<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Ursachen der Amerikanischen Concurrenz</title>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>82998979X</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>366 
Ein deutscher Rédacteur, Herr Wolf aus Nebraska, den 
wir in Colorado trafen, sagte uns, man könne das Land west 
lich vom Mississippi gut und gern „Neudeutschland“ nennen, 
denn über die Hälfte der Farmen, und zwar die besten, sei 
schon im Besitze von Deutschen, Scandinaviern und Schwei 
zern und ihre Zahl wachse von Jahr zu Jahr. Sie kauften die 
Amerikaner mehr und mehr aus und blieben dauernd auf den 
Farmen. Wenn der Mann nicht sterbe, oder arbeitsunfähig 
oder ein Säufer werde, so käme jeder solcher Ansiedler zu 
Wohlstand, es sei denn, er lasse sich auf Speculationen ein 
oder habe sonst ein besonderes Unglück. Die Verwaltung 
ganzer Grafschaften sei schon deutsch. Dieser starke und 
wachsende deutsche Zusatz wird dem ganzen Westen Amerikas 
einen eigenthümlichen Charakter geben. Der Deutsche gc* 
winnt hier jene Selbstständigkeit und jenes Selbstbewusstsein 
wieder, das ihm zwei bis drei Jahrhunderte bureaukratischer 
Bevormundung „im alten Lande“ fast geraubt haben. Es ist 
vollkommen nutzlos, die Auswanderung von drüben durch 
unwahre Warnungen hemmen zu wollen. Dagegen giebt es 
nur ein wirksames Mittel: wirthschaftliche und politische R^' 
formen. Man soll auch nicht vergessen, dass der Staat hier 
zwar überall vollständig freie Staatschulen, bis zur Universität 
hinauf, schafft, aber jedem Familienvater das Recht lässt, seine 
Kinder zu erziehen, wie er will, und ausserdem volle Freiheit 
der Kirche gewährt. Wie sieht’s dagegen bei uns aus?? 
Die Zahl der Farmer vermehrte sich in enormer Weise 
von 38.202 im Jahre 1870 auf 138.561 im Jahre 1880, wovon 
115.910 von den Eigenthümern, 4.438 von Pächtern und 
18.213 von Métayers bewirthschaftet wurden. Davon waren 
unter 3 Acres gross 62, von 3—10 Acres 997, von 10—20 
Acres 1.658, von 20—50 Acres 9.539, von 50—100 Acres 
31.078, von 100—500 Acres 93.823, von 500—1000 Acres 
1.169, über 1000 Acres 235.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
