.r„) 
setzen. Dieser Ausdruck f{x^ ist niel its anderes als 
der mit jeder An- oder Verkaufsmenge von A ver 
bundene Lebensgenuss. Aueb ist f{x^) nicht mehr 
eine bloss individuelle Funktion; im Gegensätze zu 
jener cp( ) wird ihre Form aueb dureli &lt;j mitbestimmt 
und bängt überdies von den gegebenen Preisen /////
        <pb n="513" />
        477 
und t(f Ç der Artikel B . . . sowie von dein erwar 
teten, künftigen Preise («yC» des Aitikels A selbst ab; 
sie wird daher, wenn die individuelle Wertbsebätznn^- 
des Geldes sieb ändert, jene Aendernn^en eifabren, 
die wir früher (43 und 50) an der Lebens^ennssknrve 
besproelien haben. 
ICs ist mm 
und wir werden daher der einzigen noeli übrigen He- 
&lt;linj»nno- für das Maxiinnin der Befriedigung, nänilieb 
./ i^o) — ffi'K'i 
i*ereebt, wenn wir mit als Abszissen und mit f{x„) 
als Ordinaten die Lebens^ennssknrve anfstellen 
und deren grössten Veitikalabstand von der jeweilig 
«reitenden Preislinie tfj i)'„ anfsneben. 
Statt in der eben besproebenen Weise können 
wir die Lebens^ennssknrve aneb dnreb eine Kon 
struktion erhalten. Zn dem Knde sehen wir von den 
Bedin^nn^s«rleiebnn^en Í1) ab und denken uns die 
Mengen x der Artikel /&gt; . . . N und daher aneb ry„ als 
nnveränderlieb ^e^eben, während .t„ variabel, ////&gt;„ 
aber = 0 und daher r¡ — % wäre; dann tragen wir 
über jeder Abszisse x„ die entsjireebenden Wertbe von 
V' ("C,, ///L; 37,„ ffl'Ç,,...X„, 7¡) = (f(x„, f()t,...X„, ff/Q -f- /y„ 
als Ordinaten auf und erhalten so eine Kurve, die 
wir eine auf x„ bezogene Kl einen ta rkn rve nennen. 
Diese Knr\^ wird, wenn die Produktion von A, sei 
es, dnreb die Natur dieses Artikels, sei es, dnreb die
        <pb n="514" />
        478 
^(‘î&gt;el)eneii æ (1er aiulereii Artikel z. H. 
(lureh (lus Kehlen eines unenthehrliehen llilfsstotfes 
— ausg-eschlossen ist, über der Abszisse (— a„) be- 
u-imien und von du, wenn A nicht etwa ein Wertb- 
j)U))ier oder ein anf ein solches lautender Terininscbbiss 
wäre, nach rechts nur eine gewisse Strecke lan^ an 
steigend, dann aber absteigend oder auch durchaus ab 
steigend, schliesslich aber iininer asyinjdotisch zu einer 
abwärts gehenden Vertikalen verlaufen. Wäre dagegen 
durch die gegeben(ui IVfengen æ der anderen Artikel 
statt der Produktion vielmehr der Konsum, sowie 
auch die Ansammlung eines verkäuflichen Schluss- 
vorrathes von A ausgeschlossen, so würde die Kurve 
vou demselheu Anfangs]mnkte statt nach rechts, nach 
links, schliesslich aber auch wieder asyin])totisch zu 
einer abwärts gebenden Wrtikalen verlaufen. Im all 
gemeinen hat jedo(b die Elementarkurve keinen An- 
fangs])unkt und wird vielmehr beiderseits durch ab 
wärts gehende Vertikalasymptoten begrenzt. Diese 
Asymptoten werden beide links von dem Endpunkte 
der Abszisse (— a„) stehen, wenn durch die gege- 
lumen Mengen Xf,...x^ eine so grosse Produktion 
von A bedingt wird, dass auch heim grösstmöglichen 
Konsum und der grösstmöglicbcn Vorrathshaltung 
doch immer noch mehr als die Äienge verkauft 
werden muss. Peide Asymptobm rücken nach rechts, 
und zwar sogar noch über den Nulljmnkt hinaus, 
wenn die gegebenen Mengen der anderen Artikel 
selbst hei äusserstcr Ans])annung der Produktion noch 
einen Zukauf von A nothwendig machen. Die Eie-
        <pb n="515" />
        Irír ■:&gt; 
— 479 — 
inentarkiirve liât also jcdesfalls einen iin allgemeinen 
konkaven Verlauf, und dies &lt;*ilt aneli, wenn sie sieh 
auf ein Werthjiajiier oder auf einen auf ein solches 
lautenden Terniinsehluss bezieht. Ist nämlich A ein 
solcher Terminartikel, so verläuft die Kurve durch 
aus ansteigend und wird nach oben durch eine hoii- 
zontale, nach links aber durch eine vertikale, abwärts 
gehende Asymjitote begrenzt, während die Kurve, 
wenn A ein fremdes Werthjiajiier ist, von einem über 
der Abszisse (— a„) liegenden Anfan^sjiunkte na eh 
rechts durchaus ansteigend und schliesslich asymjito- 
tisch zu einer Horizontalen oder, wenn A das Zahlunos- 
versjirechen des betrachteten Individuums seihst ist, 
von dem ebenso bestimmten Anfan^sjmnkte nach links 
durchaus absteigend und schliesslich asymjitotisch zu 
einer Vertikalen verlaufen wird. Trotzdem können 
wir nicht hehaujiten, dass die Elementarkurve auch 
durchaus konkav, d. h. dass der zweite Ditferential- 
f/.r! 
did 
stets negativ sein müsse. Wol ist es ein allgemein 
^ültij^es, jihysiolojz,isches Gesetz, dass jeder weitere, 
kleine Heiz den Genuss um so weniger steigert oder, 
wenn die Grenze voller Sätti^un^' schon überschritten 
ist, um so mehr schmälert, je mehr gleichartige Reize 
schon voran^e^an^en sind; und ebenso, dass jede 
weitere, kleine Leistung»' um so weniger angenehm 
und nach Ueherschreitun^' jener Grenze, bis zu welcher 
die Leistung üherhaujit angenehm ist, um so unan-
        <pb n="516" />
        ^cncliincr ciii])fuii(len wird, je iiielir &lt;»leie]iartij»e* Lei 
stungen selion vorangegangen sind. Nun wissen wir 
al)er, dass die Funktion ?/;( ) und somit aueli jene 
(p{ ) auf selir koinjdizirten Voraussetzungen l)erulit, 
weleke alle nur der Ausdruek dafür sind, dass jede 
mein' anzukaufende oder weniger zu verkaufende Markt- 
einlieit irgend eines Artikels A sehr mannigfaltige Ver 
wendungsarten linden kann, und dass sie überdies 
aueli auf die vortlieilliaftesten Verwendungs-, bzw. Her 
stellungsarten der gegelienen An- oder \ erkaufsmengen 
X aller anderen Artikel sehr versebiedenartig zurüek- 
wirken kann. Unter sol eben Umständen kann das er- 
wäbnte, einfaebe, pbysiologisebe Gesetz, so sehr es 
aueb in letzter Auflösung für den Formebarakter aller 
unserer Kurven massgebend ist, doeb selbst in der 
Flementarkurve niebt rein und ungetrübt zum Aus 
druek e kommen. 
Denken wir uns nun für jede, irgend mögliebe 
Kombination der IVIengen x,,. . . x„ die betretfende, 
auf bezogene Flementarkurve gezeielmet, so wird 
über jeder Abszisse ,t„ irgend eine dieser Kurven zu 
böebst liegen — diejenige nämlieb, welebe auf der 
bei der betreitenden ^lenge .r„ vortbeilbaftesten und 
daher durch die Hedingungsgleiebungen 9) angege 
benen Kombination der Mengen .r,,... beruht. Die 
Umbülleude dieses ganzen Systèmes vou Flementar- 
kurven ist nichts anderes als die oben aufgestellte 
Lebensgenusskurve. Dieselbe bat in jedem Funkte 
die gleiche Tangentialriebtung, wie die daselbst bervor- 
tretende Flementarkurve. Fs ist nämlieb
        <pb n="517" />
        481 
) 
dxj, 
dX: 
dx 
+... 4- 
da\ 
oder 
mul (lalier verinüf.e der BeilinsHiigssleicliunj.eii 9) 
/'W = 
dx^ 
\\ as die KrUiinmiiio- der Lebeiisf»emisskurve aii- 
belaiio-t, «0 ist deren zweiter Ditfereiitialqiiotient 
^ fp{ ) dx^ d ^(f( ) dx„ 
dx„ 
djc„ 
dx„ 
/"W = + 
dxl 
Das erste Glied 
dx„ • da 
rZ&gt;( ) 
d^'a dx„ • dx„ 
dieses Aiisdruekes ist iiiebts 
anderes als der zweite Ditterentialquotient der an der be- 
tiettenden Stelle der Lebens^eniisskurve bervortreten- 
den Eleinentaikiirve, welcher nach dem Obigen in der 
Hegel negativ ist. Sein nunieriseber Wertb beniisst dann 
jene Abnahme der Nützlichkeit 
dx. 
der letzten, 
V(m dem Aitikel A angekauften oder nicht verkauften 
Markteiidieit, welche durch eine algebraische Ver 
mehrung von —dureh den Mehrankauf oder Minder 
verkauf einer weiteren Einheit von A — dann herhei- 
getühit werden würde, wenn das Individuum gezwungen 
wäre, trotz dieser \ ermehrung an den vordem vor- 
theilhaftesten Mengen x^. . . x„ unveränderlich festzu- 
lialten. Die Abnahme der Nützlichkeit einer mehr an- 
Auipitz u. Lieben. Untersuch, üb. &lt;1. Tbeurie d. Preises. 
31
        <pb n="518" />
        482 
ziikiiiifciideii oder weniger zu verkaiifciuleu Eiidieit von 
A muss al)cr uatürlicli ^eriu^er werden, weuu au die 
Stelle des ^edaeliteu Zwaug-es vielmehr die völlige Frei 
heit zweekmässi^'ster Aupassuii^ der ]\leu^eu ... .t„ au 
die weehselude j\Ieuo-e æ,, tritt. Auf dieser letzteren Vor 
aussetzung- heruht aber die umhülleude Leheus^euuss- 
kurve und daher muss deren zweiter Ditfereutiah|Uotieut 
d~Cf( ) 
dxl 
und somit der Ausdruek 
[ ] &gt; 0 
sein. In der That werden aueh die meisten der in [ ] 
stehenden (Glieder positiv sein. Hetraehteu wir näudieh 
z. Ik das erste derselben, so j&gt;iht der o-emisehte Dif- 
ferentiahinotient darüber Anfsehlnss, oh und 
(lx„:dx,, 
welehen Findnss eine alo-ehraisehe Vermehrung- von 
— ein Mehrankanf oder ein Minderverkanf des Ar 
tikels B — auf die Nützlichkeit der letzten, von A 
an^-ekanften oder nicht verkauften Einheit ansnht. Es 
wird also, wenn wir nun den einfachsten Fall hetraehteu, 
dass beide Artikel A und /Í nur konsnmirt werden, 
!/yn = 0 
dx\ ■ dx,, &lt; 
sein, je naehdem der Artikel B den dnreh .1 oehoteiien 
(lennss komidetirt, für denselben i&gt;anz inditferent ist 
oder mit demselben konknrrirt. Dann wird aber — 
von früher (3Cj erwähnten Ansnahmsfällen abgesehen 
mit waehsendem .r„ auch die Men^e x¡, des kom-
        <pb n="519" />
        4S3 
l)letireii(l(Mi Artikels B zuiielmieii, hzw. jene des kon- 
kiimi-ciKleii Artikels U alijielmien, so dass ,,.,s 
dx„ 
eineimil jiositiv, (Ins andereinnl negativ, beideinale also 
dx^ • dxj, dxa 
sein wird. Aelmlielie Hetraelituno-en Hessen sieli aneli 
liinsielitlieli der UHrio-en, i„ [ J entlialtenen (Nieder und 
nneli, wenn der Artikel A und der jeweilio- andere 
Aitikel mir ¡nodiizirt oder, wenn Heide ^leielizeitio- 
konsnniirt und jirodiizirt werden, anstellen; viele dieser 
(Jlieder werden = 0, von den üHri^en aller die meisten 
&gt; 0 sein, so dass ilire Snniine immer ]iositiv sein wird. 
\\ enn ir nun selioii Hei den Klementarknrven die 
Möo-HeHkeit von Ce^enkriimmnn^en nielit niiHedinot 
misseliliessen konnten, so niö^en solelie konvexe 
Streeken in der, wie wir selien, jedestalls weniger 
konkaven, iiinliiillenden LeHens^eniisskiirve um so elier 
Vorkommen. Doeli kann das Maximmn des Vertikal- 
nlistaIldes dieser Kurve von der Kreislinie nie in eine 
konvexe, sondern immer nur in eine konkave Strecke 
tallen.' Da sonaeli «1er Ankauf oder Verkauf solelierMen- 
^■en ,r„, welelie diireli die AHszissen konvexer Streeken 
an^eoelien werden. Hei keinem ^e^elienen Kreise 
von A vortlieilliaft sein kann, Hallen wir die etwaigen, 
konvexen Streeken der Leliens^enusskurve und mit 
dense!Heil die Hetretfenden, iinzweekmässi^en Alenden 
aiiszuselieiden, wie wir dies in den frülieren Kajiitelii 
dureli geradlinige l’elierHrüekungen dureligefiilirt Hallen. 
31»
        <pb n="520" />
        484 
Die Befnediííuniísíliiclíe. 
Wir kehren nun wieder %n dein allgemeineren 
Fall variabler Werthöchätzunj»- des Geldes, also zur 
Gleiehnn^- G) 
Z = y&gt; 
znriiek und »reifen wieder irgend einen Artikel A her 
aus, dessen Preis Ufth,, allein nnhekannt sei. Wir 
haben dann die Bedinj&gt;unj»s{»leiehunj&gt;en 7) nur hin 
sichtlich der Artikel B ... N aiifznstellen ; sie hinten 
10) ,/^( ) _ &lt;M ) = '4'( ). 
dxf, (B¡ 
Ans diesen Gleiehnn^en lassen sieh die Mengen x,,...x„ 
lind daher aneh // (//„ — ^ ieisen 
fgS- lind U/t der Artikel Ji. . . iV, sowie von ^di- 
hänj»ij&gt;e Funktionen der Men»e a:-„ und nun auch des 
Preises tgí^a ermitteln und sohin 
2 = y){ ) = F{x^, tyda) 
setzen. Die Funktion F{ ) ist sonach keine ledi»lieh 
individuelle und im Gegensätze zu jener yj{ ) aneh von 
//„ ahhän^i^'. Für das Maximum der Hefriedii»nni&gt;- 
haben wir dann nur noch die Pedin^nn» 
H) 
(lF{x^, tyd'a) _ 
dx. 
0. 
\'on der Anfstellnn^- einer Lehens^ennssknrve 
kitmi iimi, &lt;la der l’reis ty», mit in der Funktion 
/■’( ) ersolioint, niclit die liede »ein, und müssen wir
        <pb n="521" />
        — 4SÕ — 
vithnelii zu ciucr Kou8triiktioii iiu Hhuiuc ^rcitVii. 
Zu (lein Ende trugen wir in eimun drciacliW^eu Ko- 
onlinatiuiKysteine auf der O.V-Aclise redits und links 
vom Nullpunkte die positiven, lizw. negativen Mengen 
i»leiehzeitii&gt;- als der Oi-Aelise parallele llori- 
zontulordinaten die ])ositiven Beträte die 
KonsuinaufwUnde oder Broduktfortseliatfun^skosten, 
nach vorn, die negativen Beträte also die 
Brodukterlöse oder Konsumautzalilnn^en, aber naeli 
lullten auf. Jeder horizontale Radiusvektor bezeichnet 
also durch die trigonometrische láncente des Winkels, 
den er mit der OX-Aclise einscliliesst, einen jiositiven’ 
oder negativen Breis tg und stellt daher eine Breis 
linie dar. Ferner errichten wir in jedem Bnnkte des 
Horizontes eine Vertikalordinate in der Eän^e des 
hetreffenden Wertlies von 2= /////,). Wir erhal 
ten so eine Fläche, die wir die Befricdi^un^sfläclie 
nennen. Es ist dies nämlich eine Darstellung der Be 
friedigung- in ihrer Ahliän^i^keit von der beliebig 
variirenden An- oder Verkaufsmcn^c .r„ von A und 
von allen erdenklichen Breisen /////„ des Artikels A, 
und zwar mit Berücksichtigung der variablen Wertli- 
scliätzun^- des Geldes ; dabei sind aber die Breise 
fg')- und fgi; aller Artikel /y. . . A", sowie (f/C. als 
unveränderlich ^c^ehen anzusclicn und wird überdies 
voraus^esidzt, dass die Mengen x,,. . . x„ in jeweilig* 
vortlieilliaftester Weise gewählt werden. 
Ehe wir daran gehen, zu zeigen, wie sich mit 
Ililte der eben aufgestellten Fläche die hei variabler 
orthscliätzung des (Feldes geltende Angebots- und
        <pb n="522" />
        XachtVa^ckiirvo ermitteln lässt, müssen wir vorerst 
diese Fläehe selbst näher kennen lernen und zu diesem 
Beliufe deren Sehnitte mit versehiedenen Ebenen be- 
traebten. Wir le^en zunäebst dureb die Befriedi^un^s- 
däebe ein System von der 0)-Aebse parallelen Vei- 
tikalebenen, die wir, weil sie je einer bestimmten 
Au- oder Verkaufsinenge entspreelieii, Quautitäts- 
ebenen nennen, und deren Sebnittkurven wir als 
Quantitätskurveii bezeiebnen; wir bringen in bi^. 78 
einige solebe Kurven sebwarz gezeielmet zur An 
schauung, wie sie sieb auf die 1%-K1)cne projiziren, 
wenn der Besebauer auf der Seite der jiositiveii Ab 
szissen stünde; die links vom Nullpunkte liegenden 
Sebnitte, die dann hinter die Y%-Ebene tallen, sind 
gestriebelt gezeiebnet. Die Bedeutung dieser Kurven 
wird noeb verständlieber, wenn wir uns deren Zu 
sammenbang mit noeb einfaeberen Kurven klar maeben. 
Sehen wir nämlieli, indem wir irgend eine bestimmte 
(¿uantitätsebene betraebteii, von den Bedingungsgb i- 
ebungen 10) ab, und denken wir uns nebst der be- 
tretfeiiden Menge .r„ aueli die Mengen x,,. . . und 
somit aueb den Betrag als unveränderlieb gegeben, 
so bleibt in der Funktion 
1^^, fjl'Çal A, • • • • ^'"1 (^la — ^a' ^!hL)\ 
mir der Freis t(jvariabel. Trugen wir dann in 
der betraebteten Quantitätsebene die positiven Beträge 
iiaeb vorn und die negativen naeli hinten als 
horizontale und die entspreebenden Wertbe von i/;( ) 
als vertikale Ordinaten auf, so erhalten wir eine Kurve,
        <pb n="523" />
        487 
welche wir als eine aut = (/y^ — /y) hezo^ene 
hleinentarkurve hezeiehnen. Diese Kurve verläuft 
Fiff. 78. 
/ 
naeh vorn dnreliaus ahtälleinl, da ihr erster Ditfe- 
rentiahjuotient 
'f'K ) , ^ _ &lt;/*//( ) 
&lt;l{x,-t¡i}h,) (l,¡ 
«têts ne^^ativ ist. Ferner wissen wir, dass, wenn 
f¡ = fja — ^'a-ffh‘K = 
wenn also hei x^ Z&gt; 0, = — oo oder hei ^ 0, 
^'a = + ist.
        <pb n="524" />
        488 
wird; ferner wird 
M) = 0 
dr¡ 
oo. 
dip(_) ^ 
dr¡ 
wenn r¡ einen gewissen, negativen Wertli annimmt, 
wenn also der Preis tg.% die entspreeliende Hrdie 
erreicht. Daraus folgt, dass die in Hede stehende 
Elementarknrve nach oben durch eine nach rück 
wärts laufende Horizontale, nach vorn aber durch eine 
nach unten gehende, vertikale Asymptote hegienzt 
wird und daher im ganzen konkav verlaufen muss. Den 
ken wir uns dann unter Festlialtung der stets gleichen 
Menge eine solche Kurve für jede denkbare Kombi 
nation der Mengen .r,. . . .r„ gezeiclinet, so ist die Tm- 
liüllende dieses ganzen Systèmes nichts anderes als die 
Quantitätskurve, von der wir ausgegangen sind. Diese 
Kurve beruht also keineswegs auf einer bestimmten 
Kombination der Mengen x,,... .r„, sondern sie trägt viel 
mehr dem I instande Hechnung, dass die Kombination 
dem wechselnden 1 ’reise tguud der entsprechend varii- 
renden Werthschätzung des (leides in zweckmässigster 
Weise ange])asst wird. Die Darstellung im Hauine 
gestattet uns also, der Wirklichkeit näher zu kommen, 
hidem zugleich mit der für die Darstellung in der 
Ebene unerlässlichen Annahme tester W ci thschätzung 
des Geldes auch deren wiederholt erwähnte Folge, 
dass für je eine Menge .r„ hei allen Preisen ////&gt;„ ein 
und dieselbe Kombination aller anderen Artikel die 
vortheilhafteste bleibe, beseitigt ersebeint. Selbstver-
        <pb n="525" />
        489 
stäiiillieli muss auch die umliiilhMide QuaiititätKkurve, 
wenn sie aiieli weniger konkav verläuft, als Jede ein 
zelne der von ihr umhüllten Elenientarkurven, doeh 
den gleichen Formeharakter, wie diese, besitzen. Ihr 
erster I )itferentialquotient ist 
dh\x^, 
oder, da konstant ist. 
dF(3C^,tgi^^ ^ J_ 
x^dtgd^^ x„ 
1 
+ — 
oder vermöge 
J. + 
dx^ dr¡ ' ] dtgd^^ 
dx^ dij ' I dfgi^^ x„ 
der Hedin^nn^s^leiehnn^en 
dip() 
di¡ 
10) 
+ 
dr¡ 
dtg&amp;a 
12) = __ 
derselbe ist sonaeh in jedem Punkte dem Differential 
quotienten der daselbst hervortretenden Klementar- 
kurve gerade ^leieh und ^ibt die Niitzliehkeit eines 
Minderaufwandes oder Mehrerlöses an. 
Hetraehten wir nun noch die ) %-Ebene, also 
die Quantitätsebene = 0, so bemerken wir zu- 
näehst, dass dann die Pefriedii»iinii von dem Preise 
tfj unabhän^iif wird und daher die Funktion /" ( ) 
einen konstanten Werth F(0, annimmt, 
welcher die ohne Kauf und Verkant von A erreich 
bare Anfaii^sbefricdi^un^ bezeichnet. 1 rotzdem können 
wir auch in dieser Ebene eine (^uantitätskurve kon- 
struiren, wenn wir uns vorstellen, dass der antäni^-
        <pb n="526" />
        400 
lidie lîargcldbesitz des Individuums statt //„ nun 
(//„ — ¿) sei, das Individuum also an Har¿»eld ärmer 
oder reielier werde, ohne sieh sonst in irgend welelier 
llinsieht zu ändern. In dem Ausdrucke für die Be 
friedigung 
^ [o, CvL; tu'Qi. •.. totñ n] 
ist dann 
V = Vo — + • • • + = //„ — t 
und, wenn wir wieder irgend eine hestimmte Komhi- 
nation der Artikel B . . . N annehmen, so hieiht in 
*/;( ) nur der Betrag t variahel. Tragen wir dann 
auf der OT-Aehse die positiven Beträge t nach vorn, 
die negativen aber nach rückwärts und zugleich die 
entsiireehenden Werthe von &lt;/;( ) als Ordinaten auf, 
so erhalten wir eine auf t = (/;„ — //) bezogene Kle- 
mentarkurve. Eine ähnliche Kurve ergibt sich auch 
für jede andere Kombination der Artikel B . . . N und 
die Umhüllende dieses ganzen Systèmes hat ehenso, wie 
jede der umhüllten Kurven, denselben Formcharakter, 
wie alle anderen Quantitätskurven. 
Jede (»)uantltätskurve zeigt die Abhängigkeit der 
Befriedigung von Aenderungen des Barvermögens und 
entspricht in ihrem Formcharakter der logarithmischen 
Funktion, welche schon von Bernoulli und Uuphice 
für die Abhängigkeit der „fortune morale“ von der 
„fortune jihysique“ aufgestellt worden ist. 
Fussen wir nun alle Quantitätskurven, von welchen 
jede nur für je eine hestimmte Menge gilt, und die 
daher in ihrem Verlaufe keineswegs identisch sind, 
zusammen, so werden die Vertikalasymptoten dieser
        <pb n="527" />
        401 
vcrscliiedeiieii Kurven einen Mantel bilden, der die 
Hefriedi¿^nn^‘sflüelie iiaeh vorn nndiiillt. Von den hori 
zontalen Asymptoten da^e^en dürfen wir annehmen, 
dass sie alle in der ^leiehen Höhe liefen. Das Indi- 
vidnnin wird näinlieh, wenn = — oo ist, dnreh 
die Unhesehränktheit der verführbaren Geldmittel in 
die Tjah»e versetzt, die Kombination der anderen Ar 
tikel ohne Ivüeksielit auf deren sonst vielleieht zn 
hohe Kosten wählen zn können; es stehen ihm nieht 
mir alle kompletirenden und konknrrirendeii Artikel, 
sow ie anderseits aiieh alle Hrodnktionserfordernisse in 
l)eliehi»rer ]\len«^e zur Verfüh»nn&lt;r, sondern es hat aneh 
die Möo-liehkeit, zn kleine Ankanfsmeiioen von A 
dnreh eih&gt;eiie Trodiiktion zn erh*änzen oder zn h»rosse 
Mengen zn verarbeiten oder zn Gesehenken oder 
zur Vorrathshildniih»- zn verwenden. Dadnreh w ird die 
hei —oo erreiehhare Befriedij*nn«r von der 
An- oder Verkanfsmen&lt;&gt;e des einen Artikels .1 j;anz 
niiahhän»&gt;i&lt;r, so dass wir uns vorstellen können, dass 
die Hefriedih^nnhisdäelie nach oben dnreh eine Horizon 
tal ehe ne he*»Tenzt wird. Diese Khene |np)izirt sieh 
( henso, w ie die vorderste Kante des oben erw ähnten 
Asymptotenmantels, in den roth hinstriehelten Linien 
(Fij&gt;‘. 78) auf die ) %-Khene. 
Uetraehten wir mm die Sehnitte der Betriedi- 
h^nn^sdaehe mit den der GA-Aehse jiarallelen \eiti- 
kalehenen, die wir Anfwandseheiien nennen. Jede 
Seliidttknrve einer Anfw andsehene oder jede Ant- 
wandsknrve stellt die Ahliän&lt;;i^keit der Befriedi&lt;;nno- 
von der Alen^^e x,^ hei je einem bestimmten, h*’leieh-
        <pb n="528" />
        492 
l)l(*il)eii(len ßetrag-e dar, wobei sidi also der 
Preis tgiJ'a zu^-leieli mit in reziprokem Verbältniss 
ändert. Eini&lt;&gt;-e dieser Kurven haben wir (Fi^\ 79) in 
direr Projektion auf die .Y%-Ebene sebwarz ^ezeielmet 
Fiff. 79 
II n 
\ w 
\ 11 
da r^ estel It, und zwar die hinter diese Ebene fallenden 
Kurven ])iinktirt. Jede Anfwandsknrve ist auch wieder 
die Umbiillende eines ganzen Systèmes von auf x^ 
bezogenen Elementarkurven, wie wir solche unter der
        <pb n="529" />
        493 
S])ezielleii A orniiSHetzim^' fester Wertliseliätziin«: des 
Geldes und für x^-U/0'^ = 0 schon früher (Anhang- II, 2) 
kennen «»’eiernt haben. Da in 
I , t(j Cg I Xj,, t(j L,!, . . , , t(f Ç„ ^ {l]a X^ fff ff'a) I 
der Betrag x^ ffff^-a nun konstant ist, haben wir tür 
den Ditferential(|Uotienten der umhüllenden Autwands- 
kurve 
dx„ dr¡ dx„ 
oder vermöge der Hedin«^ungs«»leichung’en lOj 
dXa ’ 
dies ist aber zugleich der Ditferentialquotient der an 
der betrettenden Stelle der Umhüllenden hervortre 
tenden Klementarkurve. Nun wissen wir, dass die 
Umhüllende derartig»er Elementarkiirven den Form 
charakter der Dehens^enusskurve besitzt. Jede Auf 
wandskurve wird also, wenn wir davon ahsehen, dass 
Á ein Werth])a])ier oder ein auf ein solches lau 
tender l erminschluss wäre, rechts und links durch 
vertikale Asymptoten begrenzt; sie wird also einen 
Scheitel haben nnd im allgemeinen konkav verlauten. 
1 )a ferner jede Aufwandsebene zugleich der geome 
trische Ort der Schnitt]mnkte der hetretfenden Auf- 
wandsehene mit allen Quantitatskurven ist, so muss, 
da die letzteren nach rückwärts an steigen, jede eitel 
rückwärts stehende Aufwandskurve über gleichen Ab 
szissen höhere Ordinaten haben. Daraus tolgt, dass, 
dy&gt;{)_dyj{) 
dx, dr¡ ' J dx^
        <pb n="530" />
        494 
je weiter liiiiteii eine Aiitwandskurve stellt, desto höher 
ihr Seheitel ist, und dass ferner ihre Sehnitt|)unkte 
mit jeder llorizontalehene, sowie ihre A sy in ¡doten um 
so weiter auseinanderriieken. Gleichzeitig- wird die 
Seheitelstreeke seihst immer flacher und ausgedehnter; 
das Individuum wird nämlich mit wachsendem, nume 
rischen Werthe des negativen Betrages in 
der Wahl der Komhination der anderen Artikel immer 
freier und dadurch «re^en Ahweichun^en von der 
durch die Scheiteljuinktsahszisse hezeichneten, ange 
nehmsten IVIen^e x„ immer weniger emjifindlich. End 
lich können wir, wie schon erwähnt, aimehmen, dass 
hei = — oo die Befriedigung' von x„ ^anz 
unahhän&lt;»i&lt;»‘ wird, so dass die Aufwandskurve (— oo) 
oder, was dasselbe ist, die Brojektion der horizontalen 
Asym])toten aller Guantitätskurven auf die A %-Ehene 
eine llorizontallinie bildet, die beiderseits durch ab 
wärts gehende Vertikallinien begrenzt wird, wie dies 
wieder die roth gestrichelten Linien in Fij»-. 79 an 
deuten. Die Distanz dieser letzteren bildet zugleich 
das Maximum (fer nach rückwärts immer zunehmenden 
Asynijitotensjiannun^- der aufeinamhutöl^enden Auf 
wandskurven. Dao-eo-en werden wir nach vorn endlich 
eine Aufwandsehene Anden müssen, welche die Befrie- 
di&lt;»un^‘sfläche nicht mehr schneidet und nur die \ er- 
tikalasym])tote der am weitesten nach vorn reichenden 
(jluantitätskurve in sich schliesst. Die letztere Asym- 
jdote bildet zugleich die vorderste Kante des bereits 
erwähnten Asym])totenmantels, in welchen selbstver 
ständlich {inch die Asym¡itoten sämmtlicher Aufwands-
        <pb n="531" />
        405 
kurven fallen. Hiese ]\lantelf1äelie selbst nähert sieh 
naeh rüekwärts iinnier mehr jenen beiden der 01- 
Aelise ])arallelen, vertikalen Asyni])totenehenen, welehe 
dureh die Be^renzun^slinien der Aufwandskurve (— co) 
^elej*"t werden können. 
Wenden wir uns nun zu den llorizontalsehnitten, 
so ergehen diese Sehnitte der Befriedi^un^stläehe 
Kurven konstanter Befriedigung-, wie wir einige 
in ihrer Projektion auf die A I-Ebene (Fio . 80) «ehwarz 
fiezeielmet zur Ansehaiiuno- bringen, und zwar die 
unter den Horizont fallenden ¡mnktirt. Jede solche 
Kurve lässt uns dureh ihre Ordinateu erkennen, wie 
der Betrag hzw. der Preis tfffK-t ändern 
muss, wenn hei weehselnder Meiio-e die Betriedi- 
n 11])^ z die ^'1 ei ehe bleiben soll. So bliebe z. B. in 
der Sehnittkurve, welehe in der Höhe 05 (Fi»-. 78 
und 70) ^ele^-t würde, die Befriedio-uno- hei jeder 
An- oder Verkaufsmen»e .r„ der Anfanoshefriedio-un^ 
o-erade o-leieh. Auch jede dieser Kurven ist wil der 
die Umhüllende eines oanzen Systèmes von Elementar- 
kurven, welehe diese Beziehuno zwischen x„ Uf //„ 
und x„ h(!Í je einer }»'l eich bleiben den Kombination der 
Meno-en x,.. . . x„ zur Ausehauuuo- bringen. Jede Hori 
zontalkurve ist der j*eometi isehe ( h t der Sehnitt))unkte 
aller Aufwandskurven mit der hetrettenden Horizontal- 
ebene, und daraus folo-t, dass sie naeh vorn einen 
Scheitel haben wird und naeh rüekwärts sieh zwid 
der Ol-Achse ]&gt;arallelen Asym]»toten nähern muss, 
die in den oben erwähnten, vertikalen Asym],toten 
eheneu liefen. Die Sehnitte dieser beiden Asym]üoten-
        <pb n="532" />
        49G 
ebenen mit dem Horizont sind in Fig-, 80 dnreli rotli 
gestrielielte Linien er«ielitlieli ^emaeiit. Ferner tbl^t 
daraus, dass die Ilorizontalknrve mit ilirem Seheitel 
um so weiter naeli vorn reicht, je tiefer sie lie^t ; 
Fig. 80. 
i 
\ \i 
i % 
'S 
/ . 
Y\ 
den am weitesten naeli vorn liegenden Seheitel hat 
also die Ilorizontalknrve (— oo) oder, was dasselbe 
ist, die Projektion des Asym])totenmantels auf den 
Horizont, wie dies die roth gestrichelte Kurve (Fig. 80) 
andeutet.
        <pb n="533" />
        4Í&gt;7 
Eiidlicli lialæn wir noHi die dureli die 0%-Aehse 
ill der KMelitiiiio- aller Kreislinien zu lebenden Ebenen 
— die Kreisebenen — und deren Sebnittkurven — 
die Kreiskurven — zu betraebten; wir bringen einige 
derselben (Fi&lt;&gt;’. 81) in ihrer Krojektion auf die XZ- 
Ebene in sebwarzer Xeiebniin^ zur Ansebaiiiin^, und 
zwar die hinter diese Ebene fallenden Streeken ¡uinktirt; 
sie sebneiden sieb säinintlieb iin Klinkte Diese Kur 
ven stellen die Abhängigkeit der Kefriedi^uu^- von der 
Mellte x„ bei eiiiein jeweilig konstanten Kreise t(j 
dar, und jede ist wieder die Uinbüllende eines «ganzen 
Systèmes von Elenientarkurven, welelie dieselbe Ik*- 
ziebun»- bei je einer bestiniinten Kombination der Men 
gen Xf,. . . x„ vera nsebau lieb eil. Naeb dem Gesagten 
muss aueb jede Kreiskurve dureb zwei vertikale Asym 
ptoten begrenzt werden, welebe dureb den Sebnitt der 
betretfenden Kreisebene mit dem vertikalen Asym 
ptotenmantel bezeiebnet werden. Es muss also aueb jede 
Kreiskurve einen Sebeitel haben und im allgemeinen 
konkav verlaufen. Ihr erster Ditferentialquotient ist 
dxf&gt;{) 
(h^ 
^7 
dipi ) 
4- . . . + 
) 
dx. 
dxf&gt;() 
4 
dtp{) 
dx^ 
dx^ 
dx„ 
oder mit Kiieksielit auf die Kediii^un¿(s^leiebun{^eii 10) 
ff/ÍK) _ ) _ ^V’i ) . .„n 
jlx„ dx^ dl] 
Daraus und aus dem konkaven Verlauf jeder Kreis 
kurve foli*t, dass die Klinkte ^leieber Tangential- 
Auspitz u. Lieben. Untersuch, üb. d. Theorie d Preises. 32
        <pb n="534" />
        408 
riclitiiiifi,- ill den vcrsehiedciieii, auf eiiiaiider ful^eiideu 
Prciskurveii uud somit aiieli deren Soli eitel inn so 
weiter naeli reel its liefen, je niedrioio- der hetrotfende. 
Fig. 81. 
1 
/ / 
X 
])ositive oder je holier der hetrettende, nej&gt;Mtive I reis 
ist. Xn^leieli riiekt mit al^ehraiseli sinkendeni 
Preise vermöge des hes])roelienen \ erlaiites der (^iian- 
titätsknrven der Scheitel der Preiskurve mich ohcn,
        <pb n="535" />
        — 4ÍH» — 
wenn cr redits, oder naeli unten, wenn er links vom 
Nulljinnkte lie^t. Die mit sinkendem Preise fort 
schreitende Verseliielmnj»- des Scheitels der Preiskurve 
wird besonders stark hervortreten, wenn hei einem 
Verhrauehsartikel oder einem Gehrauehsaitikel, der 
einer Abnützung unterließt, der Preis so weit 
unter den künftiß erwarteten Preis ffjta sinkt, dass 
zu allen ührißcn Verwenduiißsarten des Artikels A 
noch diejeniße (HO) zur Pilduiiß eines verkäuflichen 
Sehlussvorrathes hinzutritt. 
Die Abszisse des höchsten Punktes einer Preis 
kurve hemisst die der HedinßunßSßleiehunß 11) ent- 
sjuechende Meiiße x„ von A, deren Ankauf oder Ver 
kauf die höchste, hei dem hetretfenden Preise 
erreiehhare Befriedißuiiß hervorruft, während die llori- 
zontalordinate den entfallenden Hetraß he- 
zeiehnet. Fassen wir nun die höchsten Punkte aller 
Preiskurven zusammen, so erhalten wir eine Kurve 
im Paume, die Kurve der ßrössten l^efriedißunß, 
welche nach dem eben Gesaßten, von der Achse 
in der Höhe also vom Punkte A, ausßchend, nach 
rechts und links, und zwar beiderseits durchaus aa 
ste ißcnd, verläuft. In Fiß. 82 haben wir versucht, ein 
perspektivisehes Bild der Befriedißunßsfläehe zu ßchen ; 
die Kurve im Paume ist roth ßczeiehnet, der Asym 
ptotenmantel roth ßcstriehelt, während die schwarzen 
Kurven die verschiedenen Schnitte andeuten. 
Die Projektion der Kurve der ßrössten Befriedi- 
ßuiiß auf den Horizont, in Fiß. 80 roth ßczeiehnet, 
hemisst durch jede ihrer Abszissen jene Meiiße rr„, 
32*
        <pb n="536" />
        — ôüO — 
deren Aiiknuf oder Verkniif bei dem dureli den be 
treffenden Kndinsvektor der Kurve nn^e^ebenen Preise 
die oriKste lîefriedionuo- bervorinin^t; jede Or 
dinate dieser Kurve bezeielinet somit den entspreeiien- 
r lg. 82. 
den Anfwand oder Erlös. Die projizirte Kurve ist also 
die Angebots- und Naebfra&lt;&gt;-ekiirve, wie sie sieb bei 
Merneksiebti^nn"' des Umstandes ergibt, dass bei weeb- 
selndem Preise von Á die Wertliseliätznno- des Oeldes 
variiren kann; sie würde in der friiber gewohnten
        <pb n="537" />
        ÕOI 
Stelluii”' er«dieineii, weim wir die podtiveii Autwaiid«- 
heträ^e .statt iiaeli vorn, nach rückwärts an%ctra^cn 
hätten. Diese Kurve besitzt aueli die eharakteristiselie 
Ki^enseiiat't jeder Anj^ehots- und Xaelifra^ekiirve, dass 
sie von keinem Kadiiisvektor mein* als einmal ge 
schnitten wird, da, wie wir wissen, der Scheitel jeder 
Preiskurve und somit auch jeder Punkt der Kurve der 
grössten Befriedigung' um so weiter nach rechts lie^t, 
je niederer der hetretfende Preis t¡j f)'a ist. Ferner 
verläuft die Angebots- und Naehfragekurve nach rück 
wärts und sowol rechts, wie links asym})totiseh zu den 
in der Fi^rnr SO roth gestrichelten Schnitten der beiden 
vertikalen Asymjdotenehenen mit dem Horizont; da 
zwischen hat die Kurve einen Scheitel, der, wie frühei' 
(52) erwähnt, rechts oder links vom Nullj)unkte liefen 
kann. Fndlieh können wir noch bemerken, dass, wenn 
das Mass für die Befriedigung sich ändert und daher 
alle vertikalen Ordinaten ^leichmässi^ ]U'o|)ortional 
länger oder kürzer werden, diese Fläche und daher 
auch die Kurve im Baume eine andere werden wird; 
die Angebots- und Naehfra^ekurve hleiht aber trotz 
dem unverändert. Dadurch sind wir jeder Mö^^lich- 
keit beraubt, der Erfahrung' irgend einen Aufschluss 
über das i'ichti^e Mass der Vertikahu’dinaten der Be- 
friedij;’un”'stläche zu entnehmen. 
Die Pr(Rektion der Kurve der ^frössten Befrie- 
dio'uuii auf die A%-l:hene, in Fi^. 711 roth gezeichnet, 
hat über dem Nulljmnkte die Ordinate und verläuft 
also vom Punkte b beiderseits ansteigend. Endlich 
bricht dieselbe rechts und links in den Endpunkten
        <pb n="538" />
        002 
(1er Projektion der liorizoiitalen A sy in ¡doten aller (¿iian- 
titätskiirven auf die A/^-Ebene ab. Aueb die Pro 
jektion (lersell)en Kurve auf die } %-Ebene, in Fi»-. 78 
rotb »ezeicbnet, liât ihr ^lininiiini in der Höbe 2„ iilier 
dein Nnll])iinkte und besteht aus zwei dureliaiis an 
steigenden Aesten. Der eine Ast gebt zuerst luuîb vorn 
bis zu einem Punkte, dessen llorizontalordinate der 
8ebeitel])unktsordinate der Angebots- und Naelifrage- 
kurve gleich ist, und krümmt sieb dann nach rück 
wärts ; der andere Ast liegt durebaus hinter der ()Z- 
Aebse, und beide A este, die sieb unter Umständen 
aueb sebneiden können, verlaufen sebliesslieb asym- 
jitotiseb zu einer Horizontallinie, welche in der die Pe- 
friedigungsbäebe nach oben begrenzenden Horizontal- 
ebene liegt. 
Legen wir min noeb dureb jeden Punkt der 
Kurve der grössten Hefriedigung eine der ] %-Ebene 
parallele und gegen den Horizont mit 45“ geneigte 
Gerade, so geben uns die Sebnitt¡mnkte aller dieser 
Geraden mit dem Horizonte eine Kurve, welebe einer 
Lebensgenusskurve insofern gleiebt, als sie dureb 
ihren in der Piebtung der GF-Aebse gemessenen Ab 
stand von der Angebots- und Naebfragekurve die 
Hefriedigung angibt. Jedoeb steht die Angebots- und 
Xaebfragekurve niebt im Ableitungsverbältnisse zn 
dieser Kurve; die Ordinaten der letzteren sind 
und ihr Ditferential(|Uotient ist mit Ivüeksiebt darauf, 
dass nun der Preis t(f t)\, niebt eine Konstante, sondern
        <pb n="539" />
        503 
eine (lurch die Form der An»»el)ot8- und Niielitrage- 
kurve ¿gekennzeichnete Funktion von z, ist, 
dx„ 
+ 
(lF{x^, ////&gt;„) 
dt(fíK 
dx„ 
Dieser Ausdruck verwandelt sicli vermô&lt;çe der (Jlei- 
ehunj*en 11) und 12) in 
dfi 1 dx^ ' 
+ Xa • 
1 — 
während, wenn die Angebots- und Naehfragekurve zu 
der in Rede stellenden Kurve iin Ahleitungsverhält- 
nisse stünde, der Ditt'erentiah|Uotient der letzteren 
gleich t;id^ sein müsste. Wir sehen, dass dies nur 
dann der Fall sein würde, wenn ^ = 1, also 
dl] 
die Werthsehätzung des Geldes konstant wäre. Hätten 
wir dies angenommen, so würde die Hefriedigungs- 
Üäehe eine ganz andere sein, jede (^uantitätskurve 
würde durchaus geradlinig mit der Neigung 4h" gegen 
den Horizont verlauten. Wir hätten dann eine unter 
derselben Neigung verlautende CylinderÜäehe vor uns, 
welche rechts und links durch die früher hesjiroehenen, 
vertikalen Asym]itotenehenen begrenzt hliehe, während 
die Begrenzungen der Hefriedigungstläehe nach oben 
und vorne Wegfällen; die Schnitte aller Aufwands- 
ehenen und aller llorizontalehenen würden nun immer 
identisch die gleiche Sehnittkurve ergehen. Die 
selbe Kurve würden wir auch erhalten, wenn wir 
die Kurve der grössten Befriedigung in der neuen 
Fläche aiifsuehen und sie unter 45" auf den Horizont
        <pb n="540" />
        Õ04 
Oiler aueli auf die .YZ-Eheiie ])rojizireu würden. Diese 
Kurve, zu welelier iiaeli Olü^eui die Aii¿í,el)oís- und 
Xaelifra&lt;&gt;-ekurve iiu Aldeituu^sverliältiiisse stunde, ist 
iiielits anderes als die tViilier (Anliaii^- II, 2) üesjiro- 
elieue Lei)ens«»-emisslvurve. Wir sehen also, dass zur 
Aufstelluu^»- dieser Kurve, welehe es uns eriuö^lieht, 
die Ahliäiig-io-keit der Befriedigung" von der Aleude 
in der Ebene darzustellen, die Annahme der festen 
Werthsehätzun«»- des Geldes unerlässlieh, aber aueh 
ausreieheiid ist. 
Wollen wir nun darauf Küeksieht iiehiueu, dass 
die j\larkteinheit des Artikels .1 uieht als uueiidlieh 
klein angesehen werden könnte, so zerfällt die Hefrie- 
di^'un^stläehe in eine Reihe von je um eine Marktein 
heit aiiseiuaudersteheudeu (^uautitätskurveu; dadureh 
verwandelt sieh jede der anderen Selmittkurveii in 
eine Reihe von Ruukteu, die, in der Riehtun«»" der 
tbV-Aehse gemessen, in derselben Entfernung- auf 
einander folgen. Unter den in den Rreisehenen 
lie&lt;»eudeii Ruuktreiheu werden wir sehr viele tiiideu, 
die iiaeh wie vt)r Einen höehsteu Ruukt aufweiseu, 
daneben aber aueh solehe, in welehen zwei Runkte 
^leieh hoeh und höher als alle anderen liefen; so oft 
der letztere Fall eiutritt, ^iht es zwei versehiedene 
Au- oder Verkaufsmeu^eu, die bei dem hetreffen- 
deu Preise /////„ die »leiehe, und zwar eine höhere Re- 
friedigun«;" als alle anderen Mengen gewähren. Jeder 
solehe Preis bildet also einen Uehergangs])reis von 
einer Menge zu einer anderen, die sieh um eine 
oder mehrere Markteinheiten von der erste reu unter-
        <pb n="541" />
        — r)05 — 
sclieidet. Die Kurve der ^rüssteii Hefriedi^uii^ zer 
fällt mm in eine Reihe von je in einer (¿nantität.s- 
knrve liegenden und daher naeh hinten ansteigenden 
Knrvenstneken, welehe dnreh zwisehenlie&lt;»ende, hori 
zontale, gerade Streeken auseinander gehalten und 
mit einander verhnnden werden; die Riehtnn^ jeder 
sol eh en geraden Strecke hezeiehnet je einen Deher- 
&lt;»an;;s])reis. Nur in der O/^-Aehse, und zwar in der 
1 lohe 2„ über dein Horizont, stossen zwei gerade 
Streeken nnniittelhar an einander, von welchen die 
nach rechts gehende den Maxiinalankaiifsjireis, die 
nach links gehende aber den Miniinalverkanfspreis 
an«*iht. Die Projektion der Kurve der grössten l^e- 
friedi^nn^- auf den Horizont — die Angebots- und 
Nachfraj;eknrve — besteht demnach nun bloss ans 
Radinsvektorstreckcn und zwischenlie^enden, der D)"- 
Aclise ]iarallelen (Geraden. Khenso setzt sich auch die 
oben hes]nochene, einer Lehens^ennssknrve ähnliche 
45" Projektion der Kurve der «grössten Refriedip,nn^ 
mm ans lauter geraden Strecken znsanmien, und zwar 
ans solchen, die den Radinsvektorstreckcn der An- 
j^ehots- lind Naclifra^eknrve jiarallel sind und auch 
die j»leiche Län^e haben, und auch wieder ans solchen, 
die der DP-Achse parallel laufen; die letzteren ver 
binden die ini allgemeinen nicht nnmittelhar aneinander 
stossenden, schiefen Strecken und können dieselben 
auch noch nach hinten oder nach vorn oder auch nach 
beiden Seiten zugleich überragen. 
Wäre J ein in imhe^renzter Alende he^-ehrter 
Artikel, also z. R. ein auf ein Werthpajiier lautender
        <pb n="542" />
        — 500 — 
'renuiuschliiss, so werden die Aufwandskiirveii mitiir- 
lieli keinen Seheitel haben, sondern naeh reehts immer 
ansteigend und seldiesslieh asymptotiseli zu, der OX- 
Aelise parallelen, horizontalen Linien verlaufen. Diese 
Horizontalen bilden einen Asymptotenmantel, der naeh 
hinten anstei^t und selbst wieder asymptotiseh zu der 
selben Ebene verläuft, in weleher die llorizontal- 
asymptoten aller Quantitätskurven liefen; naeh vorn 
fällt der Asymptotenmantel ab und verläuft sehliess- 
lieh wieder asym¡)totiseh ^ej»en eine der DA-Aehse 
jaira 11 eie Vertikalebene. Diese Vertikal ebene bildet 
zuj»leieh die asymptotisehe Hei^renzun»- des dureh die 
vertikalen Asymjitoten aller Quantitätskurven ^-ebil- 
deten Plantéis; dieser letztere Mantel wird nämlieh 
jetzt nur mehr links eine der DV-Aehse parallele 
Asyinjitotenehene aufweisen. 1 lem^emäss nähert sieh 
aueh jede Horizontalkurve naeh reehts asynijitotiseh 
je einer Geraden, welehe nieht der GV-Aehse parallel 
ist, sondern in dem erwähnten, horizontalen Asym 
ptotenmantel liej^t. Ferner werden die 1’reiskurven nur 
insolaiif^e zwisehen zwei vertikalen Asymptoten ver 
laufen, als die betretfende 1’reisebene den vertikalen 
Asymptotenmantel nieht nur links, sondern aueh reehts 
sehneidet, so lan^e also t&lt;j })\, &gt; 0 ist; sobald da;^e^en 
ist, verläuft die Preiskurve naeh reehts 
durehaiis ansteigend. Sehon die Preiskurve Null, die 
zui»leieh eine Aufwandskurve ist, verläuft naeh reehts 
durehaus ansteigend und seldiesslieh asymptotiseh zu 
einer Horizontalen. Daraus tol^t, dass die Kurve im 
llaiime einen sidehen Verlauf hat, dass die Aii^ehots-
        <pb n="543" />
        507 
c/&gt; 
und Xaclifraj^ekiirve nur links dnicli eine der 0}&gt; 
Achse ])arallele Asymptote begrenzt wird, und dass 
sie rechts —: nach Krreiehnn^r ihres vordersten Punktes 
— asymptotiscli zur tAY-Achse seihst verläuft. Dies 
alles ^ilt auch, wenn .1 ein fremdes Zahlnn^sver- 
sjneehen, also irgend ein Werthpa¡)ier ist; nur bricht 
dann die Befriedi^nngstläche zur Linken mit einer 
Qnantitätsehene ah, deren Entfernung vom Nullpunkte 
den Anfan^svorrath hemisst. Ebenso bricht die 
Befriedi«j&gt;nn^siläehe, wenn A das eigene Zahlnn^s- 
verspreeheii des hetrachteten Individuums wäre, zur 
Keehten mit einer (¿nantitätseheiie ah, welche den 
Betrag- (— aj der etwa schon anfänglich in Zirku 
lation hefindlieheii, gleichartigen Zahlnngsverspreehen 
hezeiehnet. Wäre A endlich ein Einzelohjekt, so 
weist die Befriedignngsdäehe nebst der Anfangsordi 
nate z„ nur eine einzige Qnantitätsknrve auf; diese 
steht in der Entfernung 1 rechts vom Nullpunkte, 
wenn das schon hestehende oder auch von einem 
anderen erst herznstellende Objekt A erst zu erwerben 
wäre, oder sie steht in derselben Entfernung links 
vom Nullpunkte, wenn das Objekt A schon znm an 
fänglichen Besitze des Individuums gehört oder von 
demselben für fremde Bechnnng herznstellen wäre. 
Wir wollen nun noch den Fall behandeln, dass 
das Individuum über den künftigen Breis fg'Ç^ des Einen 
Artikels A keine bestimmte Meinung hätte, so dass, 
wenn vl ein Verhranchsartikel oder ein (Gebrauchs 
artikel ist, der einer Abnützung unterliegt, die Haltung 
eines verkäuflichen Schlnssvorrathes ,v„ ausgeschlossen
        <pb n="544" />
        Õ08 
ersclicint. Wir haben dann ini allgemeinen 
f¡)'Qa — ^ 
7Äi wetzen, wo c, wenn .1 ein zinstraf^endes Wertli- 
papier iwt, dewwen diesjährigen Ertrag- hezeiehnet, sonst 
aber = 0 ist. Wir können aiieh jetzt wieder aus 
mittelst der Bedin^^ungs^leiehun^en 10) die Mengen 
X,,. . . eliminiren und scdiin 
^ n (^'a ? ^// 
setzen, so dass die Hedin^un^- für das Maximum der 
llefriedi^'uu^' nun lautet 
(V'%) ^ 
Hier ist I\{ ) eine Funktion, die im Gegensätze zu 
jener F{ ) von ff/'Ç,, unabhän^i»-, da^e^en von c ab- 
bün¿*ij*‘ ist, sofern nicht c = 0 wäre. Auch ist, äbniieb 
wie bei der Funktion F{ ), der Ditferentiabpiotient 
dip{) (lip{) , 
-, = - , — , ■ v/'A., 
dXa ^ dXa d t] 
während da^e^en 
dF^d\, f!f,%) ^ di/){ ) _ ^ ) 
dd/iPa “ &lt;ff] 
ist. Ferner ist nun die Anfan^sbefriedi^u1F„(0,///,V„) 
nur dann so, wie früher F(0,///.'/„), von fp unab- 
bän^i^', wenn das Individuum keinerlei Anfanj»svor- 
ratb von A besitzt; andernfalls würde sie mit ///.'/„ 
steifen und fallen. Um nun ^anz allgemein, also aueb 
in dem zuletzt ^edaebten Falle, eine Darstellung* der
        <pb n="545" />
        509 
Funktion zn erlialten, neliinen wir tnr 
tfl'Ca sukzessive jeden Wertli zwiselien (— oo) und 
(4- 00) an lind stellen immer die betreffende Befrie- 
di^nno-sffäelie F{x^^ ^K)i die jedesmal eine andere 
sein wird, a nt". Dann snelien wir in jeder dieser Fläelien 
jene Freisknrve auf, in welelier 
ist, lind fassen alle diese Preiskurven zusammen; die 
liöelisten Punkte dieser Kurven ^eben wieder die 
Kurve der grössten Befriedigung, und deren Projek 
tion auf den Horizont stellt die nun «reitende An^ebots- 
und Xaebfra«»eknrve dar. 
(ianz dieselbe Betraebtun^sweise ist aiieb dann 
anwendbar, wenn das Individuum zwar über deu künfti 
gen Preis ffit„ selbst keine bestimmte Meinun«»- bat, 
aber doeb erwartet, dass nm einen bestimmten 
Betrag böber oder niederer sein werde, als jener 
Marktpreis tfi dem seine Angebots- und Nacbfra&lt;re- 
kurve erst ^e^enüberzustellen ist. Dies kann Vor 
kommen, wenn eine bevorstehende Xollerböbun^ oder 
-Frinassij»!!!!«»' oder ein sonstiges, älmlieb wirkendes 
Frei^niss bekannt wird. Wenn wir den Betra«*- der 
erwarteten Preisänderun^ wieder mit c bezeiebnen, so 
ist nun zu beaeliten, dass in den vorber«febenden Ans- 
drüeken c nunmebr aueb negativ sein kann. 
Stünde das Individuum niebt einem festen, von 
seiner eigenen Finffussnabme unabbän^i^en Markt- 
preise, sondern dem freien Angebote und der freien 
Naebfraü-e aller anderen \'erkäufer und Käufer des
        <pb n="546" />
        510 
Artikels A ^’e^-eiiüber, so wird das Individuum die 
{^rösstmöo-liclic lîcfriedionn»- erreiclien, indem es mono- 
polistiseli vorteilt. Ks muss uns dann das freite Au- 
o^ebot und die freie Naelifra&lt;»e ^e^eben sein, also der 
den das Individuum für jede An- oder Verkaufsmen«^e 
.r„ von A mindestens aufwenden muss oder böebsteus 
erlösen kann. Es ist dann, wenn das Individuum 
eine bestimmte Meinung" über den künftigen Preis 
tfl'Ca bat, 
2 = 1/; j.r„, x,., . . . x„, | — fP 0^«) | ¡ • 
Wenn das Individuum da^e^en nur die ]\leinuiio- bat, 
dass es im näebsten ,labre einen Preis ff/t,, werde 
erreieben können, der sieb um einen gewissen Betrag 
c von dem diesjährige]) ////&gt;„ untersebeidet, so ist 
t'lL = tu»-. + c = + C 
X. 
"und die Befriediuunü" 
— V'* ) 
H'W + , 
x^ 
Daraus erhalten wir mittelst der Bedin^un^s^leiebun^e]) 
10) beidemale die Befriedi^nn^- z als blosse Funktion 
der nun allein variabel]) Me))^e aber die Foru) 
dieser Fu])ktio]) ist ]iu]) aueb vo]) je))er der b U])ktio)) 
W{x„) abbäD^i^. Je])er Werth vo]) .t«, bei de])) der 
1 )itt‘ere])tiab(uotie])t dieser ])eue]) Fu])ktion = 0 wird, 
b]i))ot die grösste Betriedi^U))^' hervor, U])d diese A))-
        <pb n="547" />
        511 
oder Vcrkaiifsinciiííc ist also die inoiiopolistiseli 
vortlieilliafteste. Um dieselbe dureb eine Konstruktion 
zn erhalten, muss uns vorerst eine ^rapbisebe I)ar- 
stellnn»- der Funktion ^ep;eben sein. Fine solebe 
batten wir früher in der Abgeleiteten K'OI' der Kurve 
AIIK (Fi^. G8) des Gern ein nutzen s ; war diese Ab 
geleitete gezahnt, so stellte nur die Reibe ihrer etfek- 
tivcn Funkte (70) die Funktion W {x^ dar. Dies be 
ruhte jedoeli auf unserer früher stets fest^ebaltenen 
Annahme, dass die individuelle Wertbsebätzuno- des 
Ueldes niebt nur bei dem betraebteten Individuum, 
sondern aueb bei allen anderen unveränderlich — wenn 
auch von Ferson zu Ferson verseliieden — sei. Jetzt 
da«re^en müssen wir uns für jedes der anderen Indi 
viduen eine auf A bezogene Refriedi^un^stläebe und 
sollin je eine Kurve der grössten Befriedigung auf- 
bestellt denken und die Horizontal])! ojektionen aller 
dieser Kurven zu Einer Kurve des freien Angebotes 
und der freien Naebfrabc kombiniren. Diese letztere 
Kurve haben wir dann um 180“ b^Mlrebt, also das Au 
be bot naeb reebts und vorn, in den Horizont der Hefrie- 
dibunbsÜäebe des betraebteten Individuums einzuzeieb- 
nen; dieselbe bd&gt;t entweder unmittelbar oder, wenn 
sie b^%^dint ist, dureb die Reibe der hinteren End 
punkte ihrer der D)-Achse ¡larallelen Strecken die 
Darstelluiib der Funktion W {x„). Jener Funkt dieser 
Kurve oder Reibe, welcher den Vertikal 
abstand von der Hefriedibnuifstläebe aufweist, bezeich 
net durch seine Abszisse die für unser Individuum 
mono])olistiseb vortbeilbafteste An- oder Verkaufsmeube
        <pb n="548" />
        512 
1111(1 (liiiTli seinen Hndiiisvektor den oiinsti«i,sten Preis. 
Selbstverständlieli liej*t dieser Punkt keineswegs in 
der Angebots- und Nuelit'ni^ekiirve des betraebteten 
Individiiinns, die ja nur für den Fall ^-ilt, dass das 
selbe einem von seiner eigenen Eintliissnabiue unab- 
bäno-ioeii ^larktpreise ////&gt;•„ ^e^enüberstünde, eine An- 
nabine, welebe immer dann ziitritft, wenn der Ankauf 
oder Verkauf des Einzelnen nur einen kleinen Priieb- 
tbeil des Gesanimtabsatzes bildet. 
Die Darstellung" im Paume bat es uns ermö&lt;&gt;liebt, 
die Abbän^i^keit der Pefriedi^iin^" von der Men&lt;*e 
und dem Preise irgend eines Artikels aiieb obne unsere 
trübere Annabme fester Wertbsebätzun&lt;»" des Geldes 
zur Ansebaiiiin^" zu bringen. Dabei mussten wir aber 
da run festbalten, dass das Individuum jeweilig" jene 
Kombination, welebe ibm die «grösste Pefriedi^iin^" j;(“- 
vväbrt, zu wäblen wisse, und dass die Preise aller 
anderen Artikel von allen Preissebwankiin^en des 
Einen Artikels völlig- nnberübrt bleiben. Wir erbalten 
so eine Angebots- und Naebfra^ekiirve, die zwar eine 
andere ist als die früher liesjiroebene, die aber doeb 
in allen ebarakteristiseben Ei^ensebaften mit dieser 
übereinstimmt. Wir haben nun keine Kosten- und 
Xützliebkeitskiirve und keine Eebens^eniisskiirve, da 
für bietet aber die Kurve grösster P)efriedi«&gt;iin&lt;*" und 
die Hefriedi^iinosfiäebe einen Einblick in eine ^anze 
Reibe versebiedenarti^er Ziisammenliänoe.
        <pb n="549" />
        : 
ñ 
ï _ 
^ -1 f 
i 
i 
4«wr »stoHggAtt à w» 
wm 
Aiihung- III. 
33 
Au»pit* u. Lieben Untersuch, üb. d 'ITieorie d Preises
        <pb n="550" />
        m 
i! 
il 
n 
u 
1 ^ 
r:.' 
( 
jv 
W 
ti h ' 
I 
, ^
        <pb n="551" />
        Die Lebeiis^eiiiisskiirve, auf Veniiitziingsmeiigeii 
bezoiieii. 
Wir liabeii Ilj sowol den Fall, das« das 
liidividiiuiii einen bestimmten Preis von A er 
wartete, als aneb jenen behandelt, dass unbe 
kannt wäre; wir haben an eh früher (V) unter der 
Wnanssetznn^ fester Werthsehätznn^- des Geldes eine 
Lebensgennsskurve anfgestellt, die für ein ¿»egebenes 
tffta ^ilt. Wir wollen hier auch noch untersuchen, 
ob und inwieweit es möglich ist, bei fester Weiih- 
schätzung* des Geldes eine Lebensgenusskurve auch 
dann aufzustellen, wenn das betrachtete Individuum 
über den künftigen Preis tgX„ von A entweder gar 
keine bestimmte Meinung oder, wie früher (Aidiang 
II, 3), nur die Meinung hat, dass tg'Ç,, aia einen ge 
wissen Betrag von abweiehen werde. Wir haben 
dann im allgemeinen 
tfjL = tgd-, -h c 
zu setzen, wo c den Betrag der erwaiteten Preis 
änderung bezeichnet und daher, wenn eine solche 
nicht erwartet würde und A nicht etwa ein zinstra 
gendes Werth|)a]uer wäre, = 0 ist. Wir müssen dann 
unterscheiden, ob das Individuum einem von seiner 
33*
        <pb n="552" />
        516 
EinHiissimhme Marktpreise 1() th, von 
A oder aber dem freien Angebote und der freien 
Naelifrao-e W{x,) (Anbanj&gt;- IF, 3) aller anderen F'er- 
sonen für diesen Artikel g-eoeniiber stellt. In dem 
letzteren I^ alle, den wir, weil er keine bcsondeien 
Sebwieri^keiten bietet, zuerst bebandeln, nimmt die 
Gleiebnn^ 8) die I^orm 
I 
9 
37. 
'ZW + c 
Xi 
,, + Va — 
an, lind wir können mittelst der Bedin^iin^s^leiebnn^en 
D) die Mengen x, . . . x, eliminireii und sobin den 
Lebensgenuss 
2 + FL (x„) = &lt;jp { } A- tja 
als blosse Funktion von x, ermitteln. Diese Lebens- 
^eniissfnnktion und deren ^rapbisebe Darstellung- — 
die nun geltende Ijebens^eniisskiirve — iintersebeidet 
sieb von der friibcren Lebensg-eniissfiinktion f{x,) nur 
darin, dass sie statt von tpt, vielmelir von c und 
von der Form, der Funktion W{x,\ also von der 
gegenUberstebenden Iviirve des freien Angebots und 
der freien Naebfrage, mit bestimmt wird. 
Stünde das Individiiiim dagegen einem festen 
Marktpreise gegenüber, so würde die Gleiebnng 
8) die Form 
z = (p\x„ {t(jth„4-c);X,,, t(jÇ,,;... 37„, U]X&gt;n\A~Va — ‘(V« 
annebmen, so dass es im allgemeinen iinmöglieb wird, 
eine von ff] th, iinabbängige Lebensgennssfnnktion aiif- 
ziistellen. Dies wird vielmelir nur unter gewissen,
        <pb n="553" />
        517 
weiteren Vomiissetzungeii und nur dadureli inö&lt;»iieli, 
da.sH wir die Kurve nielit mein* auf An- oder Ver- 
kanfsmen^en, sondern auf Vernutzun^snienj&gt;*en bezie 
hen; es sind dies jene noch näher zu definirenden 
Mengen, welelie als ökonoiniseh verhralieht angesehen 
werden müssen, die aber mit den jdiysiseh verhrauehten 
keineswegs ühereinstimmen. l"m zunäehst die neuen 
Voraussetzungen kennen zu lernen, stellen wir uns 
vor, dass die Jîedingungsgleiehiingen 2), 3) und 5) 
zwar hinsiehtlieh der Artikel B . . . nieht aber hin- 
siehtlieh des Artikels .1 aufgestellt worden wären, so 
dass wir aus der Gleiehung 1) statt jener 8) den 
neuen Ausdruek 
2 — y« iPa} CV9 ‘ ‘ (V"h Va ^’a * (V^a 
erhalten. Unsere neue Annahme besteht nun darin, 
dass die Funktion (p„{ ) so hesehatfen sei, dass wir 
1^3) (p^ ^ j = -2 {Vaf ^af OajJaJ 1 1 ^//Ch) 4" 
+ (U K, ^a,0a,fa, ' ' ' (VCJ 
setzen können, wo 22( ) und w( ) ebenso, wie (p„( ), 
lediglieh individuelle Funktionen sind. Wir haben also 
angenommen, dass sieh die Funktion &lt;p^[ ), welelie 
die Befriedigung ohne Iviieksieht auf den sehliess- 
liehen Bargeld besitz // = (//« — darstellt, in 
zwei getrennte (Mieder zerlegen lasse. Das erste 
Glied 22( ), welehes von tf/'Ç,, unabhängig ist, hezeieli- 
net die Befriedigung ohne Kiieksieht auf // und ohne 
Uiieksieht auf den von dem Artikel A sehliesslieli ver 
bleibenden, ganzen Vorrath 
t'a = {K 4- &lt;Ja — 4- {pa 4~ ß« “ /«) 4" S^.
        <pb n="554" />
        518 
Das zweite Glied stellt die Aldiän^i^keit der Befrie 
digung von dem erwarteten, künftigen Preise tgt^ dar 
lind, da dieser Preis die Befriedigung mir dadnreli 
lieeindiissen kann, dass er für die Wertliseliätziing des 
Vorratlies massgebend ist, haben wir in 
zugleich auch die Werthsehätzung dieses Vorratlies 
vor uns. Dass diese Werthsehätzung wegen des mit 
der Auf he wall rung des Vorratlies verbundenen Zins 
verlustes und Risikos nie den vollen Betrag 
erreichen kann, haben wir schon früher (GO) hervor- 
gehohen; wenn also das Produkt ) diese 
Werthsehätzung richtig hemisst, so können wir ) 
als das für die schliessliche Vermögensinventur zum 
vollen Preise anrechenbare Ausmass des Vor- 
rathes an sehen. Durch die Annahme der Gleichung 
13) haben wir also vorausgesetzt, dass die Werth- 
schätzung des Vorratlies dem Preise t&lt;jX&gt;a ilMllHM* 
genau ])ro])Ortional sei. Wir haben ferner dadurch, 
dass in m( ) die Grössen x,,. . . x,, nicht erscheinen, 
auch vorausgesetzt, dass das für die schliessliche 
Vermögensinventur anrechenbare Ausmass m( ) des 
Restes ausser von den Preisen UjX,,,. . . tgX,,, mir von 
den für die Grösse und Beschadenheit dieses Restes 
massgebenden Variahein ¿;„, c„, //„, /„ und .s„, keines 
wegs aber von den analogen Mengen der anderen 
Artikel abhängig sei. 
Die erste dieser Voraussetzungen ist nur eine 
weitere Ausdehnung der Annahme fester Wertli-
        <pb n="555" />
        Õ19 
seliätziiii^ des Geldes, der zufolge die AVertliscliMtzun^- 
eines Geldbetrages diesem Hetra¿»e selbst immer ^enan 
ju-oportional sein soll; da^e^en ist die zweite Voraus- 
setziing- ^anz neuartig- und wird in Wirklielikeit wol 
sehr oft niebt ziitretfen. So wird z. H. die Veran- 
sebla^nng" des für die sehliessliclie Vermö^ensinventnr 
mit RUcksiebt auf Zinsenverlust, Risiko, La^^erspesen 
u. s. w. anrechenbaren Aiismasses eines Vorratbes 
von Weizen diireli den gleichzeitigen Besitz eines 
La¿»ers von Korn ¿gewiss sehr stark — vielleicht eben 
so stark, wie durch eine gleich grosse Vermehrung 
des Weizenvorratlies selbst — beeinflusst werden; 
älmlicbe Wecbselbeziebun^en bestehen insbesondere 
auch zwischen verschiedenen (Jattun&lt;*en von Werth- 
papieren u. s. w. Wenn wir aber trotzdem beide Voraus 
setzungen gelten lassen und gleichzeitig die Relation 
= ((Y -+- c) cinfübren, so haben wir für die Be 
friedigung- 
+ to‘G+c)-m (ü„, ///?,,..///Ç„) “h ~ .T. 
also einen Ansdruck, in welchem der 1 *rcis///,‘&gt;„ nicht 
mehr, wie oben, in einer und derselben Rnnktion mit 
anderen Variabeln erscheint." Setzen wir nun der 
Kürze halber noch weiters 
““ i'^af ^af ' * * ‘^’n; (¿7Ci) 4" "H 
-I- c • ÍÜ c„, ; t() 'Ç,,.. t¡) cj = u (v„, //„,./!, -s-. ; .r,.. x„) 
und 
to, i^'a, i)a, fa, (VC,, • • • (VW = ^ {v^, (/„ /„, .5„), 
so sind U{ ) und u( ) nicht mehr lediglich indivi-
        <pb n="556" />
        Õ20 
(liielle Funktionen; jene it{ ), welche (lieselbe Be- 
dentiing' hat, wie to( ), hängt nämlich ihrer horm 
naeh aiieh von den gegebenen Freisen tfj'Qj,. &gt; • t(j'Çn 
ab, während U{ ) überdies noch von c, sowie von 
den Freisen Uj . . . tg ih, abhängt. Für die Befrie 
digung haben wir nun 
2 — U (Vfij Cg, QalfaJ 
— tgty^ \ — U (Vg, Cg, Oa,ja, Sa 
Wir sehen also, dass U{ ) die Befriedigung ohne 
Füeksiebt auf den Freis tg 0^ bezeichnet, und diese 
Befriedigung wäre nichts anderes als der Lebens 
genuss, wenn die Wertbe aller in ) vorkonimenden 
Variabein auf das Vortheilhafteste gewählt würden. 
Um nun zu zeigen, wie diese vortheilhafteste Kom 
bination gefunden werden kann, führen wir eine neue 
Variable ein, indem wir 
L — Xa — U (Vg, Cg, f/g, /g, Sa) 4- 
setzen, wo eine Konstante ist. Diese Konstante 
bezeiehnet jenen Werth, den u[ ) annimmt, wenn 
= Cg = ga =fa = 0 ""(l .9g = wird; dann ist 
auch Xa = g„ 4" —Ja — somit auch 
'Ç^ = 0. Wir sehen also, dass u„ das für die schliess- 
liclie Vermögensinventnr mit llücksicht aut Zinsen- 
verlnst und Risiko anreehenhare Ansmass des ganzen 
Anfangsvorrathes («g -f &amp;g + pj) &lt;ics Artikels A be 
zeichnet; dabei ist zu beachten, dass nur der nnver 
käufliche Theil {ka 4- p,) dieses Vorrathes der rech- 
nungsmässigen Reduktion wegen Zinsenverlust und 
Risiko unterliegen kann.
        <pb n="557" />
        521 
Wir nennen die Vernntzun^yinen^^e des 
Artikels .1. Es wird näinlieli, wenn von dein Arti 
kel A die ^leng’e 
Zg gekauft oder verkauft, 
//„ in Gebraueli denominen, 
verbraiielit, 
c„ erzeugt, 
/„ fertig gestellt und 
als verkäuflieber Scblussvorratli übrig behalten 
wird, die sebliessliebe Verinögensinventur genau uni den 
Betrag i'&gt;o gesebinälert, oder, wenn &lt; 0 wäre, 
gesteigert. Die Veriiutzungsinenge ist also jene 
Menge, die zum vollen Marktpreise ökonomiseli ver- 
brauebt erselieint, die aber weder mit der An- oder Ver 
kaufsmenge, nocb mit der pbysiseb verbraueliten Menge 
übereiiistimmt. Die Menge wird aber diireli eine 
Zunabme von und ebenso dureb eine Abnalimo von 
ganz direkt vcrgrössert; sie nimmt aueb zu, wenn 
oder s„ wäebst oder /„ abnimmt. In jedem der 
letzten drei Fälle muss nämlieb und somit der 
Aufwandsbetrag algebraiseli grösser werden, 
ohne dass die Krböliung der Vermögensinventur dureb 
die Vermebrung des Konsumtionsrestes (A'„ -j- — v„) 
oder des verkäuflieben Seblussvorratbes oder des 
Froduktionsrestes —f„) eine volle Kompen- 
sîition für den verringerten Bargeldbesitz bieten würde. 
Endlieb sei noeb bemerkt, dass der ganze Begritf der 
Veriiutzungsinenge ohne die dureb die Gleiebung 13) 
ausgedrüekten Voraussetzungen gar niebt gedaebt 
werden könnte.
        <pb n="558" />
        522 
Für (lie Befriedi^-mi^' haben wir nun 
Z = U [Vg^, Cg, Qa^JaJ ^a1 - ' • '^n) ^¿7 '^«(^« ^») 
und für das Maxiniuui der HeiViedig’ung- die Bedin- 
gunj^en 
(/¿/( ) _ 
0^6 
oder aueli 
14) (lil[) 
(far,, 
^ = 0 
= (¡7'% 
_ 
dx. 
= 0 
dll 
dx„ 
^77’^n 
und ferner 
dr„ düg deg de^ d(j„ d&lt;j„ df„ df^ 
oder naeli Eliininirunj»* von 
ds„ ds„ 
\b)dü() d^_dU(^ dCg ^dU{) du g _ d ll{ ) dfg _dü{) ^ dSg 
dVg dl, dCg d^g ^ 
Die Bediii{j;‘uii^‘sj;leieliiinj&gt;en 14) sind jenen ü) ^an% 
analoj&gt;‘, während die Gleiehun{2,en 15) liinsiehtlieli des 
Artikids A an die Stelle Jener 2), 3) und 5) treten. 
Die letzteren Gleiiduin^en besagen, dass das Indi 
viduum, Avenu es hei ^e^ehener \ ernutzun^snien^e 
l, von .1 und ^e^ehenen Mengen x,,. . . x„ die ^rösst- 
niö^liehe Befriedigung- erreiehen Avill, die Men^ren 
Vg, Cg,gg,fg und .9„ so zu Avähleu habe, dass die Nütz- 
liehkeit eines kleinen Zinvaehses der Vernutzunj*s- 
men^e ^g die gleiehe bliebe, mag- derselbe nun zu 
einer Vermehrung- von v„, g g oder Sg oder zu einer 
Vermiuderunj»- von e„ oder /„ verwendet Averden. Aus 
der Relation
        <pb n="559" />
        Õ23 
èa= Oa + —fa ~ &lt;^a1 Qalfa, «a) + 
und aus deu Hediu^uu^s^^leicliuu^eu 14) und 15) können 
wir nun die Meni»en v„, und .v„, sowie x,, r„ 
als von den Preisen tgi)' und t(j'Ç der Artikel B ... N 
abliänft’i^e, jedoch von tgO-^ i^anz unahhängi^^e Funk 
tionen von ermitteln und sohin 
. (/( ) =Á%) 
setzen. Wir haben dann für die Hefriedi^unp: 
2 =/«(^a) — — fio) 
und für das Maxiinuin der Befriedigung- die Bedin^un^ 
fúi^a) = tg'f- 
Derselben werden wir ¿gerecht, wenn wir mit 
als Abszissen und mit als Ordinaten eine Lebens- 
^enusskurve aufstellen und deren ;rrössten Vertikal 
abstand von der jeweili¿( geltenden Preislinie 
aufsucbcn. Diese Lebens^enusskurve ist, wie ein 
gangs erwähnt, nicht, wie alle bisherigen, auf An 
oder Verkaufsmengen bezogen, sondern auf Ver- 
nutzungsmengen, von welchen sich die Abszissen der 
Kurve nur durch die Konstante unterscheidet. 
Sowie früher (Anhang 11, 2) haben wir auch hier et 
waige konvexe Strecken durch geradlinige Ueher- 
brückungen auszuscheiden und können sonach die 
Abgeleitete der Lebensgenusskurve aufstellen. Der 
Schnittpunkt der Abgeleiteten mit der Preislinie be 
zeichnet durch seine Abszisse — w„) den Ueber- 
schuss der angemessensten Vernutzungsmenge über 
das anrechenbare Ausmass des Anfangsvorrathes
        <pb n="560" />
        Õ24 
und (Illich seinen Vertikahibstaml von der Lehens- 
«»•eniisskiirve die j^efriedi^iin^. Dagej^en ist die Ah- 
«»•cleitete keineswegs die Angebots- und Naebtra^e- 
kiirvc; wir iniissen vielniebr, wenn wir die letztere 
erhalten wollen, zu jeder bei irg-end einem Preise an 
gemessensten Vernutzunj&gt;smen&lt;»-e die ents^neeliende 
An- oder Verkaufsmen^e 
Xa = "b ^ //a&gt; ./a&gt; "^a) 
aiitsiieben. Wir haben also nur jeden Punkt der Ab 
geleiteten auf dem betreifenden Radiusvektor um 
^ k, ß., also um das an- 
recîbeiibare Ausmass des j&gt;*anzen Seblussvorratbes r„, 
nach rechts zu versebieben. 
Ebenso, wie die Redin^ungs^ieiebun^en 2), 3) 
lind 5), kommen auch jene 15) ott jjfanz oder tbeil- 
weise in Wegfall und sind dann aueb entbebrlieb. 
1st A ein Terminartikel oder ein Wertb|)a])ier und 
also K = Pa = 'f^a — = fJa = ,f a = (bllier 
z= ^ und — n (0, 0, 0, 0, .sj. 
Die Gleiebiin^en 15) fallen also (fanz we}&gt;-, und in 
der That i&gt;*enii»t die zuletzt aiif^estellte Relation, um 
die einzige Men^e .s„ als Funktion von zu ermitteln, 
llebri^ens ist liier noch zu beaebten, dass der Besitz 
eines Wertbjiapieres immer nur behufs Aufbesserung- 
der Vermö^-ensinventur beoidirt wird, für die An- 
mdmdiidikeit oder Unanmdimliebkeit der Kombina 
tion aber ^anz o-leiidi^Ultij»- ist; es wird also jetzt 
in der Funktion i2( ) auch die Alende .s„ ^ar nicht
        <pb n="561" />
        525 
Vorkommen, so dass die diireli die i^edin^im^s- 
eielmilden 14) angegebene, vortlieilliafteste Kom 
bination aller anderen Artikel — also z. B. aiieb 
die Mengen anderer Wertb])a])iere — bei jeder Menge 
von A die gleiebe bleiben müsste. Es ist dies eine 
mit der Wirkliebkeit allerdings sehr wenig in Ein 
klang stehende Folge der zweiten der durch die Glei 
chung 13) ausgedriiekten Voraussetzungen. Die Glei 
chungen 15) fallen auch dann ganz weg, wenn A 
ein Einzelobjekt ist, oder wenn A ein keiner Ab 
nützung unterliegender Gebrauchsartikel ist, der von 
dem Individuum nicht bergestellt wird, und von dem 
es auch weder etwas verschenkt, noch zu anderen 
Gegenständen verarbeitet. Ist A ein Gebrauebsarti- 
kel, der nicht ohne Abnützung benützt werden kann, 
oder ein Verbrauebsartikel, so wird = 0, wenn das 
Individuum keine Preissteigerung des Artikels A er 
wartet, wenn also c ^ 0 ist, oder auch wenn c 
zwar ])ositiv, aber zu klein ist, um mit Hücksiebt auf 
Zinseuverlust und Risiko die Haltung eines verkäuf 
lichen Seblussvorratbes lohnend erscheinen zu lassen. 
Sobald aber .s„ = 0 ist, kommt in dem Ausdrucke 15) 
das letzte Glied in Wegfall. 
Wir wollen noch einen s]»eziellen Fall behandeln, 
in welchem es möglich ist, das anreebeidmre Ausmass 
f¿{) des Bestes r„ graphisch zur Anschauung zu bringen. 
Zu dem Pbnle betraehten wir einen Verbrauebsartikel 
rt, (1er zwar — wie z. B. Zigarren in Kistelien à 100 
Stück — nur in grösseren Markteinbeiten umgesetzt 
werden kann, von dem aber das Individuum immer
        <pb n="562" />
        — f)2() — 
nur Eine solclic Einheit naeli der anderen in Gel)raueli 
nimmt und aueli immer nur Ein Stüek uael» dem an 
deren verbrauclit. Eerner sei die eigene Produktion 
entweder ganz aus^cseldosseu oder von der Art, dass 
sich hei derselheu keine versehiedeuen Arl)eitsstadien 
unterscheiden lassen, und dass auch immer nur Ein 
Stück nach dem anderen und daher auch immer nur 
Eine grössere Einheit nach der anderen her^estellt 
würde. Nehmen wir endlich noch an, dass zwischen 
einer noch nicht vollendeten Markteinheit und einer 
erst theilweise verhrauehten kein (qualitativer l'nter- 
schied bestehe, so muss, wenn c = 0 und daher auch 
= 0 ist, der Schlussvorrath immer hinter einer 
o-anzen Markteinheit Zurückbleiben. Nun ist 
^ a = Í! a —fa ~ «a = {K + 9 a ~ + {Va + ~ 
also r„ — x„ — \ {v^ — e„) — («„ + K + V&lt;) | 
oder, wenn wir der Kürze halber («a + ^’a + Po) = ^ 
setzen, 
= ^a— I (^o — ^o) — ^ |i 
(1er Schlussvorrath i\ bildet also immer nur die Er- 
o'änzuno* von | {v^ — e„) — a | zn der algebraisch nächst 
grösseren Zahl ganzer Markteinheiten. Dadureh 
ist, wenn und ^e^ehen sind, auch x^ bestimmt. 
Eerner ist, wenn &gt; 0 ist, /„ = 0, weil die Eertiq»-- 
stelluno- oTösserer Markteinheiten unterbleibt, wenn 
nur für den eigenen Bedarf qu'oduzirt wird; dann ist 
z= [x^ + af) ; ebenso ist, wenn ar.cO ist, r/„ = 0 
und /„ = (— — a„). Von den fünf Alenden v„, 
u , f und .9„ bleiben also nur die beiden ersteren als 
«y fl 7 ^ fl fl
        <pb n="563" />
        ^ iaaïi i'tí 
- 527 — 
unal)liílii&lt;r¡oe Variable übrí^\ so dass wir 
Oa,fa, ’^a) = U, (v„, 0„) 
setzen können und die \ ernntznn^smen^e 
L = ^a~u (2)., e„, r/„,/„, 5„) 4- _ e J -f I , e„) | — | o — 
wird. Die in [ ] stellenden Aiisdiiieke bezeielmen die 
dureli Zinsenverlust und Risiko bedingte Reduktion 
des Selilussvorratbes bzw. des Anfan^svorratbes a. 
Endlieb reduziren sieb die Redin^un^s^leiebunxen 15) 
nun iiiif die einzij^c 
äU{ ) dv, ^ dV{ ) de, 
dv„ de^ ' 
Die sobin sieb ergebende Lebens^enussfunktion 
die wir in Ei^. 83 dureb die sebwarz ^ezeiebnete 
Kurve r/„r/„ darstellen, bat also die Abszissen 
= (v„ — (^a) +\r„ — u^ (v„, e„)I — a. 
W'ir haben jedoeb in der Fio-iir noch eine zweite, rotb 
gezeichnete Lebensíçenusskurve dar^estellt, welche 
in Geltung? treten würde, wenn A in kleinsten Alenden 
— in unserem Beisjuele der Zigarren also in einzelnen 
Stücken — um^esetzt werden könnte. Dann würde 
nUinlieb, wenn, wie wir angenommen haben, c = 0 ist, 
nie irgend ein Rest von A übri¿) behalten werden, so 
dass die An- oder Verkaufsmen^en nun | (v^ — e„) — a | 
wären; dieselben werden durch die Abszissen der eben 
erwähnten, rotb ¿»ezeielmeten Kurve an^e^^eben, und 
diese beruht also auf denselben Voraussetzungen, wie 
gn,f)n, (Ei^. 54). Der Umstand, dass hier kein 
Rest übi% bleiben kann, bringt es mit sieb, dass der
        <pb n="564" />
        Preis tf! la für die Befricdij^iiníí ^leieli^idti^' wird 
und daher aus der Gleieliuug- 8) verseil windet; dadurch 
wird im vorliegenden, spexiellen Falle die Aufstellung' 
einer auf An- oder Verkaufsmen^en hezo^-enen Leliens- 
^enusskurve auch ohne Kenntniss von tula ermöglicht. 
Zu dem {ileieheu Resultat führt ühri^ens die Erwä- 
Fifi. 88. 
Uii 
u-un^, dass ja, wenn der ^anz(‘. Schlussvorrath immer 
—= 0 wäre, auch dessen Reduktion |r„ — e„)| = 0 
sein müsste und daher 
L — '^o = |K — c«) — «1 
wäre, so dass die Vernutzun^smen^e sich nur durch 
die Konstante von der An- oder Verkaufsmen^e 
unterscheiden würde. Wir können nun den IIntel-
        <pb n="565" />
        schied der scliwarzeii und rothen Kurve, die in dem 
letzterwähnten Falle ganz znsainnientällen würden, 
vertilgen. Fs ist nämlich klar, dass der mit irgend 
einer Verb ranchsmen ge und Erzengnngsmenge 
verbundene Fehensgennss oder die Hefriedignng hei 
(V = 0 davon ganz nnahhängig bleiben muss, oh 
der Umsatz von A in einzelnen Stücken oder nur in 
grösseren ]\iarkteinheiten stattfinden kann. Wir werden 
also jede Ordinate der rothen Kurve in der 
schwarzen Kurve wieder finden, aber um den Fnter- 
schied der beiderseitigen Abszissen, d. i. um 
— u,~\{v, — e„)-a\ = \r^ — Uj {v„ c„)|, 
also um die durch Zinsenverlnst und Risiko bedingte 
Reduktion des Schlnssvorrathes r„, weiter rechts. Da 
diese Reduktion gleich Null werden muss, so oft r, = () 
wird, so müssen beide Kurven über dem Nnll- 
pnnkte und über allen jenen jmsitiven oder negativen 
Abszissen znsammenfallen, welche eine ganze Zahl 
anznkanfender oder zu verkaufender i\iarkteiidieiten 
angehen ; wir haben diese Abszissen in unserer Figur 
durch ansgezogenc Veitikallinien bezeichnet. In jedem 
der durch solche Vertikallinien begrenzten Abschnitte 
verläuft dagegen die schwarze Kurve g„g„ sehnenartig 
unter der rothen, so dass erstere jedesmal links fiacher 
beginnt und rechts steiler endet; doch muss der Unter 
schied der beiden Kurven mit wachsender Entfernung 
rechts und links von der Ordinatenachse immer kleiner 
und zuletzt nnmerklich werden. Das mit der Anfbc- 
wahrnng des Restes ?■„ verbundene Risiko, sowie der 
An«pitz II. liiebcn. Untcniuch. Ob. d. Theorie d. Preizes. 34
        <pb n="566" />
        rao 
//niseuverlnst füllt iiiimlicli um so wcuis'er ill’s Ocwiclit, 
ie Ulciiicr dieser liest im Wugleielie zur An- oder 
\'cvkniifsineiij;‘e ist. 
1 betrachten wir min irgend einen der durch je 
zwei uusK-ezoKeue Vertikalliuieu lieerenzteu M.sidmitte 
der rotlieu und seliwiirzeu Kurve .(/„fl,,, z. li. deu erstim 
zur lieeliteu der Ordiuuteuaelise, den wir (!' ig. N4) in 
versrössertem Miissstulie darstelleii, wobei wir der Kiii- 
faeldieit wesen aimelmien, dass die Markteiiilieit des 
Artikels A aus nur tuiif eiiizeliieii Stuekeii bestelle. 
Iiiiierlialb jedes solebeii Absebiiittes wird der liest r„ 
von links nacb leclits immer kleiner, und dies gilt 
um so iiicbr von der liediiktion |r„ e.) | dirsi s 
|{estes, also von der Uiiige, um webdie in der sidiwar- 
zeii Kurve die Ordinaten der rotben naeb reebts ver- 
selioben erselieinen. Es wird dalier in jedem Ab- 
sebiiitte mir die von links lier erste Streike der 
»ebwarzeii Kurve «aeber, die zweite aber sebón 
steiler sein als die eiits^ireebende Streeke der rotlieu 
Kurve, und dieser Neiguiigsimtersebied muss gegen 
das Ende jedes Absebiiittes wieder abnebnien. Ibe 
Folge davon ist, dass die in Eig. «4 ebenfalls seliwarz 
„„(ñiitb gezeiebneten Abgeleiteten der lieidmi Kurven 
i;.sieb in jedem Absebnitte sebneideii müssen; die 
si-ii'warze Abgeleitete beginnt jedesmal tiefer mit einer 
längeren und tiaelieren Strecke, in welelier sie von 
der rotben Abgeleiteten gekreuzt wird; sie endet in 
jedeiii Absebnitte nur wenig biilier, beginnt aber m 
dem reebts iiäelistfolgemlen wesentlieb tiefer als die 
rotbe. Dadnreb wird aiisgediiiekt, dass der Zwang,
        <pb n="567" />
        Õ31 
nur «ranze )Tarktciulicifcn zu kaufen oder zu ver 
kaufen, es «anz l)e&lt;ireiflielicrweise mit sieli bringt, 
dass an Jeder solclien Au- oder Verkaufsmeu^e inner- 
F)&gt;. 84. 
St 
hall) weiter Ibeis^Teuzeu festß^ehalten wird. Der Ent- 
sehluss, eine ^anze Markteiidieit mehr zu kaufen oder 
weniger zu verkaufen, wird nämlieh erst bei einer 
34*
        <pb n="568" />
        532 
wesciitliclicii rrcisenuäsöiouii^- ^-etasst werden und 
zumeist anel, nielit wegen einer geringfügigen Mehr- 
konsnintion oder Minderprodnktion. Ist dagegen dieser 
Kntseldnss aiieli ansgeführt, so wird der Besitz einer 
mehr gekauften oder weniger verkauften IMarkteinheit 
das Individuum veranlassen, aueh l)ei höherem Preise 
mehr zu verhrauehen und weniger zu erzeugen als 
heim Umsätze in einzelnen Stücken. Selhstverständ- 
lich stellt nur die rothe Abgeleitete zugleich aueh die 
Angebots- und Nachfragekurve hei stückweisem Um 
sätze, die schwarze Abgeleitete aber keineswegs un 
mittelbar die beim Umsätze in ganzen Markteinheiten 
geltende Angebots- und Nachfragekurve dar. Die 
Uitztere ergibt sich vielmehr erst dadurch, dass wir 
ganz, wie früher, jeden Punkt der schwarzen Abge 
leiteten auf dem hetretfcnden Radiusvektor um u,{ ) 
nach rechts verschieben. Dadurch muss, da nur ganze 
^larkteiidleiten umgesetzt werden können, und da hier 
der Rest und um so mehr auch dessen anrechen- 
hares Ausmass Ui{) stets kleiner als Dins ist, jedei 
Punkt der schwUrzen Abgeleiteten in die rechts michst- 
folgeiide, ausgezogene Vertikallinie tallen. \\ ii können 
also die Angebots- und Naehfragekurve nun auch da 
durch erhalten, dass wir jede von einer ausgezoge 
nen Vertikallinie nach rechts gehende Radiusvektor 
strecke bis zu der rechts nächstfolgendeu, solchen 
Vertikallinie verlängern. Zugleich sehen wir, dass 
der Schnittininkt der schwarzen Abgeleiteten mit der 
jeweilig geltenden Preislinie durch seinen Abstand 
von der nächstfolgenden, ausgezogenen Vertikallinie
        <pb n="569" />
        533 
«las anredienbarc Ausiiiass u¡[ ) des lîestes zur 
Aiiseliaiumg briu^t. Anderseits erselieint die Reduktion 
des Restes r„ in dein Abstande der dem Selinittpnnkte 
entspreelienden Ordinate der seliwarzen Kurve qaOn 
von der ¿,deieli langen Ordinate der rotben so dass 
der Abstand der letzteren Ordinate von der reelits 
näebstfolgenden, ansgezogenen Vertikallinie den gan 
zen Rest bemisst. Hier ist es also inöglieb, die 
Vernntznngsinenge, sowol von der An- oder Verkanfs- 
nienge, als aneli von der pbysiseb verbrancliten Menge 
gesondeH, darzustellen; dies wäre jedoch nicht mög 
lich, wenn A ein Gebrauchsartikel wäre, dessen ein 
zelne Stücke auch nebeneinander benutzt werden, oder 
den das Individuum auch selbst herstellt. Der Begriff 
der Verniitzungsmcnge hat sich uns aber gerade bei 
den Gebrauchsartikeln darum aufgedrängt, weil hier 
auch die Ermittlung der an irgend einem Stücke noch 
haftenden Verlirauchsjierzente (G5) auf subjektiver 
Sehätzuug beruht und daher von der Schätzung des 
ökonomischen Werth es der verbleibenden Reste nicht 
leicht zu trennen ist.
        <pb n="570" />
        ' k,, 
■ r-'L 
E
        <pb n="571" />
        Aiilmiií»’ IV.
        <pb n="572" />
        fig 
mÈÊ
        <pb n="573" />
        Die ííleichmiííen ziir Bestimmung aller Meuten iiml 
Preise. 
Wir wollen endlich noch zeigen, dass unsere stets 
wiederkehrende Annahme : 
jedes wirthsehaftlich selbständige Indivi 
duum strebt die ^rösstmö^lielie Befriedi 
gung an und weiss die hiezu geeignetste 
Komhination zu wählen, 
für sieh allein genügt, um eine zur Ermittlung aller 
llnl)ekannten — der Mengen und Preise aller Artikel 
— ausreichende Zahl von Gleichungen aufstellen zu 
können. Zu dem Ende hezeiehnen wir mit 
^la ) ^Ib ^In 
^Ilal ^Ilh ^Iln 
^Va") ^Vb ^vn 
die Mengen, welche die sämmtlichen auf dem Älarkte 
verkehrenden, wirthsehaftlich selbständigen Individuen 
I, II...y von allen Artikeln A, B , .. W kaufen oder 
verkaufen. Wir bemerken hei dieser Gelegenheit, dass 
unseren Annahmen die Vorstellung zu Grunde liegt, 
dass nicht nur alle Zahlungen am Ende des hetraeh-
        <pb n="574" />
        538 
teten Terminem erfolgen, mondem dass aneh alle Al&gt;- 
«eldlisse in einem bestimmten Zeitjuinkte — einer ein- 
zio-en Markt- und Hörsenzeit — zu l‘&gt;e¿*inn des Termines 
o-emaelit würden; dieser Termin, von dem wir ^'cwölm- 
lieli als von einem Jahre j^esproelieii haben, kann aber 
natürlieb auch ein beliebig* kürzerer sein, 
zeicliiien wir mit 
Ferner be- 
'^11 Vii • • • • Vv 
den scldiesslichcn Bargeldbesitz eines jeden der auf 
dem jMarkte verkehrenden Individuen und mit 
• • • • 
tO'Qllal .... 
to'^vai . . • • 
die von denselben erwarteten, künftigen Preise der 
versehiedenen Artikel. Wir haben dann für die Be 
friedigung 
2/, Zjj . . . . 2y 
der versebiedeinvn Individuen die Ausdiüeke 
Zi = Vb {^lal ^ü'^lb • • • Vl) 
Zjl = ^pll ^inn W'^IIb • • • ^JlHl fij'ClInl Vll) 
2y = Ipp {Xpal ^U^pn’l 
Wir müssen nun allerdings von unseren Individuen 
annebmen, dass Jedes derselben binsielitlieb jedes 
Artikels eine bestimmte Meinung entweder über dessen 
künftigen Breis t(j'Ç selbst oder doeb über den Betiag (
        <pb n="575" />
        Õ30 
der zu envartíMiden Preisäiideriiii&lt;j;- In den 
Funktionen j/^( ) bleiben dann als Unbekannte die uv 
Mengen x und die gegenwärtigen Marktpreise 
.... tg welche für die Beträge g massgebend 
sind. Es ist nämlich 
gi — Vio ip^ia 'fg*^ii 4" 'fg^b~\~'-’~\~ ^¡n ’^g^n) 
Vu — Vllo {p^Ila'tgO'^ + Xjn/tgO-,^ + ^JJn'fg^n) 
Vp = gvo — i^va • 4- ' fg^ü +...+ ^vn'fg^n), 
wo g¡i„ &gt; ■ ‘Vpo jene durch den anfänglichen Besitz 
bestimmten Werthe I)ezeichnen, welche die Grössen 
Vh n¡i ‘ - Vv (tnnehmen würden, wenn die Ausdrücke 
in ( ) = 0 wären. Den n{v -j- 1) Unbekannten stellen, 
wenn wir einen geschlossenen, mit dem Anslande in 
keinerlei Verkehr stehenden Markt voraiissetzen, zu 
nächst die n Gleichungen 
^¡a 4“ ^Ila 4 . . • . 4" ^va — fl 
^Ib 4 ^lih 4 • • • • 4" ^vb ~ fl 
Of ln 4- -f 4- = 0 
gegenüber, welche nur der Ausdruck dafür sind, dass 
ja selbstverständlich auf einem geschlossenen Markte 
von jedem Artikel ebenso viel gekauft als verkauft 
werden muss. 
Wir müssen nun wieder unterscheiden, ob irgend 
ein Individuum in irgend einem oder mehreren Arti 
keln monopolistisch vorzugehen vermag oder nicht.
        <pb n="576" />
        540 
III! letzteren Falle, wenn also angenommen werden 
konnte, dass in jedem Artikel der An- oder Verkauf 
jedes Einzelnen g^^en den Gesammtaksatz verseil win 
dend klein sei, haben wir für das Maximum der He- 
friedi^'un^' die hinsielitlieli jedes Individuums und jedes 
Artikels aufzustellende Bedingun»’ 
dx 
Daraus er^^elieu sieh die Gleiehun^en 
10 
dXja 
Mi ) = Ml. . ., M) _ Ml 
dxjia drjii dxjin dfj¡¡ 
Ml = M .., M ) = M ( ).,, 
dx 
dri^ 
dx. 
dr¡. 
Die Zahl derselben ist nv und somit in Verbindung" 
mit jenen 18) zur Ermittlung" sämmtlieher Unbekannten 
«»erade ausreiebend. Aueb bemerken wir, dass, wenn 
diese Gleiebungen erfüllt sind, nicht nur alle Ditte- 
rentialquotieuten = 0, sondern aueb jene 
dx 
d (zi + Zji + .... -j- Zy) ^ 
dx 
sind, da ja in dem hier angenommenen Falle, dass 
jede Einzelmen^e ^e^^en den Gesammtabsatz ver 
schwindet, die Befriedigung" des Einzelnen von den
        <pb n="577" />
        f)41 
Mcn&lt;i^en, die ein Anderer kauft oder verkauft, iinab- 
liänjii»- Ideild. Wir sehen also, dass durch die Er 
füllung der G lei chimben 19) nicht mir die Hefriedi- 
•&gt;nn^- 2 jedes Einzelnen, sondern auch die Hiiinine 
(Z/ -f- Z/7 + • • • • + Zy) 
lind somit der Geineinmitzen am grössten wird. 
Könnte da^e^en irgend ein Individuum, z. B. 
jenes I, in einem oder in mehreren oder — um gleich 
den allgemeinsten Fall zu hehandeln — in allen Arti 
keln zugleich als Monojiolist anftreten, so hätten wir 
X 
la 
X, 
ZU setzen. Die Funktionen W„(xj„), Wi,{x„) .... ll«(a:;„) 
hahen die analoge Bedeutung, wie früher jene lF(a?„); 
während aller dort die Funktion W{ ) als ^e^ehen 
vorausgesetzt war, sind diese Funktionen nun ihrer 
Form nach erst zu ermitteln. Diese neuen Unhe- 
kannten treten also an die Stelle jener tgS-^. . . . 
fg,%^ so dass die Gesammtzahl der Unhekannten un 
verändert hleiht. Das Gleiche ^ilt auch von der Zahl 
der Gleichungen, indem nur jene, die oben 19) in der 
ersten Zeile standen, durch 
dy,,{) ^ ...., ) • K'K) 
dxj„ di¡, d?]i 
zu ersetzen sind. 
Wollten da^e^en, sei es, auch nur in Einem Arti 
kel A mehrere Fersonen zugleich monopolistisch Vor 
gehen, so "wäre dies nur im Wejie der Koalition 
möglich. Bezeichnen wir, um nur den einfachsten
        <pb n="578" />
        542 
Fall einer Koalition von blosH zwei Personen I und 
II zu behandeln, deren gemeinsame An- oder Ver- 
kanfsmen^e {x¡„ -f- x¡j„) von A mit .r, so haben wir nun 
X 
VAX setzen. Die Funktion IF(.r) bat für die Koalition 
dieselbe Pedentnn^", wie oben die Funktion 11„(.T/„) 
für das einzelne Individnnm 1, nnd ist aneb wieder 
ihrer Form naeb erst zn ermitteln. Die Zahl der Un 
bekannten bleibt also wieder unverändert nnd ebenso 
aneb jene der Gleiebnn^en. Fs ist nämlieb die erste 
Gleiebnn^' der ersten Zeile Ib) nun dnreb 
dx,„ di¡i dx,„ ' * J diji X? 
lind ebenso die erste Gleiebnn^' der zweiten 
dnreb 
Zeile 
dv'n{) df„i) d r W(x)-\_dxi&gt;^)x,,W(x) + x„.-xW(x) 
d.x,:^ dn„ ' dx,,„ ' X \ dn„ 
zn ersetzen. Ganz äbnliebe, nur ents])reebend kom- 
]dizirtere Ausdrücke würden wir erhalten, wenn wir 
die Koalition einer orJjsseren Zahl von Personen be 
handeln wollten. Anderseits sehen wir, dass, wenn 
der Eine oder der Andere der beiden koalirten Partner 
alleiniger j\lono])(dist nnd daher x = Xj„ odei x¡¡„ 
wäre, jedesmal die betreffende, der beiden zuletzt 
anfaestellten Gleiebnngen sieb in diejenige verwandeln 
würde, die wir oben für den Fall eines einzelnen 
Monojadisten gefnnden haben.
        <pb n="579" />
        54:) 
ITnal)liäiioio- davon, ol) die ^icn^cn und Preise 
dnreli die unveränderten oder dnreli die, wie eben be- 
sju’oeben wurde, nioditixirten Gleieiinn^en li)j l)estiinint 
werden, können wir liervorliel)en, dass in einem iso- 
lii’ten Lande, wie wires liier voranssetzen, der sebliess- 
liebe Har(feidbesitz // aller Individuen I, II . . .r zn- 
sainnien^enoninien der Summe //„ ihrer anfän^Iieben 
Har&lt;&gt;eldbesitze gleich sein müsse. Es ist nämlieb 
//= + 7/,, - -f 7],,„ 4- . . . + rivo - Ul &gt;K + ^Iia + • • • + 
— (.ry„ + .r //„ + •.• + 
oder in Eol^e der Gleiebnn^en 18) 
// ~ 7J¡,^ -f~ '^Ilo “P • • • “p 'fjrn ~ / 
Dieses Resultat kann niebt befremden, wenn wir uns 
^eoenwärti«*’ halten, dass die Herstellung von Geld 
ein staatliebes Re^al ist und daher keinem der Indi 
viduen I, II ... r znstelien kann. Dies &lt;»ilt ansnabms- 
los, wenn die Zirkulation nur auf Staatspajiierleid 
bernbt und sowol .Metallgeld als Hanknoten ans^e- 
seblossen sind. In einem sideben Lande unterließt 
die zirknlirende Geldmeiiße aueb keiner Vennindenniß, 
wenn wir davon abselien, dass Pajiier^eld von PrivaP 
personen zntalliß oder absiebtlieb zerstört werden kann. 
Anders ist es, wenn wir eine metalliselie, z. H. 
Goldwälmniß, vor uns haben, und wenn eine Anstalt — 
eine Präßestelle — besteht, welebe Harren in belie- 
bißer Meiiße zu einem festen Preise einlöst, weleber 
um den Seblaßseliatz J niedrißer ist als der ans dem 
Münzßesetzlesnltirende Paritätsjireis /7/L des Goldes. 
Zn diesem letzteren Preise sind dann, wenn wir von
        <pb n="580" />
        — 544 — 
(leu o-criii&lt;&gt;-cii Kosten der Einsclnuelzuuo- abselieu, 
Harren aueJi jederzeit in beliebiger Menge erliältlieb. 
Es bleibt dann, wenn wir unter dein Artikel A Gold- 
liarren verstehen, die erste der Gleiebiingen 18) nur 
insolange in Kraft, als sieli aus der Gesainintheit der 
Gleiehnngen 18) und 19) ein soleber Preis tgder 
Goldbarren ergibt, dass 
{tg — //) c tg &lt; tg ihj 
ist. Es wird dann weder neues Geld ge])rägt, noeb 
früher vorhandenes zu Harren eingeselnnolzen, so dass 
// = //„ bleibt. Würde jedoeb ans der Gesannntbeit 
der Gleiebnngen 18) und 19) ein sol cd i er Preis der 
Goldbarren resnltiren, dass 
tg &lt; {tg ihj — J) oder tg &gt; tg ih, 
wäre, so würde diese Lösung der Gleiebnngen 18) 
und 19) nicht in Geltung treten. Vielmehr müssten 
wir an Stelle der ersten der Gleichungen 18) die neue 
H elation 
{xja 4- Xju, 4 ... 4- = 0 
S(dzen, wo eine neue Unbekannte ist, welcbe, je 
nachdem sie ])Ositiv oder negativ ist, das zu Münzen 
auszuprägende oder das durch Einschmelzen von 
Münzen herzustellende Quantum Gold in Harren lie- 
zeicdniet. Gleichzeitig hätten wir in den Gleichungen 
17) und 19) den unbekannten Preis tgi)\, das einemal 
durch {tgl)-j — /l), das anderemal durch tgth^, also 
jedesmal durch einen von vorneherein gegebenen Preis, 
zu ersetzen. Dagegen kömmt die l\Ienge als neue 
Variable hinzu, so dass die Zahl der Unbekannten
        <pb n="581" />
        545 
ebenso, wie jene der Gleieliuii«»en, uiiveräiidert bleibt. 
Für den gesaininten, sebliesslielien Bargeldbesitz haben 
wir nun das eineinal 
// = //„ -h ■ {tg ihi — J), 
das andereinal 
// ^ //„ -h x^ tgO-j, 
und da x^ iin ersteren ? alle ])ositiv, ini anderen aber 
negativ ist, so nimmt der Betrag des umlaufenden 
Geldes um x^-{tg O-j — J) zu, bzw. um den nunie- 
riseben Werth von x^-tgO-, ab. 
Stellen wir uns nun vor, dass in dem betraeb- 
teten Lande eine mit dem Beeide der Zettelemission 
ausgestattete Bank bestehe, und nehmen wir an, dass 
dieselbe Zablungsverspreebungen einer bestimmten 
Kategorie zu einem festen Preise in beliebiger Menge 
ankaufe, also z. IL Wechsel gewisser Personen zu 
einem festen Satze e eskom]dire; der einfacheren Dar 
stellung wegen setzen wir ferner noch voraus, dass 
dieses Geschäft erst in dem betraebteten Jahre be 
ginne, und dass keiner dieser Wechsel vor Jabres- 
sebluss fällig sei. Bezeiebne nun A diese bestimmte 
(iattung von Wertb)m)deren, so werden wir die Auf 
lösung der Gleiebungen 18) und ID), auch wenn wir 
von der Prägung und Finselimelzung von Münzen ab- 
selieii, nur dann gelten lassen können, wenn sieb 
hierbei 
tgiK 
100-f 
100 
ergibt, in vveleliem Falle dann kein Weelisel A bei 
lier Bank eingereiebt werden wird. Andernfalls hätten 
Auspitz u. l.icboii. UiiUTBUoli. üb. (1. Tbcoric d l’roiscs, Ab
        <pb n="582" />
        — f)46 — 
wir in (len Gleiclnin^en 17) und 111) den nnl)ekannten 
I’reis durch die Konstante ^ und die erste 
der Gleichungen 18) durch 
{Xl^ + + . . . + Tyj -f = 0 
ZU ersetzen, wo x^ nun den Betrag der seitens der 
Zettelhank eskoniptirten Wechsel A hezekîhnet. Die 
Zahl der Unbekannten und Gleichungen hleiht also 
wieder unverändert, und der schliesslich in Umlaut 
helindliche Gesainintgehlhetrag ist nun 
11= //„ + 
100 —£ 
100 
I )ie beiden angeführten Beisj)iele erforderten des 
halb eine besondere Behandlung, weil wir angenommen 
haben, dass die Goldbarren und die bestimmte Kate 
gorie von Wechseln in beliebiger Menge zu einem be 
stimmten Preise begeben werden können, so dass die 
Nachfrage der Baidc nach den Wechseln oder der 
Prägeanstalt nach Goldbarren durch eine Gerade statt 
durch eine Kurve darzustellen wäre. In gleicher 
Weise liessen sieh alle jene zahlreichen Fälle behan 
deln, in welchen, wie bei Trans])ortleistungen, Asse 
kuranzen und selbst bei vielen Artikeln des Kleiii- 
verkehres — wir erinnern nur an das früher ((&gt;!)) 
behandelte Beispiel der Zigarren — die Preise durch 
feste Tarife bestimmt werden; doch haben wir eben 
an dem Beis])icle der Zigarren gesehen, dass sowol 
die Angebots-, als auch die Naehfragekurve, wenn 
sie auch eine bestimmte Strecke weit geradlinig ver-
        <pb n="583" />
        )47 — 
% 
laufen, sicli scliliesslicli docli krümmen müssen. Ebenso 
würde es sieh ancli in allen anderen Fällen zeigen, 
dass die tarifmässi^' fest^estellten Preise keineswegs 
für unbegrenzte Mengen anfreebt erhalten werden 
können, und dies »ilt auch von den Wechseln und 
Goldbarren. Keine Hank und keine Prä^estelle wäre 
im Stande, nnendlielie ]\ren^en zu nnverändeiden He- 
dinonnoen anfznnebmen; der Eskoinptesatz, bzw. der 
Scbla^satz, müsste erhöbt oder doch die Prä^nn^ 
dnrcb den mit ungemein lano^en Lieferfristen ver 
bundenen Zinscnverlnst vertbenert werden, wenn die 
Inans])rnebnabme eine allzn^rosse würde. Wird auf 
diesen Umstand Hüeksicbt genommen, so entfallt die 
Notbwendi^keit, die besproebcnen Fälle als Ansnabmen 
zu behandeln, und gelangen wir vielmehr dabin, ancb 
Hanken und Aktien^esellsebaften, Korj)orationen und 
Gemeinden, sebliesslieb aneb den Staat selbst, in die 
Zahl der Individuen einznreihen. Allerdings ergibt 
sieb hierbei manche neue Komjdikation. Die wirtb- 
sebaftende Einzel])erson strebt mir ihre eigene, grösst- 
mögliebe Hefriedignng an und ist dabei auf die eigene 
Ueberlegnng und Tbätigkeit angewiesen und inner 
halb der gesetzlichen Schranken mir sieb selbst ver 
antwortlieb. Dagegen wird in kleinen und grossen 
Köriierscbaften die grösste Hefriedignng nicht etwa 
mir der mit der Verwaltung unmittelbar betrauten 
Personen, sondern die aller Interessenten — der Aktio 
näre, der Kor))orations- oder Gemeindeglieder, endlieb 
der Staatsbürger — angestrebt, und indem diese je 
nach Statut oder \ erfassnng mehr oder weniger in 
3ö*
        <pb n="584" />
        548 
(1er La^e sind, zur Erreicluin«&gt;- dieser ^rüsstmü^lielien 
llefriedioim«“ direkt oder dureli Vertrauensmänner init- 
ziiwirken, wird die TTeberle^nn^', die 1 iiäti^keit und 
die Verantwortim^' in den inanin^faltij&gt;-steii Abstn- 
tnnj^en und Kombinationen anf verseliiedene Personen 
vertbeilt. Jedesfalls wird die grösste Befriedigung aller 
Betbeiligten, aucb jener, die anscbeinend gar keinen 
wirksamen Eintlnss besitzen, angestrebt; wir finden hier 
also nur in vergrössertem Massstabe das (Beiebe wieder, 
wie wir es sebón früher wabrgenommen haben, da wir 
ja niebt bloss von Einzelpersonen, sondern von wirtb- 
sebaftlieb selbständigen Individuen gesproeben haben, 
die als Familienväter, Ilausbaltungsvorstände oder 
lliiteriiebmer ihre gr&lt;(sstmögliebe Befriedigung niebt 
ohne Uüeksiebt auf die Zufriedenheit ihrer Angehörigen, 
ihres Gesindes oder ihrer Mitarbeiter erreieben konnten. 
Wir wollen nun untersueben, weleben Einfiuss 
eine dureb irgend eine IJrsaebe, z. B. dureb eine Emis 
sion von Pajfiergeld, bewirkte Vermehrung der in dem 
betraebteten, naeb aussen abgeseblossenen Lande zir- 
kulirenden Geldsumme ausüben würde. Dabei sehen 
wir der Einfachheit halber von dem Bestände einer 
Zettelbank und selbst einer Prägestelle ab, so dass 
]f ^ //^ bleibt, aber nun grösser als früher ist. Es 
müssen dann auch alle oder doeb einige der antäng- 
lieben Einzel-Bargeldbesitze ??/„, ?///„. • • grösser als 
früher sein. Würden nun die Betretfenden an ihren 
früheren Mengen x aller Artikel testhalten, und winden 
überdies auch alle Preise Ufth unverändert bleiben, so 
würde bei jeder dieser Personen der scbliesslicbe Bar-
        <pb n="585" />
        54!) 
»■cl(ll)(*8Ítz i¡ um ebenso viel ver^rösseil sein als der 
anfan^liebe. Nun werden aber die ]\len^en und Preise 
niebt unverändert bleiben ; denn bei jenen Personen, 
deren sebliesslieber Parj^eldbesitz nun grösser als 
trüber ist, werden die Ditferentialqnotienten ^ 
dl] 
nun kleiner sein. Die betreitenden Gleiebnn^en 19) 
können daher nur dann erfüllt bleiben, wenn entweder 
aneb die I )itterentinlqiiotienten —^ kleiner oder 
dx 
die Preise t(jd- höher würden. Nun lie^t aber kein 
Grund vor, warnni in Pol^e des ver&lt;rrösserten, sebliess 
lieben Par^eldbesitzes, so lan^e die Mengen x un 
verändert bleiben, die Ditferentialqnotienten ^ 
dx 
kleiner werden sollten; nur die auf Xablnn^sversprecben 
inländiseberWäbrnn^ bezü^lieben Ditferentiabjnotienten 
werden mit 
dx dl] 
der Wertbsebätznn^ des Par«reldes aneb jene des künf- 
ti«ren Geldes abnebmen muss. Die auf andere Artikel 
bezüirlieben Ditferentiabinotienten ^ könnten wol 
dx 
dann kleiner werden, wenn die betreffenden Mengen 
X al^ebraiseb grösser würden; dies würde aber, wenn 
es bei einigen Personen wirklieb eintreten sollte, ver 
möge der Gleielinno-en 18) wieder bei anderen Per 
sonen eine al^ebraisebe Verkleinerung der Mengen .t, 
also eine Zniialmn* der Ditferentiabinotienten 
dx 
kleiner werden, weil mit
        <pb n="586" />
        550 
1111(1 somit iiciierliHic Stöniii^cii der Glei(*liini&lt;i,eii 10), 
luicli sicli zielieii. Ks köiiiieii also die Gleieliiiii^eii 
1&lt;S) und 10) nur dadiireli wieder erfüllt werden, dass 
die Preise Uj th aller Artikel, wenn aueli ni(dit alle 
gerade ^leielimässi^, steifen, wälirend nur die Preise 
der festen %alilun^svers]ireelien sieh weni&lt;¿,- oder «^ar 
ni eilt erhöhen werden. In Wirklichkeit ])tlej»t aller 
dings eine Vennehrnn«' der Zirkulationsmittel, welche 
durch den internationalen Verkehr, durch das \ er 
halten der Zettelhanken und andere von unserer jcO/i- 
&lt;&gt;•(‘11 Hetraehtuno- ausgeschlossene ITrsaehen bewirkt 
sein kann, zunächst ein Sinken des Zinsfiisses, also 
Preissteigerungen der Werth]iapiere, einschliesslich der 
Za h 1 u 11 (j!,s vers] necl i en, zu hi^ wirk en. Die Preise der 
Waren und Pimlitäten folgen erst später nach, wenn 
die lU‘h(‘rzeuouii^* allgemein diirch^edrun^en ist, dass 
man es nicht mit einem hloss vorüher&lt;^ehenden, son 
dern mit einer dauernden Vermehrung' der Zirkulations 
mittel zu thun hahc; dann phe^t die erste \\ irkun^ 
wieder zu verschwinden und der Zinstiiss zu seiner 
iirs])riiii&lt;2,lichen Höhe zuriickziikehr(‘n. Solche voriiher- 
(^eliende Wirkungen auf den Zinsfiiss liessen sich an 
der Hand unserer Formeln, widclie voraussetzen, dass 
alle Zahlungen erst am Ende und alle Ahschliisse am 
Pmoinne eines Termines statttinden, nur daun ver 
folgen, wenn wir kürzere als einjährige Termine he- 
traehten wollten. Wir hemerken noch, dass auch unsere 
frühere Ausführung" (IG), dass nach einer ein A^io 
von 107,, herheiführenden Pa]iier^eldemission schliess 
lich eine allmmieine und oleichniässioe Preissteigerung
        <pb n="587" />
        5f)l 
um 10% eiIItreteII werde, nur unter der Vurauwsetzuu^ 
zulässig war, dass die Werthsehätzuu^ des Geldes 
sieli bei allen Individuen gleielnnässi^ ändere. 
Lbenso, wie eine wirkliebe Vernielirun^ der Zir 
kulationsmittel, wirkt aueb sebón die blosse Erwartung- 
einer solelien. Dann werden nämlieb die von den Ein- 
zelncn erwarteten, künftigen Preise tfjt aller oder doeb 
vieler Artikel steigen, wodureh die Vorratbsbaltun¿c 
eben dieser Artikel vortlieilliafter wird; dies kommt 
in einer Vergrösserung- der betrettenden Ditterential- 
ijuotienten ^ zum Ausdrueke, so dass zur Wieder- 
dx 
Iierstellung der Gleiebungen 18) und Ib) eine Stei 
gerung der gegenwärtigen Preise tgO' aller dieser 
Waren eintreten muss. Selbstverständlieb hat eine 
wirkliehe oder erwartete Verminderung der Zirkula 
tionsmittel die genau entgegengesetzte Wirkung. Es 
ist jedoeh wol zu beaehten, dass die Wirkung einer 
vermehrten Menge von Zirkulationsmitteln dureh eine 
gleiehzeitige Steigerung des Geldbedaifes des Landes 
aufgehoben werden kann. Um dies an einem ein- 
faehen Heis|)iele zu zeigen, stellen wir uns vor, dass 
nur der Geldbedarf eines Individuums I um einen He- 
trag d zugenomnien habe, und zwar verstehen wir 
darunter eine solche Aenderung, sei es, in den per- 
sönliehen Eigensehaften dieses Individuums, sei es, in 
seinem »Anfaiigsbesitze an Vorräthen versehiedener Ar 
tikel, dass dasselbe bei jeder bestimmten Kombination 
die gleiche Befriedigung, wie früher, nun bloss dann 
emjifinde, wenn sein sehliesslieher Bargeldbesitz um
        <pb n="588" />
        (len lletnig ()' jçriisser nis vorilein w;ire. l&gt;ie Befnc- 
diguii!«- des so veränderten Individnnnis 1 wird dalier 
statt durch 
ipl [Xia-, 
min durch 
(/&lt;, x„„ .... .T„„ t¡j'í„ñ ('/(-'&gt;') I 
ITS- 
I,C,„essen, nnd diese Konnändernn}{ der liefriedlsun 
fnnktion ist also der aindytis(die Ansdrnck datnr, dass 
aus was immer für Gründen der Geldbedarf des Indi 
viduums I um den Betrag /aigenommeii bat. Xelnnen 
wir ferner an, dass sicdi gleieli/.eitig aneli die in dem 
betraehteteii, isolirten lamde zirkulirende Geldmenge 
um denselben Betrag d', und zwar dadnreb vermeint 
habe, dass der antanglielie Bargeldbesitz des Indi 
viduums r um eben so viel grösser geworden sei, so 
hat dies naeli dem frülier (Anli. II, 1) Gesagten auf 
die Form der Befriedigungsfiinktion ip,{ ) keinerlei 
Findiiss. Die Gleieliimgen IN) und 1!)) werden also 
mm genau dieselbe Lösung, wie frülier, ergeben, und 
daher alle Mengmi .r und alle Preise Uj !)■ die gleielien 
1,leiben, weil ja dann der sebliesslicbe Bargeldbesitz 
des Individnimis 1 in der 'l’hat inn d grösser, somit 
seine Befriedigung die gleiebe, wie frülier, sein wird. 
Der Kindnss, den die Vermelirung der /irkiilations- 
mittel um den Betrag d für sieb allein im Sinne einer 
allgeuieinen Preiserböbimg ausgeübt bätte, wird also 
dadnreb aiifgeboben, dass gleiebzeitig der Geldbedarf 
des ludividunnis I und somit aiieb jeiier des ganzen 
Landes um eben denselben Betrag d gestiegen ist.
        <pb n="589" />
        Wäre diese Vermeliruii^’ des Geldbedarfes allein eiii- 
^etreteii, so hätte dies die Preise ebenso gedrückt, 
als wenn bei gleicbbleibendem Geldbedarf der an- 
fänglicbe Bargeld besitz des Individnnms I und so 
mit des ganzen Landes um â kleiner geworden wäre. 
Ebenso, wie durch eine Vermehrung des Geldbedaifes 
Einzelner, wird der Geldbedarf eines ganzen Landes 
auch daun wachsen, wenn die Zahl seiner 13ewoliner 
zunimmt und nicht etwa gleichzeitig der Geldbedaif 
der einzelnen Individuen kleiner wird. 
Wir wollen nun noch den Fall behandeln, dass 
der von uns betrachtete, bisher nach aussen völlig ab 
geschlossene Markt mit einem anderen stärkte oder 
Lande, das wir als Ausland bezeichnen, in Verkehr 
trete ; doch nehmen wir der Einfachheit halber an, 
dass dieser internationale Verkehr sich ausschliesslich 
auf einen einzigen Artikel A beschränke. Wir haben 
dann die erste der Gleichungen 18) durch 
Xja ~\r ^Ila d“ . . . . H“ 
ZU ersetzen, wo eine neue Unbekannte ist, welche 
nun, je nachdem sie positiv oder negativ ist, die in dem 
betrachteten Jahre in das Inland zu importirende oder 
aus demselben zu exportirende Menge von A bezeichnet. 
Die für das Inland geltenden Gleichungen 18) und 19) 
sind nun zur Ennittlung aller Unbekannten nicht mehr 
ausreichend, wol aber können wir mittelst derselben alle 
inländiscben Mengen x und alle Preise tgd- als Funk 
tionen der einen neuen Variablen x^ ermitteln. Wir 
setzen dann 
tgx^a — ^;(^o)'
        <pb n="590" />
        554 
Unter den im Inlande in Betraeht kommenden Artikeln 
B . . . N erscheinen nun zwei früher nicht im Ver 
kehr gewesene Artikel, und zwar die ausländische 
Währung und der Transport des Artikels A von oder 
nach dem fremden Markte, wobei wir der Kürze wegen 
annehmen, dass diese Verfrachtung ganz und aus 
schliesslich von Inländern besorgt und in inländischer 
Währung bezahlt werde. Auch die Einzehnengen a’, 
sowie die Preise tgd-^ und tgd', dieser beiden neuen 
Artikel, werden durch die Gleichungen 18) und 19) 
als Funktionen von hestimmt, und wir setzen 
tg^^^n^(x„) und igS-, = ti^{x^). 
Wir haben dann für den in ausländischer Währung 
ausgedrückten Preis von A auf dem ausländischen 
Markte 
n,{x,)-n,(x„) . 71,(x^) + 71, (x„) 
7t. (X„) 7t. (X.) 
je naclulem ist. Nmi weiden wir aller antier- 
seits auch für das Ausland solche Gleichungen, wie 
jene 18) und 19)," aufstellen und aus denselben alle 
dortigen Einzelmengen x und alle dort geltenden Preise 
tg^ als Funktionen von a:. bestimmen können. Be 
zeichnen wir dann den so ermittelten Preis von A mit 
so haben wir endlich 
^a(^a)l 
7l' 
\ Orter = 
und aus dieser Gleichung wird sich die allein ühiig
        <pb n="591" />
        - 555 — 
gebliebene Unbekannte ergeben. Ebenso Hesse sieb 
(las Problem aiieb dann behandeln, wenn der inter 
nationale Verkehr nicht bloss auf Einen, sondern auf 
beliebig viele Artikel und nicht bloss auf zwei, son 
dern auf beliebig viele Märkte sich erstrecken würde, 
auch dann, wenn in diesen Ländeni Prägeanstalten 
und Zettelbanken, von deren Vorhandensein wir hier 
wieder abgesehen haben, bestünden, wodurch jene 
mannigfaltigen Komjdikationen erwachsen, an welchen 
der wirkliche Geschäftsverkehr so reich ist. Die Er- 
öi-terung dieser verwickelten Fälle darf um so eher 
unterbleiben, als es sich hier nur darum handeln 
konnte, an einigen einfachen Beispielen darzulegen, 
wie unsere Betrachtungsweise sich auch auf die Geld 
theorie ausdehnen Hesse.
        <pb n="592" />
        ñ 
fl 
I
        <pb n="593" />
        •‘Aï 
. .. y 
'Î\4Î 
m 
■ 
I K i. 
^ . f 
:f ■ 
n
        <pb n="594" />
        a 
i
        <pb n="595" />
        B 
2 
B 
1 
F A BARTHEL
        <pb n="596" />
        '.-iS- 
% 
gy 
% 
im 
a 
a 
im 
% 
■M-m, 
m 
■m 
M 
% 
AS 
», 
# 
I# 
ÜN# 
% 
sr-r 
% 
&gt;--v&gt;, 
rj^. 
m 
t:'/ 
V: 
:# 
^1% 
•*c.-* 
-;x. 
# 
&gt;v 
,¿5 
iswr 
3) 
iW 
% 
5% 
'*■*„ 
Ci&gt;-5 
3^ 
.'vS 
SJ£ 
s? 
KC; 
*5^ 
m 
SC: 
'sy¿ 
1-ÍSK 
% 
M: 
AV&gt; 
.V'- 
%5: 
206502814129 
'-. *C4I
        <pb n="597" />
        r 
m 
0 
3.2 
O 
2.0 
O 
25 
0? 
Q. 
&lt;o 
ï 
0 
2.0 
CO 
9 
25 
O Ç 
s. 
006
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
