<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Untersuchungen über die Theorie des Preises</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Rudolf</forname>
            <surname>Auspitz</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>82998786X</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        t  &amp;amp;

en

Jä  i]ntrrsuchun(;en
^  ÜBER  DIE
THEORIE  DES  PREISES

.  de

l-•

  -f

ses

í  í

srrr

IW  Jé

mmfi

yjr

-  .  yT-V



&amp;lt;■  -j

5

':ü':  idr  :  .-VON



R.  AUSPITZ  uNü  R.  LIEBEN

in

4  ’t
        <pb n="2" />
        I

WP-*:;

at

a
        <pb n="3" />
        /

EIGENTUM
DÇS
INSTITUTS
FÜR
WELTWIRTSCHAFT
        <pb n="4" />
        UNTKI{SÜ(JllUN(;iJi\

L’BKH  DIE

THHOlUK  DKS  l'KKISES.
        <pb n="5" />
        mmm

^-:'

4  ,

•m

f:  t

&amp;lt;  •

•m

.i!

••-I

)  '4

%

,  ■!!■

r  ;

w;.:

'm

t«5&amp;lt;.  V

ri

1^:

4T  _

:M

.'

:  4

ikkm

/■.

¿üK  Í

IcAkSTV
        <pb n="6" />
        UNTERSUCHUNGKN

(■HKK  DIE

TllliOlüli  lilis  IMililSliS,

V(  &amp;gt;x

KIDOLF  AluSI’ITZ  UM,  incilAKI)  LIFIJEN.

UCII’ZIU.
Vhl!l,A(;  VON  DUNCKKI!  &amp;amp;  llUMIil.OT.
        <pb n="7" />
        vv

^  Ms'

.  «  -

\aeb*//

''X

%

##

Druck  vou  Ailolf  lluDliuuscn,
k.  k.  llof-  nuil  lillivnrsitäts-UiiclicIriirkci-  in  Wim
        <pb n="8" />
        VO|||{KI&amp;gt;K.

Dl«  EntHickliingsstiifc,  welche  die  Volkswirtli
schiiftslelire  hin  heute  eneielit  hat,  ist  dadurch  ¡iekeuu
&amp;gt;^&amp;lt;'iHmet,  dass  de,-  Wi,le,st,eit  ,1,-r  Mei„„„j.e„  siel
'l’''»&amp;gt;ile  der  Wisseusehaft  e,-st,eekl
«&amp;lt;&amp;gt;  dass  sieh  ka,„„  Ki„  Lel„-sat%  „„hest,itte„er  Auer
&amp;lt;en„„„K-  e,-f,-e„t.  Dies  Reht  so  weit  uud  riilut  viel
&amp;lt;‘iHd  auch  davou  he,-,  dass  fast  Jede,-  Autor  es  fii
nothweudlif  hält,  die  «-.„udleireudeu  lieK,-itfe  ueu  „
»ormulu-eu  uud  u,it  Ausdrücke,,,  wie  „(tut  „„d  \Ve,th“
nNutzhehkeit  uud  Selhstkosteu“,  „U„te,-„eh,„e,-Kcwi„u‘
"•  8-  w.  ciucu  jedes,„al  audccu  Si„„  vc,-hiude„
Idiafeu  sieh  die  Missvcstäuduisse,  uud  „.auch,
a„Kst  c-kauute  Waluheit  wi,d  iuuuer  n  ieder  i„  Zw.-ifel
K'‘»-}ieu.  Zu  diese,,,  Zustau,le  der  Vc-wir,-,,,,^
h^.-,-.yle  das  ff,-osse  lutcesse,  ,h,s  wi,-tl,»el,aftlicheu
I  ■•&amp;lt;&amp;gt;hle,„cu  vou  alle,,  Seite,,  zu  Theil  wi„l,  viel  hei-«-eh-aoeu
  hah,'„.  lu.  Kau,;,fe  der  politisehcu  l'arteieu
"•Hl  ,1er  wi,-th«ehaftli.-he„  lutcesseuR,-.,,we,-,!,.,,
W,sse„sehaftliche  Lel„-sätze  ,„it  \'orliehe  augerufeu
i"Hl,  «euu  sich  kciue  solche,,  fiudeu  wolle,  die  sich
""''isseusehaftlieheu  Ziele,,  decke,,
        <pb n="9" />
        so  werden  in  kürzester  Zeit  nene  ertnnden.  Ott  aneli
olanl)t  der  Eine  oder  Andere,  nnf  Ert;dirnn{&amp;gt;en  gestützt, ­
  die  er  sieli  mif  irgend  einem  he^renzten  (iehiete
  erworl&amp;gt;en  Imt,  in  die  Diskussion  eintreten  zn
sollen  lind  ist  sofort  bereit,  die  llieliti^keit  der  Tlieorie
in  Abrede  zn  stellen,  wenn  sie  seine  Ansiebten  niebt
bestütio-t.  In  allen  soleben  Füllen  wird  immer  wieder
die  oft  betonte  Untersebeidiino-  zwiseben  der  reinen
Wissenselmft  und  ihrer  Anwendung-  überseben.  Jeder
Tao  bringt  der  angewandten  Oekonomik  neuen  Stoff
und  neue  Aufoiiben,  mit  weleben  sieb  der  prnktisebe
\Virtbsebafts])olitiker,  mai&amp;gt;-  er  nun  in  der  Keoiernn^,
im  Parlamente  oder  in  der  Presse  tbäti^  sein,  ebenso ­
  abzuffnden  sneben  muss,  wie  dies  der  Ingenieur
oder  Arzt  in  seiner  Praxis  zn  tbiin  ^enötbi^t  ist.
Sobald  über  in  neuen  und  verwiekelten  Fällen  die
eigene  Erfabriin^,  sowie  die  überkommenen  Vorsebriften
  und  Pezejite  niebt  aiisreieben,  ffndet  mieb
der  I  Taktiker  miir  an  den  tbeoretiseben  Ornndbi^en,
auf  weleben  die  angewandten  Disziplinen  beruben,
eine  Stütze.  Der  Teebniker,  sowie  der  Arzt  wird
an  dem  Wertbe  idiysikalisebcr,  ebemiseber  oder  jdiysioloo-iseber
  Theorien  niebt  irre,  wenn  aiieb  die  bereelmete
  Fluftbabn  der  Kanonenkugel  dureb  den  Luftwiderstand ­
  eine  Modifikation  erfährt,  oder  wenn  ein
Mittel,  dessen  Wirkiinj»*  für  gewisse  Krankbeitsformen
klar^estellt  ist,  sieb  niebt  bewährt,  sobald  anderweitige ­
  Komidikationen  binzntreten;  er  weiss,  dass  jedes
        <pb n="10" />
        VII

wisseiiscliaftMcIicr  Uiitcrsuclimio-  irgend  einmal ­
  iiiitzlieli  werden  kann,  wenn  iinn  aiieli  die  Mittel
nicht  »ehoten  werden,  um  da«  Luftsehiff  zu  lenken
ndu  die  (  linlera  zu  keilen.  Der  Forseker  kin^e^en
ist  sidi  darnker  klar,  dass  er  nielit  die  Frsekeinun^en
in  ikiei  kunten  kol^e,  weleke  das  Er^ekniss  kiinderttaek
  sieli  kreuzender  Einflüsse  darstellen,  zur  (irundlaj&amp;gt;e
  scinei  I  ntersuekun^en  nekuien  daif^  er  wird  die
Ersekeinuno-ei,  vielinekr  zu  is(diren  sueken,  um  festzustellen, ­
  wie  Jede  einzelne  Ursaeke,  von  allen  Stönincren
  frei,  wirken  müsste.  Die  reine  Wissensekaft
schreitet  am  rasehesten  vorwärts  und  dient  damit  auek
Ici  I  laxis  am  kesten,  wenn  sie,  unkeirrt  von  den
Strömungen  des  l'a^es,  ikren  Wef*-  ^ekt,  die  Ersekei
inini»en  in  ikrer  einfaeksten  Form  keokaektet,  IJrsaeke
  und  Wirkung  aufdeekt  und  die  Gesetze  ertorsekt,
  weleke  den  Ersekeinun^en  zu  Grunde  liefen.
Hei  der  Untersuekun^  der  wirtksckaftlickcn  Fkänoinene
  ^ekt  es  ^anz  ekenso;  dem  tkeoretiseken  Volkswirtke
  ist  allerdings  das  Experiment  versauft,  und  er
•st  ^ezwiin^en,  mit  seinen  Vorstellungen  in  eine
akstrakte  Welt,  die  siek  leiekter  ükerklieken  lässt,
zu  flüekten;  dann  aker  muss  er  diirek  allmäli^e  Aen-•leriiniT
  seiner  Annakmen  der  Wirkliekkeit  wieder  nake
kommen  sueken.  Die  Volkswirtksekaft  liât  es  ^e-•ade
  so,  wie  irgend  eine  der  exakten  Wissensekaften,
Stets  mit  messkaren  Grössenverkältnissen  zu  tkun;  sie
i-eniesst  so^ar  den  Vortkeil,  dass  ikr  von  vornkerein
        <pb n="11" />
        VIII

ein  riesiges,  wenn  nneli  reelit  Inekiniliaftes  Zitteniinnterinl
  zur  Verfn^nn^'  stellt.  Die  Astronomen  und
IMiysiker,  die  es  zuerst  iinternnlnnen,  Formeln  niitznstellen,
  um  mit  deren  Hilfe  die  Frselieinun^en  der
Wirklielikeit  zu  liereelmen,  mussten  dies,  wie  devons
bemerkt,  mit  reelit  ungenauen  Daten  unternelimen  und
o-elan^-ten  erst  allmäli^-  dureli  mnlisame  und  lan^wieri&amp;lt;j^e
  1)  eolia  eil  tunken  und  ]\iessun^en  zu  eini^ermassen
veri  ässli  eil  eil  Zalilenbestimmun^en.  I  la^e^en  sind  in
Tausenden  von  ^Faektlierieliten  die  Fntselieidun^en
selion  nieder&amp;lt;&amp;gt;‘ele&amp;lt;i,t,  welelie  der  menseldielie  Wille  bei
jedem  Kaufe  oder  Verkaufe,  bei  jedem  1  )a  rieb  en,  bei
jeder  Faelitun^'  oder  Hestellun^',  bei  jeder  Taritirun^
oder  Lolinbestimmun^-  ^etrotfen  bat.  Der  menseldielie
Wille  wird  aber,  um  devons  in  seiner  Ausfiilirun«»-weiter
  zu  folgen,  bei  seinen  Fntselieidun^en  dnreb
Uefiilile  der  Imst  und  Unlust  bestimmt.  Die  (ddülile
des  Einzelnen  lassen  sieb  nun  allerdings  nielit  messen,
und  noeli  weniger  lassen  sieb  die  (íefiilile.  verseliiedener
  Fersonen  mit  einander  vergleielien.  Wenn  es
sieb  aber  um  (defülile  bandelt,  die  sieb  naliezu  das
(Heiebgewiebt  halten,  so  dass  ein  kleiner  Ueberselmss
den  Aussei  da  g  gibt  und  den  Willen  naeli  der  einen
oder  andermi  Seite  lenkt,  so  ist  liierin  ein  Anbalts-|)unkt
  für  eine  IMassbestimmung  gegeben.  Wir  sehen
nun,  dass  ein  Geldbetrag  sowol  zum  Verzieht  auf
einen  Genuss,  als  aiieli  zu  einer  Meliranstrengung  veranlassen ­
  kann;  wir  glauben  daher  in  der  That  einen
        <pb n="12" />
        IX

Mansstab  zu  liabeii,  zwar  uiclit  für  die  individuelbui
Oetüble  im  ganzen^  wol  almr  für  die  kleinen,  ent-Hebeidenden
  Veränderungen  derselben.  Wir  wissen
i&amp;gt;’anz  wol,  dass  die  Wertbsebäfznn^  des  Geldes  von
K))oebe  zu  E])oebe,  von  Individnnin  zu  Individuum
und  aneb  bei  jedem  Einzelnen  je  naeb  seinen  Verbältnissen
  eine  veränderliebe  ist.  Aber  wenn  aneb
der  Gulden  oder  aneb  der  Kreuzer  für  den  Reieben

und  für  den  Armen  einen  sein*  nn^leieben  Wertb  bat,
so  bat  doeb  das  letzte  riieileben  irgend  eines  Artikels,
das  der  Kine  oder  der  Andere  für  den  ^leieben  Geldbetrag ­
  eben  noeb  kauft,  für  jeden  gerade  denselben
V  ertb,  wie  dieser  Geldbetrag.  Die  Sebeii  vor  dem
Sebwanken  des  (íeldwertbes  sebeint  nun  aber  die
meisten  unserer  \  (u'^än^er  von  der  ITntersnebnnji  der
Rreistbeorie  ab^ebalten  und  sie  veraidasst  zu  haben,
sieb  lieber  mit  dem  Rnddeme  des  Tansebes  zu  besebätti«»en,
  bei  dem  die  Wertbsebätznn^  des  Geldes  ans
dem  S])iele  bleibt.  Indessen  ist  bekanntlieb  jedes  Mass
nur  relativ,  jeder  Massstab  bleibt  veränderlieb,  und  der
Irrtum  ents)n*in«*t  immer  nur  da,  wo  die  Veränderliebkeit
  des  Massstabes  ans  den  An^en  verloren  wird.
Wir  haben  uns  in  (bm  vorliegenden,  rein  tbeoretiseben
  Unt(‘rsnebnn«*en  auf  ein  en»**  nmsebriebenes
Feld  besebränkt;  doeb  seinen  uns  die  Rreistbeorie
darum  besonders  wiebti^*,  weil  es  sieb  aneb  bei  der

f  eststellnn^  der  Bodenrente,  des  Kapitalzinses  und
des  Arbeitslohnes  immer  nur  um  Rreisbestimmnn¿**en
        <pb n="13" />
        X

Imiidelt  1111(1  sich  (liilier  nach  allen  lliclilnn^en  hin  Anknüjifnn^en
  ergehen.  Der  unserer  ganzen  Arbeit  zu
Grunde  ii(í¿»ende  Satz,  dass  der  Preis  sowol  der
X  ützliehkeit  des  letzten  ^e  k  auf  ten  Theilehens,
als  den  Kosten  des  letzten  verkauften  Theilehens ­
  f»‘leieh  sei,  liesse  sieh  in  seinem  IJrsjirun^’e
bis  auf  die  bekannten,  von  Anderson,  Malthus
und  Hieardo  hezü^li(di  der  Bodenrente  auf^estellten
Lidiren  zuriiek  verfolgen.  Der  wesentliche  Inhalt
dieser  Lehren  lautet:  Der  Ertrag-  des  letzten,  sehleehtesten,
  entlegensten,  noch  in  Kultur  genommenen
Grundstückes,  dessen  Ertrag-  gerade  nur  die  Bearheitun^skosten
  deckt,  bestimmt  den  Betrao-  der  Bodenrente ­
  aller  Grundstücke.  Ricardo  sa^t  weiter:  Es
ist  das  Korn,  dessen  Produktion  am  meisten  Arbeit
erfordert  hat,  welches  den  Preis  des  Kornes  regelt.
Schon  ThüneiP)  verallgemeinert  diesen  Gedanken,
indem  er  (Theil  1,  Abtheilung  II,  Seite  100)  sagt:
„Die  Rente,  die  das  Kajntal  im  ganzen  beim  Ausleihen ­
  gewährt,  wird  bestimmt  durch  die  Nutzung  des
zuletzt  angelegten  Ka|utaltheilchens"  und  (Theil  II,
Abtheilung  I,  Seite  (59):  „Nun  bestimmt  aber  der
Werth  der  Arbeit  des  zuletzt  angestellten  Arbeiters
den  Lohn  aller  übrigen.“  Die  Erkenntniss,  dass  in
der  Entwicklung  dieser  Gedankenreihe  die  Grund-')

  Der  isolirtc  Slant  von  Ucinrirli  v  'I'Iiüimmi  Uostook  1S42
und  1803.
        <pb n="14" />
        XI

für  (lie  Preisbestimmung  im  allgemeinen  gewonnen ­
  sei,  findet  sieh  bei  (iossen')  zuerst,  l)ei
devons’^)  am  klarsten  aiis&amp;lt;»;es)»roeben.  Gossen  sa^f
(Seite  45):  „Um  ein  (Grösstes  von  Lebensgenuss  zu
erhalten,  bat  der  Mensch  seine  Zeit  und  Kräfte  auf
die  Bereitung  der  verschiedenen  Genüsse  derart  zu
vertheilen,  dass  der  Werth  des  letzten,  hei  jedem  G(;-nnsse
  ^esehatfenen  Atoms  der  Grösse  der  Beschwerde
jileich  kommt,  die  es  ihm  verursachen  würde,  wenn
er  dieses  Atom  in  dem  letzten  Momente  der  Kraftentwicklnn^
  schatfte.“  Jevons  sa^t  (Seite  2()h):  „Die
im  1  an  sehe  j^eí^ebenen  oder  em)dän^enen  Gütermen«fen
verhalten  sich  gerade  so,  wie  die  (Bade  der  Brodnkti\ität
  der  auf  ihre  Herstellung  verwendeten  Arbeit
lind  umgekehrt  so,  wie  die  Werthe  und  Preise  dieser
(»iiler  und  wie  deren  Herstellungskosten  ¡»er  Einheit,
oder  endlich  wie  deren  letzte  (irade  von  Nützlichkeit
(final  decrees  of  utility).“  Aehnliches  hat  Walras"*)
(Seite  Si»j:  „Wenn  zwei  Waren  auf  einem  Markte  ^ej;chen
  sind,  wird  das  Maximum  der  Befriedigung  oder
der  ettektiven  Nützlichkeit  für  jeden  Besitzer  derselben
erreicht,  wenn  das  Verhältniss  der  Intensitäten  der

')  Kntwicklmif!:  üci  («rwt  (Ick  iiiciiscliliclicii  Vcrkcliics  un&amp;lt;i
&amp;lt;l(ir  (Inrnus  ilicsHcnUcn  Itfifclii  für  iiiniHolilirlicH  Ilandein  von  IIcrinann
Heinrich  (Joaacn.  Ihannachweis,  Friedrich  \'ieweg  &amp;amp;  Solin,  1854.
’)  I  hc  riieory  of  Political  Kconoiny  hy  W.  Stanley  .Icvona.
London,  Macmillan  and  Co.,  1871,  zweite  vermehrte  Auflage  1879.
*)  LIementa  d'economie  politiiine  pure  on  I  hóorie  de  la  richesse
sociale  par  Léon  Walraa.  Lausanne,  L.  Corhaz  &amp;amp;  Co..  1874.

i

-J

4
        <pb n="15" />
        lotztcii,  befriedigten  Bedürfnisse  oder  der  Seltenbeiten
den  Preisen  ^leieb  wird."  Dabei  ist  (Seite  102)  die
Seltenlieit  als  der  1  litferentiabjnotient  der  effektiven
Niitzliebkeit,  bezogen  (par  rap|)ort)  auf  die  besessene
Men^e,  definirt.  Aneb  Mender’)  sa^t  (Seite  107):
„Der  Wertb  eines  konkreten  Ontes  oder  einer  ¡bestimmten ­
  Tbeil(|iiantität  der  einem  wirtbsebaftlieben
Subjekte  verfügbaren  Gesammbjuantitiit  eines  (Bites
ist  für  dasselbe  demnaeb  ^leieb  der  Bed  entuno-,  welche
die  wen  io  st  wiebtio-en  von  den  dureb  die  verfüo-bare
Uesammt(|nantitäf  noeb  ^esieberten  und  mit  einer
sol  eben  Tbeilquaufität  berbeizufübrendeu  Bedürfnissbefriedi^uno-en
  für  das  Subjekt  haben."
W  ieser,^)  der  fiir  „final  deorei'  of  utility"  den
Ausdruek  „Grenznutzen"  einführt,  sao-t:  „Der  wirtbsehaftliehe
  Werth  ist  Grenzwerth"  und  Seite  127:
„Der  Werth  eines  einzelnen  (Bites  aus  einem  Vorratbe
  wird  durch  das  Interesse  an  derjenio-en  Nutzleistuno-
  bestimmt,  welelu;  unter  den  dureb  den  oan/(&amp;gt;n
Vorratb  (einsehliesslieb  des  frao-lielien  Stückes)  oed(‘ekten,
  wiebtio-sten  Nutzleistuno-(‘ii  die  mindest  wichtige ­
  ist,  kurz  gefasst:  (1er  Werth  der  (Bitereiiiheit
wird  durch  die  gerinoste  unter  den  wirthsehaftlieh
znlässio-en  Nutzleistunoeu  der  Einheit  bestimmt."

’)  (innulsiitzc  der  VolksMiitlisoliiiftslelin“  von  Dr.  C:irl  Menacer.
Wien,  Willielni  Urauiniillcr,  1871.
Uobor  (len  Ursprnn^  und  die  ll:ini»tfîesetze  des  wirUiseliaCUielien
Wertlies  von  Dr.  Friedrich  v.  Wieser.  Wien,  Alfred  Holder,  1884.
        <pb n="16" />
        —  XIIÍ  —

Uühiii-l^íiwerk')  Seite  fj'M:  „IMe  Wertliluid
  l*reiöl)ildim«»-  iiimint  ihren  Aus^aii^  von  der  sid»-jektiven
  Wertliseliätziin«;'  der  fertigen  Produkte  diireh
ihre  Konsumenten.  Sie  hestinnnen  die  NaelitVaj^e  naeli
diesen  Produkten,  der  als  Angebot  zunäelist  die  Vorratlie
  der  Produzenten  an  fertij:;er  Ware  ^^'ej^’enüberstellen. ­
  Der  Kreuzunj^sjmnkt  der  beiderseitigen  Wertbsebätzun^en,
  die  Sebätzun^sböbe  der  „Grenz|iaare^,
bestinnnt  in  bekannter  Weise  den  Preis,  und  zwar

natiiiiieb  tür  jede  Art  an  Produkten  besonders.^
berner  (Seite  53Í)):  „(Jrerade  so,  wie  der  subjektive
NVertb  der  Produktiv^üter  vom  Wertlie  ihres  j*’erin^-wertbinsten
  oder  Grenzproduktes  abbän;*’t,  ebenso  wird

der  Preis  der  Produktiv-  oder  Kosten^üter  dureb  den
Preis  ihres  Grenzjiroduktes  rej.^irt.'^  Auf  verwandten
Grundlagen  tussen  Launbardt^j  und  Andere.
Wir  haben  uns  bei  unseren  llntersuebun^en  der
analytiselien  Methode  und  nanientlieb  der  x,rapbiseben
Darstellun»»;  bedient,  nielit  nur  weil  sieb  diese  Bebandlun¿*sweise
  überall,  wo  sie  überliaupt  anwendbar  ist,
und  nanientlieb  in  den  naturwissensebaftlieben  Fäebern
glänzend  bewährt  bat,  sondern  banptsäeblieli  aiieb
darum,  weil  sie  eine  Präzision  mit  sieb  brinx,t,  welelie
alle  aus  vieldeutigen  Wortdetinitionen  entsprin^emlen

')  (înmdzüfçc  der  'l'heorie  des  wirtliscliat'tlielieii  (Jüterwerthes  von
1'^.  V.  nöliiii-Uiiwerk.  .lena,  (\»nrad's  .lalirltiielier  XIII,  ISSO.
Matlieniatiselie  Ue^^rlindiin^  der  Volksw  irlliseliaUslelire  von
Wilhelm  Lannliardt.  Leipzig;,  Wilhelm  Kiiÿ^elmann,  ISS.'».
        <pb n="17" />
        XIV

Missvcivstíiiidinssc  missclilicisst.  Wenn  wir  z.  H.  die
Naelifrage  iiLs  eine  Kurve  darstellen  und  dabei,  wie
bei  allen  von  uns  vor^efübiten  Kurven,  die  ]\Ien^en
ir&amp;lt;»end  eines  bestiinniten  Artikels  als  Abszissen,  d.  li.
als  llorizontalabstände  vom  Nullpunkte  ab,  aut'tra^en;
wenn  wir  ferner  dureli  die  Ordinaten,  also  dureb  die
Vertikalabstände  jedes  Punktes  der  Kurve  von  der
Horizontalen,  Geldbeträge  ausdrileken  :  so  ¿»eben  wir
dureb  die  Form  der  Kurve  eine  Detinition  der  Naelifrage,
  wie  wir  sie  in  Worten  idclit  mit  gleicher
Sebärfe  ^eben  könnten.  Jeder  Punkt  der  Kurve  bat
seine  Abszisse  und  seine  Ordinate,  und  man  siebt
sofort,  wie  der  (Jeldbetra^-,  der  au%ewendet  wird,  für
Jede  Men^-e  ein  anderer  wird  und  also  von  dieser
Menge  abbängt,  wie  ferner  dieser  Betrag  mit  waebsender
  Menge  erst  zunimmt,  dann  wieder  abnimmt
u.  s.  w.  In  älinlielier  Weise  wird  eine  ganze  Keibe
von  Beziebungen  gra))biseb  dargestellt,  so  dass  sie  sieb
dureb  den  blossen  Augensebein  immer  wieder  finden
und  iiberjíriiíen  lassen.  Dass  unsere  Kurven  immer  nur
unter  den  jeweilig  genau  bestimmten  Voraussetzungen
Geltung  haben,  wird  immer  wiedir  liervorgeboben,
um  zu  verbiiten,  dass  sie  auf  Fälle  angewimdet
werden,  für  welebe  sie  entweder  gar  nielit,  oder  doeb
nur  unter  wesentlieben  Modifikationen  benützt  werden
dürfen.  Ebenso  begnügen  wir  uns,  den  allgemeinen
Formebarakter  unserer  Kurven  zu  ermitteln,  und  entbalten
  uns,  eine  Näberungsgleieliung  derselben  zu
        <pb n="18" />
        XV

wie  (lies  etwa  mit  Hilfe  der  ¡Statistik  für  l&amp;gt;estiiiiinte
  t  alle  versucht  werden  könnte.  I  )ie  der  Erlahrnng
  entnommenen  An^rahen  haben  nämlich  zwar
einen  historischen  Werth,  sind  aber  sonst  schwer  vergleichbar, ­
  da  in  verschiedenen  Zeitmomenten  nicht  nur
die  1  leisverhältnisse,  sondern  auch  andere,  vielleicht
höchst  wichtige  Umstände  sich  geändert  haben  werden;
solche  Daten  können  also  unseren  Voraussetzungen
nicht  ents])iechen.  Ueberdies  müsste  eine  Formel,
die  dei  Wiiklichkeit  ^enü^en  wollte,  so  unklar  und
vei  wickelt  ansfallen,  als  es  die  Wirklichkeit  selbst  ist.
Wii  haben  nun  zunächst  im  ersten  Kapitel  die
Herstellungskosten  und  die  Nützlichkeit  durch  je  eine
Km  ve  daigestellt  und  die  Heziehun^  klar  zu  machen
^,csucht,  die  unter  ifcnau  testj(cstcllten  Voraussetzungen
zwischen  Nützlichkeit  und  Nachfrage,  sowie  zwischen
Kosten  und  An^rebot  besteht.  Die  Abhängigkeit  des
Freises  von  Angebot  und  Nachfrage  lässt  sich  dann
leicht  verfolgen.  Unsere  Kurven  unterscheiden  sieh
«Chon  durch  die  zu  Grunde  ^rde^ten  Koordinaten  von
Jenen  unserer  Vor^än^er,  daher  auch  alles,  was  sich
auf  die  Form  und  den  Hau  dieser  Kurven  bezieht,  in
früheren  Arbeiten  keine  Stütze  findet.  Nur  Eaunhai ­
  dt  hat  eine  auf  dieselben  Koordinatim  bezogene
Nützliehkeitskurve  —  die  Nützlichkeit  selbst  wurde
«ehon  von  Du  pu  iE)  ebenso  definirt,  wie  von  uns—;

')  hi  mesure  de  l’utilité  des  truvuux  publies,  pur  M  Oupuit.
Auuub's  des  |M)uts  et  eliaussées,  IHM.
        <pb n="19" />
        XVI

¡ndeiii  er  aber  an  einer  jiaraboliselien  Näbernn^äfbrin
für  diese  Kurve  festbält,  ^elan&amp;lt;»i  er  zu  Resultaten,
die  sieli  nielit  aufreebt  erhalten  lassen,  da  es  sieb  bei
näherer  Rriifun^-  zei¿»t,  dass  die  Parabel  die  wesentlielien
  Kij^enscbaften  einer  Niitzlielikeitskurve  nielit
besitzt.
Das  zweite  Kapitel  ist  vorwiegend  der  eingehenden ­
  llntersuebun^-  und  Re^ründun^'  der  über  den
Forinebarakter  der  vor¿»efübrten  Kurven  auf^estellten
Rebau|)tun^en  gewidmet.  In  den  Kapiteln  III  und
IV  behandeln  wir  das  Ziel  alles  wirtbsebaftlieben

Strebens,  die  Erreiebiin^-  der  ^rösstinö^lieben  Hefriedi«;unj»‘
  des  Individuums,  ina|»'  dieses  blos  konsuniiren
oder  aueb  produziren.  Weiters  verfolgen  wir  die  Abbäiiiiiiikeit
  der  Refriediüuim  von  der  An-  oder  Verkaufsmen^e ­

  irgend  eines  bestimmten  Artikels  und  untersuelien
aueb,  in  welebem  Sinne  sieb  die  hierbei  mitw  irkenden,
sonstigen  Einflüsse  geltend  maeben  können.  Es  zei^t
sieb  hier,  dass  die  Kostenkurve  und  die  Nützliebkeitskurve,
  deren  völlige  Analogie  anfangs  befremdlieb
sebeinen  dürfte,  ei{;entlieb  nur  die  beiden  Tlieile  einer
einzigen,  einbeitlieben  Kurve  bilden.  In  dem  'etwas
sebwieri^eren,  fünften  Kapitel  wird  ^ezei^t,  dass  sieb
unsere  Retraebtun^sweise  aueb  auf  solche  Fälle  ausdebuen
  lässt,  bei  denen  manebe  der  anfangs  autlest ­
  eil  ten,  vereinfaebenden  Voraussetzungen  fallen  &amp;lt;j'elassen
  w  erden  müssen.  I  )ie  I  Jntersuebnn^-  des  Monopols
und  des  internationalen  Verkehres  im  sechsten  Kapitel
        <pb n="20" />
        íícstiiltct  8Ícli  mit  Hilfe  der  ^ra])liiselien  Darstellung ­
  übersielitlieli  und  einfach.
Die  unseren  Kurven  und  ihren  Beziehungen  zu
(gründe  liegenden,  einfachen,  analytischen  Kenneln
tinden  sich  im  Aidian^e  I  znsammen^estellt.  Anhang  II
enthält  da^e^en  eine  rein  analytische  Untersnehnn^
iihei  die  Ahhàn^i^keit  der  Befriedigung  ven  den  versdiiedenen,
  më&amp;lt;»liehen  \  ariaheln;  diese  I  ntersnehnn^
tidnt  zu  einer  Brntnnj»-  und  Be^rnndnn^'  unserer  Veranssetzun^en
  und  ermë^lieht  es  endlich,  durch  eine  Darstelhino-
  in  drei  Dimensionen  auch  noch  den  Fall  zu
hehandeln,  dass  die  Werthsehätzuno-  des  Geldes  eine
variahle  wäre.  Der  Einhiiss  einer  wechselnden  Werthschätzun»
  aut  die  Betriedi«»un^  zei^t  sieh  im  wesentiichen
  mit  dem  ühereinstimmend,  was  sehen  Berueulli
  )  und  Bajilaec')  iiher  die  Beziehungen  der
„teitune  moiale“  zur  „fertune  jdiysique“  aus^es)»reehen
hahen.  Im  Anhänge  III  wird  ein  sjiezielles  Brehlem,
das  für  die  rntersuehuno-  der  Gehrauehsartikel  ven
Interesse  ist,  in  einer  ven  der  sonst  fest^fehaltenen
Gwas  ahweiehenden  Weise  hehandelt.  Anhang  IV
endheh  zeio-t,  dass,  wenn  wir  nur  annehmen  dürfen,
dass  jedes  Individuum  die  ¿•rösstmöj.liehe  Befriedigung,
anstrehe  und  das  hierzu  (jJeeignetste  zu  wählen  wisse,
soA&amp;gt;el  die  Kinzelmengen,  als  die  Gesammtmengen  aller
)  aniel  Bern  oui  li,  .Specimen  tlieoriae  novae  de  mensura  sortis,
tomment.  Acad.  scient,  imp.  Betropolit.  1738.
')  Laplace  P.  S.,  Théorie  analyticpie  des  probabilités.  Paris  1812.
Auspitz  U.  Lieben.  UiitersucU.  üb.  U  Theorie  d.  Preise».  b
        <pb n="21" />
        XVIII

Artikel  so,  wie  die  Preise  derselben,  diireb  eine  liinreicliende
  Anzald  von  Gleielmn^-en  bestiinint  ersebeinen.
Dil  dies  aueb  dann  zntrittt,  wenn  die  Alende  der  Zivknlationsniittel
  Verändernn^en  unterließt,  erßeben  sieb
hierbei  eiidße  Ausblieke  auf  die  (ieldtbeorie.
Wir  haben  es  vorßezoßen,  unsere  Krörterniißen
zusannneidiäiißend  vorzutraßen,  statt  sie  diireli  die  Anfiibrunß
  übereinstimmender  oder  dureb  die  Pekämpfunß
widers])reebender  Meinunßen  Anderer  zu  unterbreeben.
Dureb  blosse  Zitate  hätten  wir  dem  Faebmanne  nichts
Neues  ßeboten;  er  wird  unschwer  erkennen,  wo  wir
z.  B.  Faucher  (12)  oder  Alicbaelis  (i!d)  oder  an
anderen  Stellen  anderen  anerkannten  Autoritäten
folßcn;  dem  Unbewanderten  daßeßen  würden  blosse
Anfübruiißen  keine  andere  Belebruiiß  bieten,  als  er
ohnedies  in  jedem  ausfiibrlicben  Lelirbucbe  tinden
kann.  Nur  über  jene  unserer  AOrßänßer,  die  sieb
ßleiebfalls  der  analytischen  Aletbode  bedient  haben,
sind  vielleicht  noch  einiße  Bemerkuiißen  am  Platze,
da  die  einscbläßißen  Arbeiten  bisher  eine  allzu  ßcriiißc
  Würdißuiiß  ßcfunden  haben.  Wir  verweisen
zunächst  auf  das  sehr  umtäiißreicbe  Litteraturverzeicliniss,
  das  devons  in  der  zweiten  Auflaßc  (1879)  seiner
„Theory  of  Political  Economy“  briiißt,  und  beschränken ­
  uns  auf  die  Bes]»recbunß  der  wiebtißsten,  uns
bekannt  ßcwordenen  Schriften.
A.  Cournot,  als  ausßezeiebneter  Alatbematiker
allßcmein  bekannt,  liess  seine  „Reeberebes  sur  les
        <pb n="22" />
        XIX

])iin(*i])es  inatlicMiiatiques  de  la  tliéorie  des  riehesses“
«(‘lion  iin  Jahre  18J8  ersehe!  a  en;  doeli  o-elan^-  es  ilmi,
"ie  er  sieh  in  s]ñiteren  Seliriften  hekla&amp;lt;rt,  nielit  einiiiitl
  III  seiiieiii  \’aterliiii(le,  lieiiclitiiiifr  %„  finden.  Er
stellt  cinc  XaelifrafTcknrve  auf,  deren  Al.szisseii  den
IVeis  eines  Artikels  und  deren  Ordinateii  .Mensen
liai  sti  llen.  El  tindet,  dass  der  I  insatz  liei  einem  sewisscn
  I'reise  ein  Maxiinnni  erreielit,  und  nnterselieidet
Ilie  Waren,  deren  Markt,neise  über  oder  unter  dieser
Grenze  zu  stehen  |ittesen.  Er  ermittelt  diesen  Preis
znnäehst  im  Kalle  des  Mono,,»ls  und  gelanst  zu  dem
Satze,  dass  die  Piodnktion  keinesfalls  weiter  aiisReilelint
  werden  wird  als  bis  zu  jener  .Men-'e,  von  der
an  .1er  Xnwaebs  an  Produktionskosten  dem  Znivaebse
an  Erlös  sleielikommt.  Er  nntersnelit  den  Elndnss
versebiedener  Steneifor.nen  auf  seinen  Kall,  behandelt
ilann  auch  jenen  der  Konkurrenz  und  geht  dann  zu
I  ntersnehnngen  über  den  internationalen  Verkehr  und
&amp;lt;las  Nationalvcnnö^t’cn  iiher.
(tossen  stellt  überhaniit  keine  Kurven  auf,  sonilern
  begnügt  sieh  meistens  mit  der  Anniihernng,  ahthllende
  und  ansteigende  gerade  Einien  zu  betraehten.
Als  Abszisse  ,lient  ihm  die  znm  Gemías  oder  zur
Arbeit  aufgewendete  Zeit,  als  Ordinate  der  im  ZeitiiK'inente
  erzielte  Genuss  oder  die  auf  den  .Moment
enttallende  liesehwerde;  die  von  seinen  Einien  eingeschlossene
  KlUehe  stellt  demnach  den  in  einer  gewissen
/ieit  erreichten  Genuss  oder  die  entstehende  Beschwerde

b*
        <pb n="23" />
        XX

(lar;  mir  gelegentlich  erseheiiicii  auch  IMengeii  als  Ahszisseii.
  J\Iit  so  mivollkoinmeiieii  Hilfsmitteln  behandelt ­
  er  den  Tausch  und  eine  ganze  Reihe  anderer
Prohlenie,  gelangt  aber  als  durediaiis  origineller  Denker
doch  zu  einer  Reihe  werthvoller  Resultate.  So  tindet
er  z.  H.  den  Satz  (Seite  24j:  „Dass  die  Grösse  des
Werthes  der  Aussemvelt  genau  gemessen  wird  durch
die  Grösse  des  Lebensgenusses,  den  sie  uns  versehaift.“
  (Seite  33:)  „Von  Allem,  welches  üherhau|)t
Werth  erlangen  kann,  hat  nur  ein  bestimmtes,  mehr
oder  weniger  grosses  IVIass  Werth,  eine  Vermehrniig
dieses  Masses  über  diesen  Punkt  himius  bleibt  wertlilos.
  Dieser  Werthlosigkeit  nähert  sieh  die  Saelie
immer  mehr  mit  Vergrösserung  des  Masses,  so  dass
mithin  das  Erste,  was  von  einer  Sache  Werth  erhält,
den  höchsten  Werth  hat,  jedes  neu  hinzukommende
von  gleicher  Grösse  einen  minderen  Werth,  bis  zuletzt
Werthlosigkeit  eintritt.“  Ferner  ebenda:  „Wenn  seine
Kräfte  nicht  ausreiehen,  alle  möglichen  Genussmittel
sieh  vollauf  zu  versehatfen,  muss  der  Mensch  sieh  ein
jedes  so  weit  verselmtfen,  dass  die  letzten  Atome  hei
einem  jeden  noch  für  ihn  gleichen  Werth  behalten.“
Dieser  Satz  tritt  hei  uns,  da  wir  nicht  den  Tausch,
sondern  den  Marktverkehr  behandeln,  nicht  hervor.
Da  nach  unserer  Darstellung  die  Nützlichkeit  des
letzten  Theilehens  jedes  gekauften  Artikels  dessen
Markt])reise  gleich  sein  muss,  die  Markt|)reise  aber
verschieden  sind,  sind  auch  die  Nützlichkeiten  nicht
        <pb n="24" />
        XXI

miter  einander  «rleieli.  Wo]  aber  ist  die  Niitzlielikeit
&amp;lt;ies  letzten,  ant  irgend  einen  Artikel  au%ewendeten
Ueldtlieileliens  bei  allen  Artikeln  dieselbe;  denn  sie
konnnt  der  Antzliebkeit  des  ^len^entbeilebens,  ^etbeilt
dm  di  dessen  Preis,  ^leieli,  ist  also  innerhalb  unserer
\  manssetznn«fen  immer  ^leieb  Eins,  da,  wie  eben  er-"älmt,
  die  Niitzlielikeit  des  letzten  Men^entbeileliens
dein  1  leise  j»leieli  ist.  Ciossen  sa^t  ferner  (Seite  85):
„Painit  dm  eh  den  1  auseli  ein  (Grösstes  von  Wertli
entstelle,  nmss  sieb  naeli  demselben  jeder  einzelne
u^enst.ind  mitei  alle  Menseben  so  vertlieilt  finden,
das  letzh  Atom,  welebes  jedem  von  einem  jeden
(ie^enstande  zufällt,  bei  ilmi  den  ^leieb  grossen  Genuss
lattt,  wie  das  letzte  Atom  desselben  Gegenstandes
einem  jeden  anderen.“  Aueli  dieser  Satz  kann
ui  unseiei  1  bustellnn^-  nur  als  etwas  Selbstverständlidies
  erseheinen;  denn,  da  die  Niitzlielikeit  des  letzten,
lAekautten  ddieilebens  für  jedes  Individuum  dem  Preise
&amp;lt;les  betretfe.Hlen  Artikels  ^leieb  ist,  der  Preis  aber
tur  alle  derselbe  ist,  nmss  die  Niitzlielikeit  des  letzten ­
  Ibtibbens  liei  allen  kantenden  Individuen  die
iileielie  sein.
Man^'oldt')  ^ibt  eine  ^Ta|diiselie  Darstellung  mit
Men^enaliszissen  und  Preisordinaten,  ermittelt  den
l’ivis  und  Absatz  dureli  den  Selmitt  einer  abstei-^amden
  Naelifra»ekurve  und  einer  ansteigenden  An-')
  (SnmdiiHs  (1(T  VolkswiitliHcliMltHlHiri“  von  II.  v.  Alnneol.lf
otuttfçart,  ,1.  Kiifçelliorn,  1SG:5.
        <pb n="25" />
        XXII

^►•ebotskiirve  iiiid  betont  den  asynijdotiseben  Verlaut*
der  letzteren;  er  unterscheidet  auch  den  Einduss
konipletirender  und  konkurrirender  Artikel.
.levons,  auf  dessen  anregende  und  klare  1  Darstellung ­
  wir  am  liebsten  in  ihrem  ganzen  Umfange
verweisen,  bat  überdies  das  Verdienst,  Gossen  aus
seiner  völligen  Versebolleidieit  wieder  bervor^ezo^en
zu  haben.  Er  ist  selbständige  zu  im  wesentlieben  übereinstimmenden ­
  Resultaten  gelangt,  indem  er  zunächst
von  einem  Koordinatensystem  ausgeht,  in  welchem
auch  die  Zeit  die  Abszisse  und  die  Intensität  der
Em))tindung  die  Ordinate  einer  Kurve  bildet.  Weiterhin ­
  werden  Mengen  als  Abszissen  genommen,  um  die
Xützliehkeit  durch  die  von  einer  absteigenden  Kurve
begrenzte  Eläehe  darzustellen;  der  Grad  der  Nützlichkeit ­
  wird  durch  den  1  )itferential(|Uotienten  der
Eläehe,  also  durch  die  Ordinate  der  Kurve,  zur  Anschauung ­
  gebracht.  Für  eine  zweite  Kurve  wird  die
Arheitsaustrengung  als  Ordinate  benützt.  Die  anzuführenden ­
  Sätze  wären  zu  zahlreich,  um  hier  IMatz
zu  tinden.  So  sagt  er  z.  11.,  dass  die  Arbeit  mit  der
Zeit,  und  also  auch  mit  der  Eroduktmenge,  immer  anstrengender ­
  wird,  dass  die  Arbeit  daher  nur  so  weit
fortgesetzt  werden  wird,  bis  deren  Nutzen  der  Anstrengung ­
  gleich  kommt;  ferner,  dass  die  Anstrengung
auf  versehiedene  Leistungen  so  zu  vertbeilen  sei,  dass
der  letzte  (Lad  der  Nützlichkeit  aller  Produkte  derselbe ­
  sei.  Weiterhin  drückt  er  die  (Lundrente  dureh
        <pb n="26" />
        XXIII

l^onnd  /^(/)  (/)  aus,  in  der  er  mit  Í  die
aiit^ewendete  Arbeit,  mit  l\l)  das  Arlieits^irodubt  liexcieimet;
  er  stellt  dies  ^ra]»bisell  dar,  indem  er  Arbeitsmen^cn
  als  Abszissen  nimmt  und  das  Produkt  dnreb
die  Quadratur  der  Kurve  ansdriiekt.
alras,  der  in  wesentlieben  Ibinkten  mit  devons
Übel  einstimmt,  nimmt  den  Tansebjireis,  das  Tansebveili.iltiiiss,
  als  Abszisse,  die  Alende  als  Ordinate,  um
i^rn’ne  Kinzel-  oder  Gesammt-Tansebnacbfra^’eknrven
konstrniren.  Er  stellt  für  jeden  der  beiden  lansebaitikel
  eine  solebe  Xaebfra^eknrve  auf  und  gestaltet
'laiin  die  Xaebtra^e  naeb  dem  einen  l'anseliartikel  zu
einei  An^ebotsknrve  des  anderen  Artikels  um.  Dnreb
den  Sebnitt  je  einer  auf  denselben  Artikel  bezogenen
Angebots-  und  Xaebfra^eknrve  ergibt  sieb  dann  die
Men^e  und  der  Preis;  doeb  können  sieb  dabei  aneb
diei  Selinitt|mnkte  ergeben.  Dieses  Resultat  ist  sehr
anttallend;  bei  näherer  Prüfung  zei^t  sieb,  dass  sebón
Antstellnn^'  zweier,  auf  versebiedene  Artikel  be-^^&amp;lt;&amp;gt;ii,enei
  Naelitraj»eknrven,  die  ^leiebzeiti^'  zur  Geltung
•&amp;lt;&amp;lt;»nnien  sollen,  nnznlässig-  int.  Wenn  Walras  nieli
«null  über  die  seinen  Kurven  zu  (irnnde  liegenden
Voianssetznn^en  niebt  ansspriebt,  muss  er  doeb,  um
il^Mibaiijit  zu  einer  ebenen  Kurve  zu  ^elan^en,  sieb
‘Ult  zwei  \  a  l  iable  besebränken  und  somit  alle  anderen,
\\  ilkli(  bkeit  variablen  Grössen  als  konstant  an-'ulnnui.
  Sollen  also  die  Men&amp;lt;*en  des  Artikels  A  und
^  —  (Ins  ransebverbültniss  von  A  zu
        <pb n="27" />
        XXIV

alien  übrigen  Artikeln,  also  aiieli  zu  B  —  variabel
bleiben,  so  müssen  die  Preise  oder  Taiisebverlniltiiisse
  aller  übrigen  Artikel  ^e^en  einander  konstant
sein.  Um  nun  die  Xaebfraj»ekurve  tur  B  aiifstellen
zu  können,  müsste  man  ebenso  das  'Pausebverbältniss
von  B  zu  allen  Artikeln,  also  aneb  zu  A,  offen  lassen,
bingegeii  das  Tausebverbältniss  von  A  zu  allen  anderen
Artikeln  festle^en,  während  eben  dies  variabel  bleiben
muss,  wenn  die  erstere  Kurve  mö^lieb  bleiben  soll.
Die  ^ieiebzeiti^e  Geltung*  der  beiden  erwäbnten  Naebfragekiirven,
  auf  die  sieb  die  weiteren  Austübriingen
stützen,  berubt  demnaeli  aufeinander  widerspreebenden
Voraussetzungen.  Weiterbin  stellt  \\  alias  die  Nützliebkeit
  dureb  die  Quadratur  einer  Kurve  dar,  deren  Abszissen ­
  den  (trad  der  Nützliebkeit  und  deren  Ordinaten
wieder  Mengen  bezeielmen;  dureb  den  1  Üfferential-(|U()tienten
  der  Nützliebkeit  will  er  die  Seltenbeit  darstellen. ­

Launbardt,  der,  wie  sebón  erwähnt,  eine  Nützliebkeitsknrve
  mit  denselben  Koordinaten,  die  wir  aneb
benützen,  aufstellt,  bebt  aueb  die  Bedeutung  des  1  )itferential(|uotienten
  dieser  Kurve  hervor  und  gelangt  zu
dem  Satze,  dass  der  Preis  einer  Ware  gleieb  ihrem
Nützliebkeitsgrade  sein  muss;  ferner  spriebt  er  aneb
aus,  dass  die  Preiswürdigkeit  aller  zum  (tebraiiebe
gelangenden  Güter  die  gleiebe  sein  muss.
Angebot  und  Naebfrage  behandelt  Launbardt
äbnlieb,  wie  Wal  ras.  Kr  findet,  dass  der  volkswirtb-
        <pb n="28" />
        XXV

scliaftlielie  CítMneiimiitztMi  sein  Maximum  erreiclit,  wenn
&amp;lt;ler  Taiiseli  zu  dem  Gleieli^ewielitsj)reise  erfolj*t,  der
&amp;lt;lureli  den  Selmitt  der  Angebots-  und  Xaelifraj^ekiirve
l^estimmt  wird.  Xaelidem  er  dann  noeli  naebgewiesen
luit,  dass  jedes  Monojad  den  Gemeinnützen  selimälert,
  ^elan^t  er  zu  dem  Uberraselienden  Ergebnisse,
dass  dureli  den  sogenannten  „wiederliolten  I  auseb^
&amp;lt;ler  Gemeinnützen  noeb  Uber  sein  Maximum  liinaus
^estei^ert  werden  könne.  I  &amp;gt;ies  le^t  er  an  einem  Zaldeni&amp;gt;eis))iele
  dar,  in  weleliem  ein  Individuum  I,  das  von
einem  Gute  A  40U  Einbeiten  und  von  einem  (inte
uneli  nielits  besitzt,  mit  einem  anderen  Individuum  II,
welebes  nielits  von  A,  aber  480  Einheiten  von  B  besitzt, ­
  in  Tauseliverkelir  tritt;  dabei  ist  I&amp;gt;  das  wertlivollere
  Gut,  da  von  demselben  zum  Gleieb^ewiehtslireise
  eine  Einheit  f;ej*en  zwei  Einheiten  von  .1
vertauselit  wird.  Xaeh  Eaunhardt  s  Formel  soll  es
nun  das  allgemeine  Wol  erfordern,  dass  die  Freisbilduno-
  mö^liehst  zu  Gunsten  des  Individuums  I  beeinflusst ­
  werde,  und  dieses  Individnnm  nennt  er  ohne
KUeksieht  auf  dessen  sonsti^fen  Besitz  das  ärmere.
^Venn  also,  z.  B.  ein  reieher  Gutsbesitzer,  der  von
winer  Ernte  nur  noeb  400  k«r.  Buehweizen  verfügbar
init  und  diese  j;e^en  Zueker  zu  tausehen  wiinseht,  mit
^‘inem  Krämer  in  Verkehr  tritt,  der  480  k^\  Zucker,
î^uiist  aber  vielleicht  sehr  weni;;’  besitzt,  so  wäre  der
Gutsbesitzer  als  der  ärmere  und  schutzbedUrfti^e  an-%usehen.
  1  lessen  unbeachtet  trä^t  Eaunhardt  kein
        <pb n="29" />
        XXVI

Hedeiiken,  das  Eingreifen  einer  „weisen  Wirtliseliaftspolitik“
  zu  fordern,  um  die  mö^lieliste  Fraktionirun^-der
  Tuuseli&amp;lt;j^eseliäfte  und  Zuwendung;-  monopolistiselier
Vordieile  an  den  jeweilig’  ärmeren  der  beiden  tauselienden
  Tiieile  zu  erreieben.  Darauf,  wie  dies  dureli-^esetzt
  werden  könne,  g’clit  Launliardt  niclit  ein;
er  g-laubt,  dureli  seine  Jkreelinun^en  den  Grundsatz
„laissez  faire,  laissez  ])asser“  end^iilti^*  widerlegt  zu
haben,  beaebtet  aber  niebt,  dass  sebón  die  Voraussetzungen, ­
  in  denen  er  mit  Wal  ras  übereinstimmt,
an  dem  oben  darnele^ten  Widerspruebe  leiden.
Die  Mühsal  stellt  Launliardt  als  Funktion  der
Zeit  dar,  findet  aiieb,  dass  der  sebwäebste  llnternebmer
den  Freis  regelt,  und  bebt  die  Analogie  zwiselien
Fnternebmer^ewinn  und  Bodenrente  hervor;  dann
wendet  er  sieh  anderen  Froblemen  zu.
Endlieb  müssen  wir  noeb  Böhm-Bawerk  besonders ­
  bervorbeben;  er  bedient  sieb  zwar  niebt  der  analytiseben
  Darstellung',  kam  aber  in  seinen  oben  angeführten ­
  Aufsätzen  unseren  Ansebauungen  in  maneben
Funkten  so  nabe,  dass  wir  uns  dadureli  veranlasst
sahen,  das  längst  abgeseblossene  Kapitel  I  der  vorliegenden ­
  Fntersuebungen,  mit  denen  wir  uns  sebón
seit  nahezu  zehn  daliren  beseliäftigen,  unter  dem  Titel
„Zur  Theorie  des  Freises“  im  gleieben  Verhige  im
Jänner  LS87  selbständig  ersebeinen  zu  lassen.

Wien,  im  Juni  188&amp;lt;S.
        <pb n="30" />
        1

I

4

INHALT.

Seite
Vorrede  V
I.  Die  Kurven  der  Herstellungskosten  und  der  Nützlichkeit,
des  Angebotes  und  der  Nachfrage.
Die  Gesammtkurven.

1.  Allgemeine  Voraussetzungen  3
2.  l)ie  Kostenkurve  5
3.  Die  Niitzliclikeitskurve  8
•L  Die  abgeleiteten  Kurven  II
5.  Der  Preis  ;  17
0.  Der  Nutzen  der  Produktion,  der  Nutzen  der  Konsumtion  und  der
&amp;lt;  Gemeinnützen  21

Die  Einzelkurven.

7.  Allgemeine  Eigenschaften  der  Einzelkurven  25
ö.  Kombination  der  Einzelkurven  zu  (íesauuntkurven  28
0.  Die  Einzelnlengen  und  der  tGemeinnützen  :13
10.  Nicht  effektives  Angebot  und  nicht  effektive  Nachfrage  ...  3tj
Angebot  und  Nachfrage.
11.  Steigen  und  Fallen  des  Angebotes  oder  der  Nachfrage.  ...  -11
12.  Einreihung  verschiedener  Artikel  in  drei  (Gru|i|ien  40
13.  Der  Eintluss  veränderten  Angebotes  53
14.  Der  Einfluss  veränderter  Nachfrage  57
15.  Der  Eintiiiss  der  Verinögeusverhältnisse  00
10.  Aenderungen  im  Werthe  des  (Geldes  03
17.  Die  Wirkungen  der  liesteueruug  08

:  .-n."
        <pb n="31" />
        XX  VIII

Seite
IL  Die  Formelemente  der  Kurven.
Betriebs-  und  Lebensweise.
18.  Kcniizeirlmuii^  di  r  JUdriidts-  und  LfbiMiswi-ise  duicli  die  Artikel  77
lU.  Personale  und  Zeitcintheilnnji  7!*
20.  Die  Konsnniportionen  82
21.  (Jrenzen  für  die  Festlialtnng  einer  bestiininten  Betriebs-  und
Lebensweise  80
Kurven  bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise.
22.  Der  Verlauf  der  Kurven  bestiinniter  Betriebs-  und  Lebensweise  00
23.  (íefíenkriinnnnufíen  00
21.  Der  tan^irende  Radiusvektor  lol
25.  Relative  Laj^e  der  Kurven  verseliiedener,  bestiniinter  Betriebsnnd
  Lebensweisen  lol
Zusammensetzung  der  Kurven  vortheilhaftester  Betriebs-  und  Lebensweise.
20.  Die  geringsten  Herstellungskosten  und  die  grösste  Niitzlielikeit  I  Io
27.  Anssclieidnng  der  nnzweekniässigen  .Mengen  1I  I
28.  Konvexität  und  Konkavität  der  Kurven  vortlieilliaftester  Betriebs- ­
  und  Leidens  weise  117
20.  Kleinste,  inarktiiblielie  .Mengeneiidieiten  123
30.  Die  (lesannntknrven  als  polygonale  Linien  130
III.  D^s  konsumirende  Individuum.
Die  Lebensgenusskurve.
31.  Die  Niit/.lielikeit  eines  Artikels  und  der  gesaniinte  Konsuln  130
32.  Die  Befriedigung  bei  einer  bestinnnten  Konsnnikoinbination  .  Ill
33.  Die  vortlieilliafteste  Konsnnikoinbination  Ill
34.  Der  Lebensgenuss  und  die  Anfangsbefriedignng  118
35.  Verlauf  der  Lebensgennssknrve  150
30.  Koinpletirende  und  konknrrirende  .Vrtikel  151
Der  Einfluss  der  Natur  des  Artikels  und  der  bestehenden  Preise  auf  die
Lebensgenusskurve.
37.  Korrespondirende  Punkte  157
38.  Die  Po  rin  der  auf  verseliiedene  Artikel  bezogenen  Lebensgennssknrve ­
  150
        <pb n="32" />
        XXIX

Seite
XO.  Uiioiitbclirliolie  und  unbegrenzt  begehrte  Artikel  1G4
40.  Verwolfeilung  und  Vertbeuerung  irgend  eines  anderen  Artikels  168
^41.  Preisändernngen  konkurrirender  und  konijiletirender  Artikel  170
42.  Preisändernngen  fernstehender  und  neuer  Artikel  176
Der  Einfluss  der  Individualität  auf  die  Lebensgenusskurve.
43.  Die  individuelle  Wertsebäfznng  des  (leides  180
44.  Die  individuellen  Anspriiebe  184
45.  Die  individuellen  Neigungen  ...  187
46.  Die  (iewölinung  und  der  anlangliebe  Besitz  191
IV.  Das  produzirende  Individuum.
Die  Lebensgenusskurve  mit  Berücksichtigung  einer  produktiven  Thätigkeit.
47.  Die  voitlieilbafteste  Konsum-  und  Produktkoinbination  .  .  .  201
48.  Lebensgenuss,  Nützlichkeit  und  Herstellungskosten  205
49.  Die  Lebensgenusskurve,  auf  ein  blosses  Produkt  bezogen  .  .  209
50.  Die  Anfangsbefriedigung  des  Unternehiners  214
Die  Lebensgenusskurve  in  ihrer  allgemeinen  Form.
51.  Die  Lebensgennsskurve,  auf  einen  Artikel  der  eigenen  Konsumtion ­
  und  Produktion  bezogen  .  .  .  i  218
52.  Die  Asymptoten  und  der  Scheitel  der  durchlaufenden  Lebensgenusskurve ­
  229
53.  (legenseitige  Beziehungen  der  verschiedenen  Artikel  ....  232
54.  Die  Lebensgeniissknrve,  auf  verschiedene  Artikel  bezogen  237
Aenderungen  der  Lebensgenusskurve.
55.  Der  KinHuss  von  Preisändernngen  anderer  Artikel  .  243
56.  Der  Einfluss  der  individuellen  Werthschätzung  des  (leides.  .  250
57.  Der  Kinflnss  der  individuellen  Eigenschaften  252
58.  Der  Einfluss  der  (lewöhnung  und  des  anfänglichen  Besitzes  257
V.  Das  Vorrath  haltende  Individuum.
Die  Spekulation.
59.  Der  Einfluss  eines  Anfangsvorrathes  267
60.  Die  Haltung  eines  Schliissvorrathes  271
        <pb n="33" />
        XXX

(51.  Der  Vorratlishaiulel
(12.  Der  'J'eriniiihandel
(;;i.  Report-  und  Drämieii^escliätte
(14.  Die  Werthpapiere

.Seite
278
285
290
295

Unverkäufliche  Vorräthe.
(15.  Konsnintioiis-  und  Prodnktionsreste  *^04
(1(1.  Die  vortlieilliafteste  Verwendim^sart  eines  Debraiiehsartikels  llll
(17.  Die  Lehensgennssknrve,  auf  einen  (lebranchsartikel  bezof?en  :117
(18.  Der  Lebensgenuss  iin  allgemeinsten  Falle  der  \orratbsbaltung  .12(1
09.  Der
Die  Einzelobjekte.
70.  Kauf  und  Verkauf  eines  Finzelobjektes  ‘"*43
71.  Die  Herstellung  eines  Einzelobjektes  351

VI.  Der  Einfluss  des  Einzelnen  auf  den  Preis.

Das  Monopol.
72.  Das  Verkaufs-  und  das  Ankaufsinonopol
7:1.  Der  Monopolsnutzen
74.  llescbränkungen  des  Monopols  ....
75.  Oertlicbe  Monopole

301
30(1
372
378

Das  freie  Angebot  und  die  freie  Nachfrage.

70.  Die  Kurve  des  Geineinnutzens.  .  .  .
77.  Monopolistische  Preisbestimmung  bei
78.  Die  Wirkungen  der  Konkurrenz
79.  Die  Preisbestimmung  mit  Rücksicht
elemente  der  Kurven

383
freier  Konkurrenz  .  .  388
395
auf  die  letzten  Form-402


Der  internationale  Verkehr.
80.  Import  und  Export
81.  Der  Einfluss  der  Zölle
82.  Steuern  und  Zölle

408
415
419

Anhang  I.

Die  Gleichungen  der  Kurven

433
        <pb n="34" />
        XXXI

Seite
Anhang  IL
1  Die  liefriediffuiifisfuiiktioii  und  das  Maximum  der  HefViediffiiiiff  451
2.  Die  Heíriediííuiiff  bei  unveränderlicher  WerfhschäfxuuK  des

Deldes  470
X  Die  Hofriedifiuuifsfläche  4R4
Anhang  III.
Die  Ivebensgeuusskurve,  auf  Verimtzuuffsmeuß^eu  bezogen....  515
.  Anhang  IV.
Die  Gleichungen  zur  Hestimmnng  aller  Mengen  und  Preise  .  .  .  537

■]
        <pb n="35" />
        Autpitz  u.  Lieben.  Untcmuch.  Ob.  d.  Theorie  d.  Preises.

1

I.

Die  Kurven  der  Herstellungskosten
und  der  Nützlichkeit,
des  Angebotes  und  der  Nachfrage.
        <pb n="36" />
        #

^9

vr
        <pb n="37" />
        Die  Gesammtkurven.

1.  Allgemeine  Yoraussetziiiigeii.
Um  ])ei  (len  fortwährenden  Seliwanknnfçen  aller
Preise  und  der  nnUhersehharen  Zahl  der  Faktoren,
welche  auf  diese  Schwankungen  Einfluss  nehmen,  den
Zusammenhang  der  verschiedenen  Ursachen  und  Wirkungen ­
  verfolgen  zu  können,  ist  es  zweckmässig,  einen
grossen  Markt  im  Zustande  eines  vollkommen  stabilen
Gleichgewichtes  zum  Ausgangspunkt  zu  nehmen.  Ein
solcher  Gleichgewichtszustand  besteht  dann,  dass  die
Preise  aller  Artikel  während  einer  bestimmten  Epoche,
also  z.  11.  während  eines  Jahres,  völlig  unverändert
bleiben.  Hierzu  ist  es  erforderlich,  dass  die  in  diesem
Zeiträume  produzirten,  dem  Markte  zufliessenden  Mengen ­
  jedes  Artikels  den  von  demselben  abfliesseiiden
und  konsumirten  Mengen  gleich  seien,  so  dass  alle
Eager  und  Vorräthe  auf  gleicher  Höhe  bleiben.
Wir  müssen  ferner  annehmen,  dass  jedes  auf  dem
Markte  verkehrende,  wirthsehaftlieh  selbständige  Individuum ­
  in  voller  Kenntniss  der  Preise  aller  erdenklichen ­
  Artikel  seine  Produktion  und  Konsumtion  in
1*
        <pb n="38" />
        4

joder  llinsioht  auf  das  zwcokniässip;ste  oiiiriolite,  d.  li.
HO,  dass  ilim  die  grösste  Befriedi^im^'  erwaelise.  Iin
übrigen  wird  es  ^*aiiz  und  ‘»•ar  von  den  Xei^uu^eu
und  Leideuseliafteu  des  Einzel  neu  aldiän^en,  ob  diese
grösste  Hefriedi^'uu&amp;lt;r  in  einseitiger  Verfolj»nn»-  des
Geldinteresses  oder  in  materiellem  Wolleben,  in  g-eistig-en
  Genüssen  oder  in  der  lletbätignng  der  Xäebstenliebe
  und  des  Gemeinsinnes  gefunden  wird;  nur  müssen
wir  daran  festbalten,  dass  die  individuellen  Eigenscbaften
  eines  Jeden  während  der  betrachteten  Epoche
völlig  unveränderlich  bleiben.
Wir  werden  nun,  von  dem  geschilderten  Gleichgewichtszustände ­
  ausgehend,  einen  einzelnen  Artikel
heransgreifen,  um  zu  ermitteln,  welche  Faktoren  für
dessen  Preis  massgebend  sind.  Dabei  halten  wir  dnrehgehends
  die  Voraussetzung  fest,  dass  während  der  bezeiehneten
  E])oehe,  wie  immer  auch  der  Preis  dieses
einen  Artikels  sein  möge,  die  Preise  aller  anderen
Artikel  unverändert  die  gleichen  bleiben,  und  dass
ebenso  aneh  bei*  allen  Personen  die  von  deren  Vermögensverhältnissen ­
  abhängige,  individuelle  erthsehätzung
  des  Geldes  unberührt  bleibe.
Wir  nehmen  ferner  bis  auf  weiteres  an,  dass
zwischen  den  Verkäufern  jedes  Artikels  und  ebenso
auch  zwischen  dessen  Käufern  ein  vollkommen  freier
Wettbewerb  herrsche,  sowie  auch,  dass  der  Markt  so
gross  sei,  dass  jeder  Einzelne  auf  feste  Preise  aller
Artikel  rechnen  könne,  und  sieh  daher  bei  seiner  Produktion ­
  und  Konsumtion  so  benehme,  als  wenn  sein
Verkauf  und  Ankauf  ohne  jeden  Einfluss  auf  die
        <pb n="39" />
        o

l*reÍ8e  bliebe.  Wir  selilies.sen  also  zuiiäebst  jene  Objekte ­
  aus,  von  weleben  es,  wie  von  Häusern,  Kunstwerken ­
  u.  (ler^l.,  niebt  einmal  zwei  identisebe  Exem-])lare
  ^ibt,  und  besebränken  uns  auf  Artikel,  die  naeb
Mass,  Gewiebt  oder  Stiiekzabl  verkauft  werden;  in
erster  Reibe  betrachten  wir  solche,  die,  wie  Mehl,
Retroleuin  u.  s.  w.,  beliebig  tlieilbar  sind,  und  die
durch  die  1  beilun«f  nichts  von  ihren  wesentlichen
Eigenschaften  einbüssen.
t.  Die  Kosteiikiirve.
Wären  wir  nun  ini  Besitze  aller  eifordcrliehen
Daten,  so  könnten  wir  an^eben,  welche  Kosten  die
Herstellung  der,  beim  Bestände  des  besprochenen,  stabilen ­
  Gleieh^ewiehtszustandes  j)roduzii*ten,  ^esammten
Jahresmen^e  irgend  eines  bestimmten  Artikels  A  verursacht. ­
  Unter  den  Herstellungskosten  oder  Selbstkosten ­
  einer  bestimmten  Jahresmen^e  eines  Artikels
verstehen  wir  jenen  ^erin^sten  (Kddbetra^,  welchen
die  Rroduzenten  dieses  Artikels  in  ihrer  Gesammtheit
erhalten  müssen,  um  eben  diese  ^len^e  ohne  Naehtheil
  hersteilen  zu  können;  sie  haben  dann  noch  keinerlei ­
  Vortheil  von  ihrer  Thäti^keit,  so  dass  es  ihnen
gerade  j»leiehj&amp;gt;ilti^’  bleibt,  ob  sie  diese  Alende  oder
aber  ^ar  nichts  von  dem  betretfenden  Artikel  herstellen.
  Wir  könnten  aber  dann  ebenso  auch  die  11erstellun^skosten
  jeder  grösseren  oder  kleineren  Jahresmen^e
  desselben  Artikels  ermitteln,  wenn  wir  dabei
unseren  Voraussetzunjçen  gemäss  annehmen,  dass  einer-
        <pb n="40" />
        —  ()  —
seits  (lie  Preise  aller  anderen  Artikel,  andererseits
aneil  die  individuellen  Eigenschaften  der  Produzenten
des  Artikels  A  völlig  unverändert  bleiben.
Konstruiren  wir  nun  ein  Koordinatensystem  (Ei^\  1),
dessen  Abszissen  ^ieng-en  des  Artikels  A  und  dessen
Ordinaten  Geldbeträge  bedeuten.  Tragen  wir  dann
die  verscbiedenen,  mö«»lieben  Jabresproduktmen^en
horizontal  und  die  entsprechenden  llerstellnn^skosten
vertikal  auf,  so  erhalten  wir  eine  Reibe  von  Punkten,

l\r  1.

Jf

M

die,  verbunden,  eine  Kurve  OA  darstellen,  welche  wir
die  Kurve  der  gesammteu  1  lerstellun^skosten  oder  die
Gesammtkostenkurve  nennen.  Von  dieser  Kurve,
deren  nähere  Bescbaffenbeit  wir  erst  sjiäter  ^enau
untersueben  werden,  können  wir  doch  schon  jetzt  Folgendes ­
  aussagen  :
1)  Die  Kurve  beginnt  im  Nnllpunkte  des  KoordinatensySteines,
  da,  wenn  der  Artikel  A,  auf  den  die
        <pb n="41" />
        'f!*r

Kurve  ])ezo&amp;lt;»’eu  iíst,  ^ar  iiielit  produzirt  wird,  aiK
keine  Herstellungskosten  desselben  erwaehseii  können.
2)  1  )ie  Kurve  verlauft  ansteigend,  weil  —  iin  allgemeinen ­
  —  die  Herstellung  grösserer  Jabresmen^en
aueb  grössere  Kosten  verursaebt.
3)  Die  Kurve  muss  sebliesslieb  ansteigend  ^fgen
eine  vertikale  Asyni])tote  verlaufen,  weil  es  aueb
mit  dem  grössten  Kostenaufwande  und  der  äussersten
Anstrengung  der  Produzenten  niebt  mö^lieb  sein  würde,
die  Jahresproduktion  über  eine  gewisse,  endliebe  Grenze
hinaus  zu  steigern,  wenn  aueb  diese  Grenze  weit  jenseits ­
  der  gewöbnlieben  Produktmenge  liegen  mag.
4)  Die  Kurve  OA  verläuft  durchaus  konvex,  d.  b.
jede  folgende  Tangente  ist  steiler  gestellt  als  alle
vorhergehenden.  Ein  ehr  quantum  verursaebt  also
um  so  grössere  Mehrkosten,  je  grösser  die  Jahresproduktion ­
  ist,  zu  der  dieses  Mebrquantum  binzutreten
soll.  So  lange  nämlieb  bei  irgend  einer  Produktion
an  einer  bestimmten  Betriebsweise  festgebalten  wird,
also  mit  gegebenen  Masebinen  und  unverändertem
Personale  innerhalb  einer  bestimmten  Arbeitszeit  ein
grösseres  Quantum  bergestellt  werden  soll,  kann  das
nur  dureb  raseberen  Gang  der  Masebinen  ermöglicht
werden,  und  dies  erfordert  einen  mehr  als  proportionalen ­
  Mehraufwand  an  Sebmiermaterial  und  Erbaltungskosten ­
  und  bei  i  lampfmasebinen  namentlieb  aueb
an  Brennmaterial.  Ebenso  werden  die  etwa  in  Verwendung ­
  stehenden  Arbeitstbiere  und  endlich  auch
die  bei  der  Produktion  beschäftigten  Personen,  mögen
sie  dabei  körperlich  oder  geistig  tbätig  sein,  zu  grös-
        <pb n="42" />
        síMTii  Leistungen  1ieran^e%o^en  werden  müssen.  Diese
Leistungen  werden  aber  aneli  kosts])ieli}ier,  weil  sie
mnbsanier  werden;  denn  es  ist  ein  allgemein  »ilti^-es,
pbysiolo^-isehes  Gesetz,  dass  jede  Mebrleistnn»-  eine
um  so  grössere  Meliranstren&amp;lt;&amp;gt;-nni&amp;gt;;  erfordert,  je  grösser
die  Leistling  sebón  war,  zu  welelier  dieses  Mehr  binzntreten
  soll.  Ferner  wird  bei  raseberer  Arbeit  aneb
die  Ansnntznn^'  der  Hob-  und  llilfsstotfe  eine  immer
man^elbaftere  werden.  Alle  diese  Eintlnsse  können
zwar  dnreb  zweckmässige  Iktriebsändernn^en,  deren
reebtzeiti^e  Vornabme  eine  notwendige  b'ol^e  unserer
Voraussetzungen  ist,  ab^esebwäebt,  aber  doch  niebt
^aiiz  aufgehoben  werden.  Den  Nach  weis  hierfür  und
somit  für  unsere  Behauptung'  des  dnrebans  konvexen
Verlaufes  der  Kostenknrve  OA  wird  die  spätere,  eingehendere ­
  Untersuchung'  dieser  Kurve  liefern.

3.  Die  Niitzliclikeitskiirve.

Die  seitens  Üer  Produzenten  auf  den  Markt  gebrachte ­
  Jabresmen^e  des  betrachteten  Artikels  A  wird
von  den  Konsumenten  gekauft  werden,  wenn  ihnen
dieselbe  für  den  eigenen  Konsum  oder  für  weitere
Verarbeitung'  eine  Nützlichkeit  bietet.  Diese  Nützlichkeit ­
  lässt  sich  an  der  höchsten  Anstrengung'  oder
der  grössten  Geldsumme  bemessen,  welche  die  Konsumenten ­
  für  diese  Meno-e  ohne  Nacbtbeil  anfwenden
könnten;  bei  diesem  Anfwande  würde  ihnen  der  Konsum ­
  keinerlei  Vorth  eil  bieten,  so  dass  es  ihnen  gerade ­
  ¿»'leicbj^'iltig'  wäre,  ob  sie  die  betretfende  Men^^e
        <pb n="43" />
        í)

kaufen  oder  nielits  von  dem  Artikel  konsiiiniren.  Die
XUtzliehkeit  einer  bestiininten  JahreNmen^e  irgend
eines  Artikels  ist  also  ^leiehbedeutend  mit  dem  Uebraucliswerthe
  eben  dieses  Quantums.  Ebenso  wie
die  NUtzliebkeit  dieses  einen  Quantums  könnten  wir
aber,  wenn  wir  alle  einseblä^%en  Verhältnisse  vollkommen ­
  überseben  würden,  aueb  die  NUtzliebkeit  jeder
anderen  grösseren  oder  kleineren  Jabresmen^e  unseres
Artikels  an^eben,  indem  wir  dabei,  ebenso  wie  trüber,
im  Sinne  unserer  Voraussetzungen,  annebmen,  dass
einerseits  die  Preise  aller  anderen  Artikel,  und  anderseits ­
  die  individuellen  Ei^ensebaften  der  Konsumenten
des  Artikels  A  völlig  unverändert  bleiben.
Tragen  wir  nun  auf  dem  Koordinatensystem
(Fi^»’.  2)  die  versebiedenen,  mö^lieben  Jabreskonsummen^en
  unseres  Artikels  horizontal  und  die  entspreebenden
  Nützliebkeiten  vertikal  auf,  und  verbinden
wir  die  so  bestimmten  Punkte,  so  erhalten  wir  die
Kurve  OV,  welebe  wir  die  Kurve  des  ^esammten
(iebrauebswertbes  oder  die  Gesammtnützliebkeitskurve
  nennen.  Aueb  diese  Kurve  werden  wir  erst
später  jj^enauer  untersueben,  doeb  können  wir  von  derselben ­
  sebón  jetzt  Folgendes  aussa^en:
1)  Die  Kurve  entspringt  im  Nullpunkte  ;  denn
die  NUtzliebkeit  der  Jabresmen^e  Null  kann  ebenfalls
nur  (fleieb  Null  sein.
2)  Die  Kurve  verläuft  zuerst  ansteigend,  erreicht
einen  Scheitelpunkt  und  fällt  dann  wieder  ab;  denn
ein  grösseres  .Jabres(piantum  muss,  wenn  der  Artikel
überhaupt  begehrt  wird,  aueb  eine  ifrössere  Nützlich-
        <pb n="44" />
        keit  i&amp;gt;ewälimi,  jedoch  mir  bis  zu  einer  {&amp;gt;ewisseu
Grenze,  welelie  dnreli  die  Abszisse  des  Selieitelpnnktes
bezeiebnet  wird.  Diese  Abszisse  ¿»ibt  die  Jniiresmen^e
an,  welche  die  Bedürfnisse  der  Konsumenten  vollauf
befriedigt,  so  dass  ein  Mehr  darüber  hinaus  nicht  begehrt ­
  wird.  Diese  Menge,  die  Menge  der  vollen  Befriedigung, ­
  wird,  z.  B.  bei  Luft  und  Wasser  unter  nor-Fig.

  2.

malen  Verhältnissen,  wirklich  konsumirt.  Eine  weitere
Steigerung  des  Verbraiiebs  würde  nicht  mehr  angeiiebm,
sondern  uuaugeuebm  em])fuudeu  werden,  oder  den  IVrsonen,
  welche  den  Artikel  A  zur  Weiterverarbeitung  ankanfen,
  nicht  mehr  Vortheil,  sondern  Naelitbeil  bringen,
weshalb  die  Kurve  ON  von  hier  an  abfallend  verläuft.
3)  Die  Kurve  muss  seldiesslieh  absteigend  gegen
eine  vertikale  Asymptote  MA/  verlaufen,  weil  der  Verbraneb
  eines  Artikels,  selbst  wenn  hiezu  ans  irgend
        <pb n="45" />
        11

welclieii  (íriiiideii  die  ^röHsten  Aimtren^nn^en  í^emaelit
werden  sollten,  nicht  Uber  eine  gewisse,  endliche  Men^e
hinaus  (fcstei^ert  werden  kann,  weil  der  Feberdrnss  allzngross
  wird,  oder  weil  die  mit  der  Weiterverarbeitnn^
verbundene  Anstrengung  bis  zur  Erschöpfung  führt.
4)  1  )ie  Kurve  ON  verläuft  durchaus  konkav,  d.  h.
jede  folgende  Tangente  ist  flacher  gestellt,  als  alle
vorhergehenden.  Es  wird  also  die  durch  ein  }[ehrquantum
  erzielte  Mehrnützlichkeit  immer  geringer,  je
grösser  die  Jahresmenge  ohnedies  schon  war,  zu
welcher  dieses  Mehrquantum  hinzutritt,  während  nach
Ueberschreitung  der  Menge  der  vollen  Befriedigung
die  Gesammtnützlichkeit  durch  jedes  weitere  Mehrquantum ­
  in  immer  stärkerem  Masse  geschmälert  wird.
1  )en  strengen  Nachweis  der  Allgeineingiltigkeit  dieser
Behau])tung  wird  unsere  sj)ätere,  genauere  Untersuchung ­
  der  Kurve  ON  liefern;  hier  genügt  es,  darauf ­
  hinzuweisen,  dass  der  behauptete,  konkave  Verlauf
dieser  Kurve  das  allgemeine,  ])hysiologisehe  Gesetz
zum  Ausdruek  bringt,  dass  ein  hinzutretender,  kleiner
Heiz  um  so  sehwächer  wirkt,  je  mehr  gleichartige
Heize  demselhen  schon  vorangegangen  sind,  und  daws
nach  l'eberschreitung  der  Grenze  voller  Sättigung
jeder  weitere,  kleine  Heiz  in  stets  steigendem  Masse
unangenehm  empfunden  wird.
4.  Die  abgeleiteten  Kurven.
Die  beiden  Kurven,  die  wir  bisher  kennen  gelernt ­
  haben,  geben  uns  noch  keinen  unmittelbaren  Auf-
        <pb n="46" />
        12

Schluss  (lariihcr,  welche  (üehlheträ^e  die  Koiisuiiieiiteii
tur  bestimmte,  auf  dem  Markte  umgesetzte  Quantitäten
unseres  Artikels  thatsäehlieh  aufwenden,  und  welehe
somit  die  Produzenten  wirklich  erlösen  werden.  Denn
die  Konsumenten  werden  bestrebt  sein,  ihren  Aufwand
niederer  als  den  vollen  (iehraiichswerth  zu  halten,
während  die  Produzenten  sieh  bemühen  werden,  mehr
als  gerade  nur  die  Selbstkosten  zu  erreichen.  Nach
welchem  Gesetze  regelt  sich  nun  der  wirkliche  Erlös
der  Produzenten  und  der  wirkliche  Aufwand  der  Konsumenten ­
  ?
Betrachten  wir  (Fig.  3)  die  Kostenkurve  OA  und
bezeichne  OQ  die  in  einem  Jahre  thatsäehlieh  erzeugte
und  umgesetzte  Menge  des  betrachteten  Artikels  A,
so  können  wir  uns  dieselbe  in  eine  Anzahl  kleiner,
gleicher  Theile  zerlegt  denken.  Jedes  dieser  kleinen
Theilchen  wird,  da  die  ganze  Stenge  zu  einem  und
demselben  Preise  verkauft  wird,  auch  den  gleichen
Erlös  bringen.  Die  Herstellungskosten  sind  aber  verschieden; ­
  denn'  jedes  weitere  Theilehen  verursacht
grössere  Herstellungskosten  als  das  vorhergehende.
Wenn  die  Produzenten  sich  veranlasst  sehen  sollen,
die  ganze  Menge  OQ  zu  erzeugen,  so  muss  der  Erlös
des  letzten  Theilchens,  das  wir  mit  ST  bezeichnen,
^  mindestens  so  gross  sein  als  die  Mehrkosten,  welche
durch  die  Erzeugung  dieses  letzten  Theib'hens  verursacht ­
  werden;  sonst  unterbliebe  nothwendiger  Weise
dessen  Herstellung.  Wäre  dagegen  der  Erlös  dieses
Theilchens  grösser  als  die  Kosten,  die  es  verursacht,
so  würden  die  Produzenten  durch  die  zwischen  ihnen
        <pb n="47" />
        13

herrschende,  freie  Konkurrenz  dahin  geführt  werden,
ilire  Erzen^nuß-  noeli  weiter  zu  verineliren.  Da  wir
mm  angenommen  haben,  dasH  der  Zustand  ein  stabiler
sei,  und  OQ  die  angemessene  Jaliresmen^e  darstelle,
so  müssen  die  Kosten  TR^  die  zur  Herstellung  des
letzten,  wirklich  ])roduzirteii  Theileliens  ST  eiforderlieh
  sind,  dem  Erlöse  desselben  ji^enau  gleich  sein.
Die  Länge  TR  stellt  somit  den  Erlös  des  letzten  Pro-Kií?.

  8.

R

i—i  i

dukttheilehens  ST  dar.  Da  aber  nur  Ein  Preis  bestellt, ­
  der  für  die  ganze  Jahresmenge  OQ,  ebenso  wie
für  deren  letztes  1  heilehen  S2'  gilt,  so  muss  sieh
die  Jahresproduktmenge  zu  ihrem  Uesammterlöse
  verhalten  wie  ST  zu  'TR.
Ziehen  wir  nun  durch  den  Nullpunkt  eine  Parallele ­
  zu  dem  Kurvenstüeke  SR^  welches  wir  als  geradlinig ­
  betrachten  können,  wenn  wir  die  riieilehen,  in
welche  die  Jahresmenge  zerfällt,  klein  genug  gewählt
        <pb n="48" />
        14

haben,  mul  das  uns  dann  die  Tan^entialrielitun&amp;lt;r  der
Kostenknrve  im  Punkte  R  angiid.  Diese  Parallele
sehneidet  die  verlängerte  Ordinate  des  Punktes  R  in
R\  und  die  Länge  QR'  gibt  uns  den  Gesaminterlös,
der  obiger  Proportion  entspriebt,  und  den  die  Produzenten ­
  erreichen  müssen,  damit  sie  sich  veranlasst
sehen,  die  Menge  OQ  zu  erzeugen.  Führen  wir  dann
dieselbe  Konstruktion  für  jede  andere  Jahresmenge,
von  der  kleinsten  bis  zur  grössten,  durch,  so  erhalten
wir  eine  Reihe  von  Punkten,  die  eine  neue  Kurve
OA'  darstellen.  Jede  Ordinate  dieser  Kurve  gibt  uns
unmittelbar  den  wirklicben  Erlös,  den  die  Produzenten
in  ihrer  Gesammtbeit  erzielen  müssen,  wenn  sie  sieh
veranlasst  sehen  sollen,  die  durch  die  zugehörige  Ab-,
szisse  bezeiehnete  Jahresmenge  des  Artikels  A  herznstellen;
  oder  auch:  die  Ordinaten  dieser  Kurve  bezeichnen ­
  die  Geldbeträge,  gegen  welche  die  durch
die  Abszissen  angegebenen  Jabresprodnktmengen  wirklich ­
  angeboten  werden.  Wir  nennen  daher  diese  Kurve
die  Gesammtangebotskurve.
Wenden  wir  uns  nun  zu  der  Nützlichkeitsknrve
ON  (Fig.  4),  und  stellen  wir  in  Bezug  auf  das  wirklieh
  konsumirte  Jahres(piantnm  OQ  ganz  dieselbe  Hetraehtnng
  an,  die  wir  eben  in  Bezug  auf  das  wirklich
])rodnzirte  Quantum  gemacht  haben,  so  linden  wir,
dass  auch  die  Konsumenten  unter  dem  Einflüsse  ihrer
gegenseitigen,  freien  Konkurrenz  sich  veranlasst  sehen
werden,  mit  ihrem  Konsum  soweit,  aber  auch  nicht
weiter,  zu  gehen,  bis  der  von  ihnen  für  das  letzte,
wirklich  konsumirte  Theilehen  l^T  gemachte  Aufwand
        <pb n="49" />
        15

(1er  NUtzlielikeit  TR  eben  dieses  Tlieilcliens  p^enan
^leieli  wird.  Wenden  wir  dann  zur  Ermittelnnp^  des
wirklichen  Gesammtaiifwandes  der  Konsumenten  dieselbe ­
  Scldussfolgernnp:  und  die  p^leicbe  Konstruktion
an,  wie  vorhin  bezüp^Iich  des  wirklichen  Erlöses  der
Produzenten,  legen  wir  also  durch  den  Nullpunkt  eine
Parallele  zu  aSVi\  das  ist  zur  Tangente  der  Niitzliehkeitskurve

  im  Punkte  R,  ko  erhalten  wir  den  Punkt
/?',  und  die  Entfernung  C¿R'  ntellt  uns  den  gesuchten
Gesammtaufwand  dar.  Indem  wir  dann  wieder  für  das
konsumirte  Jahres(juantum  alle  möglichen  Annahmen
machen,  erhalten  wir  die  neue  Kurve  ON'.  Jede  Ordinate ­
  der  so  gefundenen  Kurve  gibt  uns  unmittelbar
den  Geldbetrag  an,  den  die  Konsumenten  in  ihrer
Gesammtheit  wirklich  aut  wenden  werden,  wenn  sie
sieh  veranlasst  sehen,  gerade  die  durch  die  zugehörige

Fiff.  4.

Ü
        <pb n="50" />
        U)

Abszisse  bezcieliiiete  Jaiircsmen^e  unseres  Artikels  zu
kousuniireii5  oder  auch:  die  Ordiuateii  dieser  Kurve
bezeiclmeii  die  (Geldbeträge,  mit  welcbeu  die  Kousumeiiteii
  die  betreffeiideu  Jabresmeu^eu  uacbtra^eu  ;
wir  ueuueu  sie  daher  die  G  esammtuacbtra^ekurve.
Die  Gestalt  der  abgeleiteten  Kurven  OÁ'  und
ON'  —  die  wir  der  leichteren  Unterscbeidiiu»-  we^eu
in  unseren  Figuren  rotb  gezeichnet  haben  —  wird
durch  die  Art  ihrer  Fntstehnn^'  ans  den  nrsprihiolichen
Kurven  OA  und  ON  bestimmt.  Diese  bringt  es  mit
sieb,  dass  der  Radiusvektor  jedes  Punktes  der  abgeleiteten ­
  Kurve  der  Tangente  des  über  derselben  Abszisse ­
  ^ele(2,enen  Punktes  der  nrsinnn^liehen  Kurve
parallel  sein  muss.  Daraus  ergibt  sich,  dass  jeder  folo-ende
  Radiusvektor  in  der  An^ebotsknrve  OA'  steiler,
in  der  Kachfra^ekurve  ON'  aber  üacber  gestellt  sein
muss  als  alle  vorb  ergeben  den.  Jede  der  beiden  abgeleiteten ­
  Kurven  entspringt  im  Nullpunkte  mit  der
gleichen  Tangentialrichtnng,  wie  die  betrettende  nrsprnnglicbe
  Kurve,  und  wird  auch  nach  rechts  dnidi
dieselbe  Asymptote  begrenzt;  dabei  nimmt  jedoch  mit
wachsender  Abszisse  der  A  ertikalabstand  dei  abgeleiteten ­
  von  der  ursprünglichen  Kurve  tortwährend
zu.  Die  Nachtragekiirve  ON'  schneidet  die  Abszissenacbse
  genau  unter  dem  Sebeitelpnnkte  der  Nützlicbkeitsknrve
  ON,  wo  also  die  Tangente  der  letzteren  horizontal ­
  ist.  Die  Ordinaten  des  unter  die  Abszissenacbse
fallenden  Tbeiles  der  Nacbfrageknrve  bezeiebnen  die
Geldbeträge,  welche  die  Konsumenten  erhalten  müssen,
wenn  sie  sieb  veranlasst  sehen  sollen,  die  betrettenden,
        <pb n="51" />
        17

ül)er  (lie  Menge  der  vollen  Befriedigung  liinausgelienden
  Jahresmengen  zu  verbrauehen.

5.  Der  Preis.

Stellen  wir  nun  in  Fig.  5  die  auf  einen  Artikel
A  bezogenen  Kurven  der  Kosten  und  der  Nützliehriff.

  5.

A

0.4  a  a

keit  OA  und  ON,  dann  die  Angebots-  und  die  Naelifragekurve
  OA’  und  ON'  dar,  so  mlissen  sieb  die
beiden  letzteren  notbwendigerweise  sebneiden.  1  )er
Scbnittjuinkt  c  ist  der  Punkt,  bei  dem  Angebot  und
Nachfrage  gleich  sind,  seine  Abszisse  Oa  ist  der  wirkliche ­
  Jahresabsatz  unseres  Artikels,  seine  Ordinate
(IC  der  wirkliche  Jahresumsatz  in  Geld.  Würde
uändich  eine  geringere  Menge  Oa,  {uoduzirt,  so  wäre
Augpitz  u.  Lieben.  Untoriuch.  üb.  d.  Theorie  d.  Preise«.  ‘2
        <pb n="52" />
        18

a¡Ci  (1er  Aufwand,  den  die  Konsnnienten  zn  maelien
bereit  sind,  grösser  als  die  Forderung'  a¡z¡  der  Frodnzenten,
  und  dies  müsste  zn  einer  Steifernn^  der
Produktion  fiiliren;  wäre  da^e^en  die  Jaliresju’odnktion
Oog,  so  wäre  der  Aufwand  rZgL,  zn  welelieni  die  Konsninenteii
  sich  entscldiessen  würden,  kleiner  als  die
Forderung'  ßgZg  der  Produzenten,  daher  die  Produktion
verringert  werden  müsste,  so  dass  in  beiden  Fällen
die  Produktion  auf  Oa,  auf  die  dem  vorausgesetzten,
stabilen  Gleicbgcwicbte  entsprechende  Men^-e,  zurückgeführt
  würde.
Ziehen  wir  nun  durch  den  Nullpunkt  und  den
Punkt  c  eine  Gerade  OP  und  hezeiehnen  den  Neigungswinkel ­
  derselben  mit  i'/,  so  ist:

^  ,,  ac  I  insatz
t  q  O'  =  -  =  —
Oa  Absatz

reis  :

wir  nennen  daher  diese  Gerade  die  Preislinie,  und
werden  uns  fortan  gestatten,  den  jeweiligen  Preis  des
betrachteten  Artikels  immer  durch  eine  solche,  vom
Nullpunkt  ausgehende  Gerade  zu  bezeichnen.  Die
Preislinie  muss,  da  sie  ein  Radiusvektor  sowol  der
Angebots-,  als  auch  der  Naehfra^eknrve  ist,  zugleich
auch  der  'Pándente  an  die  Kostenknrve  OA  im  Punkte
6,  sowie  auch  jener  an  die  Nützlichkeitskurve  ON
im  Punkte  d  jiarallel  sein.  Somit  haben  diese  beiden
Kurven  an  den  dem  Schnittpunkte  c  entsprechenden
Punkten  gleiche  Tan^entialriehtun^en.  Die  Nei^nn^en
der  Tangenten  gegen  die  Horizontale  nehmen  aber
hei  der  einen  Kurve  OA  fortwährend  zn,  hei  der
anderen  ON  fortwährend  ah.  Es  gibt  daher  nur  ein
        <pb n="53" />
        lí)

einziges  Paar  vertikal  Uber  einander  liegender  Punkte
dieser  beiden  Kurven,  deren  Tan^entialricbtiin^en
i^leicli  sind.  ir  liätten  demnach  Absatz,  Umsatz
nnd  Preis  aneli  unmittelbar  ans  diesen  beiden  Kurven
idme  /nbiltenabme  der  abg-eleiteten  Kurven  bestimmen
können.  Ls  würde  ^enU^ren,  auf  den  ursprünglichen
Kurven  (JA  und  ON  dieses  Punktepaar  zu  ermitteln,
und  {*ibt  dann  dessen  Abszisse  den  Absatz  Oa,  und
die  gemeinsame  Tan^entialricbtun^  der  beiden  Kurven
i;ibt  den  Preis  tg  (h,  mit  anderen  Worten:  die  Richtung ­
  der  parallelen  J  aumenten  der  Kostenkurve
und  der  Niitzlicbkeitskurve  bestimmt  den  Preis.
Wir  sind  bei  getrennter  Betrachtung  der  Produzenten ­
  einerseits  und  der  Konsumenten  andererseits
schon  trüber  zu  dem  ¡Resultate  gelangt,  dass  die
Herstellungskosten  des  letzten  produzirten  Tbeilebens
gleich  dessen  Erlös,  dass  ferner  die  Nützlichkeit  des
letzten  konsumirten  Tbeilebens  gleich  dem  dafür  gemaebten
  Aufwande  sein  müssen.  Da  nun  Erlös  und
Aufwand  für  das  letzte,  wirklich  umgesetzte  Tbeilcben
mieb  untereinander  gleich  sein  müssen,  so  ergibt  sieb,
dass  auch  die  Herstellungskosten  des  letzten  prodnzirten
  und  die  Nützlichkeit  des  letzten  konsumirten
Tbeilebens  einander  gleich  sein  müssen.  Der  Parallelismus ­
  der  Tangenten  der  beiden  Kurven  OA  und
ON  und  der  Preislinie  OP  liefert  bieifür  den  geometrischen ­
  Nachweis.
Wii  sehen,  dass  Preis  und  Absatz  irgend  eines
Artikels  A  le(lii&amp;gt;lieli  durcli  den  Heliidtt]niid(t  der  auf
duiHtlbeii  bezo^feiieii  Angebots-  und  Nacbfragekiirve
        <pb n="54" />
        —  áo  —
bestimmt  werden,  wälireml  der  übrige  Verlauf  dieser
Kurven  ohne  Einfluss  bleibt.  Sobald  da^e^en  die  eine
dieser  Kurven,  z.  B.  ON\  sieb  ändert,  wäbreud  die
andere,  OA\  unverändert  bleibt,  ^ibt  die  letztere  alle
Punkte  an,  in  die  der  neue  Scbnittjmnkt  fallen  kann,
und  bestimmt  somit  aueb  die  Aenderun^en,  welche
der  Preis  und  der  Absatz  des  Artikels  A  erleiden
müssen.  Es  ist  nun  allerdings  einleucbteud,  dass  diese
Aenderun^en  nicht  ohne  Einfluss  auf  die  Preise  aller
übrigen  Artikel  werden  bleiben  können,  da  der  veränderte ­
  Absatz  des  Artikels  A  aueb  einen  anderen
Verbrauch  der  zu  seiner  Ilerstellun^r  erforderlichen
Bob-  und  Hilfsstoffe,  sowie  eine  veränderte  Produktion
der  etwa  ^leicbzeiti^^'  mit  dem  Artikel  A  entstehenden
Neben])rodukte  zur  Fol^e  haben  muss;  das  kann  aber
nicht  ohne  AVirkung'  auf  die  Preise  dieser  Artikel
bleiben,  und  daran  werden  sieb  weitere  Einwirkungen
auf  die  Preise  auch  ^anz  anderer  Artikel  knüpfen.
Ferner  werden  diese  mani^facben  Preisänderun^en
auch  die  Vermö^ensverbältnisse  der  Produzenten  und
Konsumenten  des  Artikels  A  alteriren,  wodurch  bei
diesen  Personen  eine  veränderte,  individuelle  Wertbsebätzuu«»’
  des  Geldes  berbei^efübrt  werden  wird.  Sobald ­
  sieb  aber  der  Preis  irgend  eines  anderen  Artikels
oder  die  AVertbsebätzung’  des  Geldes  seitens  eines  der
Produzenten  ändert,  können  auch  die  J  [erstellun^skosten
irgend  einer  Afeude  von  A  andere  werden,  so  dass  auch
die  Kurve  OA  und  daher  auch  OA'  eine  Formänderungerfährt.
  Um  diese  Bückwirkun^^en  auszuscbliessen,
haben  wir  ^anz  allgemein  angenommen,  dass,  wenn
        <pb n="55" />
        21

8ic*li  auch  (1er  Preis  eines  einzelnen  Artikels  ändert,  die
1  leise  aller  anderen  Artikel  und  die  Werthsehätznn^^
des  Geldes  seitens  aller  in  Betracht  kommenden  Personen ­
  völli&amp;lt;^  unveränderlich  bleiben.  Solche  Voranssetzim^en
  sind  nnerlässlieh,  weil  ein  Einblick  in  die
I  reisbildnng-  nnmö^lich  wäre,  wenn  wir  alle  Elemente
gleichzeitig  schwanken  lassen  wollten  5  so  lan^e  wir
aber  an  unseren  Annahmen  festhalten,  bleibt  die  Kostenkni ­
  ve  OA  und  daher  auch  die  An^ebotsknrve  OA  in
ihiem  ganzen  \  erlauf  in  Geltung,  wenn  auch  die
Niitzliehkeitsknrve  ON  und  mit  ihr  die  Naehfra^eknrve
  ON'  sich  ändert,  und  umgekehrt.

(*&amp;gt;.  Der  Nutzen  der  Produktion,  der  Nutzen  der  Konsumtion ­
  und  der  (iemeinnntzen.

A\  enn  wir  nun  die  abgeleiteten  Kurven  in  ihrem
gesammten  Verlaute  betrachten,  so  sehen  wir,  dass,
da  bei  der  Angebotsknrve  jeder  folgende  Uadinsvektor
steiler  gestellt  ist  als  alle  früheren,  bei  steigenden
Prodnktmengen  der  Preis  steigen  muss,  wenn  die  Produzenten ­
  sieh  veranlasst  sehen  sollen,  diese  zunehmenden ­
  Prodnktmengen  auch  wirklich  herziistellen.  Aus

dieser  gleichzeitigen  Steigerung  der  Menge  und  des
I  leises  ergibt  sich  eine  um  so  grössere  Vermehrung
des  Erlöses.  Gleichzeitig  steigt  auch  der  Ueberschnss

des  Erlöses  über  die  ilerstellnngskosten,  d.  i.  der
Nutzen,  der  allen  Produzenten  des  Artikels  A  zusammen ­
  aus  der  Produktion  speziell  dieses  einen
Artikels  erwächst.  Derselbe  wird  für  jede  Ibodukt-
        <pb n="56" />
        mcii^’c  dure]I  deu  eutspreelíendeii  Vertikalal).staud  der
Kurven  OA  uiid  OA'  ano-e»-el)eu.
Der  entgegengesetzte  Forineliarakter  der  Xaelifrag’ekurve
  ON'  bringt  es  mit  sieh,  dass  mit  steifenden ­
  Konsummeiifen  der  Preis  faden  muss,  wenn  die
Konsumenten  sieli  veraidasst  selien  sollen,  diese  zunehmenden ­
  Mengen  wirklieh  zu  kaufen.  Die  hier
einander  entfefenlaufenden  Aenderunfen  der  Meiife
einerseits  und  des  Preises  anderseits  hriiifen  dann
die  Wirkung  hervor,  dass  der  Aufwand  der  Konsumenten ­
  zwar  anfaiiflieli  steift,  dass  er  aber  in  dem
höehsten  Punkte  der  Nachfrafekurve  ein  Maximum
erreicht  und  dann  wieder  ahnimmt.  Es  fiht  also  hei
jedem  Artikel  eine  Meiife,  für  die  der  höchste  Aufwand ­
  fcmacht  werden  kann,  während  alle  frösseren
Menfen  nur  dann  konsumirt  werden,  wenn  der  Aufwand, ­
  den  sie  erfordern,  entsprechend  kleiner  wird.
Hei  dem  Preise  Null,  welcher  die  Konsumenten  veranlasst, ­
  fcrade  die  durch  die  Abszisse  des  Sehuittpuuktes
  der  Kurve  ON'  mit  der  Ahszissenachse  hezeielinete
  Meiifc  der  vollen  Hefriedifiinf  zu  verhrauchen,
  wird  auch  der  Aufwand  fleich  Null.  Der
Ueherscliuss  der  Nützlichkeit  der  fekauften  Meiife
über  den  dafür  femachten  Aufwand,  d.  i.  der  Nutzen,
der  allen  Konsumenten  des  Artikels  A  zusammen  aus
der  Konsumtion  speziell  dieses  Artikels  erwächst,
wird  für  jede  Konsummenf  e  durch  den  entsprechenden
Vertikalahstand  der  Kurven  ON  und  ON'  hezeiehnet
und  nimmt  mit  derselben  kontiniiirlieh  zu.  Hei  der
Meiife  der  vollen  Hefriedif  unf  wird  dieser  Nutzen
        <pb n="57" />
        (1er  »aiizeii  Xiitzliclikeit  dieser  Meiij^e.  Noeh
grössere  Meiii»en  können  nur  j»ej»en  eine  Anfzaldnnj»*,
also  ])ei  negativen  Preisen  des  Artikels  A,  verbraiielit
werden;  diese  Anfzahlnn«-  tritt  dann  zn  der  Niitzlielikeit
  der  betreffenden  Men^e  binzii,  der  Nutzen  der
Konsumtion  wird  also  nach  w  ie  vor  diireb  den  Vertikalabstand ­
  der  Kurven  ON  und  ON'  bemessen  und
wird  daher  mit  der  Men^e  fortwährend  grösser.
Hetraebten  w  ir  nun  aiieb  den  Vertikalabstand  der
nrsj)riinj»licben  Kurven  OA  und  ON^  so  bemisst  derselbe ­
  über  jeder  Abszisse  den  dureb  den  Absatz  der
betreffenden  Menjçe  erzielten  Uebersebuss  der  Niitzliebkeit
  über  die  Herstellungskosten.  Dieser  stets  in
Ueld  bemessene  Uebersebuss  wird  bei  der  Jabresmen^e
  Oa  dureb  die  Länf^e  hd  darjçestellt,  wovon
der  Tbeilbetraj»-  hc  den  Produzenten  und  cd  den  Konsumenten ­
  zutallt.  Es  lie^t  offeid)ar  im  allgemeinen
Interesse,  dass  dieser  beiden  Tbeilen  gemeinsame
I  ebersebnss  mö^liebst  ^ross  ausfalle,  und  w  ir  nennen
denselben  den  G'emeinnntzen.  Nun  wissen  wir,  dass
mit  znnebniender  Abszisse  die  Tan&amp;lt;renten  der  Kurve
OA  immer  steiler,  jene  der  Kurve  ON  immer  ffaeber
werden,  und  die  Fol^e  davon  ist,  dass  der  in  Rede
stehende  Vertikalabstand  dort  am  grössten  ist,  wo
diese  Tangenten  j&amp;gt;arallel  laufen,  dass  also  der  grösste
Gemeinnützen  gerade  dureb  die  Jabresmen^e  Oa  erzielt ­
  wird,  die  bei  freier  Konkurrenz  tbatsäeblieb  umtfesetzt
  werden  muss.  Indem  also  die  Produzenten
und  Konsumenten,  blos  von  ihrem  Interesse  geleitet,
einerseits  ihre  Produktion  genau  soweit  ausdebnen.
        <pb n="58" />
        24

bis  der  Erlös  des  letzten  Produkttlieileliens  seinen  Herstellung^skosten
  gleieh  wird,  und  anderseits  ihren  Konsum ­
  so  einrichten,  dass  für  das  letzte  Konsuintheilehen
Aufwand  und  Nützlichkeit  {z,'leieh  werden,  wird  auch
der  grösste  Gemeinnützen  erzielt,  welcher  unter  den
gegehenen  und  als  unveränderlich  angenommenen  Hedingungen
  üherliaupt  erreicht  werden  kann.  Es  würde
also  diesclhe  Menge  Oa,  welche  hei  freiem  Verkehr
sich  als  die  angemessenste  erweist,  auch  dann  die
vortheilliaftestc  hleihen,  wenn  hei  sonst  unveränderten
Verhältnissen  Produzenten  und  Konsumenten  sich  zu
einer  Korporation,  zu  gemeinsamen  Zwecken,  vereinigen ­
  wollten.
        <pb n="59" />
        Die  Einzelkurven.

7.  Allgemeine  Eigenschaften  der  Einzelkiirven.
AVir  haben  uns  bisher  nur  mit  der  Gesammtheit
sowol  der  Produzenten  als  der  Konsumenten  eines  Artikels, ­
  also  mit  Gruppen  von  Individuen,  besehilftigt;
wir  können  aber  die  so  gewonnenen  Anschauungen
untei  h  esthaltung  unserer  Voraussetzungen  ganz  wol
auch  auf  die  Einzel  neu  übertragen.  Es  lässt  sieh
demnach  auch  für  jeden  einzelnen  Produzenten  eines
Artikels  eine  Kostenkurve,  wie  z.  H.  Oa  (Fig.  (5),  und
tiir  jeden  einzelnen  Konsumenten  desselben  eine  Nützliehkeitskurve,
  wie  On  (Fig.  7),  aufstellen,  und  aus
jeder  dieser  Kurven  lässt  sieb  eine  Einzelangebotskurve ­
  Oa  oder  eine  Einzelnaebfragekurve  On  ableiten. ­
  Diese  Einzelkurven  werden  denselben  Formebarakter
  wie  die  Gesammtkurven  haben  ;  Oa  muss
durchaus  konvex.  On  durchaus  konkav  verlaufen,  wie
dies  später  eingehend  begründet  werden  wird.  Demnaeb
  muss  mit  waebsender  Abszisse  der  Radiusvektor
in  Oa  immer  steiler,  in  On!  immer  Üaeher  werden
and  beidemale  der  Vertikalabstand  der  Abgeleiteten
von  der  ursprünglichen  Kurve  fortwährend  zunehmen.
        <pb n="60" />
        Dadurcli  ist  jcdocli  eine  iiiieiidlielie  ^laimi^talti^keit
in  der  (Gestalt  der  auf  denselben  Artikel  bexn^enen
F]g.  (5.

Kurven  verschiedener  Individuen  keineswegs  ausgeschlossen. ­

Der  Gesamnitverlauf  jeder  Ei  nze  1  k  os  te  n  k  nrve
wird  sich  nni  so  Hacher  gestalten,  je  grösser  die  Geschicklichkeit, ­
  der  Fleiss  des  Unternehmers  ist,  und
je  g*Unstig-er  die  Urodiictionsbedin^nn^en  sind,  unter
denen  er  arbeitet;  über  irgend  einer  Abszisse  ist  die
Kurve  um  so  Hacher,  je  mehr  seine  ^anze  Einrichtungfür
  die  Herstellung-  gerade  der  betreHenden  Men^e
^eei^net  ist.  Die  Kurve  wird  da^e^en  um  so  steiler
ansfallen,  je  rascher  die  Anstren^nn¿(  wächst,  welche
zn  einer  Drodnktionsvermehrnn^  erforderlich  ist.  Individuelle ­
  Neigungen  und  Gewohnheiten  der  Konsumenten, ­
  soweit  es  sich  um  solche  handelt,  die  den
Artikel  für  den  eig-enen  Bedarf  kaufen,  alle  Verhältnisse, ­
  die  auf  ihren  Produktionszweig-  EinHnss  haben,
bei  jenen  Personen,  welche  den  Artikel  als  Roh-  oder
        <pb n="61" />
        lliltWoñ'  für  eine  andere  Produktion  verwenden,  t)e-«timinen
  die  Formen  der  verHeliiedenen  Einzelniitz-Fiff.
  7.

lielikeitskurven.  Hier  werden  über  irgend  einer
Al)HzÍH8e  die  Kurven  jener  Käufer  steiler  verlaufen,
deren  Hedüifniss  oder  Neigung  nach  der  betreffenden
Menge  des  Artikels  lebhafter  ist.  Nicht  minder  versebiedenartig
  wird  sieb  die  Nützlicbkeitskurve  desselben ­
  Individuums  je  nach  der  Natur  des  betraebteten
Artikels  gestalten,  und  das  Uleiebe  gilt  auch  von  der
Kostenkurve  eines  Produzenten,  wenn  dieselbe  einmal
auf  dessen  Hau])t|)rodukt,  ein  andermal  auf  irgend
eines  der  etwa  gleichzeitig  entstehenden  Nebenprodukte
bezogen  wird.  Auch  die  Vermögensverbältnisse  haben
einen  massgebenden  Einfluss  auf  sämmtliebe  Einzelkurven; ­
  je  günstiger  dieselben  sind,  je  geringer  daher
bei  einem  bestimmten  Individuum  die  WertbsebUtzung
des  Geldes  ist,  desto  grössere  Beträge  wird  dasselbe
        <pb n="62" />
        für  (lie  gleiche,  ])ers()nliclie  Anstrengung  verlangen
1111(1  auch  wieder  für  den  gleichen  Genuss  anfznweiideii
in  der  Lage  sein.  Je  wolhahender  also  ein  Individnnm
  ist,  desto  höher  sind  im  allgemeinen  die  jeder
Abszisse  entsprechenden  Ordinatcn  seiner  Kosten-  oder
seiner  Nützlichkeitsknrve,  desto  steiler  ist  daher  der
ganze  Verlauf  der  Kosten-  und  der  Angehotsknrve,
während  die  Nützlichkeits-  und  die  Nachfragekiirve
zwar  auch  steiler  ansteigen,  aber  nach  dem  Scheitel
auch  umso  rascher  ahfallen.  Endlich  ist  nicht  zu
ühersehen,  dass  ebenso,  wie  die  früher  anfgestellten
Gesammtknrven,  auch  jede,  auf  welchen  Artikel  immer
bezogene  Einzelkosten-  oder  Nützlichkeitsknrve  irgend
eines  gegebenen  Individnnms  auf  der  Voraussetzung
unveränderlicher  Preise  aller  anderen  Artikel  beruht
1111(1  daher  eine  mehr  oder  weniger  merkliche  Aendernng
  erfahren  wird,  sobald  Einer  dieser  Preise  sieh
ändert.

8.  Kombimition  der  Einzel  kurven  zu
Gesaniintknrven.
Da  die  Gesammtknrven  die  Gesammtheit  aller
Einzel  kurven  darstellen  und  nur  ans  solchen  entstanden
sein  können,  muss  sich  die  Art  der  Vereinignng  von
Einzelknrven  zu  Gesammtknrven  verfolgen  lassen.  Die
Abszisse  —  die  gesammtc  IMcnge  des  Artikels  —  und
die  Ordinate  —  der  entfallende  Geldbetrag  —  jedes
Punktes  der  Gcsammtknrve  ist  noth  wendigerweise  die
Summe  der  Abszissen,  hezw.  Ordinatcn,  der  für  den
gleichen  Preis  geltenden  Punkte  sämmtlieher  Einzel-
        <pb n="63" />
        —  29  —

kurven.  Die  Punkte  ^leiclien  Preises  sind  bei
den  urs])riing-lielien  Kurven  die  Punkte  gleielier  Tani*'entialricbtun&amp;lt;j^;
  bei  den  abgeleiteten  Kurven  sind  es
die  Punkte,  die  auf  demselben  Radiusvektor  lieg;en.
Koinbiniren  wir  naçb  dieser  Regel  in  Fig.  6  aus
drei  Kinzelkosten-  und  Angebotskurven,  die  wir  der
Kintacbbeit  wegen  identisch  annebinen,  und  deren  jede
durch  Oa,  bezw.  (Ja,  dargestellt  sei,  die  Gesanmitkiinen
  OA  und  (JA',  so  sehen  wir,  dass  die  letzteren
viel  weniger  gekrümmt  sind,  sieb  also  von  ihrer  Anfangstangente, ­
  welche  mit  jener  der  Einzelkurven
zusa  mm  entail  t,  viel  langsamer  entfernen,  somit  über
jeder  Abszisse  flacher  verlaufen  ;  und  dies  wird  umsoniebr
  der  Fall  sein,  je  grösser  die  Zahl  der  kombiniiten
  Einzelkurven  ist.  Koinbiniren  wir  nach  demselben ­
  Grundsätze  drei  identische  Einzelnützlicbkeitsund
  Xachfragekurven  On  und  On'  zu  den  Gesammtkurven
  ON  und  ON'  in  Fig.  7,  so  sehen  wir,  dass
auch  hier  die  Gesammtkurven  viel  weniger  gekrümmt
sind,  sieb  also  wieder  von  ihrer  Anfangstangente  langsamer ­
  entfernen,  somit  hier  über  jeder  Abszisse  steiler
verlaufen,  als  die  Einzelkurven;  und  dies  umso  mehr,
je  grösser  die  Zahl  der  letzteren  ist.
Der  bisher  behandelte  Fall  identischer  Einzelkurven ­
  wird  kaum  jemals  Vorkommen.  Hei  der  unendlichen ­
  Mannigfaltigkeit  sowol  der  individuellen  Anlagen, ­
  als  auch  der  äusseren,  für  Produktion  und  Konsumtion ­
  massgebenden  Verhältnisse  ist  eine  Uebervinstimmung
  der  auf  verschiedene  Verkäufer  oder
Käufer  desselben  Artikels  bezüglichen  Kurven  gar
        <pb n="64" />
        —  :u)  —

nicht  zu  erwarten.  Seien  nnn  in  Fiß".  8  Oa¡  mul
Oa,  mul  Oa'2  die  Kosten-  mul  An^ehotsknrven  zweier
Produzenten  desselben  Artikels,  so  fol^t  die  Gesaimntkostenknrve
  OA  antan^lich  der  tlaeheren  Kurve  Oa,
bis  zu  jenem  Punkte  dessen  1  anuente  der  Anfan^stan^ente
  der  Kurve  Oa,j  ¡»arallel  ist;  denn  für  alle
Preise,  die  niederer  sind,  als  der  durch  die  Hicbtunj»*
dieser  Tangente  au^e^ebene  Preis,  ^ilt  die  Kurve

Fig.  8.

A

til

Oa,  allein.  Von  hier  an  macht  sieb  der  Eintluss  der
zweiten  Einzelkurve  geltend.  Im  Punkte  i  nimmt
daher  die  Krümmung'  der  Gesammtkurve  OA  ]dötzlicb
  ab  und  bleibt  auch  im  weiteren  Verlaufe  immer
eine  geringere,  als  in  den  Punkten  gleichen  Preises
der  Einzelkurven.  Ebenso  folj&amp;gt;t  die  Gesammtan^ebotskurve
  OA  zunächst  der  Einzelkurve  Oa,  bis  zu  dem
vertikal  über  i  liegenden  Punkte  dessen  Radiusvektor ­
  zugleich  der  daebste  der  Kurve  Oa^  ist.  Von
        <pb n="65" />
        —  íil  —
liier  al)  muss  sich  der  Einfluss  der  letzteren  Kurve,
n.  z.  durch  einen  ent8])rechenden  Zuwachs  zu  jedem
Radiusvektor  der  Kurve  Oa,^  geltend  machen.  Im
Runktc  ?/  zeij^t  die  Gesammtkurve  OA  eine  Ecke,
indem  hier  ihre  Tangente  und  ihr  Radiusvektor  znsammentallen,
  während  unmittelbar  vorher,  wo  noch
die  Einzelkurve  Oa,  zu«fleich  Gesammtaii^ehotskurve
ist,  deren  1  anuente  weit  steiler  als  der  Radiusvektor
\eiläuft.  ährend  also  im  Punkte  i  der  Gesammtkostenkurve
  OA  nur  eine  Krümmun^sahnahme  bemeikbai
  ist,  trotzdem  aber  die  Tangenten  immer  steiler
werden,  hat  die  (Iesammtan^ehotskurve  i'  einen  Eekluinkt,
  ihre  Radienvektoren  aber  werden  trotzdem
iumier  steiler,  und  der  Vertikalabstand  der  beiden
Kurven  nimmt  fortwährend  zu.
(:*anz  analo&amp;lt;&amp;gt;'e  Erscheinungen  zeigen  sieh  (Ei^.  Í)
a  und  h)  hei  der  Kombination  von  zwei  verschiedenen
Einzelnützliehkeits-  und  Kaehfra^ekurv  en  On,  und  G??,,
On,  und  zu  einer  Gesainmtnützliehkeitskurve  ON
und  Gesammtnaehfra^ekurve  ON\  Der  Eek])unkt  i’
der  letzteren  Kurve  kann  sieh  hier  (Ei^.  Í)  h)  zu  einem
Tiefjuinkte  gestalten,  auf  den  dann  ein  zweiter  Seheitelimnkt
  fol^t,  was  aber  nicht  hindert,  dass  auch  hier
jeder  folgende  Radiusvektor  flacher  gestellt  sein  muss,
als  alle  vorhergehenden.
Wir  sehen  also,  dass  im  allgemeinen  jeder  weitere
^  erkäufer  oder  Käufer  des  betrachteten  Artikels  auch
einen  weiteren  Eckpunkt  in  der  Gesammtangebots-,
liezw.  in  der  Gesammtnachfragekurve,  herhciführt  und
überdies  in  der  letzteren  auch  einen  weiteren  Scheitel-
        <pb n="66" />
        puiikt,  sobald  nämlich  der  steilste  Radiusvektor  der

übrigen  Einzelknrveii  kombinirte  esammtnaebfra^ekurve
  in  einer  abfallenden  Strecke  trifft.  Wir  bringen
jedoch  der  Einfaebbeit  we^cn  in  unseren  Ei»nren  diese
Eckpunkte  und  Tiefpunkte  nicht  jedesmal  zur  Anscbaiuing-
  und  zeichnen  daher  auch  die  Gesammtnacbfraßeknrve
  mit  blos  Einem  Scheitel.  ]3ei  Artikeln  des

nnmittelbarcn  Konsnmes  würden  die  durch  die  Einzelnen ­
  bervorgerufenen,  zahlreichen  Scbcitclpnnktc
ohnedies  nur  wenig-  hervortreten,  weil  der  Bedarf  des
Einzelnen  gegen  die  Gesammtmenge  verschwindet.  Hei
Artikeln  dagegen,  welche,  wie  z.  H.  Kohle,  nebst  der
Verwendung  in  den  Ilanshaltnngen  auch  noch  in  ausgedehntem ­
  liasse  als  Ililfsstotfe  der  Industrie  dienen,
würde  die  Gesammtnaehfragekurve,  welche  so  verschiedenartige ­
  Verwendungen  znsammenfasst,  wie  in

neu  hinzutretenden  Einzelnachfragekurve  die  aus  den
        <pb n="67" />
        33

i'îft'-  íí  1),  zwei  oder  vielleielit  aiicli  nielir  so  stark  auseiiiaiidertreteiide
  Sclieitelj)imkte  aiifweisen,  dass  dieselben ­
  nickt  nbcrseben  werden  diiifen.  Dies  ¿»ilt  auch
von  Aiisfulirartikeln,  wie  Weizen  in  Amerika  oder
Hnssland,  indem  die  Gesammtnaehfra^eknrve  nebst
dem  Begehr  der  iidändischen  Konsumenten  auch  die
^&amp;gt;ei  entsprecliend  niedrigem  Preise  zur  Geltung  komluende
  Nachfrage  der  Exporteure  mitenthält.

Fig.  9  b.

A

IH(‘  KiiizoliiKMigoii  1111(1  der  Beiiieiiiiiiitzcii.
I  in  nun  zu  bestimmen,  welche  Jahresmenge
Unseres  Artikels  die  einzelnen  Produzenten  herstellen
und  verkaufen  und  die  einzelnen  Konsumenten  kaufen
und  verbrauchen,  geht  es  nicht  an,  etwa  eine  Einzelan-Kehots-
  mit  einer  Einzel  nachfragekurve  zum  Schneiden
bringen;  denn  der  Einzelne  steht  auf  dem  grossen
^larkte  nicht  dem  Einzelnen  gegenüber;  er  findet  vieluiehi
  unseren  \  oraussetzungen  gemäss  den  Preis  schon
uusges]U'ochen.  Sei  dieser  in  Fig.  10  durch  OP  dar-^O•
  Pitz  n.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.  3
        <pb n="68" />
        34

gestellt,  und  sei  Oa  die  Kostenkurve  eines  einzelnen
Produzenten,  so  wird  dessen  Nutzen  für  jede  Jaliresinenge
  dnreli  den  Vertikalabstand  der  Preislinie  von
der  Kosten  kurve  l)ei  der  betreffenden  Abszisse  bemessen. ­
  Dieser  Abstand  wird  an^ensebeinlieb  bei  jener
Menge  Oq  ein  Maximum  erreieben,  bei  weleber  die
Tangente  der  Kostenknrve  im  Punkte  r  der  Preislinie
j)arallel  ist,  und  da  der  Produzent  natnrlieb  bemüht
ist,  den  grössten,  bei  dem  bestellenden  Marktpreise
Fig.  10.
P

erreiebbaren  Nutzen  zu  erzielen,  muss  er  eben  diese
Menge  bersteilen.  Da  die  Aiigebotsknrve  Ua
unseres  Produzenten  von  der  Preislinie  OP  in  einem
Punkte  V  gesellnitten  wird,  der  vertikal  über  r  liegen
muss,  liesse  sieb  die  angemessenste  Kinzelprodnktmenge
  Oq  aneb  unmittelbar  dnreb  diesen  Selmitt  bestimmen. ­
  Der  Abstand  rr  bemisst  den  grössten,  für
das  betraebtete  Individiinm  bei  dem  bestellenden  Preise
07^  erreiebbaren  Prodnktionsnntzen.  1  lerselbe  Nutzen
        <pb n="69" />
        cistlieint  statt  in  Geld  in  Mengen  des  Artikels  A  aus-^tdiiiekt
  in  dein  Abstande  der  sieb  ergibt,  wenn
"il  die  1  anuente  an  die  Kostenkurve  ini  Punkte  ?•
bis  zur  Abszissenaebse  verlängern.  Wäre  der  Artikel
%.  H.  eine  (^etreideart,  so  würde  rr  die  Geldrente,
aber  die  (^etreiderente  des  betreffenden  Produiienten
  darstellen.
Ganz  ebenso  veranlasst  das  Streben  naeli  Erlaiigun¿&amp;gt;‘
  des  ^rösstinö^lieben  Nutzens  aueb  alle  anderen
Produzenten  des  betraeliteten  Artikels  A  gerade  jene
dabresinen^en  berzustellen,  welebe  in  ihren  Einzelkostenkurven ­
  dureb  die  Tan^entialriebtun^  OP  oder
in  ill  reu  Einzelan^ebotskurven  dureb  deren  Sebnitt
mit  der  Preislinie  OP  an^e^eben  werden.  Die  Sunnne
dieser  Einzeliiroduktnienoen  ergibt  notbwendi^erweise
die  Abszisse  des  Sebnitt|mnktes  der  (¿esannntan^ebotskurve
  mit  der  Preislinie  OP;  in  diesem  Punkte  wird
aber  die  Gesammtan^rebotNkurve  aueb  von  der  (iesammt-•laebfraiiekurve
  ^etn^ffen,  weil  ja  eben  bierdureb  der
I  Veis  Ol*  bestimmt  wird.  Nun  wissen  wir,  dass  die  Ab-«/iHse
  des  ebenerwäbnten  Sebnitt|mnktes  zugleich  jene
Menj»e  bezeielmet,  deren  Absatz  den  ;»Tössten  Gemein-'•Htzen
  berbeitiibrt;  wir  linden  also,  dass  das  Privatmteresse
  jedes  einzelnen  Produzenten  zur  Erzeii^un^
^‘ken  jener  Einzelmen^en  und  somit  aueb  jener  Ge-Hammtmeni.e
  drängt,  welebe  aueb  im  allgemeinen
Interesse  die  vortbeilbat'teste  ist.
In  i»leieber  Weise  ergibt  sieb  aus  Ei^.  11  die  Jabreskonsummen^e
  eines  einzelnen  Konsumenten,  indem
eiselbe  duieli  den  \\  unseli,  einen  mö^lielist  grossen
        <pb n="70" />
        Nutzen  der  Konsumtion  zu  erzielen,  veranlasst  wird,
gerade  die  Menjj^e  Oq  zu  konsnmiren,  welelie  dem
Selmittjmnkte  seiner  Naelifra^eknrve  On  mit  der  Marktpreislinie ­
  OP  und  daher  auch  dem  orössten  Vertikalabstande ­
  rr  dieser  Linie  von  der  Niitzlichkeitsknrve
On  entspricht.  Auch  hier  lässt  sieh  darthnn,  dass  das
Lrivatinteressc  jedes  einzelnen  Konsumenten  den  Konsum ­
  jener  Gesammtmen^e  herheifnhrt,  welche  durch

den  Sehnittpnnkt  der  (iesammtanj»ehots-  und  Gesannntnaehfrao-eknrve
  bezeichnet  wird  und  den  grössten  Gemeinnützen ­
  hervorrnft.
10.  Nicht  etfcktivos  Angebot  iiiid  nicht  effektive

\  erbleichen  wir  nun  (Fib-  12)  die  Finzel  kurven
Oa,  und  ()a\  und  On'^  zweier  Frodnzenten  /  und

0

Nachtrabe.
        <pb n="71" />
        4,

37

//  desselben  Artikels.  Nach  dem  (  Iben^esap^ten  ist
Produzent  II  der  minder  ^esebiekte,  der  unter  ungünstigeren ­
  Verhältnissen  arbeitende,  oder  aiieh  der
minder  erwerbslnsti^e,  ina^  nun  sein  ^erin^erer  Eiter
dnreb  bessere  \  ermö^ensverbältnisse  oder  durch  andere
I  rsachen  begründet  sein.  Man  siebt  ans  der  Fi^nr,
dass  bei  dem  Bestände  des  Preises  ()P  Produzent  I
die  grössere  Jabrcsmcnge  Oq,^  Produzent  II  da^e^en

Fig.  12.

A’

nur  die  ^erin^ere  Menjre  Üq,  berstellen  wird.  Demii^emäss
  ist  auch  der  Nutzen  der  Produktion  bei  dem
einen  r^Vt  viel  grösser  als  jener  bei  dem  andern.
Hetraebten  wir  nun  eine  ^anze  Círuj)i)e  von  Einzelan^ebotskurven,
  welche  sich  zu  einer  Gesammtan^ebotskurve
  vereinigen  lassen.  Es  können  dann  zu  den
eben  betraebteten  Kurven  auch  solche  wie  (Ja^  binzutreten,
  deren  Abgeleitete  wie  Oa^  mit  der  Preislinie
        <pb n="72" />
        38

iiiclit  zum  Sdiiiitte  kommen,  weil  ¡lire  Autanj»stanj»‘eiiteii
seliou  steiler  als  OP  sind.  Die  steilere  Kinzelan^ebotskurve
  Oa^  kann  somit  auf  die  (iestait  der  Desammtang’ebotskurve
  OA'  erst  jenseits  des  Sebnitt|)unktes  c
mit  der  (iesainmtnaelifra^eknrve  OiV'  mitbestimmend
ein  wirken.  Das  Angebot  aller  jener  Drodnzenten,
deren  Kinzelknrven  sieb  so  wie  (Ja^  verhalten,  können
wir  nicht  effektives  Angebot  nennen.  Die  betretfenden
  Produzenten  sind,  solange  der  j&amp;gt;e&amp;lt;&amp;gt;ebene
Marktjireis  besteht,  nicht  in  der  La^e,  irgend  eine
Men^e  des  betrachteten  Artikels  auf  den  Markt  zu
bringen  ;  sie  sind  »enötbi^t,  die  Erzeu&amp;lt;»  unj»'  dieses  einen
Artikels  zu  unterlassen,  ohne  übrigens  darum  auch
ihren  Betrieb,  der  sieb  auf  die  Herstellung-  verwandter
Artikel  zu  erstrecken  ]&amp;gt;ile^t,  ^anz  einstellen  zu  müssen.
So  kann  ein  Walzwerk,  das  auf  die  Produktion  von
Schienen  eingerichtet  ist,  durch  einen  niedrigen  Preis
dahin  gedrängt  werden,  statt  der  Schienen  Bleche
herzustellen;  nur  durch  eine  Stei^erun^-  des  Sehienenjireises
  würde  das  Werk  wieder  dahin  ^elan^en,  sich
an  der  Schienenproduktion  zu  betheili^en,  sein  Aniïebot
  würde  also  erst  dann  etfektiv  werden.
Wir  können  in  ^aiiz  ähnlicher  Weise  in  Fi^*.  18
die  Einzelnützlichkeitskurven  (hi¡  und  Ori^  zweier  Konsumenten ­
  /  und  //  darstellen.  Konsument  1  ist  entweder ­
  durch  seine  günstigeren  Vermögensverhältnisse
oder  auch  durch  seine  Neigungen  und  Gewohnheiten
veranlasst,  den  gleichen  Konsummengen  grössere  Nützlichkeit ­
  beizulegen  als  Konsument  //;  wird  der  betrachtete ­
  Artikel  nicht  direkt  konsumirt,  sondern  weiter
        <pb n="73" />
        39

verarbeitet,  so  ist  der  Käufer  /  deijeui^e,  der  unter
K'ülistigeren  Medin^uu^en  arbeitet.  Die  Fi¿(ur  zei^t,
dass  beim  Bestände  des  Preises  OP  Konsument  I
die  grössere  Men&amp;lt;j^e  Konsument  11  nur  die  ^erin^ere
  Men^e  0&amp;lt;¡¿  kaufen  wird.  Demgemäss  ist  aucb
der  Nutzen  dieses  Konsumes  liei  dem  einen  r¡r\  viel

Fiff.  IX.

",

grösser  und  bei  dem  anderen  r¡r'¡  bedeutend  kleiner.
Aueb  liier  können  wir  eine  Grupjie  von  Einzelnaebtragekurven
  aufstellen,  von  denen  einige,  wie
daeb  verlaufen,  dass  sie  die  Preislinie  OP  nicht
&amp;lt;^cbneiden.  Solche  Kinzelnaebfragekurven  nehmen,
'Venn  wir  sie  zu  den  früh  er  betraebteten  binziifiigen,
auf  die  Gestalt  der  Naebfragekiirve  (fN'  erst  jenseits
des  Sebnittjmnktes  c  mit  der  (iesammtangebotskurve
        <pb n="74" />
        40

Oä  Einfluss.  Sie  stellen  die  nicht  effektive  Xaehfra^'c
  jener  Konsumenten  dar,  die  hei  dem  hestehenden
  Preise  auf  den  Ankauf  des  hetreflenden  Artikels
verzichten,  sich  also  vielleicht  mit  einem  Surrogate
hehelfen  müssen,  die  aber  hei  einem  niedrigeren  Preise
mit  einer  effektiven  Xaehfra^e  auf  dem  Markte  erseheinen ­
  würden.
Wir  sehen  also,  dass  unsere  (xesammtkurven  auch
die  für  die  wirklich  um^esetzte  ^ien^‘c  nicht  in  Petracht ­
  kommenden  Einzelkurven  jener  Personen,  deren
Angebot  oder  Xaehfra^e  nicht  effektiv  ist,  mitenthalten.
Diese  Kurven  j»‘eben  somit  auch  über  jene  Aenderun^en
Aufschluss,  welche  dadurch  bedingt  werden,  dass  eine
Vertheuerun^  des  Artikels  die  Zahl  seiner  effektiven
Verkäufer  vermehrt  und  zugleich  bewirkt,  dass  die
Xachfra^e  mancher  bisherigen  Käufer  nicht  effektiv
wird,  während  umgekehrt  eine  Verwolfeilun»-  die  Zahl
der  effektiven  Verkäufer  vermindert,  jene  der  Käufer
vermehrt.
        <pb n="75" />
        Angebot  und  Nachfrage.

11.  St(‘¡íí(‘ii  und  Fall(‘ii  dos  Aiiicohotos  odor  dor
Naoliíraíro.
Klie  wir  daran  ^ohcn,  die  Kurven,  welche  wir
kennen  «Gelernt  haben,  näher  zu  nntersuelien,  wird  es
zweckmässig'  sein,  uns  mit  deren  Anwendung'  durch
Beispiele  vertraut  zu  maehen  und  einige  der  allgemein
anerkannten  Krtahrun^ssätze  an  ihnen  (lurchzu&amp;lt;*ehen.
Zunächst  wollen  wir  zeigen,  wie  das  Steifen  und  Fallen
des  Angebotes  oder  der  Xachfra^e  an  diesen  Kurven
zur  Erscheinuuji'  kommt.
Betrachten  wir  (Fi^.  14  a  und  h)  die  vier  (le-Kammtkurven
  UN  und  ()N\  die  Xiitzlichkeits-  und
Xachtra^ekurve,  sowie  0.1  und  Oyl',  die  Kosten-  und
Anj^ehotskurve  eines  bestimmten  Artikels  A  auf  einem
l&amp;gt;estimmten  Markte,  so  können  wir  jede  Veränderung^
von  Angebot  und  Nachfrage  veifol^en.  Wenn  ÍFi&amp;lt;&amp;gt;’.
a)  die  Kurve  UN  steiler  ansteigend  und  daher
OW  höher  wird,  diese  Kurve  also,  z.  B.  die  j)unktirte
^orm  anuimmt,  so  heisst  dies:  „die  Nachfrage  steift
^inniint  zu“,  weil  dann  gleichen  Abszissen  längere
Ol  dimiten  entsjirechen,  also  die  gleichen  Jahreskon-
        <pb n="76" />
        42

suinineiig’eii  des  Artikels  A  mit  grösseren  Aufwaiidsbeträgeii
  iiacligefragt  werden.  Der  8elniitt))nnkt  c
riiekt  nach  redits  in  den  Punkt  c„  der  Absatz  ()a
nimmt  zu,  und  der  Preis  OP  steigt  auf  OPj.  I  )agegen
muss  die  Kurve  OA  und  somit  aueli  OA'  tlaelier  werden,
z.  Ik  die  jmnktirte  Form  (Fig.  14  b)  nnnebmen,  um
auszudrüeken,  dass  „das  Angebot  steigt“,  „zunimmt“.

weil  dann  gleicben  Ordinaten  grössere  Abszissen  entspreeben,
  also  gegen  gleielie  Gelderlöse  grössere  dabresproduktmengen
  unseres  Artikels  angeboten  werden.  Es
wird  also  der  Sebnittjninkt  c  wieder  naeb  reebts  in
den  Punkt  rüeken,  der  Absatz  Oa  wieder  zunelimen,
der  Preis  OP  aber  nun  auf  OI\  sinken.  Es  darf
niebt  Uberseben  werden,  dass  liier  die  grajibisebe  Darstellung ­
  mit  der  durcb  den  Spraeligebraiieb  festge-Fig.

  14  a,

0
        <pb n="77" />
        Í

43

stellten  Aiisdriicksweise  nicht  nbereinstinnnt,  indem  die
Anj»-el)otskiirve  niedri^z^^er  wird,  wenn  das  Angebot  steift.
Eine  Abnahme  des  Angebotes  oder  der  Nachfrage
eharakterisirt  sich  natürlich  in  jeweilig  ^enaii  ent{jfcj»engesetzter
  Weise.  Dabei  ist  aber  wol  zu  beachten,
dass  selbstverständlich  eine  Aenderun^  der  Nachfrage

Fig.  14  b.

Ä

A

keineswegs  dasselbe,  wie  eine  entß^e^enß^esetzte  Aendei’Uiif^’
  des  Angebotes  ist;  denn  wenn  die  Xachfra^e
^  Ik  znnimmt,  steift  zwar  der  Preis,  ebenso  wie  bei
sinkendem  Angebote,  der  Absatz  aber  und  somit  die
Produktion  werden  grösser,  während  sie  bei  tällendem
An{i,ebote  zurüek^e^an^en  wären;  die  analoge  Versehiedenheit
  ist  zwisehen  fallender  Xaehfra^'e  und
steifendem  Angebote  wabrnehmbar.
        <pb n="78" />
        44

Wir  sellen  weiter,  dass  der  l’reis  um  so  stabiler
sein  wird,  je  kleiner  der  Winkel  ist,  unter  dem  die
Angebots-  und  die  Naebfragekurve  sieb  schneiden,
während  schon  eine  ^erin^e  Aendernn^-  einer  der
beiden  Kurven  eine  umso  wesentliebere  rreisändernn^'
bervorrnft,  je  grösser  der  Winkel  ist,  unter  dem  sie
sieb  tretten.
Der  Geldumsatz  endlieb,  welcher  durch  die  Läii^e
ac  ans^-edriiekt  ist,  erleidet  bei  jeder  Aenderuno-  der
Naehtrag-e  die  gleiche  Aendernng-,  Avie  der  Absatz,
und  zwar  in  verstärktem  Masse,  weil  ja  in  diesem
Falle  auch  der  1/reis  sieb  im  selben  Sinne  ändert.
Anders  ist  es  bei  Aenderun^en  des  Angebotes;  Absatz ­
  und  Freis  verändern  sieb  hier  im  entgegengesetzten ­
  Sinne,  und  je  naebdem  daher  das  Mass  dieser
Aendernn^-  bei  Ersterem  oder  bei  Letzterem  überwiest,
wird  der  Umsatz  sieb  im  selben  oder  nm^ekelirten
Sinne,  wie  der  Absatz,  ändern.  In  unserer  g'rajiliiseben
  Darstellung'  tritt  dies  deutlich  hervor,  je  nachdem ­
  die  Kurve  ON'  bei  ihrem  Zusammentretten  mit
der  Kurve  OA'^  Avie  in  Fig.  14,  absteigend  oder,  Avie
in  Fi^'.  15,  ansteigend  verläuft.  Mit  steifendem  Angebote ­
  Avird  der  Umsatz  im  ersteren  Falle  kleiner,
im  anderen  aber  grösser,  oliAvol  der  Absatz  beidemal
znnimmt.  Wir  können  daher,  Avenn  Avir  bei  den  verschiedenen ­
  Artikeln  beobachten,  in  Avelehem  Sinne  und
in  Avelcher  relativen  Stärke  durch  Aendernnfcn  des
Angebotes  der  Absatz  einerseits  und  der  Umsatz  anderseits ­
  beeinflusst  Averden,  schliessen,  in  Avelchem  Tbeile
der  GesammtnachfrafekurA'e  der  Schnitt]mnkt  c  lieft,
        <pb n="79" />
        45

und  wie  diese  Kurve  daselbst  verläuft.  In  dieser
lliusicht  lassen  sich  jene  Artikel,  von  denen  wir,  wie
früher  (8)  erwähnt,  aiinelinien  können,  dass  die  Gesanimtnachfrn^eknrve
  nur  Einen  Scheitel  auf  weist,  in
drei  Grnj)])en  eintheileii.  Bei  der  ersten  Gruppe
liej&amp;gt;t  der  Schnitt])nnkt  c  in  dem  entschieden  ansteijcenden,
  weni^-  gekrümmten,  etwa  bis  znm  Punkte  L

Fig.  15.

/

(Fi«*-.  14  und  15)  reichenden  Anfan^sstücke  der  Kurve
GiV';  mit  steifendem  Aiifehote  nimmt  hier  der  Absatz ­
  verhältnissmässif  stark  zu,  während  der  Preis
nur  wenif  sinkt,  so  dass  der  Umsatz  nahezu  dem
Absätze  jirojiortional  steift.  Bei  den  Artikeln  der
zweiten  Grnjijie  lieft  der  Schnittjmnkt  c  in  dem
stärker  fekrümmten  Scheitelstücke  JjM\  ein  Steifen
des  Anfchotes  wird  hier  den  Absatz  wenifer  ver-
        <pb n="80" />
        inelireii,  den  Preis  a1)er  stärker  drüeken.  Der  Umsatz ­
  nimmt  bis  zum  Seheite]])unkte  zwar  noeh  zu,
al)er  bei  weitem  niclit  mehr  dem  Absätze  projxwtional,
und  jenseits  des  Sclieitelpunktes  nimmt  er  sebón  al).
Ist  der  Selieitel  tiaeb,  so  werden  die  Aenderun^en
des  I  msatzes  innerhalb  der  Selieitelstreeke  keine  bedeutenden ­
  sein,  weil  zwar  der  S])ielraum  für  Aenderun^en
  des  Absatzes  ein  weiter  ist,  diese  aber  dnreli
die  ent^eoeno-esetzten  Aendernn^en  des  Preises  nahezu ­
  k()in])ensirt  werden.  Hei  Artikeln  der  dritten
(iru])|)e  endlieb  lie^t  der  Sebnitt])unkt  c  in  dem
entsebieden  abfallenden,  wieder  weniger  gekrümmten
Kndstüeke  der  Kurve  ()N\  so  dass  bei  steifendem
Aiifebote  der  Absatz  nur  mehr  wen  if  znnimmt,  der
Preis  aber  raseb  sinkt,  daher  der  Uinsatz  hier  entsebieden ­
  und  dem  Ibeise  nahezu  ])ro])ortional  abnimmt;
dies  nmso  mehr,  je  steiler  die  Kurve  OX'  abfällt.

12.  EiiiiTilmli^’  versdiitMleiier  Artikel  in  drei
(!rn|i|ien.
Hefinnen  wir  mit  der  zuletzt  erwähnten  Dnippe
von  Artikeln,  n.  z.  zunäelist  mit  solelien,  welebe  den
S(*hnitt))nnkt  c  fFif.  14)  in  feriiifer  llorizontalentternniif
  von  dem  1  birebfanfe  der  Naehfrafekurve
dureb  die  Abszissenaebse  haben.  Die  wirkliebe  Absatzmeiife
  ist  dann  niebt  viel  feriiifer  als  jene  Maximalmenfe,
  welebe  konsnmirt  werden  würde,  wenn
der  Artikel,  so  wie  Lnft  und  Wasser,  nnentfeltlieh  zn
haben  wäre.  Ob  dies  bei  einem  bestimmten  Artikel  der
        <pb n="81" />
        47

Fall  ist,  kann  man  (larnach  benrtlu“ik*n,  ob  Reiche
lind  Anne  nn^efäbr  gleiche  Einzelinenj&amp;gt;’en  konsniniren.
Hei  Artikeln,  die  nnent^eltlieb  zu  haben  sind,  verseil ­
  windet  nändieb  der  I  iitersebied  von  Reich  und
Arm;  denn  abgesehen  von  individuellen  Versehiedenbeiten,
  die  mit  den  Vermögensverbältnissen  nichts  zu
tbnn  haben,  wird  der  reichste  i\lann  nicht  mehr  Luft  nnd
'TrinkWasser  konsniniren  als  der  Hettler.  Ist  also  hei
einem  Artikel  der  Konsum  des  Reichen  nnd  des  Armen
nicht  sehr  verschieden,  dann  kann  man  mit  Sicherheit
annehmen,  dass  eine  weitere  Verwolfeilnng  nnd  seihst
der  Preis  Null  den  Absatz  nicht  erhehlieh  steigern
würde.  Der  Sehnitt|innkt  c  liegt  also  dann  dem  Ende
der  Naehtrageknrve  nahe,  nnd  der  Artikel  gehört
zweifellos  in  die  dritte  (iru])])e.
Es  dürfte  kaum  einen  Artikel  gehen,  hei  welchem
das  anfgestellte  Kriterinm  so  vidlkommen  zntrittt,  als
heim  S])cisesalz;  dasselbe  gehört  also  an  die  Sjiitze
der  dritten  (íriíjijie,  vorausgesetzt  dass  es  als  selbständiger, ­
  von  Vieh-  nnd  Fahriksalz  scharf  getrennter
Artikel  in  den  \  erkehr  gesetzt  wird.  Der  Heiche
geniesst  seh  weil  ich  mehr  Salz  als  der  Arme.  Ein
Fntersehied  im  Verhranehe  wird  wesentlich  nur  darin
liegen,  dass  der  letztere  gezwungen  ist,  aiieli  mit  dem
Salze  haiisznlialten  nnd  nicht  in  der  Lage  ist,  die
Füllung  des  Salzfasses  hei  jeder  geringsten  Veriinreinignng
  zu  ernenern.  Hei  einer  Rreisermässignng
wird  der  Absatz  daher  nur  mehr  wenig  znnehmen,  hei
einer  Erhöhung  wird  er  nur  nnheträehtlieh  ahnehmen
können.  Der  Sehnittpunkt  liegt  daher  hier  zweifellos
        <pb n="82" />
        4«

ill  dein  alifalleiideii  ddieile  der  Gesammtiiaclifra^’ekiiiTc,
  welche  liier  steil  verlaufen  dürfte.  Dem  Speisesalze
  ii'anz  äliiilicli  verhalten  sich  die  verschiedenen

Gewürze.

So  werden  Pfefter,  Ziniint,  Gewürznelken

n.  dgl.  zwar  je  nach  nationalen  und  individuellen  (Gewohnheiten ­

  von  versehiedenen  Personen  in  sehr  nn-^•leiehen

  ^len^-en  konsninirt,  aber  hei  der  (Geringfüo-io*.
keit  der  Mengen  und  daher  auch  der  Auslage,  nm
die  es  sich  dahei  handelt,  sind  die  Vermöge]isveriiä  11-nisse
  nicht  massgehend.  Aehnliches  dürfte  auch  für

Tinte  n.  dgl.  gelten  ;

eine  noch  so  weitgehende  Verwolteilnng

  würde  hei  solchen  Artikeln  gewiss  den  Absatz ­
  nicht  wesentlich  vermehren.

Zweitelhatter  wird  es  schon,  oh  wir  auch  jene
Artikel,  welche  die  llanjitnahrnng  des  Volkes  bilden,
hier  einreihen  dürfen.  Brod  und  Mehl,  und  somit  auch
deren  Bohmaterialien  Roggen  und  Weizen,  werden  in
zivilisirten  Ländern  in  so  ausreichendem  Masse  konsumirt,
  dass  eine  Preisermässigung  nur  einen  Theil
der  ärmeren  Bevölkerung  zu  einer  namhaften  Steigerung ­
  ihres  Konsiimes  veranlassen  dürfte,  und  das
(jleiehe  gilt  von  Reis  und  Mais  in  jenen  Ländern,
wo  diese  die  Basis  der  Volksnahrung  ahgehen.  Wenn
aber  auch  der  inländische  Konsum  keine  grosse  Lxpansionsfähigkeit
  mehr  zeigt,  wächst  der  Absatz  der
erwähnten  Rohstotfe  doch  hei  einer  einschneidenden
Preisermässigung,  u.  z.  in  grossartigem  Massstahe,
weil  dann  die  Nachfrage  für  den  Kxjiort  oder  für
die  Fabrikation  von  Kornhranntwein  effektiv  wird.

Wenn  der  Schnittjmnkt  c  sich  also  auch,  so  lauge
        <pb n="83" />
        49

diese  Naciifra^en  nicht  zur  Geltung  kommen,  in  einer
ahfallemlen  Strecke  der  Gesammtnachfra^ekiirve  betindet,
  lässt  sicli  doch  nicht  annehmen,  dass  er  schon
in  jener  Strecke  lie^e,  die  sich  bis  zur  Abszissenachse
lierabsenkt.  In  {¿,anz  ähnlicher  Weise  macht  sich  die
industrielle  Verwendung'  bei  Kartoffeln  und  vollends
bei  Holz  lind  Kohle  geltend.  Ueberdies  ist  das  Heizmaterial, ­
  wenn  man  auch  mir  die  Verwendung  in
Stuben  und  Küchen  allein  betrachten  wolltcr,  keineswegs ­
  mit  dem  Mehl  auf  eine  Stute  zu  stellen,  da  es
jedem  weit  eher  möglich  ist,  seinen  Verbrauch  an
Hrennmatcrial,  als  jenen  an  Mehl  einznschränken.
Diese  ^rüssere  Koinjiressibilität  des  Bedarfes  weist
darauf  hin,  dass  bei  diesen  Artikeln  der  Schnittpunkt
in  der  Nähe  einer  Scheitelstrccke  der  Gesanimtnachfra^eknrve
  zu  suchen  ist.
Eher  werden  sich  hier  die  meist  verbreiteten
Leuchtstoffe,  also  etwa  das  Hetroleiim,  einreihen  lassen,
jedoch  mir  in  jenen  Ländern,  wo  nicht  der  Breis  desselben ­
  durch  eine  starke  Besteiiernn^-  hoch^ehalten
ist.  Line  j&amp;gt;anz  ähnliche  Bewandtniss  dürfte  es  mit
ordinärem  Tabak  haben;  in  Deutschland  und  vielleicht
so»ar  in  Oesterreich  wird  er  in  die  dritte  Gruppe,  da-»e^en
  in  England  und  Frankreich  we^en  der  enormen
Bestenernn}»-  in  die  zweite  Grujipe  ifchören.  Ferner
durfte  auch  gemeiner  Branntwein  zur  dritten  Grnp]ie
zu  zählen  sein;  denn  wenigstens  im  Norden  und  Osten
Europas  würde  bei  dem  ohnehin  bedeutenden  Konsum
eine  Verwidfcilnn^  zwar  gewiss  vorübergehend  den
Absatz  steigern,  doch  dürfte  das  Jahresqiiantum,  das
Aaspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  ttb.  d.  Theorie  d.  Preises.  4
        <pb n="84" />
        50

bleibend  koiisnniirt  wird,  niebt  sehr  bedeutend  grösser
werden,  als  das  jetzt  verbrauebte.  In  sehr  reieben
Weinländern,  deren  Wein  niebt  trans])orttabi^-  ist,  gebürt ­
  vielleicht  auch  Wein,  in  Baiern  vielleiebt  aueb
Bier  in  die  dritte  (^ru])])e.  Fleisch  dürfte  vielleiebt
in  England,  auf  dein  Kontinent  aber  nicht  einmal  in
den  (frossstädten  zur  dritten  (iru])])e  gehören,  während
dagegen  Milch  gerade  nur  auf  dem  Lande  und  in
den  kleineren  Städten  gewiss  hier  einzureiben  ist.
In  die  zweite  Gru])])e  gehören  alle  jene  Artikel,
welche  in  namhaften  ]\Iengen,  also  von  dem  grössten
Tbeile  der  Bevölkerung  konsumirt  werden,  aber  doch
nur  von  den  Beieben  und  dem  sogenannten  ^littelstande
  in  Mengen,  die  dem  individuellen  Konsumtionsmaximum ­
  nabe  kommen,  von  den  ärmeren  Volkssebiebten
  dagegen  tbeils  gar  niebt,  tbeils  nur  in  Mengen ­
  gekauft  werden,  welche  hinter  der  )Ienge  der
vollen  Befriedigung  noch  weit  Zurückbleiben.  \  cm
Nab  rungs-  und  Genussmitteln  gehören  hierher:  Fleisch,
abgesehen  von  den  schon  erwähnten  Ausnabmsfällen,
dann  Zucker,  Katfee  oder  Tbee,  Bier  und  gewöbnlieber
  Wein,  letzterer  nur  dort,  wo  er  niebt,  wie  im
Norden  und  Osten  Eurojms,  schon  zu  den  ausgesjiroebenen
  Luxusartikeln  zählt;  endlieb  die  ordinären
Zigarren,  während  die  feinen  Sorten  unbedingt  Luxusartikel ­
  sind.  Zunächst  reiben  sieb  hier  die  fast  in  allen
Haushaltungen  üblichen  X'erbrauebsartikel  wie  Seife,
Zündhölzchen,  Sebreib])a])ier,  Bindfaden  n.  s.  w.  an.
Ferner  gehören  die  gewölmlieben  (iebrauebsartikel
  hierher,  also  die  Bekleidungsstotfe,  sowie  die
        <pb n="85" />
        51

Kleidim^sstückc  selbst,  ferner  Haus-  und  \\  irtbseliaftsj»erätlie,
  sowie  die  verbreitetsten  Einricbtun^sstiieke,
—  alle  diese  Din^e  in  ihrer  landesüblieben  Qualität.
Dass  diese  Artikel  trotz  ihrer  all^emeineu  \  erbreituu^
nicht  in  die  dritte  Gru])])e  j»ehören,  erhellt  schon
daraus,  dass  MUhe  und  Sorgfalt  auf  ihre  Instandhaltung»' ­
  und  Keini^un^  verwendet  wird.  Ihre  Verwendung»; ­
  würde  erst  dann  der  Menj»;e  der  vollen  Hefriedigun^'
  nahe  kommen,  wenn  sie  vermöge  eines
ausserordentlich  niedrigen  Preises  den  Charakter  von
Verbrauchsartikein  annehmen  würden,  also  nur
einmal  zur  Henützun^  kämen  und  jedesmal  frisch  ani^'cschatft
  werden  könnten.  Da  eine  solche  Umwälzung
in  der  Art  der  Verwendung:,'  seihst  hei  grossen  Preisschwank ­
  un  ji'en  nicht  zu  heohachteu  ist,  können  wir
schliessen,  dass  die  auf  einen  solchen  Artikel  bezogene
Xachfraj»ekurve  ein  ausgedehntes  Scheitelstück  und
ein  nur  allmäli^  abfallendes  Endstück  aufweisen  dürfte.
Es  lässt  sich  übrigens  je  nach  der  Daiierhaftijikeit
und  der  stärkeren  Abnützung'  heim  Gehrauehe  eine
Reihe  von  Ewischen^liedern  aufstellen,  welche  den
I  eher^an^  von  Gebrauchs-  zu  Verhrauchsartikeln
hildeu.  Juwelen,  Kunstwerke  u.  dj»!.  leiden  durch  den
Gebrauch  ^ar  nicht;  Gebäude  und  Möbel  unterließen
schon  einer  Abnützung,  doch  kann  man  von  derselben
noch  ahsehen  und  ihre  Benützunj»'  {»e^en  eine  Miethe
einräumen.  Bei  Maschinen,  M  erkzeujicn  und  Xutzthieren
  ist  die  Benützung'  von  der  Vernutzun^'  schon
schwer  zu  trennen;  hei  Kleidern  und  W  äsche  endlich
ist  eine  solche  Trennung  kaum  mehr  möglich.
4*
        <pb n="86" />
        52

Von  Land  zu  Land  treten  in  der  Ab^renzun^*
der  zweiten  Gruppe  die  anftallendsten  Unterschiede
lier  vor,  die  sieh  in  der  Tracht  und  noch  mehr  in  der
l^anart  und  Einrichtung"  der  Wohnungen  aiissjireehcn.
Während  in  Amerika  Tepinche,  Sjiie^el,  Badeeinrichtuno-en
  fast  zu  jeder  Wohnung"  gehören,  werden  gedielte ­
  l^öden  in  vielen  ländlichen  Wohnungen  der  alten
Welt  noch  als  Luxus  angesehen.  Nur  ganz  herahgekommene
  Bettler  zeigen  sich  in  England  harfuss,
in  slavischen  Ländern  dagegen  gehen  die  Weiher  in
den  Dörfern  zumeist  nnheschnht  und  tragen  Stiefel  nur
als  Sonntagsstaat.  Für  den  deutschen  Bauer  ist  der
Regenschirm  ein  wesentlicher  Bestandthcil  der  standesgemässen
  Ausstattung;  der  Besitz  einer  Taschenuhr
kennzeichnet  in  verschiedenen  Ländern  sehr  verschiedene ­
  Wrmögensstnfen.  Die  von  der  Landessitte  für
die  Han])tmasse  der  Bevölkerung  als  uncnthehrlicli
angeseheilen  (jcgenstände,  so  mannigfaltig  sie  auch
sein  mögen,  gehören  in  unsere  zweite  (irujijic.
In  die  erste  Gru])pe  endlich  sind  die  eigentlichen ­
  Luxusartikel  einzureihen.  Nur  die  wolhahenden
  Volksklassen  können  iihcrhaiijit  etwas  von  diesen
Artikeln  konsumiren,  nur  die  Reichsten  solche  Mengen, ­
  welche  der  individuellen,  vollen  Befriedigung  nahe
kommen.  Eine  Aufzählung  der  hierher  gehörigen  Artikel ­
  ist  kaum  möglich,  umso  weniger  als  auch  die
hei  den  früheren  Griqipen  erwähnten,  insoweit  sie
feinere  Sorten  oder  hessere  Qualitäten  aufweisen,  hier
als  Luxusgegenstände  wieder  erscheinen.  Bei  einem
ausges])rochenen  Luxusartikel  nimmt,  wenn  der  Breis
        <pb n="87" />
        53

KÎiikt,  (1er  Umsatz  dem  Absatz  nahezu  jiroportional
zu;  bei  Cbam])a^uer  z.  H.  ist  es  wol  uuzweitelliaft,
dass  eine  verliältuissmässij*-  ^eriu^e  Preisermässi^uu^
^euü^eu  würde,  um  den  Absatz  zu  verdo]())eln  und
dalier  nahezu  den  do])])elten  Kriüs  zu  erzielen.  Dureli
eine  ausreieliende  Preisermässij&amp;gt;un&amp;lt;;'  des  Cliampa^ners
liesse  sieb  dessen  Konsumtionskreis  so  selir  erweitern,
dass  leielit  die  fünffache,  zebnfaclie  Alende  ab^esetzt
werden  könnte.  Bei  ^ewöbidieliem  Wein,  der  zur
zweiten  Gruj&amp;gt;|)e  gehört,  liesse  sieb  die  do]»pelte  Alende
im  Inlande  nur  durch  eine  einschneidende  Breisermässij»unj»-
  absetzen,  die  zehnfache  Alende  wahrsclieinlicb
überliau])t  nicht.  Bei  Mehl  endlich  oder  Salz,  den
l\e])räsentanten  der  dritten  firujijK*,  kann  seihst  der
billigste  Breis  keine  W  rdoppelun^  des  Konsumes  erwirken. ­
  Wir  sehen  also,  dass  die  Kx])ansionsfähi^keit
des  Verbrauches  der  Artikel  der  ersten  (iruj)pe  eine
ungemein  grosse  ist.

IX.  Iler  Kinfluss  veränderten  Angebotes.
Der  Nutzen,  der  der  (iesammtheit  aus  dem  Konsume
  eines  Artikels  erwächst,  wird  hekaiintlich  durch
den  Vertikalahstaud  der  Kurven  (^N  und  UN'  heim
Schnittpunkte  c  fFij;-.  14  oder  15)  an^fe^ehen;  derselbe
wird  daher  nur  ^eriup[  sein,  solange  der  betreffende
Artikel  zur  ersten  Gru])]»e  «&amp;gt;ehört,  und  könnte  erst
dann  ansehnlieh  werden,  wenn  der  Artikel  durch  ein
Steifen  des  Angebotes  iu  die  zweite  oder  endlich
in  die  dritte  Gru]&amp;gt;j&amp;gt;e  vorrücken  würde.  Mit  wachsen-
        <pb n="88" />
        54

(leni  Angebote  wird  ein  Artikel,  der  früher  nur  den
Keiehen  zngän^lieli  war,  allinäli^-  zu  einem  (%e^enstande
  ausgedehnten  Verhranehes  und  kann  seldiesslieli
dem  fast  allgemeinen  Kon  sinne  erreiehhar  werden.  So
sind  die  nherseeischen  G  ennssmittel  :  Zneker,  Kaffee,
Thee,  Tabak  allmäli»-  zu  universeller  Verbreitung-  j»elan^t,
  und  ist  in  den  letzten  Dezennien  das  Halten
von  Zeitungen,  die  Henütznn^-  der  Hriefjmst  und  des
Tele^ra])ben,  sowie  die  Anwendung-  der  Hboto^-rajdiie,
Gemeingut  geworden.  Allmäli^-  j»-ebt  die  Vorrüeknnj»-der
  Artikel  auf  der  Stufenleiter  der  Gru])})eneintbeilnn^-immer
  weiter,  und  aller  wirtbscliaftliebe  Fortsebritt
zielt  darauf  ab,  in  möglichst  vielen  Artikeln  der  vollen
Befriedigung-  mehr  und  mehr  nabe  zu  kommen.  Je
mehr  man  sieb  aber  bei  irgend  einem  Artikel  diesem
Ziele  sebón  genähert  bat,  desto  einsebneidender  muss
die  Preisermässigung-  sein,  um  den  Absatz  noeb  wesentlieb
  zu  steigern,  weil  die  Expansionsfähigkeit  des
\  erbrauebes  nur  mehr  eine  geringe  ist,  sobald  der
Sebnittjmnkt  in  den  entsebieden  abfallenden  Tbeil  der
Gesammtnaebfragekurve  gerückt  ist.
Sinkt  dagegen  das  Angebot,  so  kann  der  Febergang
  eines  Artikels  der  dritten  (Tru])])e  in  die  zweite
und  endlich  in  die  erste  (fruppe  erfolgen,  doch  verhalten ­
  sieb  dabei  die  wiebtigsten  Lebensbedürfnisse
anders  als  sonstige,  zur  dritten  (Luppe  gehörige  Artikel. ­
  Dies  kommt  in  unserer  grapbiseben  Darstellung
dadurch  zum  Ausdrucke,  dass  die  auf  ein  nnentbelirliebes
  Lebensbedürfniss  bezogene  Gesammtnaebfragekurve ­
  ON'i  (Fig.  16)  einen  boeb  über  ihrem  Schnitt-
        <pb n="89" />
        oo

))Uiikte  c  mit  der  Gesammtaiiji:ebotskiirve  OA  liegenden
Selieitel  anfw  eisen  wird,  so  dass  es  einer  einsebneidenden ­
  Reduktion  des  An&amp;lt;^ebotes,  also  einer  bedeutenden ­
  Preisstei{z,ernn|^-,  bedürfte,  nin  den  Selmittpnnkt
c  in  die  Nähe  des  Selieitels  zu  bringen.  Dagegen
wird  die  Gesamintnaelifra^eknrve,  wenn  wir  sie  auf
einen  minder  wiebti^en  Artikel  beziehen,  etwa  die
(westalt  OxVg  besitzen,  wobei  wir  mir  der  Gebersiebt-Fig.

  16.

N

iV,

licbkeit  weilen  diese  Kurve  trotz  der  Versebiedenarti^keit
  ihrer  Abszissen  in  derselben  Ki^nr  zur  Ansebanmii»-
  bringen  und  ans  demselben  (irnnde  aimelimen,
dass  die  An^ebotsknrve  dieses  anderen  Artikels  mit
jener  ()A  identiseb  sei.  Wir  sehen,  dass  min  eine
viel  ^erin^ere  Aendernng;  der  An^ebotsknrve,  also
ancb  eine  ^erin^(ere  l*reissteij»ernnji:,  ^enn^en  wird,
nm  den  Sebnittpnnkt  c  in  die  Nähe  des  Scbeitelpmiktes
der  Kurve  zu  bringen,  d.  b.  den  betreffenden
        <pb n="90" />
        50

Artikel  aus  der  dritten  in  die  zweite  (jrnppe  znriickznschieben.
  So  werden  viele  Artikel,  welche,  ohne
jemals  Lehensbediirfniss  zn  sein,  doeh  bei  billigen
Preisen  von  der  blasse  des  Volkes  konsnmirt  werden,
z.  11.  die  gewöhnlichen  Obstsorten,  in  ^nten  Jahren
zur  dritten  Onippe  gehören,  während  sie  in  einem
Missjahre  in  die  zweite  nippe  znrnckkehren  und
vielleicht  so^ar  Luxusartikel  werden  können.  Diese
Aendernn^'cn  in  der  Ornppenstellnn^'  werden  namentlich ­
  auch  bei  solchen  Artikeln  Vorkommen,  welche
leicht  durch  Surrogate,  z.  11.  durch  schlechtere  Sorten,
ersetzt  werden  können.
Hei  allen  Artikeln  der  Urproduktion  hän^t  es  in
erster  Unie  von  den  jeweiligen,  imtnrlichen  Verhältnissen ­
  ab,  wie  sich  das  Angebot  gestaltet,  ob  mit  der
gleichen  Anstrengung'  grössere  oder  «^erin^ere  Prodnktmen^en
  erzielt  werden.  Hei  Hodenprodnkten  drückt
sich  dies  in  filter  oder  schlechter  Ernte  ans;  hier
sind  also  die  eleitientaren  Eindiisse  massgebend.  Ganz
ähnlich  verhält  es  sieh  mit  den  Erzeugnissen  der  Ja^'d
lind  des  Eischfan^es.  Das  Angebot  von  ller^werksjirodnkten
  jeder  Art  wird  durch  die  unberechenbaren
Zufälle  der  Erschliessung-  oder  Erschö])fnn^'  cr^iebi^er
La^er,  Plötze  und  Gän^e  bestimmt.  Neben  diesen
wechselnden  Eindiissen  machen  sich  aber  bei  allen
Erzeugnissen  der  Urproduktion  die  Ausbreitung'  der
Kulturvölker  über  nene  Landstrecken  und  der  technische ­
  Fortschritt  im  Sinne  einer  stetigen  Stei^ernn{¿,'
des  Angebotes  f»'eltend.  Das  Angebot  von  Indnstrieprodnkten
  ist  weit  weniger  durch  natürliche  Faktoren
        <pb n="91" />
        57

bep-eiizt,  und  die  elementaren  Kindnswe  wirken  hier
mir  indirekt.  Dalier  tritt  eine  stetige  Stei^ernn^  der
Produktion  durch  Erweiterung-  hestehender  und  Errichtung- ­
  neuer  Anlagen  deutlich  hervor,  um  so  mehr,
als  die  schärfere  Konkurrenz  jeden  Produzenten  zwingt,
sich  jeden  technischen  Fortschritt  alshald  anzuei^ncn
und  immer  neue  Investitionen  zn  machen.  Das  Anjçehot
  wächst  also,  von  Krisen  und  ungünstigen  Konjunkturen ­
  ah^-eseheu,  fortwährend,  nur  mehr  oder
minder  rasch,  je  nachdem  Ei-tindun^en  und  Verhessernn^en
  schneller  oder  langsamer  anf  einander  folgen,
lind  die  Verhältnisse  des  (  Geldmarktes  fordernd  oder
hemmend  wirken.  Anderseits  können  äussere  Tinstände
  das  Angebot  zeitweilig  schmälern,  Kriej»e  und
Kev'olutioiien  können  die  Produktion  oder  die  Zufuhr
hehindern,  eine  Hlokade  (Kontinentalsperre)  kann  diese
f&amp;gt;anz  aiisschliessen,  und  so  können  jene  Preissteigerungen ­
  entstehen,  wie  sie  in  einer  helaj*erteu  Stadt
am  grellsten  hervortreten.
U.  Iler  Kintliiss  veränderter  Naelifrnfre.
Um  die  Wirkunj^en  wachsender  Nachfrage  zn
verfolgen,  stellen  wir  in  Fij»-.  17  wieder  der  leichteren
Vergleichung-  vvc^en  der  Au^ehotskurve  DA',  die  wir
in  heiden  Fällen  identisch  annehmen,  einmal  die  Nachfra^eknrv
  e  ()N^'¡  eines  Artikels  der  ersten  Grnjipe,
dann  wieder  an  deren  Statt  die  Kurve  DA  g  eines
.Artikels  der  dritten  Grujijie  ^e^enüher.  Stellen  wir
uns  nun  vor,  dass  aus  irgend  einem  Grunde  die  Gr-
        <pb n="92" />
        Õ8

(üiuiteii  (1er  Kurve  ON't  j&amp;gt;-leieliuiässi&amp;lt;&amp;gt;-,  z.  H.  um  10%,
Avueliseii,  so  dass  die  Kurve  die  scliwarz  puuktirte
Form  aiiiiehme,  so  selieii  wir,  dass  Absatz,  Freis  und
Umsatz  liier  viel  bedeutender  zunebmeii,  als  wenn
wir  bei  der  Kurve  ON^  die  &amp;lt;&amp;gt;leiebe  Veränderungeiutreten
  lassen.  Dass  eine  allgemeine  Erböbunj&amp;gt;-  des
Wolstandes  eine  so  j»leiebmässij&amp;gt;e  Einwirkung-  auf  die
Naelifra&amp;lt;*-e  naeb  versebiedenen  Artikeln  üben  würde.

lässt  sieb  niebt  erwarten;  vielmebr  dürfte  in  solebem

Masse  zunebmen,  als  jene  naeb  Massenartikeln.  Wir
seben  aber,  dass,  selbst  wenn  die  Stei^erun^-  der

Absatz  sieb  bei  Luxusartikeln  viel  deutlielier  geltend
maebt  als  bei  Massenartikeln.

Fiíí.  17.

Ä

0

Naebfra^e  für  alle  Artikel  eine  ^anz  ^leiebmässi^-e
wäre,  aueb  dann  noeb  dieser  Eintluss  auf  Freis  und
        <pb n="93" />
        -  59  —

Wenn  da^ejícn  ans  irgend  einem  Grunde  die
Naeiifra^e  sinkt,  und  die  Ordinaten  der  Xaciifraifeknrve
  in  beiden  Fällen  nun  um  10%  abnelnnen,  so
dass  die  Kurve  jedesmal  die  rotb  punktirte  Form  annimmt, ­
  so  Avird  unter  allen  Umständen  der  Freis,  der
Absatz  und  der  Umsatz  fallen.  Bei  Massenartikeln
von  allgemeinem  Verbraucbe  wird  aber,  wie  aus  der
Fij»ur  ersiebtlieb  ist,  dieser  Hiiekoan«»-  verbältnissmässi^
  viel  ^erin^fü^i^er  sein  als  bei  Luxusartikeln,
auf  welche  daher  auch  eine  allgemein  un^ünsti^e  Konjunktur ­
  am  intensivsten  einwirkt.  —  Auch  die  Nacbfraj^e
  ist  von  Elementareintlüssen  nicht  unabbän^i^  ;
ein  besonders  strenger  Winter  steigert  die  Nacbfrajçe
nach  Brennmaterialien  und  warmen  Kleidungsstücken,
ein  besonders  beisser  Sommer  jene  nach  leichten  Kleidern, ­
  Eis  und  gewissen  Nahrungsmitteln.  In  erster
Linie  wird  die  Nachfrage  aber  von  den  individuellen
Nei^un^en,  Ansprüchen  und  Gewohnheiten  abbän^en  ;
diese  ändern  sich  oft  nur  durch  das  Bedürfniss  nach
Abwechslung',  wie  sich  dies  in  der  stets  veränderlichen
Mode  äussert,  welche  die  Nachfrage  bald  auf  den
einen,  bald  auf  den  anderen  Artikel  lenkt.  Ertindun^fcn
und  Verkebrserleicbtcrun^en  lassen  j&amp;gt;anz  neue  Xacbfraj&amp;gt;en
  nach  früher  unbekannten  oder  nicht  begehrten
Artikeln  entstehen,  während  da^c^cn  jene  nach  früher
üblichen  verschwinden.  So  ist  z.  B.  das  Fctroleiim
ein  Artikel  all^mneinei»  Verbrauches  geworden  und
bat  die  Nachfrage  nach  Kerzen  und  Ocl  noch  mehr
geschmälert,  als  dies  seinerzeit  durch  Einführung  der
Gashelenchtung  schon  geschehen  war.  Dem  Gase
        <pb n="94" />
        00

droht  (las  idoktrischo  Ucht  Ivoiikurmiz  zu  machen,
während  die  Wachskerze,  die  einst  weit  verbreitet
war,  zu  einem  weni{^  gesuchten  Luxusartikel  geworden
ist.  Die  Lichtscheere  endlich,  die  früher  in  keiner
Haushaltung-  fehlte,  ist  mit  der  I  iisehlittkerze  zu^leieh
durch  alle  diese  Neuerungen  ausser  (iehraueh  g-ekommen
  und  wird  kaum  mehr  fahrizirt.
Jeder  ungewöhnliche  liedarf  und  oft  schon  die
hlosse  Erwartung  eines  solchen,  d.  i.  das  Auftreten
der  S])ckulation,  bewirkt  ein  Steigen  der  Nach  frage,
indem  hei  den  \  (u  rathshändlern  zu  dem  Hegehr  für
den  gegenwärtigen  Verbrauch  noch  ein  solcher  zum
Zwecke  der  Aufs])eicherung  hinzutritt,  so  dass  die
hetretfenden  Linzeinachfragekurven  und  dadurch  auch
die  (iesammtnachfragckui-vc  wesentlich  höher  werden.
So  schlagen  z.  H.  die  Preise  von  Hafer  und  Spiritus
auf,  wenn  ein  Krieg  droht.
Line  langsam,  aber  beständig  wirkende  Trsaehe
steigender  Nachfrage  bildet  die  Vermehrung  der  Hevölkerung.
  Dieselbe  wirkt  zwar  auch  steigernd  auf  das
Angebot,  aber  es  wird  doch  wesentlich  von  der  Nachfrage ­
  des  B(‘völkerungszuWachses  ahhängen,  welchen
Artikeln  sich  das  vermehrte  Angebot  vorwiegend  zuwendet. ­

15.  Der  Einfluss  der  Vermögensverhiiltiiisse.
Schärfer  noch  als  hei  den  (fesammtkurven  lässt
sich  die  Linreihung  der  Artikel  in  unsere  drei  Drup))en
den  Linzeinachfragekurven  gegenüber  durchführen.
        <pb n="95" />
        61

Dureil  (lie  Koniliiiiatiou  verschiedener  Kurven  zu  einer
(jesaniintkurve  ergibt  sich  nämlich  nur  ein  Durchselinittsresultat,
  das  keineswegs  für  jeden  Einzelnen
massgebend  ist,  namentlich  wenn  der  Artikel  tiir  die
eine  Hevölkerung’sklasse  noch  ein  Luxusartikel  ist,
während  er  von  der  anderen  schon  für  unentbehrlich
angesehen  wird.  Sowie  sich  liei  der  Gesammtheit
Landessitte  und  Nationalwolstand  als  massgebende
Faktoren  für  die  Grujijieneintheilung'  erwiesen  hallen,
machen  sich  verschiedenen  Individuen  ^e^enüber  die
soziale  Stellung"  und  am  wirksamsten  die  \  ermü^ensverhältnisse
  jedes  Einzelnen  geltend.
Vergleichen  wir  in  Fi^.  18  die  auf  denselben
Artikel  bezogenen  Einzelnachfra^ekurven  On,^  G//',
Ou'a  und  On^  von  vier  Individuen,  welche  darin  übereinstimmen, ­
  bei  der  gleichen  Alende  ihre  volle  Befriedigung* ­
  zu  finden.  Nehmen  wir  ferner  an,  dass
die  Konsumenten  11,  111  und  1\  bereit  und  dureh  ihre
verschiedenen  Verniöj»ensverhältnisse  auch  in  der  La^e
seien.  Je  zweimal,  dreimal  und  viermal  so  grosse  Geldbeträge ­
  für  denselben  Genuss  aufzuwenden,  als  der
Konsument  1.  1st  nun  (die  Freislinie,  so  schneidet
dieselbe  die  Nachfra^ekurve  G/¿'  in  ibrem  abfallenden
Stiieke,  Oug  im  Seheitelstüeke,  Gr/'  im  ansteigenden
Stüeke,  während  die  Kurve  ()n,  von  der  Freislinie
lA'ur  nicht  geschnitten  wird.  Für  den  reiehen  Mann
1\  gehört  also  dieser  Artikel  in  die  dritte  Gruppe;
«ein  Konsum  wird  bei  Freissehwankun^en  so  ziemlich
der  gleiche  bleiben,  und  sein  Aufwand  für  diesen
Artikel  wird  sich  im  gleichen  Sinne  wie  der  Freis
        <pb n="96" />
        02

inid  demselben  nahezu  pmpnrtional  ändern.  Für  den
wolluibenden  iVíann  III  gehört  der  Artikel  bei  diesem
Preise  in  die  zweite  (lrnp)»e;  sein  Konsum  wird  dnreb
Ibeissebwanknn^en  erbeblieb  beeindusst,  während  sein
Aufwand  sieb  niebt  bedeutend  ändern  wird.  Für  den
in  besebeidenen  Verhältnissen  lebenden  Mann  II  ist
dieser  Artikel  bei  diesem  Preise  ein  nur  in  ^erin^er
Men&amp;lt;&amp;gt;e  konsumirbarer  Luxusartikel;  selbst  bei  ^erin^en
Fi&amp;gt;.  18.

Preissebwanknn^en  ändert  sieb  sein  Konsum  relativ
sehr  bedeutend  (aufs  do])])elte  oder  halbe),  ebenso
aiieb  sein  Aufwand,  dem  Konsnme  nahezu  ])ro])ortional.
Der  arme  Mann  I  endlieh  konsnmirt  diesen  Artikel
o’ar  niebt,  seine  Kaebfra^e  naeb  demselben  ist  niebt
effektiv.
Diese  Heis])iele  veransebanlieben,  dass,  wie  wir
bei  der  Einreibnn&amp;lt;&amp;gt;'  der  Artikel  in  unsere  drei  (inippen
        <pb n="97" />
        —  G3  —
voraiis^i’escliickt  liaboii,  mir  jene  Artikel,  die  auch  der
ärmeren  Klasse  als  iinentbelirlieh  gelten,  unbedingt
in  die  dritte  (Irnjijie  gebären,  und  mir  solebe  unbedingt ­
  in  die  erste,  welebe  aiieb  für  den  Wolbabenden
Luxusartikel  bleiben,  während  es  bei  allen  anderen
Artikeln  von  dem  mimeriseben  Verhältnisse  der  Wolbabenden ­
  und  der  Unbemittelten  abbän^t,  in  welchen
Tbeil  der  (iesammtnacbtra&amp;lt;»ekurve  der  Sebnittpunkt
mit  der  Gesammtanj*;ebotskurve  fallen  wird.
1().  Aoiidoniiiiieii  iin  Worthe  des  Ueldes.
Welche  Aenderun^  eine  Einzelkurve  erleidet,
wenn  sieb  die  Vermö^ensverbältnisse  des  betretfenden
Individuums  ändern,  lässt  sieb  im  allgemeinen  nicht
verfolgen.  Wenn  auch  in  der  He^d  die  Ordinaten
der  Kurven  länger  werden,  wenn  das  Individuum
wolbabender  wird,  so  wird  dies  doch  keineswegs
j»leiebmässi^-  der  Fall  sein,  vollends  nicht,  wenn  wir
verschiedene  Artikel  betrachten.  Jede  Aenderun^*  einer
Einzelkurve  muss  auch  auf  jene  Theile  der  Gesammtkurve,
  in  denen  diese  Einzel  kurve  zur  Geltung-  kommt,
Einfluss  nehmen.
Eine  einfache  und  j»leiehmässij»e  Aenderun^'  der
auf  weleben  Artikel  immer  bezogenen  Eiuzel-  und
Gesammtkurven  tritt  da{j;e^en  dann  ein,  wenn  sieb
die  Wäbrun^'sverbältnisse  eines  Landes  verändern,  weil
dann  nur  die  Masseinheit  für  die  Ordinaten  der  Kurve
eine  andere  wird.  Ist  der  Währun^sweebsel  ein  blos
nomineller,  wie  es  z.  11.  der  Ueber^an^  von  Kon  ven-
        <pb n="98" />
        64

tioiisiiiihizc  zur  ôsterreicliisclieii  AVüliruu^'  war,  so  re-(luzirt
  sicli  die  ^auze  Aeiiderim^'  darauf,  dass,  was
frülier  CM.  d.  20  liiess,  miuiuehr  ÓAV.  ti.  21  lieisst.
Säiuintliclie  Ordinateii  aller  Angebots-  und  Naelifra^ekurveii
  werden  um  '/g^  länger,  während  die  Ilorizontalahstände
  unverändert  hleihen.  Hei  allen  Artikeln  bleibt
der  Absatz  derselbe,  während  Preis  und  Umsatz  steifen.
Aendert  sieb  der  Werth  des  Celdes  aber  wirklieb, ­
  tritt  z.  Ik  eine  Vermehrung'  der  Zirkulationsmittel
ein,  wie  sieb  dies  am  deutliebsten  bei  einer  Pa])iergeldemission
  zu  Krie^szweeken  verfolgen  lässt,  so  werden
wieder  die  Ordinateii  aller  Kurven  länger,  und  sebliesslieb
  wird  sieb  aiieb  hier  ein  neuer  Gleieb^ewiebtszustand
  bersteilen;  dies  ^esebiebt  aber  niebt  j^leiebzeitij»'
  und  ¿»leiebmässij»';  jedeställs  vertiiesst  darüber
eine  geraume  Zeit.  Nehmen  wir  an,  die  Emission
des  Pa])iergeldes  würde  bis  zur  Verdrängung  des  gesammten
  Metallgeldes  und  darüber  hinaus  fortgesetzt,
bis  ein  Agio  von  10  Prozent  eintritt.  Dieser  Agiostand ­
  besagt,  dass  110  jiapierne  (ieldeinbeiten  mit
100  metalliscben  (Ieldeinbeiten  gleiebwertbig  seien,
dass  also  der  Werth  jeder  umlaufenden  Geldeinheit
jetzt  nur  ‘7u  früheren  beträgt.  Es  sollten  also
die  Ordinateii  aller  Kurven,  alle  Preise  und  die  Umsätze ­
  in  allen  Artikeln  ”/i„  mal  so  gross  sein  als  früher,
während  der  Absatz  aller  Artikel  gleich  zu  bleiben
hätte.  Eine  so  gleichförmige  Vertheilung  kann  aber
erst,  wenn  einmal  das  Agio  von  10  Prozent  längere  Zeit
bestanden  bat,  eintreten;  während  der  Zettelemission
jedoch  wird  sich  das  Plus  an  Zirkulationsmitteln  in  den
        <pb n="99" />
        \

65

lÍHiideii  eines  kleinen  Hrnehflieils  der  Bevölkerung
Lieferanten  und  Broduzenten  von  Kriegsl)edarf,
  konzentriren.  in  Kol^e  dessen  wird  die  Naeli-Bage
  dieser  Personen  naeli  verseliiedenen  Aidikelii
iiuneliinen  und  somit  der  Preis  und  auch  der  Absatz  der
letzteren,  namentlich  aber  auch  jener  der  Luxusartikel,
steigen.  Dadurch  verbessert  sieh  die  Situation  der
I  roduzenten  aller  dieser  Artikel;  es  werden  auch  ihre
Nachtragen  nach  anderen  Waren  znnehnien,  die  Preisiiiid
  Absatzsteigerung  also  immer  weitere  Fortschritte
machen  und  sich  auf  eine  immer  grössere  Zahl  von
Artikeln  und  zuletzt  auf  alle  erstrecken.  Wir  haben
also  die  bekannte  Erscheinung  einer  allgemein  giinsHgen
  Konjunktur  und  einer  Stimulirnng  der  Konsumtion ­
  und  Produktion  durch  Vermehrung  der  Umlaufsmittel ­
  vor  uns.
Aber  die  Dinge  gehen  weiter.  Durch  die  Preis-Hiid
  Absatzsteigerung  aller  Artikel,  auch  der  Kohstotfe,
und  sddiesslieh  durch  die  Erhöhung  der  Löhne,  die
Naehtheil  der  arbeitenden  Klasse  zuriiekgehliehen
"aren,  ist  die  oben  erwähnte,  gleiehniässige  Vertheilung
des  Zuwachses  an  I  inlaufsmitteln  auf  alle  Klassen
«1er  Bevölkerung  angehahnt,  und  die  Folge  davon  ist,
dass  nun  sukzessive  auch  die  Angehotskurven  der
verseliiedenen  Artikel  steiler  werden.  Dadurch  werden
i'^'var  die  Preise  noch  weiter  steigen,  aber  der  Absatz
ahiii  Innen,  und  wir  haben  nun  ungünstige  Konjunktur
"ad  Bückgang  der  Konsumtion  und  Produktion,  nicht
vB\a  durch  Restriktion  der  Fmlaufsmittel,  sondern
lediglich  durch  den  Stillstand  der  Inflation.
n.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.  Õ
        <pb n="100" />
        «fi

1Í)  stellt  uns  dar,  wie  die  Gesannutan^ebotskurv'c
  OA'  eines  Artikels  bei  danerndeni  Bestände
eines  Aj&amp;gt;ios  zn  ()A\  wird;  ans  der  Naebtraj»eknr\
  e  ON'  wird  ON'j  ;  der  Absatz  Oa  bleibt,
wenn  inzwiseben  iiiebt  nene  Investitionen  &amp;lt;»einaebt
worden  sind,  sebliesslieb  wi(  der  der  ^leicbe,  während
der  Preis  von  OP  auf  OP,  nni  10  Prozent  ^estie^en

geändert  babe,  während  die  Naebfra«»e  sebón  ihre
volle  Höbe  erreiebt  hätte,  so  würde  dies  den  änssersten
  Höhepunkt  der  Prodnktions-  und  Konsinntions-Fig.

  19.

0

a  a

P

sein  wird.  Betraebten  wir  nun  aber  ein  Zwisebenstadinni,
  und  nelnnen  wir  dabei  der  1  lentliebkeit
we^en  an,  dass  sieb  das  Angebot  noeb  j»ar  niebt

stinnilirnng-  darstellen;  der  Absatz  wäre  dann  Oa^^
der  Preis  OP».
        <pb n="101" />
        5*

67

Wir  könnten  aucli  den  entgegengesetzten  Fal
einer  \'ennindernn^  der  Zirkulationsmittel  verfolgen
I&amp;gt;ie  Nachfrage  sinkt  zum  Schaden  der  Produzenten
&amp;lt;1h*  Produktion  wird  ein^escliränkt,  alle  Preise  ^eliei
ííiiruek,  scldiesslich  werden  auch  wieder  die  Löhm
reduzirt.  1  )er  alte  Zustand  wird  aber  nicht  vollständig
wieder  her^estellt,  weil  inzwischen  gemachte  Investi
tionen  und  veränderte  Gewohnheiten  dies  nicht  &amp;lt;»*e
statten.
Ganz  ähnlich,  wie  eine  Pajder^eldemission,  wirkt
auch  eine  A'ermehriin^-  des  Metallgeldes,  wenn  sic
nicht  durch  die  Bedürfnisse  des  Verkehrs,  sondern
durch  andere  Ursachen,  z.  H.  den  Emjifang-  einer
Kriegskoiitrihution,  hervor^erufen  wurde.  Die  Wirkuni&amp;gt;en
  köiiiien  aber  schon  deshalb  nicht  so  tiefgreifend
sein,  weil  ein  Ueherschuss  an  Aletall^eld  in  das  Ausland ­
  ahdiesst,  ein  Mangel  durch  das  Ausland  ergänzt
wird.  Die  fortwährende  Produktion  von  Edelmetallen
jiat  den  Verkehr  an  eine  beständige  Zunahme  der
Zirkulationsmittel  gewöhnt,  so  dass  eine  Verringerung
1  roduktion,  also  eine  \  erlan^samun^  der  ^ewohn-Icii
  Zunahme,  schon  ähnlich,  wie  der  Stillstand  einer
Pidation,  eni)ifunden  wird.
Einer  nominellen  Währun^^sänderun^r  ^anz  analog,
"urde  der  l'eher^aiift  zu  einem  neuen  Mass-  oder
('cwichtssystem  statt  der  Ordinaten  die  Abszissen
«ammtlicher  Kurven  der  hetretfenden  Artikel  ^leichuiässif)-
  verändern.
        <pb n="102" />
        17.  Die  Wirklingen  der  Bestenernng.
Bei  EiiifUhruiig'  einer  Besteuerung'  zeigen  die  verschiedenen ­
  Artikel  je  nach  ihrer  GruppensteBung
wesentliche  Unterschiede.  Wird  eine  Steuer  auf  einen
Artikel  in  der  Weise  gelegt,  dass  sie  nach  der  Menge
des  fertigen  Produktes  bemessen  und  hei  den  Produzenten ­
  cingehohen  wird,  so  vertheiiert  sich  jede  Menge
um  den  entfallenden  Steuerhetrag,  und  somit  steigt
jede  Ordinate  sowol  der  Kosten-,  als  auch  der  Angehotskurve
  um  einen  der  Abszisse  genau  ju'oportionalen
  Betrag.
Betrachten  wir  (Fig.  20  a)  einen  unserer  dritten
Gruppe  und  dann  (Fig.  20  h)  einen  unserer  ersten
Gru])])e  ungehörigen  Artikel,  deren  Produktion  nunmehr ­
  mit  einer  Steuer  Ujo  belegt  wird,  so  stellen  die
Ordinaten  der  Geraden  OS',  welche  mit  der  Ahszissenaehse
  den  Winkel  a  einschliesst,  die  auf  jede  Menge
entfallenden  Steiierheträge  dar.  Durch  die  Ih'steucrung
erhöhen  sieh  also  die  Ordinaten  der  Kurven  (h\  und
OA  um  die  ents])rechenden  Ordinaten  dieser  Geraden,
und  wir  haben  nunmehr  die  Kurven  OA^  und  O/t^;
der  Absatz  sinkt  von  üo,  auf  Oa„  und  der  Preis
steigt  von  OP  auf  OU,.  Mit  dem  Absätze  sinkt  natürlich ­
  auch  der  Nutzen  der  Produzenten:  derselbe  wird
durch  den  Vertikalahstand  der  neuen  Kurven  0/1,
und  OA,  heim  Schnittpunkte  c,  der  letzteren  mit
der  unveränderten  Kurve  ON'  angegeben.  Derselbe
Nutzen  erscheint  aber,  da  die  Besteuerung  den  Ver-
        <pb n="103" />
        69

tikalabstaiid  der  Kosten-  und  An^ebotskurve  iinbenibrt
lässt,  ancb  in  der  Län^e  welche  kleiner  ist  als
jene  hc,  die  fniber  den  Nutzen  der  Produzenten  ani?ab.
  Ebenso  ^ebt  ancb  der  Nutzen  der  Konsumenten
von  cd  auf  c,d,  zurück,  während  die  Länge
Fig.  20  a.

N

/

K  /U.

y

A

y

a,  O.

'velebe  der  Ordinate  a¡s,  gleich  ist,  den  Steuerbetrag
darstellt.

Wir  sehen  (Fig.  20  a),  dass  bei  Artikeln  der
‘liitten  Gru])|)e  der  Absatz  relativ  nicht  bedeutend
^iiikt,  der  Preis  dagegen  fast  um  den  vollen  Steiier-*^atz
  steigt,  so  dass  hier  die  Produzenten  nicht  viel  ver-
        <pb n="104" />
        70

Heren,  und  die  Steuer  beinahe  j&amp;gt;anz  von  den  Konsnmenten
  ^etra^en  wird.  Da^e^en  zei^t  sieli  (Fi^.  20  b),
dasB  in  der  Gruppe  der  LuxuBartikel  der  Al)Batz  relativ ­
  Bebr  bedeutend  zurück^ebt  und  der  Preis  relativ
weni^  steift,  so  dass  nebst  den  Konsumenten  auch
die  Produzenten  emptindlicb  getroffen  werden.  Unter

Fig.  20  b.

/b

t/j

Umstanden  kHini  hier  die  Besteuerung  das  völlige  Anfbören
  der  Produktion  lierbeitnbren.  Wo  dies  niebt
gesebiebt,  wird  die  Ueberwälznng  der  Steuer  von  den
Produzenten  auf  die  Konsumenten  sieb  allmälig  doeb,
wenn  aiicb  erst  nach  Jahren,  mehr  oder  minder  vollständig ­
  vollziehen.  Abgesehen  von  Krisen  und  Kata-
        <pb n="105" />
        ■xn

71

8tro])hen  bewirkt  nämlich  das  Wachsen  der  Hevölkernn^
  und  des  Wolstandes  ein  alhnäli^es  Steifen
der  Nachfrage.  Während  min  dieser  wachsenden  Nachfrage ­
  unter  normalen  Verhältnissen  auch  eine  allmälige
Vermehrung  des  Angebotes  gegenUhersteht,  indem  neue
Produktionsstätten  errichtet  und  alte  erweitert  werden,
wird  das  Angebot  stationär  bleiben,  so  lange  die  betrettende ­
  Produktion  unter  einer  durch  die  Hesteuening
gescliattenen,  ungünstigen  Konjunktur  leidet.  Die  Konkurrenz ­
  wird  erst  dann  wieder  in  Thätigkeit  treten,
wenn  durch  das  Anwachsen  der  Nachfrage  die  ungünstige ­
  Konjunktur  beseitigt  und  die  Steuer  zum
grössten  I  heil  abgewälzt  sein  wird.
Die  Krsclieinungen  bleiben  im  wesentlichen  dieselben, ­
  wenn  die  Steuer  statt  bei  den  Produzenten
bei  den  Konsumenten  eingehoben  wird.  Wiederholen
wii-  die  vor  der  Besteuerung  geltenden  Kurven  aus
Fig.  20  a  und  b,  und  kürzen  wir  nun  die  Ordinaten
der  Kurven  (JN^  und  ON'  um  die  demselben  Steuersätze ­
  tga  ents})rechenden  Beträge,  so  erhalten  wir
fFig.  21  a  und  b)  die  neuen  Kurven  ON,  und  ON',‘^
die  letztere  schneidet  die  Kurve  OA'  in  einem  Punkte
c„  der  mit  dem  Punkte  //,  der  früheren  Fig.  20  identisch ­
  ist,  während  der  frühere  Schnitt|mnkt  c,  (Fig.  20)
mit  dem  nunmehrigen  Punkte  d',  zusammenfällt.  Es
wird  also,  obwol  der  neue  Marktpreis  OP,  nun  um
den  vollen  Steuersatz  niedriger  ist,  als  jener  OF,
(H  ig.  20),  doch  der  Absatz,  der  Steuerertrag  und  der
Nutzen  der  Produzenten  und  Konsumenten  der  gleiche,
wie  bei  der  Produktsteiier,  sein.
        <pb n="106" />
        72

Audi  wenn  die  Steuer  statt  von  dem  Finalprodukte ­
  von  einem  Roll-  oder  llilfsstoffe  —  Unbenstener,
Malzsteuer  —  oder  naeb  dem  Geldumsätze  oder  als
Natural  quote  oder  nach  dem  Reineinkommen  der  betreffenden ­
  Unternebmung  bemessen  wird,  gelten  ana-21

  a.

L-—

Ä  \

N,

P  I

A

K  .T,

N

loge  Retraebtnngen,  während  solche  Stenern,  di(‘.  von
der  Frodnktinenge  ganz  nnabbängig  sind,  wie  eine
Grund-,  Gebäude-  oder  Gewerbesteuer,  nicht  hierher
gehören.  Eine  Einkommensteuer  endlich,  welche  nicht
blos  die  Produzenten  eines  bestimmten  Artikels,  sondern
alle  Staatsbürger  trifft,  bat  natürlich  keinen  speziellen
        <pb n="107" />
        73

Einfluss  auf  Absatz  und  Preis  eines  bestimmten  Artikels, ­
  sondern  diiickt  nur  die  Naclifrage  nach  allen
Artikeln  mehr  oder  weniger  herab.  Dagegen  wirken

Fig.  21  b.

N

y

CL,  a

Verkaufs-  oder  Einkaufsprovisionen,  Marktgebiibren,
Transportkosten  u.  dgl.  ganz  so,  wie  eine  Produktoder ­
  Konsumsteuer.
        <pb n="108" />
        i-tHI*
        <pb n="109" />
        I  im

%

H

II

I  .

Die  tormeleinente  (1er  Kiirven

rà
        <pb n="110" />
        Betriebs-  und  Lebensweise.

18.  Kciiiizoiclimiiiíí  der  Betrielts-  und  l&amp;gt;ebensneisc
(liircli  die  Artikel.
Wir  sind  bei  Aufstellung  unserer  Kurven  von
der  Voraussetzung  ausgegangen,  dass  jedes  wirtliseliaftliclie
  Individuum  seine  Produktion  und  Konsumtion ­
  stets  aut  das  zweekmässigste  einriclite.  Wollten
wir  von  dieser  Voraussetzung  abgeben,  so  könnten
wir  aueb  versueben,  Kurven  unter  der  Annabme  aufzustellen, ­
  dass  ein  Individuum  an  einer  bestimmten
Betriebs-  und  Lebensweise  festbalte;  allerdings  zeigt
Hieb  dann  bald,  dass  das,  was  eine  bestimmte  Betriebsund ­
  Lebensweise  bildet,  keineswegs  feststebt,  sondern
wesentlieb  von  der  individuellen  Beurtbeilung  abbängt.
In  erster  Linie  wird  jede  Betriebs-  und  Lebensweise ­
  dureb  die  Art  der  Artikel  ebarakterisirt,  welche
•&amp;gt;ei  derselben  für  den  persönlieben  Verbrmieb  und
tfebraueb  —  Nnbrung,  Kleidung,  Wohnung  etc.  —
Howie  als  Erfordernisse  einer  etwaigen  Produktion  zu
besebatten  sind,  und  ebenso  aueb  dureb  jene  Artikel,
"elebe  als  Erzeugnisse  der  letzteren  abgegeben  werden. ­
  Als  Produktionserfordernisse  sind  niebt  nur  die
        <pb n="111" />
        78

Koli-  1111(1  IlilfsstoftV*,  sondem  mieli  alle  Werk%eu^e,
Mascliiiieii,  Kalniks-  und  Wirtliseliafts^-ebäude  etc.  anzuselieii,
  während  nicht  nur  die  Hauj)terz(‘uj&amp;gt;nisse  der
verschiedenen,  von  deinselhen  fndividuum  etwa  hetriehenen
  Produktionszweige,  sondern  auch  alle  etwaigen
Nebenprodukte,  Ausschuss  und  Abfälle  als  Produkte
zu  gelten  haben.  Es  wird  nun  ganz  allgemein  als
eine  Aenderung  der  Lehensweise  anerkannt,  wenn
jemand  von  Pflanzennahrung  zur  Fleischkost  oder  von
Branntwein  zu  Ib’er  oder  Wein  übergeht;  nicht  minder
haben  wir  unzweifelhafte  Aenderungiui  der  Betriebsweise ­
  vor  uns,  wenn  ein  Zuckerfabrikant  statt  Bohziicker
  Haffinade  oder  statt  Melasse  den  daraus  gewonnenen ­
  Sjiiritus  auf  den  Markt  bringt  oder  statt
Holzfeuerung  Kohlenfeuerung  einführt.  Es  hängt  dagegen ­
  von  der  individuellen  Beurtheilung  ab,  ob  auch
schon  jeder  Uebergang  von  Einer  Fleisch-,  Wein-,
Zucker-  oder  Kohlensorte  zur  anderen  als  Aenderung
der  Betriebs-  und  Lebensweise  emjifunden  wird,  oder
ob  kleine  Unterschiede  dieser  Art  unbeachtet  bleiben
können.  Ebenso  wird  eine  Aenderung  der  Heizanlagen ­
  im  Kesselhause  zum  Zwecke  der  Kohleners])arniss
  als  Aenderung  der  Betriebsweise  angesehen,
während  die  dem  gleichen  Zwecke  dienenden  Vorkehrungen ­
  gegen  die  Verwitterung  oder  \A‘rschlej)pung
der  Kohle,  gegen  die  Abkühlung  der  Kessel  und
Dampfrohre  meist  übersehen  werden.
Die  Anschaffung  einer  Dam])fmaschine  oder  einer
Werkzeugmaschine  mehr,  die  Ersetzung  einer  kleineren
durch  eine  grössere  wird  ebenso,  wie  die  Vertauschung
        <pb n="112" />
        70

«■in«-«  alt.'.,,  Mobiliars  goKn,  ein  „..„es
.■l.‘ffantere«  o.lrr  vollstän,libero«,  als  .weitWIo«,,  A,
iiiiijj  lier  lietriebs-  iiiiil  Lebensweise  gelten.  Die  Aiiaclrnmniff
  eines  weiteren  Nebranbstoekes  «,1er  selbst
"Hl-  einer  Feile  mehr  kann  für  ilen  kleinen  llanil-«erker
  sebón  eine  verün,leite  lietriebs-  „nil  Lebensweise ­
  be.ie.iten,  während  das  Gleiehe  in  einem  grossen
iit.tnelnnen,  ohne  einer  l.esonderen  reherleffiinif  und
&amp;lt;;ac  ilnssfassunfr  des  llesikers  oder  a.ieh  nur  des
iiaktors  zn  bedüifen,  von  linter^,'ordneten  (»ifranen
'oiWenommen  werden  kann.  Kbenso  wir.l  selbst  .-ine
]  K'"'«.ldiK.'.iK  lies  Faniilien--
  .■ine.,,  reiel,..,.

l!&amp;gt;.  /Vrsoiialp  1111(1  ZpitPiiitheiliiiitr,
Nieht  minder  ist  für  die  lietriebs-  „ml  Lebenslies
  wirths,.haftlieh  «elbstständi&amp;gt;en  Individni.ms
SfSi
        <pb n="113" />
        80

mir  ein  licscliriinktcr  Wiikuiijiskieis  iil)ei-tra}teu  wird,
sondern  ancli  die  Autnalnne  eines  Tafilöliners  meinoder
  aneil  sclioii  ein  Wechsel  in  der  l'erson,  seihst
nur  eines  solchen,  ehenso,  wie  jede  l'ersonaländeriiiiK,
ini  Haushalte  als  veränderte  Hetriehs-  und  Lehensweise ­
  des  Unternehniers  eniiifiinden,  sobald  eine  solche
Veränderung  nur  durch  diesen  seihst  und  nicht  etwa
durch  hierzu  hestelltc  Organe  vorgeuonnnen  wird.
Dass  wir  hier  nicht  hloss  eine  Aeuderung  der  Zahl
der  l'ersoneu,  sondern  auch  schon  einen  blossen
Wechsel  derselben  initanfiihren  nuissten,  riihi-t  daher,
dass  sich  zwei  l’ersoneu  niemals  identisch  nach  jeder
Hinsicht  entsprechen,  so  dass  eine  l’eisonalverändernug
ehenso  wirkt,  wie  die  Ersetzung  eines  lioinnaterialcs
oder  Werkzeuges  durch  ein  nicht  ganz  identisches.
Ferner  ist  die  zeitliche  Vertheihing  der  l’rodnktiou
lind  Koiisinntion  für  die  Hetriehs-  und  Lehensweise
von  wesentlicher  Bedeutung.  Hei  grossen  l’nteruehinungeu
  bildet  nicht  mir  der  Lehergaug  von  zwölfstiindigeui
  Tagcshetrieli  zu  achtzehnstüudigeni  oder
gar  zu  iiuunterhrochener  Tag-  und  Nachtarbeit  eine
wesentliche  Hetriehsändernug,  sondern  auch  eine  geringe ­
  Ucherschreitung  der  gewöhnlichen  Arheitsdaucr
wird  schon  hesondere  Vereiiihariiugen  mit  dem  zahlreichen ­
  l’ersonalc  erfordern,  während  allerdings  gerade

I.llrtiwKx’iivb-or  alle

V  a  &amp;amp;  1  kl  I  1  l*á  1

Gehilfen  arbeitet,  eine  ähnliche  Ueherschreitung  kaum
als  Aeuderung  der  Hetriehs-  und  Lebensweise  gelten
wird.  Hei  jenen  l’roduktionen,  die  nicht  das  ganze
.lahr  hindurch  fortgesetzt  werden,  ist  für  die  Hetriehs-
        <pb n="114" />
        81

"n.l  Lebensweise  auch  die  jiibrlielie  Arbeitsdaner  inass-«el)end;
  „ietit  minder  and,  die  Jal,.es/.eit  nnd  oft
selbd  die  Kalendertage,  welche  der  hetiettenden  Albeit
Ifewidinet  werden.  Nicht  mir  die  Dauer  der  Canina^ne,
»ondern  auch  der  Zeitpunkt  ihres  lle^iniies  nnd  die
dwa  notbwcndiifen  Unterbreeb„„sc„  konnnen  tiir  die
Hetnebsweise  einer  Ziiekeifabrik  und  anderer  land-'nrthsebattbeben
  Industrien  in  Hetraebt.  Noch  deiit-H-ber
  zei&amp;gt;t  sieb  der  Kintli.ss  der  .labreszeiten  nnd
besonders  der  weebselnden  WitteriinKSverbidtnisse  bei
der  Landwirtbsebaft  selbst,  da  hier  die  Eif,n,,„ff  versdnedener
  l'afre  tiir  die  versebiedenen  en
•■.  •normen  Verbältnissen  besondere  Dispositionen,  die
a  «  Aenderiinfren  der  Betriebs-  „nd  Lebensweise  em-"^'fdderlieb.
  Ein  iibniieber  Weebsel
Id  Lei  nabezii  allen  l'rodnktionen
«abiziineinnen,  da  immer  ein  Tbeil  des  Ta^es  oft
aueb  eine  längere  Zeitdauer,  zu  \'orbereit„n«s-",
  '"«;a'"ll'alb,nKsarbeite„  verwendet  werden  „iiiss.
ei  eisonen  endbeb,  welebe  jfanz  versebiedene  Be-•■utsz.weiife
  vereinigen,  wie  z.  B.  bei  dem  Kleinbauer,
'  .a-  nebst  der  Feldarbeit  eine  Hausindustrie  betreibt,
"H(  (  IC  Hetnebs-  und  Lebensweise  von  der  Zeit  beviuHiisst,
  die  auf  die  eine  oder  andere  Tbätiifkeit
verwendet  wird.
Hei  der  \  ertlieilnno-  der  Zeit  auf  Arbeit  nnd  l:r-‘0
  nn^  tiitt  es  am  dentlielisten  hervor,  dass  Hetriebsmi(
  Lebensweise  ein  nntrennlmres  (Janzes  bilden,
«*pitz  H.  Lieben.  Untenmeh.  üb.  d.  Tbeorio  d.  Prciaen.  6
        <pb n="115" />
        wenn  íineli  bei  Rentnern  und  Pensionisten  nnd  deij!,!.,
welebe  i&amp;gt;ar  keine  produktive  ddiätio-keit  entwiekeln,
oder  l&amp;gt;ei  Beamten,  Lelirern,  Ottieieren  ii.  s.  w.,  tiir
deren  Leistung*  das  materielle  Mass  fehlt,  von  einer
Betriebsweise  niebt  j»-es])roelien  zn  werden  pde^t.  Ks
ist  darum  die  %eiteintbeilnn^'  Überhaupt,  niebt  bloss
jene,  welebe  die  versebiedenen  Tbäti^keiten  regelt,
sondern  aueb  jene,  welebe  in  der  Erholnn^szeit  ein^ebalten
  wird,  für  die  Betriebs-  nnd  Lebensweise  von
wesentlieber  Bedeiituno-.  Es  ist  keineswegs  ^leieb^nlti^-,
wie  viel  und  welebe  Zeit  der  körperlieben  Erholung",
dem  Essen,  Seblafen,  Spaziren^eben,  Turnen,  Reiten,
Jaj&amp;gt;-en,  Reisen  nnd  ebenso  den  ^eisti^en  (Bndissen,
Lesen,  Sebreiben,  ^lusiziren,  Theater  und  Geselligkeit ­
  "ewidmet  wird.

20.  Ilio  Koiisiiinportioiieii.
Ebenso,  wie  bei  der  Arbeit  und  Erholung",  ist  die
Zeitdauer  aneb  versebiedenen  Konsumartikeln  i»e«»enüber
  für  die  Betril'bs-  und  Lebensweise  ebarakteristiseb.
Der  Verbraueb  von  Heiz-  nnd  Leuebtstotfen  richtet
sieb  bei  }&amp;gt;‘e}¿,‘ebener  Zahl  und  (%  rösse  der  ()eten  und
Brenner  wesentlich  nach  der  Brenndauer,  und  bei
manchen  Personen  bän^t  der  Verbraueb  an  ^eisti^en
Getränken  so  ziemlieb  von  der  Zeit  ab,  die  sie  im
Wirtbsbans  znbrin^en.  Bei  den  meisten  andern  Konsumartikeln ­
  bän&amp;lt;&amp;gt;t  der  Verbraueb  weniger  von  der
Dauer  des  jedesmaligen  Konsumes,  als  von  dessen
mehr  oder  minder  häutigen  Wiederholung'  al).  Es  bildet
        <pb n="116" />
        einen  grossen  Unterseliied  der  Lebensweise,  ob  Fieiseli
ni)erliauj)t  etwa  nur  an  einigen  liolien  Festtagen  oder
alle  Sonntage  oder  nielirinals  die  Woebe  oder  tä^lieb
oder  endlieb  nielirinal  des  Ta^es  genossen  wird;
man  kann  sieb  also  den  jäbrlieben  Fleisebverbraueb
in  ents])reebend  viele  Konsniii])oi*tionen  zerlegt  denken,
deren  Zahl  ein  ebarakteristisebes  Moment  der  Lebensweise ­
  bildet.  Während  nun,  solange  die  Zabi  der
Konsum])ortionen  eines  bestimmten  Aitikels  an  sieb
ferino*  ist,  das  Hinzutreten  einer  weiteren  Foilion
meist  als  Aenderun^  der  Lebensweise  empfunden
werden  wird,  wird  das  Gleiebe  bei  reieblieber  Verwendun^,
  d.  i.  bei  grosser  Fortionenzabl,  nur  dann
der  Pall  sein,  wenn  jemand  an  einer  in  allen  Details
^eregelten  Lebensweise  testbält.  Im  allgemeinen  wird
eine  so  strikte  Auttassun^-  der  Lebensweise  kaum  Flatz
i»reifen,  so  dass  der  Feber^an^-  von  300  zu  301,  302,
303  jäbrlieben  Fortionen  niebt  mebr  als  Aenderunj»'
der  Lebensweise  anerkannt  werden  wird.  ICbcnso
/ei«&amp;gt;t  sieb  die  versebiedene  Auffassung-  dessen,  was
versebiedene  Fersonen  ihre  Lebensweise  nennen,  darin,
ob  die  Frsetzun^-  aueb  nur  einiger  Konsumportionen,
z.  H.  von  Wein  dureb  eine  andere  Sorte,  oder  ob  die
etwas  häutigere  Verwendung-  eines  grösseren  Gerätbes,
einer  grösseren  Kuebenform  oder  Lampe  statt
einer  kleineren,  sebón  als  Aenderun^-  der  Lebensweise
angesehen  wird  oder  niebt.  Fine  Aenderun^,  die  aueb
wieder  aut  Vermebruno-  der  Konsumportionen  binausläutt,
  lie^t  vor,  wenn  ein  Hausvater,  der  tä^lieb  eine
bestimmte  \\  einsorte  ^eniesst,  ^ele^entlieb  aueb  einen
6*
        <pb n="117" />
        84

Gast  oder  die  anderen  Fainilienniit^lieder  daran  tlieilnelnnen
  lässt,  oder  wenn  in  einem  reielieren  Hanse
ausser  den  Tiseli^-enossen  ^ele^entlieh  aueli  das  Gesinde ­
  Zinn  Wein^eniiss  zu^ezo^en  wild,  während  es
allgemein  als  eine  Aenderuno-  der  Lebensweise  gelten
würde,  wenn  die  Zahl  der  Hersonen,  die  regelmässig-\\
  ein  &amp;lt;»-eniessen,  vermehrt  wird.
Die  Zahl  und  Art  der  Konsumjiortionen  eines
Artikels  hän^t  wesentlieh  aueh  davon  ah,  oh  derselbe,
wie  Hier  und  rahak,  nur  direkt  konsumirt  wird,  oder
aueh  ^-leiehzcitio’  oder  aussehliesslieh  nur  als  Kohoder
  I  lilfsstott'  einer  auf  Verkauf  ahzielenden  Produktion ­
  oder  zur  Herstellung-  der  mannigfaltigen,  erst  im
Haushalte  zu  bereitenden  Gegenstände  des  unmittelbaren ­
  (Genusses  dient.  Es  ist  eine  j»-anz  versehiedene
Lebensweise,  oh  Jemand,  der  im  Gast-  und  Katfee-1
  lause  lebt,  nur  fertige  Geriehte  bezahlt  oder  z.  H.
sein  Frühstiiek  aus  seihst  gekauften  Ingredienzien  bereitet ­
  oder,  oh  er  cndlieh  einen  eigenen  Haushalt
führt  und  daher  die  Marktartikel  roh  einkauft.  Der
Hetretfende  wird*im  ersten  Falle,  z.  H.  Zueker,  überhaupt ­
  nieht  kaufen,  im  zweiten  Falle  Zueker  nur  zum
Süssen  des  Katfees  oder  Idiees  benützen,  während
in  der  eigenen  Wirthsehaft  Zueker  aueh  zur  Herei  tu  ngder
  versehiedeilartigsten  Sjieisen,  zum  Süssen  roher
und  eingemaehter  Früehte  u.  s.  w.  gehraueht  wird,  so
dass  man,  abgesehen  von  der  Zahl  der  gleiehartigen
Konsum])ortionen,  eine  ganze  Reihe  ihrem  Zwecke
nach  versehiedener  unterseheiden  könnte.  Ebenso  ist
es,  um  noch  ein  anderes  Heis])iel  anzufübren,  für  die
        <pb n="118" />
        lk‘tnel).s-  und  Lclurnsweine  «(dir  l)(*z(*iclmend,  ob  Kolde
ausser  zur  KüHieufeueruu^  aueli  zur  l^idicizuu^-  eines
oder  inelirerer  Wolmräuiue  oder  aiieli  von  Geseliäftslokaleu
  und  Werkstätten  oder  eudliel.  auel.  zur  Heizungeines
  oder  inelirerer  kleinerer  oder  grösserer  Danipt'-kessel
  dient,  und  ob  z.  B.  eine  Znekeifabrik  dieselbe
oblensorte  wie  im  Kesselbanse  aneb  tnr  ihre  Knoebeiikolilenöfen
  benützt  oder  die  letzteren  etwa  mit  Holz
beheizt.
All«  (U.n  aiiifeführtoii  lieispioleii  ciliellt,  von  welclieii
  vci-scliieileiuM,  Momenten  die  Zahl  «ml  Aid  der
konaiin,,,Oldionen,  d.  i.  die  VerwendiiiiK«art  eine«
Artikel«  hei  irgend  einer  hestiininten  Hetriel.«-  und
ladiensweisc  eine«  Iiidividiiiini»,  ahhänjjt.  Aiieh  sehen
wir  an  dem  15ei«piele  der  Kohle,  dass  ein  Artikel
/.Uffleieh  Konsinntion«-  und  l'rodiiktionseiforderni««  sein
kann.  Eheiiao  kommt  es  nicht  selten  vor,  dass  der-«elhe
  Waííen  «ainint  Oe«,iann  hald  znm  \'eríínii¡ren
kahl  Zinn  Oesehiift  venvendet  wird,  oder  dass  die'
«Olheii  Lokalitäten  als  WohniniK  und  Werkstiitte  heuutzt
  werden  n.  s.  w.  Nicht  minder  niannigfaltiir  als
die  ver«ehiedenen  Verwendmiffsaiden,  die  ein  Artikel
uuni  Verhraneh  oder  Oehraneh  al«  Eiddrderni««  der
Konsumtion  oder  l’rodnktion  oder  heider  ziif.|eieh
kmleii  kann,  sind  aller  aneh  die  ller«telliiiiK«arten,
'lic  hei  der  Erzeiiifiins  einffehalten  werden  können.
hidiiifrt  ininilieh  nicht  hioss  jede  wesentliche,  «on-*^111
  hei  «tu  np;ei  Aiittassnnp^  aneh  «i  hon  eine  p^anz
KeriiiKt%i^e  Aenderniiff  de«  teehnisehen  Wifahren«,
'  or  zeithehen  Vertheiliing  der  IVodnktion  oder  de«
        <pb n="119" />
        86

bei  derselben  beseliäftij»ten  l’ersonals  eine  veränderte
Herstellungsart.  Jede  bestimmte  Betriebs-  und
Lebensweise  kommt  also  irgend  einem  einzelnen  konsumirten
  Artikel  gegenüber  in  dessen  Verwendungsart ­
  und  ebenso  jedem  produzirten  Artikel  gegenüber
in  dessen  Herstellungsart  zum  Ausdruek,  und  ganz  so,
wie  bei  der  Konsumtion  eines  Artikels  von  reieblieber
oder  sj)ärlieber  Verwendung,  wird  aiieb  bei  der  Produktion ­
  von  mebr  oder  weniger  intensiver  Betriebsweise ­
  ges])roeben.  Jede  Aenderung  der  Betriebs-  und
Lebensweise  bedingt  aueb  eine  Aenderung  der  Verwendungs-
  oder  Herstellungsart  eines  oder  mehrerer
Artikel,  und  dureb  die  Verwendungs-  und  Herstellungsart ­
  aller  Artikel  wird  die  Betriebs-  und  Lebensweise
vollkommen  ebarakterisirt.
21.  Uroiizeii  für  dio  Fostimltuiig  oinor  bostiiimitoii
Botriobs-  1111(1  Lobeiiswoiso.
Aus  den  angestellten  Betraebtungen  gebt  hervor,
dass  jedes  wirtiisebaftliebe  Individuum,  das  unserer
urs])rünglieb(Mi  Annabme  gemäss  bestrebt  ist,  jew  eilig
auf  das  zweekmässigste  vorzugeben,  zu  fortwährenden
Aendernngen  seiner  Betriebs-  und  Lebensweise  gedrängt ­
  wird,  sobald  es  sieh  darum  handelt,  die  Jahresmenge ­
  irgend  eines  seiner  Produkte,  Produktionsoder ­
  Konsumtionserfordernisse  in  irgend  erhehlieher
Weise  zu  verändern.  Wollte  dagegen  jemand  an  einer
bestimmten  Betriebs-  und  Lebensweise  auch  über  die
Grenzen  ihrer  zweekmässigen  Geltung  hinaus  hart-
        <pb n="120" />
        ,:r,;v^  ;  ;,  ,  .v;';  ••

—  87  —

nUcki^  testlialteii,  so  würden  sieli  doeli  bald  Seliwierii^-keiten
  ergeben,  welche  sieb  einer  wesentlichen  Ver-^rössernn^
  oder  Verringerung  der  Men^e  ent^e^enstellen.
  So  wird  z.  B.  in  jeder  mit  I  )anij)fkraft
betriebenen  h  abrik  bei  ^(%ebener  Einrichtung  und
Aibeitsdauer  eine  Steigerung  der  Kohlennienge  und
somit  auch  der  ganzen  Produktion,  sowie  des  Verbrauches ­
  aller  übrigen  Produktionseifordernisse,  keinestalls
  weiter  getrieben  werden  können,  als  der  Fassungsraum ­
  der  Feuerungsanlage  Mussersten  Falles  gestattet.
Anderseits  wird  auch  die  Reduktion  des  Kohlenverbrauches ­
  und  der  Produktmenge,  wenn  dieselbe  eigensinnigerweise ­
  ohne  Verringerung  der  Arbeitsdauer,  der
Zahl  der  geheizten  Kessel,  des  Personales  u.  s.  w.
vorgenommen  werden  wollte,  Jedestalls  dort  ihre  Grenze
tindeii,  wo  die  autgeschüttete  Kohlennienge  zu  gering
wird,  um  die  I)ani))fentwickelung  ununterbrochen  in
(iang  zu  halten.  Selbstverständlich  kann  nach  oben,
wie  nach  unten,  auch  schon  viel  früher  eine  Schranke
gebinden  werden,  wenn,  wie  z.  H.  in  der  Textilindustrie, ­
  der  (Ring  der  S))innmaschinen  oder  meehanisehen
Webstühle  nicht  zu  sehr  beschleunigt  werden  darf,
ohne  die  (¿ualität  des  Produktes  zu  verderben,  und
aueh  nicht  zu  sehr  verlangsamt  werden  kann,  ohne
dass  die  Widerstände  die  Masehinen  zum  Stocken
iMingen.  Aehnlieh  verhält  es  sich  mit  allen  Werkzi
  ugniaschinen,  während  bei  jenen  Industrien,  wo  Verdanijdiings-,
  (lährungs-oder  andere  ehemisehe  Prozesse
(ine  gewisse  iMillung  der  vorhandenen  (iefässe  voraussetzen, ­
  hierdurch  nach  beiden  Pichtungen  eine  Grenze
        <pb n="121" />
        88

ist.  Dieselbe  Holle  s])ielen  in  der  llaiislialtiino-
  die  Koeliiiesehirre  und  verseliiedene  andere
(ieräthe,  da  es  z.  H.  selnvieri^'  wäre,  in  einem  Zinnneroten
  das  Fener  mit  allzu  ^erin^en  llrennstotfmen^en
in  (Üan{i,-  zu  erhalten  oder  aiieli  allzu  {»-rosse  Mengen
in  der  {*-e{»:el)enen  Zeit  zu  verhrennen.
Aueh  wenn  die  Festhaltnn»-  einer  bestimmten  Betriebs- ­
  und  Lebensweise  niebt  an  soleben  teebniseben
Hindernissen  sebeitert,  werden  sieb  doeb  wieder  andere
Sebwieri{»-keiten  fnblbar  maeben.  Der  Unternehmer,
der  selbst  pbysiseb  tbäti»*  ist,  kann  seine  Leistunj»-niebt
  über  die  Grenze  der  Ersebö])fiin&amp;lt;»-  stei«»-ern.

während  er,  wenn  er  den  Betrieb  nur  nberwaebt  und
leitet,  aiieb  mit  dem  {»rossten  Anf{j,ebot  an  Milbe  und
Fner{»ie  die  Leistung-  seiner  auf  fixen  I^obn  an^ewiesenen
  Arbeiter  niebt  erbeblieb  über  das  {fewobnte
Mass  zu  stei{z,-ern  vermö{»-en  wird;  endlieb  wird  es  ihm
aiieb  l)ei  den  Aeeordarbeitern  niebt  {»•elin{»en,  deren
Leistun»»-  über  die  Grenze  ihrer  Frmüdnn{(  hinaus  zu
vermehren.  Es  ist  also  bierdureb  für  die  Vermehrung
(1er  Bro(lnktmen{»e  und  somit  aneb  für  den  Verbraueb
jedes  Froduktionserfordernisses  eine  unübersebreitbare,
obere  Grenze  {»esetzt.  Niebt  minder  wird  es  dem
Unternebmer  schwer  werden,  viel  weni{»er  als  die
{2,ewohnte  Meii{i;e  berzustellen,  solan{^-e  er  dennoeb
bartnäeki{»-  an  der  unveränderten  Arbeitsdauer,  Einriebtun{&amp;gt;-
  und  Arbeiterzabl  festbalten  wollte.  Zunäebst
wird  sieb  die  Unzufriedenheit  der  Aeeordarbeiter  {»eltend
  maeben,  welche  bei  einer  rednzirten  Arbeitsmen{fe
niebt  bestehen  können.  Aber  auch  die  Ta{»löbner
        <pb n="122" />
        89

werden  se]iwiei%  werden,  wenn  inan  ilnien  ziiniutliet,
die  f^anze  Arbeitszeit  vorsieliti^  und  langsam  mit  einer
Ariieitsmen^e  zu  verinin^en,  die  sie  bequem  in  viel
kürzerer  Zeit  bewältigen  könnten.  Der  I  nternebmer
sellist  endlieb  wird  erbiüite  Aufmerksamkeit,  Umsiebt
und  ^lübe  autvv  enden  müssen,  um  die  Kinbaltun^  der
reduzirten  Jabresmen^e  durebzusetzen.
Aueb  die  ^labresmen^e  eines  Konsumartikels  lässt
sieb  bei  Kestbaltun^  seiner  Verwendun^sart,  also  bei
bestimmter  Zabi  und  Art  seiner  Konsinnpoitionen,
niebt  über  gewisse  (irenzen  binaus  verdrössern  oder
verkleinern,  weil  jede  Konsumpoidion,  sobald  sie  über
die  )icn^e  binaus,  bei  der  sie  volle  Mefriedi^un^  ^ewäbrt,
  weiter  ^estei^fert  werden  soll,  Ueberdruss  er-Kjj^t.
  isiebt  minder  wird  die  Verkleinerung  der
Konsumportionen,  sofeni  sie  niebt  sebón  früher  an
teebniseben  Sebwieri^keiten  sebeitert,  dort  ibr  Ende
finden,  wo  die  einzelne  Portion  niebt  mebr  ausreiebt,
um  einen  wabruebmbaren  Genuss  zu  gewähren.  Wollte
ü.  H.  jemand  sieb  und  seinen  llaus^enosen  Hier  tä^rbeb
  nur  ein  Weinglas  oder  ^ar  nur  einen  Löffel  voll
zumessen,  so  würde  dies  gewiss  die  Ibizufriedenbeit
&amp;lt;lu*ser  Personen  erregen,  welebe  dasselbe  jäbrliebe
Piciquantum  weit  lieber  in  ausreiebenden,  wenn  aueb
selteneren  Portionen  ^eniessen  würden;  zu^leieb  würde
(lern  Hausvater  selbst  das  än^stliebe  Abzirkeln  der
1  Oltionen  nur  Al  übe  und  L  n^eduld  bereiten.
        <pb n="123" />
        Kurven  bestimmter  Betriebsund ­
  Lebensweise.

tl.  Der  Verlauf  der  Kurven  bestiunuter  Hetriebsiiiid
  Lebensweise.
'Protz  (1er  Sebwieri^keiten,  welelie  die  Kinlialtunj»*
einer  bestimmten  Betriebs-  und  Lebensweise  bietet,
sobald  es  sieb  darum  bandelt,  die  Jabresmen^e  irgend
eines  dabei  in  Betraebt  kommenden  Artikels  erbeblieb
zu  vermebren  oder  zu  vermindern,  wollen  wir  doeb
diese  Vorstellung"  festzubalten  versueben.  Wir  können
dann  in  Bezu^"  auf  jeden  Artikel,  dessen  Men^-e  ohne
Aenderun»"  der  Betriebs-  und  Lebensweise  variiren
kann  —  also  mit  Aussebluss  jener  Artikel,  von  denen
sebón  Ein  Stiiek  mebr  oder  weniger  eine  unzweifelbafte
  Aenderun^'  der  Betriebs-  und  Lebensweise  mit
sieb  bringt  —  eine  Kosten-  oder  Niitzliebkeitskurve
aufstellen.  Eine  Kostenkurve  ergibt  sieb,  wenn  der
betrettende  Artikel  bei  der  bestimmten  Betriebs-  und
Lebensweise  als  Produkt  verkauft  wird,  eine  Niitzliebkeitskurve ­
  aber,  wenn  der  Artikel  als  Eiiörderniss,
sei  es  der  Produktion,  sei  es  der  Konsumtiou,  oder
        <pb n="124" />
        91

aucli  beider  zu^leieli,  anj^ekauft  wird.  Selbstverstäiid-Heb
  können  wir  aneli  diese  Kurven  nur  unter  den
frülier  (1)  erwälinten  Voraussetzungen  aufstellen,  dass
die  individuelle  W  ertbsebätzunj»’  des  Oeldes  die  ^leiebe
bleibe,  und  dass  die  Preise  aller  anderen  Artikel  un-\eiänderlieb
  ^e^eben  seien.  Ks  ist  einleuebtend,  dass
die  Kurve  anders  ausfallen  würde,  wenn  die  übrigen
Aitikel  andeie  Preise  hätten.  l)ie  Herstellungskosten
jeder  Jabresmen^e  eines  Produktes  bänden  selbstverständlieb
  von  den  Preisen  der  llilfsstotfe  und  der
Nebenprodukte  ab,  doeli  inaeben  sieh  auch  die  Preise
&amp;lt;ler  Konsunitionserfordernisse  und  aneb  jene  sebeinbar
ji-miz  ferne  stehender  Artikel  geltend.  Ebenso  ist  die
Niitzliebkeit  eines  Produktions-  oder  Konsnintionserfordernisses
  von  den  Preisen  der  Produkte  und  aller
iibiijren  Eifoi  dernisse,  die  das  erste  re  erjj^änzen  oder
ersetzen  können,  abbän^i^.
Die  auf  irgend  einen  Artikel  bezogene  Kurve
bestiimnter  Betriebs-  und  Lebensweise,  sei  es  eine
Koshn,kurve  (Fi^r.  22)  oder  eine  Niitzliebkeitskurve
(  F  i^.  23j,  unterselieiden  sieb  von  den  früher  besproelienen
  Kurven,  welche  auf  der  Voraussetzung^  Jeweili«r
  vortbeilbaftester  Betriebs-  und  Lebensweise  beniben,
  wesentlieb  dadureb,  dass  sie  niebt  ini  Nullpunkte
des  Koordinatensystenies  ents]uin^en.  Es  kommt  dadui(li
  die  I  nmö^liebkeit,  die  ,labresmen^e  eines  Artikels ­
  bei  unveränderter  Betriebs-  und  Lebensweise
iu  s  I  nendliebe  zu  vermindern,  zum  Ausdrucke.  Anderst ­
  its  kommt  die  (dumtalls  schon  bes])roebene  -1  iimö«fliebkeit,
  die  dabresmen^e  irgend  eines  Artikels  über
        <pb n="125" />
        eine  gewisse  Grenze  liinaiis  zu  stei^ern,  dadureli  zmn
Ausdnieke,  dass  die  Kurven  xa  und  Iv  ebenso,  wie
die  frülier  l)eliandelten  Kurven,  naeli  reelitsliin  asyni-])t()tiseb
  zu  einer  Vertikalen  verlauten.  Dabei  sehen
wir  davon  ab,  dass  die  Kurven  meistens,  sowol  links,
als  reebts,  sebón  früher  bei  jenen  ]\Ien^en,  welebe

V\g.  22.

0

¡X’

aus  teebniseben  Gründen  niebt  überseliritten  werden
können,  abbreeben.
Die  Kostenkurve  xa  verläuft  im  allgemeinen  konvex, ­
  weil  sieb  l)ei  bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise ­
  deutlieber  noch  als  bei  der  \  oraussetzun^-  jeweilig ­
  vortbcilbaftester  Betriebs-  und  Lebensweise  das
früher  erwähnte  ])bysiolo‘»isebe  (besetz  geltend  maelit,
dass  die  Unannebmliebkeit  einer  weiteren  Leistung-
        <pb n="126" />
        93

um  80  mein*  empfunden  wird,  je  melir  ^leieiiarfi^e
Leistungen  sclioii  voran^e^an^en  sind.  Ueberdies
nimmt  ebenso  wie  die  Anstrengung  des  I  iiterneliiners
und  seiner  Hilfsarbeiter  mit  steigernder  Ibodnktmen^e
aneil  der  Antwand  für  die  sonstigen  IVodnktions-Fig.

  2:i.

——

ei-tordernisse  rascher  als  die  Ib'odnktmen^e  zu,  weil
die  letztere  bei  unveränderter  Metnebsweise  nur  dnreli

Hts(  blenni^un«»*  und  Foreirnn^  des  Betriebes  ^estei^ert
Werden  kann,  wobei  die  Ausnutzung  der  Kob-  und
Hiltsstotte  eine  immer  man^relbaftere  wird.  Dieselbe
bleibt  hinter  der  vollen  tbeoretiseben  Ausbeute  immer
        <pb n="127" />
        94

melir  zurück,  mir  die  Ausladen  für  die  Verfraclituuo*
und  auuälierud  aucli  jene  für  die  Verpaekuu«»“  steifen
mit  der  Produktiueu^-e  ^euau  i)ro})()rtioual.
Der  Umstand,  dass  mit  steifender  Verlirauclisineiife
  eines  Roh-  oder  Ililfsstottes  die  Produktmeiife
laufsamer  zunimmt,  briiift  es  mit  sieh,  dass  aueli  der
Krlös,  und  also  aueli  die  Nützlichkeit  jedes  Produktionserfordernisses, ­
  wenif-er  als  projiortional  zunehmen  und
daher  die  auf  ein  solches  hezofene  Kurve  Iv  im  allf'emeineu
  konkav  verlaufen  muss.  Diese  Kurve  hat
auch  einen  Scheitel  und  dann  einen  ahfallenden  Theil;
denn  jeder  Unternehmer  kann  hei  einer  hestimmten
Betiiehsweise  von  einem  einzelnen  Produktionserfordernisse, ­
  wenn  es  auch  unentgeltlich  zu  hahen  wäre,
doch  nur  eine  gewisse  Meiife  verwenden,  welche  ihm
volle  Refriedifuiif  fewährt;  mehr  könnte  er  nur  fefen

eine  angemessene  Aufzahluuf,  also  zu  einem  nefativen
  Preise  des  hetretfenden  Artikels,  ohne  Nachtheil
verarheiten.  Ist  die  Kurve  Iv  dafefen  auf  ein  hlosses
KousumtioiIserforderniss  hezofen,  so  macht  sich  das
früher  erwähnte  jihysiolofische  Gesetz  darin  felteud,
dass  hei  einer  Vermehrunf  des  Konsumes,  welche
hier,  also  hei  unveränderlicher  Verwenduiifsart  des
Artikels,  nur  durch  VerfTÖsseruuf  seiner  Konsumjmrtionen
  möflich  ist,  die  Nützlichkeit  der  fesammten
Jahresmeiife  zwar  zunimmt,  aber  immer  laiifsamer
zunimmt,  bis  die  Meiife  der  vollen  Befriedifinif  erreicht ­
  ist.  Bei  dieser  Meiife  hat  auch  jede  einzelne
Konsumportion  die  Grösse  erreicht,  die  nur  iifend
wün’schenswerth  erscheint;  eine  weitere  Verfrösserunf
        <pb n="128" />
        «1er  KonKinii)&amp;gt;ortíoi)cii  «ml  somit  der  .Jalircsmenjre
'viiido  «¡eilt  «lelir  aii^eiielim,  sonder«  ««aii^eiiclmi
ompfinide«,  so  dass  grössere  Jahresmeiige«  bei  ï'estlialtimg
  der  aiigeiioimneiie«  \'enve»d««gsart  des  Artikels ­
  mir  da««  kimsiimirt  werde«  würde«,  wen«  liierzii
d«uli  Koiisnmprümie«,  d.  i.  dureli  negative  Preise  des
Artikels,  ei«  Anreiz  geboten  wiire.  Die  riiaimebmliebkeit
  des  übergrosse«  Koiisumes  wird  sieb  sebliesslieb
zimi  Hiiüiierwimlliebeii  reberdriisse,  d.  b.  ins  l'iiemlliehe
  Steiger«,  was  grapbiseb  dadiireb  z«m  Ansdrneke
kommt,  dass  der  re,dite,  abfallende  Tbeil  der  \ützliebkeitsknrve
  asyiiiptotisidi  zii  einer  Vertikalliiiie  verliiuft.
  Ks  ist  aber  klar,  dass  eine  Kurve,  die  zuerst ­
  ««steigt,  eine«  Sidieitelpiiiikt  errei,bt  «ml  dann
ins  l'iiendlbbe  abfallt,  oliiie  naeli  re,dits  hi«  eine
liestiiiiiiite  Abszisse  z«  übers,  breiten,  «iebt  aiidm-s  als
ii«  ganzen  konkav  veilaute«  kan«;  ilies  gilt  also
von  der  Kurve  ;.r,  mag  diese  auf  eine«  Artikel  bezogen ­
  sei«,  der  als  Koiisiniitioiis-  oder  als  IVodiiktionsertbr,lerniss
  oder  in  beide«  Kigensebafte«  ziiglei.di
îHit’tntt.
Kndlicli  lico-t  CK  bei  der  zwisclien  Produktion  und
Kontsuintion  dureli^eliends  walmieliuilmren  Analogie
Halle,  jeder  Ko.stenkurve  bentiiuinter  Betriebs-  und
PobeiiHWeiHe  einen  dem  Selieitel  der  Niitzlielikeitskurve
analoo-en  llet'|mnkt  zuzusebreiben,  zu  deKHen  I.iuken
Kurve  wieder  aimteiot.  Hei  eintaelien  Arbeits-1^‘ÍHtuuoen,
  z.  H.  bei  weiblieber  Handarbeit,  tritt  e.s
l&amp;lt;bn  zu  I  a^e,  dasH  es,  wenn  eine  bestimmte  Arbeits-Z(.it
  ein^ebalten  werden  muss,  eine  gewisse  an^e-
        <pb n="129" />
        OG

iieliiustc  Meni»*e  j&amp;gt;ibt,  weil  die  Ungeduld,  die  .sieh  des
Arheiteiideii  hemäehti^t,  wenn  er  dieselbe  Zeit  mit
noeb  kleineren  Mengen  verbringen  soll,  ebenso  lästig'
empfunden  wird,  wie  die  dureb  grössere  Mengen  verursaelite
  Anstrengung'.  Diese  angenehmste  ^len^e,
bei  weleher  die  Kostenkurve  einen  Tiefpunkt  zeij&amp;gt;t,
ist  zu»'leieh  diejeni{&amp;gt;‘e,  die  aueh  dann  her^estellt  würde,
wenn  das  Produkt  nur  unentj»eltlieb  ab^e^eben  werden
könnte,  während  eine  weitere  Kinsebränkun*»'  der  Produktion ­
  nur  dann  statttindet,  wenn  noeb  eine  Aufzahlung ­
  an  den  Abnehmer  des  Produktes  erforderlieb
wäre.  Es  ist  daher  be^reiflieh,  dass  der  Tiefpunkt
und  vollends  der  links  ansteigende  Zwei^  der  Kostenkurve ­
  nur  ausnahmsweise  bei  gewissen  Artikeln
wahrnehmbar  sein  wird.  Meistens  brieht  die  Kostenkurve ­
  lan^e,  ehe  sie  ihren  Tiefpunkt  erreieht,  bei  einer
weit  grösseren  Men^e  ab;  aus  dem  j&amp;gt;leieben  Grunde
lässt  sieh  aueh  der  linke  Ast  der  Kurve  ;.y,  wenn
sie  auf  ein  Produktionserforderniss  bezogen  ist,  nieht
weit  naeh  unten  verfolgen.  Ist  die  Kurve  Iv  aut  ein
Konsumtionserforderniss  bezogen,  so  muss  bei  abnehmender ­
  dabresmen^e,  wenn  also  die  Konsum])ortionen
  allzu  klein  werden,  die  Niitzliebkeit  endlieb
o-anz  versehwinden.

23.  (iepieiikriimimiiigen.
Naehdem  wir  alle  Umstände  hervor^eboben  haben,
welebe  die  Konvexität  jeder  Kurve  x«,  sowie  die
Konkavität  jeder  Kurve  Iv  begründen  und  verstärken.
        <pb n="130" />
        07

müs.sen  wir  auch  der  cut^e^enwirkeudeu  Ursaelieii
gedenken.  Ikd  jeder  Produktion  ¿»iht  e«  aiisner  dem
IIau))t|)rodukte  aucli  Neheuprodukte  oder  miudesteus
AushcIiuss  und  Al)talle,  und  die  Jahresiueu&amp;lt;»'e  eines
jeden  dieser  Nehenj)rodukte  nimmt  in  der  Rej^el  rasclier
zu  als  jene  des  Hauptproduktes;  daher  steift  in  demselljen
  rascheren  Masse  auch  der  Erlös  dieser  Nebenprodukte, ­
  sobald  dieselben  verwerthhar  sind.  Dieser
Erlös  kommt  aber  bei  Ermittlung  der  Herstellungskosten ­
  des  Hauptproduktes  in  Abschlag,  so  dass  hierdurch ­
  die  Konvexität  der  auf  das  letztere  bezo«renen
Kostenkurve  ab^escbwäcbt  wird.  Durch  eben  diesen
Einfluss  wird  auch  die  Konkavität  jeder  auf  ein  Produktionserforderniss
  bezogenen  Niitzlicbkeitskurve  bestimmter ­
  Betriebs-  und  Lebensweise  vei  rin^ert,  da  durch
den  Nebenprodukterlös  und  dessen  relativ  raschere
Zunahme  die  Nützlichkeit  jedes  Hilfsstotfes  erhöbt  und
die  Abnahme  der  Nützlichkeit  jedes  weiteren  Verarbeitun^'sipiantums

  desselben  verlangsamt  werden  muss.
Wo  zahlreiche,  quantitativ  bedeutende  und  weHbvolle
Nebenprodukte  Vorkommen,  w  ie  in  einer  chemischen
Fabrik  oder  in  einer  Mablmüble,  welche  neben  der
feinsten  auch  noch  zahlreiche  andere  Meblsorten  bis
zur  Kleie  herab  erzeugt,  macht  sich  dieser  Einfluss
in  wirksamer  Weise  geltend.
Die  Kostenkurve  für  eine  bestimmte  Betriebsund ­
  Lebensweise  lässt  sich  statt  auf  das  Haiqitprodukt
ebensoout  auch  auf  ir&amp;lt;&amp;gt;end  eines  der  anderen  Produkte
bezoo'en  aufstellen,  sobald  nur  die  Preise  aller  anderen
Artikel,  also  nun  insbesondere  auch  jener  des  1  laupt-Auspitz
  II.  Lieben.  Untemuch.  üb.  &amp;lt;1.  Theorie  d,  1‘reises.  7
        <pb n="131" />
        98

])ro(lukte.s,  .sind.  Dies  von  allen,  also
aneh  von  den  nnnderwertln^en  IVodnkten,  und  es  liesse
sieh  für  eine  Zuekerfahrik  z.  Ik  die  Kostenkurve  einer
hestiiniuten  Betriehs-  und  Lebensweise  statt  auf  eine
der  erzeu^dcn  Zuekersorten  auch  auf  die  ]\ielasse,  die
an  Brennereien  verkauft  wird,  oder  auf  den  Knoehenkolilenstaul),
  der  an  elieinisehe  Fabriken  ab^e^eben
wird,  oder  auf  die  aus^elau^ten  Bübensebnitte,  die
als  Viebfutter  dienen,  oder  auf  den  Sebeideseblainin,
der  als  Dünger  verwendet  wird,  oder  endlieb  so&amp;lt;»ar
auf  die  Steinkoblenasebe,  die  nur  Fortsebatfun^’skosten
verursaebt,  beziehen.  Da  die  Frzeu^un^snien^e  des
]Iau|)t])roduktes,  des  Zuekers,  lanj^sainer  zuniinmt  als
jene  des  Nebenproduktes,  und  das  (Beielie  natiirlieb
aueb  von  dein  Zuekererlöse  ^ilt,  der  nunniebr  bei
Frniittlun^'  der  Herstellungskosten  des  betraeliteten
Neben])roduktes  in  Abzu&amp;lt;*’  zu  bringen  ist,  so  werden
aueb  hier  diese  Kosten  raseber  waebsen  als  die  erzeugte ­
  Aleñoe,  wodureb  der  iin  alloemeinen  konvexe
(diarakter  der  auf  das  Nebeiijirodukt  bezo^^enen  Kurve
xa  begründet  ist.  Fs  ist  daj»eoen  bei  einem  derartio-cn
Brodukte  fra^lieb,  ob  der  Aufwand  für  die  1  lilfsstotfe
raseber  zuneliinen  werde  als  die  Frzenounosineno-en.
Der  Verbraueb  jedes  1  lilfsstotfes  nimmt  zwar  ebenso,
wie  die  Frzeuo'un^"  jedes  Nebenproduktes,  raseller  zu
als  jene  des  Ilaujitjiroduktes,  aber  der  Verbraueli
eines  oder  mehre  rer  Broduktionserfordernisse  kann
bald  raseber,  bald  lano-samer  zunebmen  als  die  Menoe
des  Nebenjiroduktes,  auf  welebes  die  Kurve  xa  nun
bezooen  ist.  1  )er  Aufwand  für  jene  1  lilfsstotfe,  deren
        <pb n="132" />
        lîedarfsmeiioe  ruHclier  wächst,  steigert  die  Konvexität
der  Kurve  y.a\  da^ejfen  werden  alle  llilt'sstotte,  deren
Verhranehsnien^e  langsamer  zuniimnt  als  die  Erzeii-}^un^sinen^e
  des  betrachteten  Ahfallsstottes,  die  Konvexität ­
  der  Kurve  xa  ahschwächen.
Kei  Produkten  dieser  Art  kann  der  oben  erwähnte
l'all,  dass  sie  unentgeltlich  ah^c^ehen  werden,  sehr
leicht  Vorkommen,  da,  wenn  ein  Produkt,  wie  z.  H.
die  Melasse,  unverkäuflich  wird  oder  sogar  Fortschatfungskosten
  verursachen  würde,  darum  doch  die
angenommene  Betriebsweise  einer  Zuckeifahrik  ganz
wol  hei  behalten  werden  kann.  Demgemäss  wird  die
Kostenkurve  y«,  wenn  sie  auf  dieses  Produkt  bezogen
ist,  wie  in  Fig.  24,  unter  die  Ahszissenachse  herahreichen
  und  eineji  Tietpunkt  dort  aufweisen,  wo  die
durch  die  Abszisse  angegebene  Melassenmenge  gerade
so  gross  ist,  dass  deren  Herstellung  nur  dann  statttinden
  kann,  wenn  deren  Fortschatfung  keine  Kosten
verursacht.  Müssten  an  die  Fortschatfung  der  Melasse
noch  Kosten  gewendet  werden,  so  würde  sich  der
I  nternehmer  aut  die  Herstellung  kleinerer  Mengen
beschränken,  während  noch  grössere  Melasse-  und
somit  auch  Zuckermengen  nur  dann  erzeugt  werden
können,  wenn  die  Melasse  verwerthhar  wird.
Endlich  ist  noch  zu  bemerken,  dass  es  seihst
hei  strenger  Festhaltung  einer  bestimmten  Betriehsiind
  Lebensweise  möglich  ist  und  daher  auch  angestreht
  werden  wird,  durch  zweckmässige  Anpassung
&amp;lt;les  N  erhrauches  verschiedener  Konsnmartikel  an  die
wechselnden  Produktmengen  einer  allzu  raschen  Zu-
        <pb n="133" />
        100

nalinic  der  ÁnstrcH^im^-,  also  aiieli  der  Hersfelhm^^skosteii,
  eiit^eí^eiizmvirkeii.  So  wird  iianieiitlieli  ein
kleinerer  Unternelmier,  der  selbst  pliysiseb  arbeitet,
es  zweckmässig-  finden,  bei  steifender  Arbeitsleistniif
die  Konsnin])ortionen  seiner  Nabrnnfs-  und  Gennssmittel
  zn  verfrössern,  wodureb  die  frössere  Anstren-Fig.

  24.

CL

X'

.  fiiiif  weniger  eni])findlieb  wird;  dnreb  diese  Einwirknnf
  wird  die  Kriiininniif  der  Kostenknrve  x«,
sowie  aneb  jene  der  auf  irfend  ein  Eroduktionsertbrderniss
  bezofenen  Niitzliebkeitsknrve  A/',  vermindert.
Ferner  kann  ein  Ibodnzent,  z.  Ji.  ein  Haner,  der  das
Korn,  das  er  ])rodnzirt,  tb  eil  weise  aneb  selbst  konsnmirt,
  dnreb  eine  Einsebränknnf  des  Selbstverbranebes
        <pb n="134" />
        101

eine  Venneiiiun^-  der  Verkaiifsnien^e  mit  ^erin^erer
Anstrengung  erzielen,  als  dies  diireli  blosse  Stei^ernn^
der  Produktion  mö^lieh  wäre.  Nielit  minder  wird
die  Niitzliehkeit  von  Konsumstei^erun^en,  z.  11.  des
llanptnabrun^smittels,  dadurch  lau^samer  abiiehmen,
die  Konkavität  der  betrettenden  Kurve  ).r  also  dadurch ­
  verringert  werden,  dass  der  Unternehmer  bei
reieblieberem  Konsume  in  der  La^e  ist,  grössere
Arbeitsleistungen  zu  verl  iebten  und  daher  auch  grössere
Erlöse  zu  erzielen.  In  äbnlieher  Weise  wird  die  Abstumpfung ­
  gegen  wachsende  Konsummengen,  z.  B.
von  Kattee,  durch  die  ^lögliebkeit  abgesehwäebt,  in
geeigneter  Anpassung  auch  den  Zuekerkonsum  zu
steigern,  den  etwaigen  Tbeeverbraucb  aber  zu  vermiudern
  u.  dgl.
Aus  allen  diesen  Gründen  können  wir  bei  den
Kurven  bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise,  trotz
ihres  im  ganzen  unzweifelhaft  konvexen,  beziehungsweise ­
  konkaven,  Formebarakters,  die  Möglichkeit  des
Vorkommens  stellenweiser  Gegenkrümmungen  nicht  unbedingt ­
  aussebliessen,  und  zwar  schon  darum  nicht,  weil
es  bei  dem  geringen  Umfange  des  tbatsäeblieben  (ieltungsgebietes
  jeder  bestimmten  Betriebs-  und  Lebensweise
  gar  nicht  möglich  ist,  eine  solche  Kurve  an  der
Hand  der  Erfahrung  durch  eine  längere  Strecke  zu
verfolgen.
24.  Der  tangireiidc  Rüdiusvcktor.
Dieselben  Erwägungen,  wie  früher  (4),  und  die
gleiche  Konstruktion,  wie  dort,  führen  uns  auch  von
        <pb n="135" />
        102

(1er  Küstenkiirve  /?«  22  oder  24)  oder  von  der
NUtzliclikeitskurve  Iv  23)  zu  den  Al){;-eleiteten
'A  a  und  ÀV',  welelie  uns  die  Au^ebotskurvc  für  irgend
eines  der  Produkte,  bezieliun^-sweise  die  Nuelit'ru^ekurve
  naeli  einem  Produktions-  oder  Konsuintionserfordernisse,
  bei  der  unbenommenen,  bestimmten  l^etriebs-
  und  Lebensweise  darstellen.  Der  Umstand,
dass  die  Kurven  xa  und  Iv  niebt  im  Xull])unkte  ents])rinbeiï,
  bedin^t  iu  dem  Verlaute  ibrer  Ab^eleiteten
einib'e  auffallende  Abweiebunb'eu  von  jenem  der  Anb'ebots-
  und  Naebfrabekurve  vortbeilbaftester  Hetriebsuiid
  Lebensweise,  welebe  wir  trüber  kennen  b^dernt
babeii.  Zunäebst  beb'iunen  uatiirlieb  aiieb  die  Kurven
xd  und  }'v  niebt  im  Nullpunkte,  sondern  vertikal
über  oder  unter  dem  linken  Ende  der  ursprünblieben
Kurven  xa  oder  Xv.  Ferner  selmeiden  die  abbeleiteteii
  Kurven  die  ursj)rünblieben  im  Punkte  o,  wo  in
letzteren  Kurven  die  Taubente  und  der  Padiusvektor
zusammeufalleii;  dieser  taubirende  Padiusvektor  ist
bei  der  Nützliebkeitskurve  Iv  unter  allen  der  steilste,
bei  der  Kostenkurve  xa  aber  der  Üaebste,  und  er  ist
im  Falle  der  Fib’.  24  naeli  abwärts  b'i'i'icbtet.
Die  Piebtuiib  des  steilsten  Padiusvektors  der  Nützliebkeitskurve ­
  bezeiebnet  uns  den  böebsten  Preis,  zu
welebem  der  Ankauf  des  betreffenden  Artikels  bei  der
anbenuinmenen  Petriebs-  und  Lebensweise  b'erade  noeb
statttinden  kann  5  denn  bei  jedem  böberen  Preise  würde,
wie  die  Fib.  %eib't,  der  Aufwand  die  Nützliebkeit
übersteiben.  Ebenso  bezeiebnet  der  Üaebste  Padinsvektor
  der  Kostenkurve  xa  (Fi’b.  22)  den  niedrib'sten
        <pb n="136" />
        103

Preis,  zu  (lein  die  Produktion  und  der  Verkauf  des
betraeliteteu  Artikels  bei  der  ^edaeliteu  Betriebs-  und
Lebensweise  noeb  luö^lieb  ist,  da  bei  jedem  (feriu^eren
Preise  der  Lrlös  binter  den  Herstellungskosten  ziiriiek-Ideiben
  wurde.  In  Pi^.  24  bezeielinet  der  tan^irende
Radiusvektor  den  böebsten  negativen  Preis,  also  die
böebsten  Fortsebatfnn^skosten,  welebe  für  das  betreffende ­
  Produkt  anf^ewendet  werden  können.  Ferner
liezeiebnet  die  Aliszisse  des  Punktes  a  (Fi^.  22)  aiieb
die  Meiii»*e  der  wolfeilsten  Herstellung  der  ^len^eneinbeit,
  somit  der  gerilltsten  1  )nrebseliiiittskosteii  jenes
Produktes,  auf  welelies  die  Kurve  xa  bezoteii  ist.
Die  Dnreliselmittskosteii  jeder  Mente  werden  iiämlieli
dnreb  die  Rielitniit  der  Radienvektoren  der  Kostenknrve
  antefeben,  und  diese  werden  sowol  reebts  als
links  vom  Punkte  a  immer  steiler.
Zur  Reeliten  ihres  Sebnittjinnktes  mit  der  Niitzliebkeitsknrve
  li'  senkt  sieb  die  Xaelifrateknve  )!  v
zur  Abszisseiiaelise  herab,  sebneidet  diese  tenan  unter
dem  Selieitel|mnkte  der  erstereii  Kurve  und  verläuft
sebliesslieli  asymptotiseli  zu  derselben  Vertikallinie.
Fbenso  wird  aneb  die  Antebotsknrve  xa  zur  Reeliten
dnreb  die  Asyni|itote  der  Kostenknrve  xa  betrenzt
und  kann  die  Abszisseiiaelise  mir  tenan  dort  sebiieideii,
wo  letztere  Kurve  ihren  tiefsten  Punkt  bat.  Nach
links  bin  verlaufen  die  Abteleiteten  in  enttetentesetzter
  Riebtnnt  und  Kriimninnt,  wie  die  iirspriintlieben
  Kurven.
        <pb n="137" />
        25.  Relative  La^e  der  Kurven  verschiedener,
hestiininter  Betriebs-  und  Lebensweisen.

Um  die  IK'xiebim^'  %w¡Neben  Kurven  beNtinnnter
lind  soleben  vortlieilliaftester  IKdriebs-  und  Lebensweise ­
  besser  aiifziiklären,  können  wir  jede  mö^lieiie,
bestimmte  Betriebs-  und  Lebensweise  eines  wirtlisebaftlieben
  Individuums  dureb  je  eine  auf  densellien
in  seiner  Qualität  ^an%  unveräuderlieben  Artikel  A
bezogene  Kurve  xa  oder  Ir  zur  Ansebauun^-  liringen.
Diese  Kurven  werden  die  grösste  Mannigfaltigkeit
der  (Gestalt  und  La^e  aufweisen,  sie  lassen  sieb  aber
über  den  j»leieben  Abszissen  darstellen.  Selbstverständlieb
  ist  dies  nur  zulässig,  wenn  der  Artikel  «»enaii
bestimmt  ist,  genauer  als  dies  der  ^ewöbnliebe  Sjiraelio-ebraiieb
  erfordert,  naeli  welebem  Meid,  Zueker,  (larn,
Kohle  ete.  als  je  ein  Artikel  gelten,  während  wir  die
versebiedenen  Sorten  und  (Qualitäten,  sobald  sie  Urei«-unterseliiede
  bedingen,  als  selbstständige  Artikel  anseben ­
  müssen.
Ver{i,deielien  wir  nun  (Ui^'.  25)  zwei  auf  dasselbe
Produkt  Á  bezogene  Kostenkurven  je  einer  bestimmten
Betriebs-  .und  Lebensweise  x^a^  und  x.jCi.j  desselben
Individuums,  welebe  sieb  über  dem  Punkte  J  selmeiden,
so  zei^t  die  Ui^iir,  dass  kleinere  Mengen  als  (U  naeli
der  Betriebsweise  x¡  wolfeiler  berzustellen  sind,
während  grössere  Mengen  naeli  der  Betriebsweise
^2«2  íAerinoere  IIerstellunp;skosten  erfordern.  Ls  ist
deninaeb  die  Betriebsweise  Xja¡  für  kleinere,  x¿a¡¡  für
        <pb n="138" />
        105

grössere  Mengen  vorzuzielieii.  Eine  l^etriebsweise,
deren  Kostenkurve  wie  durchaus  liölier  verläuft,
würde  für  ^ar  keine  Meiifje  zweckmässig  sein;  wir
sehen  also,  dass  nehst  der  Fonn  auch  die  Höhenlage
jeder  Kurve  von  wesentlicher  Bedeutung  ist.
Die  Eifahrung  zeigt,  dass  es  unter  den  verschiedenen ­
  Elementen,  welche  die  Herstellungskosten  zu-Fig.

  25.

0

sammensetzen,  solche  gibt,  welche  mit  der  l’roduktmenge
  stetig  zu-  und  ahnehmen,  und  solche,  welche,
solange  die  Betriebs  weise  nicht  geändert  wird,  ganz
unabhängig  von  der  Produktmenge  die  gleichen  bleiben.
Zu  den  Auslagen  der  letzteren  Art  gehören  alle  festen
(iehalte  und  Löhne  vom  Direktor  und  Werkführer
bis  zum  letzten  Taglöhner,  nicht  aber  die  Accord-
        <pb n="139" />
        —  i()(;  —
1111(1  Stücklöline,  wiM'k'rs  alle  Mietli-  und  l*aclitj»i‘l(ler,
Zinsen  und  Ainortisationen.  Zn  diesen  Ansiaren  ^eliören
  ferner  die  Kosten  der  Helenelitnn^-  und  Helieiznnj»-der
  Lokalitäten,  sowie  jener  Tlieil  des  Koldenver-Inaiielies,
  der  zur  In^an^lialtnn^'  der  Maseliinen  wälirend
  der  ganzen  Hetrielisdaner  erforderlieh  ist,  oder
auch  das  sogenannte  Krhaltnn^fsfntter  der  Arheitsthiere,
wälirend  das  KoldeiHjnantnni,  sowie  das  Melirfntter,
das  dariihcr  hinaus  zur  Verrielitnn^-  der  eigentlichen
Arbeit  erforderlich  ist  und  also  von  der  Lrodnktnien^e
ahhän^'t,  nicht  hierher  gehört.  Ke^ie  und  A'oransla^en,
wie  die  angeführten,  können  auf  die  Form  einer  Kurve
hestinmiter  Hetriehs-  und  Lebensweise  keinen  FinÜnss
aiisnhen,  wol  aber  sind  sie  für  die  Höhenlage  jeder
solchen  Kurve  massgebend,  und  zwar  bringt  es  jede
Lrhöhnii”-  dieser  Ansiaren  mit  sieh,  dass  jede  für  die
hetretfende  Betriebs-  und  Lebensweise  ^'eltende,  auf
welchen  Artikel  immer  bezogene  Kostenknrve  y.a
hinanfrüekt,  während  da^e^en  jede  Nützliehkeitsknrve
Iv  sieh  nm  ebenso  viel  lierahsehieht.  Die  blosse  Aendernn&amp;lt;»-
  in  der  Höhenlage  einer  Kurve,  hei  sonst  völlig'
unveränderter  Form,  bewirkt  immer  auch  eine  1  lorizontalverschiehnnj»'
  des  Fnnktes  o  (Fi^\  22,  2Ö,  24)  des
tan^irenden  Radiusvektors,  während  die  ah^-eleitete
Kurve  durch  eine  solche  Aendernii”*  in  keiner  Weise
heeinflnsst  wird.
Eine  Betriebs-  und  Lebensweise,  welche  grössere
Rc^ie  lind  Voransla^en  —  län^'ere  Arbeitszeit,  zahlreieheres
  l’ersonal,  grössere  Investitionen  —  erfordert
als  eine  andere,  wird  also  dnreh  eine  Indier  verlan-
        <pb n="140" />
        c»

ao

—  107  —
fende  Kostenkurve  y.a  zum  Ausdnieke  ^ebraelit  und
kann  dalier  nur  dann  in  Hetraelit  kommen,  wenn  in
dieser  Kurve  der  Punkt  des  taiij^iremleii  Radiusvektors
weiter  re  ei  its  lie^t  und  sie  dalier  aueli  erst  bei  ^rösseren
  Mengen  steil  ansteigend  wird.  Sowie  im  kleinen
die  Vervieltalti^un^  und  genauere  Anpassung  der
Werkzeuge  für  ibren  Zweck  eine  Erböbung  der  \'orauslagen
  mit  sieb  bringt  und  die  zur  Herstellung  grösserer ­
  Mengen  erforderliebe  Anstrengung  vermindert,
so  wirkt  im  grossen  die  Verdrängung  des  Lastwagens
dureb  Eisenbabnen,  die  Ersetzung  der  Mensebenarbeit
dureb  die  Masebine  u.  s.  w.  l  eberall  bringt  der  industrielle ­
  Fortsebritt  eine  Erböbung  der  Investilionen
lind  Vorauslagen,  dagegen  eine  Verminderung  der  Betriebskosten ­
  dureb  zweckmässige  Verwendung  und
bessere  Ausnützung  der  Kräfte  mit  sieb.  Die  Herstellung ­
  klm'ner  Mengen  wird  dabei  kostsjiicliger,  aber
die  Jalires|)roduktmenge,  welebe  ohne  erbebliebe  Foreirung
  des  Betriebes  bergestellt  werden  kann,  nimmt
zu.  Es  ist  übrigens  zu  bemerken,  dass  niebt  jede
Investition  ein  1  lölierrüeken  der  Kostenkurve  bewirken
muss.  Wird  z.  B.  in  einer  Zuckerfabrik,  welebe  ibre
Melasse  selbst  zu  Spiritus  verarbeitet,  die  Einrielitung
der  Brennerei  vervidlkomnmet,  so  werden  die  Herstellungskosten ­
  des  Zuckers  zwar  dureb  diese  Auslage
erbölit,  zugleieb  aber  in  noch  stärkerem  Masse  dureb
den  Erlös  tur  den  mebr  erzeugten  Spiritus  vermindert.
Ebenso  kann  es  vortbeilbafte  Investitionen  gi  ben,
Welebe  sogar  eine  geringere  Erzeugung  des  Artikels
A  berbeifüliren.  Wenn  z.  B.  eine  Zuckerfabrik  dazu
        <pb n="141" />
        108

Ubergellt,  Wiirfelzueker  zu  erzeugen  und  eiitspreelieud
weniger  Brodzucker  auf  den  Afarkt  zu  bringen,  so
wird  die  auf  l^rodzueker  bezogene  Kostenkurve  dieser
neuen  Betriebsweise  sebón  bei  geringeren  Mengen
steiler  ansteigen  als  jene  der  früheren  Betriebsweise.
Nicht  weniger  Versebiedenheiten  werden  aneh  die
auf  ein  und  dasselbe  Prodnktions-  oder  Konsnnitionserforderniss
  A  bezogenen  Niitzlielikeitsknrven  verschiedener, ­
  bestimmter  l^etriebs-  und  Lebensweisen
desselben  wirthschaftlieheii  Individuums  wahrnehmen
lassen.  Eine  je  reiehliehere  Verwendung  des  Artikels
A  bei  einer  bestimmten  Betriebs-  und  Lebensweise
stattfindet,  desto  weiter  nach  rechts  wird  der  Sehcitelpnnkt
  der  auf  denselben  bezogenen  NUtzliehkeitsknrve
dieser  Betriebs-  und  Lebensweise  liegen,  wie  dies  in
Fig.  26  bei  der  Kurve  im  Vergieieh  zu  jener
l^v¡  der  Fall  ist.  Ob  in  der  Kurve  mit  längerer
Abszisse  des  Seheitelpnnktes  derselbe  aneh  höher
oder,  wie  bei  der  Kurve  tiefer  liegen  werde,
hängt  davon  ab,  ob  die  reiehliehere  Verwendung  des
Artikels  A  dem  Individuum  für  seine  Produktion  oder
für  seinen  persönlichen  Konsum  aneh  wirklich  eine
grössere  Niitzliehkeit  bietet  oder  nicht.  Dabei  werden
sowol  die  durch  die  reichlichere  Verwendung  erzielbaren, ­
  grösseren  Prodnkterlöse  oder  persönliehen  Genüsse, ­
  als  aneh  die  durch  den  grösseren  Konsum  etwa
bedingten  Mehranslagen  für  andere  zugehörige  Prodnktions- ­
  oder  Koiisnmtionserfordernisse  in  Betracht
kommen.  Auch  ohne  solche  zugehörige  Mehranslagen
kann  die  Nützlichkeit  einer  allzu  reiehliehen  Verweil-
        <pb n="142" />
        —  lOí)  —
(liin^  eines  bestimmten  Artikels  geringer  sein  als
jene  einer  massigeren,  da  z.  H.  spriebwürtlieb  niemand
wünsebt,  das  ganze  Jabr  bindiireb  täglicb  Rebhühner
Mz.  2G.

O

V,

4,

zu  essen.  Endlieb  kann  eine  Betriebs-  und  Lebensweise, ­
  deren  Kurve  wie  durebans  tiefer  verläuft
als  andere,  bei  gar  keiner  Menge  zweekmässig  sein.
        <pb n="143" />
        Zusammensetzung  der  Kurven
vortheil  härtester  Betriebs-  und
Lebensweise.

2().  Die  ^eriii^Hteii  Herstellungskosten  und  die  grösste
Niitzlielikeit.
Deidvcii  wir  uns  nun  sännntliclie,  iin  Laufe  der
betraeliteten  Kpoehe  inö^lielien,  bestiininten  Hetriehsnnd
  Lebensweisen  eines  wirtbsebaftlielien  Individnnins,
bei  weleben  der  (¡nalitafiv  stets  ^leiebe  Artikel  A  vnrkonnnt,
  in  Liner  Fi^nr  dnreb  die  entsj)re(*benden,  auf
eben  diesen  Artikel  bexe^enen  Kosten-  und  Xiitzliebkeitsknrven
  dar^estellt,  so  werden  diese  Kurven
ansserordentlieb  zablreieb  sein  und  diebt  auf  einander
folgen.  Da  näinlieb  oft  sebón  ^'erin^fü^i&amp;lt;*e  Aendernn^en
  der  Zeiteintbeilnn^^',  des  Personales,  derWerksvorriebtnn^en
  oder  Gerätbe,  der  Qualität  der  anderen
Artikel  n.  s.  w.  den  Ueber«an&amp;lt;&amp;gt;-  zu  einer  neuen,  wenn
aneb  nur  weni^'  versebiedenen  Hetrie))s-  und  Lel»ensweise
  bedingen,  wird  jedermann  selbst  bei  den  einfaebsten
  Produktionen  und  dem  besebeidensten  Hans-
        <pb n="144" />
        Ill

lialte  zwisclien  zalilreiclien  Betriebs-  mid  Lebensweisen
zu  wälilen  baben.  Wenn  aiieli  liei  grösseren  I  nternebiniinf»en,
  sowie  in  reieben  Häusern,  nielit  sebón
jede  Kleinigkeit  als  Aenderiin^  der  Betriebs-  und
Lebensweise  i»ilt,  wird  darum  doeb  die  Zabi  der  als
inö^lieb  in  Betracbt  kommenden  Aenderiin^en  liier
i»ewiss  niebt  ^erin^er  sein.  Sobald  wir  aber  nun  bei
dem  betraebteten  Individuum  niebt  mehr  ein  bartnäeki^es
  Festbalten  an  irgend  einer  bestimmten  Betriebs- ­

  und  Lebensweise  annebmen,  sondern,  wie  sebón
ein^an^s  der  ganzen  Untersuebun^,  das  Bestreben
voraussetzen,  jede  Jabresmen^e  des  Artikels  À  in
wolt'eilster  Weise  berzustellen,  werden  von  allen  denkbaren ­
  Kostenkurven  bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise ­
  mir  diejenigen  in  Betraebt  kommen,  welebe
wenigstens  in  einem  riieile  ihres  \  erlautes  tiefer
liefen  als  alle  anderen,  und  zwar  nur  mit  eben  diesen
Streekeii.  Fassen  wir  sonaeb  diese  bervortretenden
Kurvenstreeken  zusammen,  so  erbalten  wir  die  unre^elmässio-
  ^ebroeliene  Linie  der  gerilltsten  I  lerstelluntskosten
  .  .  .  rf  (Fit.  u  oder  bj.  Die  analofe
Voraussetzunt,  dass  jedes  Individuum  bestrebt  sei,
jede  Verbrauebsmeiite  von  A  so  zu  verwenden,  dass
sie  die  t&amp;gt;‘&amp;gt;sstmötliebe  Nützlichkeit  t^^währe,  fiilirt
uns  dabin,  in  t^^iHier  Weise  von  allen  denkbaren
Niitzlicbkeitskurven  bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise ­
  nur  die  bervortretenden,  böebsten  Strecken  zu  der
tobroebenen  Linie  der  t'i'dssten  Nützlichkeit  .  .  .  n
(tif.  2&amp;lt;S)  zusammen  zn  fassen.  Jede  Ordinate  der
einen  oder  der  andern  dieser  t^broebenen  Linien  lie-
        <pb n="145" />
        112

zeiclmet  die  ^crin^stcn  nerstelliiiiíçskosten,  welche
(las  Individuum  hei  den  ^e^eheueu  Preisen  aller

Fi{?.  27  a.

r

,  '  /  }i

kJs  k

anderen  Artikel  auf  die  Herstellung  der  hetreffeudeu
Menjic  des  Artikels  A  aufwenden  muss,  oder  die

Fiff.  27  1».

O  &amp;gt;

/  —

je

A.2

o-rösste  Nützlichkeit,  welche  die  hetretfende  Men^e
ihm  gewähren  kann.  Da  ferner  jede  eontinuirliehe.
        <pb n="146" />
        113

zwischen  je  zwei  aufeinanderfolgenden  Eckpimkten
liegende  Strecke  dieser  Linien  der  Kurve  je  einer
bestinnnten  Betriebs-  und  l^ebensweise  an^ebört,  so
sellen  wir  auch,  welche  Betriebs-  und  Lebensweise
für  jede  Men^e  des  Artikels  A  die  geeignetste  ist,
und  innerhalb  welcher  Grenzen  sie  dies  bleibt.
Da  die  Linien  XjS,e2  .  .  .  a  und  .  .  .  n  aus
lauter  Kurven  bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise
Kiff.  28.

4

kJ,

ks  f.

zusammenx^esetzt  sind,  können  sie  ebenso,  wie  diese,
nicht  im  Nullpunkte  beginnen  und  nach  rechtshin
nicht  anders  als  asymptotisch  ansteigend,  beziehungsweise ­
  absteigend,  zu  einer  Veilikallinie  verlaufen.
Durch  Letzteres  kommt  die  Tbatsacbe  zum  Ausdruck,
dass  auch  bei  zweckmässi^stcr  Wald  der  Betriebsund ­
  Lebensweise  sowol  der  Erzeugun^,  als  auch
dem  Verbrauche  jedes  Artikels  bei  irgend  einer  endlichen ­
  Men^e  uniibersteiglicbe  Schranken  gesetzt  sind.
Auspitz  u.  Lieben.  Untersiirh.  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.  8
        <pb n="147" />
        114

Ferner  muss  die  Linie  ^8)  i'otliwendi^^erweise
  Uber  die  Abszissennehse  einpoiinj^en,
wenn  anders  der  Verl)raneb  des  Artikels  A  tiir  das
betraebtete,  wirtbsebaftliebe  Individiinm  niebt  völlig'
ans^eseblnssen  sein  soll,  während  die  Linie  a/4  -  •  •  öf
entweder,  wie  in  Fig*.  27  a,  ^anz  Uber  odei,  ^&amp;gt;ie
in  Fií?.  27  b,  aiieb  tbeilweise  unter  der  Abszissenaebse
  verlaufen  kann  ;  letzteres  wird  eintreten,  sobald
aneb  nur  eine  einzige  der  mit  in  Hetraebt  kommenden ­
  Kostenknrven  bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise,
  wie  in  Fig.  24,  unter  die  Abszissenaebse  berabreiebt.


27.  Aiisscbeidiiiig  der  iiiizweckmässigeii  Mengen.
Wir  haben  bei  Anfstellnng  der  Kosten-  und  Niitzliebkeitsknrve
  vortbeilbaftester  Betriebs-  und  Lebensweise ­
  angenommen,  dass  jedes  einzelne,  wirtbsebaftliebe ­
  Individiinm  sieb  bei  völlig  freier  Konkurrenz
auf  dem  grossen  Markte  so  benähme,  als  wenn  sein
Angebot  und  seine  Naebfrage  ohne  Fintlnss  auf  die
]Vrarkt])reise  bliebe.  Sehen  wir  dieser  Voraussetzung
gemäss  davon  ab,  dass  sebón  dureb  das  Auftreten
eines  Einzelnen  der  Preis  seines  Produktes  gedruckt,
jener  seiner  Produktions-  und  Konsumtionserfordernisse ­
  gesteigert  werden  könne,  so  sind  wir  in  der  Lage,
bei  dem  Bestände  irgend  eines  Marktjneises  des  Artikels ­
  A  ans  unserer  grapbiseben  Darstellung  (Fig.  27)
die  Jabresmenge  zu  ermitteln,  deren  Herstellung  und
Verkauf  fUr  das  Individuum  am  vortbeilbaftesten  ist.
        <pb n="148" />
        115

Wenn  wir  näinlieli  jene  Abszisse  anfsuclien,  l»ei  welclier
  (1er  Vertikalal)stand  der  betreffenden  Preislinie
Uber  der  gebroelienen  Linie  x,6¡e¡  .  .  .a  am  grössten
ist,  so  haben  wir  damit  die  Men^e  des  Artikels  A
gefunden,  welebe  bei  dem  bestellenden  ^tarktpreise
den  grössten  Uebersebiiss  des  Erlöses  Uber  ihre  {’gerilltsten ­
  nerstelliiiit«kosten  ei’tibt.  Daraus  fol^t,  dass
die  Ricbtnnt  des  Uaebsten  Radiusvektors  Oh^  an  die
gebroebene  Linie  x¡s¡t2  .  .  .  a  (Fig.  27  a)  den  Mininialpreis
  angibt,  zn  dem  das  betrachtete  Individuum
den  Artikel  A  Überhaupt  noch  berstellen  und  verkaufen
kann;  denn  bei  jedem  niedrigeren  Preise  bliebe  der
Erlös  selbst  hinter  den  geringsten  Herstellungskosten
zuriiek.  Die  ents])reehende  Abszisse  Ok¡  gibt  die
Minimalmenge  des  Produktes  A  an,  kleinere  Mengen
sind  völlig  ausgeseblossen.  Das  Gleiebe  gilt  aucb
in  den  Fällen  der  Fig.  27  b  mit  dem  einzigen  Untersebiede,
  dass  der  hier  abwärts  verlaufende  Radiusvektor ­
  Oh,  einen  negativen  Minimaljireis,  d.  i.  höchste
Fortschaffungskosten  des  Produktes  A,  bezeichnet.
Wenn  nun  diese  Fortscbaffungskosten  geringer  werden
oder,  um  zu  dem  einfacheren  Falle  der  Fig.  27  a
zurU(‘kzukebren,  der  Verkaufspreis  des  Produktes  A
Uber  die  Minimalgrenze  Oh,  steigt,  wird  auch  die
Abszisse  des  grössten  Vertikalabstandes  der  betreffenden ­
  Preislinie  Uber  der  gebrochenen  Linie  x,e,£¡  .  .  .  a
wachsen,  also  eine  grössere  Jaliresmenge  von  A  zu
Markte  gebracht  werden.  Dabei  wird  jene  bestimmte
Betriebs-  und  Lebensweise,  welche  der  durch  den
Radiusvektor  Oh,  getroffenen,  continuirlicben  Strecke
8*
        <pb n="149" />
        IIG

(1er  oc])roclieiicii  Linie  entspricht,  bis  zu  dci  IMen^e
Oll  beibehalten.  Diese  ^Icn^e  wird  dnreb  den  Punkt
il  bestimmt,  von  dem  ans  sieb  die  tlaebste,  gemeinsame ­
  Taiiocntc  iX  an  die  bisher  geltende  nnd  an
irgend  eine  andere  Kurven  strecke  ziehen  lässt.  enn
nnn  gerade  jener  IVlarktpreis  OFi  des  Artikels  A  besteht, ­
  welcher  durch  die  Richtung  der  gemeinsamen
Tangente  iih^  an^e^eben  wird,  so  ergibt  sieb  für  das
betrachtete  Individuum  ^enau  derselbe  ErlösUbersebuss,
mao-  dasselbe  nun  —  unter  Beibehaltung  seiner  bisherigen ­
  Betriebs-  und  Lebensweise  —  die  kleineic
Menge  Oli  oder  aber  —  unter  Annahme  der  betretfenden,
  intensiveren  Betriebs-  und  Lebensweise  —  die
grössere  Menge  Ok,  berstellen.  Dieser  ErlösUbersebuss
ist  zugleich  der  grösste,  der  beim  Bestände  des  Preises
OPi  erreicht  werden  kann.  Bei  niedrigeren  Preisen
sind  kleinere  Klengen  als  Oli  die  vortbeilbaftesten,
während  bei  höheren  Preisen  nur  grössere  Mengen
als  Ok,  den  höchsten  ErlösUbersebuss  geben  wUrden.
Wir  sehen  demnach,  dass  die  Herstellung  oder  der
Verkauf  der  IMengen  zwischen  Oli  und  Ok¡¡  bei  gar
keinem  Preise  vortheilhaft  sein  kann,  nnd  dass  dabei
auch  die  ganze  Strecke  der  gebrochenen  Linie  zwischen
¡I  und  h,  nicht  zur  Geltung  kommt.  Ebenso  werden
alle  jene  Kurvenstreeken  ausznseheiden  sein,  welche
durch  gemeinsame,  tlaehste  l  angenten  u.s.  a\.
UberbrUekt  werden,  gleichviel  ob  diese  Tangenten  von
einer  Kurve  bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise
mir  bis  zur  nächsten  Ubergehen  oder  deren  mehrere
Überspringen.
        <pb n="150" />
        117

Endlich  führen  Schritt  für  Schritt  analoge,  auf
die  ^ehrocliene  Linie  .  .  .  n  (Fiji.  28)  anj*ewendete
Betraclitiinjien  dahin,  auch  alle  jene  Verhranchsinenj^en
des  hetrachteten  Artikels  A  als  iinvortheilhaft  aiiszuscheiden,
  die  kleiner  sind  als  die  Alininialmenjre
Ok¡  oder  welche  zwisehen  Olj  und  Ol¿  und  Ok^
u.  8.  w.  liejien;  hier  bezeichnet  also  die  Kichtunji  des
steilsten,  tanj»irendcn  Radiusvektors  Oh¡  den  Maximal ­
  preis,  hei  dessen  lleherschrcitunji  der  Ankauf
des  Artikels  A  seitens  des  betrachteten  Individuums
l)ei  den  bestehenden  Freisen  aller  anderen  Artikel
rationellerweise  einj^estellt  werden  muss.
28.  Konvexität  und  Konkavität  der  Kurven  vortlieilhaft(‘ster
  Betriebs-  und  Lebensweise.
Fassen  wir  nun  die  in  Fijf.  27  a  oder  h,  sowie
in  Fiji;'.  28,  nach  Ausscheidunjf  aller  ühcrhrückten
Strecken  ührij*'  hleihenden  Kurvenstückchen
lts¿^  u.  8.  w.  mit  den  sich  tanj^ential  anschliessenden,
j^eraden  Strecken  Oh¡^  u.  s.  w.  zusammen,
so  erhalten  wir  (Fijç.  21)  a  und  h  und  Fij*'.  30)  das
einemal  die  Kurve  Oí?,  das  anderemal  aber  die
Kurve  Ow,  die  beide  im  Nullpunkte  entsprinj^en.  In
der  Kurve  (Ja  ist  jede  Tanjfente  steiler,  in  der  Kurve
()n  aber  ist  jede  Tanj^ente  Hacher  jf  estel  It  als  alle
vorherjfehenden.  Diese  Kurven  sind  nichts  anders  als
die  fniher  (7)  j&amp;gt;eschilderte  Einzelkosten-  oder  Nützlichkeitskurve ­
  eines  bestimmten  Individuums,  auf  einen
j»'enau  detinirtcn  Artikel  A  bezoj&amp;gt;'en;  denn  wir  sind
        <pb n="151" />
        118

nur  auf  uuscre  ursprüngliche  Voraussetzung  ziiriiek-^ekommeii,
  dass  dieses  Individuum  bei  jedem  bestimmten ­
  Preise  des  Artikels  A  jene  Meu^e  desselben
berstelle  oder  verbraucbe,  welche  bei  den  ^e^ebeueu
Preisen  aller  anderen  Artikel  die  vortbeilbafteste  ist.
Wir  sehen  nun  auch,  dass  Gegenkriimmun^en,  die
Fig.  2!t  n.

in  den  Kurven  bestimmter  Hetriebs-  und  Lebensweise
etwa  aiiftreteii  mö^en,  ^anz  belanglos  bleiben,  weil
solche,  wenn  sie  Überhaupt  in  der  gebrochenen  Linie
ZjtjBa  ...  a  oder  .  .  .n  ersebeineii  sollten,  ganz
ebenso,  wie  die  Eekimnktc  dieser  Linien,  durch  geradlinige ­
  Tangentialstrecken  überbrückt  werden  müssen.
Damit  ist  der  früher  (2  und  3)  unvollständig  gebliebene
        <pb n="152" />
        lio

Nachweis  zunächst  für  die  Eiiizclkurveii  erbracht,  dass
jede  Kostenkurve  konvex,  jede  Nützlichkeitskurve ­
  aber  konkav  verlaufe;  dass  das  Gleiche
aber  auch  für  Gesaniintkurven  gelten  müsse,  geht
daraus  hervor,  dass  ja  die  Kombination  der  Einzelkurven ­
  zu  Gesammtkurven  darauf  beruht,  die  aufeinander ­

  folgenden  Tangenten  nach  ihrer  Uiehtung  zu
ordnen  und  aneinander  zu  reihen,  so  dass  durch  die
Kombination  niemals  Gegenkrümmungen  entstehen
können.  Weiters  bemerken  wir,  dass  jedes  der  in
den  Kurven  (Ja  und  On  vorkommenden,  krummen
Stückchen  /¿.,4  u.  s.  w.  je  einer  bestimmten
Betriebs-  und  Lebensweise  entspricht,  welche  für  die

Fig.  21t  1»,

0

'u
        <pb n="153" />
        120

(lureli  (lie  betrelt'enden  Abszissen  aii{»’egebeneii  Jahresnieiift’en
  des  Artikels  A  die  zweekmässi^ste  ist.  Die
Horizontalansdebniing  dieser  krummen  Stücke  ist  Avenu
dies  ancb  in  unserer  Fi^nr  nicht  überall  deutlicb  bervortreten
  konnte)  im  Vergleiche  zu  jener  der  Tan-^entialstrecken
  eine  gerin^-e;  dies  bringt  den  wiederholt
betonten  Umstand  znm  Ansdrncke,  dass  der  Spielraum
für  Acndcrnn^cn  der  .  Iah  resinen  i&amp;gt;e  jedes  Artikels,

l’iiT.  30.

lu  i,

innerhalb  dessen  eine  bestimmte  Betriebs-  und  Lebensweise ­
  zweekmässi^erweise  fest^ebalten  werden  kann,
ein  sehr  besebränkter  ist.  Die  zwisebeidie^enden,  ji'eraden
  Strecken  iJt,  n.  s.  w.  lassen  erkennen,
dass  bei  den  dureb  ihre  Riebtiinj«-  angegebenen  Freisen
des  Artikels  A  Aenderun^en  der  Betriebs-  und  Lebensweise ­
  eintreten,  durch  welche  die  Znnabme  der  Jlerstellungskosten
  eines  weiteren  Frodiiktciuantums  oder
        <pb n="154" />
        121

bei  der  Kurve  Ou  die  Abnalmie  der  Niitzlicbkeit
eines  weiteren  Verln*anelis(jnantnins  des  Artikels  A
wesentlieli  langsamer  erfolgt,  als  wenn  an  einer  unveränderten ­
  Betriebs-  und  Lebensweise  fest^ebalten
werden  wollte.  Jede  dieser  Aendernn^en,  die  nin
so  einseimeidender  sind,  je  grösser  die  liorizontalansdebnnn^
  der  betreffenden,  {geraden  Streeke  ist,  erfordert ­
  einen  Kntseblnss,  der  nur  auf  Grund  einer
inebr  oder  weniger  eingebenden  I  eberlegnng  gefasst
werden  kann.  Die  geradlinige  Anfangsstrecke  ühj
zeigt  gleicber  Weise  an,  dass  beim  Minimal-,  beziebnngsweise
  Maximal]n*eise,  der  Uebergang  zu  einer
Betriebs-  und  Lebensweise  vor  sieb  gebt,  bei  weleber
  der  Verkauf  des  Produktes  A,  beziebnngsweise
der  Ankauf  des  betracbteten  Artikels,  ganz  ausgeschlossen ­
  ist.
Die  in  der  Kostenknrvc  Oa  und  in  der  Niitzlicbkeitsknrve
  Ou  wabrgenommene  Aufeinanderfolge
gerader  und  krummer  Strecken  muss  sieb  natnrlicb
ancb  in  den  abgeleiteten  Kurven  —  in  der  bei  vortbeilbaftester
  Betriebs-  und  Lebensweise  des  betracbteten ­
  Individuums  geltenden  Angebotsknrve  G«  oder
Nacbfrageknrve  On'  des  Artikels  A  —  wiederholen.
Die  gerade  Anfangsstrecke  Oh¡  ist  in  Fig.  29  a  und  b
den  Kurven  Oa  und  Oa!  oder  Fig.  30  den  Kurven
Oll  und  Oll  gemeinsam,  während  vom  Funkte  h,
ab  durch  den  Finffnss  der  krummen  Stücke  der  Vertikalabstand ­
  der  Abgeleiteten  von  der  ursprünglichen
Kurve  immer  grösser  wird.  Die  anderen  geraden
Strecken  A«,  u.  s.  w.  der  Kurven  Oa  und  On
        <pb n="155" />
        122

finden  sich  in  den  Ab¿»eleiteten  Oa  und  On  über
denselben  Abszissen  in  &amp;lt;&amp;gt;*enau  gleicher  Kiebtung  und
Länge,  und  zwar  als  Uadiusvektorstrecken  i¡  Ag,  ?g  //.i
n.  s.  w.  wieder,  während  auch  den  zwisebenliegenden,
kruninien  Stüekeben  h¡ij^  ebensolche  in
gleicher  llorizontalansdebnnng,  aber  in  vergrösserter
Vcrtikalausdebming,  entsprechen.  Die  so  entstehenden
gekrümmten  Strecken  /¿;?/,  /4*2  Km  ven
Oa  und  0)1  sind  zugleich  die  zur  Geltung  kommenden ­
  Theile  je  einer  Angebots-,  heziehnngsweise  Nachfrageknrve,
  bestimmter  Hetriebs-  und  Lebensweise,  und
diese  Kiirvenabsebnitte  werden  dmeb  die  Kadiiisvektorstrecken,
  deren  Hiebtungen  jene  Preise  des
Artikels  A  bezeichnen,  bei  welchen  Aenderungen  der
Betriebs-  und  Lebensweise  eintreten,  begrenzt  und
untereinander  verbunden.  Obwohl  diese  kontiniiiilieben
Kiirvenstreeken  durch  die  sie  beständig  iinterbreebenden,
  gleichsam  fächerförmig  aufeinanderfolgenden  Uadinsvektorstreeken
  auseinandergeseboben  erscheinen,
zeigt  die  Angebots-,  sowie  die  NaebtVagekurve,  doch
den  früher  (4)  geschilderten  Verlauf  und  besitzt  die
«•iiiiriikhoMstisebe,  LiiTcnscbatt,  (lass  die  Kadiusvektoiui

in  der  ersteren  immer  steiler,  in  der  anderen  immei
fiacber  werden.  Dies  gilt  vermöge  ihrer  Lntstebiingsart
  ganz  ebenso  auch  von  den  Gesammtkurven  des
Angebotes  oder  der  Nachfrage.  Wir  sehen  nun  schon
in  jeder  Einzelangebots-  und  Naebfragekurve  zahlreiche ­
  Eckpunkte  i],  4  n-  derselben  Art,  wie
wir  solche  früher  (8)  nur  bei  der  Kombination  von
Einzelkurven  zu  Gesammtkurven  kennen  gelernt  haben.
        <pb n="156" />
        so  (lass  jede  Angebots-  und  Naelifragekiirve  ein  sägeförmiges
  Aussehen  erhält.
29.  Kleinste,  markt  übliche  Mengeneinheiten.
Wir  haben  früher  (18)  bemerkt,  dass  die  ßenrtheiliing
  dessen,  was  noch  als  eine  unveränderte  Hetriebs-
  und  Lebensweise  und  was  schon  als  Aenderung
derselben  zu  gelten  habe,  innerhalb  ziemlich  weiter
Grenzen  dem  subjektiven  Ermessen  des  betrettenden
Individuums  anheimtälle.  Wird  nun  die  Auffassung
einer  bestimmten  Betriebs-  und  Lebensweise  immer
enger  und  strikter,  so  werden  schon  geringfügige
Modifikationen  im  Detail  des  Haushaltes  oder  Betriebes, ­
  die  sonst  anderen  Familienmitgliedern  oder
dem  Personale  überlassen  bleiben,  als  Aenderungen
der  Betriebs-  und  Lebensweise  empfunden  werden.
Wir  kommen  dann  zu  Kurven  genauer  bestimmter
Betriebs-  und  Lebensweise,  welelie  sieh  zu  den  bisher
  besprochenen  Kurven  bestimmter  Betriebs-  und
Lebensweise  ähnlieli  verhalten,  wie  diese  selbst  zu
den  Kurven  vortheiliiaftester  Betriebs-  und  Lebensweise. ­
  Dadurch  werden  auch  in  den  gebrochenen
Linien  der  geringsten  Herstellungskosten  X/fyty  .  .  .  n
(Fig.  27)  oder  der  grössten  Nützlichkeit  .  .  .  n
(Fig.  28)  die  Eckpunkte  immer  zahlreicher  hervortreten
und  in  immer  kleineren  Horizontalabständen  aufeinander ­
  folgen.  Endlich  wird  man  so  weit  kommen,
in  grossen  wie  in  kleinen  ITnternehmungen,  in  reichen
wie  in  ärmlichen  Haushaltungen  jedem  Stücke  mehr
        <pb n="157" />
        124

oder  weniger  eines  noch  so  nnhedentenden,  untlieilbaren
  Artikels,  also  selbst  jeder  Feile  oder  Zigarre,
oder  gar  jedem  Zündbölzeben  und  nicht  minder  aneb
jeder  noch  so  geringfügigen  Aenderiing  in  der  Zahl
lind  Art  der  Konsiim])ortionen  eines  tbeilbaren  Artikels ­
  die  Hedeutiing  einer  Aenderiing  der  Hetriebsiind
  Lebensweise  beiznlegen.  Dadiireb  wird  der  innerbalb
  einer  unveränderten  Betriebs-  und  Lebensweise
für  Mengenänderiingen  irgend  eines  tbeilbaren  Artikels
frei  bleibende  Siiielraum  zuletzt  ganz  versebwinden.
In  Wirklichkeit  erfolgt  nämlieb  der  Umsatz  auch  bei
iinendlicb  tbeilbaren  Artikeln  nach  gewissen  endlichen,
marktüblicben  Einbeiten,  so  dass  wir  es  schliesslich
bei  jeder  bestimmten  Betriebs-  und  Lebensweise  mit
je  einer  bestimmten  Zahl  solcher  Mengeneinbeiten  der
tbeilbaren  Artikel  gerade  so,  wie  mit  einer  bestimmten
Stückzahl  jedes  untbeilbaren  Artikels,  zu  tbiin  haben.
ln  unserer  grajdiiscben  Darstellung  werden  nun
die  gebrocbeneii  Linien  der  geringsten  11  erste!lungskosten ­
  und  der  grössten  Nützlichkeit,  die  früher  aus
kontinuirlicben  Kurvenabsclmitten  zusammengesetzt
waren,  in  eine  Ueibe  von  Punkten  zerfallen.  Diese
Punkte,  welche  in  g  leieben,  der  kleinsten,  marktüblieben
engeneinbeit  des  Artikels  A  ents])recbenden  llorizontalabständen
  aufeinander  folgen,  geben  diireb  ihre
Ordinaten  (Fig.  31  a  und  b)  die  geringsten  llerstelliingskosteii
  oder  (Fig.  32)  die  höchste  Nützlichkeit  der  betreifenden ­
  Anzahl  von  Mengeneinbeiten  an.  Von  diesen
Punkten  können  wir  dann  durch  Wiederholung  der
obigen  Betraebtungen  in  Fig.  31  alle  jene  aiissebeiden.
        <pb n="158" />
        125

welclic  liölicr  liegen  als  die  gerade  Verbindungslinie,
die  zwiseben  irgend  welchen  dieser  Punkte  gezogen
werden  kann,  wobei  der  Nullpunkt  als  erster  in  dieser
Reihe  niitznzäblen  ist.  Wir  erhalten  so  wieder  eine
Kurve  (Ja  und  in  ganz  analoger  Weise  in  Fig.  32
eine  Kurve  On\  beide  Kurven  bestehen  nunmehr  ans
lauter  geradlinigen  Elementen;  aber  diese  polygonalen

Kiif.  31  !i.

Linien  verlaufen  doch,  die  eine  konvex,  die  andere
konkav.  Von  der  Darstellung  der  Kurven  (ki  und
(hl  in  Fig.  29  und  30  nntersebeidet  sieb  die  jetzige
darin,  dass  in  Folge  der  genaueren,'man  könnte  sagen,
mikrosko]&amp;gt;iseben  Untersnebung  nun  aueb  jedes  der
dort  kontinnirlieb  gezeiebneten  Knrvenstüekeben
Juin  n.  s.  w.  in  eine  Reibe  sehr  kurzer,  geradliniger
        <pb n="159" />
        120

Elemente  aufgelöst  erseheint,  wobei  aneli  die  geraden
Streeken  Oh,,  i,lh,  »•  s.  w.  kleine  Aenderiingen
ihrer  lliehtnng  und  Lage  erleiden  können.  Demgemäss
zeigen  min  auch  die  Abgeleiteten  —  die  Angebotsknrve
  Oci  und  die  Naebtrageknrve  On  —  zwischen
ihren  bald  über  nur  eine,  bald  über  mehrere  Mengen-Fiff.

  311).

einbeiten  binwegreicbenden  Hadiusvektorstreeken  mir
lauter  genau  vertikale  Stücke,  indem  nunmebr  auch
die  früher  Fig.  29  und  30  gezeiebneten,  krummen
Stüekeben  h,i'„  n.  s.  w.  wieder  in  eine  Reibe
entsiireebend  feiner  Zäbncben  zerfallen.  Der  Umstand,
dass  die  Angebotskurve  mul  die  Nacbfragekiirve  vortbeilbaftester
  Betriebs-  und  Lebensweise  mm  nebst
        <pb n="160" />
        127

(len  Hadiusvektorstreeken  nur  lauter  ebenfalls  gerade,
nändieh  vertikale,  Elemente  aufweisen,  ändert  jedoeb
niebts  an  der  cbarakteristiseben  Eigenschaft  dieser
Kurven,  dass  jeder  folgende  Radiusvektor  in  Oa
immer  steiler,  in  On  aber  immer  tlaeber  gestellt  ist
als  alle  vorber^ebenden.  Wir  sehen  in  Fij»*.  32,  dass

Fig.  32.

liM;:
P  !ÍÍi!Í

A

I'

üüiMÜiiiii!

die  Zähne  der  Abgeleiteten  (dierbalb  der  Abszissenacbse
  spitzwiidceli^,  unterhalb  derselben  aber  stumpfwinkelig ­
  sind,  während  der  entgegengesetzte  Verlauf
der  Kurven  in  Fi^.  31b  die  ^e^entbeilix;c  Erscheinung
mit  sich  brinj&amp;gt;t  und  die  Abgeleitete  in  Fij^.  31  a  nur
stum])fe  Zähne  auf  weist.  Wir  bemerken  ferner,  dass
nur  solche  Schwankungen  im  Preise  Ö7^,  die  denselben
        <pb n="161" />
        128

iil)cr  (lie  (Im-eli  die  nächst  steilere  lladinsvektorstreeke
an^ejrebene  Grenze  steigern  oder  unter  die  nächst
haehere  Hndiusvektorstreeke  herahdrUeken,  einen  Kinhuss
  auf  die  Men^e  ausiil)en  werden,  die  das  hetraehtete
  Individuum  von  dem  Artikel  A  verkaufen
oder  ankaufen  wird.  Alle  innerhalb  der  hezeielineten
Grenzen  hleihenden  Preisänderun&amp;lt;»en  des  Artikels  A
werden  daher  ohne  eine  Aenderun^'  der  )len^e  nur
eine  ^enau  proi)ortionale  Aenderuno*  des  Erlöses,  ¡beziehungsweise ­
  des  Aufwandes,  mit  sieh  bringen.
Bei  allen  Artikeln,  deren  kleinste,  marktiihlielie
Mengeneinheit  im  Vergleiehe  zur  Jahresmenge  eine
sehr  geringe  ist,  werden  die  polygonalen  Linien  Oa
(Fig.  31)  und  On  (Fig.  32)  von  kontinuirliehen  Kurven
kaum  zu  unterseheiden  sein;  ebenso  nähern  sieli  die
gezahnten  Abgeleiteten  immer  mehr  einer  kontinuirliehen ­
  Kurve,  welche  durch  die  aufeinanderfolgenden,
rechtsliegenden  Endpunkte  der  Uadiusvektorstreeken
der  Kurven  Oa[  und  On'  (Fig.  31  und  32)  zu  ziehen
ist.  Doch  werden  auch  in  diesen  Kurven  nur  die
kleinen  Ecken  und  Zähne  der  Ahgeleiteten  verschwinden, ­
  während  etwaige  grosse  Zälme,  deren
Uadiusvektorstreeken  jene  Preise  angehen,  hei  uelelien
mit  Uehers])ringung  zahlreielier,  zwisehenliegendei
Klengen  einschneidende  Aenderungen  in  der  llerstellungs-
  oder  Verwendungsart  des  Artikels  A  vorgenommen ­
  werden,  auch  hier  ersichtlich  hleihen.  Dadurch ­
  kann  auch  die  kontinuirlich  gezeichnete  Kurve
Oll  zwei  oder  mehrere,  deutlich  auseinander  tretende
Scheitel  aufweisen,  wie  wir  dies  früher  (8)  nur  hin-
        <pb n="162" />
        129

siclitlicli  (1er  Gesaiimitnaclifra^ekiirve  liervor^elioben
liabeii.  A\  enii  wir  uns  also  im  Kapitel  1  oder  aueli
.sonst  »ele^rentlieli  erlaubt  haben,  abgeleitete  Kurven
völlin-  kontinnirlieb  zn  zeiebnen,  so  ist  dies  mir  als
eine  sebeinatiselie  Darstellung’  anznseben.
Hei  einem  Artikel  da^e^en,  dessen  Jabresmenoe
nur  wenige  Men^eneinbeiten  umfasst,  können  die  dentlieli
  i)olyj»’onalen  und  orob  ^ezabnten  Kurven  keineswe&amp;lt;»s
  dnreli  kontinnirlieb  &amp;lt;»ezeielmete  ersetzt  werden.
Dies  ifilt  von  Artikeln,  wie  Sebnben,  Hüten,  fertigen
Kleidnno’sstneken  oder  in  einfaeben  llansbaltnnoen
aneb  von  Cbamjia^ner  mul  anderen  tbeneren  Flascbenweinen,
  da  der  Jabreskonsnm  des  Einzelnen  sieb  in
der  Heo-el  auf  eine  massige  Stiiekzabl  beschränkt.
Die  ff  rosse  Vertikaldimension  der  einzelnen  Zähne  der
ant  einen  soleben  Artikel  bezoffenen  Einzelnaelifraffeknrve
  briiifft  den  Umstand  znm  Ansdrnek,  dass  liier
der  Jabreskonsnm  innerhalb  ziemlieb  weiter  I’reisffrenzen
  nnverändert  bleibt,  mul  dass  erst  einseimeidende ­
  l*reisändernnf»’en  die  Jabresmenffe  beeinflussen.
Die  analoffe  Ersebeinmiff  wird  sieb  in  der  Aiiffebotsknrve
  bei  den  anf»efiibrten  Artikeln  nicht  wiedertinden,
wol  aber  dort,  wo  ein  Stück  seboii  einen  erbeblielien
Tlieil  der  Jabresiirodiiktmeiiffe  des  Einzelnen  bildet,
wie  dies  bei  Ju)komobilen,  landwirtbsehaftlieben  Masebinen
  n.  dffl.,  die  nach  «»ewissen  Tyjien  auf  Eaffcr
ffearbeitet  werden,  der  Fall  ist.  Damjifmasebinen,
\\  affen  oder  aneb  Kleider  und  Selmbwerk  naeb  Mass,
die  nur  ant  Hestellmiff  berf»estellt  werden,  f*ebören
als  Einzelobjekte  nicht  bierber.
Augpitz  u.  Lieben.  Untergiich.  üb.  d.  Theorie  d.  l'reineg.  1)
        <pb n="163" />
        130

'M).  Die  (iesamiiitknrveii  als  ])oly^onale  Linien.
Vcrtblj^cii  wir  nun  wieder  die  Kornl)iiiatioii  der
Kiiizelkiirveii  zu  Gesaiumtkurveii,  so  ist  dies  mir  inö»-lieli,
  wenn  alle  zu  koiuliiuireudeu  Kiiizelkurven  sieh
auf  ideutiseh  den  gleichen  Artikel,  wie  ein  solcher
früher  (25)  gckeiiuzeichiiet  wurde,  hezieheii,  und  wenn
ihnen  allen  die  gleichen,  gegehencn  1’reise  aller  anderen
Artikel  zu  (irunde  liegen.  Dies  alles  muss  auch  hinsichtlich ­
  der  einander  gcgenUbcrznstellenden  Gcsainnitknrven
  gelten.
Hei  der  Koinhination  von  Einzelkosten-  oder  Niitzliehkeitsknrven
  muss  sieh  jede,  in  einer  derselhen
vorkoniniende,  geradlinige  Strecke  in  der  hetrettenden
Gesaninitknrvc  in  genau  gleicher  Richtung  und  Länge
wiederfinden.  Das  Gleiche  gilt  von  den  Radinsvektorstreekcn
  der  Abgeleiteten.  Wenn  zwei  oder  mehrere
Einzelknrven  irgend  eine  Strecke  genau  gleicher
Richtung  enthalten,  so  wird  in  der  Gesammtknrve
eine  parallele  Strecke  so  lange,  wie  die  Snnime  der
Einzellängen,  anftreten.  In  solchem  Falle  hat  die  hetretfende,
  längere,  geradlinige  Strecke  der  Gesammtknrve ­
  keineswegs  die  Hedentnng,  dass  alle  zwisehenliegenden
  Mengen  nicht  nmgesetzt  werden  können,
ähnlich  wie  es  auch  in  den  Einzelknrven  Oa  und  (hi
(Fig.  31  und  32)  Vorkommen  kann,  dass  mehrere
Punkte  der  Pnnktreihe  in  dieselbe  gerade  \  erhindnngslinic
  fallen.  Sehr  häufig  dagegen  werden  sieh  hei  der
Kombination  zwischen  zwei  aufeinanderfolgende,  gerad-
        <pb n="164" />
        131

Strecken  irgend  einer  Einzelkosten-  oder  Xiitzlielikeitsknrve
  eine  oder  mehrere  Strecken  anderer
Einzelknrven  einseliieben,  welche  steiler  als  das  daehere
lind  daeher  als  das  steilere  der  heidcn  Naehhareleniente
verlaufen.  Daher  kommt  es,  dass  der  ¡mly^onalc  Formeharakter,
  den  wir  in  letzter  Auflösung  jeder  Einzelkosten- ­
  oder  Niitzliehkeitskiirve  ziisehreihen  mussten,
in  den  Gesammtkiirven  noch  viel  weniger  hemerkhar
ist.  In  den  ah^eleitetcn  Kurven  macht  sieh  die  Einsehiehnn^
  von  Kadiiisvektorstreeken  dadurch  auffälliger
hemerkhar,  dass  überall  da,  wo  eine  solche  Einsehiehnno-
  stattdndet,  eine  Vcrtikalstrecke  nnterhroehen  und
dadnreh  auch  verkürzt  werden  muss.  Fi^.  33  macht
dies  an  der  Kombination  zweier  Einzelnaehfra^eknrven
On]  lind  On'a  ersichtlich  und  lässt  erkennen,  dass
die  Xahnnn^  der  Gcsammtkurve  ON'  noch  viel  feiner
anstallen  würde,  wenn  noch  mehr  Einzelknrven  zur
Kombination  kämen,  weil  die  \  ertikalstreeken  nicht
nur  relativ,  sondern  auch  absolut  kürzer  werden;  das
Gleiche  ^ilt  natürlich  auch  von  der  Gesammtan^ehotskurve.
  Es  werden  jedoch  jene  Preise  des  Artikels
y1,  welche  einschneidende  Aendernn^en  der  Hetriehsnnd
  Lebensweise  hei  einzelnen  und  namentlich  grösseren ­
  Käufern  oder  Verkäufern  herheiführen,  auch  in
der  Gcsammtkurve  durch  lan^e  Hadiusvektorstreeken
aiittälli&amp;lt;r  hervortreten.  Insbesondere  ^ilt  dies  von
jenen  Strecken  der  (iesammtkurven,  die  von  den  A  litan ­
  «»sst  reck  en  der  Einzelknrven  herrühren,  die  also
die  völlige  Einstellung'  des  Kaufes  oder  Verkaufes
seitens  der  hetretfenden  Individuen  anzei^en.  Ferner
'  9*
        <pb n="165" />
        132

wird  die  Gesamintkostenkurve  unter  die  Abszisseniielise
  lierabreielien,  sobald  die  Aiitaii&amp;lt;»sstreeke  aueli
mir  Kiner  der  Einzelkosteukiirven,  wie  Fi*;'.  2b  b  oder
31  b,  naeli  abwärts  ^eriebtet  ist.
Wir  haben  trüber  (5)  ^eseben,  dass  der  Preis
und  Absatz  irgend  eines  bestimmten  Artikels  A  dnreb
den  Sebnitt  der  auf  denselben  bezogenen  (iesammtknrven
  OA'  und  ON'  des  An^^ebotes  und  der  Naebfra^e
  bestimmt  wird.  Hetraeliten  wir  nun  mit  Hiick-Fiif.

  88.

siebt  auf  die  jetzt  gewonnene  Kenntniss  der  letzten
Formelemente  dieser  Kurven  ibr  Znsammentretfen  »enaner,
  so  zeigen  sieb  versebiedene  Fälle,  die  wir  in
den  folgenden  Figuren  ersiebtlieb  maeben;  dabei  stellen
wir  der  Dentliebkeit  we^en  nur  die  dem  Sebnitt]mnkte
näebst  ^ele^enen  Uadinsvektor-  und  Vertikalstreeken
der  Gesammtknrven  des  Angebotes  und  der  Xaebfra^e
in  ver^rössertem  IMassstabe  dar,  und  zwar  zur  leiebteren
  Fntersebeidnn&amp;lt;&amp;gt;-  die  erste  re  Kurve  rotb,  die
zweite  sebwarz.  ln  den  vier  Fällen  der  Fi&amp;lt;&amp;gt;'.  34  ist
        <pb n="166" />
        133

(1er  Absíitz  ^enau  bestiinnit,  wâlireiid  (1er  Prein  iimerbalb
  (1er  diireli  die  Punkte  c¡  und  aii^e^ebeiieii
(kreuzen  unbestimmt  bleibt  und  nur  dureb  Feilseben
festjíostellt  werden  kann;  die  Piebtun^en  der  reebts
miebsttol^enden  Kadiusvektorstreeken  bezeielmen  die
Preise,  zu  denen  ein  Mebniuantum  zu  kaufen  und  zu
verkaufen  ¿¡^esuelit  wird,  also  den  Untersebied  zwiseben
„Geld  und  Ware“.  In  den  Figuren  35,  3G  und  37

Fi&amp;gt;.  M.

Cs

Cm

baben  die  beiden  Kurven  eine  gemeinsame  Padiusvektorstrceke,
  so  dass  der  Preis  bestimmt  erseheint.
Die  beiden  Kurven  haben  in  den  vier  Fällen  (Fig.  35)
aueb  je  eine  Vertikalstrecke  gemeinsam,  so  dass  auch
die  Alende  bestimmt  ist,  während  in  Fi^.  3G  zwei
Vertikalstrecken  zusammentällen,  und  daher  zwei  Absatzmen^en
  möglich  sind.  In  Fi^.  37  baben  die  Kurven
keine  gemeinsame  Vertikalstrccke,  so  dass  eine  Fini-
        <pb n="167" />
        134

j&amp;gt;un^’  über  die  Absatzmeii^e  immö^lieb  ersebeiiit.  lii
Fi^.  38  endlieb  haben  die  beiden  Kurven  mir  Einen
Funkt  geineinsain;  dennoeb  ist  eine  Ucbereinstinnnnn^'
Fig.  35.

weder  liinsiebtlieli  der  Menj&amp;gt;e,  noeb  liinsiebtlidi  des
Freises  vorhanden.  Tritt  jedoeli  der  oben  erwälinte

Fiff.  3().

c»

Fall  ein,  dass  aneb  solebe  IMen^en  nni^esetzt  werden
können,  die  dureb  eine  Radinsvektorstreeke  nber^ano'cn
  ersebeinen,  so  kann  in  Fi^.  38  Menge  und  Freis
        <pb n="168" />
        135

¿»eimii  I)estiiniiit  «ein;  in  37  kann  zu  dem  aus  der
sieh  ergebenden  Ih’eise  eine  Kini^^nn^  Uber  die

Fiff.  87.

Men¿»e  erzielt  werden,  während  sieb  wie  in  Fig.  36,
nun  auch  in  Fi¿^.  35  die  Möj^liebkeit  versebiedener  Ab-Fiff.

  .88.

satznien^en  ergeben  würde.  Wir  sehen  also,  dass  sieb
bei  der  genauen  Festsetzung  des  Preises  und  der  Ab-
        <pb n="169" />
        satzimMií*e  der  Eiiiduss  des  Individuums  ¡felteml  uiaelit.
Sobald  sieh  miii  der  Eiuzeluc  seines  Eiufiusses  auf  die
Preishilduu^-  bewusst  wird,  liört  er  auf,  sieli  unserer
Voraussetzung"  gemäss  so  zu  verlialteu,  als  ob  er
auf  «;egebeue  Preise  uiebt  nur  der  anderen  Artikel,
sondern  aueb  des  Artikels  A  recbnen  könne.  In
weleber  Weise  und  innerhalb  weleber  Grenzen  dann
der  Einzelne  auf  den  )larkt])reis  einzuwirken  vermag-,
werden  wir  später  noch  untersuelien.
        <pb n="170" />
        III.

Das  koiisuinireiide  Individiiiim

I

■r  r
        <pb n="171" />
        m

-ff:"?
        <pb n="172" />
        Die  Lebensgenusskurve.

.‘Jl.  Die  Nützlichkeit  eines  Artikels  und  der  ^esammte
Konsuln.
Die  auf  irgend  einen  bestiniinten  Artikel  l)e%n^ene
Kosten-  oder  Niitzlielikeitsknrve  eines  ¿»e^elienen,
wirthscliaftlicheii  Individuums  beruht,  wie  mebrfacb  erwähnt, ­
  auf  der  Voraussetzung,  dass  dieses  Individuum
in  voller  Kenntniss  der  Preise  aller  anderen  Artikel
seinen  ^esammten  Jahreskonsum,  sowie  seine  etwaige
eigene,  ]u*oduktive  Leistung  stets  auf  das  Vortheilliafteste
  einriehte.  t  in  nun  aber  den  EinÜiiss  einer  Aenderun^
  aueh  nur  eines  der  als  ^e^^ehen  vorausgesetzten
Kleniente  auf  die  (lestait  der  Kosten-  oder  Xützliehkeitskurve
  verfolgen  zu  können,  ist  eine  weitere  Untersuehun^'
  noth  wendig.  Wir  herinnen  diese  an  der  Niitzliehkeitskurve,
  weil  jedes  Individuum,  das  jiroduzirt,
aueh  konsumiren  muss,  die  Produktion  sieh  daher
nieht  mit  Aussehluss  der  Konsumtion  behandeln  lässt,
während  ein  Konsum  ohne  Produktion,  wie  wir  dies
hei  Pensionisten,  Rentnern  u.  s.  w.  sehen,  ^anz  wol
mö^lieh  ist.  Bei  einem  sol  eh  en  Individuum  bleibt  die
Nützliehkeit,  die  dasselbe  einer  bestimmten  Jahres-
        <pb n="173" />
        uo

meiij»c  irgend  eines  Artikels  keilest,  zwar  von  dein
Einflüsse  produktiver  ddiäti^keit  frei,  sie  ist  aller  von
dein  ganzen,  iiliri^en  Jalireskonsuni  aliliän^^i^-  und  lässt
sieh  nur  iin  /Cusaniuienlian^e  mit  diesem  feststellen.  So
wird  die  Nützlielikeit,  die  jemand  einem  liestimmten
Jaliresquantum,  z.  B.  von  Brod,  keilest,  eine  sekr  versekiedene
  sein,  je  nackdem  nekstkei  auek  noek  viel
oder  Aveiiig-  oder  ^*ar  kein  El  ei  sek  genossen  wird,  und
ekenso  wird  die  Nützlielikeit  jedes  Nakrun^sniittels
nielit  minder  davon  keeintlusst,  ok  der  Betreffende
durek  Kleidun»*,  Wolinun^,  Bekeizun^*  ^e^eii  die  I  nkildeii
  der  Witterun»*  mekr  oder  weniger  »ut  »esekützt
ist.  Aller  auek  alle  sonstigen  Ei»*eiilieiten  des  Individuums ­
  und  seiner  Eekensweise  maelien  sieli  »eltend;
es  ist  nielit  gleieli¿&amp;gt;  iiltiji,*,  ok  dasselke  lekkafte  Bewe^un»*
maelit  oder  die  Buke  liekt;  ok  es  »eisti»*e  Beseliäfti»‘uii^*
oder  andere  \  er»nü^un»*en  vorzielit;  ok  es  en^lierzi»'
oder  ^rossmütki»'  ist;  ok  es  mekr  oder  weniger  liest ­
  relit  ist,  etwas  für  die  Zukunft  zu  erükri»‘en  u.  s.  w.
Der  Konsum  eines  kestimmten  Artikels  ist  niemals
Selkstzweek;  er  tritt  erst  im  Zusanimenlian»e  mit  dem
»esammten  Jakreskonsuuie  des  Individuums  in  seiner
rieliti»*eii  Bedeutun»*  liervor,  und  der  ^esanimte  .lakreskonsum
  kildet  ein  (ianzes,  das  dem  einzigen  Zwecke
dient,  dureil  seine  angemessenste  Eintlieilun^*  dem
Individuum  die  ^Tösstmö^lieke  Befriedi^^un»*  zu  versekaiten.

Eine  kestimmte  Jaliresmen^e  irgend  eines  Artikels ­
  A  kann  demnack  nur  dadurek  eine  Nützlielikeit
»ewälireu,  dass  sie  die  Befriedi»un»'  des  Individuums
        <pb n="174" />
        141

zu  Nfci^cru  vermag.  Die  XUtzliclikeit  stellt  also  nicht
die  «çaiize  Befriedigung',  wol  aber  den  Befriedi^un¿(szmvach.s
  dar,  welcher  durch  den  Konsum  des  Artikels
A  ohne  Rücksicht  auf  den  hierfür  erforderlichen  Aufwand ­
  hei  zweckmässi^ster  Kombination  des  ^esammten
Konsums  erzielt  werden  kann.  Müsste  für  die  konsumirte
  )len^e  von  A  deren  voller  Gehrauchswerth
bezahlt  werden,  so  würde  keinerlei  Befriedi»unoszuwachs
  übri^'  bleiben,  und  die  Befriedigung-  wäre
dann  gerade  nur  die  gleiche,  die  auch  bei  Ausschluss
des  Artikels  A  erreicht  werden  kann.
112.  Die  BcfriíMliiíiiiiií  bei  ei  her  bestimmten  Konsiimkombinatioii.

Die  Feststellung-  der  Nützlichkeit  irgend  einer
.Jahresmen^e  eines  bestimmten  Artikels  A  erfordert
also,  wie  wir  sehen,  die  Vergleichung  der  Befriedigung-,
welche  die  beim  Konsume  dieser  ^len^e  vortheilhafteste
Kombination  des  ^esammten  Jahreskonsumes  gewährt,
mit  jener  Befriedigung,  welche  auch  bei  Ausschluss
des  Artikels  A  erreicht  werden  kann.  Wir  müssen
daher  vorerst  die  Befriedigung  in  ihrer  Abhängigkeit
von  der  jeweiligen  Kombination  des  ^esammten  .Jahreskonsumes ­
  behandeln,  und  es  muss  zu  diesem  Zwecke
die  Konsumkomhination  seihst  noch  weit  genauer
in  allen  Einzelheiten  fest^estellt  sein,  als  dies  hinsichtlich ­
  der  Lebensweise  auch  bei  der  striktesten
Auffassung,  die  wir  ihr  früher  (2‘J)  ^e^eben  haben,
geschehen  ist.  Vor  allem  muss  daher  die  Qualität
        <pb n="175" />
        142

aller,  ill  (1er  Koiiibiiiatioii  erselieiiieiiden  Artikel  auf
(las  Genaueste  liestiiuiut  sein.  Ifiiisielitlieli  jedes  Verbrauclisartikels
  ^eiiü^t  es  iiiebt,  dessen  Jabresuieu^e
zu  keiiueii,  sondern  es  muss  aneb  deren  Vertbeilnn^
auf  die  einzelnen,  naeli  Zahl  und  Art  &amp;lt;»enan  bestiinniten
Konsnmportionen  ^e^eben  sein.  Dabei  sind  aneb  die
Nntznn^en  aller  bloss  ^einietbeten  Gebranebs^e^enstände,
  ferner  die  Leistnn&amp;lt;j^en  des  Gesindes,  der
Lehrer,  Aerzte  n.  dgl.  den  Verbranehsartikeln  znznzäblen,
  nicht  minder  aneb  alle,  mit  Geldaufwand  verbundenen ­
  Ver»nno*nn&amp;lt;4en,  zu  welelien  aneb  die  Hetbäti^nnj&amp;gt;-
  der  Näebstenliebe  und  des  Gemeinsinnes
l^ebört.  Ilinsicditlieb  jedes  Gebranebsartikels  muss
niebt  mir  die  Zahl  und  Art  der  neu  aiiznkanfeiiden,
sondern  aneb  die  Zahl  und  der  Abniitznn^sznstand
der  am  He¿»inn  des  betraebteten  Jahres  etwa  schon
vorhandenen  Stiudee  ^i%eben  sein;  die  Konsumkombination ­
  ist  nur  dann  vollkommen  fest^estellt,  wenn
die  Zahl  der  im  Laufe  des  Jahres  naebeinander  oder
nebeneinander  in  Benntznn^'  stellenden  Stücke  und
die  Art  dieser  Benntznn^'  so  ^enan  bestimmt  sind,
dass  sieb  daraus  die  Zahl  und  der  Lrbaltnn^sznstand
der  am  Scblnsse  des  Jahres  verbleibenden  Stücke
von  selbst  ergibt.  So  muss  z.  11.  bei  Kleidern  und
Wäsche  nebst  der  Zahl  und  llescbattenbeit  der  am
lle^'inn  des  Jahres  vorhandenen  und  der  anznkanfenden
Stücke  aneb  noch  bekannt  sein,  wie  oft  jedes  Stück
zur  Henütznn»-  kommt,  wie  lan^e  jede  einzelne  llenütznno-
  dauert,  welcher  Grad  von  Sorgfalt  auf  die
Keini^nn«’  und  Instandbaltnn^'  verwendet  wird  n.  s.  w.
        <pb n="176" />
        143

Sänniitliclic  zur  Eiiiriclitunfr  ^cliürcndcH
Howie  (1er  etwaige  Haus-  oder  Griiudbesitz  ii.  s.  w.  sind
zu  den  (^el)rauclisartikelu  zu  zäldeii;  ferner  muss  aber
aueli  der  Hesitz  au  ertbj)aj)iereii  und  sonstigen  Kaj)italsaida^eu,
  Gebalts-  und  Pensionsansprüclie  u.  d^l.,
gegeben  sein,  so  dass  bei  jeder  bestimmten  Konsumkombiuation
  auch  schon  das  Einkommen  des  Individuums ­
  bekannt  sein  wird,  wogegen  seibstverständlieb
aueb  die  etwai((en  Lasten  nicht  zu  übersehen  sind.
1  )ie  Feststellung  der  Konsumkombination  eifordert
ferner,  dass  auch  die  ^anze  Zeiteintbeilun^  des  betrachteten ­
  Individuums  ^enau  bestimmt  sei,  weil  die
Hefriedi^un^  durch  den  ^esamniten  Konsum  auch  von
den  mit  keinerlei  Geldaufwand  verbundenen  Annebmlicbkeiten
  und  anderseits  auch  von  den  etwaigen  Fnannebmlicbkeiten
  ablnin^t.  Keine  Konsumkombination
ist  von  I  nannebmlicbkeiten  ^anz  frei,  da  jedermann,
Menu  wir  auch  von  der  Anstrengung  einer  ])roduktiven
1  büti^keit  vorderhand  ^anz  abseben,  doch  gewisse
bäuslicbe  Arbeiten  selbst  verrichten  oder  doch  deren
Leistuiiir  durch  andere  anordnen  und  überwachen  muss.
Es  erfordert  Mühe  und  Sorgfalt,  reberscbreituniren  im
Konsum  der  Verbraucbsartikel  und  in  der  Abnützung
der  Gebrauchsartikel  bintanzubalten;  ohne  diese  Sor^-talt
  würde  die  Grösse  und  Hescbatfenbeit  des  am
Schlüsse  des  Jahres  verbleibenden  Besitzes  sieb  andern,
und  dann  würde  die  Konsumkombination  nicht  mehr
dieselbe  sein.
Von  grossem  EinÜnss  auf  die  Befriedigung  sind
auch  die  pliysiscben,  ^eisti^en  und  moralischen  Ei^en-
        <pb n="177" />
        144

schäften  niclit  nur  der  Faniilienan^eliöri^en  des  betraeliteten
  Individunnis,  sondern  aueli  aller  andern  in
dessen  Haushalt  vereinigten  Personen,  so  dass  zur
Feststellung  einer  Ivonsinnkoinhination  auch  in  dieser
11  insieht  die  genaueste  Präzisirung  erforderlieh  ist.
Die  Naturalbezüge  der  Hausgenossen  gehören  mit  zur
Konsninkonihination  des  Fainilienoherhau])tes,  ebenso
deren  Zeiteintheilung,  soweit  das  letztere  hierauf  Kintluss
  nimmt;  nicht  minder  kommt  auch  die  Zufriedenheit ­
  dieser  Personen  in  Betracht,  da  \  erdrossenheit
und  Willigkeit  einen  Untersehied  in  der  Qualität  der
Leistung  mit  sich  bringen.  Die  selbstständige  Verfügung ­
  der  Hausgenossen  über  die  Barhezüge,  welche
den  Preis  ihrer  Leistungen  bilden,  und  über  ihre  freie
Zeit  hat  dagegen  mit  der  Konsnmkomhination  des
Familienoberhauptes  nichts  zu  sehatfen.

X).  Die  Yorthcillmftosto  KoiiHimikoiiibiiiatioii.
Die  Befriedigung,  die  irgend  eine  bestimmte
Konsnmkomhination  hervorhringt,  hängt  keineswegs
bloss  von  den  mit  ihr  verknüj)ften  Annehmliehkeiten
und  Fnannehmliehkeiten,  sondern  ganz  wesentlich  auch
von  dem  Kintlnsse  ah,  den  sie  durch  den  erforderlichen ­
  Aufwand  im  Fntgegenhalte  znm  Finkommen
und  durch  die  mit  ihr  verbundene  Abnützung  der
(iehrauehsartikel  auf  das  am  Schlüsse  des  betrachteten ­
  Jahres  dem  Individuum  verbleibende  \  ermögen
ansüht.  Wenn  es  auch  schwer  wäre,  die  ganze  Befriedigung, ­
  welche  ein  gegebenes,  wirthsehaftliehes
        <pb n="178" />
        145

Iiulividuuin  bei  irgend  einer  bestimmten  Konsnmkombination
  em])tindet,  in  Geld  zn  bemessen,  so  ist  es
doeb  klar,  dass,  wenn  z.  B.  dnreb  \  erwolt'eilnn^'  eines
zn  dieser  Kombination  ^eböri^en  Artikels  das  sebliesslieb
  verbleibende  Vermögen  nm  einen  gewissen  Geldbetrag ­
  steift,  aneb  die  Befriedij»nn«»-  znnebmen  muss.
Diese  Befriedi^nn^sznnabme  wird  diesem  Geldbeträge
genau  ents])reeben,  sofern  wir  annebmen  dürfen,  dass
die  Vermebrnng  der  scbliesslieben  Vermögensinventiir
die  subjektive  Wertbscbätznng  des  Geldes  seitens
des  in  allen  seinen  Eigensebaften  und  in  seinem  antanglieben ­
  Besitz  genau  bestimmten  Individuums  unberührt ­
  lasse.  Unter  dieser  stets  festzuhaltenden
Voraussetzung  wird  aber  ein  solebes  Individuum
aneb  in  der  Lage  sein,  den  Untersebied  der  bei  gegebenen ­
  Preisen  aller  Artikel  aus  versebiedenen  Konsumkombinationen ­
  bervorgebenden  Befriedigung  in
Cteld  zu  bemessen.  Ist  nämlieh  aneb  die  \\  aid
zwiselien  zwei  versebiedenen  Konsumkombinationen
mit  Hüeksiebt  auf  deren  Annebmliebkeiten  und  Unaniiebmliebkeiten,
  sowie  auf  die  in  beiden  Fällen
sebliesslieb  verbleibenden  \  ermügensin\  enturen,  sonst
ganz  zweifellos,  so  wird  sieb  doeb  immer  ein  Geldbetrag ­
  feststellen  lassen,  dureb  dessen  Aufzahlung
seitens  einer  fremden  Person  die  eine  Seblussinventur
  soweit  aufgebessert  werden  könnte,  dass  die  Betriedigung
  in  beiden  Fällen  wieder  die  gleiebe  würde.
Bei  dieser  Bemessung  des  Unterschiedes  der  mit  versebiedenen ­
  Konsumkombinationen  verbundenen  Betriedigung
  maeben  sieb  alle  jdiysiseben,  geistigen  und

le
Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.

10
        <pb n="179" />
        140

luoralisclicii  Ei^eiiscliaftcii  des  riidividmiins,  seine  Bedürfnisse, ­
  Nei^nn^en  und  (iewolndieiten  und  überdies ­
  aneil  noeli  die  Grösse,  die  Art  und  Besebatfenbeit
  seines  anfä  unlieb  en  Besitzes  geltend.  Zn&amp;lt;»leieli
konnnt  dnreli  diese  l^einessnno;  ancli  die  von  denselben
Faktoren  abbän^i^e,  individuelle  Wertbsebätziin&amp;lt;&amp;gt;’  des
Geldes  zmn  Ansdriiek.  Der  anfäno-licbe  Besitz,  z.  B.
eines  bestimmten  Wobnbanses,  wird  es  mit  sieb  bringen,
dass  in  der  Ue^^el  nur  solche  Konsnmkombiiiationen,
welche  den  Besitz  eben  dieses  Hanses  in  sich  schliessen,
üherhanjit  in  Betracht  kommen,  während  eine  Konsnmkombination,
  welche  darauf  hernht,  dass  dieses  Hans
verkauft,  da^e^en  eine  andere  Wohnung-,  vielleicht
so^ar  in  einer  anderen  Stadt,  ^emiethet  und  etwa
Wertbpapiere  gekauft  würden,  mir  unter  j&amp;gt;-anz  ansser-»•cwöhnlichen
  Umständen  in  Frwä^nn^'  ^ezo^en  werden ­
  wird.  In  gleicher  Weise,  wenn  aiieh  in  sehr  verschiedenem ­
  Masse,  macht  sich  bei  Bemessung-  des
Unterschiedes  der  mit  verschiedenen  Konsnmkombinationen
  verbundenen  Befriedigung'  der  anfängliche
Besitz  jeder  Art,  also  auch  an  Finrichtnn^sstücken,
Kleidern,  Wäsche  n.  s.  w.  bis  zmn  kleinsten  herab
»eltend.  Für  jedes  solcher  Art,  nicht  mir  in  seinen
jiersönlichen  Fi^enschaften,  sondern  auch  in  der
Grösse  und  Vertbeilnn«»'  seines  anfänglichen  Besitzes
&amp;lt;*enan  hestimmte,  wirthschaftlicbe  Individiimn  wird,
wenn  die  Preise  aller  Artikel  ohne  Ausnahme  i»'ej*eben
  sind,  unter  zahllosen  mö^&amp;gt;lichen  immer  mir  Fine
die  vortheilhafteste  Konsnmkombination  sein,
welche  die  i&amp;gt;'rösste  Befriedigung  gewährt.  Jede  Ab-
        <pb n="180" />
        10*

147

wei(*liun&amp;lt;j^  vou  dieser  Koiiibinatiou  würde  entweder
nur  uuau^eueluu  oder  zwar  an  sieb  an^enelnn  sein,
doch  würde  dieser  Vortbeil  dureb  die  erforderlielie
Meliranslafj^e,  welelie  eine  Selnnälernn^  der  sebliesslieben
  Vennö^ensinventurlierbeifübrt,  oderdiircli  andere
sieli  ergebende  Unannelmdiebkeiten  mehr  als  anfgewogen
  werden.  So  würde  eine  Vennebrnng  der  Konsninj)ortionen
  eines  Verbranebsartikels  oder  die  Ersetzung ­
  aueb  nur  einer  kleineren  dureb  eine  grössere
Eoition  entweder  einen  zu  grossen  Mebranfwand  oder
bei  Festbaltnng  der  gleicben  Jabresnienge  die  iininer
besonders  unangenebin  eni])fnndene  Nötbignng  karger
Heniessnng  der  einzelnen  Portionen  zur  Folge  haben.
Ebenso  würde  jede  Vennebrnng  der  Zahl  der  Benutzungen ­
  irgend  eines  Gebraucbsartikels  oder  eine
Verlängerung  der  Dauer  auch  nur  einer  dieser  Benutzungen ­
  die  scbliesslicbe  Vennögensinventur  beeinträebtigen
  oder,  wenn  die  Jabresvernutzung  des  betreffenden ­
  Gegenstandes  unverändeid  bleiben  soll,  zu
peinlieber  Sorgfalt  bei  jedesiualigeiu  Gebrauebe  nötbigen.
  Eine  an  sieb  wünscbenswertbe,  gesteigerte
Leistung  des  Gesindes  bringt  die  Fnannebndiebkeit
mit  sieb,  die  betreffenden  Personen  hierzu  aidialten
zu  müssen  und  bei  denselben  Verdrossenheit  zu  erregen. ­
  Jede  Aenderiing  der  Zeiteintlieilung  zu  Gunsten
irgend  einer  Besebäftigung  oder  eines  Genusses  kann
nur  durch  Beschränkung  der  für  andere  Zwecke  vertugbaren
  Zeit  erzielt  werden  u.  s.  w.
        <pb n="181" />
        148

,‘U.  Der  LclKMiH^oiiiiss  und  die  Anfun^Hl)efncdi^nn^.
Um  mm  den  Einfiiiss  weeliselnder  Mengen  eines
bestinmiten  Artikels  A  auf  die  Hefriedi^'un^-,  die  ein
^e^ebenes,  wirtlisehaftliclies  Individuum  em])tindet,
verfolgen  zu  können,  stellen  wir  uns  vor,  dass  demselben, ­
  während  die  Preise  aller  anderen  Artikel  ^e-^eben
  seien,  irgend  eine  Men^e  von  A  unent^eltlieb
zur  Verfii^un&amp;lt;»‘  stehe.  Dabei  nebmeu  wir  an,  dass
diese  Men^e  nur  zum  Zweeke  des  diesjährigen  \'erb
  rau  eh  es  mit  Aussebluss  jeder  Vorratbsbaltung  beigestellt ­
  werde,  und  dass  das  Individuum  aiieli  anfänglieb
  keinerlei  Vorratb  von  A  besitze.  Eben
darum  besebränken  wir  uns  zunäebst  auf  \'erbrauebsartikel,
  weil  bei  (Jebraiiebsartikeln  niebt  wol  davon
abgesehen  werden  kann,  dass  zumeist  ein  Vorratb
sebón  gebrauebter,  aber  noeb  niebt  ganz  verbrauebter
Stiieke  übrig  bleibt,  und  dass  ein  soleber  aueb  am
Beginne  des  Jahres  sehon  vorhanden  sein  wird.  Das
Individuum  hat  dann  hei  jeder  bestimmten  Menge  x
des  Verbrauebsartikels  A  immer  noeb  die  Wald
zwiseben  vielen  versebiedenen  Konsumkombiiiat'onen,
welebe  sehr  versehiedene  Mengen  der  anderen  Artikel ­
  und  versehiedene  Verwendungsarten  derselben
Menge  x  von  A  mit  sieb  bringen;  doch  wird
von  allen  diesen  Kombinationen  immer  nur  je  ICine
die  vortbeilbafteste  sein.  Eben  diese  für  den  \  erbraueh
  der  Menge  x  von  A  geeignetste  Kombination ­
  bleibt  aber  —  so  lange  die  individuelle
        <pb n="182" />
        140

WertliHcliâtziiiiíç  des  Geldes  als  iinveränderlieh  angenommen ­
  werden  kann  —  a  lieh  dann  die  vortlieilliafteste,
wenn  die  Men«(e  x  statt  iinentgeltlieh  mir  zu  irgend
einem  Preise  fgi}-  erhältlieh  wäre.  Unter  der  eben
erwähnten  Voraussetzung  reduzirt  sieh  nämlich  ebenso,
wie  die  schliessliehe  Vermögensinventur,  auch  die  Befriedigung ­
  hei  allen,  dieselbe  Menge  x  von  A  enthaltenden ­
  Kombinationen  um  den  gleichen  Aufwandshetrag
  xAgih
Die  Befriedigung  nun,  welche  die  für  die  Jahresmenge ­
  X  des  Verhraiiehsartikels  A  geeignetste  Konsumkomhination
  ohne  Biieksieht  auf  die  Bcsehatfiingskosten
  dieser  ^lenge  bietet,  nennen  wir  den  Lebensgenuss, ­
  den  eben  diese  Stenge  gewährt.  Wir  können
dann  in  gleicher  Weise  für  jede  Jahresmenge  des
hetraehteten  Verhraiiehsartikels  den  Lebensgenuss  autstellen,
  und  endlich  auch  jenen,  den  die  Menge  Null
bietet,  und  das  ist  die  schon  oben  erwähnte,  auch
ohne  den  Artikel  A  erreiehhare  Befriedigung,  welche
aus  derjenigen  Konsumkomhination  hervorgeht,  die
unter  allen,  hei  Ausschluss  von  A  Uherhauid  möglichen ­
  die  vortheilhafteste  ist.  Diese  Betriedigung
nennen  wir  die  Anfangshefriedigung.  Da  wir  mm
schon  gesehen  haben,  dass  die  Nützlichkeit  irgend
einer  Jahresmenge  eines  bestimmten  Artikels  A  den
Befriedigungszuwachs  angiht,  den  der  Konsum  dieser
Menge  ohne  Hücksicht  auf  die  Kosten  ihrer  Besehatfung
  hervorhringt,  so  ist  es  klar,  dass  wir  den  mit
der  hetrettenden  Menge  verbundenen  Lebensgenuss
erhalten,  wenn  wir  die  Anfangshetriedigung  zur  Nütz-
        <pb n="183" />
        liclikeit  liiiizufÜj)eii,  sowie  dass  uingekelirt  die  Nützlielikeit
  dersell)eii  Alende  iiielits  anderes  ist  als  der
um  die  Anfauß^sbefriedi^nn^-  verminderte  j.ehens-¿»eniiss.

155.  Verlauf  der  Lebeiisgeiiusskurve.
Wenn  wir  in  Fi^.  3Í)  über  dem  Nnlljmnkt  die  Anfan^sbefriedi^nn^'
  Oh  und  über  jeder  anderen  Abszisse
den  mit  dem  Konsume  der  betreitenden  dabresmen^e
  x  des  Artikels  A  verbundenen  Lebensgenuss
als  Ordinate  anftra^en,  so  werden  wir  eine  im  allgemeinen ­
  unrej»elmässi^-  verlaufende  Funktreibe  erhalten, ­
  deren  Ordinaten  diirebaus  um  Oh  länger  sind
als  jene  in  Fi^\  32.  Wir  können  dann,  statt  wie
dort  vom  Nulljmnkte,  jetzt  vom  Funkte  l&amp;gt;  ausgehend,
im  übrigen  aber  in  ^anz  ^leieber  Weise  verfahren,
um  die  nnzweekmässi^en  Alenden  ansznsebeiden,  und
erhalten  so  eine  konkave  Kurve  h&amp;lt;j,  die  Lebens-^ennssknrve,
  bezoj»-en  auf  den  Artikel  A.  Dieselbe
Kurve  ergibt  sieb  aiicb,  wenn  wir  die  Nützliebkeitskurve
  On  (Fij&amp;gt;-.  32)  ])arallel  mit  sieb  selbst  um  die
Län^e  Ob  liinanfsebieben,  während  wir  uns  nm«»ekelirt
  aneli  die  Nützlielikeitskurve  On  dadureh  entstanden ­
  denken  können,  dass  die  Kurve  hg  um  die
Län^^e  Oh  berab^eseboben  wird.  Da  sieb  die  Kurven ­
  hg  und  On  nur  dureb  ihre  Höbeida^e  unterscheiden, ­
  lässt  sieh  die  Naclifra^ekurve  On  ebensowol
aus  der  Kurve  hg^  wie  aus  der  Kurve  0%,  ableiten.
Jede  Ordinate  der  Lebens^ennsskurve  J&amp;gt;g  bezeielmct
zugleich  die  Befriedigung  bei  der  für  den  Konsum
        <pb n="184" />
        lõl

(1er  betreffeiideii  Menjçe  von  A  geeignetsten  Kon  sumkOinlnnation,
  wenn  diese  Meiif^e  nnent^eltlieh  zur  \  ertü^nn^r
  stünde.  1st  dat^e|*‘en  der  Artikel  A  nur  zum
Marktpreise  t^i9  zu  haben,  so  dass  sieb  die  Betriedi^un^'
  um  den  entfallenden  Aufwand  x.tg  0^  ver-Fig.

  89.

B.

rindert,  so  wird  dieselbe  dureb  den  Vertikalabstand
der  Lebens^enusskurve  hg  von  dem  Sebnittpunkte
der  Naebfraji^ekurve  On  mit  der  Breislinie  Ol
dar^estellt.  Wir  sehen  also,  dass  sieb  die  Btfiiedi
^untf  aus  der  Anfan^sbefriedit^imtf  Oi&amp;gt;
        <pb n="185" />
        152

mit  (lern  Konsum  einer  iMen^e  x  von  A  beim
I’reise  tg  ih  verl)un(Ienen  Befric(lij&amp;gt;;iing*szuwaelis  zusammensetzt, ­
  und  dieser  letztere,  der  diireli  den  \  ertikalabstand
  der  Kurven  On  und  On'  dar«»  estel  It
wird,  ist  nichts  anderes  als  der  von  uns  schon  früher
behandelte  Nutzen  der  Konsumtion  eben  dieser  Men^e
des  Artikels  A.  Dabei  ist  nicht  zu  übersehen,  dass
dieser  ßefriedif^un^szuwaehs  lucht  etwa  durch  einfachen ­
  Ilinzutritt  der  Alende  x  von  A  zu  der  sonst
unveränderten,  bei  Ausscbluss  dieses  Artikels  vortheilhaftesten
  Konsumkombination  erzielt  wird;  vielmehr ­
  werden  im  allgemeinen  durch  den  Verbrauch
des  Artikels  A  j»anz  andere  Konsumkombinationen,
also  auch  veränderte  IMen^en  anderer  Artikel,  vortheilhaft
  werden.
Die  Hiehtun”’  der  ersten,  vom  Punkte  h  ausgehenden, ­
  geraden  Strecke  der  Lebens^enusskur\e  hg
bezeichnet,  da  sie  der  geraden  Anfan^sstreeke  der
Kurven  On  und.  On'  ])arallel  ist,  den  Maximal|)reis
Ol)i.  1st  der  Artikel  ^1  then  rer,  so  wird  das  betrachtete ­
  Individuum  bei  den  bestehenden  Preisen  der
anderen  Artikel  nichts  von  A  konsumiren,  sondern
sieh  auf  die  die  Anfan^shefrie(Ii^unOb  gewährende
Konsumkombination  beschränken.  Beim  Bestände  des
Maximal])reises  kann  die  Minimalmen^e  Oft  konsumirt
  werden,  die  Befriedigung-  unterscheidet  sich  aber
nicht  von  der  A11fan^sbefriedi{^'un.  Sinkt  da«i,e^en  der
Breis  von  A  weiter,  so  nimmt  die  Befriedigung-  fortwährend, ­
  und  zwar  ununterbroehen,  zu,  wenn  auch  die
Konsummenge  von  A  immer  nur  um  ganze  Mengen-
        <pb n="186" />
        153

einlieitcn,  also  sprunghaft  zuniimnt.  lU*i  (1er  ^len^e
(1er  vollen  Hefriedi^fiin^  (lurch  den  Artikel  A,  deren
Konsum  den  Preis  Null  voraussetzt,  erreicht  die  Befriedi^'un^
  den  ganzen  Lebensgenuss,  weil  der  Aufwand ­
  für  A  entfällt;  zugleich  .wird  ebenso,  wie  die
Nützlichkeit,  auch  der  Lebensgenuss  am  grössten  und
würde  hei  noch  stärkerem  Konsume  von  A  wieder
ahnehmen.  Solche  üher^rosse  Konsummen^en  würden
nur  hei  negativem  Preise  von  A  möglich  sein;  an
die  Stelle  eines  vom  Lebensgenuss  in  Abschlag  zu
bringenden  Aufwandes  für  den  Artikel  A  tritt  dann
eine  Aufzahlung  zum  Lebensgenuss  hinzu,  und  eben
darum  nimmt  trotz  des  sinkenden  Lebensgenusses
die  Befriedigung'  —  der  Vertikalahstand  der  Kurven
und  On  —  fortwährend  zu.
Ohwol  die  Lehens^enusskurve  sich  nur  durch
ihre  llöheula^e  von  der  Nützlichkeitskurve  unterscheidet, ­
  hat  sie  doch,  weil  sie  eben  auch  die  Anfan^'shefriedi^un^'
  ersichtlich  macht,  für  uns  eine  grosse
Bedeutung».  Tritt  nämlich  in  irgend  einem  der  als
^e^ehen  vorausfz,esetzten  Elemente  —  sei  es  in  einer
der  Eij&amp;gt;'cnschaften  des  Individuums,  sei  es  im  Preise
eines  der  anderen  Artikel  —  eine  Aenderun^  ein,
so  wird  dadurch  auch  die  A  ufa  n^sl  »et  ried  i^u  n  ^  mehr
oder  wein^er  hetrotfen.  Die  Formänderung»;,  die  sich
daraus  für  beide  Kurven  ergibt,  und  auf  die  wir
noch  eingehender  zurückkommen  werden,  liesse  sich
demnach  an  der  Nützlichkeitskurve  allein  nicht  vollständi^
  verfolgen.
        <pb n="187" />
        154

í}(&amp;gt;.  Koinpletiremio  mid  koiikiirrimido  Artikel.
Diircli  (len  Selinilt|ninkt  der  den  jeweiligen
Markti)reis  i//,9  des  Artikels  A  darstellenden  Kreislinie ­
  mit  der  Naelifra^eknrve  Ou'  eines  bestimmten,
wirtliseliaftlieben  Individmims  wird  die  für  letzteres
vortlieilliafteste  Men^e  dieses  Artikels  an^e^eben  und
%11^'leieli  aiieh  die  für  diese  )len^e  geeignetste  Konsnmkombination,
  also  aiieh  die  zn^eböri^e  Jabresnien^e
  jedes  anderen  Artikels,  bestimmt.  Wenn  wir
nun  tiir  den  Preis  des  Artikels  A  sukzessive  versebiedene
  Annahmen  inaeben,  werden  mit  weebselnder
Konsnmmen^e  dieses  Artikels  immer  andere  Konsnmkombinationen
  mit  veränderten  Mengen  aneb  der  anderen ­
  Artikel  vortbeilbaft  werden.  Hei  maneben  Artikeln ­
  wird  keine  Aendenin^-  eintreten,  bei  einigen
wird  sie  im  ^leielien,  bei  anderen  wieder  im  entgegengesetzten ­
  Sinne,  wie  jene  des  Artikels  A,  erfol-^•en.
  Eine  Konsnmstei^ernn^'  des  Artikels  A  wird
in  der  Pe^el  aneb  einen  vermehrten  Verbraneb  jener
Artikel  mit  sieb  brin^^en,  welebe  dazu  dienen,  den
(liireb  den  Konsum  von  A  an^estrebten  Genuss  zu
kom])letiren;  so  steift  z.  H.  der  Zuekerverbraueb
mit  dem  von  Katfee  oder  Tbee  u.  d»-l.,  während  dao-eoeii
  bei  jenen  Artikeln,  die  mit  dem  Artikel  A
konkurriren,  wie  Tbee  mit  Katfee,  Wein  oder  Bier
mit  Branntwein  u.  s.  w.  ^ewöbnlieb  eine  Einsebränkun»-
  des  Konsums  eintreten  wird,  wenn  der  Verbraueb
  von  A  zunimmt.  Jedoeb  können  dnreli  die
        <pb n="188" />
        155

kícIi  &amp;lt;lurclikreuzi*ii(leii  WcclisclWirkungen
(1er  verKcliiedenen  Artikel  aufeinander  initnnter  aneli
í^aiiz  entgegengesetzte  Erselieinnn^en  zn  Taj»*e  treten.
So  wird  eine  Stei^ernn^  des  Kalteekonsunis  zwar
immer  eine  Vennelirnn^"  des  speziell  zum  Süssen  von
Kattee  verwendeten  Znekenpiantnms  bedingen;  wenn
aber  dasselbe  Individuum  aneb  Tbee  eonsnmirt,  und
sein  Tbeeverbraueb  dureb  den  gesteigerten  Katteekonsiim
  stark  reduzirt  wird,  könnte  es  j»esehehen,
dass  sein  ^esammter  J^nekerverbraiieb  statt  znznnebmeii,
  so^ar  kleiner  wurde.  Ebenso  wird  bei  einem
Individuum,  das  nebeneinander  Wein,  Bier  und  Branntwein ­
  konsnmirt,  eine  Stei^ernn^'  des  Weinverbranebes
zwar  jedesfalls  einen  Drnek  auf  den  Bier-  und  Branntweinkonsnm
  ausnben;  wenn  aber  dadiireli  der  letztere
besonders  stark  ein^esebränkt  wird,  könnte  es  Vorkommen, ­
  dass  von  Bier  statt  weniger  so^ar  noeb
melir  konsnmirt  würde.
Es  ist  allerdings  niebt  zu  übersehen,  dass  unsere
Annabme,  dass  die  Preise  aller  anderen  Artikel  die
^leieben  bleiben,  wie  immer  aneb  der  Preis  des  Artikels ­
  .1  sein  mö^e,  der  Wirkliebkeit  nur  innerhalb
entrer  Grenzen  entsju’iebt.  Wenn  wir  für  den  Preis
des  Artikels  A  sukzessive  verschiedene  Annahmen
machen,  so  dass  die  Konsumenten  dieses  Artikels
sieb  veraidasst  sehen,  entsprechend  veränderte  Meii-^en
  zn  verbrauchen,  welche  bei  Einzelnen  veränderte
Konsnmkombinationen  und  daher  veränderte  Mengen
auch  der  übrigen  Artikel  mit  sieb  bringen,  werden
aneb  die  Preise  dieser  anderen  Artikel  nicht  unbe-
        <pb n="189" />
        150

rülirt  bleiben  können.  Eine  weiter^eliende  KMiekwirkniii»-
  ‘dieser  Art  kann  eine  Preisänderiino-  de«
Artikels  sei  es  direkt,  sei  es  dnreb  ihren  Eindnss
auf  die  Preise  anderer  Artikel,  aneb  auf  die  ZutViedenbeit
  der  zum  Haushalt  des  betreffenden  Individuums ­
  o-ebörio-eii  Personen  ausüben,  indem  diese  mit
ihren  Ibirbezü^en  nicht  mehr  das  Auslangen  finden,
so  dass  dadurch  auch  deren  Eohnans])rüche  beeinflusst ­
  werden.  Durch  alle  diese  Emstande  wird  ein
inni^-er  Zusammenhang-  zwischen  den  gleichzeitig-  mö^--lichen
  Preisen  der  versehiedensten  Artikel,  einschliesslich ­
  der  persönlichen  Dienste,  her^estellt.  Dieser  Zusammenhaui»-
  erstreckt  sich  so^ar  noch  weiter;  denn
der  veränderte  Preis  des  Artikels  A  wird,  abgesehen
von  der  Rückwirkung-  auf  die  Preise  anderer  Artikel,
den  Aufwand  jedes  Käufers,  sowie  den  Erlös  jedes
Verkäufers  des  Artikels  .1,  heeinflusseu,  und  es  lässt
sich  nicht  verkennen,  dass,  sobald  sich  diese  Aenderuno-
  dem  einzelnen  Individuum  mit  Rücksicht  auf  sein
Vermöo-en  fühlbar  macht,  auch  seine  Werthsehätzuiiodes
  (ieldes  sich  ändern  wird.  Wir  haben  von  vornherein
durch  Annahme  unveränderlicher  Preise  aller  anderen
Artikel  und  ebenso  unveränderlieher  Werthsehätzun^-des
  Oeldes  seitens  jedes  ^e^ehenen,  wirtlisehaftliclien
Individuums  von  allen  diesen  Zusammeidiän^en  abgesehen ­
  und  müssen  an  diesen  Voraussetzungen,  wie
schon  erwähnt,  darum  festhalten,  weil  es  hei  gleichzeitiger ­
  Variation  aller  Elemente  nicht  möglich  wäre,
den  Einfluss  eines  derselben  zu  verfol^-en.
        <pb n="190" />
        Der  Einfluss  des  Artikels  und  der
Preise  der  anderen  Artikel  auf
die  Lebensgenusskurve.

in.  K()rres])on(lireii(le  Punkte.
Eh  in  (1er  Natur  der  Saelie,  dass  sieh  die
Eebens«»‘emiHHkurve  einen  l)eHtiininten,  wirtlisehattliehen
IndividiinniH  in  Hezu*»-  auf  welelien  Artikel  iniiner  dar-Htellen
  lännt,  wenn  nur  jedeninal  die  Preine  aller
anderen  Artikel  unveränderlieli  ^e^eben  nind.  Wir
gellen  nun  von  irgend  einer  bentiniinten  Annabine  tur
die  Pleine  aller  Artikel  und  der  dann  vortbeilbaftenten
Konnuinkoinbination  aun  und  bezeiebnen  die  mit  diener
Kombination  verbundene  Pefriedi^un^'  aln  die  faktinebe.
Lannen  wir  dann  naebeinander  den  Prein  je  einen  der
in  der  erwäbnten  Konnuinkoinbination  ernebeinenden
Artikel  unbentimmt,  wäbrend  alle  anderen  Pleine  immer
unveränderlieli  dienelbeii  bleiben,  no  erbalten  wir  die
Lebennj»enunnkurve  den  betraebteten  Individuunin  der
Weibe  naeb  auf  jeden  diener  Artikel  bezo{»en.  In
jeder  diener  Kurven  niunn  nieb  die  taktinebe  Hetriedij»un&amp;lt;*’
  aln  Abntand  der  Eebennj^enunnkiirve  von  ilirer
        <pb n="191" />
        Al)»eleiteteii  da  zeigen,  wo  die  letztere  von  jener
IVeiwlinie  geselinitten  wird,  welche  den  anfanglieh
angenoninienen  Preis  des  hetretfenden  Artikels  hezeichnet.
  Die  Abszisse  dieses  Sehnittjmnktes  gibt
nothwendigerweise  eben  die  I\ienge  des  betreffenden
Aitikels  an,  die  zu  der  Konsinnkoinbination,  von  der
wir  ausgegangen  sind,  gehört.  Es  gibt  deinnaeb  in
allen,  auf  je  einen  Konsulnartikel  desselben  Tndividuiiius
  bezogenen  Eebensgenusskurven  je  einen  kor-1
  esjiondirenden  Punkt,  dessen  Abszisse  die  zur  ursprUuglieben
  Konsulnkombination  gehörige  Menge  des
betreffenden  Artikels  und  dessen  Vertikalabstand  von
der  anfänglich  geltenden  Ibeislinie  desselben  immer
die  gleiche,  luimlieb  die  faktische,  Pefriedigung  angibt. ­
  Der  Lebensgenuss  ist  auch  in  diesen  Punkten
der  verschiedenen  Kurven  jedesmal  ein  anderer;  denn
die  Befriedigung,  welche  die  ursprüngliche  Kombination ­
  dann  ergeben  würde,  wenn  jedesmal  der  durch
die  Abszissen  der  betreffenden  Kurve  bemessene  Artikel ­
  unentgeltlich  zu  haben  wäre,  ist  keineswegs  die
gleiche.  Ausserhalb  dieser  korres¡iondirenden  Punkte
besteht  zwischen  den  auf  verschiedene  Artikel  bezogenen ­
  Lehensgenusskurven  desselben  Individmims
keinerlei  Beziehung,  denn  bei  wechselndem  Preise  eines
jedesmal  anderen  Artikels  und  unveränderten  Preisen
je  aller  übrigen  Artikel  werden  sukzessive  immer
andere  Konsumkombinationen  vortheilhaft  werden.
Endlich  ist  noch  zu  erwähnen,  dass,  wenn  die
anfänglich  vorausgesetzten  Preise  gerade  solche  sind,
dass  die  Preislinie  eines  Artikels  A  mit  einer  Radius-
        <pb n="192" />
        159

vektorstrecke  der  auf  eben  diesen  Artikel  bezogenen
Naelifra&amp;lt;»ekiirve  ziisaininenfállt,  es  in  der  That  zwei
Konsninkoinbinationen  ^eben  muss,  die  ^enaii  gleich
vortbcilbaft  sind.  Die  betreffende  Kurve  weist  dann
zwei  Punkte  auf,  die  mit  je  einem  Punkte  aller  anderen
Kurven  korrespondiren,  wenn  die  beiden  Konsumkombinationen ­
  sich  nur  durch  die  Menge  des  Artikels
A  unterscheiden.  Meist  aber  werden  diese  beiden
Konsumkombinationen  zwar  in  den  Mengen  vieler
Konsumartikel  übereinstimmen,  aber  doch  kleine  \  ersebiedenbeiten
  in  den  Mengen  komjdetirender  oder
konkurrirender  Artikel  aufweisen.  In  der  Kurve  dieser
letzteren  Artikel  muss  sich  dann  eine  korrespondirende
Radiusvektorstreckc  wiedeiünden.
:1S.  Der  EinfluHS  des  Artikels  auf  die  Form  der
Lebensgeiiusskurve.
Vergleichen  wir  nun,  von  dem  korrespondirenden
Punkte  der  faktischen  Konsumkombination  ausgehend,
den  Verlauf  der  Lebensgenusskurve  desselben  Individuums, ­
  wenn  sie  nacheinander  auf  versebiedene  Artikel ­
  bezogen  ist,  so  werden  wir  Formversebiedenbeiten
  dieser  Kurven  wabrnelnnen,  welche  von  der
Natur  des  betrachteten  Artikels  berriibren;  doch  sind
dabei  selbstverständlich  die  individuellen  Eigensebatten
des  Konsumenten,  sowie  die  geltenden  Preise  der
anderen  Artikel,  mitbestimmend.  Es  ist  klar,  dass
bei  jedem  wirklich  konsnmirten  Artikel  die  Antangsordinate ­
  der  auf  denselben  bezogenen  Lebensgenuss-
        <pb n="193" />
        U)0

km  VC,  (1.  i.  (lie  bei  Aussciiliiss  dieses  Artikels  erreiclibare
  IktViedi^inio-,  kleiner  sein  muss  als  die  faktisebe
Hefriedio-nno-,  und  zwar  um  so  kleiner,  je  wiebtioer
der  betreffende  Artikel  für  das  Individuum  ist  oder
demselben  ersebeint,  je  mehr  also  dureb  die  Entbebrunodieses
  Artikels  die  Hefriedi&amp;lt;&amp;gt;uno-  beeinträebtiot  wird.
.Andelseits  ist  die  faktisebe  lletriedi^un^'  wieder  notbvv
  (  ndi^ei  \v  eise  kleiner  als  dit‘Jeni^‘(^,  welebe  erreiebt
werden  könnte,  wenn  der  Preis  irgend  eines  der  wirklieb ­
  konsumirten  Artikel  auf  Null  sinken  würde,  somit
kleiner  als  die  Sebeiteljmnktsordinate  der  auf  irgend
einen  dieser  Artikel  bezogenen  Eebens^ennsskurve.
Nur  bei  jenen  wirklieb  konsumirten  Artikeln,  deren  '
Preis  gleieb  Null  ist  —  wie  bei  Luft  und  Wasser
unter  ^ewöbnlieben  Umstünden  —  wird  die  Selieitelpunktsoidinate
  der  betreffenden  I^ebens^enusskurve
der  faktiseben  Befriedionn^-  gerade  ^leieb  sein.  Betraeliten
  wir  dann  aueb  noeb  jene  Artikel,  welebe  bei
den  bestellenden  Preisen  von  dem  Individuum  oar
niebt,  also  nur  in  der  Alende  Null,  konsiimirt  werden,
so  wird  die  faktisebe  Befriedigung'  ¡„  der  Anfun^sordiimte
  jeder,  auf  einen  soleben  Artikel  bezogenen
Lebens^eiliisskurve  ersebeinen.  Diese  Kurven  baben

jedoeb  nur  dann  einen  Selieiteljuiiikt,  wenn  es  sieb
um  Artikel  bandelt,  die  we^en  ibrer  zu  bolien  Preise
niebt  konsumirt  werden.  l)a«*e&amp;lt;»en  ^ibt  es  aueb  Artikel, ­
  die  von  dem  betraebteten  Individuum  unter  dun
^e^ebenen  Umständen  o-ar  niebt  begehrt  werden,  und
dies  kommt  dann  in  unserer  oru)diiseben  I  larstelluno*
dadureb  zum  Ausdriieke,  dass,  wie  in  Ei&amp;gt;.  40,  die
        <pb n="194" />
        —  IGl  —

Le])eiisjçeiiusskiirve  hg  und  ebenso  aneh  die  Nntzlielikeitsknrve
  On  dnrelians  absteig’end  verlaufen  und
daher  letztere,  sowie  die  Naebf'ra^eknrve  On\  dnrelians ­
  unter  der  Abszissenachse  lie^t;  ein  solelier  Artikel ­
  wurde  von  dein  betraeliteten  Individnnni  nur  g’eg’en
Anfzablnnj»-  konsninirt  werden.

Fig.  40.

Der  I  iitersebied  zwiselien  der  Anfangs-  und  der
Sebeitelpnnktsordinate  der  Lebens^ennssknrve,  und  somit ­
  bei  der  Niitzlielikeitsknrve  die  Sebeiteljmnktsordinate
  selbst,  wird  bei  jenen  Artikeln  am  grössten  sein,
deren  Kntbebrnn^'  sehr  emjifindlieb  wäre,  oder  deren
reiebliebere  Verwendung  noeh  lebhaft  j*ewnnselit  4\iid
oder  vollends  dort,  wo  beides  zn^leieb  zntrifft.  So  winde
Auspitz  u.  Lieben.  UntersucU.  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.  11
        <pb n="195" />
        1G2

Z.  B.  (lie  Befnedigiin«’  eines  Konsuineiiten,  (1er  sieh
llindtleiseli  niir  aiu  Sonntage  ^•estatteii  kann,  sehr  l)eeinträchti&amp;lt;&amp;gt;
  t  werden,  wenn  er  hierauf  verzieliten  müsste,
lind  anderseits  wesentlieli  steifen,  wenn  er  sieh  diesen
Gmmss  tätlich  gestatten  könnte.  Da^e^en  würde  die
Entl)(‘hrnn^‘,  namentlieh  aber  der  Befriedi^nn^^'sznwaeiis
viel  geringer  ansfallen,  wenn  es  sieh  statt  nin  Kinddeiseh,
  z.  B.  um  Kehhülmer,  handeln  würde;  ähnlich
verhalten  sieh  alle  nothwendi^en  Artikel  iin  A  er-&amp;lt;&amp;gt;lei(*he
  zu  den  Luxusartikeln.
Bei  Artikeln,  die  für  eine  Verwendung'  unenthehrlieh
  nnd  unersetzlich  sind,  wird,  so  lan^e  nnr
diese  Verwendnn^sart  in  Betraeht  kommt,  die  Minimalmen^e
  hinter  der  IVien^e  der  vollen  Befriedigung"
nicht  weit  zurüekhleiben  ;  wenn  man  Luft  zum  Athmen,
Wasser  zum  Trinken,  Salz  zum  eigenen  Gehraueh
so  viel  haben  kann,  als  zum  Lehen  nnenthehrlieh  ist,
verlangt  man  nicht  gar  viel  mehr.  Jedoch  wächst
die  i\Ienge  dey  vollen  Befriedigung,  sobald  andere
Verwendungsarten  in  Betracht  kommen,  wie  die  des
Wassers  zum  Kochen,  Waschen,  Baden,  die  des
Salzes  für  einen  eventuell  reduzirharen  Hausstand  oder
gar  die  Verwendung  als  Viehsalz.  Bei  nicht  unentbehrlichen ­
  und  dabei  vielfacher  Verwendungen  fähigen
Artikeln  werden  die  Minimalmenge  und  jene  der
vollen  Befriedigung  weit  anseinander  liegen,  wie  wir
dies  an  den  mehrfach  benützten  Beisiiielen  des  Fleisches
oder  Weines  schon  gesehen  haben.
Das  Verhältniss  der  Anfangsordinate  der  Lehensgenusskurve ­
  zur  Ordinate  der  Minimalmenge  ist  nebst
        <pb n="196" />
        163

(1er  Grösse  der  ^Iiiiimalmeni&amp;gt;e  selbst  für  die  Xei^im^
der  geradlinigen  Anfanjçsstreeke,  d.  i.  für  die  Höbe
des  Maxiinaljn'eises,  massgebend.  Der  Maxiinaljuvis
ist  bei  soleben  Artikeln  am  böebsten,  deren  Kntbelirnn&amp;lt;*-emptindlicb
  ist,  von  denen  aber  sebón  kleine  ^1  enteil
einen  ^rossen  Lebensgenuss  gewähren.  Ist  überdies
die  Ordinate  der  Minimalmenjj^e  niebt  viel  kürzer  als
jene  des  Sebeitel]mnktes,  während  doch  die  Men&amp;lt;*e
der  vollen  Befriedigung-  die  Minimalmen&amp;lt;»e  weit  übersteigt, ­
  so  wird  dadurch  an^ezei^t,  dass  es  sieb  um
einen  Artikel  bandelt,  der  in  einer  Verwendung-  unentbebrlieli
  ist,  während  andere  reieblicbere  Verwenduno-sarten
  viel  weniger  wichtig  sind.  Das  Gleiche
o-ilt  auch  von  Artikeln,  die  gerade  dem  betretfenden
Individuum  unersetzlich  erscheinen,  an  deren  Konsum
überhaupt  sieh  Leidenschaft,  Eitelkeit  oder  ^esellsebaftlicber
  Ehr{»-eiz  knüpfen,  während  auf  eine  »rosse
Konsummen^e  weniger  \\  erth  jçele^t  wird.  In  der
Xaelifra^ekurve  zei{z,t  sich  dann  üher  der  Minimalmenj»e
  eine  lanj^e  Vertikalstrecke,  und  wir  sehen  in
der  That,  dass  derartige  Artikel  in  ihren  kleinen
Konsnmmen»;en  von  den  Schwanknn^en  ihrer  Preise
innerhalb  weiter  Grenzen  nnabbän^fi^-  bleiben.  N\  ei
z.  B.  es  für  eine  Ehrensache  hält,  seinen  (lästen  einmal ­
  im  Jahr  Champagner  vorsetzen  zu  können,  vhd
dabei  von  Preisstei^erun^fen  weni^  beeinflusst  eiden,
während  ein  reichlicherer  Konsum  —  weil  er  den
Lehens^ennss  nicht  mehr  erbehlicb  zu  stei^ei  n  ncima^
  —  mir  zu  sehr  niedrigen  Preisen  statttinden
würde.

11*
        <pb n="197" />
        1(54

3í).  und  iiiilx'íímizt  l)(‘^(‘lirt(‘  Artikel.
Da  die  Aiifaii»'.sordiiiate  der  J^ekeiis^enusskurve
um  wo  kürzer  ist,  je  unaii^eiielmier  die  Eutbeliruii^-des
  betreffenden  Artikels  empfunden  wird,  müsste  sie
gleich  Null  werden,  jeder  Lebensj»-ennss  müsste  versebwiiiden,
  wenn  es  sieb  um  einen  völlig-  nnentbebrlicben
  und  nnersetz!ieben  Artikel  bandelt.  Nun  ^ibt
es  aber  ausser  der  zum  Atbmen  erforderlicben  Luft
keinen  Artikel,  der  niebt  entbehrt  oder  dnreb  Surrogate
ersetzt  werden  könnte;  wir  können  uns  aber  denken,
dass  unter  ansserordentlicben  Umständen,  z.  Ik  in  einer
belagerten  Stadt,  alle  Surrogate  erscbö])ft  oder  nur
zu  ganz  nnersebwinglieben  Preisen  zu  haben  wären,
so  dass  die  Fristnng  des  Lebens  in  der  That  von
einem  einzigen  Artikel  abbienge.  In  einem  solchen
Falle  würde  die  Lebensgeniissknrve  und  die  Nützliebkeitskurve
  znsnmmenfallen.  Stellen  wir  nun  eine  derartige ­
  Kurve  On  (Fig.  41)  dar,  so  bezeiebnet  die
Minimalmenge  Ofi  die  kleinste  Menge,  welche  zur
Erhaltung  des  Lebens  während  eines  ,Jahres  erforderlich ­
  ist;  denn  unsere  Abszissen  bezeichnen  durchaus
Jabresmengen.  Lei  sehr  bolicu  Preisen  werden  aber
selbstverständlieb  auch  noch  kleinere  Mengen  gekauft
werden,  da  niemand  darauf  verzichten  wird,  sieb  so
lange  als  möglich  zu  erhalten,  wenn  er  auch  nicht
auf  ein  volles  Jahr  gesichert  ist,  da  ja  immer  noch
die  Hoffnung  auf  einen  Wechsel  der  \  erbältnisse  übrig
bleibt.  Diese  Käufe  können  aber  in  unseren  stets
        <pb n="198" />
        165

nur  auf  Jalircsmen^en  bczn^encn  Kurven  niclit  znin
Ausilruekc  konnnen.  Die  anf^estellte  Kurve  bedarf
aber  einer  noeli  weiteren  Prüfung»-.  Wir  liaben  näinlieli
  bislier  die  Ordinaten  einer  Lei)enK^enuHKkurve
wol  untereinander  verblieben,  uns  al)er  enthalten,
deren  absolutes  Mass  in  Geld  zu  b^ben;  denn  es
lässt  sieb  zwar  der  Untersebied  des  Lebensbenusses,
den  zwei  Konsuinkoinbinationen  bv'väbren,  dureb  einen

Fig.  41.

TC

Geldbetrab  aiisdrUeken,  den  LebeiisbenUKH  an  sieb  abei,
den  eine  bestimmte  Kombination  einem  bestimmten
Individuum  bietet,  in  (ield  zu  bemessen,  biesse  den
Wertb  des  Lebens  selbst  bestimmen  wollen.  Hiei
nun  scheint  die  ^löbliebkeit  b^d&amp;gt;oten,  den  Lebensbcnuss
  Null  mit  irbend  einem  andern  Lebensb’enuss,  dei
in  derselben  Kurve  ersebeint,  verblvieben  zu  können
und  so  ein  absolutes  Mass  zu  ermitteln.  Die  \eibleiebuiib
  des  Lebensbcnnsses,  den  die  versebiedenin.
        <pb n="199" />
        166

ill  der  Kurve  aiis^edriickteii  Konsiiiiikoinbiiiatioiieii
liieteii,  ist  l)is  zu  jener  Koiiiliiiiatioii,  welelie  auf  der
Miiiimaiiiieii^e  des  uueiitlielirlielieii  Artikels  lierulit,
zulässig-;  die  Ver^leiehuii^-  dieses  ^eriii^steii  Lelieus-^•eiiusses,
  liei  dem  die  Fristuii^  des  Lebens  iioeli  für
ein  Jahr  gesichert  ist,  mit  dem  Lebens&amp;lt;çenuss  Null
ist  aber  unausführbar.  Die  Kurve  briebt  liier  ab,
weil  Konsumkombinationen,  die  niebt  für  ein  ganzes
Jahr  ausreiclien  und  daher  in  unserer  ^rapbiseben
1  larstelluno-  nicht  ersebeinen  können,  sich  gerade  hier
iinabweislicb  aufdrängen  werden.  Ebenso  ist  es  unmöglicb,
  unsere  unerlässliche  Annahme,  dass  die  individuelle ­
  Wertbsebätzung  des  Geldes  unverändert
bleibe,  auch  in  einem  Falle  aufrecht  zu  erhalten,  wo
die  Existenz  auf  dem  Spiele  steht.  Es  bleibt  überdies ­
  unbestimmbar,  ob  der  Lebensgenuss  Null  den
Hungertod  oder  Selbstmord  bedeutet,  oder  ob  nur
unsere  Voraussetzung,  dass  das  Individuum  ohne  jede
jiroduktive  Tbätigkeit  blos  konsumire,  unhaltbar  wird.
Es  wird  von  der  Individualität  abbängen,  ob  die  ]\Iöglicbkeit
  eines  Erwerbes  oder  der  Erlangung  privater
oder  ötfentlicber  Unterstützung  sieh  darbietet  und  ausreiebt,
  einen  Verzweiflungssebritt  zu  Verbindern.
Alle  Verbrauebsartikel,  die  iinentbebrlicben  ganz
so,  wie  die  entbebrlieben,  erregen,  sobald  die  Menge
der  vollen  Befriedigung  übersebritten  wird,  den  Ueberdruss
  des  Konsumenten,  so  dass  der  Lebensgenuss
gesellmälert  wird;  ebenso  können  wir  liinsiebtlieb  der
(iebrauebsartikel,  mit  denen  wir  uns  später  eingehend
beschäftigen  werden,  schon  hier  bemerken,  dass  die
        <pb n="200" />
        mit  einem  tbrtvviihremleii  Weelmel  immer  neuer  Stiieke
verbundene  Midie,  sowie  der  Zeitaufwand,  Ungeduld

und  Ermüdung  iiervoriirin^en  würden.  Ein  vielmaliger
Wäselieweebsel  im  Ta^^e  wird  jeden,  ein  beständiger

Toiletteweebsel  wird  selbst  die  eleganteste  Dame  so
un&amp;lt;reduldi^  macbeii,  wie  eine  fortwäbrende  Aenderun^
der  Wobnun^  oder  des  Aufenthaltes.  Dureli  die  beständige ­
  Erneuerung  wird,  aiieb  abgesehen  von  der

Fiir.  42.

Ermüdunjj^,  jede  einzelne  llenützun^sdauer  so  sein
verkürzt,  dass  endlieb  jedes  \  er^nü^en  selnvinden
würde5  es  bat  also  auch  die  aut  einen  (lebiaiiebsartikel
  bezogene  Lebens^enusskurve  einen  Sebeiti  1
und  dann  einen  abfallenden  Verlauf.  Nur  bei  solchen
Artikeln,  deren  Benützung  mit  keiner  Ermüdung  oder
Abstumpfung  und  mit  keinem  nennenswertben  Zeitaufwand ­
  verbunden  ist,  die  aber,  wie  zinstiagende
        <pb n="201" />
        168

Anlagen,  die  I^eseliaff'im*»-  der  mamd^faki^steii  Genüsse
ermöft’lielien,  ^ibt  es  überlianpt  keine  volle  Hefriedi-^nn^
  lind  somit  keine  Grenze  für  die  1  )e^elireiiswertlie
iMen^e.  Bei  solelieii  Artikeln  verläuft  die  Leüens-^eniisskiirve
  bff  (Fif»\  42)  asyinptotiseli  zu  einer  Horizontalen, ­
  die  in  einer  gewissen  Höhe  über  der  Abszissenachse ­
  lie^'t,  während  diese  seihst  die  Asymjitote
für  die  Naehfra^eknrve  bildet;  die  Sä^ezähne  der
letzteren  werden  iin  nier  niedriger  und  sind  schliesslich
í¡:ar  nicht  mehr  als  solche  wahrnehmbar.  Ebenso,  wie
Artikel,  welche  ^eei^net  sind,  künftige  (ienüsse  zu
sichern  und  die  Sorge  für  die  Zukunft  zu  verringern,
gehören  auch  jene  hierher,  welche  dazu  dienen,  das
Eos  der  Mitmenschen  zu  erleichtern  ;  auch  für  die
Werke  der  Mildthätigkeit,  wenn  sie  ko^sten-und  mühelos ­
  geübt  werden  könnten,  gibt  es  keine  Begrenzung.
40.  Yerwülfeiliiiig  und  VertluMieruiig  eines  anderen
Artikels.
Wir  haben  schon  wiederholt  betont,  dass  die  auf
irgend  einen  bestimmten  Artikel  A  bezogene  Eebensgennsskiirve
  und  ebenso  die  zugehörige  Nützlichkeitskiirve
  eines  bestimmten,  wirthschaftlichen  Individnnms
nur  bei  gegebenen  Preisen  aller  anderen  Artikel  gedacht ­
  werden  können  und  Aendernngen  ansgesetzt
wären,  sobald  in  einem  dieser  Preise  eine  Aendernng
eintritt.  Wir  wollen  nun  den  Versuch  machen,  diese
Beziehungen  einigermassen  zu  verfolgen,  müssen  dabei
aber,  sowie  bisher,  von  der  Rückwirkung  absehen.
        <pb n="202" />
        169

welche  die  Preisäiideruiiji  eines  Artikels  auf  die  Preise
anderer  Artikel  und  auf  die  individuelle  Werthsehätznnjr
des  Geldes  ansznühen  vermag.
Wird  irgend  ein  Artikel  wolfeiler,  der  in  einer
oder  in  mehreren  der  Konsninkoinhinationen  enthalten
ist,  welche  in  der  auf  den  Artikel  A  hezo^enen  Lehensp;eniisskurve
  erscheinen,  so  wird  der  mit  diesen  Kombinationen ­
  verhnndene  Lehens^ennss  um  den  durch
diese  Verwolfeilun^  ersparten  Anfwandshetra^  ziinehmen.
  Die  hetretfenden  Ordinaten  der  Kurve  hg
werden  um  ^enan  ehensoviel  länger  oder  auch  um
mehr,  und  zwar  letzteres  dnnn,  wenn  die  Verwolfeilnn^
  des  anderen  Artikels  die  Pol^e  hat,  dass  für
den  \  erhraiieh  der  zugehörigen  Menj»;en  des  Artikels
.1  neue  Konsnmkomhinationen  die  vortheilhaftesten
werden.  Aus  demselhen  Grunde  kann  der  Lehens-Genuss
  auch  hei  jenen  MeuGcn  von  A  zunehmen,  in
deren  vortheilhafteste  Komhination  der  andere  Artikel
erst  durch  seine  VerwolfeilunG  eintritt.  Ehenso  können
alle  oder  einiGc  Ordinaten  der  LehensGenusskurve
läuGcr  werden,  wenn  ein  Artikel  wolfeiler  wird,  der
früher  in  G‘**’  keiner  der  in  der  Kurve  erscheinenden
Konsumkomhiimtionen  auftrat.  Durch  die  VertheueruiiG
des  andern  Artikels  daGCG^ni  kann  die  auf  den  Artikel
A  hezoGcne  LehensGenussknrve  nur  dann  heeindusst
werden,  wenn  derselhe  in  einer  oder  in  mehreren  der
in  dieser  Kurve  erscheinenden  Komhinationen  enthalten
war.  Die  hetretfenden  Ordinaten  der  LehensGcnusskurve
  werden  kürzer,  und  zwar  entweder  um  den
vollen  HetraG  des  durch  die  VertheueruuG  verursachten
        <pb n="203" />
        170

^lehiíiiifwaiKles  oder  nur  in  geringerem  Masse,  wenn
die  Vertlieuerung  die  Folge  liât,  dass  früher  minder
geeignete  Konsumkomhinationen  nun  die  geeignetsten
werden.  Die  Einwirkung  jeder  Preisänderung  eines
anderen  Artikels  kann  sich  natürlieh  aueh  auf  die
Anfangsordinate  der  Lehensgenusskurve  erstrecken
und  lässt  sieh  daher  nur  an  dieser  Kurve,  nicht  aber
an  der  Niitzlichkcitskurve,  vollständig  veifolgen,  ohwol
diese  jede  Formänderung  der  ersteren  genau  mitmachen ­
  muss.
Aus  dem  Gesagten  erhellt,  dass  die  Preisänderung
eines  anderen  Artikels,  wenn  sie  die  auf  A  bezogene
Lchensgenusskurve  üherhaujit  beeinflusst,  die  verschiedenen ­
  Ordinaten  dieser  Kurve  in  der  Kegel  ungleichiiiässig
  verlängern  oder  verkürzen  und  also  die
Form  dieser  Kurve  und  somit  aueh  die  der  Nützliehkeitskurve
  verändern  wird.  Wir  können  annäherungsweise ­
  verfolgen,  in  welchem  Sinne  eine  derartige
Formänderung  vor  sich  geht,  wenn  es  sich  um  eine
Preisänderung  eines  mit  A  konkiirrirenden  oder  diesen
kompletirendcn  Artikels  handelt,  während  die  Einwirkung ­
  ferner  stehender  Artikel  nur  schwer  zu  ermitteln ­
  wäre.
41.  J’reisâiideriiiiiçeii  koiikiirrimider  und  kom¡dctirender
  Artikel.
Wird  ein  konkurrirender  Artikel  wolfeil  er,  so
w  ird  sich  die  Verlängerung  der  Ordinaten  der  Lehensgemisskurve
  fxj  (Fig.  4ö)  hei  der  Anfangsordiiiate
        <pb n="204" />
        r_

—  171  —

1111(1  (len  nächstfolgenden  am  stärksten  ¿geltend  machen,
dagegen  hei  reichlicher  Verwendung  des  Artikels  A
und  vollends  hei  deijeni^en,  welche  platz^reifen  würde,
wenn  letzterer  unentgeltlich  zu  hahcn  wäre,  wenig
oder  gar  nicht  fiihlhar  sein.  Die  Kurve  h(j  wird  also
flacher  werden,  und  eine  Gestalt,  wie  die  theilweise
rothgezeichnete  annehmen.  Wenn  dagegen  ein
Fig.  43.

0
koin|detirendev  Artikel  wolfeiler  wird,  so  wird  die
\'erlängerung  der  Ordinaten  der  Kuiwe  hg  in  und
hei  dem  Scheitelpunkte  sehr  stark,  hei  der  Anfangsordinate ­
  am  wenigsten  hemcrkhar  sein,  weil  die  \  eiwolfeilung
  eines  den  Artikel  A  komjdctirenden  Artikels ­
  hei  reiehlieher  Verwendung  des  ersteren  weit
mehr  ins  Gewicht  fallt  als  hei  Ausschluss  desselhen;
        <pb n="205" />
        172

(lie  Kurve  h;j  wird  also  steiler,  wie  die  tlieilweise
puiiktirt  ^ezeielmete  hu,.  Die  Vertlieiieruii^-  eines
koinjdetirendeii  Artikels  liât  selbstverstäiidlieli  die
entgegengesetzte  Wirkung-;  die  Kurve  wird  also
daelier,  wie  W  ir  sehen,  dass  die  nrsjiriin^liehe
Niltzliehkeitskurve  On  diireh  die  X'erwolteiliin^-  eines
konijdetirenden  Artikels  steiler  wird  wie  (hi,^  während
sie  durch  die  A'ertheuerun^*  eines  solchen  Artikels
und  ehenso  durch  die  A'crwolfeilun^'  eines  konkurrirenden
  Artikels  flacher  wird,  so  dass  sie,  wie  in
unserer  Ki^ur,  heideinal  die  ¿»leiehe  Form  (hi,  annehnien
  kann.  Diese  heiden  Fälle,  die  ^anz  ^leiehartii»-
  ein  Flaeherwerden  der  Nützliehkeitskurve  henirken,
  lassen  sieh  nur  an  der  Lehens^enusskurve
klar  unterscheiden.
J^ei  namhaften  Freisänderun^en  dieser  Art  kann
auch  die  IMen^e  der  vollen  Befriedigung"  kleiner
werden  ;  denn  die  Konsumkonihinationen  mit  reiehlieher
  Verwendung-  des  Artikels  A  werden  dureh  die
Vertheuerun^"  eim's  koinjdetirenden  Artikels  absolut
unvortheilhafter,  während  sie  dureh  Verwolfeilun^-  eines
konkurrirenden  Artikels  zwar  an  sieh  vortheilhafter,
aber  doch  relativ  ^e^en  Konsumkonihinationen  mit
hesehränkter  Verwendung-  des  Artikels  A  un^"üns%er
werden.  Ebenso,  wie  dureh  die  ent^-e^-en^esetzten
Freisänderun^en  Konsumkonihinationen  mit  noch  reielilieherer
  Verwendung-  des  Artikels  A  als  vortheilhaft
hervortreten  und  die  Idente  der  vollen  Befriedigungverg-rössern
  können,  werden  hier  Konihinationen  mit
mässig-erer  Verwendung-  des  betrachteten  Artikels  nun-
        <pb n="206" />
        173

mehr  den  grössten  Lel)ensj&amp;gt;emiKs  gewähren,  so  dass
schon  l)ei  kleineren  ]\Ien^en  die  volle  Hefriedi»»un»‘
eintreten  wird.  Wenn  diese  Wirkung"  weiter^eht,  die
reiehlieheren  Konsninkoinhinationen  immer  iinvortheilhafter
  werden,  so  kann  die  Lehens^ennsskurve  allmäli&amp;lt;»-
  die  Gestalt,  wie  Fi^.  40,  annehmen,  d.  h.  der
Konsum  des  Artikels  A  kann  durch  Verwolfeilun^
der  Surrogate  oder  durch  die  Veitheuerun^  der  ihn
erglänzenden  Artikel  endlich  ^anz  aufhören.  So  wird
z.  11.  ein  Sinken  des  Weinj)reises  hei  vielen  Personen
die  Nachfrage  nach  Hier  heschränken  und  schliesslich
^anz  aufhehen.  Die  gleiche  Wirkung  kann  ein  Sinken
des  Hierpreises  auf  die  Hranntweinuachfra^e  ausühen,
während  die  verschiedenen  Sorten  dieser  (Getränke
einander  auch  schon  hei  ^erin^en  Preisschwankungen
ersetzen  und  verdrängen  können.  Aehnliche  Wechselheziehun^en
  bestehen  innerhalh  aller  (Huj)|)eu  von
Artikeln,  die  verwandte  Hediirfnisse  befriedigen,
zwischen  den  verschiedenen  Hrodstotfen  oder  Fleischsorten, ­
  den  verschiedenen  Leucht-  und  Hrennstotfen,
den  mancherlei  Anrej»uu{;smitteln,  den  zahllosen  Frzeu^nissen
  der  Textilindustrie  u.  s.  w.,  und  weiterhin
treten  auch  diese  (Huppen  seihst,  z.  H.  die  verschiedenen ­
  Nahrungsmittel,  mit  einander  in  Konkurrenz.
ITm  aber  den  Zusammenhan«»-  der  Preise,  der  sich
schliesslich  zwischen  einander  fernstehenden  Artikeln
bis  ill’s  Einzelne  verfolgen  liesse,  zu  ühersehen,  ist
auch  wieder  die  Er^änzun^  des  Genusses  durch  der
Art  nach  ^anz  verschiedene  Artikel  zu  heachten.  So
kann  durch  riieuerun^  des  Zuckers  die  Nachtra»i*e
        <pb n="207" />
        174

niíinclier  Personen  naeli  KafTee  oder  Idiee  g'eselnnUlert
  oder  ^anz  anff&amp;gt;eliol)en  werden;  ebenso  ergänzen
sieli  die  Geträid^e  und  festen  Naiirun^snnttel  u.  s.  w.
Eine  älinlielie  Ikzieliuno*,  wie  zwisclien  koinjdetirenden
Artikeln,  bestellt  zwiseben  den  drei  grossen  llauiitbediiifnissen,
  Wohnung,  Kleidung  und  Nahrung;  für
die  Art  und  Weise  dieses  Zusaininenbanges  sind
jedoeb  die  Verniögensverbältnisse,  die  soziale  Stellung ­
  und  der  Gesebmack  des  Individuums  massgebend.
Die  in  Rede  stehendeii  Preisänderungen  anderer
Artikel  werden  natürlich  aueb  auf  das  Grössenverbältniss
  der  Ordinate  der  Miniinalinenge  zur  Anfangsund ­
  zur  Scheitelpunkts-Ordinate  und  oft  aueb  auf  die
Miniinalinenge  selbst  ihren  Einfluss  geltend  machen.
Die  dadurch  bedingten  Eorinänderungen  der  Lebensgenusskurve ­
  hg  (Eig.  44),  welche  je  naeb  Umständen
sehr  verschiedenartig  sein  werden,  treten  am  deutliebsten
  hervor,  wenn  wir  die  Menge  der  vollen  Refriedigung
  und  deren  Ordinate  davon  unberührt  lassen.
Wächst  die  Anfaiigsbefriedigung  durch  die  Verwolfeilung
  eines  konkurrirenden  Artikels  in  stärkerem
Masse  als  der  Lebensgenuss  der  Konsumkombinationen
mit  s])ärlicber  Verwendung  des  Artikels  A,  so  dass
S(debe  Konsumkombinationen  ausser  Retraebt  kommen
und  in  der  neuen  Kurve  h,g  üliersjirungen  werden,
so  steigt  die  Minimalmenge  z.  R.  von  0/¿  auf  Ou,^
und  der  Maximalpreis  sinkt.  Der  Konsum  des  Artikels ­
  A  findet  überhaupt  nur  zu  niedrigeren  Preisen
statt,  ist  also  erschwert,  nur  die  reieblieben  Verwendungsarten ­
  kommen  überbauiit  noch  in  Retraebt  ;  eine
        <pb n="208" />
        derartige  Aeiuleniii«»-  kann  eintreten,  wenn  die  Verwolfeilnn^
  eine  ])essere  Sorte  betrifft.  WäeliKt  da-^e^en
  die  Ordinate  der  Miniinalinen&amp;lt;»e  um  ebeimoviel,
wie  die  Anfan^sordinate,  ko  Ideilff  die  Miniinalinen^e
KelbKt  und  aneli  der  ]\Iaxiinal])reÍK  völlig  unverändert,
nur  wird  die  Kurve,  wie  in  ihrem  weiteren  Verlauf ­
  ffaeher.  Eine  Kolelie  Aenderun^  kann  durch  Verwolfeilunj»'
  einer  minderen  Sorte  bewirkt  werden,  weil

F¡í?.  44.

dann  die  reieldiehe  Verwendung  des  Artikeln  A  nur
hei  ermäKKi^ten  1’reinen  Platz  greifen  wird,  während
der  Genunn  kleiner  Mengen  ehenno  »enueht  bleiben
ma^,  wie  früher.
En  kann  aber  auch  Vorkommen,  dann  der  Lehenn-^eniinn,
  den  kleine  Mengen  des  Artikeln  A  bieten,
stärker  zunimmt  als  die  Anfan^nbefriedi^un^,  no  dann
die  iMinimalmen^e  kleiner,  der  Maximalprein  höher,
die  Kurve  also,  wie  die  in  der  Fi^ur  rotb^ezeiehnete.
        <pb n="209" />
        17G

aiiH^cbaucliter  wird.  Eine  solche  Aeiideruii^’  könnte
%.  H.  die  auf  Kaffee  bezogene  Lebens^ennssknrve
erleiden,  wenn  Cieliorie  billiger  würde.  Die  Scbeitelpnnktsordinate,
  sowie  die  Anfangsordinate,  können  unverändert ­
  bleiben,  wenn  das  Individmun  beim  Kaff'eepreise
  Null,  sowie  bei  Aussclduss  von  Kaffee,  keine
Cieliorie  konsuinirt,  während  ihm  bei  hoben  Kaff’eepreisen
  ein  Cicborienziisatz  sehr  erwünscht  sein  kann.
Nicht  minder  mannigfaltige  Aenderungen  kann  die
Lebensgenusskurve  durch  Vertbeuerung  eines  konkurrirenden
  oder  Dreisänderungen  eines  kompletirenden
Artikels  erleiden.
42.  Preisäii(leruiig:(Mi  fernstcdieiider  und  neuer  Artikel.
Wenn  wir  auf  den  Aufbau  der  Nützlicbkeitskurve
Ü7i  bei  vortbeilbaftester  Detriebs-  und  Lebensweise
aus  Kurven  bestimmter  Betriebs-  nnd  Lebensweise
(Fig.  28  und  ßü)  zurüekgreifen  und  uns  diese  sämmt-1
  ich  en  Kurven  um  die  Anfangsbefriedigung  Ol)  des  betreffenden ­
  Individuums  binaufgeseboben  denken,  so  gelangen ­
  wir  wieder  zu  einer  Lebensgenusskurve  /oy,
wie  sie  jetzt  behandelt  wurde.  Zugleieb  erbalten  wir
aber  auch  ein  ganzes  System  von  Lebensgenusskurven
bestimmter  Betriebs-  und  Lebensweise,  deren  Ordinaten
  den  Lebensgenuss  angeben,  der  durch  wechselnde ­
  Mengen  des  Artikels  A  erreiebt  werden  kann,
wenn  für  jede  dieser  Mengen  nicht  die  absolut  geeignetste, ­
  sondern  nur  die  vortbeilbafteste  derjenigen
Konsumkombinationen  gewählt  würde,  welche  bei  eigen-
        <pb n="210" />
        —  177  —

sinnigem  Festhalten  an  irgend  einer  bestinnnten  l^etriebs-
  nnd  Lebensweise  noch  inöglicli  bleiben.  Jede
dieser  Lebensgenusskurven  ist  natürlich  ihrer  Form
naeb  mit  der  für  dieselbe  bestimmte  Betriebs-  und
Lebensweise  geltenden  Xiitzliebkeitskurve  Iv  (Fig.  28)
identisch,  und  man  erhält  die  letztere,  wenn  die  erstere
um  Oh^  die  bei  völligem  Ausschluss  des  Artikels  A
erreichbare  Befriedigung,  berabgescboben  wird.  Wird
nun  z.  B.  ein  mit  A  konkurrirender  Artikel,  der  bei
der  betrachteten,  bestimmten  Betriebs-  und  Lebensweise
gar  nicht  konsumirt  wird,  wolfeiler,  so  wird  die  betretfende
  Lebensgenusskurve  dadurch  natürlich'  gar
nicht  berührt  werden;  wol  aber  kann  bierdurcb  die
eben  erwähnte  Anfangsbefriedigung,  welche  bei  einer
ganz  anderen  Betriebs-  und  Lebensweise  erzielt  wird,
erhöbt  werden.  Die  für  die  betrachtete,  bestimmte  Betriebs- ­
  und  Lebensweise  geltende  Nützlicbkeitskurve
(Fig.  28)  wird  also  in  ihrer  Fonn  unverändert
bleiben,  aber  eine  gegen  den  Nulljmnkt  tiefere  Lage
einnebmen,  weil  die  betrettende  Lebensgenusskurve  bestimmter ­
  Betriebs-  und  Lebensweise  nun  um  die  grösser
gewordene  Anfangsbefriedigung  berabzusebieben  ist.
Fs  zeigt  sieb  also,  wie  die  Freisänderungen  auch
ganz  ferne  liegender  Artikel,  so  wie  früher  (22)  angedeutet, ­
  die  Lage  der  Xützliebkeitskurven  bestimmter
Betriebs-  und  Lebensweise  und  dadurch  auch  die  Form
der  Kurve  On  beeinflussen,  eine  Finwirkung,  die  sieb
nur  an  der  Lebensgenusskurve  verfolgen  lässt.
Fin  Artikel,  der  früher  nicht  Gegenstand  des
Konsumes  des  betrachteten  Individuums  war,  kann  dies
Aaipitz  u.  Lieben.  Untersuch.  Ob.  d.  Theorie  d.  Preises.  12
        <pb n="211" />
        178

werden,  indem  er  selbst  billiger  wird,  oder  aber,
indem  ein  bisber  konsnmirter,  konknrrirender  Artikel
tbeurer  oder  ein  kompletirender  Artikel  wolteiler  wird.
In  den  beiden  letzteren  Fällen  wird  nämlieb  das  einemal
  dureb  Verminderung-  der  Antan^sbetViedi&amp;lt;»un&amp;lt;»-,
also  dureb  Verkürzung-  der  Antan^sordinate,  das  andercmal
  aber  dureb  Verlän^-eruno-  der  folgenden  Ordinaten
  der  auf  den  neuen  Artikel  bezogenen  Lebenso-enusskurve
  der  AIaximal]n-eis  dieses  Artikels  für  das
betraebtete  Individuum  erböbt  und  da  dureb  der  Konsum ­
  ermö&amp;lt;»-liebt.
Handelt  es  sieb  da^ej^-en  um  einen  Artikel,
der  dem  Individuum  bisher  unbekannt  war,  wie  dies
Tabak  oder  Kartoffeln  vor  einigen  Jabrbunderten,
oder  wie  es  das  Petroleum  vor  einigen  Jabrzelmten
war,  so  werden  einzelne  aus  Neugierde  oder  aus
Interesse  an  Experimenten  versuebsweise  voran&amp;lt;&amp;gt;-eben.
In  der  auf  den  neuen  Artikel  bezogenen  Lebenso-enusskurve
  dieser  Personen  drüekt  sieb  deren  Erwartung^ ­
  aus,  ihre  bisher  erreiebte  Pefriedigung,  welebe
dureb  die  Anfangsordinate  der  neuen  Kurve  aiisgedriiekt
  wird,  erhöben  zu  können.  Fällt  die  Probe
günstig  aus,  ist  also  die  nunmehr  tbatsäeblieb  sieb
ergebende  Hefriedigung  grösser  als  der  \  ertikalabstand
der  erwähnten  Kurve  von  der  zugehörigen  Naebfragekurve
  bei  der  wirklieb  konsumirten  Menge  des  neuen
Artikels,  so  wird  der  betreffende  Punkt  der  Lebensgenusskurve ­
  der  Erfahrung  entsj)reebend  binaufrüeken,
und  ebenso  wird  die  Kurve  sieb  aueb  in  ihrem  sonstigen ­
  Verlauf,  also  aueb  für  reiebliebere  und  spär-
        <pb n="212" />
        179

Hellere  Verwendungen,  rieliti^  stellen.  Durch  das  Beis])iel
  der  ersten  wird  sich  alhnäli^  auch  hei  anderen
die  neue  Lehens^enusskurve  gestalten,  während  sie
früher  ^an%  tehlte  und  dann  hei  noch  mangelhafter
Kenntniss  der  Kigensehaften  des  neuen  Artikels  noch
unhestininit  und  schwankend  hlieh.

12*
        <pb n="213" />
        Der  Einfluss  der  Individualität
auf  die  Lebensgenusskurve.

43.  Die  individuel  le  Wertliscliiitziing  des  (ieldes.
Naclidein  wir  im  vorigen  Abselinitte  Veriniitlmngen
darüber  aufgestellt  haben,  wie  die  auf  einen  Artikel  A
bezogene  Lebensgenusskurve  dureb  Lreisänderungen
anderer  Artikel  beeintiusst  wird,  liegt  es  nabe,  nun
aucb  anderseits  den  Versueb  zu  machen,  den  Eintluss
gewisser  Aenderungen  in  der  Individualität  des  betraehteten
  Konsumenten  auf  dessen  nacheinander  auf
verschiedene  Artikel  bezogene  Lebensgenusskurve  zu
verfolgen.  Selbstverständlich  müssen  wir  dabei  nun
wieder  voraussetzen,  dass  jedesmal  die  Preise  aller
anderen  Artikel  unveränderlich  gegeben  seien,  und  es
wird  sieb  auch  hier  wieder  zeigen,  dass,  obwol  die
Nützliebkeitskurve  jede  Formänderung  der  Lebensgenusskurve ­
  mitmaebt,  diese  Aenderungen  sieb  nur
an  der  letzteren  Kurve  verfolgen  lassen.
Nebmen  wir  zunächst  an,  dass  der  betrachtete
Konsument  wolbabender  und  in  Folge  dessen  seine
individuelle  Wertliscbätzung  des  Geldes  kleiner  ge-
        <pb n="214" />
        181

worden  sei,  so  muss  die  Form  der  Lebens^enusskurve
und  somit  aueli  jene  der  Nützlielikeitskurve  eine  andere
werden.  Diese  Formänderungen  werden  allerdings  —
auch  hei  gleich  grosser  Ahnahme  der  individuellen
\\  eidlisehätzung  des  Geldes  —  je  nach  Art  und  Vertheilung
  (33)  des  Zuwachses  des  anfänglichen  Besitzes
verschieden  sein,  doch  können  wir  diese  Verschiedenheiten ­
  nicht  verfolgen.  Wir  müssen  uns  vielmehr  darauf
heschränken,  nur  jene  Wirkung  zu  hehandeln,  die,  ahgesehen
  von  der  veränderten  Aid  und  Vertheilung  des
anfänglichen  Besitzes,  lediglich  durch  die  verringerte,
individuelle  \\  erthschätzung  des  Geldes  ausgeüht  wird,
gerade  so,  wie  wenn  wir  die  Kurven  zweier  Individuen ­
  vergleichen  würden,  die  sich  hei  sonst  gleichen,
jiersönlichen  Eigenschaften  und  auch  hei  ganz  gleichem
Anfangshesitze  nur  darin  unterscheiden,  dass  trotzdem
ihre  individuelle  Werthschätzung  des  Geldes  eine  verschiedene ­
  wäre.  Unter  dieser  Einschränkung  und,
wenn  üherdies  angenommen  werden  könnte,  dass  für
jede  Menge  des  Artikels  A  die  gleiche  Konsumkomhination,
  wie  früher,  die  vortheilhaftcstc  hliche,  kömmt
eine  Ahnahme  der  Werthschätzung  des  Geldes  um  z.  B.
10®/„  dadurch  zum  Ausdruck,  dass  das  Individuum
bereit  und  in  der  Lage  wäre,  für  den  mit  jeder  Menge
von  A  verbundenen  Lebensgenuss  einen  entsjirechend
erhöhten  Geldbetrag  aufzuwenden.  Es  werden  also
alle  Ordinaten  der  Lehensgenusskurve  im  Verhältniss
von  y  :  10  länger,  daher  diese  Kurve,  sowie  die  Nützliehkeitskurve,
  steiler  ansteigend,  und  die  Nachfrage-  ,
kurve  höher  werden.  Es  würden  demnach  hei  jedem
        <pb n="215" />
        182

Preise  von  J  Menj&amp;gt;*en  gekauft  werden,  welehe  früher
nnr  hei  einem  mn  1U%  niedrigeren  Iheise^gekauft
worden  wären.  Der  Preis  des  Artikels  .1  erscheint
also  dem  wolhahender  gewordenen  Konsumenten  nm
10  7o  ennässi^t.  Ganz  ebenso  werden  aber  auch  die
Preise  aller  anderen  Artikel,  sowie  alle  baren  Kinnabmen
  und  Verptliehtnn^en  dem  Individnnm  nunmehr ­
  reduzirt  erscheinen,  so  dass  die  bei  verschiedenen ­
  Meng-en  von  .1  vortheilhaftesten  Kombinationen
der  anderen  Artikel  nicht  mehr  die  «^leiehen  bleiben
können,  und  daher  die  Lebensj*eniisskiirve  noch  weitere
Kormänderun^en  erfahren  muss.  Während  nämlich
durch  die  subjektive  Verwolfeilun^-jener  Artikel,  welehe
den  Artikel  .1  kom])letiren,  die  Debens^enusskurve
nur  noeb  steiler  gestaltet  wird,  macht  sieh  die  Verwolfeilun^'
  der  konkurrirenden  Artikel,  durch  welehe
insbesondere  die  Anfan^sordinate  und  die  näebstfoli&amp;gt;-enden
  Ordinaten  der  Lebens^enusskurve  verlängert
werden,  im  entgegengesetzten  Sinne  geltend.  Dadurch
kann  es  geschehe]),  dass,  während  die  Dehens^enusskurve
  des  wolhabender  gewordenen  Käufers  in  der
Pe^el  steiler  wird,  der  Konsum  also  zunimmt,  die
Kurve  ausnahmsweise  auch  Hacher  werden,  vielleicht
sopir,  wie  in  Fi^.  40,  j»anz  ausser  Petracht  kommen
könnte.  Dies  kann  Vorkommen,  wenn  die  Kurve  auf
einen  jener  Artikel  bezogen  ist,  welehe,  wie  z.  P.
S])eck  oder  Pranntwein,  nur  dem  Minderbemittelten
wichtig,  vielleicht  sogar  unentbehrlich  sind.  Solche
Personen  glauben,  dass  sie  von  den  betretfenden  Artikeln ­
  bei  niedrigen  Preisen  weit  mehr  konsumiren
        <pb n="216" />
        183

wühUmi,  wälimid  tliatsäclilicli  ein  ans^ieln^er  Preisinckj»’{in^
  und  die  dadureli  lierbei^efiilirte  Ersparnis^
die  individuelle  Werth.seliätzun^-  des  Geldes  so  beeinflussen ­
  kann,  dass  die  Men^r  der  vollen  Befriedi^nn^r
kleiner  wird,  weil  sie  dann  ebenso,  wie  Wolbabendere
  Uberbanjd,  zu  feineren  Xabrun^sinitteln  und  Getränken ­
  greifen.  Ebenso  werden  ordinäre  Kleiderstoffe,
Möbel  und  dergleieben  dureb  die  bei  steifendem  Wolstande
  ziifäiiflieb  werdenden,  besseren  Sollen  verdräiift.
  Bei  sinkendem  Wolstande  und  steifender
Mertbsebätzniif  des  Geldes  wird  die  T^ebensfennsskurve,
  fera  de  auf  bessere  Soiien  und  Luxusartikel
bezofen,  tlaeber,  so  dass  sebliesslicb  die  Nacbfrafe
naeb  soleben  aufbören  wird.  Das  Gleiebe  kann  dann
aueli  binsiebtlieli  soleber  Artikel  fesebeben,  welebe
zu  ihrer  Komjdetirunf  anderer  bedürfen,  die  nun  zu
kostspielif  erselieinen.  W  er  keine  Pferde  kaufen
kann,  bat  kein  Bef  ehr  naeb  Heu  oder  Hafer;  wer
die  Ansebatfuufskosten  einer  Lampe  sebeuen  muss,
bat  keine  Naebfrafe  naeb  Petroleum,  und  ohne  den
Besitz  eines  Ofens  oder  Herdes  fibt  es  aueb  keine
Naebfrafe  naeb  iifend  weleliem  Brennstoff.  Selbst
die  Naebfrafe  naeb  an  und  für  sieb  kostenlosen,  feistifen
  oder  anderen  (ienüssen  muss  versebwinden,
wenn  die  hierzu  nötliife,  arbeitsfreie  Zeit,  die  wir  als
komjdetirenden  Artikel  anseben  müssen,  zu  kostspielif
wird;  wer  seine  fanze  Zeit  zum  Broderwerb  verwenden ­
  muss,  kann  sieb  aueb  den  Besueb  eines  Lesezimmers ­
  oder  selbst  das  Verfiiüfen  eines  Sjiazirf
  a  Ufes  niebt  festatten.
        <pb n="217" />
        184

44.  Die  iiidividiieileii  Ansprüche.
Hand  ill  Hand  mit  stoij&amp;gt;’(*nd(‘r  Wollialumlieit
])flej&amp;gt;;eii  auch  die  Aiisjiriielie  des  Konsumenten  zu
wachsen;  doch  können  wir  uns  vorstellen,  dass  die
Ans])riielie  auch  bei  ^anz  «leielibleibenden  Vennö^ensverhältnissen
  steifen  ;  jedestalls  verhalten  sieh  versehiedene,
  selbst  gleich  wolhabende  Personen  in  dieser
Hinsicht  sehr  versehieden.  So  haben  wir  in  Fi^.  45
die  Lebensj»-enussknrven  von  drei  verschiedenen  Personen ­
  /,  JI  lind  ///,  bezogen  auf  denselben  Artikel,
z.  H.  Kaffee,  dar^estelIt,  welche  alle  die  gleiche  Anfan^'sbefriedi^nng
  und  dieselbe  IMen^e  der  vollen  Hefriedi^nn^'
  haben,  während  I  und  II  noch  überdies
den  ^'1  ei  eben  Maximaljireis,  //  und  ///dieselbe  Scbeitelpnnktsordinate,
  /  und  III  aber  die  gleiche  Minimalmen^e
  O///  anfweisen.  Der  Käufer  11  erbebt  in
Beziijj,-  auf  diesen  Artikel  die  grössten  Aiisjiriiche,  da
er  denselben  mir  dann  konsnmirt,  wenn  er  sieh  einen
sehr  reicblicben,  z.  H.  mindestens  tä^liehen,  Verbrauch
gestatten  kann.  Die  beiden  anderen  Konsumenten
sind  weit  ansjirucbsloser,  da  sie  sieh  eventuell  auch
mit  einem  viel  gerillteren  Konsum,  etwa  einmal
wöcbentlieb,  betidl^en,  ohne  dämm  den  Artikel  aiifziifeben.
  Dabei  left  der  Käufer  /  dem  Kaffeekonsume
nberbaii])t  nicht  mehr  Werth  bei  als  der  Käufer  //
lind  ist  für  reichlichere  Verwendnnten  sog-ar  viel
tleicbtültiter  als  dieser.  Der  Käufer  III  dat'eten
wird  tKisserc  Kaffeementeii  zwar  auch  nur  zu  nicht
        <pb n="218" />
        185

viel  höheren  Preisen  kaufen,  wie  /,  da^e^en  weit
höhere  Preise  zu  zahlen  bereit  sein,  nm  sieh  doch
wenigstens  kleine  Mengen  zu  verschaffen.  Er  ist  in
Hezn^  auf  die  Menj^e  ansjirnehslos,  le^t  aber  auf
den  Kafteekonsnni  überhaupt  grossen  Werth,  vielleicht,
wie  früher  erwähnt,  mir  ans  Hüeksiehten  der  Konvenienz
  und  des  gesellsehaftliehen  Ehrgeizes.

Die  Naehfragekiirve  des  letzteren  Käufers  ///,

gezeiehnet  haben,  zeigt  hei  der  Mininialinenge  Ofit
eine  grössere  Vertikal  strecke,  jene  des  Käufers  II
zeigt  eine  solche  hei  der  viel  grösseren  Minimal  menge
welche  einen  täglichen  Konsum  gestattet  und
in  unserer  Figur  eine  ebensolche  hei  einer  grösseren
Menge,  welche  etwa  zu  einem  zweimal  täglichen

Fig.  45.

die  wir  der  leichteren  Unterscheidung  wegen  roth
        <pb n="219" />
        186

Kaíteekoimuni  erforderlicli  ist.  Die  ^rossen  Vertikalstreckeii,
  weielie  eine  ^erin^e  Einj)6ii(llielikeit  des  Fndividuuins
  für  I’reisseliwankiing’en  aiisdrUeken,  Inin^en,
vereint  mit  langen  Kadiusvektorstreeken,  welelie  zaldreiche,
  zwiselienliegende  IVFengen  nl)ers])rin»en,  die
Anspriielic  des  Individuums  zur  Anseliauun^-,  zugleieli
aber  aueli  seine  Sclieu,  Mühe  und  Sorgfalt  an  die  Aufsueiiun^'
  der  jeder  Preissclnvankung-  angemessensten
Konsumkombination  zu  wenden.  Die  Käufer  f  und
III  da^i-eg-en,  deren  Xaeiifra^ekurven  in  ihrem  weiteren
Verlaute  keine  flössen  Zähne  aufweisen,  sind  niebt
nur  ans})ruelisloser  in  Bezu^'  auf  die  Konsummen^e,
sondern  aueli  mehr  darauf  bedaebt,  selbst  kleinen
Dreissebwankun^en  zu  folgen.  Eine  solebe  sorgfältige
Anj)assun»-  des  Konsumes  liegt  im  Wirkungskreise  der
wirtbsebaftlieben  Hausfrau,  welebe  zugleieb  darauf
bedaebt  ist,  die  mögliebst  vollständige  Ausnützung
der  angekauften  Mengen  der  versebiedenen  Artikel
zu  erzielen.  Be\  vielen  Artikeln  ist  eine  vollständige
Ausnützung  gar  niebt  möglieb,  da  ein  gewisser  \"erlust,
  z.  B.  bei  Ivoble  dureb  Abrieb  und  namentlieb
durch  den  nicht  kontinuirlieben  Dang  der  Feuerstellen,
unvermeidlich  ist.  Ebenso  gebt  bei  Zueker,  Meid,  Salz
u.  dgl.  notbwendigerweise  etwas  durch  Verstreuung
und  Beschmutzung  verloren,  oder  bei  allen  Speisen
und  Getränken  alles,  was  an  den  Geschirren  haften
bleibt.  Noch  mangelbafter  ist  die  Ausnützung  der
Speisen  und  Getränke  in  allen  jenen  Haushaltungen,
in  welchen  die  Portionen  nicht  knapp  vorgelegt
werden  und  mit  Absicht  mehr  bereitet  wird,  als
        <pb n="220" />
        187

voraussiclitlicli  zur  volhui  lU‘tVie(li^un^  der  TineliíçeuossíMi
  erforderlicli  ist.  Wir  sell  eu  also,  dass  bei
einer  ^‘ewisseii  Aukauf'smeu^e  eines  Artikels  immer
noeli  verseliiedeiie  Konsumkombinationen,  die  sieb  in
der  Ausnützung  dieses  Artikels  untersebeiden,  mö^-lieb
  sind,  dass  aber  die  Kombination,  welebe  die  vollständigste ­
  Ausnützung  mit  sieb  bringt,  keineswegs
aueli  die  vortbeilbafteste  sein  muss.  Wäbrend  es  also
bei  strenger  Wirtbscbaftliebkeit  mö^lieb  wäre,  aus
den  an^ekauften  Mengen  mehr  oder  grössere  Konsumportionen ­
  berzustellen,  wird  der  ansjiruebsvollere  Konsument ­
  die  bierzu  nötbi^e  Zeit,  ^lübe  und  Sorgfalt
niebt  aufwenden  wollen.  Jene  Individuen  da^e^en,
die  immer  eine  mö&amp;lt;»liebst  vollständige  Ausnützung  der
gekauften  Aleiij^en  anstreben,  werden  auch  ^erin^-tVijiin-e
  Aenderun^en  der  Ankaufsmen^e  niebt  ausser
Aebt  lassen;  ihre  Lebens^euusskurveu  werden  daher
weniger  lan^e,  gerade  Streeken,  also  einen  mein*  kontinuirlieben
  Verlauf,  aufweisen.
45.  Die  individu(*ll(‘ii
Der  I  ntersebied  der  Nei^un^en  verseliiedener
Individuen  oder  Aenderun^eu,  die  der  (iesebmaek
desselben  Individuums  erleidet,  maebeii  sieb  in  der
verseliiedenen  Kmjifindunf»*  und  Deurtbeilun^  aller  an-{ietVibrten
  KinÜüsse  geltend.  So  ist  z.  D.  die  Hüeksiebt
  auf  Konvenienz  bei  jedem  Individuum  eine  andere
und  leiebt  veränderliebe;  je  naeli  Umständen  wird  bei
der  Wald  der  jeweilig*  zweekmässigsten  Konsumkom-
        <pb n="221" />
        188

hinatioii  nebst  der  ei^eiien  Nei^nn^  die  KUeksielit
auf  das  Uidlieil  der  Gesellseliaft,  in  der  man  sieli  i)ewej?t,
  mein*  oder  weniger  mitspielen.  Dies  gilt  keineswegs ­
  blos  von  den  sogenannten  höheren  Sehiehten
der  Gesellschaft;  gerade  der  Dauer  hält  zähe  an  dem
1  lergehraehten  fest  und  wird  seihst  mit  den  grössten
Ol)fern  auf  keinen  jener  Artikel  verzichten,  deren
Konsum  er  für  standesgemäss  hält.  Ebenso  ist  die
individuelle  Neigung  dafür  massgebend,  welchen  Artikeln ­
  gegenüber  ein  Individuum  grössere  oder  geringere ­
  Ans])rüche  stellt,  und  hei  welchen  Artikeln  sieh
der  Einfluss  steigender  Wolhahenheit  auf  die  Nachfrage ­
  am  meisten  geltend  macht.  Ganz  besonders
wird  es  aber  von  dem  Geschmacke  und  den  Neigungen
des  Individuums  ahhängen,  welche  Artikel  ihm  als  konkurrirende
  und  welche  als  kompletirende  erscheinen.
\\  ährend  z.  B.  für  die  meisten  Konsumenten  geistiger
Getränke  der  ihanntwein  nur  ein  Surrogat  der  wolschmcckenderen
  Getränke  bildet,  wird  dieser  dem
Gewohnheitstrinker,  dem  nicht  die  leichte  Erregung,
sondern  nur  die  J  runkenhcit  Genuss  gewährt,  als  ein
Artikel  erscheinen,  dem  Wein  und  Bier  gar  nicht
Konkurrenz  machen  können.  Kaftee,  Thee  und  (liokolade
  mögen  von  manchen  gleich  geachtet  werden,  so
dass  der  JVeis  allein  die  Wahl  bestimmt,  während
andere  so  ausgesprochene  Neigung  oder  Abneigung
empfinden,  dass  es  für  sie  gar  keine  Wahl  gibt.  Daher
kommt  es  anch,  dass  Preisschwankungen  der  minderen
Sorten  oft  ohne  Einfluss  auf  den  Konsum  der  besseren
Sorten  bleiben,  weil  die  wolhahenden  Abnehmer  der
        <pb n="222" />
        189

letzteren  die  geringeren  Qualitäten  gar  nicht  als  konkiirrirend
  anerkennen.  Andere  Konsumenten  wieder,
die  z.  Ik  zweierlei  Weinsorten  zu  trinken  pflegen,
werden  je  nach  ihrer  Neigung,  wenn  die  eine  Sorte
billiger  wird,  nur  von  dieser  mehr,  von  der  anderen
aber  gleich  viel  oder  weniger  trinken,  oder  auch  den
Konsum  beider  Sorten  vermehren.  Immer  aber  scheint
die  bessere  Qualität  der  geringeren  wirksamere  Konkurrenz ­
  zu  machen  als  umgekehrt.
Die  individuellen  Neigungen  machen  sich  hei
der  Wahl  der  geeignetsten  Konsumkomhinationen  besonders ­
  durch  die  Reihenfolge  der  Wichtigkeit  geltend,
welche  der  Befriedigung  der  verschiedenen  Bedürfnisse ­
  zuerkannt  wird.  Der  eine  wird  sich  mit  der
hescheidendsten  Ernährung  begnügen,  um  immer  reine
Wäsche  und  anständige  Kleidung  erschwingen  zu
können.  Bei  anderen  wieder  steht  dieses  Verlangen
in  zweiter  Reihe  und  wird  erst  befriedigt,  wenn  für
Sj)cise  und  Trank  ausreichend  gesorgt  ist.  In  dem
einen  Haushalt  sjuelt  Essen  und  Trinken  die  Hauptrolle, ­
  in  dem  anderen  die  Erziehung  der  Kinder  und
die  (Gesundheitspflege,  hei  anderen  wieder  das  Streben
nach  Unterhaltung  oder  die  Toiletten  der  Frau,  hei
anderen  die  Sorge  um  die  Zukunft;  kurz,  so  mannigfaltig ­
  die  menschlichen  Neigungen,  so  unherechenhar
die  verschiedenen  (Geschmacksrichtungen  sein  mögen,
immer  finden  sie  in  der  Vertheilung  des  Ausgahenhudgets
des  Hauses  ihren  charakteristischen  Ausdruck.  Dabei
macht  sich  nicht  minder  der  (Geschmack  des  einzelnen
in  der  Beurtheilung  dessen  geltend,  was  zusammen-
        <pb n="223" />
        100

j»-eliört,  zusainmeiii)íisst.  Es  ist  geradeso  (iescliinackssaclic,
  welcher  Aufputz  zum  Kleid,  welelie  Sanee  zum
Hrateu  gehört,  als  etwa,  welelie  Eiurielituu^-  zur
Wolimm«»*,  welelie  Wolmung-und  wie  viel  Dieiierseliaft
u.  s.  w.  zur  Aufreelitlialtuu^'  des  ^eei^uetsteu  Zuselmittes
der  »auzeu  llauslialtuuo-  erforderlich  erscheint.
Die  iudividuelleu  Nei^uuo-eu  können  soj&amp;gt;ar  soweit
verschieden  sein,  dass  dieselhen  zwei  Artikel  dem
einen  kompletirend,  dem  andern  aber  konknrrirend
erscheinen.  So  ^iht  es  Kalfeekonsnmenten,  welche
an  einem  gewissen  Zusatz  von  Ciehorie  Gesehmack
finden  und  hei  Ereisändernn^en  das  ihnen  angenehme
Men^enverhältniss  nur  weni^'  modifiziren,  während
andere  mir  hei  steifendem  Kaffeejireise  mehr  und
mehr  Ciehorie  znsetzen  und  sich  schliesslich  auch  mit
blosser  Ciehorie  hcfiiüfen  werden.  Einen  dritten  Fall
endlich,  wo  Ciehorie  auch  nur  hei  hohem  Kattec])reise,
aber  doch  nie  allein,  konsnmirt  wird,  haben  wir  schon
früher  erwähnt.
Die  fcfenseitife  Stellniif  verschiedener  Artikel
wird  f-anz  auffallend  durch  das  hei  versehiedenen  Personen ­
  niifleich  lebhafte  Hediirfniss  nach  Ahwechslnnf
heeindnsst.  Dieselben  Artikel,  welche  —  wie  die
verschiedenen  Fleisch-  oder  Mehlspeisen,  die  manniftaltifen
  Kleider-  oder  Möbelstoffe,  Stadt-  und  Eandwohnmifcn
  n.  dfl.  —  einander  ersetzen  können  und
somit  meistens  als  konknrrirende  erscheinen,  werden
von  anderen  Personen  der  Ahwechslnnf  halber  nebeneinander ­
  konsnmirt  und  treten  dann  als  komjiletirende
Artikel  auf.  Wenn  es  von  den  Vermöf  ensverhältnissen
        <pb n="224" />
        191

ill  welcluMii  Mas^e  dem  ll(‘(liiifiii«&amp;gt;se  iiacli
Aliweclisluiif»*  tliatsäehlieli  Reclimiii«»’  ^elra^eii  wird,
so  können  wir  nns  doeli  ^an%  j»ut  aneli  zwei  ^leieli
Avollialiende  Konsnnienten  denken,  von  welelien  der
eine  das  &amp;lt;»anze  Jahr  hindureh  Kaffee,  der  andere
aller  zeitweilio^  zur  Abweehslun»'  IJiee  zum  Frühstiiek
nimmt,  oder  von  denen  einer  immer  nur  Halsbinden
von  ^leieber  Form  und  Farbe,  der  andere  daj»e&amp;lt;»en
‘»•ein  niö^liebst  versebiedene  trä»*t.  Das  Streben  naeb
Abweebslun»*  kann  noeb  viel  weiter  &amp;lt;»ebeii;  so  wird
eine  elegante  Dame  ‘»ar  kein  Verlangen  tragen,  aiieb
nur  zwei  ^anz  j*leiebe  Kleider  oder  Hüte  zu  besitzen,
ebenso  wie  der  Sammler  von  Hüebern,  Münzen,  Bildern,
zwar  immer  niebr,  aber  nur  neue,  versebiedenarti^e
Stüeke  begehrt.

4().  Die  (iewöbnmii;  und  der  aufäu^lielie  Besitz.
Eine  der  bäuff^sten  und  ei^entbümliebsten  Aenderuii^en
  der  individuellen  Nei^un^en  wird  dureb  das
Auftreten  einer  Dewöbnun^'  bewirkt.  Wir  bemerken,
dass  sieb  ein  Individuum  au  einen  Artikel  überbaii|it
oder  an  eine  reiebliebe  oder  spärliebe  Verwendung"
desselben  ^ewöbnen  kann,  oft  aueb  an  eine  Gruppe
einander  nabestebender  Koiisuinkombinationen,  welebe
dann  dem  Individuum  als  zu  einer  bestimmten  Lebensweise ­
  ^eböri^  ersebeinen,  oder  endlieb  an  eine  Grupjie
verwandter  Lebensweisen.  Die  Gewölmun^  bnii^t  es
immer  mit  sieb,  dass  jene  Koiisiimkombinationen  oder
Lebensweisen,  an  welebe  sie  sieb  knüpft,  einen  re  la-
        <pb n="225" />
        192

tiv  liöliereii  Lebeiisgeimss  gewähren,  als  jene,  auf
welche  sie  sich  nicht  erstreckt.
Stelle  nun  bg  (Fig.  46)  die  Lehensß^enusskurve,
auf  irgend  einen  Artikel  A  bezogen,  vor  Eintritt  einer
Gewöhnung"  dar,  und  nehmen  wir  an,  dass  die  Erhöhung- ­
  des  Lebensgenusses  durch  die  Gewöhnung  an
den  betreitenden  Artikel  eine  für  alle  Mengen  des-Fig.

  46.

selben  ganz  gleichniässige  sei,  so  kann  sich  diese  Erhöhung ­
  doch  nicht  auf  die  Anfangshefricdigung  Oh
erstrecken;  diese  wird  vielmehr  unverändert  bleiben.
Wir  können  uns  aber  ebensogut  auch  vorstellen,  dass
alle  übrigen  Ordinaten  der  Kuiwe  hg  gleich  bleiben,
und  nur  die  Anfangsordinate  kürzer  werde,  indem  der
Verzicht  auf  den  Ailikel,  nachdem  man  sich  an  denselben ­
  gewöhnt  hat,  schmerzlicher  empfunden  wird.
        <pb n="226" />
        193

Es  lässt  sicli  in  einem  solelien  Falle  nielit  nnterselieiden,
ol)  die  Kurve  hg  die  Gestalt  hg¡  oder  h¡g  anniniint,
weil  diese,  der  Form  naeli  identiseli,  sieh  mir  diireh  ihre
Höhenlage  nnterselieiden;  wir  sehen,  dass  der  Maximalpreis
  höher,  die  Minimalmen^e  Ofi  aber  kleiner,  nämlieh
geworden  ist,  weil  nunmehr  aneh  früher  iiher-Fig.

  47.

sprnngene  Konsiimkomhinationen  mit  spärlieherer  Verwendung ­
  des  Artikels  A  in  Hetraeht  kommen  werden.
Geht  die  Gewöhnung  dahin,  die  reiehlicheren
Verwendungsarten  mehr  zu  sehätzen,  so  erhöht  sieh
die  Seheitelstreeke  der  Lehensgenusskurve,  während
'  die  Konsumkomhinationen  mit  sjiärlielierer  Verwendung ­
  von  A  vielleicht  ganz  ausser  Betracht  kommen.
Die  Kurve  hg  kann  dann  eine  Form  wie  hg¡  (Fig.  47)
annehmen,  so  dass  sowol  der  Maximalpreis  steigt,
Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  fib.  d.  Theorie  d.  Preises.  13
        <pb n="227" />
        104

als  auch  die  Maximahueu^e  vou  Oft  auf  Qu,  wächst.
Erstreckt  sich  da^e^eu  die  Gewöhuuuj»-  nicht  auf  die
reichlicheren,  souderii  umgekehrt  gerade  auf  die  s])ärlichereu
  Verweuduu^sarteu,  so  wird  die  Kurve  hg  die
roth^ezeichuete  Aushauehuu^'  erfahren;  der  Maxiuial-])reis
  steift,  während  die  Aliuimahueu^e  kleiner,  uäuilich
  wird  ;  da  aber  die  Kurve  iui  Gegensätze  zu
dem  Falle  Ei«;-.  4  G  in  ihrem  weiteren  Verlaufe  Hacher
o-ewordeu  ist,  kann  der  Ueher^au^'  zu  grösseren  Meuten
erst  hei  niedrigeren  Preisen  als  früher  cidolgen.  Geht
die  Aeuderuug  in  derselben  Hichtuug  sehr  weit,  so
kann  der  Scheitel  der  Leheusgeuusskurve  nach  links
rücken,  die  Menge  der  vollen  Befriedigung  also  ahnehmen,
  so  dass  die  reichlicheren  Verwendungsarten
ausser  Betracht  kommen.
Knüpft  sieh  die  Gewöhnung  endlich  nur  an  eine
bestimmte  Lebensweise,  und  ist  ßy  (Eig.  48)  die  für  dieselbe ­
  geltende  Lebensgenusskurve,  so  wird  die  letztere
unter  dem  Eintiuss  der  Gewöhnung  die  erhöhte,  punktirte
  Lage  einnehmen.  Die  Lebensgenusskurve  hg  vortheilhaftester
  Betriebs-  und  Lebensweise  erhält  dadurch
die  in  der  Eigur  punktirt  ersichtlich  gemachte  Ausbauchung. ­
  Geht  die  Erhöhung  des  l.ebensgenusses
durch  die  Gewöhnung  weit  genug,  so  können  dadurch
die  Lebensweisen  mit  spärlicher  Verwendung  des  Artikels ­
  Á  ganz  übersprungen  werden  und  anderseits  auch,
wie  im  vorigen  Ealle,  jene  mit  reichlicherer  \  er  Wendung ­
  ganz  oder  theilweise  ausser  Betracht  kommen.
Die  Gewöhnung  knüj)ft  sich  begreiflicherweise
in  sehr  ungleichem  Masse  an  verschiedene  Artikel;
        <pb n="228" />
        195

am  auftalli»’«teii  tritt  ilirc  Wirkung  l)c*i  den  Erre^nn»sinitteln
  liervor,  weil  diene  in  der  Re^el  nielit  von
Jiij»end  auf  ^enonnen  werden  und  daher  dan  Eintreten
der  Gewöhnung»’  nieli  he&amp;lt;d)aehten  lännt.  Bei  Artikeln,
deren  Genunn  mit  einer  Anntren^nn^-  verbunden  int,
wie  Jau'en,  Beiten  ii.  d^l.,  bewirkt  die  Gewöbniin»»-,
Fig.  48.

'  /

dann  eine  Ermüdung'  ernt  npäter  eintritt.  Die  Ab-Htumptim^-
  ^e^en  irgend  einen  Genunn  wirkt  da^e^en
in  einem  der  Gewöhnung  gerade  ent^e^en^enetxten
Sinne.
Die  neben  früher  (33)  erwähnte  Einwirkung'  der
Art  und  Benebatfenbeit  den  antan^lieben  Benitzen  auf
die  Wald  der  vortbeilbaftenten  Konnumkombination  und
somit  aueb  auf  die  Gestalt  der  Lebenngenunnkurve,
13*
        <pb n="229" />
        19G

zeij&amp;gt;-t  (lie  g-rösste  Aelnilielikeit  mit  jener  der  Gewölimino-.
  Dies  tritt  deutlich  hervor,  wenn  die  Kurve
auf  einen  jener  Artikel  bezogen  ist,  deren  Verhrauch
einen  entsprechenden  Besitz  gewisser  Gehrauchsartikel
voranssetzt.  Ist  die  Lehens^ennsskurve  z.  B.  auf  Betro-Icuni
  hezo^en,  so  wird  dieselhc  verschieden  gestaltet
sein,  je  nachdem  das  Individuum  mit  einer  für  alle
Fälle  ausreiehenden  Anzahl  von  Kämpen  versehen  ist,
oder  oh  es  nur  eine  ^erin^e  Zahl  oder  o-ar  keine  Lampen
besitzt,  im  letzteren  Falle  wird  der  mit  dem  Konsum ­
  von  Petroleum  überhaupt  verbundene  Lehenso’enuss
  durch  die  Nothwendi^keit  einer  Auslage  zur
Ansehatfun^'  von  Lampen  heeinträchti^t,  während  sich
diese  Wirkung",  wenn  einige  Lampen  vorhanden  sind,
erst  hei  reichlieherer  Verwendung’  von  Petroleum  fühlbar ­
  macht.  Die  I.ehcnsgenusskurve  wird  also  heim
Besitze  weniger  Lampen  von  einer  gewissen  Menge
ah-,  ohne  einen  solchen  aber  durchaus  hacher  ansteigen
als  in  dem  ersterwähnten  Falle,  wo  der  reichliche
Lam])enhesitz  mit  einer  Gewöhnung  an  I  etioleum
überhaupt  zusammenfällt  und  auch,  wie  eine  solche,
wirkt.  Der  Uehergang  zu  reichlicherer  Verwendung
eines  \^erhrauchsartikels  wird  demnach  erschwert,  wenn
hierzu  Kapitalsauslagen  erforderlich  sind,  und  zwar
nni  so  mehr,  je  mehr  das  Individuum  I  rsache  hat,
das  mit  solchen  Investitionen  verbundene,  mehrfache
Risiko  zu  scheuen.  Nicht  bloss  die  Gewöhnung  an
einen  Verhrauchsartikel  überhaupt,  sondern  auch  die
an  gewisse  engen  desselben  findet  ihre  Analogie  in
der  Art  und  Weise,  wie  sich  der  Besitz  gewisser
        <pb n="230" />
        Gel)rauclisartikel  bei  der  Wald  der  vortheilliaftesten
Konsumkombiiiation  geltend  macht.  Wer  z.  B.  ein
Paar  Pferde  liält,  liât  einen  lebhaften  Begehr  nach
einer  angemessenen  Menge  Hen  und  Hafer,  während
alle  Konsumkomhinationen,  die  wesentlich  grössere
oder  kleinere  Mengen  dieser  Artikel  enthalten,  fiir
ihn  nicht  in  l^etracht  kommen.
        <pb n="231" />
        hm

-m

r  i

:  t

fö:.--ir«



;*■•&amp;gt;•'

l*&amp;amp;.

;mm#

&amp;lt;-r

^rnrnm^^'k
        <pb n="232" />
        ï

i

SAT

V.

Das  produzirende  Individuum
        <pb n="233" />
        Die  Lebensgenusskurve  mit  Berücksichtigung ­
  einer  produktiven
Thätigkeit.

47.  Die  vortlieilliafteste  Konsinii-  und  IVoduktkoiiibiiiatioii.

Wir  liabni  im  vorigen  Kaj)itol  nur  den  Hpeziellen
Kall  einen  annneldiennlieli  konsninirenden  Individnnnin
behandelt,  wir  können  aber  die  gewonnenen  Renultate
ohne  weiteren  auf  den  allp;emeinen  Kall  einen  aiieb
produktiv  tbäti^en  Menneben  übeiira^en.  Auch  ein
noleber  int  bentrebt,  jeweilig  die  ^rönnte  Hefriedigun^*
zn  erreicben,  und  wird  daher  bemüht  nein,  unter  allen
erdenklieben  Kombinationen  neiner  ^enammten  dalirenkonnumtion
  und  aueli  neiner  ^enammten  Jabrenjmodnktion
  die  bei  den  ^e^ebenen  Kreinen  aller  Artikel
vortbeilbaftente  zn  wählen.  Zn  den  Konnnmartikeln
treten  nnnmebr  die  Kroduktionnertbrderninne  hinzu,
wodnreb  nieb  der  Aufwand  vermehrt,  während  anderneitn
  aneb  die  Produkte,  welche  durch  ihren  Krlön
dan  Einkommen  erhöben,  und  deren  Mengen  daher  aln
ne^rative  Konnnmmen|fen  an%efannt  werden  können.
        <pb n="234" />
        202

mit  il)  der  Komliiiiatioii  ersclieiiieii.  Das  Einkommen
umfasst  also  nnnnielir  ausser  den  sonstigen  Zuflüssen
au  eil  den  bei  den  ^e^ebenen  Preisen  aller  Artikel
sieb  ergebenden  Erlös  für  alle  Produkte,  Abfälle,  abgenützte ­
  Gerätbe  u.  d^l.,  während  der  Aufwand  sieb
nun  aueb  auf  alle  Produktionserfordernisse,  also  auf
die  Bescbatfun^'  der  1  lilfsstotfe,  auf  Löhne,  Gebalte,
Passivzinsen,  Steuern,  Mietb-  und  Paebtzinse  u.  s.  w.
erstreckt.  Dem  durch  die  Produktion  erhöhten  Einkommen, ­
  welches  einen  reicheren  Konsum  ermöglicht
oder  auch  eine  grössere,  seidiessliehe  Vermö^ensinventur
  herbeiführt,  stehen  bei  jeder  ])roduktiven
Idiäti^keit  die  Unannehmlichkeiten  ^e^enüber,  welche
dem  Unternehmer  aus  der  eigenen,  ]diysischen  und
j»eistig-en  Anstrengung',  aus  der  Aufmerksamkeit  und
Mühe,  die  er  aufwenden  muss,  so  wie  aus  der  Sor^e
und  Aufrej&amp;gt;'U!){:•'  bei  der  Leitung-  und  Ueberwachun^'
seiner  Untergebenen  und  des  ganzen  Unternehmens,
erwachsen.  Die-  schliessliche  Vermö^ensinventur  ist
hier,  wie  früher,  von  der  Grösse  und  Art  des  anfänglichen ­
  Besitzes,  von  dem  Einkommen,  das  für  jede
Kombination  durch  den  sich  ergebenden  Aufwand  und
Erlös  f&amp;gt;'enau  bestimmt  ist,  sowie  von  der  mit  derselben
verbundenen  Abnützung-  aller,  der  Konsumtion  oder
Produktion  dienenden  Gebraucbs^e^enstände,  abbän^ij»-.
Zur  Feststellung  einer  bestimmten  Kombination
der  ^esammten  Jabreskonsumtion  und  -Produktion ­
  müssen  daher  alle  zu  verbrauchenden  oder  auch
zu  benützenden  Konsumtions-  und  Produktionserfordernisse, ­
  sowie  aueb  alle  Produkte,  hinsichtlich  ihrer
        <pb n="235" />
        203

Qualität  und  Quantität  und  ihrer  Verweuduu^H-,  be-%iebuu^8weÍHC
  Her^stelluu^sart,  ebenso  ^;enau  in  allen
Kinzelnbeiteii  bekannt  sein,  wie  wir  dies  zur  Feststellung ­
  einer  bestimmten  Konsnmkombination  eidorderlieb
  gefunden  haben.  Es  müssen  ferner  nebst  der
Individualität  und  der  ganzen  Zeiteintbeilnnji  des
Unternehmers  selbst  aneh  die  physisehen,  j^eisti^en
und  moralischen  Eigenschaften  nicht  nur  der  zu  seinem
Haushalte  ^eböri^en,  sondern  auch  aller  bei  seinem
Unternehmen  beschäftigten  Personen  teststehen,  und
ebenso  muss  die  Zeiteintbeilun^*  aller  dieser  Personen
bei  allen  ibren  vom  Unternehmer  abhän^i^en  Tbäti^-keiten
  ^enau  ^ere^elt  sein.  Bei  der  Wahl  der  vortheilhaftesten
  unter  allen  jeweilig-  möglichen  Kombinationen ­
  müssen  wir  wieder  annehmen,  dass  die
individuelle  Wcrtbschätzun«»*  des  Ueldes  seitens  des
Unternehmers  von  der  schliesslich  verbleihendcn,  grösseren ­
  oder  kleineren  Vermö^ensinventur  nicht  beeinflusst ­
  werde.  Für  diese  Wahl  ist  nebst  der  Besebattenlieit
  des  anfänj»licben  Besitzes,  namcntlicb  also  der
Ai*t  und  (irössc  der  schon  ‘»cmachtcn  Investitionen
nebst  den  Bedürfnissen,  Nei^un^en  und  Gewohnheiten
des  Unternehmers  nun  auch  noch  dessen  natürliche
oder  erworbene  Ei^nun^'  zu  jeder  der  verschiedenen
Arten  ])roduktiver  Thätiji'keit  besonders  massgebend.
Von  allen  erdenklichen  Kombinationen  sind  zunächst ­
  die  undurchführbaren  auszusebeiden;  denn  es
^ibt  Produktmen^en,  welche  mit  ^e(febenen  Mengen
aller  Produktionserfordernisse  aus  techniseben  Gründen
schlecbterdin^s  nicht  her^estcllt  werden  können.  Die
        <pb n="236" />
        '¿KR

—  204  —
analoge  Erseheimiiig  nmnöglicher  Konsiimkombinationen
  ist  weniger  auffällig,  obwol  es  einleiielitend
ist,  (lass  z.  B.  auch  ein  gewisses  Quantum  im  llaiishalte
  zu  hereitcnder  Speisen  eine  entsprechende  Brennstoftmenge
  erfordert.  Unter  den  technisch  möglichen
Komhinationen  ist  auch  hier  wieder  keineswegs  immer
jene  die  vortlieilhafteste,  welche  der  theoretischen
Ausnützung  der  verschiedenen  Hilfsstofte  am  nächsten
kommt;  denn  eine  solche  würde  oft  unverliältnissmässige
^lühe  oder  kostspielige  Investitionen  oder  eine  allzugrosse ­
  Ahnützung  der  Geräthe  oder  eine  allzugrosse
Inanspruchnahme  der  Leistung  der  llilfsarhciter  erfordern. ­
  Der  Spielraum  für  die  Aufsuchung  der  geeignetsten ­
  Komhination  hleiht  dahei  immer  ein  ungemein ­
  grosser,  da  diescll)e  Broduktmenge  aus  sehr
verschiedenen  Mengen  der  verschiedenen  llilfsstoffe
hergestcllt  werden  kann,  wenn  an  den  Einrichtungen
und  dem  Verfahren  geeignete  Aenderungen  vorgenommen ­
  werden.  Einen  ähnlichen  Eintiuss  hahen
Aenderungen  in  der  täglichen  und  jährlichen  Arheitsdaucr
  oder  in  der  Verth  (dl  ung  des  jährlicli  zu  veiarheitenden
  Rohstott(|uanturns  aut  die  ott  unglch  1i
geeigneten  Jahres-  und  Ihgeszeiten.  So  wird  die
Broduktmenge  z.  B.  einer  Brennerei  wegen  der  fortschreitenden ­
  Deteriorirung  des  Rohstoü'es  hei  der  Aufhewahrung
  oder  wegen  anderer  Einflüsse  der  Jalircsz(dt
  kleiner  ausfallen,  wenn  das  ganze  Jahr  hindurch
ein  täglich  gleiches  Arhcitscpiantum  festgehalten  werden
wollte,  als  wenn  diesen  Umständen  in  geeignetster
Weise  Rechnung  getragen  wird.
        <pb n="237" />
        205

48.  Lebensgenuss,  Niitzliclikeit  und  Herstellungskosten. ­

Hetracliten  Avir  mm  unter  verschiedenen  Konsnninnd
  lh()dnktkonil)inationen,  Avelelie  sieh  einem  prndnzirenden
  Individnnin  darhieten,  jene,  Avelelie  einen  bestimmten ­
  Verhranelisartikel  A  enthalten,  der  bei  gar
keiner  Kombination  als  Produkt,  sondern  immer  nur
als  Krforderniss  der  Konsumtion  oder  Produktion  oder
beider  zugleich  anftritt,  und  von  welchem  sich  weder
ein  anfänglicher  \  orrath  im  Besitze  des  betrachteten
Individuums  hetinde,  noch  ein  solcher  am  Schlüsse
des  Jahres  gehalten  Avird.  Nehmen  Avir  dann  Avieder
an,  dass  nur  die  Preise  aller  anderen  Artikel  gegeben
seien,  so  können  Avir  die  früher  (34)  für  ein  bloss
konsnmirendes  Individuum  angestellten  Betrachtungen
Schritt  für  Schritt  Aviederholen.  Wir  Averden  so  unter
steter  Festlialtnng  unserer  Voraussetzung  uiiAeränderlicher,
  individueller  Werthschätzung  des  Geldes  Avieder
dahin  geführt,  dass  mit  jeder  Jahresmenge  des  Artikels ­
  A  ein  bestimmter  Lebensgenuss  —  die  Betriedigung
  l)ei  unentgeltlicher  Beistellung  der  betrettenden
Menge  —  verbunden  ist;  der  bei  der  Menge  Null,
also  bei  Ausschluss  des  Artikels  vl,  erreichbare  Lebensgenuss ­
  bildet  Avieder  die  Aufangsbetriedigung.  M  ii
könnten  also  ganz,  Avie  dort,  eine  aut  das  Konsumtions-
  oder  Produktionserforderniss  A  bezogene  Lehensgenusskurve ­
  eines  ])roduktiv  thätigen  Indi\  iduums
aufstellen  und  aus  derselhen  auch  wieder  die  Nütz-
        <pb n="238" />
        200

lichkeits-  iiml  die  Na(*lifraf»-ekurve  erlialteii;  die«e
Kurven  zeigen  wieder  den  friilier  l)e8])roelienen  Fornieliarakter.

Neliinen  wir  da^e^en  an,  dass  der  Artikel  v1,
dessen  Preis  nielit  hestiinint  ist,  während  alle  anderen
Preise  ^e^ehen  seien,  nunnielir  als  Produkt  und  hei
keiner  in  Petraeht  kommenden  Kombination  als  Krforderniss
  auftrete,  und  dass  auch  weder  irgend  ein
anfän^lieher  Vorrath  von  demselben  vorhanden  sei,
noch  ein  solcher  am  Schlüsse  des  Jahres  gehalten
werde.  Auch  hier  können  wir  unter  allen  Konsum-  und
Produktkomhinationen,  welche  dieselbe  Jahresmen^e
.r  von  A  enthalten.  Eine  heraushehen,  welche  die
grösste  Befriedigung  gewährt  und  daher  hei  jedem
Preise  von  A,  auch  wenn  die  hetretfende  Alenge  nnent^eltlieh
  ah^e^ehen  werden  müsste,  die  vortheilhafteste
  hleiht.  Selhstverstiindlich  &amp;lt;»ilt  dies  hier,  wie
früher  (34),  nur  als  Eol^e  unserer  Voraussetzung-  unveränderlicher ­
  W-erthschätzun^  des  (Yeldes.  Dort  wurde
durch  den  Bestand  eines  Ankaufsjueises  die  Befriedi^'un^
  hei  allen,  die  gleiche  A  erhrauchsmen^e  o'
enthaltenden  Kombinationen  um  den  gleichen  Aufwandshetra^*
  geschmälert,  während  hier  heim  Bestände
eines  \  erkaufspreises  (7/1  die  Befriedigung-  hei  allen,
die  gleiche  Erzeii&amp;lt;i,un^smen«»e  x  enthaltenden  Kombinationen ­
  um  den  gleichen  Erlös  xU/iJ'  erhöht  wird.
Unserem  früheren  Vorj&amp;gt;ani&amp;gt;e  analog-,  hezeiebnen  wir
die  Befriedigung-,  welche  die  hei  irgend  einer  Menge
X  vortheilhafteste  Kombination  ohne  Rücksicht  auf  einen
Erlös  für  den  Artikel  A  gewährt,  als  den  mit  dieser
        <pb n="239" />
        ÍÍRfücJ:

Un,

—  207  —
.íalircs])ro(liiktiiieii^e  verl)uii&amp;lt;l(‘neii  L  e  b  e  ii  s  e  n  u  «  h.
E1)ctiho  iieiineii  wir  jene  BetViedi^i^ung',  welebe  any  der
bei  der  Brodiiktiuen«»e  Null  —  bei  Niebtberytellunj»-des
  Produktes  A  —  vortbeilbaftesten  Kombination  bervori^ebt,
  auch  hier  wieder  die  Ant'an^sbefriedi^un^'.
Der  Untenielnner  muss  nun  immer  mindestens
die  Anfan^^sbefriedi^un^'  erreieben,  da  er  selbstverständlieb
  die  Produktion  von  A  einstellen  würde,  wenn  dureb
dieselbe  seine  ]^efnedi^un^,  statt  erhöbt  zu  werden,
soo-ar  noeb  ^esebmäleid  würde.  J  &amp;gt;a  nun  mit  waebsender
Produktmen^e  die  Anstrengung-  und  die  Ausladen  zunebmen,
  wird  die  Befriedigung,  wenn  die  Produktmen-»en
  wirk  lieb  unent^eltlieb  ab^ej(eben  werden  müssten,
abnebmen  und  hinter  der  Anfan^sbefriedi^un^-  mehr
und  mehr  zurüekbleiben;  die  Befriedigung  ohne  Erlös
für  den  Artikel  A  ist  aber  eben  das,  was  wir  unter
r^ebens^enuss  verstehen.  Der  Unternebmer  kann  also,
sobald  der  mit  irgend  einer  Produktmen^e  von  A  verbundene ­
  Lebensgenuss  kleiner  ist  als  die  Anfan^çsbefriedi^un^,
  diese  Menj^c  nur  dann  ohne  Naebtbeil
bersteilen,  wenn  er  für  dieselbe  mindestens  so  viel  erlöst, ­
  als  nötbi^  ist,  um  seinen  Lebensgenuss  so  weit
zu  ergänzen,  dass  seine  Befriedigung  der  Anfan^sbefriedi^un^-
  wieder  ^leieb  kommt.  Dieser  ^erin^ste
Erlös,  bei  dem  der  Unternehmer  von  seiner  Produktion
noeb  &amp;lt;&amp;gt;ar  keinen  Vorth  eil  bat,  so  dass  es  ihm  gerade
»leieb^iiltiji  bleibt,  ob  er  die  betretfende  Alende  oder
»*ar  niebts  von  A  bersteilt,  ist  also  eben  das,  was  w  ir
früher  (2)  die  Selbstkosten  oder  die  Herstellungskosten
"enannt  haben.  Wir  sehen  daher,  dass  die  Herstel-•fffr



ittkf
        <pb n="240" />
        208

liino’skosteii  irgend  einer  Jaliresj)ro(luktineng’e  dureli
den  ITekerselinss  der  Antang-f^betViedio-nno’  Uber  den
mit  dieser  Alende  verl)nndenen  Lebensgenuss  bemessen
werden,  ^an%  so,  wie  die  Niitzliebkeit  einer  Jalireskonsummeno’e
  dnreb  den  Uel&amp;gt;erselmss  des  Lebensj»'eniisses
  Uber  die  Anfan^'si)efriedi^nn^'  an^e^eben  wird.
Die  Selbstkosten  oder  IIerstellnn^skosten  irgend  einer
zu  verkantenden  Jabres])rodiiktmenj&amp;gt;'e,  welebe  nebst  den
baren  Ausladen  aueli  eine  Entsebädi^nin»-  fUr  die  Anstrengung-, ­
  Milbe  und  Sorge  des  Ibiternebmers  mit  enthalten ­
  müssen,  bilden  also  einen  genauen  Gegensatz
zu  der  Niitzliebkeit  oder  dem  Gebrauebsweiibe  einer
anzukaufenden  Jabreskonsummenge.  Ganz  so,  wie  der
Konsum  keinen  Kefriedignngsznwaebs,  also  nur  die
Anfangsbefriedigung,  gewähren  würde,  wenn  für  die
anzukaufende  Menge  ihr  ganzer  Gebrauebswertb  aufgewendet ­
  werden  müsste,  bringt  aueb  die  Produktion
keinerlei  Einbnsse  an  Befriedigung,  also  wieder  die
Anfangsbefriedigung,  hervor,  wenn  für  die  erzeugte
Menge  der  volle  Ersatz  ihrer  Herstellungskosten  erlöst ­
  wird.  Die  Anfangsbefriedigung  bildet  also  immer
den  Ansgangs])unkt,  gleiebsam  den  Pegel,  mit  dem
der  Lebensgenuss,  den  irgend  eine  Konsum-  oder  Produktmenge ­
  des  jeweilig  betraebteten  Artikels  gewährt,
verglieben  werden  muss,  um  das  einemal  die  Niitzliebkeit, ­
  das  anderemal  die  Herstellungskosten  der  bet
  reif  en  den  Menge  ermitteln  zu  können.
        <pb n="241" />
        200

4í).  Die  Lelieiisíreiiusskiirve,  auf  ein  blosses  Produkt
bexo^eu.
Stellen  wir  nun  den  mit  jeder  Jaliresnien^'c  eines
niii  als  Produkt  aiittrctenden  Aitikels  A  verbundenen
Lebensgenuss  dureli  je  eineOrdinate  dar,  so  müssen
wir  die  Produktnien^en,  da  sie  verkauft  werden,  als
negative  Ankaufsmen^en  anselien  und  sie  daher  links
von  der  Ordinatenaehse  auftra^en,  während  die  Antanoshefriedio-iino-
  Oh  wieder  üher  dem  Xullpunkte  erscheint. ­
  Wii  eihalten  so  (l"i^.  40^  eine  im  allgemeinen
unre^elmässio-  verlaufende  Punktreihe,  von  weleher  wir
dureh  Ausseheidun^-  der  unzweekmässi&amp;lt;;en  Mengen,  d.  i.
derjenigen  Punkte,  die  tiefer  liefen  als  die  gerade
Verhinduu^slinie  ir»eud  weleher  anderer  Punkte,  zu
dei  durehaus  konkaven,  in  unserer  1"  i^*ur  schwarz  ^ezeiehneten
  Kurve  j»elanoen.  Ls  ist  dies  die  auf
das  Produkt  A  bezogene  Lebens^enusskurve  des
betraehteten,  wirthsehaftliehen  Individuums  hei  den
j*e;*ebenen  Preisen  aller  anderen  Artikel.  Drehen  wir
diese  Kurve  um  DSU",  so  erhalten  wir  die  rotli  »ezeielmete,
  konvexe  Kurve  in  v\eleher  die  Produktmen^en
  dureh  positive  Abszissen,  die  Anfan^shefriedi^un«*'
  Oh  aber  und  der  Lebensgenuss  dureh  negative
Ordinaten  dar^’estellt  werden.  I  lieselbe  Kurv  e,  in  beiden
I  larstellun^'en  dureh  den  Xull¡mnkt  «feiert,  ji;iht  jedesmal ­
  die  Kostenkurv  e  Ouj  und  zwar  stimmt  die  rot  he
Kurve  Oa  mit  unseren  früheren  1  )arstellun¿»en  der
Kostenkurve  überein.  Die  Kosten  kurve  und  die  Lehens-Auipitz
  u.  Lieben.  Uiitcrtiucb.  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.  14
        <pb n="242" />
        210

^eimsskiirvc  iiuters(*liei(l(‘ii  siHi  mir  durcli  iliro  um  Oh
vcrscliicdciie  llöliculaoc,  weil,  wie  wir  mm  wissen,  die
Herstellmii&amp;gt;skosteii  jediw  Meii&amp;lt;i,e  eines  Produktes  A  dnreli
den  Unterseliied  zwiselien  dein  mit  dieser  Men&amp;lt;2;e  ver-Fiff.

  19.

int,

P

bnndenen  Lebensgenüsse  und  der  Ant}mj&amp;gt;-sbetViedi&amp;lt;»nnj&amp;gt;-Oh
  an^ereilen  werden.  Die  An^ebotsknrve  Oa  lässt
siel)  ebensowol  ans  der  einen,  wie  ans  der  anderen
Kurve  ableiten,  mir  ersebeint  ebenso,  wie  die  seliwarz-
        <pb n="243" />
        211

íifozciclíncte  Kosten  kurve,  aiieli  deren  Ab^eleífete  in  nin-K'ekelirter
  Stellung-,  daher  die  letztere  mit  der  naeli
liidcH  verlängerten  Preislinie  POP  des  Artikels  A  zum
kSdmitt  ^ehraelit  werden  muss.  Der  Selinittpunkt  der
Preislinie  mit  der  Kurve  Oa  hezeielinet  in  beiden  Darstellungen ­
  dureli  seine  g’leieh  lan^e  Abszisse  die  vortbeilbatteste
  Jabresproduktmen^e  x  von  A,  dureb  seinen
V  ertikalabstand  von  der  Lebensg’enusskurve  die  Betriediguno-,
  d.  i.  die  Summe  von  Lebensgenuss  und  Erlös, ­
  und  endlieb  dureb  seinen  Abstand  von  der  Kostenkurve ­
  den  dureb  die  Produktion  der  bezeiebneten  Atenle
von  A  über  die  Anfangsbefriedi^un^  erzielten  Hefriedi-«unf»
  szmvaebs,  und  dies  ist  der  sebón  trüber  besproebene
Nutzen  der  Produktion  des  Artikels  vi.  Das  Ende  der
geradlinigen  Antan^sstreeke  der  Kurve  hg  bezeiebnet
iiueb  liier  dureb  seine  Abszisse  die  Miniinalnien^e  Om
des  I  roduktes  A,  während  die  Nei^un»’  dieser  Antan^sstreeke
  hier  den  Alinimaljireis  P„OP,„  an^ibt,  bei
dem  die  Erzeugun^-  dieses  Produktes  gerade  noeb
mö^lieb  ist,  aber  keine  höhere  als  die  Antanj^'sbetrie-&amp;lt;li«&amp;gt;un^-
  Oh  gewährt.  Bei  jeder  weiteren  Verwolt'eilun^
des  Artikels  A  wird  das  betraebtete  Individuum  dessen
1  roduktion  einstellen,  während  bei  höheren  Preisen
Hukzessiv  grössere  Men&amp;lt;»’en  ber^estellt  werden  und  die
Betriedi^un^  kontinuirlieb  zunimmt.  .Je  grösser  die  Antan^'sbetriedi^un^
  ist,  desto  höher  stellt  sieb  der  Minimalpreis,
  und  desto  grösser  wird  die  Minimalmenj»e,
während  ein  Individuum,  das  bei  Einstellung  der  speziellen ­
  Produktion  von  A  nur  eine  ^erin^e  Anfan^sbetriedi^un&amp;lt;r
  erreieben  könnte,  bei  dieser  Produktion
14*
        <pb n="244" />
        212

auslialteii  muss,  wenn  aucli  der  Preis  des  Artikels  A,
und  also  der  erreickbare  PetViedi”-uii&amp;lt;&amp;gt;szuwaebs,  mir
ein  ^erin^er  ist.
Der  ]\Iinimal])reis  ist  in  Pi^'.  4Í)  ein  positiver;
doeli  i&amp;gt;il)t  es  aiieli  Artikel,  wie  Melasse,  Steinkoldenaselie
  n.  d^l.,  die  we^en  ihres  teelinisehen  Zusammenhanges ­
  mit  werthvolleren  Produkten  aueh  dann  noeh
erzenst  werden,  wenn  seihst  Fortsehatt‘iin&amp;lt;&amp;gt;-skosten  für
dieselben  gezahlt  werden  müssen.  Die  Lebens^ennssknrve
  erseheint  dann,  wie  in  Fi»-.  50  (dieselbe  Kurve,
um  180"  gedreht,  ist  roth  ‘»•ezeiehnet);  sie  beginnt  mit
einer  geraden  Streeke,  deren  Riehtunj»-  einen  negativen ­
  iMinimalpreis,  also  höehste  Fortsehattnn^skosten,
anoil)t.  Die  Kurve  %  und  die  Kostenkurve  Oa  zeigen
in  Fi{&amp;gt;*.  50  einen  Seheitel,  wie  ihn  die  Nützliehkeitskurveii
  »ewöhnlieh  haben;  derselbe  Punkt  erseheint
in  der  rothen  Zeielmun«»’  als  Tiefpunkt  und  &amp;lt;»-ibt  jedesmal ­
  die  Men^e  an,  welehe  die  vortheilbafteste  ist,
wenn  das  Prodnkt  zwar  nur  umsonst,  aber  doeb  aiieli
ohne  Fortsebatfnn^skosten  anbrin^lieh  ist.  Bis  zn
dieser  )len^e  verhält  sieh  ein  Produkt,  für  das  Fortsehatfun^skosten
  bezahlt  werden  müssen,  ^enau  wie
ein  Prodnktionserforderniss,  indem  der  Debens«^ennss
bis  zn  dem  Seheitel  der  Kurve  h&amp;lt;j  znnimmt.  Soweit
der  Tjebens^enuss  die  Anfan^sbefriedi^un^-  übertritft,
verläuft  die  Kostenkurve  Oa  in  der  seliwarzen  Zeiehnuno-
  über,  in  der  rothen  Zeiehnunj»’  unter  der  Abszissenaehse,
  wodurch  aus^edrüekt  wird,  dass  die  11  erstell ­
  nno-  der  betretfenden  Alenden  nieht  nur  niehts
kostet,  sondern  bei  den  ue&amp;lt;,ebenen  Preisen  aller  an-
        <pb n="245" />
        213

(It'ivii  Artikel,  iiishesoiidere  der  anderen  Produkte,
noeli  einen  Ue))erseliiiKH  ^’ibt.  Hei  einem  Produkte,
wie  Steinkoldenaselie,  kann  begreiflieherweise  überbanpt
  mir  der  Idieil  der  Kurve  bis  zum  Sebeitel,  bzw.
I  ietpnnkte,  in  Hetraelit  kommen.  Darüber  hinaus  kann

Fig.  50.

die  Produktion  nur  dann  auso-edelint  werden,  wenn
das  betrett'ende  Ib'odukt  wirklieb  verkäuflieb  wird,
lind  der  weitere  Verlauf  der  Kurve  ist  dem  abfallenden ­
  Stiieke  einer  auf  ein  Konsnmtions-  oder  Prodnktionserforderniss
  bezogenen  Lebens^enusskurve,  das
        <pb n="246" />
        214

tur  Meuten  Aveldíc  mir  Aufzuliluii»-  koii-HUinirt
  werden,  ¿»aiiz  aiuilo»^'.  Die  Kurve  4D)
tindet  da^e^eu  ihre  Analogie  in  jener  (Fi^\  40)  eines
Konsinnartikels,  der  nielit  he^elirt  und  da  lier  iilierhau])t
  nur  bei  negativen  Preisen,  also  ^e^en  Aufzalilun^',
  konsinnirt  wird.
50.  Die  Aiifuii^sbefriedi^iiii^  des  Uiiteriiehmers.
Wir  haben  »‘eselien,  dass  die  Nützlielikeit  eines
Produktionserfordernisses,  ebenso  wie  die  eines  Konsuinartikels,
  und  anderseits,  dass  die  Jlerstellunoskosten
eines  Produktes  in  ihrer  Peniessun^'  wesentlieb  von  der
Anfano-sbefriedio-un^-  abbän^en.  Die  Anfan^sbefriedi-«•uiii»-,
  die  einem  produktiv  tliUti¿»en  Individuum  verbleibt, ­
  Avenn  ein  bestimmter  Artikel  ausu-eseblossen
ist,  wird  sieb  je  naeb  der  Natur  dieses  Artikels  sehr
verseilieden  ^ross  erweisen.  Wenn  z.  H.  ein  Xuekerfabrikant
  auf  ein.Produkt,  wie  Wiirfelzueker,  oder  ein
Frforderniss,  wie  eine  gewisse  Kol  den  sorte,  verziebten
soll,  wird  es  nur  einer  ^aiiz  «;vriiiofii&amp;lt;;i&amp;lt;;eii  Aenderun«»-seines
  Hetriebes  bedürfen,  um  zu  anderen  Sorten,  die
vielleiebt  früher  aiieli  sebón  erzeugt,  bzw.  verwendet
wurden,  Überzug  eben.  Fbenso  wird  es  einem  Ijundwirtbc
  keine  besondere  Sebwieri^keiten  niaeben,  dureb
eine  blosse  Aenderun«»’  seiner  Fruebttbl^e  eine  Kulturpbanze
  dureb  eine  andere  zu  ersetzen  oder  selbst  von
der  Fleisebjiroduktion  zur  Milebwirtbsebaft  überzu^eben.
Siebt  sieb  der  erwälmte  Fabrikant  da^e^en  veranlasst,
keine  Hüben  niebr  zu  verarbeiten  oder,  Avas  (lasse!lut
        <pb n="247" />
        215

i«t,  keine  aiifs^elau^ten  Iviibenselmitte  melir  zii  erzeuj&amp;gt;en,
  «0  i«t  (1er  Weiterbetriel)  des  Unternelmiens  ais
Zuekertabrik  iiimiôj»lieli,  iind  es  bietet  sieli  die  Erdar,
  ob  bei  den  ^e^ebenen  Preisverliältnissen
die  Uniwandlnn^'  der  Fabrik  in  eine  Haftinene  oder
die  Verwendung’  des  Gebäudes  und  eines  Idieiles  der
\\  erksvorriebtun^en  zu  einer  ^anz  anderen  Fabrikation ­
  odei-  der  \  erkauf  der  ganzen  Anla&amp;lt;»e  und  die
Wald  eines  neuen  Berufes  am  ^eratbensten  sei.  Selbst
in  einem  so  weitgebenden  Falle  bleibt  also  dem  Unternebmer,
  wenn  er  nur  in  der  Lage  ist,  sein  Leben  zu
fristen,  eine  Antängsbefriedigung.  Dieselbe  wird  nm
so  grösser  ausfallen,  je  leiebter  dem  Individuum  der
Febergang  zu  einer  anderen  Tbätigkeit  wird,  je  geringer ­
  also  seine  Sebeu  vor  einer  Aenderung  und  dem
mit  einer  soleben  verbundenen  Risiko  ist,  je  vielseitiger ­
  seine  Vorbildung  war,  die  ibm  aueb  einen  anderen
Beruf  ermögliebt,  je  geringer  der  \^erlust  ist,  der  ibm
bei  der  Realisirung  seiner  Investitionen  drobt,  und  je
geringere  Auslagen  die  etwaigen,  neuen  Investitionen
erfordern,  oder  je  unemjdindlieber  ilm  in  dieser  llinsiebt
  seine  Wolbabenbeit  maebt.  Armntb,  Fnwissenbeit, ­
  Fnbebilflielikeit  driieken  die  Anfangsbefriedignng
herab,  nicht  minder  ersebwert  eine  aiisgesproebene
Neigung  für  die  bisherige  Tbätigkeit  den  Febergang
zu  einer  anderen  und  ebenso  das  Vorurtbeil  und  die
Rüeksiebt  auf  Konvenienz,  durch  welche  z.  B.  ein
Angehöriger  der  sogenannten  besseren  Stände  sieb
abbalten  lässt,  ¡diysiseb  zu  arbeiten,  ein  Handwerksmeister ­
  sieb  sträubt,  seine  Selbstständigkeit  aufzugeben
        <pb n="248" />
        U.  In  (leinsellHMi  Sinne  wirkt  jeder  Zwan^-  nnd
Jede  ^‘esetzlielie  Seliranke,  Zunftzwan&amp;lt;i,‘,  Heseliränkiin”-der
  Freizügigkeit  n.  s.  w.  Endlieli  könnte  die  Antan^*«-l&amp;gt;efriedi^nnj»;
  aneh  pmz  versehwinden,  wenn  der  I  nternelnner
  —  als  einen  solelien  können  wir  mich  jeden
Stiieklolmarheiter  liinsielitheli  seiner  speziellen  Leistungansehen
  —  völlig  mittellos  wäre,  nnd  wenn  deinselhen,
sobald  ihm  die  gewohnte  llesehäfti^nn^  entzogen  wird,
&amp;lt;»ar  keine  andere  Arheits^ele^enheit  offen  stünde.
Der  Nutzen  der  Produktion  eines  hestimmten  Erzeugnisses ­
  ist,  sowie  der  Nutzen  der  Konsumtion  eines
hestimmten  Erfordernisses,  nichts  anders  als  der  durch
ehen  diese  Herstellung  oder  diesen  Verhrauch  erzielte
Hefriedi^un^'szuwachs  über  die  betreffende  Anfan^shefriedi^'un^'
  und  hän^t  daher  von  jenen  individuellen
Eigenschaften  des  Produzenten  ah,  welche  für  die
subjective  Pemessnn^-  der  Anfanshefriedi^nnmassiiehend
  sind.  Daher  kommt  es,  dass  auch  die  Praxis
zu  keiner  festen  lK%el  für  die  Pereehnun^'  des  Nutzens,
sowie  der  Selbstkosten  ^elan^en  konnte.  Es  ist  in  der
Idiat.  willkürlich,  oh  und  welchen  Lohn  sich  der
Unternehmer  für  seine  ])ersönliche  Mühewaltnui;-  rechnen ­
  will,  oh  und  welche  Zinsen  von  eigenen  Ka])italien
er  einem  hestimmten  Geschäftszweige  auflastet,  wie
viel  er  von  den  gemachten  Invi'stitionen  amortisirt,
(1.  h.  zu  welchen  Preisen  er  die  vorhandenen  Anla^eohjecte
  in  seine  Pilanz  einstellt.  So  steht  es  einem
Grundbesitzer,  dessen  Produktiv  z.  P.  durch  den  Pan
einer  Eisenbahn  dauernd  im  Preise  o-estie^en  sind,
frei,  seinen  Produktionsnutzen  als  ^estei^-ert  anziisehim
        <pb n="249" />
        217

und  die  Hewertliuii^*  seines  (inindstUekes  nmeräiidert
’/Al  lassen,  oder  nin^ekehrl  seinen  Besitz  liölier  zu  be-Avertlien,
  wodnreli  der  Prodnktionsnutzen  wieder  ^eseliniälert
  erselieint;  allerdings  ist  es  bei  ländliebein
lind  städtisebeni  Grundbesitz  ber^ebraebt,  naeb  der
letzteren  Art  zu  veifabren  und  also  jede  Erhöhung
der  Rente  sofort  zn  kapitalisiren.  Alle  solebe,  von  der
individuellen  Anttassnn^'  abbän^i^en  Umstände  kommen
in  der  Annalnne  über  die  relative  Grösse  der  Anfan^sbefriedi^iinj»-
  zum  Ausdrucke.
        <pb n="250" />
        Die  Lebensgenusskurve  in  ihrer
allgemeinen  Form.

51.  Dio  Lobciis^oiiusskurvo,  auf  oiiioii  Artikol  dor
okoiioii  Koiisiimtioii  iiiul  Produktion  bozo^oii.
Wir  wollen  nun  den  nll^emeinen  Fall  eines  Artikels, ­
  der  von  demselben  Individuum  zn^leieb  verbraiielit
  und  erzeugt  wird,  beliandeln.  Wir  liaben  selion
früher  (2o)  das  Deisj)iel  des  Landmannes,  der  Korn
produzirt  und  konsiimirt,  ^ebraeht.  Aelmlielies  sehen
wir  hei  den  meisten  landwirthsehaftliehen  Produkten  ;
ebenso  verwenden  die  Kohlenwerke  einen  Theil  ihres
Frzeuj;nisses  zum  Petri  ehe  der  Fördermasehinen,  und
in  einer  vereinigten  S])innerei  und  Weberei  dienen  die
in  der  ersteren  erzensten  (Linie  als  Rohstotf  des  anderen ­
  (iesehäftszweites  n.  s.  w.  Wir  halten  aber  aueh
nun  an  der  Voraussetzung'  fest,  dass  von  dem  zu^leieh
konsumirten  Produkte  A  keinerlei  Anfan^svorrath  vorhanden ­
  sei  und  aueh  am  Sehlusse  des  Jahres  keinerlei ­
  Vorrat!)  iihri^'  behalten  weide.  Das  Individuum  hat
dann  von  diesem  Aitikel,  wenn  es  im  Laufe  des  Jabíes
die  Alende  v  veilnaueht  und.  die  Men^e  e  eizeu^t,  nur
        <pb n="251" />
        219

(len  (liireli  die  eigene  Erzeii^unj»’  nicht  gedeckten
Melirverhraucli  (¿;  —  e)  anzukaufen  oder  die  dureli  den
eigenen  \  erhraueli  nicht  in  Anspruch  ^•enoininene  Melirerzeu^un»»’
  (e  —  v)  zu  verkaufen.  Es  ist  daher,  wenn
wir  allgemein  jede  Ankaufsnien^e  mit  (H-  x)  und  jede
\  erkautsinen«»'e  mit  (—  x)  bezeichnen,  immer
X  =  V  —  e,
und  es  tindet  weder  Ankauf,  noch  Verkauf  statt,  wenn
V  =  e,  also  X  =  0,
ist.
Für  jede  An-  oder  Verkaufsmen^e  x  und  ebenso
aiieli  für  x  =  0  wird  es  unter  zaldreiehen,  mö^liehen
Komhinationen,  die  nun  auch  verseliiedene  \\*rhranelisund
  Erzeu^un^smen^en  v  und  e  von  A  seihst  enthalten ­
  können,  immer  je  Eine  vortheilhafteste  ^ehen;
die  Befriedigung',  welche  diese  Kombination  hei  unentgeltlicher ­
  Beistellun^,  hzw.  Abgabe,  der  hetretfenden
An-  oder  Verkaufsmen^e  x  von  A  «Gewähren  würde,  ¡bezeichnen ­
  wir  wieder  als  den  mit  eben  dieser  Men«»'e  verbundenen ­
  Eehens^enuss.  Tragen  wir  nun  in  Fi^.  51  a,
f)  oder  c  die  versehiedenen  Ankaufsmen^en  nach  rechts,
die  Verkaufsmen^en  aber  nach  links  als  Abszissen  und
über  jeder  Abszisse,  wie  auch  über  dem  Nullpunkte,
den  entsprechenden  Eehens«*;enuss  als  (  Irdinate  auf,  so
erhalten  wir  wieder  eine  im  allgemeinen  unregelmässig- ­
  verlaufende  Funktreihe,  die  aber  jetzt  die*
Ordinatenaehse  durchsetzt.  Wir  können  auch  hier
wieder  die  unzweekmässi^en  Alenden,  deren  entspreehende
  Funkte  in  dei"  gedachten  Feihe  tiefer  liefen
        <pb n="252" />
        220

als  (lie  direkten  Verbiiidim^sliiiieii  anderer  Punkte,
ausselieiden  und  erkalten  so  die  konkave  Kurve
(1.  i.  die  Lebenso-enusskurve  des  betraebteten,  wirtbsebaftlieben
  Individuums,  bezogen  auf  das  zu^leieb
Fig.  51  a.

R

p

R

auch  der  eigenen  Konsumtion  dienende  Produkt  .1.
Als  Anfan^'sordinate  dieser  Kurve  bezeiebnen  wir
wieder  die  Hobe  ihres  Sebnitt)uinktes  mit  der  Ordinatenaebse,
  und  die  Kurve  ^ibt  uns,  um  diese  Läu{»e
berab^eseboben,  die  Kosten-  und  Xiitzliebkeitskurve
        <pb n="253" />
        221

a  On;  (lie  Ordiiiaten  dieser  Kurve  stellen  iiämlieli
reel  its  vom  Nulijmiikte  die  Nützlichkeit  jeder  Aiikaiifsineii«»e,
  links  aber  die  Kosten  jeder  Verkanfsmeime
  dar.  Durch  die  gewohnte  Ahleitnnj»-  erhalten

Fig,  51  1).

E

R

9a

I  ir  die  Angebots-  und  Naehfra^eknrve  a  ()n\  welche
rotz  ihres  zu  beiden  Seiten  des  Nnlljninktes  sieb  ertreekenden
  Verlaufes  doch  von  keiner  der  ebenfalls
laeh  rechts  und  links  dnrehznziehenden  Preislinien
iiehr  als  einmal  getroffen  wird.  Der  Sehnitt¡mnkt  der
        <pb n="254" />
        222

jeweiligen  Preislinie,  z.  1&amp;gt;.  P,OP,  oder  J\()Po,  des  Artikels ­
  A  mit  der  Almeleiteten  bezeielinet  dnrcli  seiiu*,  Ab-Fiff.

  51  e.

y?

%

szisse,  wenn  er  rechts  lie^t,  die  v(n  theilhnfteste  Ankaufs-,
wenn  er  links  lie^t,  die  angemessenste  Wnkanfsmen^e
und  zn^'leieh  durch  seinen  Vertikalahstand  von  der  Kurve
        <pb n="255" />
        223

aOn  im  ersten  Faile  den  Nutzen  eines  die  ftleielizeiti&amp;lt;»’e,
  eigene  Produktion  nni  die  Anknnfsmen^e  übersteigenden ­
  Verl)rmielies,  im  anderen  Falle  aber  jenen
einer  Produktion,  welebe  nm  die  Verkanfsmen^e  grösser
ist  als  der  eigene  \  erbraneb.  Die  Grösse  des  eigenen
Verbrauches  v  und  der  eigenen  Produktion  &amp;lt;?  ist  in  der
Figur  nicht  ersichtlich,  sie  ist  aber  ebenso  bestimmt,
wie  die  Menge  jedes  anderen  Artikels,  welche  zu  der
Konsum-  und  Iboduktkombination  gehört,  die  bei  der
betreffenden  An-  oder  Verkaufsmenge  x  des  Artikels
A  die  vortbeilbafteste  ist.  Wir  können  noch  bemerken,
dass  der  Fnternebmer  bei  steigendem  Preise  des  Artikels ­
  A  nicht  nur  seine  Produktion  erhöben,  sondern
auch  seinen  Verbrauch  einsebränken  wird,  wodurch
die  Zukaufsmenge  abnimmt,  endlich  verschwindet  und
dagegen  eine  immer  wachsende,  verkäufliche  Menge
sich  ergibt,  Pei  noch  höheren  Preisen  hört  der  Verbraneb
  ganz  auf,  und  die  ganze  j)roduzirte  Menge
kommt  zum  Verkauf;  ebenso  wird,  von  einer  gewissen
Grenze  ab,  bei  niedrigeren  Preisen  die  Produktion
eingestellt  und  die  ganze  Verbrauebsmenge  angekauft.
Die  Hefriedigung  wird  allemal  durch  den  Vertikalabstand
  der  Lebensgenusskurve  von  der  Abgeleiteten
beim  Sebnittjmnkte  der  letzteren  mit  der  Preislinie
angegeben,  und  dieser  Abstand  nimmt  nach  rechts,
wie  nach  links,  mit  der  Fntfernung  vom  Nulljmnkte
fortwährend  zu,  d.  b.  die  Hefriedigung  ist  am  kleinsten,
wenn  die  Kurve  d  On  von  der  Preislinie,  z.  H.  L\,OP„,
gar  nicht  geschnitten,  sondern  nur  im  Nullpunkte  berührt ­
  wird,  so  dass  weder  ein  Ankauf,  noch  ein  Ver-
        <pb n="256" />
        224

kauf  (les  Artikels  A  stattfiiulet.  Diese  kleinste  Hefrie-(lio-uiio-
  Ob  (Fio-.  51  a  oder  b)  beruht  auf  einer  Kombination ­
  der  j»esannnten  dabreskonsmntion  und  -Froduktion,
  bei  weleber  von  dem  Artikel  A  gerade  so
viel  verbrauebt  als  erzeiio-t  wird,  und  die  bei  den  oej»-cbenen
  Freisen  aller  anderen  Artikel  unter  allen  Kombinationen, ­
  bei  denen  v  =  &amp;lt;'  ist,  die  vortlieilbatteste
ist.  Diese  Hefriedio-uuo-  ist  zuoleieb  als  die  Anfauo-sbefriedi^'un^'
  aiizusebeu,  weil  sie,  so  lauo-e  eben  die
betretfeude  Kombination  test^^ebalten  wird,  von  dem
Freise  des  Artikels  A  ebenso  unabbUno-io-  ist,  wie  die
Anfan^-sbefriedi^uno-  bei  Ausselduss  iro-end  eines  blossen
Froduktes  oder  blossen  Frfordernisses  von  dem  Freise
des  betretfenden  Artikels.  Die  Hefriedio-imo-  wird  daher
auf  die  Aufanosbefriedi^uno-  immer  dann  besebränkt
bleiben,  wenn  das  betraebtete  Individuum  gerade  nur
seinen  ¿»-anzen,  li^enen  Bedart  des  Artikels  A  beistellen,
  binsieldliidi  desseU)en  also  an  der  Xaturalwirtbseliaft
  festbalten  wollte.  Fine  Neio-uno-,  sieb  die
Artikel  des  eigenen  Bedarfs  womöo-lidi  selbst  berzustidlen,
  also  eine  {gewisse  Sehen  vor  der  Midie,  den
Markt  aufzusueben  und  den  riebti^en  Freis  zu  ermitteln ­
  und  sieb  demsellien  anzupassen,  ist  namentlich
bei  Landwirtbeii  und  kleineren  I  nternelimern  biiutiowabrnebmbar.
  Fine  derartio-e  Abneio-imo-  oencu  die
reine  Geldwirtbsebaft,  zu  deren  Ueberwindun^-  es  so
einsebneidender  Freisänderun^en  bedarf,  dass  der  Zukauf ­
  oder  Abverkauf  einen  wesentlieben  Vortlieil  bietet,
kommt  in  unserer  o-rapbiseben  Darstelluuo-  (  Fi}&amp;gt;-.  51  a
oder  b)  dadureb  zum  Ausdrueke,  dass  die  in  der  Ordi-
        <pb n="257" />
        Auspitz  u.  Lieben.  Untoi-suub.  üb.  d.  Tbeurie  d.  Preises.

IÛ

225

iiat(“iiac]ise  an  einander  stosnenden,  geraden  Streek  en
der  Lel)ensoeniisskurvc,9„ç„  einen  erlieldielien  Xei^nn^Nnnterseliied
  anfweisen;  es  wird  td)c*n  dnreli  die  Kielitiin«*-
  der  reeliten  Streeke  der  Aiaxinialankautsjireis,
dureil  jene  der  linken  Streeke  der  Miniinalverkaufsjireis
  an^e^eben.  Das  (tleielie  %ei^t  sieh  aneli  dann,
wenn  die  l.ehens^ennssknrve  auf  ein  Zwisehenprodukt,
wie  z.  H.  (jiarn  in  der  oben  erwähnten,  vereinigten
Spinnerei  und  Weberei,  bezogen  ist.  Je  mehr  zwei
sniebe  (^esebäftszwei^e  ihrem  rmtän^e  nach  einander
an^epasst  sind,  desto  schwerer  ist  der  Kntseliluss,  von
dem  Zwischenprodukte  etwas  anzukanten  oder  zu  verkanten, ­
  weil  hierzu  eine  ausser^ewöhnliehe  Einsehränkuiiii:
  der  einen  und  zu^leieh  eine  Foreirun»-  der  anderen ­
  Produktion  ertorderlieh  wäre.  Dies  ^ilt  insbesondere ­
  aueh  von  jenen  Zwisehen)irodukten,  welche
namentlieh  in  der  (irossindiistrie  die  verschiedenen
Stadien  einer  komjilizirteren  Fabrikation  bezeichnen,
die  aber  «rewöhnlieh  nicht  auf  dem  Markte  erseheinen,
weil  die  zu  deren  I  lerstellun^'  und  Weiterverarbeitung
dienenden  Werksvorriehtun^en  einander  ¡renau  entsjireehen.
  Die  Preiserenzen,  innerhalb  deren  weder
ein  Ankauf,  noch  ein  Verkauf  statttindet,  werden  noch
erweitert,  wenn  für  den  Artikel  vi  J'ransportsjiesen,
Markt^'ehiihren,  Provisionen  oder  derlei  zu  tragen  sind;
durch  solche  Spesen  werden  nämlich  die  Ordinaten
beider  Aeste  der  Dehens^enusskurve  oder  doch  eines
derselben  verkürzt,  während  die  Anfangsordinate  Oh
(Fig*.  51  a  oder  h)  unverändert  bleibt;  ebenso  werden
durch  eine  heim  Ankauf  oder  Verkauf  zu  zahlende
        <pb n="258" />
        —  22f)  —
Steuer  die  Ordiiiateu  des  reeliteu,  bzw.  linken,  Astes
der  Lebens^-ennssknrve  verkürzt.
Der  Selieitel  der  Lel)ensi&amp;gt;ennssknrve,  der  in
Fij&amp;gt;‘.  51  a  zur  Itecbteii  der  Ordinatenaebse  lie^t,  kann
aneli  in  dieselbe  fallen  oder,  wie  in  ti^’.  51  b,  zu
deren  Linken  ersebeinen.  Tde«ft  der  Sebeitel  in  der
Ordinatenaelise,  so  kann  ein  die  Lrzen^nn^'  iiber.steij&amp;gt;ender
  Verbraneb  mir  ^e^en  Konsnnianfzablnn«»-,  also
mir  bei  ne|&amp;gt;*ativen  Preisen,  erfolgen.  Letzteres  i»ilt
aneb  in  dem  Falle  (Fi»-.  51  b).  Hier  kann  aber  im
Gegensätze  zn  den  beiden  frnberen  Fällen  eine  den
Selbstverbraneb  nberstei^emle  Frzen^nn^'  aneb  bei  neo-ativem
  Preise,  also  ^e^en  Fortsebatfnn^skosten,  statttinden.

Hei  der  oben  bes])roebenen  Anssebeidnn&amp;lt;&amp;gt;-  der  nnzweekmässi^en
  Mengen  kann  es  gesell  eben,  dass,  wie
in  Fi&amp;lt;&amp;gt;-.  51e,  aneb  der  über  dem  Xull)mnkte  liegende
ddieil  der  Pnnktreilie  dnreb  eine  gerade  Streeke,  welche
die  Ordinatenaelise  dnrebsetzt,  überbriiekt  wird,  wodnreb
  an^ezei^t  wird,  dass  die  bei  der  An-  und  \  erkanfsmen^e
  .r  =  0  vortbeilbafteste  Konsum-  und  Prodnktkombination
  niemals  znm  Vorsebein  kommt,  sondern ­
  übers))rnn^en  wird.  Fs  wird  nänilieli  bei  dem
dnreb  die  Hiebtnn^»'  der  oedaehten,  geraden  Streeke
an^e^^ebenen  Preise  sotort  von  der  AlinimaH  eikantsmenj*e
  Om  zn  der  in  unserer  Fiour  viel  kleineren
Minimalankanfsmenge  Ofi  überoeji,an»en.  Der  Hetrieb
einer  grossen  Unternelnnnn^',  z.  H.  einer  Znekerfabrik,
deren  Produkt  A  in  derselben  niebt  etwa  zu^leieli
aneb  als  Prodnktionserforderniss  anftritt,  wird  wol
        <pb n="259" />
        227

niemals  auf  den  eigenen  1  Bedarf  des  Unternehmers  redu/irt,
  vielmelir  hei  nn^iinsti^er  Konjunktur  mit  Uehers])rin^un&amp;lt;»-
  so  kleiner  l’roduktmen^en  «»•anz  eingestellt
werden,  worauf  der  Unternehmer  sofort  als  Käufer
seines  hisheri^en  Produktes  auftreten  wird.  Kbenso
wird  umgekehrt,  %.  H.  der  Unternehmer  einer  grossen
Brauerei,  der  nur  einen  ^anz  ^erin^fü^i^en  (jlrundhesitz
  hat,  sieh  niemals  auf  die  Verarheitun«»'  der  ei^^enen
(ierste  hesehränken,  sondern  hei  einem  allzuhohen
G  ersten  j)reise  sofort  von  einer  grossen  Minimalankaufsmenge ­
  zur  Einstellung  seiner  Brauerei  und  zum  Verkaufe ­
  seiner  kleinen  Gerstenernte  übergehen.  Die
Kosten-  und  Niitzliehkeitskurve  aOn  ergibt  sieh  aueh
in  den  Fällen  der  Fig.  51  c,  indem  man  die  Eehensgenusskurve
  (j^g„  um  Oh  herabsehieht,  so  dass  der  in
der  Ordinatenaehse  liegende  Punkt  der  Punktreihe
sehon  unter  den  Nullpunkt  riiekt.  Die  Anfangsordinate
  Ol)  hezeielmet  aber  hier  nieht  die  (dine  Ankauf
und  \  erkaut  des  Artikels  A  erreiehhare,  sondern  die
grössere  Befriedigung,  welehe  durch  den  \  erkauf  der
Menge  Om  oder  ebenso  dureh  den  Ankauf  der  Menge
Oft  zu  dem  dureh  die  Bieiitung  der  erwähnten,  geraden ­
  Strecke  hezeiehneten  Uehergangspreise  erzielt
werden  kann,  und  die  kleiner  ist  als  die  Befriedigung,
die  hei  irgend  einem  anderen  Preise  erreicht  werden
könnte.
Endlich  könnten  wir  in  den  drei  Fällen  der
Fig.  51  den  zur  Unken  der  Ordinatenaehse  liegenden
riieil  der  Kurven  um  180"  drehen,  so  dass  z.  B.  aus
Fig.  51  a  dann  Fig.  52  wird,  welehe  je  zwei  getrennte,
15*
        <pb n="260" />
        228

ill  »leiclier  llölie  Uber  und  unter  dem  Nullpunkte  be-¿»•iiiiieiide
  Ae«te  und  der  Lebensj*emisskiir\e
Fig.  52.

9w

B

U

9a9n  und  wo  iiiiii  aiieb  die  Kosten-  und  die  Aii-»ebotskurve
  (Ja  und  ()a  in  der  trüber  ^ewobnten  Stellung' ­
  ersebeineii.
        <pb n="261" />
        229

í&amp;gt;2.  Dio  Asyiii])t()toii  iiiid  dor  Solioitol  dor  diirohlaiifoiidoii
  L(d)(‘iisíroiiiisskurvo.
Dio  Lobeiís^omisskiirve  eines  Artikels,  der  von
deni  Produzenten  aneli  selbst  verbranelit  wird,  ist  uns
darnin  besonders  wiebti^,  weil  sie  den  allgemeinsten
b  nil  bildet,  wabrend  die  trüber  bebandelten  Kurven,
die  sieb  nur  aut  einer  Seite  der  (  Irdinatenaebse  erstreekten,
  mir  als  sjiezielle  Fälle  ersebeinen.  Jedes
Individuum  kann  nämlieb  dureb  einen  ung'ewöbnlieh
bollen  Preis  eines  Artikels,  den  es  ^ewübnlicb  nur
konsumirt,  dabin  &amp;lt;&amp;gt;etiibrt  werden,  denselben  zu  jirodiiziren,
  so  dass  sein  unter  normalen  Verbältnissen
nielit  ettektives  Angebot  effektiv  wird;  ebenso  kann
jedes  Individuum  dureb  einen  niifrewöbnlieb  niedrigen
Preis  oder  dureb  eine  Konsumjirämie  veranlasst  werden, ­
  einen  Artikel,  den  es  früber  nur  jiroduzirte,  nun
zu  konsumiren,  so  dass  seine  Xaebfra^e  effektiv  wird.
1st  der  Preis,  bei  dem  die  Produktion  beginnt,  böber
als  der  Maximalankautsjireis,  oder  ist  der  Preis,  bei
dem  die  Konsumtion  beginnt,  niedriger  als  der  Minimalverkantsjireis,
  so  berubt  die  Antan^sbet'riedi^nn^
Ob  fFi^’.  51  a  oder  b)  auf  einer  Kombination,  bei
weleber  der  betreffende  Artikel  weder  konsumirt,  iioeb
jiroduzirt  wird.  In  diesem  Falle  stellt  die  Kurve
dureb  ibren  reebten  Ast  den  Lebensgenuss  bei  aussebliesslieber
  Konsumtion,  dureb  den  linken  Ast  aber
den  Lebensgenuss  bei  aussebliesslieber  Produktion  dar.
Wir  seben  also,  dass  in  allen  Fällen  die  Lebens-^enusskurve
  sieb  zu  beiden  Seiten  der  Ordinatenacbse
        <pb n="262" />
        230

erstreckt  und  beiderseits  asymptotisch  zu  je  einer  Vertikalen ­
  abtallt,  deren  Abszisse  die  Men^e  ])ezeiebnet,
die  auch  bei  den  böelisteu  1‘reisen  uielit  produzirt  und
anderseits  auch  ^e^eu  die  böebste  Autzabluu^’  uiebt
konsumirt  werden  kann.  Zwiselien  den  Asyiujdoten
muss  die  durchaus  konkav  verlaufende  Kurve  irgendwo
einen  Scheitel  haben;  der  Scheitel  hezeiehuet  die  ^Meii^-e,
hei  welcher  der  Lehens^enuss  sein  )laximum  erreicht
und  ebenso,  wie  hei  der  ]\Ieu^e  Null,  der  Betriedi{z,'im^
gerade  gleich  wird.  Es  ist  dies  die  Meu^'e  der  vollen
llefriedi^'uu^',  bis  zu  welcher,  wenn  der  Scheitel  rechts
liej&amp;gt;t,  der  Ankauf  (v  —  e)  nur  daun  ausgedehnt  werden
kann,  wenn  er  nichts  mehr  kostet,  oder  bis  zu  welcher, ­
  wenn  der  Scheitel  links  lie^t,  die  ahzu^eheude
Men^-e  (e  —  v)  nur  daun  ^estei^ert  werden  kann,  wenn
sie  keine  Eortschatfun^skosten  mehr  verursacht.  Das
Auftreten  des  Scheitels  zur  Linken  der  Ordiuateuachse
ist  nicht  nur  hei  den  wiederholt  erwähnten,  miuderwerthi^eu
  Neheuprodukteu,  sondern  auch  hei  den  Produkten ­
  dilettantischer  Arbeit  wahrnehmbar,  die  ohne
Absicht  auf  Erlös  als  Probe  der  (íeschickliehkeit,  als
kör])erliche  Inhun^'  u.  s.  w.  zum  Verj&amp;gt;nüj»-en  hetrieheu
wird;  die  Scheiteljmnktahszisse  ist  daun  in  der  That
eine  angenehmste  Meuj»e  der  vollen  Pefriedi^uu^'  durch
die  hetretfende  ddiäti^keit.  Grössere  Menjien  als  die
Meu^e  der  vollen  Befriedigung  werden  nur  ^e^eu
Kousumprämien  übernommen  oder  nur  ^e^eu  einen
positiven  Verkaufspreis  ah^e^eheu.
Da  die  Lehens^euusskurve  beiderseits  asymptotisch ­
  ill’s  I  bien  dl  idle  nach  unten  verläuft,  muss  sie
        <pb n="263" />
        231

iiotlnvfii(l¡ji:i‘nví*ise  dio  Abszissoiiaolisi*  zweimal  solmoid(Mi;
  bei  den  dureli  diesen  Selmittpnnkt  bezeielmeten
Meneen  würde  der  Lebensgenuss  versebwinden,  während ­
  die  Hefriedijiun«»;  dem  Erlöse,  bzw.  der  Aufzablnn^',
  gerade  &amp;lt;»leieb  wird.  Es  ist  jedoeli  klar,  dass
unsere  Voraussetzung-  unveränderlieber  Wertbsebätzun^
des  Oeldes  niebt  bis  zum  Aufbören  jedes  Lebensgenusses, ­
  wo  also  selbst  die  pbysisebe  Existenz  auf
dem  Spiele  stünde,  fest^ebalten  werden  kann;  aueb
wenn  es  sieb  nur  um  die  wirtbsebaftliebe  Existenz
bandelt,  wenn  Bankrott,  wenn  Btandun^  droben  und
zu  deren  Abwendung-  Oelder  zu  den  drüekendsten
Bedingungen  ^esuelit  werden,  kann  von  einer  unveränderten ­
  Wertbsebätzuiij*-  des  Oeldes  niebt  mebr  ^esproeben
  werden,  ^lit  Hüeksiebt  bierauf  haben  wir
seil  on  früher  betont,  dass  wir  niebt  den  Werth  des
Lebens,  also  aueb  niemals  die  j^anze  Befriedigungoder
  den  ganzen  Lebensgenuss  irj^end  einer  bestimmten ­
  Konsum-  und  Broduktkombination,  in  Oeld  bemessen ­
  können,  sondern  stets  nur  deren  I  ntersebied
bei  versebiedenen  Kombinationen  oder  versebiedenen
Preisen.  Souaeb  bleibt  die  absolute  llölienla^e  der
Lebens^enusskurve  immer  ^auz  unbestimmt,  und  Je
naelidem  wir  sie  höher  oder  tiefer  zeiebnen,  rüeken
ihre  Sebnitt|)unkte  mit  der  Abiszissenaebse  weiter  auseinander ­
  oder  näher  zusammen.
Die  Abgeleitete  a  On  in  ihrer  völligen  Entwieklun^
  verläuft  asymptotiseb  zu  denselben  \  ertikalen,
wie  die  Kurve  yaOn'  Naelidem  sie  vom  Nulljmnkte
reehts  oder  links  über  die  Abszissenaelise  empor^^e-
        <pb n="264" />
        ^32

stie¿»’eii  ist,  fällt  sic  vertikal  unter  dem  Selieitel  der
Kurve  wieder  unter  die  Abszisseuaelise  und  hat
daher  ihren  höchsten  Punkt  unter  dem  vom  Null))unkte
aus  ansteigenden  Theil  der  Lehens^enusskurve.  ln
diesem  über  der  Ahszissenaehse  liegenden  Theile  weist
die  ah^eleitete  Kurve  s])itze  Zähne  auf,  während  sie
unter  der  Ahszissenaehse  beiderseits  nur  stumj)fe
Zähne  zeij»t.
Endlich  ist  noch  zu  heaehten,  dass  die  Gesammtkurven
  der  Nützlichkeit  und  der  Kosten,  der  Nachfrage ­
  und  des  Angebotes  sieh  dadurch  ergehen,  dass
der  rechte,  hzw.  der  linke,  Ast  der  Kurve  aOn  oder
a  On  (Eig.  51)  mit  den  analogen  Kurven  der  anderen
Individuen  komhinirt  werden;  die  (iesammtkosteid&amp;lt;urve
und  die  Gesammtangehotskurve  erscheinen  dabei  um
18Ü"  gegen  die  gewohnte  Stellung  gedreht.
53.  (iegeiiseitige  Jlezieliimg(‘ii  der  verseliiedeiieii
Artikel.
Durch  den  Schidtt  der  Ereisliine  irgend  eines
Artikels  A  mit  der  Abgeleiteten  der  auf  eben  diesen
Artikel  bezogenen  Lehensgenusskurve  wird  nicht  nur
die  für  das  betrachtete  Individuum  angemessenste  Anoder ­
  Verkaufsmenge  dieses  Artikels,  sondern  zugleich
auch  die  vortheilhafteste  Kombination  der  gesammten
Jahresproduktion  und  -Komsumtion  angegeben,  somit
auch  die  gleichzeitigen  Konsum-  und  Eroduktmengen
aller  anderen  Artikel.  Eine  Preisänderung  des  Artikels ­
  .1,  die  eine  Aenderung  der  Jahresmenge  des-
        <pb n="265" />
        Hellíeii  bewirkt,  wird  aiieb  andere  Konsum-  und  Produktkoinbinationen
  und  somit  aueli  veränderte  Menj^en
anderer  Artikel  berbeifnbren.  Der  Kreis  der  Artikel
ist  dnreli  das  llinzntreten  der  Produkte  und  Produktionsertordernisse
  nunrnebr  erweitert  und,  wenn  wir  wieder
komjdetirende  und  konkurrirende  Artikel  unterscheiden
wollen,  so  bemerken  wir  sofort,  dass  die  verschiedenen,
aus  demselben  tecbniseben  Prozesse  bervor^ebenden
Produkte  und  ihre  Produktionserfordernisse  in  einem
gewissen  ^fen^enverbältnisse  zu  einander  stehen  und
einander  kom])letiren.  Aber  auch  die  Konsumtionserfordernisse ­
  des  rnternebmers  sind,  namentlich  wenn
derselbe  selbst  ])bysiscb  mitarbeitet,  wie  llilfsstotfe
anzuseben,  sie  ermöglichen  eine  grössere  Leistung,
und  ihre  Meiii*en  ]»tiefen  mit  der  Produktmen^e  zuzunebmen.
  Artikel  da^e^en,  die,  sei  es,  als  Konsumtions-,
  sei  es,  als  Produktionserfordernisse  einander
ersetzen  können,  wie  z.  H.  die  verschiedenen  Koblen-^attun^en,
  machen  sich  ^e^enseiti^'  Konkurrenz,  sowie
aueb  die  maneberlei  Sorten  odei’  ^anz  verschiedene
Artikel,  welebe  durch  ^eei^nele  Modifikationen  des
Verfahrens  oder  der  Werksanlage  als  Produkte  aus
demselben  Etablissement  bervor^eben  können,  sieb
^e^enseiti^'  ersetzen  und  verdrän«ren.  Das  Gleiche
^ilt  auch  von  den  Erzeugnissen  versebiedener  (tescbättszwei^e
  oder  ^anz  selbstständiger  Etablissements,
die  von  demselben  I  nternebmer  betrieben  werden.
Die  Produkte  und  Prodnktionserfordernisse  Jedes  solchen ­
  Geschäftszweiges  bilden  für  sieb  je  eine  Gruppe
kompletirender  Artikel,  stehen  aber  mit  den  entspre-
        <pb n="266" />
        234

eilenden  Grn])])en  der  anderen  Betriebe  in  Konkurrenz,
weil  die  erliölite  Anstrengung-,  die  der  Unterneliiner,
der  selbst  ¡ibysiseli  niitarbeitet,  sowie  die  erbölite  Antnierksanikeit
  und  Zeit,  die  der  mir  ilberwaebende
Unterneliiner  dein  einen  Geseliäftszwei^-e  zuwendet,
die  anderen  niebr  oder  weniger  beeinträeiiti^en  ninss.
Die  Konsuniartikel,  welelie  wieder  untereinander  tlieils
konkurriren,  tlieils  sieb  konipletiren,  seliliessen  sieb
keiner  dieser  Gru])|)en  an;  dir  Verbraueli  steift  und
fällt  iin  allgemeinen  mit  der  Gesanimtleistun^-  des
I'iiteriieliiiiers  und  wird  hícIi  daber  der  jeweilig-  vorwie};enden
  Tbäti^keit  desselben  zumeist  au)iasseii.
Eine  äbnliebe  Holle  sjiielt  aiieb  ein  Artikel,  der,  wie
z.  B.  Koble,  j»leielizeiti^‘  in  mebreren  der  konkurrirenden
  Gesebäftszwei^e  als  Broduktionserforderniss
auftritt.
Ueberbaujit  bleiben  die  Beziebun^en  der  verseliied
  eil  eil  Artikel  zu  einander  keineswegs  unter  allen  Umständen ­
  die  »’leicben  und  sind  aiieb  von  Individuum  zu
Individuum  versebiedeii.  So  zei^t  es  sieb  bei  manelieii
Konsuniartikelii,  nanientlieli  bei  den  &amp;lt;*eistij»en  Getränken, ­
  dass  sie,  inässi^-  genossen,  die  produktive
Leistun^sfäbi^-keit  steigern,  wäbrend  ein  Ueberniass
zur  Arbeit  unfäbig-  maebt,  so  dass  dann  aus  kompletireiiden
  Artikeln  konkurrirende  werden.  Ebenso
nimmt  zwar,  z.  B.  in  einer  Kobziiekerfabrik,  der  Verbraiieb
  von  Hüben,  Koble,  Kalk,  Knoebenkoble  ete.
^leiebzeiti^  mit  waebsender  Erzeuj&amp;gt;unj&amp;gt;-  des  Ilaiijitprodiiktes,
  der  minderen  Xaebprodukte,  der  Melasse
u.  s.  w.  zu,  doeb  kann  dureb  eine  g’eeigmete  Betriebs-
        <pb n="267" />
        235

äiideruiiji  der  Gebraiieli  von  Kalk  zur  Heini^un^  des
HiiluMisat’tes  soweit  ^esteigert  werden,  dass  jener  der
Knoelienkolde  ein^eseliränkt  werden  kann.  In  gleicher
Weise  wird  bei  niedrigem  Ziieker])reis  die  Entzuckerung ­
  der  Melasse  weniger  weit  getrieben  werden,  so
dass  niebr  von  der  letzteren  und  w  eni^er  Zucker  auf
den  Markt  kommt.  Werden  ^leiebzeiti^  konkurrirende
llilfsstotfe  verwendet,  z.  B.  zwei  Koblen^attun^en,  so
werden  dieselben  sieb  koinpletiren,  wenn  an  einem
gewissen  Misebun^sverbältnisse  fest^ebalten  wird.  Das
(ileiebe  kann  von  konkurrirenden  Broduktsorten,  die
^leiebzeiti^  ber«»estellt  werden,  gelten,  w  enn  aus  irgend
einem  (irunde,  z.  B.  um  das  La^er  mit  allen  (Qualitäten ­
  wol  zu  assortiren,  ein  gewisses,  beiläufiges  Men-^enverbältniss
  derselben  ein^ebalten  wird.  Oft  wird
a  lieb  die  Konkurrenz  versebiedener  Produkte  diireb
o-ewisse,  teebnisebe  Beziebun^en  begrenzt.  So  konkurriren
  bei  sogenannter  freier  Wirtbsebaft  Getreide-,
llaekfruebt-  und  Kleebau  miteinander,  doeb  nur  bis
zu  einem  j»ewissen  Grade,  da  keine  dieser  Kulturen
ohne  Sebaden  für  die  anderen  allzusebr  eiiif^eseliränkt
werden  kann.
Bei  konkurrirenden  Ililfsstotfen  ^ilt  dieselbe  Bemerkung»:, ­
  die  wir  sebón  bei  Konsumartikeln  ^emaelit
baben,  dass  nämlieb  die  bessere  Sorte  der  minderen
weit  wirksamer  Konkurrenz  maebt  als  umgekehrt.
Bei  konkurrirenden  Produkten  ist  gerade  das  (ie^entbeil
  wabrnebmbar;  der  Produzent  wird  zwar  bei  ungünstiger ­
  Konjunktur  bessere  Sorten  zu  erzeugen
sueben,  weil  dann  die  Konsumenten  zu  diesen  über-
        <pb n="268" />
        236

gellen,  docli  ist  dies  iiielit  olme  grössere  Investitionen
nnd  gesteigerte  Sorgfalt  mö^Iieli  und  daher  nieht  so
leieht  dnreh/nführen,  als  die  Er/enj*nn»‘  der  minderen
Sorten  zn  steigern.  Die  Prodnktinen&amp;lt;»-e  anf  Kosten
der  (Qualität  diireli  heseldenni^te  Arl)eit  zn  vermehren,
erfordert  nändieh  zumeist  keine  besonderen  Voransla^en
  nnd  {gestattet  eine  minder  aufmerksame  I  eherwachnn^-
  des  Personales  nnd  seiner  Iveistiin^-;  dieser
Ueher^an^'  wird  daher  immer  leieht  erfolgen,  sobald
bei  steifender  Xaebfrafe  die  Konsumenten  wenifer
ans])rnehsvoll  werden.  Ebenso  kann  der  Landwirth
den  Anban  von  Poffen,  Gerste,  Hafer  weit  eher  anf
Kosten  des  Weizenbanes  ansdehnen  als  nnifekehrt.
Aehnliehe  Bemerknnfen  Hessen  sieh  anf  das  wesentliehe
  Prodnktionserforderniss  —  mensehliehe  Thätifkeit
  —  ansdehnen.  Die  Arbeiter  derselben  Sehieht
kompletiren  ihre  Leistniif,  die  selbstständifen  Aeeordarbeiter
  machen  einander  Konkurrenz.  Wo  die  Mensehenarbeit
  mit  d'en  Leistniif  en  meehaniseber  )lotoren
konknrrirt,  wird  sie  anf  die  Dauer  den  Kürzeren
zieben;  wo  dafefen  die  Mensebenarbeit  leitend,  überwaebend,
  komjdetirend  zn  der  Masebinenarbeit  hinzutritt, ­
  bleibt  ibr  ein  Feld,  das  sieh  fera  de  mit  dem
Fortsehreiten  der  teehnisehen  Hilfsmittel  immer  noch
erweitert.
Es  ist  nur  eine  Wiederholinif  des  schon  früher
Gesaften,  wenn  wir  hervorheben,  dass  sieb  die  dnreb
Preisünderniifen  irfend  eines  Prodnktes  oder  Erfordernisses ­
  hervorferufenen  Aenderunfen  der  Meiife  des
betrettenden  Artikels  nur  dann  verfolfen  lassen,  wenn
        <pb n="269" />
        237

(lie  Preise  aller  anderen  Artikel  und  die  individuelle
Wertliscliätziinjif  des  (leides  dabei  unverändert  bleiben,
dass  diese  \OranHMetznn^  aber  in  der  Wirklichkeit
nur  innerhalb  en^er  (Irenzen  zutretten  kann.  Kine
^estei¿»erte  Produktion  drückt  den  Preis  des  Produktes, ­
  vertbeuert  die  1  liltsstott’e,  und  der  Zusaninienhan«»’
  der  Preise  pflanzt  Jede  Holehe  Kinwirkunfr  oft
auf  die  scheinbar  weitest  a  blieben  den  Artikel  fort.
Dieser  Zusaniiuenhan«»-  erstreckt  sich  nicht  minder  auf
den  Preis  der  menschlichen  Arbeit,  auf  (lehalte  und
Löhne.  Der  Preis  der  menschlichen  Arbeit  richtet
sich  nach  der  (Qualität  der  l^eistun^,  welche  sieh  zunächst ­
  in  der  aufmerksamen  Pehandluno-  der  Produkte,
der  sorgfältigen  Ausnützung-  der  Ililfsstotfe,  der  schonenden ­
  Henützun^  der  Werkzeuge  und  (leräthe  geltend ­
  macht,  und  welche  daher  von  der  Verdrosseidieit
oder  \V  illi^keit  des  Personales  —  der  Arbeiter  wie
der  Ilaus^renossen  —  keineswegs  unabbän^i^  ist.  Die
Zutriedenheit  jedes  Linzelnen  hän^t  aber  nicht  nur
von  dem  Grade  der  Aufmerksamkeit,  die  von  ihm
gefordert  wird,  also  von  der  (Qualität  seiner  Leistung,
ab,  sondern  sie  steht  auch  mit  der  durch  den  Lohn
ermöglichten  lAîbenshaltun^-,  und  somit  auch  wieder
mit  den  Preisen  der  Konsumartikel,  in  Zusammenhang»-.
r&amp;gt;4.  Die  Lebeiisíçemisskurve,  auf  verschiedene  Artikel
bexo^eu.
Wenn  wir,  von  einer  bei  ^e^ebenen  Preisen  aller
Artikcd  vortheilhaftesten  Konsum-  und  Produktkombi-
        <pb n="270" />
        —  2:-i8  —
nation  1111(1  (1er  mit  derselben  verl)un(lenen,  taktiselien
llefriedi^nno-  ans^c'liend,  naeb  einander  den  Preis
immer  je  eines  Artikels  nnbestimnit  lassen,  während
immer  alle  anderen  Preise  unverändert  bleiben,  können
wir  der  Reibe  naeb  die  Lebensj;enusskurve  des  betraebteten
  Individumns,  auf  jeden  dieser  versebiedenen
Artikel  —  Konsmntions-  und  Produktionsertordernisse
lind  Produkte  —  bezogen,  darstellen,  ln  jeder  dieser
Kurven  werden  wir  die  faktische  Retriedi^un^'  als
\'ertikalabstand  von  der  zugehörigen  Abgeleiteten  dort
linden,  wo  die  letztere  von  der  anfän^lieb  angenommenen ­
  Preislinie  des  betreffenden  Artikels  •»esebnitten
  wird,  und  es  wäre  sonach  alles  zu  wiederholen, ­
  was  wir  früher  (37)  über  die  korres)Mmdirenden
  Punkte  der  nacheinander  auf  verschiedene  Artikel
bezogenen  Lebens»enussknrve  desselben  Individuums
schon  j*,esaj&amp;gt;t  haben.  Selbstverständlich  ist  auch  bei
den  korres))ondirenden  Punkten  der  Abstand  der  abgeleiteten ­
  Kurve  von  der  Kosten-  und  Xützlicbkeitskurve
  keineswegs  der  gleiche.  Der  Nutzen  des  \  erbraucbes
  der  zu  der  faktischen  Konsum-  und  Produktkombination ­
  notbwendi^-  anzukaufenden  Menj*e,  sowie
der  Nutzen  der  Produktion  der  bei  derselben  Kombination ­
  zu  verkaufenden  Menj&amp;gt;e  ist  von  Artikel  zu
Artikel  ein  un^leicber,  weil  von  der  stets  ‘•leicben,
faktischen  Refriedi^un^-  eine  Jedesmal  andere  Anfan&amp;lt;*sbefriedi^un^'
  in  Abschlag-  kommt.
Ver^leicben  wir  nun  die  (lesbilt  der  nacheinander ­
  auf  verschiedene  Artikel  bezoi»enen  Lebens-»•enusskurve
  desselben  Individuums,  so  wird  dieselbe,
        <pb n="271" />
        —  28‘.í  —
und  zwar  in  Hirer  allgemeinen  Form,  Helhntverständlicli
  jedesmal  verscdiieden  sein.
Wir  haben  sehon  früher  (50)  an  dem  Beispiele
eines  Znekerfahriksbesitzers  gesehen,  dass  die  Anfan^'shefriedi^nn^'
  Je  naeh  der  Natur  des  Artikels  eine
sehr  versehiedene  sein  kann.  Die  Anfan^shefriedi&amp;lt;*nnj»-^in^
  dort,  wo  die  eigene  Verwendung  des  hetraehteten
Produktes  aus^esehlossen  war,  aus  einer  Kombination
hervor,  hei  welcher  der  Artikel  weder  jiroduzirt,  noch
konsumirt  wurde,  während  derselbe  nun  hei  der  durchlaufenden ­
  Lehens^enusskurve  auf  einer  Kombination  beruhen ­
  kann,  hei  welcher  von  dem  Artikel  A  ebensoviel
konsumirt,  als  jiroduzirt  wird.  Ist  der  Artikel  /Í  z.  B.
ein  sol  eher,  wie  aus^elau^te  Kühensehnitte,  so  konnte
dort,  wenn  dieser  Artikel  aus  der  Kombination  ausgeschlossen ­
  werden  sollte,  der  Betrieb  nicht  fortj»efiihrt
  werden,  daher  die  Anfan^sordinate  eine  sehr
kurze  war;  hier  da^e)»en  kann  die  auf  eben  diesen
Artikel  bezogene  Lehens^ennsskurve  trotzdem  eine
lan^e  Anfang)sordinate  haben,  d.  h.  der  Unternehmer
kann  auch  ohne  Kauf  und  Verkauf  von  A  eine  grosse
Befriedigung  erreichen,  wenn  er  in  der  l..a^e  ist,  seine
i^anze  Frzeu^un^  an  Biihenschnitten  in  der  eigenen
Wirthsehaft  als  Viehfutter  zu  verwenden.  Die  Antän^shefriedi^un^
  wäre  da«fe^en  eine  wesentlich  kleinere
als  in  dem  letzteren  Falle,  wenn  A  das  llauptprodukt,
also  den  Zucker,  bedeutet,  weil  die  Finschränkun^-der
  Produktion  auf  den  eii&amp;gt;enen  Bedarf,  sofern  derselbe ­
  kein  industrieller  ist,  wie  sehon  erwähnt,  nicht
Platz  greifen  wird,  sondern  die  völlige  Finstellun^
        <pb n="272" />
        240

(1er  Fabrikation  des  betreffenden  Artikels  eintreten
würde.
Die  Antan^sbetViedio-nn^’  ist  sein*  ^erin^\  wenn
die  Lebens^ennssknrve  auf  ein  Produkt  bezogen  ist,
das  nur  einen  unbedeutenden  Selbstverbraueb  gestattet,
und  bei  dessen  Krzeui&amp;gt;un&amp;lt;&amp;gt;*  der  Deberánn^-  zu  anderen
Sorten  niclit  wol  niö^lieb  ist;  so  kann  z.  11.  der  Betrieb ­
  einer  Leuclit&amp;lt;&amp;gt;-astabrik  nielit  fort^efülirt  werden,
wenn  tur  die  Abgabe  vou  Gas  uiebt  einmal  der  Miniinalj)reis
  erreiebbar  wäre;  die  Miininalverkautsinenj&amp;gt;e
wird  eine  um  so  j»rössere  sein,  je  mehr  die  betreffende
Aida^’e  auf  eineu  grossen  Absatz  berechnet  ist,  und
hierdurch,  sowie  durch  die  ^eriu^e  Anfan&amp;lt;&amp;gt;‘shcfricdij&amp;gt;un&amp;lt;i
wird  der  iMinimalj)reis  herab^edrückt.  Genau  dieselbe
kurze  Anfan^sordinate  und  Avieder  eine  lan»e,  diesmal
nach  rechts  gehende,  gerade  Anfan&amp;lt;*sstrecke  wird  in
diesem  Falle  auch  die  auf  Kohle  bezogene  Lebenso-enusskurve
  aufweisen,  wenn  nur  eine  einzige,  zur
Gaserzeugung  ^eei^'nete  Kohlensorte  zur  \'erfü^un^'
stehen  sollte,  und  muss  hier  trotz  der  &amp;lt;i,rossen  Minimalankaufsmen^e
  ein  hoher  Maximal))reis  zum  \'orscbein
  kommen.
Bei  den  Erzeu^missen  des  handwerksmässi^en  Betriebes, ­
  der  keine  kostspieligen  Werksaida^en  und  keine
grossen  Be^ieausla^en  ii.  d^l.  erfordert  und  daher  leichter ­
  ein^'cscbränkt  werden  kann,  ])ffe^t  die  Mini  mal  men&amp;lt;»‘c
auch  im  Ver^leiclie  zn  dem  normalen  Arbeits(¡nantum
kleiner  zn  sein  als  beim  industriellen  Grossbetriebe.
Wir  haben  schon  der  Möglichkeit  gedacht,  dass
die  Antan^-sbefriedig-nn»’  eines  völlig-  mittellosen,  auf
        <pb n="273" />
        241

eine  einzige  Art  ])ro(liiktiver  "l'liäti^keit  angewiesenen
Individminm  bei  Entzielinn^  der  letzteren  ^anz  verseliwinden
  könnte.  Die  Lebens^ennssknrve  fallt  dann,
ina^*  sie  nun  auf  das  betretfende  Produkt  oder  auf
einen  zu  dessen  Herstellung'  unentbehrlichen  Robstotf
bezogen  sein,  mit  der  Kosten-  und  NUtzlicbkeitskurve
zusammen,  wie  wir  dies  in  dein  schon  früher  (Fi^.  41)
behandelten  Falle  eines  absolut  unentbehrlichen  und
unersetzlichen  Xabrun^smittcls  bemerkt  haben.  In
Wirklichkeit  werden  sich  aber  dann  hier,  wie  dort,
Konsum-  und  Produktkombinationen,  die  nicht  auf  ein
ganzes  .Jahr  berechnet  sind  und  daher  in  unserer
&amp;lt;»ra|)biscben  Darstellung-  nicht  erscheinen  können,  unabweislicb
  aufdrän^en.
Feberbaujit  lassen  sich  die  an  Konsumartikeln
an  «gestellten  Pctrachtun^en  auch  auf  Produktionserfordernisse ­
  und  Produkte  ausdehnen.  Die  bei  ^e^ebenen
Preisen  aller  Artikel  erreichte,  faktische  Pefriedi^un^'
erscheint  als  Anfan^sordinate  der  Debens^enusskurve,
wenn  dieselbe  auf  irgend  einen  jener  Artikel  bezogen  ist,
die  weder  konsmnirt,  noch  ju'oduzirt  werden,  und  nun
auch,  wenn  sie  auf  solche  Artikel  bezogen  ist,  deren  Frzeu«^'un^'
  auf  den  Sclbstverbraucb  beschränkt  bleibt.  In
jeder,  auf  irgend  einen  Artikel,  der  wirklich  gekauft
oder  verkauft  wird,  bezogenen  Lebens^enusskurve  ist
die  Anfan^sordinate  da^e&amp;lt;^en  kleiner  als  die  faktische
Hefriedi^uii”'.  Die  Scheitel¡ninktsordinatc  ist,  wenn  (1er
Scheitel  rechts  vom  Nullpunkte  lie^t,  und  der  Artikel
gekauft  wird,  grösser  als  die  faktische  Pefriedi^^un^,
ausser  bei  Artikeln,  die,  wie  Duft  und  Wasser,  den
Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Thcuric  d.  l'reises.  1(5
        <pb n="274" />
        242

Preis  Null  oder  die  vollends  einen  negativen  Preis
1  iahen.  Hei  Artikeln,  die  von  dein  Individniiin  selbst
&amp;lt;^ar  nicht  begehrt,  aber  doch  mir  gegen  einen  ]iositivcn
  Verkaufs])reis  hergestellt  werden,  ist  die  Anfangsordinate ­
  zngleieh  an  eh  die  Scheiteljninktsordinate.
Liegt  der  Scheitel  endlich  links  vom  Nnll])unkte,  so
ist  seine  Ordinate  mir  dann  grösser  als  die  faktische
Pefriedignng,  wenn  für  das  hetretfende  Produkt  Fortschattungskosten
  gezahlt  werden  müssen.  1st  der  Fortsehattungsjireis
  gleich  Null,  so  ist  die  faktische  Befriedigung ­
  der  Se  h  ei  tel  I  )  u  n  k  tsor  d  i  n  a  te  gerade  gleich,
während  hei  allen  Produkten,  die  einen  jiositiven
Verkaufs])reis  haben,  die  Seheitelpnnktsordinate  kleiner
als  die  faktische  Befriedigung  ist.
        <pb n="275" />
        Aendeningen  der  Lebensgenusskurve. ­


öf).  Der  Kiiiilussvon  Proisändcrmiitoii  aiuloror  Artikel.
Die  auf  irifcud  einen  Artikel  be/oj^ene  l^ebeiiHj^ennsskiirve
  einen  in-odnktiv  tliäti^en  IndividnninH,  die
Helbntverständlieli  aneli  nur  l)ei  ^e^el)enen  Preisen  aller
übrigen  Artikel  an%estellt  werden  kann,  ist  Fonnändernn^en
  ans^esetxt,  sobald  sieb  der  Preis  eines
dieser  Artikel  ändert.  Wir  haben  das  Gleiebe  aneb
sebón  an  der  Kurve  eines  blos  konsninirenden  individnnnis
  wabr^enommen,  mir  blieb  dort  die  Vertbenernnx,"
  nines  Artikels,  der  in  keiner  der  in  der  Kurve
ersebeinenden  Kombinationen  enthalten  war,  ohne  jeden
Kindnss.  Jetzt  aber,  da  die  Aiö^liebkeit  besteht,  dass
ein  hoher  Preis  irgend  eines  Artikels  das  Individnnm
veranlassen  könnte,  denselben  berznstellen,  fällt  aneb
diese  Ansnabme  we^,  so  dass  sieb  jedem  einzelnen
Individnnm  der  Zusammenbau^’  aller  Preise  fühlbar
maebt.
Hetraebten  wir  zuerst  die  Lebens^ennssknrve,
nur  auf  solche  Artikel  bezogen,  die  nicht  gleichzeitig
16*
        <pb n="276" />
        244

])ro(liizirt  und  koiisuiuirt  werden,  und  zwar  znnäelist
auf  einen  Artikel  yt,  den  das  Individnnni  bins  als
Konsnintionserforderniss  verwendet;  dann  erscheinen
aiieh  alle  Prodnktionsertordernisse  als  koinjdetirende
Artikel,  deren  kreisändernn^en  in  der  früher  (41)
l)es])roehenen  Weise  wirken.  Auch  die  Ihndnkte  sind
als  k(mi])letirende  Artikel  anznsehen,  doch  haben  deren
kreisändernn^en  natürlich  den  gerade  ent^e^eno-esetzten
  Kintinss,  weil  eine  Znnahnie  des  Erlöses
einer  hestininiten  Emdnktinen^e  sieh  in  demselben
Sinne  geltend  machen  muss,  wie  die  Verminderung
des  Aufwandes  für  irgend  ein  Erforderniss.  Der
Lehensgennss  steigt  also,  wenn  ein  Produkt  then  rer
wird,  gerade  so,  wie  wenn  ein  Konsnmtions-  oder
Prodnktionserforderniss  billiger  wird.  Wird  min  der
Artikel  auch  als  Prodnktionserforderniss  oder  mir  als
solches  verwendet,  so  wird  jede  Verwolfeilnng  eines
mittelst  desselben  herznstellenden  Produktes  oder  jede
N'erthenernng  ehies  den  llilfsstotf  A  konijiletirenden,
anderen  Prodnktionserfordernisses  den  Eehensgennss
verringern.  Die  Verkürzung  der  Ordinaten  der  Eehensgennssknrve
  wird  sich  aber  in  der  Anfangsordinate
gar  nieht  oder  doch  weniger  geltend  machen  als  hei
den  rechtsfolgenden  und  wird  hei  der  Scheitel|ninktsordinate
  viel  stärker  sein.  Der  rechte  Ast  der  Eehensgennssknrve
  und  mit  ihm  die  Nützlichkeitsknrve  wird
somit  Üacher,  und  der  Maximaljireis  wird  sinken.  Hei
weitgehenden  Preisändernngen  dieser  Art  kann  auch
die  Menge  der  vollen  Hefriedignng  kleiner  werden,
indem  die  reichlicheren  Verwendnngen  des  llilfsstottes
        <pb n="277" />
        245

A  unvortlieilliatt  werden;  der  Selieitel  kann  endlich
in  die  Ordinatenaehse  rücken,  ho  dans  die  Xaehtra^e
nach  dem  I  liIfWoft'e  .1  ^an%  verschwindet,  weil  der
I  nternehmer  das  mittelst  desselben  herznstellende
Produkt  weg^en  seines  zn  niederen  Preises  oder  we^en
der  Verthenernnji*  eines  andern,  hierzu  nöthi^en  Erfordernisses ­
  &amp;lt;&amp;gt;anz  anf^'ehen  muss.  Wird  da^cjfen  ein  mit
dem  Hilfsstotfe  .4  konknrrirendes  Prodnktionserfdrderniss
  wolfeiler  oder  ein  Produkt  thenrer,  das  an
Stelle  des  ans  dem  Hilfsstotfe  A  hervorgehenden  hergestellt
  werden  könnte,  so  steigt  der  Lebensgenuss.
Von  allen  Ordinaten  des  rechten  Astes  der  Lehensgeniissknrve
  wird  dann  die  Anfangsordinate  am  meisten
verlängert,  während  die  Seheitel])iinktsordinate  viel
weniger  heeintlnsst  wird;  die  dem  früheren  Falle
entgegengesetzte  Einwirkung  anf  die  Ordinaten  der
Lehensgennssknrve  bringt  also  doch  wieder  die  gleiche
Formänderung  und  somit  eine  Verflaehnng  der  Xiitzliehkeitsknrve
  hervor,  die  auch  wieder  bis  ziim  \  ersehwinden ­
  der  Xaehfrage  gehen  kann.
Hetraehten  wir  nun  den  linken,  anf  die  blosse

Produktion  des  Artikels  hezügliehen  Ast  der  Lehensgennssknrve ­
  unter  dem  EinÜnsse  analoger  Preisänderimgen.
  Die  Verthenernng  eines  lliltsstottes,  sowie
die  Verwolfeilnng  eines  Xehen))rodnktes  schmälert  den
Lehensgennss,  während  derselbe  steigt,  wenn  ein  Produkt ­
  thenrer  wird,  das  an  Stelle  des  betrachteten  heigestellt
  werden  könnte,  oder  wenn  ein  znr  llerstellnng
eines  solchen  erforderlicher  lliltsstott  wolteiler  \\iid.

Da  aber  aneh  hier  die  .Vntangsordinate  hei  dei  Sehniti-
        <pb n="278" />
        24(1

lerini^'  des  Lebeiis^eiiiisses  am  wenigsten  verkürzt,
l)ei  der  Stei^eruii^'  desselben  am  stärksten  verlängert
werden  wird,  muss  der  linke  Ast  der  Lebens^eiinsskiirve
  und  mit  ihm  die  Kostenkiirve  beidemale  steiler
werden.  Der  Minimal])reis  wird  daher  steifen,  so  dass
bei  weitgehenden  Dreisändernn^en  dieser  Art  die  Herstellung- ­
  des  betraebteten  Produktes  eingestellt  werden
müsste.  So  bedarf  es  in  der  lliat  nur  geringer  Preisversebiebungen,
  um  die  Produzenten  z.  B.  von  Zueker,
Mehl  u.  dgl.  zu  veranlassen,  von  einer  Sorte  oder
Qualität  zur  anderen  überzugeben.  Die  gleiclie  Leichtigkeit ­
  des  I  eberganges  haben  wir  seitens  der  Konsumenten ­
  sebón  früher  (41)  hervorgehoben;  beide  I  rsachen
  wirken  zusammen,  um  bei  allen  Schwankungen
die  Preisunterschiede  verwandter  Sorten  in  engen
Grenzen  zu  halten;  dadurch  allein  wird  es  möglich,
dass  dieselben  in  der  Praxis  als  Ein  ^larktartikel
zusammengefasst  werden.
Auch  wenn,  die  Lebensgenusskurve  auf  einen
Artikel,  der  zugleich  kousumirt  und  ])roduzirt  wird,
bezogen  ist,  lässt  sich  der  Einfluss  von  Preisänderungeu
anderer  Artikel  von  Fall  zu  Fall  verfolgen.  Betrachten
wir  z.  B.  die  auf  Garn  bezogene  Lebensgenusskurve
(jaOn  (Eig.  53)  des  Besitzers  einer  vereinigten  S]unnerei
und  Weberei,  so  wird  sowol  eine  \  erwolfeilung  des
Final])roduktes,  der  Gewebe,  als  auch  eine  Vertheuerung
  des  Bohstotfes,  der  Baumwolle,  den  Lebensgenuss
verringern,  so  dass  die  Ordiuaten  der  Kurve
kürzer  werden.  Die  Kurve  nimmt  in  dem  ersteren
Falle  die  ¡mnktirt  dargestellte  Form  an,  sie  trennt
        <pb n="279" />
        247

sich  links  von  der  nrspniiifçlielien  Kurve  und  verläuft
weiterhin  tlaeher  und  hat  einen  niedriji;eren  Seheitel.
Der  Lebensgenuss  wird  nämlich  durch  die  Verwolfeiluuj4’
  der  Gewebe  nicht  geschmälert,  wenn  der  (iarn-])reis
  ein  so  hoher  ist,  dass  die  Weberei  ausser  Hetrieh
kommt,  während  der  Lebensi^enuss  umsomehr  heein-Fig.

  53.

0

träehtij*t  wird,  je  grösser  die  Gewehejn'oduktion  und
somit  der  (warnverbrauch  ist.  Bei  der  \  ertheuerun^
der  Baumwolle  da^e^en  wird  die  Kurve  die  in  unserer
h  inur  roth  ^exeiehncte  Form  annehmen,  also  steilei
verlaufen,  weil  der  Lebensgenuss,  wenn  der  (wainpreis
  so  niedrig"  ist,  dass  die  S])innerei  eingestellt  \\iid,
dureh  die  \  ertheuerun^  der  Baumwolle  kaum  herühit
        <pb n="280" />
        w(‘nl(Mi  wird,  wälireiid  er  mehr  inul  mein*  heeiiiträeliwerden
  muss,  je  melir  Haumwolle  verl)rauclit  wird,
je  kleiner  also  der  Ankauf  oder  je  grösser  der  Verkauf ­
  von  Garn  ist.  Die  Kosten-  und  Xiitzlielikeitskurve
  erfährt  jedesmal  die  ^1  ei  ehe  Formänderung-,  wie
die  Lebensgennssknrve,  während  aneh  die  Angehotsiind
  Xaehfrageknrve  a  On  die  entsjn-eehenden,  in
unserer  Figur  ersiehtlieh  gemaehten  Aendernngen  erleidet. ­
  Zngleieh  wird  unter  dem  Findnsse  der  erwähnten ­
  Preisändernngen,  die  beide  nnvortheilhaft  sind,  hei
jeder  gleichhleihenden  An-  oder  Verkanfsmenge  von
Garn,  also  hei  jeder  bestimmten  Abszisse  unserer
Figur,  weniger  Gewebe  ])rodnzirt,  also  weniger  (larn
verhraueht,  zugleich  aber  auch  weniger  Garn  erzeugt
und  also  weniger  Panmwolle  konsnmirt;  dies  gilt  aneh
hei  der  Abszisse  Xnll,  avo  der  Garnverhraueh  der
Garnerzengnng  gerade  gleiehkommt.  Ausserdem  sehen
wir,  dass  dieselbe  Tangentialriehtnng,  Avelehe  die  nrspriingliehe
  Kurve  in  der  Ordinatenaehse  anfweist,
  sieh  in  der  ])nnktirten  Kurve  Aveiter  links,  in
der  rothen  Kurve  aber  Aveiter  rechts  Aviedei-tindet.  Hei
dem  gleichen  Preise  des  Artikels  y\  kann  also  durch
die  blosse  Preisänderimg  eines  anderen  Artikels  das
Individuum  veranlasst  aa  erden,  von  der  X'erarheitnng  der
ganzen,  eigenen  Erzeugung  zum  AI)a  erkaufe  oder  zum
Zukaufe  von  (;arn  nherzngehen.  ln  demselben  Sinne,
AA  ie  durch  die  Verthenerimg  der  HanniAvolle,  Aviirde  die
Lehensgennssknrve  aneh  durch  eine  Preissteigerung ­
  der  Kohle  heeintlnsst  Averdeii,  sofern  der  Hrennstotfverhraneh
  für  die  Spinnerei  hei  normalem  Gange
        <pb n="281" />
        249

(1er  ji^aiizeii  riitenielnmin^'  der  überwiegende  ist;  wird
die  Kolile  da^e^fen  liau])tsäeldieli  für  die  Weberei  verwendet, ­
  so  würde  die  Vertlienernn^  derselben  ebenso,
wie  eine  Verwolfeilnii^  der  (iewebe,  wirken.
1‘reisändenin^eii  eines  Konsninartikels  beeinflussen
die  auf  ein  Produkt,  Prodnktionserforderniss  oder  Zwisebenprodnkt
  bezogene  Lebens^eniissknrve  im  allgemeinen ­
  in  demselben  Sinne,  wenn  auch  zumeist
sebwäeber,  wie  solebe  komjdetirender  llilfsstoffe.  Jede
den  bes])roehenen  entgegengesetzte  Preisändernn^  bat
natürlieb  die  ^e^entbeili^e  Wirkung'.
Kommt  ein  Individunm  in  die  Lage,  einen  neuen
llilfsstoff  zn  verwenden  oder  ein  nenes  Produkt  berznstellen,
  mit  dessen  Eigensebaften  es  noeb  wenig
vertrant  ist,  so  kann  die  auf  einen  sol  eben  nenen
Artikel  bezogene  Lebensgennssknrve,  so  wie  wir  dies
früher  (42)  binsiebtlieb  eines  neuen  Konsnmai’tikels
bes])roeben  haben,  erst  allmälig  und  mit  waebsender
Erfabrnng  ihre  definitive  (westalt  annebmen.  So  wie
ebendort  bei  einem  blossen  Konsnmartikel,  könnten
w  ir  aneb  in  Pezng  anf  weleben  Artikel  immer  Lebensgennssknrven,
  die  mir  für  je  eine  bestimmte  Petriebsnnd
  Lebensweise  gelten,  anfstellen  und  uns  die  Lebensgennssknrve ­
  gaifn  kvi  vortbeilbaftester  Betriebs-  und
Lebensweise  ans  soleben  Kurven  zusammengesetzt
denken.  Jede  dieser  Lebensgennssknrven  unterscheidet ­
  sieb  mir  dnreb  ihre  nm  die  Anfangsbefriedignng
Oh  (Fig.  49—52)  verschiedene  Höhenlage  von  je  einer
sonst  identischen  Nützlielikeits-  und  Kostenknrve  bestimmter ­
  Betriebs-  und  Lebensweise.  Nun  ist  aber
        <pb n="282" />
        250

die  Aiifaii}4\sbetVic(lij&amp;gt;-iiii&amp;lt;¿,-  (th  aiudi  von  den  Ib’eisändenin^vn
  soldier  Artikel  aldiänf^ij»-,  die  bei  irgend

einer  bestimmten  Betriebs-  und  Lebensweise  weder
konsumirt,  noeb  jirodnzirt  werden.  Der  trüber  (22)  erwäbnte
  Linduss  sol  eher  Preisänderun^en  auf  die  Niitzlicbkeits-
  lind  Kostenknrven  bestimmter  Betriebs  und
Lebensweise  maebt  sieb  also  dadiireb  &amp;lt;»eltend,  dass
deren  llöbenkme  von  der  Antanüsbefriediüuim’  abbäimt.

ab.  Der  Einfluss  der  iiidividiielleii  AVertbsebät/uup:
des  Geldes.
Wir  wollen  nun  aiieb  unsere  frUberen  Bemerkungen
über  A  endenin  ji,en  der  individuellen  Wertbsebätznnj»-  des
Geldes  erweitern  und  auf  die  allgemeine  Form  der
r.&amp;lt;ebensj»ennsskiirve  ansdebnen.  Ist  ein  Individnnm
wolbabender  geworden,  so  wird  sieb  die  dadnreb  berbei^efübrte
  Abnabnie  seiner  AVertbsebätznn^'  des  Geldes
dem  einen  eben  betraebteten  Artikel  A  ^e^enüber
ebenso,  wie  früher  (43),  ziinäebst  dadnreb  geltend
maeben,  dass  der  mit  irgend  einer  An-  oder  Yerkanfsnienj&amp;gt;’e
  .T  verbundene  Lebensgenuss  dnreb  einen  böberen
Geldbetrag  bemessen  wird;  alle  Ordinaten  der  Lebensgeniisskiirve
  werden  sieb  gleiebmässig  jirojiortional  verlängern, ­
  die  Kurve  wird  also  steiler  ansteigen  und  jenseits ­
  des  Sell  ei  tels  steiler  abfallen.  Aneli  alle  Ordinaten
der  Kosten-  und  Nützliebkeitskiirve,  sowie  die  der  Angebots- ­
  lind  Naebfragekiirve,  werden  gleiebmässig  proportional ­
  länger;  der  reieber  gewordene  Fnternebmer
wird  nämlieb  seine  Anstrengung  und  somit  die  Selbst-
        <pb n="283" />
        251

kohitíMi  jediM'V(‘rkaut*Kiueii^’e  (‘l)eiiso,  wie  die  Niitzliclikeit
  jeder  Ankmifsmen^e  des  Artikels  A,  ^leielimässi^
liölier  veranselda^en.  Die  ]\len^e  der  vollen  Befriedigung' ­
  wird  davon  nicht  heriihrt,  ebenso  weni^  die  Mininialnien&amp;lt;(e
  des  Verkaufes  und  Ankaufes,  obwol  der  MininialVerkaufs-,
  sowie  der  ^Iaxiinalankaufs])i*eis,  ^leieliniässi«»'
  stei^'en.  Die  1  jebens^enusskurve  und  mit  ihr  die
anderen  Kurven  unterließen  jedoch  noch  anderen  Fonnänderuiißen,
  die,  wie  schon  früher  erwähnt,  daher
rühren,  dass  auch  die  festßelcßten  Preise  aller  anderen
Artikel  dem  Individuum  nun  reduzirt  erscheinen.  Diese
subjektive  Verwolfeiluiiß  aller  komjdetirenden  und  konkurrirenden
  Artikel  wird  je  nach  deren  Beziehuiißen
zu  dem  einen  eben  betrachteten  Artikel  die  zuerst
hes])rochene  Formäuderuiiß*  der  auf  denselben  hezoßenen
  Lehensßenusskurve  entweder  noch  steißcrn  oder
ahschwächen  oder  soßar  in  ihr  Geßentheil  verkehren.
Dass  die  TA*hensßenusskurve  des  reicher  gewordenen
Unternehmers,  auf  manche  Artikel  bezoßeii,  nicht
steiler,  sondern  Hacher  ansteißen  wird,  ßeht  schon
daraus  hervor,  dass  derselbe  sonst  hei  den  ßleichhleihenden
  Preisen  aller  Artikel  von  allen  seinen  Produkten ­
  wenißer  hersteilen  und  verkaufen  und  zußleich
von  allen  Erfordernissen  mehr  kaufen  und  verbrauchen
müsste,  was  technisch  ßanz  unmößlich  ist.  Bei  einem
Produkte,  dessen  llerstelluiiß  dem  Unternehmer  besondere ­
  Mühe  und  Anstreiißiiiiß  verursacht,  während
der  Aufwand  für  die  llilfsstotfe  nur  eine  ßeriiiße  Holle
s])ielt,  wird  der  linke  Ast  der  Lehcnsßenusskurve  und
somit  die  Kostenkurve  jedesfalls  steiler  werden,  weil
        <pb n="284" />
        252

der  Wollmbeiidere  seine  Leistung’  Indier  vernnseldn^t;
aus  demselben  0runde  wird  der  reelite  Ast  der  auf
den  betreffenden  Hidistoff’  be/n^enen  Lebenx^ennssknrve
  und  somit  die  Xiitzlielikeitsknrve  ffaeber  werden.
Wo  dn^e^en  bedeutende  Ausladen  für  llilfsstoff'e  und
namentlicb  grosse  Investitionen,  an  die  der  minder
Hemittelte  ^ar  nicht  denken  kann,  erforderlieb  sind,
wird  die  grössere  Leieliti^keit  der  Hesebaffnn^  aller
Prodnktionserfordernisse  für  den  wolliabender  ^'ewordenen ­
  I  nternebmer  mehr  ins  (lewicht  fallen  als  die
höhere  Veranscbla^nn^'  der  ei{j,enen  Anstrengung'.  Es
wird  also  seine  auf  ein  Produkt  bezogene  Eebensj»  enusskurve
  in  ihrem  linken  Aste  und  somit  auch  die  Kostenkurve ­
  ffaeber  werden,  während  die  auf  ein  Produktionserforderniss
  bezogene  Xiitzlielikeitsknrve  steiler  wird.

57.  Der  Einfluss  der  individuellen  Ei^enselinften.
Die  Xei^nn^en  und  Ans]nücbe  des  I  nternebmers
kommen  in  seiner  auf  ein  Produkt  oder  ein  Produktionserforderuiss
  bezogenen  Eebensj*enusskurve  weniger
zur  deltun^',  als  wenn  sieb  diese  Kurve  auf  einen
Artikel  seines  pcrsönlieben  \  erbranebes  bezieht.  Diese
Ei^ensebaften  sind  wol  für  die  \\  aid  des  llerutes
oder  für  einen  Hernfswecbsel,  also  für  die  Anfan^sordinate,
  massgebend;  so  lan^e  aber  der  Betrieb  des
Unternehmens  nicht  in  Era^'c  steht,  können  vollends,
wo  kosts])ielii*'C  Werksanlagen  und  viele  Mitarbeiter
erforderlicli  sind,  der  individuelle  (lesclimack  und  die
persönlichen  Xei^nn^en  und  Ansjiriiclie  des  Unter-
        <pb n="285" />
        253

iieliincrs  in  keiner  inerklielien  Weise  ziini  Ausdniek
kommen.  Ein  Individuum,  das  aus  Laune  oder  aus
Lust  an  Abwechslung'  z.  H.  andere  llilfsstoite  verwenden ­
  oder  andere  Produkte  lierstellen  wollte  als
die  bei  den  bestehenden  Preisen  vortbeilbaftesten,
ents})riclit  unseren  allgemeinen  \'oraussetzunj»en  nicht
mehr.  Da^e^en  machen  sich  hier  andere  ])ersönliche
Eiji’enschaften  des  Lnternehmers,  seine  Kenntnisse,
sein  Fleiss,  seine  sj)ezielle  Eij»nung',  ^anz  besonders
aber  sein  ()rj&amp;gt;anisationstalent  und  seine  Fähigkeit,  für
jede  Stellung-  den  geeignetsten  Alaun  heraiiszutinden
oder  heranzubilden,  in  der  Lebens^enusskurve  dadurch
«»•elteud,  dass  diese  individuellen  Eigenschaften  für
die  Beurtheilun^'  der  jeweilig'  vortheilhaftesten  Betriebsweise ­
  massgebend  sind.
Es  hänj»'t  viel  davon  al),  ob  der  1  nternehmer
seine  Thäti&amp;lt;*keit  und  Aufmerksamkeit  auf  die  grossen
Betriebsäuderun^en,  welche  durch  Bauten,  Autstellunj»'
neuer  Alaschineu,  Eu{z,a^emeut  von  Beamten,  Eintührun^'
  anderer  llilfsstotfe  oder  Produkte  ^ekennzeichuet
werden,  beschränkt,  ohne  sich  selbst  oder  durch  seine
Angestellten  um  die  Details  des  Betriebes  zu  kümmern. ­
  Die  Lebens^enusskurve  wird  dann,  auf  jedes
Produkt  oder  Produktionserforderuiss  bezogen,  hin^e,
geradlinige  Strecken  aufweisen;  dieser  j)olyj»'onale  \  erlauf, ­
  der  sieb  natürlich  in  der  Kosten-  und  Nützlichkeitskurve ­
  gerade  so  wiederholt,  spricht  sich  in  der
Angebots-  und  Nachfra^ekurve  durch  eine  jorobe  /ahnunj»'
  aus.  Dadurch  wird  an^fczei^t,  dass  kleine  Preisschwankungen ­
  unbeachtet  bleiben,  und  dass  imiiiei
        <pb n="286" />
        254

mir  einscliiieideiide  l^(*triel)sUiid(‘rmio-eii  vorf^eiioimneii
werden,  während  zwiselienlie^ende,  an  sieh  vortlieilhafte
  Konsum-  und  Produktkoinhinationen  ülier^an^en
werden.  Ein  solelier  Unterneliiner  findet  es,  wie  der
ansiiruehsvolle  Konsument,  nielit  der  Midie  wertli  oder
aiicli  nielit  vortlieilhaft,  seine  Zeit  und  Aufmerksamkeit ­
  zu  zersjdittern,  um  die  möo-liehst  vollständige
Ausnützung*  der  gekauften  Hoh-  und  llilfsstotfmen^en
zu  erzielen,  um  jeden  Ah^an^*  an  den  einmal  herbestellten,
  verkäufliehen  Produktmenb'en  thunliehst  zu
verhüten,  um  die  sehonendste  Verwenduiib  der  \"orriehtunb'en
  und  (xeräthe  diirehzusetzen  ii.  db‘l.  Wer
dabeb'eu  die  Mühe  nieht  seheiit,  die  Leistuiib  jedes
Taolöhners,  wie  jeder  Masehine,  seihst  Ins  in’s  Kleinste
zu  üherwaehen,  wer  jede  Anordnung  von  seiner  Entseheiduno*
  ahhäno-io-  maeht,  läuft  wieder  (tefahr,  in
lauter  Kleinliehkeiten  aiifzuo-ehen,  darüber  den  weiteren ­
  Ueherhliek  zu  verlieren  und  die  reehtzeitio-e
Vornahme  wichtioerer  Aenderiinoen  zu  übersehen.
Hei  einem  solchen  wird  die  Eehenso-eniisskurve  viel
kontiniiirlicher  als  die  früher  besprochene  verlaufen,
sie  wird  aber,  wenn  sie  auf  ein  Produkt  bezob'cn  ist,
in  ihrem  linken  Aste  für  o-rösserc  Meiiben  steiler,  für
kleinere  Hacher,  somit  im  Ganzen  ausbehauchter  sein
und  daher  auch  früher  ihre  asymjitotische  Hebrcnzuiib
tiiiden;  der  rechte  Ast  taiigt,  wenn  die  Kurve  auf  ein
Produktionserforderniss  bezoo*en  ist,  steiler  an  und
krümmt  sich  b'Kichfalls  rascher.  Wird  jeder  Fehler
nach  beiden  Richtuiibcn  vermieden  und  dadurch  auch
wirklich  für  jede  An-  oder  Vcrkaiifsmenbe  der  höchste
        <pb n="287" />
        255

Leheiis^einiSK  erreiclit,  so  wird  die  Kurve  einen  niö^-liclist
  kontinuirlielien  und  zu«»leieli  weni«»'  gekrümmten
Verlauf  annelimen;  dieser  Form  kann  sie  durch  eine
zweck-  und  faeli^emässe  Tlieilun^’  der  Arbeit  am
nächsten  kommen.  Die  Anordnung-  der  grossen  l^etriel)sänderungen
  wird  immer  Sache  des  Cdiefs  oder
des  leitenden  Direktors  sein  müssen,  während  hei
einer  richtigen  Hesetzun&amp;lt;*‘  der  nnteren  Stellen  durch
tüchtige  Werkführer,  Aufseher  und  ^esehiekte  Arbeiter
und  hei  fachkundiger  Anleitung  und  Aneiferun^  derselben, ­
  z.  H.  durch  ein  richtig"  bemessenes  Främiensystem,
  auch  die  kleineren  Aendernn^en  und  V  erbesserungen ­
  nicht  unheaehtet  bleiben  werden.
de  kleiner  das  Fnternehmen  ist,  desto  weniger
wird  eine  so  ndlständi^e  I  heilun^-  der  Arbeit  angemessen ­
  und  durchführbar  sein;  der  Unternehmer  muss
die  Aufgabe  des  Leiters,  Werkmeisters  und  schliesslieh
  auch  die  des  Arbeiters  mitühernehmen,  und  seine
¡»ersönliehe  Fi&amp;lt;fnun^  zu  allen  diesen  Verrichtungen
kommt  in  entsj)reehender  Weise  in  der  Lebensg’enusskurve
  zum  Ausdrucke;  der  Sjiielraum  für  die  Wahl
der  jeweilig-  vortheilhaftesten  Betriebsweise  wird  dabei
immer  en^er.  Der  Handwerker,  der  ohne  (Gehilfen,
oder  der  Stücklohnarheiter,  der  zu  Hause  arbeitet,  hat
als  Unternehmer  kaum  mehr  als  die  Arheitsdauer  zu
bestimmen  und  die  {geeignetste  Kintheilunjr  der  Arbeit
vorzunehmen,  da  im  ühri{^en  die  zvveckmässi{^ste  Betriebsweise ­
  zumeist  dureh  die  Umstände  vor{çeschrieben
ist.  Dem  Stüeklohnarheiter  in  der  Fabrik  endlich  ist
auch  die  Arbeitszeit  meist  ge^^eben,  oft  auch  durch
        <pb n="288" />
        256

(len  Gang-  der  Maschine  eine  nhere  und  nnteie  Grenze
der  täg-liclien  Arbeitsleistung-  gesetzt,  so  dass  seine
eigene  Ueberlegung-  bei  der  Wald  der  einznbaltenden
Betriebsweise  nicht  zur  Geltung  kommt  und  seine
persönlichen  Kigenschaften  sich  meist  nur  in  der  guten
Ansniitzimg  der  Ililt'sstott'e  und  der  schonenden  Benutzung ­
  der  Werkzeuge  und  Geräthe  bethätigen  können. ­
  Dabei  wird  aber  die  sju'zielle  Kignnng  des
Individuums  zu  Jeder  besonderen  Art  produktiver  Thätigkidt
  deutlich  hervortreten,  (irössere  Geschieklichkeit
  setzt  ebenso,  wie  grössere  Körperkraft,  den
Arbeiter  in  die  Lage,  die  gleiche  Leistung  mit  geringerer ­
  Anstrengung  zu  vollbringen;  dadurch  wird
der  ganze  Verlauf  und  namentlich  der  Anfang  der
Kostenknrve  eines  Broduktes  Hacher,  jener  der  Xützlichkeitskurve
  eines  1  lilfsstotfes  steiler;  der  Minimal-])i-eis
  wird  niederer,  bzw.  der  Maximalpreis  höher.
Der  Fleissige  ist  bemüht,  weder  Zeit,  noch  Anstrengung
zu  vergeuden,  und  es  gelingt  ihm  gleichfalls,  mit  derselben ­
  Anstrengimg  eine  grössere  Leistung  zu  erzielen.
Dass  au(*h  die  Kostenkurve  des  minder  Bemittelten
einen  flacheren  Wrlaiif  nimmt,  beruht,  wie  schon  erwähnt, ­
  darauf,  dass  er  nicht  in  der  Lage  ist,  seine
Anstrengung  so  hoch  in  Geld  zu  bemessen,  als  der
Wolhabendere.  Durch  geeignete  Aideitung  und  hauj)tsäehlich
  durch  1  ebnng  erwirbt  endlich  jeder  einen
höheren  (frad  von  Geschicklichkeit  und  wird  dadurch
befähigt,  die  (Benzen  der  Ermüdung  weiter  hinauszuschieben, ­
  so  dass  die  Kostenkurve  erst  bei  einer
grösseren  Broduktmenge  ihren  steilen  Verlauf  annimmt.
        <pb n="289" />
        —  2f)7  —
lîci  einem  ])liysÍ8cli  fliäfi^en  Produzenten  tritt  aneh
melir  als  bei  dem,  der  bloss  anordnet  und  überwaebt,  der
Zusammenlian^  zwischen  den  zweekmässi^st  an&amp;lt;»e])assten
  Konsum-  und  Produktmen^en  zuTa^e.  Es  kann  nicht
nur  durch  eine  ^eei^nete  Ernälirung  die  Leistungsfähigkeit ­
  erhöht  und  die  Grenze  der  Erschö])funjr  hiiiaus-^erückt
  werden,  die  Kost  und  die  ganze  Lebensweise
muss  mit  der  Perufsthätigkeit  im  Einklänge  stehen;  der
Schmied  braucht  eine  andere  Nahrung  als  der  Schneider, ­
  der  Matrose  eine  andere  als  der  Itergmann  u.  s.  w.
Ein  leistungsfähigeres,  aber  auch  anspruchsvolleres
Individuum,  das  sieh  also  zu  einer  höheren  Lebenshaltung
aufgeschwungen  hat,  wie  z.  P.  ein  amerikanischer  Arbeiter ­
  im  (Gegensätze  zu  einem  osteuropäischen,  wird  in  der
auf  seine  Produkte  bezogenen  Lebensgenusskurve  eine
längere  Anfangsordinate  und  nach  links  hin  eine  steilere
Antängstangente  aufweisen,  von  deren  Pichtung  aber  sieb
die  Kurve  nur  langsam  entfernt.  Pei  niedrigerer  Lebenshaltung ­
  beginnt  die  Kurve  tiefer,  verläuft  anfangs  flacher,
krümmt  sich  aber  dann  rasch,  weil  auch  ein  hoher  Lohn
den  schlecht  genährten  und  bedürfnisslosen  Arbeiter
nicht  zu  grossen  Leistungen  zu  bringen  vermag,  während
er  bei  kleinen  Leistungen  und  kargem  Lohn  ausharren
'vird,  ohne  an  einen  Perufswechsel  zu  denken.

58.  Der  EiiillusH

der  (iewölmimg  mul  des  aiifäiitilielieii

  Besitzes.

Die  Erhöhung  des  Lebensgenusses  durch  das  Eintreten ­
  einer  (Gewöhnung  an  eine  gewisse  Konsum-  und
Auspitz  u.  Lieben.  Untursueb.  üb.  d.  Theorie  d  Preises.  17
        <pb n="290" />
        l*ro(luktkoml)iiiatioii  oder  liäufi^cr  an  eine  Gni])])e  einander ­
  nalie  stellender,  sol  eher  Koniliinationen  inaelit
sieh  hei  kleinen  Betriehen  mehr  als  hei  grossen  Unternelnnnn^en
  geltend;  doch  lässt  sich  namentlich  hei
erstcren  die  Analogie  mit  der  Gewöhnung'  an  einen  Konsnmartikel
  auch  hinsichtlich  eines  Produktes  oder  eines
Prodnktionserfordernisses  vollständig  durchführen.  Der
Unternehmer  kann  sich  an  eine  gewisse  Thäti^keit  üherhaiijit
  gewöhnen,  wodurch  seine  Scheu  vor  dem  üehergang
  zu  einer  anderen  gesteigert  wird,  er  kann  sieh
an  einen  eingeschränkten  Betrieh  gewöhnen,  und  das
wird  sich  durch  eine  erhöhte  Ahneigung  gegen  jede  Betriehssteigerung
  zeigen,  oder  an  eine  starke  Production,
wodurch  seine  Scheu  vor  Peductioiien,  ArheiterentlassuIlgen
  etc.  vergrössert  wird,  oder  endlich,  er  wird  in
immer  weiteren  Grenzen  gegen  Preisschwankungen  unemjitindlich
  und  entschMesst  sich  nur  sehr  schwer,  von
seinem  gewohnten  Betriehsumfange  wesentlich  ahzugehen.
  Die  Kurve  kann  also  Macher,  steiler,  ausgehauchter ­
  werden  seihstverständ  1  icli  hringt  aber  dieselhe
(  wewöhnung,  welche  den  Alinimal|ireis  eines  Produktes
herahdrückt,  eine  Krhöhung  des  Maximalpreises  für
dessen  Produktionserfordernisse  mit  sich.  Diner  sich

festsetzenden  (Knvöhnung  gerade  entgegengesetzt  wirkt
ein  allmälig  sich  einstellender  Ueherdruss  an  einer  gewissen ­
  Art  der  Thätigkeit.
Wir  hahen  schon  früher  (4G)  hemerkt,  dass  die
Beschatfenheit  des  anfänglichen  Besitzes  einen  sehr
älinlichen  Einfluss,  wie  die  Gewöhnung,  auf  die  Form
der  Lehensgenusskurve  namentlich  dann  ausüht,  wenn
        <pb n="291" />
        259

(lie  letztere  auf  einen  Artikel  bezogen  ist,  dessen  Verl)raneli
  den  Besitz  gewisser  Gebranelisartikel  voranssetzt.
  In  einer  Beziebnn^  derselben  Art  steht  al)er
jedes  Brodnktionserforderniss  und  jedes  Produkt  zn
den  für  die  betreffende  Produktion  erforderlichen  Werkzeugen, ­

  Maseliinen,  Banlielikciten  n,  dgl.  Namentlich
bei  grösseren  Unternebinniigen  wird  die  Prodnktinenge,
von  der  nicht  g’erne  abgegangen  wird,  nicht  sowol
dnreli  eine  etwaige  Gewöliniing,  als  vielmehr  durch
den  Umfang  der  thatsäehlieli  vorhandenen  Werksanlagen ­
  vorgesehriehen.  Es  wird  hier  nur  selten  möglich ­
  und  vortheilhaft  sein,  eine  erhebliche  V^ergrösserung
der  Produktion  ohne  neue  Investitionen,  also  nur  durch
Betriehsänderungen,  wie  Verlängerung  der  Arbeitszeit,
Vermehrung  der  Taglölmer,  Uehergang  zu  anderen
Sortmi  eines  Hilfsstotfes  u.  dgl.,  zu  erreichen.  Solche
Betriehsänderungen  können  allerdings  jederzeit,  wenn
die  Preisschwankung,  durch  welche  sie  veranlasst
wurden,  wieder  verschwindet,  ohne  Verlust  riiekgän-Jiig
  gemacht  werden,  und  das  hierfür  in  Anspruch  geuommene
  Betriebskapital  wird  wieder  verfügbar.  Anders ­
  ist  es,  wenn  die  vorzunehmende  Betriehsänderung
dauernde  Investitionen,  wie  Umbauten,  Neubauten,
Maschinenansehaff'ungen  u.  dgl.  erfordert.  Es  ist  nämlich ­
  von  voridierein  klar,  dass,  wenn  die  eingetretene
Preisänderung  des  Artikels  A  nicht,  wie  erwartet,  zn
einer  bleibenden  wird,  sondern  die  Konjunktur  sieh
wieder  ändert,  und  man  daher  wieder  den  früheren
Stand  herstellen  wollte,  das  aufgewendete  Anlagekajntal
  entweder  gar  nicht  oder  doch  nur  tlieilweise
17*
        <pb n="292" />
        liereiii^'el)m(*lit  werden  könnte.  Zn  dem  Kisiko  eines
solelien  Verlustes  gesellt  sieh  oft  noch  der  Naelitlieil
einer  I5etriel)sstörun&amp;lt;»-  und  die  Befürelitun^*,  dass  die
einseitige  Neuerung'  iioeli  weitere  Ansinnen  naeli  sieh
ziehen  werde,  die  sieh  nielit  gleich  ermessen  lassen.
Mit  Beriieksiehti^un{;*  aller  dieser  Umstände  wird  die
(irösse  des  Risikos  von  jedem  Individuum  anders  verán ­
  schlaft  ;  dabei  maelien  sieb  seine  Vermögens-  und
Knulitverliältnisse,  also  die  Leiebti^keit  der  Geldbesehatfun^'
  ebenso,  wie  seine  Nei^nn^en  und  Gewolinh
  ei  ten,  sein  Optimismus  oder  1  Vssimismns,  geltend.
d(i  p,rösser  das  Risiko  eisebeint,  je  ^lösser  also  die
Sebeii  vor  neuen  Investitionen  ist,  desto  ^erin^-er  ist
der  Uebens^ennss,  den  jene  An-  oder  Verkaiitsnieii^e
von  A  erwarten  lässt,  für  welebe  die  betreffende  Investition ­
  ^(unaebt  werden  soll.  Die  Uol^e  davon  ist,
dass  die  Ijebens^ennssknrve,  wenn  es  sieb  um  eine
Investition  znni  Zwecke  einer  Melirerzeiioani^'  des  Produktes ­
  oder  Zinn  Zwecke  eines  Minderverbrauebes
oder  der  Selbsterzeii^iin^’  des  1  lilfsstotfes  Ä  bandelt,
zur  Linken  der  bisberi^en  Verkaufs-  oder  Ankaufsmen^e
  um  so  steiler  abfallen  wird,  je  grösser  die
Sebeu  vor  der  betretfenden  Investition  ist.  Bezweckt
die  vorziinebmende  Investition  da^e^en  eine  vermebrte
Herstellung"  eines  anderen  Produktes,  so  dass  dadureb
weniger  von  A  ])roduzirt  wird,  oder  bezweckt  sie  die
Mebrverarbeituiii»"  eines  Roh-  oder  1  lilfsstotfes  oder
die  Selbstverarbeitunj»"  eines  eigenen  Produktes  A,
so  wird  die  Ijebeiis^enusskurve  rechts  von  der  bisherigen ­
  An-  oder  Verkaufsmenge  um  so  tlaeber  an-
        <pb n="293" />
        201

steifen,  je  melir  die  betreffende  Investition  ^eselieut
wird.  Ganz,  wie  eine  Gewöliniing-  an  «gewisse  Mengen,
bewirkt  also  auch  die  Hellen  vor  grösseren  Investitionen, ­
  dass  das  Individinini  innerhalb  weiter  Preisgrenzen ­
  an  seinen  Einriebtnngen  nichts  ändert,  und
dass  es  einschneidender  Preisändernngen  bedarf,  um
dasselbe  znni  I  ebergange  zn  solchen  An-  oder  Verkanfsmengen
  von  A  zn  veranlassen,  welche  nene  Investitionen ­
  erheischen.
Ist  dagegen  eine  nene  Investition  einmal  gemacht,
so  hat  sich  der  nrspriinglich  angenommene,  faktische
Besitz  des  Unternehmers  bleibend  verändert.  Er  hat
nun  zwar  eine  grössere  oder  vollkommenere  Werksanlage, ­
  aber  weniger  flüssiges  Kajiital,  oder  er  ist
mehr  schuldig;  eben  darum  wird  sein  Lebensgenuss
hei  allen  jenen  An-  oder  Verkanfsmengen  von  A,  für
welche  die  hetretfende  Investition  nicht  nöthig  oder
zweckmässig  ist,  nun  ein  geringerer  sein  als  früher.
Es  werden  also  entweder  alle  znr  Beeilten  oder  alle
%nr  Linken  der  nenen  An-  oder  Verkanfsmengen  liegenden ­
  Punkte  der  diirchlanfcnden  Lehensgeniissknrve
herahrücken,  je  nachdem  die  gemachte  Investition,  sei
es,  eine  Mehr|nodnktion,  sei  es,  einen  Minderverhranch
von  A  oder  aber  das  Gegentheil  bezweckte.  Dagegen
bleiben  jene  Ordinaten  der  Kurve,  deren  Abszissen  die
nenen  Mengen  angehen,  unverändert,  so  dass  die  Kurve
in  der  Strecke  zwischen  der  alten  und  der  nenen
Menge  das  einemal  Hacher,  das  anderemal  steiler  wird,
als  sie  früher  war  ;  die  Bückkehr  von  der  neuen  znr
alten  Menge  kann  also  erst  hei  einem  Preise  von  A
        <pb n="294" />
        —  2()2  —
eifolgeii,  (1er  viel  niedriger,  l)zw.  viel  hölier,  ist,  als
derjenige,  bei  dem  das  Individuum  den  Entschluss,
die  betreffende  Investition  zu  machen,  gefasst  hatte.
Ebenso  bleiben,  von  der  neuen  ^lenge,  für  welche  die
Investition  zunä(dist  erforderlich  war,  ausgehend,  auch
die  folgenden  Ordinaten  der  Lehensgenusskurve  jedoch ­
  nur  iiisolange  unberührt,  als  die  genannte  Investition ­
  auch  noch  für  die  betreffenden,  weiteren
Klengen  zweckmässig  bleibt.  Würde  z.  II.  zu  vier  bestehenden ­
  I)am])fkesseln  ein  fünfter  aufgestellt,  so
werden  die  Ordinaten  der  Lehensgenusskurve  auch
hei  Produkt-  und  Hilfsstotfmengen,  für  welche  die
fünf  Dampfkessel  nicht  mehr  ausreichen,  die  gleichen
bleiben,  wenn  die  weitere  Ausdehnung  der  Heizanlage
durch  die  Aufstellung  des  fünften  Kessels  nicht  erschwert ­
  oder  vertheuert  worden  ist,  während  diese
Ordinaten  verkürzt  werden,  wenn  die  Aufstellung  des
fünften  Kessels  die  weitere  Vergrösserung  irgendwie
behindert.  Der  vermehrte  Besitz  an  dauerhaften  Gebrauchsartikeln, ­
  .also  z.  II.  an  Dam]&amp;gt;fkesseln,  wirkt
allemal,  wie  eine  neu  eingetretene  Gewöhnung,  und
fällt  auch  mit  einer  solchen  zusammen.  Die  Bück  Versetzung ­
  in  den  früheren  Stand  bleibt  natürlich  möglich, ­
  sie  ist  aber  nunmehr  mit  neuerlichen  Auslagen
und  Betriebsstörungen  verbunden.  Wenn  nun  auch  hei
kleinerer  Ih’oduktion  die  Mitbenützung  der  neuen  Anlagen ­
  oder  deren  blosse  Benützung  als  Reserve  oder
deren  theilweise  oder  gänzliche  Aussergangsetzung
Betriebsweisen  gestattet,  die  vor  Herstellung  der  neuen
Einrichtung  nicht  in  Betracht  kommen  konnten,  so
        <pb n="295" />
        263

bleibt  (loch  immer  die  Herstellung  kleinerer  Alenden
mit  grossen  Werksanlagen  nnvortbeilbaft.  Die  Knekkebr
  zn  der  alten  ^ienge  ist  also  durch  die  inzwischen
gemachten  Investitionen  in  allen  Fällen  erschwert.
Die  hier  besprochenen  Formänderungen  der  Lehensgennssknrve,
  die  sich  natürlich  auch  in  der
Kosten-  und  NUtzlichkeitsknrve  genau  wiederholen  und
entsj)rechende  Aendernngen  der  Angebots-  und  Naclifrageknrve
  nach  sich  ziehen,  treten  besonders  deutlich ­
  hervor,  wenn  es  sich  für  das  betrachtete  Individnnm
  nicht  bloss  nm  die  Erweiterung  und  Verbesserung
bestehender,  sondern  nm  die  Schaffung  ganz  neuer
Werksaidagen  handelt,  vollends,  wenn  damit  der  IVbergang
  zu  einem  neuen  Beruf  eifolgt.  Die  Formänderung ­
  der  Lebensgenusskurve  zeigt  dann,  wie  bei  diesem
Individuum  das  früher  nicht  etfektive  Angebot  des  Produktes ­
  oder  die  Nachfrage  nach  dem  Ililfsstotfe  etfektiv
  werden.
Nicht  selten  trägt  gerade  der  ansehnliche  Nutzen,
den  eine  günstige  Konjunktur  gewährt,  dazu  bei,  den
I  nternchmer  lässig  zu  machen  und  ihm  eine  übertriebene ­
  Scheu  vor  jeder  Aenderung,  also  auch  vor
neuen  Investitionen,  einzutlössen.  Tritt  dann  eine  ungünstige ­
  Konjunktur  ein,  so  kommt  es  vor,  dass  der
I  nternehmer,  statt  seinen  Betrieb  einzusehränken,  neue
Investitionen  maeht,  um  durch  die  wolfeilerc  Erzeugung ­
  oder  Verarbeitung  grösserer  Klengen  konkurrenzfähig ­
  zu  bleiben.  I  nter  dem  Einfluss  des  geschmälerten
Einkommens  steigt  nämlich  die  individuelle  NVerthsehätzung
  des  Oeldes,  so  dass  die  Form  der  Lebens-
        <pb n="296" />
        2t&amp;gt;4

^emisHkiirvc  sicli  ändert  und  da1)ci  naincntlicli  für
»Tössere  Mengen  eines  Produktes  oder  lliltsstottes
neue  Konsum-  und  Produktkombinationen  zum  Vorseliein
  kommen,  die  frülier  l)ei  günstiger  Konjunktur
unbeaelitet  l)lieben.  So  ist  es  eine  iläufige  Folge  der
dureil  einen  Zollscliutz  geseliaffenen,  günstigen  Konjunktur, ­
  dass  in  der  betreffenden  Industrie  kostsjiielige
Verbesserungen  unterlassen  und  erst  dann  nacbgebolt
werden,  wenn  dureb  Herabsetzung  des  Zolles  eine
sclileebte  Konjunktur  eingetreten  ist.
Selbstverständlicb  haben  entgegengesetzte  ürsaelien
  aueb  gegentbeilige  Wirkungen.  So  wird,  z.  H.
wenn  ein  Unternehmer  seine  der  Produktion  des  Artikels ­
  A  gewidmete  Werksanlage  ganz  auflöst,  der
linke  Ast  seiner  Lebensgenusskurve  und  mit  ihm  die
Kosten-  und  Angebotskurve  gleieli  vom  Anfänge  an
steiler  werden,  ganz  so,  wie  sie  in  Folge  der  Erriebtung
  oder  Erweiterung  solcher  Anlagen  einen
dacberen  Verlauf  annebmen.  Endlich  machen  sieb
alle  hier  besjiroebenen  Aenderungen  einer  einzelnen
Kosten-  und  Nützlicbkeitskurve  auch  in  den  Gesammtkurven
  geltend.
        <pb n="297" />
        \

T

Das  VojTatli  haltende  Imlividimm.
        <pb n="298" />
        Die  Spekulation.

50.  Der  EiiifluNs  eines  Aiifangsvorrathes.
Wir  luil)eii  bMicr  immer  angenommen,  dass  das
betraelitete  Individuum  von  dem  Artikel  A  keinerlei
Selilussvorrath  halte  und  auch  keinerlei  Anfangsvorrath
  von  demselben  besitze,  und  wollen  nun  znnäehst
diese  letztere  Voraussetzung  fallen  lassen  und  den
Kintluss  eines  Anfangsvorratbes  besprechen.
Sei  in  Fig.  54  die  schwarz  gezeichnete  Kurve
.7a.7»  die  auf  den  Artikel  A  bezogene,  den  bisherigen
Voraussetzungen  entsprechende  Lebensgenusskurve,
und  nehmen  wir  ferner  an,  dass  durch  den  Besitz
eines  Anfangsvorrathes  a  von  A,  den  das  Individuum,
z.  B.  zum  Geschenk,  erhalten  hätte,  in  dessen  sonstigem ­
  Besitz,  sowie  in  seinen  persönlichen  Eigenschaften
keinerlei  Aenderung  eintrete.  Es  ist  dann  klar,  dass
der  Lebensgenuss,  der  dem  Individuum  durch  eine
bestimmte  Konsum-  und  Broduktkomhination,  hei  der
es  von  dem  Artikel  A  die  Menge  v  verbraucht  und
die  Menge  e  erzeugt,  geboten  wird,  durch  den  Besitz
des  Anfangsvorrathes  a  gar  nicht  beeinflusst  werden
kann.  Dagegen  bringt  es  dieser  Besitz  mit  sich,  dass
nun  nicht  der  ganze  I  cherschuss  (v  —  c)  des  Verbrauches ­
  ül)er  die  eigene  Erzeugung,  sondern  nur  die
        <pb n="299" />
        2Ü8

kleinere  (v  —  c  —  a)  anziikauten  ist,  oder  dass
inn^ekelirt  nielit  Idoss  der  Ueberseliuss  (e  —  v)  der
Krzeu^img*  über  den  eigenen  Verbraneli,  sondern  die
Fig.  54.

ffn,

grössere  Alende  (e-v-\-a)  verkauft  werden  kann.
Es  ist  also  nun  die  An-  oder  Verkaufsinen^e
X  =  V  —  ß  —
wälirend  bisher  x  =  (v  —  e)  war.  Nun  werden  aber
durch  die  Abszissen  der  Eebens^enusskurve  //„//„
eben  diese  letzteren  Mengen  an^e^eben,  und  wir
müssen  daher  jede  Ordinate  dieser  Kurve  um  die
den  Anfang-svorratb  a  bezeiebnende  Eän^e  (Ja  nach
links  versebiel)cn,  wenn  wir  den  Lebensgenuss,  auch
        <pb n="300" />
        jetzt  —  mit  l^crücksicliti^’Uii«!^  des  Anfaii^svorratlies
—  wieder  auf  An-  oder  Verkanfsmen^en  tmzow-en,  dar-Htellen
  wollen.  Wir  erhalten  so  die  nun  geltende,  in
unserer  Figur  roth  gezeichnete  Lehensgennssknrve
OatOn,'  I"  derselben  steht  die  der  früheren  Anfangsordinate ­
  Oh  gleiche  Ordinate  aß^  welche  den  Lebensgenuss ­
  hei  V  =  e,  also  hei  einem  der  gleichzeitigen
Frzeiigung  gerade  gleichen  Verbrauche,  angiht,  über
der  negativen  Abszisse  0«,  während  die  über  dem
Null})unkte  stehende  Ordinate  Oòy  die  ohne  Kauf  und
Verkauf  erreichbare  Anfangshefriedigung  hezeichuet,
welche  nun  durch  einen  die  gleichzeitige  Frzeiigung
gerade  um  a  übersteigenden  Verbrauch  erzielt  wird.
Schieben  wir  die  Kurve  ßa,9n,  die  Ordinate  Oh¡
herab,  so  erhalten  wir  die  ebenfalls  roth  gezeichnete
Kurve  a,Orij^  deren  Ordinaten  rechts  die  Nützlichkeit
jeder  Ankanfsmenge,  links  die  Kosten  jeder  Verkaufsmenge ­
  angehen;  es  ist  dies  also  die  Kosten-  und
Nützlichkeitskurve  des  Verkaufes  und  Ankaufes,  während ­
  die  schwarz  gezeichnete  Kurve  aOn  nach  wie
vor  die  Kosten  der  Produktion  und  die  Nützlichkeit
der  Konsumtion  darstcllt.  Demgemäss  ist  die  ebenfalls ­
  roth  gezeichnete  Abgeleitete  a,On',  der  Kurve
Ha,9n,  (»der  a,On,  zugleich  die  Angebots-  und  Nachfragekurve ­
  des  mit  dem  Anfangsvorrathe  a  ausgerüsteten ­
  Individuums,  und  ihr  Schnittpunkt  mit  der  jeweilig
geltenden  Preislinie  1*0P  heniisst  durch  seinen  Vertikalahstand
  von  der  rothen  Lehensgenusskurve  die
Befriedigung.  Diese  ist  in  Folge  des  Besitzes  des
Anfangsvorrathes  a  hei  jedem  Preise  tui)-  um  aUj  9
        <pb n="301" />
        i^Tösser  als  vordem,  wo  sie  dureli  den  Vertikalabstand
der  seil  Warzen  Lebens^-ennssknrve  von  ihrer  Abgeleiteten ­
  dOn  beim  Sebnitt¡mnkte  der  letzteren  mit  derselben ­
  Preislinie  POP  an(fe^eben  war.  Es  haben
nämlieb  vermöge  der  vor&amp;lt;2,enommenen  Versebiebnn^'
die  Punkte  »leieber  Tan^entialriebtun^-  in  der  rotben
und  sebwarzen  Lebens^enusskurve  aueb  ^leiebe  Ordinaten,
  nur  liefen  die  betrettenden  Punkte  in  der
rotben  Kurve  um  a  weiter  links;  der  Vertikalabstand
der  Eelmns^enusskurve  von  dem  Sebnittpunkte  ibrer
Abgeleiteten  mit  der  Preislinie  muss  daher  bei  der
rotben  Kurve  um  atf)  ih  grösser  sein  nls  bei  der
sebwarzen.  Der  Sebnittjuinkt  der  sebwarzen  Ab&amp;lt;&amp;gt;eleiteten
  dOn  mit  der  Preisliuie  bemisst  nach  wie
vor  die  riebti^e  Alende  (v  —  bzw.  (e  —  v)^  um
welebe  der  Verbiaueb  die  Erzeu^^un«^'  iiberstei&amp;lt;;t  oder
liinter  derselben  zurüekbleibt,  und  diese  Men&amp;lt;»-e  bleibt
von  der  Urösse  des  Anfangs  vor  ratbes  ^ünzlieb  unberührt; ­
  der  Vertikalabstand  dieses  Selmittpunktes  von
der  Kurve  aOn,  bezeiebnet  wieder  den  Nutzen  der
Komsumtion  oder  Produktion  eben  dieser  Alende.  Dass
dieser  Nutzen  sieb  dureb  den  Pesitz  eines  \Orratbes
a  niebt  ändert,  obwol,  wie.  wir  gesehen  haben,  die
täktisebe  PetViedio-uno-  dureb  diesen  Pesitz  um  at(j  ih
¿»•estie^en  ist,  erhellt  daraus,  dass  wir,  um  diesen
Nutzen  zu  ermitteln,  beidemale  die  täktisebe  Pefriedi^un^'
  mit  jener  vergleichen  müssen,  welebe  bei  v  =  e,
also  dann  erreicht  wird,  wenn  die  Erzeugun^-  dem
Verbrauebe  gerade  ^leieb  kommt.  Diese  Pet‘riedi&amp;lt;^un”’
ist  aber  in  dem  einen  Ealle  während  sie  in  dem
        <pb n="302" />
        —  271  —

Falle,  (la88  ein  Verra  th  a  vorhanden  ist,  der  znni
Preise  verkauft  werden  kann,  nicht  durch  aß  =  OA,
sondern  durch  den  Vertikalahstand  /i  des  Punktes/?
von  der  Preislinie  bemessen  wird,  und  dieser  Abstand
ist  nin  «/?,  also  inn  den  Betrag  grösser.  Was
endlich  den  Vertikalahstand  der  rothen  Kurven  a,On,
und  a'jOn'j  aid)elangt,  so  bezeichnet  derselbe  den
Nutzen  des  Ankaufes  oder  Verkaufes  der  durch
die  Abszisse  angegebenen  Menf»e;  denn  er  stellt  immer
den  IJehersehuss  der  faktischen  Befriedigung',  d.  i.  des
\  ertikalahstandes  der  Kurven  und  a/Jn'j  Uber
die  ohne  Kauf  oder  Verkauf  von  A  erreichbare  Anfan^'shefriedi^'un^'
  Oh,  dar.
,le  grösser  der  Anfan^svorrath  a  ist,  desto  mehr
riiekt  die  nrspriin^liche  Kurve  //„//,,  uueh  links,  desto
flacher  wird  also  die  neue  Lehensficnnsskurve  ga,iJn,  iu  i
ihrem  I  lurch^an^'  durch  die  Ordinatenachse,  und  desto
mehr  nimmt  daher  die  Nachfrage  des  Individuums  nach
dem  Artikel  A  ah,  sein  Angebot  aber  zu.  Das  (íe^enthcil
  würde  eintreten,  wenn  das  Individuum  sich  ver-¡»tliehtet
  hätte,  im  laufenden  Jahre  eine  gewisse  Mcn^e  a
von  A  an  andere  Personen  ahzu^ehen;  diese  Alende  ist
dann  als  ein  negativer  Anfan^svorrath  anzusehen,  und
die  ursprüngliche  Kurve  //„(/„  wäre  dann  um  eben  so
viel  statt  nach  links  nun  nach  rechts  zu  verschieben.
()0.  Die  Haltung?  eines  Schliissvornithes.
Die  in  Fijr.  54  roth  {gezeichnete  Lebens&amp;lt;çenussknrve
  trä{»t  zwar  dem  Vorhandensein  eines  Anfanj^s-
        <pb n="303" />
        vorratlics  a  Rcc1mim^\  l)cni1it  aber  docli  immer  iioeb
auf  (1er  l)is  mm  fest  ^elialteueu  Voraussetzuui»-,  dass
jeder  Ankauf  des  Artikels  A  mir  zur  Deckuu»-  des
laufeudeii  Bedarfes  erfolo-e,  oder  dass  das  ^auze,  aus
der  diesjährigen  Erzeugung',  so  wie  aus  dem  Aufauosvorratlie
  stammende  Quantum,  so  weit  es  nicht  seihst
verhraucht  wird,  zu  jMarkte  g-ehra(dit  wird.  Nun  kann
aber  in  der  Be^el  am  Beginne  eines  Jahres  nur  daun
ein  Vorrath  vorhanden  sein,  wenn  das  Individuum  im
Vhujahre  einen  Schlnssvorratli  desselben  Artikels  an-^esammelt
  hat,  und  dies  kann  wieder  nur  dann  geschehen, ­
  wenn  ein  Theil  der  Ankanfsmenge  nicht  konsnmirt
  oder  ein  Theil  der  (lisi)onihlen  Brodnktmenge
nicht  verkauft,  sondern  zur  Vorratlishildnng  verwendet
wurde.  Nebst  allen  anderen,  mannigfaltigen  Verwendnngsarten
  eines  Artikels  A  kommt  also  nun  auch  noch
jene  zur  Bildung  eines  Schlnssvorrathes  in  Betracht.
Während  nämlich  schon  bisher  hei  jeder  bestimmten
An-  oder  Verkanfsmenge  x  =  (v  —  e  —  a)  viel  oder
wenig  konsnmirt  und  ])rodnzirt  werden  konnte,  tritt
nun  zu  Verbrauch  und  11  erstellnng  auch  noch  die
Spekulation  hinzu,  indem  ein  Schluss  vor  rath  .s-  gehalten
wird,  und  auch  dieser  kann  hei  gleichhleihender  Anoder ­
  Verkanfsmenge  a",  die  nun  =  (v  —  c  —  a  -h  .s)
ist,  gross  oder  klein  sein,  je  nachdem  der  Konsum
mehr  oder  weniger  eingeschränkt  oder  die  Produktion
mehr  oder  weniger  ausgedehnt  wird.  Selbstverständlich ­
  kann  unter  allen  nun  noch  zahlreieheren,  mögliehen
  Kombinationen  eine  solche,  welche  einen  Sehlnssvorrath
  mit  sieh  bringt,  nur  dann  als  die  vortheil-
        <pb n="304" />
        273

liîifteste  ersclieinen,  wenn  der  Besitz  dieses  Vorratlies
dem  Individnnm  inelir  HefViedijiiin«»’  «»’ewälirt,  als  wenn
es  die  Meiii»e  .&amp;lt;?  zur  \  ennelirnn^  seines  Verbraiielies
oder  zur  Minderung'  seiner  Produktion  verwenden
wollte.  1  )er  Besitz  eines  \  orratlies,  der  dein  Konsuine
entzogen  ist,  der  meist  aueli  noch,  wenn  er  nicht  in
seiner  Suhstanz  leiden  soll,  Mühe  und  Sorgfalt  erfordert, ­
  kann  aber  eine  Erhöhung  der  Befriedigung"  nur
dadurch  hervorrufen,  dass  er  eine  Aufbesserung  der
sehliesslichen  Vermö&amp;lt;&amp;gt;ensinventur  bewirkt.  Eine  solche
Aufbesserung"  wird  jedoch  das  Individuum  nur  dann
richtig  zu  schätzen  wissen,  wenn  es  sieh  eine  Vorstellung ­
  von  dem  Betrage  machen  kann,  den  es  im
nächsten  Jahre  durch  den  Verkauf  des  Vorratlies  erlösen ­
  oder  durch  einen  gleich  grossen  Minderankauf
ersparen  wird.  Für  die  Bewerthun^"  eines  Sehlussvorrathes
  .v,  der  im  laufenden  Jahre  nicht  mehr  verwendet ­
  wird,  so  dass  der  ^e^enwärti^e  Breis  tgih
iiieht  mehr  massgebend  sein  kann,  muss  daher  dem
Individuum  jener  Breis  bekannt  sein,  den  es  für  das
nächste  Jahr  erwarten  zu  können  glaubt.  Eine  Annahim*
  in  dieser  Hinsicht  ist  die  unerlässliche  Voraussetzung" ­
  jeder  Sjiekulation,  und  nur  eine  solche  kann
zu  dem  Entsehluss  führen,  einen  Vorrath  von  hestimmtem
  Ausmasse  zu  halten;  so  ist  es  auch  schon
eine  S])ekulation,  und  zwar  auf  höhere  Preise,  wenn
jemand  jahraus,  jahrein  ständige  Vorräthe  hält,  um
von  Störungen  im  Bezüge  seiner  Eonsunitions-  oder
Broduktionserfordernisse  iinahhän^i^  zu  sein,  oder  um
einer  dringenden  Nachfrage  nach  den  eigenen  Bro-Auspitz
  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.  18
        <pb n="305" />
        274

(lukten  ciits])re(*lK‘ii  zu  kiniiieii.  l  ebri^Tus  lässt  sicli
die  neue  Venveuduii&amp;lt;&amp;gt;-  des  Artikels  A  zur  Hilduiij*-  eines
Seldussvurrutlies  zuj*leieli  aueli  als  die  Herstellung
eines  neuen  Artikels  „Artikel  yl  für  künftige  \  erwendun^’“
  anselien,  und  es  ist  daher  be&amp;lt;»reiflieli,  dass
der  Preis  dieses  neuen  Artikels,  d.  i.  der  künftige
Preis  des  Artikels  yl,  dein  Individuum,  welelies  für
jede  An-  oder  \'erkaufsinen»e  von  yl  die  zweekinässij*ste
  Koiubination  seiner  ganzen  Konsumtion  und
Produktion  zu  ermitteln  liât,  ebenso,  wenigstens  in
seiner  V’orstellung',  bekannt  sein  muss,  wie  die  Preise
aller  übrigen  Artikel.
Sei  nun  U/t  dieser  von  dem  s])ekulirenden  Individuum ­
  erwartete,  künftige  Preis,  so  wird  doeb  die
mit  dem  besitze  des  Selilussvorratlies  verbundene  Aufbesserung- ­
  der  \  ermö^ensinventur  niemals  dem  vollen
Petra^e  s*^/Ç  "leiebkommen,  weil  selbst,  abgesehen
von  baren  Aufbewabrunj&amp;gt;skosten,  La^erzins,  Assekuranz
u.  (1^1.,  doeb  jedesfalls  der  Umstand  in’s  (lewiebt  fällt,
dass  der  Betraj*-  uiebt  als  Bargeld,  sondern  nur
als  „künftiges  (leid“*  in  der  diesjäbrij»-en  \  ermö^ensinventur
  ersebeinen  kann.  Die  Veranseblaj&amp;gt;un&amp;lt;»-  jedes
solebeii,  künftigen  Geldbetrages  bleibt  aber  immer
hinter  dem  Nominalbeträge  zurüek,  und  bän^t  von
dem  Uälli^keitstermine  und  von  dem  Risiko  der  uiebt
vollen  llealisiruu^-  ab.
Was  zunächst  den  Fälli{^keitstermin  anbelan^t,
so  müssen  Avir  uns  darüber  klar  Averden,  dass  Avir
bisher  immer  eine  Schmälerung-  oder  Erhöhung  der
schliesslichen  A^ermögensinventur  gerade  um  den  Auf-
        <pb n="306" />
        275

wand  tur  die  au^ekauftc  Meii&amp;lt;&amp;gt;*e  oder  um  den  Erlös
der  verkauften  Meu^e  des  Artikels  A  aii^-euomineii
haben.  Würden  nun  die  Zahlungen  je  nach  Einständen ­
  schon  am  Beginne  oder  im  Laufe  des  Jahres
erfolgen,  so  müssten  jedesmal  auch  die  Zinsen  von
dem  Zeit|)unkte  der  Zahlung*  bis  zum  Jahresschluss

in  Heehnung^  gestellt  werden.  Der  Einfachheit  wegen
enijitiehlt  es  sich  daher,  anzunehmen,  dass,  wann  immer ­
  auch  die  Lieferung  der  für  das  betrachtete  Jahr
gekauften  oder  verkauften  Mengen  erfolge,  der  Preis
Htets  als  am  Jahresschluss  zahlbar  verstanden  sei,  und
ist  es  zweckmässig,  diese  Annahme  durchwegs  festzuhalten. ­
  Der  erwähnte  Zukunftsbetrag  ist  also
trühestens  —  wenn  nämlich  die  Realisirung  des
ganzen  Vorrathes  schon  im  nächsten  Jahre  zu  gewärtigen ­
  ist  —  am  Schlüsse  des  nächsten  Jahres
tällig,  so  dass  derselbe,  selbst  abgesehen  von  jedem
Risiko,  jedesfalls  nur  um  die  mindestens  einjährigen
Zinsen  reduzirt,  in  der  Vermögensinventur  erscheinen
kann.  Schon  dieser  Zinsenverlust  wird  mit  wachsender ­

  (irösse  des  Spekulationsvorrathes  s,  zumeist  wenig-Htens
  von  einer  gewissen  (Lenze  ab,  mehr  als  )u*o-])ortional
  steigen,  die  Veranschlagung  für  die  Verluögensinventur
  also  schon  aus  diesem  (iruude  mit
Wachsender  (irösse  des  Vorrathes  weniger  als  proportional
  zunehmen.  Noch  mehr  gilt  dies  aber  im
Hinblick  auf  das  mit  jeder  Aufbewahrung  verbundene
Hisiko,  dass  der  betretfende  Vorrath  mittlerweile  verloren, ­
  zerstört,  beschädigt  oder  in  seiner  (Qualität  beeinträchtigt ­
  werden  könnte.  Dazu  kommt  noch  das
18*
        <pb n="307" />
        27(3

weitere,  vou  jedem  Sj)ekulauteii  sehr  wo]  zu  l)eaeliteiule
  und  mit  der  Urosse  seiner  S])ekulatiou  raseli
waehseude  Risiko,  dass  er  l)ei  der  Kealisiruuo'  seines
Vorratiies  den  erwarteten  Preis  nieiit  voll  erreichen
werde,  und  zwar  schon  darum  nicht,  weil  im  nächsten
Jahre  seine  eigene  Nachfrage  um  so  o'erin&amp;lt;»er  und
sein  An^ehot  um  so  grösser,  dadurch  also  auch  der
Marktpreis  um  so  ^edinekter  sein  wird,  je  &amp;lt;&amp;gt;Tösser  in
Fol^e  der  S])ek(dation  sein  Anfan^svorrath  dann  ist.
Alle  diese  Umstände  vereinigen  sich  mit  der  hei
steifender  (jirösse  des  Schlussvorrathes  zunehmenden
Mühe  und  Sorfc  um  seine  unversehrte  Aufhewahrnuf,
und  hriiifen  es  mit  sich,  dass  seihst,  wenn  das  hetrachtete
  Individuum  den  Artikel  à  weder  konsumiren,
noch  ])roduziren  würde,  also  nur  ein  Vorrathsliändler
wäre,  seine  auf  den  Artikel  A  hezofene  Lehensfenussknrve
  doch,  wie  (Fif.  55),  konkav  verlaufen
würde.  Dieselhe  hefinnt  links  vom  Xidlpunkte  üher
der  den  Antäufsvorrath  a  aiifehenden  Abszisse  (ht
mit  der  Ordinate  «/y„,  welche  den  Uehensfamuss  hei
Ausschluss  von  /l,  also  die  Hefriedifunf  hei  unentfeltlicher
  Wcffahe  des  f  a  uzen  Antänfsvorratlies  o,
hezeichnet;  die  Kurve  verläuft  zuerst  ansteifend  und,
nachdem  sie,  wenn  auch  wol  erst  in  sehr  frosser  Fntfernmif,
  rechts  von  der  Ordinatenachse  einen  Scheitel
erreicht  hat,  wieder  ahsteifend.  Fs  wird  nämlich  immer ­
  eine  gewisse,  wenn  auch  sehr  weit  festreckte
Orenze  fehen,  üher  welche  hinaus  das  Individuum
seinen  Spekulationsvorrath  wefcn  der  mit  der  Aufbewahruiif
  verbundenen  Helästifuiif  und  Mühe  nur
        <pb n="308" />
        277

cine  Aufzaliliiii«»-  auwdeliiieii  würde.  Die  Kurve
öaOni  die  Aiitau^’sbefriedi^iin«:  Oh  lieral)f»‘e8eliid)eii,
^ibt  die  Kurve  aOn^  welelie  links  die  bei  einem  &amp;lt;ränzlieben
  oder  tbeilweisen  Verkaufe  des  Anfan^svorratbes
in  Anselda^  zu  bringenden  Sell)stkosten,  reelits  die
Fig.  55.

E

Nützlielikeit  einer  Vennelirun^  des  Vorratlies  dnreb
Ankauf  darstellt.  Die  Abgeleitete  a  ()n  ^  die  ebenso,
wie  die  Kostenknrve,  vertikal  unter  dem  Punkte
und  zwar  in  abbriebt,  ist  zu^leieb  die  An^ebotsund
  Xaebfra^ekurve  des  blossen  Vorratbsbändlers.  Die
Hiebtunj»-  des  ersten  Kadiusvektors  Od  bezeichnet
        <pb n="309" />
        278

jenen  liöehsten  Preis  bei  dem  eine  spekulative
Vorratlislialtiing  mir  eben  noeli  mü^licb  bleibt,  so
dass,  wenn  der  gegenwärtig"  geltende  Marktjireis  tfiih
böber  steigt,  gar  kein  Seblussvorratb  inebr  gebalten
werden  kann,  sondern  der  ganze  Antangsvorratb  verkauft ­
  wird.  Der  Preis  07^,  muss  also  mindestens  um
die  einjäbrigen  Zinsen  und  die  etwaigen  baren  Aufbewahrungskosten ­
  niedriger  sein  als  der  Zukunfts-])reis
  tgt^  und  es  ist  klar,  dass,  wenn  das  Individuum
über  letzteren  Preis  keine  bestimmte  Meinung  und
daher  aueb  keinen  Grund  hätte,  tgt  böber  oder  niederer ­
  als  tgth  anzunebmen,  kein  Seblussvorratb  gehalten ­
  werden  könnte.
()1.  Der  VoiTatlisliaiidel.
Kehren  wir  nun  wieder  zu  dem  allgemeinen  Falle
eines  Individuums,  welelies  den  Artikel  A  konsumirt
und  produzirt,  zurüek,  und  sei  die  durebaus  schwarz
gezeicbnete  Kurve  g^g^  (Fig.  5b  a  oder  b)  die  dem
Vorhandensein  eines  Anfangsvorratbes  a  Heelinung  tragende ­
  Lebensgenusskurve  dieselbe,  wie  g„g/„,  (Fig.  54).
Diese  Kurve  wird,  sobald  das  Individuum  einen  bestimmten, ­
  künftigen  Preis  fgll,  von  A  erwartet  und
daher  aueb  als  Sjiekulant  —  als  Vorratbshändler  —
auftritt,  eine  Formänderung  erfahren,  indem  sie  von
einem  gewissen  Punkte  y  ab  den  höheren,  rotb  gezeichneten ­
  Verlauf  yg„^  annimmt  und  aueb  erst  viel
weiter  rechts  ihren  Scheitel  erreicht.  Dass  beide
Lebensgenusskurven  von  links  her  bis  zum  Punkte  y
        <pb n="310" />
        279

zusaiiiinenlaufen,  rührt  daher,  dass  na  türlieh  auch  bei
ergebenen!  Ziikiiiiftspreise  tgt,  doeli  kein  Sehlnssvorratli
  gehalten  werden  wird,  so  lan^e  nocli  jeder
Minderverkant’  oder  Melirankaiif  vortlieilhafter  zur
Einseliränknnj»  der  Produktion  und  Stei^ernn^^-  der

Fiff.  56  a.

9n

B

n,

Konsumtion  als  zur  Vorrathsbildnn^  verwendet  werden
kann.  Der  Maxinial])reis  für  die  Vorrathshaltnn^
der,  wie  oben  erwähnt,  niederer  als  tyX&amp;gt;  wein  muss,
erscheint  in  der  Kiehtinif»-  der  ersten,  geraden  Strecke
des  rothen  Knrvenzwei^es  die  sieh,  im  Punkte  y
tan^irend,  an  die  Kurve  g^Qn  ansehliesst.  Die  er-
        <pb n="311" />
        wähnte  gerade  Streeke  wird  oft,  wie  yy¡  in  unserer
Fi»-iir,  eine  anselndiehe  Län&amp;lt;i,*enansdelmnn{4-  aufweisen,
weil  die  8i)ekulation  ^liilie  und  Aufmerksamkeit  erfordert, ­
  der  sieh  die  meisten  nieht  um  ^eriu^er  ^len^en
willen  unterziehen  werden,  de  niedriger  der  für  das
nächste  Jahr  erwartete  Preis  fy'Ç  ist,  desto  Hacher
muss  auch  0I\  verlaufen,  und  desto  weiter  rechts

lie^'t  daher  der  Punkt  y;  unsere  Fi^ur  5da  beruht

Preises  als  jene  5Gh.
Die  Fehens^eniisskurve  ^iht,  um  ihre  Anfan^'sordinate
  herahgeschoben,  die  hei  dem  jeweilig'  ^e-«••ehenen
  Zukunfts])reise  t/jt  geltende  Kosten-  und  Xiitzlichkeitskurve
  aiOn^  (Fi^\  5  G  a)  oder  aOui  (Fij»-.  5G  h)
des  besprochenen,  Vorrath  haltenden  und  zugleich  j&amp;gt;ro-Fiíç.

  56  b.

also  auf  der  Frwartuu^'  eines  viel  höheren  Zukunfts-
        <pb n="312" />
        281

(luzireiidoîi  Koiisiinu'iitoii.  Dieselbe  ist  in  Fi&amp;lt;^.  56  a
j»’anz  rotli  ^ezeiebnet  und  lie^t  links  tiefer,  und  zwar
links  von  y  dnrebans  um  den  I  ntersebied  der  Anfan&amp;lt;rsordinaten
  Oh  und  Ohj  tiefer,  reebts  aber  liöber  als
die  sebwarz  ^ezeiebnete,  bei  unbekanntem  tffZ  geltende
Kosten-  und  Xiitzliebkeitsknrve  aOn.  In  Fi«»-.  56  b
bleibt  da^e^en  die  letztere  Kurve  von  links  ber  bis
zu  dem  vertikal  unter  y  liegenden  Funkte  in  Ueltun^,
und  die  bei  dem  j^e^ebenen,  niedrigeren  Zukunftspreise ­
  geltende  Xiitzliebkeitsknrve  On,  zweigt
erst  von  liier  —  rotb  ^ezeiebnet  —  ab.  Aueb  die
Abgeleitete  d  On,  der  Kurve  die  Angebots-  und
Xaebfra^ekurve  des  Vorratbsbändlers,  ist,  so  weit  sie
sieb  von  jener  d  On  des  niebt  s]iekulirenden  Individuums
unterscbeidet,  das  ist  reebts  von  dem  unter  y  liegenden
Funkte  y\  rotb  ^ezeiebnet.  Diese  Kurve  verläuft  in
Fi^.  56  a  zw  i  sell  en  y  und  dem  Xulljiunkte  sebnenarti^'
unter  der  schwarzen  Abgeleiteten  und  erst  reebts  vom
Xulljmnkte  über  derselben.  Der  Sebnittjmnkt  der  jeweilig- ­
  geltenden  Freislinie  mit  der  d  Orí,  bezeiebnet
dureb  seine  jiositive  oder  ne^fative  Abszisse  die  g-anze
An-  oder  Verkaufsmen^e  ic  =  (v  —  e  —  a  -f  .ç);  die
Hetriedi^un^  ersebeint  aueb  liier  wieder  in  dem  Vertikalabstande ­
  der  Lebensf»enusskurve  der  Xutzen
des  Ankaufes  oder  \  erkaufes  aber  in  jenem  der  Kostenund

  Xützliebkeitskurve  a,On,  —  oder  in  Fi{^.  56b
aOn,  —  von  dem  ^cdaebten  Selinittpunkte.  Lie^t  der
Selinittjiunkt  links  von  y\  so  wird  kein  Selilussvorratli
  s  ^ebalten,  lie^t  er  reebts  von  y\  aber  noeb
links  vom  Xullpunkte  (Fi^-.  56  a),  so  wird  nur  ein
        <pb n="313" />
        ^82

Tlieil  (les  vevtii^bareii  l’roduktes  verkauft,  der  Kest
aber  als  Sebhissvorratli  zurück^-ebalteii;  lie^t  er  zwar
rechts  vom  Xidlpimkte,  aber  links  von  ;/  (Fi«:.  56  b),
so  beschränkt  sieb  der  Znkanf  auf  die  Deckung-  des
eigenen  Bedarfes,  während,  wenn  der  Scbnitt]nmkt
rechts  von  /  und  auch  rechts  vom  Nnll])nnkte  fällt,
noch  über  den  eigenen  Bedarf  für  die  Vorrathshildnnj»-gekauft
  wird.  Die  (irösse  des  jeweilig-  zu  haltenden
Schlnssvorrathes  s  ist  im  übrigen  in  der  Fi^nr  ebensowenig“ ­
  ersichtlich,  wie  jene  des  Verbrauches  v  oder
der  Frzen«nn^“  e.  Die  Fi^nr  zei^t  zwar,  um  wie  viel
mehr  hei  jedem  Preise  gekauft,  oder  um  wie  viel
weniger  verkauft  wird,  als  wenn  die  Haltung  eines
Schlnssvorrathes  ausgeschlossen  wäre,  doch  braucht
diese  Menj*e  nicht  mit  dem  Schlnssvorrathe  nhereinznstimmen,
  da  es  das  Individuum  vortheilhafter  tinden
kann,  nun  auch  von  seiner  früheren  Produktion  und
Konsumtion  ahzn^ehen.
Die  Nützlichkeitsknrve  On¡  und  ebenso  die  Kostenknrve
  Oa¡  oder/Dt  (Fi«“.  56  a  oder  h)  eines  Vorrathshändlers ­
  oder  iiherhau]&amp;gt;t  eines  s])eknlirenden  Individuums, ­
  das  also  einen  bestimmten  Znknnfts))reis
des  Artikels  yl  erwartet,  kann  «anz  wol  mit  den  analogen ­
  Finzel  kurven  der  anderen  Individuen,  «leichviel
oh  diese  auch  spekuliren  oder  nicht,  zu  je  einer  (iesammtkurve
  komhinirt  werden.  Drehen  wir  die  hei
dieser  Kombination  links  vom  Nullpunkte  erhaltene  (xesammtkostenkurve
  um  180°,  so  steht  sie  in  gewohnter
Weise  der  (íesaimutuützlichkeitskurve  o“e^(‘idiher,  und
der  Schnitt  der  Abgeleiteten  dieser  beiden  Kurven  he-
        <pb n="314" />
        283

stimmt  (leu  l’reis  tg  íí-  und  den  Gesammtahsatz.  Der
\  ertikalabstand  dieses  Sclinittpnnktes  von  der  Gesamintnützliclikeits-,
  bzw.  Gesainmtkostenknrve,  bezeielmet
  den  Nutzen,  den  alle  Käufer  von  A  zusammen
dnreb  den  Ankauf  und  alle  V  erkäufer  dnreb  den  \  erkauf ­
  erzielen,  während  der  Vertikalabstand  dieser
beiden  Kurven  beim  Sebnitt])unkte  den  Gemeinnützen
an^ibt,  der,  ans  Kant  und  \  erkauf  znsammen^enommen,
  fiir  die  Gesammtbeit  erwächst.  Wir  müssen  aber
beaebten,  dass  nun,  naebdem  wir  bei  den  Einzelnen
das  Vorhandensein  wechselnder  Vorrätbe  nicht  mehr
anssebliessen,  eben  bierdnreb  die  nrs)n  nn^licb  (1)  ^einacbte
  Voraussetzung',  dass  die  Ea^er  und  Vorrätbe
stets  auf  gleicher  Höbe  bleiben,  fallen  gelassen  ist.
Daher  kann  nun  ancli  bei  der  Gesammtbeit  der  Absatz ­
  mit  der  Jabresjn'odukt-  und  Konsnmmen^e  nicht
inebr  idcntitizirt  werden.  Ebenso  bat  der  Ankanfsnnd
  Verkanfsnntzen,  der  früher  mit  dem  Konsnmtionsnnd
  l'rodnktionsnntzen  znsammentiel,  nun  eine  allgemeinere ­
  Hedentnn«»',  indem  er  den  ans  dem  Vorratbsbandel
  erwachsenden  Nutzen  mit  umfasst,  und
dies  j*ilt  nunmehr  aneli  von  dem  Gmneinniitzen.
Endlich  sehen  wir  ans  Fi«»‘.  bb  a  und  b,  dass,  je
liöber  der  Znknnftspreis  fgt  ist,  den  ein  bestimmtes
Individuum  erwartet,  desto  höher  aneb  seine  Naebtra^ekurve
  verläuft,.  während  in  der  An^ebotsknrve
(1er  Punkt  y,  bis  zu  welchem  die  rotbe  Abgeleitete
tiefer  lie^t  als  die  schwarze,  immer  mehr  nach  links
rückt;  es  wird  also  auch  die  An^(  botsknrve,  wenn
wir  sie  um  180*’  drehen,  in  einer  um  so  längeren
        <pb n="315" />
        284

Strecke  liölier  liefen.  Der  Kiiiftiiss,  den  der  erwartete,
liöhere  Zukunftsjnvis  auf  die  Form  der  Einzelkiirven
ausübt,  maebt  sieb  in  analoger  Weise  aueb  liei  den
(iesannntknrven  in  dem  Sinne  geltend,  dass  die  dureb
deren  Verlauf  bestimmte  l’reislinie  steiler  wird.  Es
wird  also  der  ^e^enwärti^-  ^eltemb^  Marktpreis  ^an%
bej&amp;gt;reiflieber  Weise,  wie  schon  (14)  erwähnt,  steifen,
wenn  Einer  oder  Mehrere  auf  einen  höheren  Znkunfts-])reis
  s])eknliren  und  demgemäss  bandeln.  Anderseits
ist  es  klar,  dass  grosse,  von  S])ekulanten  anf^ebänfte
Schlnssvorräthe,  die  in  das  nächste  Jahr  als  Anfan^-svorrätbe
  überleben,  wie  ^1  eich  falls  schon  erwähnt,
dazu  beitragen,  den  nächstjährigen  ]Markt])reis  herabzndriieken.
  Die  S])eknlation  bewirkt  also  eine  Tlerabminderiin^'
  eben  jener  Ereisstei^eriin^',  auf  deren  Erwartung- ­
  sie  sieh  gründet;  sie  ist  also,  insofern  sie
eine  richtige  ist  und  daher  den  betretfenden  S])eknlanten
  Vortheil  bringt,  auch  gemeinnützig)-;  denn  alle
heftigen  Preissehwankungen  beeinträchtigen  den  Vortheil ­
  der  Gesaiumtheit.  AVenn  der  S])ekulant  sich
da^e^en  irrt,  und  wenn  statt  der  von  ihm  erwarteten
Vertheuerun^-  eine  Verwolfeilimg-  eintritt,  wird  er
nicht  nur  sich,  sondern  auch  der  Gesammtheit  geschadet ­
  hahen,  weil  er  dann  durch  sein  Auftreten
die  Preissehwankuno-  nicht  gemildert,  sondern  verschärft ­
  hat.  Die  entgegengesetzte  Einwirkung-  eines
Individuums,  welches  einen  Preisrückgang  erwartet,
^eht  über  den  blossen  Vorrathsbandei  hinaus.  Ein
S])ekulant  mit  solcher  Ansicht  müsste  den  Artikel  A
auf  künftige  Lieferung-  verkaufen,  also  ein  Termin-
        <pb n="316" />
        285

{j^escliäft  inaclieii,  das  auf  den  {re^euwärti^eu  Marktpreis
  mir  einen  indirekten  Kintiiiss  nelinien  kann;  er
muss  sieli  im  üln  i^en  du  rauf  beseliränken,  keinen
Seldussvorratli  /u  lialten,  wus  ja  aber  aueli  selion
dünn  »eseliielit,  wenn  der  &amp;lt;&amp;gt;e^enwärti&amp;lt;&amp;gt;-  geltende  Marktjireis
  tgih  nur  liölier  als  01\  ist,  darum  aber  doeb
noeb  niedriger  als  tgZ  sein  kunn.

()2.  Der  Terminliandel.
Ein  viel  weiteres  Gebiet  eröffnet  sieb  der  Sjiekulation,
  sobald  der  A  erkebr  sieb  niebt  auf  jiromjite
Ware  beseliränkt,  und  dureb  den  Destand  einer  Börse
ein  regelmässiger  Markt  aueb  für  Absebliisse  auf
spätere  Lieferung'  eröffnet  wird.  Jede  Art  von  Zeit-Kesebäften
  in  irgend  einem  Artikel  A  bildet  selbst
wieder  einen  besondern  und  je  naeb  dem  vereinbarten
1  ermine  und  den  sonstigen  Lieferungsbedingungen
aueb  wieder  jedesmal  einen  anderen  Artikel.  Xebmen
wir  nun,  um  bei  einem  bestimmten  Beispiele  zu  bleiben,
dureb^ebends  die  näebsljäbri^e  Lieferung'  als  vereinbart ­
  an,  so  muss  uns,  wenn  wir  die  auf  einen  soleben
  Terminartikel  bezogene  Lebens^enusskurve
(Fi^.  57)  aufstellen  wollen,  nebst  den  Freisen  aller
anderen  Artikel  aueb  der  ^e^enwärti^'  für  ¡u'ompte
Lieterun«»'  von  A  geltende  Freis  ^e^eben  sein,
während  wir  mit  tgih  nun  den  für  näebstjäbri^e  Lieferuiif»-
  geltenden  Freis,  der  Jetzt  allein  unbestimmt
bleibt,  bezeiehnen.  Für  das  Individuum  ^ibt  es  dann,
insolante  der  Terminbandel  in  dem  Artikel  A  ^anz
        <pb n="317" />
        2RC

íiiis&amp;lt;&amp;gt;csehlossen  bleibt  —  also  z.  H.  solange  dasselbe
über  den  naebstjabri^en  Preis  tg'C  von  A  keine  bestinnnte
  ]\ieinnn^'  bat  —  mir  Eine  vortbeilbafteste
Konsum-  und  Prodnktkonibination,  welebe  die  Antan^sbet‘riedi«&amp;gt;nn&amp;lt;»'
  Oh  «-ewäbrt.  Bei  dieser  Kombination
wird  das  Individiiiim  a  neb  dann  stellen  bleiben,  wenn
es  zwar  für  das  näebste  Jabr  einen  bestimmten  Preis
Fig.  57.

R

R

t(jX&amp;gt;  erwartet,  derselbe  aber  bei  dem  eben  bestellenden
Terminjireise  tgih  weder  einen  Terminankanf,  noeb
einen  Terminverkauf  lohnend  ersebeinen  lässt.
Stellen  wir  uns  nun,  um  vorerst  den  rechten  Ast
der  Lebens«)enussknrve  zu  verfolgen,  vor,  dass
dem  Individuum  eine  sukzessiv  waebsende  Men^e  x
näebstjäbri^er  Lieferung-  von  A  unent^eltlieh  zur  Ver-
        <pb n="318" />
        287

gestellt  Avürde,  so  Avird  dadurch  sein  Lchcus-‘»ciiuss
  zunächst  iihcr  Oh  liiiiaus  ^cstci^crt  Avcrdcii,
jcdocli  keinesfalls  uni  den  vollen,  künftigen  Betrag’
xUjt.  I&amp;gt;er  letztere  Avird  Aielniehr  in  der  Verniö^ensimentnr
  nur  in  einem  im  Hinhlicke  auf  seine  erst
spätere  Fälligkeit  und  auf  das  mit  der  Spekulation
verhnndene  Risiko  rednzirten  Ansmasse  erscheinen.
Hin  soleher  Ahsehla^,  soAvie  eine  etAvai^e  Alarkt^ehnhr,
Sensarie  n.  d^l.,  muss  auch  schon  bei  der  Minimalankanfsmen^e
  Ou  in  Rechnung'  gestellt  aa  erden,  und
es  AA’ird  daher  auch  schon  der  durch  die  Anfan^srichtnn^'
  des  rechten  Kiirvenastes  an¿(e^ehene
Maximalankanfsjireis  OP/j  nächstjähriger  Lieferung-A'on
  A  niedriger  sein,  als  der  von  dem  Individuum
eiAvartete  Znknnftsjireis  tij'Ç.  Nun  nimmt  aber  das  mit
der  Spekulation  A'erhnndene  Risiko  —  dass  nämlich
der  eiAvaitete  Preis  tgX&amp;gt;  im  nächsten  Jahre  hei  der
AhAvicklnnj»-  des  Geschäftes  nicht  voll  erreicht  AA  erden
Avird  —  mit  Avaehsender  Grösse  der  Spekulation  immer
rascher  zu,  und  zumeist  steift  auch  der  aus  der  erst
nächstjährigen  Fälligkeit  des  Betra;»‘es  xtgZ  erwachsende
  Zinsenahschla^'  mehr  als  proportional.  Schon
diese  Umstände  hrin«^en  es  mit  sich,  dass  der  rechte
Kurvenast  sich  in  seinem  Aveiteren  Verlaufe  mehr
und  mehr  von  seiner  Anfan^srichtun;;-  ahkriimmen
muss;  zu  alledem  kommt  aber  noch  die  Unannehmliehkeit,
  für  die  ettektive  Uehernahnie  des  Artikels
im  nächsten  Jahre,  also  für  Lagerräume,  Aufsicht
u.  s.  Av.  vorsor¿(en  zu  müssen.  Diese  Sorge  und  Unannehmlichkeit, ­
  die  hei  grossen  Mengen  rasch  zu-
        <pb n="319" />
        288

iiimnit,  wird  der  Stei^enm^-  des  Lel&amp;gt;eii.s»’emisses  eiidlieli
  eine  Uren%e  setzen,  so  dass  der  Kurvenast  6r/„
einen  Sell  eitel  aiit'weisen  und  dann  wieder  a  1  dallen
wird.  Nur,  wenn  der  ini  näelisten  Jahre  effektiv  zu
iihernelnnende  Artikel  /I  ein  Werthpajiier  ist,  und  dafür ­
  o-esoro-t  wäre,  dass  dessen  Uehernainne  aiieli  in
noeli  so  grossen  Heträ^en  keinerlei  I  nannelnnliehkeiten
  bereite,  so  dass  ein  noch  so  grosser  Besitz  nie
lästig"  werden  kann,  nur  dann  würde  der  reel  de  Kurvenast ­
  wie  in  Fio'.  42,  durchaus  ansteigend  und
sehliesslich  asyniptotiseh  zu  einer  Horizontalen  verlaufen. ­
  Betrachten  wir  nun  den  linken  Ast  dessen
Ordinaten  den  mit  wachsenden  Terminverkaufsmen^en
verbundenen  Lehens^’enuss  darstellen  oder  auch  die
Befriedigung-  hei  Uehernainne  der  Verjitlichtuno-,  ini
nächsten  Jahre  den  Artikel  A  effektiv  und  unentgeltlich ­
  zu  liefern.  Die  Anfan^srichtun^-  dieses  Astes  hezeiclmet
  jenen  niedrigsten  Kurs  OP,,,  für  nächstjährige
I  Jeferun«^-  von  H,  hei  dem  das  Individuum  mit  Rücksicht ­
  auf  alle  obwaltenden  Umstände  einen  Terminverkauf, ­
  und  zwar  im  Ausmasse  der  Minimalmen^-e
Om,  eben  noch  vornehmen  kann.  Der  Minimal]neis
OJ^,„  häng-t  von  dem  erwarteten  Kreise  und  dem
Risiko,  dass  dieser  zu  tief  geschätzt  worden  sei,  ferner
von  etwaigen  Marktj&amp;gt;ebühren  ab,  und  kommt  endlich
noch  der  Umstand  in  Betracht,  dass  die  ühemommene
\  er|)tlichtun^-  erst  im  nächsten  Jahre  fällig-  wird.  Weiterhin ­
  entfernt  sich  der  linke  Ast  von  dieser  seiner  Anfan^srichtun^-
  immer  mehr  und  wird  endlich  durch  eine
nach  abwärts  gehende,  vertikale  Asymptote  begrenzt.
        <pb n="320" />
        289

Auipitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.

19

Es  iiininit  näiiilicli  mit  waclisender  Grösse  des  l'erminverkaufes
  das  Kisiko,  dass  im  iiäelisten  Jalire  ])e]nifs
Eiiiilhm^  der  eiii^e^aii^reneii  Liefermi^sverj)iiiclitun^
ein  liölierer  als  der  erwartete  Preis  tfjX  werde  bezahlt
werden  müssen,  immer  rascher  zu,  und  die  daraus
erwachsende  Sor^e  und  Unannehmlichkeit  wird  sich

zuletzt  ill’s  Unendliche  steigern.  Es  wird  immer  eine
gewisse  (irösse  des  Terminverkaufes  ^eheu,  über
welche  hinaus  das  Individuum  sich  um  keinen  Preis
entsehliessen  würde,  seine  Verptlichtun^,  im  nächsten
Jahre  effektiv  zu  liefern,  auszudehnen.
Selbstverständlich  stellt  die  Kurve  um  die
A11fan^'sllefriedi^u11Oh  lierahf&amp;gt;eschohen,  die  Kostenund
  Niitzliclikeitskurve  aOn  des  betrachteten  Individuums ­
  für  Terminverkauf  und  -Ankauf  dar,  während
die  Abgeleitete  a  On'  die  An¿;;eh()ts-  und  Naclifra^ekurve
  ist;  letztere  würde,  wenn  A  ein  Werthjiajiier
wäre,  rechts  asymjitotisch  zur  Ahszissenachse  verlauten. ­
  I  )er  Sclinitt]mnkt  der  für  Termin  ware  jeweilig’
geltenden  Preislinie  mit  der  Abgeleiteten  a  On'  hezeiclmet
  die  anzukaufende  oder  zu  verkaufende  Alende,
der  \  ertikalahstand  dieses  Schnittjuinktes  von  der
heniisst  die  Hefriedi^un^-,  jener  von  der  aOn  den
Petriedi^un^szuwachs,  den  das  Eingehen  auf  die  Sjiekiilation
  ¿»ewälirt.  Die  Nützlichkeitskurve  (hi  und  die
Kostenkurve  Oa  lassen  sich  mit  den  analogen  Kurven
aller  anderen  Personen  zu  je  einer  Gesamnitkurve  —
die  (  lesammtnützlichkeits-  und  (iesamnitkostenkurve  für
Terminware  —  komhinimi,  und  wenn  wir  die  letztere
Kurv(‘,  um  180“  gedreht,  der  Gesammtnützlichkeits-
        <pb n="321" />
        290

kurve  ^•ej&amp;gt;‘eiiüber8tel]eii,  so  wird  durch  den  Scdniitt
der  Ah^eleiteteii  dieser  beiden  Kurven  der  'Periuinkurs
  tg  ih  und  der  Uesaiuudabsatx  iii  d\*nuinware
bestimuit.  Der  \'ertikulabstaiid  der  (Íesaiuiutiiüt/dielíkeits-
  und  Gesammtkosteukurve  bei  diesem  Selmittl&amp;gt;uukte
  bezeielmet  deu  Gemeiuuutzen,  der  sieb  für  die
Gesaimutlieit  aus  der  Alö^liebkeit  ergibt,  dureli  den
l'iusatz  in  d'eriuimvare  dem  Kiiizeliieu  eine  neue  (iewinnebance
  zu  eröffnen  oder  das  Risiko  weiterer  Rreissebwankung'en
  abzunelimen.  Der  ei^entliebe  Nutzen
der  Spekulation  kann  sieb  daj»ej»  en  für  jeden  Einzelnen
selbstverständlieb  erst  im  näebsten  Jahre,  wenn  bei
der  Abwicklung’  des  (iesebäftes  der  dann  für  prompte
Ware  geltende  Marktj)reis  bekannt  ist,  zeigen.

()J.  Report-  und  Priimiengescliäfte.
Nach  unserer  Resjueebung  der  Kurven
(Eig.  57)  ist.es  klar,  dass  deren  beide  nach  rechts
und  links  von  'der  Ordinatenaebse  ausgebenden  Anfangsstreeken
  um  so  steiler  sein  werden,  je  höher  der
Preis  L  ist,  den  der  Einzelne  für  effektive  Eieferung
von  A  im  näebsten  Jahre  erwartet.  Um  so  mehr
wird  also  dieses  Individuum  die  Gesammtkurven  im
Sinne  einer  Erhöhung  des  durch  deren  Verlauf  bestimmten ­
  Terminkurses  tgd  beeinffussen.  Wenn  aber
durch  das  Auftreten  vieler  Terminkäufer  —  Haussiers ­
  —  der  Terminkurs  tgih  wesentlich  über  den
Marktjweis  für  prom])te  Ware  tgd'^,  steigt,  so  wird
auch  dieser  der  steigenden  Bewegung  folgen  müssen.
        <pb n="322" />
        291

Diese  Wirkung  l)erulit  auf  dem  Eingreifen  von  Personen, ­
  die  gar  nielit  s])eknliren  wollen,  welche  aber
in  der  Lage  sind,  sobald  der  Terniinknrs  tgO^  entspreebend
  höher  als  der  Markt|)reis  ist,  })ronipte
Ware  zu  kaufen  und  gleichzeitig  dasselbe  Quantum
Termin  ware  zu  verkaufen.  Diese  Personen  treten
ohne  jegliches  spekulative  Risiko  —  als  Verwahrer
der  j)romjden  Ware  und  dadurch  zugleich  auch  als
Produzenten  nächstjähriger  Ware,  d.  i.  als  Rej)orteure
  —  auf,  um  ihre  disj)onihlcn  Lagerräume  auszunutzen ­
  und  mit  ihren  Ka))italien  bessere  Zinsen  zu
machen.  Wir  sehen  also,  dass  jede  Erhöhung  des
Terminkurses  tgS-  eine  gesteigerte  Nachfrage  der
Reporteure  nach  ])rompter  Ware  und  daher  eine  Erhöhung ­
  auch  des  Marktpreises  tgih^  zur  Folge  haben
muss.  Dadurch  wird  die  Spannung  zwischen  den
gleichzeitig  möglichen  Preisen  der  ju’omptcn  Ware
und  der  Termimvare  —  der  Report  —  innerhalb  gewisser ­
  Grenzen  gehalten  und  eine  ähnliche  Beziehung
hergcstcllt,  wie  wir  sie  zwischen  den  Preisen  verwandter ­
  Artikel  schon  wiederholt  hemerkt  haben.
Ebenso  wird  umgekehrt,  wenn  ein  oder  mehrere  Spekulanten, ­
  die  einen  niedrigen,  künftigen  Breis  tg'Ç  von
A  erwarten,  als  Vcrkäufci'  von  Terminware  —  als
Baissiers  —  auftreten,  dadurch  nicht  nur  der  dVrminkurs
  tgih  herahgcdrückt  werden,  sondern  auch  ein
Rückgang  des  Preises  für  promjde  Ware  erfolgen. ­
  1  lies  geschieht  durch  das  Eingreifen  von  Personen, ­
  welche  effektive  Vorräthe  von  A  halten  und
daher  hei  einem  entsprechend  niedrigen  Terminpreise
ly*
        <pb n="323" />
        2í)2

t(jfy  ill  (ler  La^e  sind,  prmiijite  Ware  zu  verkaufen
und  ^'ieieiizeiti^'  dassellie  Quantum  auf  sjiätere  Lieferun«»-
  zurüekziikaiifen  ;  sie  ers|)aren  dadiireli  die  Kosten
und  das  Risiko  der  AufheAvalining-  und  ^eniessen  ülierdies,
  wenn  der  Terinin¡neis  /////  niedrigerer  ist  als
der  Rreis  für  proiii))te  Wan  ,  aiieli  nocli  eine
Leili^ebülir  —  den  1  )eport.  Dureli  das  Auftreten
dieser  Personen  —  der  Darleiher  etfektiver  Ware
oder  Deiiorteure  —  wird  also  der  Preisriiek^an»»-  von
der  Termin  ware  auf  die  effektive  Ware  iihertra»-en,
und  die  in  das  nächste  Jahr  effektiv  iiher^vhenden
Vorräthe  von  A  werden  reduzirt.  Aus  alledem  erhellt, ­
  dass  nicht  nur  der  Vorrathshändler,  sondern
dureli  das  Kin^reifen  der  Rejiorteure  und  Deporteure
auch  derjenige,  der  auf  ein  Zeitj»eschäft  ein^eht,  dadureh
  den  ^'ej»'enwärti^en  Marktjireis  des  hetretfenden
Artikels,  sowie  die  (1  rosse  der  in  das  nächste  Jahr
üher^ehenden  Vorräthe  heeinffusst.  Nun  wirkt  aber,
wie  s(üion  erwähnt,  die  Spekulation  durch  die  Re^elun^'
  des  \  ()rrafhsstandes  dahin,  die  erwartete  Ahweiehun^'
  des  kiinfti&amp;lt;&amp;gt;-en  )Iarkt)ireises  von  dem  j^’eoeuwärtigen
  ahzusehwäehen.  1  )ureh  die  geschilderte
Kinwirkiing’  der  l  erminliândler  aut  den  ^e^enwärti^en
und  den  künftigen  Marktpreis  werden  also  die  Preissehwankiin^en
  gemildert,  insotern  sieh  die  Spekulation
hei  ihrer  Ahwiekliin^-  als  richtig-  und  somit  auch  ^ewiniihrin&amp;lt;*end
  erweist,  während  die  verfehlte  Spekulation ­
  auch  der  (iesammtheit  schadet.  Wenn  sieh
dagegen  heiderseits  hlos  Terminhündler  —  Haussiers
und  Baissiers  —  gegeniiherstehen  würden,  so  dass
        <pb n="324" />
        203

ilire  Käufe  iiiul  \'erkäutV  sicli  ausf»lei(*lieii,  so  bleifit
(1er  Markf])reis  so  wie  der  Stand  der  \  orräflie
unberiilirt.  I  ebri^ens  können,  nainentlieb  wenn  die
Möf»lie]ikeit  geboten  ist,  aneli  in  der  Zwiselienzeit

zwiseben  dein  Abseldusse  des  Geschäftes  und  dessen
Abw  ieklnn^  aut  Grund  veränderter  Ansiebten  I  )eekun^so])erationen
  vorzunebinen,  Sjiekulanten,  Re])orteure  und
\  orratlisliändler  oft  auch  ^e^en  ilire  urs])rün^liebe
Absiebt  ihre  Rollen  vertauseben.  Es  ist  überbaujit
niebt  inö^lieb,  eine  teste  Grenze  zwiseben  der  Spekulation ­
  und  dein  sogenannten  reellen  Geschäfte  zu
ziehen,  da  es  sieb  ini  allgemeinen  niebt  einmal  entscheiden ­
  lässt,  ob  jemand  sjiekulirt,  wenn  er  einen
küntfi^en  Bedarf  dureb  ein  Zeitgeschäft  deckt,  oder
lieber  das  Risiko  auf  sieb  nimmt,  zum  jeweilii»en
  )larkt)ireise  promjit  zu  kaufen.
Ebenso  wie  bei  den  Reporteuren  die  prompte
*'l*^  Hiltsstotf  auftritt,  ohne  dessen  Ankauf
kein  \  erkant  von  I  erminware  statttindet,  kommen  bei
anderen  Personen  Zeit^eseliäfte  der  bisher  betraebteten
  Art  nur  in  Kombination  mit  anderen  zu  Stande,
welche  ^eei^net  sind,  das  sjiekulativi*  Risiko  des  Einzelnen ­
  zu  begrenzen.  Es  sind  dies  die  Prämien^eseliätte,
  die  wir  liier  nur  in  ihrer  eintäelisten  Form
bes]ireelien  wollen,  da  sieb  die  konijilizirteren  Formen,
die  „Dont-,  Xoeli-  und  Stella^ejfeseliäfte^,  immer  auf
ein  eintaelies  Prämien^^eseliäft  mit  ^leielizeiti^eni  Kauf
oder  Verkauf  in  jironipter  oder  Terniinware  zurüektiiliren
  lassen.  Reim  eintäelien  Präniien^esebäfte  zahlt
der  Präniienzaliler  oder  Prämienkäufer  einen  bestimm-
        <pb n="325" />
        204

teu  Hetruj»',  die  Präiuie,  um  sieh  das  Heelit  zu  siclieru,
zu  einem  ^ewisseu  Termine,  z.  H.  wieder  iiaeli  einem
J  all  re,  ein  liestimmtes  (^lantum  eines  Artikels  A  zu
einem  bestimmten  Preise,  in  der  Pe^el  zu  dem  i»egenwärti^'
  für  diesen  Termin  geltenden  Kurse,  kaufen,
oder  aueli  von  diesem  Kaufe  abstelien  zu  können;
auf  den  ent^e^enj&amp;gt;esetzten  Fall,  dass  eine  Prämie  für
das  Heelit,  ein  gewisses  Quantum  einer  Ware  zu  verkaufen ­
  oder  von  diesem  A  erkaute  a  list  eben  zu  können,
gezaldt  würde,  wollen  wir  liier  der  Kürze  wegen
nielit  eingelien.  Der  Präniienzabler  greift  erst  bei
Ablauf  des  Termines  und  nur  dann  in  den  Markt  ein,
wenn  er  es  vortlieilliaft  findet,  von  seinem  Kaufsreelite
  Gebraueb  zu  maelien,  und  wenn  er  die  dann
effektiv  zu  überneliniende  Ware  nielit  selbst  verwenden ­
  oder  einlagern,  sondern  verkaufen  will.  Der
Prämienzieber  oder  Prämien  Verkäufer  dagegen  bat,
wenn  er  die  betretfende  Menge  von  A  auf  Lager
bält  und  der  Prämienzaliler  von  seinem  Ueelite  abstellt,
sein  Lager  unverändert  erlialten  und  den  Prämienbetrag
gewonnen,  wälirend  er,  wenn  der  Prämienzaliler  von
seinem  Heelite  Gebraueb  niaelit,  dieselbe  )leiige  um
den  Prämienbetrag  liölier  verkauft  bat,  als  er  dies  beim
Abscliluss  des  Geseliäftes  hätte  tliun  können,  allerdings
aber  meist  selileeliter,  als  wenn  er  sie  selbst  bis  zum
Terminablaufe  behalten  hätte.  Demnaeh  wird  aueh
der  Prämienzieher,  der  Lager  hält,  erst  hei  Ablauf
des  Termines,  und  zwar  nur  dann  eine  Gegmioperation
  in  effektiver  Ware  auszuführen  haben,  wenn
er  seinen  Vorrath,  den  der  Prämienzaliler  nielit  über-
        <pb n="326" />
        205

nimmt,  nun  selbst  losselila^en  oder,  wenn  er  sieh  die
von  dem  I’rämienzaliler  tliatsäeldieli  übernommene
Menge  wieder  ersetzen  will.  Anders  ist  es,  wenn
der  Prämienzieber  die  Ware  niebt  auf  Lager  bat;  er
muss  dann  gleieb  bei  Abseblnss  des  Oesehäftes  das
betreffende  Quantum  von  A  auf  Lieferung  kaufen,
wenn  er  naeb  seiner  Ansicht  über  den  Gang  der
Preise  erwartet,  dass  die  Gegenpartei  von  ihrem  Kaufrechte
  Gebraueh  maehen  werde.  Der  Prämienzieher
sowol,  als  der  Prämienzahler  wird  übrigens  noeb
öfter  als  der  blosse  Terminhändler  die  Möglichkeit,
auch  während  der  Laufzeit  des  Geschäftes  Zwischenoperationen ­
  maehen  zu  können,  benützen.
()4.  Die  \Verthpa])iere.
luter  jenen  Artikeln,  welche  den  Gegenstand
der  Spekulation  und  des  Terminhandels  bilden,  nehmen
die  Werthpaj)iere  insoferne  eine  besondere  Stellung
ein,  als  sie  niemals  verbraucht  werden,  und  daher
ihnen  gegenüber  jeder,  der  nicht  etwa  zu  deren  Ausstellung ­
  berechtigt  ist,  in  der  Lage  des  früher  (öO)
besprochenen,  blossen  \  (urathshändlers  sich  befindet.
Petrachten  wir  unter  den  Wei"thpa))ieren  zunächst
Wechsel  auf  fremde  Personen,  so  müssen  wir  solche
je  nach  der  Person,  auf  welche  sie  lauten,  und  je
nach  dem  Zahlungstermine  als  ebenso  viele,  gesonderte
Artikel  ansehen.  .Jede  auf  einen  derartig  bestimmten
Artikel  .1  bezogene  Ia  bensgenusskurve  //„//„  (Fig.  58)
beginnt  im  allgemeinen,  wie  in  Fig.  55,  links  vom
        <pb n="327" />
        296

Nulljmiikte  Uber  einer  Abszisse  O«,  welebe  den
etwaigen  Anfan^svorratb  a  beinisst;  die  Abszissen
bezieben  sieli  liier  niebt  etwa  auf  die  StUckzalil  der
Weebsel,  sondern  auf  die  Suinine  ihres  Noniinalbetra{j&amp;gt;-es.
  Die  erste  Ordinate  ag^  bezeiebnet  den  Lebensgenuss ­
  ohne  das  eben  betraelitete  Wertli])a])ier,  also
Fi^.  58.

die  llefriedi^nn^'  bei  unent^eltliclier  \\  e^^^abe  des
»anzen  Anfanj&amp;gt;-svorratbes,  während  die  Ordinate  Oh
auch  hier  die  ohne  Kauf  und  Verkauf  von  .1  erreichbare ­
  Aufan^'sbefriedi^un^'  au^ibt.  Die  Kurve
hat  aber  keinen  Seheitel,  sie  verläuft  durehaus  ansteigend ­
  und  schliesslich  asyinjitotisch  zu  einer  Horizontalen, ­
  weil,  wie  schon  früher  (62)  erwähnt,  der  He-
        <pb n="328" />
        297

sitz  eines  noeli  so  grossen  Quantums  des  i)etraeliteten
Artikels,  d.  li.  eines  noeli  so  grossen  Ikdrages  künftigen ­
  Geldes,  nie  lästig"  werden  kann;  wir  sehen  dabei
von  der  Mö^^lielikeit  ah,  dass  dureh  die  Auszahlung
des  Metrajes  in  grober  Münze  Mühe  und  Kosten
erwaehsen  könnten.  Kntspreehend  dein  horizontalasyin])totisehen
  \  erlaufe  der  Kurve  der  sieh
natürlieh  auch  in  der  um  Oh  tiefer  liegenden  Kostenund
  Xützliehkeitskurve  aOn  wiederholt,  verläuft  auch
die  Abgeleitete  a'On  —  die  Angebots-  und  Xachfra^ekuiTC
  —  nach  rechts  asymjitotisch,  und  zwar
zur  Ahszisscnachsc.  Links  bricht  die  Abgeleitete
ebenso,  wie  die  Kurve  aOn^  ^enau  unter  dem  Punkte
ah;  doch  können  wir  die  naeh  unten  verlängerte
Ordinate  des  Punktes  a  als  eine  Kortsetznn^  der
An^ehotskurve  Oa  ansehen.  Ks  wird  nämlich,  wenn
der  Preis  die  durch  die  Pichtun»'  des  Padiusvektors
Oa  an^e^ehene  (Lenze  01\  üherstei»t,  der  ^anze
Anfangsvorrath  verkauft,  und  die  Pefriedi^nn^,  die
immer  in  dem  Vertikalahstande  der  Kurve  von
der  Abgeleiteten  heim  Schnittjinnkte  der  letzteren  mit
der  Preislinie  erseheint,  wird  dann  durcli  den  \'ertikalahstand
  des  Punktes  g^  von  der  Preislinie  an»cj»ehen.

Pei  auf  inländisehe  Währun»’  lautenden  Wecliseln
ist  der  künftige  Preis  tgZ  von  vorne  herein  bekannt
und  unveränderlich  =  1,  d.  h.  cs  wird  erwartet,  dass
der  Wechsel  am  Fälligkeitstermine  mit  seinem  Xominalhetra^e
  ein»ehe.  l&amp;gt;a  sonach  tgX,  durch  den  unter
45"  laufenden  Padinsvektor  dar»estellt  wird,  bezeichnet
        <pb n="329" />
        1

—  208  —

(1er  Nei^imí*siiiiterseliie(l  ZAviselieii  dieser  (Geraden  und
der  jeweilig»’  geltenden  Preislinie  den  Kskoinpte.  Nun
ist  aber  der  Besitz  von  A\  eeliseln,  sowie  von  Wertli-])a])ier(Mi
  iil)erlian])t,  wenn  aneli  nie  nnan^enelim,  doch
aneil  nielit  an  und  für  siel)  angenelini;  er  wird  vielnielir
  mir  we^en  der  damit  verlmndenen  Anfbessernnj»-der
  \  ermö^ensinventnr  begehrt,  und  diese  Anfbessernn^'
  bän^t  wesentlieb  von  der  Laufzeit  der  Weebsel
ab.  Letztere  ist  daher  für  die  Form  der  Lebens-^ennssknrve
  und  insbesondere  für  deren  Tan-^entialriebtnn^
  im  Punkte  welche  den  Grenzpreis
OP,  bestimmt,  massgebend,  während  der  weitere  Verlauf ­
  der  Kurve  sieb  banptsäeblieb  nach  der  Schätzungdes
  Risikos,  ob  die  erwartete  Zablnng-  voll  und  jiünktlicb
  ein^eben  werde,  richtet.  Dieses  Risiko  nimmt
selbstverständlieb  mit  wachsender  Grösse  des  Besitzes
zu.  Die  IRmrtheilnng*  dieses  Risikos  und  somit  die
Veransebla^nn^  des  Besitzes  der  Weebsel  .1  für  die
Vermö^ensinventnr  bän^t  aber  keineswegs  nur  von
der  Grösse  diek'S  Besitzes  selbst,  sondern  aneb  von
der  ^esammten  Kombination  ab,  insbesondere  aber
von  dem  ^leiebzeiti^en  Besitz  an  solchen  Kajiitalsanla^en,
  deren  Sieberbeit  auf  denselben  oder  verwandten ­
  Grundlagen  bernbt,  wie  der  betraebtete  Artikel. ­
  Für  die  Wald  der  bei  irgend  einer  An-  oder
Verkanfsmeno-e  x  von  A  vortbeilbaftesten  Kombination
sind  natürlich  die  j»(‘»ebenen  Preise  aller  anderen  Artikel ­
  lind  darunter  ganz  besonders  jene  Preise  massgebend, ­
  zu  welchen  Surrogate  des  Artikels  yl,  d.  i.
andere  Anlagen,  erworben  werden  könnten.  Bei  Arti-
        <pb n="330" />
        —  2ÍI9  —
kein  (1er  mm  betraeliteten  Art,  sowie  bei  Wertlipa])ieren
iiberliau])t,  wird  es  sieb  für  das  Individimin  oft  als  zweckmässig ­
  erweisen,  bei  wachsendem  Besitze  der  einen
Anla^eform  den  Besitz  einer  anderen  einziisebränken.
In  Wirkliebkeit  kommt  bei  dieser  Erwäynn^  noch
als  besonders  massgebend  die  Biieksiebt  auf  die  Besebränktbeit
  der  verfügbaren  Glitte!  hinzu,  ein  I  instand, ­
  auf  den  wir,  solange  wir  an  unserer  Voranssetznng
  nnveränderlieber  Wertbsebätzun^  des  Bargeldes
festbalten,  nicht  ein^eben  können.
Lauten  die  Wechsel  auf  eine  fremde  Währung,
die  Kursschwankungen  unterließen  kann,  so  ist  tfjlÇ,
nicht  von  vorne  herein  ß^ßeben,  vielmehr  muss  sieb
das  Individuum  eine  bestimmte  Vorstelluiiß  von  dem
Kurse  ///T  bilden,  den  die  fremde  Wäbruuß  zur  Zeit
der  Fällißkeit  der  Weelisel  haben  wird.  Handelt  es
sieb  niebt  um  Weebsel,  sondern  um  AVertbjiajiiere  mit
fester  Verzinsuuß,  wie  Beuten,  Oblißationen  u.  dßl.,
so  ist  der  S])ielraum  für  die  subjektive  Beurtbeiluiiß
des  künftißcn  Ibeises  tgX&amp;gt;  noch  ßrösserer,  und  dies
ßilt  bei  Wertbpapieren  mit  variablem  Erträßniss,  wie
bei  Aktien,  in  noch  viel  höherem  Masse.  Hierbei  ist
zu  bemerken,  dass  der  Breis  tg'Ç  so  zu  verstehen  ist,
dass  er  das  Erträßniss  des  künftißcn  Jahres  mitentliält,
  während  von  dem  jetzißcn  Kurse  der  Ertraß
des  laufenden  Jahres,  den  der  Käufer  in  bestimmter
Zeit  bar  zurüekerbält,  abzuseblaßen  ist,  so  dass  der
Taßcsjireis  tg  immer  „ex  eoujion“  zu  verstehen  ist.
Im  iibrißen  findet  das  von  Wechseln  Gesaßte  auch
auf  andere  Wertlipapiere  analoßc  Anwenduiiß,  und
        <pb n="331" />
        —  :ioo  —
endlich  licHsen  sich  ähnliche  Hctrachtiin^-cn  auch  hinsichtlich
  der  Lcihrcntcn,  sowie  anderer  Versieheriin^st'orinen,
  anstellen.
1st  der  Artikel  A  das  auf  einen  hestiininten,  kiintti}i,en
  Termin  lautende  Zahhinj&amp;gt;-svers])reehen  des  hetraehteten
  Individuums  seihst,  so  ist  dieses  darum  doch
ebenso  wem'o-  als  ein  Produzent  anznsehen,  wie  der  Besitzer ­
  fremder  Zahhin^sversjneehen  als  Konsument.
Der  %nkunftsj)reis  tgt  ist  wieder  =  1,  und  die  Lehens-»•ennsskiirve
  (Fi^\  59)  wird  im  allgemeinen  zur
Beeilten  der  Ordinatenaehse  herinnen  und  nach  links
verlaufen.  Die  Abszisse  Oa  hemisst  nämlich  den
am  Beginne  des  hetraehteten  Jahres  etwa  schon  in
Zirknlation  hetindliehen  Betrag-  gleichartiger,  d.  li.
auf  denselben  Fälligkeitstermin  lautender  Zahlun^sverspreehen
  des  hetraehteten  Individnnms;  dieser  Betrag- ­
  an  Sehnlden  ist  rechts  aufzutra^en,  weil  er  das
De^entheil  eines  Vorrath  es  —  einen  negativen  Vorrath ­
  —  darstellt.  Die  Ordinate  «//„  hezeiehnet  die
Befriedigung",  die  das  Individuum  erreichen  könnte,
wenn  ihm  diese  Sehuhl  ^anz  erlassen  würde,  während
die  links  folgenden  Ordinaten  jedesmal  die  Befriedigung- ­
  an^ehen,  welche  hei  Frlassnn«»"  des  durch  die
hetretfende,  positive  Abszisse  heinesseuen  Theiles  dieser
Schuld  erreicht  werden  würde.  I  )ie  Anfan^sordinate
Ob  stellt  die  Befriedigung"  hei  Ausschluss  jeder  Verminderung", ­
  aber  auch  jeder  A  ermehrun^-  der  anfänglichen ­
  Schuld  dar,  während  die  noch  weiter  links
folgenden  Ordinaten  die  Befriediounn-  unentgeltlich ­
  er  Uehernahme  immer  {grösserer  Zahlun^sverjitlieh-
        <pb n="332" />
        801

tunden  derselben  Art  an»»ebeii.  Die  Sor¿&amp;gt;*e  und  Unannebnilielikeit
  waehsender  /Caldnn^sverpHiebtnn^en
nimmt  mit  dem  Betrage  mehr  als  ])m)mi"tinnal  zu,  und
es  ist  klar,  dass  niemand  nnendlieb  grosse  Verbind-Dies
  kommt  dadiireb  zum

liebkeiten  ein^eben  wird.

F¡íí.  59

9a

Ausdrueke,  dass  die  Kurve  links  dureli  eine  abwäi*ts
  gebende  \  ertikalasym|)tote  begrenzt  wird.  Die
um  (H)  tiefer  liegende  Kurve  aOn  stellt  reebts  di(*
Nützliebkeit  des  Küekkaufes  der  bereits  emittirten
Sebuld]iaj)iere,  links  aber  die  Kosten,  d.  i.  jene  Be-
        <pb n="333" />
        302

träo'c^  (lar,  welche  dem  Individuum  mindestens  vergütet
werden  müssten,  um  es  zur  Vermehrung-  seiner  Verhindliehkeiten
  zu  veranlassen.  Die  Ahgeleitetc  a  On
hezeiehnet  durch  ihren  Schnittpunkt  mit  der  Preislinie
den  rückzukaufenden  oder  neu  zu  hegehenden  Nominalhetrag
  eigener  Schuldver])tlichtungen.  Sinkt  der
Preis  auf  die  durch  die  Richtung  des  Radiusvektors
Ü7i  augegeheue  Grenze  Ol\  und  darunter,  so  wird
die  ganze,  anfängliehe  Schuld  zurückgekautt  ;  die  (  Ordinate ­
  des  Punktes  n  ist  als  eine  Fortsetzung  der
Nachfragekurve  anzusehen.  Anderseits  wird  die  Xeuemissioii
  von  Zahlungsverspreehen  hei  steigendem
Preise,  also  sinkendem  Diskonto,  mehr  und  mehr
wachsen  und  hei  einem  durch  die  45"  Linie  angegebenen ­
  Preise,  wo  das  Individuum  also  Geld  unverzinslich ­
  gegen  die  blosse  Aufbewahrung  erhält,
jedesfalls  sehr  gross  werden;  steigt  der  Preis  noch
weiter,  wird  also  eine  Aufhewahrungsgehühr  bezahlt,
so  nimmt  die  Emission  zwar  noch  hedcutend,  aber
doch  keineswegs  in’s  Unendliche  zu.
Der  Preis  und  der  Gesammtahsatz  wird  auch
hier  durch  die  Gegenüberstellung  der  (jesammtkurven
bestimmt.  Zu  der  Nachfrage  aller  anderen  Personen
nach  Zahlungsverspreehen  des  hetretfenden  Individuums ­
  tritt  noch  dessen  eigene  Nachfrage  der  oben
hesiu-ocheue  Rückkauf  —  hinzu,  während  sieh  zu
seinem  Angebote  noch  jenes  der  Personen  gesellt,
welche  schon  einen  Vorrath  desselben  Werth))apieres
besitzen.  Es  komhiniren  sich  demnach  mit  der  im
Punkte  n  ahhreehenden  Nützliehkeitskurve  On  (Fig.  50)
        <pb n="334" />
        303

(lie  auf  (leu  ^leielieu  Arh'kel  bezogenen  iiud,  wie  iii
Fi»»-.  58,  ill’s  Uiieu(lli(*lie  laufenden  Niitzlielikeitskurveii
aller  anderen  Personell  und  anderseits  die  Kostenknrve
Oa  (Fi^.  59)  mit  den,  wie  in  Fi^.  58,  links  abbreelienden
  Kostenknrven  der  \  orratlisbesitzer.  Dnreli  die
Gegenüberstellung"  der  so  erhaltenen  Gesainmtnntzlielikeits-
  und  Gesamnitkostenknrve  zei^t  sieb  in  deren
Vertikalabstand  beim  Selinittpnnkte  ihrer  Abgeleiteten
der  Gemeinnützen,  der  sieb  für  die  Gesammtlieit  ans
der  Möj»"lielikeit  des  Umsatzes  in  dem  betrachteten
Wertbpajiiere  ergibt.  Dieser  (iemeinnntzen  stellt,  da
er  sieb  eben  nur  auf  Fin  Wertlipapier,  bei  Wechseln
nur  auf  solche,  die  auf  eine  hestimmte  Person  und
auf  Einen  Fälligkeitstermin  lauten,  beschränkt,  immer
nur  einen  kleinen  1  heil  des  durch  den  Kredit  und
Etfektenverkebr  ^escbatfenen  Nutzens  dar.
        <pb n="335" />
        Unverkäufliche  Vorräthe.

()5.  Koiisiiiiitioiis-  uii(i  ProduktioiiBreste.
Wir  lial)cii  nun  gesellen,  dass  unsere  l^etraelitungsweise
  aueli  auf  den  Fall,  dass  variable  La^er
und  Vorräthe  gehalten  werden,  ausgedehnt  werden
kann,  sobald  nur  die  von  dein  hetretfenden  Individuum ­
  erwarteten  Zukunftsjireise  tgt  aller  Artikel,
von  welchen  Vorräthe  gehalten  werden  können,  ebenso
gegeben  sind,  wie  die  Marktjireise  tgih  der  verschiedenen ­
  Artikel,  einschliesslich  aller  Terniiimrtikel.
Dabei  haben  wir  bisher  iininer  angenonnnen,  dass
ebenso,  wie  die  An-  und  Verkaufsinengen,  auch  die
aus  Zukauf  oder  eigener  Produktion  stammenden
Vorräthe  aus  lauter  ganzen,  wie  früher  (2il)  erwähnt,
im  Ararktverkehr  üblichen  Finheiten  bestehen.  Nun
werden  aber  ausser  diesen  verkäuflichen  \  (uräthen
sehr  oft  auch  unganze  und  daher  unverkäufliche  Vorräthe ­
  gehalten,  indem  erst  theil  weise  verbrauchte  Finheiten ­
  für  spätere  N'erwendung  aufhewahrt  werden.
Dies  kommt  hei  allen  jenen  Verhrauchsartikeln  vor,
deren  ALarkteinheiten  mit  der  kleinsten,  von  dem  Fin-
        <pb n="336" />
        305

/einen  in  seinem  Haushalte  oder  l^etriebe  noch  beachteten ­
  Men^e  —  der  Konsiiinportion  —  nicht  iihereinstiinmen.
  So  werden  Zündhölzchen  und  bessere
Zi^arrensorten  idcht  in  einzelnen  Stücken,  sondern  in
i^anzen  Sehaehteln  oder  Kistehen,  feine  Weine  nur  in
ganzen  Flaschen  und  andere  Stückartikel  nur  nach
Hunderten,  Dutzenden  u.  d&amp;lt;çl.  verkauft.  Ausserdem
werden  auch  solche  Artikel,  die,  wie  z.  B.  ordinäre
Zigarren,  in  einzelnen  Stücken  verkäuflich  sind,  doch
—  sofern  sie  nur  nicht,  wie  Milch  oder  frisches  Fleisch,
rasch  verderben  —  von  vielen  der  Bequemlichkeit
wegen  in  grösseren  Partieen  gekauft.  Ebenso  werden
viele  Artikel,  wie  Kohle,  Eisen,  Zucker,  in  ganzen
Waggonladungen,  andere  in  Fässern,  Ballen  u.  s.  w.
bezogen,  die  kein  ganz  genau  vorgeschriehenes  Gewicht
haben.  In  allen  angeführten  Fällen  müssen  sich  am
Jahresschlüsse  Reste  ergehen,  die  einmal  im  Besitze
des  letzten  Abnehmers  keinesfalls  zum  vollen  Marktpreise
  verkäuflich  sind.
Demnach  kommt  hei  jeder  An-  oder  Verkaufsmenge ­
  X  eines  Verhrauchsartikels  A,  der  in  grösseren
Markteinheiten  gekauft  wird,  nebst  \  erhrauch  und
Erzeugung  und  ausser  der  Ansammlung  eines  verkäuflichen ­
  Spekulationsvorratlies  auch  noch  die  neue
\'erwendung  zur  Haltung  eines  unverkäuflichen  Restes
in  Betracht.  Die  Berücksichtigung  dieser  neuen  Verwendungsart ­
  ist  aber  für  uns  darum  besonders  wichtig,
weil  sie  es  ermöglicht,  nun  auch  die  (iehrauchsartikel,
die  wir  bisher  hei  Seite  lassen  mussten,  in  den  Kreis
unserer  Betrachtung  zu  ziehen.  Die  einzelnen  Stücke
Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theurie  d.  l’reises.  20
        <pb n="337" />
        non

jedes  Gel)raiichsartikels  bleiben  nämlich  am  Sebliisse
des  Jahres  in  mehr  oder  weniger  abgeniit/Jcm  Zustande ­
  znriick,  und  mir  die  im  Laufe  des  Jahres  eintretende, ­
  je  nach  der  Danerhaftigkeit  des  Artikels
lind  nach  seiner  jeweiligen  Verwendungsart  bald
grössere,  bald  kleinere  Abnützung  oder  Vernntznng
bildet  den  (xegenstand  des  unmittelbaren  Konsumes.
Demnach  können  wir  uns  jedes  neue  Stück  eines
Gebrauchsartikels  iu  hundert  Verbrauchsjierzente
zerlegt  denken,  die  gerade  so  nacheinander  konsumirt
  werden,  wie  die  hundert  Zigarren,  die,  in  einem
Kistchen  vereinigt,  auf  einmal  gekautt  werden.  Doch
hängt  es  bei  einem  Gebrauchsartikel  nicht  so  sehr
von  dem  (Lade  ])hysischer  Abnützung  eines  schon
benutzten  Stückes,  als  vielmehr  von  dem  subjektiven
Ermessen  des  Besitzers  ab,  zu  wie  viel  Berzenten  eines
neuen,  nngebrauchten  Stückes  er  dasselbe  veranschlagen ­
  will,  und  wann  er  das  Stück  als  für  seine
Zwecke  unbrauchbar,  d.  h.  als  verbraucht,  ansicht.
Nur  wird  bei  '  dieser  Veranschlagung  der  I  instand
mit  ill’s  Gewicht  fallen,  dass  selbst  ein  sehr  dauerhafter ­
  Gebrauchsartikel,  und  zwar  auch  ein  nur  wenig
oder  selbst  ein  noch  gar  nicht  gebrauchtes  Stück,  nicht
mehr  als  derselbe  Artikel  angesehen  wird,  sobald  sich
dieses  Stück  in  der  Hand  des  letzten  Ivonsumenten
betindet,  dass  es  daher  keinesfalls  zum  ^larktpreise
neuer  Stücke,  souderu,  wenn  überhau])t,  nur  zu  einem
viel  niedrigeren  Preise  verkant  lieh  ist.  Benützt  nun
jemand  im  Laufe  des  Jahres  eine  Anzahl,  sei  es,  neuer,
sei  es,  gebrauchter  Stücke  eines  (Gebrauchsartikels  A,
        <pb n="338" />
        so  ))leibeii  dieselben  am  Jabresseliliisse  mein*  À)ler
weniger,  im  allgemeinen  aber  un^leieb  abgenützt  zuriiek,
  lind  wenn  wir  die  naeb  dem  Ermessen  des
Individuums  an  Jedem  dieser  Stiieke  dann  nocb  baftenden
  Verbraiiebsjierzente  betraebten,  so  kann  keiner
dieser  Reste  auf  Null  berabsinken,  so  lange  das  betreffende ­
  StUek  noeb  nicht  als  völlig  verbraucht  angescben
  wird,  und  es  kann  auch  keiner  derselben
gleieb  Eins  werden,  wenn  das  betreffende  Stück  aueb
noeb  so  wenig  abgenützt,  ja  selbst  wenn  es  noeb  gar
nicht  abgenützt  und  nur  überbaujit  zum  Konsum  bestimmt ­
  worden  ist.  Die  Summe  aller  dieser  Reste
stellt  dann  den  sebliesslieb  verbleibenden  Konsumtionsrest ­
  des  Artikels  A  dar,  der  keinesfalls  zum  Marktju’eise
  verkäuflicb  ist.
Der  beim  Konsume  eines  Verbrauebs-  oder  Gebrauchsartikels ­
  übrig  behaltene,  unverkäufliche  Rest
kann  bald  weniger,  bald  mehr  als  eine  ganze  Markteinbeit
  ausmaehen.  Selbst  von  Zigarren  oder  Zündliölzeben,
  deren  einzelne  Stücke  beim  Konsume  doch
ohne  Rest  aufgeben,  werden  oft  mehrere  Kistelien
oder  Sebaebteln  derselben  Sorte  gleichzeitig  nebeneinander ­
  in  Gebraueb  genommen,  so  dass  am  Seblusse
des  Jahres  mehr  als  der  Inhalt  einer  solchen  Markteinbeit ­
  übrig  bleiben  kann.  Von  Kerzen  werden  sehr
häutig  so  viele  Stücke  zugleich  benützt,  dass  die  am
Schlüsse  des  Jahres  übrig  bleibenden,  tbeilweise  abgenützten ­
  Stücke  mehr  als  eine  ganze  Markteinbeit,
d.  i.  hier  ein  Racjuet,  ausmaehen  können.  Noch  allgemeiner ­
  zeigt  sieb  dies  bei  den  Gebrauebsartikeln,
        <pb n="339" />
        308

(la  ja  (lie  meisten  Verwemlim^sarten,  z.  B.  von  Hemden, ­
  (len  gleiehzeitigen  Besitz  mehrerer  Stücke  erheischen, ­
  seihst  wenn  die  Verwendung  eine  so  s])ärliehe
ist,  dass  der  an  allen  Stücken  zusammen  eintretende
Verhraiieh  noch  keinem  ganzen  Stücke  gleiehkommt;
ebenso  kann  der  Betrieb  einer  Fabrik  das  Vorhandensein ­
  von  fünf  1  )am])fkesseln  erfordern,  die  aber  so
sebommd  benützt  werden,  dass  sie  zwanzig  Jahre  anshalten ­
  und  daher  der  Jahresverhraueh  noch  lange
keinen  ganzen  Dampfkessel  ansimudit.
Aehidiehes  zeigt  sieh  in  noch  grösserem  Masse
hei  der  Produktion  jedes,  sei  es,  (bdnanehs-,  sei  es,
Verbranehsartikels,  bei  dessen  Frzengnng  mehrere,  gesonderte ­
  Arbeitsstadien  anfeinanderfolgen.  Wir  können
uns  dann  jedes  herzustellende  Stück  oder  jede  erst
herzustellende  Markteiidieit  eines  solchen  Artikels  in
hundert  11  erstell  un  gs])erzente,  die  nacheinander
produzirt  werden,  zerlegt  denken,  und  wird  es  auch
wieder  von  dem  subjektiven  Ermessen  nun  des  Produzenten ­
  ahhängen,  zu  wie  viel  Perzenten  eines  fertigen ­
  Stückes  er  ein  erst  theilweise  vollendetes,  für
s]ältere  Fertigstellung  zurück  behaltenes  Stück  veranschlagen ­
  will.  Jedesfalls  wird  es  aber,  namentlieb
im  Grossbetriebe,  nur  selten  Vorkommen,  dass  immer
nur  eine  Markteinheit  nach  der  anderen  in  Angritf
genommen  und  vollendet  wird,  da  vielmehr  in  der
Regel  eine  grössere  Anzahl  Stücke  gleiehzeitig  in
Arbeit  steht  und  daher  am  Schlüsse  des  Jahres  in
unfertigem  Zustande  Zurückbleiben  wird.  Die  Summe
der  nach  dem  subjektiven  Ermessen  des  Produzenten
        <pb n="340" />
        309

an  allen  diesen,  nielir  oder  weniger  unfertigen  Stucken
ziisarnnien  selion  haftenden  llerstellnngs])erzente  bildet
dann  einen  Produktionsrest,  der  —  wenigstens  znm
Markt])reise  fertiger  Stiieke  —  ebenso  nnverkänflicb
ist,  wie  die  bisher  bes]»roebenen  Konsuintionsreste.
Selbstverständlieb  wird  ein  solcher  Produktionsrest  nur
wegen  der  durch  dessen  Bewerthung  herbeigeführten
Aufbesserung  der  Verinögensinventur  bergestellt  werden, ­
  und  ebenso  wird  aucb  ein  Konsunitionsrest  —
den  Pall  bereits  erreichter,  voller  Sättigung  ausgenommen ­
  —  nur  aus  diesem  Grunde  dem  Konsume  des
laufenden  Jahres  entzogen  werden.  Es  kommt  also
einem  aus  Konsumtion  oder  Produktion  oder  auch
einem  aus  beiderlei  I  rs])iung  stammenden,  unverkäuflichen ­
  Reste  r  irgend  eines  A  erbrauchs-  oder  Gebrauchsartikels ­
  vl  auch  schon  ein  s])ekulativer  GÍiarakter
  zu.  Für  die  Bewerthung  eines  solchen  Restes
kann  nur  der  von  dem  Individuum  erwartete  Zukunftspreis
  txjX  von  A  massgebend  sein,  gleichviel,  ob  dieser
Rest  allein  gehalten  wird,  oder  ob  daneben  aucb  noch
ein  aus  lauter  ganzen  und  daher  zum  Markt))reise
von  A  verkäuflieben  Stücken  bestehender,  eigentlicher
Spekulationsvorrath  s  vorhanden  ist.  Der  Preis  tgt
muss  daher  dem  Individuum,  welches  für  jede  Anoder ­
  Verkaufsmenge  x  von  A  die  vortheilhafteste  Kombination ­
  und  den  durch  dieselbe  erreichbaren  Lebensgenuss ­
  zu  ermitteln  bat,  aucb  wenn  dasselbe  hierbei
von  der  Haltung  eines  verkäuflichen  Vorratbes  5  ganz
absehen  wollte,  ebenso  bekannt  sein,  wie  die  Preise
aller  anderen  Artikel.
        <pb n="341" />
        310

Selbstverständlich  kann  aneli  ein  unverkäuflicher
Rest  r  keinesfalls  mit  dem  vollen,  auf  denselben  entfallenden, ­
  erst  künftig'  realisirharen  Betrage
sondern  nur  in  einem  reduzirten  Ausmasse  iu  der
\'ermögensinventur  erscheinen,  weil  der  Zinsenverlust
und  das  Risiko  der  Aufbewahrung  sieh  auch  hier
ganz  so,  wie  früher  (00),  geltend  machen.  Ferner
kommt  auch  hei  einem  unverkäuflichen  Rest  das
Risiko,  dass  der  wirkliche,  künftige  Marktpreis  von
A  hinter  dem  erwarteten  tgt  zurückhleihe,  dadurch
iu  Betracht,  dass  dann-  der  Miuderaufwand  oder  der
Mehrerlös,  den  sich  das  Individuum  für  das  nächste
Jahr  von  der  Aufbewahrung  des  Konsumtions-  oder
Rroduktionsrestes  verspricht,  geringer  ausfallen  würde.
Zu  alledem  kommt  aber,  wenn  es  sich  um  einen
Konsumtionsrest  handelt,  noch  das  weitere  Risiko
hinzu,  dass  durch  Rreisermässigungen  der  koukurrireuden
  oder  durch  Rreiserhöhungeu  der  kompletireuden
Artikel  oder  dui;ch  veränderte  Neigungen  oder  durch
verschleehtertc  Yermögensverhältuisse  des  Individuums
die  Nützlichkeit,  die  dasselbe  dem  Artikel  A  künftig
beilegen  wird,  kleiner  werden  oder  ganz  versehwiuden
könnte,  von  der  ^Möglichkeit  ganz  abgesehen,  dass
dasselbe  —  wenn  der  Konsum  des  Restes  voraussichtlich ­
  eine  längere  Zeit  erfordern  sollte  —  das
Ende  dieser  Konsnmirungs])eriode  etwa  gar  nicht  erlebe. ­
  Ebenso  kommt  bei  einem  Produktionsreste  das
Risiko  einer  künftigen  Vertbeiierung  der  1  lilfsstotfe
oder  Verwolfeilung  der  Neben])rodukte,  sowie  auch
wieder  möglicher  Aenderungen  der  Individualität  in
        <pb n="342" />
        311

Betracht.  Auch  ist  es  klar,  dass  in  beiden  Fällen
alle  Bisiko-Moniente  und  nicht  minder  auch  der  Zinsen ­
  Verlust  nur  umsomehr  beachtet  werden  müssen,  je
längere  Zeit  der  Konsum  des  Restes  oder  dessen  Er-^änznn«^
  zu  lauter  ^anz  fertigen  Markteinheiten  voraussichtlich ­
  erfordern  wird,  je  grösser  also  der  Rest  r
im  Vergleiche  zum  Jahresverhrauche  v  oder  zur
Jahreserzeu^un^'  e  ist.  Da^e^en  ist  aber  zu  beachten,
dass  die  Haltung  verhältnissmässi^  kleiner  Konsumtions-
  oder  Rrodnktionsreste  ausser  durch  den  heinahe
gänzlichen  Wej&amp;gt;fall  von  Zinsenverlust  und  Risiko  auch
noch  dadurch  erleichtert  wird,  dass  hei  Artikeln,  wo
solche  Reste  iiherhaujd  Vorkommen,  jedermann  mit
deren  Aufbewahrung  von  vorneherein  vertraut  ist,
so  dass  dieselbe  keine  besondere  1  nannchmlichkeit
verursacht.  Die  Haltung"  eines  verkäuflichen  S]»ekulationsvorrathcs
  wird  da^e^cn  von  \  ielen  als  ein  besonderes ­
  (Geschäft  an^csclien,  dessen  Mühen  und  Sorten  sie
sich  nicht  um  ^crin^er  Menj*en  willen,  sondern  nur  dann
unterziehen,  wenn  eine  ansehidiche  Ditferenz  zwischen
dem  ^e^enwärti^'cn  Marktpreise  i////  und  dem  erwarteten, ­
  künftigen  Preise  tíjX,  des  hetretfenden  Artikels  es
ihnen  lohnend  erscheinen  lässt,  dieses  Spekulationsgeschäft ­
  gleich  in  grösserem  Massstal»e  zu  unternehmen.
(1(5.  Die  YortlieiIliaft(‘st(‘  Verweiidim^Hüit  eines
(iehraiielisartikeJs.
Wir  betrachten  nun  einen  (iehrauchsartikel  A
von  grösserer  oder  geringerer  1  )auerhaftigkeit,  der  in
        <pb n="343" />
        312

zalilrciclieii,  identisdieii  Stücken  anftritt,  und  indem  wir
davon  abseliCTi,  dass  aiieli  solelie  Artikel  oft  mir  in  grösseren ­
  ^larkteinlieiten  nmgesetzt  werden,  nehmen  wir
vielmehr  an,  dass  der  Gehranehsartikel  A  in  einzelnen
Stneken  gekauft  werden  könne.  Da  es  für  den  Produzenten ­
  und  ehenso  auch  für  den  Vorrathshändler
ganz  gleichgültig  ist,  oh  seine  Ware  von  den  Kantern
auf  einmal  verhraucht  oder  mehrmals  gehrancht  und
dahei  nur  allmälig  vernutzt  wird,  kann  die  I  nterscheidung
  zwischen  Verhrauchs-  und  Gehrauehsartikeln
nur  hei  der  Konsumtion  hervortreten,  und  wollen  wir
daher  vorerst  ein  Individuum  hetraehten,  welches
hinsichtlich  des  Gehrauehsartikels  A  aussehliesslieh
als  Konsument  anftritt.  Ein  sol  eher  kann,  auch  wenn
er  einen  Anfangsvorrath  mehr  oder  weniger  gehrauchter,
ja  seihst  ungchrauchter  Stücke  von  A  besitzt,  doch,
wie  oben  erwähnt,  nie  als  Verkäufer,  sondern  mir
als  Käufer  dieses  Artikels  auf  dem  Markte  erseheinen,
und  wir  können/laher  schon  hier  bemerken,  dass  seine
auf  den  Artikel  A  bezogene  Lehensgcnusskurv'e  sich
nur  zur  Kechten  der  Ordinatenachse  erstrecken  wird.
Bei  der  Aufstellung  dieser  Kurve  werden  wir  zu
beachten  haben,  dass  sich  dem  in  seinen  ]&amp;gt;ersönlichen
Eigenschaften,  sowie  in  seinem  anfänglichen  Besitz
genau  bestimmten  Individuum  hei  jeder  Ankaufsmenge
X  von  A  und  —  wenn  ein  Anfangsvorrath  dieses  Artikels ­
  vorhanden  ist  —  aueh  hei  der  Ankaufsmenge
Null  zahlreiche  Kombinationen  seiner  gesammten  Konsumtion, ­
  Produktion  und  Vorrathshaltung  darhieten,  und
diese  Kombinationen  werden  nicht  nur  verschiedene
        <pb n="344" />
        313

Meiiííeii  anderer  Artikel,  sondern  aiieli  verseliiedene  Verwendnn^'sarten
  des  Artikels  .1  selbst  mit  sieb  bringen  ;
jede  dieser  \  erwendnn^sarten  wird  den  \  erbraneb  je
einer  anderen,  bestimmten  Summe  v  von  Verbraiiebsperzenten
  bedingen,  welebe  also  liier,  obwol  die  Produktion ­
  ans^eseblossen  ist,  aiieb  abgesehen  von  einem
etwaigen  Ant'an^svorratb,  mit  der  Ankaiifsmen^c  x
keineswegs  nbereinziistimmen  bralieht.  Jedoeb  kann
der  Jabresverbraneli  v  von  vt,  wenn  kein  Anfan^svorratb
  vorhanden  ist,  böebstens  =  x  sein,  während
er  sieb  andernfalls  aiieb  auf  die  vorrätbi^en  Stiieke
erstreeken  kann.  Dabei  ist  zu  beaebten,  dass  die
nnmerisebe  (irösse  des  ans  dem  Kon  sinne  des  Vorjahres
iibri^’  gebliebenen  und  für  den  Verbraneb  des  laufenden ­
  Jahres  verfügbaren  Anfangsvorratbes  sieb  keineswegs ­
  naeb  der  Zahl  der  vorhandenen  Stüeke,  sondern
nur  naeb  den  an  denselben  noeb  haftenden  Verbranebsperzenten
  riebtet.  Aiieb  werden  die  vorhandenen
Stüeke,  selbst  wenn  sie  ^ar  niebt  benützt,  sondern
nur  aiifbewabrt,  ja  selbst  wenn  sie  aufs  sorgfältigste
in  Stand  gehalten  würden,  am  Kn  de  des  Jahres  im
allgemeinen  doeb  in  ihrer  (Qualität  versebleebtert  oder
jedeställs  weiter  entwertbet  ersebeinen.  Nur  die  Summe
an  Verbranebsjierzenten,  die  dann  bestentalls,  also  bei
sebonendster  Verwendung*,  noeb  verbleiben  würde,  ist
für  den  diesjährigen  Konsum  vertli^bar  und  bildet  das
anreebenbare  Ansmass  des  Antän^svorratbes.  \\  enn
also  z.  H.  Jemand  am  Anfänge  des  Jahres  einen  sebón
^ebranebten  lint  zn  50  7«  verán  soldait  und  er  diesem
Stüeke  am  Seblnsse  des  Jahres  aneb  bei  sebonendster
        <pb n="345" />
        —  ;U4  —
Verweiidimg’  mir  iiocli  "/o  zusclireilieii  würde,  so
liât  er,  wenn  er  den  lint  iin  Laufe  des  Jahres  gänzlich ­
  vernntzt,  nicht  50%,  sondern  nur  eben  jene  30%
vcrhrancht,  die  er  andernfalls  in  seiner  Vernii&amp;gt;&amp;lt;*-ensinventur
  behalten  hätte.  Kauft  ein  solcher  Konsument
noch  X  neue  Hüte  zu,  so  kann  sein  diesjähri&amp;lt;j,’er  Verbrauch ­
  an  Hüten  höchstens  =  (a;  +  0-3)  werden.  Bis
zu  der  so  hestiininten  ]\Iaxinial^renze  wird  jedoch
der  wirkliche  Jahresverhrauch  v  von  A  mir  dann  aiiso-edchnt
  werden,  wenn  es  dem  Individumn  vortheilhaft
erscheint,  sowol  die  anfänglich  vorhandenen,  als  auch
die  neu  an^ekanften  Stücke  so  intensiv  zn  benützen,
dass  sie  von  ihm  am  Ende  des  Jahres  insf»esammt  als
völlig  vernntzt  angesehen  werden.  Im  allgemeinen
wird  dagegen  ein  als  solcher  miverkänflicher  Konsnmtionsrest
  r  von  A  znrückhehalten  werden,  indem
der  Verhranch  v  mir  so  weit  ans^fedehnt  wird,  dass
jeder  weitere  Mehrverhranch  entweder  an  und  für  sich
nnan^enehm  wäre,  also  ^ar  keine  Nützlichkeit  bieten
würde  oder  mir  eine  solche,  die  ^eringer  veranschlagt
wird,  als  die  durch  die  Verminderung'  des  Bestes
also  des  künftigen  Betrages  herhei^eführte  Versehlechternn^'
  der  Vermö^ensinventur.  Wir  sehen  also,
wie  das  Individuum,  welches  die  Preise  aller  anderen
Artikel  und  den  von  ihm  erwarteten  Zukunftspreis  tg'C
von  A  kennt,  für  jede  Ankaufsmen^e  x  von  .1  die
geeignetste  Kombination  und  somit  nicht  nur  die  vortheilhaftesten
  Mengen  der  anderen  Artikel,  sondern
auch  die  vortheilhafteste  Verhrauehsmenge  v,  also  die
angemessenste  Verwendungsart  des  Artikels  H,  zu  er-
        <pb n="346" />
        815

inittelii  vermag,  wie  es  also  den  liöelisteii,  mittelst  der
betreffenden  Ankaiifsmenge  x  von  A  erreiehbaren
Lebensgenuss  feststellen  kann.  Ebenso  wird  das  Individiinm
  aneb  zn  benrtbeilen  wissen,  wie  es  den  ermittelten, ­
  vortbeilbaftesten  Jabresverbraueli  v  von  A
auf  die  einzelnen,  sei  es,  anfänglieli  vorhandenen,  binsiebtlicb
  des  Erbaltnngsziistandes  eines  Jeden  genau
gegebenen,  sei  es,  neu  zuzukaufenden  Stücke  zu  vertbeilen
  bat,  wie  viele  Verbrauebs])erzente  es  also
sebliesslieb  an  jedem  dieser  Stücke  noeb  belassen  soll.
Unter  den  Verwendungsaiien,  die  ein  Gebrauebsartikel
  A  finden  kann,  sind  noeb  jene  bervorzubeben,
bei  weleben  einige  der  im  Laufe  des  .labres  benützten
Stücke  —  und  zwar  aueb  solche,  die  noeb  nicht  als  ganz
verb  raucht  ersebeinen  —  doch  dadurch  verbraucht
werden,  dass  sie  verschenkt  oder  in  der  eigenen  Wirtbsebaft
  zu  anderen  Gegenständen  von  bekanntem  Preise
verarbeitet  werden.  Eben  bierber  gehört  aueb  der  Fall,
dass  ein  schon  benütztes  Stück  als  ein  von  A  verschiedener ­
  Artikel  zu  einem  Preise  verkauft  wird,  der
sieb  nach  dem  jeweiligen  Erhaltungszustände  des  betreffenden ­
  Stückes  richtet,  und  der  für  jeden  Abnützungszustand ­
  als  gegeben  vorausgesetzt  werden
muss.  Das  Vergnügen  des  Sebenkens,  der  ers])arte
Aufwand  oder  der  erzielte  Erlös,  anderseits  aber  auch
die  mit  der  Selbstverarbeitung  oder  mit  der  Veräusserung
  verbundenen  Mühen  und  Kosten,  z.  B.  beim
Demontiren  alter  Masebinen,  kommen  natürlich  bei
Beurtbeilung  des  Lebensgenusses,  den  die  versebiedenen,
  bei  der  gleichen  Ankaufsmenge  x  von  A  mög-
        <pb n="347" />
        316

lidien  Kombinationen  bieten  und  dalier  aneb  bei  der
Answald  der  vortbeilbaftesten  Kombination  mit  in
Ansebla»’.  Hobe  Preise  ^ebranebter  Stiieke,  die  ^leiebsam
  als  Xebeiijirodiikte  beim  Konsnme  des  Artikels  A
abtallen,  sowie  der  Gegenstände,  zu  deren  Herstellung’
sol  ehe  Stiieke  verwendet  werden  können,  erhöben  den
mit  dem  Ankäufe  neuer  Stiieke  von  A  verbundenen
Lebensgenuss,  während  niedrige  Preise  alter  Stiieke,
die  aueb  als  Surrogate  des  Artikels  A  gelten  und  statt
neuer  Stiieke  gekauft  werden  können,  den  mit  dem
Ankauf  der  letzteren  verbundenen  T^ebens^enuss  berabdriieken.
  Kndlieb  können  bei  dauerhaften  Gebrauebsartikeln
  aueb  noeb  solebe  Kombinationen  in  Petraebt
kommen,  welebe  als  Surrogat  des  Ankaufes  von  A
die  blos  mietbweise  Beniitziinji’  oder  umgekehrt  die
Vermietbiiug  als  eine  besondere  Verwendungsart  der
an  ge  kauften  Stiieke  in  sieb  sebliessen.  Jede  Mietbung
oder  \  ermietbnng  ist  als  ein  besonderer  Artikel  und
je  naeb  der  Dauer  und  den  Nebenbedingungen  der
Mietbe  jedesmal  als  ein  anderer  Artikel  anzuseben,
der  je  einen  besonderen  Preis  bedingt,  und  es  müssen
daher,  um  den  mit  irgend  einer  Ankaufsmenge  æ  von
A  verbundenen  Lebensgenuss  ermitteln  zn  können,
auch  alle  diese  Mietb|)reise  gegeben  sein.  Dazu  sei
hier  uoeb  bemerkt,  dass  die  mietbweise  Benützung
eines  (íebrauebsartikels  —  eines  Möbelstiiekes,  eines
Wagens,  eines  Xutztbieres,  einer  Masebine,  eines
Hauses  u.  dgl.  —  und  dessen  Besitz,  selbst  bei  völliger
Identität  der  betretfenden  Stücke  und  ganz  gleieber
Verwendungsart,  meist  doeb  einen  ganz  verschiedenen
        <pb n="348" />
        317

Lebeiisgemiss  ])ieten.  Ob  dieser  Lebensgenuss  ini
Falle  des  Besitzes  oder  im  Falle  der  Mietbe  grösser
anstallt,  bän^t  nicht  nur  von  den  Bedingungen  der
letzteren,  sondern  wesentlich  auch  von  der  Natur  des
Artikels  und  von  den  Nei^nn^en  des  Individuums  ab.
()7.  Die  Lebeiisgemisskiirve,  auf  einen  (iebranelisartikel
  bezogen.
Denken  wir  uns  min  den  höchsten  Lebensgenuss,
den  der  betrachtete  Konsument  des  Gebrauchsartikels ­
  A  mittelst  jeder  Ankaufsmenge  x  erreichen  kann,
festgestellt,  und  tragen  wir  diesen  Lebensgenuss  jedesmal ­
  über  der  betretfenden  Abszisse  x  als  Ordinate
auf,  so  erhalten  wir  eine  im  allgemeinen  unregelmässig ­
  verlaufende  Funktreibe  und  aus  derselben
ganz  so,  wie  in  Fig.  3‘J,  die  durchaus  konkave  Lebensgenusskurve ­
  ¡)g  (Fig.  Güj.  Die  Anfangsbefriedigung
Ob  beruht  hier  auf  einer  Kombination,  welche  den
(Gebrauch  des  Artikels  A  nur  dann  ganz  ausscbliesst,
wenn  von  demselben  kein  Anfangsvorrath  vorhanden
und  die  blos  mietbweise  Benützung,  sowie  der  Ankauf ­
  alter  Stücke  unmöglich  wäre,  während  sie,  wenn
solche  schon  anfänglich  vorhanden  sind,  deren  vortbeilbafteste
  Verwendungsart  mit  sieb  bringt.  Die
Kurve  hg  gibt,  um  die  Länge  Ob  berabgeschoben,
die  Nützlicbkeitskurve  G/¿,  während  die  Abgeleitete
On  die  Nacbfragekurve  darstellt.  Der  Schnittpunkt
der  letzteren  mit  der  jeweilig  geltenden  Freislinie
bemisst  durch  seinen  Vertikalabstand  von  der  Kurve  On
        <pb n="349" />
        (len  Nutzen  des  Ankaufes  der  dnreli  die  Abszisse  an-^eßeigenen
  Men^-e,  wäbrend  der  Vertikalabstand  von
der  Kurve  hg  die  HetViedi^iinf»-  bezeiebnet.  I)afj^ej»-en
ist  der  daliresverbraneli,  sowie  der  seldiesslieb  ^ebaltene
  Vorratli  liier  ebensowenig-  ersicditlieb,  wie  in
der  auf  einen  \^erbranebsartikel,  der  in  kleinsten
Mengen  nm^esidzt  wird,  bezo^enmi  Kurve  i^.  5(1)
eines  zn^leieb  jirodiizirenden  und  \'orratb  haltenden

Konsiinienten.  Teberdicvs  ist  zu  beaebten,  dass  dort,
wo  es  sieb  mir  iini  einen  •  verkänflieben  Seblnssvorratb
  s  gebandelt  bat,  die  Haltung-  eines  solchen
erst  dann  beginnen  konnte,  wenn  der  ^larktpreis
tg  xh  unter  den  Grenz})reis  OI\^  der  selbst  wieder
niedriger  als  der  erwartete  Znknnftsjireis  tgt  ist,  gesunken ­
  war.  Hier  dagegen  wird  ein  nn  verkauf  lieber
Rest  r  oft  nicht  so  sehr  mit  Riieksiebt  auf  das  Ver-Fig.

  60.

n

0

\ti'
        <pb n="350" />
        319

liältniss  (1er  IVeise  tgi)'  iiiid  tgt,  gehalten  werden,  als
mit  Ilücksie.lit  auf  die  Aiiiielimliclikeit,  Be(j[iiemliclikeit
  und  sell)st  Notliwendi^keit,  einen  Vorratli  noeli
Inanekbarer  Stücke  zu  besitzen.  Die  Zahl  der  in
Verwendung  stellenden  Stücke  mancher  dauerhafteren
und  wichtigeren  Gehraiiclisartikel  ist  neben  der  Zeiteintheiliing
  das  wesentlichste  Kennzeichen  jeder  bestimmten ­
  Betriebs-  und  Lebensweise  und  wird  mitunter ­
  wegen  der  Erfordernisse  des  Betriebes  oder
durch  die  Macht  der  Neigungen  und  Gewohnheiten
zähe  festgehalten  und  bedarf  zu  ihrer  Abänderung
eines  merklichen  Entschlusses.
So  wird  z.  B.  jemand,  der  einen  Winterrock  zu
besitzen  wünscht,  auch  wenn  er  keinen  hesonders
hohen,  künftigen  Breis  tgC  erwartet,  sich  doch  seihst
durch  einen  hohen  Marktpreis  tgih  nicht  ahhaltcn
lassen,  einen  solchen  anzuschatten.  Er  wird  dieses
Stück  vielleicht  im  laufenden  Jahre  so  oft  benützen,
als  es  ihm  nur  irgend  angenehm  ist,  und  auch  auf  dessen
Instandhaltung  nur  jene  Sorgfalt  verwenden,  welche
nöthig  ist,  um  es  auch  für  die  letzte  Benützung  dieses
Jahres  noch  in  dem  wünschenswerth  guten  Zustande
zu  erhalten;  derselbe  wird  aber  doch,  wenn  er  nur
nicht  so  anspruchsvoll  ist,  einen  Winterrock  schon
muh  einjähriger  Benützung  als  völlig  verbraucht  anzusehen, ­
  in  den  Verhrauchs])erzenten,  die  er  diesem
Kleidungsstücke  am  Ende  des  Jahres  noch  zuschreiht,
einen  Rest  r  zurückhehalten.  Dieselbe  Berson  kann
hei  einem  entsprechend  niedrigen  Breise  tg!)-  auch
zwei  oder  mehrere  solche  Stücke  kaufen  und  benützen.
        <pb n="351" />
        320

wenn  sie  nur  das  Ver^-nngen,  iin  laufenden  Jahre
jedesmal  besser  geschonte  oder  etwa  abwechselnd  verschiedenfarbige ­
  Stucke  desselben  Artikels  aidegen  zu
können,  höher  schätzt  als  die  Schmälerung  der  \  ermögensinventur,
  welche  trotz  des  grösseren  1  testes  r
durch  den  jMehraufwand  unzweifelhaft  eintritt.  Wenn
auch  in  dem  gewählten  lleis])iele,  wo  schon  das  erste
Stück  ohne  besondere  Schonung,  soweit  es  irgend  angenehm ­
  ist,  heiditzt  wird,  durch  den  Besitz  mehrerer
Stücke  die  Zahl  dieser  Benützungen,  sowie  die  Art
der  Instandhaltung  nicht  verändert  wird,  so  wird  doch
nun  der  gesammte  Jahresverbrauch  v  ein  grösserer
sein,  weil,  wie  schon  erwähnt,  jedes  Stück  im  Besitze
des  Konsumenten,  ganz  abgesehen  von  der  Benützung,
an  Werth  verliert,  also  etwas  abgenützt  erscheint.
Nehmen  wir  als  nächstes  Beispiel  einen  schwarzen
Tuchrock,  dessen  stärkere  oder  geringere  Benützung
den  Neigungen  des  Besitzers  einen  grösseren  Spielraum ­
  bietet,  so  werden  wir  Individuen  linden,  die
ganz  wie  in  dein  früheren  Beis))iele  verfahren,  dagegen ­
  auch  zuhlreiche  andere,  die  einen  solchen  Bock
vielleicht  nur  an  Sonntagen  tragen  und  sorgfältigst
in  Stand  halten.  Diese  schätzen  otfenhar  die  Aufbesserung ­
  der  Vermögensinventur  durch  den  wolerhaltenen
  Bock  höher  als  den  Zuwachs  an  W*rgnügen,
der  durch  eine  häutigere,  etwa  tägliche  Benützung
und  sorglosere  Instandhaltung  erreicht  werden  würde;
dabei  wirkt  der  Hinhlick  auf  einen  bestimmten  Zukunftsimeis
  allerdings  mit,  nur  braucht  dieser  nicht
höher  als  tg&amp;amp;  zu  sein.
        <pb n="352" />
        —  321  —

Tn  jenen  Fällen  da^e^en,  wo  die  wiinselienswei
  tlie  \  erwendnno-  den  Besitz  einer  gewissen  Stiiekzald
  notliwendig  inaelit,  also  z.  B.  bei  Hemden,  wird
derjenige,  der  einen  ansreiclienden  \  orratli  des  betiettenden
  Artikels  besitzt,  weitere  Stücke  nur  zu
sein  niederem  Preise  ansebatfen,  während  er  einen
hoben  Preis  bewilligt,  um  seinen  Vorratb  auf  die
notln&amp;gt;  endig’e  /abl  zu  ergänzen  ^  bat  er  bin^e^en  noch
f^ai  keinen  Besitz  an  Hemden  einer  gewissen  Cíattnn^*,
so  wild  er  solche  überbau])t  nur  kaufen,  wenn  deren
I  leis  ihm  ¿gestattet,  die  ihm  erforderlich  scheinende
Stückzahl  aut  einmal  aiizuscbatfen,  sonst  abci*  es  vorzieben,
  sieb  mit  einer  anderen  Sorte  zu  behelfen.
Ganz  äbnlicb  muss  ein  ITnternebmer,  der  z.  B.  fünf
1  )amj)tkessel  einer  gewissen  Konstruktion  zum  Betiiebe
  seiner  T  abrik  bedarf,  verfahren.  Fr  wird
innerhalb  weiter  Preis^renzen  an  der  ihm  vortbeilbatt
erscheinenden  Kesselanla^e  festbalten  und  dieselbe
ohne  Bintksiebt  aut  den  Preis  so  stark  benützen,
als  dies  einerseits  die  bei  den  geltenden  Preisen  aller
anderen  Produktionserfordernisse  und  aller  Produkte
vortbeilbatteste  Betriebsweise  vorsebreibt,  und  als  dies
anderseits  zur  Vermeidung-  von  Betriebsstörnn^en  und
I  n^lückställen  notbwendi«**  ist.  Steht  ein  solcher  Unternehmer ­
  vor  dem  Fntscblusse,  seine  noch  betriebsfähige
Kessclanla^e  durch  eine  bessere  Konstruktion  zu  ersetzen, ­
  so  wird  er  die  neuartigen  Kessel  nicht  ^erne
Stück  um  Stück  ansebatfen,  sondern  zu  dem  veränderten ­
  System  nur  dann  überleben,  wenn  der  Preis
der  neuen  Kessel  es  ihm  ¿gestattet,  die  ^anze,  erforder-Auspitz

  u.  Lieben.  Untersuch.  Ob.  d  Theorie  d.  Preises.

21
        <pb n="353" />
        322

lidie  Stückzahl  auf  einmal  zu  kauten.  *  Kr  wird  dai*-ei&amp;gt;-en
  vor  einem  ludieren  l’rcds  nicht  znrückschrecken,
um  seine  Anlage  aut*  die  nothwendi^c  Ivessclzahl  zu
(‘ro-änzen,  während  ihn  nur  ein  hesonders  uiedri^er
Preis  VC  rau  lassen  würde,  seine  Anlage  durch  Aufstellung' ­
  von  Keservekesseln  zu  erweitern.  Kr  wird  sieh
zu  einer  solchen  üher  das  Mass  des  Nöthi^'cn  hinauso'ohenden
  Auslage  um  so  hdehter  entsehliessen,  einen  je
höheren,  künftigen  Preis  tgZ  erwartet.  Sein  dahresverhrauch
  v  wird  durch  eine  sidehe  Ansehalfunj*’  zwar
im  ersten  ,lahre  erlüdit,  da^e^en  hleiht  ihm  ein  j»rösserer
  Rest  r  für  die  hd^enden  ,lahre,  wodurch  der  Zeitraum ­
  verlängert  wird,  nach  dessen  Ahlaut  eine  vollständige ­
  Krneuerung  der  ganzen  Kesselanlage  iiöthig  wird.
Wir  ersehen  ans  den  angeführten  Reis)iielen,  dass
der  \  erlauf  der  Kehensgenusskurve  hg  und  namentlich ­
  ihre  Anfangsriehtung,  welche  den  Maximalankaufs]&amp;gt;reis
  angiht  wenn  wir  von  der  Möglichkeit ­
  eines  Umsatzes  in  alten  Stücken,  sowie  von
einer  hlos  miethweisen  Renütznng  ahsehen  —  ausser
von  der  Natur  des  Artikels  und  den  Neigungen  des
Individuums  wesentlich  davon  ahhängt,  (di  letzteres
von  dem  Artikel  A  schon  einen  ausreichenden  Vorrath ­
  besitzt  oder  nicht.  Ist  der  \'orrath  noch  ausreichend, ­
  so  wird  die  Kurve  fl  ach  begin  neu  und  verlaufen, ­
  um  so  daelier,  je  grösser  der  Vorrath  noch
ist;  doch  ist  es  dabei  keineswegs  gleichgültig,  oh  die
gleiche  Summe  verfügbarer  \'erhrauehs)ierzente  an
vielen  oder  wenigen  Stücken  hattet,  da  der  Ankauf
eines  neuen  Stückes  in  der  Regel  weit  weniger  wün-
        <pb n="354" />
        323

21*

selieiiswertli  crsclieiiit,  wenn  ancli  mir  wenige,  aller
i?nt  erlialtene,  als  wenn  viele,  selion  stark  alijen  ätzte
Stiieke  vorlianden  sind.  Der  Maxiinalankanfs|ireis  wird
da:(e^en  ein  weit  höherer  werden,  wenn  es  sieh  iiin  die
Koinjdetiruno:  des  nnthwendi^  eraehteten  Besitzstandes
handelt;  die  hierzu  ertbrderliehe  Stückzahl  hildet  dann
die  Miniinalinen^e  Ou,  hei  welcher  die  Lehens^enusskuive,
  ic  in  hi^.  00,  eine  starke  Uichtiin^sänderiin^'
«nid  ihre  Abgeleitete  eine  hohe  Vertikalstreeke  antweist,
  welche  anzei^t,  dass  an  dieser  Ankantsnieno-e
innerhalh  weiter  Dreis^renzen  festfrehalten  wird.  1st
iTiir  kein  anfänglicher  Besitz  vorhanden,  so  wird  die
Miniinalinenire  eine  -rössere  sein,  der  Maxiinalankaufspreis
  kann  jedoch  ein  hoher  oder  niederer  sein,  ¡e
naehdeni  der  Artikel  A  durch  Surrofrate  schwer  oder
leicht  ersetzt  werden  kann.  Die  Miniinalinenire  hleiht
aber  klein,  sie  beschränkt  sieh  soo-ar  auf  Kins,  und
dei  Maxiiualankautsjireis  ist  ein  hoher,  wenn  eben  nur
auf  den  Besitz  Kines  Stückes  Werth  (relcfrf  wird,  wie
in  dein  Beispiele  des  Iväuters,  der  seinen  schwarzen
ltO(;k  nur  als  Sonnta&amp;lt;rsstaat  trä^rt  und  den  Besitz
Kines  solchen  Stückes  als  für  seine  standes&amp;lt;reniäss(*
Ausrüstuiiir  nothwendiir  ansieht.•  Khenso  wird  Kin  Paar
1  landsehuhe  von  nianehein  als  ein  unerlässlicher  Besitz
hetiachtet,  während  anspruehsv'ollere  Bersonen,  welelu!
1  landsehuhe  öfter  trairai  und  schon  nach  einigen  Beuützuniren
  als  verbraucht  ansehen,  eine  «rrössere
Miniinalinenire,  und  zwar  eine  um  so  «rrössere  verlangen,
  je  ¡ledantiseher  sie  dabei  an  der  ifanz  irhuelum
Qualität  festhalten.
        <pb n="355" />
        324

Die  ^Menge  der  vollen  Het'riedi^rim«)'  hän«t  namentlich ­
  davon  ab,  ob  der  nene  Zustand  des  Artikels  sehr
j&amp;gt;eseliätzt  wird  oder  niebt,  ob  also  die  erste  Henützunosehr
  viele  oder  mir  wenige  \A‘rbraucbs])erzente  in  Ans])rneb
  nimmt.  Wir  haben  früher  (12)  erwähnt,  dass
die  volle  Hefriedi^nn^-  durch  einen  Gebrauchsartikel  die
Verwendung-  eines  »-anz  neuen  Stückes  für  jede  einzelne ­
  Benützung-  erfordert,  und  in  der  That  würde  von
Wäsche,  Kleidern  u.  dgl.  jedesmal  ein  neues  Stück  henützt
  werden,  wenn  sie  unentgeltlich  zu  haben  wären.
Dies  würde  von  allen  Gebrauchsartikeln  gelten,  wenn
sie  immer  in  der  erwünschten  Beschatfenheit  käutlich
sein  würden’,  es  ^ibt  aber  auch  Artikel,  wie  Stietel,
viele  Werkzeuge  u.  s.  w.,  welche  diese  Beschatfenheit
erst  durch  mehrmalige  Benützung-  erlauben,  so  dass
ein  neues  Stück  bei  jeder  Benützung"  geradezu  unano-enehm
  wäre.  Die  Alende  der  vollen  Befriedigung-  ist
daher  hei  solchen  Artikeln  eine  kleinere,  wenn  auch
immer  noch  ein  Mehrfaches  der  Minimalmeno-e.  Aehnliches
  zei^-t  sich  in  unserem  Beispiele  der  Dampfkessel.
Die  Alende  der  vollen  Befriediounj»-  ist  hier  nicht  viel
o-rösser  als  die  Alinimalmen^e,  und  zwar  bewirkt  dies
vorzugsweise  die  Kostspieligkeit  der  koiu])letii  enden
Artikel,  zunächst  des  Brennmateriales,  dessen  erbrauch ­
  stei}&amp;gt;-t,  wenn  allzuviele  Kessel  gleich  zeitigt"
heizt  würden,  während  auch,  wcuu  die  Reservekessel
ungeheizt  hlieben,  die  Kosten  der  Kinmauerung,  der
Erweiterung-  des  Kesselhauses  u.  s.  w.,  seihst  wenn
Kessel  unentgeltlich  zu  haben  wären,  immer  noch  ins
Gewicht  tielen.
        <pb n="356" />
        325

Die  Meiij*e  der  vollen  Befriedijiun^  ist  besonders
klein  lind  fällt  so^ar  mit  der  Miniinalinen^T  Kins  zusammen, ­
  wenn  mehrere  Stücke  derselben  Gattung  ^ar  nicht
begehrt  werden,  wie  dies  meistens  den  verschiedenen
Exemplaren  eines  Buches,  eines  Knjiferstiches  oder
einer  Photof»ra])liie,  den  gleichen  lh*onze-  oder  (xvpsah^iissen
  desselben  Modells  ^e^enüber  der  Kall  ist.
Bei  soleben  Artikeln,  wenn  sie  auch  in  vielen  identischen ­
  Stücken  ber^estellt  werden,  und  gleichviel,  ob
sie  einer  Abnützung"  durch  den  Gebrauch  unterließen
oder  nicht,  macht  sich  das  Streben  nach  Ahwechsliniß
ßcltend.  Dieses  Verlaiißen  kann  z.  B.  auch  dahin
führen,  jedesmal  Handschuhe  von  verschiedener  Karbe
traßen  zu  wollen;  hätte  nun  jede  Karbe  einen  anderen
Kreis,  wäre  also  Jede  ein  besonderer  Aitikel,  so  tiele
die  Meiiße  der  vollen  Befriedißiiiiß  für  ein  Individuum,
das  heständiße  Ahwechsluiiß  lieht,  mit  der  Minimalmeiiße
  Eins  zusammen.  Besitzt  nun  ein  solches  Individuum ­
  schon  ein  Exenijdar  des  ßewünschten  Artikels,
von  dem  es  kein  zweites  heßehrt,  so  würde  seine
auf  diesen  Artikel  hezoßene  Eehensßenusskurve  /&amp;gt;//,
wie  in  Kiß.  40,  durchaus  ahstcißcnd  verlaufen.
Schliesslich  können  wir  noch  bemerken,  dass,
namentlich  wenn  der  (liehrauchsartikel  A  nicht  in
einzelnen  Stücken  ßekauft  werden  kann,  sondern,  wie
Hemden,  Keilen  und  andere,  nur  in  ßanzen  Dutzenden,
Hunderten  u.  s.  w.,  oder  auch,  wenn  das  Individuum
aus  Betriehsrücksichten  oder  aus  Be(|uemlichkeit  auf
einen  ßrösseren  \  inrath  Werth  leßt,  der  Best  r  auch
ßanz  uiißehrauchte  Stücke  enthalten  kann.
        <pb n="357" />
        ()8.  Der  Lebeiisgemiss  im  alliieiiieiiisteii  Falle  der
Vorratlislialtiiiiír.
Nclnneii  wir  mm  an,  dass  der  betrachtete  Koiisimient
  des  Gebraiielisartikels  A  diesen  aneli  selbst
herstelle,  und  dass  er  auch  als  Vorrathshändler  aiiftreten
  könne,  so  werden  sieh  iin  allgemeinen  am
.Jahressehlnsse  dreierlei  Vorräthe  des  Artikels  .1  ergeben. ­
  Xel)en  dem  znletzt  bes])roehenen  Konsnmtionsreste
  kann  ein  ans  unfertigen  Stacken  bestehender
Drodnktionsrest  und  endlich  auch  noch  ein  ans  nen
gekauften  oder  ^anz  fertig-  gestellten  Stücken  bestehender, ­
  verkänflieher  S])eknlationsvorrath  s  gehalten
werden  ;  daher  kann  dann  auch  der  Anfan^svorrath
nebst  einem  verkänfliehen  Theile  auch  schon  &amp;lt;&amp;gt;-ehranehte,
  sowie  nnferti^e  Stücke  enthalten.  Die  letzteren ­
  tinden  ihre  han])tsäehliehste,  dem  Yerbranehe
analoge  Wrwendun&amp;lt;&amp;gt;-  in  der  Ferti^stellnn^-,  wenn  auch
der  \  erkauf  unvollendeter  Stücke  zu  besonderen,  von
Fall  zu  Fall  ^e^ebenen  Freisen  nicht  ausgeschlossen
ist.  Wenn  aber  die  Ferti^^stellnn^-  unterlassen  werden
wollte,  werden  die  nnferti^en  Stücke  gerade,  wie  schon
^ebranehte  Stücke,  doch  auch  bei  sorgfältigster  Anfbewahrnng-
  am  Ende  des  Jahres  mir  mehr  in  vcrsehleehterter
  Hesehattenheit  vorhanden  sein,  nnd  mir
jene  Summe  von  IIerstellnn^s])erzenten,  die  dann  noch
verbleiben  würde,  bildet  das  anrechenbare  Ansmass,
mit  dem  die  anfänglich  vorräthij»-en,  nnvollcndeten
Stücke  in  der  sehliessliehen  Verniö^ensinventiir  er-
        <pb n="358" />
        327

sclieiiien  köimtcii.  Wenn  also  z.  Ik  ein  Fabrikant  von
Werkzen^’inaseliinen  am  Anfang  des  .labres  ein  lialbfertiges
  Stiiek  besitzt,  das  er  mit  50  Ilerstellnngs-])erzenten
  veranseblagt,  so  würde  er  dieses  aneli  bei
sorgfältigster  Aufbewabrung  doeb  am  .Jabresseblnsse
mir  mit  weniger,  etwa  mit  45  %,  bewertben  können.
ird  er  dagegen  in  seiner  Arbeit  nicbt  nnterbroeben,
so  kann  er  das  vollendete  Stück  zum  Marktjireise
verkaufen  oder  seinem  verkänflieben  Vorratbe  s  binziifügen,
  so  dass  er  seine  Vermögensinventnr  dnreb  die
Fertigstellung  um  55%  verbessert  und  also  niebt  50,
sondern  55  %  erzeugt  bat.  Stellt  nun  dieser  Produzent ­
  im  Laufe  des  .labres  im  ganzen  f  Stücke  des
.Vrtikels  vl  fertig,  so  ist  seine  diesjäbrige  Frzeugung
mindestens  =  (/—0'45).  Auf  das  so  bestimmte  Minimum ­
  wird  jedoch  die  wirkliche  .Jabrcserzeugung  c  von
A  nur  ausnahmsweise  beschränkt  bleiben,  indem  zumeist ­
  darüber  hinaus  noch  ein  un  verkäuflicher  Froduktionsrest
  unfertiger  Stücke  bergestellt  werden  )\ird.
Der  Fnternebmer  wird  nämlich,  wenn  die  Arbeit  einmal ­
  im  Gange  ist,  die  Herstellungskosten  eines  solchen ­
  Festes  geringer  veranschlagen  als  die  im  Hinblicke ­
  auf  den  erwarteten,  künftigen  Preis  ^  von  A
mit  dieser  Herstellung  verbundene  Aufbesserung  der
\  ermögensinventur  und  daher  seine  Frzeugung  e  gerade ­
  so  weit  aiisdebnen,  bis  die  Selbstkosten  einer
weiteren  Vermehrung  des  Produktionsrestes  mehr  ausmaeben
  würden  als  die  gleichzeitige  Aufbesserung  der
\  ermögensinventur.  Die  Herstellungskosten  der  j
fertigzustellenden  Stücke  werden  durch  die  gleich-
        <pb n="359" />
        —  ;-î28  —
zeitij&amp;gt;c  weiterer  Stiieke,  die  ain  Hmle
(les  Jahres  iiiivolleiidet  hleibeii  iiiid  die  Verniôg-eiisinveiitiir
  verbessern,  rednzirt,  ^anz  el)enso  wie  die
Niitzliebkeit  der  neu  in  (iebraneli  ^ennnnnenen  Stiieke
von  ^1  sieb  dadureli  erhöbt,  dass,  wie  früher  (66)  erwähnt, ­
  dureli  eine  angemessene  Kinseliränknn«»'  des  Verbrancbes
  v  ein  Konsnintionsrest  iibri^-  behalten  wird.
Wir  sehen  also,  wie  das  Individunni,  welches
nebst  den  Preisen  aller  anderen  Artikel  auch  den  von
ihm  erwarteten,  künftigen  Preis  tgt  von  A  kennt,  im
Stande  ist,  jene  Krzen&amp;lt;»nn¿^smení4’e  e  und  jene  Verhranehsmen^e
  v  zu  ermitteln,  durch  welche  eine  bestimmte, ­
  fertig'  zu  stellende  Stückzahl  f  am  vortheilhaftesten
  herg-estellt  und  eine  gleichzeitig'  neu  in
(tehraneh  zu  nehmende,  bestimmte  Stückzahl  //  am
vortheilhaftesten  verwendet  werden  kann.  Dadurch  ist
dann  auch  der  schliesslich  zu  haltende  Produktionsund ­
  Konsnintionsrest  von  seihst  ^e^ehen;  auch  wird
das  Individuum  bestimmen  können,  wie  weit  es  einerseits ­
  jedes  einzelne  der  schon  im  Vorjahre  benützten
oder  neu  in  (iehraueh  genommenen  Stücke  im  laufenden ­
  Jahre  verhrauehen  und  anderseits,  wie  viele
Stücke  es  in  Arbeit  nehmen  und  wie  weit  es  in  der
Ferti^'stellun^'  jedes  einzelnen  ^ehen  soll.
Wir  können  aber  auch  noch  weiter  &amp;lt;»'ehen  und
die  Ermittlung'  der  vortheilhaftesten  Verwendun^s-,
beziehungsweise  Herstellungsart  jeder  An-  oder  Verkanfsmen^^e
  von  A  verfol&amp;lt;&amp;gt;'en.  Dem  rndividnum  bieten
sieh  nämlich  bei  jeder  bestimmten  Menge  x  zahlreiche
Kombinationen,  die  sieli  nicht  nur  durch  verschiedene
        <pb n="360" />
        329

Mengen  anderer  Artikel,  sondern  aueli  dadureli  unterselieiden,
  dass  die  Beniitzung’sinenge  sowie  der  verkant ­
  liehe  Scddiissvorrath  s  von  A  ^ross  oder  klein
sein  können,  wenn  nur  auch  die  Zahl  f  der  fertig*
zu  stellenden  Stücke  ents])reehend  ¿»toss  oder  klein
ist,  so  dass  —  wenn  wir  den  verkäuflichen  Theil  des
Anfan¿»svorrathes  mit  a  bezeichnen  —  immer
=  ff  4-  .9  —/—  a
hleiht.  Jede  dieser  verschiedenen  Koinhinathmen  wird,
ah¿»esehen  von  dem  Aufwande  oder  Erlöse  für  die
An-  oder  Verkautsmen¿re  z,  je  eine  bestimmte  Hefriedi¿»un¿»’
  herheitühren,  und  Eine  derselben  wird  die
¿»•rösste  Uefricdi&amp;lt;»un&amp;lt;»-  ¿»ewähren.  Durch  die  Auswahl
dieser  vortheil  hattesten  Kombination  werden  also  nebst
den  Men¿&amp;gt;’en  aller  anderen  Artikel  auch  die  (irössen
//,  s  und  y  und  zu¿&amp;gt;  leich  auch  der  mit  der  hetretfenden
An-  oder  Verkaufsmen¿»e  x  von  A  verbundene  Lehens-¿^enuss
  bestimmt.  Es  lässt  sich  also  auch  eine  auf
den  Artikel  A  hczo¿rene,  den  drei  verschiedenartig»en
\  orrathshaltun¿»'cn,  die  wir  nun  kennen  ¿»clernt  haben,
líechnun¿*‘  tra¿»cnde  Echens¿^enusskurvc  aufstcllcn,  die
sich  nun  wieder,  wie  in  Ei¿»\  50,  hei  einem  jiroduzirenden
  Konsumenten,  der  nur  einen  verkäuflichen
Schlussvorrath  .s  hielt,  zu  beiden  Seiten  der  Ordinatenachse
  erstreckt.  Auch  wird  in  dieser  Kurve,  sowie
in  jener  //„//„  (Ei«»'.  50),  eine  ¿¿gewöhnlich  etwas  hin¿»ere,
¿gerade  Strecke  hervortreten,  deren  Richtun¿»'  jenen
hinter  noch  zurückhleihenden  (irenzj)reis  an¿fiht,
von  dem  ah,  wenn  der  Marktpreis  weiter  fällt.
        <pb n="361" />
        (lie  eines  verkänflielieii  Selilussvorrntlies  .v  erst
beginnt.  Es  ist  niimlieli  klar,  dass  ein  solelier  nielit
j&amp;gt;elialten  werden  wird,  so  lan^e  eine  Vernnndernn^'
der  Verkantsinen&amp;lt;&amp;gt;e  oder  eine  Vermelirnn^'  der  Ankaufsnien^e
  noeli  vortkeilliafter  dazu  verwendet  werden
kann,  sei  es,  die  Zald  /  der  ^anz  fertig"  zu  stellenden
Stücke  zu  rednziren,  sei  es,  die  Zald  g  der  neu  in
Gebraucli  zu  mdiinenden  Stücke  zu  verdrössern.  Selbstverständlicb
  bän^t  die  Eorni  der  Lcbens^ennssknrve
ancb  liier,  wie  in  Fio-.  ß()^  von  dein  antano-licben,  nnverkäiiflicben
  Konsiuntionsvorratb  und  mm  ancb  noeb
von  dein  anfän^licbcn  Prodnktionsvorratb  ab,  und  ist
es  ancb  bei  diesem  keineswegs  ^leieboiilti^-,  ob  er  ans
wenio-en,  beinabe  ^aiiz  vollendeten,  oder  ans  vielen,
eben  erst  an^efan^enen  Stücken  sieb  znsaininensetzt.
Der  allo-eineinste  Fall  der  Vorratbsbaltnno-,  den
wir  nun  kennen  ß(dernt  baben,  koinint  ^anz  ebenso
ancb  bei  jedem  Verbranebsartikel  vor,  der  mir  in
o-rösserem  ^larkteinbeiten  nmo-esetzt  werden  kann;  aber
ancb  bei  Artikeln,  die  in  kleinsten  Meno-en  nmo-esetzt
werden,  wird  neben  einem  verkänflieben  Seblnssvorratb
  ancb  ein  nnverkänflieber  Frodnktionsrest  anttreten,
  sobald  sieb  bei  der  betrettenden  Produktion
vers(diiedene  Arbeitsstadien  nntersebeiden  lassen.
Endlieb  können  wir  alle  diese  Ibdraelitmioen
ancb  auf  den  Fall  ansdebnen,  dass  der  (^ebranebsartikel
  A  bei  seiner  Penütznno-  keinerlei  Abnütznnounterließen
  würde.  Dabei  zeißen  sieb  manelie  \'ereinfaebuiißen,
  denn  es  ßibt  liier  —  ausser  im  Weße
des  Verselienkens  oder  des  Verarbeitens  zu  einem
        <pb n="362" />
        331

anderen  Artikel  von  bekanntem  Preise  —  keinen
\  erbraneli  v,  so  dass  aneli  von  einem  iinverkänt'lielien,
sei  es,  antan^lielien,  sei  es,  seldiesslielien  Konsnndionsvorratli
  nielit  die  Pede  sein  kann.  Es  stellt  dem
Individnum  vielmelii"  vollkommen  trei,  den  {ganzen,
ans  Ankant  und  ei^’ener  Fertigstellung'  bervor^elienden,
  verkänflielien  Seldnssvorratli  s  naeb  Belieben  zu
benutzen,  so  dass  ein  soleber  liier  nielit,  wie  trüber
(60)  erwalint,  an  und  tlir  sieb  nnan^enebni,  sondern
—  wenigstens  bis  zur  Grenze  voller  Sätti^un^'  —
an^enebni  sein  wird.  Ein  verkauf  lieber  Seblussvorratb
  s  kann  daber  liier  aueli  sebón  bei  einem  ^larkt-]&amp;gt;reise
  t(/  //  ^ebalten  werden,  der  keineswegs  niedriger
zu  sein  brauebt  als  der  erwaidete  künftige  Preis  ff/t;
doeb  werden,  so  lan^e  das  Individuum  den  Artikel
aueb  selbst  jiroduzirt,  diese  Abweiebun^en  von  dem
trüberen  b  alle  in  der  Kurve  niebt  deutlieli  liervortreten.
  Wäre  da^e^en  die  eigene  Produktion  des  Artik(*ls
  ausj»'esebloss(*n,  so  würde  die  auf  denselben  bezogene ­
  Eebens^enusskurve  im  allgemeinen  niebt  etwa,
wie  bei  einem  abnützbaren  Gebrauebsartikel  (Fi^.  60),
in  der  Ordinatenaebse,  sondern,  wie  bei  einem  W  ertbjiajiier
  (Fi^-.  58),  weiter  links  über  einer  Abszisse,
welelie  den  Anfan^svorratli  a  bemisst,  beginnen,  vorausgesetzt, ­
  dass  aueb  dieses  niebt  jiroduzirende  Individuum ­
  seinen  Besitz  an  diesem  Artikel  immer  zum
vollen  Markt])reise  verkaufen  kiinne.  Tritft  diese  Voraussetzung- ­
  niebt  zu,  so  sind  solebe  Artikel,  wenn  sie
aueli  beim  Gebraueb  keiner  jibysiseben  Abnützungunterließen,
  doeli  als  abnützbare  Gebrauelisartikel  an-
        <pb n="363" />
        332

ziiselieii.  IJelni^Tiis  ist  zu  lu'iicliteii,  dass  es  in  Wirklichkeit ­
  nur  wenige  Artikel  j^iht,  die  keiner  Ahnützun^'
unterließen,  und  die  zußleieli  in  zaldreiehen,  identischen
Stücken  anftreten;  seihst  Perlen  und  Edelsteine  kininen
nur  insolante  hierher  ßcreehnet  werden,  als  es  sieh
hloss  um  kleine  Stücke  handelt,  während  hei  ßrösseren
Exemplaren  die  von  Stück  zu  Stück  wahrnehmharen
Untersehiede  nicht  nnheaehtet  hleihen  können,  so  dass
jedes  solche  Stück  als  je  ein  hesonderer  Artikel,  der
auch  je  einen  anderen  Preis  hediiißt,  aiißesehen  werden
muss.
Wir  sehen  ans  allen  vorstehenden  Anseinandersetznnßen,
  dass,  wenn  die  An-  oder  Verkanfsinenßc
mit  dem  Unterschiede  von  N'erhraneh  und  Erzeiißniiß
nicht  mehr  ühereinstimmt,  wenn  also  das  Individuum
nicht  nur  konsnnnrt  und  j)rodnzirt,  sondern  auch  s]&amp;gt;eknlirt,
  verkäufliche  und  nnverkänfliehe  Vorräthe  hält,
die  charakteristischen  Eißensehaften  der  Lehensßcnnssknrve
  und  ihrer  Ahßeleiteten  und  somit  auch  jene
der  (iesammtknrven,  die  den  Preis  hestimmen,  doch
die  ßleiehen  hleihen.  Der  sehr  wesentliche  Umstand,
oh  ein  Individuum  hei  der  Wahl  der  für  jede  Meiiße
X  vortheilhaftesten  Komhination  auf  alle  diese  recht
komplizirtOn  Verhältnisse  Küeksieht  nimmt  oder  nicht,
kommt  wol  in  jeder  einzelnen  Ordinate,  keineswcßs
aber  in  einer  an  und  für  sieh  wahrnehmharen  Weise
in  der  Form  der  Kurve  zum  Ausdrucke.
        <pb n="364" />
        333

()í).  Dor  Zwisclieiilmiidol.
All  (lie  Jicliaiidluiifr  jener  \"eiimnicli.sartikel,  die
nur  in  grösseren  Kinlieiten  anf  deni  Markte  ersclieinen,
wälirend  liei  der  Konsumtion  und  Produktion  des  Einzelnen ­
  noeli  kleinere  Einheiten  in  Betracht  kommen,
und  die  sich,  wie  wir  gesehen  haben,  ^anz  wie  Gehrauehsartikel ­
  verhalten,  lässt  sich  noch  ein  spezieller
l'îdl  anreihen,  der  we^en  seines  häufigen  Vorkommens
von  Wichtigkeit  ist.  Es  bestehen  nämlich  oft  auch
tiir  (jualitativ  ^anz  gleichartige  Aitikel  doch  Je  nach
der  üblichen  (Düsse  der  einzelnen  I  insätze  ^leichzeitio-
  verschiedene  Preise.  So  ^ilt  z.  B.  hei  Zucker
ein  Preis  tiir  den  Verkehr  in  ganzen  Wa^^onladun^en
zwischen  den  Eahrikanten  und  den  (Dosshändlern,
ein  anderer  für  den  hutweisen  Verkauf  seitens  der
letzteren  an  die  Krämer  und  so^-ar  noch  ein  dritter
noch  höherer  Preis,  zu  dem  die  letzteren  ihren  Kunden
den  Zucker  in  aus^esehla^enen  Stücken  zu  wiegen.
Naelidem  wir  schon  früher  (2f))  hervor^ehohen  haben,
dass  jede  Soite  z.  B.  auch  von  Zucker,  sobald  der
(Qualitätsunterschied  eine  Preisdifferenz  hedin«ft,  als
Je  ein  besonderer  Artikel  anzusehen  ist,  müssen  wir
nunmehr  noch  weiter  wehen  und  auch  „Zucker  in
g-anzen  Wa^'^onladunwen^\  „Zucker  in  Hüten“  und
„solehen  in  ahwewn^enen  Stücken“  als  verschiedene
Artikel  i&amp;gt;elten  lassen.  Die  Preise  dieser  Artikel,  von
welchen  der  zuerst  genannte  gleichsam  das  Rohmaterial ­
  bildet,  aus  dem  der  Grosshändler  „Zucker  in
        <pb n="365" />
        Iliiteii“  ebenso  b  erstellt,  wie  der  Krämer  die  abgewogenen ­
  Stücke  ans  dem  &amp;lt;»-an/en  lint,  kalten  sieb
zwar  da  sie  &amp;lt;&amp;gt;anz  so,  wie  andere  verwandte  Sorten,
einander  aiieb  vertreten  können  —  innerhalb  en^er
Grenzen,  ändern  sieb  aber  beim  Steifen  und  Fallen
keineswegs  immer  ^anz  ^•leiebmässi»*.  Die  ITnternebmiin^*
  des  Grossbändlers  und  des  Krämers,  die
sieb  jener  des  Fabiikanten  an  reibt  und  oft  aiieb  noeh
Transj)ortkosten  mit  sieb  bringt,  vollendet  erst  die
11  erste!lun&amp;lt;&amp;gt;’  des  im  Detail  verkänflieben  Artikels,
^anz  wie  umgekehrt  der  Händler,  der  landwirtbsebaftliebe
  Produkte  und  Abfälle  auf  kauft,  um  sie  in  ganzen
\Va»-^’onladun^-en  weiter  zu  verkaufen,  als  Produzent
von  Artikeln  für  den  Grossverkebr  anzuseben  ist.
Ueberdies  kann  Jemand,  der  das  Gesebäft  des  Detaillirens
  oder  umgekehrt  des  Zusammentässens  zu
grösseren  Einheiten  betreibt,  ^leiebzeiti^-  aueb  Konsument ­
  und  aueb  noeb  Produzent  im  enteren  Sinne
des  Wortes  sein;  ein  soleber  ist  in  der  Ea^e,  die
Haltung"  von  Konsumtions-  und  Produktionsresten  zu
vermeiden,  indem  er  diese  zu  einem  inedrio-eren  Detail))reise
  verkauft,  oder  aueb,  indem  er  sie  dureli  Zukauf ­
  zu  einem  höheren  Detail)»reise  auf  oanze  Afarkteinbeiten
  abrundet  oder  endlieb  dureb  eben  sol  eben
Zukauf  es  ers))art,  ^anze  Einheiten  anzukaufen,  die
er  niebt  mehr  auf  brau  eben  könnte.  Es  ^ibt  also
Artikel,  welebe  neben  allen  anderen  Verwendungen
noeb  die  weitere,  zur  Herstellung-  eines  (¡ualitativ  &amp;lt;»anz
^leiebarti^  en,  für  den  Detail  verkehr  oder  aueb  umgekehrt ­
  für  den  Grossverkebr  bestimmten  Artikels,
        <pb n="366" />
        finden  können,  und  zwar  kann  dies  neben  oder  aueh
statt  der  Ilaltnn»-  nnverkänt’lielier  Reste  &amp;lt;»-eselielien.
Um  die  aut  einen  solelien  Artikel  A  bezogene  Uebensi»*enusskiirve
  riebti^"  autstellen  zu  können,  müssen  duller
nebst  den  Preisen  aller  anderen  Artikel  und  nebst
dem  von  dem  betrettenden  Individuum  erwarteten  Zuknnttsjireise
  tff  'Ç  von  A  aueb  noeb  Jene  Preise  ^e-«»•elum
  sein,  zu  weleben,  sei  es,  kleinere,  sei  es,  orössere
  Markteinbeiten  ^leieber  (Qualität  ^ekautt  oder  verkaiitt
  werden  könnten,  äbnlieb,  wie  zur  Aufstellung"  der
aut  einen  (Udnanebsartikel  bezogenen  Uebens^enusskurve
  die  Preise  alter  Stücke,  so  wie  die  Alietbun^sund
  \  ermietbun^spreise  bekannt  sein  mussten.  Wir
können  aber  liier  der  völligen  Gleieliarti^keit  des
Artikels  we^'en  von  Fall  zu  Fall  die  ^loditikation,
welelie  die  Uebens«fenusskurve  erleidet,  verfolgen  und
wollen  dies  an  einem  Heisjiiele  zeigen.
Denken  wir  uns  ein  rndividuum,  welelies  Zigarren
einer  bestimmten  Sorte  konsumirt  und  jiroduzirt  und
aneli  mit  solelien  sjiekuliren  kann,  und  sei  7„//„  (Fi^.
01  aj  dessen  auf  diesen  Artikel  bezogene  Uebens-^enusskurve,
  welebe  für  den  Fall  ^ilt,  dass  der  Anund
  \  erkauf  nur  naeb  einzelnen  Stüeken  erfolge  ;
zu^leieb  seien  in  dieser  Fi^ur  die  Abszissen,  welche
den  Ankauf  oder  Verkauf  von  100,  200,  300  u.  s.  w.
Stücken  an^eben,  durch  aus^ezo^ene  Ordinaten  bezeielinet.
  Würde  da^e^en  der  Verkehr  nur  in  ganzen
Kistcben  à  100  Stück  vor  sich  ^-elien,  so  hätten  wir
in  Fi«»’.  01  b  über  den  Abszissen,  welebe  den  Anoder ­
  Verkauf  von  1,  2,  3  u.  s.  w.  Kistcben  an^reben.
        <pb n="367" />
        38n

(lie  in  Gl  a  ans^ezn^enen  Ordinaten  zu  re])ro(luziren,
  weil  sieli  der  Lel)enso*ciniss  Gei  diesen,  gerade
ganzen  Kistelien  ^leieliknmnienden  Alenden  dnrcli  den
Verkehr  nach  grösseren  Markteinlieiten  nicht  ändert.
Die  zwischenlie^enden  Mengen  können  nun  iiherliau])t
nicht  nino-esetzt  werden;  wir  erlialten  also  dnrcli  die

Fig.  61  a

Vw

V  erhindnn^-  der  Endjinnkte  der  erwähnten  Ordinaten
eine  neue  Kurve  d.  i.  die  auf  den  Artikel  „Zij&amp;gt;-arren
  in  Kistdien  à  100  Stückhezo^ene  Lchens-^•enusskurve,
  welche  den  versdiicdcnarti^en,  vorstehend
(G8)  hesjiroclienen  \  Orrathslialtun^en,  nicht  a  her  der
Möolidikeit  eines  Detail  an-  oder  Verkaufes  Redinun^-trägt.
  Ist  nun  das  Individuum  in  der  Lage,  einzelne
        <pb n="368" />
        337

Zi^rarren  zu  dem  festen  Preise  OPj  kaufen  zu  können,
und  kann  dasselbe  solelie  aucli  verkaufen,  jedocli  nur
zu  einem  niedrigeren,  ebenfalls  festen  Preise
so  wird  eine  weitere  Aenderun^  der  Lebensg'enusskurve
  (big.  Gl  b)  eintreten,  indem  dieselbe  den
tbeilweise  rotb  gezeiebneten  Verlauf  f)a,0n,  annimmt.

Fig".  Gl  b.

\9n.

\R

ya

Betraebten  wir,  um  diese  Aenderun^  zu  verfolgen,
in  Fi^‘.  Gl  a  den  Sebnitt])unkt  der  Abgeleiteten  mit
der  Preislinie  OP¡  —  derselbe  lie^t  in  unserer  Fi^-iir
über  der  jiositiven  Abszisse  210  —  so  finden  wir  in
dem  Vertikalabstand  dieses  Sebnittjmnktes  von  der
Kurve  //„//„  die  Befriedi¿»un^,  welebe  das  Individuum
Auipitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.

22
        <pb n="369" />
        l)eiin  lícstniidc  dos  I)otailíiukaufs])roisos  OP,  olmo
Kauf  und  erkauf  dos  Artikels  „Zigarren  iii  Kistolioii“
ciToiolioii  kaiiii.  Diese  Mefriedi^uu^'  lia  heu  wir  dauii
iu  Fio-,  í;i  1)  als  Aufauo'sordiuate  Oh,  der  neuen  J^ebenso-enusskurve
  //„,//„,  aufzutrao-cii.  Diese  neue  A  ufan  "sordinate
  Oh,  ist  läno-er  als  jene  OI&amp;gt;\  denn,  wenn
aueli  beide  Ordinaten  die  ohne  Kauf  und  Verkauf
o-anzer  Kisteben  erreiebbare  Defriedi^uno-  darstellen,
so  o'ilt  doob  DA,  so  wie  die  ^anze  Kurve  (Fio-,
Gl  b)  für  den  Fall,  dass  nur  "anze  Kisteben  auf  dein
Markte  ersebeinen;  die  Möo’liobkeit,  einzelne  Zio-arren,
in  unserem  Beisjiiele  210  Stiiek,  kaufen  zu  können,
wird  aber  jedesfalls  die  Hefriediouno-  erhöben.  Aueb
ist  es  klar,  dass,  wenn  dem  Individuum  nun  ein  oder
zwei  Kisteben  unentoeltliob  beio'estellt  würden,  sein
Lebenso-enuss  über  die  Anfan"  sbefriedio  uno-  Oh,  hinaus,
und  zwar  o-erade  um  den  Minderaufwand  für  100,  beziebuno'sweise
  200,  einzelne  Zio-arren  zum  Preise  OP,
o-esteio-ert  werden  würde;  der  reobte  Ast  der  Debenso-enusskurve
  //„,//„,  muss  also  vom  Funkte  h,  bis  zu
dem  über  der  Abszisse  2  liegenden  Funkte  y  g  o-eradlinio-
  und  der  Freislinie  OP,  ¡la  ral  lei  verlaufen;  dadurob
  wird  auso-edrüokt,  dass  ein  Ankauf  von  Kisteben ­
  selbstverständlicb  niebt  statttinden  kann,  solano-e
deren  Freis  höher  als  01\  ist.  Sinkt  dao-e^en  der
Kisteben])reis  aueb  noob  so  wen  io-  unter  OP,^  so  wird
das  Individuum  zwar  naob  wie  vor  an  einem  Totaleinkaufe ­
  von  210  Zigarren  festbalten,  denselben  aber
dadureb  vollziehen,  dass  es  zwei  Kisteben  zu  deren
billio-erem  Preise  und  daneben  nur  noeb  10  einzelne
        <pb n="370" />
        330

Zigarren  zum  Preise  OPj  aiikauft.  Vom  Punkte  y»
ab  verläuft  die  neue  Lebeusf&amp;gt;euusskurve  in  der
Picbtun^'  der  vom  Punkte  y2  au  die  alte  Lebeiis-^emisskurve
  (Fi^.  Gl  b)  zu  lebenden  Tangente,
d.  i.  in  dem  Falle  unserer  Pi^ur  bis  zu  dem  über
der  Abszisse  3  lie^^enden  Punkte  y^\  sinkt  der  Kistcbenju'eis
  unter  die  durch  die  Richtung  an^e^ebene
Grenze,  so  werden  drei  Kistclien  gekauft  werden,
während  der  Ankauf  einzelner  Zigarren  ^m\z  aufhöid.
Weiterhin  —  im  Falle  unserer  Fi^ur  bis  zu  dem  über
der  Abszisse  5  liegenden  Punkte  y^  —  fällt  die  Kurve
an't  jener  //„/y„  (Fio*.  61  b)  zusammen,  während
sich  von  hier  ab  wieder  der  Einfluss  des  bestehenden
1  letailverkaufspreises  01^  geltend  macht.  Wir  sehen
nämlich  aus  Fi^\  61  a,  dass  der  Schnittpunkt  der
Preislinie  ()1\  mit  der  Abgeleiteten  über  der  Abszisse
525  lie^t;  daher  wird  das  Individuum,  welches,  wenn
dies  möglich  wäre,  zu  diesem  Preise  525  Zigarren
kaufen  würde,  bei  dieser  Men^e  stehen  bleiben  und,
was  es  mehr  kaufen  muss,  also  von  sechs  Kistchen
75  Stück,  zum  Preise  Ol\  verkaufen.  Dieser  Erlös
tritt  also  zu  dem  mittelst  525  Zi&amp;lt;j^arren  erreichbaren
Lebensgenuss  hinzu.  Wir  le^en  nun  an  die  Kurve
!UHn  (Fii»-.  61  a),  ])aralh‘l  mit  der  Preislinie  eine
Tangente  und  verfolgen  dieselbe  bis  zu  ihrem  Schnitt
mit  der  rechts  nächst  folgenden,  in  unserer  Eiernder ­
  sechsten,  auseezoecnen  Vertikallinie;  die  Ordinate
dieses  Schnittpunktes  e^d  die  Hefnedieune  an,  welche
das  Individuum,  mit  Rücksicht  auf  die  MöehOiheit
des  I  )etailVerkaufes  zum  Preise  01^  mittelst  unent-2-2*
        <pb n="371" />
        uo

^•eltliclicr  l^eistelliiiii»-  von  GOO  ZipuTcii,  also  auch
von  sechs  Ki  steh  eu,  erreicheu  könnte.  Dies  ^‘ilt  allerdings ­
  nur,  wenn  der  Verkauf  einzelner  Zigarren  keinerlei ­
  Mühe  und  ITnannehinlichkeit  verursaeht,  anderenfalls ­
  würde  diese  Befriedi^nn^-  kleiner,  aber  —  wenn
nur  üherhanjd  von  der  Möglichkeit  des  Detail  Verkaufes
schon  Gehranch  gemacht  wird  —  doch  grösser  ansfallen, ­
  als  die  über  der  positiven  Abszisse  ß  stehende
Ordinate  der  Kurve  //„//„  (Di^\  Gl  h);  hier  haben  wir
also  eine  längere  Ordinate  anfzntra^en  und  erhalten
so  den  1  hinkt  der  Lehens^enusskurve  A  on
diesem  Punkte  le&amp;lt;&amp;gt;en  wir  dann  wieder,  und  zwar  nach
links,  eine  Tangente  an  die  Kurve  7„//„  (Fio-.  (;i
und  da  diese  iin  Punkte  yr,  berührt,  so  findet  hier
die  neuerliche  Trennung-  der  Kurven  //„  r/„  und
statt.  Sobald  nämlich  der  Kistchenjireis  unter  die
durch  die  Pichtunj»-  yr.yn  an^eoehene  Grenze  fällt,
werden  sechs  Ki  steh  en  gekauft  und  von  deren  Inhalt
schon  etwas  zum  Detailjireise  ()]\  verkauft,  ohwol
der  Kistchen])reis  noch  höher  als  OI\  sein  kann.
Dao-e^en  verläuft  die  Kurve  //„,//„,  rechts  vom  Punkte
zwar  höher  als  jene  //„//„  und  erreicht  auch  erst
viel  weiter  rechts  ihren  Scheitel,  aber  die  vom  Punkte
nach  rechts  gehende,  gerade  Strecke  der  ersteren
Kurve  ist  doch  schon  flacher  als  01^.  Die  Pichtnn«»'
dieser  Strecke  "iht  nämlich  jene  Grenze  an,  unter
welche  der  Kistehenjireis  sinken  muss,  um  das  Individuum ­
  zu  veranlassen,  sich  auf  das  besondere  Geschäft ­
  des  Kistchenankaufes  zum  Zwecke  des  Detailverschleisses
  einzelner  Zigarren  einzulassen.  Dieses
        <pb n="372" />
        i'iih

—  U\  —
CTL*schátt  wird  zumeist  iiiclit  we^eii  Eines  oder  weniger
Kistelieii,  sondern  erst  dann  unternommen  werden,
wenn  es  ‘»leieli  in  grösserem  Umfange  betrieben  werden
kann,  so  dass  vom  Punkte  naeb  reelits  eine  länj»'ere,
gerade  Streeke  folgen  wird,  deren  Ilorizontalausdebnun^’
eine  grössere  Anzalil  Kistelien  an^ibt.  Ganz  ebenso
wird  aueli  der  linke  Ast  der  Kurve  vom  Punkte
h¡  auso-eliend,  eine  längere,  gerade  Streeke,  die  steiler
ist  als  OP,^  aut  weisen,  weil  ihre  Hiebtun^  jene  Grenze
an^ibt,  über  welebe  der  Kistebenpreis  steifen  muss,
um  das  Individuum  zu  bestimmen,  seine  Produktion
von  Zigarren  einziisebränken  oder  autzu^eben,  um
sieb  dem  besonderen  Gesebäfte  des  Ankaufes  einzelner
Stücke  zum  Preise  OP,  und  des  Wiederverkaufes
derselben  in  ganzen  Kistelien  zuzuwenden.  Weiterbin
krümmt  sieb  natürlieb  aueli  dieser  Kurvenast,  weil  aueb
dieses  Gesebätt  mit  waebsenden  Mühen  und  Risiken
verbunden  ist.  Die  besjiroebenen  I  ntersebiede  der
sebwarzen  und  rotben  Lebensp^enusskurve  (Ei^\  61  b)
treten  in  deren  Abgeleiteten  noch  deutlieber  hervor.
Selbstverständlieb  würden  die  Modifikationen  der
Kurven  //„//„  (Ei^.  61  b)  andere,  wenn  aueb  älmliebe,
sein,  wenn  die  Preise,  zu  weleben  einzelne  Zigarren
gekauft  oder  verkauft  werden  können,  so  boeb  wären,
dass  die  Preislinie  OP,  oder  vollends  aueb  jene  OP.¿
die  Abgeleitete  (Fi^*.  61  a)  links  vom  Xulljmnkte  treffen
würde,  oder  wenn  es  Einen  festen  Preis  ^eben  würde,
zu  dem  einzelne  Zigarren  sowol  gekauft,  als  verkauft
werden  könnten.  Endlieb  liesse  sieb  aueb  der  Fall
behandeln,  dass  der  Preis  einzelner  Stücke  variabel
        <pb n="373" />
        und  dagcg-eii  ein  fester  Kistelieii])reis  ^e^elurn  wäre,
oder  dass  es  einen  festen  Preis  ^ehen  würde,  zn  dein
das  liidividnnni  ^anze  Kistehen  verkaufen,  und  einen
anderen  liölieren,  zn  dem  es  solelie  ankanfen  könnte.
In  dem  letzteren  Falle  würde  sieh  von  der  Kurve
Ua!)n  (Fig.  Öl  a)  rechts  und  links  je  ein  Ast  ahzweiten,
lind  zwar  würde  der  rechte  Ast  zur  Geltung  kommen,
wenn  der  niedrige  Preis  einzelner  Zi^-aiTen  deren  Znsammenlegun^
  zn  ganzen  Kistehen,  der  linke  Ast
aher,  wenn  der  hohe  Preis  einzelner  Zigarren  den
Ankauf  von  Kistehen  znni  Zwecke  des  Detailversehleisses
  lohnend  erscheinen  liesse.
        <pb n="374" />
        Die  Einzelobjekte.

70.  Kauf  1111(1  Verkauf  eines  Eiiizelobjektes.
Selbst  unter  den  Verbranelisartikeln  ^il»t  es  solelie,
  deren  einzelne  Stiieke  so  dentlielie  IJnterseliiede
wabrnelmien  lassen,  dass  jedes  einen  besonderen  Preis
bedingt  und  daher  aneli  als  je  ein  besonderer  Artikel
an&amp;lt;;eselien  werden  muss;  unter  den  Gebranehsartikeln
treten  solche  Unterschiede  noch  häutiger  zu  kai^e.  Ein
besonderes  Exeni])lar  eines  Fisches,  einer  Frucht,  einer
Plume  hat  keinen  Marktjweis,  so  weni^,  wie  ein  Hennpferd
  oder  ein  Hund;  dasselbe  ^ilt  von  einem  nnj*ewölmliehen
  Sehmnekstnek,  von  jedem  Kunstwerk,  von
jeder  für  eine  spezielle  Verwendung  gehanten  Maschine,
es  ^ilt  aber  aneh  von  fast  jedem  Hause  oder  Grundstücke, ­
  sowie  von  jeder  {.»anzen  Wirthsehaft  oder  Fabriksaidai&amp;gt;e.
  Bei  derartigen  Artikeln  gestaltet  sieh
alles  viel  einfacher,  da  es  keine  Gesammtkurven  «^ibt
und  der  Preis  immer  nur  zwischen  zwei  Personen,
dem  Käufer  und  Verkäufer,  bestimmt  wird.
Wenn  wir  nun  unsere  Betrachtung'  auch  auf  solche
Artikel  ansdehnen  wollen,  so  müssen  wir  dabei  hervorheben, ­
  dass  ein  bestimmtes  Einzeloljjekt  A  immer
        <pb n="375" />
        U4

mir  in  dem  Zustande,  in  dein  es  sieli  eilen  iietindet,
zu  verstellen  ist,  und  dass  keineswegs  ein  neuer  oder

es  sieli,  dass  die  auf  ein  solelies  iiezo^ene  ÏAdiensg-enusskurve
  sellistverständlieli  nur  die  Horizontalausdelinung-
  Eins  und  aueli  nur  Eine  gerade  Streeke  6//
(Fi^.  G2  a  oder  b)  haben  kann,  die  zur  Reeliten  oder
Linken  der  Ordinatenacbse  liegt,  je  naelidein  das
Objekt  A  (Fig.  62  a)  erst  zu  erwerben  wäre  oder

(Fig.  62  b)  scboii  zum  anfänglieben  Besitz  des  betracliteten
  Individuums  gehört.  Die  Ordinate  Oh  bezeichnet ­
  auch  liier  wieder  die  olme  Kauf  und  Verkauf

einemal  (Fig.  62  a)  oline  Erwerbung  des  Olijektes  J,

das  Individuum  dieses  Objekt  niebt  verkauft.  Elienso

unentgeltlieber  Beistellung  des  Objektes  A  erreielibare

Fiff.  62  a.

■ff
        <pb n="376" />
        345

in  Fij»*.  62  b  dagegen  jene  Befriedii^nn^,
die  dein  Individiinin  liei  der  Verän«seriin{j»‘  den  Objekte«,

Ordinate  (¡¡j  (Fi^*.  62  a)  oder  Ob  (Fi^.  62  b)  ausser

von  dein  (iennsse  oder  Frträ^nisse,  den  das  Individiuiin
  von  dein  Besitze  des  (  Mijektes  erwartet,  wesentlieb
  aneil  von  dem  Betra^fe  ab,  mit  dem  dasselbe  in
die  sebliessliebe  Vermö^ensinventiir  ein^^estellt  werden
kann.  Dieser  Betrag-  wäre  nur  dann  j^leieb  Null,  wenn

abgesehen  von  dem  dadureb  erreielibaren  Erlöse,  noeli
verbleiben  würde.  Demnaeh  bän^t  die  Län^e  der

Kig.  62  b.

b

0
        <pb n="377" />
        34(1

dii«  Objekt  ini  lautenden  Jahre  ^aiiz  verbranelit  würde,
wie  die«  aneli  bei  der  blossen  ^lietlie  eines  Hanses
oder  der  Haebtnn^'  eines  Grnndstiiekes  der  Fall  ist,
oder  wenn  das  Objekt  versebenkt  oder  zu  anderen
Artikeln  von  bekanntem  Preise  verarbeitet  würde.  Der
in  allen  anderen  Fällen  sieb  ergebende  Inventnrsbetra»-
  l  iebtet  sieb  aber  niebt,  wie  bei  einem  Oebranebsartikel,
  von  dem  es  zaldreicbe,  identische  Stücke  ^ibt,
nach  dem  erwaideten,  künftigen  ^Iarkt])reise  neuer
Stücke,  und  also  aneb  niebt  nach  den  Verbranebsjierzenten,
  die  dem  benützten  Stücke  am  Ende  des
Jahres  noch  zuj&amp;gt;'esebrieben  werden.  Hier,  wo  andere,
äbuliebe  Finzelobjekte  nur  als  Surrogate  angesehen
werden  können,  muss  sieb  das  Individuum  vielmehr
eine  Vorstellung*  von  dem  künftigen  Preise  des
Objektes  selbst,  und  zwar  mit  Uüeksiebt  auf  jene  llesebatfenbeit
  bilden,  die  dasselbe  je  nach  seiner  diesjährigen ­
  Verwendun^sart  dann  haben  wird.  Das  Individuum ­
  wird,  wenn  es  das  Objekt  jetzt  erwirbt,  und
ebenso  aueb,  wenn  es  im  Falle  der  bä^*.  b  dasselbe
jetzt  niebt  verkauft,  im  nächsten  Jahre  vor  der  Alternative ­
  stehen,  dasselbe  zu  verkaufen  oder  weiter  zu
behalten,  und  wird  sieb  immer  für  das  vortbeilbaftere
entscheiden.  Als  künftiger  Preis  tfjt  ist  daher  immer
der  böbere  jener  beiden  Preise  anzuseben,  die  das
Individuum  erwartet,  also  entweder  jener,  den  es  beim
Verkaufe  erzielen  zu  können  ^*laubt,  oder  jener  Preis,
bei  dem  es  nach  seiner  jetzigen  .Aleinuii^*  das  Objekt
aueb  dann  ^erne  behalten  möchte.  Sjiekulirt  z.  H.
jemand  mit  einem  Hause  oder  Grundstücke,  so  ist
        <pb n="378" />
        347

mir  (1er  erwartete,  künftige  Verkaufs]»reis  massgebend,
weil  (1er  1  betreffende  das  Objekt  nur  zu  einem  niedrigeren ­
  Preise  gerne  behalten  würde.  Handelt  es  sieb
(bigegen  um  ein  Kinriebtungsstüek,  um  ein  für  den
eigenen  Gebraueb  naeh  eigenem  Gesebmack  gebautes
Haus  oder  dergk,  so  wird  der  Preis,  den  man  bei
einem  etwaigen,  künftigen  Verkauf  erzielen  zu  können
glaubt,  nicht  in  Betraelit  kommen,  weil  der  Genuss,
den  man  sieb  von  der  Weiterbenützung  versjirielit,
höher  geschätzt  wird  ;  es  wird  eben  nach  jetziger
Kleinling  jener  Preis  höher  veranschlagt,  zu  dem  man
das  Objekt  im  nächsten  Jahre  gerne  behalten  möchte,
zu  dem  man  es  also  dann  eventuell  auch  gerne  ankaufen ­
  würde.
Der  künftige  Preis  mag  er  nun  in  der  einen
oder  anderen  Weise  bestimmt  werden,  ist  ausser  bei
Kunstwerken,  Sehmuekstüeken  und  anderen  beim  Gebrauche ­
  keiner  Abnützung  unterliegenden  Gegenständen ­
  wesentlich  von  der  Verwendungsart  abhängig,  die
das  Objekt  im  laufenden  Jahre  findet,  also  davon,  ob
dasselbe  stark  abgenützt  oder  sehr  schonend  behandelt
oder  etwa  gar  noch  verbessert  wird.  So  kann  ein
Grundstück  dureli  Kaubbau  deteriorirt,  (lurch  rationelle
Hewirthsehaftung  in  unveränderter  (Qualität  erhalten
oder  z.  H.  durch  eine  stärkere  Düngung,  durch  Drainirung
  oder  andere  Investitionen  auch  meliorirt  werden  ;
ein  1  laus  kann  wol  eine  Zeit  lang  in  unverändertem
Stande  erhalten  werden,  wird  aber  doch  ebenso,  wie  eine
Fabriksanlage,  auch  bei  sorgfältigster  Instandhaltung
mit  der  Zeit  immer  weniger  werth,  während  jedes
        <pb n="379" />
        348

solche  Objekt  (lurch  Umhauteii,  Ziihauteii  oder  Adaptirim^-eii
  auch  werthvoller  werden  kann.  Auch  ein
Xutzthier,  wie  z.  H.  ein  Keini])terd,  das  durch  üherma ­
  ssi^e  Aiistreu^uuo-  rasch  eutwerthet  und  vielleicht
so^’ar  schon  hinnen  Jahresfrist  ^anz  zu  Grunde  ^erichtet
  wird,  kann,  wenn  es  nur  nicdit  schon  zu  alt
ist,  durch  sorofälti&amp;lt;2,*e  Behandlung'  werthvoller  werden,
und  auch  ein  unahniltzhares  Objekt,  wie  z.  B.  ein
Schmuck,  kann  durch  eine  neue  Fassung-  höheren
Werth  erlangen.  Alle  diese  Ihnstände,  die  Annehmlichkeit ­
  oder  Unannehmlichkeit  einer  mehr  oder  weniiier
  intensiven  Benützung-  oder  der  dadurch  erzielte
Ertrag-,  die  Kosten  einer  nothdürfti^en  Instandhaltung'
oder  einer  weitgehenden  Adaptirun^  und  die  Je  nach
diesen  verschiedenen  Verwendun»sartén  des  Objektes
d  sehr  verschiedenen,  nächstjährigen  Preise  dieses  dann
mehr  oder  weniger  veränderten  Objektes  kommen  hei
der  Auswahl  der  vortheilhattesten  Verweil  du  iif^sart  und
somit  hei  der  Bestimmun»'  der  Ordinate  (¡(j  (Fi^'.  02  a)
oder  Ob  (Fi^^'.  02  h)  mit  in  Betracht.  Auch  die  Preise,
zu  welchen  das  Objekt  A  unter  verschiedenen  Nehenhedin»'un^en
  vermiethet  werden  könnte,  sind  hei  der
Wahl  der  vortheilhaftesten  Verwendun»sart  von  Einfluss ­
  und  ebenso  auch  die  Preise  der  Artikel,  zu  welchen ­
  dasselbe  verarbeitet  werden  könnte;  so  kann
z.  B.  ein  1  laus  oder  eine  Fabrik  demolirt  werden,  um
den  Bau»rund  und  die  Altmaterialien  zu  verkaufen,
oder  ein  Haus  kann  zu  eiiuu'  Fabrik  um»estaltet  werden ­
  oder  umgekehrt.  J)a&amp;lt;^e»'en  ist  die  Kenntniss  jenes
Preises,  der  für  die  hlos  miethweise  Benützun»'  des
        <pb n="380" />
        Objektes  A  zu  zaiilen  wäre,  sowie  aueli  der  Preise
anderer  Gegenstände,  die  dassel])e  ersetzen  könnten,
nur  für  die  Erinittlunf)-  der  Ordinate  Ob  (Fi^.  62  a)
oder  jener  (¡(j  (Fi^.  62  b)  erforderlicli.
Der  /insenverlust  und  das  Risiko  der  Zerstörung*
und  Hesebädi«**un^  inaelit  sieb  bei  Kinzelobjekten
iianz,  wie  bei  anderen  Artikeln,  geltend  ;  ebenso  bestellt ­
  die  Gefabr  einer  Fnttäusebun^  binsiebtlicb  des
naeli  der  jeweiligen,  diesjährigen  Verwendun^sart  erwarteten, ­
  künftii»*en  Preises  A//^.  Eine  solebe  Enttäusebun^'
  kann  aueb  bei  der  Weiterbeniitzun^  des
Objektes  dadureb  eintreten,  dass  die  konijdetirenden
Artikel  tbeurer,  die  konkurrirenden  wolfeiler  werden,
oder  dass  die  Nei^un^en  des  Individuums  sieb  ändern
oder  dessen  Veriuö^ensverbältnisse  sieb  versebleebtern.
Ist  tfjX,  da^e^en  im  llinblieke  auf  den  Verkauf  angenommen, ­
  so  ist  das  Risiko,  den  erwarteten  Preis
niebt  zu  erreieben,  liier  noeb  viel  grösser  als  liei  Artikeln, ­
  die  einen  Marktpreis  haben.  Dieses  Risiko
selbst  ist  von  den  jiersönlieben  Ei^ensebaften  des  \  erkäufers,
  seiner  (iewandtbeit,  Kaltblütigkeit  und  Zähigkeit ­
  im  Feilseben  abbän^i^*,  niebt  minder  aueb  \&amp;lt;m
seinen  \  ei'mö^ensverbä  1  tnissen,  da  der  Wolbabendere
immer  eher  erwarten  kann,  bei  einem  etwaigen,  sjiäteren
Verkaufe  des  (  Ibjektes  den  ihm  angemessen  ersebeinenden
  Preis  ///Ç  aueb  wirklieb  zu  erreieben.  I  eberdies
maelit  sieb  in  Wirkliebkeit  aueb  noeb  der  innerhalb
unserer  Voraussetzung^  un  veränderlieber  Wertbsebätzun^*
des  Geldes  ausser  Retraebt  bleibende  Umstand  geltend, ­
  dass  bei  besehränkten  Mitteln  ein  kosts¡iieli^er
        <pb n="381" />
        350

Ankauf  von  vorne  lierein  ans^eselilossen  int,  oder  der
¡non)})fe  Verkauf  eines  wertliv(dlen  ()])jektes  zur  zwiu-^eudeu
  Notliweudi^keit  werden  kann.  Aueli  der  iiäufi^e
Fall,  dass,  um  ein  Objekt  A  ankaufen  zu  können,  ein  anderes ­
  Objekt  oder  aueli  ^anz  anders  geartete  Kajutalsanla&amp;lt;»‘en
  verkauft  werden  luiissen,  wäbreud  dieser  \'erkauf
  unterbleibeu  würde,  weuu  das  Objekt  A  sehr
wolfeil  oder  ^ar  uueut^eltlieb  zu  haben  wäre,  lie^t
ausserhalb  unserer  Hetraebtun^-,  weil  —  so  lan^e
die  Wertlisebätzun«»-  des  Geldes  unveränderlich  bleibt
—  aueb  die  für  den  Besitz  von  A  vortbeilbafteste
Kombination  der  ganzen  Konsumtion,  Produktion  und
Vorratbsbaltunj»’  bei  jedem  Preise  von  A  die  ^leiebe
bleiben  muss.
Die  der  Verbiuduu^sliuie  b(/  ¡»arállele  Preisliuie
OJ\u  (Fi»-,  b‘2  a)  oder  OP„,  (Fi^\  (52  1))  bezeiebuet  den
Maximalankaufspreis,  beziehungsweise  den  Miuinmlverkaufspreis,
  des  Objektes  A;  das  Individuum  wird
also  dieses  Objekt  kaufen,  weuu  es  für  dasselbe  böebsteus
  den  Hetra^G/r¿  (Fi^\  02  a)  aufzuwenden  brauebt,
oder  dasselbe  verkaufen,  wenn  es  mindestens  den  lletra^'
  qa  (Fi^\  02  b)  erli)sen  kann.  Kann  das  Objekt
zu  einem  in  Fi^'.  02  a  niedrigeren,  in  Fi^-  02  b  aber
höheren  Preise  OP  gekauft  oder  verkauft  werden,  so
dass  der  Aufwand,  beziehungsweise  der  Erlös,  in  der
Ordinate  q¡&amp;gt;  erscheint,  so  bezeiebnet  die  Länge  ///&amp;gt;
die  Befriedigung  und  jene  np  oder  a  p  den  Befriedigungszuwachs
  durch  den  Ankauf  oder  Verkauf  von  A.
Wir  können  also  die  Gerade  Ov  (Fig.  02  a)  als  die
Nützliebkeitskurve  und  in  Verbindung  mit  der  Ordi-
        <pb n="382" />
        nato  ilircH  Eml])iiiiktcs  zii^leicli  aiicli  ais  (lie  Naelifra^rekurve
  des  Iiidividiiiiiiis  für  das  Ohjekt  A  aaselieii
mid  ebenso  in  Fi^»-.  02  b  die  Gerade  O  a  als  die  Kostenkurve ­
  und  zu^leieb  in  Verbindung  mit  der  von  ibrein
Endpunkte  abwärts  «gebenden  Vertikalen  als  die  An-^ebotskurve.
  Der  Naebfra^e  des  in  Ei^.  02  a  betraebteten
  Individuums  müssen  wir  uns  die  An^ebotskurve
  des  Besitzers  des  Objektes  A  ^e^enüber  gestellt
denken;  ist  nun  der  ]\IinimalVerkaufspreis  des  Besitzers
etwa,  wie  OP„,  iu  Ei^\  02  b,  böber  als  der  Maximalankauts])reis
  0/^  (Eio-.  02  a)  des  betrachteten  Individuums, ­
  so  muss  dieses  den  Ankauf  unterlassen.
Ist  da^e^en  der  Minimalverkaufs]ueis  des  Besitzers
niedriger  als  so  bilden,  wenn  nielit  vielleicht
noch  andere  Personen  in  Betracht  kommen,  diese
beiden  Preise  die  (Benzen,  innerhalb  welcher  der
Preis  durch  Feilschen  zwischen  den  beiden  Betbeili^ten
  bestimmt  wird.  Ganz  ebenso  steht  das  Individuum ­
  im  Falle  der  Fi^.  02  b  nur  demjenigen  ^e^enüber,
  der  unter  allen  Bewerbern  der  Kauflustigste  ist.
71.  Die  Il(*rst(‘lliiiiii:  eines  Biiizelobjektes.
Wir  haben  bisher  angenommen,  dass  das  betrachtete ­
  Einzelobjekt  schon  bestehe,  und  wollen  nun  den
Fall  behandeln,  dass  das  Objekt  A  erst  lierzustellen
wäre,  dass  es  aber  doch  in  allen  seinen  Eigenschaften
im  vorhinein  ^enau  bestimmt  sei.
Will  jemand  ein  solches  Objekt  A  erwerben,  und
kann  er  es  selbst  nicht  bersteilen,  so  befindet  er  sieb
        <pb n="383" />
        352

&amp;lt;^ciiaii  ill  (1er  La|&amp;gt;;e  des  in  Fi»'.  (&amp;gt;2  a  betraeliteteii  Iiidividuiiiiis,
  mir  mit  dem  Uiiterseliiede,  dass  dieses
Objekt  je  iiae.b  seiner  llerstelluii^sfrist  immer  als  ein
anderes  anzuselien  ist.  Ist  da^-e&amp;lt;ien  die  Selbstberstelhin^'
  mö^'lieb,  so  kommen  bei  Ermittlung-  der  ohne
Kauf  und  Verkauf  von  A  erreielibaren  Anfan¿&amp;gt;'sbefriedi^'iin^'
  Ob  (Fig-.  62  a)  nebst  allen  jenen  Kombinationen,
wek'lie  das  Objekt  A  ganz  ausscdiliessen,  aueb  noeb
solebe  in  lletraebt,  die  dessen  eigene  Herstellung  mit
sieli  bringen.  Da  diese  Kombinationen  den  seliliesslielien
  Besitz  des  fertigen  oder  untertigen  Objektes
A  berbeifiibren,  ma(*lit  sieb  dessen  erwarteter,  künftiger
Breis  tfft  nun  bei  Ermittlung  der  Ordinate  OJ&amp;gt;  (Fig.
62  a)  ganz  in  derselben  Weise,  wie  bei  der  Feststellung ­
  der  Ordinate  qfj  (Fig.  62  a),  geltend.  Zeigt
es  si(üi  dann,  dass  irgend  eine  den  Besitz  des  Objektes
A  ganz  aiissOiliessende  Kombination  mebr  Befriedigung ­
  gewäbrt  als  die  eigene  Herstellung,  so  wird
diese  unterbleiben;  die  Ordinate  Ob  (Fig.  62  a)  bebält
  dann  ihre  fiTdiere  Bedeutung,  und  das  Individuum
kann  in  den  Besitz  des  Objektes  A  nur  dann  gelangen,
wenn  sieli  jemand  bereit  findet,  ibm  dasselbe  zu  einem
Preise  herzu  stell  en,  der  ni(dit  böber  ist  als  01\,.  Ist
dagegen  eine  Kombination,  welebe  die  Selbstberstelliing
in  sieb  s(üiliesst,  die  vortbeilbafteste,  so  beriibt  die
Ordinate  Ob  (Fig.  62  a)  nun  auf  dieser  Herstellung,
und  letztere  wird  aueb  tbatsäeblieb  statttinden,  wenn
sieli  nielit  jemand  tindet,  der  dasselbe  Objekt  zum
Preise  01\i  oder  noeb  billiger  lierzustellen  bereit  ist.
Ist  die  Herstellung  dureb  einen  Anderen  dadureb
        <pb n="384" />
        aiLSíresclilossen,  dass  keine  fremde  Leistun«’  als  der
eigenen  oleieIiarti&amp;lt;r  anerkannt  wird,  so  rediizirt  sich
die  Lehens^'cnnsskiirve  auf  die  einzige  Ordinate  Oh^
die  in  der  eben  hesjn’oelienen  Weise  bestiniint  wird.
Hetraebten  wir  nun  ein  Individuum,  welches  ein
bestimmtes  (  Ibjekt  A  tiir  tremde  Rechnung,  also  über
Hestellun^  seitens  eines  Anderen,  berstellen  soll.  Ein

solcher  Unternehmer  erscheint,  wenn  er  die  Bestellung
annimmt,  als  Verkäufer,  und  seine  auf  das  Objekt
A  bezogene  Lebenso-enusskurve  gleicht  jener  h&amp;lt;j  (Ei^.
()2  b).  OJ)  bezeichnet  nun  die  ohne  Herstellung  des
(  )bjektes  A  erreichbare  Betriedi^un^,  die  also  vielleicht ­
  dadurch  erzielt  wird,  dass  der  Unternehmer
mit  seinen  \\  erksvorriebtun^en  und  seinem  Personale
ein  anderes,  ähnliches  Objekt  berstellt,  sei  es,  auf  Bestellung' ­
  eines  Dritten,  sei  es,  auf  Spekulation  in  Erwartuncr
  eines  höheren,  künftigen  Preises  tfit  oder
etwa  für  den  eigenen  Gebrauch.  Die  Ordinate  q(f
bezeichnet  da^e^en  den  mit  der  Herstellung  des  Objektes ­
  A  verbundenen  Lebensgenuss,  d.  i.  jene  Befriedi&amp;lt;»un^',
  welche  erreicht  werden  würde,  wenn  das
Objekt  A  ohne  Entgelt  ber^estellt  werden  müsste.
Zur  Feststellung-  dieses  Lebens^fenusses  müssen  zwar
die  Preise  aller  anderen  Artikel  ^e^eben  sein;  doch
bedarf  es  keiner  Kenntniss,  sei  es,  eines  ^e^enwäi-ti^en.

sei  es,  eines  künftigen  Preises  von  yl;  da^e^en  muss
die  bedunirene  Vollendun^sfrist  bekannt  sein,  da
dieselbe,  wie  schon  erwähnt,  zu  den  wesentlichen
Eigenschaften  eines  erst  berzustellenden  Objektes  gehört. ­
  Ist  eine  bloss  einjährige  oder  eine  noch  kürzere

Aaspitz  u.  Lieben.  Untcrsiicb.  üb.  &amp;lt;1.  Theorie  d.  Preises.  23
        <pb n="385" />
        354

Vollcn(luii&amp;lt;i,-stVist  l)C(luiií&amp;gt;-cn,  so  wird  der  I’^iiteriielmier
die  vortheilliaftcstc  llcrstclliiii^-sart  gerade  so  zu  erinittclii
  wissen,  wie  jene  irgend  einer  l)estininiten
da1ires])rodnktmen^e  eines  ^ewölndiehen  Verbranelisoder
  Gebranehsartikels.  Aber  aiieb  wenn  bei  einem
(grösseren  Werke  eine  mein*  als  ein  ¡übrige  Vollendnn^stVist
  bedungen  ist,  wird  der  Unterneliiner  nickt  im
Zweitel  darüber  sein,  welekc  llerstellnngsart  er  wälden
und  wie  weit  er  l)ci  derselben  die  Arbeit  im  ersten
Jakre  fördern  soll,  wenn  er  nur  über  die  künftigen
Preise  aller  anderen  Artikel,  insbesondere  aber  seiner
Prodnktionserfordernisse,  die  ganz  direkt  auf  seine
Selbstkosten  einwirken,  eine  bestimmte  Meinung  bat.
de  mekr  sekon  im  ersten  Jakre  geleistet  wird,  desto
grösser  ist  die  auf  dasselbe  entfallende  Müke  und
Auslage,  desto  kleiner  ersekeint  aker  anek  die  Unannekmliekkeit,
  die  restliekc  Arbeit  innerkalb  des  noek
übrig  bleibenden  ddieiles  der  Vollendnngsfrist  fertig
stellen  zu  müssen,  eine  Unannekmlickkeit,  bei  deren
Veranseblagnng  das  Risiko  künftiger  Vertkenernng
der  Prodnktionserfordernisse  sekr  wesentliek  mit  in’s
Gewiekt  fallen  wird.  1  lütte  der  Unternekmer  die
Herstellung  des  Objektes  A  sekon  im  Vorjak  re  begonnen, ­
  so  würde  seine  Befriedigung  bei  unentgeltlieker
  Herstellung  binnen  irgend  einer  bestimmten
Frist  um  so  grösser  sein,  die  Ordinate  &amp;lt;¡(j  also  um
so  lüngcr  ausfallen,  je  grösser  der  anfünglicke  Produktionsrest ­
  sekon  ist,  je  weniger  also  zur  Vollendung
noek  feklt.  Je  lünger  die  Ordinate  7/7  und  je  kürzer
jene  Oh  ist,  desto  Hacker  verlüuft  die  Verbindungs-
        <pb n="386" />
        liiiic  bf!  ()2  b),  deren  Hielitiiiii»*  den  Mininnillierstcllunj»’8j)reÍ8
  OP^  bewtimmt;  mir  liei  einem  liölieren
Preise  OP  wird  das  lietraelitete  Individuum  das  Objekt ­
  A  in  der  bestimmten  Frist  lierstellen.  Die  Bet'riedi^un^
  erscheint  dann  in  dem  Vertikalabstande
des  Punktes  der  Nutzen  der  Herstellung  des
Objektes  in  jenem  des  Punktes  a  von  der  jeweilige
geltenden  Preislinie  OP;  die  Gerade  Oa  stellt  in
Verbindung-  mit  der  von  a  abwärts  laufenden  Vertikalen ­
  die  Angebotskurve  des  Individuums  für  das
Objekt  A  dar.  Der  Preis  OP  ist  hier,  wie  immer,
am  Ende  des  Jahres  zahlbar  gedacht,  und  er  muss
daher,  wenn  er,  wie  bei  sjiäterer  Vollendung  gewöbnlieb,
  auch  erst  später  oder  in  Raten  fällig  bedungen
ist,  nach  Massgabe  des  Preises  reduzirt  werden,  der
für  die  auf  die  entsprechenden  Termine  lautenden
Zablungsversjireclien  des  Bestellers  auf  dem  Markte
besteht.
Ist  der  Vollendungstermin,  wie  bei  manchen  Otfertverbandlungen,
  nicht  von  vorneberein  bestimmt,  so
wird  sieb  für  jeden  möglichen  Termin  die  Lebensgenuss- ­
  und  die  Angebotskurve  des  Unternehmers
anders  gestalten.  Bei  einem  dieser  Termine  wird  die
Ordinate  (¡¡f  am  längsten,  die  Richtung  h(j  am  nächsten ­
  und  somit  der  Miiiimalpreis  OP,„,  den  der  Unternehmer ­
  fordern  muss,  am  niedrigsten  sein,  und  diesen
Termin  wird  der  Unternehmer  einbalten,  wenn  er
nach  seinem  Ermessen  verfahren  kann.  Es  ist  klar,
dass  es  bei  jeder  bestimmten  Arbeitsleistung  eine  angemessenste ­
  Vollendungsfrist  gibt,  und  dies  tritt  nament-
        <pb n="387" />
        —  m\

lieh  hei  j»TOBseii  Werken,  wie  eine  Tunnelhohrnn^-,
Sehaehtahteufiini^-,  Flussnîj'nlinnio-  ete.  ete.,  deutlieh
hervor,  weil  die  Arbeit  sowol  dnreh  eine  iiher^-rosse
llesehlenni^nn^',  als  aiieh  dnreh  allxnlan^e  Versehle])-inino-,
  l)ci  der  die  Regiekosten  nnd  das  Risiko  des
Unternehmers  nnverhältnissniässi^  zunehmen,  vertheiiert
wird.  Ist  der  Vollenduno-stermin  in  der  Art  unhestimmt,
dass  für  die  Uchersehreitun&amp;lt;&amp;gt;-  einer  hestimmten  Frist
ein  Pönale,  für  die  frühere  Fertigstellung  da^e^en
eine  Prämie  vereinbart  ist,  so  hat  der  Unternehmer
jedem  seiner  naeh  den  versehiedenen  Terminen  sieh
versehieden  stellenden  Minimalpreise  aueh  einen  mit
Rüeksieht  auf  Prämien  und  Pönale  jedesmal  anderen
Preis  OF  ^e^enüher  zu  stellen;  danaeh  kann  er  die
ihm  {;-ünsti&amp;lt;.»‘ste  Arbeitszeit  ermitteln.  In  ^anz  ähnlieher
Weise  hat  er  seine  Entseheidun&amp;lt;»-  zu  treffen,  wenn  ihm
sein  Arbeitsverdienst  erst  naeh  Vollendung»'  zahlbar  &amp;lt;&amp;gt;‘estellt
  wird;  er  erhält  dann  mit  Rüeksieht  auf  den  Zinsenverlust ­
  um  so  w.eni^er,  je  später  er  fertig-  wird,  und
hat  demnaeh  je  nneh  der  Dauer  seiner  Arbeit  je  mit
einem  underen  Preise  zu  reehnen.
Die  Preisbestimmung"  erfolgt  hei  einem  erst  herzustellenden ­
  Objekte  ^anz  so,  wie  hei  einem  bereits
bestehenden,  innerhalb  der  dnreh  den  Maxinmlankaufspreis
  des  Restellers  und  den  Minimalherstellun^"s])reis
des  billigsten  Unternehmers  ^e^ehenen  Grenzen  durch
Vereinbarung"  zwischen  diesen  beiden  Personen.  Diese
Grenz])reise  treten  am  klarsten  hei  einer  Submission
oder,  wenn  es  sieh  um  ein  schon  bestehendes  Objekt
handelt,  hei  einer  Auktion  zu  Ta^e  ;  der  Zuschlag"  an
        <pb n="388" />
        357

(len  Meistbietenden  erteilt  bei  der  letzteren  zu  einem
Preise,  der  etwas  liölier  ist  als  der  ^Iaxiinalankautsj)reis
des  näebsteifri^en  Bewerbers,  bei  einer  Submission
aber  an  den  Mindestfordernden  etwas  billiger  als  der
Miidmallierstellnni^s])reis  des  näelisteifri&amp;lt;»en  Konkurrenten ­
  gewesen  wäre.  Der  [Maximalankaufspreis  des
Kauflustigsten,  und  somit  auch  der  wirkliche  Preis,
bleibt  verbältnissmässi^'  niedrig’,  wenn  die  Niitzlielikeit
des  Objektes  ^ennj»-  ist,  weil  es  leicht  durch  Surrogate ­
  ersetzt  werden  kann.  So  werden  die  Werke
lebender  Künstler  dureb  die  ^löglicbkeit,  äbnliebe  von
der  gleieben  Hand  erwerben  zu  köuuen,  gedrückt,
während  die  Werke  verstorbener  Kleister  um  so  höher
im  Preise  stehen,  je  eigenartiger  und  je  seltener  sie
sind.  Der  Preis  einer  mit  Dani))f  betriebenen  Industrieanlage ­
  oder  eines  Wohnhauses,  das  in  einem  kleinen
Orte  oder  an  der  Peri))berie  einer  Grossstadt  gelegen
ist,  kann  selbst  bei  günstiger  Konjunktur  für  das  betreffende ­
  Industrie])rodukt  oder  für  Mietbwobnungen
auf  die  Dauer  niebt  erheblich  über  die  Ilerstellungskosteu
  eines  älmlicben,  neuen  (  Ibjektes  steigen  ;  der
erforderliche  Baugrund  wird  lucbt  viel  tbeurer  bezahlt
werden  als  nabe  gelegenes  Acker-  oder  Gartenland.
Ein  im  Zentrum  einer  (irossstadt  gelegenes  Haus  oder
Grundstück  dagegen,  ebenso  wie  eine  günstig  gelegene
Wasserkraft  oder  ein  Bergwerk,  kann  durch  die  I  nmöglicbkeit,
  ein  annäherndes  Surrogat  zu  besebaften,
ausserordeutlicb  hohe  Preise  erreichen.  Aus  demselben
Grunde  überträgt  sieb  auch  in  jeder  dichtbesiedelten
Gegend,  in  welcher  es  keinen  kulturfäbigen,  berren-
        <pb n="389" />
        358

losen  Gruiid  iiielir  jede  Preisstei^eiuiig-  der  B(»denj)rodiikte
  auf  deu  Werth  der  Laud^iiter  und  lieht  diesen
weit  über  die  Kosten  der  Ihharniaehnng-  und  ]\Ieliorinnig.
  Dagegen  fällt  aneh  der  Preis  eines  Einzelobjektes, ­
  gleiehviel  ob  ein  äbnliebes  leiebt  oder  sebwer
oder  gar  niebt  zu  besebatfen  ist,  tief  unter  die  Selbstkosten, ­
  wenn  eine  ungünstige  Konjunktur  für  die  mittelst ­
  desselben  berzustellenden  Produkte  eintritt.  Der
Preissturz  eines  soleben  Objektes,  z.  Ik  einer  Fabriksanlage, ­
  die  nicht  betrieben  werden  kann,  findet  seine
Grenze  nur  in  der  Verwendbarkeit  zu  anderen  Zwecken
oder  endlich  in  dem  Erlös  für  die  Altmaterialien  und
den  l^augrund.
Im  Kleinverkebr  ersebeinen  Artikel  als  Einzelobjektc,
  die  es  im  Grossverkebr  keineswegs  sind.  Es
sind  oft  nur  wenige  Stücke  auf  Lager,  welche  Untersebiede
  des  Musters,  der  Farbe,  der  Foim  aufweisen,
die  im  Grossverkebre  keinen  Preisuntersebied  bedingen, ­
  während  dpr  Gesebmaek  des  letzten  Abnehmers
ihnen  Wichtigkeit  beilegt.  Auch  hier  wird  der  Preis
oft  erst  durch  Feilseben  bestimmt,  und  der  Detaillist
ist  in  der  Lage,  wenn  nur  Ein  Stück  alle  von  dem
Käufer  gewünsebten  Eigensebaften  vereinigt,  dieses
bis  nabe  an  den  Maximalankaufsjireis  des  Käufers
binaufzusetzen.  Wir  berühren  damit  einen  Fall  mono-])olistiseber
  Preisbestimmung,  mit  der  wir  uns  nun  eingehender ­
  beschäftigen  werden.
        <pb n="390" />
        Der  Killfluss  des  Einzelnen  auf  den  Preis.
        <pb n="391" />
        mÈÊ^SOÊÊÊæ

m

m
        <pb n="392" />
        Das  Monopol.

72.  Das  Verkaufs-  iiml  das  Aiikaiifsiiioiioiiol.
Nadidem  wir  schon  bei  unseren  letzten  Betraelitnn«*en
  den  Kindnss  des  Einzelnen  auf  den  Preis
nicht  mehr  unheaehtet  lassen  konnten,  wollen  wir
unsere  früher  (1)  ^einaehte  Voraussetzung",  dass  we^en
der  Grösse  des  Marktes  jedes  einzelne,  wirthsehaftliehe
  Individuum  sieh  so  henehme,  als  oh  sein  eigener
Aidvauf  lind  Verkauf  ohne  Einfluss  hliehe,  nun  hinsieh ­
  flieh  des  Einen  Artikels  A  fallen  lassen  und  vielmehr ­
  annehmen,  dass  das  hetraehtete  Individuum  sieh
seiner  Einwirkung  auf  den  Preis  dieses  Artikels  bewusst ­
  werde.  Die  Preise  aller  übrigen  Artikel  seien
da^e^en  nach  wie  vor  unveränderlich  ^eichen.  Eerner
nehmen  wir  zunächst  an,  dass  die  Markteinheit  des
Artikels  A  im  Vergleiche  zur  Jahresmen^e  sehr  klein
sei,  und  dass  daher  die  auf  diesen  Artikel  bezogenen
Kurven  kontinuirlieh  verlaufen.
Wenn  ein  Einzelner  dureh  ein  Patent  oder  ein
Privilegium  oder  dureh  die  aiissehliessliehe  Verfü^^un^"
über  ein  unenthehrliehes  Produktionserforderniss  das
unein^resehränkte  ^lonojiol  der  Erzeu^unu;"  und  daher
        <pb n="393" />
        362

aucli  (les  Verkaufes  eines  Artikels  A  besitzt,  so  bildet
dessen  Einzelkostenknrve  zngleieb  die  Gesaniintknrve
OA  (Fig-.  63).  Für  einen  solelien  Produzenten  «reiten
alle  die  Gründe  niebt,  welebe  eine  Anzahl  konknrrirender
  Unternebiner,  deren  Gesanimtkostenknrve
gerade  aneli  OA  wäre,  bestimmen  würden,  ihren  Verkauf ­
  bis  zn  der  Menge  welebe  dnreb  den  Sebnitt
der  rotb  gezeiebneten  Kurven,  der  Abgeleiteten  OA'

lind  der  Gesammtnacbfrageknrve  OxV',  angegeben
wird,  anszndebnen;  er  ist  vielmehr  in  der  l.age,  einen

kauft  er  z.  B.  nur  die  Menge  Ga,  so  kann  er,  da

anfznwenden,  diesen  ganzen  Betrag  erlösen  und  also
den  weit  höheren  Preis  GP,  der  dnreb  die  Uadius-0



.N'

N

iij  «»  a,  a

«A

Verkauf  auf  eine  kleinere  Menge  besebränkt.  Verdie ­

  Käufer  bereit  sind,  für  dieselbe  den  Betrag  ad'
        <pb n="394" />
        363

v(*ktoiTÍ(*litiinj&amp;gt;;  O  d'  angegeben  wird,  erreichen.  Der
Nutzen  des  Monopolisten  steigt  dabei  von  aut
bd\  wälirend  jener  der  Käufer  von  auf  dd'
sinkt.  Die  Ausnützung  des  Monopols  bringt  den
Konsumenten  einen  Nacbtbeil,  der  notbwendigerweise
grösser  ist  als  der  Vortlieil  des  ^Monopolisten,  weil
zugleich  auch  der  Gemeinnützen  von  seinem  ^laximuni
'  h„d„  auf  hd  zuriiekgebt.  Da,  wie  wir  sehen,  der
ganze  Nutzen  des  Monopolisten  bei  jeder  Stenge,  die
er  zu  IMarkte  bringt,  durch  den  Vertikalabstand  der
Kurven  OA  und  ON'  bemessen  wird,  so  bezeichnet
die  Abszisse  Oo;,  bei  der  diese  Kurven  parallele
1  angenten  und  somit  den  grössten  Abstand  haben,
die  für  den  monopolistischen  Verkäufer  vortbeilbafteste
Menge,  während  Üa^  die  grösste  Menge  ist,  die
er  abgeben  kann.  OP,  bezeichnet  den  vortlieilbaftesten,
  den  niedrigsten  Preis,  und  innerhalb
dieser  Grenzen  bängt  die  Preisbestimmung  von  dem
Krmessen  des  Monojiolisten  ab,  indem  er  sieb  gerade
auf  jene  Menge  besebränkt,  die  er  zu  dem  betreftenden
l’reise  absetzen  kann;  er  bat  dagegen  kein  Interesse,
den  Preis  noch  über  (fP¡  binaufzusetzen,  weil  sieb
dadurch  sein  Nutzen  wieder  verringern  würde.
Würde  das  Mono])(d  statt  von  einem  Einzigen
von  einer  Koalition  aller  Produzenten  des  Artikels
A  ausgeübt,  deren  Gesammtkostenkurve  wieder  GM
wäre,  so  gelten  dieselben  Preisgrenzen.  Hat  die
Koalition  den  Preis  GP  (Eig.  ö3)  vereinbart,  so  ergibt ­
  sieb  für  den  Absatz  jedes  Einzelnen,  damit  die
Gesammtabsatzmenge  Oa  nicht  überschritten  werde,
        <pb n="395" />
        jene  Menge,  bei  welelier  dessen  Einzelkostenkurve
dieselbe  d'angentialrielitung  liât,  wie  die  Kurve  OA
ini  Punkte  h.  Hat  also  die  Einzelkostenkurve  Ol
(Fig.  (Î4)  des  Unternebiners  I  ini  Punkte  r  eben  diese
Tangentialrielitung,  so  entfällt  auf  denselben  die  11erstellung
  der  Menge  Uq,  und  sein  Nutzen  wird  dureb
■pr  bemessen.  Dürfte  der  Unternehmer  I  beim  Pestande
  des  Preises  OP  naeh  seinem  Pn  va  tinteresse

verfahren,  so  könnte  er  dureb  Herstellung  der  .Menge
Oq,  den  weit  grösseren  Nutzen  r¡v\  erreielien,  wie
es  seine  Angebotskurve  OV  angibt.  Sobald  er  aber
diese  grössere  ^lenge  zu  Markte  bringt,  kann  der

sprengt,  und  dureb  die  Koukurreuz  aller  andereu
Produzenten  würde  der  Preis  zum  Vortbeil  der  Kousumeuten
  wieder  auf  OL\  sinken.  Hei  diesem  Preise

Fi»  04.

0

Preis  OP  niebt  Stand  balteii;  die  Koalition  wäre
        <pb n="396" />
        —  36f)  —
kann  der  Unterneliiner  I  nur  die  )ien^e  Oq„^  dalier
zwar  mehr  als  Oq^  ahsetzen,  sein  Nutzen  betrüge
aber  nur  r„r„^  also  wein^er  als  jener  jjr^  den  er
beinj  Bestände  der  Koalition  und  bei  Kinbaltun^  der
Alende  Ory  erreiebt  hätte.
Ebenso,  wie  die  Produktion  und  der  Verkauf,
kann  aneb  die  Konsumtion  und  der  Ankauf  eines  Artikels ­
  A  monoj)olisirt  sein,  wie  dies  z.  B.  in  allen
Ländern,  in  welchen  das  Tabakmonopol  besteht,  binsicbtlicb
  des  im  Inlande  gebauten  Tabaks  der  Fall
ist.  Ist  nun  die  Niitzlicbkeitskurve  des  monopolistischen ­
  Käufers  zugleich  wieder  die  Gesammtkurve  ON
(Fi«»-.  b8),  während  OA'  die  Gesammtan^ebotskurve  der
unter  einander  konkurrirenden  Verkäufer  wäre,  so
kann  der  Monopolist,  indem  er  seinen  Ankauf  auf
eine  ^erin^ere  Men^e  als  Oa„  beschränkt,  den  Breis
weit  unter  OP„  drücken.  Be^nü^t  er  sich  z.  B.  wieder
mit  der  Men^e  Oa,  so  braucht  er  nur  den  Betrag:
o7/,  also  nur  den  durch  die  Badiusvektorrichtun^  O//
angegebenen,  niedrigeren  Breis,  aufzuwenden;  sein
Nutzen  steift  dadurcb  von  cjl„  i\nï  1/d,  während  jener
der  Broduzenten  von  h^c„  auf  hh'  und  der  Gemeinnützen ­
  wieder  von  h„d„  auf  hd  zurüek^eht.  Auch  hier
sinkt  durch  die  Ausübun«^’  des  Monopols  der  (iemcinnutzen,
  so  dass  der  Vortheil,  den  der  Monopolist  erreicht, ­
  ^erin^er  ist  als  der  Nachtheil,  den  die  Verkäufer ­
  erleiden.  Der  Nutzen  des  Mono])olisten  wird
hier  durch  den  Vertikalabstand  der  Kurven  GA  und
OA'  bemessen,  erreicht  also  sein  Maximum  bei  der
Meno-e  Ga^,  bei  welcher  diese  Kurven  parallele  Tan-
        <pb n="397" />
        —  snn  —

¿renten  liaben.  Der  vortlieilliaftesten  Meng-e  Oa¡¡  entspricht ­
  (1er  niedri¿&amp;gt;ste  Preis  zwisclien  diesem
und  dem  Preise  01\  kann  der  Mono})olist  durch  Einscliränkun^»-
  seines  Einkaufes  den  Preis  beliebi«»*  festsetzen. ­
  Wird  das  Moiiojk)!  von  einer  Koalition  aus-¿reiibt,
  so  muss  sicli  wieder  jeder  Tlieilnelimer  an  derselben ­
  auf  jene  Ankaufsmenjre  beschränken,  die  in
analoger  Weise,  wie  oben,  zu  ermitteln  wäre.  Wollte
er  seinem  Privatinteresse  gemäss  mehr  ankaufen,  so
würde  die  Koalition  gesj)rengt;  dies  würde  schliesslich
zum  eigenen  Naebtheile  und  zum  Vortbeile  der  Verkäufer ­
  gereichen  und  auch  liier  wieder  den  Gemeinnützen ­
  erhöhen.

73.  Der  Monoiudsmitzeii.
Der  einem  monopolistischen  Produzenten  oder
Konsumenten  bei  irgend  einer  Menge  Oa  (Fig.  63)
zufallende  Nutzen,  enthält  den  gewöbnlicben  Verkaufsnutzen ­
  hl)  oder  Ankaufsnutzen  d(l\  der  sich  auch
ergeben  hätte,  wenn  der  Betreffende  sich  bei  freier
Konkurrenz  veranlasst  sehen  würde,  eben  diese  Menge
umzusetzen.  Dazu  kommt  aber  in  beiden  Fällen  no(*h
der  weitere  Nutzen  l/d\  der  lediglich  der  jirivilegirten
Stellung  des  Mono¡)olisten  entspringt,  und  den  wir
daher  den  Monopolsnutzen  nennen.  Derselbe  wird
bei  jeder  umgesetzten  Menge  des  Artikels  A  durch
den  Vertikalabstand  der  Kurven  OA'  und  ON'  bemessen; ­
  er  vers(diwindet  also  bei  der  grösstmöglieben
Menge  Oa„,  wäiüist  dagegen,  je  mehr  die  Absatzmenge
        <pb n="398" />
        307

eingeschränkt  wird,  bis  er  bei  jener  Menge  bei
welclier  diese  Kurven  ])arallele  Tangenten  liaben,  sein
Maxiinnin  eneiebt.  Dein  inonojiolistiseben  Verkäufer
oder  Käufer  ist  es  aller  niclit  darum  zu  tbun,  gerade
den  grössten  Monojiolsnutzen  zu  erzielen,  denn  jede  »
Steigerung  des  letzteren  bedingt  eine  Scbinälerung  des
Verkaufs-  oder  Ankaufsnutzens;  die  Menge  wird  daher ­
  keinesfalls  weiter  als  bis  Oa¡^  bzw.  Oa^,  eingeschränkt ­
  werden,  da  bei  diesen  Mengen  der  ganze
Nutzen  des  Monoiiolisten  am  grössten  wird.  Während
es  von  der  Form  der  Kurven  abbängt,  ob  Oa¡  oder
Ogh  grösser  ist,  muss  Oa;,  jedesfalls  kleiner  als  jede
dieser  beiden  Mengen  sein,  daher  auch  der  Gemeinnützen ­
  bei  voller  Ausnützung  eines  Produktions-  oder
Konsumtionsmonojiols  immer  noch  grösser  bleibt,  als
wenn  das  Maximum  des  blossen  Monojiolsnutzens  angestrebt ­
  werden  würde.  Betrachten  wir  nun  einen
Zwischenhändler,  der  den  Artikel  A  weder  selbst  jiroduzirt,
  noch  konsumirt,  der  aber  das  Monopol  des
Finkaufes  von  den  Produzenten  und  des  Verkaufes  an
die  Konsumenten  besässe,  wobei  wir  überdies  annebmen
  wollen,  dass  dieses  (jlescbäft  mit  keinerlei,  von
der  Absatzmenge  abhängigen  Kosten  verbunden  sei.
Einem  solchen  Händler,  der  irgend  eine  Menge  Oa
umsetzt,  wird,  indem  er  nach  der  Angebotskurve  der
Verkäufer  den  Betrag  ab'  auf  wendet  und  nach  der
Naebfragekurve  der  Käufer  den  Betrag  ad'  erlöst,
gerade  der  Monojiolsnutzen  h'd'  zutallen  ;  er  tindet
demnach  bei  der  Menge  Oa^  seinen  grössten  Vortbeil.
        <pb n="399" />
        —  3í)8  —
Eine  ^’anz  älmliehe  Stellung’,  Avie  ein  ])i’ivile{^’irter
Zwischenhändler,  Aviirde  eine  dh-ansjxn-tnnternehninn^-,
eine  Kanal-  oder  Eisenhalm&amp;lt;»esellsehaft  einnehmen,
wenn  davon  ah^esehen  werden  könnte,  dass  die  Hetriehskosten
  von  der  Eraehtinen^e  ahhän^i^-  sind,  und
wenn  Avir  uns  vorstellen,  dass  alle  \"erkäntvr  des  Artikels ­
  A  an  dem  einen,  alle  Käufer  desselben  an  dem
anderen  Ende  einer  ^cAvissen  Strecke  sieh  befänden.
Eine  solche  Transportnnternehmnn^'  bestimmt,  indem
sie  irgend  einen  Frachtsatz  tf/a  feststellt,  den  Unterschied ­
  ZAvisehen  dem  Verkaufs])reis,  den  die  Produzenten ­
  am  Erzeuj»un^-sorte  erzielen,  und  dem  Ankaufspreis, ­
  den  die  Konsumenten  ausle^en.  Durch  die
Fracht,  und  in  ähnlicher  Weise  durch  eine  We^-  oder
Ih’iickenmaut,  Avird  also  gerade  so,  Avie  durch  eine
Steuer  (17),  der  Artikel  um  tfja  vertheuert;  aus  der
im  Produktiousorte  geltenden  An^ehotskurve  DyP  (Fi^-.
öf))  Avird  im  Konsumtionsorte  durch  das  IIinzutreten
der  Ordinaten  der  Geraden  OS  die  steilere,  pnnktirte
Kni'A  e  OAj,  so  dass  nur  die  durch  den  Schintt  dieser
letzteren  Kurve  mit  der  ON'  au  wen  ebene  Men^e  Gr?
aho-esetzt  werden  kann.  Dabei  kommt  der  Petraj»-//r/',
  Avelcher  der  Trans])ortunternehmuno-  oder  dem
Steueiüskus  zufällt,  dem  Mono])olsnutzen  gleich,  Aveichen ­
  ein  Monopolist  erzielt  hätte,  der  den  Absatz  auf
dieselbe  Aleude  Gr?  beschränkt  hätte.  Wäre  der  Verkehr ­
  in  dem  betrachteten  Artikel  steuerfrei,  oder  Avürde
die  Verfrachtung-  Uber  die  hetretfende  Kanal-  oder
Hahnstrecke,  Hrücke  oder  Strasse  unentgeltlich  erfolgen, ­
  so  Avürde  die  grösstmögliche  Menge  Gr?„  um-
        <pb n="400" />
        Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.

24

—  3í;o  —
í^’CHCtzt  worden  ;  wird  da^e^en  das  Transportmoiiopol
riicksielitslos  aus^el&amp;gt;eutet,  odor  der  liöclistc  fiskaliselie
Ertrag»  der  Steuer  ^esiielit,  so  würde  sieli  die  Unisatzineii^e
  auf  Oa^  beseliräuken.  Es  bleibt  dabei  ^an%
^ieieb^'ülti^\  ob  die  Fracht  oder  Steuer  von  dem  Produzenten ­
  oder  Konsumenten  gezahlt  wird  ;  im  letzteren
Fig.  65.

X

o

Frille  würde  die  Kurve  ON'  den  Verlauf  der  punktirten
  Kurve  ON¡  annebmen,  also  um  ebensoviel  gedrückt ­
  erscheinen,  als  sieh  früher  die  An^ebotskurve
erhöht  hatte,  indem  aus  OA'  die  Kurve  OA't  wurde.
Immer  ist  es  ein  grösserer  oder  kleinerer  Monopolsnutzen, ­
  welcher  der  Transportunternehmun^  oder  dem
Steueiüskus  zufällt.  Der  Gemeinnützen  erscheint,  wenn
        <pb n="401" />
        370

wir  (len  Fracht-  oder  Stenerhctrn^'  mit  eiid)czieheii,
in  dem  Vertika1at)stande  der  unveränderten  Kurven
OA  lind  ON  bei  der  wirklich  nm^esetzten  j\Icn^e  und
nimmt  mit  dieser  ah,  ^eht  also  in  unserer  Fi^nr  von
h„(l„  auf  l)(l  zurück.  Dahei  ist  jedoch  zn  beachten,
dass  der  in  der  Fi^nr  ersichtliche,  ans  dem  Verkehr
in  dem  Artikel  A  ents])rin^ende  (iemeinnntzen,  wenn
er  auch  den  Stenercrtra&amp;lt;&amp;gt;*  mitenthält,  doch  nicht  jenen
Nutzen  mitnmfasst,  der  durch  l  iehti^e  Verwendung  des
Stenerertra^es  für  die  Gesammtheit  geschaffen  werden
mag  ;  dieser  letztere  Nutzen  muss  grösser  sein,  als  die
durch  die  Anflegnng  der  Steuer  vernrsachte  Sehmälernng
  des  Gemeinnntzens,  wenn  anders  die  Steuer
gerechtfertigt  sein  soll.  Ebenso  sind  ja  anch  Brücken,
Strassen,  Kanäle  und  Bahnen  gewiss  nicht  nur  dann
gemeinnützig,  wenn  sie  dem  Bnhlikiim  nnentgeltlich
zur  \^erfügnng  stehen.  Jedesfalls  sehen  wir  aber,  dass
jede  Stenererleichternng,  gerade  wie  jede  Frachtermässignng,
  den  Verkehr  hebt  und  den  Nutzen  sowol  der
Brodnzenten,  als  der  Konsnmenten  steigert.
Wenn  wir  den  Gemeinnntzen,  d.  i.  den  Vertikalahstand
  der  Kurven  ON  und  Oyl,  als  eigene  Kurve
OG  (Fig.  OG)  anftragen,  so  stellt  uns  deren  Abgeleitete
OG'  nnmittelhar  den  ^tonopolsniitzen,  den  Vertikalahstand
  der  Kurven  ON'  nnd  OA'^  dar.  Der  Scheitel
der  Kurve  OG  liegt  über  der  Abszisse  Oa„^  jener
der  OG'  über  Oa».  Nehmen  wir  nun  wieder  den
Steuer-  oder  Frachtsatz  tga  an,  und  ziehen  wir  unter
dem  Winkel  a  die  Gerade  GN,  so  zeigt  uns  deren
Schnittpunkt  mit  der  Kurve  OG'  durch  seine  Abszisse
        <pb n="402" />
        371

wieder  den  Al)satz  Oa  und  diircli  seine  Ordinate  den
MonojK)lsmitzen.  Ist  der  Fraciit-  oder  Steuersatz  so
liocli,  dass  die  Kurve  OQ'  von  der  Geraden  OS  ^ar
niclit  ¿»etrolten  wird,  so  liöit  der  Verkelir  in  dem  Artikel ­
  A  ^anz  auf,  und  verschwindet  dalier  auch  der
ans  demselben  erwachsende  Gemcinnntzen.  Da  der

Fig.  66.

a.  a

Scheitelpunkt  der  OCt  über  der  Abszisse  Oo,,  licß-t,
hei  der  die  Kurven  ON'  und  OA'  einander  ])arallel
sind,  lind  da  die  letztere  Kurve  durchaus  ansteigend
verläuft,  muss  der  Scheitel  der  OG'  links  von  jenem
der  ON'  liefen.  Ebenso  muss  die  Kurve  ON'  auch
bei  der  Abszisse  Oa,^  wo  sie  der  Kurve  OA  parallel
ist,  noch  ansteigend  verlaufen.  Es  kann  daher  ein
24»
        <pb n="403" />
        372

Artikel  A,  bei  dem  der  böeliste  Monoiiolsnutzeii  erzielt
wird,  oder  bei  dem  aueli  mir  das  Verkaufsmoiiojiol
riieksicbtslos  aiisgebeiitet  wird,  nicbt  mehr  unserer
dritten  Gnipjie  angebören,  wenn  er  sieb  auch  bei
freiem  Verkehr  dieser  eingereibt  hätte.  ]5ei  einem
Luxusartikel,  dessen  Nacbfragekurve  noch  in  ihrem
entschieden  ansteigenden  Tbeile  von  der  Angebotskurve ­
  geschnitten  wird,  kann  der  Monojiolsnutzen
überbau])t  nur  gering  sein  ;  dies  ist  auch  der  Grund,
warum  Steuern  auf  Luxusartikel  nicht  viel  einbringen
und  nur  sol  ehe  auf  Massenartikel  von  finanzieller  Bedeutung ­
  sind.

74.  Beschräiikiiiigeii  des  Monopols.
Es  wird  nicht  oft  Vorkommen,  dass  ein  monojiolistischer
  Verkäufer  bis  auf  die  untere  Breisgrenze
()]\  (Fig.  ()3)  herabgehen  wird,  es  sei  denn,  dass  er
bei  seiner  Breisbestimmung  an  die  Genehmigung  einer
Aufsiehtsbehörde  gebunden  wäre.  Aber  selbst  dann
ist  der  Bestand  des  ^lonopols  nicht  ohne  Nachtheil
für  das  Gemeinwol;  denn  die  Sicherheit  vor  jeder
Konkurrenz  enthebt  den  Unternehmer  der  Sorge,  für
jede  Broduktmenge  die  geringsten  Herstellungskosten
zu  ermitteln.  Er  wird  zweckmässige  Betriebsänderungen, ­
  wenn  sie  grössere  Investitionen  erfordern,  nicht
so  leicht  cinfiihren,  und  diese  Unterlassungen  dürften
unter  der  Herrschaft  des  jnivaten  oder  staatlichen
Mono])ols  häufiger  eintreten  und  das  Gemeinwol  auf
die  Dauer  mehr  sehädigen  als  der  entgegengesetzte
        <pb n="404" />
        —  373  —

Fehler  hei  freier  Konkurrenz,  das«  näinlicli  ühertriehene
  Erweiterungen  hesteliender  oder  nheiüÜMMi^e
Errichtungen  neuer  Unternehmungen  vorgenonnnen
werden.
Aber  auch  zu  einer  vollen  Ausbeiitnnjj^  eines  Monopols
  wird  es  nur  selten  kommen.  Wollte  eine  solche
dnreh^efUln-t  werden,  so  geidi^t  es  liicht,  wie  im  freien
Konkurrenzkam})fe,  dass  der  Unternehmer  seine  ei^^ene
Kostenknrve  »:enaii  kenne,  um  seine  Verkanfsmen^e
dem  g’ej»ehenen  ^iarktj)reise  richtig  anzn¡)assen  ;  denn
er  muss  überdies  auch  noch  die  ihm  geg-eniiberstehende
Uesammtnaehfra^eknrve  UN'  ebenso  vollständig-  übersehen. ­
  Es  wird  wol  nie  mö^^lieh  sein,  sieh  diese  Kenntniss
  i»enau  zu  versehatfen,  daher  wird  schon  die  Küeksielit
  auf  die  ötfentliehe  Meinung-  den  ^lonopolisten
veranlassen,  hinter  der  ihm  nicht  genau  hekannten
Ereisgrenze  OP,  zurückznbleiben,  um  dieselbe  nur  ja
nicht  zum  eigenen  und  zugleich  zum  noch  grösseren
Naehtheile  der  Allgemeinheit  zu  übersehreiten.  Wird
nämlieh  der  Monopolspreis  zu  hoch  angesetzt,  so  kann
ein  Abnehmer,  namentlich  wenn  er  sieh  nicht  einer
vorübergehenden  Ereissehwankung,  sondern  einem
dauernden  Ereise  gegenüber  sieht,  die  Sehen  überwinden, ­
  an  seinen  Gewohnheiten  etwas  zu  ändern
oder  bleibende  Investitionen  vorzunehmen,  um  weniger
oder  nichts  von  dem  Artikel  .1  zu  brauchen  und  etwa
zu  einem  Surrogat  überzugehen;  endlich  kann  er  sich
veranlasst  sehen,  wegen  Verthenerung  dieses  Enlisto ­
  tfes  seine  Eroduktion  ganz  aufzugeben.  1st  ein
Fabrikant  zu  einer  Aenderung  seiner  lleizvorrichtungen
        <pb n="405" />
        374

&amp;lt;2,es(*liritten,  die  es  ilnu  ennöolidit,  Steinkohlen  zn
sj)aren  oder  statt  derselben  Hraiinkolde  zn  brennen,
bat  ein  Abnehmer  von  Brennöl  sieb  einmal  Betroleiimlam])en
  an^esebatft,  dann  wird  seine  Einzelnaebtra&amp;lt;»ekiirve
  für  den  betretfenden  Artikel  dauernd  verändert.
Diese  Kurve  wird  entweder  durebaus  Üaeber,  so  dass
aueb  der  Maximalankaufs])reis  sinkt,  oder  sie  wird
doch,  wie  (58)  erwähnt,  von  jener  reduzirten  ^len^e
ab  ñaclier,  für  deren  Verbraueb  die  neuen  Einriebtun^en
  ])assen.  Eine  solche  Formänderung  einer  Einzelnaebfraj&amp;gt;ekurve
  bleibt  für  den  ^lono])olisten,  der  seinen
Breis  niederer  als  OP,  an^esetzt  bat,  ^leieli^iilti^-,
wenn  sie  sieb  in  der  Gesammtnaebfra^ekurve  erst  bei
grösseren  j\ren}»’en  als  Oa,  ^elteiid  maebt,  weil  er  sieb
dann  immer  noch  durch  eine  weitere  Breiserböbunj»-schadlos
  halten  kann.  Tritt  da^e^en  die  Formänderungder
  Einzelkurve  in  der  Gesammtnaebfra&amp;lt;&amp;gt;ekurve  ON'
sebón  bei  kleineren  ^len^en  als  Oa,  hervor  —  und
dies  wird,  wenn,  die  Breisj»renze  OP,  überschritten
wurde,  beinahe  immer  der  Fall  sein  —  so  wird  zu-&amp;lt;&amp;gt;leieb
  aueb  diese  obere  Breis^renze  (fP,  selbst  berunter^edrüekt,
  und  der  Monopolist  kann  nachher  unter
keinen  Umständen  einen  ebenso  grossen  Vortbeil  erreichen, ­
  wie  früher.  Ebenso  darf  nicht  übersehen  werden, ­
  dass  jede  namhafte  Breiserböbun^-  eines  Mono])olsartikels
  das  Auf  tauchen  von  Surrogaten  befördert  und
überbau|)t  auf  die  Breise  aller  anderen  Artikel,  sowie
auf  die  individuelle  AVertbsebätzung-  des  Cieldes  seitens
der  Käufer  einwirkt.  Wir  haben  diese  Rückwirkungauf
  die  Gesammtnaebfrag-ekurve  dureb  unsere  Voraus-
        <pb n="406" />
        setzimj*'cii  Hii8j»eHclil()sseii,  in  Wirkliclikeit  aber
gerade  bierin  eine  besondere  Seliwieri^keit,  den  Verlauf ­
  dieser  Kurve  riebfi«^  zu  beiirtbeilen,  so  dass  eine
volle  Ausnützung!,'  des  Monojxds  von  vornherein  uiiniö^lieb
  ist.

Alle  diese  Krwä^nn^en  inaeben  sieb  aueb  bei
Staatsniono])olen  tbatsäeblieb  geltend.  Bei  Speisesalz
ist  die  volle  Ausnützung-  des  Monojiols  am  wenigsten
denkbar,  weil  dem  tiskaliseben  Vortbeile  eine  sebwere
Sebädi^un^'  der  Bevölkerung-  ent^e^enstebt,  sei  es,
dass  einzelne  sieb  j»'ezwunj»en  seben,  ibren  Salzkonsum
zu  verringern,  sei  es,  dass  die  dureb  den  gesteigerten
Aufwand  erböbte  Wertbsebätzunj»-  des  Geldes  sie  zu
einer  Einsebränkung-  direr  sonstigen  Eebensbaltun^-nötbi^'t.
  Aus  diesem  Grunde  konnten  wir  früber  (12)
das  Speisesalz  unbedingt  aueb  für  die  Monopolsländer
in  unsere  dritte  Gru)i])e  einreiben,  obwol  dies,  wie
wir  nun  wissen,  bei  vollständiger  Ausnützung-  des
^lonopols  unmö^'lieb  wäre.  Bei  Luxusartikeln  da^reo-en,
wo  solebe  Uüeksiebten  wep,fallen,  wie  z.  B.  bei  feinen
Zigarren,  ist  der  Monoiadsertraj»-  an  sieb  niebt  ^ross;
überdies  tindet  die  Preiserböbiin^'  eine  Be^renzun^
in  der  Büeksiebt  auf  die  Leichtigkeit  des  Sebmu^'^els.
Aueb  bei  anderen,  staatlieben  ^lonopolsartikeln  bleibt
der  Breis  aus  anderen,  wirtbsebattlieben  Rüeksiebten
oft  niebt  unwesentlieb  hinter  der  mö^lieben,  obersten
Grenze  zurück.  Als  z.  B.  in  Oesterreieb  der  Worttarif ­
  für  Tele:!'ramme,  der  für  die  meisten  Depeseben
einer  Breiserböbun^-  ^leiebkam,  ein^etübrt  wurde,  ero-ab
  sieb  eine  Verminderung  der  Depesebenzabl  und
        <pb n="407" />
        376

eine  noch  hedentendere  Ahnahme  der  Zald  der  tele-^rahrten
  Wörter;  trotzdem  stieg-  der  Erlös,  ein  Ikweis,
dass  wenigstens  vorher  Telegramme  zn  den  Artikeln
unserer  dritten  Grn|)])e  gehörten.  Dagegen  scheint
wol  überall  der  Personenverkehr  auf  Eisenbahnen
noch  den  Luxusartikeln,  also  unserer  ersten  Gruppe,
nahe  zu  stehen,  da  jede  Ermässigung  der  hetretfenden
Tarife  den  IL’uttoerlös  zu  steigern  pflegt.
In  gleicher  Weise  und  aus  denselben  Gründen
wird  wol  auch  ein  mono])olistischer  Käufer,  z.  B.  die
Tabakregie  heim  Ankäufe  inländischer  Blätter,  nicht
bis  zu  dem  untersten  Preise  OF¡¡  und  der  vortheilhaftesten
  ^lenge  Oa^  herabgehen  dürfen.  Ebenso
wird  auch  ein  monopolistischer  Zwischenhändler  oder
Transj)ortunternehmer  oder  der  Staat,  der  den  ^lonopolsnutzen
  in  der  Form  einer  Steuer  an  sich  zieht,
nicht  bis  zur  äussersten,  ihm  vortheilhaftesten  Grenze
gehen  dürfen.  Würde  die  Erreichung  des  grössten
^lonopolsnutzens  ofler  die  vollständige  Ausnützung  eines
Produktionsmonopols  bei  einem  Artikel  versucht  werden,
dessen  Gesammtnachfragekurve  ON'  erst  in  ihrem
entschieden  abfallenden  Theile  von  der  Kurve  OA'
getrotfen  wird,  so  wird  sieb  die  ötfentlicbe  Meinung
gegen  die  monopolistische  Vertheuerung  eines  solchen
Massenartikels  energisch  geltend  machen;  der  Mono-})olist
  wieder  wird  sich  bereit  zeigen,  nachzugeben,
sobald  er  findet,  dass  die  Schädigung  der  Gesannntlieit
  durch  eine  weitere  Preissteigerung  grösser  sein
würde  als  sein  eigener  Vortheil.  Pej)roduziren  wir
in  Fig.  67  dieselben  Kurven,  wie  in  Fig.  66,  und  ver-
        <pb n="408" />
        377

Avir  diese,  von  der  Abszisse  Oa„  ausgehend,
nacli  liidvs,  so  sehen  wir,  dass  znnäelist  OG'  steiler
als  OG  lind  ON'  steiler  als  ON  verläuft;  in  der  Nähe
des  Seheitels  der  OG'  oder  der  ON'  sind  da^e^en  diese
Kurven  Hacher,  als  die  darüber  liegenden  Strecken

FiV.  (J7.

N'

der  Kurven  OG  und  ON.  Der  Monoiiolsnutzeii  [die
Ordinaten  der  Kurve  ()G'\  und  ebenso  der  Nutzen
eines  Produktionsinonojiols  [der  Ordinatenuntersehied
der  Kurven  ON'  und  OA]  niniint  also,  so  lange  der
Preis  noch  niedrig  ist,  rascher  zu,  uls  der  Gemeinnützen ­
  abniniint;  der  letztere  bietet  sieh  das  einemal
        <pb n="409" />
        37*

ill  (Ifii  Ordiiuitcn  dor  Kurve  OG',  das  audereiunl  in
dein  Vertikalabstande  der  Kurven  ON  und  (L\  zum
Ver»-leielie  dar;  dieses  Verliältniss  verkehrt  sieli  da-^e^en
  bei  hoben  IVeisen.  Denmaeb  muss  es  immer
eine  Absatzmen^e  ^ebeii,  die  nielit  ^esebmälert  werden
darf,  wenn  nicht  der  Gemeinnützen  mehr  beeinträchtigt
werden  soll,  als  die  Steigerung-  des  Nutzens  des  Mono-])olisten
  beträgt.  Kei  dieser  Menge  sind  die  in  Fig.  G7
])iinktirt  gezeiebneten  IMngenteii  der  Kurven  00  und
OG\  anderseits  jene  der  Kurven  ON  und  ON\
gegen  die  Horizontale  gleich  geneigt.

75.  Oertlitdic  Moiio])ol(‘.
Ausser  den  unbedingten  Monojiolen,  die  wir  bisher ­
  bes))roeben  haben,  tinden  wir  sehr  häutig  durch
äussere  Umstände  bedingte.  Namentlieb  im  Detailverkebr
  kommt  ein  einzelner  Verkäufer  seinen  Kunden
gegenüber  leiebt  in  die  Lage,  den  Freis  seines  Artikels, ­
  wenn  a  lieb  nur  innerhalb  enger  (Lenzen,  mono-|)olistiseb
  festsetzen  zu  können.  Die  letzten  Konsumenten ­
  bezahlen  für  eine  und  dieselbe  Ware  niebt
nur  dann  einen  böberen  Freis,  wenn  ihnen  dieselbe
ill’s  Haus  gestellt  wird,  sondern  auch,  wenn  sie  dieselbe ­
  beim  näebstgelegenen  Kaufmann  oder  Krämer
finden;  sie  können  nur  durch  einen  wesentlieb  niedrigeren ­
  Freis  veranlasst  werden,  eine  entferntere  Feziigsquelle
  aiifzusuelien.  Die  gleiche  Ware  ersebeint
daher  in  jedem  dieser  Fälle  als  ein  besonderer  Arti-
        <pb n="410" />
        kd,  (1er  mit  dem,  was  in  anderen  Geseliäften  ¿(ebuten
wird,  aneli  bei  &amp;lt;»anz  ^leielier  Gnalität,  nieiit  &amp;lt;^anz
identiseli^ist.  Jeder  solelierart  iintersebiedeiie  Artikel
bat  allerdings  in  dem  Angebote  derselben  Ware  bei
anderen  Händlern  sehr  nabe  verwandte  Surrogate,
die  ibn  leiebt  vertreten  können,  namentlieb,  wenn
sieb,  wie  in  grossen  Städten,  immer  zablreiebe,  ^leiebarti^e
  Geschäfte  in  ^erin^er  Entfernung'  von  einander
finden.  Der  einzij^e  Krämer  eines  Dorfes  dagegen
kann  in  der  monojadistiseben  Vertbenernn^  seiner
Waren  nm  so  weiter  ^eben,  je  melir  Zeit  und  ]\Iiilie
seine  Kunden  aufwenden  müssten,  nm  ihren  Bedaif
anderweitig-  zu  decken.  Hei  T^ebensmitteln,  die  wie
Fleisch,  Mileb,  Weissbrod,  Hier  n.  d^l.  tätlich  oder
o-ar  mehrmals  im  Ta^e  frisch  gekauft  werden  müssen,
ist  selbst  in  den  Städten  der  mono])olistisehen  Preisbestimmnn^
  seitens  der  betreffenden  Verkäufer  ein  erheblicher ­
  S])ielranm  ^e^ehen,  weil  der  Zeitaufwand,
den  es  erfordert,  einen  billigeren,  aber  entfernteren
Konkurrenten  anfznsnehen,  auch  für  den  ^linderbemittelten
  in  Hetraebt  kommt.  Dies  ma^  es  verursachen,
dass  die  Detail|n'cise  solcher  Artikel  von  den  Preissebwanknn^en
  auf  dem  grossen  Markte  nur  weni^
berührt  werden.  Die  oft  bemerkte,  auffallende  Erscheinung', ­
  dass  die  1  &amp;gt;etail]»reise  nur  das  Steifen,  weit
weniger  aber  das  Fallen  der  Pobstotfpreise  mitzumaehen
  ¡»Üe^en,  dürfte  darin  ihre  Erklärung'  finden,
dass  aneli  die  1  )etailbändler  ebenso,  wie  wirkliche
Monopolisten,  den  Verlauf  der  ihnen  ^e^enüherstehenden
  Naehfra^'ekiirve  nicht  ¿»eiiaii  kennen  und  daher
        <pb n="411" />
        380

in  ji^cwôlmliclien  Zeiten  nielit  leieht  eine  Erliöliunj»;
ilires  Verkiuifs])reises  wn^en;  wenn  sie  aber  in  einer
Eiii(»linng’  des  Preises  ini  Grossverkelir  einen  Anlass
liierzn  finden  und  dann  die  Erfabriin^  niaelien,  dass
der  liinan%esetzte  Detailpreis  den  Absatz  nielit  allzusehr ­
  selimälert,  so  haben  sie  aneli  weni^  Grund,
bei  einem  Piiek^ang'  des  Marktpreises  mit  ihrem
Laden])reise  wieder  berabzngeben.  ln  ähnlicher  La&amp;lt;»e,
wie  der  Detailhändler  ^-egenüber  seinen  benachbarten
Knuden,  befinden  sich  die  Unternehmer  von  Bädern,
Unterrichtsanstalten,  Theatern  n.  dj&amp;gt;l.,  die  ihre  Tarif-])reise
  selbstständig-  monopolistisch  feststellen  können,
weil  ihre  Konkurrenten  doch  nie  ^anz  identisch  Gleiches,
sondern  nur  Gleichartiges,  also  wieder  nur  mehr  oder
wenii&amp;gt;’er  vollkommene  Surrogate,  anzuhieten  vermögen.
Endlich  ist  noch  zu  bemerken,  dass  auch  anscheinend
unbedingte  ^Monopole  unter  Umständen  einer  Konkurrenz ­
  begegnen  können;  so  wird  hei  zu  hohen  Bahntarifen
im  Lokalverkehr  -die  Aehsfracht,  im  Durehgangsverle ­
  ehr  aber  eine  Vereinbarung  anderer,  wenn  auch  längerer, ­
  Bahn-  oder  Schiffahrtslinien  in  Betracht  kommen,
während  eine  Weg-  oder  Brückenmaut  nicht  so  hoch
angesetzt  werden  darf,  dass  das  Publikum  veranlasst
wird,  einen  Umweg  vorzuziehen.
Auch  die  Ankaufsmonojiole  finden  sich  im  kleinen
und  lokalen  Verkehr  wieder.  Ein  solehes  kann  z.  B.
der  einzige  Geschäftsmann  eines  Dorfes  hinsichtlich
verschiedener,  landwirthschaftlicher  Nehenjirodukte,
eine  Zuckerfabrik  hinsichtlich  der  in  ihrer  Nachbarschaft ­
  angehauten  Rühe  und  üherhauiit  jeder  Gross-
        <pb n="412" />
        —  :wi  —

iiidustrielle,  der  ^eriii^wertlii^e,  scliwer  traiisj)ortable
Holistotte  verar))eitet,  aiisiibeii.
Eine  wichtige,  bierlier  ^eböri^e  Hezieliun^  ist  aueli
diejenige  des  Arbeitgebers  zu  den  Arbeitnehmern.
So  lange  die  Arbeiter  dein  Unternehmer  vereinzelt
gegeniibersteben,  kann  letzterer  den  Preis  der  Arbeit
—  wie  er  sich  im  Stneklolm  am  deutlichsten  ansdrückt ­
  —  monojxdistiscb  berabdrUcken,  wenigstens
so  weit  ihm  dies  ohne  unmittelbare  Schädigung  der
Qualität  der  Arbeit  möglich  erscheint.  Der  einzelne

Arbeiter  wird  nicht  leicht  die  gewohnte  Arbeit  oder
auch  nur  die  gewohnte  Arbeitsstätte  verlassen,  insbesondere, ­
  wenn  seine  Mittellosigkeit  ihm  nicht  gestattet, ­
  auch  nur  kurze  Zeit  ohne  Arbeit  zu  bleiben,
um  sich  über  günstigere  Arbeitsgelegenheiten  zu  orientiren.
  Sobald  sich  dagegen  die  Arbeiter  zu  einer
Koalition  vereinigen,  steht  ein  Monojiolist  dem  anderen
gegenüber,  und  die  Preisbestimmung  scheint  innerhalb ­
  weiter  Grenzen  der  Willkür  zu  unterliegen,  ganz
so  wie  in  jenem  Falle  (71),  wo  ein  Käufer  eines
Einzelartikels  einem  einzigen  Verkäufer  gegenübersteht, ­
  nur  dass  hier  auch  noch  die  Menge,  das  Arbeitsquantum, ­
  strittig  sein  kann.  Doch  wird,  wenn  keiner
der  beiden  Theile  eine  nionojmlistische  Ausbeutung
sich  gefallen  zu  lassen  braucht,  eine  Einigung  gerade
bei  dem  Preise  OP„  und  der  Menge  welche  den
grössten  Gemeinnützen  mit  sich  bringt,  zu  Stande
kommen.  Dies  ents])richt  nicht  nur  der  Billigkeit,
weil  eben  hier  die  Kosten  und  die  Nützlichkeit  des
letzten,  hergestellten  Stückes  einander  gleich  sind.
        <pb n="413" />
        —  382  —
sondern  auch  dem  wolverstandenen,  beiderseitigen
Interesse,  weil  der  Lolin,  das  ist  der  Erlös  der  Arbeiter ­
  für  jedes  Stück,  ihrer  Anstren^nn^  —  ihren
Kosten  —  für  das  letzte  Stüek  ^leiehkonnnt,  und  weil
dieselbe  Gleiebbeit  aneb  anf  Seite  des  Arbeitgebers
zwischen  der  Nützlichkeit  und  dem  Aufwand  besteht.
        <pb n="414" />
        Das  freie  Angebot  und  die  freie
Nachfrage.

7().  Die  Kurve  des  (íemeininitzens.
Die  eben  bcsprocliene  Erselieiininjç,  dass  ein  einzelner ­
  Käufer  oder  Verkäufer  innerhalb  gewisser,
dnreli  die  Konkurrenz  ^ezo^ener  Grenzen  den  Preis
eines  Artikels  inonojxäistiseb  festsetzen  könne,  findet
sieb  bei  näherer  Hetraebtun^  viel  häutiger  als  in  den
erwähnten  Fällen  örtlicher  Monojxäe,  und  sie  gestattet ­
  uns  einen  Einblick  in  die  Alt,  wie  der  Einzelne
auch  bei  freier  Konkurrenz  auf  den  Preis  eines  Artikels ­
  Einfluss  nehmen  kann.
Denken  wir  uns  für  jedes  der  auf  dem  Markte
verkehrenden  Individuen  die  auf  einen  bestimmten
Artikel  A  bezogene,  dureblaufende  Einzelkosten-  und
Nützlichkeitskurve  auf^etra^en,  so  erhalten  wir,  wie
schon  (52)  erwähnt,  durch  die  Kombination  einerseits
der  rechten  und  anderseits  der  linken  A  este  aller
dieser  Kurven  die  Gesammtkurve  und  OA
(Fi^\  (;S).  Wir  können  aber  nun  noch  weiter  ^ehen
und  auch  die  beiden  Kurven  GW  und  OA  nach  der
        <pb n="415" />
        384

(1er  Koinbiiuition  vereinigen  und  ^elan^en  so
/Al  (1er  neuen  Kurve  yl7&amp;gt;W;  ^enan  dieselbe  Kurve

Fig.  08.

P

A

K

J

an  a,  a

B

hätte  sieli  aneb  ergeben,  wenn  wir  nicht  die  getrennten ­
  Aeste  der  erwähnten  Einzel  kurven,  sondern  diese
        <pb n="416" />
        385

im  ij^aTizen  kombiiiii-t  liätteii.  Die  neue  Kurve  fällt
links  vom  Punkte  â  mit  jener  OA  und  rechts  vom
Punkte  f  mit  der  Kurve  ON  zusammen;  sie  hat  im
Punkte  d  dieselbe  Tan^entialrichtung,  wie  die  Anfangsstrecke ­
  der  Kurve  ON^  im  Punkte  e  aber  dieselbe
Tangentialricbtung,  wie  die  Anfangsstrecke  der  Kurve
OA.  Nur  zwischen  den  Punkten  à  und  e  weicht  also
die  Kurve  ABN  von  jener  ab,  und  zwar  in
der  Ordinatenachse  am  meisten.  Der  Punkt  B  der
Kurve  ABN  muss  nach  den  Pegeln  der  Kombination
jenen  beiden  Punkten  der  Kurven  OA  und  ON  ents])recben,
  welche  in  gleichem  Abstande  rechts  und
links  von  der  Ordinatenachse  die  gleiche  l'angentialrichtung
  haben  ;  die  Ordinate  OB  muss  dem  Längenunterschiede ­
  der  betreffenden,  positiven  und  negativen
Ordinaten  gleich  sein.  Stellen  wir  nun  den  Kurvenast ­
  OA,  um  180”  gedreht,  in  der  früher  gewohnten
Stellung  ])unktirt  dar,  so  sehen  wir  sofort,  dass  die
gesuchten  Punkte  in  den  Kurven  OA  und  ON  dieselben ­
  Punkte  })  und  d  sind,  welche  der  Menge  Oa
ents])rechen,  die  auf  diesem  Markte  hei  freier  Konkurrenz ­
  umgesetzt  wird,  und  dass  der  Preis  BOJ^.,
der  sich  hierbei  ergibt,  auch  in  der  Kurve  ABN  als
deren  Tangentialrichtung  in  der  Ordinatenachse  erscheint. ­
  1  )ie  (  Irdinate  OB  endlich  stellt  die  Differenz
der  Ordinaten  der  Punkte  h  und  d,  somit  also  den
Gemeinnützen  hei  freier  Konkurrenz,  dar.  Der  Gemeinnützen ­
  der  auf  einem  Markte  vereinigten  Käufer  und
Verkäufer  erscheint  demnach  in  dieser  Figur  völlig
analog  dem  Lebensgenüsse,  den  ein  produktiv  thätiges
Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.  25
        <pb n="417" />
        88G

Tndividuum  errciclit,  wenn  cs  von  einem  Artikel  A
nichts  kauft  und  nielits  verkauft.
Stellen  wir  uns  nun  in  Verfol^un^  dieser  Analogie ­
  vor,  dass  dem  hctraehteten  Markte  eine  d  ah  resínenle ­
  X  des  Artikels  A  von  aussen  her  zuo-efiihrt
und  der  Gesammtheit  der  Produzenten  und  Konsumenten ­
  zu  zweekmässi^ster  Vertheiluu^  unentgeltlich
üherlassen  würde.  Der  Preis  des  Artikels  A  wird
dann  sinken,  der  Konsum  wachsen  und  die  Produktion ­
  ahnehmcn.  Ein  Gleichgewicht  kann  sieh  erst
dann  wieder  hersteilen,  wenn  die  IMen^e,  welche  die
Käufer  dem  Markte  entuehmen,  gerade  um  die  Men^e
X  grösser  ist  als  jene,  welche  die  Verkäufer  demselhen
  zuführen,  und  wenn  zugleich  die  der  freien
Konkurrenz  ents])reehende  Hedin^un^  erfüllt  ist,  dass
die  Nützlichkeit  des  letzten,  an^ekauften  und  die  Kosten
des  letzten,  verkauften  Theilchens  einander  wieder
u'leieh  werden.  Es  muss  also,  wenn  der  Ankauf  von
Oa  auf  ()a„  steiß't  und  der  Verkauf  von  Oa  auf  Oa^
sinkt,  der  Mehrankauf  aa„  und  der  Minderverkauf  aa^
zusammen^enommen  der  Men^fc  x  ^leiehkommen;
ferner  müssen  die  Tangenten  der  Kurven  ON  und
OA  in  den  Punkten  und  welche  den  Abszissen
Oa„  und  Oa^  entsprechen,  einander  jiarallel  sein.
Diese  parallelen  Tangenten  bestimmen  zugleich  den
neuen  Preis  und  nach  der  Regel  der  Kombination
muss  auch  die  Kurve  ABN  in  ihrem  über  der  Abszisse ­
  X  liegenden  Punkte  i  eben  diese  Tangentialrichtung ­
  haben.  Wir  sehen  ferner  aus  der  Figur,
dass  der  Mehrankauf  eine  Nützliehkeitszunahme,
        <pb n="418" />
        387

welclie  durci)  den  Vertikalabstand  der  Punkte  d  und
d„  bemessen  wird,  mit  sieb  bringt,  und  dass  der  Minderverkauf ­
  eine  Kosteners¡)arniss,  gleich  dem  Vertikalabstande ­
  der  Punkte  h  und  berbeitubrt.  Die  Summe
dieser  beiden  Beträge  bildet  die  Steigerung  des  Gemeinnutzens ­
  und  erscbeint  in  der  Kurve  ABN  in
dem  Vertikalabstande  der  Punkte  B  und  so  dass
die  Ordinate  des  letzteren  Punktes  den  Gemeinnützen
bei  unentgeltlieber  Beistellung  der  Menge  x  von  A
darstellt.  Ebenso  bezeielmet  der  Punkt  gleicher  Tangentialricbtung
  in  jeder  der  eingangs  erwähnten  Einzelkurven ­
  durch  seine  positive  oder  negative  Abszisse
die  für  das  betreffende  Individuum  nunmebr  vortbeilbafteste
  An-  oder  Verkaufsmenge  des  Artikels  yl;
jeder  Einzelne  wird  nun  mehr  ankaufen  oder  weniger
verkaufen,  und  die  Summe  aller  dieser  Differenzen
ist  gleich  der  Menge  x.  So  wie  demnach  der  rechte
Ast  der  Kurve  ABN  den  Gemeinnützen  bei  unentgeltlicher ­
  Beistellung  wachsender  Mengen  des  Artikels ­
  A  darstellt,  so  bezeichnet  auch  jede  Ordinate
links  vom  Nullpunkte  den  Gemeinnützen  der  Gesammtbeit
  der  den  Markt  bildenden  Individuen,  wenn  dieselben ­
  verhalten  wären,  die  durch  die  betreffende,
negative  Abszisse  bezeiebnete  Menge  des  Artikels  A  unentgeltlich ­
  an  Aussensteliende  abzugeben.  Wir  nennen
demnach  die  Kurve  ABN  die  Kurve  des  Gemeinnutzens. ­

Denken  wir  uns  nun  die  Kurve  ABN  um  OB
herabgesehoben,  so  erhalten  wir  die  durchlaufende
Kosten-  und  Niitzlicbkeitskurve  EOd  des  ganzen
25*
        <pb n="419" />
        Marktes.  Diese  Kurve  stellt  nämlich  rechts  vom
Nulljmnkte  die  Stei^erun^-  des  Gemeinnutzens  durch
von  Aussen  unentgeltlich  heigesteilte  Mengen  des
Artikels  M,  also  die  Nützlichkeit  dieser  Mengen,  dar;
ebenso  links  vom  Nullpunkte  die  Schmälerung  des
Gemeinnutzeus  durch  unentgeltliche  Abgabe  irgend
einer  Menge,  also  die  Kosten  einer  solchen.  Die  Abgeleitete ­
  E'  0,J\  die  sich  ebenso  auch  aus  der  Kombination ­
  der  durchlaufenden  Angebots-  und  Nachfragekurven ­
  aller  einzelnen  Individuen  ergehen  hätte,  verläuft ­
  zwischen  den  Punkten  d'  und  ¿  tiefer  als  die
Kurve  A'  ON'  und  fällt  links  vom  Punkte  lY  und  rechts
vom  Punkte  t  mit  dieser  zusammen.  Sie  bezeichnet
durch  ihren  linken  Ast  das  durch  die  Nachfrage  der  auf
dem  Markte  auftretendeii  Käufer  nicht  in  Ans])rueh  genommene, ­
  daher  das  noch  freie  Angebot  der  Verkäufer
des  Artikels  ^1,  während  der  rechte  Kurvenast  die  auf  dem
Markte  nicht  befriedigte,  daher  noch  freie  Nachfrage
nach  eben  diesein  Artikel  seitens  der  Käufer  angiht.

77.  Moiioindistische  Prcishcstiminiing  hei  freier
Konkurrenz.
Stellen  wir  in  Fig.  09  a  die  Gesammtkurven  der
Herstellungskosten  und  der  Nützlichkeit  OA  und  ON
eines  Artikels  A  auf  einem  bestimmten  Markte  und
die  Abgeleiteten  OA'  und  ON  in  der  früher  gewohnten ­
  Stellung  dar,  ferner  in  Fig.  09  h  die  Kurve  des
Gemeinnutzens,  sowie  die  Kurve  EOJ  und  deren  Abgeleitete, ­
  die  sich  aus  denselben  Kurven  OA  und  ON
        <pb n="420" />
        389

in  (1er  vorstelieiid  ])es])roclienen  Weise  er«ie])eii,  und
nehmen  wir  nun  an,  dass  ein  Individuum  I  neu  hinzu¿»ekonimen
  oder  dass  es  bei  der  Bildung^  der  anj^efUlirten
  Kurven  ausser  Betrae.lit  geblieben  wäre,
so  könnten  wir  dessen  Kosten-  und  NUtzlielikeitskurve
aOn  nunmehr  gesondert  aufstellen.  Tragen  wir  diese
Kurve  in  der  Fig.  69  b,  um  18Ü"  gedreht,  auf,  so
werden  die  Abgeleiteten  a  On'  und  E'  UJ'  sieb  reebts

oder  liidvs  schneiden  oder  nur  im  Nulljuinkte  berühren.
Das  Individuum  I  wird  im  letzteren  Falle  an  dem
Marktverkebr  in  dem  Artikel  A  keinen  Antbeil  nehmen,
während  dasselbe  in  dem  zuerst  gedaebteu  Falle  als

auftritt.
Wir  bemerken  in  Fig.  69  b,  dass  nunmehr  der
freien  Nachfrage  das  Angebot  des  Verkäufers  I
gegeuüber  steht.  Derselbe  kann  seinen  Verkauf  böeb-Fig,

  G9  a.

0
        <pb n="421" />
        390

steiis  bis  zu  (1er  durcli  den  Schnittpunkt  c„  der  Kurven ­
  Oa  und  OJ'  angegebenen  Menge  Oq^  aiisdebnen;
durcli  sein  Hinzutreten  wird  dann  nicht  nur  für  sein
Erzeugniss,  sondern  auch  für  den  ganzen  Absatz  der
Marktpreis  von  POF  auf  F^ÜP^  gedrückt,  derselbe

Fi^.  GO  b.

P

B

R

R

R

(A

Preis,  der  sich  auch  ergeben  hätte,  wenn  die  (lesannntkurven
  mit  Herücksichtigung  des  Individuums  I  aufgestellt ­
  worden  wären.  Die  Vermehrung  des  Gemeinnutzens, ­
  welche  durch  das  Hinzutreten  des  Individuums
T  zu  dem  ursjirünglichen  Gemeinnützen  OB  hinzu-
        <pb n="422" />
        391

wächst,  wird  durch  den  Vertikalahstaiid  der  Kuiveii
OJ  und  Oa  heiiiesseii,  sie  ist  bei  der  Menge  Oq,  am
grössten.  Dabei  entfällt  auf  den  Produzenten  I  der
Nutzen  während  alle  übrigen,  auf  dem  Maikte
verkehrenden  Individuen  zusammengenommen  duich
sein  Hinzukommen  eine  Vermehrung  ihres  Gemeinnutzens ­
  um  Cgdg  erfahren.  Wir  sehen  abei  sofort,
dass  der  Produzent  I,  wie  ein  Monopolist,  durch  Einschränkung ­
  seines  Verkaufes  einen  grösseren  Nutzen
erzielen  kann,  indem  er  trotz  der  freien  Konkurrenz
auf  otfenem  Markte  in  der  Lage  ist,  den  Preis  innerhalb ­
  der  durch  die  freie  Naehfrage  gegebenen  Grenze
hochzuhalten.  Sein  Nutzen  wird  am  grössten,  wenn
er  die  Menge  Oqi,  hei  der  die  Kurven  Oa  und  OJ'
die  gleiche  Tangentialrichtung  haben,  herstellt;  dieser
Nutzen  beträgt  dann  und  der  Preis  steigt  dann
bis  FjOFt-  Allen  übrigen  Individuen  erwächst  dann
aus  dem  Hinzutritt  des  Produzenten  I  nur  der  Nutzen
did\^  also  doch  immer  noch  eine  Vermehrung  ihres
Gemeinnutzens.
Um  die  Rückwirkung  der  besprochenen  Preisänderungen ­
  auf  die  Käufer  und  Verkäufer  zu  verfolgen, ­
  übertragen  wir  die  drei  Preislinien  FOF^
FgOFg  und  FfiF,  in  die  Fig.  69  a  und  betrachten
deren  Schnitt  mit  den  Abgeleiteten  OA  und  ON.
Vor  dem  Auftreten  des  Verkäufers  I  war  heim  Bestände ­
  des  Preises  FOF  der  Verkauf  und  der  Ankauf ­
  Oa.  Verkauft  nun  das  Individuum  I  die  Menge
Oqg,  sinkt  also  der  Preis  auf  so  steigt  die
Menge,  welche  die  Käufer  dem  Markte  entnehmen.
        <pb n="423" />
        392

auf  Ov^  und  muss  dann  gerade  um  Oq^  grösser  sein
als  der  reduzirte  Absatz  der  übrigen  Verkäufer.
Dabei  verringert  sieh  der  Nutzen  der  Letzteren,
während  der  Nutzen  der  Käufer  zunimmt,  und  zwar
noth  wendigerweise  in  stärkerem  Masse,  da  der  Gemeinnützen ­
  beider  Gru])|)en  zusammengenommen,  wie
Fig.  69  1)  zeigt,  um  c„d,  gestiegen  ist.  Der  Eintluss
des  neu  hinzutretenden  Verkäufers  I  macht  sicli
weniger  geltend,  wenn  dieser  den  Preis  hoehhält,
z.  B.  auf  FiOPj^  indem  er  nur  die  kleinere  Menge  üqt
zu  Markte  bringt;  der  gesammte  Absatz  steigt  dann
nur  auf  Ovj^  während  jener  der  ührigen  Verkäufer
nur  auf  Oe^  zuriiekgeht.  Der  betrachtete  Unternehmer
kann  also  nicht  umhin,  wenn  er  durch  Einschränkung
seines  Verkaufes  den  Preis  hochhält,  nebst  dem  eigenen ­
  Nutzen  aueh  den  seiner  Mitbewerber  zu  steigern
und  letzteren  sogar  in  stärkerem  IMasse.  Jeder  Konkurrent ­
  würde  nämlieh,  wenn  wir  seine  líinzelkostenkurve ­
  mit  jener  Oa  (Fig.  69  b)  gerade  identisch  annehmen, ­
  beim  Preise  l\()Pi  die  grössere,  durch  den
Schnitt  dieser  Linie  mit  der  Kurve  üa  angegebene
Menge  herstellen.  Er  wird  daher  einen  grösseren
Nutzen  erzielen  als  der  Unternehmer  1,  der  sich  auf
die  kleinere  Menge  Oqi  heschränken  muss,  während
beim  Preise  P^OP„  beide  Unternehmer  die  gleiche
Menge  Oq^  verkauft  und  somit  auch  den  gleichen
Nutzen  erzielt  hätten.  Ein  Unternehmer,  der  zahlreiche, ­
  ebenbürtige  Mitbewerber  neben  sich  hat,  wird
sich  nie  entsehliessen,  seinen  Verkauf  einzuschräidcen,
um  dadurch  seinen  Konkurrenten  einen  grösseren  Vor-
        <pb n="424" />
        393

tlieil  zu  verschaffen  als  sieh  seihst.  Wir  konnten
daher  früher  (4)  mit  Recht  annehmen,  dass  jeder
Einzelne  immer  die  grösstmögliche  Menge  bei
welcher  Erlös  und  Kosten  des  letzten  Tlieilchens
gerade  gleich  sind,  hersteilen  und  verkaufen  werde.
Bei  vollkommen  freier  Konkurrenz  wird  also  der
Breis  in  der  That  durch  den  Schnitt  der  Gesammtkiirven
  des  Angebotes  und  der  Nachfrage  bestimmt.
Wir  sehen  aber,  dass  Abweichungen  hiervon  nicht
nur  hei  wirklichen  Monopolen,  sondern  auch  dann
zu  gewärtigen  sind,  wenn  ein  Einzelner  seinen  Mithewerhern
  weit  überlegen  ist.  Je  mehr  dies  der  Fall
ist,  je  geringer  also  die  Leistungsfähigkeit  der  Konkurrenten ­
  ist,  desto  steiler  verläuft  die  Kurve  OA\
und  desto  mehr  nähert  sich  die  OJ'  der  ()N\  wie
dies  aus  der  Entstehungsart  der  Kurve  ABN  und
ihrer  Ahgeleiteten  K'OJ'  (Fig.  68)  nothwendig  folgt.
Ergibt  sich  aber  durch  die  Annäherung  der  (U'  an
die  ON'  ein  bedeutender  Unterschied  zwischen  den
beiden  Breisgrenzen  OP„  und  ()B¡  (Fig.  69  h),  so
kommt  der  Unternehmer  I  in  die  Lage,  ohne  allzugrosse ­
  Einschränkung  seiner  Broduktion  und  seines
\  erkaufeS  seinen  Nutzen  verhältnissmässig  so  stark
erhöhen  zu  können,  dass  er  sich  über  den  Vortheil,
der  gleichzeitig  auch  seinen  schwächeren  Konkurrenten ­
  zufällt,  hinwegzusetzen  vermag.  Noch  wirksamer ­
  als  ein  Einzelner  kann  eine  Koalition  von  Brodiizenten
  oder  \  erkäufern  den  Markt  zum  Schaden
der  Käufer  monopolistisch  beherrschen,  wenn  auch
einzelne  Unternehmer  der  Koalition  fern  bleiben  und
        <pb n="425" />
        304

dadurch  einen  verliältnissinässig  noch  grösseren  Vortheil ­
  geniessen.
Alle  vorstehenden  Betrachtungen  gelten  in  ganz
analoger  Weise  auch  für  eine  Koalition  von  Käufern
Fig.  70.

P

P  /

J.

J

R

'A

E

oder  auch  für  einen  einzelnen  Konsumenten.  Fällt
nändich,  wie  in  Fig.  70,  in  der  wir  die  Kurven  EO,J
und  aOn  ebenso,  wie  in  Fig.  60  b,  einander  gegenüber ­
  stellen,  der  Sebnittpunkt  c„  der  Abgeleiteten
links  vom  Nullpunkte,  so  tritt  das  Individuum  1  als
        <pb n="426" />
        395

Käufer  des  Artikels  A  auf  und  bewirkt  dadurch  jedesfalls
  eine  Preisstei^j^erun^.  Nunmehr  ist  es  der  Kauter,
der  in  der  La^e  ist,  durch  Einschränkung  seines  Ankaufes ­
  den  Preis  innerhalb  der  Grenzen  0F„  und
OF2  monopolistisch  festzustellen.  Der  Gemeinnützen
steigt  aber  unter  allen  Umständen,  und  zwar  um  den
Vertikalahstand  der  Kurven  OE  und  On  bei  der
wirklichen  Ankaufsmenge.  Von  diesem  Betrage,  der
hei  der  Menge  Oq„  sein  Maximum  erreichen  würde,
fällt  der  zwischen  den  Kimven  O71  und  OE'  liegende
Antheil,  der  wieder  hei  der  IVIenge  Oq¡  am  grössten
wäre,  dem  Käufer  1  zu,  während  der  zwischen  den
OE’  und  OE  eingeschlossene  Best  zu  dem  Gemeinnützen ­
  OB  aller  übrigen  Individuen  hinzuwächst.  Wir
sehen  daher,  dass  jede  Vermehrung  der  Bevölkerung
um  Personen,  welche  sich  seihst  zu  erhalten  im  Stande
sind,  gleichviel  oh  diese  als  Verkäufer  oder  als  Käufer
auftreten,  von  Vortheil  für  die  Gesammtheit  ist.
78.  Die  Wirkungen  der  Konkurrenz.
Einen  Vors])rung,  welcher  eine  monopolistische
Ausbeutung  gestattet,  kann  ein  Unternehmer  I  erlangen, ­
  der  ein  auf  einer  neuen  Eihndung  beruhendes
Veifahren  zuerst  einführt,  wenigstens  solange  dieses
Verfahren,  wenn  es  auch  nicht  geschützt  ist,  doch
geheim  hleiht.  Die  Kostenkurve  Oa  (Fig.  G9  h)
dieses  Produzenten  wird,  wenn  das  Verfahren  zweckmässig ­
  ist,  hacher,  die  Preisgrenzen  OF  und  OF,
sinken  und  treten  weiter  auseinander,  er  kann  also
        <pb n="427" />
        306

einen  grösseren  Nutzen  erzielen,  indem  er  seine  Produktion ­
  ausdelmt.  Der  dadureli  verursaelite  Püek^an^
des  Preises  kommt  den  Käufern  zu  statten  und  seliädi^t
die  Konkurrenten.  Ist  der  Preisrückgang-  ein  bedeutender, ­
  erstreckt  er  sicli  auch  auf  die  verwandten
Sorten,  zu  deren  Produktion  die  Konkurrenten  leicht
übergehen  könnten,  und  gewinnen  letztere  die  Ueberzeugung
  von  der  Dauerhaftigkeit  des  neuen  Preisstandes, ­
  so  werden  einige  derselben  die  Scheu  überwinden,
zur  Produktion  ganz  anderer  Artikel  überzugehen  oder
ihr  Unternehmen  ganz  aufzugeben.  Die  auf  den  Artikel ­
  A  bezogenen  Einzelkostenkurveu  jener  Produzenten, ­
  welche  den  Entschluss  zu  einem  solchen  Uebergang
  auch  wirklich  ausgefühit  haben,  würden,  wie
früher  (58)  erwähnt,  in  ihrer  Anfangsstrecke  jdötzlich
steiler;  demnach  muss  auch  die  Gesammtkurve^  OA
und  ihre  Abgeleitete  steiler  werden,  so  dass  sich  die
Kurve  0,/'  der  ON'  nähert.  Diese  Aenderung  der
Kurven  vergrössert  den  S])ielraum  für  die  mono])olistische
  Preisbestimmung  des  Unternehmers  I  und
bietet  ihm  daher  einen  weiteren  Vortheil.  Wird  dagegen ­
  die  neue  Ertindung  sofort  Gemeingut,  erfordert
sie  vollends  keine  allzugrossen  Investitionen,  so  kann
sie  von  vielen  oder  gar  von  allen  bisherigen  I  Produzenten ­
  des  Artikels  A  zugleich  eingeführt  werden.
Dann  kann  es  geschehen,  dass  der  gleichhleibenden
Gesammtnachfragekurve  gegenüber  solche  Massen  auf
den  Markt  kommen,  dass  der  Preis  tief  sinkt  und
für  die  Produzenten  statt  des  gehofften  Vortbeils
sich  ein  Schaden  ergibt.  Erst  wenn  dadurch  einige
        <pb n="428" />
        397

Produzenten  den  Iktrieb  einznstellen  oder  wesentlicli
einznscliränken  veraidasist  werden,  kann  der  ungesunde
Zustand  der  Ueberproduktion  normalen  Verhältnissen
Platz  machen.
Ebenso,  wie  dundi  die  Einführung  eines  neuen
Verfahrens,  wird  die  Kostenkurve  (Ja  des  Unternehmers ­
  I  auch  dann  Hacher,  wenn  derselbe  sich
entschliesst,  Investitionen  zur  wolfeil  eren  oder  vermehrten ­
  Erzeugung  des  Artikels  A  vorzunehmen.
Wenn  endlich  ein  Individuum,  welches  früher  an  dem
Verkehr  in  dem  Aitikel  .1  gar  nicht  Theil  genommen
oder  diesen  nur  konsumirt  hatte,  sich  entschliesst,  zu
dessen  Produktion  üherzugehen,  so  können  wir  auch
dies  als  eine  Veiüachung  seiner  Kostenkurve  (Ja  auffassen. ­
  Die  durchlaufende  Kosten-  und  Nützlichkeitskurve ­
  aOn  eines  solchen  Individuums  war  früher  hei
ihrem  Durchgänge  durch  den  Nulljmnkt  so  steil,  dass
ihre  Abgeleitete  a  On  die  E'OJ'  nur  im  Nulljmnkte
berührte  oder  links  von  diesem  traf;  durch  die  zur
Errichtung  des  neuen  Unternehmens  gemachte  Investition ­
  erleidet  die  Kurve  aOn  die  früher  (58)  erwähnte ­
  Formänderung,  so  dass  ihre  Abgeleitete  die
K'0  J'  nunmehr  rechts  vom  Nullpunkte  schneidet.
Immer  wird  durch  das  Ilinzutreten  eines  Produzenten
oder  durch  die  Ausdehnung  eines  bestehenden  Unternehmens ­
  der  Preis  des  Produktes  gedrückt,  ein  Umstand, ­
  den  wir  früher  nicht  berücksichtigen  konnten,
der  aber  nicht  wenig  dazu  beiträgt,  die  Scheu  vor
neuen  Investitionen  zu  erhöhen.  Der  Unternehmer
hat  nämlich  darauf  Bedacht  zu  nehmen,  dass  seine
        <pb n="429" />
        398

neu  investirteu  Kapitnlien  nicht  nur  seinen  Konkurrenten, ­
  sondern  aueli  seinen  eigenen,  früheren  Investitionen ­
  Konkurrenz  machen.  Diese  Erwägung
macht  sich,  wie  schon  erwähnt,  bei  wirklichen  Monopolen, ­
  wo  jede  fremde  Konkurrenz  wegfällt,  besonders
geltend  und  veranlasst  die  Monopolisten,  lieber  hei
eingeschränkter  Produktion  hohe  Preise  festzuhalten,
als  zum  Vortheil  der  Konsumenten  geeignete  Betriehserweiterungen
  durchzuführen.  Selbstverständlich  Hessen
sieh  in  analoger  Weise  die  Ursachen  erörtern,  welche
die  Kurve  Oa  steiler  gestalten  und  zum  Vortheile
der  konkurrirenden  Produzenten  und  zum  Nachtheile
der  Konsumenten  den  Preis  des  Artikels  A  erhöhen.
Die  durchlaufende  Kurve  aOn  (Fig.  09  b)  wird  hei
ihrem  Durchgänge  durch  den  Null])unkt  auch  dann
steiler,  wenn  das  Individuum  I  Investitionen  zum
Zwecke  der  weiteren  Selhstvcrarheitung  des  Aidikels
A  vornimmt.  Sind  diese  Investitionen  gross  genug,
so  kann  es  geschehen,  dass  die  Abgeleiteten  aOii
und  E'OJ'  sich  nur  im  Nulljmnkte  berühren  oder,
wie  in  Fig.  70,  erst  links  von  demselben  treffen,  so
dass  der  Unternehmer  I  seine  ganze  Produktion  von  A
seihst  verbraucht  oder  endlich  als  Käufer  dieses  nun
für  ihn  zu  einem  Produktionserfordernisse  gewordenen
Artikels  auftritt.  Die  entgegengesetzte  Formänderung
erfährt  die  auf  ein  Produktionserforderniss  bezogene
Kurve  aOn  eines  Unternehmers,  der  Investitionen
vornimmt,  um  diesen  Artikel  seihst  herzustcllen.
Nehmen  wir  nun  an,  dass  die  Kurve  aOn
(Fig.  09  h  oder  70)  des  Individuums  1  unverändert
        <pb n="430" />
        309

bleibe,  das«  aber  mm  eines  der  anderen  Individuen
eine  Verniebrunj»’  seiner  zur  Ilerstellunjç  des  Artikels
A  oder  eine  Verminderung  seiner  zur  Verarbeitung
dieses  Aidikels  bestimmten  Investitionen  vornebme.
Dadurcli  wird  die  Einzelkosten-  und  Niitzlicbkeitskurve
dieses  Individuums  bei  ihrem  Durcb^ange  durch  den
Nullpunkt  dacber,  und  somit  wird  in  dem  einen  Falle
die  (iesammtkurve  (JA,  in  dem  andern  jene  in
einem  Tbeile  ihres  Verlaufes  gleichfalls  tlacber,  so
dass  beidemale  die  Kurve  AßJV  im  gleichen  Sinne
beeinflusst  wird.  Deren  Abgeleitete  E'()J'  wird  demnach ­
  bei  ihrem  Durchgänge  durch  den  Nullpunkt
minder  steil  verlaufen;  der  durch  diese  Durcbgangsriebtung
  angegebene  Preis  POP  ist  durch  die  vermehrte ­
  Produktion  oder  verminderte  Konsumtion  des
Artikels  A  gesunken.  Tritt  nun  das  Individuum  I
als  Verkäufer  (Fig.  69  b)  hinzu,  so  findet  dasselbe,
dass  auch  seine  obere  Preisgrenze  OPj  sieb  zu  seinem
Nacbtbeile  gedrückt  bat;  tritt  es  dagegen  als  Käufer
(Fig.  70)  auf,  so  genicsst  dasselbe  den  Vortbeil  einer
Erniedrigung  seiner  unteren  Preisgrenze  OP^-  Die
bes])rocbene  Formänderung  der  Kurve  K'OJ'  wird
sich  in  noch  viel  stärkerem  Masse  einstellen,  wenn
in  Folge  einer  für  die  Erzeugung  des  Artikels  A  günstigen ­
  Konjunktur  viele  und  grosse  Unternehmungen
zur  Produktion  von  A  entstehen,  oder  wenn  eine  für
die  Verarbeitung  desselben  Artikels  ungünstige  Konjunktur ­
  das  Aufgeben  zahlreicher  Betriebe,  welche
den  Artikel  als  Hohstotf  brauchten,  veranlasst.  Ohne
diese  Aenderungen  hätte  das  Individuum  I  als  Ver-
        <pb n="431" />
        400

kauf  er  den  Vortlieil,  als  Käufer  da^e^eu  den  Naelitlieil
  der  bestaiideneii  Konjunktur  in  vollem  Masse
em¡)funden;  eben  diese  Konjunktur  aber  ist  es,  die
ibni  das  einenial,  wenn  sie  j^Unstig*  ist,  die  verstärkte
Konkurrenz  zuziebt  und  dadurch  seinen  Nutzen  schmälert, ­
  gerade  so,  wie  sie  im  anderen,  ungünstigen  Falle
die  Zahl  der  konkurrirenden  Käufer  zu  seinen  Gunsten
verringert.  Wir  sehen  also,  dass  keine  Konjunktur
auf  die  Dauer  bestehen  kann,  ohne  jene  Veränderungen ­
  berbeizufübrcn,  welche  geeignet  sind,  die  Konjunktur ­
  selbst  wieder  aufzubeben.  Zu  demselben  Ergebnisse ­
  wären  wir  nämlich  auch  dann  gelangt,  wenn
wir  die  entgegengesetzten  Konjunkturen  betraebtet
hätten,  welche  die  Auflösung  von  Unternehmungen
zur  Herstellung  des  Artikels  A  oder  die  Errichtung
von  solchen  zu  dessen  Verarbeitung  veranlassen.  Die
Kurve  E'OJ'  wird  dann  bei  ihrem  Durchgänge  durch
den  Nullpunkt  jedesfalls  steiler,  woraus  dem  Individuum ­
  /  als  Verkäufer  (Fig.  60  b)  ein  Vortheil,  als
Käufer  (Fig.  70)  aber  ein  Nacbtheil  erwächst.
Der  Unternehmer  /  bat  ein  rasches  Schwinden
einer  ihm  günstigen  Konjunktur  umsoweniger  zu  fürchten, ­
  je  bedeutender  der  Vorsprung  ist,  den  ihm  die
Grösse  der  erforderlichen  Investitionen,  seine  besondere, ­
  persönliche  Eignung  oder  der  günstige  Standort ­
  seines  Unternehmens  vor  neu  entstehenden  Konkurrenten ­
  verschafft.  Ein  solcher  Unternehmer  nähert
sich  der  Stellung  eines  wirklichen  Monopolisten,  der
davor  geschützt  ist,  dass  sich  durch  das  Eingreifen
der  Konkurrenz  die  Nachfrage  nach  seinem  Erzeugniss
        <pb n="432" />
        401

Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb  J.  Theorie  d.  Preises.

20

oder  das  Angebot,  auf  das  er  reclmet,  verringere.
Alle  jene  llnterneliiner  dagegen,  die  sich  nicht  in  bevorzugter ­
  Stellung  befinden,  können  die  Vortbeile  einer
günstigen  Konjunktur  der  freien  Konkurrenz  wegen  nur
vorübergehend  geniessen.  Der  Schnittpunkt  der  Kurve
a  Oll  eines  solchen  Unternehmers  fällt  immer  in  die
nahezu  geradlinige  Anfangsstrecke  der  gegenüberstehenden
  Kurve  K'  OJ\  weil  andernfalls  konkurrirende
Unternehmungen  hinzutreten,  welche  die  Kurve  E'OJ'
derart  ändern,  dass  ihr  Sehnitt))unkt  mit  der  a  On
dem  Nullpunkte  näher  rückt;  deshalb  kann  ein  solcher
Unternehmer  auch  keinen  erheblichen  Einfluss  auf  die
Preishestimmung  ausühen.  Von  einem  solchen  Einfluss
kann  vollends  hei  jenen  Käufern  nicht  die  Rede  sein,
die  den  betreffenden  Artikel  nur  für  ihren  ])crsönlichen
  Konsum  hegehren,  weil  der  Redarf  des  Einzelnen ­
  im  Vergleiche  zum  (lesammtahsatze  verschwindet.
Dagegen  haben  diese  Konsumenten  eine  Schädigung
durch  das  Auftreten  neuer  Konkurrenten  am  wenigsten
zu  fürchten,  weil  die  Verwolfeilung  eines  Artikels,
wenn  sie  auch  die  Zunahme  der  Bevölkerung  fördert,
doch  nur  s])ät  und  nur  allmälig  wirkt,  und  diese  Zunahme ­
  sich  nicht  gerade  nur  auf  die  Zahl  der  Käufer
beschränkt.  Daher  kommt  es  auch,  dass  der  Vortheil
jeder  neuen  Erfindung,  jeder  Verbesserung,  jeder
Investition,  schliesslich  den  Konsumenten  zu  Gute
kommt.
        <pb n="433" />
        402

7í).  Die  Preisbestimimiiiíí  mit  Kiieksiclit  auf  die
letzten  Foniielemeute  der  Kurven.
Die  Grenzen  des  Spielraumes  für  die  monojmlistische
  Preisbestimmung  erfordern  noeli  eine  weitere
Klarstellung.  Wir  müssen  nämlich  darauf  Bedacht
nehmen,  dass  jede  Einzelkurve  und  daher  jede  Gesamnitkurve,
  also  auch  die  Kurve  ABN  (Eig.  68,  69
und  70),  in  letzter  Auflösung  aus  lauter  geradlinigen
Elementen  zusammengesetzt  ist,  wovon  wir  in  dem
vorliegenden  Kapitel  bisher  abgesehen  haben.
Stellen  wir  nun  in  Fig.  71a  und  h  die  Kurve
KOJ,  die  Kosten-  und  Nützliehkeitskurve  des  ganzen
Marktes,  als  polygonale,  und  demgemäss  die  Abgeleitete ­
  E'0,r  als  gezahnte  Linie  dar,  so  wollen  wir
dabei  erinnern,  dass  diese  Kurven  aus  der  Kombination ­
  von  Einzelkurven  hervorgehen,  bei  deren  Aufstellung ­
  (27)  wir  vorausgesetzt  haben,  dass  jedes  einzelne, ­
  wirthseiiaftliche  Individuum  mit  festen,  von
seiner  eigenen  Einflussnahme  unabhängigen  Preisen
auch  des  Artikels  A  zu  rechnen  habe.  Diese  Voraussetzung ­
  haben  wir  im  vorliegenden  Ka])itel  hinsichtlieh ­
  des  Einen,  allen  übrigen  gegenüberstehenden
Individuums  I  fallen  lassen;  wir  müssen  deshalb,  wenn
wir  ganz  genau  Vorgehen  wollen,  auch  die  Möglichkeit ­
  offen  lassen,  dass  Klengen,  deren  Verkauf  oder
Ankauf  für  dieses  Individuum  beim  Bestände  jedes
festen  Preises  nicht  vortheilhaft  gewesen  wäre,  nunmehr ­
  doch  in  Betracht  kommen  könnten.  Wir  stellen
        <pb n="434" />
        403

(lamm  in  Fig.  71a  und  b  den  Kurven  EOJ  und  E'  OJ'
niclit  mehr  die  Kosten-  und  Nützliclikeitskurve  des
Individuums  I,  sondern  jene  im  allgemeinen  unregelseiner ­

  durchlaufenden  Lebensgenusskurve  zu  Grunde
liegt,  und  denken  uns  diese  Punktreibe  gegen  die

frühere  Darstellung  um  180"  gedreht.  Zugleich  scheiden ­
  wir  aus  dieser  Reihe  alle  jene  Punkte  aus,  über
welchen  sich  in  den  Kurven  EOJ  und  E'OJ'  keine
effektiven  Punkte  vorfinden,  wobei  wir  als  effektiv
die  Eck])unkte  der  Kurve  EOJ,  welchen  die  Vertikalstrecken ­
  der  Kurve  E'  OJ'  ents])rechen,  und  ausserdem ­
  noch  jene  Punkte  dieser  Kurve  bezeichnen,  die.

massige  Punktreihe  gegenüber,  welehe,  wie  in  Fig.  51

J
        <pb n="435" />
        404

obwol  ill  geraden  Streekeii  liegend,  doeli  —  wie  früher
(30)  erwähnt  —  Mengen  angehen,  die  auf  dem  Markte
niugesetzt  werden  können.  Alle  Mengen,  iiher  oder
unter  deren  ents])reehenden  Ahszissen  keine  effektiven
Punkte  der  Kurven  EOJ  und  K'O.I'  liegen,  können
von  dem  Individnum  I  weder  verkauft,  noch  gekauft

Fiff.  71  It.

%  %

werden.  Der  grösste  Vertikalahstand  der  so  korrigirten
  Punktreihe  von  dem  oberen  Endjmnkte
irgend  einer  Vertikalstreeke  oder  von  irgend  einem
anderen,  effektiven  Punkte  der  Kurve  E'OJ'  hezeielmet
dann  diireh  seine  positive  oder  negative  Abszisse  die
für  das  Individuum  I  vortlieilhafteste  Verkaufsmenge
        <pb n="436" />
        Oq,  (Fig[.  71  a)  oder  Aiikaiitsmeng’c  Oqs  (Fi^.  71  b).
Der  für  dasselbe  ^ünstig^ste  Preis  bzw.  OPj,
wird  diireli  die  Padiiisvektorriebhm^'  des  betreffenden,
effektiven  Punktes  der  Kurve  K'O.J’  an^e^eben.
Wollten  wir  dann  aiieb  noeli  die  ^rösstniö^liebe  Verkanfsmenß^e
  Oq^  (Fi^.  71  a)  ermitteln,  so  müssen  wir
uns  ^e^enwärti^  kalten,  dass  das  Tndividimm  I  höchstens ­
  jene  Men^e  verkaufen  kann,  bei  der  die  Selbstkosten ­
  aneb  des  letzten  Tbeib¡nantnms  durch  dessen
Erlös  eben  noch  gedeckt  sind.  Die  Selbstkosten  des
letzten  Tbeilquantnms  werden  aber  bei  jeder  Verkaufsmen^e
  durch  die  steilste  Verbindungslinie  des  betreffenden ­
  Punktes  der  Reibe  mit  irgend  einem  weiter
links  —  eventuell  auch  links  vom  Nnlljmnkte  —  defienden ­
  Punkte  anfrefieben.  Der  Verkauf  kann  daher
nicht  weiter  ansgedehnt  werden  als  bis  zu  jener  Meiifie,
bei  w  elcher  die  eben  erw  ähnte,  steilste  Verbindniifislinie
doch  noch  ffacber  ist  als  der  Radiusvektor  des  betreffenden, ­
  effektiven  Punktes  der  Kurve  O./';  denn  die
Ricbtnnfi  dieses  Radiusvektors  bezeichnet  den  Preis
zu  dem  das  Individuum  1  seine  firösstmöfiliclie
Verkaufsmenfi'e  i)q„  eben  noch  absetzen  kann.  Ganz
analofi  wird,  wenn  das  Individuum  I,  wie  in  Fifi.  71  b,
als  Käufer  auftritt,  die  f&amp;gt;Tösstmöfilicbe  Ankaufsmeiifie
Oq„  dadurch  bestimmt,  dass  die  ffacbste  Verbinduiifislinie
  des  unter  q^  licfienden  Punktes  der  Reibe
mit  irfiend  einem  ihrer  w  eiter  rechts  defienden  Punkte
doch  noch  steiler  sein  muss  als  der  Radiusvektor  des
betreffenden,  effektiven  Punktes  der  Kurve  OK\  und
die  Ricbtuiifi  dieses  Radiusvektors  bezeichnet  den
        <pb n="437" />
        Preis  0P„,  zu  dem  das  Individuum  I  seine  grösste
Ankaufsmen^e  eben  noeli  erwerben  kann.  Die  j»-rösstmög-lielie
  Men^e  Oq,  wird  zumeist,  wie  in  Fig*.  71a
und  b,  aueli  diejenige  sein,  bei  weleber  der  Vertikalabstand ­
  der  Reibe  g^gn  von  irgend  einem  effektiven
Punkte  der  Kurve  KOJ  am  grössten  ist,  und  welebe
daher  den  grössten  Gemeinnützen  berbeitülirt.  Ausnahmsweise ­
  kann  es  jedoch  bei  einem  sehr  unregelmässigen ­
  Verlaufe  der  Punktreibe  g^g„  Vorkommen,
dass  die  grösstmögliebe  Menge  wie  sie  hier  ermittelt ­
  wird,  kleiner  als  die  Menge  des  grössten  Gemeinnutzens, ­
  ja  sogar  kleiner  als  bzw.
wäre;  in  den  letzteren  Fällen  würde  die  grösste  Verkaufs- ­
  oder  Ankaufsmenge  zugleich  auch  die  einzig
mögliche  sein.  Uebrigens  unterscbeidet  sieb  die  hier
vorgenommene  Krmittlung  der  grössten  Menge  von
der  sonst  üblieben  nur  dadurch,  dass  bei  Aussebeidung
der  unzweekmässigen  Mengen  aus  der  Punktreibe
nun,  da  das  Individuum  niebt  auf  feste  Preise  von  A
rechnen  kann,  auf  die  Form  der  gegenüberstebenden
Kurve  EOJ  Rüeksiebt  genommen  werden  muss.
Der  S¡)ielraum,  innerhalb  dessen  der  Finffuss  des
Einzelnen  auf  den  Preis  sieh  geltend  machen  kann,
ist  notbwendiger  Weise  ein  sehr  kleiner,  wenn  es  sieb
um  einen  Artikel  bandelt,  in  dessen  Verkehr  eine
wirklich  freie  Konkurrenz  herrscht,  und  dessen  jährlicher ­
  Gesammtabsatz  eine  sehr  grosse  Zahl  von  ]\Iarkteinheiten
  umfasst.  Der  Finffuss  des  Finzelnen  tritt
dagegen  mehr  hervor,  wenn  dieser  eine  bevorzugte
Stellung  oder  gar  ein  wirkliches  Monopol  geniesst.
        <pb n="438" />
        %

407

oder  wenn  sieh  der  Gessiiinintiibisatz  des  Artikels  an
eine  ¿¡^erin^e  Stückzahl  heseliränkt,  oder  vollends,
wenn  es  sieh  um  ein  Einzelolyekt  handelt.  Die  Kurve
K'O.J'  des  freien  Angebots  und  der  freien  Nachfrage,
die  in  dem  zuletzt  erwähnten  Falle  nur  eine  einzige
Hadiusvektorstrecke  aufweisen  würde,  zeigt,  wenn  es
sich  um  eine  geringe  Stückzahl  handelt,  wenige,  deutlich ­
  hervortretende  Zähne;  doch  findet  unsere  Hetrachtnngsweise
  auch  auf  derartige  Kurven  ihre  volle
Anwendung.  Die  in  diesem  Kapitel  gewonnenen  Resultate ­
  gelten  daher  für  alle  Artikel,  gleichviel  oh
deren  Mengeneinheit  im  Vergleiche  zum  Gesammtahsatze
  klein  oder  gross  ist.  Wir  bähen  früher  (30)
Schwierigkeiten  für  die  Ermittlung  des  Preises  und
des  Absatzes  darin  gefunden,  dass  sich  der  Verkehr
in  jedem  Artikel  nach  ganzen  Mengeneinheiten  vollziehen ­
  muss,  und  zwar  zeigten  sich  diese  Schwierigkeiten ­
  hei  dem  Zusammentrefi'en  gezahnter  Gesammtkurveii
  des  Angebotes  und  der  Nachfrage,  ln  allen
solchen  Fällen  muss  sich  der  Einfluss  eines  einzelnen
Käufers  oder  Verkäufers  auf  die  Preishestimmung
geltend  machen.  Wie  dies  geschieht,  und  in  welchen
Grenzen  der  Preis  und  Absatz  von  dem  Ermessen
des  Einzelnen  abhängig  bleibt,  können  wir  nunmehr
verfolgen,  indem  wir,  wie  in  Fig.  71  a  oder  h,  die
Punktreihe  des  hetretfenden  Individuums  der  freien
Nachfrage  oder  dem  freien  Angehotc  aller  Uehrigen
gcgenüherstellen.
        <pb n="439" />
        Der  internationale  Verkehr.

80.  Import  und  Export
Die  Kurven  AHN,  EO.T  und  E'O.J'  (Fig.  72)
gewimieii  eine  neue  Bedeutung,  wenn  wir  uns  vorstellen, ­
  dass  dieselben  aus  den  Einzelkurven  säninitliclier
  Bewohner  eines  ganzen  Landes,  die  nur  auf
einem  einzigen  Markte  verkehren,  zusammengesetzt
seien.  Die  Ordinate  OB  hezeiehnet  dann  den  Gemeinnützen, ­
  die  Tangentialrielitung  BOB  der  Kurve  AB&amp;gt;N
im  Punkte  B  den  Preis,  der  sich  für  das  ganze  Land
ergibt,  wenn  in  dem  Artikel  A  keinerlei  Verkehr  mit
dem  Auslande  stattfindet,  ganz  älndieh,  wie  wir  in
Eig.  51  in  der  Anfangsordinate  Ob  der  Lehensgemissknrve
  die  Befriedigung  eines  Individuums
im  Falle  der  Naturalwirthschaft  gefunden  haben.
Jede  andere  Ordinate  der  Kurve  ABN  bezeichnet
den  Gemeinnützen,  der  sieh  für  das  ganze  Land  ergehen ­
  würde,  wenn  dasselbe  die  durch  die  hetretfendc,
positive  oder  negative  Abszisse  angegebene  Ein-  oder
Ansfuhrmenge  x  vom  Auslande  unentgeltlich  empfangen ­
  '  würde  oder  unentgeltlich  ahgehen  müsste.  1  )ie
Kurve  EOJ^  welche  wir  früher  als  die  Kosten-  und
        <pb n="440" />
        Nützliclikeitskiirvc  des  ganzen  ]\rarktes  bezeielinet
haben,  stellt  uns  also  nun  reelits  vom  Nullpunkte  die
Fig.  72.

J  y

/

Nützliebkeit  irgend  einer  Eint’ubrinenge,  links  von
demselben  die  Kosten  irgend  einer  Ausfubrmenge  des
        <pb n="441" />
        410

Artikels  A  dar,  weshalb  wir  diese  Kurve  mm  die
KX  \)ortk0sten-  und  1  ui  ])ort-N  ütz  1  iehk  eitsk  urve
ueuiieii,  während  die  Kurve  E'ÜJ'  links  das  freie
Ang'ehot  oder  das  Exportang-ehot,  rechts  die  freie
Nachfrage  oder  die  Tinportiiaehfrage  des  Landes
darstellt.
Tritt  nun  das  hetrachtete  Land  mit  dem  Auslände ­
  in  Verkehr,  und  bildet  sieh  dadurch  ein  niedrigerer ­
  Preis  oder  ein  höherer  Preis  so
hezeichnet  die  positive  oder  negative  Abszisse  des
Sehnittjmnktes  der  Preislinie  mit  der  Abgeleiteten
E'OJ'  die  für  das  Inhvnd  vortheilhafteste  lni])ortoder
  Ex])ortnienge  x  des  Artikels  Á.  Die  Ordinate
des  Schnitt})unktes  hemisst  den  für  den  lm¡)ort  an
das  Ausland  zu  zahlenden  oder  den  für  den  Ex))ort
von  dort  einhiessenden  Betrag,  während  der  Vertikalahstand
  dieses  Sehnitt))unktes  von  der  Kurve  EOJ
den  Nutzen  angiht,  der  sieh  für  das  ganze  Land  aus
diesem  Import  oder  Ex])ort  ergibt.  Dieser  Nutzen
tritt  zu  dem  ursprünglichen  Gemeinnützen  OB  hinzu
und  bildet  so  den  ganzen  Gemeinnützen,  der  dem
Lande  aus  dem  Verkehr  in  dem  Artikel  A  erwächst;
dieser  Gemeinnützen  wird  unmittelhar  durch  den  Vertikalahstand
  des  erwähnteu  Sehnitti)unktes  von  der
Kurve  ABN  dargestellt.  Dieser  Abstand  ist  in  der
Ordinatenaehse  am  kleinsten  und  nimmt  nach  rechts,
wie  nach  links,  fortwährend  zu.  Der  Gemeinuutzen
eines  Landes  ist  also,  wie  die  Befriedigung  eines
Individuums,  dann  am  kleinsten,  wenn  nichts  von
Fremden  gekauft  und  nichts  an  solche  ahverkaiitt
        <pb n="442" />
        411

wird,  sei  es,  dass  dies  freiwillig  ^eselielie,  oder  dureli
eine  Prohibition  des  Aussenhandels  erzwungen  werde;
der  Geineinmitzeii  wächst  da^^^en,  gleichviel  in
welcher  Riehtung’  der  Verkehr  mit  dem  Auslände
sieh  bewegt,  je  grösser  dieser  wird.  Ganz  so,  wie
die  Anfangshefriedigiing  eines  Individuums  auf  der
hei  Ahsehluss  von  Kauf  und  Verkauf  des  Artikels  A
vortheilhaftesten  Kombination  beruht,  kann  auch  der
Anfangsgemeinnntzen  OB  eines  Landes  nur  dann  erreicht ­
  werden,  wenn  zwar  der  Aussen  verkehr  in  dem
Artikel  A  ansgesehlossen  ist,  aber  doch  allen  Individuen ­
  die  freie  Wahl  der  dann  zweekmässigsten
Kombination  ihrer  ganzen  Konsumtion,  Produktion
und  Vorrathshaltung  gewahrt  bleibt.  Durch  die  Ermöglichung ­
  des  Aussenhandels  erweitert  sich  für  jeden
Inländer  die  Freiheit  der  Wahl,  da  ihm  neue  Kombinationen ­
  zugänglich  werden,  und  wenn  diese  vortheilhaft
  sind  und  also  ein  Aussenhandcl  jdatzgreift,
muss  auch  der  Gemeinnützen  wachsen.  Dass  dagegen
jede  Reschränkung  des  Inlandverkehrs  durch  Monopole, ­
  Steuern,  hohe  Frachtsätze  u.  dgl.  die  Freiheit
in  der  Wahl  der  vortheilhaftesten  Kombination  beengt ­

  und  daher  unter  allen  Umständen  den  Gemeinnützen ­
  schmälern  muss,  haben  wir  schon  trüber  hesprochen.

Wenn  wir  nun  die  Rückwirkung  des  Auslandsverkehrs ­
  auf  die  iidändischen  Käufer  und  Verkäuter
verfolgen  wollen,  so  liesse  sich  dies  auch  in  allgemeinster ­
  Weise  durchführen;  da  aber  gerade  die  Rückwirkung ­
  auf  die  Konsumenten  und  Produzenten  von
        <pb n="443" />
        412

besonderem  Interesse  ist  und  dnreli  das  DazAviselientreten
  des  Vorratlisliandels  alterirt  wird,  so  wollen  wir
anneliinen,  dass  sämmtlielie  Inländer,  die  mit  ihren
Einzelknrven  an  der  Bildung  der  Kurven  OA  und
ON  tlieilnehmen,  sieh  jeder  S])eknlation  in  dem  Artikel ­
  A  enthalten.  Der  Selmittjmnkt  der  jeweiligen
Preislinie  mit  der  Abgeleiteten  OA  hezeielmet  dann
durch  seine  Abszisse  die  inländische  Produktion  und
durch  seinen  Vertikalahstand  von  der  Kurve  OA  den
Nutzen  der  inländischen  Produzenten,  während  der
Sehnittjmnkt  mit  der  ON'  in  gleicher  Weise  die  gleichzeitige, ­
  inländisehe  Konsumtion  und  den  Nutzen  der
Konsumenten  an^iht.  Wir  bemerken,  dass,  je  weiter  der
Preis  unter  POP  sinkt,  der  Im])ort  und  der  Konsum
immer  mehr  zunimmt,  die  inländisehe  Produktion  da-^e^en
  kleiner  wird,  dass  aber  der  Nutzen  der  Konsumenten ­
  in  stärkerem  Masse  wächst,  als  jener  der  Ih'oduzenten
  ahnimmt.  Steigt  der  Preis  dagegen  Uber  POP^
so  wird  die  Exportmenge  und  die  Produktion  immer
grösser,  die  Konsumtion  immer  kleiner,  der  Nutzen
der  Produzenten  steigt,  und  zwar  rascher,  als  sich
jener  der  KonsumenteTi  verringert.  Der  Ueherschuss
der  Vermehrung  des  Nutzens  auf  der  einen  über
dessen  Verminderung  auf  der  anderen  Seite  bildet
die  Erhöhung  des  Gemeinnutzens,  welche  als  \  ertikalabstand
  zwischen  den  Kurven  PJOJ  und  K'OJ'
erscheint.  Steigt  der  Iheis  über  die  durch  die  Picbtung
  Od'  angegebene  Grenze,  so  hört  der  inländische
Konsum  ganz  auf,  und  die  ganze  Produktion  gelangt
zum  Exj)ort;  sinkt  dagegen  der  Preis  unter  die  Grenze
        <pb n="444" />
        413

(Je  ^  so  wird  der  ^an%e  Bedarf  iinportiid  und  die  iiiländisclie
  ]  Produktion  ein^esteilt.
Stellen  wir  endlich  (Fi^.  73)  der  Imj)ortnützliehkeits-
  und  Naelifra^ekurve  O./und  OJ'  eines  Landes
die  Fx])oi*tkosten-  und  An^ebotskurve  OK  und  OK'
eines  anderen  laindes,  und  zwar  die  letzteren  uni
180”  ^e^en  die  bisherige  Darstellung  gedreht,  ^e^en-Uber,

  und  nehmen  wir  dabei  an,  dass  für  den  internationalen ­
  Verkehr  in  dein  Artikel  A  nur  diese  beiden
Ijänder  oder  Märkte  in  l^etracbt  kommen.  Seien  ferner
die  unvermeidlichen  Iransjiortkosten  —  Fracht,  Ver-])ackiinf»’,
  Versicherungen,  Zinsenverluste,  Provisionen,
Weehselkiirsditferenzen  ii.  s.  w.  —  bei  Aufstellung  der
Kurven  jenes  Landes,  das  wir  als  Ausland  bezeichnen,
schon  berUeksichtii^t,  indem  die  Ordinaten  von  OJ

Fiff.  73.

(
        <pb n="445" />
        414

1111(1  O  J'  entspreclieiid  verkürzt  oder  jene  von  OE
lind  OE'  entsprechend  verlängert  crsclieinen,  so  gelten
dann  alle  Kurven  für  den  inländischen  IVIarkt.  Die
Menge,  die  zwischen  hehlen  Ländern  hei  zollfreiem
Verkehr  iimgesetzt  wird,  ist  dann  durch  die  Abszisse
Oa„  des  Schnittpunktes  c„  der  Kurven  OE'  und  OJ'
angegeben.  Für  beide  Länder  zusammen  ergibt  sich
hierbei  der  internationale  Gemeinnützen  an
dem  das  Exportland  mit  dem  Betrage  c^,  das  Imjiortland
  mit  iiartieipirt.  Dieser  Niitzantheil  an
dem  internationalen  Verkehr,  den  wir  für  das  Inland
schon  in  Fig.  72  dargestellt  haben,  tritt  in  jedem  der
beiden  Länder  zu  dem  Gemeinnützen  hinzu,  den  dasselbe ­
  aus  einem  im  Inneren  freien,  nach  aussen  aber
gänzlich  abgeschlossenen  Verkehr  in  dem  Artikel  A
gezogen  hätte.  Der  durch  den  Schnitt  der  Kurven
OE'  und  OJ'  bestimmte  Breis  OJ\  gilt  auf  dem
inländischen  Markte,  während  sich  der  Breis  auf  dem
ausländischen  Markte,  wenn  dieser  exportiit,  um  die
Trans])ortkosten  niedriger,  oder  wenn  dieser  imjiortirt,
um  ebensoviel  höher  stellen  muss.  Je  geringer  die
Transportkosten  sind,  desto  mehr  treten  die  Kurven
OE  und  (h/,  sowie  ihre  Abgeleiteten  auseinander,
desto  grösser  wird  also  der  internationale  Absatz
der  Gemeinnützen  h„  d„  und  der  Nutzantheil  eines
jeden  der  beiden  Länder.  Die  Transportkosten  sind
auch  dafür  massgebend,  wie  weit  die  Breise  aller
anderen  Artikel  in  den  beiden  Ländern  von  einander
ditferiren  müssen.  Erst  wenn  in  dieser  Hinsicht  eine
Ausgleichung  stattgefunden  hat,  kann  jene  Stabilität
        <pb n="446" />
        415

(1er  Preise  in  beiden  Ländern  eintreten,  welche  wir
ebenso,  wie  die  Unveränderliclikeit  der  Eigenschaften
aller  wirthscbaftlichen  Individuen,  voranssetzen  müssen,
um  unsere  Kurven  aufstellen  zu  können.

81.  Der  Einfluss  der  Zölle.
Wird  nun  in  dem  einen  Lande  ein  Einfuhrzoll
oder  in  dem  anderen  ein  gleich  hoher  Ausfuhrzoll  ein-^ehohcn,
  so  wird  dadurch  ^anz  so,  wie  durch  eine
Vermehrung  der  Transpoiikosten,  die  Preisdifferenz
der  beiden  Länder  ^^nau  um  den  Zollsatz  erhöht.
Der  inteniationale  Absatz,  der  ohne  Zoll  Oa„  (Fi^.  73)
wäre,  muss  sich  auf  jene  Mcn^e  Oa  beschränken,
hei  welcher  der  Abstand  der  Kurven  OK'  und  OJ'^
(1.  i.  der  hei  dieser  Men^e  veifü^hare  Monopolsnutzen,
dem  entfallenden  Zollertra^e  gerade  gleich  ist;  der
Zollertra^  s])iclt  eben  j&amp;gt;anz  dieselbe  Rolle,  wie  der
Nutzen  eines  monopolistischen  Zwischeidiändlcrs,  wie
Fracht  oder  Steuer.  Mit  dem  Absatz  reduzirt  sich
auch  der  internationale  Gemeinnützen  von  b„d„  auf
wovon  auf  die  Rewohner  des  Eximrtlandes  nur
hh'^  auf  jene  des  Importlandes  nur  dd'  entfällt,  so
dass  beide  Theile  verlieren;  da  aber  der  Zollertra^
J)'d'  ^anz,  wie  der  Monojmlsnutzen,  dem  Nutzen  jenes
Landes,  das  den  Zoll  eiidieht,  zuzurechnen  ist,  so  kann
dieses  Land  doch  einen  grösseren  Vortheil  als  heim
zollfreien  Verkehr  erreichen.  Für  das  Ini])ortland  ist,
wenn  darnach  getrachtet  wird,  die  Summe  von  Zollertra^r
  und  Nutzen  der  Hür^^er  möglichst  gross  zu
        <pb n="447" />
        416

gestalten,  jener  Einfulirzoll  der  giinstii»\ste,  der  den
Absatz  Oas  herbeifnhrt,  wo  der  Vertikalabstand  der
Kurven  OJ  und  OK'  am  grössten  ist.  Uleieberweise
ist  für  das  Exportland  jener  Ansfnbrzoll  am  vortbeilbaftesten,
  der  die  internationale  Absatzmen^e  Oa^  bedin^'t,
  wo  die  Kurven  OE  nnd  OJ'  ihren  grössten
Abstand  haben.  Den  grössten  Zollertrag  dagegen
würde  für  das  eine,  wie  für  das  andere  Land  jener
höhere  Zollsatz  abwerfen,  der  die  Menge  auf  Oa^  einscliränkt,
  bei  weleber  die  Kurven  OJ'  und  OK'  ihren
grössten  Vertikalabstand  aufweisen.
dbetfen  sieb  die  Kurven  OK'  und  0./',  wie  in
Mg.  73,  in  dem  entsehieden  abfallenden  Tbeile  der
letzteren  Kurve,  so  ersehen  wir  daraus,  dass  der  Artikel ­
  A  in  dem  imj)ortirenden  Lande  niebt  nur  zu  unserer
dritten  Grrn))])e  gehört,  sondern  auch  dass  der  Im])ort
noch  einem  Bedürfnisse  der  Massen  begegnet.  Legt
in  einem  solchen  Falle  das  rnij)ortland  einen  Einfuhrzoll ­
  oder  das  Ex])ortland  einen  Ausfuhrzoll  auf  den
Artikel,  so  zeigt  die  Mgnr,  dass  jedesfalls  die  Preissteigerung ­
  in  dem  ini])ortirenden  Lande  —  der  Riebtimgsuntcrscbied
  der  Linien  OP«  nnd  Od'  —  nahezu  dem
ganzen  Zolle  gleicbkommt,  der  Preisrückgang  in  dem
exportirenden  Lande  aber  —  der  Ricbtungsiintersebied
der  Linien  01\  und  Oh'  —  nur  gering  sein  wird.  Wird
dagegen,  wie  in  Fig.  74,  die  Kurve  OJ'  von  jener
OK'  in  ihrem  entschieden  ansteigenden  Anfangsstüeke
getrolfen,  so  muss  der  Artikel  A  darum  in  dem  Importlande ­
  noch  keinen  Luxusartikel  bilden  ;  er  kann  sogar
ein  Massenartikel  sein,  wenn  dessen  Produktion  im
        <pb n="448" />
        Inlande  eine  so  reielilielie  ist,  dass  der  liegelir  nach
aiisländisclieni  Erzeno-nisse  den  Charakter  einer  LnxusnaclitVa^e
  anninnnt.  Dies  kann  sogar  hei  Getreide
zntrett’en,  wenn  dessen  heimische  Produktion  den  Bedarf ­
  des  Landes  nahezu  deckt.  In  derartigen  Fällen
wird  ein  Zoll  die  internationale  Verkehrsmenge  verhältnissmässig
  stärker  reduziren,  und  die  Freissteige-Fiff.

  74.

.r

%

Ua  Ut  a,  fl

rung  in  dem  Imjmrtlande  wird  meistens  geringer  sein
als  der  Preisrückgang  in  dem  ex])ortirenden  Lande.
Die  Absicht,  das  Ausland  zur  Tragung  der  Zolleinnahmen ­
  eines  Staates  heranzuziehen,  ist  demnach  durch
Einfuhrzölle  nur  in  geringem  liasse  zu  erreichen;
denn  bei  Artikeln,  wie  die  in  Fig.  73  betrachteten,
wird  der  Natur  der  Sache  nach  doch  immer  vorwiegend ­
  das  Iidand  getrotfen,  während  Artikel,  deren
Aaspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  fib.  d.  Theorie  d.  Preises.  27
        <pb n="449" />
        418

Kurven  der  74  eiits])rc(*lieii,  eine  l^elastnn«*  des
Auslandes  zwar  eher  gestalten,  dafür  aber  an  sieh
nur  einen  ^erin^en  Zollertra»-  ah  werfen.  Ein  derartiges
Ziel  könnte  eher  durch  Ausfuhrzölle  erreicht  werden,
und  zwar  hei  Artikeln,  die,  wie  ehinesiseher  Thee
und  amerikanische  Baumwolle,  im  Anslande  in  grossen
Massen  konsnmirt,  dort  aber  ^ar  nicht  oder  nur  nn-^enn^'cnd
  ])rodnzirt  werden.  Trotzdem  zeij»t  es  sieh,
dass  Ausfuhrzölle  mehr  und  mehr  verschwinden,  während ­
  Einfuhrzölle  sich  behaupten.  Die  Ursache  dieser
Erscheinung’  lie^t  weniger  in  den  noch  vorhandenen
Besten  merkantilistischer  Eehrmeinnn^en  als  vielmehr
darin,  dass  jeder  Ausfuhrzoll  die  Produzenten  des  hetretfenden
  Artikels  im  Inlande  mehr  oder  weni^’er
schädigt,  während  ein  Einfuhrzoll  ihnen  Vortheil  bringt.
Dieser  Vortheil  oder  Nachtheil,  der  sich  auf  verhältnissmässi^
  wenige  Personen  vertheilt,  ist  eben  darum
für  jede  einzelne  weit  emptindlieher  und  wichtiger
als  die  gleichzeitige,  entgegengesetzte  Wirkung  auf
die  Konsumenten.  Die  Produzenten  treten  daher  mit
aller  Energie  gegen  Ausfuhrzölle  und  für  Einfuhrzölle ­
  ein,  während  die  in  der  Regel  weit  zahlreicheren ­
  Konsumenten  sich  nicht  veraidasst  sehen,
ihr  entgegengesetztes  Interesse,  das  aber  jeden  nur
in  einer  .kleinen  Quote  seines  Ausgahenhudgets  berührt, ­
  mit  gleichem  Nachdrucke  zu  verfechten.  Ebendaher ­
  kommt  es  auch,  dass  Rohstotfe  der  Industrie
beinahe  nirgends  mehr  mit  Einfuhrzöllen,  wol  aber
hier  und  da  mit  Ausfuhrzöllen  —  wie  der  lladernzoll
  in  Oesterreich  —  belegt  sind.
        <pb n="450" />
        82.  Steuern  und  Zölle.

Die  Kurve  ABN  (Fi^.  72),  die  wir  nebst  jenen
0^1  und  ON  in  Fi^-.  75  re])roduziren,  erleidet  eine

Fig.  75

B

B.

A

Aendernn^,  wenn  der  Artikel  Ä  in  dem  betreffenden
Lande  einer  Produkt-  oder  Konsumsteuer  welche
wir  durch  die  Gerade  SOS  darstellen,  unterwoifen
wird.  Fs  wird  nämlich  heim  Bestände  der  Produktsteuer ­
  t(jö  jede  Ordinate  der  Kurve  OA  um  die  ent-
        <pb n="451" />
        420

s])recliemle  Ordinate  der  Geraden  SOS  länger,  so
dass  aus  OA  die  steilere,  rotli  gezeielmete  Kurve  OA,
wird.  Dagegen  werden  beim  Bestände  der  Konsinnsteiier
  tga  in  ganz  gleielier  Weise  alle  Ordinaten  der
Kurve  ON  kürzer,  so  dass  nun  die  niedriger  verlaufende, ­
  ebenfalls  rotb  gezeiebnete  Kurve  in
Geltung  tritt.  Diese  eintäebe  Aenderiing  der  Kurven,
die  wir  sebón  trüber  an  den  Figuren  20,  21  und  05
kennen  gelernt  haben,  kann  allerdings  nur  dann  eintreten,
  wenn  wir  uns,  wie  trüber  (80),  den  inländiseben
Vorratbsbandel  ausgeschlossen  denken,  weil  sonst  bei
jedem  Kauf  und  Verkauf  uuterscbiedeu  werden  müsste,
ob  die  Ware  der  Besteuerung  nocb  unterliegt  oder
etwa  sebón  im  Vorjabre  versteueit  wurde.  Ebenso
müssten  wir  Jene  Individuen  ausscbeiden,  welche  den
Artikel  A  gleichzeitig  konsumiren  und  produziren,
wenn  wir  nicht,  wie  früher  (51),  annebmen  dürfen,
dass  dieselben  die  Steuer  nur  von  ihrer  Verkaufsoder ­
  Ankaufsmenge  zu  entrichten  haben.  In  Folge
der  erwähnten  Aenderungen  der  Kurve  (h\  oder  ON
wird  auch  die  frühere  Kurve  des  Gemeinuutzens  AHN
sich  ändern  und  durch  die  in  unserer  Figur  tbeilweise
  rotb  gezeiebnete  Kurve  A¡BaN  oder  AHaNs
ersetzt  werden.  Diese  beiden,  neuen  Kurven,  von
welchen  die  erstere  für  den  Fall  der  Broduktsteuer,
die  andere  für  jenen  der  Konsumsteuer  gilt,  sind
ebenso,  wie  jene  ABN^  auf  Ein-  und  Ausfubrmengen
X  bezogen  und  stellen  den  durch  den  Bestand  der
Steuer  moditizirten  Gemeinnützen  des  ganzen  Landes,
welcher  so  wie  früher  (75)  den  Steuertrag  mitentbält.
        <pb n="452" />
        421

(lar.  Sic  haben  den  in  der  Ordinatenaelise  liegenden
Punkt  Ba  gemeinsam,  weil  der  bei  völliger  Prohibition
jedes  Anssenverkebrs,  aber  bei  ganz  freiem  Binnenverkebre
  in  dem  Artikel  A  erreichbare  Gemeinnützen
OB  dnreli  die  Piidiebnng  einer  Prodnktsteuer  tga
genau  um  denselben  Betrag  reduzirt  wird,  wie  durch
eine  gleich  hohe  Konsumsteuer.  Dagegen  ist  die
Kurve  A¡BaN  im  Punkte  Ba  steiler,  die  Kurve
flacher  als  die  Kurve  ABN  im  Punkte
/^,  weil  der  Marktpreis  durch  eine  Produktsteuer  erhöbt, ­
  durch  eine  Konsumsteuer  aber  lierabgedrüekt
wird.  Der  Vertikalabstand  der  beiden  neuen  Kurven
ist  über  jeder  Abszisse  x  der  Ordinate  xtga  der
Geraden  BO^  genau  gleieli.  Kndlieli  können  wir
noch  bemerken,  dass  dureli  die  Auflegung  der  Steuer
der  Vereinigungspunkt  der  Kurve  des  Gemeinnutzens
sowol  mit  der  Gesamnitkostenkurve,  als  mit  der  Gesammtnützliebkeitskurve
  dem  Nullpunkte  näher  rückt;
im  Falb*  der  Produktsteuer  tritt  an  Stelle  des  Punktes
d  der  Punkt  d,,  im  Falle  der  Konsumsteuer  der
vertikal  über  dem  letzteren  liegende  d^,  während
der  Punkt  t  das  einemal  durch  f/,  das  anderemal
durch  den  vertikal  darunter  liegenden  Punkt  ersetzt ­
  wird.
Wir  nehmen  nun  an,  dass  das  betraebtete  Land,
welches  den  Artikel  A  juoduzirt  und  von  demselben  eine
Produktsteuer  tgo  einbebt,  diesen  Artikel  auch  imi)ortire.
  Denken  wir  uns  dann  die  Kurve  A,BaN  75)
um  ihre  Antängsordinate  OBa  berabgeseboben,  und
reproduzirei!  wir  den  rechten  Ast  OJ  dieser  Kurve
        <pb n="453" />
        422

in  Fi^.  7G,  so  stellt  deren  Ab^^eleitete  OJ'  die  Ini])ortnachtVaj2,eknrve
  dar.  Der  Selmittpnnkt  der  letzteren
mit  der  so,  wie  friilier  (Fig*.  78),  auf  den  inländisehen
Markt  rediizirten  Exportangebotskurve  OE'  des  Auslandes ­
  bezeielinet  dureli  seine  Abszisse  Oa„  die  Ein-Yig.
  76.

/7

//

fubrmenge  bei  zollfreiem  Verkebr.  Für  die  Ermittlung ­
  des  günstigsten  Einfnbrzollsatzes  ist  aber  die
Kurve  OJ  noeb  niebt  unmittelbar  verwendbar.  Wir
müssen  nämlieb  dem  Umstande  Reebnung  tragen,  dass
jede  Einfubrmenge  .r  des  Artikels  A  eine  Verminderung ­
  der  inländiseben  Produktion  und  somit  eine
        <pb n="454" />
        423

Scliiuälcruii«;'  des  I*rodiiktsteiierertraj!^es,  welelier  in
dem  {ganzen  Gemeinnützen  des  Inlandes  mit  enthalten
ist,  herheitnlnen  muss.  Um  die  diireli  jede  Kinfulirmen^e
  bedingte  Selimälerunj»'  der  Produktion  zu  verfolgen, ­
  (greifen  wir  zu  einer  Hilfskonstruktion,  indem
wir  die  Al)&amp;lt;?eleitete  OAj  der  Kurve  OAj  (Fi^.  75)
auftra^en;  die  Produktmen^e  Oe  —  bei  Ausselduss
des  Exportes  —  ergibt  sieh  dann  dureh  den  Schnitt
dieser  Kurve  mit  jener  in  Fi^.  76  jmnktirten  Preislinie, ­
  welche  der  Tangente  der  Kurve  (Fij*-.  75)
im  Punkte  Ba  ])arallel  ist.  Für  jeden  niedrigeren
Preis  erhalten  wir  dureh  den  Schnitt  der  Preisliine
mit  der  OJ'  die  Einfuhrmen^e  und  dureh  den  Sehidtt
mit  der  GA;  die  gleichzeitige,  iidändisehe  Produktmen^e;
  der  llorizontalabstand  des  letzteren  Sehnittjmiiktes
  vom  Punkte  e  bemisst  also  die  Einsehränkunjr
der  inländiseben  Produktion,  so  dass  der  Steuerentj»an{^-
  in  dem  Unterschiede  der  betretfenden  Ordinaten
der  Linie  OS  erscheint.  Kürzen  wir  dann  jede  Ordinate ­
  der  Kurve  0,7  um  den  derartig-  ermittelten  Steuerentf^an^,
  so  erhalten  wir  die  neue,  in  unserer  Fi^ur
roth  gezeichnete  Kurve  G,/^,  und  diese  stellt  die
Nützlichkeit  jeder  Einfuhrmen^e  .t  von  J  schon  mit
Pücksicht  auf  die  Schmälerung  des  Steuerertra^es
dar;  diese  Kurve,  welche  demnach  keine  eigentliche
Nützlichkeitskurve  ist,  hraiicht  auch  nicht  durchaus
konkav  zu  verlaufen.  W  ir  haben  also  nunmehr  den
^rüssten  Vertikalabstand  der  Kurve  G,/^  von  jener
GA"  aufzusuchen,  und  die  hetretfende  Abszisse  bezeichnet ­
  die  für  das  Inland  vortheilhafteste  Einfuhr-
        <pb n="455" />
        424

menge  i)a.¿.  Da  die  Naelifrage  des  Iidandes  durch
den  erwälinten  Steuerentgang  niclit  heeindusst  wird,
so  ist  für  den  Zollertrag  bei  jeder  Einfulirinenge
und  daher  auch  bei  der  eben  ermittelten,  günstigsten ­
  Menge  nur  der  Vertikalahstand  der  Kurven
0,i'  und  OE'  massgebend.  Daraus  ergibt  sich
dann  der  günstigste  Einfuhrzollsatz  ,  und  wir
können  diesen,  der  sich  ebenso  für  jede  Höbe  des
Produktsteuersatzes  tgo  ermitteln  liesse,  mit  diesem
letzteren  vergleichen.  Wärei^o  =  oo,  d.  b.  die  Produktion ­
  des  Artikels  A  im  Inlande  verboten,  so  würde
die  Kurve  OJj  (Eig.  7(1)  mit  der  Kurve  ON  (Fig.  75)
identisch  sein  und  sich  ein  günstigster  Einfuhrzollsatz
ergeben,  der  jedesfalls  niedriger  als  tga  wäre;
würde  dagegen  die  inländische  Produktsteucr  aufgehoben, ­
  also  tga  =  0,  so  würde  die  Kurve  OJ¡  (Fig.  7(1)
mit  dem  um  OB  berabgesebobenen,  rechten  Aste  der
Kurve  ABN  (Fig.  75)  identisch  werden  und  sich  ein
günstigster  Einfuhrzollsatz  ergeben,  der  also  nun
höher  als  wäre.  Es  wird  sich  daher  auch  ein  Steuersatz ­
  tga¿  tin  den  lassen,  bei  dessen  Pestande  der  für  das
Importland  vortbcilbafteste  Einfuhrzoll  der  inländischen
Produktsteuer  gerade  gleich  wäre;  hei  einer  niedrigeren
Steuer  müsste  also  der  Einfuhrzoll  den  Steuersatz
übersteigen,  hei  einer  höheren  Steuer  muss  der  Zoll
hinter  derselben  Zurückbleiben,  um  jeweilig  den  höchsten ­
  Gemeinnützen  für  das  ganze  Land  zu  ergehen.
Analoge  Petrachtungen  lehren,  dass  es  in  einem
Exportlande,  das  von  einem  Artikel  yl  eine  Konsumsteuer ­
  cinheht,  immer  einen  günstigsten  Ausfuhrzoll
        <pb n="456" />
        425

1111(1  (lass  dieser,  wenn  die  Steuer  in  einer  gewissen ­
  Höhe  tga^  ein^ehoben  wird,  derselben  gerade
i»leieb  sein  muss.  Ist  die  Konsumsteuer  niedriger  als
tga^^  so  wäre  der  Ausfiibrzoll  höher  als  die  Steuer
anzusetzen;  ist  die  Konsumsteuer  höher  als  fga,^  so
hätte  der  Ausfuhrzoll  hinter  der  Steuer  zuriickziihleihen.
\\  ird  in  dem  Exjioi  tlande  statt  der  Konsumsteuer  eine
Eroduktsteuer  ein^ehohen,  so  wirkt  diese  ^enaii  wie
eine  Konsumsteuer  und  ein  gleich  hoher  Ausfuhrzoll.
Es  wird  daher,  wenn  die  Erodiiktsteiier  gerade  mit
tga^  an^esetzt  ist,  der  grösste  Gemeinnützen  fiir  das
Fiand  erzielt,  wenn  kein  weiterer  Ausfuhrzoll  ein^ehohen
  wird,  während  hei  einer  niedri^reren  l’rodiiktsteiier
  ein  solcher  zweckmässig  wäre.  Ist  die  Produktsteuer ­
  da^ejren  höher  als  tga,^  so  wäre  es,  um  den
grössten  Gemeinnützen  zu  erzielen,  noth  wendig,  hei
der  Ausfuhr  einen  Theil  der  Steuer  zurück  zu  zahlen;
die  ^anze  Steuer  oder  noch  mehr  zu  vergüten,  d.  h.
eine  Ausfuhr|irämie  zu  gewähren,  würde  da^e^en  den
Gemeinnützen  beeinträchtigen.
Wir  sehen  demnaeh,  dass  eine  Aiisfuhrjirämie,
welche  mit  Hintansetzung  der  fiskalischen  Interessen
eine  künstliche  Stei^eriin^'  der  heimischen  Produktion
und  eine  Ausdehnung  des  Exjiortes  noch  über  die
Men^e  ()a„  (Ei^.  78  oder  74)  hinaus  herheiführt,  nicht
gemeinnützig  sein  kann.  Ebenso  wirkt  ein  Ein^an^szoll
  naehtheili^',  sobald  er  die  Grenze  des  günstigsten
Zolles  ühersehreitet,  wenn  auch  der  fiskalisehe  Ertrag- ­
  noch  wächst,  bis  die  Einfuhr  auf  die  Alende  Ga.,
(Fij&amp;gt;-.  7Ö  oder  74)  rediizirt  ist.  Xoeli  schädlicher  wird
        <pb n="457" />
        —  42()  —
(ler  Zoll,  wenn  er  mit  Ansseraelitlassnnj»-  des  Hskalischen
  Interesses  weiter  ^estei^ert  wird,  nin  zn  Gunsten
der  lieiinisclien  Produktion  die  Kintulir  noch  inelir  zu
bescdiränken.  Ob  trotzdem  durch  Schutzzölle,  Kx])ortprämien
  oder  durch  ^anz  direkte  Staatsubventionen
der  Gesannntbeit  0])fer  auferle^t  werden  dürfen,  um
durch  die  Sehatfung-,  Ausdehnung'  oder  Erhaltung'  bestimmter ­
  Produktionszweige  eiium  künftigen  \  ortheil
zu  erreichen,  hängt  davon  ah,  oh  dieser  anzuhottende
Vortheil  die  unvermeidlieh  eintretende  Sehmälerung
des  gegenwärtigen  Gemeinnutzens  liherwiegt.  Dass
solche  ()])fer  nicht  immerwährend  gebracht  werden
dürfen,  ist  einleuchtend  ;  sie  können  nur  dann  gerechtfertigt ­
  erscheinen,  wenn  es  sieh  um  eine  bestimmte
Frist  handelt,  welelie  es  den  hetretfenden  Unternehmungen ­
  ermöglicht,  sieh  durch  geeignete  Investitionen
konkurrenzfähig  zu  machen  oder  auch  sieh  allmälig
und  ohne  Krisis  aufzulösen.  Dabei  müssen  wir  auch
noch  erinnern,  dass  die  Voraussetzungen,  auf  welchen
unsere  Kurven  beruhen,  nicht  nur  die  Annahme  mit
umfassen,  dass  alle  wirthsehaftliehen  Individuen  beider
Länder  in  ihren  ])ersönliehen  Figensehaften  unveränderlich ­
  hleihen,  sondern  auch,  dass  sie  in  ihrem
anfänglichen  Besitz  genau  bekannt  und  bestimmt  seien,
so  dass  die  Kurven  die  früher  (58)  hes})roehenen  Aenderungen
  erfahren,  wenn  in  Folge  zollpolitiseher  Vassregeln ­
  neue  Investitionen  gemacht  oder  bestehende
aufgelöst  werden,  oder  wenn  einzelne  Unternehmer  ihr
Geschäft  aus  dem  einen  Lande  in  das  andere  verlegen ­
  oder  gar  sammt  ihrem  Personale  auswandern.
        <pb n="458" />
        427

Wälireiid  ein  eij^entlielier  Schutzzoll  die  Einfuhr
noch  weiter  zu  besehränken  sucht,  als  dies  hei  dein
tiskalisch  einträglichsten  Zoll  der  Fall  wäre,  muss  der
^üns%ste  Zollsatz,  wie  wir  ihn  hier  kennen  gelernt
haben,  jedesfalls  niedriger  sein  als  derjenige,  welcher
den  höchsten  Ertrag  liefern  würde,  und  der  sich  noch
am  ehesten  durch  Erfahrung  feststelleu  Hesse.  Wenn
nun  ein  Land  in  der  That  den  günstigsten  Zollsatz
für  einen  bestimmten  Artikel  aiifle^en  will,  also  nur
die  Absicht  verfolgt,  einen  möglichst  grossen  Th  eil
des  internationalen  Gemeinnutzens  an  sieh  zu  ziehen,
so  werden  sich  doch  dieselben  Schw  ierigkeiten  zeigen,
welche  auch  sonst  der  vollen  Ausnützung  eines  Mono-))ols
  ent^e^entreten.  Die  Schwierigkeit  ist  hier  noch
grösser,  da  die  genaueste  Kenntniss  der  Froduktionsund
  Konsumtionsverhältnisse  nicht  nur  des  Inlandes,
sondern  auch  des  Auslandes  erforderlich  wäre.  I  eherdies
  steht  dem  Inlande  das  Ausland  nicht  als  ein
einziger  Markt  ^e^enüher,  sondern  es  umfasst  in  Wirklichkeit ­
  den  ganzen  Komplex  aller  übrigen  Märkte.
Es  ^eht  also  nicht  an,  die  für  jeden  der  ausländischen
Plätze  geltende  Kurve  des  freien  Angebots  und  der
freien  Nachfrage  nach  Mass^ahe  der  hetretfenden
Trans])ortkosten  auf  den  inländischen  Markt  zu  reduzi ­
  reu  und  diese  dann  zu  komhiniren,  weil  ja  auch  die
Waren  nicht  sämmtlich  nach  diesem  Markt  geschickt
werden.  Es  treten  vielmehr  mit  Kücksieht  aut  Hrans-])ort-
  und  Zollverhältnisse  Ausgleichungen  zwisehen
den  ausländischen  Märkten  ein,  und  erst  nach  deren
Berücksichtigung  Hesse  sich  das  Ausland  zu  einer  Ein-
        <pb n="459" />
        428

licit  zusaiiinieiifíisscii.  Selbst  wenn  es  ^elnn^en  wäre,
Hilf  Grnnil  der  sor^fältip^sten  Ermittlung'  aller  dieser
Umstände  den  ^-iinsti^sten  Zollsatz  zn  finden,  so  würde
dessen  Anfle^^nn^'  doch  sofort  eben  diese  Grnndla^e
alteriren,  weil  Prcisänderiing'en  der  versebiedensten
Artikel  im  In-  und  Anslande  eintreten  müssten.  Die
Preise  werden  nämlich  entweder  durch  zolljxditiscbe
Pepressalicn  anderer  Staaten  in  Pezn&amp;lt;&amp;gt;'  auf  andere
Artikel  ganz  direkt  beeinflusst,  oder  es  wird  die  gehemmte ­
  Wareneinfiibr  bei  zunächst  unveränderter  Ausfuhr ­
  einen  Zufluss  von  Bargeld  hervorriifen.  Dadurch
wird  die  Werthsehätzung  des  Geldes  im  Inlande  verringert, ­
  so  dass  die  Preise  steigen,  während  sich  im
Auslande  die  entgegengesetzte  Wirkung  geltend  macht.
Mit  jeder  Aenderung  irgend  eines  Preises  ändert  sich
aber  die  Gestalt  unserer  Kurven,  so  dass  der  ermittelte ­
  Zollsatz  nicht  mehr  der  günstigste  sein  kann.  Nur
hei  völliger  Stabilität  der  Preise  aller  anderen  Artikel,
sowie  der  Werthsrhätzung  des  (fehles  seitens  aller  in
Betracht  kommenden  Individuen  können  wir  üherhau))t
Kurven  für  irgend  einen  Artikel  aufstcllen;  von  gleichzeitig ­
  für  mehrere  oder  gar  für  alle  Artikel  geltenden
Kurven  kann  daher  nicht  die  Hede  sein;  die  Ermittlung ­
  eines  ganzen  Systems  günstigster  Zollsätze  nach
der  Methode,  die  wir  hier  für  Einen  Artikel  kennen
gelernt  haben,  ist  demnach  ganz  unmöglich.  Wenn
nun  auch  nicht  der  vortheilhafteste  Zoll,  sondern  nur
eine  inässig  gehaltene  Annäherung  an  denselben  versucht ­
  wird,  so  werden  doch  die  möglichen  He])ressalien
des  Auslandes,  sowie  die  durch  die  Geldhewegung
        <pb n="460" />
        —  429  —
vcraiilasstcii  Preisverscliiebun^en  den  an^’estrebten
Vortlieil  in  Fra^e  stellen.  Wenn  sieb  vollends  niebrere
Länder  ^leiebzeiti^  in  dem  Bestreben  be^e^nen,  einen
mö^liebst  grossen  Antbeil  des  internationalen  Gemeinnutzens ­
  an  sieh  zu  ziehen,  so  ist  nur  das  Eine  sieber,
(loss  bei  diesem  Wettkamj)fe  der  Verkehr  reduzirt
und  der  tur  alle  erreichbare  Gemeinnützen  ^esebmälert
werden  muss.
        <pb n="461" />
        HÉHÉÍniÉÉÉ

ÍM

m

r  -5

I

jiÂ-v  ..  -Â#*^

WíT..  v  •■•  -
        <pb n="462" />
        'yrmflTf'

It

A

n

um

o

n
        <pb n="463" />
        Die  Gleicliiinííeii  der  Kurven.
Dem  aiialytiscli  f&amp;gt;;escliulteii  Leser  wird  es  von
selbst  klar  geworden  sein,  dass  unsere  Kurven  dnrebwegs
  Funktionen  der  Menge  des  Einen  jeweilig  betraebteten
  Artikels  A  darstellen.  Bezeichnen  wir  die
Gesainnitinengen  dieses  Artikels,  also  die  Abszissen
in  den  Figuren  1—5,  mit  A',  die  Ordinaten,  also  die
Gleichung  der  Gesammtkostenkurve  OA,  mit
m
und  jene  der  GesammtnUtzliebkeitskurve  ON  mit
so  kommt  die  ebarakteristisebe  Eigenschaft  dieser
Kurven,  dass  erstere  durchaus  konvex,  letztere  durchaus ­
  konkav  ist,  dadurch  zum  Ausdruck,  dass
(X)  durchaus  })ositiv  und
F^'  (X)  durchaus  negativ  ist.
Ausserdem  wissen  wir,  dass
Fa{o)  =  F„(o)  =  0
ist,  und  dass  es  einen  gewissen,  endlichen  Werth  von
X  gibt,  fUr  den
Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.

28
        <pb n="464" />
        434

1111(1  ebenso  einen  anderen,  endliclien  Wertli  von  .Y,
für  den
^
ist.  Der  erste  Ditferentiab|iiotient  /^(-Y)  ist  bis  ziiin
Sclieitel  der  Kurve  ON  ])ositiv,  weiterhin  aber  negativ,
während  jener  /^„(X)  stets  positiv  oder,  wenn  die
Kurve  OA  unter  die  Aliszissenaelise  lierabreieht,  bis
Zinn  Tiet))unhte  negativ  und  erst  weiterhin  jiositiv  ist.
Die  Gleiehiin^en  der  Ali^eleiteten  OA'  und  ON'  eri&amp;gt;‘eben
  sieh  durch  deren  Entstehung  sa  rt;  ihre  Ordinaten
sind
X'/&amp;lt;;'(X),  bzw.  X./^:(X).
Der  in  dein  Vertikalabstande  der  urs})riin&amp;lt;&amp;gt;liehen  und
der  abgeleiteten  Kurve  erselieinende  Nutzen  der  I  Produktion ­
  oder  Konsumtion  ist  daher
I  -V-  f:{x)  -  7.’,(X)  |,  i,m.  \h\{x)  -  X-  /&amp;lt;;'(X)|.
Heide  Ausdrücke  werden  mit  wachsendem  X  immer
grösser,  da  sowol
als  auch
¿  \K{X)  -  X-  x;(X)|  =  _  x-x:'(x)
stets  jiositiv  ist.
Im  Sehnittjmnktc  der  Abgeleiteten  ist
X=  x.F;(X)  =

und  daher

tgt)-  =  f:{x)  =  f:{x),
        <pb n="465" />
        435

(las  lieisst:  Der  Preis  ist  der  gleiche  Differential-(jiiotient
  (1er  Gesammtkosten  und  der  Gesammtniitzliclikeitskiirve.
  Ausserdem  erreicht  beim  Schuitt-])uiikte
  der  Ah^eleiteteu  der  Vertikalabstaud  der  Gesammtuützlichkeits-
  und  der  Gesammtkosteukurve,  also
der  Gemeinnützen
[i«;(x)  -  F,{x)\
sein  Maximum,  da  ja  hier
Ix  W  -  F-{X)  =  0
ist.
Unterließt  der  Artikel  A  einer  Prodnktstener  tga^
so  werden  die  Ordinaten  der  Gesammtkosteukurve  ()A
um  den  Stenerertraß  X-tga  läiißer,  und  wir  haben
dann  für  die  Ordinaten  der  Abßeleiteten  OA'
-Y.A  [F.(.Y)  +  X  ff,a\  =  X  +  X  t¡,a,
SO  dass  auch  diese  um  X  tga  verlänßert  erscheinen.
Ebenso  werden  durch  eine  Konsnmstener  tga  die  Ordinaten ­
  sowol  der  Gesammtnntzlichkeitsknrve  ON^
als  auch  der  Abßeleiteten  ON'  um  X  tga  verkürzt,
so  dass  beidemal  der  Vertikalabstand  der  nrsj)rünßliehen
  und  der  abßeleiteten  Kurve  unberührt  bleibt.
Für  den  Verlauf  einer  Einzelkosten-  oder  Einzelnützlichkeitsknrve
  Oa  oder  On  (Fiß.  b  oder  7)  und
für  deren  Beziehniiß  zu  ihren  Abßeleiteten  ßilt  ßenan
das  Gleiche.
Um,  wie  in  Fiß.  8  und  9,  die  Kombination  von
Einzelknrven  zu  Gesammtknrven  zu  verfolßen,  be-28*
        <pb n="466" />
        430

zciclmcii  wir  die  Abszissen  der  zu  vereiui^eudeu  Einzelkosten- ­
  oder  Niitzlielikeitskiirven  mit  .Tg,  .  .  .  .  und
deren  Ordinaten  mit  fi{xi\  ferner
mit  X  lind  F{X)  die  Abszissen  und  die  Ordinaten  der
ans  der  Kombination  bervorgebenden  Gresammtkostenoder
  Gesammtniitzlicbkeitskurve.  Es  ist  dann

X  +  X2  +  b  ^nj
F{X)  =  \fi{x¡)  +fÿ{x^+  •  •  •  •  H-  /„  (a:„)  I
und  daller
F'(X)  =/;(*,).  •*;  +  ■•■■+  /.’K)  ■  'l"::
aX  dX  dA

Nun  ist  aber  in  den  Punkten  ^1  ei  eben  Preises  der
Einzelkurven
fl  i^i)  =  fl(a:g)  =  ....  =  /„'  (rr„),
daher  auch
F'{X)  +  +  =/;W,
und  also  aueb
F'  (X)  =  f;{x,)  =  fi{x,)  =  ....=  y:(æ.).
Ferner  ist
F"  (X)  =  /;  w  ^J  =  fi  (,r,)  |¡^  =  ....=  y-  (^.)
woraus  bervorg-ebt,  dass  der  zweite  Difterentialquotient
der  Gesammtkurve  und  somit  deren  Krümmung-  in
jedem  Punkte  viel  kleiner  ist  als  in  dem  Punkte  gleichen
Preises  jeder  Einzelkurve;  denn
dxj  dxs  dx„
~dX'  dX  dX
sind  immer  echte  Brüche.
        <pb n="467" />
        437

l^ezeiclmcii  wir  mm  mit  x  die  Abszissen  der
l^ebeiisfçemisskiirve  eines  ))estimmten  Individuums,
bezogen  auf  den  Artikel  A,  so  kann  x  nun  aueli  negativ ­
  sein,  da  es  die  Alenden  an^ibt,  welelie  das  Individuum ­
  von  dem  Artikel  A  für  das  betraebtete  Jabr
ankauft  oder  verkauft.  Ferner  bezeiebne
/(»)
die  Ordinaten  dieser  Kurve,  wobei  wir  voraussetzen,
dass  bei  deren  Aufstellung  ebenso,  wie  bei  den  bisher
besprochenen  Kurven,  alle  jene  ^len^en,  deren  Ankauf
oder  Verkauf  bei  keinem  ^ejfebenen  Preise  von  A
vortbeilbaft  wäre,  aus^esebieden  wurden.  Fs  ist  dann
der  zweite  I  )itferentiab¡uotient
/"W
stets  negativ.  Ferner  können  wir  die  Ordinaten  der
Kosten-  und  Niitzlielikeitskurve  a(hi  dureb
|/w  —/(«)|
und  jene  der  Abgeleiteten,  d.  i.  der  Anjçebots-  und
Naelifra^ekurve  a(hi^  dureb
x-f{x)
ausdriieken.  Auch  wissen  wir,  dass  für  einen  bestimmten, ­
  negativen  Werth  von  x
f{x)  =  —  CO  und  f  (rr)  =  -f  CO
und  ebenso,  dass  für  einen  gewissen,  ])ositiven  Werth
/(*)=/(*)  =  --wird,
  und  dass  es  zwiseben  diesen  beiden  Grenzen
        <pb n="468" />
        einen  gewissen,  sei  es,  positiven,  sei  es,  negativen
Werth  von  x  gil)t,  für  den

wird.  Der  Vertikalabstand  der  Abgeleiteten  von  der
Tjebensgennssknrve,  d.  i.  die  Befriedigung

ist  in  der  Ordinatenacbse  am  kleinsten  und  nimmt
rechts  und  links  fortwährend  zu;  denn  der  Ditferentialquotient


ist  positiv,  wenn  x  &amp;gt;  0,  und  negativ,  wenn  x  &amp;lt;  0  ist.
Bezeichnen  wir  nun  mit  x  die  Abszissen  und
mit  F{a^  die  Ordinaten  der  Kurven  ABN  (Big.  68)
des  Gemeinnutzens  einer  Gesammtheit  von  Käufern
und  Verkäufern  des  Artikels  A,  so  gilt  von  der  Funktion ­
  F{x)  alles,  was  wir  soeben  von  jener  f{x)  gesagt
haben,  l'ritt  dann  ein  Individuum  I,  welches  hei
Aufstellung  der  Kurve  ABN  ausser  Betracht  blieb,
hinzu,  so  haben  wir  die  für  dasselbe  monopolistisch
vortheilhaftcste  An-  oder  Verkaufsmenge  x  von  A  im
allgemeinen  so  zu  ermitteln,  wie  dies  früher  (79)  besprochen ­
  wurde.  Würden  jedoch  die  Kurve  Kü,J
und  die  Punktreihe  (Fig.  71)  durchaus  kontinuirlich
  verlaufen,  und  wäre  überdies  —  was  im  allgemeinen ­
  nicht  vorausgesetzt  werden  kann  —  die
letztere  durchaus  konvex  und  die  K'  OJ'  durchaus
konkav,  so  Hesse  sich  die  Älenge  des  grössten  Abf{x)

  =  0

\f{x)  —  x-f{x)\
        <pb n="469" />
        439

standes  der  Abgeleiteten  K'O.!'  von  der  Lebens-^ennssknrve
  oder  aucb  von  der  Kosten-  und  Niitzliebkeitskurve
  des  Individuums  I  durch  den  Seliidtt
zweier  Kurven  bestimmen.  Dann  könnten  wir  nämlich
in  Fi^-.  77  aus  der  rotligezeicbneten  Kurve  K'OJ'
ffanz  so,  wie  diese  selbst  aus  jener  KOJ  entstanden
ist,  eine  neue  Kurve  E"0,J"  —  die  zweite  Abge-Kifi.

  77.

./

,¡h

leitete  der  Kurve  AYA/—ableiten,  und  der  Schnittpunkt ­
  dieser  Kurve  mit  der  ebenfalls  rotben  Abgeleiteten ­
  a'()7t  der  Kosten-  und  Niitzlicbkeitskurve
aOn  des  Individuums  I  bezeielinet  durch  seine  Abszisse ­
  die  gesuchte  Menge.  Der  Nutzen,  den  das
Individuum  I  beim  Verkaufe  —  oder  wenn  der  Schnitt-
        <pb n="470" />
        440

])uiikt  links  vom  Nullpunkte  lä^e,  beim  Ankäufe  —
dieser  Menge  erzielt,  besteht  aus  dem  in  dem  Vertikalabstande ­
  der  Kurven  aOn  und  a'On  erscbeinenden,
  gewöbnlielien  Verkaufs-,  bzw.  Ankaiifsnntzen  und
ans  dem  durch  den  Vertikalabstand  des  gedachten
Scbnitt})unktes  von  der  A70,/'  bemessenen  ^lonopolsnutzen.
  Wir  sehen  also,  dass,  wie  immer  auch  die
Kosten-  und  Nntzlicbkeitsknrve  des  Individiiiinis  I
verlaufen  und  wie  immer  dann  ancb  die  für  dasselbe
vortlieilbafteste  An-  oder  Verkanfsmenge  ansfallen
möge,  doch  der  mittelst  dieser  i\Ienge  erreichbare
Monopolsnutzen  in  dem  betreffenden  Vertikalabstande
der  ersten  und  zweiten  Abgeleiteten  der  Kurve  KO.I
von  vornherein  gegeben  erscheint.  Für  die  Ordinaten
  der  ersten  Abgeleiteten  K'0,J'  haben  wir  den
Ausdruck
X  •  F'  (oj),
für  jene  der  zweiten  Abgeleiteten  F"0,l"
X-  ^  ^x  -  F{x)  \  =  X-  F'[x)  4-  x:^'  F"(x)
und  daher  für  den  Vertikalabstand  der  beiden  Abgeleiteten ­

X  •  F'  (x)  —  [a;  •  F'  (x)  -j-  af  ■  F"  (a:)  |  =  —  -  F"  (a;),
welcher  stets  ])ositive  Ausdruck  also  den  Älonopolsmitzen
  darstellt.  Alle  diese  Hetracbtungen  sind  auch
auf  den  Fall  anwendbar,  dass  das  Individuum  I  ein
wirkliches,  ausschliessliches  Monopol  des  Verkaufes
oder  Ankaufes  des  Artikels  A  besässe;  in  diesem
        <pb n="471" />
        441

Falle  verscliwindet  entweder  der  linke,  oder  der
reelite  Ast  der  Kurve  EOJ.
Denken  wir  uns  nun,  dass  in  Fi^.  77  EOJ  die
auf  den  Artikel  A  bezogene  Exj)ortkosten-  und  Importniitzlielikeitsknrve
  eines  ganzen  Landes,  das  wir  als
Inland  bezeichnen,  wäre,  nnd  dass  a  On  nicht  die
Kosten-  nnd  Nntzliehkeitskiirve  eines  einzelnen  Individnuins,
  sondern  die  mit  Derüeksichtignng  aller  Transportkosten ­
  auf  den  iidändisehen  ]\Iarkt  rednzirte  Exportkosten- ­
  nnd  Iniportnützlichkeitsknrve  des  gesanmiten
Auslandes  für  denselben  Artikel  A  darstelle.  Es  ist
dann,  wenn  wir  die  Ordinaten  der  letzteren  Kniwe
nun  mit
FW
bezeiebnen,  der  zweite  Ditferentiabpiotient  F"W  stets
l)ositiv,  und  wenn  auch  die  Abgeleitete
X  •  F'  {x)
dieser  Kurve,  d.  i.  die  ExjKutangebots-  und  Importnaebfragekurve
  des  Auslandes,  in  unserer  Figur  a  On
ílurebaus  konvex  wäre,  so  können  wir  wieder  eine
zweite  Abgeleitete

X

d_
dx

\xV'{x)\

a;-  F'W  -F  af-  F"W

aufstellen.  Der  Schnittpunkt  der  letzteren,  in  Fig.  77
punktirten  Kurve  a”  On"  mit  jener  EyOJ'  bezeielmet,
wenn  der  Artikel  A  im  Iidande  keiner  Steuer  unterliegt, ­
  durch  seine  in  unserer  Figur  j)ositive  Abszisse
die  für  das  Inland  als  Ganzes  vortheilhafteste  Einfubrmenge
  x  von  A;  wäre  die  Abszisse  negativ,  so  würde
        <pb n="472" />
        —  442

sie  flic  ^Uiisti^ste  Âiisfulirmeii^T  nii^el)en.  Der  Vertikala])staiid
  des  Scliiiittpiiiiktes  von  der  ersten  Abgeleiteten ­
  a  On  beniisst  den  Xoliertra^,  der  sieli  i)ei
Anfle^nn»*  jenes  Zolles  ergibt,  weleber  die  vortbeilbafteste
  Iin])ort-  oder  Ex])ortinenj&amp;gt;;e  berbeifnliid.  Dieser
Zollertrag  ist  also
IX-  V  {x)  H-  x‘  •  V'\x)  I  —  X  -  V(x)  =  X“  •  V"(x)^
so  dass  der  günstigste  Zollsatz  selbst  dnreb
aiisgedriiekt  wird  und  also  ])ositiv  (Einfnbrzoll)  oder
negativ  (Anstnbrzoll)  ist,  je  naebdem  x  ])ositiv  oder
negativ  ist,  d.  li.  je  naebdem  das  Inland  importirt
oder  exportirt.  Betraebten  wir  endlieb  den  Sebnitt-])imkt
  der  beiden  Kurven  zweiter  Ableitung,  so  bezeiebnet
  derselbe  natürlicb  den  grössten  Vertikalabstand
der  beiden  Kurven  erster  Ableitung,  also  das  Maximum ­
  des  Zollertrages.
Anders  ist  es,  wenn  der  Artikel  A  im  Inlande
einer  Produkt-  oder  einer  Konsumsteuer  t(ja  unterliegt.
Bezeiebnen  wir,  um  diesen  Fall  zu  untersiieben,  die
Abszissen  und  Ordinaten  der  Kurve  OA  (Fig.  75)
mit  und  F^{X^  und  jene  der  Kurve  ON  mit
und  7^'„(A"„),  ferner  die  Ein-  oder  Ausfubrmenge  wieder
mit  X.  so  ist
X  =  A"„  —  A"„.
Zugleieb  werden  dureb  x  die  Abszissen  der  Kurven
AjBaN  oder  ABaN^  (Fig.  75)  angegeben,  und  wenn
wir  die  Ordinaten  dieser  Kurven  mit  7^’/(.r),  bzw.
7^^(j'),  bezeiebnen,  so  haben  wir
        <pb n="473" />
        443

=  /'IK)  -
/'»W  =  I  —  X„'/^(t|  —  F„(X„).
Da  min  nach  der  Regel  der  Kombination  im  Falle
der  Rroduktsteuer
und  ebenso  im  Falle  der  Konsumsteuer
Z'VK)  =  ^VK)  —  tfja
sein  muss,  so  erhalten  wir  mit  Hilfe  der  Bedingung
X„  —  X^  =  X
die  Abhängigkeit  der  beiden  Klengen  und  X„  von
jener  x  und  können  also
und  Z„  =  io„(.r)
setzen.  Demnach  ist  nun
t  ¡{x)  =  |to„(.T)|  —  I  I  —  tga-w^{x)^
/'zW  =  Z'"  I  tw«WI  —  |to„(a:)|  —  tga-tí}^{x).
Nun  haben  wir  aber  noch  zu  beachten,  dass  im  Falle
der  Rroduktsteuer  jede  Einfuhr  von  A  einen  Stcuerentgang
  und  jede  Ausfuhr  einen  Steuerzuwachs  mit
sich  bringt,  und  zwar  ergibt  die  Steuer  hei  Ausschluss
jedes  Aussenhandels  in  dem  Artikel  A,  also  hei
X  —  0,  den  Betrag
tga-w,{o),
während  der  Steuerertrag  hei  freier  Ein-  oder  Ausfuhr ­
  auf
fga&amp;gt;io,{x)
fällt  oder  steigt.  Ebenso  bewirkt  im  Falle  der  Kon-
        <pb n="474" />
        444

sum  Steuer  die  Eiiifulir  einen  Stenerznwaelis,  die  Ansfnlir
  al)er  einen  Stenerent^an^'.  Mit  Hiieksield  liieranf
er^il)t  sieli  tnr  den  Gemeinmitzen  des  ganzen  Inlandes
das  einemal
b\(a?)  —  tga\  lo^(o)—to„(æ)  |  =  F„|  (o„(x)  |  —  b\|  (x)  \  —  (o),
das  anderemal  aber
b\{x)  +  t(ja\  m„(o)  |  =  /^;|ío„(.t)  |  —7\|  |—
also,  da  selbstverständlieli
ist,  beidemal  »enan  das  Gleiebe.  Die  Kurve,  deren
Ordinaten  dnreb  diesen  Ansdrnek  an^e^eben  werden,
ist,  wenn  wir  sie  um  ihre  Ant'an^sordinate
(Fi^‘.  75)  berabseliieben,  in  ibrem  reell  ten  Aste  mit
der  in  Fi^*.  7G  rotb  ^ezeiebneten  Kurve  OJ¡  identiseb.
Die  für  das  Inland  mit  Iviieksiebt  auf  die  daselbst
bestellende  Produkt-  oder  Konsnmstener  tga  vortlieilliafteste
  Ein-  oder  Ansfnlirmen^e  x  von  A  wird  also
dnreb  den  grössten  Vertikalabstand  dieser  Kurve
von  der  Exjiortangebots-  und  Imjiortnaelifrageknrve
I  a;  F'(a?)  |  des  Auslandes  oder  dnreb  den  Selmittjiniikt
der  Abgeleiteten  dieser  beiden  Kurven  oder  analytisch ­
  dnreli  die  Gleiclinng
K  I  I  &amp;lt;{x)  —  F;  I  m/a?)  I  m/a?)  =  F'(a?)  -f  xV"(x)
bestimmt.  Gleielizeitig  erselieint  der  Zollertrag  jenes
Zollsatzes,  der  die  giiiistigste  Inijiort-  oder  Exportmenge ­
  lierbeifnlirt,  in  dem  betretfenden  Vertikalabstande ­
  der  ansländiselien  Exjiortangebots-  und  Im-
        <pb n="475" />
        j)ortnaclifra^ekurvc  von  der  Abgeleiteten
I  z  I  der  Kurve  A¡BaN  iin  Falle  der  Produkt;
Steuer  oder  von  der  Abgeleiteten  |  der  Kurve
ABaN^  im  Falle  der  Konsninsteuer.  Dieser  Veiiikalabstand
  ist  aber  das  einemal
—^a|  ^a{^)\'i»'a{x)  —  tgO‘œ,{x)—V'{x'^,
das  andereinal  aber
|  —/;'[  o)^{x)\-ü)',{x)  —  t(}a  œ^{x)—  V'{x)^
so  dass  der  günstigste  Zollsatz  selbst  jedesmal  dureb
den  betrettenden,  in  {  }  stehenden  Ausdruck  angegeben
wird.  Mit  Rücksicht  auf  die  letzte  Gleichung  verwandelt ­
  sich  dieser  Ausdruck  das  einemal  in
a:  -V"{x)  —  tga-io'^{x),
das  andereinal  aber  in
X  •V"{x)  —  tfja-ü)'^{x),
wo  natürlich  jedesmal  der  dureb  die  angezogene  Gleichung ­
  bestimmte  Werth  von  x  einzusetzen  ist.  Für
jenen  Produktsteuersatz  bei  dessen  Itestand  der
vortbeilbafteste  Finfubrzoll  der  inländiseben  Steuer  gerade ­
  gleich  ist,  haben  wir

—

x-V"{x)
1  -f  io'(a?)

und  ebenso  für  jenen  Konsumsteuersatz  bei  dessen
Bestand  der  günstigste  Ausfuhrzoll  der  Steuer  gerade
gleich  ist.
        <pb n="476" />
        Der  erstere  dieser  Ausdrücke  ist  ])ositiv,  weil  in  demselben ­
  X  und  auch  der  Nenner  des  Bruches  positiv
ist,  da  co'a(x)  zwar  negativ,  aber  immer  nnmeriseb
kleiner  als  Eins  ist;  der  1  )ifferentialqnotient  cu'^(x)  bemisst
  nämlieb  die  Sebmälerung  der  Produktion  durch
einen  Zuwachs  der  Einfuhr,  und  zwar  muss  die  erstere
Menge  kleiner  sein  als  die  zweite,  da  immer  ein  Tbeil
der  Mebreinfubr  zur  Steigerung  der  Konsumtion  verwendet ­
  werden  wird.  Der  Ausdruck  für  ist  dagegen ­
  negativ,  da  in  demselben  ausser  x,  das  hier
negativ  ist,  lauter  positive  Grössen  Vorkommen.  Endlich ­
  liesse  sich  für  jede  Höhe  der  Produkt-  oder  Konsumsteuer ­
  f(/(T  auch  der  Zollsatz  ermitteln,  der  jene
lm])ort-  oder  Exportmenge  x  herbeiführt,  bei  welcher
die  ganze,  fiskalische  Einnahme  an  Steuer  und  Zoll,
d.  i.  bei  der  Produktsteuer
tfja-  iö,{x)  -f  a?  •  I  F;{x)  —  V'  (x)  |,
oder  bei  der  Konsumsteuer
t()a•  íü„(ír)  +  O’  •  I  /  g  (.r)  —  P'  {x)  |,
am  grössten  wird.

Für  den  Analytiker  kann  es  noch  von  Interesse
sein,  zu  verfolgen,  wie  die  unseren  letzten  Betrachtungen ­
  zu  Grunde  liegende  Annahme,  dass  die  erste
Abgeleitete  |^  /'(^)|  durchaus  dieselbe  Krümmungsrichtung ­
  wie  die  betreifende,  ursprüngliche  Kurve/(.r)
habe,  zum  Ausdrucke  kommt.  Es  muss  nämlich  der
zweite  1  )ifierentialquotient
        <pb n="477" />
        447

)|

d
dx

|/'(x)  +  x-f"{x)\  =  2f'{x)  +  x-f'"{x)

stets  dasselbe  Vorzeicben,  wie  jener  f"  (ir),  haben,  so
dass  er  also  negativ  sein  muss,  wenn  die  nrs])rUn^-licbe
  Kurve  nach  unten  konkav  gezeichnet  ist.  Diese
Bedingung  würde  am  sichersten  erfüllt  sein,  wenn
immer  (a?)  =  0,  also  f"  (a?)  konstant  wäre  ;  doch
hätten  wir  dann  eine  I^arabel  mit  vertikal  nach  abwärts ­
  laufender  Achse,  also  eine  Kurve  vor  uns,  die
nicht  durch  vertikale  Asymptoten  begrenzt  wäre.  Wenn
sonach  f"  (x)  keineswegs  immer  =  0  sein  kann,  so
muss  dies  aber  doch  wenigstens  in  Einem  Punkte  der
Kurve  J  (x)  der  Fall  sein.  Um  dies  nachzuweisen,
legen  wir  nacheinander  an  jeden  Punkt  der  Kurve
/(x)  eine  Parabel,  welche  eine  vertikal  nach  unten
gehende  Achse  hat  und  mit  der  Kurve  /(x)  eine  Berührung ­
  zweiter  Ordnung  eingeht,  so  dass  ihr  erster
und  zweiter  1  litferentiahpiotient  =  f  (a-),  bzw.  /"  (z),
ist.  Es  ist  nun  klar,  dass  am  rechten  Ende  der  Kurve
f{x)  diese  und  die  oskulirende  Parabel  sich  derart
schneiden  müssen,  dass  die  Kurve  f{x)  rechts  tiefer
und  links  höher  liegt,  während  am  linken  Ende  der
Kuiwe  f{x)  das  entgegengesetzte  Verhältniss  obwalten
muss.  Es  ist  also  am  rechten  Ende  der  Kurve  f{x)
ihr  dritter  Differentiahiuotient  algebraisch  kleiner,  am
linken  Ende  aber  grösser  als  jener  der  oskulirenden
Parabel,  und  da  letzterer  immer  =  0  ist,  muss  (a’)
das  einemal  negativ,  das  anderemal  jmsitiv  sein.
Daraus  folgt,  dass  es  in  der  Kurve  f{x)  mindestens
Einen  Punkt  geben  wird,  wo  f"  (x)  =  0  ist,  wo  also
        <pb n="478" />
        448

(lie  oskulireiule  Parabel  eine  Beriilirung-  dritter  Ordmin^
  eingebt.  Docli  kann  es  im  allgemeinen  auch
mehrere  solche  Punkte  geben,  nur  muss  deren  Zald
immer  eine  ungerade  sein.  Vom  linken  Ende  der  Kurve
f{x)  bis  zu  ihrem  ersten,  derartigen  Punkt  ist  f"  {x)
])ositiv  und  wird  weiter  rechts  negativ,  so  dass  in
diesem  Punkte  negativ  ist  und  daher  die  oskulirende
  Parabel  beiderseits  über  der  Kurve  f{x)  liegt.
Das  Gleiche  gilt  von  dem  dritten,  fünften  u.  s.  w.  der
erwähnten  Punkte,  während  im  zweiten,  vierten  u.  s.  w.
das  Gegeutheil  stattfindet.  Unter  jenen  Strecken  der
Kurve/(ic),  in  welchen  f"{x)  positiv  ist,  d.  i.  also,
wenn  wir  von  links  nach  rechts  gehen,  unter  jenen
Strecken,  welche  dem  ersten,  dritten  u.  s.  w.  der  erwähnten ­
  Punkte  voraiigeheii,  können,  nur  insoweit
dieselben  zur  Rechten  der  Ordiuatenachse  liegen,  konvexe ­
  Stellen  in  der  ersten  Abgeleiteten  Vorkommen,
weil  nur  hier  das  Produkt  xf"  (x)  j)ositiv  ist.  Ebenso
können  zur  Linken  der  Ordinatenachse  Gegenkrümmungen ­
  in  der  Abgeleiteten  nur  unter  jenen  Strecken
der  Kurve  /(x)  Vorkommen,  welche  den  zuletzt  genannten ­
  Punkten  naehfolgen.
        <pb n="479" />
        in»

m

-t

Anluin«'  II.

Autpitz  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d.  Preises.

29
        <pb n="480" />
        im

J

I

I

IR

*
        <pb n="481" />
        29*-

1.  Dio  fWriodi^im^Hfimktíoii  iiiid  das  Maximum  dor
BofriíMlipiig.
Wir  wollen  nun  versuchen,  die  Ikdriediguni»-  in
ihrer  Ahhän^iß^keif  von  allen  irgend  in  Betracht  kommenden ­
  Einflüssen  zu  hehandeln,  ohne  unsere  hisheriíçen
  Voraussetzungen  festzuhalten.  Gerade  dadurch
wird  sich  die  Nothwendigkeit  aller  dieser  Voraussetzungen ­
  heraussteilen,  sobald  wir,  wie  bisher,  eine
Darstellung  in  der  Ebene  gehen  wollen,  während  allerdings ­
  eine  Darstellung  im  Raume  noch  möglich  ist,
wenn  auch  Eine  der  Voraussetzungen,  wie  wir  dies
hinsichtlich  der  festen  Werthschätzung  des  Bargeldes
hier  durchführen  wollen,  fallen  gelassen  wird  ;  zugleich
wird  sich  dabei  zeigen,  wie  unsere  verschiedenen  Voraussetzungen ­
  analytisch  zum  Ausdrucke  kommen.
Zu  dem  Ende  bezeichnen  wir  mit
2  die  ikfriedigung,  welche  ein  gegebenes,  wiithschaftliches
  Individuum  durch  irgend  eine  bestimmte ­
  Kombination  seiner  ganzen  Konsumtion,
Produktion  und  Vorrathshaltung  hei  den  gegenwäi-tig
  geltenden,  am  Schlüsse  des  Jahres  zahlbaren ­
  Preisen
        <pb n="482" />
        452

(V  (9  'h  '  "  (9  'K

ffj  "Ca  ?  CV  '  •  •  Ul

.9k

•  v„
•
-.9«

./;,./;

■y:

'^iO  '"'k

,  (%;,

K,  h

/).,  Pk

Pn

iiiul  bei  den  von  dem  Individuum
erwarteten,  künftigen  Preisen
aller  Artikel  B  .  .  .  N  erzielt.  Bei
dieser  Kombination  seien
die  Verbranebsmen^en,
die  Krzen^nn^smen^en  aller  Artikel,
die  Zahl  der  von  jedem  Artikel  neu  in
Gebraiicb  genommenen  und  dadiireb
zum  Markt])reise  nnverkänflieb  gewordenen, ­
  ganzen  Einbeiten  und
die  Zahl  der  ans  der  eigenen  Produktion ­
  fertig  gestellten  Markteinbeiten.
  Ferner  seien
die  sehliesslieb  ^ebaltenen,  verküiitlicben
  \  (u  rätbe  aller  Artikel,  und  sei
der  scbliessliebe  Besitz  an  Bargeld,
ein  sei  11  iessliel  i  der  etwa  i^ei  i,  j  ederzeit
talli^en  Gntbabnn^en  und  abzü^lieb
etwaiger,  derartiger  Zaldun^sver-))tliebtun^‘en
  des  betraebteten  Individuums. ­
  Wir  bezeiebnen  ferner  mit
die  anfäunlieb  vorbandenen,  verkäuflieben
  Vorrätbe,  mit
die  antan^lieb  vorbandenen,  unganzen
  und  daher  zum  Marktjueise
uuverkänflieben,  aus  dem  vorjährigen ­
  Konsum  übrig-  gebliebenen  Vorrätbe ­
  und  mit
die  anfänglich  vorhandenen,  unfertigen, ­
  unverkäiiflieben,  aus  der  vor-
        <pb n="483" />
        453

Jälirigeii  Produktion  lierriilirenden  Vorrätlie.  Endlie]
  i  sei
//„  der  Werth,  den  ?]  dann  annelimen  würde,  wenn
hei  der  an^enonnnenen  Konihination  der  Aufwand
für  alle  anznkanfenden  Artikel  dein  Erlöse  für
alle  zn  verkaufenden  gerade  ¿»leieh  wäre.  Alle
jene  Gelder,  auf  deren  Eingang*  das  Individnnni
iin  laufenden  Jahre  reehnen  kann,  sind  in  r¡^
sehon  mit  enthalten,  während  wir  hinsiehtlieh  unerwarteter ­
  Eingänge,  wie  Erhsehaften,  Lotteriegewinnste
  u.  dgl.  davon  ahsehen,  dass  solche  dem
Individuum  vor  Jahresschluss  bekannt  würden,
so  dass  wir  annehmen  können,  dass  dieselben
sich  erst  hei  der  Ermittlung  des  für  das  folgende ­
  Jahr  geltend  machen  werden.  Dagegen
sind  alle  Schenkungen  und  Akte  der  Wolthätigkeit
  und  des  (^emeinsinnes,  soweit  sie  nicht  auf
sehon  früher  eingegangenen  Verjifliehtungen  beruhen, ­
  sowie  andere  Verhrauehsartikel  anzusehen,
die  für  die  angenommene  Kombination  anzukaufen
sind  und  die  Befriedigung  mit  beeinflussen.
Zum  besseren  Verständniss  unserer  Bezeiehnuiigen
sei  hier  sogleich  bemerkt,  dass,  wenn  der  Artikel  A
hei  der  angenommenen  Kombination  weder  konsumirt,
noch  produzirt  wird,  v^=  Qa  =  c«  —fa  —  B  wird.  Wenn
mm  auch  =  0  ist,  so  kann  trotzdem  und
von  Null  verschieden  sein,  der  Artikel  A  also  in  der
Kombination  erscheinen,  wenn  das  Individuum  hinsiehtlieh ­
  dieses  Artikels  nur  als  blosser  \  (urathshändler
auftritt,  wie  dies  hei  einem  blossen  Terminartikel  oder
        <pb n="484" />
        454

einem  Werthpapiere  immer  der  Fall  ist.  Das  Gleiehe
gilt  von  einem  keiner  Ahniitznng  unterliegenden  Gehranelisartikel,
  von  dem  hei  der  angenommenen  Komhination
  niehts  hergestellt  nnd  aueh  weder  etwas  verscheidet, ­
  noch  zu  anderen  Gegenständen  verarbeitet
wird.  Dass  hei  einem  derartigen  Artikel  A  auch  =  0
ist,  ohwol  die  vorhandenen  Stücke  benützt  werden
mögen,  rührt  daher,  dass  dieselben  zum  Marktjireise
verkäuflich  bleiben.
Ist  A  ein  Artikel,  der  in  kleinsten  IViengen  gekauft ­
  wird,  so  ist  =  0  und  v„  =  und  ebenso
wäre  pg  =  0  und  e„  wenn  sieh  hei  der  Produktion
von  A  keine  verschiedenen  Arheitsstadien  unterscheiden ­
  liessen  und  der  Verkauf  in  kleinsten  Mengen  stattfände; ­
  in  den  ersten  vier  Kajiiteln  haben  wir  nur  solche
Artikel  vor  Augen  gehabt.
Ist  A  ein  schon  bestehendes  Einzelohjekt,  dessen
Besitz  zu  der  angenommenen  Kombination  gehört,  so
ist  k„  =  p„  =  =  Ja  =  0,  während  a„  =  0  oder  =  1
ist,  je  nachdem  das  Objekt  erst  zu  erwerben  ist
oder  schon  zum  anfänglichen  Besitz  des  Individuums
gehört.  Ueherdies  ist  =  0  und  =  1,  wenn
das  Objekt  A  hei  seiner  zu  der  angenommenen  Kombination ­
  gehörigen  Verwendungsart  in  der  sehliesslichen
  Vermögensinventur  in  unveränderter  Qualität
erscheint.  Ist  dies  nicht  der  Fall,  so  ist  =  1
und  Sa  =  0,  weil  wir  dann  in  der  schliesslichen  Vermögensinventur ­
  das  ursprüngliche  Objekt  ^1  gar  nicht
mehr  vor  uns  haben,  sondern  ein  anderes,  in  welches
das  Objekt  A  durch  die  hetretfende,  sei  es,  deterio-
        <pb n="485" />
        rirende,  sei  es  ineliorireiide  Verweiidim^sart  verwandelt ­
  worden  ist.  Wir  können  dann  dieses  andere
Objekt  (wenn  es  auch  das  frühere,  nunmehr  abgenutzte
ist)  als  ein  neues  ansehen,  dessen  Herstellung  zu  der
angenommenen  Kombination  gehört,  und  es  ist  Iiinsiebtlich
  dieses  neuen  Objektes  a  =  k  =  =  ^  =  U  =  0
und  e  =J  =  s  =  \.  Bezeichnen  wir  dagegen  mit  A
ein  von  dem  Individuum  erst  herzustellendes  Objekt,
so  ist  zwar  =  k„  =  =  0,  aber  ist,  wenn
die  Arbeit  schon  im  Vorjalir  begonnen  bat,  &amp;gt;  0  und
darum  natürlich  &amp;lt;  1.  Letzteres  ist  auch  bei  =  ()
der  Fall,  wenn  das  Objekt  A  im  laufenden  Jahre
noch  nicht  vollendet  wird,  und  daher  =  ()  ist;
übrigens  ist  s„  auch  dann  =0,  wenn  das  Objekt  .1
zwar  im  laufenden  Jahre  fertig  gestellt  wird,  also
=  1  ist,  aber  die  Herstellung  überbau|d  nicht  für
eigene  Reebnung,  sondern  über  fremde  Bestellung
unternommen  wurde.  Ist  A  ein  noch  nicht  bestehendes ­
  Objekt,  welches  für  das  betraebtete  Individuum
von  einem  Anderen  bergestellt  werden  soll,  so  ist
^■a  =  —  Pa  =  =  fa  =  ^  "ud  aiicll  =  g^  =  ()
und  =  1,  wenn  die  Vollendungsfrist  eine  einjährige
oder  noch  längere  ist;  bei  einem  früheren  Vollendungstermine, ­
  welcher  schon  im  laufenden  Jahre  eine  Benützung ­
  des  Objektes  A  gestattet,  ist  ganz,  wie  bei
einem  bereits  bestehenden  Objekt,  =  g^  =  0  und
^a  —  1  =  1  uiul  =  0,  jc  iiaclidem
diese  Benützung  die  Besebatfenlieit  des  Objektes  ganz
unberührt  lässt  oder  nicht.  Endlich  gibt  es,  wenn  A
ein  schon  bestehendes  Einzelobjekt  ist,  das  nicht  ohne
        <pb n="486" />
        4Õ6

Abnützung  gel)nuiclit  werden  kann,  gar  kein
Statt  dessen  müssen  jene  Preise  tgX,  bekannt  sein,
zu  weleben  das  Individuum  die  versebiedenen  Objekte,
in  welelie  das  Objekt  A  je  iiaeli  seiner  Verwendungsart ­
  sieb  verwandeln  kann,  im  näelisten  Jahre  verkaufen ­
  zu  können  glaubt,  oder  jene  bölieren  Preise,
zu  welchen  es  dieselben  —  seiner  jetzigen  ^Meinung
nach  —  dann  gerne  kaufen  würde.  Dagegen  gibt  es
ein  tgX,ai  weini  A  ein  erst  berzustellendes  Objekt
ist,  es  sei  denn,  dass  das  Individuum  diese  Herstellung ­
  nur  über  fremde  Bestellung  vornäbme.
Weiters  kann  selbstverständlieb  keine  der  Grössen
V,  e,  g,f,  k  oder  p  je  &amp;lt;  0  sein;  5  kann  nur  bei  einem
Terminartikel  &amp;lt;  0  werden,  und  ebenso  kann  auch  a
nur  dann  &amp;lt;  0  sein,  wenn  das  Individuum  früher  einen
nun  fälligen  Terminverkauf  des  betreifenden  Artikels
vorgenommen  bat.  Ist  A  das  Zablungsvers])reeben
des  betrachteten  Individuums  selbst,  so  kann  sowol
als  auch  niemals  &amp;gt;  0  sein.
Bei  einem  Terminartikel  bezeichnet  tg^  den  für
den  betreffenden  'Termin  erwarteten  Preis  des  dann
effektiv  zu  überiiebmenden  oder  zu  liefernden  Artikels. ­
  Ist  A  ein  Wertb})a})ier,  das  einen  Ertrag  abwirft, ­
  so  bezeichnet  tg^^  den  künftig  erwarteten
Kurs,  einscbliesslicb  des  erwarteten  Ertrages,  während ­
  der  gegenwärtige  Preis  tgi)',,  immer  „ex  coupon
d.  b.  abzüglich  des  diesjährigen  Erträgnisses,  zu  verstehen ­
  ist.
Die  Befriedigung  2  bängt  von  der  mit  der  angenommenen ­
  Kombination  verknüpften  Anuelimlicli-
        <pb n="487" />
        457

keit  oder  Unaimelnnliclikcit  und  von  der  seldiesslieli
verbleibenden  Vennögensinventnr  ab.
Die  Anneliinlielikeit  oder  ITnanneliinlielikeit  wieder
liän^t  von  allen  jenen  Details  ab,  die  wir  früher  (32
lind  47)  als  zur  Kennzeiehniing  einer  bestimmten,  ein
ganzes  Jahr  umfassenden  Kombination  erforderlieb
kennen  gelernt  haben,  und  überdies  von  der  genauen
Feststellung  der  in  Kapitel  V  besproelienen,  mannigfaltigen ­
  Vorratbslialtungen  in  versebiedenen  Artikeln.
Wären  alle  diese  Details  wirklieb  so  genau  gegeben,
dass  das  freie  Ermessen  des  Individuums  vollkommen
aiisgeselilossen  bliebe,  so  wäre  auch  die  Anneliniliebkeit
  oder  IJnannehmliebkeit  der  Kombination  genau
bestimmt.  Sind  dagegen  nur  die  Mengen  u,  e,  /y,  f
und  s  jedes  Artikels  gegeben,  so  bleibt  der  Willkür
des  Individuums  noeli  ein  weiter  Spielraum  offen.
Dasselbe  kann  den  gleieben  Verbraueli  v  jedes  Artikels ­
  in  mannigfaltigster  Weise  auf  die  versebiedenartigsten
  Konsumjiortionen  vertbeilen  und  seine  Zeiteintbeiliing,
  sowie  diejenige  der  von  ihm  abhängigen
Fersonen  und  dadureb  insbesondere  aucb  die  zeitliebe
Vertbeilung  der  Froduktion  der  von  allen  Artikeln
berzustellenden,  bestimmten  Mengen  e  naeb  Gutdünken
festsetzen.  Ferner  kann  das  Individuum  den  sebliesslieb
  verbleibenden  Konsumtionsrest,  d.  i.  (//  -|-  k  —  v),
irgend  eines  Artikels  ganz  gleiebförmig  oder  in  jeder
anderen  Weise  auf  die  sämmtlieben,  zur  Verfügung
stellenden  )larkteinbeiten,  also  auf  die  neu  in  Gebraueb
zu  nebmenden  g  Einheiten  und  auf  die  den  anfanglieben
  Konsumtionsvorratb  k  bildenden,  alten  Einheiten
        <pb n="488" />
        458

(les  betreffenden  Artikels  vertheilen.  Ebenso  kann
(las  Individuum  auch  nebst  den  /  fertig  zu  stellenden
Einheiten  von  irgend  einem  Artikel  noeli  viele  oder
wenige,  die  unfertig  bleiben,  in  Angriff  nehmen,  so  dass
der  gleiche,  scbliesslicbe  Produktionsrest  [e  +  p  —  f)
aus  vielen  oder  wenigen,  gleicdi  oder  sehr  ungleieb  weit
fertigen  Einheiten  bestehen  kann.  Nun  wird  aber  unter
den  unzähligen  IMögliclikeiten,  die  sich  solcherart  noch
darhieten,  wenn  auch  die  Mengen  v,  c,  f  und  aller
Ai  tikel  gegeben  sind,  doch  immer  nur  Eine  die  angenehmste ­
  oder  mindest  unangenehme  sein.  Eühren  wir
nun  die  Voraussetzung  ein,  dass  das  Individuum
jeweilig  das  ihm  Angenehmste  anstrehe  und  zu
wählen  wisse,  so  ist  die  mit  einer  gegebenen  Kombination ­
  der  Mengen  v,  c,  //,/‘und.s  aller  Artikel  verbundene ­
  Annehmlichkeit  oder  Unannehndichkeit  genau
bestimmt.
Was  nun  die  schliessliche  Vermögensinventur  anhelangt,
  so  hängt  dieselbe  nicht  nur  von  den  schliesslichen
Konsumtionsresten  [g  -]r  k  —  v),  den  Produktionsresten
(c  +  p  —  /)  und  den  verkäuflichen  Scldussvorräthen  s
ah,  sondern  auch  von  den  von  dem  Individuum  erwarteten, ­
  künftigen  Preisen  tgX&amp;gt;  aller  Artikel  und  endlich
auch  noch  von  dem  schliesslichen  Hargeldhesitze  r¡.
Die  gegenwärtig  geltenden  Preise  tgih  sind  dagegen
nur  dadurch  mithestimmend,  dass  sie  für  die  Höhe
der  Aufwands-  und  Erlösheträge  und  dadurch  für  den
schliesslichen  Hargeldhesitz  r¡  massgebend  sind  ;  es  ist
nämlich
V  =  Vo  -  [iHn  -fa-  +  S„)  •  t()  +  (&amp;lt;j,.  -/„  -  a,  +  s,).  Uf  „  +  ...  +  ((J„  -f„  -
        <pb n="489" />
        W

L.

¡

459

Fassen  wir  mm  jene  Variabein  ziisaininen,  (liireli
welche  unter  Festhaltim^^  unserer  obigen  Voraussetzung
die  l^efriedigung  bestimmt  wird,  so  können  wir
setzen.  Hier  ist  0(  )  eine  lediglich  individuelle  Funktion, ­
  deren  Form  nur  durch  die  persönlichen  Eigenschaften ­
  des  Individuums  —  seine  Neigungen,  Fähigkeiten, ­
  Gewohnheiten,  Familienverhältnisse  u.  s.  w.  —
sowie  durch  die  Art  und  Grösse  seines  anfänglichen
Besitzes  bestimmt  wird.  Der  anfängliche  Besitz  wird
durch  die  Konstanten
1  Pay  Pb  *  '  *  Pn
noch  nicht  genau  genug  bestimmt,  weil  jede  der  Grössen
k  und  p  nur  die  Summe  der  anfänglich  vorhandenen,
für  die  Vermögensinventur  anreehenharen  Verbrauchs-,
hzw.  Herstellungsperzente  (66  und  68)  darstellt.  Nun
ist  es  aber,  wie  schon  betont,  nicht  gleichgültig,  oh
die  gleiche  Summe  k  verfügbarer  Verhrauchsperzente
an  vielen,  stark  abgenützten,  oder  an  wenigen  gut
erhaltenen  Einheiten  haftet  und  ebenso,  oh  p  aus
wenigen  oder  vielen  mehr  oder  weniger  fertigen  Einheiten ­
  besteht.  Es  müssen  daher  zur  ('harakterisirung
eines  bestimmten,  wirthsehaftlichen  Individuums  auch
alle  diese  Details  auf  das  Vollständigste  gegeben  sein,
und  sind  dieselben  für  die  Form  der  Funktion  0(  )
mithestimmend.  Ferner  gehört  allerdings  auch  zum
anfänglichen  Besitz  des  Individuums,  und  hätte  daher
nur  die  Ditferenz  {rj  —  rj„)  als  Variable  in  der  Fimktion
zu  erscheinen.  Es  ist  jedoch  für  die  weitere  Behand-
        <pb n="490" />
        —  4f;o  —
lililí»*  zwcckmässig-er,  den  i^aiizeii,  «cliliessliclien  Hari&amp;gt;*eldbesitz
  tj  iingetreiiiit  vor  Augen  zu  lielialten;  da
sieli  sonaeli  der  Einfluss  einer  etwaigen  Aenderiing
der  Konstanten  %  schon  in  der  Variablen  //  geltend
inacbt,  so  ist  die  Form  der  Funktion  &amp;lt;/&amp;gt;(  ),  wie  wir
sie  antgestellt  haben,  von  r¡^  unabhängig.
Wollen  wir  nun  einen  Sebritt  weiter  geben,  so
sehen  wir,  dass,  wenn  auch  die  Grössen  //,  /  und  5,
die  bei  allen  Artikeln  in  ganzen  Markteinbeiten  aiisgedriiekt
  sind,  dieselben  bleiben,  doch  die  Mengen
^  ""(l  e,  die  nach  kleineren,  individuell  verseliiedenen
Fraktionen  gemessen  werden,  innerhalb  weiter  Grenzen
variiren  können.  Nehmen  wir  nun  in  weiterer  Anwendung ­
  unserer  ersten  Voraussetzung  an,  dass  das
Individuum  die  Mengen  v  und  e  aller  Artikel  auf  das
Vortbeilbafteste  wähle,  so  wird  es  so  vorzugeben  haben,
dass  liinsiebtlieb  jedes  der  Artikel  J,  /&amp;gt;’...  W  die
lledingungsgleiebunneii

2)
•0

dz  )

dv

du

0  und

dz  _  d*/&amp;gt;(  )

de

de

=  0

erfüllt  werden.  Die  erste  dieser  (ileiebimgen  besagt,
dass  der  Verbraueb  v  Jedes  Artikels  nur  soweit  anszudelinen
  ist,  bis  ein  ^lelirverbraiieb  entweder  an  und
till*  sieb  unangenehm  oder  doch  wegen  der  gleiebzeitigen
  Verminderung  des  von  der  gegebenen  (lein ­
  auebsmenge  (j  übrig  bleibenden  Konsumtionsrestes
+  bzw.  seines  künftigen  Wertbes  ■  /r/Ç
        <pb n="491" />
        4(51

iinvortlieilliaft  wäre.  Ebenso  besagt  die  Gieielnm^  3),
dass  die  Erzen^nn^  e  nur  so  weit  aiisziidelinen  ist,
bis  die  Enanneliinliclikeit  einer  Melirerzeiii^nn^  der
¿»leielizeiti^en  Stei^ernn^  des  Wertlies  (e  -jdes
  l’rodnktionsrestes  ^leieb  kommt.  Selbstverständlicb
  entfällt  die  üleiebnn^  2)  binsiebtlieb  jener  Artikel, ­
  bei  weleben  naeli  ihrer  Natur  v  =  0  oder
V  =  (f  ist,  so  dass  v  keine  selbstständige  Variable
bildet;  ebenso  entfällt  die  Gleiebnn^  3)  binsiebtlieb
jener  Artikel,  bei  weleben  r  =  0  oder  e  =  /  ist.  Aber
aneb  binsiebtlieb  anderer  Artikel  können  diese  Hedin^nn^s^'leiebnnß'en
  Wegfällen;  ist  z.  Ik  r/„  sehr  klein,
so  kann  es  Vorkommen,  dass  aneb  bei  dem  i&amp;gt;rösstmö^lieben
  \  erbraneb  =  (//„  +  A„)  der  Ditterential-(inotient
  ^  &amp;gt;  0  bliebe,  d.  b.  dass  eine  weitere
dVa
Stei^eriiiii?  des  Verbranebes  die  Befriedi&amp;lt;»nnfç  noeb
erböben  würde;  dann  wird  aber  der  Verbraneb  eben
auf  sein  Maximnm  ans^edebnt  werden.  Ebenso  ^fibt
es  bei  jeder  ^e^ebenen  Gebranebsmenife  r/„  aneb  ein
Minimum  des  Verbranebes  weil,  wie  erwähnt,
aneb  abgesehen  von  jeder  Benützung  sebón  eine
Entwerthnn^,  also  ein  Verbraneb,  eintritt,  sobald  die
betreffende  Alende  in  die  Hand  des  letzten  Konsumenten ­
  überlebt.  Anf  dieses  Minimum  wird  dei
Verbraneb  beschränkt  bleiben,  wenn  so  übermässig ­
  ^ross  ist,  dass  aneb  bei  dem  kleinstmöj^licben

i;„  der  Differentialqnotient

d±il
dv„

&amp;lt;  0  bliebe;  liier

würde  also  eine  weitereEinsebränkiin^j^des  Verbranebes,
        <pb n="492" />
        4G2

imleii)  sic  (lie  Sclilussiiivciitur  erliälit,  die  Befriedi^im^

steigern.  Niclit  minder  kann  es  Vorkommen,  dass  aueli
hei  der  kleinstmögliclien  Erzen^rnn^  e„  =  —  yyj
der  Diiferentiakinotient  1  &amp;lt;  ()  bliche,  weil  es

hei  dem  allzn^rossen  /;  erwünscht  wäre,  die  Erzeniiuiii»’
  einscliränken  zu  können;  die  Erzeußun^  hleiid
dann  jedesfalls  auf  ihr  Minimum  hesehränkt.  Wir
können  also  immer  alle  Mengen  v  und  e  als  Eiinktionen
aller  iihrigen,  in  der  Funktion  «/&amp;gt;(  )  vorkommenden
Variahein  ennitteln  und  sohin

4)  ^  —  Ja,  ;  tg'ç„  ;  g,,,  J,,,  s,,,  uj'ç,,J\,.%,,  t(f  ;  r¡)
setzen.  Hier  ist  %  (  )  wieder  eine  lediglich  individuelle
Funktion,  welche  aber  ausser  auf  der  der  Funktion
*h{  )  zu  Grunde  liegenden  Voraussetzung-  aueli  noch

aut  der  weiteren  heruhl,  dass  das  Individuum  die
Mengen  v  und  e  aller  Artikel  in  der  hei  den  gegebenen ­
  Mengen  g,  /  und  .&amp;lt;?  und  den  erwarteten  künftigen
Freisen  í(fÇ  aller  Artikel  vortheilhaftesten  Weise  wühle.

Auch  können  wir  noch  bemerken,  dass

d'l&amp;gt;(  )  dv,  ,  (/'/&amp;gt;(  )  dv,,  ,  ,  dd&amp;gt;(  )  dv„
1  —  7  I  ,  “  -  •  ,  1  ;  ,  -h  •..  -h  ^  •
(ig  (hl  dv^  dr¡  dv,,  d7¡  dv„  d?i
d&amp;lt;[&amp;gt;(  )  de.,,  d&amp;lt;l&amp;gt;{  )  de,,  ,  ,  &amp;lt;/&amp;lt;/.(  )  de„
-I  —  H  h...  H
dt]  da,,  di\  r/ß,,  di¡
oder  vermöge  der  Bedingungsgleichungen  2)  und  8)
dx{  )  ^  dd&amp;gt;{  )
di¡  dr¡
ist,  während  der  Ditfercntial(|Uotient  von  %(  )  nach
        <pb n="493" />
        —  4»;3  —
irgend  einer  anderen,  in  dieser  Funktion  erselieinenden
Variablen  dem  betreffenden  Differentialqiiotienten  der
Funktion  0(  )  keineswegs  gleich  ist.
Wir  können  nun  noch  weiter  geben  und  annebnien,
  dass  das  Individuum  an  der  ursjuUnglieben
Kombination  nur  binsicbtlicb  der  An-  oder  Verkaufsmengen ­
  aller  Aiiikel  festbalten,  die  sämmtlieben  Mengen
//,  /  und  s  aber  auf  das  Vortbeilbafteste  wählen  wolle.
Zn  dem  Fnde  bezeiebnen  wir  diese  An-  oder  Verkaufsmengen ­
  mit
^a  7  •  •  •  •  1
und  es  ist  dann  natUrlieb
=  g  a  —fa  —  ,  ^b  =  .Vk  ~fb  ~  ■  X„  =  (/„  —  f„  —  ü„  -fund
  daher
g  =  Vo  (^«  ■  ^g^a  +  '  (9  '^6  +  •  •  •  +  fg^K)-Um
  nun  die  Grössen  x  in  die  Funktion  /(  )  einzufilbren,
  denken  wir  uns  jede  der  Grössen  /  dureb  den
entsprechenden  Ausdruck  /  =  {y  —  a-\-  s  —  x)  ersetzt.
Wir  haben  dann  tur  das  bei  den  gegebenen  Mengen  x  erreichbare ­
  Maximum  der  Befriedigung  die  Bedingungen
A  =  )  +  )  .Æ  =  u  und  —=  Lii  =  0
(ly  (ly  df  dy  ds  ds  df  ds
oder  aueb
^  ^  __  ^
dy  ds  df
Biese  Gleiebungen  drücken  aus,  dass  bei  jedem  Artikel
die  Nützlichkeit  —der  letzten  in  Gebrauch  gedg
        <pb n="494" />
        4()4

genommenen  und  die  Nützlielikeit  ———-  der  letzten,
ds
zur  Bildung-  eines  verküufliehen  Seliliissvorrnthes  verwendeten ­
  Miirkteinkeit  unter  einander,  sowie  aueh  der
negativen  Nützliehkeit,  d.  li.  den  Kosten
der  letzten  fertig-  gestellten  ^larkteinlieit,  gleieli  sein
müssen.  Die  Nützliehkeit  ^  -  ist  natürlieh  nielits
d  í¡!
anderes  als  die  Werthsehätzung-  der  letzten,  zur  Vorrathshihlung-
  verweudeteu  .Markteinheit  und  hängt  daher ­
  ganz  direkt  von  dem  erwarteten,  künftigen  Preise
tr/'C  des  hetretfenden  Artikels  ah.  Aueh  diese  (ileiehungen
  sind  nieht  immer  erfüllhar.  Sie  reduziren  sieh  auf
die  einzige
&amp;lt;h{  )  _  _  &amp;lt;h(  )  _  &amp;lt;h{  )  dxi)^
dff  dj  df!  ds  ds  df
wenn  es  hei  der  gegebenen  An-  oder  \"erkaufsmenge
X  des  hetretfenden  Artikels  vortheilhaft  erscheint,  die
Ansammlung-  ein'es  verkäuflichen  Sehlussvorrathes  oder
die  Fertigstellung  neuer  Markteinheiten  oder  die  Ingehrauehnahme
  solcher  ganz  auszusehliessen.  Dann
wird  aher  die  gegehene  Menge
[x  +  a)  =  (//  —/)  odei-  =  (r/  +  s)  oder  =  (.&amp;lt;  —/)
sein,  so  dass  es  eben  nur  der  Eineu  Bedingungsgleiehung-
  bedarf,  um  die  Unbekannten
()  und  /oder//  und  s  oder  /  und  s
zu  ermitteln.  Mit  blos  einer  Bedingungsgleiehung,  und

&amp;lt;h\  )
df
        <pb n="495" />
        zwar  nur  mit  jener  —^  ^  =  —,  liabeii  wir
ds  df
es  an  eil  dann  zn  tlinn,  wenn  der  l)etrelt‘ende  Artikel,
der  von  dein  Individnnin  aneli  selbst  ber^estellt  werden
kann,  beim  Gebranebe  keiner  Abniitznn^  unterließt,
lind  wenn  es  ansßeseblossen  ersebeint,  dass  von  demselben ­
  etwas  versebenkt  oder  zn  anderen  (Gegenständen
verarbeitet  werde.  Beide  BedinßniißSßleiebnnßen  5)
sind  nnerfidlbar,  wenn  es  bei  dem  ßeßebenen  x  des
betrettenden  Artikels  vortbeilbaft  ersebeint,  ßerade  nur
die  ß-anze,  verfiißbare,  jiositive  Meiiße  {x  -f  o)  ansseldiesslieb
  znm  Konsnme  oder  anssebliesslieb  mir  zur
Ansammbniß  eines  verkänflicben  Heblnssvorratbes  zn
verwmiden,  so  dass  /  =  .&amp;lt;?  =  0  und  (j  =  (a?  -j-  oder
/=//  =  0  lind  .s  =  (z  -}-  o)  ist.  Dasselbe  ßilt,  wenn
ß  era  de  mir  die  ertbrderliebe  Meiiße/=  (—  x  —a)  fertiß
ß-estellt  wird,  und  daher  //  =  ,ç  =  (j  ist,  ein  Fall,  der  nur
dann  mößiieli  ist,  wenn  x  iießativ  und  mimeriseb  ßrösser
als  a  ist.  Ebenso  entfallen  beide  HedinßiinßSßleicbnnßeii
  5),  wenn,  wie  bei  Terminartikeln  oder  Wertbpajn’eren,
  naeb  der  Natur  des  Artikels  stets  /=//  =  0
niid  daher  .&amp;lt;?  =  (,?’-|  o)  sein  muss.  Jedeställs  können
wir  also  immer  die  Meiißen  //,  f  und  s  aller  Artikel
als  Funktionen  der  An-  oder  Verkaiifsmeiißen  .r,  sowie
der  iibrißen,  in  der  Funktion  /(  )  vorkommeiiden  Variabein ­
  ermitteln  und  sohin
^0  Z  =■  tfJ  {x^,  1(fÇü\  Xf,,  ‘  fj)
setzen.  Aneb  die  Fniiktion  y){  )  ist  wieder  eine  ledißlieb
  individuelle,  die  aber  niebt  nur  auf  den  sebón  der
Auspitz  u.  Lieben.  Untersuch  hh  d.  Theorie  d.  Preises  30
        <pb n="496" />
        —  4()G  —
Kuiiktioii  /(  )  zu  Gniiidc  liej»-cii(lcii  Voraussctziiui»’cii,
soiiderii  aiudi  iiocli  auf  der  weiteren  Auualmie  beruht,
dass  das  ludividuuiu  die  Meui»’eu  /y,/und  .s  jedes  Artikels ­
  ill  der  bei  den  ^e^ebeiieii  Au-  oder  Verkaiitsiiieii^eii
  .r  und  den  erwarteten,  künftigen  Preisen  tfj'C
aller  Artikel  vortbeilbaftesteii  Weise  wähle.  Aueli  können ­
  wir  wieder  bemerken,  dass  vermöge  der  Hedino’u
  11  &amp;lt;»’S^’leiebungeii  5)
^  &amp;lt;h{  )  ^  )
(h¡  (h¡  di¡
ist.
Endlieb  nebinen  wir  nun  an,  dass  das  Individuuin
das  bei  den  ^e^ebenen,  ^e^enwärti&amp;lt;^en  und  künftigen
Preisen  aller  Artikel  überbauet  erreiebbare  Maxiiniini
der  P)efriedii&amp;gt;uno-  erzielen  wolle.  Es  wird  dann  alle
An-  oder  Verkaiifsnien^en  .r  so  zu  wäbleii  haben,  dass
binsiebtlieb  jedes  Artikels  die  P&amp;gt;edinoun»*soleiebiin&amp;lt;»-dz
  ^  )  dip{  )  dr¡  ^  II
dx  dx  di¡  dx
oder
7)  _  d,p{  )
dx  (hl
oder  au  eil
'/'K  )  ^  &amp;lt;!'/'(  )
d{x-t(f}))  (h¡
erfüllt  wird.  Diese  Gleiebun«;'  besagt  iii  der  ihr  zuletzt ­
  o-eo-cbeneii  Eoriii,  dass  bei  jedem  Artikel  die
Niitzlicbkeit  des  letzten,  auf  dessen  Ankauf
d  (x  ■  tfi  /&amp;gt;)
aiif«fewendeten  Geldtbeilebens  die  j»leiebe  und  a  lieb  der
        <pb n="497" />
        407

(hp(  )

(u*s  u“t/teii

Xiitzliclikoit  oder  Wcrtliseli;ltzim&amp;lt;»:
(h¡
Ikir^eldbesitztlieilelieiis  ^leieli  sein  müsse.  Dabei  ist
binsielitlieli  der  Artikel,  die  verkauft  werden,  zu  beaebten,
  dass  jeder  Verkauf  nur  ein  negativer  Ankauf,
jeder  Erlös  nur  ein  negativer  Aufwand  ist,  so  dass
aneb  die  Xiitzliebkeit  des  letzten,  ans  dein  \  erkaufe
irgend  eines  Artikels  erlösten  (íeldtbeilebens  die  ^leiebe
sein  muss;  eben  diese  Xiitzliebkeit,  negativ  genommen,
bildet  die  Selbstkosten  jenes  Men&amp;lt;¡;entbeilebens,  ans
dem  das  letzte  Geldtbeileben  für  den  betreffenden  Artikel ­
  erlöst  wird.
Der  Dmstand,  dass  we»en  der  endlieben  Grösse
der  Markteinbeiten  der  versebiedenen  Artikel  die  Différentiation ­
  naeb  den  Mengen  //,  /,  oder  .r  niebt  immer
mö^lieb  sein  wird,  ändert  niebts  an  dem  Wesen,  sondern
mir  an  der  Ansdrneksweise  des  gewonnenen  Wesnltates,
  indem  nur  statt  „die  Xiitzliebkeit  ist  ^leieb^
^esa^'t  werden  müsste:  „Die  Xiitzliebkeit  einer  weiter
anznkanfenden  Markteinbeit  irgend  eines  Artikels  wäre
kleiner,  als  die  Xiitzliebkeit  oder  Wertbsebätznn^  des
erforderlieben  Aufwandes,  die  Kosten  einer  weiter  zn
verkaufenden  Markteinbeit  wären  grösser  als  die  Xiitzliebkeit ­
  oder  Wertbsebätznng  des  erreiebbaren  Erlöses“
oder  binsielitlieli  der  Hedingnngsgleiebnngen  5)  „die
Xiitzliebkeit  einer  weiteren,  dem  Konsnme  znznwendeiiden
  Markteinbeit  wäre  kleiner,  als  jene  der  letzten,
dem  verkänflieben  Selilnssvorratbezngewieseneii  Markteinbeit ­
  oder  als  die  Kosten  der  Eertigstellnng  einer
weiteren  Einbeit“  n.  s.  w.
;jo*
        <pb n="498" />
        4G8

Auf  (lie  verseliiedeiieu  l)itfereutiîil(j[U()ticiiten  ^
werden  wir  iioeli  zurUekkoiuiueu  und  wollen  hier  mir
henierken,  dass  ^  (wenn  von  der  Unhe(|nmndt]

liehkeit,  die  ans  dein  Besitze  grosser  Geldsnnnnen
in  "-roher  Münze  erwaehsen  nia&amp;lt;&amp;gt;-,  ah^esehen  werden

di¡

=  0,

kann)  stets  &amp;gt;  0  ist.  Es  wird  jedoch
wenn  t¡  =  cc  ist,  weil  hei  nnendlieh  grossem  Harj&amp;gt;ehllx‘sitze
  die  Werthsehätznn^-  eines  weiteren  Zmvaehses
munidlieh  klein  werden  muss.  Anderseits  innss,  wenn
//  immer  kleiner  und  endlich  &amp;lt;  0  wird,  die  Werthsehätziin^-
  ^  raseh  znnehmeii  und  zuletzt  =  +  ^
di/
werden,  wenn  7¡  jenen  negativen  Werth  erreieht,  der
jenen  Betrag-  an&amp;lt;&amp;gt;iht,  den  das  Individnnm  änssersten
Falles  ohne  hesondere  Sieherstellnn^,  sei  es,  auch  nur
durch  sein  eigenes  Akze]it,  sehnhli&amp;lt;&amp;gt;-  hleihen  könnte.
Ans  dem  (fesa^ten  fol"t,  dass  der  zweite  Ditferential-(inoti(‘nt
  ^  im  all^enndmm  negativ  sein  wird;
(hf
dass  dies  dnrehwe^s  der  Fall  sein  müsse,  lässt  sieh
aber  darum  nicht  nnhedin^t  hehanjiten,  weil  ein  Znwaehs
  von  //  auch  eine  veränderte  \'erwendnn&amp;lt;*s-,
hzAV.  llerstellnn^sart  der  ^leiehhleihenden  An-  oder
Verkanfsmen^en  x  aller  Artikel  mit  sieh  hrin^en  kann,
wodurch  die  Abnahme  der  Werthsehätznn^'  eines  weiteren ­
  Bar^eldtheilehcns  ah^esehwäeht  wird  oder  ^ar
in  das  (je&amp;lt;»entheil  verkehrt  werden  könnte.  Ebenso
        <pb n="499" />
        460

werden  aiieli  die  I  )itteieiitialqii()tieiiten

&amp;lt;lU)t

,  welelie

die  Zunalime  der  Befriedigung  diireli  die  Erwarhin^
eines  ludieren  Preises  (¡jt  aiisdriieken,  positiv  sein,
soweit  es  sieh  inn  Artikel  handelt,  von  welchen  Vorrätlie
  gehalten  werden.  Handelt  es  sieh  da&amp;lt;»e^en  iiin
Artikel,  die  das  Individiinin  auf  sjiätere  Lieferant
verkauft,  oder  die  es  helinfs  Erfällnn^  iihernoniniener
Vei))tliehtun»en  wird  kaufen  iniissen,  so  nimmt  mit
steifendem  tgt,  die  Befried  if  niif  ah,  und  die  hetrefwerden
  nefativ

fenden  Ditferentialqnotienten
dUjl
sein.  Von  den  I  )itferentiah|iiotienten
heiden  Fällen  das  (dien  von  ^
(I  rf
ist  noch  zn  beachten,  dass,  wenn  ans  iifend  einem
(i  runde  //  zimimmt,  nieht  bloss  ,  sondern  aiudi

)
dUfl
(iesafte.

filt  in
Endlich

d

V

jeder  der  l)itt‘erentiah|notienten  ^  niimeriseh  kleidf(/Ç

ner  werden  wird,  da  die  verriiiferte  Werthschätziinf  des
letzten  Baifeldtheilehens  sich  auch  fcfcnnher  dem
Werthziiwaehse  jedes  \^irrathes  iifend  eines  Artikels
lind  auch  fefennher  dem  Werthziiwaehse  eines  erst  zu
heschatfenden  (¿iiantiinis  fei  tend  machen  muss.
        <pb n="500" />
        470

t.  Dio  Bofi'iedi^uii^’  boi  iinvoriiiulorliolioi*  Wortlisoliiitziuiji’
  (loH  Doidos.
Wir  wollen  nun  wieder  die  früher  stets  fest^ehaltene,
  vereintaeliende  Voranssetxnn«.»'  einführen,  dass
die  Wertlisehätziin^’  des  Geldes  seitens  des  hetraehteten
  Individuums  wenigstens  für  das  laufen  de  dahr
hei  jeder  wie  immer  gearteten  Kombination  und  somit ­
  au  eh  hei  jeder  Grösse  des  sehliessliehen  Har^eldhesitzes
  t\  immer  die  gleiehe  hleihe.
l)emj»‘emäss  setzen  wir

d\\){  )
(bj

=

wo  i¡  eine  Konstante  ist,  welehe  von  den  persönliehen
Ki^ensehaften  und  dem  anfän^liehen  Besitze  des  Individuums, ­
  sowie  von  dem  objektiven  Werthe  des  Geldes
abhän&amp;lt;»t,  und  die  sieh  daher  hei  Aendernn^en  der
Münzeinheit  in  g-enau  demselben  Verhältnisse,  wie
diese,  ändern  würde.  Wir  bemerken  hei  dieser  (Gelegenheit, ­
  dass  selhstverständlieh  jede  der  bisher  hesproehenen
  Funktionen  '/&amp;gt;(  ),  /(  )  und  y;(  )  eine
andere  Form  hätte,  wenn  die  Menge  x  irgend  eines
Artikels  naeh  einer  andern  Einheit,  z.  B.  naeh  Kilogrammen ­
  statt  naeh  Zentnern,  naeh  Eitern  statt  naeh
llekbditern  u.  s.  w  .  gemessen  w  ürde  oder,  wenn  die
Münzeinheit  eine  andere  wäre.  Würde  diese  kleiner,
z.  B.  Kreuzer  statt  (hdden,  so  würden  nebst  dem  Betrage ­
  //  aueh  alle  Preise  Ujt  in  hnndertmal  grösseren
        <pb n="501" />
        471

Ziffern  ersclieinen,  und  die  Funktion  \p[  )  müsste  sieli
derart  ändern,  dass  sie  trotzdem  den  ^leiclien  Wertli
l)eibeliielte;  dadureli  würden  zwar  ilire  I  )ifferential-(ly{
  )
dx
el)enso,  wie  \  hundertmal  kleiner  wer-(|Uotienten


dip{  )

dtul

unverändert  hleihen,  aber  Jene
dij

den.  Aueli  wenn  der  Wertli  des  Geldes  objektiv  ^ieieb
bleibt  und  nur  subjektiv  z.  B.  dadureb  kleiner  wird,
dass  das  Individuum  wolbabender  ¿geworden  ist,  müssen
nebst  ^  auch  die  Differentialquotienten  —  ^

d

dtfjt

wenn  aueb  niebt  alle  gerade  ganz  gleiebmässig,  numeriseb
  kleiner  werden;  das  reieber  gewordene  Individuum ­
  wird  nämlicb  niebt  nur  das  (ield,  sondern  aueb
den  Besitz  überbaujit  geringer  sebätzen;  doeb  wird
diese  Abnabme  der  Wertbsebätzung  versebiedenen  Arten
des  Besitzes  gegenüber  eine  versebiedene  sein.  Fm  dies
alles  analytiseb  zum  Ausdruek  zu  bringen,  setzen  wir

if)  {x„,  t(jC«;  tfiÇfc;...  f&amp;lt;jLj  v)  =  ^  K,  &amp;lt;J•  q  ■  ■  ■  æ.,  (J■  t&amp;lt;jQ  +  Y•
liier  ist  (p(  )  wieder  eine  lediglieb  individuelle  Funktion,
die  zwar  ganz  so,  wie  jene  ip{  ),  von  den  Mengeneinbeiten ­
  der  versebiedenen  Artikel,  niebt  mein  aber  von
der  (irösse  der  Münzeinheit  abbängt,  da,  wenn  letztere
z.  B.  hundertmal  kleiner  wird,  alle  Preise  Uj'C,  hundertmal ­
  höher,  q  aber  hundertmal  kleiner  und  daher  die
Produkte  q  fy'Q  unverändert  bleiben  würden.  Dagegen
werden  jene  Formänderungen,  welebe  die  Funktion
ip{  )  erleidet,  wenn  das  Individuum  wolbabender.
        <pb n="502" />
        also  sein  Anfan^shesitz  an  Vorrätlien  verseliiedener

Artikel  grösser,  geworden  ist,  aiieh  in  der  Funktion
(p{  )  wiederkeliren,  jedoeli  mir  insoweit,  als  denselben
Iliebt  sebón  dnreb  das  kleiner  werdende  7  Keebnnng
getragen  wird.  Die  Verkleinerung  der  Konstanten  7
ist  näinlieb  allerdings  sebón  der  Ausdriiek  dafür,
dass  in  Folge  der  grösseren  Wolbabenbeit  die  Wertbsebätziing
  des  Geldes  und  des  Besitzes  überliaujit
abninmit;  hingegen  muss  sieb  das  gegenüber  versebiedenen
  Arten  des  Besitzes  ungieiebe  ^lass  dieser  Abnabine,
  sowie  die  dureb  die  grösseren  Anfangsvorrätlie
bedingte,  veränderte  Abhängigkeit  der  Befriedigung
von  den  Mengen  :r  der  betretfenden  und  anderer,
kom))letirender  und  konkurrirender  Artikel  doeb  noeb
in  Formänderungen  der  Funktion  (p(  )  aus)irägen.
Die  Bedingungsgleiebiingen  7)  nelimen  nun  die  Form

d(p  {x„  7  /7L;  •  •  •  X,,  (i-tifQ  ^
d.i\,
an.  Wir  sehen  demnaeb,  dass  begreif  lieberweise  und
ents|)reebend  dem  früher  (Ib)  Gesagten  die  für  das
betraebtete  Individuum  vortbeilbafteste  Kombination
ganz  unverändert  bleibt,  wenn,  wie  bei  einer  nomid(p

  7

(Up  d  ‘  d  Cv
dx,,
        <pb n="503" />
        473

rillig  statt  Konvciitionsinüiizc,  die  Mimzeinlieit  kleiner
wird,  der  Werth  des  Geldes  also  objektiv  abniimnt,
weil  ja  dann  die  Zittern  aller  Preise  t&amp;lt;j  ih  und  1&amp;lt;jX&amp;gt;  in
^enan  reziprokem  Verhältnisse,  wie  7,  sieh  ändern.
Wir  sehen  ferner,  dass,  wenn  der  Werth  des  Geldes
sieh  mir  subjektiv  ändert,  wenn  also  q  in  Fol^e  veränderter, ­
  persönlieher  Ei^ensehaften  oder  veränderter
Wolhahenheit  des  Individuums  z.  1&amp;gt;.  um  10%  znoder
  ahnimmt,  dies  —  abgesehen  von  den  ¿»leiehzeiti^en
  Eormändernn^en  der  Funktion  )  —  auf  die
vortheilhafteste  Kombination  ^enau  so  einwirken  muss,
als  wenn  hei  ^leiehhleihender  Werthsehätznng-  des
Geldes  alle  Preise  t;)  ih  und  tgt  um  10%  «Testieren
oder  gefallen  wären.  Wir  haben  dasselbe  aueh  sehon
früher  (43)  hehan|)tet,  dort  aber  aneh  davon  ^esproehen,
dass  dem  W'olhahender  gewordenen  Individuum  nieht
nur  alle  Preise,  sondern  aueh  alle  seine  baren  Hezn&amp;lt;»e
und  Ver])tliehtun^en  im  Verhältnisse  seiner  verringerten
Werthsehätznn^  des  Geldes  reduzirt  erseheinen.  Wir
haben  eben  hier  so,  wie  früher  (Ih),  von  Zahlnn^sverspreehen
  abgesehen,  und  diese  bilden,  soweit  sie
auf  inländisehe  Währung  lauten,  ^e^enüher  allen
anderen  Artikeln  darin  eine  Ausnahme,  dass  ihr
Nominalbetrag  etwaigen  Aenderun^en  der  Münzeinheit ­
  &amp;lt;»’enaii  fol^mi  muss,  wobei  jedoeh  eben  darum
ihre  Preise  unberührt  bleiben.  Wir  hätten  daher,  wenn
z.  H.  A  ein  soleher,  und  zwar  der  Eintäehheit  we^en
der  einzige,  derartige  Artikel  wäre,
i¡)  {x„,  :  :  X„,  ,j)  ^(f)iq  x„,  UjL„\  X,,  7-0/Ç,,;...q-UjQ  -f  7  7
zu  setzen,  und  die  Pedin{j;un^s^leiehnn{:,en  7)  würden
        <pb n="504" />
        474

daim  (lie  Form
d  cp  {fj^'  Xg^,  fff  Cß,  Xf,j  (ff  •  tff'Çi^^  .  .  .  ,  fj  tff  Cn)
r/(Y  .T.)
(1(f)  (ff  ■  Xg,  tff'Cg^  X/^,  (f'fff'Çl,^  .  .  .  .T„,  (J  •  tff'Ç,^
(IXu

=  ^fh'K

dxp  {ff’Xg.  fff'Çg^  X/,,  (f  '  tff'C,i,’i  •  •  •  x^^,  (f  fff  Ç,^

dx.

=  d  ff!

iumclimeii.  Wir  selicii  wieder,  dass  eine  diireli  Aeiiderunj»’
  der  Miiiizeiidieit  lierbeig'efiihrte  Zu-  oder  Abuabiue
  von  (¡  ohne  jeden  Findiiss  auf  die  vortlieilliafteste
  Kombination  Ideiben  wurde,  wälirend,  wenn
(f  z.  ß.  um  1  (f/o  &amp;lt;bubircb  abinmmt,  dass  das  Individuum
wolbabender  geworden  ist,  dies  —  wieder  abgesehen
von  den  ^leielizeiti^en  Formändernn^^en  der  Funktion
(p(  )  —  die  vortlieilbafteste  Kombination  gerade  so
beeinflussen  wird,  als  wenn  ohne  Aendernn^'  von  7
die  Preise  tff  id  und  ffjiC,  der  Artikel  B...N  und
überdies  aiicb  der  Betrag'  Xg  des  fremden  oder  eigenen
Zablung’svers])reebens  .1  um  1  gesunken  wären.
Haben  wir  es  nun  mit  einem  in  jeder  11  insiebt,
aiicb  in  seinem  anfän^lieben  Besitz,  ^enan  bestimmten
Individuum  zu  tbiin,  und  sehen  wir  niieb  von  objektiven ­
  Aenderun^en  im  Wertbe  des  Geldes  ab,  so
können  wir  in  Frman^lun^'  eines  absoluten  Masses
die  Konstante  7  —  1  setzen,  so  dass  die  Befriedigung-Z
  =  (p  (Xg^  ^u'^hl  •  •  •  ^/yd“  d
wird  und  die  Bedin&amp;lt;;ung-sg-leiebun&amp;lt;j;-en  7)  nun
        <pb n="505" />
        475

lauten.
Greifen  wir  dann  irgend  einen  Artikel  A  heraus,
dessen  ^e^enwärti^  geltender  Preis  t¡!  í^a  ^dlein  unhekannt
  sei,  und  setzen  wir
n  +  =  Vo  —  +  .  .  .  +  X^  f!/iK)  =  fja,
SO  haben  wir

H)  Z  q)  (ar„,  ff/'Ça’l  fflXib'y  •  •  •  +  &amp;gt;la  ~

Wir  können  dann  aus  den  («  —  1)  Hedin^un^s^leieJiuiuien


=  fH'hy  ~  ji-1.  =
(Ix^  dx„

die  vortlieilliaftesten  Mengen  x  der  Artikel  Ji  .  .  .  .  N
als  von  den  Preisen  t///&amp;gt;  und///Ç  dieser  Artikel,  sowie
aueh  von  abhängige,  jedoeh  von  ganz  unabhängige ­
  Funktionen  der  Menge  x^  ermitteln.
Wir  sehen,  wie  die  Annahme  der  festen  Werthsehätzung ­
  des  Geldes,  die  in  den  früheren  Kapiteln
festgehalten  wurde,  in  der  That  dahin  führt,  dass,
wie  wir  dies  aueh  stets  behauptet  haben,  zu  jeder
Menge  eines  Artikels  .1  eine  ganz  bestimmte  Kombination ­
  aller  anderen  Artikel  gehört,  welebe  die  vortheilbafteste
  bleibt,  wie  immer  der  Markt})reis  t(f  sein
möge.  Wir  sind  uns  wol  bewusst,  dass  in  Wirkliehkeit
  sehon  die  Annahme  unveränderlieher  Preise  aller
anderen  Artikel  bei  erhebliehen  Preisseh  wank  ungen
eines  Artikels  A  keineswegs  zutretfen  wird,  und  ebenso,
dass  selbst,  wenn  dies  der  Fall  wäre,  die  bei  irgend
        <pb n="506" />
        einer  Meiij*c  vortlieilliafteste  Koinlnnation  der  anderen
Artikel  keineswegs  bei  allen  Preisen  von  .1  die  gleielie
bleiben  wird.  Sobald  näinlieli  der  grössere  oder  geringere ­
  Aufwand  oder  Erlös  für  dieselbe  Menge  .t„
und  die  dadureb  bedingte  Aenderung  des  seldiesslieben
  Hargeldbesitzes  einj)iindlieli  wird,  ändert  sieb
die  Wertbsebätzung  des  letzten  Ibxrgeldtbeilebens  und
somit  nach  den  Jîedingungsgleieliungen  7)  auch  die
Kombination.  Wir  haben  sebón  früher  (G4  und  70)
auf  diesen  Umstand  bingewiesen;  doeb  wird  sieb  derselbe ­
  aueb  in  zablreieben  anderen  Fällen  geltend
maeben,  da  namentlieb  l)ei  beschränkten  ^Mitteln  die
Vertbeuerung  eines  wesentlieben  Lebensbedürfnisses,
dessen  Konsum  nicht  eingeschränkt  wird,  zu  einer
Reduktion  des  sonstigen  Aufwandes  führen  muss.
l&amp;gt;agegen  ist  es  wol  zweifellos,  dass  die  Kombination
sieb  nicht  mit  jeder  kleinen  Aenderung  von  tffOa
ändern,  sondern  innerhalb  gewisser  Preisgrenzen  die
gleiche  bleiben  wird.
Führen  wir  die  obenerwähnten  Mengenverhältnissfunktionen
  in  (p[  )  und  in  den  Ausdruck  für
ein,  so  können  wir
K,  (vL;  x,„  int,:,...  tut,)  +  /;„  =  /(.r„)
setzen.  Dieser  Ausdruck  f{x^  ist  niel  its  anderes  als
der  mit  jeder  An-  oder  Verkaufsmenge  von  A  verbundene ­
  Lebensgenuss.  Aueb  ist  f{x^)  nicht  mehr
eine  bloss  individuelle  Funktion;  im  Gegensätze  zu
jener  cp(  )  wird  ihre  Form  aueb  dureli  &amp;lt;j  mitbestimmt
und  bängt  überdies  von  den  gegebenen  Preisen  /////
        <pb n="507" />
        477

und  t(f  Ç  der  Artikel  B  .  .  .  sowie  von  dein  erwarteten, ­
  künftigen  Preise  («yC»  des  Aitikels  A  selbst  ab;
sie  wird  daher,  wenn  die  individuelle  Wertbsebätznn^-des
  Geldes  sieb  ändert,  jene  Aendernn^en  eifabren,
die  wir  früher  (43  und  50)  an  der  Lebens^ennssknrve
besproelien  haben.
ICs  ist  mm
und  wir  werden  daher  der  einzigen  noeli  übrigen  He-&amp;lt;linj»nno-
  für  das  Maxiinnin  der  Befriedigung,  nänilieb
./  i^o)  —  ffi'K'i
i*ereebt,  wenn  wir  mit  als  Abszissen  und  mit  f{x„)
als  Ordinaten  die  Lebens^ennssknrve  anfstellen
und  deren  grössten  Veitikalabstand  von  der  jeweilig
«reitenden  Preislinie  tfj  i)'„  anfsneben.
Statt  in  der  eben  besproebenen  Weise  können
wir  die  Lebens^ennssknrve  aneb  dnreb  eine  Konstruktion ­
  erhalten.  Zn  dem  Knde  sehen  wir  von  den
Bedin^nn^s«rleiebnn^en  Í1)  ab  und  denken  uns  die
Mengen  x  der  Artikel  /&amp;gt;  .  .  .  N  und  daher  aneb  ry„  als
nnveränderlieb  ^e^eben,  während  .t„  variabel,  ////&amp;gt;„
aber  =  0  und  daher  r¡  —  %  wäre;  dann  tragen  wir
über  jeder  Abszisse  x„  die  entsjireebenden  Wertbe  von
V'  ("C,,  ///L;  37,„  ffl'Ç,,...X„,  7¡)  =  (f(x„,  f()t,...X„,  ff/Q  -f-  /y„
als  Ordinaten  auf  und  erhalten  so  eine  Kurve,  die
wir  eine  auf  x„  bezogene  Kl  einen  ta  rkn  rve  nennen.
Diese  Knr\^  wird,  wenn  die  Produktion  von  A,  sei
es,  dnreb  die  Natur  dieses  Artikels,  sei  es,  dnreb  die
        <pb n="508" />
        478

^(‘î&amp;gt;el)eneii  æ  (1er  aiulereii  Artikel  z.  H.
(lureh  (lus  Kehlen  eines  unenthehrliehen  llilfsstotfes
—  ausg-eschlossen  ist,  über  der  Abszisse  (—  a„)  beu-imien
  und  von  du,  wenn  A  nicht  etwa  ein  Wertbj)U))ier
  oder  ein  anf  ein  solches  lautender  Terininscbbiss
wäre,  nach  rechts  nur  eine  gewisse  Strecke  lan^  ansteigend, ­
  dann  aber  absteigend  oder  auch  durchaus  absteigend, ­
  schliesslich  aber  iininer  asyinjdotisch  zu  einer
abwärts  gehenden  Vertikalen  verlaufen.  Wäre  dagegen
durch  die  gegeben(ui  IVfengen  æ  der  anderen  Artikel
statt  der  Produktion  vielmehr  der  Konsum,  sowie
auch  die  Ansammlung  eines  verkäuflichen  Schlussvorrathes
  von  A  ausgeschlossen,  so  würde  die  Kurve
vou  demselheu  Anfangs]mnkte  statt  nach  rechts,  nach
links,  schliesslich  aber  auch  wieder  asyin])totisch  zu
einer  abwärts  gebenden  Wrtikalen  verlaufen.  Im  allgemeinen ­
  hat  jedo(b  die  Elementarkurve  keinen  Anfangs])unkt
  und  wird  vielmehr  beiderseits  durch  abwärts ­
  gehende  Vertikalasymptoten  begrenzt.  Diese
Asymptoten  werden  beide  links  von  dem  Endpunkte
der  Abszisse  (—  a„)  stehen,  wenn  durch  die  gegelumen
  Mengen  Xf,...x^  eine  so  grosse  Produktion
von  A  bedingt  wird,  dass  auch  heim  grösstmöglichen
Konsum  und  der  grösstmöglicbcn  Vorrathshaltung
doch  immer  noch  mehr  als  die  Äienge  verkauft
werden  muss.  Peide  Asymptobm  rücken  nach  rechts,
und  zwar  sogar  noch  über  den  Nulljmnkt  hinaus,
wenn  die  gegebenen  Mengen  der  anderen  Artikel
selbst  hei  äusserstcr  Ans])annung  der  Produktion  noch
einen  Zukauf  von  A  nothwendig  machen.  Die  Eie-
        <pb n="509" />
        Irír  ■:&amp;gt;

—  479  —

inentarkiirve  liât  also  jcdesfalls  einen  iin  allgemeinen
konkaven  Verlauf,  und  dies  &amp;lt;*ilt  aneli,  wenn  sie  sieh
auf  ein  Werthjiajiier  oder  auf  einen  auf  ein  solches
lautenden  Terniinsehluss  bezieht.  Ist  nämlich  A  ein
solcher  Terminartikel,  so  verläuft  die  Kurve  durchaus ­
  ansteigend  und  wird  nach  oben  durch  eine  hoiizontale,
  nach  links  aber  durch  eine  vertikale,  abwärts
gehende  Asymjitote  begrenzt,  während  die  Kurve,
wenn  A  ein  fremdes  Werthjiajiier  ist,  von  einem  über
der  Abszisse  (—  a„)  liegenden  Anfan^sjiunkte  na  eh
rechts  durchaus  ansteigend  und  schliesslich  asymjitotisch
  zu  einer  Horizontalen  oder,  wenn  A  das  Zahlunosversjirechen
  des  betrachteten  Individuums  seihst  ist,
von  dem  ebenso  bestimmten  Anfan^sjmnkte  nach  links
durchaus  absteigend  und  schliesslich  asymjitotisch  zu
einer  Vertikalen  verlaufen  wird.  Trotzdem  können
wir  nicht  hehaujiten,  dass  die  Elementarkurve  auch
durchaus  konkav,  d.  h.  dass  der  zweite  Ditferentialf/.r!



did

stets  negativ  sein  müsse.  Wol  ist  es  ein  allgemein
^ültij^es,  jihysiolojz,isches  Gesetz,  dass  jeder  weitere,
kleine  Heiz  den  Genuss  um  so  weniger  steigert  oder,
wenn  die  Grenze  voller  Sätti^un^'  schon  überschritten
ist,  um  so  mehr  schmälert,  je  mehr  gleichartige  Reize
schon  voran^e^an^en  sind;  und  ebenso,  dass  jede
weitere,  kleine  Leistung»'  um  so  weniger  angenehm
und  nach  Ueherschreitun^'  jener  Grenze,  bis  zu  welcher
die  Leistung  üherhaujit  angenehm  ist,  um  so  unan-
        <pb n="510" />
        ^cncliincr  ciii])fuii(len  wird,  je  iiielir  &amp;lt;»leie]iartij»e*  Leistungen ­
  selion  vorangegangen  sind.  Nun  wissen  wir
al)er,  dass  die  Funktion  ?/;(  )  und  somit  aueli  jene
(p{  )  auf  selir  koinjdizirten  Voraussetzungen  l)erulit,
weleke  alle  nur  der  Ausdruek  dafür  sind,  dass  jede
mein'  anzukaufende  oder  weniger  zu  verkaufende  Markteinlieit
  irgend  eines  Artikels  A  sehr  mannigfaltige  Verwendungsarten ­
  linden  kann,  und  dass  sie  überdies
aueli  auf  die  vortlieilliaftesten  Verwendungs-,  bzw.  Herstellungsarten ­
  der  gegelienen  An-  oder  \  erkaufsmengen
X  aller  anderen  Artikel  sehr  versebiedenartig  zurüekwirken
  kann.  Unter  sol  eben  Umständen  kann  das  erwäbnte,
  einfaebe,  pbysiologisebe  Gesetz,  so  sehr  es
aueb  in  letzter  Auflösung  für  den  Formebarakter  aller
unserer  Kurven  massgebend  ist,  doeb  selbst  in  der
Flementarkurve  niebt  rein  und  ungetrübt  zum  Ausdruek ­
  e  kommen.
Denken  wir  uns  nun  für  jede,  irgend  mögliebe
Kombination  der  IVIengen  x,,.  .  .  x„  die  betretfende,
auf  bezogene  Flementarkurve  gezeielmet,  so  wird
über  jeder  Abszisse  ,t„  irgend  eine  dieser  Kurven  zu
böebst  liegen  —  diejenige  nämlieb,  welebe  auf  der
bei  der  betreitenden  ^lenge  .r„  vortbeilbaftesten  und
daher  durch  die  Hedingungsgleiebungen  9)  angegebenen ­
  Kombination  der  Mengen  .r,,...  beruht.  Die
Umbülleude  dieses  ganzen  Systèmes  vou  Flementarkurven
  ist  nichts  anderes  als  die  oben  aufgestellte
Lebensgenusskurve.  Dieselbe  bat  in  jedem  Funkte
die  gleiche  Tangentialriebtung,  wie  die  daselbst  bervortretende
  Flementarkurve.  Fs  ist  nämlieb
        <pb n="511" />
        481

)
dxj,

dX:

dx

+...  4-da\


oder
mul  (lalier  verinüf.e  der  BeilinsHiigssleicliunj.eii  9)
/'W  =
dx^
\\  as  die  KrUiinmiiio-  der  Lebeiisf»emisskurve  aiibelaiio-t,
  «0  ist  deren  zweiter  Ditfereiitialqiiotient
^  fp{  )  dx^  d  ^(f(  )  dx„
dx„

djc„
dx„

/"W  =  +
dxl

Das  erste  Glied

dx„  •  da

rZ&amp;gt;(  )

d^'a  dx„  •  dx„

dieses  Aiisdruekes  ist  iiiebts

anderes  als  der  zweite  Ditterentialquotient  der  an  der  betiettenden
  Stelle  der  Lebens^eniisskurve  bervortretenden
  Eleinentaikiirve,  welcher  nach  dem  Obigen  in  der
Hegel  negativ  ist.  Sein  nunieriseber  Wertb  beniisst  dann

jene  Abnahme  der  Nützlichkeit

dx.

der  letzten,

V(m  dem  Aitikel  A  angekauften  oder  nicht  verkauften
Markteiidieit,  welche  durch  eine  algebraische  Vermehrung ­
  von  —dureh  den  Mehrankauf  oder  Minderverkauf ­
  einer  weiteren  Einheit  von  A  —  dann  herheigetühit
  werden  würde,  wenn  das  Individuum  gezwungen
wäre,  trotz  dieser  \  ermehrung  an  den  vordem  vortheilhaftesten
  Mengen  x^.  .  .  x„  unveränderlich  festzulialten.
  Die  Abnahme  der  Nützlichkeit  einer  mehr  an-Auipitz

  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  &amp;lt;1.  Tbeurie  d.  Preises.

31
        <pb n="512" />
        482

ziikiiiifciideii  oder  weniger  zu  verkaiifciuleu  Eiidieit  von
A  muss  al)cr  uatürlicli  ^eriu^er  werden,  weuu  au  die
Stelle  des  ^edaeliteu  Zwaug-es  vielmehr  die  völlige  Freiheit ­
  zweekmässi^'ster  Aupassuii^  der  ]\leu^eu  ...  .t„  au
die  weehselude  j\Ieuo-e  æ,,  tritt.  Auf  dieser  letzteren  Voraussetzung- ­
  heruht  aber  die  umhülleude  Leheus^euusskurve
  und  daher  muss  deren  zweiter  Ditfereutiah|Uotieut
d~Cf(  )
dxl
und  somit  der  Ausdruek
[  ]  &amp;gt;  0
sein.  In  der  That  werden  aueh  die  meisten  der  in  [  ]
stehenden  (Glieder  positiv  sein.  Hetraehteu  wir  näudieh
z.  Ik  das  erste  derselben,  so  j&amp;gt;iht  der  o-emisehte  Differentiahinotient
  darüber  Anfsehlnss,  oh  und
(lx„:dx,,
welehen  Findnss  eine  alo-ehraisehe  Vermehrung-  von
—  ein  Mehrankanf  oder  ein  Minderverkanf  des  Artikels ­
  B  —  auf  die  Nützlichkeit  der  letzten,  von  A
an^-ekanften  oder  nicht  verkauften  Einheit  ansnht.  Es
wird  also,  wenn  wir  nun  den  einfachsten  Fall  hetraehteu,
dass  beide  Artikel  A  und  /Í  nur  konsnmirt  werden,
!/yn  =  0
dx\  ■  dx,,  &amp;lt;
sein,  je  naehdem  der  Artikel  B  den  dnreh  .1  oehoteiien
(lennss  komidetirt,  für  denselben  i&amp;gt;anz  inditferent  ist
oder  mit  demselben  konknrrirt.  Dann  wird  aber  —
von  früher  (3Cj  erwähnten  Ansnahmsfällen  abgesehen
mit  waehsendem  .r„  auch  die  Men^e  x¡,  des  kom-
        <pb n="513" />
        4S3

l)letireii(l(Mi  Artikels  B  zuiielmieii,  hzw.  jene  des  konkiimi-ciKleii
  Artikels  U  alijielmien,  so  dass  ,,.,s
dx„
eineimil  jiositiv,  (Ins  andereinnl  negativ,  beideinale  also
dx^  •  dxj,  dxa
sein  wird.  Aelmlielie  Hetraelituno-en  Hessen  sieli  aneli
liinsielitlieli  der  UHrio-en,  i„  [  J  entlialtenen  (Nieder  und
nneli,  wenn  der  Artikel  A  und  der  jeweilio-  andere
Aitikel  mir  ¡nodiizirt  oder,  wenn  Heide  ^leielizeitiokonsnniirt
  und  jirodiizirt  werden,  anstellen;  viele  dieser
(Jlieder  werden  =  0,  von  den  üHri^en  aller  die  meisten
&amp;gt;  0  sein,  so  dass  ilire  Snniine  immer  ]iositiv  sein  wird.
\\  enn  ir  nun  selioii  Hei  den  Klementarknrven  die
Möo-HeHkeit  von  Ce^enkriimmnn^en  nielit  niiHedinot
misseliliessen  konnten,  so  niö^en  solelie  konvexe
Streeken  in  der,  wie  wir  selien,  jedestalls  weniger
konkaven,  iiinliiillenden  LeHens^eniisskiirve  um  so  elier
Vorkommen.  Doeli  kann  das  Maximmn  des  VertikalnlistaIldes
  dieser  Kurve  von  der  Kreislinie  nie  in  eine
konvexe,  sondern  immer  nur  in  eine  konkave  Strecke
tallen.'  Da  sonaeli  «1er  Ankauf  oder  Verkauf  solelierMen-^■en
  ,r„,  welelie  diireli  die  AHszissen  konvexer  Streeken
an^eoelien  werden.  Hei  keinem  ^e^elienen  Kreise
von  A  vortlieilliaft  sein  kann,  Hallen  wir  die  etwaigen,
konvexen  Streeken  der  Leliens^enusskurve  und  mit
dense!Heil  die  Hetretfenden,  iinzweekmässi^en  Alenden
aiiszuselieiden,  wie  wir  dies  in  den  frülieren  Kajiitelii
dureli  geradlinige  l’elierHrüekungen  dureligefiilirt  Hallen.
31»
        <pb n="514" />
        484

Die  Befnediííuniísíliiclíe.
Wir  kehren  nun  wieder  %n  dein  allgemeineren
Fall  variabler  Werthöchätzunj»-  des  Geldes,  also  zur
Gleiehnn^-  G)
Z  =  y&amp;gt;
znriiek  und  »reifen  wieder  irgend  einen  Artikel  A  heraus, ­
  dessen  Preis  Ufth,,  allein  nnhekannt  sei.  Wir
haben  dann  die  Bedinj&amp;gt;unj»s{»leiehunj&amp;gt;en  7)  nur  hinsichtlich ­
  der  Artikel  B  ...  N  aiifznstellen  ;  sie  hinten
10)  ,/^(  )  _  &amp;lt;M  )  =  '4'(  ).
dxf,  (B¡
Ans  diesen  Gleiehnn^en  lassen  sieh  die  Mengen  x,,...x„
lind  daher  aneh  //  (//„  —  ^  ieisen
fgS-  lind  U/t  der  Artikel  Ji.  .  .  iV,  sowie  von  ^dihänj»ij&amp;gt;e
  Funktionen  der  Men»e  a:-„  und  nun  auch  des
Preises  tgí^a  ermitteln  und  sohin
2  =  y){  )  =  F{x^,  tyda)
setzen.  Die  Funktion  F{  )  ist  sonach  keine  ledi»lieh
individuelle  und  im  Gegensätze  zu  jener  yj{  )  aneh  von
//„  ahhän^i^'.  Für  das  Maximum  der  Hefriedii»nni&amp;gt;-haben
  wir  dann  nur  noch  die  Pedin^nn»

H)

(lF{x^,  tyd'a)  _

dx.

0.

\'on  der  Anfstellnn^-  einer  Lehens^ennssknrve
kitmi  iimi,  &amp;lt;la  der  l’reis  ty»,  mit  in  der  Funktion
/■’(  )  ersolioint,  niclit  die  liede  »ein,  und  müssen  wir
        <pb n="515" />
        —  4SÕ  —
vithnelii  zu  ciucr  Kou8triiktioii  iiu  Hhuiuc  ^rcitVii.
Zu  (lein  Ende  trugen  wir  in  eimun  drciacliW^eu  KoonlinatiuiKysteine
  auf  der  O.V-Aclise  redits  und  links
vom  Nullpunkte  die  positiven,  lizw.  negativen  Mengen
i»leiehzeitii&amp;gt;-  als  der  Oi-Aelise  parallele  llorizontulordinaten
  die  ])ositiven  Beträte  die
KonsuinaufwUnde  oder  Broduktfortseliatfun^skosten,
nach  vorn,  die  negativen  Beträte  also  die
Brodukterlöse  oder  Konsumautzalilnn^en,  aber  naeli
lullten  auf.  Jeder  horizontale  Radiusvektor  bezeichnet
also  durch  die  trigonometrische  láncente  des  Winkels,
den  er  mit  der  OX-Aclise  einscliliesst,  einen  jiositiven’
oder  negativen  Breis  tg  und  stellt  daher  eine  Breislinie ­
  dar.  Ferner  errichten  wir  in  jedem  Bnnkte  des
Horizontes  eine  Vertikalordinate  in  der  Eän^e  des
hetreffenden  Wertlies  von  2=  /////,).  Wir  erhalten ­
  so  eine  Fläche,  die  wir  die  Befricdi^un^sfläclie
nennen.  Es  ist  dies  nämlich  eine  Darstellung  der  Befriedigung- ­
  in  ihrer  Ahliän^i^keit  von  der  beliebig
variirenden  An-  oder  Verkaufsmcn^c  .r„  von  A  und
von  allen  erdenklichen  Breisen  /////„  des  Artikels  A,
und  zwar  mit  Berücksichtigung  der  variablen  Wertliscliätzun^-
  des  Geldes  ;  dabei  sind  aber  die  Breise
fg')-  und  fgi;  aller  Artikel  /y.  .  .  A",  sowie  (f/C.  als
unveränderlich  ^c^ehen  anzusclicn  und  wird  überdies
voraus^esidzt,  dass  die  Mengen  x,,.  .  .  x„  in  jeweilig*
vortlieilliaftester  Weise  gewählt  werden.
Ehe  wir  daran  gehen,  zu  zeigen,  wie  sich  mit
Ililte  der  eben  aufgestellten  Fläche  die  hei  variabler
orthscliätzung  des  (Feldes  geltende  Angebots-  und
        <pb n="516" />
        XachtVa^ckiirvo  ermitteln  lässt,  müssen  wir  vorerst
diese  Fläehe  selbst  näher  kennen  lernen  und  zu  diesem
Beliufe  deren  Sehnitte  mit  versehiedenen  Ebenen  betraebten.
  Wir  le^en  zunäebst  dureb  die  Befriedi^un^sdäebe
  ein  System  von  der  0)-Aebse  parallelen  Veitikalebenen,
  die  wir,  weil  sie  je  einer  bestimmten
Au-  oder  Verkaufsinenge  entspreelieii,  Quautitätsebenen
  nennen,  und  deren  Sebnittkurven  wir  als
Quantitätskurveii  bezeiebnen;  wir  bringen  in  bi^.  78
einige  solebe  Kurven  sebwarz  gezeielmet  zur  Anschauung, ­
  wie  sie  sieb  auf  die  1%-K1)cne  projiziren,
wenn  der  Besebauer  auf  der  Seite  der  jiositiveii  Abszissen ­
  stünde;  die  links  vom  Nullpunkte  liegenden
Sebnitte,  die  dann  hinter  die  Y%-Ebene  tallen,  sind
gestriebelt  gezeiebnet.  Die  Bedeutung  dieser  Kurven
wird  noeb  verständlieber,  wenn  wir  uns  deren  Zusammenbang ­
  mit  noeb  einfaeberen  Kurven  klar  maeben.
Sehen  wir  nämlieli,  indem  wir  irgend  eine  bestimmte
(¿uantitätsebene  betraebteii,  von  den  Bedingungsgb  iebungen
  10)  ab,  und  denken  wir  uns  nebst  der  betretfeiiden
  Menge  .r„  aueli  die  Mengen  x,,.  .  .  und
somit  aueb  den  Betrag  als  unveränderlieb  gegeben,
so  bleibt  in  der  Funktion
1^^,  fjl'Çal  A,  •  •  •  •  ^'"1  (^la  —  ^a'  ^!hL)\
mir  der  Freis  t(jvariabel.  Trugen  wir  dann  in
der  betraebteten  Quantitätsebene  die  positiven  Beträge
iiaeb  vorn  und  die  negativen  naeli  hinten  als
horizontale  und  die  entspreebenden  Wertbe  von  i/;(  )
als  vertikale  Ordinaten  auf,  so  erhalten  wir  eine  Kurve,
        <pb n="517" />
        487

welche  wir  als  eine  aut  =  (/y^  —  /y)  hezo^ene
hleinentarkurve  hezeiehnen.  Diese  Kurve  verläuft
Fiff.  78.

/

naeh  vorn  dnreliaus  ahtälleinl,  da  ihr  erster  Ditferentiahjuotient

'f'K  )  ,  ^  _  &amp;lt;/*//(  )
&amp;lt;l{x,-t¡i}h,)  (l,¡
«têts  ne^^ativ  ist.  Ferner  wissen  wir,  dass,  wenn
f¡  =  fja  —  ^'a-ffh‘K  =
wenn  also  hei  x^  Z&amp;gt;  0,  =  —  oo  oder  hei  ^  0,
^'a  =  +  ist.
        <pb n="518" />
        488

wird;  ferner  wird

M)  =  0
dr¡

oo.

dip(_)  ^
dr¡
wenn  r¡  einen  gewissen,  negativen  Wertli  annimmt,
wenn  also  der  Preis  tg.%  die  entspreeliende  Hrdie
erreicht.  Daraus  folgt,  dass  die  in  Hede  stehende
Elementarknrve  nach  oben  durch  eine  nach  rückwärts ­
  laufende  Horizontale,  nach  vorn  aber  durch  eine
nach  unten  gehende,  vertikale  Asymptote  hegienzt
wird  und  daher  im  ganzen  konkav  verlaufen  muss.  Denken ­
  wir  uns  dann  unter  Festlialtung  der  stets  gleichen
Menge  eine  solche  Kurve  für  jede  denkbare  Kombination ­
  der  Mengen  .r,.  .  .  .r„  gezeiclinet,  so  ist  die  Tmliüllende
  dieses  ganzen  Systèmes  nichts  anderes  als  die
Quantitätskurve,  von  der  wir  ausgegangen  sind.  Diese
Kurve  beruht  also  keineswegs  auf  einer  bestimmten
Kombination  der  Mengen  x,,...  .r„,  sondern  sie  trägt  vielmehr ­
  dem  I  instande  Hechnung,  dass  die  Kombination
dem  wechselnden  1  ’reise  tguud  der  entsprechend  variirenden
  Werthschätzung  des  (leides  in  zweckmässigster
Weise  ange])asst  wird.  Die  Darstellung  im  Hauine
gestattet  uns  also,  der  Wirklichkeit  näher  zu  kommen,
hidem  zugleich  mit  der  für  die  Darstellung  in  der
Ebene  unerlässlichen  Annahme  tester  W  ci  thschätzung
des  Geldes  auch  deren  wiederholt  erwähnte  Folge,
dass  für  je  eine  Menge  .r„  hei  allen  Preisen  ////&amp;gt;„  ein
und  dieselbe  Kombination  aller  anderen  Artikel  die
vortheilhafteste  bleibe,  beseitigt  ersebeint.  Selbstver-
        <pb n="519" />
        489

stäiiillieli  muss  auch  die  umliiilhMide  QuaiititätKkurve,
wenn  sie  aiieli  weniger  konkav  verläuft,  als  Jede  einzelne ­
  der  von  ihr  umhüllten  Elenientarkurven,  doeh
den  gleichen  Formeharakter,  wie  diese,  besitzen.  Ihr
erster  I  )itferentialquotient  ist
dh\x^,
oder,  da  konstant  ist.

dF(3C^,tgi^^  ^  J_
x^dtgd^^  x„
1
+  —
oder  vermöge

J.  +
dx^  dr¡  '  ]  dtgd^^
dx^  dij  '  I  dfgi^^  x„
der  Hedin^nn^s^leiehnn^en

dip()
di¡
10)

+

dr¡
dtg&amp;amp;a

12)  =  __
derselbe  ist  sonaeh  in  jedem  Punkte  dem  Differentialquotienten ­
  der  daselbst  hervortretenden  Klementarkurve
  gerade  ^leieh  und  ^ibt  die  Niitzliehkeit  eines
Minderaufwandes  oder  Mehrerlöses  an.
Hetraehten  wir  nun  noch  die  )  %-Ebene,  also
die  Quantitätsebene  =  0,  so  bemerken  wir  zunäehst,
  dass  dann  die  Pefriedii»iinii  von  dem  Preise
tfj  unabhän^iif  wird  und  daher  die  Funktion  /"  (  )
einen  konstanten  Werth  F(0,  annimmt,
welcher  die  ohne  Kauf  und  Verkant  von  A  erreichbare ­
  Anfaii^sbefricdi^un^  bezeichnet.  1  rotzdem  können
wir  auch  in  dieser  Ebene  eine  (^uantitätskurve  konstruiren,
  wenn  wir  uns  vorstellen,  dass  der  antäni^-
        <pb n="520" />
        400

lidie  lîargcldbesitz  des  Individuums  statt  //„  nun
(//„  —  ¿)  sei,  das  Individuum  also  an  Har¿»eld  ärmer
oder  reielier  werde,  ohne  sieh  sonst  in  irgend  welelier
llinsieht  zu  ändern.  In  dem  Ausdrucke  für  die  Befriedigung ­

^  [o,  CvL;  tu'Qi.  •..  totñ  n]
ist  dann
V  =  Vo  —  +  •  •  •  +  =  //„  —  t
und,  wenn  wir  wieder  irgend  eine  hestimmte  Komhination
  der  Artikel  B  .  .  .  N  annehmen,  so  hieiht  in
*/;(  )  nur  der  Betrag  t  variahel.  Tragen  wir  dann
auf  der  OT-Aehse  die  positiven  Beträge  t  nach  vorn,
die  negativen  aber  nach  rückwärts  und  zugleich  die
entsiireehenden  Werthe  von  &amp;lt;/;(  )  als  Ordinaten  auf,
so  erhalten  wir  eine  auf  t  =  (/;„  —  //)  bezogene  Klementarkurve.
  Eine  ähnliche  Kurve  ergibt  sich  auch
für  jede  andere  Kombination  der  Artikel  B  .  .  .  N  und
die  Umhüllende  dieses  ganzen  Systèmes  hat  ehenso,  wie
jede  der  umhüllten  Kurven,  denselben  Formcharakter,
wie  alle  anderen  Quantitätskurven.
Jede  (»)uantltätskurve  zeigt  die  Abhängigkeit  der
Befriedigung  von  Aenderungen  des  Barvermögens  und
entspricht  in  ihrem  Formcharakter  der  logarithmischen
Funktion,  welche  schon  von  Bernoulli  und  Uuphice
für  die  Abhängigkeit  der  „fortune  morale“  von  der
„fortune  jihysique“  aufgestellt  worden  ist.
Fussen  wir  nun  alle  Quantitätskurven,  von  welchen
jede  nur  für  je  eine  hestimmte  Menge  gilt,  und  die
daher  in  ihrem  Verlaufe  keineswegs  identisch  sind,
zusammen,  so  werden  die  Vertikalasymptoten  dieser
        <pb n="521" />
        401

vcrscliiedeiieii  Kurven  einen  Mantel  bilden,  der  die
Hefriedi¿^nn^‘sflüelie  iiaeh  vorn  nndiiillt.  Von  den  horizontalen ­
  Asymptoten  da^e^en  dürfen  wir  annehmen,
dass  sie  alle  in  der  ^leiehen  Höhe  liefen.  Das  Individnnin
  wird  näinlieh,  wenn  =  —  oo  ist,  dnreh
die  Unhesehränktheit  der  verführbaren  Geldmittel  in
die  Tjah»e  versetzt,  die  Kombination  der  anderen  Artikel ­
  ohne  Ivüeksielit  auf  deren  sonst  vielleieht  zn
hohe  Kosten  wählen  zn  können;  es  stehen  ihm  nieht
mir  alle  kompletirenden  und  konknrrirendeii  Artikel,
sow  ie  anderseits  aiieh  alle  Hrodnktionserfordernisse  in
l)eliehi»rer  ]\len«^e  zur  Verfüh»nn&amp;lt;r,  sondern  es  hat  aneh
die  Möo-liehkeit,  zn  kleine  Ankanfsmeiioen  von  A
dnreh  eih&amp;gt;eiie  Trodiiktion  zn  erh*änzen  oder  zn  h»rosse
Mengen  zn  verarbeiten  oder  zn  Gesehenken  oder
zur  Vorrathshildniih»-  zn  verwenden.  Dadnreh  w  ird  die
hei  —oo  erreiehhare  Befriedij*nn«r  von  der
An-  oder  Verkanfsmen&amp;lt;&amp;gt;e  des  einen  Artikels  .1  j;anz
niiahhän»&amp;gt;i&amp;lt;r,  so  dass  wir  uns  vorstellen  können,  dass
die  Hefriedih^nnhisdäelie  nach  oben  dnreh  eine  Horizontal ­
  ehe  ne  he*»Tenzt  wird.  Diese  Khene  |np)izirt  sieh
(  henso,  w  ie  die  vorderste  Kante  des  oben  erw  ähnten
Asymptotenmantels,  in  den  roth  hinstriehelten  Linien
(Fij&amp;gt;‘.  78)  auf  die  )  %-Khene.
Uetraehten  wir  mm  die  Sehnitte  der  Betriedih^nn^sdaehe
  mit  den  der  GA-Aehse  jiarallelen  \eitikalehenen,
  die  wir  Anfwandseheiien  nennen.  Jede
Seliidttknrve  einer  Anfw  andsehene  oder  jede  Antwandsknrve
  stellt  die  Ahliän&amp;lt;;i^keit  der  Befriedi&amp;lt;;nnovon
  der  Alen^^e  x,^  hei  je  einem  bestimmten,  h*’leieh-
        <pb n="522" />
        492

l)l(*il)eii(len  ßetrag-e  dar,  wobei  sidi  also  der
Preis  tgiJ'a  zu^-leieli  mit  in  reziprokem  Verbältniss
ändert.  Eini&amp;lt;&amp;gt;-e  dieser  Kurven  haben  wir  (Fi^\  79)  in
direr  Projektion  auf  die  .Y%-Ebene  sebwarz  ^ezeielmet

Fiff.  79

II  n

\  w

\  11

da  r^  estel  It,  und  zwar  die  hinter  diese  Ebene  fallenden
Kurven  ])iinktirt.  Jede  Anfwandsknrve  ist  auch  wieder
die  Umbiillende  eines  ganzen  Systèmes  von  auf  x^
bezogenen  Elementarkurven,  wie  wir  solche  unter  der
        <pb n="523" />
        493

S])ezielleii  A  orniiSHetzim^'  fester  Wertliseliätziin«:  des
Geldes  und  für  x^-U/0'^  =  0  schon  früher  (Anhang-  II,  2)
kennen  «»’eiernt  haben.  Da  in
I  ,  t(j  Cg  I  Xj,,  t(j  L,!,  .  .  ,  ,  t(f  Ç„  ^  {l]a  X^  fff  ff'a)  I
der  Betrag  x^  ffff^-a  nun  konstant  ist,  haben  wir  tür
den  Ditferential(|Uotienten  der  umhüllenden  Autwandskurve

dx„  dr¡  dx„
oder  vermöge  der  Hedin«^ungs«»leichung’en  lOj
dXa  ’
dies  ist  aber  zugleich  der  Ditferentialquotient  der  an
der  betrettenden  Stelle  der  Umhüllenden  hervortretenden ­
  Klementarkurve.  Nun  wissen  wir,  dass  die
Umhüllende  derartig»er  Elementarkiirven  den  Formcharakter ­
  der  Dehens^enusskurve  besitzt.  Jede  Aufwandskurve ­
  wird  also,  wenn  wir  davon  ahsehen,  dass
Á  ein  Werth])a])ier  oder  ein  auf  ein  solches  lautender ­
  l  erminschluss  wäre,  rechts  und  links  durch
vertikale  Asymptoten  begrenzt;  sie  wird  also  einen
Scheitel  haben  nnd  im  allgemeinen  konkav  verlauten.
1  )a  ferner  jede  Aufwandsebene  zugleich  der  geometrische ­
  Ort  der  Schnitt]mnkte  der  hetretfenden  Aufwandsehene
  mit  allen  Quantitatskurven  ist,  so  muss,
da  die  letzteren  nach  rückwärts  an  steigen,  jede  eitel
rückwärts  stehende  Aufwandskurve  über  gleichen  Abszissen ­
  höhere  Ordinaten  haben.  Daraus  tolgt,  dass,

dy&amp;gt;{)_dyj{)
dx,  dr¡  '  J  dx^
        <pb n="524" />
        494

je  weiter  liiiiteii  eine  Aiitwandskurve  stellt,  desto  höher
ihr  Seheitel  ist,  und  dass  ferner  ihre  Sehnitt|)unkte
mit  jeder  llorizontalehene,  sowie  ihre  A  sy  in  ¡doten  um
so  weiter  auseinanderriieken.  Gleichzeitig-  wird  die
Seheitelstreeke  seihst  immer  flacher  und  ausgedehnter;
das  Individuum  wird  nämlich  mit  wachsendem,  numerischen ­
  Werthe  des  negativen  Betrages  in
der  Wahl  der  Komhination  der  anderen  Artikel  immer
freier  und  dadurch  «re^en  Ahweichun^en  von  der
durch  die  Scheiteljuinktsahszisse  hezeichneten,  angenehmsten ­
  IVIen^e  x„  immer  weniger  emjifindlich.  Endlich ­
  können  wir,  wie  schon  erwähnt,  aimehmen,  dass
hei  =  —  oo  die  Befriedigung'  von  x„  ^anz
unahhän&amp;lt;»i&amp;lt;»‘  wird,  so  dass  die  Aufwandskurve  (—  oo)
oder,  was  dasselbe  ist,  die  Brojektion  der  horizontalen
Asym])toten  aller  Guantitätskurven  auf  die  A  %-Ehene
eine  llorizontallinie  bildet,  die  beiderseits  durch  abwärts ­
  gehende  Vertikallinien  begrenzt  wird,  wie  dies
wieder  die  roth  gestrichelten  Linien  in  Fij»-.  79  andeuten. ­
  Die  Distanz  dieser  letzteren  bildet  zugleich
das  Maximum  (fer  nach  rückwärts  immer  zunehmenden
Asynijitotensjiannun^-  der  aufeinamhutöl^enden  Aufwandskurven. ­
  Dao-eo-en  werden  wir  nach  vorn  endlich
eine  Aufwandsehene  Anden  müssen,  welche  die  Befriedi&amp;lt;»un^‘sfläche
  nicht  mehr  schneidet  und  nur  die  \  ertikalasym])tote
  der  am  weitesten  nach  vorn  reichenden
(jluantitätskurve  in  sich  schliesst.  Die  letztere  Asymjdote
  bildet  zugleich  die  vorderste  Kante  des  bereits
erwähnten  Asym])totenmantels,  in  welchen  selbstverständlich ­
  {inch  die  Asym¡itoten  sämmtlicher  Aufwands-
        <pb n="525" />
        405

kurven  fallen.  Hiese  ]\lantelf1äelie  selbst  nähert  sieh
naeh  rüekwärts  iinnier  mehr  jenen  beiden  der  01-Aelise
  ])arallelen,  vertikalen  Asyni])totenehenen,  welehe
dureh  die  Be^renzun^slinien  der  Aufwandskurve  (—  co)
^elej*"t  werden  können.
Wenden  wir  uns  nun  zu  den  llorizontalsehnitten,
so  ergehen  diese  Sehnitte  der  Befriedi^un^stläehe
Kurven  konstanter  Befriedigung-,  wie  wir  einige
in  ihrer  Projektion  auf  die  A  I-Ebene  (Fio  .  80)  «ehwarz
fiezeielmet  zur  Ansehaiiuno-  bringen,  und  zwar  die
unter  den  Horizont  fallenden  ¡mnktirt.  Jede  solche
Kurve  lässt  uns  dureh  ihre  Ordinateu  erkennen,  wie
der  Betrag  hzw.  der  Preis  tfffK-t  ändern
muss,  wenn  hei  weehselnder  Meiio-e  die  Betriedin
  11])^  z  die  ^'1  ei  ehe  bleiben  soll.  So  bliebe  z.  B.  in
der  Sehnittkurve,  welehe  in  der  Höhe  05  (Fi»-.  78
und  70)  ^ele^-t  würde,  die  Befriedio-uno-  hei  jeder
An-  oder  Verkaufsmen»e  .r„  der  Anfanoshefriedio-un^
o-erade  o-leieh.  Auch  jede  dieser  Kurven  ist  wil  der
die  Umhüllende  eines  oanzen  Systèmes  von  Elementarkurven,
  welehe  diese  Beziehuno  zwischen  x„  Uf  //„
und  x„  h(!Í  je  einer  }»'l  eich  bleiben  den  Kombination  der
Meno-en  x,..  .  .  x„  zur  Ausehauuuo-  bringen.  Jede  Horizontalkurve ­
  ist  der  j*eometi  isehe  (  h  t  der  Sehnitt))unkte
aller  Aufwandskurven  mit  der  hetrettenden  Horizontalebene,
  und  daraus  folo-t,  dass  sie  naeh  vorn  einen
Scheitel  haben  wird  und  naeh  rüekwärts  sieh  zwid
der  Ol-Achse  ]&amp;gt;arallelen  Asym]»toten  nähern  muss,
die  in  den  oben  erwähnten,  vertikalen  Asym],toteneheneu ­
  liefen.  Die  Sehnitte  dieser  beiden  Asym]üoten-
        <pb n="526" />
        49G

ebenen  mit  dem  Horizont  sind  in  Fig-,  80  dnreli  rotli
gestrielielte  Linien  er«ielitlieli  ^emaeiit.  Ferner  tbl^t
daraus,  dass  die  Ilorizontalknrve  mit  ilirem  Seheitel
um  so  weiter  naeli  vorn  reicht,  je  tiefer  sie  lie^t  ;
Fig.  80.

i

\  \i

i  %

'S

/  .

Y\

den  am  weitesten  naeli  vorn  liegenden  Seheitel  hat
also  die  Ilorizontalknrve  (—  oo)  oder,  was  dasselbe
ist,  die  Projektion  des  Asym])totenmantels  auf  den
Horizont,  wie  dies  die  roth  gestrichelte  Kurve  (Fig.  80)
andeutet.
        <pb n="527" />
        4Í&amp;gt;7

Eiidlicli  lialæn  wir  noHi  die  dureli  die  0%-Aehse
ill  der  KMelitiiiio-  aller  Kreislinien  zu  lebenden  Ebenen
—  die  Kreisebenen  —  und  deren  Sebnittkurven  —
die  Kreiskurven  —  zu  betraebten;  wir  bringen  einige
derselben  (Fi&amp;lt;&amp;gt;’.  81)  in  ihrer  Krojektion  auf  die  XZ-Ebene
  in  sebwarzer  Xeiebniin^  zur  Ansebaiiiin^,  und
zwar  die  hinter  diese  Ebene  fallenden  Streeken  ¡uinktirt;
sie  sebneiden  sieb  säinintlieb  iin  Klinkte  Diese  Kurven ­
  stellen  die  Abhängigkeit  der  Kefriedi^uu^-  von  der
Mellte  x„  bei  eiiiein  jeweilig  konstanten  Kreise  t(j
dar,  und  jede  ist  wieder  die  Uinbüllende  eines  «ganzen
Systèmes  von  Elenientarkurven,  welelie  dieselbe  Ik*-ziebun»-
  bei  je  einer  bestiniinten  Kombination  der  Mengen ­
  Xf,.  .  .  x„  vera  nsebau  lieb  eil.  Naeb  dem  Gesagten
muss  aueb  jede  Kreiskurve  dureb  zwei  vertikale  Asymptoten ­
  begrenzt  werden,  welebe  dureb  den  Sebnitt  der
betretfenden  Kreisebene  mit  dem  vertikalen  Asymptotenmantel ­
  bezeiebnet  werden.  Es  muss  also  aueb  jede
Kreiskurve  einen  Sebeitel  haben  und  im  allgemeinen
konkav  verlaufen.  Ihr  erster  Ditferentialquotient  ist

dxf&amp;gt;{)
(h^

^7

dipi  )

4-  .  .  .  +

)
dx.

dxf&amp;gt;()
4
dtp{)
dx^

dx^
dx„

oder  mit  Kiieksielit  auf  die  Kediii^un¿(s^leiebun{^eii  10)
ff/ÍK)  _  )  _  ^V’i  )  .  .„n
jlx„  dx^  dl]
Daraus  und  aus  dem  konkaven  Verlauf  jeder  Kreiskurve ­
  foli*t,  dass  die  Klinkte  ^leieber  Tangential-Auspitz
  u.  Lieben.  Untersuch,  üb.  d.  Theorie  d  Preises.  32
        <pb n="528" />
        408

riclitiiiifi,-  ill  den  vcrsehiedciieii,  auf  eiiiaiider  ful^eiideu
Prciskurveii  uud  somit  aiieli  deren  Soli  eitel  inn  so
weiter  naeli  reel  its  liefen,  je  niedrioio-  der  hetrotfende.
Fig.  81.
1

/  /

X

])ositive  oder  je  holier  der  hetrettende,  nej&amp;gt;Mtive  I  reis
ist.  Xn^leieli  riiekt  mit  al^ehraiseli  sinkendeni
Preise  vermöge  des  hes])roelienen  \  erlaiites  der  (^iiantitätsknrven
  der  Scheitel  der  Preiskurve  mich  ohcn,
        <pb n="529" />
        —  4ÍH»  —
wenn  cr  redits,  oder  naeli  unten,  wenn  er  links  vom
Nulljinnkte  lie^t.  Die  mit  sinkendem  Preise  fortschreitende ­
  Verseliielmnj»-  des  Scheitels  der  Preiskurve
wird  besonders  stark  hervortreten,  wenn  hei  einem
Verhrauehsartikel  oder  einem  Gehrauehsaitikel,  der
einer  Abnützung  unterließt,  der  Preis  so  weit
unter  den  künftiß  erwarteten  Preis  ffjta  sinkt,  dass
zu  allen  ührißcn  Verwenduiißsarten  des  Artikels  A
noch  diejeniße  (HO)  zur  Pilduiiß  eines  verkäuflichen
Sehlussvorrathes  hinzutritt.
Die  Abszisse  des  höchsten  Punktes  einer  Preiskurve ­
  hemisst  die  der  HedinßunßSßleiehunß  11)  entsjuechende
  Meiiße  x„  von  A,  deren  Ankauf  oder  Verkauf ­
  die  höchste,  hei  dem  hetretfenden  Preise
erreiehhare  Befriedißuiiß  hervorruft,  während  die  llorizontalordinate
  den  entfallenden  Hetraß  hezeiehnet.
  Fassen  wir  nun  die  höchsten  Punkte  aller
Preiskurven  zusammen,  so  erhalten  wir  eine  Kurve
im  Paume,  die  Kurve  der  ßrössten  l^efriedißunß,
welche  nach  dem  eben  Gesaßten,  von  der  Achse
in  der  Höhe  also  vom  Punkte  A,  ausßchend,  nach
rechts  und  links,  und  zwar  beiderseits  durchaus  aaste ­
  ißcnd,  verläuft.  In  Fiß.  82  haben  wir  versucht,  ein
perspektivisehes  Bild  der  Befriedißunßsfläehe  zu  ßchen  ;
die  Kurve  im  Paume  ist  roth  ßczeiehnet,  der  Asymptotenmantel ­
  roth  ßcstriehelt,  während  die  schwarzen
Kurven  die  verschiedenen  Schnitte  andeuten.
Die  Projektion  der  Kurve  der  ßrössten  Befriedißuiiß
  auf  den  Horizont,  in  Fiß.  80  roth  ßczeiehnet,
hemisst  durch  jede  ihrer  Abszissen  jene  Meiiße  rr„,
32*
        <pb n="530" />
        —  ôüO  —
deren  Aiiknuf  oder  Verkniif  bei  dem  dureli  den  betreffenden ­
  Kndinsvektor  der  Kurve  nn^e^ebenen  Preise
die  oriKste  lîefriedionuo-  bervorinin^t;  jede  Ordinate ­
  dieser  Kurve  bezeielinet  somit  den  entspreeiienr

  lg.  82.

den  Anfwand  oder  Erlös.  Die  projizirte  Kurve  ist  also
die  Angebots-  und  Naebfra&amp;lt;&amp;gt;-ekiirve,  wie  sie  sieb  bei
Merneksiebti^nn"'  des  Umstandes  ergibt,  dass  bei  weebselndem
  Preise  von  Á  die  Wertliseliätznno-  des  Oeldes
variiren  kann;  sie  würde  in  der  friiber  gewohnten
        <pb n="531" />
        ÕOI

Stelluii”'  er«dieineii,  weim  wir  die  podtiveii  Autwaiid«-heträ^e
  .statt  iiaeli  vorn,  nach  rückwärts  an%ctra^cn
hätten.  Diese  Kurve  besitzt  aueli  die  eharakteristiselie
Ki^enseiiat't  jeder  Anj^ehots-  und  Xaelifra^ekiirve,  dass
sie  von  keinem  Kadiiisvektor  mein*  als  einmal  geschnitten ­
  wird,  da,  wie  wir  wissen,  der  Scheitel  jeder
Preiskurve  und  somit  auch  jeder  Punkt  der  Kurve  der
grössten  Befriedigung'  um  so  weiter  nach  rechts  lie^t,
je  niederer  der  hetretfende  Preis  t¡j  f)'a  ist.  Ferner
verläuft  die  Angebots-  und  Naehfragekurve  nach  rückwärts ­
  und  sowol  rechts,  wie  links  asym})totiseh  zu  den
in  der  Fi^rnr  SO  roth  gestrichelten  Schnitten  der  beiden
vertikalen  Asymjdotenehenen  mit  dem  Horizont;  dazwischen ­
  hat  die  Kurve  einen  Scheitel,  der,  wie  frühei'
(52)  erwähnt,  rechts  oder  links  vom  Nullj)unkte  liefen
kann.  Fndlieh  können  wir  noch  bemerken,  dass,  wenn
das  Mass  für  die  Befriedigung  sich  ändert  und  daher
alle  vertikalen  Ordinaten  ^leichmässi^  ]U'o|)ortional
länger  oder  kürzer  werden,  diese  Fläche  und  daher
auch  die  Kurve  im  Baume  eine  andere  werden  wird;
die  Angebots-  und  Naehfra^ekurve  hleiht  aber  trotzdem ­
  unverändert.  Dadurch  sind  wir  jeder  Mö^^lichkeit
  beraubt,  der  Erfahrung'  irgend  einen  Aufschluss
über  das  i'ichti^e  Mass  der  Vertikahu’dinaten  der  Befriedij;’un”'stläche
  zu  entnehmen.
Die  Pr(Rektion  der  Kurve  der  ^frössten  Befriedio'uuii
  auf  die  A%-l:hene,  in  Fi^.  711  roth  gezeichnet,
hat  über  dem  Nulljmnkte  die  Ordinate  und  verläuft
also  vom  Punkte  b  beiderseits  ansteigend.  Endlich
bricht  dieselbe  rechts  und  links  in  den  Endpunkten
        <pb n="532" />
        002

(1er  Projektion  der  liorizoiitalen  A  sy  in  ¡doten  aller  (¿iiantitätskiirven
  auf  die  A/^-Ebene  ab.  Aueb  die  Projektion ­
  (lersell)en  Kurve  auf  die  }  %-Ebene,  in  Fi»-.  78
rotb  »ezeicbnet,  liât  ihr  ^lininiiini  in  der  Höbe  2„  iilier
dein  Nnll])iinkte  und  besteht  aus  zwei  dureliaiis  ansteigenden ­
  Aesten.  Der  eine  Ast  gebt  zuerst  luuîb  vorn
bis  zu  einem  Punkte,  dessen  llorizontalordinate  der
8ebeitel])unktsordinate  der  Angebots-  und  Naelifragekurve
  gleich  ist,  und  krümmt  sieb  dann  nach  rückwärts ­
  ;  der  andere  Ast  liegt  durebaus  hinter  der  ()Z-Aebse,
  und  beide  A  este,  die  sieb  unter  Umständen
aueb  sebneiden  können,  verlaufen  sebliesslieb  asymjitotiseb
  zu  einer  Horizontallinie,  welche  in  der  die  Pefriedigungsbäebe
  nach  oben  begrenzenden  Horizontalebene
  liegt.
Legen  wir  min  noeb  dureb  jeden  Punkt  der
Kurve  der  grössten  Hefriedigung  eine  der  ]  %-Ebene
parallele  und  gegen  den  Horizont  mit  45“  geneigte
Gerade,  so  geben  uns  die  Sebnitt¡mnkte  aller  dieser
Geraden  mit  dem  Horizonte  eine  Kurve,  welebe  einer
Lebensgenusskurve  insofern  gleiebt,  als  sie  dureb
ihren  in  der  Piebtung  der  GF-Aebse  gemessenen  Abstand ­
  von  der  Angebots-  und  Naebfragekurve  die
Hefriedigung  angibt.  Jedoeb  steht  die  Angebots-  und
Xaebfragekurve  niebt  im  Ableitungsverbältnisse  zn
dieser  Kurve;  die  Ordinaten  der  letzteren  sind
und  ihr  Ditferential(|Uotient  ist  mit  Ivüeksiebt  darauf,
dass  nun  der  Preis  t(f  t)\,  niebt  eine  Konstante,  sondern
        <pb n="533" />
        503

eine  (lurch  die  Form  der  An»»el)ot8-  und  Niielitragekurve
  ¿gekennzeichnete  Funktion  von  z,  ist,

dx„

+

(lF{x^,  ////&amp;gt;„)

dt(fíK
dx„

Dieser  Ausdruck  verwandelt  sicli  vermô&amp;lt;çe  der  (Jleiehunj*en
  11)  und  12)  in
dfi  1  dx^  '

+  Xa  •

1  —

während,  wenn  die  Angebots-  und  Naehfragekurve  zu
der  in  Rede  stellenden  Kurve  iin  Ahleitungsverhältnisse
  stünde,  der  Ditt'erentiah|Uotient  der  letzteren
gleich  t;id^  sein  müsste.  Wir  sehen,  dass  dies  nur
dann  der  Fall  sein  würde,  wenn  ^  =  1,  also
dl]
die  Werthsehätzung  des  Geldes  konstant  wäre.  Hätten
wir  dies  angenommen,  so  würde  die  Hefriedigungs-Üäehe
  eine  ganz  andere  sein,  jede  (^uantitätskurve
würde  durchaus  geradlinig  mit  der  Neigung  4h"  gegen
den  Horizont  verlauten.  Wir  hätten  dann  eine  unter
derselben  Neigung  verlautende  CylinderÜäehe  vor  uns,
welche  rechts  und  links  durch  die  früher  hesjiroehenen,
vertikalen  Asym]itotenehenen  begrenzt  hliehe,  während
die  Begrenzungen  der  Hefriedigungstläehe  nach  oben
und  vorne  Wegfällen;  die  Schnitte  aller  Aufwandsehenen
  und  aller  llorizontalehenen  würden  nun  immer
identisch  die  gleiche  Sehnittkurve  ergehen.  Dieselbe ­
  Kurve  würden  wir  auch  erhalten,  wenn  wir
die  Kurve  der  grössten  Befriedigung  in  der  neuen
Fläche  aiifsuehen  und  sie  unter  45"  auf  den  Horizont
        <pb n="534" />
        Õ04

Oiler  aueli  auf  die  .YZ-Eheiie  ])rojizireu  würden.  Diese
Kurve,  zu  welelier  iiaeli  Olü^eui  die  Aii¿í,el)oís-  und
Xaelifra&amp;lt;&amp;gt;-ekurve  iiu  Aldeituu^sverliältiiisse  stunde,  ist
iiielits  anderes  als  die  tViilier  (Anliaii^-  II,  2)  üesjiroelieue
  Lei)ens«»-emisslvurve.  Wir  sehen  also,  dass  zur
Aufstelluu^»-  dieser  Kurve,  welehe  es  uns  eriuö^lieht,
die  Ahliäiig-io-keit  der  Befriedigung"  von  der  Aleude
in  der  Ebene  darzustellen,  die  Annahme  der  festen
Werthsehätzun«»-  des  Geldes  unerlässlieh,  aber  aueh
ausreieheiid  ist.
Wollen  wir  nun  darauf  Küeksieht  iiehiueu,  dass
die  j\larkteinheit  des  Artikels  .1  uieht  als  uueiidlieh
klein  angesehen  werden  könnte,  so  zerfällt  die  Hefriedi^'un^stläehe
  in  eine  Reihe  von  je  um  eine  Markteinheit ­
  aiiseiuaudersteheudeu  (^uautitätskurveu;  dadureh
verwandelt  sieh  jede  der  anderen  Selmittkurveii  in
eine  Reihe  von  Ruukteu,  die,  in  der  Riehtun«»"  der
tbV-Aehse  gemessen,  in  derselben  Entfernung-  aufeinander ­
  folgen.  Unter  den  in  den  Rreisehenen
lie&amp;lt;»eudeii  Ruuktreiheu  werden  wir  sehr  viele  tiiideu,
die  iiaeh  wie  vt)r  Einen  höehsteu  Ruukt  aufweiseu,
daneben  aber  aueh  solehe,  in  welehen  zwei  Runkte
^leieh  hoeh  und  höher  als  alle  anderen  liefen;  so  oft
der  letztere  Fall  eiutritt,  ^iht  es  zwei  versehiedene
Au-  oder  Verkaufsmeu^eu,  die  bei  dem  hetreffendeu
  Preise  /////„  die  »leiehe,  und  zwar  eine  höhere  Refriedigun«;"
  als  alle  anderen  Mengen  gewähren.  Jeder
solehe  Preis  bildet  also  einen  Uehergangs])reis  von
einer  Menge  zu  einer  anderen,  die  sieh  um  eine
oder  mehrere  Markteinheiten  von  der  erste  reu  unter-
        <pb n="535" />
        —  r)05  —
sclieidet.  Die  Kurve  der  ^rüssteii  Hefriedi^uii^  zerfällt ­
  mm  in  eine  Reihe  von  je  in  einer  (¿nantität.sknrve
  liegenden  und  daher  naeh  hinten  ansteigenden
Knrvenstneken,  welehe  dnreh  zwisehenlie&amp;lt;»ende,  horizontale, ­
  gerade  Streeken  auseinander  gehalten  und
mit  einander  verhnnden  werden;  die  Riehtnn^  jeder
sol  eh  en  geraden  Strecke  hezeiehnet  je  einen  Deher-&amp;lt;»an;;s])reis.
  Nur  in  der  O/^-Aehse,  und  zwar  in  der
1  lohe  2„  über  dein  Horizont,  stossen  zwei  gerade
Streeken  nnniittelhar  an  einander,  von  welchen  die
nach  rechts  gehende  den  Maxiinalankaiifsjireis,  die
nach  links  gehende  aber  den  Miniinalverkanfspreis
an«*iht.  Die  Projektion  der  Kurve  der  grössten  l^efriedi^nn^-
  auf  den  Horizont  —  die  Angebots-  und
Nachfraj;eknrve  —  besteht  demnach  nun  bloss  ans
Radinsvektorstreckcn  und  zwischenlie^enden,  der  D)"-Aclise
  ]iarallelen  (Geraden.  Khenso  setzt  sich  auch  die
oben  hes]nochene,  einer  Lehens^ennssknrve  ähnliche
45"  Projektion  der  Kurve  der  «grössten  Refriedip,nn^
mm  ans  lauter  geraden  Strecken  znsanmien,  und  zwar
ans  solchen,  die  den  Radinsvektorstreckcn  der  Anj^ehots-
  lind  Naclifra^eknrve  jiarallel  sind  und  auch
die  j»leiche  Län^e  haben,  und  auch  wieder  ans  solchen,
die  der  DP-Achse  parallel  laufen;  die  letzteren  verbinden ­
  die  ini  allgemeinen  nicht  nnmittelhar  aneinander
stossenden,  schiefen  Strecken  und  können  dieselben
auch  noch  nach  hinten  oder  nach  vorn  oder  auch  nach
beiden  Seiten  zugleich  überragen.
Wäre  J  ein  in  imhe^renzter  Alende  he^-ehrter
Artikel,  also  z.  R.  ein  auf  ein  Werthpajiier  lautender
        <pb n="536" />
        —  500  —

'renuiuschliiss,  so  werden  die  Aufwandskiirveii  mitiirlieli
  keinen  Seheitel  haben,  sondern  naeh  reehts  immer
ansteigend  und  seldiesslieh  asymptotiseli  zu,  der  OX-Aelise
  parallelen,  horizontalen  Linien  verlaufen.  Diese
Horizontalen  bilden  einen  Asymptotenmantel,  der  naeh
hinten  anstei^t  und  selbst  wieder  asymptotiseh  zu  derselben ­
  Ebene  verläuft,  in  weleher  die  llorizontalasymptoten
  aller  Quantitätskurven  liefen;  naeh  vorn
fällt  der  Asymptotenmantel  ab  und  verläuft  sehliesslieh
  wieder  asym¡)totiseh  ^ej»en  eine  der  DA-Aehse
jaira  11  eie  Vertikalebene.  Diese  Vertikal  ebene  bildet
zuj»leieh  die  asymptotisehe  Hei^renzun»-  des  dureh  die
vertikalen  Asymjitoten  aller  Quantitätskurven  ^-ebildeten
  Plantéis;  dieser  letztere  Mantel  wird  nämlieh
jetzt  nur  mehr  links  eine  der  DV-Aehse  parallele
Asyinjitotenehene  aufweisen.  1  lem^emäss  nähert  sieh
aueh  jede  Horizontalkurve  naeh  reehts  asynijitotiseh
je  einer  Geraden,  welehe  nieht  der  GV-Aehse  parallel
ist,  sondern  in  dem  erwähnten,  horizontalen  Asymptotenmantel ­
  liej^t.  Ferner  werden  die  1’reiskurven  nur
insolaiif^e  zwisehen  zwei  vertikalen  Asymptoten  verlaufen, ­
  als  die  betretfende  1’reisebene  den  vertikalen
Asymptotenmantel  nieht  nur  links,  sondern  aueh  reehts
sehneidet,  so  lan^e  also  t&amp;lt;j  })\,  &amp;gt;  0  ist;  sobald  da;^e^en
ist,  verläuft  die  Preiskurve  naeh  reehts
durehaiis  ansteigend.  Sehon  die  Preiskurve  Null,  die
zui»leieh  eine  Aufwandskurve  ist,  verläuft  naeh  reehts
durehaus  ansteigend  und  seldiesslieh  asymptotiseh  zu
einer  Horizontalen.  Daraus  tol^t,  dass  die  Kurve  im
llaiime  einen  sidehen  Verlauf  hat,  dass  die  Aii^ehots-
        <pb n="537" />
        507

c/&amp;gt;

und  Xaclifraj^ekiirve  nur  links  dnicli  eine  der  0}&amp;gt;
Achse  ])arallele  Asymptote  begrenzt  wird,  und  dass
sie  rechts  —:  nach  Krreiehnn^r  ihres  vordersten  Punktes
—  asymptotiscli  zur  tAY-Achse  seihst  verläuft.  Dies
alles  ^ilt  auch,  wenn  .1  ein  fremdes  Zahlnn^sversjneehen,
  also  irgend  ein  Werthpa¡)ier  ist;  nur  bricht
dann  die  Befriedi^nngstläche  zur  Linken  mit  einer
Qnantitätsehene  ah,  deren  Entfernung  vom  Nullpunkte
den  Anfan^svorrath  hemisst.  Ebenso  bricht  die
Befriedi«j&amp;gt;nn^siläehe,  wenn  A  das  eigene  Zahlnn^sverspreeheii
  des  hetrachteten  Individuums  wäre,  zur
Keehten  mit  einer  (¿nantitätseheiie  ah,  welche  den
Betrag-  (—  aj  der  etwa  schon  anfänglich  in  Zirkulation ­
  hefindlieheii,  gleichartigen  Zahlnngsverspreehen
hezeiehnet.  Wäre  A  endlich  ein  Einzelohjekt,  so
weist  die  Befriedignngsdäehe  nebst  der  Anfangsordinate ­
  z„  nur  eine  einzige  Qnantitätsknrve  auf;  diese
steht  in  der  Entfernung  1  rechts  vom  Nullpunkte,
wenn  das  schon  hestehende  oder  auch  von  einem
anderen  erst  herznstellende  Objekt  A  erst  zu  erwerben
wäre,  oder  sie  steht  in  derselben  Entfernung  links
vom  Nullpunkte,  wenn  das  Objekt  A  schon  znm  anfänglichen ­
  Besitze  des  Individuums  gehört  oder  von
demselben  für  fremde  Bechnnng  herznstellen  wäre.
Wir  wollen  nun  noch  den  Fall  behandeln,  dass
das  Individuum  über  den  künftigen  Breis  fg'Ç^  des  Einen
Artikels  A  keine  bestimmte  Meinung  hätte,  so  dass,
wenn  vl  ein  Verhranchsartikel  oder  ein  (Gebrauchsartikel ­
  ist,  der  einer  Abnützung  unterliegt,  die  Haltung
eines  verkäuflichen  Schlnssvorrathes  ,v„  ausgeschlossen
        <pb n="538" />
        Õ08

ersclicint.  Wir  haben  dann  ini  allgemeinen
f¡)'Qa  —  ^
7Äi  wetzen,  wo  c,  wenn  .1  ein  zinstraf^endes  Wertlipapier
  iwt,  dewwen  diesjährigen  Ertrag-  hezeiehnet,  sonst
aber  =  0  ist.  Wir  können  aiieh  jetzt  wieder  aus
mittelst  der  Bedin^^ungs^leiehun^en  10)  die  Mengen
X,,.  .  .  eliminiren  und  scdiin
^  n  (^'a  ?  ^//
setzen,  so  dass  die  Hedin^un^-  für  das  Maximum  der
llefriedi^'uu^'  nun  lautet
(V'%)  ^
Hier  ist  I\{  )  eine  Funktion,  die  im  Gegensätze  zu
jener  F{  )  von  ff/'Ç,,  unabhän^i»-,  da^e^en  von  c  abbün¿*ij*‘
  ist,  sofern  nicht  c  =  0  wäre.  Auch  ist,  äbniieb
wie  bei  der  Funktion  F{  ),  der  Ditferentiabpiotient
dip{)  (lip{)  ,
-,  =  -  ,  —  ,  ■  v/'A.,
dXa  ^  dXa  d  t]
während  da^e^en
dF^d\,  f!f,%)  ^  di/){  )  _  ^  )
dd/iPa  “  &amp;lt;ff]
ist.  Ferner  ist  nun  die  Anfan^sbefriedi^u1F„(0,///,V„)
nur  dann  so,  wie  früher  F(0,///.'/„),  von  fp  unabbän^i^',
  wenn  das  Individuum  keinerlei  Anfanj»svorratb
  von  A  besitzt;  andernfalls  würde  sie  mit  ///.'/„
steifen  und  fallen.  Um  nun  ^anz  allgemein,  also  aueb
in  dem  zuletzt  ^edaebten  Falle,  eine  Darstellung*  der
        <pb n="539" />
        509

Funktion  zn  erlialten,  neliinen  wir  tnr
tfl'Ca  sukzessive  jeden  Wertli  zwiselien  (—  oo)  und
(4-  00)  an  lind  stellen  immer  die  betreffende  Befriedi^nno-sffäelie
  F{x^^  ^K)i  die  jedesmal  eine  andere
sein  wird,  a  nt".  Dann  snelien  wir  in  jeder  dieser  Fläelien
jene  Freisknrve  auf,  in  welelier

ist,  lind  fassen  alle  diese  Preiskurven  zusammen;  die
liöelisten  Punkte  dieser  Kurven  ^eben  wieder  die
Kurve  der  grössten  Befriedigung,  und  deren  Projektion ­
  auf  den  Horizont  stellt  die  nun  «reitende  An^ebotsund
  Xaebfra«»eknrve  dar.

(ianz  dieselbe  Betraebtun^sweise  ist  aiieb  dann
anwendbar,  wenn  das  Individuum  zwar  über  deu  künftigen ­
  Preis  ffit„  selbst  keine  bestimmte  Meinun«»-  bat,
aber  doeb  erwartet,  dass  nm  einen  bestimmten
Betrag  böber  oder  niederer  sein  werde,  als  jener
Marktpreis  tfi  dem  seine  Angebots-  und  Nacbfra&amp;lt;rekurve
  erst  ^e^enüberzustellen  ist.  Dies  kann  Vorkommen, ­
  wenn  eine  bevorstehende  Xollerböbun^  oder
-Frinassij»!!!!«»'  oder  ein  sonstiges,  älmlieb  wirkendes
Frei^niss  bekannt  wird.  Wenn  wir  den  Betra«*-  der
erwarteten  Preisänderun^  wieder  mit  c  bezeiebnen,  so
ist  nun  zu  beaeliten,  dass  in  den  vorber«febenden  Ansdrüeken
  c  nunmebr  aueb  negativ  sein  kann.
Stünde  das  Individuum  niebt  einem  festen,  von
seiner  eigenen  Finffussnabme  unabbän^i^en  Marktpreise,
  sondern  dem  freien  Angebote  und  der  freien
Naebfraü-e  aller  anderen  \'erkäufer  und  Käufer  des
        <pb n="540" />
        510

Artikels  A  ^’e^-eiiüber,  so  wird  das  Individuum  die
{^rösstmöo-liclic  lîcfriedionn»-  erreiclien,  indem  es  monopolistiseli
  vorteilt.  Ks  muss  uns  dann  das  freite  Auo^ebot
  und  die  freie  Naelifra&amp;lt;»e  ^e^eben  sein,  also  der
den  das  Individuum  für  jede  An-  oder  Verkaufsmen«^e
.r„  von  A  mindestens  aufwenden  muss  oder  böebsteus
erlösen  kann.  Es  ist  dann,  wenn  das  Individuum
eine  bestimmte  Meinung"  über  den  künftigen  Preis
tfl'Ca  bat,
2  =  1/;  j.r„,  x,.,  .  .  .  x„,  |  —  fP  0^«)  |  ¡  •
Wenn  das  Individuum  da^e^en  nur  die  ]\leinuiio-  bat,
dass  es  im  näebsten  ,labre  einen  Preis  ff/t,,  werde
erreieben  können,  der  sieb  um  einen  gewissen  Betrag
c  von  dem  diesjährige])  ////&amp;gt;„  untersebeidet,  so  ist
t'lL  =  tu»-.  +  c  =  +  C

X.

"und  die  Befriediuunü"

—  V'*  )

H'W  +  ,

x^

Daraus  erhalten  wir  mittelst  der  Bedin^un^s^leiebun^e])
10)  beidemale  die  Befriedi^nn^-  z  als  blosse  Funktion
der  nun  allein  variabel])  Me))^e  aber  die  Foru)
dieser  Fu])ktio])  ist  ]iu])  aueb  vo])  je))er  der  b  U])ktio))
W{x„)  abbäD^i^.  Je])er  Werth  vo])  .t«,  bei  de]))  der
1  )itt‘ere])tiab(uotie])t  dieser  ])eue])  Fu])ktion  =  0  wird,
b]i))ot  die  grösste  Betriedi^U))^'  hervor,  U])d  diese  A))-
        <pb n="541" />
        511

oder  Vcrkaiifsinciiííc  ist  also  die  inoiiopolistiseli
vortlieilliafteste.  Um  dieselbe  dureb  eine  Konstruktion
zn  erhalten,  muss  uns  vorerst  eine  ^rapbisebe  I)arstellnn»-
  der  Funktion  ^ep;eben  sein.  Fine  solebe
batten  wir  früher  in  der  Abgeleiteten  K'OI'  der  Kurve
AIIK  (Fi^.  G8)  des  Gern  ein  nutzen  s  ;  war  diese  Abgeleitete ­
  gezahnt,  so  stellte  nur  die  Reibe  ihrer  etfektivcn
  Funkte  (70)  die  Funktion  W  {x^  dar.  Dies  beruhte ­
  jedoeli  auf  unserer  früher  stets  fest^ebaltenen
Annahme,  dass  die  individuelle  Wertbsebätzuno-  des
Ueldes  niebt  nur  bei  dem  betraebteten  Individuum,
sondern  aueb  bei  allen  anderen  unveränderlich  —  wenn
auch  von  Ferson  zu  Ferson  verseliieden  —  sei.  Jetzt
da«re^en  müssen  wir  uns  für  jedes  der  anderen  Individuen ­
  eine  auf  A  bezogene  Refriedi^un^stläebe  und
sollin  je  eine  Kurve  der  grössten  Befriedigung  aufbestellt
  denken  und  die  Horizontal])!  ojektionen  aller
dieser  Kurven  zu  Einer  Kurve  des  freien  Angebotes
und  der  freien  Naebfrabc  kombiniren.  Diese  letztere
Kurve  haben  wir  dann  um  180“  b^Mlrebt,  also  das  Aube ­
  bot  naeb  reebts  und  vorn,  in  den  Horizont  der  HefriedibunbsÜäebe
  des  betraebteten  Individuums  einzuzeiebnen;
  dieselbe  bd&amp;gt;t  entweder  unmittelbar  oder,  wenn
sie  b^%^dint  ist,  dureb  die  Reibe  der  hinteren  Endpunkte ­
  ihrer  der  D)-Achse  ¡larallelen  Strecken  die
Darstelluiib  der  Funktion  W  {x„).  Jener  Funkt  dieser
Kurve  oder  Reibe,  welcher  den  Vertikalabstand ­
  von  der  Hefriedibnuifstläebe  aufweist,  bezeichnet ­
  durch  seine  Abszisse  die  für  unser  Individuum
mono])olistiseb  vortbeilbafteste  An-  oder  Verkaufsmeube
        <pb n="542" />
        512

1111(1  (liiiTli  seinen  Hndiiisvektor  den  oiinsti«i,sten  Preis.
Selbstverständlieli  liej*t  dieser  Punkt  keineswegs  in
der  Angebots-  und  Nuelit'ni^ekiirve  des  betraebteten
Individiiinns,  die  ja  nur  für  den  Fall  ^-ilt,  dass  dasselbe ­
  einem  von  seiner  eigenen  Eintliissnabiue  unabbäno-ioeii
  ^larktpreise  ////&amp;gt;•„  ^e^enüberstünde,  eine  Annabine,
  welebe  immer  dann  ziitritft,  wenn  der  Ankauf
oder  Verkauf  des  Einzelnen  nur  einen  kleinen  Priiebtbeil
  des  Gesanimtabsatzes  bildet.
Die  Darstellung"  im  Paume  bat  es  uns  ermö&amp;lt;&amp;gt;liebt,
die  Abbän^i^keit  der  Pefriedi^iin^"  von  der  Men&amp;lt;*e
und  dem  Preise  irgend  eines  Artikels  aiieb  obne  unsere
trübere  Annabme  fester  Wertbsebätzun&amp;lt;»"  des  Geldes
zur  Ansebaiiiin^"  zu  bringen.  Dabei  mussten  wir  aber
da  run  festbalten,  dass  das  Individuum  jeweilig"  jene
Kombination,  welebe  ibm  die  «grösste  Pefriedi^iin^"  j;(“-vväbrt,
  zu  wäblen  wisse,  und  dass  die  Preise  aller
anderen  Artikel  von  allen  Preissebwankiin^en  des
Einen  Artikels  völlig-  nnberübrt  bleiben.  Wir  erbalten
so  eine  Angebots-  und  Naebfra^ekiirve,  die  zwar  eine
andere  ist  als  die  früher  liesjiroebene,  die  aber  doeb
in  allen  ebarakteristiseben  Ei^ensebaften  mit  dieser
übereinstimmt.  Wir  haben  nun  keine  Kosten-  und
Xützliebkeitskiirve  und  keine  Eebens^eniisskiirve,  dafür ­
  bietet  aber  die  Kurve  grösster  P)efriedi«&amp;gt;iin&amp;lt;*"  und
die  Hefriedi^iinosfiäebe  einen  Einblick  in  eine  ^anze
Reibe  versebiedenarti^er  Ziisammenliänoe.
        <pb n="543" />
        :

ñ

ï  _

^  -1  f

i

i

4«wr  »stoHggAtt  à  w»

wm

Aiihung-  III.

33

Au»pit*  u.  Lieben  Untersuch,  üb.  d  'ITieorie  d  Preises
        <pb n="544" />
        m

i!

il

n

u

1  ^

r:.'

(

jv

W

ti  h  '

I

,  ^
        <pb n="545" />
        Die  Lebeiis^eiiiisskiirve,  auf  Veniiitziingsmeiigeii
bezoiieii.
Wir  liabeii  Ilj  sowol  den  Fall,  das«  das
liidividiiuiii  einen  bestimmten  Preis  von  A  erwartete, ­
  als  aneb  jenen  behandelt,  dass  unbekannt ­
  wäre;  wir  haben  an  eh  früher  (V)  unter  der
Wnanssetznn^  fester  Werthsehätznn^-  des  Geldes  eine
Lebensgennsskurve  anfgestellt,  die  für  ein  ¿»egebenes
tffta  ^ilt.  Wir  wollen  hier  auch  noch  untersuchen,
ob  und  inwieweit  es  möglich  ist,  bei  fester  Weiihschätzung*
  des  Geldes  eine  Lebensgenusskurve  auch
dann  aufzustellen,  wenn  das  betrachtete  Individuum
über  den  künftigen  Preis  tgX„  von  A  entweder  gar
keine  bestimmte  Meinung  oder,  wie  früher  (Aidiang
II,  3),  nur  die  Meinung  hat,  dass  tg'Ç,,  aia  einen  gewissen ­
  Betrag  von  abweiehen  werde.  Wir  haben
dann  im  allgemeinen
tfjL  =  tgd-,  -h  c
zu  setzen,  wo  c  den  Betrag  der  erwaiteten  Preisänderung ­
  bezeichnet  und  daher,  wenn  eine  solche
nicht  erwartet  würde  und  A  nicht  etwa  ein  zinstragendes ­
  Werth|)a]uer  wäre,  =  0  ist.  Wir  müssen  dann
unterscheiden,  ob  das  Individuum  einem  von  seiner
33*
        <pb n="546" />
        516

EinHiissimhme  Marktpreise  1()  th,  von
A  oder  aber  dem  freien  Angebote  und  der  freien
Naelifrao-e  W{x,)  (Anbanj&amp;gt;-  IF,  3)  aller  anderen  F'ersonen
  für  diesen  Artikel  g-eoeniiber  stellt.  In  dem
letzteren  I^  alle,  den  wir,  weil  er  keine  bcsondeien
Sebwieri^keiten  bietet,  zuerst  bebandeln,  nimmt  die
Gleiebnn^  8)  die  I^orm
I

9

37.

'ZW  +  c

Xi

,,  +  Va  —

an,  lind  wir  können  mittelst  der  Bedin^iin^s^leiebnn^en
D)  die  Mengen  x,  .  .  .  x,  eliminireii  und  sobin  den
Lebensgenuss
2  +  FL  (x„)  =  &amp;lt;jp  {  }  A-  tja
als  blosse  Funktion  von  x,  ermitteln.  Diese  Lebens-^eniissfnnktion
  und  deren  ^rapbisebe  Darstellung-  —
die  nun  geltende  Ijebens^eniisskiirve  —  iintersebeidet
sieb  von  der  friibcren  Lebensg-eniissfiinktion  f{x,)  nur
darin,  dass  sie  statt  von  tpt,  vielmelir  von  c  und
von  der  Form,  der  Funktion  W{x,\  also  von  der
gegenUberstebenden  Iviirve  des  freien  Angebots  und
der  freien  Naebfrage,  mit  bestimmt  wird.
Stünde  das  Individiiiim  dagegen  einem  festen
Marktpreise  gegenüber,  so  würde  die  Gleiebnng
8)  die  Form
z  =  (p\x„  {t(jth„4-c);X,,,  t(jÇ,,;...  37„,  U]X&amp;gt;n\A~Va  —  ‘(V«
annebmen,  so  dass  es  im  allgemeinen  iinmöglieb  wird,
eine  von  ff]  th,  iinabbängige  Lebensgennssfnnktion  aiifziistellen.
  Dies  wird  vielmelir  nur  unter  gewissen,
        <pb n="547" />
        517

weiteren  Vomiissetzungeii  und  nur  dadureli  inö&amp;lt;»iieli,
da.sH  wir  die  Kurve  nielit  mein*  auf  An-  oder  Verkanfsmen^en,
  sondern  auf  Vernutzun^snienj&amp;gt;*en  beziehen; ­
  es  sind  dies  jene  noch  näher  zu  definirenden
Mengen,  welelie  als  ökonoiniseh  verhralieht  angesehen
werden  müssen,  die  aber  mit  den  jdiysiseh  verhrauehten
keineswegs  ühereinstimmen.  l"m  zunäehst  die  neuen
Voraussetzungen  kennen  zu  lernen,  stellen  wir  uns
vor,  dass  die  Jîedingungsgleiehiingen  2),  3)  und  5)
zwar  hinsiehtlieh  der  Artikel  B  .  .  .  nieht  aber  hinsiehtlieh
  des  Artikels  .1  aufgestellt  worden  wären,  so
dass  wir  aus  der  Gleiehung  1)  statt  jener  8)  den
neuen  Ausdruek
2  —  y«  iPa}  CV9  ‘  ‘  (V"h  Va  ^’a  *  (V^a
erhalten.  Unsere  neue  Annahme  besteht  nun  darin,
dass  die  Funktion  (p„{  )  so  hesehatfen  sei,  dass  wir
1^3)  (p^  ^  j  =  -2  {Vaf  ^af  OajJaJ  1  1  ^//Ch)  4"
+  (U  K,  ^a,0a,fa,  '  '  '  (VCJ
setzen  können,  wo  22(  )  und  w(  )  ebenso,  wie  (p„(  ),
lediglieh  individuelle  Funktionen  sind.  Wir  haben  also
angenommen,  dass  sieh  die  Funktion  &amp;lt;p^[  ),  welelie
die  Befriedigung  ohne  Iviieksieht  auf  den  sehliessliehen
  Bargeld  besitz  //  =  (//«  —  darstellt,  in
zwei  getrennte  (Mieder  zerlegen  lasse.  Das  erste
Glied  22(  ),  welehes  von  tf/'Ç,,  unabhängig  ist,  hezeielinet
  die  Befriedigung  ohne  Kiieksieht  auf  //  und  ohne
Uiieksieht  auf  den  von  dem  Artikel  A  sehliesslieli  verbleibenden, ­
  ganzen  Vorrath
t'a  =  {K  4-  &amp;lt;Ja  —  4-  {pa  4~  ß«  “  /«)  4"  S^.
        <pb n="548" />
        518

Das  zweite  Glied  stellt  die  Aldiän^i^keit  der  Befriedigung ­
  von  dem  erwarteten,  künftigen  Preise  tgt^  dar
lind,  da  dieser  Preis  die  Befriedigung  mir  dadnreli
lieeindiissen  kann,  dass  er  für  die  Wertliseliätziing  des
Vorratlies  massgebend  ist,  haben  wir  in
zugleich  auch  die  Werthsehätzung  dieses  Vorratlies
vor  uns.  Dass  diese  Werthsehätzung  wegen  des  mit
der  Auf  he  wall  rung  des  Vorratlies  verbundenen  Zinsverlustes ­
  und  Risikos  nie  den  vollen  Betrag
erreichen  kann,  haben  wir  schon  früher  (GO)  hervorgehohen;
  wenn  also  das  Produkt  )  diese
Werthsehätzung  richtig  hemisst,  so  können  wir  )
als  das  für  die  schliessliche  Vermögensinventur  zum
vollen  Preise  anrechenbare  Ausmass  des  Vorrathes
  an  sehen.  Durch  die  Annahme  der  Gleichung
13)  haben  wir  also  vorausgesetzt,  dass  die  Werthschätzung
  des  Vorratlies  dem  Preise  t&amp;lt;jX&amp;gt;a  ilMllHM*
genau  ])ro])Ortional  sei.  Wir  haben  ferner  dadurch,
dass  in  m(  )  die  Grössen  x,,.  .  .  x,,  nicht  erscheinen,
auch  vorausgesetzt,  dass  das  für  die  schliessliche
Vermögensinventur  anrechenbare  Ausmass  m(  )  des
Restes  ausser  von  den  Preisen  UjX,,,.  .  .  tgX,,,  mir  von
den  für  die  Grösse  und  Beschadenheit  dieses  Restes
massgebenden  Variahein  ¿;„,  c„,  //„,  /„  und  .s„,  keineswegs ­
  aber  von  den  analogen  Mengen  der  anderen
Artikel  abhängig  sei.
Die  erste  dieser  Voraussetzungen  ist  nur  eine
weitere  Ausdehnung  der  Annahme  fester  Wertli-
        <pb n="549" />
        Õ19

seliätziiii^  des  Geldes,  der  zufolge  die  AVertliscliMtzun^-eines
  Geldbetrages  diesem  Hetra¿»e  selbst  immer  ^enan
ju-oportional  sein  soll;  da^e^en  ist  die  zweite  Voraussetziing-
  ^anz  neuartig-  und  wird  in  Wirklielikeit  wol
sehr  oft  niebt  ziitretfen.  So  wird  z.  H.  die  Veransebla^nng"
  des  für  die  sehliessliclie  Vermö^ensinventnr
mit  RUcksiebt  auf  Zinsenverlust,  Risiko,  La^^erspesen
u.  s.  w.  anrechenbaren  Aiismasses  eines  Vorratbes
von  Weizen  diireli  den  gleichzeitigen  Besitz  eines
La¿»ers  von  Korn  ¿gewiss  sehr  stark  —  vielleicht  eben
so  stark,  wie  durch  eine  gleich  grosse  Vermehrung
des  Weizenvorratlies  selbst  —  beeinflusst  werden;
älmlicbe  Wecbselbeziebun^en  bestehen  insbesondere
auch  zwischen  verschiedenen  (Jattun&amp;lt;*en  von  Werthpapieren
  u.  s.  w.  Wenn  wir  aber  trotzdem  beide  Voraussetzungen ­
  gelten  lassen  und  gleichzeitig  die  Relation
=  ((Y  -+-  c)  cinfübren,  so  haben  wir  für  die  Befriedigung- ­

  to‘G+c)-m  (ü„,  ///?,,..///Ç„)  “h  ~  .T.
also  einen  Ansdruck,  in  welchem  der  1  *rcis///,‘&amp;gt;„  nicht
mehr,  wie  oben,  in  einer  und  derselben  Rnnktion  mit
anderen  Variabeln  erscheint."  Setzen  wir  nun  der
Kürze  halber  noch  weiters
““  i'^af  ^af  '  *  *  ‘^’n;  (¿7Ci)  4"  "H
-I-  c  •  ÍÜ  c„,  ;  t()  'Ç,,..  t¡)  cj  =  u  (v„,  //„,./!,  -s-.  ;  .r,..  x„)
und
to,  i^'a,  i)a,  fa,  (VC,,  •  •  •  (VW  =  ^  {v^,  (/„  /„,  .5„),
so  sind  U{  )  und  u(  )  nicht  mehr  lediglich  indivi-
        <pb n="550" />
        Õ20

(liielle  Funktionen;  jene  it{  ),  welche  (lieselbe  Bedentiing'
  hat,  wie  to(  ),  hängt  nämlich  ihrer  horm
naeh  aiieh  von  den  gegebenen  Freisen  tfj'Qj,.  &amp;gt;  •  t(j'Çn
ab,  während  U{  )  überdies  noch  von  c,  sowie  von
den  Freisen  Uj  .  .  .  tg  ih,  abhängt.  Für  die  Befriedigung ­
  haben  wir  nun

2  —  U  (Vfij  Cg,  QalfaJ

—  tgty^  \  —  U  (Vg,  Cg,  Oa,ja,  Sa

Wir  sehen  also,  dass  U{  )  die  Befriedigung  ohne
Füeksiebt  auf  den  Freis  tg  0^  bezeichnet,  und  diese
Befriedigung  wäre  nichts  anderes  als  der  Lebensgenuss, ­
  wenn  die  Wertbe  aller  in  )  vorkonimenden
Variabein  auf  das  Vortheilhafteste  gewählt  würden.
Um  nun  zu  zeigen,  wie  diese  vortheilhafteste  Kombination ­
  gefunden  werden  kann,  führen  wir  eine  neue
Variable  ein,  indem  wir

L  —  Xa  —  U  (Vg,  Cg,  f/g,  /g,  Sa)  4-setzen,
  wo  eine  Konstante  ist.  Diese  Konstante
bezeiehnet  jenen  Werth,  den  u[  )  annimmt,  wenn
=  Cg  =  ga  =fa  =  0  ""(l  .9g  =  wird;  dann  ist
auch  Xa  =  g„  4"  —Ja  —  somit  auch
'Ç^  =  0.  Wir  sehen  also,  dass  u„  das  für  die  schliessliclie
  Vermögensinventnr  mit  llücksicht  aut  Zinsenverlnst
  und  Risiko  anreehenhare  Ansmass  des  ganzen
Anfangsvorrathes  («g  -f  &amp;amp;g  +  pj)  &amp;lt;ics  Artikels  A  bezeichnet; ­
  dabei  ist  zu  beachten,  dass  nur  der  nnverkäufliche ­
  Theil  {ka  4-  p,)  dieses  Vorrathes  der  rechnungsmässigen
  Reduktion  wegen  Zinsenverlust  und
Risiko  unterliegen  kann.
        <pb n="551" />
        521

Wir  nennen  die  Vernntzun^yinen^^e  des
Artikels  .1.  Es  wird  näinlieli,  wenn  von  dein  Artikel ­
  A  die  ^leng’e
Zg  gekauft  oder  verkauft,
//„  in  Gebraueli  denominen,
verbraiielit,
c„  erzeugt,
/„  fertig  gestellt  und
als  verkäuflieber  Scblussvorratli  übrig  behalten
wird,  die  sebliessliebe  Verinögensinventur  genau  uni  den
Betrag  i'&amp;gt;o  gesebinälert,  oder,  wenn  &amp;lt;  0  wäre,
gesteigert.  Die  Veriiutzungsinenge  ist  also  jene
Menge,  die  zum  vollen  Marktpreise  ökonomiseli  verbrauebt
  erselieint,  die  aber  weder  mit  der  An-  oder  Verkaufsmenge, ­
  nocb  mit  der  pbysiseb  verbraueliten  Menge
übereiiistimmt.  Die  Menge  wird  aber  diireli  eine
Zunabme  von  und  ebenso  dureb  eine  Abnalimo  von
ganz  direkt  vcrgrössert;  sie  nimmt  aueb  zu,  wenn
oder  s„  wäebst  oder  /„  abnimmt.  In  jedem  der
letzten  drei  Fälle  muss  nämlieb  und  somit  der
Aufwandsbetrag  algebraiseli  grösser  werden,
ohne  dass  die  Krböliung  der  Vermögensinventur  dureb
die  Vermebrung  des  Konsumtionsrestes  (A'„  -j-  —  v„)
oder  des  verkäuflieben  Seblussvorratbes  oder  des
Froduktionsrestes  —f„)  eine  volle  Kompensîition
  für  den  verringerten  Bargeldbesitz  bieten  würde.
Endlieb  sei  noeb  bemerkt,  dass  der  ganze  Begritf  der
Veriiutzungsinenge  ohne  die  dureb  die  Gleiebung  13)
ausgedrüekten  Voraussetzungen  gar  niebt  gedaebt
werden  könnte.
        <pb n="552" />
        522

Für  (lie  Befriedi^-mi^'  haben  wir  nun
Z  =  U  [Vg^,  Cg,  Qa^JaJ  ^a1  -  '  •  '^n)  ^¿7  '^«(^«  ^»)
und  für  das  Maxiniuui  der  HeiViedig’ung-  die  Bedingunj^en


(/¿/(  )  _

0^6
oder  aueli
14)  (lil[)
(far,,

^  =  0

=  (¡7'%

_
dx.

=  0

dll
dx„

^77’^n

und  ferner

dr„  düg  deg  de^  d(j„  d&amp;lt;j„  df„  df^
oder  naeli  Eliininirunj»*  von

ds„  ds„

\b)dü()  d^_dU(^  dCg  ^dU{)  du  g  _  d  ll{  )  dfg  _dü{)  ^  dSg
dVg  dl,  dCg  d^g  ^
Die  Bediii{j;‘uii^‘sj;leieliiinj&amp;gt;en  14)  sind  jenen  ü)  ^an%
analoj&amp;gt;‘,  während  die  Gleiehun{2,en  15)  liinsiehtlieli  des
Artikids  A  an  die  Stelle  Jener  2),  3)  und  5)  treten.
Die  letzteren  Gleiiduin^en  besagen,  dass  das  Individuum, ­
  Avenu  es  hei  ^e^ehener  \  ernutzun^snien^e
l,  von  .1  und  ^e^ehenen  Mengen  x,,.  .  .  x„  die  ^rösstniö^liehe
  Befriedigung-  erreiehen  Avill,  die  Men^ren
Vg,  Cg,gg,fg  und  .9„  so  zu  Avähleu  habe,  dass  die  Nützliehkeit
  eines  kleinen  Zinvaehses  der  Vernutzunj*smen^e
  ^g  die  gleiehe  bliebe,  mag-  derselbe  nun  zu
einer  Vermehrung-  von  v„,  g  g  oder  Sg  oder  zu  einer
Vermiuderunj»-  von  e„  oder  /„  verwendet  Averden.  Aus
der  Relation
        <pb n="553" />
        Õ23

èa=  Oa  +  —fa  ~  &amp;lt;^a1  Qalfa,  «a)  +
und  aus  deu  Hediu^uu^s^^leicliuu^eu  14)  und  15)  können
wir  nun  die  Meni»en  v„,  und  .v„,  sowie  x,,  r„
als  von  den  Preisen  tgi)'  und  t(j'Ç  der  Artikel  B  ...  N
abliänft’i^e,  jedoch  von  tgO-^  i^anz  unahhängi^^e  Funktionen ­
  von  ermitteln  und  sohin
.  (/(  )  =Á%)
setzen.  Wir  haben  dann  für  die  Hefriedi^unp:
2  =/«(^a)  —  —  fio)
und  für  das  Maxiinuin  der  Befriedigung-  die  Bedin^un^
fúi^a)  =  tg'f-Derselben
  werden  wir  ¿gerecht,  wenn  wir  mit
als  Abszissen  und  mit  als  Ordinaten  eine  Lebens-^enusskurve
  aufstellen  und  deren  ;rrössten  Vertikalabstand ­
  von  der  jeweili¿(  geltenden  Preislinie
aufsucbcn.  Diese  Lebens^enusskurve  ist,  wie  eingangs ­
  erwähnt,  nicht,  wie  alle  bisherigen,  auf  Anoder ­
  Verkaufsmengen  bezogen,  sondern  auf  Vernutzungsmengen,
  von  welchen  sich  die  Abszissen  der
Kurve  nur  durch  die  Konstante  unterscheidet.
Sowie  früher  (Anhang  11,  2)  haben  wir  auch  hier  etwaige ­
  konvexe  Strecken  durch  geradlinige  Ueherbrückungen
  auszuscheiden  und  können  sonach  die
Abgeleitete  der  Lebensgenusskurve  aufstellen.  Der
Schnittpunkt  der  Abgeleiteten  mit  der  Preislinie  bezeichnet ­
  durch  seine  Abszisse  —  w„)  den  Ueberschuss
  der  angemessensten  Vernutzungsmenge  über
das  anrechenbare  Ausmass  des  Anfangsvorrathes
        <pb n="554" />
        Õ24

und  (Illich  seinen  Vertikahibstaml  von  der  Lehens-«»•eniisskiirve
  die  j^efriedi^iin^.  Dagej^en  ist  die  Ah-«»•cleitete
  keineswegs  die  Angebots-  und  Naebtra^ekiirvc;
  wir  iniissen  vielniebr,  wenn  wir  die  letztere
erhalten  wollen,  zu  jeder  bei  irg-end  einem  Preise  angemessensten ­
  Vernutzunj&amp;gt;smen&amp;lt;»-e  die  ents^neeliende
An-  oder  Verkaufsmen^e
Xa  =  "b  ^  //a&amp;gt;  ./a&amp;gt;  "^a)
aiitsiieben.  Wir  haben  also  nur  jeden  Punkt  der  Abgeleiteten ­
  auf  dem  betreifenden  Radiusvektor  um
^  k,  ß.,  also  um  das  anrecîbeiibare
  Ausmass  des  j&amp;gt;*anzen  Seblussvorratbes  r„,
nach  rechts  zu  versebieben.
Ebenso,  wie  die  Redin^ungs^ieiebun^en  2),  3)
lind  5),  kommen  auch  jene  15)  ott  jjfanz  oder  tbeilweise
  in  Wegfall  und  sind  dann  aueb  entbebrlieb.
1st  A  ein  Terminartikel  oder  ein  Wertb|)a])ier  und
also  K  =  Pa  =  'f^a  —  =  fJa  =  ,f  a  =  (bllier
z=  ^  und  —  n  (0,  0,  0,  0,  .sj.

Die  Gleiebiin^en  15)  fallen  also  (fanz  we}&amp;gt;-,  und  in
der  That  i&amp;gt;*enii»t  die  zuletzt  aiif^estellte  Relation,  um
die  einzige  Men^e  .s„  als  Funktion  von  zu  ermitteln,
llebri^ens  ist  liier  noch  zu  beaebten,  dass  der  Besitz
eines  Wertbjiapieres  immer  nur  behufs  Aufbesserungder
  Vermö^-ensinventur  beoidirt  wird,  für  die  Anmdmdiidikeit
  oder  Unanmdimliebkeit  der  Kombination ­
  aber  ^anz  o-leiidi^Ultij»-  ist;  es  wird  also  jetzt
in  der  Funktion  i2(  )  auch  die  Alende  .s„  ^ar  nicht
        <pb n="555" />
        525

Vorkommen,  so  dass  die  diireli  die  i^edin^im^seielmilden
  14)  angegebene,  vortlieilliafteste  Kombination ­
  aller  anderen  Artikel  —  also  z.  B.  aiieb
die  Mengen  anderer  Wertb])a])iere  —  bei  jeder  Menge
von  A  die  gleiebe  bleiben  müsste.  Es  ist  dies  eine
mit  der  Wirkliebkeit  allerdings  sehr  wenig  in  Einklang ­
  stehende  Folge  der  zweiten  der  durch  die  Gleichung ­
  13)  ausgedriiekten  Voraussetzungen.  Die  Gleichungen ­
  15)  fallen  auch  dann  ganz  weg,  wenn  A
ein  Einzelobjekt  ist,  oder  wenn  A  ein  keiner  Abnützung ­
  unterliegender  Gebrauchsartikel  ist,  der  von
dem  Individuum  nicht  bergestellt  wird,  und  von  dem
es  auch  weder  etwas  verschenkt,  noch  zu  anderen
Gegenständen  verarbeitet.  Ist  A  ein  Gebrauebsartikel,
  der  nicht  ohne  Abnützung  benützt  werden  kann,
oder  ein  Verbrauebsartikel,  so  wird  =  0,  wenn  das
Individuum  keine  Preissteigerung  des  Artikels  A  erwartet, ­
  wenn  also  c  ^  0  ist,  oder  auch  wenn  c
zwar  ])ositiv,  aber  zu  klein  ist,  um  mit  Hücksiebt  auf
Zinseuverlust  und  Risiko  die  Haltung  eines  verkäuflichen ­
  Seblussvorratbes  lohnend  erscheinen  zu  lassen.
Sobald  aber  .s„  =  0  ist,  kommt  in  dem  Ausdrucke  15)
das  letzte  Glied  in  Wegfall.
Wir  wollen  noch  einen  s]»eziellen  Fall  behandeln,
in  welchem  es  möglich  ist,  das  anreebeidmre  Ausmass
f¿{)  des  Bestes  r„  graphisch  zur  Anschauung  zu  bringen.
Zu  dem  Pbnle  betraehten  wir  einen  Verbrauebsartikel
rt,  (1er  zwar  —  wie  z.  B.  Zigarren  in  Kistelien  à  100
Stück  —  nur  in  grösseren  Markteinbeiten  umgesetzt
werden  kann,  von  dem  aber  das  Individuum  immer
        <pb n="556" />
        —  f)2()  —

nur  Eine  solclic  Einheit  naeli  der  anderen  in  Gel)raueli
nimmt  und  aueli  immer  nur  Ein  Stüek  uael»  dem  anderen ­
  verbrauclit.  Eerner  sei  die  eigene  Produktion
entweder  ganz  aus^cseldosseu  oder  von  der  Art,  dass
sich  hei  derselheu  keine  versehiedeuen  Arl)eitsstadien
unterscheiden  lassen,  und  dass  auch  immer  nur  Ein
Stück  nach  dem  anderen  und  daher  auch  immer  nur
Eine  grössere  Einheit  nach  der  anderen  her^estellt
würde.  Nehmen  wir  endlich  noch  an,  dass  zwischen
einer  noch  nicht  vollendeten  Markteinheit  und  einer
erst  theilweise  verhrauehten  kein  (qualitativer  l'nterschied
  bestehe,  so  muss,  wenn  c  =  0  und  daher  auch
=  0  ist,  der  Schlussvorrath  immer  hinter  einer
o-anzen  Markteinheit  Zurückbleiben.  Nun  ist

^  a  =  Í!  a  —fa  ~  «a  =  {K  +  9  a  ~  +  {Va  +  ~
also  r„  —  x„  —  \  {v^  —  e„)  —  («„  +  K  +  V&amp;lt;)  |
oder,  wenn  wir  der  Kürze  halber  («a  +  ^’a  +  Po)  =  ^
setzen,
=  ^a—  I  (^o  —  ^o)  —  ^  |i

(1er  Schlussvorrath  i\  bildet  also  immer  nur  die  Ero'änzuno*
  von  |  {v^  —  e„)  —  a  |  zn  der  algebraisch  nächst
grösseren  Zahl  ganzer  Markteinheiten.  Dadureh
ist,  wenn  und  ^e^ehen  sind,  auch  x^  bestimmt.
Eerner  ist,  wenn  &amp;gt;  0  ist,  /„  =  0,  weil  die  Eertiq»--stelluno-
  oTösserer  Markteinheiten  unterbleibt,  wenn
nur  für  den  eigenen  Bedarf  qu'oduzirt  wird;  dann  ist
z=  [x^  +  af)  ;  ebenso  ist,  wenn  ar.cO  ist,  r/„  =  0
und  /„  =  (—  —  a„).  Von  den  fünf  Alenden  v„,
u  ,  f  und  .9„  bleiben  also  nur  die  beiden  ersteren  als
«y  fl  7  ^  fl  fl
        <pb n="557" />
        ^  iaaïi  i'tí

-  527  —
unal)liílii&amp;lt;r¡oe  Variable  übrí^\  so  dass  wir
Oa,fa,  ’^a)  =  U,  (v„,  0„)
setzen  können  und  die  \  ernntznn^smen^e
L  =  ^a~u  (2).,  e„,  r/„,/„,  5„)  4-  _  e  J  -f  I  ,  e„)  |  —  |  o  —
wird.  Die  in  [  ]  stellenden  Aiisdiiieke  bezeielmen  die
dureli  Zinsenverlust  und  Risiko  bedingte  Reduktion
des  Selilussvorratbes  bzw.  des  Anfan^svorratbes  a.
Endlieb  reduziren  sieb  die  Redin^un^s^leiebunxen  15)
nun  iiiif  die  einzij^c
äU{  )  dv,  ^  dV{  )  de,
dv„  de^  '
Die  sobin  sieb  ergebende  Lebens^enussfunktion
die  wir  in  Ei^.  83  dureb  die  sebwarz  ^ezeiebnete
Kurve  r/„r/„  darstellen,  bat  also  die  Abszissen
=  (v„  —  (^a)  +\r„  —  u^  (v„,  e„)I  —  a.

W'ir  haben  jedoeb  in  der  Fio-iir  noch  eine  zweite,  rotb
gezeichnete  Lebensíçenusskurve  dar^estellt,  welche
in  Geltung?  treten  würde,  wenn  A  in  kleinsten  Alenden
—  in  unserem  Beisjuele  der  Zigarren  also  in  einzelnen
Stücken  —  um^esetzt  werden  könnte.  Dann  würde
nUinlieb,  wenn,  wie  wir  angenommen  haben,  c  =  0  ist,
nie  irgend  ein  Rest  von  A  übri¿)  behalten  werden,  so
dass  die  An-  oder  Verkaufsmen^en  nun  |  (v^  —  e„)  —  a  |
wären;  dieselben  werden  durch  die  Abszissen  der  eben
erwähnten,  rotb  ¿»ezeielmeten  Kurve  an^e^^eben,  und
diese  beruht  also  auf  denselben  Voraussetzungen,  wie
gn,f)n,  (Ei^.  54).  Der  Umstand,  dass  hier  kein
Rest  übi%  bleiben  kann,  bringt  es  mit  sieb,  dass  der
        <pb n="558" />
        Preis  tf!  la  für  die  Befricdij^iiníí  ^leieli^idti^'  wird
und  daher  aus  der  Gleieliuug-  8)  verseil  windet;  dadurch
wird  im  vorliegenden,  spexiellen  Falle  die  Aufstellung'
einer  auf  An-  oder  Verkaufsmen^en  hezo^-enen  Leliens-^enusskurve
  auch  ohne  Kenntniss  von  tula  ermöglicht.
Zu  dem  {ileieheu  Resultat  führt  ühri^ens  die  Erwä-Fifi.

  88.

Uii

u-un^,  dass  ja,  wenn  der  ^anz(‘.  Schlussvorrath  immer
—=  0  wäre,  auch  dessen  Reduktion  |r„  —  e„)|  =  0
sein  müsste  und  daher

L  —  '^o  =  |K  —  c«)  —  «1

wäre,  so  dass  die  Vernutzun^smen^e  sich  nur  durch
die  Konstante  von  der  An-  oder  Verkaufsmen^e
unterscheiden  würde.  Wir  können  nun  den  IIntel-
        <pb n="559" />
        schied  der  scliwarzeii  und  rothen  Kurve,  die  in  dem
letzterwähnten  Falle  ganz  znsainnientällen  würden,
vertilgen.  Fs  ist  nämlich  klar,  dass  der  mit  irgend
einer  Verb  ranchsmen  ge  und  Erzengnngsmenge
verbundene  Fehensgennss  oder  die  Hefriedignng  hei
(V  =  0  davon  ganz  nnahhängig  bleiben  muss,  oh
der  Umsatz  von  A  in  einzelnen  Stücken  oder  nur  in
grösseren  ]\iarkteinheiten  stattfinden  kann.  Wir  werden
also  jede  Ordinate  der  rothen  Kurve  in  der
schwarzen  Kurve  wieder  finden,  aber  um  den  Fnterschied
  der  beiderseitigen  Abszissen,  d.  i.  um
—  u,~\{v,  —  e„)-a\  =  \r^  —  Uj  {v„  c„)|,
also  um  die  durch  Zinsenverlnst  und  Risiko  bedingte
Reduktion  des  Schlnssvorrathes  r„,  weiter  rechts.  Da
diese  Reduktion  gleich  Null  werden  muss,  so  oft  r,  =  ()
wird,  so  müssen  beide  Kurven  über  dem  Nnllpnnkte
  und  über  allen  jenen  jmsitiven  oder  negativen
Abszissen  znsammenfallen,  welche  eine  ganze  Zahl
anznkanfender  oder  zu  verkaufender  i\iarkteiidieiten
angehen  ;  wir  haben  diese  Abszissen  in  unserer  Figur
durch  ansgezogenc  Veitikallinien  bezeichnet.  In  jedem
der  durch  solche  Vertikallinien  begrenzten  Abschnitte
verläuft  dagegen  die  schwarze  Kurve  g„g„  sehnenartig
unter  der  rothen,  so  dass  erstere  jedesmal  links  fiacher
beginnt  und  rechts  steiler  endet;  doch  muss  der  Unterschied ­
  der  beiden  Kurven  mit  wachsender  Entfernung
rechts  und  links  von  der  Ordinatenachse  immer  kleiner
und  zuletzt  nnmerklich  werden.  Das  mit  der  Anfbcwahrnng
  des  Restes  ?■„  verbundene  Risiko,  sowie  der
An«pitz  II.  liiebcn.  Untcniuch.  Ob.  d.  Theorie  d.  Preizes.  34
        <pb n="560" />
        rao

//niseuverlnst  füllt  iiiimlicli  um  so  wcuis'er  ill’s  Ocwiclit,
ie  Ulciiicr  dieser  liest  im  Wugleielie  zur  An-  oder
\'cvkniifsineiij;‘e  ist.
1  betrachten  wir  min  irgend  einen  der  durch  je
zwei  uusK-ezoKeue  Vertikalliuieu  lieerenzteu  M.sidmitte
der  rotlieu  und  seliwiirzeu  Kurve  .(/„fl,,,  z.  li.  deu  erstim
zur  lieeliteu  der  Ordiuuteuaelise,  den  wir  (!'  ig.  N4)  in
versrössertem  Miissstulie  darstelleii,  wobei  wir  der  Kiiifaeldieit
  wesen  aimelmien,  dass  die  Markteiiilieit  des
Artikels  A  aus  nur  tuiif  eiiizeliieii  Stuekeii  bestelle.
Iiiiierlialb  jedes  solebeii  Absebiiittes  wird  der  liest  r„
von  links  nacb  leclits  immer  kleiner,  und  dies  gilt
um  so  iiicbr  von  der  liediiktion  |r„  e.)  |  dirsi  s
|{estes,  also  von  der  Uiiige,  um  webdie  in  der  sidiwarzeii
  Kurve  die  Ordinaten  der  rotben  naeb  reebts  verselioben
  erselieinen.  Es  wird  dalier  in  jedem  Absebiiitte
  mir  die  von  links  lier  erste  Streike  der
»ebwarzeii  Kurve  «aeber,  die  zweite  aber  sebón
steiler  sein  als  die  eiits^ireebende  Streeke  der  rotlieu
Kurve,  und  dieser  Neiguiigsimtersebied  muss  gegen
das  Ende  jedes  Absebiiittes  wieder  abnebnien.  Ibe
Folge  davon  ist,  dass  die  in  Eig.  «4  ebenfalls  seliwarz
„„(ñiitb  gezeiebneten  Abgeleiteten  der  lieidmi  Kurven
i;.sieb  in  jedem  Absebnitte  sebneideii  müssen;  die
si-ii'warze  Abgeleitete  beginnt  jedesmal  tiefer  mit  einer
längeren  und  tiaelieren  Strecke,  in  welelier  sie  von
der  rotben  Abgeleiteten  gekreuzt  wird;  sie  endet  in
jedeiii  Absebnitte  nur  wenig  biilier,  beginnt  aber  m
dem  reebts  iiäelistfolgemlen  wesentlieb  tiefer  als  die
rotbe.  Dadnreb  wird  aiisgediiiekt,  dass  der  Zwang,
        <pb n="561" />
        Õ31

nur  «ranze  )Tarktciulicifcn  zu  kaufen  oder  zu  verkaufen, ­
  es  «anz  l)e&amp;lt;ireiflielicrweise  mit  sieli  bringt,
dass  an  Jeder  solclien  Au-  oder  Verkaufsmeu^e  inner-F)&amp;gt;.

  84.

St

hall)  weiter  Ibeis^Teuzeu  festß^ehalten  wird.  Der  Entsehluss,
  eine  ^anze  Markteiidieit  mehr  zu  kaufen  oder
weniger  zu  verkaufen,  wird  nämlieh  erst  bei  einer
34*
        <pb n="562" />
        532

wesciitliclicii  rrcisenuäsöiouii^-  ^-etasst  werden  und
zumeist  anel,  nielit  wegen  einer  geringfügigen  Mehrkonsnintion
  oder  Minderprodnktion.  Ist  dagegen  dieser
Kntseldnss  aiieli  ansgeführt,  so  wird  der  Besitz  einer
mehr  gekauften  oder  weniger  verkauften  IMarkteinheit
das  Individuum  veranlassen,  aueh  l)ei  höherem  Preise
mehr  zu  verhrauehen  und  weniger  zu  erzeugen  als
heim  Umsätze  in  einzelnen  Stücken.  Selhstverständlich
  stellt  nur  die  rothe  Abgeleitete  zugleich  aueh  die
Angebots-  und  Nachfragekurve  hei  stückweisem  Umsätze, ­
  die  schwarze  Abgeleitete  aber  keineswegs  unmittelbar ­
  die  beim  Umsätze  in  ganzen  Markteinheiten
geltende  Angebots-  und  Nachfragekurve  dar.  Die
Uitztere  ergibt  sich  vielmehr  erst  dadurch,  dass  wir
ganz,  wie  früher,  jeden  Punkt  der  schwarzen  Abgeleiteten ­
  auf  dem  hetretfcnden  Radiusvektor  um  u,{  )
nach  rechts  verschieben.  Dadurch  muss,  da  nur  ganze
^larkteiidleiten  umgesetzt  werden  können,  und  da  hier
der  Rest  und  um  so  mehr  auch  dessen  anrechenhares
  Ausmass  Ui{)  stets  kleiner  als  Dins  ist,  jedei
Punkt  der  schwUrzen  Abgeleiteten  in  die  rechts  michstfolgeiide,
  ausgezogene  Vertikallinie  tallen.  \\  ii  können
also  die  Angebots-  und  Naehfragekurve  nun  auch  dadurch ­
  erhalten,  dass  wir  jede  von  einer  ausgezogenen ­
  Vertikallinie  nach  rechts  gehende  Radiusvektorstrecke ­
  bis  zu  der  rechts  nächstfolgendeu,  solchen
Vertikallinie  verlängern.  Zugleich  sehen  wir,  dass
der  Schnittininkt  der  schwarzen  Abgeleiteten  mit  der
jeweilig  geltenden  Preislinie  durch  seinen  Abstand
von  der  nächstfolgenden,  ausgezogenen  Vertikallinie
        <pb n="563" />
        533

«las  anredienbarc  Ausiiiass  u¡[  )  des  lîestes  zur
Aiiseliaiumg  briu^t.  Anderseits  erselieint  die  Reduktion
des  Restes  r„  in  dein  Abstande  der  dem  Selinittpnnkte
entspreelienden  Ordinate  der  seliwarzen  Kurve  qaOn
von  der  ¿,deieli  langen  Ordinate  der  rotben  so  dass
der  Abstand  der  letzteren  Ordinate  von  der  reelits
näebstfolgenden,  ansgezogenen  Vertikallinie  den  ganzen ­
  Rest  bemisst.  Hier  ist  es  also  inöglieb,  die
Vernntznngsinenge,  sowol  von  der  An-  oder  Verkanfsnienge,
  als  aneli  von  der  pbysiseb  verbrancliten  Menge
gesondeH,  darzustellen;  dies  wäre  jedoch  nicht  möglich, ­
  wenn  A  ein  Gebrauchsartikel  wäre,  dessen  einzelne ­
  Stücke  auch  nebeneinander  benutzt  werden,  oder
den  das  Individuum  auch  selbst  herstellt.  Der  Begriff
der  Verniitzungsmcnge  hat  sich  uns  aber  gerade  bei
den  Gebrauchsartikeln  darum  aufgedrängt,  weil  hier
auch  die  Ermittlung  der  an  irgend  einem  Stücke  noch
haftenden  Verlirauchsjierzente  (G5)  auf  subjektiver
Sehätzuug  beruht  und  daher  von  der  Schätzung  des
ökonomischen  Werth  es  der  verbleibenden  Reste  nicht
leicht  zu  trennen  ist.
        <pb n="564" />
        '  k,,

■  r-'L

E
        <pb n="565" />
        Aiilmiií»’  IV.
        <pb n="566" />
        fig

mÈÊ
        <pb n="567" />
        Die  ííleichmiííen  ziir  Bestimmung  aller  Meuten  iiml
Preise.

Wir  wollen  endlich  noch  zeigen,  dass  unsere  stets
wiederkehrende  Annahme  :
jedes  wirthsehaftlich  selbständige  Individuum ­
  strebt  die  ^rösstmö^lielie  Befriedigung ­
  an  und  weiss  die  hiezu  geeignetste
Komhination  zu  wählen,
für  sieh  allein  genügt,  um  eine  zur  Ermittlung  aller
llnl)ekannten  —  der  Mengen  und  Preise  aller  Artikel
—  ausreichende  Zahl  von  Gleichungen  aufstellen  zu
können.  Zu  dem  Ende  hezeiehnen  wir  mit
^la  )  ^Ib  ^In
^Ilal  ^Ilh  ^Iln

^Va")  ^Vb  ^vn
die  Mengen,  welche  die  sämmtlichen  auf  dem  Älarkte
verkehrenden,  wirthsehaftlich  selbständigen  Individuen
I,  II...y  von  allen  Artikeln  A,  B  ,  ..  W  kaufen  oder
verkaufen.  Wir  bemerken  hei  dieser  Gelegenheit,  dass
unseren  Annahmen  die  Vorstellung  zu  Grunde  liegt,
dass  nicht  nur  alle  Zahlungen  am  Ende  des  hetraeh-
        <pb n="568" />
        538

teten  Terminem  erfolgen,  mondem  dass  aneh  alle  Al&amp;gt;-«eldlisse
  in  einem  bestimmten  Zeitjuinkte  —  einer  einzio-en
  Markt-  und  Hörsenzeit  —  zu  l‘&amp;gt;e¿*inn  des  Termines
o-emaelit  würden;  dieser  Termin,  von  dem  wir  ^'cwölmlieli
  als  von  einem  Jahre  j^esproelieii  haben,  kann  aber

natürlieb  auch  ein  beliebig*  kürzerer  sein,
zeicliiien  wir  mit

Ferner  be-'^11

  Vii  •  •  •  •  Vv

den  scldiesslichcn  Bargeldbesitz  eines  jeden  der  auf
dem  jMarkte  verkehrenden  Individuen  und  mit

•  •  •  •
tO'Qllal  ....

to'^vai  .  .  •  •
die  von  denselben  erwarteten,  künftigen  Preise  der
versehiedenen  Artikel.  Wir  haben  dann  für  die  Befriedigung ­

2/,  Zjj  .  .  .  .  2y

der  versebiedeinvn  Individuen  die  Ausdiüeke
Zi  =  Vb  {^lal  ^ü'^lb  •  •  •  Vl)
Zjl  =  ^pll  ^inn  W'^IIb  •  •  •  ^JlHl  fij'ClInl  Vll)

2y  =  Ipp  {Xpal  ^U^pn’l
Wir  müssen  nun  allerdings  von  unseren  Individuen
annebmen,  dass  Jedes  derselben  binsielitlieb  jedes
Artikels  eine  bestimmte  Meinung  entweder  über  dessen
künftigen  Breis  t(j'Ç  selbst  oder  doeb  über  den  Betiag  (
        <pb n="569" />
        Õ30

der  zu  envartíMiden  Preisäiideriiii&amp;lt;j;-  In  den
Funktionen  j/^(  )  bleiben  dann  als  Unbekannte  die  uv
Mengen  x  und  die  gegenwärtigen  Marktpreise
....  tg  welche  für  die  Beträge  g  massgebend
sind.  Es  ist  nämlich

gi  —  Vio  ip^ia  'fg*^ii  4"  'fg^b~\~'-’~\~  ^¡n  ’^g^n)
Vu  —  Vllo  {p^Ila'tgO'^  +  Xjn/tgO-,^  +  ^JJn'fg^n)

Vp  =  gvo  —  i^va  •  4-  '  fg^ü  +...+  ^vn'fg^n),

wo  g¡i„  &amp;gt;  ■  ‘Vpo  jene  durch  den  anfänglichen  Besitz
bestimmten  Werthe  I)ezeichnen,  welche  die  Grössen
Vh  n¡i  ‘  -  Vv  (tnnehmen  würden,  wenn  die  Ausdrücke
in  (  )  =  0  wären.  Den  n{v  -j-  1)  Unbekannten  stellen,
wenn  wir  einen  geschlossenen,  mit  dem  Anslande  in
keinerlei  Verkehr  stehenden  Markt  voraiissetzen,  zunächst ­
  die  n  Gleichungen

^¡a  4“  ^Ila  4  .  .  •  .  4"  ^va  —  fl
^Ib  4  ^lih  4  •  •  •  •  4"  ^vb  ~  fl

Of  ln  4-  -f  4-  =  0

gegenüber,  welche  nur  der  Ausdruck  dafür  sind,  dass
ja  selbstverständlich  auf  einem  geschlossenen  Markte
von  jedem  Artikel  ebenso  viel  gekauft  als  verkauft
werden  muss.
Wir  müssen  nun  wieder  unterscheiden,  ob  irgend
ein  Individuum  in  irgend  einem  oder  mehreren  Artikeln ­
  monopolistisch  vorzugehen  vermag  oder  nicht.
        <pb n="570" />
        540

III!  letzteren  Falle,  wenn  also  angenommen  werden
konnte,  dass  in  jedem  Artikel  der  An-  oder  Verkauf
jedes  Einzelnen  g^^en  den  Gesammtaksatz  verseil  windend ­
  klein  sei,  haben  wir  für  das  Maximum  der  Hefriedi^'un^'
  die  hinsielitlieli  jedes  Individuums  und  jedes
Artikels  aufzustellende  Bedingun»’
dx

Daraus  er^^elieu  sieh  die  Gleiehun^en

10

dXja
Mi  )  =  Ml.  .  .,  M)  _  Ml
dxjia  drjii  dxjin  dfj¡¡

Ml  =  M  ..,  M  )  =  M  (  ).,,

dx

dri^

dx.

dr¡.

Die  Zahl  derselben  ist  nv  und  somit  in  Verbindung"
mit  jenen  18)  zur  Ermittlung"  sämmtlieher  Unbekannten
«»erade  ausreiebend.  Aueb  bemerken  wir,  dass,  wenn
diese  Gleiebungen  erfüllt  sind,  nicht  nur  alle  Ditterentialquotieuten
  =  0,  sondern  aueb  jene
dx

d  (zi  +  Zji  +  ....  -j-  Zy)  ^
dx
sind,  da  ja  in  dem  hier  angenommenen  Falle,  dass
jede  Einzelmen^e  ^e^^en  den  Gesammtabsatz  verschwindet, ­
  die  Befriedigung"  des  Einzelnen  von  den
        <pb n="571" />
        f)41

Mcn&amp;lt;i^en,  die  ein  Anderer  kauft  oder  verkauft,  iinabliänjii»-
  Ideild.  Wir  sehen  also,  dass  durch  die  Erfüllung ­
  der  G  lei  chimben  19)  nicht  mir  die  Hefriedi-•&amp;gt;nn^-
  2  jedes  Einzelnen,  sondern  auch  die  Hiiinine
(Z/  -f-  Z/7  +  •  •  •  •  +  Zy)
lind  somit  der  Geineinmitzen  am  grössten  wird.
Könnte  da^e^en  irgend  ein  Individuum,  z.  B.
jenes  I,  in  einem  oder  in  mehreren  oder  —  um  gleich
den  allgemeinsten  Fall  zu  hehandeln  —  in  allen  Artikeln ­
  zugleich  als  Monojiolist  anftreten,  so  hätten  wir

X

la

X,

ZU  setzen.  Die  Funktionen  W„(xj„),  Wi,{x„)  ....  ll«(a:;„)
hahen  die  analoge  Bedeutung,  wie  früher  jene  lF(a?„);
während  aller  dort  die  Funktion  W{  )  als  ^e^ehen
vorausgesetzt  war,  sind  diese  Funktionen  nun  ihrer
Form  nach  erst  zu  ermitteln.  Diese  neuen  Unhekannten
  treten  also  an  die  Stelle  jener  tgS-^.  .  .  .
fg,%^  so  dass  die  Gesammtzahl  der  Unhekannten  unverändert ­
  hleiht.  Das  Gleiche  ^ilt  auch  von  der  Zahl
der  Gleichungen,  indem  nur  jene,  die  oben  19)  in  der
ersten  Zeile  standen,  durch
dy,,{)  ^  ....,  )  •  K'K)
dxj„  di¡,  d?]i
zu  ersetzen  sind.
Wollten  da^e^en,  sei  es,  auch  nur  in  Einem  Artikel ­
  A  mehrere  Fersonen  zugleich  monopolistisch  Vorgehen, ­
  so  "wäre  dies  nur  im  Wejie  der  Koalition
möglich.  Bezeichnen  wir,  um  nur  den  einfachsten
        <pb n="572" />
        542

Fall  einer  Koalition  von  blosH  zwei  Personen  I  und
II  zu  behandeln,  deren  gemeinsame  An-  oder  Verkanfsmen^e
  {x¡„  -f-  x¡j„)  von  A  mit  .r,  so  haben  wir  nun

X

VAX  setzen.  Die  Funktion  IF(.r)  bat  für  die  Koalition
dieselbe  Pedentnn^",  wie  oben  die  Funktion  11„(.T/„)
für  das  einzelne  Individnnm  1,  nnd  ist  aneb  wieder
ihrer  Form  naeb  erst  zn  ermitteln.  Die  Zahl  der  Unbekannten ­
  bleibt  also  wieder  unverändert  nnd  ebenso
aneb  jene  der  Gleiebnn^en.  Fs  ist  nämlieb  die  erste
Gleiebnn^'  der  ersten  Zeile  Ib)  nun  dnreb
dx,„  di¡i  dx,„  '  *  J  diji  X?

lind  ebenso  die  erste  Gleiebnn^'  der  zweiten
dnreb

Zeile

dv'n{)  df„i)  d  r  W(x)-\_dxi&amp;gt;^)x,,W(x)  +  x„.-xW(x)
d.x,:^  dn„  '  dx,,„  '  X  \  dn„

zn  ersetzen.  Ganz  äbnliebe,  nur  ents])reebend  kom-]dizirtere
  Ausdrücke  würden  wir  erhalten,  wenn  wir
die  Koalition  einer  orJjsseren  Zahl  von  Personen  behandeln ­
  wollten.  Anderseits  sehen  wir,  dass,  wenn
der  Eine  oder  der  Andere  der  beiden  koalirten  Partner
alleiniger  j\lono])(dist  nnd  daher  x  =  Xj„  odei  x¡¡„

wäre,  jedesmal  die  betreffende,  der  beiden  zuletzt
anfaestellten  Gleiebnngen  sieb  in  diejenige  verwandeln

würde,  die  wir  oben  für  den  Fall  eines  einzelnen
Monojadisten  gefnnden  haben.
        <pb n="573" />
        54:)

ITnal)liäiioio-  davon,  ol)  die  ^icn^cn  und  Preise
dnreli  die  unveränderten  oder  dnreli  die,  wie  eben  besju’oeben
  wurde,  nioditixirten  Gleieiinn^en  li)j  l)estiinint
werden,  können  wir  liervorliel)en,  dass  in  einem  isolii’ten
  Lande,  wie  wires  liier  voranssetzen,  der  sebliessliebe
  Har(feidbesitz  //  aller  Individuen  I,  II  .  .  .r  znsainnien^enoninien
  der  Summe  //„  ihrer  anfän^Iieben
Har&amp;lt;&amp;gt;eldbesitze  gleich  sein  müsse.  Es  ist  nämlieb
//=  +  7/,,  -  -f  7],,„  4-  .  .  .  +  rivo  -  Ul  &amp;gt;K  +  ^Iia  +  •  •  •  +
—  (.ry„  +  .r  //„  +  •.•  +
oder  in  Eol^e  der  Gleiebnn^en  18)
//  ~  7J¡,^  -f~  '^Ilo  “P  •  •  •  “p  'fjrn  ~  /
Dieses  Resultat  kann  niebt  befremden,  wenn  wir  uns
^eoenwärti«*’  halten,  dass  die  Herstellung  von  Geld
ein  staatliebes  Re^al  ist  und  daher  keinem  der  Individuen ­
  I,  II  ...  r  znstelien  kann.  Dies  &amp;lt;»ilt  ansnabmslos,
  wenn  die  Zirkulation  nur  auf  Staatspajiierleid
bernbt  und  sowol  .Metallgeld  als  Hanknoten  ans^eseblossen
  sind.  In  einem  sideben  Lande  unterließt
die  zirknlirende  Geldmeiiße  aueb  keiner  Vennindenniß,
wenn  wir  davon  abselien,  dass  Pajiier^eld  von  PrivaP
personen  zntalliß  oder  absiebtlieb  zerstört  werden  kann.
Anders  ist  es,  wenn  wir  eine  metalliselie,  z.  H.
Goldwälmniß,  vor  uns  haben,  und  wenn  eine  Anstalt  —
eine  Präßestelle  —  besteht,  welebe  Harren  in  beliebißer
  Meiiße  zu  einem  festen  Preise  einlöst,  weleber
um  den  Seblaßseliatz  J  niedrißer  ist  als  der  ans  dem
Münzßesetzlesnltirende  Paritätsjireis  /7/L  des  Goldes.
Zn  diesem  letzteren  Preise  sind  dann,  wenn  wir  von
        <pb n="574" />
        —  544  —

(leu  o-criii&amp;lt;&amp;gt;-cii  Kosten  der  Einsclnuelzuuo-  abselieu,
Harren  aueJi  jederzeit  in  beliebiger  Menge  erliältlieb.
Es  bleibt  dann,  wenn  wir  unter  dein  Artikel  A  Goldliarren
  verstehen,  die  erste  der  Gleiebiingen  18)  nur
insolange  in  Kraft,  als  sieli  aus  der  Gesainintheit  der
Gleiehnngen  18)  und  19)  ein  soleber  Preis  tgder
Goldbarren  ergibt,  dass
{tg  —  //)  c  tg  &amp;lt;  tg  ihj
ist.  Es  wird  dann  weder  neues  Geld  ge])rägt,  noeb
früher  vorhandenes  zu  Harren  eingeselnnolzen,  so  dass
//  =  //„  bleibt.  Würde  jedoeb  ans  der  Gesannntbeit
der  Gleiebnngen  18)  und  19)  ein  sol  cd  i  er  Preis  der
Goldbarren  resnltiren,  dass
tg  &amp;lt;  {tg  ihj  —  J)  oder  tg  &amp;gt;  tg  ih,
wäre,  so  würde  diese  Lösung  der  Gleiebnngen  18)
und  19)  nicht  in  Geltung  treten.  Vielmehr  müssten
wir  an  Stelle  der  ersten  der  Gleichungen  18)  die  neue

H  elation
{xja  4-  Xju,  4  ...  4-  =  0

S(dzen,  wo  eine  neue  Unbekannte  ist,  welcbe,  je
nachdem  sie  ])Ositiv  oder  negativ  ist,  das  zu  Münzen
auszuprägende  oder  das  durch  Einschmelzen  von
Münzen  herzustellende  Quantum  Gold  in  Harren  liezeicdniet.
  Gleichzeitig  hätten  wir  in  den  Gleichungen
17)  und  19)  den  unbekannten  Preis  tgi)\,  das  einemal
durch  {tgl)-j  —  /l),  das  anderemal  durch  tgth^,  also
jedesmal  durch  einen  von  vorneherein  gegebenen  Preis,

zu  ersetzen.  Dagegen  kömmt  die  l\Ienge  als  neue
Variable  hinzu,  so  dass  die  Zahl  der  Unbekannten
        <pb n="575" />
        545

ebenso,  wie  jene  der  Gleieliuii«»en,  uiiveräiidert  bleibt.
Für  den  gesaininten,  sebliesslielien  Bargeldbesitz  haben
wir  nun  das  eineinal

//  =  //„  -h  ■  {tg  ihi  —  J),
das  andereinal
//  ^  //„  -h  x^  tgO-j,

und  da  x^  iin  ersteren  ?  alle  ])ositiv,  ini  anderen  aber
negativ  ist,  so  nimmt  der  Betrag  des  umlaufenden
Geldes  um  x^-{tg  O-j  —  J)  zu,  bzw.  um  den  nunieriseben
  Werth  von  x^-tgO-,  ab.
Stellen  wir  uns  nun  vor,  dass  in  dem  betraebteten
  Lande  eine  mit  dem  Beeide  der  Zettelemission
ausgestattete  Bank  bestehe,  und  nehmen  wir  an,  dass
dieselbe  Zablungsverspreebungen  einer  bestimmten
Kategorie  zu  einem  festen  Preise  in  beliebiger  Menge
ankaufe,  also  z.  IL  Wechsel  gewisser  Personen  zu
einem  festen  Satze  e  eskom]dire;  der  einfacheren  Darstellung ­
  wegen  setzen  wir  ferner  noch  voraus,  dass
dieses  Geschäft  erst  in  dem  betraebteten  Jahre  beginne, ­
  und  dass  keiner  dieser  Wechsel  vor  Jabressebluss
  fällig  sei.  Bezeiebne  nun  A  diese  bestimmte
(iattung  von  Wertb)m)deren,  so  werden  wir  die  Auflösung ­
  der  Gleiebungen  18)  und  ID),  auch  wenn  wir
von  der  Prägung  und  Finselimelzung  von  Münzen  abselieii,
  nur  dann  gelten  lassen  können,  wenn  sieb

hierbei

tgiK

100-f
100

ergibt,  in  vveleliem  Falle  dann  kein  Weelisel  A  bei
lier  Bank  eingereiebt  werden  wird.  Andernfalls  hätten
Auspitz  u.  l.icboii.  UiiUTBUoli.  üb.  (1.  Tbcoric  d  l’roiscs,  Ab
        <pb n="576" />
        —  f)46  —

wir  in  (len  Gleiclnin^en  17)  und  111)  den  nnl)ekannten
I’reis  durch  die  Konstante  ^  und  die  erste
der  Gleichungen  18)  durch
{Xl^  +  +  .  .  .  +  Tyj  -f  =  0

ZU  ersetzen,  wo  x^  nun  den  Betrag  der  seitens  der
Zettelhank  eskoniptirten  Wechsel  A  hezekîhnet.  Die
Zahl  der  Unbekannten  und  Gleichungen  hleiht  also
wieder  unverändert,  und  der  schliesslich  in  Umlaut
helindliche  Gesainintgehlhetrag  ist  nun

11=  //„  +

100  —£
100

I  )ie  beiden  angeführten  Beisj)iele  erforderten  deshalb ­
  eine  besondere  Behandlung,  weil  wir  angenommen
haben,  dass  die  Goldbarren  und  die  bestimmte  Kategorie ­
  von  Wechseln  in  beliebiger  Menge  zu  einem  bestimmten ­
  Preise  begeben  werden  können,  so  dass  die
Nachfrage  der  Baidc  nach  den  Wechseln  oder  der
Prägeanstalt  nach  Goldbarren  durch  eine  Gerade  statt
durch  eine  Kurve  darzustellen  wäre.  In  gleicher
Weise  liessen  sieh  alle  jene  zahlreichen  Fälle  behandeln, ­
  in  welchen,  wie  bei  Trans])ortleistungen,  Assekuranzen ­
  und  selbst  bei  vielen  Artikeln  des  Kleiiiverkehres
  —  wir  erinnern  nur  an  das  früher  ((&amp;gt;!))
behandelte  Beispiel  der  Zigarren  —  die  Preise  durch
feste  Tarife  bestimmt  werden;  doch  haben  wir  eben
an  dem  Beis])icle  der  Zigarren  gesehen,  dass  sowol
die  Angebots-,  als  auch  die  Naehfragekurve,  wenn
sie  auch  eine  bestimmte  Strecke  weit  geradlinig  ver-
        <pb n="577" />
        )47  —

%

laufen,  sicli  scliliesslicli  docli  krümmen  müssen.  Ebenso
würde  es  sieh  ancli  in  allen  anderen  Fällen  zeigen,
dass  die  tarifmässi^'  fest^estellten  Preise  keineswegs
für  unbegrenzte  Mengen  anfreebt  erhalten  werden
können,  und  dies  »ilt  auch  von  den  Wechseln  und
Goldbarren.  Keine  Hank  und  keine  Prä^estelle  wäre
im  Stande,  nnendlielie  ]\ren^en  zu  nnverändeiden  Hedinonnoen
  anfznnebmen;  der  Eskoinptesatz,  bzw.  der
Scbla^satz,  müsste  erhöbt  oder  doch  die  Prä^nn^
dnrcb  den  mit  ungemein  lano^en  Lieferfristen  verbundenen ­
  Zinscnverlnst  vertbenert  werden,  wenn  die
Inans])rnebnabme  eine  allzn^rosse  würde.  Wird  auf
diesen  Umstand  Hüeksicbt  genommen,  so  entfallt  die
Notbwendi^keit,  die  besproebcnen  Fälle  als  Ansnabmen
zu  behandeln,  und  gelangen  wir  vielmehr  dabin,  ancb
Hanken  und  Aktien^esellsebaften,  Korj)orationen  und
Gemeinden,  sebliesslieb  aneb  den  Staat  selbst,  in  die
Zahl  der  Individuen  einznreihen.  Allerdings  ergibt
sieb  hierbei  manche  neue  Komjdikation.  Die  wirtbsebaftende
  Einzel])erson  strebt  mir  ihre  eigene,  grösstmögliebe
  Hefriedignng  an  und  ist  dabei  auf  die  eigene
Ueberlegnng  und  Tbätigkeit  angewiesen  und  innerhalb ­
  der  gesetzlichen  Schranken  mir  sieb  selbst  verantwortlieb. ­
  Dagegen  wird  in  kleinen  und  grossen
Köriierscbaften  die  grösste  Hefriedignng  nicht  etwa
mir  der  mit  der  Verwaltung  unmittelbar  betrauten
Personen,  sondern  die  aller  Interessenten  —  der  Aktionäre, ­
  der  Kor))orations-  oder  Gemeindeglieder,  endlieb
der  Staatsbürger  —  angestrebt,  und  indem  diese  je
nach  Statut  oder  \  erfassnng  mehr  oder  weniger  in
3ö*
        <pb n="578" />
        548

(1er  La^e  sind,  zur  Erreicluin«&amp;gt;-  dieser  ^rüsstmü^lielien
llefriedioim«“  direkt  oder  dureli  Vertrauensmänner  initziiwirken,
  wird  die  TTeberle^nn^',  die  1  iiäti^keit  und
die  Verantwortim^'  in  den  inanin^faltij&amp;gt;-steii  Abstntnnj^en
  und  Kombinationen  anf  verseliiedene  Personen
vertbeilt.  Jedesfalls  wird  die  grösste  Befriedigung  aller
Betbeiligten,  aucb  jener,  die  anscbeinend  gar  keinen
wirksamen  Eintlnss  besitzen,  angestrebt;  wir  finden  hier
also  nur  in  vergrössertem  Massstabe  das  (Beiebe  wieder,
wie  wir  es  sebón  früher  wabrgenommen  haben,  da  wir
ja  niebt  bloss  von  Einzelpersonen,  sondern  von  wirtbsebaftlieb
  selbständigen  Individuen  gesproeben  haben,
die  als  Familienväter,  Ilausbaltungsvorstände  oder
lliiteriiebmer  ihre  gr&amp;lt;(sstmögliebe  Befriedigung  niebt
ohne  Uüeksiebt  auf  die  Zufriedenheit  ihrer  Angehörigen,
ihres  Gesindes  oder  ihrer  Mitarbeiter  erreieben  konnten.

Wir  wollen  nun  untersueben,  weleben  Einfiuss
eine  dureb  irgend  eine  IJrsaebe,  z.  B.  dureb  eine  Emission ­
  von  Pajfiergeld,  bewirkte  Vermehrung  der  in  dem
betraebteten,  naeb  aussen  abgeseblossenen  Lande  zirkulirenden
  Geldsumme  ausüben  würde.  Dabei  sehen
wir  der  Einfachheit  halber  von  dem  Bestände  einer
Zettelbank  und  selbst  einer  Prägestelle  ab,  so  dass
]f  ^  //^  bleibt,  aber  nun  grösser  als  früher  ist.  Es
müssen  dann  auch  alle  oder  doeb  einige  der  antänglieben
  Einzel-Bargeldbesitze  ??/„,  ?///„.  •  •  grösser  als
früher  sein.  Würden  nun  die  Betretfenden  an  ihren

früheren  Mengen  x  aller  Artikel  testhalten,  und  winden
überdies  auch  alle  Preise  Ufth  unverändert  bleiben,  so
würde  bei  jeder  dieser  Personen  der  scbliesslicbe  Bar-
        <pb n="579" />
        54!)

»■cl(ll)(*8Ítz  i¡  um  ebenso  viel  ver^rösseil  sein  als  der
anfan^liebe.  Nun  werden  aber  die  ]\len^en  und  Preise
niebt  unverändert  bleiben  ;  denn  bei  jenen  Personen,
deren  sebliesslieber  Parj^eldbesitz  nun  grösser  als
trüber  ist,  werden  die  Ditferentialqnotienten  ^
dl]
nun  kleiner  sein.  Die  betreitenden  Gleiebnn^en  19)
können  daher  nur  dann  erfüllt  bleiben,  wenn  entweder
aneb  die  I  )itterentinlqiiotienten  —^  kleiner  oder
dx
die  Preise  t(jd-  höher  würden.  Nun  lie^t  aber  kein
Grund  vor,  warnni  in  Pol^e  des  ver&amp;lt;rrösserten,  sebliesslieben ­
  Par^eldbesitzes,  so  lan^e  die  Mengen  x  unverändert ­
  bleiben,  die  Ditferentialqnotienten  ^
dx
kleiner  werden  sollten;  nur  die  auf  Xablnn^sversprecben
inländiseberWäbrnn^  bezü^lieben  Ditferentiabjnotienten
werden  mit
dx  dl]
der  Wertbsebätznn^  des  Par«reldes  aneb  jene  des  künfti«ren
  Geldes  abnebmen  muss.  Die  auf  andere  Artikel
bezüirlieben  Ditferentiabinotienten  ^  könnten  wol
dx
dann  kleiner  werden,  wenn  die  betreffenden  Mengen
X  al^ebraiseb  grösser  würden;  dies  würde  aber,  wenn
es  bei  einigen  Personen  wirklieb  eintreten  sollte,  vermöge ­
  der  Gleielinno-en  18)  wieder  bei  anderen  Personen ­
  eine  al^ebraisebe  Verkleinerung  der  Mengen  .t,
also  eine  Zniialmn*  der  Ditferentiabinotienten
dx

kleiner  werden,  weil  mit
        <pb n="580" />
        550

1111(1  somit  iiciierliHic  Stöniii^cii  der  Glei(*liini&amp;lt;i,eii  10),
luicli  sicli  zielieii.  Ks  köiiiieii  also  die  Gleieliiiii^eii
1&amp;lt;S)  und  10)  nur  dadiireli  wieder  erfüllt  werden,  dass
die  Preise  Uj  th  aller  Artikel,  wenn  aueli  ni(dit  alle
gerade  ^leielimässi^,  steifen,  wälirend  nur  die  Preise
der  festen  %alilun^svers]ireelien  sieh  weni&amp;lt;¿,-  oder  «^ar
ni  eilt  erhöhen  werden.  In  Wirklichkeit  ])tlej»t  allerdings ­
  eine  Vennehrnn«'  der  Zirkulationsmittel,  welche
durch  den  internationalen  Verkehr,  durch  das  \  erhalten ­
  der  Zettelhanken  und  andere  von  unserer  jcO/i-&amp;lt;&amp;gt;•(‘11
  Hetraehtuno-  ausgeschlossene  ITrsaehen  bewirkt
sein  kann,  zunächst  ein  Sinken  des  Zinsfiisses,  also
Preissteigerungen  der  Werth]iapiere,  einschliesslich  der
Za  h  1  u  11  (j!,s  vers]  necl  i  en,  zu  hi^  wirk  en.  Die  Preise  der
Waren  und  Pimlitäten  folgen  erst  später  nach,  wenn
die  lU‘h(‘rzeuouii^*  allgemein  diirch^edrun^en  ist,  dass
man  es  nicht  mit  einem  hloss  vorüher&amp;lt;^ehenden,  sondern ­
  mit  einer  dauernden  Vermehrung'  der  Zirkulationsmittel ­
  zu  thun  hahc;  dann  phe^t  die  erste  \\  irkun^
wieder  zu  verschwinden  und  der  Zinstiiss  zu  seiner
iirs])riiii&amp;lt;2,lichen  Höhe  zuriickziikehr(‘n.  Solche  voriiher-(^eliende
  Wirkungen  auf  den  Zinsfiiss  liessen  sich  an
der  Hand  unserer  Formeln,  widclie  voraussetzen,  dass
alle  Zahlungen  erst  am  Ende  und  alle  Ahschliisse  am
Pmoinne  eines  Termines  statttinden,  nur  daun  verfolgen, ­
  wenn  wir  kürzere  als  einjährige  Termine  hetraehten
  wollten.  Wir  hemerken  noch,  dass  auch  unsere

frühere  Ausführung"  (IG),  dass  nach  einer  ein  A^io
von  107,,  herheiführenden  Pa]iier^eldemission  schliesslich ­
  eine  allmmieine  und  oleichniässioe  Preissteigerung
        <pb n="581" />
        5f)l

um  10%  eiIItreteII  werde,  nur  unter  der  Vurauwsetzuu^
zulässig  war,  dass  die  Werthsehätzuu^  des  Geldes
sieli  bei  allen  Individuen  gleielnnässi^  ändere.
Lbenso,  wie  eine  wirkliebe  Vernielirun^  der  Zirkulationsmittel, ­
  wirkt  aueb  sebón  die  blosse  Erwartungeiner
  solelien.  Dann  werden  nämlieb  die  von  den  Einzelncn

  erwarteten,  künftigen  Preise  tfjt  aller  oder  doeb
vieler  Artikel  steigen,  wodureh  die  Vorratbsbaltun¿c
eben  dieser  Artikel  vortlieilliafter  wird;  dies  kommt
in  einer  Vergrösserung-  der  betrettenden  Ditterentialijuotienten
  ^  zum  Ausdrueke,  so  dass  zur  Wiederdx

Iierstellung  der  Gleiebungen  18)  und  Ib)  eine  Steigerung ­
  der  gegenwärtigen  Preise  tgO'  aller  dieser
Waren  eintreten  muss.  Selbstverständlieb  hat  eine
wirkliehe  oder  erwartete  Verminderung  der  Zirkulationsmittel ­
  die  genau  entgegengesetzte  Wirkung.  Es
ist  jedoeh  wol  zu  beaehten,  dass  die  Wirkung  einer
vermehrten  Menge  von  Zirkulationsmitteln  dureh  eine
gleiehzeitige  Steigerung  des  Geldbedaifes  des  Landes
aufgehoben  werden  kann.  Um  dies  an  einem  einfaehen
  Heis|)iele  zu  zeigen,  stellen  wir  uns  vor,  dass
nur  der  Geldbedarf  eines  Individuums  I  um  einen  Hetrag
  d  zugenomnien  habe,  und  zwar  verstehen  wir
darunter  eine  solche  Aenderung,  sei  es,  in  den  persönliehen
  Eigensehaften  dieses  Individuums,  sei  es,  in
seinem  »Anfaiigsbesitze  an  Vorräthen  versehiedener  Artikel, ­
  dass  dasselbe  bei  jeder  bestimmten  Kombination
die  gleiche  Befriedigung,  wie  früher,  nun  bloss  dann
emjifinde,  wenn  sein  sehliesslieher  Bargeldbesitz  um
        <pb n="582" />
        (len  lletnig  ()'  jçriisser  nis  vorilein  w;ire.  l&amp;gt;ie  Befncdiguii!«-
  des  so  veränderten  Individnnnis  1  wird  dalier
statt  durch
ipl  [Xia-,
min  durch
(/&amp;lt;,  x„„  ....  .T„„  t¡j'í„ñ  ('/(-'&amp;gt;')  I

ITS-I,C,„essen,

  nnd  diese  Konnändernn}{  der  liefriedlsun
fnnktion  ist  also  der  aindytis(die  Ansdrnck  datnr,  dass
aus  was  immer  für  Gründen  der  Geldbedarf  des  Individuums ­
  I  um  den  Betrag  /aigenommeii  bat.  Xelnnen
wir  ferner  an,  dass  sicdi  gleieli/.eitig  aneli  die  in  dem
betraehteteii,  isolirten  lamde  zirkulirende  Geldmenge
um  denselben  Betrag  d',  und  zwar  dadnreb  vermeint
habe,  dass  der  antanglielie  Bargeldbesitz  des  Individuums ­
  r  um  eben  so  viel  grösser  geworden  sei,  so
hat  dies  naeli  dem  frülier  (Anli.  II,  1)  Gesagten  auf
die  Form  der  Befriedigungsfiinktion  ip,{  )  keinerlei
Findiiss.  Die  Gleieliimgen  IN)  und  1!))  werden  also
mm  genau  dieselbe  Lösung,  wie  frülier,  ergeben,  und
daher  alle  Mengmi  .r  und  alle  Preise  Uj  !)■  die  gleielien
1,leiben,  weil  ja  dann  der  sebliesslicbe  Bargeldbesitz
des  Individnimis  1  in  der  'l’hat  inn  d  grösser,  somit
seine  Befriedigung  die  gleiebe,  wie  frülier,  sein  wird.
Der  Kindnss,  den  die  Vermelirung  der  /irkiilationsmittel
  um  den  Betrag  d  für  sieb  allein  im  Sinne  einer
allgeuieinen  Preiserböbimg  ausgeübt  bätte,  wird  also
dadnreb  aiifgeboben,  dass  gleiebzeitig  der  Geldbedarf
des  ludividunnis  I  und  somit  aiieb  jeiier  des  ganzen
Landes  um  eben  denselben  Betrag  d  gestiegen  ist.
        <pb n="583" />
        Wäre  diese  Vermeliruii^’  des  Geldbedarfes  allein  eiii-^etreteii,
  so  hätte  dies  die  Preise  ebenso  gedrückt,
als  wenn  bei  gleicbbleibendem  Geldbedarf  der  anfänglicbe
  Bargeld  besitz  des  Individnnms  I  und  somit ­
  des  ganzen  Landes  um  â  kleiner  geworden  wäre.
Ebenso,  wie  durch  eine  Vermehrung  des  Geldbedaifes
Einzelner,  wird  der  Geldbedarf  eines  ganzen  Landes
auch  daun  wachsen,  wenn  die  Zahl  seiner  13ewoliner
zunimmt  und  nicht  etwa  gleichzeitig  der  Geldbedaif
der  einzelnen  Individuen  kleiner  wird.
Wir  wollen  nun  noch  den  Fall  behandeln,  dass
der  von  uns  betrachtete,  bisher  nach  aussen  völlig  abgeschlossene ­
  Markt  mit  einem  anderen  stärkte  oder
Lande,  das  wir  als  Ausland  bezeichnen,  in  Verkehr
trete  ;  doch  nehmen  wir  der  Einfachheit  halber  an,
dass  dieser  internationale  Verkehr  sich  ausschliesslich
auf  einen  einzigen  Artikel  A  beschränke.  Wir  haben
dann  die  erste  der  Gleichungen  18)  durch
Xja  ~\r  ^Ila  d“  .  .  .  .  H“
ZU  ersetzen,  wo  eine  neue  Unbekannte  ist,  welche
nun,  je  nachdem  sie  positiv  oder  negativ  ist,  die  in  dem
betrachteten  Jahre  in  das  Inland  zu  importirende  oder
aus  demselben  zu  exportirende  Menge  von  A  bezeichnet.
Die  für  das  Inland  geltenden  Gleichungen  18)  und  19)
sind  nun  zur  Ennittlung  aller  Unbekannten  nicht  mehr
ausreichend,  wol  aber  können  wir  mittelst  derselben  alle
inländiscben  Mengen  x  und  alle  Preise  tgd-  als  Funktionen ­
  der  einen  neuen  Variablen  x^  ermitteln.  Wir
setzen  dann

tgx^a  —  ^;(^o)'
        <pb n="584" />
        554

Unter  den  im  Inlande  in  Betraeht  kommenden  Artikeln
B  .  .  .  N  erscheinen  nun  zwei  früher  nicht  im  Verkehr ­
  gewesene  Artikel,  und  zwar  die  ausländische
Währung  und  der  Transport  des  Artikels  A  von  oder
nach  dem  fremden  Markte,  wobei  wir  der  Kürze  wegen
annehmen,  dass  diese  Verfrachtung  ganz  und  ausschliesslich ­
  von  Inländern  besorgt  und  in  inländischer
Währung  bezahlt  werde.  Auch  die  Einzehnengen  a’,
sowie  die  Preise  tgd-^  und  tgd',  dieser  beiden  neuen
Artikel,  werden  durch  die  Gleichungen  18)  und  19)
als  Funktionen  von  hestimmt,  und  wir  setzen
tg^^^n^(x„)  und  igS-,  =  ti^{x^).
Wir  haben  dann  für  den  in  ausländischer  Währung
ausgedrückten  Preis  von  A  auf  dem  ausländischen
Markte
n,{x,)-n,(x„)  .  71,(x^)  +  71,  (x„)
7t.  (X„)  7t.  (X.)

je  naclulem  ist.  Nmi  weiden  wir  aller  antierseits
  auch  für  das  Ausland  solche  Gleichungen,  wie
jene  18)  und  19),"  aufstellen  und  aus  denselben  alle
dortigen  Einzelmengen  x  und  alle  dort  geltenden  Preise
tg^  als  Funktionen  von  a:.  bestimmen  können.  Bezeichnen ­
  wir  dann  den  so  ermittelten  Preis  von  A  mit

so  haben  wir  endlich

^a(^a)l

7l'

\  Orter  =

und  aus  dieser  Gleichung  wird  sich  die  allein  ühiig
        <pb n="585" />
        -  555  —

gebliebene  Unbekannte  ergeben.  Ebenso  Hesse  sieb
(las  Problem  aiieb  dann  behandeln,  wenn  der  internationale ­
  Verkehr  nicht  bloss  auf  Einen,  sondern  auf
beliebig  viele  Artikel  und  nicht  bloss  auf  zwei,  sondern ­
  auf  beliebig  viele  Märkte  sich  erstrecken  würde,
auch  dann,  wenn  in  diesen  Ländeni  Prägeanstalten
und  Zettelbanken,  von  deren  Vorhandensein  wir  hier
wieder  abgesehen  haben,  bestünden,  wodurch  jene
mannigfaltigen  Komjdikationen  erwachsen,  an  welchen
der  wirkliche  Geschäftsverkehr  so  reich  ist.  Die  Eröi-terung
  dieser  verwickelten  Fälle  darf  um  so  eher
unterbleiben,  als  es  sich  hier  nur  darum  handeln
konnte,  an  einigen  einfachen  Beispielen  darzulegen,
wie  unsere  Betrachtungsweise  sich  auch  auf  die  Geldtheorie ­
  ausdehnen  Hesse.
        <pb n="586" />
        ñ

fl

I
        <pb n="587" />
        •‘Aï

.  ..  y

'Î\4Î

m

■

I  K  i.

^  .  f

:f  ■

n
        <pb n="588" />
        a

i
        <pb n="589" />
        B

2

B

1

F  A  BARTHEL
        <pb n="590" />
        '.-iS-%



gy

%

im

a

a

im

%

■M-m,

m

■m

M

%

AS

»,

#

I#

ÜN#

%

sr-r

%

&amp;gt;--v&amp;gt;,

rj^.

m

t:'/

V:

:#

^1%

•*c.-*

-;x.

#

&amp;gt;v

,¿5

iswr

3)

iW

%

5%

'*■*„

Ci&amp;gt;-5

3^

.'vS

SJ£

s?

KC;

*5^

m

SC:

'sy¿

1-ÍSK

%

M:

AV&amp;gt;

.V'-%5:



206502814129

'-.  *C4I
        <pb n="591" />
        r

m

0

3.2

O

2.0

O

25

0?

Q.

&amp;lt;o

ï

0

2.0

CO

9

25

O  Ç

s.

006
        <pb n="592" />
        m
        <pb n="593" />
        <pb n="594" />
        <pb n="595" />
        .1
        <pb n="596" />
        <pb n="597" />
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
