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        Ursachen 
der 
Amerikanischen Coneurrenz.
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        Alle Rechte, auch das Uebersetzungsrecht, Vorbehalten.
        <pb n="7" />
        •' J -i 
Ursachen 
der 
ÂmiinlaQiscliGii I^Giciffeiz. 
Ergebnisse einer Studienreise 
der Herren: 
Grafen Géza Andrassy, Géza und Imre Széehényi, 
Ernst Hoyos, Baron Gabriel Gudenus und 
Dr. Rudolph Meyer 
durch die Vereinigten Staaten. 
Herausgegeben 
von 
f D" R. MEYER. 
Mit einer Yerkehrskarte der Union. 
BERLIN. 
Verlag von Hermann Bahr. 
1883.
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        Dem 
friedfertigen, fleissigen, unterrichteten, wohlhabenden 
Volk von Amerika 
und seinem Gesandten in Wien, 
M£ TAFT 
mit Hochachtung gewidmet 
vom Verfasser 
Rudolph Meyer. 
Paris, 
August 1883.
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        ^ H: 
r 
III!: 
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fc.r'l
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        Vorwort. 
^it dem Studium der amerikanischen Production und des 
amerikanischen Handels, sowie der noth wendigen Rückwir 
kungen beider auf die wirthschaftliche Dekadenz Europas habe 
ich mich bereits seit Ende der sechziger Jahre beschäftigt 
und schon Anfangs der siebenziger Jahre den Dr. Rodbertus 
daraut aufmerksam gemacht, dass seine Grundrenten-Verschul 
dungs-Theorie den von ihr erwarteten Dienst — den Grund 
besitz bei der Grundbesitzerfamilie und also bei der Nation 
zu erhalten versagen werde, wenn die landwirthschaftlichen 
Producte, durch die Concurrenz Amerikas, im Preise fallen, 
^^S^gen die Arbeitslöhne in Europa, wegen der Auswanderung 
europäischer Arbeiter nach Amerika, steigen würden, und 
dass die Verminderung der Grundrente in Europa um so 
schneller sich vollziehen werde, je mehr Antheil am nationalen 
Arbeitsproduct der Staat von Jahr zu Jahr in Form von 
Steuern sich aneigne. 
Dem setzte Rodbertus entgegen, dass ich nur dann Recht 
haben würde, wenn in Amerika eine friedliche und rein öko 
nomischen Zwecken hingegebene Gemeinschaft entstehen sollte. 
Eine solche habe es, selbst in viel kleinerem Umfange, nie gegeben 
und würde es noch viel weniger eine solche vom Umfange eines 
Continents geben. Vielmehr werde die Union sich spalten und 
wir würden in Nordamerika ein ähnliches Schauspiel erleben, 
Wie in Süd- und Mittelamerika, dessen Republiken sich fort 
während bekämpfen und dadurch ihre Concurrenzkraft so ge-
        <pb n="12" />
        II 
schwächt haben, dass sie thatsächlich noch jetzt wirthschaftlich 
abhängig von Europa sind. 
Dies klang sehr plausibel, hat sich aber nicht bewährt. 
Amerika ist bis jetzt eine friedfertige, ökonomische Ge 
meinschaft geblieben und wird es vorläufig wohl noch lange 
sein. Seine Concurrenz wird uns von Tag zu Tag gefähr 
licher und hat zwei grosse Reiche Mitteleuropas bereits veran 
lasst, eine, meiner Ansicht nach, ganz falsche Schutzmassregel 
in Form von Agrarzöllen einzuführen. 
Unter solchen Umständen hielt ich es für nützlich, eine 
Studienreise nach Amerika zu machen. Ich verliess am 
31. Januar 1881 Wien und kam am 16. März 1882 dort wieder 
an, nachdem ich in dieser Zeit 27.300 englische Meilen gereist 
war. Amerika verliess ich schon Ende December 1881 und 
fuhr langsam über England, Frankreich und Italien nach Wien 
zurück. Den grössten Theil der Reise machte ich in Gesell 
schaft von fünf Herren aus Oesterreich-Ungarn. 
In der Folge gebe ich eine Schilderung der Reise in Ame 
rika von Station zu Station und füge an geeigneter Stelle Ab 
handlungen über besondere Studienobjecte bei. Die Schluss 
zusammenstellung ist erst Sommer 1883 erfolgt und dabei 
vieles neueste statistische Material, namentlich solches, welches 
der Census von 1880 ergab, benutzt worden. Diese letzten 
Zahlen sind zuweilen etwas anders als entsprechende ältere 
im Text, die den vorläufigen Censusbulletins entnommen sind. 
Die meisten Zahlen über Productionskosten, Handels- und 
Transportspesen sind den Geschäftsbüchern der amerikanischen 
Unternehmer entnommen. Besonderen und grossen Dank 
schulde ich den österreichisch - ungarischen Gesandtschafts 
und Consularbeamten in Amerika, welche uns nicht nur per 
sönlich bei all jenen Behörden und Geschäftsleuten einführten, 
deren Bekanntschaft werthvoll für uns war, sondern die uns auch 
nach unserer Abreise fortlaufend bis jetzt statistische Daten 
und Texte von Gesetzen zusandten, den Herren Baron Meyer,
        <pb n="13" />
        Ill 
Gesandter in Washington, Graf zur Lippe-Weissenfeld, Ge 
sandtschaftsrath in Washington, Generalconsul Baron Have- 
meyer, Consul und Vicecónsul von Fritsch und Meyer in New- 
York, den Consuln Claussenius in Chicago, Baron von Meysen- 
bug in New-Orleans, Hochkoffler in San Francisco und 
Schulz in Montreal. Von grösster Zuvorkommenheit haben 
sich die Amerikaner uns gegenüber bewiesen und uns vollen 
Hinblick in ihre Geschäfte gestattet, weil sie keine Concur- 
renten in uns zu fürchten hatten. 
Das Material an solchen Gesetzen, welches ich in den Verei 
nigten Staaten sammelte, die viel zu dem raschen Aufschwung 
und zur Befestigung des Wohlstandes daselbst gethan haben 
und noch thun, publicire ich gleichzeitig in einem anderen 
Werke, das im selben Verlage mit diesem erscheint. 
Der Leser wird in diesem Buche einer anderen Auffassung 
^^K^gnen, als in den meisten andern Büchern über Amerika. 
Hr wird weder auf eine Schwärmerei über angeblich muster 
gültige Institutionen stossen wie in Tocqueville’s Démocratie 
en Amérique, noch auf eine absprechende Verurtheilung alles 
Amerikanischen, der in viele Institutionen daselbst unleugbar 
eingedrungenen Corruption wegen. 
Aber den Hindruck möchte ich hervorbringen, dass die 
Union dem Menschen seinen gottgewollten Zweck hienieden 
innerhalb ihrer weiten Grenzen besser erreichen lässt, als 
irgend ein europäischer Grossstaat. Der Leser wird nur, wenn 
er mein gleichzeitiges Werk über die socialen Gesetze Amerikas 
liest, mich ganz verstehen. Die Union ist der existente Protest 
der Menschlichkeit, Menschheit, Christlichkeit gegen den europä 
ischen Bureaukraten- und Militärstaat. Dritthalb Millionen 
Menschen sind in Huropa dem Frieden der Arbeit, während der 
Blüthe ihrer Jahre, entzogen. Anstatt Ackerbaumaschinen baut 
Torpedos, Krupp sche Geschütze, Grüson’sche Panzerstände 
und die leidende Arbeiterschaft antwortet mit Dynamit. Beides 
ist gleich unchristlich und die friedfertige Union steht Himmel-
        <pb n="14" />
        IV 
hoch über dem in Barbarei versinkenden Europa. Die Union 
ist gleichfalls der Protest der Menschheit gegen den Centra- 
lismus, den bureaukratischen Polizei- oder sogenannten Rechts 
staat, gegen eine antik - heidnische Staatsomnipotenz. Die per 
sönliche und politische Freiheit, die Pressfreiheit, die Ver- 
sammlungs- und Vereinsfreiheit, die Religionsfreiheit, die Frei 
heit der Eltern, ihre Kinder erziehen zu lassen, wie sie wollen und 
daneben die kostenlose öffentliche Schule, die freie Selbstverwal 
tung, der Beamte als Diener und nicht als Vormund und Tyrann 
des Volkes— das sind ja lauter entschwundene europäischeideale, 
die drüben verwirklicht sind, freilich von Menschen, die sündig 
und unvollkommen sind, wie alle Erdgeborene. Darum giebts 
auch dort Missbrauche innerhalb der Institutionen. Allein dort 
sind die Institutionen gut und bei uns sind die meisten 
schlecht. 
Aus diesen Gründen verehre ich das friedfertige, grosse, 
intelligente und freie Volk von Amerika. Mögen die Völker 
Europas ihm in allem Guten, das es vor uns voraus hat, 
ähnlich werden!
        <pb n="15" />
        Inhal ts-Uebersicht. 
Vorwort 
Capitel 
1. Hinüber 
2. Persönliche Ueberlegenheit der Amerikaner . 
3. Unsere Auswanderer in Amerika 
4. Die Ackerbau - Production der nordamerika 
nischen Union seit zehn Jahren 
5. Getreide-Transportanstalten in den Hafenstädten 
am Atlantischen Meere 
6. Kosten des Getreide-Transports von Amerika 
nach Europa 
7. Der Export frischen Fleisches von New-York 
8. Im Hafen von Philadelphia und dem Kohlen 
becken von Pennsylvanien 
9 Mineralische Schätze der nordamerikanischen 
Union. . . • 
10. Washington 
11. Ein Audienztag in Washington 
12. Das Ende Garfield’s 
13. Von Washington bis Florida 
14. Florida 
15. Der Süden 
16. New-Orleans 
17" Texas 
18. Der Handel mit texanischem Rindvieh . . 
19. Der Panama-Canal und die amerikanische Politik 
20. Reise von New-Orleans bis Kansas-City . 
21. Die Gründung des deutschen Adelsvereins in 
Texas 
Seite 
I—IV. 
1—8 
9—14 
ï 5—45 
46—4^ 
49—67 
68—125 
126—135 
136—144 
H5—H9 
150—152 
153—160 
161—165 
166—172 
173—186 
187—203 
204—217 
218—234 
235—252 
253—291 
292—302 
303—322
        <pb n="16" />
        VI 
Capitel 
22. Reise durch Kansas 
23. Cimarron, ein Grossgrundbesitz in Amerika 
24. Verwaltung eines Territoriums der Union 
25. In Colorado, Neu-Mexico und Arizona . 
26. Das Landsystem und Agrarrecht der Union 
27. Von Neu-Mexico nach Californien .... 
Landwirthschaftliche Behörden und Vereine 
Californien 
Das Communicationswesen der Un 
Die Mormonen 
Von San Francisco nach Chicago 
Amerikanischer Schweinehandel. 
34. Von Chicago nach Manitoba 
35. Unterrichtswesen der Union . . 
36. Landwirthschaftliches aus Illinois 
37. Molkerei industrie der Union. 
38. Durch Michigan nach Ostcanada 
39. Staats-, County- und Township-Verfassung 
Michigan (von Graf Geza Andrassy) . 
Canada 
Rindvieh-Export von Canada .... 
Summarische Uebersicht der wirthschaftlichen 
Situation der Union . . . 
28. 
29. 
30 
31- 
32 
33 
on 
on 
40 
41, 
42 
Seite 
323—366 
367—399 
400 408 
409 42I 
422—432 
433—447 
448—454 
455—484 
485—511 
512—548 
549—576 
577—606 
607—647 
648—653 
654—672 
673—680 
681—691 
692—699 
700—714 
715—7:9 
720—815 
Anhang. 
a) Münz, Maass- und Gewichts-Tabelle 
b) Verkehrskarte der Vereinigten Staaten nach der neuesten 
Aufnahme von Rand, Mc Nally &amp; Co., Chicago, U. S. A.
        <pb n="17" />
        I. Capitel. 
Hinüber! 
^ In der Luftlinie liegen die beiden Hauptstädte Wien und 
engere geistige Verbindung zu setzen 
jm egnffe bin, wohl nicht 5000 englische Meilen von einander 
Weg zwischen beiden betrug jedoch 4914 Meilen. 
■ ^ einen directeren Weg zwischen ihnen, der kürzer 
ist; aber unter Umständen ist der gerade Weg, wenn auch 
'urzeste zwischen zwei Orten, doch nicht der angezeigteste 
und ich fand mich in der Lage, die Ausfallspforte der neuen 
e t auf einem reizenden — Umwege zu suchen. Die per 
son ichen Gründe dafür will ich Niemand aufdrängen. Indess 
wird Jedermann es verstehen, dass ich mir den Abschied von 
Luropa so einzurichten suchte, wie man ihn wünschen muss, 
P? neuen Welt gerne an die Rückkehr zu denken, 
^^inen schöneren Umweg, der direkt zu diesem Ziele führt, 
... ^ ^nn Wien aus, glaube ich, nicht wählen, als den 
u er enedig, Mailand, Genua, Nizza, Marseille, Paris, London, 
Liverpool; und wenn man nun das Glück hat, die Strecke bis 
i izza in lieber Gesellschaft geistvoller und unterrichteter 
1 ^U’Zu noch die Riviera in offenem Wagen und bei 
lerr ic em Wetter, wie ich es dort vom 6. bis 10. Februar 1881 
un , zw ischen blühenden Rosen und goldene Früchte tragen- 
( en Orangen- und Mandarinenbäumen zu durchfahren, so ist 
Wirklich eine Reise nach Amerika nicht mit mehr Raffinement 
einzurichten. Freilich bringt man es dabei auf fast 5000 eng 
lische Meilen! 
Ueberdies hatte ich die Absicht, noch einmal das so wunder 
voll künstlich bewässerte Nord-Italien, die mit Frucht- und
        <pb n="18" />
        2 
Olivenbäumen so sorgfältig angebaute Riviera und jenes Süd- 
Frankreich zu sehen, in dem der Kleinbesitz und die Métayage 
die sorgfältigste Ausnützung des Bodens, durch eine dichte Be 
völkerung und mittelst Handarbeit, bis jetzt vor den ver 
derblichen Folgen der überseeischen Concurren/ noch ge 
schützt hat, bevor ich nach England käme, wo die soge 
nannte intensive Wirthschaft, mit viel Kapital und Maschinen, 
seit meinem letzten Aufenthalte daselbst im Verfall weitere 
Fortschritte gemacht hat. Mit dem frischen Eindrücke des 
italienisch-französischen Wirthschaftssystems einer-, des engli 
schen andererseits, wollte ich an das Studium jener amerikani 
schen Landwirthschaft treten, über welche die Urtheile in 
Europa so weit auseinander gehen, deren Einfluss sich aber 
fast kein Land mehr entziehen kann. Nichts ist, um neue Er 
scheinungen richtig zu beurtheilen, so nützlich, als sie mit be 
kannten zu vergleichen. Ohne allzuviel Sophistik komme ich 
also zu dem Schlüsse, dass der von mir gemachte Umweg 
nicht nur mir, sondern auch den Lesern dieses Buches zugute 
kommen wird. 
In Paris fand ich die herzlichste Aufnahme in den Kreisen 
conservativer Socialpolitiker, worin man sich für die projectirte 
Reise lebhaft interessirte. Herr Le Play, der von seiner 
schweren Krankheit vollständig wiederhergestellt war und so 
eben den letzten Druckbogen seiner ,,Constitution“ vollendete, 
hatte die Güte, mir seinen Rath für meine Studien nicht vor 
zuenthalten, doch bitte ich, von diesen keine Resultate zu er 
warten, die sich mit jenen dieses europäischen Altmeisters im 
Reisen, Beobachten und Schildern messen oder auch nur an 
nähernd vergleichen könnten. Man kann von Le Play viel 
lernen, vor Allem, was ich stets in seiner Gesellschaft empfand 
— Bescheidenheit! 
Sehr wesentliche Belehrung über die Art, wie ich mit 
Nutzen in Amerika zu reisen hätte, verdanke ich dem genialen 
Schüler Le Play’s, Herrn Claudio Jannet, dessen Werk: „Les 
Etats-Unis contemporains ou les moeurs, les institutions et les 
idées depuis la guerre de la sécession, ouvrage précédé d une 
lettre de M. Le Play. Paris. Plon &amp; Cie. 1876“ ich neben jenem, 
das ich gleichzeitig über amerikanische sociale und Heimstätten-
        <pb n="19" />
        3 
1* 
gesetze herausgebe, zur Lecture wärmstens empfehle. Es hat 
mich fortwährend geleitet, und wenn ich eine wesentlich opti 
mistischere Ansicht von Amerika mitgebracht habe als Herr 
Jannet, so nimmt dies dem Werth seines Buches nichts. Er 
hatte den Westen nicht so gründlich gesehen als ich. Das 
würde er gefunden haben, was er in den reichen und alten 
Nordoststaaten vermisst, dort würde ihm jene Corruption weni 
ger begegnet sein, die er hier fand. Abgesehen davon ist 
sein Werk das beste der mir bekannten über die socialen 
Verhältnisse in der Union. 
Ein actives Interesse nahmen die Herren des „Oeuvre 
ouvrière catholique“ an einer Expedition, die leider nicht, 
wie ursprünglich gehofft, durch ein Mitglied aus dem Faubourg 
St. Germain verstärkt wurde. Sehr begreiflich, denn der 
amerikanische Einfluss auf Europa ist ein eminent socialer, 
weil er die materielle Grundlage der europäischen socialen 
rdnung atomweise zermürbt und wegwäscht. In diesem 
p euvre“ haben die socialen Studien seit 1878 sehr erfreuliche 
ortschritte gemacht, nachdem die Ideen des Löwener Professor 
enn, an die er selbst, seinen neuesten Arbeiten nach, kaum 
mehr im früheren Grade glaubt, darin überwunden wurden, 
und man zu der Einsicht kam, dass gegen allgemeine 
eb e 1 nicht individuelle Mittel, wie es die Charite immer sein 
tVn*^' ausreichende Abhilfe gewähren können. So brauch- 
französischen conservativen Socialreformer nicht erst 
des R geistvollen Schwiegersohn des Dr. Karl Marx, 
* h jenes Communismus, der nunmehr auch in Frank- 
noch in Frage kommt, Herrn Lafargue, darauf auf- 
mer 'sam gemacht zu werden, dass die amerikanische Con- 
^•^jî^^-^^^^^’^^^^^^sf^communistischeAgitatorist, weil 
sie le endenzhat, den altgesessenen europäischen Grundbesitzer- 
stan zu proletarisiren und an seine Stelle die, bei uns vor 
wiegend semitische Plutokratie zu setzen, eine sociale Ordnung, 
welche von indo-germanischen Völkern keinesfalls lange er- 
^agen werden wird. Ich fand die Herren des „Oeuvre“ voll 
ewusstsein der in dieser neuen Wechselwirkung der beiden Erd- 
t eile liegenden socialen Gefahr, ganz durchdrungen von derUeber- 
zeugung, dass wir bereits mitten in der gewaltigsten
        <pb n="20" />
        4 
socialen Revolution leben, welche die Weltgeschichte 
kennt, weil sie den Grundbesitzerstand von Invernes bis Warschau, 
von Christiania bis Messina kleinweise — auf durchaus legalem 
Wege — beseitigt. Auch ist man hier viel weiter als in 
England, wo man — unglaublich, aber leider wahr — noch 
vom ,,freien Grundbesitz“ Abhilfe erwartet. Nachdem 
Ee Play gegen einige Grundsätze des Code Napoleon so 
viele Jahre in unermüdlicher und meisterhafter Weise gekämpft 
hat, wird dieses Gesetz und seine sociale Wirkung mehr und 
mehr im Ganzen ein Object der Kritik in Frankreich. Selbst 
Herr Claudio Jannet, der im Ganzen noch der alten, liberal- 
ökonomistischen Schule angehört, obschon er religiös auf 
einem ganz anderen Standpunkte steht, hat in jenem verdienst 
vollen Werk über Amerika die Wichtigkeit der amerikani 
schen Agrargesetze anerkannt, welche mit dem Code Napoleon 
durchaus unvereinbar sind. 
Alle Herren versicherten mich, dass die Noth der grösse 
ren Grundbesitzer in Frankreich eine steigende sei. Wer seine 
Aecker gegen fixe Geldleistung verpachtet hatte, erhielt ent 
weder keinen, oder doch einen geringen Pacht, oder er musste 
den Pächter ruiniren, was nicht nur hart, sondern auch un 
zweckmässig ist, denn ein neuer Pächter findet sich höchst 
selten. Das reine Metayagesystem bewährt sich noch am 
besten, indem der Grundbesitzer doch Etwas erhält. Mir 
scheint, dass die reine Geldwirthschatt, die nur zu bald auch zui 
Creditwirthschaft wird, in Europa, soweit Kleinbetrieb in Rede 
steht, bald aufgegeben werden muss, und zwar wird der ,,nie 
drige Preis“ dies bewirken. Die ganz kleinen Grundbesitzer 
leiden in P'rankreich noch nicht unter der Concurrenz, da sie 
eben den grössten Theil ihrer Produkte consumiren, wenig 
oder gar nicht verschuldet, sehr sparsam und frugal sind und 
der Preis ihrer Markterzeugnisse, die ja nicht in \\ eizen und 
Fettvieh bestehen, noch fast gar nicht afficirt ist. In solchen 
Weingegenden, die von der Reblaus heimgesucht sind, ist es 
freilich etwas Anderes. Auch das russisch-communistische Mir- 
Agrarsystem mit wegen Schulden der Besitzer unverkäuflichem 
Boden, widersteht an sich dem Einfluss der Concurrenz, da es, 
seinem Begriffe nach, nicht auf Geld gestellt ist. Möge man
        <pb n="21" />
        5 
das in den slavischen Ländern Oesterreichs bedenken und durch 
,,Schuldentlastung“ und „Homstead-Exemption“ dem russischen 
Systeme das Praevenire spielen. Was können Bontoux’sche 
Agiobanken in dieser Richtung nützen? Die „Union générale“ 
desselben ist zwar schon verkracht, allein Leute, denen nicht 
zu helfen ist, hoffen dennoch das Heil Oesterreichs von deren 
Tochter, der berufenen „Länderbank“. 
Die Auswanderung englischer Farmer ist nicht so bedeu 
tend, wie man noch vor Jahr und Tag erwarten durfte, jedoch 
nicht desshalb, weil sich etwa die Lage der englischen Land- 
wirthe gebessert hätte. Dieselbe verschlimmert sich vielmehr 
zusehends. Allein, die Grundbesitzer suchen die Farmer im 
Lande zu behalten, indem sie die Pacht ermässigen, auch die 
schon fällige zum Theile nachlassen, wenn auch nicht durch 
schnittlich um 50 Percent, wie der Herzog von Bedford, jedoch 
nur unter der Bedingung, dass der Pächter weiter auf der 
Farm bleibe! Zieht derselbe ab, so muss er die rückständige 
f acht zahlen, löst aber aus dem Verkaufe des lebenden und 
todten Wirthschaftsinventariums, wovon das Angebot weit die 
Nachfrage übersteigt, wenig Geld und behält somit in den 
seltensten Fällen Mittel genug, um in Amerika unter günstigen 
Verhältnissen ein selbstständiges Wirthschaftsleben zu beginnen. 
N ichtsdestoweniger wandern manche aus und sehr viele Grund 
besitzer verfügen über verlasfene Farmhöfe. Manche schränken 
ihren Haushalt ein. Andere kaufen in Amerika Grundbesitz. 
Auf demselben Schiffe, das uns nach New-York führte, fuhr 
der älteste Sohn des Lord Airley hinüber, der schon seit mehr 
als Jahresfrist in Colorado ansässig ist und sich jetzt von 
Europa allerhand Finrichtungsgegenstände, worunter drei 
wundervolle, starke Jagdhunde und — einen Kampfhahn nebst 
drei dazu gehörigen Hennen geholt hatte. Ferner reiste ein 
junges Ehepaar mit uns hinüber, das nach dem „fernen Westen“ 
ging. Der Gatte war Beamter in der Wirthschaftskanzlei eines 
Lords gewesen, aber entlassen worden, weil sein Brodherr die 
Administration der Güter vereinfachte. Er war vor i V2 Jahren 
nach Jowa ausgewandert, hatte dort eine schon im Betriebe 
befindliche Farm von 300 Acres gekauft, ein angemessenes 
Wohnhaus gebaut, war dann nach England zurückgekehrt, um
        <pb n="22" />
        t 
6 
sich zu verehelichen und brachte nun seine junge Frau, eine 
schöne, sehr wohlerzogene Dame, welche uns wiederholt durch 
ihr meisterhaftes Clavierspiel erfreute, mit herüber. — Der 
Capitán erzählte uns, dass solche wohlerzogenen Leute, die 
nicht unbedeutende Mittel mitnähmen, unter den Cajüten- 
passagieren fast auf jeder Reise zu finden seien. Englische 
Farmer, die vielleicht mehr Geld besässen als diese, zögen 
Deckplätze — der Billigkeit wegen — vor. 
In London versammelte sich unsere kleine Expedition von 
sechs Mitgliedern, bestehend aus den Herren Graf Ernst Hoyos, 
Baron Gabriel Gudenus, beide aus Oesterreich, und den drei 
ungarischen Grafen Imre und Geza Szechenyi und Geza Andrassy. 
Wie sie zu Stande kam, ist von rein privatem Inreresse. Der 
Plan meiner Reise wurde schon 1879 gefasst, als ich in England 
war. Seither habe ich an demselben gearbeitet und dabei die 
thatsächliche Unterstützung des Herrn Professors Dr. L. v. Stein 
gefunden. Wenn sie einigen Erfolg haben sollte, werde ich 
den zum guten Theile — nebst manchem Anderen — diesem 
geistvollsten der lebenden deutschen Nationalökonomen ver 
danken. Die Herren, mit welchen ich die Reise machte, billig 
ten meine Ideen, hatten jedoch einige Absichten bei der Reise, 
die den meinigen ferner lagen, und so haben wir uns während 
der Reise wiederholt in Gruppen getheilt; während einer 
längeren Jagdexpedition der anderen Herren bin ich — von Salt- 
Lake - City bis Chicago — auch allein gereist, schliesslich 
kamen wir wieder zusammen, verliessen jedoch getrennt, in 
zwei Gruppen, Amerika. Graf Andrassy und ich Ende Decem 
ber, die andern vier Herren schon im October 1881. Staats 
wissenschaft, Forstwissenschaft, Nationalökonomie fanden in 
der Gruppe je ihre Vertreter, dazu kam der Wunsch Einiger, 
auch die Jagd in Amerika kennen zu lernen, die für mich wenig 
Interesse hat. 
Am 23. Februar 1881 fuhren wir von London, am 24. 
Nachmittags 5 Uhr von Liverpool bei schönem, stillen Wetter 
ab und erreichten anderen Tages früh Queenstown in Irland, 
wo die letzten Passagiere und die Postsachen an Bord kamen. 
Um 4 Uhr 45 Minuten Nachmittags lichteten wir hier die Anker 
und erreichten am 5. März um 9 Uhr die Höhe des Leucht-
        <pb n="23" />
        7 
thurmes von New-York, Sandy-Hook. Die Schiffe rechnen die 
Reisedauer stets von Queenstown bis hier. Wir hatten den 
Ocean also in sieben Tagen und i6 Stunden durchschnitten, 
eine sehr kurze Zeit. Freilich ist die „Britannic“, der „White 
Star Line“ gehörig, eines der grössten und schönsten Schiffe, 
die je gebaut wurden, von 4800 Tonnen Raumgehalt. Einige 
Tage begünstigte uns ein Nordostwind, so dass die Segel ge 
braucht werden konnten, am letzten Tage aber blies der Wind 
stark von vorne und hemmte den Lauf des Schiffes erheblich. 
— Es giebt drei Routen von Queenstown nach New-York. 
Die nördlichste ist die kürzeste, 2783 Knoten, die mittlere ist 
2855 Knoten und die südliche 2889 Knoten lang. Je nach 
Jahreszeit und Windrichtung wählen die Schiffe eine der 
selben. Wir fuhren bis zum i. März auf der mittleren und 
gingen dann auf die nördliche über. Die schnellste Fahrt 
machten wir von 12 Uhr Mittags am 2. bis dahin am 3. März, 
nämlich 398 Knoten, à 1.85 Kilometer (die englische Meile 
misst 1.61 Kilometer). Die schnellste Fahrt, welche je ein 
Schiff gemacht, war die eines Segelschiffes vor dem 
Sturme in der Gegend des Cap der guten Hoffnung. Sie be- 
trug 428 Knoten in 24 Stunden. — Die See war in der Mitte 
unserer Fahrt sehr hoch, rauh; das grosse, fast 400 Fuss lange 
Schiff rollte doch sehr empfindlich. Am 26. Februar überfiel 
die Seekrankheit Graf Ancjrassy und mich, und einige Tage 
später hatte auch Graf Imre Szechenyi einen kleinen Anfall. 
Die anderen drei Herren blieben ganz von ihr verschont. Am 
4- März waren wir Alle gesund und sehr munter, obschon die 
See sehr hoch ging und wir den Wind halb von vorne hatten, 
mithin das Schiff sehr schwankte. Im Ganzen ist die Fahrt 
weit Weniger lästig, als man sich das vorzustellen pflegt, ob 
schon Seekrankheit gewiss eine Unannehmlichkeit ist. Ueber 
das Schiff, die Bedienung, die Kost und Reinlichkeit war kein 
Tadel möglich. Die Kost sagte uns, die wir aus Oesterreich 
kamen und weniger compacte Nahrung gewöhnt waren, freilich 
nicht zu, ist aber in verschwenderischer Fülle und, was Fleisch 
anbelangt, in ausgezeichneter Qualität für die Cajütenpassagiere 
vorhanden. Auch die Deckpassagiere werden auf den Schiffen 
dieser Linie so verpflegt, wie es wahrscheinlich nur wenigen
        <pb n="24" />
        8 
von ihnen früher geboten war. Die Speisekarte dieser Klasse ent 
hielt am 3. März; zum Frühstück i. Irish Stew, 2. frisches Brod 
und Butter, 3. Kaffee; zum Diner i. Gerstengraupensuppe, 
2. frisches Rindfleisch, 3. gekochte Kartoffeln, 4. Reispudding; 
zum Abendessen i. Brod und Butter, 2. Thee, 3. Gruel — eine 
Art Suppe. Von allen Speisen dürfen die Deckpassagiere nach 
Belieben viel oder wenig nehmen. Ich erfülle noch die an 
genehme Pflicht, die ausgezeichnete Liebenswürdigkeit des 
Capitän Hamilton Perry zu erwähnen, die sich bis auf unseren 
Aufenthalt in New-York erstreckte. 
Ich gebe diese Details nicht, weil ich die Anmasslichkeit hätte, 
dem Publicum Antheilnahme an meinen persönlichen Erlebnissen 
zuzumuthen, sondern um unter den besitzenden Classen des Con 
tinents jene Scheu zerstören zu helfen, welche sie noch immer 
vor einer langen Seereise haben. Und dies zu wünschen, gibt 
es sehr sachliche Gründe, die ich gelegentlich weiterhin zu er 
wähnen nicht unterlassen will. Es ist nur zu wünschen, dass 
die besitzenden Classen Amerika sehr genau kennen lernen, 
was nur durch eigene Anschauung möglich ist. Nun ist frei 
lich die Seereise ja nicht ohne Gefahr, allein wie selten geht 
auf den Schiffen der grossen Dampferlinien nach Amerika ein 
Leben verloren! Der Mangel an Ventilation in den Cabinen, 
wenn die See tagelang hochgeht und der Geruch von der 
Küche auf der unter Wind liegenden Seite des Schiffes, sind 
Unannehmlichkeiten; die grösste ist die Seekrankheit. Graf 
Andrassy erklärte, als er am stärksten unter ihr litt, ganz 
ernsthaft, er werde diesen abscheulichen Weg nie wieder 
machen, sondern — über das asiatische Russland heimreisen! 
Allein, kaum war das Leiden überwunden, so änderte sich auch, 
und zwar mit einem Schlage, die Stimmung, und man empfindet 
die Seereise als ein herrliches, entzückendes, fast schauriges 
Vergnügen. Die grossen Dampfercompagnien aber thun in 
der That Alles, um dieses Vergnügen auf den Gipfel zu 
bringen, die Unbequemlichkeit der Krankheit zu mildern.
        <pb n="25" />
        II. Capitel. 
Persönliche Ueberlegenheit der Amerikaner. 
Ueber New -York als Stadt ist soviel geschrieben worden, 
ass es überflüssig ist, meinen Eindruck von dieser zweit- 
grossten Hafenstadt der Welt mitzutheilen. 
f rl J^ufnahme, welche wir in New-York und Philadelphia 
an en, übertrifft Alles, was Europa an liebenswürdiger Höflich- 
'^^nt. Die Herren: General-Consul Havemeyer und Fa- 
ry ^*isul V. Pritsch, Mr. Armshous, Gowen, Keim, Lorenz, 
Ute mson, Robinson — ein Freund Le Play’s und Claudio 
Jannets, durch die ich bei ihm eingeführt war — Frank Thom- 
^ns und viele Andere haben uns in wirklich unvergesslicher 
eise die Honneurs ihrer reichen Heimatstädte gemacht, uns 
^•e prachtvoll eingerichteten Clubs und ihre Familienkreise ge- 
çj Hiners gegeben und* durch die sehenswerthesten in- 
Anlagen persönlich oder durch die sachverständig- 
d " ^*^uer geleiten lassen. Geschäftsmänner haben gestattet, 
SS \\ir Einsicht in die Bücher nahmen und uns die authentisch- 
über den Handel verschafften. 
^ knüpfe an einen in amerikanischen Reisebeschreibun 
gen oft ausgesprochenen Gedanken an, dass die Ameri- 
überlegen seien. Fast Jedermann aus der 
...^ enden Gesellschaft hier kennt, nebst seiner ganzen 
ami le, Europa genauer als ich, der ich doch viel darin 
fdazu kennen Alle Amerika, viele die 
^an er Asiens, welche am Stillen Ocean liegen. Junge 
amen sprechen, wie von der natürlichsten Sache von der Welt, 
^ ^on, dass sie ein Dutzend Mal den Atlantischen Ocean durch- 
ren haben, eine junge Frau hatte es 26 Mal gethan, obschon
        <pb n="26" />
        IO 
iie kaum 21 Sommer gesehen haben mochte. Dabei haben sie 
;ine grosse Kenntniss fremder Sprachen und gleichen, gerade 
wie in der ausgesuchtesten Eleganz, den Französinnen darin, 
dass sie die Herren an Sprachkenntniss übertreflfen. Englisch, 
Französisch und eine romanische Sprache, Italienisch oder 
Spanisch, sprechen fast alle und viele sehr gut Deutsch. Dies 
Reisen und Studiren erweitert nun den Blick der Amerikaner 
beider Geschlechter und macht sie, soweit sie der Classe der 
Reichen angehören, uns überlegen. Die Armen haben fur ihre 
Kinder volle Freischule. Sogar die Gymnasien sind frei und 
werden fleissig benützt. Die ganz ungebildet herüber kommen 
den Irländer fühlen tief den Mangel an Schulkenntniss in diesem 
Lande, wo sie so verbreitet ist, und senden ihre Kieder vor- 
zugsweise regelmässig in die Schulen. Die Bildung wird hier 
so allgemein, wie sie es in der Schweiz und im scandinavischen 
Norden ist. Die geschäftliche Erziehung der gebildeten 
Stände aber ist die beste von der Welt, weil erstens technische 
ï^:hnm^alum von gr^is^ Vonmghd^^it vm^amkn smd, 
talentvolle Techniker aus allen Ländern jährlich einwandern, 
da sie hier höhere Bezahlung erhalten, als in Europa und nun 
ihrerseits Lehrer der Amerikaner werden, endlich junge ameri 
kanische Techniker ihre Erziehung nicht für abgeschlossen halten 
und keine Aussicht auf gut bezahlte Anstellungen haben wer 
den wenn sie sich nicht über Studien an europäischen An 
stalten und Studienreisen in Europa ausweisen können. An 
gestellte höhere technische Beamte reisen oft nach Europa, 
auf Kosten der Anstalten, denen sie dienen, um Specialstudien 
zu machen oder Ausstellungen zu besuchen. 
Selbst die ungebildeten Einwanderer kamen hier gescheidter 
an, aK sieeswanm, da ^eiW^PEñmat 
fâcher Landarbeiter, der nie sein — sagen wir böhmisches 
Dorf - verlassen, bevor er sich zur Auswanderung nach Amerika 
entschloss, muss eine lange Eisenbahnfahrt durch Deutschland 
machen, die doch Neues für ihn bietet. Er sieht die Stadt 
Hamburg, den Hafen, Seeschiffe, macht eine achttägige See 
reise, muss Geld wechseln, sich in Ländern durchsch agen, 
deren Sprache er nicht, oder doch nur unvollkommen kennt, 
kommt in einer der grossen amerikanischen Hafenstädte an.
        <pb n="27" />
        die selbst iür uns, die wir so manche Stadt gesehen, so viel 
Interessantes und Neues bieten, wie viel mehr jenem schlichten 
Bauer! Nun reist er vielleicht looo englische Meilen in Amerika, 
bevor er einen Arbeitsplatz erreicht. Die Arbeit ist hier eine 
andere als daheim, weil überall mehr oder minder Maschinen 
arbeit. Er muss seine Arbeitsgewohnheit ändern — oder ver 
hungern. Thut er ersteres, so erntet er einen Lohn, der ihm 
fabelhaft hoch erscheint und in der That die nothwendigen 
Ausgaben für den Lebensunterhalt — wie ich detaillirt be 
richten werde — um ein Drittel mindestens übersteigt. Dies 
reizt den Sparsinn. Der führt hin zum Besitz, zunächst von 
Geld. Letzteres wird in Sparcassen angelegt, dann zum An 
kauf eines Hauses oder Ackergrundstückes verwendet. Hier 
bei wird er nicht selten betrogen und dadurch gewitzigt. Oder 
^ folgt dem Rath wohlwollender Arbeitgeber oder erfahrener 
ollegen und placirt seine Ersparnisse sicher, lernt also mit 
e d geschäfts- und fast bankmässig umzugehen .... Dies ist 
eine ausgezeichnete Schule für einen Menschen, der ohnehin 
einen gewissen Grad von Energie besass — weil er sonst 
nicht ausgewandert wäre. Freilich kommen viele in der ersten 
Zeit ihres Hierseins geradezu um, ehe sie irgendwo festen Fuss 
gefasst haben, denn mehr als anderwärts ist es hier le premier 
pas qui coute — allein über ihre Leichen hinweg strömt ein 
an^hwellender Strom neuei Zuzüglinge und die meisten be 
ste en die harte, aber lehrreiche Prüfung .... Nach einigen 
J ren ist ein ganz ungebildeter Eingewanderter umsomehr 
ein Viel tüchtigerer Mensch geworden, als er sich hier so ausser- 
or entlieh gut nährt, beköstigt. Er gleicht einer Pflanze, die 
man aus magerem in besseren Boden verpflanzt hat — heute 
Í10C und solange, als die Arbeit hier besser entlohnt wird 
als in Europa. 
1 ..f . geborenen Arbeiter erhalten von Hause aus eine 
ra tigere Kost und meist bessere Schulbildung als in den 
meisten europäischen Ländern. Den deutschen und schweize- 
nsc en Arbeitern, welche etwa ebenso guten Unterricht ge 
nossen, sind sie durch ersteren, den englischen Arbeitern, die 
meist noch ohne Schulbildung sind, aber gut leben, durch 
Gtzteren Umstand überlegen.
        <pb n="28" />
        12 
Sie erreichen das zwanzigste Jahr und haben ihre Fach- 
erziehung in der Arbeit, der sie sich für das Leben widmen, 
erhalten, doch jetzt entwickeln sich erst ihre körperlichen Kräfte 
voll und ganz und sie werden in 3 —5 Jahren perfekte, kräftige 
und geschickte Arbeiter, Auf dem ganzen Continent aber 
müssen sie nun — körperliche Tüchtigkeit vorausgesetzt — 
auf durchnittlich drei Jahre Soldaten werden und verlieren in 
dieser Zeit so manchen technischen Handgriff, verlieren auch 
nicht selten die Lust zur angestrengten, den ganzen Tag 
währenden Arbeit, gehen mit Unlust wieder in die Fabrik 
oder auf den Acker und müssen in ersterem Falle wieder von 
Neuem zu lernen anfangen. Natürlich können sie weder mit 
dem englischen noch mit dem amerikanischen Arbeiter in 
Leistung concurriren, deren technische Ausbildung und Arbeits 
gewohnheit — was sehr zu beachten ist — nicht unterbrochen 
wurde, umsomehr, als die Arbeiter dieser beiden Nationen 
ohne allgemeine Wehrpflicht besser genährt werden als sie. 
Dem englischen Arbeiter aber ist der amerikanische noch durch 
seine grössere Durchschnittsbildung überlegen. 
Wenn wir alle diese Umstände berücksichtigen, so erklärt 
sich die bessere Durchschnittsqualität der amerikanischen Tech 
niker und Industriechefs, wie jene der amerikanischen Industrie- 
Arbeiter auf die einfachste Weise von der \\ eit, und wenn 
wir ferner berücksichtigen, dass ein sehr hoher Schutzzoll der 
Industrie den heimischen Markt sichert, die schnelle Bereiche 
rung der Farmer denselben mit lohnender und reichlicher 
Nachfrage versieht, so ist auch der rasche Aufschwung der 
amerikanischen Industrie erklärt, die schon zu exportiren be 
ginnt und dies sehr bald in für uns erschreckendem Masse 
thun wird. 
Meiner Ansicht nach werden europäische Staatsmänner sich 
mehr mit Nationalökonomie beschäftigen und alle diese Um 
stände berücksichtigen müssen, welche ich hier nur skizziren 
kann, soll nicht der Verarmungsprocess Europa s ein für dessen 
sociale Ordnung — die auf Besitz und dessen Vertheilung be 
ruht — vernichtender und die Auswanderung der Arbeiter 
und bald auch des Capitals nach überseeischen Ländern eine 
enorme werden. Sie mögen bedenken, dass der Reichthum
        <pb n="29" />
        »3 
Amerikas an unoccupirtem Lande, welcher ihm eine natürliche 
Ueberlegenheit über das durchaus occupirte Europa gibt, von 
mir nicht erwähnt worden ist und eine Aenderung des politi 
schen, militärischen und Erziehungssystems sehr wohl auch in 
Europa stattfinden kann — und wird, entweder unter Leitung 
dieser Staatsmänner, oder gegen ihren Willen, mit elementarer 
Gewalt. 
Freilich würde Alles sich ändern, wenn Amerika auch in sich 
bekriegende Militärstaaten zerfiele, was man auf dem europäischen 
Continente nach Beendigung des Secessionskrieges glaubte. Allein 
diese Annahme — auf der z. B. das ganze System der von 
Rodbertus geplanten Reformen beruhte, die aufsteigende Pro- 
ductivität der Arbeit und Steigen der Grundrente in Europa 
zur \ oraussetzung hatten — hat uns schon einmal getäuscht 
und ich möchte mich hierauf doch nicht mehr verlassen, wie 
&gt;ch es, nebenbei bemerkt, niemals vollkommen gethan habe. 
Schon im Jahre 1873 habe ich in der „Berliner Revue“ das 
Herannahen der amerikanischen Concurrenz signalisirt, ohne 
dafür Glauben zu finden. 
Es bleibt noch zu erklären, wesshalb die Amerikaner so oft 
nach Europa reisen und also soviel, meist wohlbenutzte Gelegen 
heit haben, von uns zu lernen. Die grosse Ausdehnung ihres 
Landes macht ausgedehnte Reisen der Geschäftsleute zu einer 
Eothwendigkeit und erzieht ♦ gewissermassen Reisende. Für 
Leute, die Geld genug haben, ist das Reisen hier auch bequem. 
Die Hotels sind practisch eingerichtet, ebenso sind es die 
Eisenbahnsalonwagen. Bedienung giebt es in den meisten 
Hotels freilich so gut wie keine, auch lässt die Kost und 
niehr noch die Art, wie sie servirt wird, ausserordentlich viel 
zu wünschen übrig. Um so bequemer und angenehmer findet 
der reiche Amerikaner das Reisen in Europa. Geld aber haben 
die Amerikaner jetzt sehr viel und der Reichthum mehrt sich 
ausserordentlich. Wenn man sieht, wie luxuriös die Menschen 
aller Classen, sofern sie nur arbeiten, hier leben, so gewinnt 
nian die Bestätigung meiner alten Ansicht über den Werth 
einer günstigen Handelsbilanz für ein Volk. Wir armen Reisen 
den erhalten hier für 10 fl. ö. W. nur 2.90 D., und i Dollar 
reicht hier kaum soweit, als bei uns i fl., soweit es sich um
        <pb n="30" />
        14 
Beclürfnissbefriedigung der gebildeten Classen handelt, während 
die Arbeiter hier für i D. mehr Lebensmittel erster Natur, 
Fleisch, Mehl, Kohle etc. kaufen können, als bei uns für 3 fl., 
wo wir dergleichen importiren, wie in Deutschland und zum 
1 heil — Schmalz und Speck — auch in Cisleithanien, da wir 
sie mit Verzehrungssteuer oder Korn- und Fleischzoll belasten, 
l^erner hat der amerikanische Dollar zuweilen ein Agio, sogar 
dem europäischen Goldgeld gegenüber. 
Dies ist eine ganz neue Erscheinung und hat folgenden 
Grund: Die Farmer im Westen haben in den letzten drei Jahren 
so hohe Einnahmen gehabt, dass sie die Zahlung für ihre Pro 
dukte zum Theil nicht mehr zur Schuldenabzahlung oder In- 
vestirung verwenden, sondern bankmässig anlegen. Die ameri 
kanischen Banken erhalten also hier* aus Hunderttausenden von 
kleinen Canälen Goldzuflüsse, aus jenem Gelde, das von Europa 
als Zahlung für Lebensmittel hierher in die Küstenstädte und 
früher von da grösstentheils in den Westen abfloss. Jetzt 
fliesst ein Theil dieses noch monatlich voller fliessenden euro 
päischen Stromes schon wieder aus dem Westen in die Bank 
reservoirs der atlantischen Städte zurück und entwerthet hier 
das zuströmende europäische Goldgeld. Desshalb steht der 
Napoleon und Souvereign niedriger als er nach seinem Gold 
gehalte stehen sollte. Der Souvereign ist an Goldgehalt gleich 
4 86^/,0 Dollars und stand im Sommer 1881 nur 4.80 bis 4.82 Dollars. 
Amerikaner, welche in Europa reisen, gewinnen also in 
jedem Lande bei uns ein — je nach der Valuta desselben 
grösseres oder kleineres — Agio und zudem sind die Hotels 
und auch meist die Eisenbahnen viel billiger in Europa als in 
Amerika, soweit die Passagierfracht I. Classe bei uns und Salon 
car in Amerika in Rede kommen. Im Hôtel hat man hier den 
lag Wohnung und „trockenen Tisch“ nirgends — ausser in 
ganz kleinen Häusern — unter 3 Dollars, also 10 fl. ö. W. 
täglich, zahlt aber meist 4 und nicht selten 5 bis 7 Dollars! 
Amerikaner, welche eine längere Tour nach und in Europa 
machen, sparen also, weil sie, bei gleicher Lebenshaltung, in 
Amerika in derselben Zeit mehr Geld ausgeben würden. Darum 
reisen sie so oft nach Europa.
        <pb n="31" />
        III. Capitel. 
Unsere Auswanderer in Amerika. 
^ew-\ Ork ist bis heute noch jenes Thor, durch das Amerika 
mit Uropa in Verkehr steht. Andere Häfen verschwinden 
’ diesen, die Grösse des gegenseitigen Verkehrs 
s uge gefasst. Der Süden wird in nicht ferner Zeit in New- 
reans und Galveston seinen Antheil an diesem Verkehr 
men, allein noch ist New-York in dieser Hinsicht nicht 
entthront. 
H Yerkehr ist ein zweiseitiger, wie es jeder dauerhafte 
an el sein muss, und so ist New-York sowohl das grosse 
US allsthor Amerikas im Concurrenzkampfe gegen Europa, 
unsere Einbruchsstation in dieses Land. Allein was ein 
esst und ausfliesst ist nicht von demselben Charakter — leider! 
list' i? nimmt man noch immer, mit der mercanti- 
den^K Colbert'schen Schule, die durch Fürst Bismarck und 
^^Grsocialismus auf dem Continente von Europa neuer- 
la erstaunlich schneller Weise zu praktischer Geltung ge- 
land^'cT”' was aus einem Hafen hinausgeht, das Hinter- 
es Hafens bereichert; was in ihm hineinkommt, dem 
inter ande Zahlung abzwingt. Die Idee der einfältigen Nach- 
reter und Fälscher des grossen Schotten Adam Smith, beides 
müsse sich jedenfalls die Waage halten, ist durch Thatsachen, 
le SIC in Europa nur allzu fühlbar machen, ad absurdum ge 
führt worden. 
,p, auch der mercantilistische Lehrsatz wird an der 
atsache, die wir in New-York beobachten können, zu 
Schanden.
        <pb n="32" />
        i6 
Wenn wir zugeben wollen — was wir zur Zeit, wo das 
Pfund Sterling in New-York ein Disagio von 4 bis 6 Pence 
hat, nicht gut wegsophistiren können — dass eine Ausgleichung 
des Handels unter Umständen nicht durch Waaren, sondern 
von dem Lande mit der ungünstigen Handelsbilanz aus in 
Baarem erfolgt, wie es die Geldsendungen aus Europa nach 
Amerika lehren, und dass Goldeinfuhr, wenn sie als Zahlung 
für Producte heimischer Arbeit, nicht aber als Contribution — 
wie die französischen Milliarden in Deutschland, oder als An 
leihe, wie die neuerlich in Oesterreich importirten französischen 
Millionen des Herrn Bontoux — erfolgt, die Einwohner des 
Hinterlandes des Importhafens bereichert — wie wir dies an 
den Fabrikanten der Neu-England-Staaten und an den Farmern 
des Westens von Amerika zu beobachten Gelegenheit haben; 
wenn dies also wahr ist, so müssen wir zugeben, dass der 
Export Amerikas diese bereichernde Wirkung für Amerika hat. 
Es wird reich durch das, was es uns verkauft. 
Natürlich haben wir uns dies so weit angesehen, als es 
für uns ein Interesse hat. Wir haben den Export von Ge 
treide und Fleisch an dieser Quelle studirt und werde ich 
das Resultat dieser Studien weiterhin mittheilen. Der Export 
von Baumwolle interessirt Oesterreich wenig, dessen Baumwoll 
spinnerei klein und ohne Zukunft ist. Die Ausfuhr von In- 
dustrieproducten beginnt erst und hat für das Agricultur- 
land Oesterreich-Ungarn nur ein geringes Interesse. Wir haben 
die wenigen Tage unseres ersten Aufenthaltes in New-York 
also nicht mit dem Studium dieser Seite des New-Yorker 
Geschäftes uns schmälern lassen. 
Fest steht aber, dass der Export Amerikas an Baumwolle, 
Industriewaaren, Lebensmitteln Amerika bereichert. Soweit 
findet die mercantilistische Lehre ihre Bestätigung. 
Wenn ich bei Schilderung von Erfahrungen, die wir in 
Amerika machten, immer wieder auf sogenannte „ewige 
Wahrheiten“, solche „Resultate der Wissenschaft“, wie die 
Manchesterpresse zu sagen liebt, auf Schultheorien zurück 
komme, so wolle man dies nicht für Pedanterie halten. Ich 
will den Aberglauben jener Liberalen, welche den Glauben 
für lächerlich erklären, ihren Aberglauben an sogenannte
        <pb n="33" />
        nationalökonomische Naturgesetze oder Dogmen, den will 
ich in handgreiflicher Weise widerlegen, will nachweisen, dass 
älle jene nationalökonomischen „Gesetze“ nur eine Bedeutung 
an jenem Orte und in jener Zeit hatten, wo und wann 
sie entstanden. So unzweifelhaft das von Lassalle popularisirte 
Vort von Carl Marx in seiner Broschüre „La misère de la 
p ilosophie“ wahr ist, dass das Eigenthum eine historische 
ategorie ist, dass es sich nach Anzahl der Objecte, die es 
in sich begreift und nach der Intensität der Herrschaftsbe- 
ugniss des Eigenthümers über das besessene Object vielfach 
geändert hat und noch fortwährend ändert — eine der be- 
eutendsten Aenderungen ist ja die Aufhebung des Eigenthums- 
rec tes am Menschen in Amerika 1865 und in Russland 1862 
steh^^^”* tifies Rechtes, dass in Brasilien und Cuba noch be- 
Gesetz ist es auch wahr, dass nationalökonomische 
Naturgesetze von ewiger Dauer und von 
räre^K"^^ sondern dass sie als local-tempo- 
u ^^^gorien aufgefasst werden müssen, wenn man sie ver- 
'vie alle Gesetze — cfr. Jhering’s „Zweck 
p. .^2 ^ . gehören in die „Anthropokratie und nicht in die 
d ^ W " Rodbertus classisch ausdrückte. Sie sind 
^ unterworfen; das Naturgesetz der Schwere aber nicht, 
und D über versucht, den durch die Kathedersocialisten 
j Cueist wieder zu Ehfen gebrachten mercantilistischen 
York Import Amerikas, den wir am besten in New- 
achten, anzuwenden, so finden wir, dass er nur zur 
j ^^'ue Allgemeingiltigkeit also hier Schiffbruch leidet, 
allerd’ Industriewaaren aus Europa in Amerika muss 
Imnort^^^ diesem Lande bezahlt werden, und durch diesen 
de ^Gwinnt Europa etwas von dem wieder, was es für 
Eu anischen Export zahlen muss. Dieser Import aus 
ropa wird, ausser was Luxusartikel anbetrifft, indess bald 
'P ^ uehmen, namentlich nach Erstarkung der Eisen- und 
exti in ustrie in Amerika, die einen w irklich wunderbar schnellen 
^ sc wung nimmt. Allein dieser Import, gross oder klein, 
noch im Sinne jenes wiederholt erwähnten mer 
es «Naturgesetzes“, denn zur Zeit Colbert’s war 
eines in 1 aris und zur Zeit Bismarck’s ist es eines in Berlin.
        <pb n="34" />
        i8 
Allein Amerika importirt etwas aus Europa, das jene 
Wirkung: Amerika Capital zu kosten, Europa zu bereichern, 
nicht hat, sondern gerade die umgekehrte: es importirt 
Menschen daher. Nicht, wie es ehemals Sklaven aus Afrika 
importirte, für die es den Ankaufspreis und die Reisekosten 
zahlen musste, sondern es importirt bessere Arbeiter, als 
es die Schwarzen waren und je sein werden, ohne 
dafür einen Cent auszugeben. Diese Arbeiter bezahlen nicht nur 
ihre Reise bis Amerika, sondern meist auch eine sehr weite 
Landreise i n Amerika und viele Einkäufe in New-York und 
Chicago, sowie ihren Lebensunterhalt daselbst und auf der 
Reise in Amerika bis zu ihrem Bestimmungsorte in diesem 
Lande der grössten Distanzen. Sie bringen zudem oft noch 
Capital mit, und man beobachtet, dass diese Classe von Ein 
wanderern, die Capital besitzen und nicht mehr Lohnarbeiter 
sind, neuerlich sehr zunimmt. 
Zur Zeit, als man noch Neger importirte, kostete ein sol 
cher zwangsweise „einwandernder“ Arbeiter eine bestimmte 
Summe, die man leicht berechnen konnte. Danach bemass 
sich der „Geldwerth“ eines Arbeiters in Amerika auf sehr 
natürliche Weise. Was man damals rechnungsmässig als die 
Kosten eines eingewanderten Arbeiters feststellte, legten ameri 
kanische Statistiker bei jener Wahrscheinlichkeitsrechnung zu 
Grunde, die sie über den Nutzen anstellten, den Amerika aus 
der Einwanderung eines „freien“ weissen Arbeiters zieht, und 
so kamen sie zu dem Resultate, dass im grossen Durchschnitte 
Amerika durch jeden Einwanderer, sei er Arbeiter oder nicht, 
sei er alt oder jung, männlichen oder weiblichen Geschlechts, 
nicht weniger als looo Dollars gewinne. Wenn man in Geld 
berechnet, was der Unterhalt und die Erziehung eines Menschen 
von bestimmtem Alter, Geschlechte und bestimmter technischer 
Ausbildung in Amerika kostet, und wenn man diese für die 
verschiedenen Einwandererkategorien festgestellten Zahlen auf 
die wirklich Einwandernden anwendet, so kann man auch heute 
noch den Geldwerth der Gesammteinwanderung ziemlich sicher 
feststellen. 
Da nun neuerlich viele Einwanderer Capital mitbringen; 
da ferner manche derselben nicht als Deckpassagiere, sondern
        <pb n="35" />
        2* 
in der ersten oder zweiten Cajüte ankommen und somit meist 
nicht als Einwanderer registrirt werden; da endlich jetzt ver- 
hältnissmässig mehr technisch in diesem oder jenem Gewerbe 
ausgebildete Arbeiter herüber kommen als früher, wo man 
meist] „unskilled“, gemeine Hand- und Landarbeiter hier landen 
sah, so versteht es sich von selbst, dass die Rechnung, jeder 
Einwanderer bereichere Amerika um looo Dollars, wenn man 
diesen aus der Zeit der Sklaverei stammenden Calcul in unserer 
„humanen“ Zeit überhaupt noch statuiren will, bereits veraltet 
ist und dass jeder Einwanderer — im grossen Durchschnitte — 
dem Nationalreichthume Amerikas mehr als looo Dollars zu- 
^"1 die entsprechende Summe aber ärmer macht. 
lese Einfuhr bereichert also Amerika, schwächt 
Europa. 
le Amerikaner leisten sehr viel, ich anerkenne, dass es 
uns a e überrascht, wie viel sie auf allen möglichen Gebieten 
sîe 1 -Ausnahme der schönen Künste, schon leisten; allein 
Sie eisten ausser gegen den Gastfreund, gegen den sie un- 
u ertroffen an Hospitalität sind — nichts umsonst! Wenn 
rotz em ihre, namentlich die New-Yorker, Zeitungen immer 
Welt „die Opfer“ aufzählen, welche New-York für 
i '"w&amp;nderer bringt, so ist das — Humbug! Wenn sich 
Uropa „talentvolle Federn“ finden, welche diese plumpe 
c nme nachschreiben, so ist das ebenso einfältig. 
-Yorker haben die Einwanderungsbehörde, welche 
ta tverwaltung untersteht, 1847 geschaffen und 1873 re- 
g nisirt, sie haben ein Depot für Einwanderer in Castle 
^ Hospital für sie in Ward’s Island eingerichtet. 
8 ^j^^^bung von New-York hat für die Zeit vom i. Mai 
ï 79 IS dahin 1880 einen Zuschuss von 170,000 Dollars zur 
ntena tung dieser Institutionen bewilligt nnd bei steigender 
-inwan erung wird man wohl noch mehr bewilligen; allein 
^ Stadt New-York ein schlechtes Geschäft hierbei 
niac te, so würden ihre Behörden wahrlich nicht so thöricht 
Jahr eine neue, doch nicht unbeträchtliche Summe 
1er ür à fonds perdus auszugeben. Es wird auch hier mit Wasser 
ge ocht und die Wurst nach der Speckseite geworfen. Trotz- 
^ ist Castle Garden eine sehr gute Einrichtung; es ist nur
        <pb n="36" />
        20 
nicht eitel Humanität. Es ist eine — durchaus humane — 
Speculation. Seit Sommer 1882 muss die Schiffscompagnie, 
auf deren Schiff ein Einwanderer nach Amerika kommt, fur 
jeden solchen 50 Cents an die Kasse von Castle Garden zahlen, 
dieser Menschenzoll wird von den Dampfercompagnien natür 
lich auf die Fracht der Einwanderer geschlagen. 
Castle Garden liegt brillant am Hafen, dort, wo Broad- 
Street, die Hauptstrasse New-Yorks, anfängt. Man hat einen 
geräumigen Park dabei und eine herrliche Aussicht über den 
Hafen. Das Dépôt besteht in der Hauptsache aus einem 
früheren Theater, dessen Bühne und Zuschauerraum die Aus 
wanderer aufnimmt und ihnen ein erstes Obdach, Schutz gegen 
Unwetter und luftigen Schatten gegen die glühende Sommer 
sonne gewährt. Sie werden hier in Hürden, wie die Schafe 
bei uns nach Geschlecht und Jahrgängen, so hier nach Natio 
nalitäten abgetheilt, können aber frei miteinander communi- 
ciren. Jede Nationalhürde bildet einen Kreisausschnitt, der 
jedoch nicht bis zum Mittelpunkt reicht. Um diesen läuft ein 
Binnenkreis mit kleinerem Radius, innerhalb dessen die Behörden 
des Einwandereramtes ihren Sitz haben und von wo aus sie 
leicht mit jeder Gruppe verkehren können. 
In der Arena von Castle Garden kommt die Nationalität 
der Einwanderer zum letzten Male zur praktischen Geltung* 
Später erscheint sie nur noch alle zehn Jahre ein Mal als Zahl 
im Census. Verlässt der Einwanderer Castle Garden, so gibt 
er seine Nationalität auf und wird „Amerikaner“ und seine 
Kinder sprechen oft die heimische Sprache nicht mehr, ver 
stehen sie aber noch. Dies haben wir wiederholt gesehen, 
zuletzt in Pilatka, wo wir die Familie eines Mannes trafen, 
dessen Name in der deutschen Gelehrtenwelt einen sehr guten 
Klang hat, Petermann, der selbst eine gute Erziehung ge 
nossen hatte, aus jener Gelehrtenfamilie stammte, mit seiner 
Frau 1849 politischen Gründen ausgewandert war, diese 
aber früh verloren hatte. Seine wohlerzogenen Töchter ver 
standen noch Deutsch, sprachen es aber nicht mehr; der einzige 
Enkel des noch lebenden und sehr wohlsituirten Einwanderers 
verstand auch kein Deutsch mehr. 
Ich führe dies Beispiel an, um zu zeigen, dass auch Ein-
        <pb n="37" />
        ' die den gebildeten Ständen angehören, die alte 
Nationalität in der Familie nicht vor dem Untergange bewahren 
können. Die Metalle verschiedener Art, welche aus Europa 
in den amerikanischen Völker-Schmelzkessel kommen, schmelzen, 
mischen sich und es entsteht ein neues, hartes und glänzendes 
letall, das Amerika-Metall! Diese Entnationalisirung und Bil 
dung einer neuen Nationalität, welche die Fähigkeiten, wohl 
auch die Laster, jedenfalls aber die Aspirationen aller euro 
päischen Nationen in sich vereinigt und ein sehr ausgeprägtes 
rossmachtsgefühl hat, steht im schreienden Widerspruche zu 
en nationalen Zwistigkeiten, welche Europa so sehr schwächen, 
zu Kriegen führen, es* arm und immer unfähiger machen, mit 
Amerika zu concurriren. 
. Aufgabe des Einwandereramtes der Stadt New-York 
sste t darin, Sorge für das Weiterkommen der Einwanderer 
tragen, ihnen Rath und im Nothfalle Hilfe zu gewähren, sie 
S ^gen Betrügereien zu schützen und die Einwanderung von 
Gitsunfähigen Armen, unheilbar Kranken und Verbrechern 
l^rhindern. ln ersterer Beziehung wirkt das Amt sehr 
ttutz ich und anerkennenswerth, in letzterer kann es zur Zeit 
Wenig thun 
Die auf den Schiffen anlangenden Deckpassagiere werden 
ufen und bevor diese Schiffe landen mittelst kleinerer 
B^mp er nach Castle Garden^gebracht und hier gelandet. Ihre* 
ihre^^r von Zollbeamten revidirt, ein Arzt untersucht 
^ , '^^tindheitszustand, und werden Kranke nach dem Ein- 
und hilh^^°^^'^^^ ^tif Ward’s Island gebracht. Verbrecher 
.. ^ Arme werden, wenn entdeckt, abgesondert und 
in^'d'^^Europa zurückgesendet. Die Uebrigen treten 
le nationalen Abtheilungen der Rotunde des ehemaligen 
1 heatergebäudes. 
Hier wird ihr Nationale aufgenommen, man notirt, wohin 
Sie zu gehen beabsichtigen. Sie finden Anstalten, wo sie 
'oc en und sich reinigen können, ferner Restaurants, in denen 
f ^ Uebertheuerung, gespeist werden. Bankiers, die hier 
^este tände haben, wechseln ihnen ihr Geld um gegen ame- 
anische Münze zu einem dem Tagescourse entsprechenden 
ourse, den das Amt täglich controlirt. Als wir das Amt
        <pb n="38" />
        22 
besuchten, erhielten Einwanderer für lo fl. ö. W. 3.90 Dollars. 
Es ist ein Post- und Telegraphenbureau daselbst zu finden. 
Die Bagage findet in einem sicheren Depot gegen Checks Platz. 
Eine besondere Compagnie hat Einrichtung getroffen, die 
Bagage von hier zu Bahnhöfen oder irgend einem Theile der 
Stadt für eine Vergütung zu transportiren, die geringer ist, 
als man sie von Hotels aus zahlen muss, doch kann jeder Ein 
wanderer seine Bagage auch auf andere Weise fortschaffen. 
Ein Auskunftsbureau vermittelt den Einwanderern Arbeit und 
weist Arbeitgebern, die darum nachsuchen, Arbeiter nach. 
Eine Anzahl von Boardinghouse-Keepers, d. h. von Leuten, 
die Einwanderern Wohnung und Kost geben, bis sie New-\ork 
verlassen, steht unter Controle des Amtes. Sie nur haben Zu 
tritt zu Castle Garden und sind verantwortlich für das Eigen 
thum und gute Wohnung und Nahrung der bei ihnen Wohnen 
den. Der Pensionspreis ist kein hoher, 4 bis 5 Dollars per Woche. 
Drei Eisenbahncompagnien haben Agenten in Castle Garden 
und verkaufen den Einwanderern Billets nach jeder beliebigen 
Station in Amerika, sie so vor Ankauf gefälschter Billets und 
vor Uebertheuerung behütend. Im Hospital finden Kranke 
ganz gute Pflege und Unbemittelte erhalten im Castle Garden 
unentgeltlich Kost und Unterkunft, man leiht ihnen auch im 
Nothfalle Reisegeld zu einer Arbeitsstation; für letzteren Zweck 
wurden im Jahre 1879 12.454 Dollars ausgeliehen. 
Die Staatengesetzgebung von New-York hatte 1874 ein 
Gesetz erlassen, wonach der Capitán oder Rheder eines 
Schiffes für jeden Einwanderer, den sein Schiff herüberbrachte, 
eine Caution von 300 Dollars zu stellen hatte, die dafür haf 
tete, dass dem Staate New-York in den nächsten fünf Jahren 
keine Ausgaben durch den betreffenden Einwanderer erwachsen. 
Durch eine fixe Zahlung, die vom Amte festgesetzt wurde 
und je nach den Ausgaben, die durch mittellose Einwanderer 
erwuchsen, von 1V2 his 2 Dollars pro Kopf betragen hat, 
konnten sich die Rheder von dieser Cautionsstellung loskaufen 
und " thaten es meistentheils. Sie klagten jedoch gegen dies 
Gesetz und der oberste Gerichtshof der Union cassirte es im 
März 1876 als unconstitutionell. Seither zahlen die Rheder 
nichts mehr.
        <pb n="39" />
        23 
Das Einwandereramt petitionirte nun beim Congresse in 
Washington um Abhilfe. Im Sommer 1882 wurde diese ge 
währt. Besondere, und gerechte Beschwerde erhebt es dar 
über, dass gewisse Gemeinden und Regierungen in Europa 
schlechte Subjecte, Krüppel, Kinder, Hilflose auf ihre Un 
kosten nach New-York senden, wo sie nun der Stadt zur Last 
fallen. Der letzte Bericht des Amtes klagt die Schweiz dess- 
halb an und kürzlich constatirten die Zeitungen, dass der 
Schweizer Canton Aargau auf Cantonskosten zwei liederliche 
Frauenzimmer hierher unterwegs habe. In der Republik Aar 
gau steht nämlich Criminalstrafe für beide Theile auf jedem 
ausserehelichen geschlechtlichen Umgang, und Frauenspersonen, 
die sich hierbei wiederholt ertappen lassen — versendet diese 
väterliche Regierung nach Amerika, wie eine russisch-commu- 
nistische Bauerngemeinde einen schlecht wirthschaftenden und 
mit Steuern im Rückst^de bleibenden Bauer nach Sibirien 
transportiren lässt. Das Einwandereramt ist hiegegen eigent 
lich hilflos. In der Praxis stellt sich die Sache jedoch meist 
anders. Die Dampfercompagnien wissen, dass, wenn sie den 
Bogen zu straff spannen sollten, er brechen, eine Specialgesetz 
gebung gegen sie stattfinden würde. Deshalb nehmen sie ohne 
Anstand ein solches Individuum, das sie herübergebracht haben 
und das man mit Recht wieder los zu werden wünscht, nach 
Europa unentgeltlich zurück. Im Ganzen kommt dies aber 
selten vor. Von den 175.589 Einwanderern, die im Jahre 1879 
m Castle Garden landeten, waren nur 2468 Kranke, die für 
ihre Verpflegung zahlen konnten, und nur 1121 mittellose und 
unterstützungsbedürftige Kranke. Der Bestand ultimo 1879 
war im Hospitale: 238 Kranke, 84 Geisteskranke, 200 Unter 
standslose. 
Wenn nun Castle Garden ein ganz zweckmässig und im 
Interesse der Einwanderer gut verwaltetes Institut ist, so ist 
es andererseits doch auch für die Union und für die Stadt 
New-York speciell sehr nützlich, so dass der Zuschuss, den 
es aus der Stadtcasse erhält, als geschäftlich wohlinvestirt er 
scheint, und zwar aus folgenden Gründen: 
Ein Blick auf die Einwanderer lehrt, dass sie dem Lande 
einen sehr nützlichen Arbeiterzuwachs zuführen. Von den
        <pb n="40" />
        24 
134*278 Einwanderern im Jahre 1879 waren 1034 höhere männ 
liche Professionisten, darunter 847 Ingenieure, 149 Lehrer, 28 
Architecten, 30 Chemiker, 41 Aerzte, 7 Thierärzte; dazu kamen 
eine Lehrerin, dann 21,707 männliche, 127 weibliche gelernte 
Handwerker, worunter 738 Bäcker, 951 Schmiede, 422 Brauer, 
998 Fleischer, 1536 Zimmerleute, 236 Cigarrenmacher, 458 
Maschinenbauer, 295 Tischler, 141 Juweliere, 303 Schlosser, 
805 Maschinisten, 633 Maurer, 5070 Bergleute, 370 Former, 
313 Müller, 381 Maler und Anstreicher, 196 Drucker, 117 
Puddler, 1079 Schneider, 949 Weber, 189 Uhrmacher; endlich 
stossen wir auf 13.170 Farmer (!!), 337 Gärtner, 450 Matrosen, 
24.920 Arbeiter, meist Landarbeiter. Im Ganzen wanderten 
69.366 erwachsene Männer, wovon 23.341 Professionisten und 
gelernte (skilled) Handwerker, 35.325 Frauen, wovon 17.052 
verheirathet und 128 gelernte Arbeiterinnen und nur 29.587 
Kinder ein. # 
Von dieser werthvollen Arbeiterzahl wurden durch das 
Arbeitsnachweisebureau 16.533 untergebracht, davon 11.920 
in New-York und 3.231 in New-Jersey. Da diese Arbeiter 
niedrigere Löhne erhalten, als andere derselben Qualität, 
so lange sie sich noch nicht auskennen, so zieht New-York 
und Umgegend hieraus schon einen grossen Nutzen. 
Diese Einwanderer verzehren in den Boardinghäusern doch 
erhebliche Summen und lassen Geld für Einkäufe in New- 
York. 
Endlich gehen die Meisten nach kurzem Aufenthalt ins 
Innere und kaufen in New-York t heil weise die Billets. Die 
Central-, Pennsylvania- und die Erie-Bahn haben concessionirte 
Agenten in Castle Garden, welche von jedem Billet, das sie 
an Auswanderer verkaufen, eine Provision beziehen. Die Hal 
ter von Boardinghäusern beschäftigen sich auch mit dieser 
einträglichen Vermittlung. Den Rest des Passagiergeldes ins 
Innere beziehen jene drei Bahngesellschaften, welche jede eine 
nach Chicago führende Linie haben. Die meisten Actionäre 
und die Directionen derselben wohnen in New-York und ver 
dienen natürlich viel mehr an dem Fahrgelde, als die Stadt 
New-York für Castle Garden zuschiesst. 
Emigrantenzüge werden von allen dreien nach Chicago
        <pb n="41" />
        25 
äbgelassen, die circa zehn Stunden mehr gebrauchen als Post 
züge und schlechte, ausrangirte Waggons besitzen Dieser 
1 assagiertransport stellt sich also sehr billig her. Im Jahre 
î88i nahmen alle drei Gesellschaften für die 976 englische 
Meilen lange Strecke 13 Dollars per Kopf, wobei 100 Ibs. 
Gepäck frei sind. Natürlich geht die Provision der Agenten 
'on diesen 13 Dollars ab, trotzdem ist das Geschäft lohnend 
obschon die Meile nur 1.33 Cents per Kopf bringt. Fünfund 
siebzig Percent der Einwanderer gehen direct nach dem Westen 
dies macht immerhin über eine Million Dollars für den Trans 
port der 1879 i" New-York Eingewanderten, die so nebenbei 
mit Ausnutzung schlechten und ausrangirten Eisenbahnmateri'ils 
verdient werden. Die Restaurateure an der Strecke, auf den 
a nhöfen, zahlen Pacht, Ueberfracht bringt auch Geld, und 
denn ein lohnendes Geschäft für die New-Yorker 
Actionäre heraus. 
d' liT m Europa darüber geklagt, dass Agenten 
^se st Leute zur Auswanderung verführen, und man geht 
eit, einen Ponds vorauszusetzen, der irgendwo existiren soll, 
^*^•5 em die Agenten bezahlt werden, 
l^em ist nicht so. 
. europäischen Agenten beziehen, gerade wie die Eisen- 
s ^11 New-York, nur eine Provision von jenen Ge- 
denen sie Passagiere oder Landkäufer zuweisen, 
be^'t über New-York hinausgehenden Einwanderer 
. ^^^cits „Durchfahrtsbillets“ vom europäischen Hafen 
j. J^ner Eisenbahnstation im Innern, zu der sie reisen 
w j”’ "oraus hervorgeht, dass etwa die Hälfte aller Ein- 
H^k Jahre 1879 sogar 83.492, hier Angehörige oder 
sollen die ihnen schreiben, wohin sie sich wenden 
en. einige von diesen nur erhalten ihre Bestimmung von 
genten in Europa, die von Landbesitzern in Amerika eine 
rovision bekommen, wenn sie diesen Arbeiter oder Land 
au er zuführen. Die meisten aber erhalten die Directive von 
ansässigen Bekannten, die ihnen sehr oft aus ihren Er- 
^parnissen das Billet hier ankaufen und hinübersenden. Die 
P'uropa von dortigen Agenten das ,,Durch- 
et bis zu einem Orte im Innern. Thun sie es aber, so
        <pb n="42" />
        20 
verdient der europäische Agent am Schiffs- und am ameri 
kanischen Eisenbahnbillet. 
Das meiste Geld verdienen die europäischen Agenten am 
Schiffsbillet. Wie viel Percent vom Betrage desselben der 
Generalagent und von diesem der Unteragent erhält, ist un 
bekannt und auch verschieden, da die Schifffahrtsgesellschaften 
sich Concurrenz machen und eine mehr, die andere weniger 
Provison giebt. 
Der Preis eines Oceanbillets ist ebenfalls verschieden. 
Englische Compagnien sind am theuersten. Sie nahmen aut 
Verabredung im Jahre 1881 alle den gleichen Satz von 120 
Mark für die Tour Liverpool-New-York. Von Antwerpen 
kostete die Ueberfahrt nur 80 Mark, von Havre ebensoviel. 
Von Bremen und Hamburg aber damals sogar nur 12 Dollars 
60 Mark! Im Sommer 1882 kostete die Deckpassage von 
Bremen nach Galveston 160 Mark, doch hofft man sie 1883 
auf i4o Mark zu ermässigen. Von Galveston fahren die Ein- 
wandererer nicht nur nach Texas, sondern auch nach Cali 
fornien. Da nun Agenten an grössere Partien, die zusammen 
auswandern, die Billets noch billiger abgeben, so muss \ on 
diesem winzigen Betrage noch eine starke Provision für die 
Agenten abfallen. In keinem Palle ist sie per Kopf gross, 
aber die Masse bringt es. 
Da ein grosses Schiff 800 bis 1200 und mehr Deckpassa 
giere und dazu noch einige hundert Cajütenpassagiere in einer 
Fahrt herüber bringt, die Leute auf der Reise aber meist 
krank sind und wenig essen, die Provisionen sehr billig in 
Amerika, die Kohlen ebenso in England, eingekauft werden, 
das Schiff unter Deck noch Waaren mitnimmt, so zahlt sich 
die Sache umsomehr aus, als die Schiffe für Beförderung der 
Post Entschädigung bekommen und sie nur auf der Rück 
reise volle Waarenladung erhalten, auf der Hinreise also stets 
einen Theil ihres Raumes leer haben würden, den jetzt die 
Deckpassagiere einnehmen. Cajütenpassagiere zahlen von Eng 
land bis Amerika 12 bis 21 Guineen à 21 Mark, von deutschen 
Häfen etwas weniger. Der Bremer Dampfer „Salier“ brachte 
in der letzten März-Woche des Jahres 1880 1280 Deckpassa 
giere in einer Eahrt nach New-York! Macht 76.800 Mark !
        <pb n="43" />
        27 
Im Jahre 1879 landeten 690 Dampfer in New-York, von 
denen 107 aus Bremen und Hamburg kamen und 30.886 Ein 
wanderer daher brachten. 
Die Einwanderung ist seit 1877, wo sie, immer im Hafen 
von New-York — nur 54.536 Personen betrug, im Steigen. 
Es kamen hier an im Jahre 1878 75.347, 1879 134.278, 1880 
327.37H dazu kommen 26.944, die in Philadelphia, 26.000, die 
in Boston landeten, und 407 in New-Orleans. Jedoch kommen 
zahlreiche Einwanderer aus England und Skandinavien — 
weniger Deutsche — auch mit Dampfern in canadischen Häfen 
an und werden von da per Bahn ins Innere Canadas und der 
der Union weiterbefördert. 
Im Jahre 1881 wuchs die Einwanderung. Im Januar 1880 
landeten in New-York 5677, im Januar 1881 8082; im Februar 
1880 7904, 1881 9753 Passagiere, und im März 1881 
kamen wöchentlich doppelt so viele Einwanderer an, als in den 
entsprechenden Wochen des vorhergehenden Jahres. Imhebruar 
des Jahres 1881 kamen in den Häfen Baltimore, Boston, Detroit, 
Eastport, New-Bedford, New-Orleans, New-York, Philadelphia, 
Port Huron und San Francisco 15.075 Einwanderer an, worunter 
5292 Deutsche. In den acht Monaten, endend 28. Februar 
1881, wanderten ein aus Deutschland 82.699. 
Man kennt hier den Verkauf von Billets fur die nächsten 
Honate in Europa und die Zahl der bestellten Schiffsplätze, 
und danach trifft man jährlich in Castle Garden Vorbereitungen 
Unterkommen und die Weiterbeförderung. Der Vor- 
ste er des Amtes in Castle Garden sagte uns, dass er nach 
lesen Indicien Vorbereitungen für den Empfang von 500.000 
Einwanderern in New-York treffe, und die Dampfschifffahrts 
gesellschaften vermehren ihre Schiffe. 
Der norddeutsche Lloyd in Bremen landete 1880 56.000 
usw anderer in New-York und suchte Schiffe zu kaufen. Die 
unard-Linie landete 15.900 Passagiere und hat 5 grosse Schiffe 
uuf dem Kiel, wovon zwei im Juni 1881 ihre erste Reise 
machten. Die Inman-Linie beginnt die Saison mit zwei neuen 
arnpfern mehr. Sie landete 1880 hier 37.901 Passagiere. Die 
hite Star-Linie besass bisher die zwei grössten Dampfer, in 
eren einem wir die Uebcrfahrt machten. Sie brachte
        <pb n="44" />
        28 
i88o 17.314 Seelen herüber. Die Nationallinie brachte 33.692 
Passagiere, die Anchor-Linie 27.016, die Guyon-Linie brachte 
15.974, die Red Star-Linie 12.343, die Hamburger Linie 
44.030 Passagiere. Die Anchor-Linie hat einen neuen Dampfer 
in Gang und acht solche auf dem Kiel. Alle diese neuen 
Dampfer sind sehr gross, von 4000 bis 5500 Tonnen Trag 
fähigkeit und im Stande, 1000 bis 1500 Passagiere auf einmal 
zu transportiren. Neuerlich werden Schiffe, die Baumwolle aus 
Savannah, Charlestown, New-Orleans und Galveston nach 
Europa befördern, zur Aufnahme von Emigranten eingerichtet. 
Neue Linien entstehen oder entstanden in Stettin, Gothenburg, 
Kopenhagen, Bordeaux, Marseille und in Süditalien und eine 
zweite in Hamburg. Franzosen wandern fast gar nicht ein, 
Italiener kommen seit 1880 auch zahlreicher an; meist gehen 
sie nach den Südstaaten der Union und nach Californien. 
Oesterreicher werden auch zahlreicher. 
Im Hafen von New-York landeten seit Wiederbeginn der 
grossen Einwanderung : 
Aus 1877 1878 1879 1880 Totale seit 1847 
Deutschland 17-753 23.051 33-574 104.264 2,299-662 
Irl.-ind 8.221 13.013 22.624 66.399 2,108.445 
England, Schottland u. Wales 8.400 11.847 30-54* 43-393 *,004.707 
Schweiz 1.323 2.033 4-683 8.223 98.050 
Norwegen * 485 2.800 4-993 9-973 63.987 
Schweden 3 7*0 4 *62 *2.394 35-2*7 *72.*37 
Italien 2.831 4.208 7.220 11.190 68.218 
Russland 2.391 3.346 3.103 7-693 49-86o 
Böhmen 2.325 2.006 2.801 7.606 24.845 
Ungarn 366 613 1989 6.672 ii.oio 
Oesterreich 642 1.001 *-727 4-46* *7-93* 
Dänemark 1.601 2 249 2.891 5-577 45-3o5 
Frankreich 1.221 1.648 2.33* 4-087 * *6.997 
Im Censusjahre 1880, Juni, gab es 1.966.742 in Deutsch 
land geborene Individuen in Amerika. Es wänderten aus 
Deutschland — ohne Oesterreich — dahin: 
von 1830 — 40 
1840—50 
1850 60 
1860—70 
187 o—80 
1881 
152.454 Personen 
434 626 
951.667 
822.007 
758.698 
249.572 
1882 (bis 1. Juli ca.) 279.000 
Summa 3.648.024 Personen
        <pb n="45" />
        29 
In Deutschland Geborene gab es Juni 1880 im Staat New- 
355.913, Illinois 235.786, Ohio 192.597, Wiskonsin 184.328, 
Pennsylvanien 168.426, Michigan 89.085, Jovva 88.268, Indiana 
80.756, Minnesota 66.592, New-Jersey 64.935, Californien 42.532, 
Texas 35.487, Nebraska 31.126, Kansas 28.034 Personen. Dazu 
kommen Deutsche aus der Schweiz und Oesterreich und end 
lich die Nachkommen aller dieser Eingewanderten. 
Diese Statistik ist für Deutschland nicht schmeichelhaft. 
Auffallend ist die grosse Auswanderung aus den drei skandi 
navischen Reichen und aus der Schweiz, die doch alle nicht 
übervölkert sind. Gerade sie beweist aber, dass Agenten die 
Auswanderung nicht verschulden, sondern reale Ursachen, 
denn die schweizer und skandinavische Bevölkerung ist zu 
gebildet, als dass sie gerade leichtsinnig Agenten ins Garn 
aufen sollte. Verursachten Agenten die Auswanderung, so 
wurden die östlichen Länder, in denen die Bevölkerung 
unwissend, also leicht von Agenten zu beschwindeln ist, 
grösseres Contingent von Auswanderern stellen, als sie 
GS thun. 
Die deutsche Auswanderung, soweit sie über New-\ork 
geht, zeigt eine merkwürdige Bewegung. Sie steigt von 1848 
54 fortwährend und beträgt in den einzelnen Jahren, in je 
1000 Seelen, respective 51, 55, 45, 69, 118, 119, 176. Dies 
^ar wohl eine Folge der du^ch die Umwälzung im Jahre 1848 
gGsc aflfenen grösseren Freizügigkeit der Bevölkerung in 
eutschland und der schlechten Zeiten daselbst, besonders 
ur ^andleute. Seit Mitte des Krimkrieges hatte Deutschland 
einen grossen Aufschwung, der nur 1857, ersten Krachjahre, 
eine deine Unterbrechung erfuhr, sonst aber bis zum Kriege 
von 1866 dauerte. Dieser Aufschwung, d. h. die Zeit, in der 
IG rbeit capitalbildend ist und das Capital gute Interessen 
ringt, markirt sich durch verminderte Auswanderung. Sie 
eträgt (immer in je 1000) 1855 nur 52, 1856 56, steigt im 
rac jahre 1857 ^uf 80 und Pillt dann auf 31, 28, 37, 27, 27, 
35» hebt sich um die Zeit, als Bismarck’s Grossmachtpolitik 
Gutschland in den ersten (dänischen) Krieg verwickelt, im 
,* ^^^4 auf 57, 1865 auf 83 und nimmt nun, unter Ein- 
^ir ung des preussisch-österreichischen Krieges, einen grossen
        <pb n="46" />
        Umfang an, indem sie 1866 106, 1867 117 beträgt. Nun be 
ruhigt man sich wieder und hält die Aera der Kriege für ab 
geschlossen. Die Auswanderung vermindert sich auf loi in 
1868 und 99 in 1869, 72 in 1870, wo Militärpflichtige nicht aus 
wandern konnten. Sowie sie entlassen werden, kehren viele 
derselben dem kriegerischen Vaterlande den Rücken, und so 
steigt die Auswanderung 1871 auf 88 und 1872 auf 132, be 
trägt 1873 noch 140, fällt nun in Folge des Kraches in Amerika 
auf 40 in 1874, 25 in 1875, 21 in 1876, 17 in 1877. Sowie 
in Amerika die Krisis jenem Aufschwünge Platz macht, den 
wir jetzt noch haben, andererseits die wirthschaftlichen Zu 
stände in Deutschland sich verschlechtern, steigt die Aus 
wanderung auf 23 in 1878 und 33 in 1879. 
Nun kommt die Aussicht auf einen neuen und sehr grossen 
Krieg, welcher alle Oemüther in Deutschland dermalen er 
schreckt, und die Auswanderung verdreifacht sich 1880; sie 
erreicht 104, eine Höhe, die sie nur nach dem französischen 
und preussisch-österreichischen Kriege, sowie zu Beginn des 
Krimkrieges erklommen, als man fürchtete, auch Deutschland 
werde in ihn verwickelt werden. Umgekehrt hatte der Krieg 
in Amerika eine Verminderung der Gesammteinwanderung da 
selbst zur Folge. Im Jahre 1859 landeten in New-York noch 
1 tjo.ooo, i860 nur 65.000 und 1861 76.000 Als der li-rfolg 
des Nordens gesichert erschien, stieg die länwanderung auf 
180.000 in 1864, 196.000, 233.000, 242.000, 213.000, 258.000 
in 1869, sank unter Finfluss der Finberufung Militärpflichtiger 
auf dem Continent 1870 auf 212.000, hob sich 1871 auf 229.000, 
1872 auf 294.000, 1873 auf 266.000 und sank, in Polge des 
amerikanischen Kraches auf 140.000 in 1874, 84.000 in 1875, 
68.000 in 1876, 54.000 in 1877. Nun heben sich die wirth 
schaftlichen Verhältnisse in Amerika, sie verschlechtern sich 
in Europa und endlich ergreift den alten Continent die \ or- 
ahnung eines allgemeinen Krieges, die Pänwanderung in New- 
York steigt also 1878 auf 75.000, 1879 auf 134.000 und 1880 
auf 327.000, eine Zahl, welche noch niemals vorher erreicht 
worden ist! Im Jahre 1881, endend 30. Juni, sollen circa 
370.000 Deutsche cingewandert sein. 
Aufschwung, wirthschaftlicher Niedergang, Krieg, Kriegs-
        <pb n="47" />
        31 
furcht bestimmen also die Grösse der Auswanderung und sie, 
nicht Agenten, sind die Ursache, wie sie und nicht Agita 
toren das Wachsen und Sinken der socialistisch-communisti- 
schen Bewegung veranlassen. Trotzdem thun europäische 
Staatsmänner, die unfähig sind, Europa Frieden und eine 
steigende wirthschaftliche Entwickelung zu sichern, die den 
alten Continent vielmehr zu einem waffenstarrenden Exercir- 
platz gemacht haben und deren Wirthschaftspolitik eine durch 
aus verkehrte ist, als seien nicht sie, sondern einige böswillige 
Auswanderungsagenten und communistische Wühler die Ur 
sache jener beiden Krebsleiden, durch die Europa langsam 
herunterkommt. Es ist durchaus unconservativ, diese bittere 
Wahrheit zu verschweigen oder zu beschönigen. Wird sie 
offen ausgesprochen, so ist vielleicht noch Abhilfe möglich. 
Sogar Frankreich, dessen Bevölkerung keinen Auswan- 
erungstrieb hat, unterliegt diesem Gesetze. Seine wirthschaft- 
ic en \ erhältnisse sind stets gute gewesen, daher fällt dieser 
in Deutschland so schwer wiegende Auswanderungsgrund dort 
'veg. Man kennt den Hungertyphus, der in Deutschland nicht 
*^ehr ausstirbt, dort noch nicht. Aber Krieg und Kriegs 
ahnung bewirken selbst in Frankreich eine grössere Aus- 
Sie beträgt 1849 2000, 1850 3000, 1851 5000, 
* 52 8000, 1853 7000, 1854 7000. Diese hohe Zahlen sind 
nrch Staatsstreich und Kriçnkrieg verursacht. Nun fallt die 
^ uswanderung auf 4000 in 1855, 2000 in 1856, beträgt dann 
3000, 1000, 1000, 1000, 1000, 1000, 1000, 1000 
* 4* Nun erwacht die Kriegsfurcht, die Auswanderung 
^868*^ f 2000 in 1865, 3000 in 1866, 3000 in 1867, 3000 in 
’ ^ ^uf 2000 in 1869, auf 1000 in 1870, weil junge 
laicht hinaus können, steigt auf 4000 in 1871, erreicht 
f‘U in 1872 von 10.000, hat 1873 noch 6000 und 
t nun, da die Gemüther sich beruhigen, auf 3000 in 1874, 
2000 in 1875, 2000 in 1876, 1000 in 1877, 1000 1878; nun 
ntt Wieder Kriegsbefürchtung ein, und sie steigt auf 2000 in 
79 und erreicht 4000 im Jahre 1880. 
le deutsche Auswanderung nimmt seit 1880 eine er- 
^^‘^^nde Gestalt an. Die Londoner „Times“ sagten 1881 
leselbe: „Der jetzt so lebhaft fliessende Strom deutscher
        <pb n="48" />
        32 
Auswanderung ist in Havre ebenso sichtbar als in Bremen und 
Hamburg, wo die Concurrenz zweier Dampfercompagnien die 
Frachtgebühr erheblich reducirt hat. Aber manche Auswan 
derer gehen über Hull oder Liverpool (auch über Antwerpen und 
Havre), wahrscheinlich um die Wachsamkeit der deutschen Beamten 
zu Schanden zu machen, welche das Entkommen junger Männer, 
die demnächst militärpflichtig werden, zu verhindern suchen. 
Die Auswanderer aus Posen sind zahlreich, meist Polen, doch 
auch deutsche Bauern. In Schleswig dauert die Bewegung 
schon den ganzen Winter an und lässt nicht nach. Local 
blätter melden, dass ganze Dorfschaften aus Posen, Provinz 
Preussen und Schleswig auswandern. Illinois und Nebraska 
sind jene Gegenden, wohin Deutsche am liebsten ziehen, doch 
wird eine deutsche socialistische Colonie in Texas gegründet, 
welche von Deutschen aus St. Louis, Chicago und New-^ork 
verstärkt wird.“ 
Diese Auswanderung und das Wachsen und Radicalwerden 
der deutschen Socialdemokratie sind die Quittung des deutschen 
Volkes auf die Blut- und Eisenpolitik, die den Wohlstand 
Amerikas und den Nihilismus in Deutschland schaffen hilft. 
Auch die österreichische Auswanderung giebt zu denken! 
Sie hat sich, wenn wir Böhmen, Ungarn und „Oesterreicher“, 
die in der New-Yorker Statistik getrennt aufgeführt werden, 
zusammenzählen, seit drei Jahren fast versechsfacht. Es wan- 
derten in New-York ein 1876 3333, 1871 3620, 1878 6507 und 
1880 schon 18.739. Wie wir sehen, stellen Böhmen und Un 
garn die überwiegende Zahl. Allein mit den Ungarn hat es 
seine eigene Bewandtniss. 
Die ungarischen Herren unserer Gesellschaft interessirten 
sich mit lebhaftem Patriotismus für ihre ausgewanderten Lands 
leute und zogen ganz specielle Erkundigungen über sie ein. 
Als wir in Castle Garden waren, wurde uns eine ganze An 
zahl sogenannter Ungarn vorgestellt, mit denen die Grafen S. 
kein Wort sprechen konnten, wohl aber Baron G., der aus 
Mähren ist, und Graf A., der Besitzungen im slowakischen 
Gebirge hat. Es fand sich nur ein einziger Magyar darunter! 
In der That sind es Slaven, welche aus Ungarn auswandern. 
Dieselben haben hier den Unwillen der New-Yorker er-
        <pb n="49" />
        33 
3 
*’cgt. Als wir in dieser Stadt waren, fand ein Meeting ange 
sehener Bürger statt, die eine Resolution dahin gehend fassten, 
€s solle von Obrigkeitswegen etwas gegen die Einwanderung 
&lt;ier Ungarn gethan werden, die sie als überaus schmutzig, 
durchaus arm und, weil sie eine Sprache sprächen, die hier 
Niemand versteht, unfähig, sich ihr Brod zu erwerben, 
schilderten. 
In der That kann man diese Beschwerde nicht für unbe 
gründet halten ; von rund 135.000 Einwanderern im Jahre 
1879 waren 6520 aus Oesterreich, noch nicht fünf Percent; 
^^gGgen wurden auf dem Refugium für Unbemittelte in Ward’s 
Island 3148 Personen aufgenommen, von denen 117 aus Oester 
reich-Ungarn waren. Dazu wurden 2202 Personen im Hospital 
aufgenommen, wovon 68 aus Oesterreich-Ungarn. Dies Ver- 
haltniss hat sich im vorigen Jahre bedeutend verschlechtert, 
r^as Einwandereramt schaffte 1879 für 164 Ungarn und Böhmen 
Beschäftigung. 
Unser Hôtel war an den Tagen nach unserem Besuch in 
Castle Garden ein Stelldichein von Slowaken in ihren Schafpelzen, 
Welche unsere ungarischen Mitglieder erheblich brandschatzten 
und im Hôtel nicht gerade gerne gesehen wurden. Man wies 
ihnen einen besonderen Raum im Flur an. Sie wären alle 
gern zurückgekehrt, wenn sie das Reisegeld gehabt hätten. 
Is wir die Rundfahrt durch die Eisen- und Kohlenregion von 
ennsylvanien machten, sahen wir truppweise solche arme 
eute die Bahn entlang wandern. Man erzählte uns, dass 13 
Grselben in nicht langer Zeit von Eisenbahnzügen überfahren, 
^^^1" verstümmelt wurden, weil sie die Warnungs- 
P 1 e der Locomotive nicht beachten. Sie sind gänzlich mittel- 
gehen bettelnd in die Häuser und erschrecken die Frauen, 
c c le diese ihnen wildvorkommenden Männer nicht verstehen 
un Gewaltthat von ihnen fürchten. Solche Leute, die weder 
die^ noch Deutsch verstehen, kein Geld haben, um bis in 
16 Ackerbau- und Bergwerksdistricte gelangen zu können, 
schreiben noch lesen können, hier keine Angehörigen 
vollkommen hilflos sind, zur Auswanderung zu 
ühren, ist sehr gewissenlos.
        <pb n="50" />
        34 
Haben sie dagegen eine Arbeitsstelle gefunden, so ändert 
sich ihre Lage mit einem Schlage. Wir fanden eine Anzahl 
auf dem grossen Stahlwerke in Bethlehem. Der Besitzer führte 
sie uns vor. Sie verdienten i Dollar täglich, gaben 4 Dollars 
wöchentlich für Pension und sahen sehr wohlgenährt aus. 
Alle waren äusserst glücklich und erklärten, nicht wieder zu 
rückkehren zu wollen, was sich begreift, da sie 2 Dollars = 
5 fl. ö W. Ueberschuss per Woche haben, zu Hause aber 
täglich nur 25 bis 40 kr. Taglohn erhielten. Der Besitzer des 
Werkes war seinerseits mit ihnen vollkommen zufrieden. Zu 
erst habe es Schwierigkeiten gemacht, sie anzulernen. Allein 
sie kennen sich jetzt schon ganz gut aus, seien fleissig und 
bescheiden. Er könne recht zufrieden mit ihnen sein, nehme 
auch neu Ankommende in Arbeit, welche nun von den älteren 
Arbeitern ihrer Sprache leicht in die einfachen Pflichten ein 
geweiht würden. 
Aus den ungarischen Karpathen sind in den Jahren 1881/82 
sehr zahlreiche slowakische Arbeiter ausgewandert, allein 
diese werden, wie ihre Vorgänger, meist zurückkehren. 
Sie bleiben nur einige Jahre dort, sparen sich 800—1000 
Gulden und kehren dann zurück. Sie besitzen meist kleine 
Häuslerstellen, die verschuldet sind, zahlen von Amerika 
aus die Schulden ab und bringen noch etwas Capital 
mit heim. In ein und demselben Comitat hat die Post 
im ersten Quartale 1882 121 000 fl. ausgezahlt, die von 
Amerika an zurückgebliebene Angehörige gesandt waren. Für 
Manche dieser ist dies freilich Reisegeld. Ersparnisse in 
obigem Betrage machen diese Slowaken dcsshalb in 2 3 Jahren, 
weil sie meist dort gemeinsam leben; 10 — 12 Männer nehmen 
ein Weib mit, das für sie Alle kocht und wäscht. Auf 
diese Weise kommt es, dass ein solcher Club Arbeiter aus 
dem Zempliner Comitat in den Kohlenwerken von Pennsyl- 
vanien per Kopf und Monat nur 5 Dollar für Kost, Wohnung 
und Wäsche ausgab. Ihr Monatsverdienst betrug dagegen 
24 Dollar. Amerikanische Arbeiter würden nicht unter 36 1). 
dieselbe Arbeit thun, aber mindestens 16 Dollar für Kost und 
Wohnung allein zahlen. Man betrachtet diese Aus- und Rück 
wanderung in Ungarn jetzt schon mit günstigeren Augen,
        <pb n="51" />
        35 
3* 
allein sie hat daselbst die Löhne schon erheblich erhöht, da 
die Zurückgekehrten nicht mehr um Lohn, nur noch um die 
Halbscheit bei Kukuruz, arbeiten wollen. Beim Dampfdrusch 
erhielt der Mann im Sommer 1882 daselbst 80 Kreuzer, anstatt 
40 sonst. 
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Amerikaner auch 
dies willige und fleissige Arbeitermaterial sich dienstbar machen 
werden. Die Böhmen, welche zum grossen Theile Deutsch 
verstehen, kommen sehr gut fort und sind in New-York sogar 
zur Bedeutung gelangt, indem sie die Cigarrenfabrikation fast 
allein betreiben. Sie nehmen den Tabak nach Hause und hier 
helfen Frau und Kinder Cigarren machen. So gelangen sie 
schnell zu Wohlstand und werden Grundbesitzer. Da es in 
allen Theilen der Union viele deutsche Arbeitgeber giebt, so 
kommt jeder gesunde und fleissige Arbeiter, der Deutsch ver 
steht, hier sehr gut fort, am besten deutsche und slavische 
Dienstmädchen, die Deutsch verstehen, welche sehr gesucht 
sind. 
Da die Reise von einem europäischen Hafen nach einem 
amerikanischen und von dort an eine Arbeitsstelle nun schon 
Sehr billig ist, aber in den nächsten Jahren noch billiger werden 
'vird, so ist die Auswanderung nur durch Gewaltmassregeln 
der europäischen Regierungen zu beschränken, wenn es nicht 
gelingt, die Lage der productiven Bevölkerung in 
Kuropa annähernd so gut zu machen, wie sie es hier 
'St. Dazu gehört, dass man dort die Kriegsgefahr beseitigt 
''nd dass man die Arbeit wieder productiv macht. Thut man 
beides nicht, verhindert aber die Auswanderung oder erschwert 
sie, so führt man die wider ihren Willen in Europa Zurück 
gehaltenen sicher der Socialdemokratie in die 
Arme. 
Ls fragt sich nun, ob denn die Arbeit in Amerika wirklich 
productiver ist als in Europa und ob sie es noch eine Zeit 
'^r*g, sage zehn oder fünfzehn Jahre, bleiben wird. Sollte dies 
er Fall sein, so würden Warnungen vor Auswanderung auf 
''Wahrheit beruhen und um so weniger nützen, als bereits 
^us den uns näher angehenden Ländern zahlreiche Leute hier 
^'''d, die in Privatbriefen die Unwahrheit solcher Warnungen
        <pb n="52" />
        36 
enthüllen würden. Ein Privatbrief von einem Verwandten oder 
Bekannten hat aber eine weit grössere Wirkung, als eine 
officielle Warnung, und man kann wohl die officiellen Aus 
wanderungsagenturen unterdrücken, aber nicht die Corres- 
pondenz mit Amerika. 
Nun ist es unzweifelhaft, dass Ackerbau und Gewerbe 
in Amerika mehr eintragen als in Europa. Es ist ebenso un 
zweifelhaft, dass noch bis Ende des Jahrhunderts unoccupirtes 
Land, das in Europa für anbaufähig gilt, genügend vorhanden 
ist, wenn auch nicht umsonst. Die Union verfügte am 
30. Juni 1879 nur noch über 251^ Million Acres anbau 
fähigen Landes. Aber dazu kommt das Land der Eisen 
bahn - Gesellschaften. Der v,New-York-Herald*‘ vom 28. März 
1881 veröffentlichte eine Karte von der Union, in welche 
Europa eingezeichnet ist. Neufundland ist als Irland, Neu- 
Schottland als Schottland, Neu-Braunschweig als England, 
New-York, Ohio, Neu - England, Pennsylvanien, zusammen 
201.002 Quadratmeilen, gleich Frankreich, das auch 201.000 
Quadratmeilen Oberfläche hat ; Delaware, Virginien, Maryland, 
Kentucky, Tennessee und Nordcarolina mit 201.672 Quadrat 
meilen als Deutschland, das 208.000 Quadratmeilen hat ; Wis 
consin, Michigan, Illinois, Indiana mit 222.595 Quadratmeilen 
als Oesterreich, das 237.000 Quadratmeilen hat, und Süd 
carolina, Georgia, Florida, Alabama, Missisippi, Louisiana mit 
290.502 Quadratmeilen als Spanien und Italien, mit 299.000 
Quadratmeilen, auf dieser Karte verzeichnet Der ganze Rest 
von Amerika, d. h. fast alles Land westlich vom Missisippi 
und dann ganz Canada bilden den Ueberschuss Amerikas an 
Land über Europa. Der auf dieser Karte für jene euro 
päischen Länder in Anspruch genommene Theil ist beiweitem 
nicht so gebirgig und wahrscheinlich fähig, mehr Menschen zu 
ernähren, als es jene Länder Europas thun. 
Trotzdem haben sie heute noch kaum 40 Millionen Ein 
wohner, Europa hat in jenen Ländern deren etwa sieben Mal 
so viele. Dass Raubbau diese ungeheure Ackerfläche in Zeit 
der nächsten beiden Generationen erschöpfen könnte, ist un 
denkbar, selbst wenn er überall getrieben würde. Allein da 
künstlicher Dünger in Chicago theurer ist als in London ; da
        <pb n="53" />
        37 
überall, wo Abfalle oder Dungsalzlager sich finden, hier die 
Düngerfabrikation mindestens so intensiv getrieben wird wie 
in Europa; da ich selbst in Florida sah, dass die Leute die 
Orangenbäume düngen, so ist der Trost, Amerika werde sich 
durch Raubbau erschöpfen, bevor Europa ruinirt ist, wirklich 
nicht der Rede werth. 
Wenn nun ein lohnender Ackerbau da ist, so giebt der 
allein schon der heimischen Industrie einen guten Markt, wenn 
sie, wie geschieht, durch hohen Zoll geschützt Ist. lieber 
den Reichthum Amerikas an Kohlen-und Eisenlagern in ver 
schiedenen Theilen der Union werde ich noch besonders 
schreiben und so nachweisen, dass diese Bedingungen einer 
selbstständigen Industrie, auch im Westen reichlich vorhanden 
sind. Allein noch genügt im Süden und Westen die Wasser 
kraft. Im Süden baut man jetzt zahlreiche Baumwollspinnereien, 
die mit Wasserkraft getrieben werden und die nicht enthülste, 
„ungeginnte“, Baumwolle direct und nahe am Productionsorte 
verspinnen, wodurch nicht nur die Transportkosten der Baum- 
wollballen nach England, sondern auch jene des „Ginnens“ 
der Baumwolle erspart werden und ein Verlust von sechs bis 
zehn Percent an Baumwollfaser, der beim Ginnen und Em- 
balliren entsteht, vermieden wird. Die Erfindung dieses neuen 
Spinnverfahrens ist eine natürliche Protection der Baumwoll 
spinnerei am Productionsorte der Baumwolle gegenüber Eng 
land, dem Continent und sbgar den grossen Spinnereien in den 
Neu-England-Staaten. Die Industrie wird sich also entwickeln 
und ist lohnend. 
In Amerika ziehen noch nicht grosse Unternehmer den 
ganzen Profit aus Ackerbau und Industrie, sondern die Arbeit 
in beiden verdient noch mehr, als der durchschnittliche, landes 
übliche Consum der Arbeiter — obschon er viel höher per 
Kopf ist als irgendwo in Europa, selbst als in England — 
beträgt; die Arbeit ist also noch capitalbildend und 
wird es voraussichtlich bis Ende des Jahrhunderts bleiben. 
Der amerikanische Schutzzoll ist also factisch ein socialer 
Schutzzoll. In den Städten New-York, Philadelphia, Richmond, 
Savannah, Jacksonville haben wir uns ebenso erkundigt, wie 
in den Kohlen- und Eisenwerken von Pennsy 1 vanien, was die
        <pb n="54" />
        38 
Arbeiter verdienen und verbrauchen. Ueberall kamen wir 
darauf, dass der ungelernte, gemeine Handarbeiter als Tage 
lohn I Dollar per Tag verdient, in Accord mehr; der gelernte 
1V4 bis 1V2 Dollar in Taglohn, in Accord 25—33V3 Percent 
mehr; der Vormann 2—5 Dollars per Tag, Board und Lod 
ging, d, h. volle Pension, aber 14—16 Dollars per Monat 
kosten. 
Der Bericht des Ackerbauministers für 1880 giebt den 
Taglohn ohne Kost im Jahresdurchschnitte folgendermassen 
an: Für Zimmerleute in Massachusetts 2.10 Dollars, New- 
York 2, Pennsylvanien 1.96, Nordcarolina 1.66, Südcarolina 1.54, 
Georgia 1.86, Florida 2.08, Texas 2.25, Kentucky 1.96, Wis 
consin 2.05, California 3.36, Dakota 2.42 Dollars; für Schuh 
macher in Nevv-York 1.70 Dollars, Pennsylvanien 1.47, Nord 
carolina 1.20, Missisippi 1.82, Texas 2.05, Kentucky 1.52, 
Wisconsin 1.73, California 2.74, Dakota 2.39 Dollars. Für 
Landarbeiter, die auf ein volles Jahr engagirt sind und Wohnung 
und Beköstigung erhalten, baar per Monat (wenn sie nur vor 
übergehend beschäftigt sind, in der Ernte die eingeklammerte 
Summe per Tag, ausser Erntezeit die dritte Summe, stets Kost 
und Wohnung dazu): Maine 12.78 (1.12) 0.75 Dollars, New- 
Hampshire 13.31 (1.06) 0.94, Vermont 12.62 (i.io) 0.69, Massachu 
setts 15.40 (1.22) 0.90, Rhode Island ? (0.75) 0.50, Connecticut 
14.00 (1.34) 0.71, New-York 13.98 (1.20) 0.74, Neu-Jersey 12.75 
(1.43) 0.76, Pennsylvanien 12.60 (i.ii) 0.68, Delaware 10.00 
(0.75) 0.33, Maryland 9.23 (1.06) 0.53, Virginien 8.25 (0.93) 
0.45, Nordcarolina 8.10 (0.84) 0.45, Südcarolina 7.32 (0.88) 
0.43, Georgia 8.21 (0.82) 0.46, Florida 10.68 (0.73) 0.62 
Alabama 8.87 (0.86) 0.51, Mississippi 9.80 (0.84) 0.54, 
Louisiana 12.26 (0.74) 0.65, Texas 12.09 (o-95) 
kansas 11.73(1.04)0.65, Tennessee 9.13(1.08)0.52, West- 
virginien 11.77 (0.80) 059, Kentucky 10.75 (1.14) 0.53, 
Ohio 13.95 (1.30) 0.75, Michigan 15.68 (1.63) 0.86, Indiana 
14.15 (1.39) 0.73, Illinois 14.97 (i-37) 082, Wisconsin 14.76 
(1.57) 0.83, Minnesota 16.33 (2.24) 1.03, Jowa 13.74 (1.57) 0.86, 
Missouri 13.00(1.22) 0.66, Kansas 13 43 (^ 27) 0.76, Nebraska 
14.52 (1.56) 0.86, California 27.12 (1.71) 1.27, Oregon 23.43 
(1.61) 1.00, Nevada 30.00 (1.67) 1.32, Colorado 24.71 (1.50)
        <pb n="55" />
        39 
Utah 23.00 (1.55) 1.13, Neu-Mexiko 13.80 (0.91) 0.74, 
Washington 22.50 (1.50) 1.12, Dakota 18.10 (1.97) 0.99, Mon 
tana 30.75 (2.25) 1.50 Dollars. — In den gesperrt gedruckten 
Staaten sind die Landarbeiter meist Farbige, daher sind die 
Löhne dort erheblich niedriger. 
Wenn nun auch Abzüge für arbeitslose Tage, für Krank 
heit, Aufsuchen anderer Arbeitsplätze zu machen sind, so ist 
cs doch klar, dass weisse Arbeiter bei obigen Löhnen sehr 
gut Ersparnisse machen können, selbst wenn sie Familie haben. 
Wollen Frau und Kinder arbeiten und Geld verdienen, so fin 
den sie dazu Gelegenheit, obschon Feldarbeit der Frauen nicht 
Sitte ist. Aber häusliche Dienstleistungen, Waschen für Geld, 
Gartenarbeit im eigenen Garten geben Gelegenheit für Neben- 
"verdienst. Auch wurde uns überall gesagt, dass die weissen 
Arbeiter Geld sparen und sich selbstständig oder doch an 
sässig machen. In den Kohlen- und Eisenwerken Arbeitende 
kaufen, nach circa fünfjähriger Arbeit, ein Haus nebst etwas 
Acker, halten dabei Kuh, Schweine und Geflügel. Nur die 
^cger sparen selten. Da ihr Verdienst von einigen Tagen 
ausreicht, sie eine Woche zu erhalten — eine Negerfamilie in 
Carolina und Georgia kann mit einem Dollar wöchentlich sich 
ernähren, hörten wir — so thun sie aifch die übrige Zeit nichts, 
tind die Pflanzungen sind nicht desshalb so herabgekommen, 
'veil die Löhne zu hoch »wären, sondern weil die Arbeiter 
i^icht beständig zu haben sind. 
Die Lage der weissen Arbeiter ist deshalb ferner eine so 
gute, weil sie, und auch nicht einmal in allen Staaten, jährlich 
nur einen Dollar Kopfsteuer zahlen. Alle anderen directen 
Steuern werden in Percenten vom liegenden Eigenthum 
gezahlt und sie zahlen solche also nur, wenn sie Grundbesitz 
erworben haben. Die indirecten Steuern und Zölle vertheuern 
nur Kleidungsstücke und Luxusartikel, Cigarren und Spirituosen. 
Gewöhnliche Nahrungsmittel ausgezeichneter Qualität, Fleisch 
Und Brod, sind hier billiger als irgendwo in Europa. Ge- 
niüse und Kartoffeln sind theuer, allein man isst als Gemüse 
^ier viel billigere Bohnen und Mais in verschiedener Zube 
reitung. Auch Kleidungsstücke gröberer Art, dauerhaften 
amerikanischen Fabrikates, werden jährlich billiger, besonders.
        <pb n="56" />
        40 
wenn die Frauen Wäsche u. dgl. selbst nähen. Der Stoff 
kostet wenig. Dazu kommt, dass alle Schulen, selbst die 
höheren, mit Ausschluss allein der Universitäten, voll 
kommen frei sind; jeder Arbeiter, wofern er sein Kind 
nur ernährt und kleidet, es Latein, Deutsch, Englisch, Fran 
zösisch lernen lassen kann, wenn er in oder bei einer Stadt 
wohnt. Auch die Landschulen sind zahlreich und, wie man 
uns sagt, recht gut. Obschon Schulzwang nicht existirt, senden 
die Eltern die Kinder doch fleissig in die Schule. Die Schulen 
werden vom Einzelnstaate durch Steuern unterhalten, soweit 
sie keine Dotationen haben. In den neuen Staaten und Terri 
torien besitzen sie solche, da der sechzehnte Theil allen Landes 
für Schuldotation reservirt wurde. Um den Unterricht in den 
Südstaaten zu fördern, die in Folge des Krieges mit Special 
schulden belastet sind und wenig Mittel für Schulzwecke auf 
bringen konnten, hat die Gesetzgebung der Union im Jahre 
1880 eine Summe fortlaufend bewilligt, welche solchen Staaten 
als Subvention gegeben wird, die ihre Schulen nicht selbst er 
halten können. Dadurch hofft man die Neger zu bilden und 
dies gelingt auch theilweise, doch nur theilweise. Die Irländer 
zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Kinder fleissig in die 
Schule senden, und viele Irländer kommen zu Wohlstand und 
Ansehen. Der berühmte Nationalökonom Carey stammt aus 
einer irischen Familie. 
Indessen lässt sich nicht läugnen, dass sich die Lage der 
Arbeiter in Amerika bei der wachsenden Einwanderung ver 
schlechtert, und dass trotz des hohen Schutzzolles, sowie, dass 
der Profit des Schutzzolles den Fabrikanten zufällt, er eine An 
zahl kleiner Etablissements ruinirt und nur den ganz grossen 
Betrieben nutzt, endlich auch eine Ueberproductionskrisis herbei 
fuhren wird, namentlich in der Eisenbranche. 
Im Jahre 1880 gab es 253.840 Manufactur-Etablissements, 
mit einem investirten Capital von 2,790.223.506 D., 2.025.279 
männlichen Arbeitern über 16 Jahre, 531.753 weiblichen Arbeitern 
über 15 Jahre und 181.918 Kindern. An Löhnen wurden ge 
zahlt während des Jahres 947.919.674 D., der Werth des Roh 
materials betrug 3,394.340.029 D., des Products 5.369.667.706 D,, 
der Durchschnitts - Arbeitslohn 342 D. per Kopf, Der
        <pb n="57" />
        41 
Gewinn von 1.027.408.003 D. beträgt 37 pCt. des investirten 
Capitals. 
1 11 
Zahl 
der Fabriken j 
iPferdekraft deri 
1 Dampfmascbin. 
je 1000 ! 
Zahl der Arbeiter 
Capital 
1000 D. 
Löhne 
1000 D. 
Material 
1000 D. 
Product 
Í 
2 
PL. 
Lohn pr. Kop(j| 
Männer 
über 
16 Jahre 
Frauen 
über 
16 Jahre 
Kinder j 
Summa 
00 00 00 00 
y y S'a 
&gt;23.025 
*40.433 
252.148 
253.840 
I.215 
731.137 
1.040.349 
1.615.598 
2.025.279 
225.922 
270.897 
323.770 
531.753 
? 
Î 
114.628 
181.918 
957.059 
1.311.246 
2.053.996 
2.738.950 
533.245 
1.009.855 
2.118.208 
2.790.223 
236.755 
378.878 
775.584 
947.919 
555.123 
1.031.605 
248.427 
3.394.340 
1.019.106 
1.885.861 
4.232.325 
5.369.667 
61 
47 
150 
37 
247 
289 
377 
342 
Wenn diese Angaben auch nicht absolut genau sind, so 
beweisen sie doch eine Verschlechterung der Lage der Arbeiter 
und einen sehr hohen Profit der Unternehmer. 
Aus einer Rede des Abg. Belmont im Jahre 1882 geht 
hervor, dass i860 ein Wollwäscher 85.50 die Woche verdiente, 
und dass er für jeden Dollar 9.18 Pfd. Rindfleisch kaufen 
konnte. Im Jahre 1881 erhielt derselbe Mann 8 6.60, wofür 
Cf aber blos 5.85 Pfund Rindfleisch auf den Dollar kaufen 
konnte. Vor 21 Jahren bezahlte sein Wochenlohn die 
Wohnungsmiethe von 37.12 Tagen, 1881 aber blos auf 
^4-75 Tage. Kost konnte er damals mit einem Wochenlohn 
uuf 13.80 Tage kaufen; 1881 nur auf 9.70 Tage. Als ein 
anderes Beispiel führt Herr Belmont an, dass zwischen 
ï 870 und 1880 bei der Eisenerz Produktion das Kapital sich 
Vermehrte um 247.61 Percent, die Anzahl der beschäftigten 
Hände aber nur um 39.48 Percent. 
Der Bericht des Secretärs des Illinoiser Bureaus für Arbeits 
statistik enthält eine Tabelle der Arbeitslöhne, welche während 
des letzten Jahres in Chicago an verschiedene Handwerker 
und Arbeiter-Klassen gezahlt worden sind. Die Tabelle be 
ruht auf den Antworten, welche von 437 Arbeitern auf die 
schriftlichen Anfragen des Bureaus eingelaufen sind und der 
Secretar desselben glaubt sich aus seinen Beobachtungen über- 
^sugt zu haben, dass diese Antworten weder von den best- 
noch von den geringst bezahlten Arbeitern eingelaufen sind, dass 
also ungefähr den Durchschnittsverdienst repräsentiren.
        <pb n="58" />
        42 
Hier ist die Tabelle: 
Beschäftigung. Burschschnittslöhne 
auf's Jahr. 
Bäcker S 665.00 
Schankkellner 643.00 
Grobschmiede 521.00 
Ziegelmaurer 688.00 
Ziegelmacher 470.00 
Metzger 749.00 
Strassenbahnkutscher 544.00 
Zimmerleute 597.00 
Cigarrenmacher 530.00 
Cigarrenpacker 759.00 
Kummetmacher 527.00 
Kupferschmiede 669.00 
Maschinisten 916.00 
Expressleute 400.00 
Tischler 530.00 
Sattler 502.00 
Mörtcltiäger 342.00 
Hufschmiede 900.00 
Eisengiesser 826.00 
Tagelöhner 386.00 
Das ist immer noch recht auskömmlich 
lange besser sein als in Europa — wo z. B. 
Weber nur 6 — 8 Mark wöchentlichen Lohn erhalten; die 
Beschäftigung. Burchschnittslöhne 
auf’s Jahr. 
Holzholarbeiter 8 493-00 
Maschinenbauer 613.00 
Drucker 792.00 
Tapezirer 750.00 
Wasserröhrenarbeiter 881.00 
Gipser 885.00 
Hausmaler 586.00 
Walzenmühlcnarbeiter 451.00 
Verkäufer 632.00 
Schuhmacher 414.00 
Steinhauer 625.00 
Gerber 527.00 
Schneider 500.00 
Fuhrleute 566.00 
Koffermacher 642.00 
Wagenmacher 411.00 
Weber 692.00 
Verschiedene 530.00 
Durchschnitt 608.70 
und wird noch 
die sächsischen 
mährischen Hausweber verdienen nicht einmal so viel. 
Dass die Lage der Arbeiter und kleinen Grundbesitzer in 
der Union also eine unvergleichlich bessere ist als irgendwo 
in Europa, dass sie auch, aller Voraussicht nach — bricht kein 
neuer Bürgerkrieg aus — noch lange eine bessere bleiben 
wird, steht also fest und daraus erklärt cs sich, dass Skan 
dinavier und Schweizer so zahlreich auswandern, denen es zu 
Hause doch im Allgemeinen auskömmlich ergeht und die auch 
keine gegründete Kriegsbesorgniss haben. 
Neuerlich wandern viele „kleine Leute“ des Mittelstandes 
ein, die noch Vermögen mitbringen. Sie verlassen ihr Vater 
land, weil sie keine Ersparnisse mehr machen können, sondern 
vom Capitale verlieren. Nun retten sie den Rest hier herüber. 
Sie werden auch drüben leicht Socialdemokraten und liefern 
der Arbeiterschaft Eührer und Stärke. Rechnungsmässig 
stellen sie fest, dass die Verhältnisse schlecht sind, und ihre
        <pb n="59" />
        43 
Berechnung vereinigt sich mit dem dunklen Instinct der Ar 
beiter. Dies ist stets das Zeichen, dass eine sociale 
Umwälzung naht. Wenn Leute, die Capital und Arbeit 
in sich vereinen, mit der blossen Arbeit gemeinsame Sache 
machen, so geht die Staatsform, die nur im Capitale ihre Stütze 
findet, rettungslos zu Grunde. 
Es steht nun zu befurchten, dass der Aufschwung Ame 
rikas sich in den nächsten Jahren noch schneller vollziehen wird, 
und zwar auf Kosten Europas, sowie nämlich dort ein grosser 
und langer Krieg ausbrechen sollte. Europa muss dann noch 
mehr Lebensmittel von Amerika kaufen und noch höhere 
Ereise dafür bezahlen, weil es selbst dann weniger producirt. 
Es wird dann auch Waaren anderer Art, namentlich für das 
Militär, hier kaufen. Schon jetzt lässt die Türkei hier Patronen 
machen. Unser baares Geld wird dann nach Amerika ab- 
fliessen, unsere Productivfonds, Grundbesitz, Fabriken werden 
entwerthet werden, unsere Staatspapiere und Industriewerthe, 
Eisenbahn-, Fabriks- und Bergwerksactien werden im Course 
Sinken, ein Sauve-qui-peut der europäischen Bevölkerung wird ein- 
treten und die Auswanderung nach dem Kriege und in den vom 
Kriege noch nicht erfassten Ländern wird eine, ungeheure werden. 
Man wolle mir den Vergleich nicht übelnehmen: es wird 
den Europäern neben den Amerikanern ergehen, wie es den 
Indianern hier ging. Die Indianer zerfielen in viele Stämme, 
"'eiche alle ebenso gute Gründe hatten, sich alle Augenblicke 
mit Krieg zu überziehen, wie es die einzelnen Nationen Europas 
thun. Auch zweifle ich nicht, dass im Kriegsrathe der Häupt 
linge der Huronen und Shipewayas am lodernden Lagerfeuer, 
darüber wie man am besten den verhassten Stamm der Iro 
kesen vertilge, ebenso tiefe Staatsweisheit zu Tage kam, wie 
in mancher heutigen Diplomatenconferenz. Wenigstens erinnere 
ich mich, in Busch’s Buch über „Bismarck und seine Leute“ ge 
lesen zu haben, dass in dem Kreise der Helden, deren Homer 
Ur. Busch geworden, die Franzosen mit Rothhäuten verglichen 
"'Urden, die ausgerottet werden müssten. Der moderne Homer 
legt diese W orte sogar in einen zarten Mund. Wenn ich also 
hier diesen Vergleich mache, so bin ich nicht einmal originell, 
habe aber wenigstens ein classisches Vorbild und damit eine
        <pb n="60" />
        44 
genügende Entschuldigung. Die Indianer haben sich viel 
mehr umgebracht, als ihrer von den Amerikanern getödtet 
wurden. Den Rest, den das indianische Blei — das ihnen die 
Amerikaner gern verkauften, weil es sie schneller vernichtete 
als der Pfeil — nicht frass, frassen Hungertyphus, Pocken, 
Cholera, Syphilis und Branntwein. 
Europa erholte sich nach jedem Kriege wieder, weil es 
die Märkte der vier Welttheile nachher wieder mit theueren 
Waaren versah. Nach dem nächsten Kriege wird Europa diese 
Märkte von amerikanischen Waaren occupirt sehen und sie 
nie wiedergewinnen, weil die amerikanischen Fabriken dann so 
weit erstarkt sein werden, dass die Union zum Freihandel über 
gehen kann. Rechnet man doch, dass, selbst wenn Europa 
Frieden behielte, Amerika in fünfzehn Jahren jeden Schutzzoll 
entbehren kann. 
Wer Europa liebt, wer die Gefahr kennt, die ihm von 
Amerika droht, wird ihm rathen, den Militarismus abzulegen 
und Frieden zu halten; die Bureaukratie einzuschränken und 
die Verwaltung billiger zu machen; dem Wucher und der 
Proletarisirung durch Homestead-Exemptions-, sowie durch 
Wuchergesetze, wie sie hier alle existiren, ein Ende zu machen 
und einen verständigen Unterricht des Volkes zu fördern; die 
wahre, sowie die technische Bildung so hoch wie möglich zu 
treiben, die sogenannten gebildeten Stände aber von dem 
unfruchtbaren juridischen Studium mehr abzubringen, das man 
in Europa als die Vorbedingung zu jeder höheren Stellung in 
der Verwaltung ansieht — durchaus mit Unrecht. 
So lange Europa ohne weisse Arbeitsconcurrenten war, 
konnte es sich die mörderischen Kriege erlauben. Es hätte 
dies unchristliche Verfahren auch fortsetzen können, wenn in 
Nordamerika kriegerische Staaten entstanden wären, wie in 
Südamerika, wo Chili und Peru sich eben wieder auf Jahr 
zehnte zurückgeworfen haben. Allein in Nordamerika hat man 
überhaupt keinen Krieg geführt, ausser Kleinigkeiten mit 
Mexiko. Man hat allerdings einen Aufstand niedergeworfen; 
allein dabei hat man, wie wir jetzt hier täglich sehen, die 
unterlegene Partei fast vernichtet und — wie uns scheint — 
für immer ungefährlich gemacht. Ihre Männer wurden ge-
        <pb n="61" />
        45 
tödtet, verkrüppelt, ihre Sclaven ihnen gleich gemacht und sie 
sind gänzlich verarmt. Ihr Besitz geht grossentheils in die 
Hände von einwandernden Nordländern über. Sie können an 
keine Revanche denken und thun es auch nicht mehr. Eine 
andere Partei, die Interesse am Zerfalle der Union hätte, 
existirt nicht, und sollte ein Krieg entstehen, so kann er nur 
entbrennen, wenn eine europäische Macht sich in amerikanische 
Hinge mischen wollte — wie es jetzt in Panama den Anschein 
hat. Allein die dort etwa zu engagirende Macht hat in Europa 
einen zu gewaltigen Feind, als dass sie das mexikanische 
Abenteuer zu erneuern Lust haben könnte. 
Nun wird es sich wirklich nicht bewähren, dass wir in 
Europa, das noch nicht den dritten Theil der natürlichen 
Hilfsmittel Amerikas, aber eine sieben Mal so starke Be 
völkerung zu ernähren hat, zwei Millionen Soldaten stehend 
halten, während man hier 27.000 hat; dass wir alle Augen 
blicke grosse Kriege haben, die Menschen und Capital in Un 
summen zerstören, während man hier fort und fort erfindet 
und arbeitet. Wenn zwei solche Systeme neben einander 
existiren, so vernichtet zuletzt das letztere das erstere. Dies 
geschieht durch Auswanderung, Socialismus, Verarmung, Hunger 
krankheiten. Es ist die alte Geschichte: Friede ernährt — 
Amerika, Unfriede verzehrt — Europa. 
Man werfe mir nicht vor, ich male zu schwarz. Schon vor 
zehn Jahren habe ich Aehnliches in einem Aufsatze der „Ber 
liner Revue“ drucken lassen, und hier hatte ich fünf sehr unver 
dächtige Zeugen, die bei ihrer Heimkehr Alles bestätigten, 
Was ich jetzt mittheile. Auch darf ich wohl nicht den Vor 
wurf fürchten, ich schilderte fremde Zustände besser als sie 
sind. Von England aus habe ich den Verfall der Landwirth- 
schaft mitgetheilt, als das Buch des Herrn Albertus in Oester 
reich noch viele Gläubige fand, in dem er den alten englischen 
Schimmel ritt. Ich glaube wirklich, die Zustände der von mir 
bereisten Länder mit photographischer Treue darzustellen und 
freue mich doppelt, dass hier fünf Herren mit mir zusammen 
beobachteten, denen man zu Hause in einflussreichen Kreisen 
Glauben schenken dürfte.
        <pb n="62" />
        IV. Capitel 
Die Ackerbauproduction der nordamerikani 
schen Union seit zehn Jahren. 
Hier will ich den Aufschwung der Ackerbauproduction der 
Union in den letzten zehn Jahren mit Zahlen darstellen, welche 
ich der Güte des Ackerbauministers Le Duc, mit dem ich eine 
lange und höchst lehrreiche Unterhaltung in Washington hatte, 
verdanke. 
I. Weizen. 
Der Ertrag war im Jahre 1880 13.0 Bushel per Acre. 
Der Ernte-Ertrag wird auf 459.479.000 Bushel geschätzt und 
der Werth, welchen der Bushel durchschnittlich auf der Farm 
hatte auf 0.96 Cents, so dass der Totalwerth am Productions- 
orte 440 Mill. Dollars betrug. 
Folgende Tabelle gibt die Entwicklung der Ackerbau- 
Industrie an; 
Bestellte 
Acres 
Ertrag p. Acre 
in Bushels 
Totalproduct 
in Bushels 
Preis 
per Bushel 
in Dollars 
Totalwerth 
in Dollars 
Exp. Weizen u. 
Mehl (reduc. 
aufWeizen)iin 
Fiscaljahr.end. 
30.Junii. Bush. 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
19,943893 
20,838.359 
22,171.676 
24,967.027 
26,381.512 
27,627.021 
26,277.546 
32,108.560 
32,545-899 
35,430,052 
II . 5 
II . 9 
12.7 
12.3 
11.0 
IO . 4 
13.9 
13 • I 
13.7 
13.0 
230.722.400 
249.997-100 
281.254.700 
309.102.700 
292.136.000 
289.356.500 
364,194.146 
420.122.400 
448,756.118 
459,479-505 
I .25.8 
I . 24 
I - 15 
0.94. I 
I . 00 
I - 03.7 
I .08.2 
0-77-7 
1 . 10.8 
0.95.8 
290,411.820 
310,180.375 
323,594-805 
291,107.895 
294.580.990 
300.259.300 
394.695-779 
326,346.424 
497,008.803 
38,995-755 
52,014.715 
91.510.398 
72.912.817 
74.750.682 
57,149.949 
92,141.626 
150,502.506 
180.304.000 
177,000.000 
Die angebaute Fläche hat sich in zehn Jahren um 80Percent, 
der Ertrag per Acre um 1.5 Percent, die Totalernte um 108 Per 
cent, der Werth um 58 Percent, das Exportcjuantum um 360 Per 
cent gehoben, der Preis per Bushel ist um 24 Percent gefallen.
        <pb n="63" />
        47 
IL Mai s. 
A 
Bestellte j 
Acres j 
Ertrag P Acre 
in Bushels , 
Tot.ilproduct 
in Bushels ! 
Preis ! 
per Bushel i 
in Dollars ‘ 
Totalwerth 
in Dollars ¡ 
1 
1 
Exp.Weizen u. 
Mehl (reduc. 
auf Weizen) im 
Fiscaljahr.end.l 
3o.Junii. Bush.l 
1871 
1872 
'873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
34.091.137 ' 29. I 
35.526 836 1 30.7 
39,197.148 23,8 
41,036.918 1 20.7 
44-841.371 1 29.4 
49,033.364 26. I 
50,369.113 j 26.6 
51,585.000 1 26.9 
53,085.450 i 29.2 
62.368.869 28.2 
991,898.000 
1092,719.000 
932,274.000 
850,148.500 
1321,069.000 
1283,827.000 
1342,558.000 
1388,218.750 
1547,901,790 
1754,861.535 
48.2 
39.8 
48 
64.7 
: 
35.8 
31.8 
37.5 
40. I 
478,275.900 
435,149.290 
447,183.020 
550,043.080 
555,445.930 
475,491 210 
480,643.400 
441,153.405 
580.486.217 
617.485.too 
35,727.010 
40,154274 
35,985834 
30,025.036 
50,910.532 
72,652.611 
87,192.110 
87,884.892 
99.572.329 
98,000.000 
III. Hafer. 
t 
Bestellte 
Acres 
' Total- 
1 product 
1 Preis per 
i Bushel 
11 
Bushels 
Dollars 
1876 .... 
320,844.000 
406.394.000 
413.578.560 
364.253.180 
407.858.999 
. ...CA 
&gt;877 
12,826.148 
13,176.500 
12,683.490 
16,144.593 
3' A 
31.4 
28.7 
25.3 
ja • • 
29.2 
24.6 
33.2 
36.3 
118,161.550 
101,945.830 
120,855 000 
148,031.000 
&gt;878 . . . 
&gt;879 
1880 . 
IV. Kartoffeln. 
4 
Bestellte 
Acres 
Ertrag per 
Acre 
Preis per 
Bushel 
Total 
werth 
Bushels 
Dollars 
‘876 . . 
1,741 983 
1,792.287 
1,776.800 
1,836.820 
1,840929 
1 
65 • 5 
44.8 
58.8 
•43.5 
47.8 
83,861 000 
76,249.000 
73,059000 
79,153.000 
80,636.000 
'*77 
'*78 .... 
/ 1 . w 
94.9 
69.9 
98.9 
91+ 
170,092.000 
124,127.000 
181,626.000 
168,385.900 
*879 .... 
1880 .
        <pb n="64" />
        48 
Mit Roggen waren 1,842.303 Acres bestellt und brachten 
19,831.595 Bushels Ertrag. 
Mit Gerste waren 1,997.717 Acres bestellt und gaben 
44,113.495 Bushels Ertrag. 
Mit Buchweizen waren 848,389 Acres bestellt und 
gaben 11,817.327 Bushels Ertrag. 
Mit Tabak waren 602.516 Acres bestellt und gaben 
446,296.889 Pfund Ertrag. 
Mit Heu waren 25.863.955 Acres bestellt und gaben 
31,925.233 Tonnen Ertrag. 
Mit Baumwolle waren 15,475-300 Acres bestellt und 
gaben 6,343.269 Ballen Ertrag. 
In Millionen Bushels resp. Pfund, Tonnen und Ballen betrug 
die Ackerbauproduction : 
Weizen ! 
Roggen 
.22 
Hafer 
Gerste j 
i Buchweizen 
1 Kartoffeln 1 
Erbsen u. 
1 Bohnen 
3 
Tonn. 
•5 
l’fd. 
1 
1 
Pfd. 
’S 
H 
Pfd. 
Rohrzucker 1 
Hogsheads 1000 
Baumwolle 1 
Ballen 1000 ' 
Bushels 
1850 
i860 
1870 
1880 
100 
173 
287 
459 
14 
21 
16 
19 
592 
838 
760 
1-754 
146 
172 
282 
407 
5 
15 
29 
44 
8 
17 
9 
II 
»03 
»53 
164 
168 
9 
»5 
5 
»3 
»9 
27 
3» 
2»S 
187 
73 
3 
10 
25 
»99 
434 
262 
446 
247 
230 
87 
6.343 
Die Totalproduction an Weizen, Roggen, Hafer, Gerste 
und Buchweizen betrug 
1850: 273 Mill. Bushels, dazu Mais 592 Mill Bushels, Summa 865 Mill Bushels, 
i860: 398 ,, 5, ,, ,, 838 ,, ,) * 236 ,, ,, 
1870; 623 „ „ „ 760 ,. „ „ 1383 „ „ 
1880: 949 ?) V 11 M *-754 V í) ” 2.703 ,, V 
Unter obigen Früchten hatte man 1880 in der Union 
164 Mill. Acres und der Werth der Producte dieses Jahres 
betrug 2.131 Mill. Dollars. England hat ca. 32 Mill. Acres 
unter dem Pflug!
        <pb n="65" />
        4 
V. Capitel. 
Getreidetransport-Anstalten in den Hafen 
städten am atlantischen Meere. 
Der Getreidehandel der Union ist in einer fortwährenden 
Entwickelung begriffen, nach dem einen Ziele hin : grosse 
Massen möglichst billigvon dem Producenten 
an den Consumenten zu befördern und abzu 
liefern. Das amerikanisch-englische oder angelsächsische 
Geschäftsprincip ist ja bekanntlich, viele Geschäfte und 
an jedem Kinzelngeschäfte nur einen ganz kleinen Profit zu 
machen. Das continental-jüdische Geschäftsprincip ist dagegen 
am Einzelgeschäfte möglichst viel zu „verdienen“. Dadurch 
Werden Producent und Consument in ihrer Productions- und 
Consumkraft geschädigt ; erstere produciren weniger, letztere 
consumiren weniger. So verringert sich die Zahl der Geschäfte 
bei uns. ln Amerika und in England ist das Gegentheil der 
Fall. Geschieht es nun, dass Geschäftsleute mit dem angel 
sächsischen Principe mit Geschäftsleuten des semitischen Prin 
cipes auf demselben Markte concurriren, so schlagen erstere 
die letzteren und verdrängen sie aus dem Markte. Auf diese 
Weise verliert Ungarn den englischen Markt für Weizen und 
Mehl. Im Westen haben wir festgestellt, wie viel der Auf 
schlag für den Getreidehandel von der Productionsstätte bis 
zum Weltmärkte Liverpool ausmacht, womit man dann ver 
gleichen kann, wie gross der Aufschlag ist, den im Banate er 
zeugter Weizen bis zum englischen Markte erleidet. Alle 
amerikanischen Transport- und Handelseinrichtungen haben den 
einen Zweck : Massen von Waaren ökonomisch 
zu Markte zu bringen.
        <pb n="66" />
        50 
Dies ist bisher ohne Intervention der Gesetzgebung, ledig 
lich durch die Speculation geschehen und hat sich bisher 
die Lehre der physiokratischen Schule: volle Freiheit im 
Kornhandel begünstige Producenten und Consumenten, bewährt, 
wird dies auch im nächsten Jahrzehnt noch thun. Später 
kann ein Rückschlag kommen durch die fortschreitende Mono- 
polisirung des Handels in einigen Händen. Alsdann erst wird 
man in Amerika vielleicht an die Gesetzgebung mit Erfolg 
appelliren. Bisher geschah es von Seiten der Granger ohne 
Erfolg, weil durch Concurrenz Abhilfe ge 
schaffen wurde. Wie dies geschah, ist hier kurz dar 
zustellen. 
lieber den Getreideankauf im Westen habe ich mich da 
selbst genauer informirt, als es in den Hafenstädten geschehen 
konnte. Doch erfuhr ich hier, dass Getreide dort von kleinen 
Händlern, die daselbst ansässig sind, meist aber von Agenten 
grosser Firmen, die es direct nach Europa verkaufen, ange 
kauft wird. Sie zahlen den Farmern baar und senden das 
Getreide nach Chicago und Milwaukee, von wo die Vertheilung 
über die Exportplätze Boston, New-York, Philadelphia, Balti 
more erfolgt. 
Neuerlich — seit die Mississippi-Strasse eröffnet ist — 
rivalisirt St. Louis mit jenen beiden Städten, doch erwähne ich 
diese neue Strasse hier noch nicht weiter, da sie erst jetzt 
beginnt, sich im Osten fühlbar zu machen und ich sie geeig 
neten Orts darstellen will. Auch Cincinnati kommt noch als 
Sammelplatz, Collecting place, wie man hier sagt, für Getreide, 
das nach Osten zu gehen bestimmt ist, in Frage. 
Es gibt auch viele Farmer, welche nicht sofort nach der 
Ernte dreschen und verkaufen, da sie in den letzten Jahren 
viel Geld gemacht haben. Sie speculiren selbst mit ihrem 
Erzeugnisse. Da die amerikanischen Zeitungen täglich tele 
graphische Berichte über den Preis des Getreides in Liverpool, 
New-York, Chicago bringen, der Farmer die Transportunkosten 
von seiner Farm bis Chicago — oder einem anderen der 
Sammelplätze — kennt, so wählt er selbst den Moment, in 
welchem er verkaufen will.
        <pb n="67" />
        51 
Ein specuHrender Farmer muss das Getreide lagern. Hat 
er eigne Speicherräume, so thut er es dort. Hat er sie nicht, 
und dies ist die Regel, so benützt er den nächsten Elevator. 
Es haben nämlich Capitalisten, die im Westen wohnen, solche 
Speicher, die Paternosterwerke zum billigen Manipuliren des 
Getreides besitzen, an geeigneten Stellen neben Eisenbahn 
stationen gebaut. Hier lagert der Farmer sein Getreide gegen 
Entrichtung einer Gebühr per Bushel und je nach I&gt;änge der 
Eagerzeit. Es liegt hier auf Gefahr des Besitzers des Elevators, 
der Elevator und Inhalt gegen Feuerschaden versichert. Dieser 
stellt dem Eigenthümer des Getreides einen Depotschein aus, 
der negociirbar ist, den er verkaufen oder lombardiren kann. 
Eocalbanken leihen 8o bis 90 Percent des Locomarktwerthes 
zum jetzt sehr billigen Bankzinsfusse darauf. Sie sind gleich 
zeitig Depositenbanken und verzinsen die Ersparnisse der Far- 
uier, denen sie Cheques geben. So wird der kleine Bauern 
stand, welcher immer noch fast allen Weizen und Mais produ- 
cirt, in das Bankgetriebe hineingezogen, zieht aber bis jetzt 
noch grossen Vortheil daraus. 
Da die meisten Farmen Amerikas jene Grösse nicht über 
schreiten, welche in den Einzelstaaten durch die Homestead- 
Exemptionsgesetze gegen Verkauf Schulden halber geschützt 
&gt;st, wie ich das in dem gleichzeitig erscheinenden Werke über 
Heimstättengesetze ausfühce, so geniesst der amerikanische 
Farmer durchschnittlich keinen Hypothekencredit und giebt es 
desshalb auch — was europäischen Lesern auffallen wird — 
zwar Tausende von Depositenbanken, aber keine Hypo 
thekarbanken! Jene Gesetze, welche dem Farmer das 
Schuldenmachen auf Hypothek erschweren, in einzelnen Staaten 
sogar verbieten, haben eine zur Sparsamkeit erziehende Wir 
kung: In guten Erntejahren sammelt der Farmer einen Reserve 
fonds und deponirt ihn in der nächsten Bank, in schlechten 
Jahren zieht er auf dies Depot. Bei uns investirt und depensirt 
Ulan den Ueberschuss der guten Jahre über die Wirthschafts- 
kosten und leiht in schlechten Jahren Geld auf Hypothek, 
kis die Subhastation dieser liederlichen Wirthschaft ein Ende 
uiacht. Mit dem Depötsystem ist naturgemäss das Warrant- 
System für das zur fungiblen Waare durch Gradirung gewor- 
4*
        <pb n="68" />
        52 
dene Getreide und das Chequesystem für Zahlungen der 
Farmer verbunden. — 
Der Export nach Europa ging jetzt noch fast ausschliesslich 
über die genannten Häfen, auch nicht unbedeutend über Mon 
treal und Quebek. Er ist hier in sehr wenigen Händen, die 
ihn monopolisiren. In New-York sollen circa fünf Häuser den 
grössten Theil des Exportes beherrschen. Es sind dies nicht 
die sogenannten Eisenbahnkönige, obschon jene mit diesen 
Verbindungen haben mögen, auch wohl Actien gewisser, von 
ihnen benützter Bahnen besitzen und somit Einfluss auf sie 
üben. Sie schliessen Specialcontracte über Fracht von, sagen 
wir: Chicago nach New-York, mit Bahndirectionen ab, be 
dienen sich aber auch der kleinen Bootsschiffer, welche aus 
den Seen durch den Eriecanal Getreide nach Osten führen, 
und benützen zu ihrem Vortheile die Concurrenz der Eisenbahn 
linien untereinander und dieser gemeinsam mit den Canalboot 
besitzern. Bis vor einigen Jahren waren die genannten Binnen 
land-Sammelplätze der Sitz des Getreide-Exportes nach Europa, 
von wo dasselbe direct dorthin verkauft wurde. Es sind dort 
auch die ersten und grössten Elevatoren gebaut worden, denn 
wo der Sitz der Getreidespeculation ist, müssen auch die 
Haupt-Getreidelager sich befinden. Neuerlich ändert sich das. 
Die leitenden Häuser haben ihren Sitz in den genannten Hafen 
städten am Atlantischen Meere und lassen das Getreide vielfach 
nicht mehr in Chicago und Milwaukee „collectiren“, wie man 
hier sagt, sondern direct nach den Hafenstädten befördern. 
Viel Getreide wird auch im Westen vermahlen, namentlich in 
Minneapolis, St. Louis, Chicago, sowohl zum Local verbrauche 
als zum Export des Mehles. Die Müller machen den Agenten 
der Weizenexporteure beim Einkäufe Concurrenz. So haben 
die Farmer drei Abnehmer: Weizenexporteure, Exportmüller 
und Localmüller, welche die Umgegend mit Mehl ver 
sorgen. 
Soweit Getreide aber noch in jenen Binnenstädten zum Ele 
vator geht, wird es nun per Bahn nach den Häfen gesandt, 
oder in grösseren Dampfern über die Seen nach Buffalo. Hier 
wird es in kleinere Dampfer, die 14- bis 40.000 Bushel halten, 
oder in Boote, welche von Pferden gezogen werden und circa
        <pb n="69" />
        53 
8ooo Bushel fassen, überladen und auf dem Erie-Canal nach 
New-York gebracht. 
lieber den Transport via St. Louis-New-Orleans und über 
den Weiland-Canal und Montreal berichte ich später. Da 
man die atlantischen Städte zum Hauptsitze des Getreide 
handels machte, musste man daselbst Lagerräumlichkeiten 
schaffen, denn die Speculation bedarf der Zeit. Sie muss die 
Waare zurückhalten und auch plötzlich auf den Markt werfen 
können. Deshalb finden wir an allen Orten, wo ein grosser 
effectiver Getreidehandel getrieben wird, grosse Speicher. 
So in Danzig, Stettin, Marseille, Havre, Livrepool, London. 
Nur Oesterreich hatte dergleichen in Triest und Fiume nicht in 
ausreichendem Masse, weil hier nicht Händler, die selbst kaufen 
und verkaufen, sondern Zwischenhändler und Agenten wohnen. 
Erst seit i88i sind ausreichende Magazine in diesen Städten 
gebaut worden. 
Man baute also in den Hafenstädten der Union Elevatoren, 
welche im Grunde nur Getreidespeicher mit besonders zweck 
mässigen Einrichtungen zur billigen Manipulirung des Getreides 
sind. Und zwar bauten nicht etwa die Getreidehändler 
diese Speicher, wie dies überall in Europa bisher geschah, 
sondern zuerst die Eisenbahngesellschaften, welche das 
Getreide vom Westen in die Hafenstädte befördern. 
New-York machte dan^it den Anfang. Vanderbilt, der 
greise Eisenbahnkönig, der im Jahre 1880 mit Hinterlassung 
eines Vermögens von übtr 100 Milionen Dollars starb, erbaute 
vor sechs Jahren den ersten grossen stehenden Elevator in 
New-York. Ein Beispiel, das nun die mit seiner Bahn con- 
currirenden Bahngesellschaften befolgen mussten und befolgten. 
Die Elevatoren von New-York konnten 1881 über 23 Millionen 
Bushel Weizen lagern, jene von Chicago 22 Millionen Bushel. 
Vanderbilt seinerseits war durch die Concurrenz der Erie- 
Boote dazu gezwungen worden. 
Diese Boote sind meist im Besitze eines Schiffers, dessen 
ganzes Eigenthum das Boot bildet, und der mit seiner Familie 
jahrein jahraus in der geräumigen Cajüte desselben wohnt. 
Ich sah Hunderte derselben im Hafen von New-York über-
        <pb n="70" />
        54 
wintern, Die Besitzerfamilie wohnte, wie die rauchenden 
Cajütenschornsteine bewiesen, im Boote. 
Hin solches Boot befördert das Getreide erstens billig 
nach New-York, weshalb die Eisenbahngesellschaften im Sommer 
billige Tarife stellen müssen, um Fracht zu erhalten. Im 
Winter schlagen sie auf. 
Die Boote aber haben noch einen anderen Vortheil, Sie 
sind zugleich Transportmittel und Speicher. Wird das Ge 
treide nicht sofort zum Exporte nach Europa gebraucht, so 
liegen sie gegen eine kleine Vergütung wochenlang im Hafen 
von New-\ork. Das in ihnen ankommende Getreide braucht 
also nicht aufgespeichert zu werden, was Kosten verursachen 
würde. Anders ist es mit jenem Getreide, das die Eisenbahnen 
herbeiführen. Sie brauchen i6 Waggons, um eine Bootsladung 
von 8000 Bushel zu fassen. Sollte das Getreide in diesen 
^^^^ggons wochenlang im Bahnhofe von New-York stehen, so 
würden die Bahnhöfe keinen Raum für sie haben, auch würde 
man ungeheuer viel Waggons brauchen. Dieses geht also 
nicht. Um mit den Booten concurriren zu können, müssen 
die Bahn-Actien-Gesellschaften also für Speicher Sorge tragen. 
Darum bauen sie Elevatoren. 
Die Boote haben noch einen anderen Vorzug vor den 
Eisenbahnwaggons. Sie können diejenigen Schiffe im Hafen 
von New-York aufsuchen, auf denen das Getreide nach Europa 
transportirt werden soll. Zwischen dies Boot und das zu be 
ladende Schiff legt sich ein schwimmender Elevator, der 
mit dem stehenden nur das durch eine Dampfmaschine bewegte 
Paternosterwerk, nicht den Speicherraum, gemein hat und der 
mittelst des ersteren den Inhalt des Erie-Canalboots in das 
Exportschiff überschüttet. 
Die Eisenbahngesellschaften mussten also auch Getreide 
boote bauen, welche das Getreide aus ihren Waggons oder 
stehenden Elevatoren an die Seite gewisser Seeschiffe befördern. 
Sie besitzen ferner schwimmende Paternoster-Elevatoren, welche 
den Inhalt ihrer Getreideboote in die Seeschiffe übertragen. 
Diese schwimmenden Elevatoren haben eine kleine Dampf 
maschine, welche sowohl den Elevator im Hafen hin- und her 
bewegt, als auch das Paternosterwerk treibt. Sie erhalten für
        <pb n="71" />
        55 
die Uebertragung^ des Getreides aus dein Erieboote in das 
Seeschiff in der Regel Cents per Bushel. 
Vielfach freilich wird Getreide aus Eisenbahn waggons 
direct in Seeschiffe, welche seitlich an einem Molo des Bahn 
hofes, der in den Hafen hineingebaut ist, liegen, überschüttet. 
Wir sahen dies auf dem Bahnhofe der Pennsylvania- und Reading- 
Eisenbahn in Philadelphia. Ein Waggon von 500 Bushel Ge 
halt wird in circa einer Minute gewogen und sein Inhalt in 
das Schiff entladen. Zwei Mann genügen, diese Arbeit zu be- 
sorgen. Kleine Locomotiven schieben die Waggons hin und 
her. Vielfach legt sich auch ein Seeschiff an die Seite des 
stehenden Elevators, der natürlich stets eine Wasserfront hat. 
gewöhnlich zwei, und in dessen Souterrain die Eisenbahngeleise 
des Bahnhofes verlaufen. In beiden Fällen ist die.\ erschiffung 
des mit der Bahn ankommenden Getreides kostenloser, als 
wenn es erst im Elevator lagert, dann in das Hafenboot und 
aus diesem in das Seeschiff verladen wird. Allein die Bahn 
gesellschaften waren durch die Concurrenz der Erie-Canalboote 
gezwungen, Vorrichtungen für alle drei \ erschiffungs- un 
Lagerarten zu treffen, weil die Getreidehändler nicht w en, 
dass ihr Getreide aus dem Westen auf irgend einem Bahnhofe 
für sie ankomme, sondern dass es so lange, als sie es w o en, 
in New-York zu ihrer Disposition lagere und dann im 
ihre Ordre hin in ein Seeschiff verladen werde, und das Alles 
um denselben Preis, um welchen die Erie-Canalboote ihnen 
diese Dienste thun. 
Weshalb aber legen sich nicht alle Seeschiffe, die Getrgde 
für Europa einnehmen wollen, seitlich an die Mo os un 
vatoren? , .. 
Erstens würden nicht alle Platz daran finden; zweitens 
aber thut keiner der regelmässig zwischen Europa un 
rika fahrenden grossen Dampfer dies. . ^ 
Jede der grossen Dampfergesellschaften ’ 
Inman-, White Star- und andere Linien — hat ihr ei^ 
Bassin im Hafen von New-York. Ein breiter un anger 
ist vom Lande in flen Hafen hineingebaut. w To^osser 
binden Eisenbahnstränge ihn mit den Ba n o en. -1 
gedeckter Raum gibt den ein- und auszuladenden Waaren
        <pb n="72" />
        Sicherheit gegen Regen. Die Dampfer liegen seitlich am Molo, 
eine Breitseite dem Magazin, die andere dem offenen Hafen 
zugekehrt, so dass sie von beiden Seiten her gleichzeitig be 
laden werden können. Sie liegen nur wenige Tage im Hafen 
im günstigsten Falle eine Woche, und nehmen bis zum vor 
letzten Tage Stückgüter aller Art als Ladung an. Dann 
schhessen sie die Annahme solcher und melden nun den Ge- 
treide-hxporteuren, wie viel Raum sie zur Aufnahme von Ge- 
treide übrig behalten haben und schhessen so gut wie möglich 
mit jenen ab, unter der Bedingung, dass der Raum 
d f """ Kahngesellschaft - ^er 
den Lne-Bootbesitzern - welche sein Getreide gelagert haben. 
Srh-ff 1 Können Welzen in ein 
Schiff der White Star-Linie zu verladen. Die Krie-Boote legen 
sich einfach seitlich daneben und laden durch einen Paternoster- 
Klevator über. Die Bahngesellschaften können keine Eisenbahn- 
waggons an die Hafenseite des Dampfers senden, sie füllen also ihre 
Hafen-Getreideboote, deren jede Bahngesellschaft welche sowie 
auch schwimmende Paternoster-Elevatoren besitzt, aus den 
i evatoren und senden diese nebst Paternoster-Elevatoren an 
pletin grossen Dampfers, der nun seine Ladung com- 
Die Concurrenz der Erie-Boote hat also die grossen Bahn- 
compagnien dazu gezwungen, stehende und schwimmende 
V Hafenboote anzuschaffen. Nachdem die 
anderbilt sehe Bahn damit den Anfang gemacht, mussten die 
anderen Concurrenzbahnen folgen, und so existirt denn schon 
eine ganze Anzahl derselben in New-York und mehr werden 
noc i gebaut. Da die Einrichtung sich in New-York als prac- 
werden^'ö'^ »äku nachgeahmt 
1 u 'hren Exporthandel an New-York ver- 
loren haben würden. In einigen Jahren tfofft man soviel Eie-
        <pb n="73" />
        57 
als zehn Mal so viel als Oesterreich Ungarn jährlich durch 
schnittlich exportirt — in diesen Hafenstädten gleichzeitig 
lagern können. 
Wir haben zwei solche grosse Elevatoren in New-^ork 
und einen in Philadelphia im Detail besichtigt. 
Wenn irgend eine Waare ein Weltmarktartikel wird, so hört 
der Handel nach Probe auf und der nach Marke oder nach 
Grad beginnt, die betreffende Waare wird zur fungiblen 
Waare. Der Grad bedeutet eine bestimmte, objectiv und 
für die Dauer festgestellte Qualität der betreffenden 
Waare. Damit die Qualität stets dem Normale, dem Standard 
— wie die Anglo-Amerikaner sagen — entspreche, muss die 
Gradirung von einer über Käufer und Verkäufer stehen 
den Autorität unparteiisch vollzogen werden. 
Dies war schon im Mittelalter der Fall, da Waaren einer 
«Schau“ unterworfen und mit einer amtlichen Marke, sei es 
der Zunftbehörde, sei es der politischen, versehen werden 
mussten, bevor sie zum Verkaufe ausgelegt werden durften. 
In der Punzirung von Gold- und Silberwaaren, die in einigen 
Staaten noch besteht, haben wir ein Residuum jener uralten 
Zunftgepflogenheit. Im Kornhandel finden wir schon frühe die 
Gradirung, namentlich des von Danzig nach England expor- 
tirten Weizens. Durch Mischung von Weizen aus Polen, Ungarn, 
Preussen, stellen seit vielen Jahren Danziger Kaufleute einige 
feste Mischungsverhältnisse her, wie sie englische Käufer 
verlangen, ob der Weizen aus dieser Gegend gut oder schlecht 
sei, sie schaffen jährlich constante Qualitäten, so wie sie die 
Engländer wünschen. In Hull handelt man „Danziger weissen 
Weizen No. 2 oder i oder und weiss dann ganz genau, wie 
schwer dieser per Raumeinheit ist und welche Farbe er hat, o ne 
ihn gesehen zu haben. Hier ist keine Probe me r 
nöthig. Der Handel wird leicht und einfach. Die Producenten 
verlieren durch solche Mischung nicht, wde im deutsc en 
Parlamente von einigen Agrariern fälschlich behauptet wurde, 
sondern sie gewinnen, weil durch dieselbe ihr Weizen in je em 
Jahre, auch in dem, worin sie schlechte Qualität haben, ver 
käuflich wird. Man mischt ihn dann mit besserem ungarischen.
        <pb n="74" />
        58 
Fällt preussischer sehr gut aus, mischt man ihn mit schlechterem 
russischen. 
Seinen Markt findet er in England immer ; ist er sehr gut, 
zahlt ihn der Danziger Kaufmann besser, ist er sehr schlecht, 
zahlt er ihn niedriger, aber er kauft ihn doch. Käme er 
ungemischt aus einem schlechten Jahre nach England, so fände 
er keinen Abnehmer. 
Dies Princip, eine „Weltmarktsmarke“ herzustellen, 
greift, je mehr der Handel Welthandel wurde, immer mehr 
um sich und ergreift jede Weltmarktswaare. Eine Waare, 
welche nach Probe gehandelt wird, kann schon desshalb den 
Weltmarkt nicht behaupten ; dies mögen doch die österreichisch 
ungarischen Exporteure von Getreide beachten. Sie bedürfen 
auch der Gradirung, überhaupt einer gründlichen Organisirung 
des ganzen Exporthandels ; dazu aber anderer Männer, als 
unsere meist jüdischen Getreidespeculanten sind, welche die 
Waare nicht cultiviren, sondern auf den Markt werfen, wie sie 
dieselbe von den Producenten erhalten. Mit dem Weinhandel 
ist es genau so. Die französichen Weinexporteure stellen feste 
Marken von Margaux, Bordeaux, Burgunder, Champagner her 
durch geschickte Mischung; die ungarischen Weinhändler thun 
dies nicht, desshalb ist Ungarw^ein, der auch in Amerika auf 
allen 'Weinkarten grösserer Hotels figurirt, in jedem Hôtel fast 
anders, obschon er dieselbe Etiquette trägt. St. Julien aber, zum 
selben Preise, ist fast überall derselbe. Da unsere Weinhändler 
uns im Stiche lassen, sollten die Producenten sich organisiren. 
Sogar die Fondsbörse kann sich dem nicht entziehen 
Weltmarktfonds zu schaffen. 
Als die Pereires den Credit Mobilier schufen, hatten sie 
die Absicht, die Actien von Hunderten von Unternehmungen an 
sich zu bringen und auf Grund dieser Unterlage Obligationen 
des Mobilier zu emittiren, welche einen Weltmarkt fänden. Die 
preussische Central-Bodencredit-Actiengesellschaft hat auf diese 
Weise die Pfandbriefe verschiedener kleinerer Actienhypotheken- 
banken unificirt. Die preussische Central-Landschaft that es 
mit den Pfandbriefen von sechs alten Provinzial Landschaften. 
Auf dem Waarenmarkte finden wir feste Marken im 
Zuckergeschäfte. Baumwolle wird so nach festen Graden, die
        <pb n="75" />
        59 
besondere Namen haben, gehandelt. Alles gepökelte Schweine- 
und Rindfleisch, aller Speck und alles Schmalz, das die Union 
exportirt, wird nach Marken gehandelt, wie ein Blick auf den 
Börsenbericht grösserer Zeitungen lehrt. 
Auf der New-\orker Börse vom 23. März 1881 wurden 
gehandelt: 
Baumwolle aus Texas per englisches Pfund: 
Marke Ordinary . ... Cents 
„ Strict ordinary . . 8®/i6 « 
„ Good ordinary . . ^ 
M Strict good ordinary 9"/, g „ 
„ Low middling . . ioV,6 « 
„ Middling . . . . loVs 
n Good middling . . 11% n u. s. w. 
Schmalz per Pass : 
Marke Western .... 10.%;% Dollars 
r. Refined .... 10.90 „ u. s. w. 
Käse per Pfund: 
Marke State factory fine 13Y, Cents 
M M r good to prime 13 „ 
M M n fair to good 12^4 « 
„ Wisconsin factory full cream fine ... 13 „ 
M M M good to prime . . . 13V2 » 
” UhlO „ „ ... I3V4 n 
u. s. w. 
Mehl wird ebenso nur nach Marke gehandelt, per Sack: 
Marke Nr. 2 State 3.65 Dollars 
„ Superfine 4.00 
M l^'xtra 4,75 
„ Superfine Western 4.75 „ 
„ Minnesota 7.73 „ 
„ „ patents 8.50 „ 
u. s. w. 
Dasselbe geschieht nun mit Weizen. 
Jede Ladung Weizen, die in New-York ankommt, sei es 
in einem Eisenbahnwaggon, sei es in einem Erie-Boote, wird, 
bevor sie in den Elevator oder in ein Schiff verladen werden 
darf, im Einzelnen von einem vereidigten Beamten besichtigt,
        <pb n="76" />
        II 
6o 
den die Kornbörse von New-York angestellt hat. Natürlich 
existiren viele solche Beamte, welche den ganzen Tag über 
in eigens für sie errichteten Gebäuden auf den Ausladeplätzen 
sich aufhalten müssen, sich regelmässig ablösen, gerade wie 
Lotsen im Hafen. Sie besehen und wägen den Weizen und 
geben ihm seinen Grad, je nach Farbe, Qualität und Gewicht. 
Das letztere ist von der Börsenbehörde festgesetzt, so dass 
z. B. Weizen, der unter 58 Ibs. per Bushel wiegt, nicht in 
Nr. I kommen darf; dagegen kann solcher von 60 Ibs. noch 
unter Nr. i angesprochen werden, wenn er schlechte Farbe 
hat, sehr unrein ist etc. Der gradirende Beamte erhält für 
jede von ihm gradirte Waggonladung von circa 500 Bushel 
20 Cents Gebühr. Nach diesen Graden allein wird 
Weizen für Export in New-York gehandelt und finden wir 
am oben genannten Tage (23. März 1881) daselbst folgende 
Notirungen: 
Marke White 
Red 
Nr. I 
Nr. 2 
r, Nr. 3 
Spring Nr. 3 
• • • • i-22'/2 Dollars per Bushel 
• • • • ï *25'A « ,1 „ 
• • • • 1-24 ,1 „ 
• • • • ^22 ,2 ., , „ 
U. s. w. 
1st der Weizen so schlecht, dass er in keinen der officiellen 
Grade hineinpasst, so wird er zurückgewiesen und muss, wenn 
er unter besonderer Marke hierher verkauft war, zum Schaden 
des Versenders im offenen Markte verauctionirt werden. Ist 
er schon im Besitze eines New-Yorker Kaufmannes, so kann 
ihn der nur als „ungraded“ an amerikanische Müller verkaufen 
und stand solcher red ungraded an jenem Tage 1.22 bis 1.22V2 
Dollars. Er kommt nie in die Elevatoren, sondern wird in 
anderen Speichern aufbewahrt. 
Der Schwindel ist auch bereits in den Kornhandel ge 
drungen. Inspectoren des Getreides in Chicago sind beschuldigt 
worden, bestochen zu sein und falsch gradirt zu haben und 
schwebte dieserhalb Ende 1882 ein Process eines grossen Ge 
treidehändlers in Chicago. Doch war die Empörung der 
Granger der Staaten im Norden und Westen von Chicago so 
gross und ist ihr Einfluss so bedeutend, dass hier jedenfalls 
Remedur geschaffen werden muss.
        <pb n="77" />
        6i 
1st der Weizen gegradet worden, so wird er, soll er zum 
Llevator gehen, in diesen befördert und der Besitzer des 
Elevators giebt dem Weizenbesitzer einen Depotschein auf, 
5000 Bushel Red Nr. 2. Letzterer hat nun nicht mehr 
Anspruch auf die besondere Ladung Weizen, die 
er dem Elevator lieferte, sondern er muss irgend welchen 
Weizen desselben Grades nehmen, der aus jenem 
Elevator verladen wird. Daher werden nur die Grade im 
Elevator getrennt auf be wahrt, nicht mehr die einzelnen 
Sendungen, wodurch viel Magazinraum erspart wird. 
Die New-Yorker Kornhändler verkaufen den Weizen in Europa 
entweder durch eigene Agenten, die sie dort halten, wie es 
auch die vereinigten Müller von Minneapolis mit ihrem Mehl 
thun, oder sie verkaufen ihn an europäische Getreidehändler 
und ziehen dann Wechsel auf diese. 
Die Elevatoren sind genügend beschrieben und in Europa 
bekannt. Die ungarische Regierung hat einen Ingenieur, den 
mir bekannten Herrn von Miklos Oedön, herübergeschickt, der 
eine Anzahl derselben gezeichnet und in Pest einen solchen 
mit 2 Millionen Gulden Baukosten erbaut hat. Ich will 
also in ihrer Beschreibung kurz sein, bemerke jedoch, dass 
man noch fortwährend \'erbesserungen bei neugebauten an 
bringt und dass der zweite, den wir in New-York sahen, soeben 
vollendet, schon dem ^ersteren, älteren überlegen war. ln 
Philadelphia besichtigten wir den noch unvollendeten der 
Philadelphia- und Reading-Eisenbahn und fanden, dass er beide 
New-Yorker übertraf. ' 
Im Allgemeinen ist das System des stehenden Magazin 
elevators das folgende: 
Ein sehr hohes Gebäude, über 100 Fuss hoch, wird an 
beiden Seiten der ganzen Länge nach von je zwei Schienen 
strängen durchzogen, so dass im Ganzen vier Eisenbahnzüge 
einfahren können — ich bleibe bei dem Elevator in Philadelphia, 
der am vollkommensten war. Der Elevator steht auf einem 
in den Hafen hineingebauten Molo und hat an beiden Längs 
seiten Wasserfront, so dass an jeder Seite ein grosses Ocean- 
schiff liegen und Ladung nehmen kann. Neben jedes Seeschiff 
legt sich nach Aussen hin ein Prahm. Nun kann Folgendes
        <pb n="78" />
        62 
gleichzeitig geschehen, und zwar an jeder Seite : Zwei 
Eisenbahnzüge mit vollen Waggons fahren gleichzeitig an jeder 
Seite ein. Der Weizen aus jenen Wagen, die an der äusseren 
Seite des Elevators, also zunächst dem Seeschiffe, stehen, 
entladen, indem ihr fallthürartiger Boden sich öffnet, gleichzeitig 
ihren Inhalt unter sich. Hier fällt der Weizen auf eine schiefe 
Ebene, die siebartig ist und kleines Korn in den Keller ab 
fuhrt. Das grosse, gute Korn fällt durch Trichter, die be 
wegliche Glieder haben, direct in den Schiffsbauch. Ent 
ladene Wagen verlassen den Raum und machen neuen 
Platz. Ein Wagen wird in einer Minute entleert. Beim Ein 
fahren wird er gewogen und so beim Ausfahren. Die Differenz 
ist das Weizengewicht. Gleichzeitig kann aus den Magazinen 
des Elevators anderer Weizen durch Trichter in das Ocean- 
schiff geschüttet werden und gleichzeitig auch aus den Maga 
zinen des Elevators, durch andere Trichter, Getreide auf den 
Prahm, der an der Aussenseite des Oceanschiffes liegt. Hier 
fällt es in Säcke, die gefüllt und zugebunden werden. Diese 
Säcke schichtet man, während der lose Weizen in den Mittel 
raum des Oceanschiffes fällt, gleichzeitig an den geneigten 
Wänden dieses grossen Schiffes festgepackt auf, so dass das 
lose'Getreide darin zwischen feste Wände gepresst ist, die 
von Weizensäcken gebildet werden. Dadurch wird das Hin. 
und Herrollen des Getreides, das Schiften, bei hohem Seegange 
verhindert. 
Auf diese Weise kann der Philadelphier Elevator in ein 
Oceanschiff per Stunde 25 000 Bushel Weizen verladen, wovon 
20000 lose und 5000 Bushel in Säcken. 
Der andere Eisenbahnzug, welcher auf der inneren Seite 
des Elevators gleichzeitig eingefahren ist, kann nicht in das 
Schiff ausladen. Er wird auf dieselbe Weise entlehrt wie der 
andere, aber der über das Sieb gelaufene Weizen fällt in den 
Keller des Elevators. Hier fasst ihn das Paternosterwerk und 
hebt ihn circa 100 Fuss hoch in das obere Stockwerk des 
Elevators, und zwar wird jede nunmehr ein Mal gesiebte 
Wagenladung in ein besonderes Holzgefäss auf dem obersten 
Boden des Elevators gehoben und hierin gewogen. Soll der 
Weizen noch weiter gereinigt werden, so fällt er in einen zweiten
        <pb n="79" />
        63 
Behälter über Siebe und durch einen Luftstrom. Dann fällt er 
in die 70 Fuss hohen, 10 Fuss im Quadrat-Querschnitte halten 
den Silos oder Magazine des Elevators, in denen er bleibt, bis 
er verschifft werden soll. Der Boden dieser Silos liegt so 
hoch, dass der Weizen beim Verschiffen durch Trichter in den 
Schiffsraum fallen kann, und er ist konisch geformt, so dass, 
wenn man seine untere Fallthüre öffnet, jedes Korn durch 
eigene Schwere hinausfällt, also alles Schippen wegfällt. 
24 Waggons können auf diese Weise stündlich in die Silos 
transportirt und dabei gereinigt werden. Diese hielten im 
Phdadelphier Elevator 900000 Bushel, in denen zu New-York 
600 000 respective 750 000 Bushel. Man will jetzt in Phila- 
delphia einen bauen, der zwei Millionen Bushel fasst. Der 
Elevator berechnet dem Getreidebesitzer für Ausladen der 
Eisenbahn waggons. Wägen des Getreides, zehn Tage Lagern 
und Einladen in ein seitlich des Elevators zu legendes Schiff 
^/4 ents per Bushel. Für jede Periode von weiteren zehn 
Tagen Lagern werden weitere % Cents und für Reinigen des 
Getreides Cents per Bushel berechnet. 
Eine Eisenbahn Waggonladung von 500 Bushel oder 135 
Metercentnern kostet also, wenn sie zehn Tage lagert, vom 
Waggon ins Schiff: ij 20 Cents zu gradiren; 2) 500 x. iV* 
Cents Elevator - Unkosten, Summe 6.45 Dollars, per Meter- 
centner = 11 kr. ö. W. «ich glaube nicht, dass man in irgend 
einem Lagerhause in Ungarn so billig arbeitet. Trotzdem 
wird hierbei noch von den Itlevatorbesitzern verdient, denn 
diese sind oft besondere Unternehmer. So ist der Elevator 
der Eric-Bahn und der Philadelphia- und Reading-Bahn von je 
einem Privatunternehmer auf Grund und Boden der betreffenden 
Eisenbahncompagnie erbaut. Letztere hat sich das Ankaufs 
recht nach einer gewissen Anzahl von Jahren gewahrt. Die 
Elevatorbesitzer machen so gute Geschäfte, dass sie rasch 
mehr Elevatoren erbauen. Man rechnet, dass der Elevator, 
wenn er nicht schwierige hundamentarbeiten erfordert, so 
viel Mal 30 Cents zu bauen kostet, als er Bushel Getreide 
fassen kann, das macht 4.8 fl. ö. W. per Metercentner. Der 
von Miklos erbaute Elevator in Pest kostet 6.66 fl., die neuen 
W aarenhäuser der Escoiupte- und Wechslerbank daselbst
        <pb n="80" />
        64 
kosten 8.25 il. per Metercentner Lagerraum. Man baut in 
Europa, trotz billigerer Arbeitslöhne, theurer als in Amerika 
und kann also mit diesem Lande nicht concurriren. 
Wenn der Elevator das Getreide nicht lagert, sondern 
direct aus dem Waggon ins Schiß" befördert, so berechnet er 
nur Cents per Bushel. 
Eine besonders practische Einrichtung fanden wir am 
Elevator der Pennsylvania-Rahn in New-York. Um gleichzeitig 
mehr Schifte beladen zu können, als an beiden Längsseiten 
des Elevators Platz haben, war auf luftigen Pfahlsäulen eine 
circa 25 Fuss über dem Wasserspiegel erhabene, schmale 
Galerie 700 Fuss weit vom Elevator in den Hafen hineinge 
baut und soll 1500 Fuss lang werden. In der Höhe von 25 Fuss 
über dem Wasser sind die Pfähle mit hölzerner Plattform be 
deckt, die ein schmales, circa 15 Fuss hohes Holzgebäude 
trägt, ln demselben läuft In der Mitte eine etwa 2V2 Fuss 
breite, aus Guttaperchamasse hergestellte Gewebemasse, wie 
man sie — nur schmaler — schon an Stelle von Triebriemen 
vielfach verwendet, als Riemen ohne Ende über Walzen. Auf 
diese sich vom Elevator vorwärts bewegende, sagen wir, Lein 
wand wird aus dem Elevator Getreide geschüttet, das mit 
grosser Schnelligkeit vorwärts getragen wird. Natürlich läuft 
nicht eine solche Leinwand durch das bis jetzt 700 Fuss lange 
(Gebäude, sondern mehrere folgen auf einander, jede etwa eine 
Schiftslänge haltend und jede folgende etwas niedriger als die 
vorhergehende, so dass das Getreide von der dem Elevator 
näheren auf die entferntere fällt, die es zur dritten trägt u. s. w. 
Von jeder Leinwandrolle kann Getreide nach beiden Seiten 
in je ein Schiff durch Trichter geschüttet werden, so dass nun 
aus einem Elevator gleichzeitig schon circa acht Schifte beladen 
werden können. 
Der innere Bau der Elevatoren besteht durchweg aus Holz, 
und zwar kommt wieder lauter schwaches, geschnittenes Holz 
zur Anwendung, welches so künstlich verbunden ist, dass es 
den ungeheuren Druck ertragen kann, der doch entsteht, wenn 
z. B. ein 70 Fuss hoher und 100 Quadratfuss Querschnitt 
haltender voller Silo an allen vier Seiten von leeren Silos 
umgeben ist, was oft geschieht. In der Baukunst mit Benützung
        <pb n="81" />
        65 
dünner Hölzer und eiserner Bleche sind die Amerikaner 
Meister, 
Wir haben in jedem Elevator, sowie auch in jedem be 
sichtigten Eisen- und Kohlenwerke originelle Maschinen und 
practische, neue technische Einrichtungen gesehen, ich bin 
jedoch zu wenig Fachmann, um sie angemessen darstellen zu 
können. Dies gehört auch in Fachjournale. Allein es bestärkt 
mich in der Idee, dass eine kluge europäische Regierung hier 
einen Techniker beständig unterhalten sollte. Die Berichte, 
^ Glche der ungarische Experte über Elevatoren gemacht hat, sind 
durch die neuen, welche wir sahen, schon überholt und also ver 
altet. Die Amerikaner sind so schnell bei ihren Verbesserungen 
und Erfindungen bezüglich des Transportwesens, dass z. B. das 
seiner Zeit ausgezeichnete Buch des fleissigen Franzosen Ronna, 
der 1878 seine gründlichen Studien hier machte, schon fast 
unbrauchbar geworden ist. . . . Trotzdem haben sich die 
„N. Fr. Presse“, der „Fester Lloyd“, die Augsb. „Allg. Ztg.“ 
noch im inter 1880 daraus Auszüge von Dr, Max Wirth anfertigen 
lassen, zur Zeit, als das Buch nur noch ein historisches Inter 
esse hatte, und in der Berliner Presse, „Gcsellschaftsblätter“, 
„Tageblatt“ etc., fing es gar erst Winter 1882/83 an, als neu 
entdeckte Autorität, sogar über Heimstätten-Exemptionsgesetze, 
citirt zu werden, die niemals darin gestanden haben! 
Höchst fleissige Redactionen, diese Berliner! 
Mitte März 1881, da der Eriecanal noch unpassirbar war, stand 
Getreidefracht hoch, 28 Cents, Winter 1882/83 25 Cents per 100 
englische Pfund von Chicago bis zum Meere, freilich nur 1.57 kr. 
ö. W . für eine Strecke von ca. 9.60 englischen Meilen oder 1300 
Kilometern. Indess ist dieses eine ausnahmsweise hohe 
Fracht. 
Im Allgemeinen hat sich die Getreidefracht sehr bedeutend 
vermindert, wie dies aus folgender Uebersicht hervorgeht, 
welche ich dem Jahresberichte der grossen Pennsylvania-Eisen 
bahn entnommen. Diese Bahn verbindet Chicago und Phila 
delphia, hat aber viele Nebenzweige und mithin viele Fracht 
güter, die nicht den billigen Tarif geniessen, welchen Güter 
auf der Hauptlinie haben, namentlich das aus dem Westen 
kommende Getreide, für das sich also die Zahlen günstiger 
5
        <pb n="82" />
        66 
stellen als in der folgenden Uebersicht, die Tarife für alle 
Frachtgüter enthält. 
Nach jenem Jahresberichte erhielt die Gesellschaft in den 
einzelnen Jahren die in der ersten Colonne angegebene Zahl 
Cents für jede Tonne (9 Metercentner) per englische Meile. 
Die zweite Colonne enthält die Angabe der Kosten, welche 
dieser Transport der Gesellschaft verursachte, die dritte Co 
lonne die Reineinnahme der Bahn für jede eine Meile trans 
port! rte Gewichtstonne — Alles in Cents und Decimalbruch- 
theilen von Cents. 
i 
j Selbst- j 
kosten j 
1 Netto- ! 
verdienst 1 
1 1 
1 Tarif j 
Selbst- 1 
kosten ' 
i 
Netto- j 
verdienst j 
per 
Tonne Fracht 
per Passagier per Meile 
tjO O 
V c ^ 
11-^ 
«CO 
s - 
c 
1858 
1859 
1860 
1861 
1862 
1863 
1864 
1865 
1866 
1867 
ï 868 
1869 
1870 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
2.18 
2.2 
1-95 
1.92 
2.4 
2.19 
2.46 
2.66 
2.28 
2.9 
1.91 
1.72 
&gt;•55 
&gt;39 
1.416 
1.416 
&gt;.255 
1.058 
0.892 
0.98 
0.918 
0.796 
0.88 
1.29 
1.22 
&gt;17 
0.91 
&gt;.7 
114 
&gt;85 
2.26 
1.8 
&gt;52 
1.22 
&gt;&gt;7 
0.97 
0.85 
0.858 
0.864 
0.719 
0.616 
0.582 
0.552 
0.483 
0.427 
0.474 
o 89 
0.9 
0.78 
i.i 
0.97 
&gt;5 
0.61 
0.4 
0.48 
0.57 
0.69 
0-55 
0.58 
0.54 
0.558 
0.552 
0.536 
0.442 
0.31 
0.428 
0.435 
0.369 
0.406 
2.62 
3.66 
2.83 
2.86 
271 
2.51 
2.49 
253 
2.45 
2.48 
2.43 
2.35&gt; 
1.862 
2.363 
2-357 
2.281 
1.91 
1.78 
2.44 
26 
2-5 
2.14 
&gt;.94 
1.87 
&gt;77 
&gt;93 
1.6 
1.669 
1.029 
1.751 
&gt;793 
1.682 
0.71 
0.88 
0.39 
0.26 
0.21 
0.37 
0.55 
0.66 
0.68 
0.55 
0.83 
0.682 
0.833 
0.612 
0.562 
0.599 
162.121 
&gt;80.333 
215062 
280.262 
376.195 
396.746 
420.627 
420.060 
513.102 
565.657 
675.775 
752711 
825-979 
1,011.892 
1,190.144 
1,384.831 
&gt;,372.566 
1,479414 
1,629.742 
&gt;,494.798 
&gt;,732.003 
2,136.708 
&gt;46.837 
204.564 
139.085 
&gt;26.443 
&gt;33.198 
144.728 
150.850 
152.918 
173.824 
177.479 
174-959 
160.421 
288.312 
&gt;43.153 
142.036 
&gt;55.784 
Das Fassagiergeschäft zeigt, wie aus der 
abelle weiter her 
vorgeht, ein ganz anderes Bild als das Frachtgeschäft. Die Fracht 
hat sich in 23 Jahren verdreizehntfacht, der Tarif ist nur noch 
fast ein Drittel desjenigen, den man für Fracht vor 23 Jahren, 
ein Sechstel dessen, was man 1865, als die Tarife am höchsten 
waren, etwas über die Hälfte dessen, was vor zehn Jahren 
gezahlt werden musste. Seit fünf Jahren sind sie fast stabil. 
Die Selbstkosten der Bahn für den Transport haben sich noch
        <pb n="83" />
        5* 
67 
mehr ermässigt, auf fast ein Drittel seit 23 Jahren, fast ein 
Fünftel seit 1865. 
Die erhebliche Tarifermässigung beginnt mit 1868 und sie 
erfolgt von da ab parallel mit einer noch rascher progressiv 
steigenden Frachtvermehrung. Man muss sagen, dass die 
Tarifermässigung die Frachtenvermehrung und damit die Pro- 
ductionsvermehrung geschaffen hat ; wie denn die Eisenbahnen 
in Amerika eine Production schaffen, indem sie sie rentabel 
machen. Sie gehen der Production vorauf. In Europa folgen 
sie ihr. Die Eisenbahnkönige Amerikas sind die eigentlichen 
Pionniere des Westens. Die amerikanischen Eisenbahnkönige 
können mit den jüdischen Cliquen, die unsere Bahnen mono- 
polisiren und verkrüppeln und unsere Production ersticken, 
nicht verglichen werden. Sie stehen himmelhoch über 
diesen und haben, trotz ihrer Monopolisirungssucht und 
manchem grossen Schwindel Amerika productiv und gross 
gemacht. 
Nach obiger Tabelle betrug die Fracht per Metercentner 
und Postmeile 0.94 kr. ö. W. im Jahre 1879, für Getreide aber 
viel weniger. Man ist also weit unter jenem Tarife von einem 
Mark-Pfennig per Meile und Centner, den man in Deutschland 
anstrebte. Während hier sich die Tarife in oben veranschau 
lichter Progression verminderten, hat die deutsche Reichs- 
regierung um 1873 die Erhöhung aller Eisenbahntarife um 
33 V3 Percent gestattét und sie ist meist erfolgt. Nachdem 
man so die landwirthschaftliche Production geschädigt hat, führt 
nian einen landwirthschaftlichen Schutzzoll ein uud schädigt 
dadurch die deutsche Industrie, da er wie eine Prämie auf die 
Industrie jener Länder wirkt, welche billigere und unverzollte 
Lebensmittel für ihre Industrie-Arbeiter haben. Da will man 
mit Amerika und England concurriren ! Dazu unsere Sub- 
hastationen und hier die Homestead-Exemtionsgesetze! Europa 
wird künstlich, mit Hilfe der Gesetzgebung, arm gemacht.
        <pb n="84" />
        VI. Capitel 
Kosten des Getreidetransportes von 
Amerika nach Europa. 
Seit M. Ronna sein vorzügliches Buch „Le Ble“ ge 
schrieben, ist meines Wissens keine genaue Untersuchung 
über die Kosten des Getreidetransportes von Amerika nach 
Europa angestellt worden. Der jetzige Zeitpunkt ist hierzu 
besonders geeignet, weil zwei alte Export - Strassen von 
bisher geringerer Bedeutung gleichzeitig fast der bisher be 
deutendsten — über die atlantischen Häfen der Union von 
Boston bis Baltimore — den Rang streitig machen. 
Am I. September 1881 hat nämlich der Weilandcanal, 
welcher den Erie- und Ontariosee verbindet, seine angestrebte 
Normaltiefe erhalten, so dass Getreide in grossen Barken, 
eventuell sogar in Seeschiffen, von Duluth am Oberen-, Chicago 
am Michigan- und Toledo am Eriesee direct, ohne Ueberladung 
in kleinere Schiffsfahrzeuge, bis Montreal und sogar bis 
Europa transportirt werden kann. Jede neue Handelsstrasse 
bedarf der Zeit, bevor sie zu ihrer vollen Geltung gelangt. 
Man fürchtet in New-York, dem Hafen, über welchen bisher 
die meisten amerikanischen Lebensmittel nach Europa ver 
schifft wurden, den Einfluss der Concurrenz der Weiland - San 
Lorenzostrasse, doch wird er sich erst in einigen Jahren in 
Zahlen ausdrücken lassen. Für jetzt kann man nur Folgendes 
sagen: Die Höhendifferenz des Erie- und Ontariosee’s beträgt 
326 Fuss. Der alte Wellandcanal, welcher Schiffe über diese 
Höhe hinwegbrachte, war 10 Fuss tief. Er bleibt auch noch 
in Zukunft in Betrieb für Schiffe von geringerer Tragfähigkeit, 
bis zu 20.000 Bushels. Der Eriecanal, welcher ebenfalls aus
        <pb n="85" />
        69 
dem Eriesee Getreideschiffen den Auslauf gestattet, aber nach 
Albany am Hudsonflusse, auf welchem letzteren die Barken 
nach New-York befördert werden, ist nur 8 Fuss tief und die 
Barken auf ihm können nur 8000 B. im Durchschnitt tragen. 
Er ist 350V2 Meile lang zwischen Buffalo und Albany, hat 
76 Schleussen und einen Querschnitt von nur ca. 400 □ Fuss. 
Der neue Weilandcanal, der etwas'kürzer ist als der alte, ist 
26 Meilen lang, hat nur 25 Schleussen, aber einen Quer 
schnitt von 1.648 □ Fuss, indem er am Boden 100 Fuss, oben 
156 Fuss breit ist. Bis jetzt ist er erst 13 Fuss tief und er 
möglicht Schiffen von 12 Va Fuss Tiefgang die Passage, er soll 
aber auf 14Va Fuss vertieft werden. Jede Schleusse ist 270 
Fuss lang und 45 Fuss breit, zwischen je zwei Schleussen ist 
eine Minimaldistance von 800 Fuss. Die Häfen an beiden 
Canalenden sind 17 Fuss tief. Schiffe, die 43.000 Bushels 
fassen, werden den neuen Wellandcanal passiren, und so wie 
^4Va Fuss tief sein wird, solche von 100.000 B. Der Canal 
zoll beträgt ca. Va c. per B., soll aber abgeschafft werden. 
Obschon, wie oben gesagt, Oceandampfer, nachdem sie 
geleichtert sind, den Canal passiren können, wird Getreide 
doch wahrscheinlich in grossen^Barken und Dampfern bloss 
von den Seen bis Montreal gebracht und hier in die Ocean- 
schiffe geladen werden. Wenigstens betrachtet man Montreal 
als den natürlichen Umlade- oder Stapelplatz. Das Umladen 
mittelst schwimmender Dampfelevatoren kostet nur V2 c. per 
B. und hat die Elevatorcompagnie 25 pCt. Dividende gezahlt. 
Jetzt ist eine Concurrenz-Compagnie entstanden, welche das 
Umladen für V4 c. per B. besorgen will. Bisher kostete die 
Fracht von einem Punkte am Oberen- oder Michigansee, 
Duluth, Milwaukee oder Chicago, in der Regel gleich viel, 
und zwar ca. 10 c. per B. bis Montreal, von da bis Liverpool 
schwankt sie sehr, betrug aber durchschnittlich 10Va c., so 
dass sich noch im Sommer dieses Jahres die Fracht von einem 
Punkt an jenen Binnenseen auf etwas über 20 c., mit Ver 
sicherung auf ca. 22—23 c. per B. stellte, einige Jahre früher 
sogar auf 30 c. Durch den Wellandcanal hofft man die Fracht 
bis Montreal auf 6—7 c. per B. herabzudrücken, und die Total 
fracht von Chicago, Duluth und Thunder-Bay, dem Endpunkt
        <pb n="86" />
        der Canada - Pacific - Bahn, die aus dem Nordwestterritorium 
über Winnipeg an diesen Punkt des Oberen Sees führt, wird 
dann ca. i6 c. per B. betragen, d. h. ca. 3 P'r. = 1.23 fl. 
ö. W. per 100 Kilo. Doch dies wird erst in einigen Jahren 
geschehen, wenn diese grosse Wasserstrasse zu ihrer prac- 
tischen Entfaltung gelangen wird. 
Dieser Moment ist auf der zweiten Concurrenzstrasse der 
alten Getreide-Exportstrasse Chicago New-York, auf der Mis 
sissippiroute, bereits eingetreten, da sie schon fast zwei Jahre 
hindurch für Getreideexport offen ist. 
New-York bezieht das Export-Getreide, dessen grösserer 
Th eil in Illinois, Wisconsin, Minnesota, Dakota, Nebraska — 
allenfalls noch Indiana und Ohio — wächst, aus den Binnen 
land-Sammelplätzen, „collecting points“, Duluth, Milwaukee 
Chicago, Toledo, St. Louis, Kansas-City entweder direct per 
Bahn, oder auf den Seen und durch den Eriecanal von Buffalo 
am Eriesee über Albany und den Hudson-River. Jener grosse 
atlantische Hafen hat also eine Eisenbahnzufuhr und eine solche 
auf den Seen und einem Canal. Seine beiden Concurrenten, 
Montreal und New-Orleans, haben natürlich auch Eisenbahn 
verbindungen mit Weizen producirenden Ländern, namentlich 
New-Orleans mit Texas, dessen Bevölkerung und Ackerbau 
sich zur Zeit sehr schnell vermehren. Allein beide Städte 
haben je eine Thalwasserstrasse, erstere den San Lorenzo, 
letztere den weit grösseren Mississippi hinab. Solche Strassen, 
den Fluss hinab, gewähren aber stets einen billigeren Transport, 
als Schleussencanäle, wie der Eriecanal. 
Auf diesem haben die Getreidebarken zur Zeit noch einen 
geringen Zoll zu bezahlen, der jedoch nur die Unterhaltungskosten 
des Canals deckt. Die drohende Concurrenz von Montreal und 
die schon sehr thatsächlich gewordene von New - Orleans hat 
in der Geschäftswelt von New-York grosse Aufregung verur 
sacht. Man erlangte daselbst im Winter 1882/83 die Abschaffung 
der Eriezölle, die Uebernahme der Canalunterhaltungskosten auf 
das Budget des Staates New-York und die Vertiefung und Ver 
breiterung des Canals auf das Mass des neuen Weilandcanals. Die 
Eisenbahncompagnien waren natürlich Gegner der Abschaffung 
der Eriezölle, weil diese sie zu einer Tarifermässigung zwingen
        <pb n="87" />
        y: 
würde, wollen sie nicht, so lange der Canal eisfrei ist, den 
Transport an die Canalboote verlieren. 
Gleichzeitig agitirt man in New-York zum Zwecke zweier 
neuer Canalbautcn, welche den Mississippi in engere \ er- 
bindung mit New-York bringen sollen. Erstens verlangt man, 
dass der Erie- und Wabash-Canal mit Auslage von 24.236.000 
D., zweitens der Miami- und Erie-Canal um 28.557.000 D. ver 
tieft und erweitert werden. Man meint aber, dass beide 
Unternehmungen viel mehr, über 150 Mill. D. zusammen kosten 
würden. Für das Fiskaljahr vom i, Juli 1882 bis dahin 1883 
hat der Congress der Union etwas über 19 Millionen Dollars 
für Flussregulirungen, Canal- und Hafenbauten aus dem laufen 
den Budget bewilligt. 
\\ ährend dies eine Skizze der neuen Entwickelung des Ge 
treidetransportes in jenem Theile der Union ist, welcher öst 
lich des Felsengebirges liegt und allerdings den grössten Theil 
des nach Europa exportirten Getreides und alle dorthin von 
Amerika exportirten Producte der Viehzucht liefert, bereitet 
sich eine Transportumwälzung auch für die an der Südsee 
gelegenen Theile der Union vor, nach deren erfolgtem Voll 
züge dieselben für Europa eine grössere Bedeutung gewinnen 
dürften, als sie dieselbe jetzt schon besitzen. Zu unter 
schätzen ist sie nicht, da Californien und Oregon im Jahre 1880 
ca. IO Mill. Metercentner (à 100 Kilo) Weizen oder Weizen- 
producte zu exportiren hatten, wovon der grössere Theil nach 
Europa ging. Diese Südseeländer exportiren pro Kopf ihrer 
Bevölkerung ca. i Tonne Weizen, gewiss ein einzig dastehen 
der Fall in der Geschichte der Getreideproduction. 
Um ein übersichtliches Gesammtbild des Getreidehandels 
der Union zu geben, wird es sich empfehlen, denselben zu 
schildern, wie er im Herbst 1881 war und wie seine voraus 
sichtliche Entwickelung in den nächsten Jahren sein wird, und 
diese Schilderung im Westen zu beginnen. 
Der Getreidebau in Californien, Oregon und Washington 
Territory liefert zwar schon den beträchtlichen Ueberschuss 
von ca. IO Mill. Mtc. für den Export, ist aber noch sehr 
grosser Entwickelung fähig, kann verdrei- und verfünffacht
        <pb n="88" />
        72 
werden, wenn gewisse Vorbedingungen erfüllt werden. Die 
eine davon ist billigerer Transport! 
Die Transportkosten in diesen Ländern und von ihnen 
Europa sind relativ zu theuer, verglichen mit jenen in und von 
anderen Theilen der Union. 
Die Flussthäler des Joaquim- und Sacramentoflusses, des 
Willamet- und Columbiaflusses liefern den meisten Weizen. 
Die Schiffahrt auf ihnen ist Monopol grosser Gesellschaften. 
Die Centralpacificbahn - Gesellschaft, welcher die Bahn von 
Cyden in Utah bis San Francisko, und südlich davon über 
Los Angeles, Youma und Tacson bis Deming in Neu-Mexiko 
gehört, monopolisirt alle Bahnen der von jener Hauptlinie 
durchschnittenen Länder. 
Die Herren Stanford, Crocker und Hutchinson beherrschen 
dies Bahnsystem unumschränkt. Die Bahnen in Oregon und 
Washington Territory, sowie die im Bau begriffene Northern 
Pacific-Bahn, welche dies System über Montana und Dakota 
mit Duluth am Oberen See in Verbindung bringen soll, bilden 
wiederum eine Gruppe für sich, welche unter der Dictatur 
eines mächtigen Capitalisten, des eingewanderten Deutschen 
Hilgard, der sich aber Villard nennt, steht. Diese grossen 
Transportmonopole schliessen jede Concurrenz aus und halten 
die Tarife übertrieben hoch. Auch machen sie Differential 
tarife zu Gunsten einiger Grossgrundbesitzer und zum Nach 
theile der kleinen Farmer. 
Seit 1879 sind zwar die im Innern von diesen Ländern für 
Beförderung nach San Francisko gezahlten Tarife um ca. 26 
pCt. ermässigt worden, allein ich fand, dass die Eisenbahn 
fracht in Nordcalifornien und Südcalifornien für Entfernungen 
von 362 engl. Meilen 1.73 Cents per Tonne von 2000 Ibs. 
= 9 Mtc. und englische Meile, bei Entfernung von 309 Meilen 
1.6 c., bei Entfernung von 100 Meilen 2 c. per Meile, in der 
Regel also U/s —2 c. per Meile, betrug. Das ist mehr, als in 
der Union in der Regel gezahlt wird. 
Es giebt jetzt in Californien ebenfalls ein Eisenbahncommis- 
sariat, welches das Recht hat, Maximaltarife festzusetzen. Im 
Winter 1882/83 vernahmen die Commissäre die beiderseitigen 
Transportinteressenten. Es fand sich, dass auf Zweigbahnen
        <pb n="89" />
        73 
in die Gebirge von Nevada hinein, die Transportkosten per 
Tonne und englische Meile 20 c., per Passagier und Meile 
9'/a—*0 c., in Californien selbst die Transportkosten per Tonne 
und Meile 15 c., — natürlich ganz ausnahmsweise — waren. 
Bis zum Druck dieses Capiteis ist das Maximum für Waaren- 
transport noch nicht festgesetzt. Für Personentransport in 
1. Klasse-Waggons normirte die Commission 4 c. per Meile = 
6 Kreuzer ö. W. per Kilometer als Maximum. Der Durch 
schnittssatz ist 3 c. per Meile, im Abonnement auf grossen 
Bahnen des Ostens, wenn man ein Chequebuch nimmt, worauf 
hin man das Recht hat, 1000 Meilen in beliebigen Strecken 
und Zeiten abzufahren, 2 c. per englische Meile = 3 Kreuzer 
Kilometer _ ca. 15 Kreuzer per Postmeile. 
Die Schiflfsgesellschaften besorgen die Fracht von den 
tationen des Sacramento und Joaquim River zu ziemlich 
Tarife, es macht keinen grossen Unterschied, 
o le ration etwas näher San Francisko oder ferner liegt. 
i&gt;ie berechnen per Tonne a'/. bis a’/, Dollars. 
m urchschnitt wird man annehmen können, dass die 
lösten des Weizentransportes in Californien, Oregon und 
ashington Territory von der Farm bis zum Hafen 3 Dollars 
Tonne von 2000 Ibs. oder von 9 Metercentner (Mtc.), 
^so /s D. oder i Fres. 66 centimes per Metercentner ausmachen. 
hatsächlich zahlen die entferntesten Gegenden bis 5 D. Fracht 
per Tonne, so kostet sie von Tulare bis San Francisko 
4 90 Dollars. 
Für Südcalifornien ist Aussicht, dass sich diese Trans 
portkosten ermässigen werden, weil der von Stanford be- 
errschten Eisenbahncompagnie eine Concurrenz entsteht. 
Die Atchinson-, Topeka- und Santa-Fe-Eisenbahn gehört 
Bostoner Capitalisten. Sie besitzt eine Eisenbahn von Missouri 
bei Kansas City über Santa Fé, Albuquerque, El Paso del Norte 
bis Deming, wo sie auf das System Stanfords stösst, durch 
das sie mit San Francisko in Verbindung steht. Beide Bahnen 
hadern um den Antheil am Gewinn für die Durchfuhr, jede 
sucht sich von der anderen unabhängig zu machen. Zu dem 
Ende baut die Atchinson-Gesellschaft unter der Firma ,,Atlantic- 
Pacific“ von ihrer Station Albuquerque aus direct westlich
        <pb n="90" />
        74 
eine Bahn, welche in 2 Jahren fertig sein, nahe Santa Barbara 
den Stillen Ocean erreichen und von dort an der Küste nach 
San Francisko führen wird. Durch diese Concurrenz hoffen 
die Farmer dieses Theiles von Californien auf billigere Fracht. 
Die Standford’sche Bahn-Gesellschaft hat eine Fortsetzung bis 
New-Orleans und Galveston gebaut, um mit dem Atlantischen 
Ocean durch den Golf von Mexico in Verbindung zu kommen, 
ohne der Atchinsonbahn etwas vom Verdienst abtreten zu 
müssen. Auf diese Bahn muss ich noch späterhin eingehen. 
Der californische Weizen wird jetzt durchaus in Säcken, 
die jeder ca. 135 Ibs. fassen, transportirt und gelangt in ihnen auch 
nach Europa. Der Sack, aus Jute gemacht und meist fertig 
von Indien importirt, kostet 7—9 c. (Cents) = 16.8 bis 21.6 
Kreuzer ö. W., das macht ca. 4 c. per Bushel Ausgabe für 
Anschaffung der Säcke. In Oesterreich - Ungarn kostet ein 
solcher Sack 25—30 Kreuzer. 
Der in San Francisko anlangende Weizen wird entweder 
sofort aus den Waggons durch Menschen in die Seeschiffe 
getragen, um gleich nach Europa befördert zu werden, was 
durchschnittlich 9 c. per Tonne von 2000 Ibs. kostet, oder 
er wird in einem Getreidemagazin gelagert. 
Das Tragen des Weizens vom Eisenbahn waggon in den 
Speicher, nachher aus dem Speicher in das Schiff und das 
Recht, einen Monat im Speicher zu lagern, kostet 35 c. per 
Tonne. Das Lagerrecht für jeden angefangenen Monat mehr 
kostet 25 c. per Tonne. Wird Lagerraum von einem Land- 
wirth oder Kaufmann für die ganze Dauer einer Saison, von 
Juni bis Juni, gemiethet, so kostet der per Tonne T.25 D. 
Muss Weizen per Achse nach dem Magazin oder von dort 
zum Schiffe gefahren werden, so zahlt man per Tonne 50 c. 
Fuhrlohn. 
Liegt Weizen in steinernen Magazinen, so beträgt die 
Versicherungsprämie gegen Feuer 90 c. per 100 Dollars ver 
sicherten Werth per Jahr, liegt er in hölzernen Magazinen, 
1.25 D. 
Jede Tonne Weizen, welche aus- oder eingeladen wird, 
zahlt 5 c. Hafenabgabe.
        <pb n="91" />
        75 
Das Wägen des zu verschiffenden Weizens kostet lo c. 
per Tonne. 
Auf den Magazinen wird der Weizen in 3 verschiedene 
Grade sortirt, jedoch nicht von vereidigten Inspectoren, wie 
im Osten, sondern von Arbeitern der Besitzer. Diese Arbeiter 
erhalten 3 D. Tagelohn und sortir en 50—300 Tonnen täg 
lich. Als Muster dienen ihnen Proben, welche die Aeltesten 
der Kornbörse für die einzelnen Marktgrade jährlich fest 
stellen. 
Die Platzspesen in San Francisko sind höher als im Osten. 
Im Poitland und in Wilmington, von wo ebenfalls Weizen nach 
Europa verschifft wird, sind sie ähnlich. Sie lassen keine 
genaue Durchschnittsberechnung zu, werden aber auf ca. 50 c. 
im Durchschnitt per Tonne sich stellen, so dass die Unkosten 
von der Farm auf das Schiff 3'/^ Dollar per Tonne, oder 
17.50 Francs per 9 Mtc. = rund 2 Francs per Mtc. zu be 
rechnen sind. 
Nun die Transportkosten nach Europa! 
Aller Weizen von den californischen und oregonischen 
Hafen geht in Segelschiffen um Cap Horn nach Europa. 
Wegen der langen Seereise auf stürmischem Meere bei Cap 
Hom, muss der Weizen in Säcken verladen werden, da er in 
dem grossen Schiffsräume sonst „schiften“, in Bewegung ge- 
rathen, und das Schiff in Gefahr des Umschlagens bringen 
würde. Weil diese Reise in der Regel 4 Monate dauert und 
die ganze heisse Zone zwei Mal durchschneidet, verdirbt Mehl 
auf ihr leicht, und kann die Mehlausfuhr und die Verfrachtung 
des Weizens ohne Säcke erst erfolgen, wenn Schiffe ihren 
Weg über jenen Isthmus nehmen können, welcher Nord- und 
Südamerika verbindet. 
Man hat von Europa nicht viele Gegenstände nach Cali 
fornien zu senden, weil der hohe Schutzzoll der Union es vor- 
theilhafter macht, Waaren von New-York per See nach San 
Francisco zu befördern, als sie auf Getreideschiffen billig aus 
Europa dorthin zu bringen. Desshalb sind Steinkohlen fast die 
einzige Rückfracht der Schiffe, obschon selbst diese 75 c. per 
Tonne Zoll beim Eintritt in die Union zahlen. Die Fracht für 
die Tonne Kohlen von England nach San Francisko beträgt
        <pb n="92" />
        76 
in der Regel 10—12 s. (Shillings). In Folge dessen muss die 
Fracht für das Getreide um so höher sein, da das Schiff für 
Hin- und Rückfahrt über 4 Monate braucht. Sie hat zwischen 
I Pfd. Sterl. 7 s. = 27 s. und 5 Pfd. Sterl. 13 s. = 113 s. per 
„lange“ Tonne von 10 Mtc. geschwankt, und kostete im 
August 1881 75 bis 82 s. Im letzten Jahre kosteten 429.256 
verfrachtete „lange“ Tonnen 1.902.682 Pfd. Sterl. Fracht = 
4 Pfd. Sterl. 9 s. per Tonne von 10 Mtc. = 8.9 s. per Mtc. 
= 11.12 Fres, per Mtc. Im Durchschnitt der letzten 5—6 Jahre 
soll sie 2 Pfd. Sterl. 15 s. = 55 s. oder ca. 6.9 Fres, per Mtc. 
gekostet haben, hierzu kommt noch die Seeversicherung im 
Betrage von 2 pCt. vom Werth, sage von 4 D. per Mtc macht 
8 c., so dass man rund 7 Fres. Unkosten von San Francisko bis 
Europa rechnen kann Die Unkosten der Weizenlieferung von 
der Farm bis zum Schiffe hatten wir auf 2 Fres, per Mtc. im 
Mittel veranschlagt, so stellen sich denn bis jetzt die Gesammt- 
unkosten per Mtc. von der californischen Farm bis Europa aut 
ca. 9V3 Fres. Im Sommer 1881 waren sie, der höheren See 
fracht wegen, ca. 13 Fres., im Jahre 1882 aber weit niedriger. 
Die Productionskosten, dies sei hier nebenbei bemerkt, dürfen 
höchstens mit 50 c. per Bushels oder 9.25 Fres, per Mtc. ver 
anschlagt werden, so dass also im Allgemeinen der Mtc. 
Weizen für 18Y2, 1881 für 22 Fres, in einen continentalen Hafen 
geliefert werden kann — freilich ohne Geschäftsgewinn für 
den Getreidehändler ! 
Man hofft aber, dass der Transport des Weizens nach 
Europa bald billiger werden wird, wie ich das schon in einem 
früheren Capitel angedeutet habe, hier aber der besseren Ueber- 
sicht wegen wiederhole. 
Erstens hofft man auf die Herstellung irgend einer für 
Seeschiffe practicablen Verbindung zwischen dem Stillen Meere 
und dem Golf von Mexiko, wobei ich bemerken will, dass im 
V. J. die Kaufmannschaft von San Francisko eine Commission 
zur Begutachtung der verschiedenen diesbezüglichen Projecte 
einsetzte und diese sich sehr entschieden gegen den Lesseps’schen 
Canal über Panama erklärte, aus Gründen, welche ich schon 
früher entwickelt habe, namentlich, weil Segelschiffe ihn in der 
Regel nicht würden erreichen können. Man ist dort in erster
        <pb n="93" />
        77 
Linie für die Lads’sche Schiffseisenbahn über die Landenge 
von Theuantepek, in zweiter Linie für den von General Grant 
geplanten Canal durch Nicaragua eingenommen. Welches 
Project auch verwirklicht werde, man hofft dadurch die jetzt 
im Mittel 120 Tage dauernde Reise von San Francisko nach 
Europa für Segelschiffe auf 6o und fur Dampfschiffe auf 30 
Tage zu ermässigen, wodurch nicht nur die Fracht per 
Tonne erheblich sinken, sondern auch der Export von Weizen 
m Form von Mehl ermöglicht werden würde, Weizen könnte 
ferner d. Eungesackt, verschifft werden. Kaufleute, 
welche ^eme Sanguiniker sind, rechnen, dass man dann die 
Tonne Weizen wird für 30 s., den Mtc. für 3.75 Fres., werde 
nach Europa senden können. Wenn Weizen in Mehl verwandelt 
Strasse den M ^^^^tig werden sollte, da diese 
macht ^ transport durch Dampfer entschieden möglich 
s sin aber noch zwei andere Projecte in der Ausführung 
"eiche den Transport von Weizen und Mehl von 
wi j'Europa billiger machen und schon i. J. 1883 
dem ^^’11 Erst/ins die Bahn von Albuquerque nach 
Missou Verbindung der Südsee mit dem 
Hahn ' ^tisas City dürfte ca. 1600 Meilen lang auf dieser 
am^r't^^ " T onne Kohlen zu 4 V2 D. gerechnet, berechnen 
von ^ Eisenbahnleute, dass man Getreide per Tonne 
= 9 Mtc. in Waggonladungen und ganzen 
ac tzugen auf mindestens 1000 Meilen langen Entfernungen 
1000 engl. Meilen, oder für 46 c. per 100 
ei en transportiren könne, das würde von Südcalifomien bis 
um issouri 7.36 D. machen, Ueberladen hier ca. 25 c. Fracht 
luss hinunter bis New Orleans, etwa doppelt so viel als 
'^on St. Louis bis New-Orleans, wo jetzt der Bushel von 60 Ibs. 
^ M macht 3.33 D., zusammen ca. 11 D. per Tonne à 
9 tc. — 1.22 D. oder 6.10 Fres, per Mtc. Von hier kostet 
T onne etwa 2.33 D. Fracht nach Europa, so dass also.
        <pb n="94" />
        78 
mit Hafen- und anderen Spesen, Weizen auf diesem Wege zu 
14 D. per Tonne, oder zu 8 Fres, per Mtc. nach Europa zu 
schaffen wäre, d. h, noch etwas theurer, als jetzt von San 
Francisko. Allein da diese Bahn den fruchtbarsten Theil von 
Südcalifornien schneidet, so würde die Fracht von hier nach 
San Fancisko, mit 4—5 D. per Tonne erspart und dieser 
Weg für südcalifornischen Weizen, also immerhin billiger sein. 
Während die Bostoner Capitalisten sich auf diesem Wege 
eine Verbindung mit dem an Ackerbauproducten so ergiebigen 
Südcalifornien eröffnen, suchen die Herren Stanford und Ge 
nossen, wie schon gesagt, ihr Bahnsystem, das schon bis 
Deming in Neu - Mexiko reicht, von dem Punkte El Paso del 
Norte aus mit Galveston und New-Orleans in Verbindung zu 
bringen. Diese Bahn ist im Sommer 1882 vollendet worden. 
\ San Francisko bis New-Orleans soll die Distance auf dieser 
Linie 2500 Meilen sein und will die Gesellschaft Weizen auf 
dieser Strecke, in vollen Wagenladungen und durchgehenden 
Zügen, ungesackt, für 10 D. per Tonne befördern. Sie 
beabsichtigt, grosse Dampfer von 10—20.000 Tonnen zu 
bauen, welche im Innern Wände haben, durch die das 
„Schiften“ des Getreides verhindert wird. Diese sollen das 
Getreide, welches von Californien nach New-Orleans gelangt, 
aufnehmen und nach Europa befördern. Sie versprechen, Ge 
treide von San Francisko und jedem Punkte südlich davon, 
für 12 D. per Tonne von 9 Mtc. oder für 6.66 Fres, per Mtc.' 
nach Europa zu befördern, während jetzt Binnenland- und See 
fracht, wie oben nachgewiesen, 9—13 Fres, kosten. Wie weit 
sich diese Hoffnung realisiren wird, steht allerdings dahin. 
Im Herbst 1882 waren Agenten dieser Eisenbahngesellschaft 
in England, um Contracte mit Rhedern für eine regel 
mässige neue Dampferlinie von New-Orleans nach Europa ab- 
zuschliessen. 
Die Dampfer sollen als Rückfracht nach Amerika Ein 
wanderer aufnehmen. Im Winter 1882/83 kostete die Deck 
passage von Bremen oder Hamburg nach New-Orleans 160 M. 
per Kopf. Man hofft in New-Orleans sie auf 140 M. im 
Sommer 1883 hinabzubringen und von hier Einwanderer zu 
billigem Specialtarif nach Californien zu befördern.
        <pb n="95" />
        79 
Endlich wird im Norden noch die Nordpacific-Bahn gebaut 
und dürfte i. J. 1883 vollendet sein. Sie wird Oregon mit 
Duluth am Oberen See verbinden und das Getreide wird von 
Oregon und Washington territory einen kürzeren Eisenbahn 
weg bis zum Oberen See zurückzulegcn haben, als auf der 
Atlantic-Pacific-Eisenbahn von Südcalifornien nach dem Missouri 
oder nach dem Golf von Mexiko. Jedenfalls steht es fest, 
dass der Getreidetransport aus den Staaten am Stillen Ocean, 
welcher bisher nur auf Segelschiffen um Cap Horn herum 
erfolgen konnte, in den nächsten 5 Jahren eine Reihe anderer 
Wege eröffnet sehen wird, deren jeder aus irgend einem 
1 heile dieses Landes die Kosten der Getreidebeförderung ver- 
mm^rn wirck Aehnliches 1st für fast alle Staaten im Osten 
er Felsengebirge schon geschehen, aber in Californien blieben 
. ^ rans^rt 'osten fast stabil. Der Fall der Transportkosten 
^ haben, dass californischer Weizen oder solches 
, T,, ! Europa verkauft wird, oder dass der Preis 
und Californien, und damit der Werth des Landes 
1 . , . ^^^(^rente daselbst steigt, oder dass beide Fälle 
g eic zeitig, wenn auch in mässigerem Grade, eintreten. Auf 
^einen Fall aber haben wir in Europa theureres Getreide aus 
a 1 ornien zu erwarten, eher billigeres. Im Sommer 1882 ist in 
inneapolis bereits californischer Weizen vermahlen worden, 
g pacificisçhen Küste wenden wir jetzt unser 
^ der amerikanischen Weizenproductions- und Trans 
portverhältnisse dem grösseren Gebiete der Union östlich des 
relsengebirges zu. 
- ^ Gizenernte der ganzen Union betrug 1850 = 100, 
^ ° — *73» 1870 = 235, 1875 = 292, 1880 = 480 Mill. B. 
p 2 wurde sie auf 525 Mill. B. geschätzt. Nimmt man den 
onsum im Durchschnitt auf 3% B. per Kopf an, so sieht man, 
ass im Jahre 1850 der Bedarf kaum gedeckt wird, da dies 
ur damals 23 Mill. Einwohner 126 Mill. B. machen würde, 
^ie Ausfuhr beträgt in jenem Jahre nur 3 Mill. B. Im Jahre 
i860 hatte die Union 31 Mill. Einwohner, die 173 Mill. B. 
, consumiren sollen, gerade soviel, als producirt wurde, 
indess exportirte man schon 8 Mill. B., ein Beweis, dass man 
vor i860 noch nicht 5V2 B. per Kopf consumirte. Die
        <pb n="96" />
        8o 
Bevölkerung des Jahres 1870 betrug 38Va Mill., welche zu 
5 Va per Kopf 213 Mill. B. hätten consumiren sollen. Da 
aber schon 35 Mill. B. ausgeführt wurden, so hat man auch 
damals noch weniger consumirt. Sehr bedeutend ist die 
Ausfuhr aber immer noch nicht. Sie verdoppelt sich in 
den nächsten 5 Jahren und erreicht im Jahre 1875 schon 
70 Mill. B. bei einer Ernte von 292 Mill. B. Von hier ab 
beginnt nun die unverhältnissmässig rasche Vermehrung der 
Production, die in 5 Jahren fast um 200 Mill. B. steigt. Ob 
schon die Bevölkerung sich auch rasch vermehrt und 50 Mill, 
i. J. 1880 erreicht, kann ihr Consum hiermit nicht Schritt 
halten. Zu 5V2 B. per Kopf würde er 275 Mill. B. betragen 
und 205 Mill B. zum Export übrig gelassen haben. Im Jahre 
1881 wurden an Weizen — das exportirte Mehl in Weizen 
umgerechnet — aber nur 179 Mill. B. exportirt, aber es ist 
auch bekannt, dass am Jahresschluss, 30. Juni 1881, noch 
grosse Quantitäten Getreide im Lande vorhanden waren. Erst 
seit dem Jahre 1878 beginnt dieser grossartige Export. Im Jahre 
1875 hatte er 70 Mill. B. betragen, im Jahre 1878 exportirte man 
72 Mill. B. Weizen und 3.9 Mill. Barrels Mehl (1 B. Mehl = 
126 Ibs., gleichwerth 960 Ibs. = 4V3 B. Weizen). Im Jahre 1879 
stieg der Export auf 122 Mill. B. Weizen und 3.6'Mill. B. Mehl, 
im Jahre 1880 auf 153 Mill. B. Weizen und 6 Mill. B. Mehl = 
179 Mill. B. Weizen zusammen. Von der Ernte des Jahres 
1881/82 werden für 54 Mill. Einwohner ca. 300 Mill. B. consumirt, 
also ca. 225 Mill. B. zum Export übrig bleiben. Von dem 
Export ging fast alles Mehl über die Häfen östlich des Felsen 
gebirges, und vom Weizen denselben Weg i. J. 1878 = 92, 
1879 = 127, 1880 = 121 Mill. B. Im letzten Jahre kam also 
Vs des Total Weizenexportes aus Californien und Oregon, Vs 
aus den Oststaaten. Es sei bemerkt, dass man den Weizen 
bedarf Englands auf 124 Mill. B. jährlich veranschlagt. Die 
östlich des Felsengebirges gelegenen Staaten 
Amerikas können allein diesen Bedarf decken. Im 
Jahre 1880 lieferten sie 121.8 Mill. B. Weizen und 6.5 Mill. 
Barrels Mehl = 28 B. Weizen, zusammen also 149.8 Mill. 
Bushels Weizen oder dessen Mehläquivalent, ca. 26 Mil). B. mehr, 
als England bedurfte. Wo wachsen diese rund 150 Mill. B.
        <pb n="97" />
        Y 
8i 
Weizen, welche der östlich der Felsengebirge gelegene Theil 
Amerikas hauptsächlich producirt? 
Die summarische Uebersicht der Weizenproduction in je 
looo Bushels und Bevölkerung wird dies leicht ergeben: 
Staat 
Bevölk 
1880 
1000 Seelen 
îrung 
Zunahme 
in pCt. seit 
1870 
Weizenpr 
100( 
Im Jahre 
1876 
oduction 
)B. 
Im Jahre 
1880 
I. Alte Industrie 
staaten. 
Connecticut 
Delaware 
Maine 
Maryland 
Massachussetts 
N. Hampshire 
N. Jersey 
N. York .... 
Pennsylvania . . . 
Rhode Island . . . 
Vermont .... 
622 
146 
648 
934 
1783 
346 
1.130 
5.083 
4.282 
276 
332 
16 
17 
4 
20 
22 
9 
25 
16 
22 
27 
1 
35 
920 
296 
6.000 
17 
192 
2.176 
9.750 
18.740 
0 
421 
43 
1.369 
383 
7-485 
15 
204 
2.473 
12.931 
22.299 
0 
520 
Sa. 
II. Südstaaten. 
Virginia .... 
N. Carolina 
S. Carolina .... 
Georgia 
Florida .... 
Alibama .... 
Mississippi . . . 
Louisiana . 
Texas . . 
Arkansas. . 
Tennessee . 
West Virginia 
Kentucky . 
15.582 
1.512 
I 400 
995 
1-539 
267 
1.162 
1.131 
940 
1.592 
802 
1.542 
618 
1.648 
23 
3' 
41 
30 
44 
27 
37 
29 
94 
66 
23 
40 
25 
38.547 
7-875 
3.000 
850 
2.840 
0 
1.140 
325 
0 
4.750 
1.400 
11.260 
3 377 
8.237 
47-722 
9-322 
3478 
690 
2.582 
0 
946 
374 
0 
3-901 
1.167 
9-309 
4.651 
5-347 
Sa. 
III. West- u. Mittel- 
Staaten. 
Ohio .... 
Michigan 
Indiana . . . 
Illinois . . 
Wisconsin 
Minnesota 
Iowa 
Missouri 
Kansas 
Nebraska 
Territorien (Dacota, Co- 
loradial) 
15.148 
3.198 
1.636 
1.978 
3.078 
1315 
780 
1.624 
2.168 
995 
452 
ca. 250 
20 
38 
18 
21 
25 
78 
36 
26 
173 
268 
400—800 
45-054 
21.750 
15.170 
20.000 
23 400 
16.800 
16.000 
17.600 
15.240 
16.510 
4330 
3850 
41-767 
37.792 
30.705 
38 34: 
53767 
16.464 
40.752 
36.098 
30.688 
19.850 
10.208 
18.005 
Sa. 
17.474 
170.650 1 332.670 
G
        <pb n="98" />
        82 
Diese Tabelle ergiebt fiir die alten Industriestaaten der 
Union eine Vermehrung der Weizenproduction in 5 Jahren um 
ca. 23 pCt., bei den Südstaaten eine Verminderung um ca. 
7 pCt., bei beiden Gruppen zusammen 83 Mill. B. in 1876 und 
89 Mill. B. in 1880, eine Vermehrung um ca. 7 pCt., für die 
West- und Mittelstaaten aber eine Vermehrung um 95 pCt.! 
In den alten Industriestaaten kommen 1880 auf den Kopf 
der Bevölkerung 3 B. Production, in den Südstaaten 2.7 B., 
in den Mittel- und Weststaaten 19 Bushel. 
Der Consum erfordert in den Südstaaten etwa 5 B. pro 
Kopf, Summa 75 Mill. B., in den alten Industriestaaten etwa 
6 B., Summa 93 Mill. B., in den Mittel- und Weststaaten ca. ó'/j 
B. pro Kopf, Summa 113 Mill. B. Die Südstaaten haben also 
ein Deficit von 34, die Industriestaaten von 46, beide von 70 
Mill. B., die West- und Mittelstaaten einen Ueberschuss von 
119 Mill. B. Für eine bestimmte Gruppe der letzteren ist, 
wie ich weiterhin nachweisen werde, der Ueberschuss bedeu 
tend grösser. 
Von den Industriestaaten treiben nur New-York und Penn- 
sylvanien Weizenbau in grossem Maase und seit Hunderten 
von Jahren. 
Ich komme später noch einmal auf den Trost europäischer 
Freihändler zurück, der „Raubbau“ erschöpfe den Boden in 
Amerika und die Production an Weizen nehme in allen 
Staaten ab. Wenn dies wahr wäre, müsste die Weizenpro 
duction jener beiden Staaten zurückgegangen sein, da dort das 
System der amerikanischen Landwirthschaft schon seit Jahr 
hunderten wirkt, also diese Consequenz darin am ersicht 
lichsten sein müsste, allein sie hat in 5 Jahren um 7 Mill. B. 
oder 25 pCt. zugenommen. Dasselbe ist für die älter be 
bauten Mittelstaaten, Ohio, Illinois und Indiana ersichtlich. 
Dieser Trost der Freihändler ist also werthlos. 
Von den Südstaaten darf man aus Texas in wenigen 
Jahren eine sehr erhebliche Productionssteigerung an Weizen 
erwarten. Dieses Land wird jetzt erst durch Eisenbahn- und 
Hafenbauten in die Lage gebracht, Weizen mit Vortheil zu 
produciren. Mit New-Orleans steht es erst seit Jahresfrist in 
directer Bahnverbindung und der Hafen von Galveston wird
        <pb n="99" />
        83 
erst in 2 Jahren für grosse Seeschiffe zugänglich. Es ist aber 
sehr billiges Land, das Weizen in grossen Massen, vielleicht 
mehr als 100 Mill. B., produciren kann, in Fülle vorhanden, 
und die Einwanderung von Farmern nimmt grosse Dimen 
sionen an. 
Ich wende mich jetzt jenen Mittel- und Weststaaten zu, 
welche heute den Exportweizen der Staaten östlich vom 
Felsengebirge liefern! 
Wir nehmen die Ernte von 1880 als Grundlage an, be 
rechnen für jeden Acre 2 B. Aussaat und für jeden Ein 
wohner jedes Weizen exportirenden Einzelstaates der Union 
6 B. Weizenconsum ; ziehen dies von der Ernte des Staates ab 
und erhalten nun aus den Staaten westlich des Missis 
sippi als Exportweizen aus Minnesota 30 Mill. B., aus 
Nebraska 5 Mill. B., aus Kansas 10 Mill. B., aus Jowa 
21 Mill. B., aus Missouri 13 Mill. B., Summa 79 Mill. B., 
. . über die Hälfte dessen, was alle Staaten östlich des 
Felsengebirges exportirten. 
Ueber die Hälfte des Exportweizens dieser Oststaaten 
wächst also westlich vom Mississippi, und da hier allein noch sehr 
viel unangebautes Land existirt, so fällt der Schwerpunkt der 
Exportmasse mit jedem Jahre weiter in diese, vom Atlanti 
schen Ocean um 1100 bis 1400 Meilen an ihrer Ostgrenze 
entfernten Theil, denn JVew-York ist über Chicago von St. 
Paul am Mississippi 1380, von Davenport 1200 und von St. 
ouis um 1065 Meilen entfernt. Ein guter Theil des Export 
getreides wächst aber westlich des Missouri, an dem Sioux City, 
Omaha und Kansas City, die Sammelplätze sind. Omaha ist 1460 
Meilen, Kansas City 1342 Meilen von New-York entfernt. Die 
Länder hinter den Flüssen Mississippi und Missouri bilden die 
erste Exportgruppe. — 
Nun folgt eine Gruppe von Staaten, welche schon länger 
als ein Jahrzehnt bedeutend für den Export lieferten und die 
noch sehr erheblich dazu beitragen, nämlich i) Wisconsin 
4 Mill. B., 2) Michigan 17 Mill. B., 3) Illinois 29 Mill. B., 
4) Indiana 22 Mill. B., 5) Ohio 14 Mill. B., Summa 86 Mill. 
E. Diese beiden Gruppen haben einen Ueberschuss von 165 
-Mill. B., d. h. 15 Mill. B. mehr, als dieser Theil 
6*
        <pb n="100" />
        - ■ ' ■. - -....., 
84 
der Union überhaupt exportirt. Diese 15 Mill. 
B. werden in den Fabrikstaaten der Union, namentlich in den 
Neuenglandstaaten, consumirt, so auch der Ertrag, den neuer 
dings Dakota auf den östlichen Markt liefert. Pennsylvanien 
ist nunmehr noch sich selbst genug. 
Fast alles Getreide, welches dieser Theil der Union 
exportirt, kommt aus dem Gebiet, das man als das Strom 
gebiet des oberen Mississippi und seiner 
Nebenflüsse vom Ohio östlich bis zum Arkansas west 
lich bezeichnen kann. Da der Mississippi vom nördlichsten 
Theile dieses Productionsgebietes, von St. Paul in Minnesota 
aus, der Missouri von Sioux City aus und der Ohio auf seinem 
ganzen Laufe durch dieses Gebiet einen Theil des Jahres, der 
Hauptfluss von Cairo ab das ganze Jahr hindurch, schiffbar 
sind, so ist es natürlich, dass das aus diesem Stromgebiet 
stammende, für den Export nach dem Auslande verfügbare 
Weizenquantum von 150 Mill. R. seine natürlichste Ab 
fuhrstrasse den Mississippi und seine Nebenflüsse hinab finden 
sollte. Dass dies jetzt zu geschehen anfängt, ist das ge 
waltige E r e i g n i s s unserer Tage und muss auf 
die Preisbildung des Getreides in der Welt von massgebender 
Bedeutung sein! 
Bis zum Jahre 1877 wurde diese natürliche Abfuhrstrasse 
gar nicht benutzt, weil die Mündung des Mississippi nur 14—17' 
Tiefe hatte und selbst diese massige Tiefe durch Versanden 
oft verringert wurde. 
Alles Getreide aus jenem Productionsgebiete ging also 
über die atlantischen Häfen von Quebeck, Portland, Boston, 
New-York, Baltimore und Philadelphia nach Europa und hatte 
dabei einen Eisenbahnweg von 1000 bis 1500 engl. Meilen in 
Amerika zurück zu legen, soweit es nicht über die 5 grossen 
Seen und den Eriecanal nach New-York, oder über den 
Wellandcanal und den Lorenzostrom nach Kingston oder 
Montreal befördert wurde. 
Dieser Weg muss immer kostspieliger sein als ein gleich 
langer Weg einen Fluss hinab; er war es aber unverhält- 
nissmässig, weil die Eisenbahnen sich coalirten, cartellirten, 
„poolten“, wie man in Amerika sagt, und die Tarife, beson-
        <pb n="101" />
        85 
d ers im Winter, wenn die Seen und der Eriecanal gefroren 
waren, beliebig hoch stellten. 
Um diesem Uebelstand zu berathen, setzte der Senat der 
Union eine Commission ein, welche 1872 ihren Bericht er 
stattete und die Entwickelung der Wasserstrassen der Union 
empfahl, weil Wasserstrassen-Concurrenz die Eisenbahntarife 
am erfolgreichsten niederdrücke. Seit jenem Jahre begannen 
auch einige Einzelstaaten die Localtarife durch Gesetze zu be 
schränken. Die Unionsregierung warf eine Summe aus, zu 
nächst zur Verbesserung der Mississippistrasse. 
Seit dem Jahre 1875 arbeitete der berühmte Ingenieur, 
Capitän Eads, an einer Vertiefung der Mündung des Missis 
sippi durch ein System von „Jetties“, d. h. Steinwällen, welche 
den Stromlauf bei der Mündung einengen, wodurch das Wasser 
gezwungen wird, den Sand des Bettes in’s Meer zu schwemmen 
und so den Flusslauf zu vertiefen. Jahr für Jahr wurde nun 
die Mündung des Flusses tiefer, und im Juli 1879 war die er 
strebte Maximaltiefe von 30 Fuss erreicht. 
Nun können grosse Seeschiffe regelmässig in den Fluss 
einlaufen und bis zu dem 100 Meilen oberhalb gelegenen 
New-Orleans gelangen, nun konnte der Export von Weizen 
über New-Orleans beginnen, und das geschah, denn es wurden 
über New-Orleans exportirt i. J. 1877 = 2.741.000 B. Mais 
und 105.000 B. Weizen, i. J. 1878 = 6.036.000 B. Mais und 
845.000 B. Weizen, i. ^J. 1879 = 3.598.000 B. Mais und 
t.901.000 B. Weizen, i. J. 1880 = 5.254.000 B. Mais und 
8.421.000 B. Weizen, im ersten Halbjahre, vom 1. Januar bis 
I. Juli 1881 exportirte New-Orleans 3.293.000 B. Weizen gegen 
I•497*000 in derselben Zeit des Jahres 1880. New-York 
exportirte gleichzeitig in 1881 = 21.5 Mill. B. und 1880 — 
27.4 Mill. R. Der Einfluss der neuen Strasse ist sichtbar: der 
Export auf ihr wächst, auf der hauptsächlichsten alten Strasse 
nimmt er ab. Denn New-York exportirte allein ca. die Hälfte 
allen Weizens aus diesem Theile der Union, nämlich 61 Mill. 
i. J. 1880, Boston 3.4 Mill. B., Philadelphia 12. i Mill B., 
Baltimore 33 Mill. B., Portland i.i Mill. B., Montreal 8.2 Mill. B. 
St. Louis ist der natürliche Sammelplatz für jenes Getreide, 
das über New-Orleans nach Europa exportirt werden soll.
        <pb n="102" />
        86 
Diese Stadt hat zwei Eigenthümlichkeiten im Getreidehandel, 
von ihr wird fast nur Winterweizen exportirt, und die Grade 
von St. Louis sind höher, als von den anderen Städten. 
Winterweizen wächst in Kansas, Missouri, Kentucky, Indiana, 
Illinois und in einigen geschützten Thälern von Wiskonsin, 
Minnesota, Jowa und Nebraska. 
Für diesen Winterweizen ist St. Louis der natürliche 
Sammelpunkt. Später wird Sommerweizen aus Dakota und 
Minnesota vielleicht auch theilweise hierher geschifft werden. 
Der Weizen von Kansas ist von geringer Qualität und wird 
meist von Kansas City nach Toledo und Buffalo geschickt, 
um hier mit schwererem Weizen gemischt zu werden. Die 
Gradirung des Weizens in Kansas City und Omaha wird von 
der Börse in St. Louis nicht anerkannt und wird Kansas City 
Weizen No. i oft in St. Louis in Weizen No. 2 degradirt. 
Die Gradirung von St. Louis steht so hoch, dass sie in 
England anerkannt wird. Man verkauft von St. Louis nach 
Liverpool nur nach Graden, von New-York zuweilen nur; die 
grossen New - Yorker Exporteure verkaufen nach England 
nicht selten auf Grund eigener Grade oder auch noch nach 
Mustern, Sommerweizen wird meist nach Gewicht, Winter 
weizen mehr nach dem Aussehen gradirt. Man gradirt in 
New-York seit Mitte der 50er Jahre, in St. Louis seit 1864. 
Das Getreide wird den Farmern von kleinen, in den 
Staaten angesiedelten Händlern abgekauft, die es, je nach den 
Marktberichten, nach Kansas City, Omaha, St. Paul, St. Louis, 
Toledo, Detroit, Buffalo, Chicago und Milwaukee senden, wo 
ihre Commissionäre den Weizen verkaufen. Von diesen 
Collectionspunkten wird der Weizen dann in die einzelnen 
Häfen versendet. 
St. Louis ist ein Umladepunkt für Weizen, der den 
Mississippi und seine Nebenflüsse hinabkommen wird — denn 
bis jetzt werden diese wichtigen Strassen fast noch nicht be 
nutzt und fast aller Weizen per Bahn nach St. Louis geführt. 
Später wird man Getreide in kleinen Barken nach St. Louis 
bringen, es hier in grössere einladen, mit ca. Va c. Unkosten 
per B., und dann nach New-Orleans transportiren. Kleinere 
Barken können während 5 Monaten im Jahre von St. Paul
        <pb n="103" />
        87 
nach St. Louis fahren. Unterhalb Cairo ist die Flussfahrt auf 
dem Mississippi das ganze Jahr hindurch offen. Hochwasser 
hat man von Februar bis Juni und in einem Wintermonate. 
Bei niedrigem Wasserstande sinkt das Wasser bis auf 4 Fuss 
Tiefe. Diese ungeheuer langen Wasserwege, auf denen das 
Getreide zukünftig leicht thalab gleiten wird, werden jetzt alle 
regulirt werden. 
Natürlich ist der Getreideexport über New Orleans noch 
in der Kindheit. Eine neue Strasse hat weder die nöthigen 
Einrichtungen noch das nöthige Capital für den Handel, der 
sich erst langsam von der alten Strasse fortzieht. Erst all 
mählich werden diese Einrichtungen geschaffen und zieht sich 
das Capital nach der neuen Handelsstadt. Dies geschieht in 
Amerika aber schneller als in Europa, und wie ich nachweisen 
muss, ist es zum guten Theile in New-Orleans schon im 
Werden. 
Die Eröffnung einer neuen Handelsstrasse hat ganz all 
gemein aber sofort einen anderen Einfluss, und den hat sie 
auch in Amerika geübt. Sie ermässigt die Trans 
portkosten auf der alten Strasse. 
Für die alte Strasse waren Milwaukee nnd Chicago die 
Hauptsammelplätze des Exportweizens, der von diesen beiden 
Städten, und in den letzten Jahren auch von Duluth, nach den 
atlantischen Häfen, theils zu Wasser, theils zu Lande, gesendet 
wurde. Im nächsten Jahre kommt Fort William an der 
Thunder Bay im Oberen See hinzu, wohin über Winnipeg der 
Fxportweizen Manitoba’s und von Nordwest-Canada gebracht 
werden wird. Die Bahn Winnipeg - Fort William wird im 
nächsten Sommer in Betrieb gesetzt werden. Es wurden über 
jene Häfen an dem Atlantischen Ocean exportirt, und davon 
in jenen 3 Städten an den Binnenlandseen gesammelt: 
I i87.S|i876|i877li878|i879 1880 
Exportirt Uber Atlantische Häfen Mill. B. | 39 35 35 9^ j *2? *49 
Gesammelt in Duluth, Milwaukee und Chicago | 47 3^ 34 3^ i 49 5° 
Von diesen Plätzen musste das Getreide noch ca. 1000 
Meilen bis zur Seeküste transportirt werden. 
Der Tarif von Chicago war auch für die anderen beiden 
Städte massgebend, da sie mit Chicago concurriren mussten
        <pb n="104" />
        88 
Die Eisenbahnen, welche Getreide von Chicago nach dem 
Osten befördern, hatten schon immer im Sommer die Con- 
currenz einer Wassertransportstrasse zu bestehen. Im Sommer 
wurde Getreide bis Buffalo auf Seeschiffen und von dort in 
Booten auf dem Eriecanal oder zur Bahn nach New York be 
fördert, einiges ging auch durch den Eriecanal, anderes nach 
Kingston am Lorenzoflusse. Die Frachten waren noch vor 
IO Jahren enorm. 
Eisenbahnfracht von Chicago nach New-York betrug pro 
1868 
1869 
1870 
1871 
100 Ibs. durchschnittlich Cents 
Bushel von 60 Ibs. 
74 
44 
52 
3&gt; 
56 
34 
55 
33 
\ on da ab ist der Durchschnitt zwischen der Winterfracht 
in der ersten Januarhälfte und der Sommerfracht im Juni ge 
wesen : 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 1 
1877 1 1878 
1879 
1880 
r 100 Ibs Cents 
r I Bushel 
57 
34 
55 
33 
52 
31 
35 
21 
32 
19 
32 
19 
30 
18 
32 
19 
35 
21 
Im Jahre 1875 entstand eine Concurrenzlinie für die alten 
bestehenden Bahnen, in dem Grand Trunk von Canada und 
nun fiel der Tarif. Die Entfernung beträgt 960 Meilen, die 
Tonne von 2000 Ibs. zahlte per Meile im Jahre 1868 = 1.5 c. 
und hatte 1866 sogar 2.92 c. gezahlt. Auf dem Eriecanal be 
förderte man 1868 die Tonne für 0.88 c. Im Jahre 1880 war 
die Bahnfracht auf 0.73 c. per Tonne und Meile gefallen. 
Seit 1876/77 drückt schon die Furcht vor der Mississippistrasse, 
neben der Concurrenz des Eriecanals, auf die Eisenbahn-Tarife. 
Im Sommer 1880 beförderten die Bahnen 100 Ibs. für 30 c., 
den Bushel für 18 c. von Chicago nach New - York. Im 
Sommer 1880 konnte man den Bushel über Buffalo und von 
da per Bahn nach New-York für 12 bis 18 c. befördern lassen. 
In Segelschiffen nach Buffalo und von da auf Canalbooten nach 
New-York war die Fracht gleichzeitig per Bushel 9'/,—ly^/^ c. 
Im Jahre 1881 brach das Cartell der Eisenbahnen, welches 
sie im Juni 1879 geschlossen, unter der Wucht der doppelten 
Concurrenz des Mississippi und Eriecanals. Vergebens suchten 
die Eisenbahnen 25, dann 15 c. per 100 Ibs. fest zu halten. 
Sie mussten auf 10 c. per 100 Ibs, oder 6 c. per Bushel hin-
        <pb n="105" />
        89 
abgehen! Man nimmt aber an, dass sie wieder auf 15 c. per 
100 Ibe. oder 9 — 10 c. per Bushel kommen werden. 
Somit ist die Fracht von Chicago bis New - York von 
44 c. vor 13 Jahren, und von 33 c. vor 10 Jahren auf 6 c. im 
Sommer 1881 herabgesunken! So niedrig werden die Trans 
portkosten nicht bleiben, aber sie werden von jenen in 
St. Louis regulirt werden. Bei niedrigem Wasserstande des 
Mississippi transportirt man Weizen per Bahn von St. Louis 
nach Cairo, dann in Barken bis New - Orleans. Diese Kosten, 
aus dem Elevator in St. Louis bis ins Schiff in New-Orleans, 
etrugen 9 12 c. per B., bei 7 Fuss Wasserstand nur 8V2 c. 
vom evator in St. Louis direct per Barke nach New-Orleans, 
wovon 4 /, c. auf die Barkenfracht, der Rest auf Gewichts 
verlust und andere Chargen kommt. Man meint, dass die 
t 3 c. per B. fallen werde. Im 
hi« ^ ri \ ^ ransportkosten per B. von St. Paul 
^ eans, incl. Unkosten des Verladens aus kleinen 
grosse Marken in St. Louis, 13—14 c., sie werden sich in 
. IO c. ermässigen. Die Oceanfracht und Ver- 
sic erung von New-Orleans nach Europa ist 3 — 4 c. per B. 
grosser als von New-York, sie fällt aber. Im vorigen Jahre 
Seefracht von New-Orleans nach England 7 Shillings, 
^ ^ ^ 4 Shillings per Quarter von 8 B. Die natürlichen 
ran^ortkosten des Weizens per Bahn von St. Louis hach 
ork sind 18 c. peV B.¡ man hofft aber, in einigen Jahren 
eizen von St. Louis über New-Orleans nach Liverpool für 
H c. per B. liefern zu können, i88i kostete dies Geschäft noch 
^3 24 c., in den letzten Jahren schwankten die Transport 
kosten von diesen Sätzen bis 40 c. aufwärts. 
Die bracht aus dem Innern des Landes hat sich ebenfalls 
ermässigt. * 
Sehen wir uns den Zustand im Jahre 1868 an! 
Nehmen wir einen centralen Punkt in einem der Mittel 
staaten, in Jowa, welcher zwischen dem Missouri und dem 
Mississippi liegt, Dubuque, 217 Meilen von Chicago, 1177 Meilen 
von New-York ! 
Der Durchtarif von Dubuque nach New - York war 25 c. 
höher als von Chicago für je 100 Ibs. oder 15 c. per Bushel.
        <pb n="106" />
        &amp; 
jfim 
90 
Der Localtarif aus Jowa nach Dubuque war 15 c. per 100 Ibs. 
oder 9 c. per B. für je 50 Meilen Transport im Staate Jowa. 
Das macht 0.15 c. bis 0.18 c. per Meile und Bushel. Der 
Transport von einem Punkte in Jowa, wo man Getreide 
sammelte, um es nach Chicago zu senden, kostete also 25 c. 
per 100 Ibs. im Jahre 1872. Hierzu kamen 15—25 c. Local 
fracht von solchen Märkten, auf denen die Farmer ihr Getreide 
verkauften. Es waren also, zu den Tarifen von Chicago nach 
New-York, d. h. zu 74 c. per 100 Ibs., noch 40—50 c. zu 
addiren, um die Transportkosten aus dem Innern Jowas nach 
New-York zu erhalten, beiläufig 104- 125 c. per 100 Ibs. oder 
69 bis 75 c. per B. Bis zum Jahre 1872 kostete für die letzten 
5 Jahre im Durchschnitt die Fracht nach New-York von 
Mattoon in Illinois 38 c. per B., von Dekatur in Illinois 38 c. 
per B., von Pana in Illinois 34 c. per B., von Terre Haute in 
Indiana 42 c. per B., von Keokuk in Jowa 35 c. per B., von 
Dubuque 49 c. per B., im Durchschnitt von diesen 6 Punkten 
39^3 c., wozu noch 15—23 c. Localfracht kamen, so dass die 
Gesammtfracht sich auf 54V3-64V3 c. per B. stellte. Hierzu 
kamen noch die Spesen der Händler. Der Farmer erhielt nur 
15 — 20 c. per Bushel und musste 3-4 Bushel verkaufen, um 
Geld genug zu erhalten, die Fracht für i Bushel nach New- 
York zu bezahlen! Drei Viertel vom Getreide des Farmers 
musste den Eisenbahnen für Fracht bezahlt werden, damit sie 
ein Viertel ihres Ueberschusses in New-York zu Markte tragen 
konnten! 
Diese unerhörte Ausbeutung derFarmer durch die mächtigen 
Eisenbahn-Compagnien veranlasste die Gründung einer social 
politischen Vereinigung der Farmer, unter dem Namen Granger- 
Lodge. Diese Union gewann Einfluss auf die gesetzgebende 
Versammlung mehrerer Einzelstaaten der Union uní veranlasste 
eine Reihe von Gesetzen gegen die Missbräuche der Com 
pagnien. Vor allen Dingen wurde eine besondere Staatsaufsichts 
behörde über das Treiben der Bahnen in den Eisenbahn-Com- 
missariaten geschaffen. Eisenbahn-Commissäre hatten zwar 
schon seit 1844 in New-Hampshire und seit neuerer Zeit in 
anderen östlichen Staaten bestanden, allein ihre Aufgabe war 
nur eine statistische, keine obrigkeitliche gewesen. Jetzt er-
        <pb n="107" />
        91 
hielten die Staats-Eisenbahn-Commissäre ein Aufsichts* und Ini 
tiativrecht. Sie schlagen — z. B. im Staate Illinois — einen 
Tarif vor; will die Eisenbahn-Compagnie diesen Tarif nicht an 
nehmen, so kommt die Sache vor eine Jury, vor welcher die 
Eisenbahn-Compagnie aus ihren Büchern den Beweis liefern 
muss, dass der von den Commissären proponirte Tarif unge 
recht und verderblich für die Bahn sei. Auch gegen ungerechte 
Differentialtarife wirken die Commissäre als Controlbehörde. 
Früher waren Specialfrachtcontracte allgemein. Jetzt giebt es 
noch einen Weg, einen Verfrachter zu begünstigen: Die Eisen 
bahnwaggons tragen normale 400 Bushel Weizen = 24.000 Ibs., 
können aber bis 30.000 Ibs. = 500 B. tragen. Stillschweigend 
gestattet eine Bahn oft einem begünstigten Verfrachter, 28.000 
oder gar 30.000 Ibs. Getreide zu verladen und nur für das 
Tsorrmle von 24.000 Ibs. den allgemeinen Tarif zu zahlen. 
lese Gesetzgebung wurde von 1871 —73 in Illinois perfect, 
ßähnen sich gegen das betreffende Gesetz von 
1878 an den obersten Gerichtshof der Union gewendet hatten, 
er aber nur eine gewisse Bestimmung desselben für 
„unconstitutionell“ erklärte. Nun entstand das Gesetz 
von 1873. 
Michigan besitzt ein Gesetz von 1873, Wisconsin von 18741 
Minnesota und Missouri von 1875, Jowa von 1875, Kentucky 
und California von 1880, Alabama von 1881, wodurch die 
rächten regulirt werden. Die jüngeren Weizen- und Mais pro- 
ucirenden Staaten Kansas und Nebraska entbehren solche 
Gesetze noch. 
Ich habe oben nachgewiesen, dass vor 10 Jahren in Jowa 
der Tarif für i B. per 50 Meilen 9 c., per Meile also = 0.18 c., 
per 100 Meilen 15 c., per Bushel auf diese Distance also 0.15 c. 
per Meile war. 
Durch jene Gesetze ist die Fracht per B. und Meile in Wis 
consin von 0.069 e. im Jahre 1874, auf 0.045 c. im Jahre 1881 
herabgesetzt worden. Die Durchschnittsfracht auf allen Bahnen 
des Staates Illinois war im Jahre 1876 0.0543 c. per B. und 
Meile, 1881 = 0.0369 c., auf der Illinois Midlandbahn betrug 
sic 1876 sogar 0.084 c., auf der Wabash St. Louis- und Pacific- 
Bahn im Jahre 1881 nur 0.0237 c.
        <pb n="108" />
        Im vorigen Jahre betrug die Localfracht für i B. Weizen 
bei einer Distance bis zu lo Meilen in Jowa 3.6, in Nebraska 
3.6 c., von 20 Meilen in Jowa 4.2, in Nebraska 4.8 c,, von 40 
Meilen in Jowa 5.4, in Nebraska 6 c., von 75 Meilen in Jowa 
7.8, in Nebraska 8.4 c,, von 100 Meilen in Jowa 9.6, in Nebraska 
9.9 c., von 200 Meilen in Jowa 13.2, in Nebraska 15 c. Die 
Fracht fällt also bei wachsender Distance auch im Localver 
kehr, und ist der Meilentarif in Nebraska bei 10 Meilen 0.36 c., 
bei 20 Meilen 0.24 c., bei 100 Meilen 0.099 c,, bei 200 Meilen 
0.075 c. Der Durchtarif ist billiger. Die Fracht von Crete 
in Nebraska bis Chicago, 565 Meilen, kostet per B. 21.6 = 
0.039 c. per Meile. Von grösseren Sammelpunkten ist sie 
proportioned noch billiger und kostet z. B. von Omaha nach 
Chicago, 500 Meilen, per B. i8c. = 0.036 c. per engliche 
Meile oder 1.54 Kreuzer per Metercentner und Postmeile. 
Für solche Binnenlandfrachten habe ich folgende Tarife, 
die im Sommer 1881 galten, aus den Hauptweizenländern zu 
sammengestellt: 
Distance unter 100 Meilen: 
Fremont Omaha in Nebraska, 47 Meilen, Tarif per Meile u. 
Bushel 0.153 c. = 6.53 Kreuzer ö. W. per Mtc. u. Post 
meile. 
Columbus-Omaha, 92 Meilen, Tarif per Meile 0.091 c. = 
3.88 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Dixon in Illinois, 97 Meilen, Tarif per Meile und 
Bushel 0.092 c. = 3.93 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Distancen von 100—200 Meilen: 
Chicago-Freeport in Illinois, 121 Meilen, Tarif 0.08 c. = 3.42 
Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Madison in Wisconsin, 139 Meilen, Tarif 0.05 c. = 
2.14 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Kearny-Omaha in Nebraska, 195 Meilen, Tarif 0.052 c. = 
2.21 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Distancen von 200—300 Meilen: 
St. Paul-Glyndon, Minnesota-Dakota, 265 Meilen, Tarif 0.056 c. 
__ 2.39 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
St. Paul-Fargo, Minnesota-Dakota, 275 Meilen, Tarif 0.054 c. 
= 2.3 Kreuzer per Mtc. und Postmeile.
        <pb n="109" />
        93 
Chicago-New London in Wisconsin, 278 Meilen, Tarif 0.036 c. 
= 1.54 Kreuzer per Mtc. und Postmeile. 
Chicago-Bluff Sliding in Wisconsin, 267 Meilen, Tarif 0.05 c. 
= 2.14 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-La Crosse in Wisconsin, 276 Meilen, Tarif 0.042 c. 
= 1.79 Kreuzer per Mtc. und Postmeile. 
Chicago-Tama in Jowa, 270 Meilen, Tarif 0.053 c. = 2.25 
Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Distancen zwischen 300 u. 400 Meilen: 
Chicago-Florence in Wisconsin, 376 Meilen, Tarif 0.052 c. = 
2.21 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Ames in Jowa, 326 Meilen, Tarif 0.046 c. = 1.96 
Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Minneapolis-St. Vincent in Minnesota, 389 Meilen, Tarif 
0.046 c. = 1.96 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Distancen zwischen 400 u. 500 Meilen: 
St. Paul-Chicago, 410 Meilen, Tarif 0.03 c. = 1.28 Kreuzer 
per Mtc. u. Postmeile. 
Bismarck-St. Paul, Dakota-Minnesota, 467 Meilen, Tarif 0.07 
c. — 2.99 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Mapleton in Jowa, 460 Meilen, Tarif 0.042 c. =• 
i'79 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Minneapolis-Selkirk in,Manitoba, 454 Meilen, Tarif 0.052 c. 
= 2.21 ^Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Council Bluffs in Jowa, 488 Meilen, Tarif 0.037 c. 
= 1.58 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Distancen von 500—600 Meilen: 
Chicago-Omaha in Nebraska, 500 Meilen, Tarif 0.036 c. = 
1-54 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Crete in Nebraska, 565 Meilen, Tarif 0.039 c. = i-66 
Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago - Sioux City in Jowa, 517 Meilen, Tarif 0.04 c. = 
1.7 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago - Gilmore, Nebraska, 510 Meilen, Tarif 0.041 c. = 
1.74 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Columbus, Nebraska, 584 Meilen, Tarif 0.041 c. = 
1.74 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile.
        <pb n="110" />
        MK 
94 
1-7 
Chicago-Brainard, Jowa, 536 Meilen, Tarif 0.04 c. = 
Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Stromsburg, Nebraska, 590 Meilen, Tarif 0.04 c. = 1.7 
Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Tracy in Minnesota, 526 Meilen, Tarif 0.033 c. = 
1.4 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Distancen zwischen 600 u. 700 Meilen; 
Chicago-Huron in Dakota, 662 Meilen, Tarif 0.038 c. = 1.62 
Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Watertown in Dakota, 619 Meilen, Tarif 0.034 c. = 
1.45 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Grand Island, Nebraska, 646 Meilen, Tarif 0.041 c. 
= 1.74 Kreuzer per Mtr. u. Postmeile. 
Distancen über 700 Meilen : 
Chicago-Plum Creek in Nebraska, 736 Meilen, Tarif 0.04 
= 1,7 Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
Chicago-Pierre in Dakota, 781 Meilen, Tarif 0.038 c. = 1.62 
Kreuzer per Mtc. u. Postmeile. 
So sehen wir die Tarife der Bahnen im Westen und in 
den Mittelstaaten sich bewegen von (i cent = 5 centimes 
gerechnet); 
c. 
Distance. 
Tarif per engl. Meile 
und B. in Cents. 
Tarif per Kilometer 
und Mtc. in Centimes. 
IO —100 Meilen 
100—200 » 
200—300 » 
300—400 » 
400—500 » 
500—600 » 
600—700 » 
über 700 » 
0.091—0.36 
0.05 —0.075 
0.036—0.056 
0.046—0.052 
0.037—0.07 
0.033—0.041 
0.034—0.041 
0.038—0.04 
1.638—6.48 
0.9 —1.350 
0.648—1.008 
0.828—0.936 
0.666—1.26 
0.594—0.738 
0.612—0.738 
0.684—0.72 
Natürlich sind die Tarife sehr verschieden, auch bei gleicher 
Entfernung. Sie gehorchen dem allgemeinen Gesetz, dass sie 
in umgekehrter Proportion zur Masse des zu bewegenden Pro- 
ductes und der Concurrenz um den Transport desselben stehen. 
Sie sind niedriger zwischen solchen Punkten wie Chicago, 
St. Paul, Omaha, Columbus, die vielen Verkehr und mehrere
        <pb n="111" />
        95 
Verbindungswege haben, als zwischen entlegnen Punkten mit 
nur einer Bahn, wie Bismarck und St. Paul oder Minneapolis. 
Natürlich konnte sich bei solchen Frachtsätzen, wie sie 
vor zehn Jahren waren, die Production des Getreides in den 
Weststaaten nicht über den localen Bedarf heben. Die Ver 
mehrung der Production tritt erst seit Verminderung der 
Frachten, seit 1876, ein, wie die folgende Tabelle ergiebt. In 
Millionen Bushels betrug die Production von 
i860 
Õ0 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
Minnesota . 
Jowa . . . 
Nebraska . . 
Kansas . . 
Missouri 
2 
8 
4 
18 
29 
2 
2 
&gt;4 
16 
17 
4 
16 
15 
33 
37 
S 
:4 
20 
28 
30 
13 
27 
20 
3: 
32 
»3 
18 
26 
40 
36 
IO 
19 
30 
Sa. 
H 
65 
68 1 
109 
118 
120 
135 
ist 
^ ersichtlich. Vom Jahre 1870 bis 1876 bleibt sie ein- 
. stabil, von da steigt sie sprungweise und verdoppelt sich 
d” ^ mehr ist dasselbe der Fall mit den östlich 
es Mississippi gelegenen Mittelstaaten. Deren Production 
betrug in Mill. Bushels 
Jahr. . . 
i860 
1870 1 1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
^ 
Indiana 
Illinois .... 
Michigan 
15 
16 
23 
8 
''27 
27 
30 
16 
21 
20 
23 
15 
26 
24 
33 
21 
33 
33 
3: 
27 
36 
43 
44 
28 
37 
38 
53 
30 
Sa. 
62 
100 
79 
104 
124 
»51 
158 
lo/u—yu iiiiiiiiu uic i 
sogar ab, sorgt sie nur für den I^calbedarf. Nun beginnt ja 
^uch der grosse Export aus dieser Gegend erst, der 1877 
^fst 70 Mill. B. und 1880 schon 179 Mill. B. beträgt. 
Die 5 Weststaaten produciren 1876 = 68 Mill. B. und 
1880 = 135 Mill. B., die 4 Mittelstaaten 1876= 79 und 1880 = 
ï 58 Mill. B., beide Gruppen 1876 = 147, 1880 = 293 Mill. B. 
Sie haben ihre Production genau verdoppelt ! Nur auf Wis- 
konsin, das immer dieselbe billige Wasserfracht hatte, ist die 
Eisenbahntarifveränderung ohne Wirkung. Seine Production
        <pb n="112" />
        96 
betrug i860 = 15, 1870 = 25, 1876 = 16, 1877 = 22, 1878 
= 21, 1879 = 20 und 1880 = 16 Mill. B. 
Durch Special - Contracte erlangen Producenten oder 
Händler, welche grosse Quantitäten zu bewegen haben, bil 
ligere „Durchtarife“ und da sich an den inneren Sammel 
plätzen, wo sich mehrere Concurrenzbahnen oder eine Bahn 
und ein schiffbarer Fluss schneiden, Elevatoren finden, in 
welchen die Händler grosse Massen Getreide ansammeln, die 
sie dann in ganzen Eisenbahnzügen ablassen, so wird weit 
aus das meiste Getreide auf Grund von Spe- 
cialcontracten durch mehrere Staaten an die Haupt 
sammelplätze transportirt, also billiger als nach den obigen 
Tarifsätzen. Sehr gewöhnlich ist, dass man den Verfrachtern 
grösserer Posten gestattet, 30.000 Ibs. Getreide in jeden 
Wagen zu laden, ihnen aber nur die Normalladung von 
24.000 Ibs., zuweilen von nur 20.000 Ibs. berechnet, wodurch 
sich obige Erachten nicht selten um 25 bis 30 pCt. er- 
mässigen ! 
Ein anderer Fall ist folgender: Herr Dairymple konnte 
Weizen von Fargo am Redriver in Dakota über St. Paul nach 
Chicago, von da über Buffalo nach New-York senden. Dies 
würde der regelmässige Weg für Getreide in kleinen Posten 
sein und kosten per B. von Fargo nach St. Paul 15 c., von 
St. Paul nach Chicago 12 c., Unkosten in Chicago 2 c. 
Chicago Buffalo 3 c.. Summa 32 c. bis Buffalo. Mr. Dalrymple 
sendet seine 30.000 B. täglich per Expresszug nach Duluth 
und von da in selbstgecharterten Schiffen nach Buffalo, was 
im Ganzen nur 27 c. per B. kostet. 
Mit vollkommener Genauigkeit lassen sich die Trans 
portkosten im Allgemeinen in Amerika nicht feststellen, son 
dern nur von Fall zu Fall, und die Tarife wechseln auch 
sehr oft; der Wintertarif derBahnen ist in der Regel höher als 
der Sommertarif, freilich meist nur da, wo die Concurrenz 
einer Wassertrasse existirt. Man kann aber sicher annehmen, 
dass die oben gegebenen officiellen Eisenbahnfrachttarife 
Maximalfrachtraten sind, die schon für so kleine 
Quantitäten, wie eine normale Waggonladung von 24.000 
Ibs. gelten, und dass das „grosse Geschäft“ durchweg mit
        <pb n="113" />
        97 
billigeren Tarifen rechnet, als ich sie hier mitgetheilt habe 
und leider meiner weiteren Abhandlung zu Grunde legen muss. 
Der Dalrymple’sche „Durchtarif“ bedeutet ja auch eine 
Ersparniss von i6 pCt. gegen die Normalfracht auf dem ge 
bräuchlichen Wege, diese Ersparniss macht aber bei seiner 
durchschnittlichen Jahresernte von 600.000 B. nicht weniger 
als 30.000 D. aus! 
Die englische Commission, welche im Jahre 1879 die 
Ackerbauverhältnisse Amerikas untersuchen sollte, holte das 
Gutachten des Secretärs der Chicagoer Handelskammer ein; 
dieser nahm an, dass der Weizen aus dem Westen durch 
schnittlich 350 Meilen nach Chicago bewegt werden müsse, 
und dass dies im Durchschnitt 20 Cents per Bushel koste, 
wozu noch 3 Cents für Ablieferung nach der nächsten Eisen 
bahnstation zu rechnen seien. 
Die niedrigste Rate unter 350 Meilen sehen wir in obiger 
afel mit 0.036, die höchste in der Reihe für Distancen von 
300 — 400 Meilen, mit 0.052 c. per Meile angegeben, das 
niacht einen Durchschnitt von 0.044 c. per Meile, oder für 
350 englische = 73 Postmeilen 15.4 Cents. Man wird kaum 
enl gehen, wenn man die Kosten der Weizenablieferung von 
Earm bis Chicago auf 15—16 Cents = 1.34 P®** 
tc. im Mittel annimmt. Natürlich sind St. Louis, St. Paul, 
oioux City, Kansas City, Omaha, Milwaukee, Duluth und 
andere Plätze, von denen Getreide für einen Oceanhafen ge 
sammelt wird, in Menge vorhanden und giebt es nach den 
selben jährlich mehr und billigere Transportmittel. Man will 
^ E* jetzt einen Kanal von Chicago über Hennepin am lllinois- 
lusse, und dann westlich an den Mississippi bauen, um Getreide 
vom oberen Mississippi zu Wasser nach Chicago zu bringen. 
I^ie Binnenlandfrachten werden sich also noch mehr ermässigen, 
obschon sie, bei 0.044 c. per Meile und Bushel im Jahre 1881 
nurmehr ca. % bis Vio von dem betragen, was sie vor 10 
Jahren kosteten, nämlich von damals 0.15 bis 0.18 c. p. B. und 
Meile = 6.4 bis 7.69 Kreuzer per Mtc. und Postmeile ! 
Man wird nicht leugnen können, dass die Tarifermässigung 
die Production mächtig stimulirt hat. Nicht bloss die des 
Weizens, auch anderer Producte, besonders jedoch von Mais, 
7
        <pb n="114" />
        98 
der nicht nur selbst erst durch billige Tarife exportirbar wird, 
sondern der zum grössten Theile in Fleisch und Fett ver 
wandelt zum Export gelangt. Aus den atlantischen Häfen wurden 
exportirt : 
Jahr 
Schweinepöckelfl. 
je 1000 Fass 
je iooo=Mill. Ibs. 
Speck u. Schinken 
Mill. Ibs. 
Schmalz 
Mill. Ibs. 
Summa 
Mill. Ibs. 
1873 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
271=44 
268=53 
270=54 
353=71 
359=72 
340=68 
426 
415 
424 
633 
739 
799 
218 
210 
230 
327 
327 
380 
688 
678 
708 
1031 
1138 
1247 
Der Export von Schweinefleisch stieg von 1876 — 1880. 
um 569 Mill. lbs. Man rechnet, dass 5 Ibs. Mais i Ibs. 
Schweinefleisch geben, die exportirten 1247 Mill. Ibs. Schweine- 
producte repräsentiren für 1880 also einen Maisexport von 
6235 Mill. Ibs. Mais, oder zu 56 Ibs. den Bushel, von 111 Mill. 
B. Mais. Ebensoviel wurde noch direct exportirt, wie die 
folgende Uebersicht ausweist: 
Mais wurde in Mill. B. über atlantische Häfen exportirt: 
Jahr 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
Mill. B. 
25 
61 
64 
78 
83 
I IO 
In Folge dieser besseren Verwerthung des Mais steigt 
seine Production. Es werden producirt in den Maisstaaten 
westlich vom Mississippi in Mill. B. : 
i860 j 1870 
1876 
1877 
00 
00 
1879 
1880 
Jowa 
Nebraska 
Kansas 
Missouri 
42 
6 
72 
68 
4 
17 
66 
142 
25 
82 
102 
156 
38 
98 
103 
175 
54 
81 
93 
185 
62 
89 
141 
207 
61 
72 
111 
Summa 
120 
155 
351 
395 
403 
477 
45: 
In den Miftelmaisstaaten ist der Fortschritt ein ähnlicher.
        <pb n="115" />
        99 
Die Maisproduction betrug in Mill. B. in: 
i860 
1870 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
Ohio 
Indiana 
Illinois 
73 
7« 
"5 
67 
51 
129 
"5 
99 
223 
97 
96 
260 
108 
138 
225 
105 
134 
312 
123 
III 
262 
Summa 
259 
247 
437 
453 
471 
55: 
496 
Die Steigung würde noch grösser sein wenn 1880 ein 
gutes Maisjahr gewesen wäre. 
Die Wirkung der niedrigeren Transportkosten kamen auch 
sehr deutlich in der vergrösserten Anbaufläche zum Aus 
drucke. In den 10 Jahren 1871 — 80 steigerte sich die mit 
Weizen angebaute Fläche in der Union von 20 auf 36 Mill., 
also um 16 Mill. Acres, davon von 1875—80 um 10 Mill. A., 
die Fläche unter Mais steigerte sich in den 10 Jahren von 34 
auf 52 Mill. Acres, um 18 Mill., und von 1875 von 44 auf 52, 
Um 8 Mill. Acres. Es wurde für diese beiden Früchte von 
1873 bis 1880 genau soviel neue Fläche in diesen Staaten der 
Union umgebrochen, als in Grossbritannien und Irland über 
haupt unter dem Pfluge sind. In den 10 Jahren von 1871—80 
wurde halb soviel Prärieboden mit Weizen und Mais mehr in 
Union bestellt, als Frankreich und Belgien zusammen Acres 
dem Pfluge haben} Der Mehrertrag der Union an Weizen 
^^'^rug ini Jahre 1880 rund 191 Mill B., über jenem des Jahres 
^^7^ d. h. etwas mehr als die Totalproduction von Russland 
und ebensoviel wie jene von Deutschland, Belgien, Gross 
britannien und Irland zusammengenommen. Hier hat also der 
billigere Transport entschieden eine der grössesten Ver 
änderungen bewirkt, welche auf diesem Gebiete unsere an Er 
eignissen solcher Art so reiche Zeit aufzuweisen hat. 
Die Ernte des Sommers 1881 war in der Union durch Dürre 
^n allen Getreidearten, und sogar auch an Baumwolle, eine sehr 
schlechte und bewog manchen Farmer, an Stelle von Weizen 
Und Mais andere Getreide oder Früchte, Kartoffeln, Rüben, 
Flachs etc., anzubauen. So waren 1881 noch 24 300 000 Acres 
in der Union mit Weizen angebaut 1882 nur 22.873.000 Acres. 
Man taxirt, dass die 10 Staaten: Illinois, Indiana, Jowa, Kansas, 
7*
        <pb n="116" />
        lOO 
Kentucky, Michigan, Minnesota, Missouri, Ohio 
geerntet haben: 
1880 
318 Mill. B. 
Die anderen Mittel- u. Südstaaten 75.5 
Nebraska 13.8 
Dakota 2.8 
Pacificstaaten 36.5 
Andere Staaten im Nordosten 12 
und Wiskonsin 
1882 
508 MdI. B. 
75-5 
22.5 
15 
62 
15 
459 596 
Diese Taxe ist weit höher, als ich es oben — 525 Mill. 
B. — angenommen habe, als es sich um den Export handelte. 
Das Areal unter Mais soll um 4 pCt., um 2.5 Mill. Acres, 
seit 1881 zugenommen haben. Man rechnete im Oktober 1882 
in Amerika, dass die Union ca. 600 Mill. B. Weizen ernten 
und davon 300 Mill. B. zum Export übrig haben werde. Die 
anderen, Weizen exportirenden Staaten sollten, sagte man 
120—150 Mill. B. zum Export übrig haben, wohl zu wenig, 
bei der guten ungarischen Ernte, das würde ein Export 
quantum von 420—450 Mill. B. machen, dem nur ein Bedarf 
von ca. 220 Mill. B. gegenüber stehen soll. Das Ackerbau 
ministerium veröffentlichte Anfangs eine Statistik, nach welcher 
jene Angaben übertrieben sind. 
Der Gesammtertrag der Cerealien-Ernte in den Ver. Staaten 
wird in diesem Jahresbericht des Ackerbau-Departements auf 
2.592.000.000 Bushels veranschlagt, nämlich 1.635.000.000 Bush. 
Mais, 410.000.000 Bushels Weizen, 470.000.000 Bushels Hafer, 
45.000.000 Bushels Gerste, 20.000.000 Bushels Roggen und 
12.000.000 Bushels Buchweizen. 
Eine detaillirte Statistik desselben Bureaus giebt die Mais 
ernte, etwas später und höher, folgendermassen an: 
Staaten. 
Neu England . . . 
Mittel 
Südliche 
\V estliche 
Pacific 
Territorien .... 
Total Bush. 
Total Acres. 
1882. 
Bush. 
7.000.000 
84.000.000 
464.000.000 
1.075.000.000 
15.000.000 
5.000.000 
1.650.000.000 
65.500.000 
1881. 
Bush. 
7.746.000 
65.453.000 
253384000 
860.108.000 
2.734.000 
5.761.000 
1.194.916.000 
64.262.025 
1880. 
Bush. 
8.171.050 
104.403.420 
464.825.484 
1.072.558.237 
62.466.352 
5.000.000 
1.7:7.434.543 
62.317.842
        <pb n="117" />
        lor 
Die Gründung’ neuer Farmen und der Hinzutritt Manitoba’s 
zu den Exportländern wird das Missverhältniss zwischen An 
gebot und Nachfrage voraussichtlich noch erheblich steigern, 
bis die schwächeren Concurrenten, mit theuersten Productions- 
kosten und Transportspesen von der Wettbewerbung zurück 
treten. Wo werden diese wohnen? In Amerika oder in 
Europa ? 
Die Ursache des niedrigeren Transportes von Chicago 
bis New-York und von anderen Sammelplätzen im Innern 
des Tandes w'ar also erstens die Gesetzgebung in den 
einzelnen Staaten gegen zu hohe Tarife, dann die Concurrenz 
des Eriecanals, des Torenzo-Stromes und des Mississippi, und 
unter der Wirkung der letzteren ist erst i. J. i88i eine aber 
malige und noch bedeutendere Ermässigung eingetreten, deren 
Folgen auf die Productionssteigerung erst in einigen 
Jahren ganz zu ermessen sein werden, denn 
man wird sich in Europa auf eine noch be 
deutendere Steigerung der amerikanischen 
Production gefasst machen müssen, als sie die 
letzten 5 Jahre gebracht haben. 
Um den Grund der kommenden Productionssteigerung 
genau kennen zu lernen ist es nöthig, sich mit den Transport- 
Anstalten und Kosten auf den mit den Eisenbahnen concur- 
^•renden Routen bekannt zu machen. Zunächst mit der Missis- 
S’Ppistrasse! 
Pür New - Orleans spielt St. Louis dieselbe Rolle, wie 
hicago für New-York, d. h. es ist ein Hauptsammelplatz 
^Är solches Getreide, das den Mississippi hinab transportirt 
^Grden soll. Höher hinauf ist St. Paul, tiefer herab sind Cairo 
Und Memphis, am Missouri Sioux-City, Omaha und Kansas- 
solche Sammelplätze. Aber St. Louis ist der bedeu 
tendste von ihnen. Die Charge für den Getreidetransport von 
St. Louis nach New-York, wohin früher das Getreide von dort 
gebracht wurde, war 1868 = 85 c. für 100 Ibs., 51 c. für den 
Pushel von 60 Ibs. = 4.54 fl. ö. W. per Mtc. = 1.92 Kreuzer 
per Postmeile, 1872 war sie noch 63V4 c. für 100 Ibs. und 
3^ c. per Bushel = 3.38 fl. per Mtc. = 1.47 Kreuzer per Post- 
uieile auf die Entfernung von rund 1100 engl, oder rund 230
        <pb n="118" />
        102 
Postmeilen. Im Jahre 1877 bewegte sich die Eisenbahnfracht 
zwischen 35—46 c. per 100 Ibs. oder 21 — 28 c. per B,, im 
Jahre 1878 zwischen 23 und 46 c. per 100 Ibs. oder 13—28 c. 
per B., im Jahre 1879 zwischen 23—46V2 c. per 100 Ibs., im 
Jahre 1880 zwischen 39 und 50'/a c. per 100 Ibs. oder 23 und 
30 c. per B. Seit 1877 findet im Sommer schon Getreide 
transport in Barken den Mississippi hinab statt, und bewegten 
sich die Frachtsätze zwischen St. Louis und New-Orleans im 
Jahre 1877 zwischen 7V2—9V2 c. per Bushel, im Jahre 1878 
zwischen 5V2 —9V2 c., im Jahre 1879 zwischen 5V2 und ii c., 
im Jahre 1880 zwischen 7 und 9V2, im Jahre I881 fiel sie auf 
5 c. per Bushel und stand im Herbst 1882 ebenso. 
Nun konnte auch die Eisenbahnfracht von St. Louis nach 
New-York sich nicht auf der alten Höhe halten. Schon hatten 
die Eisenbahnen sie auf 20 c. per B. ermässigt und gingen im 
Sommer 1881 bis auf 18, dann 15 c. und schliesslich auf 12 c. 
hinab = 1.07 fl. per Mtc. oder 0.49 Kreuzer per Mtc. und 
Postmeile. 
Das Getreide, welches für New - Orleans bestimmt ist, 
wird in grossen, an den Seiten und oben bedeckten Holz 
barken den Mississippi hinab transportirt, in denen es gegen 
den Regen geschützt und in die es lose geschüttet ist. Diese 
Barken fassten früher nur 20 —30.000 B., jetzt schon 50—60.000 
jede. Ihrer 6 werden von einem Dampfer in 6—8 Tagen von 
St. Louis nach New - Orleans hinabgezogen, die entleerten 
Barken werden von dem Dampfer in 12 — 15 Tagen dieselbe 
Strecke hinauf gezogen. Die Eisenbahn von St. Louis nach 
New-Orleans ist 700 Meilen lang, der Elusslauf länger. Ein 
Eisenbahnzug braucht nicht viel weniger Zeit von St. Louis 
nach einem Hafen des Atlantischen Meeres als eine beladene 
Barke nach New-Orleans. Getreide ist in 9 Tagen von St. 
Louis bis an Bord eines Oceandampfers in New - Orleans ge 
bracht worden. 
Ein Dampfer kann 300.000 B. im Mittel per Fahrt hinab 
befördern, d. h. soviel wie 30 Eisenbahnfrachtzüge von je 20 
Waggons à 500 B. 
Die Selbstkosten des Transportes sind so geringe, dass 
man hofft, wenn der Handel die nöthigen Barken und Eleva-
        <pb n="119" />
        103 
toren hat, den Bushel für 3 c. von St. Louis nach New-Orleans 
transportiren zu können. Man wird 5 c. als den Durchschnitts 
satz für die nächsten Jahre aber annehmen können. 
ln New-Orleans wird das Getreide, welches in Barken 
ankommt, nicht in Elevatoren gelagert, die Barke legt sich 
vielmehr im Hafen seitlich neben den Oceandampfer und ein 
schwimmender Elevator zwischen beide, der das Ueberladen 
für V2 c. per B. = 4.4 Kreuzer per Mtc. besorgt. Man- hält 
dies für zu billig und rechnet, dass es in Zukunft ^4 c. kosten 
wird. Das Gradiren des Getreides, welches nicht nach Probe, 
sondern nach Nummern oder Graden gehandelt wird, besorgen 
vereidete Inspectoren in New-Orleans, welche von der Börsen- 
corporation angestellt sind. Sie beziehen i D. per 1000 B., 
^Ko Vio c. per B. Die Assecuranz des Weizens während der 
bahrt in den Barken auf dem Mississippi kostet 0.45 c. per B. 
auf der See bis Liverpool i—4 pCt. vom Werth, im Durch 
schnitt 1.65 c. per B. 
Die Eracht von New-Orleans bis Liverpool ist jetzt noch 
hoch, weil die Schiffe selten genügend Rückfracht erhalten 
und meist mit Ballast beladen nach New-Orleans kommen, 
^an hofft, dass europäische Waaren in Zukunft direct von 
Luropa nach St. Louis verschifft und von hier über den 
Süden und Westen der Union vertheilt werden, anstatt von 
^^n atlantischen Häfen aus, wie bis jetzt; auch möchte 
”^an aus New-Orleans einen Landungsplatz für Einwanderer 
aus Europa für Texas und die Südstaaten, sogar für Califor- 
u&gt;en machen, wie ich das schon andeutete. 
^enn die Schiffe, welche New-Orleans bis jetzt in Ballast 
^ufsuchen, lediglich der dort einzunehmenden Getreidefracht 
"’cgen, später auch schon auf der Hinfahrt lohnende Fracht 
bekämen, so würde die Getreidefracht von New-Orleans nach 
Europa . selbstverständlich billiger werden. Dieselbe betrug 
per Bushel im Jahre 1877/78 19—22 c., 1878/79 = 16.5 22 c. ^ 
in Segelschiffen und 18—24 c. in Dampfschiffen, 1880 in 
Dampfern nur noch 12 —18 c. nach England und 18—24 c. nach 
dem Continent, im Jahre 1881 fiel sie auf 14 und schliesslich 
äuf 12 c. per B. Sie vermindert sich also in dem Maasse,
        <pb n="120" />
        104 
als sich das Quantum der in New-Orleans zu findenden Fracht 
vermehrt. 
Ich muss noch erwähnen, dass die socialpolitische Partei der 
Granger, deren bedeutendster Führer der jetzige Finanzminister, 
Mr. Windom, ist, und die schon eine Reihe wichtiger Mass- 
regeln durchgesetzt hat, welche den Getreideexport erleichtern 
— hat doch die Commission des Unions-Senates, welche 1872 
die Frage der Binnenland - Transportkosten untersuchte, von 
ihrem Vorsitzenden den Namen der „Windom - Commission“, 
und ist doch auf ihren Antrag die Subvention der Union für 
die Vertiefung der Mississippi - Mündung bewilligt worden — 
sich sehr dafür interessirt, dass durch Nordflorida ein Schif 
fahrts-Canal gegraben werde, mittelst dessen Benützung die 
Dampfer die Rundreise zwischen Europa und New - Orleans, 
hin- und zurück, im Ganzen um 8 Tage abkürzen würden. 
Auch dadurch hofft man mit Recht die Fracht zu ermässigen, 
da der Zoll nicht hoch sein dürfte. Das Land zwischen dem 
unteren Suvanee und dem St. Johns-Flusse in der Breite von 
Tokoi ist sandig und flach und ein Canal daselbst würde 
billig herzustellen sein. Derselbe würde auch jenen Schiffen 
zu gute kommen, welche vom stillen Meere durch Nicaragua 
oder Theuantepec, auf einem demnächst für sie herzustellenden 
Wege, nach dem Golf von Mexico gelangen und umgekehrt 
aus ihm in die Pacific-See fahren. Auch muss erwähnt 
werden, dass man im Sommer 1881 den Plan hatte, eine 
directe Dampferlinie zur regelmässigen Verbindung der Städte 
New - Orleans und Le Havre, später auch Galveston und Le 
Havre oder Bordeaux, ins Leben zu rufen. 
Unter dem politischen Einflüsse der Granger wird das 
Mississippi-Flusssystem in den nächsten Jahren soweit der 
Schifffahrt dienstbar gemacht werden, wie dies überhaupt 
möglich ist, und dies wird dann das grossartigste Fluss 
schifffahrtssystem der Welt sein. 
Nicht weniger als 55 Nebenflüsse, von denen eine ganze 
Anzahl wieder sehr bedeutende Ströme sind, führen dem 
Mississippi ihre Wassermassen zu, und das ganze Stromgebiet 
ist auf die Länge von 16.571 engl. Meilen, also zwei Drittel 
der Länge des Aequators, schiffbar. Diese gewaltige Strecke
        <pb n="121" />
        105 
wird aber noch bedeutend verlängert werden, wenn die be 
absichtigten Flusscorrecturen erst ausgeführt sind. Bis jetzt 
ist dieses Stromgebiet bereits auf eine Strecke von 20.221 Meilen 
durch Barken zu befahren. Die schiffbaren Wässer des Strom 
gebietes vertheilen sich auf 22 Staaten und zwar nach folgendem 
Verhältniss: Louisiana 2500, Arkansas 2100, Missouri 2000, 
Mississippi 1380, Montana 1310, Dakota 1280, Illinois 1270, 
Tennessee 1260, Kentucky 1260, Indiana 840, Jovva 830, 
Indianer-Territorium 720, Minnesota 660, Wisconsin 560, 
^^*0 550, Texas 440, Nebrask"^ 400, West-Virginia 390, Penn 
sylvania 380, Kansas 240, Alabama 200 und New-York 70 Meilen. 
Louisiana, Arkansas, Mississippi, Montana, Dakota und das 
Indianergebiet haben mehr Meilen schiffbarer Gewässer als 
Bahnstrassen. 
Zu diesem ungeheuren Stromgebiete gehört mehr als die 
Hälfte der Union. In demselben liegen 19 Staaten, ausserdem 
noch drei grosse Territorien, Dakota, Montana und das Indianer 
gebiet. Die 19 Staaten des gewaltigen Stromgebiets haben 
^'n Areal von 1.208.977 Quadratmeilen, während die 19 anderen 
taaten, welche dem Mississippi kein Wasser zusenden, nur 
55*752 Meilen gross sind. Rechnet man die Territorien hinzu, 
in kurzer Zeit ebenfalls volkreiche Staaten sein werden, so 
^st sich das Stromgebiet des Mississippi auf 1.260.000 Quadrat- 
‘ angeben. Von den 19 Staaten des Gebietes sind 14 
Flussstaaten, in denen der Mississippi, oder irgend 
f Seiner schiffbaren Nebenflüsse, einen grossen Theil des 
an gedenkt, ausser Getreide und Baumwolle, besonders 
lebendes Vieh aus Texas und Kansas, sowie Fleisch und 
peck - Schmalz auf diesem Wege nach Frankreich zu trans- j 
Portiren, als Rückfracht aber vor allen Dingen Hinw^anderer 
diesem Lande zu beziehen. Hin M. Choureau war um jene 
in New - Orleans und hielt Reden an der Börse über die 
elebung des Handels zwischen Frankreich und dieser Stadt, 1 
ie zur wahrscheinlichen Folge nur die billigere Versorgung 
rankreichs mit amerikanischen Lebensmitteln haben würde. 
Auch hat eine französische Compagnie Land in Texas gekauft, 
Woselbst sie im Grossen Vieh für den Export nach Frankreich
        <pb n="122" />
        io6 
produciren will — sie dürfte indess schlechte Geschäfte machen, 
da sie den Actionären 200 Francs für den Hectar Land 
anrechnet, während es zur Zeit kaum 50 Francs Werth da 
selbst hat. 
Ernster als dies Unternehmen, das mir besonders unsolide 
angelegt zu sein scheint, da der Prospect jener Compagnie 
unter anderem die Angabe enthält, die beiden Counties, in 
welchen ihre Ländereien liegen, seien schon gut bevölkert 
und hätten 40 000 Einwohner, während sie laut Census vom 
30. Juni 1880 noch nicht 2opoo Einwohner haben, ist das 
Project californischer Capitalisten aufzufassen, eine grosse 
Dampferlinie für den Transport des californischen Weizens von 
New - Orleans einzurichten, wovon ich schon oben sprach, in 
\’^erbindung mit der Bahn also über El Paso del Norte. Dann 
wollen sie ja Weizen für 2 Doll, per Tonne, oder 6 c. per B. 
nach Europa schaffen, doch damit darf man jetzt noch nicht 
rechnen. Man muss aber immer berücksichtigen, dass jene 
Transportpreise, welche im Sommer 1881 bestehen, ein durch 
schnittliches Maximum für die Zukunft sind, über die man für 
kurze Zeitfristen — wenn irgend eine bedeutende Route un- 
practicabel wird — hinweg gehen kann, nicht aber auf die 
Dauer, und dass die Kosten im Gegentheil noch allgemein 
sinken werden. 
Zu jenen Transportkosten kommen noch Platzchargen in 
St. Louis oder an jenem Punkte des Mississippi und seiner 
Zuflüsse, wo das Getreide in die Barken gelagert wird. 
Manches geht direct aus den Waggons in die Barken, was 
wenig kostet. Lagert es bis zu 10 Tagen im Elevator zu 
St. Louis, so kostet Einladen in den Elevator, Lagern und 
Ausladen in die Barken U/j c. per B., für jede 10 Tage mehr 
V2 c. ; 2 c. decken reichlich diese Kosten. Wir erhalten 
also jetzt folgende Summirung für Getreidetransport von 
St. Louis nach Liverpool — ohne die Chargen im Hafen 
von Liverpool, welche, inch Verlust durch „Schwinden“ des 
Getreides, „shortage“, die enorme Summe von 6V2 c. be 
tragen sollen, in anderen Häfen anders sind, aber sich durch 
Einführung amerikanischer Elevatoren sehr vermindern werden, 
— im Sommer 1881:
        <pb n="123" />
        107 
1) Platzchargen in St. Louis per Bushel . . . 2.00 c. 
2) Transportkosten von St. Louis—N.-Orleans . 5.00 c. 
3) ,, von N.-Orleans—Liverpool . 12.00 c. 
4) Elevator in N.-Orleans 0.75 c. 
5) Gradiren in N.-Orleans o.io c. 
6) Assecurranz auf dem Mississippi 0.45 c. 
7) 11 „ „ Ocean 165 c. 
Summa 21.95 c. 
rund 22 c. per Bushel = 1.96 fl. per Mtc. Im Sommer 1881 
ist auf Durchtarif aber Weizen schon für 17 c. p. B. von 
St. Louis nach Liverpool versendet worden, das macht 
*•53 fl- per Mtc. 
Es ist als feststehend anzunehmen, dass die Weizenfracht von 
keinem grossen Sammelplätze im Herzen des Westens von 
Amerika, namentlich von Chicago und St. Louis, höher als 22 c. 
oder 81.5 c. per Mtc. = 4 Fres. T'/i Centimes in Zukunft sein 
kann oder 63 c. = 3 Eres. 15 Centimes per Hectoliter. 
Was nun Punkte an Flüssen im Innern des Landes an- 
iangt, so hat man schon den Versuch gemacht, Weizen in 
t^arken von Kansas City nach New-Orleans hinabzubringen, 
flic Eisenbahnen setzten aber sofort den Tarif herab und so 
ist die Barkenfahrt bis jetzt noch nicht eingerichtet. Der 
Eushel Getreide kostete Transport per Bahn von Kansas City 
nach St. Louis Chicago N.-York 
Jahre 1878 . , . 12—15 c. 15 — 18 c. 27—42 c. 
'*79 . • . '2 c- '5C. 36 c. 
'^^Ptember 1879 13 c. 15 c. 21—30 c. 
ovbr.-Decbr. 1879 12 c. 17 c. 36—40 c. 
der erste Barkentransport von Kansas-City abging, 
Setzten die Bahnen den Tarif auf 3 c. per B. nach St. Louis 
Und ß c. nach Chicago herab. 
Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, dass man die 
lussschifffahrt einrichten und Getreide wenigstens einige 
onate im Jahre von Sioux-City nach New - Orleans gehen 
"ird. Alsdann wird die Fracht von diesem Sammelpunkte 
nicht mehr kosten als von St. Paul in Minnesota. \ on 
dort kostete die Fracht im Mai 1881 noch über die Seeen 
und New-York nach Liverpool 51 c., vom Alai ab 42'/, c. = 3.78
        <pb n="124" />
        io8 
fl. per Mtc., was schon ein sehr grosser Fortschritt gegen 
früher war. Da wurde im Mai eine Ladung Weizen in Barken 
nach New - Orleans und über diese Stadt nach England für 
27 c. per B. — 2.40 fl. per Mtc. geschickt. Man sagt, dass 
die Fracht von St. Paul nach New-Orleans auf dem Flusse für 
15 c. rentabel ist. 
Am 7. Juni 1882 wurden 30.000 B. Weizen in 2 Barken 
von St. Paul nach New-Orleans abgesandt, oberhalb St. Louis, 
w'o der Fluss tiefer wurde, in eine Barke mittelst schwimmenden 
Elevators übergeladen, ohne dass die Barken stille lagen; sie 
kamen am 27. Juli in Glasgow an und stellten sich die Gesammt- 
unkosten auf 29 c. per Bushel von St. Paul bis Glagow, da 
nur 1 Bushel und 33 Ibs. durch Schwindung verloren gingen, 
während diese auf dem Wege per Bahn nach New-York 1V2 
pct. pro Bushel beträgt. 
I Wir haben also jetzt eine Fracht von ca. 15 c. per B. 
von New-Orleans nach England, von ca. 22 c. per B. von St. 
Louis dorthin, von ca. 25—30 c. per B. von solchen Sammel 
punkten im Innern des Landes, welche Wassercommunication 
haben, wie St. Paul, Sioux-City und Kansas-City, und Chicago 
darf nimmermehr eine höhere Fracht nehmen als St. Louis, 
weil es sonst seinen Handel an diese Stadt verliert. 
Vor 10 Jahren kostete der Bushel Weizen von Chicago 
nach New-York per Bahn 31 c. Fracht, von da nach Liverpool 
auf Dampfer 25.1 c., Ueberladung in Chicago 2 c, in New-York 
1V2 c., Versicherung i pct. = i.i c. Summa 60,7 c. = 5.40 fl. 
per Mtc. Bei Durchtarif verringerten sich 1872 die Kosten auf 
53.7 c. per B., für Segeltransport von New -York aus, auf 
51.7 c. = 4.60 11. per Mtc., von Chicago nach Liverpool via 
New-York, via Montreal 57.1 c. im Segelschiff und 56.5 c. 
im Dampfer. Von St. Louis über New-Orleans nach Liver 
pool kostete 1872 der Bushel auf Durchtarif 47.3 c. = 4.02 
fl. per Mtc. Im Jahre 1878, Mai, kostete die Fracht von 
Chicago nach Liverpool auf den verschiedenen Wegen, 
über Boston 31.87—34 22 c., via Philadelphia 30-43—32-77 c-, 
via New-York 29.83—33.22 c., via Montreal 31.62 c. per B., 
also von rund 30—34 c. Der erstere Posten setzte sich so 
zusammen :
        <pb n="125" />
        Lagergebühr, Inspection u. Versicherung auf den Binnen 
seen 1.58 c. 
Fracht von Chicago nach Buffalo u. N.-York auf den 
Seen u. dem Eriecanal 10.25 „ 
Spesen in New-York i'25 « 
Oceanfracht im Dampfschiff 
Assecuranz auf dem Ocean u. Beschädigungen des 
Getreides 0.75 w 
29.83 c. 
Im Mai 1881 betrug diese Fracht noch 24V2 c. per Bushel 
= 2,18 fl. per Mtc. Im Sommer 1881 brach nun ein Eisen 
bahnkrieg aus, in dem die Fracht so weit herabgesetzt wurde, 
dass man 100 Ibs. für 10 c. von Chicago nach New-York trans- 
portirte, indess war das nur vorübergehend. Jedoch wurden 
Durchcontracte von Chicago nach Liverpool via Montreal für 15, 
via New-York für 18 c. per B. gemacht, wozu noch 2 c. Platz 
chargen in Chicago zu rechnen sind, sodass wir auf 17 = 1.51 fl. 
per Mtc. resp. 20 c. = 1.78 fl. per Mtc. von Chicago kommen. 
Die Frachten sind, bis auch der Interstaaten verkehr per 
ßahn durch ein Unions-Eisenbahncommissariat geregelt sein 
'vird, in fortwährenden, den Handel lähmenden Schwanken be 
griffen. Im Sommer 1882 betrug die Eisenbahn-Fracht von 
Chicago nach New-York für 100 Pfund: 
5%- : : : : : 
“fr, pro Bushel 8 !, 
Schweinefleisch, 
Schmalz . , ’ 
Rindvieh; 40 
Rindfleisch, 
Lebende Schweine 3° Cts. 
! Geschlachtete Schweine ... 60 „ 
I Bauholz, Schindeln, Latten . 3° „ 
j Wolle S6 „ 
I Heu in Ballen 25 „ 
Salz 30 „ 
Tabak 3*% i* 
Aepfel, Birnen etc 60 „ 
Diese Preise sind auf die volle Wagenladung basirt. Ein 
üterwagen fast etwa 24.000 Pfund, oder 12 Tonnen Getreide, 
obigen Raten als Basis genommen, müssen 5 Cents pro 
^00 Pfund für Fracht von Chicago nach Boston und 4 Cents 
Von St. Louis nach New-York hinzugefügt werden. Abzuziehen 
sind von Indianapolis nach New-York 2 Cents, von Cincinnati 
4V2 Cents, von Detroit oder Toledo* 6 Cents, von Mansfield, O.,
        <pb n="126" />
        1 10 
6 Va Cents, von Cleveland, O., 7 Va Cents und von Dunkirk 
oder Buffalo 10 Cents pro 100 Pfund. Von Chicago nach 
Philadelphia ist die Fracht 2 Cents und nach Baltimore 3 Cts. 
pro 100 Pfund billiger, wie nach New-York. 
Die Frachten fallen für grosse Geschäftsleute billiger aus, 
da man denen gestattet, bis 30.000 Ibs. zu laden und nur für 
24.000 Ibs zu zahlen. 
Der Wellandcanal, welcher auf canadischem Gebiete den 
Eriesee mit dem Ontariosee verbindet und so den Niagarafall 
umgeht, wurde im September 1881 auf eine Tiefe von 
12V2 gebracht, zu spät für die Schiffahrt in diesem Jahre. 
Man hofft, dass Seeschiffe nun den Lorenzo hinauf, durch den 
Wellandcanal bis Chicago, Milwaukee und Duluth fahren 
werden, um hier Weizen einzunehmen, weniger Sanguinische 
meinen, dass Getreide in Dampfern von 50—100000 B. Inhalt 
von diesen Städten nun nach Quebeck gebracht und dort in 
die Seeschiffe geladen werden wird. Die Kaufleute von Mont 
real behaupten, auf dieser Route werde Weizen um 16 c. per 
B. von Chicago nach England befördert werden können. Auf 
keinen Fall wird sie dauernd mehr als 22 c. kosten. 
Die Platzchargen in Chicago und von da sind. 
1) Inspection u. Gradiren durch vom Staate 
Illinois angestellte Inspectoren, 25 c. 
per car von 400-45° B. . . . • ■ 0,06 cents per B. 
2) Storage im Elevator für die ersten lo 1 age 1.25 ,, w 
für jede 10 Tage mehr '/, c. 
3) Feuerversicherung im Elevator 3 pct. per 
annum, i Monat Vio einer Jahresrate, 
V2 Monat V4 Monatsrate, Va Monat 0.25 „ « 
4) Inspection beim Verschiffen aus dem Ele 
vator per Eisenbahnladung 20 c., für 
Schiffsfracht 30 c. per 1000 B. rund . 0.05 „ « 
5) Seeversicherung, wenn auf den Seen nach 
Buffulo geführt 20 c. per 100 Dollars 
Werth . 
. . 0.20 „ rt 
Summa 1.81 cents per B. = 
16.1 Kr. per Mtc. 
6) Die Fracht, welche seh» schwankt.
        <pb n="127" />
        111 
Diese Unkosten waren früher auch grösser. Vor lo Jahren 
kostete Lagerung bis zu 20 Tagen 2 c., jede folgenden 10 
Tage V2 c. 
Die Wasserfracht von Chicago bis Bufifulo und von dort per 
Bahn nach New York war im Juni (aller folgenden Jahre) 1871 
per Bushel 21 c., 1872 = 22V2—24 c., 1873 = 20—24 c., 1874 = 
16—19Va c., 1875 = 12—13Va c. Im Jahre 1875 wurde der 
Zoll auf dem Eriecanal ermässigt und die Schiffe, welche ihn 
passirten, wurden grösser. Bis dahin hatte man nur Mais auf 
ihm transportât. Von 1876 ab transportirte man auch Weizen 
und kostete nun der Transport auf dem ganzen Wasserwege von 
Chicago nach New-York 1876 = 8'/&lt; — 9Va c., 1877 = 6% 7 
1878 = 6Vt—8*4 c., 1879 = sVs —7V2 c., 1880 = 12 —i4‘/a c., 
i88i ca. 6—8 c. 
Von Chicago sendet man direct bis Kingston am San 
Lorenzo Getreide, das hier in Oceandampfer verladen wird 
oder nach Montreal oder Quebeck zunächst gelangt. Die 
Fracht von Chicago bis Kingston kostete per Bushel 
1871 = 8V2—IO c., 1872 = II—15 c., 1873 = 11 —13V3 c., 
1874 = ö'/a—7V2 c., 1875 = 5V4—6V4 c., 1876 = 5V4-7 
1877 = 5-6 c., 1878 = 5-5V2 c., 1879 = 4V4-5 C-» **80 = 
9—11 c. 
Der Zoll, welcher von Schiffen für die Passage durch den 
'^om Staate New-York gebauten und unterhaltenen Eriecanal 
gezahlt wird, betrug 1874 per Bush. Weizen 3.105 c., Mais 2.898 c., 
lür I Barrel Mehl 11.158 c. Derselbe wurde 1875/76 ermässigt 
auf 2.070 c., für den B. Weizen, 1.932 c. für den B. Mais und 
7-452 c. für (len Barrel Mehl. Im Jahre 1877 wurde er aber- 
"^als ermässigt, für Weizen auf 1.035 ^Dis auf 0.966 c., 
^iehl auf 3.726 c. — In den oben für Beförderung über den 
Fnecanal nach New-York mitgetheilten Frachtsätzen ist der 
2oll, welchen der Schiffer zahlt, mit einbegriffen. Dieser 
2oll ist im Sommer 1882 ganz aufgehoben werden. 
Wie schnell die zu transportirenden Waaren den billigsten 
Weg finden, geht aus einer Uebersicht darüber hervor, auf 
Welchen Wegen Getreide nach dem Meere von Chicago aus 
befördert wurde, per Bahn oder über die Seeen.
        <pb n="128" />
        I 12 
Es wurden von Chicago aus versandt je looo Fass oder 
Bushels : 
Im Jahre. 1 
Fass Mehl. 
B. Weizen. 
B. Mais. 
B. Hafer. 
B. Gerste. 
1877 zu Wasser 
1877 per Bahn 
1878 zu Wasser 
1878 per Bahn 
1879 zu Wasser 
1879 per Bahn 
1880 zu Wasser 
1880 per Bahn 
148 
2-334 
321 
2.458 
330 
2.760 
527 
2.335 
10.345 
4.664 
12.903 
11.308 
17.622 
13-384 
16.685 
6 III 
38.607 
7.754 
46.368 
12 576 
41.561 
19.738 
72.400 
21.172 
5-013 
7-484 
6.255 
10.209 
1.589 
11.925 
2.139 
18.510 
1.747 
2.466 
753 
2.767 
155 
3-4” 
Mehl und Gerste leiden unter der Wasserfracht leichter 
als Weizen und Mais, diese aber werden in grösseren Massen 
zu Wasser befördert, obschon die ihnen zur Verfügung stehende 
Wasserstrasse nur ca. 5 Monate im Jahre offen ist, die Eisen 
bahn aber 12 Monate. Wie muss eine Mississippistrasse 
wirken, die von St. Paul ab 5 Monate, von St. Louis ab 
II Monate, von Cairo ab stets offen ist! 
Die Oceanfracht war vor Beginn der grossartigen Export- 
; période niedrig, stieg mit dem Wachsen des Exportes und 
I fällt ganz neuerlich erst wieder, aus verschiedenen Gründen, 
: über die einige Andeutungen genügen werden. Die Fracht 
, für den Bushel Weizen von New-York nach Liverpol betrug 
jjn den folgenden Jahren 1866 Januar 9 c., August 9 — 10 c., 
1867 Januar 5V2 - 8 c., August 7—ii c., 1868 Januar iiVa—15 
c., August 9—13 c., 1869 Januar ló'/a —19 August 15-21 
.c., 1870 Januar 8-10 c., August 11 — 24 c., 1871 Januar 
12V2—16 c., August 17V2—20V2 c., 1872 Januar 12—15 c., 
August 16-17V2 c., 1873 Januar 15'/,—17 c., August 25-27 
c. für 1874 habe ich die Angaben nicht gefunden, 1875 
Januar 21—24 c., Juni 15—18 c., 1876 Januar 16 — 18 c., August 
14—17 c., 1877 Januar 12 — 14 c., August 14—16 c., 1878 
Januar 19—20 c., August 14-16 c., 1879 Januar 10V2—12 
August 15V2—17 c., 1880 Januar 5V4-8 c., August 13V2—17 
c., im Jahre 1881 ist die Fracht von New-York nach England 
sehr niedrig gewesen, bis auf 3 und 4 c. per B. herab, kann 
aber im Allgemeinen auf 8-10 c. angenommen werden und
        <pb n="129" />
        f 
”3 
&lt;lürfte sich in Zukunft kaum über 8 c. im Durchschnitt erheben. 
Im Oktober 1882 nahmen Dampfer den Bushel für 6% Cents 
= 58 Kreuzer ö. W. per Mtc. nach Liverpool; 8 Cents macht 
71.2 Kreuzer. 
Die Gründe der billigen Dampferfracht bestehen erstens 
darin, dass die Dampfer viel Einnahmen aus Passagierfracht 
haben, Einwanderern aus Europa und reichen amerikanischen 
A’^ergnügungsreisenden nach Europa; dass sie ferner aus der 
Fracht von Provisionen sehr grosse Einnahmen erzielen, alsoy 
Getreide billiger befördern können als früher. Die Fracht für 
100 Ibs. „Provision“ — hauptsächlich Schweine- und Rind 
fleisch in Fässern oder Zinkbüchsen, Schmalz, Butter, Käse, 
bewegt sich zwischen 40 — 75 c. von Chicago bis Liverpool 
&lt;lirect. Im Oktober kostete die Dampferfracht per Tonne Pro 
visionen = IO Mtc. 17V2 = 25 Shillings. 
An Producten der Schweineschlächterei wurden exportirt 
k J. 1874 — 530 Mill. Ibs., 1877 = 763, 1878 = 1.006, 1879 = 
1*143 und 1880 = 1.230 Mill. Ibs. Davon wurden im Jahre 
1880 nach Frankreich exportirt 1.608.000 Ibs. Schweinepökel 
fleisch (Pork), 66.357.000 Ibs. Bacon and Harns und 55.462.000 
Ibs. Schmalz (Lard). In ähnlicher Weise ist der Export anderer 
V,Provisionen“ gestiegen, des Rindfleisches von 88 im Jahre 
‘877 auf 130 Mill. Ibs. i. J. 1880, der Butter von 21 Mill. Ibs. 
*• J. 1877 auf 39 Mill. Ibs. i. J. 1880, des Kaeses von 107 Mill. 
*• J. 1877 auf 127 Mill. Ibs. i. J. 1880. 
Line so grosse Steigerung im Quantum verschiedener 
Fxportmassen giebt den Schiffen stets Gelegenheit, die ameri 
kanisch-atlantischen Häfen mit voller Fracht zu verlassen, 
und das macht die Fracht eben billiger. Ferner werden die 
Schiffe immer grösser und die Kohlenausnutzung zur Erzeu 
gung für Hitzeffect wird vollkommener. 
Lie Anstalten zum Auf be wahren und Ueberladen von 
eizen sind in allen atlantischen Häfen dieselben, stehende und 
Schwimmende Elevatoren, wie Seite 61—65 beschrieben. 
Wird Getreide aus einem Wasserfahrzeug in den stehenden 
Llevator geladen, lagert es hier bis zu 5 Tagen und wird es 
dann aus dem Elevator in ein anderes Fahrzeug geladen, so 
kostet das '/* c. per B., jede folgenden 10 Tage kosten
        <pb n="130" />
        114 
abermals '/* c. Das zu beladende Schiff zahlt dazu noch 
Vs c. 
ln New York kostet also Ein- und Ausladen und 5 Tage 
(bis 10 Tage) Lagern 1V4 c., in Buffalo nur Vi + Vs = V» c- 
_ 2-3 Kreuzer per Mtc. Das macht per B. V» c. Ersparung. 
Eine grosse Summe, denn für die in natura im Jahre 1S80 
über die atlantischen Häfen exportirten 119 Mill. B. macht das 
über 1 Million Dollars aus! Ohne Zweifel wird man das Bei 
spiel von Buffalo in anderen Städten befolgen, und so werden 
sich die Handelsspesen des Getreides in Amerika noch weiter 
vermindern. 
Die englischen Regierungscommissäre, die Parlamentsmit 
glieder, Messrs. Pell und Read, veranschlagten i. J. 1879 die Un 
kosten des Getreidetransportes vom Westen Amerikas nach 
Chicago auf 20 c., von da nach New-York auf 15 Va c., von 
da nach Liverpool auf 14Va c., dazu 3'/* c. Lagerungs- und 
Ueberladungsspesen in Amerika und 6V4 c. solche in Liver 
pool. Von den letzteren will ich absehen, da sie in den 
einzelnen europäischen Häfen verschieden, überall noch viel 
zu hoch sind und man sie zweifellos, durch bänführung 
ähnlicher Elevatoren, wie in Amerika, ermässigen wird. 
Read und Pell gaben also die gesummten 1 ransportkosten 
— ohne die Platzspesen in Liverpcx)! — vom Westen 
Amerikas in einem englischen Hafen hinein an auf 53 V4 c. 
per B. = 4.74 fl. per Metercentner. Diese Herren meinten 
eine Verringerung dieser Unkosten sei auch in Zukunft nicht 
wahrscheinlich ! 
Herr Finlay Dun begleitete diese Commissäre damals und 
publicirte fortlaufende gute Reports in der „Times“ von dieser 
Reise, woraus er jetzt ein Buch gemacht hat: „American 
Farming and Food, London 1881“. Er reist zur Zeit wieder 
in Amerika und hatte ich im September eine lange Conferenz 
mit ihm in Chicago. 
Seite 434 giebt er die Fracht per B. von der Farm bis 
nach England auf 1.87 sh. = 43 ^ = 3*^3 Metercentner 
an, also schon niedriger als jene Herren, mit denen er reiste. 
Dazu rechnet er sh. = 7 Va c., für Versicherung, Dock und 
andere (?) Chargen.
        <pb n="131" />
        Ich glaube überzeugend nachgewiesen zu haben, dass im 
Sommer i88i der Transport vom Westen nach Chicago für 
i6 c., von da nach England, incl. Versicherung, für 22 c.. 
Summa für 38 c. = 3.38 fl. per Mtc. stattfand, diese Unkosten 
aber auch noch einer Ermässigung fähig seien. 
Als ich noch in Amerika reiste, bin ich zu meiner Be 
schämung auf die officielle Arbeit eines Landsmannes, des 
R. preussischen Bergassessors Mosler aufmerksam gemacht 
worden, welche auf Kosten des preussischen Handelsministeriums 
i. J. 1877 in Berlin gedruckt wurde und den Titel trägt: „Die 
Wasserstrassen in den Vereinigten Staaten von Amerika.“ 
Nachdem er allerdings dem Eriecanal noch eine Zukunft in 
Aussicht stellt, resümirt er sein Urtheil Seite 66 folgender- 
massen: „Was endlich die Zukunft des Canalwesens in den 
Vereinigten Staaten anbelangt, so ist mit ziemlicher Wahr 
scheinlichkeit vorauszusehen, dass die stets wachsende Con 
çu rrenz der Eisenbahnen und der freien Binnensee- nnd Fluss 
schifffahrt auch die noch belebten Schifffahrtscanäle, mit Aus 
nahme der Küsten- und Seecanäle, allmälig zum Versiegen 
und schliesslich zum Erliegen bringen wird.“ Nun sind die 
Küsten- und Seecanäle stets die Hauptcanäle Amerikas ge 
wesen und werden sie fortwährend weiter entwickelt : Der alte 
Weilandcanal hat einen neuen, tieferen und kürzeren Seiten 
canal erhalten. Der Eriecanal soll vertieft werden. Aber man 
wird auch einen wichtigen Binnencanal bauen, vom Mississippi 
nach Chicago. Die sehr praktischen Amerikaner sind 
also durchaus nicht der Ansicht des Herrn Mosler, sonst 
würden sie nicht viel Geld für Canäle ausgeben, die keine Zu 
kunft haben. 
Herr Mosler giebt den gesammten Güterverkehr auf 
deutschen Canälen und Flüssen in den letzten Jahren (vor 1877) 
folgendermassen an : 
Saar-Kohlen-Canal M 
Rhein-Mame-Canal . . . . • • 9—” 
Rhein-Rhone-Canal 20—23 ’i 
Bromberger und Finow-Canal . 10—" 
Summa 53—64.5 „ ^ 
2.65—3.22. 
Tonnen 
8*
        <pb n="132" />
        116 
Man kann also sagen, dass auf allen deutschen Canälen 
um 1876, d. h. um jene Zeit, von der Herr Mosler seine Daten 
nahm, 3 Millionen Tonnen Waaren bewegt wurden. 
Auf den Canälen des Staates New-York allein wurden 
1876 bewegt 4.172.129 Tonnen Waaren, also bedeutend mehr, 
als auf allen deutschen Canälen. Und dass diese amerikanischen 
Canäle nicht im Geschäft des Versiegens begriffen sind, geht 
wohl überzeugend daraus hervor, dass auf denselben Canälen 
des Staates New-York i. J. 1880 nicht weniger als — 6.462.290 
Tonnen bewegt wurden! So hat sich also der Verkehr auf 
den Canälen eines Staates allein gehoben! Dass er auf den 
anderen Canälen, welche hauptsächlich Kohlen transportiren, 
nicht zurückgegangen sein wird, liegt, bei der notorischen 
KntWickelung der Kohlenausbeute, auf der Hand. Die Canäle 
haben, abgesehen von der absoluten Menge Waaren, die auf ihnen 
befördert wird, den unendlichen Vortheil in einem Staate mit 
Privateisenbahnen, diese zu Tarifherabsetzungen zu zwingen. 
Die deutsche officielle Wissenschaft hat sich durch jenes Werk 
des Abgesandten des preussischen Handelsministeriums inter 
national — blamirt! 
Obgleich es über den Rahmen dieser Abhandlung hinaus 
fällt, will ich doch kurz die Productionskosten eines Bushels 
Weizen im Westen von Amerika berühren. Die Herren Pell und 
Read taxiren sie im Jahre 1879 auf 84 c. = 7.30 fl. per Mtc., Herr 
Dun, Seite 434 seines Buches, auf 3 sh. i d. = 74V2 c. = 6.63 fl. 
per Mtc., er ist also schon um 10 c. billiger geworden, als 
jene Herren. Kr rechnet dabei, dass der Acre Land 10 S zu 
bestellen und ernten kostet und 13 Bushel Weizen trägt. 
In eben jenem Berichte der englischen Commissäre giebt ein 
Herr Hubard aus Minnesota die Unkosten per Acre auf 
10.17 D., den Ertrag auf 15 B., die Kosten per B. also auf 
68 c. an. Ein Herr Kendall aus demselben Staate rechnet 
9.96 D., giebt aber den Ertrag nicht an. Herr Dairymple giebt 
die Productionskosten 1879 auf 36 c. p. B. an. Im Jahre 1881 
erntete er 18 B. per Acre und kostete der Acre, in eigener 
Regie bearbeitet, 6 D., der Bushel also 33.3 c., wenn von 
anderen Leuten mit ihren Pferden und Werkzeugen gegen 
Entgelt gemacht, kostete der Acre Weizen — bis zum Trans-
        <pb n="133" />
        117 
port des Getreides in die Eisenbahnwaggons — 8 D., per B. 
also 44.4 c. 
Herr Randolph, Secretar der Handelskammer in Chicago, 
rechnet fur Minnesota 8.75 D. per Acre à 12 B. = 73 c. per 
B. = 6.49 fl. per Mtc. Das Ackerbauamt für Illinois giebt den 
Ertrag per A. auf 17V3 i- J* 1880, die durchschnittlichen 
Unkosten per Acre auf 7.14 D., die Grundrente auf 3.30 D., 
was einem Grundwerth von 55 D. per A. entsprechen würde, 
an, so dass sich die Productionskosten auf 10.44 A. 
oder 60 c. per B. = 5. 34 fl. per Mtc. stellen. — Ich habe 
gefunden, dass man für 6 —7 D. in fast allen westlichen 
Staaten die Bestellung und Ernte eines Acres Weizen in 
Pacht geben kann und doch die Ernte dabei auf 11 —13 B. 
anzunehmen ist, so dass ich meine, dass man bei dem ge 
ringen Preise des Bodens daselbst, für den man per Acre 
doch im Durchschnitt von Chicago bis zum Felsengebirge 
nicht mehr als 1 D. Rente rechnen darf, also 7 — 8 D. Un 
kosten auf II —13 B. kommen, oder 54—72 c. per Bushel = 
4.80—6.40 fl. per Mtcr. 
Es zeigt sich dabei, dass, je mehr Arbeit man auf die Pro 
duction verwendet, je sorgfältiger der Ackerbau betrieben wird, 
je mehr also der Acre zu bestellen kostet, der Ertrag um so 
mehr zunimmt und sicherer wird, der Bushel um so niedriger 
kommt. Wenn ich nun ferner berücksichtige, dass die meisten 
Farmer keine Dienstleute halten und die Bestellung des Bodens 
um Lohn sehr selten ist, so sehe ich nicht ein, wie ich dem 
selbstarbeitenden Farmer durchschnittlich denselben hohen Tage 
lohn rechnen soll, den ein Grossgrundbesitzer, wie Dalrymple, 
in der Sommerszeit zahlt. Nehme ich weiter an, dass das Land 
vom Mississippi westlich entweder garnichts kostete, indem es 
uls „Homestead“ von der Regierung in Flächen von 160 Acres 
gegen Zahlung einer Gebühr von rund 20 D. für die Ver 
messung aufgenommen wurde, oder dass es sehr wenig kostete, 
Weil es von den Bahngesellschaften um i—3—5^* P^^ 
kauft wurde, so sehe ich die Berechtigung einer Grundrente 
von I D. per A. nicht ein. Ich bin durchaus der Meinung, 
dass der Farmer sehr gut bestehen und Geld sparen kann, 
wenn der Bushel Weizen 50 c. = 4.45 fl- P^r Mtc. auf der
        <pb n="134" />
        Farm kostet, dass er aber in 5—6 Jahren auch bei 40 c. = 
3.56 fl. per Mtc. recht gut wird bestehen können, weil die Ein 
wanderung den Arbeitslohn herabdrückt und weil die sorglos 
wirthschaftenden amerikanischen Farmer immer mehr von den 
einwandernden schweizerischen , deutschen, dänischen , schwe 
dischen, norwegischen und englischen Farmern verdrängt werden, 
welche sorgfältiger, tiefer ackern, düngen und wo es ange 
messen ist, den Boden künstlich bewässern. Dadurch steigern 
sie den Ertrag mehr als die Productionskosten. Es ist nicht 
wahr, dass der Raubbau, welchen amerikanische Farmer un 
streitig auf dem grössten Theile des neuen Prärielandes treiben, 
in einer dauernden Verarmung des Bodens und Verringerung 
der Production ende. Das Gegentheil ist der Fall: In den ersten 
10—12 Jahren verlangt der Boden keinen Dung, würde dieser 
nur schaden. Lässt später der Ertrag nach, so geht der Be 
sitzer zur Wechselwirthschaft und Düngerwirthschaft über, oder, 
und dies ist öfter der Fall, er verkauft an einen einwandernden 
Europäer, der dies thut, und nun steigt der Ertrag wieder. 
Wenn wir von einzelnen Jahren absehen, welche durch aus 
nehmend schlechtes Wetter Missernten hatten, wie 1881 durch 
Dürre, so zeigt sich, dass der Ertrag des Weizens per Acre 
in der Union regelmässig steigt. Er betrug 1870 = 12.4 B., 
1871 = 11.5, 1872 = 11.9, 1873 = 12.7, 1874 = 12.3, 1875 = 
ii.o, 1876 = 10,4, 1877 = 13.9, 1878 = 13.1, 1879 = 13 *1 
1880 = 13.3, also in den ersten 5 Jahren dieser Periode zu 
sammen 60.8 B., in den letzten 5 Jahren. 64.5 B. Und es sind 
nicht die neuen Länder mit ihrem jungfräulichen Boden, welche 
diese Steigerung verursachen. Im Gegentheil haben diese ge 
ringere Durchschnittserträge, als die älter cultivirten Staaten. 
Das Jahr 1879 hatte eine normale Ernte gebracht. Der Ertrag 
per Acre war in den neuesten Staaten Kansas 11 B., Nebraska 
11.3, Jowa 10.2 B., Minnesota 12.3 B. — In den älteren Staaten 
Wiskonsin 12.6, Michigan 19.2, Kentucky 14, Illinois 18.7. — In 
den seit über 30 — 40 Jahren gut angebauten Staaten Indiana 
20.3, Ohio 19.5, Pennsylvanien 15.3, New-York 15 B., obschon 
beide letztere weit schlechteren Acker haben als die jüngeren 
Weststaaten.
        <pb n="135" />
        » »9 _ 
In einem alten Staate, Illinois, in welchem i860 schon 
2.109.000 A. mit Weizen angebaut waren, 1870 = 2.259.000 A. 
und 1880 = 3.256.000 A., in dem also der Boden durch 
Raubbau schon hinlänglich erschöpft sein sollte, betrug der 
Ertrag per Acre in Bushels 
1860 
1861 
1862 
1863 
1864 
1865 
1866 
1867 
1868 
1869 
1870 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
Weizen 
I II3 
I II 3 
I 14 
I 12 
I 14.3 
II 
13 
11 4 
11.5 
II.2 
12 
12-3 
12.1 
13 5 
11.5 
10.5 
9.3 
16.4 
14 6 
18.7 
173 
je 5 Jahre 
62.9 
durch 
schnittlich 
12.6 
581 
durch 
schnittlich 
11.6 
je IO Jahre 
121.0 
durch 
schnittlich 
12.I 
61.4 
durch 
schnittlich 
12.3 
69.5 
durch 
schnittlich 
139 
130.9 
durch 
schnittlich 
131 
17.3 17.3 
Ich werde also wohl nicht irren, wenn ich die gegen 
wärtigen Productionskosten des Bushels Weizen nicht über 
60 c. 5 5.3^ fl, per Mtc. anschlage und dabei annehme, dass 
sie sich im nächsten Lustrum, ohne dem summarischen Ein 
kommen des Farmers Schaden zu thun, auf 5® — 4-45 
per Mtc. ermässigen werden, es sei denn, es trete eine dem 
entsprechende Preissteigerung des Bodens ein! Im Jahre 1880 
Wurde der Durchschnittswerth des Acres geklärten Bodens 
taxirt auf 8.93 1). in Nebraska, 11.82 D. in Kansas, 14-45
        <pb n="136" />
        120 
in Minnesota, 27.36 D. in Jowa, 33.03 D. in Illinois, 30.46 D. 
in Indiana und 47.33 D. in Ohio. Man sieht, wie schnell die 
Preissteigerung von Westen nach Osten fortrückt, von Jahr 
zu Jahr. Man sollte aber billiger Weise diese Preissteigerung, 
welche eine Folge des loco erhöhten Productenertrages und 
Preises ist, nicht stets alljährlich in der Productionskosten- 
berechnung mit berücksichtigen ! 
Während also die englischen Commissäre 1879 53.25 c. 
per B. Transportkosten aus dem Westen nach England und 
84 c. Productionskosten im Westen, Summa 1.37'/^ D. per B. 
= 12.22 fl. per Mtc. rechnen, ihr Begleiter, Herr Dun, 1881 
schon auf 43 c. Transport- und 74V2 c. Productionskosten, 
Summa 1.17 V2 D. per Bushel = 10.46 fl. per Mtc. Weizen herab 
geht, gelange ich Ende Sommer 1881 auf gegenwärtige 
38 c. Transport- und 60 Productionskosten, Summa 98 c. per 
Bushel, so dass also schon jetzt der Bushel amerikanischen 
Weizens sich, mit Profit für die Händler, um i D. per B. = 
8.90 fl. per Mtc. nach England liefern liesse. Ich nehme 
an, dass selbst diese Kosten in den nächsten 5—6 Jahren, 
durch die angedeuteten Verbesserungen der Transportwege 
und Anstalten, Ermässigung der Löhne in Folge der Ein 
wanderung und — — Ermässigung des Zinsfusses mit zuneh 
mendem Reichthume des Landes — er betrug bis 24 pCt im 
Westen und ist jetzt auf 8—10 pCt. westlich des Missouri, 
6—8 pCt. in den Mittelstaaten herabgesunken — um gut und 
gern 10 pCt. ermässigt werden. 
Somit glaube ich, dass bei einem lohnenden Unternehmer 
gewinn für Landleute und Kaufleute — freilich nicht mit 
12—25 pCt., wie sie jetzt oft gemacht werden — Dalrymple 
baut Weizen auf 35.000 A., der Boden kostet ihm höchstens 
5 D. per A. Kaufpreis, und die Wirthschaftsunkosten betragen 
7 D. im Mittel, die Ernte 18 B. und der Preis des Bushels 
loco Farm i D., das giebt noch mehr als 25 pCt. vom in- 
vestirten Capital — dass also mit einem lohnenden Gewinn 
für die Amerikaner ihr Weizen für i D. per B. jetzt, und für 
90 c. in 5—6 Jahren, wird nach England geliefert werden 
können, das heisst für 2.86 D. = 14.30 Francs per Hectoliter, 
oder 18.50 Francs per Mtc. von 100 Kgr., den Dollar rund
        <pb n="137" />
        I2I 
ZU 5 Francs gerechnet, jetzt, und lo pCt. weniger in 5—6 
Jahren, dann also für rund 13 Francs der Hectoliter und 16% 
Francs oder 8 fl. der Mtc. 
Heute würden sich die Selbstkosten per Quarter von 
8 Bushels à i D. auf 8 D. = 33 V3 sh., und in 5—6 Jahren 
auf ca. 30 sh. stellen. 
Wenn jetzt diese Preise so viel höher sind, so haben sie 
eben den Erfolg, den Ackerbau in Amerika zu 
stimuliren. In der That habe ich auf meiner sehr ausge 
dehnten Rundreise in allen neueren Staaten nicht nur sehr 
zahlreiche neue Farmen entstehen sehen, sondern auch 
beobachtet, dass älter angesiedelte Farmer entweder ihre 
Cultur des Bodens verbessern, wozu ihnen die grossen Ein 
nahmen, welche sie in den letzten Jahren bezogen haben, Geld 
gaben, oder neuen Boden in Anbau nahmen, oder beides 
gleichzeitig thaten. Es gab 1880 über 4 Millionen Farmen in 
der Union und giebt Ende 1882 gut und gern rund 4'/, Mill, 
solcher. 
Die Annahme scheint nicht gewagt, sondern sogar eine 
massige, dass die nächsten 5 Jahre eine ebensolche Steigerung 
der Weizenproduction in den Mittel- und Weststaaten zur 
Folge haben werden, wie die 5 Jahre von 1876—1880, d. h. 
um rund 130 Mill. B. Die Mehrproduction in Californien, 
Oregon, Washington Territory, in Dakota, Colorado, Wis 
consin, Pennsylvanien, einigen Südstaaten, namentlich aber 
dem jetzt erst aufgeschlossenen Texas und dem vielleicht 
bald den Indianern abzudrängenden, höchst fruchtbaren Indianer 
Territory wird den Mehrconsum der Union reichlich decken, 
so dass dieselbe in ca. 5 Jahren, anstatt rund 200 Mill. B. im 
Jahre 1880, 330 Mill. B. wird zu exportiren haben. Alsdann 
"^md die Speculation den Preis um so weniger über die 
Selbstkosten halten können — was sie jetzt im grossartigsten 
Maassstabe thut — als Canada und Australien, vielleicht 
die La Plata-Länder und Britisch-Ostindien und Mexico 
jährlich einen grösseren Ueberschuss auf die Weltmärkte 
liefern werden. 
Ks wird nicht uninteressant sein, eine Skizze der Weizen 
production in der Welt hier anzuschliessen mit dem Bedarf
        <pb n="138" />
        te 
I 22 
der einzelnen Länder über ihre Production und dem Ueberfluss 
anderer Länder über ihren Consumí 
Land. 
Production. 
Mill. B. 
1-rankreich 
Russland 
Deutschland 
Spanien 
Italien 
Oesterreich-Ungarn 
Europäische Türkei 
Rumänien 
Belgien 
Andere europäische Staaten .... 
Vereinigte Staaten von Amerika 1882 
Canada 
Australien 
Eg&gt;ptcn 
Algerien 
Indien 
Chile und die La Plata-Staaten . . 
Gross-Britannien 
West-Indien 
Ueberschuss 
Mill. B. 
Erforderliche 
Zufuhr. 
Mill. B. 
44 
295 I 
232 
Natürlich ist diese Uebersicht nur sehr im Allgemeinen 
zutreffend und für das Jahr 1881 besonders unrichtig, da die 
Union nicht soviel zu exportiren hat, wegen der besonders 
schlechten Ernte, aber das ist eine Ausnahme. Immerhin ist 
auch in diesem Jahre der Bedarf der Welt reichlich gedeckt 
worden. Die Ernte des Jahres 1882 liefert schon bedeutend 
grösseren Ueberschuss, da z. B. Erankreich gar keinen Import 
braucht. 
Man kann annehmen, dass wir in den letzten Jahren rund 
ca. 50 Mill. B. mehr producirten als consumirten. Der Jahres 
bedarf der importirenden Länder beträgt 200—250 Mill. B., der 
Ueberschuss der exportirenden rund 300 Mill. B. Wenn nun 
Amerika in 5—6 Jahren 150 Mill. B. mehr liefern sollte, sö 
häuft sich der Bestand von einem Erntejahre zum andern immer
        <pb n="139" />
        123 
mehr an und es wird den sehr reich gewordenen wenigen Ge 
treideexporteuren in Amerika, deren es nicht ein Dutzend 
giebt und welche diesen vortheilhaften Handel zur Zeit mono- 
polisiren, unmöglich werden, durch Zurückhalten der Ausfuhr 
den Preis in Europa über die Productions- und Transport 
kosten nebst durchschnittlichem Geschäftsgewinn in Amerika 
zu halten, was sie 1881/82 mit Erfolg thaten. 
Bleibt also das bisherige Handels- und Productionsver- 
hältniss Europas und Amerikas nur noch 5 Jahre lang in der 
bisherigen Entwickelung, so werden die europäischen Grund 
besitzer mit den von mir so eben entwickelten Preisen und 
Stodquantitäten sich abzufinden haben. 
Ich glaube nicht irgend einer Uebertreibung überführt 
werden zu können, denn was nutzen schönfärberische Berichte, 
wie jene der englischen Regierungscommission von 1879, unter 
welche ihr journalistischer Begleiter schon 1881 um 15 pCt. 
herabgeht, und die heute schon um 28 pCt. zu hoch nach 
weislich sind. Und jene übertriebenen Zahlen hatten die 
Engländer den englischen Farmern als solche dargestellt, 
unter welchen die Amerikaner auf die Dauer nicht liefern 
könnten! 
Es mag sich empfehlen, einige in dem Verlaufe des Ca 
piteis gewonnene Zahlen hier zusammenzustellen. 
Für je 100 Kilo Weizen kostete der Transport: 
Von St. Paul über N.-York nach Liverpool 3.78 fl. 
V on St. Paul über N.-Orleans nach Liverpool 2.40 fl. 
Von St. Louis über N.-Orleans nach Liverpool 1.53—1 -9^ H* 
Von Chicago über N.-York nach Liverpool 2.18—1.78 fl- 
Von Chicago über Montreal nach Liverpool 1.31 fl- 
V on N.-York nach Liverpool 5*—7 ‘ Kreuzer. 
Pell und Reed behaupteten 1879, der Trans 
port von der E'arm aus dem Westen 
nach Liverpool koste 4-74 
E)un behauptete i88i, er koste ... - 3 *3 
Ich berechnete ihn 1881 auf 3 3* 
Im October 1882 kostete er von 
I CSt nach Berlin , . . . , 
I‘cst nach Stettin ^ 5°
        <pb n="140" />
        124 
Pest nach Köln 3.45 fl. 
Pest nach Breslau 1.71 fl. 
Pest nach Paris 3.87 fl. 
Pest nach Hamburg 3^13 0. 
Pest nach Fiume 1.56 fl. 
Pest nach Glasgow od. Liverpool via Fiume 2.46 fl. 
Pest nach Le Havre via Fiume . . , . 2.70 fl. 
Diese verhältnissmässig niedrigen Tarife verdanken den 
billigen Frachtsätzen auf ungarischen Staatsbahnen und den 
ungarischen Subventionen an die Dampfschifffahrts-Gesellschaft 
Adria ihr Entstehen. 
Von New-York nach England 89 Kreuzer. 
Von Montreal nach England 80 Kreuzer. 
Dr. A. Peez hat meinen Arbeiten so Manches entlehnt» 
dass er es verzeihen wird, wenn ich ihm hier eine von ihm 
mitgetheilte Angabe über die Transportpreise in Oesterreich 
per Achse und per Bahn in 1882 und 1852 entnehme. Der 
Vergleich ist recht interessant. Auf diesem Gebiete haben 
wir es wirklich sehr weit gebracht! 
Hiernach betrug die Getreidefracht pro 100 Kilogramm in 
Kreuzern ö. W. : 
Kilometer von Reichenbach 
Entfernung nach Achsenfracht 1852 Eisenbahnfracht 1882 
141 Prag 204 69.2 
161 Pardubitz 206 65.4 
458 Wien 402 146.6 
723 Pest 616.5 216.8 
1077 Triest 894—1060 314.6. 
Der Weizenpreis war für 100 Kilo 
Anfangs October 1882 
in Chicago 8.50 fl. 
in New-York (rother Winterweizen) . . . 9.88—9.98 fl. 
in Pest 9.95 fl. 
in Wien 9.80—10.05 fl- 
in Temesvar 8.20—8.30 fl. 
in Hamburg 9.85 fl. 
in Berlin 10.40 fl.
        <pb n="141" />
        _ 
Stettin 10.23 fl- 
Köln fl. 
in Breslau 11.89 fl. 
in Lemberg fl. 
Paris A 
Danach ist der Weizenpreis in New-York so hoch 
wie in Wien. Der Weizen steht höher in Chicago als in 
T emesvar.
        <pb n="142" />
        •jxrm 
3b 
^^^sséáaÊÊÊPmáS 
..y 
VII. Capitel. 
Der Export frischen Fleisches von New-York. 
Am II. März i88i besuchte ich, in Begleitung des Grafen 
J. Széchényi, den grossen Viehhof von New-York und das 
Schlacht- und Fleischexporthaus des grössten Exporteurs, 
Mr. Eastman, der im Herbste des Jahres 1875, als der Erste, 
frisches Schlachtfleisch von New-York nach England expor- 
tirte. Herr Eastman führte uns zunächst durch alle seine 
dortigen, grossartigen Anlagen und dann in sein Comtoir, wo 
selbst er alle unsere Fragen, nach Einsicht seiner Geschäfts 
bücher, beantwortete, so dass die von mir nun mitzutheilen- 
den Zahlen durchaus unanfechtbar sind, zumal sowohl Graf 
Széchényi als ich sie niedergeschrieben und dann später mit 
einander verglichen haben. 
Der New-Yorker Viehhof ist kein „monumentaler Rau“, 
wie z. B. der Wiener und Budapester, aber er ist zweck 
mässiger eingerichtet, sogar als der zu Islington bei London 
und dabei sehr viel billiger hergestellt. Wie denn die Ameri 
kaner nicht die grobe Thorheit kennen, ihre Transporte und 
ihren Handel dadurch zu vertheuern, dass sie „monumentale“ 
Bahnhöfe absichtlich kunstvoll, theuer und nicht dauerhaft 
hergestellte Eisenbahnen, wie die Semmeringbahn, künstlerisch 
schöne Schweineställe und Viehhöfe, wie in Budapest, bauen, 
welche viel Geld kosten, das verzinst sein will und dessen 
Zinsen nun als eine Steuer auf Handel und Transport lasten. 
Sie bauen dergleichen so zweckmässig und gleichzeitig so ein 
fach und billig wie möglich. 
Nach diesem Principe ist auch der New-Yorker Viehhof 
eingerichtet.
        <pb n="143" />
        127 
Er bedeckt natürlich eine weite Fläche, die aber nicht 
so in die Augen fällt wie jene von Islington, welcher Viehhof 
ganz übersehbar ist. Man hat nämlich den Viehhof zu Islington 
bei London durch lange Strassen in Felder getheilt, auf denen 
Schafe und Schweine durch niedrige Zäune eingepfercht sind. 
as Rindvieh ist an einfache Balkenbarrieren, welche die 
% einzäunen, angebunden und wendet den in diesen 
assen circulirenden Leuten die Köpfe zu. Zwischen je zwei 
f Findern, die sich das Hintertheil zukehren, ist 
wieder Platz für die Fleischer, welche hier auf- uod abgehen, 
zwischen die einzelnen, angebundenen Rinder gehen, sie be- 
u len, Priifen und dann einzeln oder in Lots kaufen. Der 
posse Viehhof von Islington wird dadurch von jedem Punkte 
m seiner Totalität übersichtlich. In der Mitte steht ein zwei- 
p. Comptoirs der Beamten und Makler 
Fl" k • " Schafe und Schweine bestimmten 
n L ^ einem, durch eiserne Säulen getragenen hohen 
• y Fegen geschützt. Die Schlachthäuser liegen an 
zwei Längsseiten des Hofes. 
p * ^^^rk wird auch das Findvieh unangebunden in 
a ocks aufgestellt, welche 30 bis 50 Haupt fassen und durch 
se r solide Plankenzäune von ca. 7 Fuss Höhe nach allen 
^'(^Gn abpschlossen sind, was bei dem halbwilden Charakter 
wend' Verkaufe gelangenden Rinder auch sehr noth- 
'g ist. Jeder Paddock hat Raufen, in denen Heu und 
1 . ^ Füttern des Viehes liegt und das von der Strasse 
neingeworfen werden kann, sowie ein solides Thor, nach 
V ^ Viehhof in Felder theilenden Strassen. I 'as 
c wird nach Gewicht in Partien verkauft, soweit es nicht 
on Fleischern und Exporteuren gehört, welche in New-York 
wohnen. Herr Eastman importirt Vieh direct vom Westen, 
^fist Kansas-City, auch von Chicago, verkauft lebendes 
ich, schlachtet für New-Yorker Bedarf, exportirt regelmässig 
risches Fleisch auf den Postdampfschiffen, die nach England 
^ Sehen, und zuweilen auch lebendiges Vieh nach Europa. 
der einen Seite des Viehhofes ist ein sehr viel Grund- 
äche einnehmender „Viehspeicher“ erbaut, in dessen vier 
übereinander liegenden Etagen Vieh während des Winters,
        <pb n="144" />
        128 
ganz auf dieselbe Weise, wie im unbedeckten Hofe aufge 
stallt wird. 
Im Parterre befinden sich die Paddocks für Rindvieh, in 
den drei darüber liegenden Stockwerken die Buchten für 
Schweine und Schafe. Schiefe Ebenen, die mit der Horizontale 
einen Winkel von ca. 30 Grad bilden, sind von Planken breit 
construirt. Sehr schmale Latten sind horizontal darauf ge 
nagelt und bilden eine Treppe, auf der Schweine, Schafe und 
Menschen bequem hinauf und herabsteigen. Die Fussböden 
sind, wie das ganze Gebäude dicht aus Holz construirt, die 
Jauche und der Dung werden in das Parterregeschoss so er 
folgreich abgeleitet und hinabgefördert, dass alle Etagen rein 
lich und mit guter Luft versehen sind. Die Holzconstruction 
ist, wie auch in den Häusern und Ställen auf dem Lande, von 
erstaunlich kühner Leichtigkeit. Die Balken bestehen aus 
2 Va- bis 3-zölligen Bohlen, die auf die hohe Kante gestellt und 
acht bis zehn Zoll breit sind. Zwischen je zwei solcher Balken 
sind, in acht bis zehn Fuss Abstand, je zwei Plankenstückchen 
über Kreuz eingesprengt, so dem Ganzen seitlich Festigkeit 
gebend. Diese Balken tragen die Bohlendecke, auf der das 
\"ieh ßteht. Die Wände sind aus leichten Stielen gebildet, 
welche eine einfache Bekleidung aus dünnen Brettern tragen. 
So ist dieser vierstöckige Bau leicht, luftig, billig. 
Herr Eastman besitzt ein eigenes Grundstück neben dem 
Viehhofe, worauf er sein Schlachthaus nebst allen dazuge 
hörigen Anlagen erbaut hat und in welches das zu schlachtende 
\'ieh unmittelbar vom Viehhofe getrieben wird. 
Fs sind drei Abtheilungen in diesem Schlachthause zu 
unterscheiden. Itrstcns der Raum, in dem das Vieh geschlachtet, 
ausgeweidet und enthäutet wird. Wir sahen nur das Schlachten 
der Rinder. Der zu schlachtende Ochse wird an den Hinter 
füssen unten von einer Schlinge erfasst und zur Decke so hoch 
gezogen, dass sein Kopf ein wenig über dem Boden hängt. 
An der Decke laufen lange eiserne Stangen durch das ganze 
Gebäude, auf welche Ringe gezogen sind. An einem solchen 
Ringe hängt der Ochse bis er ins Schiff kommen soll. Derselbe 
wird einfach von Station zu Station, vom Schlachthause bis 
ins Eishaus, vorwärts geschoben. Die Kette, durch die der
        <pb n="145" />
        9 
129 
Kadaver am Ringe befestigt ist, kann verkürzt, verlängert 
werden, je nach Bedürfhiss der Operation, die am Kadaver 
vollzogen wird. 
Sowie der lebendige Ochse eine kurze Zeit an den Hinter 
füssen aufgehängt gewesen ist, steigt ihm das Blut zum Kopfe 
und er verliert die Besinnung. Nun schneidet ihm der Fleischer 
mittelst eines breiten, haarscharfen Messers die Kehle bis zum 
Wirbel dutch. Das Blut strömt reichlich aus und das Thier 
verendet schnell und schmerzlos. Dann schneidet der Fleischer 
den Bauch auf und entfernt die Eingeweide, lässt aber das 
Nierenfett und die Nieren im „Carcass“. Darmfett, Herz, Lunge, 
Leber, Därme werden in besondere Behälter geworfen, der 
Ochse nun, durch Nachlassen der Kette, der Länge nach auf 
den Boden gestreckt. Eine breite Axt trennt den Kopf vom 
Carcass. Jener wandert in einen Behälter für sich. Die Haut 
"'ird abgezogen, die Hufe und die Unterbeine abgehauen, der 
Carcass am Rückgrat in zwei Hälften gehauen, die Kette, 
Welche jede Hälfte trägt, wird so weit angezogen, dass beide 
Carcasshälften, wieder frei über dem Boden schweben. Dann 
Wird jede Hälfte gefasst und leicht in das Kühlhaus gezogen, 
seitlich neben dem Schlachthause liegt und in das jene 
tange an der Decke hinüberreicht, auf welcher der Ring sich 
ortbewegt, an dem die den Ochsen tragende Kette befestigt 
^st. Die Operation des Schlachtens bis zum Kühlhause dauert 
per Ochs ca. 20 Minuten. Vom Eintreiben ins Schlachthaus 
zur Ueberführung ins Schiff vergehen ca. 3 Tage, d. h. 
ritten Tage nach dem Eintreffen ins Schlachthaus gelangt 
der Carcass ins Schiff. 
In dem Kühlhause muss der Carcass zwei Tage auskühlen, 
^nn wird jede Hälfte in ihre zwei Viertel zerschnitten, so dass 
^un zwei Vorder- und zwei Hinterviertel vorhanden sind. 
Je es „Quarter“ wird in eine weisse Leinwand aus grobem 
aumwollstoffe genäht, um das Fleisch vor Unsauberkeit zu 
schützen. Diese Quarter werden in Eisenbahnwaggons, die vor 
em Schlachthause stehen, geladen und sofort zur Dampf- 
schiffwerfte geführt, wo sie schnell in die Kühlkammer des 
ampfers gehängt werden.
        <pb n="146" />
        130 
Schafe und Schweine, deren Fleisch frisch exportirt wer 
den soll, werden ganz ähnlich behandelt. Es muss mit jedem 
Dampfer eine Zahl solcher Carcasses — die im Ganzen, nicht 
in Vierteln, nach Europa gelangen — verschifft werden, um 
den Zwischenraum, welcher entsteht, wenn man die Rinder 
viertel neben einander aufhängt, nutzbar auszufullen. 
Das Kühlhaus von Mr. Eastman kann looo Ochsen- 
Carcasses und die zum Ausfällen des Schiffsraumes nöthigen 
Schaf-, respective Schweinecarcasse fassen. Da die Ochsen 
zwei Tage hier hängen müssen und Sonntags die Arbeit ruht, 
so werden ca. 3000 Ochsen wöchentlich, um wieder den Kühl 
hausraum täglich ganz auszunützen, für den Export präparirt. 
Das Kühlhaus hat natürlich Isolirwände. Die Kälte wird nach 
der alten Methode erzeugt, indem Eis mit Salz gemischt, 
Wasser auf die Mischung geleitet und abgekühlt, dann in Zink 
röhren schlangenartig durch den Kühlraum bewegt wird, bis 
es sich ziemlich erwärmt hat. Dann leitet man es in den Eis 
kasten zurück, kühlt es abermals und lässt es wieder circuliren. 
Hierbei wird keine Kälte unnütz verloren und auch kein 
Wasser vergeudet. Die Temperatur im Kühlhause, sowie im 
Schiffe, wird constant einige Grade über dem Gefrierpuncte 
gehalten, auf 35 — 36 Grad Fahrenheit. Die Kosten des Kühl 
hauses stellen sich in gewöhnlichen Jahren, wenn man Eis aus 
dem Hudson hat, auf einen halben Dollar per Ochs, zehn 
Cents per Schaf und Schwein. Im Jahre 1880 auf das 
Doppelte, da man Eis aus Norwegen importiren musste. 
Von den inneren Theilen der Thiere, dem „Offal“, wird 
das Essbare, Lunge, Leber, Herz, Zunge etc., an Detailfleischer 
für den Localmarkt oder — die Zunge — zur Präparirung 
von Büchsenfleisch, verkauft. Haut und Talg werden auch 
verkauft, so ein Th eil der Därme und die Hörner. Das Blut 
wird gedörrt und zermahlen. Es geht dann als Dünger in die 
Baumwollregion und kostet 45 Dollars per Tonne. Alle 
übrigen Abfälle, Knochen, Mist, Fleischtheile, was auch sei, 
werden in einen Dampfapparat gebracht, wo zunächst das 
Fett abgeschieden und dann zu Stearin und anderen Producten, 
an Ort und Stelle, verarbeitet wird. Der Rest wird in Oefen 
getrocknet. Die sich bei diesen beiden Operationen ent-
        <pb n="147" />
        :3: 
den Gãse leitet man in die Feuerung unter 
ersoare^^ geruchlos verbrennen und Kohle 
zermahlen Oefen getrocknete Abfallmasse wird 
Tonne v * t gesiebt und als Dünger zu 25 Dollars per 
consumé aHen ^«^kü^dkLn 
Ë#Ë#5##5 
R.Z :r,“'=■ .zrà'ïtrctrcit 
3Ü|~“I= 
'876 in Glasp-nw ^ ^ comprimirter Luft. Diese von mir 
Auf j Mr. Curtis. 
Raum für dîl°u-^^û benützten Schiffen hat er jenen 
dem untersten r Furopa gepachtet, welcher über 
Kiel aher 1 ^iso nicht unmittelbar über dem 
ist in der Wasserlinie des Schiffes. Derselbe 
und nahm Ausladeraum des Schiffes getheilt 
zwei Räume^^ri- «Britannic“, wo ich ihn besichtigte, also 
^00 kan ' KGgen Luft dicht abgeschlossen sind und je 
300 Raumtonnen à 40 englische Kubikfuss halten, ein. 
hänp-t“ ■ , Räume wird in New-York voll Fleisch „ge- 
Fer Ra ^ gepackt, so dass natürlich Raum verloren geht. 
=a ?ro lh kann man somit nur ein Drittel Gewichtstonne 
303 Kilo Fleisch transportiren. Compressions-
        <pb n="148" />
        132 
maschine und Einrichtung für die beiden Räume von 600 
Raumtonnen kosten 12.000 Dollars, wovon die Maschine 
Qooo Dollars. Bell - Coleman haben ein Patent auf 17 Jahre, 
das erst drei Jahre alt ist, also noch 14 Jahre Dauer hat. 
Während dieser Zeit lassen sie sich das Recht, ihre Erfindung 
zu benützen, mit 50 Cents per Ochsencarcass und 5 Cents per 
Schweins- oder Schafscarcass bezahlen. Sie liefern aber auf 
Verlangen auch die Compressionsmaschine, welche sie allein 
zu construiren das Recht haben. In diesem Falle berechnen 
sie diese Maschine mit 9000 Dollars in der für 600 Raum 
tonnen erforderlichen Grösse. Ist ihnen dieser Preis bezahlt 
worden, so nehmen sie nur eine „Royalty“ genannte Entschä 
digung, wie oben. Stellen sie aber die Maschine, die somit 
ihr Eigenthum bleibt, so nehmen sie eine Royalty von 
11/2 Dollars per Ochs und ein Zehntel davon per Schaf oder 
Schwein, stellen aber auch den einen Mann, welcher die Reise 
regelmässig mitmacht und die Maschine so dirigirt, dass stets 
die richtige Temperatur im Schiffe herrscht. Man kann leicht 
eine Kälte von unter 28 Grad Fahrenheit erzeugen, thut es 
aber nie ; auch ist die Maschine auf der Strecke zwischen 
New-York und England nie beständig in Arbeit, sondern nur 
stundenweise, länger im Sommer, kürzer im Winter. 
Das Schiff giebt nicht nur den Raum her, sondern auch 
die zum Betriebe der Luftcompression und Circulation nöthige 
Dampfkraft von der Schiffsmaschine ab. Da diese nur einige 
Stunden per Tag arbeitet, so ist sie dann für 600 Raumtonnen 
30 Pferdekraft stark. Eastman zahlte für diese Dampfkraft 
und für den Raum ab New-York bis Liverpool in früheren 
Jahren 30 sh. per Raumtonne, 1881 nur noch 25 sh. 
Das Fleisch wird gegen Verderben assecurirt, und zwar 
so, dass die Versicherungsgesellschaft nichts zahlt, wenn das 
Fleisch nur 14 Tage im Schiffe war und doch verdarb, weil 
es dann Schuld der Maschine war, die etwa zusammenbrach, 
oder des Mannes, der die Abkühlung zu beaufsichtigen hatte. 
Verlängert sich die Reise und verdirbt das Fleisch, was aber 
selten vor kommt, so zahlt die Gesellschaft den versicherten 
Werth des Fleisches’ voll. Die Prämie beträgt Va Percent des 
versicherten Betrages.
        <pb n="149" />
        133 
Im Falle Coleman-Bell die Maschine und den sie bedienenden 
Mann stellen, berechnen sich die Kosten per Raumtonne von 
der Einschiffung des Fleisches in New-York bis zur Ausschiffung 
in Liverpool also folgendermassen: 
1. Miethe der Dampfergesellschaft 25 sh. für Raum und 
Kampfkraft. 2. 750 Ibs. Fleisch sind gerade das Gewicht 
eines g u t e n ausgeschlachteten Exportochsen, für den Cole- 
man- e * /a Dollars = 6.24 sh. Royalty erhält. 3. Wenn 
as eng isc e Pfund 7, sh. werth, und so versichert war, so 
•kostet die Prämie für 375 sh. Werth 2.34 sh. 4. Hierzu muss 
man noc ollar == 2.08 sh. rechnen, welche das zum 
Schlarhth Fleisch im Kühlhause des Eastman'schen 
vier Vierteln Kilo Schiachtfleisch in den 
von da in Gr Transport vom Schlachthause zum Schiffe, 
Cheat r •'" L!^^rpool, so kommt man h e u t e auf 
D' S Kilo, auf 7 fl. ö. W. per Metercentner. 
FLi'c^uk ^ stellt sich jetzt schon etwas billiger, wenn der 
Si ' auch die Maschine von Coleman-Bell kauft, 
wir sich binnen Kurzem billiger stellen, sowie die im 
ue egriffenen Dampfer fertig sind und die Raumtonne nicht 
kostet. Endlich fällt, aber erst nach 14 Jahren, 
wenn Coleman-Bell weg. Ich glaube nicht zu irren, 
noch annehme, dass in einiger Zeit die Raumtonne nur 
_ kosten, die Gesammtunkosten sich per Meter- 
ntner ISettofleisch also auf rund 6 fl. ö. W. ermässigen 
werden. 
Fl • ist nun, kann man für 7 fl. den Metercentner 
Gisc^ von Budapest nach London schaffen?? Ferner, kann 
an m Budapest so gutes Fleisch so billig haben, wie in 
ew ^ Ork, wo es sich jetzt ausgeschlachtet, inclusive Nieren- 
Gtt, in den vier Vierteln zu 87* Cents per Ib. stellt? Dies 
macht in New -York 47 kr. ö. W. per Kilo. In Liverpool 
würde es sich also auf 54 kr. stellen, jedoch ohne Geschäfts 
gewinn. Mr. Eastman sagte uns, es zahle sich bei den heu- 
tigen Fleischpreisen in Amerika aus, wenn das englische Pfund 
in England 6 d. löse, das macht 64'/, kr. ö. W. per Kilo.
        <pb n="150" />
        134 
Herr Eastman rechnet folgendermassen: 
Ein guter, für England schlachtreifer, drei- bis fünfjähriger 
Ochse hat im Mittel 57 Percent Nettogewicht von seinem 
Lebendgewichte in den ausgeschlachteten vier Quarters. Hier 
nach wird er gehandelt und zur Zeit, wo Fleisch hoch im 
Preise steht, mit 10 Cents per Ib. netto bezahlt. Ein Ochse, 
der 1316 Ibs. Lebendgewicht oder 750 Ibs. netto hat, kostet 
also zehn Mal 750 Cents = 75 Dollars. Nun ist der Abfall, 
Haut, Oifal, Talg, Blut etc. 1V4 bis 1V4 Cents per englisches 
Pfund netto werth und deckt dazu die Kosten im Schlacht-' 
hause, so dass also die ausgeschlachteten vier Quarters zu (im 
Mittel) 8V2 Cents per englisches Pfund in New-York mit Vor 
theil verkauft werden können ; 3 Cents per engl. Pfund decken 
alle Unkosten und den nöthigen Geschäftsprofit bis England, 
so dass also das Geschäft lohnend ist, wenn das englische 
Pfund dort für lU/a bis 12 Cents verkauft werden kann. 
Es zeigt sich also, dass Herr Eastmann einen hohen Ge 
winn für nöthig hält, um das Geschäft lohnend zu finden, 
denn ich habe oben im Detail nachgewiesen, dass die Selbst 
kosten per englisches Pfund nicht 3 Cents, sondern nur 1.14 
Cents betragen. Aber Geschäfte werfen in Amerika eben noch 
viel Geld ab und Eastman hat noch grosse Abschreibungen 
vom Gewinne auf Verluste der früheren Jahre zu machen, als ihm 
manche Sendung verdarb, weil die Kühlvorrichtungen noch zu 
schlecht waren. 
Die Schafe, welche in Carcasses exportirt werden, sind 
meist Kreuzungen der Landrace mit Cotswold und Leicester; 
ursprünglich hatte man hier Merinos. Ein guter fünfjähriger 
Hammel hat im Mittel 120 bis 125 Ibs. Lebendgewicht und 
70 Ibs. „dressed“, d. h. ausgeschlachtet, ohne Darmfett, Haut, 
Kopf, Beine, Eingeweide. Man kann Schaffleisch solcher 
Qualität jetzt in England mit 6 bis 6V2 Pence per englisches 
Pfund verkaufen und macht dann einen landesüblichen Profit. 
Hierbei ist wieder ein Aufschlag von 3 Cents = i V2 Pence auf den 
New-Yorker Preis von ausgeschlachtetem Hammelfleisch ange 
nommen, das sich also dort auf ca. 5 Pence 10 Cents stellt. 
Wolle und. Abfall decken auch hier die Unkosten der 
artig, dass man in Liverpool das Pfund Schlachtfleisçh zum
        <pb n="151" />
        *35 
se en Preise verkaufen kann, zu dem man das Pfund Netto- 
gewicht des lebenden Thieres in New-York auf dem Vieh- 
niar te kaufte. Hier hat man ein gutes, practisches Berech- 
ungsmittel. Wenn der Preis von Schafen in New-York mit 
2 P^*" 1^* (netto) angegeben ist, so kann das Fleisch 
dieser Schafe in Liverpool zu la Cents = 6 d. mit Geschäfts- 
de k ^ " erden, weil Wolle und Offal alle Unkosten 
(i#aai 
fang erreicht eschäft schon einen sehr grossen Um- 
New-York kostet jetzt von Kansas - City bis 
noch 1«/ PfLJeiniger Zeit noch 5 Pfund St., jetzt nur 
Welche d r c ^ ’ kommt aber die Assecuranzprämie, 
einp-erirVif^ ^ Schiffe noch nicht gut für diesen Transport 
nach der T Vieh über Bord geschwemmt wird, 
in den St^^ ^’^szeit verschieden ist, im Sommer 2 Percent und 
betrug ^^™^^ken 8 bis 10 Percent vom versicherten Werthe 
ausp-e«irhl 750 Ibs. netto kostete im Frühjahr 1881, 
Dort T ^ New-York bis Liverpool 8.55 Dollars Trans- 
sage 3 Va l^fd" St. = 15.90 Dollars, dazu 2. im Mittel, 
__ 5 ercent vom Werthe von 75 Dollars Assecurranzprämie 
ollars, macht 19.65 Dollars, rund 20 Dollars per Haupt. 
^ y at man freilich auch Haut, Talg und Oifal in England, 
o sie doch auch einen etwas höheren Werth haben als in 
meri a, allein es ist klar, dass der Handel mit frischem 
leische doch profitabler ist.
        <pb n="152" />
        VIII. Capitel, 
Im Hafen von Philadelphia und dem Kohlen 
hecken von Pennsylvanien. 
Unsere Expedition besichtigte am 14. März 1881 den grössten 
Kohlenverschiffungs-Hafen der Welt unter der lehrreichen 
Führung des Chef-Ingenieurs der Philadelphia- und Reading- 
Eisenbahngesellschaft, Herrn Lorenz, eines geborenen Deutschen, 
dem uns der Präsident derselben, Herr Gowen, welchen wir 
an Bord der „Britannic“ kennen gelernt hatten und der uns 
mit einer wahrhaft seltenen Liebenswürdigkeit in Philadelphia 
entgegenkam, anvertraut hatte. 
Die gedachte Gesellschaft besitzt am Ufer des Delaware 
ein sehr ausgedehntes Terrain, wovon erst ein Theil geschäft 
lich benützt wird, und zwar sind auf diesem Theile 21 Molos 
— Piers genannt — zum Verschiffen von Kohlen, ein Getreide- 
Elevator und eine Anstalt zum Baue eiserner Schiffe errichtet. 
Die Schilderung der Pläne, die man für die nächsten Jahre 
mit dem noch unbebauten Theile dieser Uferstrecke vorhat, 
machte auf uns keinen erfreulichen Eindruck, da sich darunter 
die Erbauung von noch drei und noch dazu grösseren Eleva 
toren befand, als jener ist, den wir fast vollendet vorfanden. 
Je mehr solche Elevatoren dort entstehen, desto billiger wer 
den sie arbeiten, obschon sie jetzt bereits — fast umsonst zu 
benützen sind. 
Der Anblick, den die Gesammtanlage des Kohlenver 
schiffungsplatzes bietet, ist ein wahrhaft grossartiger. Von 
dem Hauptbahnkörper zweigen sich Schienenstränge fächer 
förmig ab, welche auf die einzelnen Molos ausmünden. Wie 
die ausgespreizten Finger einer flach auf dem Tische liegen-
        <pb n="153" />
        _ 
Hand strecken sich diese Molos zunächst — an der 
urzel, noch auf dem festen Lande stehend und keilförmige 
c)h enlagerplätze einfassend — von deren Ufer tief in das 
asser des Delaware hinein. An beiden Seiten liegen hier 
oT einnehmenden Schiffe, über deren Bord die 
er ac e des Molo etwa 15 Fuss emporragt. Nicht weniger 
als 125 Schiffe können auf diese Weise an den Molos liegen 
und von da beladen werden. 
werden entweder direct von den ankommend en 
&gt;300 häuft worden sind. Einzelne Piers sind 
sehen. F' mit je vier Schienensträngen ver- 
vollen \V ^tosse Anzahl kleiner Locomotiven befördert die 
die Ipp S&amp;ons von dem Hauptbahnkörper auf die Piers und 
und H ^°t't auf die Hauptlinie zurück. Ihr reges Hin- 
begre ü^ dem grossartigen Verkehre, den man 
hier au' -1 ^ Millionen Tonnen, à 10 Metercentner, von 
Anthracit^ V verschifft werden. Die Kohle ist durchaus 
wie Stei • Sonne beleuchtet, glänzen diese Massen 
Theile ^ vT Juwelierladen. Sie wird zum grösseren 
doch atlantischen Häfen von Amerika befördert, 
]• 1 ^^äangt sie nicht selten nach Frankreich und ist gelegent- 
die Schweiz vorgedrungen, 
eiden folgenden Tage, der 15. und 16. März, wurden 
undfahrt in die Eisen- und Kohlenregion im 
F‘ 1 von Philadelphia bestimmt, welche wir auf 
E**' Präsidenten der Philadelphia- und Reading- 
tsen ahncompagnie und als seine Gäste unternahmen. Herr 
machte auch hierbei den Führer. Die Beamten jener 
. ^ l^nwerke, die der Gesellschaft gehören und von uns be 
ste tigt wurden, waren telegraphisch benachrichtigt, so auch die 
nvatbesitzer anderer Werke von Interesse, die an unserer Strecke
        <pb n="154" />
        138 
liegen. Letztere führten uns persönlich durch ihre Anlagen, 
erstere erwarteten Herrn Lorenz und auf jeder Station be 
gleitete uns der Chef der Anlage bis zu dieser. 
Von Philadelphia ab hatte man uns einen Extrazug zur 
Verfügung gestellt, der von zwei oberen Bahnbeamten persön 
lich geführt wurde. 
Der Zug bestand für die erste Strecke, bis Reading, aus 
einer gewöhnlichen Locomotive und einem der grossen Per 
sonenwagen, wie sie überall in Amerika im Gebrauche sind. 
Wir fuhren mit der rasenden Geschwindigkeit von 55 englischen 
Meilen per Stunde! 
Das Land trägt einen hochindustriellen Charakter. Ueber- 
all in dem schönen, aber engen Thaïe sieht man Schornsteine, 
Hochöfen, Papierfabriken, Walzwerke. Den ersten Halt machten 
wir in Phönixville, um ein grosses Eisenwalzwerk zu besichtigen, 
welches, wie die meisten amerikanischen Fabriken, seine 
Specialität hat: hier construirt man nur eiserne Brücken. Die 
hiesige Anlage umfasst zwei Hochöfen, ein Walzwerk und eine 
weite Flächen bedeckende Werkstätte. Daneben liegt am 
Flusse auf einem in einen Park verwandelten Hügel die Villa 
des Besitzers und die Behausung seiner verheiratheten Söhne. 
Im P'lussthale zerstreut liegen die kleinen Häuser der Arbeiter, 
welche letztere meist verheirathet sind und eigene Häuschen 
besitzen, hübsch aus Holz und stets zweistöckig gebaut. Man 
schläft in diesem Lande nicht gern zu ebener Erde. 
Die Fabnk verarbeitet durchschnittlich jährlich 52.000 
Tonnen (à 10 Metercentner) Eisen und beschäftigt 2200, zu 
weilen 2500 Arbeiter — nur bei den Hochöfen und der An 
fertigung und Aufstellung von Brücken. Die Arbeit wird fast 
ausschliesslich mittelst Maschinen verrichtet, so dass die Ar 
beiter fast nur Leiter dieser Maschinen sind. Hierdurch wird 
nicht nur Billigkeit, sondern auch eine unglaubliche Accuratesse 
erreicht, so dass ein Stück derselben Art genau zu dem 
anderen Stücke passt, und die Arbeit ist um vieles leichter, so 
dass englische Maschinenbauer hier lieber um denselben Lohn 
arbeiten als in England, wo sie sich körperlich mehr anstrengen 
müssen. Trotz der höheren Löhne und Eisenpreise concurrirte 
die Fabnk in Canada wiederholt erfolgreich mit England und
        <pb n="155" />
        139 
baute daselbst sehr grosse Brücken. Diese werden in der 
Werkstätte fertig aufgestellt, bis auf die letzte Schraube, dann 
können sie am Bestimmungsorte von einfachen Monteurs sehr 
schnell zusammengesetzt werden, ohne dass ein Hammerschlag 
zur Verbesserung eines Mangels nöthig wäre. 
Die Fabrik baute eine lange Strecke der Eisenbahn, welche 
den Strassen New-Yorks in Höhe von zwei Stockwerken 
den Personenverkehr vermittelt, und stellte sie diese Bahn, 
fertig aufgestellt, zum Contractpreise von 3.6 Cents per eng 
lisches Pfund her. 
Die Arbeiter sind geborene Amerikaner, viele Deutsche 
Und Irländer und wenig Engländer. Sie arbeiten zehn Stunden 
täglich, und gewinnen gewöhnliche Arbeiter i Dollar, Pferde 
knechte i.io Dollars, Hochofenarbeiter 1.16 Dollars, deren 
Vorarbeiter 1.32 Dollars, Maschinenmeister 1.65 bis 2 Dollars. 
^ iel Arbeit wird in Accord gemacht und bringt es der Mann 
dann in der Regel auf i % Tagelohn per Tag. Ein unver- 
eiratheter Arbeiter kann hier und an anderen Orten der 
ndustriebezirke Pennsylvaniens für drei bis vier Dollars 
'Wöchentlich Wohnung und sehr substantielle Beköstigung er- 
alten. Ein Haus ist für 300 bis 800 Dollars, je nach 
eschaffenheit, von einer Familie zu erwerben und thun 
.die deutschen Arbeiter nach fünf- bis sechsjähriger 
-^^beit meist. 
çi ^ ab hatte Herr Gowen uns zwei Salonlocomotiven 
zur Verfügung gestellt. Jede derselben hat vor 
Und b)amp(kessel einen kleinen Salon mit vier Armstühlen 
den Seiten, nach hinten und vorn, grosse Spiege 
Q so dass man eine freie Aussicht über die ganze 
egend geniesst. Diese kleinen Eisenbahn-Reitpferde machten 
ein^^ ^ teilen per Stunde, ln jeder nahmen Drei von uns, in der 
u err Lorenz und in der anderen der jedesmalige C e 
soeben besuchten Station Platz. Wir wanden uns mit 
^'Dichtigkeit pfeilschnell zwischen Lastzügen un 
Waggons hindurch und durcheilten eine wunder- 
iche, hügelige Landschaft, die, wo es das Terrain zulässt, 
haK ^j^^^wster Sorgfalt angebaut war. Hervorstechend Vroh 
“"d lieblich erschien uns die alte Ansiedelung der
        <pb n="156" />
        140 
Herrnhuter zu Lebanon, wo wir Wasser einnahmen. Diese 
„stillen Leute im Lande“ erfreuen sich eines ausgezeichneten 
Rufes und ebenso grossen Wohlstandes. Die Farmen der 
Gegend haben nur 8o bis loo Acres, sehen aber so wohl 
gehalten wie englische aus, nur sind sie practischer be- 
wirthschaftet, indem die Baulichkeiten nicht so massiv und 
kostspielig, doch aber sehr hübsch und überall zweckmässig 
sind. Die Wohnhäuser sind alle zweistöckig, sauber ange 
strichen, Fenster und Thüreinfassungen durch besondere Farben 
abgehoben ; viele haben auch Veranden. Die Ställe sind drei 
stöckig ; unten ist der Viehstall, oben Granarium und Futter 
boden. Alles ist aus Holz, leicht, billig, aber doch solid 
gebaut. Zahlreiche Kirchen zeugen von dem religiösen Sinne, 
der in Pennsylvanien noch die öffentlichen Angelegenheiten 
durchdringt und namentlich in strenger Sonntagsfeien seinen 
Ausdruck findet. Man sieht hier verschiedenartige Nieder 
lassungen, die sich von einander, je nach der Nationalität der 
Ansiedler, unterscheiden. Die ersten waren englische Ansiedler, 
sie wohnen in zerstreuten Farmhäusern auf ihren Aeckern, die 
später eingewanderten deutschen Herrnhuter in Dörfern ; 
Anstrich und Bauart ist überall verschieden und charakteristisch. 
Von Lebanon fuhren wir nach Cornwallis, das Eisenwerk 
zu besichtigen, welches wohl einzig in seiner Art ist. Drei 
grosse zusammenhängende Eisenberge heben sich hier, der 
höchste 300 Fuss, über den Boden und bestehen grösstentheils 
aus Magneteisen, das zu Tage liegt, mit geringen Kosten ab 
gesprengt werden kann und durchschnittlich 52 Percent Eisen 
enthält. Es werden jährlich 250.000 Tonnen abgebaut. Eine 
Bahn führt spiralförmig auf den Gipfel des höchsten Berges 
und fuhren wir mit unseren leichten Locomotiven schnell diese 
Bahn, die vier Fuss Steigung auf 100 Fuss Länge hat, hinauf 
und hinunter. 
Von oben geniesst man eine entzückende Aussicht über 
Berg und Thal — ersterer durchweg mit Laubholz bewaldet, 
doch nur jung bestanden. 
Nach eingehender und instructiver Besichtigung der An 
lagen, die einfach sind, fuhren wir zu unserer vorläufigen 
Residenz in Pottsville, sehr zufrieden mit unseren Studien
        <pb n="157" />
        I4I 
und entzückt über unseren abwesenden Wirth und dessen 
Vertreter. 
brüh am i6. März bestiegen wir zwei Salonlocomotiven; 
nach schneller Fahrt erreichten wir die Kohlenwerke von 
I ottsville. Sie sind eines »der grössten jener 64 Kohlen werke, 
Welche die Philadelphia- und Reading-Kohlencompagnie be 
sitzt. Diese Compagnie steht in inniger Verbindung mit 
der gleichnamigen Eisenbahngesellschaft, und hat mit ihr 
den Präsidenten, Herrn Franklin Go wen, gemeinsam, aber 
eine selbstständige, technische und buchhalterische Ver 
waltung. Ihr gehören Ländereien im Umfange von 90.000 
■Veres. Sie musste dieses umfangreiche Terrain käuflich er 
werben, Weil es hier kein Freischurfrecht für Kohle und Eisen 
giebt und dem amerikanischen Rechte nach diese Mineralien 
^ni Besitzer der Erdoberfläche eigenthümlich gehören. Durch 
^•ne kunstvolle Gebirgsbahn, von der ich noch sprechen werde 
die unser Staunen erregte, sind diese Werke unter sich 
Und mit dem Hauptstrange der Bahngesellschaft in Verbindung 
rächt, so dass die letztere gegen i &lt;.000 englische Meilen 
•^^hnlänge besif«. 
von Seiten der Pottsville-Grube ragen grosse Berge 
noch und Kohlenabfällen empor, die zu vervverthen 
Höh'^^^ ^'ch auszahlt. Diese Kohlenstaubberge wetteifern 
tijai den sie umgebenden Bergen, welche das Fluss- 
7 und werden sie bald überragen. 
Führu fuhr der grössere Theil der Gesellschaft, unter 
1600 F^ leitenden Ingenieurs, Herrn Wetherill, in den 
®*n A defen Förderungsschacht hinab, von dessen Sohle 
Kohl ^ tiefes Bohrloch bis zur letzten, bis jetzt ermittelten . 
führt, die also 2000 Fuss unter der Erdober- 
iVlam und, da sie von besonderer Mächtigkeit ist, 
" Schicht heisst. Die Förderung aus dem Schacht 
deiläuf einen Elevator, der bei zehnstündigem Betriebe 
fördert^ Waggons Kohlen, à zwei Tonnen, zu Tage 
in ejjj beladene Waggon legt die 1600 Fuss Steigung 
fünf ]Vii^ 'uute zurück ; wir fuhren langsamer und gebrauchten 
Und Um Gleichzeitig wird Luft in den Schacht getrieben, 
eren Circulation zu vermehren, ist ein 600 Fuss tiefer
        <pb n="158" />
        ïRimnmmmma 
142 
Schacht, Diamant - Schacht genannt, gegraben worden, durch 
den Luft herausgepumpt wird. 
Es liegen 18 Kohlenschichten, durch Gestein getrennt, 
übereinander, die von 4 bis 48 Fuss Dicke im Einzelnen 
haben. 
Der Bau unter der Erde, an der Sohle des Schachtes, ist 
noch grossartiger als der obere, welchen wir erst später 
besahen und von dem uns das Maschinenbaus mit äusserst 
zweckmässigen Einrichtungen fesselte, die zu beschreiben jedoch 
nur für Fachmänner Interesse haben würde. Hohe, breite 
und trefflich ventilirte luftige Gänge waren mit Schienengeleisen 
versehen, auf denen beladene Waggons von Maulthieren zum 
Förderschacht gezogen werden. Maulthiere werden in den 
Bergwerken von Pennsylvanien überhaupt als Zugthiere, auch 
über der Erde verwendet. Es waren acht solcher Thiere in 
dieser Unterwelt, wo sie Monate lang bleiben und einen com- 
fortabel eingerichteten Stall haben. Wenn sie an die Ober 
fläche kommen und die Sonne sehen, geben sie ihre Freude 
auf jede ihnen mögliche Weise kund, sind dann aber sehr 
empfindlich gegen die Kälte und laufen bei kaltem Wetter in 
die horizontalen Kohlenschachte, deren es hier viele, aus 
Bergen ausmündend, giebt. Sie kehren nach kurzem Auf 
enthalte über der Erde nicht ungern in ihr dunkles, aber be 
haglich warmes, unterirdisches Heim zurück. 
Nach halbstündigem Wandern in den horizontalen Schachten, 
das uns durch belehrende Erklärungen des Herrn Wetherill 
nützlich war, kehrten wir auf demselben Wege zur Oberfläche 
zurück, auf dem wir gekommen waren und besichtigten nun 
die Anlage über der Erde. Das Brechwerk, in dem diejenige 
Kohle, welche für Hausbedarf verkauft werden soll, zerkleinert, 
nach Grösse sortirt und von wenigen Schieferstücken gereinigt 
wird, fiel uns besonders auf. Es gehen dabei 20 Percent der 
Kohle verloren. Daher die hohen Schuttberge. Die Gross 
artigkeit der Anlage geht aus dem Holzverbrauche der Ge 
sellschaft für Ausbau ihrer Schachte hervor, der an Werkholz 
3000 englische Meilen laufend im Jahre, mit einem Querschnitte 
von 4 bis 20 Zoll und dazu 5 Millionen Quadratfuss Bretter 
und Bohlen beträgt. Gefördert werden hier allein jährlich
        <pb n="159" />
        143 
4 Millionen Tonnen Anthracitkohle, deren Kosten sich an Ort 
und Stelle auf 1.50 Dollars per Tonne stellen. Der Transport 
bis Philadelphia kostet noch im Mittel i Dollar. 
Die Besichtigung war ziemlich anstrengend und von langer 
Dauer; nach Beendigung derselben kehrten wir auf unseren 
Salonlocomotiven nach Pottsville zurück. 
Nach dem Frühstück führte uns Herr Lorenz zu der 
Schönsten Fahrt, welche wir in diesem Lande bis jetzt ge- 
utacht hatten. Mit gemässigter Geschwindigkeit trugen uns 
Salonlocomotiven durch das von Bergen, die überall schwarze 
lamanten liefern und also zahlreiche Minen überragen, um 
säumte, hier engere, dort weitere Schuylkill-Thal zu den be 
rühmten Gordon Plains. Hier fallt der Mahanoy-Fluss in den 
^ uylkill. Diese Flussbezeichnungen sind von den Namen 
jener Indianerstämme entlehnt, welche hier wohnten. Sie allein 
erinnern noch an die untergegangene Race, der einst diese herr- 
Gegenden gehörten. Von der Höhe der Eisenbahn, die 
^icr hoch über dem Wasserspiegel beider Flüsse eine Endstation 
genossen wir einen entzückenden Ueberblick über das 
ist ^ Mahanoy, das ebenso reich an mineralichen Schätzen 
Ç \ jenes, aus dem wir kamen, viele industrielle Anlagen 
^ ^ und dessen Grenzberge von Laubwäldern bedeckt 
denen sich die dunklen, zerstreuten Fichtenbäume 
çjçg ? j^^cner Art abheben, unter denen die Hamlockfichte 
jenes % bemerkenswerth ist, weil ihre Rinde zum Gerben 
^ockl gebraucht wird, das unter dem Namen Ham- 
jetzt vielfach, seiner Billigkeit wegen, in Europa ver- 
o- "ird. Es ist jedoch nicht so gut wie mit Eichenrinde 
S^^gerbtes Leder. 
^hal Disenbahn steigt hier unvermittelt vom Berge in das 
Schief hinab, und zwar mittelst einer gewaltigen 
syg^ bene, über welche die Waggons durch ein Zahnrad- 
lanJ"^ werden. Die Sohle der Ebene ist 2400 Fuss 
^ascE*^ Steigung beträgt 22 Fuss auf 100. Eine Dampf- 
2600 500 Pferdekraft wirkt hier. Sie zieht täglich 
sov;«i„ die Ebene herauf und befördert eben- 
^ uggons gleichzeitig hinab. Wir fuhren in 
-ocomotiven diese Schwindel erregende Ebene 
soviele leere 
unseren zwei I
        <pb n="160" />
        144 
hinab. Im Sommer muss diese Fahrt entzückend sein, wenn 
die Bäume belaubt sind und der Oleanderstrauch, der hier in 
Massen wild wächst und Laurel genannt wird, Blüthen trägt. 
Die Bahn bleibt nur kurze Zeit im Flussthale und ersteigt 
sehr bald wieder die frühere Höhe, jetzt aber mittelst zweier, 
nur durch eine kurze Horizontalfläche unterbrochenen schiefen 
Ebenen von geringerer Steigerung, aber grösserer Länge. 
Diese Ebenen sind 5000, resp. 4850 Fuss lang und haben nur 
12V2 Fuss Steigung auf too Fuss Länge. 
Wir wurden über beide Ebenen durch die Zahnradkette 
hinaufgezogen und fuhren nun, etwa eine Stunde lang, von 
einer Höhe von 1500 Fuss über dem Meere bis zu einer 
solchen von etwa 600 Fuss nach unserer Nachtstation Potts- 
ville, hinab. Unterwegs hielten wir einmal auf der Höhe des 
Gebirges an, wo die Kohle, wohl 1200 Fuss über dem Meere 
an beiden Seiten des Bahneinschnittes zu Tage trat. 
Die Bahn erinnert an einigen Stellen durch kühne Auf 
schüttungen und andere Kunstbauten an die Semmeringbahn, 
umsomehr, als man an mehreren Stellen die Bahn über sich 
sieht und einen Anblick geniesst, wie bei Payerbach. — Es 
ist ein nur in Amerika mögliches Wunder, dass eine Privatcom 
pagnie eine solche kostspielige Gebirgsbahn, ohne jede Staats 
subvention und ohne dass auf einen Personenverkehr zu rech 
nen wäre, baut, lediglich um ihre Kohlengruben angemessener 
verwerthen zu können. Freilich zeichneten sich die Anlagen 
durch zweckmässige Einfachheit aus und zeugten somit am 
besten für das Genie unserers Führers, des Herrn Lorenz — 
nebenbei bemerkt, eines in Hannover geborenen und dort ausge 
bildeten Technikers — der sie mit seinen Unterbeamten ge 
baut hat, sowie von dem richtigen kaufmännischen Sinne der 
Gowen’schen Direction, welche Mittel zur Construction des 
grossartigen Unternehmens beschaffte.
        <pb n="161" />
        IX. Capitel. 
Mineralische Schätze der nordamerikanischen 
Union. 
In Europa ist die Ansicht noch verbreitet, Nordamerika 
Sei hauptsächlich ein Agriculturland mit einer kleinen, künst- 
ich durch Schutzzölle von enormer Höhe am Leben erhal 
tenen Industrie in den Neuenglandstaaten. Es werde daher 
stets von der Industrie Europas abhängig bleiben, stets einen 
ahnenden Markt dafür abgeben und nach Ermässigung der 
chützzölle wieder mehr Waaren von Europa kaufen, es diesem 
ande also möglich machen, durch Waaren die von Amerika 
ezogenen Ackerbauproducte zu bezahlen. 
Her Westen der Union namentlich sei nicht nur ohne In- 
ustrie, sondern auch zur Industrie nicht geeignet. Er werde 
^ Segen das Schutzzollsystem empören, welches nur den 
Ordöstlichen Staaten zugute komme und entweder die Unions- 
o itik zum Freihandel zwingen, oder . es werde ein neuer 
f entstehen, nach dem die Union in eine Anzahl 
^^*n ¡eher Militärstaaten zerfalle, die ihre Productionskraft der- 
^ ‘ff schwächen, dass Europa nichts mehr von der ameri- 
^ nischen Concurrenz zu furchten habe. Hieraus schliesst man 
sei^^* diese Concurrenz ein vorübergehender Uebelstand 
“nd man in Europa ruhig Alles beim Alten lassen könne, 
ch halte dieses Argument für total unbegründet. 
Cl h während der letzten Präsidentenwahl hat der Cobden- 
des f der Union mit Broschüren aus der Feder 
^^‘^^ndlerischen Schriftstellers Mongredien überschwemmt, 
^■icht Westens werden darin mittelst Zahlen unter- 
um wie viel sich ihre Situation bessern werde, wenn 
10
        <pb n="162" />
        146 
sie den demokratischen Präsidentschaftscandidaten unterstützten» 
und so die Union zu einem Freihandelsstaate machten, der 
seine Eisen- und Textilwaaren wieder billig von England 
kaufte und England in den Stand setzte, die amerikanischen 
Ackerbauproducte theuer zu bezahlen. Diese Cobden-Club- 
Literatur hat hier wenig Glück gemacht, und man hat wieder 
einen republikanischen Präsidenten gewählt. 
Die Farmer haben nämlich die Ansicht, dass die Be 
dingungen für die Schöpfung der Industrie in den verschieden 
sten Theilen des Landes vorhanden sind, und also durch den 
Schutzzoll die Industrie im ganzen Lande verbreitet werden 
kann, wodurch die Farmer einen nahen Markt für ihre Producte 
erhalten werden. 
In der That verbreitet sich die Industrie schon jetzt über 
die Union. Die Bedingungen einer verbreiteten Industrie sind 
vorhanden. Diese bestehen in zu verarbeitendem Rohmateriale, 
mechanischen Kraftquellen und Arbeitern. 
Arbeiter wandern ein, Rohmaterial für die Textilindustrie 
wächst überreich im Lande, Wasserkraft ist vorhanden, aber 
auch Kohle, diese für Fabriken meist angewendete Kraftquelle. 
So auch Eisen. Eisen und Kohle hält man für die natürlichen 
ersten Bedingungen einer selbstständigen Industrie. So wollen 
wir nun kurz skizziren, wo sie in der Union gefunden werden. 
Zunächst die Kohle, dann Eisen und andere Mineralschätze. 
Es giebt sieben Kohlenfelder von sehr verschiedener 
Grösse in dem östlich vom Felsengebirge gelegenen Theile. 
Die zunächst zu nennenden beiden kleinsten Gebiete haben 
bisher den grössten Theil der amerikanischen Kohlenpro- 
duction geliefert. 
1. Das Neuengland-Becken. Es liegt in Massachussetts 
und Rhode Island und wird auf 750 Quadratmeilen geschätzt. 
Die Maximaldicke ist 23 Fuss. Bleihaltiger Anthracit bildet 
die Masse. 
2. Das Anthracit-Bassin von Pennsylvanien. Es wurde 
von uns besucht. Dasselbe umfasst nur 472 Quadratmeilen, 
liefert aber die meiste der in den Industriedistricten der Nord 
oststaaten verbrauchten vorzüglichen Kohle, und versorgt auch 
die Dampfschiffe der Häfen damit.
        <pb n="163" />
        3- Das grosse Appalachian-Kohlenfeld erstreckt sich über 
acht Staaten und hat in Pennsylvanien 12.302 Quadratmeilen, 
in Maryland 550 Quadratmeilen, in Ohio 10.000 Quadratmeilen, 
in beiden Virginien 16.000 Quadratmeilen, in Kentucky 8983 
Quadratmeilen, in Tennessee 5100 Quadratmeilen, in Georgia 
170 Quadratmeilen, in Alabama 6000 Quadratmeilen, Summa 
circa 60.000 Quadratmeilen. Die Mächtigkeit der Schichten 
geht bis zu 60 Fuss. Der Ohio durchfliesst es von seiner 
Quelle bis zu Portsmouth in Ohio. Es erstreckt sich von der 
Quelle des Ohio im Norden bis Tuscalosa am Alabamaflusse. 
4. Das Michigan-BaSsin ist 6700 Quadratmeilen gross und 
liegt wie ein Ei in der Mitte dieses Staates, südwestlich von 
der Sagenaw-Bai des Huronesees, die es zum Theile einschliesst, 
Wodurch es Wassercommunication gewinnt. 
5. Das Illinois-Bassin ist 47.188 Quadratmeilen gross und 
reicht von Rock Island am Mississippi in Wisconsin bis Jesser- 
son am Rockflusse, bis Lafayette in Indiana und Mitchell 
ebenda, bis Mascoutah in Illinois. Es kann somit den Westen 
und Nordwesten der Union mit Kohle versorgen. 
Der äusserste Westen hat aber noch ein eigenes, ge 
waltiges Kohlenbassin : 
6. Das Missouri - Bassin, w elches 18.000 Quadratmeilen 
gross ist und mit dem Texas-Bassin, von 6000 Quadratmeilen 
’u Zusammenhang steht. Es liegt in der südwestlichen Hälfte 
von Jowa, greift westlich in Nebraska ein, füllt halb Kansas 
Und einen Theil von Nordwest-Missouri, verbreitet sich in das 
Indian-Territory und in Arkansas bis Little Rock. Am oberen 
l^cd River berührt es das Texas-Bassin, das südlich bis San 
■Antonio reicht. 
Somit hat die Union in allen Haupttheilen grossartige 
l^ohlenfelder, welche der Industrie daselbst nahe den billigen 
Brennstoff liefern können. 
In den mittelatlantischen Staaten, New-York, Pennsylvanien, 
ew’-Jersey, Maryland, findet sich Eisen reichlich, Zink in 
^ew-Jersey, Salz in New-York, Petroleum in Pennsylvanien. 
eorgien hat Eisen, Westvirginien auch, dazu Salz und 1 etro- 
eum. Tennessee ist reich an Eisen. Am oberen See liegt 
-•Sen- und Kupfererz, in Wisconsin und Illinois Blei, in Michi- 
10*
        <pb n="164" />
        148 
gan Salz. Jowa hat Blei, Missouri Blei und Eisen, Louisiana 
Salz. Der Reichthum jener Staaten, die am östlichen Ab 
hange des Felsengebirges liegen, an Mineralien der werth 
vollsten Art, sogar Gold und Silber, kommt jetzt erst zu Tage. 
Colorado namentlich ist jetzt schon ein Hauptbergwerksland. 
In diesen Gebirgsländern entwickelt sich jetzt ein reger Berg 
bau, welcher den Farmern des Westens mit jedem Jahre bessere 
Märkte für Lebensmittel liefert. Das Bedürfhiss, diese Minera 
lien in Fabriken zu verarbeiten, wird sich bald geltend machen 
und um so schneller Befriedigung finden, als das Missouri- und 
Texas-Bassin die dazu nöthige Kohle liefert und die Fabrikate 
unter den Farmern der Ebene am Mississippi und Missouri 
wiederum auf Absatz zu rechnen haben. 
Die zur schnellen Entwicklung der Minen- und Fabriks 
industrie nöthigen Arbeiter liefern — die stillstehenden Werke 
derselben Natur in Europa zum grossen Theile. Auch aus 
den Neuenglandstaaten ziehen solche Arbeiter hierher, durch 
den höheren Lohn, den sie im fernsten Westen erhalten, an 
gezogen. — 
Wir erleben, wie ich hier beobachten kann, jetzt eine 
Decentralisation der Industrie in Amerika. Mühlen- und Holz 
industrie hatte der Norden und hatten die Mittelstaaten schon. 
Der fernste Westen hat Bergwerke und wird bald metallurgische 
Industrie erhalten. In den Südstaaten entstehen jetzt grosse 
und kleine Baumwollspinnereien. In Columbus, an der Grenze 
von Georgia und Alabama besteht eine der besteingerichtetsten 
Baumwollspinnereien der Welt, mit 1.400.000 Dollars und 
1600 Arbeitern producirend. Wenn die Standard-Baumwoll- 
nummer, „Middling“, hier 11V4 Cents per Ib. kostet, so kostet 
sie in New-York is’/j, in Liverpool 14 Cents, so dass die 
Fabriken in den Südstaaten 3 Cents am engl. Pfund Vortheil 
gegen die englischen und Cents gegen die Fabriken in 
den Nordoststaaten beim Einkauf der rohen Baumwolle haben. 
Dazu benützen sie die billige Wasserkraft, in Columbus des 
schiffbaren Chatiahoochee-River. Die Fabriken in den Baum- 
wolldistricten haben somit im niedrigeren Preise des Roh 
materiales eine Prämie von 13 Percent gegenüber den Neu- 
England-Fabriken, und von 26 Percent gegenüber den eng-
        <pb n="165" />
        149 
lischen Fabriken. Dazu kommt, letzteren gegenüber, noch der 
Schutzzoll. Zuckerfabriken und Branntweinbrennereien ver 
mehren sich in den reinen Ackerbaustaaten. So hat der 
Ackerbau an allen Seiten Industrie irgend einer Art neben 
sich, die jährlich mehr Lebensmittel von ihm heischt. Der 
Interessengegensatz zwischen Westen und Nordosten ver 
mindert sich aber von Jahr zu Jahr, weil der Schutzzoll die 
Industrie im fernsten Westen ebenso fördert, wie er jene in 
den Nordoststaaten entwickelt hat. 
Es ist ein Land von unermesslichen Hilfsmitteln, so lange 
es noch so dünn bevölkert ist, und noch wohl für ein Jahr 
hundert wird die Vermehrung der Bevölkerung diese Hilfs 
mittel nur erschliessen, nicht erschöpfen. Seine Staatsmänner 
aber befolgen eine kluge Politik mit grosser Fertigkeit, und 
die hohe Durchschnittsbildung der Bevölkerung giebt der 
selben die nöthige Einsicht, um englische Lockrufe mit Hohn 
zurückzu weisen. 
Ueber den Umfang der Bergwerksproduction und der 
industrie werde ich in dem Schlusscapitel dieses Werkes 
genaue Angaben auf Grund des Census von 1880 machen.
        <pb n="166" />
        W ashington. 
Ks lohnt sich, einige Worte über die Hauptstadt dieses 
mächtigen Reiches zu sagen. Denn ein Reich und kein Staat 
ist es. Es giebt ausser den Einwanderern verschiedene 
Nationalitäten, mehr als dies, verschiedene Racen hier, die je 
zusammen compact wohnen : Anglo-Amerikaner überall, aus 
schliesslich aber fast von Canada bis Washington und vom 
atlantischen Ocean bis Illinois ; Germano-Amerikaner im Westen 
bis zum Eelsengebirge ; Franco - Amerikaner und Schwarze 
im Süden. Ferner giebt es keine Provinzen, sondern lauter 
gleich und sehr hoch berechtigte Einzelstaaten mit Einzel 
parlament und Administration nebst besonderen Steuer 
systemen. 
Washington nun ist der Sitz jener Centralregierung, welche 
seit Lincolns Erwählung immer grösseren Einfluss in den 
Einzelstaaten zu gewinnen sucht. Die herrschende republika 
nische Partei möchte aus dem Reiche mit föderativem Charakter 
einen Staat machen ; sie macht Fortschritte, es gehen sogar 
sogenannte „prominente“ Politiker des Südens zu ihr über, wie 
es General Wahone gethan hat, der im Secessionskriege gegen 
den Norden focht. Die Stadt Washington ist mit dem 
Wachsen des centralistischen Geistes in der Union mitge 
wachsen und keineswegs mehr jene todte und langweilige Stadt, 
wie sie in Reisebeschreibungen gewöhnlich geschildert wird. 
Sie ist sehr weitläufig angelegt. Ausserordentlich breite 
Strassen von kaum absehbarer Länge ziehen sich in der Ebene 
am Potomac hin. Die Häuser, obschon stattlich, doch selten 
mehr als drei Stock hoch, sehen zu klein für die Breite der
        <pb n="167" />
        Strassen aus ; vielfach haben sie kleine grüne \’’orgärten. 
Plätze mit Parkanlagen unterbrechen hie und da die monotone 
Länge der Strassen, die gut gepflastert, vielfach asphaltirt, 
von guten und breiten Trottoirs eingefasst und sehr rein ge 
halten sind. Plerde-Kisenbahnen machen den Personenverkehr 
bequem und angenehm, Frachten verkehr aber fehlt gänzlich, 
denn Washington ist vielleicht die einzige Nichthandels- und 
Nichtfabrikstadt der Union ; deshalb ist sie geräuschlos 
und macht in diesem Lande den Eindruck einer 
todten Stadt, den sie in Europa durchaus nicht machen 
würde. 
Die Staatsgebäude sind stattlich, meist aus vveissem Stein 
in antikem Style gebaut, doch gewinnen neuerdings rother, 
sehr schöner Sandstein und englische Gothik das Uebergewicht. 
Man baut eifrig grosse und sehr stattliche öffentliche Gebäude, 
So ein Ackerbau-Ministerium mit grossen Anlagen zur Versuchs 
station und ein Museum. 
Das Capitol liegt am Ende einer sehr langen, breiten 
Strasse, erinnert an St. Peter in Rom, präsentirt sich aber viel 
besser als dieser, der von engen und kurzen Strassen einge 
engt und eingezwängt ist und beiweitem nicht so zur Geltung 
gelangt, wie das Capitol, welches von einer ähnlichen, wie mir 
Scheint, schlankeren Kuppel überragt ist und auf einer kleinen 
Anhöhe liegt. 
Im Ganzen erinnert Washington an Versailles, auch an 
Darmstadt,' nur ist es allerdings weit grösser. Auch zieren 
einige sehr geschmackvoll placirte, gute Monumente die 
Kreuzpunkte einiger Strassen. Es ist eine sehr stattliche, 
Wachsende Haupt- und Residenzstadt, in der man bald die 
nnterrichtetsten Gesandten aller Nationen sehen wird. 
Nicht nur die sociale, ökonomische Einwirkung Amerikas 
Europa macht dies noth wendig, sondern auch der Umstand, 
Union unter der neuen Regierung eine active äussere 
olitik befolgen dürfte, welche ich als „Hands off“ — „Hände 
'\eg!“ — Amerikas in amerikanischen Angelegenheiten be 
zeichnen möchte. 
. Meiner Ansicht nach haben die Franzosen in sehr unvor- 
sichtiger Weise Amerika eine Veranlassung gegeben, dieser
        <pb n="168" />
        I 
Kraft und diesem Gefühle einen thatsächlichen Ausdruck zu 
geben. 
Ich spreche von dem Lesseps’schen Canal-Unternehmen. 
Dieses erschien den Amerikanern stets, weil durch die 
selbe europäische Macht patronisirt, welche die Südstaaten 
während der Secession patronisirte und das mexikanische 
Abenteuer unternahm, als ein neuer Eingriff in die Monroe- 
Doctrin, die jeder Amerikaner zu vertheidigen bereit ist. 
Die Franzosen benehmen sich unvorsichtig in Panama. 
Sie haben eine Station daselbst, wo ihre Ingenieure wohnen, 
„Empire“ genannt, und amerikanische Blätter sprechen jetzt 
von „Bonapartisten in Amerika“. Das erbittert das Volk hier, 
welches die Politik Napoleon’s III. gegen die Union nicht 
vergessen hat.
        <pb n="169" />
        XI. Capitel. 
Ein Audienztag in Washington. 
Ein anstrengender, belehrender, unvergesslicher Tag war 
^ür mich^er 20. März 1881. 
Vier meiner Gefährten waren nach Florida abgereist; Graf 
J* Széchényi und ich gingen nun zum Präsidenten Mr. Garfield, 
^er uns eine Privataudienz um 11 Uhr bewilligt hatte und bei 
dem wir durch den Unter-Staatssecretär M. Hay eingefuhrt 
Wurden. 
Der Audienzsaal des weissen Hauses ist hoch, geräumig 
^nd einfach blau decorirt. Aus seinen Fenstern geniesst man 
eine weite Aussicht über den breiten Potomac hinweg nach 
^ irginien hinein. Im Vordergründe steht der hohe Sockel zu 
^em projectirten Washington Monumente. Bilder einiger Staats 
männer der Union und — eines Bey von Tunis in voller 
niform zieren die Wände des Saales. 
Nach kurzem Warten sahen wir einen hochgewachsenen, 
reitschulterigen, höchst stattlichen Mann eintreten, dessen 
gross, mit bedeutender Stirne versehen und von langem, 
m'ßrauendem Haare und Vollbarte umrahmt war — den 
Präsidenten. 
Der Staatssecretär stellte uns vor. Der Präsident schüttelte 
die Hände, sagte, er hoffe, wir befanden uns wohl, lud 
ps zum Sitzen auf dem Sopha ein und liess sich selbst ^ in 
•Hern mit vergoldeter Lehne versehenen Armstuhle seitlich 
on uns nieder. Kr begann damit, zu erwähnen, welche Sen- 
jf^*.on die Nachricht aus Europa von dem St. Petersburger 
^•sermorde in Amerika gemacht habe und leitete das
        <pb n="170" />
        154 
Gespräch auf den Umstand, dass Wahnsinnige oft Staatslenker 
sich zum Opfer ersähen, und kam dann auf die nihilistische 
und socialistische Bewegung in Europa und ihre Gründe zu 
sprechen, die er sehr richtig aus ökonomischen Verhältnissen 
— zum Theile aber nur — erklärt fand, und sprach von den 
Ansichten, welche Spencer vor lo Jahren über das Eigenthum 
entwickelt habe. Der Inhalt der höchst interessanten Unter 
redung, welche nun folgte und die der Präsident fortwährend 
lenkte, muss natürlich privat bleiben, aber es ist gestattet, zu 
sagen, dass die streng religiöse Auffassung des Präsidenten 
sehr stark in ihr hervortrat. Daneben fesselte uns die Origi 
nalität der Vergleiche und die kurze, schlagende Generali- 
sirung, mit der er Erscheinungen socialer Natur unt^r ein Ge 
setz brachte, ohne dabei im Mindesten einem deutschen 
Professor zu gleichen. Sein äusserst klarer Verstand be 
herrschte eine ungemeine Lebenserfahrung und classificirte die 
lîinzelheiten sozusagen spielend. Er schloss mit der Klage, 
dass diejenigen zwei Staatsoberhäupter, Alexander 11. und 
läncüln, welche in diesem Jahrhunderte und überhaupt die 
meisten Sclaven zu freien Menschen gemacht hätten. Beide 
Attentaten erlegen seien. Wenn er länger und warm sprach, 
zeigte sich der bedeutende Redner, der er im Congress in der 
That gewesen ist. Seine Haltung — ein grosser, fast gewal 
tiger Mann auf einem thronartigen Sessel — beim lebhaften 
Sprechen nur leise vorgebeugt, wie wenn er einen Gedanken 
verfolge, und sofort wieder in die stolz aufrechte Haltung sich 
erhebend, war voller Würde. Der Abschied, bei dem er uns 
abermals die Hände schüttelte und uns Erfolg und Vergnügen 
während der Reise durch das Land, dessen Oberhaupt er 
war, wünschte, war leutselig, fast herzlich. Mit der Ueber- 
zeugung, dass die Amerikaner einen ganzen Mann, und zwar 
einen „selbstgemachten“, zum Präsidenten haben, verliessen 
wir das „weisse Haus“. 
Nachdem wir uns von dem Staatssecretär verabschiedet 
hatten, besuchten wir den Chef der Statistik, General Walker, 
um uns von ihm statistische Daten zu erbitten, die er uns zu 
sammenzustellen bereitwilligst zusagte. Gleichzeitig gab er
        <pb n="171" />
        &gt;55 
uns Aufschlüsse über solche landwirthschaftliche Anlagen, die 
an der Route liegen, welche wir passiren wollten und deren 
Besuch er uns empfahl. Besonders rühmte er uns die Schaf 
zucht in Californien, wo man die Schafe zwei Mal jährlich 
scheere und jedes Mal fünf bis sieben Ibs. Wolle gewinne. 
I^iese Schafzucht in Heerden von über loo.ooo Stück sei 
sehr lucrativ, wie die Wehzucht überhaupt. Trotz des 
exceptionell harten Winters habe man sehr wenig von jenem 
Vieh verloren, das im Freien überwintere, und die Heerden 
Vermehrten sich sehr schnell. 
Es würde unmöglich sein, den Inhalt des belehrenden Ge 
spräches in einem kurzen Berichte wiederzugeben, was man 
begreifen wird, da Herr Walker einer der berühmtesten 
Statistiker der Welt ist, seine Aufgabe aber in der Erforschung 
Und Feststellung der X’^erhältnisse der Union sieht, die er in 
ihrer Entwicklung Schritt für Schritt verfolgt. Daher kennt 
das Land eben auf das Genaueste. Da die Einzelstaaten 
^er Unionsregierung keine Erhebung statistischer Angaben ge 
statten — so weit geht hier die Autonomie — so benützt 
General Walker den jetzigen Census, um das nachzuholen, was 
^Git dem Census von 1870 nicht leisten konnte. Die 
. ^i)iikation des 1881 beendeten Census wird also äusserst 
interessant sein und hoffentlich in einem ebenso schönen und 
^issenschaftlich arrangirten „Statistischen Atlas“ ein Gesammt- 
1 d finden, wie es jener von 1870 in einem solchen that, den 
j^^neral Walker 1874 herausgab und wovon er mir ein 
templar — ich war ihm literarisch nicht ganz unbekannt 
^Grehrte. Europäischen Staatsmännern empfehle ich das 
tudium der Blätter 33 bis 35a, die die \ ertheilung des Reich- 
umes, öffentliche Schulden, Steuern in ihrer I^ntwicklung zur 
uschauung bringen. Hier liegt der Magnet, der unsere Aus- 
"anderer hinüberzieht. 
Ch ^gingen wir in das Ackerbau-Amt, dessen 
Herr Le Duc, noch der alten Verwaltung angehört 
0^1 (^Gn vier Jahren seiner Amtsthätigkeit ausser- 
^ . ^^Bich viel für die Hebung der amerikanischen Land- 
'irthschaft get han hat. Wir kennen die prompten Monats-
        <pb n="172" />
        berichte, welche er über den Stand des Anbaues des Bodens 
und andere in sein Fach schlagende Materien veröffentlicht, 
wie man solche jetzt ja auch in Oesterreich einzuführen be 
gonnen hat. Diese, sowie sein Jahresbericht, ein Buch von 
grosser Dicke, enthalten die werthvollsten Rathschläge für 
Landwirthe, Kostenanschläge, Zeichnungen, Rentabilitätsnach 
weise, Berichte von Landwirthen über Versuche und die 
Resultate neu eingeführter Culturen. Staatsbehörde und 
Private wirken hier Hand in Hand, den agricolen Aufschwung 
Amerikas zu fördern. 
Er interessirt sich besonders lebhaft für die Zucker- 
production und hat im Garten, der zum Ministerium gehört, 
eine kleine Fabrik errichtet, in der Zucker aus Mais und Sorg 
hum hergestellt wird. Sie kostet nur lo.ooo Dollars und ist 
als eine Musterfabrik für kleinere Farmer eingerichtet. Im 
Kellergeschosse des Ministeriums ist eine vollkommene chemisch 
technische Versuchsstation eingerichtet, in der alle Arten nütz 
licher Pflanzen und deren Producte aufgestellt sind und wo 
selbst Chemiker und Techniker fortwährend arbeiten, analysiren, 
fabriciren, Maschinen construiren; immer Billigkeit und solche 
Einfachheit im Auge haltend, dass der kleine Farmer die von 
ihnen geschaffenen Maschinen erwerben und ohne Hilfe von 
Technikern selbst in Anwendung bringen könne. Jedermann 
steht der Besuch dieser Versuchsstation frei. Mr. Le Duc 
führte uns selbst darin herum und erklärte uns Alles mit der 
Sachkenntniss eines vollkommenen Fachmannes, der er ist. 
Nach seinen Aussagen ist die Production aus Sorghum, Mais 
stengeln und aus der Zuckerrübe in verschiedenen, sehr aus 
gedehnten Gegenden der Union vollkommen rentabel und be 
hauptete er, wenn das begonnene Unternehmen in derselben 
Weise wie in den letzten Jahren gefördert werde, so decke 
die Union in vier Jahren ihren Zuckerbedarf selbst und könne 
dann den Zuckerexport in Angriff nehmen. Die Productions- 
kosten für ein Ib. Rohzucker aus Sorghum stellten sich nur 
auf 3 Cents und derselbe sei so gut wie Cubaner Import 
zucker, der 6—7 Cents koste. Wenn sich seine Prophezeiung 
erfüllt, so muss Cuba andere Märkte suchen.
        <pb n="173" />
        ï 57 
Herr Le Duc hat auch die Cultur von Thee, Jute und 
der Ramiepflanze, sowie die besten Methoden zu ihrer Verar 
beitung sehr gefördert. Letztere Pflanze liefert, wie wir sahen, 
eine ^ schöne Gespinnstfaser, die zwischen Wolle und Seide 
^ngiren dürfte. Es würde sich auszahlen, wenn die europäischen 
egierungen hier Techniker anstellten, die alle Erfindungen und 
ersuche des Ackerbau-Amtes und wo sie sonst Vorkommen, 
^erfolgten, prüften, kritische Berichte und Muster einsendeten, die 
ann ieder von den europäischen Ackerbauministerien den 
^and^^irthen in jener Form zugänglich gemacht würden, wie 
Cr Jahresbericht des Herrn Le Duc es den amerikanischen 
^andwirthen wird. Von demselben werden jährlich 300.000 
-xemplare im Lande verbreitet und ist es ein vollkommenes. 
Vorzügliches Lehrbuch practischer Landwirthschaft. 
Vor allen Dingen möge man von der unsinnigen Idee ab- 
^ommen, hier werde nur ein wüster Raubbau getrieben, der 
as Land in kurzer Zeit aussaugen werde. Das mag im Westen 
jc fach geschehen. Im Osten und Süden gehen die Farmer, 
c in Reizen- und Fleischproduction mit dem Westen nicht 
oiKurriren können, zu allerhand anderen Culturen und zur 
" *rthschaftlichen Fabrikation über. 
^‘crbei werden sie vom Ackerbauministerium nicht nur, 
U geschildert, durch Belehrung, sondern auch durch 
von Saat und Pflanzen, von den Staatenregierungen 
durch Prämien unterstützt. Die Staatsregierung von 
^c aware hat 1877 und 1878 Farmern Prämien bewilligt, welche 
-uc 'errüben anbauten, und hier sowie in Maine sind Actien- 
ri ^^^hnften entstanden, welche Zuckerrübenfabriken ein- 
teten, die im Betriebe sind. Die Fabrik in Maine verar- 
rüb Campagne 1880/81 10.000 Tonnen Rüben. Zucker- 
W ^^niie, Jute, Tabak treten im Osten somit an Stelle von 
hier nicht gedüngt werde, ist auch eine Fabel, 
jj.. ^®ud unserer Rundreise in Pennsylvanien sahen wir überall 
ein Feldern und oft auch Kalk. Es findet sogar 
®i^rker Verbrauch von künstlichem Dünger statt. Dass 
lieh auch Blumen zum Verkaufe als landwirthschaft- 
rodukte baut -— gerade wie auf den dürren Feldern
        <pb n="174" />
        ist ebenfalls zu er- 
(1er Provence die Immortellen 
wähnen. 
Noch muss ich erwähnen, dass Mr. Le Duc in Colorado 
auf Unionskosten einen artesischen Brunnen graben lässt, weil 
man hofft, auf diese Weise die an sich fruchtbaren aber 
trockenen Hochebenen in Weizenfelder verwandeln zu können. 
Der Brunnen liegt bei Fort Lyon am Arkansas. 
Die Spiritusfabrikation scheint nicht als landwirthschaft- 
liches Nebengewerbe zu existiren. Sie wird in grossen 
Städten betrieben, muss aber sehr im Steigen sein, da im 
Jahre 1878 erst 2.926.651, 1879 aber schon 8.311.757 Gallons 
exportirt wurden. Im letzteren Jahre gingen 3.380.162 Gallons 
nach Frankreich, wo amerikanischer Spiritus den österreichi 
schen z. B. aus dem Markte von Cette verdrängt hat. 
Auch der Weinbau dehnt sich aus und wird die Production 
des Jahres 1880 auf 30 Millionen Gallons angegeben. — Sehr 
niedergeschlagen verliessen wir die Versuchsstation des Acker 
bauministers, nachdem wir voll Hochachtung von diesem ver 
dienstvollen Manne geschieden waren, denn es war uns nun 
zur Ueberzeugung geworden, dass auch unsere landwirthschaft- 
lichen Industrien bald jene Frlahrungen machen werden, 
welche die Budapester Müller machten, als sie von den Ameri 
kanern aus England fast ganz verdrängt wurden. 
Wir besuchten nun das Smithsonian-Institut, worin aller 
hand indianische Ueberbleibsel ausgestellt sind, an denen Graf 
Széchényi Interesse nahm, die ich jedoch nur flüchtig sah, da 
mir der eben gemachte Besuch viel zu denken gab. 
Ich schloss mein Tagewerk, indem ich mit Graf S. einen 
Besuch beim Obercommandanten der Unionsarmee, dem be 
rühmten General Sherman, machte. Das Bureau des General 
en chef liegt im Souterrain seines drei oder vier Fenster 
breiten Privathauses, zu dem man von ebener Erde ein 
Dutzend Stufen hinabsteigt, also wörtlich im Keller! Der 
General war allein darin, natürlich in Civil. Wir baten ihn 
um Aufschluss, ob wir mit Sicherheit in gewissen, von Indianern 
bewohnten Gegenden reisen könnten, was er bejahte. Der 
eben abgetretene Minister des Innern, Mr. Carl Schurz, hat
        <pb n="175" />
        159 
viel zur Rettung der Ueberbleibsel der ehemaligen Bevölkerung 
Amerikas gethan. Man sucht sie an Ackerbau zu gewöhnen 
und hat Schulen bei ihnen eingerichtet. 
Der General ist von hoher Statur, noch ungebeugt, ob 
wohl schon ein Sechziger, von lebhaftem Temperament und 
grosser Liebenswürdigkeit. Obzwar ein berühmter Krieger, 
kennt er doch nicht nur das Land sehr genau, sondern auch 
die Gescl;¿fte und den Handel, der darin getrieben wird, nicht 
nur die strategischen, sondern auch die Handelsstrassen. Er 
gab uns bereitwillig die werthvollsten Rathschläge für die 
î^eise, bezüglich der Ausflüge, die wir abseits der Route 
niachen müssten, um Heerden und Musterlandwirthschaften zu 
sehen, ja sogar ein Empfehlungsschreiben an einen grossen 
Orangenpflanzer in Florida. 
Er bestätigte mir, dass der Mississippi wahrscheinlich eine 
grosse Strasse für den Export von Getreide sein werde, das 
schon jetzt um 4 Cents per Bushel billiger über New Orleans 
äis über New-York verfrachtet werden könne; sprach die 
Leberzeugung aus, dass Getreide und Mehl bald noch billiger 
nach Europa geliefert werden können als jetzt und gab mir 
^•ne Linführungskarte an Capitän Eads, den berühmten 
Ingenieur, welcher die 13 Millionen D. kostende Wunderbrücke 
^ns Stahl über den Mississippi bei St. Louis gebaut und die 
Mündung desselben Stromes für Seeschiffe für jede Jahreszeit 
fahrbar gemacht hat. Er, sagte der General, kenne diesen 
^asserweg genau und seine Aussicht für die Zukunft. 
ann vertiefte er sich — es war noch ein anderer älterer Ex 
general da, dessen Namen ich vergessen habe, der aber mit 
•hm Vor vierzig Jahren Alligatoren in Florida geschossen hatte 
Graf S. und diesem Herrn in ein interessantes Gespräch 
über Jagd vor vierzig Jahren und heute im Felsengebirge und 
Florida. Er bot Cigarren und „amerikanischen Wein“, wie 
sagte, d. h. trefflichen, duftenden, aus Roggen gebrannten 
an, und so rann die Zeit auf die angenehmste 
eise dahin, bis ein jugendlicher Reitknecht von aussen an 
^s l enster pochte. Nun verabschiedeten wir uns bei dem 
General.
        <pb n="176" />
        i6o 
Als wir aus dem Kellerhauptquartier wieder die ebene 
Erde erklommen hatten, sprang eine junge, schöne Dame 
in Reitcostüm die Treppe zum Hause leicht hinauf und 
der jugendliche Groom, der unserer Audienz ein plötzliches 
Ende gemacht hatte, führte zwei Pferde ab. 
Die Tochter war von ihrem Spazierritte zurückgekommen 
und dies war der Zeitpunkt, in dem der General seine 
\ aterpflichten und Vaterfreuden augenscheinlich regelmässig 
wieder übernahm.
        <pb n="177" />
        XII. Capitel. 
Das Ende Garfields. 
Die Union hat im Frühjahr i88i einen erbitterten Kampf 
wischen Factoren erlebt, die darauf angewiesen sind sich zu 
nterstützen. Dergleichen ist als einfache Thatsache wichtig, 
v'enn es ein so grosses und aufblühendes Reich betrifft. Es 
doppelt. wichtig, da die handelnden Personen uneinge- 
andcn, aber so, dass es Jedermann weiss, nur vorgeschobene 
sich thatsächlich um den in Europa fast 
erall bereits entschiedenen Kampf der (irosscapitalisten um 
Staatsmacht handelt. 
Seit Lincoln’s Erwählung zum Präsidenten herrscht die 
Publikanische Partei, welche sehr gut mit der deutschen 
ational - liberalen verglichen werden kann und die nur noch 
g ^ ^^''^hschaftliches Glaubensbekenntniss hat: unbedingte Herr- 
^ aft der Capitalisten und Capitalgesellschaften, der Eisenbahn-, 
und Fabrikmagnaten über die Regierung 
Sie hat diese bis zur Wahl Garfields unbestritten besessen. 
P"h des verbündeten Capitals ist New-York. Der 
^ rer der republikanischen Partei von New-York, Mr. Conkling, 
und ist der Intimus von Vanderbilt, Gould und den grossen 
Y Er war Senator der Union für den Staat New- 
Führer der republikanischen Partei im Senate. Als 
^ c er war er während der Präsidentschaften von Grant und 
^^yes allmächtig. Grant that, was Conkling wünschte. Hayes 
Widerstand, der Senat und das Abgeordnetenhaus aber 
ej. ^de seine Vorschläge und Ernennungen ab, so dass 
cingeschüchtert wurde und nachgab. 
11
        <pb n="178" />
        102 
Der Candidat Conkling’s, d. h. der Capitalisten, für die 
jetzige Präsidentschaft war wieder General Grant; Allein die 
ehrlichen Leute in der republikanischen Partei und namentlich 
die Abgesandten der westlichen Ackerbaustaaten wollten die 
Administration purificiren und stimmten gegen Grant. Endlich 
liess Conkling, der auf der Vorwahl in Chicago die Grantianer 
leitete, den aussichtslosen Candidaten fallen und die re 
publikanische Partei einigte sich auf General Garfield, dem 
seine Feinde auch capitalistische Geschäfte nachsagen, ohne 
dies jedoch bewiesen zu haben, der aber jedenfalls von den 
meisten Republikanern für einen Ehrenmann gehalten wurde. 
Conkling hatte vor der definitiven Wahl Garfield’s mit 
ihm eine vertrauliche Besprechung, in welcher Garfield, wie 
Conkling behauptet, ihm Versprechungen bezüglich der Be 
setzung einiger höchsten Steilen in der neuen Administration 
machte. 
Sowie der Senat sich versammelte, dem der Präsident die 
Liste der zu ernennenden Beamten zusenden muss und ohne 
dessen Zustimmung der Präsident keinen Beamten anstellen 
darf, und als der Präsident die ersten Ernennungsvorschläge 
machte, schrie man in der Conkling’schen Presse über „Verrath.“ 
Garfield habe andere Männer ernannt als jene, deren Ernennung 
er Conkling zugesagt habe. Besonders erbittert war man über 
die Ernennung des Senators für Minnesota, eines bekannten 
Grangerführers und Eeindes der Bankmagnaten, Mr. Windom, 
zum Finanzminister. 
Aus Rücksicht auf die Farmer bestätigte aber der Senat, 
dessen Majorität Conkling beherrschte, die Ernennung, und 
Windom begann sofort damit, Hunderte von Millionen sechs- 
percentiger und fünfpercentiger Unionsschulden in dreieinhalb- 
percentige umzuwandeln, ohne sich dabei der Vermittlung 
eines Consortiums zu bedienen. Er kündigte jene Fonds 
und versprach Rückzahlung des Capitals al pari oder Um 
schreibung in dreieinhalbpercentige Papiere. Das Manöver 
gelang und die Bankwclt verlor nicht nur die höhere Ver 
zinsung solcher Fonds, die sie selbst besass, sondern verdiente 
bei der Convertirung auch keinen Cent.
        <pb n="179" />
        103 
Die Union stellt in jedem Einzelstaate die Richter der 
Unionsgerichte, die Postbeamten und die Zollhausbeamten an. 
Die richterlichen Ernennungen Garfield’s passirten im Se 
nate ohne Anstand. 
Aber in der Postverwaltung passirte ein grosser Scandal. 
Garfield bestätigte die alte Centralverwaltung in Washington; 
allein plötzlich tauchte das Gerücht auf, der erste Unterbeamte 
des Generalpostmeisters habe im \ erein mit einer Capitalisten- 
clique, die durch einen Senator gedeckt war, grosse Be 
trügereien am Aerar bei Lieferungen und Leistungscontracten 
Verübt. Solche Gerüchte waren früher oft aufgetaucht, allein 
die Regierung hatte sie ignorirt. Anders die neue Admini 
stration. Sie leitete eine Untersuchung ein. Der Hauptange- 
schuldigte reichte seine Entlassung ein, die angenommen wurde, 
ohne dass dadurch die Untersuchung, wie erwartet, sistirt 
'väre. Garfield Hess vielmehr die Acten dem Generalstaats- 
anwalte behufs Einleitung des Criminal Verfahrens überreichen. 
Jetzt wurde die Welt der „politischen GründeP‘ in Washing 
ton und New-York ernstlich besorgt. Man holte die alten 
Anschuldigungen unreeller Geldgeschäfte gegen Garfield wieder 
hervor und bezichtigte auch tvindom solcher. 
Der Präsident strengte zwar keinen ,,Präsidenten-Beleidi- 
gungs-Process“ an, wie das in einem ähnlichen Fall in Europa 
geschehen ist, aber er führte einen noch härteren Schlag gegen 
Capitalistenpartei, indem er den Director des Zollamtes 
Von New-York entsetzte und dem Senate die Ernennung eines 
^orrn Robertson, Richters und Staats-Senators des Staates 
New-York, zu diesem Amte vorschlug. 
In New-York wird der überwiegende Theil aller für die 
Gnion bestimmten Waaren importirt und hier verzollt. Man 
'fiunkelt, dass dabei allerhand passirte, was den grossen Capi- 
^^listen nützlich war. Robertson ist als durchaus unbescholte- 
Charakter, fester Republikaner, aber persönlicher Gegner 
onkling’s und des Capitalistenringes von New-\ ork bekannt. 
Diese Ernennung war ein Schlag ins (Besicht Conkling s 
Jj^nd eine Bedrohung der grossen, mit der Zollbehörde New- 
orks in (Geschäftsverkehr stehenden Capitalisten. Conkling s 
11*
        <pb n="180" />
        164 
Einfluss im Senate ging nicht so weit, dass er die Ernennung 
Robertson’s hätte sofort verwerfen lassen können. Er war 
aber stark genug, die Beschlussfassung darüber zu verschleppen. 
Inzwischen liess er alle ihm genehmen, vom Präsidenten vor 
geschlagenen Beamten von dem Senate bestätigen. Es sollten 
nun die New-Yorker Beamtenernennungen zur Berathung kom 
men. Man wusste, dass Conkling alle werde bestätigen lassen, 
mit Ausnahme Robertson’s. Natürlich waren unter den zu 
Bestätigenden viele Freunde und Clienten Conkling’s. Da — 
zog der Präsident, durch eine Botschaft an den Senat, am 
Morgen eben jenes Tages alle Vorschläge für Ernennung New- 
Yorker Beamten zurück, mit einziger Ausnahme Robertsons. 
Conkling und seine Anhänger rasten; aber aus allen Thei- 
len der Union erhielt Garfield Zustimmungsadressen und Tele 
gramme, am meisten aus New-York. Diese Volksstimmung 
schüchterte den Senat so ein, dass Conkling voraussah, die 
Ernennung Robertson’s werde, wenn auch mit schwacher 
Majorität, erfolgen. Nun führte er einen Theatercoup aus. 
Er und Mr. Pratt, der zweite Senator des Staates New-York, 
ein blindes Werkzeug Conkling’s legten ihr Senatorenmandat 
nieder, um an ihre Wähler, d. h. an die gesetzgebende Ver 
sammlung des Staates New-York, die gerade in Albany, der 
Hauptstadt dieses Staates, tagte, zu appelliren. Man sagt mit 
Recht, Conkling hätte warten sollen, bis diese Versammlung 
— Ende des Jahres — neu gewählt sei. 
Kaum hatte Conkling — am 16. Mai — sein Senatoren 
mandat niedergelegt, so bestätigte der Senat zu Washington 
am 18. Mai ohne Debatte und Abstimmung, consensu omnium, 
die Ernennung Robertson’s zum Director des Zollamtes von 
New-York. 
Nun geschah das Unerhörte: Wenige Monate darauf schoss 
ein Mann, der sich selbst als einen „Stalwart“, d. h. ein Mit 
glied der Fraction Conkling, bezeichnete, auf den Präsidenten 
Garfield und verwundete ihn tödtlich. Während des langen 
Schmerzenslagers Garfields sprach sich die öffentliche Meinung 
in der Union mit grosser Entschiedenheit für das Opfer aus.
        <pb n="181" />
        Conkling unterlag bei der Neuwahl eines Senators für New- 
York. Aber der Präsident starb. 
Ihm folgte, zu Folge der Constitution, der Vicepräsident, 
Mac Arthur, der zur Fraction Conkling gehört. Er wechselte 
fast alle höheren Beamten, gab zwar Conkling keine Minister 
stellung, allein die öffentliche Meinung schreibt dem Exsenator 
Von New-York einen grossen Einfluss auf die neue Verwaltung 
za, die als den grossen Capitalisten der Nordoststaaten durch 
aus .günstig geschildert wird. Die Umwälzung der Regierung 
vollzog sich friedlich und ruhig, allein eine grosse Unzufrieden 
heit herrscht vorläufig in der Union und man kann sich auf 
heftige Kämpfe bei der Neuwahl des Präsidenten, nach Ab 
lauf der Amtsdauer Mac Arthurs, gefasst machen, umsomehr, 
als der Process gegen die Postschwindler mit ihrer Frei 
sprechung endete. Der Versuch, das Haupt der „Halfbreeds“ 
&lt;^der Garfield-h raction, Mr. Blaine, der Minister des Aeusseren 
Unter Garfield war, durch eine Untersuchung seiner Politik 
bezüglich Peru’s und Chile’s zu discreditiren, schlug fehl, und 
‘St es sehr bezeichnend, dass er von dem Abgeordneten Bel- 
“‘onte unternommen wurde. Dieser ist der Sohn des ein- 
S^ivvanderten jüdischen Banquiers Schönberger, der ein New- 
Yorker Millionär und Hauptmacher an der Börse ist.
        <pb n="182" />
        XIII. Capitel. 
Von Washington bis Florida. 
Am 24. März 1881 waren vier Herren von uns voraus 
nach Jacksonville gefahren, hatten hier sofort zwei Segel- und 
zwei Ruderboote sowie einige ortskundige Neger gemiethet 
und eine Jagdpartie in den Black Creek unternommen. 
Graf J. vSzéchényi und ich hatten am 26. 7 Uhr früh 
Washington verlassen und waren am 28. um 11 Uhr früh in 
Jacksonville angekommen. Wir fuhren langsamer als unsere 
vier Vorgänger, überschlugen in Richmond einen Zug, um 
diese Stadt und den grössten Theil der Gegend bei Tage zu 
sehen. Man hätte hier Gelegenheit, den Uebergang der Land- 
wirthschaft aus dem Klima Stockholms zu dem von Tunis auf 
einer durch keine Gebirge unterbrochenen Ebene, die nur 
sehr mässige Höhenzüge aufweist, zu beobachten, wenn dieses 
Land als in Cultur genommen angesehen werden könnte. 
Allein es charakterisirt sich vielmehr als eine grosse Wildniss, 
welche nur hie und da von angebauten Flächen unterbrochen 
wird. Nach hundert Jahren wird man vielleicht jenen land- 
wirthschaftlichen Entwicklungsgang von der kalten zur heissen 
Zone hier beobachten können. Wir versuchten es vergebens. 
Der Eindruck, welchen die von der Küstenbahn durchschnittene 
Landschaft auf uns machte, ist ein entschieden ungünstiger, 
und zwar in zweifacher Beziehung: sowohl was den Boden 
als dessen Anbau betrifft. 
Ersteres erklärt sich zum Theile daraus, dass die Bahn 
überall auf der höchsten Bodenelevation fortläuft, weil der 
Bahnbau in den morastigen Niederungen zu kostspielig gewesen 
wäre. Nichtsdestoweniger führt die Eisenbahn an vielen Stellen
        <pb n="183" />
        i67 
durch sehr niedriges und sumpfiges Land, ein Mal sogar über 
eine vier Meilen lange Brücke, die durch einen Sumpf gebaut 
werden musste. Der Höhenboden ist oben sandig, darunter 
liegt leichter, stellenweise röthlicher Thon. Von Washington 
bis in Florida hinein fahrt man eigentlich fortwährend im 
M aide, der nur hie und da geklärt und zu Ackerbaunieder 
lassungen benützt worden ist. Fichten wiegen vor, und zwar 
die kurznadelige, weiche Fichte, deren Holz nur zur Feuerung 
zu verwenden istj in einem Theile Virgjniens und in Florida 
aber die langnadelige Fichte, welche vorzügliches Schiffsbau 
holz liefert, sowie ein Laubbaum mit grünen, lederartigen 
Blättern, Life-oak, Lebenseiche, genannt, der mit unserer Eiche 
nur den Namen und das harte, treffliche Holz gemein hat. 
Beide letzteren Bäume sind Zeichen, dass der Untergrund gut 
und fruchtbar ist; die kurznadelige Fichte ist die Bonitirungs- 
pflanze leichten und sumpfigen Bodens. Auf lezterem nimmt 
die Vegetation, besonders in Georgia und Florida, einen ent 
schieden tropischen Charakter an. Das Unterholz wird massen 
haft und ist durch Schlingpflanzen mit den Aesten hochstäm 
miger Bäume verflochten. 
\ on Washington bis Richmond ist der Boden leidlich 
trocken, aber ärmlich. Wenige Farmen, kleine und kümmer 
liche, nehmen die Waldlichtungen in Anspruch. Noch kommt 
Weizen vor, überwiegend aber Mais. Südlich Richmond sehen 
wir die ersten Baumwollensträuche und noch eine Strecke 
Weiter stossen wir auf Reis- und Zuckerrohr-Anlagen, nicht 
Weit nördlich von Jacksonville sehen wir die ersten Orangen 
haine und in dieser Stadt selbst grosse, doch wenige Oliven 
Bäume. Südlich Jacksonville werden die Orangenwälder zah 
reich. Schon in Savannah und von da ab erscheint die kleine 
Balme, in Jacksonville haben wir grosse Falmbäume wie in 
Nizza und oberhalb dieser Stadt, am St. Johnflusse, Urv\ä 
von grossen, hochstämmigen Palmen. Die englische Qua ra 
meile hat 640 Acres à 40 Ar. Davon sind in Nord-Caro 1 , 
südlich bis über den Neuse River hinab, je 360 bis 5^0 
^^aldland, von da bis zum Santee River 240 bis 360 c 
l^iese Dichtigkeit behält das Waldland bis St. Augustin m
        <pb n="184" />
        168 
Florida, und von da bis fast zur Südspitze der Halbinsel sind 
über 560 Acres bewaldet. Ich spreche immer nur von dem 
Strich an der atlantischen Küste. Tiefer ins Land hinein 
lichtet sich der Wald in beiden Carolinas und in Virginien, 
verdichtet er sich in Mittelgeorgia. Die Westküste von Florida 
hat in der nördlichen Hälfte 360 bis 560 Acres, von da süd 
lich über 560 Acres Wald auf die Quadratmeile mit Ausnahme 
der sumpfigen Everglades, die jetzt entwässert werden sollen. 
Weizen wird an der Küste nur bis zur Mitte Virginiens 
hinab gebaut, aber noch in den westlichen Theilen von beiden 
Carolinas und Georgias und Alabamas; Reis hart an der 
Küste in ganz Südcarolina und Georgia, dann noch sporadisch 
in Alabama, Mississippi und Louisiana; Tabak in Mittelvirginien, 
dem westlichen Theile von beiden Carolinas und auf der 
Grenze von Nordgeorgia und Alabama, sowie sporadisch in 
Südgeorgia, Nord- und Mittelflorida; Baumwolle überall süd 
lich von der Grenze zwischen Virginien und Carolina bis zur 
Mitte Floridas hinab, westlich bis ans Gebirge in Arcansas 
und Texas, ein ungeheueres Gebiet ausfüllend. Zuckerrohr 
wird bisher nur in Georgia und Louisiana angebaut, kann 
aber noch an vielen Orten cultivirt werden. Dagegen sind 
alle diese Staaten heuarm. Nur sporadisch in Nord west-Vir 
ginien, Carolina und Texas kommt Heu vor. Mais wächst 
auf allen nicht sumpfigen Gegenden aller Staaten, mit Aus 
nahme eines Theiles von Virginien und Nordcarolina und ist 
jetzt dort die Hauptfrucht. 
Die Regenmenge am ganzen Küstensaume von Connecticut 
bis Charlestown beträgt 32 bis 44 Zoll, steigt westlich davon 
und in Florida auf 50 bis 52 Zoll und erreicht in Südflorida 
über 56 Zoll im Jahre. 
Die Landschaft von Washington bis hieher erinnert mich 
sehr an gewisse Theile der norddeutschen Tiefebene und des 
sie durchschneidenden uralisch - baltischen Höhenzuges, von 
dem Ziegler singt: 
„Moor, Haide, Sand, 
Sind des Märkers Land ; 
Sand, Moor und Haide, 
Sind des Märkers Freude.“
        <pb n="185" />
        169 
Wenn ich nun bedenke, dass Fleiss aus diesem Lande doch 
ungemein viel gemacht hat und ein Morgen Land dort, selbst 
auf Sand, 100 und mehr Mark kostet, so sehe ich nicht ein, 
dass diese weiten Strecken in Amerika nicht mehr sollten an 
gebaut werden können, als sie es sind und zum Theile schon 
waren, bis der Secessionskrieg viele Pflanzer ruinirte und es 
sich nun ereignete, was wir überall sehen: Wird der Hauer 
arm, so wird es auch sein Acker; wird der alte Bauernstamm 
ruinirt und nicht durch einen ebenso guten Stamm ersetzt, so 
verwildert der Acker und wird Wald oder Wüste. Kriege, uner 
schwingliche Steuern und Zinsen sind die Ursachen der Wüsten- 
und Waldbildung aus Culturäckern. Die Euphratländer, Klein 
asien, ein Theil der europäischen Türkei, Gegenden in Ungarn 
und neuerlich weite Landstrecken in den Südstaaten von Nord 
amerika beweisen für die Allgemeingiltigkeit dieses Satzes. 
Allein in Amerika sehen wir eine neue Generation schon 
wieder der Wildniss Acker abgewinnen und in Anbau nehmen. 
In Nordvirginien sind 280 bis 360 Acres per Quadrat 
meile eingefarmt, eine Höhe der Cultur, die nur in einem 
kleinen Theile von Nordwest-Georgia wieder erreicht wird. 
Lier Rest von Virginien, Carolina, Nordgeorgia hat nur 
*20 bis 200 Acres, Ostgeorgia 40 bis 120 Acres, Südgeorgia 
und Florida unter 40 Acres in Farmen, wovon natürlich nur 
®m Theil für Ackerbau in Anspruch genommen ist. Auch 
^in grosser Theil des eingefarmten Bodens ist Wald. Die 
Ackerbauproduction war in jenen Gegenden 1870 per Qua 
dratmeile werth respective 1800 bis 3000 Dollars, 1000 bis 
t8oo Dollars, 450 bis 1000 Dollars und endlich unter 
450 Dollars. 
Im selben Jahre hatte die südliche Hälfte Floridas so gut 
'vie keine Bevölkerung, ausser der nicht gezählten indianischen, 
die übrigens schon unter 1000 Seelen gesunken ist. Die 
Dälfte von Nordflorida und die Hälfte von Georgia hatte 2 
bis 6 Einwohner, die andere Hälfte beider Staaten 6 bis 
*8 Einwohner, sowie auch wohl ein Drittel von beiden Caro- 
bnas; der nördliche und westliche Theil dieser Staaten und 
^ irginiens hat bis 45 Einwohner und ein kleiner Theil des
        <pb n="186" />
        170 
letzteren Staates sowie eine Oase in Georgia bis 90 Einwohner 
auf die englische Quadratmeile. 
Wo der Boden nicht nasser Niederungsboden ist, trocknet 
er, trotz des starken, aber in einzelnen Jahreszeiten zusammen 
gedrängten Regenfalles schnell aus und dürfte unfruchtbar 
werden, weshalb man Wald dort, wo Farmen sind, forstmässig 
anbaut, jung abtreibt, das Holz verkauft, nachdem es an Ort 
und Stelle mittelst Dampfsägen geschnitten ist. Der Boden 
wird nun einige Jahre mit Mais und anderen Früchten, Tabak 
und Baumwoll - Strauch angebaut und wieder angeforstet. 
Immer nur in kleinen Parcellen, um ihn nicht ausdörren zu 
lassen. Das Holz liefert entweder Brennholz, mit dem z. B. 
alle Locomotiven in dieser Gegend geheizt werden, oder Bretter 
und Bauholz. Man schneidet es mittelst transportabler Dampf 
sägen. Aus den Fichtenbäumen zapft man Harz und macht 
daraus Terpentin und Colophonium. Auch macht man Holz 
schindeln für Localbedarf und zum Export nach Westindien, 
2.5 Dollars per 1000 Stück. Die Niederungen erfordern Ent 
wässerungen und Canäle, um Reis und Zuckerrohr zu produ- 
ciren. Diese Culturen, sowie der Tabakbau, brachten sehr 
viel Geld, so lange die Sclaverei bestand und die Pflanzer 
genügend Arbeiter sowie Betriebscapital hatten. Der Krieg 
hat sie arm gemacht und die Blüthe der erwachsenen männ 
lichen weissen Bevölkerung der Südstaaten getödtet oder ver 
krüppelt. Sie trat, bis auf den letzten Mann, in die Armee, 
während die Nordarmee die Neger gegen sie bewaffnete, so 
wie sie einen neuen Theil der Südstaaten besetzt hatte. Viele, 
sehr viele Pflanzungen sind aufgelassen. Wir haben solche 
gesehen, die früher per Acre 75 Dollars und mehr Reingewinn 
brachten, jetzt versumpft und mit Gesträuch überwachsen sind. 
Andere sind in kleineren Parcellen, meist an Neger, zu 
Spottpreisen — einem Dollar und weniger — verkauft worden. 
Diese arbeiten nur so viel, dass sie ihre geringen Bedürfnisse 
befriedigen können. Besser situirte Pflanzer haben das Métayer- 
System eingeführt, die Pflanzungen in kleinen Parcellen an 
Neger gegen einen Antheil an der Ernte verpachtet. Nur 
wenige, reich gebliebene Pflanzer bauen in eigener Regie den
        <pb n="187" />
        I7I 
Boden an und zahlen Taglohn. Sie haben grosse Schwierig 
keiten, für 40—50 Cents per Tag farbige Landarbeiter zu er 
halten. Wo Fabrik- und andere Anlagen sind, die weisse 
Arbeiter erfordern, zahlt man einen Dollar per Tag. In der 
Nähe von Charlestown hat man grossartige Phosphatlager 
entdeckt, aus Knochenresten einer untergegangenen Thien^'elt 
bestehend und circa zehn Fuss unter der sumpfigen Oberfläche 
liegend. Hier zahlt man einen Dollar per Tag, im Accord 
kommen die Leute höher. Man zieht Italiener mit Erfolg hier 
her. Der aus diesen Phosphaten präparirte, sehr gehaltreiche 
Dünger wird ausschliesslich in Amerika, sogar schon in den 
Weststaaten, verbraucht, was, sowie zahlreiche andere Dünger 
fabriken, dafür spricht, dass man nicht mehr blossen Raubbau 
in Amerika treibt. Der Centner dieses Düngers kostet acht 
Dollars per Tonne an Ort und Stelle und steht in Chicago 
höher im Preise als in London. Man fördert jetzt 250.000 
Tonnen per Jahr. 
Der allgemeine Aufschwung Amerikas erstreckt sich, wenn 
auch in bescheidenem Maasse, auf den Süden. Die Söhne der 
ehemaligen Pflanzer-Aristokraten sind vielfach arbeitsam und 
nehmen in Verfall gerathene Pflanzungen wieder in Anbau. 
Auch sind manche Amerikaner aus dem Norden mit Capital 
nach dem Süden gezogen und machen gute Geschäfte. Reis 
hau bringt oft 70 und mehr Dollars per Acre Reinertrag und 
kann guter Reisboden in gut gehaltenen Pflanzungen um 100 
his 150 Dollars per Acre gekauft werden. Höhenboden, mit 
Wald bestanden, verlassene Pflanzungen sind in Massen um 
einen Dollar auf und ab zu kaufen. 
Italiener würden sich am besten als Colonisten und Pächter 
eignen, da sie hier ähnliche Bodenverhältnisse und dieselben 
Vulturen finden wie in ihrer Heimath. Mit Viehzucht macht 
*rian jetzt Versuche in Georgia, doch sind sie zu jung, um 
Schon über ihren Erfolg urtheilen zu können. Das Rindvieh 
1st klein, circa acht bis neun Centner auf dem Huf schuer, 
‘Schafe kommen auf feuchtem Boden natürlich nicht fort. In 
Florida soll noch für Schafzucht geeigneter Boden in Fülle 
Vorhanden sein. Baumwollenbau bringt sehr hohe Erträge,
        <pb n="188" />
        wo man Capital genug in Anwendung hat. Man erntet circa 
zwei Hallen à 350 lbs. auf drei Acres. Der Preis ist 7 bis 
15 Cents per Pfund und höher. Man verarbeitet vielfach die 
Baumwolle im Lande mittelst der neuerfundenen Maschine, 
welche die PInthülsung unnöthig macht und Verlust an Haum- 
wollfaser bei Enthülsung verhindert. Eine grosse Baumwoll 
spinnerei nach diesem System ist in Charlestown gebaut; wie 
man sagt, arbeitet sie mit einer Million Dollars. Hier entsteht 
eine gefährliche Concurrenz für Lancashire. 
In der ganzen Gegend, von Philadelphia bis Florida am 
Meere, kann man uns in Mittel- und Nordeuropa keine Con 
currenz machen, wohl aber den südlichen Ländern, namentlich 
Italien und der Kattunindustrie Englands. Es unterliegt kei 
nem Zweifel, dass Baumwolle, Tabak, Zucker, Orangen, Prüchte 
und Gemüse aller Art und auch Oliven hier viel billiger pro- 
ducirt werden können als in Italien, Spanien, Algier und 
Pvgypten, weil dahier anbaufähiger Boden in überreicher Fülle 
vorhanden ist und fast umsonst erworben werden kann. In 
Florida sind sogar noch viele Staatsländereien vorhanden, 
wovon man 160 Acres für 15 Dollars erhalten kann. Die 
Höhen, wo Mais und Bauholz nur mit Erfolg zu bauen ist, 
werden wohl erst spät, im nächsten Jahrhundert, in allgemei 
nen Anbau kommen, die Niederungen dagegen sehr bald, weil 
Baumwolle und Reis sehr hohe Erträge liefern.
        <pb n="189" />
        XIV. Capitel. 
Florida. 
Aus Florida wollen die Amerikaner ein Italien für ihren 
Continent machen, wohin sie sich vor der bitteren Kälte des 
Winters der Nordstaaten retten und woher sie Südfrüchte und 
die ein warmes Klima erfordernden Gemüse beziehen wollen, 
wie wir dergleichen von Sicilien und Algier erhalten. Diese 
Behauptungen liest man seit etwa 1880 in den amerika 
nischen Zeitungen, und ein mehr als einmonatlicher Aufent 
halt in diesem Staate, während dessen wir den bisher einiger- 
massen angesiedelten Theil des Landes in verschiedenen Rich 
tungen durchstreiften, gab uns die Ueberzeugung, dass sie 
dieselben wahr machen werden. Diese Ansiedlungen erstrecken 
sich bisher nur bis in die Mitte zwischen dem 28. und 29. Grad 
nördlicher Breite. Der Süden gehört noch den Indianern. 
Dies wird sich aber bald ändern. 
Das Land bietet nach beiden Richtungen hin Hilfsmittel 
und natürliche Anlagen, und die unternehmenden Amerikaner 
sind die Leute dazu, sie zu entwickeln. 
Das ganze Land ist nicht nur ohne Gebirge, sondern so 
gar ohne nennenswerthe Höhen. Ich glaube, dass die Boden 
Erhebung nirgends 100 Fuss über dem Meeresspiegel erreicit. 
Es fehlt also der Apenninenrückgrat, welcher Italien t e 
und die Seewinde von beiden Meeren an seinen Längssei 
hricht. Um die ganze Halbinsel fast läuft der Go^ ’ 
dessen verdunstendes Wasser durch die regelmässigen 1 ' 
Welche an jeder Küste vom Meere zum Lande wa ren 
der Nacht wehen, über die ganze Halbinsel getragen 
Eer Regenfall ist desshalb überall ein sehr reichlicher, eine
        <pb n="190" />
        174 
Hauptbedingung für Fruchtbarkeit in einem heissen Klima. 
Die Seebrise kühlt aber auch ganz regelmässig die Luft ab, 
und obschon die durchschnittliche Jahrestemperatur eine hohe 
ist, so ist doch der Unterschied der Sommer- und Winter 
temperatur, eben Dank dieser, durch kein Gebirge gebrochenen, 
den Golfstrom verstärkenden Meereseinwirkung ein nicht be 
deutender, so dass Florida ein verhältnissmässig sehr gemässigtes 
Klima hat. Von Winter kann man in einem Lande kaum 
reden, in dessen südlicher Hälfte, bis zum 29, Grade nördlicher 
Breite, Frost nie vofkommt. Selbst in der Breite von St. Au 
gustine und Pilatka ist er selten. 
Die mittlere Temperatur von St. Augustine war in zwanzig 
aufeinanderfolgenden Jahren: im Frühjahre 68-54, Sommer 
80-27, Herbst 71-75, Winter 58-08 Grad; von Jacksonville in 
siebenundzwanzig Jahren: im Frühjahre 70-06, Sommer 81-82, 
Herbst 70-35, Winter 56-55 Grad; an der Tampa-Bay in fünf 
undzwanzig Jahren: im Frühjahre 72-06, Sommer 80-02, Herbst 
73-08, Winter 62-85 Grad; in Key-West in vierzehn Jahren: 
im Frühjahre 75-79, Sommer 82-51, Herbst 78-23, Winter 
69.58 Grad. Die mittlere Temperatur in den einzelnen 
Monaten war in drei aufeinanderfolgenden Jahren in Men 
tone für November, December, Januar, Februar und März 
respective: 55-2, 50-5, 48 8, 50 4, 53.4 Grad; in Key- 
West, Florida: 74-5, 70-5, 70-5, 71-7 73-8; in Jacksonville: 
62-1, 55-8, 56-2, 56-9, 62-7 Grad. Zu bemerken ist noch, dass 
die Temperaturgrade nach Fahrenheit gerechnet sind. Der 
Regenfall in Zollen war in jenen Monaten in Mentone: 5-34, 
3-15, 1-70, 2-18, 4-13; in Jacksonville: 3 02, 3-38, 2.34, 5-14, 
2-84; in Key-West: 2-43, 1-33, 2-18, 2-22, 0-94. In denselben 
Monaten waren in Jacksonville im Durchschnitte der Jahre 
1874 bis 1879 im November 8 6 Regentage, im December 7*4, 
im Januar 7, im Februar 8 6, im März 5-8, Summa 37-4 Regen 
tage in fünf Monaten. Der Total-Regenfall während sechzehn 
Jahren war in Jacksonville im Durchschnitte 50-29 Zoll, davon 
9-19 Zoll im Frühjahre, 20-5 Zoll im Sommer, 12-98 Zoll im 
Herbst, 7 06 Zoll im Winter. Aus dieser Tabelle geht hervor, 
dass die Winter wärmer und weniger regnerisch in Florida
        <pb n="191" />
        î75 
sind als in Mentone, dem Orte, den man in Europa für 
Schwindsüchtige als den gesundesten bezeichnet. 
Sowie das Land mehr entwaldet sein wird, dürfte nicht 
die uns bekannte Folge, Dürre nämlich, eintreten, sondern 
eine verstärkte Meereseinwirkung, da ja die das Land be 
deckenden Wälder immerhin die Seewinde hemmen und zu 
rückhalten, Das Klima wird also, bei fortschreitender Cultur 
des Bodens, voraussichtlich noch mehr ausgeglichen werden, 
die mittlere Jahrestemperatur wird etwas sinken, dabei doch 
die Frostlinie nach Norden rücken und der Unterschied der 
Winter- und Sommertemperatur sich verkleinern, die nassen 
Niederschläge werden sich gleichmässiger über die ganze 
Breite des Landes vertheilen, während sie jetzt reichlicher an 
den Küsten sind. 
Diese grössere Gleichmässigkeit kommt der Gesundheit 
der Bevölkerung ebenso zugute, wie der Entwickelung der 
Bilanzen, Obschon das Land kein Gebirge hat, so besitzt es 
doch zahlreiche Flüsse, Bäche und Seen, welche alle Gelegen 
heit zu einer sehr reichen Entwicklung von Wasser-Communi- 
cationswegen bieten. An Wasser kann es ihnen bei dem 
reichlichen Regen nicht fehlen. Die Cultur wird zunächst den 
höher gelegenen Boden — ganz wie es Carey behauptete 
in Beschlag nehmen, weil der „kleine Mann“ hier mit wenigem 
Capital eine Heimstätte gründen kann. Die grossen Sümpfe 
sind wohl fast alle cultivirbar, erfordern aber Canalisirung 
und Entwässerung. Diese kostet Capital, stellt aber grossen 
Gewinn in Aussicht, weil Reis und Zuckerrohr in diesen natür 
lich fruchtbaren Sumpfböden üppig gedeihen, wie sie zur 
Zeit der spanischen Herrschaft dort gediehen. Schon jetzt 
existirt eine Compagnie von Capitalisten aus Philadelphia, 
Welche den Okeechobee-See durch zwei Schiff fahrts- und 
BntWässerungscanäle mit dem Golfe und dem Atlantischen Ocean 
Verbinden will. Der erstere Canal wurde Januar 1883 vo 
endet. Dadurch wird der ungeheure Sumpf der Everglades zum 
Zuckerrohranbau geeignet gemacht werden. Man hat berech 
uet, dass dadurch 12 Millionen Acres oder circa 5 Millionen 
Hektare für Zuckerrohranbau gewonnen werden. Hier wür e
        <pb n="192" />
        176 
man mehr Zucker produciren, als die jetzige Bevölkerung 
von ganz Nordamerika consumirt. Da gleichzeitig im Westen 
aus Mais und Sorghum, in Ostcanada auch aus Rüben, Zucker 
in jährlich grösseren Massen hergestellt wird, so kommen 
schlechte Zeiten für die Rübenzuckerfabriken Europas. 
Wenn diese Swamps von Florida entwässert und ange 
baut sind, so wird das Klima Floridas gesünder werden, als 
es jetzt ist. In und neben diesen Sümpfen herrschen nämlich 
Fieber. Die trockenen Höhen, namentlich solche an den 
Küsten, sind fieberfrei und sehr gesund, da ein gleichmässig 
warmes Klima und eine mit Seewasserausdünstung geschwän 
gerte Luft jedem menschlichen Organismus zuträglich sind. 
Leute mit schwacher Brust, jedoch noch nicht vorgeschrittener 
Schwindsucht, sollten von Europa hierherkommen. Ich kenne 
die Riviera recht gut und war öfter und in verschiedenen 
Monaten der ,,Saison“ dort, allein das Klima von Mentone 
und Nizza kann den Vergleich mit jenem Floridas in keiner 
Weise aushalten. Man hat dort überall gelegentlich kalte 
Winde, kalte Nächte und oft genug auch kalte Tage. In 
Mentone lebt der Brustkranke mit Hunderten von Leidens 
gefährten zusammen, deren Leiden und — Sterben ihn melan 
cholisch stimmt. Florida ist sehr gross und können sich 
Hunderttausende von Brustkranken daselbst in ihnen zusagen 
der Luft vertheilen, ohne sich zu geniren. Wenn ein Patient 
in Florida während der Monate December und Januar irgendwo 
auf einem höheren, sandigen Platze in der Breite der Tampa- 
Bai an der Westküste wohnt, im Februar oder März in’s 
Innere des Landes, etwa nach Yalaha, oder nach dem Indian 
flusse, im April nach St. Augustine oder Pilatka, im Mai nach 
Jacksonville oder Talahassee geht, so wird er stets ein nicht 
zu heisses Klima und niemals Frost finden, stets sich unter 
blühenden Bäumen und Blumen bewegen. Schwerkranke 
werden in der Mitte des Landes oder an den Küsten, etwa 
um den 28. Grad nördlicher Breite, bleibend ein schattiges, 
warmes und hochgelegenes Plätzchen zu dauerndem Aufent 
halte finden. In St. Augustine oder Ferdinandina ist auch der 
Sommer, trotz vieler Regentage, angenehm, wegen der frischen
        <pb n="193" />
        177 
Seeluft. In dieser Zeit empfehlen sich die Hochplateaux von 
Texas und Colorado freilich mehr. Wer seinen Aufenthalt 
unvorsichtig nahe einem grossen Sumpfe wählt, riskirt die 
Malaria. Die Hotels sind in grösseren Orten gut, so in Jack 
sonville, St. Augustine, Pilatka; auch Sanford und Enterprise 
sind schon erträglich in dieser Beziehung. Die trockene Pen 
sion, also Wohnung und Nahrung, kostet in Häusern ersten 
Hanges 4 Dollars täglich — in Mentone mindestens ebenso 
viel. In Boardinghäusern kann man von 10 Dollars per 
Woche an Nahrung und Wohnung finden, doch kaum ange 
messen für Kranke. Trinkwasser fehlt überall. Die Brunnen 
scheinen kein gutes Wasser zu geben, und man wendet 
CisternenWasser an, das der reichliche Regen liefert. Eis 
wird in den Hotels jedem Gast nach Wunsch so viel gegeben, 
als er consumiren kann. Es wird in Jacksonville fabricirt. 
Der Boden ist durchaus steinfrei und die Erhebungen 
sind, wie gesagt, unbedeutend. Holz ist überreichlich vorhan 
den, der Eisenbahnbau ist also billig. Die Amerikaner sind 
dabei, Florida aufzuschliessen und sie fangen das, wie überall, 
durch den Eisenbahnbau an. 
Bisher existirte die Bahn, welche nach Jacksonville aus 
dem Norden führte. Von hier läuft eine Eisenbahn gerade 
Westlich durch das ganze Land und hat Verbindung nach 
dem Westen, Chicago, und Süden, New-Orleans. Von dieser 
zweigt sich eine Bahn bei Boldwin ab, die sich südlich bei 
Wado theilt. Ein Arm führt nach dem Hafen Cedarkey am 
Colfe; ein anderer nach dem Orangesee. Eine Bahn führt 
Von Gainsville nach Pilatka, eine andere von Pokoi nach 
St. Augustine, die letzte von Astor nach dem Eustissee. Jetzt 
haut man von Jacksonville nach St. Augustine und dem Indian 
Hiver, von Jacksonville nach Pilatka, von (jainsville südlich 
nach der Charlotte - Bai und nach der Tampa - Bai. An der 
Charlotte - Bai kommt dieser Bahnzug mit dem Communica 
donssystem in Verbindung, welches jene Compagnie her 
stellen wird, die den Okeechobee - See entwässert. Im Jahre 
ï883 werden alle diese Bahnen, an denen man jetzt schon 
haut, fertig werden. Jay Gould war mit uns gleichzeitig
        <pb n="194" />
        178 
Pilatka und conferirte mit einigen Eisenbahnclirectoren aus 
dem Westen über die Einbeziehung Florida’s in das Netz 
jener Bahnen, welche er im Westen und in Texas beherrscht. 
Kurze Zeit darauf lasen wir in den Zeitungen, dass er 1500 
Eisenbahnwaggons bestellt habe, welche mit den neuesten 
Refrigerator-Apparaten ausgerüstet werden sollen, zu dem 
Zwecke, hrüchte und Gemüse aus Florida nach dem Westen 
und Norden der Union zu befördern. Bisher haben diese nur 
den Markt von Baltimore bis Boston, da nur hierhin eine 
gerade Eisenbahnverbindung existirt. Sind die Transportwege 
und Wagen da, so wird man die zu transportirenden Früchte 
bald bauen, da Boden und Klima dazu geeignet sind. 
Vom Klima sprach ich schon. Gemüse kann man auch 
nördlich vom 29. Grade nördlicher Breite immer bauen, und 
zwar macht man Frühjahr- und Herbstgärten, so dass man in 
beiden Jahreszeiten frische Gemüse für den Norden liefern 
kann. Für den Herbstgarten werden die Gemüse von Sep 
tember ab gesäet und gepflanzt und man hat dann frische 
Gemüse bis Januar, im Süden des Landes bis zum Sommer. 
Nur im Norden erfrieren sie zuweilen im December oder 
Januar. Für den Frühjahrsgarten pflanzt und säet man im 
Februar und hat frische Gemüse von Mitte April ab bis Juli. 
Diese Gemüse werden jetzt schon nach dem Norden trans- 
portirt. Am 21. April 1881 kostete das Quart Stachelbeeren aus 
Florida 40 bis 50 Cents in Philadelphia, Tomatoes per Crate 
(eine Kiste von nicht genau bestimmter Grösse) 4 bis 6 
Dollars; grüne Erbsen per Crate 3 bis 3'2 Dollars; Kohl 4 
bis 4'/2 Dollars; Bohnen in der grünen Schale 3 bis 3'/.^ 
Dollars. 
Die Cultur des Orangenbaumes erfordert frostfreies Klima, 
und kann man desshalb mit Sicherheit nur südlich vom 29. 
Grade Orangegärten anlegen, obschon seit 1835 auch bis 
St. Augustine und Pilatka hinauf der Frost keine Orangen 
pflanzungen verwüstete. Aber bis Yalaha hinunter sahen wir 
keine Bäume, welche älter waren; erst in Yalaha fanden wir 
Haine von höherem Alter als 45 Jahren, ln diesem Winter 
haben die Bäume in St. Augustine wieder gelitten. Der Bo-
        <pb n="195" />
        179 
tien Floridas ist durchweg sandig. Vielfach findet man zahl- 
eiche kleine Muscheln, welche dem Acker Kalk geben. Durch 
le verfaulten Pflanzen, Blätter und Wurzeln hat der Sand 
ne mehr oder weniger schwarze Farbe erhalten, die inten- 
ver wird, je niedriger der Hoden ist. Mit seiner Schwärze 
F ruchtbarkeit zu. Auf den Höhen ist überall Dün- 
die K tlüngt man auch die Orangenhaine, sowie 
das Mehl entölter Hnn ^^r Lnion. Baumwollsamen und 
verwendet. '^^""^''oHsamen wird in Massen alsDünger 
der, da man Haumwollsamens wird immer lohnen- 
daraus zu machenFutter- resp. Düngerkuchen 
lo Centc 1 r Farm wird der Bushel noch mit 9 bis 
entstehen 0^1 ^ Werth ist natürlich viel höher und 
Olivenöl ^ P^^sen immer zahlreicher. Das meiste, sogenannte 
RaumwollslZ^^^ Europa consumiren, ist eigentlich 
bringt ^ Flöhenboden Floridas gedüngt wird, so 
liehen H Fier herrschenden Wärme und der reich- 
^ über das Jahr nicht so ungleichmässig vertheilten 
Au den Tropen, üppige Früchte und Gemüse. 
^ J'^'i&amp;cnbäumen können sehr gut Oliven- und Citronen- 
^ Feigen-, Guawa-, Granatbäume wachsen, werden aber 
Wenig gepflanzt. Bananen gibt es schon viele. 
Jetzt kommen verschiedene Klassen von Leuten hierher, 
w 1 anzukaufen. Krstens reiche Leute aus dem Norden, 
c e nur einen angenehmen Winteraufenthalt für ihre Fa- 
icn suchen. Sie bauen komfortable Häuser und legen ge- 
12*
        <pb n="196" />
        i8o 
schmackvolle Gärten, mit Palmen und allerhand tropischen 
Gewächsen geschmückt, an. Diese Klasse von Leuten bringt 
Geld in das Land, producirt aber selbst nicht für den Markt. 
Alsdann kommen wohlhabende Farmer aus dem Westen, 
aus Minnesota und südlich herab bis Kentucky, nach Florida, 
kaufen grössere Ackerstrecken, doch nicht sehr grosse, bis 
8o und loo Acres, bauen ein comfortables Wohnhaus, einige 
Oekonomiegebäude und pflanzen Orangenbäume mit der Absicht 
an, aus ihnen eine Einnahme zu erzielen. Sie behalten ihre 
P'arm im Westen, wo sie weiter Weizen bauen und im Winter 
ein Familienmitglied zur Aufsicht lassen. Sie vereinigen also 
eine Winterwirthschaft in Florida mit einer Sommer- 
wirthschaft im Nord westen! Natürlich sind das schon 
Leute, welche Capital gemacht haben. Sie gewinnen dabei 
einen angenehmen Winteraufenthalt für ihre Familien. Der 
ausnahmsweise harte Winter des Jahres 1880,81 hat viele Leute 
im Norden bestimmt, für den M inter im Süden einen anderen 
Aufenthalt zu suchen. 
Ruinirte Plantagenbesitzer aus den Südstaaten sind schon 
seit einem Jahrzehnte hierher gezogen. Wir trafen in Yalaha 
eine Colonie von Leuten, die alle aus derselben Gegend von 
Alabama stammten und die alljährlich Verwandte und Bekannte 
aus derselben Gegend hierherziehen. Sie siedeln sich hier für 
die Dauer an und pflanzen Orangenbäume. Sie haben wenig 
Capital, doch ist der Boden billig, und die Arbeitskraft lie 
fert die Familie, ln Alabama, in Carolina, in Georgia wer 
den sie durch capitalkräftige Amerikaner, Farmer aus den 
Neu-Englandstaaten, wo der Waizenbau sich nicht mehr lohnt, 
Capitalisten, die grosse Baumwollpflanzungen anlegen, ersetzt, 
die ihnen jene Besitzungen abkaufen, welche die Verkäufer ratio 
nell zu cultiviren nicht Capital genug haben. 
Endlich siedeln sich auch einzelne Ausländer, meist Eng 
länder, hier an; bei Yalaha fand ich auch einen Deutschen, 
der Arbeiter in Cincinnati war und mit seiner Erau und zwei 
Söhnen im vorigen Jahre herkam, eine Homestead von 160 
Acres für 15 Dollars Gebühren annahm und sich ein Blockhaus 
baute. Er war so arm, dass er mit einem seiner Söhne wöchent-
        <pb n="197" />
        i8i 
íich einige Tage für Lohn auf anderen Besitzungen arbeitete, 
um den Lebensunterhalt für seine Familie zu gewinnen. Die 
übrige Zeit arbeitete er auf seiner Homestead, fällte die 
äume, und pflanzte allerhand an, Orangenbäume, Mais, süsse 
artoffel u. s. w. Auf diese Weise wird der Höhenboden 
jetzt schnell besiedelt und steigt im Preise. 
1 I hohes Pinien- und niedriges Hammock- 
Í îf. u ^ letzterem wächst die hochstämmige Palme, Ceder, 
zu kläre' h vieles Gestrüpp. Es ist schwer 
tlie ersten 4 -eute, welche in Accord das Klären und 
Wenn •'weiten auf einer neuen Ansiedelung übernehmen. 
Acres gutes Hammockland in eine Orangen- 
thun^^T verwandeln will, so wird man gut 
zu b fl ^ ^ ungekauften, sechsjährigen, edlen Bäumen 
^ Unzen, welche nach vier Jahren schon einige Früchte, 
^ Jahren einen regelmässigen Ertrag liefern. Fünf 
zuin^^vT"'^^^ Baumschule anlegen, um junge Bäume 
P|.. , ^^^uufe und zu Anpflanzungen auf einer grösseren 
‘ c die man successive klären lässt, zu ziehen. Fünf 
cs verwendet man für Hofstelle, Fruchtgärten, Mais- und 
rtoffelbau für den Unterhalt der Familie. Auch wächst 
u er für die Pferde, die man später braucht. 
Heute kann man in Accord 20 Acres Hammockland 
ür 400 Dollars klären und einzäunen lassen. Die hochstäm- 
migen Bäume werden in zwei Fuss Höhe gefallt, die Stubben 
bleiben im Boden. Man nimmt soviel Holz heraus als man 
2ur Einzäunung braucht, alles Uebrige und das Gestrüpp wird
        <pb n="198" />
        I 82 
verbrannt. Die Asche bereichert den Boden. Derselbe wird 
zwischen den Stubben gepflügt und der Rasen rottet. Dann 
pflanzt man die sechsjährigen Orangenbäume. Das erste 
Pflügen besorgt der Mann in Accord mit für die oben be 
rechneten 20 Dollars per Acre. 
Man pflanzt in der Regel 75 Bäume per Acre, und kostet 
das 75 Dollars per 10 Acre. 
Die jungen Bäume steigen jetzt fortwährend im Preise. 
Vor einem Jahre kaufte man sie für 10 bis 15 Cents per 
Stück. Jetzt kosten sie 50 Cents, im nächsten Jahre wahr 
scheinlich I Dollar. Heute kosten die für 10 Acres erforder 
lichen 750 Bäume 375 Dollars. 
Fünf Acres Baumschule zu pflegen und mit Samen aus 
zusäen, incl. Samen, kosten 200 Dollars. 
Somit stellt sich die Anlage, bepflanzt, besäet, eingezäunt, 
am Ende des ersten Jahres auf 1050 Dollars. 
F:in Haus von fünf Räumen, für hiesige Verhältnisse 
mässig comfortabel, zweistöckig, mit fünf Wohnpiècen fertig 
hergestellt, kostet jetzt 2000 Dollars. 
Nun erfordert die Pflanzung fünf Jahre fortwährend 
Arbeit und Auslagen, bevor von einem FIrtrage aus Orangen 
die Rede ist. Es gehen Bäume aus, die ersetzt werden müssen. 
Der Acker muss unter den Bäumen jährlich mehrmals gepflügt 
werden, um den Graswuchs zu vertilgen. Die Bäume müssen 
jährlich, doch sehr schwach, gedüngt werden, liin gewöhn 
licher Farmer gewinnt auf den vier Acres, welche ihm, ausser 
der Hofstelle, blieben, so viel Früchte, dass er, ausser Fleisch 
und Brod, Alles gewinnt, was er an solchen Lebensmitteln 
braucht, die das Land überhaupt producirt. Das Mehl, ge 
pökeltes Rind- und Schweinefleisch, Speck, Schinken, Schmalz, 
Butter, Käse, allerhand Büchsenfleisch wird aus dem Westen 
importirt. Diese Provisionen sind hier natürlich weit billiger 
als in Europa, wo sie durch Transport, Zwischenhändler-Un 
kosten und auf dem Continente noch durch den Importzoll 
vertheuert werden, und wo sie trotzdem jährlich an Markt 
gewinnen. Milch, Schaf- und Rindfleisch könnte man im 
Lande selbst haben und hat auch das Material dazu. Schweine
        <pb n="199" />
        und Geflügel sind ebenfalls vorhanden, jetzt auch noch reich 
lich Wild. Dies aber wird bald von der Speisekarte ver 
schwinden, nicht aber die Fische, welche in grosser Mannig- 
faltigkeit und reichlich im Meere und in den Seen und Creeks 
gefangen werden. 
. Grund und Hoden ist zurr grossen Theile schon in 
Privatbesitz übergegangen und wird dann nach Qualität und 
Lage verkauft. Achtzig Acres gutes Hammockland, mit ca. 
oo ä teren Orangenbäumen und schlechten Gebäuden wurden 
m Yalaha, schön am See gelegen, für 5500 Dollars verkauft. 
Dngeklart« gutes Land war dort von .0 bis ao Dollars per 
von I ^ ^ Lollars, theils in grösseren Complexen 
l 1 In Yalaha tvir ein 
L . ’ 10,000 Acres von der Staatsregierung gekauft 
une as Land auf Speculation hielt, um es parcellen- 
.. y verkaufen. Durch diese Speculanten wird das Land 
natürlich schnell vertheuert. 
Nun zum Krtrage! 
Man rechnet, dass 20 Jahre alte Orangenbäume 2000 
rangen im Durchschnitte bringen. Zehn bis zwölfjährige wird 
n sicher auf 600 Stück taxiren können. Aeltere Bäume 
Ingen 5000 bis 6000 Stück, andere weniger; so dass man 
^ jenen Durchschnittszahlen kommt. Natürlich ist einiger 
erlust. Windfall, Consumtion auf der Farm etc. abzuziehen. 
&lt;echnet man für die junge Pflanzung 75 Bäume mit 500 ver- 
äuflichen Orangen, so macht das 37,500 Orangen per Acre, 
eine ältere Pflanzung würde 150,000 Orangen im Jahre ergeben. 
Die Orangen kosten auf der Farm im Innern des Landes 
,4 bis 1 Cent, dies giebt für obige beide Annahmen 280 bis 
375 Lollars, resp. bei 2000 Stück Orangen per Baum, 1100
        <pb n="200" />
        184 
bis 1500 Dollars per Acre, Dieser Ertrag wird sich wahr 
scheinlich zunächst erhöhen, da der Handel noch wenig orga 
nisât ist und jetzt erst directe Frachtzüge aus dem Inneren 
nach dem Norden und Nordwesten eingerichtet werden. In 
Jacksonville kostet die Kiste 1 bis i '/4 Dollars, in New-York 
2 bis 2V2 Dollars. Sie enthält 100 grosse oder 120 bis 125 
kleine Orangen. Ein Dutzend grosser Florida-Orangen kostet 
im Detailhandel in New-York in der Regel 50 Cents, ebenso- 
viele Messina-Orangen nur 15 bis 20 Cents. Diese müssen 
unreif in Sicilien gepflückt werden, um nicht auf dem Trans 
porte bis New-York zu verderben und kommen sauer an. Die 
Florida-Orangen lässt man ausreifen, sie sind also auch süss 
und werden vorgezogen. Wenn der Transport von Früchten 
nach dem Westen aus Florida durch Gould geschaffen sein 
wird und dieser Markt im Westen eröffnet ist, werden die 
nun in Massen producirten Orangen dort Absatz zu guten 
Freisen finden. Für das nächste Jahrzehnt ist die Orangen 
kultur jedenfalls noch sehr lohnend. 
Der Anbau von Citronen- und Olivenbäumen hat fast 
noch nicht begonnen, diese Cultur dürfte aber noch einträg 
licher werden als jene der Orangen. 
Die jetzt sumpfigen Niederungen werden noch lange nicht 
alle in Anbau genommen werden; zum Theile aber wohl, so 
in den Everglades, wo es die Compagnie jetzt unternimmt. 
Zuckerrohr und Reis werden die Producte sein. 
Auf dem Höhen- und Hammockboden im Norden, wo 
die Orange unsicher ist, weil es zuweilen friert, wird man 
Baumwolle bauen, welche in Florida und auf den kleinen 
Inseln in der Nähe Floridas in vorzüglicher Qualität, lang 
faserig, gedeiht. Sie kostet heute nochj, Marke „Sea island“, 
20 bis 25 Cents per englisches Pfund, während die Baumwolle 
von Georgia, Alabama etc. loco nur 9 bis 10 Cents per 
Pfund loco bringt. Florida eignet sich sehr für Italiener, 
welche jetzt meist nach Südamerika auswandern. Sie finden 
hier ein besseres Klima als daheim und sie können hier jede 
Frucht bauen, wie in ihrem Vaterlande, mit Ausnahme des 
Weines. Es sind zwar einige Weinstöcke in den Gärten von
        <pb n="201" />
        St. Augustine, welche in ähnlicher Weise, in bedeckten Lauben, 
wie bei Meran gezogen werden. Aber mir scheint, dass das 
Klima zu feucht für Wein ist. Uebrigens lief am 21. April 1881 
tlas erste Schiff einer neu gegründeten italienischen Dampfer 
linie inNew-York ein, mit ca. 600 italienischen Einwanderern. 
Nun wird sich wohl auch die italienische KinWanderung zum 
riieile nach Nordamerika ziehen, in deren Südstaaten man 
Italienische Arbeiter sehnlich herbeiwünscht. 
Der Holzreichthum Floridas ist noch so ungeheuer, dass 
Holz hier fast keinen Werth hat. Man verbrennt ganz allge 
mein die gefällten Bäume auf geklärten Ansiedelungen. 
Sowie jedoch die Eisenbahnen zahlreicher sein werden, 
durfte der Holzexport, welchen Jacksonville schon nach Europa 
IV fr u' auch Schindeln. 
Stande ï. Morida noch in sehr rohem 7m- 
Stiirlr 1. "'^^tiig Schweine schlechter Art, ca. 287.000 
sin ] L unsere alten Landschweine, und sie 
1 . ^'^^(^Kartikel. Ziegen würden gut fortkommen, 
1 ^ ^ iiher selten. Von Pferdezucht kann man kaum 
• Mir sahen eine Art Doppelponies, die im Alter von 
v"" Jahren 50 bis 75 Dollars per Stück kosten. 
... ^ ^Gsten hat man grössere Rindviehheerden, die halb- 
in den Wäldern ohne Hirten umherlaufen, jährlich zu- 
mmengetrieben und von dem Eigenthümer mit seinem Zeichen 
^ "erden. Die vier- bis fünfjährigen Stiere werden 
Cuba exportirt und bringen dem Verkäufer eine spa- 
Jiische Doublone, ca. 16 Dollars, per Haupt. Einige Besitzer 
laben Tausende solcher halbwilden Rinder. Bei St. Augustine 
a ten die Farmer kleinere Heerden von 40 bis 100 Stück, 
ebenso ungepflegt das ganze Jahr im M^alde leben. Es 
giebt 467,000 Haupt Rindvieh in Florida. Während der 
. ^^mdensaison im M inter werden sie nach St. Augustine und 
anderen Fremdenquartiere, Pilatka, Enterprise, San- 
^i’d etc. an Fleischer verkauft. Ein zweijähriger Ochse kostet
        <pb n="202" />
        î86 
8 bis 9 Dollars, ein dreijähriger lo bis ii Dollars, ein vier- ^ 
jähriger, dessen ausgeschlachtete vier Viertel 3- bis 500 Ibs. 
wiegen, bringt dem Farmer 12 bis 15 Dollars, eine alte Kuh 
10 Dollars. Schlächterfleisch vom Vorderviertel kostet in 
St. Augustine 8 bis 9 Cents, vom Hinterviertel 10 bis 12 Cents 
per Ib. Die Kälber kalben oft schon zweijährig, stets höchstens 
dreijährig. Ochsen braucht man zuweilen im Wagen, nie im 
Pflug. Das wenige Pflügen leisten die Ponies. Schafe hat 
man im Norden gar nicht, im ganzen Lande nur 57,000. 
Luzerne gedeiht recht gut im Lande und lässt sich also Stall 
fütterung später einführen, wenn man mehr Milch und Butter 
für die dichter gewordene Bevölkerung und mehr Stalldünger 
für den in Anbau genommenen Höhenboden braucht. Die 
Luzerne kann im März und Ende April, ferner im September 
und November, also vier Mal im Jahre geschnitten und zu 
Heu gemacht werden. 
Florida wird mithin in wenigen Jahren der Garten Ame 
rikas werden. Eine grosse commercielle Wichtigkeit erhält 4 
es, sobald der projectirte Schifffahrtscanal von dem St. Johns- 
flusse zum Suvaneeflusse, etwa in der Breite von St. Augustine, 
hergestellt sein wird, durch den die Reise eines Dampfschiffes 
von New-Orleans nach Europa resp. nach New-York um vier 
Tagereisen abgekürzt und gefahrloser wird, als sie jetzt ist. 
Schiffe von Europa nach dem Golfe müssen jetzt noch südlich 
von Cuba in denselben einfahren, da die Strasse von Florida 
wegen des östlich durch ihn fliessenden Golfstromes zu ge 
fährlich ist.
        <pb n="203" />
        f- 
:y. 
XV. Capitel. 
Der Süden. 
Bis 6. Mai 1881 hatte ich einen grossen Theil Floridas, die 
grössere nördliche Hälfte der Halbinsel, bis südlich von Enter 
prise, bereist und an einem Jagdausfluge der übrigen Mit 
glieder der Reisegesellschaft im Süden von St. Augustine 
Theil genommen. Von diesem Ausfluge kamen wir am oben 
genannten Tage in St. Augustine an und fuhren von dort 
nach New-Orleans, über Jacksonville in Florida, Way Cross, 
I^upont, Thomasville, Albany und Smithville in Georgia, Fu- 
f^lva, Montgomery und Mobile in Alabama, ab. Diese Reise 
"ar durch die Hitze nicht eben angenehm. 
Der Boden wird bis zur Grenze von Alabama mit fast 
jeder Meile besser und auch bebauter, ln Florida und Südost 
georgia ist er meist noch sandig und mit Finien bestanden. 
Ks zeigt sich nur ausnahmsweise eine elende kleine Negerfarm. 
Alhnälig nimmt der Wald die estait von Daubwald an, das 
Terrain ist nicht mehr eine vollkommene Ebene, es ist von 
Smithville bis in die Nähe von Montgomery wellenförmig, eine 
ausgesprochen schöne Hügellandschaft darstellend. Die Wälder 
'Verden kleiner und machen grösseren Dörfern Platz, nicht 
^ehr blos einzelnen Farmen. Allein Grossbetrieb sieht man 
Selten, vielfach ist es vielmehr klar, dass ehemalige Gross- 
Besitzungen in kleinere Farmen aufgetheilt worden sind. Nicht 
Selten bemerkt man verwildertes, mit Gestrüpp und theil weise 
’^it Wald bewachsenes Land, das früher Ackerbauzwecken 
gedient hatte und seit dem Secessionskriege aufgelassen worden
        <pb n="204" />
        war. Allein manche neue Farm bewies, dass jetzt der ent 
gegengesetzte Process sich vollzog. Indess sind diese von der 
Hahn durchschnittenen Staaten noch ungemein dünn bevölkert 
und besiedelt und können noch vielen Millionen Hrod und 
landwirthschaftliche Selbstständigkeit geben, zumal der Grund 
und Hoden, das Hauholz und das für den leicht zu beackernden 
Hoden erforderliche Inventarium billig zu erhalten sind. 
Die Vermehrung der Farmen in den Südstaaten, welche 
ehemals auf Sklavenarbeit angewiesen waren, ist aus folgender 
l^ebersicht ersichtlich. 
Ks gab P armen in den Censusjahren: 
Im Staate 1880 
Virjrinien 
Wcst-Virpinien 
Nord-Carolina 
Süd-Carolina 
Georgia 
Alabama 
Florida 
Mississippi 
Louisiana 
Texas 
T ennessee 
Arkansas 
Missouri 
Summa 
In der Union 
118.517 
62.674 
157-609 
03.864 j 
138.626 j 
155.864 I 
23-43« I 
101.772 
48.292 
174.184 
'65.650 
94.433 
2'5-575 
' 530.498 I 
4 008.907 I 2 
1870 
73.«49 
39 77« 
93-565 
5'.889 
69.956 
67.382 
10.241 
68.023 
28 481 
6'.125 
118141 
49 424 
'48.328 
880.182 
1860 
92.605 
75.203 
33.171 
62.003 
55.'28 
6.508 
42.840 
'7.328 
42.891 
82.368 
39.004 
02.792 
641.841 
.659.985 
2.044.077 
1850 
I 77.013 
1 56.963 
29.067 
5'.759 
41 064 
4.304 
33.960 
'3.422 
12.198 
' 72.735 
I '7 75« 
I 54-45« 
I 466.501 
I '.449073 
Die ungemeine Vergrösserung der Farmenzahl seit 1870 
erfolgte zum überwiegenden Theil durch Theilung, Parcellirung 
von Grossgrundbesitz. Fs ist noch interessant, die Cirösse 
dieser Farmen und die Art des Hesitztitels zu kennen. Es 
wurden bebaut Farmen durch Hesitzer, Pächter, die eine jähr 
liche, feste Geldpacht zahlen, oder Métayers, welche einen 
Antheil an der Ernte in natura an den Grundbesitzer ab-
        <pb n="205" />
        f 
A 
189 
Staate 
^*^Çinien 
SS? 
^'orida 
^“««ippi 
“"«lana 
^exas 
'¡'"nnessee 
::: 
"^'^^aina 
Amnion 
Suninia 
Södst 
^aten 
Jnion 
Besitzer. 
Päch 
ter. 
83.531 
50.673 
104.887 
46.645 
76.451 
16.198 
57.214 
31280 
108.716 
108.454 
65.245 
156.703 
72.215 
Méta 
yers. 
13.392 
4.292 
8.644 
21.974 
18 557 
3.548 
1 7.440 
6.669 
12.089 
19.266! 
9.9161 
19.8431 
22.888 
21.594 
7.709 
44.078 
25.245 
43.618 
3.692 
27118 
10.337 
53379 
37 930 
19.272 
39.029 
40.761 
101 
64 
277 
118 
101 
69 
84 
100 
34 
220' 
97 
122 
277 
3—10 
Acres. 
Grösse der Farmen. 
100—500 
10—20 20—50 
Acres. | Acres. 
50—100 
Acres. 
7.012 
2.797; 
7.273! 
7035' 
3.110: 
»301, 
2.336! II 
1.848; 6 
,663 j 19. 
463 8 
3.554 
5.821 
2.070 
34^)0 
3.597 
978.218j198.518l373.762 
2.984.306 
:.664j 51.214 
322.3571702.244'4.3521134.889 
314 
519 
694 
456 
936 
708 
780 
335 
780 
647 
055 
322 
488 
148I 
640 
836| 
626 
675 
783 
282 
736 
721 
500 
bis 
Acres. | *ooo 
Acres. 
22.1941 
14.4611 
34.007 j 
I3.6i2j 
26.0541 
4.38i| 
:9 3181 
8.5011 
29.539! 
39 54'! 
21.787! 
58.030I 
26.447Í 
53.101 
30.301 
61.806 
27735 
53.635 
6.562 
35-493 
&gt;5.031 
70.821 
63.3:5 
37.976 
97.359 
44.254| 
5.561 
2.255 
5.063 
3.693 
7.017 
652 
3936 
2.159 
5.988 
3 549 
1-793 
3.536 
4.645 
135.350l365.298l 317872 597.389j49.787 
254.749 781.474! &gt;.032.010 1.695.983 75.972 
über 
1000 
Acres. 
&gt;.563 
845 
1.721 
&gt;635 
3.491 
377 
1.833 
1.319 
3.793 
1.086 
648 
685 
1.868 
20.864 
28.578 
572.280 
1.024.601 
Aus dieser Uebersicht geht hervor, dass die ungesundesten 
Agrarischen Verhältnisse auch heute noch in den Südstaaten 
herrschen. Der Grossgrundbesitz von 1000 Acres an liegt zu 
über zwei Dritteln in ihnen. Von ihm sind augenscheinlich 
eine grosse Anzahl der kleineren Pachtungen abgezweigt. Die 
Selbstständigen Bauernhöfe, welche die sociale Gesundheit eines 
^taatswesens charakterisiren, von 50—500 Acres, betragen nur 
60.701, gegen 915.261 in der Union, die Zwergwirthschaften 
yon 10 bis 50 Acres aber 500.648, gegen nur 1.036.223 
der Union. Die kleinen, zum Theil Gartenwirthschalten 
6is 10 Acres aber nur 52.878, gegen 139.241 in der Union, 
^eber die Hälfte der Pachtungen der Union liegen in den Süd 
staaten. Doch sind von den Pachtungen ca. die doppelte An- 
Zahl daselbst Métayagen, und dies ist eine gesundere Pachtart, 
^^s die blosse Pacht um Geld. Die Vermehrung der Farmen 
aber seit 1870 deutet auf einen erfreulichen Fortschritt zur 
Gesundung der Verhältnisse. Es mag hier gleich angedeutet 
"’^^rden, dass von den noch nicht 29000 Grossgrundbesitzungen
        <pb n="206" />
        I yo 
der Union 1.112 in Kentucky liegen, das eigentlich politisch 
mit zu den Südstaaten gehört und 2.531 in Californien, welches 
sie aus seiner mexicanischen Vergangenheit übernahm. In 
neuerer Zeit entsteht Grossgrundbesitz in Dakota, wo es 
649 Besitzungen über 1000 Acres gab, auf dem Lande der 
grossen Eisenbahnen-Monopolisten. Den kräftigen Bauernstand 
werden wir weiterhin in den Ackerbaustaaten östlich des Felsen 
gebirges finden. 
Natürlich kann man vom Süden nicht reden, ohne der 
Neger zu erwähnen. Die vollständige Gleichberechtigung 
dieser, wie sich nun zur Evidenz herausstellt, untergeordneten 
Race ohne Voraussicht, Sparsinn, Selbstständigkeitstrieb mit 
der weissen Bevölkerung, welche diese Eigenschaften in hohem 
Grade besitzt, ist für die Union um so bedrohlicher, als die 
Neger sich seit ihrer Emancipation in unerhörtem Grade ver 
mehren. Dies wird durch die folgende Tabelle konstatirt: 
Staat, 
Zahl der „couleurten“ Bevölkerung | 
der Unionsstaaten in je 1000 
Seelen. 
1840 
1850 
i860 
1870 
1880 
Weisse 
Bevölkerung. 
1870 I 1880 
Virginia 
West-Virginia 
Nord-Carolina 
Süd-Carolina 
Georgia 
Florida 
Alabama 
Mississippi 
Louisiana 
Arkansas 
Tennessee 
Kentucky 
Missouri 
1 exas 
Columbia 
Maryland 
Summa : 
Sklavenstaaten 
Zuwachs gegen 
die frühere De 
kade pCt. 
489 
268 
335 
383 
26 
255 
196 
»93 
20 
188 
189 
59 
»3 
151 
526 
316 
393 
384 
40 
345 
310 
262 
47 
245 
220 
90 
58 
»3 
165 
548 
361 
412 
465 
62 
437 
437 
350 
111 
283 
236 
118 
182 
14 
171 
512 
»7 
391 
4»5 
545 
91 
475 
444 
364 
122 
322 
222 
118 
253 
43 
»75 
63» 
25 
53» 
604 
725 
126 
600 
650 
483 
210 
403 
27» 
»45 
393 
59 
2 IO 
712 
424 
678 
289 
638 
96 
521 
382 
362 
362 
936 
1098 
»603 
564 
88 
&lt;&gt;05 
2.765 
3.4 »4 
24 
4»87 
4.509 
6.066 
34 
9.358 
880 
592 
867 
391 
816 
»42 
662 
479 
454 
59» 
1138 
»377 
2022 
1191 
118 
724 
»2.444
        <pb n="207" />
        I9I 
Zahl der „couleurten“ Bevölkerung 
der Unionsstaaten in je looo 
Seelen. 
Weisse 
Bevölkerung 
Staat 
1840 1850 
i8&lt;&gt;o 
1880 
1870 
1880 
1870 
l'reie Staaten 
Arizona 
California 
Colorado 
Connecticut 
Dakota 
Delaware 
Columbia 
Idaho 
Illinois 
Indiana 
Jowa 
Kansas 
Maine 
^äryland 
Massachussetts 
Michigan 
Minnesota 
Montana 
Nebraska 
Nevada 
New-Hampshire 
New Jersey 
New-Mexico 
New-York 
Dhio 
Dregon 
Iennsylvania 
Hhode Island 
Utah 
Vermont 
Washington 
Wisconsin 
Wyoming 
767 
499 
39 
191 
610 
527 
«33 
26 
20 
22 
102 
I 20 
I 18 
88 
43 
59 
29 
28 
46 
2511 
3031 
«93» 
1655 
24 
39 
1188 
1614 
346 
43 
952 
624 
646 
«65 
605 
«7« 
151 
«75 
724 
210 
1763 
«443 
1167 
1614 
43» 
776 
122 
449 
38 
53 
346 
317 
38 
875 
24 
30 
1092 
108 
90 
5016 
f&gt;5 
50 
52 
49 
49 
4330 
36 
63 
2601 
3« «7 
79 
163 
86 
56 
65 
3456 
85 
4'97 
47 
53 
269 
212 
86 
«42 
33« 
329 
67 
130g 
1051 
Summa Union 
Zuwachs gegen 
die frühere De- 
kade pCt. 
2.873 
3.638 
4.886 
6.580 
43.402 
33.592 
4.44« 
26 
29
        <pb n="208" />
        192 
Die letzte Summe für die Union ist aus den officiellen 
Tabellen entnommen, mit Zuzählung der Zahlen unter 1000, 
welche ich in der Tabelle sonst nicht berücksichtigt habe, 
fällt also grösser aus, als die Addition. Für die einzelnen 
Staaten genügt jedoch die Angabe in je lOoo Seelen. 
Die Tabelle ergiebt, mit Ausnahme der Kriegsdekade 
i860 70, eine sehr starke Negervermehrung von 22—26 pCt. 
von 1840—60, obschon keine Negereinfuhr stattfand. Allein 
in der Freiheitsdekade 1870 80 steigt dieselbe auf 35 pCt., 
nur durch Geburtsüberschuss über Sterbefalle und übertrifft 
die Vermehrung der Weissen (29 pCt.), obschon doch sehr 
viele Weisse einwanderten. Nach Abzug von 123.000 Chinesen 
wanderten von 1871—80 incl. 3.075.000 Weisse in die Union 
ein. Zieht man diese von der Zahl der Weissen im Jahre 
1880 ab, so bleiben 40.327.000 Weisse, gegen 33.592.000 im 
Jahre 1870. Die Weissen haben sich also in dieser Dekade 
durch Geburtszuwachs um 6.735.000 oder um 20 pCt. ver 
mehrt — sehr respectabel, verglichen mit europäischen Ver 
mehrungs-Verhältnissen, allein doch nur etwas über die Hälfte 
so gross als die Negervermehrung! In den früheren Sclaven- 
staaten ist ihre Vermehrung 34 pCt., die absolute Vermehrung 
der Weissen, trotz der Einwanderung, nur 31 pCt. Dort 
kommt auf 2 Weisse i Neger. Für die Aufgaben des Self 
government sind diese ungeeignet, geniessen aber dieselbe 
Amtsberechtigung, wie die Weissen. Dies muss zu Conflicten 
führen. Ihre starke Vermehrung stammt vom Wohlleben bei 
sehr wenig Arbeit. Viele der Métayers und Pächter, auch 
manche Kleinhäusler der Südstaaten sind Neger. Sie arbeiten 
gerade genug, um leben zu können, was bei der Milde des 
Klimas und der Fruchtbarkeit des Bodens eine sehr geringe 
Arbeitsleistung erfordert. Das Land ist dort so billig, dass 
man Parzellen von aufgelassenen Pflanzungen um i Dollar per 
Acre kaufen kann. Von 5 bis 6 Acres Mais- und Baumwoll- 
land lebt aber eine Negerfamilie. Hier wächst, inmitten einer 
äusserst betriebsamen weissen Bevölkerung ein schmutziges, 
unwissendes Drohnenvolk fremder Race in üppiger Vermeh 
rung auf, hat in vielen Landcounties die Majorität und regiert
        <pb n="209" />
        193 
13 
jene intelligente, wohlhabend werdende und fleissige weisse 
Kevölkerung. Diese Neger sind gerade intelligent genug, um 
die Last der Steuern auf jene zu wälzen, halten bei allen 
Wahlen zusammen und sind gehässig und niederträchtig gegen 
ihre früheren Herren. Wo sie keinen Grundbesitz haben, ar 
beiten sie im Tagelohn, erhalten meist i Dollar täglich, der 
genügt, die Familie eine Woche mit Mais, Pökelschweineileisch 
und Reis zu versorgen, und mehr brauchen sie nicht. Die 
holge ist, dass sie selten mehr als einen Tag in der Woche, 
uuch bei hohem Lohnangebot, zur Arbeit zu bewegen sind. 
Die Unionsregierung giebt den Südstaaten aus ihren 
Mitteln seit mehreren Jahren Zuschüsse zu ihrem Erziehungs- 
fond, um Negerschulen zu errichten, bisher ohne grossen 
Erfolg, wie die folgende Tabelle ergiebt, welche den Procent 
satz der des Lesens unkundigen Personen im Alter von mehr 
IO Jahren in den verschiedenen Staaten und Territorien 
der nordamerikanischen Union angiebt: 
Neu-Mexiko 
Süd-Carolina 
Louisiana 
Alabama 
Georgia . . 
Mississippi . 
Nord-Carolina 
Florida . . 
Virginia . . 
Arkansas 
Tennessee . 
Texas . . 
Kentucky 
Arizona . . 
Maryland 
Distr. Columbia 
Delaware 
West-Virginia 
Missouri 
Washington 
Hhode-Island 
6o'2 Nevada . 
48-2 California 
45*8 Colorado 
43'5 Idaho . . . 
42*8 Massachusetts 
41-9 Utah . . 
38-3 Vermont . 
38 o Indiana 
34*0 Montana . 
288 Pennsylvania 
277 New-Jersey 
24'i Illinois . . 
22 2 New-York 
167 Connecticut 
i6'o New-Hampshire 
157 Oregon 
*5*3 Wisconsin 
12'i Michigan . 
89 Minnesota 
87 Ohio . . 
77 Kansas 
7*3 
7-1 
5*9 
5’5 
53 
50 
49 
4.8 
4-8 
4*6 
45 
43 
4-2 
4*2 
4-2 
41 
40 
38 
37 
3-6 
3*6
        <pb n="210" />
        194 
2-5 
2-4 
Maine 3-5 Nebraska .... 
Dakota 31 Jowa 
Wyoming .... 26 
In Neu-Mexico und Arizona existirt eine gänzlich ver 
kommene Bevölkerung von Mexicanern, welche die Zahl der 
Illitteraten anschwellen macht. Die übrigen Staaten mit mehr 
als IO pCt. Illitteraten sind ausnahmslos frühere Sklaven 
staaten. 
Die Grant’sche Administration bediente sich der Neger 
stimmen zur Niederhaltung der rebellischen Weissen in den 
Südstaaten. Seit aber die Aussöhnung der letzteren, oder 
vielmehr der neuen Generation derselben, mit der Union statt 
gefunden hat, seit viele Weisse aus den freien Staaten in die 
Südstaaten eingewandert sind, dort Grundbesitz erworben, oder 
Industrie und Handel begründet haben, befestigt sich die 
Ueberzeugung unter allen Weissen der Union, dass man den 
Negern das active und passive Wahlrecht entziehen müsse. 
In den freien Staaten haben sich die Neger von 1870/80 
von 377.000 auf 514.000 vermehrt, nicht so bedeutend, als in 
den ehemaligen Sklavenstaaten. Sie sind hier Kellner, Diener, 
üben keinen politischen Einfluss und sind also unschädlich, 
vielfach nützlich, obschon stets unangenehm, denn sie sind 
faul, schmutzig, hinterlistig und boshaft. 
Nach dieser nothwendigen Abschweifung über die gegen 
wärtige Situation der ehemaligen Sklaven in den Südstaaten, 
wende ich mich wieder den materiellen Verhältnissen der 
selben zu. 
Man wird nun begreifen, wesshalb von den 393.990 Far 
men unter 20 Acres Grösse in der Union 188.228, fast die 
Hälfte, aut die kleine Gruppe der ehemaligen Sklavenstaaten 
kommen, obschon doch hier von dem intensiven Gartenbau, 
der auf den kleinen b armen der meisten anderen Staaten be 
trieben wird, so gut wie gar keine Rede sein kann. Es vege- 
tiren Negerfamilien, wahre Kanarienhecken, mit 8—10 und 
mehr Kindern, in Schmutz und Faulheit auf ihrem Heerd von 
Armuth und Schlechtigkeit — denn Felddiebstahl muss oft 
da aushelfen, wo die Trägheit Mangel verursachte. 
Auch an \ ich, einer Quelle des Reichthums und Bedingung
        <pb n="211" />
        195 
der Entwickelung der Agricultur, der Dungwirthschaft, sind 
die Südstaaten arm. Es gab daselbst 1880: 
Staat 
Virginian 
West-Virginien 
Nord-Carolina 
Süd-Carolina 
Georg-ia 
Florida 
Mississippi 
Louisiana 
Texas 
Tennessee 
Arkansas 
Missouri 
Alabama 
Summa 
Union 
Pferde 
218.838 
126.143 
133.686 
ÍX3.660 
98.520 
22.636 
112.309 
104.428 
806.099 
266.119 
&gt;46.333 
667.776 
&gt;13950 
Arbeits 
ochsen 
pct.j 
'e ° 
Milchkühe -c * 
iN 
Anderes | g ^ 
Rindvieh i 2 
IN 
243.061 
&gt;56.956 
232.133 
&gt;39.881 
3&gt;5.o73 
42.174 
268.178 
&gt;46.454 
606.717 
303.832 
249.407 
661.405 
271443 
2.087.497 — 539.589 
3.637.7 &gt;0 — 8.963.563 — 
&gt;0.357.981 45 
993.970 
—25 &gt;2.443.593 
39 22.488.590 66 
St 
a a t 
Schafe 
* Schweine 
' « o 
Maulthiere |.c * 
Be 
völkerung 
1880 
E P 
^‘^ginien 
Leors 
Flc 
rgia 
•orida 
Alaba 
uri 
497.289 
674.769 
461.638 
118.889 
527.589 
56.681 
287.694 
&gt;35 631 
2.411.887 
672.117 
246.757 
1.411.298 
347.538 
^uiiîia 
Juion 
7.849.777 
956.45 &gt; 
46.828 
&gt;.453.54&gt; 
628.198 
1.471.003 
287.051 
i.15&gt;.8i8 
633.489 
1.954.948 
2.158.169 
&gt; 565 098 
4 553.&gt;23 
1.252.462 
18.112.179 — 
35.&gt;9&gt;.656 24 47.683 951 QO 1.812.932 
33.598 
6.226 
19 481 
67.005 
132.078 
9.606 
&gt;29.778 
76.674 
&gt;32.581 
&gt;73.488 
87.082 
192.027 
121.081 
1.160.705 
1.500.000 
708.000 
1.400.000 
953.000 
1.450.000 
300.000 
1.044.000 
940.000 
1.600.000 
1.575.000 
760.000 
2 300.000 
1.150.000 
15,772.000 
61 I — I 131 50.200.000 30 
13*
        <pb n="212" />
        196 
Das Zugvieh, Pferde, Maulthiere und Ochsen beträgt nur 
3.787,791, gegen 13.164.884 in der Union. Die Ochsen und 
nach ihnen die Maulthiere, weil billigstes Zugvieh, überwiegen 
relativ im Süden, Die Maisproduction bleibt procentisch auch 
erheblich gegen den Unionsdurchschnitt zurück und damit 
auch die Zahl des fleischliefernden Viehes. Dennoch zeigt sich 
eine procentisch grosse Vermehrung an Vieh in allen Staaten. 
Es ist vielleicht nicht uninteressant, hier noch die be 
treffenden Zahlen des dieser Oruppe verwandten Staates Ken 
tucky her zu setzen. Es gab 1880 daselbst 372,648 Pferde, 
Zunahme seit 1870 18 pCt., 116.153 Maulthiere, Zunahme 
17 pCt., 36.166 Arbeitsochsen, Abnahme 48 pCt., 301.882 
Milchkühe, Zunahme 22 pCt., 505.746 Haupt anderes Rind 
vieh, Zunahme 32 pCt., 1.000.269 Schafe, Zunahme 7 pCt. 
225.225 Schweine, Zunahme 21 pCt., Zunahme der Maispro 
duction 45 pCt. 
Der Hauptartikel der Südstaaten ist bekanntlich die Baum 
wolle und sie war früher der einzige Exportartikel. Das hat 
sich sehr geändert, obschon die Production heute grösser ist, 
als sie es zur Zeit der Sclaverei war, wennschon die Pflanzer 
früher behauptet haben, Baumwollenbau sei nur bei Bestehen 
der Sclaverei möglich. Es betrug die Baumwollenproduction : 
Production Werth d. 
in 1000 Baumwoll- 
Ballen à . Exports 
440 Ibs. 1000 Doll. 
1830 976 
1840 2.177 
1850 2.096 
i860 4.669 
1870 3.154 
1875 3.832 
1878 4.811 
1880 5.746 
1882 ca. 7.000 
134.900 71.984 
316.242 191.806 
455.208 227.027 
823.946 211.043 
52 
60 
50 
25 
Werth d. Preis für 1 Ib, 
Exports Upland-Baum- 
der Brod- wolle in N.-York 
Stoffe Cents 
1000 Doll, niedr, höchst, 
— 813 
— 8 IO 
13.066 II 14 
24.422 IO II 
72.250 15 26 
— 13 17 
9 12 
288.036 II I3'/4 
Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dass die Baumwoll-
        <pb n="213" />
        197 
Production sich jetzt von dem Schlage vollkommen erholt 
hat, welchen ihr die Sclaverei-Aufhebung verursachte, dass 
aber ihre Exportbedeutung sehr hinter jener der Brodstoffe 
zurücktritt. Der Werth des Baumwollexports beträgt nur 
mehr 25 pCt., anstatt früher 50—60 pCt. des Werthes der 
Gesammtausfuhr. Der Preis ist bereits wieder bei dem Niveau 
von 1850 angelangt. 
Die Baumwollenmanufactur entwickelt sich jetzt sehr in 
den Südstaaten von Amerika mit Benutzung der Wasserkraft. 
Die Baumwolle wird nicht in Ballen gepresst, sondern in 
Säcken, wie in Europa die Schafwolle, transportirt, wodurch 
ein Materialverlust von 5 pCt. vermieden wird. Es werden 
jetzt etwa 32 pCt. der producirten Baumwolle im Lande ver 
arbeitet. Angebaut wurden bis 1881 ca. 8 ' 2 Mill. Ballen à 
450 lbs., davon in der Union 78 pCt., in Ostindien 15 pCt., 
in Aegypten 5 pCt., in Brasilien 2 pCt. Der Verbrauch der 
Gesammtproduction vertheilt sich auf die Fabriken der Länder 
in folgender Weise: 
Grossbritannien . 39 pCt. 
Ver. Staaten 26 
Deutschland 8 „ 
Russland ... 6' 2 „ 
Prankreich ... 6 „ 
Oesterreich . . 3' % „ 
Spanien .... 2 „ 
ln der Union gab es 1881 Januar 230.223 Webstühle, 
davon 18.036 in Connecticut, 13.978 in Maine, 94.748 in 
Massachussetts, 25.487 in New-Hampshire, 12.822 in New-York, 
*0.541 in Pennsylvanien, 30.274 in Rhode Island; ferner 
*0.921.147 Spindeln, wovon in Connecticut 931.000, Georgia 
200.000, Maine 696.000, Maryland 125.000, Massachussetts 
4-4^5, New-Hampshire 1.008, New-Jersey 232.000, New-York 
57^.000, Nord-Carolina 102.000, Pennsylvanien 446.000, Rhode 
Island 1.649.000. Man verarbeitete 1.586.481 Ballen und es 
Arbeiteten 181.628 Menschen in dieser Industrie. — Im Jahre 
*^75 gab es nur 9' 3 Mill. Spindeln, die 1.242.080 Ballen Baum 
wolle verarbeiteten. — Der Baumwollensamen wird jetzt in 
Ostindien . . 
Italien .... 
Schweiz . 
Schweden, Nor 
wegen,Holland, 
Canada etc. 
pCt. 
72
        <pb n="214" />
        198 
à 
70 Oelmühlen zu Oel und Oelkuchen vermahlen und bringt 
bereits 12—15 Doll, per Tonne. 
Dem Baumwollenbau sind 1880 === 14-4^2.000 Acres ge 
widmet gewesen, mit einem Durchschnittsertrage von 0.40 Ballen. 
Es producirten Alabama 699.000, Arkansas 608.000, Florida 
54.000, Georgia 814.000, Indian Territory 17.000, Kentucky 
i.ooo, Louisiana 508.000, Mississippi 955.000, Missouri 20.000, 
Nord - Carolina 389.000, Süd - Carolina 522.000, Tennessee 
330.000, Texas 803.000, Virginia 19.000 Ballen. 
Ein zweiter grosser Stapelartikel des Südens ist der 
Tabak : 
Jahr 1850 i860 1870 1880 
Die Production betrug in Mill. lbs. ... ,^9 434 262 446 
Der Werth des Exportbetrags in 1000 D. 10.599 19.289 22.705 18.442 
Preis per Ib. Kentucky Cents, höchster ,4 13 12 
niedrigster 5 3 7 5 
lieber den Umfang des Tabakbaues in den Vereinigten 
Staaten sind kürzlich vom statistischen Bureau in Washington 
für den Zeitraum von 1871 bis 1880 Nachrichten gesammelt 
worden. Denselben ist zu entnehmen, dass innerhalb des vor- 
bezeichneten Zeitraumes durchschnittlich 6.333.060 Acres mit 
Tabak bepflanzt waren, von denen 472'/., Millionen Pfund 
(ein Pfund = 453.59 Gramm) Tabaksblätter zum geschätzten 
Werthe von 42.476.000 Doll, gewonnen wurden. Auf die 
einzelnen Jahre vertheilte sich dieser Ertrag in nachstehender 
Weise: 
im lanre 
1871 
1872 
i«73 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
5 80.CXX) 
584.600 
653.(xx5 
500.000 
710.000 
733000 
745.000 
580.000 
638.000 
6io.oo(j 
mill. i'in. 
426 
480 
506 
3'5 
522 
535 
580 
429'/., 
472 
460 
woii. Werth 
41 748.000 
4(1.020.000 
4 ' .998.000 
34.A50.000 
41 • 760.000 
39 590.000 
40.6cx3.000 
34.336.0c30 
49 560 C3C30 
5O.60O.C3OO 
Dem Werthe nach ergab das Jahr 1880 mit 82.95 Schilling 
\om „Acre den höchsten, das Jahr 1876 dagegen mit 54.01 sh. 
den geringsten Ertrag, wogegen die Blätterernte die grösste
        <pb n="215" />
        199 
Ausbeute mit 821 Pfund vom Acre im Jahre 1872, die ge 
ringste mit 630 Pfund im Jahre 1874 lieferte. Der mittlere 
Verkaufspreis des Pfundes Tabak beim Producenten variirte 
zwischen 7 Cents im Jahre 1877, beziehungsweise 7.4 Cents 
im Jahre 1876 und je ii Cents in den Jahren 1874 und 1880. 
Die angegebenen Erntemengen bleiben übrigens hinter der 
wirklichen Ausbeute aus naheliegenden Gründen noch zurück. 
I^ie Ausfuhr der Vereinigten Staaten von Amerika an Tabak 
betrug im Fiscaljahre 1880,81 nahebei 238 Millionen Pfund. 
Im Jahre 1880 wurden Tabak gewonnen in Kentucky 171, 
Virginia 140, N. Carolina 57, Ohio 34, Pennsylvanien 27, 
Tennessee 41, Maryland 26, Missouri 12, Connecticut 14, 
indiana 11 Millionen lbs. 
Der dritte wichtige Artikel der Südstaaten ist der Zucker, 
Welcher bis jetzt bloss in Louisiana gebaut wird, bald aber im 
südlichen Theile von Florida in grossen Quantitäten gewonnen 
Werden dürfte. Die Production deckt noch bei Weitem nicht 
^ien Consum, obschon sie durch hohen Zoll geschützt ist. 
Louisiana producirte Rohrzucker in Hogsheads à 1.137 lbs. 
1840 87.000, 1850 = 211.000, i860 — 228.000, 1870 — 
• 44-000, 1879 = I 71.000. Im Jahre 1879 producirte T exas 4.951, 
Florida 1.273, S.-Carolina 229, Georgia 601, Alabama 94, 
Mississippi 18 Hogsheads. Man importirte dazu 1879 = 631.174 
Tons à 2.240 lbs. Rohrzucker und 34' ^ Millionen Gallons 
Molasse. Die Weltproduction wird für 1879—80 geschätzt auf 
Rohzucker 3.302.000 Tons, wovon Britisch Indien 1.450.000, 
Cuba 625.000, Java 180.000, Brasilien 140.000, Manila 120.000 
^tc, Rübenzucker Deutschland 390.000, Frankreich 290.000, 
(Russland-Polen 215.000, Oesterreich-Ungarn 360.000, Belgien 
55-000 Tons. Im Jahre 1880 producirte Louisiana 218.314, 
ï 881 nur 127.753 Hogsheads. 
Der Consum der Union betrug 1880 = 819.341 Tonnen, 
Wovon 730.519 eingeführt wurden, dazu 45 Millionen Gallonen 
Syrup, wovon 33 Millionen importirt wurden. 
Der letzte Artikel von Bedeutung, welcher in den Süd- 
s^aaten allein angebaut wird und hohen Ertrag per Acre liefert, 
(st der Reis.
        <pb n="216" />
        200 
Reis wurde auf 174.173 Acres im Jahre 1879 gebaut und 
gab II0.131.373 Ibs., durchschnittlich 632 Ibs. per Acre, wo 
von in S.-Carolina 52, in Georgia 25, Louisiana 23, N.-Caro- 
lina 5, Mississippi i, Florida i, Malamo 0.8 Millionen Ibs. 
Der Preis von 100 Ibs. Reis betrug in Dollars: 
Jahr 1830 1840 1850 i860 1870 1880 
niedrigster 2.00 2.75 2.25 3.00 6.50 5.5« 
höchster 3.50 4.00 3.37 4.62 9.50 8.00 
Nach diesen statistischen Aufschlüssen über den Pro- 
ductions-Charakter der Südstaaten der Union nehme ich mei 
nen Reisebericht durch dieselben wieder auf. 
Um Montgomery macht das Land einen vollkommen 
europäischen Eindruck. Der Wald verschwindet fast gänzlich. 
Dorf folgt auf Dorf. Gute Wege kreuzen die Hahn und Alles 
spricht dafür, dass man in einem altcultivirten Lande mit treff 
lichem Hoden angekommen ist. Dieser hat oft eine blutrothe 
Farbe, welche wir dem Eisengehalte zuschrieben. Doch ist 
dies vielleicht ein Irrthum, da stark eisenhaltiger Hoden nicht 
so fruchtbar ist, wie es jener rothe Hoden Alabamas jeden 
falls ist. Nur die im Verhältnisse zu den Menschen, die wir 
sahen, überwiegende Negerbevölkerung schwächte den günsti 
gen Eindruck ab, welchen das Land auf uns machte. 
Zwischen Montgomery und Mobile Hingt der Wald wie 
der an vorzuherrschen und wird auf der weiteren Strecke bis 
New-Orleans nur noch durch Sümpfe oder niedrige Grasplätze 
unterbrochen. Kurz vor New-Orleans führt die Hahn an dem 
schönen See Pontchartrain vorüber, an welchem zahlreiche 
Landhäuser der wohlhabenderen Hewohncr von New-Orleans 
und einige Hadeorte liegen. 
Das fruchtbare West-Georgia und Alabama produciren 
als Stapelartikel Haumwolle. Man ist aber mit dem Ertrage 
derselben nicht zufrieden, weil die Preise so ausserordentlich 
niedrige sind, 7 bis 8 Cents per englisches Pfund. Die Her 
stellungskosten sollen sich auf 10 Cents stellen, wenn man 
nur Lohnarbeiter verwendet. Der kleine Farmer begnügt 
sich aber mit geringem Lohne, das erklärt, wesshalb man den 
Anbau nicht einstellt. Die Bodenbestellung war übrigens eine
        <pb n="217" />
        201 
sehr sorgfältige, auch wird viel künstlicher Dünger, Guano 
und Blutdünger aus Schlachthäusern, angewendet, oft jedoch 
auch eine längere Brache. Für den Wirthschaftsbedarf wird 
Mais und Hafer gebaut, neben Kartoffeln, Bohnen und Ge 
müsen. 
Die Viehzucht wird noch sehr extensiv betrieben, obschon 
treffliche Luzerne und ein uns sehr gelobtes, maisartiges hohes 
Futterkraut wächst. Pferde und Maulesel kommen aus Ken 
tucky und Tennessee. Das Rindvieh hat viel englisches Blut 
und sieht recht gut aus. In Albany kostet ein vierjähriger 
Ochse IO Dollars, eine ebenso alte Kuh ebensoviel. Lin 
Joch starker Zugochsen wird aber mit 50 Dollars bezahlt. 
Der Export von Vieh ist noch sehr' unbedeutend, doch legen 
jetzt sich einige Amerikaner in Georgia auf die Cultur ratio 
neller Viehzucht zu Exportzwecken, die sich, meiner Meinung 
nach, sehr gut rentiren wird. Stallungen werden in diesem 
Klima gar nicht erfordert, der Boden ist billig und Mais und 
Paumwollsamen zur Mast sind es auch. Nur die Löhne sind 
hoch, wenn schon niedriger als im Norden. Eisenbahnarbeiter 
erhalten i Dollar täglich, dazu wöchentlich 3 Ibs. Heisch, 
Mehl und Syrup. Ein schwarzer Farmarbeiter erhält 50 Cents 
und Kost im Tagelohn oder 150 Dollars, Wohnung und Kost 
im Jahreslohn. Land ist in Fülle für i bis 10 Dollars per 
Acre zu haben, die Bevölkerung im Allgemeinen noch sehr 
dünn. 
Die Wald ver Wüstung ist auch in diesen Staaten eine be- 
klagenswerthe. Beim Klären des Waldbodens werden die 
Stämme zuweilen i Fuss über dem Boden gefällt und dann 
Verbrannt. Zuweilen steckt man einfach den Wald an. Die 
stehenden Bäume verlieren in dem Feuer Rinde, Laub und 
die meisten A este und bleiben dürr. Man pflügt nun den 
Acker zwischen ihnen für Hafer, Mais und Kartoffeln nur sehr 
fluch und die trockenen Stämme werden successive zu Brenn 
holz geschlagen. Diese allgemeine Waldverwüstung In Amerika 
Sollte man in Europa benützen. Unter allen Artikeln des 
^Weltmarktes ist Bauholz der einzige, welcher seit den letzten 
Ucht Jahren eine Preissteigerung erfahren hat, alle anderen
        <pb n="218" />
        202 
sind im Preise gefallen und setzt sich diese Bewegung nqch 
fort. In einem Dutzend Jahren werden Michigan, Minnesota 
und Wisconsin, die jetzt jährlich y'/^ Milliarden Fuss Bauholz 
schlagen, erschöpft sein. In Canada geht ein ähnlicher Process 
vor sich. Wenn der Holzexport Amerikas auf hört, was be 
reits abzusehen ist und weit schneller erfolgen wird als das 
Aufhören des Weizenexportes, so müssen die Wälder Europas 
eine sehr schöne Rente abwerfen. Es giebt in Europa sehr 
vielen Höhenboden, der nur das vierte oder fünfte Korn in 
Hafer und Roggen trägt, dabei nur mühsam zu bestellen ist. 
Man sollte den lieber wieder in Wald legen. Abgesehen da 
von, dass sich Ackerbau darauf schon jetzt nicht mehr aus 
zahlt, stellt der sich anztilegende Wald nicht nur eine gute 
Rente in Aussicht, sondern das Land gewinnt auch ganz all 
gemein dadurch, indem der feuchte Niederschlag regelmässiger 
und reichlicher wird, je mehr die Höhen mit Wald be 
krönt sind. 
Der südliche Theil der Staaten, die wir durchreisten, ist 
sehr niedrig und viele hundert Quadratmeilen weit swamp- 
artig, ohne dass diese Swamps Sümpfe in unserem Sinne 
wären. Wenige Canäle würden an den meisten Stellen ge 
nügen, hier für Zuckerrohr und Baumwolle geeignetes Terrain 
zu schaffen. Noch besser dürfte sich der planmässige Anbau 
von Gräsern zum Zwecke der Heugewinnung rentiren. Bei 
der reichlichen Küsten- und Husscommunication ist compri- 
mirtes Heu billig nach allen Theilen der Union zu transportiren 
und dürfte z. B. von den grossen Swamps zwischen Mobile 
und New-Orleans sogar vortheilhaft nach Europa exportirt 
werden können. Der Boden ist natürlich fruchtbar, der Regen 
ist reichlich und die Flüsse treten fast regelmässig aus, die zu 
schaffenden Wiesen bewässernd und mit Schlamm düngend. 
Dabei hat man aber einen stets trocknen Sommer, welcher 
die Heugewinnung leicht macht. Mähemaschinen können auf 
den vollkommen ebenen Flächen natürlich mit Vortheil überall 
zur Anwendung kommen. 
Was diese Länder brauchen, ist Capital und Arbeit. 
Ersteres erhalten sie, allein es legt sich vornehmlich in Fabriken
        <pb n="219" />
        203 
an. Ueberall entstehen Baumwollspinnereien und -Webereien, 
auch Oelmühlen und Holzfabriken aller Art. Die frei ge 
wordenen Neger haben nicht Geschäftssinn und Fleiss genug, 
einen unabhängigen Farmerstand aus sich heraus zu entwickeln 
und fwr Nordeuropäer ist das Klima ungeeignet. Italiener, 
Spanier und Südfranzosen werden wahrscheinlich sehr bald 
hieher wandern, wo sie ohne Zweifel schneller zu Wohlstand 
gelangen können als daheim und das ihnen zusagende Klima 
finden.
        <pb n="220" />
        XVI. Capitel. 
New-Orleans. 
Nevv-Orleans, wo ich im Mai i88i anlangte, ist eine Stadt 
von ungeheurer Ausdehnung, mit sehr breiten, von bäumen 
beschatteten Strassen. Nach der Peripherie löst sie sich in 
Landhäuser gefälliger Bauart, in lieblichen Gärten gelegen, 
auf. Der Hafen — die Stadt liegt an beiden Seiten des 
Mississippi, der hier doch wohl zwei Mal so breit sein mag 
wie die Donau bei Budapest — ist ausserordentlich gross, so 
dass er fast leer aussieht, obschon einige hundert Seeschiffe 
in ihm liegen. Er ist factisch ohne Grenze, da der ganze un 
tere Flusslauf, bis zur too Meilen von der Stadt entfernten 
Mündung, nur die Fortsetzung des Hafens bildet. Grosse 
Schiffe sieht man an vielen Stellen unterhalb New-Orleans im 
Mississippi bis zu dessen Mündung ankern. Die Quarantaine 
liegt etwa 70 Meilen unterhalb New-Orleans und hat Platz für 
Hunderte von Schiffen. An der Mündung des Mississippi hat, 
wie schon gesagt, Capitän Fads jene Jetties construirt, denen 
es zu danken ist, dass der herrliche Hafen von New-Orleans 
jetzt für Schiffe mit 30 Fuss Tiefgang in jeder Jahreszeit zu 
gänglich ist, während er bis 1877 oft durch eine Sandbank 
fast gesperrt, in der Regel aber nur für Schiffe von 14 bis 
16 Fuss Tiefgang zu erreichen war. 
New-Orleans ist immer, was Export anbelangt, nach New- 
York der bedeutendste Hafen gewesen. Import hatten Phila 
delphia und einige andere Städte mehr. Baumwolle und Zucker 
waren früher die fast einzigen Exportartikel. Neuerlich sind 
Baumwollsamenöl, Baumwollsamenkuchen, Provisionen (Speck 
und Schinken), Weizen, Mais und Mehl dazu gekommen und
        <pb n="221" />
        205 
dürften Vieh und frisches Fleich aus Texas sehr bald eben 
falls über New-Orleans nach Europa gelangen. Der Handel 
nimmt, seit 1879 die Jetties und 1880 die erste Eisenbahn nach 
Südtexas (Houston) fertig wurden, einen rapiden Aufschwung 
und wird sich noch erheblich vermehren, zumal eine zweite 
Hahn nach Nordtexas im nächsten Jahre vollendet wurde, 
dieses Land aber jetzt sehr schnell von neuen Ansiedlern, deren 
viele aus Deutschland und Böhmen stammen, in Anbau ge 
nommen wird. New-Orleans ist der einzige Unionshafen am 
Golf, welcher für tiefgehende Seeschiffe zugänglich ist, doch 
arbeitet man daran, auch Galveston zu einem solchen zu 
machen. 
Die Bevölkerung von New-Orleans ist sehr gemischt; fast 
die Hälfte ist schwarz oder farbig. Die ältesten weissen Ein 
wohner sind Creolen, französischer und spanischer Abkunft. 
Sie wohnen in einem besonderen, dem ärmeren Stadttheile. 
Sie erholen sich langsam von dem harten Schlage, den ihr 
früherer Reichthum durch den unglücklichen Krieg erhalten. 
Viele Deutsche sind neuerlich eingewandert und betreiben 
Geschäfte aller Art. Yankees und Engländer wandern jetzt 
fortwährend zu, bringen viel Capital mit und beherrschen 
Schon den grossen Handel der Stadt, haben aber dem gesell 
schaftlichen Leben derselben noch nicht seine angenehme 
Griginalität nehmen können. Noch ist New-Orleans eine hei- 
tere französisch-deutsche Stadt. Der letztere Zusatz zeigt sich 
besonders in den Biergärten, den Liedertafeln und musikalischen 
Genüssen im Freien, Dinge, die in Philadelphia unerhört sein 
würden. 
Es ist eine heitere und sehr angenehme Stadt, welche 
^em Fremden durch die grosse Gastfreundschaft der Einwohner 
•^och theurer wird. 
Der k. und k. Consul, Frhr. v. Meysenbug, betrachtete 
^is während der ganzen Zeit unseres Aufenthaltes in New- 
Grleans als seine Gäste. 
Wir studirten emsig die Handelsverhältnisse von New- 
Grleans, wie sie sich seit Vertiefung der Flussmündung günstig
        <pb n="222" />
        2o6 
entwickeln, was ja für Europa von höchst einschneidender 
Bedeutung werden muss. 
Herr Edelheim von der Getreide- und Bankfirma Hell 
mann und Seligmann, die mit Jay Gould in Geschäftsverbin 
dung steht, an der einen Barken-Compagnie betheiligt ist, der 
Flussbarken für den Getreidetransport von St, Louis nach New- 
Orleans gehören, und die endlich direct nach Europa Weizen 
und Mais auf eigene Rechnung versendet, führte uns zu einer 
dieser Barken, welche soeben mittelst der Hüte eines der 
grossen schwimmenden Dampfelevatoren Getreide in ein See 
schiff überlud, und erklärte uns den sehr einfachen und billigen 
Process. Er hatte auch die Freundlichkeit, uns fast alle jene 
Zahlen über die Kosten des Getreidehandels von St. Louis 
über New-Orleans nach Europa aus seinen eigenen Geschäfts 
büchern mitzutheilen, welche ich besonders verarbeitet habe. 
Am 14. und 15. Mai machten wir in Gesellschaft des 
Herrn v. Meysenbug und der Kaufleute Mr. Moritz und Mr. 
Kennedey einen Ausflug nach Port Eads an der Mündung des 
Mississippi, 100 Meilen südlich von New - Orleans gelegen, 
auf einem schnellen und bequem eingerichteten Dampfer, den 
uns Herr Kennedey zur Verfügung gestellt hatte, und auf dem 
wir seine Gäste waren. 
In den Clubs und auf der Baumwollbörse wurden wir auf 
das Zuvorkommendste aufgenommen und über den Handel 
der Stadt nach allen Richtungen unterrichtet. Insbesondere 
verpflichtete uns Herr Lincoln, der gewissenhafte und fleissige 
volkswirthschaftliche Rédacteur des „New-Orleans Demokrat“, 
durch Unterstützung bei unseren in diesem heissen Klima wirk 
lich äusserst anstrengenden Arbeiten. 
Mr. Algier, Präsident einer Oelmühlengesellschaft, führte 
uns persönlich in einer der grossen Oelmühlen dieser Stadt 
herum, in welcher aus Baumwollsamen Oel, Oelkuchen und 
Oelkuchenmehl fabricirt werden. Dieses ist eine bedeutende 
Industrie, die sich noch fortwährend vergrössert. Das Oel 
wird in steigenden Quantitäten nach Italien, Spanien und 
Frankreich exportirt, wo es als Olivenöl in den Handel kommt.
        <pb n="223" />
        207 
Das Oelkuchenmehl bleibt meist im Lande und wird als 
Dünger benützt. Oelkuchen gehen nach England als Mastfutter. 
Der Pflanzer erhält im Lande 5 bis 8 Dollars per Tonne 
von 2000 Ibs. Samen. Die Säcke verursachen ca. 2 Dollars Un 
kosten, Schmutz und Schrinkage je 1 Dollar, die Agenten 
I Dollar, so dass die Tonne von 2000 Ibs. netto und frei in 
New-Orleans sich auf etwa 15 Dollars stellt. Eine solche 
Tonne giebt, je nach Beschaffenheit des Samens, 33 bis 37 
.Gallons à 7 ' •&gt; Ibs. Oel, das beim Raffiniren 17 bis 30 Percent 
verliert, und 700 bis 750 Ibs. Baumwollsamenkuchen oder 
Cakes. Diese werden mit 18 bis 23 Dollars per Tonne von 
2240 Ibs. loco verkauft. Auf einen Ballen Baumwolle von 
450 Ibs. rechnet man im Durchschnitte eine halbe Tonne 
Samen. Eine vergleichende Analyse verschiedener ähnlicher 
Butter- und Dungstoffe, wie sie in England neulich angefertigt 
Wurde, ergab: 
f*roportion der fleisch- und 
theile in De 
Fleisch 
Leinsamen-Kuchen 28 
Rapskuchen 31 
Lothülste Baumwollsamen-Kuchen . 44 
Englische unenthülste Baumwoll 
samen-Kuchen 24 
Heizen 12 
Gerste 12 
•loggen II 
Hafer. ,2 
huchweizen g 
^ais 12 
höhnen 22 
h^'bsen . , , 22 
Leinsamen 23 
Reismehl 6% 
^''ßlisches Palmnussmehl .... 46 
"^alz 
hfauereirückstände 6Vî 
Kartoffeln 3 
Mangolds und Kohlrabi .... 2 
fettbildenden Bestand- 
imalen. 
Fett Total Dungwerth in Schil 
lingen per Tonne 
56 73 75V3 
53 78 88% 
57 82 106% 
46 Vî 61 58 
67 82 27 
67 82 25 
72 80 30 
63 79 23 
60 69 20 
68 80 25 
46 74 62 
60 79 62 Vi 
112 82 57% 
77 83 25 
94 80 34 
76 81 26 
18 25 12 
17 22 7 
8 12 5
        <pb n="224" />
        Fleisch Fett Total Dungwerth in Schil 
lingen per Tonne 
Carrotten i 7 4 
Sweedes i 7 9 a'U 
Turnips i 5 7 4 
Vielleicht ist der Baumwollsamenkuchen als Mastfutter mit 
Vortheil auf dem Continent von Europa zu verwerthen. 
Gegenwärtig ist die Erzeugung von Baumwollsamenöl 
einer der wichtigsten Industriezweige New-Orleans. Nach dem 
Census vom Jahre i88o beschäftigte dieser Industriezweig in 
genannter Stadt 1525 Personen, welche 374.142 Dollars Lohn 
erhielten und 2.742.000 Dollars Werth producirten. Das erste 
Baumwollsamenöl wurde bereits 1834 in Natchez herzustellen 
gesucht, der Versuch misslang. Neuerliche Versuche zu New- 
Orleans hatten 1852 ebenfalls keinen Erfolg. Erst im Jahre 1855 
gelang nach mancherlei Schwierigkeiten dem Consortium Martin, 
Fisk, Alidge und Maginis die Darstellung von Baumwoll 
samenöl. Von dieser Zeit an wuchs die jährliche Erzeugung, 
ausgenommen zur Zeit des Krieges, wo die Oelmühlen natur- 
gemäss geschlossen wurden. 1867 nach dem Kriege zählte 
man im Ganzen 7 Oelmühlen, 1870 bereits 27, 1880 schon 47 
(davon allein 6 in New-Orleans). 
Im Süden der Vereinigten Staaten arbeiten heutzutage 
57 Baumwollsamen-Oelmühlen, und zwar davon in Mississippi 
9, Louisiana 9, Tennessee 10, Texas 9, Arkansas 8, Missouri 2, 
Alabama 6 und Georgien 2. Zusammen enthielten 1880 selbe 
2681 Pressen, von welchen jede durchschnittlich im Tage -,3 
Tonnen Samen verarbeiten kann. In den letzten Monaten 
des Jahres 1882 wurden mehrere neue Oelmühlen erbaut, oder 
waren bereits im Baue begriffen, so dass sich die angegebene 
Zahl wieder vermehrt hat. 
Die Baumwollsamen - Production wechselt alljährlich und 
ist vom Wetter zur Zeit der Samenreife abhängig. War die 
Witterung während des Ausreifens der Samen günstig, so ent 
halten die Samenkerne reichlich Oel, und mit Leichtigkeit sind 
35 und mehr Gallonen Oel (à 3875 Liter) per Tonne Samen 
zu erzielen. Bei ungünstiger Witterung fällt die Ausbeute auf
        <pb n="225" />
        209 
31 Gallonen, denn die Samen bleiben trocken. Der Same 
selbst leidet gleichmässig durch allzugrosse Hitze oder hohe 
Kälte. Gut aufgehoben und bei entsprechender Ventilation 
hält er sich durch 12 Monate süss, obgleich derselbe manch- 
nial aus bisher unerforschten Gründen trotz aller angewandten 
Sorgfalt leicht verdirbt. Nothwendig ist gute Lüftung des 
Samens, damit er nicht dumpfig werde; ausserdem darf er 
nicht in allzugrosser Menge aufgeschichtet werden, da er sich 
dann erhitzt und selbst entzündet. 
Die Gesammtmenge des Baumwollsamens, der alljährlich 
so verarbeitet wird, beträgt in den Vereinigten Staaten Nord, 
amerikas etwa 410.000 Tonnen oder 10 Percent der jährlichen 
Krnte. Von dieser Menge entfielen 1879—80 auf die 6 Oel- 
ntühlen in New-Orleans 107.000 Tonnen mehr als ' 4 der ver 
arbeiteten Menge, wofür über 100.000 Dollars ausgegeben 
" urden. Das jährliche Erforderniss der New-Orleanser Oel- 
fabriken schwankt zwischen 75 120.000 Tonnen. Die Nach 
frage war hier stets grösser als das Angebot der Oelsamen, 
"'as die Fabriken zwingt, mehrere Monate im Jahre zu feiern. 
^ or einigen Jahren machten die rivalisirenden Fabriken die 
ernsthaftesten Anstrengungen, das ganze Jahr hindurch zu 
arbeiten. Die natürliche Folge war eine namhafte Preissteige 
rung des Rohproducts. Der Kampf begann im November 
'877 und dauerte bis Januar 1878. Der Haumwollsamen- 
Preis erreichte die enorme Höhe von 17 Dollars per Tonne, 
'Vas den Fabriken ein schweres Geld kostete. Die P'abriken 
Sahen die Nothwendigkeit ein, durch gemeinsames Vorgehen 
diesen schädigenden Feindseligkeiten vorzubeugen und so 
Entstand die Haumwollsamen - Association, welche, nun wohl 
^rganisirt, 6 Oelfabriken New - Orleans umfasst. Die Asso 
ziation kauft den Samen direct von den Pflanzern oder Nieder- 
^agen auf und vertheilt selben dann nach Verhältniss unter 
6 betheiligten Oelmühlen, ähnlich wie die Müller von 
Minneapolis den Weizen. Durch diese Vereinigung wird der 
^zeis bestimmt und regulirt. Um jedweden Streit auszu- 
^zhliessen, theilt die New-Orleans- und Memphis-Association 
'inter sich das Territorium; beide verpflichteten sich gegenseitig, 
14
        <pb n="226" />
        210 
die aufgestellten Grenzen zu achten. Keine Schranken sind 
für die Zufuhr festgesetzt, denn die Oelfabriken vermögen 
jedes angebotene Quantum zu verarbeiten. 
Der Baumwollsamen wird in der Fabrik vorerst von allen 
Beimengungen an Staub und Schmutz gereinigt, indem derselbe 
durch heftigen Luftzug gegen einen Windschirm geblasen wird, 
so dass alle beigemischten schweren Körper herabfallen müssen. 
Die Samenkörner werden dann in die Putzmaschinen überführt, 
die gleich den übrigen Baumwollsamen - Putzmaschinen con- 
struirt sind, nur dass die Zähne näher aneinander gestellt wer 
den, um die den Samenkernen anhaftende Baumwolle von 
ersteren zu trennen. Die gereinigten Kerne gelangen in einen 
Drehcylinder, welcher 24 walzenförmig gestellte Messer, nebst 
vier gegenüber angebrachten Schneidemessern enthält, welche 
selben auf die kleinsten Theilchen zerkleinern. Die Hülsen 
werden hier von den Kernen getrennt. Die Schalen bilden 
ein ganz gutes Rindviehfutter und werden per Tonne zu 
7 Dollars verkauft. Die Kerne werden dann zwischen Walzen, 
ähnlich wie in den Rohrzuckerfabriken, gepresst und das Oel 
rinnt frei herab. Selbes wird nun in wollene Press - Säcke 
zwischen Rosshaareinlagen, die mit geriffeltem Leder überzo 
gen sind, damit das Oel leichter austreten kann, gethan, und 
unter die hydraulischen Pressen gebracht. Die Säcke bleiben 
dem enormen Drucke 17 Minuten ausgesetzt, während welcher 
Zeit das Oel vollständig ausgepresst wird und sich in einer 
Rinne ansammelt. Nur die trockenen Kerne bleiben zurück, 
die als Baumwollsamenkuchen in den Handel gelangen. Das 
Oel wird nun in den Oelraum gepumpt, und wenn es als so 
genanntes Rohöl versendet werden soll, in diesem Zustande 
in die Versandtgeiasse gefüllt. 
Soll es jedoch raffmirt werden, so behandelt man es mit 
kaustischer Soda, im Verhältnisse von beiläufig 7:15 pCt. 
Das Oel wird während dieser Zeit beständig mittelst Schaufeln 
umgerührt, oder mittelst einer Luftpumpe bewegt, welche 
durch eine innerhalb des Sammelgefasses durchgehende lange 
Eisenröhre Luft durchtreibt. Alle Beimischungen fallen hier zu
        <pb n="227" />
        21 I 
Roden, und das gereinigte Oel, etwa 82 pCt des Rohpro- 
ductes, wird dann abgelassen. 
Der Bodensatz ist von dunkler Beschaflfenheit und bekannt 
unter dem Namen Seifenlager. Derselbe wird nochmals er 
wärmt, um das noch darin enthaltene Oel zu trennen, und 
dann zu 3‘/4 Doll, per Metercentner an die Seifenfabriken ver 
kauft, oder von den Oelfabriken selbst zu diesem Zwecke auf 
Seife verarbeitet, womit sich die Mehrzahl der New-Orleanser 
Oelfabriken beschäftigt. Das Oel ist nunmehr raffinirtes Oel 
und wird zu grossen Sammelreservoirs gebracht, wo es lagert, 
bis es zum Füllen der Versendungs-Gefasse benützt wird. 
Im Durchschnitt ergiebt eine Tonne Baumwollsamen 
35 Gallons rohes Oel im Werthe von 30 Cents 10.50 Doll, 
(das Erträgniss schwankt zwischen 31 bis 39 
Gallons) 
22 Pfund Baumwolle à 8 Cents 1.76 „ 
750 Baumwollsamenkuchen à 20 Doll. p. Tonne. 7.20 „ 
Summa . . . 19.46 Doll, 
ulso beinahe 39 Gulden Gold im Durchschnitte von einer 
Tonne Baumwollsamenkerne. 
Die Oelmühlen verarbeiten im Durchschnitte, wie bereits 
gesagt, 410.000 Tonnen Samen jährlich; dies ergiebt für den 
eigentlichen Süden 7.772.140 Doll., etwa 3 pCt. der gesamm- 
ten Baumwollernte. Von obiger Summe entfällt auf New- 
Orleans mehr als ein Drittheil des gesammten Erzeugnisses 
(2.742.000 Doll). 
Die Neben-Erzeugungsproducte der Baumwollsamen-Oel- 
fubriken lassen sich in folgende Hauptgruppen theilen: 
I. Baumwollsamenkuchen. Dieselben enthalten die 
besten Reste, nachdem die Baumwollsamen die Oelpressen pas- 
haben. Die übrig bleibenden, sogenannten Kuchen wer- 
^Gn in Säcke gepackt, von denen jeder 200 Pfd. = 91 Kilo 
gramm enthält. Dieselben besitzen eine reiche Goldfarbe, sind 
ganz trocken und haben einen süssen, nussartig-öligen Ge 
schmack. Selbe werden vornehmlich zur Ernährung des Vieh- 
^tapels oder zu Dungzwecken verwendet. Gewöhnlich zer- 
*^ahlt man selbe zu Mehl von ähnlicher Beschaffenheit, wie 
14*.
        <pb n="228" />
        212 
Kornmehl, das unter dem Namen Baumwollsamenmehl bekannt 
ist. Vielfach werden selbe nach Grossbritannien exportirt, wo 
sie in ausgedehntem Maasse bei der Viehmästung Verwendung 
finden. Zu diesem Zwecke sind sie das beste Futter der Welt, 
indem sie einen verhältnissmässig grösseren Theil animalischer 
Nährstoffe per Pfund enthalten, als jedes andere Nährmittel; 
desgleichen wirken sie günstig auf die Milchproduction. 
2. Das Oel. Dieses ist zweierlei Art, roh oder raffinirt. 
Das Baumwollsamenöl wird in der Seifenfabrication, von 
Malern und. zur Darstellung von Schmieren benützt; die 
Hauptverwendung besteht jedoch im Ersatz- oder Fälschungs 
mittel für Olivenöl, dessen Stelle es überaus rasch einge 
nommen. Es ist beinahe unmöglich, gutes Baumwollsamenöl 
von dem besten Olivenöl dem Geschmack, Gerüche oder an 
deren Processe nach zu unterscheiden. Dies mussten die 
Olivenöl-Erzeuger Italiens widerwillig anerkennen. 
Die übliche Fälschungsart des Olivenöls besteht in einer 
Mischung von 25 Percent desselben mit 75 Percent Baumwoll- 
samenöls. Oft genug enthält letzteres blos eine geringe Bei 
mengung eines anderen Oels, um demselben einen specifischen 
Geschmack zu verleihen. Wie viel übrigens alljährlich von 
Baumwollsamenöl als Olivenöl verkauft wird, und als solches 
mit Befriedigung von Feinschmeckern verzehrt wird, lässt sich 
aus den Gegenden nachweisen, wohin selbes aus New-Orleans 
verschifft wird. Etwa 88 Percent der Gesammtproduction, 
6 Millionen Gallonen (à 3.875 Liter) wurden in letzter Saison 
gemäss erfolgter Aufträge aus Europa nach dem Mittelmeer 
und Frankreich exportirt und sicherlich hievon die grössere 
Hälfte nach Italien. Dies übersteigt die Gesammtproduction 
Frankreichs und bildet etwa y, jener von Italien. Da jedoch 
die Unionstaaten blos '/m dieser Menge als sogenanntes 
Olivenöl wieder einführen, so ist es klar, dass nicht blos das 
Volk, sondern auch erfahrene Feinschmecker Europas ihren 
Salat mit den Producten der Baumwollsamenkerne zubereiten. 
Einiges Oel geht übrigens nach dem Westen, wo es als reines 
Olivenöl Verwendung findet, ohne erst den weiten Weg und 
weitläufigen Transport über den Ocean nach Europa unter-
        <pb n="229" />
        . ^'3 
nehmen zu müssen. -A der Jahresproduction der Unionstaaten 
(15 Millionen Gallons) wird nach Europa ausgeführt. Die 
amerikanischen Producenten glauben, dass in kurzer Zeit die 
gegenwärtige Voreingenommenheit gegen das Baumwoll- 
samenöl in Europa schwinden werde, und dass die Bewohner 
Amerikas, gleich jenen Süd-Europas, endlich dahin gebracht 
Werden, die Speisen in Oel zu kochen, wie dies die Hebräer 
Schon lange thun, um der Verwendung von Speck entgegen 
zuarbeiten. 
3. Zupfwolle (Lint) wird jenes Product genannt, das 
aus den an den Samenkernen anhaftenden Baumwollfasern 
gewonnen wird. Die Baumwollenthülsungs - Maschinen haben 
auf dem flachen Lande für gewöhnlich nicht so enggestellte 
Zähne, so dass nicht alle anhaftende Baumwolle entfernt wird. 
Die Oelfabriken vermögen durch Näherstellen der sägeartigen 
Zähne alle noch vorhandene Baumwolle an den Samenkörnern 
zu entfernen. Dieselbe beträgt etwa 22 Pfund von jeder Tonne 
Samen, d. h. das erste Putzen entfernt 95 Percent der Baum 
wolle, das zweite Putzen nimmt in diesen letzteren Putzmühlen 
^ie übrigen 5 Percent ab. Die Zupfwolle ist von kurzem 
Stapel, d. h. kurzen Fasern, aber ausserordentlich rein und 
Weiss; die besseren Sorten erreichen 8 Cents per Pfund am 
Markt. Die Krauswolle, die von den Samenkapseln gewonnen 
wird, ist 9 Cents per Pfund werth. Diese Wolle findet haupt 
sächlich in der Papierfabrikation Verwerthung. Das Gesammt- 
Grgebniss der in den Oelfabriken gewonnenen Baumwolle wird 
‘nt letzten Jahre auf 5000 Ball, geschätzt. 
4. Die Hülsen oder Schalen der Baumwollsamenkerne 
betragen beinahe die Hälfte des Gewichtes; eine Tonne Samen 
"iegt etwa 1000 Pfund Hülsen und 1000 Pfund Samenkerne. 
Selbe finden als Feuerungsmittel zur Erzeugung der Betriebs 
kraft der Oelfabriken gute Verwendung; einiges Oel bleibt 
ihnen doch zurück, sie brennen demnach gut; desshalb 
befern selbe das gesammte Brennmaterial, so dass die Fabriken 
•^icht nöthig haben, auch nur einen Bushel Kohlen zu kaufen. 
Die Asche liefert ein billiges und zugleich werth volles Dünge- 
^ittel, weil dieselbe alle mineralischen Pflanzenbestandtheile
        <pb n="230" />
        214 
enthält. Ausgelaugt gewährt sie eine vortreffliche Lauge für 
Seifenfabriken. Der als Autorität in Beziehung auf Baum 
wolle und Baumwollsamen bekannte Atkinson in Boston 
meinte, dass die Hülsen der Baumwollsamen ein ganz brauch 
bares Material zur Papiererzeugung bieten würden, bisher 
liegt jedoch in dieser Richtung noch keine praktische Erfah 
rung vor. 
5. Seifenlager sind die Rückstände nach dem Raffiniren 
des Oels; dies wird zur Seife verarbeitet, manchmal auch zur 
Darstellung von Farben verwendet. 
Aus diesen Angaben ist ersichtlich, welch’ grossen Ge 
winn in günstigen Jahren die Baumwollsamen-Verarbeitung 
abzuwerfen vermag. Manche P'abriken zahlen bis zu 40 Per 
cent Dividende. 
Transportkosten. Baumwollsamen ist ein sehr schwe- 
rer, gewichtiger Artikel; die Fracht ist ausnehmend theuer 
und deshalb wird er zumeist per Wasser verfrachtet. Die 
Folge ist, dass die meisten Fabriken an Flüssen gelegen sind. 
Letztes Jahr zahlten die Oelmühlen New-Orleans für Fracht 
allein 360.000 Dollars aus. 
Die Baumwollsamen-Oel-Industrie ist nicht blos für New- 
Orleans einer der vielversprechenden Geschäftszweige. Wenn 
schliesslich einmal der volle W^erth derselben gewürdigt wer 
den wird, ist die Zukunft derselben geborgen. Für selbe ist 
keine Grenze gesetzt und sie wird ebensolchen Aufschwung 
nehmen, wie die Baumwoll-Industrie überhaupt, als die Baum- 
woll-Spinnmaschine erfunden wurde. Die letzte Ernte ergab 
ca. 2.800.000 Tonnen Samen, die, verarbeitet, ca. 98 Mill. 
Gallonen Oel, 6i*/2 Mill. lbs. Baumwolle und 2100 Mill. lbs. 
Kuchen ergeben haben würden. Fs. kam aber natürlich sehr 
viel weniger zur Verarbeitung. 
Der Consul der Vereinigten Staaten in Marseille, J. B. 
Gould, berichtet, dass die Baumwollsamen-Oeleinfuhr im See 
hafen von Marseille von Jahr zu Jahr steige; bis zum Jahre 
1866 war dieser Import sehr gering, und vornehmlich blos 
von englischen Quetschwerken ausgehend. Die Ausdehnung 
der Marseiller Seifenfabrikation, insbesondere die Herstellung
        <pb n="231" />
        215 
weisser, schäumender Seifen, war die Hauptursache der Ver 
brauchssteigerung des Baumwollsamenöls, obgleich selbes an 
fangs von einzelnen Fabrikanten nur mit Misstrauen angenom 
men wurde. Die Kosten, die ursprünglich geringer als jene 
des Erdnussöls gewesen, wurden jedoch allmälig die gleichen, 
und man fand, dass der übliche Verlust .2 bis 3 Percent grösser 
war, so dass die Erwartungen, die sich an die Verarbeitung 
des Baumwollsamenöls in der Seifenfabrikation knüpften, sich 
nicht besonders günstig gestalteten, insbesondere bei Verar 
beitung zu Savon blanc à froid. Baumwollsamenöl wurde viel 
fach mit Nuss-, Palm- und Cocosnussöl vermengt. Die früher 
erwähnte Seifenart wird jedoch nicht ausschliesslich in Marseille 
allein hergestellt, sondern zum grossen Theile in dessen näch 
ster Umgebung, vornehmlich in Avignon; selbe ist bedeutend 
geringer in der Qualität, aber die Kosten der Gestehung ge 
ringer, als jene für reine Marseiller Hausseife. Diese Aussicht 
eröffnete dem neuen Importartikel eine Absatzquelle nach dem 
Westtheile Frankreichs, der Baumwollsamenöl sich nun aus 
Amerika bringen Hess. Trotz alledem wäre der Handel in 
Baumwollsamenöl belanglos geblieben, ungeachtet der be- 
merkenswerthen Fortschritte, welche dessen Erzeugung in den 
Vereinigten Staaten aufzuweisen hatte. Die ersten Schiffsla 
dungen direct aus Amerika kamen vor 7 Jahren nach Mar 
seille. Das Oel erfreute sich keiner besonderen Beliebtheit, 
theils wegen der im Oele selbst gelegenen Mängel, theils ob 
schlechten Verpackungsart, die zu mancherlei Klagen An- 
gab. Die amerikanischen Producenten überwanden jedoch 
bald diese Schwierigkeiten durch fortgesetzte Anstrengungen, 
^as Erzeugniss zu verbessern, so zwar, dass bereits heute 
^as amerikanische Baumwollsamenöl als eines der wichtigsten 
Handelsproducte im Verkehr Marseilles angesehen werden muss. 
Die Thatsache lässt sich nicht mit Stillschweigen über- 
S^hen, dass die jetzige grosse Vorliebe für dies amerikanische 
^^1, falls selbes ordentlich gereinigt und raffinirt in den 
Handel kommt, daher rührt, dass dasselbe gänzlich geschmack 
los ist und dass es anderen vegetabilischen Oelen beigemischt 
Werden kann, ohne die geringste Veränderung zu bewirken.
        <pb n="232" />
        2i6 
Der einzige Unterschied besteht darin, dass Baumwollsamenöl 
bereits bei einer höheren Temperatur stockt, als z. B. Olivenöl. 
Aber auch diesen Nachtheil hat man durch einen eigenen 
chemischen Process in dem Masse vermindert — und grosse 
Mengen so präparirten Oels kommen in Handel — dass selbes 
die Klarheit und Flüssigkeit noch bei einer Temperatur von 
5 Grad unter dem Gefrierpunkte des lootheiligen Thermo 
meters behält. 
Die officiellen Ausweise zeigen, dass ein grosser Theil 
des eingeführten Baumwollsamenöls von Marseille wieder im 
ursprünglichen Zustande und unter eigenem Namen zur See 
und zu Lande ausgeführt wird. Alles reine Olivenöl wird zu 
erst von Italien und dem Inneren Süd-Frankreichs importirt; 
es ist nun wahrscheinlich anzunehmen, dass das Oel, welches 
als reines Olivenöl übernommen wurde, in demselben unver 
änderten Zustande wieder ausgeführt werde. Uebrigens schliesst 
dies nicht aus, dass am Erzeugungsorte selbst manchmal eine 
Verfälschung vorgenommen werde, so dass dies Product alles 
Andere ist, nur nicht reines, absolut unverfälschtes Olivenöl. 
Es muss übrigens bemerkt werden, dass eine grosse Menge 
Baumwollsamenöl von einem Theile der Bevölkerung im 
reinen Zustande und mit vollem Bewusstsein verwendet wird. 
ISamentlich geschieht dies in Gegenden, wo die Olive nicht 
gedeiht; begreiflicher Weise zieht der Consument einen Artikel 
vor, von dem er weiss, dass dies reines Baumwollsamenöl ist, 
und das er zu weit billigerem Preise beziehen kann, als jenes 
minderwerthige Handelsproduct, das ihm um theueres Geld 
als Olivenöl verkauft wird und von dessen Echtheit er sich 
nicht überzeugen kann. 
Der Baumwollsamenölhandel befindet sich in Marseille im 
Stadium des Aufschwunges und verspricht rasch zu wachsen. 
Die folgende Zusammenstellung giebt ein Bild des raschen 
W^achsthums dieses Handelszweiges in den zwei Jahren 1879 
und 1880: 
Aus den Ver. Staaten aus England Summa 
Barr. Kilogr. Barr. Kilogr, Barr. Kilogr. 
•879 23.205 3.719.335 11.303 2.981.400 34.508 6.700.735 
1880 34.622 5.5^4.377 18.840 4.276.692 53.462 9.841.073 
Daher mehr 11.417 1.845.032 7.537 1.295.296 18.954 3.140.338
        <pb n="233" />
        217 
Nach diesem Bericht über eine der wichtigsten neuen In 
dustrien des Südens der Union, welche wohl auch die Ren 
tabilität des Raps- und Rübsenbaues in Europa beeinflussen 
kann, setze ich meine Beobachtungen über die Stadt New- 
Orleans fort. 
Wir fanden es ausserordentlich heiss in New-Orleans. 
I^ie Luft ist dabei sehr feucht und man hat das Gefühl, in 
einem Dampfbade zu gehen. Natürlich strengt die Arbeit in 
Solchem Klima ungemein an, und hatte uns der mehr als acht- 
^%tge Aufenthalt Alle körperlich etwas heruntergebracht, so 
«lass wir eilten, unsere Reise — zunächst nach Texas — fort 
zusetzen, obschon wir uns nur ungern von den liebenswür- 
^*gen Menschen trennten, deren Gastfreundschaft uns die hier 
Verlebte Woche so angenehm machte, am schwersten freilich 
von Herrn v. Meysenbug und seiner genialen und reizend- 
iebenswürdigen Gattin, die uns am i6. Abends eine musika- 
ische Unterhaltung gaben, die jedem Salon einer europäischen 
Gsidenz Ehre gemacht haben würde. Die New - Orleanser 
amen sind vielleicht nicht schöner als die einiger anderen 
Amerikanischen Städte, welche wir besuchten, aber sie sind 
naiv liebenswürdig und scheinen von ihrer Gefährlichkeit für 
junge Männer keine Ahnung zu haben, was die Gefahr natür- 
*ch nur erhöht. Ich hatte viel von dem Reiz der creolischen 
Suten Gesellschaft gehört, allein wir gestanden uns Alle, dass 
nnsere Erwartungen weit durch die Wirklichkeit übertroffen 
'Varen. Ein längerer Winteraufenthalt in New-Orleans muss 
^ den grössten Annehmlichkeiten gehören, die es giebt. Den 
Gichthum mögen die Amerikaner der Südstaaten verloren 
Aben, die feine Sitte, ein Product alter Cultur und alten Reich- 
\ '^^os, und die Liebenswürdigkeit und Schönheit ihrer Damen 
Sind ihnen geblieben.
        <pb n="234" />
        XVII. Capitel. 
Texas. 
Ueber ein Land, das so gross ist, wie Deutschland, Däne 
mark, Holland, Belgien und die doppelte Schweiz, nämlich 
274.356 englische Quadratmeilen, dabei keinerlei Gebirge be 
sitzt und überall, entweder für Ackerbau oder Viehzucht ge 
eignet ist, dabei jedoch nur ein und eine halbe Million Ein 
wohner hat, könnte man Bände schreiben; ich muss mich mit 
einem kurzen Capitel begnügen, habe auch nur einen kleinen 
Theil des Landes, entlang der Bahn von New-Orleans nach 
San Antonio und von hier über Austin und Dallas nach Nor 
den, bis an das Indianer Territorium, gesehen, dazu einige 
Ausflüge von San Antonio gemacht. 
Texas ist eine, bis zu 5000 Kuss im Nordwesten hohe 
Ebene, welche ziemlich schnell nach Süden und Osten sich 
senkt und an der Küste, 60 bis 80 Meilen breit, wenig über 
den Meeresspiegel emporragt. Diese Lage gestattet den See 
winden, tief in das Land einzudringen und auf die Temperatur 
desselben mässigend einzuwirken, so dass die Hitze nirgends 
so gross ist, als man es der südlichen Lage nach annehmen 
sollte. Im Winter hat man selten Frost und Schnee im Nor 
den und in Centraltexas, im Süden fast nie. Das Klima in 
den Flussniederungen am Golf ist ungesund und Fieber herr 
schen. Von der Breite San Antonios ab nach Norden aber 
wird es sehr gesund und auch angenehm, so zwar, dass die 
hügelige Gegend nördlich jener Stadt von Brustkranken als 
Aufenthalt gewählt wird. Der Regenfall ist im Nordwesten 
spärlich, in Mittel- und Osttexas aber ausreichend und in Süd 
texas reichlich. Zahlreiche Flüsse und Bäche bewässern das
        <pb n="235" />
        219 
Land, können Wasser zu Bewässerungsanlagen abgeben und 
bieten den Heerden Tränkplätze. Allein zu Trinkwasser ist 
das Brunnenwasser nicht geeignet und ist man auf Cisternen- 
wasser angewiesen, ein unleugbar grosser Uebelstand. In 
Austin, also in Mitteltexas, betrug der Regenfall durch 19 
Jahre, von 1857 bis 1876, 34*64 Zoll. Man will eine Zunahme 
konstatirt haben. 
Der Küstenstrich im Süden von Texas ist, namentlich an 
den Flüssen, sehr fruchtbar und soll 20 bis 30 Fuss Humus 
haben. Hier liegen circa 5000 englische Quadratmeilen — 
6twa ein Gebiet, ein Drittel so gross wie die Schweiz — die 
zum Anbau von Zuckerrohr und Reis geeignet sind, auch vor 
der Sclaven-Emancipation sehr blühende Pflanzungen enthielten, 
die jetzt verfallen sind. Ein unermessliches Gebiet nördlich 
hiervon ist zum Anbau von Baumwolle geeignet, doch werden 
nur circa eine Million Ballen (à 480 lbs.) exportirt. Mais ge 
deiht in einem ebenso weiten Bereiche und ebenso Hafer. 
Öbschon das Land so weit südlich liegt, ist doch in einem 
grossen Gebiete, das einige sechzig Grafschaften umfassen 
Soll, Weizenanbau möglich. Der Weizen ist hart und schwer. 
der That sahen wir auf der oben angegebenen, von uns 
durchreisten Strecke überall, wo Anbau stattfand, guten Weizen, 
^arum auch nicht? Freilich ist Texas ein warmes Land. 
Aber Britisch-Ostindien, Australien, Südcalifornien, Chili und 
die La Plata-Staaten sind auch warme Länder und exportirten 
dennoch namhafte Quantitäten Weizen. 
Der Boden in Texas und nördlich davon in dem Indianer- 
Grritorium und in Kansas, ist nicht im Untergründe Sand, 
Sondern Thon, oft mergelig, zuweilen auch mit starkem Sand- 
^'^satz, überall oben schwarz von vermoderten Pflanzenresten, 
natürlich in den Niederungen intensiver und dicker ge 
schichtet sind, als in Ebenen, und die auf den Höhen ganz 
^ufhören. Diese sind zuweilen sehr steinig und tritt Fels 
l^^cht selten zu Tage. Früchte aller Art gedeihen, wie auch 
omüse, üppig. Wilder und edler Wein gedeiht in Nord- 
'^nd Mitteltexas, südlich bis San Antonio hinab. Weizen säet 
^^0 im Herbst und erntet ihn Mai/Juni. Mais kann man
        <pb n="236" />
        220 
schon im Februar anbauen. Für die Feldarbeit hat man volle 
zehn Monate, und in manchen Jahren das ganze Jahr Zeit, 
man braucht also wenig Zug\deh im Verhältnisse zur zu be 
bauenden Fläche des Ackers und für dieses nur sehr leicht 
gezimmerte Ställe, das heisst Schuppen, die nur eine Bretter 
wand nach Norden und ein Bretterdach haben, sonst aber 
vollkommen offen sind. Rindvieh und Schafe werden gar 
nicht gestallt, ausser von einigen Deutschen, des Düngers 
wegen, hie und da auch ein paar Milchkühe. Die Prairie ist 
theilweise eben, gegen Norden hin aber „rollend“, d. h. wellen 
förmig, hügelig. Stellenweise ist sie kahl, meist jedoch nicht, 
und zwar hat man Wald, der sich zwischen die baumlosen 
Flächen hineinschiebt, und auch Hügellandschaften, die spär 
lich mit Bäumen, reichlicher mit Gesträuch bewachsen, doch 
nicht mit Dickicht besetzt sind und Raum für Graswuchs zur 
Viehweide lassen. Das Gesträuch giebt dem Vieh Schatten, 
und die Blätter des Mesquitostrauches, der hier vornehmlich 
wächst und bis 20 Fuss hoch wird, sowie dessen bohnenartige 
Frucht, gewähren den Rindern und Ziegen Nahrung in der 
trockenen Jahreszeit und im Winter. 
Bei Weitem das meiste Land ist anbaufähig, die steinigen 
Hügel aber sind es nicht. Es kann jedoch keinem Zweifel 
unterliegen, dass Texas mehr Producte des Ackerbaues und 
der Viehzucht jährlich hervorbringen kann, als die Eingangs 
genannten Länder Centraleuropas, denen es an Umfang gleich 
kommt. Es hat eben keine Gebirge und wenn es im Nord 
westen auch nur Weidegrund enthält, so ist der Süden dafür 
um so fruchtbarer. Ausserdem steht es keineswegs fest, dass 
der Nordwesten für Ackerbau immer ungeeignet sein und 
bleiben wird, da man ‘dasselbe noch vor zwei Jahrzehnten 
von ganz Kansas annahm, dessen östliche Hälfte jetzt, wenn 
nicht zu den besten, so doch mindestens zu den Ackerbau- 
districten mittlerer Güte von Amerika gehört. Vorläufig frei 
lich wird man kaum den Versuch machen, diesen Theil des 
Landes anders als mit Viehzucht auszunutzen, denn es ist im 
Osten und Süden ja noch so sehr viel zweifellos anbaufähiger 
Boden vorhanden. Trotz der sehr dünnen Bevölkerung stieg
        <pb n="237" />
        221 
file Weizenernte von Texas von 50.000 Bushels im Jahre 1850 
2.5 Millionen Bushels im Jahre 1880. Wir haben auf der 
Capotfarm, 30 Meilen von San Antonio, östlich von der Bahn 
îiach Houston, drei Ernten auf demselben Felde im selben 
Jahre gesehen, Weizen, Millet und Turnips, und zwei Ernten 
l^änn man leicht auf demselben Stücke erzielen. Frische Kar 
toffeln, frische Gemüse erzeugt man acht Monate im Jahre, 
flazu alle in Deutschland heimischen Obstarten und andere 
Früchte und ausserdem halbtropische, Pfirsiche und Orangen. 
Texas hat 175V2 Millionen Acres Oberfläche, wovon min 
destens 100 Millionen pflugbarer Boden sind, der Rest ist 
zum Theil gute Weide. 67 Millionen Acres sind noch unver- 
äussertes Staatseigenthum. Oesterreich hat 22, Ungarn 27, 
Frankreich 64, Deutschland 65 Millionen Acres unter dem 
Ffluge. Es ist ein ungeheures Land, voll der reichsten — 
auch mineralischen — Hilfsmittel, namentlich Kohle, mit weit 
verbreiteter Wasserkraft, das nur Bevölkerung braucht, um 
Sehr productiv zu werden. 
Die Einwanderung hat sich demselben nicht so massen- 
aft zugewendet, wie dem Nordwesten der Union, weil die 
isenbahnVerbindungen so mangelhaft waren und zum Theil 
uoch schlecht sind. Einige der neueren Bahnen sind gut, allein 
Einige, z. B. die von Austin bis Hearne, auf der wir uns um 
30 Stunden verspäteten, wetteifern mit den schlechtesten Bahnen 
ju Horida und Georgia an Gefährlichkeit. Dieses wird jedoch 
besser. Ein Blick auf eine neuere Karte von der 
nion lehrt, dass man in den letzten Jahren viele neue Bahnen 
^ ^ oxas, 702 Meilen vom i. Juli 1879 bis i. Juli 1880, bis da- 
1881 2051 Meilen gebaut hat und an mehreren grossen 
inien arbeitet. Schon existiren über 6000 englische Meilen 
daselbst. 
Jenes nordöstliche Viereck, das von Galveston nach San 
^*itonio, von da nach Denison an der Grenze des Indianer- 
^ffitoriums und östlich bis an die Grenze von Louisiana 
^icht, ist schon kreuz und quer von Bahnen durchzogen. 
sind Bahnen im Bau begriffen, welche den übrigen 
grösseren Theil von Texas durchschneiden werden. Jay Gould,
        <pb n="238" />
        222 
der grosse Eisenbahnspeculant und -Bauer hat sich in Mexiko 
engagirt, woselbst er mehrere grosse Bahnen baut. Diese will 
und muss er durch Texas mit den Bahnen der Union in Ver 
bindung bringen. Schon besitzt er die Bahn von St. Louis 
nach Denison, Fort Worth und Waco und baut nach der 
Mündung des Brazosflusses. An derselben will er einen Hafen 
schaffen. Die Verbindung von San Antonio mit dem weiter 
westlich gelegenen Hafen Indianola ist vollendet. Von San 
Antonio baut man nach Loredo an der mexikanischen Grenze, 
zum Anschlüsse an die im Bau begriffenen mexikanischen 
Bahnen. Von Fort Worth baut man an einer Bahn, die direct 
westlich nach El Paso del Norte führt und die Verbindung 
mit der Süd-Pacificbahn herstellt, die ihrerseits Anschluss an 
die californischen Bahnen hat. Von dieser Bahn zweigt sich 
bei Fort Griffin eine Bahn ab, die dort, wo der Canadian 
River von Neumexiko in Texas eintritt, mit der Atlantic- 
Pacificbahn in Verbindung treten wird, welche ihrerseits an 
jenem Flusse entlang bis zum Mississippi führen wird. Die 
letzten beiden Bahnen eröffnen das sogenannte Pan-Handle, 
eine für Viehmast und Viehzucht ausgezeichnete Gegend, dem 
Verkehre. Ansiedelungen existiren bis jetzt erst in dem oben- 
bezeichneten, von Eisenbahnen bereits durchzogenen nord 
östlichen Vierecke. Sie werden nun an beiden Seiten der in 
Bau begriffenen Bahnen entstehen. Selbst die Producte Süd- 
californiens werden über diese neuen Bahnen nach Galveston 
und New-Orleans ans Meer gelangen. 
An den beiden Seiten der Bahnen wird, wie wir sahen, 
das Land schnell angesiedelt, und zwar sind es vornehmlich 
Deutsche und Böhmen, welche ein wandern und Ackerbauer 
werden. Es ist Texas dasjenige Land in der Union, worin 
ein Mann mit wenig Capital am leichtesten selbstständig wer 
den kann. In Kansas, einem zur Ansiedelung vorzüglich ge 
eigneten Lande, ist dies mit weniger als looo Dollars Capital 
kaum möglich, und selbst damit schwer. In Texas ist noch 
Homestead-Land vorhanden, jedoch ist das beste bereits occu- 
pirt; allein für i bis 3 Dollars per Acre sind noch viele kleine 
zum Ackerbau geeignete Besitzungen zu kaufen. Grössere
        <pb n="239" />
        223 
Strecken billiger. Bebaute Farmen gelten schon 12 bis 20, 
in einzelnen Fällen bis 70 Dollars per Acre, und Prairieland 
in der Nähe von Ansiedelungen 3 bis 5 Dollars. Der capital- 
iose Ankömmling kann fast durch das ganze Jahr Lohnarbeit 
dem Lande erhalten, in der Erntezeit zu sehr gutem Lohne. 
Farmer boten jetzt i';2 bis i^ 4 Dollars nebst Kost und Woh- 
nung per Tag. 
Der Ankömmling kann in einigen Jahren genug Capital 
zum Ankäufe einer bescheidenen Besitzung sparen, und das 
Anfängen selbstständiger Landwirthschaft darauf ist nicht eben 
theuer. Gebäude für Vieh und Ernte braucht der Mann wenige 
und nicht kostspielige, ein leichtes Bretterhaus genügt in dem 
uiilden Klima als W ohnung. Das lebende Inventar ist auch 
uicht theuer. Eine Kuh kann für 20 bis 35 Dollars, eine ein 
jährige Ferse um 7’/2 bis 8 Dollars, ein halbwildes Pferd von 
*4 bis 18 Dollars, ein gezähmtes um 25 bis 35 Dollars, ein 
Maulesel um 25 bis 50 Dollars, ein Schaf und eine Ziege um 
t bis 1* 2 Dollars in San Antonio, und billiger im Innern des 
Landes, gekauft werden. Die Eisenbahngesellschaften stunden 
den Ankaufspreis des Landes zum grossen Theile. Nur Pflug, 
M^agen, Egge muss gekauft und bezahlt werden. Der ergiebige 
Loden erzeugt schnell Mais, Kartoffeln und die nöthigsten an 
deren Lebensmittel. Da der Boden noch jungfräulich ist und, 
Uusscr auf den Höhen, eine mehr oder minder mächtige Humus 
schicht hat, so braucht er vorläufig keine Düngung, obschon 
diese nicht erfolglos ist, und kann doch zwei Ernten im Jahre 
bringen. Er ist ferner an den zahlreichen Flüssen und Bächen 
Vorzüglich zum Gemüse-, Obst- und Weinbau geeignet. Eine 
'Veit kleinere P lâche als die Homestead von 160 Acres ge- 
^^gt also, um eine Familie jahrein, jahraus zu beschäftigen 
^l^d ihr die Capitalbildung zu ermöglichen. Da die Prairie 
l'^^gends unabsehbar und stets von Wäldern begrenzt ist, so 
*st Holz hier weit billiger als in den baumlosen Prairiestaaten 
Reiter nördlich. Merkwürdig ist, dass die Wälder selten auf 
Höhen, dafür reichlich in den Ebenen gefunden werden. 
Her in hohem Grade fruchtbare Boden des grössten Thei- 
dieses Landes und sein mildes Klima erleichtern also dem
        <pb n="240" />
        capitalarmen Ansiedler die Sesshaftmachung. Aber Arbeit ist 
erforderlich, und die ist in der Wärme lästig, obschon diese 
Wärme kaum so gross sein dürfte, als in Oberitalien, wo wir 
die Menschen doch tüchtig und viele Stunden auf den Feldern 
schaffen sehen. 
Die grosse Armuth der texanischen Ansiedler veranlasst 
sie, Baumwolle mit Vorliebe anzubauen, weil diese am schnell 
sten und auch erst noch vor einigen Jahren am meisten Baar- 
geld brachte. Man kann rechnen, dass drei Acres zwei Ballen 
Baumwolle à 500 lbs. bringen (das Gewicht der Ballen ist in 
den einzelnen Staaten und sogar in den einzelnen Jahren ver 
schieden, in der Regel von 440—500 Ibs.) und diese heute 
ca. 7 Cents per Ibs. werth ist, macht 23 Dollars per Acre. 
Dazu kommen 3 bis 4 Doll, für den Baumwollsamen. Weizen 
würden etwa 900 Ibs. auf dem Acre wachsen, Baumwolle nur 
etwa 300 Ibs.; es ist also der Transport des Productes bei 
Baumwolle von drei Acres nur so theuer, wie bei Weizen von 
einem Acre. So lange es also wenig Bahnen gibt und diese 
theure Tarife haben, zahlt es sich aus, ein leichtes Product zu 
erzeugen. Je mehr der Bahnbau sich entwickelt, desto mehr 
wird sich der Anbau von Mais, Weizen und Hafer wahrschein 
lich entwickeln, welche keine Hand-, sondern nur Maschinen 
arbeit erfordern. 
Ich würde für die Zukunft den Anbau von Weizen, Hafer, 
Mais, die mit Maschinen beackert und geerntet werden können, 
für profitabler halten, zumal jetzt die Baumwolle sehr niedrig 
im Preise steht. Das Pflücken der Baumwollkapseln in den 
heissen Sommertagei) ist eine sehr lästige Arbeit und kostet 
viel Lohn, wenn sie um Geld von gemietheten Arbeitern ver 
richtet werden soll. Der kleine Farmer arbeitet freilich mit 
Weib und Kindern daran, und ist es auch eine Arbeit, welche 
Kinder leicht verrichten können. Wenn der Mann seine acht 
Acres mit Baumwolle bebaut, so kann er die Ernte sehr gut 
mit Hilfe von Frau und einem Kinde ins Trockene bringen 
und erhält ca. 200 Dollars, die er zu Ausgaben, wenn er nicht 
investirt, nicht gebraucht, sowie er sonst nur auf der F'arm 
die nothwendigen Lebensmittel baut. Man hat eine Maschine er-
        <pb n="241" />
        Í25 
funden, welche das Enthülsen des Baumwollsamens ermöglicht. 
Öer Farmer wird jetzt die Hülsen als Viehfutter verwerthen 
und doch aus dem Kernmehle denselben Vortheil ziehen kön 
nen, als bisher aus dem Samen. Ausserdem sind Blätter und 
Btengel als Viehfutter verwendbar, werden aber bisher nicht 
benützt. Ueberhaupt ist die texanische Landwirthschaft, soweit 
Sie von Eingeborenen und von Yankeefarmern betrieben wird, 
noch sehr roh, extensiv und also verschwenderisch. Indessen 
ernen sie von den deutschen Ansiedlern, die hier, wie auch 
*n den nördlichen Staaten, nicht nur die besten Eandwirthe, 
sondern die Lehrer der Amerikaner in der Landwirthschaft sind. 
Her Boden wird zwar ziemlich allgemein, ausser hie und 
für Baumwolle, noch nicht gedüngt, allein wir haben bei 
deutschen Ansiedlern, welche schon lange im Lande sind, 
^stgestellt, dass Düngung allerdings wirkt. Die deutschen 
armer beginnen denn auch ziemlich allgemein zu düngen, 
^^ie \ iehzucht erfordert bedeutendes Capital zum Ankäufe der 
Stockheerde und der Zuchtstiere. Das Weideland im Süden 
Und \\esten ist meist noch Regierungsland und um geringe 
oder gar keine Facht ausnutzbar. Im Norden und Osten 
^uss Weideland jedoch gekauft werden, ist aber um i bis 
3 Dollar per Acker zu haben. Das einfache, ungekreuzte 
^xasvieh ist sehr billig. Wenn es nach Norden getrieben 
''"•rd, so ist in Kansas,* etwa in Dodge City, um 12 bis 18 
-Dollar eine zwei- bis dreijährige Kuh nebst Kalb zu kaufen, 
Südtexas selbst ein vierjähriger Stier um 14 bis 16 Dollars, 
^*ne ganze Heerde um 8 bis 12 Dollars per Haupt. Ein Voll- 
utstier kostet 80 bis 150 Dollars. Auf der Capotfarm be- 
rieb man das Geschäft, die Race durch Ankauf solcher Stiere 
Veredeln und die Kreuzungsproducte, 2 ' .j bis 3 Jahre alt, 
^®hr fett zu machen. Die Fracht per Bahn von San Antonio 
Gtrug im Mai 1881 per 100 Ibs. Wolle nach New-York in 
_ ^llen I IO Dollars, bis Galveston 0 65 Dollars, für 100 Ibs. 
^umwolle nach New-York i 38 Dollars, per Ballen von 
500 Ibs. also 6 ÇO Dollars — der texanische Ballen ist meist 
Schwer — bis New-Orleans 6 Dollars, bis Galveston 4*50 
® urs. Eine Waggonladung Schafe nach St. Louis oder 
15
        <pb n="242" />
        22Ó 
Kansas City 126'/a Dollars, nach Galveston 66 Dollars, Rind 
vieh nach St. Louis oder Kansas City 115 Dollars. Alles 
weist auf Galveston, als den natürlichen Exportplatz von 
Texas, hin. Von der Capotfarm kostete der Transport einer 
Waggonladung Vieh nach New-Orleans 110 Dollars, nach 
St. Louis 100 bis 120 Dollars, verschieden in einzelnen Zeiten, 
nach Galveston nur 36 Dollars. 
Auf der Farm des Herrn Devine, nördlich von San Au 
gustine, sahen wir den Versuch, auf trockenen, steinigen 
Hügeln, die mit Mesquitostrauch und einigen anderen Bäumen 
spärlich bewachsen waren und nur dünnes Weidegras trugen, 
Merinoschafe und Angoraziegen zu züchten. Die Schafe bringen 
angeblich 5 Ibs. Wolle, die 20 bis 24 Cents ungewaschen 
kostet. Die Mutterschafe kosteten im Einkäufe 3 Dollars, die 
Böcke 18 bis 25 Dollars per Stück. Die Hammel werden 4 
bis 5 Jahre alt verkauft. — Die Angoraziege ist vom Dr. 
Davis im Jahre 1859 aus der Türkei nach Georgia gebracht, 
wo ein Major Peters bei Atlanta jetzt die beste Stammheerde 
besitzt. Eine reine Angoraziege und ein solcher Bock kosten 
noch im Durchschnitte 100 Dollars, vorzügliche Exemplare 
mehr. Herr Devine hatte ausser solchen Thieren eine An 
zahl gemeiner Ziegen à i Dollar gekauft. Die erste Kreuzung 
ist fast werthlos, die Ziege zweiter Kreuzung soll 74 Ibs. 
Wolle, à 30 Cents, liefern; die dritte bis fünfte Kreuzung und 
die reine Angoraziege 6und mehr, zuweilen bis 9 und 
IO Ibs. Wolle, à 70 bis 80 Cents. Diese Ziegen werden 8 bis 
9 Jahre, in seltenen Fällen 13 Jahre alt, sind vollkommen frei 
von Krankheiten und haben die hohe Vermehrungsrate von 
I '/o Jungen auf eine Mutterziege im Jahre. Die Haut der 
alten Angoraziege ist 3 bis 4 Dollars werth und der Körper 
hat bei 20 bis 30 Ibs. Fett. Das Fleisch der Ziegen hat 
noch keinen Marktwerth, obschon das der Angora sehr délicat 
ist, wie wir uns bei Herrn Devine überzeugten. Auch die 
Milch der Ziegen wird nicht benützt. 
Auf seinen eingezäunten 14.000 Acres hofft Herr Devine 
3- bis 4000 Schafe und 1200 Ziegen halten zu können. Rind 
vieh würde man — ohne Zufutter im Winter — nur ein
        <pb n="243" />
        227 
Haupt auf acht Acres, also im Ganzen 1700 Stück, halten 
können. Das Unternehmen auf der Capotfarm, sowie jenes 
^es Herrn Devine sind neue Versuche, die wohl gelingen 
"lögen. 
Die texanischen Farmer, nicht deutscher oder böhmischer 
Abkunft, leben ziemlich ärmlich, wie es scheint, leiden an 
Kapitalmangel, arbeiten wohl auch nicht alle sehr energisch 
Und wirthschaften, wie gesagt, extensiv. Ganz anders die 
deutschen Ansiedler. Sie werden ersichtlich wohlhabend. 
Hiese beiden Classen sind es aber allein, welche bis jetzt 
Getreidebau in Texas treiben. Diejenigen Pflanzer, welche 
^^aumwolle und Zucker mit Hilfe von Sclavenarbeit betrieben 
haben, sind wohl meist ruinirt worden. Der Grossbetrieb im 
Anbau von Zuckerrohr wird aber wohl nicht lange auf sich 
"'arten lassen. 
Mit Aufwand von vielem Capital wird nur die Viehzucht 
betrieben. Dennoch ist Texas auch für den Ackerbau im 
Grossbetrieb geeignet und ist Grossgrundbesitz hier leicht 
"ud billig käuflich. Eine Combination von Ackerbau mit 
Viehzucht zum Zwecke der Viehmast scheint für das nächste 
Hecennium in Texas die lohnendste Capitalanlage im grossen 
^tyle zu gewähren. Aus einer solchen Wirthschaft kann man 
dann, sowie ;lie Bevölkerung wächst, zum reinen Ackerbau 
übergehen. 
Hie texanische Regierung hat das älteste „Exemptionsge- 
setz“ in der Union, auf Grund dessen Niemand wegen Schul 
den seines ganzen Besitzes — bis auf ein unantastbares Mini- 
"lum von 200 Acres — beraubt werden darf. Das Land 
hatte, als es im Jahre 1839 erlassen wurde, nur circa 60.000 
^‘chtindianische Einwohner. Um Einwanderer anzuziehen, er- 
hess die Regierung das Exemptionsgesetz, welches damals 350 
■^cres schützte. In meinem Werke über die Heimstättengesetze 
theile ich beide Gesetze im Wortlaut mit. ln der benachbarten 
"ion, zu der Texas damals noch nicht gehörte, konnte ein 
^Grschuldeter Mann nie seine wirthschaftliche Selbstständigkeit 
''^•eder erlangen, weil der Gläubiger auf jeden erworbenen 
ollar seine Hand legte. Da eröffnete Texas eine Freistatt 
15*
        <pb n="244" />
        228 
für solche Existenzen. Ein von allen Mitteln entblösster Mann, 
der in der Union noch Geld schuldete, konnte in Texas Ver 
mögen erwerben und dieses war, bis zu einer gewissen Höhe, 
gegen Angriffe der Gläubiger geschützt. Ein ähnliches Mittel 
wandten ja auch Romulus und Remus an, um ihrer „ewigen 
Stadt“ Bürger zu verschaffen. An diesem Gesetze hat Texas 
festgehalten und die meisten Staaten der Union haben ähnliche 
Gesetze erlassen. Die Folge blieb nicht aus. Schon 1850 
hatte Texas 212.000, i860 601.000, 1870 818.000 und 1880 
1-592.000 Einwohner. 
Zum Exemptionsgesetz kommt das Homstead-Gesetz, das 
liberaler ist, als jenes der anderen Union-Staaten, und das 
Wuchergesetz. Die unoccupirten Ländereien der anderen 
Unionstaaten gehören der Unionsregierung in Washington und 
sie verfügt darüber, an Ansiedler, die fünf Jahre darauf ge 
wohnt haben. Erst nach Ablauf dieser fünf Jahre werden sie 
verfügbares Eigenthum des Ansiedlers. Als Texas sich im 
Jahre 1845 der Union anschloss, behielt sich die texanische 
Staatsregierung die öffentlichen Ländereien vor und sie gibt 
jedem Familienhaupt 160 Acres, jedem unverheiratheten Manne, 
über 18 Jahre alt, 80 Acres gegen die Einschreibegebühren 
von circa 15 Dollars, die schon nach dreijähriger Occupation 
volles Eigenthum werden. 
Nach dem Exemptio nsgesetz, § 16 der Verfassung von 
Texas, ist jede Homestead frei von Inanspruchnahme und 
Verkauf für jede Schuld, mit Ausnahme des Geldes, um das 
sie — von einem früheren Besitzer — angekauft wurde, oder 
eines Theiles dieses Geldes, oder der Steuern, oder des Ar 
beitslohnes für Arbeit auf dieser Homestead, oder der Schuld, 
die für Herstellung von Anlagen darauf gemacht wurde und 
im letzteren halle auch nur, wenn ein schriftlicher Vertrag 
über die auf der Homestead zu leistende Arbeit oder darauf 
aufzuführende Baulichkeiten oder Anlagen (Improvements) vor 
liegt, der die Zustimmung der Ehefrau und des Besitzers ge 
funden hat. Der Besitzer darf die Homestead nur mit Zu 
stimmung seiner Frau verkaufen. Keinerlei Hypothek (mort 
gage, trust or lien) auf eine Homestead soll gütig sein, ausser
        <pb n="245" />
        229 
solche für den Ankaufspreis (Restkaufgeld), oder Anlagen 
darauf, gleichgiltig, ob solche hypothekarische Verpflichtung 
vom Besitzer allein oder mit Zustimmung seiner Frau einge- 
tragen worden ist, und jeder angebliche Verkauf der Home 
stead, der nicht ganz dem Gesetze entspricht, ist nichtig. 
Der Begriff der Homestead ist aber noch ein weiterer als 
oben angegeben wurde und erstreckt sich auch auf die 
Stadt, und die Exemption auch auf bewegliches Vermögen. 
Die Homestead an Grundbesitz auf dem Lande soll nicht mehr 
als 200 Acres in einem oder mehreren Stücken und mit allen 
Baulichkeiten darauf umfassen. Die Homestead in einer Stadt 
soll aus Grundbesitz bestehen, der nicht mehr als 5000 Dollars 
'Verth war, zur Zeit, als sie als Homestead bezeichnet wurde, 
ohne Rücksicht auf den Werth der darauf seitdem gemachten 
Anlagen, vorausgesetzt jedoch, dass dieselbe als ein Heim be 
nutzt werde, oder als der Ort des Geschäftsbetriebes des 
_ amilienhauptes. Ein temporäres Verpachten soll ihr den 
omestead- Charakter nicht nehmen, wenn der Besitzer nicht 
noch eine zweite Homestead besitzt. 
Dieses Exemptiongesetz ist das dem Besitzer günstigste, 
'velches mir bekannt ist. Ihm am nächsten kommt das neue 
Desetz für Louisiana. 
Durch Gesetz ist ferner der Zinsfuss 8 Percent, wenn kein 
Besonderer Vertrag vorliegt, kann durch Contract aber bis 12 
orcent erhöht werden. 
Auch die Steuergesetze sind mit besonderer Schonung für 
^n „kleinen Mann“ und seine Capitalbildung auferlegt. Alle 
aushaltungs-, Küchen- und Handwerksgegenstände, inclusive 
ähmaschine, die nicht 250 Dollars an Werth übersteigen, 
®*ud abgabenfrei. Auf jede 100 Dollars Eigenthum, fallen 
50 Cents Steuer, ausserdem zahlt jeder Mann vom 21. bis 
Bo. Jahre jährlich 2 Dollars für die unentgeltliche Staatsschule. 
Die Einschätzung des Eigenthums ist eine sehr niedrige, 
schon daraus hervorgeht, dass das gesammte, im Privat- 
^sitze befindliche Grundeigenthum dieses ungeheuer grossen 
-andes inclusive aller Gebäude in den Städten im Jahre 1878 
auf 186 Millionen Dollars zur Steuer eingeschätzt war.
        <pb n="246" />
        230 
Die Schuld des Staates betrug am i. März 1880 5 Millionen 
Dollars, die 341.000 Dollars Jahreszinsen kosteten. Die Staats 
ausgabe für 1877 und 1878 betrug 3.277.243 Dollars. Damals 
bemass sich das Land, welches noch dem Staate gehörte, auf 
67 Millionen Acres oder 105.000 englische Quadratmeilen, 
d. h. es war halb so gross als ganz Deutschland. Von dem 
in Privatbesitz übergegangenen Lande gehörte ein grosser 
Theil den Eisenbahngesellschaiten, die sich in Anerbietungen, 
es billig und gegen langsichtige Abzahlung an Ansiedler zu 
überlassen, den Rang ablaufen. 
Ein Land, das dem capitallosen Einwanderer so viele Vor 
theile anbietet, muss deren Viele anziehen. ln den Jahren 
1878 und 1879 sind denn auch je rund 200.000 Einwanderer 
registrirt worden. Wir trafen auf verschiedenen Bahnsta 
tionen deutsche Einwanderer, zum Theile soeben ausgediente 
preussische Soldaten, deren einer — noch die Militärmütze trug. 
Unsere Fahrt von San Antonio nach Kansas führte uns 
durch den am dichtesten besiedelten Theil des Landes. Auf 
fallend war der Gegensatz, den die Reise durch das Indianer- 
Territorium zu diesem Theile von Texas, und mehr noch zu 
dem dichter bevölkerten Theile von Ostkansas bot. 
Zwar gibt es hie und da an den Stationen der Eisenbahn 
auf dem Indianer-l erritorium und besonders an der texanischen 
Grenze, einige ärmliche, weisse Ansiedler. Allein das Land 
ist doch fast buchstäblich unbewohnt, ausser von den Indianern, 
denen die Union dieses Territorium reservirt hat, die aber sich 
fern von der Bahn zu halten scheinen, denn wir sahen nur 
einige halbcivilisirte Mischlinge an den Stationen. 
Das Indianer-Territorium ist ein prachtvolles Land. Der 
Bodea ist zum grossen Theile dem texanischen gleich, wellen 
förmig, stellenweise bergig, in den Thälern sehr fruchtbar und 
die Berge sind fast alle mit herrlichen Laubwäldern bedeckt. 
Ueppiges grünes Gras wogt auf den Prairien, zahlreiche 
klare Bäche winden sich durch die Thäler. Hier könnte man 
Grossgrundbesitz anlegen, wie in Böhmen, denn hier ist Alles 
so bei einander, wie in jenem gesegneten Lande: Bewaldete 
Berge zu Park- und Thiergarten-Anlagen, fruchtbarer Boden
        <pb n="247" />
        und ein entzückendes Klima; nicht mehr so warm als in Texas 
und doch noch mild, obschon bereits Winter mit regelmässigem 
Schnee sich einstellen. 
Hier lasse ich einige kritische Notizen eines meiner Reise 
gefährten folgen : 
„Fast glaubte ich über Texas etwas berichten zu müssen, 
was gar nicht beruhigend für uns in Europa gewesen wäre; 
denn die Amerikaner hätten uns in arge Verlegenheit mit den 
Erfolgen ihrer Viehzucht bringen können. In Texas hatte ich 
Gelegenheit, diese gefährliche Viehzucht zu sehen. Es wurde 
mir anfangs wirklich bange. Ein flüchtiger Blick ist allerdings 
nicht geeignet, die schwarzen Gedanken zu verscheuchen. 
Guter Weidegrund ist hier um 50 Cents bis 5 Dollars das 
Joch zu haben, und zwar in genügender Menge. Der Besitzer 
einer grossen Landfläche, deren Erwerbung keine grossen 
Geldopfer erfordert, zäunt diesen Grundbesitz ein und lässt 
auf demselben so viel Vieh frei herumlaufen, als die üppige 
Weide ernähren kann. Das ist aber nicht wenig, denn es 
gibt Leute, die 10.000 Stück haben. Das Vieh verursacht 
Wenig Auslagen, da man es hier ganz sich selbst überlassen 
kann und nur hie und da es einmal zusammentreibt, um die 
Stücke zum Verkaufe auszusuchen. Bei uns ist, abgesehen 
Vom höheren Grundankaufspreis, die Pflege und Ernährung 
üer Thiere viel kostspieliger, besonders wenn letztere genau 
nach den Vorschriften gelehrter Landwirthe erfolgen sollte. 
Hier, im freien Amerika, gibt es keine Futternormen für das 
Vieh. kann sich hier seine Kräuter nach eigenem Ermessen 
aussuchen, und ich kann aus Ueberzeugung sagen, dass es 
sich recht gut dabei befindet. Stallungen kennt man in die 
sem l,ande nicht und braucht sie auch nicht; aber auch der 
Gedanke, das Vieh mit eisernen Ketten im Stalle anzubinden, 
behagt dem freien Amerikaner nicht, und ich sah daher in den 
Wenigen Stallungen, die ich fand, das Vieh ohne jede Fessel. 
Auf diese Art haben die Besitzer grosser Heerden, trotz ihres 
ausgedehnten Besitzes, fast keine Auslagen, denn ich muss 
beifügen, dass dieselben bis heute keine Grundsteuer gezahlt 
haben, nicht, weil sie diese Forderung nicht begleichen woll-
        <pb n="248" />
        ten, sondem einfach, weil sie hier keine Grundsteuer haben. 
So primitiv sind noch die Verhältnisse! Es wäre daher für 
uns ganz unmöglich, mit diesen Verhältnissen zu conciirriren, 
da die hiesigen Herdenbesitzer im Stande sind, mit gutem 
Gewinne ein schönes Stück Rind um lo bis 20 Dollars zu 
verkaufen. 
Ein Theil dieser Rinder geht nach Europa und sind| 1881 
aus Texas bis Ende April schon 150.000 Stück ausgeführt 
worden. Dieselben gehen noch den weiten Weg über New- 
York, werden aber von jetzt in den nächsten Jahren den billi 
geren Weg über New-Orleans nehmen, das heisst, so lange 
die Jetties an der Mississippi-Mündung sich ihres Erfolges er 
freuen. 
Was ich darüber denke, habe ich bereits gesagt. Für 
einige Jahre dürfte das Vieh auf diesem Wege aber doch bil 
liger nach Europa gebracht werden. Die Leute fragten mich 
hier, warum wir eigentlich nicht lieber das Vieh bei uns selbst 
ziehen, anstatt es uns aus Amerika schicken zu lassen. Natür 
lich konnte ich ihn&amp;n den wirklichen Grund nicht sagen; dass 
wir zwar auch Vieh hätten, dasselbe aber uns viel theuerer zu 
stehen kommt, als ihnen, die auf steuerfreiem Boden wirth- 
schaften. Diese Erklärung wäre diesen Naturmenschen unver 
ständlich gewesen, oder sie hätten mich weiter gefragt, was 
wir gemacht hätten, dass wir so viel Abgaben zu zahlen haben 
und darauf wollte ich es nicht ankommen lassen, sondern 
sagte ihnen, die Gegend wäre für Rindvieh nicht sehr gesund 
und wir hätten schon manches Unglück damit gehabt. 
Wohin kämen wir nun, wenn dem Import von amerika 
nischem Vieh nicht ein Damm gesetzt würde! Es wäre für 
uns unmöglich, selbst Vieh zu halten. Dann hätten wir keinen 
Dünger; die Landwirthschaft in ihren beiden Grundprincipien 
wäre erschüttert und müsste zu Grunde gehen. Zu hoffen, dass 
die hiesige Regierung Steuern erheben werde in einer Höhe, die 
den Verhältnissen bei uns annähernd entsprechen würde, ist 
nicht anzunehmen, denn es finden sich noch viel günstigere 
Objecte der Besteuerung, als gerade der Grund und Boden, 
die entweder gar nicht, oder doch nur so gering besteuert
        <pb n="249" />
        233 
dass man nicht davon sprechen kann, wenn man unsere 
^griffe über diesen Punct richtig aufgefasst hat. 
Wie viel können die Amerikaner in dieser Hinsicht von 
uns noch lernen! So lange die Steuern nicht einen ganz un 
verhofften Aufschwung hierselbst nehmen, so lange kann man 
. bereinigten Staaten Nordamerikas nur schwer mit Ländern 
in Europa vergleichen. 
Was uns von der erdrückenden Einfuhr von Fleisch aus 
exas rettet, ist die Einwanderung, die sich nun auch diesem 
Lande zuwendet. 
Jeder Einwanderer erwirbt sich so bald als möglich eine 
omestead, das heisst einen Grundbesitz von 8o bis i6o Acres 
und benützt diese Fläche zum Ackerbau, der hier sehr lohnend 
^heint, da der Boden an vielen Stellen sehr fruchtbar ist. 
uf diese Art wird die Viehzucht von Jahr zu Jahr 
Ulehr zurückgedrängt, bis sie in wenigen Jahren nur mehr 
unfruchtbaren Ländereien zu finden sein wird; daher die 
enge des hier gezogenen Rindviehes sehr abnehmen muss, 
feilich wird dieses Verdrängen in den ersten Jahren diesen 
rfolg nicht haben, da die noch unbenützte Fläche des Bodens 
Sehr bedeutend ist. Der Betrieb der Landwirthschaft ist hier 
uoch im Entstehen, so dass es schwer ist, sich über den Erfolg 
lar zu werden. Zu Befürchtungen, glaube ich, dürfte er nicht 
u ass geben, denn wir wissen nur zu gut, wie schwer es 
^^Ibst bei unseren Verhältnissen ist, mit aller Mühe und Sorg- 
U l es dahin zu bringen, dass ein Grundbesitz 3 bis 4 Percent 
i^ügt. Was kann hier dann erst der Betrieb einer Landwirth- 
^chaft tragen? Ich glaube, nicht mehr als 1/2 bis i Percent, 
^enn gleich die Fruchtbarkeit des Bodens ganz bedeutend 
c'.ass man heute noch nicht an eine Düngung der Felder 
^ukt, und durch den langen Sommer zwei, ja selbst drei Ernten 
n ^inem Jahre auf einem und demselben Felde haben kann. Ist 
uueh das nicht ganz unbedenklich, so ist wieder zu berück- 
ichtigen, dass wir in der Bewirthschaftung des Ackerlandes 
einer viel höheren Stufe stehen als die Texaner, die nicht 
•nnial ein Fruchtwechselsystem kennen, sondern zehn bis 
Hiifzehn Jahre auf demselben Acker Weizen bauen.
        <pb n="250" />
        So schwindet die Gefahr des Importes von Rindvieh von 
selbst, und es entsteht uns durch den Ackerbau keine neue 
Concurrenzgefahr. Eine andere Rettung habe ich nicht ge 
funden, bis ich neulich aus Zeitungsberichten auf Etwas auf 
merksam gemacht wurde, was uns vor einem Th eile des Im 
portes von Fleisch ganz von selbst schützt: Es betrifft das 
Schweinefleisch. Man hat in Europa gefunden, dass im ameri 
kanischen Schweinefleisch sehr viele Trichinen enthalten sind. 
Trotzdem sehe ich, dass alle Leute hier es essen. Ich selbst, 
der ich ein wenig Arzt bin, kann nicht finden, dass die Leute 
hier schlecht aussehen oder krank seien. Sie sind zwar ge 
wöhnlich hager und schlank, doch das macht die Arbeit. Im 
Gesichte ist nichts zu bemerken, als überhaupt ein intelligenter 
Ausdruck, und das kann nicht die Folge von Trichinen sein. 
Bei weiterem Nachdenken kam ich auf folgende Ver- 
muthung: Vielleicht kommen die Trichinen erst bei der See 
reise in das Schweinefleisch! Auf eine andere Art kann ich 
mir diesen Fall nicht erklären. Wäre ich unbescheiden, so 
würde ich sagen, meine Vermuthung ist eine Entdeckung oder 
Erfindung; doch ich will lieber darauf verzichten und die Er 
findung über die Trichinen Anderen überlassen. Je näher man 
die Gefahr des zu grossen Viehimportes betrachtet, um so 
mehr schwindet sie. 
In manchen Ländern und Gegenden Oesterreichs ist diese 
Gefahr ohnehin nicht so gross, da es Gegenden, z. B. in 
Böhmen und Mähren, gibt, in denen die Landbevölkerung ein 
kaum bemerkbares Quantum Fleisch consumirt. Die Leute 
existiren dabei selbst bei der schmalen Kartoffelkost. 
So verdanken wir den schmalen Arbeitslöhnen, welche 
unsere Fabriksherren ihren Arbeitern zahlen, grossentheils die 
Abwendung der amerikanischen Concurrenzgefahr. Und wie 
ungerecht hat man diese Hungerlöhne nicht oft beurtheiltl**
        <pb n="251" />
        XVIII. Capitel. 
Der Handel mit texanisehem Rindvieh. 
Der grösste Theil des ungeheueren Gebietes von Texas 
^ient, soweit er überhaupt den Menschen nutzbar wurde, bis 
jetzt noch der Viehzucht, und darunter vornehmlich der Rind 
viehzucht. 
Die Zahl der Farmen hat sich vermehrt von 72.735 im 
Jahre 1850, auf 82.368 im Jahre i860, 118.141 im Jahre 1870 
und 165.184 im Jahre 1880. Hiervon waren unter 3 Acres 
gross 31, von 3—10 Acres 3.554, von 10—20 Acres 16.780, 
Von 20—50 Acres 43.675, von 50—100 Acres 29.539, von 
—500 Acres 70.821, von 500—1000 Acres 5.988, über 
ï000 Acres 3.793. Texas ist ein Land, in dem der Gross 
grundbesitz überwiegt, auf letzterem wird vornehmlich Vieh 
zucht getrieben. 1/n Jahre 1880 gab es in Texas 806.000 
Pferde, 132.000 Maulthiere, 90.000 Arbeitsochsen, 606.000 
Milchkühe, 3.387.000 Haupt anderes Rindvieh, 2.41 i.ooo Schafe, 
*•954 000 Schweine. 
Der Hauptreichthum des Landes liegt noch in seiner Rind* 
Viehzucht. Die grössten Herden existiren und die überwie 
gende Masse dieses Viehes wird zwischen dem Flusse Nueces, 
^Jir bo. Corpus Christi in den Golf fliesst, und dem Rio 
^'rande gezogen. 
Der Landschlag dieses Rindviehes stammt aus Spanien. 
Spanier importirten vor langen Jahren die ersten Rinder hie- 
^^r und trägt das Original-Texasvieh noch heute den Cha 
racter des spanischen Rindviehes, d. h. es ist leicht, elegant 
gebaut, hat lange, spitze, schön geschweifte Hörner, ist sehr 
gesund und genügsam, aber nicht sehr fleischreich, ln den
        <pb n="252" />
        236 
Jahren 1821 und 1822 kam das erste Vieh von Louisiana 
nach Texas, dieses ist schwerer, weil französischer Abkunft. 
Es gab 1831 schon drei grössere Herden, zwei von 600 und 
eine von 3000, solcher Abkunft in Texas, am Brazos-Flusse. 
Jetzt schon begann die Kreuzung des kleineren Landschlages 
mit diesen schwereren Thieren. Seit etwa einem Decennium 
bezieht man vielfach Vollblut- oder hochgradige Stiere eng 
lischer Abkunft, Durhams, aus den Mittelstaaten der Union, 
aus Kentucky und Kansas, zur Kreuzung. Doch soll nur 
einmalige Kreuzung sich für die Herden zwischen Nueces 
und Rio Grande bewähren, weil mehrgradige Thiere grössere 
Pflege erfordern als sie dieselbe in Südwest-Texas, namentlich 
in der trockenen Jahreszeit, finden. Diese erste Kreuzung 
soll den Verkaufswerth per Haupt um 50 Percent erhöhen. 
Zweijährige Kreuzungsproducte sollen bis 1200 Ibs., vierjährige 
bis 1800 Ibs. (? ?) schwer werden; bei geeigneter Mast natür 
lich. ln dem äussersten Nordwesten von Texas, dem Pan 
Handle, in Neumexico und dem westlichen Theile des Indianer 
Territoriums giebt es grosse Rinderherden, welche eine mehr 
fache Kreuzung mit englischem Shorthorn-Vollblut vertragen 
und schwerer werden als die Thiere aus dem Südwesten von 
Texas. Man nennt diese Thiere in Kansas City und Chicago 
„Beefcattle^. Nur diese Thiere gelangen bjs an die atlantische 
Küste, aber selbst von ihnen wenige bis nach Europa. Die 
Texas-Rinder werden meist im Süden der Union und westlich 
von Chicago und St. Louis als Schlachtvieh verbraucht, oder 
sie werden in jenen Städten und in Kansas City zur Präpari 
rung von Büchsenfleisch, „canned beef", verwendet. Früher 
machte man davon in Kansas City auch viel Rinder-Pökel 
fleisch. Doch soll sich dies Geschäft neuerlich nicht mehr 
recht auszahlen. 
Die Zucht des Rindviehes in Westtexas ist höchst einfach. 
Die Rinder weiden frei, ohne Hirten, auf unumzäunten, end 
losen Prairien und werden jährlich nur zusammengetrieben, um 
den jungen Kälbern das Brandzeichen des Eigenthümers auf 
zudrücken und dann im Frühjahre, um jene Ochsen auszu 
suchen, welche nach dem Norden getrieben werden sollen.
        <pb n="253" />
        237 
berittene Mexicaner besorgen beide Geschäfte. Die Herden 
besitzer wohnen meist gar nicht auf den „Ranches“, auf den 
^eidegründen, sondern in den Städten, wie San Antonio und 
Kansas City. Sie besitzen bis 50.000 Stück. Im Nordosten 
Sind die Viehweiden von 15- bis 30.000 Acres zuweilen ein 
gezäunt. Ställe braucht man nirgends. Das Vieh überwintert 
Freien und ist sehr gesund dabei. Eine grosse Anzahl 
Kinder wird jährlich von Texas nach Norden oder Osten 
Gxportirt. Der überwiegende Theil wird getrieften. Und zwar 
treibt man schon ein bis zweijährige Stiere durch das Indianer 
T^erritory und Westkansas bei Dodge City vorbei, am Ab 
hange des Felsengebirges entlang, durch Denver nach Nebraska, 
Dakota, Wyoming, Montana und zuweilen bis Oregon. Dieses 
junge Vieh wird an dortige Heerdenbesitzer verkauft, die 
bis zum vierten Jahre oder länger weiden, bis es ausge 
wachsen ist, und es dann wieder nach dem Westen, zu einer 
Fisenbahnstation treiben lassen, wo man es nach Chicago 
^•nschifft. Dieses Vieh texanischen Ursprunges wird schwerer, 
''^enn es den letzten Theil seines Lebens auf den Frairien die- 
s^r nördlichen Staaten oder Territorien geweidet worden ist 
Und erreicht ein Lebendgewicht von 12- bis 1300 Ibs. Bleibt 
^ bis zur Schlachtreife in Texas, so wird es nur 900 bis 
tioo Ibs. höchstens schwer. Wenig reines Texasvieh wird 
Zum Fettmachen an Farmer in Ohio oder Illinois verkauft, da 
^ich das Futter bei ihm nicht so gut verwerthet als bei Ochsen, 
mehr englisches Blut haben. 
Das Austreiben des Rindviehes aus Südtexas beginnt so- 
im Frühling das Gras wächst, und mit dem Fortschreiten 
*ies jungen Graswuchses nach Norden werden ihm die Thiere 
p^chgetrieben, sie finden mithin überall frisches und nahrhaftes 
utter und nehmen während dieser langen Reise, die oft vom 
ubruar bis October dauert, an Grösse und Fleisch zu. Na- 
jW^lich wird diese Nomadenwanderung des Viehes ein Ende 
Juden, sobald das Land am Ostabhange des Felsengebirges 
Frivateigenthum übergegangen sein wird, was in Kansas, 
^braska und Dakota bald der Fall sein dürfte. Um durch 
Indianer - Territorium treiben und weiden zu dürfen.
        <pb n="254" />
        238 
müssen die Führer der Heerden eine kleine Gebühr von, wie 
ich höre, 25 Cents per Haupt an die Staatsverwaltung des 
Territoriums zahlen. Es ist gewiss interessant, dass dieses 
Vieh zuweilen bis nach Oregon gelangt. Von Oregon aber 
kommt ausgewachsenes Vieh über Idaho, Wyoming und Ne 
braska an die Eisenbahnen, welche es nach Chicago fuhren, 
dem grössten Viehmarkte der Welt. Bei Dodge City führt 
eine Linie von Süd nach Nord durch Kansas, östlich von 
welcher kein Vieh getrieben werden darf. Die genannte Stadt 
ist ein Einschiffungsplatz für solches Vieh, das schon ausge 
wachsen ist, und als ,,grasfett“ nach Kansas City oder Chicago 
per Bahn transportirt werden soll. 
Aelteres Rindvieh aus Texas oder Neumexico, drei- bis 
vierjährige Stiere, werden oft nur bis Kansas und Colorado 
getrieben und hier einige Monate lang auf Regierungs- und 
Eisenbahnland gegen Entrichtung einer massigen Gebühr ge 
weidet, bis sie dann schlachtreif an „Packer“ in Kansas City, 
Chicago oder St. Louis, einige sogar in Buffalo versendet 
werden. Das Vieh in Colorado ist zwar auch spanischer Ab 
kunft, aber schon mehr durch Kreuzung veredelt und schwerer. 
Es wird nicht in andere Staaten auf die Weide getrieben, 
sondern, soweit es nicht in Colorado und Neumexico geschlachtet 
wird, per Bahn von Trinidad oder Las-Animas nach Kansas 
City, St. Louis und Chicago gesandt. Das Land im Süd 
westen von Texas ist noch sehr billig und soll man grosse 
Strecken von 15 Cents bis i Dollar per Acre noch kaufen 
können. In den schon mehr besiedelten Gegenden ist es bereits 
viel theurer, 2, 5 bis 10 Dollars per Acre. 
Auf diese Weise wurden von Texas nach dem Norden 
getrieben 
im Jahre. 
1874 
im Jahre 
1867 
1868 
1869 
1870 
1871 
1872 
1873 
Stück. 
35.000 
75.000 
350.000 
300.000 
600.000 
350.000 
405.000 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
Stück. 
166.000 
151.000 
321.000 
201.000 
265.000 
257.000 
395.000
        <pb n="255" />
        239 
Die Höhe der Preise im Norden und die grössere oder 
geringere Strenge des Winters in Texas ist massgebend für 
^ie Grösse des Viehtriebes. Bisher ist Vieh nur für den Local- 
^arkt nach New-Orleans und Galveston per Bahn transportirt 
"Orden, wenig für den Export, und wenn so, doch nur nach 
Cuba. In Zukunft dürfte über Galveston Vieh und Fleisch 
nach Europa gebracht werden, allein noch existirt dieser Handel 
nicht. Er wird aber um so leichter ausführbar, als das von 
Coleman in Glasgow erfundene System der Kälte-Er 
zeugung mittelst Compression von Luft neuerlich von anderen 
Erfindern wesentlich verbessert sein soll. Die besten derartigen 
Maschinen sollen jetzt in Cleveland hergestellt werden. Die 
Eisenbahnen verbessern die Viehtransportmittel neuerlich, frei- 
*oh noch nicht im fernen Westen. Verbesserte Viehwaggons 
acht getrennten Ställen fur je zwei Ochsen sind jetzt 
zwischen New-York und Chicago in Betrieb. Sie sind mit 
"ftertrögen versehen, die von Aussen mit Futter oder Wasser 
gefüllt werden können. Die Barrieren und Tröge werden nach 
dem Ausladen des Viehes in New-York an der Decke des 
^ggons befestigt und die Transportwaggons verwandeln 
Sich in Frachtwaggons. Die Fahrt auf der Distanz von circa 
2oo Meilen dauert 6o Stunden und verlor früher jeder Ochse 
do bis 70 Ibs. Gewicht, was, à 6 bis 7 Cents, 3.60 Dollars 
4.90 Dollars ausmachte, d. h. circa die Hälfte der Fracht, 
7 bis 9 Dollars zu kosten pflegt. Dieser Gewichtsverlust 
jetzt fast ganz in Wegfall kommen. Der neue, theure 
agen wäre also sehr ökonomisch. 
Fieber das jährlich in den Ver. Staaten gezüchtete Schlacht- 
macht der Statistiker J. R. Dodge folgende Angaben: 
^mästete Schweine 29.000.000 Stück im Gewicht von 
5-120.000.000 Pfund; Rinder 6.230.000 im Gewicht von 
*25.000.000 Pfund; Kälber 3.000.000 im Gewicht von 
^75 000.000 Pfund; Schafe 7.000.000 im Gewicht von 
350,000.000 Pfund; Lämmer 5.000.000 im Gewicht von 
ç^o.ooo.ooo Pfund; im Ganzen 50.250.000 Stück Vieh im 
^mmtgewicht von 8.970.000.000 Pfd. 
Eisher war die Aufzucht und die Mast oder das Reif-
        <pb n="256" />
        240 
machen des Viehes ein doppeltes Geschäft, dessen einzelne 
Theile an weit von einander getrennten Orten vollzogen 
wurden. Das Vieh wird in Texas geboren und bis zum 
zweiten oder vierten Jahre dort geweidet. Dann in den Nord 
staaten Wyoming-Dakota oder in Colorado - Kansas grasfett 
geweidet. Weniges kommt auf die Weiden von Illinois oder 
Ohio, weniges wird mit Mais in einem dieser letzteren Staaten 
fett gemacht. Wir kennen einen ähnlichen Process in Europa. 
Polnisches und bessarabisches Steppenvieh wird, wenn ausge 
wachsen, an die Zuckerfabrikanten und Spiritusbrenner von 
Böhmen und Sachsen verkauft und dann fett nach Berlin oder 
Hamburg und England versandt. 
Neuerlich beginnt man in Nord- und Mitteltexas diesen 
letzteren „Veredelungsprocess“ vorzunehmen. Wir besahen 
eine etwa 20.000 Acres grosse Farm, welche circa 50 Meilen 
östlich von San Antonio liegt und dem Bahndirector Mr. Peirce 
gehört. Sie ist gänzlich eingezäunt und besteht aus einem 
fast ebenen Prairieboden, der meist recht viel Holz hat, ohne 
doch Wald genannt werden zu können. Die Bäume beschatten 
den Boden und halten die Feuchtigkeit darin, so dass das 
Gras lange grün bleibt. Auch wächst ein zuweilen 30 Fuss 
hoher Strauch, Mesquitostrauch, in dieser Prairie, der in trocke 
nen Jahren besonders viel Laub trägt. Dieses dient, wenn 
die Sonne das Gras versengt, dem Vieh als Nahrung. Auch 
eine Cactusart wird, nach Absengen der Stacheln, dem Vieh 
in solcher Zeit als Futter gegeben. Ein Fluss theilt die P'arm 
und gibt den Rindern stets reichlich Trinkwasser. 2500 Acres 
waren umgerissen und mit Getreide bestellt, welches alles 
jedoch nur für Fütterungszwecke angebaut wird, sogar Weizen 
und Roggen. Wir sahen, ausser diesen, Mais, Hafer, Gerste, 
Sorghum, Millet und Luzerne, Im Herbst baut man auch 
Turnips. Alle diese Früchte gedeihen üppig, hatten aber zum 
Theil vom Froste gelitten. Der Winter 1880/81 war bekanntlich 
der härteste seit 1835. Aufwendung der vollkommensten 
Maschinerien wurde der Boden bestellt. Die Oeconomiege- 
bäude und Viehmaststände waren von der einfachsten und 
billigsten Beschaffenheit. Alles Futter wurde mit Dampf ge-
        <pb n="257" />
        241 
brüht. Der Wirthschaftsplan geht dahin, soviel Vieh als mög- 
»ch auf der umschlossenen Farm zu ziehen, Landschlagkühe 
Vollblut zu kreuzen und es loco ganz fett zu machen, 
•'ln kauft vorläufig noch alljährlich ausgewachsenes Mager- 
Vieh aus dem Südwesten zu und macht es fett. 
Man würde nur auf acht Acres ein Stück Grossvieh hal 
ben können, wenn man nicht in den Monaten spärlicher Weide 
dem butter, das auf den 2500 Acres Homefarm gewon- 
nen wird, nachhälfe. Als Mastfutter werden Maismehl, Roggen- 
inehl, Turnips, Baumwollsamenkuchen und geschnittenes Stroh, 
eu und Luzerne, Alles gebrüht, angewendet. Der Muster- 
armer erreichte so 1200 Ibs. Durchschnittsgewicht der vier 
jährigen Ochsen und bei Kreuzungen bis 1500 Ibs. Kr ver 
schifft sie selbst, indem er einen Extrazug nimmt, ihn ganz 
selbst befrachtet, die Thiere direct nach Chicago, St. Louis 
oder New-Orleans auf den Markt bringt und selbst dort ver- 
auft. Ein solcher Zug befördert durchschnittlich 20 Waggons 
je 18 bis 20 Ochsen. Heim Einkäufe kostet ihm ein aus 
gewachsener, vierjähriger, ungegradeter, d. h. nicht durch 
^oglische Kreuzung veredelter Texasochse, circa 15 Dollars. 
ewöhnlich geweidet, würde er loco nicht mehr als 2 Cents 
per englisches Pfund Lebendgewicht bringen. Auf die oben 
^'^gegebene Weise gepflegt und gemästet, ist er loco 4 Cents 
per Ib. Werth. Der Transport eines Eisenbahn waggons mit 
bis 20 fetten Ochsen von dieser „Capotfarm“ kostet nach 
b Louis 100 bis 120 Dollars, nach New-Orleans 100 bis iio 
ollars, nach Galveston 36 Dollars. Man sieht schon hieraus, 
''le vortheilhaft einst der Export des Viehes aus Texas über 
alveston werden muss. 
I^av Geschäft, lexasvieh aus dem Südwesten im Nord- 
^ten dieses Staates fett zu machen, wird wohl allgemeiner 
"orden und scheint sehr lohnend zu sein. Die Capotfarm war 
sehr interessant. Wie sich hier Arbeit bezahlt macht, 
goht Wohl daraus hervor, dass der Administrator angab, die 
arm werde jetzt nicht unter 500.000 Dollars verkauft werden, 
?. der Acker vor fünf bis sechs Jahren kaum 25.000 
30.000 Dollars werth war, und höchstens läo.ooo Dollars 
16
        <pb n="258" />
        242 
in Gebäuden, Vieh, Maschinen und unersetzter Lohnarbeit 
seither investirt sein konnten. 
Die Viehbesitzer der Herden in Südwest-Texas lassen 
oft auf eigene Rechnung durch ihre berittenen Knechte das 
Vieh nach Kansas treiben, hier und in Colorado weiden und 
senden es dann per Bahn nach Kansas City, St. Louis, Chicago. 
Dies geschieht von verschiedenen Plätzen an den grossen 
Bahnen. Hauptsächliche Aufnahmestationen sind Dodge City 
in Kansas, Caldwell, Xennewell und Coffeyville an der Grenze 
von Kansas und dem Indianer-Territorium. Vieh, das m 
Nordtexas schlachtreif gemacht wurde, wird auch schon in 
Gainsville und Stationen der Missouri-Kansas-Pacific-, sowie in 
Texarcana und anderen Stationen der St. Louis-Iron-Mountain- 
Eisenbahn in Eisenbahnwaggons gebracht und entweder nach 
Kansas City oder St. Louis versandt. Fettvieh aus Colorado 
und Kansas wird auch auf der Kansas-Pacific-Bahn von Fort 
Wallace, Hayes und Ellis, solches aus Nebraska und Wyo 
ming auf der Union-Pacific-Bahn, vieles ab Ogatalla in Ne 
braska auf die Bahn gebracht, und von dort nach Kansas 
City oder über Omaha nach Chicago transportât. 
In den Marktstädten gibt es grosse Viehhöfe, Viehbörsen 
und Viehcommissionäre, welche das Vieh in Empfang nehmen, 
füttern und verkaufen, auf Rechnung desEigenthümers. Sehr 
oft ist dieser Eigentümer nicht mehr der Herdenbesitzer aus 
Südwest-Texas, sondern ein Händler, der das Vieh auf seiner 
Geburtsstelle gekauft hat und nun selbstständig damit handelt. 
Das würde also ein Mittelsmann zwischen dem Viehzüchter m 
Texas und dem Mäster in den nördlichen Staaten oder dem 
Schlächter, hier „Packer“ genannt, in den grossen Städten 
Kansas City, St. Louis und Chicago, sein. Oft kauft auch 
ein Herdenbesitzer oder Viehverbesserer in Montana und Da 
kota Mager- und Jungvieh in Süd-Texas oder auf dem Marsche 
in Zwischenplätzen, wie Dodge City, und treibt es auf seine 
Weiden im Norden. 
Der Viehcommissionär, welcher auf dem Viehhofe von 
Kansas City das Vieh für Rechnung der Besitzer verkauft und 
dort die Aufsicht darüber übernimmt, erhält 50 Cents per
        <pb n="259" />
        243 
Haupt Rindvieh, 8 Cents per Schaf und 5 Dollars per Waggon 
ladung Schweine. Ein Eisenbahnwaggon enthält ca, 70 Schafe 
oder 60 Schweine, 
Die Viehmarktverwaltung von Kansas City erhebt von 
dort verkauftem Vieh 20 Cents per Haupt Rindvieh, 8 Cents 
per Schwein und 5 Cents per Schaf. Wenn die Thiere hier 
nicht verkauft werden, so kostet ihr Stallen nichts. Sie wer 
den dann in Eisenbahn waggons geladen und nach Chicago 
oder St. Louis versandt, Das Futter. Mais, Hafer und Heu 
wird zu festen Preisen von der Viehmarkts-Verwaltung ge 
liefert. 
Die Fracht für eine Eisenbahnwaggonladung Vieh kostet 
Von Dodge City bis St. Louis 40 Dollars, von Kansas City 
nach St. Louis 45 Dollars, von Kansas City nach Chicago 
55 Dollars, nach New-York geht wenig Texasvieh. 
Die Tendenz der Viehzüchter Amerikas geht jetzt dahin, 
Yieh bester Qualität zu erzeugen. Der Grund ist einfach; 
Schlechtes Vieh kostet per Bahn oder per Schiff ebensoviel 
Transport als gutes, der Preis per Pfund ist aber sehr ver 
schieden. 
In der ersten Juni-Woche des Jahres 1881 kosteten die 
Verschiedenen Thierqualitäten an den drei Hauptmärkten des 
^Binnenlandes per 100 englische Pfund: a) In Kansas City: 
Fxtra-Kansas-Export-Fettochsen 5*50 bis 5*75 Dollars, Colo- 
rado-Fettochsen (grasfett) 4 40 bis 5*25 Dollars, Texasochsen 
(grasfett) g 2g bis 475 Dollars. Hier kostet also der gemeine, 
Ungekreuzte Texasochse, der 770 bis 970 Ibs. wiegt 2*50 Dol 
lars weniger per Centner als der beste Kansas-Kreuzungsochse 
''^on ca. 1300 Ibs. Lebendgewicht. — Der Unterschied ist noch 
grösser in St. Louis, wo eingeborene, Missouri-Ochsen, von 
viel englischem Blute und 1450 Ibs. Gewicht mit g 8g Dollars, 
Colorado-Stiere von 1224 Ibs. mit 4 90 Dollars verkauft wur- 
^^n. Die grasfetten Texasochsen von 883 Ibs. brachten 3 00 
Hollars, von 971 Ibs. 3 87'/z Dollars, die etwas schwereren 
Hchsen des nördlichen Theiles des Indianer Territoriums von 
^71 Ibs. 412 ' Dollars, Hier kostet der leichte Texasochse, 
16*
        <pb n="260" />
        244 
obschon grasfett, 2 85 Dollars per 100 Ibs. weniger als der 
beste Missouri-Ochse.- Derselbe in den Mittelstaaten durchge 
winterte und zum Theile im Stalle gemästete Texasochse aber 
brachte, 915 Ibs. schwer, 4 00 Dollars, 1007 Ibs. schwer, 4'25 
Dollars per 100 Ibs. Ein 833 Ibs. schwerer Texasochse kostete 
also 25 Dollars, ein 1000 Ibs. schwerer gemästeter Texasochse, 
ohne englisches Blut, kostete 42' , Dollars, beide aber verur- 
sachen, ab Dodge City, dieselben Transportkosten von circa 
5 Dollars per Kopf. — In Chicago brachten Extra-Export 
stiere 6 bis 6-85 Dollars per 100 Ibs., sie wiegen 1400 und 
mehr Pfund, Nebraska-Stiere von 1338 Ibs. brachten 6 00 Dol 
lars, Colorado-Stiere von 1516 Ibs. 5-40 Dollars, Texasstiere 
von 1138 Ibs. 490 Dollars, von 810 Ibs. nur 3-65 Dollars. 
Ein grasfetter Texasochse kostet also per Pfund Lebendge 
wicht in Chicago nur etwa halb so viel als ein guter, stallfetter 
Mittellandsochse. 
Das Billigerwerden der Transportanstalten macht also 
die Viehzucht in Texas intensiver. Man züchtet bessere 
Racen und mästet besser. Die jährliche Migration des Texas 
rindviehes nach Norden begann erst im Jahre 1866, und war 
damals Abilene an der Kansas-Pacific-Bahn jene Station, von 
der fettes Vieh durch Kansas City nach Chicago per Bahn trans 
portât wurde, ln den Jahren 1868 und 1869 suchten die 
P'ort Scott- und Golf-Eisenbahn und die Kansas-, Lawrence- 
und Southern-Bahn das Texasvieh im südlichen Theile von 
Kansas auf ihre Linien zu bringen. Dies Vieh ging transito 
durch Kansas City nach Osten. Im Jahre 1870 erst wurde 
der sehr practisch eingerichtete Viehhof von Kansas City an 
gelegt. Alle Pferche sind durch circa acht Fuss hohe Zäune 
getrennt, über jedem Zaun liegt eine Plattform von zwei 
Brettern neben einander, auf denen man gehen und von wo 
herab man die Thiere beobachten kann; im Centrum steht ein 
Haus, das eine Wage enthält, auf die 50 Stück Grossvieh 
gleichzeitig getrieben und auf der es mit einem Male gewogen 
werden kann. Neben dem Viehhofe ist die stattliche „Vieh 
börse“ erbaut. Jetzt ist Kansas City der Hauptmarkt für 
Vieh aus Texas, dem Indianer-Territorium, Kansas, Missouri,
        <pb n="261" />
        245 
Nebraska, Colorado, Neumexiko und Utah, sogar zuweilen 
von Wyoming. 
Seit 1867 etablirten sich hier grosse Schlächtereien, welche 
Fleisch für den Export packten und deren Besitzer „Packer“ 
genannt werden. Im Jahre 1878 begann E. W. Pattison das 
Packen von Rindfleisch, T. J. Bigger von Schweinen. Seit 
1876 senden Nofsinger und Comp, frisches Rindfleisch in Re 
frigeratorwaggons nach dem Osten, doch hat dieser Handel 
noch keinen grossen Umfang erreicht. Im Jahre 1877 be 
gannen Plankinton und Armour das Schweineschlachten für 
Export auch im' Sommer. Im folgenden Jahre führten Slavens 
und Oburn das Präpariren von Rinds-Büchsenfleisch, „canned 
beef“ ein. Seither ist Kansas City nicht mehr blos Transit 
platz für Vieh, das nach St. Louis und Chicago bestimmt ist, 
sondern es werden jährlich grosse Mengen Vieh hier geschlach 
tet, das Fleisch wird entweder „gepackt“, für den Export, 
oder es wird in Zinkkisten, die in Holzkisten stehen, so dass 
ein mit Eis zu füllender Zwischenraum bleibt, verpackt und 
nun westlich bis Neumexiko und Colorado, östlich bis zum 
Mississippi versandt. So ist Kansas City jetzt der Mittelpunkt 
ties Fleisch- und Viehhandels von Transmississippi. Es wur 
den von Kansas City Rinder nach Osten verschickt im Jahre 
1872 236.000, 1873 227.000, 1874 207.000, 1875 174.000, 1876 
•83.000, 1877 215.000, 1878 175.000, 1879 2II.000, 1880 
244.000. Die Zahl der hier zu Markt gebrachten Schweine 
stieg von 104.000 im Jahre 1872 auf 676.000 im Jahre 1880. 
»iGepackt“ wurden im Jahre 1880 hier 505.000 Schweine und 
3* 817 Rinder. 
Am I. Januar 1880 kosteten 100 Ibs. Lebendgewicht in 
Eansas City von Kansas-Fettochsen 575 bis 5*25 Dollars, von 
Mais gemästeten Texasochsen 2 75 bis 3 80 Dollars, von 
durchgewinterten Texasweideochsen 2*25 bis 2 85 Dollars. Wir 
besahen in Kansas City das grosse Schlachthaus von Armour 
**ud Comp., dessen Besitzer uns mit grosser Liebenswürdig 
keit jede von uns gewünschte Auskunft aus seinen Geschäfts 
büchern gab, wie späterhin auch der Präsident der Viehbörse. 
In jenen Schlachthäusern können täglich 7000 Schweine
        <pb n="262" />
        246 
geschlachtet werden und ebensoviel Rinder. Im December 
wurden an einem Tage 7598 Ochsen geschlachtet. Jetzt, im 
Sommer, weniger. Man tödtet die Ochsen durch einen Schuss 
in die Stirne, ein Verfahren, das uns weniger zweckmässig 
erschien, als das im Eastman’schen Hause zu New-York ange 
wendete. Die Schweine werden an einem Fuss aufgehängt 
und dann schneidet man ihnen den Hals mit einem Schnitte 
durch. Sehr schnell und auf überraschende Weise wird das 
Scheeren und Reinigen der Schweine mittelst Maschinerie 
bewirkt. Doch sind solche Schlachthäuser bereits so oft be 
schrieben und weicht das Verfahren in dem einen so wenig 
von dem in einem anderen ab, dass ich mir die Schilderung 
des grossen Armour’sehen Schlachthauses sparen will. 
Schliesslich kann ich nicht umhin zu bemerken, dass das 
Texasvieh in nicht ferner Zukunft über die Südküste des 
Landes verschifft werden dürfte und dass Kansas City mehr 
ein Fleischmarkt fur die Bergwerksdistricte von Neumexico 
und'Arizona werden wird, wie es dieselben jetzt schon mit 
Mehl versorgt. Der Handel dieser Stadt zieht sich von Osten 
augenscheinlich jetzt schon nach dem Westen. Das Vieh von 
Louisiana und Texas dürfte über Corpus Christi, Galveston, 
New - Orleans einen Markt in Süd- und Mittelamerika oder 
Europa suchen, das Kansasvieh aber in den Gebirgs- und 
Bergwerksdistricten des südlichen Theiles des Felsengebirgcs. 
Dagegen mag Nebraska, Utah, Wyoming, Montana, Dakota, 
vielleicht auch Oregon und Idaho, über Chicago den Osten, 
Europa eingerechnet, mit Vieh und Fleisch versehen. 
Die Viehzucht und Viehmast in diesen Gegenden ist noch 
äusserst einträglich und soll sich das darin angelegte Capital 
33'/:) Percent verzinsen. Allein nur, wenn grosse Summen an 
gelegt sind, da kleine Herden sich keineswegs auszahlen. 
Ueber die Fleisch- und Viehproduction der Union brachte 
im Jahre 1880 eine Schweizer Zeitung einen guten Original 
bericht, woraus ich Einiges, als Ergänzung des Obigen, was 
ich selbst gesehen und erlebt, mittheile, sowie einen kurzen 
Bericht über die Viehzucht in Montana, wo ich nicht war, aus 
dem Jahre 1882. Letzterer ist einem süddeutschen Blatte ent-
        <pb n="263" />
        247 
nommen. Die erstere ist die „N. Züricher“, die letztere die 
MFrankfurter Zeitung“. In Ersterer heisst es; 
Die Ausfuhr von frischem Fleisch und lebendem Vieh von 
den Vereinigten Staaten nach Europa und besonders nach 
England findet erst seit einigen Jahren statt; nichtsdestoweni 
ger hat das Geschäft bereits eine solche Ausdehnung erfahren, 
dass jährlich etwa 30.000 Stück lebendes Rindvieh und wöchent 
lich etwa 2000 Stück geschlachtete Ochsen, im Durchschnitts- 
gcwichte von je 700 Pfd., in England eingeführt werden. In 
ähnlicher Weise hat auch die Ausfuhr von Butter und Käse 
nach Europa in den letzten Jahren sich entwickelt. Der Staat 
New-York allein besitzt ca. i 'A Millionen Milchkühe, fast ebenso 
viel wie ganz England und ebensoviel wie Irland, während 
Fennsylvanien 854.000, die gesammten Vereinigten Staaten 
*2';2 Millionen Milchkühe besitzen. Die grossen Rindvieh- 
nnd Schafzucht-Regionen beginnen 150 englische Meilen west 
lich von Omaha, an dem 1400 Meilen westlich vom Atlanti 
schen Ocean gelegenen Ausgangspunkte der Union - Pacific- 
Eisenbahn, und erstrecken sich nach Westen zu, durch Nebraska 
und Wyoming, über die fruchtbare Laramie-Ebene bis zum 
Felsengebirge und über dieses hinaus durch die Utah-, Oregon- 
und Washington-Territorien, wo noch fünfmal so viel Rind 
vieh gezüchtet werden könnte, als dies jetzt geschieht, bis an 
^cn stillen Ocean, ln der anderen Richtung dehnen sie sich 
Von den warmen Küsten des Golfs von Mexiko 1500 englische 
teilen nordwärts aus, über die englisch-amerikanische Grenze 
l^is nach Canada hinein. Sie umfassen ausser den genannten 
Staaten grosse Theile von Texas, Colorado mit 30 Millionen 
Acres, Wyoming mit 55.000 englischen Quadratmeilen Weide- 
Rtund, und Montana. 
Dik; Art und Weise der Züchtung ist natürlich auf diesem 
grossen Weide-Territorium verschieden; einige Herden zählen 
1000, andere 50.000 Stück Rindvieh, alle aber weiden im 
Sommer auf dem höher gelegenen, im Winter auf dem niedri 
gem und geschütztem Terrain und verursachen wenig Mühe 
^ud Kosten. Oft werden ein bis zwei Jahre alte Thiere in 
Texas und Oregon angekauft und in die noch nicht zum Wei-
        <pb n="264" />
        248 
den benützten Thäler und Ebenen, deren es im Westen noch 
eine Menge gibt, getrieben; ein geeigneter Platz mit genügend 
Wasser und einigen geschützten Stellen für den Winter, nicht 
zu nahe den andern Niederlassungen, wird ausgesucht, ein paar 
Hütten werden gebaut und die neue Ansiedelung ist fertig. 
Die Treiber erhalten einen Monatslohn von 28 bis 32 Dollars, 
freie Wohnung und Verpflegung und haben die Aufsicht über 
je 1000 Stück Vieh; ihre gewöhnliche Arbeit besteht darin, 
dass sie durch die Ebenen und Thäler reiten, um darauf zu 
achten, dass genügend Futter und Wasser, an einzelnen Stellen 
auch, dass Salz vorhanden ist. Nur zweimal im Jahre haben 
sie beschwerlichere Arbeit, wenn die Besitzer mit den Knechten 
das Vieh zusammentreiben, um den jungen und den nicht mit 
einem Brandzeichen versehenen Thieren ein solches aufzu 
brennen, die mit einem fremden Zeichen versehenen auszu 
scheiden und die zum Schlachten passenden oder zum Verkauf 
bestimmten auszuwählen. Für besonders gute Heerden werden 
Stiere, reine Shorthornzucht, in Kentucky oder den östlichen 
Staaten zum Preise von 80 bis 200 Dollars angekauft. 
Da der Winter selten sehr kalt ist, werden die Thiere nie 
aufgestallt; selbst in Montana wird die kalte Temperatur durch 
die über die Rocky Mountains kommenden warmen japanischen 
Luftströmungen gemildert und der Schneefall ist dort über 
haupt nicht so stark, wie nach dem Atlantischen Ocean zu. 
Ausgenommen in den ganz nördlich in hohen Breiten liegen 
den Regionen, trifft man für die Winterfütterung gar keine 
Vorbereitungen; das üppige Gras vertrocknet eben, wo es ge 
wachsen ist, und bietet dem Vieh ein reiches, nahrhaftes Heu, 
welches nur von einer leichten Schneeschichte bedeckt und be 
quem von den Thieren erreicht werden kann. Im I'rühjahr 
und Sommer werden von Texas aus Tausende von Thieren 
durch die „Indianer-Reservation“ nordwärts getrieben. Der 
Nutzen, welcher aus einer sogenannten „Station“ gezogen wird, 
ist ein bedeutender und beträgt oft 20 Percent des Anlage 
kapitals, denn Renten und Abgaben giebt es dort, mit Aus 
nahme einer Kopfsteuer von 5 Cents für zweijährige und 
7 Cents für ältere Thiere in einigen Staaten, nicht. Die
        <pb n="265" />
        249 
Kosten für kleine Herden von etwa looo Stück belaufen sich 
^uf ungefähr anderthalb Dollars per Kopf, bei grösseren Her- 
^cn sind sie jedoch geringer, höchstens i Dollar; die Verluste 
urch Todesfälle, Verirrung oder Raub durch Indianer, in 
"lanchen Gegenden die Hauptursache der Verluste, beziffern 
sich mit 2 bis 3 Percent. 
Im Sommer und Herbst werden die zwei, drei und vier 
Jahre alten I hiere von den westlichen Weidegründen, bestän- 
weidend, nach irgend einer Station der nach dem Osten 
Ehrenden Eisenbahnen getrieben, wo sie je 20 in einem be 
fleckten Waggon verladen werden. Die Viehzüge sind Ex- 
presszüge, welche nur alle 12 bis 13 Stunden anhalten, um 
je Thiere mit Eutter und Wasser zu versehen und sie 10 
12 Stunden ruhen zu lassen, und meistens nach Chicago, 
ansas City, St. Louis oder den atlantischen Häfen bestimmt 
^nd. An den Stationen im Westen, wo grosse Eairbank'sche 
aagen vorhanden sind, mit denen man gleichzeitig bis zu 
40 Stück wiegen kann, bezahlt man dieses Rindvieh per lehen- 
fliges Gewicht, und zwar 3 bis 4 Cents per Pfund, wobei, 
es überall in den Vereinigten Staaten geschieht, die Ver- 
äufer danach trachten, dies Wiegen gleich nach der Kütte- 
fung vornehmen zu lassen, während die Käufer die Thiere ge 
zogen haben wollen, wenn sie hungrig und durstig sind. Die 
-isenbahnfracht nach dem Osten der Vereinigten Staaten ist 
I Cheyenne in Wyoming, einem Hauptverladungs- 
P atz, bis nach Chicago, eine Entfernung von 1000 englischen 
feilen, bezahlt man z. H, nur 7 Dollars, von Chicago bis nach 
ew-York, 900 Meilen, 4 Dollars per Stück. Dazu kommen 
^ Gr noch die Kosten für Eutter und Ueberwachung während 
f^r bahrt mit einem halben und Verkaufs-Commission in Chi- 
^^go oder New-York mit zwei Dollars. Die Seefracht nach 
^rossbritannien stellte sich früher auf 4 Pfd. Sterl., ist aber 
urzlich auf 5 Pfd. Sterl. erhöht worden; ferner erwachsen 
"Och Kosten für bütterung etc. und Versicherung während 
f^r Seereise im Helaufe von i ' ^ Pfd. Sterl., sowie für Trans 
port nach den Schlachthäusern, Schlachten etc., so dass ein 
^"ck Rindvieh vom nordöstlichen Colorado, Wyoming oder
        <pb n="266" />
        250 
Montana nach dem Transport über 2000 englische Meilen 
Land und 3000 Meilen Wasser in England auf 10 bis ijrfd. 
Sterl. zu stehen kommt, (i. J. 1880) hei einem Gewichte von 
1200 Pfcl. also 2 Pence per Pfd. Brutto, 4 Pehce per. Pfd. 
Netto vertheuert wird, ln Folge dieser Vertheuerung kann 
der Export lebenden Viehes natürlich keine so grossen Dimen 
sionen annehmen, wie man wohl möchte; man hat es zwar 
wiederholt versucht, das Vieh in schlechtem Schiffen zu billi 
gem Frachten zu verschiffen, dabei jedoch böse Erfahrungen 
gemacht, da es mehrfach vorgekommen ist, dass eine grosse 
Menge Vieh, im letzten Februar einmal 250 Stück, bei stür 
mischem Wetter über Bord geworfen werden musste. 
Jeden Herbst werden Tausende der besten zwei und drei 
Jahre alten Thiere von den Weidegründen im Westen nach 
den grossen Mais-Regionen in Illinois, Wisconsin, Jowa, Minne 
sota und Missouri getrieben, wo sie in grossen Yards zu je 
60 bis 100 Stück mit Mais und Hafer zu je einem Viertel- 
Dollar per Bushel, Kleie zu 5 und Heu zu 2' Dollars per 
Ton billig gemästet werden, während von dem Abfall gleic - 
zeitig noch Schweine fett gemacht werden. Das Rindvieh 
wird, etwa 1100 bis 1200 Pfund wiegend, zu 3 Cents per 
Pfund eingekauft und im Winter oder Frühjahre mit einem 
Gewichte von 1400 bis 1600 Pfund zu 4 bis 5 Cents wie er 
verkauft; je 100 Pfund lebendes Gewicht der mit Mais ge 
mästeten Thiere ergeben nach dem Schlachten 56 bis 60 Pfund. 
Von diesem geschlachteten Vieh werden wöchentlich circa 
2000 Stück im Durchschnittsgewichte von je 700 Pfund nac 
England verschifft. In New-York hat das Vieh einen Wert 
von 6 Cents, wenn geschlachtet 10' . Cents. Die bedeu 
tendsten Verschiffer sind die Firmen Sherman und Gileff 
in New-Jersey-City, Eastman in New-York, S. W. Allerton m 
Chicago und Martin und Fuller in Philadelphia. 
Vom Juni bis September findet das Einsalzen und Pra- 
serviren des Fleisches in Chicago, Kansas City, St. Louis, 
Philadelphia und New-York statt, wo in manchen der grössern 
Etablissements täglich 1000 Thiere, meistens 3 bis 4 Jahre 
alt und gesund, aber nicht übermässig fett, geschlachtet werden.
        <pb n="267" />
        251 
Eine einzige Firma in Chicago, „Libby, M'Neill und Libby,“ 
•st beispielsweise im Stande, täglich 40.000 bis 50.000 Büchsen 
präservirtes Fleisch zu liefern, die je 2 bis 28 Pfund enthalten. 
Mehr als die Hälfte des präservirten und ein Viertel des ge 
salzenen und geräucherten Ochsenfleisches geht nach Europa; 
von ersterm wurden kürzlich in London in einer Woche 
150.000 Kisten von je 84 Pfund Netto-Gewicht zu 37 sh. 6 d. 
per Kiste verkauft (i. J. 1880). 
Der Bericht aus Montana v. J. 1882 sagt: Am westlichen 
Fusse des grossen amerikanischen Felsengebirges, in einem 
lieblichen Thaïe, das von seinen Bewohnern das Paradies der 
Heuen Welt genannt wird, liegt das freundliche Städtchen 
Eeer Lodge. Dicht an der Stadtgrenze liegt eine grosse, schön 
ausgelegte Farm, oder, wie man sie dort zu Lande nennt, 
Mranche," das Eigenthum des Rinderkönigs Con Kohrs, eines 
Holsteiners aus der Nähe von Glückstadt, der des grössten 
Ansehens sich erfreut und für einen der reichsten Männer im 
Amerikanischen Nordwesten gilt. Vor zwanzig Jahren noch 
armer Fleischergeselle in Virginia City, der sich auf dem 
Markte ein Viertel Rind über die Schulter legte, dasselbe zu 
Hause zerlegte und dann an seine Kunden verkaufte, hat er 
jetzt 22.000 Stück Vieh auf der Weide und ist an drei Gold- 
Hiinen betheiligt, die grossen Gewinn abwerfen. 
Wer in Montana durch Ackerbau, Handel oder Gold- 
gräberei zu Gelde gekommen ist, legt dasselbe in Vieh an, 
^as in' dem daselbst reichlich vorhandenen Büffel-Gras, mit 
alle Höhenzüge bedeckt sind, sowohl im Sommer als 
Selbst im Winter unter dem Schnee ein vortreffliches nahr 
haftes Futter findet. Diese Art und Weise, seine Capitalien 
verwerthen, ist darum so beliebt, weil die unendlichen 
Höhenzüge Montana’s, welche das Vieh mit besonderer Vor-' 
»ehe sich zur Weide aussucht, noch beinahe überall herren- 
oses und darum nicht umfriedigtes Eigenthum sind und man 
Ausserdem keine Scheunen zu bauen braucht, denn die Thiere 
finden, selbst im kalten Winter, hinlänglichen Schutz vor der 
itterung in den zahlreichen Schluchten der Berge und sehen 
ÖAbei am Ende der rauhen Jahreszeit so glatt und wohlge-
        <pb n="268" />
        2^2 
nährt aus, als hätten sie die ganze Zeit behaglich im warmen 
Stalle gestanden. Alles, was ein Viehbesitzer zu thun nöthig 
hat, ist, dem neugekauften und neugeborenen Vieh seinen 
„Brand“ aufzudrücken und es dann in Gottes weite Welt 
hinauslaufen zu lassen. Dieser „Brand“ wird respectirt, nicht 
sowohl weil man sich vor den Revolvern der Besitzer fürchtet, 
als weil jeder neu eingeführte ,,Brand“ sofort registrirt und im 
ganzen Lande bekannt gemacht wird, so dass man ohne ge 
hörig beglaubigte Vollmacht des Besitzers kein Stück \ieh 
verkaufen kann, und dann ist die Ehrlichkeit der Bewohner 
Montana’s so gross, dass Diebstahl beinahe zu den unerhörten 
Verbrechen gehört und man in den Hotels beispielsweise beim 
Ausgehen ruhig den Schlüssel in der Thür stecken lässt. 
Zweimal im Jahre, zur sogenannten round up-Periode, werden 
alle Rinder in besondere zu diesem Zweck errichtete Einfrie- 
digungen getrieben, von ihren Herren, die sich dazu mit ihren 
Knechten (cow boys) eingefunden haben, sortirt und, nachdem 
man die neugeborenen Kälber gebrannt und die für den \ er 
kauf bestimmten Thiere ausgesondert hat, wieder losgelassen. 
So bequem und gewinnbringend diese Art der Viehzucht 
auch ist, so ist dabei von System doch keine Rede, und 
namentlich liegt die Milchwirthschaft noch sehr im Argen. 
Die Kühe laufen mit vollem Euter auf der Weide herum, weil 
es an Leuten fehlt, sie zu melken, und Butter und Käse stehen 
desshalb in hohem Preise. Dass hier einmal ein Umschwung 
zu rationellerer Wirthschaft eintreten muss, liegt klar auf der 
Hand; denn bei dem schnellen Wachsthum der Bevölkerung 
wird sich die Nachfrage nach guter Butter und Käse, dem 
ersten Erforderniss eines guten Tisches, bald genug einstellen, 
und Leute, die ihr Geschäft verstehen, könnten bei nöthigec 
Energie, der ersten Grundbedingung zum Erfolge, hier schnell 
zu Wohlstand gelangen. Bei vielseitiger Behandlung der 
Milch könnte man in Montana einen Käse erzielen, der dem 
der Schweiz in nichts nachstände, und sieht man die Fort 
schritte, welche die Kultur jetzt überall im amerikanischen 
Nordwesten macht, so kann man auch auf diesem Gebiete 
gute Resultate erwarten.
        <pb n="269" />
        XIX. Capitel. 
Der Panama-Canal und die amerikanische 
Politik. 
Die Geschichtsschreibung beginnt in neuerer Zeit einen 
^Guen Maassstab anzuwenden und die Bedeutung von Männern 
^3ch anderen Prinzipien zu würdigen wie vordem. Nicht mehr 
kriegerischer Ruhm allein wird als Bedingung für die Erlangung 
Unsterblichkeit angesehen, sondern grosse Werke des 
Friedens, welche eine wesentliche Verbesserung des Looses 
'^•eler Menschen zum Zwecke haben, erzeugen ebenfalls einen 
Anspruch auf Aufnahme in die Tafeln der Weltgeschichte, 
■^uch das Alterthum ist reich an Unternehmungen, deren 
Drossartigkeit noch heute Staunen erregt, da man die Unzu 
länglichkeit der damals zur Verfügung stehenden mechani 
schen Kräfte, im Vergleich zur gelösten Aufgabe, kennt, 
■^hein solche Bauwerke, wie die Pyramiden Aegyptens, waren 
^cist nur Denkmäler, welche einzelne Menschen sich oder 
*hrem Geschlecht gesetzt, und durch welche sie — vergebens 
sich in der Erinnerung der Menschen zu erhalten versuchten, 
zwar die Pyramiden anstaunen, die Namen ihrer eitlen 
Schöpfer aber vergessen haben. Wer im Gedächtniss der 
Menschen leben will, muss ihnen grosse Dienste leisten, 
^•^d er wird so lange unvergessen sein und von ihnen geehrt 
y erden, als es Menschen gibt, welche Nutzen aus der That 
Jener Helden der Cultur ziehen. Durch Dienste und durch 
k^‘enen erwirbt man Autorität, und heut zu Tage heisst 
Regieren Bedürfnisse des Volkes befriedigen. Wer 
dies gut thut, ist ein guter Regent, und sein Name lebt so 
in der Geschichte, als sein Dienst no(;h nachwirkt.
        <pb n="270" />
        254 
Wenn man, wie die moderne Geschichtsschreibung an* 
fangt es zu thun, diesen Maasstab an die Regenten unseres 
Jahrhunderts legt, so wird man Napoleon 111. fur einen der 
grössten Regenten' desselben halten. 
Das Herz dieses merkwürdigen Mannes war gut und 
menschenfreundlich. Er war ein humaner Träumer auf dem 
Throne, und nicht alle seine Träume waren bunte Seifenblasen, 
welche ohne Spur zerplatzen. In seiner Jugend war er tief in 
die Ideen eines anderen aristokratischen Humanitätsträumers, 
St. Simon’s, untergetaucht und war zu der Ansicht gekommen, 
dass Belebung von Handel, Verkehr und Industrie National* 
reichthum schaffe und dieser ein Volk glücklich mache. 
Aufgabe des Monarchen sei also die Förderung von Handel, 
Verkehr und Industrie. Dies hat Napoleon III. als Kaiser 
redlich gethan und desshalb wird sein Name unsterblich sein, 
obschon er seinen letzten Zweck, das Glück des Volkes, 
nicht erreichte. In dieser Beziehung kann man von ihm nicht 
mehr verlangen, als die hellsten Köpfe seines Zeitalters gc 
leistet haben, welche, von Adam Smith bis Michel Chevalier 
und Friedrich List, glaubten, dass Nationalreichthum Wohl* 
stand erzeuge. Sie hatten noch keine Ahnung davon, dass 
die richtige Vertheilung des Nationalreichthums in der 
Art, dass er durchschnittlichen Wohlstand, und nicht 
Millionäre und Proletarier erzeuge, ein schwierigeres Problem 
sei, als die Erzeugung des Nationalreichthums selbst. 
Doch ist Napoleon Ill. das, was die Besten und Klügsten 
seiner Zeit anstrebten, durchzuführen gelungen, und bleibende 
Werke, sowie der in der That Staunen erregende National* 
reichthum Frankreichs, den es grossen Theils unter seiner 
Regierung sammelte, und von dem es jetzt aller Welt leiht, 
sind eine Frucht der Werke des Friedens, welche der unglück 
liche Kaiser förderte. 
Der Hafen von Marseille, die Eisenbahn durch den 
Mont-Cenis und der Canal von Suez sind drei solcher, plan* 
mässig zusammenhängenden Werke von dauerndem 
Werthe, welche der Menschheit nutzen, Napoleons Regime 
überlebt, über unvergesslich gemacht haben. Er zerbrach die
        <pb n="271" />
        255 
^arrière, welche Indien von Europa östlich trennte, indem 
Lesseps mächtig den Rücken deckte. Hierdurch wollte er 
den Handel mit Indien über Frankreich leiten. Die Mont-Cenis- 
Strasse und der grossartige, neue Hafen von Marseille sind 
die natürlichen Fortsetzungen des Canals von Suez. Dies ist 
ein in sich abgeschlossenes Strassensystem und es trägt seine 
vorhergesehenen und beabsichtigten Früchte für die Vermeh- 
rung des Nationalreichthums von Frankreich. 
Allein Napoleon III. hatte auch die Idee und Absicht, 
jene Barrière zu beseitigen, welche die indisch-asiatische 
Welt westlich von Europa scheidet, durch jene Landstrecke, 
die Nord- und Südamerika mehr trennt als verbindet, denn 
Sie ist viel unzugänglicher* und unpassirbarer, als es ein offe 
nes Meer an dieser Stelle sein würde. 
Es ist noch sehr die Frage, ob nicht Europa dereinst 
bedauern wird, dass die Schranken, welche die Länder der 
'Veissen Race von jenen der gelben Race trennen, nieder- 
gelegt wurden, ob dies nicht, wie der englisch-französische Feld- 
2ug gegen China, wodurch die dreihundert Millionen Chinesen 
ihrem zweitausendjährigen Schlummer gewaltsam erweckt 
'vurden, ein grosser Fehler war; denn wir furchten, dass die 
'veisse Race die Concurrenz der gelben nicht ertragen kann, 
Sobald diese sich der Maschine als Dienerin bei der 
Production bemächtigt, was sie zu thun beginnt, jene 
^itschine, die uns allein eine Ueberlegenheit über jene frugale, 
heissige und mechanisch-talentirte, geschäftskundige Race gab, 
■Allein diese Befürchtung, welche wir hegen, wird bis jetzt von 
Wenigen getheilt und man ist allgemein noch der Ansicht, 
dass die Beseitigung eines solchen Verkehrshindernisses, wie 
^ die, beide Amerika's verbindende Landenge ist, als eine 
Lulturthat ersten Ranges anzusehen ist. 
So fasste sie Napoleon III. und mit ihm fassten sie so 
die intelligentesten Franzosen seiner Zeit jedenfalls auf. Man 
''^•rd nicht fehl gehen in der Annahme, dass der grossartig ver 
anlagte Träumer auf dem Throne Frankreichs ein Gewebe 
^^b, in dem Politik und Oekonomik so innig verwo- 
Waren, wie Kette und Einschlag, und dass nicht nur
        <pb n="272" />
        256 
der Wohlstand, sondern auch die politische Macht Frank 
reichs durch die Ausführung jener beiden napoleonischen 
Ideen gehoben werden sollte. In der That wollte Napoleon III. 
Frankreich aus einer europäischen Grossmacht, die es immer 
gewesen und noch ist, zu einer Weltmacht machen, die in 
vier Continenten festen Fuss fassen sollte! 
In Afrika besass Frankreich bereits Algier. Auf Aegyp 
ten gewann es durch Anleihen und den Canal Einfluss. In 
Syrien und dem Heiligen Lande hatte es Vertragsrechte und 
das „Partant pour la Syrie“ war die napoleonische Hymne. 
Sie drückt den napoleonischen Weltmachtstraum poetisch-musi 
kalisch aus, ein Traum, den Napoleon durch Arbeit, Capital, 
Intelligenz und — die ruhmreichen Waffen Frankreichs 
gleichzeitig zu realisiren suchte. Diese erworbenen Rechte 
in Syrien, dieser politische Einfluss an beiden Ufern des Canals 
von Suez, Hess sich durch eine mächtige und zielbewusste 
französische Regierung entwickeln und vergrössern. Nach 
dieser Seite, nach Osten, war Frankreich unter Napoleon III. 
bereits unbestreitbar eine Weltmacht, zum grossen Ver- 
drusse Englands! 
An Grösse der politischen Conception steht Napoleon III. 
weder Louis XIV., noch Napoleon I. nach, übertrifft sie aber 
durch die geschickte Combination friedlicher und kriege 
rischer Mittel zur Erreichung des vorgesteckten Zieles. Allein 
er hatte, sowie er seine Action nach Westen ausdehnte, Un 
glück. Er verrechnete sich in Bezug auf England, das er 
durch den Handelsvertrag gewonnen zu haben meinte und 
dessen engherzige Krämerpolitik er unterschätzte. Englands 
wahres, dauerndes Interesse verlangte die Unterstützung der 
napoleonistischen Pläne in Suez und in Mexico-Panama. Aber 
England suchte den Canalbau von Suez zu hindern und unter 
stützte die mexicanische Expedition nicht. Vom Canal zu Suez 
zieht es jetzt eine unverdiente Frucht, die Versäumniss in 
Mexico wird sich bald an ihm rächen. Es hat für die Union 
gearbeitet, indem es für Napoleon nichts that, und die Union 
will sich jetzt eine Schiffsstrasse durch den amerikanischen 
Isthmus Öffnen, sie aber für England jeden Augenblick schliessen
        <pb n="273" />
        257 
17 
können. Für die Union war es ein Glück, dass die raexica- 
nische Expedition scheiterte. Für Europa ist es ein Unglück, 
für England ein grober, politischer Fehler! 
Die verunglückte mexicanische Expedition wird man als 
^•ne nothwendige Vorbedingung eines, von Frankreich 
erbauenden und unter französischem Einfluss zu erhaltenden 
Canals durch die Landenge von Panama ansehen müssen, um 
Sie richtig zu würdigen. So aufgefasst, verliert sie das Aben 
teuerliche, was ihr in anderer Weise noth wendig anhaftet. 
Napoleon III. begünstigte offenbar die Südstaaten der 
amerikanischen Union in ihrem Kampfe um Unabhängigkeit, 
kr suchte ferner Mexico in eine Monarchie unter französi 
schem Schutze zu verwandeln. Hätte er hier eine Monarchie 
Gtablirt und hätten die aristokratischen Südstaaten, in denen 
öie Grossgrundbesitzer zum guten Theile französischer Abkunft 
'''aren, sich befreit, so wäre auch hier wahrscheinlich eine 
Monarchie entstanden. Beiden Monarchien gegenüber würde 
Republik im Norden der Union einen schweren Stand ge 
habt haben. Ein Monarch aber muss wünschen, dass das 
1‘epublikanische System nicht Terrain gewinnt, sondern mög- 
kchst eingeschränkt wird. Deshalb soll Harry Arnim mit der 
Monarchie in Frankreich sympathisirt haben. Er sah richtiger 
Ms Bismarck! Ein Sieg der Südstaaten, die Etablirung dreier 
Monarchien in Nordamerika, würde das System grosser 
Gehender Heere, die allgemeine Wehrpflicht, zum un- 
l'iittelbaren Gefolge gehabt haben. Wenn aber dieses System 
Amerika auch Platz greift und dazu eine grosse Kriegs 
schuld kommt, wie sie Süd- und Nordstaaten und Mexico 
^^mals hatten, so ist Amerika plötzlich kein gefährlicher 
^ oncurrent mehr für Europa in der Arbeit auf den 
*cbieten von Ackerbau und Industrie, da es heute nur 
^halb weniger Productionskosten in vielen Productionsbran- 
^hen hat als Europa und also nur deshalb billiger verkaufen 
'^nd europäische Concurrenten niederconcurriren kann, weil 
Seine ganze männliche Bevölkerung, frei vom Militärdienst, 
^*eh der Arbeit widmet und die. Staatsausgaben sich vermin- 
aus Mangel eines Militär-Budgets.
        <pb n="274" />
        258 
Napoleon III. begriff, dass Europa vorläufig vom Militär 
system nicht lassen könne. Er begriff, dass Europa die Con- 
currenz Amerika’s nur ertragen könne, wenn es dasselbe kost 
spielige politische System habe wie Europa. Deshalb that er 
Alles, was er konnte, um dies europäische System nach Ame 
rika zu verpflanzen. Vom moralischen Standpunkte lässt sich 
gewiss Vieles gegen ein System sagen, das die Krankheit 
des europäischen Militarismus Amerika einimpfen wollte. Vom 
Standpunkt der europäischen Politik, die durch den Egoismus 
geleitet wird, war das System richtig. 
Es lag ebenso im wohlverstandenen Interesse Englands 
als Frankreichs, den gefährlichen Concurrenten Amerika nicht 
auf kommen zu lassen, sondern für immer in der Rolle eines 
an Europa Zinsen zahlenden Schuldners und eines von Europa 
Industriewaaren kaufenden Agriculturlandes zu erhalten. 
Die Engländer „sympathisirten“ demgemäss auch mit den 
amerikanischen Secessionisten, aber sie waren weit davon ent 
fernt, einen Mann oder ein Pfund Sterling zu opfern, um ihnen 
zum Siege zu verhelfen oder um in Mexico eine Monarchie 
unter europäischer Protection zu etabliren und so das ihnen 
hauptsächlich feindliche „Monroe - System“ zu zerstören. Sie 
würden sogar den Erfolg der französisch-amerikanischen Politik 
mit derselben Eifersucht gesehen und ihr entgegengearbeitet 
haben, wie sie die Vollendung des Suezcanals durch Frank 
reich mit Neid und Unwillen sahen, obschon sie heute den 
grössten Vortheil aus der Existenz des Suezcanals ziehen. Die 
englische Politik hat in letzter Zeit stets jener kurzsichtige, 
gemeine Krämeregoismus beherrscht, der Bismarck im Jahre 
1864, als ihn ein österreichischer Staatsmann frug, was England 
zur Annexion Schleswig-Holsteins sagen würde, antworten 
Hess: „England wird reden, vielleicht protestiren, aber nie 
etwas thun!“ So ist es geschehen und England hat nur 
eine kurze Zeit lang wieder Politik- nicht Tagesgeschäft, 
„business,“ getrieben, so lange ein genialer Mann nicht eng 
lischer Race, Disraeli, seine Geschicke lenkte. Von da ab 
ruft es wieder in die Welt hinaus: „Peace and Cotton!“ Es 
kann sich aber leicht ereignen, dass es bald weder Frieden
        <pb n="275" />
        259 
noch Raum wolle hat! So wie es wagen sollte, der mächtigen 
Republik in Amerika einen freien Wasserweg durch den Isth- 
nius abzuzwingen, dürfte dieser Moment kommen. Ein ame 
rikanischer Staatsmann sagte neulich: Wenn England uns in 
den Weg tritt, können wir leicht aus ihm drei kleine Staaten 
jnachen, die uns als Vorwerk gegen Europa dienen! Der 
Hinweis auf Irland ist augenscheinlich sehr deutlich! 
\ on England im Stiche gelassen, konnte Napoleon III. 
nicht gleichzeitig die amerikanischen Südstaaten unterstützen 
Und die Monarchie in Mexico begründen. Als erstere unter- 
®rfen waren, konnte er auch das junge mexicanische Schutz 
kaiserthum nicht halten, musste er den Plan, das europäisch 
politische System in Nordamerika zu begründen und 
die Landenge von Panama unter französischen politischen Ein 
fluss zu bringen, ihm eine militärische Landbasis in Mexico 
•u geben, was der Inangriffnahme des Canalbaues daselbst 
uatürlich voraufgehen musste, aufgeben. 
Von da ab gehörte Nordamerika dem friedlich-republi- 
anischen, nicht militärischen System und Panama den Ameri 
kanern! 
Die geheime Sympathie Europas für die Südstaaten, d. h. 
ür den Zerfall der Union, und die offene Einmischung Europas 
ju mexicanische Angelegenheiten, waren an den nordameri- 
. ^^ischen Staatsmännern nicht verloren gegangen, und 
^ Washington existiren sehr zielbewusste einsichtige 
taatsmänner, die sich, trotz wechselnder Präsidenten, dort 
Permanent in einflussreicher Stellung behaupten, wie Grant, 
ameron, Conkling, Rlaine, Ereelinghuysen und manche Andere, 
verstorbene Präsident Garfield, General Sherman, Finanz- 
Minister Windom, Statistiker Walker, waren oder sind solche 
Staatsmänner. 
Sie fühlten lebhaft das Hedürfniss, die einzelnen Theile 
^ Ungeheuren Reichsgebietes in innere, engere Verbindung 
einander zu bringen und ihr praktischer Sinn fand das 
Ittel hierzu leicht, ein Mittel, das einen doppelten Zweck 
^'‘eichte, grössere politische Einheit und Entwickelung des 
Pudels, Verkehrs, der Production, des Nationalreichthums, 
17*
        <pb n="276" />
        &gt;- 
260 
dessen Vertheilung in Wohlstand sie gleichzeitig durch Wucher* 
und Homestead-Exemptionsgesetze möglichst beförderten. Die 
ses Mittel lag in der Schöpfung grossartiger Transport 
strassen. 
Transportstrassen sind je und je zweierlei Art gewesen. Land 
und Wasserwege. Die letzteren cultivirten die Staatsmänner der 
Union bisher wenig, weil sie alle ihre verfügbaren Mittel den erste- 
ren zuwendeten Der Umstand, dass sie hierbei nicht nur ihr uner 
messliches und an natürlichen Schätzen überreiches Land er 
schlossen und der Production an den neuen Transport-Binnen- 
strassen neue Stätten schufen, war es nicht allein, der sie ab 
hielt, zunächst sich auch den Seewegen zuzuwenden. Bei Her 
stellung der Binnenlandwege hatten sie keinerlei Einmischung 
von Seiten des eifersüchtigen, capitalreichen und militairischen 
Europas zu fürchten, der sie begegnen werden, sowie sie 
das Monopol zu brechen suchen, was Europa jetzt noch zur 
See hat. Sie konnten vielmehr mit Erfolg europäisches Capi 
tal zur Erbauung ihrer Binnenland-Transportwege herbeiziehen 
und thaten es. Jetzt sind sie reich und mächtig genug, um 
auch ein grosses Seehandels- und Schifffahrtsvolk zu werden 
und sie sind dabei, auch dieses Ziel zu erreichen. Es ist aber 
ein Beweis für die Klugheit der amerikanischen Staatsmänner, 
dass sie Schritt für Schritt vorgingen und nicht ihre Kräfte 
zersplitterten. Nachdem sie im Eisenbahnbau alle Nationen 
übertroffen haben, werden sie es bald auch in der Schifffahrt 
thun, sobald nur erst durch die starke Einwanderung auch 
dort — leider — die Löhne gesunken sein werden. 
Während man in Europa neue Transportwege erst dann 
erbaut, wenn die Production so gross ist, dass die alten nicht 
zur Abfuhr der Erzeugnisse genügen, baut man in Amerika 
zuerst die Transportwege und schafft dadurch eine loh 
nende Production in den durch jene Strassen erschlosse 
nen Gegenden. In Europa baut man zuerst ein Dorf, dann 
eine Stadt, dann eine Landstrasse, dann eine Eisenbahn. 
■ In Amerika baut man zuerst ejne Eisenbahn, dann erbaut 
man an den Eisenbahnstationen „Städte“, d. h. ein Hôtel, 
einen Kaufmannsladen, ein Post- und Telegraphenbureau,
        <pb n="277" />
        26i 
entstehen einzelne Farmen unfern der neuen „Stadt“, 
und sehr langsam endlich die Landstrassen zwischen den Far* 
Ulen und von diesen zur Stadt. 
Die amerikanische Regierung begünstigte den Eisenbahn 
bau durch Landschenkungen an der Strecke der zu erbauen- 
^en Bahn, aber bei einer Bahn, deren schnelle Herstellung 
ibr besonders am Herzen lag, ging sie weiter und bewil- 
bgte direct eine Garantie des Capitals aus Unions- 
uiitteln. Diese Bahn ist die grosse Pacilicbahn, welche 
Omaha mit San Francisco verbindet. Hierzu hatte sie haupt 
sächlich einen politischen Grund. 
Die durch das Felsengebirge vom Hauptlande der Union 
getrennten Staaten am Stillen Meere würden sofort in den 
lebhaftesten Verkehr mit Europa gekommen sein, wenn der 
Panamacanal gebaut worden wäre. Noch jetzt ist ihr Handel 
Ul it Europa, obschon er ums Cap Horn geht, bedeutender 
uls mit dem östlichen Theile der Union, obgleich bereits zwei 
Hisenbahnen diese Landestheile verbinden. Die Tarife der 
Pacificbahnen sind noch zu hoch und werden so bleiben, bis 
Unionsgesetzgebung gegen sie einschreiten wird. Vor 
Herstellung der Union-Pacific-Bahn bestand fast kein Verkehr 
beider Unionstheile. 
Diese Situation musste für den Bestand der Union hoch- 
Refährlich werden, sowie die Pacificstaaten mehr Bevöl 
kerung erhielten. Welches Interesse haben diese ander Entwicke 
lung der Industriein denOststaaten durch einen hohen Schutz 
zoll, den sie mit bezahlen müssen? Erst in neuester Zeit hat sich 
^us geändert, da San Francisco eine Fabrikstadt zu werden 
l^^ginnt. Warum sollten sie bisher eine Politik der Union 
Unterstützen, welche die Vernichtung der Gesellschaftsordnung 
*u den Südstaaten und die Remplacirung der südlichen Gross- 
S^undbesitzer durch Capitalisten und Settler aus dem Nordosten 
^on Jahr zu Jahr mehr erzwingt? Warum endlich sollten sie 
^500 Millionen Dollars Unionsschulden verzinsen und amor- 
^isiren helfen, welche lediglich gemacht wurden, um diese po 
litisch-sociale Umschaffung der Südstaaten, die nur im Inter- 
tisse der Nordoststaaten geschieht, möglich zu machen ? Das
        <pb n="278" />
        202 
Gebiet der Pacificstaaten ist gross und an natürlichen Hülfs- 
mitteln reich genug, um ein selbstständiges Reich zu bilden, 
das seine eigenen Interessen allein fördert und nicht zur Er 
reichung der Interessen des Nordostens contribuirt. 
Der Gefahr, dass sich die Pacificstaaten von der Union 
loszulösen suchten, was zu einem neuen und sehr kostspie 
ligen Bürgerkriege führen musste, konnten die Staatsmänner 
der Union nur dadurch begegnen, dass sie eine innigere 
Verbindung jener Staaten mit dem Osten herstellten, welche 
erstens gemeinsame Interessen zwischen beiden Reichstheilen 
schuf, zweitens, im Falle eines Ablösungsversuchs der Pacific 
staaten, den Militärtransport dahin erleichterte. Aus diesen 
politisch-militärischen Gründen erklärt es sich, dass die 
Unionsregierung, was sie sonst nie that, eine Capitalinter- 
essen-Garantie für die erste Pacifiebahn bewilligte und den 
Bau der drei anderen durch die grossartigsten Landschenkungen 
förderte. 
Der Name Grant’s ist mit allen diesen Unternehmungen 
innig verflochten, bis auf den heutigen Tag, und man thut 
Unrecht und begeht ausserdem, was nach Talleyrand schlim 
mer ist, einen Fehler, wenn man Grant für einen Mann hält, 
der durch Eisenbahn- und Canalbauten, denen er das Prestige 
seines grossen Namens leiht, lediglich Geld zu verdienen 
sucht. Wie alle Amerikaner, wird er Geld zu schätzen wissen 
und vielleicht für sich welches machen, was wir indessen 
nicht behaupten können, aber er hat seinen grossen Namen 
für kein derartiges Project hergegeben, das nicht eine 
eminent politische Bedeutung hätte und dazu diente, 
ganz Nordamerika in eine grosse, mächtige, nicht 
militärische, einheitliche Republik zusammen zu 
sch weissen. 
Die erste Sorge der G rant’sehen Regierung war daher, 
nach Beendigung des Bürgerkrieges, die Vollendung der 
Union-Pacific-Bahn, und nach drei Jahren waren im Mai 1869 
die 1775 Meilen vom Sacramento-Flusse bis Omaha vollendet, 
waren der Stille und der Atlantische Ocean durch einen
        <pb n="279" />
        263 
Schienenstrang verbunden, der es gestattet, bequem in 6 Tagen 
und Nächten von New-York nach San Francisco zu fahren. 
Im März des Jahres 1881 ist die zweite Verbindung bei 
der Oceane, südlich jener, vollendet worden. Von Kansas 
City fahrt man jetzt auch über La Junta, Santa Fe- Albu 
querque nach Lanes in California, südlich von da nach San 
thego am Stillen Ocean, nördlich nach Santa Barbara am 
selben Meere und von hier an der Küste hinauf nach San 
Francisco. Von La Junta erreicht man per Bahn im Norden 
Denver und hiermit den Anschluss an die Union-Pacific-Bahn 
bei Cheyenne. Es existirt eine Bahn von St. Louis nach 
Vinita im Indian Territory. Von hier baut man an einer ziem 
lich geraden Bahn nach Albuquerque. Sowie sie fertig ist, 
wird der Umweg über Las Animas-St Fe vermieden, welchen 
obige Bahn macht. Die Concurrenz beider Linien macht es, 
dass man von Kansas City auf beiden Bahnen nach San Fran 
cisco für 115 Dollars fahren kann, obschon die oben be 
schriebene südliche Route ca. 300 Meilen länger ist als die 
U nion-Pacific-Bahn. 
Mit grosser Beschleunigung baute man 1881 an einer noch 
südlicheren Bahn, die im Jahre 1882 vollendet wurde und 
von Little Rock am Arkansas über Texarkana bis Gainsville, 
Henrietta, Camp Cooper, Emigrant-Crossing, Wells nach El 
l^aso del Norte am Rio Grande und Fort Thorn fuhrt. Von 
hier erreicht sie nördlich den Anschluss an die Süd-Pacific- 
bahn bei Albuquerque, geht von Thorn südlich über Tucson 
uach Guaymas in Mexico am Golf von Californien, von Tucson 
existirt schon eine Bahn über Marcicopa Wells, Fort Yuma 
•lach Colton und Los Angeles an der Südsee, von Fort Yuma 
nach San Diego ist sie im Bau begriffen. Von El Paso del 
Norte und Guaymas tritt sie in Verbindung mit jenem System 
niexicanischer Bahnen, für die sich General Grant jetzt inter- 
essirt und von denen weiterhin noch zu berichten ist. 
Bei Denison, nahe dem Red River, zweigt sich von ihr 
^ine Bahn ab, die nördlich nach Vinita führt Von hier 
Existirt eine Bahn nach St. Louis und eine nach Emporia an 
Süd-Pacific-Bahn. Von Denison baut man einerseits über
        <pb n="280" />
        204 
Durant nach dem Canadian-Flusse und den hinauf nach Las 
Vegas, zum Anschluss an die Süd-Pacific-Bahn, andererseits 
von Denison nach Henrietta, wie schon gesagt, und endlich 
steht Denison über Dallas und Hearne mit Galveston am Golf 
von Mexico in Verbindung. 
Endlich wird auch wahrscheinlich bis Frühjahr 1884 die 
Northern-Pacific-Bahn vollendet sein, welche von Duluth am 
Oberen See direct, in fast gerader Linie, nach Westen fuhrt 
und über Brainerd am Mississippi, Glyndon, Bismarck am Mis 
souri, schon 1881 den Yellow-Stone-River in Montana erreicht 
hatte. Sie führt über Big Horn, Galatin nach Virginia-City 
in Idaho, von dort nordwestlich bis zum nördlichen Theile des 
Territoriums Washington, von da einerseits nach Olympia 
am Puget Sund, andererseits nach Portland am Columbia- 
Flusse. Portland steht demnächst mit Sacramento in Bahn 
verbindung. Die Staatsmänner der Union werden also im 
Jahre 1884 die Pacific-Staaten durch vier grosse Parallelbahnen 
mit dem Osten verbunden haben. 
Die Idee Lord Beaconsfields, durch Canada eine Militär 
bahn vom San Lorenzo-Strome bis zum Stillen Ocean in Bri- 
tisch-Columbien zu bauen, welche jetzt verwirklicht wird, aber 
zehn Jahre in Anspruch nehmen dürfte, ist in Washington so 
unpopulär als möglich. Man arbeitet mit Erfolg daran, sich 
in Canada eine Partei zu schaffen, welche dem Anschlüsse 
Canada’s an die Union günstig ist, und sobald die Zeit ge 
kommen sein wird, in welcher die Union auch zur See mächtig 
werden will, wird man gewiss sich Canada’s zu bemächtigen 
suchen. Wie ich nachzuweisen hoffe, ist diese Zeit nicht 
mehr fern. 
Die amerikanischen Staatsmänner haben nun die Absicht, 
sich von ihren östlichen und südlichen Staaten zu den Pacific- 
Staaten auch noch einen für Seeschiffe passirbaren Weg 
zwischen Nord- und Südamerika herzustellen. Dieser Weg 
aber soll nicht in der Luft schweben, sondern eine 
sichere Landbasis und damit auch eine militärische 
haben! 
Zu dem Zwecke haben sie, gerade wie Napoleon 111, vor
        <pb n="281" />
        265 
Lustren, ihren Blick auf Mexico geworfen, und es ist 
General Grant, der auch heute noch einen gewaltigen Lin- 
fluss in Amerika ausübt, welcher diese Sache in die Hand 
genommen hat. Dabei darf er auf die mächtige Unterstützung 
^er Unionsregierung sicher rechnen. Er hat die Präsident 
schaft einer grossen amerikanischen Eisenbahn Compagnie über 
nommen, welche in Mexico Eisenbahnen baut, die dieses Land 
*n innige Verbindung mit der Union bringen. Man will also 
Mexico friedlich, durch amerikanisches Capital und durch, 
'on Amerikanern verwaltete Eisenbahnen dem Unions-Ein- 
^^usse total unterwerfen, ohne zunächst an Annectirung 
denken. Man hat vielmehr ein enges Bündniss mit 
jener Republik im Auge. Die gegenwärtige mexicanische 
Ggierung ist auch ganz bereit, hierauf einzugehen, und das 
^ns sehr triftigen Gründen. 
Erstens weiss sie, dass Widerstand nichts nutzen würde, 
ie Geschichte der Annexion von Neu-Mexico und Texas 
gJebt ihr hierführ einen unwiderleglichen Beweis. Texas wurde 
^^45 erobert, Arizona, Utah, Nevada, ein Theil von Colorado, 
Südcalifornien 1848 von Mexico und Neu-Mexico im Jahre 1850 
Von Mexico abgerissen. Lehnte sie ein Bündniss mit dem 
l^ächtigen Nachbar ab, so stände die Annexion ausser Frage. 
ebrigens muss der Eisenbahnbau in Mexico den National- 
^Gichthum dieses Landes heben. Die Mexicaner aber haben 
l^'cht das Capital, um aus eigenen Kräften sich ein grosses 
ahnsystem zu schaffen. Daher nehmen sie das Anerbieten 
Amerikaner, ihnen Bahnen zu bauen, gern an. Die Re 
gierung erhält durch Bahnen ferner die Möglichkeit, Aufstände 
iT Provinzen schnell niederzuwerfen, was sie bisher nicht 
onnte, da die Truppen sehr weite Fussmärsche bis zum Herd 
^ Aufstandes machen mussten. Eisenbahnen werden also 
Lande endlich inneren Frieden geben. Baut ja auch die 
^giische Regierung hauptsächlich deshalb in Indien so viele 
Eisenbahnen. 
Ein anderer Umstand hat diese heilsame Einsicht der 
^^xicanischen Regierung zur Reife gebracht: Die Erinnerung 
^io französische Expedition nach Mexico ist noch
        <pb n="282" />
        206 
nicht geschwunden und man hält eine Wiederholung der 
französischen Einmischung in Central-Amerika für wahrschein 
lich, seitdem es Herrn de Lesseps gelungen ist, ein so 
bedeutendes französisches Capital daselbst zu en- 
gagiren. 
Weiss man doch, dass die Investirung französisch-schwei- 
zerischen-Jekker’sehen Capitals auch den äusseren Anlass zur 
französisch-mexicanischen Expedition bot, die Mexico so viel 
Geld und Blut kostete und daselbst fast ein, der Bevölkerung un 
sympathisches monarchisches Regierungssystem eingeführt hätte. 
Man ist die Spanier los geworden, hat sich einmal der Franzosen er 
wehrt und will nicht eine neue europäische Invasion, die dies 
mal vielleicht von England unterstützt werden könnte, riskiren. 
Wenn zahlreiche Eisenbahnen das Innere Mexicos mit der 
volkreichen Union verbinden, so kann leicht Militär von dort 
den Mexicanern zu Hülfe kommen, wenn diese eine neue In 
vasion zurückzu weisen haben sollten. Die mexicanische Re 
gierung hat also concessionirt oder will concessioniren und 
mit Landschenkungen an den beiden Seiten der zu bauenden 
Bahnen dotiren solche, von Amerikanern zu bauenden und zu 
verwaltenden Bahnen, welche folgende Hauptverbindungen 
hersteilen sollen : 
Von El Paso del Norte an der amerikanischen Süd-Pacific- 
Bahn südlich über Chinahua, Durango, Zacatecas, Hidalgo 
nach Mexico. Davon westlich von Aguas Calientes nach San 
Blas und Mazatlan am Stillen Ocean, östlich von Aguas Ca 
lientes über San Luis nach Tampico am Golf von Mexico. 
Von Austin in Texas, das mit Galveston und St. Louis 
in Verbindung ist, über San Antonio, Laredo am Rio Grande, 
nach dessen Mündung einerseits, dann von Rio Grande City 
über Saltillo nach San Luis, zum Anschluss an die vorige 
Bahn. Von Mexico existiren schon Bahnen nach Acapulco 
und Santa Cruz. Von dieser Bahn sollen zwei Zweigbahnen 
nach dem nördlichen und südlichen Ende der Landenge von 
Theuantepec führen, wo sie auf eine Verbindung des Golfs 
von Campeche mit dem Stillen Ocean stossen werden, 
welche man sich die Eads’sehe Schififseisenbahn denkt. Letztere
        <pb n="283" />
        267 
"^urde, sowie diese Eisenbahnen vollendet sein werden, unter 
Schutze der Unionstruppen stehen, welche, die mexi 
kanische Armee, im Falle einer europäischen Invasion, ver 
stärkend, in einigen Tagen vom Unionsgebiet auf der be 
drohten Communicationsstrasse des Atlantischen und des Stillen 
Oceans anlangen könnten. Die Union kann also diese Ver 
bindung beider Meere durch ein Landheer beherrschen und 
Vertheidigen, selbst gegen europäische Mächte, welche ihr 
ktiittelst der Kriegsmarine noch überlegen sind. Diese Er 
wägung wird in Washington vornehmlich für das dort den 
gesetzgebenden Factoren unterbreitete Project, wenn auch vor 
läufig abgelehnte, des Captain Eads geltend gemacht. 
Der Erfolg der Subscription auf die Actien des von Herrn 
Won Lesseps in Angriff genommenen Panama-Canals hat alle 
diese Projecte schnell gereift und der Ausführung näher 
gebracht. 
Nachdem ich somit den politischen Hintergrund 
dieser Frage gezeichnet habe, kann ich auf die drei Projecte, 
eine Verbindung beider Meere zwischen Nord- und Süd 
amerika herzustellen, sehr kurz eingehen, um dann bei dem 
ads sehen Plane länger zu verweilen. 
Es handelt sich um drei Projecte, ein europäisches und 
^'wei amerikanische. 
Herr von Lesseps will einen Schifffahrtscanal durch 
Landenge von Panama herstellen. Eine amerikanische 
ompagnie, welche von General Grant unterstützt und von 
^ptain Phelps poussirt wird, will einen solchen Canal durch 
icaragua bauen. Captain Eads hat eine Concession von der 
^exicanischen Regierung zum Hau einer Schiffseisenbahn 
die Landenge von Theuantepec erhalten. 
Nach der Information, welche wir in Amerika sorgsam 
'(^gezogen haben, wird die Unionsregierung wahrschein- 
Ausführung eines Canals durch die Landenge von 
^nama verhindern, wenn nicht Lesseps selbst, aus Mangel an 
^d) den Bau aufgeben sollte, was nicht unmöglich zu sein 
.eint, und sollte sie dabei auf den Widerspruch einer euro- 
P^'schen Macht stossen, selbst vor einem Kriege mit
        <pb n="284" />
        TT 
268 
einer solchen nicht zurückschrecken, obschon sie jeden 
Krieg zu vermeiden sucht. Man kennt nun hier in Washington 
die politische Lage Europa’s genau genug, um zu wissen, dass 
die Union daselbst Verbündete gegen jene Macht finden 
würde, welche sich mit der Union in einen Krieg zu dem 
Zwecke einliesse, um Herrn von Lesseps bei seinem Canal 
bau zu schützen. Da nun diejenigen europäischen Mächte, 
welche allein ein Interesse an diesem Canal haben, England, 
seines Handels wegen, und Frankreich, weil fast nur französi 
sches Capital am Fanama-Canal engagirt ist, ebenfalls wissen, 
dass ein Krieg gegen die Union den europäischen beinden 
jener beiden Mächte eine willkommene Gelegenheit zum Kriege 
geben würde, so ist es kaum anzunehmen, dass Herr von 
Lesseps auf den Schutz der englischen oder französichen Hotte 
wird rechnen können. Ich bezweifle also entschieden, dass 
der Panama-Canal wird vollendet werden können. Sollte es 
jedoch versucht werden, so würde er wahrscheinlich einen 
Weltkrieg entfachen und die junge und starke amerikanische 
Nation in das politische Leben Europas hineinziehen, was 
kaum zum Vortheil des letzteren ausfallen dürfte. Dass die 
Union in einem solchen Kriege unterliegen sollte, ist mir un 
denkbar. Sie würde durch ihn nur schnell einen dominirenden 
politischen Einfluss in Europa selbst gewinnen und auch auf 
die australischen Besitzungen Englands und auf Canada, welche 
beide Besitzungen England verlieren würde. Die Gründe, 
welche Amerika zum Bekämpfen des Panama-Canals hat, 
werde ich weiterhin anführen. 
Aussicht auf Erfolg haben meiner Ansicht nach beide 
amerikanischen Projecte, und wird es sich in Washington 
wahrscheinlich nur um die Entscheidung darüber handeln, für 
welches von beiden die Unions-Regierung zuerst mit ihrem 
Einfluss und — Geld eintreten wird. 
Die Unions Regierung ist auch um den formalen Rechts 
grund zum Einschreiten gegen den Panama-Canal nicht ver 
legen. Seit 1849 hat die Union ein vertragsmässiges Protec- 
toratsrecht über jene Republik erlangt, deren Gebiet der 
Canal durchschneiden soll. Der Schutz der Union ist von
        <pb n="285" />
        269 
jener Republik wiederholt angerufen und eine Intervention 
gewährt worden. Durch Vertrag soll die Union das Recht 
haben, jede fremde Intervention in Panama zurückzuweisen, 
hörten wir in Washington. 
General Grant hat eine mächtige Partei für sich, die sein 
Project eines Canals durch Nicaragua unterstützen dürfte, die 
Partei der grossen Capitalisten und Eisenbahngesell 
schaften. 
Andererseits wird Captain Eads von der starken Granger- 
Part ei unterstützt. Captain Eads wohnt in St. Louis und hat 
dort ein Wunder moderner Baukunst geschaffen, die stählerne 
Mississippi-Brücke, welche 90 Fuss hohe Pfeiler hat und deren 
planmässige Herstellung von vielen Fachmännern seiner Zeit für 
Unmöglich erklärt wurde. Er hat dann ein anderes grosses 
Werk vollendet, indem er die Mündung des Mississippi vor 
Versandung sicherte und es möglich machte, dass Seeschiffe 
his New-Orleans gelangen können. Hierdurch hat er sich den 
begründeten Dank der Farmer des Westens, deren lei 
dende Elemente in der Grangerorganisation vereint sind, er- 
dvorben. Sie können jetzt Getreide billig den Mississippi hinab 
Und von New-Orleans nach Europa verschiffen und hoffen 
^urch diesen Concurrenzweg den Eisenbahncompagnien nach 
^en Häfen des Atlantischen Oceans noch billigere Frachttarife 
ubzwingen zu können, wie es bisher schon durch die Canal 
schiffe des Eriecanals geschah. 
Eads interessirt sich überhaupt für die commercielle 
ufschliessung des Mississippiflussgebietes, welche 
ganze Grangerpartei des Westens mit allen, ihr zu Gebote 
stehenden Mitteln betreibt. Dieses Gebiet ist von ungeheurer 
Grösse. 
Dieser Fluss ist von St. Paul, am Einflüsse des Minnesota 
Piver, ab 6 Monate im Jahre mit Getreidebarken, von Cairo, 
Einflüsse des Ohio, jetzt schon, und bald von St. Louis, 
Einflüsse des Missouri River, für grosse Schiffe zugänglich. 
^®in Stromgebiet bis St. Louis umfasst 179.635 Quadrat-Meilen, 
batte (alle folgenden Zahlen sind noch dem Census von 1870 
^utnommen, also jetzt viel zu klein) eine Bevölkerung von
        <pb n="286" />
        2/0 
4.179-000 Seden, producirte 5'/., Mill. lbs. Tabak, 95 Mill. 
Bushel Weizen, 193 Mill. Bushel Mais. Der Missouri ist von 
der Mitte von Montana ab, ebenso der Yellowstone - Fluss, 
schiffbar. Sein Stromgebiet ist 527.690 Quadrat-Meilen gross, 
hatte eine Bevölkerung von 1,524.000 Seelen, producirte 
8 Vs Mill. lbs. Tabak, 15' Mill. Bushel Weizen, 77 Mill. 
Bushel Mais. 
Der Ohio ist von Pittsburg ab schiffbar. Sein Stromgebiet 
ist 267.111 Quadrat-Meilen gross, hatte eine Bevölkerung von 
7.806.000 Seelen, producirte 14872 Mill. lbs. Tabak, 67 '/g Mill. 
Bushel Weizen, 232 Mill. Bushel Mais, no Mill. Ballen Baum 
wolle. 
Der Arkansas ist fast vom Indian-Territory ab schiffbar. 
Sein Stromgebiet hat 184.742 Quadrat-Meilen mit 517.000 Seelen, 
producirte i Mill. lbs. Tabak, 2 Mill. Bushel Weizen, 15 Mill. 
Bushel Mais, 112.000 Ballen Baumwolle, 
Der Red-River of the South ist von Denison in Texas 
ab schiffbar. Sein Stromgebiet ist 92.721 Quadrat-Meilen 
gross, hatte eine Bevölkerung von 468.000 Seelen, producirte 
11 Mill. Bushel Mais und 340.000 Ballen Baumwolle. 
Das Stromgebiet des unteren Mississippi, von St. Louis 
ab, ist 65.646 Quadrat-Meilen gross, hatte eine Bevölkerung 
von 1.795.000 Seelen, producirte ii Mill. lbs. Reis, 18.000 
Hogshead Zucker, 13 Mill. lbs. Tabak, 3 Mill. Bushel Weizen, 
31 Mill. Bushel Mais, 679.000 Ballen Baumwolle. 
Kleinere Zuflüsse sind die eine Strecke weit schiffbaren 
Wisconsin River, Desmoines River, Illinois River, Cumberland 
River, von Nashville ab, Tennessee River, von Knoxville ab. 
Mit den 5 Seen steht der Mississippi in Canalverbindung, 
mittelst eines Canals von Chicago zum Illinois River, eines 
anderen Canals von Toledo zum Ohio an zwei Stellen, in 
Cincinnati und Evansville und eines Canals von Cleveland 
am Erie-See nach Portsmouth am Ohio. Der Ohio steht durch 
2 Canäle auch mit dem Atlantischen Ocean in Wasserverbin- 
dung, bei Pittsburg und Parkersburg in West-Virginia. 
Das Gebiet des Mississippi und seiner schiffbaren Zuflüsse 
ist also 1.317.536 Quadrat-Meilen gross, d. h. um ein Drittel
        <pb n="287" />
        271 
grösser als England, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, 
Oesterreich und Ungarn zusammen genommen, die 1.066.000 
Quadrat-Meilen umfassen, es hatte schon 1870 über 16 Mill. 
Einwohner und dürfte jetzt ca. 25 haben, producirte schon 
'^or II Jahren 183 Mill. Bushel Weizen, 559 Mill. Bushel Mais, 
*•241.000 Ballen Baumwolle, 176 Mill. lbs. Tabak, ii Mill, 
^bs. Reis und 18.000 Hogshead Zucker. 
Ein sehr grosser Theil der inzwischen vielleicht verdoppel- 
Production ist exportirbar, und der billigste Exportweg 
ist der Mississippi. 
Es liegt also das Interesse der Granger, ihr Gebiet nach 
Jeder Richtung hin zur vollen Geltung zu bringen, auf der 
bland. Einer ihrer energischsten Führer ist der frühere Sena- 
*Or des mächtig aufstrebenden Weizenstaates Minnesota, Mr. 
^ ln dom. Derselbe hat im Februar 1881 einen Brief ver 
öffentlicht, der an die „Antimonopol-Liga“, die sich die Be- 
ämpfung der Bank-, Versicherung^-, Telegraphen- und Eisen 
bahn-Monopolisten der Union zur Aufgabe gemacht hat, ge 
dichtet ist, worin er erklärt, mit ihren Bestrebungen zu sym- 
PAthisiren und Gesetzesanträge in der Richtung in Aussicht stellt. 
Die Granger wünschen eine Verbindung des Golfs von 
Mexico mit dem Stillen Ocean, weil sie sich eine neue Aus- 
buhrstrasse nach den starkbevölkerten Ländern Ostasiens 
^^niit zu eröffnen hoffen. Sie rechnen wohl nicht mit Unrecht 
öarauf, dass namentlich ihre animalischen Producte, dann aber 
^uch Mehl, in China und Indien billiger verkauft werden kön- 
**^n, als dortige Landesproducte, sowie man direct von Mobile, 
GW-Orleans und Galveston nach dem Stillen Ocean See- 
Schiffe über jene Landenge befördern kann, welche Nord- und 
Ödamerika trennt. Ihr Vertrauensmann ist Captain Eads seit 
^**ger Zeit; sie glauben an ihn, weil er ihnen den Mississippi 
eröffnet hat. Sie unterstützen also sein Project. 
Senator Windom hielt im Februar 1881 eine Rede, aus 
Welcher ich nun einen Auszug mittheilen muss: 
Am 28. Februar des Jahres 1881 brachte der Senator 
*"• Eaton die folgende Resolution ein: „Der Senat beschliesst, 
das Interesse des Volkes der Vereinigten Staaten von
        <pb n="288" />
        272 
Amerika und die Wohlfahrt und Sicherheit seiner Regierung 
so involvirt ist in den Gegenstand der Construction eines 
Schifffahrtscanals oder anderen Transportweges fur Seeschiffe 
über den Nord- und Südamerika verbindenden Isthmus, dass 
die Regierung der Union, mit jener Offenheit, die es allen 
Völkern und Regierungen schuldet, hiermit ausspricht, das sie 
ihre Zustimmung für eine nothwendige Vorbedingung der 
Ausführung irgend eines solchen Projectes ansieht, sowie auch 
für die Regeln und Bedingungen, unter denen andere Natio 
nen diesen Canal oder Weg, in Krieg oder Frieden, sollen 
benutzen dürfen.“ 
Hierzu machte Senator, Mr. Hoar, folgendes Amendement: 
„Beschlossen, dass das commercielle und andere Inter 
esse des Volkes der Vereinigten Staaten ohne Verzug die 
Herstellung eines oder mehrerer solcher Wege verlangt, und 
dass es die Pflicht der Regierung ist, unmittelbare Schritte 
zur Sicherung der Ausführung derselben zu treffen.“ 
Beide Resolutionen wurden angenommen, nachdem Mr. 
Windom ihre Bedeutung in folgender Weise motivirt hatte: 
„Ich will bei dieser Gelegenheit nicht das abstráete Prin- 
cip besprechen, das diese Resolution ausdrückt, noch die 
Frage, ob die Monroe-Doctrin auf das für Panama geplante 
Unternehmen anwendbar ist. Ich stehe auf einer breiteren 
Basis und etablire die Amerikanische Doctrin, dass un 
ter keinen Umständen eine fremde Regierung, oder 
eine Compagnie, welche unter der Jurisdiction einer 
fremden Regierung steht (chartered by a foreign 
Government), Controle über die Isthmusstrasse haben 
darf. Wer weiss es nicht, dass eine Investirung fremden 
Capitals berechtigt ist, die Protection einer fremden Regierung 
zu erlangen und sie erhalten wird? Ich will auf diesen Punkt 
nicht weiter eingehen. Es genügt, zu wissen, dass die Sicher 
heit unseres Landes verlangt, dass wir nicht allein Verwicke 
lungen mit fremden Mächten vermeiden, sondern dass wir 
alles Das thun werden, was das Motiv solcher Verwickelun 
gen verhindert. 
Unsere nationale Würde sowohl, wie unser höchstes Inter-
        <pb n="289" />
        273 
verlangen, dass eine solche Erklärung noch vor Schluss 
dieser Congress-Session gemacht werde. Aber wir können uns 
nicht mit dem nur wörtlichen Aussprechen dieser Politik begnü 
gen. Wir müssen weiter gehen. Wenn wir der übrigen Welt das 
^echt absprechen, die Isthmus - Barriere zwischen den beiden 
grossen Oceanen zu durchbrechen, so müssen wir vorbereitet 
sie selbst zu entfernen. Es verträgt sich nicht mit unserer 
t-hre und unserer nationalen Tradition, den Fortschritt der 
^ clt trotzig zu hemmen. Unsere Mission ist zu führen, nicht 
abstrahiren. 
Werfen wir einen Blick auf die Karte! An einem Punkte 
nahe der südlichen Grenze Mexico’s ist eine schmale Landenge, 
'Welche sich nach Südost mehr als 1500 Meilen hinzieht, auf der 
^inen Seite vom Wasser des Golfs von Mexico und des Carai- 
^ischen Meeres, auf der anderen vom Stillen Ocean bespült. Der 
^olf von Mexiko wird im Norden von den grossen Staaten 
T cxas, Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida begrenzt. 
ördlich von diesen liegt das mächtige, vom Mississippi-Flusse 
^cainirte Gebiet, während östlich davon unsere Atlantischen 
taaten, von Florida bis Maine sich erstrecken. Am Stillen 
^^cean liegen Californien, (Oregon und Washington-Territorium. 
oni Atlantischen zum Stillen Ocean reicht eine Domaine, 
l^^fen Grossartigkeit der Stolz eines jeden Amerikaners ist. 
Verkehr zwischen beiden Theilen hindert ein enger Land 
strich von nicht 45 Meilen Breite! 
^ Um dieses Hinderniss zu umgehen, mussten die 1.200.000 
Tonnen Weizen, welche im letzten Jahre in Californien und 
regon producirt waren, den europäischen Markt auf dem 
ostspieligen und viel Zeit raubenden, 14.000 Meilen langen 
w 
^ge um Cap Horn suchen. Sogar der Austausch von 
foducten zwischen unseren Atlantischen und Pacific-Staaten 
^^ss auf demselben weiten, kostspieligen und gefiihrlichen 
^g® geschehen oder der schweren Taxe unterworfen werden, 
'^®lche der Eisenbahntransport quer durch den Continent mit 
bringt. Der Handel aller leitenden Nationen ist auf die- 
^^Ibe Weise gehemmt. 
Lie Zeit ist gekommen, in der diese Barrière entfernt 
18
        <pb n="290" />
        274 
werden muss. Wenn wir dies nicht selbst thun, so wird es 
ein Anderer machen. Es ist schon zu spät die Frage zu de- 
battiren, ob überhaupt ein Weg für Seeschiffe über den Isthmus 
hergestellt werden soll oder nicht. Die Bedürfnisse des Handels, 
sowie der Geist des Fortschrittes haben seine Herstellung be 
schlossen, und, so mächtig wir auch sein mögen, wir können 
diesem Beschlüsse nicht Widerstand leisten. Schon ist in Frank 
reich eine Compagnie gebildet worden, um einen Schifffahrts 
canal durch Panama zu graben, und eine Subscription von 6o Mill- 
Dollars ist aufgelegt, wovon ein grosser Theil schon einge 
zahlt ist, und eine andere Einzahlung soll demnächst statt 
finden. 
Während der letzten Session des Congresses erschien 
Herr von Lesseps in Person vor einem Comité des Abge 
ordnetenhauses und erklärte kühn, dass er entschlossen sei, 
sein Unternehmen auszuführen. Bei zwei besonderen Gelegen 
heiten hat seither der Präsident der Union durch Special 
botschaft an den Congress darauf aufmerksam gemacht, dass 
es wichtig sei, die Doctrin festzustellen, die Regierung werde 
unter keinen Umständen dulden, dass eine fremde Regierung 
einen Weg über den Isthmus hersteilen lasse. Die Presse des 
Landes drückt, wie ich glaube, den einmüthigen Willen der 
öffentlichen Meinung des Landes aus, indem sie über und 
wieder über warnt und den Congress aufruft, schnell und 
verständlich in dieser Sache vorzugehen. Aber alle Warnungen, 
alles Drängen ist erfolglos gewesen. So stelle ich anheim, 
dass diese Session nicht ohne eine starke und entscheidende 
Action in dieser Angelegenheit verstreiche. Während der 
Parlaments-Vacanzen wird das Unternehmen, unter fremden 
Auspicien, Fortschritte machen, und wenn wir, durch unser 
Stillschweigen, gestatten, dass eine grosse Ausgabe gemacht 
wird, so können wir uns im folgenden Jahre dem Unternehmen 
nicht mit derselben Kraft und Angemessenheit widersetzen 
als jetzt. 
Aber, wird man mich fragen, wie sollen wir Herrn von 
Lesseps hindern, sein Werk fortzusetzen? Ich antworte, indem 
wir eine amerikanische Compagnie bei der Herstellung eines
        <pb n="291" />
        275 
chiffsweges unterstützen, der unter unserer eigenen Direction 
Und Controle stehen wird. Resolutionen, welche eine Wirkung 
haben sollen, müssen in einfachen Worten erklären, dass die 
Regierung der Vereinigten Staaten die Construction des Canals 
nicht gestatten wird, und dass, sollte das Werk dennoch unter 
nommen werden, es prompt zum Stillstand gebracht 
^Grden wird. . . 
Sollten die Vereinigten Staaten versuchen, dies Werk zu 
Verhindern, und dennoch keine Abhülfe jener Bürde gewähren, 
'Velche diese Barrière dem W^elthandel auferlegt, so würden 
" ir Weder daheim noch im Auslande Respect verdienen. W^enn 
'vir den Nationen Kuropa’s erklären, dass wir ihre Controle 
oder Einmischung in die Angelegenheit der Isthmus-Strasse 
ujcht dulden wollen, so müssen wir bereit sein zu erklären, 
dass wir selbst diese Barriere nieder werfen und dem 
andel der Welt solche Erleichterungen schaffen werden, wie 
sie verlangt, und zu denen er berechtigt ist. Sofern ein 
über den Isthmus unter fremdem Schutz, oder dem un 
serer Regierung, gebaut werden muss, wird man sofort zu- 
&amp;eben, dass er an jenem Punkte des Isthmus anzulegen ist, 
'velcher unserem eigenen Lande den grössten Vortheil gewährt.“ 
Der Redner citirt nun die Aussprüche mehrerer amerika 
nischen Autoritäten, welche sich für die Tehuantepec-Route 
^•"klären. Der amerikanische Marineofficier Shufeld sagte 1871: 
'Jeder Isthmus gewinnt in dem Maasse an Wichtigkeit, als er 
dem Centrum des amerikanischen socialen und politischen Ein 
gusses näher liegt. Itin Canal an diesem Punkte wird ein Theil 
Unserer eigenen Binnenland - Wasser - Communication und 
gewährt doch gleichzeitig eine Durchfuhr für den Welthandel 
^nd für unseren eigenen. Ein Canal durch den Isthmus von 
ohuantèpec ist eine Ausdehnung des Mississippi-Flusses bis 
^um Stillen Ocean. Er verwandelt den Golf von Mexico 
einen Amerikanischen See.“ 
Staatssecretär Lewis Cass schrieb 1857: „Die Nähe, in wel- 
er dieser Isthmus zu unseren Ufern liegt, das dort herr 
schende gesunde Klima, die für den Bau einer Eisenbahn ge- 
^*&amp;nete Beschaffenheit des Bodens und die grosse Verminde- 
18*
        <pb n="292" />
        rung der Entfernung zwischen unseren Atlantischen und Südsee 
staaten — wenn man ihn mit mehr im Süden gelegenen 
Strassen vergleicht — lassen uns diesen Weg jedem anderen, der 
nicht durch unser eigenes Territorium führt, vorziehen.“ 
Mr. Windom fahrt dann fort: ,,Ein Blick auf die Karte 
lehrt, dass Tehuantepec in jedem Sinne die Amerikanische 
Route ist. Erstens: Sie ist viel kürzer und wird einen billi 
geren Transport ermöglichen. Zweitens: Es wird weniger Zeit 
und Geld zur Herstellung des Weges erforderlich sein, er 
wird also früher practicabel werden und einen billigeren Trans 
port gewähren. Drittens: Er wird sich vorzüglich für Segel 
schiffe eignen. Viertens: Aus diesen und anderen Gründen 
wird er ein besserer Regulator der Eisenbahntarife sein. 
Fünftens: Seine militärischen Vorzüge über jede andere 
Route sind unvergleichlich. Sechstens: Er wird intime 
Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und 
Mexico herstellen, was die anderen Routen nicht thun würden. 
Siebentens: Er wird die beste und effectvollste 
Wirkung auf die Wiederschöpfung unserer Handels 
marine und die Wiederherstellung unserer verlore 
nen Suprematie auf dem Ocean üben. 
Zu Punkt Eins: Ein Schiff, welches die Mündung des 
Mississippiflusses verlässt, mit dem Ziele Californien, Oregon, 
China oder Japan, muss den Golf von Mexico durchschneiden, 
durch den Canal von Yucatan in die Caraibische See gelan 
gen und südlich an der Küste mehr als looo Meilen zurück 
legen, bevor es Panama erreicht. Sowie es diesen Canal 
passirt hat, muss es seinen Cours ändern, nach Nordwest etwa 
1200 Meilen an unserer Pacificküste hinaufsegeln, bevor cs 
einen Punkt erreicht, der jenem gerade gegenüber liegt, von 
dem es absegelte. Es muss Tehuantepec an der Golfseite 
passiren und 1200 Meilen von da machen, bevor es an der 
Paciflcseite abermals daran vorbeikommt. Wenn der Weg 
bei Panama erfolgt, so muss der Cours eines Schiffes von 
New-York, das für unsere Südseestaaten, oder für den Orient 
bestimmt ist, südlich sein, bis es Hayti erreicht und dann west 
lich durch die als „widerwindig“ bekannte Caraibische See,
        <pb n="293" />
        277 
dann wieder südlich nach Panama. Von jenem Augenblick, 
dem es New-York verliess, bis zu jenem, in welchem es 
Panama durchschnitten hat, ist das Haupt des Schiffes nicht 
einmal jenem Orte zugewandt, für den es bestimmt ist. Wenn 
aber Tehuantepec die Durchpassage gestattete, so würde das 
Schiff vom Atlantischen Ocean den Florida-Canal durchfahren, 
dann den Golf von Mexico, und vom Augenblick, in dem es 
das Atlantische Meer verlässt, würde es seinem Bestimmungs 
orte direct zugewendet sein.“ 
geht hieraus hervor, dass Mr. Windom die Construction 
®ines Canals durch Florida, vom Atlantischen Meer zum Golf 
Von Mexico, für eine selbstverständliche Sache hält. Dieser 
Canal gehört auch zum System jener Wasserstrassen, welche 
die Gränzer des Mississippi für nöthig zur vollen Entfaltung 
der Bedeutung des Mississippi, halten. Schiffe von New-Or- 
ieans für Europa oder New-York fahren jetzt zwar mit dem 
Golfstrom durch die „Strasse“ von Florida, zwischen Key West 
Und Cuba, allein sie können nur schwer und mit Gefahr auf 
diesem Wege zurückkehren. Keine Versicherungsgesellschaft 
Versichert Schiff und Ladung, wenn es, von Europa oder einem 
Atlantischen Hafen der Union, gegen den Golfstrom, durch 
die „Strait of Florida“ fahrt. Diese Schiffe fahren vielmehr 
^is südöstlich Portorico, dann westlich zwischen Portorico und 
Venezuela durch, dann nördlich zwischen Cuba und Yucatan 
Uach New-Orleans. Ein Canal durch Florida würde diesen 
Rückweg von Europa oder New-York nach New-Orleans 
ca. 1500 engl. Meilen abkürzen. Wir waren in Florida, 
April 1881, eine technische Commission nach dem Okee- 
chobec-See in Südflorida abging, den man durch zwei Canäle 
uach dem Atlantischen Meere und nach dem Golf hin ent- 
Bussern will, wodurch 12 Millionen fruchtbarsten Ackers in 
den zu entsumpfenden Everglades gewonnen werden. Gleich- 
zeitig soll eine Schiffspassage hier hergestellt werden. Ein 
Anderes Project besteht darin, den Canal weiter nördlich zu 
uuen, von Tokoi am St. Johns-Fluss nach Fort Fanning am 
uwanee-Fluss. Auch dieses Project ist nicht schwierig, da 
Boden ohne Steine und nur 68 Fuss über dem Meere, in
        <pb n="294" />
        I-" 
A 
278 
seiner höchsten Elevation, erhaben ist. Ich bin überzeugt, dass 
einer dieser Canäle, mit dem Mr. Windom, als mit einer fest 
stehenden Sache, rechnet, demnächst gebaut werden wird. 
Die respectiven Entfernungen sind die folgenden: 
I. New-Orleans nach San Francisco, via Tehuantepec: 
Mrilen. 
New-Orleans bis zum Isthmus . . . ' 918 
lieber den Isthmus 162 
Vom Isthmus nach San Francisco 2.304 
Total 3.384 
New-Orleans nach San Francisco, via Panama . . . 3.718 
Differenz zu Gunsten von Tehuantepec 2.334 
„ „ „ „ „ bei Hin- und 
Rückfahrt . . 4.668 
II. New-York nach San Francisco, via Tehuantepec: 
New-York zum Isthmus 2.275 
Durch den Isthmus 162 
Isthmus nach San Francisco 2.304 
Total 4-74* 
Differenz zu Gunsten von Tehuantepec i&gt;477 
„ „ „ „ „ bei Hin- und 
Rückfahrt . . 2.954 
Herr Windom fahrt fort: „Natürlich ist auch, gegenüber 
von Nicaragua, eine bedeutende Ersparung an Weg über 
Tehuantepec vorliegend, wennschon sie nicht so gross ist, 
als gegenüber Panama. Ein Schiff, das von New-Orleans nach 
San Francisco über Nicaragua fahrt und auf demselben Wege 
zurückkehrt, muss 2500 Meilen mehr Weg zurücklegen, als 
über Tehuantepec. Für die Hin- und Rückfahrt zwischen 
New-York und San Francisco via Nicaragua beträgt diese 
Differenz 1500 Meilen zu Gunsten von Tehuantepec. 
Ein gewöhnlicher Dampfer legt 250 Meilen in je 24 Stun 
den zurück. Da er in der Rundfahrt New-Orleans-San Fran- 
cisco-New-Orleans via Tehuantepec 4.668 Meilen, gegen Panama, 
sparen würde, so würde er 19 Tage weniger brauchen, oder 
mehr als 40 pCt. der für die ganze Reise erforderlichen Zeit.
        <pb n="295" />
        279 
der Rundreise New-York-San Francisco-New-York würde 
ca. 12 Tage sparen. Die Zeitersparniss für jene Rundreise 
Von New-Orleans gegenüber Nicaragua würde lo Tage und 
Von New-York 6 Tage betragen. Diese Ersparung an Zeit 
Und Entfernung bedeutet Ersparung an Brennmaterial, Lohn 
*^cr Bemannung, Versicherungsprämie und bedeutet also Ver- 
niinderung der Transportkosten zu Gunsten von Producenten 
Und Consumenten. 
Zweiter Punkt. Die Gesammtkosten einer Schiflfseisen- 
^ahn mit Zubehör sind auf 75 Mill. Dollars veranschlagt, und 
nian verlangt von unserer Regierung eine 6 percentige Garantie 
auf 50 Millionen dieses Capitals für 15 Jahre. Die Bauzeit 
'vird wahrscheinlich nicht 4 Jahre übersteigen und kann viel 
leicht noch verkürzt werden.“ 
Mr. Windom veranschlagt die Kosten des Panama-Canals 
uuf 168 Mill. Dollars, die Bauzeit auf 10 Jahre, was zu 5 pCt. 
neue 84 Mill. Dollars an Bauzinsen erfordern würde, so dass 
sich die Totalkosten auf 252 Mill. Dollars stellen würden, 
^er Nicaragua-Canal werde wenig unter 100 Mill. Dollars 
kosten. Der Bau eines dieser Canäle werde die Verbindung 
beider Oceane um 10—15 Jahre hinausschieben. Das durch 
diesen Zeitaufwand vergrösserte Capital erfordere für seine 
Verzinsung eine höhere Steuer auf den Transport, als jenes 
der Schiffseisenbahn. 
Dritter Punkt. Mr. Windom führt, unter Beziehung auf 
^^^pvitäten, aus, dass in der See bei Panama und Nicaragua 
indstille herrsche, nicht aber bei Tehuantepec, dessen Pacific- 
^ite die „Bay der Winde“ genannt werde. Beide Canäle 
'vurden fur Segelschiffe nutzlos sein und deren Verdrängung 
durch Dampfer für den Transisthmischen Transport bedingen, 
'vährend die Schiffseisenbahn diese Wirkung nicht habe, 
^^ptain Selas Bent von der Unions-Marine sagt: Die Nordost- 
'vinde, welche über den Atlantischen Ocean hinstreichen, wer- 
den von den Westindischen Inseln so gebrochen, dass sie nie 
die Caraibische See eindringen. .. Aber ihr nordwestlicher 
heil dringt in den Golf von Mexico, oft bis Tehuantepec 
inab, so dass, während man stets Wind im Golf hat, die
        <pb n="296" />
        28o 
Caraibische See fast stets ruhig ist. Diese Windstille dehnt 
sich gegenüber Panama auf die Südsee aus, ca. 1500—1800 
Meilen an der Küste von Central-Amerika entlang. Lass’ 
uns annehmen, zwei Segelschiffe von gleichem Tonnengehalt 
und gleicher Segelkraft fahren von der Mündung des Missis 
sippi nach China zu gleicher Zeit ab, das eine über Panama, 
das andere über Tehuantepec, und ich wage zu behaupten, 
dass in jener Zeit, in welcher das Panamaschiff den Canal pas- 
sirt hat und in den Stillen Ocean einläuft, das Tehuantepec- 
schiff nicht nur diese Landenge passirt hat, sondern sich auf 
dem Meridian der Sandwichsinseln befindet, und dass, bevor 
das andere Schiff die 1500 Meilen des windstillen Meeres 
mühevoll zurückgelegt hat, bevor es die Winde im Westen 
von Tehuantepec erreicht, das letztere Schiff 5000 Meilen 
schon im Stillen Ocean zurück gelegt hat und um volle 30 
Tage jenem voraus ist.“ 
Von den Polen strömen Winde zunächst direct in der 
Richtung auf den Aequator zu. So wie sie an die heisse 
Zone gelangen, zwingt die Rotation der Erde sie in eine 
Richtung von Osten nach Westen. Man nennt diese Luft 
strömungen auf Englisch „Trade Winds.“ Sie sind constante 
Winde zwischen dem 30" nördlicher und südlicher Breite. ■— 
Von der heissen Zone strömt Luft wiederum nach den Polen, 
vom 30" beider Breiten ab. Man nennt sie „Counter-Trade- 
Winds.“ Sie walten in den Breiten über dem 30'* vor, auf 
der nördlichen Halbkugel wehen sie von Süd west, auf der 
südlichen von Nordwest. 
Die Trade-Winds dringen über das Flachland von Florida 
in den Golf von Mexico und wehen, wenn schon schwach, 
bis an die Golfküste von Mexico. Sie werden aber von den 
westindischen Inseln gebrochen, dass sie nicht bis in die 
westlichen Theile der Caraibischen See dringen und diese also 
windstill ist. 
Am Stillen Meere liegt der Isthmus von Tehuantepec den 
Trade-Winden näher als Nicaragua und Panama. Auch exi- 
stirt ein kleiner Oceanstrom, parallel dem Golfstrom, an der 
südwestlichen mexicanischen Küste vom 18" bis 28» westlicher
        <pb n="297" />
        28i 
Länge (ab Washington gerechnet), der also fast Tehuantepec 
streift. Gegenüber Nicaragua und Panama aber giebt es so 
wenig einen Meeres-, wie einen Windstrom. 
Wenn also die Tehuantepec - Strasse auch für Segel 
schiffe nutzbar ist, so sind solche von Benutzung der Panama- 
und Nicaraguaroute augenscheinlich ausgeschlossen. Ihre Con- 
currenz aber zwingt den Dampfschiffen oft eine niedrigere 
Fracht ab. Es liegt also im Interesse des Handels, dass eine 
Solche Isthmuspassage gewählt werde, welche auch von Segel 
schiffen benutzt werden kann. 
. Vierter Punkt. „Die grosse Frage der Zukunft wird 
J^ne sein: ie können wir am besten die gewaltigen Eisen 
bahncompagnien dieses Landes controliren und reglementiren? 
ch kann jetzt auf diese Frage nur soweit eingehen, dass ich 
ehaupte, dass, wann und wie es immer durch concurrirende 
tansportlinien geschehen kann, welche nicht von den Corpo- 
^tionen monopolisirt werden können, der sicherste und beste 
. ^fftilator geschaffen werden wird. Ich kenne keinen Platz 
in der Welt, noch irgend einen Plan, der, mit Rücksicht des 
Seiner Ausführung noth wendigen Geldes, solche Vortheile 
Erreichung dieses Zieles böte, als die Schiffseisenbahn über 
Tehuantepec. 
Wir haben aber loo Mill. Dollars ausgegeben, um eine 
Eisenbahnlinie zum Atlantischen Ocean zu bauen, und wir 
Spendeten ungezählte Mill. Acres Land, um eine Concurrenz für 
lese erste Linie zu schaffen. Das Resultat wird wahrschein- 
leh sein, dass, wenn alle vollendet sind, sie eine grosse Com- 
ination machen, durch welche alle Erträgnisse vertheilt und 
le Concurrenz gänzlich ausgeschlossen sein wird. Gewiss 
ann man Gesetze machen, welche solche Combinationen ver 
löten und einigermassen das Object sichern, zu dem jene 
^rstlichen Donationen gemacht wurden. Aber solche Gesetze 
yörden manche Schwierigkeiten finden und dem Wechsel der 
öffentlichen Meinung unterworfen sein. Man gebe uns eine 
itecte und billige Oceanlinie von allen Theilen des Atlanti- 
ön Meeres zu allen Theilen der Stillen Meeresküste, und 
litan wird einen Concurrenten geschaffen haben, der ausser-
        <pb n="298" />
        282 
halb der Macht jeder Combination liegt, und wir werden kein 
Gesetz gebrauchen, . . Eine solche Linie, am rechten Platze, 
mit massigen Kosten erbaut, auf der die Regierung das Recht 
hat, den Tarif festzusetzen, wird jede Eisenbahn reguliren, 
welche Geschäfte zwischen den beiden Oceanen vermittelt. ^ 
Mr. Windom kann sich für diese Theorie auf jene tarii- 
ermässigende Wirkung berufen, welche der Eriecanal im 
Sommer auf jene Eisenbahnen übt, die Getreide vom Westen 
der Union nach den Atlantischen Häfen befördern, und auf 
jene Wirkung, welche die Mississippistrasse in gleicher Weise 
zu üben beginnt. 
„Ich habe bereits die Ueberlegenheit der Schiffseisenbahn 
von Tehuantepec über alle andern Routen und Methoden zu 
diesem Ende angedeutet, nämlich, dass sie von 1400 bis 
2000 Meilen kürzer ist, 10 bis 15 Jahre (?) früher vollendet 
werden kann, viele Millionen weniger Zoll verlangt und besser 
geeignet ist für Segelschiffe. Die Entfernung von all’ unseren 
Atlantischen zu all’ unseren Südseehäfen via Tehuantepec 
wird nur ca. 1000 Meilen grösser sein als die Entfernung per 
Bahn quer durch den Continent. Der Effect aller dieser Vor 
züge auf die Herabdrückung der Transportkosten und Regu- 
lirung der Eisenbahntarife kann kaum überschätzt werden. 
Und doch bin ich überzeugt, dass die ungeheure Vermehrung 
der Reisen und Geschäfte, welche schnellen Transport verlan 
gen, die aus der schnelleren Entwickelung des Westens ent 
stehen muss, die durch billigeren Transport mittelst des em 
pfohlenen Werkes geschaffen wird, sich zuletzt sogar als eine 
grosse Wohlthat für die Eisenbahnen selbst bewähren wird. 
Fünfter Punkt. Die militairischen Vortheile die 
ser Route übertreffen jene aller anderen Routen weit“ 
Hier kommt Mr. Windom auf den für Europa so wich 
tigen politischen Werth zu sprechen, welchen die Ameri 
kaner der Verbindung beider Oceane beilegen, wie wir das 
schon andeuteten. Er sagt: 
„Es ist natürlicher Weise von höchster Wichtigkeit, dass 
ein Punkt gewählt werden sollte, der am leichtesten und 
wirksamsten im Falle eines Krieges vertheidigt werden kann.
        <pb n="299" />
        dieser Beziehung bietet Tehuantepec specielle Vortheile 
über jeden anderen Punkt auf dem Isthmus. Commodore 
Shufeld sagt : ,Es ist die einzige Route, welche unsere Regie- 
rung controliren kann.‘ Mit unserer gegenwärtigen Kriegs- 
^narine konnten wir weder ein über Nicaragua noch über 
^ anama construirtes Werk gegen den Angriff einer der grossen 
Seemächte Europas vertheidigen, aber die Sache liegt anders 
dem Werk über Tehuantepec. 
Ein Paar Eisenschiffe und Torpedos, welche in den Florida- 
^tid in den Yucatan-Canal gelegt werden, schliessen den Golf 
Von Mexico gänzlich ab und machen das Eindringen in den 
selben fast unmöglich. Auch würde es garnicht schwierig 
im Nothfalle über Land 200.000 Soldaten nach Tehuan- 
j^pec zu senden und dort zu concentriren. Es sind jetzt zwei 
Eisenbahnlinien, welche sich nach Mexico ausdehnen, im Bau, 
eine von Neu-Mexico und die andere von Texas. Sowie die 
selben vollendet sind, wird der Transport von Truppen nach 
^1^ Isthmus eine leichte Sache sein. Eine solche Armee aber 
^ach Nicaragua oder Panama zu transportiren, w ürde sehr 
Schwierig, und ihre Unterhaltung daselbst, fern von der Basis 
ihrer Hülfsmittel, wäre fast unmöglich. Mexico, dessen Inter 
essen mit den unsrigen vereint sein würden, könnte uns viel 
wirksamere Hülfe bei der Vertheidigung eines solchen Werkes 
gewähren, als wir sie von den kleineren und schwächeren 
epubliken Centralamerikas hoffen dürfen.“ In der That ist es 
üer Union unmöglich, mit ihrer gegenwärtigen kleinen Kriegs- 
otte die verschiedenen Zugänge zur Caraibischen See, zwischen 
iorida und Cuba, Cuba und Hayti, Hayti und Venezuela 
Segen eine englische oder französische Flotte zu vertheidigen. 
le kann weder den Nicaraguacanal, noch den Panamacanal 
^ilitairisch decken, und eine europäische Besatzung an einem 
beiden Orte kann von jener europäischen Macht aus, 
'welche diese See beherrscht, von Europa mit Provision und 
Wnition versehen werden — wie Gibraltar von England aus! 
Nachdem Mr. Windom noch seine sechste These, dass 
lese Route auch den Handel der Union mit Mexico fördern 
Wierde, aus der Handelsstatistik zu begründen gesucht hat, geht
        <pb n="300" />
        284 
er zu seiner letzten Behauptung über, sie werde auf sehr 
effcctvolle Weise die Kräftigung der Handelsmarine der Union 
befördern. Dieser Punkt ist nun wieder von hohem inter 
nationalen Interesse, wie ich das schon andeutete. 
Die Amerikaner haben während des Secessionskrieges 
fast ihre ganze Handelsmarine eingebüsst, welche von den 
Kreuzern der Südstaaten vom Meere weggefegt wurde, und 
die englische Handelsmarine ist in dieser Zeit so erstarkt, dass 
um so weniger eine amerikanische neue Marine, mit jener con- 
currirend, entstehen konnte, als die Bestimmung hier in Kraft 
ist, amerikanische Schifte müssen in Amerika, aus amerikani 
schem Material, gebaut werden. Da nun Holzschifte fast nicht 
mehr gebaut werden, die Amerikaner aber ihre Eisenindustrie 
der englischen gewachsen machen wollen, ein Ziel, das sie in 
vielleicht 5 Jahren erreicht haben werden, so führten sie einen 
hohen Eisenzoll ein. Nun können natürlich eiserne Schiffe in 
England weit billiger gebaut werden als in Amerika, und so 
geht denn die amerikanische Handelsmarine eher zurück als 
vorwärts. Die Amerikaner denken nun sehr ernsthaft daran, 
ihren Schiffsbau durch Staatsmassregeln zu fördern, und es 
wird nicht lange dauern, dass sie höhere Hafengebühren von 
fremden Schiffen nehmen, als von amerikanischen und diesen 
somit eine Art Monopol für den Transport amerikanischer 
Güter gewähren. Captain Eads hat in seiner Concession sich 
von der mexicanischen Regierung Macht geben lassen, einen 
Differenzialtarif für den Transport von Schiffen über Tehuan 
tepec einzuführen und Mr. Windom setzt nun in der Folge 
auseinander, welche Anwendung man von diesem Recht 
machen will: 
„Das von Mexico gewährte Recht, Differenzialtarife zn 
Gunsten des Amerikanischen Handels einzuführen, will mehr 
zur Wiederherstellung unserer Handelsmarine beitragen, als es 
die Ausgabe vieler Millionen auf anderem Wege thun könnte. 
Ich messe dieser Concession Mexico’s den höchsten Werth bei- 
Nehmen wir an, wir lehnen das Project ab, und Grossbritan 
nien, weiser als wir, bemächtigt sich desselben? Was wird
        <pb n="301" />
        285 
Folge davon für unseren Handel sein? Meiner Ansicht 
nach könnte er kaum einen härteren Schlag erhalten. 
Die Bauconcession (des Captain Eads) setzt jede andere 
Macht, welche das Unternehmen unterstützt, in die Lage, jene 
. ®^heile zu geniessen, welche uns angeboten werden. Mr. Eads 
*st ein Patriot, deshalb kommt er zuerst zu seinem eigenen 
ande und bietet ihm die \ortheile an, welche er gesichert 
nat. Wenn wir dies Anerbieten von uns weisen, es ablehnen, 
uns dessen Nutzen zu sichern, kann er dann getadelt werden, 
"enn er es einer andern Regierung macht, welche es besser 
schätzen weiss? Wenn wir dies Anerbieten ablehnen, 
Onnen wir nichts aus demselben Grunde dagegen haben, 
^enn es von England angenommen wird, der uns rechtfertigt, 
as Unternehmen des Herrn von Lesseps zum Stillstand zu 
ringen. Denn solche Annahme Seitens England s wäre nicht 
gleichbedeutend mit der Bildung einer englischen Compagnie 
nter mexicanischer Concession zum Bau einer Schiflfseisenbahn, 
wäre einfach ein Uebereinkommen zwischen England und 
einer Mexicanischen Compagnie, durch welches England 
uimense und ausschliessliche Vortheile seinem Handel für 
99 Jahre sichern würde, durch eine gewisse Unterstützung, 
'''eiche England der Compagnie in ihren ersten Jahren ge- 
"'ährte, und welche sie, Kraft ihrer Concession von England 
der irgend einer anderen Regierung annehmen darf.“ 
Nach der Concession ist der Compagnie eine Dotation 
einer Million Acres Land gewährt. Captain Eads bean- 
ptucht nun von der Unionsregierung die ópercentige Garantie 
^ u 50 Mill. Dollars Baucapital auf 15 Jahre. Dafür ist der 
^gierung die Hälfte der Nettoeinnahme auf solange ver- 
P ándet, bis sie ihre Vorschüsse zurückerhalten hat. Wenn 
Bruttoeinnahme 6 Mill. Doll, im Jahre erreicht, hört die 
Garantieverpflichtung auf, sie soll nie 3 Mill. Doll, im Jahre 
^ erlangt die Unionsregierung folgende 
Alle Schiffe der Unionsregierung, ihre Post, Militär und 
^ ^gramme müssen kostenfrei befördert werden, und zwar 
^9 Jahre lang. Sie erhält das Recht, den Zoll (d. h. jene Ab-
        <pb n="302" />
        286 
gabe, welche die Schiffe der Compagnie für die Ueberführung 
von einem Meere zum andern zu zahlen haben per Tonne) 
selbst festzusetzen. Dabei darf sie einen Differenzial 
tarif zu Gunsten amerikanischer und mexicanischer 
Schiffe und zu Ungunsten der Schiffe unter anderer 
Flagge festsetzen. Die Compagnie darf kein Kriegsschiff 
einer Nation befördern, die sich im Kriege mit der Union 
befindet. Bevor die Garantie in Kraft tritt, muss die Möglich 
keit des Transportes von beladenen Schiffen per Bahn durch 
ein Beispiel der Regierung nachgewiesen werden. 
Die Hauptsache ist den Amerikanern, abgesehen davon, 
dass die Schiffseisenbahn nur für die Union und Mexico eine 
Strasse für Kriegsschiffe im Kriegsfälle ist, augenscheinlich der 
Umstand, dass ihre Schiffe billiger über den Isthmus befördert 
werden, als die anderer Nationen. Wenn dann noch ähnliche 
Differenzialabgaben in den Unionshäfen zu Gunsten amerikani 
scher Schiffe eingeführt werden, so hofft man, dass dadurch, 
und weil ja allmählich auch das Eisen in der Union billiger 
wird, der amerikanische Schiffsbau einen solchen Impuls er 
hält, dass man England die Ueberlegenheit im Seetransport 
abringt. 
Da die Meistbegünstigungsclausei in den Handelsverträgen 
Mexicos mit anderen Regierungen, diesen dieselben Handels 
vorrechte gewährt, welche die Union geniesst, so kann die 
mexicanische Regierung keine Differenzialbegünstigung für 
amerikanische Schiffe schaffen. Dies Hinderniss soll nun in 
folgender Weise umgangen werden : Die mexicanische Re 
gierung gibt der Compagnie das Recht, einen Maximaltarif 
festzusetzen, der für alle Schiffe gilt, aber auch das Recht, 
diesen Zoll für Schiffe einer bestimmten Nation niedriger 
festzusetzen, als jenes Maximum. Wenn sie den Maximalzoll 
zahlen, werden und müssen Handelsschiffe aller Nationen 
in Friedenszeiten über den Isthmus befördert werden. 
Die Union wird also, wenn das Project verwirklicht wer 
den sollte, der Welt eine neue Art von ,,F'reihandel“ 
beibringen! Freiheit für den Verkehr aller Nationen, 
aber billigeren Transport für amerikanische Schiffe! Wie
        <pb n="303" />
        28; 
Sich die anderen Nationen, namentlich England, zu diesem 
roject stellen werden, besonders, wenn die Union wirklich 
nicht gestatten sollte, dass Herr von Lesseps eine internatio 
nale, unabhängige Concurrenzstrasse durch Panama, welche 
ie Union nicht durch Torpedo’s abschliessen kann, baut, ist 
^ine schwere Frage. 
Aber es ist gewiss bezeichnend für die Politik der Gar 
field’sehen Regierung, dass Mr. Windom kaum 14 Tage nach 
ieser Rede — Finanzminister wurde, der also die Garantie 
^ beantragen gehabt hätte, welche er als Senator empfahl, 
err Eads, den ich Mitte März 1881 in Washington wieder- 
olt gesprochen, schien des Erfolges daselbst ganz sicher zu 
und verkehrte mit der grössten Intimität im „Weissen 
Hause“. 
Die Frage, ob es möglich ist, beladene grosse Seeschiffe 
lindert Meilen weit, und noch dazu über Berge hinweg, per 
ähn zu befördern, ist unter sogenannten „Fachmännern“ con- 
Overs und kann also natürlich von uns nicht entschieden wer- 
Das Experiment, welches Captain Eads sich zu machen 
erbietet, bevor er eine Garantie des Capitals erhält, wird 
arüber wohl Aufschluss geben. Captain Eads ist, wie seine 
^ciden oben genannten grossen Werke beweisen, unstreitig 
der grössten Ingenieure unserer Zeit. Er führt zur Unter- 
Nutzung seiner Theorie an, dass es am Mississippi-Flusse Pivot- 
^rehbrücken von 460 Fuss Länge giebt. Die Waggons zum 
*‘^gen der Schiffe würden nur 1500 Tonnen wiegen, dazu 
beladene Schiff 6000 Tons, die Maschine 500 Tons, das 
k^nne die einzige Drehscheibe, die nöthig sei, tragen, 
nr die verschiedenen üblichen Schiffsformen würden verschie- 
gebaute Waggons gebaut werden. In verschiedenen 
1‘ockendocks seien Schiffe mit Ladung im Gesammtgewicht 
2700 Tons ohne Beschädigung aufgestellt worden. — 
^denfalls wird die Schiffseisenbahn ein neues Weltwunder, 
"^^nn sie gelingt! 
^ Die Ermordung des Präsidenten Garfield hat die Chancen 
, beiden amerikanischen Isthmus Projecte geradezu umge- 
^ Der jetzige Präsident Arthur ist ein intimer Freund
        <pb n="304" />
        288 
Grants. Windom verlor das Finanzportefeuille und die 
Comités des Senats und Abgeordnetenhauses der Union fassten 
im December Resolutionen, welche dem Nicaragua-Canal gün 
stig sind. Die Subventionsvorlage verlangt von der Bundes 
regierung auf 20 Jahre nach Fertigstellung des Kanals eine 
Bürgschaft für eine Dividende von mindestens 3 Percent auf 
das Actiencapital von 100 Millionen Dollars, unter der Be 
dingung, dass die jährlichen Betriebskosten nicht mehr als 
I Million Dollars betragen und eher keine Schulden getilgt 
werden dürfen, bis 3 Percent Nettoüberschuss gesichert sind. 
Die aus solcher Vereinbarung mit der Bundesregierung dem 
Unternehmen und dem Lande erwachsenden Vortheile, schil 
derte in der unlängst vom Handelsrath der Stadt San Fran 
cisco berufenen Versammlung Capt. L. Merry, einer der Direc 
toren der Canalgesellschaft, wie folgt : „Jene Bürgschaft 
sichert der Regierung vollständige Controle über das Werk 
— selbst bis zur Besitzergreifung des Canals im Nothfalle (die, 
der Bill gemäss, nach eigenem Gutdünken gegen Zahlung von 
5 Percent an die Actionäre und Bestreitung der Betriebskosten 
erfolgen kann.) Sie sichert die Regulirung der Durchfahrts- 
Zölle (ein Maximum von 2 '/%, Dollars Transportkosten per 
Tonne der Schiffslast) und Dividenden (die nicht 10 Percent 
übersteigen dürfen — andernfalls Ermässigung der Transport 
gebühren) durch die Regierung, und dieser auf 2 Jahrhun 
derte die unbeschränkte freie Benutzung des Canals für Bun- 
des-Kriegsschiffe, Beförderung von Kriegsmaterial, Truppen 
und Postsachen. Thatsächlich wird der Canal dadurch zum 
Regierungsunternehmen, mit der Compagnie als Vermitt 
lerin zwischen der amerikanischen Regierung und der von 
Nicaragua. Es ist eine wohlfeil erlangte nationale Controle 
und bedeutet in keiner Weise eine Subsidie. Durch 
solchen Charter und solche Bürgschaft erklärt die Bundes 
regierung, dass sie mit ihrem Einfluss, ihrer Macht, ihrem 
Schutz hinter dem Werke steht, dass dies ein ameri 
kanischer Canal unter amerikanischer Controle ist, von 
dem keine auswärtige Macht nach Belieben Besitz ergreifen 
kann.“
        <pb n="305" />
        289 
Der Bericht des Abgeordnetenhaus-Comite’s behandelt die 
-Angelegenheit in klar fasslicher Weise und weist die Vortheile 
Nicaraguaer Route schlagend nach. Vorerst wird darin 
Rentabilität des Nicaraguaer Canals, der bereits in 5 Jahren 
hergestellt werden kann, und die Fahrzeit der Schiffe, weil 
nördlicher als der Panama-Canal gelegen, um ein Beträchtliches 
Verkürzt, durch Ziffern hervorgehoben: „Im verflossenen Jahre 
belief sich die Gesammt-Getreideausfuhr unserer Küste auf 
/2 Millionen Tonnen, wozu die halbe Herfracht der Schiffe 
^0.000 Tonnen zu rechnen ist, und der Küstenfahrt ein 
inimum von i Million Tonnen ist — insgesammt 3.250.000 
onnen. Mit der Eröffnung jener neuen wichtigen Durchfahrt 
würde allerdings ohne Zweifel unser Handel an der Westküste 
Von Süd- und Centralamerika bedeutend zunehmen. Ebenso 
'vürde der Canal von dem ausseramerikanischen Schiffsverkehr 
grossen Nutzen ziehen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1880 
^Ggelten 70 weizenbefrachtete amerikanische und 223 aus- 
ändische Schiffe aus pacifischen Häfen um das Cap Horn nach 
europäischen Häfen und legten eine Distanz von je 13.710 Mei- 
^ zurück, während sie durch den Nicaragua-Canal nur 7200 
eilen zu machen gehabt hätten, was einen Verlust von 6500 
eilen per Schiff, oder 1.969.500 Meilen insgesammt zum 
ehaden der Weizenbauer der Pacific-Küste ausmacht.“ Das 
äuscomite gelangt zum Schlüsse, dass sich der jährliche Ver- 
®hr via Nicaragua-Canal allermindestens auf 3 Millionen Ton- 
nen h rächt berechnen lässt, — zu 2 Dollars per Tonne an 
urchgangszoll — Millionen Einkommen-Brutto. 
Das Comité amendirt dagegen die Bürgschaftsclausei und 
^flucirt die Haftpflicht der Bundesregierung auf 3 Percent 
ividende von einer Totalsumme der Kosten von nur 75 Mill, 
ollars (statt 100 Mill. Dollars, wie der Gesetzentwurf ver- 
angt) und Beschränkung der Verwaltungs- und Betriebskosten 
Canals auf i.000.000 Dollars per Jahr. Unter diesen Um 
standen bedürfte es nur des jährlichen Durchganges von 
^300.000 Tonnen Fracht, um die Bundesregierung schon jeder 
^rantie zu entheben. Das Comité befürwortet daher mit 
^titem Gewissen die auf 20 Jahre verlangte Bürgschaft von 
ly
        <pb n="306" />
        290 
» 
3 Percent auf den reducirten Betrag von 75 Mill. Dollars, um 
so mehr als diese Verpflichtung erst nach Vollendung und 
Eröffnung des Canals in Kraft tritt. 
Die Vereinigten Staaten würden sich also in diesem Falle 
für insgesammt 45 Millionen Dollars (2 '|^ Mill, per Jahr) Divi 
dende haftbar machen, — das Comité ist jedoch der festen 
Ueberzeugung, dass gleich vom Anfang des Betriebes diese 
Bürgschaftsleistung dem Bundesschatz keinen Dollar entziehen 
werde. 
Die „Provisional Interoceanic Canal Society“ in New- 
York hat auf der Basis von 100 Millionen Dollars (= i Mill- 
Actien zu 100 Dollars) dort und hier bereits vorläufige Zeich 
nungen des Capitalstocks entgegengenommen. 
In Frankreich hat man den jährlichen Tonnengehalt der 
Durchfracht via Nicaragua auf 5.500.000, Captain S. L- 
Phelps, der Vorsitzende des Executiv-Comites der provisori 
schen Gesellschaft, dagegen auf 3'/^ Mill, geschätzt. Captain 
Merry nimmt 4 Mill, an, was zu 2'/z Dollars per Tonne ein 
Brutto-Einkommen von 10 Mill. Dollars oder nach Abzug von 
I Mill. Dollars Unkosten 9 Mill. Dollars netto per Jahr ergeben 
würde = 9 pCt. vom nominellen Capital, während die Her 
stellungskosten höchstens mit 65 bis 75 Mill. Dollars ange 
nommen werden. Der Suez-Canal ergab Im Vorjahre 9-/3 Per 
cent Dividende auf 94 Mill. Dollars Kosten für Herstellung. 
Folgendes ist eine Aufstellung der Entfernungsunterschiede, 
die durch den Nicaragua-Canal erspart werden : 
Meilen. 
New-York — San-Francisco 9.800 
England (Lizard) — San-Francisco .... 6.953 
New-York — Calao, Peru 6.220 
„ „ — Valparaiso, Chile 3.720 
„ „ — Hongkong, China 8.245 
„ n — Yokohama, Japan 7.905 
„ „ — Melbourne 3.120 
Liverpool—Golf von Vonseca, Central-Amerika 6.500 
„ — Calla, Peru 3.200 
„ — Valparaiso, Chile 1.500
        <pb n="307" />
        291 
19* 
Herr Nimmo, der Chef des statistischen Bureau’s in 
^ashington, machte vor einiger Zeit die Angabe, dass im 
^ Grkehr mit Europa für die Benutzung eines interoceanischen 
Canals auf mindestens 1.625.000 Tonnen zu rechnen sei. 
Hierzu kommt die Vermehrung der Weizen - Production und 
Ausfuhr, 600.000 Tonnen, der Tonnengehalt von südameri^ 
Manischen Küstenländern, 500.000 Tonnen, insgesammt 
3 406.250 Tonnen. 
Gemäss den. Nimmo sehen Tabellen wird der Tonnen 
gehalt, der selbst nach Eröffnung des Panama - Canals aus 
schliesslich dem Nicaragua-Canal verbleiben würde, wie folgt 
geschätzt: 
T onnen. 
I. Der Handel zwischen New-York und den 
2. 
3- 
4- 
5- 
Häfen in Centralamerika (jetzt via Panama) 
New-Tork und San-Francisco, via Cap Horn 
Zunahme dieses Verkehrs 
New-York und Mexico, Honduras, Hawaiische 
Inseln, China, Japan und die Hälfte des 
australischen Handels 
Pacifische Häfen und ausländische Häfen im 
Atlantischen Ocean (einschliesslich Getreide 
ausführende Schiffe) 
Europäische Häfen 
mit Centralamerika 
„ Neuseeland via Cap Horn . . . 
„ Britisch Columbia 
60.735 
120.682 
130.000 
270.277 
200.000 
52.389 
237- 51 
22.331 
Total-Tonnengehalt . . . 2.094.265
        <pb n="308" />
        rm 
XX. Capitel. 
Reise von New-Orleans bis Kansas City. 
Als wir am 5. März in New-York landeten, hatte ich 
4914 englische Meilen seit meiner Abreise am letzten Januar 
von Wien zurückgelegt. Diese Strecke hatten wir gemeinsam 
am I. Juni in Kansas City verdoppelt. In New-Orleans hatte 
ich 8070 Meilen gemacht, wir hatten also seit unserer Abreise 
von dieser Stadt, am 20. Mai, fast 2000 Meilen zurückgelegt, 
und zwar durchwegs per Bahn oder zu Wagen; dies unter 
einer warmen, stellenweise heissen Sonne, dabei hatten wir 
Landwirthschaften und industrielle Betriebe besucht und studirt, 
mit zahlreichen Menschen Bekanntschaft gemacht und uns 
viele Notizen gesammelt. Wir waren leider zu spät in Amerika 
angekommen, um noch den Süden, vor Beginn der Acker 
bau-Saison im Westen, zu besuchen, und hielten drum keine 
Rasttage. Um Florida und die Länder bis Südtexas zu sehen, 
hätten wir am i. Januar von New-York abfahren sollen. Die 
Anstrengungen dieser schnellen Reise waren gross und leider 
auch nicht ohne Folgen. Jedenfalls haben wir indess einen 
für unsere Zwecke genügenden Ueberblick über ein ausser 
ordentlich grosses Landgebiet erhalten, das noch sehr wenig 
der Production erschlossen ist, aber jetzt schnell besiedelt 
wird und bald eine grosse Ueberschussproduction her Vor 
bringen muss. 
Am 20. Mai reisten wir, mit Ausnahme des Baron 
Gudenus, der schon am 17. vorausgegangen war, zusammen 
von New-Orleans ab, trennten uns aber in Houston, von wo 
Graf Imre Széchényi und ich auf einige Tage nach Galveston 
abgingen, während die anderen drei Herren direct auf der
        <pb n="309" />
        293 
örzlich fertig gewordenen Bahn über Richmond, Weimar, 
Schulenburg, Flatonia nach San Antonio in Texas durch 
fuhren, wo Graf Imre und ich uns am 24. mit den voraus 
gefahrenen vier Herren vereinigten. 
Diese hatten inzwischen Bekanntschaft mit Ohicieren 
und einigen anderen Herren gemacht, unter Anderen mit 
einem Ungarn-Abkömmling, Herrn von Madaraz, dessen Vater 
jn Folge der 1848er Ereignisse hierher ausgewandert war. 
er junge Herr, welcher die einzige Kunstgärtnerei bei San 
Antonio besitzt, wurde uns sehr gefällig und nützlich. Wir 
besuchten von San Antonio am 23. Mai eine circa 14 Meilen 
dävon entfernte Farm des Herrn Devine, welcher auf 14.000 
Acres Merinoschafe und Angoraziegen züchtet, und am 26. Mai 
«iie einige 50 Meilen von San Antonio gelegene Capot-Farm, 
Welche dem Eisenbahn-Director Mr. Peirce gehört 
Am 27. Mai fuhren wir nach der vom deutschen Adels- 
^Greine im Jahre 1845 gegründeten Colonie New-Braunfels, 
30 Meilen von San Antonio auf der Strasse nach Austin, der 
Hauptstadt von Texas, gelegen. 
Schon längere Zeit litt ich, in Folge von Erkältung, an 
einer Kehlkopfentzündung und hier musste ich mich einer 
Operation unterziehen, welche der in Berlin, Bonn und Breslau 
trefflich ausgebildete Dr. Claessen, ein Rheinländer, geschickt 
Vollzog, die mich aber doch zwang, bis zum 30. Mai hier zu 
f&amp;stcn. Die Herren Grafen Hoyos, Imre Széchényi und Baron 
Oudenus blieben bei mir in New-Braunfels; die anderen beiden 
Herren gingen nach Kansas City am 28. Mai ab. Wir er 
reichten am 2. Juni diese Stadt, nachdem wir uns um 30 
tunden auf der 892 englische Meilen weiten Strecke über 
Austin, Hearne, Dallas, Sherman, Denison, Eufala, Vinita, 
Sage und Fort Scott durch Nordtexas und das Indianer Ter 
ritorium verspätet hatten. Heftige Regen und Hagel hatten 
Bahnkörper beschädigt. Auch die vorausgefahrenen 
®rren, Graf Andrassy und Geza Széchényi, waren 24 Stunden 
^tifgehalten worden, hatten aber den Genuss gehabt, während 
grossartigen Gewitters, das den Hagel- und Regenwolken-
        <pb n="310" />
        294 
bruch begleitete, durch die Prairie zu fahren und so eines 1 
der grossartigsten Naturschauspiele zu bewundern. ! 
Von den Städten, die wir sahen, haben nur zwei eine 
grosse Zukunft, Galveston und Kansas City; daneben ist San , 
Antonio als Binnensammelplatz von Ackerbauproducten bisher 
noch von Bedeutung. 
Galveston ist die sich schnell entwickelnde Hafenstadt von 
Texas. Sie liegt auf einer sandigen, flachen Insel an der Mün 
dung der Galveston - Bai in den Golf und steht durch zwei 
Eisenbahnen mit Houston in Verbindung, wo die sämmfliehen 
Texas-Bahnsysteme zusammenlaufen. Diejenige Bahn, welche 
Galveston-Houston mit New-Orleans verbindet und auf welcher ¡ 
wir auch fuhren, wurde erst im Monat September 1880 * 
fertig. Galveston hat jetzt circa 25.000 Einwohner, wovon í 
ein grosser Theil, namentlich der Kaufleute, Deutsche sind. 
Das grösste, für amerikanische Verhältnisse sehr alte Handels- j 
haus der Stadt, Firma Kaufmann &amp; Runge,’ ist ein deutsches I 
und sind seine Chefs respective österreichischer und deutscher 
Consul. Bisher importirte Galveston wenig und exportirte 
etwa eine Million Ballen (à 480 bis 500 Ibs.) Baumwolle. 
Eine Sandbank hinderte Schiffe mit mehr als 12 bis 13 Fuss 
Tiefgang den Hafen von Galveston zu erreichen. Jetzt baut 
man ein „Matratzenwerk“, aus Faschinen und Steinen be 
stehend, das an der einen Seite des dort existirenden Wasser 
stromes versenkt wird. Man hofft, dass die Kraft des sich in 
dem nunmehr verengten Canale bewegenden Wassers den 
Canal vertiefen werde, wie es durch die Jetties des Missis 
sippi dort geschehen ist. Wir haben hier also eine Nach 
ahmung jenes grossen Werkes. In einigen Jahren dürfte Gal 
veston 27 Fuss Wassertiefe haben und dann ein Exportplatz 
ersten Ranges werden. Ausser Baumwolle dürfte Weizen, 
Mais, besonders aber Vieh und Fleisch von hier aus alsdann 
zum Exporte gelangen. Das meiste Texasvieh wird zwar noch 
direct nach Norden, etwa nach Dodge City in Kansas, ge 
trieben, von wo man es nach Kansas City und weiter nach 
Osten befördert. Allein ein Theil desselben wird in San An 
tonio gesammelt und ist dies für die Zukunft ein sehr ins Auge
        <pb n="311" />
        295 
fassender Markt. Von San Antonio kostet der Transport 
einer Eisenbahnwaggonladung Rindvieh — i8 bis 20 Haupt 
bis St. Louis 115 Dollars, bis Kansas City 115 Dollars, 
bis New-Orleans 115 Dollars, bis Galveston nur 60 Dollars, 
in St. Louis und Kansas City is*t das Vieh noch viele Hundert 
Meilen von einem Hafen entfernt und doch wird fast Alles 
dorthin transportirt, weil der Handel über diese Orte nach 
New-York und Europa ein alt eingerichteter ist. Das konnte 
nicht anders sein, denn New-Orleans erhielt erst im vorigen 
Jahre seine Bahnverbindung mit San Antonio, seinen tiefen 
Hafen vor erst zwei Jahren, und Galveston wird ihn erst in 
^'vei bis drei Jahren haben. Allein alsdann wird auch 
Export von Fleisch von beiden Städten nach 
Uropa beginnen und dies wird den Preis desselben natür- 
Jch herabdrücken. Hierüber werde ich noch später mehr 
berichten. 
Südwestlich von Galveston liegen die Hafenstädte India- 
aola und Corpus Christi am Golf auf texanischem Gebiete, 
Sowie Port Isabel an der Mündung des Rio Grande. Alle 
^•"^i Städte haben eine Zukunft, nur fehlen ihnen noch die 
ahnen. Ein Mangel, dem in einigen Jahren abgeholfen sein 
dürfte. Auch von San Antonio nach Laredo am Rio Grande 
baute man eine Eisenbahn, welche von da im Sommer 1882 
bereits bis in das Innere von Mexico eindrang. Südwestlich 
Galveston, Houston, San Antonio bis zum Rio Grande 
^ad dem Golfe liegt ein sehr grosses Gebiet, grösser als Böh- 
l^en, Mähren, Schlesien, Ober- und Niederösterreich, von wahr- 
fabelhafter Fruchtbarkeit und so gut wie gar keinem 
^ckerbau. Zunächst werden die Viehherden dieses Districtes 
‘bren Markt in den bezeichneten Hafenstädten finden, bis diese 
M^eiden Aeckern Platz machen. 
San Antonio ist eine alte, spanische Stadt in schöner 
Und gesunder Lage, von einigen 20.000 Einwohnern, deren 
Wohlhabende Hälfte aus Deutschen besteht, welche hier fast 
ganzen Handel in Händen haben. Das Stadtleben muss 
uls durchweg deutsch bezeichnet werden. Diese Stadt ist jetzt 
grösste „Prairiehafen“ von Texas, von wo die „Prairie-
        <pb n="312" />
        schöner“, gewaltige Frachtwagen, die von sechs und mehr 
Maulthieren oder Ochsen gezogen werden, mit Kaufmanns- 
gutem beladen in die Prairie hinausziehen, um mit Häuten, 
Hörnern und anderen Landesproducten beladen zurückzukehren. 
Die Entwickelung des Eisenbahnnetzes wird diesen Verkehr 
wesentlich ändern. Die Stadt ist auch ein Sammelpunkt für 
die deutsche Einwanderung, welche bedeutend ist und fort 
während wächst. Es existirt ein Einwandererhaus, in dem die 
Immigranten kostenfreie Aufnahme und allerhand Nachwei 
sungen erhalten, wie in New-York im Castle Garden-Depot. 
Ein Zwischendeckbillet von Bremen über New-York nach den 
Hauptplätzen von Texas, oder von Bremen nach Galveston 
direct per Dampfer, kostete i88i 50 Dollars. Im Jahre 1882 
kostete es nach New-Orleans j6o Mk. und man hofft, dass 
es 1883 auf 140 Mk. fallen werde. — 
San Antonio ist seit einigen Jahren ein beliebter Winter- 
aufenthaltsort für Brustleidende, wozu es sich auch sehr eignet. 
Es liegt schon ziemlich hoch über dem Meere, hat eine reine 
Atmosphäre, liegt dabei südlich genug, um ein warmes Klima 
zu haben, dennoch wird die Hitze durch die Seebrise, die bis 
hier und weiter nach Norden dringt, gemässigt. Nördlich von die 
ser Stadt liegen, im Hügellande, einige klimatische Curorte, die 
noch mehr Schutz gegen Nordwinde bieten, wie die deutschen 
Colonien Börne und Friedrichsburg, welche auch noch aus 
der Zeit des Adelsvereins stammen. 
Es sei mir gestattet, jetzt einige Worte über die Natur der 
von New-Orleans bis Galveston und weiterhin durchreisten 
Gegend zu sagen. 
Der Staat Louisiana hat 41.000 Quadratmeilen Oberfläche, 
ist also etwa viermal so gross als Belgien, hat jedoch nur 
993.000 Einwohner, gegen 5 Mill, in Belgien, der Boden dieses 
Staates aber ist weit fruchtbarer als jener Belgiens. In der 
That giebt es vielleicht wenige Länder, welche einen frucht 
bareren Boden hätten als Louisiana. Derselbe ist fast voll' 
kommen eben, besteht aus einer Anschwemmung und dem* 
Niederschlag des Mississippi; etwas Thon bindet die minera 
lischen Abspülungen, die hier gelagert wurden, der Grund-
        <pb n="313" />
        297 
Charakter des Rodens ist aber bis an die texanische Küste 
vom atlantischen Meere ab sandig. Hier ist der Sand thonig- 
humus reich. Tn Texas wird der Untergrund thonig, lehmig, 
stellenweise mergelig. Der reiche Sandzusatz macht den Boden 
leicht beackerbar und erleichtert sein Reinigen von Unkraut. 
Er ist aber nass und bedarf der rationellen Entwässerung; für 
gewisse Culturen wie Reis, auch der Bewässerung. Doch sind 
beide wenig kostspielig zu unterhalten. Die hier fast tropische 
Sonne und die sehr reichlichen Regenmassen brachten eine 
üppige Vegetation hervor, welche eine mächtige Humusschichte 
erzeugte. Man kann sagen, dass dies der Charakter aller Land 
flecken an den zahlreichen Flussmündungen zwischen Missis- 
sippi und Rio Grande ist. Ganz besonders berühmt wegen 
ihrer Fruchtbarkeit sind z. B. weiter westlich die „Bottoms“, 
fl- h. Niederungen, des Brazos in Texas, Auf diesen durch- 
ebenen, reichlich bewässerten und mit künstlicher Beriese- 
lung leicht versehbaren, hochfruchtbaren Niederungen lastet 
ein Fluch — ihre Ungesundheit! Es ist überall Fieber- 
gGgend! Die hier Geborenen, Neger, Abkömmlinge von 
Spaniern und Italienern, sollen der Malaria nicht oder doch 
Weniger ausgesetzt sein. Für Deutsche, Nordländer ist dies 
Elima ebenso mörderisch, wie jenes von New - Orleans. Einzig 
Galveston macht eine Ausnahme. Diese Stadt ist sehr gesund 
^nd hat eine, durch die Seebrise von zehn Uhr Vormittags 
bis in die Nacht hinein durch zehn Monate des Jahres ange- 
*^hm abgekühlte Temperatur, weil sie auf einer Sandinsel im 
liegt. Allein der ganze Niederungsboden, von New- 
Prleans bis Port Isabel, ist ungesund. Nord- und Mittel-Texas 
ist dagegen sehr gesund, ebenso sind es die nördlicher hier 
von gelegenen Länder, das den Indianern reservirte Territo- 
i’ium und Kansas. Louisiana ist vor der Sclavenemancipation 
Sehr reich gewesen. Seither sind die alten Pflanzer fast alle 
l’Hinirt und die Neger haben, was ihre materielle Existenz an- 
wohl kaum gewonnen. Viele Plantagen sind aufgelassen 
J^'^fl üppiges Gestrüpp bedeckt die ehemals berieselten Felder, 
^fless wird neuerlich Capital aus den Neu-England-Staaten, 
*^^br aber noch direct aus England, in Pflanzungen investirt
        <pb n="314" />
        298 
und wir trafen hier und da auf eine neue Plantage. Die Eng 
länder machen dieses Geschäft, indem sie Geld auf Hypothek 
an Zucker- und Reisplantagenbesitzer ausleihen. 
In Louisiana herrscht der Grossgrundbesitz und der Gross 
betrieb natürlich vor, weil der Anbau und das Pressen von 
Zuckerrohr, der Anbau von Reis, jenen beiden Früchten, 
welche den höchsten Ertrag in diesem Staate liefern, grosse 
Bewässerungs- und Fabriksanlagen erfordert, also viel Capital 
voraussetzt. Hier sieht man noch ein altes Herrschaftsschloss, 
grosse Fabriksschornsteine und Fabriksgebäude zum Pressen 
und Kochen des Zuckers, daneben in langen Reihen niedliche 
kleine Negerhäuser, ein Dorf bildend, beisammen, dem nie die 
hölzerne Kirche fehlt. Wo der Grossgrundbesitz authört, löst 
sich das Dorf in Farmen auf, bis man in die deutschen An 
siedelungen von Texas kommt, welche wiederum den geselligen 
Dorfcharakter tragen. 
Das angelsächsisch - englisch - amerikanische System ist das 
westphälische oder holsteinische Höfesystem. Das Louisiana 
dorf erinnert an eine böhmische Herrschaft, welche eine Rüben 
zuckerfabrik einschliesst. Die Negerhäuser sind alle sehr 
zweckmässig und nett gebaut und viel besser als die Tage 
löhnerwohnungen ländlicher Arbeiter in Deutschland im Durch 
schnitte sind, viel besser jedenfalls als jene in Preussen östlich 
von der Elbe, wie denn auch die materielle Lage dieser Neger 
eine üppige zu nennen ist, verglichen mit jener der ländlichen 
Tagelöhner in ganz Norddeutschland. Für Europäer ist aber das 
Klima ungeeignet. Die Häuser sind durchaus von Holz erbaut, 
stehen auf zwei Fuss hohen Pfosten über dem Erdboden, 
haben je zwei bis drei Räume und ein vorspringendes Dach, 
das Schatten gewährt. Die Häuser liegen isolirt, da zu jedem 
ein kleiner Garten gehört. Die Neger erhalten solche Woh 
nungen nebst Garten, und der Mann i Dollar, die Frau 
75 Cents Tagelohn. Trotzdem sind sie nicht an regelmässige 
und ausdauernde Arbeit zu gewöhnen, und der Mangel aU 
regelmässig zur Disposition stehender Arbeitskraft ist es, 
der das Auflassen so mancher Plantage verschuldet hat, mehr
        <pb n="315" />
        299 
iedenfalls als der hohe Tagelohn fur die lässige Negerarheit, 
obschon der natürlich dabei auch von Gewicht war. 
^ Anbau des Bodens geschieht auf äusserst sorgsame 
oise, mit den vollkommensten Ackerbaugeräthen. Auch 
^üngt man den Acker, zum Theil mit Stalldünger, zum Theil 
Kunstdünger, Blut, Baumwollsamen und Guano. Sehr 
iebt ist die Gründüngung, welche darin besteht, dass man 
^•oe Bohnenart, „Kuhbohne“ genannt, ansäet und grün unter- 
pflügt. Solche Düngung ist, selbst auf diesem fruchtbaren 
öden, nöthig, da Zuckerrohr und Reis denselben sehr aus- 
^ugen. Der Acker ist in regelmässige Tafeln getheilt, welche 
orch die Bewässerungsgräben von einander getrennt sind, 
s Zugvieh bedient man sich grosser und schöner Maulthiere. 
Wir fuhren durch grosse Strecken von üppigen Wäldern, 
Solche zum Theile auf Pflanzungen aus der Sclavenzeit ge- 
^ächsen waren, die aber in einigen Jahrzehnten wieder der 
ultur gewonnen werden dürften. 
Als wir auf unserer Bahn von Morgan City nach Houston 
"^oiter vorrückten, hörten die Wälder auf, der Boden wurde 
^ockener und weniger üppig fruchtbar, war aber immer noch 
Schwarz und schön. Der Reisbau verschwand. Noch aber 
^urde viel Zuckerrohr, Mais, Baumwolle und Hafer gebaut. 
lein allmälig trafen wir auf weite Landstrecken, die noch 
Jene alte tafelförmige Lintheilung hatten, aber eingezäunt 
^^^ten und als Weideplätze für sehr gute Pferde und Rinder 
•enten. Das Rindvieh von Louisiana ist französischer Ab- 
^^nimung, erinnert an die starke und fleischige Charolais- 
und ist dem texanischen Vieh weit überlegen. Das 
orwandeln von Zuckerrohrpflanzungen in Viehweiden nahm 
Stat.on Vermillion an erheblich zu, und endlich verschwand 
der texanischen Grenze der Grossbetrieb der Landwirth- 
^^haft. Kleine Farmen wurden auch spärlicher und man baute 
ihnen nur mehr Baumwolle, Mais, Hafer und Gartenfrüchte. 
Viehzucht wurde vorwiegend. 
28 ^^hl der Farmen vermehrte sich von 1870—80 von 
•481 auf 48.292, wohl meist durch Parzelliren grosser Plan-
        <pb n="316" />
        300 
tagen. Es gab 1.319 Farmen von mehr als 1000 Acres und 
2.159 von 500—1000 Acres. 
Die Zuckerplantagen-Besitzer Louisianas leiden aus zwei 
Gründen: Gleichzeitig wurde in Louisiana der Preis der 
Arbeit sehr theuer und die Arbeit selbst selten und unsicher 
und wurde der Preis des Zuckers niedrig. Der Grund 
des ersteren Leidens war die Aufhebung der Sklaverei seit 
1865. Der Grund des letzteren ist das Sinken des Zuckerprei- 
ses seit der Entwickelnng der Runkelrübenzucker' 
Production in Europa. Als man die billige Negerarbeit 
noch hatte, im Jahre i860, kostete das englische Pfund Roh 
zucker in New-York von 6 bis 8 Cents, 1861 von 4 bis 9 Cents, 
in dem Jahrzehnte 1850 bis i860 war, trotz billiger Sklaven 
arbeit, der durchschnittliche niedrigste Preis 5 Cents, der 
durchschnittliche höchste 9.2 Cents gewesen. Während des 
Krieges stieg er auf 7 bis ii Cents 1862, 7 bis 14 Cents 18631 
II bis 25 Cents 1864, ii bis 17 Cents 1865, 10 bis 15 Cents 
1866, 9 bis 10 Cents 1867. Durch diese hohen Preise wurde 
die Rübenzucker-Production in Europa stimulirt. Gerade wie 
der Baumwollenbau in Indien und Egypten. 1878 war der 
niedrigste Preis 6'/% Cents, der höchste 8 Cents, im Jahre 1879 
war der niedrigste Preis 6, der höchste 9 Cents, 1881 war 
7 bis 7V2 Cents, 1882 7 '/4 bis 7^/4 Cents. 
Bei so niedrigen Preisen können die Pflanzer nicht 1 DoU* 
Tagelohn für die lässige Arbeit eines freien, keinem Antriebe 
mehr unterworfenen Negers zahlen. Sie gehen ebenso banke 
rott, wie der grösste Baumwollenproducent der Welt, der 
Khedive Ismael bankerott wurde, als Amerika allmälig seine 
Baumwollproduction wieder aufnahm und der BaumwollenpreiS 
sank. Es ist interessant, die Bewegung der Baumwollenpreise 
zu verfolgen. In New-York war der niedrigste, respective 
höchste Preis für i Ib. Upland Baumwolle: in dem letzten 
Jahrzehnte der billigen Sclavenarbeit 1852 bis 1861 inclusive 
9.6 Cents niedrigster, 13.3 Cents höchster Durschnittspreis« 
Während der Kriegszeit 1862 bis 1866 inclusive 42.2 und io4 
Cents, nun baut man Baumwolle in Indien, Aegypten und 
Brasilien, darauf fallt der Preis auf 15 bis 36 Cents in 1867*
        <pb n="317" />
        301 
^ bis 33 Cents in 1868, 25 bis 35 Cents in 1869, 15 bis 26 
Cents in 1870, 15 bis 25 Cents in 1871, 18 bis 25 Cents in 
*^72, 13 bis 21 Cents in 1873, 15 bis 19 Cents in 1874, 13 
IS 17 Cents in 1875, ii bis 13 Cents in 1876, ii bis 13 Cents 
*^77» 9 bis 12 Cents in J878, 9' 4 bis 13',4 in 1879, 1881 
^and er 10 bis ii Cents, 1882 war er, trotz der schlechten 
rnte in der Union, 10% Cents. Diese absteigende Preis- 
GWegung hat einen gleichmässig steigenden Ruin aller Pflanzer- 
äitiilien und eine gleichzeitige Abnahme des Grund- 
^Grthes zur Folge gehabt. Trotzdem ist die mit Baumwolle 
^ngebaute Fläche 1882 grösser als 1881 und die Ernte dieses 
Jahres eine gute, so dass ein Preisfall in Aussicht steht. In 
einer Pflanzerversammlung zu New-Orleans wurde die Behaup- 
ung ausgesprochen, die europäische Landwirthschaft 
abe die daselbst unrationelle Zuckerrübencultur eingefuhrt 
dadurch erstens den Zuckerpreis herabgedrückt, mithin 
*e Pflanzer von Louisiana ruinirt. 
Aber sie hätte dadurch den besten europäischen Acker 
Anbaue von Weizen und Roggen entzogen und Europa 
on der amerikanischen Kornzufuhr abhängig gemacht; hier- 
arch sei die Kornproduction im „fernen Westen“ Amerikas 
achtig stimulirt worden und diese ruinire nun ihrerseits die 
aropäischen Grossgrundbesitzer, welche Getreide produciren. 
s liegt unzweifelhaft viel Wahres in dieser Argumentation. 
^ man soll nicht vergessen, dass der Zuckeranbau in 
^ouisiana langsam zunimmt, weil nunmehr die Pflanzungen 
* in die zweite Hand gekommen sind. 
^ Mit Hilfe englischen Capitales und der Einwanderung 
h K wird sich die Zuckerproduction von Louisiana 
Gn, dazu kommt wahrscheinlich ein grossartiger Versuch, 
y 12 Millionen Acres in den Everglades von Florida 
^ackerrohr zu bauen, und endlich die Zuckerproduction aus 
Hl Mais. Auf den Sandwichsinseln wird seit 
g ^ *'^rGn Jahren ebenfalls jährlich mehr Rohrrohzucker er- 
gL der nach San Francisco exportirt und dort raffinirt 
j. / Wie gründlich die Grossgrundbesitzer Louisiana’s 
*airt Wurden, geht daraus hervor, dass man 1881 den Acre
        <pb n="318" />
        302 
einer verfallenen Pflanzung um i—10 Dollars kaufen konnte, 
der vor 1862 120 Dollars werth war. Ferner wollen die 
Engländer den Zuckerbau in Nordaustralien mit billigen indi 
schen Arbeitern anfangen. Es ist also anzunehmen, dass der 
europäischen Rübenzuckerindustrie sehr bald eine übermächtige 
Concurrenz erwachsen wird.
        <pb n="319" />
        XXI. Capitel. 
Die Gründung des deutschen Adelsvereins 
in Texas. 
Nach der französischen Revolution von 1830 bemächtigte 
eine grosse L nruhe der höheren Stände in Centraleuropa 
an fühlte, dass die Zustände unhaltbar geworden seien, eine 
g Umwälzung bevorstehe. Unter den kleinen deut 
^chen Reichsfürsten und dem höheren Reichsadel sah mar 
‘ch nach einer Zufluchtsstätte für den Fall um, dass der 
Putschen Kleinstaaterei und vielleicht auch dem Privatgross- 
S^undbesitz ein Ende gemacht werde. 
Im englischen Adel herrscht heut zu Tage eine ähnliche, 
gerechtfertigte Besorgniss, und viele adelige Familien haben 
u H Amerika sich bereits Besitzungen erworben 
^ in Cultur gebracht, die ihnen mehr eintragen, als ihre 
^^gestammten in England, und auf denen sie, im Falle einer 
de Revolution, eine Zuflucht finden können, um sich vor 
V ir bewahren, das den französischen Adel, dessen 
onimenheit in der Zeit des Ancien-Regime Taine so un- 
^ ertrefflich schildert, und der damals — wie ein Theil des 
tinentalen Adels jetzt — jeder Voraussicht und jeder That- 
baar war, betroffen hat. 
Deutschland entstand der Plan, jenseits des Weltmeeres 
'ind ^i^ Neudeutschland mit Adel, Grossgrundbesitz 
So ^uernbesitz zu schaffen. Texas, ein ungeheures Gebiet, 
ST^’oss wie Spanien, Portugal und Frankreich zusammen ge- 
jjj ^^en und mit nur etwa 60.000 weissen Einwohnern, schien 
j.« geeignet. Dieses Land hatte sich von Mexico losge- 
war noch nicht an die Union annectirt. Mit etwas
        <pb n="320" />
        304 
Geld konnte man hoffen, die dortigen Machthaber fur jeden 
Colonisationsplan zu gewinnen. Zwei Hamburger Kaufleute 
hatten eine bedeutende Landschenkung unter Bedingung der 
Colonisation innerhalb einer bestimmten Frist daselbst erhalten 
und verkauften sie an den später gegründeten Adelsverein um 
200.000 Dollars. Es lag ihrerseits ein einfaches, lukratives 
Geschäft vor. 
Es entstand nun im Jahre 1842 in Deutschland der Adels- 
Verein. Seine Mitglieder waren: 
Sr. Durchlaucht der Herzog von Nassau. 
„ der Fürst von Leiningen (Präsident). 
,, „ der Prinz Moritz von Nassau. 
,, der regierende Fürst Schwarzburg-Rudolstadt. 
,, der regierende Fürst von Solms-Braunfels. 
,, „ der regierende Fürst von Wied. 
„ „ der Fürst Colloredo. 
der Prinz Alexander zu Solms-Braunfels. 
„ der Prinz Carl zu Solms-Braunfels. 
Sr. Erlaucht der Graf von Castell (Präs.) 
„ „ der Graf Colloredo. 
„ der Graf August zu Neu-Leiningen-Westerbürg. 
„ der Graf Christian zu Neu-Leiningen-Westerburg- 
„ der Graf Friedrich zu Alt-Leiningen. 
„ der Graf Victor zu Alt-Leiningen. 
Ihro Erlaucht die verwittwete Gräfin von Isenburg-Meerholz. 
Sr. „ Graf Edmund von Hatzfeldt. 
,, Graf Clemens von Boos-Waldeck. 
,, Graf Joseph von Boos-Waldeck. 
„ Graf Anton von Boos-Waldeck. 
Graf Renesse. 
Der Adelsverein erliess nun im Frühjahr 1844 durch d*® 
Zeitungen folgende Bekanntmachung: 
„Ein Verein hat sich gebildet, dessen Zweck es ist, di® 
deutsche Auswanderung soviel als möglich nach einem einz» 
gen, günstig gelegenen Punkte hinzuleiten, die Auswanderer 
auf der weiten Reise und in der neuen Heimath zu unterstütze^^
        <pb n="321" />
        305 
nach Kräften dahin zu wirken, dass ihnen jenseits des 
eeres eine neue Heimath gesichert werde. 
Der Verein erlässt diese Bekanntmachung nicht in der 
bsicht, Geldkräfte für sein Unternehmen zu gewinnen: das 
Ueschäfts-Kapital ist bereits vollständig gezeichnet. Allein im 
GWusstsein des guten Zwecks ist er es dem Publikum und 
ich selbst schuldig, die Gründe, welche den Verein ins Leben 
gerufen, die Art und Weise, wie er seine Aufgabe zu lösen 
offt, und die Grundsätze, die ihn dabei leiten, offen darzu* 
^egen. 
Der Verein will den Trieb zur Auswanderung weder an- 
®S^n, noch entschuldigen. Genug, das Bedürfhiss besteht 
Einmal, und lässt sich leider ebensowenig wegläugnen, als es 
^oglich ist, jenem immer lebendigeren Triebe Einhalt zu thun. 
lelfältige Ursachen wirken dabei zusammen; die Verdrängung 
^ Handarbeit durch das Maschinenwesen, die grossen, fast 
periodischen Unfälle, die den Handel heimsuchen, die zu- 
ehmende Verarmung, eine holge der Uebervölkerung und 
Mangels an Arbeit; endlich wohl auch der gerühmte 
eichthum des Bodens im neuen Lande und die manchmal 
^ ohnte, oft getäuschte Hoffnung auf ein besseres Sein und 
'Wirken jenseits der Meere. 
Unter solchen Verhältnissen müssten die Auswanderer in 
That einem besseren Loose entgegengehen, wenn sie, in 
ohlgeordneter Masse zusammenhaltend, eine richtige Leitung 
einen wirksamen Schutz in der Fremde fanden. Und so* 
s IK Noth Wendigkeit wie der Zweck des Vereins von 
st gegeben: er will es versuchen, die Auswanderung zu 
geln und zu leiten, damit die Möglichkeit gegeben werde, 
^^s die Deutschen in Amerika eine deutsche Heimath wieder- 
dem ununterbrochenen Zusammenhänge unter 
und mit dem alten Vaterlande ein gewerblicher und 
Rudels verkehr entstehe, der beiden zum materiellen und 
S^istigen Gewinn gereichen muss. Auf diese Weise wünscht 
Verein das Seinige zu thun zu Deutschland s Ehre und 
^ ohl beizutragen, um vielleicht den deutschen Armen eine 
lohnende Thätigkeit, dem deutschen Gewerbefleiss neue 
2U
        <pb n="322" />
        3o6 
Märkte, dem deutschen Seehandel eine weitere Ausdehnung 
dereinst zu öffnen. 
Nach langer, sorgfältiger Prüfung hat sich der Verein da 
für entschieden, dass Texas dasjenige Land ist, welches dem 
deutschen Auswanderer am besten Zusagen möchte. Das 
gesunde Klima, die Fruchtbarkeit des Bodens, der Reichthum 
seiner Erzeugnisse und die Leichtigkeit der Verbindungen 
mit Europa haben schon seit längerer Zeit eine grosse Zahl 
von auswanderungslustigen Deutschen dahin gezogen, die je 
doch ohne Schutz und Schirm, sich vereinzelten, und leider 
oft ganz zu Grunde gingen. Um so mehr musste sich die 
Aufmerksamkeit des Vereins nach diesen Gegenden wenden. 
Durch erfahrene und des Landes kundige Männer hat er das 
texanische Gebiet bereisen lassen, und so vollständige Auf 
schlüsse erhalten, dass er mit gutem Gewissen und voller 
Ueberzeugung seine Wahl treffen konnte. 
Der Verein hat im gesundesten Theile jenes Landes ein 
zusammenhängendes, noch unbebautes Gebiet von beträcht 
lichem Umfang erworben, wird dort die Ansiedlung derjenigen 
Deutschen, die das alte Vaterland verlassen, nach Kräften 
befördern, und hierzu die von den Verhältnissen gebotenen, 
zweckdienlichsten Mittel an wenden. 
Vor dem Abgang wird jedem Auswanderer eine Strecke 
guten Landes schriftlich zugesichert, welches er bei seiner 
Ankunft als Geschenk, ohne alle jetzige oder künftige Ver 
gütung, vom Vereine erhält. Dieser Boden, dessen grösserer 
oder geringerer Flächenraum sich nach der Grösse der Famih^ 
richtet, wird freies Eigenthum des Auswanderers, sobald er 
drei Jahre lang auf seinem Gut gewohnt. Aber auch vor 
Ablauf dieser drei Jahre gehören ihm die Erzeugnisse des 
Bodens und der Verein macht weder auf jene, noch auf diesen 
den geringsten Anspruch. 
Der Verein ist ferner dafür bemüht, gute und geräumig^ 
Schiffe für die Ueberfahrt auszuwählen; er sorgt dafür, dass 
es an gesunder, wohlfeiler Nahrung nicht fehle, und die Reise* 
kosten so gering als möglich ausfallen. An den Landungs 
plätzen sind besondere Agenten beauftragt, den Auswanderern
        <pb n="323" />
        307 
»t ath und That an die Hand zu gehen, die Letzteren fin- 
n ¡er W agen bereit, die sie mit ihrer Habe unentgeltlich 
n den Ort ihrer Ansiedelung fuhren. Auch für ihre Bedürf- 
unterwegs wird Vorsorge getroffen. So wie sie an Ort 
.. anlangen, wird jeder Familie ein eigenes Haus ein- 
S aumt, versteht sich, nur nach dortiger Art aus aufeinander- 
^ egten Balken gezimmert; Vorrathshäuser mit Lebensmitteln, 
erkzeugen für Garten- und Ackerbau, Samen und Pflanzen 
wohl versehen, sichern ihnen Alles, was sie zur 
r eit und zum Leben bedürfen; ebenso finden sie die nöthi- 
r" Hausthiere, als Pflugochsen, Pferde, Kühe, Schweine, 
‘ Chafe, schon an Ort und Stelle. Alles dies wird ihnen zu 
»nem viel geringeren Preise verkauft, als die nämlichen Gegen- 
'inde auf den nächstgelegenen Märkten zu haben sind. 
‘ oiche Auswanderer, deren Betragen und Thätigkeit sich be- 
g , bewährt, erhalten von Seiten der Verwaltung Vor- 
c usse, die von der ersten Ernte zurückzuzahlen sind. 
Den Auswanderern steht es frei, die Erzeugnisse ihres 
C'erbaues und ihre Gewerbsthätigkeit an die Magazine des 
creins zu veräussern. 
y sittliche und religiöse Erziehung der Kinder zu sorgen, 
etrachtet der Verein als eine heilige Pflicht; er wird daher 
S Bedürfnissen der Bevölkerung, Kirchen und 
für r " Colonie errichten lassen. Er wird nicht minder 
rJ’ A von Aerzten und Apothekern, sowie für 
'•■Undung eines Krankenhauses Sorge tragen. 
Cemeindeverfassung und eine Gerichtsordnung, beide 
dem Vorbilde der in Texas anerkannten englischen, 
. sobald es nur thunlich, durch die Verwaltung der An- 
cdelungen hergestellt. 
j. . Sollten sich unter den Auswanderern einzelne zur Rück- 
fah ^ Europa bewogen finden, so wird ihnen die Heim- 
S nämlichen Preisen, wie die Hinfahrt, auf den 
c »ffen des Vereins zugesichert. 
erste Zug von Auswanderern geht im September dieses 
*^44 ab; allein schon im Mai werden zwei Mitglieder 
Vereins nach Texas reisen, um dort Vorbereitungen 
zui 
2Ü*
        <pb n="324" />
        3o8 
Aufnahme der Auswanderer zu treffen und die Verwaltung 
der Ansiedelungen vorläufig einzurichten. 
Der Verein wird drei Percent seiner Einnahme dazu ver 
wenden, um dürftigen Auswanderern die Ueberfahrt und An 
siedelung zu erleichtern. Vorläufig jedoch und bis er diese 
Absicht zu verwirklichen im Stande ist, kann die Niederlassung 
in der Colonie nur Denjenigen zugestanden werden, welche 
die unumgänglich erforderlichen Geldmittel besitzen. 
Der unverheirathete Einwanderer bedarf wenigstens ein 
Capital von 300 Gulden. 
Das Haupt einer nicht zahlreichen Familie ein Capital von 
600 Gulden. 
Um aber auch einer wenn gleich nur kleinen Anzahl von 
ärmeren Familien sogleich die Ansiedelung möglich zu machen, 
wird der Verein — indem er glaubt, den edlen Gesinnungen, die 
man ihm bereits zu erkennen gegeben, dadurch am besten 
entgegen zu kommen — eine Liste zu freiwilliger Unterzeich 
nung eröffnen, deren Ertrag ausschliesslich zu diesem Zwecke 
bestimmt ist. Jährlich sollen sodann die Beiträge und deren 
Verwendung, so wie die Namen der V ohlthäter in den g® 
lesensten Blättern Deutschlands bekannt gemacht werden. 
Wenn der Verein auf diese Weise, so viel in seinen 
Kräften steht, dem Unternehmen einen glücklichen Erfolg zu 
sichern bemüht ist, so beruht doch das Gelingen am meisten 
auf der ernsten, unverdrossenen Thätigkeit der Auswanderer 
selbst. Das neue Vaterland jenseits des Oceans wird nur dann 
gedeihlich emporblühen, wenn die Deutschen auch dort sic 
bewähren, wie sie stets in der Heimath waren: arbeitsam, be 
harrlich, treu der guten Sitte und dem Gesetze. Darf der 
Verein auch hieran nicht zweifeln, so wird er doch, um nicht 
(Jas Wohl und Wehe deutscher Landsleute den Zufälligkeiten 
eines Versuches preiszugeben, im Laufe dieses Jahres fnf® 
erste nur ein Hundert und fünfzig Familien zur Uebersiedelung 
zulassen und erst dann, wenn diese eine wohlgesicherte Nic 
derlassung gegründet haben, einer weiteren Auswanderung 
mit Rath und That anhanden gehen.
        <pb n="325" />
        309 
Genauere Aufschlüsse und Auskunft jeder Art werden 
äuf frankirte briefliche Anfragen ertheilt.“ 
Dieser Bekanntmachung Hess der Verein bald nachstehen 
des Programm folgen, welches die Verhältnisse des Aus- 
'vanderers zu demselben näher angibt. 
„Um alle diejenigen deutschen Auswanderer, welche sich 
der Vereinscolonie in Texas anzuschliessen beabsichtigen. 
Sowohl über die einzugehenden Leistungen und Verbindlich 
keiten, als auch über die erwachsenden Vortheile und Berechti 
gungen auf das Bestimmteste zu unterrichten, sieht sich die 
klirection veranlasst, unter Vorausschickung einiger allgemeinen 
Bemerkungen über Lage, Beschaffenheit und Clima des Lan 
des, folgende Bekanntmachung ergehen zu lassen. 
Texas, zwischen Mexico, den Vereinigten Staaten und dem 
Meere gelegen, bietet durch Clima und Fruchtbarkeit des Bo 
dens dem fleissigen Ackerbauer und Landwirthe so über 
wiegende Vortheile dar, dass der Verein gerade dieses Land 
^Is das passendste zum Ziele deutscher Einwanderung gewählt 
Und bestimmt hat. Zweifelhaft über diese Vortheile durch 
eine Menge sich widersprechender Nachrichten, die theilweise 
d^s Resultat fremder Interessen, theilweise auch nur Bilder der 
Einbildungskraft waren, zögert der Auswanderer, den über 
dieses Land ausgestreuten Gerüchten Glauben beizumessen. 
Und desshalb will die. Gesellschaft hier nur mit wenigen Wor- 
authentische Mittheilungen aus der Quelle jahrelanger 
Beobachtung deutscher Männer, die eigens deshalb an Ort und 
Stelle prüften und urtheilten, niederlegen. 
Die flachen Niederungen am Meere und Mündungen der 
Krossen, das ganze Gebiet durchströmenden Flüsse sind reich 
Und gesegnet durch die Natur des angeschwemmten Bodens, 
doch ungesund dem deutschen Einwanderer durch ein heisses 
^^d feuchtes, mit schädlichen Ausdünstungen verbundenes 
Elima; die nördlichen Gegenden, obwohl gesund und frucht- 
und von Bergen durchschnitten, deren Eichen- und Kie 
fern-Waldungen bald den bedeutendsten Handelsartikel liefern 
^ Grden, sind zu weit von den bis jetzt angebauten Landes- 
^^fecken entfernt, als dass das schnelle Emporblühen einer
        <pb n="326" />
        deutschen Colonie daselbst mit Recht und Sicherheit erwartet 
werden dürfte. Dagegen sind es die mittleren Gegenden des 
Landes im Westen und Nordwesten, die sogenannte Hoch 
ebene, die durch Reichthum und Fruchtbarkeit des Bodens, 
sowie durch das gesunde Clima vollkommen geeignet befun 
den wordensind, deutsche Bevölkerung zu nähren und zu erhalten. 
Mais, Baumwolle, Tabak, sowie alle Feld-und Gartenfrüchte 
Deutschlands gedeihen dort vortrefflich; ein herrliches Wiesen 
land, nur hie und da von Hochwald unterbrochen, bietet der 
Viehzucht Winter und Sommer vorzügliche Weide, und zahl 
reiche Bäche und schiffbare Flüsse geben hinreichende Wasser 
kraft zu Anlagen von Gewerken und sichern den zukünftigen 
Absatz der Producte; hier wird deutscher Fleiss und deutsche 
Unternehmungskraft Gelegenheit und Mittel zur Gründung 
einer glücklichen Zukunft finden. Wahr ist es, schon viele 
Deutsche sind in dem gesegneten Lande untergegangen, aber 
was war die Ursache? Konnten die einzelnen Familien, nur 
auf ihre eigenen Kräfte angewiesen, ohne Schutz und Rath, 
ohne Kenntniss des Landes, ohne Obdach, preisgegeben dem 
Einflüsse der Witterung und des Climas, ohne die Mittel, durch 
sofortigen Anbau des Bodens sich den Ertrag der nächsten 
Ernte zu sichern, konnten diese Familien bei angestrengter 
Arbeit, bei Unregelmässigkeit und leider oft dadurch herbei* 
geführter Unmässigkeit der Lebensweise ein anderes Schicksal 
erwarten? Nicht die ungünstigen Verhältnisse des Landes, 
sondern die falschen Mittel waren die Ursache des oft ver 
fehlten Zweckes. Allen diesen Uebeln hat der Verein aufs 
Beste vorgebeugt, und es wird nur von dem Willen des Ein 
wanderers abhängen, durch Fleiss und regelmässiges Leben 
dem schönsten Ziele entgegen zu gehen, und auf diese Weise 
nicht allein den eigenen Wohlstand zu begründen, sondern 
auch durch die mit der Bevölkerung und diesem Wohlstände 
zunehmende Werthserhöhung von Grund und Boden dem Ver 
eine Gelegenheit zu bieten, durch Benutzung derjenigen Län 
dereien, welche er zum eigenen Betrieb zurückbehält, Ersatz 
zu finden für Arbeit und Capital, welches ein so grosses Un 
ternehmen erfordert.
        <pb n="327" />
        3" 
Die Mitnahme von Linnenzeug, Sommer- und Winterklei- 
dem, Schuhwerk, Betten, leicht zu transportirenden Haus- und 
Küchengeräthen von Eisen und Kupfer, neuem Riemenwerk, 
passende Geschirre daraus zu machen, ferner die Mitnahme 
^^ehrerer vorzüglicher Gartensämereien etc. wird dem Ein 
wanderer die besten Dienste thun, da der Ankauf an Ort und 
l^telle sowohl schwierig als theuer ist, und auch die Annehm- 
ichkeit häuslicher Bequemlichkeit verzögert. Alle diese Gegen 
stände werden am besten in möglichst kleine Kisten ver 
packt. Alle Bedürfnisse des Landbaues dagegen, worunter 
besonders die von den unsrigen gänzlich verschiedenen Acker- 
geräthschaften, werden am vortheilhaftesten in der Colonie 
Selbst angekauft werden. Die Lieferungspreise dieser Gegen 
stände, der Lebensmittel und des Viehes, können wegen der 
stets wechselnden Handelsverhältnisse nicht genau und be 
stimmt angegeben werden, doch wird der Verein sein Haupt- 
^tigenmerk darauf richten, durch rechtzeitigen Ankauf aller 
edürfnisse im Grossen, einen möglichst festen und niederen 
nsatz zu bewirken. Bei der freien Jagdberechtigung und 
Menge des Hochwildes in Texas wird sich die Mitnahme 
^mer guten Büchse oder Jagdflinte bestens bewähren. 
^tif den Inhalt dieser authentischen Mittheilungen ge- 
^tutzt, und in der Ueberzeugung eines glücklichen Fortganges 
Unternehmens, fordert der Verein, um in die Liste der 
inwanderer aufgenommen zu werden, und hat der sich 
eidende demgemäss an die Direction in Mainz oder an den 
^nquier des Vereins in Frankfurt am Main portofrei einzu- 
^enden und zu besorgen: 
1. Tauf- und resp. Heirathsschein, 
2. Taufschein der Kinder, 
3- Amtliches Zeugniss über Gewerbe und Wohnort, 
4- Angabe des Namens und Wohnortes der Eltern, 
5- Eine beglaubigte Abschrift der Auswanderungserlaubniss 
der Regierung, 
6. Leumundszeugniss von der Gemeinde, 
7* Amtliches Zeugniss über den Vermögensstatus, und 
*War müssen die Vermögensverhältnisse der Art sein, dass an
        <pb n="328" />
        312 
dem Einschiffungsorte, dessen Wahl auf Bremen gefallen ist, 
jeder ledige Auswanderer fl. 300, und jede Familie fl. 600 
als Eigenthum nachweisen kann. Diese Summe von fl. 300 
resp. fl. 600 wird bei dem Vereine deponirt, und zwar vor 
der Einschiffung bei der Direction in Mainz und dem Banquier 
der Gesellschaft, Herrn L. H. Fiersheim in Frankfurt am Main, 
oder vor der Einschiffung in Bremen selbst, bei einem seiner 
Zeit daselbst zu bestellenden Agenten des Vereines. Für diese 
Summe bestreitet der Verein freie Ueb erfahrt nebst Ver 
köstigung von Bremen bis an den Ausschiffungsort, welches 
sich auf ungefähr fl. 60 pr. Kopf belaufen wird, freien Land 
transport für Personen und Gepäck von dem Ausschiffungs 
orte bis auf die Colonie selbst, auf den Wagen und in den 
Zelten der Gesellschaft für ca. fl. i o pr. Kopf ; er bestreitet ferner 
die Uebergabe eines Wohnhauses in der Colonie (wenn der 
Einwanderer nicht vorzieht es sich selbst zu bauen), im Kosten 
anschläge von ca. fl. 60, und händigt durch seinen Agenten 
in Bremen jedem ledigen Auswanderer die Summe von fl. 20, 
und jeder Familie die von fl. 50 zur Bestreitung etwa ent 
stehender Nebenausgaben ein; über den restirenden Betrag, 
der je nach der Kopfanzahl der auswandernden Familien sich 
verschieden herausstellen wird, wird der Agent im Namen des 
Vereins dem Auswanderer vor der Einschiffung einen Em 
pfangsschein ausstellen, welcher in der Colonialkasse als baares 
Geld betrachtet werden wird, und auf dessen Vorweisung der 
Colonist Geräthschaften, Materialien und Vieh zur Landwirth- 
schaft sowie Lebensmittel zum Unterhalt zu den in der Colonie 
zu fixirenden möglichst niedrigen Preisen, so lange aus dem 
Vereinsmagazine fordern und beziehen kann, bis der eröffnete 
Credit erschöpft ist, oder auch nach Belieben baare Beträge 
in dortiger Landesmünze aus der Colonialkasse erheben kann, 
durch welche letztere Massregel der Vortheil erwächst, dass 
die Baarschaften auf der Reise nicht verloren werden können, und 
auch beim Umwechseln des Geldes in Amerika durch den 
verschiedenen Geldcours nicht zu viel eingebüsst wird. Die 
von dem Verein sorgfältig angestellten Berechnungen haben 
das erfreuliche Resultat geliefert, dass die obengenannten
        <pb n="329" />
        - 
Summen hinreichend sind, die Auswanderer bis zur Einbringung 
ersten Ernte, von wo an sie aus eigenen Mitteln leben 
Werden, mit dem Nöthigsten versorgen zu können. Sollte ein 
Auswanderer früher oder bei seiner Einschiffung in Bremen 
eine grössere Summe freiwillig bei dem Vereine deponiren 
Wollen, um auch für diese der obengenannten Vortheile theil- 
haftig zu werden, so wird der Verein und in dessen Namen 
^6r Agent für die empfangene Summe eine Bescheinigung 
^usfertigen, gegen deren Vorzeigung die Colonialkasse in 
Texas die Rückerstattung in baarem dort üblichem Gelde 
*^ach dem Tagescourse leisten wird. Der Verein vergütet für 
solche Deposita 3 Proc. pr. annum bis zum Tage der Er 
hebung. — Es fordert endlich der Verein 
8. Bewohnung des dem Colonisten überlassenen Hauses, 
sowie Urbarmachung und Umzäunung von mindestens 15 Acres 
während und binnen drei Jahren vom Tage der Besitzanwei 
sung an gerechnet — und 
9. Allgemeine Anerkennung der Colonisationsmassregeln 
^cr Direction während der drei ersten Jahre, so lange der 
Colonist noch nicht vollständiger Eigenthümer des Landes ist. 
Hat der Auswanderer die Einsendung aller seiner amt- 
hch beglaubigten Papiere besorgt, und sind dieselben geprüft 
^nd für gut befunden worden, so hat derselbe den betreffen- 
'ien Auswanderungscontract zu unterschreiben und pro 
^opf IO fl. bei der Direction zu deponiren, als Pfand, dass 
sich wirklich zu der angegebenen Zeit am Einschiffungsort 
^infinden will, da die Direction dem Schiffsrheder für die An- 
zahl Köpfe Garantie leisten muss, und erhält alsdann einen 
dem Vereinsstempel versehenen Eir vanderungsschein, 
•lebst genauer Angabe des Datums und des Ortes, wann und 
sich zur Einschiffung einzufinden hat. Dieser Einwan- 
tierungsschein wird gegen Rückgabe der Auswanderungs- 
Papiere von dem Agenten in Bremen in Empfang genommen 
•ind von diesem alsdann nach Beendigung der sub 7 aufge- 
^hrten Geschäfte die Aufnahme in das Schiff angeordnet. 
Gegenüber diesen von den Colonisten zu leistenden Ver- 
•ndlichkeiten giebt und besorgt der Verein:
        <pb n="330" />
        314 
1. Freie Ueberfahrt und Verköstigung von Bremen bisan 
den Ausschiffungsort, sowie freien Landtransport vom Aus- 
schiffungsorte bis auf die Colonie selbst, auf den Wagen und 
in den Zelten der Gesellschaft, sowie die Ueberlassung eines 
Wohnhauses im Anschläge von circa 60 fl. (Siehe § 7 der 
Forderungen.) 
2. Unentgeltliche Ueberlassung von 320 Acres für die Fa 
milie, und von 160 Acres für den unverheiratheten männ 
lichen Einwanderer über 17 Jahre. (i.Acre ist gleich i Morgen 
und 105,20 Quadrat-Ruthen preuss.) 
3. Anschaffung und Ueberlassung von allen zur Land- 
wirthschaft und zum Lebensunterhalt gehörender Geräthschaften 
und Materialien zu einem möglichst billigen Preise aus den 
Magazinen des Vereins. 
4. Anlage von Kirche, Schulen, Krankenhaus, Apotheke 
und Herstellung der Communicationsmittel, so wie Schiffbar 
machung der Flüsse, so wie überhaupt allgemeine Fürsorge 
für das Wohl der ihm an vertrauten Einwanderer. 
5. Nach Erfüllung aller Verpflichtungen und nach Ablauf 
von 3 Jahren, vom Tage der Besitzanweisung an gerechnet, 
vollständiges Eigenthumsrecht auf die umsonst überlassenen 
Ländereien ohne alle weiteren Verpflichtungen gegen den Ver 
ein, mit Ausnahme der Rückzahlung der etwa geleisteten 
Vorschüsse und aller freiwillig eingegangenen Verbindlich 
keiten.“ 
Bevor der Verein Auswanderer nach seiner Colonie hin 
überschiffte, sandte er im Frühling 1844 den Prinzen Carl 
zu Solms-Braunfels, seinen General-Commissar, mit dem 
nöthigen Gefolge voraus, damit alles zum Empfange der neuen 
Ankömmlinge vorbereitet wurde. Die Berichte, welche vom 
Prinzen Solms in Mainz eingingen, lauteten in jeder Beziehung 
günstig. Der Prinz war von den Männern, die an der Spitze 
der texanischen Regierung standen, mit vieler Auszeichnung 
empfangen worden, und man hatte seine lebhafte Freude über 
das Bestreben des Vereins ausgedrückt, den Strom deutscher 
Auswanderer nach Texas zu leiten, wo Deutsche sehr will 
kommen sind.
        <pb n="331" />
        3»5 
Der Prinz Solms spricht sich in der Gründungsurkunde 
Stadt Neu-Brauniels über die Vorgeschichte derselben fol- 
gendermassen aus : 
„Da der Verein sein Augenmerk auf Texas gerichtet 
hatte, so wurden Graf Joseph von Boos-Waldeck und Graf 
Victor von Leiningen dahin gesandt, um nähere Untersuchun* 
anzustellen. — Graf Boos legte die Farm Nassau am Jack- 
Creek an, Graf Leiningen jedoch kehrte im März 1843 zurück 
^nd stattete günstigen Bericht über die Sache ab. ln Folge 
^er im Juni 1843 im Schlosse zu Biebrich abgehaltenen Gene 
ral-Versammlung wurde die Colonisation beschlossen, und die 
^Gsellschaft nahm den Namen „Verein zum Schutze deutscher 
Einwanderer in Texas“ an. — Da der Graf Boos im Januar 
1844 auch zurückgekehrt war, so wurde ich, der Unterzeich- 
zum General-Commissar des Vereins in Texas ernannt 
nnd mit dem Aufträge dahin gesandt, die erste Niederlassung 
es Vereins daselbst zu gründen. — Der Verein hatte sich zu 
^ser Zeit in so weit verändert, dass die Grafen von Boos- 
aldeck ausgetreten, dagegen einige neue Mitglieder dazu 
gekommen waren. Im Juni des Jahres 1844 bestand der Ver- 
^in also aus folgenden Herren: 
Sr. Hoheit den Herzog von Nassau, Protector. 
Sr. Durchlaucht der Fürst von Leiningen, Präsident. 
Sr. Krlaucht der Graf Karl von Castell, Vice-Präsident 
Und erwählter Geschäfts-Director. 
Sr. Hoheit der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha. 
Sr. Hoheit der Herzog von Sachsen-Meiningen-Hildburg- 
"Ausen. 
Sr. Königl. Hoheit der Prinz Friedrich von Preussen. 
Sr. Durchlaucht der Prinz Moritz von Nassau. 
» „ der regierende Fürst von Schwarzburg- 
Rudolstadt. 
»» „ 
" „ 
” » 
der regierende Landgraf von Hessen-Hom 
burg. 
der regierende Fürst zu Solms-Braunfels, 
der regierende Fürst von Wied, 
der Fürst von Colloredo.
        <pb n="332" />
        3i6 
Sr. Durchlaucht der Prinz Alexander zu Solms-Braunfels. 
Sr. Erlaucht der regierende Graf von Isenburg-Meerholz- 
„ „ der Graf August zu Neu-Leiningen-Wester- 
bürg. 
„ „ der Graf Friedrich zu Leiningen-Wester 
burg. 
„ „ der Graf Friedrich zu Alt-Leiningen. 
„ „ der Graf Colloredo. 
fhro Erlaucht die verwittwete Gräfin zu Isenburg-Meerholz. 
Sr. „ der Graf Edmund von Hatzfeld. 
„ „ der Graf Renesse. 
„ „ der Graf von Knyphausen. 
„ „ der Graf Vetter von Lilienfeld. 
Ich reiste am 13. Mai von Bingen, am 19. desselben von 
Liverpool mit dem Dampfschiff Caledonia nach Boston ab. 
Am I. Juli 1844 landete ich in Galveston, und durchzog seit 
dem das Land Texas nach allen Richtungen, um mir genaue 
Kenntniss von demselben zu verschaffen. — Im November 
landete das erste Schiff mit Emigranten in Galveston, es war 
die Bremer Brigg Johann Dethardt. Im December folgte der 
Herrshel, und später der Ferdinand. Die Emigranten wur 
den sofort auf Schooner eingeschifft und in der Lavacca 
Bay theils bei Lavacca selbst, mehrentheils jedoch bei Indian 
Point — dicht bei dem neugegründeten Carlshafen — gelan 
det. Am 18. März 1845 langte ich selbst mit wenigen Beglei 
tern auf dem hiesigen Landstriche an und am Charfreitage, 
den 21. passirten die ersten Wagen mit Emigranten die Guada 
lupe. Das Lager wurde am Comal Creek aufgeschlagen, und 
von da aus die Stadt ausgelegt, welcher ich den Namen „Neu- 
Braunfels“ gab. — Somit hatte ich mich meines Auftrages 
entledigt, jedoch nicht ohne Entbehrungen, Strapazen und 
Gefahren mancher Art getragen zu haben, denn die Reisen 
in Sommerhitze, wohl zuweilen 20 Meilen ohne Wasser, und 
in dem von Indianern durchstreiften Westen des Landes, so 
wie Seereisen auf kleineren, elenden, schlecht geführten Fahr 
zeugen bringen solche natürlich mit sich. Ich ertrug sie jedoch, 
wie es einem deutschen Manne zukommt, und schreibe dies
        <pb n="333" />
        3^7 
nächst dem Schutze des Allerhöchsten hauptsächlich dem An- 
Senken derjenigen Dame zu, welcher ich mein Herz weihete; 
nnd bei dem Gedanken an welche, mir nichts unüberwindlich 
erschien. Als schuldigen Tribut der Dankbarkeit gegen sie 
nnd um ihrem Namen auch auf dieser Seite des Weltmeeres 
Gin bleibendes Gedächtniss zu stiften, nenne ich die Befesti 
gung, die zum Schutze von Neu-Braunfels angelegt wird und 
Welche die Gouvernements - Gebäude umschliessen soll, die 
»Sophienburg“. Ich legte dazu den Grundstein am Montag, 
^cn achtundzwanzigsten April 1845 und fugte diese Urkunde 
Und das Bildniss der durchlauchtigsten Frau, Sophia, verwitt- 
Weten Prinzessin zu Salm-Salm, geborenen Prinzessin zu Löwen 
stein-Wertheim-Rosenberg-Rochefort in den Grundstein. 
Urkundlich durch meine Namens-Unterschrift und beige 
drucktes Familien-Siegel bestätigt. 
Sophienburg, Sonntag, den 27. April 1845. 
Carl Friedrich Wilhelm Ludwig. 
Georg Alfred Alexander, Prinz zu Solms, Herr zu Braun- 
Greifenstein, Münzenberg, Wiedenfels und Sonnenwalde; 
General-Commissar zum Schutze deutscher Einwanderer in 
^Gxas, Sr. Kaiserl. Königl. apostolischen Majestät Rittmeister 
*ui König Friedrich August von Sachsen 3. Cuirassier-Regi- 
uiente, Grosskreuz des Königl. Hannover schen Guelphenordens, 
Herzogi. Braunschweig’sehen Ordens Heinrichs des Löwen, 
^ud Ritter des Ordens von St. Georg von Lucca.“ 
Aus dieser Gründungsurkunde geht hervor, dass der 
^finz Solms eine romantische Natur, d. h. zur Leitung eines 
Solchen Unternehmens total unfähig war. Es fehlte ihm ferner 
die Ausdauer, und er lief kopflos davon, die Leute, welche 
ihm gefolgt waren, im tiefsten Elend zurücklassend. 
Eine Adelsrepublik konnte überdies nicht mehr im Jahre 
*^45 in Texas gegründet werden, denn am i. März 1845 
Wurde Texas als Staat in die Union aufgenommen, und die 
Hnionsregierung in Washington, sowie die von jener damals 
abhängige Staatsregierung von Texas sah dem Unternehmen, 
^n dessen Spitze ein Verwandter der Königin von England 
stand, mit unverhohlenem Misstrauen zu. Allein sie hinderte
        <pb n="334" />
        die Colonisation nicht und der Verein hätte ein sehr gutes 
Privatgeschäft machen, seine Mitglieder hätten werthvollen 
Grundbesitz erwerben können, wenn der Vereinsleiter Aus 
dauer, Geschick und der Verein auch nur einige Opferwillig* 
keit gehabt hätte. 
Die Transport- und Ansiedelungskosten mussten die Co 
lonist en schon in Deutschland einzahlen. Sie waren so hoch 
angesetzt, dass man dafür sehr gut das Versprochene hätte 
halten können. Durch Ungeschick oder Betrügerei von Mittels 
personen hielt der Verein seine Versprechungen aber nicht. 
Es stellte sich heraus, dass dies Land, welches der Adels- 
verein unbesehen gekauft hatte, zu entfernt von der Küste 
lag, als dass es von den Einwanderern mit den bereit stehenden 
Mitteln von lo fl. per Kopf hätte erreicht werden können. 
Das ungeheure Terrain, welches der Verein sich hatte 
aufhängen lassen, ohne es zu besehen, wohin er, vollkommen 
gewissenlos über 8000 Deutsche verlocken wollte, liegt zwischen 
dem Llano- und Coloradoflusse, um den Schneidepunkt des 
99. Meridians und des 31. Breitegrades, in einer Höhe von 
800-2000 Fuss über dem Meere, ist ein unfruchtbares, dürres 
Hochplateau mit 20—32" Regenfall, hatte bis i860 weniger 
als 2 weisse Einwohner per Quadratmeile und in 99 Theilen 
von 100 auch 1870 nur diese dünne Bevölkerung; nur auf 
3 ganz kleinen Oasen besass es 1870 eine Bevölkerung 
von 2—6 Einwohner per Quadratmeile — Hirten und Jäger! 
Seine geringste Entfernung von der Küste beträgt über 
300 Meilen und gab es 1846 natürlich keinen Weg dorthin! 
Die Einwanderer haben es niemals erreicht. Ohne es zu 
kennen, suchten die Leiter der Colonisation aber es zu erreichen. 
Prinz Solms brach im März 1845 rnit etwas über 200 Mann 
von Indianola an der Küste, wo die schon im Jahre 1844 an- 
gelangte erste Truppe der Einwanderer in höchst ungesundem 
Fieberklima müssig und krank lag, nach Norden auf und 
erreichte eine schöne Gegend zwischen dem Guadeloupe- und 
Comalflusse, in der Mitte zwischen den Städten San Antonio 
und Austin. Hier fand er fruchtbaren, welligen, theilweise
        <pb n="335" />
        319 
bewaldeten Boden und gesundes Klima, aber kein unoccupirtes 
I-and! 
Er kaufte eine durchaus ungenügende Fläche und grün- 
6te hier die Stadt Neu-Braunfels. Anstatt der versprochenen 
6o oder gar 320 Acres Land erhielt jeder Einwanderer nur 
inen städtischen Bau- und Gartengrund! Anstatt einer Acker- 
baucolonie wurde unsinniger Weise eine Stadt in Mitten einer 
inöde, die zum Theil Urwald war und keine Wege nach 
Städten Austin und San Antonio besass, gegründet. Sie 
"musste über 200 Meilen weit von der Küste aus Jahre lang 
verproviantirt werden. Auf dem erkauften Acker wurden 
'^'artengemüse und etwas Mais gebaut. 
. Ler Prinz, anstatt mehr Land zu kaufen und einen ener- 
pschen Ackerbau anzufangen, begann eine militärische Spie- 
erei, erbaute eine Burg, Hess die Männer exerciren und Wache 
vor seinem Zelte stehen, zeigte sich in Uniform und mit Orden 
geschmückt und erregte somit den Argwohn der republika- 
»iischen Behörden von Texas in hohem Grade. 
Man hemmte, trotz dieser Misserfolge, den Nachschub von 
Deutschland nicht, und im Laufe des Jahres 1845 langten über 
00 Personen in Indianola an, Leute, die zur Colonisation 
”^eist in hohem Grade ungeeignet waren, pensionirte Officiere 
J^it ihren Damen, verarmte Adelige mit Familie, Sängerinnen, 
I Rentiers, sehr wenige Bauern und Handwerker, fast 
uter Leute, die an keine Arbeit gewöhnt waren und ihr 
leines Vermögen dem Verein anvertraut hatten. 
Als diese Nachschübe anlangten, verliess den Prinzen 
^o ms der Muth und er entfloh nach Deutschland, um nie 
oder in das Land seines verunglückten Experimentes zurück- 
zukehren. 
I Jotzt war kein Führer da und das Geld wurde auch knapp. 
^ ou-Braunfels herrschte Hunger, in Indianola Fieber, mehrere 
kosend Einwanderer starben elendiglich, da auch ein Arzt 
Und Medicin fehlte. 
Endlich wurde Dr. Schubbert, der schon länger in Texas 
go ebt hatte, zum Director ernannt, allein der Verein gab ihm • 
on Deutschland aus die verrücktesten Instructionen.
        <pb n="336" />
        320 
Trotzdem arbeitete er mit Energie und Einsicht. Er liess 
die Einwanderer am Guadeloupe aus Hütten und Zelten im 
ungesunden Urwalde in’s Freie schaffen und unterdrückte hier 
die Epidemie. Er baute ein Waisenhaus für die Hinterblie 
benen der umgekommenen Eltern. 
Die Instruction der deutschen Vereinsdirection ging aber 
nach wie vor dahin, nicht bei Neu - Braunfels geeignetes Land 
zu kaufen, sondern die Einwanderer unter allen Umständen 
auf den ungeeigneten und entfernten Vereinsbesitz zu be 
fördern. 
Diesem Befehl musste Schubbert gehorchen, und so führte er 
etwa fünfzig Familien noch etwa loo Meilen weiter nordwestlich, 
in die Richtung nach dem gelobten Hochplateau des Vereins 
hin und gründete hier die Stadt Friedrichsberg. Später ist 
dann am nördlichen Ufer des Llanoflusses, auf Vereinsboden, 
wirklich noch eine Stadt gegründet worden, die man nach 
einem Mitgliede des Vereins Leiningen nannte. Sie ist bis 
jetzt die einzige Stadt auf jenem Gebiet geblieben, dessen 
Eigenthumsrecht an den Staat Texas zurückfiel, weil der 
Verein die Erwerbsbedingung, Colonisation innerhalb einer 
gewissen Zeit, nicht erfüllte. 
Nun wurde Neu-Braunfels von der Küste aus. Friedrichs 
berg von Neu-Braunfels mit Lebensmitteln versorgt, bis nach 
einiger Zeit der Director die Lebensmittel nach letzterer Stadt 
von Austin kommen liess, nachdem es in Neu-Braunfels selbst 
weder Mais noch Schlachtvieh mehr gab. 
Die Bewohner beider Städte lebten von wenig Fleisch, 
Caffee, Spirituosen, Bohnen, Erbsen und Maismehl. Letzteres 
verdarb und erzeugte Scorbut. 
Zu jener Zeit befanden sich die Indianer im Kriege mit 
Texas und überfielen die Deutschen gelegentlich, tödteten 
Einige, verwundeten Mehrere und nahmen ihnen die Lebens 
mittel weg. Friede wurde erst ein Jahr nach der Gründung 
von Friedrichsberg mit ihnen geschlossen, ohne dass deshalb 
die Ueberfalle ganz aufhörten. 
Man besass in Friedrichsberg weder ein Schwein noch
        <pb n="337" />
        321 
ankam^n grosses Fest, als die ersten Zieger 
in Friedrichsberg erhielten das versprochene 
Auf ^ sondern nur Stadtbaugrund und Garten, 
sie gehörigen kleinen Ackerfelde bauten 
doch ^"^^same Arbeit unter Commando etwas Mais, 
Bedarf. Sie hatten keine Mahl- oder 
izH"'VF" 
sich kerne Entbehrungen gewöhnten Menschen, obschon 
Hessen n- “"""k^ische KauHeute in Friedrichsberg nieder- 
geld a 'T ''f kauften ihnen Lebensmittel nur gegen Baar- 
PanferriH a“ t ““ “eisten nicht, sondern nur das 
Halrlfa des Vereins, welches sie in Deutschland für ihr 
^ erein eingetauscht hatten und wogegen das 
den Friedrichsberg, trotzdem noch Geld vorhan- 
mon verhungert, wenn nicht der Zufall eine Mor- 
aus herbeigefuhrt hätte, welche sich auf ihrer Flucht 
mois nach Utah, das sie südlich durch Texas, Neu- 
Fri.r°/F suchten, einen halbjährigen Halt bei 
riednchsberg gemacht hätten. 
Vieh hatten Ackerbaugeräthe, Rind- 
lassn bei sich, gründeten eine provisorische Nieder- 
Und Schneidemühle, bauten Mais 
Schweine. Sie verkauften den Deutschen Bretter, 
sich f" Maismehl und Schweine, verproviantirten 
die P V eiterreise und brachen endlich auf, nachdem sie 
über richsberger, freilich gegen sehr thcuere Bezahlung, 
er die erste Noth hinweggeholfen hatten. 
Jahre 1847 löste sich der Adelsverein auf, die Vereins- 
2ijj Texas erklärte sich für insolvent, die Waarenmaga- 
, ^^rden geschlossen, das Papiergeld der Einwanderer 
rde total werthlos. 
uich/^^ zerstreuten sich die meisten Einwanderer, soweit sie 
Verkommen waren. Einige indessen blieben an allen drei 
21
        <pb n="338" />
        322 
0 
Orten. Das Jahr 1848 brachte politische Flüchtlinge, die sich 
bei ihnen ansiedelten, zum Theil eine eigene Colonie, Börne, 
gründeten. Sie fingen an, Land zu bebauen, als „Heimstätte“ 
oder um Geld zu erwerben und gelangten nach vielen schweren 
Jahren zu Wohlstand und sogar zum Theil zu Reichthum- 
Hätte der Verein, anstatt nach der Besiedelung des unbrauch 
baren Vereinslandes zu streben und für Gründung und Ver- 
proviantirung von Friedrichsberg und Leiningen sein Vermögen 
nutzlos zu vergeuden, bei Neu-Braunfels genügend Land ge 
kauft und Ackerbaucolonien, anstatt eine Stadt angelegt, so 
wäre er nicht insolvent geworden, hätte vielmehr noch ein 
recht gutes Geschäft machen können, denn damals war Land 
um wenige Dollars der Acre zu haben.
        <pb n="339" />
        XXII. Capitel. 
Reise durch Kansas. 
Kansas-City bis Manitu in Colorad, 
gestaltete steh tn befriedigendster Weise - lehrreich und an 
drei P™' Kansas wird von Osten nach Westen voi 
I Parallelbahnen durchschnitten, die in Atchinson und Kan 
■Uty am Missouri beginnen. Die südlichste davon ist di« 
der u Kü-Eisenbahn. Von Topeka 
son Kansas, laufen zwei Zweige nach Atchin 
bi, Von Topeka westlich führt die Bahn 
Emporia in südlicher Richtung, dann in wellenförmiger 
e am Arkansas entlang bis in Colorado hinein. Bei Las 
daö'"“sr®"‘^®‘ "“h Südwest und tritt nahe bei Trini- 
in ri ei"- Diesen Staat durchschneidet sie fast 
VerK-"^ j in der südwestlichen Ecke desselben 
bei p"i u"^ vollendeten mexicanischen Centralbahn 
bei n . südcalifornischen Bahn 
am li" den, bedeutendsten Eisenbahnknotenpunkte 
Und aus dem Norden, Osten, Süden 
chin zusammen. Dieses System steht durch die At- 
nson-, Topeka- und Santa Fe-Eisenbahn und durch diesüd- 
Verb'^a'^^ en Bahnen mit San Francisco in Verbindung. Diese 
Februar 1881 fertig geworden; bis 
die TT .man vom Osten der Felsengebirge nur durch 
^nd Central-Pacißc-Bahn über Omaha, Cheyenne 
^Os Dl nach den Pacificstaaten gelangen. Es war 
f^L ^ südlichen Linie nach San Francisco zu 
n und auf der nördlichen zurückzukehren, und dürften 
2V
        <pb n="340" />
        324 
wir die ersten Europäer sein, welche diese grosse Rundreise 
von ca. 4000 englischen Meilen machten. — 
Von La Junta in Colorado aus machten wir einen Ab 
stecher, um die herrliche Gebirgs- und Bergwerksgegend von 
Pueblo, Denver, Leadville, Antonito, Española und Santa Fe 
zu besehen. 
Auf der ganzen Reise von Kansas-City bis Demming waren 
wir die Gäste der Atchinson-, Topeka- und Santa Fe-Eisen- 
bahngesellschaft, welche uns auf den einzelnen Theilen der 
Strecke von solchen ihrer Beamten begleiten Hess, die das 
Land genau kennen. So sind wir der Reihe nach von den 
Herren Müntefering, Ott, zwei Deutschen, Capitän Shepperd 
und Oberst Haren begleitet worden und verdanken ihnen die 
werthvollsten Belehrungen. Sie machten uns mit hervorragen 
den Landleuten und Beamten bekannt und arrangirten Aus 
flüge in’s Land, die zu Pferd und zu Wagen unternommen 
wurden. Schon in Kansas-City wurden wir von Herrn Ott 
empfangen und in Topeka von den dort anwesenden Direc- 
tions-Mitgliedern als Gäste behandelt. Sie zeigten uns ihre 
Bureaux, stellten uns dem Gouverneur des Staates vor und 
führten uns in den Räumen der Ackerbau-Abtheilung der 
Staatsverwaltung herum, in deren Museum wir alle Producte 
des Ackerbaues von Kansas ausgestellt fanden. 
Der Gouverneur gab uns nicht nur Aufschlüsse über die 
Viehwanderung von Texas durch Kansas, sondern den anderen 
Herren auch Rathschläge für einige Jagdpartien, die späterhin 
benützt wurden. Er erzählte uns, dass es vor zehn Jahren 
noch Herden von mehreren tausend Büffeln in Kansas gab» 
dass sie aber jetzt schon vollkommen verschwunden seien. 
In der That hat die Besiedelung von Kansas in den 
letzten 16 Jahren ausserordentliche Fortschritte gemacht Dieser 
Staat empfiehlt sich durch guten Boden und hinreichenden 
Regenfall in seiner östlichen Hälfte und durch sein gemässigtes» 
doch noch warmes Klima. Die Winter sind hier milder und 
kürzer als in den mehr nach Norden gelegenen Ackerbau- 
Staaten, und doch gedeihen in Kansas alle jene Products, 
welche die fruchtbaren Weizenstaaten des Nordwestens von
        <pb n="341" />
        325 
Amerika hervorbringen. In Kansas Hegt die Grenze zwischen 
inter- und Sommerweizen. In den Staaten nördlich von 
Kansas baut man überwiegend Sommerweizen, da der Winter- 
Weizen durch Frost oft leidet, in den von Kansas südlich ge- 
Ggenen Staaten fast nur Winterweizen, in Kansas beide Arten, 
Och mehr W^inter- als Sommerweizen, was eben auf ein war- 
^es, wenn schon gemässigtes Klima schliessen lässt, wofür 
^uch die hier gedeihenden Früchte, das Obst, sprechen. 
Kansas-City liegt zwar in Missouri, seine eine Vorstadt 
^ er schon in Kansas und es ist die grosse Handelsstadt von 
Kansas, die demnächst noch bedeutender werden wird, da 
”ian soeben solche Getreidebarken, wie sie auf dem Mississippi 
etwa einem Jahre in Anwendung kommen, auch auf dem 
Missouri verwendet. Getreide wird nun aus Dakota, Nebraska, 
Jo.wa und Kansas den Missouri hinunter nach St. Louis am 
ississippi und endlich nach New-Orleans hinab transportirt 
Werden, wobei Kansas-City und St, Louis Hauptsammelplätze 
Werden. Auch hat man schon Elevatoren in Kansas-City, 
St. Paul in Minneapolis kostet der Transport per Bushel 
eizen nach England über die Häfen des atlantischen Oceans 
/ä Cents und den Mississippi hinab über New-Orleans nur 
CK’ Dies im Mai i88i. Diese Stadt ist ferner, nach 
nicago und vielleicht Cincinnati, der grösste Fleisch- und 
lehmarkt in Amerika. 
Es ist merkwürdig, wie die Hauptmärkte für Ackerbau- 
producte, je mehr die Eisenbahn- und Wassercommunications- 
^ttel vervollkommnet werden, umsomehr von Osten nach 
csten, in die eigentlichen Productionsstaaten, sich verschieben, 
äum ist die Atchinson-, Topeka- und Santa Fe-Eisenbahn 
ergestel’.t, kaum haben Colorado und Neu - Mexico Eisen- 
ahn - Verbindung mit dem Osten von Amerika und dadurch 
^it Europa und seinem stets hungerigen Fleischmarkte erhalten, 
® denkt man auch schon daran, das Fettvieh dieser Staaten 
^ Ort und Stelle in leichter transportable Fleischwaare zu 
. ^^Wandeln. Zu dem Zwecke soll ein grosses Schlachthaus 
S^ndwo an der Atchinson-, Topeka- und Santa Fe-Bahn in 
(florado erbaut werden. Da man jetzt ohne Eis jeden Kälte-
        <pb n="342" />
        grad billig hersteilen kann, wird sich das Unternehmen wohl 
bewähren. 
Uebrigens wird mittelst der neuen Bahn auch lebendiges 
Vieh zahlreicher auf die östlichen Märkte kommen als bisher. 
Man hat neuerlich die Viehtransportwaggons erheblich ver 
bessert, so dass das Vieh im Waggon gefüttert und getränkt 
werden kann, ohne dass der Wärter den Waggon betritt. 
Seit der Viehtransport nach dem Osten in Folge der be 
deutenden Ausfuhr von lebendigem Schlachtvieh solch unge 
heure Dimensionen angenommen hat, war die Verbesserung 
der Transportgelegenheit zur Nothwendigkeit geworden, denn 
nach dem bisherigen Systeme der primitiven Viehtransporte 
betrug der Verlust auf einer Strecke von 900 Meilen ii bis 
15 Percent, im heissen Sommer oft noch mehr. Der Kitsee’sche 
Viehwagen hat die „shrinkage“ auf ein Minimum reducirt, in^ 
Gegentheile, das Vieh wird bequem transpoftirt, erhält unter 
wegs reichlich Futter und Wasser und kann bei der Ankunft 
sofort verkauft werden, während es früher mehrere Tage Zeit 
brauchte, um sich von den Strapazen der Reise zu erholen. 
Der Kitsee’sche Viehwagen ist 34 Fuss lang und mit 20 diago 
nalen Ställen versehen, in denen sich die Rinder bequem lagern 
können. Jeder Stall hat seinen Futtertrog, der durch eine 
einfache mechanische Vorrichtung mit 5 Quart Futter (meistens 
Mais) und 8 Quart Wasser aus über dem Wagen angebrachten 
Behältern versehen wird. Der Wagen machte eine Probefahrt 
von Cincinnati nach New-York mit 27 Rindern, war vom 
Freitag bis zum Montag unterwegs und lieferte seine lebende 
Fracht unversehrt in der dortigen „Union Stock Yard“ nb- 
Das „American Institute“ ernannte ein Comité von Sachver 
ständigen, welches einen sehr günstigen Bericht über die Ein 
richtung erstattete. 
Auch für Fischtransport sind besondere Wagen construirt 
worden. Professor Baird von der Bundes-Fischzuchtcommission 
hat Pläne für den Bau eines Aquariumwaggons entworfen, der 
von der Regierung gebaut und zum Transporte von Fischen 
benützt werden soll. Dieser Waggon wurde gleich nach seiner 
Vollendung mit einer Million jungen Shads nach Californien
        <pb n="343" />
        327 
geschickt. 100.000 gestreifte Barsche wurden um dieselbe 
Zeit nach Californien gebracht. Professor Baird hatte die Ab- 
^cht, im Herbste i88i etwa eine Million Lachseier im Green 
iver, einem Nebenflüsse des Columbiaflusses, auszusetzen, 
Und zwar sollten zu diesem Zwecke Eier von californischen 
uchsen genommen werden. Die Fischcommissäre von Cali 
fornien sind mit dem Acclimatisiren von Weissfischen aus dem 
ichigan-See beschäftigt. Es ist dieses ein schmackhafter Fisch, 
Ulan glaubt aber nicht, dass er in Californien so gut fortkom- 
"len wird wie der Shad oder Lachs. 
Auf der Atschinson- und Topeka - Eisenbahn trafen wir 
^uch besonders für Einwanderer eingerichtete Eisenbahn- 
^aggons. Einwanderer werden bekanntlich billiger trans- 
Portirt als andere Passagiere. Es sind die Waggons nun sehr ein- 
ach, aber zweckmässig so eingerichtet, dass sie Nachts in 
^chlafwaggons verwandelt werden, in denen die Immigranten 
fast so bequem ruhen, wie wir in den Pullman-Cars. 
Von Kansas-City fuhren wir nach Topeka, einer weit- 
laufig gebauten Stadt, aus Landhäusern der Behörden der 
Staatsregierung und der Eisenbahndirektion bestehend. Wir 
Urchfuhren, wie auch schon von der Grenze des Indianer- 
erritoriums bis Kansas-City, ein sorgfältig angebautes Land 
^on grosser Fruchtbarkeit. Zunächst freilich kommt man 
'iurch einige Wälder am Ufer des Kansasflusses. Allein bald 
Erreicht man einen fast nicht mehr unterbrochenen Ackerbau- 
^istrict. Der thonige Untergrund ist in wechselnder Tiefe von 
flanzenresten schwarz gefärbt, hat dabei etwas Sandzusatz 
^ttd ist nicht oder doch an den meisten Stellen nicht schwer 
^u bearbeiten, obschon stellenweise der Lehmgehalt ^klumpen- 
tldend“,. wirkt. Weizen, Hafer, Mais, Sorghum, Kartoffeln 
Sahen wir in grosser Ueppigkeit, und dazwischen boten Weiden, 
^on saftigem und etwa acht bis zehn Zoll hohem, blauem 
rase bedeckt, schönem, hochgradigen Rindvieh oder recht 
ßuten Pferden überreiche Nahrung. Dieser Boden bedarf 
f^ur des Regens, um so fruchtbar zu sein, wie höchstens die 
ff^nna nördlich der Alpen ist. 
Dies ist sehr natürlich: besseren Boden gibt es in diesem
        <pb n="344" />
        328 
Theile Europas nicht und das Klima ist hier in Kansas wärmer, 
der Winter kürzer als daselbst. Die Wärme aber befördert 
den Pflanzenwuchs, wenn genügende Feuchtigkeit vorhanden 
ist. Nordöstlich von der Strecke, welche wir durchfuhren, ist 
eine Weingegend. Wir haben sie leider nicht besuchen können. 
Der hier gebaute Wein ist gewürzig und sehr stark, fast wie 
der texanische, und scheint mir der Cultur zu bedürfen, um 
dann etwa neben ungarischem oder gewissen spanischen Weinen 
sich präsentiren zu können. Doch hat die mit ihm von uns 
gemachte Probe uns zu einem Urtheile nicht befähigt. 
Die Ackerbauregion von Kansas reicht westlich etwa bis 
Dodge-City, von da ab beginnt eine Prairie, die, ohne künst 
liche Bewässerung, nur zur Weide zu benützen ist und gegen 
Colorado hin einen entschiedenen Steppencharakter annimmt, 
trocken, fast verbrannt aussieht. 
Von der Station Newton führt eine Zweigbahn südlich an 
den Arkansasfluss bis Arkansas-City, soll aber demnächst im 
Arkansasthale bis Van Buren verlängert werden. Von da ab 
existirt schon eine Bahn bis Memphis am Mississippi. Auch 
über diese Bahn wird Californien mit New-Orleans in Ver 
bindung kommen und wird Getreide aus Kansas diesem Hafen 
zugeführt werden. 
Von Newton aus, einer Stadt, die noch mitten in einem für 
Ackerbau trefflich geeigneten Gebiete liegt, das aber noch vielen 
als Weide benützten Prairieboden besitzt, fuhren wir in Wagen 
zwei Tage hindurch in einem Kreise von circa 90 englischen 
Meilen Umfang, nördlich der Bahn, durch das Land, um An 
siedlungen kleiner Farmer und eine grosse Besitzung, Cranes 
Ranche, zu besehen. Die Herren Ott und Müntefering be 
gleiteten uns. 
Vor acht Jahren stand auf der leise wellenförmigen Prairie 
weder ein Haus, noch ein Baum. Jetzt ist wohl der sechste 
Th eil derselben schon unter dem Pfluge. Die Farmen sind 
alle klein, 40, 80, 160, 200, 320 Acres im Maximum. h)s 
ist durchschnittlich anzunehmen, dass jede Farm von der 
Familie des Farmers allein bewirthschaftet wird, ohne alle 
Lohnarbeiter, obschon solche auf grösseren Farmen, nament-
        <pb n="345" />
        329 
ich in der Ernte, willkommen sind. Grössere Farmer haben 
^ohl auch einen Knecht und eine Magd, allein die meisten 
armer wirthschaften ohne Lohnarbeiter. 
Der landwirthschaftliche Anbau der Prairie hat eine höchst 
a ende Wirkung gehabt: es regnet seither mehr und der 
o en wird deshalb fruchtbarer. Die Ackerbauregion schreitet 
om Mississippi langsam und stetig nach Westen vor und hat 
jetzt schon einen grossen Theil jener Fläche ergriffen, die vor 
5 Jahren als Theil der „grossen amerikanischen Wüste“ be- 
annt war. Eine Wüste giebt es nun zwischen Mississippi 
^nd Felsengebirge überhaupt nicht mehr, wie wir uns auf 
leser Reise überzeugten. Selbst das wenigst werthvolle Land 
aselbst ist Viehweide, und sie selbst kann in Acker ver 
wandelt werden, weil die künstliche Bewässerung auf grosse 
Strecken möglich ist. 
Sturme hausen verderblich auf dieser grossen Prairie, im 
Ommer Hagel, im Winter Schnee mit sich führend. Die ein- 
&gt;ge Schutzwehr hiergegen sind Bäume, welche die Kraft der 
urme brechen. Die Farmer sind also schon durch ihr eigenes 
nteresse darauf hingewiesen, Bäume zu pflanzen, und ausser- 
em hat die Regierung Maassregeln getroffen, welche diese 
np anzungen befördern. Bei der grossen Fruchtbarkeit des 
odens wachsen Bäume sehr schnell und pflanzt man zunächst 
ei”^ ^°“°"wood genannt, die in 4 bis 6 Jahren 
erreichen, nördlich vom Gehöfte und 
Und Grenzen des Ackers. Je weiter die Ansiedelungen 
d damit die Baumpflanzungen Vordringen, desto weiter dringt 
'*^^due , saftige Gras vor und unterdrückt das kurze, 
graue Buffalo-Gras. Dies ist eine der merkwürdigsten 
Granderungen in der Physiognomie der Gegend, 
p N^ch der Zahl der Bäume kann man den Charakter des 
0 niers beurtheilen. Die Amerikaner, welche aus Illinois, 
^ *0, den Neu-England-Staaten hierhergezogen sind, um auf 
^ ^dchtbaren Prairieboden schnell durch Anbau von Weizen 
ne Fruchtwechsel und Düngung Geld zu machen, stellen ein 
S h ^dbrik gekauftes Holzhaus, einen elenden hölzernen 
dppen für das Vieh, einen besseren für die zahlreichen
        <pb n="346" />
        330 
Ackerbaumaschinen und einen Brunnen her, pflanzen aber 
selten Bäume und legen fast nie Gärten an. Die Deutschen 
bauen sich dauerhaftere Häuser, solidere Ställe und pflanzen 
Bäume an. Die Böhmen stehen zwischen den beiden genannten 
Farmerracen. Sie bestellen den Acker sehr gut, ihre Woh 
nung aber ist elend und die Bäume werden vernachlässigt- 
Wir kamen zunächst bei amerikanischen Farmen vorbei, die 
recht gutes Getreide trugen und auf denen Pferde und Ma 
schinen vorzüglich waren; Bäume indess fehlten fast gänzlich, 
auch war der Acker meist nicht rein von Unkraut. Dann 
gelangten wir zu den Ansiedelungen der Mennoniten und damit 
zu den besten Farmen, die es in Kansas giebt. 
Als vor ca. sechs bis acht Jahren die russische Regierung 
jene Privilegien zurückzog, welche sie deutschen Mennoniten 
bei ihrer Ansiedlung in Russland ertheilt hatte, entschloss sich 
eine grosse Anzahl derselben nach Amerika auszuwandern, 
wo es schon eine grosse mennonitische, reiche Ackerbauer 
gemeinde in Pennsylvanien gab. So entstanden hier von 1875/7 
ab Mennoniten-Niederlassungen in Canada, Dakota, Nebraska 
und Kansas. Diejenige, welche in letzterem Lande sich etablirte 
und die sich jährlich durch Zuzug vergrössert, besuchten wir- 
Ihr gehörten ca. 90.000 Acres des fruchtbarsten Bodens, 
sie von der Atchinson-, Topeka- und Santa Fe-Eisenbahn 
Compagnie gekauft hat. Für die zuerst gekauften Ländereien 
des trefflichen schwarzen Lehmbodens zahlten sie nur 3 Va Dollars 
per Acre bei sechsjähriger Zahlungsfrist und Verzinsung 
Restkaufgelder. Später gekaufte Aecker wurden theurer be 
zahlt. Sie liehen, als Gemeinschaft, Geld von ihren Glaubens 
genossen in Pennsylvanien, welches sie jetzt schon fast ganz zu 
rückgezahlt haben, obschon das Jahr 1879/80, wegen Dürre, ein 
Missjahr war. Wir machten Mittagsstation bei einem menno 
nitischen Schullehrer, Richard mit Namen, Vater von vierzehn 
Kindern, der vor sechs Jahren eingewandert war, nur 600 Dollars 
besass, 1300 Dollars Schulden für Landkauf und InvestirungeO 
machte und jetzt nur noch 150 Dollars Schulden, aber 200 Acres 
Land, fünf Pferde, ein halbes Dutzend Kühe, Fohlen, Kälber 
und treffliche Schweine von englischem Blute besass.
        <pb n="347" />
        33: 
Wir besuchten am folgenden Tage einen Bischof der Ge 
meinde, der indess auch nur ein Farmer war, aber 400 Acres 
besass. Er hatte seinen ganzen Besitz mit einer lebendigen 
Hecke des dornigen Osage-Orangestrauches eingehegt, der 
bier meist zur Heckenbildung benützt wird. Nördlich des Ge 
höftes hatte er ein grosses Stück Land mit Cottonwoodbäumen 
Gingehegt, die das Gehöft auch nach den anderen Seiten hin 
Umgaben und es nach der Strasse versteckend abschlossen. 
Im Schutze dieser Bäume, die schnell wachsen, waren Hunderte 
Von Pfirsich-, Aepfel- und Kirschbäumen, sowie Maulbeer- und 
Stachelbeersträuche gepflanzt und der Zwischenraum war zum 
Ilau von Melonen, Kohl, Kartoffeln und dergleichen benützt. 
Er baute soeben einen geräumigen Viehstall für alle seine 
Eferde und Rinder, weil er sagte, sie litten im Winter doch 
schlechten Ställen und brauchten, gut gestallt, weniger 
Putter. Die Ecken des Stalles wurden aus Sandstein gebaut, 
^Gr in der Nähe gebrochen wird, und die Wände ein und 
Ginen halben Fuss dick aus mit Stroh zusammengetretener 
Ghmiger Erde. Ein solcher Stall, wie ihn die Mennoniten all- 
RGmein bauen, ist kühl im Sommer, warm im Winter. Arme 
Mennoniten bauen sehr einfache Häuser und Ställe aus Rasen 
:Igs Prairiebodens, den sie wie Ziegel im Verband überein- 
^nderlegen. Nur die Thür- und Fensterfullungen werden ein 
gesetzt. Diese Wohnungen sind immer noch viel besser als 
Jene amerikanischer Farmer, die sich entweder an einem Hügel 
^me Höhle graben oder ein mit Erde oder Stroh bedecktes 
ach einfach auf den Boden der Prairie stellen und so eine 
ohnung schaffen, in der man nicht aufrecht stehen kann. 
*r sahen sehr viele solcher Wohnungen von Amerikanern, 
^ie eben nur Geld genug zum Ankäufe von Vieh und Maschinen 
^:g Homestead gehabt hatten. Den Acker düngte unser 
::^Gnnonitischer Bischof schon theilweise und hatte ausgezeich- 
nGten Weizen und Hafer darauf. Ein Engländer, Mr. Harrison, 
^Gr die Gegend genau kennt, sagte uns, dass die Deutschen 
Hansas wegen ihrer sorgfältigen Bodenbearbeitung durch 
schnittlich 30 bis 35 Bushel Weizen, die Amerikaner nur circa 
^5 Bushel per Acre ernteten.
        <pb n="348" />
        332 
Am Abend des 7. Juni erreichten wir Cranes-Ranche, die 
10.000 Acres grosse Besitzung des Banquiers Mr. Crane in 
Chicago, wovon 6000 Acres eingezäunt sind. Dieser Herr 
hat hier eine Shorthorn-Stammheerde von 400 Haupt Rindvieh 
vor dem Krach des Jahres 1873 angeschafft, die ihn viel Geld 
kostet und sich, wie mir scheint, nicht auszahlt. Er kauft zu 
diesen Thieren hinzu noch Mager- und Jungvieh, das er fett 
weidet und dann verkauft. Um Futter zu gewinnen, hat er 
1400 Acres unter den Pflug gebracht, wovon 650 mit Mais, 
300 mit Weizen, 200 mit Hafer, 200 mit Flachs, der Rest mit 
rothem Klee und anderen edlen Futtergräsern bestellt sind. 
Auch eine Stammheerde englischer Schweine wird hier ge 
zogen, die jung mit 10 bis 20 Dollars per Stück verkäuflich 
sind. Vollblutstiere und Fersen von anderthalb Jahren kosten 
angeblich 150 Dollars im Durchschnitt (?). Der Transport 
einer Waggonladung fetter Ochsen nach . Chicago kostet 
95 Dollars. Mir scheint, dass die Farmer in den Mittelstaaten, 
wo sich die gewöhnliche Viehzucht schon kaum noch rentirt 
und man Stammheerden in Masse hat, dieser Ranche eine zu 
grosse Concurrenz machen, die zu kostspielig angelegt wurde. 
Mr. Crane kaufte viel theure Thiere in England, so 20 Kühe, 
die zusammen 42.400 Dollars kosteten. Es war ein herrlicher 
Anblick, den wir am folgenden Morgen genossen, als der 
Verwalter der Farm und der Sohn des Mr. Crane uns die auf 
der umzäunten Prairie frei weidenden Kühe — die Stiere 
werden jahrein jahraus im Stall gefüttert — zeigten. Ks 
mochten 250 Stück Vieh sein, welche die auf Blutpierden treff 
lich berittenen Herren gegen unsere Wagen trieben, und waren 
ganz ausgezeichnet schöne Exemplare darunter. Eine so 
grosse Heerde von durchweg Vollblutzuchtkühen kann man 
vielleicht nirgends in der Welt wieder sehen. Die Zucht ist 
ohne Zweifel gut, aber sie hat zu viel Capital gekostet. Man 
denke nur, wie theuer hier der 40 englische Meilen lange 
Holzzaun wurde, wozu die Bretter alle vom Mississippi ge* 
bracht werden mussten! 
Am 8. Juni fuhren wir viele Meilen über eine welleniöf' 
mige, vollkommen bäum- und anbaulose Prairie, über 70.000
        <pb n="349" />
        333 
Acres, die ein in London wohnender Engländer vor mehr als 
einem Jahrzehnte höchst billig gekauft hat und nun liegen 
iässt, bis die Nachbarschaft angebaut und dadurch der Preis 
dieser Prairie hoch gestiegen sein wird. Wir genossen hier 
zum ersten Male den Anblick der Prairie, wie sie viele tau 
send Jahre gewesen ist; freilich ohne ihre damaligen Bewohner, 
denn Büffel und Antilope waren gegangen — nebst ihren 
ehemaligen Feinden, den Indianern. So weit das Auge reichte, 
sah man nach allen Seiten denselben graugrünen, undulirenden 
Prairieboden und darüber den tiefblauen Himmel. Das Gefühl 
tiefer Einsamkeit überkam uns und schweigend fuhren wir in 
scharfem Trabe durch die unabsehbare Wiese, die jedoch 
auch schon von der „Cultur beleckt“ war, denn das blaue 
Gras unterdrückte sichtlich das ursprüngliche Büffelgras. 
Der in London lebende Besitzer dieser Prairie trefflichen 
^eizenbodens kümmert sich gar nicht darum, lässt durch eine 
ßank jährlich die sehr geringe Abgabe dafür zahlen und wartet, 
^an sagt, das Land koste ihn etwa 20.000 Dollars und ist 
heute schon mehr als 5 Dollars per Acre werth. Die Eng 
änder gehen in alle Länder, sehen ihre Gelegenheit ab und 
profitiren, verzehren den Gewinn aber in Old-England. Sie 
^vestiren in diesen Staaten sehr grosse Summen, und die 
peculation erweist sich gut In Colorado trafen wir aber- 
tiials auf englische Unternehmungen, die sich vortheilhaft — 
Selbst wenn sie die Form der Actiengesellschaft annehmen — 
^on ähnlichen amerikanischen und holländischen, die wir 
Gnnen lernten, unterschieden. Letztere gleichen den be 
tonten französischen ,,Gründungen“, bei denen das wirth- 
Schaftliche Unternehmen nur den Vorwand für eine gemeine 
Agio-Schwindelei bietet und die deshalb regelmässig zu Grunde 
S^hen. Diese Gründer treiben sofort die Actien in die Höhe, 
Vermehren ihre Zahl, vertheilen hohe Dividenden, bevor das 
^irthschaftliche Unternehmen irgend einen Ertrag gebracht 
then kann, und finden immer wieder Narren, die ihnen die 
Actien abkaufen, die, wie Delbrück sagte, „ihr Geld los sein 
Sollen“. Die englischen Actiengesellschaften, z. B. für Be 
wässerung in Colorado, warteten mit der Dividende, bis Wei-
        <pb n="350" />
        334 
zen auf dem berieselten Acker wuchs und verkauft wurde. 
Sie sind meist keine Schwindler. 
Wir lernten einen anderen reichen Engländer, Mr. Harrison, 
kennen, der südöstlich von Ellinwood ca. 7000 Acres, näm 
lich 11 Quadratmeilen Prairie von der Bahngesellschaft zu 
4.44 Dollars baar per Acre gekauft hat. Er theilte von diesem 
Lande 20 Farmen à 160 Acres ab, baute auf jeder ein Haus, 
einen Stall und grub einen Brunnen, riss auf jeder 120 Acres 
um und verpachtete nun die eingerichteten Farmen an capital- 
arme Ansiedler um den dritten Theil der Ernte an Getreide. 
Von Kartoffeln, Gemüsen und Vieh beansprucht er nichts. 
Ist ein Ansiedler so arm, dass er kein Saatgut kaufen kann, 
so liefert ihm Mr. Harrison dies auch, nimmt aber dann den 
halben Körnerertrag. Er besitzt alle Art landwirthschaftlicher 
Maschinen und leiht sie gegen mässige Zahlung den Farmern, 
namentlich Mähe- und Dreschmaschinen. Beim Drusch holt 
er seinen Kornantheil im eigenen Fuhrwerk ab und führt ihn 
in seinen Speicher, den er auf jenem Lande erbaut hat, das 
er nicht in Farmen theilte und auf dem er nur Vieh weidet 
und mit dem Mais, den ihm die Pächter liefern, mästet. Nach 
seiner Angabe trägt sein Capital zehn bis zwölf Percent und 
der Grundwerth wird sich in zehn Jahren verfänftfacht haben, 
hat sich jetzt — nach zwei Jahren — schon verdoppelt. Haus, 
Stall und Brunnen kosteten durchschnittlich 420 Dollars per Farm, 
das Umbrechen der Prairie 2 Dollars per Acre. Bei Baar- 
zahlung stellt sich also eine Farm mit jenen Baulichkeiten 
und 120 Acres gebrochener Prairie auf 720 Dollars Ankauf 
_|_ 420 Dollars Baukosten -|- 240 Dollars Pflügekosten == 
1340 Dollars. Ein neuer Ansiedler muss dazu noch Pferde, 
Kühe, Schweine, Saatgetreide und Lebensmittel für ein Jahr 
kaufen. Der Landpreis kann zwar zum Theil gestundet werden, 
aber nur gegen verhältnissmässig hohe Zinsen, und das Wohn 
haus wird selten so comfortabel hergestellt, wie es Mr. Harrison 
that, um „respectable“ Pächter anzuziehen. Man wird diese 
Speculation des Engländers sehr gescheidt finden. Er er 
leichtert dem fleissigen Pächter die Capitalbildung und ist
        <pb n="351" />
        335 
gern bereit, ihm die Farm nach fünf bis zehn Jahren zu ver 
kaufen, natürlich um 25 oder mehr Dollars per Acre. 
Als wir die unendliche Prairie von 70.000 Acres durch 
schritten hatten, gelangten wir nach der an einer Bahnstation 
entstehenden Stadt Hilsborough, die erst ein Jahr alt war, aber 
Schon an 500 Einwohner hatte. Von da fuhren wir nach der 
Mennoniten-Niederlassung Gnadenau, wo wir eben jenen Bischof 
besuchten und bei ihm zu Mittag speisten; einfach, aber aus 
gezeichnet, gerade wie schon Tags zuvor bei dem Schullehrer. 
Auf unserer ganzen Reise haben wir keine so gute Butter 
bekommen als auf diesen beiden Farmen. Dazu delicaten ge- 
Speck, der auf russische Manier halb geräuchert war, 
und vorzügliches Schwarzbrod. Von hier aus besuchten wir 
noch einen anderen Mennoniten, der schon ein Jahr in Manitoba 
gewohnt hatte, aber hierher gezogen war, da ihm dort der 
Winter zu rauh war. Er lobte zwar die Fruchtbarkeit Mani 
tobas, doch sei in Kansas das Leben angenehmer und leichter. 
• Unsere Besuche bei den Mennoniten fielen auf den zweiten 
Und dritten Pfingsttag. Den zweiten feierten sie, am dritten 
begann die Arbeit, aber an beiden Tagen trafen wir hie und 
tia. Besuch zahlreicher Nachbarn. Es war sogar eine Anzahl 
»Brüder“ aus Pennsylvanien auf einer Rundreise bei diesen 
Glaubensgenossen begriffen. Wir trafen dieselben aber nicht 
ßeim Herrn Richard kamen wir mit 15 bis 20 Familien aus 
fieser Colonie zusammen. Alle machten den Eindruck grosser 
olidität, Tüchtigkeit und Wohlhabenheit. Die Frauen zeich- 
Uoten sich durch die Einfachheit ihrer Kleidung und den bienen- 
juässigen Fleiss in der Haushaltung vortheilhaft vor den Ameri 
kanerinnen auf anderen Farmen aus. Die Tafelwäsche war 
^6rb, aber schneeweiss, die weissen Decken der himmelhohen 
utten waren mit weissem Zwirn äusserst mühevoll und reich 
gestickt. Diese Arbeit muss Zeit und Augen kosten! Dieses 
ein ausgezeichneter Bauernschlag, den Europa von sich 
^tösst, Amerika aber gastlich hegt und pflegt. 
Unterwegs sahen wir neben einer amerikanischen Farm 
eine einfache Syrupfabrik: eine eiserne Presse, die, ohne Dach, 
Freien stand, zum Pressen von Sorghum- und Maisstengeln,
        <pb n="352" />
        336 
und eine trogartige Blechpfanne unter einem Schuppen, zum 
Verdicken des Saftes. An der Bahn ist eine Fabrik gegründet, 
in der solcher Syrup in gelben, körnigen Rohzucker verwan 
delt wird. Wir sahen diesen in einem Laden von Hilsborough. 
Er kostet 10 Cents per Ib. im Detailhandel, ebensolcher Rohr 
zucker la'/a Cents. Die Farmer verbrauchen viel solchen 
Syrup, den sie sich selbst bereiten, und solchen Zucker. 
Keine Steuer genirt sie bei Erzeugung dieses so werthvollen 
Nebenproductes. Zu einer solchen Presse und Pfanne bringen 
die Farmer meilenweit ihre Sorghumstengel und benützen die 
selben gegen eine geringe Vergütung an den Besitzer. Ueb» 
rigens kann die ganze Anlage nur 150 bis 200 Dollars kosten. 
In Südungarn würde es den Bauern leicht sein, aus Sorghum 
und Mais Syrup zu machen, ihn an Zuckerfabriken zu ver 
kaufen und eine schöne Einnahme daraus zu lösen. Die Ab 
gänge würden als Viehfutter dem Lande zugute kommen, aber 
— — der Steuerfiscus duldet solche kleine Anlagen nicht, 
welche die Finanzwache nicht würde controliren können. So 
erstickt die Steuer in Europa die Production, welche sich in 
Amerika frei entfalten darf. Es gibt hier keine Zuckersteuer, 
nur Zoll auf importirten Zucker. Aehnlich begünstigt ist der 
Schweizer Bauer, der keine Brennsteuer zahlt. Deshalb sieht 
man neben manchem Alpenhause einen kleinen Brennapparat 
für ein paar hundert Francs, in dem der Bauer Kirsch- und 
Branntwein nur desshalb macht, weil er erstens seinen Haus 
bedarf daran decken, zweitens die Schlempe für seine Kühe 
gewinnen will. Bei uns sind diese beiden landwirthschaftlichen 
Nebengewerbe dem kleinen Grundbesitzer unmöglich gemacht. 
Dafür aber haben wir auch kein Homestead- und Exemptions- 
gesetz! Wer wundert sich, dass bei uns der Bauer vergeht, 
dass er hier entsteht? 
Da die Bereitung von Zucker aus Sorghum vielleicht doch 
eine Zukunft hat, kann ich zweckmässig hier einige Details 
über die neuesten Erfahrungen mit derselben aus dem Jahre 188^ 
einschalten, wobei ich nicht unterlassen will, hervorzuheben, 
dass der damalige Ackerbaucommissär der Union, Herr Le Duc, 
dem wir so manche Belehrung verdanken, sich das grösste
        <pb n="353" />
        337 
Verdienst um die Sorghum-Production und um die Herstellung 
Von Sorghum-Zucker erworben hat. Das Folgende ist im 
Jahre 1882 Herbst festgestellt worden. 
Nach langen, schier endlosen und fast aufgegebenen Ver 
suchen, aus dem Saft des chinesischen Zuckerrohres krystalli- 
sirten Zucker und guten Syrup von reinem Geschmack her- 
ustellen, ist diese Aufgabe jetzt von den früher an der Staats- 
e werbe - Universität von Illinois, in Champaign, angestellt 
gewesenen Professoren H. A. Weber und M. A. Scoville 
^genscheinlich zufriedenstellend und sicher gelöst worden. 
. ^ nicht nur ein Krfolg von theoretischen Versuchen 
Ul Laboratorium vor, sondern ein in ziemlich umfangreichem 
abrikmássigen Betriebe erlangtes sicheres practisches Krgebniss. 
Sorghum gehört zur Familie der Gramineen und ist eine 
irseartige Halmpflanze, von deren vielen Abarten das Sorghum 
sacharatum einen sehr zuckerhaltigen Saft besitzt. Es ist eine 
einjährige Pflanze, mit 3 Fuss langen und über 2 Zoll breiten, 
P (l^n Mittelnerv hin weissen Blättern und dicht gedrängtem 
olüthenstand, und wird bis zu 15 Fuss hoch. 
Die Sorghumpflanze wurde zuerst vor ungefähr vierzig 
Jahren aus China, wo sie in erheblichem Mass seit Jahr- 
^usenden angebaut wird, nach den Vereinigten Staaten gebracht 
|iud da sie sich, und ebenso einige aus Süd - Afrika einge- 
u rte Arten derselben hamilie schnell acclimatisirte und fast 
^u jedem Boden und jeder Breite wohl gedieh, in denen Mais 
Ortkommt, so hegte man damals grosse Hoffnung, dass ihr 
nbau die Vereinigten Staaten in den Stand setzen würde, 
. Zucker, den sie brauchen, selbst zu erzeugen, und die 
iGsigen Summen, welche jetzt an das zuckerproducirende 
-Ausland bezahlt werden, im Lande zu behalten. 
Was jetzt sich zu erfüllen im Begriff steht, erwies sich 
^•nials als verfrüht. Fast jeder Farmer Hess sich von dem 
l'om Patentamt freigebig verschenkten Samen kommen, und 
Stellte ein kleines Stück seines Landes mit Sorghum. Und 
K^dieh prächtig, gab eine Menge süssen Saftes und zahl- 
entstanden kleine Zuckermühlen, in denen die Farmer 
!■ Sorghum gemeinschaftlich auspressten, und aus dem Saft 
22
        <pb n="354" />
        338 
Zucker herzustellen versuchten. Leider blieb es bei den Ver 
suchen. Wenn auch hie und da einmal sich aus dem herge- 
stellten Syrup Zucker in krystallisirter Form ausschied, so 
geschah das so selten und in so winzigem Massstabe, dass 
höchstens der Beweis geliefert wurde, es sei krystallisirter 
Zucker im Sorghumsaft vorhanden, aber das Mittel, die Kry- 
stallisirung herbeizuführen, blieb unentdeckt. Dazu kam, d^ 
der verdickte Saft auch nach der Reinigung bei aller Süssig* 
keit einen unangenehm ranzigen Geschmack von so besonderer 
Eigenthümlichkeit beibehielt, dass man dafür die besondere 
Bezeichnung „Sorghum Twang" erfand. 
In Folge davon erkaltete das Interesse, das die ackerbau 
treibende Bevölkerung am Sorghum genommen, sehr schnell- 
Nur einige Leute, die es vermochten, sich über den unange 
nehmen Geschmack hinwegzusetzen, und das billige Mittel 
zum Süssen nicht entbehren wollten, bauten noch genügend 
für den Hausbedarf. Und einige intelligente Leute fuhren 
fort, mit der Pflanze zu experimentiren und es gelang ihnen, 
durch Kreuzung der Arten Sorghumpflanzen zu ziehen, die 
sich nicht nur von jeder andern Art durch Zuckerreichthum 
auszeichnen, sondern auch den besonderen Vorzug haben, 
sehr schnell zu reifen, weshalb man ihnen die Namen „Early 
Amber“ und „Early Orange“ beilegte. Aber von einem Anbau 
und einer Syrupfabrikation für den Verkauf war keine Red^ 
mehr. 
Dem früheren Ackerbau-Commissar, Herrn Le Duc, g®' 
bührt, wie gesagt, das Verdienst, zu den jetzt mit Erfolg gekrönten 
Versuchen, aus dem Sorghum-Safte krystallisirten Zucker her 
zustellen, den Anstoss gegeben zu haben. Auf seine An 
Ordnung hin unternahm der Professor Collyer eingehende Ver 
suche, welche über jeden Zweifel feststellten, dass der Sa ^ 
krystallisirten Zucker in grosser Menge enthalte. P'ast zU 
gleicher Zeit kam aus Minnesota die Nachricht, dass es einig^^ 
Sorghum - Pflanzern dort unerwarteter Weise gelungen sei, 
einen grossen Theil des im Safte enthaltenen Zuckers in kry 
stallisirter Form abzuscheiden. 
vnn Neuem das schlummernde Interesse
        <pb n="355" />
        339 
Die alten Sorghumpflanzer hielten Convente ab, auf denen 
sie ihre Erfahrungen erzählten, aber diese liefen sämmtHch 
arauf hinaus, dass, wenn auch zuweilen eine Krystallisation 
stattfinde, sie in der grossen Mehrzahl der Fälle ausbleibe und 
Sich durch kein bekanntes Mittel bewirken lasse. 
Endlich ist dieses dennoch gefunden, und zwar wie es so 
aufig^ geschieht, fast zu gleich von verschiedener Seite, 
le Rio Grande Compagnie in New-Jersey stellt schon seit 
einiger Zeit Krystallzucker aus Sorghum her, und jetzt haben 
'lie obengenannten Professoren Weber und Scoville nach 
. _ Verfahren, das sie sich Ende vorigen Jahres paten- 
^ten hessen, einen Erfolg erreicht, der den jener völlig in den 
c atten stellt. Sie haben durch Bepflanzung von 250 Ackern 
^it Sorghum und fabrikmässige Umwandlung des erzielten 
tes in Krystallzucker und Syrup nicht nur den Beweis ge- 
c ert, dass eine solche Umwandlung sicher zu erreichen, son- 
ern auch, dass der Sorghum-Bau ein in hohem Grade ein 
träglicher ist. 
Die 250 Acker, von denen 200 durch sie selbst und 50 
urch Farmer der Umgegend meist mit den Arten Early 
j tind Early Orange angepflanzt waren, haben 10 bis 
2 onnen Pflanzen vom Acker ergeben und das Gesammt- 
zeugniss wird sich auf 125.000 Pfund Zucker und 22.500 Gal- 
^ cn Syrup stellen. Und das obgleich in Folge der anhal- 
end kühlen Witterung dieses Sommers der Zuckergehalt um 
5 Prozent geringer war, als gewöhnlich. Die Wholesale- 
Q, von Chicago haben den Werth des Zuckers auf 8*/« ■ 
nts per Pfund in Wagenladungen und den des Syrups auf 
bis 44 Cents per Gallone angesetzt. Der Werth des ge 
wonnenen Zuckers und Syrups beträgt demnach 19.000 Doll., 
j. durchschnittlich 76 Dollars per Acker. Für den ge- 
^ ^rten Sorghum wurde in der Mühle 2.50 Dollars per 
^ onne bezahlt; was, da 12 Tonnen als eine Durchschnittsernte 
gesehen werden, 30 Dollars vom Acker für den Farmer 
^giebt, und das ausschliesslich des Samens, dessen Werth die 
^ Grande - Compagnie in New-Jersey auf 13 Dollars per 
or schätzt. Es lässt sich daraus noch Gincose bereiten. 
22*
        <pb n="356" />
        340 
Eine genaue Rechnung wurde über den Ertrag von 12* a 
Ackern Orange-Sorghum geführt, der für sich verarbeitet wurde- 
Sie stellt sich folgendermassen : 
Erzeugniss: 
9600 Pfd. Zucker zu 8 Cents .... 768.00 Dollars. 
1450 Gail. Molasses zu 40 Cents . . 580.00 » 
Zusammen 1348.00 Dollars. 
Ausgaben: 
Einschliesslich 390.62 Dollars für Sorg 
hum, Arbeit, Gehalte, Brennmaterial, 
Zucker- und Molassesfasser, Zinsen vom 
Capital und Abnutzung .... 7H-54 Dollars. 
Ertrag von 12^¡2 Ackern 633.46 Dollars, 
oder vom Acker . . n 
Die Gesellschaft, welche den Herren Weber &amp; ScoviUe 
die Mittel zur Erbauung der Zuckermühle • gegeben hat, er 
wartet in diesem Jahre einen Profit von 3000 Dollars nach 
Bezahlung aller Betriebskosten und Berechnung von 8 Procent 
Zinsen für das aufgewandte Capital — 25.000 Dollars. Selbst 
verständlich konnte bei den ersten Versuchen lange nicht 
so sparsam gearbeitet werden, wie dies später möglich sein 
wird. Und die Gesellschaft, die für nächstes Jahr für die Be 
stellung von 1000 Ackern mit Sorghum Contracte abge 
schlossen hat, erwartet im nächsten Jahre einen bedeuten 
höheren Gewinn. 
Das Verfahren bei Herstellung des Zuckers ist mir unbe 
kannt. 
Graf Denes Széchényi in Ungarn, Vater der beiden Herren 
Grafen Imre und Geza Széchényi, welche mit mir in Amerika 
reisten und sich sehr für diese Industrie interessirten, will in* 
Jahre 1883 einen Versuch mit Anbau von Sorghum und Zucker 
bereitung daraus machen. Wenn er nur nicht an der Steuer 
Schwierigkeit scheitert! 
Wohlmeinende Conservative klagen bei uns, dass der „a 
bäuerliche Sinn“ bei uns schwinde, geschwunden sei, und ehe 
der nicht wieder sich belebe, lasse sich für den Bauer nichts 
thun. Man braucht für den Bauer gar nichts zu thun, wea*^
        <pb n="357" />
        341 
nian nur nicht so viel gegen ihn thäte! Hier, wo man ihn 
Ungeschoren lässt, gewinnt er seinen „altbäuerlichen Sinn“ 
Schnell wieder, und der verschuldete europäische Bauer, der 
noch den zehnten Th eil des Werth es seines europäischen 
Bauernhofes hier herüber rettet, wird damit hier in ein halb 
utzend Jahren wieder ein wohlhabender selbstbewusster, die 
irche besuchender, durchaus bäuerlich-ehrbar lebender Far- 
nier. Als solche haben wir sechs Männer aus Deutschland 
nnd Oesterreich - Ungarn, ehemals deutsche Bauern, hier, in 
. sowohl wie in Kansas, getroffen, und das bestärkt uns 
0 der Ansicht, dass am Verkommen des europäischen Bauern 
landes nicht er, sondern eine zweckwidrige Agrar- 
csetzgebu ng, Besteuerung und Staatsverwaltung 
Schuld sind, dass man den Bauernstand also bei uns „retten“ 
ann, wenn man besser verwaltet und bessere Gesetze macht, 
ier also muss die Reform einsetzen, nicht beim Bauer, der 
Besser ist als wir. 
Von Gnadenau hatten wir noch einen weiten Weg nach 
cwton zu machen, das wir erst nach Einbruch der Dunkel- 
Beit erreichten. In der Ferne blitzte es, die Nacht war milde 
^nd still auf der Prairie, von der sich nur hie und da die 
aumumhegte Niederlassung eines Deutschen beim Leuchten 
Blitzes abhob. 
, 9" Juni erreichten wir per Bahn Ellinwood und be 
legen sofort die Wagen, um eine nördlich davon gelegene 
lederlassung von Böhmen und Mährern zu besuchen. Die 
feisten derselben kamen aus der Gegend von Trübau vor 
''»er bis fünf Jahren, erhielten aber, beständig Zuzug. Den Tag 
Unserem Besuche waren einige 50 Personen hier einge- 
*‘offen, d«e wir als Gäste zerstreut auf den von uns besuch- 
Höfen fanden. 
Bevor wir diese Ansiedlung erreichten, passirten wir durch 
solche von Rheinländern, die, etwa 1000 Seelen stark, 
Anzahl Farmen gegründet haben. Wir besuchten eine 
8^*‘össere von 1000 Acres, deren Besitzer leider abwesend war 
nd die sich durch treffliche Gebäude auszeichnete. Eine 
cheuer diente im unteren Geschosse als Viehstall und zeigte
        <pb n="358" />
        342 
manche practische, Arbeit sparende Einrichtung für Hantirung 
bei Fütterung und Tränke. Die Gemeinde hatte sich eine statt 
liche Kirche und Schule gebaut und erfreut sich grossen Wohl* 
Standes. Die Aecker waren rein von Unkraut; der Dünger 
wurde regelmässig abgefahren, das Getreide stand dicht und 
die Kühe waren von edler Race und wohlgenährt. 
Die böhmischen Farmen zeigten einen merkwürdigen Gegen 
satz gegen die der Rheinländer: der Acker war vortrefflich 
bestellt, vollkommen rein von Unkraut, gut gedüngt, natürlich 
erst stellenweise. Wir fanden Klee und Futterkräuter ange- 
säet. Das Vieh war ausgezeichnet. Nicht nur Ställe, sondern 
sogar Granarien fanden wir. Aber das Haus war klein und 
äusserst unsauber; so waren auch die Leute. Die Frauen 
gingen barfuss, die Kinder auch, und ihre Wäsche schien nie 
mals mit Wasser in Berührung gekommen zu sein; auch arbei 
ten die Frauen auf dem Felde. Die Amerikaner gehen diesen 
Ansiedlern, ihrer Unsauberkeit und der Frauenfeldarbeit wegen, 
voll Widerwillen aus dem Wege, anerkennen aber, dass sie 
noch schneller Geld machen als selbst die Deutschen, und dass 
sie ihre Besitzungen durch Ackerankäufe von Jahr zu Jahr 
vergrössern. 
Auf einer solchen Farm speisten wir Milch und Brod. 
Der Besitzer hatte vor vier Jahren 320 Acres nebst Haus und 
etwas Vieh, ein Theil schon bestellt und angesäet, um 2300 
Dollars gekauft, jetzt aber schon 80 Acres Eisenbahnland dazu 
gekauft. Unser Führer, Herr Ott, meinte, heute sei die Farm 
für 6000 Dollars nicht zu haben. 
Allgemein hörten wir in New-York, in Texas und hier, 
dass die Böhmen, weil sie so wenig für ihren Unterhalt ver 
brauchen, schnell wohlhabend in Amerika werden. Die fünfzig 
neuen Ankömmlinge fanden zunächst Obdach und Arbeit auf 
den Höfen der alten Ansiedler, brachten aber alle Geld md* 
denken sich noch in diesem Jahre anzukaufen und stelh^u 
weiteren Zuzug aus der Heimath in Aussicht. 
Ein anderer Deutschböhme aus derselben Gegend, Herr 
Jänisch, hatte bei Trübau 59 Joch mittelmässigen Boden nebst 
Baulichkeiten um 19.000 fl. vor einem Jahre verkauft und
        <pb n="359" />
        343 
hier einem amerikanischen Farmer für 2.200 Dollars eine Farm 
Von 160 Acres mit Gebäuden und 10 Haupt Rindvieh ab 
gekauft, wozu er noch denselben Umfang von Prairieboden 
5'/2 Dollars per Acre von der Eisenbahn erworben hatte. 
Er, sowie alle anderen Böhmen, die wir sprachen, wohl über 
zwanzig Mann, waren sehr zufrieden mit ihrem Schicksale und 
zogen jährlich mehr Verwandte und Bekannte herüber. Jänisch 
frohlockte besonders darüber, dass er gar keine Steuer zahle. 
Als wir unser Erstaunen darüber aussprachen, erklärte er uns: 
Jedes Vermögen unter 200 Dollars Werth ist steuerfrei. Die 
Einschätzung ist aber so niedrig, dass sein Besitz von 320 Acres 
^ nicht 200 Dollars Werth angesprochen und er also steuer- 
frei geblieben war. Dergleichen kann freilich bei uns nicht 
Passiren! Man sieht, dass die amerikanische Finanzverwaltung 
noch Manches von der europäischen lernen kann — die 
Gtztere kann von der ersteren nur Eines lernen und gemessen : 
^en Anblick voller Staatscassen und die Abwesenheit des 
chronischen Deficites. 
Auf dem Rückwege gelangten wir an eine Baum-Oase 
in der Prairie, die sich an einem kleinen Bache gebildet hatte 
nnd uns wohlthuenden Schatten zur Rast gewährte. Nahe der 
höhmischen Niederlassung erstreckt sich viele Quadratmeilen 
'Veit eine niedrige Ebene, der Cheyenne Bottom, die zum 
Ackerbaue zu feucht ist, aber ausgezeichnete Viehweide ge 
währt. Sie gehört zum grossen Theile dem Zeitungsredacteur 
hl in New-York, einem Deutschen. Hier sahen wir die ersten 
1‘niriehunde, die hamsterartig in Höhlen leben und auch nicht 
Viel größer als Hamster, sehr possirlich, neugierig und 
Scheu sind. » 
Von hier aus passirten wir eine von Amerikanern haupt 
sächlich angebaute Gegend, so eine Farm, die ein Seiden- 
'Veber aus Boston noch 1873, die Seidenweberei schlecht 
gegründet hatte und die eine ausnahmsweise gute Acker- 
cstellung zeigte. Von jenen Handwerkern, Fabrikarbeitern 
Jind stellenlosen Commis, die in Folge des Kraches von 1873 
rodlos wurden und die Heimstätten im Westen gründeten, 
Sind die Meisten Farmer geblieben; es versteht sich, dass sie
        <pb n="360" />
        344 
nicht gerade ausgezeichnete Landwirthe wurden, aber sie 
kommen doch langsam aus den Schulden heraus und der 
Besitz wächst im Werthe. Einige jedoch verkaufen ihre 
Farmen an Einwanderer, welche eine einigermassen einge 
richtete Farm der Prairie vorziehen, und gehen wieder in die 
Städte und Fabriksorte zurück, wo es vorläufig hohen Lohn 
giebt — bis der nächste Krach hereingebrochen sein wird, 
der — .verursacht durch den übertriebenen Eisenbahnbau 
nicht ausbleiben kann. Vornehmlich sind es die Frauen solcher 
ehemaliger Industrie-Arbeiter, welche die mühevolle Farmhaus 
haltung gerne mit dem dolce far niente der amerikanischen 
Stadtlady vertauschen. Die Mennoniten und Böhmen kaufen 
gerne solche Farmen an. 
Weiterhin passirten wir auf der Heimfahrt nach Ellin- 
wood die Wirthschaft eines Hannoveraners, der vor fünf 
Jahren nebst seiner Frau und vier Kindern mit 25 Cents in 
der Tasche in Ellin wood angekommen war. Herr Stöckel, 
ein deutscher Mühlenbesitzer und Getreidehändler in Ellinwood, 
der uns auf diesem Ausfluge begleitete, hatte der Familie 
Wohnung und Arbeit gegeben. Dann hatte der Mann 
160 Acres Regierungsprairie als Homestead aufgenommen, 
sich ein sehr bescheidenes Haus gebaut und zu farmen be 
gonnen. Er arbeitete abwechselnd auf seiner Farm und dann 
bei anderen Leuten, um für die Familie Rrod zu erwerben, 
that das auch in diesem Jahre noch. Seine Kinder konnten 
noch nicht viel helfen, da sie klein sind, aber seine Frau ist 
sehr arbeitsam, wie wir an dem grossen, wohlgepflegten Garten 
mit allerhand Gemüsen sehen konnten, und so hat er gegen 
100 Acres únter den Pflug gebracht und eine Farm gcschaffeUf 
die heute ihre 2000 Dollars werth ist. Seitdem es keine 
Homesteads mehr auf gutem Boden giebt, ist es für den ganz 
capitallosen Mann freilich nicht mehr möglich, auf diese Weise 
zu einer Selbstständigkeit zu gelangen, wenigstens in Kansas 
nicht. 
Dicht vor Ellinwood fanden wir eine Farm, die Herrn 
Stöckel gehörte, von ihm vor einigen Jahren für 2000 Dollars 
gekauft und an einen Wirthschaftsinspector aus dem Mägde-
        <pb n="361" />
        345 
burgischen zum dritten Theil der Ernte — verpachtet war. 
Sie brachte Herrn Stöckel jetzt jährlich ca. 400 Dollars ein, 
Pächter machte aber keine guten Geschäfte, da er nicht 
Arbeit gewöhnt war und fast alle Arbeit von Lohnarbeitern 
'errichten Hess. Bei Ellinwood ist noch sehr guter Ackerboden 
und soll auch die Regenmenge noch zum Ackerbau genügen. 
Oestlich davon aber wird der Regen selten und damit der 
Hanzenwuchs sparsamer, kärglicher. Natürlich konnte auch 
'venig Humus hier entstehen, und so ist denn der Boden 
'veiss, sieht fast salpetrig aus. Das blaue, saftige Gras ver 
schwindet gänzlich und macht dem kleinen Büffelgrase Platz, 
uas jedoch äusserst nahrhaft ist. 
Hier gelangen wir also in jene grosse Weideregion, die 
Sich bis an’s Felsengebirge erstreckt und in welcher Acker-’ 
bau nur bei künstlicher Bodenbewässerung möglich ist. 
Dieselbe ist in Colorado und Neu-Mexico sehr verbreitet, 
^ lein wir wollten ihre Anfänge in der Westprairie von Kansas 
sehen und machten deshalb auf der Station Garden-City Halt, 
aie drei Stationen westlich von Dodge-City, einem Haupt- 
rairieviehmarkt, liegt. Von hier aus unternahmen die anderen 
anf Herren am 9. einen sehr interessanten Jagdausflug auf 
Antilopen und wilde Pferde in die Prairie hinein, an dem ich 
o^ich, noch immer an den Folgen der Operation in Neu-Braun- 
^ leidend, leider nicht betheiligen konnte. Ich besah 
inzwischen die künstliche Irrigation. 
Diese ist äusserst einfach: Vom Arkansasflusse war in 
östlicher Richtung, wie die Prairie ab fallt, ein vier Fuss 
^fer und ca. 20 Fuss breiter Hauptgraben abgezweigt, der sechs 
eilen lang ist und von dem die Zuleitungsgräben senkrecht 
ich abzv eigen. Zwischen diesen liegen die zu berieselnden 
®lder. Bis Mitte Juni, oft länger, hat. der Arkansas hier 
^er genug, um die Felder genügend zu bewässern. Der 
W 
~ o 01 —“ - ucwciaaci II. 
raben ist von einem Privatmanne hergestellt, dem die An 
^ohner jährlich einen Dollar per Acre fiir das Wasser zahlet 
*^üssen. Dieses enthält röthliche P'elsabschwemmungen, die 
piinger wirken. Hafer, Kartoffeln, Weizen und Futter 
ßcwächse wachsen in üppiger Fülle auf den so bewässerten
        <pb n="362" />
        346 
Grundstücken. Weiter aufwärts hat am Arkansas eine eng 
lische Compagnie viel Land gekauft und beabsichtigt eine 
grossartige Bewässerungsanlage dort herzustellen, wie es andere 
englische Compagnien, die dauernd hohe Dividenden bringen, 
in Colorado gethan haben. Im Kleinen sahen wir derartige 
künstliche Bewässerungen von hier ab bald fast an jeder 
Stadt und Station, ganz regelmässig so von Pueblo ab, wo 
wir am lo. Juni Mittags ankamen, um einen viertägigen Aus 
flug nach Bad Manitu, am Fusse des Pikes Peak, zu machen. 
Am Abende des lo. Juni erreichten wir diesen prachtvoll 
am Fusse des hohen Gebirges gelegenen Ort. 
lieber den Staat Kansas, nach welchem eine so starke 
Auswanderung von Deutschland und Oesterreich stattfindet, 
muss ich noch Einiges sagen, sowie über jene Ackerbauzone, 
zu der er gehört. 
Was ist der „ferne West“, von dem wir seit vier bis fünf Jahren 
in Europa fortwährnd als von jenem ökonomischen Factor 
reden hören, dessen enorme und billige Getreideproduction 
die europäischen socialen Verhältnisse, sofern sie noch auf 
dem Grundbesitze und der Vertheilung desselben beruhen, 
mit einer vollständigen Umwälzung bedroht? Was ist dieser 
„ferne West“, wie ist er, und ist er der einzige Concurrent, 
dessen Productionsbedingungen wir uns, soweit dies durch 
Menschenwerk geschehen kann, aneignen müssen, wollen wir 
nicht von ihm ruinirt werden; oder werden noch andere Con 
currenten bald auf dem Weltmärkte erscheinen, die mit Steuern 
und Zinsen der Grundschuld belasteten Grundbesitzer Ah- 
europas unterbietend? 
Es ist jene grosse Ebene, welche im Osten vom Missis 
sippi, im Norden durch jene niedrige Hügelkette, welche die 
Wasserscheide zwischen dem Golf von Mexiko und der Hud 
sons-Bai — in Minnesota und Dakota — bildet, im Westen 
durch das Felsengebirge in Wyoming und Colorado, im Süden 
durch das Hochplateau von Nordwest-Texas, den Llanos 
Estacados, und dessen Ausläufer, die sich durch das Indianer- 
Territorium bis Arkansas hinziehen und von hier sich nor
        <pb n="363" />
        347 
östlich bis fast nach St. Louis erstrecken, jenem Punkte, an 
dem der Missouri sich in den Mississippi ergiesst, begrenzt wird. 
Oestlich stösst an diese Ebene eine andere, welche schon 
zwanzig Jahre, und in ihrem östlichen Theile länger, in Cultur 
genommen ist, die Staaten Illinois, Indiana, Ohio, Michigan 
und Wisconsin umfasst und von dem Systeme der nordatlanti 
schen Minen-, Fabriks- und Handelsstaaten durch die Alleghanys 
getrennt wird. In dieser Weizen- und Maisebene ist der Acre 
Fand schon 25 Doll., in den ostatlantischen Staaten 50 Doll. 
Werth und nicht im Stande, Europa durch billige Producte 
allzu gefährlich zu werden. Die Getreideproduction dieser 
Mittelstaaten hat im letzten Decennium am meisten zu der 
grossartigen Ausfuhr Amerikas beigetragen, da sie sich in 
dieser Zeit sehr steigerte. Während die Getreideproduction 
von 1850 bis i860 sich nur um drei Percent, von i860 bis 
1870 schon um 12 Percent steigerte, betrug die Steigerung 
Von 1870 bis 1880, als jene Mittelstaaten zur vollen Entfaltung 
kamen, rund 100 Percent! Hieraus kann man auf die Stei 
gerung schliessen, welche die Production durch das Eintreten 
des „fernen West“ erfahren wird. Mais ist von 1870 bis 1880 
*33 Percent mehr producir! worden; Illinois allein steigerte 
die Production von 130 auf 326 Millionen Bushels. Weizen 
gewann 73 Percent in dieser Dekade. Sieben Zehntel davon 
Wurden 1880 in den neun Staaten Illinois, Indiana, Ohio, Michi 
gan, Minnesota, Jowa, Wisconsin und Missouri erzeugt. 
Südlich von dem Hochplateau, das vom Einflüsse des 
ecos in den Rio Grande sich fast in gerader Linie nach Little 
Pock ara Arkansas hinzieht und nördlich im Allgemeinen vom 
Arkansas begrenzt wird, dacht sich das Land zu einer zweiten 
Pruchtebene ab, die am Golf fast dessen Niveau und eine 
fabelhafte Fruchtbarkeit erreicht, mit zunehmender Fruchtbar- 
keit aber auch zunehmend ungesund wird. Diese südliche 
Pbene wird zur Zeit erst mit Ernst besiedelt und in Anbau 
genommen und liefert noch fast keine Cerealien für den Export, 
^nn dies aber ebenso gut thun, wie es Egypten seit der 
Pegierung Ismael Paschas thut. Nebenbei sei bemerkt, dass 
*i*ese südliche Ebene Boden und Klima hat wie Egypten und
        <pb n="364" />
        Algier, in einigen Theilen so gemässigt wie die" gebirgigen 
Theile von Italien und Griechenland. Sie hat durchaus einen 
südlichen Charakter. 
Ganz in derselben Lage, was Productionsentwickelung an 
langt, ist die grosse nördliche Ebene von Nordwest-Canada, 
die nördlich der Wasserscheide zwischen dem Mississippiflusse 
und dem Red River of the North sich in einer Ausdehnung 
erstreckt, welche jener von ganz Centraleuropa gleichkommt. 
Am 20. Juni 1881 kam ein Telegramm von London in Amerika 
an, wonach die erste Ladung Weizen, welche je von Manitoba 
der Centralprovinz des westlichen Canada — nach Europa 
gelangte, in Liverpool von der Kornbörse für besser erklärt 
und ein Drittelpercent höher bezahlt wurde, als der beste cali- 
fornische Weizen. Wir haben diese Ebene gesehen und uns 
durch Studium an Ort und Stelle überzeugt, dass dort mit 
Erfolg und billig grosse Massen von Getreide producirt werden 
können. Sie hat einen entschieden nördlichen Charakter, der 
etwa jenem in den preussischen Provinzen Ost- und West- 
preussen und den russischen Ostseeprovinzen, in nördlichen 
Theilen jenem von Schweden und Norwegen entsprechen 
dürfte. Alle jene europäischen Länder aber haben Ackerbau 
und exportiren zum Theile. 
Westlich der Felsengebirge sind es verhältnissmässig klei 
nere Thäler in Californien, Oregon, Washington, Britisch- 
Columbien und Vancouvers-lsland, deren Capacität, viel und 
guten Weizen billig zu produciren, ausser Zweifel steht. Wir 
haben dort festgestellt, um wie viel der Transport des Ge 
treides von hier nach Europa durch die nunmehr sehr wahr 
scheinliche Herstellung einer Schifffahrtsstrasse über die Land 
enge zwischen Nord- und Südamerika billiger werden dürfte- 
Neuerlich wird gemeldet, dass der Getreidebau in Alaska mit 
Erfolg unternommen sei. Möglich; aber vorläufig werden wir 
Alaska noch ausser Rechnung lassen können. 
Der „ferne West“ ist also nur der Vorläufer noch anderer 
Concurrenten, die wir in Amerika haben und die im Begriffe 
sind, sich mit ihm in der Niederconcurrirung der europäischen 
Landwirthschaft zu vereinigen. Allein er ist es, dessen Pro-
        <pb n="365" />
        349 
duction bereits die englische Grundrente um 15 bis 25 Percent 
reducirt und dieses Land in die Anfänge der socialen Revo 
lution gestürzt hat. Diese Ebene liegt zwischen dem 37. und 
47" Grade nördlicher Breite. In Europa liegen Granada, 
Syrakus, Messene und Naxos etwa unter dem 37. Grade, und 
Grosswardein, Graz, Brixen, Bern unter dem 47. Grade. Das 
Klima Amerikas ist aber hier, im Innern des grossen Conti 
nentes, kälter als in den gleichen Breiten Europas. Es mag 
in dem „fernen West“ von jenem der lombardischen Ebene 
(Kansas), bis zu jenem der baltischen Ebene (Hannover und 
Nordpreussen) hin abgehen und dürfte der „ferne West“ auch 
alle Producte dieses Theiles von Europa hervorzubringen im 
Stande sein. 
Von diesem interessanten Lande haben wir zuerst den 
südlichsten, schönsten und dem Ackerbau günstigsten Theil, 
die Fruchtebene von Kansas, gesehen. 
Diese Ebene trägt durchweg denselben Charakter. Sie 
dacht sich von Westen nach Osten ab. Die Höhe beträgt im 
äussersten Westen von Kansas circa 3500 Fuss und im Osten 
800 Fuss, 875 Fuss bei Lawrence am Kansas, wo sich eine 
nieteorologische Station befindet, 803 Fuss bei Atchinson am 
Missouri. Der Boden der ganzen Ebene, die ich als den 
nfernen West“ bezeichnet habe, also nicht blos von Kansas, 
dürfte in den Staaten Jowa, Nebraska, die im Norden auf 
Kansas — in derselben geographischen Länge — folgen, und 
*n den nördlichsten, Minnesota, Dakota, derselbe sein wie in 
Kansas, wo der Untergrund Thon ist, welcher von Osten nach 
Westen sandiger und damit durchlässiger wird. Der Ober 
grund ist ein sandiger Lehm, der im Osten durch Humus in 
tensiv schwarz gefärbt ist. Die Tiefe und Intensivität dieses 
Humuszusatzes nimmt von Osten nach Westen ab und ver 
schwindet gegen die Grenze von Colorado gänzlich, mit Aus 
nahme der in diesen westlichen Theilen liegenden Mulden, in 
denen Abschwemmungen und Wasser Vegetation und also 
Humus bildeten, welcher nunmehr hier eine Ausnützung durch 
Ackerbau — Bewässerung vorausgesetzt — ermöglicht. Sie 
dürfte in dieser ganzen von sieben Staaten ausgefullten Ebene
        <pb n="366" />
        350 
I*. . Il 
von Süden nach Norden zunehmen. Dieser Humus ist das 
Resultat der Zersetzung des Bodens durch jene Pflanzen, welche 
jahrtausendelang auf ihm wuchsen, von wilden Thieren nur 
spärlich abgeweidet wurden und mit dem Dünger, den Knochen- 
und Verwesungsproducten dieser wilden Thiere wieder der 
Erde zurückgegeben wurden; in dem der Humus als leicht 
aufzunehmende Pflanzennahrung existirt und den Anbau des 
Bodens ohne Dung auf einen mit seiner Intensivität wachsen 
den Zeitraum gestattet. Er ersetzt den Dung, ist aber nicht 
unerschöpflich. Nach längerem oder kürzerem Anbau wirkt 
Dünger erfahrungsmässig und wird dann in der Regel von 
Deutschen oft schon bevor es nöthig ist angewendet. Da der 
Untergrund fast überall derselbe ist, so hat allein der Betrag 
von Feuchtigkeit, die auf den Boden fiel, und dessen Fähig 
keit, sie zurückzuhalten, die Mächtigkeit dieser Humusbildung 
beeinflusst. 
In den nördlichen Staaten der von mir als „ferner West“ 
bezeichneten Ebene ist der Winter verhältnissmässig lang, 
fällt viel Schnee, gefriert der Boden und ist im Frühjahre der 
langsam aufthauende Untergrund ein Feuchtigkeitsreservoir für 
lange Zeit. Diese Winterfeuchtigkeit ist geringer in Kansas. Sie 
beförderte den Pflanzenwuchs in den nördlichen Staaten dieser 
Gruppe und erzeugte daselbst eine reichliche Humusschicht. 
Kansas dagegen bezieht seine Feuchtigkeit aus dem Regen. 
In den 13 Jahren von 1868 bis 1880 betrug durchschnittlich 
zu Lawrence der jährliche Schneefall nur 20*43, ^^r Regenfall 
34*83 Zoll; ersterer schwankte von 5 Zoll in 1875 bis 43 Zoll 
in 1874, letzterer von 28*87 Zoll in 1874 und 1875 bis 44*18 Zoll 
in 1876. 
Im Jahre 1880 betrug im October der Regenfall 2*73 Zoll, 
im November 2*24 Zoll, dazu Schnee 2*5 Zoll, im December 
Regen 0*43 Zoll, Schnee 1*5 Zoll, im Januar Regen 1*8 Zoll, 
im Februar 0*73 Zoll, im März 2*03 Zoll, dazu Schnee 3 Zoll, 
im April Regen 1*75 Zoll, im Mai 4*11 Zoll, im Juni 4*1 Zoll, 
im Juli 2*34 Zoll, im August 7*93 Zoll, im September 2*46 Zoll- 
Im Jahre 1878 betrug der Regenfall 38*39 Zoll, in den 
Monaten Januar bis December respective 3*05, 2*86, 2*67, 5*4^^'
        <pb n="367" />
        351 
5'66, 5-67, 4*30, 2*22, 2-51, 0*44, 1*55, 1-98 Zoll, inclusive dem 
auf Regen reducirten Schnee. Ebenso betrug die Gesammt- 
feuchtigkeit im Jahre 1879 32*68 Zoll, in den laufenden Monaten 
respective 0 37, 0 41, 0 37, 4*18, i 6, 7*14, 3*66, 1*03, 3*57, 
5**5» 2*39 Zoll. In der Union, mit Ausnahme von Alaska, 
beträgt der jährliche Regenfall durchschnittlich nur 29 Zoll. 
Der Regen kommt durch Süd- und Südostwinde im Sommer 
Vom Golf von Mexiko. Die im Winter vorwiegenden Winde 
kommen aus Nord und Nordost und sind trocken. 
Der Niederschlag nimmt von Osten nach Westen so ab, 
dass er in Ostkansas (Lawrence) ein Drittel grösser ist als in 
Westkansas, und ein Fünftel grösser als in Centralkansas. Je 
Weiter nach Westen, desto besser ist jedoch der Boden von 
der Natur drainirt, weil der Untergrund poröser wird, und so 
hält sich die Feuchtigkeit länger, sie läuft nicht ab, sie sickert 
in den Untergrund und bietet so der Pflanze noch eine Zeit 
lang Feuchtigkeit für die tiefgehenden Wurzeln. Abschwem- 
niungen aus dem Felsengebirge bilden den Boden bis zum 
Mississippi. Je näher dem Gebirge, desto grobkörniger, also 
durchlässiger ist diese abgeschwemmte Masse; je näher dem 
Mississippi-Thale, desto feinkörniger, also auch undurchlässiger 
wird hier der Boden, desto schneller läuft Regenwasser ab 
aber es regnet hier wieder dafür mehr als im Westen. 
Endlich hat man die Beobachtung gemacht, dass die 
Regenmenge mit der zunehmenden Cultur auch zunimmt. Die 
ganze Prairie von Kansas war vor 15 bis 20 Jahren, ausser 
den Flüssen, absolut baumlos und natürlich auch ohne 
Debäude. Der Wind fand keinen Widerstand, wenn er über 
^le leicht wellenförmige, grasbewachsene Prairie wehte, und 
^i’ug die Feuchtigkeit mit sich fort, ohne sie einsinken zu 
fassen. Die Regierung von Kansas hat früher die Baum- 
Pflanzung durch Prämiirung, die Unionsregierung dadurch ge 
fördert, dass sie jedem Ansiedler, der 10 Acres mit Bäumen 
bepflanzt, 160 Acres umsonst gibt. Verständige Ansiedler, 
Namentlich Deutsche, pflanzen rund um ihren Acker und um 
flle Höfe Bäume, meist Cottonwood, eine Art Silberpappel, 
®der die Osage-Orange-Hecke. Durch die Anpflanzungen
        <pb n="368" />
        352 
wird der eintrocknende Einfluss des Windes geschwächt, 
ein reichlicher feuchter Niederschlag erzeugt und der Regen 
dringt weiter nach Westen vor, den Ackerbau daselbst 
ermöglichend. Vor den Ansiedelungen, nach Westen hin, 
sieht man diese Veränderung, indem langsam das etwa drei 
Zoll hohe graue Büffelgras, das alle trocknen Prairien am 
Abhange des Felsengebirges auszeichnet, und auch das etwas 
längere Grammagras höherem und dichterem blauem Grase 
Platz macht. Die Staatsregierung von Kansas könnte sich die 
in manchen europäischen Staaten geltende Vorsicht aneignen, 
wonach jeder Grundbesitzer gezwungen ist, an den Wegen, 
die seinen Besitz durchschneiden, Bäume in gewissem Ab 
stande zu pflanzen. Auch dürfte man die zwar schnell wachsende, 
aber den Boden rund umher aussaugende und schlechtes Holz 
liefernde Pappel bald durch andere Bäume ersetzen, namentlich 
durch die so gut gedeihenden Obstbäume, Im Ganzen aber 
muss man sagen, dass das Klima von Kansas mit dem Anbau 
des Landes dem Ackerbau günstiger wird und die Ackerbau 
grenze sich langsam nach Westen vorschiebt. Sie mag jetzt 
in der Grenze von Dodge City liegen. Darüber hinaus nach 
Westen ist der Ackerbau nur mittelst künstlicher Bewässerung 
möglich. Wir sehen die Anfänge derselben bei Garden City» 
400 Meilen von Atchinson, 68 Meilen von der Grenze von 
Colorado, Um Ellinwood, 260 Meilen von Atchinson, war 
der Ackerbau noch ohne Bew ässerung in blühendem Zustande. 
Der hundertste Meridian, unter dem Dodge City hegt, 
wird im Grossen als jene Grenze bezeichnet werden können, 
westlich von welcher im ganzen „fernen West“ Ackerbau nur 
mittelst künstlicher Bewässerung möglich ist. Der Boden ist 
hier überall fast zu reich an zersetzten oder leicht zersetzbaren 
mineralischen Bestandtheilen, so dass, wenn er bewässert wird» 
er sicherere und reichlichere Ernten bringt als in den mehr 
nach Osten liegenden Theilen dieser Ebene. An einige^ 
Stellen haben wir, als Ausnahme, dürftiges Getreide auf be 
wässerten Gründen gefunden — nicht in Kansas. Wir haben 
eine nicht genügende Bodenbeackerung, seichtes Pflügen, sel 
tenes Pflügen, wodurch der Acker verunkrautet, hauptsächlich
        <pb n="369" />
        353 
ur solche Missernten verantwortlich gemacht. Allein es scheint 
nicht unmöglich, dass der Boden Mangel an Stickstoff bei 
eberwiegen der löslichen Alkalien hat, den man ihm durch 
talldünger, Jauche, Guano oder Ammoniaksalze zweckmässig 
zusetzen könnte. 
. künstliche Bewässerung ist in Kansas ganz jung, sie 
jst älter in Colorado und seit unvordenklichen Zeiten in Neu- 
^exico. Californien und Arizona üblich. Hier sind sogar viele 
«ihe Bewässerungsanlagen der Spanier und Azteken bereits 
'^erfaUen. Die Amerikaner nehmen aber an vielen Stellen 
solche Arbeiten jetzt in Angriff und haben meist gute Resul- 
ate davon. Selbst die Indianer treiben in Neu-Mexiko erfolg- 
cic en Ackerbau auf künstlich bewässertem Boden. Es 
istiVt eine Partei, welche die Anlegung von Bewässerungen 
ur Aufgabe des Staates machen will, damit kein Nachbar 
von dieser Wohlthat excludirt, das Wasser nicht zum Monopol 
^erden und nicht zu theuer kommen kann. Die Ebene von 
st- und Mittelkansas, welche in Durchschnittsjahren Regen 
genug hat, ist von äusserster Fruchtbarkeit. Wo indess die 
^ Ackerbau geeignete Fläche von Kansas aufhört, fängt der 
^ Ol egrund an, der Rindern und Schafen jahrein jahraus 
ahrung gibt. Man rechnet auf der ganzen Westprairie, von 
^ 1er bis in die Parks des Felsengebirges, bis zehn Acres auf 
»n Haupt Grossvieh. Wenn man für etwas Schutz im Winter 
etwas Beifutter in grasarmer Jahreszeit sorgt, so kann 
a natürlich mehr Vieh auf derselben Weidefläche unter 
halten. 
d' keine schiffbaren Flüsse, aber zwei Bahnen, 
p. hnsas-Pacific-Bahn und die Atchinson-Topeka- und Santa 
n durchziehen den Staat der Breite nach, fast von Osten 
Westen, die Central-Union-Pacific-Bahn in dem auch für 
Sch geeigneten Theile ebenfalls. Im Osten hat der Staat 
on ein vollkommenes Netz von Bahnen. 
^ Fast alle diese Bahnen finden ihren Endpunkt in Kansas 
y grossen Handelsstadt am Missouriflusse. Producte 
^ n Kansas, soweit sie für den europäischen Markt bestimmt 
l’en, mussten bisher circa 1.350 Meilen per Bahn von Kansas 
23
        <pb n="370" />
        354 
City nach New-York transportirt werden. Jetzt können sie m 
Barken den Missouri und Mississippi hinab nach New-Orleans 
gebracht und von dort nach Europa verschifft werden. Dieser 
Wasserweg wird wohl bald allgemein in Anwendung kommen. 
Allein auch aus der Mitte des Ackerbaudistrictes von 
Ostkansas führt schon eine directe Bahn von Empona über 
Dallas in Texas nach dem aufstrebenden Hafen Galveston 
und Centralkansas wird von Newton über Arkansas City» 
Van Buren und Little Rock bald mit Memphis am Mississippi 
in Verbindung stehen. Nur die Strecke von Arkansas City 
bis Van Buren muss noch gebaut werden. Da es aus der 
Mitte des Ackerbaudistrictes von Kansas nach den Golfhafen 
von Galveston und New-Orleans nur etwa so weit ist, als von 
Mittelkansas bis Chicago, jene Stadt, über die Vieh un 
Fleisch oft aus Kansas nach New-York und Europa gmg» 
Chicago aber noch fast looo Meilen von.der Seeküste ent 
fernt ist, so dürfte der Export von Kansas einen billigeren 
Ausweg nach dem Süden finden. Gute EisenbahncommuiU" 
cationen hat der Farmer in Kansas jetzt schon. Die bezeic ' 
neten neuen Wege werden den Transport nur billiger machen- 
Ein guter Theil der Ackerbauproducte von Kansas ge 
aber seit einigen Jahren nach Westen und nicht nach Ostern 
In Colorado, Neu-Mexico und Arizona sind neuerlich so v&gt;e 
Bergwerke in Angriff genommen worden, dass die Landwirt ^ 
schaff dieser Länder den Bedarf an Lebensmitteln nicht decken 
kann. Kansas ist nun der nächste Lieferant für diesen neu 
eröffneten Markt, einen zum Theil sehr neuen, denn die Atchin 
son-Topeka- und Santa Fe-Bahn, welche Arizona mit dem oS 
liehen Bahnsystem verbindet, ist erst seit Anfang des Jahres i ^ 
vollendet worden. Der Hauptmarkt von Colorado und des^^ 
Minenbevölkerung ist Denver. Die Preise sind hier weit hö 
als in St. Louis, Chicago oder Kansas-City, und so geht en^ 
ein grosser Theil der Ackerbauproduction von Kansas nac 
Westen. u n in 
In Folge der Entwickelung dieses Marktes entstehe 
Kansas an vielen Stellen Mühlen zum Vermahlen des\VeizenS^ 
das Mehl wird dann nach Denver, Santa Fé und bis nac
        <pb n="371" />
        355 
23* 
Arizona hinein verkauft. Allerdings hebt der hohe Preis der 
Lebensrnittel im Felsengebirge auch die Viehzucht und den 
Ackerbau auf künstlich bewässertem Boden in Colorado und 
Neu-Mexico. 
Der Ackerbau in jenem Theile des Staates Kansas, welcher 
einer künstlichen Bewässerung bedarf, ist einfach und leicht, 
ie Bespannung darf unverhältnissmässig gering im Vergleiche 
zur Ackerfläche sein, da man meist zehn Monate und oft län 
ger im Jahre auf dem Felde ackern kann, und die Stallung 
ur Pferde und Vieh ist leicht und billig herzustellen. Letzteres 
stallen die amerikanischen Farmer überhaupt selten. Der 
öden ackert sich leicht, da er an wenigen Stellen nur aus 
zähem Lehm besteht 
Folgende Tabelle giebt an, wie viel Acres Land in den 
Jahren 1874, respective 1879 unter den verschiedenen Früchten 
Waren in je 1000 Acres: 
Jahi 
1874 
1879 
1881 
Jahr 
1874 
1879 
1881 
Jahr 
1874 
1879 
1881 
Winterweizen 
438 
1520 
Sommerweizen 
278 
412 
Gerste 
24 
45 
2198 
Mais Buchweizen Sorghum 
*525 
2995 
4:97 
Millet 
55 
174 
? 
Roggen 
30 
43 
38 20 
Castor-Bohnen 
8 
8 
? 
Kartoffeln 
46 
62 
69 
Klee 
&gt;3 
14 
Hafer 
3:4 
573 
Flachs 
16 
69 
442 
Broom-Corn 
4 
'4 
? 
Süsse Kartoffeln 
3 
? 
7 14 
^ 23 
4 ? 
Baumwolle Hanf Tabak 
' 3 
% % % 
? ? ? 
Jahr Thimotee 
1874 29 
'879 57 
Diese Tabelle giebt die Steigerung des bebauten Ackers 
Ausnahme dessen für Heu— in sechs Jahren, 1874—79, von 
^•765.000 Acres auf rund 6 Millionen Acres an. Es folgt 
rner, dass im Jahre 1879 hiervon 2 Millionen Acres unter 
eizen waren, mehr als zwei Drittel der Fläche, die im ganzen 
önigreiche England diesem Anbaue dient. Fast 3 Millionen 
^cres sind unter Mais. Im Jahre 1880 waren unter Winter- 
cizen 2.210.000 Acres, unter Sommer-Weizen 228.000 Acres,
        <pb n="372" />
        zusammen 2.438.000 Acres; unter Mais 3.548-000 Acres. Für 
1880/81 habe ich oben erst die Zahlen für sieben Haupt 
erzeugnisse mittheilen können. Diese ergeben, verglichen mit 
den Jahren 1874 und 1879, folgende Progression in der an- 
gebauten Ackerfläche: 1874 = 2.632.000, 1879 = 5.652.000, 
1881 = 6.968.000 Acres. Man sieht hieraus, wie schnell sich 
die angebaute Fläche vermehrt. Es dürften jetzt bereits gegen 
IO Millionen Acres unter dem Pfluge sein; allerdings immer 
nur ein kleiner Theil der 51.770.000 Acres, die der Staat 
umfasst und von denen über zwei Drittel anbaufähig sein 
dürften. 
Für das milde Klima von Kansas spricht der Umstand, 
dass mehr Winter- als Sommer-Weizen gebaut wird. Für die 
Jahre 1872 bis 1878 brachte Winter-Weizen 16.66 Bushels, 
Sommer-Weizen 12.70 Bushels per Acre. Bekanntlich ist keine 
Durchschnittszahl im einzelnen Falle richtig. Amerikanische 
Farmer ernten, wie uns Engländer sagten, die das Land lange 
und unparteiisch beobachtet haben, z.B. Mr.Townshend und Mr. 
Henderson, nur 10 bis 12 Bushels Weizen im Durchschnitte, 
deutsche und böhmische Ansiedler 30 bis 35 Bushels. Woher 
dieser Unterschied? 
Der Amerikaner ist auch als Landwirth im „fernen West“ 
Spéculant und zieht es vor, eine Homestead aufzunehmen, 
fünf Jahre hindurch ohne viel Mühe anzubauen und, sowie er 
dann den Besitztitel erlangt hat, zu fünf bis zwölf Dollars per 
Acre an einen deutschen, schwedischen oder böhmischen Ein 
wanderer zu verkaufen. So löst er 1000 bis 2000 Dollars 
und „mowt“ — wandert — damit weiter nach Westen, wo 
er das Experiment von Neuem beginnt. Selbst wenn er auf 
der Farm bleiben sollte, arbeitet er nur das Noth wendigste, 
pflügt und eggt den Acker nicht tief, respective gut genug; 
säet unverhältnissmässig viel Weizen und Mais, die er unmittel 
bar nach der Ernte drischt und sofort verkauft. So arbeitet 
er nur wenige Monate im Jahre, hat eine bis zwei Kühe, 
unverhältnissmässig viel Pferde und eine vollkommene Samm 
lung der neuesten „arbeitsparenden“ Maschinen. Ist die 
nöthigste Ernte- und Saatarbeit gethan, so ruht er zu Hause,
        <pb n="373" />
        in der Regel aber fährt er in comfortablem, leichtem Feder- 
'vagen mit Lederdach, Buggy, umher, speculirt und „prospec- 
d. h. sucht einen Ort, wo er sich niederlassen möchte, 
'Venn er die innehabende Farm verkauft haben wird, oder 
^eibt irgend ein Handelsgeschäft neben der Landwirthschaft. 
atürlich düngt er nie, pflanzt wenig Bäume und seine Frau 
legt selten einen Gemüsegarten an. Weizen, Mais, Pferde, 
den Mann und Schaukelstuhl für seine Lady, ein 
eichter Pferdestall, ein solcher Maschinenschuppen, ein noch 
leichterer Stall für eine bis drei Kühe, der oft mit den Kühen 
fehlt, ein Brunnen und ein hölzernes, in der Fabrik um 
Ï50 bis 350 Dollars gekauftes Holzhaus, das ist der Anblick, 
den eine amerikanische Farm bietet. So lange er arm ist, 
Arbeitet seine Frau freilich fleissig in der Hauswirthschait und 
zuweilen im Garten, auf dem Felde nie. Nur die Kühe und 
Schweine melkt, respective füttert sie noch. 
Ganz anders richten sich die europäischen Ansiedler ein, 
von denen ich sprach. Sie kaufen mit Vorliebe solche, an 
geblich „eingerichtete“ Farmen, allein nach fünf bis sechs 
Juhren ist jedes Wirthschaftsgebäude verschwunden, das von 
dem Amerikaner gebaut wurde, meist selbst das Haus, und 
ut einem solideren Bau, wenn er auch aus Lehm- und Stroh- 
uiischwerk gebaut sein sollte, Platz gemacht. Von den Maschi 
nen sind die praktischsten noch vorhanden, Pflug, Cultivator, 
^ispflanz-Maschine, Dresch-Maschine, und der Header — 
n ^öpfer“ jene den südlichen Staaten der Union eigene 
Mahemaschine, welche die Aehre und vier, sechs bis acht Zoll 
troh nur abschneidet, die ungebunden in die Dreschmaschine 
ommen. Die sehr lange Stoppel wird unterpflügt oder abge- 
i’annt und bildet auf den meisten Wirthschaften die einzige 
üngung. Ein solcher Header, der 250 Dollars kostet und 
30 Acres mäht, möchte sich auf ungarischen Ebenen, wo man 
J'icht düngt, sondern das Stroh verbrennt, auch empfehlen. 
'G lange Strohstoppel ist ein immerhin noch mässiger Ersatz 
^ Düngers und diese Maschine arbeitet sehr schnell. Eine 
zillsäemaschine ist natürlich auch auf deutschen Farmen ver 
laden, auf der deutschen Wirthschaft ferner stets ein Mais-
        <pb n="374" />
        schaler, oft eine Häcksel-Maschine und eine Rübenschneid- 
Maschine. 
Alleebäume, Obstbäume und ein Gemüsegarten, in dem 
man oft weibliche Mitglieder der Familie arbeiten sieht, fehlen ^ 
der deutschen Niederlassung selten. Neben dem Viehstalle, 
der schon für 6 bis lo Haupt Räume hat und warm und . 
solid gebaut ist, steht ein Heuschober und davor ist eine | 
Düngerstätte angebracht, deren Vorrath regelmässig abge 
fahren wird. Der deutsche Ansiedler arbeitet fast jahr- . 
aus jahrein auf der Farm und dem Felde, bricht jähr- | 
lieh mehr Prairieboden um und ackert tiefer und besser. i 
Dem Amerikaner, der gerne einen Pflug benützt, auf welchem 
er bequem sitzt, kommt es nicht darauf an, wenn der Pflug 
hie und da eine Furche auslässt oder eine Strecke weit über 
den zu pflügenden Boden weggleitet. Wenn er nur „wenig g 
Arbeit“ in den Boden steckt, so lohnt die.Weizenernte au | 
grosser Fläche ja doch noch, und zudem liegt sein Haupt 
augenmerk mehr in der Speculation als in der Production. 
Ihm kommt es darauf an, „viel Land unter dem Pfluge“ zu 
haben, da mit der Zahl dieser „verbesserten“ Acres der Preis , 
der Farm beim Verkaufe wächst. In dem Jahre grosser und - 
ausnahmsweiser Dürre, 1879, ernteten die Deutschen noch 
immer 8 bis 15 Bushels per Acre, die Amerikaner, welche ¡ 
nur 4 bis 5 Zoll tief pflügen, fast nichts. Schon nach fün ' 
bis sechsjährigem Anbau zeichnet sich gedüngter Boden vor 
ungedüngtem aus. Es muss jedoch zugegeben werden, da^ , 
die Humusschichte in Kansas nicht so mächtig ist, als »u 
einigen anderen Prairiestaaten, wo also Dung vielleicht wenigt^** [ 
thut als hier. Auch der deutsche Ansiedler baut ganz über- j 
wiegend Weizen und Mais, aber daneben immer einige andere j 
Fruchtarten, um durch das ganze Jahr seine Arbeitskraft uu 
die des Zugviehes ausnützen zu können. Natürlich vermeh^ . 
er dadurch seine Einnahmen. Er hält sofort mehr Rindvie I 
und einige Schweine, macht Butter zum Verkaufe und liefe^ | 
junge Hühner und Eier auf den Markt, die sehr gut bezahl j 
werden. Auch Gemüse- und Obstbau bringen ihm Ge 
Solche kleinen Einnahmen verschmäht der amerikanische Farmer
        <pb n="375" />
        359 
im „fernen West“. In den östlichen, älteren Staaten ist 
dies anders. 
Die mittlere Maisernte kann auf 40 Bushels per Acre an 
genommen werden. Hafer liefert einen guten Krtrag und hat 
auch guten Preis. Flachs wird nur des Samens wegen an 
gebaut. Der Stengel und die Faser werden gar nicht benützt. 
Aus Sorghum und Maisstengel machen die Farmer jenen 
Syrup, den sie für den Hausbedarf nöthig haben; neuerlich 
Verkaufen sie auch schon solchen an eine nahe bei Newton 
entstandene Zuckerfabrik. Millet, Klee und andere Futter 
gräser, namentlich Alfalva, eine Art Luzerne, werden neuer- 
lich immer mehr angebaut, so auch Turnips und andere 
Knollengewächse zum Winterfutter des Viehes, das die Ameri 
kaner meist noch jahrein jahraus auf dem umzäunten Weide 
grunde der Farm lassen, der Deutsche aber im Winter, sei 
cs auch nur auf 8 bis 10 Wochen, aufstallt, denn etwas ver- 
iiert es auch in einem milden Winter an Fleisch. 
Obstbäume aller Art gedeihen und bringen sehr bald 
Früchte, und im Nordosten des Staates bauen deutsche Wein 
gärtner einen trinkbaren, jedoch starken Wein. Die Baum 
wollenregion hat aber hier aufgehört. Es ist gewiss nicht 
richtig, dass in dieser fruchtbaren Ebene Weizen deshalb so 
billig erzeugt werden könne, weil die Amerikaner „Raubbau“ 
treiben, denn es stellt sich heraus, dass die deutsche Wirth- 
schaft, welche schon im ersten Jahrzehnt nach Umbrechen der 
Prairie eine Dung- und Fruchtwechselwirthschaft geworden 
ist — wenn auch immer noch unverhältnissmässig viel Weizen 
ttnd Mais gebaut wird und wenn auch noch nicht aller Acker 
tegelmässig gedüngt werden sollte — sich besser auszahlt, 
^Iso im Stande ist, die Producte billiger herzustellen als der 
Kaubbau, den amerikanische Farmer zweifellos treiben, die 
^eisten derselben in Kansas wenigstens. Damit schwindet der 
T'rost für Europa, der Raubbau werde die amerikanische Pro- 
(Auction bald vertheuern. Er ist in Kansas meist nur ein kur- 
^cs Uebergangsstadium, da er sich weniger rentirt als ratio- 
neller Ackerbau. Dieser ermöglicht ja unter Anderem die 
'^olle Ausnützung der Arbeitskraft einer Farmerfamilie an den
        <pb n="376" />
        36o 
meisten Tagen des Jahres, weil verschiedene Wirthschalts- 
zweige cultivirt werden. Die Arbeitskraft aber ist, wenn nicht 
das einzige, doch das grösste Capital der Farmer auf 
Homesteads. 
In dem westlichen Drittel des Staates wird die Landwirth- 
Schaft auf bewässertem Boden nur immer eine kleine Rolle 
spielen, zumal diese Farmen von den guten Märkten im Felsen 
gebirge entfernter liegen als bewässerte Grundstücke in Colo 
rado und Neu-Mexico selbst. Nichtsdestoweniger wird der 
Localbedarf an Zufutter und Mastfutter für das Vieh und an 
Gartengemüsen und Kartoffeln hier wahrscheinlich gezogen 
werden. Viehzucht bleibt aber die Hauptindustrie des Westens 
von Kansas, Nebraska und der Ebenen von Colorado und 
Neu-Mexico, mit Ausnahme der Flussthäler und einiger Niede 
rungen daselbst. 
Die Schafzucht ist in Westkansas erst im Entstehen 
und hat man etwa erst 650.000 Schafe im Staate, meist 
mexicanischer Abkunft, die durch Merino-, seltener durch Cotts- 
wold-Böcke aufgebessert werden. In Colorado und Neu-Mexico 
bleiben die Schafe das Jahr hindurch im Freien. In Kansas 
sorgt man meist für Stallung für den Winter, mäht Heu iri 
Prairieniederungen oder baut Millet, Thimotee, Klee, Alfalva 
für Winterheu und füttert Sorghum oder Mais dazu. Im Früh 
ling werden dann stallfette Hammel mit Vortheil verkauft nach 
Kansas City oder Denver, Leadville und anderen Bergwerks 
städten des Westens. 
Mexicanische Mutterschafe kosten in Kansas circa zwei 
Dollars per Stück, „gegradete“, d. h. Kreuzungsproducte, ca. 
drei Dollars, Merinoböcke 25 Dollars, die ungewaschene Wolle 
bringt rund 20 Cents per Ib. Der Lohn eines Schäfers mag 
mit 300 Dollars per Jahr und das Scheeren mit 5 Cents per 
Haupt angeschlagen werden. 
Die Rindviehzucht von Kansas ist bedeutender als seine 
Schafzucht. Die Zahl des Rindviehs vermehrte sich von 
749.000 Haupt in 1874 auf 1.451.000 in 1880 und i.541.000 ult. 
1881, der Werth von 13 auf 36 Millionen Dollars. Wohl zieht man 
auf allen guten Farmen von Ost- und Mittelkansas g^tes hoch-
        <pb n="377" />
        361 
gradiges Rindvieh, d. h. solches texanischer Abkunft, das wieder 
holt mit Shorthorn verbessert wurde, allein das meiste derartige 
Vieh wird auf der mit nahrhaftem Buffalograse bestandenen 
Welligen, baumlosen Prairie von Westkansas gezogen oder aus 
Texas angekauft und hier verbessert. Hier fuhrt man mehr 
und mehr auch eine verbesserte Viehzucht ein. Im Thaïe des 
Arkansas und des Cottonwood-Flusses legt man umzäunte 
Weideplätze an, wo das Vieh Wasser und Schatten von Bäu- 
Ulen am Wasser hat. Man baut auch leichte Schuppen, die 
gegen die Windseite geschützt sind. Hier futtert man das 
^ ieh im Winter. Auch kauft man hier und für bessere Par 
tien in ganz Kansas gegradetes Vieh aus Texas und in 
trockenen Jahren aus Colorado, meist drei- bis vierjährige 
Stiere, die zwei bis drei Monate mit Heu, Mais, Wurzel 
gewächsen, die an Ort und Stelle wachsen, gemästet und im 
Frühlinge auf die saftigen W^eiden der Thäler getrieben wer 
den, wo sie bald schlachtreif werden. Dann kommen sie auf 
tien Markt von Denver oder Kansas City und Chicago. Wo 
tuan Viehzucht neu einrichtet, was in grossem Style von Eng- 
iändern geschieht, kauft man im Juni bis August Texas-Kühe 
^it Kälbern, die dann hier, von Südwest-Texas getrieben, er- 
%heinen. Die Kühe sind meist dreijährig und kosten nebst 
alb circa 15 bis 16 Dollars. Dazu kauft man Shorthorn- 
ollblutbullen, die auf 7o bis 90 Dollars kommen, veredelt 
nun den Stamm und sendet die Thiere gemästet, wie oben 
^Schrieben, zum Markte. Die erste Kreuzung soll Texas- 
Vieh um 50 Percent werthvoller machen. 
Land kann zu Weidezwecken von der Unionsregierung 
I /4 Dollars per Acre im Westen gekauft werden, doch 
solches am Wasser meist schon occupirt und muss von 
^en Besitzern theurer erworben werden. In den für Acker- 
bau geeigneten Theilen ist Homestead-Land kaum noch vor 
handen. Die Atchinson-Topeka- und Santa Fé-Eisenbahn- 
Gesellschaft hat noch einige Millionen Acres gutes Farmland 
Und verkauft es zu 2 bis 10 Dollars per Acre, nach Qualität 
Und Nähe von einer Bahnstation. Bei Baarzahlung reducirt 
den Anschlagspreis um 33’/* Percent. Bei Zahlung in
        <pb n="378" />
        362 
drei Terminen innerhalb zweier Jahre erlässt sie 30 Percent, 
nimmt aber 10 Percent Zinsen der beiden ausstehenden Raten. 
Bei Zahlung in sechs Jahresraten erlässt sie 20 Percent des 
Anschlages, die Restkaufgelder zahlen 7 Percent Jahreszinsen. 
Bei einährigem Credit nimmt sie 7 Percent Zinsen und fordert 
den vollen Anschlag. Somit kosten 160 Acres, zu 5 Dollars 
per Acre Anschlag, bei Baarzahlung am Kaufstage 533 Dollars, 
bei zweijährigem Credit zusammen nebst Zinsen in Raten 
616 Dollars, bei sechsjährigem Credit zusammen 789 Dollars, 
bei elfjährigem Credit 1125 Dollars; in diesem Falle am Tage 
des Ankaufes 130 Dollars, nach einem Jahre 50 Dollars, nach 
zwei Jahren 50 Dollars, nach drei Jahren 124 Dollars, nach 
vier Jahren 119 Dollars, nach fünf Jahren 113 Dollars, nach 
sechs Jahren 108 Dollars, nach sieben Jahren 102 Dollars, nach 
acht Jahren 96 Dollars, nach neun Jahren 91 Dollars, nach 
zehn Jahren 85 Dollars, nach elf Jahren 80 Dollars mit 
Weglassung der Cents. Diese geringen Raten kann ein 
tüchtiger Farmer leicht abzahlen. 
Capitalisten besitzen Land, das sie auf Speculation kauften 
und in Parcellen verkaufen, so eine Gesellschaft, von der ich 
ein Mitglied in Cimmaron traf, Mr. Porter. Sie besitzen 
40.000 Acres nahe Atchinson, die sie von 7 bis 12 Dollars 
per Acre verkaufen. 
Unter allen Umständen ist es schwierig, sich mit weniger 
als 1000 Dollars Vermögen in Kansas auf Prairieland anzu 
siedeln, und schon etwas verbesserte Farmen sind unter 1500 
bis 2500 Dollars, in gewöhnlicher Grösse von 160 Acres 
kaum zu haben. Jahre der Dürre kommen vor, und treffen 
sie einen mittellosen Ansiedler, so machen sie ihm das Leben 
hart. Kann und will er aber hart arbeiten, so wird er dennoch 
langsam fortkommen, wenn er eine Zeit im Jahre um Lohn 
auf anderen Farmen arbeitet, oder mit seinem Gespann ackert. 
Dürftige Farmer verdienen mit letzterem Geschäfte viel Geld. 
Engländer kaufen Prairien an, wollen sie aber erst beziehen, 
nachdem sie umgebrochen sind; Amerikaner besitzen Home 
steads oder Prairieboden, wollen sie in Cultur bringen, aber 
nicht darauf wohnen, weil sie in den Städten bessere Ge-
        <pb n="379" />
        363 
schäfte machen und die „verbesserte“ Farm später an Ansiedler 
verkaufen wollen. Sie lassen die Pflüge-, Säe- und Erntearbeit 
entweder um ' 2 bis -/g der Ernte machen. Hier ist also für 
einen Mann, der nicht eine Farm kaufen kann, Gelegenheit, 
sich das Geld zum Ankäufe in einigen Jahren zu verdienen. 
Für das Umbrechen des Prairiebodens berechnet man 2 Dollars 
per Acre und denselben Preis in der Regel für jede Furche. 
Ein Mann und zwei Pferde brechen etwa drei Acres per 
Tag um. 
Was kostet die Production von 1 Metercentner Weizen 
in Kansas, was von i Centner Fleisch ? Das ist eine Frage, 
die ich nicht beantworten kann. Auf diesen kleinen Farmen 
wird wenig Geld ausgegeben. Ein armer Ansiedler baut sich 
eine Hütte. Ist er ein Amerikaner, nicht selten einen „Dug-out“, 
d. h. eine Höhle in der Erde, die er mit einem Dache aus 
Erde oder Stroh deckt, und er thut natürlich alle Arbeit selbst, 
ohne einen Lohnarbeiter aufzunehmen. Die Steuer an den 
Staat Kansas ist sehr gering. Derselbe hat nur i.i81.000 Doll. 
Schulden und eine Ausgabe von anderthalb Millionen Dollars. 
Lie Steuer beträgt 55 Cents von 100 Dollars eingeschätztem 
Eigenthume. Die Einschätzung ist aber sehr niedrig. Man 
Sagt mir, dass sie in Kansas etwa ein Percent der Geldein 
nahme tüchtig wirthschaitender Farmer betrage. Die Kleidung 
der Farmer ist sehr einfach, meist unendlich oft geflickt. 
Colonialwaaren, Thee und Caffee, werden reichlich gekauft; 
diese, Salz und etwas Whisky sind aber fast das Einzige, 
Was die Wirthschaft, bei verständigem Betriebe, nicht selbst 
producirt, denn Zucker wird durch Syrup vielfach ersetzt. 
Zum Drusche mit der Maschine vereinigen sich die Nachbarn 
und ziehen von Farm zu Farm, sich helfend, so dass für 
Arbeitslohn nichts ausgegeben wird. Ist die Maschine geliehen, 
so kostet das eine Kleinigkeit. Baron Gudenus, mit dem ich 
vielfach diese Präge besprochen, behauptete dem Grafen 
J- Széchényi gegenüber, der durchaus die „Productionskosten“ 
ziffermässig feststellen wollte, was bei einem allgemein üblichen 
Wirthschaftssytem, nach dem der Besitzer des Landes auch 
^er Unternehmer und Arbeiter darauf gleichzeitig ist, sich
        <pb n="380" />
        3^4 
wirklich nicht thun lässt, dass ein verständig, nach dem 
unter Deutschen und Böhmen üblichen System, wirthschaftender 
Farmer auf i6o Acres, nachdem er einige — etwa drei — 
Jahre hier gewohnt hat — die Prairie bringt erst nach drei 
jährigem Anbaue volle Durchschnittsernten — alle seine Wirth- 
schaftsunkosten und Abgaben — nicht aber etwaige Schuld 
zinsen — aus Einnahmen deckt, welche eine sorgsame Hausfrau 
sich macht für Eier, Geflügel, Butter, Gartengemüse, Obst und 
allenfalls einige Mastschweine; dass die kleinen Getreide, Hafer, 
Roggen, Gerste, Kartoffel etc. für Consum aufgehen und aus 
reichen, Weizen und Mais aber verkauft werden können, sofern 
letzterer nicht zur Viehmast dient, in welchem Falle er in Gestalt 
von Fettvieh auf den Markt kommt Der Ertrag aus Weizen, Mais, 
resp. Fettvieh, bilde „den Lohn des Farmers und die 
Verzinsung seines eingelegten Capitales“. Ich bin der 
selben Ansicht. Sollte ich noch einmal auf längere Zeit nach 
Kansas kommen, so hoffe ich das Budget einiger Normal-Far 
mer detaillirt aufzustellen. Ein erfahrener Amerikaner sagte 
mir, bei voller Lohnarbeit und den bisherigen Bodenpreisen 
stellen sich die Productions-Kosten des Bushels Weizen in Kansas 
auf 22 Cents, d. h. auf 1.96 fl. ö. W. oder 4.25 Fres, per Meter- 
centnerü Uebrigens muss man in Anschlag bringen, dass der 
europäische Ansiedler hier unendlich viel besser sich nährt 
als er es zu Hause thun konnte. Fleisch in allen Formen, 
Butter, Käse und Milch kommen täglich drei Mal auf den 
Tisch. Wie kann in Europa so ein Landmann von 2- bis 
3000 fl. Vermögen leben? Unendlich viel schlechter, natürlich, 
und an Ersparnisse oder Werthsteigerung des Besitzes ist 
schon gar nicht zu denken. Im Westen aber steigt der Grund 
besitz an sich, ohne das er durch Cultur verbessert würde, 
durch Zunahme der Bevölkerung und Vermehrung der Nach 
frage nach Grundbesitz von Jahr zu Jahr im Werth. 
Mr. Towenshend, der seit fünf Jahren als Specialcorrespon- 
dent des Londoner „Field“ in Amerika reist und 1881 den 
Herzog von Sutherland begleitete, sagte mir, dass eng 
lische Farmer mit einem Capital von mehreren tausend Pfd. 
St., die hier zwei bis vier Homesteads kaufen und darauf nach
        <pb n="381" />
        365 
englischer Methode und mittelst Lohnarbeit Ackerbau treiben, 
also „ Gentlemen - Farmer “ sind und nach Landessitte leben, 
Ï0 bis 12 Percent jährlich — nach den ersten drei Jahren — 
Von ihrem Capitale machen, mit grösserem Capitale aber bei 
Viehzucht, wie ich sie oben geschildert habe, auf gekauftem 
und umzäuntem Acker und bei Mast des Viehes nach den ersten 
^rei Jahren 25 Percent. Ausserdem kommt ihnen das rapide 
Steigen des Bodenwerthes zu statten, das seit zwei bis drei 
Jahren auf „verbesserten“ Farmen über 100 Percent betragen 
hat und noch fortwährend wächst. Amerikaner, die noch auf 
Regierungsland weiden, nicht mästen, aber dafür auch ein 
sehr unruhiges, oft kampfreiches Leben führen — denn Vieh 
diebstahl ist hiebei die Regel — machen 40 bis 60 Percent. 
Diese Geschäfte sind aber nicht von Dauer und ein Europäer 
könnte sich auch nicht in sie hineinleben. 
Noch ist zu erwähnen, das Westkansas voll von Kohle 
dicht unter der Oberfläche ist, so dass Brennmaterial, obschon 
das Land holzarm ist, billig bezogen werden kann. Diese 
Kohle wird in vielen Bergwerken bereits seit einem Jahrzehnt 
^bgebaut. Ein Land, das dem Farmer mit kleinem Capital 
so grosse Vortheile bietet, muss sich schnell bevölkern. Die 
Bevölkerung betrug 1870 nur 364.000, wuchs bis 1875 nur 
^uf 528.000 — Krachzeit — 1878 betrug sie schon 708.000 
'^ud am I. Juni 1880 schon 995.000. Die Einwanderung ist 
R&gt;rtwährend in der Zunahme, obschon 1879 ein Jahr ganz un 
gewöhnlicher Dürre und der Winter 1880 auf 1881 der här- 
^®ste in der ganzen Union seit 1835 war. ln Kansas hatte er 
den Saaten aber so gut wie keinen Schaden gethan. Selbst 
jvenn ein Heuschreckenjahr ist, so erscheinen diese Thiere in 
^nsas meist erst nach der Weizenernte und dem Mais 
Schaden sie in diesem Stadium nicht. Die Weizenernte beginnt 
'dämlich in Kansas schon vom 8. bis 10. Juni ab. Wir haben 
unseren Rundreisen manche neue Ansiedelung und auf 
den meisten älteren frisch umgebrochenen Prairieboden gesehen. 
'G Ansiedler sind meist Verwandte oder Bekannte solcher 
Gute, die schon angesessen sind und für die ihre hiesigen 
i’Gunde bereits Land ausgesucht haben.
        <pb n="382" />
        366 
Ein deutscher Rédacteur, Herr Wolf aus Nebraska, den 
wir in Colorado trafen, sagte uns, man könne das Land west 
lich vom Mississippi gut und gern „Neudeutschland“ nennen, 
denn über die Hälfte der Farmen, und zwar die besten, sei 
schon im Besitze von Deutschen, Scandinaviern und Schwei 
zern und ihre Zahl wachse von Jahr zu Jahr. Sie kauften die 
Amerikaner mehr und mehr aus und blieben dauernd auf den 
Farmen. Wenn der Mann nicht sterbe, oder arbeitsunfähig 
oder ein Säufer werde, so käme jeder solcher Ansiedler zu 
Wohlstand, es sei denn, er lasse sich auf Speculationen ein 
oder habe sonst ein besonderes Unglück. Die Verwaltung 
ganzer Grafschaften sei schon deutsch. Dieser starke und 
wachsende deutsche Zusatz wird dem ganzen Westen Amerikas 
einen eigenthümlichen Charakter geben. Der Deutsche gc* 
winnt hier jene Selbstständigkeit und jenes Selbstbewusstsein 
wieder, das ihm zwei bis drei Jahrhunderte bureaukratischer 
Bevormundung „im alten Lande“ fast geraubt haben. Es ist 
vollkommen nutzlos, die Auswanderung von drüben durch 
unwahre Warnungen hemmen zu wollen. Dagegen giebt es 
nur ein wirksames Mittel: wirthschaftliche und politische R^' 
formen. Man soll auch nicht vergessen, dass der Staat hier 
zwar überall vollständig freie Staatschulen, bis zur Universität 
hinauf, schafft, aber jedem Familienvater das Recht lässt, seine 
Kinder zu erziehen, wie er will, und ausserdem volle Freiheit 
der Kirche gewährt. Wie sieht’s dagegen bei uns aus?? 
Die Zahl der Farmer vermehrte sich in enormer Weise 
von 38.202 im Jahre 1870 auf 138.561 im Jahre 1880, wovon 
115.910 von den Eigenthümern, 4.438 von Pächtern und 
18.213 von Métayers bewirthschaftet wurden. Davon waren 
unter 3 Acres gross 62, von 3—10 Acres 997, von 10—20 
Acres 1.658, von 20—50 Acres 9.539, von 50—100 Acres 
31.078, von 100—500 Acres 93.823, von 500—1000 Acres 
1.169, über 1000 Acres 235.
        <pb n="383" />
        XXIIl. Capitel. 
Cimarron, ein Grossgrundbesitz in Amerika. 
In den Vereinigten Staaten von Amerika macht sich bis 
auf den heutigen Tag jener Antagonismus gegen England 
und englische entartete Institutionen geltend, welcher die 
Gründung der Neu-England-Staaten durch englische Auswan 
derer veranlasste. Diese Auswanderer waren, ebenso wie 
heute die deutschen Emigranten, mit den heimischen Verhält 
nissen unzufrieden und suchten sich hier auf anderem Fusse 
einzurichten. In England beruhte damals das politische System 
auf der Herrschaft eines im Grossgrundbesitze gesicherten 
Standes, welcher Grundbesitz sich seitdem langsam aus dem 
feudalen Amte mit Rechten und Pflichten in reines, pflichten 
loses, absolutes römisch-rechtliches Privateigenthum 
Verwandelte, wodurch die Hintersassen jedes Anrecht an den 
Hoden verloren. 
Hintersassen nun und solche Söhne und Enkel von Hinter 
sassen, welche, schon vom Lande losgelöst, seit Jahrhunderten 
die Städte bevölkert hatten, wandelten nach Amerika aus 
and gründeten hier Staatswesen. Natürlich führten sie nicht 
jenen Grossgrundbesitz hier ein, dessen Entartung in reines 
Hrivateigenthum ihnen in England unerträglich geworden. 
Sondern sie griffen auf das altdeutsche Freihufen- und Höfe 
system zurück, wie es in Niedersachsen sich bis heute er 
halten. 
Dieses begünstigen sie auch heute noch und überlassen 
seine Conservirung nicht sogenannten „Naturgesetzen“ oder 
der „Intelligenz“, oder dem „Wohlwollen“, oder der „Charite“ 
Einzelner, sondern sie sichern es durch positive Gesetze und
        <pb n="384" />
        368 
Verwaltungsmassregeln. Deshalb haben sie alles unoccupirte 
Land in halbe und ganze Homesteads von 8o, respective 
i6o Acres getheilt und selbst die grossen Eisenbahnländereien 
in Parcellen von je vier Homesteads so zwischen Unions- 
Homesteads und Schulland schachbrettförmig eingeschachtelt, 
dass es sehr schwer ist, einen zusammenhängenden Grossgrund 
besitz anzukaufen. Sie haben ferner den Freihufler auf seiner 
Homestead in den meisten Staaten durch Exemtionsgesetze 
derartig geschützt, dass er dieses Heim nicht Schulden wegen 
verlieren kann. Die Macht des Geldcapitals über den Grund 
besitz schränken ferner Wuchergesetze in 31 Staaten der 
Union ein, denn die Aufhebung der Wuchergesetze in Europa 
und die „Freigebung des Grundbesitzes“ bedeutet daselbst 
die Auslieferung des Grundbesitzes an das Geldcapital, die 
Depossedirung der freien ackerbauenden Grundbesitzer durch 
die Capitalisten, Speculanten und Wucherer, . den Sieg der 
Stadt über das Land. Abermals hat das Geldpatriciat Roms 
über die Bauern der Campagna gesiegt. Die Bauern unserer 
Tage haben nicht einmal ihre Gracchen gefunden! Dafür er 
zeugt sich aus ihnen und ihren vom Boden gelösten, prole- 
tarisirten Söhnen langsam das Heer moderner Vandalen, die 
das semitische „Rom“ unserer Tage plündern — wollen. Von 
all solchem socialen Unfug hat man sich in Amerika bisher 
ferngehalten, soweit die Gesetzgebung damit zu thun hat. Die 
sociale Gesetzgebung dieser Republik ist conservativer als 
jene irgend eines europäischen Staates. 
Bei dieser Missgunst, mit der die Majorität des Volkes 
den Grossgrundbesitz betrachtete und noch betrachtet; bei der 
allgemeinen Ansicht, dass die republikanischen Institutionen 
des Landes, welche man sehr schätzt, durch einen erblichen 
Grossgrundbesitzerstand gefährdet werden; dass das Selfgo 
vernment in den kleinen Bezirken, welches man mit Recht 
der Herrschaft einer anmassenden Bureaukratie vorzieht, nur 
durch die Existenz eines zahlreichen, wohlhabenden und gegen 
Existenzvernichtung durch Gesetz gesicherten Bauernstandes, 
dessen Mitglieder Zeit und Bildung genug haben, die Mühe 
des Selfgovernments unentgeltlich zu üben, sich aufrecht er-
        <pb n="385" />
        3^9 
alten lässt, hat dahin geführt, dass der Grossgrundbesitz ir 
jenen Theilen der Union, welche ursprünglich nicht von Sachser 
colonisirt und also nicht dem deutschen Rechte oder Her 
Rommen unterworfen waren, sondern den modernen Umbil- 
ngen des römischen Rechtes, also in ursprünglich französi- 
en und spanischen Colonien, von Florida bis Californien 
aurch den ganzen Süden und Südwesten, dass dieser Gross 
grundbesitz zum grossen Theile vernichtet worden ist. 
Man kann den Bürgerkrieg, der 1865 endete, nur theil- 
eise als den Sieg des industriellen Capitales, das nach Schutz- 
Oll rief, Uber den Grundbesitz bezeichnen. Er bedeutet auch 
»e Vernichtung des im Süden geltenden Principes des Gross 
grundbesitzes durch jenes des freien Kleinbesitzes, wie es denn 
le Farmersöhne von Ohio und den nordwestlichen Acker- 
austaaten hauptsächlich waren, welche die mehr aristokra- 
»sche Armee des Südens unter ihren ritterlichen Generalen 
ee und Jackson, trotz deren glänzender Tapferkeit, nieder- 
arfen. . . . Dieser Krieg findet ein Gegenstück im Kampfe 
^romweirs gegen die Generale Carl's 1. in seinem Verlaufe, 
er nicht in seinen Folgen. Das Resultat dieses Kampfes 
ar die Verarmung der Grossgrundbesitzer des Südens. Sie 
üssten die Besitzungen meist verkaufen. Die meisten der 
otzteren sind in kleine Parcellen zerschlagen. Nur wo die 
atur des zu cultivirenden Objectes, wie des Rohrzuckers, viel 
pital verlangt, hält sich Grossgrundbesitz, ohne dass er bis- 
sehr rentirte. Die grossen Baumwollplantagen sind fast 
usnahmslos in Kleinbesitzungen zerschlagen. Dieser Process 
at sich auf dem weiten Gebiete von Virginien bis Florida 
^d von Missouri bis Louisiana vollzogen. 
^ Man wolle nicht übersehen, dass, wenn auch die römisch- 
s h Auffassung nur in den ehemals französisch-spani- 
r * Colonien also den vom Mississippi bis Florida 
enden galt, Carolina und Virginia ebenfalls 1562 von 
^ ankreich aus zuerst dem europäischen Einflüsse unterworfen 
arden. Carl IX., König von Frankreich, gab Carolina den 
^amen. Wenn diese Colonisirung auch scheiterte, so blieb 
®ch französischer Geist gewissermassen am Lande haften, 
24
        <pb n="386" />
        n.-rn. 
370 
und als die Engländer 1663 herüberkamen, waren diese Eng 
länder ganz andere Leute als die Schweden, welche sich lO 
Delaware, die Holländer, die sich in New-York, die demokra 
tischen Puritaner, welche sich in den Neu-England-Staaten, und 
die Quäker, die sich in Pennsylvanien niedergelassen hatten. 
König Carl II. von England schenkte das Land acht Edel 
leuten, welche hier das System des englischen Grossgrund 
besitzes definitiv etablirten. Ein Lord Delaware reorganisirte 
die in Gefahr gerathene Colonie Virginia im Jahre 1609. 
Südlich vom Potomac hat also das System des Gross 
grundbesitzes factisch zweihundert und fünfzig und 
mehr Jahre geherrscht, bis es durch den im Norden und 
Westen stark werdenden Kleingrundbesitzerstand vernichtet 
wurde, der sich ad hoc mit den Capitalisten der Industriestaaten 
verbündete. Dieses Bündniss existirt nicht nur nicht mehr, 
sondern bald nach dem Kriege organisirte siçh der Kleingrund 
besitzerstand im Granger-Orden und im vorigen Jahre entstand 
die Anti-Monopol-Ligue gegen die Grosscapitalisten, welche 
die Bahnen, Telegraphen und Banken — und durch 
sie Amerika — beherrschen. Seit 1845 sind an die Union 
die Staaten und Territorien Texas, Neu-Mexico, Colorado, 
Arizona, Südcalifornien allmälig annectirt worden. Hier g^h 
spanisches Recht und spanische Gewohnheit; hier herrschte 
abermals Grossgrundbesitz vielfach vor. Diese Staaten und 
Territorien waren zur Zeit des Bürgerkrieges so wenig 
wickelt, dass sie von dem Schlage, der den Grossgrundbesitz 
in den südöstlichen Staaten traf, nicht berührt wurden. Gs 
sind also dies jene Staaten in der Union, in welchen es von 
altersher Grossgrundbesitz gab und in denen er sich noch 
täglich bildet, wie auch in einer anderen, ehemals spanischen 
Colonie, in Texas, wo die Staatsregierung sich beim Anschluss® 
an die Union die öffentlichen Ländereien reservirt hat und si® 
in kleinen und grossen Stücken verkauft, wie sich eben Käuf®f 
finden. 
In den anderen Staaten und Territorien dieser GrupP^^
        <pb n="387" />
        .171 
24* 
gehört der grössere Theil des Landes noch der Unionsregie 
gierung, die es ebenfalls in Seccionen, à vier Homesteads, à 
i6o Acres, eingetheilt hat und klein weise verkauft. Es ist 
sehr schwierig, hieraus, durch Auskaufen von Homesteads, 
chulland etc., Grossgrundbesitz zu bilden. Indess ist es immer 
in so und durch Ankauf solcher Homesteads, die am Wasser 
¡egen, möglich, weil das von den Flussläufen abgeschnittene 
and werthlos ist .und von den Besitzern der Flussufer un- 
entgeltlich als Weide benützt werden kann. Allein man kann 
Sehr schwer nur einen Rechtstitel auf diese Hinterlandweide- 
gründe erlangen. Deshalb und da dieses Land meist für 
Ackerbau untauglich ist, Viehzucht aber auf Homesteads von 
ï6o Acres hierselbst nicht erfolgreich getrieben werden kann, 
^erlangen Viele, die Union solle hier W^eideland in grösseren 
Komplexen und billiger als i Dollars per Acre — der Preis 
^cs käuflichen Regierungslandes — verkaufen. Dann würde 
Sich hier allgemein Grossgrundbesitz bilden. 
. Diese Forderung scheint in der Natur des Landes und 
Interesse seiner rationellen Ausnützung zu liegen, steht 
^ber im Widerspruch mit der herrschenden Ansicht in der 
nion, welche den kleinen Grundbesitz allein als mit dem 
taatswohle verträglich, betrachtet. Wie diese jetzt aufge 
worfene Frage gelöst werden wird, steht dahin. Da nun 
olorado, Neu-Mexiko und die anderen Staaten und Terri- 
|orien dieser Gruppe hauptsächlich für Viehweide nur nutz- 
är zu machen sind — soweit nicht künstliche Bewässerung 
^ Thälern und Bergbau in den Gebirgen in Frage kommt — 
So ist natürlich der schon vorhandene und in seinem Rechte aner- 
amite Grossgrundbesitz daselbst sehr gesucht und wird per Acre 
! bezahlt, als Regierungsland in kleinen Parcellen. Dies 
*st vielleicht der einzige Fall in der Welt, dass ganz allgemein 
^uf einem weiten Landgebiete Grossgrundbesitz per Maaseinheit 
^ehr kostet, als Kleingrundbesitz. 
Die Grundbesitzvertheilung in den ehemals mexicanischen 
Staaten und Territorien ist die folgende:
        <pb n="388" />
        Staat 
oder 
Territorium. 
unter 3 
Acres. 
1 
3—10 
Acres. 
"arm 
IO—20 
Acres. 
en in 
20 -50 
Acres. 
Gröss 
50—100 
Acres. 
e von: 
100—500 
Acres. 
500 bis 
1000 
Acres. 
über 
1000 
Acres. 
Texas 
Neu-Mexico 
Colorado 
Arizona 
Californien 
Nevada 
Oregon 
34 
14 
I 
143 
13 
3.554 
t.633 
46 
»7 
1.064 
23 
172 
16.780 
t.055 
96 
35 
1.430 
44 
207 
43.675 
849 
335 
56 
3.475 
143 
679 
29.539 
484 
659 
104 
3.969 
185 
1.723 
70.821 
919 
3.022 
528 
20.214 
779 
II.791 
5-088 
56 
233 
17 
3.108 
146 
1.280 
3-793 
43 
114 
lO 
2.53* 
84 
353 
Summa ; 
Süd - Staaten 
ohne Texas 
205 
1.630 
6.509 
47.660 
19.647 
118.570 
49.212 
.321.623 
36.663 
288.333 
105.074 
526.568 
9.928 
43-799 
6.9*7 
17.07* 
Summa: 
Union 
1.835 
4-352 
54-169 
134.889 
138.217 
254.749 
370.835 
781.474 
324.996 
1.032.910 
831.642 
1.695.983 
53.727 
75.972 
23.988 
28.578 
Diese Tabelle ergibt deutlich, wie sehr der Grossgrund- 
besitz in den früher spanischen, darauf in den Südstaaten 
entwickelt ist und wie sehr er im Rest der Union hinter dem 
Mittel- und Kleinbesitz zurücktritt. Im Rest der Union gibt 
es keine 5000 Güter, die über 1000 Acres gross wären. 
In diesen noch bis vor circa 30 Jahren unter spanischem 
Rechte stehenden Ländereien findet man nun Folgendes- 
Die spanischen Könige, und später die Präsidenten der R^' 
publik Mexiko, verleihen an Günstlinge, oder an verdiente 
Leute, oder an Männer, von denen sie Dienste erwarteten, grosse 
Landstrecken in ihren amerikanischen Colonien, welche noch 
nicht von Europäern bewohnt waren und oft erst den Indianern 
abgenommen werden mussten. So hat sich das Lehenssystem 
und die Schaffung neuer Landlehen in Amerika bis in dieses 
Jahrhundert hinein erhalten, nachdem es in Europa aus Mangel 
an unoccuppirtem Lande, längst aufgehört hatte. In Russ 
land freilich findet bis in unsere Zeit dergleichen auch noch 
statt, wenn der Czar Krondomänen an Adelige verschenkt 
oder die Güter geächteter polnischer Edlen. Auch die Do- 
tirung Bismarck’s mit dem Sachsenwalde kann eine solche Be 
lehnung genannt werden.
        <pb n="389" />
        373 
Die geschilderten Ländereien sind jetzt in jenen Staaten 
^ mon a s „Private land grants“ bekannt und wurde das 
esitzrecht der Inhaber von der Union überall, und bezüglich 
ZM r R durch den Friedensvertrag mit Mexiko 
l.Vh “P® Hidalgo im Jahre 1848 principiei! ausdrück- 
di, Pur eine neue Annexion im Jahre 1853 folgte 
ebe vertragsmässige Anerkennung im Messilla Valley- 
ertrage und ein Unionsgesetz vom 4, August ,854 sanctio- 
Dan%rimL vertragsmassig erworbenen Rechte der Inhaber der 
urk Uber ihre Besitztitel und Schenkungs 
kunden der Unionsregierung zur Untersuchung und Be- 
WZT T'T" .! """ The» derselben ge,han. 
nicht T"' ükeren Grants solche Urkunden 
nicht mehr vorhanden waren. Jene Grants, deren Titel an- 
wteH""‘h'-I; "C°"fi"ncd grants“, und sie erzielen 
ob! h’’ T'o per Acre als die noch nicht anerkannten, 
die , hV noch keinen Schritt that, um 
nhaber solcher noch nicht anerkannten Grants in ihrem 
siue zu stören Wenn sich aber späterhin Settler zahlreich 
da ‘“cn zweifelhaften Grants niederlassen und fordern sollten, 
nf? 1 " ,^n,onsregierung ihr Homestead-Rech, auf diesen, 
c t ega besessenen Ländereien anerkenne, so würden sich 
^oæe Schwierigkeiten erheben, die wohl meist zu Ungunsten 
rincips des Grossgrundbesitzes und zu Gunsten der Settler 
gelost werden dürften. Bisher haben sich die Inhaber solcher 
^ranjs meist unter der Hand mit diesen Settlern geeinigt. Die 
er ennung gewisser Grants, welche erst neuerlich erfolgte, 
at viele Kosten und Schwierigkeiten verursacht, ein Umstand, 
r sie nun wieder im Werthe steigen lässt, umsomehr, als 
einen Vortheil vor jenen voraus haben, deren Anerkennung 
p . ^ später noch erfolgen sollte. Die Anerkennung eines 
g- Grants ist Sache des Congresses der Union, erfordert 
esetz, das das Abgeordnetenhaus und den Senat passirt 
ad dann vom Präsidenten bestätigt wird. Diese Procedur ist 
ostspielig, langwierig und nicht stets erfolgreich. 
In der Union herrscht die Theorie, dass der Grund und
        <pb n="390" />
        374 
Boden dem Besitzer gehört ,,bis zum Mittelpunkte der Erde“. 
Ein Freischurfrecht existirt also nicht. Alle Mineralien ge 
hören dem Besitzer. Bei den bisher anerkannten Grants 
wurde dies massgebend. Allein bei Untersuchung der Schenkungs 
urkunden stellte es sich heraus, dass nach den alten spanischen 
Coutumes (Gesetz 5, Titel 2, Partida 2) die Schätze unter der 
Erde nicht alle gleichzeitig mit dem Lande verliehen wurden, 
sondern extra in der Belehnungsurkunde als mitgegeben be 
zeichnet werden mussten. Gold, Silber und Quecksilber blieben 
Regale. Aber selbst in dem Falle, dass sie mit verliehen 
wurden, gehörten sie dem Grantinhaber nur so lange, als 
jener König lebte, welcher die Schenkung machte! Als 
die Union die Landgrants anerkannte, hat sie bisher auch 
ein Recht der Besitzer an allen Mineralien darin anerkannt, 
aber nur aus Unkenntniss jener spanischen Gesetze, die auch 
später noch in Mexico galten. Das wird sje jetzt wahr 
scheinlich nicht thun. Unconfirmirte Grants, die hinfur 
bestätigt werden sollten, werden also nur die Oberfläche, nicht 
alle Mineralien umfassen, welche in den meisten Grants den 
werthvollsten Theil bilden, wenn jenes Gesetz angenommen 
werden sollte, das über diese Materie dem Congresse seit 
vorigem Jahre vorliegt. 
In Neu-Mexiko, wo ich diese interessante Angelegenheit 
zu studiren Gelegenheit hatte, existiren etwa 200 solcher 
„Privat-Grants“ die an Privatpersonen, 25 „Pueblo-Grants“ 
die an Stadtcommunen verliehen worden sind, und ferner 
mehrere, die Indianergemeinden verliehen wurden. Hiervon 
sind aber bisher nur 46 von der Unionsregierung bestätigt 
worden. 
Der älteste dieser bestätigten Grants ist im Jahre 17*^ 
vom Könige von Spanien, der jüngste i860 von der Unions 
regierung, der vorletzte 1846 von Mexiko verliehen worden. 
Jener Grant von i860 war nur ein Tausch. Die UnionsregiC' 
rung gibt keine solchen Grants, ausser an Eisenbahncom 
pagnien zur Beförderung des Bahnbaues — dann aber in g®' 
trennten Sectionen von je einer Quadratmeile Grösse, 
Jahre i860 tauschte sie von den Erben des Louis Maria C.
        <pb n="391" />
        375 
Bacca einen Grant, dessen Territorium sie zur Anlegung 
eines Forts brauchte, gegen zwei andere Landstrecken ein. 
So erklärt es sich, dass auch sie als „Grantschafferin“ fungirt. 
in Grösse variiren die Grants von 3000 bis gegen 2 Millionen 
Acres. Sie umfassen etwa den zwanzigsten Theil des Staates. 
nconfirmirte Grants sind zu sehr niedrigem Preise, bis zu 
3 Cents per Acre, confirmirte höher, bis zu 26 Dollars per 
j^cre, verkauft worden. Gewisse Grants greifen in benach 
barte Staaten oder Territorien der Union über. 
Einige derselben sind in den Besitz von Europäern über- 
gegangen. So in jenen von englischen und holländischen 
andcompagnien. Diese Compagnien haben wiederum fast 
Regel das Land gar nicht oder sehr unvollkommen in Be 
nützung genommen, vielmehr haben die Gründer die Actien 
nnd später ausgegebene Obligationen zum Gegenstände schwin 
delhafter Börsenspeculationen gemacht, dabei viel Geld ge 
wonnen und die späteren Inhaber jener von ihnen emittirten 
onds einfach betrogen. Bankerott oder Liquidation und Re- 
organisation ist das Schicksal solcher Actiengesellschaften bis 
her gewesen. Jetzt scheint es besser zu werden. 
Neuerlich suchen englische Aristokraten Grants zu kaufen, 
^ir trafen in Denver und Lead ville mit dem Herzog von 
Sutherland zusammen, welcher sich, begleitet von einer Anzahl 
geschäftskundiger Männer aus England, auf einer Suche nach 
Land befand. Diese englischen Adeligen sehen ein, dass die 
Grundrente in Europa fallen muss und fürchten zudem eine 
Sociale Revolution, welche dem englischen Landsysteme ein 
Lnde machen könnte, umsomehr, als die irische Bewegung 
*tach England übergreift und es nicht unwahrscheinlich ist, 
^^s Gladstone, Bright, Dilke und andere Mitglieder der Re 
gierung die irische Bewegung solche Dimensionen annehmen 
dessen, um ihre Uebertragung auf England zu fördern und 
^ann Gelegenheit zu erhalten, hier das ihnen verhasste Land- 
System zu beseitigen. In der Regel gehen ja Revolutionen 
den Regierungen aus, wenn sie auch von den Massen 
üurchgeführt werden.. Andere englische Edelleute haben be- 
^■eits grosse Landstrecken in diesen ehemals spanischen Ländern
        <pb n="392" />
        376 
gekauft und in Santa Fé ist jetzt ein englischer Agent, der 
im Aufträge englischer Lords Erkundigungen über jeden 
grossen Grundbesitz einzieht, welcher hierzulande ver 
käuflich ist. 
Jene englischen Herren, die hier schon Grundbesitzer 
sind, nehmen in der Regel die Ausbeutung ihres Besitzes in 
Angriff und realisiren sehr grosse Gewinne, so die Lords 
Airley und Dunmore. Um einen solchen amerikanischen 
Grossgrundbesitz und seine wirthschaftliche Ausbeutung kennen 
zu lernen, folgten wir der Einladung des Verwalters eines der 
grössten Landgrants, der in beiden Territorien — Neu-Mexico 
und Colorado — liegt, und nahmen einen längeren Aufent 
halt auf demselben, während dessen wir ihn in seinen Haupt- 
theilen in Augenschein nahmen. 
Der betreffende Grant heisst „Maxwell-Grant“ und liegt 
um Cimarron am Cimarronflusse. In der Stadt Cimarron be 
findet sich die Verwaltung des Grants. Seine Geschichte ist 
hochinteressant. 
Das Gebiet des Grants ist 1.714.000 Acres gross und 
wurde im Jahre 1841 an den canadischen Handelsmann 
Beaubien und den mexicanischen Staatsmann Miranda von der 
mexicanischen Regierung verliehen. 
Der Handel dieses Theiles der mexicanischen Republik 
concentrirte sich damals in Santa Fé. Diese Stadt stand mit 
der Union in Handelsverkehr. Allein der nächste Markt, mit 
dem Santa Fé verkehrte, war damals St. Louis, und eine 
Eisenbahn-Verbindung existirte zwischen beiden Plätzen nicht. 
Auf grossen Lastwagen, die sich zu Karawanen vereinten, 
wurden die Waaren von einer jener Städte zur anderen be 
fördert auf einer Strasse, die als der „Santa Fé Trail“ bekannt 
ist und deren Spuren wir in der Prairie am Kansas und Neu- 
Mexico an vielen Stellen gefunden haben. 
Diese Strasse führte von St. Louis westlich durch 
Prairie nach dem Arkansas-Thale, folgte ihm bis zum Einflüsse 
des Purgatoryflusses in Colorado bei Fort Lyon und Las 
Animas, das damals eine Hauptstation auf dem Wege war- 
Von hier zog sie sich südwestlich das Thal des Purgatory
        <pb n="393" />
        377 
hinauf, überschritt südlich von Trinidad einen östlichen Aus 
läufer der Rocky Mountains im Ratonpass, der hier die Wasser 
scheide zwischen dem Arkansas- und Canadianflusse bildet, 
und zog sich dann südöstlich, endlich südlich, am Fusse des 
Gebirges, das hier lo.ooo Fuss erreicht, auf einer wellenförmi- 
^n, baumlosen, mit Büffel- und Grammagras bewachsenen 
Hochebene in 5000 bis 6000 Fuss Höhe nach Santa Fé. 
Die texanische Grenze berührt in ihrem äussersten Nord 
osten diese Ebene. Mexico lag um 1840 mit Texas, das sich 
1835 fiir unabhängig von Mexico erklärt hatte und bis nach 
^50 mit ihm kämpfte, im Kriege. Texaner störten nun den 
Handel Mexicos auf dem Santa Fé Trail und konnten es am 
besten auf der Strecke um den Raton-Pass thun, weil jene 
ihrer Grenze nahe lag. 
Auch die Indianer nahmen Th eil an diesem Kampfe. Sie 
wurden von beiden Parteien benützt. Der letzte östliche Aus 
läufer der Rocky Mountains, welcher bei Santa Fé endet und 
Sierra Madre, hier auch Taos Mountains genannt wird, liegt 
zwischen der Ebene des Cimarronflusses, der in den Cana- 
dianfluss fällt, und über welche der Santa Fé Trail führt, und 
der grossen und, wenn bewässert, fruchtbaren Ebene des Oberen 
Rio Grande. In dem Rio Grande-Thale liegt die alte mexi- 
canische Stadt Taos. 
Im Gebirge und seinen Thälern und in der Ebene des 
Rio Grande hausten kriegerische Indianerstämme, die Apachen 
und Utes auf den Ebenen von Westkansas und Texas, am 
Canadianflusse die Comanchen, Kiowas und Cheyennes. Sie 
Wurden von den Texanern aufgehetzt und überfielen die mexica- 
nische Stadt Taos, sowie andere Niederlassungen der Mexicaner 
in der Rio Grande-Ebene, plünderten sie und verwüsteten ihre 
Felder, trieben auch das Vieh der Mexicaner weg. Der Dic 
tator von Mexico, Santa Anna, versuchte zwar, Texas wieder 
zu unterjochen, doch misslang dies umsomehr, als 1837 die 
Union und in unglaublicher Kurzsichtigkeit 1840 auch Eng 
land und Frankreich die Unabhängigkeit von Texas aner 
kannten. Diese europäischen Mächte glaubten damals, durch 
Schaffung eines dritten Staates in Nordamerika sowohl die
        <pb n="394" />
        378 
Union wie Mexico schwächen und dadurch Einfluss auf Nord 
amerika gewinnen zu können, während sie thatsächlich nur 
die Stärkung der Union und damit ihr jetziges Uebergewicht 
in Nordamerika begründeten, das jetzt jeden europäischen 
Einfluss hierselbst vernichtet hat. 
Die mexikanische Regierung war zu schwach, die Nieder 
lassungen der Mexicaner am Rio Grande und die Handels 
strasse von Santa Fé nach San Louis zu schützen. Sie griff 
daher zu einem Aushilfsmittel, das im Mittelalter in Europa 
allgemein war; sie schuf eine Markgrafschaft an der ge 
fährdeten Stelle — da sie eine republikanische Regierung war, 
natürlich ohne den aristokratischen Titel. Sie verlieh näm 
lich das ganze Taosgebirge nebst dem Thaïe, in dem der 
Cimarronfluss entspringt, dem Raton-Pass und der Ebene süd 
lieh davon, über welche der Santa Fé Trail läuft, im Ganzen 
1.714.000 Acres oder 3726 englische Quadratmeilen, d. h. ein 
Land, das so gross ist, wie der dritte Theil des Königreiches 
Belgien oder der vierte Theil des Königreiches Dänemark und 
grösser als manches deutsche Fürstenthum, an jene zwei 
Männer, welche den Haupthandel auf dieser Strasse in der 
Hand hatten, ihre eigenen Carawanen durch berittene Be 
waffnete schützten und mit einigen Indianerstämmen Schütz 
end Trutzbündnisse geschlossen hatten. Diese Lehnsherren 
waren eben jene Herren Beaubien und Miranda. 
Die Herrschaft, welche jetzt Maxwell-Grant heisst, ist 
somit vielleicht die letzte „Markgrafschaft“, welche von 
einem Staate, der seine Grenzen nicht zu schützen im Stande 
war, mächtigen, weil reichen, Leuten verliehen wurde, unter 
der Bedingung, dass sie den Schutz jener Grenzen durch eine 
von ihnen zu schaffende bewaffnete Macht übernähmen. Dies 
ist ein Rechtstitel, den man in Europa einen „feudalen“ nennen 
würde. Die heutigen Inhaber haben keinerlei kriegerische 
Befugniss oder Aufgabe mehr, auch keinerlei solche obrigkeit 
liche Rechte über die Bewohner des Territoriums, als sie 
Beaubien und Miranda wahrscheinlich ebenfalls übten. Sie 
sind einfach die Privateigenthümer des Landes und der 
Mineralien dieses — man kann wohl sagen Fürstenthumes.
        <pb n="395" />
        379 
Inwieweit Beaubien und Miranda ihren Verpflichtungen nach 
kamen, ist mir unbekannt. Jedenfalls standen sie und ihr 
erster Rechtsnachfolger, Herr Maxwell, der dem Grant seinen 
jetzigen Namen gab, in guter Beziehung, Erstere mit der mexi- 
canischen. Letzterer mit der Unionsregierung, und der Besitz- 
dtel des Grants ist denn auch von der Unionsregierung aner 
kannt worden. 
Der Nachfolger der Gründer des Grant hiess Maxwell 
und war der Erbe und Schwiegersohn eines der Gründer. 
Er fand die Erben des anderen Gründers mit Geld ab, hatte 
bald keinerlei militärische Verpflichtungen mehr, weil die 
Unionsregierung, welche dieses Land seit 1848 besitzt, den 
Schutz ihrer Angehörigen selbst übernahm. Um jene Zeit, 
oder etwas später, wurden die Thalindianer im Pueblo, drei 
Meilen von Taos, welche abermals sich unbequem gemacht 
hatten, gründlich von amerikanischen Truppen geschlagen. 
Wir sahen die Ruinen einer Kirche, in die sie sich geflüchtet 
Und die damals von den Truppen zusammenkanonirt wurde, 
bei einem Besuche, den wir ihrer merkwürdigen Nieder 
lassung machten. Seitdem verhalten sie sich ruhig und er 
nähren sich sehr reichlich durch Ackerbau. Die Texaner be 
unruhigen diese Gegend natürlich auch nicht mehr, denn Texas 
'Var schon früher, im Jahre 1845, an die Union annectirt, und 
^or Santa Pé Trail braucht keinen Schutz mehr, denn selten 
passirt ihn noch ein Einwandererwagen, seit die Atchinson-, 
"Eopeka- und Santa Fe-Eisenbahn, von Kansas City kommend 
J^d die Verbindung mit St Louis vermittelnd, durch die 
Hochebene des Grants läuft und Santa Fé mit jenen Handels- 
Emporien des Westens verbindet 
Mr. Maxwell gab sich nun einer friedlichen Beschäftigung 
mit Erfolg hin. Er leitete Wasser aus dem oberen Cimarron- 
Ilusse durch einen „ Ditch “ oder Hauptgraben auf die Niede 
rungen der grossen Hochebene bei Cimarron, das 1923 Meter 
über dem Meere liegt, und Hess Mexicaner sich in ihr an 
siedeln, welche ihm einen Theil der Ernte als Pacht abgeben 
•Mussten Métayer-System — er schaffte auch Vieh an und 
baute eine Mahlmühle.
        <pb n="396" />
        38o 
Ein Blick auf eine gute Karte dieser Gegend lehrt, dass 
die Unionsregierung viele Forts daselbst anlegte, um die In 
dianer und auch die Mexicaner in Ordnung zu halten. Keine 
Eisenbahn verband diese Militärstationen mit der Fruchtebene 
östlich vom Mississippi, von wo sie verproviantirt werden 
mussten. In Californien gab es noch fast keinen Ackerbau, 
von Westen konnte das Militär auf diesen Stationen also nicht 
mit Lebensmitteln versorgt werden. Auf Frachtwagen wur 
den Mehl und Fleisch von St. Louis — 15®® Meilen weit 
hierhergebracht. Die Ackerbauproducte des Mr. Maxwell ge 
nossen also einen natürlichen und hohen Schutzzoll in dem 
Preise des Transportes auf der über 1500 Meilen weiten 
Strecke von St. Louis hierher; wir werden später sehen, dass 
sie auch heute noch einen Schutz aus ähnlichem Grunde, 
wenn auch keinen so grossen, besitzen. Ein englisches Pfund 
Mehl kostete damals in diesen Forts bis zehn Cents, zuweilen 
sogar 18 Cents! Mr. Maxwell schloss Contracte mit der Regie 
rung auf Verproviantirung dieser Forts ab und bezog Einiges 
aus St. Louis, Mehl, Hafer, Heu und Fleisch erzeugte er aber 
zum grossen Theil selbst auf seinem ungeheueren Besitze. 
Im Jahre 1870 verkaufte Maxwell die Herrschaft an Eng 
länder um 750.000 Dollars, einen Preis, der damals für gut 
galt, denn noch war der Eisenbahnbau erst bis Kansas-City, 
800 Meilen östlich von Cimarron, vorgerückt und noch gab 
es keine Viehzucht in grossem Style und für den Export in 
Neu-Mexico. Mit dem Auftreten dieser Engländer begann 
ein grosser Schwindel in Actien und eine Vernachlässigung 
der Oeconomie in Cimarron. Sie schufen eine Actiengesell- 
schaft mit einem Nominalactiencapital von fünf Millionen 
Dollars und nahmen dazu noch eine Hypothek von weiteren 
fünf Millionen Dollars auf! Auf die Actien dürfte so gut wie 
nichts eingezahlt worden sein. Sie wurden unter die Gründer 
vertheilt und an die Börsen von London und Amsterdam g^' 
bracht, natürlich möglichst gut an Leichtgläubige verkauft- 
Für die Hypothek wurden Obligationen oder Bonds aus 
gegeben. Wie ich hörte, übernahm sie ein Consortium zu 
80 Percent und brachte sie zu 85 Percent auf holländischen
        <pb n="397" />
        Börsen an den Mann, Das hie für einkommende Geld wurde 
zumeist wieder von den Gründern ad saccum genommen; ab 
gesehen von der Zinszahlung für einige Jahre. Auf die Herr 
schaft verwendeten sie wenig, nur circa eine halbe Million 
Dollars in sehr thörichter, unprofitabler Weise. Der Acker 
bau verfiel also und die Viehzucht ging zurück. 
Von dem grossen Krachjahre 1873 ab stellten sie die 
Zahlung der Zinsen für die Bonds ein. Die Bondsbesitzer 
Warteten erst eine Zeit lang, dann vereinigten sie sich und 
gewannen den gegenwärtigen Administrator, Herrn Shervin, 
öer einen Process gegen die alte Actiengesellschaft anstrengte 
Und es durchsetzte, dass die Obligationsbesitzer in den Besitz 
Herrschaft kamen. Sie haben nun eine neue Gesellschaft 
organisirt und nehmen die Ausbeutung des Landes soeben 
planmässig in Angriff. Dieser lehrreichen Wirthschafts-Organi- 
sation auf einem ungeheuren Territorium haben wir über eine 
Woche, unter Leitung des stellvertretenden Directors, Herrn 
Sheldon, beigewohnt. Inzwischen ward im Jahre 1867 Gold 
im Moreno-Thale, das zur Herrschaft gehört, entdeckt und das 
Goldwäschen begann daselbst. Hier entstand die kleine Stadt 
Elisabethtown, nahe welcher noch jetzt Gold durch das hydrau 
lische System gewonnen wird. Die bisherige Ausbeute beträgt 
gegen 3 Millionen Dollars. Hier und an anderen Stellen ist 
Land zum Baue von Häusern verkauft oder verpachtet worden. 
Auf der Ebene bei Cimarron sind etwa 60 bis 70.000 Acres 
Viehzüchter auf 20 Jahre verpachtet worden. Alles übrige 
and gehört der Gesellschaft, deren Bureaux sich in Cimarron, 
^iner kleinen Stadt mit Kirche, Gefangniss, zwei Hotels und 
Suten Läden, befinden, zu unbeschränkter wirthschaftlicher 
Ausbeutung. Der 105. Grad westlicher Länge von Greenwich 
^nd der 37. Grad nördlicher Breite schneiden sich im nord 
westlichen Theile der Herrschaft. Trotz dieser sehr südlichen 
Lage, welche jener des südlich von Granada in Spanien und 
südlich von Syracus auf Sicilien gelegenen Landes entspricht, 
jst die Hitze hier nicht sehr lästig, da der niedrigste Ort der 
Herrschaft 1600 Meter über dem Meere liegt. 
Zwei Drittel der Besitzung bestehen aus Bergen, deren
        <pb n="398" />
        382 
höchster 4175 Meter hoch ist. Sie sind meist bis zur Spitze 
mit Waldbäumen bewachsen, denn die Waldgrenze ist in dieser 
Breite 10.500 englische Fuss, während sie in Mitteleuropa 
schon bei 5000 Fuss beginnt. Eine harte Pinie herrscht vor 
und erreicht eine bedeutende Höhe. Bei guter forstmässiger 
Bewirthschaftung und Einrichtungen zur Abfuhr wird der grosse 
Holzreichthum lohnenden Absatz finden, da es in der Ebene, 
bis zum Mississippi, keine Wälder giebt. Ausser der Pinie 
wachsen Cedern, Eichen und andere Laubbäume, wie Espe 
und Birke, an den Flüssen auch die Weide, haben jedoc 
keinen grossen commerciellen Werth. 
Im Gebirge liegen fünf grosse * „Parks“ d. h. Hochebenen 
von wellenförmiger Oberfläche, die von höheren Bergen um 
geben sind, nur hie und da Baumgruppen tragen und m 
Mulden Wasser enthalten. Bergbäche durchströmen sie. 
Ihre Grösse mag den zwölften bis fünfzehnten* Theil der e 
Sitzung umfassen. Diese Parks sind zwischen 8000 und 9000 
englische Fuss hoch. Südöstlich vom Gebirge nimmt eine 
wellenförmige Prairie etwa den vierten Theil der Herrscha 
ein und steigt von 1600 bis ca. 2000 Meter auf Jene genannten 
hohen Parks und die höheren Berge, welche sie umgeben, 
sind die Wasserscheide zwischen dem Rio Grande und e 
Zuflüssen des Arkansas. Sie bilden die Westgrenze der Herr 
schaft und auf ihnen entspringen zahlreiche Bäche und Fluss^ 
welche sich alle in den Canadianfluss ergiessen, der im Nor ' 
osten der Herrschaft entspringt, südlich des Raton-Passes aus 
dem Gebirge in die grosse Prairie von Cimarron tritt, un 
sie der Länge nach, von Norden nach Süden, durchströmt, 
drei grosse und zahlreiche kleine westliche und einen grossen 
und manche kleine östliche Zuflüsse im Gebiete des Grants 
aufnehmend. ' . ^ 
Am oberen Cimarron, dem Hauptzuflusse des gro 
Canadianflusses, der sich erst an der Ostgrenze von Te%^^ 
den Arkansas ergiesst, liegt Elisabethtown, ist das Gol 
mit seinen Wäschereien, welches etwa 20 englische Mei 
lang und eine bis fünf Meilen breit sein mag. Das Lan 
Grants ist äusserst reich durch das geschilderte Flusssys
        <pb n="399" />
        F 
383 
bewässert. In allen Flussthälern ist künstliche Bewässerung 
und Ackerbau auf dem bewässerten Lande möglich. Uns 
schien, als ob der Boden, welcher überreich an löslichen mine 
ralischen Bestandtheilen ist, nicht genug Stickstoff habe und 
bei Zusatz von solchem, durch Stalldünger oder künstliche 
Präparate, zu grosser Fruchtbarkeit zu bringen sein möchte. 
Thatsächlich treiben Mexikaner in einzelnen Thälern ohne zu 
düngen seit vielen Jahren Ackerbau, aber mit den elendesten 
Werkzeugen und in der sorglosesten Manier, natürlich auch 
ohne gute Ernten zu erzielen. Es mögen gegen 100.000 Acres 
der Bewässerung und des Ackerbaues fähig sein, ohne dass 
man Wasserreservoirs anzulegen brauchte, was an allen diesen 
Flüssen leicht zu machen wäre. Sollten solche Reservoirs 
angelegt werden, so könnte man gegen 300.000 Acres dem 
Ackerbaue gewinnen. Sechs- bis siebenhunderttausend Acres 
sind Parks oder „rollende Prairie“ und werden als Viehweide 
benützt. Schnee fallt nicht viel und wird bald weggeweht. 
Das Vieh wird nie gestallt, sondern weidet — Schafe wie 
Rinder — jahrein jahraus im Freien. 
Regen fallt am reichlichsten im Juli und August und sind 
nach demselben, bis zum Winter, die niedrigeren Prairien mit 
Grammagras und hie und da mit anderen Alpenpflanzen, 
namentlich einem halb- bis zweifussigen Buschwerke bewachsen, 
das die Rinder gerne fressen. Auch im Frühling pflegt es zu 
regnen. Im Spätherbst, der trocken ist, wird das Grammagras 
äuf der Prairie trocken, auf dem Halme zu Heu und giebt 
den Thieren im Winter Nahrung. Wenn im Frühling das 
Futter hier knapp wird, was zuweilen geschieht, so treibt man 
das Vieh auf die hohen Parks, die als Futterreserve dienen 
Und, Weil sie höher, feuchter und kühler sind, mehr Gras wuchs 
^aben, als die niedrigere und wärmere Prairie. Hier wächst 
^icht nur das Grammagras dichter als in den Thälern und auf 
der unteren Prairie, sondern in den Mulden sogar das blaue 
Gras der östlichen Kansasprairie. Die Rinder verschmähen es 
^ber so lange, bis sie das schmackhaftere, obschon kürzere 
Grammagras abgeweidet haben. Natürlich werden auch die 
^Grgabhänge, welche dünn bewaldet sind und Gras und
        <pb n="400" />
        384 
Alpenkräuter tragen, in Jahreszeiten abgeweidet, in welchen 
die Prairie dürr wird. Schweizer Vieh dürfte sich auf dieser 
Gebirgs- und Almweide am besten bewähren. 
Die Berge sind reich an Mineralien. Vom Golde im 
Moreno-Thale habe ich schon gesprochen. In den Bergen ist 
Silber, Eisen, Kupfer, Graphit und dann hat die Gesellschaft 
auf 1000 Quadratmeilen Kohlen. Alle diese mineralischen 
Schätze will die Gesellschaft jetzt planmässig zur Hebung 
bringen. Um die Eisenbahnstation Raton sind 10.000 Acres 
einer besonderen Actiengesellschaft zur Ausbeutung der Kohle 
überlassen; die Landcompagnie besitzt die Hälfte der Actien, 
die Atchinson-Eisenbahncompagnie die andere Hälfte. Die 
Atchinson-, Topeka- und Santa Fe-Eisenbahn deckt hier den 
Kohlenbedarf für eine grosse Anzahl ihrer nördlich und süd 
lich hiervon gelegenen Stationen. Coaks sollen für die Berg-* 
werke in Arizona und Neu-Mexiko hierselbst gemacht werden. 
Der gegenwärtige Bedarf wird auf ^0.000 Tonnen für di 
Minen allein veranschlagt; die Eisenbahn und andere Consu- 
menten gebrauchen 60.000 Tonnen mehr. 
Man hofft Weinbauer aus Frankreich herzuziehen und 
Wein und Obst durch sie produciren zu lassen. Diese Hoffnung 
erscheint begründet, da wir in Santa Fé guten Wein trankei^ 
den der Erzbischof Larmy auf ihm gehörigem Gebirgsland 
Neu-Mexicos gebaut hatte und von dem er uns eine Kiste vo 
verehrte. Die Mexicaner lässt man einstweilen ihren ärmlichen 
Ackerbau, gegen einen geringen Pacht, weiter betreiben. Aber 
man möchte in einem der Thäler Zuckerrüben im Grossen 
anbauen, die trefflich gedeihen sollen, und eine Zuckerfabrik 
anlegen. Der hier gewonnene Zucker würde einen doppelten 
Schutz haben. Erstens den Zollschutz von ca. 60 Percent vom 
Werthe, den jeder in Amerika erzeugte, vollkommen steuer 
freie Zucker geniesst, und zweitens den Aufschlag, den der 
aus Louisiana oder New-York nach den Bergwerken des 
Felsengebirges zu transportirende Zucker durch die Transport 
kosten erfährt. 
Raffinadezucker kostet in dieser Gegend Neu-Mexico , 
IO bis i2'/2 Cents per Ib., in New-York 8 bis 10^4 Cents,
        <pb n="401" />
        385 
in New-Orleans bis 10 Cents. Dieser Unterschied im Preise 
erklärt sich, denn der Transport von 100 Ibs. von New-York 
bis Springer, der Cimarron zunächst liegenden Eisenbahnstation, 
ostet für Zucker, Reis, Eisen und derartige schwere Artikel 
2 25 Dollars, für leichtere bis 4*50 Dollars, für ganze Waggon- 
adungen im Specialcontracte 1.85 Dollars. Hiezu kommen 
pesen, Zufuhr in New-York zur Bahn, Abfuhr hier, so dass 
Aufschlag im Durchschnitte mit mehr als 2 Vz Dollars per 
^00 Ibs., d.h. mit 13-4411. ö. W. oder 29.40 Eres, perMetercentner 
^ogenommen werden kann. Heimische Zuckerautoritäten mögen 
^rechnen, ob bei solchem natürlichen Schutze über den in 
ow-York und New-Orleans ohnehin schon durch einen sechzig- 
Percentigen Werthzoll geschützten Zucker der Rübenbau und 
Zuckerfabrikation sich hier rentiren kann und wie viel der 
SÇsammte Schutz per Joch hier beträgt, wenn man ferner — 
den Landwirthen unserer kleinen Expedition — annimmt, 
der bewässerte Boden hier, bei gleich guter Bestellung 
^^d nicht so reichlicher, nur Stickstoff liefernder Düngung, 
en gleichen Ertrag an Rüben liefern dürfte, wie in Böhmen; 
^ss die Selbstkosten der Wasserzuleitung nicht einen halben 
^ollar per Acre übersteigen, der Arbeitslohn aber höher ist. 
zahlt 20 Dollars, Kost und Wohnung per Mann und 
onat. Sollten die Rüben auch etwas weniger Percent Zucker 
etwas mehr Alkalien enthalten als böhmische, so macht 
^ -1^ nichts aus, denn man hat keine „Raumsteuer“ und kann 
grösseren Gelassen den Saft gewinnen, den Betrieb lang- 
^nier machen. Die Rückstände können in zweckmässigster 
^ ®ise zum Fettmachen des ohnehin für den Fleischmarkt ge- 
^*ridviehes benützt werden. Die Combination der 
^ Grfabrikation mit der Viehzucht empfiehlt sich also für 
derartigen Grossgrundbesitz ausserordentlich, 
die ähnlich guten Ertrag wie der Rübenanbau dürfte 
Anlegung einer Spinnerei und Weberei zum Zwecke der 
grobwollener Decken liefern. Diese Decken sind 
den zahlreichen Hirten und Bergbewohnern im all- 
^nieinen Gebrauche, wie auch grobe Zimmerteppiche. Sie 
rden aus der Wolle der mexicanischen Schafe gemacht.
        <pb n="402" />
        386 
Diese Wolle wird nach Massachusetts geschickt, die fertigen 
Decken werden von dort bezogen. Die Transportkosten des 
Rohmaterials hin — man beachte wohl: ungewaschene Schmutz 
wolle — und der Decken zurück betragen circa ó'/g Cents 
per Ibs. der Decken, macht 76.44 Francs per Metercentner 
dieser sehr groben Wollenwaaren. Wasserkraft zum Betriebe 
der Fabriken ist reichlich vorhanden. Kohle, wenn man 
Dampfbetrieb vorziehen sollte, kann zu 50 Cents per Tonne 
(neun Metercentner) auf dem Gebiete des Grants gefördert 
werden. Die Zucht grober Schafe in Verbindung mit solcher 
einfachen Deckenfabrikation würde also sehr lohnend sein. — 
Die grossen Profite, welche in Amerika gemacht werden, der 
Reichthum, den viele Amerikaner schnell machen, erklärt sich 
einfach, wenn man ihre Geschäfte in deren Details auflöst. 
Als Ursache findet man billiges Land, wenig Steuern und gar 
keine solchen, welche die Production hemmen, belästigen und 
theuer machen — wie die Steuer auf die Zuckerfabrikation in 
Europa — hohen Schutzzoll, den die Wollenmanufactur ja 
auch geniesst, und an entlegenen Stellen der Union die Prämie, 
welche in dem Transporttarife solcher Artikel liegt, die loco 
in Massen consumirt, von weit her zum Localmarkte gebracht 
werden, auf demselben selbst aber aus dort gewonnenem Roh 
material und mit Benützung billiger Wasser- oder Dampf kraft 
fabricirt werden können. Der hohe Arbeitslohn wiegt diese 
enormen Vortheile bei Weitem nicht auf, und das Capital, 
das loco zu 7 Percent zu haben ist, kann von grossen Unter 
nehmern weit billiger in Europa oder in Boston, New-York 
und Philadelphia geborgt werden. 
Auf der Herrschaft Maxwell trafen wir grössere Schaf- 
heerden, die fremden Schafzüchtern gehören, welche einen 
Pacht für den Acker zahlen. Es waren mexicanische und mh 
Merinos gekreuzte Schafe. Die Herrschaft könnte grobe Schafe 
in dem Maasse halten, um den Wollbedarf ihrer Wollenfabrik 
zu decken. Feinere Schafe rentiren noch besser. Herr G. ^ 
Stonerood in Cabra Springs (Neu-Mexiko) hat 22.000 fein® 
Merinos. Diesjähriger Zuwachs: 9500 Lämmer. Die Früh- 
jahrschur ergab 120.000 Ibs., die zu Las Vegas für 20.000
        <pb n="403" />
        Dollars verkauft wurden. Der Verkauf von Vollblutwiddern 
^eckt die Kosten der Heerde, ausschliesslich des Zinses für 
den Landankauf. 
Sobald die Bergwerke in den Gebirgen der Herrschaft 
Cimarrón in Betrieb kommen, wird die Bergwerksbevölkerung 
daselbst auch für andere Ackerbauproducte einen guten Local- 
*^arkt bieten, wie es in Elisabethtown und um Raton schon 
der Fall ist. Es gedeihen — bei Bewässerung — Weizen, Hafer, 
Gerste, Mais, Kartoffeln, Artischoken, Kohl und alle Arten 
'^^n Rüben. Auch wird schon auf zwei bewässerten Quadrat- 
^eilen von jenen Leuten, welche die 6o- bis 70.000 Acres 
Weideland noch pachtweise innehaben, Alfalva, eine Art Lu- 
*^rne, als Zufutter für Kühe nach dem Kalben und Hafer für 
^ferdefutter gebaut. 
Ausser den Herren, welche diese 60.000 bis 70.000 Acres 
S^pachtet und eingezäunt haben, hüten andere Besitzer 
grösserer und kleinerer Heerden Rinder und Schafe auf der 
Grrschaft. Diesen soll gekündigt werden und die besitzende 
^Seilschaft will dann selbst Rindviehzucht im Grossen treiben. 
^ lasse einen Prospect für das beabsichtigte Unternehmen 
da er, nachdem Baron Gudenus und ich ihn geprüft 
^^d mit Thatsachen, die wir von anderen Viehzüchtern in Er- 
^ung gebracht, verglichen, als zuverlässig erkannt worden 
und ein gutes Bild von dem Erträgnisse der Viehzucht in 
^^eu-Mexico, Colorado und Westkansas bietet. Man hat nur 
y. andere Gegend den hier angegebenen Localpreis des 
beim Einkäufe und Verkaufe zu ändern, der sich nach 
Cit ^^^^^l^^Guheit der Entfernung von den Märkten in Kansas 
P ^ oder Denver und dem Frachttarife dorthin richtet, 
^^rner wäre der Zins für den Ankauf des Weidelandes ein- 
etzen, was hier nicht geschehen ist, da die Gesellschaft das 
ja besitzt. 
wird angenommen, dass die Gesellschaft 300.000 Dollars 
Ges Spezialgeschäft zu sieben Percent anleiht und das 
October 1881 beginnt. Gekauft werden Texas- 
Sho^Vi”'*^ JO einem Kalbe texanischer Race und Vollblut- 
Orn-Bullen, zur Verbesserung der Race.
        <pb n="404" />
        388 
Ankauf. 
ii.ooo Kühe und 85 Percent dazu mit Kalb zu 15 Dol 
lars, 165,000; 6000 einjährige Stiere zu 10 Dollars, 60.000; 
440 Vollblutbullen zu 100 Dollars, 44.000; 50 Hirtenpferde 
zu 50 Dollars, 2500; Hürden (Corrals), Wagen, Sättel etc. 
5000; Baarbestand 23.500 Dollars; zusammen 17.440 Haupt 
Vieh, 300.000 Dollars. 
Ausgaben im ersten Jahre vom i. October 1881 bis 1882. 
Gehalt des Directors 5000 ; Lohn und Kost für zehn Mann 
7000; Steuer für 500.000 Acres Weideland zu 40 Cents 
Werth, ein Percent, 2000; Steuer für 300.000 Dollars Capital, 
3000; Pferdefutter 1500; Verschiedenes 2000; Baarbestand 
300; Summa 23.500 Dollars, 
Resultat des ersten Jahres, i. October 1882. 
10.450 Kühe und 85 Percent Kälber; 2000 zweijährige 
Stiere; 418 Bullen; 4400 einjährige Kühe;' 4400 einjährige 
Stiere; Summa: 21.668 Rindvieh und 48 Pferde. 
Ausgabe im zweiten Jahre bis i. October 1883. 
Ausgabe wie im ersten Jahre 20,500; Zins 7 Percent von 
300.000 Dollars 21.000; Ankauf von 175 Bullen zu 100 Dol 
lars 17.500; Baarbestand in Cassa 4000; Summa 63.000 Dollars. 
Einnahme, 
Baarbestand Anfangs des Jahres 3000; Verkauf von 4000 
zweijährigen Stieren zu 15 Doll, 60.000; Summa 63.000 Doll- 
Resultat Ende des zweiten Jahres, i. October 1883- 
9928 Kühe und 85 Percent Kälber; 572 Bullen; 4180 zwei 
jährige Kühe; 2180 zweijährige Stiere; 4180 einjährige Kühe, 
Halbblut; 4180 einjährige Stiere, Halbblut; Summa 25.220 
Rindvieh und 45 Pferde. 
Einnahme im dritten Jahre, endend i. October 1884- 
Baarbestand Anfangs des Jahres 4000; Verkauf von 190° 
dreijährigen Stieren zu 20 Dollars 38.000; Verkauf von 2000 
zweijährigen Stieren zu 15 Dollars 30.000; Summa 72.000 
Dollars. 
Ausgabe im dritten Jahre, endend i. October 1884- 
Ausgabe im dritten Jahre 25.000; Zinsen 21.000; Ankauf
        <pb n="405" />
        389 
Von 175 Bullen 17.500; Ankauf von 20 Pferden 1000; Cassen- 
bestand 7500; Summa 72.000 Dollars. 
Resultat Ende des dritten Jahres, i. October 1884. 
9432 Kühe und 85 Percent Kälber; 719 Bullen; 3971 drei 
jährige Kühe und 85 Percent Kälber; 3971 zweijährige Kühe; 
^500 zweijährige Stiere; 5361 einjährige Kühe; 5361 einjährige 
Stiere; Summa 30.315 Rindvieh und 63 Pferde. 
Einnahme im vierten Jahre, endend i. October 1885- 
Cassenbestand Anfangs des Jahres 7500; Verkauf von 
2071 dreijährigen Stieren zu 20 41.420; Verkauf von 2471 
zweijährigen Stieren zu 18 44.478; Summa 93.398 Dollars. 
Ausgabe im vierten Jahre. 
Geschäftsausgabe 30.000; Ankauf von 150 Bullen 15.000; 
Ankauf von 20 Pferden 1000; Baarbestand 26.398; Summa 
93*398 Dollars. 
Resultat am Ende des vierten Jahres. 
8960 Kühe und 85 Percent Kälber; 833 Bullen; 3744 
vierjährige Kühe und 85 Percent Kälber; 3744 dreijährige 
Kühe und 85 Percent Kälber; 5093 zweijährige Kühe; 3093 
^eijährige Stiere; 6579 einjährige Kühe; 6579 einjährige 
tiere; Summa: 38.625 Rindvieh und 80 Pferde. 
Einnahme im fünften Jahre, endend 1. October 1886. 
Cassenbestand Anfang des Jahres 36.398; Verkauf von 
H25 dreijährigen Stieren zu 20 Dollars 28.500; Verkauf von 
zooo zweijährigen Stieren zu 18 Dollars 36.000; Summa: 
'00.898 Dollars. 
Ausgabe im fünften Jahre. 
^ Geschäftsausgabe 40.000; Zinsen 21.000; Ankauf von 
^75 Bullen 27.500; Ankauf von 20 Pferden 1000; Cassen- 
Gstand 11.398; Summa 100.898 Dollars. 
®ultat am Ende des fünften Jahres, i. October 1886. 
^ 8512 Kühe und 85 Percent Halbblutkälber zu 85 Dollars 
3557 fünfjährige Kühe und 85 Percent Halbblutkälber 
vie*^l 3557 vierjährige Kühe und 85 Percent Drei- 
^ blut zu 20 71.140; 4839 dreijährige Kühe und 85 Percent 
^viertelblut zu 20 96.780; 2938 dreijährige Halbblutstiere
        <pb n="406" />
        390 
zu 25 73.450; 6251 zweijährige Kühe, Halbblut, zu 15 93.765; 
6251 zweijährige Stiere, Halbblut, zu 15 93.765; 8616 ein 
jährige Stiere, Halb- und Dreiviertelblut, zu 12 103.392; 8616 
einjährige Kühe, Halb- und Dreiviertelblut, zu 12 103.392; 
791 Bullen zu 90 71.190; 75 Pferde zu 40 3000; Corrals, 
Wagen etc. 3000; Cassebestand 11.398, zusammen 53.928 Rind 
vieh und 75 Pferde: Summa 905.302 Dollars; Rückzahlung 
des Capitals und Jahreszinsen 321.000; Gewinn für fünf Jahre 
584.302 Dollars. 
Um das Capital nebst Zinsen zurückzuzahlen und Betriebs- 
capital für das sechste Jahr zu gewinnen, müssen verkauft 
werden : 
2938 Stiere zu 73.450; 6251 Stiere zu 93.765; 8512 Kühe 
und Kälber zu 127.680; 3616 einjährige Stiere zu 43.392; da 
zu Kassenbestand aus dem fünften Jahre 11.398; Summa 
349.685 Dollars; ab Capital und Zinsen’ 321.000 Dollars; 
Kassenbestand für das Geschäft im sechsten Jahre 28.685 Dollars. 
Freieigenthümlicher Viehstand Anfangs des sechsten 
Jahres. 
3557 fünfjährige Kühe und 85 Percent Kälber Texas-Race; 
3.557 vierjährige Kühe und 85 Percent Kälber Halb- und Drei 
viertelblut; 4839 dreijährige Kühe und 85 Percent Kälber Haib 
und Dreiviertelblut; 6251 zweijährige Kühe Halb- und Drei 
viertelblut; 8616 einjährige Kühe Halb- und Drei viertelblut; 
Summa 26.820 Kühe; 5000 einjährige Dreiviertelblut-Stiere ; 
790 Bullen; Summa 32.611 Stück Rindvieh. 
Wenn die Jährlingsstiere im folgenden Herbste verkauft 
werden, so werden sie, ausser Geschäftsunkosten zu decken, 
einen ansehnlichen Gewinn abwerfen, ohne dass Kühe ver 
kauft werden müssten. Der Verkaufspreis des Viehes ist so 
angesetzt, wie er in loco factisch erzielt wird. Die Geschäfts 
ausgaben sind den Verhältnissen angemessen berechnet. Der 
Zuwachs von 85 Percent wird allgemein hier zu Lande ange 
nommen. Der Verlust von fünf Percent an Vieh durch Tod 
und Unfall ist auch nicht zu niedrig angegeben. 
Es ist kein Zuwachs von Kälbern angenommen, die zwei-
        <pb n="407" />
        391 
jährige Kühe bringen möchten. Es ist angenommen, dass die 
500.000 Acres Weidegrund, welche die Gesellschaft liefert, 
durch einen Drahtzaun eingehegt sind, der fast vollendet ist. 
^or Geschäftsprofit von 584.302 Dollars in fünf Jahren ist als 
Entschädigung für Benützung ,des Weidegrundes anzusehen, 
20 Cents per Acre im Jahre. Hierbei ist nicht berücksich- 
dgt, dass in dem Weidegrunde Land in Fülle ist, das künst 
lich bewässert werden kann und auf dem man Heu, Wurzeln 
und Hafer zum Mästen der dreijährigen Stiere und zum Bei 
futter für frischmelkende Kühe ziehen kann. Würde ein Theil 
der zu verkaufenden Stiere gemästet, so würde sich der Ge- 
^inn erheblich erhöhen. Stallfette Ochsen von vier Jahren 
ini Durchschnittsgewichte guter Kreuzungsstiere von 1300 Ibs., 
sind in Kansas City mit 5 bis 6 Dollars per 100 Ibs., rund 
5V2 Dollars stets verkäuflich. Der Transport von 18 bis 
20 Stück, rund 19 Ochsen, nach Kansas City in vollen Wagen 
ladungen kostet 150 Dollars, also rund 8 Dollars per Stück. 
Ein zweijähriger Ochse bringt, als Entgelt der Weide im 
Jahre, nach obigem Anschläge 5 Dollars, wenn er drei 
jährig verkauft wird. Ein solcher würde durch einen vier 
jährigen, im Winter zu mästenden, verdrängt werden. Diese 
5 Dollars müssen also, nebst den 8 Dollars Transport, der 
Mästung zur Last geschrieben werden, macht 13 Dollars. Der 
j^lcrjährige stallfette Ochse würde 13 X 5 Va» gleich 71V2 Dol- 
urs in Kansas City kosten; davon 13 Dollars abgezogen, bleiben 
57 Dollars. Als dreijähriger würde er, laut Anschlag, 
Dollars loco gebracht haben. Die Mästung hat seinen 
reis um 271/2 Dollars vermehrt. Ich glaube sicher, dass 
ust mittelst Rückständen von der Zuckerfabrikation und mit 
eu und Wurzeln auf dem so überreichlich vorhandenen und 
, ^ |ig zu bewässernden Thaïlande der Herrschaft bei weitem 
eine 27'/^ Dollars — 66 fl. ö. W. kosten würde. Böhmische 
^benzuckerfabrikanten werden beurtheilen können, ob Mast 
^uszahlt, wenn man Vieh per Stück um 50 fl. ö. W. 
^^fen und um 138 fl. im Stalle verkaufen kann. 
. Auch Pferdezucht ist in den Thälern lohnend und wird 
l^einen von einigen amerikanischen Settlern betrieben,
        <pb n="408" />
        392 
Die Pferde bleiben auch jahrein, jahraus auf der Weide. 
Mexicanische Pferde bringen, dreijährig, 50 Dollars im Durch 
schnitte. Es ist ein kleiner Schlag dauerhafter Reitpferde. 
Wagenpferde werden — meist aus Kentucky — importirt und 
kosten 200 Dollars im Durchschnitte. Sie könnten sehr wohl 
hier gezogen werden. 
Eine Milchwirthschaft im Grossen lässt sich auf das Vor- 
theilhafteste mit der Rindviehzucht in Verbindung bringen, 
und zwar bei beiden Arten von Zucht, sowohl bei jener, welche 
im Prospecte in s Auge gefasst ist und den Verkauf ausge 
wachsener Weidethiere bezweckt, als bei jener, welche diese 
dreijährigen Thiere ein viertes Jahr hindurch auf der Besitzung 
halten und schliesslich „stallfett“ machen würde. 
Der Markt für Käse und Butter ist in den Städten Raton, 
Springer, Cimarron, Elisabethtown schon vorhanden und 
können jene Producte ferner nach Denver und Leadville per 
Bahn versendet werden. 
Denver ist ein Normalmarkt für die Bergwerksdistricte, 
aus welchem sich die kleineren Bergwerksplätze versorgen. 
Es empfiehlt sich also, hier die Preise herzusetzen, wie sie im 
Grosshandel in Denver waren, als wir — am 15. Juni 1881 — 
diesen Ort besuchten, weil um diesen Preis Eandesproducte 
dort verkauft werden können. Es kostete frische Butter per 
Ibs. 25 bis 30 Cents, Käse ii bis 15 Cents, imitirter Schweizer 
Käse 21 bis 22 Cents, ein Dutzend Eier 20 bis 26 Cents, eine 
Tonne Heu 20 bis 22 Dollars, ein gekreuzter Fettochse 5'/-» 
bis s'¡2 Dollars per 100 Ibs., ein solches Schaf 5 Dollars per 
100 Ibs. Lebendgewicht, raffinirter Hutzucker l2^J^ bis 13 Cents. 
Denver ist von der Station Springer auf dem Grant 265 eng 
lische Meilen per Bahn entfernt. Nach der Erfindung des 
Lehfeld’schen „Sahnescheiders“, den ich schon 1879 auf der 
Kilburn-Ausstellung in England fand, ist die Errichtung einer 
Butterfabrik ohne Kellerei und ohne Eis möglich. Wasser ist 
in Fülle hier vorhanden. Aus der von der Sahne getrennten 
Milch kann Käse gemachCwerden, der per englisches Pfund 
8 Cents und mehr kostet. Schweizer Kühe würden sich für 
diese Herrschaft wahrscheinlich am meisten empfehlen. Bis
        <pb n="409" />
        393 
% 
jetzt wird die Landrace oder das texanische Vieh meist mit 
Shorthorn gekreuzt. 
Ein sehr reicher Mann, Herr Porter, welcher einen einge 
zäunten Weidegrund von 20.000 Acres von der Gesellschaft 
gekauft hat und darauf Viehzucht treibt, führte den Grafen 
Imre Széchényi, den Baron Gudenus und mich über diese weite 
Piache und zeigte uns das prachtvolle Zuchtvieh, ein- und 
zweijährige Halbblutthiere, welche er hier im Freien zog, und 
texanischen Mütter, sowie die Bullen. Letztere waren nur 
zum Theile Shorthorns, theilweise Herefords, und beabsichtigt 
Mr. Porter, ganz auf Herefords überzugehen, die weniger hoch 
getrieben, aber auch weniger verzärtelt sind als Shorthorns 
'^nd die ich, aus ganz demselben Grunde, schon 1879 fur 
Ungarn als Kreuzungsmaterial empfahl. Es ist besser, diese 
Thiere auf eine Landrace zu pfropfen, als gleich das hoch 
feinste englische Thier, das Shorthorn. Mr. Porter hatte bessere 
Resultate mit seiner Viehzucht erreicht, als sie jener Prospect 
^nnimmt. 
Als er die texanischen dreijährigen Kühe kaufte, hatten 
®fe nicht 85, sondern 100 Perzent Kälber, denn er kaufte eben 
nur eine Kuh, wenn sie ein Kalb mitbrachte, und kostete da- 
j^als die Kuh nebst Kalb 15 Dollars. Die Shorthorn-Bullen 
aufte er aus Kentucky und stellten sie sich, mit Transport 
auf seinen Weideplatz, auf nur je 90 Dollars. Er kaufte 
zwei Jahren zwei Hereford-Bullen um je 142’,2 Dollars 
J^nd einen solchen um 300 Dollars loco, aus Illinois bezogen. 
Oktober 1880 verkaufte er dreijährige Stiere zu 22 Dollars, 
nr Oktober 1881 hatte er kontraktlich zweijährige Stiere 
^ 20 und dreijährige um 25 Dollars nach der 70 englische 
^U.n von der Station Springer entfernten Eisenbahnstation 
Vegas zu liefern — wohin er sie treiben lässt 
^ Der oben mitgetheilte Prospect giebt also die Vortheile 
^fehzucht in dieser Gegend mässiger an, als sie in der 
^hat sind. 
mit ^ jedenfalls höchst lehrreich, nachdem man ein Land 
du ausgesprochenen Productionscharakter hin und her 
eist hat, eine massgebende Wirthschaft genau kennen zu
        <pb n="410" />
        394 
lernen. Diese Erwägung veranlasste uns, in Cimarron einen 
längeren Aufenthalt zu nehmen. Die sehr grosse Landstrecke 
westlich vom loo. Breitengrade bis an das Felsengebirge ist 
im Grossen und Ganzen ein Weideland, bis auf jene Thäler, 
welche künstlich bewässert werden können. Auch diese werden 
nur Gemüse und etwas Getreide für den Localbedarf und die 
Minenbevölkerung des Gebirges, vielleicht auch etwas Wein, 
Früchte und Zucker für diese, niemals aber Getreide für den 
Export nach Europa liefern. Rindvieh, Schafe aber und 
vielleicht Pferde dürften sie für lange Zeit steigend mehr 
liefern, als jener Local- und Gebirgsbedarf erfordert. Aus dem 
südlichen Theile dieses Landes, aus Texas und Kansas, wird 
Schlachtvieh oder dessen Product höchst wahrscheinlich billiger, 
als es bisher von New-York geschehen konnte, über die Golf 
häfen nach Europa gelangen. Von Nebraska, Dakota, Wyo 
ming und Montana wird schon Chicago grossetitheils versorgt 
und wird es noch mehr werden, wie auch Kansas City. 
Diese aber liefern schon seit langer Zeit derartige Pro- 
ducte nach Europa. Wir haben also in dem Lande, westlich 
vom loo. Meridian, die grosse Fleischvorrathskammer Europas 
studirt. Hier ist ein Land mit einem ganz ausgeprägten, 
besonderen Productionscharakter, der blos verschieden ist, je 
nach der mehr südlichen oder mehr nördlichen Lage des in 
Betracht kommenden Theiles. Den südlichsten Theil, Texas, 
habe ich früher geschildert. Den mittleren Theil haben wir 
vom 9. Juni ab, als wir in Garden City in Westkansas an- 
kamen, circa einen Monat lang bereist. 
Wir reisten von Garden City westlich bis Pueblo in Colo 
rado, nördlich nach Denver, von da nach Leadville, südlich 
nach Santa Fé in Neu-Mexico, kehrten dann eine Strecke nach 
Nordosten bis Cimarron zurück, wo wir am 23. Juni ankamen. 
Am folgenden Tage machten wir einen Ausflug in die grosse 
Prairie von Cimarron, wobei wir nicht nur die Niederlassungen 
der Mexicaner in einem künstlich bewässerten Thaïe, sondern 
auch ein Reiten der Mexicaner sahen, welche einen in üie 
Erde eingegrabenen Hahn, an dem sie im Galopp vorbei- 
sprengen, aus dem Sattel zu ergreifen suchen. Nur einem
        <pb n="411" />
        395 
Mexicaner gelang das — den Grafen Andrassy und Imre 
Széchënyî auch. 
Vom folgenden Tage ab begannen wir das systematische 
Studium dieser grossen und in landwirthschaftlicher Reorgani 
sation begriffenen Herrschaft. 
Am 25. Juni fuhren wir von Cimarron, das am Flusse 
gleichen Namens etwa drei englische Meilen östlich vom 
Beginn des Hochgebirges liegt, diesen Fluss hinauf. Derselbe 
durchfliesst das Hochgebirge etwa 20 Meilen weit, von Nord 
west nach Südost herab. Das „Cannon“ oder Gebirgsthal ist 
stellenweise bis ' 4 Meile breit, an anderen Stellen ganz eng, 
So dass nur mühsam die sehr gute Strasse durchgebrochen 
Werden konnte. An solchen Stellen lassen sich leicht Schleusen 
bauen, welche aus den über ihnen liegenden Erweiterungen 
Thaies Wasserreservoirs machen würden, in denen man 
genügend Wasser zu der früher erwähnten Berieselung eines 
grösseren Prairieterrains sammeln könnte. An einer Stelle ist 
— überhaupt als Gebirgslandschaft schöne — Thal von 
grossartiger Pracht. Die Felsen steigen im Norden, wohl 
ï Meile lang am Flusse, einige 1000 Fuss senkrecht in die Höhe 
und zeigen die malerischsten Thurm- und Zinnenformationen, 
^ur Linken fallen sie weniger steil ab und sind mit gutem Holz 
stande bewaldet. Das Thal selbst zeigt, soweit es im Gebirge 
bogt, überall üppigen Laubholzbestand. Etwa 25 Meilen ober 
halb Cimarron fallt das Gebirge flach nach Osten ab. Hier 
öffnet sich das Thal von Elisabethtown, von Süden nach 
Orden vom Cimarron, vom Norden nach Süden von einem 
Obenflusse desselben, der vor Eintritt in das Gebirgscannon 
ihn sich ergiesst, durchströmt. Dies ist das Goldthal, das 
^oilenweit Spuren der ehemaligen wilden Goldwäsche zeigt, 
oi Elisabethtown wird das Gold jetzt durch den hydraulischen 
^ocess gewonnen. Das „Freischürfen“ oder „Diggen“ ist nicht 
l'^^hr gestattet. Dieses Thal bietet jetzt eine gute Weide und 
^t etwa 20 Meilen lang und i bis i' s Meilen breit für Acker- 
bewässerbar. 
Oestlich wird es durch ein über 3000 Meter hohes Ge- 
'•"go begrenzt. Elisabethtown liegt 2499 Meter hoch. Dieses
        <pb n="412" />
        396 
Gebirge, östlich von dem das viele Meilen lange und breite 
Thal des Rio Grande liegt und das nicht mehr als etwa sechs 
bis acht Meilen breit und dicht bewaldet ist, fuhrt der 2700 
Meter hohe Taos-Pass in jene Ebene hinab. Der Stamm 
dieses Gebirges bildet hier die Ostgrenze des Maxwell-Grants. 
Wir passirten denselben am 26. Juni und übernachteten in der 
kleinen alten mexicanischen Stadt gleichen Namens. Rund 
umher wird Ackerbau getrieben von Mexicanern und von 
„civilisirten“ „Pueblo-Indianern“, d. h. „Dorfindianern“. 
Wir besuchten deren interessante Niederlassung, die sich 
an beiden Seiten eines Flusses, da, wo er aus dem Gebirge 
in das Thal tritt, erstreckt, an diesem und dem folgenden 
Tage und machten Einkäufe von vielen, sehr interessanten 
Gegenständen, die sie selbst verfertigen. Die anderen Herren 
kauften Bogen, Pfeile, Köcher, Kleidungs- und Schmuckgegen 
stände, von Indianern kunstvoll gewobene uTnd schön bunt 
gefärbte, fast ganz wasserdichte Decken, im Ganzen wohl für 
150 bis 200 Dollars; ich eine sehr schöne BüfFelhaut, die von 
Squaws mit der Hand weich gegerbt war wie ausgegerbtes 
Hirschleder — für die canadische Reise im Herbste! 
Das Dorf hat an jeder Seite des Baches ein hohes pagoden 
artiges Gebäude von sehr grossem Umfange, wohl 400 Schritte 
im Quadrat. Es besteht aus etwa zehn Fuss hohen Stock 
werken, eines über dem anderen, aber so eingezogen, dass 
vor jedem höheren Stock eine Plattform auf dem niederen 
Stockwerke frei bleibt; so fort, fünf Stockwerke hoch. 
Diese Etagen sind in einzelne Familienwohnungen getheilt. 
Die unteren Stockwerke haben keine Thüren. Es giebt auch 
keine Treppen, sondern man steigt auf Leitern von der Erde 
zur ersten, von dieser zur zweiten Plattform u. s. w. Auf der 
Plattform findet sich über jeder Familienwohnung eine Fall- 
thüre, durch die man mittelst einer ebenfalls transportablen 
Leiter in das Innere hinabsteigt. Die oberen Geschosse haben 
kleine Thüren nach der Plattform hinaus, durch die man in 
die Wohnung kriecht. 
Natürlich stammen diese alten und sehr massiv aus Lehm- 
ziegein gebauten Gebäude aus einer Zeit, da sich ihre Be-
        <pb n="413" />
        397 
wohner gegen die noch wilden Indianer zu vertheidigen hatten, 
Was sie mit ihren Pfeilen von den Plattformen aus recht gut 
konnten, zumal sie heute noch recht gut schiessen. Wir ver 
unstalteten ein Preisschiessen, Auf 15 Schritte trafen sie 
wiederholt einen Silberdollar, den Preis; später sogar ein Halb 
dollarstück, auf 55 Schritte den Hut des Baron Gudenus und 
^uf IO Schritte etwa den in die Höhe geworfenen Hut des 
Grafen J. Széchényi in der Luft. — Das Innere der Woh 
nungen war peinlich sauber. 
Neben den beiden Pagoden gab es kleinere Hauscomplexe 
für mehrere Familien, die jedoch getrennt darin wohnen, und 
dem Felde einzelne Lehmhäuser, die sie im Sommer be 
wohnen, um die Feldarbeit nahe dem Hause zu haben. Sie 
sind so gute Landwirthe wie die Mexicaner — oder ebenso 
schlechte! Ihr Pflug besteht aus einem primitiven Holzgestell, 
^n dem ein dreieckiges, pfeilartiges Eisenstück in Pfeilform 
Und von Handgrösse befestigt ist. Trotzdem erzielen sie 
Ernten auf dem Boden, welchen sie nie düngen, aber ebenso 
flurch aus dem Flusse oberhalb abgeleitetes Wasser bewässern, 
benachbarten Mexicaner. Den Weizen lassen sie auf 
Ginem runden, umzäunten Platze von Ziegen austreten! Auf 
^ingezäunten Weiden ziehen sie Rindvieh und Pferde, im Ge- 
birge weiden sie Ziegen. Sie bekennen sich zur katholischen 
E^kgion — angeblich — haben aber eine geheime Religion, 
^ der die Sonne eine grosse Rolle spielt. Sie sind nicht 
onimunisten, sondern haben die Felder nach Haushaltungen 
S^theilt, verkaufen ihr überschüssiges Getreide individuell, ver 
walten sich republikanisch, indem sie jährlich ihren Häuptling, 
eheste und Richter wählen, die jährlich in Taos von dem 
uipnsbeamten vereidigt werden. Für gemeinsame Bedürfnisse 
Gbauen sie mittelst gemeinschaftlicher Arbeit einige Gemeinde- 
^ der und besitzen auch Gemeinde-Viehweiden. Die Felder 
. nur an Stammesgenossen verkauft werden, Ihre Tracht 
\ indianisch und höchst malerisch. Das ihnen zuge- 
^sene fruchtbare Thal ist sechs englische Quadratmeilen gross. 
Nach diesem interessanten Abstecher fuhren wir am 27. 
^8. Juni nach Cimarron zurück und besichtigten unter-
        <pb n="414" />
        I 
398 
m Ar. 
Wegs eine amerikanische Ansiedelung. Der Settler, welcher 
Pacht zahlt, baute Hafer und Futtergras, ausserdem Garten 
gemüse auf bewässertem Boden und hatte eine Milchwirthschaft. 
Butter, Käse und Milch verkauft er an die Goldwäscher. 
Am 29. Juni fuhren die Grafen Andrassy, Hoyos und G. 
Széchényi nach dem Badeorte Las Vegas ab, wo es heisse 
Quellen giebt. Graf Imre Széchényi, Baron Gudenus und ich 
machten eine sechsstündige Fahrt in die „Ranches“ der Herren 
Springer und Porter, welche jene oben erwähnten Weide 
strecken von zusammen ca. 60.000 bis 70.000 Acres gepach 
tet haben und darauf seit einigen Jahren \iehzucht treiben. 
Wir besahen das Vieh, die Weide und die zwei Quadratmeilen 
berieselten Landes, wo sie Futter bauen; die Geschäftsresul 
tate des Herrn Porter, der in Texas eine zweite Ranche von 
40.000 Acres eigenthümlich besitzt und ein Mann ist, dessen 
Vermögen auf anderthalb Millionen Dollars geschätzt wird, 
obschon er vor 20 Jahren in Denver mit nichts anfing und 
mit einem nur mässigen Capitale vor 15 Jahren nach Cimarron 
kam, wo er Kaufmann, Banquier und Viehzüchter ist. 
Am 30. Juni und i. Juli fuhren die Herren Graf Imre 
Széchényi und Baron Gudenus — ich war durch Unwohlsein 
an das Haus gefesselt — auf zwei der erwähnten 8- bis 
9000 Fuss hohen Parks, welche als Weidereserven für das 
Vieh dienen. Sie fanden den Graswuchs dort üppiger als 
unten und eine Gegend von entzückender landschaftlicher Schön 
heit; die umgebenden bis 13.000 Fuss hohen Berge, unten 
noch schön bewaldet und treffliche Almweiden darbietend. 
Das Vieh darauf war gesund und fett. Ein Paar kämpfende 
Stiere rannten gegen ihren „Buggy“, warfen ihn um und zer 
brachen ihn. Die Herren und der Sohn des General Managers, 
Herr Shervin, wurden weit aus dem schiffbrüchigen Wagen 
geworfen, doch ohne ernstlichen Schaden zu nehmen. Die Herren 
langten zu Pferde am folgenden Tage in Cimarron an. 
Am 2. Juli reiste auch Graf Imre Széchényi den voraus 
gefahrenen Herren nach, um mit ihnen über Albuquerque auf 
der Atlantic-Pacific-Bahn nach Fort Vingate zu fahren und die 
dort ansässigen Indianer zu besuchen. Baron Gudenus und ich
        <pb n="415" />
        399 
setzten unsere Studien inzwischen in Cimarron fort und dehn- 
sie auf die Organisirung des „Selfgovernments“ in diesem 
ehemals spanischen Territorium der Union aus. 
Wenn ich in der Beschreibung von Cimarron und unserer 
Arbeiten daselbst so ausführlich war, so wolle man das ver 
zeihen! Ich glaube, dass diese Herrschaft ein guter Typus 
von Westcolorado, Westkansas und Neu-Mexiko ist, soweit 
Ackerbau mittelst Irrigation und Viehzucht in Betracht kommen. 
Europäer können aus der Schilderung Cimarrons sich über die 
Art dieser Wirthschaftsbetriebe und über die Gewinne, die 
jetzt gemacht werden, unterrichten. Da jetzt, besonders von 
reichen Engländern, das verfügbare Weideland allgemein in 
Benützung genommen wird, so vermehren sich die Heerden 
schnell, zumal nirgends ein Kalb oder eine Kuh geschlachtet 
"^‘rd, die noch ein Kalb bringen kann, und das Vieh wird 
^icht nur zahlreicher, sondern auch besser, weil man fast nur 
fîoch Vollblutbullen zur Zucht benützt. Die Concurrenz im 
Angebote fetten Viehes dürfte also grösser und der Preis all- 
*^älig billiger werden, wozu auch eine Marge vorhanden ist, 
^cnn übereinstimmend höre ich, dass Züchter, die schon Land 
gekauft haben, 50 bis 60 Percent jährlich von ihrem in Vieh 
gesteckten Betriebscapitale machen. Wer jetzt Land kauft, 
freilich schon höhere Preise zahlen als die „glücklichen 
Besitzer“. 
Wir sprachen in Denver einen Herrn Schetter, Verwalter 
^s in Colorado liegenden, eine halbe Million Acres grossen 
Eouis-Grants, der einer holländischen Actiengesellschaft 
^ Welche eine ebenso schlechte Geschichte hat, als die 
Cimarron vom Jahre 1870 bis 1873. Da Herr Schetter in 
Eeorganisationsarbeit noch nicht so weit vorgerückt war 
1 , ^^rr Shervin in Cimarron, so lehnten wir Schetters Ein- 
^^g zum Besuche ab.
        <pb n="416" />
        XXIV. Capitel. 
Verwaltung eines Territoriums der Union- 
Es mag hier an der Stelle sein, das Selfgovernment in 
den Unions-Staaten kurz zu skizziren, wie wir es in Neu- 
Mexico zuerst näher kennen lernten. 
Die Union besteht aus 38 „Staaten“, welche sich einer 
grossen legislativen und vollen administrativen Freiheit erfreuen, 
und elf „Territorien“, die noch nicht bevölkert genug sind, 
um jene Rechte in vollem Masse zu geniessen. Die Admini 
stration der letzteren ist zum Theile von der Unions-Regierung 
in Washington abhängig. 
Während unseres Aufenthaltes in dem Territorium Neu- 
Mexico habe ich mich über die billige und zweckmässige Art 
und Weise, wie solche Territorien verwaltet werden, zu unter 
richten gesucht. 
Das Territorium ist 121.201 englische Quadratmeilen, d. h. 
genau so gross wie England, Irland, Schottland und Wales 
(121.230 Quadratmeilen), hatte im Jahre 187091.874 und 1880 
118.430 Einwohner, wovon 11.242 Farbige. Behufs der Ver 
waltung ist dies grosse Gebiet in zwölf Counties oder Gra - 
schäften getheilt. 
Die Regierung des Territoriums wird von der Centra * 
regierung in Washington durch ernannte Beamte besorgt, die 
im Territorium wohnen; wenn aus einem Territorium ein Staat 
wird, so werden alle diese Beamten vom Volke des Staates 
gewählt. So lange die Union die Beamten ernennt, zahlt sie 
dieselben auch. Die Territorialregierung besteht aus folgenden 
Beamten: 
I. Gouverneur, Gehalt jährlich 3000 Dollars.
        <pb n="417" />
        401 
2. Chief Justice, ein Ober-Richter und zwei Richter, Asso- 
ciate Justices des Territoriums, je 3000 Dollars. 
3* Secretary, ein Secretar des Territoriums, 2500 Dollars. 
4* Surveyor General, Vermesser der öffentlichen Lande- 
feien, 3000 Dollars, fallt fort, sowie die Union über alle un- 
°ccupirtcn Ländereien verfügt hat. Dieser Budgetposten, 
^owie der unter Nr. 7 folgende, werden mehr als gedeckt 
^^rch den Erlös aus dem Verkaufe der öffentlichen Ländereien, 
^ällt also den Steuerträgern nicht zu Last. 
5- Collector of internal Revenue, Einnehmer der indirecten 
^^d anderen Steuern für die Union, Gehalt 1500 Dollars und 
3 Percent Gebühren von den ersten 100.000 Dollars Steuern, 
er einhebt, ein Percent für Steuern von 100.000 bis 
400.000 Dollars, ' Percent für Steuern von 400.000 bis 
^000.000 Dollars, '/h Percent von Steuern über i Million 
ollars. Seine Gebühren und sein Gehalt dürfen in keinem 
^ 4500 Dollars jährlich übersteigen. 
6. Unites States District Attorney, Anwalt und Syndicus 
^ Fiscus der Union, Gehalt 600 Dollars, 5 Dollars Diäten, 
onn er vor Gericht fungirt, und 20 Dollars Gebühren für 
Rechtsfall, den er führt Seine Einnahme hieraus darf 
®oo Dollars nicht überschreiten. 
^ 7* Register und Reciver of United States Land Office, 
und^ öffentliche Ländereien, je 500 Dollars Gehalt 
Gebühren von verkauften öffentlichen Ländereien, nicht 
3000 Dollars jährlich. 
Q . United States Marshal, Gerichtsvollzieher, 600 Dollars 
^ ^ Gebühren, im Ganzen nicht über 6000 Dollars, 
drei p ' fhe courts, Gerichtsschreiber, von jedem der 
g »achter für seinen Hof ernannt, also drei im Territorium, 
^^rs täglich per Gerichtstag und Gebühren. 
^ diese Beamten sind vom Präsidenten der Vereinigten 
vom Senate der Union bestätigt und werden 
Geri L Unionsregierung bezahlt, mit Ausnahme der drei 
^chreiber. Sie sind die eigentlichen bezahlten Beamten. 
Folgenden fungiren ehrenamtlich und erhalten 
•lit oder Bezüge von Gebühren, welche Reisen, Ge- 
26
        <pb n="418" />
        402 
Spann und Bureau-Unkosten decken sollen, mit Ausnahme des 
Grafschafts-SherifF und des Grafschafts-Clerk und einiger Ter 
ritorialbeamten, deren Amt ein solches ist, dass sie die ganze 
Zeit des Beamten in Anspruch nehmen, so die Attorneys, ^r 
Treasurer, der Auditor und der Einwanderungssecretär. 
Das Territorium ist in drei juridische Districte gethei t, 
jeder der drei Richter fungirt in einem District, sowohl m 
Civil- als Criminalfällen und entscheidet als Einzelrichter. Jähr 
lich versammeln sie sich ein Mal in der Hauptstadt Santa 
und bilden, als Drei-Männer-Gerichtshof, den obersten Gerichts- 
und Appellationshof des Territoriums. Von seiner Entscheidung 
gibt es eine letzte Appellation an den obersten Gerichtshot 
der Union in Washington. 
Die Verwaltung des Territoriums beschäftigt ferner le 
gende Beamte, die vom Gouverneur ernannt und von dem 
Council bestätigt werden; * 
1. Ein Attorney-General, Gehalt 600 Dollars und Gebühren 
für Streitsachen, die er im Aufträge des Territoriums vor 
Gericht vertritt, sowie fünf Dollars Diäten per Gerichtstag. 
2. Zwei Attorneys für die zwei folgenden Districte, der 
Attorney-General fungirt im ersten District. Diese beiden 
amten beziehen dieselben Einkünfte wie der Attorney-Gener 
Die drei Attorneys sind gleichzeitig öffentliche Ankläger, 
also Syndici und Staatsanwälte. 
3. Der Territory Treasurer, Schatzmeister, empfängt 
Steuern für das Territorium und leistet dessen Zahlungen. Ge 
halt 1000 Dollars, keine Gebühren. 
4. Ein Auditor, Rechnungsführer des Schatzes des Terri 
toriums, 1000 Dollars jährlich. 
5. Ein Adjutant General, 250 Dollars Gehalt jährlich. ® 
aufsichtigt Waffen und Munition, die dem Territorium gehöret 
und organisirt Freiwillige, wenn die Miliz vom Gouverneur 
einberufen wird, um den öffentlichen Frieden aufrecht zu er 
halten. Wenn in Dienst, erhält er höhere Bezüge. 
6. Ein Bibliothekar, für die öffentlichen Bibliotheken 
Territoriums, Gehalt 250 Dollars. 
7. Ein Secretair des Einwanderungs - Amtes, Board
        <pb n="419" />
        403 
26* 
immigration, der too Dollars monatlichen Gehalt erhält Die- 
Ser Beamte kommt in Wegfall, sobald man die Beförderung 
Einwanderung nicht mehr fur nöthig halten wird. Zu 
^6m regelmässigen Verwaltungspersonale gehört er so wenig, 
oben der Surveyor General und die beiden Registers und 
Eecivers of United States Land Office. 
i^ie gesetzgebende Gewalt, so weit sie dem Territorium 
^urch Statut zusteht, übt ein Parlament aus zwei Kammern^ 
^Gm Council (Senat), aus 13 Mitgliedern, und der Assembly 
V Gm Abgeordnetenhause), aus 26 Mitgliedern bestehend, die 
^uf zwei Jahre vom Volke gewählt werden und deren Mit 
glieder pro Sitzungstag 3 Dollars Diäten empfangen. Wähler 
*st jeder Mann, der 21 Jahre alt ist, ein Jahr im Territorium, 
halbes Jahr im County wohnt und Bürger der Union ist. 
Gouverneur hat das Vetorecht, das bei Zweidrittel- 
^ajorität auf hört. 
Eie County hat folgende Beamte: 
1- Einen Sheriff für Polizei und Besteuerung, auf zwei 
Jahre gewählt; er erhält fünf Percent der Steuern und Ge- 
^ i'Gn für Amtshandlungen, Einkommen circa 3000 Dollars. 
Zieht sich einen Deputy-Sheriff zu, der, wenn er dessen 
mtshandlungen vertretend ausübt, auch die dafür fälligen 
'gebühren bezieht. 
Q Een County-Schreiber oder Clerk, der 300 Dollars 
alt und fünf Percent der Steuern erhält, circa 2000 Dollars 
sT Er ist Schreiber im Vormundschaftsamte der Graf- 
macht die Steuereinschätzungen in der Grafschaft, welche 
Gh die County-Commissioners ermässigt oder erhöht 
können, führt die Hypothekenbücher und Grundbücher. 
Q taate besteht hiefür ein besonderes Hypotheken- und 
^*itibuchamt, das des Recorders. 
3' Einen Schatzmeister; erhält 300 Dollars Gehalt. 
Er ob ate Judge, Erbschaftsrichter und Verwalter 
300 ^^^^^angelegenheiten, der auch Testamente aufnimmt; 
fiir, • Gehalt, oder vielmehr Bureau-Entschädigung. Er 
girt ehrenamtlich. 
5- Erei Schulcommissäre für die öffentlichen Schulen;
        <pb n="420" />
        404 
versammeln sich drei bis vier Mal jährlich, bestimmen die 
Districte, in denen öffentliche Schulen gebaut werden sollen, 
bestimmen Anfang und Ende der Schulzeit und ernennen einen 
Examinator für anzustellende Schullehrer. Erhalten 3 Dollars 
Diäten für Sessionstage. Fungiren ehrenamtlich. 
6. Drei County - Commissioners; erhalten 10 Cents 
per Meile Reisegelder und 3 Dollars Diäten, wenn im Amte; 
sie revidiren die Steuereinschätzung und fungiren als Graf- 
Schaftsvertretung, bestimmen Brücken-,Wege-, Schul-, Gefangniss 
bauten etc., legen die Grafschaftssteuer auf. Ihnen unterstehen 
der Schreiber und der Schatzmeister der Grafschaft. Von 
ihrer Entscheidung in Steuerangelegenheiten giebt es einen 
Appell an den Districts-Gerichtshof. Dieser ist ein wandernder. 
Jeder der drei von der Union ernannten Richter kommt zwei 
Mal jährlich in jede County-Hauptstadt seines Districtes. Dort 
versammelt der Richter drei Männe^ aus dem County, zie 
dazu den Vormundschaftsrichter und bildet mit ihnen einen 
Fünferhof. Dieser Hof ernennt die Jury für die halbjährige 
Grafschaftssession. Die Jury sitzt nicht nur in Criminahallen, 
sondern auch bei Steuerreclamationen und zuweilen sogar m 
Civilprocessfällen. Wir haben hier also die Functionen des 
Criminal- und Civil-Verwaltungsgerichtes vereint in einem 
gelehrten Richter, dem ihm zugeordneten Staatsanwalte, dein 
von ihm ernannten Gerichtsschreiber und der in allen drei 
Fällen unter gewissen Umständen zuzuziehenden Jury. 
In jeder Grafschaft werden so viel Schuldistricte gemacht, 
als für je eine öffentliche Schule genügen. In Colfax-County 
giebt es 23 solcher Districte. Die Schul-Commissioners be 
stimmen die Abgrenzung der einzelnen Schuldistricte. b)er 
Vorsitzende der Schulcommissäre ist derselbe, wie der Vor 
sitzende der County-Commission. Für jeden Schuldistric^ 
werden von den Schulcommissären der Grafschaft drei Schu 
Vorsteher, Trustees, auf Vorschlag des Volkes in 
Districte ernannt. Diese Trustees erhalten weder Geha 
noch Diäten. Sie ernennen den Schullehrer, der auf ihre Ao 
Weisung vom Grafschafts-Schatzmeister Gehalt erhält.
        <pb n="421" />
        405 
Zahlungsanweisung muss durch den Vorsitzenden der Grat* 
schaftscommissäre beglaubigt und gebilligt werden. 
In dem Territorium giebt es keine „Townships“, welche 
nterabtheilungen der Counties in Staaten sind. Dafür theilen 
^•6 County.Commissioners jede County, nach Gutdünken 
Anzahl „Precincts“. Sie sind die localen Districte 
ñr Wahlen. In jedem Precinct ist ein Ort für Abhaltung 
Wahlen bestimmt. Hier ist ein Haus eines Einwohners 
s Wahlplatz festgesetzt und sind drei Richter nebst einem 
^ reiber von den County * Commissioners bezeichnet, 
gliche die Wahlen controliren. Die Wahlliste wird von einem 
oard of Registration zusammengestellt. Dieser Board 
^Gsteht aus drei Bürgern, welche von den County- 
^^missioners ernannt sind. Niemand dieser Functionäre 
®^nält Gehalt oder Diäten. 
In jedem Precinct giebt es einen Friedensrichter und einen 
onstabler, die für zwei Jahre vom Volke des Precincts ge- 
RGwählt werden. Sie erhalten Gebühren für Amtshandlungen, 
keinen Gehalt. Der Friedensrichter übt Jurisdiction in 
^‘vilsachen bis zu loo Dollars aufwärts. Er hört in Criminal* 
des^^ spricht frei oder verweist vor die Grand*Jury 
r*^ die unter Vorsitz des einen der drei Territorial* 
^ ter fungirt. In Civil* und Criminalfallen kann, respective 
er eine Jury hören und ihre Entscheidung befolgen, 
p ^ I^riedensrichter ernennt diese Jury aus den Bürgern des 
^ttict. Natürlich braucht er kein gelehrter Jurist zu sein. 
^°nstabler führt seine Beschlüsse aus, ist Gerichtsvoll* 
bezieht eine Gebühr von jeder Amtshandlung und 
ansässiger Bürger, der seinen Lebensunterhalt nicht 
lässlich aus der Gebühr deckt. Wenn der Friedens- 
‘icntf 
sollte 
einen Mann in einem Criminalfalle nicht schuldig finden 
çjçj. y. kann die grosse Jury der County denselben, wenn 
ttnd gegen ihn ihr genügt, dennoch vor sich berufen 
to Criminalverhandlung gegen ihn eintreten lassen, 
dum M ^ J^tiuar 1880 betrug die Totalschuld des Territo* 
^i^s Neu-Mexico 14.500 Dollars. Sie ist schon abgezahlt, 
ttsgaben der Territorialregierung, inclusive der Gerichts*
        <pb n="422" />
        4o6 
höfe, exclusive der Gehälter, welche die Centralregierung in 
Washington zahlt, beträgt circa 40.000 Dollars jährlich. Die 
Union zahlt an ihre Beamten im Territorium jährlich gegen 
40- bis 50.000 Dollars. Die Ausgaben einer County, Colfax- 
County, mit Einschluss der Ausgaben für die vollkommen freie 
Volksschule beträgt circa 10.000 Dollars jährlich. Die Graf 
schaft hat circa 4000 Einwohner auf 800 Quadratmeilen. 
Die Steuer für County und Territorium ist eine directe 
und beträgt als Regel ein Percent des eingeschätzten Werthes 
von Grundeigenthum und persönlichem Eigenthum. Die Ein 
schätzung ist nur circa ein Drittel bis zur Hälfte des wirklichen 
Werthes. Der Ertrag wird dabei berücksichtigt. Von dieser 
Steuer geht die Hälfte an das Territorium, ein Viertel an die 
County, ein Viertel an die Schulen der Grafschaft. Die Graf 
schafts-Autoritäten dürfen eine Zuschlagsteuer von ’/4 Percent 
fur Grafschaftszwecke, Schuldenabzahlung öder Verbesserungs 
anlagen auflegen. Ausserdem zahlt jeder Mann, über 21 Jahre 
alt, einen Dollar jährlich Kopfsteuer in den Schulfonds. 
Ausserdem giebt es „License-Taxen“, welche von Stores 
(Kaufmannsläden), Waarenhäusern, Hotels und Schankhäusern 
gezahlt werden und zur Hälfte an die County, zur Hälfte an 
das Territorium fallen. 
Die Unionsregierung erhebt „License-Steuern“ von der 
Manufactur und dem Verkaufe von Alkohol und Tabak und 
von Banken, Stempel etc., meist als indirect wirkende Steuern, 
wenn sie auch direct von Wirthshausbesitzern und gewissen 
Fabrikanten und Bankiers eingehoben werden. Wie niedrig 
die Steuereinschätzung ist, geht daraus hervor, dass die 
1.714.000 Acres grosse Herrschaft Cimarron, mit einigen tau 
send Einwohnern, mehreren Bergwerken, zahlreichem Vieh 
darauf, soweit sie und das auf ihr Befindliche der Land- 
Actiengesellschaft gehört, nur auf 850.000 Dollars eingeschätzt 
war und eine Jahressteuer von 11.700 Dollars im Jahre 1880 
zahlte. Der Theil davon, welcher in Neu Mexiko liegt, ist au 
602.000 Dollars geschätzt. Der Rest liegt in dem Staate 
Colorado, in dem die Steuern, wie in jedem Staate, schon 
etwas höher sind, als in den Territorien. Der Schätzung^
        <pb n="423" />
        407 
Werth dieses Theiles betrug also rund 250.000 Dollars und 
Steuer davon: für die Grafschaft 1250 Dollars, für den 
Staat Colorado 500, für die Taubstummenanstalt 25, für die 
Bergwerksschule 25, für die landwirthschaftliche Schule 25, 
^r die Staatsuniversität 25, für die Wege-Instandhaltung 125, 
^r die Grafschaftsschulen 625, für die Specialschulen 650, 
Zinsbeitrag für das Baucapital des Gerichtsgebäudes 250, Zins 
beitrag für die Staatsschuld des Staates Colorado 114 Dollars, 
Summe 4339 Dollars = 1.7 Percent der sehr niedrigen Werth 
schätzung, wovon 1350, d. h. fast ein Drittel, für Schulzwecke 
Verschiedener Art, Taubstummenanstalten und Wege, also für 
Investirungen im Staate oder in der Grafschaft. Ueberhaupt 
wird ein sehr grosser Theil der Steuern für Schulen und öflfent- 
Bche Bauten ausgegeben, auch sind die Schulden grösstentheils 
gemacht worden, um Eisenbahnen zu subventioniren, welche 
betreffenden Staaten oder Territorien durchschneiden. Sie 
Werden mehr oder minder rasch Alle amortisirt. Die Schuld 
^cs Territoriums Neu-Mexiko ist, wie gesagt, schon getilgt. 
Dieses System der Selbstverwaltung eines Staates von der 
Drösse ganz Englands ist sehr billig, freilich ist die Bevölkerung 
Sçring, aber die Verwaltung wird nicht im Verhältnisse theurer, 
wie die Bevölkerung wächst. Sie gewöhnt das Volk an Selbst- 
^bätigkeit und ist ihm an und für sich eine, die Intelligenz 
ildende Schule. Unsere Bureaukratie raubt dem Volke die 
^ergie und ist zudem viel zu theuer! Da wir nun nicht 
das Monopol des Weltmarktes haben, werden wir bald 
^^cht mehr Geld genug besitzen, unseren theueren Verwal- 
^l^gsapparat zu bezahlen, und dann werden wir diese Nach- 
I dung des in China noch weiter und systematischer ausge- 
1 detp,n Mandarin-Systemes wohl aufgeben müssen und zum 
^ysteme der Selbstverwaltung zurückkehren, das sich in 
y jährlich reicher werdenden Lande so ausserordentlich 
^ G währt, das die Amerikaner durchaus nicht aufgeben wollen 
a,n das sich die europäischen Einwanderer sehr schnell 
Wohnen. Dieser Moment dürfte aber in Europa erst ein- 
Wenn die Hof- und anderen Räthe ihre Quittungsbogen 
Kobens bei den leeren Cassen präsentirt haben,
        <pb n="424" />
        i \ 
4o8 
Ich habe geglaubt, die Selbstverwaltung eines beginnen 
den Staatswesens hier skizziren zu sollen und werde solche 
aller Staaten im Osten später schildern. Aus dem Gesagten 
geht schon hervor, welches Gebiet von Aufgaben die 
Administration in jungen Staatswesen umfasst. Es geht auch 
daraus hervor, dass Administration und Justiz nicht getrennt 
zu sein brauchen, um das Gedeihen eines Volkes zu fördern.
        <pb n="425" />
        XXV. Capitel. 
In Colorado, Neu-Mexieo und Arizona. 
Die zweite Verbindung des Atlantischen mit dem Stillen 
^cean, südlich der bekannten Eisenbahn, welche von San 
Francisco über die Mormonenstadt in Utah, Ogden, Cheyenne 
Und Omaha an das östliche Eisenbahnnetz der Union fuhrt, 
&gt;st iiTi Frühjahre i88i perfect geworden und gehörten wir mit zu 
^^n ersten Europäern, welche die neue Route nach Californien 
passirten. 
Die neue Bahn fährt von Kansas-City nach Trinidad in 
olorado, Santa Fé und Deming in Neu-Mexico. Hier ver 
endet sie sich mit der Südcalifornia-Bahn, die über Tucson 
Und Fort Yuma am Coloradoflusse in Arizona nach Los 
ngeles, unfern dem Stillen Ocean in Californien, führt. Von 
^ ab Wendet sie sich nördlich und läuft durch das Joaquim- 
ul nach San Francisco. 
Am IO. Juni zweigten wir uns in La Junta, Colorado, 
^n dieser Bahn zu einem sehr lohnenden Abstecher ins 
G sengebirge ab. Wir fuhren über Pueblo nach dem Brunnen- 
^ Manitu, blieben hier einige Tage und fuhren am 14. Juni 
mit um Fusse des hohen Felsengebirges, über eine, 
p . ^urbenprächtigen Blumen und Buffalogras bewachsene 
über Ausläufer des Gebirges. 
Stadt Denver ist in den letzten zwei Jahren fast ganz 
^ gebaut, hat 70.000 Einwohner, welche dem Bergbau im 
ihren sich enorm schnell entwickelnden Reichthum 
geh Hotels und Läden sind massiv und prächtig 
^Gr Höhe, östlich über der Stadt, liegen palast- 
reichsten Einwohner. Alle von Osten 
esten führenden Strassen bieten an ihrem Westende
        <pb n="426" />
        410 
einen Ueberblick über die gewaltige Bergkette des Felsen 
gebirges, das sich 8000 bis 13.000 Fuss hoch, etwa zehn 
englische Meilen westlich der Stadt, aus der „rollenden Prairie“ 
erhebt. So ist die Lage der Stadt entzückend schön. Der 
Ort ist gesund und nicht sehr heiss, da er 5275 Fuss über 
dem Meere liegt. Denver ist eine der schönsten Städte in 
der Welt. 
Wir zogen hier Erkundigungen über die künstliche 
Bewässerung in Colorado und den Bergbau ein, obschon wir 
das Studium des letzteren nicht in unser Programm auf 
genommen haben und nur soweit cultivirten, als er auf den 
Ackerbau fördernd einwirkt, indem er einen guten Markt für 
Lebensmittel bietet. 
Da in Colorado die Silb er pro ductio n eine wichtige ist, 
will ich hier einige Worte über die Production der edlen 
Metalle sagen : 
Es betrug die Production der edlen Metalle in der Welt, 
soweit bekannt, in je 1000 Dollars Werth im Jahre 1880: 
Land. 
Gold. 
Silber. 
Total. 
Vereinigte Staaten 
Mexico 
British Columbia 
Afrika 
Argentin. Republik 
Columbia 
Rest von Süd - Amerika 
Australien 
Deutschland 
Norwegen 
Italien 
Russland 
Rest von Europa 
Japan 
33.379 
989 
910 
1.993 
78 
4.000 
1.993 
29.018 
205 
72 
26.584 
2 
466 
41.110 
25.167 
420 
I.OOO 
ï.039 
6.938 
168 
18 
4:5 
2.078 
916 
74.489 
26.156 
910 
1.993 
498 
5.000 
3032 
29.018 
7.143 
166 
90 
26.999 
2.080 
1.382 
Summa 
99.689 
79.269 
178.958 
Die Production von Gold und Silber in der Union ent 
wickelte sich [folgendermassen : 
Jahr. 
Gold. 
Silber. 
1804—20 
1821—30 
1831 — 40 
1841—50 
39 
73: 
5.649 
116.978 
100 
Jahr. 
Gold. 
Silber. 
1851—60 
1861—70 
1871—80 
546.000 
474.100 
394.500 
650 
100.700 
358.200
        <pb n="427" />
        411 
Im Jahre 1880 wurden gewonnen in je 1000 Dollars 
Werth: 
Staat. 
Gold. 
Silber. 
Summa. 
Alaska 
Arizona 
Californien 
Colorado 
Dakota 
Georgia 
Idaho 
Montana 
Nevada 
Neu-Mexico 
Neu Carolina 
Oregon 
Süd-Carolina 
Tennessee 
Virginia 
Washington 
Wyoming 
In anderen Staaten 
7 
770 
19.000 
3.400 I 
4.500 
150 
ï.930 
2.500 
2.700 
120 
75 
1.000 
18 
2 
11 
100 
7 
IO 
7.800 
870 
5.000 
60 
1.100 
2.300 
8.860 
270 
80 
7 
8.570 
19.870 
18.400 
4.560 
150 
3.030 
4.800 
11.560 
390 
75 
1.080 
18 
2 
11 
100 
50 
7 
60 
Summa 
36.500 
42.100 
78.600 
Hieraus geht hervor, ein wie grosses Interesse die Union 
daran hat, dass das Silber nicht überall als Münze durch Gold 
ersetzt werde. 
Hierauf nehme ich den Bericht über unsere Reise, welche 
nun auf Monate durch diejenigen Länder uns führte, in welchen 
die Masse jener Metalle producirt wird, wieder auf. 
Am 17. Juni machten wir eine der schönsten Reisen, die 
äuf diesem Continente möglich sind, nach Leadville. 
Die Bahn führt zunächst das Thal des Süd-Platteflusses 
hinauf und durchschneidet, 20 Meilen von Denver, einen 
grossen Bewässerungscanal, den eine englische Compagnie baut 
und der Wasser von hier aus dem Flusse aui die östliche 
Prairie führt. 
Sehr bald steigt die schmalspurige Eisenbahn in das Ge 
birge, mit 170 Fuss Steigung per englischer Meile, im Cannon 
oder Flussthal hinauf, dessen Wände, stellenweise 2000 Fuss, 
fast senkrecht neben der Bahn aufsteigen und das etwa fünf 
Meilen lang ist. Die üppigste Baumvegetation begleitet den 
Wasserlauf. Die Landschaft erweitert sich am Ende des Can-
        <pb n="428" />
        nons, die Steigung aber dauert fort. Bei Bailey verengert 
sich das Thal, die Berge aber sind niedrig und mit reichlichem 
Waldwuchs bedeckt. Bei Kenosh windet sich die Bahn über 
sich selbst einen mächtigen Berg hinauf und geniesst man hier 
einen Anblick, der die Erinnerung an den Semmering ver 
wischt, denn wir erreichen hier eine Höhe von 10.130 Fuss, 
und zwar auf einer Eisenbahn, welche 158 Fuss Steigung per 
englische Meile hat. Und, ein anderes Wunder fur uns, alle 
diese Berge sind, bis zu dieser Höhe, bewaldet, vornehmlich 
mit Pinien. 
Von diesem höchsten Punkte der Bahn aus macht sie 
eine Curve und tritt dann langsam 2000 Fuss hinab in eine 
der berühmtesten Gegenden der Welt, dem „Süd-Park“. Dies 
ist eine im Mittel 8000 Fuss hohe Ebene, die 50 Meilen lang 
und IO Meilen breit, im Osten durch 2000. Fuss höhere be 
waldete Berge, im Westen durch eine Kette höherer Schnee 
berge begrenzt ist, welche bis zu 14.269 Fuss hoch aufsteigen. 
Vierzig Meilen weit durchläuft die Bahn diesen „Park“, der 
mit Üppigem Alpengrase bewachsen ist, und auf dem die 
Rinder sogar den Winter über im Freien weiden. Zahlreiche 
kleinere Baumgruppen schmücken die wellenförmig-hügelige 
Oberfläche des Parks, der stellenweise den Charakter der 
„Haide“ bei Nauders in Tirol annimmt. 
Wir verlassen den Park, indem wir uns durch seine Grenz 
gebirge hindurchwinden, die wiederum grossartig schöne Aus 
blicke gestatten, treten in einen Seitenpark von ähnlichem 
Charakter ein und klimmen abermals in die Höhe, bis zu 
9410 Fuss, die wir im Trout-Creek-Pass erreichen, der Wasser 
scheide zwischen dem Arkansas und dem Platteflusse. Wir 
steigen nun circa 2000 Fuss in das Arkansas-Thal hinab. Die 
Bahn wendet sich rein nördlich, windet sich durch ein enges, 
schauerlich - schönes Thal, dessen Grenzberge 14.245 und 
14.239 Fuss hoch sind. Von hier tritt man mehr in’s Freie 
eines, weite Ausblicke gewährenden Hochlandes, eines Thaies, 
wenn man will, das von sehr hohen Bergen umgeben ist. An 
der breitesten Stelle desselben liegt die zwei Jahre alte Berg-
        <pb n="429" />
        413 
Werkstadt Leadville, 10.061 Fuss über dem Meere! Hier war 
recht kalt, die Luft dünn und scharf. 
Diese Stadt ist in allen Stadien des Entstehens. Zelte, 
Blockhäuser, die gewöhnlichen amerikanischen Holzhäuser aus 
gesägten Brettern und Latten, mit doppelten Bretterwänden, 
^Ogar solche, deren innere Wand aus Papier oder Leinwand 
Besteht, und einige wenige Ziegelsteinhäuser geben einer flot- 
brenden Bevölkerung Wohnung, die zwischen 5- bis 10.000 
Einwohner wechselt. Sie zieht sich in weitem Halbkreise die 
östlichen Berge hinauf, in welche, nahe bei einander, Schachte 
getrieben sind, durch die das reichlich silberhaltige Bleierz zu 
^ge gefördert wird. Auf unendlich staubigen und schlechten, 
Natürlich ungepflasterten Wegen wird das Erz in die Schmelz- 
"^frke, welche im Thaïe liegen, per Achse geführt. Eine 
aussehende, ganz überwiegend männliche Bevölkerung 
^ogt in den Strassen, Tags über und die ganze Nacht hin- 
^J'ch, ein grosser Theil zu Pferde, Alle bewaffnet, mit Büchsen, 
^ (lor 16 Schuss haltenden, sehr allgemeinen Winchesterbüchse, 
Gvolvcrn und langen Messern. Ungeheuere Schlapphüte be- 
en die wüsten Häupter mit braunen Gesichtern und un- 
Sopflegten Haaren und Bärten. Pfundgrosse Sporen hängen 
|î Wasserstiefeln. Viele sind betrunken, und zwar in 
Champagner-, Bier- und Whiskyrausches. 
‘o jedem zweiten Hause ist Parterre ein „Trink-Saloon“, 
om alle Sorten Getränke verschenkt werden und in dem 
^aer oder mehrere Spieltische stehen, an denen seit Beginn 
^Bends die ganze Nacht hindurch gespielt wird. Von den 
«Damen“, welche ihre Wohnungen theilweise im 
gle’ Hauptstrassen haben, muss ich schweigen. Der- 
^ en sahen wir noch nirgends! Natürlich kommt alle 
^bgenblicke ein Mord, zuweilen eine Anzahl solcher als 
i^og die Stadt ist, hat sie doch schon 
Werd^ Theater, so eines, in dem classische Stücke gespielt 
com sahen „Ludwig XI.“ Der Held des Stückes 
^^mandirte seine bewaffnete Gefolgschaft mit folgenden 
bess ^cr Bühne ab: „Please, gentlemen, have the kind- 
o proceed!“ Ein höflicher Regimentscommandeur aus
        <pb n="430" />
        AJ. 
I 
1 
rv * 
I 
'J#::: 
t.r 
414 
der Zeit Ludwig’s XL! Vor uns im Parterre sass eine Dame 
in elegantester Toilette an der Seite des Gatten, die ihr einige 
Monate altes Baby mitgenommen hatte und ihm, als es danach 
in bekannter Weise sein Verlangen äusserte, das stets bei der 
Hand habende, von der Natur vorgesehene Souper ohne die 
geringste Gêne gab. 
Leadville ist, glaube ich, die theuerste Stadt der Welt. 
Der Stiefelputzer berechnet 25 Cents = 60 kr. für das Wichsen 
von ein Paar Schuhen. Die Flasche Bier, welche von Denver 
ab südlich und westlich auf unserer Tour überall '/^ Dollar 
= 1 fl. 25 kr. kostet, wird hier mit i Dollar bezahlt. Unsere 
Rechnung im Hôtel, worin wir herzlich schlecht assen und 
nicht in Getränken depensirten, für 24 Stunden, inclusive Be 
nützung zweier Wagen an jenem Tage, betrug für sechs Per 
sonen 130 Dollars = 312 fl. ö. W. Zwei zweispännige Wagen, 
die wir etwa sechs bis sieben Stunden benützten, wurden mit 
40 Dollars 100 fl. ö. W. uns in Rechnung gebracht. Es 
ist Alles entsprechend theuer, nur die gewöhnliche Kost der 
Arbeiter, wofür zum Theile die Bergwerksbesitzer sorgen, nicht. 
Der Taglohn der Eisenbahnarbeiter und gewöhnlichen Berg 
leute beträgt 3 Dollars, jener „gelernter“ Arbeiter mehr, bis 5 
und 6 Dollars. Board und Wohnungen wird dem einzelnen 
Manne von gewissen Bergwerksdirectionen um 6 Dollars 
wöchentlich, in der Stadt von Privaten von 6 bis 10 Dollars 
geliefert. — Natürlich schüttelten wir den Staub dieser Stadt, 
in deren Nachbarschaft man das Silber centnerweise gräbt, so 
schnell wie möglich von unseren theuer gewichsten Schuhen. 
So that auch der Herzog von Sutherland, den wir schon 
in Denver getroffen und nochmals sprachen. Er schlief mit 
seiner grossen Reisebegleitung vorsichtigerweise nicht in dem 
schlechten und wirklich enorm theuren Hôtel, sondern — 
im Eisenbahn waggon! Sie sind praktisch, diese Engländer! 
Der ihn begleitende „Times“-Correspondent, Mr. Russel, ein 
höchst jovialer, heiterer alter Herr, erzählte mir beiläufig, man 
habe, etwa zwei Stunden vor unserer Ankunft, einen Mann 
nahe dem Hôtel umgebracht. Kurze Zeit darauf erschien er 
mit strahlendem Gesichte wieder und theilte ganz erfreut mit,
        <pb n="431" />
        415 
dass man soeben, dicht vor dem Hotel, noch einen Kerl er 
schossen habe! 
Weiter! 
Die folgenden Tage brachten uns abermals eine unver 
gessliche Gebirgsreise. Wir fuhren auf einer schmalspurigen 
ßahn das Arkansasthal hinab bis Pueblo. Hier gingen wir 
^uf die grosse Atchinson-Topeka- und Santa Fe-Bahn über, 
Und fuhren südlich auf derselben bis Cuchera. Dort stiegen 
Abends über auf Waggons einer schmalspurigen Bahn, 
Welche den Veta-Pass zwischen der Sangre de Christo- und 
der Gulebra-Kette des Felscngebirges übersteigt, bei Alamosa 
das Thal des oberen Rio Grande del Norte hinabfuhrt, 
dieses entlang läuft bis Española, wo sie vorläufig endet. Von 
da fuhren wir in einem mexicanischen von sechs Pferden ge 
zogenen Postwagen ca. 30 Meilen weit nach Santa Fé, wo 
am 20. Juni Mittags ankamen. 
Auf der Strecke von Leadville bis Pueblo passirt man 
as weltberühmte Grand Cannon oder „grosse Thal“ des Ar- 
unsas, dessen herrlichster Theil „Royal Gorge“ heisst. Die 
^hmalspurige Bahn windet sich in einer Weise durch dieses 
ul, welche die Bewunderung aller Techniker erregen muss. 
*ue weite Strecke läuft sie auf einem eisernen Balcon über 
^ni schäumenden Arkansas fort. Der Balcon ist in eine, 
einige 1000 Fuss hohe Felsen wand eingebohrt und durch 
iserne Streber und ein eisernes Hängewerk an der gegen 
erliegenden, ebenso himmelhohen Feisen wand aufgehängt, 
^%tützt und sonst befestigt! Mit einem ungeheueren Gefalle 
t sich der schäumende und tosende Fluss durch dieses 
g enge Thal, das bei Cannon-City plötzlich endet. Die 
erge fallen hier unvermittelt in eine wellige Prairie ab, die 
heiss und unfruchtbar ist. An ihrem Beginne liegt ein 
^auriger, festungsartiger Bau — das Staatsgefangniss von 
®*’udo. Wir fuhren durch dieses wundervolle Thal in 
em unbedeckten Eisenbahnwaggon, konnten also seine 
^nd^ H ohoit geniessen, umsomehr als die grosse Steigung 
ie oft sehr scharfen Curven langsames Fahren bedingten. 
Reise des folgenden Tages bot bis Mittags nichts Be-
        <pb n="432" />
        4i6 
merkenswerthes. Nachmittags stiegen wir am Vetaberge, süd 
lich der Sangre de Christo-Kette hinauf. Bei der 6970 Fuss 
hohen Station Veta wurden zwei schwere Gebirgslocomotiven 
vor den Zug gespannt, und nun klommen wir an derselben 
Bergseite den Berg hinan, so dass man stellenweise die zurück 
gelegte Strecke senkrecht unten sah. Leider dunkelte es schon. 
Der Berg ist 11.512 Fuss hoch und der Pass, durch den die 
Bahn führt, 9339 Fuss. Noch wächst hier zu beiden Seiten 
der Bahn, die 211 Fuss Steigung per englische Meile 
hat, hoher Fichtenwald. Auf der andern Seite fallt die Bahn 
sieben Meilen lang ebenso steil und bleibt bis Fort Garland 
immer im romantischen Hochgebirge, aus dem man hie und 
da einen wundervollen Durchblick in das 7- bis 8000 Fuss 
hoch gelegene San Louis-Thal hat Zwischen Bergen, deren 
höchster 14.483 Fuss erreicht, läuft die Bahn 20 Meilen lang 
steil abwärts, bis sie in das Thal des Rio Grande gelangt, 
das sie bei Alamosa, 7191 Fuss über dem Meere, durchschnei 
det. Auch von hier ab ist die Fahrt, obschon die Bahn keine 
Gebirgsbahn mehr ist, höchst interessant, da beide Seiten des, 
allerdings sehr breit werdenden Thaies, von hohen Gebirgs- 
gruppen eingeschlossen sind. 
Morgens langten wir in Española, einer elenden, halb 
mexicanischen, halb amerikanischen Stadt, an und bestiegen 
einen grossen Postwagen, dessen Gesäss nicht in Federn hing, 
sondern mittelst eines dicken Bündels von rindsledernen Rie 
men am Gestell des Wagens aufgehängt war, also wie eine 
Schaukel schwankte. Drinn haben neun Personen, auf Deck 
noch mehr Platz. Sechs Pferde zogen diese Maschine zum 
Personentransport langsam und mühsam über eine unendlich 
breite und nie gebesserte Strasse. Die Prairie ist wellig, aber 
von tiefen Wasserrissen durchschnitten, in die wir hinab und 
aus denen wir wieder schräge hinausfuhren. Stellenweise tre 
ten inselförmige Plateaux aus der Prairie senkrecht heraus. 
Sie sind charakteristisch für ganz Neu-Mexico und werden 
Mesas „Tische“, von den Spaniern genannt. Die abfallenden 
Ufer einer solchen höheren Insel zeigen die seltsamsten, bastion- 
und wallartigen Formationen. Der Boden ist ein leicht san-
        <pb n="433" />
        417 
Lehm. Hitze und Staub machten diese Reise zu einer 
äusserst beschwerlichen. Wir trafen nur auf zwei bis drei 
^Gxicanische Dörfer, auf dem wohl 25 Meilen langen Weg 
öis Santa Fé. 
^*^se waren für uns indessen sehr interessant: die Ge- 
äude sind aus Adobe, d. h. grossen Erd- oder Lehmziegeln, 
SÇbaut, die lufttrocken geworden sind. Die Wände sind sehr 
1 die Dächer vollkommen flach und dienen als Promenade, 
le Häuser sind entweder dicht aneinander gebaut, oder wenn 
einzeln liegen, in Verbindung mit einer massiven Lehm- 
^^uer. Penster und Thüren sind klein. Der Zugang ist oft 
durch Leitern möglich. Dies rührt Alles noch aus der 
aum 25 Jahre lang verflossenen Zeit, da Kriege zwischen In- 
^‘anern und 
Mexicanern hier gewöhnliche Vorkommnisse 
^^aren. Das Volk ist sehr arm, lumpig und schmutzig, eine 
lin^*^^' ^^^''^arzbraune, hässliche, ungesunde Race von Misch- 
Spaniern und Indianern. Die reinen Indianer, welche 
s ^*®ser Ebene des Rio Grande, weiter abwärts, in be- 
a eren Dörfern wohnen, sind zwar auch sehr hässlich, aber 
kräftigerem Körperbau als die Mexicaner. Ihre 
hal^ freilich sehr schmutzig, aber malerisch und des- 
be ^^^°aer als die der Mexicaner. Jedermann ist natürlich 
^an geht selten. Dauerhafte Ponies, mehr noch 
1^ » Werden allgemein als Reitthiere — oft von zwei elenden 
dif» îr — benützt. Die Frauen reiten ebenso wie 
^ Männer, 
sie 
, . d. h. ohne Damensattel. Zu Hause kauern 
^ie Diadem stundenlang an der Schattenseite des Hauses. 
Pflu liegen hier und spielen Karten oder rauchen. Der 
^^aem * R einzige Ackerbauinstrument und besteht aus 
lass • den ein anderer, schräg nach vorn, einge- 
die seiner Spitze ein spitziges Eisenstück trägt, 
allge Die künstliche Bewässerung des Bodens ist 
diese^^**^ and wird das Wasser oft weit her geleitet. Wie 
^awissenden Leute, und die Indianer auch, das Ni veile- 
de^ p ^^^l^en, ist mir ein Räthsel. Gelernt haben sie es von 
der U ^'^^^^l^anern, welche in allen früher mexicanischen Theilen 
aion die Lehrer der Landwirthschaft waren, aber in den 
27
        <pb n="434" />
        4i8 
ersten Zeiten der mexicanischen Republik mit schnödem Un 
dank vertrieben oder doch beraubt wurden, zum grossen 
Schaden für das Land. Die Indianer haben meist besseren 
Weizen, Mais und Bohnen auf diesen Feldern, als die Mexi- 
caner, weil sie dieselben fleissiger mit der Hacke behandeln, 
namentlich die Mais- und Bohnenfelder. Der bewässerte Boden 
würde sehr fruchtbar sein, wenn er tief gepflügt und von 
Unkraut rein gehalten würde, allein das werden die Mexicaner 
stets zu beschwerlich finden. 
Hier meint man, nicht mehr in Amerika zu sein, sondern 
in Fez oder Marokko. Die Landschaft ist afrikanisch. San 
diger Lehm als Boden, der oft steinig ist, hohe Gebirge als 
Thalgrenzen, eine afrikanische Hitze, ein solcher Staub, eine 
solche Vegetation und Dürre, viereckige Häuser aus Lehm 
mit flachen Dächern und kleinen Oeffnungen für Thüren und 
Fenster, die Gehöfte und Dörfer festungsartig umwallt oder 
ummauert. Nur die verhältnissmässig edlen und reinlichen 
Mauren sind durch viel verkommenere Bewohner ersetzt. Auch 
in einem Theile des „heiligen Landes“ mag es jetzt so aus 
schauen. 
Santa Fé ist eine altspanische Handelsstadt, deren Handel 
meist in Händen — deutscher Juden ist und die sich seit 
einigen Jahren schnell amerikanisirt. Nicht zum Vortheile ihrer 
Originalität, die verloren geht. Die alte Stadt hat an beiden 
Seiten der Strassen Lehmhäuser, ein Stockwerk hoch, mk 
flachen Dächern und weiten Höfen dahinter. Die alte aus 
Lehm gebaute Kirche wird soeben von einer massiven Sand 
stein-Kathedrale überbaut, in sie eingeschachtelt. 
Der Erzbischof, Msgr. Larmy, ein französischer Geistlicher, 
der seit 30 Jahren hier amtirt, nahm uns sehr gütig auf un 
zeigte uns seinen grossen Obst- und Gemüsegarten, in dem er alle 
Früchte und Gemüse zog, die in Frankreich und Algier fort' 
kommen. Der Garten ist reichlich bewässert, wird gedüngt, 
bringt aber überreichliche Früchte, doch ist er etwas verun 
krautet, da der Arbeitslohn theuer ist. Die Früchte- un 
Gemüsenutzung ist verpachtet, so auch ein Theil des aus Lehm 
gebauten erzbischöflichen Palastes, denn die Bevölkerung
        <pb n="435" />
        419 
Erzbisthums ist sehr arm und kann der Kirche wenig geben. 
Eer hochw. Herr sagte von seinem bescheidensten Hause, das 
mit Miethern und Aftermiethern theilte: Si cette humble 
résidence de boue serait tombée, elle serait toujours debout. 
In Santa Fé, dessen Temperatur durch eine ziemlich regel- 
lässige Brise gemildert, angenehm und gesund ist, unterhiel- 
sich die anderen Herren viel mit den Offizieren der dor- 
t‘gen Garnison über den in Aussicht stehenden Krieg mit den 
Ute Indianern. Am 23. Juni reisten wir von hier nördlich nach 
dem Grossgrundbesitze Cimarron. Drei der Herren fuhren 
Schon am 29. von Cimarron nach Las Vegas und dem Bade- 
orte Hot Springs ab. Am 2. Juni folgte ihnen Graf Imre 
Ezéchényi. Baron Gudenus und ich studirten die Verhältnisse 
Cimarron bis zum 7. Juli und fuhren dann nach Albuquerque, 
wir die anderen vier Herren trafen. Diese hatten inzwischen 
^Inen Abstecher von Las Vegas über Albuquerque nach Fort 
Wingate gemacht. Dies ist eine Station an der im Baue be 
griffenen Atlantic-Pacific-Eisenbahn, welche in zwei Jahren bis 
zur Südsee fertig sein und eine dritte Strasse über das Felsen- 
gebirge bilden wird. Sie fuhrt von Albuquerque fast direct 
festlich und verzweigt sich in Californien südlich nach San 
Uiego am Meere, nördlich nach Santa Barbara, auch nahe der 
See. Von hier wird sie Küstenbahn bis San Francisco. 
Westlich von Fort Wingate läuft sie, bis in Californien hin- 
über ein von Bergen durchbrochenes Hochland, das 4000 
7000 Fuss hoch ist. Die südliche Eisenbahnstrasse, welche 
von Albuquerque über Tucson nach Yuma passirten, 
^‘egt tiefer. 
An ihr ist der Boden, ausser wo er künstlich bewässert 
^ird, unbenützbar. Zwar wächst vielfach Gras darauf, allein 
Vieh findet kein Trinkwasser. Auf der neuen Strasse soll 
anders sein. Weil das Terrain höher ist, so ist es dort 
ühler und es giebt mehr Bäche und Teiche, also Weide und 
*‘änke für Vieh. Bisher wurde hier wenig Vieh gezogen, 
^II man keinen Absatz dafür hatte und es zu beschwerlich 
dasselbe viele hundert Meilen durch das Hochgebirge zu 
Die Atlantic-Pacific-Bahn wird Nordarizona der Vieh- 
27*
        <pb n="436" />
        420 
Zucht erschliessen. Bis jetzt giebt es in Arizona nur Bergbau, 
freilich gräbt man Gold, Silber, Blei und Kupfer. 
Bei Wingate hatten die Herren abermals Indianer kennen 
gelernt; Graf Andrassy und Graf Hoyos brachten schöne 
Skizzen, Alle eine Menge indianischer Kleidungs- und Schmuck 
gegenstände mit. Mir sandte ein Landsmann, der in Wingate 
eine Position inne hat und den ich nie gesehen, eine prächtige, 
grosse Navajodecke zum Geschenke mit. Wie ich zu diesem 
jedenfalls unverdienten und unerwarteten Glücke kam, das ist 
mir ein Räthsel, indessen — omen accepi und die Decke auch! 
Am 8. Juli Abends verliessen wir in Begleitung des 
Obersten Haren, Beamten der Atchinson-Eisenbahn, der die 
anderen Herren auch nach Wingate begleitet und seit unserer 
Abreise von Pueblo unsere ganze Reise so trefflich arrangirt 
hatte, Albuquerque, um nunmehr ohne Aufenthalt bis an das 
stille Meer zu fahren. 
Die Bahn führt von Albuquerque 200 Meilen direct süd 
lich, bis sie bei der Station Colorado den Rio Grande del 
Norte überschreitet, in dessen Thaïe sie bis dahin lief Von dort 
läuft sie in wellenförmiger Linie westlich durch Arizona bis Fort 
Yuma am Rio Colorado, der die Grenze zwischen Arizona und 
Californien bildet. Noch in Neu-Mexico, in Station Deming, 
endet die Atchinson-, Topeka- und Santa Fé-Eisenbahn und 
beginnt die Southern Pacific-Bahn. In Deming verliess uns 
Oberst Haren, welcher, die Herren Ott, Müntefering, Stöckel 
und Sheperd, die uns im Aufträge jener Bahngesellschaft suc 
cessive bis Pueblo begleitet hatten, ablösend, uns in ebenso 
liebenswürdiger Weise begleitet hatte, wie jene genannten 
Herren. Wir haben ihnen nicht nur für manchen gesellschaft 
lichen Genuss zu danken, den sie uns verschafft und durch 
ihre Gegenwart und Theilnahme erhöht haben, sondern sind 
ihnen noch viel mehr dafür verpflichtet, dass sie uns auf Alles 
aufmerksam gemacht haben, was in der Nähe der Eisenbahn 
von Interesse für uns sein würde. Zu dem Zwecke, unsere 
landwirthschaftlichen Studien zu fördern, haben sie die mehr 
tägigen Excursionen von Newton, Ellenwood und Garden- 
City mit uns gemacht und uns schliesslich nach Cimarron
        <pb n="437" />
        421 
geführt, das fur uns in hohem Grade belehrend war, da wir 
^ier einen wirklichen Grossgrundbesitz und die politische 
Administration eines Territoriums kennen lernten. Ferner 
würden wir ohne die Anregung des Obersten (in der ehe- 
nialigen Südarmee) Haren kaum die entzückend schöne Partie 
^urch den Südpark, über den Veta Pass nebst Allem, was 
^*ch an sie anschloss, gemacht haben. Mit grosser Herzlich 
keit schieden wir in Deming von diesem in jeder Beziehung 
^stinguirten Manne und trefflichen, unterrichteten Beamten 
J^ner Bahngesellschaft, welche überhaupt Musterhaftes leistet 
Nicht nur ist das Bahngeleise, durchweg mit Stahlschienen 
belegt, trefflich und sind die Wagen neu und comfortabel 
hier fanden wir sogar zuerst Schlafwagen für Immigranten — 
Sondern die meisten Speisestationen an der Linie sind auch 
^onen überlegen, die wir an Bahnhöfen zu finden gewöhnt 
^ären. Sie stehen unter specieller strenger Aufsicht der Bahn- 
irection und hatten mit einzelnen Ausnahmen, wie in Garden- 
gute Kost bei aufmerksamer Bedienung, und wo dies 
nicht der Fall war, wie in letzterer Stadt und Santa Fé, 
p^ranlasste die Gesellschaft den Bau eines Hotels. Auch der 
^nwanderer nimmt sie sich an, beschützt sie vor Schwindlern 
hilft ihnen mit Rath und That bei der so schwierigen 
Ersten Einrichtung. 
Ganz anders fanden wir es auf der Südpacific-Bahn, mit 
^nsnahme des Geleises und Bahnkörpers, die auch gut waren. 
Und waren schlechter als die der Topeka-Bahn 
Y Restaurationen stellenweise auch, ln Tucson und 
tr^'T^ sie aber gut. An den Bahnhöfen dieser Bahn 
oh* ^ gefährliches Diebs- und Räubergesindel umher, 
^ *^0 dass die Bahngesellschaft es mit Erfolg unschädlich zu 
^ ^ en suchte wie die vorige, die doch neuer ist und in 
Mexico durch ein ebenso „uncivilisirtes“ Land fahrt, als 
^^fizona und der südlichste Theil von Californien. Auch wir 
Von dieser Bande zu leiden. Ferner machte man uns 
M^i ersten Male Schwierigkeiten wegen unseres Gepäckes, 
^tten 9000 Meilen in diesem Lande gemacht, ohne dass 
^ uns für 
Abzahlung abverlangt hätte. 
unsere freilich zahlreichen Gepäckstücke eine 
Hier that man es.
        <pb n="438" />
        XXVI. Capitel. 
Das Landsystem und Agrarrecht der Union. 
In den von England aus gegründeten oder durch Eng 
land beherrschten Theilen der Union herrschte mit wenigen 
Ausnahmen Primogenitur- und Entailerbrecht, deren Zweck war, 
den Grundbesitz ungetheilt und unverschuldet in der Pamilic 
des Besitzers zu erhalten. Als 1803 Louisiana zur Union kam, 
stand es bereits unter dem modernen französischen Agrarrecht, 
d. h. es gab gleiche Erbtheilung und absolutes Eigenthums- 
also Verschuldungs- und Veräusserungsrecht des Besitzers, so 
gar über etwa von der Ehefrau beigebrachte liegende Gründe 
und ohne deren Consens. 
In den alten Unionsstaaten bestand Aehnliches indess auch 
bereits, denn man hatte meistens die englische Agrarordnung 
kurz nach erlangter Unabhängigkeit von England abgeschaffti 
so in Virginien schon 1776. In einigen Staaten bestehen je* 
doch bis heute Reste des Entailsystems, d. h. durch Testament 
kann Besitz unverändert auf den zweiten Erben übertragen 
werden. 
In den Südstaaten, wo die Sclaverei der Neger bis 1865 
bestand, vollzog sich eine Latifundienbildung und kamen 
Entails noch häufig vor. In den anderen Staaten suchte man 
dagegen einen leistungsfähigen Bauernstand zu schaffen. 
Zu dem Zwecke wurde bestimmt, dass alles unoccupii^® 
aber anbaufähige Land in der Union durch gerade Linien, 
welche von Norden nach Süden und von Osten nach Westen 
laufen, schachbrettförmig eingetheilt werden solle. So ist eS 
vermessen worden. 
Jedes Elementarfeld hat sechs englische Meilen Seitenlange
        <pb n="439" />
        423 
und heisst eine Town-ship. Sie bildet eine Verwaltungs 
gemeinde. Eine Anzahl Townships bilden eine County. Eine 
Anzahl Counties einen Staat oder ein Territorium. 
Die Township ist, wie schon öfter erwähnt, hier aber zu 
wiederholen nöthig, schachbrettförmig in 36 Quadrate à i Qu.- 
Meile gross getheilt. Jedes Quadrat heisst eine Section und 
ist von' einem 100 Fuss breiten öffentlichen Wege einge 
schlossen. Jede Section enthält 640 Acres à 40 Ar. Die 
Sectionen sind fortlaufend von i bis 36 numerirt. 
Die Section 16 und die halbe Section 36 sind als ewiger 
Fond fur die Schulen der Township reservirt. Die mit un- 
graden Zahlen, i, 3, 5, 7, 9, n, 13 u. s. w. numerirten Sectionen 
sind zuweilen an Eisenbahn-Compagnien als Subvention ge 
geben. Sie entsprechen den schwarzen Feldern eines Schach- 
i^rettes und stossen nie mit den Seiten, stets mit den 
Ecken, aneinander. Die Eisenbahngesellschaft hat zwar das 
Eecht, so viele Sectionen an den einzelnen Käufer zu ver 
kaufen und zu welchem Preise sie will, allein immer liegen die 
Weissen Felder zwischen den so verkauften und sich nur an 
Ecken berührenden schwarzen Feldern des Schachbrettes. 
So können keine zusammenhängenden Latifundien entstehen. 
Die weissen Felder gehören der Unionsregierung ausser 
Texas und in einem Theile von Florida, wo die Staats- 
Regierungen sich dieselben reservirt haben. 
Die weissen Felder sind 640 Acres gross. In einer gewissen 
^ähe von einer Bahn, auf sehr gutem Boden, werden sie zu 
^ /2 Dollars per Acre eingeschätzt; weiter ab von der Bahn, 
pder auf schlechterem Boden zu i '/4 Dollar. Erstere werden 
jo 4 quadratische Quartersectionen à 160 Acres, letztere 
8 quadratische Halbquartersectionen à 80 Acres getheilt. 
Diese kleinste Unterabtheilung wird nun dem wirklichen 
Ansiedler gegen Erlegung einer Vermessungsgebühr von 5 
Dollars umsonst gegeben, also 80, oder von Boden II. Klasse 
Acres. Er muss 5 Jahre darauf wohnen, Gebäude von 
cstimmter Grösse errichten, eine gewisse Anzahl Acres in Cultur 
Rmgen, darf sein Anrecht inzwischen nicht veräussern oder 
^^rpfanden, noch Schulden auf diese Homestead machen und
        <pb n="440" />
        424 
Die Zahl der Farmen hat betragen: 
Staat. 
Unter 3 Acres 
gross 
i88o| i87o|i86oji 1880 | 1870 | i860 || 1880 | 1870 | i860 
Von 3—IO Acres || Von 10—20 Acres 
Von 20—5° 
1880 I i87oliï^ 
Union 
Alte Ind.-St. : 
Maine 
Massachusetts 
Connecticut 
N. Hampshire 
N.-York 
Pennsylvania 
4.35216.875I — ||i34-889|i72.02i| 54.676 ¡¡254.749I294.607I162 
Je 100 Farmen, mit Weglassung der Einer 
20 
23 
22 
17 
145 
140 
36 
11 
17 
13 
130 
100 
17 
20 
9 
8 
52 
48 
31 
38 
32 
20 
172 
169 
69 
25 
29 
20 
181 
159 
.178 
und 
123! 
I23I 
I78I.474I847.6M' 
Zehner. 
Summa 
367 
307 
1541 
462 
483 
379 
1124 
Mitt.- u. West 
staaten: 
Ohio 
Dakota 
Illinois 
Indiana 
Jowa 
Kansas 
Kentucky 
Michigan 
Minnesota 
Wiskonsin 
Nebraska 
109 
41 
46 
20 
9 
67 
27 
6 
25 
3 
70 
4 
35 
72 
41 
48 
70 
67 
40 
55 
7 
141 
82 
80 
33 
16 
137 
45 
9 
32 
7 
137 
4 
102 
135 
61 
54 
162 
131 
79 
109 
»5 
99 
65 
96 
421 
19 
68 
66 
45 
90 
5 
Summa 
353 
509 
165 
582 
989 
5861 
2829 
Südstaaten : 
Alabama 
Arkansas 
Florida 
Georgia 
Louisiana 
Maryland 
Mississippi 
Missouri 
N. Carolina 
S. Carolina 
Tenessee 
Texas 
Virginia 
West Virginia 
44 
55 
13 
32 
30 
11 
110 
101 
67 
102 
80 
46 
44 
37 
130 
107 
24 
86 
67 
32 
119 
86 
&gt;33 
125 
&gt;73 
167 
96 
34 
9&gt; 
&gt;&gt;7 
21 
69 
74 
&gt;7 
89 
&gt;74 
&gt;42 
9&gt; 
&gt;99 
&gt;35 
63 
55 
43 
60 
9 
28 
22 
12 
25 
9&gt; 
48 
12 
72 
61 
55 
Summa 
26 
533 
772 
164 
&gt;379 
&gt;337 
538, 
36&gt;6 
Californien 
&gt;4 
34 
erhält erst nach Erfüllung aller dieser Bedingungen den vollen 
Besitztitel. Bis dahin hatte das Landamt der Unionsregierung 
in agrarischer Beziehung Jurisdiction über ihn. 
Von nun an fallt er unter das Agrarrecht des Staates, in 
dem die Heimstätte liegt. 
425 
Die Zahl der Farmen hat betragen: 
'00 
'032. 
so—100 Acres 
&gt;870 I i860 
910 
Von 100—500 Acres 
1880 I 1870 I i860 
Von 500—1000 
Acres 
1880 I 1870 I i860 
Ueber 1000 Acres 
gross 
&gt;870 ! 
1880 
i860 
782 
26, 
754.221l608.878! 1.695.983I565.054I487.041II75.972I15.873I20.319I28.578I 3.720] 5.364 
Je 100 Farmen, mit Weglassung der Einer und Zehner. 
1811 
.¡973 
32 
663 
&gt;544 
480 
7590I 
6166 
&gt;635 
406 
&gt;3 
70 
498 
36 
24I 202 122 6511 311 i2| 5| 25| 7 
j Der Inhaber einer Homestead von 80 Acres Boden 
• Klasse kann 80 daranstossende Acres umsonst, nur gegen 
Vermessungsgebühr, erhalten, wenn er binnen einer Anzahl 
Jahren lo Acres davon mit Waldbäumen in bestimmter 
bepflanzt. Nach diesen Jahren erhält er den vollen Besitztitel.
        <pb n="441" />
        426 
Staat. 
Durchschnittsgrösse 
der Farmen 
Acres 
1880I1870 i86o|i850 
Zahl der Farmen 
1880 
1870 i860 I 1850 
Zahl der Farmen i.J- ' 
bewirthschaftet vo® 
Geld- 
pächt. 
Eigen- 
thümern 
Union 
Alte Ind.-St.: 
Maine 
Massachusetts 
Connecticut 
N. Hampshire 
N.-York 
Pennsylvania 
Mitt- u. West 
staaten : 
Ohio 
Dakota 
Illinois 
Indiana 
Jowa 
Kansas 
Kentucky 
Michigan 
Minnesota 
Wiskonsin 
Nebraska 
Südstaaten ; 
Alabama 
Arkansas 
Florida 
Georgia 
Louisiana 
Maryland 
Mississippi 
Missouri 
N. Carolina 
S. Carolina 
T enessee 
Texas 
Virginia 
West-Virginia 
Californien 
134 
153 
199 
203 
4.008,907 
125 
2.659.985 
64.309 
38.406 
30598 
32.181 
241.058 
213.542 
247.189 
17.435 
255.741 
194013 
185.361 
138.561 
166.453 
154.008 
92.386 
134.322 
63.387 
2.044.007 
59.804 
26.500 
25.588 
29.642 
216.253 
174.041 
55.698 
35.601 
25.180 
30.501 
196.990 
156.357 
195-953 
1.720 
202.803 
161.289 
116.292 
38.202 
118 122 
98.786 
46.500 
102.904 
12.301 
179.889 
123 
143.310 
131 826 
61,163 
10.400 
90.814 
62.422 
18.181 
69.270 
2.789 
1.449.073 
2.984.306 
46.760 
34.069 
22.445 
29.229 
170.621 
127.577 
143.807 
76.208 
93.896 
14.850 
466I44661! 
135.864 
94-443 
23-438 
138.621 
48.292 
40.517 
101.772 
215-575 
157.609 
93.804 
165.650 
174.184 
118.517 
62.674 
35-934 
67.382 
49.424 
10.241 
69.956 
28.481 
27.000 
68.023 
148.328 
93.565 
51.889 
118.141 
61.125 
73-849 
39.778 
23.724 
55.128 
39.004 
6.568 
62.003 
17.328 
25 493 
42.840 
92.790 
75-203 
33.171 
82.368 
42.891 
02.605 
18.716 
74-777 
34.089 
157 
20.177 
322.357 
70Í 
61.528 
35.266 
27.472 
29.566 
201.186 
168.220 
1.153 
199 562 
16.757 
175.497 
147.963 
141.177 
115 910 
122.426 
138.597 
83.933 
122.163 
51.963 
41.964 
17.758 
4.304 
51.759; 
13.422, 
21.860 
33.960 
54.458 
56.963 
29.967 
72.735 
12.198 
77.013 
872 
72,215 
65.245 
16.198 
76.451 
31.286 
27.978 
57.214 
156.703 
104.887 
46.645 
108.454 
108 716 
83 531 
50.673 
28.810 
14-834 
72 
20.620 
8.582 
8.421 
4-438 
16.824 
5.015 
1.251 
3.719 
1.948 
22.888 
9.916 
3-548 
18.557 
6.669 
3-878 
17.440 
19.843 
8.644 
21.974 
19.266 
12.089 
13-39* 
4.293 
3.209 
0/. 
I 
I 
I 
Union : Klein oder Gartengrundbesitz bis zu 20 Acres 1880 — 393.900, 1870 = 
Jnion: Klein oder uartengrunnoesitz djs zu 20 Acres 1000 — 393.900, lo/o — 
lauernhöfe von 20—50 Acres 1880 = 781.474, 1870 = 847.614. Maschinenfähige 
ron 50—500 Acres 1880 = 2.728.893, 1870 = i.319.275. Grossgrundbesitz über 500 
= 104.550, 1870= 19.593, wobei zu beachten ist, dass 1880 es 75.972 Farmen von 500 1 
rab, die noch nicht einmal Grossgrundbesitzungen genannt werden können. Man kann 
iauernhöfe nennen. In Canada gab es 1871 = 367.862 Farmer, wovon 326.160 Eigenth fO» 
¡9.583 Pächter. Die Farmgrösse war unter 10 Acres 40.281, von 10—50 Acres 7°- * 
50—100 Acres 141.300, von 100—200 Acres 82.176, über 200 Acres 25.228 Farm
        <pb n="442" />
        427 
Er kann endlich dritte 80 Acres öffentlichen Landes um 
2V2 Dollars per Acre verkaufen: Mehr Unionsland aber kann 
er um keinen Preis von der Unionsregierung erwerben, als 
240 Acres Land I. oder 480 Acres Land II. Klasse. Man 
will eben die Latifundienbildung verhindern. In der Regel 
begnügen sich arme Ansiedler damit, eine Homestead von 80 
oder 160 Acres aufzunehmen ; nur wohlhabendere nehmen 
noch mehr Land auf. Im Winter 1882/83 beschloss der Con 
gress, das Vorkaufsrecht ad 3 aufzuheben, da es in fraudulöser 
Weise zur Latifundienbildung missbraucht wurde. 
In den älteren Staaten stellten sich schon Ende der 
dreissiger Jahre jene Uebeistände heraus, welche die gleiche 
Erbtheilung und freie Verfügung des Eigenthümers über den 
Boden zu unseren Zeiten erzeugt: Zwergwirthschaft und tiefe 
Verschuldung der Bauernhöfe. Besonders fühlbar wurde dies 
nach der grossen Bank- und Finanzkrisis, von der die Union 
1837 bis 39 heimgesucht wurde und in der eine Unmasse von 
Bauern bankerott wurde. 
Da begann die Gesetzgebung einzelner Staaten umzu 
kehren. In Texas wurde schon 1839 bestimmt, dass ein Land 
gut von bestimmter Grösse mit dem nöthigen Vieh und Vor- 
räthen, die bis zur nächsten Ernte ausreichen, wegen Schulden 
uicht mit Beschlag belegt werden kann. Andere Staaten 
folgten mit ähnlichen Gesetzen. In einzelnen Staaten durfte 
^er Besitzer einer solchen Homestead unter keinen Umständen, 
^uch nicht mit Einwilligung seiner Frau, Schulden auf die 
Homestead hypothekarisch eintragen lassen, in anderen konnte 
es, wenn letztere ein willigte. Steuerrückstände, Lohn von 
-'^bei^ern und Handwerkern in bestimmtem Ausmaasse und 
^Gr Kaufpreis einer Homestead, soweit er nicht baar bezahlt 
constituiren jedoch ein Pfandrecht auch an die Homestead. 
In 15 Staaten bildet diese Homestead-Exemption einen 
Theil der Staatsverfassung, in anderen nur eine Abtheilung 
'Ul bürgerlichen Gesetzbuche. Nur in Delaware, Connecticut, 
Maryland, Oregon und Rhode-lsland cxistiren solche Home- 
stead-Exemptionen nicht Zuerst wurden sie in den Acker-
        <pb n="443" />
        428 
baustaaten des Nordens eingefiihrt, nach Beendigung des Bür 
gerkrieges auch in den Südstaaten. 
Die Union machte 1862 ein Gesetz, wonach die Home 
stead, welche soeben erst aufgenommen war, bis zum Moment, 
in dem nach 5 Jahren der Besitztitel ertheilt wird, vor Ver 
schuldung geschützt ist. Nach diesem Augenblick schützt sie 
das Exemptions-Gesetz des Einzelstaates, in dem sie liegt. 
Der Umfang dessen, was als geschützte und vom Gläubi 
ger nicht mit Beschlag zu belegende Homestead angesehen 
werden soll, ist sehr verschieden und in den älteren Nord 
staaten, in denen der Grundbesitz bei Erlass der Exemptions- 
gesetze bereits klein aber werthvoll war, geringer als in den 
neuen Staaten. 
Das Detail dieser wichtigen Gesetzgebung findet sich in 
meinem Werk über die socialen und Heimstättengesetze von 
Amerika etc., das kürzlich erschienen ist. 
Fast jedes Jahr bringt eine oder mehrere Veränderungen 
in der Exemptions-Gesetzgebung hervor, doch ausnahmslos in 
der Richtung, den Schutz für die Familie des kleinen Grund 
besitzers zu vergrössern. Jeder grössere Grundbesitzer hat 
das Recht, einen Theil seines Besitzes, der gerade der im 
Staate geschützten Homesteadportion entspricht, durch Eintra 
gung beim Recorderamt als Homestead erklären zu lassen. 
Geräth er in Concours, so wird der andere Theil seiner Be 
sitzung zwangsweise verkauft, dieser aber nicht. So kann 
auch der reiche Mann seine Familie für den Fall unvorher 
gesehener Noth schützen. 
Stirbt der Homesteadbesitzer, so verbleibt die Homestead 
unangreifbar der Wittwe, stirbt sie, den Kindern zusammen, 
oder jenem Kinde, dem sie testamentarisch vermacht wurde, 
und bei jedem Erben ist sie unangreifbar, selbst wenn er 
vor Antritt dieser Erbschaft Schulden sollte gemacht 
haben. 
Gegen die Theilung der Homestead, wenn sie ein länd 
licher Grundbesitz ist, unter mehrere Erben giebt es noch kein 
Gesetz, weil es so lange in einem Lande unnöthig ist, als es 
dort unoccupirtes Land giebt, welches die jüngeren Brüder in
        <pb n="444" />
        429 
Besitz nehmen können, doch darf sie nicht getheilt werden, so 
lange nicht alle Erben über 21 Jahre alt sind, auch darf bis 
dahin für keinen Miterben eine Capital- oder Rentenabfindung 
hypothekarisch eingetragen werden. 
Diese Agrargesetzgebung der Union hat ausserordentliche 
Erfolge gehabt. Die Zahl der Farmen hat sich seit i860. 
Seitdem die neuen Horaestead-Gesetze der Union, der Süd- 
Staaten und zahlreicher Territorien datiren, verdoppelt, von 
^•044 077 auf 4.008.907. (Siehe die Tabellen auf Seite 424 
Bis 426.) 
Die Latifundienbildung ist hintangehalten worden, ob- 
schon es in den ehemals mexicanischen Landestheilen zahl- 
'"Giche Grossgrundbesitzungen gab, als diese von der Union 
annectirt wurden. 
Umfasst man mit dem Begriff Bauer jeden Besitzer von 
50 bis 1000 Acres, so gab es deren in der Union 2.802.865, 
^ic alle maschinenfahig sind. Spannfahig sind auch die Be 
sitzer der Höfe von 20 bis 50 Acres, und somit beträgt deren 
^^Bl 3.586.339, welche durch die canadischen von 1871 und 
neu in der Union und in Manitoba und Ostcanada seit 
*^®sp. 1880 und 1871 gegründeten gut und gern jetzt auf 
4 Millionen gesteigert sind, von denen ca. * ^ Eigenthümer 
ihrer Farmen und durch Homestead-Exemptionsgesetze im Be- 
^‘tz eines reichlich bemessenen Minimums geschützt sind. 
Ganz Europa besitzt einen solchen Bauernstand nicht! 
eiche ungeheure wirthschaftliche und politische Macht liegt 
4 Millionen, meist wohlhabenden, vollkommen freien, sich 
Selbst verwaltenden und dazu mit der nöthigen Bildung voll- 
° Ulmen ausgerüsteten Bauern! Dergleichen sah die Welt nie. Wir 
®^ehen nier einer ganz neuen Erscheinung gegenüber. Diese 
''^^ise Agrarpolitik, welche die Homesteads in der Normalgrösse 
160 Acres schuf und zu erhalten strebte, wirkt weiter, 
Canada ergriffen und dehnt sich schon auf Mexico aus, 
Welche beide Staaten mit der Union bald vereinigt werden dürften, 
ln Ungarn gab es 1867 — seitdem hat man sich gescheut, 
umsichgreifende Elend zu constatiren — 1.444.400 Grund- 
^*^er mit Besitzungen unter 5 Joch, ca. 7 Acres, Besitzer
        <pb n="445" />
        430 
von 5 bis 15 Joch, 7 bis 21’/s Acres = 643.091, von 15 bis 
30 Joch, 2i’/3 bis 42^/3 Acres — 260.619, von 30 bis 50 Joch, 
42^/3 bis 71 Acres = 77.280, von 50 bis 100 Joch, 71 bis 
142 Acres = 30.336, 100 bis 200 Joch, 142 bis 284 Acres 
= 11.365, 200 bis 500 Joch, 284 bis 710 Acres = 9-^4^) 
von 500 bis 1000 Joch, 710 bis 1420 Acres = 4.502, 1000 
bis 3000 Joch = 3.882, 3000 bis 5000 Joch = 818, 5000 
bis 10.000 Joch = 459, über 10.000 Joch 231 Besitzer, 
Bauern von 15 Joch (21 Acres) bis 500 Joch (710 Acres) 
also nur 388.846, wovon bereits Viele seitdem zu Grunde ge 
gangen sind. Der spannfahige Bauernbesitz von 30 bis 200 
Joch zählte nur 118.981 Besitzer mit 6.740.000 Joch. Der kleinere 
Besitz als diese Zwergwirthschaften, umfasste 15.927.000 Joch, 
der Mittelbesitz von 200 bis 1000 Joch mit 13 74^ Besitzern, 
6.660.000 Joch, der Grossgrundbesitz von 1000 bis 10.000 Joch 
mit 5.195 Besitzern und 14 240.000 Joch, der Latifundienbesitz, 
je über 10.000 Joch, mit 231 Besitzern, 3.930.000 Joch. Da 
zu Fideicommissgüter 463.000 Joch. Die Krongüter umfass 
ten 2.723.000 Joch, Kirchengüter 1.288.000 Joch. Auf 
6.740.000 Joch spannfahigen Bauerngrundes kommen also 
22.644.000 Joch Grossgrundbesitzungen über 1000 Joch, Fidei 
kommiss-, Kirchen- und Krongüter. 19.700 Zwangsverkäufe 
fanden 1880 statt, 41 Mill. Gulden Schulden wurden zu den 
bestehenden hypothekarisch eingetragen. 
Die Zahl der Grossgrundbesitzungen hat sich zwar von 
3720 i. J. 1870 auf 28.578 vermehrt, allein viele davon sind 
wenig über 1000 Acres gross. Die meisten derselben liegen 
in den Südstaaten, wo der Census von 1870 augenscheinlich, 
bald nach dem Kriege, nicht sehr sorgfältig aufgenommen 
wurde. Californien ist das Land der Latifundien. Sie spielen 
so gut wie keine Rolle in Amerika. 
In den alten Industriestaaten haben sich die Gartengrund 
stücke, bis zu 10 Acres Grösse, etwas vermehrt, die kleinen 
spann- und maschinenfahigen Wirthschaften von 10 bis lOO 
Acres, von 377.900 auf 342.400 vermindert, die grösseren 
Besitzungen über 100 Acres von 70.600 auf 238.100, also 
sehr erheblich, vermehrt. Der Körnerbau rentirt nicht mehr,
        <pb n="446" />
        bei den gedrückten Preisen durch die Concurrenz der West 
staaten. Viele Kleinfarmer verkaufen an reichere Nachbarn, 
die nun grössere Complexe zur Weide- und Kleegewinnung 
für Milchkühe vereinen. Hier entsteht eine sehr capitalsatte 
und intelligente Viehwirthschaft. Diese Milchwirthschaften sind 
am blühendsten im Staate New-York, wo seit 1870 die 
Zahl der Besitzungen von 10 bis 100 Acres sich von 146.800 
auf 128.100 verminderte, jene der grösseren über 100 Acres 
aber von 56.100 auf 97.700 vermehrte. — Das Schicksal der 
Concurrenzunfahigkeit im Körnerbau steht auch vielen euro 
päischen Landwirthschaften bevor und wird daselbst den Lati 
fundienbetrieb nöthig machen. 
In den Weststaaten haben sich die Gartengrundstücke 
bis zu 3 Acres Grösse vermehrt, aber schon die kleinen Häus- 
lereien von 3 bis 10 Acres von 50.900 auf 35.300 vermindert. 
kleineren Bauernhöfe von 10 bis 50 Acres haben sich 
Von 452.000 auf 341.100 vermindert. Dagegen haben sich die 
uiaschinenfahigen Bauernhöfe ausserordentlich vermehrt in der 
Grösse von 50 bis 1000 Acres, von 585.500 auf 1.255.600. 
Hier liegt die Kraft der Union. Grossgrundbesitz über 1000 
Acres vermehrte sich nur von 400 auf 2900, eine ganz unbe 
denkliche Zahl, neben i ' 4 Million Bauerhöfen! 
In den Südstaaten verminderte sich die Zahl der kleinen 
Grundstücke bis 10 Acres und jene deren von 10 bis 20 Acres 
blieb stationär. Die Zahl der spannfähigen Höfe von 20 bis 
50 Acres vermehrte sich von 182.900 auf 361.600 und der 
^uschinenfähigen von 50 bis 500 Acres von 360.800 auf 
941.600, auch die Zahl der Besitzungen über 500 Acres ver 
mehrte sich nach 1870, weil mehr verlassene Pflanzungen 
nieder cultivirt und Neuland angebaut*wurde. Das geht schon 
daraus hervor, dass in den 17 Jahren vor dem Kriege 51.3 
Millionen Ballen Baumwolle geerntet wurde, und in den 17 Jahren 
nach dem Kriege 68.3 Millionen Ballen. Die freie Arbeit auf 
bäuerlichen Höfen ergiebt mehr Ertrag, als früher die Sklaven 
arbeit auf grossen Plantagen. Am auffallendsten ist das Kleiner- 
^Grden der Farmen in dem ehedem blühendsten Sklavenstaate 
^üd-Carolina, von durchschnittlich 541 Acres i. J. 1850 auf
        <pb n="447" />
        432 
143 Acres i. J. 1880; hier waren 1550 =11.2 Millionen Acres 
in Plantagen und Farmen, i860 =• 16.1 Millionen, 1880 aber 
erst 13.4 Millionen. Dieser Staat hat sich also am wenigsten 
erholt ! 
In den Südstaaten giebt es auch die meisten Pachtungen. Die 
Neger erhielten kein Land bei ihrer Emancipirung und be- 
wirthschaften nun, meist als Métayers, weniger als Geldpächter, 
Theile der grossen Plantagen. 
Die Métayers bewirthschaften 876 Farmen unter 3 Acres 
Grösse, 26.529 von 3 bis 10 Acres, 90.816 von 10 bis 20 
Acres, 223.589 von 20 bis 50 Acres, 158.725 von 50 bis 100 
Acres, 194.720 von 100 bis 500 Acres, 5.569 von 500 bis 
1000, 1.420 über 1000 Acres gross, die Geldpächter 875 
Farmen bis zu 3 Acres, 22.904 von 3 bis 10 Acres, 41.522 
von IO bis 20 Acres, 97.399 von 20 bis 50 Acres, 69.663 
von 50 bis 100 Acres, 84.645 von 100 bis 500 Acres, 3.956 
von 500 bis 1000 Acres und 1.393 über 1000 Acres gross.
        <pb n="448" />
        28 
XXVII. Capitel. 
Von Neu-Mexieo nach Californien. 
Im Jahre 1883 wird die Adantic-Pacific-Bahn fertig werden, 
und dann wird man eine südliche „Durchlinie“ durch Amerika 
haben. Die jetzt schon fertige südliche Bahn nach Californien, 
^uf der wir dorthin reisten, und diejenige, welche von der 
Atlantic-Pacific-Gesellschaft gebaut wird, sind Winter-Passagier 
bahnen, welche namentlich auch von Personen benützt werden 
dürften, die von Australien nach Europa reisen oder von 
Japan und China, und umgekehrt. Die Central'Pacific-Bahn 
über Salt Lake-City und Omaha ist oft vom Schnee ver 
schüttet und leiden die Passagiere auf ihr nicht selten von 
Kälte. Dies ist auf der südlichen Bahn nicht zu befurchten. 
Die Strecke von Albuquerque bis Colorado ist sehens- 
''^erth. Der Rio Grande fliesst zuerst in einem breiten Thaïe, 
^as von Hochgebirge eingeschlossen ist. Dann entfernen sich 
östlichen Berge und man sieht nur das Felsengebirge im 
besten. Der Boden ist überall lehmig und reich an löslichen 
^Mineralischen Bestandtheilen. Zuweilen wird er auf kurze 
^trecken sandig. Man sieht hier ziemlich zahlreiche Dörfer 
Von Mexicanern und Pueblo-Indianern, die natürlich nie im 
Selben Dorfe zusammen wohnen. Sie treiben Viehzucht und 
■Ackerbau, die Indianer letzteren sorgfältiger als die Mexi 
kaner, beide Nationalitäten auf künstlich bewässertem Boden, 
ivenn dieser besser gepflügt und reiner gehalten würde, 
'onnte er auch hier sehr hohe Erträge geben, denn Wasser 
der Rio Grande stets und warm genug ist es hier; die 
Mze aber ist keineswegs sengend, denn das Thal ist bei 
Albuquerque 5000 Fuss und bei Socorro noch 4665 Fuss
        <pb n="449" />
        434 
über dem Meere. Die Weide auf den Bergen und dem un- 
bewässerten Thaïe war in dieser Jahreszeit trocken und dürftig. 
Das Vieh befand sich meist auf den hohen Tafelprairien oder 
in der Nähe des Flusses. 
Sowie man das Thal des Rio Grande verlässt, kommt 
man westlich auf eine öde Fläche mit lehmigem Boden, der 
stellenweise mit Salz oder Alkalien getränkt ist, keine Fluss- 
Bewässerung hat und in dem Brunnen sehr tief gegraben 
werden müssen, um Wasser zu geben. Hier hört der Acker 
bau gänzlich auf und kann Vieh auch nur gehalten werden, 
wenn man Wasser — etwa durch artesische Brunnen — 
schafft, was man ja jetzt vielfach in der Union versucht. Gras 
und abweidebares niedriges Gesträuch gab es meist reichlicher 
als in den bisher durchreisten Thälern Neu - Mexicos, wohl 
weil es seltener abgeweidet wurde. 
Tucson, eine alte spanische Stadt, die Vor der spanischen 
Zeit schon von den Azteken bewohnt war, ebenso wie Yuma, 
wären einen Aufenthalt werth gewesen, wenn wir uns die Zeit 
hätten gönnen wollen. Sie sind beide originell und ist erstere 
von amerikanischem Einflüsse noch fast gar nicht berührt. Die 
Stadt liegt nicht weit vom Fusse der Berge, deren scharfe 
Contouren sich prachtvoll auf dem goldenen Grunde des von 
der untergehenden Sonne reich gefärbten Horizontes abhoben. 
Die Luft ist hier so rein und klar, dass man ungeheuer weit 
sieht und alle Formen in ganzer Schärfe zur Geltung kommen. 
Welcher Unterschied, wenn ich daran denke, wie sich z. B. 
London in einem „Fog“ ausnimmt! Die gewaltige Architektur 
der St. Paulskirche mit ihren Säulen und Portalen verschwindet 
in dieser dicken, undurchsichtigen Luft zu einer unförmlichen 
Masse, deren Umrisse man eben schemenhaft auf hundert 
Schritte kaum unterscheidet. 
An dem Tage, den wir von Deming bis Tucson auf der 
Bahn durch Südarizona zubrachten, sahen wir stundenlang, 
und nach einer kurzen Unterbrechung wieder auf Stunden, die 
Fata morgana, ich zum ersten Male in meinem Leben; die 
ungarischen Herren kannten sie schon, behaupteten aber, sie 
nie so lange und so grossartig gesehen zu haben. Hell schien
        <pb n="450" />
        435 
die Sonne über eine wellenförmige Hochebene, die am 
äussersten Horizonte durch hohe Berge begrenzt war und ent 
weder keine Pflanzen, oder doch nur dürres Gras und nie 
driges Strauchwerk trug. Auf ihr erblickten wir, in viele 
Meilen weiter Ferne, ein langes, breites, silberglänzendes 
Wasser, an dessen abgelegenem Ufer Berge sich erhoben, die 
sich in ihm abspiegelten. Aus dieser stillen See stiegen Inseln 
Form spitzer Berge auf; hie und da sahen wir auch das 
andere Ufer flach und wie mit Gras und Bäumen, doch spär 
lich, bewachsen. An anderen Stellen erblickte das Auge jenes 
ändere Ufer nicht, sondern ruhte der vollkommen wolkenlose, 
blaue Horizont auf dem glatten, glänzend weissen Silberspiegel 
des uns vorgegaukelten Meeres. Aber Schlösser, Städte, 
Häuser, Menschen, Vieh und dergleichen Dinge, die in unserem 
Gesichtskreise auch gar nicht existirten, sahen wir nicht, wie 
dies in der ungarischen Ebene der Fall sein soll. Nur das 
blanke Wasser war Zauber werk, alles andere augenscheinlich 
^ur Reflex noch entfernterer Gegenstände, die wirklich vor 
handen waren. 
Oede war diese Gegend im höchsten Grade, aber keine 
Wüste. Es muss hier zeitweise stark regnen, denn wir sehen 
niedrige Stellen in der welligen Ebene, die mit Wasser über 
schwemmt gewesen sein mussten, auch wäre der Graswuchs 
Sonst nicht zu erklären. Stellenweise wuchs höheres Strauch- 
''^crk, überall die Seifenpflanze, mit deren Wurzel die Mexi 
kaner wollene Zeuge waschen und deren Blätter schilfartig, 
^*0 bis zwei Fuss lang und spitz sind. Der Blüthenstengel 
Nächst ca. drei Fuss hoch und trägt eine grosse weisse, 
Schöne Blüthe. Auch der uns von Texas her bekannte Mes- 
flüitostrauch, dessen Blätter, Zweige und bohnenartige Früchte 
Vieh in Zeiten von Grasmangel gerne gefressen werden, 
hommt vor. Den originellsten Schmuck aber bieten die ver 
schiedenen Cactusarten. Der Cactus nimmt hier den Charakter 
k&gt;nes Strauches und stellenweise eines Baumes an, denn aus 
kiner Wurzel wachsen eine Anzahl schlangenartig gekrümmter 
'^eige, überall mit der dem Cactus eigenthümlichen, stacheli- 
gen Narbe, wie mit Saugfäden, bewachsen, in die Luft, so 
28*
        <pb n="451" />
        436 
dass man einen Strauch von drei bis acht Fuss Höhe und 
ein- bis dreizölligen Aesten vor sich zu haben meint. Andere 
Cacteen 'haben einen vier bis sechs Fuss hohen Stamm, aus 
dem sich ein bis %wei starke Aeste abzweigen. Der Haupt 
stamm ist mannsdick, die Zweige sind bein- und armstark. — 
Das Thierleben wird ebenfalls dürftig. Der Prairiehund findet 
sich seltener und verschwindet, man sieht nur hie und da ein 
paar Antilopen und einen Wolf. Vögel giebt es fast gar 
keine. Der westliche Theil von Arizona zeigt vulcanische 
Einwirkungen. Isolirt steigen Berge bis zu 2000 Fuss aus 
der rollenden Lehmprairie auf, braun, schwarz, wie Schlacken 
berge anzusehen. Lava-Ueberreste bedecken den lehmigen 
Boden und durch Sonne und Regen zermürbt werden sie als 
unangenehmer Staub durch die Luft geführt. 
Das letzte Drittel der Bahnlänge in Arizona liegt im Gila- 
thale. Der Gila fliesst, in Neu-Mexico entspringend, fast mitten 
durch Arizona, von Osten nach Südwesten, und ergiesst sich 
bei Fort Yuma in den Colorado, welcher seinerseits in West 
colorado entspringt, durch Utah und Arizona fliesst und sich, 
etwa 50 Meilen südlich von Yuma, in Mexico in den Golf 
von Californien ergiesst. Das Gilathal verengt sich bald wieder 
und nimmt den Charakter einer Gebirgslandschaft an, der 
Halbwüstencharakter der rollenden Prairie von Südarizona 
verschwindet. Cotton woodbäume und andere, namentlich 
Taxusbäume und dichte, elsenartige hohe Sträucher wachsen 
üppig, soweit der Einfluss des Wassers reicht. Nahe Fort 
Yuma findet man auch etwas Ackerbau auf bewässertem Lande, 
allein der Bergbau ist es, um dessen willen seit Jahrhunderten 
die Spanier in die heissen Bergthäler Arizonas drangen, und 
derentwegen die Yankees unserer Tage sich der glühenden 
Sonne dieses Landes aussetzen. 
Arizona hat sehr reiche Gold-, Silber- und Kupferberg 
werke, und noch immer werden neue, reichere Erzlager von 
„Prospectors" entdeckt. Bisher lohnte nur der Abbau der 
Silberbergwerke, und auf einer Station sahen wir die gold 
haltigen Silberblöcke, etwa zwei Fuss lang und sechs Zoll 
breit und dick, von einem Frachtwagen, der sie aus dem Ge-
        <pb n="452" />
        437 
birge gebracht hatte, in den Eisenbahnwaggon laden. Jeder 
Block, „Boilion“ genannt, soll 5- bis 6000 Dollars werth sein. 
Die Vollendung der Südcalifornia-Bahn, die Arizona quer 
durchschneidet, sowie der Fortschritt der Atlantic-Pacific-Bahn, 
Welche nördlich der ersteren, parallel mit ihr, auch durch 
dieses Land führt, werden den Bergbau Arizonas sehr ent 
wickeln und auch den Abbau weniger edler Metalle als Gold 
und Silber lohnend machen. Die Minenbevölkerung wird von 
Californien und von Kansas aus mit Cerealien versorgt werden, 
Vieh aber dürfte mehr producirt werden, als der Consum er 
fordert. 
Fort Yuma geniesst den Ruf, die heisseste und unaus 
stehlichste Garnisonstadt von Amerika zu sein. Man erzählt, 
dass ein Soldat dieser Garnison gestorben und in die Hölle 
gekommen sei. Nach einigen Tagen habe er sich von dem 
Commandanten des Forts ausgebeten, er möge ihm seine 
Decken in die Hölle nachsenden, da er die Kälte daselbst 
*^icht ertragen könne. Wir waren um 5 Uhr Früh dort und 
fanden die Temperatur erträglich. 
Die Lage des Forts erinnert an jene der Kathedrale von 
Cran. Wie hier die Kirche, so liegt das Fort auf einem 
f^olsenvorsprunge zwischen den hier zusammenfliessenden bei 
den Flüssen Colorado und Gila, die breit und sehr wasser- 
haltig sind, was man nicht von allen Strömen Amerikas sagen 
^ann. Ein wunderbar klarer Himmel wölbt sich über dem 
^'ort und den Bergen, die rund um das Fort gnippirt sind. 
Die Stadt ist weitläufig gebaut, hat Lehmhäuser mit Wän- 
'^en, die bis 4 Fuss dick sind, flachen Dächern, breiten, be 
deckten, von Holzsäulen getragenen Veranden, und die meisten 
derselben besitzen einen Viehhof, um den hohe Pfahle, 12 bis 
30 Fuss hoch, in die Erde getrieben sind, die man durch 
^eidengeflecht verbindet. Ein paar der Häuser, die alle weiss 
getüncht sind und in der es hier gut meinenden Sonne rein- 
lieh glänzen, standen in gut gepflegten und künstlich bewäs- 
^^rten Blumengärten, in denen sehr farbenprächtige Blumen 
^^d Bäume mit eigenthümlichem Blattwerke üppig gediehen, 
die uns bisher noch nicht anders als in botanischen Garten
        <pb n="453" />
        43» 
vorgekommen waren, hier aber natürlich besser gediehen. 
Einige gleichen Trauerweiden, andere haben schilfartige, noch 
andere Blätter wie die Fettpflanzen, welche wir auf sandigem 
Boden kennen, alle aber strotzen in üppiger Blatt- und Farben 
pracht. 
Auf dem Coloradoflusse lag einer jener grossen amerika 
nischen Dampfer, die wir auf dem Mississippi kennen gelernt 
hatten. Dieser Fluss ist bei hohem Wasserstande bis Callville, 
circa 650 Meilen oberhalb Yuma, und regelmässig bis El 
Dorado Canyon, 365 Meilen oberhalb Yuma, schiffbar. 
In Yuma sahen wir einige Indianer, die von sehr schönem 
Körperbaue, höherem Wüchse als jene in Taos und einer ge 
wissen natürlichen Würde in der Haltung waren, die letzten 
Indianer auf der Reise bis zur Südsee. Wegen der grossen 
Hitze sind sie fast nackt und gehen Sommer und Winter in 
einer sehr kurzen Schwimmhose umher, tragen aber eine Decke 
über die Schulter gehängt, in welche sie sich Nachts hüllen. 
Viele wohnen hier friedlich und ackerbautreibend. Andere im 
Gilathale. Die Indianer sterben allmählich aus. Im Jahre 1870 
taxirte man ihre Zahl noch auf 350.000, im Jahre 1880 nur noch 
auf 246.000, wovon 60- bis 75.000 allein in dem grossen In 
dianer-Territorium zwischen Texas und Kansas. Civilisirte 
Indianer, die sich mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigen, 
gab es 1870 nur 25.731, im Jahre 1880 schon 66.407; die 
Civilisation derselben macht also doch einige Fortschritte. Von 
diesen wohnten 3.493 in Arizona, 16.277 i" Californien, 7.249 
in Michigan, 2.300 in Minnesota, 2.800 in Nevada, 9.772 in Neu- 
Mexico, 1.694 in Oregon, 4.405 in Washington, 3.161 in Wis 
consin. Wie viele in Florida wohnen, ist unbekannt. Aus 
den Grenzländern der Republik Mexico ziehen sie oft in dieses 
Land, wo es ihrer noch mehrere giebt. Die Unionsregierung 
giebt einigen Stämmen Provisionen und verwaltet ihre Reser 
vationen. Die Ausgabe hierfür betrug 1881 =6.514.161 Doll, 
und hat von 1789 bis 1881 betragen 193.6 Mill. Doll. — wo 
von ein grosser Theil in die Taschen betrügerischer Agenten 
der Regierung geflossen ist. 
Nicht weit vom Gilathale südlich, in der hier nur wenige
        <pb n="454" />
        439 
Meilen entfernten Republik Mexico, leben kriegerische Indianer, 
die soeben 30 Meilen südlich von El Paso del Norte ejne 
Expedition von Eisenbahningenieuren nebst Begleitung und 
Dienerschaft, im Ganzen 30 Personen, überfallen und nieder 
gemacht hatten. Diese vermassen die Trace einer Eisenbahn, 
Welche El Paso mit dem Golf von Mexiko verbinden soll. 
El Paso steht schon mit der Topeka-Bahn bei San Diego, 
etwas östlich von Deming, und mit der Süd-Pacific-Bahn bei 
Deming in Bahnverbindung. 
Durch ganz Arizona trifft man, ausser Tucson, keine 
eigentliche Stadt an der Eisenbahn, und von Fort Yuma wie 
der keine in Californien, bis Station Colton. Freilich sind die 
Eisenbahnstationen kleine Zeltstädte, in denen sich hie und da 
schon ein Bretterhaus findet. Hier haust eine flottirende Be 
völkerung von abscheulich aussehenden Mexicanern, einigen 
bettelnden oder vielmehr schlechte Türkise, indianisch Cici- 
vite genannt, die sie im Gebirge finden, zum Verkaufe aus- 
bietenden Indianern, einigen bei der Bahn angestellten Ameri 
kanern und amerikanischen „Saloonkeepern“ oderKneipwirthen, 
Epieiern, Abenteurern und — vielleicht das abscheulichste 
^olkselement dieser gewiss nicht anziehenden Racen- und 
Etandesmischungen — deutsch-polnischen Juden, die, 
echte Sumpfvögel, hier mit Behagen sich in der zweifelhaftesten 
Gesellschaft bewegen, gewiss, ihre Beute zu machen ! Sie sind 
allen früher spanischen Colonien geradezu die herrschende 
Eace und haben das mexicanische Volk moralisch und körper- 
kch so herabgebracht, wie wir es fanden. Ungestört haben 
hier Wucher getrieben. 
Sie leihen dem mexicanischen Bauer auf die künftige 
Ernte, nehmen sie ihm ab und leihen ihm den Lebensunter 
halt für das kommende Jahr wieder zu Wucherzinsen. Sie 
hefern ihm dabei so wenig Nahrung, dass er vor Hunger halb 
Verkommt. So haben sie ein künstliches Elend im Lande ge 
schaffen, das Producte im Ueberflusse hervorbringt. So haben 
sic die Nachkommen zweier schönen oder doch stattlich ge 
wachsenen und stolzen Racen, der Spanier und Indianer,
        <pb n="455" />
        440 
körperlich — mittelst erblichen Elends — herabgebracht, ver* 
zwprgt, hässlich gemacht. 
Von Fort Yuma führte uns die Bahn fast schnurgerade 
in nordwestlicher Richtung nach Los Angeles, aber durch 
eine der merkwürdigsten Gegenden der Welt. Etwa 6o Meilen 
läuft sie durch eine vulcanische Landschaft von 150 bis 
400 Fuss Erhebung über der See, aus der einige ausgebrannte 
Krater hoch emporsteigen. Bei der Station Tortuga, eben 
60 Meilen von Yuma entfernt, stiegen wir in das Bett eines 
ausgetrockneten Meeres hinab, in dem nur noch einige 
grössere Salzwasserlachen übrig geblieben sind. Die Bahn 
durchschneidet dieses ehemalige Meeresbett ca. 50 Meilen lang, 
nicht an seiner tiefsten Stelle; indess ist man doch ca. 250 Fuss 
unter dem Meeresspiegel. Die Bahn steigt bei Station Indio 
aus diesem Becken wieder heraus und überschreitet dann eine 
Gebirgskette, welche ziemlich dicht an der Küste hinläuft. Das 
ehemalige Meeresbecken ist von sandigen Bergen umgeben, 
den früheren Dünen. 
Sowie man diese durchschnitten hat, fallt der Boden 
schnell zur normalen Tiefe von 2 bis 300 Fuss unter dem 
Meeresspiegel und bildet hier eine fast flache Ebene. Der 
Boden ist feingeschlemmter Lehm. Gelegentlicher Regen 
weicht ihn auf. Die dann auf ihn scheinende Sonne trocknet 
ihn und incrustirt seine Oberfläche etwa einen halben Zoll 
dick. Diese Kruste springt auf und bildet pfannenartige 
Schalen, deren Ränder vom Boden abstehen. Man kann diese 
Schalen abheben und sehen sie aus wie lufttrockene Unter 
tassen aus einer Töpferwerkstätte. Dieser feinkörnige Lehm 
ist mit Alkalien und Salz so gesättigt, dass keine Pflanze auf 
ihm wachsen kann. Man sieht also von der Bahn aus eine 
vollkommene Wüste, in der weder Pflanze noch Thier lebt, 
deren Boden aber von zähem, festgetrocknetem Lehm ge 
bildet und die von sandigen Dünen begrenzt wird, die wiederum 
den Fuss vulkanischer Felsgebirge bilden. Es existirt der 
Plan, Meerwasser in dies Becken zu leiten, was ohne grosse 
Kosten möglich sein soll, und hier einen durch einen Schiff- 
fahrtscanal mit dem Meere in Verbindung stehenden Binnensee
        <pb n="456" />
        44* 
zu schaßen, dessen Verdunstungswasser die kahlen Uferberge 
mit Vegetation bedecken, zu gutem Weideland machen würde. 
Die Hitze in diesem Kessel, der fast stets Windstille hat, 
ist erstickend. Noch schlimmer aber ist es, wenn heisser stau 
biger Wind durch ihn fahrt. Mir verursachte die Fahrt durch 
diese Unterwelt Kopfschmerzen. So denke ich mir das Thal 
des todten Meeres —ohne Wasser! 
Wie athmet man auf, wenn die Locomotive aus diesem 
Höllenthale bei Indio plötzlich das Gebirge erklimmt und uns 
in reinere, wenn auch immer noch heisse Luft bringt! Nur 
fünf Meilen nordöstlich von der Dünen wand liegt, 584 Fuss 
über dem Meeresspiegel, die Station „Sieben Palmen“. Eine 
Meile nördlich des Stationsgebäudes stehen sieben Palmen 
Von 40 bis 60 Fuss Höhe an einem Brunnen. Karawanen, die 
früher den Handel von Mittelcalifornien mit Arizona und Mexico 
über Land vermittelten, erreichten von Süden durch dies 
trockene „todte Meer“ kommend, hier zuerst gesunde Luft, 
Schatten und frisches Trinkwasser. Sie lagerten sich hier und 
hielten fröhliche Rast. Viele Menschen und Thiere sollen aber 
diesen ersehnten Punkt nicht erreicht, sondern zwischen Yuma 
**nd ihm ihr Leben ausgehaucht haben. 
Bei der Station Flowing Well hat die Bahngescllschaft 
^inen artesischen Brunnen gegraben, der bei 150 Fuss Tiefe 
M^asser ergab, aber intensiv salziges! Trinkwasser und das 
M^asser zum Füllen der Locomotivkessel wird bis hier vom 
f^lorado, und südöstlich bis etwa nach Tucson vom Gila- 
husse in besonders für diesen Transport gebauten Eisenbahn- 
M^asserwaggons gebracht. In Arizona hofft man jetzt durch 
Brunnen Wasser für die einzelnen Stationen zu gewinnen. 
trafen wohl ein halbes Dutzend solcher Brunnenbauten 
*** Arbeit und dabei zahlreiche Chinesen beschäftigt, deren 
Einzelne schon in Neu-Mexico und Colorado, namentlich 
Leadville und Denver, gesehen hatten, wo sie ganz allge- 
***ein die Wäsche der Hotels und sogar wohlhabender ansäs- 
^*ger Familien besorgen. Die Zahl der Chinesen in der Union 
etrug 1870 nur 63.254, 1880 schon 105.613, wovon 1.632 
*** Arizona, 75.218 in Californien, 3.379 in Idaho, 1.765 in Mon-
        <pb n="457" />
        442 
tana, 5.419 in Nevada, 9.513 in Oregon, 3.187 in Washington. 
Die weisse Arbeiterbevölkerung Californiens hat gegen die 
Einwanderung derselben, da sie den Lohn drücken, mit Er 
folg agitirt und dürfen seit Sommer 1882 keine neuen Ein 
wanderer ankommen, als solche, welche einen nach China 
Zurückgewanderten ersetzen. Jeder Zurückwandernde erhält 
ein Certificat, auf das hin ein Chinese einwandern darf. Auf 
chinesische Kaufleute findet diese Exclusion aber keine An 
wendung. Chinesische Arbeiter wandern jetzt zahlreich in 
Britisch - Columbien ein und werden besonders beim Bau der 
Canada-Pacific-Bahn verwendet. In Californien giebt es sehr 
zahlreiche artesische Brunnen, deren Wasser zur Bewässerung 
von Orangegärten und Weingärten benützt wird und gräbt man 
immer zahlreicher solche Brunnen. — Durch Neu-Mexico, Co 
lorado und Westkansas sieht man vielfach die bekannten ame 
rikanischen Windmühlen, mit einem runden, fächergefüllten 
Windrade, dessen Stellung durch den Wind selbst regulirt 
wird und die man benützt, Wasser mittelst gewöhnlicher Pumpen 
in Reservoirs zu heben, von wo man es dann zu Haushaltungs 
zwecken, noch mehr aber zur Bewässerung von Gärten, Feldern 
und Wiesen abfliessen lässt. In Südcalifornien sahen wir auch 
den oberen San Ferdinandofluss künstlich in ein Reservoir 
gedämmt, in dem er zur Regenzeit Wasser lassen musste, das 
dann später zur Irrigation benützt wurde. Diese einzige An 
lage der Art rührt von den Franciscanern der Mission San 
Gabriel her. Mönche haben überhaupt die Einwohner hier 
Ackerbau, Obst-, Weinbau und Bewässerung gelehrt. 
Von Sieben Palmen bis Colton bewegt sich die Bahn 
über den gedachten Bergrücken der San Benardino Mountains 
und überschreitet ihn nahe El Casco, 2592 Fuss über dem 
Meere. 
Absteigend von hier gelangen wir in das so fruchtbare, 
gesegnete Californien, ein Land mit tropischer Vegetation, 
aber ohne tropische Hitze! 
Schon im Gebirge, nahe dem Passe, finden wir Farmen, 
alle von der bekannten Homestead-Grösse, welche den Ein 
druck von Wohlhabenheit machen, wie wir sie bisher nur in
        <pb n="458" />
        Pennsylvanien und Ostkansas gefunden haben. Der Boden 
ist überall ein strenger Lehm, oben mehr oder weniger tief 
schwarz gefärbt. Die Grasnarbe auf den entwaldeten Bergen 
ist dicht, das Gras jetzt vollkommen lufttrocken, wird aber von 
den Schafen, Pferden und Rindern als Naturheu gefressen und 
sind diese alle in gutem Zustande. Die Schafe sind fast 
durchwegs edle Merinos, die Rinder durch Kreuzung dem 
reinen Shorthorn-Charakter sehr nahe gebracht. Im Gebirge 
hat man auch Jerseys. Für Rinder und Pferde hat man ein 
gepferchte Weiden auf Alfalva und Klee. Die vorwiegende 
Prucht ist Weizen, der hier schon geschnitten war, zum Theile 
^it dem Header, zum Theile mit einer anderen Mähemaschine. 
Meist war auch der Drusch schon beendet, Hafer und Gerste 
standen noch. Ueberrascht wurden wir durch reichlichen 
Anbau von Zuckerrüben und Runkelrüben, für Viehfutter. 
M^ie wir uns dem Thaïe näherten, begann der Bau von 
Gartengewächsen, Obstbäumen und bald auch Weinstöcken. 
Um 5 Uhr Früh hatten wir in Yuma dejeunirt, dann die 
heisse Wüste unter Meerestiefe im Schweisse unseres Ant- 
htzes durchreist. Seit Mittag überklommen wir das Gebirge, 
^nd um 5 Uhr Nachmittags langten wir in der Stadt Los 
Angeles an, die nur noch 265 Fuss über dem Meeresspiegel 
^^gt, sehr triftig ist, schon 16.000 Einwohner hat, aber sehr 
Schnell wächst, seit die Verbindung der Topeka- mit der Süd- 
^alifornia-Bahn stattgefunden, d. h. seit vier Monaten! 
Los Angeles ist die wichtigste Station zwischen San 
Francisco und Kansas-City, d. h. auf einer Strecke von 
^330 Meilen! Sie liegt 482 Meilen von der ersteren Stadt 
^^tfernt, hat aber in der Seestadt Wilmington, die 26 Meilen 
hier entfernt am Stillen Ocean liegt, einen eigenen Hafen, 
^on dem auch schon Weizen nach Europa verschifft wurde 
zu 62 sh. die Tonne von 10 Mtc. im vorigen Winter. 
Die Gärten von Los Angeles umgeben diese Stadt meilen- 
und wirken auf den Reisenden, der die Wüste soeben 
verlassen hat, wie der Anblick des Paradieses. Der 
^den ist künstlich bewässert und trägt Weinstöcke, Orangen-, 
^^anen-, Pfirsich- und alle Arten europäische Obstbäume,
        <pb n="459" />
        444 
dazu eine Menge uns unbekannter Zierbäume, das Alles in 
höchster Ueppigkeit! Die Stadt ist der Mittelpunkt des Wein 
baues von Südcalifornien. — Wo die Gärten aufhören, legt 
sich ein Ring von Ackerbaufarmen um die gesegnete Stadt, 
und noch weiter zur Peripherie sehen wir Viehzucht, zunächst 
Rinder, in Klee und Luzerne bis zum Bauche watend, noch 
ferner ab Schafe auf der trockenen aber nahrhaften Natur 
weide — so sind alle Thünen’schen Ringe seines isolirten 
Staates hier um die erste grosse Stadt Südcaliforniens zu be 
obachten, ganz natürlich, da diese Cultur hier jung ist und 
ihre einzelnen Stadien sich grell gegeneinander abheben, was 
in alten Culturstätten nicht mehr so scharf geschieht. 
Wir fuhren durch Los Angeles nach der Seeküste und 
machten eine zweitägige Ruhepause, eigentlich wechselten wir 
nur die Arbeit, indem wir uns ganz der. Schriftstellerei in 
dem kleinen, aufstrebenden Badeorte Santa Monica hingaben. 
Der Ort liegt an einer Bucht, die einen Halbkreis bildet, dessen 
Sehne so lang ist, dass sie eben noch mit gutem, unbewaff 
neten Auge übersehen werden kann. Das Land fallt ca, 30 
bis 50 Fuss tief steil gegen die See ab und bildet eine tisch 
förmige Platte in dieser Höhe, die auch, wie alle solche Pla 
teaux, von den Spaniern „Mesa“, „Tisch“, genannt wird. Es 
ist nun höchst interessant, diese Ufer mit anderen zu ver 
gleichen. Der Boden besteht aus zähem Lehm, der hier so 
steil und zerklüftet abfallt, wie der Kreidefels an den Ufern 
Englands und Nordrügens. Das hinunterfliessende Regen 
wasser hat diese steilen Lehmwände in die originellsten For 
mationen zerwaschen, die es in jeder neuen Regenzeit ändert. 
So zieht sich diese Lehmfelswand rund um die Meeresbucht, 
Unten liegt der fast steinfreie Strand mit Spielraum für Ebbe 
und Fluth. Dünen von Sand giebt es nicht. Herren und 
Damen baden hier gemeinsam, jahrein, jahraus, da es hier 
keinen grossen Unterschied in der Temperatur macht, ob es 
Sommer oder Winter ist. Wir wurden durch die Kühle über 
rascht, die besonders von 4 Uhr Nachmittags bis in die 
beginnende Nacht hinein herrscht. Gegen Morgen wird die 
Luft linder und Mittags warm, aber nicht heiss. Man braucht
        <pb n="460" />
        445 
Nachmittags stets einen Ueberzieher, und obschon wir diese 
Vorsicht übten, erkälteten wir uns doch sämmtlich schon am 
zweiten Tage. Wir kamen eben zu unvermittelt aus einem 
sehr heissen Lande. 
Die Accomodation im Badeorte war massig, Alles noch 
neu, die Aufnahme und Kost im Hôtel aber ausgezeichnet. 
Erst spärlich sind Alleebäume gepflanzt und existiren wenig 
gepflegte Gärten, aber was gepflanzt ist, wächst und gedeiht 
^Pplg und farbenprächtig. Die Bucht soll an Naturschönheit 
mit der von Neapel wetteifern und ich glaube das. Meer 
und Himmel sind wunderbar blau. Ein Silberstrich ewiger 
Schaumwellen scheidet das blaue Wasser von der sepiabraunen 
Lehmfelswand, auf der grüne Bäume halbtropischer und ita 
lienischer Natur in dichtem Kranze angepflanzt sind und darüber 
wölbt sich der stets wolkenlose Himmel! Besonders prächtig 
War eine sternklare Vollmondnacht. Und dann diese erhabene 
Einsamkeit, denn es gab, Gott sei Dank, noch wenige Bade 
gäste hier. 
Etwa eine englische Meile von Santa Monica ist das 
Plateau, auf dem der Badeort liegt, durch ein, bis zu einer 
halben Meile breites Thal, Cannon, getrennt, in dessen Sohle 
^in jetzt ausgetrockneter Bach zum Meere fliesst. Der Bach 
War einmal ein reissender Strom und bildete dieses Thal mit 
"lässig steil abfallenden Berglehnen. Diese sind mit Gesträuch, 
Thal ist mit schönen, alten und theilweise sehr dicken 
Eäumen bewachsen. Zwischen dem Strauchwerke wachsen 
blühende Alpenkräuter. In dem Thaïe ist die Luft stets milde, 
kein Wind eindringt, und stets gemässigt, da die Seeluft 
durchdringt. Hierher flüchten in den Sommermonaten die 
Eewohner heisserer Gegenden Südcaliforniens, schlagen ge 
räumige Zelte auf, möbliren sie und spenden 3 bis 8 Wochen 
ihren Familien in dieser improvisirten Zeltstadt. Sie haben 
■^llc Equipagen oder Reitthiere hier. Herren und Damen 
fahren und reiten am Strande oder im Schatten der Bäume 
Gannons. Man lebt im Freien, badet, plaudert, macht 
^ysik und verlobt sich. Wir spendeten hier einen 
fröhlichen Nachmittag und bewunderten die Geschicklichkeit
        <pb n="461" />
        446 
einiger mexi can ischer Pferdehirten, welche Pferde mit dem 
Lasso einfingen, besuchten auch eine „Bienenfarm“, die an 
einer besonders sonnigen Stelle des Cannons angelegt war. 
Hoch entzückt rasteten wir hier einige Tage am Stillen 
Meere, nach der Wüstenfahrt, dankbar gegen Gott, dass wir 
die immense Fahrt von New-York bis Florida am Atlantischen 
Ocean, von da bis Texas am Golf, dann nördlich bis in die 
Ackerbau-Ebene von Kansas, von hier westlich in die Berg 
werksgegend von Denver und Lead ville, darauf durch die 
altspanischen Minen- und Weidestaaten Neu-Mexico und Ari 
zona bis hieher, in die fruchtbarsten Thäler der Welt, an dem 
Ufer des Stillen Meeres, hatten machen können, ohne jemals 
ernsthaft krank zu werden, trotz des schnellen Wechsels des 
Klimas in so verschiedenartigen Ländern und den grossen 
Anstrengungen der Reise. Seit meiner Abreise aus Wien am 
31. Januar hatte ich persönlich bis zum 10. Juli, dem Tage, 
an welchem wir den Stillen Ocean begrüssten, 13.025 Meilen 
zurückgelegt, davon 11.412 Meilen, seit London, in Gesell 
schaft der fünf Herren, länger so jedenfalls, als ursprünglich 
angenommen wurde, denn ich meinte noch in Florida, dass 
ich die Reise nach den Südseestaaten nicht mitmachen, son 
dern schon von Kansas-City nach dem Norden allein reisen 
würde. Zu gemeinsamem Genüsse und hoffentlich auch Nutzen 
haben wir das Programm so weit geändert und gemeinsam 
nicht nur reichlich eine entzückende Reise genossen, die uns 
eine angenehme Erinnerung für das Leben lassen wird, son 
dern auch eifrig gelernt, was zu lernen war. Nach dieser 
Richtung, glaube ich, haben wir unsere Zeit und die auf die 
Reise verwendeten Mittel besser benützt als die meisten Euro 
päer es in Amerika thun, soweit sie überhaupt in diesem 
Lande reisen. Traf doch z. B. der Herzog von Sutherland 
in New-York mit seiner Gesellschaft ein, als wir von Florida 
nach New-Orleans reisten. Sie fuhren bis San Francisco und 
waren im Juli schon wieder von New-York nach London 
unterwegs. Was kann man bei so schneller Reise sehen und 
lernen? Freilich immer noch mehr, als einige deutsche Herren, 
die Grafen Seebach, Henkel, v. Erlach, v. Bülow, Halanta aus
        <pb n="462" />
        447 
Oesterreich und noch ein paar Herren, deren Namen ich ver 
gessen, von denen nur Graf Henkel englisch sprach und die unter 
Leitung des ehemaligen Kaufmannes Stangen eine Rundreise 
um die Welt in acht Monaten machten. Sie verliessen am 
2. Juni Berlin, als wir aus Kansas-City abfuhren und wir trafen 
sie am i8. Juli in San Francisco, von wo sie nach Japan ab- 
reisen wollten. 
Die Länder, welche wir von Kansas bis Südcalifornien 
durchreisten, haben sehr wenig Ackerbau und noch wenig 
Viehzucht. Der Bergbau ist die Hauptbeschäftigung der Be 
völkerung. 
Dieselbe betrug in 
1870 1880 
weisse total 
Land 
Colorado 
Arizona 
Neu-Mexico 
39.000 194.000 
9.000 40.000 
00.000 119.000 
Die Zahl der Farmen betrug in den Territorien Arizona, 
Colorado, Idaho, Montano, Nevada und Wyoming 1870 = 
4-595, 1880 — 10.972. 
Der Viehstand betrug 1880 in je 1000 Stück: 
Land Pferde Maulth, Arbeitsochs, Milchkühe and. Rindv, Schafe Schweine 
Colorado 42 2 2 28 316 746 7 
-Mexico 14 9 16 13 137 2.088 8 
^'■«zona 6 I I 9 34 76 4 
Die Zahl der Schafe und Rinder vermehrt sich daselbst 
^ber jetzt sehr schnell.
        <pb n="463" />
        XXVIII. Capitel. 
LandwirthsehafLliehe Behörden und Vereine. 
Bis Beendigung des Secessionskrieges war die Farmer- 
landwirthschaft, welche der Union jetzt ihren wirthschaftlichen 
und auch schon ihren politischen Charakter giebt, der Aschen 
brödel, Die Industrie der Nordoststaaten und der mit Sklaven 
betriebene Grossgrundbesitz der Südstaaten machten die Politik. 
Zwar war der Ackerbau immer die Hauptindustrie, allein die 
Baumwolle des Südens lieferte über die Hälfte des Export- 
werthes und die Brodstoife der Farmer spielten daneben noch 
1870 eine klägliche Rolle, Der Export betrug in Mill. Dollars: 
Jahr 
1850 
i860 
g. 
00 
1880 
Export von Ackerbauproducten aller Art 
Procent der Letzteren 
Steigung des Gesammtexports gegen die vorige Dekade 
Procent 
Vom Export gab Baumwolle und Manufacturen daraus 
Getreide und Brodstoife 
Alle anderen land wirthschaftlichen Producte und daraus 
hergestellter Spiritus etc 
Summa landwirthschaftlicher Producte 
135 
112 
83 
77 
13 
12 
25 
316 
258 
81 
134 
203 
24 
26 
50 
455 
373 
82 
44 
231 
72 
43 
»&gt;5 
824 
746' 
90 
81 
221 
288 
175 
463 
Woher dieser Wechsel? 
Man kümmerte sich bis zur Secession wenig um die Far 
mer. Die Grossgrundbesitzungen des Südens vererbten sich 
in der Regel ungetheilt auf einen Erben. Die Bäuerlichen 
nach dem gleichen Erbrecht. Die Bauern geriethen in Schulden. 
Erst seit den vierziger Jahren erliess dieser und jene Staat 
ein Homestead-Exemptions-Gesetz zu ihrem Schutze, Nach der 
Secession wurden diese Gesetze allgemein; diese Entwickelung 
schildere ich in einem anderen Werke „Heimstätten- und an*
        <pb n="464" />
        449 
dere Wirthschaftsgesetze etc. Berlin (Bahr) 1883“. In den Jahren 
^837 und 1838 war die Farmerwirthschaft so herunter gekom- 
dass die Union Brodstoffe importiren musste. Der verschul 
dete Bauer hatte den Boden durch Raubbau erschöpft. Seit 
dem fing man an, sich mit Erfindung guter Ackerbauwerk- 
zeuge zu beschäftigen und der Congress Hess seit 1839 durch 
Patentamt landwirthschaftliche Statistik aufnehmen. Im 
Jahre 1852 wurde die „United States Agricultural Society“ 
gegründet, welche belehrend durch landwirthschaftliche Aus 
stellungen wirkte. Schon 1848 entstand die Pomologische 
Gesellschaft. Das „Department of Agriculture“ wurde erst 
1862 in Washington gegründet, als die Farmer die Oberhand 
der Union gewannen, da die südlichen Grossgrundbesitzer 
•"ebellirten. Ihre Söhne fochten fast allein diesen Kampf aus, 
deren Grossväter allein fast, neben den OHicieren aus dem 
^üden, seit 1776 die Unabhängigkeit erkämpft hatten. In den 
Städten hatte damals England viele Anhänger. 
Seit 1883 ist ein landwirthschaftliches Ministerium in 
Washington errichtet. 
Der Werth der Production von Brodstoffen, Baumwolle, 
^hieren und deren Producten wurde veranschlagt auf 1.644 
Millionen Dollars 1877 und 2000 Millionen Dollars i. J. 1880. 
. Uer neue Minister für Ackerbau hat, wie jeder Beamte 
^ Amerika — was in Europa auffallen wird — nicht sowohl 
^^hte, Befehl und sociale Ehre, nicht den Excellenztitel, und 
er thut, ist nicht eine Gnade, er ist nicht „Hochgebieten- 
Herr Minister“, sondern er schuldet den Ackerbauern 
neuste, muss Jedermann in seinem Bureau empfangen und 
urchaus artig behandeln. 
Der Ackerbauminister hat die Aufgabe, monatlich Be- 
über den Stand der Saat und Ernte in allen Landes- 
^ilen und die Aussichten für das Jahr zu machen. Er steht 
über 4000 Correspondenten in den verschiedensten Theilen 
Union, competenten Männern, in Verbindung, die monat- 
^ Umsonst ihm Berichte aus ihrer Gegend senden. 
Das Kriegsministerium unterstützt auch die Landwirth- 
indem an geeigneten Plätzen des grossen Continents 
29
        <pb n="465" />
        450 
unter seiner Aufsicht das Wetter beobachtet und telegraphisch 
ihm gemeldet wird. Es giebt durch schleunige Publication den 
Farmern und Schiffern werthvolle Nachrichten über kommen 
den Frost, Hitze, Sturm, Regen etc. Dies ist der wohlorgam 
sirte Signaldienst. In der grossen Ackerbauebene zwischen 
dem Aleghany-Gebirge und dem Felsengebirge, den 5 grossen 
Seen und der Wasserscheide zwischen Mississippi und Red 
River of the North und dem Golf von Mexico lässt sich das 
Wetter an jedem Orte ziemlich lange Voraussagen. In dieser 
Ebene sind Holzthürme gebaut, auf denen verschiedenfarbige 
Signale den Farmern das kommende Wetter anzeigen. 
Auch das Finanzministerium sammelt Statistik, welche den 
Farmern nützliche Fingerzeige liefert darüber, was sie zu 
künftig mit Vortheil produciren möchten. 
Alle diese Arbeiten werden jetzt einheitlich vom neuen 
landwirthschaftlichen Ministerium übernommen werden. 
Dazu wird es ein Bureau für landwirthschaftliche Pro 
ducto nebst Museum solcher haben; jenes wird über die in 
verschiedenen Staaten übliche Farmmethode und ihre Vorzüge 
oder Nachtheile berichten, mittheilen, welche Producto ohne 
Preisverminderung zu erzeugen sind, in vermehrtem Maasse an 
gebaut werden können. Ein anderes Bureau wird sich mit en 
Interessen der Viehzucht beschäftigen, Statistik über Werth 
und Zustand des Nutzviehes, Absatz desselben. Producto aus 
seinem Fleisch, aus der Wolle etc., veröffentlichen. 
Ein Land-Bureau soll denjenigen, welche sich ansiede n 
wollen, Aufschluss über öffentliche und Eisenbahnländereien, 
Preis, Eignung zu Ackerbau oder Viehzucht, Waldwirthschah 
oder Bergbau geben. , 
Ein rein statistisches Bureau wird Agriculturstatistik un 
Berichte über Culturmethoden in verschiedenen Ländern, ihr 
Vorzüge und Nachtheile, Umfang des bebauten Landes, Ertrag, 
Preis der Arbeit, Frachttarife nicht nur in Amerika, sondern 
in der Welt, geben, und ist ihm ein amerikanisches Specia' 
bureau zur Sammlung von Material in London unterste 
Auch müssen die amerikanischen Consuln ihm berichten. 
Eine chemische und mikroskopische Versuchsstation,
        <pb n="466" />
        der bisher besonders lehrreiche Versuche mit Herstellung von 
Sorghumzucker gemacht wurden, untersteht dem Ministerium 
ebenfalls, auch besitzt es eine Farm, auf der probeweise Thee 
gebaut wird. Das chemische Department untersucht umsonst 
Gegenstände, die ihm von Farmern gesandt werden. Das 
Ackerbauministerium sendet ferner an alle Farmer, welche 
darum durch Postkarte ersuchen, Samen seltener Art um 
sonst, natürlich in kleinen Quantitäten. Im Fiskaljahre 1881/82 
sandte es so — portofrei — 2.396.476 Packete ab! Davon 
Waren 30.773 Packete verschiedene Arten von Baumwollsamen, 
97-951 Weizen-, 73.274 Hafer-, 92.897 Mais-, 70.700 Turnips-, 
^79-452 Blumen-, 1.651.704 Gemüse-, 26.957 Erbsen-, 14.835 
Stachelbeeren-, darunter 107 Arten von Gemüse-, 15 Arten 
Heizen-, 86 Arten Blumen-, 13 Arten Mais- und 19 Arten 
Sorghumsamen. 
Eine entomologische Station untersucht schädliche Insecten, 
Parasiten, eine veterinärische Vieh-Krankheiten, Schweinecholera, 
Texas-Rindviehfieber etc. 
Es giebt je eine Abtheilung für Forstwesen, Weincultur, 
Seidenzucht. Das Ministerium lässt artesische Brunnen ver 
suchsweise in den trockenen Ebenen westlich vom 100. Me- 
^idian graben, um festzustellen, ob so Wasser für Viehzucht 
oder Ackerbau in genügendem Maasse gewonnen werden 
kann. 
Der Jahresbericht für 1880 enthält 660 Seiten, viele Illu 
strationen, die Berichte des Ministers, des Statistikers, Chemikers, 
Botanikers, Entomologen, Aufsätze über Schweine-, Rindvieh-, 
Geflügelkrankheiten mit colorirten Tafeln, über die Einführung 
^or Centrifuge als Sahnentrenner in Milchfactoreien, über 
^artoffelkultur und die Forstpflege, dann die Correspondenzen 
den 4000 Correspondenten. 
Her Ackerbauminister erhält 3.500 Dollars Gehalt. Die 
^osgaben betrugen 209.595 Dollars, davon Gehälter 66.900 
Hollars, Sammeln von Statistik 9.978 Dollars, Ankauf und 
orsendung von Saamen 75.000 Dollars; Drucksachen-Her- 
^*^^llung 10.116 Dollars, Untersuchen von Viehkrankheiten 
^^rch Specialveterinärs 10.000 Dollars, Baulichkeiten 5.000 Dol- 
29*
        <pb n="467" />
        452 
lars, Ankäufe iür das Museum 6.600 Dollars, die Bibliothek 
1000 Dollars etc. 
Jeder Staat hat sein eigenes kleines Ackerbauministerium, 
das von jenem in Washington ganz unabhängig ist und selbst 
ständig monatlich und jährlich Berichte drucken und versenden 
lässt. 
Der Chef dieses Ackerbau - Ministeriums des Staates 
Illinois erhält 2000 Dollars Gehalt und er hält einen Schreiber 
mit 1000 Dollars Gehalt. Die Ausgaben betrugen 39.127 
Dollars für 1878/79, davon 19.000 Dollars Prämien bei 
Viehausstellungen und über 5000 Dollars Ausgaben bei Ver 
anstaltung von landwirthschaftlichen Ausstellungen, deren je 
eine jährlich in der Staatshauptstadt undin fast j eder County haupt- 
stadt abgehalten wird. Es wurden zwei Staatsfettviehaus 
stellungen und 109 Localausstellungen 1879 abgehalten. Jede 
Ausstellung ist mit einem Markt verbunden .und dient zur Be 
lehrung der Farmer, die hier neue landwirthschaftliche Ma 
schinen, andere Saaten und Viehracen sehen und kaufen. 
Während der Dekade 1869 79 wurden von den landwirth 
schaftlichen Vereinen oder den Staats- und Countybehörden 
im Staate Illinois 1.878.749 Dollars Prämien bei solchen Aus 
stellungen vertheilt. Im Jahre 1879 kamen im Staate zur Aus 
stellung 6.303 Haupt Rindvieh, 13.767 Pferde, 991 Maulthiere 
oder Esel, 4.362 Schafe, 6.043 Schweine, 5.373 Stück Federvieh. 
Das Staatsministerium besitzt eine Bibliothek und ein Mu 
seum. Besonders werthvoll ist seine statistische Thätigkeit, 
welche die Farmer darüber aufklärt, welche Culturen sie noch 
mit Vortheil unternehmen können, welche schon, durch Ueber- 
production, den Preis der Producte drücken. 
Durch Gesetz v. 25. Mai 1877 wird der Secretär des 
State Board of Agriculture in der Hauptstadt des Staates 
Illinois, Springfield, angewiesen, vor i. April jedes Jahres 
Schemata und Formulare für die gewünschte Agriculturstatistik 
per Post an die County Clerks jeder County zu senden. 
Jeder County-Clerk soll solche Formulare in genügender Zahl 
den Assessors und Deputy-Assessors senden. Jeder Bewohner 
des County ist verpflichtet, dem Assessor ein wahrheitsgetreu aus-
        <pb n="468" />
        453 
gefülltes Formular zu bestimmter Zeit über seine Verhältnisse ein 
zuhändigen. Alle diese ausgefüllten Formulare gehen an den 
County-Clerk, der sie revidirt, corrigirt und in Tabellenform 
bringt und dann an den State-Auditor sendet. Dieser schickt 
Sie an das Board of Agriculture, und dieses veranlasst den 
jährlichen Druck eines Reports, ausserdem monatlich eines 
kürzeren Berichtes. Die Monatsberichte haben ca. loo Seiten 
Octav jeder, der Jahresbericht für 1879 hat deren 620. Diese 
Statistik hat auf die Besteuerung keinen Einfluss. 
ln jeder County können 10 Bürger einen County-, oder Dis 
trict-Agricultural-Board organisiren, sich ihre Ehrenbeamten — 
lauter Farmer — selbst wählen und können nun mit dem 
Staats-Board für Landwirthschaft in obigen officiellen Verband 
treten. In der Regel wird für jede Township ein Assessor 
gewählt, d. h. ein Farmer, der seine Nachbarn schon lange 
kennt und geeignet ist, ihre Ausfüllung der Schemata zu con- 
troliren. 
Ich lasse S. 454 wörtlich den Abdruck eines solchen Schema 
f^olgen, wie es im Staate Illinois durch den Township-Assessor 
jedem Grundbesitzer nach dem i. April jedes Jahres ausge- 
kändigt wird. Der Assessor revidirt die Angaben und, glaubt 
^r ihnen nicht, so fahrt er zu den Angebern und überzeugt sich 
^urch Augenschein.
        <pb n="469" />
        454 
188o 
STATEMENT OF AGRICULTURAL STATISTICS, 
Returned by Town of 
County of Illinois, for the year ending December 31, . 
acreage 1881 as called for by An Act to secure the Collection and Publication of Agncu 
and other Statistics approved and in force May 25, 1877. 
See Law for collection of Agricultural Statistics on reverse of this sheet. — 
FARM CROPS, Etc. 
■¿fa. Winter Wheat, 
j \ 3. Spring Wheat. 
4. Oats. 
5. Apple Orchard. 
6. Peach Orchard. 
7. Pear Orchard. 
8. Vineyards. 
0. Acres 
1881. 
NO. Acres 
1880. 
No. Bosliels I 
ProdncedlRBO 
9. Timothy Meadow. 
110. Clover Meadow. 
111. Prairie Meadow. 
[13. Hungarian and Millet. 
13. Rye. 
14. Barley. 
15. Buckwheat. 
16. Castor Beans. 
17. Beans. 
18. Peas. 
19. Irish Potatoes. 
20. Sweet Potatoes. 
at. Tobacco. 
33. Broom Corn. 
23. Hemp (Fiber). 
24. Cotton (Lint). 
25. Flax (Fiber). 
26. Sorgo. 
27. Turnip and other Root 
Crops. 
28. Other Fruits and Berries. 
No. Glls.Wine 
made 1880. 
LIVE STOCK, Etc. 
No. Tons Pro 
duced 1880. 
No. Bus. Pro 
duced 1880. 
No. Pounds 
Produc. 1880 
29. Other Crops not named 
30. Pasture. 
31. Woodland. 
32. Uncultivated Land. 
33. Area City and Town Real 
Bstate(not included above) 
Total number of Acres 
The foregoing is a true 
crops produced by me in i 
1880 and 1881. 
No.Glls.8yrup 
made 18 
Val. of Crops 
Produc.1880. 
SHEEP. 
34. Number Sheep killed by Dogs, 1880. 
Total value Sheep killed byDogs, 1880 
35. Number Pounds Wool Shorn, 1880. 
36. Number Fat Sheep Sold, 1880. 
Total Gross Weight Fat Sheep sold 
1880. 
DAIRY. 
37. Cows, number kept :88o. 
38. Pounds Butter Sold :88o. 
39. Pounds Cheese Sold :88o. 
40. Gallons Cream Sold :88o. 
41. Gallons Milk Sold :88o. 
HORSES. 
42. Number Colts Foaled in 1880. 
43. Number Horses, any age, died in 1880 
CATTLE. 
44. Number Fat» Cattle Sold 1880 
Total Gross Weight Fat Cattle sold 
:88o, 
HOGS. 
45. Number Fat Hogs Sold :88o. 
Total Gross Weight Fat Hogs Sold 
t88o. 
46. Number Hogs 
Cholera :88o. 
Total Gross Weight of Swine died 
of Cholera :88o. 
CROPS, Etc. 
Number of Bushels of Timothy Seed 
Produced :88o. 
Number Bushels of Clover Seed Pro 
duced :88o. 
Number Bushels Hungarian and Millet 
Seed Produced :88o. 
Number Bushels Cotton Seed Pro 
duced 1880. 
Number Bushels Flax Seed Produced 
:88o. 
Number Pounds Grapes Produced 
:88o. 
Number feed Drain Tile laid in :88o 
Number Feet Drain Tile laid previous 
to 1880. 
and Pigs Died of 
vail! 
No. 
Dll 
lbs. 
No. 
lbs. 
No. 
lbs. 
lbs. 
gal. 
gal. 
No. 
No. 
No. 
lbs. 
No. 
lbs. 
No. 
lbs. 
No 
I 
statement, to the best of my knowledge and belief, of '' 
880, and the respective acreage of each for the crops
        <pb n="470" />
        XXIX. Capitel. 
Californien. 
Das „Goldland“ Californien wurde von den Spaniern in 
Mexico um die Mitte des vorigen Jahrhunderts colonisirt, 
und zwar bediente man sich der Hilfe des Franciscaner-Ordens, 
der hier die Colonisation im Jahre iy6p begann. Damals lan 
deten seine Missionäre in zwei kleinen Schiffen in San Diego, 
brachten 200 Haupt Rindvieh, Schafe, Schweine und Pferde 
mit sich und setzten sich mit den Indianern in gutes Einver 
nehmen, die sie nach und nach dem Christenthume zufuhrten 
und zu Hirten und friedlichen Ackerbauern machten. Sie 
brachten den Weinstock, die Orange, Olive und Obstbäume 
aller Art hieher, führten den Weizenbau ein, gründeten eine 
Anzahl von „Missionen,“ deren eine. St Gabriel, wir besucht 
haben. Dort sahen wir die ältesten Olivenbäume, wohl über 
hundert Jahre alt, ein Beweis, dass dieser Baum hier gut 
^ortkommt. Die Oliven selbst fanden wir bitter, nicht so gut 
spanische. Noch heute ist die „Missionsrebe und -Traube“ 
vielleicht jene, die den meisten Wein in Californien liefert 
Auch die Viehzucht pflegten sie und die Mission St Miguel 
besass 1821 gegen 100.000 Haupt Rindvieh, 50.000 Schafe, 
viele Pferde und Maulthiere. 
Ah Mexico sich von Spanien unabhängig gemacht hatte 
plünderten die Abenteurer, welche diese Republik regierend 
aussogen, natürlich den Orden. Derselbe besass das Land, 
auf dem die Indianer Ackerbau und Viehzucht trieben 
^uter Aufsicht und Leitung des Ordens, wie die Indianer von 
l^araguay einst unter jener der Jesuiten — nicht zu eigen. 
Sondern dasselbe wurde als Eigenthum der Indianer ange- 
^^hen. Im Jahre 1840 erklärte die mexicanische Regierung
        <pb n="471" />
        dasselbe fur Staatseigenthum, wies den Indianern Reservationen 
an und theilte das Vieh der Missionsheerden unter sie. Natür 
lich verloren die Indianer nun bald, was sie besaseen, und 
jetzt sind sie fast ausgestorben. Das zu Staatseigenthum er 
klärte Land verschleuderte die mexicanische Regierung um 
sonst oder zu Spottpreisen an Günstlinge. So entstand hier 
Privat - Grossgrundbesitz, die sogenannten mexicanischen 
„Grants“. Diese sind nunmehr meist in die Hände von Ame 
rikanern und Engländern übergegangen und bilden jenen 
Grossgrundbesitz, der als „Monopol“ von der Majorität der 
Bevölkerung angefochten wird. Nachdem die Union Cali 
fornien erworben hatte, ordnete der gegenwärtige Erzbischof 
von San Francisco, dessen Güte ich ausführliche Belehrungen 
über jene Zeit verdanke, die Angelegenheiten der katholischen 
Kirche daselbst und fand anerkennenswerthe Gerechtigkeit. 
Auf Grund eines spanischen Gesetzes gehörten der Kirche 
und dem Orden die von ihnen erbauten Gebäude nebst Hof 
stellen, Wein- und Obstgärten. Diese reclamirte der jetzige 
Erzbischof und sind sie von den Grantinhabern an Kirche 
und Orden ausgeliefert; auch eine Besitzung von 35.000 Acres 
bei St. Barbara, über welche das Bisthum einen besonderen 
altspanischen Rechtstitel besass. 
Die Inhaber der ehemaligen Grants, meist Amerikaner, 
und die Besitzer der Eisenbahnen und Minen beherrschen 
die Gesetzgebung und Verwaltung des Staates Californien, 
haben die Besteuerung so eingerichtet, dass der kleine Farmer 
unverhältnissmässig höher besteuert ist und mehr Eisenbahn 
transportkosten zahlt als sie, importiren Chinesen, um den 
Preis der Arbeit herabzudrücken, was ihnen gelungen ist, da 
der Lohn hier niedriger ist als in den Oststaaten, obschon 
das Leben kaum billiger sein dürfte; besitzen mehr Land, als 
sie rationell ausbeuten können, verkaufen es aber nur zu 
Phantasiepreisen und so haben sie hier eine politisch-sociale 
Opposition von Grangern und Arbeitern geschaffen, welche 
schon einmal eine energische Constitutionsänderung durch 
setzte, die indess an der mangelhaften Ausführung scheiterte. 
Nach der neuen Constitution soll die Steuer vom Werthe und
        <pb n="472" />
        457 
nicht vom Einkommen des Landes gezahlt werden, wodurch 
Besitzer grosser Landstrecken, welche nur als Weide benützt 
Werden, zu höherer Steuer gezwungen werden würden, als sie 
dieselbe jetzt zahlen. Sie würden dann das Land entweder 
rationeller anbauen und ausbeuten oder verkaufen müssen. 
Allein sie falschen jetzt die Steuereinschätzungen und zahlen 
dennoch so wenig Steuer, dass die kleinen Besitzer prägravirt 
Werden. Die Latifundien aber bleiben im alten Zustande. 
Aus diesen Gegensätzen wird sich wahrscheinlich eine 
sociale Revolution entwickeln, die sich auf einen Theil der 
ehemaligen spanischen Staaten der Union ausdehnen und das 
System des privaten Grossgrundbesitzes und des Eisen- 
hahn-Compagniewesens vernichten dürfte, wie der Secessions- 
krieg den Grossgrundbesitz in den sogenannten Südstaaten 
^actisch zerstört hat. Die kleinen Farmer Californiens sind 
thatsächlich zur Hälfte verschuldet, allerdings zum Theile auch 
deshalb, weil sie in Jahren guter Ernte stark depensiren. In 
Schlechten Jahren gerathen sie dann in Verlegenheit und 
i^ihen von Kaufleuten, indem sie ihnen die nächste Ernte ver 
kaufen. Auch das Exemptionsgesetz, nach dem Vermögen 
kis zum Betrage von 5000 Dollars wegen Schulden nicht 
saisirt werden darf, nützt hier zuweilen nichts, im Allgemeinen 
aber wohl, da man, mit Zustimmung der Frau, eine Hypothek 
Einträgen lassen kann, welche dies Gesetz ausschliesst — was 
^ in Texas gesetzwidrig und also unzulässig ist. Wenn 
^ber Noth vorhanden ist, willigt die Frau doch zuweilen ein. 
Californien lebt der grösste Grundbesitzer Amerikas, Dan 
jdurphy in Elko County. Er kam im Jahre 1844 nach Cali- 
ornien und hat allen Grund, mit den von ihm erreichten 
%ultuten zufrieden zu sein. Er besitzt 4.000.000 Acres in 
einzigen Complex in Mexico, 60.000 Acres in Nevada 
23.000 Acres in Californien. Seinen mexicanischen Land- 
^ant kaufte er vor vier Jahren für 200.000 Dollars, also zu 
5 Cents den Acre, das Land hat eine Ausdehnung von 60 
^den Länge, enthält herrliche Berge und Thäler, Tannen- 
^^dungen und Wiesen und ist nur 12 Meilen von der Stadt 
üfango entfernt, welche eine Station der Mexican-Central-
        <pb n="473" />
        458 
Eisenbahn bilden wird. Herr Murphy zieht Weizen auf seinem 
Lande in Californien, und Vieh auf jenem in Nevada. Im 
letzten Jahre erntete er 55.000 Säcke Weizen, und versendet 
jährlich 6000 Stück Vieh. Es giebt noch eine Anzahl Besitzer 
von ähnlichen Flächen in den ehemaligen spanischen Theilen 
der Union. 
Californien kam 1847 an die Union, hatte damals sehr 
wenige Einwohner und führte nur eine locale Existenz, hatte 
so gut wie keinen Exporthandel. 
Da fand ein Schweizer, A. Sutter, der eine Farm und 
eine Mühle in Californien besass, im Jahre 1848 Goldsand im 
Flusse und nun strömten die Goldsucher aus allen Ländern 
hier ein. Seither sind bis zum Schlüsse des Jahres 1878 in 
Californien für 1589 Millionen Dollars Gold und Silber ge 
funden worden. 
Allein was ist dies im Vergleiche mit den seither gewon 
nenen Producten des Ackerbaues! 
Die Goldsucher wollten leben und die Lebensmittel wurden 
ungeheuer theuer¡ so lohnte denn der oberflächlichste Ackerbau 
in unerhörtem Masse. In den Golddistricten kostete lange 
Zeit ein englisches Pfund Mehl, Reis, Speck, Fleisch je einen 
Dollar! Bald wurde Ackerbau und Viehzucht das Haupt 
geschäft der Einwohner. 
Die Zahl der Einwohner vermehrte sich indess nicht 
so schnell, als es die Leichtigkeit der Lebensunterhalt 
gewinnung hätte erwarten lassen sollen. Auf loi Millionen 
Acres oder 157.801 Quadratmeilen, d. h. einem Lande, 
das drei Viertel Mal so gross ist als Deutschland, lebten 
1870 560.000 und 1880 erst 864.686 Einwohner, von 
denen 767.000 Weisse, 75.000 Chinesen. Letztere Zahl hat 
sich seither auf mindestens 100.000 vermehrt. Die mässige 
Bevölkerungszunahme rührt daher, dass es fast keine directe 
Einwanderung aus Europa giebt. Arbeiter finden hier dau 
ernd keinen höheren Lohn als östlich des Felsengebirges, 
wegen der chinesischen Concurrenz, das Billet aber kostet für 
sie von New-York nach San Francisco 65 Dollars, gegen 
13 Dollars bis Chicago und 25 Dollars bis zu jedem Puñete
        <pb n="474" />
        459 
in Texas. Landleute mit kleinerem Capital finden hier keine 
Ankaufsgelegenheit, da die Homesteads auf gutem Acker 
nicht mehr umsonst zu haben waren und guter Boden 15 his 
50 Dollars per Acre kostet, gutes Weizenland, das bisher 
Prairie war, also uncultivirt, 35 Dollars im Durchschnitt — 
132 fl. ö. W. per Hectar, gegen ca. 7 Dollars in Kansas und 
2V2 bis 3 Dollars in Texas, weil ein grosser Theil des besten 
Bodens von Grossgrundbesitzern gehalten wird. In Napa und 
Sanama wird der Bahn gehöriges Prairieland, das sich zum 
Weinbau eignet, für 100 bis 150 Dollars per Acre verkauft! 
^ie Bahngesellschaft escomptirt also den Gewinn des Wein 
bauers schon für sich! Nur Gartencultur ist dem „kleinen Manne“ 
möglich, auch nicht einmal Obstbau, Weinbau und Orangen 
bau, da er den Ertrag der zu pflanzenden Bäume nicht ab- 
warten kann und der Boden ihm beim Ankäufe schon so 
boch angerechnet wird, dass kein Profit für ihn auf lange 
^^it herausschaut. Die jetzigen Besitzer ziehen vor, ihn als 
Weide zu benützen, soweit sie nicht Weizenraubbau darauf 
Treiben. Sie wissen, wo in nächster Zeit Bahnen gebaut werden 
dürften und sichern sich das Land an beiden Seiten, so dass 
bir Land, welches sie für 3 bis 5 Dollars per Acre vor wenigen 
Jahren kauften, jetzt 40 bis 50 Dollars gefordert werden. 
Natürlich kann da nur wenig Land verkauft und von Bauern 
^agesiedelt werden. Man kann Europäer nur vor der Ansied- 
^^ag hier und der Auswanderung hieher warnen. 
Im Jahre 1882 hat sich eine Anzahl Männer in Californien 
^^teinigt,urn die Einwanderung zu befördern und angeblich den 
Landmonopolisten entgegen zu treten. Sie lassen gewisse Be- 
^üztitel solcher Männer prüfen und sollen oft finden, dass 
diese sich im unberechtigten Besitz von Regierungsländereien 
bnden. Diese, der Unionsregierung wiedergewonnenen Lände- 
*‘^ien werden in Homesteadgrösse von 160 Acres an Ansiedler 
Umsonst abgegeben, doch weiss ich nicht, ob sie gutes Land 
^^balten oder die ganze Geschichte nur ein, mit den Land- 
^d Eisenbahnmonopolisten abgekartetes Manöver ist, um 
^•iwanderer, zum Ersatz der Chinesen in s Land zu locken 
^*^d dann als billige Arbeiter zu verwerthen. Im Sommer
        <pb n="475" />
        460 
1882 ging ein Gesetz durch, wonach die Zahl der chinesischen 
Arbeiter in der Union nicht weiter vermehrt werden darf. 
Da die Zufuhr billiger chinesischer Arbeiter somit abgeschnitten 
ist, begreift man, dass die Land- und Eisenbahnagenten von 
Californien billige Arbeiter aus Europa nach Californien zu 
ziehen suchen. Doch will ich nicht behaupten, dass die Ein 
wanderungsgesellschaft in San Francisco mit jenen Mono 
polisten unter einer Decke spiele, jedoch könnte es wohl sein. 
Der Ackerbau findet in Californien ausgezeichneten Boden, 
sandigen Lehm, der stellenweise dunkel von Humus gefärbt 
ist. Das Klima ist milde und gleichmässig, südlich von San 
Francisco giebt es selten Frost und Schnee, ausser auf dem 
Gebirge. Man kann in jedem Monate des Jahres ackern, 
braucht also wenig Zugvieh per Acre. Die Berge sind leider 
ihres Waldschmuckes schon fast überall beraubt. Die „Foot 
hills“, Ausläufer der Gebirge, sind kahl und nur durch Schafzucht 
auszunützen, während die höheren Berge zumeist noch Nadel 
holzwaldungen schmücken. Die zwischen den Foothills und 
dem Hochgebirge terrassenförmig aufsteigenden Höhen um- 
schliessen fruchtbare, von Bächen durchströmte Thäler, worin 
Laubhölzer parkartig auftreten, die Westabhänge, insbesonders 
wenn steil, häufig von undurchdringlichem Chapparal (dor 
nigem Strauchwerk) ineinander verwachsen, dem Schützer der 
Quellen, bedeckt. 
Dort, wo Chapparal von Prospectern abgebrannt wurde, 
versiegen die Quellen, die starken Regen des Winters waschen 
das Bischen fruchtbare Erde, welche die Wurzeln des Chap 
paral Zusammenhalten, herunter und entweder die nackten 
Felsen oder Gerölle, eckig und scharf, machen die Abhänge 
ebenso schwierig zu passiren als früher der Chapparal. 
Im Mittelgebirge wird starke Schweinezucht getrieben; 
die Schweine werden entweder zur Mast auf die so nachlässig 
geschnittenen Gersten- und Weizenfelder oder zur Eichelmast 
in die Eichenwälder getrieben. Da Californien nur ca. 600.000 
Schweine hat, so muss Schmalz, Speck und Pökelfleisch von 
Osten importirt werden. 
In den hydraulischen Minen, in welchen Gold gewaschen
        <pb n="476" />
        461 
''vird, nützt man die spärliche Wasserkraft aus und die Ströme 
Schwemmen nun die] ausgewaschene Erde mit sich und 
Aachen das Wasser untauglich zu Berieselungszwecken. Hier 
Gxistirt ein neuer Streitpunkt zwischen den Grosscapitalisten, 
denen die Bergwerke gehören, und den Farmern, denen sie 
das nöthige Wasser ruiniren. 
Denn Wasser ist es, was Californien vor allen Dingen 
braucht. In manchen Gegenden regnet es sehr wenig, fast 
dberall niemals vom i. Mai bis i. November. In dieser Zeit 
giebt es auch keinen starken Wind, obwohl eine regelmässig 
Gintretende Brise, welche zahlreiche Windmühlen zum Wasser- 
Pumpen treibt, aber selten stark genug ist, Getreide auf dem 
blalm auszuschlagen. In einigen Gegenden, z. B. am Tularela, 
steigt aber Abends regelmässig ein starker Wind auf. Wo 
^ nun von November bis Mai regnet, kommt es doch vor, 
dass in zwei Jahren von fünf, oder sogar in drei Jahren von 
dinf, es nicht genug für eine volle Ernte regnet, zumal bei der 
Schlechten Ackerung, von der noch gesprochen werden wird. 
man aber das Land reichlich und wenn es nöthig ist, be- 
^%sern kann, gab es niemals bisher eine Fehlernte, obschon 
noch nirgends gedüngt hat. Der Durchschnittsertrag soll 
^5 Bushels Weizen per Acre bewässerten Bodens sein, auf 
^abewässertem dürfte er kaum ein Drittel davon jahrein jahr- 
betragen. Wird die Bewässerung im Grossen gemacht 
^l^d ist das Wasser nicht zu weit herzuleiten, so soll sie sich 
^^Ght theuer stellen. 
hatte von 1849 bis 1880 von 37 bis 90 
und von 7.40 bis 49.27 Zoll Regenfall. 
ngärten und Orangegärten meist bewässert 
Infunden. Erst neuerlich baut man Wein ohne Irrigation. In 
^^norna und Napa werden die Weingärten nicht bewässert. 
Franciscaner haben schon sehr rationell bewässert. In 
Mission San Gabriel sahen wir, dass sie ein Thal, durch 
der San Ferdinando River fliesst, am Ausflusse desselben 
^cch eine Mauer abgeschlossen hatten, wodurch sich ober- 
^ Gin See bildete. Aus diesem Reservoire leiteten sie in 
San Francisco 
im Jahre 
haben die
        <pb n="477" />
        462 
der trockenen Zeit, in welcher der kleine Fluss — wie manche 
andere in Californien — versiegte, Wasser auf ihre Aecker. 
Auf der Prairie und den nicht sehr hohen Bergen, welche 
das San Joaquim-Thal einschliessen, durch welches wir von 
Los Angeles nach San Francisco fuhren, wächst in der Regen 
zeit reichlich Gras. Es regnet aber südlich von San Fran 
cisco weniger, dagegen nördlich davon mehr und in Oregon 
ausreichend. Im Sommer trocknet das Gras, wird auf dem 
Halme zu Heu und dient dem Vieh zur Nahrung. Doch 
reicht es für die Heerden nicht und werden diese in die 
Berge getrieben. Mittelst Futterbau könnte man, da Alfalfa 
oder Luzerne bei Bewässerung üppig wächst, in dieser Zeit 
eine Art Stall- oder Hürdenfütterung einführen und dabei 
Dung gewinnen, denn aut die Dauer wird es mit dem Raub 
baue, den wir zuerst im Grossen hier gesehen haben, nicht 
gehen. 
Californien hat schönes Rindvieh von spanischem Blute, doch 
meist nahe dem englischen Shorthorn-Vollblute gebracht, etwas 
kleiner als das der Oststaaten. Für Molkereizwecke und im 
Gebirge hält man auch Jerseys. Im Jahre 1880 gab es dort 
2.288 Zugochsen, 210.078 Milchkühe und 451.941 andere 
Rinder. Die Schafe, 4.152.000 an Zahl, sind meist Merinos. 
Vieh wird nicht exportirt und kann auch nicht vermehrt 
werden, so lange man nicht Futterbau treibt; es genügt nicht 
voll für den Consum im Staate, sondern muss aus Oregon 
und Nevada ergänzt werden. Mast mit Mais ist nur Ausnahme- 
Man hält zu viel Pferde, 237.710 Stück, und Maulthiere, 
28.343 Stück, die zu viel Futter kosten. Es ist sehr charak 
teristisch für die amerikanische Wirthschaft überhaupt und fh^ 
die californische ganz speciell, dass auf jeder Wirthschaft weit 
mehr Pferde und Maulthiere als Menschen beschäftigt werden, 
Ochsen aber fast gar nicht. Mir ist es unerklärlich, weshalb 
man den Dampfpflug nicht anwendet, der auf den grossen 
ebenen, meist steinfreien Flächen der Grossgrundbesitzer vor- 
theilhaft angewendet werden könnte. Zwar hat Californien 
keine Steinkohle und kostet solche aus England jetzt in San- 
Francisco 8 Dollars 50 Cents per Tonne. Allein wir haben
        <pb n="478" />
        463 
cine Dampf locomobile von 18 Pferdekraft gesehen, welche 
mit Weizenstroh geheizt wurde, und damit könnte man ja 
auch die Dampfpflüge heizen. Sie wurde zum Treiben der 
Dreschmaschine benützt. Der bekannte Dampfpflugfabrikant 
Fowler in England hat i. J. 1882 Dampfpflüge, deren Loco- 
mobilen mit Stroh geheizt werden, nach Manitoba exportirt. 
Gewähren sie sich, wie ich erwarte, dort, so werden sie sich 
auch in der Union einbürgern. 
Das Pferdefutter wird doppelt theuer, weil man ^Veizen, 
Gerste und Hafer grün abmäht und zu Heu macht. Mit diesem 
Heu und mit Gerste und Hafer füttert man die Pferde. Wo 
man künstliche Bewässerung hat, mit Alfalfa. 
Von Los Angeles fuhren wir in das San Fernando- 
Thal, in dem die Mission San Gabriel liegt. Das ehemalige 
Klostergut ist, nachdem es ein Mexikaner besessen, von 
einer amerikanischen Actiengesellschaft gekauft worden, und 
zwar im Jahre 1868 60.000 Acres, wovon 30.000 pflügbar, 
zu ca. 3 Dollars per Acre. Jetzt sollen die letzteren 30.000 
ea. 30 Dollars per Acre werth sein. 
Wir fanden die Besitzung in fünf „Hauptquartiere“ von 
3- bis 6000 Acres getheilt, deren jedes von einem Aufseher 
Und einem Unterbeamten dirigirt wurde. Das von uns be 
suchte Quartier umfasste 6000 Acres, wovon circa 300 Gerste 
^ud 200 Heuweizen, d. h. solchen Weizen trugen, der grün 
die Pferde geschnitten wird. Der Rest von 5500 Acres 
wird alljährlich mit Weizen bestellt. 
Was wir hier sahen, ist ein gutes Muster der meisten 
^iifornischen Grossgrundwirthschaflen, von deren System man 
j^tzt aber abzugehen beginnt. Ich bezeichnete es kurz mit 
^em andruckbaren Namen „S . . wirthschaft“. 
Aber es lohnt sich, zu schildern, wie man hier Landwirth- 
schait — aber nicht Oekonomie — treibt! 
Der ^^eizen wird Ende Mai und im Juni reif. Da es 
^icht windig ist und bis zum November auch nicht regnet, hat 
41^2 Monate Zeit zur Ernte. Wie diese gemacht wird, 
darüber später. Sagen wir, sie sei im October beendet. Man 
^ut (las Getreide mit dem Header gemäht, d. h. die Aehren
        <pb n="479" />
        464 
und etwa 4 bis 8 Zoll Halm mit abgeschnitten. Natürlich 
bleibt manche Aehre kleinerer Halme ungeschnitten, allein das 
macht bei dieser — wie ich meine, liederlichen — Wirthschaft, 
die nur rasch und mit wenig Unkosten die' Hauptsache ernten 
will, nichts aus. Nach dem Schnitte werden Schafe in die 
Stoppeln getrieben und fressen die Aehren ab, denn Gras 
und Unkraut giebt es in Californien nicht, und dies 
unterscheidet den californischen Boden von jenem in der Prairie 
östlich des Felsengebirges. In Kansas sahen wir auf ebenso 
liederlich bewirthschafteten Farmen von Amerikanern unge 
heuer viel Unkraut, von dem das Getreide erstickt wurde. 
Wo aber in Californien bewässert wird und an den Flussufern, 
wächst stämmiges Gras und wilde Sonnenblume, gerade wie 
in Utah, wo man ganz allgemein bewässert. 
Die Schafe treten beim Abweiden die Halme stehen 
gebliebener Aehren herunter. War die Eriite gut, so gelingt 
ihnen dies nur unvollkommen und man steckt die Stoppeln in 
Brand. Dann säet man den Weizen auf den ungepflügten 
Stoppelboden. 
Die Säemaschine besteht aus einem viereckigen, sich nach 
unten verjüngenden Kasten von ca. zwei Fuss Höhe, dessen 
vier Seiten oben ca. zwei, unten ca. einen Fuss lang sind. 
Im Boden sind verschiebbare eiserne Bleche angebracht, 
welche eine kleinere oder grössere Oeffnung zum Durchfallen 
des Samens lassen, je nachdem man schütterer oder dichter 
säen will. Unter dem Kasten dreht sich eine eiserne Centri 
fuge, die, in Bewegung gesetzt, das Saatkorn nach allen 
Seiten ziemlich gleichmässig ausschleudert, so zwar, dass bei 
jedem Uebergange dieser Maschine ein 60 Fuss breiter Acker 
streifen besäet wird. Diese primitive Säemaschine wird auf 
der Hinterachse eines gewöhnlichen Wagens festgeschraubt. 
Ein eiserner Reifen wird an den Speichen des einen Hinter 
rades des Wagens befestigt. Er hat einen kleineren Radius 
als das Wagenrad. Auf seiner Peripherie ist er gezahnt. Der 
eiserne Samenschleuderer unter dem Säemaschinenkasten hat 
seitlich ein kleineres Zahnrad, das gerade über dem erwähnten 
grösseren Zahnrade (an dem Wagenrade) steht. Eine Glieder-
        <pb n="480" />
        465 
kette läuft über beide Zahnräder. Wenn sich der Wagen in 
Bewegung setzt, so wird das grosse Zahnrad ebenso oft ge- 
^reht wie jedes Wagenrad und das kleinere an dem Samen- 
schleuderer natürlich rascher. Das Verhältniss beider Zahn- 
*‘adien ist ein solches, dass beim Schrittfahren gerade die 
^öthige Geschwindigkeit der Umdrehungen des Samenschleu- 
|ierers erreicht wird. Der Wagen hat natürlich keine Brett- 
^itern, die den Samen aufhalten würden, auch ist die Schleuder- 
Maschine nur im hinteren Halbkreise offen, säet also nur hinter 
dem Wagen. Vorne auf dem Wagenbrette stehen die Säcke 
”^‘t dem Saatgut und steht der Mann, der die Pferde treibt 
Und die Säcke in die Säemaschine ausleert. Eine solche von 
fei bis vier Pferden gezogene Maschine besäet ca. 100 Acres 
^uglich, übrigens nicht einmal so unregelmässig, wie man 
S auben sollte, denn das Getreide stand leidlich gleichmässig. 
an säet schütter 50 Ibs. per Acre. Regnet es, so bestanden 
‘u die Pflanzen, regnet es wenig, so wird doch wenig dar- 
Uüs! Diese Landwirthschaft ist ja Lotterie! Im November 
^^ginnt der Regen. Da der Boden reichlich — nicht Kiesel- 
&gt; sondern zermürbtes Gebirgsgestein in kleinkörniger Form 
^ dem Lehm beigemengt enthält, so kann man ihn bequem 
^gen, wenn er feucht ist. Er wird nicht „klumpig.“ 
die verhältnissmässig soliden Wirthschaften wird nun 
untergepflügt. Dies geschieht mittelst des Gang- 
j^^^ges, der fünf, meistens aber acht Schare hat, von acht 
^jrden gezogen wird, wenn er acht Furchen pflügt, und auf 
3 Z Treiber sitzt. Er lässt den Acker 4'/2 Fuss und 
^gj^h gepflügt hinter sich und schafft bis acht Acres 
that 
^uf weniger soliden Wirthschaften wird ihm diese Wohl- 
bg ^^f alle zwei Jahre zu Theil. In dem dazwischen 
Jahre wird die Saat durch den Acme-Cultivator 
^^hracht. Man denke sich eine Deichsel an zwei Balken 
Fuss Länge, die senkrecht an ihr in halbfüssigem 
^uf Befestigt sind, angebracht und die ein Gestell tragen, 
vier ^^f Treiber sitzt. Am vorderen Balken sind in ca. 
fünf Zoll Entfernung Messer, die unter einem Winkel 
30
        <pb n="481" />
        466 
von 41 Grad nach vorn und nach unten gerichtet und etwa 
einen halben Fuss lang sind, aus schmalem, starkem un 
scharfem Stahl befestigt. Sie zerschneiden den Boden. Am 
hinteren Balken sitzen hinter jedem solchen Cultivator zw 
ebensolche Messer, die eine gemeinsame Schüfe nach vorn 
haben aber dann seitlich ausgeschweift sind. Sie folgen de 
Schnitte des Cultivators, heben die Erde und stülpen sie um. 
So können sie den Boden a'/, bis 5 Zoll tief umwühlen. Zu- 
weUen hat man noch einen dritten Balken, der Messer wie der 
zweite trägt, die aber zwischen je zweien ihrer Vorgänge 
laufen. Natürlich liefern diese dreibalkigen Cultivatoren b^ere 
Arbeit als die zweibalkigen. Sie erfordern bis vier Pferd 
und schaffen zehn bis zwölf Acres per Tag. Wir fanden dj^ 
Cultivatoren aUgemein in Orangegärten, die man jahrhch fu 
Mal mit ihnen bearbeitet und wo sie keine Grasnarbe au- 
kommen lassen. Hiezu sind sie vorzüglich, durften auch 1 
Europa in Obstgärten und zum Unterbringen der Saat, sowi 
zur Zerstörung des Unkrautes auf gepflügtem Boden in nich 
zu schwerem Lehm- und in Sandboden sich trefflich eignen. 
Für lehmigen Boden hat man sie mit stärkeren Messern, 
fanden Alle, dass es eine sehr nützliche Maschine sei aber 
natürlich nicht genüge, um durch einmaligen Gebrauch e 
Boden geeignet für Weizenernten zu machen. 
Nachdem der Weizen auf die eine oder andere der oben 
geschilderten Arten unter die Erde gebracht ist, uberlasst ma 
ihn dem lieben Gott, d. h. man hofft auf Regen. Man eg^ 
nicht, man walzt nicht. Regnet es viel, so erhält man 20 
10 Bushels per Acre; regnet es wenig, weniger; 4, 5, 
shels. Aber so hat man bis 20 Jahre Weizen auf Weizen g 
baut Hier früher, dort später erschöpft sich aber der Bo e . 
und nun wendet man den „Sommer-Fallow“, d. h. Brache, a • 
Anfangs bringt der jungfräuliche Boden 40 Bushels per Acr ■ 
nach etwa zwanzig Jahren Raubbau langt man bei .2 Bushe 
im Durchschnitte an! Geschieht dies, so geht man in La 
fornien zur Brache über, in welcher der Boden sich zers 
und kräftigt. v 
Auf der von uns besichtigten Farm, die seit 1869
        <pb n="482" />
        467 
30* 
^870 mit Weizen angebaut wird, zeigte sich noch keine grosse 
Erschöpfung, man baute also noch Weizen auf Weizen, ohne 
Brache, ohne Dung, ohne künstliche Bewässerung und bei 
drei Zoll tiefer Bestellung. Im vorigen Jahre hatte man in 
ganz Californien genug Regen gehabt und hier 25 Bushels 
per Acre geerntet, nach einer anderen Angabe aber nur 
9 Sack, gleich 20' ^ Bushels. In diesem Jahre hatte es wenig 
geregnet, ausserdem hatte man den Saatweizen auf dieser 
Besitzung wenig gebeizt und jetzt war das Getreide etwas 
brandig. Es stand schütter und wird stellenweise nur 4 bis 
b Bushels, im Durchschnitte ii bis 12 Bushels per Acre für 
die ganze Besitzung geben. Wir kamen noch zurecht zur 
Ernte und so liederlich die Ackerbestellung ist, so practisch 
^^nden wir das Arrangement der Ernte, soweit das Ineinander- 
Steifen der verwendeten Arbeitskraft in Frage kommt und 
^enn man von dem Verluste absieht, der sich ergiebt, indem 
der Header Aehren auf kurzen Halmen nicht abschneidet. 
Eine grosse Tafel, gerade und flach wie ein Tisch, von 
^wei englischen Meilen Quadratseitenlänge, war von dem 
5500 Acres grossen Weizenfelde abgeschnitten. Seitlich da- 
stand die Dampfdreschmaschine. Vier Header von un- 
K Sicher Grösse, einige mit einer Schneideweite von 16 Fuss, 
^dere von 12 Fuss, folgten in einem Abstande von ca. einer 
aufeinander und trieben rund um das zu schneidende 
^yadrat herum. Die Mähemaschine ruht auf zwei breiten 
*senrädern. Die Schneide oder das Messer ist vorn ange- 
^cht, die Pferde wirken hinten, und hinter den Pferden steht 
sehr massiven Deichsel der Treiber. Hinter ihm ruht 
Deichsel auf einem Rade von Stahl mit scharf in den 
? schneidendem Radkranze. Dieses Rad steuert die Ma- 
und hält der Treiber die Steuerspeiche in der Hand. 
Maschine ist genial construirt, geht verhältnissmässig leicht 
tre* willig dem Steuer. Ein Header, welcher das Ge- 
^ ‘ c in 12 Fuss Breite schneidet, erfordert 6, ein solcher 
16 Fuss Breite 8 Pferde. Die Schneide — oder das 
^ ^er kann so gestellt werden, dass sie das Getreide 
^ bis 3 Fuss hoch vom Boden abschneidet, doch liebt
        <pb n="483" />
        man nicht, mehr als 6 bis 8 Zoll Stroh mit der Aehre abzu- 
schneiden, weil man umsomehr abdreschen kann, je kürzer 
das mit der Aehre abgeschnittene Stroh ist. Um eine Achse 
getriebene Latten drücken das stehende Getreide an die 
Messer, wie bei den alten Mac Cormic’schen Mähemaschinen. 
Die geschnittenen Aehren fallen auf eine Tafel, hinter der ein 
Drahtgeflecht senkrecht so angebracht ist, dass nichts hinunter- 
fallen kann. Ueber die Tafel und ihre seitliche Verlängerung, 
die links von ihr unter 45 Grad aufsteigt, dem Aehrenelevator, 
läuft ein Leintuch ohne Ende, auf dem kleine Latten in hal ' 
füssigem Abstande angebracht sind. Die Aehren und as 
ausgefallene Korn werden auf diesem Elevator in die Hohe 
gehoben. Neben der sich fortbewegenden Mähemaschine fahrt 
ein Wagen, auf dem ein grosser Bretterkasten ruht und m 
den der Aehrenelevator die abgeschnittenen Aehren hinein 
schüttet. . 
Ist dieser Wagen gefüllt, so fahrt er zur Dreschmaschine 
und wird durch einen leeren Wagen am Header abgelöst. 
Der volle Wagen fahrt seitlich neben die Dreschmaschine, 
welche eine breite Plattform trägt und natürlich auf Rädern 
ruht Auf der Plattform steht ein Krahn, an dem eine mehr 
zackige Zange hängt, welche auf den Wagen gesenkt wird, 
hier einen grossen Bündel Aehren ergreift, über die Plattform 
hebt und hier ausschüttet. Zwei Pferde und zwei Knaben ge 
nügen zum Entladen. Die Dreschmaschine erhält ihre Kraft 
von einer Locomobile, die mit Weizenstroh geheizt wird. Zwei 
Maulesel und ein Knabe schleppen auf sinnreich-einfache Weise 
das hinter der Dreschmaschine aufgehäufte Stroh seitlich oi^- 
Zwei Männer sacken das gedroschene Getreide und nahen 
im Mittel 135 Ibs. haltenden Säcke zu. Da die Mase in^ 
eigentlich nur Aehren zu dreschen hat, liefert sie viel Getreide, 
900 bis 1200 Sack per Tag. 
Die Arbeitseintheilung war meisterhaft. Alles griff m 
ander. Es war kein Mann, kein Pferd zu viel. Daher niag 
es gestattet sein, dass ich die Details angebe: Vier Hea e 
von 12 bis 16 Fuss Breite 2X6 und 2X8 =28 Ff^^r , 
vier Treiber der Header à 2^/2 Dollars täglich (und wie
        <pb n="484" />
        469 
Roard d. h. Wohnung und volle Kost) und 4 Packer fur die 
am Header wirkenden Aehrenwagen à i '/a Dollars, 9 Aehren- 
wagen à 4 Pferde und i Mann, der Treiber, macht 9 Mann 
à I Dollar; i Wasser wagen für die Locomobile mit 4 Pferden 
und 1 Treiber à i \\ Dollar; an der Locomobile i Ingenieur 
3 Dollars, i Heizer Dollars, an der Dreschmaschine i 
Maschinist 3 Dollars, dazu 8 Mann, inclusive der beiden Sacker, 
Welche das Getreide in die Sacke füllen, dieselben zunähen 
Und auf die Kornwagen laden, à i’/a Dollars, 3 Knaben für 
^Gn Aehrenheber und zum Strohwegschleifen à i Dollar, dazu 
2 Pferde und 2 Maulthiere, ferner 2 Wagen à 6 Pferde zum 
Fuhren der Getreidesäcke nach dem Wirthschaftshofe, mit 2 
Treibern à i ' '2 Dollars. — Mittelst dieses ganzen Apparates 
niäht man ca. 125 Acres täglich, drischt und führt das Getreide 
auf den Wirthschaftshof, wo man die Säcke einfach aufeinander 
geschichtet liegen lässt, bis sie zur Bahn abgeführt werden, 
^enn bis November regnet es ja nicht. Hier wirken also 
^4 Pferde, i Locomobile und nur 34 Arbeiter, von denen 3 
Knaben, zusammen. Man kann mit dieser Combination von 
■Arbeitskräften 125 Acres im guten Durchschnitte — oft mehr. 
Wenn das Geschäft keine Störung erleidet — täglich abernten 
^ud 2500 Bushels täglich dreschen und das gesackte Getreide 
^uni Wirthschaftshofe führen. Nachdem die Schafe die Stoppeln 
Und das gedroschene Stroh durchgesucht haben wird letzteres 
*u Brand gesteckt. 
Baron Gudenus hat folgende höchst interessante Rechnung 
Uber die relativen Arbeitsunkosten in Amerika und jenem 
Theile Mährens aufgestellt, in dem er angesessen ist. 
Fin Pferd in jenem Theile Californiens, wovon ich oben 
^Grichtete, kostet 125 Dollars, davon Abnutzung 20 Dollars, 
ins g Dollars, das Futter (5 Acres in Weizen, Gerste und 
^fer) 90 Dollars, Geschirr 3 Dollars, Hufbeschlag 10 Dollars, 
'umma 132 Dollars per Jahr. Da man von März bis Juni 
Pferde wenig braucht, kann man nur 225 Arbeitstage 
^chnen. Rin Pferde-Arbeitstag kostet also 60 Cents = 1.44 fl. 
In Mähren kostet er 1.50 fl., also etwa ebensoviel 
^ ^ iu Amerika. Ein Mann kostet im Durchschnitt in Califor-
        <pb n="485" />
        470 
nien — in jener Gegend um San Gabriel — 1^/2 Dollars Lohn 
und 50 Cents Board = 2 Dollars =- 4.80 fl., in Mähren 30 kr. 
Ein Pferd kostet in Mähren per Arbeitstag soviel wie 5 Mann; 
in Amerika kann ich fur einen Arbeiter 3^/2 Pferde halten, 
und bei besserer Ausnützung der Pferdekraft als es auf obiger 
Wirthschaft möglich ist, in der die Pferde ein Vierteljahr 
nichts zu thun haben, also bei normalen 300 Arbeitstagen, 
stellt sich die Auslage für ein Pferd per Arbeitstag in Cali 
fornien nur auf 44 Cents, d. i. 1.06 fl., oder auf ein nicht 
volles Viertel dessen, was eine menschliche Arbeitskraft im 
Durchschnitte kostet. Daher wirthschaftet man in Amerika 
mit 2 bis 3 Mal soviel Pferden als Menschen, in Mähren mit 
4 Mal soviel Menschen als Pferden. 
Die 34 Mann, welche 125 Acres per Tag mähen und die 
Ernte davon dreschen, kosten genau 50 Dollars = 1.46 Dollars 
per Mann und Tag Lohn, dazu 50 Cents Board, rund 68 Dollars 
= 163.20 fl. Die 84 Pferde kosten 50.40 Dollars = 120.96 fl- 
In Mähren würden die 34 Menschen 11.20 fl. und die 84 Pferde 
118 fl. kosten. Allein sie können mit der heute dort zur Ver 
wendung kommenden Maschinerie natürlich keine 125 Acres 
oder 83 Joch mähen und das Getreide davon dreschen. 
Diese Arbeit stellt sich in Californien auf 163.20 -f 
120.96 = 284.16 fl. — 3.42 fl. per Joch. 
Hierzu kommt noch die Verzinsung und Abnützung des 
sehr theuren Maschinenapparates in Californien, die Baron 
Gudenus nach sorgsamer Calculation auf 12 Dollars = 28.80 fl- 
per Arbeits- oder Erntetag, d. h. auf 35 kr. per Joch veran 
schlagt; so stellen sich denn die Kosten für Ernte und Drusch 
auf 3.77 fl. per Joch in Südcalifornien. 
Für Mähren berechnet Baron Gudenus per Joch Mähen, 
Harken, Binden, Aufsetzen und Einfahren des Getreides nu 
2.95 fl., dazu Drusch mittelst der Dampfdreschmaschine 
16 Metzen Ertrag per Joch 2.21 fl., Summa 5.16fl. Hierbei kommen 
wir also auf das auffallende Resultat, dass diese Arbeit 
Ernte und Drusch — in Amerika sieben Zehntel dessen kostet, 
was man dafür in Mähren zahlt, natürlich für dieselbe Acker-
        <pb n="486" />
        47* 
fläche. Nimmt man aber den Körnerertrag ins Auge, so 
stellt sich die Rechnung anders. 
In Amerika erntet man i6V¿ Bushels = 577 Liter Weizen 
per Acre, die 3.77 fl. Erntelohn kosten, das macht 65 kr. 
per Hektoliter, ln Mähren erntet man 16 Metzen 976 Liter 
per Joch oder 651 Liter per Acre, die an Erntelohn 5.16 fl 
kosten, das macht 79 kr. per Hektoliter; in dieser Beziehung 
kostet dasselbe Kornquantum bei Ernte und Drusch in Amerika 
also acht Zehntel von dem, was es in Mähren ko stet. 
Nimmt man ferner an, dass in Mähren Weizen nach Klee 
zwei Pflugfurchen, zwei Eggestriche, eine Saat und ein Drittel 
Düngung kosten, so muss diese Arbeit — ohne den Werth 
oder Preis des Düngers zu berechnen — auf 10 fl. per Joch 
berechnet werden. Dazu obige 5 16 fl. für Ernte und Drusch, 
macht 15.16 fl. = 6.32 Dollars per Joch. In obiger califor- 
nischer Wirthschaft stellen sich die Gesammtunkosten per 
Acre, wie ich weiterhin nachweise, auf 5Vi Dollars = i3'20 fl., 
in einer späterhin zu schildernden, besseren des Dr. Glenn auf 
6 Dollars, d. i. 14-40 fl. per Acre, das macht 8 25 Dollars == 
*9 80 fl., respective 9 Dollars = 21-60 fl. per Joch. Hierin 
ist aber die Auslage für Administration inbegriffen, in jenem 
österreichischen Anschläge nicht. Dieselbe stellt sich in Mähren 
auf 1.70 fl. per Joch. Die Administrationskosten inbegriffen 
stellen sich die Kosten einer Weizenbestellung, der Ernte und 
des Drusches in Mähren auf 16-86 fl. per Joch, gegen 19-80 fl., 
respective 21-60 fl. in Süd-, respective Nordcalifornien. Wie 
*eh weiterhin nachweisen werde, ist der Durchschnittsertrag 
per Acre auf der Glenn’schen Farm in Nordcalifornien 20 
Bushels, das macht 1050 Liter per Joch; er ist in Mahren 16 
Metzen per Joch oder 976 Liter, und in Südcalifornien i6'/2 
Bushels per Acre, oder 865 Liter per Joch. Die Wirthschafts- 
unkosten für diese Quantitäten stellten sich auf 21-60 fl., re 
spective 16-86 fl. und 19-80 fl. Der Hectoliter verursacht 
^so reine Wirthschaftsunkosten, ohne Grundrente und 
natürlich auch ohne Steuer, in Nordcalifornien 2-06 fl., in 
Mähren 1.72 fl., in Südcalifornien 2 30 fl. Allein in Ca- 
hfornien baut man Weizen auf Weizen, und das kann man in
        <pb n="487" />
        Mähren nicht, in Nordcalifornien, wie ich nachweisen werde, 
auch nicht. Ferner kostet der Dung Geld in Mähren. Man 
müsste eine Rechnung für zehn Jahre in Mähren — den vollen 
Umtrieb einer Zehn - Felder --Wirthschaft — und für dieselbe 
Periode hier machen, wozu uns leider die Daten fehlten. 
Trotz der reichlichen Anwendung von Maschinen stellen sich 
aber, wird man sagen müssen, die Productionskosten in Cali 
fornien ein wenig höher als in Mähren. Nun kommt aber der 
Unterschied in der Besteuerung und die Verschiedenheit im 
Ankaufspreise des Bodens! 
Die Arbeit beginnt in Südcalifornien früh; um halb 
6 Uhr gibts Frühstück, die Treiber füttern schon seit halb 
5 Uhr ihre Pferde, die Arbeit auf dem Felde dauert bis 
Sonnenuntergang. Das Mittagessen führt man in einem grossen 
Zeltwagen aufs Feld, der eine eiserne Kochmaschine enthält, 
auf der die Speisen warm gehalten werden. Ueber die Kosten, 
eine solche Wirthschaft von 6000 Acres einzurichten. Folgendes: 
Die Baulichkeiten sind äusserst einfach, aus Holz, be 
scheidenes Wohnhaus des unverheiratheten Aufsehers, die 
Schlafstellen der Arbeiter, Schuppen für Maschinen und Pferde 
und eine Schmiede, ca. 5- bis 6000 Dollars im Werthe; 
1 Dampfdreschmaschine 3000 Dollars, 5 Headers zu 16 Fuss 
Schnittbreite à 400 Dollars = 2000 Dollars, 2 bis 3 Eggen 
à 40 Dollars, rund 100 Dollars, 2 Walzen 200 Dollars, 
12 Ganzflüge mit 5 bis 8 Schaaren à 100 Dollars = 1200 Dol 
lars, 2 Säemaschinen, à 30 Dollars = 60 Dollars, 15 Wagen 
à 100 Dollars, Schmiedewerkzeug 200 Dollars, Forken und 
andere kleine Utensilien 1000 Dollars, 100 Pferde oder Maul- 
thiere à 125 Dollars = 12.500 Dollars, Pferdegeschirr 1200 Dol 
lars; Summe 28- bis 29.000 Dollars, nebst unvorhergesehenen 
Auslagen für Inventarstücke, rund 30.000 Dollars. Der Auf 
seher erhält 1200, der Unteraufseher 600 Dollars und freie 
Station. Bei einer Abrechnung mit Partnern fur das gute 
Erntejahr 1879/80 ergaben sich alle Wirthschaftsausgaben, 
ohne Zinsen für jene 30.000 Dollars und für den Ankaufs 
preis des Landes, auf 5V2 Dollars per Acre Weizenland, also 
für 5500 Acres 30.000 Dollars im Jahre. Dazu kommen
        <pb n="488" />
        473 
7 Percent Zins und 15 Percent Abnützung fur 30.000 Dollars 
Betriebscapital = 6600 Dollars, die Jahresausgaben wachsen 
also auf 36.600 Dollars. Das Ankaufscapital betrug 90.000 Dol 
lars, wovon man i Dollar als Preis je eines der 40.000 Acres 
ansprechen kann, welche als Weide benützt werden. Das 
^eizenland kommt also auf 50.000 Dollars, höchstens also, 
aach Abzug der fur Heuweizen und Gerste benützten Fläche, 
auf 3 Dollars per Acre zu stehen, macht für 5500 Acres 
^6.500 Dollars. Hiervon ypercentige Zinsen sind 1155 Dol- 
^^rs. Somit steigern sich die Wirthschaftsunkosten durch diese 
Grundrente auf 37.855 Dollars. Der Bushel Weizen kostete 
^af der Farm 75 Cents, also waren 50.000 Bushels nöthig. 
Um diese Unkosten zu decken, das macht auf 5500 Acres 
’’Und 9 Bushels per Acre. Was Ueberschuss ist, ist reiner 
Profit. Man erntete dieses Jahr circa «5 Sack à 13s Ibs. 
^ II'/4 Bushels. 
Man 
Im vorigen Jahre erntete man 9 Sack == 20’^4 Bushels. 
Wird auf drei gute zwei schlechte Ernten rechnen können 
^nd so auf einen Durchschnitt von rund 17 Bushels auf dieser 
irthschaft kommen, obschon uns die Beamten von 20 sprachen. 
^ ganz Californien soll der durchschnittliche Ernte-Ertrag nur 
3 bis 14 Bushels sein. Wenn 17 Bushels auf jedem der 5500 
eres geerntet werden, so giebt das eine Jahresernte von 
^3-500 Bushels, deren Erzeugung 37.855 Dollars kostet Die 
rzeugungskosten eines Bushels Weizen auf der von uns be- 
lehtigten Grossfarm im San Ferdinando-Thale dürfen also im 
gossen Durchschnitte auf 40 Cents angeschlagen werden. 
^i sind die Zinsen des Betriebskapitales und eine sieben- 
P^rcentige Grundrente miteinbegriffen, was beides in dem 
nschláge für Mähren nicht der Fall ist; 40 Cents per Bushel 
2*68 fl. per Hektoliter oder 3.55 fl. per Metercentner. 
Es 
Hoch 
Wird also selbst bei dieser liederlichen Wirthschaft 
^ ein grosser Profit gemacht und ich glaube, dass er auf 
.^^^^ren Wirthschaften auch grösser ist. Natürlich kann der 
^^izenpreis noch sehr fallen, ohne dass Weizenbau aufzuhören 
Zu Wenn man 75 Cents für Weizen bekommt, der 40 Cents 
Pi'oduciren kostet. Nehmen wir an, die 6000 Acres Weizen-
        <pb n="489" />
        474 
land wurden heute zu 30 Dollars per Acre gekauft, so kos 
teten sie 180.000 Dollars, macht zu 7 Percent 12.600 Dollars 
Zinsen. Dazu 36.000 Dollars Jahresunkosten, macht 48.600 
Dollars oder für 90.000 Bushels Weizen 54 Cents — 3.70 
per Hektoliter oder 4.81 fl. per Mtc. 
Die meisten Landwirthe, welche schon zwölf oder mehr 
Jahre in der Weise Weizen auf Weizen gebaut haben, wie 
es auf der von uns besehenen Wirthschaft geschieht, finden 
dass der Ertrag nachlässt. Alsdann helfen sie sich zuerst durch 
tieferes Pflügen, was neuen Acker an die Oberfläche bnngh 
Wenn sie dann auch eine 6 Zoll tiefe Ackerkrume erschöpf 
haben, gehen sie zur sogenannten „Sommerbrache“, „Summer 
fallow“, über, die nichts Anderes ist als die Zwei-Felder- 
wirthschaft. Der Boden wird nur alle zwei Jahre mit Wei 
zen bestellt, inzwischen aber zwei Mal gepflügt, 6 bis 8 Zo 
tief, und die Saat später eingeeggt oder mit dem geschilderte 
Acme-Cultivator untergebracht. Dies ist in Nord-Californie 
üblich. Dr. Glenn, einer der grössten Grundbesitzer, will 
einigen Jahren die „Weizenfabrikation“ auf 5 bis 6 Jahre ein- 
stellen, das Land liegen lassen, Jungvieh und Schafe kauf 
und darauf weiden. Wenn es sich nach seiner Meinung g 
nügend gekräftigt hat, will er wieder Weizen auf Weiz 
bauen — bis abermalige Ruhe nöthig ist. 
Dieser Dr. Glenn besitzt am Sacramento einen 15 Meilen» 
langen Ackerstreifen, wovon 60.000 Acres Weizenboden si 
Davon hat er für 1882 28.000 Acres in Sommerbrachweizen, 
22.000 Acres unmittelbar nach Weizen. Fur letzteren^ wi 
der Acker nur ein Mal gepflügt, wie in der oben gcschiW ^ 
ten Wirthschaft. Der Brachboden wird ein Mal sieben 
tief gepflügt. Wenn er dann nach dem Regen grün wi ' 
so wird er mit dem Cultivator durchgearbeitet, der die e 
stehende Grasnarbe zerstört. Wenn es wenig regnet, wird 
Acker vor der Saat nur geeggt. Der Werth des Landes w 
heute auf 30 Dollars per Acre veranschlagt, obschon DnG 
lange nicht soviel dafür gezahlt hat, macht 1.800.000 o 
Das sehr complette Inventar, der Fundus instructus, wir
        <pb n="490" />
        475 
ï 75-000 Dollars geschätzt, die zu sieben Percent 12.250 Dollars 
Jahreszinsen kosten. 
Die gesammte Wirthschaftsauslage stellt sich erfahrungs- 
mässig in dieser Wirthschaft auf 6 Dollars per Acre und ist 
dafür der Acker zu bestellen und der Weizen in Säcken am 
Depot der Bahn zu lagern, macht 300.000 Dollars per 
50.000 Acres. Der Durchschnittsertrag auf dieser Wirthschaft 
mit vieler Brache soll sich nach zuverlässiger Angabe auf 
20 Bushels per Acre stellen — im vorigen Jahre war er 
26 Bushels. Das macht also i Million Bushels oder 
30.000 „kurze“ Tonnen à 2000 lbs. von 50.000 Acres. Sie 
kosten: i. 12.250 Dollars Zinsen des Fundus instructus, 2. 
300.000 Dollars Wirthschaftskosten, 3. die Säcke kosten per 
Tonne i ’/¿Dollars, macht45.000Dollars, Summa 35y.oooDollars, 
macht 35.7 Cents per Bushel oder 2.45 fl. per Hektoliter, 
3-18 fl. per Mtc. Productionskosten, ohne Grundrente! 
Rechnet man nun 1.800.000 Dollars als jenen Ankaufspreis, 
^Gr heute für den Boden gezahlt werden müsste, ferner 7 Per- 
cent Zinsen hierfür, so macht das 126.000 Dollars, per Bushel 
also 12.6 Cents, und so stellen sich die Productionskosten per 
^ushel, den heutigen Grundwerth schon eingerechnet, auf 
48.3 Cents =. 3.31 fl. per Hektoliter, 4.30 fl. per Mtc.; also 
immer noch billiger als bei der obigen, ganz extensiven Wirth- 
schaft. Dr. Glenn kostet der Acre thatsächlich nicht über 
5 Dollars, macht 300.000 Dollars für 60.000 Acres und zu 
7 Percent Zinsen jährlich 21.000 Dollars, oder für i Million 
^Ushels 2.1 Cents Zinsen. Der wirkliche Kostenpreis stellt 
sich also nur auf 35.7 -[-2.1 =• 37.8 Cents per Bushel — 
^•59 fl. per Hektoliter, 3.36 fl. per Mtc., in San Ferdinando 
40 Cents per Bushel — 2.68 fl. per Hektoliter, 3.56 fl. 
per Mtc. 
Die Steuer soll in diesem Staate, der nur 3.396.000 Dollars 
pchulden und im Ganzen 3.797.864 Dollars Jahresausgaben 
Jahre 1878 hatte, 62' 2 Cents für je 100 Dollars einge- 
^ehätztes Vermögen betragen, die Einschätzung des Grossgrund- 
esitzers erfolgt aber so niedrig, dass die Steuer selten 2 Per- 
^^nt des Ertrages überschreitet; wenn sie aber selbst 4 oder
        <pb n="491" />
        5 Percent erreichte, so wurde sie den Preis des Bushels Weizen 
nur um etwa 2 Cents, oder um 18 Kreuzer ö. W. per Meter- 
centner, erhöhen, was man zu obigen Zahlen hinzurechnen 
möge. Die Steuer soll in diesem Jahre höher sein. Die 
Staatssteuer soll i Percent, der Districtszuschlag Vî bis i Per 
cent betragen, wozu noch Grafschaftssteuern kommen. 
Jedenfalls ist die Steuer für dies Land der Millionäre sehr 
niedrig. 
Man wird kaum fehlgehen, wenn man annimmt, dass 
selbst bei so schlechter Wirthschaft Weizen in Californien 
überall, bei 7 Percent Verzinsung alles investirten Capitals 
und selbst zu den Durchschnittspreisen, den Weizenboden heute 
hat — 15 bis 50 Dollars — weit unter 50 Cents per Bushel 
= 3.42 fl. per Hectoliter — 4.48 fl., rund 4‘/2 fl. per Meter 
centner producirt werden kann, die Steuer eingerechnet. Dies 
ist aber für Amerika ein viel zu hoher Productionskosten- 
preis. Man versicherte uns, dass auf einer gut betriebenen 
Wirthschaft in Kansas, auf gutem Boden, der zu jetzt üblichen 
Preisen bezahlt wird, der Bushel Weizen zu 22 Cents oder der 
Hectoliter zu 1.51 fl., der Mtc. zu 1.96 fl. producirt werden 
kann. 
In Oesterreich hat man alle Zahlen bei der Hand, um 
die Steuern eines weizenfähigen Grundbesitzes von 6000 Acres, 
die Kosten der Baulichkeiten und des Fundus instructus und 
endlich den Ankaufspreis des Gutes festzustellen, ferner die 
reinen Wirthschaftsunkosten und endlich den Ertrag, um auch 
die oben für Mähren gemachten Wirthschaftsausgaben nach 
anderer Localität anders festzustellen. Dies mögen intelligente 
Wirthschaftsdirigenten thun und mit jenen Angaben vergleichen, 
welche wir in einzelnen Theilen Amerikas zu ihrem Nutzen 
sammeln. 
Es scheint mir für diese Herren auch nützlich zu sein, 
wenn ich mittheile, wie sich die reinen Productionskosten 
ohne Steuer und Grundrente — auf künstlich bewässertem 
Boden in Californien stellen, denn auf solchem wird schon 
viel Exportweizen gebaut, mit dem unsere Producenten doc 
concurriren müssen! Unsere Wirthschaftsdirigenten müssen
        <pb n="492" />
        &amp;lso hieraus lernen, wie billig sie in Zukunft zu produciren 
haben. 
Ganz anders stellt sich die Berechnung für dieses künstlich 
bewässerte Land. Solche künstliche Bewässerung existirt sehr 
Umfangreich. In der County Tulare sind 60.000 Acres so be 
wässert und in Grossbetrieb bewirthschaftet. Der Acker 
kommt dort, Ankauf und Bewässerungsanlage zusammenge 
nommen, auf 9 Dollars zu stehen. Er wird dreimal gepflügt 
und bringt jedes Jahr Weizen, im Durchschnitte 35 Bushels, 
da die Ernte bei genügendem Wasser und so fleissiger Be 
stellung sicher ist. Die gesamraten Wirthschaftsauslagen — 
ohne Steuer, ohne Grundrente, aber mit Zins für Fundus 
»nstructus — soll sich auf 9 Dollars per Acre im Jahre belaufen. 
Dies scheint mir sehr glaublich, da in derselben Grafschaft 
Bauern, die durch Cooperation bewässern, ihre Jahresauslagen 
für Bewässerung in trockenen Jahren auf 125 Dollars, in Jahren 
tuit reichlichem Regenfalle auf 50 Dollars für die Homestead 
Veranschlagen. Natürlich sind nie alle 160 Acres bewässert, 
aber doch der grösste Theil. In Colorado wird die Bewäs 
serung in grosser Ausdehnung betrieben. Zuerst von Greely, 
dem New-Yorker Zeitungsbesitzer, daselbst eingeführt auf einer 
Kolonie, die er gründete. 
Mehrere englische Compagnien haben am Cache la Poudre- 
t^od am Platteflusse Deiche von 40 bis 60 Meilen Länge an- 
Selegt. Die grösste derselben kann 50.000 Acres irrigiren. 
Bie verkauft das Anrecht auf Wasser, genug zur Berieselung 
Von 80 Acres, für 500 Dollars ein für alle Mal und sie ver 
kauft den Acre Land daselbst an Farmer, ohne dies Wasser- 
^ocht, um 7 bis 15 Dollars, so dass er mit Wasserrecht auf 
^3^/4 bis 2i*/4 Dollars kommt Die zum Wasser Berechtigten 
Nässen jährlich noch eine kleine Summe für Unterhaltung des 
Deiches zahlen. Im Durchschnitte rechnet man, dass das 
^asser bei nicht allzu weiter Herleitung nicht über 50 Cents 
Bor Acre im Jahre kostet In Utah, wo die Bewässerung 
B^anmässig und im Grossen betrieben wird und wohl den 
^dhendsten Ackerbau in der Union erzeugt hat, wo sich die 
armer in Cooperativgesellschaften zum Canalbaue einigen und
        <pb n="493" />
        47» 
das Wasser oft viele Meilen weit zu leiten haben, rechnet 
man, dass die Herstellung der Bewässerungsanlagen bis zur 
Homestead 5 bis 10 Dollars per Acre ein fur alle Mal und 
jährlich 5 bis 6 Arbeitstage oder ihr Geldäquivalent koste. 
Hierzu kommt noch die Herstellung der kleinen Gräben auf 
der Homestead selbst. Die Bewässerung in Salt Lake City 
für die Gärten kostet jährlich 1*25 Dollars per 5 Acres, ohne 
einen vorhergehenden Kauf des Wasserrechtes. 
Die Beackerung des zu bewässernden Landes ist kost 
spieliger als die anderen Bodens. Die Wasserrinnen werden 
zwar alle mit dazu geeigneten Pflügen hergestellt, allein sie 
bedürfen der Aufsicht und Nachhilfe von Menschenhand, und 
so mag es wohl sein, dass sich alle Wirthschaftsunkosten auf 
jenem Grossgrundbesitze von 60.000 Acres Weizenboden per 
Jahr mit 9 Dollars per Acre veranschlagen lassen; das macht, 
bei 35 Bushels Ertrag, 26 Cents per Bushel = 1.78 fl. per 
Hektoliter, 2.31 fl. per Mtc. Der Besitzer rechnete den Werth 
seines Landes sich jetzt auf 50 Dollars, d. h. dafür würde er 
verkaufen. Das macht bei 7 Percent Zinsen noch 3.50 Dollars 
per Acre. Nun soll er sogar zum vollen Wer the, d. h. mit 
82'/a Cents per Acre besteuert werden, da in Tulare die Ge- 
sammtsteuer i .69 Percent beträgt — was gewiss nicht geschieht 
— so stellen sich die Jahreskosten auf 13.32’ 2 Dollars per 
Acre oder 38 Cents per Bushel = 2.98 fl. per Mtc. Allein bei 
der Productionskostenrechnung soll man den jetzt hier ange 
nommenen Grundwerth nicht mit in Rechnung bringen, sondern 
entweder den Preis, welcher wirklich gezahlt wurde, oder 
man soll den Ueberschuss des Verkaufspreises über die obigen 
reinen Productionskosten als Grundrente ansprechen. Der 
Preis war 80 Cents per Bushel in Tulare, die Grundrente also 
enorm ! Im Allgemeinen rentirt die Wirthschaft auf künstlich 
bewässertem und sehr gut bearbeitetem Boden — abge 
sehen vom Kaufpreise des Bodens — hierselbst besser als 
die extensive Raub- und auch noch besser als die Brache- 
wirthschaft. 
Es muss ferner angeführt werden, dass Kleingrundbesitzer 
auf künstlich bewässertem Boden oft zwei Ernten im Jahre
        <pb n="494" />
        479 
machen. Als Experiment hat man sogar zwei Weizenernten 
‘m selben Jahre gemacht. Die erste Ernte im Juni. Dann 
säet man, pflügt die Saat unter und Anfangs September macht 
man die zweite Weizenernte! Allein dies war nur ein Experi 
ment und geschieht selten. Sehr oft aber nimmt man nach 
Weizen noch Kartoffeln, Rüben, Mais, Squasches — eine 
Kürbisart — und allerhand Gemüse und erzielt also thatsäch- 
lich zwei Ernten. Erschöpfung ist bei bewässertem Boden 
nicht bemerkt worden. Auf den Missionen wird doch nun 
schon HO Jahre hindurch Weizen und anderes Getreide ohne 
Dung gebaut, der Boden aber ist nach wie vor ertragsreich. 
Allein er erfordert eine sehr sorgsame Beackerung. Die 
Weizenstoppel wird, wenn man sich mit Weizen begnügt und 
^cine zweite Sommerernte nimmt, im Juli gepflügt, im No 
vember bis December abermals, man säet den Weizen im 
Januar bis 15. März und eggt ihn ein, im Juni beginnt die 
Krnte. Sehr viel kommt darauf an, dass man das Wasser zur 
’■echten Zeit auf den Acker lässt, es gut darauf vertheilt und 
'veder zu viel noch zu wenig bewässert. 
Es ist anzunehmen, dass die künstliche Bewässerung nicht 
in Californien, sondern in ganz Amerika, südlich der 
Central- und Union-Paciflc-Bahn und westlich vom hundertsten 
Meridian, der durch Dodge City in Kansas geht, sich schnell 
entwickeln und daselbst die Production von Getreide und Heu 
’’ngemein steigern werde, da die Sicherheit und der höhere 
Krtrag der Ernte auf irrigirtem Boden ausser Verhältniss zu 
höheren Kosten der Bewässerung steht. 
Weil der Grundbesitz Californiens von einzelnen Millionären 
Schalten wird, kann sich die Farmenzahl daselbst nur langsam 
Vermehren. Sie betrug 1870: 23.724, 1880 35.9341 darunter 143 
’inter g Acres gross, 1.641 von 3 bis 10 Acres, 1.43® von 
’o bis 20 Acres, 3.475 von 20 bis 50 Acres, 3.969 von 50 bis 
’^0 Acres, 20.214 von 100 bis 500 Acres, 3.108 von 500 bis 
”&gt;oo Acres und 2.531 über 1000 Acres gross. Es giebt also 
le und viel grosse, wenig mittlere, 
Grundbesitzungen; 3.209 waren an 
yers verpachtet. 
’’naltnissmässig viel klein 
^nnn- und maschinenfahige 
^^dpächter, 3.915 an Méta;
        <pb n="495" />
        480 
Ausser Weizenbau und Viehzucht betreibt man in Cah- 
fornien einen sich stetig entwickelnden Obstbau. Californische 
Orangen, Aepfel, Birnen, Pfirsiche und Trauben werden in 
alle grossen Städte der Union exportirt. Allein der Weinbau 
bringt nicht nur das meiste Geld, sondern bedroht auch schon 
den europäischen, weil seit einigen Jahren viel Wein nach 
Frankreich zum Mischen mit französischem, und sogar nach 
Deutschland exportirt wird. 
Die Union exportirte im Fiscal]ahre 1881 22.6 Millionen 
Ibs. trockene und 3 Millionen Ibs. frische Aepfel im Werthe 
von 3.548.000 Dollars, dazu Büchsenobst im Werthe von 
893.000 Dollars, Wein 1880 = 154.887 Gallonen im Werthe 
von 123.000 Dollars. 
Am IO. Juni 1882 fand eine Auction californischer Weine 
in Mainz statt, bei der folgende Preise erzielt wurden: Die 
Weine wurden mit Fass und nach deren.Inhalt versteigert, 
die Gebote erfolgten jedoch per 100 Liter. Die Rothweine 
erzielten 1878er (Zinfandel) 17 und 23 Mark, 1876er 8 und 
9 Mark, 1878er 20, 21 und 24 Mark, 1876er 18, 20, 21 und 
24 Mark. Die Weissweine kosten: Riesling 29, 30 und 
43 Mark, Mission 30 Mark, französischer Château d’Yquem 
brachte 35, 36 und 41 Mark, Muskateller (dry) 31, 36 und 
53 Mark. Californischer Muskateller (dry) 36 Mark. Süsser 
Muskateller 80, 81, 105 und 116 Mark, süsser californischer 
Muskateller 150 und 151 Mark. Ung. Tokay er 123 und 
130 Mark. Californischer Tokay er 170 Mark per 100 Liter. 
Dabei haben die Käufer noch einen Zoll von 30 Mark per 
100 Liter zu bezahlen. 
Die Weine stammten von der Sendung der Barke ,,Stella/' 
wovon 54 Fass nach Mainz geschickt wurden. Dieselben 
fanden Beifall, auch legte man grossen Werth darauf, dass 
die süssen Weine, trotz der langen Reise sich schön hell er 
halten haben. 
Der Weinbau in Californien ist wohl schon 130 Jahre 
alt, da schon Mitte des letzten Jahrhunderts katholische Missio 
näre und Mönche, besonders spanische, ihre heimathlichen 
Trauben dort anbauten, aber die intelligente Cultur der Reben
        <pb n="496" />
        481 
31 
ist erst neuen Datums und besonders die Deutschen haben 
Sich um diese Cultur grosse Verdienste erworben. Früher 
haute man den Wein in der Ebene, erst die Deutschen sahen 
dass dies ein Irrthum sei und bepflanzten die Abhänge der 
Hügel und Berge. Besonders die Reben vom Rhein (Hock) 
gedeihen wunderbar, da das Klima ausserordentlich günstig 
ist. Die Trauben leiden weder vom Mehlthau, noch vom 
Sturm, noch braucht man die Blätter abzuzwicken, um die 
Trauben der Sonnengluth auszusetzen, damit sie reifen, noch 
drohen denselben die bekannten Krankheiten wie in Europa, 
^einstöcke sind nur eine kurze Zeit nothwendig, da die Rebe 
m einigen Jahren schon stark genug ist, um der Hilfe des 
Stockes entbehren zu können. 
Die Winzer verkaufen in der Regel ihre ganze Fechsung 
die Weinpresser, wodurch eine grosse Ersparniss an Arbeit 
erzielt und eine bessere Qualität Wein erzeugt wird, da diese 
^einpresser das Geschäft mit mehr Verständniss und mit 
besseren und grösseren Mitteln betreiben. 
Californien steht unter den weinbauenden Staaten Nord- 
Amerikas als erster da. 
Die folgende Tabelle zeigt den jährlichen Durchschnitts- 
citrag und den Werth des Weines in den verschiedenen 
Staaten : 
Staaten 
Alabama . . 
Arkansas. 
Californien , 
Connecticut . 
Delaware 
Florida 
Georgia . . 
Illinois . . 
Indiana 
Jowa . . . 
Kansas 
Kentucky. . 
Maine . 
Maryland . 
Massachusetts 
Michigan . . 
Minnesota 
Mississippi . 
Missouri . 
Nebraska 
New-Jersey . 
Acker Gallonen 
i.iii 433.673 
893 72.750 
33.368 13.557.150 
64 5.346 
125 4.050 
83 II.180 
2.911 903.244 
3.810 1.047.875 
3.851 99.566 
4-470 334970 
3 542 206.349 
1.850 81.170 
7: 1.500 
699 33.405 
227 6.338 
3.366 63.831 
62 2.831 
432 209.845 
7.376 1.834.307 
280 5.767 
1.967 315.133 
Werth 
399.705 00 Doll 
113.401 86 „ 
4.041.815 80 „ 
6.076 75 „ 
405009 „ 
15.41500 „ 
809.54730 „ 
1.335.521 63 , 
81.718 40 „ 
346.39860 „ 
190.330 70 „ 
80.908 75 „ 
3.83000 „ 
19.15100 „ 
10.050 50 „ 
75.617-30 „ 
3.44600 „ 
310.53375 „ 
1.33005040 „ 
8.983 00 .. 
333.866 70 „
        <pb n="497" />
        482 
New-Mexico 
New-York . 
Nord-Carolina 
Ohio . . . 
Oregon . . 
Pennsylvania 
Rhode Island 
Süd-Carolina 
Tenessee 
Texas 
Utah 
Virginien . 
West-Virginien 
Wisconsin 
Staaten 
Acker Gallonen Werth 
3.150 908.500 98.25000 Doll. 
12.646 584.153 387.30883 „ 
2.639 334.701 267.819-25 „ 
9.673 1.632.073 1.627.926-88 „ 
116 16.950 9.24000 „ 
1.944 134.545 128.097-00 „ 
55 262 516-50 » 
193 16.988 22.351-25 „ 
1.103 64.797 90.796.00 „ 
850 35.528 44.704-87 „ 
658 114.975 175.823-00 „ 
2.099 262.479 200.045-25 « 
467 71.926 61.461 80 n 
213 10.988 15.559.85 « 
Total 
181.553 23.453.287 13.426.174 80 Doll. 
In Californien wird auch die Fabrikation von Champagner 
in grossem Massstabe betrieben. 
In San Francisco entwickelt sich seit mehreren Jahren, 
trotz der hohen Löhne, sogar eine respectable Industrie, 
Jahre 1880 gab es dort 2804 Fabriken, mit 29.4 Millionen 
Dollars Capital, 34.726 Arbeiter, die 13.247.147 Dollars Lohn 
im Jahre, erhalten, der Werth der Materialien betrug 43.9, ¿er 
Producte 70.7 Millionen Dollars. _ 
Oregon und das Territorium Washington haben wir nicht 
besucht, doch mag es gestattet sein, einige statistische Notizen 
hier folgen zu lassen, weil diese Länder eine sich schnell ent 
wickelnde Ackerbauproduction wachrufen und durch die Nor ' 
pacificbahn vielleicht über Duluth einen billigeren Exportweg 
nach Europa finden, als bisher zur See. Oregon hat 61.4» 
Washington 44.2 Mill. Acres, meist Gebirge, aber in ^en 
Thälern besitzt es fruchtbaren Boden, daneben gute Wei ^ 
ländereien und kommen Oregonstiere schon bis Chicago nn 
New-York. Die Bevölkerung Oregon’s vermehrte sich von 
1870 bis 1880 von 90.000 auf 174.000, Washington von 
23.000 auf 75.000 Seelen. Die Weizenproduction stieg tn 
Oregon von 2.340.000 Bushels auf 11.734.000, in Washington 
von 216.000 auf 1.921.000 Bushels. Die Gersteproduction »n 
Oregon von 210.000 auf 676.000, in Washington von 55-°^^ 
auf 566.000 Bushels. Die Haferproduction Oregons von 
2.029.000 auf 4.754.000, Washington’s von 255.000 aU 
1.571.000 Bushels. Die Zahl der Milchkühe Oregon’s vo
        <pb n="498" />
        483 
48.000 auf 125.000, des anderen Rindviehes von 71.000 auf 
*99*000, der Schafe von 318.000 auf 1.176.000, der Schweine 
119.000 auf 239.000; Washington hatte 1880 — 27.000 
ilchkühe, 106.000 andere Rinder, 292.000 Schafe, 46.000 
chweine; die Zahl der Farmen vermehrte sich in Oregon von 
7*587 auf 16.217, Washington von 3.127 auf 6.529. 
Beide Länder, sowie auch Californien, sind sehr fischreich 
Und exportiren Fische, so dass es am Platze ist, einige Worte 
**Der die Fischerei zu sagen. 
Die künstlichen Fischbrutanstalten sind in keinem Lande 
Gr Welt so zahlreich, als in der Union. Sehr viele Staaten 
Gsitzen solche und versenden die junge Brut zum Aussetzen 
I** Seen und Flüsse der betreffenden Staaten. Professor Baird 
^ Washington thut das von Union’s wegen durch die ganze 
und bürgert europäische Fische, so den Karpfen, — ein. 
hat sogar am Atlantischen Meere eine künstliche Brut 
Seefischen. 
s Fischstatistiken, die unter Leitung des Cen- 
ureaus in Washington zusammengestellt sind, ist manches 
Pressante. Vor Allem dies, dass sich mit immer zunehmender 
Int 
^ ..VV-. V wi .niiciii uicb, uass sicn mic im 
^^schheit transantlantische Wasserbewohner an den amerika- 
Küsten und in amerikanischen Flüssen einfinden. So 
Vor den einst so kostbarseltenen Caviar liefert. Noch 
^5 Jahren prangte davon höchstens dann und wann ein 
“Astrachan importirtes Holzfasschen auf der Tafel des 
di^ ^"derbilt oder sonst eines Nabobs. Heute verzehrt 
New-York allein jährlich 500.000 Pfund von dem 
Wer ^^^"^^^I^Gnden und leichtverdaulichen Fischrogen. Und 
Ca • '^^^^dwo im Lande 20 Cents bezahlt, erhält ein mit 
'^ohlgefülltes elegantes Blechbüchschen. Es wurden 
diç ^ 721.000 lbs. Caviar gewonnen. Noch auffallender ist 
des W^^Buthie, welche dem europäischen Karpfen jenseits 
in p ^^ssen Wassers entgegenkommt. Im Staate Ohio und 
Scj^^^^'^^^ylvania gewinnt er mit jedem Tage an Nachkommen- 
Nachfrage. Ueber allen diesen jugendlichen Zu- 
Itti thront in den Vereinigten Staaten König Lachs. 
* ornischen Sacramentofluss, in dem breiten und uner- 
31*
        <pb n="499" />
        484 
gründlich tiefen Columbia, wie in dem stromschnellenreichen, 
rauschenden Rogue-River Oregons werden sie Jahr [ür Jahr 
in Masse gefangen. Zweihunderttausend Pfund Lachs räucherte 
man während der letzten 12 Monate in Californien; in Ore^i^ 
verpackte man 26.970.576 Pfund in „Kannen“ und. sandte 
dieselben nach dem Mississippithal, der Atlantischen Kust 
und Liverpool. Selbst das jugendliche Alaska hat sic 
an dem Lachsfange schon in recht erheblichem Maasse be- 
theiligt. Zehntausend Kisten mit 480.000 Ein-Pfund-Kannen 
schickte es im letzten Jahre nach den „Staaten.“ Die e 
sammtzahl der mit dem Lachsfange und dem Lachsversan 
beschäftigten Amerikaner beträgt 3370. Der bei Weite 
grösste Theil davon, nämlich 2500 kommt auf das Thal d 
Columbia im Washington-Territorium und Oregon. Von e 
Lachsfischern Oregons sind nicht weniger als 200 Indianer un^ 
die in Alaska gehören gar ganz jener kace an. Auf de 
amerikanischen grossen Binnenseen werden auch sehr vie 
Fische gefangen. 
Die verschiedenen Producte stellten sich der Quan 
nach wie folgt: Frische Fische 43.122.270 Pfund, gesalzen® 
Fische 16.793.440 Pfund, gefrorene Fische 2.181.650 Pinn ’ 
geräucherte Fische 1.721.770 Pfund, Caviar 230.160 Pfnn ’ 
Hausenblase 3.909 Pfund und Fischöl 5680 Gallonen. 
Im Jahre 1881 wurden Fische in verschiedenen prese 
virten Formen für 4.004*000 Dollars exportirt.
        <pb n="500" />
        XXX. Capitel. 
Das Communieationswesen der Union. 
Als ein Axiom gilt, dass die Union das zweckmässigste, 
keineswegs das beste Communieationswesen der Welt aus 
gebildet hat und dass ihre Concurrenzkraft mit den alten Pro- 
^uctionsländern zum grossen Theile auf demselben beruht. In 
^er Regel denkt man dabei bloss an die Eisenbahnen, doch 
^it Unrecht. Ebenso falsch ist es, wenn man annimmt, die 
Pflege des Communications -Wesens datire erst aus der 
'teueren Zeit. 
Die Union war seit ihrem Entstehen eine rein ökonomische, 
keine politische Gemeinschaft. Die einzige starke Erschütte- 
""^ng, welche sie im Bürgerkrieg erlitt, hatte ökonomische 
Gründe. Der Staatenbildungsprocess, welcher in Europa seit 
der Völkerwanderung unausgesetzt wüthet, ohne je beendet 
Werden, der stets neue Fragen aufwirft, die durch neue 
Kriege gelöst werden müssen, vollzieht sich fast friedlich 
frühen. Mexico und Canada werden ohne Schwertstreich der 
^nion anfallen. 
Seither ist ihre Politik lediglich auf Wohlstand- und 
KeichthumsentWickelung gerichtet gewesen und ist ihr, als 
des Successes hierbei, politische Macht von selbst in 
Schooss gefallen. 
Jenen Zweck erreichte sie durch sociale Gesetze auf dem 
Gebiete des Agrar-, Bankerott-, Handels-, Bank-, Zinsrechtes 
^*^d durch Handelsverträge, später autonome Zollgesetze, so- 
durch Verwaltungsmassregeln. Während jene Gesetze die 
foduction förderten, beschäftigt sich die Administration seit 
Jahren gar nicht mehr mit der Production, destomehr aber 
den Verkehrsmitteln. Durch diese weise Theilung und
        <pb n="501" />
        486 
doch wieder Combination genirt der Staat in der Union die 
Einzelnproduction nie und fördert doch ausserordentlich die 
Gesammtproduction. Der Einzelnproducent ist vollkommen 
frei, wird unter dem Vorwand der Protection nie genirt, die 
grossen Productionszweige werden dagegen durch den Staat 
lebens- und entwickelungsfahig gehalten. 
Bezüglich der Communicationsmittel herrscht Theilung 
der Arbeit zwischen Union und den localen Gemeinschaften, 
Staat, Territorium, County, Township, und dennoch zuweilen 
ein Ineinandergreifen dieser Organismen. 
Schon der Präsident Washington wendete die Unions- 
mittel, welche damals noch sehr beschränkt waren, da der 
junge Staat mit Schulden beladen aus dem Befreiungskriege 
hervorging, auf Förderung der Communicationswege, und 
zwar auf Flussregulirungen und Canalbautcn. Schon damals 
baute man Canäle, welche die Flüsse der alten Staaten 
innige Verbindung brachten. Seit 1823 baute der Staat New- 
York den Eriecanal zur Verbindung New-Yorks mit den fünf 
Seen. Seither erfolgte die Besiedelung der an diesen Seen 
gelegenen Ländereien, welche nun ihre landwirthschaftlichen 
Produkte absetzen konnten. 
Kaum war der Bürgerkrieg beendet, so nahm man diese 
Arbeit an der Verbesserung der Wasserstrassen wieder auf- 
Die Mississippimündung wurde vertieft, dieser Fluss, resp. seine 
Nebenflüsse mit ' dem atlantischen Ocean durch Canäle, zum 
Theil vollendete, zum Theil in Bau begriffene, in Verbindung 
gesetzt. Canada betheiligte sich an diesem Werk durch eine 
ganze Reihe von Canälen, welche den Lorenzo bis Kingston 
für grosse Schiffe passirbar machen und neuerlich durch den 
Weilandcanal, der den Ontario mit dem Eriesee verbindet* 
Dieser, der Eriecanal und der in Bau begriffene Hennepincanal, 
der den oberen Mississippi mit Chicago verbinden soll, sintf 
die wichtigsten derartigen Wasserstrassen. Der Eriecanal soH 
demnächst auch vertieft werden, und die Schifffahrt auf ih^ 
ist zollfrei gemacht worden. 
Mit wie grossartigen Mitteln man an der Herstellung neuer
        <pb n="502" />
        und Verbesserung alter Wasserwege arbeitet, geht aus Folgendem 
hervor: 
Canada hat den neuen Wellandcanal um mehr als 19 Mil 
lionen Dollars gebaut; die St. Lorenzcanäle kosten 8.5 Mil 
lionen Dollars. Bis Ende Juni 1881 hatte Canada für Canäle 
ca. 36, für Staats- und subventionirte Eisenbahnen 90 Millionen 
Dollars ausgegeben. Canada besitzt aber auch Staatsbahnen, 
die Union nicht. 
Die Union hat für die Vertiefung der Mündung des Mississippi 
7 Millionen Dollars ausgegeben u. ferner für Hafen-, Fluss- 
und Canalbauten aus dem laufenden Budget folgende Summen : 
Im Jahre 1873 (endend 30, Juni) 
n M *874 »&gt; »• 
»1 ,1 n »1 « 
,, ,, 1876 ,1 n M 
„ 1877 „ „ 1, 
,, „ 1878 ,, ,, ,, 
&lt;» 1, *879 1« M 
,, „ 1880 „ „ „ 
,, „ 1881 ,, 11 11 
5.500.000 Dollars 
7.300.000 ,1 
5.200.000 1, 
6.600.000 „ 
5.000.000 ,1 
8.300.000 11 
9.500.000 11 
8.900.000 ,1 
1882 
1883 
„ 11 400.000 
18.900.000 
1884 ca. 19 000.000 
Summa rund 106 Millionen Dollars in 12 Jahren. 
Die Einzelstaaten, Grafschaften und Municipalitäten wenden 
ihrerseits grosse Summen für ähnliche Zwecke auf. 
Man rechnet, dass die Correction des Mississippi und 
Seiner Nebenflüsse noch 50 Millionen Dollars kosten und in 
^ bis 10 Jahren vollendet sein wird. Dadurch wird die Ebene 
zwischen dem Golf von Mexico, der Wasserscheide des Missis 
sippi und Redriver of the North, zwischen dem Felsengebirge 
iitid dem Alleghanygebirge, welche wohl 800 Millionen Acres 
Anbaufähigen Boden enthält und vom Meeresniveau nur bis 
300 Fuss hoch aufsteigt, ihre Producte nach Süden und 
Dsten auf Wasserstrassen, meist flussabwärts, ausführen können. 
Die nördlich hiervon liegende Ebene, deren anbaufähiger 
^oden verschieden, von 300 bis ^00 Millionen Acres ange- 
ßeben wird, und in der bis jetzt kaum 5 Millionen angebaut 
Sein dürften, hat eine schiffbare Strasse, den Redriver bis in 
den Winnipegsee. Die Verbindung dieses Sees mit der Hudson- 
^Ay, des Nelsonriver, wird bald schiffbar gemacht werden.
        <pb n="503" />
        Von Westen nach Osten wird diese Ebene von bereits schiff 
baren Flüssen durchströmt, dem Saskatchewan und Asiniboine. 
Eine Canalverbindung des Redriver mit dem Oberen See wird 
folgen. Die Wasserbauten an diesem System werden von 
der Regierung der Dominion Canada bezahlt, später wohl von 
den Regierungen der hier zu gründenden Provinzen. 
Obschon also in Nord-Amerika bereits mehr für Wasser 
wege gethan ist, als in Europa, so schreitet das Werk doch 
noch immer weiter fort und wird noch bis in's nächste Jahr 
hundert fortgesetzt werden, neue Gebiete dem Ackerbau er- 
schliessend, billigere Transporte aus schoneröffneten vermittelnd. 
Die Union besitzt etwas über 30.000 englische Meilen schon 
jetzt schiffbare Flüsse und ca. 3000 Meilen schiffbare Canäle. 
Unter den Flüssen behauptet der Mississippi entschieden die 
erste Stelle. Er repräsentirt einschliesslich seiner Nebenflüsse 
eine schiffbare Wasserstrasse von 37.000 Kilometer, die von 
etwa 2000 Dampfern befahren werden (auf dem Mississippi 
allein etwa 1000, auf dem Rhein beiläufig etwa 300). Sein 
wirthschaftlich bedeutendster Nebenfluss, der das bis jetzt 
wichtigste Kohlen- und Eisengebiet der Union durchschneidende, 
auf 1600 Kilometer schiffbare Ohio, wird von 500 Dampfern 
befahren. Von den übrigen Nebenflüssen sind schiffbar: der 
Missouri auf 5000, der Arkansas auf 1190, der White auf 
700, der Red auf 530, der Minnesota auf 480, der Illinois auf 
350, der Des Moines auf 300 Kilometer. Die zweite Stelle 
nimmt der Lorenzostrom mit dem System der fünf canadischen 
Seen ein. Er repräsentirt mit letzteren in gerader Linie eine 
schiffbare Wasserstrasse von 2500 Meilen. 
In Bezug auf Wichtigkeit folgen nun die übrigen in den 
Atlantischen Ocean mündenden kleineren Flüsse, und zwar 
Connecticut auf 400 Kilometer schiffbar, Hudson auf 35°’ 
Susquehannah auf 600, Delaware auf 350, Potomac auf 400, 
Roanoka auf 250, Capefear auf 250, Congaree auf 400, Sa 
vannah auf 400, Chattahoochie auf 400, Alabama auf 50O1 
Trinity auf 400, Brazos de dios auf 350, Colorado auf 500 
und Rio Grande auf 300 Kilometer. Hudson, Delaware und 
Susquehannah sind zum Theil von Kanälen begleitet, zum
        <pb n="504" />
        489 
Theil unter einander mit solchen verbunden, so dass hier durch 
Natur und Kunst ein bewunderungswürdiges System von 
Wasserstrassen hergestellt ist. Die in den Stillen Ocean mün 
denden Flüsse sind für die Schifffahrt wenig geeignet. Von 
grösserer Bedeutung ist nur der‘Columbia (Oregon), obwohl 
^uch bei ihm 310 Meilen von der Mündung durch Strom 
schnellen der Schifffahrt ein Ziel gesetzt ist. Der Sacramento 
’St nur auf etwa 100 Meilen schiffbar. 
Die Schifffahrt auf diesen binnenländischen Wasserstrassen 
’St entwickelter als in irgend einem anderen Lande der Welt. 
Mehrere Stockwerk hohe, palastähnliche Dampfer schwimmen 
^uf den Binnenseen, Flüssen und sogar Canälen, den Passagier- 
und Waarenverkehr verbindend, ln erster Hinsicht überbieten 
weit Alles an Comfort, was wir auf den Rhein- und Donau- 
dampfern finden, in letzterer Beziehung an Billigkeit jedes 
^^ropäische Beispiel. Sehr flache und enge Wasserstrassen 
"werden von Dampfern mit flachem Boden und einem hinten 
^’’gebrachten breiten aber nicht in die Tiefe gehenden Schaufel- 
rade befahren und ausserordentliche Lasten in dieser Weise 
Rächen bewegt, die man für vollkommen unschiflfbar in 
Uropa halten würde. Barken von Immenser Tragfähigkeit, 
16.000 Mtc, Getreide und dann noch ein Stockwerk voller 
äumwollenballen, und einfachster Construction, also grosser 
’ l’gkeit werden von Pferden — auf dem Eriecanal — oder 
Dampfern — auf den Flüssen — geschleppt. 
Der Landtransport vollzog sich überall durch die Jahrtausende 
^’’f Saumpfaden und dann auf Landstrassen, auf jenen trugen 
^tthiere die Waaren, auf diesen wurden sie in Wagen durch 
J’gthiere weiter befördert. Ehemals die Haupthandelsstrassen, 
diese Wege jetzt in Europa zu „Vicinal wegen“ herab- 
^^unken, und im grössesten Theile Amerikas haben sie noch 
^’®ses Stadium nicht erreicht, obschon sie dort niemals 
^’’delsstrassen waren. Sie existiren nur in den älteren Staaten 
ist die Sorge für ihre Unterhaltung den kleinsten Ver- 
^ tungsbe^irken, den Townships, übertragen. Die Kosten 
^^’"den durch direkte Steuer auf jeden Dollar eingeschätzten 
*^nd- oder Capitalvermögens aufgebracht In den neueren
        <pb n="505" />
        490 
Staaten ist jede Township in 36 Sectionen eingetheilt. Jede 
Section ist ein Quadrat von . englischen Meile Seitenlange 
und ist fortlaufend numerirt, von 1 bis 36, so dass stets 
2 Sectionen gerader Zahl, resp. 2 solche ungerader Zahl mit den 
Ecken aneinanderstossen, aber eine grade Zahl seitlich ne en 
einer ungeraden Zahl liegt. Um jedes solche Quadrat tführt eine 
öffentliche Strasse von 100 Fuss Breite. Es schneiden sich 
daselbst also alle öffentlichen Strassen im rechten Winkel, 
ln schwach besiedelten Gegenden geschieht nichts für diese 
Strassen, in mittelalten Staaten, wie Illinois, Michigan, sind sie 
noch recht schlecht, ln den alten Staaten, wie Pennsylvanien, 
den Neu Englandstaaten, vorzüglich. 
Die Eisenbahnen gehen hier dem Verkehr, sogar e 
Production voraus. Die Länge der Eisenbahnen betrug 
englischen Meilen: 
1870 
1875 
1879 
1880 
1881 
Europa . . 
America . 
Asien . . . 
Australien 
Africa 
Die Details 
Meilen 
108.002 
122.186 
10.774 
5.481 
5-147 
Meilen 
105.429 
109.521 
9.948 
4.889 
2.904 
Meilen 
103.237 
101.196 
9.269 
4.363 
2.705 
Meilen 
89323 
84.648 
7.072 
2.312 
1-552 
Meilen 
64.667 
58.848 
5.118 
1.042 
956 
i860 
Meilen ' 
32.354 
33-547 
844 
350 
298 
1850 
Meilen 
14.551 
9.604 
1840 
Meilen 
2.131 
2.85p 
249.590 232.691 220.770 184.907 130.6311 67.393 24.155I 4.99® 
dieser Hauptübersicht sind gewiss nicht ohne In 
teresse : 
1840 
1850 
1860 
1870 
1875 
1879 
1880 
1881 
Meilen 
Meilen I Meilen 
Meilen 
Meilen 
Meilen 
11.499 
2.507 
977 
15.576 
20.814 
17.799 
8 
1.068 
5.261 
193 
719 
865 
14.619 
4.457 
Mellen 
11.537 
2.569 
987 
16.208 
21.113 
18.037 
8 
1.120 
5.493 
200 
Meilen 
2.798 
944 
5.909 
10.479 
11.801 
187 
556 
1.080 
810 
187 
2.614 
69 
475 
791 
1.012 
367 
1.880 
11.101 
5.90 
13 497 
17.112 
330 
3.657 
11.694 
17.488 
7.019 
21.446 
.33» 
6.659 
6.754 
10.493 
15.432 
18.281 
198 
891 
111 
982 
193 
381 
1.368 
3.864 
4.804 
5.602 
107 
171 
234 
88 
446 
647 
788 
780 
865 
14.796 
4.659 
153 
771 
921 
312 
12.238 
7.142 
994 
1.198 
14 799 
3.250 
3.702 
4.837 
1.318 
2.560 
419 
4.369 4.186 
1.647} 1.648 
1.041; 1.041 
4 644 
657 
887 
1.284 
1.669 
180 
960 
1.041 
Oesterr.-Ung. 
Belgien . . . 
Dänemark . 
Frankreich . 
Deutschland 
Grossbritan. 
Griechenland 
Holland. . . 
Italien . . • 
Luxemburg, 
Portugal . . 
Rumänien . 
Russland . . 
Spanien . . 
Schweden une 
Norwegen 
Schweiz . 
Türkei 
Europa . . 108.002 105.429I103.237I 89.323] 64.667] 32.354] i4 55i
        <pb n="506" />
        491 
1881 
1880 
1879 
1875 
1870 
i860 
1850 
1840 
Ver. Staaten 
Canada .... 
Republ. 
Brasilien . . . 
Mexico .... 
Peru 
»05.423 
7.270 
1.619 
2.517 
1.250 
1.156 
2.951 
94.216 
6.93» 
»546 
2.188 
617 
1.156 
2.867 
86.930 
6.524 
1.448 
1,912 
552 
1.156 
2.674 
74.528 
4.469 
1.179 
1.038 
372 
968 
2.094 
53*222 
2.694 
616 
508 
217 
249 
»342 
30.812 
1.891 
25 
»34 
47 
638 
9.073 
408 
»23 
2.834 
25 
And.Südamer. 
Staaten . , . 
America . . 
British Indien 
Ceylon .... 
^va 
Klein-Asien . 
Japan . . . 
132.186 
109.521 
101.196 
84.648 
58.848 
33.547 
9604 
2.859 
9936 
»39 
3»8 
284 
99 
9.205 
»38 
283 
246 
76 
8.598 
»»9 
238 
246 
68 
6.559 
91 
163 
221 
38 
4.804 
74 
94 
146 
844 
= 
— 
— 
Asien . . 
Egypten . . . 
Algerien und 
cl“" ■ • • • 
»0.774 
9.948 
9.269 
7.072 
5.»»8 
844 
— 
— 
949 
984 
967 
106 
»4» 
934 
878 
911 
106 
75 
934 
856 
756 
93 
66 
955 
377 
»49 
5 
66 
650 
166 
69 
5 
66 
298 
— 
— 
Keunion 
Africa. . 
Neu-Süd wales 
Neu-Seeland . 
Queensland . 
^ödaustralien 
^asmania . . 
S"”'“ • ■ • 
West -Austral. 
Australien 
Total . 
3. »47 
2.904 
2.705 
»552 
956 
298 
— 
— 
1.047 
? » 344 
761 
844 
»72 
1.221 
92 
855 
1.266 
637 
681 
172 
1.206 
72 
741 
1.178 
506 
562 
172 
1.132 
72 
439 
545 
266 
252 
»5» 
621 
381 
337 
44 
207 
»34 
43 
277 
125 
47 
»78 
— 
— 
5.481 
4 889! 4.363' 2.312! 1.042 
359 
— 
249.590 
232.6911220.7701184.907 130.631,1 67.393 
24.»55 
4.990 
Hie Union hatte ult. i88i = 104.813 Meilen in Betrieb, 
im Jahre 1882 10.821 neue Meilen gekommen sind, so 
ass die Union ult. 1882 = 115.634 Meilen Bahnen besass. 
^^ada hat über 10.000 Meilen im Jahre 1883, ult. 1881 — 
7-260 Meilen. 
Der Eisenbahnbau ist von Staats wegen bedeutend geför- 
Worden, doch auf ganz andere Weise, als dies in Europa 
Geschieht. ~ 
In Canada ist ein grosser Theil der Eisenbahnen vom 
aate erbaut und wird vom Staate betrieben. In der Union 
S*ebt es keine einzige Staatsbahn, aber über 1500 Privat- 
*^nbahn - Actiengesellschaften. 
Der Bahnbau durch dieselben ist von manchen Städten,
        <pb n="507" />
        Counties oder Einzelstaaten, theils durch Subventionen, meist 
durch Actienzeichnungen, subventionirt und gefördert worden. 
Ein grosser Theil der Staats-Schulden in den westlichen 
Ackerbaustaaten rührt von Subventionen der Bahnen, aus 
Brückenbauten und Flussregulirungen her. 
Die Unionsregierung hat Eisenbahngesellschaften, welc e 
durch Staaten und Territorien Bahnen bauten, in denen die 
Unionsregierung noch nicht occupirte und also ihr gehörige 
Ländereien besass, Landgrants oder Dotationen gemacht, un 
zwar in folgender Weise: 
Die neuen Staaten und Territorien setzen sich, wie gesagt, 
aus lauter Quadraten von je i englischen Meile Seitenlange 
zusammen, aus Sectionen. 
Die Union reservirt sich alle mit geraden Zahlen nume- 
rirten Sectionen, also auf dem Schachbrett die weissen Felder, 
welche sie als Homesteads an Ansiedler giebt oder verkauft, 
die Sectionen mit ungerader Nummer sind oft Eisenbahnactien- 
Gesellschaften als Bausubvention verliehen worden. Der Zweck 
dieser merkwürdigen Vertheilung der Sectionen ist, es zu ver 
hindern, dass Latifundien entstehen, deren Bestand man mit 
der Existenz einer Republik für unvereinbar halt. 
Die Eisenbahngesellschaft erhält nun die ungeraden Sec 
tionen in 5 oder i o oder 20 englischen Meilen Breite an 
jeder Seite der Eisenbahntrace und kann diese Sectionen nach 
Belieben, einzeln oder viele an einen oder mehrere Käu er 
und zu beliebig hohem Preise verkaufen. Auf diese Weise 
sind ca. 48 Millionen Acres Land von der Union an Eisen- 
bahngesellschaften verliehen worden. 
Bei manchen Eisenbahngesellschaften ist dieses an 
mehr werth als der Bahnbau kostete. Es ist hier natür ic 
viel Schwindel getrieben und sind unerhörte Vermögen dure 
combinirte Speculation in Eisenbahnfonds und Eisenbahnland 
gemacht worden. 
Immerhin wurde durch diese Art von Eisenbahnsub 
tion der Bahnbau durch vollkommen unbewohnte ® 
möglich, ohne dass die Regierung hätte Schulden seinetha e 
machen müssen. Die Eisenbahncompagnien suchten dure
        <pb n="508" />
        493 
Reclame, oft auch durch Transportbegünstigungen, Ansiedler 
auf das Ihnen gehörige Land zu ziehen, verkauften es ihnen 
billig und gegen ratenweise Abzahlung in 5 bis 11 Jahren 
und haben auf diese Weise ausserordentlich viel zur Ansiede 
lung des fernen West beigetragen. Die Preise betragen 
von 2—8 Dollars per Acre. 
Nur eine Eisenbahn, jene, welche von Omaha nach Cali 
fornien führt und sich aus zwei Compagnien zusammensetzt, 
der Union- und der Central - Pacific, ist mit einer Geld 
subvention bedacht worden, weil sie für die Erhaltung der 
Einheit der Union von fundamentaler Bedeutung war. Sie ist 
die einzige Bahn, welche aus politischen oder strategischen 
Gründen in der Union gebaut wurde. Im Jahre 1883 entstand 
das Projekt, von New-York über Chicago nach San Francisco, 
zwischen Union- und Nordpacificbahn, eine schmalspurige 
Rahn, lediglich zur Vermittelung billigen Gütertransports, zu 
bauen. Die schmalspurigen Bahnen haben sich in Colorado 
und dessen Grenzstaaten sehr bewährt. 
Aehnliche Rücksichten haben die canadische Regierung 
geleitet, als sie die Verbindung der von Winnipeg nach Westen 
und Osten auslaufenden Canada-Pacific-Eisenbahn nördlich 
des Oberen und des Huronen Sees zum Anschluss mit dem 
Rahnnetz von Ostcanada brachten. 
In Mexico werden die dort seit einigen Jahren gebauten 
Rahnen theilweise mit Land, und wo solches nicht mehr un- 
occupirt vorhanden ist, mit Geldsubvention durch den Staat 
gefördert. Man verspricht bis 10.000 Dollars Subvention per 
^^glische Meile, doch dürfte die mexicanische Regierung 
Schwerlich das Geld zur Auszahlung dieser Subvention haben. 
Allein sobald die Union Mexico annectirt haben wird, werden 
diese Garantietitres so gut wie Baargeld sein, wie schon die 
Vollkommen entwertheten texanischen Staatspapiere durch An- 
Schluss von Texas an die Union auf Pari kamen. Congress- 
^itglieder, Politiker und Börsenspeculanten haben damals viele 
Millionen gewonnen, und ein ähnliches Geschäft in Mexicanern 
^^bnt sich ganz augenscheinlich an. 
r)ie Anlage von Capital, namentlich von europäischem.
        <pb n="509" />
        494 
in amerikanischen Eisenbahnfonds hat sich als ein höchst un 
sicheres Geschäft herausgestellt. Die schwindelhafte Speculation 
der Eisenbahnkönige ist überhaupt eine, auch für die innere 
Ruhe, für den socialen Frieden der Union, höchst bedenkliche 
Sache. Indess lässt sich nicht leugnen, dass die amerikanischen 
Eisenbahnmagnaten, wenn sie in Fondsspeculation und in Tarif 
druck viel sündigten, andererseits Enormes für die Union 
leisteten und sich dadurch sehr vortheilhaft vor unseren euro 
päischen Börsenspeculanten auszeichnen, welche nichts schaffen 
als „Differenzen des Werths“. Der einzige Mann, welcher es 
ihnen nachthun wollte, Strousberg, ist nicht nur elend ver 
kracht, sondern die Paar Hundert Meilen Bahnen, die er wirk 
lich, nebenbei schlecht genug, fertig stellte, verschwinden ja 
vollständig gegen die Tausende von Meilen, welche die grossen 
amerikanischen Eisenbahnmagnaten beherrschen — von denen 
sie den grössten Theil aber auch selbst schufen, und das durch 
Wildnisse, durch und über die unwegsamsten Gebirge und mit 
unendlichem Risico. Es sind heillose Schwindler unter den 
Eisenbahnkönigen, aber es giebt auch wahrhaft geniale Schöpfer 
unter ihnen. Das Skandalöse liegt in der planmässigen Ent- 
werthung und dann wieder Haussirung der Fonds, wobei die 
kleinen Capitalisten die Verlierer sind. Die europäischen 
Banquiers, welche hier solche Fonds an den Mann brachten, 
haben dafür bis 25 Percent Provision erhalten. 
Ueber den Umfang dieser Speculationen muss ich doch 
einige Details beibringen. 
Ein grosser Eisenbahnbauer und Spéculant, Jay Gould, 
hat 1881 ein Eisenbahnnetz von 7000 englischen Meilen be 
gonnen und gedachte es in zwei Jahren zu vollenden. Er 
hatte 1881 angeblich schon für 25 Mill. Dollars „Bonds“, d. h. 
Obligationen, auf dieses Netz, von dem noch keine Bahnlinie 
fertig war, in Europa placirt. Wohl bei Bankiers, welche 
diese schätzbaren Papiere europäischen Capitalisten anzuhängen 
gesucht haben. Sein von ihm beherrschtes System besteht 
aus der Wabash-St. Louis- und Pacificbahn von Detroit, Toledo 
und Chicago nach St. Louis, Omaha, St. Joseph und Cansas 
City, ca. 3000 Meilen; der Missouri-Pacific-Bahn von St. Louis
        <pb n="510" />
        495 
Eisenbahnmeilen 
12.914 646.500.000 D. 
und Kansas City nach Leavonville, Atchinson, St. Joseph, Omaha; 
der St. Louis- und Iron Mountain and Southern-Bahn, der 
Missouri-Kansas- und Texas-Bahn, der International- und 
Great Northern-Bahn, der Texas- und Pacific-Bahn, welch 
letztere nach Mexico und nach der Südsee führen, deren 
östlicher Terminus aber New-Orleans ist. Noch im Jahre 
1881 sollte dies System complet fertig werden, von New-Orleans 
im Südosten bis El Paso del Norte im Westen, Laredo in 
Texas im Süden und Omaha im Norden, 7000 Meilen neue 
Bahnen umfassen. Alle Bahnen werden einheitlich verwaltet 
Von Mr. Talmadge in St. Louis. Die östliche Verbindung 
dieses Systems liegt in Wabash und knüpft hier an von Gould 
controlirte Linien an, die durch Canada führen bis zum Atlan 
tischen Ocean auf canadischem Gebiete, und südlich davon bis 
New-York. Dazu gehört die Great-Western-Bahn in Canada, 
die Delaware* und Lackawanna-Bahn und die Jersey-Central- 
Bahn. Dazu kommen die für Mexico concessionirten Bahnen, 
Besonders Laredo - Mexico, 600 Meilen lang, über Meir, San 
Tanda, Jiminez und Victoria. Von da soll die Bahn nach Vera 
^tiz, nach Jesus Maria und Matamoras fortgesetzt werden. 
1er war also eine treffliche Gelegenheit für europäisches Capi- 
sich von Herrn Jay Gould „fructificiren“ zu lassen! Der 
Osten Voranschlag per Meile lautete auf 20.000 Dollars — 
wirklichen Kosten wurden auf 8000 Dollars taxirt; aber 
Dollars ergeben 7000 Meilen 140 Millionen Dollars 
’’Bonds und Stock.« 
Mr. Jay Gould ist auch der Beherrscher der Telegraphie 
Union; die Western Union-Telegraphen-Compagnie wurde 
1 von ihm durch Verschmelzen mehrerer Concurrenz- 
^titernehmen gegründet, und das Telegraphiren ist nun Mono- 
Btil, der Tarif deshalb auch etwa drei Mal so hoch als auf 
Continent von Europa. Gould „controlirte« 1881: 
¡Actiengesellschaft Meilen in 
Tg, Operation 
::::::::::: :: 
East.i . "'Houston- Henderson-Bahn 50 
^aba Red River-Bahn 134 
Unif. Louis und Pacificbahn 2746 
j^&gt;on-Pacificbahn 3446 
tDriental-Systembahn 1200 
**‘n-Union-Telegraph 
Investirtes 
Capital 
69.200.000 D. 
160.000.000 
2.500.000 
5.000.000 
93.000.000 
180.000.000 
50.000.000 
86.000.000
        <pb n="511" />
        496 
Von dieser Summe von 646'/% Millionen Dollars soll 
Gould durch seine „controlirende“ Thätigkeit schon 60 Mil 
lionen aus den Taschen der Actionäre in „sein Eigenthum“ 
verwandelt haben, die anderen können nun schneller den 
selben Weg gehen und die Actionäre können dann später 
lesen, wie sein Sohn Prachtbauten aufïùhrt und Künstler un 
terstützt — das thut ja der junge Vanderbilt, zum Stolze der 
Amerikaner, jetzt mit dem Gelde, das sein Vater durch „Con- 
troliren“ des Actiencapitales der von ihm beherrschten Bahnen 
aus den Taschen der Actionäre in sein Privateigenthum ver 
wandelte. Auf anderem Gebiete gehört dies Verfahren der 
Geschichte an: die schottischen Clanshäuptlinge, Vorfahren 
des jetzigen schottischen Adels, verwandelten den Grund und 
Boden, auf dem ihr betreffender Stamm sass und der Stammes 
eigenthum war, in ihr, der Häuptlinge, Privateigenthum. Ihre 
Nachkommen sitzen heute noch darauf und der Stamm „»s 
gone“, ist ausgewandert. Auf dem Gebiete des beweglichen 
Capitales vollziehen sich solche Transformationen des Eigen 
thumes natürlich schneller als auf jenem des Grundbesitzes, 
aber nicht weniger radical. Americanische Actionäre haben 
das Schicksal schottischer Clansleute. 
Diese Sache giebt noch zu der erbaulichen Betrachtung 
Anlass, dass heutzutage die „Anlage von Capital“ in Fonds 
allgemein unsicher wird, was Viele beklagen. Die Kirche 
hat das Naturgesetz anerkannt, dass das Capital unproductiV 
ist und gefordert, dass dasselbe es bleibe; daher Zinsverbote 
etc. Die moderne Entwicklung hat diese Lehre zu einer 
scheinbaren Absurdität gemacht. Das Capital wurde von der 
modernenNationalöconomie zum Haupt-, ja zum Productions 
factor an sich gemacht. Es entstand der Begriff des Cap»' 
talisten als Arbeitgeber und damit als Brodherrn. ^ 
entstand das ungemessene Recht des Capitales auf jeden be 
liebigen Zins und dazu oft noch auf Unternehmergewinn 
Form von Dividende. Thatsächlich reisst in ganz Europ^ 
das Capital den ganzen Ertrag der Unternehmung an sic 
und lässt der Arbeit nur Ernährungsfutter als Lohn 
Amerika noch etwas mehr. Das Capital ist also heute schein
        <pb n="512" />
        497 
immens productiv! Allein im selben Momente, da sein 
Ertrag ohne objective Grenze ist, schwindet oft seine Sub 
stanz in den Händen des actuellen Besitzers. Nicht 
Wos indem es in die Hände eines Listigen und Capitalmäch- 
^igeren übergeht, wie im oben skizzirten Falle. Es wird oft 
durch Concurrenz und Krisis, ohne Schuld des Unternehmers, 
seiner Substanz vernichtet, was ich hier nicht weiter aus- 
führen will. Am schnellsten erfolgt die „Verduftung“ des 
papitales, wenn es nicht in der Hand des Besitzers, sondern 
einer fremden Unternehmung steckt, d. h. wenn Capital 
Und Arbeit vollkommen getrennt sind. Wer mit seinem 
^pitale arbeitet oder ihm bekannte, zuverlässige Leute damit 
arbeiten lässt, läuft auch Chancen, kann auch Verluste haben, 
Wie er gewinnen kann; aber selten riskirt er sein ganzes Ca 
pital. Wer es aber in ein Actienunternehmen und in andere 
onds steckt, riskirt sehr oft Alles. Der Vernichtungsprocess 
souverän gewordenen Capitales wird immer grösser, je 
Weiter sich sein Wirkungskreis über alle Länder ausdehnt und 
schneller die Capitalcirculation zwischen diesen Ländern 
^wd. Es entstehen vollständige Capital-Massenabschlachtungen 
Seiten der Krisis und schliesslich muss dies System des 
» reien Capitales“, das allein productiv blieb, sich selbst ver- 
ten. Mit der Freiheit und Productivität des Ca- 
^ t^les wächst seine Unsicherheit. Die Kirche wird ein- 
^ ^^rer Lehre vom Capital wieder zu Ehren kommen. 
Solche Leute, die, wie Mr. Jay Gould, viele tausend 
* amerikanischer Eisenbahnen ,,controliren“, giebt es 
H ^^"^^t'bilt beherrscht die New -York Central- und 
^ ^ ^*^*^*Eiver-Bahn, die Lake Shore- und Michigan-Southern- 
Canada-Southern und Michigan-Centralbahn; Mr. Garret 
Baltimore - Chicago - Bahn; Mr. Hutchinson, Stanfort und 
ganze californische System; Mr. Villard die Bahnen 
^ ^'"^gon, die Northern-Pacific-Bahn und soll neulich auch 
uss auf die Canada-Pacihc-Bahn gewonnen haben, 
si K amerikanischen Bahnen ist nur Derjenige seines Geldes 
"^^Icher so viele Actien besitzt, dass er die Gene- 
^fsammlung beherrscht, alsdann „controlirt“ er die Bahn 
32
        <pb n="513" />
        und kann die Actionäre und Bondholders nach Belieben 
plündern. 
Für die Fondsbesitzer solcher Eisenbahnen ist das natür 
lich schmerzlich. Sie werden viel Capital verlieren, um so 
mehr, da manche neue Bahn nicht rentiren wird. Allein diese 
Bahnen werden unter den Hammer kommen, grade wie nach 
dem Krach des Jahres 1873, wo etwa 150 Eisenbahn-Actien- 
gesellschaften zwangsweise versteigert und etwa eine Milliarde 
Dollars an Eisenbahnfonds verloren wurde. Diese Bahnen 
haben dann ein geringeres Actiencapital zu verzinsen und 
können billiger verfrachten. _ 
Der Bau und die Ausstattung der Eisenbahnen ist in der 
Regel zweckmässig und ökonomisch. Die Stationsgebäude 
einiger alten und reichen Bahnen in grossen Städten, wie 
Chicago und New-York, sind prachtvoll, doch bilden diese 
eine verschwindende Ausnahme. Im Allgemeinen sind sie 
sogar in grossen Städten äusserst einfach und billig berge- 
stellt. In den jüngeren Staaten auf der Strecke ausnahmslos 
aus Holz, sehr einfach und leicht gebaut, bieten sie Personen 
und Gütern einfach ein Obdach. Die Restaurationen sind 
leider meist herzlich schlecht, doch haben einige Bahnverwa - 
tungen für gute Küche gesorgt. Wir trafen dergleichen 
zwischen New-Orleans und San Antonio, auf der Atchinson- 
Topeka- und Santa-Fe-Bahn und in Californien. Einige 
Seilschaften, welche Eilzüge auf weiten Strecken beförde^» 
haben Speisewaggon nebst Küche dem Schnellzuge angehanÇ&gt; 
worin man nicht gerade sehr comfortable sitzt und nic 
lucullisch, aber immerhin erträglich speist und durch die man 
Zeit spart. 1, 
In Amerika werden die Schwellen einfach auf den m ^ 
lirten Boden gelegt und die Schienen ohne weiteres darau 
befestigt. Das Geleise entwickelt sich mit schwachen Kru^ 
mungen, aber starken Gefallen, möglichst dem Boden sic^ 
anschmiegend, um geringe Durchstiche und kleine Dämme un 
so wenig als möglich Tunnels zu haben. Brücken und hölzer ^ 
Gerüste ersetzen jene häufig. Die Linien sind im Allgemein^ 
weder mit Einfriedigungen noch mit Barrieren versehe •
        <pb n="514" />
        499 
Bahnwärter giebt es nicht, sie werden durch die grossen vor 
den Locomotiven befestigten Kuhfanger ersetzt, welche Steine 
oder auch über die Bahn wandelndes Vieh im Fahren weg 
räumen. Dazu bedient man sich gewaltiger Locomotiven und 
Schwerer Wagen von der doppelten Länge der gewöhnlichen 
europäischen, welche eine grössere Garantie gegen die Ent 
gleisung darbieten. Für den Personen - Verkehr werden die 
Billete während des Fahrens gelöst, und der Güter-Verkehr 
Wird durch besondere Speditions-Gesellschaften besorgt, welche 
dafür verantwortlich sind und den Bahnen eine Pachtmiethe 
zahlen. Alle diese enormen Vereinfachungen werden wieder 
einigermassen geschmälert durch den hohen amerikanischen 
Arbeitslohn. 
I^ie Fahrgeschwindigkeit auf solchen Bahnen, z. B. zwischen 
Chicago und New-York, von Boston nach New-York, Philadel 
phia, Baltimore und Washington ist gross, bis 55 englische 
feilen per Stunde. Wir haben grössere Fahrgeschwindigkeit 
Europa: Von Zügen, welche eine Gesammtstrecke von mehr 
500 Kilometer durchlaufen, ist der schnellste der Expresszug 
Condon-Sheffield-Edinburgh. Derselbe legt einen Kilometer in 
^•91 Minuten zurück. Ihm zunächst kommt der Expresszug 
Grlin-Cöln, der zur Durcheilung derselben Distanz i.oi Minuten 
^Gnöthigt. Es folgen: für eine Distanz von 400 bis 500 Kilo- 
*^^tern der Courierzug Cöln-Bremen-Hamburg mit i. 12 Minuten 
P^r Kilometer; für eine Distanz von 300 bis 400 Kilometern 
Expresszüge London-Salisbury-Ply mouth mit i.oo Minute 
^ud Bristol-Plymouth mit 1.02 Minuten per Kilometer. Von 
Zügen, welche kürzere Strecken bis zu 300 Kilometer 
^^rücklegen, ist der schnellste der Expresszug London-Sitting- 
J^Wn-Dover, der einen Kilometer in blos 0.837 Minuten zurück- 
St, der schnellste aller Eisenbahnzüge Europas. Ihm zunächst 
^^^ht der Concurrenzzug London-Tunbridge-Do ver, welcher zu 
^‘^en Kilometer 0.86 Minuten braucht. Die nächstschnellen 
‘^d die Expresszüge Paris-Boulogne-Calais mit i.oi Minuten 
Berlin-Hamburg mit 1.06 Minuten per Kilometer. 
Im Allgemeinen, und namentlich im Süden und in den 
Staaten des Westens fahrt man langsamer als in Europa. 
32*
        <pb n="515" />
        500 
Sonntags geht in der Regel nicht mehr als ein Zug in jede 
Richtung von einem Ort aus und stellenweise gar keiner, was 
sehr zu billigen ist. Wärterhäuser auf der Strecke giebt es 
nur an wenigen Bahnen und auch hier nur an Uebergangs- 
stellen. ln dünn bevölkerten Gegenden springt ein Mann vom 
Zugpersonal vor einer Weiche ab, der Zug geht langsam, der 
Mann stellt die Weiche und springt, nachdem der Zug passir 
ist, in den letzten Wagen. Oft besteht das ganze Zugpersona 
aus zwei, selten aus mehr als drei Personen; der Locomotiv- 
fdhrer coupirt die Billets, während der Heizer die Locomotive 
allein besorgt. Höchstens giebt es ausser diesen Beiden nocn 
einen Billetcontroleur. Auf kleinen Bahnhöfen findet man 
zwei, höchstens und selten drei Personen. Den sorgsam um- 
formirten, garnichts thuenden Gentleman = Bahnhofsinspec 
giebt es nicht. Bahnhofsinspection, Telegraphie, Billetausga 
besorgen in der Regel zwei Leute. Für die Waaren und das 
Gepäck sind Arbeiter nach Erforderniss des Betriebes und 
des Verkehrs aufgenommen. Auch in den Centralbureaux e 
grossen Bahnen giebt es nur eine unglaublich kleine Zah J 
doch sehr gut gestellter Beamten. 
Der General - Manager steht souverän über allen. 
Frachtagent befasst sich nur mit den Frachttarifen und em 
Suchen von Fracht. Der Passagieragent thut dasselbe bezüg 
lich der Passagiere. Mit allen Mitteln der Reclame suche 
diese beiden Männer ihrer Bahn Verdienst zu verschaffen km 
Chefingenieur hat alles Technische unter sich und bei Bahnen, 
welche Landgrants besitzen und Land zu verkaufen sue e » 
ist hierfür ein Landagent angestellt. Jeder dieser vier Beamte 
ist souverän in seinem Ressort, allein dem General-Manage , 
dieser dem Board of Directors verantwortlich. Das Gescha 
wird lediglich kaufmännisch betrieben, mit der Absicht, vie 
Geld einzunehmen und wenig auszugeben. . , „r 
Das Personal, namentlich die Locomotivführer, sin n 
theilweise gut geschult, weil der Bahnbau sich schneller en 
wickelt, als die Zahl der geschulten Beamten wachst. 
Vergleich mit Europa bezüglich der bewegten Lasten un 
Personen wird in Amerika ein unglaublich kleines Person
        <pb n="516" />
        • 50* 
von den Eisenbahn - Compagnien verwendet. Die Bezahlung 
Einzelnen ist dagegen ausserordentlich viel höher, doch 
giebt es keine Pensionen. 
Die Brücken sind meist von Holz gebaut, doch geschieht 
Weniger Unglück, als man annehmen sollte. Unglaubliche 
Hindernisse sind in den Gebirgen überwunden. Im engen 
Arcansasthale ruht der Schienenkörper eine sehr lange Strecke 
einem an einer Felswand aufgehängten und unten in sie 
eingesteiften Balcon.* In den Gebirgen von Colorado giebt es 
Wohl über 6000 Meilen schmalspurige Bahnen. Die eine führt 
ca. 10.000 Fuss Höhe durch den Vetapass, steigt bis zu 
**•524 Fuss auf und führt hier durch einen 1800 Fuss langen 
Tunnel. 
Kurz, es giebt viele Gebirgsbahnen, welche weit grössere 
Schwierigkeiten überwinden, als die berühmte Semmeringbahn, 
**nd doch sehr viel weniger Geld zu bauen kosteten. In der Prairie 
Weststaaten baut man die englische Meile Bahn, nebst 
^llem rollenden Material schon um ca. 15.000 Dollars, d. h. 
***** etwa 163.000 fl. die geographische Meile, ja man soll 
Einige Secundärlinien um 10.000 Dollars per englische Meile 
^^rgestellt haben. Natürlich kostet dort der Grunderwerb nichts. 
Arbeitslohn und Eisenzoll vertheuern den Bahnbau unge- 
***ein. Die Tonne Stahlschienen kostete ult. 1882 in England 
^6 Dollars, Transport und Spesen bis New-York 5 Dollars, 
^11 nicht weniger als 28 Dollars, so dass die Tonne in New- 
otk auf 59 Dollars zu stehen kam. Durch den neuen Zoll- 
^*’*f ist dieser Zoll erheblich herabgesetzt worden. 
Folgende Uebersicht lässt den Einfluss von Aufschwung 
'***^ Krisis erkennen: 
a hr. 
i|í 
Actien- u. 
Obligat.- 
Capital. 
100 000 D. 
Brutto- 
Einnahme. 
1000 D. 
Netto- 
Einnahme. 
1000 D. 
Fracht- 
Einnahme. 
1000 D, 
Passagier- 
geld- 
Einnahme. 
1000 D. 
Gezahlte 
Dividendej 
1872 
'873 
1877 
»878 
&gt;88i 
57.323 
66.237 
74.» 12 
78 960 
94.486 
3. »59 
3.784 
4.568 
4.589 
6.010 
465.241 
526.419 
472.900 
490.103 
725.325 
'65.754 
183.810 
170.976 
»87575 
276.654 
340.93» 
389.035 
347.704 
365.466 
55» 968 
»32 309 
»37.384 
»25.204 
»24.637 
»73.356 
64.418 
67.120 
58.556 
53.629 
93-344
        <pb n="517" />
        502 
Für ultimo i88i hat man 104.325 Meilen Bahnen, wovon 
49.063 mit Stahlschienen, mit 20.1 i6 Locomotiven, 14.548 Passa 
gierwagen, 648.295 Frachtwagen, in welche investirt waren 
3.195.438.156 Dollars Actien-, 2.890.498.364 Dollars Obligations- 
capital, die 212.766.267 Dollars andere Schulden hatten. 
Summa 6.314.699.787 Dollars kosteten. Die Dividende betrug, 
wie oben, 93.344.200 Dollars. Dies ungeheure Capital, jetzt 
schon über 7 Milliarden Dollars, ist eine höchst gefährliche 
sociale Macht, zumal es in wenig Händen grossentheils liegt. 
Allein das Volk, an Selfgovernment gewöhnt, beweist, dass 
für ein solches, unterrichtetes Volk dieses Selfgovernment 
eine Macht ist, die selbst mit jenem Capital kämpfen kann. 
Hat doch selbst Californien jetzt eine Eisenhahncommission 
und zwingt seinen Eisenbahnmagnaten einen Maximaltarif auf • 
Die Baukosten der Bahnen sind nach den Staatengruppen 
sehr verschieden. Es gab: 
Staaten. 
Meilen 
Bahn. 
Capital 
1000 D. 
Capital 
per Meile. 
N. England-Staaten 
Mittel-Staaten 
Süd-Staaten 
West- u. Südwest-St. 
Pacific-Staaten 
Vereinigte Staaten 
6.161 
15-933 
18.004 
58.226 
5.948 
104.324 
321.074 
1.416.450 
672.117 
2.772.10g 
396.888 
5.577.996 
52.100 
88.800 
37.300 
47.600 
66.700 
53 400 . 
Die 6.112 Meilen Bahnen in Jowa kosten nur 12.000 Dollars 
durchnittlich. 
Die Schienen werden neuerdings nur aus Stahl gemac 
und sind bei vielen alten Bahnen die Eisenschienen dure 
Stahlschienen ersetzt worden. Anfangs ist fast jede Baha 
eingleisig und wird erst zweigleisig, sobald der Verkehr 
erfordert. 
Die Wagen, sowohl Fracht- als Personenwagen, sind 
länger, als dies in Europa üblich ist, so zwar, dass ein Vie 
wagen 18 bis 22 fette Ochsen, oder 60 solche Schweine, oder 
70 Schafe, ein Getreidewagen 500 Bushels oder 30.000 l^s* 
transportiren kann, d. h. 134 Metercentner oder 175 Hectoliter- 
In Europa fasst der Waggon nur 8 Ochsen, 40 bis 50 Schwein®
        <pb n="518" />
        503 
(Doppeletagenwagen), i6o Schafe. Nun ist ein grosser Wagen 
immer billiger als zwei kleine Wagen, welche dasselbe Quantum 
transportiren als er, er hat aber weniger Zugkraft nöthig, der 
Transport in ihm ist also billiger. 
Ferner hat man zwar zwei Passagier-Wagenklassen, allein 
die zweite giebt es nicht auf allen Zügen und eigentlich nur 
in Staaten mit Negerbevölkerung, in anderen Staaten wird der 
II. Klassewagen meist von Passagieren der ersten Klasse als 
Rauchcoupe benutzt. Man hat also in jedem Waggon eigent 
lich nur Waggons I. Klasse und einen Rauchwaggon II. Klasse. 
Zwischen grossen Städten und auf durchgehenden und Schnell 
zügen giebt es Pullman- Schlaf- und Salonwagen, welche die 
Pullman-Actien-Gesellschaft stellt, die also der Bahngesellschaft 
nichts kosten. Um sie zu benützen, muss man von der Bahn 
gesellschaft ein Billet I. Klasse lösen und dem von der Pull- 
nian - Compagnie bestellten Conducteur eine Gebühr, die für 
vierundzwanzigstündige Benützung 5 Dollars, für eine Nacht 
2 bis 3 Dollars zu betragen pflegt, zahlen. So kommen aller 
dings zyweilen faktisch 3 Klassen Wagen heraus, allein die 
Schlafwagen belasten nicht das Bahngesellschafts-Budget, sie 
erleichtern es vielmehr, da diese das Billet erster Klasse be 
zahlt erhält, aber keinen Waggon zu stellen, sondern nur den 
I^ullmanwaggon ziehen zu lassen hat. 
Das Passagiergeld pro englische Meile steigt in Nevada 
y^d in Theilen von Californien auf 10 Cents. Durch Gesetz 
Ist es auf 4 Cents für Californien herabgesetzt oder 10 Mark- 
pfennige per Kilometer. In den meisten Staaten östlich vom 
Mississippi ist das gesetzliche Maximum 3 Cents per Meile = 
7-50 Markpfennige per Kilometer; im Abonnement pro 1000 
^^glische Meilen, die man mit Unterbrechungen auf Bahnen 
derselben Gesellschaft abfahren kann, zahlt man bei vielen 
^^hnen 2 Cents oder per Kilometer 5 Markpfennige. — Ich 
I^^nn hier anschliessen, wie hoch das Passagiergeld für Deck- 
Pässage von Bremen nach Amerika 1882 ult. war. Es betrug 
^^ch Cincinnati 138 Mark, Chicago 145 Mark, Milwaukee 156, 
Louis 157, San Francisco 366, Little Rock (Arcansas) 196, 
Antonio (Texas) 196, New-Orleans 160, Newton (Kansas)
        <pb n="519" />
        504 
180 Mark. Von New-York nach San Francisco 65 Dollars, 
nach Winnipeg 37.70 Dollars, Dakota 32.60 Dollars, nach 
jedem Punkte in Texas 25 Dollars. Der Betrieb der ameri 
kanischen Eisenbahnen stellt sich, trotz der höheren Gehälter 
und Arbeitslöhne und des wegen des enormen Eisenzolles 
höheren Preises des Baumaterials billiger in Amerika als in 
Europa. 
Trotzdem transportirten diese Bahnen noch vor einem 
Jahrzehnt entschieden theurer, als die europäischen Bahnen 
und thun dies zum Theil auch jetzt noch. Auf das Detail 
gehe ich noch ein. 
Die Eisenbahnen, welche nach derselben Richtung führen, 
machten sich in der Regel keine Concurrenz, sondern cartel- 
lirten mit einander, oder, wie man es hier nennt, sie „poolten“, 
setzten die Tarife im Einverständniss mit einander fest und 
theilten oft die Transporteinnahme in gewissem Verhältniss, 
gleichgültig auf welcher Bahn die Fracht bewegt worden war. 
Gelegentlich entstanden Streitigkeiten unter ihnen und sie 
machten sich dann eine Zeit lang einen Concurrenzkrieg, 
während dessen die Frachten unglaublich niedrig waren- 
Doch einigten sie sich stets wieder. 
Schliesslich cartellirten sich alle Bahnen östlich und ebenso 
alle westlich des Mississippi. Das erstere Carteil unterhält 
ein Einigungsamt in New-York, an dessen Spitze ein sehr in 
telligenter deutscher Eisenbahnfachmann, Herr Albert Fink, 
steht. Diese mächtigen beiden Eisenbahnbündnisse würden 
souverän über Frachthöhe verfügen und das Publicum nach 
Belieben besteuern, und sie thaten es, bis sie daran gehindert 
wurden. Es setzte sich die'Farmerweit in Bewegung, grün 
dete Grangerlogen in vielen Ackerbaustaaten und gewann 
Einfluss auf die Parlamente. 
Der Senat zu Washington setzte 1872 die Windorn-Com* 
mission ein, welche Vorschläge zur Verbilligerung der Frachten 
machen sollte. 
Sie empfahl die Entwickelung der Wasserwege und i^^ 
zweiter Linie erst das Einschreiten der Gesetzgebung gegen 
die Bahngesellschaften.
        <pb n="520" />
        505 
Darauf wurde die Mündung des Mississippi auf Unions 
kosten vertieft und werden jetzt jährlich grössere Summen auf 
Wasserwege verwendet. 
Ferner begannen die Einzelstaaten Eisenbahncommissäre 
ernennen, welche die im Staatsgebiet bestehenden Bahnen 
beaufsichtigen und Maximaltarife festsetzen. Deren giebt es 
Schon in 22 Staaten. Das Recht zu letzterer Thätigkeit wurde 
den Bahngesellschaften im Processwege angefochten, doch 
entschied der oberste Gerichtshof, dass die Eisenbahngesell 
schaften sich einen billigen „fair“ Tarif vorschreiben lassen 
müssten. 
Seit Sommer 1882 existirt auch ein solches Eisenbahn- 
Kommissariat, das vom Präsidenten ernannt wurde, für die 
nion und zwar liegen seiner Aufsicht unter alle Bahnen, 
''welche mehrere Staaten durchschneiden. Doch hat es zunächst 
*^och nicht das Recht, Maximal-Durchtarife anzuordnen, sondern 
'^ur der Berichtserstattung über Missbräuche an den Präsidenten. 
Die Abschaffung des Zolles auf dem Eriecanal, die Con- 
^urrenz neuer Wasserstrassen, das Entstehen neuer Concurrenz- 
^ nen und die Gesetzgebung über Maximaltarife in einzelnen 
Maaten hat nun Transportermässigungen herbeigeführt, welche 
durch nur einige wenige Beispiele auf Haupttransport- 
^outen erläutern will. 
Die Grangerbewegung beginnt etwa um 1868 und erpresst 
Schon bald einige Concessionen. Dann wird 1875 der 
auf dem Eriecanal von 3.105 C. per Bushel Weizen auf 
^•070 C. und 1877 1.035 C. ermässigt. Im Herbst 1882 wird er 
in ^^^^ben. Im Jahre 1882 beginnt die Eisenbahngesetzgebung 
Staaten und entsteht zwischen Chicago und dem 
^^tischen Ocean eine grösstentheils auf canadischem Boden 
^nd die Concurrenz mit den alten Bahnen aufnehmende, 
canadischen Regierung subventionirte Bahn, der „Grand 
in^^ Die Mississippistrasse erregt 1880 grosse Besorgniss 
Jah ^*’®*sen der Eisenbahnmagnaten und endlich bricht im 
i88i ein grosser Eisenbahnkrieg unter den Bahnen 
vom Mississippi aus, das von Fink geleitete Einigungs 
versagt den Dienst, weil Jay Gould mit einer neuen 
östlich 
^mt
        <pb n="521" />
        5o6 
Concurrenzbahn von St. Louis und Chicago aus an den Atlan 
tischen Ocean Vordringen will. Diese Ereignisse beeinflussten 
den Frachttarif. ... 
Im Jahre 1851 bewegten die Eisenbahnen etwa 5 MiU. 
Tonnen Fracht im Durchschnittswerth angenommen zu 50 D. 
per Tonne, macht 250 Mill. D. = .0 D. per Kopf der Bevöl 
kerung. Im Jahre 1881 wurden etwa 3500 Mill. Tonnen be 
wegt im Werth von 12.000 Mill. D., oder 200 D. per Kopl- 
Per Achse soll Weizen, der pro Bushel 1.50 D. am Markte 
kostet, nicht weiter als 150 engl. Meilen transportirt werden 
können. Im Jahre 1817 setzte man in New-York eine Co 
mission ein, um über die Zweckmässigkeit eines briecanalbaues 
ru berichten. Sie stellte fest, dass der Waarentransport da 
mals pro Tonne von ca. 9 Wtc. oder 2000 Ibs. von Buffa o 
nach Montreal 30 D., von New-York nach Buffallo 
20 Tagen — 100 D. kostete. Letztere Summe hoffte die Co ^ 
mission durch den Canal auf 10-12 D. herabgesetzt zu sehen. 
Bei der New-York-Central-Bahn betrugen per Tonne un 
Meile in Cents: 
Tarif 
Betriebskosten 
1855 
i860 
1868 
1870 
1877 
1881 
3.270 
2.065 
2.742 
1.853 
1.014 
0.783 
1.341 
1.343 
1.803 
1.163 
0.69Q 
0.562 
Im Jahre 1872 betrugen die Selbstkosten noch 1.129 ^ 
1881 nur noch 0.526 C, bei der Pennsylvaniabahn 1855 
1.662 C, und 1881 nur 0.437 C. 
Seit 1880 besteht auf preussischen Staatsbahnen ein 
von 0.45 Pf- pro Km. und loo Kg., sowie .2 Pf. Expeditio^^^ 
gebühr. In Preussen haben sich pro Tonnenkilometer, le 
zu IO Mtc., in Pfennigen folgende Bruttoeinnahmen ergcb ^ 
1844= 15.00, 1848 = 11.00, 1852 =6.83, 1856 - 7-33^ * 
= 7.33, 1864=5-831 1868=5-16, 1872 — 4-831 187 
,8y8 = 4.50. — Der preussische Getreidetarif von 0.45 j 
nigen per Km. macht 1.62 Cents per amerikanische Tonne 
englische Meile aus.
        <pb n="522" />
        507 
Nach dieser Skizze will ich schildern, wie sich jetzt die 
Tarife in dem Westen der Union bilden und auch dafür einige 
Details mittheilen. 
Die Frachtrate von Chicago nach New-York bildet die 
basis der Raten in dem ganzen Territorium östlich des Missis 
sippi und nördlich des Ohio. Diese Transportraten werden 
in Proportion zur Entfernung dieser Punkte von New-York, 
Verglichen mit der Entfernung New-York-Chicago, 963 Meilen, 
festgesetzt. 
In Procenten der Rate Chicago-New-York beträgt die Rate 
nach New-York von Battle Creek Mich. 92 Procent, von Cairo 
120, Cleveland O. 70, Detroit Mich. 75•/2, Fort Wayne 
^nd. 88, Grand Rapids Mich. 96, Louisville Ky. 96, Mount 
^ernon O. 75’/2&gt; Wheeling W. Va. 65 Procent. 
Westlich von Chicago und St. Louis werden die Raten 
die Distance von 500 Meilen, bis zum Missouri, in Pro 
portion gebracht und denen von Chicago nach New-York hin- 
zu gefügt. 
So erhalten wir folgende Tabelle: 
, Ultimo 1882 kostete die Fracht bei Waggonladung für 
100 Ibs. in Cents: 
Von 
nach 
Wei 
zen. 
Provi 
sionen. 
Rind 
vieh. 
Schwei 
ne. 
Schafe 
Pferde. 
35 
50 
30 
55 
38 
23 
38 
33V2 
50 
37 
15 
18 
45 
73V: 
75 
37 Vj 
40 
55 
65 
32% 
55 
72'/, 
77 V, 
46'/, 
65 
93% 
56 
k; • . 
Kansas City 
Bluffs 
¿»•nwell Mich. 
I O. 
ßT' 
¡Si'S™ 
Eisenbahnleute sagen, das Geschäft werde unprofitabel, 
*^11 die Rate Chicago - New - York unter 20 C. per 100 Ibs. 
^ Getreide falle. 
New-York 
St. Louis 
New-York 
St. Louis 
New-York 
40V2 
57 
»9 
60 
33 
27 
32 V2 
39 
15 
31
        <pb n="523" />
        508 
Die Fracht zwischen beiden Orten betrug für loo Ibs. 
bei Waggonladung: 
Durch- I 
lahr I schnittlichjl Getreide 
-* 1 See und 
Canal. 
Eisenhahntarif 
Rinder ' Schweine 
von bis 
Pro- {; 
Visionen j 
von bis li von bis von bis 
1874 i 
1875 : 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
1881 
1882 
anderes 
Cents 
für 
4. Klasse Güter zahlten im September 1864 96 Cents, 
November 1882 35 Cents, aber August 1882 nur 19 Cents. 
Fracht per 100 Ibs. von New-York nach Chicago, also west 
wärts. 
Im Allgemeinen suchen die Eisenbahnen den Satz von 
33 Cents festzuhalten. Während des Tarifkrieges von 1881 
waren sie aber bis auf 10 Cents herunter für 100 Ibs. zwischen 
Chicago und New-York. Im Sommer erhalten sie selten mehr 
als 25 Cents für 963 Meilen oder 1060 Kilometer =2.11 
pfennig für 10 Metercentner und Kilometer, oder 0.211 Mark- 
pfennig per Metercentner u. Kilometer, anstatt 0.45 Pf» 
Preussen. 
Westlich von Chicago ist die Fracht für Getreide 25 Cen^ 
pro 100 Ibs. von Kansas City nach Chicago für Weizen, |ür 
Mais und anderes Getreide ebensoviel. lieber 35 Cents 
Getreide steigen 
die 
Weizen und 30 
Frachten selten. 
Frachten der Provisionen pflegen 5 Cents höher 
100 Ibs. Weizen zu sein. ^ 
Rindvieh zahlte 1882 40 Cents per 100 Ibs. Gewicht vo^ 
Chicago nach New-York, und dazu von allen Plätzen öst 
des Mississippi im Verhältniss. Von Kansas City nach Chicag 
und von anderen Punkten am Missouri beträgt die Frac 
für 
als
        <pb n="524" />
        509 
2 5 Cents per too lbs., nach New-York fur 1500 Meilen 
^5 Cents. Das macht für 2400 Kilometer = 0.242 Pfennige 
per Metercentner und Kilometer. 
Die See- und Canalfracht Chicago - New-York war in der 
Kegel urn 20 Cents herum. 
Immerhin interessiren einige westliche Frachtsätze noch. 
So von Vieh. Bekanntlich wird viel Vieh von Dodge City 
östlich versandt. 
Nach Kansas City 
von 
Meilen. | 
1 too 
! Wei- 
j zen. 
1 Cents. 
Ibs. 
Mais. 
Cents. 
1 Vieh. 
Waggon 
ladung. 
Dollars. 
Osage City 
Emporia 
Florence 
Newton 
Wichita 
Great Bend 
Dodge City 
Garden City 
Las Animas 
Pueblo 
Albuquerque 
85 
111 
156 
&gt;«5 
213 
269 
352 
402 
53« 
618 
902 
«4 
17 
19 
21 
23 
«: 
«3 
«4 
&gt;4 
: ! 
20 
25 
30 
35 
35 
35 
40 
40 
68 
75 
130 
Eine Wagenladung fetter Ochsen, 20 Stück, kostet also 
j'^^n Dodge City bis New-York 145 4- 40 Dollars = 185 Dol- 
oder 9.25 Dollars = 22.20 fl. per Stück, für ca. 1.950 Meilen 
3.120 Kilometer. 
S. Schreiber theilt mit, dass der Transport von 30 Ochsen 
on Breslau über Berlin nach Hannover 1.037 Mark, das Stück 
34-5 Mark oder 8.6 Dollars kostete. 
Soviel über die Transportkosten! 
im vollkommen die Communications- und Transportmittel 
^ Innern der Union sind, so unbedeutend ist ihre Handels- 
^ *'*ne. Sie besass im Juni 1880 4717 Dampfer mit 1.211.558 
2204 Segelschiffe langer Fahrt mit 1.314.402 Tonnen 
^ *74 Wallfischfahrer. Das Andere waren Küstenfahrer, 
ka . Canalboote. Alles in Allem hatte die ameri- 
Handelsmarine nur 4.068.000 Tonnen. England be- 
üagegen 16.183 Segelschiffe mit 3.751.000 Tonnen und 3.789
        <pb n="525" />
        ■m 
_ _51? - 
Dampfer mit 2.594.000 Tonnen, Frankreich 652 Dampfer mit 
277.000 Tonnen, im Ganzen 919.000 Tonnen, Deutschland 
574 Dampier mit 196.000 Tonnen, zusammen i.i 71.000 Tonnen. 
Holland iii Dampfer mit 78.000 Tonnen und 1.292 Sege 
schiffe mit 365.000 Tonnen, Schweden 182 Dampfer mit 
54.000 Tonnen und 1.901 Segelschiffe mit 413.000 Tonnen, 
Dänemark 103 Dampfer mit 44.000 Tonnen und 1.180 Segel 
schiffe mit 178.000 Tonnen, Italien 92 Dampfer mit 55.000 Ton 
nen und 3.135 Segelschiffe mit 963.000 Tonnen, Oesterreich- 
Ungarn 75 Dampfer mit 54.000 Tonnen und 626 Segels^i e 
mit 246.000 Tonnen, Russland 148 Dampfer mit 69.000 Ton 
nen und 1.814 Segelschiffe mit 413.000 Tonnen, die Welt, 
sagt man, hatte um 1880 ca. 5 500 Dampfer mit 5.600.000 Ton 
nen und 50.000 Segelschiffe mit 15.000.000 Tonnen. 
Die Handelsmarine einer Nation ist unabhängig von ihrer 
Grösse, aber nicht von ihrer Capitalkraft. ■ Wie sie wechse t, 
geht daraus hervor, dass im Jahre 1672, als der Handelskrieg 
zwischen Frankreich und Holland ausbrach, weil letzteres sicn 
den Colbert’sehen hohen Schutzzolltarif von 1667 nicht gefa e 
lassen wollte, die europäischen Staaten etwa 20.000 Sege 
schiffe hatten, von denen die Holländer 15 bis 16.000, F^an ' 
reich weniger als 600 besass. Im Frieden von Nymwege 
erlangten die Holländer den Sieg, dass Frankreich ihnen ge 
genüber den Tarif von 1667 aufgeben musste. . 
Durch die Navigationsacte schuf sich England eine Marin 
und machte nun seinerseits Holland einen Handelskrieg, * 
dem englische Kaperer 1600 holländische Schiffe wegnahme 
Amerika hatte bereits eine stattliche Handelsmarine, al e» 
in dem Bürgerkriege machten die Kaperer der Südconfoe 
rirten Jagd auf die amerikanischen Handelsschiffe. Die 
wurden damals meist an Ausländer verkauft. Von diese 
Schlage hat sich die amerikanische Handelsmarine noch m 
erholt. Wenn aber das amerikanische Eisenbahnnetz, 
sive des mexicanischen, ausgebaut sein sollte, will ^ 
heimische Dampferlinien aus allen amerikanischen Haupt a 
nach andern Häfen subventioniren, z. B. inclín _ 
für den Postdienst grosse Summen giebt, und hofft, sich
        <pb n="526" />
        5” 
t« 
auch eine Handelsmarine zu schaffen. Dieses wird immer 
Schwierig sein, weil amerikanische Seeleute weit höheren 
Lohn beanspruchen und erhalten als europäische und gar als 
chinesische, welche letztere den englischen sogar im Stillen 
Meere von Jahr zu Jahr eine grössere Concurrenz machen. 
Die Seefrachten für loo Ibs. Getreide nach Liverpool in 
Lents im Jahresdurchschnitt waren für Dampfer: 
Jahr. 
New-York 
Philadel 
phia. 
Von 
Baltimore. 
Boston. 
Montreal. 
1877 
1878 
1879 
1880 
22.9 
2S.I 
20.6 
19.7 
26.9 
28.2 
24 2 
21.4 
27.5 
28.8 
23.0 
22.3 
23.8 
20.0 
19.0 
28.2 
26.0 
24.9 
22.0 
Von Australien kostet die Tonne Lagerraum von 40 Kubik- 
^^ss im Dampfer nach England für präservirtes Fleisch 
30 Shilling, Wolle Pence per Ib.
        <pb n="527" />
        XXXI. Capitel. 
Das Mormonenland. 
In Nord-Oregon vereinigen sich der Gebirgszug, welcher 
an der Südseeküste Amerikas entlang läuft und Coast-Range 
genannt wird, und der damit parallel laufende Gebirgszug, 
der im Norden Cascade Mountains, im Süden Sierra Nevada 
heisst, mit dem grossen östlichen Hauptkörper der Rocky 
Mountains. Die Verschmelzung dieser drei Gebirgsmassen 
erfolgt südlich vom Columbia River. Aber schon im nörd 
lichsten Drittel Oregon’s trennen sich die drei Gebirgspartien- 
Zwischen der Coast-Range und der Sierra Nevada liegen ^ 
fruchtbaren Thäler des Sacramento und Joaquim River, hegt 
Californien. Zwischen den Cascaden und der Coast-Range 
liegen die Weizen reichlich producirenden Thäler Oregons- 
Aber östlich der Cascaden und der Sierra Nevada, von 
Oregon bis zu den hohen Gebirgen der Republik Mexico, 
zieht sich eine Hochebene über dem Meere hin, die von 20O 
bis 600 engl. Meilen von Osten nach Westen breit und i4 
bis 1500 engl. Meilen von Nordwesten nach Südosten an 
ist. Im Osten wird sie durch höhere Gebirgsketten der Rocky 
Mountains begrenzt, die sich hie und da in diese Hocheben 
hineinschieben und sie theilen. Es giebt in ihr auch einig 
isolirte Berggruppen. Vulcanische Thätigkeit ist an les ^ 
Bergen überall sichtbar. Diese Hochebene ist als die „gro 
amerikanische Wüste“ bekannt. Sie occupirt etwa ein Drit 
von Oregon, ganz Nevada, Westutah, einen grossen 
von Arizona und greift von hier über nach Neu-Mexico 1 
Südcalifornien, wo sie sogar westlich der Sierra Nevada si 
bis Colton erstreckt, hier aber, wie überhaupt nach 
Süden, niedriger wird. Fort Yuma liegt nur noch etwa 4
        <pb n="528" />
        5:3 
Fuss über dem Meeresspiegel, und in Südcalifornien senkt 
Sich die Wüste sogar bis ca. 300 buss unter dem Meeres 
spiegel. 
Allein wie verschieden auch die Höhe dieser Wüste sei, 
^ sie überall in jenen Staaten denselben Charakter: 
‘e war Meeresgrund, der sich durch vulcanische Einwirkung 
K hoben hat und von noch höheren Bergen begrenzt und 
durchsetzt wird. 
Der Boden ist ein Gemisch von Lehm, Sand und Lava, 
u viel Geröll, das vom Gebirge durch Regen abgewaschen 
Das Verhältniss der Mischung dieser vier Elemente ist 
^:cht überall dasselbe, zuweilen wiegt der Lehm, selten der 
,^^d vor. Lehm giebt dem Boden seinen Charakter. An 
Stellen enthält er eine sehr starke Beimischung von 
alien und von solchen Salzen, welche ausgetrocknetes Meer- 
^‘"terlässt. Im nördlichen Theil dieser Wüste liegen 
:'^:che grosse Seen, wovon* die meisten durch süsses, einige 
g extrem salziges Wasser gefüllt sind. In diese 
Hicssen Bäche und Hüsse aus den Bergen, ohne dass es 
^men sichtbaren Abfluss dieses Wassers gäbe. Diese See- 
von Nevada und Utah. Die 
g :uhe Hälfte beider Territorien enthält nur ausgetrocknete 
ecken. Die Seesalze färben den Boden weisslich. Die 
®*ud fast alle kahl. Hie und da findet man an der Nordseite 
^urselben spärliche Kiefernwaldungen. Die Berge von Californien, 
Arizona und Utah sind reich an kostbaren Metallen, 
Silber, Blei und Gold. Es sind in allen bekannten 
l’ali ^^uschen durch die Wüste gezogen, um diese mine- 
çjçj. ^ Schätze sich anzueignen, und viele Tausende sind in 
Wüste umgekommen, wo sie weder Trink wasser noch 
fanden. Die Vegetation auf dieser Wüste ist spär- 
wechselndem Charakter, je nach ihrer mehr 
südlichen Lage. Sie wird von der Südpaci- 
:u Südarizona und Südcalifornien, von der Central- 
^ ahn in Nordnevada und Nordutah durchschnitten. 
' wo es keinen Frost giebt, wächst der bäum- 
^ctus; derselbe findet sich an der Central-Pacificbahn 
3a
        <pb n="529" />
        nicht mehr. Aber auf dieser ganzen Wüste wächst ausser an 
dm^iSake undv^^a^m gdmt^mShdkn, ^ 
Line Spur von Vegetation tragen, der Sagebusch, ein Strau _ 
der auf armem Boden nur wenige Zoll, auf reichem Bo 
einige Fuss hoch wird, staubgrau aussieht und vom i 
gefressen wird — wenn auch nicht gern. Wo er auftritt, 
ist der Boden reich an Alkalien. Spärlich sieht man 
Thälern dieser Wüste Graswuchs zwischen den Sagebusc 
(Sagebrush). . . 
In den Flussthälern von Neu-Mexico und Arizona ha 
Indianer und Mexicaner, nach Anleitung der Franciscane - 
Mönche, kleine Strecken dieser Wüste bewässert und » 
Winnen etwas Gemüse, Mais, Weiten und Obst darauf. Alto 
dies geschieht nur an den Ufern des Rio Grande del ^ 
und einiger anderen Flüsse. Nördlich von Arizona und Ne 
Mexico findet man dergleichen Cultur nicht, und 
ausgemacht, dass Nevada und .Westutah stets Wüste bleiB 
würden. Sie sind es auch geblieben, bis auf eine 
Kette, welche vom grossen Salzsee in Utah sich nord ic 
300 und südlich über 1000 Meilen, bis Tucson hinzieht. 
Diese Oasenkette hat der Glaube geschaffen, wenn aU 
ein Irrglaube, und die Ansiedelungen sind nach dem Fla 
eines sehr begabten Mannes, Brigham Youngs, entstanden. 
Es ist nicht meine Aufgabe und Absicht, über „Mormon^^ 
mus“ als eine besondere protestantische Secte oder Confe^ 
zu schreiben. Doch sehe ich nicht ein, wenn einmal die 
dition aufgegeben wird, weshalb der Mormonismus wemg 
berechtigt sein soll, als die anderen, protestantischen ^ 
fessionen, zu deren einer ich ja selbst gehöre. Der 
weiberei wegen wohl kaum, da ja Landgraf Philipp 
Hessen und König Friedrich Wilhelm II. von Preussen 
weiberei, mit Zustimmung der betreffenden kirchlichen Behof 
ihrer respectiven lutherischen Confessionen getrieben ^ 
und die Ehe mit ihren mehreren Frauen von solchen 
liehen Personen vor dem Altare eingesegnet worden 
Vom protestantischen Standpunkte aus lässt sich, glaube 
gegen den Mormonismus nichts Stichhaltiges Vorbringen,
        <pb n="530" />
        515 
Vom katholischen nicht mehr, als gegen jede andere pro 
testantische Confession. Allein ich lege keinen Werth auf 
tétese Bemerkung, die sich auf ein Gebiet bezieht, worauf sich 
berufene bewegen mögen und auf dem ich mir kein Urtheil 
gomasse. Mir ist der Mormonismus interessant, weil er den 
cweis liefert, „dass die Religion productiv sein kann“ 
Selbst wenn sie ein Irrglaube sein sollte. Wer die Geschichte 
ennt, weiss das freilich. 
Öie Mönche sind nicht nur im Mittelalter die Pioniere der 
ttltur, die Lehrer des Ackerbaues, der Gewerbe und Künste 
Gewesen, sondern sie haben noch in den letzten Jahrhunderten 
Amerika ganz dasselbe geleistet, so die Jesuiten in Paraguay 
Und die Franciscaner in Californien. Ich habe eine Mission 
letzteren, San Gabriel, besucht, die erst vor iio Jahren 
Sugründet war und heute noch den schönsten Olivengarten, 
st- und Palmengarten von Südcalifornien besitzt. Allein 
ie durch Revolution erfolgende Emancipation der spanischen 
olonien hat alle diese, in ihren Resten, Ruinen und Ueber- 
Gibseln noch bewundernswerthen Gründungen der katholischen 
**’che auf rein öconomischem Gebiete zerstört und eine 
S^chichtsunkundige Journalistik gefallt sich darin, Glauben 
?^ öconomischen Fortschritt als Gegensätze zu be- 
^^‘chnen. 
t)ie mormonischen Colonien in der grossen amerikanischen 
den schlagendsten Beweis dafür, dass Religion, 
^^s Glaube auch auf öconomischem Gebiete heute noch 
schafft. Berge versetzt, dass „Religion productiv sei“ 
V , uinc Kirche, welche die Pflege der socialen, materiellen 
^^^^^^ulsse ihrer Angehörigen verständig ordnet, dadurch 
^ auf den Staat den ausschlaggebenden Einfluss erhält. 
’uir der Rückschluss beachtenswerth erscheint, dass 
Uns Kirche oder Kirchen für die socialen Krankheiten 
Zeit verantwortlich machen müsse. Hätten sie sich 
stets 
^ ' Wie Christus, als die von Gott eingesetzten Vormunds- 
^Grlu^ Schwachen und Armen betrachtet und jede Härte 
siç . ^^i^^igen und Reichen unnachsichtig verdammt, hätten 
für sich Schätze gesammelt und besessen, sie wären 
33*
        <pb n="531" />
        5^6 
in dieser Armuth allmächtig und unwiderstehlich gewesen. 
Leider haben die „hohen“ Geistlichen solange vergessen: 
Lucas io: „Traget keinen Beutel und grüsset Niemand au 
der Strasse.“ — Math. 5: „So jemand mit dir rechten wil 
und deinen Rock nehmen, dem lasse auch den Mantel. 
Luc. 4: „. . . er hat mich gesalbt und gesandt, zu verkünden 
das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstossenen 
Herzen, zu predigen den Gefangenen, dass sie los sein 
sollen“ (keine Schuldhaft). 
Für diese Behauptung, welche ich schon früher aufgestellt 
und durch die segensreichen Wirkungen der canonischen 
wirthschaftlichen Gesetze im Mittelalter zu begründen versucht 
habe, beabsichtigte ich einen neuen Beweis durch ein Beispiel 
zu führen, deshalb trennte ich mich in Salt Lake City 
meinen anderen Reisegefährten vorläufig, um genaue Kennt- 
niss von dem zu nehmen, was die Mormonen hier geschaffen. ^ 
Wenn man die Weltgeschichte unbefangen betrachtet, 
wird man finden, dass Menschen als Massen durch drei Mo 
tive in Bewegung gesetzt werden: i) Religion, 2) Nation, 
3) Stand oder sociale Gemeinschaft. Die Religion ist 
stärkste Motiv; sie vereinigt Menschen verschiedener Nationa 
lität und Stände zu einem Ziele. Die Stärke der Juden be 
steht darin, dass sie durch das Doppelband derselben 
Religion und derselben Nation umschlungen werden; ist oas 
religiöse Band beim Reformjuden vermodert, so hält das 
Racenband ihn noch an seinen Stammesgenossen fest. Die®® 
Einigkeit, welche jenes Doppelband um die Judenschaft 
schlungen und in ihr erzeugt, giebt ihnen die wirthschafthc ^ 
T Tf^hprletrenheit. die als Reichthum erscheint. Ihre Rehgi^ 
ist sehr productiv! 
Die Mormonen gehörten alle demselben Stande an, 
waren sehr arm. Jetzt giebt es Reiche und Arme, aber noc 
umschlingt alle dasselbe religiöse Band. Sie recrutiren si ^ 
jährlich durch Zuzug aus Amerika, England, Schweden, ^ 
wegen, Dänemark, der Schweiz und einen sehr geringen 
Deutschland. Aber alle diese Nationalitäten verschmeiß
        <pb n="532" />
        5*7 
nicht nur in eine kirchliche, sondern auch in eine 
grosse wirthschaftliche und politische Gemeinschaft. 
Henn eine wirthschaftliche und politische Gemeinschaft 
Mormonencolonie hierselbst, und eine um so merk- 
|vurdigre|.ç^ sie keine commun ist i sehe ist, sondern das 
^■»ncip des Privateigenthums vollkommen in ihr zum Aus- 
*'uck kommt. — Eine solche Gemeinschaft, die unter unseren 
**RGn entstand und sich noch jährlich weiter entwickelt, die 
? Capital und in einer Wüste ihren Ursprung nahm und 
jetzt die höchste Cultur Amerikas geschaffen hat, welche die 
J^odernen Kräfte des Dampfes und des Capitals, der Eisen- 
^ und Banken mit Virtuosität handhabt, in Ackerbau 
Und Viehzucht das Ausgezeichneteste leistet, dabei aber in 
^*’ster Linie eine religiöse Gemeinschaft ist, genau kennen 
lernen, ist gewiss der Mühe werth. 
Die Mormonen waren in Illinois als Ackerbauer angesie- 
und zu Wohlstand gekommen, als sie, Anfangs der vier- 
^Ser Jahre, Gegenstand der Verfolgung von Nichtmormonen 
^^esselben Staates wurden. Der Pöbel lynchte, d. h. mordete 
Propheten, Joseph Smith und seinen Bruder Hyram, ver- 
^*'^nnte ihre Häuser und malträtirte sie auf jede Weise. Sie 
^chlossen nun auszuwandern und in einem abgeschlossenen 
Felsengebirges, das nicht zum Gebiete der Union 
neue Heimath zu gründen. Dieses hatte ihnen 
schon früher in einer Prophetie geboten. 
^*'ül*j^hr 1846 zogen 1000 Familien mit soviel Hab 
dren von Ochsen gezogenen Wagen transpor- 
konnten, über das Eis des Mississippi gen Westen und 
Post* ^^^1 Niederlassungen in Jowa, welche als Etappen- 
die Nachkommenden zu dienen hatten. In Folge 
"°ch ein weiter vorgeschobener Posten in Florence, 
gegründet. Auf allen diesen Etappenposten, welche 
Irjçj- ^ unbewohntem Lande, das nur von kriegerischen 
dçf durchstreift wurde, lagen, wurden Forts gebaut und 
sofort begonnen, denn hier sollten die Nach- 
diç ^^den nicht nur Schutz, sondern auch Lebensmittel für 
Allere Reise bis zur nächsten Etappe finden.
        <pb n="533" />
        5:8 
Die Regierung der Union handelte unmenschlich an diesen 
Flüchtlingen. Nachdem der Gouverneur von Illinois ihnen 
erklärt hatte, dass der Staat sie nicht schützen könne, zwang 
ein‘Truppencommandant in Jowa die ersten Flüchtlinge, i ^ 
500 Mann „Freiwillige“ zum Kriege gegen Mexico zu stellen, 
was natürlich geschehen musste. Diese 500 Männer marschirten 
durch Neu-Mexico bis Los Angeles in Californien, wurden hie 
nach Jahr und Tag entlassen und mussten ihren Weg zn 
ihren Brüdern im Felsengebirge suchen, ohne Provisionen 
zur Reise zu erhalten. Nachdem die kräftigsten Männer s 
die Niederlassung in Illinois verlassen, überfiel der Pobel » 
Zurückgebliebenen und trieb die Tausende von Frauen, 
dem, Greisen und wenigen Männern vor sich her b^i u e 
den Mississippi. Ja, als sie sich am westlichen Ufer diese 
Flusses sammelten, sandten ihnen die Amerikaner noch Kanone 
Kugeln vom östlichen Ufer nach. Die Häuser und reiche 
Ländereien der Flüchtlinge in Illinois wurden Beute der e 
folger. Die Flüchtlinge sammelten sich auf den Niederlassunge 
jenseits des Mississippi, welche die Voraufgegangenen imhru ' 
jahre gegründet hatten. „ • uom 
Im Frühjahre 1847 brach der neue Präsident, Brig 
Young, mit nur 42 Männern auf, um auf mexicanisc e 
Gebiet den Ort einer neuen Niederlassung zu suchen, ^ 
am 24. Juli kam er im Thaïe des Salzsees an, das er als 
ihm in einer Offenbarung bezeichneten Ort der Niederlassu 
bezeichnete. .5 
Welche Intelligenz und Macht über seine Gefährten m ^ 
dieser Mann gehabt haben, dass er diesen Fleck zur _ 
lassung wählte und doch seine Gefährten ihm unweiger 
gehorchten! . x, j nach 
Die Wansatch-Berge ziehen sich hier von Norden 
Süden bis ii.ooo Fuss hoch hin. Ihre höchsten Gipfe s 
mit Schnee bedeckt. Sie fallen ziemlich steil g^gen ei^^ 
Hochebene von ca. 4000 Fuss Erhebung über dem ^ 
ab. Diese Hochebene war damals eine vollkommene, 
Vüste, auf der nur der graue Sagebusch wuchs. u. 
, rioc WÜQtenho^'
        <pb n="534" />
        5^9 
plateau trat, war die Ebene nicht breit, da sich in lo bis 
20 Meilen Entfernung von den Bergen der etwa 8o Meilen 
lange und 50 Meilen breite Salzsee parallel mit dem Hoch 
gebirge hinzieht. Südlich davon, etwa 50 Meilen entfernt, 
liegt der Utah-See, welcher süsses Wasser enthält. Der Jordan 
fuhrt den Ueberschuss dieses süssen Wassers in den Salzsee, 
f^en Landstreifen zwischen den beiden Seen und dem Jordan 
im Westen und dem hohen Felsengebirge im Osten wählte 
l^fäsident Young als Niederlassung. 
Es gehörte ein ausserordentliches Vertrauen der Leute 
^^f ihren Führer dazu, um sie zu bewegen, dass sie sich hier 
*^iederliessen, und dieses Vertrauen ist in glänzendster Weise 
gerechtfertigt worden. 
Ende Juli ist die Wüste hier doppelt abschreckend. Das 
l^ümmerliche Gras ist von der Hitze verdorrt, selbst der un 
verwüstliche Sagebusch vertrocknet und die aus dem Gebirge 
l^ommenden Bäche sind, bis auf den Jordan, wasserlos oder sehr 
'Wasserarm, das Land aber glänzt weiss unter der heissen 
Sonne von Salz- und Kalikristallen. Nur ein Wahnsinniger 
konnte, so musste es damals scheinen, dem Gefolge rathen, 
klor Zelte aufzuschlagen, Hütten zu bauen und den Pflug 
^urch die Salzwüste zu ziehen, denn wie sollte hier Frucht 
Sachsen ? 
Dennoch war die Gegend mit ausserordentlichem Scharf- 
^lick ausgewählt! 
Die Berge sind an dieser Wüstengrenze ii bis 13.000 P'uss 
^och und massenhafter Schnee lagert im Winter auf ihnen. 
hohe Sommertemperatur bringt den grössesten Theil des- 
^^Iben zum Schmelzen, und das nun in die hier etwa 4300 Fuss 
®he Wüste durch viele Bäche abfliessende Wasser kann. 
in 
Viele Canäle vertheilt und darin und in Bassins gestaut, die 
üste bis in den August bewässern. Thatsächlich fanden 
in allen noch Wasser, als wir in diesem Monate hier 
Der Jordan aber hat im grossen Utahsee sein natürliches 
^Grvoir und war im August d. Jahres noch ein Fluss von 
Fuss Breite und 10 bis 12 Fuss Tiefe. Der Führer 
also richtig die Wassercapacität geschätzt. Auch das
        <pb n="535" />
        520 
Klima, denn man hat zwar 3 bis 4 Wintermonate, allein auf 
der Hochebene ist der Winter nicht strenge, und im Sommer 
ist die Hitze weit geringer als in Kentucky oder Illinois. Und 
der Boden ist, durch Waschen vom überflüssigen Alkali ge 
reinigt, äusserst reich an Pflanzennährstoffen. Dazu kommt, 
dass dies Thal die Annehmlichkeit einer Gebirgs- und Meer 
landschaft vereinigt: Man hat nur wenige Stunden Wagenfahrt, 
um im Sommer das kühle Hochgebirge mit äusserst malerischen 
Schluchten zu erreichen, und man hat jetzt nur Stunden 
Eisenbahnfahrt, um von Zion zum Grossen Salzsee zu gelangen, 
der für die Bevölkerung besser ist als irgend ein Meer, 
Man hat ihn oft mit dem Todten Meere in Palestina ver 
glichen. Ich kenne dasselbe nicht, allein wenn dieser Ver 
gleich etwas Oedes und Abschreckendes bezeichnen soll, so ist 
er falsch. Der grosse Salzsee ist vielmehr von seltener Schön 
heit. An der Ostseite liegt die Fruchtebene der Mormonen 
ansiedelungen, von ihm durch einen schmalen Wüsten- und 
stellenweise Wiesenraum getrennt, auf dem gut genährtes 
Racerindvieh weidet. Tm Süden stossen hohe Felsen und 
Berge hart an seine Ufer^ die auf der Nordseite hie und da 
schön mit Wald bestanden sind und grün und grau sich 
färben. Wo diese Bergkette anfangt, hat man 3 herrlich® 
Badeplätze geschaffen, welche man Nachmittags bequem mit 
der Bahn erreicht. Der Badezug verlässt Zion um 5 Uhr und 
ist vor 6 Uhr bei der letzten Badestelle, von der er um 
71/2 Uhr abfahrt, um in Zion um S'U Uhr anzukommen. Die 
„Heiligen des letzten Tages“ können so um billigen Preis nach 
Beendigung der Tagesgeschäfte — die um 4 Uhr in der Stadt 
eintritt — das entzückendste Bad geniessen, das ich kenne, der 
ich doch in der Ost- und Nordsee, im Adriatischen, im Mittel 
ländischen, Atlantischen, dem Stillen Meere und im Golf von 
Mexiko gebadet habe. Die Aussicht ist herrlich Links zi^ht 
sich unabsehbar der hohe Gebirgszug hart am See hin, den 
man vor sich nicht übersehen kann und der hier den Eindruck 
des Meeres macht. Im unabsehbaren Vordergrund des Se^ 
Meeres liegen einige Felseninseln von verschiedener Grösse un 
malerischen Conturen, wohl bis zu 800 Fuss Höhe aus dem
        <pb n="536" />
        ! 
ii! 
_52I _ 
See aufsteigend. Rechts sieht man über den schmalen Wüsten- 
Und Weidestreifen, die wogenden Kornfelder, weiterhin die 
Baumgärten gehüllte lange Stadt, welche an den Vorbergen 
Hochgebirges des Ostens leise ansteigt. Darüber, hart am 
usse des Hochgebirges, liegt das „Zwinguri“ der Mormonen, 
Ort Duglas mit seiner Kaserne, den-Offiziers wohn ungen und 
schönen Gärten, das die Unionsregierung hier vor etwa zehn 
Jahren bauen Hess und worin ein ganzes Regiment liegt, zur Beob 
achtung der streitbaren Mormonen — die gewiss den Streit nicht 
anfangen, wenn man sie in Ruhe lässt. Hinter Fort Duglas 
hebt sich nach rechts und links die gewaltige Felsengebirgs- 
. deren höchste Spitzen mit ewigem Schnee bedeckt 
. . . Wenn die Abendsonne über dem See und seinen 
nseln, zwischen beiden Gebirgsmassen, untergeht, und das 
^at sie im August grade zur Zeit, wenn der Badezug zur 
tadt zurückfuhr, geniesst man ein Naturschauspiel unvergleich- 
^ Gr Bracht. Sie hüllt sich in alle Nuancen des Goldgelb 
malt die Berge purpurroth, der Reflex dieser Farbentöne 
^ert auf dem See und seinem grünen, bald dunklen, ruhigen 
jf.^^^^B^Ggel. Allmählich dunkeln alle Farben nach und 
" deckt schwarze Nacht das Ganze. 
der See, kein Fisch lebt darin, während der 
^ a See und der Jordan sehr fischreich sind, nur eine schwarze 
owenart kreist am Ufer über dem, meist nur leise bewegten 
nich"^" ^^^Grspiegel. Aber unschön ist der See darum 
ch^ * Wasser ist so durchsichtig, dass man jedes Stein- 
seinem Grunde von der Oberfläche aus leicht erkennen 
istT darin ist einzig in seiner Art. Das Wasser 
den^p heissen Tagen kühlt es ab, an kalten erwärmt es 
p .^denden. Es ist extrem salzig und bitter und hat 
^in ^ste Verdunstungsstoffe, so dass der Mensch wie 
^®P^en in ihm schwimmt, indem nur fünf Sechstel eines 
^ad% Manneskörpers in ihm untersinken können. Kein See- 
ann sich an Stärke der Wirkung mit diesem vergleichen, 
hat man nahe Zion Schwefel- und andere heisse 
^ ist also ein äusserst schönes und gesegnetes Land, in
        <pb n="537" />
        522 
das Brigham Young seine kleine Schaar geführt hatte, aber 
damals verrieth nichts alle diese Vortheile und es hatte nur 
Abschreckendes in seiner trostlosen Dürre. Allein das Gefolge 
vertraute dem Führer, und schon am Tage nach der Ankunft 
bauten die Einen ein Fort, die Andern begannen die Arbeit 
des Pflügens — im dürren Wüstenboden, überzeugt, dass sie 
daselbst ernten würden, und noch Andere bauten den ersten 
Bewässerungscanal, durch den sie Wasser aus dem Jordan au 
den frisch umgepflügten Acker leiteten — und wirklich ernteten 
sie noch im selben Jahre etwas Kartoffeln und Mais, freilic 
wenig, wie denn die ersten Jahre nur äusserst kärgliche Ernten 
brachten. Der Wüsten- wie der Praerieboden der östlich 
vom Felsengebirge gelegenen Staaten bringt erst nach dem 
dritten Jahre eine volle Ernte, wenn das Wetter günstig ist. 
Dieses Zutrauen konnte jenen Männern nur eine feste 
religiöse Ueberzeugung geben, denn als • meine fünf Reise 
gefährten, die alle Landwirthe sind, und ich diese Wüste vo« 
dem Ostabhange der Sierra Nevada bei Reno bis Ogden, woh 
600 Meilen weit, durchfuhren, meinten wir, dass dieser mi 
Salz und Alkali geschwängerte, von der Sonne ausge örrte 
Boden niemals cultivirt werden könne. Wohl hatten 
wir von dem Ackerbau in Utah gelesen, aber geglaubt, dass 
der Boden daselbst ein anderer sein werde, als in der grossen 
Wüste. . v,t hei 
Mit einem ungemessenen Erstaunen sahen wir, dich 
der Station Ogden, plötzlich in derselben Wüste blühen ^ 
Ansiedelungen, üppige Wiesen, reiche, wogende Getreidefeld 
und wohl genährtes Vieh. Wo aber der bestellte Bode 
zwischen zwei Ansiedelungen aufhörte, da war wieder ur 1 
weisslich-graue Wüste, mit Sagebusch bewachsen. Was h 
Wandpliiriir 
WT il of ^ 
Wasser und Arbeit! j^ren 
Allmählich kamen in den Jahren 1847—50 die an 
Mormonen von Illinois, dann von den Stationen in Jowa u 
Nebraska, nach. Mühevolle Reisen das. Auf von sec s 
acht Ochsen gezogenen Wagen wurden Frauen un 
durch unbewohntes Land, auf dem es sogar oft kein n
        <pb n="538" />
        523 
Wasser gab, den ungeheuer weiten Weg transportirt. Es sind 
über I ooo Meilen von ihrer letzten Station, die sie bei Omaha 
am Missouri gegründet hatten, bis nach Ogden! Aber sie 
kamen an! Jahrelang lebten Alle von Rationen, welche ihnen 
sehr kärglich zugemessen waren, aber Keiner verhungerte. 
Als sie zuerst den Pflug durch den von Alkali inkrustirten 
Boden trieben, sagte ein alter Trapper, der unter den Indianern 
lebte, welche diese Wüste unstet durchwandern und es nie 
zu bleibender Niederlassung mit einem Versuch des Acker 
baues darauf brachten, er wolle den Mormonen jedes Korn, 
^as sie hier ernten würden, mit Gold aufwiegen und 
i^tzt ist es schon geschehen, dass Weizen von Utah dritthalb- 
tausend Meilen weit per Bahn nach New-York und von da 
aach England transportirt worden ist, denn der Wüstenboden 
von Utah ernährt nicht nur die jetzigen 150.000 Einwohner 
Territoriums, worunter ein grosser Theil sich nicht mit 
Ackerbau beschäftigt, sondern in den Silber- und anderen 
Bergwerken arbeitet, sondern es werden Weizen, Mehl, Vieh 
und Pferde sowohl nach San Francisco als auch nach den Ost 
staaten der Union, und zuweilen Weizen sogar nach Europa 
^xportirt. 
Präsident Young entwarf sofort den Plan der Stadt „Zion“, 
Reiche die Amerikaner Salt Lake City nennen, der bis heute 
&gt;nne gehalten wurde. Es ist eine sehr schöne Stadt nach 
diesem Plane entstanden, mit langen, 96 Fuss breiten Strassen, 
un deren beiden Seiten unaufhörlich frisches Wasser in Canälen 
Ibesst, neben denen schattenspendende Baumreihen stehen. 
Bast jede Familie bewohnt ein eigenes Haus, nur in wenigen 
l^auptstrassen entbehren diese Wohnungen einen Garten. Der 
Gärten wegen ist die Stadt von sehr grosser Ausdeh- 
^^ug, obschon sie nur ca. 30.000 Einwohner hat. Für ihre 
^ultusgebäude, das weltbekannte eiförmige Tabernakel mit 
^underbarer Akustik, der drittgrössesten, herrlich tönenden 
und Raum für 12.000 Personen, den noch 
uen prachtvollen Tempel, das Stadthaus und 
Schulen haben die Mormonen Millionen 
Mit dem Plane zur Stadt machte Young 
^»■gel in der Union 
uuBau begriffenen m 
die 
k&gt;olla 
21 öffentlichen 
fS aUROTf
        <pb n="539" />
        524 
gleichzeitig den Entwurf zu einer allgemeinen Bewässe 
rung des Landes und zu einer Eintheilung desselben m 
kleine Besitzungen für je eine Familie, Nachdem ich diese 
Bewässerung und den Ackerbau hier gesehen, halte ich beide 
für die vollkommensten in Amerika und wohl werth, 
von europäischen Ingenieuren im Detail studirt zu werden. 
Vom Jordan und von anderen aus dem Gebirge kommen 
den Flüssen wird das Wasser in grosse Canäle und von diesen 
in Kleinere geleitet, welche das Grundstück eines jeden An 
Siedlers rund umfliessen. Die innere \ertheilung des 
Wassers auf dem eigenen Boden hat jeder Besitzer selbst zu 
besorgen. Natürlich macht der Eine diese Bewässerungsanlage 
für sein Grundstück besser, der Andere schlechter, wie der 
Eine besser abkert, der Andere schlechter. Danach ist auch 
die Ernte verschieden. Im Durchschnitt ist aber Bewässerung 
und Ackerung gut und hat ein guter Stock englischer Farmer, 
die dicht um Zion angesiedelt sind, hier das System des eng 
lischen high farming mit Glück eingeführt, das von den 
Nachbarn nachgeahmt wird. Der erste Plan zu diesem gross 
artigen Canalsystem ist von Young aufgestellt. Innerhalb 
desselben werden die Canalbauten jetzt in den einzelnen 
Colonien von der Ortsbehörde, von einer Cooperativ-Gesell- 
schaft von Farmern oder von einer Actiengesellschaft ausge 
führt. Früher, als die Gemeinde klein war, that die Kirchen 
behörde, welche gleichzeitig weltliche Behörde war, 
dies. Die Canäle sind sehr billig hergestellt und bedient man 
sich verschiedener Arten von, Pflügen und der Zugkraft des 
Pferdes zum Ausheben der Erde. Diese billige Herstellung 
der Bewässerungsanlagen könnten wir hier lernen. Ohne Be 
Wässerung ist das Land vollkommen werthlos. Der Alkaligehalt 
des Bodens ist nicht überall gleich. Wo er sehr gross ist, 
„wäs.cht man das Land.“ Man lässt Wasser langsam darüber 
laufen, welches das Alkali auflöst und beim Abfliessen in den 
Grossen Salzsee führt und wiederholt dies Experiment so oft, 
bis der Acker genügend von Salz gereinigt ist. 
Die ersten Canäle sind von der kirchlichen Gemeinschaft 
als solcher mittelst allgemeinen Aufgebotes aller Arbeitsfähigen
        <pb n="540" />
        erbaut und war von Lohn per Tag dabei nicht die Rede. 
Seit vielen Jahren aber ist dem nicht mehr so. Man arbeitet 
auch unter Mormonen nur noch für Geld, es sei denn, es 
Werde eine neue Colonie gegründet. Dennoch kann ein Mann 
leicht Grundbesitzer hier werden. Er braucht sich nur An- 
theil am Wasser eines schon bestehenden oder entstehenden 
Bewässerungscanals zu kaufen oder zu erarbeiten. Die 
Mormonen kommen in der Regel ganz arm aus Europa hier 
^n. Sie werden zunächst von ihren Bischöfen, welche nicht 
nur für geistliche Functionen da sind, sondern denen auch 
— ich kann wohl sagen — Vormundschaft für die Mit 
glieder ihres Sprengels und die stete Sorge für ihr materielles 
Bortkommen, wie eventuell die Armenpflege obliegt, unter 
gebracht. Dann suchen sie Lohnarbeit, die sie zu 2 Dollars 
Tag leicht erhalten. Für Wohnung und Kost zahlt der 
Unverheirathete 2'/.^—3 Dollars per Woche in Zion. Ein 
tüchtiger Arbeiter — schlechte Arbeiter erhalten natürlich 
Weniger Tagelohn — kann also bald eine bescheidene Summe 
sparen. Nun kauft oder erarbeitet er Recht an einem Canal, 
bisher wüstes Land bewässern soll. Hat er dies Recht 
erkauft oder erarbeitet, so nimmt er eine Homestead am 
Canal auf, d. h. er bezeichnet der Landbehörde der Unions- 
^egierung 160 Acres Wüstenland, auf dem er sich niederlassen 
Dieses Land wird ihm nun für 5 Jahre zugeschrieben 
Segen Erlegung einer Gebühr von ca. 15 Dollars. Hat er 
5 Jahren einen bestimmten Theil des Landes in Cultur 
gebracht, so erhält er, gegen eine abermalige kleine Gebühr, 
en Besitztitel. Er baut sich ein bescheidenes Häuschen auf 
er Homestead, pflügt soviel Acres im Herbste um, als seine 
. ^*’de leisten können und stellt die einfachen Canäle zur Be- 
^eselung des Ackers im Innern seines Grundstückes her, wo- 
, *Bm erfahrenere Nachbarn zur Hand gehen. Von December 
März fällt reichlicher Schnee in den Gebirgen, so dass 
&gt;ese Wasser genug in die Canäle für Sommerbewässerung 
ern können. Im Frühjahre säet der neue Ansiedler Weizen, 
^fer, Gerste, Mais und pflanzt Kartoffeln. Hat er die Mittel 
so pflanzt er auch Obstbäume und wohl Pappeln und
        <pb n="541" />
        520 
Weiden zum Schutze des Gehöftes gegen Windstürme. Ich 
habe diese Ansiedelungen in allen Stadien gesehen, ein Ja r 
alt, bis 30 Jahr alt. Im ersten Jahre der Ansiedelung wohnt 
die Familie zuweilen in dem mit wasserdichter Leinewand be 
deckten Wagen, oder sie gräbt ein Loch m die Erde, dec t 
Bretter darüber und über diese Erde und wohnt m dieser 
dugout“ genannten Höhle, dann baut man ein kleines Haus 
aus Holz oder an der Luft getrockneten I^hmziegeln, nach- 
fahren tritt ein stattliches Ziegelhaus hinzu, neben dem man 
das alte Häuschen in der Regel stehen lässt und als Rumpe - 
kammer benutzt. . 
Mancher Homesteadbesitzer besitzt zwar schon 160 Acres 
= 64 Hectare, aber nur Recht auf soviel Wasser, dass er 20 Acres 
bewässern kann. Er bebaut diese vorläufig und erkauft a - 
mählich etwas mehr Wasserrecht. Die meisten Canalbaue 
sind noch immer im Fortschreiten begriffen, sie werden ve^ 
lungert, vertieft, gereinigt. Das kostet Geld und Arbeit. Nun 
werden „Shares“ ausgegeben, welche z. B. jed^ das 
auf eine Stunde Wasserlauf per Woche gewahren. Solch 
Shares haben einen Marktwerth. Man kann sie erkaufen, m 
kann sie auch von der Canaldirection erwerben wenn ma 
an dem Canal, sei es allein, sei es mit einem Pferdgespan , 
arbeitet. Der kleine Anfänger kann also allem durch se 
Arbeit sich schliesslich soviel Wasser erwerben, dass er da 
seine sämmtlichen 160 Acres bewässern kann. Man mac 
übrigens die Erfahrung, dass es in Folge der Bewasser g 
grosser Flächen und der Vegetation darauf, namentlich 
vielen Baumpflanzungen, jetzt mehr in Utah regnet, as 
früheren Jahren, eine Beobachtung, welche man auch au 
Prairie im Osten des Felsengebirges macht. Der Grosse S 
see ist in Folge dieses Regens, wovon das abfhessende Wass^ 
ihm zu Gute kommt, seit mehreren Jahren ca. 10 FuK g 
stiegen. Er wird grösser. Auch in den anderen mormomsc 
Colonien im südlichen Theile der Wüste regnet es jetzt sch 
mehr als .früher, sogar in Arizona. Man rechnet, da^ 
Erwerben des Wasserrechtes auf so viel Wasser, womi 
I Acre bewässern kann, 5 bis 10 Dollars ein fur all
        <pb n="542" />
        527 
kostet, je nachdem das Wasser eine kürzere oder längere 
Strecke zu leiten ist. Die Unterhaltungskosten fur die Haupt 
canäle sind jährlich nicht gross, etwa 5 bis 10 Dollars per 
Homestead von 160 Acres, in der Stadt Zion für Garten 
ï /4 Dollar für jede 5 Acres, hier ist jedoch das Wasserrecht 
nicht vorher gekauft, sondern wird durch die jährliche Zahlung 
von 1*^4 D. mit bezahlt. Mancher Ansiedler, der sich etwas 
Capital mitgebracht oder erspart hat, zieht es vor, eine schon 
cultivirte Landparcelle zu kaufen. 
Er begnügt sich dann in der Regel mit einer kleineren 
Parcelle. Um die Stadt Zion herum ist das Land in „Lots“ 
Von je 5 Acres eingetheilt, und hier existiren viele kleine 
Earmen von je 20—30 Acres. Die Engländer, Schweden, Nor 
weger, Dänen und Schweizer, welche hier die Masse der 
andwirthe bilden, sind äusserst fleissige Farmer, und so sind 
^enn diese Farmen im zwanzigmeiligen Umkreise von Zion, 
W^che schon 12 und mehr Jahre in Cultur sind, wahre 
rachtmuster,_ die man selbst in England nicht übertroffen 
ndet. Jedenfalls haben wir auf unserer ganzen Reise durch 
nierika nur in Pennsylvanien ebensogute Feldfrüchte auf 
ci^em grossen Gebiete gesehen, in den Herrenhuteransiede- 
ungen daselbst. Mit dieser Ausnahme halte ich das Mormonen- 
^*^d für das bestbestellte Ackerland Amerikas, sowie man 
^nen grossen Ackerbezirk, und nicht eine einzelne Farm, ins 
^ge fasst. Da man stets soviel Feuchtigkeit hat, als man 
JW^cht, da das Klima warm, im Mittel 32" F., und selten 
j. oder unter o", und der Boden sehr reich an mine- 
^ tschen Bestandtheilen ist, so braucht er nur Fleiss, um 
^sserordentliche Erträge zu liefern, und fleissig sind jene 
^orrngnischen Bauern. Sie düngen sogar meistentheils schon 
^ Boden, was aber im ersten Dutzend Jahre der Cultur ent- 
^kieden unnütz ist. 
kabe viele Farmen besucht, die beste davon gehört 
Herrn Winder, der vor 15 Jahren hier mit sehr geringen 
*^teln einwanderte, aber englisches Farmen gründlich kannte. 
M 
Er 
^ ^og vor, nicht weit von der Stadt sich anzusiedeln und 
85 Acres schon in Privatbesitz übergegangenes Land,
        <pb n="543" />
        528 
etwa 3 Meilen von Zion, den Acre zu 25 Dollars, womit das 
Bewässerungsrecht schon erworben war. Das Land war noch 
ungepflügt, wüst und sehr reich an Alkalien, musste also oft 
ausgewaschen werden. Jetzt hatte er ein schmuckes Haus 
darauf erbaut und genügende leichte Ställe für sein Vieh. 
Dieses bestand ausser den Ackerpferden, aus etwa ein Dutzend 
Stuten und Füllen, Vollbluttrappern und englischen Vollblut 
pferden, alle von grosser Schönheit und im Werthe von 800 
bis 2—3000 Dollars je, ferner in Shorthorn- und Jerseymilch 
kühen. Ein grosser Gemüsegarten war mit Bohnen, Erbsen, 
Blumenkohl, Kohl, Zwiebeln, Melonen, rothen und Zucker 
rüben, Rhabarber, Carotten und Salat angebaut. Unter Aepfel-, 
Pfirsich- und Pflaumenbäumen, die sich unter dem Gewicht 
der Früchte bogen, war Luzerne angesäet, die zu Heu gemähet 
wird. Die Kartoffeln gaben 300 Bushel (à 35 Liter) per 
Acre, die rothen und weissen Futterrüben ¿200 Bushels oder 
72.000 englische Pfund, Luzerne, die vier mal im Jahre ge 
schnitten wird, 8 Tonnen (à 2000 englische Pfund, 112 eng 
lische Pfund --- 50 Kilogramm), rother Klee ebensoviel. Bei 
Weizen und Gerste rechnete er aui 50, bei Hafer auf 80 Bushel 
per Acre. 
Natürlich ist dies eine der schönsten Farmen, allein manche 
kleinere hat keine niedrigeren Erträge per Acre. In den ersten 
Jahren freilich wird der Acre nur 10—12 Bushels Weizen 
und Gerste bringen, aber Luzerne bringt sofort reichlichen 
Ertrag und kommt auch auf sehr kalireichem Boden gut fort, 
wie auch die Kartoffel. Von Luzerne leben Pferde und Kühe 
im Winter. Die Viehhaltung wird also schon am Ende des 
ersten Ansiedelungsjahres möglich. Noch braucht man nicht 
zu düngen, aber nach 10—12 Jahren lohnt cs sich, dies z 
thun, obschon ich Weizen auf einem Felde sah, das schon zuin 
15. Male hinter einander Weizen ohne Dung brachte und jetzt 
45 Bushels zum Acre zu geben versprach. Das aus deih 
Gebirge kommende Schneewasser führt vermodertes Laub un 
aufgelöste fruchtbare Gebirgserde mit sich und düngt danut 
das von ihm berieselte Land. 
Die Früchte der Landwirthschaft haben hier einen hohen
        <pb n="544" />
        529 
«'S, weil die Bergwerksbevölkerung rund um diese Oase in 
rirona, Nevada, Utah und Montana in ihr den nächsten 
StadTv"’““'''”'*''''' 9 August, als ich in dieser 
bis n ?, ™ Grosshandel Weizen 90 Cents 
Pfunö 1 35 Liter oder 60 Ibs. [englische 
noej ^ j; Kilogramm), Kartoffeln 35-40 Cents, Gerste 
1 Gentner von 100 Ibs. i.ao-1.25 DoUars, Hafer per Cent- 
Mais ^ Dollars, Mehl per Centner 2.40—270 Dollars, 
i4_r * Durchschnitt 30—50 Cents, Käse 
^ fettes Schaf 4—6 Dollars, ein fettes 
Oalfn ^~~r lebend Gewicht, Milch 25 Cents per 
l^uzernheu und Kleeheu 6-20 Dollars per Tonne von 
^ ^ Metercentnern, im Durchschnitt aber 
nur San Francisco kostete damals Weizen 
Pettvil Ausser Milch, Butter, Getreide, 
sendet (^'^^hes und getrocknetes Obst ver- 
Käser • stammende Mormonen betreiben 
soll vn «"»erwirthschaft mit viel Erfolg. Ein Farmer 
Pamilí!" 30-40 Acres mit der zahlreichen 
^^nnorh^T gebauten Früchten leben und 
"innehl I verkaufte Producte 1000 bis 1200 Dollars jährlich 
Purob;*J" l^onnen, ein Ertrag, der nur in wenigen Theilen 
V, pI" dürfte. Die Abgaben sind geringe, 
aber v geschätzten Werth. Die Kirche 
Zehnten. Die Ausgabe der mormonischen 
Und K- T' Kleidung, für ihre vielen Frauen 
Parmer - ^1® diejenige der nicht mormonischen 
ßezop-f.' ^ ihnen der Genuss von Spirituosen —ausser eigen- 
Und Th^”' Wein und Cider — des Bieres, Tabaks, Kaffees 
zahlt ¡hre Religion verboten ist. Nahe der Stadt 
eingerichtete, alte und gut cultivirte 
Seine . r Dollars per Acre. Mr. Winder schätzte die 
^ uf 125 Dollars per Acre. 
^^^uifen "^°^"^onische Colonie zieht sich nicht nur in langen 
' 5—15 Meilen breit nördlich und südlich Zion hin, 
34
        <pb n="545" />
        530 
sondern eine Kette von Mormonencolonien setzt sie 
südlich bis Tucson in Arizona und nördlich durch Wyoming 
und Idaho bis in Montana fort, so zwar, dass ein Reiter, 
welcher von Tucson in Südarizona über Zion in Utah durch 
Wyoming oder Idaho nach Montana reitet, auf dieser wo 
2000 englische Meilen langen Strecke jede Nacht auf einer 
mormonischen Niederlassung schlafen kann. Au 
solche Entfernungen nämlich hat sich die Kolonienkette nörd 
lich und südlich von Zion weiter und weiter vorgeschoben, 
und zwar ist dies planmässig geschehen. So können »e 
Ansiedler aus einer Colonie schnell jenen in einer andere 
Colonie zu Hülfe kommen und so kann die Behörde m Zio 
ihre Befehle sicher und schnell an alle ihre Colonien gelange 
lassen. Diese Art der Anlage von Colonien m besummte 
Abstande von einander liefert den schlagenden Beweis, as 
die „Grosse Wüste« fast überall cultivirbar ist, dass 
man in Abständen von weniger als einer Tagereise u era 
Wasser genug zur Bewässerung findet, und dass m ihr über 
Früchte gezogen werden können. Wo Flusswasser fehlt, ge 
winnt man es durch artesische oder durch solche Brunnen, 
deren Pumpwerk von einer Windmühle in Bewegung gesetz 
wird. Die Bewässerung mittelst solchen Brunnenwassers ve 
breitet sich immer mehr in West- und Südamerika. 
Die artesischen Brunnen sind 300—1200 Fuss tief, ge 
per Stunde 400—1000 Gallonen Wasser, und mit Zuhilfenahn^ 
von Windmühlpumpwerken bis 2400 Gallonen a 4 Liter p 
Stunde Jahr ein, Jahr aus. Zu 2000 Gallonen per J"" 
oder 80 Hectoliter giebt ein solcher Brunnen ca. 2000 He 
liter per Tag, die man in Reservoirs sammeln kann, so 
man von einem Brunnen 700.000 Hectoliter Wasser im Ja 
für Irrigation nutzbar machen kann. Gewöhnliche 
sind in Utah in der Regel nur einige 30 Fuss tief und geo ’ 
durch Windmühlen ausgepumpt, genügend Wasser, um gr 
Gärten zu bewässern, in Californien sind sie zu diesem vve 
in Wein-, Obst- und Gemüsegärten sehr allgemein in Gebrau^^ 
Im Süden bauen die Mormonen Baumwolle, Feigen, 
Südfrüchte, im Norden Weizen. Sie .treiben auch erhe
        <pb n="546" />
        531 
Viehzucht, indem ihre Schafe und Rinder zum Theile in den 
'-»ebirgen weiden. 
.. reichen Mormonen betreiben selten Ackerbau auf 
größeren Farmen, höchstens auf 400 bis 600 Acres. Aber 
»e haben zahlreiche Viehheerden, Tausende von Rindern und 
c a en, die im Sommer im Gebirge weiden und im Winter 
n die Seen hinabgetrieben werden; der Boden gehört dem 
^ aate. Diese Heerden kosten also nur den Hirten. Die 
j Preise aber sind sehr gut. Gewöhnliche Schafe kosten 
2 is 2 Dollars per Stück, Fettschafe 4 bis 6 Dollars; fettes 
ndvieh bringt 4 bis 7 Cents per Ib. Lebendgewicht. Diese 
lehzucht lohnt sogar noch mehr als jene in Wyoming, von 
J ich weiterhin zu sprechen habe, obschon das sonst eine 
Unkosten für das Hüten eines 
naes bis zum vierten und fünften Jahre in Utah werden 
mehr als 4 bis 6 Dollars kosten, ein Fettochse aber 
50 bis 80 Dollars. 
no Selbstbinder, welchen wir hier arbeiten sahen, band 
sch arbeitete aber gut. Er wurde von drei 
wachen Pferden, die den Tag über nicht gewechselt wurden, 
^^'Ogen und mähte und band den Weizen auf 5 Acres per 
w5h Getreide gut und werden kräftige Pferde im 
^rfn T so kann er 8 bis 12 Acres räumen und 
r ert natürlich nur einen Treiber, aber mehrere Leute zum 
Setzen der Garben. 
Mormonen sind auf diesem ganzen Streifen die ein- 
Rer^r ^kerbauer und fast die einzigen Industriearbeiter, 
gieute abgerechnet, ln ihren Städten benutzen sie die 
bed- geschickt zur Anlage von Fabriken. Neuerlich 
Koh^^" sie sich auch der Dampfkraft, nachdem treffliche 
Kohl^ ^ Dollars per Tonne in Utah kostet. Die 
^nd ^ Meilen von Zion im Gebirge gefunden 
'^och Vollendung begonnener Eisenbahnen, 
banp der Landwirthschaft in Zusammen- 
in kl Fabrikation von Syrup und sogar Rohzucker 
Klei Quantitäten, aus Sorghum und Zuckerrohr, die im 
von den Farmern betrieben wird, meist nur zur 
34*
        <pb n="547" />
        Deckung des Hausbedarfes, ferner die Mühlenindustne. Au 
Wassermühlen wird jener Weizen gemahlen, der in der Colonie 
consumirt und für die Bergleute in die Gebirge geführt wird. 
Ferner hat man Wollen- und Seidenwebereien, denn auch der 
Seidenwurm wird gepflegt und es giebt viele Maulbeerbäume 
in Utah. Es giebt einigfe Gerbereien und fängt man neuerlic 
auch die Eisenbearbeitung an. Eisen findet sich nahe Zion. 
Solches ist der Zustand des Mormonenstaates in der Wüste, 
der sich immer weiter ausbreitet, denn auch jetzt werden noch 
jährlich einige Colonien — immer im Zusammenhänge mit 
schon bestehenden, d. h. in ihrer Nachbarschaft gegrün e 
Die Zahl der Farmen betrug 1850 erst 926, i860 = 
1870 = 4.908 und verdoppelte sich bis 1880 auf 9.452. er 
pachtet sind davon nur 60, von Métayers bewirthschaftet 373- 
Unter 3 Acres sind nur 18, von 3—10 Acres 396, von 
10—20 Acres 1.253, von 20—50 Acres 3.496, von 50—100 Acres 
1.963, von 100—500 Acres 1.857, von 500—1000 Acres 30, 
über 1000 Acres nur 3. Mormonische Farmen giebt es 
aber noch zahlreiche in den angrenzenden Staaten und 
Territorien und wurden in Utah seit 1880 zahlreiche neue 
Farmen und sogar Colonien alljährlich gegründet. Die Leute, 
welche dazu bereit sind, eine neue Colonie zu gründen, werden 
zusammen berufen. Die Kirche stellt einen Anführer an ihre 
Spitze. Die Bemittelten schaffen Wagen, mit grossen, wasser 
dichten Tüchern bedeckt, Zugthiere, Ackergeräthe, Saatgut 
und Lebensmittel an, die Aermeren verdingen sich als Mieths- 
leute bei Ersteren. Genügt das Vermögen der Leute nicht 
zur Ausrüstung der Expedition, so schiesst das Zehntamt der 
Kirche das Fehlende zu. Nun zieht die Schaar nach dem 
schon vorher sorgfältig ausgesuchten Ort ab, wo die Colonie 
gegründet werden soU. Die Aeltesten kennen die Gegen 
genau und wissen, was man dort anbauen kann. Ein Wasser 
ingénieur wird der Expedition beigegeben. In Zion besteh 
eine Schule für solche, die von Mr. Fox geleitet wird, de 
seit Anbeginn, noch unter Brigham Young, alle Bewásserungc^ 
geplant hat. An Ort und Stelle angekommen, wird Jede 
sein Acker zugemessen - der unentgeltlich von der Unio
        <pb n="548" />
        533 
als Homestead aufgenommen wird. Manche bauen eine Hütte, 
ndere campiren im ersten Jahre im Wagen. Sofort beginnt 
man den Bau der Bewässerungscanäle und das Pflügen des 
ers. Alle Arbeiten werden militärisch auf Commando des 
G testen ausgeführt. Man bewässert, pflügt, sät — und dann 
aut man erst ein wohnliches Haus. Nach 6 Monaten hat 
^an schon eine kleine Ernte, nach i Jahren meist schon, 
as man bedarf. Dieses planmässige Zusammenwirken Vieler 
^titer Leitung durchaus Sachverständiger und die Hülfe der 
irche mit ihrem reichen Zehntenschatz bewirkt es, dass diese 
^ o onien fast nie scheitern. Es ist darum auch unmöglich, 
m Productionskosten eines Metercentner Getreide in einer 
ß Colonie zu berechnen, denn wer kann jene Dienste in 
eld berechnen, welche eine kirchliche, wohl organisirte 
i emeinde ihren „Brüdern“ leistet? Sie sind unschätzbar. Der 
^ »viduelle Ansiedler, welcher von Europa hierher kommt, 
Ut '^Icl schwerer, sich selbstständig zu machen. In 
ß ^ schon ganz unmöglich, da er allein sich keine 
^ewasserungsanlage machen kann, die Mormonen ihn aber 
halb k ^ Wassergenossenschaft aufnehmen. Des- 
in d ^Gute das Monopol des Ackerbaues 
... Wüste und werden es so lange behalten, als ihr reli- 
sc^r gGnug ist, sie von der Geschäftsgemein- 
^ mit Andersglaubenden abzuschliessen. 
Es mag noch erwähnt werden, dass sie auch andere 
p^^^(ionsgeschäfle haben, so ein grosses Waarenmagazin 
der ^ Mitglieder preiswürdiger kaufen als in an- 
^^en Läden, und dessen Einkünfte unter die Actionäre, lauter 
die ^^("theilt werden. Dieses Kaufmannsgeschäft führt 
®ins cooperative mercantile institution“ und ist 
der ^^össesten, wenn nicht das grösste derartige Geschäft 
y- Diese Compagnie, deren Actien nur von strenggläu- 
^amonen besessen werden, hat das prächtigste Magazin in 
®der Salt Lake City, massiv von Ziegelstein und Eisen 
helle^*’ Euss lang, 53 Fuss breit, 3 Stock hoch und unter- 
einem Waarenhause von gleicher Höhe, 195 Fuss 
und 25 Fuss Breite verbunden und wird neuerlich ver-
        <pb n="549" />
        534 
grössert. Das Geschäft besitzt in jeder der über 500 Mor 
monendörfer oder Städte eine Filiale, kauft Alles im Grossen 
ein und führt Alles, was eine Land- und Stadtbevölkerung 
bedarf, von der eisernen und hölzernen Maschine bis zum 
feinsten Tuch und kostbarsten Damenputz. Da in allen Städten 
jüdische Händler existiren, so kann dies Geschäft sich nur 
halten, indem es billiger verkauft als jene, und das thut es 
und kann es um so eher, als es, vermöge seines Massenum- 
satzes, Specialtarife niedrigster Art bei allen Bahnen hat, um 
so mehr, als die Localbahnen von Mormonen gebaut sind und 
einer ihrer Bischöfe sogar Director der grossen Union-Pacific- 
Eisenbahn ist. Der Umsatz dieses Geschäftes muss colossal 
sein, die Kirche verbietet den Mormonen, bei Nichtmormonen 
zu kaufen, ein Verbot, was freilich oft nicht beobachtet wird, 
allein da das Cooperativgeschäft billiger liefert, hat es doch 
fast die ganze Mormonenkundschaft und «sogar die vieler 
nichtmormonischen Bergleute. Leider wollte man mir das 
' Geschäftsresultat dieses grossartigen und musterhaft geleiteten 
Unternehmens nicht mittheilen, wie man denn gegen Fremde 
sehr zurückhaltend ist. Durch Ineinandergreifen von Acker 
bau, Viehzucht, allen solchen Industrien, welche ein Volk noth- 
wendig gebraucht, und Organisirung des Handels und der 
Communicationswege ist das mormonische Reich in der Grossen 
Wüste vollkommen im Stande, wenn von dem übrigen Amerika 
abgeschnitten, sich selbst zu erhalten, es hat also alle Bedin 
gungen der Selbstständigkeit. Gewiss eine der wunderbarsten 
Schöpfungen unserer Zeit! • 
Brigham Young wusste, dass in den Bergen nahe Zion Silber 
und andere kostbare Metallschätze vorhanden seien, erlaubte 
seinem Volke aber nicht die Ausbeutung derselben, weil er aus 
Bergleuten keinen Staat zu bilden im Stande war, was doch 
seine Absicht war und ihm auch gelungen ist. Dies konnte 
er nur thun, wenn er seine Anhänger zu Ackerbauern erzog- 
Und in der That beherrschen die Mormonen nicht nur Utah, 
sondern die ganze amerikanische Wüste, wie ich sie gc 
schildert habe und ihre Grenzgebirge, weil sie die einzigen, 
nennenswerthen Ackerbauer und die einzige Partei hierselbst
        <pb n="550" />
        Sind, die über loo.ooo wohlhabende, unabhängige Männer, 
neben einer Anzahl von sehr reichen Leuten, hat, die ausser 
dem alle blind dem Befehle ihres Kirchenregiments in Zion 
gehorchen. Thatsächlich, wenn auch nicht der Form nach, 
ist die Grosse amerikanische Wüste ein mormonisches König- 
i’^ich. Mr. Taylor, Präsident der Kirchenbehörde, der noch 
üiii Joseph Smith zusammen im Jahre 1846 verwundet wurde, 
mit dem Leben davon kam, beherrscht die amerikanische 
üste, obschon er keinerlei obrigkeitliches Amt da- 
i’in bekleidet! Die Mormonen stimmen bei allen politischen 
iiiid Gemeindewahlen natürlich wie ein Mann und geben des- 
^ib, wo sie dicht angesiedelt sind, bei diesen Wahlen den 
Ausschlag. 
Als die Mormonen von Illinois vertrieben wurden, beab 
sichtigten sie, die Union zu verlassen. Utah gehörte 1847, 
sie hierher kamen, noch zu Mexico. Allein schon im 
"^chsten Jahre wurde es von der Union annectirt und die 
ormonen waren wieder auf Unionsbodenl Sie be- 
^hmen sich indessen loyal und in Washington kümmerte man 
kaum darum, was sie in der Wüste machten. Sie waren 
hier 1000 Meilen breites Hochgebirge und östlich 
*nter liegende, über 500 Meilen breite öde Prairie von 
ih ^ ^^^obnten Theile der Union getrennt, verlangten von 
f nichts, nicht einmal militärischen Schutz gegen die Indianer, 
denen sie sich freundschaftlich stellten und die sie mit 
^ Flüchtigkeit behandelten. Dieses gute Verhältniss besteht 
^ heute noch. Weshalb hätte man sie von Washington aus 
in ®F&gt;llen? Wahrscheinlich glaubte man auch, sie würden 
st grossen Wüste elend zu Grunde gehen. Jedenfalls 
^ sich die Unionsregierung freundlich zu ihnen. Utah 
^ ^ F als ein selbstständiges Territorium anerkannt, in dem 
^ ^ "Hl" Mormonen und Indianer lebten. Man beabsichtigte 
bind nicht, die Mormonen in dem Versuche zu 
u 
die Wüste zu cultiviren und zu colonisiren und der 
®*”Fn nützlichen Etappenpunkt auf der langen 
^nwirtblichen Verbindungslinie zwischen ihren atlantischen 
Pacifischen Besitzungen zu schaffen. Deshalb sandte man
        <pb n="551" />
        53^ 
ihnen Anfangs keine Beamten aus Washington, sondern er 
nannte solche Männer zu Unionsbeamten im Territorium, 
welche dem weissen Volk von Utah genehm waren, und dies 
waren natürlich dieselben Männer, welche auch die obersten 
kirchlichen Würden daselbst bekleideten. Utah war also ein 
wirklicher Mormonenstaat, in dem die Kirche zugleich 
der Staat war. Wir haben hier die merkwürdige Erscheinung 
eines rein hierarchischen Staatswesens für allerdings 
nur IO Jahre. Diese Thatsache fand ihren Ausdruck darin, dass 
bis zum Jahre 1858 Mr. Young vom Präsidenten der Union regel 
mässig zum Gouverneur des Territoriums Utah ernannt wurde. 
In jenem Jahre entstand Streit zwischen der Unionsregierung 
und den Mormonen und erstere sandte Truppen gegen letztere. 
Diese campirten vor dem befestigten Zion. Noch existirte keine 
Eisenbahn nach Utah und Young trotzte dem Präsidenten der 
Union. Die Truppen mussten vom Osten der Felsengebirge 
aus per Wagen verproviantirt werden. Diese Zufuhr konnten 
die Mormonen ihnen jeden Tag abschneiden. Die Mormonen 
hatten damals und haben noch heute Ansiedelungen in Jowa 
und Nebraska, an der Strasse, die nach Californien führt un 
also jetzt nahe der Union-Pacific-Bahn. In Wyoming un 
Utah giebt es fast nur mormonische Ackerbaucolonien längs 
dieser Bahn. Sie beherrschten damals, wie heute, also jene 
Strasse, auf der eine Angriffscolon ne aus dem Osten gegen 
sie sich bewegen muss und hatten sie befestigt. Nahe dct 
Station Hanging Rock, wo ein enger Gebirgspass zu dure 
schneiden ist, sieht man noch heute auf dem über 1000 FusS 
hohen Felsen die Festungswerke, welche sie 1857 errichteten, 
und ungeheure Steinmassen, die sie auf durchziehende Soldaten 
stürzen wollten, durch deren Hinabwerfen sie jetzt die Bahn 
auf lange Zeit unpracticabel machen können. Allein si 
schonten damals die gegen sie unter General Sidney Johnso 
gesandten Soldaten und Hessen sie hier passiren. Etwas weitc^ 
westlich hatten sie das Fort Bridger erbaut und mit dre‘ 
Kanonen versehen. Drei Infanterieregimenter, ein Dragon^*" 
regiment und vier Artilleriecompagnien drangen am 23. ^ 
vember, bei eisigem Schneewetter, bis hier vor und nahmen
        <pb n="552" />
        537 
ort. Ihr Munitions- und Provianttrain, von i6o Wagen und 
230 Mann, campirte diese Nacht etwa eine Meile vom Haupt- 
entfernt. Die mormonische Legion unter ihren Generalen 
^^rson Pratt und Fowler Wells schnitten diese Schaar ab, 
^30 Mann nur ihre Taschenmesser und soviel 
^rovisionen, als sie tragen konnten, nebst 5 Haupt Rindvieh 
, Mann und zwang sie, ostwärts zurück zu mar- 
y. 1000 Meilen langen Weg durch das Gebirge 
zum ersten damals bewohnten Punkte Leavenworth kamen 
Ausnahme von 8 Mann, die im Juni 1858 die 
Unglücks hieher brachten. Unter den grössten 
im Viertelrationen gesetzt, lebten die Truppen 
temb^*^ î^ridger und assen alle Pferde auf, bis am 15. Sep- 
Bed erste Proviant vom Osten, unter starker 
dasif h anlangte Da sah man in Washington ein, 
zop- unangemessene Opfer fordern werde und 
naclT 7'^^ Seiten auf Man sandte Abgesandte von Washington 
Beh L förmlichen Frieden mit dem streitbaren 
Grossen amerikanischen Wüste schlossen. 
Kesrh- u Gouverneur stets aus dem Osten 
Aurh*i*’ jedoch im Territorium ohne allen Einfluss ist. 
cn die Richter stammen aus dem Osten. 
ist Eisenbahn von Omaha nach San Francisco fertig 
Wüst Minenindustrie in den Grenzgebirgen der Grossen 
Utah entwickelt hat, wandern viele Nichtmormonen nach 
^^sm sie ca. 15 pCt. der Bevölkerung von Zion 
^(Uten^rl^" Uiese und die von Washington ernannten Be- 
Sege Territoriums halten zusammen, können aber wenig 
''^elch Municipal- und Grafschafts-Verwaltung ausrichten, 
Wij-çj gewählte Beamte, natürlich Mormonen, besorgt 
Kaun eingewanderten amerikanischen und jüdischen 
Land u und Speculanten möchten dies blühende 
abgej. ^ errschen und aussaugen, das nicht sie der Wüste 
mit y ^g^n haben. Natürlich wehren sich die Mormonen 
Sende^p"^ hiergegen. Obschon Utah längst genü- 
Enion ^^dlkerung hat, um als selbstständiger Staat in die 
aufgenommen zu werden, so hat der Congress dieses
        <pb n="553" />
        538 
doch noch nicht gestattet, da alsdann der Staat vollkomme , 
auch formell, von den Mormonen regiert werden würde, denn 
im Staat werden alle Beamten vom Volke erwählt, fur Tern- 
,orlen ernennt man in Washington die Regierungs- und Justir- 
beamten. Allein endlich wird man Utah doch zum Staate 
machen müssen, und das Verhältniss der mormonischen zur 
nichtraormonischen Bevölkerung wird der ersteren nicht un 
günstig, da sie jährlich 3-6000 Menschen aus allen Lander 
der Welt, sogar Kanaken von den Sandwichsmseln, als Lm- 
wanderer erhalten und sich in unglaublicher Weise vermehren 
Ich besuchte einen Mann, der 64 Jahre alt ist, vor 2 Jahren 
eine Homestead in der Wüste aufnahm und ein neues Lebe 
als Farmer mit 62 Jahren begann, nachdem er über 25 Ja 
als Gärtner in Zion gelebt. Ich fand ihn rüstig am Bau 
eines massiven Stalles, mit einigen Söhnen, arbeiten. Derse 
hatte vier Frauen gehabt, wovon drei noch lebten und besa 
46 lebende Kinder, wovon viele schon verheirathet ^^re 
und abermals Kinder über Kinder hatten. Zwei seiner traue 
wohnten in der Stadt. Bei sich hatte er eine, die ihm vie 
zehn Kinder, das jüngste 3 Jahre alt, geboren. Das ist e 
wahrhaft erstaunliche Vermehrungsfähigkeit! 
Man behauptete in Zion, keine genaue Bevölkerung 
Statistik, noch eine solche über den Ackerbesitz der Mormon 
zu haben. Dieses halte ich für unmöglich. Die kirchlich 
Behörden müssen sehr genau über Beides unterrichtet s ' 
werden aber wohl ihre ganze Stärke nicht bekannt werden lass 
wollen, um das Geschrei über ihre Staatsgefährlichkeit, 
ab und zu durch die amerikanische Presse geht, nicht zu v 
stärken. Ich glaube, dass sie auch im Jahre 1880 die Gen 
beamten getäuscht und ihre Zahl viel zu gering angegeö 
haben. Meiner Ansicht nach sind sie über laaooo 
in Utah allein und über 200.000 Seelen auf der Colonien 
von Tucson über Zion bis Montana schon jetzt stark _ ^ 
Territorium Utah hatte nach dem Census von 1870 • 
,880 = 144.000 Einwohner, das giebt eine Jahresvermeht« s 
von 7 pCt. Was die Staatsgefährlichkeit anlangt, so 
man ihnen vieles Schlechte nach, im Ernst kann man 1
        <pb n="554" />
        539 
^ber wohl nur Polygamie vorwerfen, und diese beschränkt 
die in Utah wohnenden Mormonen, da die in anderen 
gß. wohnenden Mitglieder dieser Secte sich — wenigstens 
und im Allgemeinen — mit einer Frau begnügen. 
gQ existirt sogar eine Gemeinde von gegen lo.ooo Per- 
Polygamie entschieden verwirft. 
Staatsbürger benehmen die Mormonen sich, wie es 
VerV Regierung nur wünschen kann. Ihre Religion 
letet ihnen, wie gesagt, den Genuss von Wein, Spirituosen, 
^gar von Thee, Kaffee und Tabak. Freilich beobachten die 
des Verbot nicht oder nur theilweise, aber die Masse 
and ° deshalb kommen unter Mormonen Mord und 
alltä^T* Kxcesse, welche in anderen Theilen der Union 
sehr selten vor. Im Jahre 1878 — 
i^attZï die mir zu Gebote stehende Statistik nicht — 
hauj ao Grafschaften, von denen in 13 weder ein Spiel- 
Öier.’ "h öffentliches Frauenhaus, noch ein Spirituosen-, 
Schaft^ Billardsalon sich befand, und in den anderen Graf- 
erst diese Zubehörden amerikanischer Civilisation 
^chäf nichtmormonische Bergwerks- und Ge- 
^erun machte und die Territorial-Re- 
den Gegensätze zu den mormonischen Localbehör- 
Zion gebot die ganz mormo- 
ünd ju ^^dtbehörde die Schliessung der Trinkstuben um 9 Uhr 
^ichter^^^ ^^steuerung, aber die von Washington gesandten 
^^glei V- Verbot für eine Competenzüberschreitung, 
gegejj Nebraska und Kansas noch härtere Bestimmungen 
"^heile Lasterhöhlen — das sind sie in den meisten 
aische'^P^^I Union — bestehen. Obschon die nicht mormo- 
^^^■üno- '^^dlkerung wohl kaum 15 pCt. der Gesammtbevöl- 
^^straf beträgt, so liefert sie doch 75 Percent der zur 
^*^htm kommenden Verbrecher. Vor Kindringen der 
je 7qqçj ^^onen in Zion gab es dort nur einen Polizisten auf 
g "inwohner, jetzt giebt es einen auf je 4000, in New- 
St. y 400, in San Francisco auf 1200, in Chicago und 
auf 7qq^p^^^ 1000, in Boston auf 600 und in Philadelphia 
Inwohner. Die Mormonen sind „stille Leute“, und
        <pb n="555" />
        deshalb ist ihre Sterberate auch gering. Im Jahre 1876 star 
ben auf 1000 Einwohner in Zion 14..5, in Paris 24.4, in New 
York 30.1. in Wien 34.4 Personen. 
Für den Unterricht sorgen sie erst seit einigen Jahren mit 
Energie, früher, bevor sie die Concurrenz von Nichtmormonen 
zu bestehen hatten und als sie auch noch ärmer waren, thaten 
sie weniger hierfür. Jetzt haben sie in allen Colonien gnt 
Normalschulen in genügender Zahl und in Zion eine Unive 
sität und eine technische Lehranstalt. 
Die Verwaltung der Gemeinden und Grafschaften wit 
durch vom Volke gewählte Beamte besorgt. In Amerika 
giebt es keine Bureaukratie und wird die Verwaltung meist 
unentgeltlich und ehrenamtlich geführt, nach dem altdeutschen 
und englischen Vorbilde. Daraus resultirt, dass sie sehr billig 
ist. Für ein Land, in dem die Administration so viel kostet, 
wie in Frankreich, dürften folgende Notizen nicht ohne In 
teresse sein. _ 
Das Territorium Utah ist etwa 84.000 engl. UMeii 
= 54 Millionen Acres = 21V2 Millionen Hectar gross, hatte 
aber nur ca. 150.000 Einwohner im Jahre 1879. Der 
tischen Administration wegen ist dies grosse Gebiet in 20 Gra - 
schäften getheilt. Die bevölkertste ist Salt Lake County- 
Das — sehr mässig — eingeschätzte Vermögen der Einwohne^ 
betrug im Jahre 1879 = Dollars, die Grafschaftssteu 
55.875 Dollars, wovon nur 13.799 Dollars Beamtenbesoldung^ 
Beaver County hatte 564.000 Dollars taxables Vermögen u ^ 
3.388 Dollars Steuern, wovon 2.239 Dollars für Beamtenbeso^ 
dung undDiäten. Weber County hat 2.240.oooDollars taxfahige^ 
Vermögen und 13.440 Dollars Steuern, davon 2.900 Dollars a 
Gehalt und Diäten. — Leute, welche ihr politisches Gemem 
wesen derartig verwalten, sind nicht staatsgefahrlich, abgese 
von ihren religiösen Grundsätzen und ihrem polygamisc 
Familienleben. ,. 
Es giebt Aemtersucher genug in Amerika, welche ' ^ 
reichen Gemeinschaft so Geld abpressen möchten, wie sie 
den Bewohnern der Südstaaten unter der corrupten Regie^^^ 
Grant’s thaten. Diese halten die Agitation gegen die
        <pb n="556" />
        --54i_ 
^onen wach und haben im Congress, Frühjahr 1882, die Ab- 
.. einer besonderen Commission zur Ueberwachung der 
Q ^®chen Wahlen nach Utah durchgesetzt, sowie auch ein 
etz, welches jedem in Polygamie lebenden Mormonen des 
h ■ beraubt. Indessen haben die nicht mehrfach ver- 
Ma Mormonen dennoch die Majorität und stimmen 
Ki v! Mann und Weib für Weib auf Commando der 
ein^ Commission ist zurückgekehrt und hat 
^^en für die Mormonen nicht ungünstigen Bericht erstattet, 
zu I Grund desselben gewiss nichts Ernsthaftes 
aus • glaube nicht, dass man von M^ashington 
^ in absehbarer Zeit mit radikalen Massregeln gegen die 
rmonen Vorgehen wird, und dafür giebt es gute Gründe: 
Wel h haben, abweichend von den meisten Sekten, 
ents^ Grund einer eigenthümlichen Auslegung der Bibel 
^i an en sind, durchaus keinen neutestamentarischen 
genthumsbegriff Ihre Gründer sind Amerikaner ge- 
lu^en und trafen keine Vorkehrungen gegen die Entwiche- 
g grossen Reichthums innerhalb ihrer Gemeinde. 
Mitgliedern ihrer Gemeinde bis 24 pCt. 
^Och8_T genommen und heute nehmen sie von ihnen 
Ans: pGt-. während z. B. die Mennoniten, welche blühende 
itiehr^ 1 verschiedenen Staaten der Union haben, nie 
Unter H ^ „Brüdern“ nehmen. Deshalb findet man 
denM^" Mennoniten einen gleichmässigen Wohlstand, unter 
kle¡^ ^monen aber einige Millionäre, viele Reiche und sehr viele 
Welt\ und Handwerker, die sich eben anständig durch die 
Sei,r Bettler aber giebt es in beiden Sekten keine oder 
Seit B Der hohe Arbeitslohn, welcher in Utah herrscht, 
liebt H Bergwerke viele Arbeiter brauchen, ermög- 
J^hren Mormonen es immer noch, nach wenigen 
zq Fleiss und Sparsamkeit wirthschaftlich selbstständig 
ich Sch ^1^ Kirchengemeinde hilft ihnen hierbei, wie 
Kanäle gezeigt habe, durch Anlegung von Bewässerungs- 
Ab Organisation planmässiger Coloniegründungen. 
Gross unter den Mormonen, wie gesagt, viele 
^pitalisten entstanden, welche in inniger Interessenge-
        <pb n="557" />
        542 
meinschaft mit jenen amerikanischen Capitalisten stehen, welche 
die Eisenbahnen und Bergwerke beherrschen, die zwischen er 
Sierra Nevada und der Prairie des Missouri liegen. Nament^ 
lieh sind die mächtigen Geldfürsten, denen die Central- un 
Unionpacific-Bahn fast zu Eigen gehört, an jenen Eisenbahnen 
interessirt, welche die Mormonen von Helena in Montana 
Frisko in Südutah und anderwärts gebaut haben, um ihre 
Colonien in Bahnverbindung zu bringen, wie mormonisc 
Capitalisten grossen Einfluss auf die Union-Pacific-Eisenbah^ 
haben, unter deren Directoren ein mormonischer Bischof sic 
befindet. In der That fürchten sich die Mormonen nicht. A 
man Brigham Young auf die Gefahr aufmerksam machte, 
welche die Pacifiebahn für seinen „isolirten Staat“ haben wer i 
sagte er, das sei eine schlechte Religion, die kein 
Eisenbahn vertragen könne. Thatsächlich petitionirte 
schon im März 1853 bei der Unionsregierung um Bau diese 
Eisenbahn und haben die Mormonen den Bau derselben dur 
Capital, Mitarbeit und Verkauf von Lebensmitteln an die Ba n 
arbeiter gefördert, über 500 Meilen derselben selbst gebau^’ 
seit Jahren bauen sie selbst Eisenbahnen, und man hat hie ^ 
wie gesagt, Bischöfe, die Bahndirectoren sind. Sie betheihg^^ 
sich auch an dem Bau der anderen Pacific-Bahnen, die vo^ 
Osten nach dem Westen ihre Colonienkette durchschneid^^ 
Als ich in Zion war, erschien eine Annonce, unterzeichnet vo^ 
hervorragenden Kirchenhäuptern, darunter von einem So 
Brigham Young’s, welche die „Brüder“ aufforderte, geg ^ 
hohen Lohn am Bau der neuen Atlantic-Pacific-Bahn ^ ^ 
beiten, die von Albuquerque nach San Diego am Stillen Me^ 
fuhrt und ihnen zur Reise die Unterstützung der Gemeinsc 
in Aussicht stellte. Neben solchen neuen Bahnen 
bliren die Mormonen sofort Ackerbaucolonien 
geeigneten Stellen und beherrschen durch diese Co 
nisten, die alle den Befehlen aus Zion blind folgen, di 
Bahnen sämmtlich, die sie alle im selben Momente, n» 
solchen Colonien, zerstören können. 
Brigham Young wusste sehr gut, was er that, als er 
Bau von Bahnen beförderte. Bahnen und Bergwerke erm
        <pb n="558" />
        543 
píchen den fast nur Ackerbau, Viehzucht, städtische Handwerke 
Ijna Handel treibenden Mormonen den vortheilhaften Absatz 
‘ •■er Ackerbauproducte, schaffen ihnen also die Vorbe- 
jungen zu Wohlstand und Reichthum, und dessen erfreuen 
je sich in sehr hohem Grade, sie schaffen den Mormonen 
Tj . ^^eh eine Geschäftsverbindung mit den Capitalisten der 
nion, die ihnen sehr werthvoll ist. 
sch”f^*^ "îormonischen Capitalisten stehen in den intimsten Ge- 
ied^ ‘^^’^•■bindungen mit jenen mächtigen Capitalisten, welche, wie 
^ er Einsichtige zugiebt, die Unionsregierung und die meisten 
•am beherrschen. Es ist nicht anzunehmen, dass jene 
^"•schen Eisenbahn-, Bank- und Bergwerksmagnaten 
ïnormonischen Geschäftsfreunde hungrigen Politikern 
^^•^ JGne Vielweiberei treiben. Wollten sie 
thun, würde das nicht ohne sehr ernste Gefahren 
Sie sein. 
mal Falls würden die meisten Mormonen aber- 
auswandern, und sie haben schon für neue Zufluchtsorte 
SanT^ besitzen Colonien in Australien und auf den 
Selb ^uf Jamaika und in Guinea, auch Land da- 
ünd^ I;ülle. Dort würde man diese arbeitsamen Leute 
aber Kapitalien mit Freuden aufnehmen. Sie sind 
siede/" Geschwindigkeit auf den jetzt innehabenden An- 
^nde Grossen Amerikanischen Wüste nicht durch 
erset^^ Ackerbauer und Handwerker in genügender Zahl zu 
Und p"' würden also weniger Lebensmittel für Berg 
oder liefern, welche nun von Californien 
run bezogen werden müssten, eine grosse Theue- 
^Umit entstehen und der Arbeitslohn würde steigen, 
sieb ^or Besitzer dieser Unternehmungen dauernd 
Abzy um so mehr, als die Mormonen vor ihrem 
Gebäude verbrennen, die Bäume abhauen und die 
aber ^^^^8^^canäle zerstören würden, das Land verunkrautet 
^®^ck^ dieser Sonne, sobald es nicht bewässert und 
hinter ^•c würden also factisch wieder eine Wüste 
^Und zurück lassen, die wieder in Cultur zu bringen 
c»3:e von Millionen Dollars kosten würde.
        <pb n="559" />
        544 
V 
Allein bevor sie auswandern, würden die Mormonen wahr 
scheinlich kämpfen. Die meisten von ihnenhängen nochfanatisch 
an ihrer Kirche und alle an ihrem so mühsam erworbenen Eigen 
thum. Sie können jetzt schon mindestens 60—70.000 Mann 
aufbieten, d. h. drei Mal soviel, als die ganze jetzige Unions 
armee hat. Sie zu vertreiben müsste die Union eine Armee 
von 150.000 Mann anwerben, der Krieg würde lange dauern 
und sehr viel Geld und Menschen kosten. Die Mormonen 
wissen sehr gut mit Waffen umzugehen, da sie sich in je 
einzelnen Colonie, weniger gegen Indianer, oft aber gegen 
„Desperados“ zu vertheidigen gehabt haben und stets ge ass 
sind, sich noch einmal in ihrem Besitz mit Waffen-* 
gewalt zu vertheidigen. Sie kennen das Land sehr genau, 
besser als die Truppencommandanten, welche gegen sie zu 
operiren haben würden. Ihre Colonien ziehen sich von Jo'' 
bis Utah und von Montana bis Altmexicò. Sie können an 
einem Tage alle Eisenbahnen auf diesem grossen Gebie 
zerstören, die Brücken und Tunnel sprengen, natürlich nur da, 
wo die Bahnen in ihr Gebiet eindringen, sie selbst haben a e 
Ingenieure genug auf ihren Bahnen, die in der Wüste laufen, 
um alle jene Bahnen, die ihnen nützlich sind, m Betrie z 
erhalten. Mit einem Schlage können sie, durch Brücken- un 
Tunnelsprengungen und Zerstörung des Bahnkörpers, ^ 
brennen der Stationshäuser die Atchinson -Topeka-Santa- 
Eisenbahn, die Atlantic-Pacific, die Südpacific-, die Union- un 
Centralpacific- und die Nordpacificbahn im Osten und Weste 
unterbrechen und die Landverbindung zwischen Californien 
Oregon und den Oststaaten der Union auf lange Zeit unte^ 
brechen. — Dadurch wird die Verproviantirung der gegen s^ 
der Wüste operirenden Truppen und der Nachschub von ^ 
Stärkungen sehr erschwert. In den Bergwerken sind sie se 
wenig mit Capital interessirt. Sie können dieselben leicht u e 
fallen und zuschütten. Auf diese Weise können sie sich Gin| 
Jahre in ihrer Wüste halten und einen vernichtenden Gueri 
krieg gegen die Union führen, dabei Eigenthum amerikanisch ^ 
Capitalisten in solchem Umfange zerstören, dass der Ver u 
nach Milliarden zählt. Und das sollten diese zugeben, weic
        <pb n="560" />
        545 
35 
ch den Krieg leicht verhindern können, blos um nachher 
ihrp Wüste zu finden, wo jetzt Korn gebaut und Vieh für 
ergwerks-und Eisenbahnarbeiter gezogen wird? Denn die 
ü monen werden auch ihre Bewässerungsdeiche zerstören 
wenn das Wasser ein Jahr lang nicht fliesst, so wird der 
beoJrkT r' wie wir das hier 
Bewü« ^ konnten, wo man aus irgend einem Grunde die 
^serung auf Acker eingestellt hatte. 
ZU unwahrscheinlich, dass man die Mormonen 
leicht (^Gld abzupressen versuchen, viel 
ter Fr^f Truppen gegen sie senden wird, allein ich glaube, 
monen " wie 1858. Sowie die Mor- 
Stellen ^en Feind an seinen verwundbaren 
^urch d angreifen, sowie sie die Bahnverbindung 
und ei" ?“T‘ *“■ gleich3eitig zerstören 
So _ , 'g= der kostbarsten Gruben verschütten werden — 
diesem erschreckten Capitalisten Amerikas, welche bei 
die the'I keinen Fall etwas gewinnen können, und 
sie auch mit einer Frau begnügen, wenn 
gierun, heirathen, eine Pression auf die Re- 
g Üben, welche zu einem neuen Friedensschlüsse führt 
ß? auch noch etwas Anderes in Betracht! 
leeres* Union, welche an der Küste des Stillen 
und ,0 TfT' Nevada, 600 Meilen Wüste 
Platte F, P^'aengebirge - von Ogden bis da, wo der 
•beginnt “ *" Prairie des Missouri 
andere i •’“‘n'*®'*«" Osten getrennt, haben durchaus 
sehr selbUnion, führen eine schon 
Sein e‘ al^andige Existenz und dürften leicht davon zu trennen 
Und efahr, mit der man in Washington stets rechnet 
^nions^ stets zu beschwören arbeitet. Die 
die S^erung und Gesetzgebung ist voll Beflissenheit für 
nesenfr Californiens, wie sich das noch 1882 in der Chi- 
wieder gezeigt hat. 
nien Secessions-Kampfes betheiligte sich Califor- 
° ^"t wie gar nicht daran und nahm sogar das 
^Papiergeld nicht in Zahlung an! Thatsächlich
        <pb n="561" />
        coursiren auch heute keine „Greenbacks" in Californien und 
haben beim Wechseln ein Disagio. Man sieht nur Gold un 
Silber. Die Schutzzollpolitik der Union fand hier argen Wider 
stand. Sie ist sogar zu Gunsten Californiens theilweise dure - 
brochen worden, mittelst des Reciprocitäts-Vertrages der Union 
mit den Sandwichs-Inseln, der durchaus die Interessen der im 
Zuckergeschäft thätigen Millionäre von New-York verletzt, in 
dem er ihnen den Markt raubt. Californien bezieht seine 
Zucker jetzt zollfrei von den Sandwichsinseln! Die Unions 
regierung hat also in Californien, Oregon und Washin^on 
Territory auf die Zollrevenue aus Zucker, die im übrige 
Theile der Union ihr so viel einträgt, thatsächlich verzichtet. 
Um eine engere Verbindung herzustellen, unterstützte ■ 
Unionsregierung nach Beendigung des Secessionskriegö ^ 
Bau der Union- und Central-Pacific-Bahn sogar durch Zins- 
garantle, was bei keiner anderen Bahn gesohah, unterstützt si 
jetzt den Bau der Süd-, Atlantic und Nord-Paciñc-Bahne 
durch Landschenkungen und interessirt sie sich lebhaft 
Zustandekommen einer Schifffahrtsverbindung zwischen « 
Südsee und dem Golf von Mexico, doch nur so, dass 
diese neue Strasse militairisch beherrscht. Sie giebt au 
fortwährend den Wünschen Californiens nach und hat ein 
neuen Handelsvertrag mit China geschlossen, ganz au 
Californiens. . 
Ein Krieg der Union mit Utah würde die Unabhängigkeit 
gelüste in Californien und Oregon sehr rege machen und die 
Staaten würden sich vielleicht mit Utah verbünden, was m 
in Washington gewiss zu verhindern bestrebt ist. 
Diese Gefahr, dass die Union Gewalt gegen ste u 
haben die Mormonen also, glaube ich, noch nicht zu fürc 
Wohl aber eine andere. 
Die sich schnell vollziehende Reichthumsbildung- 
Hier liegt ihr Krebsschaden! Wenn sich die Zahl 
Reichen unter ihnen vergrössert, so lockert sich das Ban 
der Gemeinde. Dem Reichen fällt es schwer, den Zehnten 
zahlen, der eine so grosse Summe ausmacht. Schon 
Ri^îrhe nicht selten aus, um dieser Schätzung zn
        <pb n="562" />
        S n, Dann erweckt dieser Reichthum den Neid der Aermeren 
wo?, “ dürfte diese Sekte daran scheitern, 
sie n- Gemeinschaften scheiterten - daran, dass 
wuss^nl' f T Reichthums tu verhüten 
nicht H "gkam Young fehlt zum grossen Manne, dass er 
bjcht den Muth der Armuth hatte! Es ist so schwer, arm zu 
stand d- '^^'^den kann! Young wider- 
Mörm?'“*'’ T" Er wurde Millionär und andere 
ormonen wurden und werden es. 
Von den Mormonen kann man viel lernen' 
an I il dte Bergleute und Eisenbahnleute der Wüste 
desto " von Californien und Ostamerika brauchen, 
der Pr • geschickt, desto tiefer daselbst 
'velcS^f''**’*" bewiesen, was arme Leute können, 
einmächr ‘‘p T* der Glaube 
dann m -T- '^''“duct.vfactor ist. Und endlich, dass eine Kirche 
hieiht !" ‘l”'“ Gliedern und im Staate ist und 
falls ' materiellen Interessen des Volkes eben- 
Ich ihrer religiösen Aufgabe, planmässig pflegt, 
^^ssuncr Amerika manche andere Sectennieder- 
gar dfr Herrenhuter, Mennoniten und so- 
in all_ ^™^'^hen Communisten, der Amaniten in Jowa, und 
die lo„_, " Wohlstand gefunden und gesehen, dass sie 
Wohnten ^ P°htische Verwaltung des Districts, in dem sie 
^n, vollkommen beherrschten. 
ist, """ religiösen Gemeinschaften dergleichen möglich 
^^haffen ” wüstes Land kommen, wo sie Alles selbst 
^^rchdr ' sollte dann einer, von religiösen Gefühlen 
einem Genossenschaft nicht ein ähnlicher Einfluss in 
aiten Lande, wo viele ihrer Mitglieder eine gesicherte, 
35*
        <pb n="563" />
        tt ft», ' tv 
548 
manche eine hervorragende sociale Position innehaben, mög 
lich sein? Das glaube ich fest, es gehört nur dazu, dass s. 
auch die materiellen Interessen der Masse des Volkes r.cht.g 
erkenne und in Staat und Gemeinde sich zu deren Vorkämpfer 
mache!
        <pb n="564" />
        XXXII. Capitel. 
Von San Francisco nach Chicago. 
188 achtzehntägigem Aufenthalte reisten wir am 3. August 
\ Francisco ab, immer noch zu früh, da wir in 
ieser schönen und grossen Handelsstadt noch viel hätten 
rnen können. Consul Hochkofler, der uns diesen Aufent- 
t unvergesslich gemacht hatte, begleitete uns über die 
O , Bucht von San Francisco auf dem Feryboote nach 
^ land und verliess uns erst, als wir in unserem Pullman- 
^^agen sicher untergebracht, die einige 20 Gepäckstücke und 
J-ewehre verladen waren und der Zug sich mit uns in 
ewegung setzte. 
dur fr Ginem Bogen in nordöstlicher Richtung 
Californien und überschreitet den Sacramentofluss bei 
vad ^^^‘chen Namens. Bis zur Bergkette der Sierra Ne- 
200 Meilen weit, läuft sie durch eine der 
Gegenden der Welt, welche so ziemlich alle 
reich Ackerbaues, des Garten- und Weinbaues in über- 
hervorbringt. Da hier die Wirthschaften meist 
Vgp_,. ? mittlerer Grösse sind, so ist der Anbau auch, 
^eist^^ räuberisch-liederlichen Bewirthschaftung der 
^utspre Güter, gut zu nennen und der Ertrag dem 
Colff Nevada ist hier etwa 100 Meilen breit, von 
VQ^ ^ Reno. Bis Summit erklimmt die Bahn eine Höhe 
Oder ^'^ss. Bei Reno beginnt die als Grosse Amerikanische 
geoß. Wüste bekannte Hochebene, die hier, in dieser 
'^ud Breite, 4500 Fuss hoch ist und bis Ogden 
Voq ^ zwischen 4000 bis 5000 Fuss hoch bleibt. 
^ beginnt die Bahn wieder in das hohe Felsengebirge
        <pb n="565" />
        SHHáOHHÍHR 
hineinzuklimmen, hat schon 50 Meilen östlich von Ogden, bei 
Emory, 6000 Fuss Höhe, 60 Meilen weiter, bei Mellis, 
7000 Fuss erreicht und hält sich zwischen 6000 und 7000 Fuss 
bis Laramie, 450 Meilen von Ogden; von hier steigt sie etwa 
25 Meilen, bis sie in Sherman mit 8242 Fuss ihre höchste Er 
hebung erreicht, um nun ziemlich schnell auf die nördliche 
Fortsetzung jener grossen Prairie hinabzusteigen, welche wir 
von Kansas her schon kennen. Bei Cheyenne ist sie noch 
6000 Fuss hoch, am Nord-Platteflusse nur noch 2800 Fuss 
und Omaha am Missouri liegt nur mehr noch 966 Fuss über 
dem Meere. 
Die Sierra Nevada soll eine sehr schöne Bergkette sein. 
Wir fuhren leider bei Nacht über dieselbe, blieben aber bis 
Mitternacht wach, um uns in der herrlichen, milden Bergluft 
zu erquicken, und sahen allerdings schöne Bergpartien, die 
sich durch einen herrlichen Baumwuchs auszeichneten, soweit 
derselbe nicht durch die Axt zerstört war. Einige Gebirgs- 
thäler von grossartiger Schönheit konnten wir bei dem Mond 
lichte unterscheiden, so das Thal des Amerikanflusses, das 
etwa zwei Meilen an der Bahn lang ist und dessen nahe bci- 
sammenstehende Felswände an 2000 Fuss perpendiculär 
die Höhe ragen. Das Gebirge ist reich an Silber und Gold 
minen, die man jedoch von der Bahn aus nicht sieht. 
Die Vorberge der Sierra Nevada reichen bis gegen Reno, 
306 Meilen östlich von San Francisco. In den Thälern findet 
man bis dahin um die Bahnstationen herum etwas Ackerbau, 
aber dicht hinter Reno beginnt die grosse Nevada-Wüste, 
durch welche die Bahn nun fast 600 Meilen, bis Ogden, 
ohne Unterbrechung durch Oasen läuft. 
Dies ist dieselbe grosse Wüste, welche wir schon u' 
ihrem südlichen Theile, von Albuquerque in Neu-Mexico b‘® 
Colton in Californien, durchfuhren und von der ich schon 
vorigen Capitel sprach. Die Breite dieser 1500 Meilen von Nord- 
westen nach Südosten langen Wüste wechselt von 200 biS 
600 Meilen. In sie hinein erstrecken sich von Osten un 
Norden höhere Ausläufer der Rocky Mountains und ist sie 
auch von vulcanischen Bergketten und Berggruppen dure '
        <pb n="566" />
        551 
nicht eine zusammenhängende, ebene Fläche, 
^llein sie enthält viele hundert Quadratmeilen Ebene, in denen 
ich Vertiefungen sehr zahlreich finden, die bis zu einer Linie, 
. nördliche Drittel von Nevada und Utah abschneidet, 
^ Norden mit Wasser gefüllt, im Süden aber ausgetrocknet 
Dieses Wasser ist in einigen Becken süss, in anderen 
extrem salzig. Fast in allen Bergen, welche diese Wüste 
urchziehen und sie begrenzen, finden sich die schätzbarsten 
»neralien, Goldquarz, Silber, Blei, Kupfer, Graphit, stellen- 
eise wie in Utah, gute Steinkohle. Die Ebene hat zahlreiche 
eisse Quellen, Schwefelquellen und andere Mineralwässer, 
s Amerika den Europäern bekannt ist, sind Gold- 
er in diese Wüste eingedrungen, um Gold und Silber zu 
ä Azteken haben hier Bergwerke besessen und 
die Spanier, bis dieselben von den Indianern in einem 
gossen Aufstande, Mitte des vorigen Jahrhunderts, verschüttet 
^ urden. Im Jahre 1857 wurde um Virginia City in West- 
^evada wieder Gold entdeckt und seither haben Amerikaner 
^en Bergbau in allen jenen Staaten und Territorien wieder in 
Gerade bei jener Stadt liegen die Comstock- 
' .^'■bergwcrke, die reichsten der Welt, welche den Millionären 
Sch Paris und San Francisco mit ihrem 
ma h Reichthume prunken und sich lächerlich 
^ac en, wie Makay und Flood, dieser ungeschlachte Protz, 
^^^zbold treffend M. Deluge genannt hat, weil auf 
trieb ^^^.^^^"^'^'^^^^schaft, wie sie zur Zeit in Californien ge- 
^ wird, noth wendig eine sociale Sündfluth folgen muss, 
^cit p ^ Central-Pacific Bahn vollendet ist, und noch mehr 
Y^n des Baues der Süd-Pacific-Bahn, erstrecken sich 
fçjch aus zahlreiche, meist schmalspurige Bahnen in die 
Rergwerksdistricte. Es werden noch fortwährend 
Scno* Erzadern entdeckt, neue Bergwerke in Angriff 
He ’ während die altabgebauten schon bedeutend an 
"^^i^iassen. Sehr bald erhält eine neue Mine auch 
çjjç isenbahn. Die ungeheuren Entbehrungen, mit denen 
^ach und Wanderer vom Osten des Felsengebirges 
Südsee einst zu kämpfen hatten, existiren also jetzt
        <pb n="567" />
        552 
nicht mehr. Wohl aber müssen die Bergleute — und ausser 
Kaufleuten und anderen Nichtproducenten giebt es keine 
andere weisse Bevölkerung in der Wüste und an ihren Grenz 
gebirgen — von Californien oder vom „fernen West“ östlich 
des Felsengebirges mit Lebensmitteln versorgt werden, ‘denn 
diese Wüste ist ganz unfruchtbar — sollte man meinen 
— wenn man sie durchfährt. Der Boden besteht aus einem 
Gemische von Lehm, Lava, Sand und abgeschwemmter Gebirgs- 
erde, reichlich mit Alkalien, an vielen Stellen mit Salz getränkt. 
Jedenfalls war dies einmal Meeresboden. Nur an den Flüssen 
und Bächen, die aus den im Norden mit Schnee bedeckten 
Bergen theils in die Seebecken fliessen, theils in der Wüste 
versickern, sieht man etwas Gras- und Baum wuchs. 
Sonst wächst nur der Sagebusch, ein Strauch von sechs 
Zoll bis zwei Fuss Höhe, und graugrünen, schmalen Blättern, 
den das Vieh nur von Hunger gepeinigt frisst, hie und da 
etwas sehr dünnes, graues Gras, und im Süden der Cactus 
auf dem von weisslicher Kali-, Natron- und Salzkruste e 
deckten Boden. Ja, es giebt viele, viele Quadratmeilen, auf denen 
auch diese kärgliche Vegetation nicht fortkommt. Die Bahn 
läuft, 550 Meilen östlich von San Francisco, wohl 50 Meilen 
ohne Unterbrechung durch eine weisse, vollkommen pflanzen- 
und thierlose, weiss incrustirte Ebene, in der die Fata Mor 
gana ihr Spiel treibt. Etwa 400 Meilen von San Fran 
cisco tritt der Sagebusch wieder auf und verlässt uns nie 
bis Ogden. Die Station Humboldt liegt 435 Meilen östhe 
von San Francisco. _ 
Hier fanden wir plötzlich eine Oase, die uns ins gross 
Erstaunen setzte. Man hatte Wasser vom Humboldtflusse a ^ 
geleitet und vielleicht '/♦ englische Quadratmeile Stadt un^ 
Gärten bewässert. Hier wuchsen Bäume, Gras, Luzerne un 
einige Gartengemüse. Es erinnerte uns diese Oase an ähnliche, 
wir von Albuquerque bis Youma, namentlich in Tucson 
sehen. Diese Wüste kann also productiv werden, wenn si^ 
bewässert wird, allein wir Alle meinten, dass dies im grosse 
Massstabe nicht möglich sei und dass man damit nie me ^ 
als einige Gärten neben Bahnstationen schaffen könne.
        <pb n="568" />
        553 
mboldt bis Ogden bildete dies den Gegenstand unserer 
^ espräche, bis wir, dicht bei dieser Station, die Wüste plötzlich 
u nach Süden durch ein blühendes Ackerland von 
^nabsehbarer Ausdehnung abgeschnitten fanden. Vollkommen 
^geschnitten, denn es existirte kein Uebergang. Hier war 
^ te, weisslich dürres Land, mit Sagebüschen besetzt, zwischen 
tief ^ A dünne Grashalme spärlich standen. Dann eine 
ekerfurche, die augenscheinlich der Berieselung wegen ge- 
th^^” jenseits derselben Weizenstoppel, auf der 
weise der Weizen noch in Mandeln aufgestellt stand, so 
c t zwar, dass wir den Ertrag auf 30 und mehr Bushel per Acre 
daneben Mais-, Kartoffel-, Gersten- und Haferfelder, 
^PP^p^Gn Pflanzen trugen. Und soweit das Auge 
Wü wir am Fusse der Hochgebirgskette, welche die 
schr^^ Norden nach Süden hinter den Aeckern ab- 
diese Felder sich, eines neben dem anderen, von den 
etw herab in die Wüste hinein erstrecken, das eine 
weiter, das andere zurücktretend. Am Fusse der Berge 
^gen einzelne Dorfgruppen und auch einzelne Gehöfte. Im 
gemeinen aber herrschten die Dörfer vor. Hier wurde 
bçfj.* ^^^^^nlich Ackerbau in grossem Style und planmässig 
'"iele^rf”’ hatte die Wüste nicht eine Gartenoase, sondern 
die ^^^^^^^f"Gilen an den Ackerbau abgegeben. Wir hatten 
merkwürdige und bewundernswerthe Mormonen- 
erreicht 
beschlossen, Salt Lake City oder „Zion“, die 
jeder Territoriums Utah, zu besuchen, wie es wohl 
Diesg p ^hut, der auf der Central-Pacific-Bahn reist 
Wir in wm ^"ch unsere deutschen Grafen thaten, die 
in 2íq Francisco trafen, weilen einen oder ein paar Tage 
Ausfi”^’ Tabernakel, machen vielleicht einige 
^ benachbarte Gebirgsthäler, die sehr schön sein 
Oi&amp;sg y ^den im grossen Salzsee, suchen vergebens die Geheim- 
tllSsç (J o ' c«v.ä.v-.l VCI^CUCIIS UIC VJCIlClin 
P mormonischen Familienlebens zu ergründen, sehe: 
^erRniL^^ niedlich in Gärten versteckt gelegenen Häuse 
^^rselb 111 vjtxiLcii vcisiccKi gelegenen nausei 
sie übl^^p'^^” Strasse aus, da die Mormonen, wohl wer 
® Erfahrungen gemacht haben, keinen Fremden zu Tisch
        <pb n="569" />
        554 
laden oder in ihre Familien einfiihren, wie das sonst m Amerika 
üblich ist. Dies kränkt unsere Dutzendreisenden und sie la 
sehen mit Freude auf die Scandalgeschichten, welche ihnen i 
den durchaus von Nichtmormonen gehaltenen Hotels ger 
von den daselbst sich sammelnden „Gentilen,“ wie sich 
Nichtmormonen — meist Juden — hier nennen, zum es 
gegeben werden. Sind diese Reisenden Schriftsteller so ent 
Lht ein Buch, glücklichsten Falles ein Journalartikel ube 
die Mormonenpest, welche möglichst bald auszurotten sei, au 
Ehre Amerikas. 
Zion oder Salt Lake City liegt 37 Meilen sudheh 
Ogden. Wir fuhren von 9 bis ii Uhr am 5. August v 
letzterer Stadt nach Zion, fast überall durch eine wohl ang 
baute Landschaft. An einer Stelle hatte sich die Colonie v 
Ogden mit jener von Zion noch nicht vereint, und hier » 
wieder die dürre Wüste zwischen den gesegneten Felder ■ 
gänzlich unvermittelt. Zur Linken hatten wir die Berge, 
Rechten den 8o Meilen langen, bis 50 Meilen breiten gro 
Salzsee. Der dazwischen liegende Landstrich in 10 is 
Meilen Breite war dicht angebaut. Auf den 11.000 bis I3- 
Fuss hohen Bergen sah man hie und da ewigen Schnee, 
schon wir am heissesten Tage der Saison ankamen und 
Thermometer too Grad Fahrenheit zeigte! 
Wir besuchten den Chef des Agricultur - Departme 
Obersten Winder, der uns mit zwei deutschen Gemmn 
mitgliedern, dem Herrn Schettler aus N«wied und 
Wilken aus Hamburg, bekannt machte. Die Aufnahm 
die zuvorkommendste. uqI 
Wir besahen zusammen das so interessante la e 
und den im Bau begriffenen neuen, grossartigen Tempel; 
deren Beschreibung kann man in jedem Reisebuck 
Auch badeten wir im Salzsee, unter Männlein un 
die sich in dem dicken Wasser, in dem man nicht unters 
kann, aber das herrlichste Bad der Welt geniesst wei 
gesellig amusirten. Am folgenden Morgen fuhren Graf 
Széchényi, Baron Gudenus und ich mit Herrn Wilken m 
p.inive Meilen südlich von der Stadt, wo wi
        <pb n="570" />
        sten Male das Glück hatten, Weizen mittelst eines Selbst- 
Inders schneiden zu sehen. 
Die fünf Herren, mit denen ich bisher seit London, un- 
? ähr 13.000 englische Meilen und über sechsthalb Monate, 
^nsammen gereist war, eine Reise gemacht hatte, die je länger 
^ sto lehrreicher und angenehmer für uns Alle war, wollten 
ni eine Jagd von sechs bis acht Wochen in Montana 
^ch beabsichtigte, diese Zeit zu einer Reise nach 
w* ^nd von da nach Minnesota zu benützen, wo wir uns 
suit vereinigen hofften. Die wirklich erstaunlichen Re- 
'velche die Mormonen hier durch Bewässerung erzielt 
bestimmten die Herren aber, mich zu ersuchen, dass 
Sow" Zeit hier bleiben und Notizen sammeln, 
eins*'^ Farmen besehen möge, weil sie mit mir der über- 
^^rStimmenden Ansicht waren, dass man hier viel Nützliches 
könne. So begleitete ich sie denn am 6. August, 
New Monate und einen Tag nachdem wir in 
j^ln gelandet waren, nach Ogden, nahm Abschied von 
'^Ördl* lehrte Abends nach Zion zurück. Sie reisten 
^chm T ^y*'eh Idaho bis Virginia City in Montana auf der 
Mormonenbahn und von da durch Fort Ellis 
Custer per Post Am folgenden Tage begann ich 
"widmet ""d um Zion, denen ich ein eigenes Capitel 
^chwe r Herren erreichten Fort Custer nach be- 
flusse Reise im Postwagen. Dasselbe liegt am Horn- 
Vçjj^ ^ Montana, der südlich von den Blue Mountains in den 
River sich ergiesst. Von hier aus jagten sie süd- 
"dch ^ d^e Big-Hornmountains in Wyoming. Nach drei- 
ihnen J^gd trennte sich Graf Irare Széchënyi von 
Sanien "lir in Fargo, Dakota, zu einer gemein- 
^Päter ^4^ nach Winnipeg zusammen. Etwa einen Monat 
^2éch ' auch Baron Gudenus und die Grafen Geza 
Ernst Hoyos das Jagdterrain, trafen mit Graf 
OctQy ^^^bényi und mir in Chicago zusammen und reisten im 
^•"afen ^^v^'^ork nach Europa. Ich wartete auf den 
eza Andrassy, der noch vier Wochen länger allein
        <pb n="571" />
        556 
der Jagd bei Fort Custer oblag und machte mit ihm, nach 
ihrer Beendigung, eine Reise nach dem Osten von Canada, 
worauf wir Ende December, ebenfalls von New-York aus, 
nach England fuhren. In den folgenden Capiteln werde ic 
die Resultate jener Reisen, die ich allein oder mit Graf In'*" 
Széchényi und Géza Andrassy machte, zusammenstellen. 
Am 12. August i88i verliess ich Salt Lake City oder Zion, 
fuhr nach Ogden und von da in circa 30 Stunden über 5®® 
Meilen weit nach Cheyenne, der Hauptstadt des Territorium 
Wyoming, wo ich einen Viehzüchter besuchte, den wir von 
New-York her kannten und der mir über die Viehzucht in diese 
Gegend Aufschluss gab. 
Von Ogden aus nach Osten führt die Bahn circa ^ 
Meilen weit durch Hochgebirge. Ogden hegt 4340 Fuss ü e 
dem Meere, eine Höhe, auf die man nach 600 Meilen wieO^ 
hinabgestiegen ist, nachdem man inzwischen bis zu 8242 n 
hinauf klomm, bei Station Sherman, 483 Meilen östlich vo 
Ogden. Von da fallt das Gebirge langsam und ist bei Chey 
enne nur noch eine 6041 Fuss hohe, wellige Ebene, die 
wo der Plattefluss die Bahn scheidet, nur noch 2789 ho 
ist, wie ich schon sagte. Das Gebirge hat überall gute 
ist viel grasreicher als in Neu-Mexiko und Colorado, ^ 
hier mehr Schnee fallt, aber vollkommen holzarm; nur zwisc 
Sherman und Cheyenne sieht man einzelne Fichtenstämme 
der unabsehbaren, leicht hügeligen Hochebene, die sich 
Osten langsam abdacht. Von Cheyenne ab verschwm 
sie wieder. jja 
In den Thälern und an den Bächen trifft man hie un 
noch eine mormonische Ackerbaucolonie, die aber von ‘ 
ca. 100 Meilen östlich von Ogden, auch aufhören. Von 
ab sieht man an den Bahnhöfen nur die bekannten klei 
elenden amerikanischen Bahnhofstädte mit Holzhäusern, 
weilen Zelten, welche durchweg einen provisorischen 
machen und nicht selten auch plötzlich verlassen wer 
wenn die Politik der Bahngesellschaft die Verlegung 
Station erfordert. 
Oestlich von Millis werden die Viehranches, Wohnu B
        <pb n="572" />
        1 
I 
557 
g ^ Hirten, häufiger an Flüssen und auch neben artesischen 
Q die 300 bis 1400 Fuss tief sind, 400 bis 2000 
Wasser per Stunde geben und meist zum Tränken 
u j ^^^Gs, zuweilen zur Bewässerung eines kleinen Gartens 
sui Wiesenfleckens benützt werden. Das Gebirge ist 
e enweise noch grossartig und hat einzelne malerische Felsen- 
ob^T" ^änn sich aber mit dem der Schweiz nicht vergleichen. 
Sie r ” "'^"che Berge so hoch sind als jene der Schweiz, 
hegen eben zu weit auseinander und die Hochebenen, 
s denen sie aufsteigen, sind zu hoch; Gletscher fehlen 
s^nzlich. 
fast die Hauptstadt von Wyoming, liegt in einer 
^^hkommenen und baumlosen Ebene, die mit reichem 
n^aswuchse bedeckt ist, hat circa 6000 Einwohner, ist eine 
ganz uninteressante amerikanische Stadt, fast ohne 
^^Umpflanzung, aber der Mittelpunkt der Viehzucht für ein 
Tausenden von Quadratmeilen, das jedes Jahr 
uuf den Markt von Chicago liefert. 
Mont Westnebraska, Colorado, Wyoming, Utah, 
nur Nordoregon sind fast ganz Weideländer, Idaho auch; 
'väss**^ östlichen Nebraska ist Ackerbau ohne künstliche Be- 
möglich. Grösstentheils ist Neu-Mexiko und theil- 
Pacif ebenfalls nur Weideland. An der Atlantic- 
'883 von Albuquerque in gerader 
fertig öis zur Santa Barbara Bay am Stillen Meere 
^'ifG dürfte, sollen in Arizona und Südcalifornien, 
Hin **^S®pHteaus, ebenfalls Weideländereien vorhanden sein. 
Uur Theil von Texas ist, wie schon gesagt, ebenfalls 
'"^gionl- Grenze zwischen Ackerbau- und Weiden- 
bei Dod :oo- Meridian, so jedenfalls in Kansas, 
'Nördlich’ 37° Meilen westlich vom Missouri. Weiter 
dent qo etwas weiter nach Osten, in Nebraska nahe 
Westii h ^^'dmn bei Grand Island, 154 Meilen vom Missouri, 
"'^àssert dieser Linie ist Ackerbau nur auf künstlich be- 
t p f^oden möglich. Auf diesem Gebiete sollen früher 
Gt\\r^ ^ ' |'°uen Büffel geweidet haben und weiden jetzt erst 
Alionen Rinder und ebensoviele Schafe. Je weiter 
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        <pb n="573" />
        558 
% 
man von Kansas nach Norden hin reist, desto mehr nimmt 
der Graswuchs an Ueppigkeit, aber auch der Winter an Harte 
zu; doch weidet in allen diesen Ländern das Vieh jahrein, 
jahraus im Freien. In Montana, Nebraska und Kansas ist 
vieles Land schon In Privatbesitz übergegangen und die Vieh 
züchter müssen auch Land, wenigstens solches am Wasser, 
wo sie das Vieh tränken, käuflich erwerben oder pachten. 
Dadurch wird die Viehzucht schon etwas vertheuert. 1" 
einem grossen Theile von Texas und in Californien ist es 
ebenso. Sie kaufen dort alles Land hart an einem Wasser- 
laufe auf und beweiden alles übrige Land, das, ohne 
zum Tränken des Viehes, werthlos ist, so lange man nie 
artesische Brunnen gräbt. Letzteres aber kostet wieder Gel _ 
Das Land an den Flüssen gehört entweder der Regierung 
oder den Eisenbahnen. Von letzteren kann es leicht gekau 
werden. Regierungsland lassen Viehzüchter oft von bezahlte^ 
Leuten als Homestead aufnehmen und kaufen es ihnen dan^ 
ab. Solche Homestead-Erwerbungen werden nicht selten durc^ 
Schwindel und Meineid vollzogen. Immerhin kostet 
Weidegrund in jenen Staaten etwas; wie viel, ist allgemm 
nicht festzustellen. 
In Wyoming kostet er gar nichts! 
Die Union-Pacific-Bahn besitzt in 20 Meilen Breite zu je 
Seite ihrer Trace jede zweite Section Land. Sie verkau^ 
keinen Acre Land in Wyoming, um die Viehzucht dort m 
Höhe zu bringen. Man würde ihr nur das Land am Wasser » 
kaufen; dann wäre das andere Land werthlos und könnte von 
Besitzern der Ufer monopolisât werden. Da jetzt Nieman 
das Wasser gehört, so kann Jedermann in Wyoming^^ 
viel Vieh weiden, als er hat, ohne einen Dollar ßr La^^ 
kauf oder Pacht auszugeben, ausser für jenes Land, auf 
er den Viehhof anlegt und den er auf je ein Jahr von 
Bahngesellschaft pachtet, wenn er nicht eine Homestead 
Regierungsland zu dem Behufe aufnimmt. Die Bahn 
ihren Nutzen aus dem Lande in Form von Transp 
kosten. Alles Vieh, das in Wyoming gezogen wird, 
auf ihr nach dem Markte, d! h. nach Omaha oder Ch»
        <pb n="574" />
        559 
^nsportirt werden, und sie hat einen sehr hohen Tarif. Eine 
^ aggonladung Vieh, circa 20 Stück, kostete 1881 nach Chicago 
Kearney, 695 Meilen, 90 Dollars; von North Platte, 790 
^ * cn, 103 Dollars; von Sydney, 906 Meilen, 115 Dollars; 
^ ? ^S^lala, 842 Meilen, 90 Dollars; von Cheyenne, 1016 
Dollars ; von Rock Creek, 1123 Meilen, 140 Dollars, 
im Waggon circa 20 Stück Platz finden, so macht das 
7 Dollars per Stück, mehr also, 
jjjlj. Erzeugung der Thiere kostet. Denn diese ist sehr 
zuclf ’ Schilderung der hier üblichen Vieh- 
^^hen wird, die ich am besten an einem Beispiele gebe. 
" kann indess auch schon in Omaha, wo sich die Schlacht- 
lad^^^^ ^^^8^^°^sern, Vieh verkaufen und kostet die Waggon- 
Kearney, 195 Meilen, 34 Dollars; von 
. 290 Meilen, 47 Dollars; von Sydney, 406 Meilen, 
° Cheyenne, 510 Meilen, 75 Dollars. 
^•e Chicago nach New-York kostete im Sommer 1883 
^ork Vieh 60 Dollars, von Cheyenne nach New- 
Yj, ^ ®o, excl. Spesen für Umladen, Futter, Aufwartung des 
port^^’ Gewichtsverlust der transportirten Rinder, der Trans- 
Hau ^twa 20 Ochsen 180 Dollars, oder 9 Dollars pro 
mittlere Transportpreis von dem ganzen 
^gebirge bis Chicago sein. 
billio- Missourilinie ist der Transport natürlich weit 
birp-;*^ Vieh bis in ihre Nahe aus dem Ge- 
se treiben. 
cago^*^ V^^ggonladung kostet von Council Bluffs nach Chi- 
Dollars, von Kansas City bis Chicago 65 Dollars, 
prQ j^^^eil Bluffs nach New-York 130 Dollars, also 6-5 Dollars 
Konf Kansas City nach Chicago 125 Dollars, pro 
^0*25 Dollars. 
p?. V^^S&amp;onladung Schweine kostet von Kansas City 
ruacht 42 Dollars, von da nach New-York 30 Dollars, 
Ich^^ Dollars oder i Dollars pro Stück. 
Oder S hinzusetzen, dass die Waggonladung Rinder 
beatrj ^ nach Chicago kostet von Pawnee, Crete, Wilber, 
85 Dollars, Hastings und Red Cloud 90 Dollars, Falls
        <pb n="575" />
        56o 
City 8o Dollars, Humboldt 82 Dollars, Tecumseh 85 Dollars, 
Lincoln 80 Dollars, Seward 85 Dollars, David City 85 Dollars, 
Columbus 85 Dollars, York, Aurora, Central City 85 Dollars, 
Brownville 80 Dollars, Plattsmouth, Ashland 80 Dollars, Fair- 
mouth, Soutton, Harward 85 Dollars, Jacksonville 31 Dollars, 
Blomington 25*40 Dollars, Joliet 16*50 Dollars, Burlington, 
Davenport, Rockisland, Cordova, Clington 4a Dollars. 
dieser letzteren Linie nach New-York also 102 Dollars o 
ca. 5 Dollars pro Haupt. 
Alle Unkosten eingerechnet, nur nicht den Gewichtsverlus 
des Viehes, der sich indess durch Verbesserung der Eisenbahn- 
waggons vermindert hat, kann man sagen, dass ein au^ 
wachsener Ochse an das atlantische Meer befördert wer 
kann, von der Mississippilinie um 6 Dollars, von der Missouri 
linie um 7—8 Dollars, vom Felsengebirge um 10—12 Dollar^ 
Mein Gewährsmann in Cheyenne hatte im Frühjahre i 7 
am Wasser eines Raches in Wyoming eine Homestead von 
160 Acres auf Unionsland aufgenommen und 500 Stück Tex^ 
Vieh, das jeden Frühling hier heraufgetrieben wird, gekau t, 
eine gemischte Heerde von Kühen und ca. 200 Stück Jung^ 
vieh, die er mit i4'/2 Dollars per Haupt bezahlte. Stier^ 
kaufte er dazu aus Wyoming, solche besserer Race, aber 
Vollblut, ferner 16 Pferde à 50 Dollars für die Hirten. 
Frühjahre 1879 kaufte er 600 Kühe und Jungvieh 
Race aus Oregon um 19 Dollars die Kühe und 13 Dollars 
Jungvieh, dazu 60 Bullen aus den Oststaaten zu je 50 DoHa^ 
die von hochgradiger englischer Kreuzung waren. Im 
jahre 1880 kaufte er abermals 1300 Haupt Rindvieh 
Colorado und 1200 aus Oregon, wovon die Kühe ^ 5 f 
die Jährlinge 13 Dollars, die zweijährigen Stiere 21 Uo a^ 
kosteten. Im Frühjahre 1881 wurden 700 Stück von ein 
benachbarten Heerde in Wyoming um 18 Dollars per 
gekauft. Diese 4360 Haupt Rindvieh hatten sich jetzt auf rn 
6000 vermehrt und im Sommer dieses Jahres begann der e 
Verkauf. Es sollen 600 Stück Fettvieh verkauft we^en, 
1200 Ibs. per Stück wiegen und in Chicago etwa vier 
per Ib., also 48 Dollars per Stück bringen werden.
        <pb n="576" />
        561 
36 
Transport kostet von Cheyenne 6 Dollars, so bleiben 42 Dol- 
unH 25.200 Dollars. Es werden vieijährige Fettochsen 
Sq ^ ^ ® Kühe, die nicht trächtig werden, in den 
Ein verkauft. Man macht auch folgendes Geschäft: 
Farm Wyoming oder Montana übergiebt einem 
dem T Nebraska im Herbste eines Jahres, in 
fetten n u ausgewachsenen aber nicht 
Stande ^ 16s. wiegt und in diesem Zu- 
Earmer r Per Ib. = 30 Dollars bringen würde. Der 
Ffund ""d Mais fett und erhält für jedes 
"“chdem 7“'!'““"“''"’® ^ 7 je 
'^«ffende 7u »d«' billig in dem be- 
dem .. ‘®‘' b»ieser verkauft ihn nach Chicago, nach 
bat Gewicht von 1300 Iba erlangt 
ei^hält ^ Cents per Ib. loco Chicago. Der Viehzüchter 
^5 Hollars in Chicago, zahlt 15 DoUars, respective 
^^pectir % 7™" b=bmt also 50 Dollars, 
halbes 11 “ Stelle der 30 Dollars, welche er ein 
halten h" k"her für seinen mageren Ochsen in Chicago er- 
Waiz Farmer hat ca. .500 Ibs. = 27 Bushels 
772/3 p attert und den Bushel mit 55'/a Cents, respective 
nicht «r '^^‘■"«“bet, während der Marktpreis in der Regel 
"’an in ? Cents loco ist, ohne den Dung zu rechnen, den 
dieser Gegend noch nicht schätzt. 
Stück T ^^T^6rsmann sagte mir, seine Heerde von ca. 6000 
^dllars 65.000 Dollars und sei 120.000 
Capital hat sich also in drei Jahren fast 
rascher Proportion. Im 
Er stehv * ^^nn er schon 1200 Stück Fettvieh verkaufen, 
bar begriffe, sich noch eine Heerde von einem Nach- 
tveiter Dollars zu kaufen und sein Geschäft noch 
^eil tjszudehnen. Solche Ankäufe werden immer theuer, 
^'^melt^ ^nder sich auf dies lucrative Geschäft stürzen. Es 
^^fniöo- jungen Engländern in Amerika, welche hier 
t^Gr ^ 10.000 bis 100.000 Pfd. St. anlegen und in 
^ da ^ Geschäfte machen, wenn sie auch anfangs oft 
s Ohr gehauen werden. Wir trafen sie in Florida, in 
über
        <pb n="577" />
        562 
llili!§Äp| 
,5 Männer. Der Chef derselben erhält monatlich roo DolU 
## 
Profit auch ausrechnen, wenn man anmmmt, dass per 
vom vollendeten zweiten Jahre ab 50 bis 70 Jerce K 
zu rechnen und jährlich 5 Percent an Verlust durch T 
der ganzen Heerde erfahrungsmässig abzuschreiben sin . 
Ist eine Heerde gekauft, so wird sie in die Nahe àet 
Ranche und des sie durchfliessenden Wassers 8«"«ben 
nun lässt man die Rinder frei laufen, wohin sie wollen n 
dem sie mit dem Zeichen des Eigenthümers 8*"%'Jvont 
der Regel entfernen sie sich nicht über 4 is 5 g, 
Wasser, doch mischen sie sich mit den Nachbarheer 
ist Gesetz in Wyoming, dass jeder Heerdenbesitzer fünf 
der Heerde in leistungsfähigen Bullen halten muss. 
Im nächsten Frühling engagiren die Besitzer die vnnsta*^ 
Zahl Arbeiter oder Cowboys und steigen mit ihnen zu ^ ^ 
Sie vereinigen sich mit den Nachbarn zum Round Up, _^^, 
sie treiben districtweise alles Vieh zusammen. Jeder 
die Kälber seiner Kühe mit seinem Zeichen, sonde .1^^^ 
unfruchtbaren Kühe und 3' .Jährigen Stiere, die zu ‘ 
kommen sollen, aus und diese werden nun separa vo 
Leuten jedes Besitzers gehütet. Die anderen lasst ma
        <pb n="578" />
        563 
30* 
laufen. Vom Juli bis November werden diese auf der Weide 
gewordenen Rinder nun successive nach Chicago auf den 
in H ^ Gras dürftig ist, im Herbste zu Farmern 
den östlichen Staaten auf die Mast geschickt. Im Jahre 
gy ° wurden 6770 Eisenbahn Waggonladungen voll Rindvieh 
un^ :35.00o Stück, 1643 Waggons Schweine 
unH tf ^^Sgons Schafe auf der Pacific-Bahn von Wyoming 
ebraska nach dem Osten versendet. 
hal von Wyoming, etwa 200 an der Zahl, 
Association mit dem Sitze in Cheyenne gegründet, 
Unkosten jeder jährlich 10 Dollars beisteuert. Sie 
ers A”7.ahl Inspectoren und Detectives angestellt. Von 
Verschififungsmonaten je einer an jedem 
cont” eingeschifft wird, angestellt. Er 
Ver 1^^:" Verschiffer Vieh mit fremdem Brandzeichen 
Geschieht dies doch, so zeigt der Inspector dies 
dessen Brand in fremder Heerde gesehen 
Hes^ Ordnung ist, wenn nämlich ein 
^ dem andern Vieh verkauft hat. Die Detectives müssen 
:Oo n Viehdiebe ermitteln. Diese Beamten erhalten je 
Sch* Monat. Die Brandzeichen sind natürlich ver- 
cn und von der Association registrirt. 
»grü^° Geschäft ist, so unsicher ist es für 
die in der Regel betrogen werden. Meinem 
"'“^den in der ersten Zeit 18 Pferde gestohlen. 
Von * Engländer kauften im vorigen Jahre eine Heerde 
""d fanden im diesjährigen Round Up nur 
wT^" ^ Gin persönliches Opfer, in 
mir dniss jahrelang zu leben. Mein Gewährsmann sagte 
^cs'ch”f^^ ^Gl:"jühciger Thätigkeit werde er, selbst wenn das 
^ ^ ungünstiger werden solle und er auch einige Unfälle 
Dollar "^"Gr eine halbe Million Dollars, mit ca. 100.000 
80 ig.^ Einlage, verdient haben und sich dann zurückziehen, 
übrigens hier allgemein Sitte. 
Viehzucht kann natürlich Niemand con- 
'■Gn. Wyoming hatte 1877 erst 175.000 Haupt Rindvieh
        <pb n="579" />
        5^4 
und wird jetzt wohl 300.000 haben, kann aber Millionen er 
nähren, sowie man durch Brunnen für mehr Wasser 
Für den Ackerbau liegt das Land zu hoch, obschon a er 
wächst. Wo die Bahn im Westen in Wyoming eintritt, heg 
sie 6800 Fuss über dem Meere, und wo sie östlich das Terri 
torium verlässt, noch 5000 Fuss hoch. 
Diese Viehzuchtregion zieht sich nun von Wyoming noch 
tief nach Osten in Nebraska hinab, bis, wie schon gesagt, 
nach Grand Island. Allein, hier muss man schon Land kauten, 
was die Bahn übrigens von zwei bis fünf Dollars per c 
abgibt. 
Das Land wird aber auch dafür grasreicher und gestattet 
an den meisten Stellen, dass man einen guten, reichlichen Heu 
schnitt von der Prairie nimmt. 
Der Viehstand in diesen Weideländern der Union wir 
vom Censusamt für Juni 1880, mit Zuwachsrate seit 187^’ 
folgendermassen angegeben: 
Staat 
Pferde 
Ë 00 Maul- 
Ä " 
2 1 thiere 
pCt. 
.t: 
% 
!n 
ipCt. 
Arbeits 
ochsen 
u 0 
I”- 
I 
pCt. 
Milchkühe 
33 
-9 
308 
63 
.«6 
87 
i5 
_-3&gt; 
87^ 
Oregon 
Montana 
Idaho . 
Washington 
Nevada 
Utah . . 
Colorado 
Neu-Mexico 
Arizona 
Kansas 
Texas . 
124.000 
35.«» 
24.000 
45.000 
32.000 
38.000 
42.000 
14.000 
7.000 
431.000 
806.000 
140. 
564, 
1.0301 
3i2j 
3271 
24s' 
556 
1891 
1.929 
2661 
90¡ 
2.000 
I.OOO 
I.OOO 
1.000 
I.OOO 
2.000 
3.000 
9.000 
1.000 
65.000 
133.000 
9 
81 
64 
-34 
27 
I 
120 
48 
122 
450 
116 
Summa 
Union 1880 , . . 
Zahl ult. 1881 in 
der Union . . . 
1.598.000I —I 
10.358.000l 451 
319.000] 
1.813.0001 
61 
10.521.000I —] 1 835 000] 
4.000 
I.OOO 
1.000 
3.000 
I.OOO 
4,000 
2.000 
16.000 
I.OOO 
17.000 
91.000 
69 
-47 
4: 
75 
69 
14 
-63 
-19 
-32 
59.000 
I I.OOO 
12.000 
27.000 
130°° 
33-000 
29.000 
13.000 
9.000 
. I« oOO 
140.000 
994.000 
—25 
— 13.611 
,000;
        <pb n="580" />
        5^5 
Staat 
1 
Anderes 
Rindvieh 
■0 Zunahme seit | 
1870 
1 Schafe 
1 
'v 
,1’ 
pCt. 
Schweine 
0 Zunahme seit 
r 1870 
Oregon 
Montana 
I^aho 1 
Washington T. . • 
Nevada 1 
•••••• -i 
Colorado .... 
Neu-Mexico . , . { 
Arizona ..... j 
Kansas . . . . 1 
I«*^as . . ! J 
352.000 
160.000 
71.000 
103.000 
158.000 
59 000 
315000 
137000' 
350001 
1 016.000 
3.388.000 
408 
610 
I 137 
266 
591 
224 
687 
543 
866; 
343: 
'5 
1.083.000 
184.000 
27.000 
292,000 
133.000 
233.600 
746.000 
2.088.000 
77.000) 
500.000' 
2.4I2.0tX). 
3 40| 156.000 
9.0051 10.000 
3.576,' 14.000 
565 46.000 
&gt;. 113j 9.000 
39: 17.000 
5:7' 8.000 
237 8.ocx&gt; 
9.43O; 4.000 
358,1 1.788.000 
338, 1.954.0001 
3« 
295 
513 
168 
176 
446 
39 
—30 
430 
765 
63 
Summa 
5.794000t 
— 
7.775.000) 
—! 4.014 000 
'S80 . . . . 
'ahl ult. 1881 in 
^**r Union . . . ; 
»2.488.0(x&gt;| 
13.280.000) 
66 
35. IQ2.0CK)' 
t5.0l6 CKX&gt; 
34j47.6M4.000 
44.1 22.(X» 
00 
die procentische Zunahme des 
man ¿" besonders in die Augen fallend und 
'■^scherrv nächsten Jahrzehnte auf eine noch 
luten 7 Ul desselben vorbereiten, denn die abso- 
«•netn verschwindend kleine Viehmenge auf 
'Mähren Gebiet, das hundert xMal soviel Vieh er- 
^nchstäKr "u"' darauf weidet. In jenen Ländern wird 
erst, na u^” geschlachtet und eine Kuh auch 
Hei solch wurde, um noch Kälber zu tragen, 
^crmehren"^ Verfahren muss sich der Viehstand natürlich schnell 
der Staat Colorado. Der 
tung j^^ .fl'csst dahin und nach Nebraska in östlicher Rich- 
diesetn Ri sich der Cache la Poudre-River. An 
erst Von ^^d planmässige Bewässerungen gemacht worden, 
PagnieJ Cooperation, dann von englischen Com- 
^iese ? einem früheren Capitel habe ich mitgetheilt, dass 
das Wa besuchten ihre Bureaux in Denver — sich für 
errecht am Canal 500 Dollars per 80 Acres = 6%
        <pb n="581" />
        566 
DoUars per Acre zahlen lassen. Wer einen solchen Anthe.1 
am Canal nicht besitzt, muss für das nöthige Wasser zur Be 
rieselung seiner Felder 50 Cents bis .•/. Dollars per Acr 
jährlich zahlen. Trotzdem zahlt sich der Ackerbau auch 
diesen künstlich bewässerten Farmen trefflich aus. Man p g 
IO bis 12 Zoll tief und cultivirt den Boden überaus ^ 
Die Ernte war 1881, wo man im ganzen Westen durch Du 
gelitten, wieder recht gut und stellt sich auf 25 Bushe s e 
per Acre, der hier i Dollar loco Farm werth .st. Die 
sammtkosten der Weizenproduction per Acre, Preis des La 
und Fundus Instructus verzinst, letzteren amortisirt, Un 
der Bewässerung und alle Arbeiten eingerechnet, sollen nie 
IO Dollars per Acre oder 40 Cents per Bushel “^ersteig 
Hafer giebt 46 Bushels à 40 lbs., Gerste 35 Bushels per ' 
Mais 28 Bushel per Acre, Es ist keine Frage, dass auch 
in Europa vielfach künstlich bewässern- und amenkanis 
Maschinerie gebrauchen lernen müssen! 
An den Flüssen und in Ostnebraska treibt man Ack 
combinirt mit Viehzucht. Die Farmen sind meist von 
bekannten Homestead Grösse. Ihre Zahl betrug i o 
2.789, 1870 = 12.301 und 1880 schon 63.387. Davon w 
45 unter 3 Acres gross, 355 von 3—10 Acres, 708 
bis 20 Acres, 3.301 von 20—50 Acres, 16.652 von 50 
Acres, 41542 von 100-500 Acres, 666 von 500-1000 
und 118 über 1000 Acres; 51.963 wurden von den 8 
thümern, ..948 von Pächtern, 9.476 von Métayers be«^^^ 
schäftet. Nebraska ist also eine Bauernrepublik. *'^acn 
letzten Census waren von den 46.636.800 Acres, die ® ¿ j 
gross ist, erst 3 498 906 Acres in Cultur, davon :'054 
Acres unter Weizen, 1.124.709 Acres unter Mais, i73- 
Acres unter Hafer. Die Zahl des Rindviehes betrug 75 
der Schafe 199.000 und der Schweine 1.242.000. Die 
kerung beträgt nahezu eine halbe Million Seelen. Hier 
die Region der Schweinezucht und erstreckt sich bis 
Ohio östlich als grosse Industrie; die Zahl der ußi 
mehrte sich seit 1870 um fast 2000 pCt., des t-ggeiH 
1200, der Schafe um 778 pCt.; das Rindvieh wird m
        <pb n="582" />
        567 
Landstriche nur mehr für Molkerei und Zuchtzwecke gezogen 
®der zur Mast aus dem Westen gekauft. 
im Jahre 1880 erntete man 10 Millionen Bushels Weizen, 
^ovon circa 5 Millionen Bushels zum Exporte übrig waren. 
Gr Durchschnittsertrag kann auf 13 Bushels per Acre ange 
nommen werden. 
Jowa ist gleichsam die östliche Fortsetzung von Nebraska, 
35*200.000 Acres, wovon 1880 3.471.000 unter Weizen, 
5116.000 unter Mais waren. Die Weizenernte betrug 36 Mil- 
mnen Bushels, wovon 21 Millionen exportirbar; der Acre 
nrgiebt im Durchschnitte nicht über 11 Bushels. 
^ In Jowa gab es 1850 = 14.805, i860 =- 61.163, 1870 
^ 116.292, 1880 = 185.351 Farmen, wovon 141.177 von den 
^•genthümern, 8.421 von Pächtern, 35.753 von Métayers be- 
Schäftet wurden. 122 waren unter 3 Acres, 2.063 von 
^ 3*343 von 10—20, 23.488 von 20—50, 58.519 von 
î6 von 100—500, 2.298 von 500—1000 und 
4 über 1000 Acres gross. 
Zahl der Pferde betrug 1880 = 792.000, Vermehrung 
DC ^ ^3 pCt., der Maulthiere 44.000, Vermehrung 74 
Mi/h Arbeitsochsen 2.500, Verminderung 89 pCt., der 
Vieh 854.000, Vermehrung 131 pCt., des anderen Rind- 
^ ^*755*000, Vermehrung 186 pCt., der Schafe 455.000, 
346^^^^*^^^^ 47 pCt., der Schweine 6.034.000, Vermehrung 
^^6raska und Jowa haben einen sehr ähnlichen Charakter. 
Ist ein in seiner oberen Schichte von Humus dunkel 
^ Lehm, sehr fruchtbar. Nebraska ist ebener als Jowa 
^*id sehr oft freilich leiden beide Staaten an Dürre 
find Heuschrecken. Nebraska ist ganz baumlos, in Jowa 
Ulino^ vereinzelte Wälder, fast Alles Eichenwälder. In 
bçj. 'Verden diese sehr zahlreich und die Landschaft wird 
Flüsse besser bewässert und der Regenfall wird 
Jg weiter nach Osten, desto dichter werden die 
Ostnebraska sind sie noch sehr dünn. Hier 
In T sich viele Deutsche an, weil das Land billig ist. 
®'va ist neben der Bahn Alles besiedelt, fern von ihr ist
        <pb n="583" />
        568 
1 
noch unoccupirter oder doch uncultivirter Boden. Illinois hat 
kein freies Land mehr. In Nebraska, Jowa und Kansas hausen 
oft verheerende Stürme, deren Macht man durch Baum 
Pflanzungen zu brechen sucht. 
Im Westen baut man fast nur Mais; je weiter nach Osten, 
desto mehr tritt W^eizen neben Mais. Nebraska bringt m 
erster Linie Heu, dann Mais, dann Weizen und Hafer. Das 
Wetter ist in Nebraska und Jowa ungünstig. Die Winter sin 
kalt, der. Juli und August, oft schon Ende Juni, sind sehr heiss. 
Deshalb kann man im Frühjahre oft erst spät die Bestellung: 
beginnen und Winterweizen wird nicht gebaut, da er oft aus 
friert. Frühjahrsweizen leidet nicht selten von der zu früh 
eintretenden Hitze. Am sichersten ist Mais, Hafer, Klee, Ti 
mothee, auch Kartoffeln gedeihen meist gut. 
Die Maisernte per Acre betrug in 
Bushels 
im Jahre in Jowa in Nebraska 
Der Mais 
1869 
1870 
1871 
187a 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
kostete in Cents P® 
Bushel 
im fahre in Jowa in Nebraska 
55 74 
Im Durchschnitte der 12 Jahre also 
35 Bushels, 
1867 
1868 
1869 
1870 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
16 
Das sind sehr grosse Preisschwankungen, die zum 
von Missernten herrühren, wie im Jahre 1874, wo man tu ^ 
braska nur 10 Bushels vom Acre erntete. Bis zum Jahre i 7^ 
erklären sie sich aus dem geringen Anbau von Getreide 
jenen Staaten überhaupt. Im Jahre 1881 waren die 1 
höher. Mais kostete Mitte August 1881, als ich in Dm^^^ 
war, 45 Cents per Bushel, eine Folge der Haussespeculat»^^ 
in Schweinefleisch-Provisionen. Durch Mast verwerthet 
aber den Mais besser. Man rechnet, dass 15 Bushels 
à 56 lbs. neben der Weide auf der ungebrochenen Pr^*^^ 
genügen, ein Fettschwein von 250 Ibs. zu erzeugen, da
        <pb n="584" />
        i 
Erzeugten 3 4 lbs. Mais ein lb. Fleisch; ein, wie mir scheint, 
^twas zu gutes Mästungsresultat. Es ist angenommen, dass 
Schweine auf die Weide gehen und nur die letzten drei 
fünf Monate von Mais, der ihnen in vollen Kolben vor- 
geworfen wird, leben und dass sie mit gemästetem Rindvieh 
zusammen leben, aus dessen Excrementen sie unverdaute Mais 
körner sammeln. Weiter östlich rechnet man anders. Davon 
Weiterhin. 
Somit würde man in Nebraska per Acre Mais und dem 
l^öthigen Weideland in der Regel jährlich zwei Fettschweine 
Gewichte von fünf amerikanischen Centnern erzeugen 
onnen. Der Centner Lebendgewicht eines Fettschweines 
Ostete in Chicago im Sommer 1881 6'Dollars, in der Regel 
^ er nur ca. 5 Dollars, so dass ein Acre in Mais ca. 25 Dol- 
rs in Form von Fettschweinen in Chicago brächte, wovon 2 
3 Dollars für Fracht und Unkosten abgehen; bliebe ein 
rutto-Ertrag von 22 Dollars per Acre. Hiervon gehen Zins 
-Ankauf des Weidelandes, Bestellungskosten und Unkosten 
^ehweinezüchtung ab. In der Regel combinirt man Rind- 
und Schweinemast. Nachdem die Kolben des Mais 
gebrochen, treibt man Rinder auf die Felder, welche die 
utter von den Stacken abfressen. Im Winter werden sie 
Maiskolben fett gemästet und die Schweine durch- 
Und ihren Dung. Das Resultat würde ein besseres sein, 
y ®iu besseres, auf deutschen Wirthschaften, wo man 
^^kert. Dort hat man eben höhere Ernten. Zweifellos 
y ^un diese auch durch Bewässerung erzielen. — In 
en Staaten wird in vielen Klein wirthschaften Butter und 
zum Verkaufe fabricirt. 
^ Schweine werden meist bis zum Alter von sechs 
geweidet und von da ab mit so viel Mais — an den 
ß . ' gefuttert, als sie fressen wollen. Ein officieller 
^ais^ ^ Chicago giebt an, dass bei solcher Haltung 5 Ibs. 
p * Fettschweine erzeugen, i Bushel Mais also 11 Ibs. 
2 ^hweine produciré, ein Schwein von 250 Ibs. also ca. 
Mais gebraucht. Bei solcher, mir wahrscheinlicher 
einenden Angabe würde ein Acre in Mais nur ca.
        <pb n="585" />
        570 
I‘/o Fettschweinen im Jahre Nahrung geben. Ein Acre Mais 
kostet in jenen Ländern, ohne Zinsen des Ankaufscapitals zu 
rechnen, bei Lohnarbeit höchstens ca. 6 bis 8 Dollars Pro- 
ductionskosten. Die letzte Zahl ist schon sehr hoch gerechnet, 
immer schaut ein recht guter Profit bei dieser Schweinezucht 
heraus, da sich bei 35 Bushels Ernte, der Bushel Mais nur 
auf 17 bis 23 Cents stellt. So hoch kommt er dem, ohne 
Lohnarbeiter die Farm bestellenden Farmer natürlich in Geld 
nicht zu stehen. Das Mästungsresultat ist auch noch bei der 
letzteren Rechnung ein besseres als in Ungarn. In der Mast 
anstalt von Steinbruch rechnet man, dass 6 Kilo Mais oder 
Gerste dazu gehören, i Kilo Fleisch zu erzeugen. Die Schweine 
sind in Steinbruchm der Regel i ',2 Jahr alt, wenn sie in die Mast 
kommen; das Paar erhält per Monat in Steinbruch zwei Meter- 
centner Mais oder Gerste und gewinnt dabei 35 Kilo Ge 
wicht. Erreicht das Paar ein Gesammtge^icht von 300 Kilo, 
so sind 45 Kilo „für das Leben“ abzuziehen, um das Gewicht 
der ausgeschlachteten Schweine zu erhalten. — Wie oben 
nachgewiesen, belaufen sich die Productionskosten, selbst die 
Grundrente für einen Ankaufspreis des Bodens von 2 bis 
12 Dollars per Acre eingerechnet, per Bushel Mais in Jowa 
und Nebraska von 20 bis 25 Cents = 192 bis 2 40 fl. ö. ^ 
per Metercentner. Mais kostet aber ca. 6 bis 8 fl. in Budap 
— da ist an eine Concurrenz der Steinbrucher mit den Farmer 
in Jowa und Nebraska nicht zu denken. Die Selbstkoste 
des Mais zu 25 Cents per Bushel angenommen und 5 |b^ 
Mais als Aequivalent zu i Ib. Fettschwein gerechnet, kann 4^^ 
Farmer hier loco Farm den Metercentner Fettschwein, ohn 
die Weide zu rechnen, zu 310 Dollars == 12 fl. 24 kr. liefer 
in Wien kosten solche Schweine 45 bis 50 fl. per Mete^ 
centner! Da ist keine Concurrenz möglich, wenn man auc 
an obigen Zahlen Einiges abdingen könnte. 
Die Ackerbestellung auf den amerikanischen Wirthscha t ^ 
in Nebraska und Jowa ist liederlich, Wenn man, wie oft 
schiebt, Mais auf Mais baut, pflügt man den Acker nur ^ 
Mal vier bis sieben Zoll tief. Baut man Weizen auf Mais, 
pflügt man in der Regel gar nicht vor dem Weizen, son e
        <pb n="586" />
        57 ï 
arbeitet denselben mit dem Cultivator in die Maisfelder ein. 
brache und Düngung sind unbekannt, Missernten aber um so 
häufiger; in Jahren günstiger Witterung giebt Mais freilich 50 
his 60 Bushels per Acre. Die amerikanischen Farmer, welche 
Sich hier angesiedelt haben, sind meist ohne alle Mittel, im 
besten Falle mit ein paar hundert Dollars angekommen. Es 
Seht ihnen in der Regel dürftig genug. Sie verkaufen gern 
Deutsche und Scandinavier, die dann besseren Ackerbau 
beginnen und düngen. Der Raubbau, welchen sie treiben, 
führt fast nie zum Verbessern einer Nährstelle, meist zur Er 
setzung des Raubbauers durch einen besseren Wirth. Es ist 
^esshalb auch irrig, anzunehmen, der Raubbau in diesen 
^ läaten führe zur Verminderung der Production. Meist 
|st das Gegentheil der Fall. Trotz des angeblichen Raubbaues 
ist die Weizen- und Maisproduction in jedem Staate, auch in 
l^cn älteren, die also doch schon erschöpft sein sollten, in 
fügsamem Steigen begriffen, auch habe ich, ausser im 
uden, äusserst selten eine aufgelassene Farm gesehen. Die 
obige Behauptung, dass auch in alten Staaten die Getreide- 
Production langsam zunimmt, werde ich gelegentlich im Detail 
^achweisen. Fast halb Nebraska ist schon deutsch, und die 
Putschen produciren bald mehr auf derselben Fläche als ihre 
orgänger. Eisenbahnland kann in jowa für 4 bis 7 Dollars, 
and in Farmen mit allerdings leichten Gebäuden für 20—30 
o lars per Acre gekauft werden, 
y diesen und anderen Staaten, in welchen viel Mais ge- 
wird, sieht man neben den Bahnstationen viele lange und 
c male Maisschober, in welchen der Mais gewöhnlich in 
y on aufbewahrt wird. Sie sind leicht aus Holzlatten ge- 
pnd gestatten dem Winde den Durchgang. Daneben 
^obt es Elevatoren, in denen der ausgekörnte Mais aufbe- 
rt wird, gewöhnlich mit einer Maisreibemaschine verbunden, 
Ohe die Körner von den Kolben trennt, natürlich mittelst 
Ç ^^Pfkraft. Solche Elevatoren und Kolbenschuppen gehören 
oder Farmer-Cooperativgesellschaften oder Kornhändlern, 
Itn ^ ^ den Mais gegen Lagergebühr lagern oder ihn kaufen, 
orsteren Palle leihen sie auch Geld auf gelagerten Mais.
        <pb n="587" />
        572 
70 lbs. Mais in Kolben werden gleich 56 lbs., gleich einem 
Bushel, Maiskorn gerechnet. 
Die Baulichkeiten sind in diesen Staaten alle sehr billig' 
meist aus Holz hergestellt, die Verzinsung des hierin investirten 
Capitales schwellt also die Productionskosten nicht sehr an, 
die Steuer auch nicht. 
In Jowa liegt, bei der Station Homestead, eine merkwür 
dige Colonie deutscher Communisten, die ich besucht 
habe. Sie nennen sich Amaniten oder Separatisten, kamen 
1842 aus Hessen nach der Gegend von Buffalo, verkauften 
aber 1855 hier ihre Grundstücke und siedelten sich in Jou'^ 
an, wo sie sieben blühende Dörfer gegründet und circa 30.000 
Acres Land erworben haben. Sie zählen 1600 bis 1700 Seelen 
und stützen ihren Communismus auf die Bibel. Ihr Eheleben 
— sie sind Monogamisten — ist geordnet. Das Dorf Homestead 
macht einen äusserst freundlichen Eindruck. . Die älteren Häuser 
sind von Holz, die neueren sehr solide von Ziegelsteinen erbaut. 
Es ist stets eine Gruppe von Häusern zusammengebaut, 
der vier bis sechs Familien leben, doch hat jede Familie eine 
separate Wohnung mit eigener Hausthüre. Jedes Haus ist von 
einem wohlgepflegten Küchengarten umgeben. Für je dreissig 
bis vierzig Personen wird besonders gekocht und speisen diese 
gemeinsam. Eine ältere Frau leitet die Küche. Unter ih*" 
wirken drei bis vier Mädchen darin. Jedes Dorf hat eine 
gemeinsame Molkerei, Schlächterei und Bäckerei. Wöchentlich 
wird zweimal geschlachtet und gebacken. Ein Wagen beför* 
dert täglich das nöthige Fleisch, Brod und die Milch in jc^^ 
Küche. Jeder Haushalt aber buttert und käst für sich nnd 
lebt auch von dem im eigenen Garten gezogenen Gemüse- 
Man baut auch Wein und verkauft sogar jährlich an 2000 Gail- 
Das nöthige Bier wird in eigener Brauerei erzeugt, ist 
aber nicht berauschend. Frühstück wird um 6 Uhr im Sommes 
um halb 7 Uhr im Winter genommen: Kaffee, Butterbrod nn 
Käse. Um halb 9 bis 9 Uhr luncht man bei der Arbeit nn 
erhält jeder Mann bis 3 Glas Bier, in der Ernte 5 bis 6 Gl^®’ 
Frauen nach Bedarf, alle Käse, Butterbrod, Gurken, RettiR®' 
Schinken, Eier. Um halb 12 Uhr isst man Mittagbrod: SupP^’
        <pb n="588" />
        573 
eisch, gekocht oder gebraten, Gemüse, Mehlspeise, Früchte 
Kaffee. Nachmittags vespert man mit Bier wie Lunch, 
bendbrod wird im Winter um halb 7 Uhr, im Sommer um 
7 Uhr gegessen: Fleisch, Kartoffeln, Salat, Eier, Eierkuchen, 
^uere und süsse Milch und Thee. Wein wird zu den Mahl- 
^^iten reichlich, doch nie im Uebermasse gereicht. Es war 
fr beste amerikanische Wein, den ich getrunken habe, fünf 
y . ^ J^kre alt und sehr sorgfältig behandelt. Kinder erscheinen 
g. gemeinsamen Tafel, sobald sie schulpflichtig werden, 
dahin bringt ihnen die Mutter aus der Küche das Nöthige 
nach Hause. Sie wohnen im Elternhause, bis sie sich 
^Grheirathen oder die Mädchen in eine Küche kommen. Jede 
^^Wachsene Person erhält ausser Kleidung, Wohnung und Kost 
ß ^fld, im Jahre 50, 75 bis 100 Dollars, je nach Leistung und 
^ urfniss, wofür sie Tabak und Schmuck etc. kaufen kann, 
zu Mitglied ausscheidet, erhält es das der Gemeinschaft 
rächte Capital, jedoch ohne Zinsen, zurück. 
Gemeinschaft besitzt zwei Wollspinnereien und 
^bereien, deren Producte — Tuche 
^Gkan 
in der ganzen Union 
annt und ihrer Dauerhaftigkeit wegen geschätzt sind. Sie 
^^r^uch ein grosses Kaufhaus, mit Filialen in jedem Dorfe, 
^reib^ ziemlich Alles kaufen kann. Den Ackerbau 
Sch f ” deutscher Weise, Wechsel- und Dungwirth- 
itiçjj Stehen sich gut dabei. Der Leiter dieses Depart- 
Wir h H°™GStead sagte mir, die alte deutsche Drei-Felder- 
Ert^ regelmässiger Düngung geben den besten 
^^nn ^ M/^esten Amerikas. Die Gemeinde ist sehr reich zu 
^es weiss aber selbst nicht, wie gross der Werth ihres 
^atr ist. Die Leute leben auch friedlich und 
^®^Est behaglich miteinander. 
sind • Ko.sten der Weizenproduction in beiden Staaten 
Ear* Kleinwirthschaft daselbst, in der Jeder seine 
VÇJ.J.J selbst oder höchstens mit Hilfe eines Lohnarbeiters 
schwer zu sagen. Aufbrechen der Prairie, wenn 
gegen Bezahlung von einem schon Angesiedelten 
iässt, kostet 2 bis 2 Dollars per Acre, Pflügen des 
gebrochenen Bodens 1 '/z Dollars. Auch nehmen die 
Sch, 
Qn
        <pb n="589" />
        574 
Nachbarn die ganze Weizenbestellung und Ernte bis zum Ab 
fahren des Getreides zur nächsten Bahnstation für 7 /z bis 
Dollars per Acre in Accord. Man wird nicht fehlgehen, uenn 
man 7 Dollars als genügend in Jowa und Nebraska annimnth 
um II bis 13 Bushels Weizen zu erzeugen. Somit würde der 
Bushel auf 54 bis 63 Cents zu stehen kommen. Der Preis 
hat durchschnittlich im ganzen Staate Nebraska betragen 
im Jahre 1876 73 Cents, 1877 83 Cents, 1878 49 Cents, 1879 
83 Cents, 1880 72 Cents; in Jowa 1876 90 Cents, 1*77 
87 Cents, 1878 50 Cents, 1879 92 Cents, 1880 82 Cents, 
Weizenbau bringt also immer noch einen ansehnlichen Gewinn- 
Die Productionskosten für i Acre Mais sollen zwei 
derjenigen von i Acre Weizen betragen, hauptsächlich deshn &gt; 
weil man die Ernte oft den ganzen Winter hindurch vornimmt 
und alle Arbeit, mit Ausnahme des Brechens der Kolben, mit 
Maschinen verrichtet. 
Die Transportkosten betragen auf Localbahnen in NebrasK 
per Bushel Weizen für zehn Meilen 3.6 Cents, für 40 Meilen 
6 Cents, für 75 Meilen 8.4 Cents, für 100 Meilen 9.9 Cents, 
für 200 Meilen 15 Cents; in Jowa für zehn Meilen 3.6 Cents, 
für 40 Meilen 5.4 Cents, für 75 Meilen 7.8 Cents, für 
Meilen 9.6 Cents, für 200 Meilen 13.2 Cents.. Der meist^ 
Weizen von Nebraska wird nach Omaha und von dort nac 
Chicago geführt. Die Fracht per Bushel von Omaha nac^ 
Chicago kostet 18 Cents, dazu sollen noch ca. 100 Mei 
Localfracht mit 10 Cents kommen; so würde sich Weizenfrac ^ 
aus Nebraska bis Chicago auf 28 Cents stellen. Von 
Crete in Nebraska, 565 Meilen von Chicago, kostet sie 
21.6 Cents. Da viel solche „Durchfracht“ existirt, so 
man nicht fehlgehen, wenn man annimmt, dass der Nebras ^ 
Weizen 25 Cents jetzt noch bis Chicago zu zahlen hat, 
von Chicago bis New-York höchstens noch 10 Cents, von 
nach England 8 Cents und Platzspesen in New-York, 
Seeversicherung 3 Cents; macht von Chicago bis zum en^^ 
lischen Hafen 21 Cents, also von Nebraska bis England 46 Ce ^ 
4.09 fl. per Metercentner, Productionskosten 54 Cents. 
kann der Bushel Weizen aus Nebraska in England mit i DO
        <pb n="590" />
        575 
geliefert werden, macht 3.70 Dollars = 8.90 fl. per Meter- 
eentner. Die fünf Millionen Bushel Weizen, welche Ne- 
l^^aska zu exportiren hat, kosten in Europa also rund fünf 
Millionen Dollars. 
Der Weizen von Jowa sammelt sich in Chicago und hat 
^eist den ,,Durchfrachttarif“ dorthin. Von einem der entfern- 
^ten Punkte Jowas, Sioux City, kostet der Bushel bis Chicago 
Cents Fracht; von einer Station in der Mitte Jowas, Webster 
18 Cents. Im Mittel wird Jowa-Weizen für 20 Cents 
Bushel nach Chicago, also für 41 Cents nach England 
transportirt werden können. Dazu 63 Cents Produktionskosten, 
’’^acht 1.04 Dollars per Bushel in London = 3.85 Dollars 
^•24 fl. per Metercenter. Die 21 Millionen Bushels Weizen, 
''welche Jowa zu exportiren hat, kosten in Europa also rund 
Millionen Dollars. 
Illinois ist einer der älteren Ackerbaustaaten, dessen 
eizenernte seit i860 sich etwa verdoppelt hat. Ueber drei 
W 
Milli 
onen Acres sind unter Weizen und der Ertrag war 1880 
53, nach Angabe des Staatsboards für Ackerbau über 56 Mil- 
^en Bushels, wovon circa 29 Millionen Bushels exportir- 
sind. 
^ Illinois ist schon seit über 50 Jahren besiedelt worden. 
186 Farmen betrug daselbst 1850 schon 76.208, 
^43*3*0, 1870 = 202.803, 1880 = 255.741. Hiervon 
75-497 von den Besitzern, 20.620 von Pächtern, 59.624 
j 8 ^^^^yors bewirthschaftet. Unter 3 Acres gross waren 
’ Von 3—10 Acres 4.170, von 10—20 Acres 8.299, von 
A 46.594, von 50—100 = 76.080, von 100—500 
5 ^ 16.562, von 500—1000 Acres 3.249, über 1000 Acres 
Farmen. 
Seit Pierde betrug 1880 — 1.023.000, Zunahme 
(tgp ^^70 =. 20 pCt., der Maulthiere 123,000, Zunahme 45 pCt,, 
*'6eitsochsen 3.000, Abnahme 83 pCt,, der Milchkühe 
35 pCt., des anderen Rindviehes 1.515.000, 
44 pCt., der Schafe 1.037.000, Abnahme 34 pCt., 
chweine 5.170.000, Zunahme 91 pCt. 
Einern sehr sorgfältigen Berichte gibt das genannte
        <pb n="591" />
        576 
Board für jede der 102 Grafschaften die Productionskosten 
eines Acres Weizen an, inclusive Grundrente und Kosten für 
Zumarktebringen. Nach Abzug der Grundrente betragen diese 
Productionskosten 7-14 Dollars per Acre. Der Ertrag war i 7 
bis 1880 13-5 Bushels, ist in den letzten Jahren m holg 
besserer Cultur aber gestiegen auf 16-4 Bushels im Jahre i»77' 
14.6 Bushels im Jahre 1878, 18-75 Bushels im Jahre 1879 ““ 
17.33 Bushels im Jahre 1880. Man kann jetzt gut auf ■ 
Bushels rechnen; so stellen sich also die Productionskosten 
für einen Bushel Weizen in Illinois ohne Grundrente aut 45 
Cents, mit der Grundrente, die auf 3 30 DoUars per Acre am 
gegeben wird, auf 65 Cents. Auf den Marktplätzen des Staat 
kostete Weizen im Durchschnitte 1876 93 Cents, ’*77 '■ 
Dollars, 1878 75 Cents, 1879 1-07 Dollars, 1880 95 
Der Profit ist also ein grosser. Die Grundrente wird in 
Berichte von 2 bis 5 Dollars, im Mittel auf 3*30 Do a^ 
gegeben, was bei 6 Percent einen Grundwerth von 33 b’S ^ 
Dollars, im Mittel von 55 DoUars ausmacht. Es ist verke • 
die Grundrente so in die Productionskosten einzurechnen; 
ist ein Resultat, die Differenz nämlich des Preises und 
Productionskosten. gn 
Seit dem Jahre 1878 haben sich die’Staatengesetzgebung 
von Illinois (1878), Michigan (1873), Wisconsin (1874), Min 
sota und Missouri (1875), Jowa (1878) und Californien (1 
mit Eisenbahntarifen beschäftigt und deren Herabsetzung 
gesetzt. Diese Herabsetzungen sind von äusserster Wichtig 
für den Getreide-Export gewesen. In Wisconsin wur e 
Charge von 2 3 Cents per Tonne von 2000 Ibs. und ei 
1874 auf 1.5 Cents in 1880, d. h. per Bushel von 0-069 ^ 
auf 0-045 Cents per Meile herabgesetzt, so dass er _ 
jetzt per 100 Meilen 4'/. Cents Fracht kostet In 
wurde die Fracht von i-8i Cents per Tonne und Meile, 
von 0-054 Cents per Bushel im Jahre 1876 auf 
per Tonne, oder 0-037 Cents per Bushel im Jahre 1880 
gesetzt, so auch die Maximal-Passagierrate von 3 /, und ^ ^ 
5 Cents auf 3 Cents per Meile = 1.87 Cents oder 9.35 
times pro Kilometer.
        <pb n="592" />
        37 
XXXIII. Capitel. 
Amerikanischer Sehweinehandel. 
im Cl.'* ■" den Vereinigten Staaten wird 
'880 a"T ™" 26.751.000 angegeben und im Jahre 
recht " 944.‘22.000. Vermehrungsrate 90 pCt. Wenn man 
Grosak?' . " bedeutet, muss man vergleichen. 
Und 'dand besassen 1876 3.717.000 Schweine 
Buron. a 2.863.000 Stück. Dies bedeutet, dass 
■hit Am England in der Production von Schweinen 
ja “"«'"■■■‘••en kann. Die irische Frage beruht 
rentak.i darauf, dass die Schweinezucht in Irland un- 
haurn«; ‘‘■'“•’en Pächter nahmen früher aus ihr 
Wurden Pacht zahlten, und sie 
früher ""^"fcieden, als sie denselben Pacht zahlen sollten wie 
Zucht ’ °°^Bon sich ihre Haupteinnahme aus der Schweine- 
Irland 7i ''®™‘"dert hatte. Die Zahl der Schweine in 
Jahre ,2 '•424 000 Stück im Jahre 1876 auf 849.000 im 
Cent V betragt also im letzteren Jahre nur noch 6o Per- 
^ '24 o°" im Jahre 1876. Deutschland hatte 1873 
Hur Ç chweine, Frankreich 1873 = 5.755.000 und 1879 
5 502.000 Stück. 
’^ehrun^^*^ Schweine im Jahre 1880, ihre Ver- 
in 1870 und die Vermehrung der Maisproduction 
■^^fechlu giebt die folgende Uebersicht auf S. 578 
D 
ühg^ ^ hier herausgerechnete Ueberschuss der Production 
^ch\\7gj i^edarf ist etwas zu gross, da im Census alle 
kleine, aufgenommen sind, aber ein 
^achsenes Mastschwein auf 3 Menschen als Consum
        <pb n="593" />
        rM 
'•r 
578 
4. Ucberschus» 
.2 ® 
— Bedarf über 
Bevölke 
Zahl der 
Schweine 
1880 
je 1000 Stck 
Vermehrg 
pCt. 
seit 1870 
Vermehrg 
pCt. 
seit 1870 
Production 
rung 
V. 3 
3 Menschen 
Staat 
brauchen 
Schwein 
% " 
+ 27.000 
+ 5.534 
+ 4.137 
+ 3.787 
+ 2.503 
4- 2.075 
4- 1.648 
4- 1.635 
4- 1.43' 
4- 1.450 
4- 1.31' 
4- 987 
4- 869 
4- 1.091 
— 223 
4- 801 
4- 988 
4- 685 
4- 4:3 
4- 43' 
— 942 
4- 308 
4- 3*° 
4- 300 
4- 277 
80 
50.000 
1.754 
44.122 
Union . . . 
Jowa . . . 
Illinois . . 
Missouri 
Indiana . . 
Ohio . . . 
Kentucky . 
Tennessee . 
Texas . . 
Kansas . . 
Arkansas 
N.-Carolina . 
Alabama 
Nebraska 
Pennsylvanien 
Mississippi . 
Georgia . . 
Wisconsin . 
Virginien 
Michigan 
New-York . 
Süd-Carolina 
Louisiana . 
Californien . 
West-Virginie 
Minnesota . 
Maryland 
Florida . . 
New-Jersey . 
Oregon , . 
1.500 
299 
346 
275 
6.034 
3.100 
151 
325 
91 
5.170 
2.300 
207 
202 
97 
4.553 
126 
2.050 
115 
3.186 
70 
66 
3.200 
82 
III 
3.14' 
1.730 
72 
2.225 
1.570 
62 
52 
2.158 
1.600 
63 
29 
1.954 
I.OIO 
521 
765 
105 
1.787 
760 
86 
24 
1.565 
400 
52 
35 
1.453 
1.150 
50 
74 
1.252 
1.282 
450 
65 
989 
1.241 
4.230 
32 
45 
37 
1.187 
36 
1.040 
41 
1.15t 
1.450 
23 
49 
1.47t 
128 
300 
34 
120 
128 
1.600 
65 
29 
956 
42 
1.600 
30 
32 
'31 
964 
5.080 
45 
751 
950 
55 
628 
59 
940 
30 
87 
633 
860 
63 
36 
603 
7 to 
72 
14 
4- I2l 
91 
5to 
780 
213 
157 
0 
381 
36 
940 
+ 187 
30 
335 
300 
43 
200 
287 
28 
I.IOO 
4.90 
54 
219 
180 
76 
156 
zu rechnen ist und Zuchtschweine gehalten werden 
Indess liefert die Tabelle doch einen Anhalt dafür 
Montana, Nevada, New-Hampshire, Neu-Mexico, Rho 
Utah, Vermont, Washington T. und Wyoming hatte 
ca, 5.200.000 Einwohner und nur 585^ Schwein ^ ^ 
obige Rechnung zu Grunde gelegt, ein Deßcit wn 
Schweinen. Jedenfalls folgt aus obiger Uebersicht, dass
        <pb n="594" />
        579 
37* 
estrie thatsächlich so entwickelt ist, dass keine ähnliche 
T ^^'"opa existirt. Hat sie doch schon in einem Jahre 
8o) ca. 1500 Millionen englische Pfund, oder 6.700.000 
^etercentner Schweine oder Schweineproducte exportiren 
nnen! Zu 200 Ibs. ein ausgeschlachtetes Schwein gerechnet. 
^mt dies dem Export der Producte von 7'/% Millionen 
ko ^ 
Schweinen gleich, 
zu ^n^Port amerikanischer Producte aus der Schweine- 
zu h P^cis so gedrückt, dass die irische Schweine- 
der Cincinnati, welche Stadt bis vor Kurzem 
^cr Mittelpunkt des amerikanischen Schweinehandels war, ist 
Durchschnittspreis per Fass Schweinepökelfleisch für 35 Jahre, 
^och1880, 16.95 Dollars, für die letzten zehn Jahre 
^ ^5-15 Dollars; für Schmalz respective 10.53 Dollars und 
Dollars gewesen. Im Jahre 1870 kostete Pökelfleisch 
au/° Dollars, 1875 noch 20.65 Dollars: nun fällt es rapide 
1^40 Dollars im Jahre 1876, 14.15 Dollars im Jahre 1877, 
Jahr J^kre 1878, hebt sich auf 10.85 Dollars im 
188^^ *^79. auf 13.25 Dollars im Jahre 1880 und stand ult. 
stand Dollars und März 1883 ca. 18 Dollars. Schmalz 
ij |5'55 Dollars im Jahre 1870, 13.41 Dollars im Jahre 1875, 
1876, 9.07 Dollars im Jahre 1877, 6.69 Dollars 
Jahr '^78, 6.20 Dollars im Jahre 1879, 7.43 Dollars im 
22 ^ stieg 1881 auf 12.20 und 1882 sogar auf 21 bis 
^olla°^^^^' stand aber März 1883 in Chicago nur noch 11.30 
t^^nz ^ Nachdem die Amerikaner durch ihre Concur- 
dßjj Production in Europa geschwächt und sich 
arkt daselbst gesichert haben, heben sie die 
Vqj. ^^tirch Speculation wieder, indem sie ihre grossen 
d^gg lagern und nur so viel auf den Markt bringen, 
Majg hohe Preis sich hält. Indess ist die schlechte 
^ie p^^s Jahres 1881 doch die Ursache gewesen, dass 
Jahrgg^*^^ steigen konnten und nachdem die Maisernte des 
diç ^^^2 gut war, kann er sich nicht künstlich halten, denn 
Schweinen kann schnell vermehrt werden 
zahlreichen Jungen einer Sau und der kurzen
        <pb n="595" />
        580 
Lebensdauer eines Schweines. Die Preise der Schweine 
producte sinken also seit ult. 1882 fortwährend. 
Die grosse Vermehrung der Production der Schweine er 
folgt vom Jahre 1876 ab, von wo ab die Frachttarife aus 
dem Westen nach dem Osten zu fallen beginnen. Im Ja^r 
1876 besass die Union weniger Schweine als 1870, namhc 
nur 25.726.000 Stück. Die Zahl stieg im Jahre 1877 
28.077.000, im Jahre 1877 auf 32.262.000, und betrug i» 
= 44.122.000. j 
Der Export von lebendigen Schweinen ist unbedeu 
und stieg von 12.058 Stück im Jahre 1870 auf 67.044 ' 
Jahre 1876 und 83.434 im Jahre 1880, immer das Finanrja 
das mit 30. Juni schliesst, gemeint. 
Dagegen wuchs der Export von Producten der Schweine 
zucht enorm. Es betrug die Ausfuhr aus der Union m 
lionen englischer Pfunde (Ibs.): 
Jahr Schinken und Speck Pökelfleisch Schmalz Summe 
1870 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
1881 
1882 
38 
250 
327 
460 
592 
749 
817 
692 
24 
56 
54 
69 
7: 
91 
98 
101 
80 
35 
166 
168 
234 
342 
331 
414 
335 
97 
472 
549 
763 
1005 
1171 
1329 
1128 
468 80 250 798 
Der Gesammtexport hat sich also um über 100 ‘ 
fünf Jahren gehoben. Das Fallen des Exportes seit 1881 ist Fo g 
der schlechten Maisernte dieses Jahres und nur eine voru ^ 
gehende Erscheinung. Dazu kommen noch 1.132.000 Ga 
oder 8.280.000 Ibs. Schmalzöl im Jahre 1880, so dass 
ein Gesammtproduct von rund 1337 Millionen Pfund 
wurde, was etwa das Gesammtproduct von 8 Millionen Sc 
Schweinen sein wird. Diese exportirten Producte der Schwei 
Zucht werden meist in grossen Städten des Westens erze^ 
wo die „Packer“ wohnen. Indess muss gesagt werden, 
je mehr der „ferne West“ besiedelt wird, umsomehr a 
Packhäuser im Westen entstehen, sich dorthin vorschieben
        <pb n="596" />
        2442 
3432 
In den Staaten am Stillen Ocean werden noch nicht so 
Schweine geschlachtet als daselbst gebraucht werden, im 
p ï876 305.000 und 1880 400,000 Stück. Hieher werden 
•"oducte des Westens importirt. In Canada werden auch nur 
^enige Schweine „gepackt“, im Jahre 1880 81 (endend i.März) 
^9^000 Stück. Im selben Jahre wurden in den Städten 
Albany und Troy im Osten 313.000 Stück gepackt 
" vier grossen Seestädte am atlantischen Ocean 
3-396.000 Stück importirt, die zum grossen Theile in den 
^onsum derselben und der Nachbarschaft eingingen. Der 
^^iweitem grösste Theil der Schweine wird im Westen, und 
^von der grösste in sechs grossen Städten, gepackt. 
Es wurden gepackt Schweine in je 1000 Stück in den 
^^^aten : 
Ohio 
Indiana 
Illinois 
kansas 
Jowa 
^'chigan 
^'»consin 
8ao 
579 
»913 
3» 
361 
48 
215 
Hievon wurden 
1875/76 
1618 
545 
Jahr (endend 1. März) 
1875/76 1880/81 
1276 Missouri 
928 Kentucky 
5956 Tennessee 
265 Minnesota 
1063 Nebraska 
136 
511 
1875/76 
557 
26 
1880/81 
1630 
39 
32 
102 
4850 
in folgenden Städten gepackt: 
^hicago 
• Louis 
, "cinnati 
pZ" 
J^ouisviiie 
ci»v 
624 
577 
385 
323 
I2I 
I 16 
1880/81 
5752 
884 
632 
771 
462 
261 
506 
579 
Atchinson 
Cedar Rapids 
Des Moines 
Ottumwa 
Detroit 
Omaha 
Sioux City 
1875/76 
76 
61 
11 
59 
37 
12,101 
1880 81 
248 
402 
144 
123 
107 
96 
46 
4353 
in j Seestädte wurden geliefert Schweine je 1000 
'*'■&gt; Jahren: 
11.013 
Stück 
Boston 
York 
1875/76 1880/81 
1372 1791 
433 694 
1875/76 1880/81 
Philadelphia 347 510 
Baltimore 280 437
        <pb n="597" />
        582 
Von diesen Thieren wird ein grosser Theil in jenen Städten 
consumirt, ein anderer Theil lebendig oder in geschlachtetem 
Zustande, jedoch ungepackt, als frisches Fleisch, verschifft- 
Nur ein unbedeutender Theil kommt zur Verpackung. 
Wenn im Jahre 1880/81 (bis 30. Juni 1881) die Producta 
von ca. 8 Millionen Schweinen exportirt wurden, so ist es er 
sichtlich, dass dieselben von jenen 12 Millionen Schweinen fast aus 
schliesslich stammen müssen, die in der Saison i. Mai 1880 bis 
I. Mai 1881 im Westen, und besonders von jenen 11 Millionen 
Schweinen, welche in den namentlich aufgeführten grossen 
Städten gepackt wurden. Einige von diesen sind hier nur 
angeführt, um nachzuweisen, wie das „Packen“ nach Westen 
vordringt, nach Kansas City, Atchinson, Omaha und Siou^ 
City. Der Hauptexport kommt aber aus nur etwa ein hal 
Dutzend Städten, Kansas City, Cleveland, Milwaukee, 
nopolis, Cincinnati, St. Louis, welche im letzten Jn 
4.134.000 Schweine packten, besonders aber von Chicago^ 
wo mehr als in diesen Städten, 5.752.000 Stück — etwa 
Hälfte von dem, was im ganzen „West“ zum Packen kam^ 
und etwa zwei Drittel bis drei Viertel der ganzen AuS^' 
fuhr der Union — gepackt wurde. In fünf Jahren hat sic^ 
die Zahl der im Westen gepackten Schweine verdreifacht, 
der in Chicago gepackten fast verfünffacht. ^ 
Wir haben auf unserer Reise viele Fleischmärkte 
grosse Packhäuser, u. A. in New-York, Kansas City und C ^ 
cago besucht. Das Verfahren des Schlachtens habe ich sc 
gelegentlich der Schilderung der Schlachthäuser in den ers 
beiden Städten beschrieben. Das lebende Schwein wird 
einem Hinterfusse gepackt, derselbe wird an einer Kette 
festigt, an der das Thier in die Höhe gezogen wird. 
Mann schneidet ihm den Hals auf und schiebt es ein Stückc^^^ 
weiter, ein anderer lässt es in einen Behälter voll koch^_^^^ 
Wassers fallen, durch den wird es automatisch auf einen 
gehoben, an einer fortlaufenden Kette befestigt, 
Schabmessern durchgezogen, die es rein schaben, 
ihm der Kopf abgeschnitten und es wird wieder an der K 
in die Höhe gezogen. Man schneidet den Bauch auf,
        <pb n="598" />
        ^ aus und schiebt den aufgehängten Körper in das Eishaus. 
Diese ganze Procedur, während derer das Schwein etwa durch 
l^nfzig Hände geht, dauert keine fünfzehn Minuten! Man 
ann sagen, dass das Schwein während dieser Zeit gar keine 
2eit zum Sterben hat und dass seine einzelnen Theile noch 
lortleben, nachdem diese Procedur schon beendet ist. Wenigstens 
zucken am Kopfe noch die Muskeln, nachdem Nase, Ohren, 
'^uge abgeschnitten und die Augen ausgestochen sind. Dass 
^ während dieser Zeit auch nicht entdeckt werden kann, ob 
Schwein finnig, trichinös oder sonst krank ist, 
^^rd man begreifen; auch findet keine Untersuchung seines 
esundheitszustandes während dieser Procedur statt. Die 
®ile eines etwa von Finnen oder Trichinen inficirten Schweines 
^Grden mit denen anderer Schweine zusammen ver 
packt! Die Unionsregierung sollte darauf halten, dass die ge- 
^^Wachteten Thiere untersucht werden. Sie schädigt die 
^^erikanische Landwirthschaft empfindlich dadurch, dass sie 
«Packer“ nicht unter Staatsaufsicht stellt, denn jetzt ist 
Import von amerikanischem Schweinefleisch in einigen 
^^aten Europas verboten. 
Wenn die Schweine in den Eisenbahnwaggons auf dem 
‘chhofe von Chicago ankommen, werden die in den Waggons 
gefundenen sowie von den Inspectoren als krank er- 
^nten zurückbehalten und müssen an das etwa 30 Meilen 
gelegene „Rendering“-Unternehmen, eine grosse 
eckerei, in besonderen Eisenbahn waggons geführt werden, 
^ in auch umgestandene Pferde, Schafe und Rinder gebracht 
ß *^^cn. Es sind zwei Inspectoren vom Board of health oder 
^ ^undheitsamte angestellt, die sich auf dem Viehhofe auf- 
S i^^incrlei polizeiliches Aufsichtsrecht über die 
Wei/ie haben, denen die Besitzer derselben aber die In- 
^^ction gestatten! Im November 1880 kamen auf dem 
|chhofe von Chicago i.i 11.997 lebendige Schweine, 133.126 
S L ^^ 036 Schafe, im Jahre 1880 überhaupt 7.059.355 
"^^ine auf diesem Viehhofe an. Dass da keine genaue Un- 
rsuchung des Gesundheitszustandes derselben durch 
^ zwei Beamten stattfinden kann, ist selbstverständlich.
        <pb n="599" />
        5^4 
In der Saison 1880/81, i. Mai, schlachteten folgende 
grosse „Packer“ in Chicago folgende Anzahl Schweine: Anglo- 
Amerikan Company 1.166.337, Armour und Company 1.210.092» 
Boisford 247.052, Chicago Packing Company 384.464, Tobey 
und Booth 360.293 Stück, im Ganzen 15 Häuser über loo.ooo 
Stück jedes, 9 Häuser über 200.000 Stück, 5 Häuser über 
300.000 Stück und zwei Häuser über eine Million Schweine jedes. 
Wenn eines der vielen Schweine, die ein solcher grosser 
Packer empfängt, sterben sollte, nachdem es in seine 
Paddocks eingegangen oder in sein Schlachthaus ge 
trieben ist, so wird es allein von seiner Reellität abhängen, 
ob er es an die Rendering-Fabrik verkaufen, oder etwa „aus- 
schmalzen“, zu Wurst oder Schinken verarbeiten, oder einfach 
einpökeln sollte. Sehr merkwürdig ist es, dass in allen Sta 
tistiken der Handelskammern amerikanischer Packereistädte 
der gefallenen Thiere, sowie der Rendering*Anstalten 
und auch der Fettraffinerien mit keiner Zahl Erwähnung 
geschieht. Ich habe mich um das, was mit diesen gefallenen 
Thieren geschieht, eingehend gekümmert, aber gute Gründe, 
den europäischen Regierungen die ihnen pflichtmässig an 
stehende Aufgabe, festzustellen, ob ihre Völker von hier 
mit Sicherheit gesunde Nahrung erhalten, oder nicht, diesen 
Regierungen also, ihren Handelsministern, Gesandten und Con 
suln, die ihnen pflichtmässig zustehende Arbeit nicht abzn 
nehmen. Ich werde mich hierüber also nicht auslassen, 
bemerke jedoch, dass eine erschöpfende Untersuchung über 
diesen Gegenstand von mir und einem Privatmanne, Herrn 
Kern aus Budapest, hier angestellt worden ist, dass ich 
vielfache Belehrung über diese Angelegenheit verdanke un ^ 
besonders glücklich darüber bin, dass ich ihm bei Ceber^ 
führung eines der exportirenden Millionäre nützlich werdß 
konnte. Da Herr Kern mit Aufwand grosser eigener Ge 
mittel und noch höher zu veranschlagender körperlicher Mû ^ 
und vielen Scharfsinnes diese Frage, welche die Vertreter 
europäischen Regierungen mit ihren vereinten Mitteln bis 
nicht zu lösen vermochten, fast gänzlich gelöst hat, so 
ich Herrn Kern nicht vorgreifen. Herr Kern und ich sind
        <pb n="600" />
        585 
den offiziellen Bericht des Herrn Scanlan voll- 
^ widerlegen. Amerikanisches Schmalz werde ich 
ange nicht essen, bis die Unionsregierung auch die Rende- 
*’^^ganstalten beaufsichtigen lässt. 
g ^fgegen will ich mittheilen, wie sich das Geschäft in 
zw Chicago seit einigen Jahren gestaltet hat, und 
selb\ Grund der Zahlen der Handelskammer von Chicago 
leK ^ ^^"gten an in, resp. wurden ausgefuhrt von Chicago 
ende und ausgeschlachtete Schweine: 
Kalenderjahr 
1877 
1878 
1879 
:88o 
Summe 
Abfuhr 
''°“sumirt und 
kamen an 
lebende 
4.025.970 
6.339.654 
6.448.300 
7.059.355 
geschlachtete 
164.339 
102.51a 
91.044 
89.102 
wurden ausgeführt 
lebende geschlachtete 
94.648 
23.872.279 
5..305.478 
446.987 
•93.905 
951-221 
1.266.906 
1.692.361 
1.394.990 
5.305.478 
26.039 
40.024 
33.194 
•93.905 
^erarbeitet •* 566.801 253.082 
cultuft*^^^ 503000 Einwohner. Das Agri- 
rechnet, dass auf drei Menschen in der 
WqJj ” ^ Schlachtschwein komme. Die etwa 500.000 Ein- 
Wese”^*^ Chicago wären also für vier Jahre berechtigt ge- 
Ijone'^’ 700.000 Schweine zu verzehren, so dass 18 Mil- 
dieser Zeit für die Packer zum Export übrig ge- 
sind in Chicago von den „Packern“ verpackt worden : 
(endend i. März) 
• 877 
1878 
• 879 
_ 1880 
Summa 16.584.390 
bis Packhäuser haben ___ 
raqg 1880 verpackt 16',2 Millionen Schweine und dä- 
Millionen Ibs. Schmalz fabricirt — abgesehen von 
Schinken und Speck. Nach der vorigen Be- 
sind ca. 18 Millionen Schweine in den Kalender- 
Schweine 
2.933.486 
4.009.311 
4.960.956 
4.680.637 
ergaben in je 1000 Ibs. Schmalz 
93.595 
•43.493 
190.711 
169.472 
596.271 
also vom i. März 
1876
        <pb n="601" />
        586 
jahren 1877 bis 1880, Ultimo December 1880, ^hica^o 
Exporte verpackt worden; das wurde ca. 12 1 1 
Schweine mehr ergeben, als oben für die g 
1876 bis dahin 1880 verpackt sind; mit durchschnittlich 36 _ 
Schmalz, macht das noch 54 Millionen Ibs. Schmalz, so da^ 
vom I. März 1876 bis 30. December 1880 in Chicago p 
ducirt sein können 650 Millionen Ibs. Schmalz — von leben 
und geschlachtet importirten Schweinen nämlich. 
Am 5. März 1876 waren vorhanden in Chicago 67.1 
Tierces oder Fässer à 330 Ibs. Schmalz, gleich 22.144.000 
Schmalz. _ . .076 
Die Exportquanten vom 1. März bis 5. October 7 
fehlen mir; exportirt wurden vom 5. October 1876 bis 1 
1876 ca. 45 Millionen Ibs., davon der Vorrath am 5. Mar 
gezogen, sind exportirt worden 43 Millionen Ibs., ohne 
Export in der Zeit vom 5. März bis 5. October zu rec ’ 
der im Mittel 3 Millionen Ibs. per Monat mindestens, 
21 Millionen Ibs. betragen haben dürfte; macht Export 
den im Jahre 1876, i. März bis Ultimo 1876 geschlachte 
Schweinen 64 Millionen Ibs. Schmalz. 
Im Kalenderjahre 1878 wurden importirt 27 Mdbon^ 
Schmalz, exportirt 147 Millionen Ibs., Mehrexport 120 Mi 
nen Ibs. Macht Export von Schiachtschweinen vom i- 
1876 bis Ultimo Dezember 1877 184 Millionen Ibs. 
Im Kalenderjahre 1878 sind in Chicago importi^ wo 
37 Millionen Ibs. Schmalz, exportirt 244, also vom Chicag 
Product exportirt 207 Millionen Ibs., macht seit 1. arz 
301 Millionen Ibs. |^il&gt; 
Im Kalenderjahre 1879 sind importirt in Chicago 75 ^ 
Honen Ibs., exportirt 251 Millionen Ibs., also vom ^ ^ 
exportirt 176 Millionen Ibs.; macht Export vom Produ 
I. März 1876 567 Millionen Ibs. ,*:iiionei’ 
Im Jahre 1880 sind bis i. März importirt 13 Mdi ^ 
Ibs. Schmalz und exportirt 24 Millionen Ibs., macht ^ 
vom Stadtproduct ii Millionen Ibs.; der Bestan oft 
136.000 Tierces oder 44 8 Millionen Ibs. Diese zum l 
der zwei Monate gerechnet macht 56 Millionen Ibs. it«
        <pb n="602" />
        587 
188o bis I. März, seit i. März 1876 also 623 Millionen Ibs. 
^xportirt oder Bestand am Ende der Periode. 
In den Packerhäusern sind aber nur 596 Millionen Ibs. 
chmalz in dieser Zeit erzeugt worden, d. h. es wurden 25 Millio- 
*^Gn Ibs. mehr Schmalz exportirt als von Schlachtschweinen 
pfoducirt sind. 
. Nehmen wir aber das Kalenderjahr 1880, so finden 
dass darin 68 Millionen Ibs. Schmalz importirt und 
333 Millionen Ibs. exportirt und 67.000 Tierces = 21 Millio- 
Ibs. Bestand geblieben sind. Das macht 286 Millionen 
s. Bestand oder Export vom Stadtproduct, seit 1876, i. März, 
äso 853 Millionen Ibs.; dagegen können in dieser Zeit, wie 
Reiter vorn nachgewiesen, nicht gut mehr als 18 Millionen 
Weine mit 650 Millionen Ibs. Schmalz zum Schlachten ge- 
^ ^^cn sein, für den Export nämlich. So finden wir denn, 
^ (Chicago in 4’4 Jahren rund 200 Millionen Ibs. Schmalz 
T ^ ^ exportirt als es aus Schlachtschweinen — über den 
ecalbedarf— fabriciren konnte. 
i rt Zahlen sind zum Theile Schätzungszahlen, beruhen 
^ och auf den offiziellen Berichten. 
find die Exportstatistik der Union zur Hand, so 
en wir, dass dieselbe von New-York, Boston, Philadelphia, 
timoré, Montreal und New - Orleans exportirte in den 
^^lenderjahren: 
1877 
1878 
187g 
1880 
Schmalz Millionen Ibs. 
130 
327 
33» 
4M 
-, Summe 1202 Millionen engl. Pfd. 
j ngefähr in derselben Zeit sind „im Westen“ nach Seit« 
Handelskammerberichtes von Chicago gepackt worden 
Vom I November 1876 bis i. März 1877 5.068.000 Schweine. 
" *^77 „ I. 1878 6.502.fxx&gt; 
« 1878 „ ,. „ 187g 7.475.000 
" 187g „I. „ 1880 6.()46.ofXj „ 
März 1877 „ I. Nov. 1878 5.3g5,ooo „ 
" '878 „I. „ 1870 6.206,000 „ 
” *879 ,, I. „ 1880 8.115.CKK) 
Summe 45.707.000 Schweine,
        <pb n="603" />
        588 
Nehmen wir an, dass diese Schweine im Durchschnitte 
36 Ibs. Schmalz hatten, so macht das eine Schmalzproduction 
von 1645 Millionen Ibs., im ganzen „Mississippi-Thale,“ von 
der also nur 443 Millionen Ibs., jährlich also ca. m Millionen 
Ibs. im Lande consumirt wurden, ca. 2','2 Ihs. per Kop 
Bevölkerung. 
Der „Cincinnati Price Current“ für i88i giebt Seite t5 
Zahlen, die ich nach dem neueren „Bulletin“ von Chicago 
corrigire; danach sind; 
Jahr (endend 
31. Oktober 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
Millionen Ibs. Schmalz 
im Westen exportirt aus der 
producirt Union 
243 
259 
365 
424 
415 
197 
237 
345 
341 
414 
1706 
1534 
Percent 
des Exportes 
81 
91 
94 
80 
100 
Danach kommt die ganze Produktion des „Westens“ scho 
zum Export! 
In den folgenden vier Kalenderjahren sind noch ^rhebUC 
Quantitäten „Schmalzöl“ exportirt worden, ein 
in den Schmalzraffinerien aus Schweinefett bereitet wird, 
lieh: 1876 607.000 Gallonen à 7’/a lbs. =- 4.552.000 lbs., i 
2.118.000 Gallonen = 15.885.000 lbs., 1879 2.032.000 ^ 
Ionen = 15.240.000 lbs., 1880 1.132.000 Gallonen = 8.49°' 
lbs. Dieses Schmalzöl wird auch fast alles im Westen 
und muss dem exportirten Schmalz zugezählt werden, 
erhalten also exportirtes Schmalz und Schmalzöl 187 
1578 Millionen Ibs., 1880 422 Millionen Ibs. Von dem P 
fleisch, Schinken und Speck, die im Westen producirt wur^^ 
kam in derselben Zeit zum Export im Jahre (endend 31- 
tober): 1876 nur 44*9 Percent, 1877 48*5 Percent 1878 5 
Percent, 1879 54*9 Percent, 1880 53-1 Percent. Woher d 
ungeheure Unterschied??? Man exportirt alles Schmal 
Jahre 1880 sogar mehr Schmalz, als producirt wurde, un 
die Hälfte des Fleisches.
        <pb n="604" />
        589 
Dies ist eine schöne Aufgabe für eine Regierungs- 
^onimission aus Europa, nachzuforschen, ob die Amerikaner 
o viel weniger von dem Schmalze ihrer Schweine essen, als 
on deren Fleische, oder ob man hier etwa Schmalz aus 
herstellt, welche nicht von Schlacht- 
^hweinen herrühren! Der englische Vicecónsul in Philadelphia, 
si i" hat im December 1879 über dergleichen eine An- 
^ ^^sgesprochen, aber seine Beweisführung Hess zu wünschen. 
Unionsregierung hat eine officielle Untersuchung — durch 
i Chef des statistischen Bureaus, Staatsdepartment 
^ ashington — ansteUen lassen, deren Resultat in einer 
^^roschüre gedruckt vorliegt. In derselben wird eine sehr 
^ ze Sprache geführt, allein die Beweisführung erscheint mir 
eniger stolz. In einem „32. Berichte über das Schweine- 
en im Westen“ etc. von Ch. B. Murray in Cincinnati, 1881, 
&gt;sst es: Die Leichen crepirter Schweine „werden in Anspruch 
locale Compagnie, welche die Manufactur 
Dünger und Seifenfett betreiben.“ Ich glaube nicht de- 
^^entirt werden zu können, wenn ich sage, dass die Her- 
Pa dieser Producte die Thätigkeit der Rendering Com- 
Snien nicht allein in Anspruch nehmen. 
Nach Aussage eines Beamten des Viehhofes von Chicago 
annehmen, dass in jeder Waggonladung von ca. 
^ Weinen ein todtes Schwein ankommt; das macht zwei 
von etwa sieben Millionen in Chicago ankommenden 
^üch^ ~ 140-000 Stück. Nach der Ankunft werden wohl 
^We*f welche crepiren und von den geschlachteten sind 
p^abp welche so ungesund, dass sie an die Rendering- 
Ch* abgegeben werden sollten, so dass diese von 
allein ca. 150.000 Stück jährlich in den letzten 
gg hätten beziehen sollen. Im letzten Sommer wogen die 
Schweine 189, im Winter 212 Ibs. Netto, werden 
geben^^^ * V* Centner Fett, ganz ausgeschmalzt, 
Sch *• 20.000.000 Ibs. Fett von umgestandenen 
bei jährlich für Chicago allein. Das Renderinghaus 
Mittel Herr Kern und ich besuchten, zahlt im 
2 Cents per Pfund umgestandener Schweine Brutto-
        <pb n="605" />
        590 
gewicht oder 10V4 Kreuzer per Kilo. Ein hoher Preis! 
Es verarbeitet das ausgeschmalzte Fett in i. white g^ase, 
die loco Fabrik im September 1881 per Ib. kostete 7 &gt; '2 Cents 
= 40V3 Kreuzer per Kilo; 2. yellow grease, die loco s'/a Cents 
kostete; 3. brown grease, die 5 Cents kostete. Herr Kern a 
ermittelt, dass eine andere Abdeckerei sogar 9 Cents per • 
= 48V3 Kreuzer per Kilo für ihr grease Nr. i erhält! Aus 
den gefallenen Rindern machte man Talg, der loco mit 6 en 
per Ib. = 32 Vs Kreuzer per Kilo bezahlt wurde. Die „Grease^ 
Producte“ waren sehr schön, fast geruchlos. Talg von ge 
Sunden Rindern kostete damals Nr. 2 6 bis 6'/4 Cents, Nr. 
7V4 bis 7V2 Cents das englische Pfund. Man muss sage , 
dass die Rendering-Compagnie gute Preise für ihre Produc 
Ausser den Schlachthäusern und den Renderingfabnken 
giebt es in Amerika Schmalzraffmerien, welche allerhand Fet 
einkaufen und Schmalz, Schmalzöl und Schweinefett (Greas ; 
daraus machen. Mir ist es ebensowenig gelungen, über 
Stoffe, die hier ein- und ausgehen, eine offizielle Statisti 
erlangen, wie über jene der Renderinghäuser. Welche A 
von Stoffen aber eingehen und was mit ihnen geschieht, we 
ich, werde es jedoch, ohne besondere Noth, nicht j. 
Eine schöne Aufgabe für eine Regierungskommission, hieru 
„mehr Licht“ zu verbreiten! Ich hoffe aber, Herr Kern w 
die in Amerika angestellten Gesandten und Consuln der eu 
päischen Mächte über diese Frage aufklären, die ihre gew 
nicht zu unterschätzende Thätigkeit bisher nicht in p 
genommen hat. Hoffentlich wenden sie ihren Fleiss und bctt 
sinn von jetzt ab derselben zu und klären uns auch aru 
auf, womit man Butter und Mehl hierselbst verfälscht. 
ist nicht nur ein Skandal, sondern auch eine Versündigung 
der amerikanischen Landwirthschaft, dass die Unionsregie 
nicht mit unerbittlicher Strenge darauf sieht, dass nur un 
fälschte und nicht gesundheitsgefahrliche Lebensmitte 
Amerika exportirt werden. Die Granger sollten dm 
zwingen, dem Schwindel ruchloser Fabrikanten, Spekulan^ 
Fälscher ein Ende zu machen, sonst schneidet man ihren
        <pb n="606" />
        591 
nach 
^«■ossbritannien 
Deutschland 
Frankreich 
Belgien 
Cuba 
drallen 
Oesterreich 
^^gnissen mit vollem Recht den europäischen Markt ab. 
-xportirt wurden im Jahre 1880 in 1000 Ibs: 
Pökelfleisch Speck u. Schinken Schmalz 
36.997 554.0*2 &gt;12.833 
I 259 26 843 85.509 
1.608 66.357 55.462 
333 67.100 36.973 
670 8,442 22.023 
4652 
2.000 rund 
In der letzten Campagne, Jahr schliessend 30. Juni 1881, em- 
g '^^Grossbritannien 22.216.000 Ibs. Pökelfleisch, 569.334.000Ibs. 
^ Schinken, 106.969.000 Ibs. Schmalz; der Continent 
i.ooo Ibs. Pökelfleisch, 190.277.000 Ibs. Speck und Schin- 
^ ^ und 226.010.000 Ibs. Schmalz, also doppelt so viel als 
Schmalz. Im Ganzen wurden 1880/81 exportirt 
^ Illionen Ibs. Schmalz, gegen 331 Millionen im Vorjahre. 
Ich will noch mit ein paar Worten auf die Broschüre 
äll Pork" von Mr. Scanlan eingehen, die gewiss 
au/ri ®“*’DP^Ischen Regierungen zugeschickt wurde, 
sru 1 ^ochmüthige Sprache dieselben aber die Antwort 
"^huldig geblieben sind. 
ZweVi soll (may) thatsächlich über allen 
dass^ ^'^tgestellt werden, dass alle Gerüchte oder Berichte, 
njjj. ^"^crikanische Schweine, welche an Krankheit, oder auch 
iri ^ulall gestorben sind, jemals irgend einen Markt 
auf M p Fleisch oder Schmalz finden, vollkommen 
der Ignoranz beruhen, denn es steht nicht in 
tie^rs Schweinefleisch - Packers oder Schmalz - Raffi- 
2u auch seine Absicht sei, das Fleisch von Schweinen 
Cholera starben, in irgend einer essbaren 
&gt; Welche die oberflächlichste Inspection passiren könnte." 
30 sagt Mr. Black vom Hause Armour und Comp. : 
^ Unmöglich, todtes Schwein in Schmalz zu verwandeln. 
arinpk I^affineur würde nichts ausser ausgesuchtes Schmalz 
‘^Umen.“ 
D’ 
deq europäischen Regierungen wollen sich hiermit abfin- 
will nur bemerken, dass man allerdings bei der
        <pb n="607" />
        592 
heutigen Technik Schmalz aus gefallenen Schweinen hersteilen 
kann und dass Herr Kern, zwei Grafen Széchényi und ich 
dergleichen gesehen haben. Wo dieses fabricirt und an wen 
es verkauft wird, ist Aufgabe der Regierungen, festzustellen. 
Seite 7 wird behauptet, todte Schweine, die im Viehhofe von 
Chicago ankommen, seien „fast“ ein vollkommener Verlust 
fiir den Versender. Sie bringen 2 Cents per Ib., die in Chicago 
geschlachteten Schweine wiegen Netto im Durchschnitte de 
Sommer- und Winterpackung 211 lbs. per Stück, Brutto also 
wohl rund 2 '/2 Centner, macht 5 Dollars = 12 fl. ö W^. P 
Stück, was noch immer ein hoher Ertrag für ein crepif 
tes Schwein ist und den Bushel Mais, den es gefressen, 
22 Cents verwerthet. Einen höheren Ertrag kann man doc 
von „Aas“ nicht verlangen! 
Warum verschweigt Herr Scanlan diesen hohen PrctSi 
welchen die Abdeckerei für crepirte Schweine zahlt? Dieselbe 
Compagnie zahlte im September 1881 für einen crepifte 
Ochsen oder eine Kuh 8 bis 10 Dollars. Seite 8 wird a 
gegeben, ein Waggon halte im Durchschnitte 70 Schweine 
und noch nicht ein todtes per Ladung im Durchschnitte. ^ 
war so leicht, die Zahl aller an die Rendering-Compagnie sei 
zehn Jahren verkauften Schweine vom Viehhofe von Chicago 
hier mitzutheilen; dazu auch, wie viele davon von de^ 
„Packern“ stammen, denn es wird unter den 6 Million^ 
Schweinen, die sie im letzten Jahre in ihren Privatgelassen en^ 
pfingen, in denen sie von 24 bis 48 Stunden blieben (Seite 9^ 
jawohl auch einige crepirte gegeben haben. Aber keine so c 
Statistik wird mitgetheilt und auf unsere Erkundigung m 
Renderinganstalt und auf dem Viehhofe erhielten wir so c 
Statistik auch nicht. u, 
Seite 12 wird etwas unvorsichtig die „recklessness“, ,1^0 
losigkeit“, denuncirt, mit der in Europa über die amerikanisc 
Schmalzproduction gesprochen wurde. Wozu uns überfl^ 
ger Weise reizen, wenn man so sorgfältig den Mangel 
Statistik durch Phrasen und Grobheiten zu verdecken suc^^ 
Seite 12 wird angegeben, in welche Producte die ^ 
deckerei in Globe, 30 Meilen von Chicago, das Schweif'
        <pb n="608" />
        593 
'"'iss uIh h ’ “"‘‘/““S'' "D!«« F'« (grease), beides, 
manef ^ vornehmlich (principally) an Seifen- 
nufacu verkauft.-* Vornehmlich - _ aber an wen 
ceór '""'"^hmhch?" Warum nicht mittheilen, wie viel Per- 
wird Tu Etablissements verkauft werden? Seite 13 
fuch , dem hier erzeugten Fette anklebende Ge- 
ducte d Wir besitzen Proben vom Pro- 
haben d*^"^ ^’’'‘«"kerei in Globe. — Doch das ist genug! Bisher 
P'mer.,’^ europäischen Regierungen dieses Compliment der 
nichts d Washington schweigend eingesteckt Ich habe 
sönlich “ 'veiter einstecken, bin jedoch per 
ruche an """ Scanlan und seinen, in jenem 
Wenn ^"^efuhrten Zeugen ein sehr ernstes Wort zu sprechen, 
r dies zu thun einmal conveniren sollte. 
in pf" ."l“®" bemerkt werden, dass diese Industrie, Schweine 
den Süd^iT"®" verwandeln, entstand, um die Sclaven in 
Cuba “i'-ruu'nwoUenstaaten zu ernähren und die Sclaven in 
diese heutigen Tag. Niemand kümmerte sich um 
rillive ® rurauf ankam, dass sie eine 
^ Später wurden diese Provisionen 
Arbeiter in England, Belgien, 
den Cn neuerdings auch in Frankreich. In 
kümmert'""" sie nicht über, und darum 
dings nicht um die Art der Production. Neuer- 
denen di " einiger continentalen Länder, 
curren; ^ amerikanischen Schweine eine schmerzliche Con- 
^Unde T\T nicht aber etwa aus Vorsorge für eine ge- 
^ahrung der Arbeiter. 
^"'^rikani“''“ '•utirten Brief eines 
^eisst: Schmalz für den Export, in dem es u. A. 
^nu ni” ^ niust particularly request, that in whatever article 
^ur naj grease you will refrain from mentioning 
infor,^ connection with it. That which you saw, and 
^^'^^ctin gained at our factory was for your own 
^^ction wh publication... . P. S. We have no ob- 
atever to your using the information you obtained 
38
        <pb n="609" />
        594 
at our factory if you will kindly do so without using our name 
in connection with it.“ . 
Ich nenne den Namen des sehr grossen Fabncanten we 
_ auf seinen Wunsch — nicht, aber ich bemerke, dass 
in dessen Factory die erwähnte Information erst gege 
wurde, als ich bereits den mich herumführenden Mmnha 
der Firma überführt hatte, dass er grease aus einem Orte 
zog aus dem er es nicht hätte beziehen dürfen. Inde^ 
kommt es mir nicht auf Blossstellung eines 
sondern darauf an, dass die Unionsregierung alle soi 
Factories unter strenge Aufsicht stellt, dass Europa gesun 
und nicht ekelhafte Nahrungsmittel von Amerika e 
und die Schweineproduction der amerikanischen Farmer n 
durch Fälschungen der Fabrikanten geschädigt werde. 
Was auch mit der Fabrikation von „Provisionen“ los 
mag — das von den Packern verarbeitete Material ist an s 
vortrefflich! Mindestens so gut, als die Schweine irgen 
europäischen Landes. 
Die Schweine sind meist von gutem englischen Blu 
g«mnd Dm Smienfe^ieln m der 
April oder Mai und nun weiden die Ferkel dem mi J 
gefütterten Rindvieh auf seiner Weide nach; wenn 
weidend, erhalten sie Maiszufutter, bis das Gras 
ist, sie zu ernähren. Sechs Monate alt, werden die bcnw 
in Buchten gesperrt, man giebt ihnen so viel Mais an 
Kolben, als sie fressen wollen, und sie erreichen 15 
450 Ibs. Brutto. Man rechnet Netto = 80 ^ 
Bruttogewichtes, das Fleisch hat 70 Percent desNettogev^ 
Auf anderen Wirthschaften weiden sie in den letzten 
vier Monaten ihres Lebens zusammen auf derselben Mei 
Rindvieh, das neben Grasweide mit Mais und Hafer ga 
gemästet wird. Die Schweine mästen sich vornehmlich a 
TCörnprn. die sie in den Excrementen 
ochsen finden. 
Dann werden sie per Bahn nach Chicago o e ‘ 
„Packerstädten“ gebracht und geschlachtet. Dies ist 
sunde Lebensweise, bis zu dieser letzten Station n.
        <pb n="610" />
        595 
^ sie in den Schlachthäusern sorgfältig untersucht, 
'Wurden die Abdeckereien und die Schmalzraffinerien 
^^^Gideten und unbestechlichen Sachverstän- 
dka ^ ^o^trolirt, so Hesse sich gegen den Import ame- 
^ nischer Provisionen gewiss nichts sagen. Bei der obigen 
rechnet man, dass, abgesehen von der Weide, 
eines QU^ gehören, um i Ib. Gewicht 
also produciren, ein Bushel Mais (56 Ibs.) ist 
gleich II Ibs. Fettschwein, Lebendgewicht, 
Manche Züchter erreichen durch Sorglosigkeit weniger. 
SchvT^^ ^"eichen 12 Ibs. Fleisch pro Bushel Mais, solange die 
^ßweine gemästet werden. 
India!? '*Tn" Tennessee, Kentucky, Ohio, Michigan, 
nnd N Wisconsin, Minnesota, Jowa, Missouri, Kansas 
J=‘l&gt;rn 1880*'''* 35'/: Bushels Mais int 
in '’«“■“g 38 Bushel im Staate Illinois, 41 Bushel 
dem rechnet man, dass 4 Acres, ausser 
tragen ^ Saatkorn, 150 Bushel Mais zu Futterzwecken 
^®niarU tirch gepachtete Gespann- und reine Lohnarbeit 
Lrnte Kosten für i Acre Mais, Saat bis 
Bush \ 7 Dollars oder 28 Dollars für 150 
Mais Bushel, oder 0.33 Cents pro Ib. 
22 Cent Marktpreis war in Jowa 18-36 Cents, in lUinois 
Von A K Bushel. Da, bei gehöriger Sorgfalt, abgesehen 
Preis d Aufzucht, Kosten der Sauen und Eber, 
kostet cT*" 5 ^Bs. Mais i Ib. Schwein erzeugen, so 
1.6g Ç (^Gr Mastperiode erzeugte englische Pfund 
Werden Jene Unkosten der Aufzucht bis zur Mastperiode 
gering. durch das bis dahin ohne Maiszugabe, oder mit 
dieg^ V erzeugte Gewicht bezahlt, und wenn man 
rechnet ^^''^^^^^g^^icht auch mit 1.65 Cents pro Ib. be 
lch Farmer gewiss genügend entschädigt. 
^üf ne Bier beschreiben, wie sich das Geschäft 
kch Farmen in den Weststaaten, wie Illinois, nament- 
^ ^r Jowa und mehr noch Nebraska, thatsächlich macht. 
Farmer mit Frau und ein Paar Kindern, die schon 
38*
        <pb n="611" />
        ein Wenig arbeiten helfen können, hat eine Homestead yon 
i6o Acres aufgenommen, oder einen solchen Besitz von einet 
Eisenbahngesellschaft gekauft. Gebäude, Vieh, Inventar kosten 
ihn bis 2000 Dollars, welche er und seine Frau früher erspart 
hatten. Man wird es in Europa hart, tadelnswerth, unfortschritt 
lieh finden, dass ein amerikanischer Farmer in der Regel nicht 
sofort mit Schulden eine Landwirthschaft anlangt, sondern 
dass man von ihm voraussetzt, er habe sich zu solchem ß® 
ginnen etwas Capital erspart. Allein wir sehen an der Vyt 
mehrung der Farmen, dass dies Verlangen kein unbilliges ist- 
Freilich reicht das Capital der Anfänger oft nicht vollkommen. 
Er kauft z. B. Land von einer Bahngesellschaft und bleibt A 
bis V« des Ankaufspreises schuldig, die er in 5—6 Jahresraten 
abzuzahlen hat. Aber Vs oder Vs des Preises muss er doc 
zahlen. Nun muss ein Haus und Stall gekauft werden, ebenso 
ein Paar Pferde, eine Kuh, ein Paar Schweine. Das nn 
Lebensmittel für ein Jahr, muss ganz oder zumeist haar beza 
werden. Auf Ackergeräthe, Wagen etc. muss eine Anzahlung 
geleistet werden. Dies Geld aber durch eine Hypothek ^ ^ 
eine Prairiefarm sich verschaffen wollen, geht nicht, da NiemaO 
auf eine solche Geld leiht. Der beginnende Bauer hat also 
1000, oft bis 2000 Dollars schon früher erspart, und diese 
Gewohnheit bleibt ihm: Er sammelt sich bald ein Bankdepot 
Sein landwirthschaftlicher Betrieb ist in der ersten Zeit se 
einfach: Er beginnt mit Maisbau und Schweinezucht, weil t 
am wenigsten Capital erfordern. ¡ 
Nach einem halben Dutzend von Jahren voll Arbeit, ^ 
der er indess gut gelebt hat, ist er in der Lage, zwei «Set^ 
Schweine, d. h. 3 2'/Jährige Eber mit je 8 2jährigen Sau®^ 
zu halten. Jede Sau bringt ihm im Jahre, bei mehrmahg^^^ 
Ferkeln, durchschnittlich 12 Junge, die bis zum Moment 
Marktreife leben und mit i V2 Jahren marktreif werden, ma 
192 Fettschweine in i'/-j oder 128 in i Jahre. 
-lieh 
18 alte Schweine verzehren — ausser Weide — mg 
2 Ibs. Mais, macht 2 X 18 X 360 — 12960 Ibs. pro 
192 Fettschweine haben in i'/a Jahren 14 Monate 
durch oder 420 Tage lang je 2 Ibs. Mais erhalten, macht p 
him 
•fO
        <pb n="612" />
        597 
4 Mastmonaten erhalten sie täglich je 5 Ibs., 
in ^ T pro Stück in i'/, Jahren 1440 Ibs., 
9^0 ibs. Die im Jahre verkäuflichen 128 Fett- 
DazTT^ 192 X 960 Ibs. = 184320 Ibs. 
^9728 Maisfutter der Eltern mit 12960 Ibs., macht 
mit ^523 Bushel, zu deren Erzeugung 94 Acres 
iür werden müssen. 6 Acres seiner Farm sollen 
er A Urland abgehen, bleiben ihm 60 Acres, wovon 
^ei° Weide für Kühe und Schweine, 20 zum Anbau von 
aus i4afer, Kartoffeln etc. für den Hausbedarf verwendet, 
sowf»;^ sein Zugvieh das Jahr über leben, 
Naturalien in Betracht kommen. 
^urch^^^ Farmer soll von April bis November, 8 Monate hin- 
lohn ’ Hilfsarbeiter halten, welche je 20 Dollars Monats- 
er an^c"^ erhalten, so macht das 320 Dollars, dazu soll 
zahlen Assecuranz gegen Feuer 80 Dollars jährlich 
400 n 11 werden sich seine derartigen Auslagen auf 
tränk ° berechnen. Hierzu für Colonialwaaren und Ge- 
zjj ^och 200 Dollars, macht 600 Dollars Jahresausgaben, 
Acke ^Dollars für Reparatur und Neubeschaffung von 
Dollars für Kleidung und Lectüre- 
en treten, macht ein Ausgabebudget von 900 Dollars. 
also ®^^i^chtet 4 Fettschweine für den Hausbedarf, behält 
10 Fettschweine jährlich zum Verkauf. Wir schrieben 
'I'od V dedust- resp. Reserveconto für Krankheit und 
der F obschon auch ein Schweinscadaver sich 
^^rkj f * '/2 ^ pro Ib. verwerthet, durch 
V eine Renderinganstalt, blieben 112 Fettschweine 
^arkt • wiegen durchschnittlich 240 Ibs. Bis zum 
22$ lhs**T verlieren sie noch 5 pCt, haben also dort 
Spesen ebendgewicht. An Transport- und anderen Verkaufs- 
^iehen gerechnet '/2 c. pro Ib. vom Erlös abzu- 
’ den Staaten von Ohio bis Nebraska im Mittel. 
^erde ^1 Transportkosten stellten sich folgendermassen und 
^ langsam geringer: 
betrugen in Dollars:
        <pb n="613" />
        Nach Chicago 
von 
Aurora . . 
Mendota 
Monmouth . 
Mt. Pleasant 
Chariton 
Red Oak . 
Kearney 
North Plate 
Sydney . . 
Cheyenne 
Meilen, per Waggon Schweine, circa 70 Stuck 
38 
84 
179 
23s 
337 
448 
69s 
791 
906 
1110 
1873 
1979 
30-40 
49-20 
48 00 
62.00 
7S’oo 
1876 
19-79 
30-40 
49-20 
47 50 
55'oo 
7500 
1881 
1775 
35-00 
40-00 
4000 
5500 
7000 
9000 
10300 
,15-00 
12500 
înne mo ^ 
Die Stationen Kearney bis Cheyenne lieferten bis i»7 
noch keine Schweine für den östlichen Markt. 
Man sieht daraus, dass auf grösseren Bahnen ein Schweift 
bis zu 450 engl, oder 92 Postmeilen weit für weniger als einen 
Dollar das Stück transportirt werden kann. Es wird kaum 
geschehen, dass von Cheyenne bis Nortb Plate Schweine g ^ 
zogen würden, wohl aber Rindvieh. Dagegen kommen vo^ 
Kearney gewiss Schweine zum Exporte, allein die finden sc 
nach einer Reise von 195 Meilen einen Markt in Omaha, ^^ 
hin die Reise per Waggon nur 34 Dollars kostet, also cir 
’/a Dollar per Schwein. 
Der Marktpreis eines Centners von 100 Ibs. LebendgeWic 
eines Fettschweines war im Januar in Chicago in Dollars- 
Jahr 
1858 
1860 
1861 
1862 
1863 
1864 
1865 
1866 
1867 
1868 
1869 
1870 
Preis 
niedrigster 
.3.25 
4.60 
4.2s 
2.15 
2.75 
3.75 
9.75 
8.50 
5.40 
5.50 
9.51 
8.50 
höchster 
4.00 
5.25 
5.50 
2.70 
4.30 
6.75 
12.75 
9.00 
6.50 
7.25 
11.34 
9-93 
Jahr Preis 
niedrigster höchster 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
1881 Sep 
tember 
1882 Sept. 
März 1883 
6.26 
405 
340 
4.25 
5.25 
5.65 
5-75 
3.60 
2.50 
4.25 
6.30 
7.30 
6.60 
7.1^ 
44A 
4.12 
5.90 
7.55 
7.80 
7.25 
4.37 
3.40 
4.95 
7.30 
9.15 
7.75 
Von 1877 bis 1883 durchschnittlich 5.18 
davon der Durchschnitt (.94 D 
6.30
        <pb n="614" />
        599 
Das Pfund also 5.74 Cents, abzüglich 0.5 Cents fur Trans 
port und Spesen bleiben dem Farmer Netto 5.24 Cents pro 
und .Lebendgewicht in 7 Jahren auf der Farm. Zum Ver- 
auf gelangen 112 Schweine, à 228 lbs. in Chicago wiegend. 
Jährlich, macht 25536 Ibs. à 5.24 Cents macht 1338 Dollars 
Zunahme. Davon ab 900 Dollars Jahresausgaben, bleiben 
*^nd 450 Dollars ersparbares Einkommen im Jahr. Die 3523 
^Grfiitterten Bushel Mais haben sich also zu 38 Cents pro Bushel 
^Grwerthet. 
^ ^un kann annehmen, dass der Farmer, den der Bushel 
— ohne Grundrente und Capitalzins — ca. 19 Cents 
pro Bushel kostet, die Schweinezucht lohnend finden wird. 
so 
ange er Mais mit 30 Cents verwerthet, d. h. so lange er auf 
T" 3 Dollars per 100 Ibs. Lebendgewicht seiner Schweine 
^r ält. Die Preise der Jahre 1878 bis 1880 waren also gane 
^gemessene. Die jetzigen sind Producte erstens schlechter 
^aisernten, mehr aber noch einer ruchlosen Speculation der 
uussiers in Provisionen, worunter sich die grössten Schweine- 
pucker selbst befinden. 
Schon im Jahre 1868 trieb ein Mr. Hancoc die Preise un- 
^türlich hoch, indem er alles in Chicago producirte Schweine- 
^*sch und Schmalz aufkaufte. Der Preis von Pökelfleisch 
''^urde per Fass von 19% bis 29 Dollars hinaufgetrieben. 
^on da ab beschäftigte sich Herr Fairbank, der die 
g^’osste Schmalzraffinerie besitzt, in Verbindung mit einem 
^ ^rrn Peck mit dem Hausse- und Baissespiel in Pökelfleisch 
«machte“ dabei im Jahre 1876 500.000 Dollars. Die 
schwankten in Folge solcher Speculationen in jenem 
Von 15 bis 21 Dollars per Fass, 
ein hatten die grossen Packer Plankington und Armour 
inscenirt, konnten aber die Preise, welche bis 
y. ^47“» Dollars hinaufgetrieben waren, nicht halten; sie fielen 
auf 17*^2 Dollars und die Haussiers verloren 600.000 bis 
7^0.000 Dollars. 
p.. dieselben Herren trieben im Herbste 1879 die Preise von 
Sü ^ und gewannen 2 Millionen Dollars. Darauf ver- 
sie das Geschäft von Neuem, kauften zu 14 Dollars,
        <pb n="615" />
        6oo 
if'' 
•r 
’í 
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•j ! 
wurden aber gezwungen, zu 9V2 und 10 Dollars zu verkaufen. 
Hierbei verloren sie 3 Millionen Dollars. Nun etablirten sie 
überall, namentlich in Europa, Agenturen zum Verkaufe ameri 
kanischer Provisionen und sicherten sich durch diese einen 
Absatz für ihre nächste grosse Speculation. Darauf kauften 
sie allen Vorrath von Pökelfleisch in der Union, ca. 250.000 Fass, 
zu 9V4 bis IO' 4 Dollars und im Juli bis October „Optionen 
für 1.250.000 Fass mehr! Dann sandten sie den ganzen Vor- 
rath in alle Welt und schlugen ihn durch ihre Agenten in 
Europa und Südamerika los, und im Herbste 1880 war Chicago 
leer von Pökelfleisch. Armour gewann 2 bis 3 Dollars an 
jedem Fass, dass er damals noch besass, und 4 bis 6 Dollars 
an jedem auf Lieferung gekauften Fasse; so „machte“ er bei 
diesem Geschäft 7 Millionen Dollars. 
Im Jahre 1881 hatte ein Herr Keogh in Milwaukee, niit 
dem Armour unter einer Decke spielen soll, Pökelfleisch auf- 
gekauft, als es 12 Dollars per Fass stand, und bis auf 18 Dollars 
hinaufgetrieben. Er besass 162.000 Fass auf Lager. 
Gebrüder Fowler steckten gleichzeitig in einer grossen 
Schmalzhausse. 
Nebenbei sei bemerkt, dass in Mais und Weizen gao^ 
ebensolche Geschäfte gemacht werden und vom Weizen oa- 
drei Millionen Bushels durch zu langes Lagern bei grosser 
Hitze in Chicago im Sommer 1881 verdorben sind. Trotzdem 
machte man Mehl daraus. 
Für Staaten, die, wie Cuba, England, Belgien und Deutsch 
land, nicht mehr so viel Nahrungsmittel erzeugen als ihre B® 
völkerung bedarf, ist es gewiss sehr hart, in ihrer Versorgung 
mit so wichtigen Produkten wie Brod und Fleisch von einem 
Lande abzuhängen, das diese Producte zwar billiger pr^ 
duciren kann, als irgend ein anderes Land der Welt, 
dem aber die grossen Profite der letzten Jahre eine Anzn 
ungeheuer reicher Männer geschaffen haben, welche Geld genug 
haben, den ganzen zum Exporte überschüssigen Vorrath Amerika 
aufzukaufen und monatelang aus dem Verkehre ^u 
ziehen, auf die Gefahr hin, dass davon so viel verdirbt, 
ein paar Millionen Menschen in einem Jahre verzehren würdet»
        <pb n="616" />
        schnif» lange Dauer können sie freilich den Jahresdurch- 
ireiJ Lebensmittel nicht über seine natürliche Höhe 
und j"; Tn*’ 1,*'’^'^ können sie das monatelang thun 
kreis* bnngen sie ein entsetzliches Schwanken in den 
Masse "‘ehtt^ten Lebensmittel der grossen und armen 
Lebens T g'=¡':h2eitig mit dem Preise der 
hunJr ' Hausseperioden theilweise 
Diese s Krankheit und Tod im Gefolge hat 
sündhnTr“ “““" Lebensmitteln der Arbeiter ist eine der 
Sch un ^^'Tc "'cderträchtigsten, die Verfäl- 
Million? solcher Lebensmittel aber sollte an schurkischen 
zeunnm Galgen bestraft werden. Die Er- 
■"ind«.!!'’" Lcovisonen ist eine solche in Amerika, dass, 
Werden eine Garantie vorhanden ist, es 
S'offe als"'« t "der ekelhafte, oder ungesunde 
als Nahrungsmittel exportirt. 
Impo 'I diesen amerikanischen 
als die "och einige andere Seiten, 
der r . auch erfolgende Verminderung 
"“"in bisher die es den Agrariern 
’^^fksam • ankam, Seiten, auf welche man nur auf- 
kaner tn^nd^s geschäftliche Leben der Ameri- 
^ J- ""d Stelle ansieht. — Es ist merk- 
^^fjeniffp wenig davon bisher in den gedruckten Berichten 
Völker l" ^'"den ist, welchen die Pflicht oblag, die 
in Entstehung von und den Handel 
die fiij. ^ erzeugten Lebensmitteln zu unterrichten, und 
"^^rden ° \ ^ Pflichten mit Gehalt und amtlicher Ehre belohnt 
^^klusgr habe absichtlich diese Untersuchung nicht 
^^^oster*. /"ich auch Opfer an Zeit und Geld 
^abg; çjj ^ würde, die ich nicht bringen kann; aber ich 
ich sprepf, weit angedeutet, dass jene Herren 
Mächte A Gesandten und Consuln der europäischen 
ürfen. o ~ sich ihr nicht weiter entziehen werden 
dürfen. 
q . _ — wciLci ciiLAicucu weraen 
o ten sie es doch thun, so kann man sie ja einmal
        <pb n="617" />
        6o2 
wieder daran erinnern, besonders die deutschen, deren Schutz 
befohlene ca. 120 Millionen Pfund Schweineprovisionen aus 
Amerika essen. 
Für Oesterreich-Ungarn ist die Sache sehr nebensächlicn, 
da dieses Reich nur wenig Nahrungsmittel aus Amerika im* 
portirt und sich sogar ohne dieselben behelfen kann, 
deutsche Lösung dieser Frage ist eine einfache und radikale: 
Man legt einen enormen Zoll auf Schmalz und verbietet 
Einfuhr amerikanischer Schweine und von Fleisch derselben. 
Ob die armen Arbeiter sich nun werden genügende anima- 
liehe Lebensmittel kaufen können, ist eine andere Frage! 
Uebrigens haben Herr Kern und ich in Amerika gelernt, 
dass wir in Europa grosse Verschwender sind, indem wir ge 
fallene Thiere als „Aas“ vergraben. Sie lassen sich zu 
Herstellung von Dünger und Fett sehr zweckmässig verwende , 
nur sollte man letzteres, etwa durch Zusatz einer übelriechende^ 
und nicht von ihm trennbaren Substanz, denaturalisiren, s 
dass es nimmermehr zur Speise von Menschen, sondern n 
zu technischen Zwecken verwendet werden kann. Europa 
sehr viele Schweine, Pferde, Rinder, Schafe, Hunde, ku^ 
Thiere, von denen sehr viele jährlich crepiren und, m o 
angegebener Weise verwendet, uns Hunderte von Milhon 
Gulden erbringen können. Dadurch können wir die La 
wirthschaft und Industrie heben, indem wir ersterer «»nen P 
für gefallene Thiere zahlen und einen billigeren, guten Ku 
dünger, der Industrie ein billiges Schmieröl liefern. 
Man beginnt in Amerika schon, das Mastfutter zu mise 
namentlich Kleie zu Mais und Gras hinzuzugeben, ^eü dar 
eine bessere Verwerthung des Futters resultirt. Ich i 
hierüber eine lehrreiche Abhandlung folgen, die mir r 
zu Gesichte kam und deutschen Schweinezüchtern nützen 
Jedes Thier bedarf zu seiner Ernährung, sei es 
haltung seines Körpergewichtes oder zur Vermehrung de^^ 
die in seinem Futter enthaltenen Nährstoffe, als löslich^^^^ 
weiss (stickstoffhaltige Nährstoffe), wie Kohlehydrate un 
(stickstofffreie Nährstoffe) in einem ganz bestimmten Gev^^.^^ 
verhältniss zu einander, wenn alle diese Stoffe in dem
        <pb n="618" />
        6o3 
õrper richtig ausgenutzt und ihren sehr verschiedenen Func- 
Ernährung dienen sollen. Das Gewicht des 
aghchen Futters, sowie das Verhältniss der Nährstoffe zu ein- 
. richtet sich nach dem Alter und nach dem Körperge- 
1 ^ ^ Thiere. So bedarf ein 2—3 Monate altes Schwein 
I" seinem Tagesfutter 0.38 Pfund lösliches Eiweiss und 
^;50 Pfund Kohlehydrate und Fett, also ein Nährstoffverhält. 
»SS von I Eiweiss zu 4 Kohlehydrate. Ein 5—6 Monate 
»es Schwein 0.54 Pfund Eiweiss und 2.96 Pfund Kohlehy- 
^^ate, ein Nährstoffverhältniss von i zu 5.5. Ein 8—12 Mo- 
altes Schwein 0.62 Pfund Eiweiss und 4.05 Pfund Kohle- 
rate, ein Nährstoffverhältniss von i zu 6.5. Vergleichen 
der Mast zur Verwendung kommenden Futter- 
st ff einander, so finden wir, dass dieselben die Nähr- 
^ e in sehr verschiedenen Verhältnissen enthalten. 100 Pfund 
^rtoffeln enthalten nach den Durchschnittsanalysen von E. 
pJ lösliches Eiweiss und 22 Pfd. Kohlehydrate und 
PelHK^^° Nährstoffverhältniss von i zu 10.6. 100 Pfund 
bohnen enthalten 23.0 Pfund lösliches Eiweiss und 
2 . l»»»»d Kohlehydrate, ein Nährstoffverhältniss von i zu 
^•3- IW Pfund Mais enthalten 8.4 Pfund lösliches Eiweiss und 
7 Kohlehydrate, ein Nährstoffverhältniss von i zu 
lind Gerste enthalten 8 Pfund lösliches Eiweiss 
zu 7 Kohlehydrate, ein Nährstoffverhältniss von 1 
i2 6^r Pfund Weizen- oder Roggenkleie sind enthalten 
ein N-8 lösliches Eiweiss und 45.3 Pfund Kohlehydrate, 
^ilch ^ /^^°^^G»'h^ltniss von i zu 3.9. In 100 Pfund saurer 
l^ohl enthalten 3.5 Pfund lösliches Eiweiss und 5.7 Pfund 
aigQ ? yör^te, ein Nährstoffverhältniss von i zu 1.9. Es ist 
ej. ^ ganzen Futterstoffen kein einziger, welcher, wenn 
»»Utzt verfuttert wird, in dem Thierkörper richtig ausge- 
''^^J’öen kann, dahingegen kann durch Mischung eines 
einem eiweissarmen das Futter mit 
^is zusammengesetzt werden, wie es von der 
^lle ""ö der Praxis vorgeschrieben ist, und so, dass 
z. p ^ vollen Verwendung kommen. Würden wir 
100 Pfund Kartoffeln ohne Zusatz von einem eiweiss-
        <pb n="619" />
        6o4 
reichen Futterstoffe allein den Mastschweinen verfüttern, so 
würden von den 24 Pfund Nährstoffen, welche in den 
100 Pfund Kartoffeln enthalten sind, nur 13—14 Pfund indem 
Körper Verwendung finden, die anderen 10 Pfund gehen un 
genutzt durch das Thier, schwächen die Verdauung, verur 
sachen krankhafte Zustände und verschlechtern den ausge 
schiedenen Dünger in seiner Zusammensetzung. Der Mais 
wird ebenfalls sehr oft unrationell verfüttert, wenn er zur Mast 
verwandt wird. So herrscht oft die irrige Meinung, dass man 
durch den Mais die Erbsen oder Rohnen in dem Futter er 
setzen könne und wendet denselben häufig zur Schweinemast 
mit Kartoffeln vermengt an. Wir haben nun vorstehend schon 
gesehen, dass bei 100 Pfund Kartoffeln, wenn dieselben allein 
verfüttert werden, 10 Pfund stickstofffreie Nährstoffe nicht zur 
Geltung kommen können. 100 Pfund Mais enthalten 73.8 Pfund 
lösliche Nährstoffe, wovon, wenn der Mais allein verfüttert 
wird, auch nur 60 Pfund in dem Thierkörper ausgenutzt, 
13 Pfund aber als ungenutzt von dem Thiere ausgeschieden 
werden. Mengen wir also 100 Pfund Kartoffeln mit 100 Pfnn 
Mais, so haben wir in dem Gemenge 98 Pfund Nährstoffe» 
wovon 75 Pfund ausgenutzt werden und 23 Pfund als unge 
nützt verloren gehen. Rechnet man 100 Pfund Mais zu 8 Mk- 
50 Pf und 100 Pfund Kartoffeln zu 2 Mk. 50 Pf, so kostet 
dieses Futter 11 Mk., also berechnen sich die 23 Pfund nn 
benutzt gebliebener Nährstoffe auf 2 Mk. 58 Pf, fast ties 
Geldwerthes. Würde man nun für diese 2 Mk. 58 Pf Bohnen 
Schrot (ca. 36 Pfund) den Kartoffeln und Mais zusetzen, ^o 
würden alle Nährstoffe, welche in den 236 Pfund enthalten 
sind, ganz ausgenützt werden, weil das Nährstoffverhältm^ 
durch den Zusatz von Bohnen ein richtiges geworden ist, nn 
können nun die in dem Futter enthaltenen Eiweissstoffe ^ 
Fleisch und Fett abgelagert werden. Man wird also 1^1^^^ 
einsehen, wie viel Geld man in einer einzigen Mastpen^ 
durch fehlerhafte Futtermischungen verlieren kann. Im ^ 
gemeinen kann man folgende Futtermischungen für Schwc» 
machen: . 
100 Pfund Bohnen oder Erbsen mit 650 bis 700 Pfund Karton®
        <pb n="620" />
        6o5 
^oo Pfund Kleie mit 150 bis 200 Pfund Kartoffeln, 
^00 Pfund saure Milch mit 150 bis 200 Pfund Kartoffeln, 
^00 Pfund Mais mit 50 bis 90 Pfund Kleie, 
*oo Pfund Mais mit 23 bis 25 Pfund Bohnen oder Erbsen, 
ï00 Pfund Gerste mit 100 Pfund saurer Milch oder 60 bis 
80 Pfund Kleie oder 20 Pfund Bohnen oder Erbsen. 
Roggenfüttern muss man ebenfalls eine Zugabe von 
Sen, Milch oder Kleie machen, ebenfalls bei Buchweizen.“ 
Schliesslich theile ich noch die Statistik der grossen 
flacht- und Packanstalten aus 1880 mit: Es gab: 
verarbeitete Thiere 1000 Stück 
Arbeiterzahl 
V ö 
^ Q 
Staat. 
Durch 
schnitts 
gewicht 
Ibs. 
Rinder 
Schafe 
u.S « 
N u, 
(fí y 
^nion 
‘"diana 
Jowa 
len 
Mi 
ansas 
M 
'ssouri 
»r- 
^exas 
872 
51 
»43 
25 
38 
»4 
65 
77 
128 
49.419 
2.130 
12,019 
3-974 
»•955 
1.669 
2.327 
2.904 
4.543 
5.487 
2.938 
959 
26.113 
467 
10.217 
»-790 
1.488 
1.0:7 
1.743 
».258 
1.688 
».950 
53» 
1.003 
1.184 
20 
73» 
25 
44 
53 
103 
5 
22 
74 
21 
29 
202 
16.688 
300 90 
»755.533 
111.668 
595.274 
59.190 
4.885 
»».958 
37.627 
»33.484 
437.743 
40.373 
70.616 
9.261 
1.100 
1.061 
990 
1.202 
1.104 
1.004 
923 
1.196 
1.271 
1.014 
1.316 
1.074 
2.233.701 
414.185 
47.783 
5.200 
4137 
5023 
10.011 
358.689 
766.141 
12.318 
117.940 
4.783 
Staat. 
p"ion 
wt'sr-" 
^"diana 
Jpwa 
Ohio 
^(^as 
Schweine 
Ü 
Schweine. 
Total 
werth 
1000 D 
Gekaufteaus- 
geschlachtete 
Schweine, 
Zahl 
O 
Werth. 
ussetts 
York 
16.098.428 
235.777 
5.745.263 
963.482 
972.965 
384.502 
1.138.068 
761.827 
913.245 
».434.179 
152.266 
496.579 
375 
248 
211 
259 
247 
262 
256 
247 
290 
202 
246 
272 
_24^ 
112 
158.680 
1.805 
58.231 
9 493 
8.959 
3-495 
10.003 
10.524 
8.539 
»3484 
1.796 
4.914 
»748.979 
14.400 
259.207 
2.735 
6.786 
136.064 
9.200 
718.630 
»43 250 
196.608 
16.170 
209 
188 
234 
178 
162 
2»5 
215 
160 
213 
201 
»76 
17.767 
»41 
2.859 
34 
40 
978 
»35 
6.061 
1.644 
2.763 
170
        <pb n="621" />
        ( ■&gt; 
6o6 
Ein ganz neues Unternehmen muss noch erwähnt werden. 
Die Firmen Hamond und Swift in Chicago schlachten viele 
Rinder und versorgen die Städte der Oststaaten mit ausge 
schlachtetem Rindfleisch. Sie haben die kleinen Konkurrenten 
verdrängt und eine Art Monopol. Ihnen gegenüber ist 1883 
eine mächtige Compagnie, bestehend aus Eastman, Monroe, Van 
derbilt und Arnold entstanden, welche Rinder in Chicago 
schlachten und das Fleisch in Refrigeratorenwaggons nach den 
einzelnen Städten des Ostens senden, in Chicago also eine 
Centralrinderschlachtanstalt für die Oststaaten schaffen wi 
Angeblich wollen sie hierdurch den Handel und Transport 
von Rindvieh heben, wodurch sie, bei Bahnen betheih^, 
Transportgewinn machen. Am Schlachten wollen sie nnge 
lieh nichts gewinnen. Dadurch würde Rindfleisch billiger ^ 
den Oststaaten werden. — Könnte man nicht ebenso, z. 
von Pest aus, ganz Oesterreich mit Rind- und Schweinefleisc 
versorgen? Der Grossbetrieb der Schlächtereien ist billig 
als der kleine, Abfälle sind rationeller zu verwerthen und der 
Transport der Rinder aus Ungarn und Galizien nach Pest is 
billiger als der nach Wien.
        <pb n="622" />
        XXXIV. Capitel. 
Von Chicago nach Manitoba. 
Am.16. September i88i verliess ich mit dem Frühzuge 
•cago, um mich direkt, ohne Aufenthalt an einer Zwischen- 
^ätion, nach Fargo am Red River im Territorium Dakota zu 
^ Ggeben, welchen Ort ich am 17. Abends erreichte. Am 
selb^” Graf Imre Széchényi dort eingetroffen. Der- 
p ^ die anderen vier Herren am ii. September in 
^ort Custer, nachdem die erste gemeinschaftliche Jagd beendet 
Zurückbleibenden wollten noch eine 
sI^vT' von Fort Custer aus machen. Graf Imre 
ényi hatte eine sehr mühevolle Fahrt von 2% Tagen 
Rj ^^chten im Postwagen bis Glendyve am Yellowstone 
^‘ver in Montana zurückzulegen. Von da ab bis Fargo war 
ämals die Northern Pacific-Eisenbahn bereits vollendet, 
zu Eisenbahn soll von Duluth am oberen See bis 
Wbd • Ocean laufen und 1684 Meilen lang werden. Sie 
kürzeste der Pacific-Bahnen werden, im Winter aber 
zu kalt sein. Sie dürfte die beliebteste Sommer- 
auf der wir nach Californien fuhren, durch .Kansas 
Par die Winterbahn werden. Von Chicago über 
und die Northern Pacific-Bahn hat man 2114 Meilen 
Uq^ Stillen Ocean in Oregon, von Chicago über Omaha 
Suçji* ^den nach San Francisco 2416 Meilen, und über die 
öeit,- ^ ^°ute von Chicago über Kansas City (513 Meilen), 
(^^33 Meilen) nach Los Angeles am Stillen Meere 
Atl . bis San Francisco aber 2844 Meilen. Durch die 
wird diese Bahn erheblich verkürzt werden. 
96 ^Gw-York verlängern sich diese Distanzen noch um ca. 
eilen jede. Somit ist es von New-York nach dem
        <pb n="623" />
        6o8 
Stillen Meere resp. 3077 Meilen über Fargo, 3379 Meilen über 
Omaha und 3324 Meilen über Kansas City. Man wird diese Ent 
fernungen zu schätzen wissen, wenn man sie mit europäischen 
vergleicht. Es sind Kilometer von Budapest nach Wien 27^’ 
nach Tetschen 458, Dresden 62, Berlin 176, somit von 
Budapest nach Berlin auf diesem Wege 974 Kilometer 
848 englische Meilen. Die Strecke der Northern Pacific-Bahn 
von Duluth bis Fargo, 254 Meilen, ist schon seit 1872/73 
vollendet. Da kam der „Krach“ und der Bau blieb liego*^* 
Die von der Bahn ausgegebenen Bonds fielen so sehr, dass 
man einen Bond von 100 Dollars nominell um 10 Dollars 
kaufen konnte. Man hatte das Recht, für solche Bonds 
Ländereien zu kaufen, welche der Bahngesellschaft von 
der Unionsregierung gegeben waren, und wurden diese Bon s 
al pari in Zahlung genommen. Speculanten kauften nun 
besten Ländereien um 2'/2 Dollars per Acre an und zahlten 
dafür 2'¡2 Dollars in Bonds, so dass der Acre Land nur 
25 Cents baar kostete. Erinnert solcher Landkauf, 
sich neben anderen amerikanischen Eisenbahnlinien wieder 
holt hat, nicht an den Ankauf von Gütern der französi 
schen Emigranten durch die berüchtigte „Bande noir j 
welche den Kaufpreis in entwertheten Assignaten erlegt® 
Auf diese Weise sind die Dalrymple- und andere grosse oder 
„Bonanza-Farmen“ entstanden. Seit einigen Jahren beg^ 
bekanntlich ein neuer Aufschwung. Die Eisenbahngesellscha^ 
reorganisirte sich und nahm den Bau wieder auf, 1881 ware^ 
schon über 800 Meilen, von Duluth westlich, fertig und 
Betrieb. Ansiedelungen folgen schnell dem Bahnbau. J ^ 
Széchényi meint, der Boden sei von Fargo 194 Meilen west ^ 
bis Bismarck am Missouriflusse Ackerboden, von da 
Waidegrund. Indess reiche das fruchtbare Red River - T ^ 
im Westen nicht bis Bismarck, sondern nur bis JamestoW^ 
Von da ab westlich wird der Boden hügelig mit steinig® 
Untergründe, nur in den Thälern ist der Boden gut. 
Es ist die Politik der Bahngesellschaft, das Land an 
den Seiten der Linie schnell besiedelt zu bekommen, des » ^ 
steigt der Tarif für Getreidetransport nicht mit der Ent
        <pb n="624" />
        6og 
Stationen 67 Meilen westlich von 
zen ^ Fargo selbst, für den Bushel Wei 
Paul T 7°^^" Waggonladungen — nach Duluth oder St. 
Comn2 . ^'""eapolis gleichmässig 15 Cents. Wenn die 
dürfte ^ g^^orige Land verkauft haben wird, 
Gefahr f" 7" ist ja die einzige ernstliche 
in den Westen Amerikas, dass sie sich zu sehr 
ihnen rf Eisenbahngesellschaften befinden, welche 
Theüi^^ Pr^i^ne^ 
tarife d. Staaten pflegen dann die Maximal- 
Gesetze zu fixiren. 
^isconl^'^L^t Hauptstadt von 
flüsse p Minneapolis, beide am Mississippi- 
^'Ppi Minnesota, gelegen. Der Missis- 
von hier bis New-Orleans schiffbar. 
Brained Zwillingsstädten läuft die Bahn bis 
ihn hier °^^^Gn Mississippi und überschreitet 
am p?' nordwestlicher Richtung nach Fargo 
Von Glv ri hinzuziehen. Auf der Rückreise benützte ich 
anderen südlichere Bahn nach St. Paul, um einen 
fuhr ich u Minnesota zu sehen, und von St. Paul ab 
mit demTi? ^^stete dort und fuhr dann parallel 
diese w - Michigan-Sees südlich nach Chicago. Auf 
^'"nesntr^'' ^ ^höne Rundreise durch 
Y ^ nnd Wisconsin gemacht. 
i^hiniJ" his Brainerd ist der Boden überwiegend gut, 
Prairit ^""niskruste bedeckt, eine wellenförmige 
("eich ’ ^hlreichen Flüssen und Bächen durchzogen und 
Hügclp. . ^nweilen bricht sich eine felsige 
kaufen ^ fruchtbaren Boden. An den Wasser- 
Btellçjj Hügeln findet man viel Laubwald; an vielen 
,^^^h der jetzt mit Getreide bestellte Boden 
'’icht ei 8^®hlart werden. Man sieht kaum baumloses und 
AnK^^ armtes Land auf dieser ganzen Strecke, nur wird 
his Brainerd seltener. Die Boden- 
Í8con% ^“i’chgehends besser als in Nebraska und Jowa. 
*st ein älter angesiedelter Staat, der durch seine 
39
        <pb n="625" />
        6io 
Lage am oberen und Michigan-See schon lange billige Tran ' 
portkosten- für sein Getreide hatte, und die Farmer sind zum 
grossen Theile Deutsche. In dem nördlichen Theile von Minne 
sota giebt es sehr viele skandinavische Ansiedler. Alle cu^ 
tiviren fleissig, aber sie sind — ich rede von den seit wenig 
Jahren angesiedelten Norwegern, Schweden und Dänen ^ 
augenscheinlich recht arm herübergekommen und können nu 
wenig Capital auf ihre einfachen Wirthschaften verwende^- 
Sie arbeiten vielfach mit Ochsen, während amerikanische a 
mer fast ausschliesslich die theureren Pferde in Wagen u 
Pflug benützen. Die Ställe sind oft mit Stroh gedeckt, aD 
aus Lehm, Steinen oder Holzstämmen blockhausartig ’ 
gegen die Winterkälte Schutz gewährend, hergestellt. In 
consin findet man dagegen viele schöne Farmen, die Zeic 
des Wohlstandes ihrer Besitzer verrathen, und wird 
gedüngt. Nichts wäre irriger als die Annahme, dass Ansie 
hier ohne harte Arbeit zu Reichthum gelangten; aber so 
Leute, die in Europa um 30 bis 50 kr. Lohn täglich hart 
beiten müssen, ohne je die Aussicht zu haben, auch nur 
Haus und fünf Acres Land nach zehn- bis zwanzigjähriger 
beit für ihre Ersparnisse kaufen zu können, sind hier im Stad 
als Knechte in fünf bis sechs Jahren so viel zu erwerben, 
sie eine Homestead von 160 Acres zu bewirthschaften an^^^ 
gen können, und nach neuen sechs Jahren können sie da^^^ 
100 Acres unter dem Pfluge, acht bis zehn Pferde und e 
viele Kühe, Schafe, Schweine und die Gebäude voll Getr 
haben. Mit einem Worte, ein mittelloser Landarbeiter ^ 
hierin zehn bis zwölf Jahren ein wohlhabender Bauer we 
— bei uns nicht. Das erklärt die Auswanderung. 
Wenn in Mitteleuropa Denjenigen, die daselbst 
formen rathen, entgegengehalten wird, solche Reformen 
nutzlos sein, da der „bäuerliche Sinn“ schon g^schw 
sei, so könnten diese Pessimisten hier in den Nordwests 
der Union mit Händen greifen lernen, wie die Zeit fuf 
Bauernstand noch nicht verloren, wie der bäuerliche Sinn ^ 
nicht geschwunden ist, wie hier vielmehr aus den krümme 
europäischen Bauern- und Landarbeiterstandes ein neuer »
        <pb n="626" />
        deren P f'í'’ Europa Staatsmänner ruiniren, 
stint und das Börsenspiel begun- 
sie h K achtet man sich die Revolution und wird 
Und V von Norden nach Südosten 
die ält°" Osten zu fahren, aus den neuesten in 
stand ,f‘='‘^''‘’U“s‘uuten, und zu sehen, wie dieser Bauern- 
■änner '%°^'''nbender und selbstbewusster mit jedem Jahre 
regier» Onnde sitzt, wurde. Sie verwalten und 
sie snr die alten Westphalen und Ditmarschen, 
SchulL*'"^ d" P'dnden Kirchen und 
leiten " besuchen sie, sie haben Vereine und Banken und 
sichert dass der Bauer nur die ge- 
der “"d daneben Freiheit; dass er 
kann d Geheim- und anderen Käthe entbehren 
Geseree T "'cht ein Opfer unnatürlicher 
Kansas ï T" -"¡serablen Administration wird. Ja, in 
Bauernl, a ^ Nebraska, Minnesota, Dakota lebt jener edle 
Weil m t besingt, wieder auf, und warum? 
auch" • "ran, nach Simplicius, 
Sein Lnn dreissigjährigen Kriege nicht nehmen durfte — 
HöhZr ^'■=*i""d bis Perham läuft die Bahn durch ein hügeliges 
"’“oripe" D aandigen oder steinigkiesigen und stellenweise 
eignet 1 "°dcn hat, zum Ackerbau sich also ebensowenig 
Walti ^ u urahsch-baltische Landrücken in Preussen. Der 
holz TV u ^ niedrigem Laub- und selten aus Nadel- 
reiche ^Grden auf diesem Boden nicht gross; zahl- 
finden ^^yon innerhalb grosser mooriger Wiesen, 
findet Thälern dieses Höhenrückens. Nur selten 
ärmliche Farm, deren Bewohner sich von 
Glicht n ^ Holzschlagen nähren. Das Holz wird 
^On ^ Brennholz weggefiihrt, sondern namentlich auch 
Vdw^*^ Heizmaterial benützt, wie im ganzen 
^nte den ich von St. Paul ab bereist habe. Wenn das 
^an Amerika alles aufgenommen sein wird, wird 
haue,^ Hafer, Roggen, Kartoffeln und Buchweizen 
’ Wie heute in Hinterpommern. Von Perham ab steigt
        <pb n="627" />
        6i2 
die Bahn langsam in das Thal des Red River of the North 
hinab und beginnen die Farmen zahlreicher und besser 
werden. Bei Glyndon fängt das eigentliche Thalbett dieses 
Flusses an, der sich von den anderen amerikanischen Flüssen 
nicht nur durch die fabelhafte Fruchtbarkeit seines Thalbodens, 
sondern auch dadurch auszeichnet, dass er und der St. Johns 
River in Florida die einzigen nach Norden fliessenden Flüsse 
der Union sind. Das westliche Thalufer des Red River ist 
breiter als das östliche, weshalb die Ansiedlungen westlich 
sich weiter vom Flusse abwärts ziehen als im Osten, wo man 
bald auf die bewaldete, sandige Hügelkette stösst. 
Man kann sagen, dass die Staaten Wisconsin, Minnesota 
und Dakota, von den Seen ab bis zum loo. Meridian, üer 
etwas östlich von Bismarck durch Dakota läuft, die Fort 
Setzung jener fruchtbaren und zum Ackerbau sehr geeigneten 
Ebene bilden, welche wir schon in Kansas und die ich dann 
später in Nebraska, Jowa und Illinois getroffen. Auch hieb 
in ihrem nördlichen Theile, fangt westlich vom lOO. Meridi^*^ 
die Weidegegend an. In dem jetzt von mir durchreisten nör 
liehen Theile wird sie von Bodenerhebungen durchzogen^ 
welche die Wasserscheide zwischen jenen Flüssen bilden, diÇ 
einerseits zum Golf von Mexico, andererseits zur Hudson-F^* 
fliessen. Diese Bodenerhebung aber trägt nicht den Charak^ 
eines Felsengebirges, sondern den eines bewaldeten Hüg 
landes und gestattet vielfach die Ausnützung durch Acker 
und überall durch Viehzucht. Das Klima ist jenem der no'" ^ 
deutschen Tiefebene ähnlich, nur dürften die Sommer heiss 
sein. Mosquitos machen aber diese Sommer besonders as 
und erstreckt sich diese Plage bis in das Nordwestterritor*^^ 
von Canada hinein. Die Mosquitos sollen nach den 
den Zweck haben, das Vieh aus den Gebüschen im 
fern zu halten — denn am Wasser und an Buschwerk s 
sie am zahlreichsten — damit im Winter das Vieh 
an den geschonten Zweigen finde. Nach Anderen enth" ^ 
Gift, das der Mosquitostich dem Menschen beibringt, ein 
gengift gegen die Fieber, die an allen Wasserreservoirs 
ses Theiles von Amerika mehr oder weniger im Som
        <pb n="628" />
        6i3 
baskn ï" • Ebene von Nordwestcanada bis zum Atha- 
baren Pk^ nördliche Abschluss dieser grossen, frucht- 
iden u denselben Untergrund hat, aber von 
Süd 
Selben Norden an Höhe abnimmt, dagegen in der- 
Beding Winterfruchtbarkeit gewinnt, wodurch die 
in der Prairie von Süden nach 
desto , "'r ®PP«” &lt;&gt;■““ Graswuchs war, 
die srK 'S« jetzt das Resultat seiner Vermoderung, 
so Humusschichte. Der Boden wird also um 
dringt ttom Süden nach dem Norden 
gasthche dafür auch um so kälter und un- 
53 92a n T*" 34.5tt.360 Acres 
Qttadratmeilen, Minnesota von 53.459.840 Acres 
''ttoo' 0“^ ““”® “ P'^kota von 96.596.480 Acfes 
GebL'^^ Qtiadratmejgn. m letzterem Staate ist allerdings viel 
stark '^«do'attd. Trotzdem die Bevölkerung ziemlich 
betrug. noch eine äusserst dünne. Sie 
di 
D 
Staat 
1840 
Wisconsin 30.945 
Minnesota ? 
I^akota p 
Einwohner 
1850 i860 1870 
3*^5.391 775.881 1.054.670 
6.077 172.023 439.706 
^ 4.837 14181 
1880 
1.315.480 
780.806 
135 180 
'oe südi; schon weniger zum Maisbau, ah 
Maisp^ ^ gelegenen Staaten, dennoch stieg di* 
Jahre Wisconsin von 7.500.000 Bushels i 
b _ I060 auf ' T_L 
im 
^ uuäneis 
Nhels • ° 15000.000 im Jahre 1870 und 40.310.00c 
im J^bre 1880; in Minnesota von 2.900.000 Busheh 
i860 auf 4.900.000 Bushels im Jahre 1870 und 
16. 
OqR ‘f.ytjw.uuu D 
^•000 Bushels im Jahre 1880. 
Hauptfrucht dieser Länder ist der Weizen. 
^roduc^. ^^^^^"P^O(i"ction Dakotas ist neuen Datums. Die 
^df § g ^879 2.830.000 Bushels betragen haben, 1881 
î*' *882 auf 13.000.000 Bushels gestiegen sein. 
^ JahreJahre i860 nur 2 Millionen Bushels, 
‘ 70 19 Millionen Bushels gebaut, im Jahre 1880
        <pb n="629" />
        614 
aber schon 40.752.000 Bushels. Der Weizenbau von Wisconsin 
bleibt fast stabil. In diesem Staate wurden 1850 15.6 Mil 
lionen Bushels, 1870 25.6, 1875 25.2, 1876 16.8, 1877 22.0, 
1878 21.1, 1879 20.5, 1880 16.4, i88i 19.5 Millionen Busheis 
gebaut. Der durchschnittliche Marktpreis des Weizens auf 
hauptsächlichsten Binnenlandmärkten jener Staaten und 
Staates New-York war in Cents: 
1880 100 «7 
Es ist interessant, zu beobachten, wie der Unterscnie 
Preise zwischen Weizen aus diesen Weststaaten und W 
im Exporthafen von New-York sich verringert. Dieser Unt 
schied betrug, d. h. es wurde in den Weststaaten weniger g 
zahlt als in New-York, per Bushel in Cents: 
Jahr 1867 1868 1870 187a 1876 1877 1878 1879 1880 
in Wisconsin 87 108 40 6a 30 aç 35 3^ 
in Minnesota 116 lag 58 8a 41 31 5* 45 ^ 3* j 
Minnesota liegt, was Transportkosten des Weizens 
also den Preisunterschied zwischen Weizen im Binnen 2 
und in New-York anbelangt, jetzt so nahe an Europa, 
Ohio im Jahre 1870! jjg- 
Es wird sich hier empfehlen, einige Worte über 
portkosten des Weizens aus diesen Staaten zu sagen. 
selben betrugen im Sommer 1881 für je 100 Ibs. ^^^gß, 
Vincent, an der Grenze Canadas, bis St. Paul, 389 j^gj. 
oder Duluth 30 Cents, von Bismarck nach St. Paul, 4^9 
len, 55 Cents, von Selkirk nach St. Paul, 454 Meilen, 4°
        <pb n="630" />
        6i5 
in St. Paul, 275 Meilen, 25 Cents, von Florence 
dab’ Chicago, 376 Meilen, 33 Cents, von Madison 
}jj^ ^39 Meilen, 16 Cents, von Watertown in Dakota da- 
662 36 Cents, von Huron in Dakota dahin, 
len n Cents, von Tracy in Minnesota dahin, 526 Mei- 
Ês* 9 ents, von St. Paul nach Chicago, 410 Meilen, 20 Cents, 
Uek, Dampfschifffahrts-Compagnie, der die 
Buffer gehören, welche Getreide von Duluth nach 
geschi° hat mit den Eisenbahnlinien einen Vertrag 
T essen, wonach diese ihr eine gewisse Zahl Bushels zum 
gewisT” '^egegen sie sich verpflichtet, eine 
alles M Ul P™httarifs innezuhalten. Dies gilt für 
Und , Minneapolis, das man nicht lagern lassen kann 
as also auf einen regelmässigen Transport angewiesen ist. 
Schiffen, die nicht der grossen 
Die Pi®"'' g®'’®’’®'’’ °f‘ au sehr billigen Sätzen transportirt. 
Per Duluth : Cents 
Per Ml ** P®’’ Bushel oder 35.6 Kreuzer 
I. n, Lagern durch den Winter in Duluth, vom 
Bahnen*"?" Bia Mitte April. Locale Elevatoren an den 
^uslad Berechnen z'/z bis 3 Cents per Bushel für Ein- und 
'S8i k!."’ Lag®™ und Feuerversicherung. Am 16. September 
etrug die Fracht für; 
Minneapolis 
nach 
Boston 
¡^®»-York 
euiladnlpi,; 
» • 
I Barrel Mehl 
von ai4 Ibs. Brutto 
Ro Cents 
70 
66 „ 
40 , 
64 „ 
I Bushel Weifen 
von 60 Ibs. 
34 Cents 
20 
12 
19 
^'iluth ^ per Bahn. Per Bahn nach Duluth und von 
^*’össer”^p^ Wasser, 3 Cents per 100 Ibs. weniger. 
^ osten wurden in Spezialcontract billiger befördert. 
StaatR gehört in seinem östlichen Theile mit zu dieser 
'^'ïgruppe.
        <pb n="631" />
        6i6 
Die Zahl der Farmen betrug 
1850 
Montana 
Dakota 
Minnesota 
Wisconsin 
157 
20.177 
i860 
123 
18.181 
69.270 
1870 
851 
1.720 
46.500 
102.900 
1880 
1-519 
17.435 
92,386 
134.322 
Davon 1880 gross Acres 
12 
36 
604 
2.516 
13 
63 
952 
3.200 
62 
210 
8.003 
22.718 
63 
547 
25.530,56.375 
44.719,60.296 
1.256 
246 
16.253 
145 
741 
109 
666 
Im Jahre 1880 wurden Farmen bewirthschaftet von: 
Staat 
Eigenthümer 
Pächter 
Métayer 
Montana 
Dakota 
Minnesota 
Wisconsin 
1.439 
16.757 
83.933 
122.163 
17 
72 
1.251 
3.719 
63 
606 
7.202 
8.440 
Viehzahl je 1000 Stück in 1880 und Vermehrung seit 
1870 in pCt. betrug: 
Staat 
295 
184 
160 
610 
Montana 
Dakota 
Minnesota 
Wisconsin 
564 
9.005 
47 
35 
3.0' 
63 
1.558 
877 
89 
491 
437 
1-335 
30 
I.IOI 
40 
157 
381 
138 
268 
284 
36 
—16 
276 
102 
127 
177 
347 
257 
j20 
129 
478 
88 
—46 
622 
1.337 
70 
352 
40 
39 
durch 
Die Abnahme der Arbeitsochsen und ihre Ersetzung 
Pferde und Maulthiere ist immer ein Zeichen von wachsendest 
Wohlstand der Farmer. 
_ , , , , , _ , ... bei 
Das fruchtbare Thal des Red River beginnt etwa 
Meil®^ 
Breckenridge, etwas südlich von Fargo, ist ca. 350 
der 
lang und 100 Meilen im Mittel breit. Sein Hauptort in 
Meil®*’ 
Union ist die schnell aufblühende Stadt Fargo, 270 ivic 
von St. Paul, 242 Meilen von Duluth entfernt; auf canadisc c 
Gebiete aber die schöne und sich noch rascher entwicke 
Stadt Winnipeg, beide am Red River gelegen, der 
Fargo ab schiffbar ist. Mit seinen Seitenthälern
        <pb n="632" />
        6i7 
fruchtbare Gegend circa 40 Millionen Acres anbau- 
lahigen Boden. 
^ ^ Dieser Boden ist thatsächlich ein Wunder von Fruchtbar 
en und für einige Generationen, also solange wie die Sache 
We^H angeht, unerschöpflich. Hiemit soll nicht gesagt 
r en^ dass ein Dalrymple in seiner rohen Weise darauf 
wird hindurch reiche Weizenernten machen werde. Das 
B , sicherlich nicht thun, weil bei der üblichen liederlichen 
rbeitung des Bodens derselbe bald mehr Unkraut als 
dünne Ackerkrume von drei bis fünf 
sao-e natürlich erschöpfen muss. Wenn ich unerschöpflich 
die n^^^ne ich, dass bei Ackerung von sechs Zoll Tiefe, 
soro-fM ^^^hn Zoll allmälig verbessert wird, bei 
^ gialtigem Eggen und Walzen der Boden, bei Fruchtwechsel 
durch^°^ Dingen bei Entwässerung durch Drainage, 
Um d Generationen nicht gedüngt zu werden braucht, 
dennoch reichliche Ernten zu geben. 
löslich ""c'cher Kalk und alkalische 
ist ^ ^ enthält, er ist fast überall steinfrei. Dieses Thal 
DrasT nicht brach, mit üppigem hohem 
Die r nahrhaften Blattpflanzen dicht bewachsen, 
selten dieser mehrtausendjährigen Vegetation sind nicht 
viele ^ Prairiefeuer, wie auch wir dergleichen 
auf j breit wüthen sahen, in Asche verwandelt oder 
rotte/"" verfault. Durch die Ueberbleibsel dieser ver- 
verbrannten Prairiegräser ist die Lehmschichte 
auch schwarz gefärbt. Stellenweise ist der Lehm 
gross kiesig oder sandig. Ueberall bietet er das Bild 
das St^ Züchtbarkeit. Es ist also ganz begreiflich, dass man 
ansam ^1" “^«zall verbrennt und den sich neben Viehställen 
^Çnn • etwas Lästiges behandelt. Die 
Bren» Manitoba machen Ziegel daraus, die sie als 
Material benützen. 
und Bäche ergiessen sich von beiden 
^'ßenes River. Jeder derselben hat wieder sein 
Wie de’ fruchtbares Thal, aber er hat auch noch, gerade 
Red River selbst, eine andere grosse Annehmlichkeit:
        <pb n="633" />
        6i8 
schönen Laubwald an seinen Ufern. Abgesehen von diesen 
bewaldeten Bachufern, ist die Prairie absolut eben, stein- und 
baumlos, also sehr leicht zu beackern. An den bewaldeten 
Flussufern setzen sich die Ansiedler mit Vorliebe an, da sie 
dort Schutz vor den kalten Winter winden und Brennholz finden. 
Diese Bäche sind sehr fischreich. Graf Széchényi konnte diese 
Landschaft nicht anders bezeichnen, als „das Banat, von wald' 
umsäumten Creeks durchschnitten“. Stellenweise ist die Prairie, 
nahe den Flüssen, nass und erfordert Drainage. Eisenbahnen 
werden in diesem Thaïe bald sehr eng verzweigt sein, und 
an allen Stationen sahen wir Getreide-Elevatoren, hier sogar 
eine neue Art derselben, die rund sind und wie ungeheuere 
hölzerne Gasometer aussehen. Die Elevatoren an den einzelnen 
Bahnen gehören je einer Actiengesellschaft oder einem Capi' 
talisten oder Getreidehändler, der mit der betreffenden Bahn- 
gesellschaft in Verbindung steht und ein factisches Monopol 
hat. Solche Monopole zwacken ja hierzulande überall am 
Farmer. Uebernehmen, Ausladen und lo Tage Lagern kostet 
per Bushel 2*72 bis 3 Cents in diesen Elevatoren, was augen 
scheinlich zu theuer ist. Meist kaufen die Besitzer der Eleva 
toren auch den Weizen. Neben ihnen tritt die Organisation 
der Müller in Minneapolis als Hauptkäufer auf. Sie verthm ^ 
den gekauften Weizen gleichmässig auf jeden laufenden Müh 
stein in Minneapolis. Eine grosse Mühlenfirma in Minneapo is 
besitzt eigene Elevatoren und kauft ihren Weizenbedarf selbst 
im Red River-Thale. Die so entstehende geringe Zahl àef 
Käufer arbeitet sich in die Hände, um den Preis niedrig 
halten. Nur grosse Weizenfabrikanten, wie Mr. Dalrymp ® 
exportiren direct nach Buffalo oder New-York. Denno 
cb 
waren die Preise im Herbste 1881 hohe. Fast aller Weizc 
des Red River-Thaies ist Nr. i. Dieser kostete am 17- 
tember 1881 in Fargo per Bushel 1*17 Dollars, Nr. 2 ^ t 
Dollars. In Chicago kostete Nr. 2 = 1*29 Dollars; to ^ 
Paul Nr. I =T 1.23 Dollars, Nr. 2 == 1-20 Dollars; in Ne 
York Nr. 2 = 1-38'/', Dollars. 
Das Land Im Red River-Thale ist wohl fast ganz 
von Speculanten aufgenommen und kostet ungebrochene Pf^‘
        <pb n="634" />
        Mindestens lo bis 15 Dollars per Acre, besonders guter oder 
^ ^ einer Station gelegener Boden mehr. Der Preis der 
^ndereien steigt von Monat zu Monat und werden 40 bis 
Farmen gezahlt, ohne dass die Bau- 
Mhkeiten einen grossen Werth repräsentirten. Allein selbst 
^ ollars ist nicht viel Geld für diesen ausgezeichneten Boden, 
. Banat, in Südrussland oder bei Magdeburg Seines- 
Seichen finden dürfte. Das Klima ist extrem, aber nicht un- 
fraglich. Der Winter dauert von November bis März und 
(j auch im Nordwestterritorium von Manitoba 
vn Winter oft draussen, allein wenn auch nicht zu 
ied sollte, so schadet dies seiner Entwickelung 
enfalls und bin ich der Ansicht, dass man für solide Stal- 
^^ngen sorgen sollte, die übrigens billig gebaut werden können. 
2 ist das Klima gesund und geben Brunnen in 
5 bis 40 Fuss Tiefe meist gutes Trinkwasser. Hie und da 
Sun Fieber, gerade wie in Ungarn. Ausser 
g ung und Winterfutter braucht man eine stärkere An- 
auf ^ südlicheren Staaten, weil die Farmarbeit sich 
^arzere Zeit zusammendrängt. In dem normalen Jahre 1880 
^^gann man die Aussaat am 27. März und hörte das Pflügen 
aus H^* ^°^Gmber auf Man säet, sowie der Frost ca. 4 Zoll 
^ Frde ist. Das Aufthauen des Bodens dauert im Nord- 
^i^ten Canadas, wo man ebenso verfahrt, bis in den Juni 
bau?" liefert der Weizenpflanze Feuchtigkeit. Natürlich 
So v*?^" Sommergetreide und fast nur Weizen und 
Hafer, als die Pferde zum Futter gebrauchen, obschon 
Flachs, Kartoffeln gut gedeihen. Bei den heutigen 
ist das Farmen noch sehr lohnend. Wir haben 
^^rmen bei Fargo besehen, auf denen nur Wei- 
and Hafer — zum Füttern der Pferde — gebaut wurde, 
^®lund^^ bekannte, äusserst liederliche Ackerbestellung 
Djç diesen Farmen wirthschaftet man in folgender Weise: 
Schäl 2 Zoll tief und 12 bis 14 Zoll breit abge- 
4 Zol] Jub, dann nach einigen Monaten 3 bis 
tief in derselben Richtung gepflügt. Im Frühjahre säet
        <pb n="635" />
        620 
man den Weizen ein und eggt ihn unter, ln der Erntezeit 
wird er von Selbstbindern geschnitten, auf dem Felde in 
Haufen von 12 Garben zum Trocknen gesetzt, dann in Schober 
oder Miethen gefahren und für den Winter darin eingedeckt. 
Im Winter drischt man ihn mittelst der Maschine. Grössere 
Wirthschaften sind so eingerichtet, dass der Drusch auf dem 
Felde unmittelbar nach dem Mähen erfolgt und man die Arbeit, 
das Getreide in Miethen zu setzen, erspart. Alsdann wird die 
Stoppel gebrochen und bleibt in rauher Furche bis zum Früh 
jahr liegen, wo dann Saat und Eineggen folgt. Natürlich wird 
die nur 3 bis 4 Zoll tief umgebrochene Stoppel sehr bald 
grün von Unkraut und der Boden trägt mehr Unkraut als 
Weizen, allein dennoch hat man 18 bis 25 Bushel vom Acre. 
Indess wird bessere Cultur schon hie und da gefunden, na 
mentlich auf den Farmen solcher Deutschen und Scandinavier, 
die mit etwas Vermögen hieher kamen. 
Wir haben die Dairymple-Farm nicht besucht, weil uns 
nur das Arrangiren der Maschinerie und das Ineinandergreifen 
derselben bei der Ernte interessirt haben würde, wie wir das 
im San Ferdinando-Thale bewunderten. Sonst hat der Dal- 
rymple’sche rohe Raubbau kein Interesse für uns. Ich selbst 
habe oft genug 20 und mehr Pflüge hintereinander auf einem 
norddeutschen Rittergute pflügen und einen berittenen 1*^' 
spector sie beaufsichtigen gesehen. Die Dairy mple sehe 
„Batterie von Pflügen“, welche die Zeitungsspalten unsicher 
macht, imponirt mir also nicht. Ich habe aber andere, ähnlid^ 
betriebene Wirthschaften besucht und ich bin zu der Ueber 
Zeugung gekommen, dass die liederliche Ackerbestellung nn 
öconomisch ist und sich die Productionskosten per Product 
einheit bei ihr höher stellen, als bei guter, solider Bestellung' 
tieferem Pflügen und Todteggen aller Unkräuter in der Saat 
furche. Dennoch lasse ich hier die Productionskosten jene*" 
Schleuderwirthschaft folgen. 
Auf der Dairy mple-Farm stellten sich die Productionskosten 
im Jahre 1879 hei seinem bekannten Grossbetriebe per Act® 
folgendermassen :
        <pb n="636" />
        021 
Auf Neuland: 
Umbrechen der rohen Prairie im Mai und Juni 18900 Do 
Zweites Pflügen der gebrochenen Prairie . . 1-2500 
Saatgut 1% Bushels 
Arbeit des Säens und Eineggens 
Mähen, Binden, und in Stiege stellen . 
Dreschen und Einfuhren in das Magazin 
Zufällige Ausgaben . 
lars. 
I 0000 
0-5370 
1.6170 
1-5700 
0,0410 
ars. 
Kosten einer Ernte von Neuland per Acre. 7 905 DÔÏÏ_._ 
in verwandeln sich die ersten beiden Posten 
erh3U : DoUars für Stoppelpflügen und 
Steue 5.925 Dollars als Unkosten per Acre. Die 
DalrJ Acre betragen, Ankaufspreis hat 
Hinb^"'^ ^ ^ Dollars per Acre gezahlt. Mit 
^ Unkosten für Reparaturen etc. kommt Dal- 
altem % Dollars bei Neuland und 6.55 Dollars bei 
Jahre Ertrage von ig»¡,o Bushels im 
Per Mtc = 3 fl. = 6.25 Fres, 
«c. Productionskosten per Bushel auf altem Lande. 
^it ungarischer Ingenieur, der gleichzeitig 
Minne ^ Studienreise in Amerika machte und den wir in 
* j trafen, hatte Herrn Dairymple in diesem Jahre 
und für dasselbe von ihm folgende Antworten erhalten • 
esammtfläche des Besitzes 75-000 Acre«. 
. 
der Ernte beschäftigte Männer 
Pferde oder Maulesel 
Selbstbindende Mähemaschinen 200 
^mpfdreschmaschinen 
Erdrusch per Tag in Waggons à 400 Bushels 
sten der Baulichkeiten und des gesammten 
ebenden und todten Inventares, Fundus in- 
‘tructus, per Acre der bestellten Fläche 
osten per Acre bestellter Fläche per Jahr, 
'"elusive 15 Percent Abnützung und Zinsen 
800 
700 Stück 
75 Waggons 
10 Dollars. 
hob 
„ . 8 Dollars, 
len p”” Land des Herrn Dalrymple selbst um den 
So Würd^^'^ Dollars per Acre gekauft worden wäre, 
tHache ^ci 6 Percent Jahreszinsen, 3 Dollars per Acre 
Acre l"’ Productionskosten also auf 11 Dollars für den 
-andes und auf 56 Cents per Bushel steigern. Er hat
        <pb n="637" />
        022 
aber dort noch nie unter 75 bis 80 Cents per Bushel gekostet. 
Es bleibt mithin der Ackerbau dort noch ein sehr gutes Ge 
schäft, selbst wenn man den Boden nicht umsonst hat. Wenn 
man aber den Boden zwei Mal pflügen und ein paar Mal 
eggen, ihn 6 Zoll tief lockern und von Unkraut vollkommen 
befreien würde, so sollte er wohl 30 bis 35 Bushels per Acre 
bringen, wenn nicht Dürre oder Heuschrecken die Pflanzen 
zerstören. Wenn man das einmalige tiefere Pflügen so theuer 
rechnet, als das Brechen der Prairie, 1-89 Dollars, dazu noch 
einmal Eggen zu 0 5 Dollars, so machte das noch nicht 2 '/z Dol 
lars per Acre mehr, also etwa rund 10'/a Dollars, wozu 3 Dollars 
Grundrente, Summa 13V2 Dollars, welche 30 bis 35 Bushels 
produciren dürften, macht 45 bis 38 Cents per Bushel. Herr 
Dalrymple rechnet seit Jahren im grossen Durchschnitte 
35 Cents = 3 12 fl. per Mtc. Productionskosten exclusive 
Grundrente. Es würde sich auch hier zeigen, dass die sorg^ 
fähige Cultur sich besser auszahlt als die liederliche. Auc 
gehen die fremden Einwanderer bald zu einer besseren Boden 
bestellung über. 
Im Dalrymple’sehen Anschläge sind Wohnung und Bekösti 
gung per Mann und Tag mit 31.5 Cts. — 1.57 Fres. = 75V2 Kren^ 
zer, Stallung und Futter für zwei Pferde mit 45.64 Cents berechne 
worden. Wenn man Getreide durch aufgenommene Fuhr wer ^ 
zur Bahn führen lässt, so zahlt man für die erste Meile 2 Cents 
für jede folgende etwa einen Cent mehr, doch für 7 Meile^ 
nur 5 Cents per Bushel. Lohn der Arbeiter per Monat »s 
12 bis 20 Dollars im Winter, 25 bis 30 Dollars im Sommer 
in der Erntezeit mehr, 2 bis 2'/: Dollars per Tag, und ste^ 
Wohnung und Kost dazu. Man pflügt mit den Sulky-PW ’ 
auf dem der Mann sitzt, und der eine flache Furche von 
bis 16 Zoll Breite zieht, oder mit dem Gangpfluge, auf ^e^^ 
der Treiber auch sitzt, der aber zwei Furchen von je 13 
zieht. Die Arbeit des letzteren schien mir die bessere zu 
Ich glaubte, man sollte 6 Zoll tief ackern und die Krume ^ 
oft eggen, als sie grün wird, wozu sich vielleicht der Acm^ 
Cultivator eignen möchte, den wir in Californien arbei^^ 
sahen. Diese Pflüge haben keinen messerartigen Coltor, s
        <pb n="638" />
        623 
^ern ein scharfes Stahlrad, das den Boden leichter schneidet, 
solcher Pflug macht 17 bis 20 Meilen per Tag. 
Der Header wird hier nicht zum Mähen angewendet, da 
den Weizen nicht todtreif auf dem Halme werden lässt, 
ndern der „Selbstbinder“ kommt zur Anwendung. Diese 
chine ist zu seltener Vollkommenheit gebracht worden, 
von Mac Cormick soll die beste sein. " Man hat sie mit 
y von vier, sechs und acht Fuss Breite. Erstere werden 
1^" ^Gtztere von vier Pferden gezogen; erstere sollen 12, 
schneiden. Man rechnet, dass drei 
V stbinder von vier Fuss Messerweite für eine Quadratmeile 
; q Acres unter Weizen ausreichen. Dalrymple treibt je 
¿Selbstbinder um eine Viertelsection Weizen von 160 Acres. 
Selbstbinder sitzt der Treiber und jedem folgen 
‘ Mann, welche die Garben in Stiege setzen, 
und "mm 'andwirthschaftlichen Ausstellung in Winnipeg 
des p sahen wir eine neue Maschine zum Binden 
etwa das von einer gewöhnlichen Mähemaschine, 
ben bekannten Samuelson’schen, geschnitten und in Gar- 
worden ist. Diese Bindemaschine kann 
^Uch ^ auf die selbstabharkende Mähemaschine folgen oder 
ßetrn binden, nachdem die Halme etwas 
band^ Getreide braucht also nicht nass in den 
ist. r kommen, was bei regnerischem Wetter von Vortheil 
Und H beide Maschinen, die „Flügelmähmaschine“ 
also rL ''"^^"'^tische Binder, zusammen leichter, jede einzelne 
auch ^Gichter als eine selbstbindende Mähemaschine, 
igoo Letztere wog, von Mac Cormick gefertigt. 
Wog kostete 300 Dollars; eine Flügelmähemaschine 
der kostete 150 Dollars; der automatische Bin- 
Bodenlf kostete 125 Dollars. Bei weichem 
Wabp (ÜG beiden combinirten Maschinen brauchen. 
Selbst. ®&lt;^bwere Selbstbinder zu tief einsinkt. Allein der 
^omb* erfordert nur einen Mann und drei Pferde, die 
^nirte Maschine zwei Mann und vier Pferde. 
Lampfdreschmaschine -wird von einer Locomotive 
' die mit Stroh geheizt wird. Sie drischt ca. 1200 Bushels
        <pb n="639" />
        624 
täglich und sackt das Getreide automatisch in Säcke a 
2 Bushels oder 120 lbs., oder sie schüttet es in Wagen, die je 
100 Bushels halten und von denen es in die Eisenbahnwaggons 
geladen wird. 
Auch kleinere Farmer leihen sich oft eine Dampfdresch' 
maschine. Sie zahlen 5 Cents per Bushel Weizen und 3 Cents 
per Bushel Hafer, müssen aber noch einige Leute stellen, so 
dass sich die Unkosten des Drusches per Bushel Weizen auf 
8 Cents = 71 Kreuzer per Mtc. stellen. Dies ist entschieden 
zu theuer und würde es sich ganz gut lohnen, wenn die 
sitzer kleiner Farmen die Wintertage, an denen sie doch nichts 
zu thun haben, zum Drusch des Weizens mit dem Flegel oder 
mit einer Pferdedreschmaschine benützten. Letzteres kommt 
wohl vor, ersteres nie mehr, wie denn hiesige Farmer auch 
meist die theuere Pferdearbeit der billigeren Ochsenarbeit ver 
ziehen. Die Leute leben hier einmal entschieden bequem 
und, was Kost anbelangt, besser als in Europa, und die sich 
hier ansiedelnden Europäer lernen diese Bequemlichkeit bal 
auch. Die geborenen amerikanischen Arbeiter und Farmer 
leben geradezu verschwenderisch, sie depensiren für ihreu 
Tisch — ohne dass er dafür gut wäre, weil die Zubereitung 
meist schlecht ist — für Pferde, Buggies oder Luxus - Feder 
wagen, Maschinerien, die sie oft nicht gehörig ausnützeu 
oder nicht einmal im Winter unter Dach haben, zu vje- 
Deshalb rechnen sie z. B., dass die Reparatur solcher Acker 
baumaschinen, wie der Selbstbinder, im ersten Jahre 5 
cent, im zweiten bis zum fünften Jahre je 25 Percent, 
sechsten Jahre 50 Percent des ersten Preises kostet und ma^ 
am besten thut, eine fünf Jahre alte Maschine fortzuwere^ 
und durch eine neue zu ersetzen. Die Mennoniten 
mit ihren Maschinen sorgsamer um und dauern sie bei ih^ 
viel länger. Man kann sagen, dass eine schwedische, daoj^ 
sehe, norwegische oder mennonitisch - deutsche Familie 
Kopf nicht halb so viel solcher Dinge, die der 
kaufen muss, consumirt, als eine amerikanische 
familie, aber doppelt so viel, jahrein, jahraus, arbeitet 
diese. Ein paar schlechte Ernten ruiniren daher oft die ame
        <pb n="640" />
        625 
40 
Farmer, nicht aber die ebengenannten eingewan- 
ganz allmälig auskaufen. 
kanH Frage aufwirft, ob die amerikanische 
möglichst umfangreichen An- 
euro Maschinerie beruht, sich besser rentire als die 
räth welche mehr Menschenkraft anwendet, so ver- 
gPQ dadurch schon eine fundamentale Unkenntniss des 
Unterschiedes zwischen amerikanischer und euro- 
ner Landwirthschaft. 
VorcreK ^Git eine Differenzirung der Stände her- 
Resultat ist, dass „drei Profite von Land 
Den 'werden“, wie Lord Beaconsfield so richtig sagte, 
der grössten Profit nimmt der Grundbesitzer oder 
Von die Grundrente, ohne dass einer 
den welche Arbeit auf dem Grunde leistete; 
Profit nimmt der Unternehmer oder Pächter, 
den alandwirthschaftlichen Unternehmergewinn; 
^ohn kleinsten Profit nimmt der Landarbeiter, den 
fallen -^/^\^Glten, dass die ersten beiden Classen zusammen- 
stets ' seltener, dass alle drei es thun, und letzteres 
Trenn"“*^ kleinbäuerlichem Besitze. Die Regel ist die 
yng der drei Classen. 
Und dt"" zahlreiche, sich anbietende Arbeiter 
in Pri ^Gr Lebensmittelproduction auf beschränktem, 
übergegangenen Boden haben diese drei Classen 
fiir çj. p Sendern sich diese Verhältnisse, so müssen die 
^UierilT . entbehrlichsten Personen wegfallen. Die 
i-eben lässt nun, im niedrigen Preise der 
Marge mehr für die erste Classe, 
I V” noch fast gar nicht besteht. 
Eichen p werden noch vier Fünftel der landwirthschaft- 
^^asse nuf Grund und Boden erzeugt, der nur eine 
^•‘andh^^- üat: den schuldenfreien, selbst arbeitenden, 
^ esitzenden Landwirth oder Farmer. 
Farmen in der Union betrug 18804.008.907. 
Pacht 2.984.306 von ihren Eigenthümern, 322.357 von 
702.244 von Métayers bewirthschaftet.
        <pb n="641" />
        626 
Die Métayers hatten in Naturalpacht 876 Farmen unter 
3 Acres gross, die Pächter 875, die Eigenthümer bestellten 
solche 2.601; von 3—10 Acres, Métayers 26.529, Pächter 
22.904, Eigenthümer 85.456; von 10— 20 Acres Métayers 
90.816, Pächter 41.522, Eigenthümer 122.411; von 20—50 Acres 
Métayers 223.589, Pächter 97.399, Eigenthümer 460.486; von 
50—100 Acres Métayers 158.725, Pächter 69.663, Eigenthümer 
804.522; von 100—500 Acres Métayers 194.720, Pächter 
84.645, Eigenthümer 1.416.618; von 500—1000 Acres Métayers 
5.569, Pächter 3.956, Eigenthümer 66.447; über 1000 Acr^ 
gross Métayers 1.420, Pächter 1.393, Eigenthümer 25.755- ^ 
Bäuerliche Besitzungen von 20—500 Acres wurden also vo 
Métayers 575.034, von Pächtern 251.607, von Eigenthün^rn 
aber 2.680.626 bewirthschaftet. Noch günstiger stellt sich die^ 
Verhältniss in den Weizenstaaten. Es ^ gab Farmen ‘ 
Grösse von: 
Staat 
von Eigenthümern 
bewirthschaftet 
P 
von Métayers 
bewirthschaftet 
2&lt; 
0 &lt; 
von Pächtern 
bewirthschaftG* 
2) $ 
2 &lt; 
- ï 
Montana 
Dakota 
Minnesota 
Wisconsin 
Nebraska 
Jowa 
Kansas 
Kentucky 
Missouri 
Illinois 
Indiana 
Ohio 
Michigan 
57 
172 
7.201 
20.911 
2.003 
16.211 
6.184 
17.735 
24.688 
27.389 
30.772 
40.192 
41.268 
61 
485 
23.088 
40.921 
12.731 
42.150 
24 947 
32540 
42.800 
49.499 
48.703 
62.847 
50.365 
234.801 
431.136 
1.187 
15.706 
51.556 
54.476 
35.820^ 
76.337 
81.838 
60.555 
•80.981 
87.850 
58.485 
744971 
40.104I 
5 
32 
599 
1.127 
1.052 
5.994 
2.699 
8.399 
13.389 
15.307 
10.441 
16.37 
2.244 
61 
2.084 
2.678 
3.225 
13.472 
4.924 
4.290 
9.902 
20.155 
12.657 
11.140 
3.743 
53 
488 
4.267 
4.322 
4.867 
15.220 
9.827 
4.315 
10.191 
20.383 
11.1631 
13.110 
4 
203 
680 
246 
1.283 
656 
4.539 
5.659 
3.898 
2.190 
3036 
1.499 
719.385II67.425 
88.332 
8.3'^ 
2.455 
S.o3» 
i.2ii 
1 02.206II23.895130.448 
1385.322 i.prba^' 
In diesen Staaten, mit denen die europäischen Acke 
Staaten zu concurriren haben, giebt es also 1.385.322 
ständig wirthschaftende Bauern, dagegen nur 90.985 
Pächter und 257.963 Métayers, also 348.948 Pächter jm
        <pb n="642" />
        627 
40* 
^ ^ Bauernhöfe sind ver- 
ab Allgemeinen ist der amerikanische Farmer wohlhabend, 
ar er er hat keine Knechte oder Dienstboten. Er muss selbst 
^eit, in welcher er der meisten Arbeit be- 
er • Lohnarbeiter miethen kann. Deshalb bezahlt 
^ jede Maschine theuer, welche ihm die Last der 
erleichtert. Er könnte 
spare ^ürde, sage 5 Dollars per Tag 
masnu ’ ^ wenn er eine selbstbindende Mäh- 
ab Jhme kauft, die er nach drei bis fünf Jahren wegwirft, 
das wurde ihn persönliche Mühe kosten, die zu ver- 
Lancb/ Y ^ ^&lt;^llars zahlt. In Europa miethet der 
2 Arbeiter, die ihm dieselbe Arbeit vielleicht fur 
deba und es ist klar, dass er unökonomisch han- 
1hm ZZ ' eine Maschine ersetzte. Bei 
nie J T Rechnungssache, da seine persönliche Mühe 
tive P ‘ B^im Amerikaner steht die reía- 
erster Kostspieligkeit in zweiter Linie. In 
leisten (lass jene Arbeit, die er persönlich 
Daher bequem gemacht werde wie möglich, 
dene die Sense und die Walze, auf 
sehen" reitet! Ich habe solche Instrumente ge- 
sogar’ bequemen, federnden Sitz und darüber 
fragen die Sonnenstrahlen und den Regen 
Farm' herrlichen Stuhle sitzt der Gentleman- 
pf|(¡g. citer, raucht seine Cigarre, liest seine Zeitung und 
'"Crsch* H "^äht zugleich! Andere Maschinen combiniren 
Operationen. So hat man eine Säemaschine, 
Schkß ^ Kgg® zum Eineggen der Saat hinter sich her 
ein der Maschine sitzt der Treiber. Bei uns geht 
Iller "n der Säemaschine, ein anderer hinter der Egge, 
aicht einen Mann verwenden, und der eine will 
l^mirt sondern bequem sitzen. Daher diese theure com- 
Maschine! 
WirtkgT 1®^* glaube ich, die amerikanische Maschinen-Land- 
aft zu verstehen. Sollte bei uns, was mir wahrschein-
        <pb n="643" />
        628 
lieh scheint, der- niedrige Preis die drei Classen, welche vom 
Lande leben, beim kleinen und Mittelbesitz — soweit er nie t 
durch Latifundien absorbirt wird, wieder in eine zusammen 
schrumpfen lassen, so wird der Grundbesitzer, der nunme r 
selbst pflügen muss, wohl auch den Pflug mit dem Federlehn- 
Stuhle und dem Sonnenschirme darauf kaufen, aber niemals so 
lange er einen Knecht für 50 kr. per Tag miethen kann, 
zehn Stunden hinter dem Pfluge herläuft. So wie die Aus 
wanderung etwas stärker wird und sich ein regerer Verken 
zwischen den Ausgewanderten und ihren zurückgebliebenen 
Verwandten entwickelt haben wird, werden letztere auch höhere 
Löhne und bessere Behandlung, vielleicht sogar den Sitzpflug, 
verlangen. Dies wird in Ländern, wohin die bereicherte 
Ausgewanderten zurückkehren, wie es in Ungarn geschie 
nicht nur bald diese, sondern auch politische Folgen habem 
die an jene erinnern, welche der Aufenthalt von Lafayette un 
seiner Gefährten in der Union hatte. 
Ich will etwas deutlicher werden; 
In Europa und in der Industrie auch Amerika’s fasst man 
Maschine stets nur auf als eine Arbeit sparende, sie billig ^ 
machende. In der amerikanischen Landwirthschaft fasst ma 
sie in erster Linie als eine Arbeit erleichternde auf. 
Europa ist es der Gewinn des Unternehmers, der sie erzeug^ 
und verbreitet. In der amerikanischen Landwirthschaft ist^_^ 
die bequemere Arbeit, welche sie gestattet. Dort ist es 
Rücksicht auf das im Unternehmen investirte Capital, 
den Arbeiter. Der Traum des Aristoteles, dass die Maschi^_^ 
das sich selbst bewegende Weberschifflein, dem Weber 
Arbeit erleichtern solle, ist in der amerikanischen Maschm^^^^ 
landwirthschaft annähernd Wahrheit geworden und wenn s 
dies auch in Europa verbreitet, so wird die Maschine 
hier ein Segen für die Arbeiter werden, während sie bis 
meist ein Fluch für sie ist. Darum haben niemals amenkani^_^ 
Landarbeiter landwirthschaftliche Maschinenzers tört, 
arbeiter oft solche Maschinen, die sie ausser Brod setz 
Der Reitpflug versöhnt den Arbeiter mit den Fortschr 
der Mechanik, der mechanische Webstuhl thut das nie t,
        <pb n="644" />
        629 
^nterjocht den Arbeiter und macht ihn zum Stück an sich selbst. 
raubt ihm alle Individualität, die an der Industriemaschine 
^attfmdende Theilung der Arbeit lässt dem Arbeiter kein 
an dem er seine Freude hätte, mehr schaffen. 
Die amerikanische Maschinenlandwirthschaft ist sehr pro- 
uctiv, aber sie ist auch menschlisch. Sie schont die Kraft 
es Arbeiters, gewährt ihm bei der Arbeit Musse. Sie rein 
apitalistisch, nur vom Standpunkt des Reingewinnes“ auffassen, 
'^erräth den rohen, europäischen, unmenschlichen Standtpunkt, 
dem wir uns leider meist schon befinden. 
Doch zurück zu unseren Wirthschaften am Red River, 
fü Pferde wird genügender Hafer gebaut und Heu 
sie auf der Prairie geschnitten. Im Winter vermiethen 
Farmer sie an die Holzfäller im Hügellande von Minne- 
ta, doch ruinirt sie dies oft mehr als es trägt. Die Arbeiter 
sil bekanntlich im Winter auch in die Holzfalldistrikte, wo 
stä ^Gld verdienen. So können sie sich leicht selbst- 
ig machen, wenn sie den Verdienst nicht fur Schnaps und 
^PtGl verbrauchen. 
fuhren am 19. September 1881 zu einem Menno- 
August 1875, etwa sechs Meilen von Fargo, 
hat bewaldeten Creek oder Baches niedergelassen 
erklärte, dass sein jetziger Boden besser sei als 
Sei^H Gouvernement Ekatharinoslaw besessen. Er 
Dn sandiger und nicht so schwarz gewesen als hier, 
lar^*^ Dastfreund besass 385 Acres -- 270 Joch = 154 Hek- 
577 preussische Morgen, fur die er damals 5000 Dol- 
— 35 Mark per Morgen, 162' 3 Fres, per Hectar 
f. ^5’ 2 fl. per Joch; 46 Acres waren damals bestellt, die 
^^ksiten waren unbrauchbar, Fundus instructus fehlte, 
er ein sehr geräumiges Wohnhaus aus Ziegelsteinen 
Sch Blockställe für sein Vieh erbaut, sowie auch Holz- 
für Ackerbaugeräthe und einen Getreidespeicher. 
4 S ° Pferde, 4 Kühe, 9 alte und 14 junge Schweine, 
Gine grosse Anzahl Hühner und Gänse, 2 Gang- 
hatt^^ Stühlen darauf, die zusammen 130 Dollars gekostet 
einen Pflug, hinter dem der Treiber geht, für 18 Dol-
        <pb n="645" />
        630 
it-; 
lars, 2 eiserne Eggen für 29 Dollars zusammen, 2 Säemaschinen 
(breitwürfige), à 55 Dollars, 2 Selbstbinder, à 320 Dollars. 
Seine Steuer betrug im Jahre 1880 69 Dollars - 2.24 Fres, 
per Hectar oder 61 Kreuzer per Joch oder 0.48 Mark 
per Morgen. Seine Familie bestand aus seinem Grossvater, 
der, obschon 83 Jahre alt, Holz hackte, während wir dort 
zum Besuch waren und in der letzten Ernte Garben vom 
Felde auf den Wagen stackte, seiner vollkommen rüstigen 
Mutter, seiner Frau und zwei kleinen Kindern, einem erwachsenen 
Bruder, einer erwachsenen Schwester und einem Knechte. 
Letzterer ist auch Mennonit und erhält 20 Dollars Lohn pef 
Monat jahrein jahraus und natürlich Kost, Wohnung un 
Wäsche. Diese Personen verrichten alle Arbeit auf der Farm- 
Da sie die Wolle ihrer Schafe selbst verspinnen und davon 
stricken und weben, da sie Schweine und anderes ^ 
schlachten und für Fleisch keine Ausgaben haben, alle Arten 
der hier gedeihenden Gemüse selbst bauen, der Fluss ihnen 
Fische liefert, geben sie per Jahr, wie mir Eingeweihte sagten, 
keine 200 Dollars für Familienbedürfnisse wie: Kaffee, Zucker, 
Kleidung aus. Dies erscheint mir um so wahrscheinlicher, a s 
sie fast Alles selbst machen, was sie gebrauchen, die Stühe, 
Tische, Bettgestelle und sogar die Eggen, zu denen sie nut 
das Eisen kaufen. Die Ausgaben würden also sein: Knec 
lohn 240 Dollars, Steuer 69 Dollars, Kaufmannsrechnun^ 
200 Dollars. Dann kostet die Erneuerung der landwirthscha 
liehen Maschinerie und Baulichkeiten auch noch etwas, a s 
sagen wir rund jährlich 600 Dollars. 
Der Viehstand kostet nichts, sondern er bringt noch otv'^ 
ein, weil Pferde, Rindvieh und Schweine selbst gezogen 
den und davon noch gelegentlich eine abgemolkene Kuh, 
altes Pferd, stets eine Anzahl fetter Schweine zum Verkau^ 
übrig bleiben. Hühner, Enten und Gänse, die auf 
Bache leben und auf dem Hofe, im Dünger sich ^ 
suchen, liefern hier sehr theure Eier, die Kühe Butter 
Verkauf. Man kauft „Futtermehl,“ aus Mais, Gerste ^ 
anderen Körnern gemischt, das im September zu a 
1.40 Dollars per 100 Ibs. kostete, also sehr theuer war.
        <pb n="646" />
        631 
, ^ kostete die Tonne (2000 Ibs.) Kleie 14—1472 Dollars. 
der Regel sind diese Futterstoffe viel billiger als in diesem 
Janre, in welchem die Mittel- und südlichen Mais- und Ge- 
jeidestaaten so sehr von Dürre gelitten haben. Die Vieh- 
^ ^ t kostet deshalb den Mennoniten weniger als sie Ameri 
kanern kosten würde, weil sie nicht nur, wie diese auch, ihr 
WeA Sommer auf noch nicht umgebrochenem Prairieboden 
auf anderem solchem Boden mit ungemein ge- 
^i^gen Unkosten Heu für den Winter schneiden, sondern weil 
ß ^ ^ Abfalle im Haushalte als Futter verwerthen und im 
^ rten noch erheblich Wurzelgewächse für Futterzwecke an- 
aen; namentlich dient der Kartoffelabfall hiezu. 
Seih ^‘ebzucht liefert keinen benutzbaren Dung, da der- 
gut ^ auf d^ Feld gefahren wird. Auf minder 
Wisconsin, Minnesota und in Manitoba habe 
eine ^^^ben. Aber sie liefert dem Mennoniten schon 
im Winter schlägt er Holz auf seinem 
hoh ^ Fiasse und führt es nach der Stadt, wo er es um 
n^J^ verkauft. Meine Ansicht ist, dass die Ein- 
men aus Vieh und Holz seine Ausgaben decken. 
18 1881 hatte er 140 Acres unter Weizen, der 
Per R Bushels tragen dürfte. Es sind ihm 120 Dollars 
Verk geboten. Sagen wir, er kann 18 Bushels per Acre 
nach Abrechnung der Unkosten beim 
'^achTr führen, i-io Dollars per Bushel, so 
Her h (9 80 Dollars per Acre, Summa 2772 Dollars. Fer- 
liefertAcres unter Gerste, die 35 Bushels per Acre 
^So Cents werth ist, macht 455 Bushels, wovon er 
34 ^'"^‘■baufen kann; macht, zu 75 Cents Netto, 187 Dollars. 
Ühj-j unter Hafer, wovon zum Verkaufe auch noch etwas 
t^n^F ^^*bt, ^ass bei den theueren Preisen dieses schlech- 
Vofj ^^^G¡ahres eine Geldeinnahme aus Getreide im Betrage 
^ 3000 Dollars herausschaut. Ausser jenem mit Wei- 
Jahre und Hafer bestellten Acker hatte er in diesem 
í)iç ^ Acre mit Kartoffeln und 4 Acres unter Roggen. 
182 ^unoniten essen Roggen- und Weizenbrod. So waren 
eres unter dem Pfluge, also noch über 200 Acres in 
li
        <pb n="647" />
        632 
Weide und ein Theil davon in Wald, etwa 10 Acres, sowie 
ein paar Acres Hofstelle und Gemüsegarten. Im vorigen 
Jahre hatte der Mann 3000 Bushels Weizen zu Preisen von 
75, 78, 85 und das Meiste von 95 Cents verkauft, 250 Bushels 
Gerste zu 80 Cents und 300 Bushels Hafer zu 55 Cents den 
Bushel, woraus er eine Baareinnahme von ca. 2700 his 
2800 Dollars gehabt haben dürfte. Er ackert alle Jahre etwas 
mehr Prairie um und vergrössert auch seinen Viehstand. 
glaube, dass er jährlich zwischen 2000 und 2500 Dollars er 
spart. Auch gab er diese Ersparniss zu. Er habe Geld au 
Hypothek in Fargo und erhalte 10 Percent im Jahre. Anderer 
seits habe er ärmeren „Brüdern“ auch welches geliehen un 
erhalte keine Zinsen von ihnen. Freilich kam dieser Mann 
mit ausreichendem Vermögen her und dürfte im Ganzen 
7000 Dollars in seine Wirthschaft gesteckt haben. Was trag 
dessen Capital nun? Das ist schwer zu sagen. Rechnen wi^ 
dass sein Grossvater und seine Mutter, seine Schwester un 
seine Frau, die zum Theile für die Kinder arbeiten müsse*’ 
und doch keine vollen Arbeitskräfte stellen, zwei volle Mannes 
arbeitskräfte repräsentiren, er, sein Bruder und der Knec 
auch je einen, so haben wir fünf Arbeiter und 7000 Dol nt 
Capital. Die Arbeiter würden je zu 240 Dollars Lohn ^e 
rechtigt sein, macht 1200 Dollars. Der Lohn des Knec t 
war schon früher als verausgabt angerechnet und ein Ertt 
von 2000 bis 2500 Dollars ermittelt worden, wovon 
960 Dollars Lohn für vier Mann abgehen, so dass tu*^^ 
1000 bis 1500 Dollars als Verzinsung für 7000 Dollars 
= 14 bis 21 Percent per Jahr, übrig bleiben. Hierzu kont 
aber noch die Werth Vermehrung des Bodens! 
Das Gut hatte vor sechs Jahren 5000 Dollars — U 
lars iür jeden der 385 Acres, gekostet; dazu waren 
pol' 
etW^ 
^ ^ . - - jfca 
2000 Dollars investirt worden, so dass der Acre aui 
18 Dollars kam. In diesem Jahre waren 40 Dollars per 
also rund 15.000 Dollars, geboten worden. Ein 
nischer Farmer, der uns begleitete und auf die seiner ^ 
nach miserable Art des Mennoniten, zu farmen, mit M» 
herabsah, frug, warum er nicht verkauft habe. Die
        <pb n="648" />
        633 
^ G es nicht gewünscht. Der Amerikaner, welcher solche 
^ entimentalität nicht begreift, frug rasch: „Würdet Ihr 50 Dol 
ors nehmen?“ Der Mennonit wich einer weiteren, ihm augen- 
einlich peinlichen Frage mit einem: „Ich weiss es nicht“ 
aus. Diese Leute schachern nicht mit dem Lande. Ich bin 
^.erzeugt, dass ich ihn nach zehn Jahren dort noch finden 
y dürfte er allen cultivirbaren Boden dann bestellt 
^ diesen oder jenen Nachbar ausgekauft haben. 
g möchte noch auf die ungemein geringe Besteuerung 
merksam machen. In der „N. Fr. Presse“ fand ich einen 
in*^^* . ^ über die amerikanische Concurrent, welcher mit der 
^ lesem Blatte herkömmlichen arroganten completen Un- 
tik geschrieben ist und die Höhe der Steuern in Arne- 
y ^ beklagt, welche oft einige Percent vom Werthe des Real- 
^esitzes betrage. Letzteres ist richtig; allein bei der Steuer- 
Einschätzung wird oft ein Pferd und ein Ochse auf 10 Dollars, 
50 I^änd auf 50 Cents taxirt, deren Verkaufswerth 20 bis 
Mal so hoch ist. Unser Mennonit zahlte 69 Dollars Steuer 
Don "^besitze, den er zu 385 X 4» Dollars 15.400 
'erkaufen konnte und der ihm mindestens 2000 Dol- 
jährlich bringt; das macht 3.45 Percent vom Ein- 
pe^T^" Percent vom Vermögen, oder 25' 2 Cents 
^ 61 kr. ö. W. Steuern vom Joch Acker. Ich be- 
Schaft’ aDe directen Steuern, für Gemeinde, Graf- 
^Ggebau, Schulen etc. waren. Hiezu kommt 
^es ' ^^^b in allen europäischen Staaten, die indirecte 
rç,j ^^y^rung durch Zölle auf Kaffee, Spirituosen und Waa- 
aber den amerikanischen Farmer keineswegs höher 
als den österreichischen Bauer. 
^^ber diese tüchtigsten mennonitischen Bauern und die 
Wçjj- ebenso tüchtigen Scandinavier, die allerdings meist mit 
^ass Kapital anfangen, klagten die Amerikaner in Fargo, 
siren beider erst in der dritten Generation amerikani- 
^^bn allem „Fortschritte“ abhold seien! Sie sind 
bönn bessere Landwirthe als die Amerikaner es je werden 
und werden sich ohne Zweifel des ganzen fruchtbaren
        <pb n="649" />
        634 
ssjwswíiii.,. I ã mmrWÑWM 
Westens von Amerika in den nächsten zwei bis drei Gene 
rationen durch Ankauf bemächtigen. 
Wir haben auf unserer lehrreichen Reise vornehmlich 
deutsche, böhmische und scandinavische Ansiedelungen besucht, 
weil wir dort lernten, was man mit Fleiss und der durch 
schnittlichen Ackerb au - Erfahrung deutscher Bauern 
aus dem amerikanischen Boden machen kann, und wu" 
haben auch im Nordwestterritorium von Canada die Mennoniten 
besucht. Diese letztere Religionsgemeinschaft liefert in jeder 
Beziehung ein unerreichbares Modell einer soliden Bauern 
wirthschaft. Die Erfahrungen dieser Ansiedler sind nun 
sowohl in Texas, wie in Kansas, in Jowa und Dakota aus 
gezeichnete gewesen und haben uns die Ueberzeugung hei 
gebracht, dass ein deutscher Bauer hier überall sein 
Fortkommen leider viel besser finden kann, als in 
Deutschland selbst. Muss er als Arbeiter anfangen, so kann 
er doch in fünf bis sechs Jahren sich so viel ersparen, 
den Ackerbau im Kleinen auf eigenem Lande beginnen zH 
können. Bringt er Capital mit, so wird es ihm leichter werden, 
sich behaglich einzurichten und zu Wohlstand zu gelangen- 
Zu Wohlstand und nicht zu Reichthum, wie manche Amefi' 
kaner, denn die Eingewanderten speculiren meist nich^ 
wie die Amerikaner und haben viele Kinder, so dass sich das 
Vermögen sehr theilt; auch leben sie, nachdem sie hier einig^ 
Jahre gewohnt haben, sehr viel besser als drüben. Der Tisc 
ist eben weit reichlicher. Es ist auch nicht wahr, dass sic 
härter arbeiten als in Deutschland. Sie arbeiten nicht so rast 
los von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und nicht Tag 
für Tag, als der Taglöhner und Knecht auf dem grössere^ 
Gute oder auf dem Bauernhöfe in Deutschland. Sie sitz^ 
meist auf dem Pfluge und dem Cultivator, sogar auf der Säe 
maschine und stets auf der Mähemaschine. In der Ernte 
lieh, wenn es eilt, arbeiten sie sehr intensiv. Aber im 
schonen sie sich sogar meist mehr als nothwendig ist. Hoc 
erfreulich ist es, die Lebensfröhlichkeit, die Heiterk^^ 
und den Stolz dieser Bauern zu sehen, welche dem 
entflohen sind und jetzt so recht ihr Gedeihen fühlen ^
        <pb n="650" />
        ^35 
^psen froh werden. Man kann da alle die guten Bauern- 
wieder finden, welche wir in Europa — 
erst kennen. Der „bäuerlich-ehrbare Sinn“ ist nicht 
orben. Wir ruiniren ihn in Europa und hier, in Amerika, 
"'^^cht er zu neuem Leben. 
Pä* Landwirthschaft in Grossbetrieb, aber mit euro- 
^‘■ Solidität, würde sich zweifellos im Red River-Thale 
^üsz , Dalrymple'sche Schleuderwirthschaft 
iloch \ europäisch geschulter Grossgrundbesitzer würde 
das_ ‘ Unkraut als Weizen bauen! Es ist unrationell, 
abfüh (iGr Herbstzeit seinen Weizen drischt und 
Um Ueute knapp, also theuer sind. Die 
Zug, genannten beiden Operationen benützten 
würden weit rationeUer zum tieferen Pflügen, zum 
UnL" Uultiviren des Bodens und Reinigen desselben von 
aut benutzt werden. Im Winter würden billige Arbeits- 
Dreschen und Port führen des Getreides 
Wei/ ^^^k&gt;rigens werden die Productionskosten des 
EinJ"' ^^"Gn, weil die Löhne beim Zunehmen der 
^Grden Höhe bleiben 
hei Voll *^79 betrug der Jahreslohn durchschnittlich, 
^inne^ Beköstigung, in Dakota monatlich 16.57 Dollars, in 
hrasi^ Dollars, in Wiskonsin 13.82 Dollars, in Ne 
Uoii^ Dollars, in Jowa 13.90 Dollars, in Illinois 13.01 
hin Indiana 12.76 Dollars, er nimmt also nach Osten 
Wfiste’ dorthin mehr Einwanderung stattfindet, als nach 
Werde . niehr diese sich nach Westen zieht, desto niedriger 
Hoch Löhne werden. Sie waren im Jahre 1875 
I °Dollars in Dakota und 16 63 Dollars in Minnesota. 
sicherRiver-Thale wird auf lange eine 
Und gute Capitalsanlage bleiben. 
^upsirj Uartencultur ist in den südlichen Theilen von Wis- 
^^stan/""^ Minnesota noch bedeutend. Man sieht schöne 
Ulan n sogar Wein. In dem Red River-Thale trifft 
^^^I^ich^"^ wenige Aepfelbäume. Gemüse aber gedeihen 
' ebenso Futterrüben, Klee, Thimothe und Kartoffeln,
        <pb n="651" />
        636 
welche 2- bis 300 Bushels per Acre liefern und merkwürdig 
mehlig in Anbetracht des schweren Bodens sind. 
Da der Boden im Red River-Thale vielfach von Specu 
lantén aufgenommen ist, welche nicht die Absicht oder das 
Capital besitzen, um den Boden zu bebauen, aber doch einen 
Ertrag von ihm haben möchten, so hat sich eine eigenthüm* 
liehe Pachtwirthschaft herausgebildet. Der Grundbesitzer erbaut 
die nothwendigen, billigen Baulichkeiten und sucht sich einen 
Pächter, der eben nur Capital genug hat, um Pferde un 
Maschinerie zu kaufen und ein Jahr lang zu leben. Dieser 
bestellt nun den Boden in der bekannten Weise, d. h. ein* 
furchig, mit Weizen und giebt beim Drusch den dritten Th 
der Körner an den Grundbesitzer ab. Oft giebt letzterer auc 
noch Saat und einige Maschinen und erhält nun einen grösseren 
Ernte-Antheil. Dies sind die amerikanischen Métayer-Wirt r 
schäften. Sie sind überwiegend nur Uebergangsstadieii: Nac^ 
einigen Jahren kauft der wohlhabend gewordene Métayer de ^ 
bisher gepachteten oder einen anderen Bauernhof. Dies 
eine sehr rationelle Art für arme Landleute, Grundbesitz® 
zu werden. ¿ 
Auch bietet eine Actiengesellschaft, welche viel Da 
gekauft hat, dasselbe zum Verkaufe, nicht nur gegen Rat®^^ 
Zahlung, sondern ganz ohne Zahlung aus. Sie verlangt 
Kaufpreis nur den dritten Theil der ersten drei B^nt^®^ 
von dem zu kaufenden Lande! Andere Spekulanten bie 
Land aus für die erste ganze Ernte. Nicht wenige Far0^ 
aus östlichen Staaten, welche mit einigen Mitteln hieher 
gehen auf solche Geschäfte ein und gelangen in einig^ 
Jahren dadurch zu Eigenthum. Freilich ist die gf 
Stellung solcher unbemittelter Pächter oder Halbeigent n 
eine besonders schlechte. 
Auch lassen Speculanten, welche grosse Landstrec^^^ 
besitzen, solche von benachbarten armen Farmern in 
bestellen. Letztere verdienen sich durch solche Arbeiten 
selten den Lebensunterhalt ihrer Familien. Die Contractspf 
pflegen zu sein für
        <pb n="652" />
        637 
Brechen der Prairie per Acre . . Dollars 3 — 
Zweites Pflügen derselben per Acre „ 1-50 
Eggen vor der Saat per Acre 
Säen per Acre 
Eggen nach der Saat per Acre . 
—•50 
—'50 
—'50 
Summe 
Mähen und Binden per Acre 
Aufstellen in Mandeln per Acre 
Stacken in Miethen oder Diemen per Acre 
Dollars 6'— 
. Dollars i 30 
—’40 
—■50 
Summe . Dollars 2 40 
Wern " Grundeigenthümer noch das Saatkorn zu 
bezahl' ' ''' ""acht 1.50 Dollars; das Dreschen zu 
Was e-^u’ ^ Bushel, und Leute bei der Maschine, 
ihm dir Dollars per Acre stellen dürfte, so dass 
Wenn u ^ \''7o Dollars Unkosten zu stehen kommt; 
75 Cem Bushels Ertrag hat und der Bushel 
sich das"- ‘a kostet - wie 1881 _ so macht 
Capital d'" Bodens vor einigen Jahren gesteckte 
PHai doch bald bezahlt. 
Graf Imre Széchényi und ich einen 
tcrritQ ^ Ausflug nach Manitoba und dem Nordwest- 
^innin''"' Canada gemacht und durch Ausflüge von 
^^iürlich\ Anschauung von diesem Lande gewonnen, 
S^nzen c genaue Kenntniss, denn dazu müssten wir einen 
haben « !" ungeheuren Gebiete reisen. Indessen 
Stelle Material zur Beurtheilung des Landes an Ort und 
Zuverlässigkeit dieses 
^ daselbst genau informirt. 
^ann Geometer und nebenbei universell gebildeter 
^^'^itob M^ugner, der seit mehr als ein Dutzend Jahren in 
haut^ dah Ginen grossen Grundbesitz hat und be- 
^Wnt ^urch Vermessung des Landes dasselbe genau kennen 
^^itze b Mann, den Graf Széchényi und ich auf seinem 
^ucht, mit dem wir Reisen gemacht und dessen werth- 
dç. Land wir durchgesehen haben, ist mit 
^ nsicht, dass das Gebiet, welches im Süden durch 
'^^^•sche A Osten durch den 96. Meridian (ameri- 
Abmessung), im Norden durch den Peace River, i, 
im
        <pb n="653" />
        63B 
Westen durch das Felsengebirge begrenzt wird, ohne den 
Theil, der in Minnesota liegt, 267 Millionen Acres Weizenboden 
enthält. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, dass das 
Land nördlich von der Wasserscheide zwischen Mississippi nnd 
Red River bis zum Peace River denselben Charakter im Ganzem 
und Grossen trägt und dass daselbst 250 bis 300 Millione*^ 
Acres bestellbar und zum grossen Theile sehr fruchtbarer 
Weizenboden, noch viel mehr Acres aber für Viehzucht geeignet 
sind. Wie jetzt die Besiedlung wächst, dürfte in 8 bis 10 Jahren 
dieses Gebiet, das bisher kaum 20 Millionen Bushels Weizen 
bringt, so viel Weizen liefern, als die Union zusammengenommen. 
Man halte doch dies nicht für Uebertreibung. Von 1870 bis 
1880 vermehrte sich der Anbau des Weizens in der Umo 
von 19 auf ca. 38 Millionen Acres, d. h. um 19 Millio*^® 
Acres, er verdoppelte sich gerade. War\im soll sich in 
nächsten zehn Jahren nicht eine Fläche von 20 bis 30 Millionen 
Acres auf jenem grossen Nord westgebiete mit Weizen bebauen 
lassen, zumal dieses jetzt sehr schnell von Eisenbahnen kreu^ 
und quer durchzogen wird und englische, schottische Farm ^ 
scandinavische Bauern mit Mitteln in Massen dort ein wandern- 
Manitoba hatte von Herbst 1880 bis 1881 über 15.000 
wanderer, worunter viele englische Landleute mit Capital. ^ 
ln der Union sind von 1870—80 jährlich 135.000 nen^ 
Farmen entstanden. Lassen wir 10 Jahre hindurch in Cana 
jährlich nur den 10. Theil hiervon entstehen, so haben ^ ^ 
in IO Jahren 135.000 neue Farmen à 160 Acres, worauf 
da hier fast nur Weizen gebaut wird, je 80 Acres gut 
gern unter Weizen haben kann, macht 10.800.000 Acres u 
Weizen. Ich glaube aber, dass von etwa 1884 an, 
Bahnen ziemlich fertig sein werden zwischen dem Osten ^ 
Manitoba, die Ansetzung neuer Farmen bis auf 15 
jährlich steigen wird. , 
Schon steht Winnipeg, seit dem Frühjahre 1881, 
Union in Eisenbahnverbindung. Zwei neue Bahnen vo'’ 
nach der Union sind concessionirt. Die Bahn von 
nach der Thunder-Bai am Oberen See wird im 
fertig. Die Canada Pacific-Bahn war Herbst 1881 auf 180 
ooo
        <pb n="654" />
        ^39 
thch von Winnipeg in Betrieb und wird im Jahre 1883 
bis ^'^"g&lt;:kirge erreichen. Eine Bahn vom Winnipeg-See 
Ba 'St concessionirt, vermessen und sollte der 
Bah .*&gt;«gi"nen. So sind Zweigbahnen der Canada Pacific- 
des V!*^^“■ecke westlich Winnipeg, welche die Thäler 
Verh Bo" River mit Winnipeg in 
werd'" praktischen Engländer 
durch p"'"-' Bahnen anlegen, welche 
Eiswusten zu laufen haben. 
siedpl Uebelstände vorhanden, welche die Be- 
canadischen Theiles dieses Weizengebietes ver- 
Uebelstände sind politischer und socialer 
und lassen sich beheben. 
"och atf jenem Theile, der in der Union liegt und 
Bodens C-^, Acres unangebauten sehr fruchtbaren 
Werden "'"Bt in dem.Maasse vorhanden und diese 
Pacitie ""Bneller besiedelt werden, als die Northern 
Vellón Dnluth über Fargo bis über den 
eine „ hinein bereits in Betrieb ist. 
Zu Anzahl von Zweigbahnen nach Norden und Süden 
krach"r g^-osser Finanz- und Eisenbahn- 
da all o Besiedlung jetzt nur mehr wenig verzögern, 
^esitzp^ Hauptpunkte für die Production schon Absatzwege 
Thun^"' u »-echnet, dass der Bushel Weizen von der 
Rai naTt’ Montreal um 12 Cents, von der Thunder- 
Von r)\ Liverpool um 21 Cents transportirt werden wird, 
Canal Liverpool um 16 Cents, seit der Welland- 
^ähio-b T October 1881 für Schiffe von 2000 Tonnen Trag- 
und i3'/2 Fuss Tiefgang schiffbar geworden ist. 
dass sanguinisch zu sein, rechnen zuverlässige Leute, 
Jahren Weizen für 70 Cents per 
^äfen grossen Nord westgebiete nach atlantischen 
^Rlio kann, und zwar in Massen von einigen Hundert 
Oder Bushels, das macht 5.60 Dollars per engl. Quarter 
Gin ^^^^.^‘■^etercentner 2 60 Doll, oder 6 23 fl. ö. W. Je länger 
höherer Preis erzielt wird, desto grösser werden die
        <pb n="655" />
        640 
Profite der Farmer dort sein und desto schneller wird das 
Land angebaut werden. , , - 
Die Rückreise von Winnipeg führte den Grafen Szecheny 
und mich über St. Paul, Minneapolis und Milwaukee nac 
Chicago. ^ 
Wir besahen in Minneapolis eine der grössten, pra 
vollen Mühlen, die dem Gouverneur des Staates Minnesota» 
Herrn Phillsburg, gehört, und eine grosse Holzschneidemu e,^ 
bei St. Paul die vom Staate unterhaltene künstliche Fischzuc^^ 
am oberen Mississippi, welche die 7000 Seen und die F us^^ 
des Staates mit werthvollen jungen Fischen, darunter 
Karpfen, versorgt, und zogen auf der Handelskammer u 
von grossen Kornhändlern Details über den Getreide- ^ 
Mehlhandel der beiden Städte ein, welche in wunder 
schöner Lage hier an jener Stelle des Mississippi liegen, 
er anfängt schiffbar zu werden. Die hohen, waldbewachsen 
Ufer des Mississippi und Minnesotaflusses sind hier so sc 
wie jene der oberen Donau und der Minnehahafall des • ^ 
teren Flusses ist von entzückender Anmuth. Am Zusam 
(lusse beider Ströme liegt Fort Snelling, schöner noci 
Gran. bstüf' 
Minneapolis liegt an den von 50 Fuss Höhe hera 
zenden St. Anthony-Fällen, deren immense Kraft von i25* 
Pferdekräften noch nicht annähernd durch Ablenkung 
Wassers und dessen Fall auf Turbinenräder ausgenü 
obschon sie eine Anzahl Baumwoll-, Wollen-, Maschinenfa g 
20 Säge- und Hobel- und 28 Mahlmühlen treiben. 
können 20 Millionen Bushels Weizen = g'/z Millionen 
centner jährlich in 5 Millionen Fass Mehl vermahlen, wovon 
442.598, 1880 769.442 Fass direkt nach Europa 
wurden, damals für rund 1*57 Dollars bis Liverpoo 
1.52 Dollars bis Glasgow, macht 180 Dollars = 4 ^ ^ 
ö. W. per Metercentner nach Liverpool und 174 Do 
4 fl. 17 kr. ö. W. bis Glasgow. Jetzt viel billiger, 
bis in den Sommer 1881 in der Regel 7 bis 8 
Fass Mehl an allen Unkosten von Minneapolis bis lavc 
zu zahlen gehabt für 214 Ibs. oder 95 Kilo Brutto.
        <pb n="656" />
        641 
u,n 4 f]^ können, dass der Metercentner Mehl 
auf den ?■ Transportkosten von Minneapolis 
über Märkt gebracht werden kann. Von Budapest 
^'Grüner K von der ungarischen Re- 
Meterf /^^^"^^onirten Dampferlinie kostet die Fracht per 
der MilT" ^ ' Die Leistungsfähigkeit 
* 'Ä'-.r.irr'"“- ■••■ - «« 
Anzahl grosser Mühlen, neue 
Weizen Städten gebaut. Es fehlt den Mühlen an 
im ^ vv erden zahlreicher werden, sowie der Ackerbau 
richtunor mehr Getreide liefert. In der Ein- 
an Grölr r Mühlen der Welt übertroffen, 
Mehl Per ^'vei derselben je über 4000 Fass 
dings ^0"”en. In St. Louis will man aller- 
^^gunLarh^'"^ TT ^°"°°° Capacität bauen. Alle Be- 
‘^'dige W \ Mühlen mechanisch durch die so 
^^^currirpn^^T^T kann mit diesen Mühlen 
^af dem vorzüglichsten Weizen der Welt, der 
^'■^'isporth wächst, zu 12 bis 20 Cents 
^akoC u^T den Farmen Minnesotas und 
^'‘^iswürd;^^*^^^" können? Früher konnte man die Kleie nicht 
^Í6 Tonnf Aber im September 1881 kostete 
Dollars d T°" ‘‘“"d neun Metercentnern in St. Paul 14'/j 
Dollars - 3.84 fl. ö. W. 
'‘^'^entlich r- den östlicheren Staaten als Futter, 
fur Milchkühe. 
^fichteT M ausgedehnte Mühlenindustrie Amerikas 
21 „American Flour Mill Directory», dass die 
^ *346, Canada 1.488 Mühlen besitze. 
fuhren wir nach Milwaukee, der grossen, 
der T"’ deutschen Handelsstadt am Michigan- 
^rössp von Chicago, das sie jedoch beiweitem 
Späte audels nicht erreicht. Hier sahen wir, wie 
U ^ !" Chicago, die landwirthschaftliche Staatsausstel- 
interessirten die landwirthschaftlichen Maschinen. 
41
        <pb n="657" />
        642 
Milwaukee hat berühmte Bierbrauereien, deren Erzeugniss so 
gar nach Europa exportirt wird. ^ 
Ueber das Brauergewerbe der Vereinigten Staate_^ 
liegen folgende interessante Statistiken vor: In dem am 31. P 
1881 endenden Jahre gab es im Lande 2474 Brauer, 
Klein- und 2034 Grosshändler in Malzgetränken und 
Klein- und 4.112 Grosshändler in Spirituosen. Von den 
ern fallen auf New-York 361, Pennsylvanien 338, ^ J^co 
221, Californien 204, Ohio 168, Jowa 132, Illinois 129, Mic 
116, Minnesota lot, Maryland 69, Missouri 66, 
New-Jersey 57; gar keine Brauereien giebt es in den 
Alabama, Arkansas, Florida, Maine, Mississippi und 
ln der Brauindustrie des Landes sind 152.544.720 
Kapital angelegt und ungefähr 30.000 Personen bese a 
Seit 18 Jahren hat die Brauerei folgenden Aufschwung 
nommen: 
Fässer à 117 Liter 
1863 1.765.827 
1870 6.574.616 
1880 
1881 14.t78.557 pjg 
Auch in St. Louis wird viel und gutes Bier gebraut. 
Production dieser Stadt betrug: 
1877 471.232 Fässer oder 14.408.193 Gallonen 
1878 531.684 ' „ « 16.171.304 „ 
1879 643.667 „ » 19.933.677 « 
1880 838.073 „ « 35.670.333 „ 
Die Zunahme beträgt nahezu 80 Procent, ^pfeil- 
erforderlich 2.406.879 Bushel Gerste und 6232 Ballen 
Dazu werden noch grosse Mengen fremder ßi^re nac^ 
Vereinigten Staaten importirt und in den grossen Sta 
Landes, trotz der hohen Preise, getrunken. In 
Restaurants und Bierlocalen findet man ausser echten^u 
Kulmbacher und Erlanger, auch ein ganz vortreßlicn ^ ((y 
misches Bier, das Libotschaner. Auch Hersbrucker (¡i 
puziner werden viel und gern getrunken. Das 
3/„, Täter'l von diesen importirten Bieren kostet 20
        <pb n="658" />
        643 
Bier = 24 Kreuzer ö. W., von einheimischem 
j S*‘ossen Städten 5 Cents. 
y . ^^Bre 1882 sollen in der Union 38 Liter Bier und 
1827 Branntwein pro Kopf consumirt sein. Im Jahre 
pro "^uimrte die Bevölkerung noch 15 Liter Branntwein 
^ P - ^ Das Bier verdrängt den Branntwein. 
Fiscal;!! ^"‘'‘^^^ction von Spirituosen aller Art betrug im 
stieg nn J""' :869 = 54-3 Mill. Gallonen und 
^Ber fin ^^7^» wo sie 57.2 Millionen betrug. Nun 
im jnh ^ Grossproduction von Spiritus aus Mais an, und 
Gallon wurden schon 91.361.051 
6.. xj-n" darunter 15.4 Millionen Bourbon Whisky, 
onen R Rye Whisky, 21.6 Millionen Alkohol, 2.4 Milli- 
pure n ^ 1^^ Millionen Gin, 15.2 Millionen High wines, 20.6 
Spirits, 1 Millionen Fruchtbranntwein. Exportirt 
^alione ^ Gallonen, im Jahre 1881 = i'/z Millionen 
ist Branntweinbrennerei aus dem billigen Mais 
^ sehr entwicklungsfähig. 
der Branntweinkneipenleben ist ein wahrer Krebsschaden 
socialen Unfrieden erregt, indem die 
Fol nunmehr alle Mlrthshäuser schliessen möchten, 
in welch^^"ï Uebersicht giebt die Zahl der Wirthschaften 
^ pirituosen verkauft werden, Staaten weise: 
Zahl der Verhältniss zur 
Wirthschaften Bevölkerung Volkszahl. 
Id 
III 
Indi 
'ïho 
‘■«Ois 
Jo 
ana 
^ans 
as 
2.076 
787 
1.437 
8.658 
2.534 
2.653 
535 
639 
487 
2.517 
415 
»&gt;.524 
5.199 
4.313 
1.132 
608 
51 
558 
99 
76 
235 
252 
239 
553 
612 
76 
267 
380 
377 
897 
1.262.505 
40.440 
803.525 
864.694 
194.327 
621.700 
«35.»77 
146.608 
269.493 
1.542.180 
32.610 
3.057.871 
1.978.301 
1.624.615 
996.096 
41*
        <pb n="659" />
        644 
Zahl der Verhãltniss zur 
Wirthschaften Bevölkerung 
Kentucky 
Louisiana 
Maine 
Maryland 
Massachusetts 
Michigan 
Minnesota 
Mississippi 
Missouri. 
Montana 
Nebraska 
Nevada . 
New-Hampshire 
New-Jersey 
New-Mexiko 
New-York . 
Nord-Carolin 
Ohio . . . 
Oregon . . 
Pennsylvanien 
Rhode-Island 
Süd-Carolina 
Tennessee . 
Texas . . 
Utah . . . 
Vermont 
Virginia. . 
Washington 
West-Virginia, 
Wisconsin 
Wyoming 
3.760 
4.687 
. 820 
4.836 
7.279 
4-537 
2.510 
1.729 
6.430 
765 
929 
955 
922 
6.325 
1.223 
26.446 
1.975 
14.336 
1.025 
16.292 
1.397 
1.085 
2.956 
2.901 
387 
409 
2.507 
325 
757 
4.986 
324 
438 
200 
79« 
293 
245 
360 
31» 
654 
337 
51 
487 
65 
376 
179 
98 
192 
708 
223 
170 
263 
269 
910 
522 
549 
37« 
812 
603 
231 
8,7 
364 
86 
Volkszahl. 
,.648.696 
939.94Ö 
648.936 
934.943 
1.783.085 
1.636.937 
780.77 
2.168.386 
39.‘39 
452.40* 
62.266 
346.99’ 
1.13“’^ 
119.5^5 
5.082.87’ 
,399.750 
4.282.89’ 
276.53' 
995.577 
1.54* 359 
1.59’ 74^ 
143-9^^ 
33'.'»" 
1.5 
7S."‘ 
618.457 
ite" 
IcM 
Danach giebt es in den gesammten Vereinigten 
170.640 Wirthschaften, oder, wenn man die Territorien^ ßin- 
mit in Anrechnung bringt, eine Wirthschaft auf je 3® 
wohner — Männer, Weiber und Kinder. 
Die Bahn nach Milwaukee, wie von da nach 
durch ein sehr schönes Hügelland, das meist in kleinen gin 
von 40 bis 160 Acres Grösse getheilt ist, deren jede 
kleines Wäldchen hat. Nahe Chicago wird die 
und sieht man grössere Farmen, die besonders als
        <pb n="660" />
        645 
in" ^^sgenützt werden. Der Boden ist durchwegs fruchtbar. 
Chi altangesiedelten Lande zwischen Milwaukee und 
p^^^ago sieht man keine Wirkung von Raubbau. Die kleinen 
Und ^^Giben hier meist gemischte Wirthschaft, Getreidebau 
^^i^^acht. Die Aecker sind 5, 10, 20 Acres gross, ein- 
werden mit Mais, Weizen und anderen Getreide- 
ein M-u" ^'^^^seiwirthschaft bestellt. Fast alle Farmen haben 
nqj ^ad ein Weidekleefeld und einen grossen* Gemüse- 
kom (ieren Früchte auch zum Theile auf den Markt 
giebt es viele kleine Milch-Wirthschaften, in 
Das V' Käse erzeugt und Kälber aufgezogen werden. 
ist meist gut englisch und wird vorzüglich gehalten, 
aus B ^ Jahren die Fabrikation der Kunstbutter 
Oleomargarine, d. h. aus Schweinefett und 
im anfing, sank der Futterpreis von 37.5 Cents per Ib. 
29.^ . *^^ *874 zu New-York auf 29-5 Cents im Jahre 1875, 
Und T . ^^76, 22 im Jahre 1877, 22-25 im Jahre 1878 
^iichw'^u"^ warfen sich die amerikanischen 
bill; ‘‘^^schaften auf die Käserei und trieben durch ihren 
^^Süsch Schweizer und Holländer Käse aus dem 
über "’Markte. Die amerikanischen Farmer klagen bitter 
"^""^^butter", welche nicht nur der ihrigen Con- 
^^PorU sondern auch in grossen Massen nach Holland 
Hutter *b ^ braven Holländern zur Verfälschung ihrer 
^nd sie nun ihrerseits nach Deutschland 
bei So jj- Ländern exportiren. Das Oleomargarin wird 
üurin M' L *^*^^*^ Hitze hergestellt, dass Finnen und dergleichen 
W¡h ' werden. 
Werk schon im Druck war, stellte die 
1883 eine andere, in dem be- 
^ b'üheren Capitel noch nicht erwähnte Fälschung von 
Schmalz fest. Man setzt ihm in den Schmalz- 
die *L.^^^mwollsamenöl hinzu, was nicht eben ekelhaft 
spricht auch von Talgpräparaten und terra 
H^ass ^""^^^^^^^^^schungsmitteln. 
hier nicht mehr ausschliesslich oder auch nur 
VVeizen zieht, sieht man schon an dem Fehlen der
        <pb n="661" />
        646 
Elevatoren an der Bahn. Auch giebt es holländische 
mühlen zum Vermahlen des Getreides hierzulande. Nicht se ^ 
findet man, wie am Rhein, Obstbäume auf den Weiden 
auf dem Acker, welcher also hier eine Doppelfrucht trägt- 
Diese kleinen Farmen, deren Boden sehr sorgfältig beste . 
von Unkraut rein gehalten und meist regelmässig gedun^ 
wird, machen den Eindruck der Wohlhabenheit ihrer Besit ^ 
Aber die* Baulichkeiten darauf sind alle äusserst einfach 
billig, fast stets nur aus Holz hergestellt. Man belastet ^ 
zu verzinsende Anlagecapital nicht durch Errichtung tn 
mentaler Viehställe und Farmerhäuser. ^ 
Hier konnten wir sehen, was wir auch in Illinois be 
achteten, dass, je weiter man nach Osten in älter besie 
Staaten kommt, desto mehr die Grösse der Farmen 
ohne zur Zwergwirthschaft zu führen —^ die Farmen sin 
noch „spannfähig“ — desto besser aber die Bodenbeste 
und desto höher der Ertrag per Acre wird. Die 
werden eben wohlhabender, können mehr Capital au 
kleinere Ackerfläche verwenden und thun es. In den 
liehen Staaten fangen die Ansiedler auf einer 160 Acres gt® 
Homestead mit sehr unzureichendem Capitale an, 
viel Boden wie möglich um und bauen Weizen, Weizen 
wieder W^eizen — bis sie Capital genug haben, bess 
tioneller zu wirthschaften, das sie sich durch Erspar 
oder Verkauf eines Theiles ihres Landes verschaffen- 
die Arbeitskraft einer Familie sind 160 Acres 
Joch ja zu viel Land. Die Naturkraft des jungff»^^ 
Bodens nimmt ab, wird aber mehr als ersetzt durch ^ 
pital und Arbeit, die der inzwischen wohlhabend 
Bauer auf sein Feld verwendet. Dass eine „ausgerau 
Farm verlassen wird, kommt höchstens in einigen, ^ 
wenig fruchtbaren Oststaaten, z. B. im Staate New Yor » 
Ausser Cultur aber fällt sie auch hier nicht, sondern ^ 
mit anderen, ähnlichen zusammengeschlagen und in 
weidefarm verwandelt. Die fallenden Weizenpreise ver'^ gg 
hier also den Ackerbau wieder zurück in Viehzucht, gg. 
zweifellos in wenig fruchtbaren Gegenden Europas au
        <pb n="662" />
        647 
heben wird, wenn man nicht die Einforstung vortheilhafter 
^"den sollte. 
Graf Imre Szëchényi und ich am 12. October in 
war noch Niemand von den Jägern aus 
St angelangt und wir fuhren am 14. October nach 
^ ouis ab, an drei Stellen in Illinois Stationen zum Studium 
Landwirthschaft und Viehzucht machend.
        <pb n="663" />
        XXXV. Capitel. 
Das Unterriehtswesen der Vereinigten Staaten. 
Die Unionsregierung besitzt nur einen Unterrichts-Com 
missar mit lediglich statistischer Befugniss. Der Einzelsts ^ 
unterhält in der Regel eine Universität, ein Polytechnicum, 
höhere landwirthschaftliche Lehranstalt und ähnliche höh^^ 
Anstalten, die Counties haben Gymnasien gegründet, die si^ 
dotiren und beaufsichtigen. Die Gemeindeschulen werden 
Schulgemeinden selbständig verwaltet. Der Vorstand 
selben wird von den Familienvätern der Gemeinde gevvä 
schreibt Schulsteuern aus, stellt Lehrer an, stellt den Unterric 
plan fest, verwaltet den Schulfond. In den neueren ^taa 
gehören von jeder Township von 36 QMeilen 1^2 
Land den Schulen, das verkauft werden kann. Der 
bleibt, zinsbar angelegt, ewiger Schulfond. — Der 
unterricht ist frei. Die Eltern zahlen kein Schulgeld. 
gionsunterricht wird in der Schule nicht ertheilt. Meist t 
dies die Geistlichen der einzelnen Confessionen Sonntag^ 
drei oder mehr Menschen können eine Corporation zur ' 
dung einer oder mehrerer Schulen beliebiger Art bilden. 
müssen das Statut bei der County-Behörde registriren 
und die Corporation darf Legate und Schenkungen anne 
Vermögen erwerben. Religiöse Gemeinschaften stiften 
Confessionelle Schulen. Der Staat controlirt die PrivaKC^^^^^ 
und ihre Lehrer nicht, so wenig wie die öffentlichen 
der Schulgemeinden. Schulzwang für Kinder existirt ^ 
Die vollständige Schulfreiheit hat eine grosse Manniglal^K^^j, 
der Bildung in der Union zur Folge, während der 
centralismus auf dem Continent von Europa nothwen 
chinesische Einförmigkeit des Wissens erzeugen muss.
        <pb n="664" />
        • 649 
für Berichte der „Commission für Unterrichtswesen“ 
ti*^ hervor, dass die Zahl der schulpflich- 
Kinder in den Vereinigten Staaten 15.351.875 betrug, 
in den Schulregistern der öffentlichen eingetragenen 
vie durchschnittliche tägliche Besuch 5.744.186; aus 
lagen keine Berichte vor. Die Zahl der schul- 
Idah Kinder in den Territorien belief sich auf 184.405; 
da W Wyoming sind in diese Zahl nicht eingeschlossen, 
Berichte von dort vorliegen; der tägliche Durch- 
esuch belief sich in den Territorien auf 61.154, zwei 
Pro miteingerechnet. In Massachusetts ist der 
Zahl höchsten; in Louisiana am niedrigsten. Die 
senen T u" Vereinigten Staaten angestellt gewe- 
Die n betrug 280 054, in den Territorien 2.610. 
für Lehrer betrugen von 25.14 Dollars 
für I !" South-Carolina bis zu 101.47 Dollars in Nevada; 
•fiNe^ ^^‘■^nnen von 17.44 Dollars in Vermont bis 77 Dollars 
in p ^ In 21 Staaten betrug die Gesammtzahl der Schüler 
der 561.209; in zehn Territorien 2.610; die Zahl 
STer*- ^”®^^6en angestellten Lehrer in 35 Staaten 156.351 in 
Einnahme der öffentlichen Schulen aller 
liehe A Territorien betrug 80.940.239 Dollars, die jähr- 
f^olla 80.032.838 Dollars; davon entfielen 55.158.289 
Schu^ Lehrkräfte. Der Werth des Eigenthums aller 
nicht K 4^ yD. ; 7 Staaten und 3 Territorien haben 
der Kosten der Schulen variiren per capita 
H.91 ^“pflichtigen Kinder von 96 Cents in Alabama bis zu 
big ^ tri Massachusetts. Das in den Staaten von 1785 
den 1880 für Schulzwecke verwendete und in 
^erritorien reservirte Land repräsentirt 78.659.439 Acres. 
Staate*^ schulpflichtigen weissen Kinder in 16 Süd- 
geben*^ District Columbia wird auf 3.899.961 ange- 
der Jh T Schulregistern enthalten 2.215.674. Die Zahl 
farbigen Kinder beträgt 1.803.257, in den 
l^aben eingetragen 784.709; Gesammtkosten, resp. Aus- 
^^stehe Rassen 12.475.044 Dollars. Für die Farbigen 
“ den Berichten in den Südstaaten und dem
        <pb n="665" />
        650 
District Columbia 44 Normalschulen und Normaldepartments 
mit 227 Lehrkräften und 7.408 Schülern, 36 Institute für 
höheren Unterricht mit 120 Lehrern und 5.237 Schülern, 
15 Universitäten und Colleges mit 119 Lehrern und 
Schülern; 22 theologische Institute mit 65 Lehrern nn 
800 Schülern; 3 Institute für Jurisprudenz mit 10 Lehrern un 
33 Schülern; 2 Institute für Medicin mit 17 Lehrern un 
87 Schülern; 2 Institute für Taubstumme und Blinde mit 
18 Lehrern und 122 Schülern; 16.669 öffentliche Schulen m 
784.709 eingeschriebenen Schülern. Es wird berechnet, 
die Appropriationen der Amerikanischen Missionsgesellscha , 
der Freedman’s Hülfsgesellschaft und der Baptisten Missions- 
gesellschaft für Erziehungszwecke im Süden (fast ausschhe^ 
lieh für Farbige) zusammen mit den Stiftungen des Peabo y 
Fond seit Beendigung des Krieges 10.000.000 Dollars betrage 
haben. Von den 44 Normalschulen stehen 29 unter Leitung 
religiöser Gemeinden, ebenso 31 von den 36 Schulen 
höheren Unterricht, 13 der 15 Universitäten und sämmtlic 
theologische Institute. 
Die Zahl der einberichteten Normalschulen betragt z 
mit 1.466 Lehrern und 43.077 Schülern. Die Zahl der ^ 
duirten der öffentlichen Normalschulen betrug in 1880 3-9^ 
Die Zahl der Graduirten der Privat-Normalschulen belief s 
auf 752, wovon 460 im Lehrfach angestellt wurden. Die ^ 
der Vorschulen betrug in 1880 125 mit 860 Lehrern 
Schülern, die wie folgt klassificirt wurden: Vorbereitend fur 
klassischen Cursus im College 6091; für den wissenscha 11 
Cursus im College 992; für andere Fächer 6.153, 83 Hoc ^^3 
besitzen nach eingegangenen Berichten 953 Lehrkra te 
11.684 Studenten, unter den letzteren Anstalten 
der Landschenkungsakte von 1862 einbegriffen, auch ge 
dazu die Militär- und Marine - Akademien der 
Staaten. Die Gesammtzahl der Universitäten und Co 
wird auf 364 angegeben, deren Lehrkräfte auf 4-* ^ 
Studenten auf 59 584- College - Bibliotheken en ¿gg 
2.342.766 Bände, eine Zunahme von 100.053 wahre . 
Jahres. Werth an Grund und Boden, Gebäuden und ApP
        <pb n="666" />
        65' 
39.623.424 Dollars, zinsbringendes Capital 43.431.520 Dollars, 
inkommen vom letzteren 3.014.048 Dollars; Einnahmen an 
^tudiengebühren im Jahr 1880 1.881.360 Dollars, Einnahmen 
Staatsverwilligungen 418.159 Dollars. Die Zahl der sich 
nr s College vorbereitenden Schüler betrug 30.297. Studenten 
y Instituten für höheren Unterricht 61.770, die sogenannten 
orbereitungsdepartements nicht miteingerechnet; davon sind 
3 -553 in Colleges, 9785 in sogenannten „Schools of Science“ 
" *9.402 in höheren Töchterschulen. Von den letzteren 
Wird, wie folgt, berichtet: Zahl der Institute 227, Zahl der 
^ rkräfte 2106, der Schülerinnen 25.780. 
8 Institute für Rechtswissenschaft wird auf 
^ * deren Lehrkräfte auf 229 und deren Studenten auf 3.134 
n^geben; Institute für Medizin, Zahnheilkunde und Pharmacie 
6 kl ***** 1660 Lehrkräften und 14.006 Studenten; 
i^i^tische Institute werden mit 65 Lehrkräften und 883 Stu- 
j2 ^ angegeben, 12 homöopathische mit 188 Lehrkräften und 
kr"f ^*“*^^"*®**- Theologische Institute 143 mit 633 Lehr- 
Üsch^" 5-242 Studenten, 21 derselben sind römisch-katho- 
üer ’ baptistisch, 16 presbyterisch, 16 lutherisch, 15 gehören 
jçjj. Protestantischen Episkopalkirche, 11 der Congregational- 
Sek ^ übrigen 29 vertheilen sich auf 14 weitere 
kräf ^ ^rner 15 Krankenwärterschulen mit 59 Lehr- 
418 * 303 Schülern; Schulen für Taubstumme 56 mit 
I^in. „r^^räften, worunter 60 Halbstumme; die Zahl der 
232 mit 524 Lehrkräften und 8871 Schülern, 
lin *3 Schulen für schwachsinnige Knaben mit 2472 Zög- 
Sch^uT’ Schulen für Blinde mit 532 Lehrern; 68 Reform- 
3S‘î^a'' ”*** * 055 Lehrern, Lehrerinnen, Beamten und Gehülfen; 
2. p. ^*‘ Waisen oder verlassene und hilflose Kinder, 
Leh **i*d 51 Industrieschulen mit 528 Beamten, 
und Assistenten und 22.199 Zöglingen, 
fond ^*^**^*®^® und Direktoren des Peabody Erziehungs- 
1^*^^*®** Ende 1882 im 5. Ave. Hotel eine Versamm- 
^ ’ ***** den Jahresbericht des Generalagenten, J. L. M. 
sich p- ^"^^^^^** ^** nehmen. Unter den Anwesenden befand 
öischof Whipple, Ex-Präsident R. B. Hayes, Richter Man- 
till 
II 
d 
il
        <pb n="667" />
        652 
ÍN; 
ning von Louisiana, A. Stuart, Hamilton Fish, Oberst Theodor 
Lyman, Oberrichter Waite und Samuel Wetmore. Hamilton 
Fish führte den Vorsitz. Laut unterbreitetem Bericht wurden 
seit I. October 1881 80.334.81 Dollars vertheilt und zwar an 
die verschiedenen Staaten wie folgt: Tennessee 12.800 Do 
lars, Texas 17.500 Dollars, Virginia 3.234.41 Dollars, West- 
Virginia 2.300 Dollars, Süd-Carolina 5.375 Dollars, Nord- 
Carolina 6.485 Dollars, Georgia 8.590 Dollars, Mississippi 
4.275 Dollars, Louisiana 4.590 Dollars, Florida 3.725 Dollars, 
Arkansas 5.075 Dollars, Alabama 5.075 Dollars. 
Die Deutschen haben seit 1880 eine Privatstatistik über 
die bestehenden deutschen Schulen veranstaltet. Dem Lehrer 
tage deutscher Lehrer in Buffalo wurde im Sommer 1883 
Schultabelle überreicht. Dieselbe enthält Mittheilungen übe 
deutsche Schulen in 877 Ortschaften, die it? 35 Staaten 
Territorien liegen, mit einer Gesammtschülerzahl von 291.842 
Schülern und 4040 Lehrkräften. Diese vertheilen sich folgender 
massen: Oeffentliche Schulen mit 110.4I4 Schülern und 
Lehrkräften; Pfarrschulen mit 174.133 Schülern und 2870 Le r- 
kräften; Privatschulen mit 7295 Schülern und 159 Lehrkrä te ^ 
Zu den Staaten, welche sich durch die grösste Anzahl deutsc e 
Schulen auszeichnen, gehören die nachfolgenden: 
Gesammt- 
zahl 
Oeffentl. Pfarr- Privat- deutschrr 
Schulen. Schulen. Schulen. Schulen. 
C/i 
C/3 
Ohio 414 38-290 442 29.382 5 44 
Wisconsin . . 6o 11.546 378 19-733 ’2 679 
Pennsylvanien ii 2.900 372 18.689 2 141 
Missouri . . . 134 21.464 236 9.638 5 223 
Illinois .... 73 7.297 197 19.8:4 21 773 
Indiana.... 76 7-83« &gt;77 10-974 5 &gt;28 
Maryland . . 37 4-473 212 6.265 10 535 
New-York . . 23 2.603 206 22 713 27 1.295 
Diese Zahlen geben kein vollständiges Bild 
ft 
861 
450 
385 
375 
291 
258 
259 
256 
67.749 
31.958 
21.73* 
31.225 
27.114 
18.940 
11.273 
26.61 : 
der ThätigkG^^
        <pb n="668" />
        653 
dem Gebiet des deutsch-amerikanischen Schulwesens. Sie 
gelten zunächst nur mit Bezug auf die Anzahl der Ortschaften, 
denen Berichte einliefen. Da haben wir für Ohio 167, 
isconsin 135, Pennsylvanien 65, Missouri 56, Illinois 126, 
le ^7 und New-York 34 Berichtsorte. Es 
^uc tet ein, dass die Berichte aus einzelnen Staaten vollstän 
diger sind, als aus andern, und dass nur durch Vergleichung 
er Zahlen mit der Anzahl der eingelaufenen Berichte ein 
gewonnen werden kann. Es mag 
Miir herau^tellen, dass in den Ver. Staaten wohl eine halbe 
au 1" ^er deutschen Sprache und zum grossen Theil 
Sta deutscher Methode unterrichtet werden. In einzelnen 
de^T"’ Missouri, ist man mit der Einführung 
reich Unterrichts in den öffentlichen Schulen erfolg- 
dur anderen Orten hat man diesen Zweck mehr 
dii» ^_^"^^tthätigkeit zu erreichen gesucht; überall aber spielen 
irchenschulen die Hauptrolle. 
als nämlichen Bericht giebt es nicht weniger 
Schüler, welche deutsche katholische Kirchen- 
stan^” 23,643 Kinder, welche deutsche prote- 
derK-^t^^ frequentiren. Dieses Uebergewicht 
geleh ÿk'Gr alle anderen Institute, in denen deutsch 
zweiter Linie das ungeheure Ueberge- 
schul ^^^^°^'^chen über die protestantischen Kirchen- 
^acta, die in diesem Bericht mit besonderer 
den hervortreten. Es ist bemerkenswerth, dass von 
^eutsh Bericht verzeichneten 291.842 Schülern, welche 
^ageh " Unterricht erhalten, mehr als 174.000 den Pfarrschulen 
72^- während 110.414 in den öffentlichen und nur 
Staat N ^^'^^^^^hulen im Deutschen unterrichtet werden. Im 
142 ^ew-York giebt es 22.571 deutsch-katholische und nur 
eutsch-protestantische Kirchenschüler.
        <pb n="669" />
        XXXVI. Capitel. 
Landwirthsehaftliehes aus Illinois. 
Auf einer Reise, welche Graf Imre Széchényi und ich 
October i88i von Chicago nach St. Louis machten, lernten 
wir einige Theile von Illinois kennen, indem wir im nor ' 
liehen und südlichen Drittel der Reise wiederholt Stationen 
machten und uns auf Farmen aufhielten. Dieser Staat uni 
fasst 35.462.400 Acres Land, wovon im Jah^e 1880 unter Mais 
waren 7.574.535 Acres, Winterweizen 2.970.086 Acres, Sommer 
weizen 286.264 Acres, Hafer i.749-391 Acres, Roggen i49j^ 
Acres, Gerste 39.313 Acres, Kartoffeln 93.387 Acres, Sorg u^ 
17.726 Acres, Flachs 171.985 Acres, Gartengewächse 30^'°9 
Acres, mähbare Wiesen 2.259.857 Acres, eingezäunte Hütunge 
4.257.054 Acres. Aus diesen Culturen ergiebt sich, dass ^ 
nois ein Mais- und Weideland ist, das seine Hauptreve 
nuen aus der Zucht sehr edlen, hochgradig-englischen Ri»^^ 
viehes, ebensolcher Schweine und deren Mast zieht. Aus ^ 
Staate wurden 2.193.487 Fettschweine im Durchschnittsg ^ 
Wichte von 252 Ibs. und im Gesammtwerthe von 
Dollars, 4.13 Dollars per 100 Ibs., zu Markte gebracht. 
399.955 fette Rinder im Durchschnittsgewichte von 1167 Ibs. 
Preise von 3.65 Dollars per 100 Ibs. und im Gesammtwer 
von 17.026.130 Dollars. Tahf^ 
An der sogenannten Schweinecholera starben im J 
1879 nicht weniger als 676.738 Schweine im Gesammtge^^^^^ 
von 49'/3 Millionen Ibs., 1880 227.259 Schweine im 
von 23«/,0 Millionen Ibs.; im Jahre 1877 crepirten 358.844 ^ 
von 37V2 Millionen Ibs., im Jahre 1878 crepirten 
1.445.268 Stück im Gewichte von 107 Millionen Ibs. 
Staate allein! Wie viele mögen also in der 
einem
        <pb n="670" />
        655 
^repirt sem? Der Ackerbauminister der Union, Mr. Le Duc, 
AK^ Bericht fur das Jahr 1879 darüber, dass die 
^ ~ ^ ereien, „Rendering“-Fabriken, die crepirten Schweine 
d lassen und in Wagen durch das Land zu den Ab- 
v^c ereien führen, wodurch die Krankheit unter Schweinen 
'pi . werde; auch constatirt er, dass Menschen und andere 
ste*r^ solche Schweine und ihre Körpertheile ange- 
lieh ^ ""d dass daraus entstehende Krankheiten tödt- 
p , Y leider nicht, was die Rendering- 
bei diesem Aas machen. Die Aasfabrik in Globe 
eren' ^ 1'1'^nd für den Leichnam eines 
Pirten Schweines, das macht 9% Kreuzer per Kilo. 
= 865.913 Milchkühe und kamen 
Millionen Ibs. Butter und 6.6 Millionen Ibs. Käse 
ein Busheh und Weizen 17'/, Bushels per Acre 
' Von den circa i % Millionen Bushels Mais, welche die 
l^er " P"°ducirte, brachte Illinois allein ein Sechstel 
trug. zu Markt gebrachten Schlachtviehes be- 
96n ^dhonen Dollars, jener der geernteten Feldfrüchte 
3 Millionen Dollars. 
tief sehr reich, ein Lehm, der bis 30 Fuss 
Weisg ' ^11^” ^ 8 P^ss dunkel mit Humus gemischt, stellen- 
In denT-^A zum grossen Theile flacher Prairieboden. 
Schön y Theilen findet man noch vielfach Reste jener 
Waln,^" ^aubwälder, welche sie einst ganz bedeckten. Eichen, 
rakter diesen Wäldern ihren Cha- 
fichan A ist baumlos, abgesehen von Pflanzungen 
^^^tgärt^” M/egen und Gehöften der Farmer und in deren 
Weit^ P^men sind meist klein, von 80 bis 160 Acres, so- 
es Pigenthum sind. In einigen Theilen des Landes gibt 
Jedoch liegen die Aecker selten dicht bei 
Sectionen von je 640 Acres in den 
^OniDl ^ zerstreut und werden in solchen oder kleineren 
bewirthschaftet Die Zahl der Farmen wuchs in 
von 76.208 i. J. 1850 auf 143.310 i. J. i860, 202.803
        <pb n="671" />
        656 
i. J. 1870, 255.741 i. J. 1880, hiervon 649 über 1000 Acres, 
3.249 zwischen 500 und 1000 Acres, 138 unter 3 Acres, 
4.170 von 3—IO Acres gross. Der Rest ist als Bauerngut an- 
Zusehen; 175.497 Farmen wurden von Eigenthümern bewirth- 
schäftet. In Geldpacht waren nur 19 Farmen über 1000 Acres 
gross, in Métayage 47 solcher. 
Die Farmgebäude sind meist aus Holz sehr einfach un 
billig hergestellt, die Häuser aber deuten auf Wohlstand der 
Besitzer, den man auch findet, denn Illinois ist ein älterer 
Staat und begann seine Besiedelung schon vor circa vierzig 
Jahren. Auch ist der Staat einer der bevölkertsten der west 
lichen Staaten und hatte 1880 3.078.769 Einwohner, wurde 
Bevölkerungszahl nur von den Staaten New-York, Pennsy 
vanien und Ohio übertroffen. Der Staat hatte 1820 erst 
Einwohner, 1840 schon 476.000, in zehn Jahren verdopp^J 
er die Zahl auf 851.000 im Jahre 1850, verdoppelte sie wie 
der auf 1.711.000 im Jahre i860, erreichte 2.539.000 im Juh^ 
1870 und jetzt die oben angegebene Zahl. ^ 
Der schwarze Boden leidet vielfach an Nässe und 
man seit drei bis vier Jahren ihn zu drainiren; uatur ic 
schreitet auch diese Verbesserung, wie jede in diesem Lan j 
sehr schnell fort. Es werden jährlich schon über 10.000 Mçi 
Drains gelegt und existiren über 400 Drainröhren - Fabn ' ^ 
im Staate. Man legt die aus ungeschlemmter Ziegelerde 
gestellten Röhren 4 bis 5 Fuss tief. Sie kosten 18 Cents P 
Ruthe von 16'/^ Fuss englisches Maass und die Grabenar 
ca. 20 Cents. Die einen Fuss langen Drainröhren kauft 
um 12 bis 14 Dollars per Mille. Illinois ist also jetzt 
als die Weizenländer an der Ostsee vor vierzig Jahren 
als sie den Weizenexport begannen, Mecklenburg und 
pommern. Hier legte um jene Zeit der grosse Nationalökou^^^ 
Dr. Rodbertus die ersten aus England importirten Drains 
seinem Gute Jagetzow. Wie es sich damals auszahl^«^ 
zahlt es sich wohl auch in Illinois aus. Grosse Fläc e 
Ungarn haben fruchtbaren, aber zu nassen Boden, 
hohen Getreidepreise, welche die ungarischen Grundbes^^,^ 
seit dem Krimmkriege hatten, haben sie für Drainage
        <pb n="672" />
        ^57 
42 
Und zur Pflasterung der Ställe 
^allenderCet ^"h sich dies Capital nun bei 
den r . Getreidepreisen borgen müssen, wenn sie nicht auf 
l^etreideexport verzichten wollen. 
Sons, auf gutem Boden um- 
mir L. eben besser und es stellt sich, wie 
Herr mL ^"^erbau - Departments des Staates, 
Pital auf je mehr Arbeit und Ca- 
der E., diesen Boden verwendet wird, desto höher 
'•'■ctionlt®^ ^esto niedriger die Pro- 
Man Bushel Weizen und Mais werden. 
'^¡«hschaftl“®^' r t- '^Ti. ^ 4 ““f besseren 
bef. Man t. r^°j, ^ einigen 8 bis lo Zoll 
Parmer Hundleute beginnen zu düngen. Ein solcher 
'rir besi,chr*^"r-!. ° bei Station Lincoln 
''er Stad, T' Jährlich 300 Wagenladungen Dünger aus 
Hofe U“f seinen Acker, dazu natürlich den auf dem eigenen 
ln _ gewonnenen Dünger und sagte, seit er dünne ..... .. 
'0 Bu^hTu““ ““T" Bhnge, ernte er 
hbarn "'ebt düngenden 
N; 
'äehbarn ni. w- u : T »eine nicht düngenden 
spüren d ^“■bueS Bes Dunges sei zwar zehn Jahre lang 
j’hre lan ’ beBen sehr undurchlässig ist, aber vier 
^ng halte er gut vor. 
Staat Gebergehen zu intensiverer Wirthschaft erzielt der 
^teo vo'^'^T grössere, für den Export bereitete Quanti- 
'»o in p”, und Weizen, abgesehen von dem Jahre i88r, 
"^cre Dürre der Weizenertrag auf 7 Bushels per 
kleinen Farmer sind eben meist Eigenthümer 
(lurch keine Culturvorschrift in ihrer Dispo- 
(licht g^hGn sehr schnell von einer Cultur, die 
^^rbess^ "" einer anderen über und eignen sich leicht 
^ais beginnen den einfachen Bau von nur 
^erta u etwas complicirteren Wirthschaft 
uschen, erzeugen von Jahr zu Jahr eine grössere Va-
        <pb n="673" />
        658 
rietät von Producten und lernen auf den Ausstellungen un 
Märkten, welche die landwirthschaftlichen Vereine jeder Gra 
Schaft periodisch veranstalten, alle neuen Maschinen und gu^ 
Viehsorten kennen. Die Farmer durch Anschauung zu 
lehren, sind diese localen Ausstellungen und die alljährUc e 
grosse, welche das Ackerbau-Department in der Staatshaup ' 
Stadt veranstaltet, vorzüglich geeignet. Man vertheilt 
reichlich Preise und zieht dadurch Fabrikanten und Vie^ 
Züchter an. Natürlich ist eine solche Ausstellung auch ste 
ein guter Verkaufsplatz für diese. Für die Belehrung 
Farmer sorgt das Ackerbau-Department des Staates in Spn"^^ 
field durch Publication eines Jahresberichtes von 400 
600 Seiten und von „Circularen“ von ca. 100 Seiten. Gere 
erschienen zehn vom August 1880 bis dahin 1881. Diese 
richte und Circulare enthalten belehrende. Artikel über ne^ 
Culturen und Verbesserung alter, Correspondenzen von 
leuten aus den verschiedenen Theilen des Staates und ^ 
den Ereignissen sehr prompt folgende Statistik über die a^ 
der mit den verschiedenen Früchten bebauten Acres, Zah ^ 
Viehes, Ernte-Erträge in den einzelnen Grafschaften, Verkau 
preise u. s. w. ¿¡g 
Jede Township — Unterabtheilung einer Grafschaft, 
einen quadratischen Block von sechs englischen Meilen Se 
länge, also von 36 Sessionen à 640 Acres enthält —■ er''' 
jährlich einen tüchtigen, lange ansässigen Landwirth, tie*’ 
„Assessor“ fungirt, diese Statistik innerhalb der Township^^^ 
erheben und darüber regelmässig an das Staats-Ackerbau 
partment zu berichten hat. Er macht die Aufnahmen P^^^ 
sönlich bei den ihm natürlich bekannten Farmern, er ^ 
keine Besoldung, aber Diäten für seine Reisetage behufeJ^,^^ 
Aufnahmen. Die Township zahlt diese Diäten. Dies ' 
sehr nachahmenswerthe Einrichtung, deren Resultate 
wundern wir vielfach Gelegenheit hatten. Ein 
dem Block von ca. i ' 4 deutsche Meilen Seitenlänge 
tüchtiger Landwirth hat zu keinem Punkte seines 
Bezirkes über eine deutsche Meile zu reisen, kennt alle . 
besitzer, vielleicht 30 bis 120 an Zahl, allmälig sehr ft
        <pb n="674" />
        059 
42* 
liefe im Stande, eine sehr zuverlässige Statistik zu 
Snr’^^ auszufüllenden Formulare werden ihm von 
Ha geliefert. Ich habe dergleichen mir geben lassen. 
InteJ^" teuerdruck hier keine Rede ist, so hat Niemand ein 
seine^T’ Assessor zu wenig anzugeben, umsomehr als 
Angaben für die Besteuerung ohne Bedeutung sind. 
ist d A ^^^Grer Staat mit schon theurem Boden 
gebe 5 Raubbau bereits gründlich erschöpft haben müsste, 
aus à Auszüge aus der Statistik dieses Staates, 
^etztenTu sich der Ackerbau in den 
liefern bat, und welche den Beweis 
stie. ; "^"bau des Ackers in Illinois fortwährend 
einlcT, "^ue Culturen, Flachs und Sorghum, 
billig. Viehzucht, unter der Concurrenz der 
Wickel*^ eidestaaten im Westen, zwar sich nicht weiter ent- 
. aber auch nicht zurückging (Siehe Tabelle S. 66o.) 
Vinefield "'“Nächst eine Farm von 300 Acres nahe 
der vn L "'eiche einem Hotelbesitzer dieser Stadt gehörte, 
Hotels h und Butter für den Bedarf des 
dieser ^ einer grösseren Farm 
loo ^^■^uglichen Gegend, in welcher das Land 60 bis 
Dieser h ^ Stadt bis 300 Dollars kostet. 
'75 Dolk^ Fier Axre g^:ahk, 
dener . ^^"^bweine im Jahre, hatte 40 Milchkühe verschie- 
Stuten ^^^ber Racen, 14 Ackerpferde und eine Anzahl 
bause sowie Füllen. Neben dem stattlichen Wohn- 
grosser ^°blgepllegter Obstgarten und ein ca. 60 Acres 
bir çj- ^ ""Git gelichtet war, dass er gute Weide 
bot. F)' weidenden Pferde, Schweine und Rinder 
kühe o-T jahrein, jahraus im Freien, nur die Milch- 
^^bunn'"^ Winter gestallt. Aber am Hofraume sind 
den y u erbaut, mit Bretterdach und Bretterwand nach Nor- 
^et. Vieh im Winter Schutz sucht und fm- 
^^'^echs 1 " '^gGn eingezäunte Weideplätze, die 
^bee ^ "d abgeweidet werden. Man säet Klee und Timo- 
^üf dem Kentucky'sche „Blaugras“, das auch im Winter, 
Acker zu Heu geworden, grün und ein gern ge-
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        j^Gssenes, nahrhaftes Futter bildet. Die im Walde unter den 
ichen liegenden Eicheln dienen den Schweinen als Beifutter 
^ur Weide. Die Milchkühe werden im Winter mit Kleeheu 
jtnd Kleie, die Pferde mit Timothee-Heu und Hafer gefüttert. 
Schweine erhalten gedämpfte Abgänge aus der Hotel- 
^irthschaft und während der letzten Zeit ihrer Mast Mais in 
® Gn. Man zieht ihnen, wenn sie von der Sau genommen 
^rden, einen Kupferdraht durch die Nase, damit sie die 
eide nicht aufwühlen. Wir sahen eine sehr praktische 
^schinerie zum Entladen des Heues von den Wagen und 
^ Grtheilen desselben auf dem Heuboden. An den Balken über 
^niselben waren Rollen angebracht, über die ein Strick läuft, 
^ dessen einem, auf den Wirthschaftshof hinabhängenden 
^'ïde ein Pferd zieht, während das andere eine riesige eiserne 
el trägt, oder vielmehr eine Art Klaue. Diese wird in 
(^Gm Wagen liegende Heu gesenkt und packt etwa 
hth I^as Pferd zieht an und die Gabel 
do den Heuboden, woselbst ein Knabe es leicht 
K^f wo er es ablagern soll; dies geschieht ohne 
der^ weil die Rollen beweglich sind, über welche 
d^e r)urch eine einfache Vorrichtung öffnet sich 
und lässt das Heu dort fallen, wo es lagern soll. 
Wa^ grossen Behäbigkeit des Besitzers zeugten fünf Luxus- 
^^""^^^^Gdener Art. Reitponies für die Kinder, zahlreiche 
^^"de und vieles Geflügel, Puten, Enten, Hühner und 
Hu Boden hatte eine 4 Fuss mächtige schwarze 
wurde noch nicht gedüngt und, ausser wo er 
®‘de diente, nur mit Hafer für Futterzwecke und Mais 
brachte 60 Bushels Mais im Durchschnitte, 
die Molkerei war ein hölzernes Eishaus mit Doppel- 
Grbaut, in welchem eine Abtheilung für Aufstellen der 
geschaffen war. Sie stand in etwa 2’ .^ Fuss hohen. 
^ Durchschnitte haltenden Zinkcylindern, an denen 
^sstreifen der Länge nach von oben nach unten einge- 
Wiç j^"d in Grade getheilt war, damit man beobachten könne, 
Soijj- die Sahnenschicht über der dicken Milch sei und 
das Trennen der Sahne von der dicken Milch nicht vor
        <pb n="677" />
        662 
beendeter Aussahnung vorzunehmen brauchte. Durch einen am 
Boden des Gefasses -befindlichen Gummischlauch wurde dann 
die dicke Milch so weit abgelassen, bis die sich mit ihr sen 
kende Sahne den Boden des Gefasses erreichte. So geschah 
die Trennung von Sahne und Milch vollkommen und auf ein 
fache Weise. 
Von dieser Station fuhren wir weiter nach Süden un 
kamen immer tiefer in den „Maisgürtel“ des Landes. Meilen 
lang an der Bahn und von den Stationen auslaufend, sahen 
wir die aus Latten so hergcstellten Schuppen für Maiskolben 
dass die Luft durchstreichen kann und das Schimmeln un 
Auswachsen des Mais verhindert wird. Dazwischen standen 
Elevatoren, in denen die Maiskörner von den Kolben dure 
von Dampfkraft bewegte Schälmaschinen getrennt und dann 
der Mais, gerade wie Weizen, in hohen Silos gelagert wir • 
Die Maiskolben werden, zu etwa 75 Ceirts per zweispännig^ 
Fuhre, als Feuerungs- und Heizmaterial verbrannt. Etwa 
hundert Meilen nördlich von St. Louis läuft durch Illinois 
Grenzlinie, nördlich von der mehr Sommer-, südlich von 
nur Winterweizen gebaut wird. Auch durch die Mitte von Kn 
sas läuft diese Grenzlinie, nördlich von welcher Winterweiz^n 
unsicher wird, weil der Frost stark, die Schneedecke n ^ 
schwach ist und der Winterweizen oft ausfriert. Freih«^ 
kommt er in geschützten Lagen, an Flüssen und Südabhäng® ^ 
der Hügel, auch noch in Jowa, Wisconsin und Südminn^ 
sota vor. 
Bei der Station Elk Hart machten wir wieder Halt u 
besuchten einen Herrn Gillet, welcher uns mit liebenswürdigste 
Gastfreundschaft aufnahm und uns seine Besitzung zeigte- 
Derselbe ist einer der verhältnissmässig wenigen GrO 
grundbesitzer in Illinois und ein sehr reicher Mann, den 
auf über zwei Millionen Dollars Vermögen schätzt. 
42 Jahren fing er, als verhältnissmässig wohlhabender ^ ' 
jedoch höchstens mit dem fünfzigsten Theile seines heutig 
Vermögens, hier an zu farmen. Er kaufte damals den 
Acket 
Vermögens, inci ah 
vom Staate zum Nominalpreise von i'4 Dollar per 
Da aber die Regierung nach jedem Kriege, gegen Indi»
        <pb n="678" />
        663 
I 
Mexicaner, den gedienten Soldaten verkäufliche Home 
stead-An w eisungen auf je i6o Acres gab, die man beliebig 
^uf noch nicht occupirtem Lande auswählen konnte und diese 
billig von solchen Soldaten verkauft wurden, die nicht 
^st hatten, Farmer zu werden, so konnte man durch Ankauf 
®*ner Anzahl solcher Landanweisungen, die man für 50 Cents 
Acre und weniger zuweilen kaufte, leicht einen Gross- 
grundbesitz erwerben, der, wie jener des Herrn Gillet, kaum 
75 Cents per Acre baar gekostet hat. Seine Familie erwarb 
3nials ca. 50.000 Acres in Illinois, wovon sie langsam abver- 
^aufte, sowie das Land im Werthe stieg. Seit Jahren kauft 
Gillet schon wieder Land zu, wenn ein kleiner Farmer 
Ausverkäufen will. Jetzt ist sein Grundbesitz rund 100 Dollars 
P^r Acre werth. 
Das Land liegt meist in Sectionen à 640 Acres zusammen, 
^ur Wenige Sectionen liegen Seite an Seite und bilden so 
omplexe von 1280 Acres; die meisten stossen nur mit den 
zusammen, so dass sich schachbrettförmig andere Be- 
^Uzungen in die 12.000 Acres einschieben, welche Mr. Gillet 
sammenhängend um seine Residenz herum besitzt. Ausser- 
besitzt er noch 3000 Acres in kleineren Parcellen in den 
^uachbarten Grafschaften zerstreut. 
lernten wir eine ungemein praktische Bewirthschaf- 
^ S eines so zerrissenen Grossgrundbesitzes kennen, die sich 
Anderem dadurch auszeichnet, dass sie keine Ad- 
uistrationskosten verursacht und ein äusserst geringes 
I^M^^^^uantum kostet. Mr. Gillet administrirt selbst, ohne Bei- 
^ legend eines Beamten oder Rechnungsführers. 
3000 abgelegenen Acres bewirthschaftet er derartig, 
Hoo Acres als umzäunte Viehweiden benützt werden 
Ca Acres verpachtet sind, die entlegensten um Geld, 
^ 4 Dollars per Acre und Jahr, die näheren in Métayage, 
^tall und die Baulichkeiten, einfaches Holzhaus, Holz- 
Bferde und Schuppen für den Mais in Kolben, sowie 
all um den Gemüsegarten, liefert der Grundbesitzer, 
Debrige der Pächter. Als Pacht giebt letzterer die halbe 
® Von Mais und Getreide, von Gartengewächsen nichts.
        <pb n="679" />
        664 
Die 12.000 naheliegenden Acres werden zur Weide und 
Viehmast benützt, auch in ausgiebiger Weise durch Verpachten. 
Circa 600 Acres davon sind Wald. Sie liegen unmittelbar 
an dem sehr schön auf einem Hügel erbauten einfachen, aber 
geräumigen, netten und comfortabel eingerichteten Wohnhause, 
vor dem sich ein wohlgepflegter Rasenplatz, auf dem schattig^ 
Bäume stehen, ausbreitet. Der Wald enthält viele alte Eichen, 
Walnuss- und Ahornbäume, die jedoch nicht dicht genug 
stehen, um die Blaugrasweide zu schädigen, und ist von Wegen 
durchzogen, so dass er die Annehmlichkeit eines schöne 
Parkes mit den ökonomischen Nutzungen von Wald und Weide 
verbindet« Er ist eingezäunt und dient Pferden, Rindern un 
Schweinen als W^eide. Letztere ziehen Vortheil aus den Eichel 
Alles Vieh bleibt jahrein. Jahraus, ohne jeden Schutz, im Freien. 
Die Weideflächen nehmen ca. 7000 Acres ein und bestehen 
aus Blöcken von 640 oder 1280 Acres, die separat eingezaunt 
sind. Einige sind im Urzustand und tragen sehr schönes Blau 
gras. Andere sind bestellt gewesen und mit Timothee, K ^ 
und Blaugras dicht bewachsen. Sie sind so zahlreich, im Ver 
gleiche mit dem darauf gehaltenen Vieh, dass sie nie a 
gleichzeitig abgeweidet werden. Im Herbste schont man eimg®^ 
damit das Vieh in ihnen reichlich Winterfutter finde. 
Rest von 5000 Acres ist in kleine Farmen von 80 
400 Acres Grösse getheilt, die ebenfalls verpachtet sind, ^ ^ 
300 bis 500 Acres bestellt Mr. Gillet durch eigene Leu 
und Pferde. 
Mr. Gillet hat die oben erwähnten Baulichkeiten fur 
Pächter hergestellt und gestattet denselben die pachtfreie ^ 
nützung von Garten- und Kartoffelland. Auch wird 
Pächter erlaubt, auf einer begrenzten Zahl Acres Hafer, \\ 
und Gerste zu bauen, wovon er ersteren zum Pferdefuß 
braucht. Ferner darf er einige Milchkühe auf den 
Weideplätzen des Grundbesitzers mit weiden. Das gewonnene 
treide müssen die Pächter mit dem Grundbesizer theilen. 
weitem der grössere Theil des Bodens muss aber mit 
bestellt werden und ist dem Pächter vorgeschrieben, 'Vif 
er pflügen und wie oft er „cultiviren“, d. h. zwischen
        <pb n="680" />
        5gSs:r-:~~i 
Sie erhT “"d Saatgut geliefert, 
des so I P"" P"=hel. Uen grössten Theil 
Weizen verfüttert Mr. Gillet, 
en und zuweilen etwas Mais werden verkauft. 
Erde áL k' ™ dicht über der 
bis zehn Tu "“n" I ” Py^=‘'»iden von ca. acht 
S'engel uuTh davon gemacht; sie dienen - 
WSSg 
"'■"‘er eetrieh*^“*“^ T’ Rinder im 
sie q demselben emporwachsen. Man 
^'"gste TT"’ j^g« Schweine, Stuten, 
&gt;^en ’Tf !" u weiden im Sommer zu: 
Tiden und ""d kleereichen umzäunten 
'^freitoo %. ‘■"T'"'“““'' den von Kolben 
'kästet Wfs Sowie Stiere und solche Kühe, die ge- 
jenem*vir° geworden sind, erhalten 
Tg'l und K-*!!"’ Mnstsommer vorhergeht, Mais- 
^«¡de rv wohl auch etwas Heu als Zugabe zur 
T^dlere uLT“‘ """ ™ Sommer, weil sie dann 
":h! Viek T •'«“«■■0 Resultate giebt als im Winter. Natur- 
&gt; das im Winter im Freien bleibt, kann man in der
        <pb n="681" />
        666 
Kälte nicht mästen. Im Sommer beginnt die Mästung 
dreijährigen Rinder, die mit 3V2 bis 4 Jahren auf den Mar 
kommen. Sie ist eine combinirte Mast: die Rinder wei 
auf der üppigen Gras-, Thimothee- und Kleeweide und we^ 
den gleichzeitig gefüttert. Auf den Weideplätzen stehe 
etwa zwei Fuss hohe Tische auf soliden Füssen, von eine^^ 
^¡^ Fuss hohen Bretterkranze umgeben, ungeheure Schüsse^ 
darstellend, so hoch, dass die Schweine ihren Inhalt J 
reichen können, wohl aber die Rinder. Auf diese 
wird von den Kolben getrennter Mais und in den letzten se 
Wochen der Mast eine Mischung von Mais und Hafer 
worfen. Diese Futtertröge werden nie leer, so dass die m 
soviel Mais und später Mais und Hafer fressen können als 
wollen. Dazwischen grasen sie weiter. 
Diese Mästung hat ausserordentliche Resultate ergeben, 
etwa vierzig Jahren befolgt Mr. Gillet dies Futterprincip» 
mit gutem Landvieh begonnen und englische Shorthorn-b 
dazu gekauft, jetzt ist seine Heerde wahrscheinlich die 
in Amerika. Die Thiere ertragen die Kälte gut, sind 
gesund, bewegen sich viel und galoppiren noch, 
schon 2000 Ibs. schwer sind. Ihr Fleisch wird besonde 
schätzt, da es nicht so überfett ist, wie das von Ochsen, 
im Stalle gemästet sind. Es soll besonders schmackhatt, 
Fett „durchwachsen“ sein. Sie erreichen bis 2700 
Kopf und wiegen, je nachdem das Gras reichlich 
nicht, was von der Regenmenge abhängt, in 
Jahren 1800 bis 2000 Ibs. im Durchschnitte. Die Lhi K 
Fleischer und Exporteure für Europa zahlen dafür eine 
zugsweise hohen Preis. Alles Vieh erhält wöchentlicn 
Mal Salz zum Lecken, das Mastvieh eine Mischung 
asche und Salz. Wir haben nur einen Theil der 30^0 ^ 
starken Heerde — vielleicht 1800 Stück, Fettvieh, gißß 
Kühe und Bullen — gesehen und waren einig, dass w 
so grosse Zahl so vortrefflicher Thiere in unserem Le 
nicht beisammen gesehen. Sehr viele Thiere darunter 
fast unübertreffliche Muster reiner Shorthornrace vom sc 
Ebenmass,
        <pb n="682" />
        66 y 
Rech^"^' das Vieh früher direct, auf eigene 
íisch Europa. Seit importirte Rinder in den eng- 
schäf" geschlachtet werden müssen, hat er dies Ge- 
^ ^ufgegeben, aber andere Exporteure bringen noch 
Sie et 1 Exemplare seiner Heerde nach England, wo 
Kost bekannt sind und sehr hohe Preise erzielen. Die 
Voq ^ directen Exportes stellten sich vor drei Jahren 
lars Gimlet nach London auf ca. 30 Dol- 
Per Ochse. 
folgt" (^'Gser Art Landwirthschaft stellt sich wie 
gemolL kostet eine Jahresnutzung einer Kuh, die nie 
Die wird und bei der es sechs Monate saugend bleibt, 
lars atf Winter für vier, im Sommer für fünf Dol- 
Preises Weide — mit Zugrundelegung des heutigen 
macht Eandes, auf dem sie weidet — erhalten werden. 
Dies iq."r" K:alb ist dann 20 Dollars werth. 
er Kälk Pi’eis, den Mr. Gillet immer erzielen kann, wenn 
nicht ^Gekauft. Zur Zucht geeignete Bullkälber, die noch 
Solche R MHerbste 75 Dollars, 
loo i^ollars, nach dem ersten Winter resn. 
^oliars und 65 Dollars. 
40 Doh "^"''(^bgewintertes Ochskalb ist 28 Dollars, zweijährig 
^in Darauf, oder dritthalb Jahr alt, wird es 
Und an gemästet, den ersten Winter mit Mais am Kolben 
^^geben Stengel, den folgenden Sommer, wie oben an- 
Hafer 1^^^ ^er Weide mit Zugabe von Mais, Korn und 
(lessen ^0"sumirt durchschnittlich 150 Bushels Mais oder 
'^iegt ^2^q"ivalent in Hafer. Dreijährig oder vierthalbjährig 
(Unahni h bis 2000 Ibs. Die Gewichts- 
Haup^ ^ ^^tzten Mastjahres beträgt 700 bis 1000 Ibs. per 
Haup^ eideland wird im letzten Sommer V4 Acre per 
liis dahi Thiere daneben gefüttert werden, 
^'e niç w ^ Haupt; ebensoviel für Kühe und Bullen, 
^^'tiachf erhalten, bis sie ausser Dienst gestellt und fett 
Werden. 
'^'cht Hufen nun Sauen, Ferkel und Eber mit den 
steten Rindern auf derselben Weide und erhalten
        <pb n="683" />
        668 
weiter kein Futter. Wenn sie acht Monate alt sind, thut ma" 
sie zu jenen Mastrindern auf die Weide, welche mit Ma« 
und Hafer gefüttert werden. Aus deren Excrementen suc 
sie halbverdaute Körner heraus und mästen sich davon vo ' 
kommen und schnell. Es werden so viel Schweine gezogen, 
dass per Haupt Fettrindvieh drei fette Schweine zum Ve 
kaufe gelangen können. Sie werden im Durchschnitte 250 
schwer verkauft. . 
Um die 150 Bushels Mais zu erzeugen, welche ein 
und drei Fettschweine zur Mast gebrauchen, muss man in 
Regel 4 Acres mit Mais bestellen. Davon wurde der a^^ 
4 Dollars per Acre betragen, so dass sie 16 Dollars ac^ 
entgang kosten, ferner per Bushel 15 Cents Culturkosten 
22'¡2 Dollars, Summa 38Dollars; dazu y^ Acre ^ 
land mit 3 Dollars = 4V2 Dollars. Bis zu Beginn er 
période hat der Ochse 27 bis 28 Dollars für Nutzung 
Kuh und seine eigene Weide gekostet, macht in Summ 
bis 70 Dollars. Herr Gillet rechnet, dass es 60 bis 70 
lars in den verschiedenen Jahren thatsächlich kostete, ^ 
Fettochsen herzustellen. Die Schweine bringen in der ^ 
so viel Geld, wie das Mastfutter des letzten Jahres ko^.^ 
Sie kosten, wenn jung gekauft, 5 Dollars per Haupt, s 
sie soweit sind, dass sie mit den Rindern zusammen 
können. Wenn sie selbst gezogen werden, kosten sie 
weniger. Meist werden sie gezogen. Der Profit aus 
Schweinen hat sich im langen Durchschnitt so gestellt, 
man auf jeden verkauften Ochsen 20 Dollars Profit 
mit ihm geweideten Schweinen rechnen kann. Die ver 
Ochsen brachten, im langen Durchschnitte, 100 
Farm per Kopf, zusammen mit den Schweinen, die mi ^ 
gemästet wurden, 120 Dollars bei 60 bis 70 Dollars 
Nur eine Einsicht in die Geschäftsbücher, welche ^ 
langen unbescheiden gewesen wäre, würde mich in de 
setzen, zu ermitteln, wie sich das in dieser Wirthsc a 
legte Capital verinteressirt. Allein der Augenschein 
dass es eine hohe Verzinsung erzielt, und dass dies 
gung von Fettvieh erster Classe auch noch rentabel is ,
        <pb n="684" />
        66g 
^an in Wyoming, Montana und Texas Vieh auf sehr billigem 
de r Uebrigens spricht für die Rentabilität 
do^ a™ besten der Umstand, dass Mr. Gillet ein 
oppelter Millionär dabei wurde, obschon er acht Kinder 
^c^nzend erzog und eine weit bekannte, splendide Gastfreund, 
tun^" geübt hat. Allein die Wirthschaftseinrich- 
Le ^ geradezu genial.. Die Administration kostet gar nichts, 
j Werden fast nicht gehalten, da das Vieh auf umzäunten 
Vieh die Combination von Schweine- und Rind- 
(j¡ (lie vollste Ausnützung des Futters zu. Auch 
Und Pferdezucht bringt erheblich ein. Wir sahen sehr edle 
Sehr (wuchtige Gebrauchspferde verschiedener Racen, alle 
Hen ""d hart, da sie stets im Freien sind; alle 
nie Stuten waren auf der Weide geboren und hatten 
sehr^*" erhalten, höchstens etwas Heu in 
raus Wintern. Wie geringe die Steuern sind, geht da- 
^Och welcher ausser seinen 13.000 Acres 
^tadt g^"ze Anzahl von Häusern in der benachbarten 
*50 0 grosses Hotel, besitzt und ca. 120.000 bis 
Stei, °° l^ollars Netto-Einkommen hat, nur 7000 Dollars 
^rn. Alles in Allem, zahlt. 
mit Herrn Gillet machten wir die Be- 
_ eines irischen Pächters auf dieser Besitzung, der 
War Leitungen las und einer der radicalsten Charactere 
Sagte T m Amerika getroffen. Sein Grundherr 
'■^cht irischen Gesellschaften angehöre. Er über- 
dass d* zuversichtlich abgegebenen Mittheilung, 
genie-*^ »rische Agrarbewegung nur der Anfang einer all- 
hahg europäischen Agrarbewegung sei, die zum Ziele 
In 2u Bebauer des Bodens zu seinen Besitzern zu machen, 
lieh ^^^"»menhang mit der Bewegung in Russland und neuer- 
di^sg Farmern in Schottland und England, gewinnt 
j ^hauptung Bedeutung. 
P'arnt^ ^erfolge der Reise sahen wir eine alte amerikanische 
^»»rch Station Lincoln, die von einem intelligenten 
160 "ittsfarmer gehalten wurde. Die Farm war nur 
eres gross und 1863 vom jetzigen Besitzer um 32 Dol-
        <pb n="685" />
        670 
lars per Acre, Fundus instructus inclusive, gekauft. 
wurden 100 Dollars per Acre geboten, aber nicht acceptift- 
Von dieser kleinen Farm hatte der Besitzer 40 Acres verpachtet, 
einen eigenen kleinen Wirthschaftshof nebst Haus fur den 
Pächter darauf gebaut und empfing zwei Drittel der Mais- un^ 
ein Drittel der anderen Kornernte als Pacht. Den Rest 
120 Acres bewirthschaftet der selbst arbeitende Farmer ni^ 
Hilfe eines Knechtes. Die Farm besass ein schönes, 
eingerichtetes Wohnhaus, Ställe und Scheuer, Alles von Ho^, 
eine Windmühle zum Wasserpumpen und Enthülsen 
körner, sowie zum Schroten. Ein geräumiger Obst- und We* 
garten umgab das Gehöft. Der Farmer betneb aujgie &amp; 
Schweinezucht und etwas Rindviehzucht; das Vieh weidete ^ 
Sommer und war im Winter auf dem offenen Hofe, wo 
Schutz hinter einigen Strohschobern fand. Fünf Milc 
und die Kälber waren gestallt, empfingen Heu, geschrote^_^ 
Mais, Hafer und Kleie. Die Schweine, denen Draht durch 
Nase gezogen war, damit sie nicht wühlen können, weide 
mit dem Rindvieh auf derselben Weide. Rindvieh wu 
nicht gemästet, wohl aber Schweine. Mais, Roggen und We 
wurde verkauft. Aller Dung und noch jährlich ca. 300 P" 
Dung aus der benachbarten Stadt wurde auf das F'e 
fahren. Er wirkte zehn Jahre sichtbar nach und au 
Jahre sehr ausgiebig, so zwar, dass die Ernte im Dure sc 
jährlich zehn Bushels mehr ergab, als bei Nachbarn, die 
düngten. 12 Acres waren mit Weizen bestellt, unter 
Timothee gesäet war, 15 Acres mit Roggen, 20 
Hafer, 75 Acres mit Mais. Timothee wird im nächsten J 
zu Heu geschnitten. Vor Weizen war gedüngt. Der ‘ 
verkaufte ca. 50 bis 75 Fettschweine im Jahre, a 2^ ‘ 
Ibs., eine ausrangirte fette Kuh und einige junge u 
Ochsen; daneben für 2400 Dollars Mais und ^etre« 
vorigen Jahre. Das Brutto-Einkommen betrug 
Jahre rund 4000 Dollars. Die Productionskosten des 
stellten sich, je nach Ergiebigkeit der Ernte und ohne 
rente, auf 12’/, bis 15 Cents per Bushel. 
In der Stadt Lincoln lernten wir einen Deutschen,
        <pb n="686" />
        671 
Sch“f ^ ^Gnnen, der seit dreissig Jahren hier mit Land Ge- 
^ macht und Administrator der Besitzungen des Eng 
in I Dieser letztere Herr besitzt Grundstücke 
Pä h wurde aber schon ira Jahre 1869 von seinen dortigen 
^¡^chtern angeschossen und hat noch zwei Kugeln im Leibe; 
and^*^ Beamten wurde bei dem Rencontre getödtet, ein 
Wend verwundet. Seitdem wohnt er in London und vér 
in seinen Jahresüberschuss zu Landankäufen in Amerika. 
fuhren wir über eine 70.000 Acres grosse Be- 
Sk wir von Cranes Ranche zurückkehrten, 
niin "^Gr 200.000 Acres, zum Theile in Kansas, 
sitzu^'^ Nebraska gelegen. Der grösste Theil seiner Be- 
Skoll^ Kansas wird noch gar nicht benützt und zahlt Mr. 
'■egelmässig die geringe Steuer dafür. Alle andern 
kleinen Farmen verpachtet, auf ein bis 
die G Barmer haben Alles selbst anzuschaffen, auch 
^erka f herzustellen, die sie an den Nachfolger 
auf Bin solches System existirt meines Wissens nur 
Besitzungen des bankerotten Fürsten zu Putbus auf 
Hefr R" beträgt von i3 '4 bis 3 Dollars per Acre. 
Barm auch selbst Boden in Illinois, den er mit 
versehen hat. Er verpachtet ihn um die halbe 
seineq p. vortheilhafter als Geldpacht. Er schreibt 
mit , , achtern vor, dass sie den vierten Theil des Ackers 
stellen ^^izen, Roggen, Gerste, Hafer be- 
vier T anderen Farmen des Engländers wird 
Weizen ^'"^^''^'"ander Mais, dann Hafer, dann Winter- 
durch" Wieder drei bis vier Jahre hin- 
tvir^j j. gebaut. Ist der Boden ganz verunkrautet, so 
gesäet, das nächste Jahr von 
deu) abgeweidet und dann wieder Mais gepflanzt, von 
^^tiierkh^ Jahre hindurch in dieser Gegend Ernten, ohne 
in diese Erschöpfung des Bodens, hatte. Heu macht man 
in IliinQ^^ ^Ggend wenig, da es zu viel regnet. Der Boden 
Mr. Indiana ist überhaupt zu nass, und drainirt 
^^chter\^^ successive seine ganze dortige Besitzung. Die 
aben die ersten drei Jahre von der Drainirung keinen
        <pb n="687" />
        672 
Nutzen. Maschinen sind bisher nicht mit Erfolg zum Drain- 
graben benützt worden. Man macht Alles mit Spaten. 
Die Steuern des Engländers betragen in Illinois von 20 bis 
35 Cents per Acre, der 2 bis 3 Dollars Pacht hier ergicb 
Das Pachtsystem ist aber schlecht, und als einige schlechte 
Ernten folgten, bedrohten die Pächter in Illinois den Agenten, 
Herrn Könele, so dass er ihnen 40 Percent vom Pacht nac ' 
Hess. Der Hauptgewinn Skollet’s liegt in der enormen PreiS^ 
Steigerung des Landes. Aller Ertrag aus der amerikanisch^ 
Besitzung wird zu neuen Landankäufen verwendet. Man sa^ 
nicht zu viel, wenn man behauptet, dass in acht bis 
Jahren englische Capitalisten, besonders aus dem Stande 
Grossgrundbesitzer, mehr Grundrente aus Nordamerika, it* ^ 
Canada, beziehen werden als aus England, Schottland u 
Wales zusammen.
        <pb n="688" />
        43 
XXXVII. Capitel, 
Molkerei-Industrie. 
Union exportirte 
Jah 
1871 
1872 
&gt;873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
1881 
Ibs. 
e 
39 
77 
4 5 
4'3 
6-3 
4-6 
215 
21-8 
38-2 
853 
392 
3i'5 
1,498 
952 
1.506 
1.092 
1.109 
4.424 
3-931 
6.690 
5.421 
6.256 
21*5 
19 4 
25 o 
23 7 
239 
20 6 
180 
63 6 
198 
14-2 
171 
66'2 
80 3 
10.498 
130 
90 6 
97 6 
lOI o 
107 3 
123*7 
141*6 
8.752 
127*5 
147*9 
7.752 
11.898 
13659 
12.270 
12.700 
14.103 
12.579 
I 13*8 
i6,38&lt; 
12.171 
11*7 
13*1 
13*5 
II 8 
12*5 
8*9 
11*4 
9*5 
I 1*0 
'5*4 
8*2 
19*0 
16*4 
152 
19*4 
12*2 
24 0 I 
.^“’■'‘-Amerika exportirte; 
^ibs.*' II '9 I 26 J 19 I ,6 
II 72 I 82 I 100 I 114 
9*2 
32*3 
15 
'33 
12*2 
35*0 
16 
132 
146 
35*9 
36 
143 
13*0 
38*0 
34 
161 
'4*5 
49*6 
52 
191 
18 8 
43*4 
58 
170 
Port Tu Butterproduction für den Ex- 
sehr stark ° Jahren stabil geblieben, hat aber den Käseexport 
entwickelt. Die Union hat dasselbe mit 
gethan; er hat sich fast verzehnfacht, der 
^!ch der Hn.. verdoppelt. Aus ganz Nordamerika hat 
^erdonnrir^ verdreifacht, der Käseexport etwas mehr 
da elf • \ Butterexport stabil, 
steigt voTT I schnell, auch der Käseexport 
Preise ner t* "^^^^"^^ssig. Gleichzeitig fallen die Export- 
Ueh ^Gider Artikel. 
u^ ^''^'^"ction von Butter und Käse giebt die fol- 
nichtAufschluss, wobei aber zu bemerken ist, dass 
^^ctoreien \ Käsefabrikation in den sogenannten 
'■“cipe enthalten ist, sondern nur das auf den Farmen Pro- 
'Weiterhin Factoreiproduction folgt das Bekannte 
'7*6 
49*2 
49*' 
'97*'
        <pb n="689" />
        674 
Molkerei-Statistik der Union: 
Milchconsum, Butter- und Käse-Production auf 
den Farmen. 
Staat 
Milchkühe looo 
1850 i860 1870 1880 
Alabama 
Arizona 
Arkansas 
Columbia 
Florida 
Georgia 
Louisiana 
Mississippi 
N.-Carolina 
S.-Carolina 
Tennessee. 
Texas . . 
Neu-Mexico 
Colorado . 
Utah . . 
Virginia . . 
West-Virginia 
Wyoming. . 
California, . 
Oregon . . 
Washington . 
Idaho . . . 
Rhode-Island. 
Dakota . . 
Delaware . . 
Montana . . 
Nevada . . 
Maryland . 
Connecticut . 
Maine . . . 
Massachusetts 
N.-Hampshire 
New-Jersey . 
Pennsylvanien 
New-York 
Illinois . 
Indiana 
Jowa . 
Kansas. 
Kentucky 
Michigan 
Minnesota 
Missouri 
Nebraska 
Wisconsin 
Vermont 
Ohio 
227 
93 
230 
171 
4 " 
317 330 
230 
170 
128 
61 
1041 
Erzeugte Butter je 1000 Ibs. 
1850 I i860 1870 1880 
Käseproduction je 
Union . . .Il6.385l8.585l8.935 
4.008 6.028 
83 
11.089 
3.806 
6.498 
9.243 
8.071 
6.977 
9.487 
39 878 
316 
13.464 
309s 
I.OOO 
995 
1.055 1.430 
7 
5.265 
7.620 
11.687 
8.297 
6.956 
10.714 
58.653 
79.766 103.097 
28.052 
18.306 
II 953 
1.093 
11.716 
15.503 
2.957 
12.704 
342 
13.611 
15 900 
48.543 
12.526 
12.881 
2.171 
9.947 
7.065 
I 
7.834 
3.633 
12.137 
34.449 
3.213 
5.014 
6.716 
11.636 
6.559 
5.965 
8.266 
60.834 
107.147 
36 083 
22.915 
27.512 
5.022 
11.874 
24.400 
9.522 
14.455 
1.539 
22.473 
17.844 
50.266 
1850 
1.052 
II. 470 
9.309 
IOS 
14 084 
2 443 
1.356 
310 
1.007 
2.000 
1.876 
403 
305 
7.485 
8.1*8 
14.103 
9.609 
7.247 
9.513 
79.336 
III. 922 
53-657 
37.377 
55-481 
21.671 
18.211 
38.821 
19.161 
28 572 
9 725 
33.353 
25.240 
67.634 
31 
i860 I 1870 
36 
203 
400 
8.720 
20.819 
15 
16 
12.488 1I313.345I459.681I514.072I777.215 11105.535 
3.898 
1.79P 
5.249 
2.232 
lbs. 
1880 
81 
25 
tr 
il 
.257
        <pb n="690" />
        675 
Die nun folgende Tabelle giebt die Zahl der Käsefacto- 
reien im Jahre 1870 mit einigen Details. 
Staat 
Zahl 
der ' A’’* 
Facto- I beiter 
reien , 
Capital 
Dollar« 
Löhne 
Dollars 
Total- 
Milch I Käse 
Gallonen 
1000 Ibs. 
"3 5 u , 
■£ I werth der 
|1¿ I Producte 
Doll, i Doll. 
Colorado 
Connecticut 
Illinois 
Indiana 
Jowa 
Kansas 
Kentucky 
Massachuset 
Michigan 
Minnesota 
Missouri 
Montana 
Nebraska 
N.-Hampshirt 
New-Jersey 
New-York 
N.-Carolina 
Ohio 
Cb^gon 
ennsylvania 
Vermont 
Virginia 
Wisconsin 
1 
7 
69 
«7 
14 
1 
4 
23 
30 
2 
I 
1 
5 
2 
8 
818 
3 
»95 
1 
27 
28 
2 
54 
1 
18 
197 
30 
42 
3 
16 
66 
lOI 
5 
2 
2 
9 
5 
25 
1.800 
9.600 
191.400 
26.270 
25.415 
1.200 
31.600 
85.330 
122.750 
6.300 
300 
3.200 
5.650 
3.000 
9.200 
1.140 
32.720 
1.550 
3.700 
300 
6.700 
15.399 
13.320 
475 
? 
350 
350 
370 
4.756 
2.934 ¡2.329 4001450.889I 
15 
759 
3 
93 
92 
12 
177 
14.500 2.420 
474.970I116635 
800 480 
109.750 
107.700 
3.200 
126.740 
19.074 
18.305 
650 
16.982 
5 
271 
4.748 
130 
248 
15 
265 
2.070' 
1.925I 
371 
2! 
29! 
3'| 
440 
83.345: 
44: 
»5.746I 
391 
2.034: 
3.2:71 
&gt;3, 
:.797i 
4 
231 
4.072 
107 
256 
15 
246 
1.885 
1.650 
37 
9 
2 
32 
23 
440 
78.006 
48 
15.984 
40 
1.647 
2.984 
12 
1.696 
1.280 
38.024 
557.356 
16.076 
44.590 
2.700 
42.000 
321.900 
239.659 
5.850 
1.943 
800 
7.270 
4.650 
52.147 
20.471 12.164.065 
9.760 
2.287.804 
840 
268 702 
445.323 
2.310 
249.056 
I.OOO 
70 
1.950 
2.875 
450 
33780 
500 
il » 3:3 I 4.607 13.690.075I706.5661116.466! 109 435|6i.096| 16.771.665 
Der Census für 1880 enthält folgende Angaben über die 
Molkerei-Factoreien. (S. Tabelle S. 676.) 
Diese Uebersicht zeugt vom Wachsen der interessanten 
Industrie, welche in Europa noch nicht eingebürgert ist, und 
Von ihrer lokalen Verbreitung, namentlich nach dem Westen. 
Die Zahl der Milchkühe nimmt sehr schnell zu und über- 
gewiss jetzt schon 15 Millionen Stück. 
Die Kühe werden sehr zweckmässig gehalten, weiden im 
oinmer und werden nebenbei gefüttert, was ihrer Gesundheit 
uträglich ist. Weide und Futter werden sorgfältig vorbereitet. 
Dernier theilt 
in 
einer Brochure hierüber das Interessanteste 
wozu ich nur noch zu bemerken habe, dass in neuerer Zeit 
le Fütterung mit Futter, das in Gruben aufbewahrt ist, nach 
bei uns zwar längst bekannten aber zu wenig benutzten 
43*
        <pb n="691" />
        n 
676 
Staat 
Union 
Arizona 
Californien 
Colorado 
Connecticut 
Dakota 
Delaware 
D. Columbia 
Idaho 
Illinois 
Indiana 
Jowa 
Kansas 
Kentucky 
Maine 
Maryland 
Massachusetts 
Michigan 
Minnesota 
Missouri 
Montana 
Nebraska 
Nevada 
N.-Hampshire 
New-Jersey 
New-York 
N.-Carolina 
Ohio 
Oregon 
Pennslyvania 
Tennessee 
Utah 
Vermont 
Virginia 
Washington 
W.-Virginia 
Wisconsin 
3.923 
2 
216 
2 
16 
4 
3 
1 
6 
285 
49 
244 
48 
8 
41 
14 
22 
74 
27 
30 
3 
21 
2 
1.652 
2 
452 
I 24 
146 
2 
11 
85 
4 
2 
7 
414 
D°o°n. 
9.604 
2 
1.039 
11 
36 
IO 
18 
IO 
15 
933 
82 
657 
81 
20 
82 
22 
97 
129 
71 
123 
IO 
81 
3 
IO 
42 
3-576 
I 
948 
192 
395 
I 
22 
202 
Milch 
consu 
mir! 
1000 lbs. 
Käse 
fabri- 
cirt 
looolbs. 
Werth 
DoU. 
Butter 
fabri- 
cirt 
Ibs. 
33 
16 
7 
613 
2.747.427 
184 
57.471 
667 
10.621 
125 
620 
1.825 
1.098 
316.636 
20.826 
181.635 
7.983 
1.276 
7.637 
5.821 
16.671 
35.161 
6.424 
9.185 
470 
4.443 
87 
2.539 
9.683 
385.333 
19 
325.527 
3467 
98.218 
198 
1.645 
48.440 
964 
1.684 
987 
181.841 
171.750 
17 
1154 
64 
201 
97 
4 977 
1.153 
2.302 
791 
777 
1.093 
3.291 
452 
550 
24 
273 
36 
108.722 
j 7.808 
146 
6.087 
9 
140 
4.575 
26 
70 
96 
16.806 
Ensilagesystem sehr be 
13.991 
6 
122 
8 
19 
12 
462 
III 
215 
70 
73 
99 
292 
41 
54 
4 
26 
IO 
8.720 
1.361 
18 
487 
1 
18 
389 
2 
7 
IO 
1.340 
16.471 
2.074 
2 
93 
5 
25 
3 
2.414 
281 
5.458 
11 
49 
6 
190 
52 
9 
62 
126 
9 
20 
3 
99 
15 
4.197 
I 
235 
84 
453 
3 
12 
5 
29 
47 
I 
Doll. 
In cotnbinirten 
Butter-u. saure 
Milch u. Käse- 
fabr. erzeugte 
Butter 
Ibs. 
3.868 
467 
28 
591 
87 
1.304 
2 
14 
I 
69 
28 
I 
14 
32 
3 
4 
I 
27 
3 
870 
39 
24 
I IO 
1 
2 
I 
8 
11 
99 
12.950 44.134 
Käse 
Ibs. 
Milch 
erzeugt 
126 
67 
4.136 
53 
724 
342 
4.752 
1.852 
533 
23 
155 
15.240 
155 
473 
62 
277 
221 
IO 
39 
50 
466 
12.076 
12.553 
1.870 
Con- 
45^ 
des Ma 
terials 
Doll. 
Ibs. 
25.74^ 
8.363 
59O 
Alle 
Fabriken 
Werth ioooD‘- 
desPro- 
ducts 
13.033 1.547 
453 
3.645 
108 
8.826 
28 
447 
18 
1.052 
339 
5 
87 
I 
4 
36 
6 
2.840 
157 
1.261 
43 
7 
47 
60 
128 
318 
38 
65 
4 
27 
o'8 
20 
85 
8.848 
o-i 
1.985 
20 
655 
o-i 
12 
284 
6 
II 
6 
386 99 103 446 
iebt geworden ist. Auch über die 
Zweckmässigkeit der lichten und luftigen Stallungen findet man 
das Nöthige bei Semler. 
Immer mehr verbreitet sich die fabrikmässige Herstellung 
von Butter und Käse in den sogenannten Dairy-Factoreien, 
die seit etwa 30 Jahren, 1851 im Staate New-York zuerst, ent 
standen sind. Sie haben sich allmählich nach Canada, dann 
1.036 
9 
134 
i 
7 
44 
13 
'■i 
14 
75 
87 
194 
96 
7 
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27 
‘■i 
2* 
,8 
lO 
1.50'
        <pb n="692" />
        nach clem Westen der Union verbreitet. Ihr Wesen besteht 
darin, dass die Milch von den Farmen nach einer central ge- 
legenen Fabrik befördert und hier zu Butter oder Käse ver- 
^beitet wird. 
Die erste Käsefabrik westlich vom Staate New-York ent 
stand 1862 in Ohio. Im Jahre 1864 wurde die „New-York 
State Cheese-Manufacturers Association" gegründet, die sich 
dann in die „American Dairymen’s Association“ verwandelte, 
olche Associationen giebt es jetzt in den meisten Staaten der 
nion und auch, neben einer Hauptbörse für Molkereiproducte, 
zahlreiche Localbörsen dafür in den Staaten. 
Die Fabrik gehört entweder einem Unternehmer, der die 
Milch gegen festen Preis kauft, oder sie wird auf Rechnung 
der die Milch liefernden Farmer genossenschaftlich betrieben 
und der Gewinn nach Maassgabe der gelieferten Milch getheilt. 
Zuweilen fahrt jeder Farmer morgens seine Milch in die Fac- 
^rei; meist hält dieselbe Gespanne, welche die Milch auf den 
Farmen sammeln. 
Zum Zweck der Butterbereitung wird jetzt meistentheils 
uur noch die Sahne nach der Fabrik gesandt, was nicht nur 
Weniger Transportkosten verursacht als der Transport der Milch, 
sondern die abgesahnte Milch auch als Schweine- oder Kälber- 
utter auf der Farm lässt. Die Milch steht in Zinkcylindern 
von bestimmtem Querschnitt, die z. B. 60 Ibs. Milch halten, 
in Glasstreifen läuft von oben bis unten in der einen Seite 
Kanne und ist gradirt. Man kann durch ihn sehen, wann 
Milch ausgesahnt ist und wieviel Zoll Sahne auf der Milch 
stehen. Die dicke Milch wird unten durch einen Hahn abge- 
ussen, bis die Sahne den Boden berührt. Dann wird alle 
ahne in einer Kanne gesammelt und auf die Fabrik geschickt, 
lässt man sie zur Ruhe kommen, misst die reine Sahne 
Zollweise und schreibt sie dem betreffenden Farmer zu Gute. 
Seit dem Jahre 1880 bürgert sich die Centrifugalmaschine 
Sondern der Sahne von der Milch in den amerikanischen 
utterfactoreien ein. Mir liegen die Angaben aus der Farm 
Herrn Burnell in Deerfor, Massachussetts, vor. Nach der 
o Steiner Sahnenmethode waren 29.2 Ibs. Milch, nach der
        <pb n="693" />
        678 
Eismethode 28.5 lbs., nach der Anwendung der Centrifuge 
26.5 lbs. Milch erforderlich, um i Ib. Butter zu erzeugen. 
Allgemeinen braucht man in Amerika nicht soviel Milch zur 
Erzeugung von i Pfd Butter. Man rechnet, dass 23 bis 24 Ibs. 
Milch ein Ib. Butter und 9’ 4 Ibs. Milch ein Ib. Käse liefern. 
Vielfach wird die Abends gemolkene Milch in der Frühe ab 
gesahnt und mit der frischen Morgenmilch gemischt in die 
Käsefabriken gesandt. Es giebt Fabriken, in denen aus 
solcher Sahne und Milch sowohl Butter als auch Käse ge 
macht wird; sie sind oben in der Tabelle für 1880 als solche 
bezeichnet, welche Käse aus saurer „skimmed“ Milch machen. 
Auch wird nicht wenig Käse von ganz ausgesahnter Milch 
fabricirt. 
Man betreibt die Butter- und Käsefabrikation nur in ca. 
6',4 Sommermonaten. Auf einer Factorei hat man die Milch von 
55 bis 800 Kühen. Im Durchschnittsjahr 1874 ergaben die 
Kühe von 127 Fabriken in 6.24 Monaten der Saison je 377 
Gallonen = 3.241 Ibs. Milch. 
Die Jerseykuh ist jetzt die beliebteste, die Holsteinkuh 
hatte vor ihr den besten Ruf, auch benutzt man einige eng 
lische Rassen, die nicht übel melken und doch auch ein gutes 
Schlachtgewicht liefern. 
Je weiter sich die Fabrikation von Käse und Butter nach 
dem Westen zog, desto vollkommener wurde das Transport 
wesen. Im Jahre 1880 wurde Butter von Chicago in Refrigerator 
Waggons nach Boston und von da mit Dampfer nach Liverpoo 
mit 1.70 Dollars Kosten per Centner versandt — 4500 englische 
Meilen! Auch auf den Dampfschiffen, welche die Butter nac 
Europa bringen, ist sie in Kühlkammern aufbewahrt und kom^^ 
vollkommen wohlerhalten bei uns an! Diese grosse Industrie Wi ^ 
seit einigen Jahren durch die Herstellung von „Kunstbutter 
schwer geschädigt. 
In Chicago gab es 1880 an 20 Kunstbutterfabriken. 
Rindstalg wird mit Alkalien behandelt und bei gering^^ 
Hitze gepresst. Das abgepresste Stearin wird an die Farm 
im Lande verkauft, wird zu 85 pCt. mit 15 pCt. Butter g
        <pb n="694" />
        679^ 
*^ischt und wandert dann als „Landbutter“ auf den Markt 
oder in s Ausland. 
Schweineschmalz wird in ähnlicher Weise zur Herstellung 
von Butterine verwendet. Da alle diese Producte bei geringer 
Hhze hergestellt werden, sollen sich Trichinen in ihnen halten 
können. Nicht nur kommt die so verfälschte Butter nach Eu 
ropa, sondern Oleomargarin wird direct versandt und in Eu- 
*‘opa mit Butter, die hier erzeugt ist, gemischt. Die Holländer 
sollen einen sehr schwunghaften Importhandel mit amerika 
nischen Buttersurrogaten treiben, die sie zur Herstellung ihrer 
erühmten Export-Butter verwenden. Dass die amerikanische 
utter auf die verschiedenste Art gefärbt und ihr künstlich 
möglichst schönes Aussehen gegeben wird, ist selbstver 
ständlich. Im Jahre 1880 wurden 25 Millionen Ibs. Oleomar 
garin und ausserdem noch Oleo-Oel exportirt. 
In den Käsefabriken betreibt man ebenfalls Fälschung in 
grossem Maassstabe. Man entsahnt die Milch bald nach dem 
elken — was ja jetzt durch die Centrifugalmaschine möglich 
Dann macht man sehr schöne Butter aus der süssen 
ahne. Der entsahnten Milch setzt man, auf mechanischem 
^ge innig beigemischt, Schweineschmalz soweit als nöthig zu 
^nd macht dann Käse daraus, dem man Fett in beliebigem 
rade geben kann. Man profitirt den Unterschied im Preise 
j^on einem Pfund Butter gegen ein Pfund Schmalz. Da dieser 
ase recht gut —angeblich — schmeckt, so sehe ich freilich 
t ein, wer durch dies Verfahren geschädigt wird, abge- 
cn davon, dass es ein Betrug bleibt, Schmalzkäse an Stelle 
'^on Süssmilchkäse zu verkaufen. 
Im November waren die Butterpreise fiir die einzelnen 
, ®sten Handelsmarken : 
a creamery, fancy 38c.; State dairy, half firkin tubs 
Uoh 34c. a. 35c.; do., firkins, 30c. a. 31c.; half firkin 
^ s and pails, good to prime, 29c. a. 31c.; half firkin tubs and 
^o good, 27c. a. 29c.; Western creamery, fancy, 37c. a. 
32c * choice, 35c. a. 36c.; imitation creamery, 23c. a. 
^ ^airy, fresh, choice, 27c. a. 29c.; dairy, good to prime, 21c. 
^3c., dairy, fair to good, i8c. a. 20c.; factory, choice 18c. a. 19c.
        <pb n="695" />
        ■js: 
i 
680 
Die Preisschwankungen im Grosshandel gehen also von 
18 bis 38 Cents per Ib. — Käsepreise: 
State factory full cream do. do., choise, 12'/^c. a. 
la'/gC.; do. do., fine 10V2C. a. ii'/ß c.; do. Ohio flat, choice^ 
i2i/^c. a. I abac.; do. do., fair to good iic. a. ii^/^c.; creamery 
skims fine, 7c. a. 8c.; do., fair, 5c. a. 7c.; do. do., ordinary 
2c. a. 4c. 
Hier sind die Preisunterschiede noch grössere. — Die Ver 
fälschungsmittel kosteten: Talg 8V2 Cents per Ib., Schmalz per 
tierce 11%—12 Dollars. 
In Amerika wird — in abgelegenen Orten, im Felsenge 
birge, auf Jagdpartien, hie und da in den Südstaaten, viel con 
densate Milch, in Zinkbüchsen aufbewahrt, consumirt. Die 
selbe wird grossentheils schon im Lande erzeugt. Eine solche 
Condensir - Compagnie in Elgin, Illinois, bot für Sommer 
1882 13 Cents per Gallone, oder 1.56 Dollars für 100 Ibs. 
Milch, die Farmer aber verlangten 15 Cents. Diese Fabrik 
verarbeitet 3500 Gallonen täglich.
        <pb n="696" />
        XXXVIIl. Capitel. 
Durch Michigan nach Ostcanada. 
Der Indian-Sommer setzt in Nordamerika später ein als 
bei uns der Altweibersommer, und ist mit Ausnahme des 
Frühlings die angenehmste Jahreszeit. Der Sommer war i88i 
ungewöhnlich heiss. In der Ebene des Mississippi und in der 
Wüste von Arizona und Südcalifornien war er für Europäer 
fast unerträglich. Darauf folgte die sehr stürmische Aequi- 
noctialzeit mit recht widerwärtigem, nasskaltem Wetter. Es 
gab im Gebirge heftige Schneestürme und in den Ebenen 
stellenweise wolkenbruchartigen Regen. Viele Flüsse, darunter 
der Mississippi selbst, traten aus, brachen die Dämme und 
richteten Verwüstungen an, deren Schaden sich auf Millionen Dol 
lars beläuft. Dann legten sich die Stürme und Frost setzte ein, 
jedoch nur für anderthalb bis zwei Wochen. Die Sonne blieb 
hell und der Horizont durchsichtig, aber die Luft wurde ruhig 
und milder; von lo Uhr bis halb 4 Uhr war es entschieden 
warm, die Strassen thauten etwas auf, doch blieb Frost im 
Grunde. Von 4 oder 5 Uhr Nachmittags fror es dann wieder, 
ohne jedoch mehr als drei bis sieben Grad Reaumur unter 
Null zu erreichen. Die Luft war sehr trocken, frisch und 
stärkend. Alle Welt wurde heiter und überall hörte man bei 
Begegnungen von Bekannten und Freunden: „Schöner Tag, 
nicht wahr?« „Sehr schön — very nice — in der That!“ 
Am Ende der Sturmperiode langte ich, von New-York 
kommend, wohin ich Mitte October die Herren Grafen Imre 
und Geza Széchényi, Ernst Hoyos und Baron Gudenus be 
gleitet hatte, die sich damals schon für Europa einschifften. 
Während Graf Andrassy und ich noch bis Dezember in Amerika 
hlieben, in Chicago an, um mit Graf Geza Andrassy zusammen-
        <pb n="697" />
        4 
682 
zutreffen und noch einige Studienzüge durch den Nordosten 
zu machen. Wir verliessen Chicago noch bei recht schlechtem 
Wetter, aber als wir in Niagara ankamen, begann der Indian- 
Sommer im Ernste. 
Wir fuhren zunächst nach Wayne, nordwestlich circa dreissig 
Meilen von Chicago in Illinois gelegen, und besahen hier das 
grosse Gestüt des Mr. Dunham. Dieser Herr war auf jener 
Farm, die trefflichen Boden hat, geboren. Sein Vater betrieb 
darauf Rindviehzucht. Der junge Herr sah auf einer land 
wirthschaftlichen Ausstellung in Chicago den ersten Percheron 
Hengst und kaufte ihn, da ihm dieser Schlag Pferde für den 
Gebrauch in grossen Handelsstädten als Karrenpferde nützlich 
zu sein schien. Das alte Thier, jetzt ein Vater zahlreicher 
Geschlechter, lebt noch und erhält das Gnadenbrod. 
Die Aufzucht und Kreuzungsproducte dieses Percheron- 
Hengstes mit dem gewöhnlichen Illinois-Pferde bewährten sich 
so gut, dass Mr. Dunham demnächst einige Hengste nach- 
kommen liess. Später ging er selbst wiederholt und zuletzt 
alljährlich nach P'rankreich und importirte von Jahr zu Jahr 
mehr Hengste und Stuten, im letzten Jahre über 400 Stuck, 
alle ausschliesslich für Zuchtzwecke. Er zieht sowohl Vo 
blut- als Kreuzungsproducte auf seiner Farm. Die Thiere 
weiden das ganze Jahr, haben aber im Winter einen Schupp^a 
mit Bretterwand nach Norden und Schutzdach. Die Hengste 
werden gestallt. Das Geschäft muss sich gut auszahlen, denn 
Mr. Dunham baut sich ein stattliches Schloss im normannischen 
Style. Der Transport der ersten Pferde vor acht bis ze 
Jahren stellte sich vom französischen Hafen bis zur Farm 
Chicago Alles in Allem auf ca. 500 Dollars per 
letzten Jahre nur noch auf 200 Dollars, bei denen auch ‘ 
Versicherung eine sehr grosse Rolle spielt; ohne Unfallsv^^ 
Sicherung kam die letzte Ladung nur auf 120 Dollars P_^ 
Stück zu stehen. Mr. Dunham hatte für diesen Transport 
Schiff gemiethet und mit Boxes versehen lassen, das 108 T 
mit einem Male herüberbrachte. 
Für uns, die wir Percherons genug schon gesehen ha 
war indess auf dieser Farm nicht viel zu lernen.
        <pb n="698" />
        683 
Wir reisten dann nach Michigan, um die Verwaltung eines 
älteren Staates der Union und die Landwirthschaft daselbst 
kennen zu lernen, und zwar fuhren wir nach der im Mittel 
punkte des Staates, 165 Meilen von Chicago und 140 Meilen 
yon Detroit, gelegenen Township Climax, wo der Bruder 
jenes Herrn Sheldon seine Farm hat, dessen Gastfreundschaft 
schon in Cimmaron genossen hatten. Wir besahen diese 
und andere h armen. Eine kurze Schilderung der ersteren 
genügen, ein Bild von der Landwirthschaft in Michigan 
^u geben. 
Weizen ist die Hauptfrucht, liefert das „Geldkorn“. Da- 
neben wird Mais, Hafer, Gerste eben genügend für den Haus- 
edarf gezogen. Kartoffeln und Gemüse werden ebenfalls nur 
ur letzteren gebaut. Obst aber wird, namentlich an den See- 
üsten, in grossem Maasse und zum Verkaufe gezogen. Es 
sehr schmackhaft und ungleich besser als jenes in Califor- 
Aepfel, Birnen und Pflaumen gedeihen gleich gut; 
firsiche leiden zuweilen von Kälte. Auch Wein, jedoch 
•lur zur Traubengewinnung, wird angebaut. Der Boden 
Unter den Obstbäumen ist meist landwirthschaftlich benützt. 
baut Weizen und Klee unter den Bäumen. 
Liese Obstcultur zieht sich über Buffalo nach Niagara und 
ü?" am Ufer des Ontario-Sees tief in Canada hinein, 
eb^^ *^^**^^ ^keinebene bei Coblenz oder in der Main- 
^ ene bei der Gartenstadt Bamberg zu sein. Im Frühjahre 
^ uss die Landschaft herrlich sein, wenn alle diese Obst- 
Urne blühen. Der Export all des Obstes über die Union, 
risch und sauber verpackt, bringt viel Geld. Ein Barrel 
^Gpfel kostete loco harm 1.60 Dollars. Also Weizen und 
n b^^ ^*^ken die harmer von Michigan als „Geldfrüchte“, da- 
^ cultiviren sie alle die Viehzucht, ohne einen Theil davon 
^schliesslich zu betreiben. Es hat vielmehr fast jeder Farmer 
" as von allen Vieharten und betreibt man hier das, was als 
husbandry“, gemischte Landwirthschaft bekannt ist. 
'Verde das an dem Beispiele einer Farm weiterhin klar 
Rächen. 
Michigan ist seit fünfzig Jahren angesiedelt und giebt es
        <pb n="699" />
        ama; 
684 
kein freies Land mehr. Seit fast sechzig Jahren müsste der 
„Raubbau“ — dieser Trost mancher Journalisten in Europa 
Michigan durchaus erschöpft haben und der Boden mit dem 
„fernen West, in dem das Land nichts kostet und der jung 
fräuliche Boden ausgeraubt wird“, concurrenzunfähig geworden 
sein. Wir hätten bei jeder Meile auf einige verlassene Farmen 
stossen müssen, deren unglückliche Besitzer mit Frau un 
Kind sich auf den letzten, ihnen gebliebenen Wagen gesetzt 
und nach dem Westen gezogen wären, um sich an dem dor 
tigen Raubbau zu betheiligen. Allein das Gegentheil war der 
Fall und guter Boden in eingerichteten Farmen wurde mit 
50 bis 75 Dollars per Acre, 170 bis 255 fl. per Joch, 625 is 
937 Fres, per Hectar, bezahlt! Auch vermehrt sich die Zah 
der Farmen noch fortwährend. Sie nahm zu von 34.089 im 
Jahre 1850 auf 62.422 i860, 98.786 im Jahre 1870 und sogar 
auf 154-008 im Jahre 1880 und dieser Vermehrungsprozess 
dauert noch fort. Der Grösse nach waren bis 3 Acres gross 
nur 68, von 3—10 Acres 2.737, von 10—20 Acres 4-5^4, von 
20—50 Acres 45.029, von 50—100 Acres 55-777 &gt; von i 
bis 500 Acres 45.391, von 500—1000 Acres nur 408 un u 
1000 Acres nur 84. Spannfähige Bauernwirthschaften gab es 
also von 20—500 Acres Grösse die hohe Zahl von 146.197- 
Von den Eigenthümern wurden 138.597, von Métayers 10.39 » 
von Geldpächtern nur 5.015 Farmen bewirthschaftet. 
Dagegen ist es gleichtalls richtig, dass hier nicht me 
Weizen auf Weizen in unaufhörlicher Reihenfolge 
sondern eine eigenthümliche, noch nicht recht systematisch ge 
wordene Wechsel- und Dungwirthschaft betrieben wird. 
In Jowa schon sagte mir jener Bauer, welcher den ^ ^ 
bau der deutschen Communisten in Homestead leitete, 
die Drei-Felderwirthschaft das richtige Farmsystem für Anmn ^ 
in seinem heutigen Entwickelungsstadium sei, und in Michig 
fanden wir etwas demselben sehr Aehnliches. Qehr 
Die Schlageintheilung ist noch nicht fest geworden. 
willkürlich wird bald dies, bald jenes Feld mit dieser o ^ 
jener Frucht bestellt. Aber im Allgemeinen ist die hr 
folge so; Klee, der unter Weizen gesäet war, wird im
        <pb n="700" />
        685 
genden Jahre nicht geschnitten, sondern im Juni grün unter- 
gepflügt^ als Gründüngung. Darauf wird die Saatfurche 
urch Eggen rein von Unkraut gehalten — was in Dakota 
nicht geschieht — und der Weizen vom 15. bis 20. September 
gcsäet, gedrillt. Im nächsten Herbste wird die Stoppel gepflügt 
nd wieder mit Weizen besäet, worunter Klee und Grassamen, 
dritten Jahre werden Klee und Gras zu Heu geschnitten 
j. geweidet. Im Frühjahre des vierten Jahres wird 
i^e Weide gebrochen und mit Mais bepflanzt. Im fünften 
Ja re baut man Hafer und säet im Herbste Weizen mit Gras. 
sechsten Jahre wird Weizen geerntet. Im 
wird der Klee als Gründüngung untergepflügt 
^ad im Herbste wieder Weizen gesäet. Allein eine feste 
^juchtfolge giebt es hier für die Farmen im Allgemeinen 
Canada auch nicht; jeder Farmer macht sich seine 
&gt;gene Fruchtfolge und geht nicht selten davon ab. Der vor- 
andene Dung wurde auf der Wirthschaft, welche obige Frucht- 
J^ge fur den dem Wirthschaftshofe nahe gelegenen Acker 
^atte, vor Mais und nach Hafer und vor Weizen gefahren, 
° eben reichte. Als Kuntsdünger wird hier nur Gyps 
^ gewendet. Man hat also eine Gründüngung, 2 Stall- oder 
_ ^^^^^ngungen in 7 Schlägen, die 6 mähbare Früchte liefern, 
klee^ Hafer, ein Mal Mais und ein Mal Mäh- 
sch f bat man in Ungarn eine so ackerschonende Wirth- 
a t? Das ist kein Raubbau mehr. 
entfernten oder Aussenschlägen nimmt man zwei 
•ni säet unter die zweite Weizensaat Klee, der 
^We' Jahre grün untergepflügt wird. Dann folgen wieder 
Hier hat man also eine Art Drei-Felder- 
'^‘rthschaft. 
Yçj. reicher Farmer, der ca. 600 Acres besass, Dr. Lovell, 
Acker und hatte mehrere kleine Farmen ein- 
Métayer nutzt pachtfrei Haus, Garten, Ställe, 
^ einige Kühe, dafür und für die Gespanne Heu und 
die Hühner und zwei bis sechs Schweine. Er giebt 
1^q|, ^ der gedroschenen Weizen- und Haferkörner, der Mais- 
und der Kartoffeln als Pacht. Der Verpächter zahlt
        <pb n="701" />
        ■ 
686 
K. 
die Geldsteuern, der Pächter thut die Arbeiten zur Reparatur 
der öffentlichen Strassen. Auf einer anderen Farm von 
250 Acres hielt der Verpächter Vieh, das der Pächter weidete 
und pflegte, Schafe und Rinder. Der Pächter erhielt die 
Hälfte des Zuwachses an Vieh und die Hälfte der Wolle der 
Schafe, er unterhielt die Zäune, der Verpächter aber lieferte 
das Holz dazu. 
Die P'arm der Gebrüder Sheldon, welche wir später be 
suchten, war vor einigen 30 Jahren vom Vater der jetzigen 
beiden Besitzer um 10 Dollars per Acre gekauft. Damals 
waren 100 Acres unter Pflug. Jetzt war die P'arm über 
75 Dollars per Acre werth, Baulichkeiten von 4000 Dollars 
Werth inbegriffen. Sie ist 590 Acres =- 413 Joch, gross, 
wovon 100 Acres guter Eichenwald, der auch als Weide 
grund benützt wird. 108 Acres sind unter Weizen, 29 unter 
Mais, 20 unter Hafer, 40 in Klee und Timothee, wovon die 
Hälfte geweidet, die Hälfte zu Heu gemäht wird; 20 Acres 
sind mit Roggen bestellt, auf dem man im Frühjahre die 
Schafe weidet. Nachdem sie andere Weide haben, lässt man 
den Roggen bis Mitte Juni wachsen und pflügt ihn dann als 
Gründüngung unter, darauf folgt dann Weizen. 
Die beiden jungen Männer, welche die F'arm besitzen, 
zwei Knechte und zwei Hausmädchen besorgen die regel 
mässige Arbeit; während der Ernte werden einige Tagelöhner 
aufgenommen. Im Winter hilft nur ein Knecht auf dem Hofe 
und dessen Frau besorgt die Hausarbeit — eine Hausfrau 
ist nicht vorhanden. Für die vier Wintermonate erhalten 
Mann und Frau zusammen 20 Dollars per Monat, für acht 
Sommermonate 28 Dollars, nebst Kost und Wohnung. Andere 
Knechte erhalten für Winterszeit hierzulande 10 bis 14 Dollars, 
im Sommer 18 bis 20 Dollars. 
Natürlich arbeiten die Weiber niemals auf dem Feld^- 
Frauen und Kinder sieht man überhaupt nur hie und du jtn 
Westen auf dem Felde arbeiten, und dann sind es stets 
gewanderte, welche auf der eigenen Farm arbeiten. Weib^*^ 
und Kinder arbeiten in Amerika so gut wie niemals auf den: 
Felde und sehr selten im Garten. Es geht schon hieraus her
        <pb n="702" />
        68; 
vor, wie viel besser die Lage der Arbeiter drüben ist als in 
^uropa, wo die Weiber stets auf dem Felde arbeiten und 
jetzt auch die Kinderarbeit zunimmt: In Oesterreich hat man 
dem Zweck die Schulpflicht von 8 auf 6 Jahre ermässigt, 
^ Preussen die Landräthe angewiesen, wenn es ihnen ange- 
j^Gssen scheint, die Schulstrafen wegen Schulversäumniss der 
Inder, die auf dem Felde arbeiten, niederzuschlagen. Um 
chaaren von Kindern auf Rübengütern beschäftigen zu können, 
^ für solche Kinder 1883 sogar die Schulferien vertagt 
^'orden. Auf Rübengütern arbeiten bei uns sogar Männer, 
rauen und Kinder zusammen, die von entfernten Gegenden 
(lerbeipholt wurden und für die Dauer der Arbeitsperiode 
casernirt werden. Hier geht Moral und Gesundheit zu Grunde. 
s ist eine Freude, dergleichen Abscheulichkeiten in Amerika 
'^icht zu finden und erklärt die Auswanderung dahin. 
Das lebende Inventar auf der Sheldon’schen Farm bestand 
I Bullen, 7 Milchkühen in Milch, im Ganzen aus 12 Kühen 
^ Haupt Jungvieh, ein bis zwei Jahre alt. Ausgewachsen 
erden Kühe und Ochsen zum Ziehen verkauft. Ferner aus 200 
^ erinoschafen, deren Wolle ungewaschen 25 Cents per Ib. 
^ostete — die letzte Schur ergab 1000 Ibs. von 196 Schafen — 
g" 20 Schweinen. Von diesen werden jährlich vier grosse Fett- 
^ Weine und mehrere Jährlinge geschlachtet, dazu wird im 
Pök^r junger Stier geschlachtet, von dem man 300 Ibs. 
^ e fleisch für den Sommerbedarf macht. Im Sommer kauft 
oft frisches Fleisch aus einem Schlächterladen. Etwa 15 
die ^^ttschweine kommen zum Verkaufe. Als Anspannung 
schwere Pferde und zwei ausgezeichnete, starke 
thiere. Bis zum vorigen Jahre hielt man Ochsen zum. 
^^ugen und werden solche in Michigan, in Wisconsin, na- 
Minnesota, noch so benützt. Man schaffte 
T Climax ab, da sie, verglichen mit Pferden, zu langsam 
bei Pferdehaltung also einen Pflüger spart. 
Hur von Climax liegt eine grössere Stadt, Port 
Dort wohnt ein Getreidehändler, dem alle Elevatoren 
eine gehören, welche durch Climax fuhrt. Er hat 
^ peicher und Agenten in Climax und ihni verkauft man
        <pb n="703" />
        das überflüssige Getreide, Sollte er zu niedrige Preise bieten, 
so würde man das Getreide in Waggonladungen nach Detroit 
senden, deshalb macht er raisonnable Angebote; er giebt in 
der Regel 8 bis 12 Cents per Bushel weniger, als der Markt 
preis in Detroit ist. Die Fracht per Bahn schwankt um 8 Cents 
= 71 Kreuzer per Metercentner im Mittel für 140 englische 
Meilen, was etwa 2 Vs Kreuzer ö. W. per Metercentner und 
geographische Meile ausmacht. Theuer genug, aber es ist 
auch Localfracht von der Farm nach dem ersten grossen 
Getreidesammelplatze. Von Detroit hat man die billige Wasser- 
fracht nach New-York. Die Personenfracht kostet 3 Cents 
per englische Meile. Vor 35 Jahren, als Dr. Lovell sich in 
Climax ansiedelte, kaufte er den Acre Land um 5 Dollars, 
jetzt ist er 50 bis 75 werth. Damals musste der Weizen nach 
Detroit per Achse vom Farmer gefahren werden und war ein 
Gespann bei Hin- und Rückfahrt zehn Tage abwesend. 
Der Bushel Weizen kostete damals loco Climax 45 bis 
50 Cents. Als wir in Climax waren, kostete der Weizen in 
New-York ca. 1*40 Dollars, in Detroit 1*31 Dollars, in Climax 
1.20 Dollars per Bushel. Alle Farmer dieser Gegend, welche 
schon lange im Besitze gewesen, waren sehr wohlhabende 
Leute. Da alles Land in festen Händen und schon recht 
theuer ist, so kommen Einwanderer nur selten in diese Gegend, 
einige Landarbeiter und Handwerker abgerechnet. Erstere 
werden bald Pächter oder Métayers, Auf der einen Farm 
des Dr. Lovell waren drei Pächterfamilien hintereinander, 
nachdem jede eine Anzahl von Jahren gewirthschaftet hatte, 
so wohlhabend geworden, dass sie kleine Besitzungen kaufen 
konnten. Es giebt schon recht viele kleine Besitzungen m 
den Staaten Michigan, Ohio, Pennsylvanien, wo das Land gnt, 
aber theuer ist. Im Süden entstehen auch viele kleine Farmen, 
da sich die Neger allmählig ansiedeln und ankaufen. In d^n 
Neu-England-Staaten dagegen, wo der Boden steinig und wenig 
fruchtbar ist, der Ackerbau also um so unrentabler wird, 
billiger Getreide im Westen erzeugt werden kann, vergrössern 
sich die einzelnen Besitzungen, weil Leute gerne ausverkaufen 
und in die Stadt oder nach dem Westen ziehen. Ein grösserer
        <pb n="704" />
        689 
44 
und reicher Grundbesitzer kauft so seine Nachbarn um ein 
1 iges aus und beginnt eine extensivere Weidewirthschaft. 
llein diese Erscheinung, welche sich auf den Staat New-York 
die nördlich von ihm gelegenen beschränkt, hat für Europa 
gar keine Bedeutung, da diese Staaten ohnehin eine so kleine 
roduction haben, dass sie nicht den Bedarf der einheimischeo 
Bevölkerung deckt. 
In den Staaten, welche wirklich Weizen zum Export- 
auen, Ohio, Michigan und weiter westlich, zeigt sich das Ge- 
gentheil von Bodenerschöpfung. Noch viel mehr in Pennsyl- 
vanien und auch in den fruchtbaren Theilen des grossen 
taates New-York und in New-Jersey, wo man viel Milch 
irthschaft treibt und reichlich düngt. Durch verbesserte 
u^ltur, Gründüngung und Stalldüngung wächst der Durch- 
chnittsertrag per Acre daselbst. In der Gegend um Climax 
etrug er 22 Bushels Weizen per Acre — 8% Metercentner 
Gr Joch im ganzen Staate etwas weniger. Auf der Shel- 
on sehen Farm, die in eigener Regie der beiden Besitzer be- 
irt schäftet wird und bei der die persönlichen Ausgaben der 
^Gi en Besitzer mit in die Wirthschaftskosten gerechnet werden, 
^trugen die ungefähren durchschnittlichen Productionskosten 
^ ^ jedoch ohne Grundrente — per Bushel Mais ij'/a bis 
4 /, Cents, für Weizen 40 bis 55 Cents, je nach reichlichem 
Gr spärlichem Ernte-Ausfälle. 
^ Während ich dies schreibe, geht mir ein Bericht über die 
^osten der Weizenproduction in verschiedenen Counties von 
niÖ^h^^ einige Mittheilungen anschliessen 
ni Angaben sind von praktischen Farmern ge- 
A -^ÜGn County sagt Mr. Pratt, er ernte 12 Bushels 
^ cre, Productionskosten 65 Cents, Verkaufspreis auf einer 
en Mühle 90 Cents bis i Dollar. — Mr. Jones erntet 
Marner durchschnittlich) 20 Bushels per Acre, Productions- 
^ sten 7^ Cents (?) — Anderson County. Mr. Mc. Clure 
von ii'/2 bis 2 7 » 4 Bushels geerntet. Bei 10 Bushels per 
^Gre sind Productionskosten 471/3 Cents, bei 20 Bushels per 
pj^re nur 35 Cents per Bushel. — Atchinson County. Mr. 
Gasant: Bei 10 Bushels Ertrag per Acre sind die Productions-
        <pb n="705" />
        kosten 8o Cents, bei 15 Bushels Ertrag 75 Cents, bei 20 Bushels 
Ertrag 65 Cents, bei 25 Bushels 50 Cents. — Barton County. 
Mr. Redfield in Ellinwood — wo wir waren — sagt, er ernte 
durchschnittlich 15 Bushels per Acre, die Productionskosten 
seien 4.50 Dollars per Acre, die Productionskosten per Bushel 
sind also 30 Cents. Der Marktpreis war 75 Cents bis 1 Dollar. 
— Mr. Mackenroth in Great Bend: Bei 10 Bushels Produc 
tionskosten 68 Cents, bei 15 Bushels 45 Cents, bei 20 Bushels 
34 Cents, bei 25 Bushels 27 Cents. Im Durchschnitte kostete 
ihm der Bushel 48 Cents. Er verkaufte 1876 um 95 Cents, 
1877 um 85 Cents, 1878 um 65 Cents, 1879 um 75 Cents, 
1880 um 60 Cents, 1881 um i.io Dollars den Bushel. — 
Bourbon County. Mr. Julian: Productionskosten 50 Cents. 
— Butler County. Ertrag 15 Bushels, Productionskosten 
60 Cents, Verkaufspreis 1877 i Dollar, 1878 95 Cents, 1879 
72 Cents, 1880 90 Cents, 1881 i.io Dollars. — Chase County. 
Mr. Jeffrey erntete 20 Bushels durchschnittlich mit 5.50 Dollars 
Kosten per Acre = 27'/a Cents per Bushel. — Chautauqua 
County. 15 Bushels Ertrag, Productionskosten per Acre 
5.55 Dollars = 37 Cents per Bushel, Marktpreis 75 Cents 
durch 5 Jahre. — Cheroka County. Mr. Kitsch: 12 Bushels 
Ertrag, Productionskosten bei 10 Bushels 95 Cents, bei 15 
Bushels 70 Cents, bei 20 Bushels 60 Cents, bei 25 Bushels 
50 Cents u. s. w. 
Die Zahlen fallen sehr verschieden aus, da sie von ein 
fachen Farmern gegeben werden, welche ihre eigene Arbeit 
und auch die Grundrente verschieden hoch veranschlagen. 
Meist nimmt man den gegenwärtigen Grundwerth, der höher 
ist als der Ankaufspreis, und berechnet von dem 6—10 Per 
cent Zinsen, welchen Posten per Acre man dann in die Pro 
ductionskosten hineinrechnet. Andere sehen aber von diesem 
Posten ganz ab. Ich führe diese Angaben nur an, um zu 
zeigen, wie verschieden man Dinge taxirt, die nicht ausgelegtes 
Geld, sondern eigene Arbeit der Farmerfamilie kosten. 
Von Michigan fuhren wir zum Niagarafalle, besichtigten 
sehr eingehend den Eriecanal bei Buffalo und den Welland- 
canal, durch den soeben das erste grosse Dampfschiff von
        <pb n="706" />
        691 
44* 
Montreal in die oberen Seen eingefahren war und reisten dann 
nach Ottawa und Montreal, wo wir uns bei Behörden und 
aufleuten über Production und Transport unterrichteten. 
Um noch den, übrigens ' sorgfältigen Ackerbau Ostcanadas zu 
studiren, war die Jahreszeit leider schon zu weit vorgeschritten 
nnd das Wetter zu schlecht. Es goss in Strömen. — Wir 
¡nachten nun noch einen Abschiedsbesuch bei den Behörden 
p Washington, denen wir sehr verpflichtet waren und kehrten 
nde December über New-York nach England zurück. Von 
a reiste ich über Frankreich und Italien nach Oesterreich 
nad hatte, in Wien wieder angelangt, eine Rundreise von 
er 27.^00 englischen Meilen — in sehr anstrengender, aber 
®ch nicht nutzloser Reise — zurückgelegt.
        <pb n="707" />
        XXXIX. Capitel. 
Staats-, County- und Townshipverwaltung 
von Michigan. 
Von Graf Geza Andrassy.*) 
Nachdem ich von meiner verlängerten Jagd in Montana 
in Chicago Ende November angekommen war, fand ich nur 
den Dr. Rudolph Meyer noch dort, meine vier anderen Reise 
gefährten waren schon nach Europa abgereist. Trotz der vor 
gerückten Jahreszeit beschlossen wir Beide, den'Theil unseres 
ursprünglichen Reiseplanes, welcher bisher noch nicht aus 
geführt war und der sich auf das Studium einiger Fragen in 
den östlichen und Mittelstaaten bezog, möglichst zur Ausfüh 
rung zu bringen. 
Wir reisten demgemäss nach Michigan ab und unterrich 
teten uns zunächst über die politische Administration daselbst. 
Michigan ist ein alter Mittelstaat, weil die Ansiedelung in 
ausgedehntem Masse schon vor fünfzig Jahren daselbst begann. 
Damals schon zahlte sich der Ackerbau hier aus, denn der 
Staat liegt zwischen den Seen Michigan, Huron und Ene, 
hatte also, besonders vom Jahre 1835 ab, als letzterer See 
mit New-York durch den Erie-Canal in Verbindung kam, eine 
gute Wasserverbindung mit New-York, die landwirthschaft- 
lichen Producte dieses fruchtbaren Staates konnten also ver 
hält nissmässig früh auf den Weltmarkt kommen. 
*) Anmerkung. Nachdem unsere anderen Reisegefährten schon 
October 1881 nach Europa zurückgekehrt waren, reiste ich mit Graf Andrassy 
noch längere Zeit in Canada und der Union, vornehmlich beschäftigt mit 
Studium der Gesetzgebung und Verwaltung. Graf Andrassy schrieb damals 
den folgenden Artikel für das „Vaterland“, den ich hier unverändert zum Ab 
druck bringe.
        <pb n="708" />
        693 
Der Staat hat jetzt etwa 1.600.000 Einwohner, die zum 
grössten Theile Landleute sind. Sie sind meist Eigenthümer 
des Grundes und Bodens, den sie bebauen, und die Farmen 
sind kleine, von 40 bis 200 Acres, verhältnissmässig wenige 
sind 500 bis 600 Acres gross. 
Die natürliche Fruchtbarkeit des lehmigen Bodens, das 
gute Klima, welches gegen zu grosse Hitze und zu grosse 
Kälte durch die Luft der den Staat an drei Seiten um 
gebenden Seen gesichert ist, der reichliche Regen be 
zahlen den Farmern ihre Mühe und Arbeit durch sichere 
Und reichliche Ernten und die gute Wasser Verbindung mit 
New-York sichert ihnen einen hohen Preis für ihre Producte. 
deshalb sind die Besitzer jener kleinen und mittelgrossen Far- 
uien fast durchwegs sehr wohlsituirt. Ueberall existiren recht 
gute Schulen, jeder Farmer hält Zeitungen, gewöhnlich mehr 
eine. Dieser wohlhabende und unterrichtete, durch Home- 
stead-Exemptionsgesetz auch gegen die ärgsten Folgen zufälli- 
ger Noth und Unglücksfälle geschützte Farmerstand ist vor 
züglich geeignet, die Lasten der politischen Selbstverwaltung 
zu tragen. 
Denn Selbstverwaltung im weitesten Sinne ist die poli- 
bsche Administration von Michigan, d. h. die Verwaltung 
Wird von Staatsbürgern ehrenamtlich und unentgeltlich ge 
mistet. Dieselben erhalten nur Vergütung für Bureaukosten, 
ienstreisen und Diäten für solche Tage, die sie ganz ihrem 
widmen. Nur wenige Beamte, deren Amt seiner Natur 
*^äch die ganze Zeit und Arbeitskraft eines Mannes verlangt 
oder eine besondere gelehrte Berufsbildung voraussetzt, 
®*nd fest angestellt und besoldet. Allein auch sie sind nur 
'^^n zwei bis zu sechs Jahren gewählt, und wenn das Volk 
ihnen nicht zufrieden ist, werden sie nicht wiederge 
wählt. 
Die meisten Beamten, vom Gouverneur des Staates bis 
mrab zum Polizei- und Gerichtsdiener, aber sind Grund- 
msitzer oder Geschäftsleute in den Städten, denen ihr Amt 
^mhr Auslagen und Versäumniss verursacht, als das Einkommen
        <pb n="709" />
        694 
daraus werth ist, und die thatsächlich der damit verbundenen 
Ehre wegen dienen. 
Auch kommen in diesem Ackerbaustaate solche Betrüge 
reien der Beamten nicht vor, wie in den grossen Städten und 
zuweilen in der Verwaltung der Union, 
Der Staat Michigan ist, wie alle anderen Staaten der 
Union, behufs seiner Verwaltung in Counties, Grafschaften 
oder Comitate, getheilt. Jede County zerfallt in eine Anzahl 
von Townships oder Kreise. In der Township giebt es dann 
noch bestimmte Districtabtheilungen für die Verwaltung ge 
wisser localer Angelegenheiten. Die Township ist aber der 
kleinste selbstständige und einheitliche Verwaltungsbezirk. 
Jede Township ist sechs englische Quadratmeilen gross 
und vollkommen quadratisch. Alle unsere Studien haben wir 
in der Township Climax und in der County Kalamazoo ge 
macht, und auf diese beziehen sich die angegebenen Gehalte. 
Die Schule ist in Amerika Aufgabe der Gemeinden, welche 
Schulhäuser baut und die Lehrer besoldet. Die Eltern der 
Schulkinder zahlen kein Schulgeld. Die Township ist in eine 
Anzahl Schulgemeinden getheilt, deren jede eine Schule unterhält. 
Zuweilen greift eine Schulgemeinde in eine benachbarte Town 
ship über, wenn die Lage dies nöthig macht. 
Jede Schulgemeinde wählt jährlich drei Schulvorsteher: 
I. den Director, 2. den Moderator, 3. den Assessor. Sie 
ernennen jährlich einen Lehrer, der von einer Examinations- 
Commission geprüft sein muss. Diese Commission wird für 
jede County gewählt. Der Lehrer erhält ca. 8 Dollars 
wöchentlich Gehalt. Die Schulvorsteher bestimmen, wie viel 
Geld für das laufende Jahr zum Unterhalte der Schule nöthig 
sein wird und melden dies dem Supervisor. Der Supervisor 
misst danach den Betrag der jährlichen Schulsteuer ab. 
Die Schulvorsteher sind in der Regel Väter von Schul 
kindern ihrer Schulgemeinde und erhalten gar keine Besoldung, 
auch keine Diäten. 
Für Neubau und Reparatur von Strassen ist die Township 
in eine Anzahl von Wegegemeinden getheilt. An der Spitze 
jeder Wegegemeinde steht ein Highway overseer, Wege-Auf-
        <pb n="710" />
        695 
Seher. Er bestimmt, wie viel Geld zur Unterhaltung und zum 
Neubau von Wegen für das Jahr nöthig ist und meldet das dem 
Supervisor. Dieser legt die Wegesteuer auf die Verpflichteten 
Um und repartirt sie auf je looo Dollars Grundwerth. Jeder Mann 
unter 50 und über 20 Jahren muss, ausser jener Steuer, 
jährlich einen Dollar Wegesteuer zahlen oder einen Tag am 
^egebau arbeiten. Jedes Gemeindemitglied kann, anstatt 
diese Steuer in Geld zu leisten, an dem Wegebau arbeiten 
Und wird ihm jeder Arbeitstag, mit oder ohne Gespann, zu 
einem festen Satze gutgeschrieben. Der Wege-Aufseher wird 
uuf ein Jahr gewählt und erhält für jeden Tag, den er im 
i^ienste bei Aufsicht der Bauten ist, einen Dollar von seiner 
^egesteuer abgeschrieben. Für die ganze Township wird 
Commissioner of highways, ein Wegecommissär, auf ein 
Jahr gewählt, welcher die Aufsicht über alle Wege der 
T'ownship führt. Er erhält i '/2 Dollars Diäten, was für Climax 
Township ca. 25 Dollars im Jahre macht. Vier Friedens 
richter werden für ein Jahr gewählt; sie erhalten keinen Gehalt, 
Sondern Gebühr von den Parteien. 
Vier Constabler zum Kehändigen von Gerichtsvorladungen, 
zur Vollziehung von Gerichtsbeschlüssen, Arretiren von Ver 
brechern etc. werden jährlich erwählt und erhalten keinen Ge- 
sondern Gebühren von den Parteien. Ein Township-Clerk 
®der Secretär führt die Bücher über Angelegenheiten der 
ownship und die Protocolle, erhält i’/z Dollars Diäten, ca. 
35 Dollars per Jahr. Ein Township - Treasurer oder Steuer 
einnehmer wird auf ein Jahr gewählt, zieht die Steuern ein 
^1^^ händigt an die Staats- und Countybehörden die ihnen 
der Township zukommenden Steuern aus, leistet über- 
^upt Zahlung für die Township. Es giebt keine Staats- 
t^uerbehörden auf dem Lande. Er bezieht ein Percent von 
erhobenen Steuern. Er muss jeden Freitag bis i. Januar, 
Vom 30. Juni ab, zum Empfange von Steuern zu Hause sein. 
Hin Supervisor wird auf ein Jahr gewählt. Er ist der 
Richtigste und höchste Beamte der Township. Er macht die 
teuereinschätzung und besucht zu dem Zwecke jeden Steuer 
pflichtigen. Die Steuerliste reicht er dem Schatzmeister ein.
        <pb n="711" />
        696 
Er repräsentirt seine Township in der periodisch zusammen- 
tretenden Versammlung aller Supervisors der County, in welcher 
die Höhe der Countysteuer bestimmt wird. Während dieser 
Session und seiner Reisen zur Steuereinschätzung erhält er 
3 Dollars Diäten und 6 Cents Meilengelder, ca. 60 Dollars 
per Jahr- 
Hiemit ist die Verwaltung der Township erschöpft. 
An der Spitze der Polizei der County steht der Sheriff, 
welcher, wie alle County- und Staatsbeamten, bei denen nichts 
Anderes bemerkt ist, auf zwei Jahre gewählt wird. Er hat 
die Aufsicht über das Countygefängniss und die Polizei, hat 
unter sich Untersheriffs und Constabler, arretirt Verbrecher etc. 
Für Amtshandlungen erhält er Gebühren. Er wohnt im Gefäng- 
niss, hat freie Wohnung und Heizung, liefert den Gefangenen 
Kost und erhält dafür per Kopf und Tag 40 Cents. Wenn 
er Dienstreisen macht, erhält er für jede Meile hin 10 Cents, 
zurück nichts. Verfolgt er Verbrecher über die Grenze der 
County, so erhält er alle Auslagen vergütet. Der County- 
Clerk oder Secretär ist ein (auf zwei Jahre gewählter) be 
soldeter Beamter, erhält 800 Dollars Gehalt und Gebühr für 
Amtshandlungen, zusammen etwa 1500 Dollars per Jahr. Er 
führt die Geschäfts- und Hypothekenbücher (Grundbücher) der 
County und widmet ihr seine ganze Zeit. 
Der County Treasurer oder Schatzmeister ist auch be 
soldet mit 1000 Dollars jährlich. Er besorgt alle Geld 
geschäfte der County. Durch seine Hände gehen ca. 80.000 
Dollars jährlich. 
Der Prosecuting Attorney ist gelehrter Advokat und 
fungirt als Syndicus und Staatsanwalt, ist auch mit 1000 Dol 
lars besoldet. 
Der Judge of Probate oder Vormundschaftsrichter nimmt 
die Testamente auf, vollzieht sie, regulirt Erbschaften und 
beaufsichtigt alle Mündelangelegenheiten; dafür erhält er 1500 
Dollars Gehalt, bezieht aber nichts von den Parteien; eine 
sehr wohlthätige Einrichtung! Die Mündel erhalten ihre An 
gelegenheiten kostenfrei von der Grafschaft besorgt, es giebt 
keinerlei Testaments- oder Erbschaftssteuern, nicht einmal Ge-
        <pb n="712" />
        buhren für Amtshandlungen, die mit Todes- und Erbfallen 
Zusammenhängen. 
Ein Circuit-Judge, Kreisrichter, ist auf sechs Jahre ge- 
j^ählt und erhält 1500 Dollars Gehalt. Ein solcher Gerichts- 
reis ist zuweilen grösser, zuweilen kleiner als eine County, 
as hängt von der Bevölkerung ab. So bildet die County 
alamazoo mit einer benachbarten County nur einen Gerichts- 
• Circuit-Judge fungirt als Civil- und Criminalrichter 
1 . Fällen, welche über die Competenz der Friedensrichter 
mausgehen, in Criminalfallen zusammen mit der Jury, die 
Sich von unserer nicht unterscheidet. 
Drei Superintendents of the Poor, Armenaufseher, erhalten 
zusammen 750 Dollars jährlich für Geschäftsauslagen, die sie 
unter sich nach Massgabe der Unkosten und Arbeiten ver- 
^^eilen. Wenn Jemand unterstützungsbedürftig wird, wendet 
ß Supervisor seiner Township, der ihm bis zum 
etrage von 20 Dollars Unterstützung geben kann. Sollte er 
er glauben, dass dies nicht ausreicht, so überweist er den 
^^ann oder die Familie an die Superintendents. Diese können 
grössere oder mehrmalige Unterstützung bewilligen oder 
■fuK Personen in das County-Armenhaus über- 
®n, wo sie verpflegt werden. 
T . Spitze des Staates Michigan steht ein (auf zwei 
und A Gouverneur, der nur 1000 Dollars Gehalt 
P). Auslagen bei dienstlichen Verrichtungen vergütet erhält, 
^^eses Ehrenamt, wie auch die folgenden, kann nur von reichen 
^o^^&amp;ern angenommen werden, da es weit mehr als den Gehalt 
tet. Der Gouverneur von Michigan ist ein wohlhabender 
^ armer. 
jj . Secretary of the State, Staatssecretär, hat eine ähn- 
^^ufgabe wie der County-Clerk und erhält 1000 Dollars 
Ç . State Treasurer ist Finanzminister des Staates und 
a t 1000 Dollars Gehalt. Der Auditor General fuhrt die 
^uatsrechnungen und erhält 1000 Dollars Gehalt. Der Com- 
^JOner of the State Land Office verwaltet Staats-, Schul-
        <pb n="713" />
        698 
und Bergwerksländereien im Staate und erhält 1000 Dollars 
Gehalt. 
Der Attorney General ist Syndicus und Oberstaatsanwalt 
für den Staat. Er erhält 1000 Dollars Gehalt. Der Super 
intendent of Public Instruction ist Unterrichtsminister und erhält 
1000 Dollars Gehalt. 
Vier Judges of the Supreme Court, Richter des obersten 
Gerichtshofes, sind auf 6 Jahre gewählt, erhalten jeder 2500 
Dollars Gehalt, ein Secretär dieses Gerichtshofes erhält 1000 
Dollars. 
Die meisten dieser Beamten haben noch Clerks oder 
Bureaubeamte unter sich, je nach Massgabe der Geschäfte. 
Für dieses Bureaupersonal wird von der gesetzgebenden 
Körperschaft jährlich Geld bewilligt. Diese Clerks erhalten 
Diäten oder Gehalt von 800 bis 1500 Dollars jährlich, also 
zuweilen mehr als ihre Chefs. Aber diese Chefs sind, mit 
Ausnahme der Richter und des Staatssecretärs, Geschäftsleute 
oder Rentiers, welche die 1000 Dollars Gehalt nur als Bureau 
gelder betrachten. 
Der Staat Michigan ist in Wahlbezirke für ca. 100 Abge 
ordnete und in grössere Wahlbezirke für 32 Senatoren getheilt, 
welche zusammen den gesetzgebenden Körper des Staates 
bilden. Diese Gesetzgeber sind auf zwei Jahre gewählt und 
erhalten drei Dollars Diäten für jeden Sitzungstag. 
Der Staat Michigan hat 1.600.000 Einwohner, die County 
Kalamazoo 34.500, die Township Climax 1500 Einwohner. 
Diese billige Verwaltung erfordert nur wenige Steuern. 
Für die Unionsregierung werden nur Steuern von Banken, 
Spiritusfabriken und einigen anderen unbedeutenden Unter 
nehmungen im Staate erhoben. Die allgemeinen Steuern füj" 
Staat, County und Township, zu denen jeder Besitzende bei 
tragen muss, werden alle von dem eingeschätzten Werthe des 
Grund- und anderen verkäuflichen Besitzes erhoben. Es giebt 
keine Gewerbe- oder Einkommensteuer. In Michigan ist die 
Steuereinschätzung höher als in den meisten Mittel- und West 
Staaten und erreicht meist die Hälfte, zuweilen zwei Drittel des 
wirklichen Werthes.
        <pb n="714" />
        699 
Wir haben die Steuerliste der Township Climax durch 
gesehen und gefunden, dass das Land von 8 bis 20 Cents im 
Mre Steuer per Acre zahlt; es ist aber 15 bis 75 Dollars per 
cre Werth. In Wisconsin ist die Einschätzung so niedrig, 
^ss z. B. ein uns bekannter Arzt, der eine Farm von über 10.000 
Dollars Marktwerth besass, die ihm 1000 Dollars Netto ein- 
davon nur 34 Dollars Steuer zahlte. Von seinem per 
sönlichen Eigenthum an Mobilien und Schmuck, drei Stadt- 
'^^gen, zwei Pferden, drei Wohnhäusern in der Stadt Maddison, 
^ ite er 40 Dollars Steuern, von seiner Praxis, die ihm 
7000 bis 8000 Dollars jährlich einbringt, zahlte er gar nichts. 
Die Steuern zerfallen in: i. Steuern für den Staat Michi- 
2. für die County; 3. tür die Township; 4. für die 
^gogemeinde; 5. für die Schulgemeinde. Das zu Steuer- 
Zwecken eingeschätzte Vermögen der Bewohner der Township 
imax — die fast nur aus grundbesitzenden Farmern bestehen 
beträgt 909.000 Dollars, der Marktwerth über 1.500.000 
ollars. Von jenem Vermögen betrugen im vorigen Jahre 
Gesammtsteuern 5200 Dollars oder 0.6 Percent des ein 
geschätzten und 0.3 Percent des wirklichen Werthes. Davon 
^**en 1425 Dollars Staatssteuer, 1782 Dollars Countysteuer, 
^50 Dollars Townshipsteuer (inch Armensteuer), 1800 Dollars 
e ulsteuer, der Rest Wegesteuer. 
Ein sehr reicher Farmer in Climax, der 590 Acres Land 
Ster Güte besitzt, wovon 100 Acres vorzüglicher Eichenwald, 
^ Acres Weide, 300 Acres unter dem Pfluge, wovon 108 
^J^res unter Weizen, der 23 Bushels Weizen vom Acre, gleich 
un Metercentner vom Joch, geerntet hatte, der über i Dollar 
Bushel an Ort und Stelle werth war, 22 Haupt Rindvieh, 
Vo^ Schweine, 5 Pferde, 2 Maulthiere besitzt, zahlt 
^ ^ dieser vorzüglichen Farm, welche ca. 45.000 Dollars 
^rth War, 140 Dollars Steuern! Was würde dieser Mann in 
^^«■opa zahlen!
        <pb n="715" />
        XL. Capitel. 
Canada. 
Die ungeheure englische Colonie Canada, welche sich in 
dess vollkommen frei selbst verwaltet, erstreckt sich von Neu 
schottland bis Vancoovers Island durch die ganze nördliche 
Ausdehnung Amerikas. Die Grösse ist ungeheuer, indess ist 
es practisch gleichgültig zu wissen, wieviel Quadratmeilen gross 
diese „Dominion“ ist, da ein sehr grosser Theil davon für 
Ackerbau und Viehzucht ungeeignet ist, theils als Hochge 
birge, theils als Seespiegel, theils als Eis- oder Schneewüste. 
Soweit das Land für Ackerbau und Viehzucht nutzbar ist, 
zerfällt es in drei Theile. 
I. Der östlichste reicht von der Küste des Atlantischen 
Oceans bis etwa an den Ottawa River und den Nippissing See. 
Dann folgt eine bisher für Stein- und Felswüste gehaltene 
Gegend bis an die Seenkette zwischen dem Oberen See und 
dem Winnipegsee. 
II. Manitoba und das Nordwest-Territorium, von dieser 
Seenkette und dem Winnipegsee bis an das Felsengebirge, ini 
Norden bis an den Deerlake, Athabascalake und den Peace 
River. 
Dann folgt das Felsengebirge, kälter, sonst aber fast vom 
selben Character als dasselbe Gebirge der Union in Montana, 
Oregon, Dann 
III. das Küstenland am Stillen Ocean, Britisch Columbien 
und die Insel Vancoovers Island, beide mit fruchtbaren Thälern- 
Der östliche Theil ist allein bis vor einigen Jahren, seit 
der ersten Occupation durch Franzosen 1608, colonisirt gn* 
wesen und hat, im Vergleich mit der Union, geringe Fort 
schritte in Volksvermehrung gemacht. Im Jahre 1775, als die
        <pb n="716" />
        701 
Union sich gerade befreite, hatte Canada nur 90.000 Einwohner, 
*^30 erst 789.000, 
1850 = 1.8^3.000, die Union 23.191.000 
i860 = 2.506.000 „ „ 31.443.000 
= 3.687.000 „ „ 39.000.000 
1881 = 4.324.000 „ M 52.000.000 
Die Volksvermehrung Canada’s ist also bis jetzt eine sehr 
assige gewesen. Die Einwanderung soll 1882 98.690 neue 
urger geliefert haben und mehrt sich stark nach Mani- 
^oba hin. 
Grösse und Bevölkerung: 
Provinz 
looo Acres 
Bevölkerung 
1871 
1000 Seelen 
1881 
Prinz Eduard-Inseln 
Neu-Schottland 
Neu-Braunschweig 
Quebeck .... 
2"(ario j 
Manitoba . . . . 1 
Nordwest-Territorium , 
British Columbia. . j 
&gt;•365 
13.382 
17-393 
120.762 
65.u1 
78.848 
1.705.761 
218.435 
94 
387 
285 
1.191 
1.620 
18 
36 
108 
440 
132 
&gt;-359 
: 923 
65 
56 
49 
Von "^ch unseren Begriffen, also erst Theile 
Uand^"^^"° Quebeck. Hier ist noch viel fruchtbares 
billigen Preis zu kaufen, von 20 bis 60 Cents per 
grô-T’ eine freie Homestead. Allein die 
West.T übt zur Zeit Manitoba und das Nord- 
Riebt (^en Provinzen Ontario und Quebeck 
es Landwirthschaft in englischem Stil. 
Und Budget Canadas ist, verglichen mit jenem der Union 
^üch Rücksicht auf die Bevölkerung, hoch zu nennen, so 
Uise b ^^^^tsschuld, von der aber ein grosser Theil zu 
ich ^ ’ Canal- und Hafenbauzwecken verwandt wurde, 
die ^ anderer Stelle hierauf ein und bemerke nur, dass 
Die 1881 82 = 27 Millionen Dollars betrugen. 
° Vermehrung durch Einwanderung wird diese Steuer- 
VernTrt'" Form bald pro Kopf der Bevölkerung — 
weshalb es unnöthig ist, darauf näher einzugehen.
        <pb n="717" />
        702 
Die Administration und Justiz ist englisch-solide. Der Handel 
ist noch immer passiv. Es betrug in Dollars: 
Jahr. 
1868 
1869 
1870 
1871 
1872 ..... 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
1881 
1882 
Summa 
Export. 
57.567.888 
60.474.781 
73.573 490 
74.173.618 
82.639.663 
89.789.922 
89.351.928 
77.886.979 
80.966.435 
75.875.393 
79.323.667 
71.491.255 
87.911.458 
98.290.823 
102.137.203 
1.201.454.503 
Import. 
73.459 644 
70.415.165 
74.814.339 
96.092.971 
111.430.527 
128.011.281 
128.213.582 
123.070.283 
93.210.346 
99.327.962 
93.081.787 
81.964.427 
86.489.747 
105.330.840 
119419.500 
1.484.332.401 
Zoll V. Import. 
8.819.431 
8.298.909 
9.462.940 
11.843.655 
13.045.493 
13017.730 
14.421.882 
15.361.382 
12.833.114 
12.548.451 
12.795.693 
12.939.540 
14.138.849 
18.500.785 
21.708.837 
199.736 698 
Sowie Manitoba und das Nordwestterritorium mehr be 
siedelt wird, wird der Export von Ackerbauptroducten wachsen 
und eine günstige Handelsbilanz entstehen. Diese Entwicke 
lung wird durchaus ähnlich jener der Union seit 1877 sein. 
Canada ist ein aufblühendes Land. 
In der Provinz Ontario gab es 1871 172.258 Farmer, wo 
von 144.212 Eigenthümer und 27.340 Pächter. Es gab 19-954 
Farmen unter 10 Acres gross, 38.882 Farmen von 10—50 
Acres, 71.884 Farmen von 50—100 Acres, 33.984 von loo 
bis 200 Acres und 7.574 über 200 Acres gross. Unter An 
bau waren 6.537.000 Acres, cultivirt (incl. Brache und Wiesen) 
8.833.000 Acres. 
In der Provinz Quebeck gab es 118.086 Farmer, wovon 
109.059 Eigenthümer. 10.510 Farmen waren unter 10 Acres 
gross, 27.379 von 10—50 Acres, 44.410 von 50—100 Acres, 
30.891 von 100—200 Acres und 9.898 über 200 Acres gross. 
Cultivirt waren nur 5.703.000 Acres, unter Früchten nur 
3.714.000 Acres. 
Der Ackerbau auf diesen Flächen deckt in der Regel den 
Bedarf. Für Export kann nicht viel übrig bleiben. Holz» 
Pelzwerk, Fische und Schlachtvieh bilden bis jetzt die Export 
artikel. Vieh gab es in Canada 1879 ca. 3' 4 Millionen R‘i^' 
der, 4 Millionen Schafe, 1.700.000 Schweine.
        <pb n="718" />
        703 
: "1 
,■ i 
- 4 
% 
i 
i 
Exportirt wurden, mehr als importirt, 1874—75 Rinder 
34-388, 1878—79 43.083, 1879—80 = 50.905, Schafe 
75 = ^33748, 1878—79 = 327.010. 
Zu erwähnen wäre nur, dass man im Jahre 1883 drei 
un elrübenzucker-Fabriken in Betrieb gesetzt hat. 
Canada importirt sämmtlichen Zucker, den seine Bevölke- 
rüh^ consumirt. Der Boden und das Clima sagen der Zucker- 
di ^ theurer Arbeitslohn spricht gegen den Bau 
mi?T Regierung hat nun 70.000 Dollars als Prä- 
ersten, in Canada erzeugten Rübenzucker ausge- 
Jt, wovon 10 Jahre hindurch jährlich 7000 Dollars an die 
e entstehende Zuckerfabrik gezahlt werden sollen. 
ein« durch Franzosen zwei und durch Deutsche 
® rabrik entstanden. 
geleitet, der 25 Jahre in 
C tschland in einer solchen Fabrik arbeitete. Sie liegt auf 
k aticook, zwischen Montreal und Quebeck, die Gebäude 
Ibs !“ /.50 000 Dollars. Sie kann 200 Tonnen Rüben à 2000 
Und t ^ verarbeiten, besitzt eine eigene Farm von 50 Acres 
mer ^ A gebauten Rüben, solche von Far- 
2^0" A Giner Insel bei Montreal andere 
Coar T gepachtet. Mit der Eisenbahn, die durch 
nach* Specialcontract geschlossen, wo 
zahle Rückfracht der „Pulp“ nur halben Tarif 
Acre^ Ti" ^ Rübenertrag wechselt von 3 bis 20 Tonnen vom 
^rei T E-üben haben 10 14 pCt. krystallisirbaren Zucker, 
erhalt Eüben hinterlassen eine Tonne Pulp. Die Farmer 
^ Dollars per Tonne Rüben auf der Bahnstation und 
Earm^ ^ ^ Dollars per Tonne Pulp, die sie verfüttern. Die 
Ulan dm Rüben noch mit Handarbeit, doch denkt 
aschinen zum Hacken etc. Der Arbeitslohn auf dem 
7 er kostet 75 Cents bis 1 Dollars per Tag, in der Fabrik 
Xl^g ^ Dollar, I Dollars und 2 Dollars, je nach der 
arbei^ n ^ g^^bt nirgends Frauen- oder Kinder- 
kauf i, Eoden wird mit Knochenstaub gedüngt. Im An 
ostet der Acre 40—60 Dollars. Es lastet weder Steuer
        <pb n="719" />
        704 
noch Staatsaufsicht auf der Zuckerfabrikation und geniesst sie 
einen Schutzzoll, der beträgt: 
Zucker über No. 14 Dutch Standard, farbig, 1 C. p. Ib. u, 
„ „„9n " 
„ unter „9« « ” /jn»«« 
Candy ‘ " " " " 
Glucosezucker wie oben. 
Der Preis des Zuckers ist 9—12 C. per Ib. 
30 pCt. V. Werth. 
30 n TI n 
30 n « « 
35 " " ” 
In der Union betrug bis 1882 der Zoll; 
1% plus 25 pCt. = 2%, C. per Ib. 
Zucker unter No. 7 • 
„ zwischen „ 7~9 • 
« « « '»-'3 " 
« « " :3-i6 
„ „ « 16-20 . 
„ über „ 20 
„ -Raffinade, Brod, granulirt, pul- 
verisirt 4 
anderer, raffinirt, gefärbt etc., bis 30 C. Werth per Ib. 15 C. per . 
über 10 C. Werth 
2 
2V4 
3% 
3V4 
4 
25 
25 
25 
25 
25 
25 
= 2'/* 
= 2"/), 
= 3V1« 
= 4V1# 
= 5 
= 5 
Bei so hohem Schutz sollte sich, namentlich im Innern des 
Continents, vielleicht sogar in Manitoba, der Rübenzuckerbau 
wohl lohnen, da der Zucker auch noch einen sehr hohen 
Schutz durch die Frachtspesen von der Küste geniesst, denn 
Zuckerraffinerien giebt es nur an der Küste des Atlantischen 
und Stillen Oceans. Auch in der Union beginnt man die 
Runkelrübenzuckerfabrikation. Im Staate Maine besteht seit 
1879 eine Fabrik mit den besten Maschinen, welche 20.000 
Tonnen Rüben jährlich verarbeiten kann, aber 1880 nur 10.000 
Tonnen Material hatte. Sie beschäftigt 125 Mann, arbeitet 
Tag und Nacht mit zwei einstündigen Pausen, 125 bis 15^ 
Tonnen täglich. Die Rüben sind oben nicht tief genug abge- 
schnitten und geben etwas über 11 pCt. Zucker. Der Pulp 
bringt erst 1 Dollar per Tonne, wird nicht verfüttert, sondern 
als Dünger verbraucht. Die Farmer, welche die Rüben liefern, 
erhalten an der Station 5 Dollar per Tonne und ernten 
15 bis 23 Tonnen per Acre. Stalldung und Arbeit soll ihnen 
auf ca. 60 Dollars per Acre zu stehen kommen. Sie hatten 
von 15 bis 23 Dollars Netto vom Acre.
        <pb n="720" />
        705 
Seit einigen Jahren findet, wie schon bemerkt, eine be- 
eutende Einwanderung nach Manitoba und dem Nordwest- 
erritorium statt. Die Canada-Pacific-Eisenbahn ist in Bau 
griffen. Sie soll den Stillen und Atlantischen Ocean auf 
^nadischem Boden verbinden. Schon steht Winnipeg, die 
auptstadt Manitobas mit dem Oberen See bei Fort William, 
dem Unions-Eisenbahnnetz bei Emerson am Red River in 
r indung, Ende 1883 wird die von Winnipeg nach dem 
B gebaute Bahn das Felsengebirge erreichen und eine 
ahn von Winnipeg nach der Hudsonbay ist vermessen, 
nde 1882 waren 585 Meilen westlich von Winnipeg fertig, 
on sind die Seen Manitoba und Winnipeg und über 3000 
^ngl. Meilen Flussläufe auf dem Red-River, dem Assiniboine 
^ Saskatchewan schiffbar und werden mit Dampfern befahren, 
Meilen sollen überhaupt in dieser grossen Ebene 
^ inbar zu machen sein. 
st 11 sandiger, torfiger, humusreicher Lehm, 
^ lenweise steinig, vielfach sehr fruchtbar. Es giebt grosse 
p ^ ’ ^^Gr auch unermessliche, mit hohem Grase bestandene 
‘■^»nen, Gebirge keine, leicht wellige Stellen viele. 
bis Sommer sind heiss, bis 67« Frh., die Winter kalt, 
Null, aber meist windstill. Das Klima ist gesund, 
c^ss man Weizen bis zum Peace-River anbauen kann, ist 
^^statirt. Angeblich bringt Weizen 26% Eushels, Hafer 50, 
^^•■ste 40 Bushels per Acre. Es sollen 250 bis 300 Millionen 
Weizen anbaufähigen Bodens in Manitoba im 
^i rdwest-Territorium liegen, d. h. mehr, als in ganz Europa, 
Ç Ausschluss Russlands, unter dem Pfluge ist! Der Unions- 
Taylor in Winnipeg, den ich selbst gesprochen 
No H dass hier drei Viertel des Weizenbodens von 
^uierika liege. Dass Weizen, Gerste und Hafer hier sehr 
^ S^^leihen, habe ich selbst gesehen, ebenso dass üppige 
G für viele Millionen Rinder existirt. 
Ac Regierung giebt an Ansiedler Homesteads von 160 
die Hudsonbay- und die Canada-Pacific-Eisen- 
ompagnien verkaufen Land in grösseren Complexen, 
45
        <pb n="721" />
        7o6 
doch sind die Verkaufsbedingungen der Bahngesellschaft be 
denklich und würde ich Anstand nehmen, auf sie einzugehen. 
Für 20 Jahre hat die Bahngesellschaft ein Transport- 
monopol und kann die Tarife thatsächlich so hoch setzen, 
wie sie will. Dies ist eine sehr bedenkliche Sache und kann 
zu einem Conflict führen, wenn die Bahngesellschaft nicht sehr 
massig in ihren Ansprüchen ist. 
Da das unoccupirte, fruchtbare Land der Union in ein 
paar Jahren in Privateigenthum übergegangen sein wird, so 
ist anzunehmen, dass die Besiedelung dieses Theiles von 
Canada nunmehr sehr schnell erfolgen wird. Vorläufig sind 
nur englische Farmer hier hergegangen, allein Skandinavier 
und Deutsche werden bald folgen. 
An den Ostabhängen der Felsengebirge entstehen grosse 
Rindviehheerden und machen die Engländer mit diesem Ge 
schäft jetzt ungeheure Profite. 
Indess haben nicht nur diese Viehzüchter, sondern auch 
alle jene in der Union von der canadischen Grenze bis zur 
Südgrenze von Wyoming in dem strengen Winter 1882/83 
viel Vieh durch Erfrieren bei Schneestürmen verloren. Sie 
alle stallen das Vieh im Winter nicht und das bewährt sich' 
eben nicht. 
Das ungeheure Gebiet von Peace River bis an die mexica- 
nische Grenze, vom 100. Meridian bis zur californischen schmalen 
Ebene ist ein grosser Weideplatz. Viele Millionen Büffel 
haben auf ihm gelebt. Man sagte sich nun, dass ebensoviel 
Millionen Rinder dort gross gezogen werden könnten. Aus 
gewachsen sollen sie dann in die Maisstaaten von Kansas- 
Nebraska bis Indiana-Ohio per Bahn befördert und hier schlacht 
reif gemästet werden, soweit sie nicht „grasfett“ im Herbst 
geschlachtet und zum Theil als Pökelfleisch verwerthet werden. 
Allein ^man vergass, dass die Büffel regelmässig im Herbst 
und Winter vom Norden nach dem Süden, bis Kansas und 
Texas, hinabweideten und im Frühjahr ebenso regelmässig 
nach Norden zogen. In den Prairien, besonders von Texas 
und Kansas, habe ich diese ausgetretenen Fusspfade, „Buffalo* 
Trails“ noch unverwischt gefunden, obschon die Wanderungen
        <pb n="722" />
        707 
45* 
le Büffel längst aufgehört haben stattzufinden und zu 
Bei den in einigen Wintern eintretenden furchtbaren, 
ed ^1^” Schneestürmen starben die mit englischem Blut ver- 
e ten Rinder von Canada bis Wyoming zu vielen Tausenden, 
an wird wohl für den Winter Stallungen und Heu schaffen 
In Manitoba sah ich eine Heerde, welche in dieser Weise 
geaalten wurde; Aus dem reichlich vorhandenen Holz hatte 
und" Art der Blockhütten erbaut 
zu I-ange nach daneben Heu aufgestapelt, das man durch 
Warf° Lucken einfach in den Stall unter die Rinder 
bis p ^ ^"^de auf eingezäunter Prairie aus dem 2'/, 
M’áh Prairiegras gewonnen. Von Ochsen gezogene 
maschinen schnitten es, von Ochsen gezogene Rechen brachten 
usammen und mit Ochsen bespannte Wagen führten es heim. 
Kalt ^Gin Rind crepirt vor Hunger oder 
zu ^ nehmen sogar an Gewicht im Winter noch 
her P^^Gien geweideten Thiere nicht nur elend 
rire" I" einigen Generationen degene- 
Vieh u verlieren. Ich bin überzeugt, dass diese Art 
Wo l" ‘ auszahlt, wo mähbares Prairiegras existirt. 
rien vorhanden ist, dahin kann man aus grasreichen Prai- 
leicht guten Bahnverbindung, die in Amerika existirt, 
nt gepresstes Heu hinschaffen. In Canada existirt soviel 
VerQ^'^^^^’ damit die Viehzüchter bis Kansas hinab 
crsorgen kann. 
in 
Lan ^d^^ ^Grwaltung, Justiz und das Erziehungswesen sind 
der n" und eher besser als schlechter denn 
thu geordnet. Die Sicherheit von Leben und Eigen 
sond nnr grösser als im fernen Westen der Union 
Und absolut: Mordthaten kommen äusserst selten voi 
'pi .. habe viele Farmen in Manitoba gesehen, derer 
^en nicht verschliessbar waren. 
zweifeUos, dass man dort mehr Weizen zum 
^atü^[\ Union jetzt producirt. 
richte "" ^^uh daselbst eben so gut häuslich ein- 
^u, als in Norwegen, Schweden und den russisch-bal-
        <pb n="723" />
        7o8 
tischen Provinzen, vielfach besser sogar, da es keine Ge 
birge giebt. 
lieber die Resultate der Kleinfarmwirthschaft in Manitoba 
theilt die in Wien herauskommende, illustrirte, sehr gute 
Wochenschrift „Amerika“, der ich manche neuere Angabe 
entnommen habe, wofür ich hiermit danke, und die ich sehr 
empfehlen kann. Folgendes mit: 
z. 
Im ersten Jahre: 
Auslagen für den Ansiedler mit einer Familie, 
B. aus fünf Köpfen: 
Für Lebensmittel etc. für ein Jahr . 
Ein Gespann Zugvieh 
Eine Kuh . 
Pflug und Egge 
Wagen 
Werkzeuge 
Kochofen etc., vollständig . . . . 
Einrichtung 
Diverse 
300 Doll. 
185 « 
53 " 
35 « 
80 „ 
25 " 
^5 " 
60 „ 
50 . 
bestehend 
Auslagen im ersten Jahre 795 Doll. 
Am Ende des ersten Jahres wird der Ansiedler im Besitz 
eines comfortablen Blockhauses, einer Scheune etc., von Vieh, 
Werkzeugen und 20 Acker gepflügtem Lande sein, letzteres 
zur Saat bearbeitet. 
Im zweiten Jahre: 
Er wird von 20 Acker 600 Bushel Korn 
à 80 Cts. Verkaufspreis geerntet haben 480 Doll. 
Auslagen 300 „ 
Mithin Reingewinn nach Abzug der lau 
fenden Bedürfnisse und Unkosten . . 180 Doll. 
Ausserdem wird er weitere 20 Acker Land am Schlüsse 
dieses Jahres bearbeitet haben. 
Im dritten Jahre: 
40 Acker ergeben einen Ertrag von 
1200 Bushel Korn à 80 Cts. . . . 960 Doll. 
Auslagen, incl. vermehrtem Inventar . 500 „ 
Gewinn nach Abzug der laufenden Be 
dürfnisse 400 Doll.
        <pb n="724" />
        709 
Gleichzeitig wird ihm die vermehrte Arbeitskraft etc. 
^ie Möglichkeit an die Hand geben, mindestens weitere 
30 Acker urbar zu machen. 
Im vierten Jahre: 
70 Acker ergeben 2100 Bushel Korn 
à 80 Cts ,680 Doll. 
Auslagen für erhöhte Arbeitskraft, Vieh, 
Werkzeuge etc 600 „ 
Ueberschuss 1080 Doll. 
Im fünften Jahre: 
100 Acker tragen ihm 3000 Bushel Korn 
ein, à 80 Cts 2400 Doll. 
Im Verhältniss geringere, nothwendige 
Auslagen als im Vorjahre .... 600 „ 
Gewinn 1800 Doll. 
Am Schlüsse des fünften Jahres wird sich der Vermögens- 
stand des Ansiedlers wie folgt ausweisen: 
Keines Baar-Vermögen 3520 Doll. 
160 Acker mindestens um 5 Dollars pro 
Acker an Werth gewonnenes Land 800 
Haus und Scheune gering gerechnet . 250 
Vieh, incl. des Hornviehes und der Pferde 600 
Maschinen und Ackergeräthe, 50 Proc. 
des Kostenpreises 200 
Einrichtung etc 1^0 „ 
Summa: 5520 Doll. 
Selbst wenn auch in Folge von Missernten oder weniger 
tiyirtem Lande, als oben angegeben, sich nicht ganz der 
^zeichnete Reinertag ergeben sollte, so wird sich der An- 
^^ler doch am Schlüsse der erwähnten fünfjährigen Zeit- 
P^iode im Besitz einer schönen, wohlausgestatteten, ganz 
^ uldenfreien Farm und einer hübschen Summe Geldes 
befinden. 
Dieser Anschlag mag wohl etwas sanguinisch sein. Indess 
j Selkirk hat hier eine Colonie, Kildonan am Red River, 
^ J- 1812 gegründet, auf der ich Weizen sah; die Felder 
70 Jahre hintereinander, ohne Dünger, mit Weizen be- 
^ t worden und brachten 27 bis 30 Bushels per Acre.
        <pb n="725" />
        Als ich in Manitoba war, herrschte noch Theuerung, welche 
es dem Ansiedler kostspieliger machte, sich dort anzusiedeln, 
als in der Union. Allein heimische Production auf den neuen, 
schnell und zahlreich entstehenden Farmen und die jetzt schon 
complete Verbindung mit Ostcanada, Montreal und Quebek, 
hat das schnell geändert. Ende 1882 kostete in Winnipeg: 
I Ib. Stockfisch 9—II c., Lachs aus dem Obern-See 12V2 c., 
Butter 21—30—35 c., Roastbeef i2'/2—20 c., corned beef 
IO—12 c., Kartoffeln pro Bushel allerdings i '/^ Dollars, Mehl 
100 Ibs. 2 23—3 20 Dollars, Eier 35—38 c. pro Dutzend. 
Der Vertreter der Canada-Pacific-Bahn in Winnipeg sagte 
mir, dass man von 100 Meilen westlich Winnipeg nach Mon 
treal den Bushel Weizen werde für 30 Cents, nach Liverpool 
für 40—45 Cents Transportkosten senden können. Die Pro- 
ductionskosten sollen bei Lohnarbeit sich auf 30 Cents be 
laufen, also könnte man aus der Gegend -r bis 100 Meilen 
westlich von Winnipeg — nach Europa Weizen um 75 Cents 
per Bushel oder 2.77 Dollars per Metercentner = ii Mark 
oder 6'65 fl. ö. W. liefern. 
Da die Saison, in der man auf dem Felde ackern kann, 
kurz ist, man von Beginn der Ernte bis zum Eintreten des 
Frostes, vor dem gepflügt sein muss, nur ca. 45 Tage hat, 
20 zum Ernten, 25 zum Pflügen der Stoppel, so braucht man 
eine starke Anspannung. 
Für eine Farm von i □Meile oder 640 Acres Grösse, 
von der 40 Acres für Wege,.Unland, Hofstelle etc., abgehen 
sollen und die man ganz mit Weizen bestellen würde, erhält 
man folgenden Anschlag, den ich in Winnipeg mit dem Land- 
director der Hudsonbay-Compagnie aufgestellt habe: 
16 Pferde à 150—175 Dol Dollars 2560 
16 Geschirre à 18 Dol „ 288 
8 Pflüge à 35 Dol . „ 280 
5 Wagen à 90 Dol „ 450 
4 Selbstbinder (Mähemaschine) à 250 Dol. . „ 1250 
I Separator (Dreschmaschine) „ 600 
5 Eggen à 17 Dol „ 85 
I Ruggy „ 75 
Latus Dollars 5588
        <pb n="726" />
        Handwerkszeug 
Sommerwohnhaus für 30 Arbeiter 
Stall für 16 Pferde 
Magazin für Maschinen, Pflüge etc, 
Kornspeicher 
3 Säemaschinen à 50 Dol. . . 
Preis von 640 Acres à 5% Dol. 
Betriebscapital 
Transport Dollars 
5588 
100 
1000 
500 
250 
250 
•50 
3520 
2000 
. Sa. Dollars 13.358 
Rund . . 15.000 Dollars. 
5 pCt. Zinsen davon Dollars 750 
Betriebs-Kosten à Acre 7 Dol ,, 4200 
Sa. Dollars 4950 
Rund , . 5000 Dollars. 
Durchschnittlich 25 Bushels Weizen per Acre = 15.000 Bushels, 
macht 33 3 Cents per Bushel. 
Dalrymple rechnet in Dakota 35 Cents bei 20 Bushels Ernte. 
Der Ankaufspreis von 5'/aDollars ist hoch gegriffen. Die Re 
gierung giebt, wie schon bemerkt, Land bis 160 Acres umsonst, 
le Elsenbahngesellschaft, welche 25 Millionen Acres besitzt, ver- 
auft zu 21/2 Dollars und giebt einen Rabatt, wenn in den ersten 
Jahren gleich Acker gebrochen und angesäet wird. Ihr Con- 
^'■akt ist aber onerös und enthält eine Clausel, die ich nicht 
unterschreiben möchte: Land und Anzahlung verfallt, wenn 
*’‘cht die stipulirte Acrezahl angebaut wurde, was bei früh 
intretendem Frost zuweilen unmöglich werden kann. Dieser 
^ontrakt ist auch dadurch „unfair“, dass die Bahn für jede 
^eigbahn sich für immer einen freien Weg durch das ver- 
aufte Land reservirt, wo sie will, sogar durch Baulichkeiten 
Die Hudsonbay-Compagnie verkauft den Acre mit 
^ is 7 Dollars, aber ohne jede weitere Bedingung. Sie giebt 
iair and free title“. 
T,... wird annehmen können, dass der selbstarbeitende 
^in-Farmer den Bushel Weizen gut und gern für 30 Cents 
'"erkaufen kann. 
Natürlich kann er aus der Rindvieh-, Schaf- und Schweine- 
t ebenfalls Einnahmen ziehen.
        <pb n="727" />
        712 
Ich besuchte; die Mennonitenansiedelung Grünfeld, südlich 
Winnipeg. Sie litt an Nässe und wurde, durch gemeinsame 
Arbeit der Gemeinde, drainirt. Das Gefall betrug ii bis i6 
Zoll pro englische Meile, schon waren 4 Meilen Hauptcanal 
fertig und sollten noch 8 Meilen gegraben werden. Während 
die Ebene südlich der Wasserscheide des Mississippi und Red 
River of the North vom Mississippi bis zum Felsengebirge oft 
durch Dürre leidet, leidet die nördlich hiervon gelegene Ebene 
oft von zuviel Nässe und bedarf der Boden der Drainirung. 
Ansiedler sollten vor allen Dingen untersuchen, ob der zu 
kaufende Boden Gefall hat und man das Wasser fortschaffen 
kann. Die nördliche Ebene hat entschieden fruchtbareren 
Boden als der grösste Theil der südlichen Ebene. Aber wo 
er nicht entwässert werden kann, ist er als Acker werthlos, 
nicht so als Weide oder als Heugrund für Gewinnung von 
Prairiegrasheu, Wie aller fruchtbare und nasse Boden verun 
krautet er leicht und erfordert also gründliche Cultur, die bei 
der Kürze der Saison ihm nur in kostspieliger Weise zu 
geben ist. 
Auf jener Mennonitencolonie war das Vieh vom 13. No 
vember 1880 bis 13. April 1881 im Stall gewesen. Am 
28. April 1881 begann man die Aussaat. Der Mennonit, den 
ich zu Mittag besuchte, hatte 20 Acres mit Weizen, 10 Acres 
mit Hafer besäet. Die Ernte hatte im vorigen Jahre nur 12 
bis 22 Bushels in den verschiedenen Mennonitendörfern be 
tragen , da der Boden zu nass war. Der Bushel Weizen 
kostete an der nächsten Bahnstation 80 Cents; der Hafer 
55 Cents. Mit 2 Pferden pflügte man 2 Acres täglich, mit 
Sulkypflug und 3 Pferden davor 3 Acres. Mit der Samuel- 
son’schen Mähmaschine werden 10 bis 12 Acres täglich ge 
mäht; 5 Mann banden und setzten hinter je einer Maschine 
auf. Die Grasmähemaschine räumte IO Acres täglich. Man hatte 
1880 am II. Juli das Grasmähen angefangen, am 3. August das 
Heueinfahren beendet, am ii. August das Weizenmähen ange 
fangen, bis 25. October pflügen können. Auf der Heimstätte von 160 
Acres, die er natürlich umsonst von der Regierung bekommen 
hatte, hielt der Bauer 4 Pferde, 4 Kühe, 10 Haupt andres ausge-
        <pb n="728" />
        713 
wachsenes Rindvieh, darunter 4 Paar Ochsen, mehrere Kälber und 
Schweine. Angeschafft waren -i Mähemaschine für 150 Dollars, 
^ Grasmähemaschine, 2 Wagen, 2 eiserne Eggen, 13 Bauern 
hatten gemeinschaftlich i Dampfdreschmaschine für 650 Dollars 
gekauft. Ein Bushel Getreide zu dreschen kostete 3—4 Cents. 
Ernte betrug 1880 247 Bushels Weizen, 240 Bushels 
afer, Kohl, Rüben für Bedarf, Kartoffeln 50 Bushels zum 
erkaut à 40 bis 85 Cents, Eier wurden per Dutzend zu 
^ Cents verkauft. — Bei schwerer Arbeit kamen diese 
Gnnoniten, welche sehr wenig Capital mitgebracht hatten, 
zwar langsam, aber ersichtlich zu Wohlstand. 
Dass es schwieriger ist, mehr Capital, Arbeit und Entbeh- 
Jungen erfordert, sich im Nordwestterritorium von Canada als 
armer zu etabliren als in den Unionsstaaten von Dakota und 
¡Minnesota bis Kansas, unterliegt keinem Zweifel. Allein hier 
st der Boden noch in Fülle und vielfach umsonst zu haben, 
^ wird er theuer. Hier, in Canada, ist er fruchtbarer, wenn 
^ gehörig drainirt und beackert wird und Missernten wegen 
rockenheit dürften kaum Vorkommen. Heuschrecken werden 
der Cultur weichen. 
Der europäische, verarmende Bauer kann hier mit ein 
W^Vi Dollars in einem halben Dutzend Jahren zu 
^ ohlstand kommen. Der rüstige und junge Landarbeiter kann 
^as Capital zum Ankauf in wenig Jahren sparen, da die Löhne 
^‘er noch höher sind als in Dakota. Dass hier ebenfalls bis 
^chluss des Jahrhunderts eine grosse Republik zahlreicher und 
habender Bauern entstehen wird, scheint mir, nach Kennt- 
^ des Landes durch Studium und Augenschein, höchst wahr 
scheinlich zu sein. 
^ Wer sich über Canada und speciell Manitoba genauer 
^nterrichten will, kann dies durch die Broschüre: „Canada, 
n \ ^^^^schte der vier deutschen Delegirten über ihre Reise 
Y ^ Ganada im Herbst 1881, von Dr. Otto Hahn, Reutlingen, 
y von E. Schau wecker“ thun. Diese Herren Delegirten 
^%uchten im selben Jahre wie ich Canada und sind in ihren 
ausführlicher, als ich es hier sein kann, berücksich- 
aber die Schwierigkeiten nicht, welche den Ansiedlern
        <pb n="729" />
        714 
aus dem Transport - Monopol der Canada - Pacific - Eisenbahn 
erwarten können. Auch sie kommen zu dem Schlüsse, dass 
Weizen aus Manitoba um 8 Mark per Centner in europäischen 
Häfen geliefert werden kann. 
Während meiner Reise in Manitoba hat mich durch sach 
verständigen Rath ein ausgezeichneter Deutscher unterstützt, 
der dort seit langer Zeit angesessen ist, der Consul des deut 
schen Reiches, Herr Hespeler, Er macht sich um deutsche 
Einwanderer in väterlicher Weise verdient und wird von den 
Mennoniten allgemein als „Vater“ angeredet. Wenn man in 
Deutschland colonisiren will, sollte man sich solcher Männer 
bedienen. Er vertritt die Deutschen in Manitoba in jeder 
Weise, wo sie in Schwierigkeiten gerathen und hat auch mich 
zu lebhaftem Danke verpflichtet.
        <pb n="730" />
        X LI. Capitel. 
Rindvieh-Export von Canada. 
ïm Jahre 1875 wurden die ersten 61 Haupt Fettochsen 
on Canada nach England befördert und entstand damit ein 
andel von der grössesten Tragweite für die Zukunft, sobald 
»e ungeheuren Flächen des Nordwestterritoriums und der 
0 sengebirge Canadas mit Rinderheerden „bestockt“ sein 
ü drüben sagt. Damals kostete die Fracht 
n Ernährung des Viehes von Montreal bis Liverpool rund 
50 Dollars per Stück, wovon 7 Lstr. Oceanfracht. 
Aus den Häfen der Union haben im Jahre 1882 die 
rachtsätze 4^/^ bis Pfund Sterling pro Haupt Rindvieh 
^ ragen. Das Vieh steht in Ställen von 2 Fuss 6 bis 8 Zoll 
^reite. Jene Fracht schliesst Passagefreiheit und Tisch für 
inen Mann auf je 30 Ochsen hin und zurück mit ein. Ein 
^chse verzehrt auf der Reise etwa i Tonne Heu. Wasser 
S*h*fr^*^ umsonst von der Schiffsmaschine condensirt. Die 
tragen meist 150-175 Ochsen über und 225 unter Decks, 
^ 'Veilen mehr; die grösste Sendung in einem Schiffe fand von 
^^ston aus statt, sie betrug 841 Haupt. Die Versicherung 
unJT 3 bis IO Procent, je nach der Saison. Schafe 
Schweine werden in Ställen auf Deck transportirt. 
Mr p^ Auszüge aus den Geschäftsbüchern des 
• rice in Montreal folgen, und zwar zunächst jene über 
erste Viehsendung im Jahre 1875. 
Ausgabe: 
Fracht u. Assecuranz für 61 Fettochsen à 
durchschnittlich 1300 Ibs. Lebendgewicht Lstr. 436 9 sh 2 d 
Üock.bgab. ,8 ■ 
Latus Lstr. 437 27 sh. 5 d.
        <pb n="731" />
        716 
Transport Lstr, 437 27 sh. 5 d. 
Commission 2V1 pCt „ 40 2 ,, 6 „ 
Zoll 3 d. per Haupt „ — 9 ,, 10 „ 
Maklergebühr 1 sh. per Haupt .... „ 2 19 „ — „ 
Aufwartung ,, 1 — „ — „ 
Heufuhre ,, — 5 i» — d 
Lstr. 483 3 sh. 9 d. 
Erlös durch Verkauf 1659 10 „ — „ 
Nettoeinnahme Lstr. 1176 6 sh. 3 d. 
Dabei blieben circa 11 Dollars Profit pro Kopf. 
Die Unkosten beliefen sich rund auf 8 Lstr. per Haupt 
oder auf 1.5 Pence =- 3 Cents per Ib. Lebendgewicht in Montreal. 
Die Ochsen werden in West- und Ober-Canada gekauft 
und in Wagenladungen von 18 bis 20 Stück von Toronto um 
45 Dollars, von Windsor, 200 Meilen westlich Toronto, um 
60 Dollars, nach Montreal befördert. Die Seeversicherung 
kostet im Anfang der Saison 2V3 bis 3 Procent, für Schafe 
I Procent mehr, wobei Rindvieh in der Regel mit 100 Dollars, 
Schafe mit 8 bis i o Dollars per Haupt versichert werden. Im 
Herbst steigt die Versicherungsprämie auf 7 bis 8 Procent 
und sind Schafe dann nur schwer überhaupt zu versichern. 
Futter und Fütterung stellt sich auf 3 bis 4 Dollars per Ochs. 
Am 8. November 1881 wurden 248 Schafe aus Montreal 
in Liverpool verkauft für 384 Lstr. 10 s. 6 d. Die Auslagen 
waren: 
Fracht und Assecuranz . Lstr. 62 s. 10 d. — 
Dockausgabe — „ 19 „ — 
Lairage i „ 18 „ 7 
Ferry von Birkenhead . . „ — „ 11 „ — 
Zoff ® n ^ ^ 
Tagelohn 7v, — — 
Fuhrlohn — „ 3 „ — 
Telegramme — ,, q „ — 
Schlachten 6 „ 8 „ 2 
Summa Lstr. 80 s. 19 d. 10 
Das Geschäft ergab weder Profit noch Schaden. Die 
Summe der Unkosten betrug 6 Shilling 6 Pence per Schaf 
oder 1.12 Pence = 2.24 Cents per Ib., das Schaf zu 70 Ibs. 
Schlachtgewicht gerechnet. 
Am I. Juli 1881 Hess Mr. Price 73 Ochsen via Antwer-
        <pb n="732" />
        717 
P^n in Brüssel verkaufen. Sie wogen dort Lebendgewicht 
44-278 Kilo und brachten 39.862 Fres., oder 90 Centimes 
per Kilo. 
Die Ausgaben betrugen laut Abrechnung: 
|)ischarging and driving to the Stables Fres. 16.00 
dodder 
^ oxen at 1.25 Fres, per Day averge, 5 days 452.50 
22 " ^ " 125.00 
12 ” 55.00 
,, " 3« 78.75 
'iriving, loading 47 oxen on the ears at Bruxelles 9 to 
Ud^" to take eare, à 3 Fres, per day 84.00 
ging and food for men who eame from Montreal ...... 57.50 
1 . to Bruxelles with 47 oxen and extra men there. . „ 49.00 
tip to Bruxelles with Mr. Priee ,000 
rriages in Bruxelles ' ' ' " o’ „ 
er for 47 oxen in Bruxelles 22-0 
fees a, a; cm à head [ 
“•■het fees for 67 head in Antwerp à 30 cm 13.40 
fr . " 47 Bruxelles à 50 23.50 
ght from Antwerp to Bruxelles for 47 oxen 108.20 
Petties" ßtuxelles to Antwerp „22 43.00 
: 3% 
hôt^ l ^ — '32 Lstr. à 25.31 Fres.. „ 6.378.12 
Einnahme: 
der Ochsen. 
Summa Fres. 8.762.88 
. . . Fres. 39.862.00 
Lieberschuss Fres. 31.099.12 
Auslagen vermehren sich um die Reisekosten des 
Price, seiner Leute, die er aus Montreal mitbrachte und 
^ den Lohn derselben. 
Leute werden an Reisegeld und Lohn die Auslagen 
sich ° °°° abgerundet haben, so dass die Unkosten 
Jo Ochs auf rund 137 Fres., pro Kilo Lebendgewicht 
Verkaufsplatz auf ca. 23 Centimes stellen oder 10 Cen-
        <pb n="733" />
        7i8 
times per englisches Pfund, ca. i Pence oder 2 Cents per 
englisches Pfund. 
In dem Jahre 1880/81 wurden die Frachten auf dem 
Ocean oft bis auf 6 Lstr. per Ochs getrieben, sanken aber 
auf bis 2 Lstr. i o Shilling oder 3 Lstr. per Haupt. Im Jahre 
1881 wurden 45.535 Fettochsen von Canada exportirt, aus 
der Union 215.762. Der Preis des Rindviehes in Canada stieg 
durch den Absatz. Ochsen von 1400 Ibs. Lebendgewicht 
kosteten in Montreal 1875/76 4.5—5 Dollars per 100 Ibs., 
1877—79 — 5.25—5.50, 1882 =5.50—6.25, grasfette Ochsen 
1882 = 5.3772—5-75 Dollars. 
Des Vergleichs wegen lasse auf Seite 719 hier eine Ab 
rechnung über Unkosten für den Verkauf von Mastvieh aus 
der fürstlich Schönborn’schen Grafschaft Munkacs in Wien 
folgen. 
Bei den Ochsen stellen sich alle Unkosten auf 22.08 fl. 
per Stück, auf 3.36 Kreuzer per Kilo = 0.6 Cents per Ib. Lebend 
gewicht, für ein Schaf auf 1.79 fl, bei 70 Ibs. Lebendgewicht 
auf 2.57 Kreuzer per englisches Pfund oder 5.76 Kreuzer per 
Kilo = i.i Cents per Ib.
        <pb n="734" />
        7*9 
Verkaufs-Erfolge am Wiener Markte. 
Brutto- 
Erlös. 
: Eisen- 
' bahn- 
1 Fracht. 
■ Futter- 
; kosten. 
1 
1 
2 Allgemeine " 
Sr Kosten 
Commissionärs- 
Gebühr 
j Proc.-Anth. 
j V. Brutto- 
1 Erlöse an 
Markt- 
ausl'ag. 
Im 
Ganzen 
Fl. 
kr. 
¡F1. 
kr. 
!fi 
kr. 
;F1 
|kr 
pCt. 
1230 
'230 
98 
98 
für 5 Mastochsen (Ge- 
sammtgew.lebd. 3158 Kg.) 
180 Kg. Heu à 6.96 Fl. 
180 Kg. Stroh à 2.92 Fl. 
is4 
78 
12 
5 
53 
26 
Diesmal 
keine 
erhoben 
1 
jl2 
3' 
1 
Total 
84 
78 
8 
99 Vi 
I 2 
3* 
1 
2.C 
9.4 
.38 
96 
Die Futterkosten wurden 
in der Totale blos mit der 
Hälfte eingesetzt, weil für 
gewöhnliche Verhältnisse 
(nicht Ausstellungsmarkt) 
blos die Hälfte der Zeit in 
Wien gefüttert wird. 
Somit calculirt sich pr. Stck. 
per Stück u. Kilomt. 
Erlös pr.Mtrctr.Lebendgew. 
16 
95.5 
2.W 
79 
2 
46 
820 
96 
96 
für 100 Schafe div. Gattung 
StädtischeMarktgebühr 
Abladegebühr . . . 
Treiber 
Stallgeld 
Stechspesen . . . . 
. Bänder 
Total 
*35 
69 
16 
72 
1 
2 
6 
2 
6 
30 
70 
45 1 
IO 
*35 
69 
16 
72 
*7 
45 
IO 
—1 
16.6 
5.7 
2*.„ 
Somit calculirt sich pr. Stck. 
per Stück u. Kilomet. 
Gesammt-Entfernung Wien- 
Munkács 629 Kilometer. 
I 
35 
00.216 
16.7 
*7.4 
10
        <pb n="735" />
        XLII. Capitel. 
Summarische Uebersieht der wirthschaftliehen 
Situation der Union. 
Die Vereinigten Staaten, ausser Alaska, sind 3.025.600 
englische [[¡Meilen gross, wovon 55.600 [[Meilen auf Flüsse 
und Seen, 2.970.000 auf Land kommen. Land kommt auf 
Californien 155.980, Dakota 147.700, Illinois 56.000, Indiana 
35.910, Jowa 55.475, Kansas 81.700, Kentucky 40.000, Michi 
gan 57.430, Minnesota 79.205, Missouri ' 68.735, Nebraska 
76.185, New-York 47.620, N.-Carolina 48.580, Ohio 40.760, 
Oregon 94.560, Pennsylvanien 44.985, Tennessee 41.750, Texas 
262.290, Wiskonsin 54.450 ¿Meilen. Dies sind die wich 
tigsten Kornstaaten. 
Die Bevölkerung betrug 1870 = 38.558.000, 1880 = 
50.155.000 Einwohner, von letzteren 24.636.000 weibliche 
und 25.518.000 männliche, 43.475.000 eingeborene, 6.679.000 
fremde Bewohner, 6.580.000 Neger und Mulatten, 105.000 
Chinesen und 66.000 Indianer. Es lebten in _ 
1 
1 
1880 1 1870 
1880 
1870 
Californien ... 
Dakota 
Illinois ' 
Indiana . . . . 
Jowa 
Kansas 
Kentucky .... 
Michigan ... 
Minnesota . . . 
Missouri .... 
864.CKX3 
135.000 
3.077.000 
1.978,000 
1 624.000 
qoó.cxxj 
1.648 000 
1.636.000 
780.000 
I 2.68.000 
500.000 
14 000 
2.539.000 
1.080.000 
1.194.000 
364.000 
1.321.000 
1.184.000 
439.000 
1.721.OÍX) 
Nebraska . . . 
New-York . . . 
N.-Carolina . . 
Ohio 
Oregon 
Pennsylvanien . 
Tennessee . . . 
Texas 
Wiskonsin . . . 
452.000 
5 082 .000 
1.399000 
13.98.000 
174.000 
i 4.282.000 
1 1.542.000 
1,591 000 
1 1.315.000 
1 
122.00Ü 
4.382.000 
1.071.0ÜO 
2.665.000 
90000 
3.521.000 
1.258000 
818000 
1.054000 
Die Volksvermehrung der Union tritt erst in ihr rechtes 
Licht, wenn man sie mit jener einiger europäischer Länder 
vergleicht.
        <pb n="736" />
        721 
46 
Europäisches Russland . . 
Deutschland 45 
38 
Europäische Volksvermehrung’; 
Percent der 
1880 Total- 
Mill. bevõlkerung 
80 34 
Desterreich-Ungar 
Frankreich , 
Grossbritannien 
Union . 
Frankreich.. 37 
• • • 35_ 
Summa 235 
50 
19 
16 
16 
IS 
1815 
Mill. 
48 
21 
28 
29 
17 
Percent der 
Total 
bevölkerung 
33 
14V, 
20 
20 V, 
12 
100 
18 
143 
8 
100 
5.3 
QMeiler 
1850 7.9 
Summa 285 ,31 
Ohne Alaska ist die Union 2.970.000 engl. 
Bevölkerung pro QMeile betrug 
o 10.8, 1870 13.3, 1880 17 3 Personen. Sie betrug in de 
nsusjahren um 1880—81 in europäischen Staaten mit etw 
seich fruchtbarem Boden: Spanien 84.5, Portugal 125.6 
anemark 133.2, Oesterreich-Ungarn 156.9, Frankreich 180.6 
^ eutschland 216.6, Italien 246.6, Holland 312.8, Englam 
^ 9.9, Belgien 481.7. — Die canadische Bevölkerung beträg 
^•3 ersonen auf die QMeile, die mexicanische 12.6 Personen 
añada hat 3.204.000 QMeilen, Mexico 741.598 QMeilen 
rdamerika zusammen hat also fast 7 Mill. QMeilen Oberflächt 
fel”^ wovon wirklich 2 Millionen als zu kalt oder zi 
_ ^1^! zu trocken abgerechnet werden sollen, bleibei 
Lä A LJMeilen. Nach europäischen Begriffen sine 
bev”ir (Portugal, Dänemark, Oesterreich-Ungarn dünr 
^.^olkert; wenn 150 Personen auf der QMeile leben, so is 
europäisches Land noch recht dünn bevölkert. So ist « 
nich^ auf jenen 5 Millionen QMeilen in Amerika 
t mehr Personen leben. Wir werden also zugeben müssen 
Nord-Amerika, anstatt wie jetzt 68 Millionen 
euro Menschen leben werden, dieser Continent nach 
Begriffen noch dünn bevölkert sein, zwischen 
^ad Oesterreich-Ungarn rangiren wird, also auch 
1^^ ^^Grbauproducte ebenso gut wird exportiren 
oberfi;^ Oesterreich-Ungarn dies thut. Der Trost 
Sehnen^ Schriftsteller über die Agrarfrage, die sich 
vermehrende Bevölkerung der Union werde den Ex-
        <pb n="737" />
        722 
port der Ackerbauproducte aus derselben bald unmöglich 
machen, hält also keineswegs Stich. Nord-Amerika muss 
800 Millionen Einwohner haben, bevor es exportunfähig an 
Nahrungsmitteln wird. Jede Volksvermehrung bis zu dieser 
Zahl fördert nur die Production, steigert die Exportfähigkeit. 
Man muss den Zahlen ihre Logik lassen. 
Die bevölkertsten Städte waren : New-York 1.206.000, 
Philadelphia 847.000, Brooklyn 566.000, Chicago 503.000, 
Boston 362.000, St. Louis 350.000, Baltimore 332 000, Cin 
cinnati 255.000, S. Francisco 233.000, Neu-Orleans 216.000, 
Cleveland Ohio 160.000, Pittsburg 156.000, Buffalo 155.000, 
Washington 147.000, Newark 136.000, Louisville 123.000, 
Jersey City 120.000, Detroit 116.000, Milwaukee 115.000, 
Providence 104.000. 
Der Bevölkerungsmittelpunkt wandert westlich. Er war: 
' Bewegung 
23 Meilen östlich von Baltimore. 
m Jahre 1790 — 
„ „ 1800—18 „ westlich 
„ „ 1810 — 40 „ westlich 
1820 — 16 „ nördlich 
1830—19 „ südwestl. 
1840 — 16 „ südlich 
1850 — 23 „ südöstl. 
i860 — 20 „ südlich 
1870 — 48 „ östlich 
1880 — 8 „ westlich 
Baltimore 
Washington 
WoodstockVirginien 50 
westl. in 10 Jahren 
. . 41 Meilen 
. . 36 
5V» 
Moorfield . 
Clarksburg . . 
Parkersburg . . 
Chillicothe Ohio 
Cincinnati . . . 
Cincinnati. . . 
Meilen. 
39 
SS 
SS 
81 
42 
S8 
Durchschnittlich jährlich ^ , 
Leute im Alter von mehr als 10 Jahren konnten nicht lesen 
.923.000; 6.239.000 konnten nicht schreiben. 9.781.000 Schuler 
tanden in den Listen der öffentlichen Schulen, und der 
lurchschnittliche Schulbesuch betrug 5.805.000 Kinder — Bei 
les ausser in den Privatschulen, deren reiche Leute und 
lamentlich die Katholiken viele haben. 
Die Verbreitung eines gewissen Grades von Bildung »s 
lur in den skandinavischen Reichen, der Schweiz, Schottland, 
iolland und Deutschland eine ähnliche, wie in dem weissen 
md nichtmexicanisch-irischen Theile der Unionsbevölkerung- 
5ie ist aber eine mächtige Förderin der Industrie und de 
Ackerbaues. Sie wird durch Freiheit der Schulen von einem
        <pb n="738" />
        7^3 
chinesisch-uniformirenden Reichsschulgesetz mannigfaltiger und 
besser, als selbst in diesen europäischen Staaten, wird 
der Selbstverwaltung geübt, durch die Presse gefördert 
durch das beste Patentgesetz prämiirt. 
Zu den Hauptweiterbildungsmitteln des Volkes gehört in 
menka vor Allem die Presse. Sie hat fünf Prinzipien: 
utzlichkeit, Sensation, Promptheit, Billigkeit, Massenhaftigkeit 
es Lesestoffes. Dem Sensationellen wird oft die Wahrheit 
. Rücksicht auf das Familienleben und dessen Geheim- 
i^e geopfert, der Promptheit die Gründlichkeit, der Massen- 
(^Gs Lesestoffes der splendide Druck - es wird zu 
/ Zeitschrift angewendet, der Billigkeit die Schönheit der 
Papier und der Druck sind meist elend, 
in • H * '"dessen werden alle jene fünf Zwecke, und man wird 
jeder Nummer eines Blattes Etwas finden, was dem Publi- 
ur das es bestimmt ist, nutzen kann, ein geschäftliches 
eresse für dasselbe hat. Production und Handel sind selbst 
sch^ n Blättern auch nicht annähernd so ausgiebig durch 
nelle und oft gründliche Nachrichten und Abhandlungen 
ordert, als in amerikanischen. Deshalb hält auch jeder 
eine 7 - kleine Geschäftsmann regelmässig mindestens 
mei«.t politisches Tageblatt, eine Fachzeitung, 
bell^. .Wochenschrift, und nicht selten ein religiöses und ein 
zuffe illustrirtes Blatt. In Städten und auf Bahn- 
I od Zeitungen reichlich ausgeboten. Der Preis ist 
SchneT ^ Cents pro Nummer. Grosse Zeitungen geben für 
wiss ^ ^^chrichten, einige auch für gute Originalartikel und 
Die Abhandlungen sehr bedeutende Summen aus. 
am ^cn politischen Sinn, regt zur Theilnahme 
die • Leben an und belehrt geschäftlich mehr als 
Wie anderen Landes. Sie ist nicht so unsittlich, 
contf Annoncen ein grosser Theil der europäisch' 
Presse, selten so frivol wie manches grosse, 
oft ^Z^'^che, Wiener, Pariser oder Berliner Blatt, allerdings 
tief ru in Allem steht sie, was Nützlichkeit anlangt 
der Schädlichkeit für die Moral anlangt, tief unter 
asse der europäischen Presserzeugnisse. Die Sprache 
46*
        <pb n="739" />
        7H 
ist durchweg allgemein verständlich, die Nachrichten werden 
präcise, ohne Weitschweifigkeit, gegeben. 
Nun zu ihrer Statistik! 
Im Jahre 1880 gab es 962 Tagesblätter, 682 Wochen 
schriften, 44 Halbwochenblätter, 39 Dreiwochenblätter, 138 Sonn 
tagsblätter, 447 Beilagebätter zu anderen Zeitungen, die Circu 
lation der Tagesblätter per Jahr soll 1.127.337.355, der anderen 
Blätter 216.763.880 Exemplare betragen. Es gab 81 Tages 
blätter und III andere periodische Zeitschriften in deutscher 
und nur 9 Zeitungen in einer anderen, als der deutschen oder 
englischen Sprache. New-York hat 12, Pennsylvanien 12, 
Ohio IO, Illinois 9, Missouri 7, Indiana 4, Jowa 3, Ken 
tucky 3, Wiskonsin 3 deutsche Tageblätter. 
Die täglichen Zeitungen haben eine durchschnittliche Auf 
lage von nahezu 4000 Exemplaren, während die Wochen 
schriften es nur auf 1824 bringen, die Monatshefte aber durch 
schnittlich 7583 Exemplare von jeder Nummer absetzen. Im 
Ganzen wurden während des Censusjahres 96.345.851 Monats 
schriften abgesetzt, während weit über 1000 Millionen Exem 
plare täglicher und nur 250 Millionen der Wochenausgaben 
täglicher Zeitungen und 630 Millionen selbstständiger Wochen 
schriften verkauft wurden. — Diese Zahlen beweisen, dass nur 
die tägliche Zeitung dem allgemeinen Bedürfnisse genügt. 855h 
Zeitungen dienen der Politik und den Tages-Interessen, 57^ 
sind der Religion gewidmet, 162 dem Ackerbau, 143 dem 
Handel und den Finanzen, 51 dem Versichernngs- und dem 
Eisenbahnwesen, 146 der Freimaurerei und anderem Orden 
wesen. Es erschienen 512 illustrirte Zeitschriften. Journalisten, 
Reporter, Redacteure zählt der Bericht 16.489 auf, die von 
einem technischen Personal von 50.490 Männern und 5855 
Frauen unterstützt werden. 
180.000.000 Pfund Papier werden jährlich für die perio 
dische Presse verwendet und der Werth des jährlichen P**® 
ductes beläuft sich auf 87.441.132 Dollars. 
Diese Daten zeugen für die ausserordentliche schnelle Ent 
wickelung des hiesigen Zeitungswesens, und für die Lesebe 
gier und Intelligenz des amerikanischen Volkes.
        <pb n="740" />
        725 
Auf der ganzen Erde sollen — wenn diese Statistik ge 
nau ist — 34.000 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften 
gedruckt und in 10.592 Millionen Exemplaren versandt wer- 
^^n. Angeblich erscheinen in englischer Sprache. 16.500, in 
deutscher Sprache 7.800, in der französischen 3.850 und in 
der spanischen etwa 1.600 Zeitungen und Zeitschriften. Davon 
kommen 4.020 täglich, 18.274 drei und einmal in der Woche 
Und 8.508 weniger oft heraus. 
Von höchstem Interesse ist es, sich mit der Beschäftigung 
dieses friedlichen und fleissigen Volkes vertraut zu machen. 
^ gab in der Union: 
Total. 
Männlich. 
Weiblich. 
*0—15 
männlich. 
Jahre 
weiblich. 
&gt;870. Personen über 10 
Jahre .... 
Davon arbeitend 
Unbeschäftigt 
'880. Personen über lo 
Jahre . . . | 
Davon arbeitend i 
Unbeschäftigt . ; 
28.228.945 
12.505.923 
15.723.022 
36.761.607 
17.392.099 
*9.369-508 
14.258.866 
10.669.635 
3-589.23* 
*8.735.980 
*4.744 942 
3.99*038 
1 
13.970.079 
1.836.288, 
*2.133.79* 
1 
18.025.627; 
2.647.157 
*5.378.470^ 
2.840.200 
548064 
2 292.136 
3 376.114 
825.178 
2 550.927 
2.764.169 
191.100 
2.573.069 
3.273.369 
293-*69 
2.980.200 
*6—59 Jahre 
männlich. | weiblich. 
60 Jahre u. darüber 
männlich. 1 weiblich. 
*870. Personen ... 
Davon arbeitend 
Unbeschäftigt 
*880. Personen . . . 1 
Davon arbeitend ! 
Unbeschäftigt . j 
10.429.150 
9.486.734 
942.4*6 
*3 907.444 
12.986.111 
62 1.333 
' 
*0257.645 
1.594.738 
8.662.826 
*3 377 002 
2.283 115 
11 093.887 
980.516 
634.837 
354.679 
1.452.422 
933644 
5*8.778 
948.265 
50.405 
897.860 
*375.265 
70.873 
* 304 383 
Die wichtigste Colonne ist jene, welche die arbeitskräf- 
||go Bevölkerung von 16 bis 59 Jahren umfasst. Man sieht, 
fast alle Männer und nur sehr wenige Frauen arbeiten. 
^0 viel gewinnt ein Volk an Familienglück und Moral, wo 
der Fall ist! Wie mag das wohl in Europa aussehen? 
ist die Frau ein Lastthier! Die Zahl der arbeitsfähigen 
^unnlichen Bummler vermindert sich von 1870 auf 1880.
        <pb n="741" />
        726 
í 
I 
Beschäftigt waren 1880 in 
Total. 
Alle Alte 
männlich. 
rsklassen ’! 16—59 ^ 
weiblich, männlich. 
ahre alt 
weiblich. 
Ackerbau 
Dienst und Profession . 
Handel und Transport . 
Manufactur und Bergbau 
Summa . . . 
1 
7.670.493I 
4.074.238 
1.810.256! 
3.837.112 
17.392.099 
7.075.983 
2.712.943 
1.750.892 
3.205.124 
14.744.942 
594.510 
1.361.295 
59.364 
631.988 
2.647.157 
5.888.133 
2.446.962 
1.672.171 
2.978.845 
12.986.111 
435.920 
1.215.189 
54849 
577.157 
2.283.115 
Ackerbau 
Dienst und Profession . 
Handel und Transport . 
Manufactur und Bergbau 
Summa . . . 
II 5-922.471 
j! 2.684.793 
1.191.238 
2.707.421 
12.505.923 
1870: 
5-525.503 
1.618.121 
1.172.540 
2.353.471 
396.968 
1.066.672 
18.698 
353.950I 
Unter Professio n u nd Dienst sind Beamte, Künstler, Lehrer etc., 
Diener und Dienstmädchen begriffen. Als „Arbeiter“ sind 1880 
1.859.223, als Hausdiener 1.075.655 bezeichi/et, rund 2.900.000, 
gegen 2 Millionen im Jahre 1870. 
Die Zahl der Ackerbauer nahm zu um 1.700.000, der 
Dienenden, worunter auch viele Landarbeiter, um 1.400.000, 
der im Handel und Transport Beschäftigten um 600.000, der 
Industriellen um 1.100.000, d. h. die der Ackerbauer wuchs 
um eine ebenso grosse Zahl, wie jene der im Handel, Trans 
port, Manufactur und Bergbau Beschäftigten zusammen. Die 
Zahl der Ackerbauer ist erheblich grösser, als jene der nicht 
Dienenden und doch Arbeitenden, um 2 Millionen nämlich, 
sowohl 1870 als 1880, d. h. der Schwerpunkt liegt auf dem 
Lande. 
Der Ackerbau hat auch die grösste Zahl der wirthschaft- 
lich selbstständigen Existenzen. Es gab: 
Landleute, Total . . . . 
Davon Landarbeiter . . . 
„ Aufseher . . . . 
„ Summa Abhängige 
„ selbstständige Farmer 
1880 1870 
7.670.493 5.922.471 
3.323.876 2.885.996 
3.106 3.609 
3.326.982 2.889.605 
4 343.511 3.033.866 
Die Zahl der Selbstständigen in der Landwirthschaft ver 
mehrte sich um 1.400.000, der Unselbstständigen nur um 500.000.
        <pb n="742" />
        727 
Gewiss ein sehr gutes Zeichen für die aufsteigende Klassen 
bewegung. 
In der Industrie greift Frauen- und Kinderarbeit in be 
denklicher Weise um sich, wennschon nicht in dem Maasse 
wie in Europa. Es arbeiteten in den Manufacturen und im 
Bergbau : 
1880 1870 
Männer. Frauen. Kind, u. 15 Jahr. Männer. Frauen. Kind. u. 15 Jahr. 
’•025.335 531.639 181.921 1.615.598 323.770 114.628 
i860 1850 
Männer. Frauen, Männer. Frauen. 
1.040.349 270.897 731.137 225.922 
Besonders viele Frauen sind 1880 beschäftigt in Schuh- 
Waarenfabriken 25.946, Teppichfabriken 8.570, Herrenschnei- 
dereien 80.994, Damenschneidereien 22.253, Baumwollspinne 
reien 91.178, Handschuhfabriken 5.249, Strickwaarenfabriken 
* 7’7071 gemischten Textilfabriken 20.520, Hemdenfabriken 22.186, 
Beidenwaarenfabriken 16.396, Cigarrenfabriken 20.480, Woll- 
waarenfabriken 53.635. Eine strenge Arbeitsgesetzgebung 
^but noth, um Frauen und Kinder in diesen Fabriken ordent- 
bch zu schützen. 
Von den in Profession oder Dienst erwerbenden Frauen 
äller Altersklassen finden wir 1880: Summa 1.361.295, wozu 
534.900 Dienerinnen oder Arbeiterinnen auf dem Lande 
rechnen sind. In jenen 1.361.295 Personen giebt es aber 
Selbstständige Frauen oder Beamte, wie 1.820 Schauspielerinnen 
Künstlerinnen und Lehrerinnen 156.436, Bordinghausbesitze 
rinnen 12.313, weibliche 
Aerzte 
Beamte 7.316, Hebeammen 2.118 
2.432, Besitzerinnen von Restaurants 846, Buchhai 
terinnen 2.365, Commis 25.561, Verkäuferinnen 7.744, selbst 
ständige weibliche Kaufleute, Händlerinnen 13.956, ferner 
^•809 weibliche Farmer, 1.309 solche Gärtner. — Weibliche 
iGnstboten giebt es 534.900 auf dem Lande oder als Land- 
^beiter, Arbeiterinnen62.648, Dienstmädchen in Häusern 938.919, 
‘^nerinnen in Hotels 31.648, Ammen 12.294, zusammen etwa 
^ 565.000 Dienerinnen, ferner 108.198 Wäscherinnen, wovon 
Theil ebenfalls in Dienst stehen dürfte. — Immerhin sind
        <pb n="743" />
        728 
anderthalb Millionen weibliche Dienstboten unter 50 Millionen 
Einwohnern nicht eine auffallend grosse Zahl und ist diese 
Stellung meist nur eine vorübergehende, der Heirath ein Ende 
macht. 
Der Nationalität nach waren beschäftigt, je 1000: 
Ameri 
kaner 
Ackerbau 1870 
„ 1880 
Profession und Dienst 1870 
„ 1880 
Handel und Transport 1870 
„ 1880 
Manufactur und Bergbau 1870 
„ 1880 
Summa 1870 
» 1880 
5.303 
6857 
1.858 
3.076 
862 
I 351 
1.777 
2.611 
9.802 
13.897 
Deut 
sche 
224 
293 
191 
218 
112 
152 
308 
368 
836 
1.033 
Irlän 
der 
138 
140 
425 
415 
119 
138 
264 
284 
947 
978 
Eng 
länder 
77 
104 
49 
79 
32 
36 
142 
225 
301 
466 
Cana 
dier 
Skan- 
di- 
48 
73 
48 
90 
16 
33 
76 
153 
189 
351 
50 
91 
29 
52 
9 
16 
20 
44 
109 
205 
Wobei zu beachten ist, dass die von eingewanderten 
Eltern Geborenen als Amerikaner angegeben werden. Der 
öffentliche Dienst nahm folgende Zahl von Personen in An 
spruch: 
1870 = 38.558.371 
1880 = 50.155.783 
44.743 
14.407 
8.672 
2.286 
22.861 
92.969 = 0.24 pCt. d. Bevöiker. 
67.081 
31.601 
16.849 
2,600 
24.161 
142.282 
0.28 pC‘ 
Bevölkerung . . 
davon Unions-, Staats-, Local 
beamte 
Unions-, Staats- etc. zeitweise 
Beschäftigte 
Unions-, Staats- etc. Schreiber 
und Diener 
Officiere von Armee und Flotte 
Mannschaften beider .... 
Summa 
Beamte und|Diener excl. Armee 
und Flotte 67.822 = 0.17 „ 115.521 = 0.22 
Städtische Bevölkerung . , . 8.071.875 = 20.9 „ 11.318.547 = 22.5 
Wenn wir in den europäischen Staaten eine ähnliche 
Beschäftigungsstatistik hätten, so würden wir staunen über den 
weit grösseren Procentsatz der europäischen Bevölkerung, 
welcher nothwendig ist, dieselbe, als Beamter oder Militair, 
in Ordnung zu ^halten. Je weniger ein Reich solcher Ord 
nungshersteller gebraucht, desto mehr ist es ein Culturreich.
        <pb n="744" />
        729 
Wenig Soldaten, wenig Beamte, wenig unproductive Männer 
im Alter von 15 bis 59 Jahren, wenig Frauen in der Produc 
tion beschäftigt — hat Amerika, und das sind alles Kriterien 
hoher Cultur! 
Nach dem Census von 1850 wurde der Besitz aller Bürger 
der Union auf 7.000 Millionen Dollars taxirt, i860 auf 
16.000, 1870 auf 30.000 Millionen, 1880 auf 49-77® Millionen 
Dollars. Der Vergleich mit England um 1880 stellt sich nach 
Schätzung competenter Statistiker folgendermassen in Millio 
nen Dollars: 
Vereinigte Staaten 
1 ) Häuser 13.400 
2) Meubles 2.600 
3) Manufacturen . . . 5.200? 
4) Eisenbahnen . . . 5.200 
5) Schiffe 300? 
6) Edelmetalle .... 700 
7) Acker 9.600 
8) Vieh 1.800 
9) Ernte 2.000 
ïo) Im Auslande zinstragd. 
angelegt .... 500? 
ii) Anderes 700 
Grossbritannien 
10.600 
2 400 
2.900? 
3500 
600 ? 
700 
9.400 
1.220 
720 
6.300 
600 Frankreich 
Summa 42.000 58.940 37.200 
Strassen und öffentliche 
Ländereien . . . 7.770 1.700 
Summa 49.770 40.640 
Rentirendes Vermögen pr. 
Kopf 990 Doll. 1.260 Doll. 1.045 Doll. 
Werth d. 
mögens i 
Grund 
besitz 
Steuerver- 
000 Doll. 
Bewegl. 
Eigen 
thum 
Total 
steuer- 
Vermögen 
1000 Doll. 
Mi 
Gesammtschuld ' 
d. Staaten,Coun 
ties, Städte etc. 
1 1000 Doll. 
Wirkliches 
Vermögen 
der 
Unions- 
bOrger 
1000 Doll. 
wirklichen 
Vermögen g gl 
.. d. 
rn V. 
tQ 
a M 
-3 3 
N 
ï 880 
J870 
1860 
,&gt;3036.766 
I 9.9:4.780 
, 6.973.006 
3.866.226 
4.264.205 
5.III.553 
16.902.993 
14.178.986 
12.084.560 
3'3 750, 
280.591 
94.186 
1.056.406 
868.676 
42.000.000:10.74 
30.068.5 i8|!o.93 
16.086.519II0.58 
6.23 
7.27 
3.00 
Die Schuld ist für folgende Zwecke contrahirt in Millio 
nen Dollars: Brücken 24, Feuerwehr 2, Flüsse, Häfen, Canäle 
3b, Parks und Plätze 40, öffentliche Gebäude 48, Eisenbahn-
        <pb n="745" />
        i 
730 
Subventionen 185, Schulen und Bibliotheken 26, Wasser- t 
werke 146, Krieg 75. 
Der Bürgerkrieg erhöhte die Steuern procentisch und 
pro Kopf. Nach dem Frieden vermindern sich dieselben 
wieder. Dass durch eine Vermögenssteuer die Capitalbildung 
der Arbeiter, die nur Einkommen haben, also nicht steuern, 
gefördert wird, ist klar. Dass aber das unbewegliche Ver 
mögen bei ihr unverhältnissmässig hoch besteuert wird, eben 
so, denn das bewegliche Vermögen entzieht sich von Jahr 
zehnt zu Jahrzehnt mehr der Steuereinschätzung. 
Die Vermögensvermehrung ist schwindelerregend, soll aber 
noch grösser sein, als sie die officiellen Statistiken ausweisen. 
Andere Statistiker behaupten gar, das Vermögen der 
Union habe 1880 schon 55.500 Millionen Dollars betragen. 
In Grossbritannien vermehrte sich das besteuerte Vermögen 
von 335 Millionen Lstr. im Jahre i860 auf ‘444 in 1870 
und 575 im Jahre 1879. Es giebt viel Leute von mittlerem 
Wohlstand, aber auch viele sehr reiche Leute daselbst. Das ♦' 
Gesammtprivatvermögen der Senatoren der Union, deren jeder 
Staat 2 absendet, soll 600 Millionen Dollars betragen! Da 
jeder dieser Männer in seinem Staat die Beamten anstellt, d. h. 
dem Präsidenten seinen Candidaten empfiehlt, jeder auf die 
Unionspolitik Einfluss übt, so sind diese Unionssenatoren, wie 
meist jene des alten Rom, und wie Mitglieder des Raths der 
Zehn zu Venedig, wirkliche Fürsten: Sie haben fürstliches 
Vermögen und üben fürstliche Macht. Was hat dagegen so 
ein armseliger deutscher, italienischer Titulariiirst, ein fran- 
zösicher Duc zu sagen, dessen Vorfahren einmal annähernd 
waren, was ein Bundessenator in Washington heute wirk 
lich ist? Und im Senate sitzen durchaus nicht die reichsten 
Leute der Union. 
Die Stadt New-York zählt allein mehr Zehnmillionäre! 
Es besitzen daselbst: 
W. H. Vanderbilt 
Jay Gould . . 
M. Taylor . . 
Mr. Astor . . 
Mr. Astor (2) 
Doll. 125.000.000 
„ 60.000.000 
35.000.000 
„ 30.000.000 
„ 30.000.000 
H. Hilton . . 
Edw. Clark’s 
Erben . . 
Russell Sage . 
A. Belmont . 
Doll. 30.000.000 
25.000.000 
20.000.000 
20.000.000
        <pb n="746" />
        73: 
Goelet’s Erben 
C. W. Field . 
Seligmann 
D. O. Mills , 
Mr, Villard 
Mr. Drexel 
Mr. Brown 
Lenox’s Erben 
C. Vanderbilt 
E. D. Morgan 
C. K. Garrison 
D. Jones’ Erben 
Doll. 20.000.000 
„ 15.000.000 
„ 15.000.000 
„ 15.000.000 
„ 15.000.000 
„ 15.000.000 
„ 15.000.000 
„ 15.000.000 
„ 15.000.000 
„ 12.000.000 
„ 12.000.000 
„ 12.000.000 
S. J. Tilden . . 
Rhinelander’s 
Erben . . 
J. R. Keene . . 
W. K. Vanderbilt 
Jesse Hoyt’s 
Erben . . . 
R. L. Stuart’s 
Erben . . 
A. Arnold’s Erben 
P. Gilsey’s Erben 
L. Schepp . . 
Zusammen 
10.000.000 
10.000.000 
10.000.000 
10.000.000 
10.000.000 
10.000.000 
10.000.000 
10.000.000 
10 000.000 
Doll. 641,000.000 
Und diese grossen Vermögen sind kleine, verglichen mit 
jenen der Bergwerks-, Land- und Eisenbahnbesitzer in Cali 
fornien, Nevada, Oregon und Arizona! 
Diese schnelle Reichthumsbildung enthält die grösste Ge 
fahr für die Sicherheit der Union, da der erzeugte sociale 
Gegensatz sich schnell vergrössert. Grosser, erblicher Reich 
thum sucht und erlangte bisher in jedem Reiche privilegirte 
sociale Stellung und gesetzlich gesicherten Einfluss auf Ver 
waltung und Gesetzgebung, Adel, Census Wahlrecht, u. dergl. Nichts. 
davon geschah bis jetzt in der Union. Vanderbilt übt auf die 
Gesetzgebung grossen Einfluss, allein er ist illegitim. Hier 
^'Ggt ein Widerspruch vor; Entweder dieser Einfluss wird 
^Ggitimirt, dann hört die Union auf, eine demokratische Re 
publik zu sein, oder er wird und muss gebrochen werden, 
denn heute kann er nur durch das unmoralische Mittel der 
Bestechung wirken. Jede unmoralische Macht aber trägt den 
Keim ihrer Zerstörung in sich. 
Der Philosoph Herbert Spencer besuchte kürzlich die 
^uion und äusserte einen ähnlichen Gedanken; es sei, sagte 
ein unmoralisches und melancholisches Schauspiel zu sehen, 
20.000 Männer von einem „Boss“, grossen Arbeitgeber, 
zur Wahlurne commandirt würden und dort votirten. 
Doch sehe ich nicht so schwarz: Dergleichen geschieht 
uur in den grossen Städten und Industriemittelpunkten, und auch 
::ur hier ist die Localverwaltung corrumpirt. Den Ausschlag
        <pb n="747" />
        732 
geben aber die Wahlstimmen der Landleute, der unabhängigen 
Bauern, und auch die Präsidenten von Lincoln bis Garfield, 
mit Ausnahme des Feldherrn Grant, kamen aus diesen Staaten. 
Die moralische Kraft der freien Bauern wird wohl im Stande 
sein, gesetzmässig auch diese Corruption entweder aufzuheben, 
oder doch unschädlich für das Ganze zu machen. 
Jay Gould hat die ganze Telegraphie der Union in 
Händen und seine Direction liesst jede Depesche. So erfahrt 
dieser dermalen grösste Börsenspeculant der Welt alle wich 
tigen Telegramme. Ferner ist sein Tarif ein sehr hoher. In 
Folge dessen wird wahrscheinlich jetzt die Unionsregierungs 
telegraphie eingeführt werden. 
Die Banken üben ebenfalls wieder einen verderblichen und 
corrumpirenden Einfluss, wie zur Zeit Präsident Jacksons. Wie 
dem damals ein Ende gemacht wurde, habe ich in dem Buche 
über soc. Gesetze der Union nachgewiesen. Gegen ihr Bank 
notenrecht wendet sich die weiterhin mitgetheilte Platform der 
„Knights of labor“. 
Ein drittes Monopol ist das der Eisenbahnen. Die Be 
herrscher der alten, grossen Eisenbahnlinien wollen innerhalb 
des ihnen tributären Gebietes keine unabhängigen neuen Bahnen 
dulden und machen ihnen, sobald sie entstehen, ruinöse Tarif- 
kriege, um sie auszukaufen. 
Die in Chicago erscheinende „Illinois Staats-Zeitung“ sagt 
darüber sehr richtig: 
Dieses „ihnen gehörende Gebiet“ ist dasjenige, für welches 
sie bei der Erbauung ihrer Bahn den ganzen Verkehr zu be 
sorgen gedachten. Da soll ihnen Niemand in die Quere 
kommen. Den Bau einer Konkurrenzbahn nach irgend einem 
der Orte, welche bisher in ihrem ausschliesslichen Machtbereiche 
lagen, betrachten sie als einen Eingriff in ihre landesherrlichen 
Hoheitsrechte, den sie dadurch bestrafen, dass sie den Ein 
dringling durch Herabsetzung der Pahr- und Frachtpreise auf 
ein Nichts zu ruiniren suchen. Von den Interessen des Publi 
kums ist dabei gar keine Rede. Hat es während des Krieges 
zeitweiligen Vortheil von den niedrigen Preisen, so ist das 
nur ein so zweifelhafter Gewinn, wie derjenige, welchen in den
        <pb n="748" />
        733 
Fehden der Landesherren im Mittelalter die „Unterthanen“ 
von gelegentlichen Beutezügen hatten. Er wird durch nach- 
herigen Schaden mehr als aufgewogen. 
Worin bestand denn das Wesen der unumschränkten landes 
herrlichen Macht? Der Fürst war keineswegs Eigenthümer 
des ganzen Landes oder der darauf wohnenden Menschen, 
wohl aber konnte er durch Auferlegung blutsaugenscher Steuern 
ihnen einen grossen Theil ihres Erwerbs abnehmen. Das war 
und blieb die Hauptsache. Die blossen äusserlichen Kennzeichen 
der Hoheit, Krone und Szepter, Schwert und Reichsapfel, 
waren daneben nur unwesentliches Spielzeug. Wohlan, 
unsere Landesherren begnügen sich mit dem Wesen 
der Macht und kümmern sich nicht um den Schein. 
Sie heissen nicht Fürsten oder Herzoge, sondern schlechtweg 
«Mister“, aber was thut das, so lange sie mehr als fürstliche 
Macht ausüben? Wie lange und vergeblich bemüht sich nicht 
Bismarck, das Tabaks-Monopol einzuführen; die Pacific-Eisen- 
bahn dagegen führt mit einem Federstrich für alle Staaten am 
Stillen Meere ein Zucker-Monopol ein und zwingt ihre dortigen 
«Unterthanen“, für den von Hawaii zollfrei eingeführten Zucker 
2 Cents das Pfund mehr zu bezahlen, als wir hier für den 
aus Cuba eingeführten verzollten geben. Dieselbe Bahn zerstört 
durch eine einfache Drehung der Frachttarif-Schraube den 
Absatz von Kurzwaaren, Porzellanwaaren u. dgl. von Chicago 
nach der Salzseestadt, indem sie die Frachtpreise dorthin be 
deutend höher ansetzt, als die nach San Francisco. Jede Bahn 
hat es in ihrer Gewalt, die an ihr gelegenen kleineren Orte 
^u ruiniren, sei es durch willkürliche Steigerung der Fracht 
preise für Theilstrecken, sei es durch Verlegung von Stationen, 
oder Anlegung von Zweigbahnen, durch welche jene Orte 
Entgangen und kaltgestellt werden. In unserem eigenen Staate 
Illinois giebt es eine Menge solcher kaltgestellter Städtchen 
und Dörfer, deren Entwickelung durch Machtgebote unserer 
Landesherren abgeschnitten wurde. 
Oie Hoffnung, dass der freie Mitbewerb der Eisenbahnen 
untereinander diese Uebel beseitigen werde, hat sich längst 
als eine trügerische erwiesen. Vorübergehende Vor-
        <pb n="749" />
        734 
th eile sind Alles, was dieser Mitbewerb dem Publikum ein 
trägt. Im Uebrigen fuhrt die Konkurrenz in stetigem Fort 
schreiten zum Monopol. Sie ist ein Wettkampf, in welchem 
schliesslich die Schwächeren vernichtet werden und nur die 
Starken übrig bleiben. Genau so geschah es im Mittelalter, 
wo allmählich die kleinen Winkel-Tyrannen von den grossen 
Landesherren an die Wand gedrückt wurden, dass sie quietschten 
und die Grossen dann die ganze Staatsgewalt ausübten. 
Dass der übermüthigen Willkürherrschaft unserer Landes 
herren nicht durch die zersplitterten Kräfte der Einzelstaaten, 
sondern nur durch die gesammte Nationalgewalt mit Erfolg 
entgegen getreten werden kann, ist nachgerade auch den ver- 
blendetsten Anbetern der freien Konkurrenz klar geworden.“ 
Die Gesetzgebung der Einzelstaaten schreitet, wie ich in 
dem oben erwähnten Buche mittheile, gegen die Tarifwillkür 
bereits sehr erfolgreich ein, und die Union wird mit diesen 
drei Monopolen schon fertig werden — aber auch mit dem 
Reichthum an sich! ? 
Indessen auch Europa leidet an der Entwickelung zu 
grosser Reichthümer: Zwei Frankfurter Rothschilds haben i88i 
selbst bei Steuerveranlagung sich zu 9.348.000 Mark Jahres 
einkommen bekannt, haben also sicherlich nicht weniger. 
Wenn sie jeder ihr Einkommen nicht vermehren, jeder jährlich 
eine Million ausgeben, so wird jeder nach 40 Jahren 400 Millionen 
Mark mehr hinterlassen, als er jetzt hat. — Aehnliche Ver 
mögen „grosser und patriotischer“ Banquiers giebt es eine 
ganze Anzahl in Europa und daneben — ein tiefes und allge 
meines Elend! In Amerika giebt es neben grossem Reichthum 
so gut wie kein Elend, aber einen allgemeinen und wachsenden 
Wohlstand. Hier ist vorläufig noch Frieden zwischen Beiden 
möglich. 
Die Umlaufsmittel der Union sind jetzt geordnet, aber 
vielleicht zu reichlich. Dieselbe hat das chronische Leiden, 
dass zuviel Banknoten umlaufen, und dadurch die Preise hoch 
gehalten werden. Am schlimmsten war dies im letzten Jahre 
des Bürgerkrieges, als es 983 Millionen Dollars Papiermünzen, 
(Noten etc.), jedoch nur im Goldwerth von 692 Millionen Dol-
        <pb n="750" />
        735 
lars, gab, i Dollar Papier stand 70*4 Cents Gold. Auf den 
Kopf der Bevölkerung kamen 28 2^ Dollars Papiergeld. Da 
runter waren nur 289 Millionen Dollars Banknoten, alles 
Uebrige war Staatspapiergeld verschiedener Form, worunter 
432 Millionen Dollars Noten der Vereinigten Staaten „Green 
backs“. 
Das hat sich sehr geändert. Papiergeld steht dem Golde 
gleich, das Agio ist verschwunden, die Banknoten sind durch 
bei der Unionsregierung deponirte Staatspapiere gedeckt und 
ein Theil der Greenbacks ist eingezogen. 
Am I. Mai 1881 waren 699.281.583 Dollars an einlös 
barem Papiergeld ausstehend. Am nämlichen Tage waren 
nach der Berechnung des Münzdirectors 520 Millionen Dollars 
Gold und 172 Millionen Silber im Lande. Die letztere Summe 
wächst monatlich um 2.000.000 Dollars. Die Gesammtsumme 
der Münze und des Papier-Courant beträgt einschliesslich der 
39 Millionen Silber-Certificate 1430 Millionen Dollars, nämlich; 
1. Mai 1881 Summe 
Goldmünze 520.000.000 Dollars 
Silbermünze 172.071.327 
. . . . 39*57.940 
. . . . 346.681.016 „ 
.... 352.500.567 
Total . 1.430 510.850 Dollars 
Silber- und Papiergeldes vertheilt 
In Nationalbanken In Staatsbanken 
*&gt;4-547.^42| 10.102.130 Dollars 
6.820.380 I 
1.260.340 I 25.828.794 Dollars 
70.561.296 I 
30555075 
Total 273379.519 223.744.933 44 930.924 Dollars 
In den Sparbanken befanden sich an Goldmünzen, Silber- 
Münzen, Silber - Certificaten und Vereinigten Staaten - Noten 
*7*072*6i8 Dollars. 
Wenn man die Summe der Goldmünzen und anderen 
Silber-Certificate . . . 
Noten der Ver. Staaten 
National-Banknoten . . 
Die Summe des Gold-, 
Sich folgendermassen: 
Im Schatzamt 
Goldmünzen . 164.357.154 
Silbermünzen 88.402.020 
Silber - Certi- 
ficate ... _ 
Noten d. V. St. 14.632.086 
Nationalbank- 
Noten . . 5.988.259
        <pb n="751" />
        736 
Geldes im Schatzamt und in den Banken von den Gesammt- 
summen in der ersten Tabelle abzieht, so erhält man, indem 
man von den Depositen absieht, die in den Händen des Volkes 
befindlichen Summen wie folgt: 
I, Mai 1880. Summe 
Goldmünze 221.9Q2.874 Dollars 
Silbermünze 76.848.927 „ 
Silber-Certificate 37.897.600 „ 
Ver. Staaten- und National-Banknoten 334.643 393 „ 
Total .... 871.382.794 Dollars, ca. 17 D. pro Kopf. 
Am I. Mai hielten das Schatzamt und die Banken Gold 
im Betrage von 298 Millionen und das Volk 222 Millionen; 
Silber gab es im Schatzamt 88 Millionen, in den Banken bei 
nahe 7 Millionen und in den Händen des Volkes 76 Millionen, 
einschliesslich 54 Millionen Dollars Kleinsilbergeld. An Pa 
piergeld, einschliesslich der Silber - Certificate, besassen die 
Banken und das Schatzamt 160 Millionen und das Volk die 
grosse Summe von 572 Millionen. Die Nationalbank-Circu- 
lation beträgt 355 Millionen. 
Die Staatschuld der Union betrug in 1000 Dollars: 
Jahr abzügl. 
Kassenbestand 
Jahres 
zinsen 
Schuld per 
Kopf Doll. 
Zinsen 
per Kopf 
Bevölke 
rung 
1000 
i860 
1865 
1870 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
I. Januar 
1883 
59.964 
2.756.431 
2.331.169 
2.090.041 
2.060.925 
2.019.275 
1.999.382 
1.996.414 
1.919.326 
1.622 956 
3-443 
150.977 
118.784 
96.855 
95.104 
93.160 
94.654 
83.773 
79.633 
59.000 
1.91 
78.25 
60.46 
47.44 
45.48 
43.31 
41.67 
40.42 
37.74 
30.62 
0.11 
4 29 
3.08 
2.19 
2.10 
2.00 
1.97 
i.6q 
1.56 
i.i I 
31.443 
35-228 
38 558 
44.060 
45 316 
46.624 
47983 
49-395 
50.155 
53-000 
Das Volk der Union hat sich in ehrenhaftester Weise be 
steuert,um seine ungeheure Kriegsschuld von 2.756 Millionen Dol 
lars in 1867 auf 1*622 Millionen Ende 1882 herabzutilgen. Gleich 
zeitig hat die Union die hoch verzinsliche Schuld in niedrig 
verzinsliche convertirt. Im Jahre 1867 betrug die 4-procentige 
Schuld 17 Millionen, 5-procentige 198 Millionen, 6-procentige 
1.543 Millionen, 7Vio-procentige 488 Millionen; October 1882
        <pb n="752" />
        737 
betrug die 3-procentige 259, die 3 '/g-procentige 155, die 4- 
procentige 738 Millionen, die 4* 2-procentige 250 Millionen. 
Letztere werden auch convertirt. Im Oktober 1882 war der 
Cours der 3-procentigen 102^ m, der 4-procentigen 119'2. 
Die europäischen Staaten vermehren dagegen ihre Schulden. 
Angeblich betrugen um 188182 die Staatsschulden von Frank 
reich 30.997.000.000 Franken, England 19.386.000.000, Ver 
einigte Staaten 1882 ult. 8.115.000.000; Oesterreich - Ungarn 
11.450.000.000; Spanien ii.000.000; Italien 10.660.000.000; 
Russland 10.405.000.000; Deutschland 6.790.000.000; Holland 
^.996.000.000; Belgien 1.127.000.000 Franken. Auf die Kopf 
zahl vertheilt, schuldet jeder Kopf in Frankreich 859 Franken; 
in Grossbritannien 579; in Holland 524; in Spanien 376; in 
Italien 365; in Oesterreich - Ungarn 309; in den Vereinigten 
Staaten 153; in Belgien 211; in Deutschland 151; in Russland 
*27 Franken. 
Kautz giebt die Schulden aller europäischen Staaten auf 
46.000 Millionen Gulden an! In vierzehn dieser Staaten sind 
tlie Staatsausgaben von 1850—81 von 2400 auf 5000 Millionen 
II« gestiegen ; in Oesterreich Ungarn von 320 auf 760 Millionen 
II- Die Heeresausgaben betragen in Russland 32, Frank 
reich 28, Oesterreich-Ungarn 18 pCt. der Staatsausgaben, mit 
Marineausgaben 114 Millionen fl. Die Zinsen der Staatsschulden 
tier meisten europäischen Staaten nahmen 1861 26 pCt., 1881 
durchschnittlich 29 pCt., in einzelnen bis 40 pCt. der Aus 
gaben in Anspruch, so 42 pCt. in Oesterreich - Ungarn und 
Italien, 46 pCt. in Frankreich. 
Von der Unionsschuld waren 1880 bereits 645 Millionen 
Dollars in der Union selbst placirt, davon bei Banken als 
Sicherheit für Notenausgabe 227 Millionen, bei Privaten im 
Staate New-York 210 Millionen, Massachusetts 45, Pennsyl 
vanian 40, Ohio 16, Columbia 12, Californien ii, Illinois 
9 Millionen Dollars. Der Rest war wohl in Europa placirt. Die 
Union scheint Europa noch ca. 1000 Millionen Dollars geschuldet 
2U haben, jedoch vermindert sich der Europa zu zahlende 
Zinstribut jährlich. 
Zur Unionsschuld tritt noch jene oben ermittelte der 
47
        <pb n="753" />
        738 
Staaten und localen Verbände mit 1.056.406.000 Dollars, so 
dass auf den Steuerträgern 2678 Millionen Dollars Schulden 
lasten, gegen 3.199 im Jahre 1870, pro Kopf 53 Dollars, an 
statt früher 83 Dollars; der Zinsfuss der Localschulden ist 
höher als jener der Unionsschuld, wird aber auch langsam 
niedriger. Die Staaten und Territorien haben ihre Schulden 
um 69 Millionen vermindert und werden sich ebenfalls all- 
mählig meist schuldenfrei machen. Die Städte, welche theilweise 
eine liederliche Finanzwirthschaft führen, haben allerdings mehr 
Schulden gemacht. In Counties und Landgemeinden werden 
solche nur zu productiven Zwecken gemacht. 
Am meisten Schulden hat der Staat New-York, 218 Mil 
lionen; ihm gehört aber auch z. B. der Eriecanal. Die Ge 
treide-Staaten sind in folgender Weise mit Schulden belastet: 
Pennsylvanien 114, Missouri 57, Ohio 48, Illinois 45, Ten 
nessee 37, Indiana 18, Californien 16, Kansas i'6, Kentucky 14, 
Wisconsin i i,Texasi i, Michigan 8, Minnesota 8, Nord-Carolina8, 
Jowa 7, Nebraska 7, Dakota 0.9, Oregon 0.8 Millionen Dol 
lars. — Unsere Concurrenzstaaten im Westen sind also wenig 
verschuldet; daher sind die Steuern dort gering. — Verschul 
deter sind durch den unglücklichen Secessionskrieg und seine 
Folgen die Südstaaten. Die Staatsschuld Louisiana’s betrug 
42, Virginien’s 42, Georgia’s 19, Alabama’s 14, Süd-Carolina’s 
13, Arkansas’ 7 Millionen Dollars. Die Union bezieht keine 
direkten Steuern, sondern Zölle und Steuern auf Tabak und 
geistige Getränke. — Für die Zwecke der Staaten und localen 
Verwaltungen wird eine Procentsteuer vom eingeschätzten 
Capitalwerth des Vermögens der Einwohner erhoben. 
Das Budget der Union betrug in 1000 Dollars (s. Tabelle 
Seite 739). 
Für das Fiskaljahr, endend 30. Juni 1884, ist der Voran 
schlag, auf Grund der bestehenden Steuergesetze in der 
Union, 415 Millionen Dollars. Die Ausgaben werden ver 
anschlagt auf: Legislative 3.2 Millionen Dollars, Executive 
18.6, Justiz 0,4, Diplomatie 1.3, Militair 28.9, Marine 23.4, 
Indianer 6.7, Pensionen 101.5, öffentliche Arbeiten 14.3 etc. 
Summa 340 Millionen Dollars, Ueberschuss 74.7. Für das
        <pb n="754" />
        739 
Ausgabe 
Einnahme 
Ë C 
Io Ih' 
5 
S &lt; 
1840 
*850 
i860 
1862 
1863 
1864 
1865 
1866 
1870 
'875 
1878 
1880 
1882 
5.995 
16.043 
*7 977 
|2i.385 
23198 
27.572 
42.989 
|4o.6i3 
p 3-237 
71.070 
53.177 
57.508 
53.968 
7.095 6 
9 687 7 
16.472! II 
389.173! 42 
603.314 63 
690.3911 85 
1.030.690 122 
283.154 43 
57.655 
41.120 
32.154 
38116 
43.570 
113 
904 
514 
640 
261 
704 
617 
2.331 
1.663 
2 991 
2.327 
3152 
2.629 
5059 
285 3 295 
.780 
•497 
•365 
536 
032 
3 407 
8.384 
4.629 
5.945 
9.736 
2.603 
1.866 
I.IOO 
852 
1.078 
4.985 
16.347 
15.605 
28.340 
29.456 
27.137 
56,777 
61.345 
174 
3.782 
3.144 
13 190 
24.729 
53.685 
77.395 
133067 
129.235 
103.093 
102.500 
95.757 
71.077 
24 
37 
60 
456 
694 
811 
1.217 
385 
164 
171 
134 
171 
186 
139 
1651 
056! 
379| 
004 
13 499 
39.668 
53.187 
49.054 
69.056 
283II102.316 
704j| 84.928 
954 179.046 
421II194 538 
529J157.167 
463 130.170 
885I186.522 
000 220.410 
1.682 
1.795 
39 125 
110.216 
210.664 
310.200 
185.128 
110.007 
110.581 
124.009 
146.497 
19.480 
43.592 
56.054 
51.919 
112.094 
243.412 
322.031 
519.949 
395.959 
284.020 
257.763 
333.526 
403.525 
Fiskaljahr, endend 30. Juni 1883, ist der Ueberschuss auf 
44.4 Millionen Dollars veranschlagt. Der Finanzminister em 
pfiehlt also Herabsetzung der Inlandssteuern und einiger Schutz 
zölle, namentlich auch der Zuckerzölle. Dem Europäer wird 
besonders auffallen, dass die Pensionen so enorme Summen 
beanspruchen und dass sie seit 1878 sich so sehr steigern. 
Man lässt dort die Invaliden eben nicht betteln. Die Union 
hat überhaupt schon über 600 Millionen Dollars an Pensionen 
bezahlt, davon über 500 Millionen Dollars seit 1862. Diese 
Pensionen werden nur an Soldaten und Mariniers, nicht an 
frühere Beamte, gezahlt. Im Jahre 1878 erhöhte man den 
betrag der Einzelnpension und soeben liegt dem Parlament 
Gesetz, behufs abermaliger Erhöhung der Pensionen, vor. 
b-s gab Juni 1881 = 268.830 Invaliden mit Pension und 
297.201 Personen erheben noch Anspruch auf Pension. Unter 
Öen Pensionären waren 1881 auch 104.710 Wittwen oder Waisen 
Von Invaliden. Wer eine Hand verlor, erhält 18 Dollars 
Monatlich und soll, nach dem neuen Gesetzvorschlage 40 Dol- 
lars erhalten; wer einen Arm verlor, empfangt 24 Dollars, soll 
empfangen 40 Dollars; wer einen Fuss verlor, empfängt 
*8 Dollars, soll 40 empfangen; wer ein Bein verlor, empfangt 
24 Dollars, soll empfangen 40 Dollars, wer eine Hand und 
47*
        <pb n="755" />
        740 
einen Fuss verlor, empfängt 36 Dollars, soll empfangen 
40 Dollars etc. Die Union ist friedfertig, sucht keinen 
Krieg, und ist grossmüthig gegen Jene, die für sie ge 
blutet haben und fertigt sie nicht mit ungenügender Pension 
und einem Leierkasten ab. Das ist christliche Politik. 
Die Voranschläge für Pensionen betragen, Jahr endend Juni 
1884, 101 Millionen, 1885 150, 1886 100, 1887 75 Mil 
lionen Dollars. Das deutsche Reich hat 1864, 1866 und 1870 
blutige Kriege gehabt, gewiss weit mehr Invaliden als die 
Unión und giebt pro 1882 netto 30 Millionen Mark oder 
7V2 Millionen Dollars Invalidenpensionen, dagegen 342 Millionen 
Mark = 85 V2 Millionen Dollars für das Heer aus; die Union 
ca. TOO Millionen Dollars für Invalide und ca. 29 Millionen 
Dollars für Militair. — 
Die Ausgaben vermindern sich, soweit sie nicht zur 
Schuldentilgung gemacht werden. 
Die Einnahmen der Union und die Steuern der Staaten 
und aller localen Verbände betrugen: 
1870 1880 
Union 395-9 Mill. Doll. 3^0.7 Mill. Doll. 
Localverbände und Staaten . . . 280.5 „ » 302.2 „ „ 
Summa 676.4 Mill. Doll. 662.9 Mill. Doll. 
Pro Kopf 17.5 V " 13-2 V » 
Hiervon wird aber eine erhebliche Summe jährlich zur 
Schuldentilgung verwandt. 
In den Getreidestaaten waren 1880: 
Bevölkerung Staats- und Local- 
Staat 1000 Seelen steuern 1000 Doll. 
Ohio . . . 3.198 35.756 
Indiana . . 1978 12.343 
Illinois . . 3.077 24.586 
Michigan . . 1.636 8.627 
Wisconsin . i.3'5 7 589 
Jowa . . . 1.624 11.061 
Minnesota 780 4346 
Missouri . . 2.168 10.269 
Kansas . . 996 4-978 
Nebraska . 452 2.792 
California . 864 12.628
        <pb n="756" />
        741 
Die Steuern berechnen sich in absoluten Zahlen, Dollars 
und Cents, von je looo Dollars Werth des zu niedrig ein 
geschätzten beweglichen und unbeweglichen Vermögens. 
Einkommensteuer giebt es nicht. Arbeiter ohne Grundbesitz 
zahlen Nichts. Nur in einigen Staaten zahlt jeder erwachsene 
Mann jährlich i Dollar Kopfsteuer für Schulzwecke. Von 
dem zur Steuer eingeschätzten Vermögen wird ein Minimum 
in den meisten Staaten, 200 Dollars oder mehr, steuerfrei ge 
lassen, also nicht in die Steuerliste eingetragen. Auch wegen 
Steuerschuld darf nicht alles Vermögen exequirt werden. 
Das wirkliche Vermögen der Unionsbürger ist oben auf 
42.000 Millionen Dollars angegeben, wovon 663 Millionen 
Dollars directe und indirecte Abgaben gezahlt werden. Zur 
Steuer eingeschätzt sind freilich nur 16.903 Millionen Dollars. 
In den 49 grössten Industrieactiengesellschaften der Neu- 
GUglandstaaten betrug die Durchschnitts-Dividende 1880 == 
8*8 pCt. Die Eisen- und Stahlindustriellen geben 16 pCt. zu. 
Die Landwirthschaft trägt 12, die Viehzucht im Westen 25 bis 
33’ 3 pCt.; 2100 Nationalbanken hatten 1880 = 8 38 pCt. 
Dividende. Man kann gut und gern das Einkommen aus dem 
Vermögen in der Union auf 10 pCt. annehmen, 1000 Dollars 
wirkliches Vermögen bringen also 100 Dollars Einkommen. 
42.000 Millionen Vermögen würden 4200 Millionen Dollars 
Einkommen daraus bringen und die directen Steuern mit 302 
Millionen Dollars = 7 pCt. zu tragen haben. Dazu kommen 
indirecte Auflagen der Union, welche theils als Luxussteuern 
wirken, wie Spirituosen-, Tabaksteuer oder Zoll. Nach der 
T'arifreduction des Jahres 1883 werden diese indirecten Steuern 
^^hr wesentlich vermindert werden, so dass ihre ziffermässige 
^ Gststellung unnütz wäre. Mit Berücksichtigung der sich schnell 
Vermehrenden Bevölkerung wird man die gesammte Steuerlast 
^nr Zeit auf 7 pCt. von Einkommen aus Vermögen und 6 7 
Dollars indirecte Steuern pro Kopf, im Ganzen auf etwa 
ï I Dollars pro Kopf, veranschlagen können. 
Zu den fundirten Einkommen mit 4200 M. Dollars, welches 
in Geschäften werbende Capital bringt, kommt noch das 
Arbeitseinkommen von 17.392.000 producirenden Menschen,
        <pb n="757" />
        742 
gering veranschlagt auf 300 Dollars pro Jahr und Person, 
macht 5.217 Millionen Dollars, mit dem fundirten zusammen 
rund9.4oo Millionen Dollars, wovon die Steuer — 662 M. Dollars 
gerade 7 pCt. macht. Pro Kopf der Bevölkerung kommen 188 
Dollars Einkommen, wovon 175 Dollars steuerfreies Einkommen 
sind. In Preussen soll das Einkommen aus allen Quellen 
nach Soetbeer 1881 —- 8.228 Millionen Mark oder 308 Mark, 
oder 76 Dollars pro Kopf betragen haben, wovon Reichs-, 
Staats-, Provinzial-, Kreis-, Gemeindesteuern abgehen in mir 
unbekannter Höhe. 
Hier scheint ein Vergleich mit europäischen Grossstaaten 
am Platze. Es betrug im Jahre 1882: 
Staat 
j Bevölkerung 
; Millionen 
Schuld 
1 Mill. Dollars 
pro Kopf D. 
j Ausgabe 
1 Mill. Dollars 
j pro Kopf D 
! Export 
; Mill. Dollars 
1 
j pro Kopf D. 
i Import 
1 Mill. Dollars 
1 pro Kopf D. 
Union 
Russland .... 
Deutschland 
Oesterr.-Ungarn 
Frankreich 
England 
Italien .... 
1 5« 
1 82 
; 
37 
35 
28 
1600 
2081 
«358 
2287 
6200 
3843 
2142 
3« 
25 
30 
60 
267 
110 
83 
257 
469 
492 
358 
547 
4«5 
383 
50 
5.7 
10.9 
9 4 
«5.0 
11.8 
10.9 
92 I 
418 
705 
330 
680 
«432 
225 
18.0 
5.0 
«5 7 
8.6 
18.1 
40.9 
8.0 
753 
395 
973 
302 
981 
2056 
244 
«47 
4.8 
21.6 
8.0 
26.5 
587 
8.7 
Sa. Oesterr. bis Italien . 
«38 
«4472jio5 
«703 
«2.3 
2667 
«9 3| 3583I26.0 
Im Jahre 1873. 
Union . . . . 
Russland . . . 
Deutschland . . 
Oesterr.-Ungarn 
Frankreich . . 
England . . . 
Italien . 
2243 
1223 
1675 
4681 
3771 
1977 
53 
16 
45 
130 
ï &gt;5 
73 
286 
270 
25« 
543 
34« 
6.8 
3.4 
7.0 
«5.0 
13.3 
2771 10.2 
522112 
182 
622 
«77 
964 
1224 
227 
624jl5-« 
221' 2.8 
1064 
163 
9«5 
1781 
257 
25.3 
4.4 
25.4 
54.0 
95 
Sa. Oesterr. bis Italien . ¡ 133 12104I 9« «4«9| lo.ój 2592I 19.3 I 3116] 23.4 
Der wirthschaftliche Aufschwung Russlands 
wachsender Schuld und Ausgabe, auffallend. Dieses 
Reich und Deutschland, dessen Finanzen durch die 
ist, trotz 
unfertige 
in Frank- 
reich gemachte Kriegsbeute exceptionell gute sind, ziehe ich 
bei Summirung obiger Posten nicht in Betracht. Cisleithaniens 
Ausgabebudget betrug 1875 382 Millionen fl., pro Kopf 
18.8 fl., 1883 = 491 Millionen fl., pro Kopf 23.4 fl.
        <pb n="758" />
        743 
Da ergeben sich nun folgende Unterschiede zwischen der 
Union und den vier europäischen Culturstaaten : 
Die Bevölkerung der Union vermehrt sich in dieser Zeit um 
ca. 21 pCt., die Europa’s um ca. 4pCt. ; der Export der Union pro 
Kopf um 45 pCt., der Europa's bleibt stationär; der Import der 
Union pro Kopf sinkt langsam, da die Union industriell immer 
unabhängiger wird, derjenige Europa s steigt um n pCt. ; da 
dies Land mehr Nahrungsmittel von überseeischen Ländern 
braucht. Schuld und Staatsausgaben der Union fallen, die von 
Europa steigen. Wie gross die Provinzial-, Kreis- und Local 
steuern und Schulden der europäischen Staaten sind, weiss 
kein Mensch, allein die reinen Staatssteuern jener 4 euro 
päischen Staaten betragen schon mehr pro Kopf, als alle 
Steuern der Unionsbürger, jene wachsen, diese vermindern 
sich. Wie sehr die Entwickelung der Staaten durch die 
Staatsfinanzen beeinflusst werden, ergiebt der Vergleich der 
Union mit Canada. Letzteres Land hat, obschon es nördlicher 
liegt, doch sehr viele, noch unbenützte natürliche Hülfsquellen, 
die indess nur langsam erschlossen werden. Warum? 
Im Jahre Juni 1870/71 betrugen die ordentlichen Aus 
gaben der Union 283 Millionen Dollars, pro Kopf 7.3 Dollars, 
aber davon 160 Millionen für Pensionen an Kriegsinvaliden 
und Zinsen der im letzten Kriege gemachten Staatsschulden. 
Im Jahre 1880 81 betrugen jene Ausgaben 311 Millionen 
Dollars, pro Kopf 6 Dollars, davon für Pensionen und Schulden 
ï 32 Millionen Dollars. 
Die Ausgaben, mit ihnen die Leistungen der Einze nen 
än den Staat, vermindern sich also in der Union, und da 
I^ensionen, durch Sterben der Invaliden, Schuldzinsen dure 
Tilgung, einmal aufhören werden, die Einwanderung wächst, 
das ordentliche Verwaltungsbudget aber nicht in dem Maasse, 
so müssen die Leistungen der Unionsbürger an den Staat 
jährlich geringere werden. 
Die Unionsschuld betrug 1871 pro Kopf 63 D., ihr Zins 3.* 
„ „ „ 1881 „ „ 33 ,, " &gt;» " 
Canada hat keinen Krieg gehabt. 
Die Staatseinnahmen aus Accise, Zoll und Stempel betrugen
        <pb n="759" />
        744 
1871 17-7 Millionen- Dollars, pro Kopf 4.9 Dollars, die Ge- 
sammt-Ausgaben 24.7 Millionen Dollars, 6.8 Dollars pro Kopf, 
die Schuldzinsen und Verwaltung 5.5 Millionen Dollars, die 
Schulden 115.4 Millionen, Investirungen 37.7 Millionen, Netto 
schulden 77-7 Millionen, pro Kopf 21 Dollars. 
Im Jahre 1881 betrugen die obigen Einnahmen 23.9 Mil 
lionen Dollars, pro Kopf 5.4 Dollars, die Gesammt-Ausgaben 
48.2 Millionen Dollars, ii Dollars pro Kopf; die Schuldzinsen 
und Verwaltung 7.8 Millionen Dollars, die Schulden 199.8 
Millionen, In vestirungen 44.4 Millionen, Nettoschulden 155.4 
Millionen, pro Kopf 35 Dollars. Die Abgaben für locale 
Verwaltungsbezirke fehlen in der offiziellen Statistik. Dieser 
rückläufige Gang der Verhältnisse in Canada verhindert die 
schnelle Besiedelung. Während die Unionssbevölkerung sich 
1870 80 von 38.5 auf 50.1 Millionen Einwohner vermehrte, 
that es die Canada’s von 1871—81 nur von 3,6 auf 4.4 Mil 
lionen Einwohner. Es wandern Viele nach Canada von Europa. 
Aber von Canada wandern Mehrere nach den Vereinigten 
Staaten, als von diesen nach Canada. Aus dem Lande mit 
sinkender Steuer und Schuld wandert man nicht nach jenem 
mit steigender Steuer und Schuld, sondern umgekehrt. 
Ein merkwürdiges Gesetz findet in obiger Tabelle seinen 
Ausdruck: Die Völker und das Capital wandern nach Westen 
und Süden! Seit der Völkerwanderung thun es die Völker. 
Die Sachsen zogen gerade so, Familie nach Familie, schiffs 
ladungsweise, nach England, wie die Deutschen, Skandinavier 
und Engländer jetzt nach Amerika, und drüber hinaus schon 
nach Australien. So sind von 1820—82 ult. über lo’/^ Mil 
lionen Europäer in Amerika eingewandert, was gewiss eine 
Völkerwanderung zu nennen ist, darunter über 31/3 Millionen 
Deutsche und ca. [ 2 Million Skandinavier. 
Dieselbe Wanderung macht nun das Capital. Es folgt 
den Cimbern, Teutonen, Gothen, Vandalen, Longobarden, 
Franken, Sachsen, Normannen, Skandinaviern, Deutschen und 
verleiht sich, als der venetianische Handel stockt, an die auf 
strebende holländische Rhederei. Die Genuesen borgen 
Ludwig XIV. und helfen ihm eine Industrie in Frankreich
        <pb n="760" />
        745 
schaffen. Die Nürnberger und Augsburger exportiren nach 
Entdeckung des Weges um’s Cap Capital nach Lissabon. Die 
nördlichen Hansastädte verliehen Capital in die Manufacturen 
von Belgien, Holland und England. Die Holländer gründen 
niit ihrem Gelde unter Wilhelm dem Oranier die englische 
Bank und schaffen sich einen übermächtigen Handelsrivalen. 
Jetzt tragen Franzosen Geld nach Canada und bauen damit 
die Canada-Pacific-Bahn und Zuckerfabriken, die Holländer 
haben Grossgrundbesitz in New Mexico, und englisches und 
deutsches Geld liegt in amerikanischen Staats- und Eisenbahn 
papieren. Das Mittel, dieses östliche Capital herbei zu ziehen, 
ist der angebotene hohe Zins in einem Lande, in dem die 
sämmtlichen Nationalbanken, 1870 ihrer 1.601, 1881 = 2.100, 
folgende Dividenden in diesen Jahren von ihrem Capital ab 
warfen : I o* 12—I o* 14—10*19—10*31 —990—989—942—8*93 
-—7*80—7 60—8*02—8 38 pCt. Man sieht aber, dass die Di 
vidende des Bankkapitals allmählich fällt, und so sinkt der 
Zinsfuss im Lande, je mehr es sich mit Capital sättigt. Je 
ntehr dies aber der Fall ist, desto konkurrenzfähiger wird 
dessen Industrie und Ackerbau, umsomehr als auch die Löhne 
sinken. 
Die durchschnittlichen Monatslöhne der Landarbeiter ohne 
Eost, 1872, 78 und 81 aber mit Kost, betrugen in Gold = 
Dollars. 
1866 
1869 
1872 
1878 
1879 
1881 
1882 
" Oststaaten . . 
” « Mittelstaaten 
" « Südstaaten . . 
: : 
33.30 
30.07 
16.00 
28.91 
35-75 
32.08 
28.02 
17.21 
27.01 
46.38 
23.09 
15.73 
20.21 
19.69 
13.3: 
20.38 
41.00 
18.00 
26.61 
22.24 
»5-30 
33.63 
38.25 
Diese Löhne sind zwar etwas seit 1879 gestiegen, gegen 
1866/69 aber gefallen. 
In den Südstaaten ist die Negerarbeit preisdrückend. Die 
starke Besiedelung neuen Landes hebt 1882 die Löhne, ausser 
Californien, wo das Landmonopol Einzelner diese Besiede- 
lung verhindert.
        <pb n="761" />
        746 
In der Industrie hat sich folgende Lohn- und Preisbe- 
,eeung in dem Hauptindustriestaat Massachussetts vollsogen. 
Diese und manche andere Zahlen danke ich Mr. Wnght dem 
usgezeichneten Director des Bureau fur Arheitsstattsttk des 
itaates Massachussets — warum hat kein europäischer taa 
lin solches Bureau? Kr hat doch so viele Excellenzen, Ge- 
! M raff» R 3 f II ? L 
Durchschnittswochenlohn in Gnld Dollars. 
Beschäftigung;. 
Schmiede 
Schuhmacher 
Schuhmaschinennäherinnen . 
Zimmerleute 
Maurer • • 
Handlanger 
Tischler 
Polsterer • • 
Frauen-Polsterer . . - 
Färber 
Maschinennäherinnen i. Fahr. 
^ zu Hause 
Schneiderinnen für Costume 
zu Hause 
Baumwollspinnerinnen 
„ Spinner . . . 
„ Weber . . . 
Glasblaser 
Gerber 
Eisengiessereiformer . . 
„ Maschinisten 
„ Polirer 
Arbeiter . 
Druckerei -Tagelohn - Setzer 
Drucker , . . • 
Zeitungssetzer . . 
Buchsetzer . . . 
„ Setzerinnen 
Wollenfärber . . 
„ Spinner . . 
„ Spinnerinnen 
„ Weber . . 
Weberinnen 
i860 1872 
g.30 16.44 
10.33 14 66 
8.25 8.89 
9.92 14.66 
11.45 21.33 
7.12 12.22 
10.56 14.66 
10.90 14.66 
6.00 6.07 
6.00 9 93 
553 ’o.8i 
4 00 — 
5 58 — 
— 6.30 
6.33 10 70 
4.44 — 
— 8.89 
6.83 10.41 
9.50 14.67 
9.64 14.40 
8.00 — 
6.00 8.53 
10.19 — 
9.95 14 44 
14.83 25.77 
10.28 15 23 
5.42 7:1 
5.72 795 
6.79 920 
4 75 
7.50 — 
5.25 — 
1878 1881 
13.75 16.38 
8.00 12.21 
7.33 7.81 
11.33 1264 
13.37 1404 
8.13 8.60 
11,03 12.00 
11 ^42 12.00 
7.00 6.00 
7.50 6.60 
5.92 947 
3 46 5 42 
6.90 8.54 
4.00 8.52 
7.41 10.09 
5.90 5-^5 
12.00 12.00 
8.00 8.74 
1 2 30 16.40 
13.05 1 7 09 
9 75 
7.27 9.15 
14.12 16.00 
12.60 14.55 
18.28 20.00 
12.87 13.1i” 
7.22 9.”” 
6,66 7 81 
7.64 9 ”5 
6.15 6.18 
9.50 8.53 
6.95 7.45
        <pb n="762" />
        747 
Gegen i860 sind die Löhne allgemein höhere. Gegen 
1872 meist niedrigere, theilweise, ausnahmsweise etwas höhere. 
Die Arbeiter sind, wie ich das in meinem Buche über 
sociale Gesetze nachgewiesen habe, schon seit Ende der zwan- 
ziger Jahre in Organisation zum Schutze ihrer Interessen. Zur 
Zeit übt der Orden der „Knights of Labor“ einen bedeutenden 
Einfluss unter den Industriearbeitern — neben dem irischer 
geheimer Gesellschaften, die auch in Amerika Verbrechen 
begingen, aber hart gestraft wurden. Jener Orden wurde vor 
ungefähr zwölf Jahren als ein Geheimbund gegründet. Der 
selbe hat locale und District-Organisationen, Assemblies genannt, 
und eine nationale oder General-Assembly als Centralkörper. 
Bis jetzt sind 1890 locale Assemblies in 27 Districten gegründet 
worden, aber obgleich die jüngste Organisation die Zahl 1890 
bestehen doch nur 345 Assemblies, da die Nummern 
der eingegangenen Organisationen beibehalten werden. Die 
grosse Zahl der eingegangenen Assemblies erklärt sich daraus, 
dass bei Lohnstreitigkeiten etc. die Arbeiter geneigt sind, sich 
zu organisiren, ihr Interesse aber sehr bald abstirbt, sobald 
wieder Ruhe eingetreten ist; ferner verlangt eine grosse Zahl 
Womöglich sofort directe Vortheile, höhere Löhne etc. zu sehen 
Und tritt sehr bald wieder aus, wenn solche Hoffnungen sich 
nicht erfüllen. Immerhin haben aber die „Knights of Labor“ 
in den zwölf Jahren ihres Bestehens es zu einer ansehnlichen 
Organisation, welche sich über die ganzen Ver. Staaten erstreckt, 
gebracht und wenn auch die Zahl der Mitglieder sehr ver 
schieden angegeben wird, unterliegt es doch keinem Zweifel, 
^äss sie eine sehr bedeutende sein muss. Die Hauptpunkte 
ihrer Plattform sind: i) „Die Aufhebung aller Gesetze, welche 
Capital und Arbeit nicht gleichmässig berühren. 2) Die Ein 
führung von Schiedsgerichten an Stelle der Strikes. 3) Auf 
hebung der Kinderarbeit. 4) Gleiche Bezahlung für gleiche 
Lieferung an beide Geschlechter. 5) Reduction der Arbeits 
zeit auf 8 Stunden. 6) Einführung eines nationalen Circu- 
iationsmittels, das direct vom Volk ohne die Vermittelung von 
Bank-Corporationen ausgegeben werden und in allen Zah 
lungen ein gesetzliches Zahlungsmittel sein soll. 7) Errichtung
        <pb n="763" />
        748 
cooperativer Institute für Production und Vertheilung. 8) Re- 
servirung der öffentlichen Ländereien für den wirklichen An 
siedler. Kein Land mehr für Eisenbahnen und andere Cor- 
porationen.“ 
Es ist Aussicht, dass der Streit zwischen Capital und 
Arbeit noch lange ohne eine ernste Revolution — ausser in 
Californien etwa — durch eine, berechtigte Wünsche berück 
sichtigende Gesetzgebung, wie sie bisher stattfand — verlaufen 
wird, da die Arbeiter volle Freiheit und das Wahlrecht haben 
und zu gebrauchen verstehen. 
Ich lasse hier die Löhne in verschiedenen Staaten aus 
jenem Jahre folgen, in welchem ich sie bereiste. Sie sind 
steigend von den Süd- zu den Oststaaten, von diesen zu den 
Weststaaten, von denen zu Californien und den neuesten Terri 
torien, die von der Einwanderung am wenigsten begünstigt 
werden. Alle Löhne sind in den Industriestaaten, trotz des 
hohen Schutzzolles niedriger als in denjenigen Ackerbaustaaten, 
in welchen keine Negerarbeit existirt. Dies illustrirt gut die 
Wirkung des gemeinen, nicht socialen Schutzzolles. Also be 
fruchtet dieser Schutzzoll nicht die Landwirthschaft durch 
Erzeugung grösserer Consumkraft der Industriearbeiter (siehe 
Tabelle Seite 749). 
Für alle Industriearbeiter der Union geben die Census- 
aufnahmen 1850 = 247, i860 = 290 Dollars Lohn per Kopf 
an, jedoch ohne Angabe der Zahl von Frauen und Kindern. 
Diese sind von 1870 ab gesondert als Zahl, nicht als Lohn 
empfänger, aufgeführt. Es gab 1870 — 114.628 Kinder, 
323.770 Frauen und 1.615.598 Männer als Arbeiter und Vor 
arbeiter in der Industrie. Man kann wohl rechnen, dass 
3 Frauen soviel Lohn erhalten als 2 Männer und 3 Kinder 
unter 16 Jahren soviel als i Mann. So erhalten wir 1.869.657 
Normalmänner. Im Jahre 1880 gab es 181.918 Kinder, 53^ 753 
Frauen und 2.025.279 Männer, oder 2.440.000 Normalarbeiter. 
Erstere erhielten 775.584.000 Dollars Lohn. Allein das Durch 
schnittsagio des Goldes war damals 25-3 pCt., also reducirt 
sich dieser Lohn auf 619.061.000 Dollars Gold. Das macht 
253 Dollars Durchschnittsjahreslohn. Im Jahre 1880 stand das
        <pb n="764" />
        749 
Arbeitslöhne im Jahre 1881. 
Staaten 
I' Land a 
!l Monats- 
! lohn 
rbeiter | 
Tagelohn- , 
Erntearb. 
Maine 
Massachuss. 
New-York 
Pennsylvania 
Virginia 
S.-Carolina 
Georgia 
Florida 
Louisiana 
Texas 
Kentucky 
Ohio 
Michigan 
Indiana 
Illinois 
M^isconsin 
Minnesota 
Jowa 
Missouri 
Kansas 
Nebraska 
Galifornien 
Oakota 
Montana 
Ijohne 
'¡Kost 
I 20.62 
I25.30 
22.13 
122.47 
' 12.66 
I IO 43 
112.46 
; 15.73 
117.46 
; 19.I I 
; 16.61 
Í 22.30 
¡24.59 
21.15 
; 23.53 
1*3.76 
26.26 
24.36 
19.53 
22.49 
24.44 
, 38.00 
' 30.18 
I45.00I 
I 
mit 
Kost 
6 
U 
E 
12.80 
15.44 
13.81 
13.80 
8.43 
7.95 
8.47 
9.26 
12.26 
13.31 
11.19 
14.66 
16.58 
14.52 
16.25 
15.87 
16.44 
16.38 
13.34 
14.06 
14.53 
25.67 
19.55 
30.50 
1.69 
1.62 
1.74 
1.47 
1 23 
0.93 
1.08 
1.00 
1.19 
1.32 
1.42 
1.79 
2.24 
1.94 
1.94 
2.06 
2.82 
2.10 
1.61 
1.63 
2.01 
2.21 
2.53 
2.67 
1.33:1 
i.i8¡ 
0.98 
0.78; 
0.86; 
0.76 
0.88:1 
0.97 
I.Il 
I.30I 
1.75' 
1.571 
1.59 
1.67 
2.29 
1.69 
1.26 
1.22 
1.51 
1.77 
2.15 
2.25 
T a g e 1 o h n 
Zimmer 
leute 
Schmiede 
Ma 
schinen 
bauer 
Schuh 
macher 
2.00 
2.04 
2.06 
1.78 
1.73 
1.65 
1.89 
2.02 
2.31 
2.31 
1.88 
2.01 
2.07 
1.98 
2.20 
2,22 
2.34 
2.21 
2.06 
1.86 
2.22 
3.28 
2.72 
4.00 
1.90 
2.21 
1.59 
1.70 
1.68 
1.77 
1.86 
2.01 
2.53 
2.63 
1.80 
1.92 
1.98 
1.96 
2.08 
2.03 
2.13 
2.13 
1.96 
2.04 
2.21 
3.19 
3.00 
3.62 
2.15 
2.30 
2.10 
193 
1.83 
1.87 
2.28 
2.43 
2.75 
3 10 
2.22 
2.27 
2.31 
2.29 
2.37 
2.46 
2.59 
2.34 
2.33 
2.37 
2.58 
3.69 
3.58 
4.12 
1.76 
1.81 
171 
1.46 
1.25 
1.46 
1.61 
1.85 
2.03 
2.20 
1.64 
1.68 
1.81 
1.70 
1.80 
1.73 
1.86 
1.85 
1.75 
1.82 
1.98 
2.6t 
2.00 
3.25 
Umlaufsmittel Pari, und der Gesammtlohn betrug 947.919.000 
Dollars Gold, der Durchschnittsjahreslohn für den Normal- 
^annarbeiter also 388 Dollars. Er war also erheblich höher als 
^^70, wenn auch niedriger als 1872—73, in der Zeit des Auf 
schwunges, wo übrigens das Agio io8*/2—113'/^ stand, wonach 
diese Löhne, wie weiterhin die Lebensmittelpreise, sich Jeder 
i'Gduciren möge. 
Für die ganze Union darf man die volle Pension, Wohnung 
^ad Kost eines Mannes auf nicht mehr als 4 Dollars wöchentlich, 
i’und, nebst Wäsche, Ausbesserung der Kleider und kleine, 
nothwendige Ausgaben, ohne Getränke, Tabak und Kleidung, 
auf 250 Dollar annehmen. So blieb 1880 ein Nettoüberschuss 
Von 138 Dollars per Jahr, wovon, bei zweckmässiger Ein 
richtung und Ordnungssinn 38 Dollar für Kleidung reichen.
        <pb n="765" />
        Die capitalbildende Kraft der Industriearbeiter kann also um 
1880 auf rund 100 Dollar per Jahr angenommen werden. 
In Verfolg einer vom Bundes-Senat der Vereinigten Staaten 
am 21. December 1881 angenommenen Resolution hat der Chef 
des statistischen Bureaus zu Washington, Joseph Nimmo, der 
genannten Körperschaft nunmehr einen Bericht über die 
Lohnverhältnisse der Industrie-Arbeiter in der Union vorge 
legt. Es heisst darin, dass in der Eisenfabrikations - Branche 
gute Arbeiter sowohl auf Tag- wie auf Stückarbeit gegen 
wärtig in den Vereinigten Staaten dreimal oder doch nahezu 
dreimal so viel verdienen können als in England. Die Löhne 
für Arbeiter in der Baumwollspinnerei-Branche stellen sich 
gegenwärtig durchschnittlich um 62 Percent höher als in 
England, für Gerber um 13'/, Percent höher als in letztge 
nanntem Lande, um 54'/2 Percent höher als in Frankreich 
und um gy'/g Percent höher als in Deutschland; für Lederzu 
richter um 35'/4 Percent höher als in England, um 66^ 3 Per 
cent höher als in Frankreich und sogar um 95^.4 Percent 
höher als in Deutschland. Nach einer weiteren Angabe stellten 
sich die Löhne in der Seidenfabrikations-Branche in den Ver 
einigten Staaten gut zweimal so hoch als in England, dreimal 
so hoch wie in Frankreich und Deutschland und viermal so 
hoch als in Italien. 
Es ist ganz klar, dass die Arbeiter dem höheren Lohne 
folgen, wie das Capital dem höheren Zinse. 
Um aber auch den Reallohn der amerikanischen Arbeiter 
kennen zu lernen, lasse ich hier Angaben über die Kaufkraft 
des Geldes und Productenpreise folgen, und zwar sowohl die 
Preise im Klein- als im Grosshandel; erstere sind Durch 
schnittspreise aus vielen Orten von Massachusetts, letztere von 
Boston. 
Durchschnittsdetailpreise in Massachussetts in Cents. 
Maas Gegenstand iH6o 1872 1878 1881 
196 Ibs. Weizenmehl 7H ‘^75 7‘&gt;^’ 
Ib, Maismehl ^ ^ ^ 
„ Stockfisch 3V4 ^ U ^ 7 
Quart Bohnen * U 
Ib. Ülongthee 54% ^9 60 /, 5»
        <pb n="766" />
        75: 
Maas 
lb. 
Gallone 
lb. 
Bushel 
Quart 
Dutzend 
Tonne 
Cord 
Yard 
Paar 
Monat 
Woche 
Gegenstand 
Kaffeezucker .... 
Syrup 
Roastbeef 
Rindssuppenfleisch . . 
Cornedbeef .... 
Kalbskeule .... 
Kalbsvorderviertel . . 
Kalbscotelette . . . 
Hammelvorderviertel . 
Hammelkeule 
Hammelcotelette 
Schweinefleisch . 
Schweinepökelfleisch . 
geräucherten Schinken 
Schweineschultercorned 
Schweineschmalz . . 
Butter 
Käse 
Kartoffeln .... 
Milch 
Eier 
Steinkohle .... 
hartes Holz .... 
weiches Holz . . . 
Shirting 4'4 braun . . 
Shirting 4.4 gebleicht 
gedruckter Kattun . . 
Mannsschuhe, schwere 
Miethe, 4 Räume . . 
Pension für einen Mann 
Pension für eine Frau 
i860 1872 
9 10V2 
50% 70 
II 19 
4^/4 7V, 
6V2 lo'/z 
II 17 
l'U 10% 
14 28V4 
7'/2 Io'/4 
I2'/j 19 
I3'/4 15% 
II 12V2 
II II 
13 »3'/, 
8V4 lo'i 
i3'/4 14% 
2i'*/4 39 V4 
13V4 '7'4 
59 «02 
4% 8 
20'/4 30 
640 925 
649 IOI2V2 
442 700 
9V4 «3 
10% 16 
II II ^/4 
275 394 
445 «475 
279 562 
«79 375 
Ibs. 
Quart 
Ibs. 
Gallonen 
Ibs. 
Für einen Dollar konnte man kaufen 
Weizenmehl 25.6 18.1 
Maismehl 45 4 55.5 
Stockfisch 18.8 12.2 
Bohnen 12.6 10.5 
Zucker 10.9 95 
Syrup I.Q7 «43 
Roastbeef . 92 5.2 
Suppenfleisch 20.8 13 3 
Cornedbeef 15 3 95 
Kalbfleischvorderviertel .... 13 7 9 5 
Hammelvorderviertel 13 5 9.8 
1878 
9V2 
57% 
«4% 
5'/4 
8 
«5'4 
IO*/4 
20 
I0V4 
«7% 
18'/, 
10 
9% 
«2% 
9V4 
«0% 
25% 
«2% 
97% 
5% 
25 
645 
674 
504 
7% 
9V2 
7% 
324 
555 
4«9 
263 
22.7 
47.6 
16.6 
12.0 
10.6 
«74 
6.9 
18.8 
«2.3 
9.8 
9.7 
1881 
10 
66'/, 
«7 
5% 
10'/4 
«5^4 
11% 
20 
I1V3 
16/'4 
I 8 '/5 
«3 
«3% 
«5% 
12 
«4^/4 
34% 
«7V2 
«25^/4 
6 
32% 
783% 
896^/4 
709 
8% 
II 
7^/4 
3«8^4 
799 
475 
300 
«9.7 
32.0 
«3.3 
7.5 
lO.O 
1.5« 
5.8 
18.1 
9.7 
8.5 
8.8
        <pb n="767" />
        752 
Maas Gegenstand 
Ib. Schweinefleisch 
„ Schweinepökelfleisch . . . 
„ Schinken geräuchert . . . 
„ Schmalz 
„ Butter 
„ Käse 
Bushels Kartoffeln 
Quart Milch 
Dutzend Eier 
Ibs. Kohle 
Yard Shirting gebleicht . . . 
Tage Miethe, 4 Räume .... 
„ Mannspension 
„ Frauenpension 
i860 1872 1878 
9.2 8.0 lO.O 
9.0 9-0 &gt;0-3 
7.7 7.4 *0 
7-5 7.« 9 3 
4-5 2.5 3.9 
7.5 5.7 8 : 
1.6 0.9 i.o 
21.2 12.5 18.8 
4 9 3 3 4.0 
312 217 310 
9.2 6.2 10.6 
6.7s 2.03 5.40 
2.51 1.24 1.67 
3.92 I 87 2.63 
1881 
7.6 
7.5 
6.5 
6.7 
2.8 
5 7 
0.8 
16.6 
30 
255 
9.» 
3 75 
&gt;.47 
2.33 
Im Jahre 1881 konnte ein Landarbeiter in den verschie 
denen Staaten, die ich aufzähle, also, wenn er sich vom 
Arbeitgeber behausen und beköstigen Hess, von 7.95 (Neger 
lohn in S.-Carolina) bis 30.50 Dollars (in Montana) Monats 
lohn für Kleidung und Ersparniss verdienen. In den Acker 
baustaaten Ohio, Michigan, Indiana, Illinois, Wisconsin, Minne 
sota, Jowa, Nebraska, Dakota betrug der Durchschnittsmonats 
lohn eines Mannes, der Kost, Wohnung und Wäsche erhielt, 
ausserdem in Goldgeld 16.09 Dollars, der Jahreslohn also 
193 Dollars. — Davon kann ein sparsamer Mann gut und 
gern 150 Dollars im Jahre sparen. 
Um eine Farm auf einer Heimstätte von 160 Acres zu 
erwerben, braucht ein Mann z. B. in Minnesota 14 Dollars 
Einschreibegebühren, für Hausgeräth, Ofen, Koch- und Tisch 
geschirr, Stühle, 2 Bettstellen, einen Tisch 40 Dollars, Betten 
30 Dollars, ein Joch Ochsen 125 Dollars, einen Pflug 23 Dol 
lars, Wagen 75 Dollars, kleines Handwerkzeug und einige 
Schweine 50 Dollars, eine Kuh 40 Dollars, Brennmaterial und 
Lebensmittel für i Jahr, wobei gerechnet ist, dass er im Früh 
jahr sich ansiedelt und schon Kartoffeln, Gemüse, Mais baut, 
ca. 100 Dollars, für Haus und Stall 300 Dollars, Saat 
getreide für das nächste Frühjahr 100 Dollars, Summa 
897 Dollars. Mit einem Vermögen von 1000 Dollars kann 
er sich also, gesunde Arbeitskraft vorausgesetzt, selbstständig
        <pb n="768" />
        48 
"çrv 
753 
machen, und dies Capital kann er als Landarbeiter in 6 
bis 7 Jahren ersparen. Dies thun in der That sehr viele 
Arbeiter, die ganz mittellos hinüberkommen. Ein Dienst 
mädchen erhält von 12—30 Dollars Monatslohn, nebst Kost, 
kann also auch sparen. Zwei solche Leute, die mittellos an 
kommen, können nach 4—5 Jahren sich verheirathen und eine 
Bauernfamilie gründen. 
In Massachussetts konnte 1881 ein Mann, der Wohnung, 
und Kost (sehr gute, 3 Mal Fleisch täglich) in Pension nahm, für 
Kleidung und Ersparnisse wöchentlich erübrigen: Der Schmied 
7 63 Dollars, Schuhmacher 7.46, Zimmermann 7.89, Maurer 
9 29, Handlanger 3.85, Tischler 7.25, Polsterer 7.25, Färber 
••85, Raum Wollspinner 5.24, Weber i.io, Glasbläser 7.25, 
Gerber 3.99, Former 11.65, Maschinist 12.24, Polierer 3.89, 
Eisenfabriks-Handarbeiter 4.40, Taglohnsetzer 11.25, Drucker 
9 80, Zeitungssetzer 15.25, Buchsetzer 8.25, Wollenfarber 3.06, 
Spinner 4.30, Weber 3.78; weibliche Personen: Schuhmaschinen- 
uäherin 4.81, Polstererin 3.00, Maschinennäherin (Weisszeug) 
in der Fabrik 6.47, zu Hause 2.42, Costümeschneiderin in der 
Fabrik 5.54, Baumwollspinnerin 5.52, Buchsetzerin 6.00, Woll 
spinnerin 3.18 Dollars. 
Aus dieser Tabelle geht schlagend hervor, dass die Ar- 
Beit in Amerika über den sehr reichlich bemessenen Unter 
halt an Wohnung und Kost hinaus noch mehr capitalbildende 
Kraft hat, als in den best gezahlten Ländern Euro pas durch 
schnittlich die Arbeit Lohn! Für Kleidung sind jene Ueber- 
schüsse nur bei grober Verschwendung durchzubringen. Der 
tüchtige Arbeiter kann in Europa nicht soviel Lohn ver- 
dienen, als er in Amerika von seinem Geldlohn sparen kann* 
Nach einer Statistik des amerikanischen Staatssecretärs be 
trugen die Löhne per Woche im Jahre 1878 in Dollars:
        <pb n="769" />
        754 
ti ig 
Beschäftigung-, 
Bäcker . . . 
Schmiede . 
Buchbinder 
Ziegelstein 
maurer . . 
Kunsttischler . 
Zimmerleute . 
Landarbeiter . 
Gewöhnliche 
Stadtarbeiter 
Anstreicher 
Pflasterer . . 
Drucker . . 
Schuhmacher 
Schneider . . 
•So 
oa 
4.40 
4 40 
6.00 
4.80 
5.40 
3.00 
4.20 
5 40 
4.25 
390 
3-72 
4.25 
4.15 
4.62 
3.30 
4.10 
(t, 
S.55 
5.4s 
4.85 
4.00 
6.00 
5 42 
3-15 
4.90 
4.70 
4.75 
350 
3-55 
3.82 
3.60 
3 97 
4.00 
2 87 
2.92 
3.92 
3.80 
4.80 
3.12 
S.iol 3.58 
3 90 
3.94 
3 90 
3.45 
4.95 
4.18 
3.50 
2.60 
4.60 
4.3s 
390 
4 32 
4.30 
Lebensmittelpreise 1878 in Cents: 
Maass-W aare; 
Ib. Roastbeef , 20 
16 
4—5 
20—50 
30—40 
„ Cornedbeef 
„ Brod . . 
„ Butter . . 
„ Kaffee . . 
„ Mehl 
„ Schmalz . 
Quart Milch . 
Ib, Hammelfleisch 
Vorderviertel 
„ Schweinefleisch 
„ Pökelschweine 
fleisch . . 
„ Speck . . . 
Bushel Kartoffeln 
Ib, Reis . , . 
„ Zucker , , 
20 
16 
16 
16 
18 
56 
15—20 
22 
13 
3—7 
22 
35 
5’/, 
21 
4 
'4% 
17 
17 
20 
50 
9 
M 'S 
6 
28 
32 
IO 
22 
7 
15 
13 
18 
22 
1:5 
6 
8'A 
6.50— 6,60 
7,04—8,12 
6.50— 7.83 
7.58—9.03 
7.70—8.48 
7.37—8.25 
3.40—4.25 
4.50— 500 
7.25—8.16 
7.68—10.13 
7.52—7.75 
— 7.35 
5.00—7.30 
12 
18 —20 
3VJ-4V, 
29—38 
28—50 
3'/,-4% 
12 —18 
5—9 
16— 17 
IO—16 
IO—16 
12—16 
68—200 
3V2—8 
5%—IO 
5—8 
IO—14 
12 —18 
12—15 
9—13 
9—12 
6—9 
IO—16 
10—15 
8—18 
12—18 
IO—18 
22—16 
8—12 
4—4'/] 
25—32 
20—30 
3—4 
IO—12 
8— IO 
9— IO 
8— IO 
8— IO 
8— IO 
140— 160 
8—IO 
8—IO 
8- 
9- 
9- 
6— 
7— 
7’/- 
-I2 
-I2 
-20 
-loV* 
-15 
I2 
5%- 
8- 
4 
4 
16— 
16 
2'/: 
6 
3 
-12*4 
-7 
-4’A 
40 
40 
-4' » 
lO 
—6 
5- 
4 
6- 
7- 
60- 
5- 
7- 
12'/: 
-5 
-12 
-12 
-80 
-lO 
-lO 
Die Engrospreise, welche sich die Arbeiter durch Consum- 
vereine vielfach zu Nütze machen, sind viel billiger als obige 
Detailpreise. Sie betrugen in Boston in Cents:
        <pb n="770" />
        755 
48* 
Maas. 
Fass 
lbs. 
Bushel 
lbs. 
Gallone 
lbs. 
Bushel 
Dutzend 
W a a r e. 
à 196 lbs. Minnesota Weizenmehl . 
„ Maismehl 
Stockfisch 
Reis 
Bohnen 
Riokaffee, grün 
Zucker granulirt 
Syrup 
Rindfleisch Keule 
„ Vorderviertel. . , . 
Kalbfleisch (ganzes Kalb ausge 
schlachtet) 
Hammel- (do.) . . . . 
Schmalz 
Speck und Schinken geräuchert . 
Butter 
Käse 
Kartoffeln 
Eier 
1878 
512 
240 
4’/» 
6% 
160 
&gt;5''2 
9V4 
37V2 
8% 
6V2 
4 
6V4 
9 
16 
17 
92 Vj 
26 
1881 
617 
310 
5 
6% 
250 
S: 
55 
II v« 
7 
5V2 
"'/2 
I1V2 
29 
I1V2 
107 
27 
Diese Preise werden in der Reg^el von Haushaltungen 
bezahlt. Man kann annehmen, dass eine Familie mit zwei 
Kindern, ausser der Wohnungsmiethe, nicht mehr pro Woche 
gebraucht, als ein Mann, der sich in Pension giebt, denn die 
brau, welche die Pension hält, will ja von derselben auf 
amerikanische Weise, d. h. recht gut, leben und hat in der 
Kegel nicht über 6—8 Pensionäre. 
Durchschnittsengrospreise in Deutschland waren i88j: 
Weizenmehl loü Kg. 32.50 Mark oder 196 Ibs. 711 Cents 
Zucker raffinirt 100 Kg. 82.33 Mk. oder i Ib. = 9.2 c. 
Kaffee loo „ 151.00 „ oder i „ = 16.8 „ 
Schmalz 100 , 113 37 . . i „ 12.6 „ 
Speck 100 , 88.07 n , I , = 9.8 „ 
Kattun I Meter 0.23 Mark 
Steinkohle 1000 Kg. 10.32 Mark, 
In der ersten Märzwoche 1883 waren die Marktpreise: 
ln Berlin: 
Weizen 100 Kilo 20 Mark per Bushel 1.35 Dollars 
Erbsen 100 „ 40 „ 
Bohnen 100 „ 49 „ 
Rindfleisch, Kilo i bis 1.40 Mark, Ib. ii —15.4 Cents 
Schweinefleisch „ i „ 1.40 , , ii —15.4 „ 
Hammelfleisch „ i „ 1.40 „ „ ii —15.4 , 
Butter „ 1.80—2.80 „ , 19.8 — 30,8 „ 
In Wien: 
Weizenmehl 100 Kilo 9.50—22 fl. excl. Verzehrungssteuer
        <pb n="771" />
        756 
Mehl im Detailverkauf incl. Verzehrungssteuer Kilo i8—28 Kr., per Ib. 3.2 5 c. 
Erbsen 1 Kilo 22—28 Kr. 
Bohnen i Kilo 18—20 Kr. 
Kartoffeln i Kilo 4—5 Kr. 
Schweineschmalz 1 Kilo 78—84 Kr., per Ib. 13.9—15 c. 
Rinderschmalz 1 Kilo 1.20—1.50 fl. 
Butter I Kilo i —1.50 fl., per Ib. 17.9—26.8 c. 
Milch, Liter 8—18 Kr. 
Rindfleisch i Kilo 46—85 Kr., per Ib. 8.2—15.1 c. 
Schaffleisch i Kilo 50—80 Kr., per Ib. 9 —14.3 c. 
Schweinefleisch 60 Kr. bis i fl., per Ib, 10.7—17.9 c. 
Hartes Holz 100 Cm. 5—6 fl. 
Steinkohlen 100 Kilo 78 Kr. bis 1.05 fl. 
Nach der Tabelle für 1878 betrugen damals die Löhne 
in Deutschland kaum halb so viel, als ein amerikanischer 
Arbeiter übrig behält, nachdem er Wohnung und Kost be 
zahlt hat. Die Tabelle lehrt auch, weshalb es so viele deutsche 
Arbeiter in Frankreich, namentlich in Paris, giebt. Die Löhne 
sind sogar in Frankreich höher als in Deutschland. Leider 
fehlen die österreichischen und ungarischen Löhne in der 
Tabelle: Sie sind noch, und zum Theil sehr erheblich, nie 
driger als die deutschen. Ferner ergiebt sich, dass 1878 und 
1881 die wichtigsten Lebensmittel in Deutschland theurer 
waren als in England und sehr viel theurer als in Amerika. 
In Oesterreich sind sie, was grosse Städte und Industriebezirke 
anlangt, theilweise sogar theurer als in Deutschland, da man 
in den Städten nicht nur, sondern sogar auf dem Lande eine 
Verzehrungssteuer von Fleisch, Getränken und einer Menge 
anderer Artikel hat. 
Weil nun die Löhne in Deutschland und Oesterreich so 
sehr viel niedriger sind als in anderen Ländern, namentlich in 
Amerika, wohin die Deutschen und die slavischen Oesterreicher 
und Ungarn ohnehin schon so massenhaft auswandern, und weil 
die Lebensmittelpreise in diesen drei Ländern ohnehin schon 
soviel höher sind, als in Amerika, der Reallohn in Deutsch 
land also relativ noch niedriger ist als der Geldlohn, mit 
Amerika verglichen, so — o du Logik der angeblich staats- 
socialistischen Staatsmänner und angeblich socialconservativen 
Minister dieser drei Länder — hat man Korn- und Fleisch-
        <pb n="772" />
        757 
zolle eingeführt, Einfuhr von amerikanischem Schweinefleisch 
und Speck verboten, Kaffeezoll erhöht und somit die Lebens 
mittel der Masse noch mehr vertheuert, den Reallohn noch 
weiter herabgedrückt, während die Union ihn gleichzeitig er 
höht, indem sie Zölle auf Consumartikel herabsetzt! Kann 
man erfolgreicher für die Socialdemokratie und den Commu- 
nismus in Continentaleuropa arbeiten? Als Agitator war Dr. 
Karl Marx ein reiner Waisenknabe gegen solche Staatsmänner, 
wie jene, die diese famose „Reformpolitik“ treiben und dafür 
von Schmoller, A. Wagner und Stöcker in den Himmel ge 
hoben und von Schäffle berathen werden. 
Der naive Eklekticismus der deutschen Staatsmänner und 
ihrer Nachbeter in Wien zeigt sich darin, dass sie durchaus 
unfähig sind, sowohl ein eigenes Wirthschaftssystem zu schaffen, 
als ein vorhandenes nachzuahmen. Sie fallen aus einem in’s 
Andere: Für den Industrieschutzzoll berufen sie sich auf 
Colbert und List, sagen aber nicht, dass List der grösste 
Gegner der Vertheuerung der Lebensmittel ist und dass Colbert 
dem Grundbesitz nicht durch Agrarschutzzölle, sondern durch 
Zinsreduction der Staatsschuld, Billigermachung der Steuerein 
hebung und Verminderung der Taille, in der Hauptsumme 
eine Grundsteuer vom nichtadeligen Grundbesitz, zu Hülfe 
kam. Letztere verminderte er, trotz steigenden Staatsbudgets, 
Von 53-4 Millionen Livres im Jahre 1657 auf 35 Millionen 
am Ende seiner Ministerlaufbahn. Er untersagte auch die 
vollständige Ausplünderung der Bauern wegen Schulden, 
^^iese Staatsmänner wissen nicht, dass eine ähnliche agrarische 
Politik schon eine Dynastie, Jene der Stuarts, gestürzt, eine 
andere, die der Welfen in England, ohnmächtig gemacht hat: 
Die Stuarts stützten sich auf die alte Grundbesitzaristokratie 
schädigten die Interessen der aufstrebenden Manufactur- 
niacht: 
Königin Elisabeth förderte die Industrie und verbot die 
Ausfuhr von Getreide nur, so lange der Quarter Weizen unter 
20 Shillings in London kostete. 
Jacob I., der erste Stuart, macht sich bei der Grund 
aristokratie dadurch beliebt, dass er in seinem ersten Re-
        <pb n="773" />
        758 
gierungsjahre bereits Weizenausfuhr gestattet, solange derselbe 
unter 26 sh, 8 d. steht. Elisabeth will den Preis nicht über 
20 sh. steigen lassen, Jacob will ihn nicht unter 26 sh. 8 d. 
fallen lassen. Er findet bei seinem Regierungsantritt den 
Preis von ca. 20 sh. vor. In seinem einundzwanzigten Re 
gierungsjahre gestattet er Getreideausfuhr schon, solange der 
Preis unter 32 sh. steht. Im Jahre 1627 bestätigt Karl 1, dies 
Gesetz. So erhöhen sie die Lebensmittelpreise und die Un 
zufriedenheit der Arbeiter und Fabrikanten. Ein Hauptgrund, 
weshalb Karl I. Kopf fiel. 
Sein Sohn, Karl II., hat nichts gelernt. Er wird von 
dem Grundaristokraten Monk eingesetzt und gestattet im Jahre 
1660 Getreideausfuhr schon, wenn Weizen unter 40 sh., gerade 
doppelt so viel, als unter Elisabeth, kostet. Im Jahre 1663 
erhöht er jenen Satz auf 48 sh. 
Die jetzigen deutschen und österreichischen Staatsleiter 
haben alle „Buckle’s Geschichte der Civilisation in Eng 
land“ gelesen. Gelernt haben sie das Wichtigste daraus nicht. 
Er sagt Band III, dass die grosse englische Revolution 
sowohl ein Klassen-, als ein Parteikampf war, worin Yeo 
manry, Bauernstand und Traders, Fabrikanten und Kaufleute, 
zum Parlament, später zum Oranier, standen. 
Die Landaristokraten, Tories, rebellirten schon 1569 gegen 
Elisabeth für Maria Stuart, weil Elisabeth sich mit „neuen 
Leuten“ umgab, Handel und Industrie förderte. Darum fiel 
das schöne Haupt der Maria. 
Elisabeth hatte bereits mehrere Gesetze erlassen, welche 
die Ausfuhr von Lebensmitteln verboten oder erschwerten; 
1593 verordnete sie, dass Getreide nur ausgeführt werden 
dürfe, wenn Weizen unter 20 sh. per Quarter stand und dann 
2 sh. Exportzoll zu zahlen habe. Tendenz, theure Lebens 
mittel nicht aufkommen zu lassen. Dennoch stieg unter ihrer 
Regierung der Preis von 18 sh, per Quarter im Jahre 1658 auf 
24 sh. 3'/a d. im Jahre 1602. Buckle sagt weiter, dass nach 
dem Tode Elisabeth’s Jacob I. und Karl I. den Versuch 
machten, die Macht der zwei „protective classes“, Grundadel 
und Geistlichkeit zu heben.
        <pb n="774" />
        759 
Jakob I. gestattete die Getreideausfuhr schon, wenn Weizen 
unter 32 sh. per Quarter sank, bei 2 sh. Zoll, der Weizen 
preis stieg bis zum letzten Jahre seiner Regierung, 1625, auf 
41 sh. 2 d. 
Karl 1. hob die tenure by knights service auf, d. h. ent 
lastete die Grundherrn ohne Entschädigung ihrerseits von der 
Militärleistung und Hess ihnen die Eehensgüter als freies 
Grundeigenthum. Er machte ihnen ein enormes Geschenk 
auf Staatskosten. 
Der Aufstand gegen Karl I. nahm seinen Anfang, als er 
selbstmächtig eine Steuer auf Handelsschiffe legte; von da 
hatte er die Kaufleute und Fabrikanten, namentlich die Bürger 
Londons zu Feinden; der Landadel aber stand zu ihm. Die 
Manufacturen und der Handel hatten aber doch schon das meiste 
Geld, und dieser König fiel, weil er versuchte, den Ueber- 
gang eines Landes vom Stadium der reinen Agricultur in das 
der Agricultur, Manufactur und des Handels zu hindern. 
Der König hatte 1629 Handelsmonopole geschaffen, in 
Folge deren der Weizenpreis von 34 sh. 8 d. im Jahre 1629 
auf 46 sh. 2 ','2 d. im Jahre 1630 stieg. Das „lange Parlament“, 
Welches seit 1640 factisch regierte, hob die Monopole sofort 
auf, und der Weizenpreis sank auf 36 sh. 2 d. 
Der Krieg hinderte den Ackerbau und der Weizenpreis 
stieg auf 71 sh. i'/t d. im Jahre 1649, in dem Karl I. ent 
hauptet wurde. 
Die Republik dauerte bis 1660. Der Weizenpreis sank 
his auf 50 sh. 2^/4 d. in diesem Jahre. 
Karl II. setzte die Politik seines unglücklichen Vaters 
ungewarnt fort. Noch im Jahre seines Regierungsantrittes 
gestattete er die Weizenausfuhr, sobald der Preis unter 40 sh. 
sinken würde, 1663, wenn er unter 48 sh. sänke, 1683, wenn 
er unter 53 sh. Unter seiner Regierung schwankte der Weizen 
preis von 32 sh. bis 65 sh. 9'4 d. und stand bei seinem Tode, 
ï685, aut 41 sh. 5^/4 d. Macaulay sagt, Band I., dass die 
Grundrente und das Elend des Volkes fortwährend stiegen. 
Jacob II. hinterliess 1688 dem Oranier einen Weizenpreis 
Von 40 sh. IO* 4 d.
        <pb n="775" />
        Wie hatte sich die Lage der Arbeiter unter den Tudors 
und Stuarts verändert? Man muss Lohn und Lebensmittel 
preise vergleichen: 
Im Jahre 1400 kostete der Quarter Weizen 8 sh., ein 
Fettschaf i sh., ein ausgeschlachteter Ochse 7 sh. 6 d. Der 
gemeine Arbeiter erhielt 3 d. Tagelohn, der Maurer 4 d., 
ersterer verdiente einen Quarter Weizen in 32 Tagen, ein 
Schaf in 4 Tagen, einen Ochsen in 30 Tagen. 
Im Jahre 1450 kostete der Quarter Weizen 5 sh. 4 d., 
ein Ochse 13 sh.; ein Arbeiter erhielt g'/i d., ein Zimmermann 
IO d. Tagelohn, ersterer kaufte einen Quarter Weizen um 
17 Tagearbeit, einen Ochsen um 30 Tagearbeit. 
Im Jahre 1500 kostete ein Quarter Weizen 7 sh. 4 d., 
eine Kuh 8 sh., ein Schwein 5 d., ein Lamm i sh., ein Weib 
erhielt 2 \ 2 d., ein Arbeiter, Fuhrmann, carter, erhielt 3 d., Mäher, 
mower, 4 d., Zimmermann 6 d. und Kost; der carter kaufte 
einen Quarter Weizen um 29'/.3 Tage, eine Kuh um 32 Tage. 
Im Jahre 1550 kostete ein Quarter Weizen 14 sh. 8 d., 
ein Ochse 25 sh., ein Hammel 5 sh. 8 d., ein Mower erhielt 
10 d., mit Kost 4 d., ein Schneider 4 d. und Kost. Der 
Mower ohne Kost kaufte einen Quarter Weizen um 17.6 Tage 
löhne, einen Ochsen um 18 solcher. 
Von 1600 bis 1650 kostete im Mittel ein Quarter Weizen 
34 sh., I Fettochse 9 Lstr. 10 sh., 8 Ibs. Hammelfleisch 
2 sh. 3 d., I Lamm 6 sh. 8 d., ein Kalb 17 sh. Der ge 
wöhnliche Arbeiter erhielt 10 d., eine Schafscheererin i sh. 2 d., 
ein Schnitter i sh. 4 d., ein Maurer i sh. 6 d., mit Kost i sh., 
ein Maurerlehrling 10 d., mit Kost 4 d.; ein Arbeiter konnte 
einen Quarter Weizen kaufen um 40 8, einen Ochsen um 228, 
8 Ibs. Hammelfleisch um 27 Tagelöhne. 
Im Jahre 1682 kostete ein Quarter Weizen 70 sh., in den 
letzten 12 Jahren von Karl II. war er nur 50 sh. gewesen; 
der Landarbeiter erhielt im Allgemeinen 4 sh. per Woche, in 
guten Gegenden, wo es Industrie gab, 5 sh. im Winter, 6 im 
Sommer, der Industriearbeiter i sh. per Tag. Weber aber 
verdienten nur ’/a sh. per Tag, und Frauen und ganz junge 
Kinder mussten unausgesetzt dem Manne bei der Arbeit helfen,
        <pb n="776" />
        yói 
um nothdürftig ihr Leben zu fristen. Bei einem Wochenlohn 
von 5 sh., oder lo d. per Tag, konnte unter Karl II. ein 
guter Landarbeiter einen Quarter Weizen um 6o Tagelöhne, 
bei Beginn der Revolution erst um 84 Tagelöhne kaufen. 
Von ca. 1600 bis 1685 hatte es die Stuart’sche Dynastie 
durch ihre, den Grundadel begünstigende Zollpolitik dahin 
gebracht, dass er, der am Beginn derselben den Quarter 
Weizen um 40*8 Tagelöhne kaufte, nun 84 solcher dafür 
zahlen musste. Das Fleisch war, durch Verbot der Vieh- 
einfuhr, sogar aus Irland, noch mehr im Verhältniss gestiegen. 
Wen kann es da wundern, dass die Arbeiter diese Dynastie 
zu stürzen suchten und am Ende dieser Periode der „Kampt 
zwischen Kapital und Arbeit“ in England ernsthaft begann? 
Natürlich sahen die Industriechefs und Kaufleute das 
Verderbliche dieser Politik ein und vereinigten sich zum Sturz 
Jakob II. 
Als Wilhelm, der Oranier, nach England kam, suchte er 
alle Parteien zu einigen und zu befriedigen. Er Hess den 
I^xport von Weizen 1688 nicht nur frei, wenn der Preis per 
Quarter unter 48 sh. sank, sondern es wurde noch eine kleine 
Ausfuhrprämie bewilligt. Dies erhielten die Grundbesitzer bis 
1698! Die Industriellen viel mehr! 
Die ostindische Compagnie, welche in Händen torystischer 
Kapitalisten war, wurde reorganisirt und der commerziellen 
Whigpartei ausgeliefert. Die Bank von England gegründet, also 
billiger Credit, jedoch nur für Wechsel und Lombard, ge 
schaffen. Die Tories verlangten eine Hypothekenbank, sie 
'vurde vom Parlament zugestanden, entstand aber nicht, da 
Sich keine Actionäre fanden. Eine permanente Staatsschuld, 
IO pCt. Zinsen trug, wurde eingeführt, wuchs von da 
^^gelmässig und gab den Rentiers eine sichere Capitalanlage. 
Eine vollständige Gründerperiode begann in England. Ma 
caulay zählt, Band I. Seite 133, eine ganze Anzahl von 1688 
iiiid folgende Jahre gegründete Actiengesellschaften auf und 
Bemerkt, dass damals zum ersten Male der Ausdruck „Stock- 
jobber“ erscheint. 
Natürlich wuchs die Macht der Industrie- und Handels-
        <pb n="777" />
        762 
partei, und 1698 hob Wilhelm die Exportprämie für Weizen 
auf. Bei seinem Tode kostete der Quarter 36 sh. 2% d. im 
Jahre 1702. 1707 verbot Königin Anna den Export von Ge 
treide, weil es zu theuer sei, „especially for poor manufac 
turers and others of meaner condition“. Damals kostete der 
Quarter 35 sh. 4 d. Das Verbot wurde zeitweise aufgehoben, 
zeitweise erneuert, Georg II. hob zeitweise 1773 den Importzoll 
für Getreide auf. Diese, der Industrie günstige Politik dauerte 
bis in die erste Zeit von Georg III., der noch wiederholt die 
Kornausfuhr verbot. 1773 erntete Grossbritannien ca. 4 Millionen 
Quarter Weizen und importirte 100.000 Quarter. Als Georg II. 
anfing zu regieren, kostete Weizen 41 sh. 7'/2 d., beim Re 
gierungsantritt seines Nachfolgers 1760 nur 32 sh. 5'/4 d. 
Georg III. machte den Versuch, sich von den Whigs zu 
emancipiren. Er gab der Landaristokratie Gehör und führte 
1780 die Exportprämie wieder ein, obschon ,der Preis 36 sh. 
9 d. war. Unter ihm wurde eine Unzahl von Gesetzen über 
Export und Import von Lebensmitteln erlassen, deren Resultat 
war, dass der Preis stieg und stieg. Der Quarter kostete 
1785 = 43 sh. I d., 1790 = 54 sh. 9 d., 1795 ^ 75 sh. 2 d., 
1800 = 113 sh. lod., 1805 = 89 sh. 9 d., 1810 = 106 sh. 
5 d., sank 1815 auf 65 sh. 7 d. 
Das Parlament hatte unter dem kranken Könige alle Macht 
in Händen und behielt sie unter seinen schwachen Nachfolgern. 
Es bestand hauptsächlich aus Grundbesitzern. Sie machten 
die Gesetze nach ihrem Belieben und zu ihrem Nutzen. Um 
einen weiteren Preisfall zu verhindern, erliess das Parlament 
1815 ein Gesetz, wonach alle Getreideeinfuhr verboten war, 
solange Weizen nicht über 80 sh. stand. Weizen stieg auf 
96 sh. II d. i. J. 1817. 
Da aber immer neue Kornlieferanten entstanden, Hess sich 
der Preis nicht hochhalten. Durch Import und Lagerung zu 
gewissen Zeiten drang fremder Weizen dennoch ein, und 1827 
stand er auf 58 sh. 6 d. Nun erfand das Parlament die 
gleitende Skala. Wenn Weizen unter 62 sh. stand, sollte der 
Einfuhrzoll 25 sh. 8 d. betragen, wenn der Preis 73 sh. er 
reichte, I sh. Man wollte einen Weizenpreis von 74 sh. fest*
        <pb n="778" />
        763 
halten. Exportiren konnte man schon lange nicht mehr. 
Der Preis hob sich auch bis auf 66 sh. 4 d., allein damit auch 
die Agitation der Industriellen. Im Jahre 1840 entstand die 
Anticornlaw-Ligue. Man verlangte Parlamentsreform, die 
durchging und die Macht der Grundbesitzer im Parlament sehr 
schwächte; i. J. 1849 wurden die Kornzölle, bis auf i sh. Ge 
bühr, aufgehoben. Die Grundaristokratie hatte durch ihre 
Anwendung sich selbst und die Krone um die politische 
Herrschaft gebracht. 
In dem Jahre 1839, welches der Gründung der Anticornlaw- 
Ligue vorhergeht, kostete der Quarter Weizen 70 sh. 8 d., 
1850, nach Abschaffung der Kornzölle, 40 sh. 3 d., ist 
inzwischen wieder zeitweise erheblich höher gestiegen, schwankt 
aber seit einigen Jahren um 40 sh. und wird wahrscheinlich 
weiter fallen. — Der hohe Kornpreis ist in einem Industrie 
lande, das mehr Waaren exportirt als importirt, aber mehr 
Debensmittel importirt als exportirt, nicht durch Gesetze zu 
halten und ruinirt Krone und politische Parteien, die das zu 
thun versuchen. 
Solche Industrieländer sind aber Cisleithanien und Deutsch- 
land. Letzteres Land führte 1881 8 7 Millionen Metercentner 
Heizen und Roggen mehr ein als aus, für 485 Millionen Mark 
mehr Vieh, Nahrungs- und Genussmittel, Dünger und Sämereien 
als aus, dagegen mehr Industriewaaren aus als ein — — 
Und da legt man Zölle auf nothwendige Lebensmittel der 
Masse! 
Als die Agrarier diese Richtung einschlugen, für die uns 
Unentbehrliche Industrie aber Freihandel forderten, wandte 
mh mich von dieser selbstmörderischen Politik ab und bean- 
^^^gte in Eisenach 1876 den „socialen Schutzzoll“ für Industrie- 
Erzeugnisse. Für den Grundbesitz, Klein und Mittel, habe ich 
Homestead-Exemptions und Anderes in Petto. Diese schä 
digen die Industrie nicht. Die Industrie aber müssen wir auf 
JEde kluge Weise fördern, oder wir verhungern! Die Volkszäh 
lung ergab für Deutschland 1875 42.7, 1880 = 45.2 Millionen 
Einwohner, also eine halbe Million Zunahme per Jahr, trotz der 
Auswanderung. Da man pro Kopf gut und gern i Meterctr.
        <pb n="779" />
        oder Weizenconsum im Jahre rechnen kann, so wird 
1891 die um 5 Millionen Einwohner gestiegene Bevölkerung 
einen Import von Millionen Metercentnern mehr als 1881 
gebrauchen, zu den 8.7 Millionen Metercentnern, die schon 1881 
mehr importirt als exportirt wurden, d. h. vom Auslande ca. 
16 Millionen Metercentner! Denn mehr als die Ernte von 1881 
ergab, nämlich 71 Millionen Metercentner, wird man auch 1891 
nicht anbauen. Der Consum wird dann ca. 87 Millionen 
Metercentner betragen, und sollte der Zoll nur i Mark sein, 
so ist das doch eine Verzehrungssteuer, welche zu über 
90 pCt. die ärmere und ärmste Volksklasse, zum grossen 
Theile die Industriearbeiter, also die Industrie selbst be 
lastet, von 87 Millionen Mark, wovon die Staatskasse nur 
16 Millionen, die Grundbesitzer 71 Millionen beziehen, und 
von diesen wieder den weitaus grössten Theil die Grossgrund 
besitzer, denn der Kleingrundbesitzer und, Bauer isst den 
grössten Theil von dem Getreide auf, das er baut. 
Die agrarischen Schutzzölle sind eine Prämie für die Klasse 
der Grossgrundbesitzer, welche die schlimmsten Folgen für sie 
nothwendig haben muss, da sie die Kritik der ungeheuren 
Volksmajorität mit Recht herausfordert. Wirksamer als durch 
sie kann man die sociale Erbitterung garnicht fördern. In 
dustrielle und Arbeiter werden das Eigenthumsrecht an Grund 
und Boden schliesslich überhaupt angreifen, um so mehr, als 
der durch die Agrarzölle privilegirte Grossgrundbesitz erstand 
durch Anbau von Rüben für Exportzucker und Kartoffeln für 
Exportbranntwein, einen immer grösseren Theil des Bodens 
der eigentlichen Aufgabe desselben, dem deutschen Volke 
Nahrungsmittel zu liefern, entzieht. 
Graf Albert Apponyi, der genial ungarische Conservative, 
macht mir das schöne Zugeständniss, dass, da der Bauer den 
grössten Theil seiner Producte verzehrt und nur den kleinsten 
Theil derselben verkauft, für ihn seine Producte nur Ge 
brauchswerth, nicht Tauschwerth haben. Umgekehrt ist 
es bei dem Grossgrundbesitzer, Nun wird durch den Agrar 
schutzzoll nur der Tausch werth, nicht der Gebrauchswerth der 
Agriculturproducte erhöht. Also folgt, dass der Agrarschutz-
        <pb n="780" />
        7^5 
zoll dem Grossgrundbesitzer unendlich viel mehr procentisch 
und absolut nutzt als dem Bauer. Er begünstigt also jenen 
gegen diesen — erhöht sociale Berge, vertieft sociale Thaler, 
befördert die Latifundienbildung auf Kosten der Bauern, ist 
eminent antisocial, d. h. in seiner letzten Wirkung revo 
lutionär. Darum bin ich gegen ihn. 
Delbrück, mein wissenschaftlicher Gegner, aber ein ein 
sichtiger, sehr unterrichteter Mann, theilt in seiner 1879 er 
schienenen Broschüre über „Deutschland’s Getreide-Verkehr“ 
uiit, dass die Zuckerrübe 1838 42 nur 8000 Hectar, um 1878 
aber 148.000 Hectar in Anspruch nahm; auf dem Zuwachs 
boden hätten 3'/^—4 Millionen Centner Weizen wachsen können. 
Für Kartoffeln zur Branntweinbrennerei seien gleichzeitig 108.000 
Hectar mehr in Anspruch genommen worden, und 20 Millionen 
Centner seien um 1878 verbrannt worden, dazu y/n Millionen 
Centner Getreide. Im Jahre 1880/81 wurden 2.7 Millionen Meter- 
centner Rohzucker in Deutschland consumirt, 2.8 Millionen ex- 
portirt, also doppelt so viel producirt als gebraucht. Kartoffeln 
Wurden verbrannt 27 Millionen Metercentner und 2.4 Millionen 
Hectoliter Kartoffeln und 3.7 Millionen Metercentner und 0.4 
Millionen Metercentner Getreide; über ein Viertel des erzeugten 
Spiritus wurde exportirt. So wird künstlich Nahrungsmittel- 
rnangel erzeugt, Importnothwendigkeit geschaffen und durch 
^grarschutzzoll auch das im Inlande erzeugte Nahrungsmittel- 
Quantum, relativ zu Industrieconcurrenzländern, vertheuert. 
Das Getreide-und Fleischimportland Deutschland muss noth- 
Wendig weit höhere Lebensmittelpreise haben als Amerika, als 
England, Belgien und Frankreich, welche letztere keine Lebens- 
"^Utelzölle haben. Also muss seine Industrie concurrenzunfahig 
der Industrie jener Länder werden, oder seine Industrie 
arbeiter müssen durch schlechte Nahrung verkrüppeln. 
Diese Vertheuerung der Lebensmittel wird erstens eine 
grossere Auswanderung zur Folge haben, zweitens das, was 
uckle als allgemeines Gesetz hinstellt: „In zwei I.¿ndern, 
rieren übrige Verhältnisse gleich sind, die sich nur dadurch 
unterscheiden, dass in dem einen die Lebensmittel theurer sind
        <pb n="781" />
        766 
als in dem andern, muss unvermeidlich die Bevölkerung des 
letzteren sich rascher vermehren als die des ersteren.“ 
Also wird die relative Volksvermehrung in Deutschland 
auch aus diesem Grunde fallen, was die Arbeits- und Wehr 
kraft um so mehr schwächen wird, als meist arbeits- und 
wehrfähige Männer auswandern. 
Die Lage der deutschen Arbeiter ist schnell weit schlechter 
geworden, als sie war, weil Bismarck zu Anfang seiner Kanzler 
schaft eine mehr Ireihändlerische Politik befolgte, welche die 
Industrieprofite schmälerte. Als die Krisis kam, mussten die 
Industriellen die Löhne reduciren oder feiern. Nun kam zwar 
höherer Schutzzoll, aber auch das Socialistengesetz, das die 
Arbeiter hinderte, sich mit den Industrieprofiten mitsteigende 
Löhne zu erkämpfen. Diese blieben jetzt stationär, dagegen 
wurden die Lebensmittel theurer. Wie muss diese seltene 
Combination von schädigenden Ereignissen auf die Stimmung 
der Arbeiter wirken ? 
Ich glaube, dass hier eine gründliche Umkehr der Wirth- 
schaftspolitik dringend geboten ist. 
Man hat mir in der deutschen offiziösen Presse geradezu 
Vaterlandsverrath vorgeworfen, Leitartikel mit der Ueberschrift: 
„Rudolph Meyer Ephialtes“ veröffentlicht, weil ich die Zu 
stände wahrheitsgetreu schilderte, sich aber sehr gehütet, meine 
überall durch das fleissigste Studium, durch die kostspieligsten 
und mühseligsten Reisen und durch Unterhaltungen mit den 
berühmtesten Gelehrten aller Länder — Rodbertus, Lorenz von 
Stein, Le Play, Karl Marx, Friedrich Engels und zahlreichen 
Geschäftsmännern — gewonnenen Zahlen irgendwie mit ähn 
licher Gründlichkeit anzufechten. Man kann wohl hie und da 
einen kleinen Irrthum finden, hie und da eine anfechtbare 
Zahl, im Grossen und Ganzen ist, was ich je geschrieben, unan 
fechtbar und giebt ein treues Bild der relativen Lage der 
Völker in wirthschaftlicher und auch in politischer Hinsicht. 
Schon seit langer Zeit habe ich eine tiefe Verachtung vor der 
nörgelnden oder verläumderischen Kritik von Journalisten und 
auch Professoren, deren nicht Einer diese nunmehr fünfzehn 
jährige, unausgesetzte, vielseitige Arbeit aufzuweisen hat,
        <pb n="782" />
        ^6^ 
deren Resultate ich successive publizirt habe. Mit dem vollen 
Selbstbewusstsein eines Mannes, der über die reife Frucht plan- 
massiger Arbeit verfügt, spreche ich es offen aus, dass in 
Deutschland kein Mann ist, der auch nur im Stande wäre, 
zu controliren, was ich geschrieben habe — Alles näm 
lich, nicht dies oder jenes Detail — geschweige denn, zu kri- 
tisiren. Es ist mir vollkommen gleichgültig, was meine 
deutschen Zeitgenossen, die geblendet oder gebeugt sind 
durch den überwältigenden Einfluss des Fürsten Bismarck, 
über meine Werke sagen und ich sehe mit Ruhe dem 
reiferen und unbefangeneren Urtheil kommender Denker 
entgegen, wenn sich erfüllt haben wird, was ich mit Grauen 
kommen sehe. Was den Fürsten Bismarck anlangt, so 
furchte ich, dass die Zeitgenossen soviel zu seinem Ruhme 
gesagt haben — dass der Nachwelt nichts mehr hinzuzusetzen 
übrig bleiben wird, vielleicht aber wegzunehmen. 
Mit dem Professor Adolf Wagner muss ich mich indess 
üier auseinandersetzen. Er bedauert in der „Kreuz-Zeitung“ 
vom 2. März 1883, der Presse vergebens eine ruhige und 
sachliche Kritik seines parlamentarischen Debüts zu suchen. 
Dier soll er sie finden. 
Am 22. Februar 1883 sagte er im preussischen Landtage: 
„Es ist einfach unhaltbar, Getreide- und ähnliche 
Zölle als Finanzzölle aufzufassen, (sehr richtig, sie sind 
Schutzzölle. R. Meyer.) niemand würde vom Standpunkt der 
deinen Finanzpolitik für sie gewesen sein; durch die Ge- 
^^eide-, Vieh- und dergleichen andere Zölle galt es, 
grösseres Problem noch zu lösen: die Erhaltung 
Selbstständigkeit und der wirthschaftlichen Kraft 
Unserer deutschen Landwirthschaft, das war der erste 
Zweck dieser Zölle, der dem rein finanziellen Gesichtspunkt 
Vorgeht. Wenn selbst, was ich keineswegs bei den Getreide- 
zöllen zugebe (ein Professor der Nationalökonomie muss 
'vissen, dass solche Zölle in einem Lande, das regelmässig, 
^Ejährlich sehr bedeutende Quanten Getreide importiren 
^uss, eine Preiserhöhung desselben, verglichen mit dem Preise 
ähnlicher Importländer, wie England, ohne Zölle erzeugen
        <pb n="783" />
        y68 
muss. Dass der Brodpreis, wenn Alles Uebrige ungeändert 
bleibt, wie es in Deutschland der Fall ist, Freiheit des Korn- 
und Mehlhandels, Freiheit des Bäckereigewerbes, durch den 
Getreidepreis bestimmt wird — im Grossen und Ganzen, muss 
ein Nationalöconom zugeben. R. Meyer.), der Brodpreis 
dadurch etwas erhöht würde, wenn aber andererseits die 
städtischen Arbeiter und kleinen Leute ohne jene Zölle ver 
ringerten Absatz bei der weniger leistungsfähigen land- 
wirthschaftlichen Bevölkerung (neunundneunzig Hun 
dertstel der landwirthschaftlichen Bevölkerung wird durch die 
Getreidepreissteigerung nicht leistungsfähiger; das werden nur 
einige Tausend Grossgrundbesitzer. R. Meyer.) hätten, so sind 
selbst diese kleinen Zuschläge zu den Brodpreisen, die 
wahrscheinlich (die Wissenschaft kennt Ursache und Wirkung 
als nothwendige und nicht als wahrscheinliche Beziehun 
gen. R. Meyer.) gar nicht eintreten werden, nicht ein zu 
theurer Preis für gesicherten Absatz zwischen Stadt und 
Land. Ausserdem möchte ich darauf hin weisen, welcher 
Widerspruch in den Aeusserungen des Herrn Abgeordneten 
Rickert und seiner Freunde liegt, wenn sie einerseits diese 
Getreidezölle verwerfen und sie nur als Finanzzölle ansehen, 
während hier ein gerechter Schutzzoll vorliegt, anderer 
seits sie aber zugleich eine Steuer, die gerade in der 
hiesigen Hauptstadt Berlin so durchaus den Charakter 
der indirekten Verbrauchssteuer trägt, wie die Woh- 
nungs- und Miethssteuer, unberührt lassen!! . . 
„Hier möchte ich in Parenthese gegen Herrn Rickert, 
gegen eine seiner gestrigen Aeusserungen erwähnen: es ist 
einfach nicht wahr, dass unsere agrarischen Schutzzölle 
die höchsten seien. Amerika hat speciell auch höhere 
Getreidezölle als wir, trotzdem Amerika einen so bedeu 
tenden Export hat und sich nur gegenüber der Concurrenz 
von Canada zu schützen braucht. Amerika scheut also trotz 
dem nicht, da, wo es sich darum handelt, einen Import, der 
etwas zu lästig wird, zurückzuweisen, auch hier Schutzzoll* 
massregeln zu ergreifen.“ 
Hier befindet sich A. Wagner im Irrthum über die Motive
        <pb n="784" />
        769 
49 
der Amerikaner: Canada hat bis jetzt durchschnittlich seinen 
Getreidebedarf nur gedeckt, zuweilen etwas importirt, zuweilen 
etwas exportirt. Das wird erst anders, seit Manitoba besie 
delt wird. Jene Zölle haben nur den Zweck, Canada’s Han 
del zu geniren und dies Land zum freiwilligen Anschluss an 
die Union zu zwingen. Sie sind politische „Kampfzölle.“ 
Die Steuererleichterungen, welche A. Wagner fur die 
Arbeiter anstrebt, fallen nicht in’s Gewicht, verglichen mit den 
Lasten, welche ihnen die Zollpolitik des Fürsten Bismarck auf- 
erlegt, und das muss ein Mann von dem Wissen Wagner’s 
offen sagen. Er thut sehr unrecht, sich auf den verstorbenen 
Kodbertus zu berufen, den er erst bei mir persönlich kennen 
lernte und den ich besser kannte. Er würde Wagner’s Ein 
treten für agrarische Schutzzölle noch mehr verurtheilen als 
tch, denn er war ein kluger und weitsichtiger Grossgrund- 
kesitzer und würde sich mit Händen und Füssen gegen dies 
Danaergeschenk gewehrt haben. 
Wenn nun die Lage der Arbeiter in Amerika soviel 
l^^sser ist als in Europa, so wird ein Ausgleich stattfinden 
tttüssen, wie sich Flüssigkeiten in communicirenden Röhren 
i^tisgleichen. Und diesen Ausgleich kann man nicht hindern, 
der Zeit, wo man. Dank der Eisenbahnen und Dampfschiffe, 
14 Tagen und um ca. 200 Mk. von der Mitte Europas 
nach der Mitte Amerikas reisen kann. Neuerdings beginnt 
^uch die Auswanderung Deutscher nach Mexico, welches die 
■Amerikaner erschliessen. 
Trotz aller Hinderung, welche man der Auswanderung in 
Weg legt, werden die Arbeiter noch lange in ein Land 
^•ehen, wo sie jährlich mehr Geld sparen können, als sie in 
ttfopa überhaupt verdienen, zumal sie dort der Blutsteuer, 
Militärdienst und ewiger Kriegsgefahr, mit Aussicht auf 
od und im Falle der Invalidität gänzlich ungenügende Pen- 
^‘on, entgehen. Also: 
«Schafft hier das Leben gut und schön“ — o, Ihr grossen 
Säkularmenschen, 
oder: 
«Auswanderung giebt’s auf Nimmer wiederseh’ n ! “
        <pb n="785" />
        770 
Sollte man die Menschen zwangsweise an der Auswan 
derung hindern, so wäre das die Verhängung einer Gefangen 
schaft über deutsche Arbeiter und würde nur der Socialdemo 
kratie neue und resolutere Anhänger, besonders unter dem 
Landvolke, das ja vornehmlich auswandert, verschaffen. Es 
ist eine freche Lüge, dass die Landarbeiter oder Kleinbauern 
Nutzen von agrarischen Schutzzöllen hätten. Schaden haben 
alle Ersteren davon. Die letzteren haben erst dann Nutzen 
von ihnen, wenn sie „Tauschwerth“ erzeugen, wie Graf 
Apponyi sagt, und dann sind sie keine Kleinbauern mehr. 
Obschon die Union Exemptionen hat, welche Land nebst 
Zubehör in verschiedenem Umfange, bis zu 200 Acres, und 
persönliches Eigenthum in verschiedener Höhe, bis zu 5000 Dol 
lars, vor Execution wegen Schulden schützt, obschon fast in 
allen Staaten Wuchergesetze mit Zinsmaximum und theilweise 
mit Criminalstrafen — siehe mein Buch übet* sociale u. Heim 
stättengesetze — bestehen, ist das amerikanische Volk doch 
nichts weniger als creditlos, wie die Vertheidiger des be 
stehenden Systems in Europa den Reformern meiner Partei 
stets in Aussicht stellen, indem sie sagen, dass wir Europa 
creditlos machen würden, sondern hat grossartiger entwickelte 
Creditmittel als irgend ein continental-europäischer Staat. 
Es giebt jetzt ca. 2600 Nationalbanken, welche das Recht 
der Notenausgabe haben. Für den Betrag der auszugebenden 
Noten müssen sie ebenso hohe Beträge vom Unionsfond beim 
Schatzamt in Washington hinterlegen und zudem 15 pCt. der 
circulirenden Noten, in Baar in Landbezirken, in Baar oder 
Unionspapiergeld in den Städten vorräthig halten. Dadurch 
sind bis jetzt ihre Noten stets sicher gewesen, obwohl viele 
Banken Bankerott machten. 
Die Bilanz der Nationalbanken folgt hier:
        <pb n="786" />
        771 
Periode 
6 Monate 
endend 
Zahl der 
Banken 
Capital 
Ueberschuss 
1000 Doll. 
Dividende 
tooo Doll. 
Reiner 
Ertrag 
Procent 
Dividende 
Baarbe- 
stand 
1000 Doll. 
Ausgeliehen 
Anfg. Octbr. 
Min. Doll. 
Depositen 
Noten in 1 
Umlauf l| 
i. Sptbr. 1870 
ï. Sptbr. 1875 
I. Sptbr. 1880 
*• Sptbr. 1881 
1.601 
2.047 
2.072 
2.148 
425.3:7 
497.864 
454.2:5 
458.934 
9:.630 
:34 :23 
: 20.145 
127.238 
42.559 
24.3:7 
18.290 
38.377 
55.8:0 
28.800 
24.033 
53.622 
10.12 
9.89 
8.02 
8.38 
Dec. 71. 
29.595 
Dec. 75. 
17.070 
Oct. 80. 
:09.346 
:67.5 
7:5 
984 
1.041 
i.:73 
? 
679 
888 
1.083 
3:9 
37: 
320 
Diese Banken zahlen i pCt. Steuer für die umlaufenden 
Noten an die Unionsregierung. Diese Steuer soll, um den 
Credit billiger zu machen, aufgehoben werden. 
Ausserdem gab es i88i = 4.016 Privatbanken ohne 
Recht der Notenausgabe, die 206 Millionen Dollars Capital 
und 627 Millionen Dollars Depositen besassen. Ferner 36 Actien- 
sparkassen mit 4 Millionen Capital und 37 Millionen Depo 
siten, endlich 629 Sparkassen ohne Actiencapital mit 862 Mil 
lionen Depositen. Alle Banken und Sparkassen besassen im 
Jahre 1881, ihrer 6796 an Zahl, 670 Millionen Dollars Capital 
und 2.667 Millionen Dollars Depositen. 
Welcher continental-europäische Staat hat 3337 Millionen 
Dollars Depositen- und Bankcapital?? Die Gesetze, welche 
das Schuldenmachen auf Hypothek erschweren, zwingen die 
Rarmer, in guten Jahren einen Reservefonds zu sammeln und 
*n Banken zu deponiren. Auf diese Weise haben sich die 
Depositen von 2.075 Millionen • Dollars im Jahre 1876 auf 
2.667 Millionen Dollars im Jahre 1881 vermehrt. Die Spar 
kassen leihen auch auf Hypothek ; aber dies Geschäft ist nicht 
unendlich klein, verglichen mit dem Geschäft in Personal- 
^*'edit, sondern geht zurück! Sie hatten im Finanzjahre 1874 75 
Hypotheken 351 und 1879/80 nur noch 315 Millionen 
Dollars ausgeliehen I 
Der Zinsfuss ist im Westen und im Süden höher als im 
Osten. In New-York ist der Wechseldiskont in der Regel 
3 bis 4 pCt., der Lombardzinsfuss von 4 bis 6 pCt. Das 
durch Wuchergesetze erlaubte Zinsmaximum wird selten er- 
49*
        <pb n="787" />
        772 
reicht und ist es seit 1878 in New-York von 7 auf 6 pCt. 
herabgesetzt und soll in Minnesota jetzt ebenfalls herabgesetzt 
werden. 
Da seit 1872 die Löhne gefallen sind, wegen der Ein 
wanderung wohl noch weiter fallen werden, da die Lebens 
mittel wahrscheinlich drüben weiter im Preise sinken werden 
und der Zinsfuss sinkt, kann sich die Industrie schneller von 
Jahr zu Jahr entwickeln und thut es. Sie kann schon eine 
Ermässigung des Schutzzolles ertragen, und steht diese in 
Aussicht. 
Nach den Censusaufnahmen betrugen: 
1 
1 
Jahr 
Zahl 
der 
Fabrik. 
Capital 
1000 D. 
Arbeiterzahl 
§ 
V 
ÎI 
Material 
werth 
1000 D. 
Product- 
werth 
1000 D. 
lê 
Männer 
Frauen 
Kinder 
unter 
16 Jahr. 
Summa 
1850 
i860 
1870 
1880 
123.025 
140.433 
252.148 
253-840 
533.24s 
1.009.855 
2.118.208 
2.790.223 
731.137 
1.040.349 
1.615.598 
2.025.279 
225.922 
270.897 
323-770 
531.753 
? 
? 
114.628 
181.918 
957.059 
1.311.246 
2.053.990 
2.738.950 
236.755 
378.878 
775.584 
947.919 
247 
290 
377 
342 
555-123 
1.031.605 
2.488.427 
3.394.340 
1.019.106 
1.885.861 
4.232.325 
5.369.667 
7.8 
12.6 
8.8 
lO.I 
Für 1870 ist hier Papiergeld angegeben und also zu 
reduciren. 
Die Bevölkerung vermehrte sich von 1870 bis 1880 um 
30 pCt., die industrielle Bevölkerung um 33 pCt, also schneller 
als die ganze Bevölkerung. Die Zahl der Arbeiter in der 
einzelnen Fabrik fiel von i860 bis 70, während des Krieges, 
steigt aber jetzt wieder, die durchschnittliche Capitalinvestirung 
per Fabrik steigt ebenfalls schnell, der Grossbetrieb unterdrückt 
die kleinen Etablissements, denn die Zahl derselben hat sich 
seit 1870 fast gar nicht vermehrt, der Werth der industriellen 
Production vermehrt sich schnell. 
Betreffs der Arbeitslöhne ist zu berücksichtigen, dass für 
1850 und i860 die Zahl der Kinder nicht bekannt ist und 
dass das Agio von 1870 mit 25-3 pCt. oben nicht berück 
sichtigt ist. Weiterhin werde ich das Agio in Rechnung nehmen. 
In der folgenden Tabelle stelle ich den Ueberschuss des Pro- 
ductwerthes über Lohn- und Rohstoffpreis zusammen und be 
rechne seinen Procentsatz zum Fabrikscapital; 
Capital
        <pb n="788" />
        773 
I 
Jahr, j 
Capital 
1000 Doll. 
Ueberschuss 
1000 Doll. 
pCt. vom 
Capital. 
1850 
i860 
1870 1 
1880 1 
123.025 
1.009.855 
2.118.208 
2.790.223 
227.228 
475.378 
968.314 
1.027.408 
184 
47 
45 
37 
Natürlich enthält die zweite Colonne nicht den Profit, 
sondern in ihr steckt Steuer, Versicherung, Directionsauslage, 
Handels- und Vertriebsunkosten, Risikoprämie. Aber immer 
hin ist der Ueberschuss ein bedeutender und in Europa jeden 
falls unerhörter. Doch sieht man, wie der Ueberschuss von 
Dekade zu Dekade procentisch kleiner wird. 
Die Preisbewegung der Waaren in lo Jahren folgt hier. 
Es ist der Durchschnitts-Exportpreis im Hafen von Amerika in 
Dollars und bis zu ' kk»« Dollars: 
Artikel. 
M a a s s. 
i»73 
1871. 
1880. 
Mähemaschine 
Pflüge 
Siegel 
Passagierwaggon .... 
Bituminöse Kohle .... 
Gefärbter Kattun .... 
Ungefärbter Kattun . . . 
Gummischuhe 
Boheisen 
P'isen-Barren 
Locomotiven 
Stehende Dampfmaschinen 
Stahl-Ingots 
Schuhe 
Gement 
Quecksilber 
Seife 
Bretter ....!!. 
quad, geschnittenes Bauholz 
Schindeln 
]yollene Teppiche . . . 
Zinkblech 
Stück 
1000 Stück 
Stück 
Tonne 
Yard 
Paar 
Centner 
Stück 
Ib. 
Paar 
Fass 
Ib. 
1000 Fuss 
Kub.-Fuss 
1000 Stück 
Yard 
Ib. 
106.003 
14.502 
10.356 
769.758 
4.229 
0.143 
o.i 20 
3435 
1.567 
4.605 
14.124.895 
1.921.379 
0.157 
1.479 
1.871 
0.737 
0.074 
17.804 
0.184 
4.269 
1.534 
0.083 
127.872 
»3.405 
8.722 
999.186 
4.480 
0.166 
0.162 
3.381 
2.498 
5.480 
16.425.086 
2.424.065 
0.209 
1.617 
1.896 
0.876 
0.069 
19.555 
0.196 
4 108 
1.326 
0.159 
111.135 
7.961 
7.784 
424.211 
3.123 
0.078 
0.085 
2.008 
2.055 
3.917 
7.771.883 
1.260.065 
o. 116 
1.166 
1.252 
0.456 
0.047 
14.808 
0.136 
3.055 
0.999 
0.087 
Das ist doch ein sehr starker Preisfall, obschon der Schutz 
zoll bis auf 76 pCt. vom Werth steht; er betrug bis Mai 1883
        <pb n="789" />
        774 
Z. B.: Für Teppiche von 8—70 c. per □Yard, von einigen 40— 
50 pCt. vom Werth, Baumwollengarn von lOC. per Ib. und20pCt. 
bis 40 c. und 20 pCt. vom Werth, Kattun von 5 c. und 10 
pCt. bis 5'/¿ c. und 20 per □Yard, Roheisen 7 Dollars per 
Tonne, Ketten 2 Va c. per Ib., Nägel i’/a c., Schrauben 8—11 
c. per Ib., Stahlingots 2 Va c. per Ib. bis 3'/a c. und 10 pCt. 
per Ib., Crinolindraht 9 c. per Ib. und 10 pCt., Wollengarn 
JO—50 c. und 35 pCt. per Ib., Tuch 50 c. per Ib. und 35 pCt. 
vom Werth. Der Zoll für Stahleisenbahnschienen betrug 
28 Dollars per Tonne. In England waren sie Ende 1882 um 
26 Dollars zu kaufen. Die Fracht nach New-York kostete ca. 
5 Dollars, so dass englische Schienen in New-York verzollt 
auf 59 Dollars per Tonne kamen. Der Schutz der amerika 
nischen Industrie durch Seefracht und Zoll betrug in diesem 
Falle 127 pCt.! Indessen sank der Preis ult. 1882 auf 42—45 
Dollars per Tonne in Amerika. 
Er hielt sich aber noch ganz kürzlich auf 60 Dollars, und 
die Profite der Stahlwerke waren sehr gross. Ihre Besitzer 
geben sie selbst auf 16 pCt. an. 
Die Entwickelung der Industrie nach Staatengruppen und 
Staaten lasse ich hier nun für die Census)ahre i860, 70 und 
1880 folgen; 
Staat 
Zahl der 
Fabriken. 
Werth des 
Products 
Mill. Doll. 
Zahl der 1 
Arbeiter. | 
1000. 1 
Zahl der 
Fabriken. 
1 Werth des | 
1 Products. 
1 Mill. Doll. 
Zahl der 
1 Arbeiter. 
1 1000. 
j Zahl der j 
1 Fabriken, j 
1 Werth des j 
1 Products. 1 
1 Mill. Doll. 1 
Zahl der | 
Arbeiter. | 
1 1000. 1 
1880. 
0 
,00 
i860. 
I. Alte Industrie-Staaten: 
Massachussetts . 
Maine 
Connecticut. . . 
New-York . . . 
New- Jersey . . 
Pennsylvania . . 
Delaware , . . . 
Maryland . . . . 
New-Hampshire 
Rhode Island . 
Vermont . . . . 
14-352 
4.481 
4.488 
42.739 
7.128 
31-232 
631 
79 
185 
1.080 
254 
744 
746 
7.687 
3.181 
2.205 
2.874 
20 
106 
73 
104 
31 
113 
5311 
1261 
3871 
12 
75 
49 
63 
17 
13.212 
5.550 
5-128 
36.206 
6.636 
37.200 
800 
5.812 
3.342 
1.8501 
3.270I 
553 
79 
161 
785 
169 
711 
16 
76 
71 
111 
32 
27911 8.176 
49¡| 3.810 
89I' 3.019 
351II 22.624 
75¡i 4.173 
31911 22.363 
9Í1 615 
441 3-083 
4oi! 2.592 
49,1 1.191 
i8|| 1.883 
255 
38 
64 
378 
76 
290 
9 
41 
37 
40 
14 
217 
34 
81 
230 
5Ö 
222 
6 
28 
32 
33 
10 
Summa . 1.12i.i 13 
3.307Í 1.765111 i9.oo&lt;)| 2.7641 1.32211 73.5291 1.242 
948
        <pb n="790" />
        Staat 
Zahl der 
Fabriken. 
Werth des 
Products 1 
Mill. Doll. 1 
Zahl der 
Arbeiter | 
1000. i 
Zahl der 
Fabriken, j 
Werth des 
Products 
Mill. Doll. 
Zahl der 
Arbeiter 
Zahl der 
Fabriken. 
Werth des 
1 Products 
Mill. Doll. 
Zahl der 
Arbeiter 
1000. 
1880. 
1870. 
1 1860. 
West Virginia 
Virginia . . . 
Dist. Columbia 
N.-Carolina 
S.-Carolina 
Georgia . 
Florida . 
Alabama 
Tennessee 
Kentucky 
Louisiana 
Arkansas 
Mississipp 
Missouri 
Texas . 
Summa 
Californien . . 
Oregon .... 
Washington . 
Summa 
Michigan . 
Ohio . . . 
Indiana . . 
Illinois , . 
Wisconsin 
Minnesota 
Nebraska 
Kansas . . 
Jowa . . . 
Summa 
*•375 
5.710 
971 
3.802 
2.078 
3.593 
426 
2.070 
4.326 
5.328 
1-553 
1.202 
1.479 
8.592 
2.996 
22 
5&gt; 
11 
20 
16 
36 
5 
13 
37 
75 
24 
6 
7 
165 
20 
17I 
22' 
24¡ 
5i 
lOl 
22! 
37! 
12! 
4i 
5 
H 
12, 
2.444 
5.933 
952 
3.642 
1.584 
3.836 
659 
2.188 
5.317 
5-390 
2.557 
1.079 
173: 
11.871 
2.399 
24 
38 
9 
19 
9 
3« 
4 
13 
. 34 
54 
24 
4 
8 
206 
11 
26 
4 
»3¡ 
8| 
17 
2 
8 
19 
30 
30 
3 
5 
65 
7 
I 46.3011 508 295!; 51.582! 
III. Pacific-Staaten; 
5.385 
429 
3.689 
1.230 
1.890 
185 
1.459 
2.572 
3.450 
1.744 
5'8 
976 
3:57 
983 
248 27.577 
IV. Mittlere West-Staaten. 
8.873 
20.699 
11.198 
14.549 
7.674 
3.493 
1403 
2.803 
6.921 
77.613 
150 
348 
148 
414 
128 
76 
12 
30 
71 
1.377 
731! 9-455 
184II 22.773 
ógii 11.847 
144I 12.597 
57|l 7013 
211' 
,i 
28IÍ 
2.270 
670 
1.477 
6.566 
118 
269 
108 
205 
77 
23 
5 
11 
46 
63) 
137 
58 
82 
43! 
11 
2 
6 
25 
593II 74.668] 862] 427 
3.448 
11.123 
5.323 
4.268 
3.064 
562 
107 
344 
1.939 
30.178 
50 
5 
16 
8 
“1 
3 
151 
32 
121 
42 
57 
27 
3 
1 
4 
13 
300 
V. Neueste Staaten und Territorien der Mitte: 
Arizona 
Colorado 
Dakota . 
Waho . . 
Montana 
Nevada . 
N.-Mexico 
Utah , . 
Wyoming 
Territorien nicht 
specialisirt 
66 
599 
251 
162 
196 
184 
144 
640 
57 
18 
256 
17 
101 
201 
330 
182 
533 
32 
82 
148 
Summa . 2 209] 
28I 
i2|! 1 6701 24, 
230I 
36 
3 
14 
6 
11 
2 
7 
12 
37 
8 
I 
4 
19 
3 
215I 163 
]: 5.885 
1.080 
II 216 
16 
IO 
3 
43 
3! 
I 
3.984] 66 
969 6 
269] 2 
25I: 8.468 
2] 309 
111 52 
68 
2 
1 
49 
1 
II 7.181 
129 
47 
! 5.222] 74 
28]] 8.829 
71 
51 
23 
75 
21 
22 
15 
2 
1 
6 
165 
Ganze Union . II253.852] 5.369] 2.738I252.148] 4.232] 2.05311140.433] 1.885)1.311
        <pb n="791" />
        776 
Der Grossbetrieb verdrängt in den Süd- und anderen 
neuen Staaten augenscheinlich den Kleinbetrieb, welcher sich 
ja bei neuen Ansiedlungen natürlich zuerst einstellt. Vom 
Secessionskriege haben die alten Industriestaaten eine ungemeine 
Entwickelung ihrer Industrie gehabt; der erzeugte Product- 
werth hat sich mehr als verdoppelt von i860 bis 70. Sie 
hatten vom Kriege nicht zu leiden und versorgten die Nord 
armee. Von 1870 bis 1880 entwickelt sich ihre Industrie 
nicht im Verhältniss zu jener der Mittelstaaten, die von i860 
ab enorm gewinnen. Die Südstaaten erholen sich bis 1880 
nur langsam, jedoch ist 1880 ein erheblicher Fortschritt gegen 
1850 gemacht. Seit 1880 vollzieht sich in ihnen, in Cali 
fornien und auch in den neuesten Staaten das Erstarken der 
Industrie schneller; in mehreren älteren Industriestaaten ist der 
Sättigungspunkt augenscheinlich bereits erreicht. Für die jün 
geren Mittelstaaten dürfte der Census von 1890 die grösste 
Zunahme der Industrie nachweisen. 
Die Zahl der Eisenerz werke vermehrte sich bis 1880 seit 
1870 um 91 pCt., der Arbeiter darin um iio pCt. und betrug 
erstere 805, die Tonnenzahl des Products um 135 pCt. auf 
7.917.000 Tonnen, der Preis pro Tonne verminderte sich um 
25.45 pCt. Pennsylvanien producirte 2.185.000, Michigan 
1.834.000, New-York 1.262.000 Tonnen. 
Die Roheisenproduction stieg von 2.052.000 1870 aut 
4,295.000 in 1880 und 4.623.000 im Jahre 1882, es werden 
1880 — 750.580, 1882 — 1.304.000 Tonnen Stahlschienen 
erzeugt. 
Bituminöse Kohle wurde producirt 1870 = 32.8 Mill, 
Tonnen und keine Anthracitkohle, 1880 — 42.4 bituminöse, 
dazu 1880 = 28.6 Anthracitkohle, Summa 71, 1882 = 
77 Millionen Tonnen. 
England erzeugte 1879 134 Millionen Tonnen Kohle, 
5.995.000 Tonnen Roheisen und 509.000 Tonnen Stahlschienen, 
Deutschland 42 Millionen Tonnen Kohle, 2.161.000 Tonnen 
Roheisen und 350.000 Tonnen Stahlschienen, Frankreich 17 
Millionen Tonnen Kohle, 1.344.000 Tonnen Roheisen und 
247.000 Tonnen Stahlschienen, Oesterreich-Ungarn 14 Millionen
        <pb n="792" />
        777 
Tonnen Kohle, 469.000 Tonnen Roheisen und 75.000 Tonnen 
Stahlschienen. 
Die Petroleum production wurde von 86 Compagnien 
betrieben, das in der Kohlenöl-Industrie angelegte Capital 
betrug 27.395.746 Dollars; die Durchschnittszahl der beschäf 
tigten Männer 9498, der Frauen 25, der Kinder 346; der 
Gesammtbetrag der ausbezahlten Löhne 4.381.572 Dollars, der 
Werth der Gebäulichkeiten 1.899.288 Dollars; der Werth der 
im Gebrauch befindlichen Maschinen 3.737.998 Dollars; der 
Gesammtbetrag der gewonnenen Oelproduction 44.705.218 
Dollars. 
In 1000 Barrels à 42 Gallonen wurden gewonnen von 
^^59—1880 resp. 82 500, 2.113, 3.056, 2.611, 2.116, 2.497, 
3 597, 3-347, 3-583, 4-2io, 5.673, 5.715, 6.531, 7.878, 10.950, 
8.787, 9.175, 13.490, 15.165, 19.741, 26.032, Summa 156.856.152 
Gallons. Exportirt wurden 1000 Gallons 1877 = 10.425, 
1878 = 10.353, ^879 = 12.432, 1880 = 10.072. Weisses, 
raffinirtes Petroleum kostete per Gallon in New-York durch 
schnittlich 1874 = 13.09, 1875 = 12.92, 1876 = 19.19, 1877 
-- 15.72, 1878 — 10.77, 1879 = 8.08, 1880 = 9.12 Cents. 
Die Seefracht von New-York nach England kostete I880 
per Barrel von 3 Shillings 3 Pences bis 4 Shillings 9 Pences. 
Bei Baku wird ebenfalls Petroleum schon seit sehr langer 
Zeit gewonnen. Die Production erreichte 1879 12'/^ Mil 
lionen Pud und diese wurden nach Marseille um 25 s. per Tonne 
Von 20 Centnern, nach Atlantischen Häfen um 30 Shillings 
Verfrachtet. 
Salz wird durchweg aus Wasser von der See oder von 
Salzlaken und Quellen durch Verdampfung hergestellt und 
Wurden producirt i860 — 12.717.000, 1870 =- 17.606.000, 
i88o = 29.800.298 Bushels, davon in Californien 884.000, 
Kentucky 83.000, Massachussetts 9.000, Michigan 12.425.000, 
Kew-York 8.748.000, Ohio 2.650.000, Pennsylvanien 851.000, 
Utah 483.000, Wrginia und West-Virginia 3.105.000, zerstreut 
in anderen Staaten etwas über 500.000 Bushels. 
Glasfabriken gab es 1880 6 Etablissements zur Her 
stellung von Glasplatten, 56 von Fensterglas, 82 von Glas-
        <pb n="793" />
        77« 
waaren und 50 von Grünglas, mit 19.415.000 Dollars Capital 
und 23.822 Arbeitern. Das Product wurde auf 21 Millionen 
Dollars geschätzt, 1870 auf 18 Millionen Dollars. 
Wollproduction und Manufactur. In je Million 
Pfunden (Ibs.) wurden Wolle 
Jahr 
Producirt 
Importirt 
Exportirt 
Im Lande 
verarbeitet 
1850 
1862 
1866 
1870 
1875 
1878 
1880 
52 
90 
155 
162 
181 
208 
264 
18 
42 
76 
49 
54 
48 
55 
I 
1 
I 
3 
6 
5 
71 
130 
229 
209 
232 
249 
314 
Es producirten Millionen Pfunde Ohio 25, Californien 16, 
Michigan ii, New-York 8, Pennsylvanien 8, Missouri 7, Wis- 
konsin 7, Texas 6, Indiana 6, Illinois 6, Oregon 5, Kentucky 4, 
New-Mexico 4, Colorado 3, Jowa 2, Kansas 2, Maine 2, West- 
Virginia 2, Vermont 2, Tennessee 1, Virginia i, Washington i, 
Minnesota i, Georgia i, Nebraska i, New-Hampshire i, Mon 
tana I, Utah I. 
Es gab 2684 Manufacturen, davon für Wollen waaren 
1.990, Teppiche 195, Strickwaaren 354, Hüte 43 etc. Das 
investirte Capital betrug 159 Millionen Dollars, die Zahl der 
Arbeiter 160.998, davon 66.575 Frauen über 16 Jahren und 
19.159 Kinder unter 16 Jahren, die Löhne betrugen 47.180.000 
Dollars, die verarbeitete Wolle betrug 306 Millionen Ibs., der 
Werth des Products 26 Millionen Dollars. 
In der Baumwollwaaren-Fabrikation waren 1880 
208 Millionen Dollars Capital angelegt. 
Die Zahl der Spindeln belief sich auf 10.600.000; die der 
Webstühle auf 227.000. Alles in Allem waren ungefähr 
175.000 Arbeiter beschäftigt, während 1.570.000 Ballen Baum 
wolle zum Werthe von 87.000.000 Dollars verarbeitet wurden. 
Es sind 627 Millionen Pfund Baumwolle und 2265 Millionen 
Yards Baumwollzeug fabricirt worden. Die Arbeiter erhielten 
an Lohn 42.000.000 Dollars. Der Werth der Production er-
        <pb n="794" />
        779 
reichte die Summe von 193 Millionen Dollars. Es waren 
751 Fabriken im Betriebe, 438 in den östlichen, 138 in den 
Mittel-, 159 in den südlichen und 16 in den westlichen Staaten. 
Im Jahre 1870 gab es 956 Fabriken mit jedoch nur 
135.000 Arbeitern, 140 Millionen Dollars Capital, 7.100.000 
Spindeln, 157.000 Webstühlen, 398 Millionen Ibs. Rohbaum 
wolle und 512 Millionen Yards Baumwollenzeugproduction. 
Rauchtabak wurden 1880 fabricirt 475 Millionen Ibs., 
118 Kau- und 5.3 Millionen Ibs. Schnupftabak, 567 Millionen 
Cigaretten, 2638 Millionen Cigarren. Importirt wurden 45 Millio 
nen Cigarren. 
Im Jahre 1880 existirten in den Vereinigten Staaten 
104 Töpferei-Etablissements mit 320 Brennöfen. Das hierbei 
angelegte Capital betrug 4.000.000 Dollars; der Werth der in 
diesen Etablissements, die 5800 Arbeiter beschäftigten und 
2.200.000 Dollars an Löhnen auszahlien, hergestellten Producte 
bezifferte sich auf 5.000.000 Dollars. Was die amerikanischen 
Töpfereien vor zwei Jahren noch nicht leisten konnten, ob 
wohl in den Vereinigten Staaten mächtige Lager der reinsten 
und schönsten Porzellanerde existiren, das sind sie jetzt im 
Stande, da ihnen der grosse Strom der Einwanderung, nament 
lich aus Deutschland, die nöthigen erfahrenen Arbeits 
kräfte zugeführt hat. Wie Alles, zum grössten Theil in 
Folge der Einwanderung, sich in diesem Lande grossartig 
entwickelt hat, so auch’ die amerikanische Töpferei. Bessere 
heimische Waare war vor zwanzig Jahren in Amerika gar 
nicht zu haben und musste aus Frankreich, Deutschland, 
Belgien und England eingeführt werden. Seitdem ist es aber 
anders geworden. Im Jahre i860 gab es in den Vereinigten 
Staaten nur 50 Töpfereien, die 908 Arbeiter beschäftigten und 
ordinäres Product lieferten. Der Hauptsitz der amerikanischen 
Töpferei ist Trenton, New-Jersey, das 29 Fabriken von sehr 
grosser Leistungsfähigkeit besitzt und 2877 Arbeiter beschäftigt. 
East-Liverpool im Staate Georgia, mit seinen 25 Fabriken 
nimmt den zweiten Rang nach Trenton ein. Die übrigen 
Töpfereien befinden sich in New-York, New-Jersey, Ohio, 
Massachussetts und Kentucky.
        <pb n="795" />
        78o 
In 1880 existirten in den Ver. Staaten 382 Seidenwaaren- 
Fabriken, welche 34.521 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäf 
tigten, denen 9 Millionen Dollars an Löhnen bezahlt wurden. 
Das in der Seiden-Manufactur angelegte Capital betrug 
19.125.300 Dollars, wovon 18.962.310 Dollars auf 356 Fabriken 
in den fünf Staaten; Connecticut, Massachussetts, New-York, 
New-Jersey und Pennsylvanien fielen. Die Seiden-Industrie be 
schränkt sich im Wesentlichen auf folgende sieben Counties; 
Hartford und Tolland in Connecticut, Hampshire in Massa 
chussetts, Hudson und Passaic in New-Jersey, New-York in 
New-York und Philadelphia in Pennsylvanien, in welchen das 
Betriebscapital etwa 15.500.000Dollars beträgt. Passaic-County 
in New-Jersey nimmt mit einem Capital von 5.700.000 Dol 
lars, 82 Fabriken mit 3238 Webstühlen und Fabrikaten im 
Werthe von 14 Millionen Dollars den ersten Rang ein. Die 
Rohseideproduction betrug 1841 — 30.000 Ib’s., ist aber sehr 
zurückgegangen, da sie zu viel Arbeitskraft erfordert, die in 
Amerika noch theuer ist. Die Mormonen stehen mit 1000 Ibs. 
heute an der Spitze. 
Die Production der Lei ne wand stieg von 186 Millionen 
Yards 1870 auf 429 Millionen i. J. 1880. 
Wohl die interessanteste Industrie der Union ist die der 
Ackerbaumaschinen, in welcher sie nach Erfindung und 
Massenhaftigkeit der ganzen Welt voraus ist. Es gab 
Jahr 
Fabriken 
Arbeiter 
Capital 
Löhne 
Materialwerth 
1870 
1880 
2.076 
1-943 
25.429 
39.580 
34.834.000 
62.109.000 
12.151.000 
15.359.000 
21.473.000 
31.531.000 
Erzeugt wurden; 
Jahr 
Pflanz- 
Mais 
und Säemasch 
Baumwolle 
inen für 
Drills 
j Breitwürfige 
1 Sämaschinen 
0 
21.709 
68.691 
2.000 
19.288 
32.033 
43.222 
? 
1 35.852 
Ferner 1880; Kunstdüngerstreuer 8.155, Cultivators 318.057, 
Püggen 127.997, Pflüge 1.326.123, Walzen 3.002, Obstpflücker 
315, Getreidereiniger 167.492, selbstbindende Mähemaschinen
        <pb n="796" />
        78i 
25.737, Heulader 8.957, Pferdeharken 95.625, Rasenmäher 
47.661, Grasmähemaschinen 72.092, Kartoflfelgraber 33.453, 
Reaper 35.327, Reaper'verbunden mit Mower 54.920, Dampf 
dreschmaschinen 91.03, andere Dreschmaschinen 10.424, 
Heupressen 791, Stubbenausreisser 702, im Ganzen für 68 6 
Millionen Dollars Producte, von denen eine grosse Zahl bereits 
exportirt worden. 
Schuhwaaren werden in Amerika bekanntlich nur noch 
fabrikmässig hergestellt und es giebt kaum noch einen Flick 
schuster, da man zerrissene Schuhe — Stiefel trägt man nur 
in Sumpfgegenden — einfach wegwirft. Die Fabrikschuhe sind 
übrigens sehr solide und durchaus preiswürdig. Natürlich 
leben in den grossen Städten einige Schuhmacher von grossem 
Ruf, die auf Bestellung sehr gutes Schuhwerk, aber zu enor 
men Preisen, anfertigen. Es gab 1880 = 1954 Schuhwaaren- 
Fabriken mit 43 Millionen Dollars Capital, 111.152 Arbeitern, 
Worunter 25.122 Frauen und 3483 Kinder, die 43 Millionen 
Dollars Lohn erhielten, der Werth des Rohmaterials betrug 
102.4 Millionen Dollars, des Products 166 Millionen Dollars. 
Angefertigt wurden 30Millionen Paar Stiefel incl. Damen 
stiefel, und 95 Millionen Paar Schuhe. Im Jahre 1870 gab es 
nur 91.000 Arbeiter in dieser Industrie, welche 14.3 Millionen 
Paar Stiefel und 66.3 Millionen Paar Schuhe anfertigten. 
Papier wurde 1880 in 692 Fabriken von 24.422 Arbeitern 
mit 46 Millionen Dollars Capital und 8.5 Millionen Dollars 
Höhnen angefertigt; der Werth des Papiers betrug 55 Millio 
nen Dollars, des Rohproducts 33.9 Millionen Dollars, darunter 
Waren 187.917 Tonnen Lumpen, 87.840 Tonnen altes Papier, 
*2.088 Baumwollabfalle, 84.786 Manilastengel, 954 Maisstengel, 
264 Esparterogras und 245.838 Tonnen Stroh. Angefertigt 
Wurden 149.177 Tonnert Druck-, 32.937 Schreib-, 134.294 Pack- 
nnd 14.737 Tonnen Tapetenpapier, sowie 20.014 Tonnen Buch 
kinderpappe. 
Holzschneidemühlen, 25.708 an Zahl, liefern der Union 
öie Bretter und Bohlen, aus denen fast alle landwirthschaft- 
iichen und viele städtischen Gebäude gemacht werden. Das 
investirte Capital betrug 181 Millionen Dollars, gegen 161 in
        <pb n="797" />
        1870, die Arbeiterzahl 147.956 gegen 163.637 im Jahre 1870, 
die Löhne 31.8 Millionen, gegen 46.2 Millionen im Jahre 1870, 
der Werth des Products 233 Millionen, gegen 252 im Jahre 
1870. Es wurden 18.091 Millionen Fuss Bauholz (Planken 
und Bretter), 1.761 Millionen Stück Latten, 5.553 Millionen 
Schindeln, 1248 Millionen Stück Stäbe etc. geschnitten. Trotz 
der verminderten Arbeiterzahl hatte man die Production durch 
Maschinen wesentlich verbessert, denn 1870 waren nuri2.755 Mil 
lionen Fuss Bauholz, 1.259 Millionen Stück Latten, 3.265 Millio 
nen Schindeln erzeugt worden. 
Die Ziegeleien waren von 3.137 auf 5.631 an Zahl ge 
stiegen, das investirte Capital von 20.6 auf 28.6, der Werth 
des Products von 29.3 auf 32.8 Millionen, der Löhne von 
10.8 auf 13.4 Millionen Dollars gestiegen. Erzeugt wurden 
gemeine Ziegel 1870 = 2.801.832 000, 1880 = 3.822.362.000, 
feuerfeste Ziegel 1870 = 60.072.000, 1880 *=■ 163.184.000, 
gepresste Ziegel 37.428.000, 1880 — 210.815.000, und 1880 
erschienen zum ersten Male auch für 1.765.428 Dollars Drain 
röhren speciell aufgeführt, als ein Zeichen, dass die Land- 
wirthschait in grossem Maasse zur Melioration des Drainirens 
übergeht. 
Der Productwerth der amerikanischen Industrie ist, was 
man in Europa zu übersehen scheint, schon grösser als jener 
der Ackerbauproducte und vermehrte sich von 1870 bis 80 
bedeutend, während jener der Ackerbauproducte sich nur 
wenig vermehrte, obschon in beiden Arbeitszweigen mehr 
Producte erzeugt wurden und die Preise sanken. 
Der Productwerth der Industrie stieg von 4.232 Millionen 
Dollars auf 5.369, der Ueberschuss des Productwerthes über 
den Werth des Rohmaterials von 1.344 auf 1.975 Millionen 
Dollars. Alle die Industriewaaren kommen in den Markt. 
Das in Cultur befindliche Farmland der Union betrug 
1850 = II3, i860 = 163, 1870 — 188, 1880 = 284 Millio 
nen Acres. Bestellt waren 1880 je 1000 Acres, mit Weizen 
35.430, Roggen 1.842, Hafer 16.144, Gerste 1.997, Buchweizen 
848, Mais 62.368, Hopfen 46, Zuckerrohr 227, Reis 174, Baum 
wolle 14.480, Tabak 638, ohne Heu, Kartoffeln und Garten-
        <pb n="798" />
        783 
gemüse also 134.194.000 Acres. — Deutschland hatte 1878 
= 65.150.000 Acres, die als Ackerland oder Gärten nutzbar 
waren, wovon bestellt mit Roggen 15.130.000, Weizen 4.550.000, 
Gerste 4.056.000, Hafer 9.400.000, Kartoffeln 6.895.000, Summa 
40 Millionen Acres. Deutschland kann seine Anbaufläche nicht 
vergrössern, Amerika vervielfältigen. 
Von dem Inventar der Landwirthschaft nach der Ernte 
der Jahre 1870 und 80 wurde ein grosser Theil auf den Far 
men verzehrt, dennoch producirte die Landwirthschaft in jenen 
Jahren, oder besass sie nur: 
Product 
1870 
Zahl 
1000 
1870 
Werth 
Mill. 
Doll. 
1880 
Zahl 
1000 
Werth 
Mill. 
Doll. 
Durchschnitts - 
preis*) 
1870 1 1880 
per Bushei od. 
Stück etc. 
Pferde 
Maulthiere 
Ochsen, Rindvieh .... 
Milchkühe 
Schafe 
Schweine 
8.702 
1.242 
16.212 
10.023 
31-851 
29.457 
683.2 
126.1 
369.9 
374-1 
74-0 
182 6 
11.429 
1.720 
20.937 
12.368 
43.575 
36.247 
667.9 
120.0 
362.8 
296.2 
104.0 
170.5 
D. 81 
„ 86 
« 34 
n 45 
« 1.98 
« 9.40 
c. 54 
„ 104 
„ 81 
« 43 
« 84 
. 78 
n 72 
« 10.6 
^ 1382 
« lb.14 
D. 58 
„ 66 
« 24 
« 28 
« 3-08 
« 5.63 
C. 39 
" 95 
n 75 
« 36 
n 66 
n 59 
n 48 
. 8.2 
« 1165 
« 9:8 
_ Summa Viehwerth . 
1809 
1723 
Mais I Mill. Bushels . . 
Heizen 
Roggen 
Oerste 
Buchweizen 
kartoffeln 
T^abak Ibs 
Heu Tonnen 
Baumwolle Ballen 
1.094 
235 
15 
247 
26 
9 
114 
250.628 
24.535 
4.400 
601 
245 
12 
107 
22 
7 
82 
26 
338 
286 
1.717 
498 
24 
417 
45 
»4 
167 
446.296 
31-925 
6.343 
679 
474 
18 
150 
30 
8 
81 
36 
. 37: 
280 
Summa Bodenproducte . 
M Viehwerth . . 
1726 
1809 
2127 
1723 
1 3535 
1 
3850 
Man beachte, wie allgemein und gross der Preisfall in 
dieser Dekade ist, und ich glaube, er wird in der folgenden 
ebenfalls zu constatiren sein, trotz einiger Missernten in ihrem 
Anfänge. 
Ein Vergleich des Viehstapels mit jenen anderer Länder 
erscheint hier am Platze. 
*) Viehpreis im Staate Ohio.
        <pb n="799" />
        784 
Bevölkerung und Viehstand Europas und Amerikas in 
Millionen Seelen resp. Stück: 
2.6 
7.4 
21.S 
4.5 
5.3 
1S.8 
7-1 
27.3 
42.7 
5.8 
36.9 
27.7 
II.7 
9.8 
32 6 
34-ï 
3.7 
27.7 
0.6 
4.2 
16.8 
4.4 
22.5 
0.6 
1-3 
5.4 
0.4 
1.5 
0.4 
2.6 
0.4 
1.8 
0.5 
1.3 
1-9 
0.4 
1.7 
2.2 
4.5 
1.6 
o.i 
18 
1.3 
1.6 
2.7 
0.7 
0.8 
3.5 
1.9 
5.5 
105 
86 
24 
49 
48.4 
206.8 
92.3 
313 2 
per Kopf in 
0.67 
0.15 
20.0 
Januar 
44' 
45.0 
35.9 
530 
0.83 
0.68 
0.85 
1.5 
4.3 
0.4 
70.0 
20.0 
3.3 
O.I 
lO.O 
1.2 
Í.7 
63.0 
0.7 
7.5 
30 
46.8 
67.6 
65.3 
192.0 
Land. 
Oesterreich 
Ungarn . 
Deutschland 
Frankreich 
England . 
Italien 
Portugal . 
Spanien . 
Belgien . 
Holland . 
Schweiz . 
Dänemark 
Schweden 
Norwegen 
Serbien . 
Rumänien 
Russland 
Europa . 
Haupt Vieh 
Europa . . . 
Vereinigte Staaten 
1882 
Haupt Vieh per Kopf in der 
Union 
Canada 
La Plataländer 
Südafrika 
Australien . 
Summa überseeische Länder 
Pro Kopf in überseeischen 
Ländern ...... 1 — ' .°3 3 o ° 7^ 
Gegenüber Europa erscheint die Union reich an Vieh, 
die anderen überseeischen Länder sind es aber noch mehr, 
zusammen haben diese eine entschiedene und wachsende 
Exportfahigkeit gegenüber Europa. 
Als Deutschland 1883 den Import von amerikanischem 
Schweinefleisch verbot, veröffentlichten deutsche Blätter das 
Folgende, welches nur in Kleinigkeiten von obigen Zahlen ab- 
weicht, die ich soeben zusammenstelle und die genauer sind 
als die nun folgenden:
        <pb n="800" />
        785 
Europa hatte im Jahre 1830 yo ^2 Millionen Rinder, 
164 Millionen Schafe, 42',3 Millionen Schweine; um 1875 
zählte man 88’/s Millionen Rinder, 191 Millionen Schale und 
43’,2 Millionen Schweine. Die Zahl der Letzteren ist also 
beinahe unverändert geblieben. Der relative Viehstand da 
gegen ergab für 1000 Einwohner in Europa: 
Rinder. Schafe. Schweine. 
1830 328 764 &gt;97 
1880 310 682 156 
Dies zeigt eine im Verhältniss zur Bevölkerungsziffer stetig 
abnehmende Zahl des Viehstandes. 
Speciell für Deutschland ist das Verhältniss noch ungünsti 
ger. Während im Jahre i860 die Bevölkerung auf dem Ge 
biete des heutigen deutschen Reiches 37.7 Millionen und im 
Jahre 1870 40.8 Millionen betrug (ca. io"/o Zunahme), hat sich 
der Viehstand nur wie folgt erhöht: 
Rindvieh. Schafe. Schweine. 
i860 .... 14999194 28.016.769 6.462.572 
1873 .... 15.776.702 24.999.406 7.124.088 
Demzufolge musste auch die Einfuhr in Deutschland zu- 
aehmen. Nach dem statistischen Jahrbuch für das Deutsche 
^eich wurden z. B. im Jahre 1881 548.737 Schweine eingeführt, 
&gt;n 1880 fast doppelt so viel, 1.104.321. Für das letztere Jahr 
erhöhte sich die Zahl durch die Einfuhr von Spanferkeln bis 
auf 1.272.816; dagegen betrug die Ausfuhr 467.949, so dass 
sich ein Ueberschuss der Einfuhr um 804.867 Stück herausstellt. 
Ein weiterer, neben dieser Nothwendigkeit der Einfuhr 
aiassgebender Faktor ist die Billigkeit des speciell von Amerika 
eingeführten Produktes. Amerikanisches Schmalz kostete per 
^00 Kilogramm 1879 70 Mark, deutsches 160 Mark; jetzt ist 
das Preisverhältniss 125 Mark und 145 Mark. Westfälischer und 
oldenburgischer Schinken kostete 1881 und in den ersten sechs 
Monaten des Jahres 1883 durchschnittlich 105 bis iio Pfennige 
P^'o Pfund; amerikanischer 60 bis 64 Pfennige; jetzt kostet 
deutscher 105 bis 110 Pfennige, amerikanischer 63 bis 63', 2 Pfen- 
^‘ge. Man sieht den Einfluss des Importes auf die Preise der 
einheimischen Waare. 
Es ist anzunehmen, dass die Preise von Getreide und 
50
        <pb n="801" />
        786 
Fleisch, welche nur in Folge der äusserst ungünstigen Ernte 
des Jahres 1881 und gleichzeitiger starker Einwanderung noch 
hoch sind, binnen weniger Jahre in Amerika und also auch in 
den europäischen Ländern mit freier Einfuhr wieder erheblich 
fallen werden. Sie werden, z. B. bezüglich des Fleisches, 
jene Tendenz wieder annehmen, welche sie — nach folgender 
Tabelle — von 1872 bis 81 in England befolgten: 
Während der am 31. August endenden zwölf Monate der 
folgenden Jahre kostete der „Stein“ von 8 Ibs. Schlachtfleisch, 
ausgeschlachtet und per ganzen Körper des geschlachteten 
Thieres in London: 
1882 1881 
Hammelfleisch: sh. d. sh. d. 
Erste Qualität 70 56 
Zweite „Inferior“-Qualität ..60 39 
Rindfleisch: 
Erste Qualität 5 * 4 ^ 
Zweite „Inferior“-Qualität ..44 34 
Schweinefleisch 4 ^ 4 2 
1880 1876 1872 
sh. d. sh. d. sh. d. 
58 61 62 
36 3 9 4 4 
4*6 53 4 IO 
32 38 36 
48 49 40 
Es ist ganz unzweckmässig in einem Lande mit hoher 
Ackercultur und ohne geeignetes Futtergetreide für Schweine, 
wie Deutschland eins ist, die Schweinezucht fördern zu 
wollen. Das Schwein ist für ein wenig cultivirtes Land das 
profitabelste Thier. Deutschland erntete 1881 nur 345.000 
Tonnen Erbsen und 2.076.000 Tonnen Gerste, keinen Mais, 
wie will es sich da eine Schweinemast halten oder schaffen? 
Natürlich muss es die Einfuhr von Schweinefleisch aus Amerika 
nicht nur hoch mit Zoll belasten, sondern verbieten, sonst 
kommt das amerikanische Product doch ins Land. Die Union 
hat ja 1882 = 1.600 Millionen Bushels 400 Millionen Meter- 
centner Mais geerntet! 
Doch was nutzt es, gegen eine Wirthschaftspolitik Statistik 
und Gründe, d. h. Wissenschaft ins Feld zu führen, da der 
Schöpfer dieser Politik, Fürst Bismarck, schon im Juli 1879 
im Reichstage offen folgendes Bekenntniss ablegte, als man seine 
Wirthschaftspolitik mit Wissenschaft bekämpfte: „Ihre Wissen 
schaft lässt mich ganz kalt, ich urtheile nach den Erfahrungen 
der Praxis, nach den Thatsachen, die wir erleben.“
        <pb n="802" />
        787 
Selbst nach den Thatsachen, die wir erleben, ist eine 
Ernte von 400 Millionen Metercentnern Mais in Amerika und 
keiner solchen in Deutschland ein Grund, das Einfuhrverbot 
von amerikanischem Schweinefleisch nicht glücklich zu finden, 
allein „Allah weiss es besser!“ 
Die Ernte an Cerealien ergab nach Hübners Tafel, er 
schienen 1882, folgende Erträge in Millionen Hectoliters: 
1 
Weizen j 
r 
0 
0: 
Gerste 
Hafer 
Mais 
Ohne 
Mais 
Summa 
Kartoffeln 
Bevöl 
kerung 
Mil 
lionen 
Pro Kopf 
Deutschland . . 
Desterr.-Ungarn 
England .... 
Frankreich. . . 
Ealien . 
Holland .... 
Belgien .... 
Schweden . . . 
Spanien .... 
41.6 
470 
34-0 
95.0 
51.0 
1.9 
5.8 
8.3 
61.0 
87.7 
41.6 
0.6 
24.0 
34 
6.0 
4.0 
I I.O 
33 5 
36.2 
28.0 
16.0 
6.7 
1.7 
1.3 
3.6 
27.0 
98.9 
62.7 
52.0 
77.0 
7.0 
4.5 
7.2 
&gt;3 4 
0.2 
30.0 
10.5 
31.0 
I.O 
0.4 
130 
261.7 
187.5 
114.6 
212.0 
64.7 
II 5 
20.3 
19 3 
99.0 
277 
131 
53 
112 
11 
19 
21 
18 
3 
42.7 
37.5 
34.1 
36.9 
27.7 
4.0 
5.4 
4.5 
16.6 
Summa Europa 
Union 
.... 
Union 
346.6 
174.3 
178.3 
8.4 
154.0 
15.7 
322.7 
145.9 
86.1 
237.6 
990.6 
344.3 
645 
28.3 
209.4 
50.1 
2.4 
3.6 
Brodtrucht 
5249 
183.7 
Da die Union 50 pCt. Brodfrucht mehr pro Kopf pro- 
^ucirt als Europa, daneben der Mais die europäische Kartoffel 
*nehr als ersetzt, drüben auch mehr Fleisch consumirt, also 
'veniger Brod gebraucht wird, als in Europa, so erklärt sich 
Abhängigkeit Europas von Amerika bezüglich der Brod 
frucht. Consum, ohne Aussaat erfordern 4’/4 Bushels in 
■Amerika, 6 in England, 8 in Frankreich. 
Nach diesem Vergleich der amerikanischen und euro 
päischen Ackerbauproduction kehre ich zur relativen Würdi- 
gung des Ackerbaues und der Industrie in der Union selbst 
zurück. 
Der Werth der Farmen ist weit grösser als jener der 
Fabriken und er steigt auch mehr. Mit Berücksichtigung des 
Doldagios von 25-3 pCt. im Jahre 1870 betrug der Werth in 
50*
        <pb n="803" />
        7^ 
Gold, resp. das in Fabriken investirte Capital in Millionen 
Dollars: 
1880 
1870 
i860 
1850 
; j 
In Fabriken investirles Capital 2.790 
Werth der Farmen incl. Vieh, Maschinerien !l 
1.582 
8.380 
1.009 
7.980 
533 
3.967 
Der überwiegende Theil des Nationalreichthums ist also 
bei der Landwirthschaft und dort in glücklichster Vertheilung, 
bei kleinen, aber spann- und maschinenfähigen Besitzern, die 
keine Schulden, sondern bescheidene Bankdepositen haben. 
Der Werth der Landgüter hat sich in dreissig Jahren verdrei 
facht. Der Traum der Staatsphilosophen von Aristoteles bis 
zum bescheidenen Schreiber dieser Zeilen ist — nicht in einer 
elenden kleinen griechischen Republik — sondern in einem 
grossen Welttheil glorreich verwirklicht ! loh gehöre nicht zu 
jenen Pessimisten, welche der Union, die ich bewundere, den 
Untergang prophezeien, weil in den Städten und Industriebe 
zirken Corruption herrscht. Das gesunde Land wird, weil es 
mehr Volk und Capital repräsentirt, als die kranke Stadt, diese 
in Ordnung halten. Die Staaten- und auch die Unionsregierung 
werden mehr und mehr von den Grangern beeinflusst werden, 
und sie werden Männer auf den Präsidentenstuhl senden, wie 
den unsterblichen socialen Reformator und Regenerator Jackson, 
wie seinen talentvollen Schüler van Buren, wie den zähen, 
ehrenhaften Lincoln, den beschränkten, aber ehrlichen Hayes, 
den trefflichen Garfield, sie werden Senatoren wählen, wie 
den einfachen aber begabten Windom, der die Unionsschuld 
im Betrage von 600 Millionen Dollars von 6 auf 4'/2 pCt. 
convertirt, ohne einen Rothschild zu brauchen — mit 13.000 Dol 
lars Unkosten! 
Nein, dieses kerngesunde Land wird nicht untergehen — 
aber wir können es leicht thun! 
Die Union importirte 1870 (Jahr endend 30. Juni 70) für 
109 Millionen Dollars Colonialwaaren, für 60 Millionen Roh 
material und für 265 Millionen Dollars Industriewaaren, i. J- 
1880 für 172 Millionen Dollars Colonialwaaren — Zunahme
        <pb n="804" />
        789 
58 pCt., für 86 Millionen Dollars Rohmaterial, Zunahme 43 pCt., 
und für 409 Millionen Dollars Waaren. Von den Waaren 
müssen abgezogen werden in 1870 - 30 8 Millionen Dollars 
und 1880 = 69 Millionen Dollars amerikanische exportirte 
Waaren, so bleibt Nettobedarf fremder 
Industriewaaren 1870= 235 Mill. Doll,, 1880 = 340 Mill.Doll, 
Dazu Industrieproduction . . „ =4.232 „ „ „ =5 3^9 o » 
Konsum der Union .... „ —4 4^7 „ ,, »» =5*709 " " 
F*ro Kopf „ = I ï 7 M 'f n ’*4 ,» 
Der Import beträgt vom Consum „ =5 pCt. „ =6 pCt. 
Dass pro Kopf 1880 anscheinend weniger Waarenwerth 
consumirt wurde als 1870, kommt erstens vom grossen Preis 
fall der Waaren, welcher die importirten nicht gleich schwer 
traf als die anderen, weil durch Gesetz von 1874 der Zoll 
wieder weiter erhöht wurde. Zweitens aber muss das Gold- 
ägio in 1870 berücksichtigt werden. Thut man das, so betrug 
der Consum von Industriewaaren 1870 nur 90 Dollars pro 
Kopf. Die Consumkraft der Bevölkerung ist also gewachsen. 
Mir scheint aus obiger Zusammenstellung hervorzugehen, 
dass die Union ein Land ist, welches seine Industrie so schnell 
vermehrt, dass es bald mehr exportiren als importiren kann. 
Üurch hohen Schutzzoll ist ihre Industrie so gestärkt, dass die 
Preise der Waaren fallen und der Zoll ermässigt werden kann, 
Was man im Mai 1883 bewirkt hat. Die industrielle Erziehung 
der Nation ist als vollzogen zu betrachten, und von Europa 
Wandert mancher geschickte Einwanderer zu. Die Union 
denkt zunächst daran, ihr Zollgebiet zu vergrössern, hat dess- 
halb einen Reciprocitätsvertrag mit den Sandwichsinseln 
^nd mit Mexico geschlossen. Schliesslich wird Canada an 
die Reihe kommen. Durch Ausschluss europäischer Waaren 
Von diesen Märkten und Gewinn derselben für die Unions 
industrie muss diese sich noch schneller entwickeln. Ver 
gessen wir nicht, dass die Union jetzt über 53 Millionen Ein 
wohner haben dürfte, gegen 45 Millionen Deutschland, 37 
Millionen je Oesterreich-Ungarn und Frankreich, 28 Millionen 
Kalien, 26 Millionen England. Die Union muss, durch Menschen- 
zahl, Qualität derselben, natürliche Hülfsmittel, Capital und
        <pb n="805" />
        790 
Zollpolitik bald die erste Industrienation der Welt werden 
und die europäischen Industrien niederconcurriren — zumal 
wenn Europa einen neuen Krieg bekommen sollte. 
Die riesig schnelle Handelsentwickelung der Union stellt 
folgende Uebersieht des Waarenhandels dar: 
1821 
1830 
1840 
1850 
i860 
1870 
1880 
Nettoimport Mill. D. . . . 
43.7 
43.7 
49-5 
58.5 
86.2 
111.6 
164.0 
134.9 
336.2 
316.2 
419.8 
376.6 
656.2 
883.9 
Export von Unionspro- 
ducten Mill. D 
Im letzten Jahrzehnt etwa hat sich diese Bewegung 
folgendermaassen gestellt : 
1' 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
1881 
1882 
Import Mill. D. 
Export „ „ 
505 
428 
610 
428 
624 
505 
550 
569 
518 
514 
445 
535 
438 
602 
422 
680 
433 
698 
656 
823 
624 
883 
707 
733 
Summa Ueberschuss 
1876—82 1876—82 
3725 
4954 
1229 
Die Zunahme des Exports im letzten Jahrzehnt tritt in ihr 
rechtes Licht, wenn man sie mit dem Export des grössten 
Manufacturlandes, Grossbritanniens, vergleicht. Der Export 
der Union betrug 1871 == 11.2, 1881 = 17.3 Dollars pro 
Kopf der Bevölkerung. Die Bevölkerung Grossbritanniens 
betrug 1871 = 31.8 Millionen, der Werth des Exports 1118 
Millionen Dollars, pro Kopf 35 Dollars, 1881 Bevölkerung 
35.2 Millionen, Export 1115 Millionen Dollars, pro Kopi 
31 Dollars. Obschon noch fast doppelt so gross, als der Ex 
port der Union pro Kopf, geht der britische zurück, der ame 
rikanische hat sich um 50 pCt. per Kopf gehoben. Mit dem 
Ueberschuss von 1.229 Millionen Dollars seit 1876 hat man 
in Europa bis dahin placirte amerikanische Fonds zurück 
gekauft. 
Unter diesem Export waren für 1000 Dollars:
        <pb n="806" />
        791 
1850 1 i860 
1870 
1880 
Brodstoffe 
Lebende Thiere 
Provisionen 
Talg 
Thieröl 
Früchte 
Samen 
Vegetabilische Oele.... 
Oelkuchen 
Tabak 
Spiritus 
Hopfen 
Hanf und Waaren daraus 
Baumwolle, roh 
Holz und Holzwaaren. 
Leder und Leder-Waaren 
Felle und Pelzwaaren . . . 
Terpentin-Spiritus .... 
Eisen und Eisenwaaren. . 
Kohle 
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542 
98 
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II. 002 
1.306 
? 
288.036 
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127.043 
7.689 
1.676 
2.090 
2.776 
3-476 
6.259 
18.442 
3-027 
2.573 
1.183 
211.535 
16.882 
6.760 
5 404 
2.132 
12.605 
2.058 
? 
Summa 
1 134.()00 
316.242 
455.208 
823.946 
Weizen und Vieh, sowie Provisionen bilden die Haupt 
ausfuhrartikel des weststaatlichen Ackerbaues. Die Weizen 
ausfuhr betrug, wobei zu bemerken, dass das exportirte Mehl 
in der Weise mit unter dem Weizen aufgefuhrt ist, dass i Fass 
Mehl gleich 4'/2 Bushel Weizen gerechnet worden ist: 
Fiscaljahr 
Bushels 
Werth 
in Dollars 
Preis per 
Bushel 
Dollars 
1882 
1881 
1880 
1879 
1878 
1877 
1876 
»875 
1874 
&gt;873 
139550.305 
186.331.614 
480.304 176 
147.687.649 
93 139-296 
58.043.936 
74.750.682 
72.912.817 
91.510393 
52.114715 
149 304.773 
212.745.742 
225.879 502 
160.268.792 
121.964.842 
68.799 509 
92.816.369 
83.310.393 
130.679 553 
70.338.918 
1 18.5 
1 11.3 
1 27.3 
I 06.8 
1 53 8 
1 16.9 
1 24.1 
1 12.4 
1 42.8 
1 31.3 
Gleichzeitig begann die Ausfuhr von lebendem Vieh. 
Nachdem im Jahre 1874 die ersten Versuche gelungen waren, 
kamen im Jahre 1877 50.001, im Jahre 1878 80.040, im Jahre
        <pb n="807" />
        792 
1879 136.720 und im Jahre 1880 schon 182,700 Stück leben 
den Rindviehes zur Ausfuhr. 
Der Werth der Ausfuhr von lebenden Thieren betrug in 
Millionen österreichischen Goldgulden: 
187s 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
Rindvieh . . 
Schweine . . 
Pferde .... 
Maulthiere . 
Schafe . . . 
Geflügel. . . 
2.20 
1-45 
0.50 
0 70 
0 35 
O.IO 
2.25 
1.35 
0.43 
0.45 
0.35 
0.05 
3.— 
1.40 
0.60 
0.95 
0.45 
0.05 
7.80 
0-55 
1.60 
I.— 
0.65 
0.10 
16.75 
1.40 
1.50' 
1.30 
2.15 
0.05 
26.70 
0.80 
i 35 
1.06 
1.78 
0.03 
Totale . 
5.30 
4.90 
6-45 
11.70 1 23.15 
31.72 
Die Ausfuhr von lebendem Vieh hat sich demnach vom 
Jahre 1875 bis 1880 um 498 Percent erhöht. 
Im Jahre 1881 wurden von New-York 56.921 Haupt Rind 
vieh im Werthe von 5.330.502 Dollars, von Boston 70.072 Haupt 
im Werthe von 6.984.838 Dollars nach Europa, von Key West in 
Florida 22.580 Haupt im Werthe von 318 189 Dollars und von 
Saluria in Texas 15.705 Haupt im Werthe von 264.476 Dollars 
nach Westindien verschifft. Der Durchschnittspreis des von 
New-York verschifften Viehes betrug 1875 — 150 Dollars, 
1881 = 93 Dollars, von Key West 15.6, resp. 14.0 Dollars, 
von Saluria 15.0, resp. 16.8 Dollars. 
Schweinezuchtproducte wurden exportirt resp. producirt 
in Millionen Ibs.: 
Jahr 
Total- 
product 
Total 
export 
Speck und 
Schinken 
Pöckel- 
fleisch 
Schmalz 
Procent des 
Exports 
1875 
1881 
1.153 
1.952 
494 
1.129 
264 
692 
62 
101 
167 
335 
42.8 
57 8 
Der Export wächst also absolut und procentisch, trotz 
zunehmender Bevölkerung, damit die Concurrenz, ebenso beim 
Weizen. 
Die Handelspolitik der Union erhellt am besten durch 
Aufzählung der Zollgesetze. Es zahlten Zoll:
        <pb n="808" />
        793 
Artikel 
1789 
1792 
Z 0 
1794 1 1804 
11 . 
1816 
1828 
Glasmanufacturen pct. ! 
Lederhandschuhe „ 
Eisenmanufactur „ 
Eisen, gerollt „ 
Leinewand „ 
Papier n. 0. p. „ 
Baumwollwaaren n. 0. p. 
Teppiche n. o.p. . . 
Wollengarn .... 
Wollenmanufacturen . 
Roheisen 
Stahlrai 1 waybars . 
ingots 
ciZoiZ 1 iZ 1 Icol 1 1 
12V, 
'5 
IO 
IO 
IO 
7'4 
7'4 
0 
0 
20 
15 
15 
&gt;5 
12'4 
20 
&lt;&gt; 
0 
22'4 
t7'4 
»5 
15 
&gt;7'4 
2 2Vj 
0 
0 
20 
0 
20 
30 
25 
30 
20 U. 25 pct. 
riyrd.u.2oc. 
0 
20 u. 25 pct. 
Ct. 50 c. 
lb.2C.u.2opct. 
0 
25 
Ib. 3 c. 
25 
Ib. I7 c. 
25 pct. 
32 c. 
0 
40—45 
62'/j c. 
Artikel 
1832 
1842 
Zoll 
1846 
1857 
1861 
äsina 
Glasmanufacturen pct. Ü 2 c, u. 20 pct. 
Lederhandschuhe „ • 
'¡senmanufactur „ 
-&gt;sen, gerollt 
Leinewand „ 
Papier n. o. p. 
aumwollwaaren n. o. p. 
îf'P-n” ':- ; 
°*‘ennianufacturen 
Roheisen.... 
lahlrailwaybars . 
‘"gots. 
o 
25 
11). 3 c. 
li 25 
Ib. 17 c. 
I 25 pct. 
l4C.lb.u.4opcl, 
1! 50 pct. 
50 c. 
25 pct. 
l)t7..I.25D. 
30 
Ib. 2’/j c. 
25 
Ib. 15 c. 
30 
30 pct. 
30 pct. 
40 pct. 
50 c. 
30 pct. 
30 pct. 
30 pct. 
30 pct. 
20-30 pct. 
30 pct. 
25 
30 
25 
30 
30 pct. 
tonin.5oc.| 15 pct. 
24 pct. 
24 pct. 
24 pct. 
24 pct. 
15-24 pct. 
24 pct. 
19 
24 
19 
24 
24 
I 2 pct. 
30 pct. 
30 
30 pct. 
30 pct. 
30 
30 
lb.I2C.U.20pC. 
ton. 6 D. 
ftik 
Zoll 
1862/63 
1864 
1868 
1870 
1877 
oren pct. 
35 pct. 
40 
35 pct. 
ton 18 n 
40 pct 
40 
40 
50 
50 
50 
35 
35 pct. 
35 pct 
35 pct 
35 pct. 
o.p 
35 
35 
40 
40 
40 
Ib.i 8c.u.3opc 
6 D. 
o 
lb.5oc.u.35pc. 
lb.24C.u 4opc 
6 I). 
lb.5oc.u 35pc. 
9D. 
7D. 
Ib. I 
fSS-"' 
40 pct. 
50 pct. 
35 pct. 
Ib IV4 c. 
35-40 pct. 
35 pct. 
35 pct. 
40-50 pct. 
lb.2o-5oc.u.35 pc. 
Ib. 50C.U. 35 pct. 
ton 7 D. 
Ib. IV4 c. 
Ib. 2V4 c.
        <pb n="809" />
        Im Jahre 1789 führte man einen massigen Schutzzoll ein 
mit mangelhafter Specialisirung, incl. Colonialwaaren nur 
234 Tarifpositionen, die bis 1815 blieben. Die Schutzzölle 
wurden, trotz heftigen Widerstandes der Grossgrundbesitzer 
des Südens, bis 1842 successive massig gesteigert; die Indu 
striellen verdankten den Tarif von 1842 nur der Krisis seit 
1837. Im Jahre 1846 erhielt der Süden die Oberhand und 
ermässigte den Tarif, was denn die Industriellen bewog, die 
Sklavenfrage aufzuwerfen. Seit dem Kriege bis 1877 haben 
die Industriellen fortwährend Siege erfochten. Der Tarif 
wurde immer specialisirter, umfasste seit 1816 821 Positionen, 
seit 1846 1492 solche. Jetzt tritt ein Rückschlag ein. Die 
Majorität des Abgeordnetenhauses ist demokratisch, d. h. sie 
vertritt agrarische Interessen. 
In den Beschwerden der Granger wird behauptet, dass 
der bis ult. 1882 gültige Tarif vertheure : des Farmers Ofen 
um 45 pCt., Eisengeschirr 53 pCt., Kupfergeschirr 45 pCt., 
Glas gemeinster Art 45, Gabel und Messer 45, 1 eppiche 
74—68, Meubles 35, Spiegel 60, wollene Kleider 48, gestrickte 
Wollenwaaren 75, solche Baumwollenwaaren 45, Hüte 75, 
Seidenzeug 50, Handschuhe 50, Decken 60, Alpaca 63, Nadeln 
24, Papier 20, Seife 31, Fensterglas 80, Hufnägel 31, Säcke 
40, Eisen und Stahl für Maschinen 45 — Stahlschienen 
zahlen 28 Dollars Zoll und geniessen 5 Dollars Schutz durch 
Transportkosten von England. 
Die oben mitgetheilte Preisliste beweist, dass die innere 
Concurrenz bereits stark genug ist, um den Preis der Waaren 
erheblich zu drücken, so dass die Zölle vielfach schon einen 
prohibitorischen Charakter tragen. List verlangt, dass die 
fremde Concurrenz nur am jährlichen Consumtionszuwachs 
theilnehmen dürfe und dass die Zölle steigen müssen, sowie 
jene einen wachsenden Theil oder das Ganze des Consumtions- 
zuwachses deckte. Der Consumzuwachs an Industriewaaren 
betrug, wie oben nachgewiesen, von 1870—80 = 1.242 Mil 
lionen Dollars; der Ueberschuss des Nettoimports fremder 
Waaren gleichzeitig 105 Millionen Dollars, er ist also bei 
Weitem nicht so sehr gewachsen als die Mehrproduction der
        <pb n="810" />
        795 
einheimischen Industrie, folglich ist diese stark genug, eine 
Ermässigung der Schutzzölle zu ertragen. 
Der neue Tarif vom März 1883 entstand aus einem Com- 
promiss verschiedener Parteien, welcher keine ganz befriedigt, 
aber immerhin sehr gute Folgen haben dürfte. Seine Haupt 
bestimmungen sind folgende: 
Die Tabaksteuer ist um die Hälfte herabgesetzt, die Steuer 
auf Bankcapital, Depositen, Checks, Zündhölzer, Patentmedizinen 
u. s. w. ist aufgehoben, der Zoll für Stahlschienen ist von 28 
auf 17 Dollars pro Tonne herabgesetzt. Die Inlandsteuern 
werden dadurch um 35—40.000.000 Dollars vermindert werden. 
Die Zölle sind durchweg herabgesetzt, aber doch nicht so, 
um in den bedeutendsten Posten — Eisen und Wolle — den 
Charakter von Schutzzöllen ganz einzubüssen, wenn auch den 
europäischen Industrien die Einfuhr bedeutend leichter ge 
macht werden wird. Man schätzt, dass durch den neuen Tarif 
die Zolleinnahmen um 35.000.000 Dollars vermindert werden, 
wobei allein an Zuckerzöllen ein Ausfall von 11.000.000 Dollars 
in Anschlag gebracht wird. 
Für einige Industrien, z. B. Töpfereien und Porzellan 
fabriken, sind die Schutzzölle erhöht, so auch für feine Textil- 
und Metallwaaren, um die Industrie zu vervollkommnen. So 
ist dieser Schutzzoll, gerade wie List es fordert, ein die In 
dustrie zu höherer Vollkommenheit erziehender. Das Leben 
wird in Amerika nicht nur um die ca. 70—75 Millionen Dollars 
billiger werden, auf welche der Staat durch die Tarifbill ver 
zichtet, sondern um viel mehr, da grobe und mittlere Eisen- 
und Textilwaaren, die in Amerika erzeugt werden, nunmehr 
ini Preise fallen müssen. Die Geschäftswelt gewinnt billigeren 
Credit durch die Abschaffung der Besteuerung der Banken, 
die Arbeiter und Farmer profitiren von der Ermässigung der 
Industrieschutzzölle im Allgemeinen, ganz direct sogleich von 
der bedeutenden Herabsetzung des Zuckerzolles. Der Eisenbahn 
bau wird durch Ermässigung des Zolles auf Schienen, Roh 
eisen und Erz billiger gemacht. Die Ermässigung des Preises 
Von Artikeln des Massenconsums, welche der neue Tarif bewilligt, 
erhöht den Reallohn der Arbeiter, ohne dass die Industriellen
        <pb n="811" />
        796 
ihren Geldlohn zu erhöhen brauchten, ohne also den Preis der 
Waaren, welche diese Arbeiter erzeugen, zu steigern und die 
Concurrenziahigkeit der amerikanischen Industrie auf dem 
Weltmärkte zu schwächen. 
Während diese Ermässigung eintritt, erweitert die Union 
den Markt der heimischen Industrie, indem sie ihr durch Ver 
trag fast ein Monopol für die Versorgung Mexico’s schafft. 
Schon stieg der Export der Union von 6 7 Millionen Dollars 
im Jahre 1879 auf iii Millionen Dollars im Jahre 1881, der 
Import von i^/o auf 17.4 Millionen Dollars. Der Totalimport 
Mexicos betrug 1880 29 9, der Totalexport 13 6 Millionen Dol 
lars und wird sich der Handel dieses Tandes sehr heben, seit 
dem Eisenbahnen und amerikanische Unternehmer dort wirken, 
auch Europäer zur Einwanderung durch Anerbietungen an 
gelockt werden. Im Jahre 1882 exportirte die Union nach 
Mexico für 13-3 Millionen Dollars, darunter Eisen und Stahl 
für 4 Millionen, Baumwolle und solche Waaren für 2-3 Millionen, 
Meubles und Holzwaaren für i 3 Millionen Dollars; importirte 
für 15 Millionen Dollars, davon 6 3 Millionen Dollars Edel 
metalle als Zahlung und für 8 3 Millionen Dollars, meist Roh 
material für die amerikanische Industrie. 
Der im Frühjahr 1883 abgeschlossene Vertrag mit Mexico 
verfugt u. A.: 
Folgende Artikel sollen zollfrei von Mexico in die Ver 
einigten Staaten eingeführt werden: Lebende Thiere, die 
zum Zwecke der Züchtung importirt werden; Gerste; Rind 
fleisch; Kaflee; Eier; Esparto und andere Grasarten und die 
aus denselben hergestellte Masse für die Papierfabrikation; na 
türliche Blumen jeder Art; frisches Obst, wie Apfelsinen, Ci- 
tronen, Ananas, Bananen, Mangos etc.; Ziegenhäute; ver 
schiedene Sorten Flachs; ungegerbte Häute, Pelle, mit Ausnahme 
von Schaffellen mit der Wolle; Angoraziegenfelle ohne Wolle; 
Eselshäute; India Rubber; Indigo; Tampico-Faser; Jalap; 
Leder zweiter Qualität; Blauholz; Molasses; Palm- oder Kokos 
nussöl; Quecksilber; rohe Sarsaparilla; Shrimps und alle an 
deren Schalthiere; Stroh im rohen Zustand; Zucker nicht über 
No. 16 holländischer Norm in der Farbe; Blättertabak; frisches
        <pb n="812" />
        797 
Gemüse jeder Art; Holz und Bauholz jeder Art, einschliesslich 
Schiflfsbauholz. 
Die Artikel, welche aus den Vereinigten Staaten zollfrei 
in Mexico eingeführt werden können, sind: Zieh- und Mund 
harmonikas, Ambose, Asbest für Dächer, Stahlstangen für 
Bergwerke, Schieb- und Handkarren, Ziegelsteine, Bücher, 
eiserne Träger für Dächer, Kohlen, Fuhrwerke mit Spring 
federn, Eisenbahnwagen, Schmelztiegel, Zuckerrohrmesser, 
Standuhren, Dynamit, Feuerspritzen, Pumpen, Fasszapfen, Zünd 
faden für Bergwerke, Viehfutter, frisches Obst, Brennholz, 
frische Fische, Guano, fertig gestellte Häuser aus Holz oder 
Eisen, Ackerbaugeräthe, Eis, Eisen- und Stahlschienen, wissen 
schaftliche Instrumente, Druckerschwärze, Kalk, Lokomotiven, 
Masten und Anker für Schiffe, Marmor, der aber nur auf 
einer Seite geschliffen ist und nicht mehr als vierzig Centi 
meter im Quadrat misst, Maschinen und Apparate jeder Art 
und Theile derselben für industrielle, landwirthschaftliche und 
Rergbauzwecke und für die Künste, Edelmetalle, Silber- und 
Goldmünzen der Vereinigten Staaten, Formen und Muster für 
das Kunsthandwerk; Hafer; Ruder für kleine P'ahrzeuge; 
Pflüge und Pflugschaaren; getheertes Papier für Dächer; 
Pflanzen und Sämereien jeglicher Art, die nicht in Mexico 
Wachsen; Schreibfedern aus irgend einem Metall, ausser Silber 
und Gold; rohes und gereinigtes Petroleum; gewöhnliches 
Pulver für Bergwerke; Quecksilber; Lumpen für die Papier 
fabrikation; Dachziegel; Schwefel; eiserne Oefen; Fassdauben; 
unterschwefligsaures Natron; Dampfmaschinen; Nähmaschinen; 
Schiefer für Dächer und Strassenpflaster; grosse und kleine 
Würste; Karten; Handwerkszeug und Instrumente aus Stahl, 
Eisen, Messing oder Holz; Buchdruckermaterial; frisches Ge 
müse; Telegraphendrähte; Stacheldraht für Umzäunungen; 
Wasserröhren jeder Art; angestrichene und nicht angestrichene 
Eensterläden. • 
Die Schifffahrtsbewegung in den Häfen der einzelnen Länder 
liefert ein gutes Bild von ihrem Antheil am Welthandel. Ich 
lasse einen Vergleich des Tonnengehaltes der ein- und aus 
gelaufenen Schiffe aller Häfen der einzelnen Länder im Jahre
        <pb n="813" />
        798 
1873 — dem ersten, in welchem ich die Zahlen aus Deutsch 
land habe — und 1880 folgen. Die Angaben decken sich 
nicht vollständig, da in den Vereinigten Staaten das Jahr vom 
I. Juli bis 30. Juni läuft. Ich habe also die Zahlen für 1872/73 
und 73/74 halbirt und ebenso die für 1879/80 und 1880/81, 
um jene für die Kalenderjahre 1873 und 1880 zu erhalten. 
Es sind alle Tonnenzahlen der mit Ladung und in Ballast 
fahrenden Schiffe angegeben in 1000 Tonnen. 
Staat 
1873 
1880 
K 
Ein- 
gelaufen 
Aus 
gelaufen 
Total 
Ein 
gelaufen 
Aus 
gelaufen 
Total 
Oesterreich-Ungarn . 
Deutschland . . . 
Holland .... 
4-348 
6.240 
2.968 
4.362 
6.100 
3.029 
8.710 
12.340 
5 997 
5.911 
7.775 
3438 
5-913 
7.763 
3396 
11.824 
15.538 
6.834 
35 
26 
14 
Summa A. . . 
Italien ..... 
Frankreich . . . 
13-556 
4-382 
7-771 
13-491 
4-385 
7.970 
27.047 
8.767 
15-741 
17.124 
4.692 
12.366 
16.072 
5-154 
12.665 
34.196I 
9.846 
25.031 
26 
12 
60 
Summa B. . . 
England .... 
12.153 
21.864 
12.356 
22.575 
23.508 
44 439 
17.058 
29.073 
17.819 
29.662 
34.877 
58.735 
48 
32 
Summa C. . . 
Vereinigte Staaten . 
China 
47-573 
9.201 
48.422 
9.286 
24.994 
18.487 
8.227 
63255 
15.440 
62.553 
15.544 
1 27.808! 
30.984 
15.869] 
34 
70 
92 
Am schnellsten hat die Tonnenzahl in den chinesischen 
Häfen sich vermehrt. Das chinesische Volk beginnt an dem all 
gemeinen Conkurrenzkampfe Theil zu nehmen. Natürlich ist 
hier nur der Verkehr in jenen chinesischen Häfen berücksich 
tigt, welche den Europäern geöffnet sind. Noch auffallender 
ist es, dass im Jahre 1873 nur 207.000 Tonnengehalt chine 
sischen Schiffen angehörten, 1880 aber schon 4.828.000. Der 
Verkehr in jenen chinesischen Häfen ist jetzt schon grösser 
als in allen deutschen Häfen. Wir sind als Aussenhandels- 
nation schon von China überflügelt. 
Die Union folgt an Tonnenzahl unmittelbar auf England 
und überflügelt an procentischem Wachsen alle Länder. Das 
fleissige und sparsame Frankreich kommt ihm an Zunahme 
am nächsten. Deutschland bleibt, bei seiner dem Handel feind 
lichen neuen Wirthschaftspolitik weit hinter beiden Ländern 
zurück. Selbst Oesterreich kommt ihm procentisch vor. 
Die Handelsmarine der Welt wird auf 50.000 Segelschiffe
        <pb n="814" />
        799 
I 
mit 14.5 Millionen Tonnen und 5.500 Dampfer mit ca. 6 Millio 
nen Tonnen angegeben, wovon England 18.400 Segelschiffe 
mit 5.600.000 Tonnen und 5.206 Dampfer mit 3.500.000 Ton 
nen haben soll. Die Union hatte Juni 1881 16.830 Segelschiffe 
mit ca. 2.366.000 Tonnen und 4.717 Dampfer mit 1.2ii.000 
Tonnen, davon 2.156 Dampfer mit 469.000 Tonnen auf Binnen 
gewässern, dazu auf letzteren 1.235 Canalboote mit 106.000 Ton 
nen und 1.930 Barges, Getreideboote, die geschleppt werden, 
mit 383.000 Tonnen, Summa 4.068.000 Tonnen. 
Der Herstellung einer eigenen, tüchtigen Handelsmarine 
wird man bald mehr Aufmerksamkeit, d. h. dort Förderung 
von Staats wegen, zuwenden, sobald das Eisenbahnsystem ge 
nügend entwickelt sein wird. Die Union ist dem Vertrage 
der europäischen Mächte gegen Kaperei nicht beigetreten und 
würde in einem Kriege gegen England — ein anderer ist 
undenkbar — durch Kaperer die englische Handelsmarine 
ebenso schwer schädigen, wie England einst dadurch die hol 
ländische Flotte schädigte. 
Die Politik der Union ist nur Handelspolitik und hat 
nebenbei den Zweck, Mexico und Canada durch Zollmassregeln, 
ersteres Land durch den Reciprocitätsvertrag, letzteres durch 
Zollplackerei, zum Anschluss zu bewegen. Aus letzterem ' 
Grunde hat die Union sogar agrarische Schutzzölle gegen 
Canada, welche die Entwickelung Manitobas und des cana- 
dischen Nordwest-Territoriums erheblich erschweren müssen. 
Deshalb ein Werthzoll von 20 pCt. bei Einfuhr von Thieren. 
Wahrscheinlich geht einmal von diesem Theile der Dominion | 
die Bewegung zum Anschluss aus, welcher schon viele An 
hänger in Canada zählt. 
Weizen zahlt beim Eintritt in die Union 20 Cents per 
Bushel Zoll, Gerste 15 Cents, Hafer 10 Cents, Rindfleisch per 
Ib. I Cent, Butter Ib. 4 Cents, Käse Ib. 4 Cents, Schinken 
2 Cents, Schmalz 2 Cents, Pökelfleisch i Cent, Holz 20 pCt. 
vom Werth. Alle diese Zölle sind Kampfzölle gegen Canada. 
Auf die europäischen Mächte nimmt die Union wenig 
Rücksicht und hält an der Monroedoctrin fest, wonach sie nicht 
dulden will, dass sich eine solche Macht in amerikanische Ver-
        <pb n="815" />
        8oo 
hältnisse, incl. jener von Centralamerika, mischt. Nur China 
wird als ebenbürtige Macht und grosser künftiger Kunde mit 
jeder Rücksicht behandelt, abgesehen von der Einwanderung 
von Chinesen, welche die Union verbieten musste, um nicht 
die Revolution und den Abfall von Californien zu gewärtigen. 
Deshalb gebraucht die Union auch keine Armee, sondern 
nur eine Polizeitruppe gegen Indianer und Mexicaner. Sie 
besteht aus 25.000 Mann geworbener Soldaten. Der Gemeine 
erhält Uniform, Kost und 13 Dollars monatlich, der General 
13.000 Dollars, General-Lieutenant ii.ooo Dollars, General- 
Major 7.500 Dollars, Brigadier 5.500 Dollars, Oberst 3.500 
Dollars, Oberst-Lieutenant 3000 Dollars, Major 2.500 Dollars, 
Captain 1800—2000 Dollars, I. Lieutenant 1500—1600 Dol 
lars, II. Lieutenant 1400—1500 Dollars. Die Offiziere sind 
zahlreich und für ihr Fach alle trefflich ausgebildet. Die 
Kriegsflotte ist schon grösser. Sie zählt 24 Panzerschiffe, 
65 Dampfer, Kanonenzahl 1033 mit 2038 Offizieren und 7000 
Mann. Ihr Budget war 1881 — 15.686.000 Dollars, das der 
Armee 40.466.000 Dollars. Der Matrose erhält 210 bis 258 
Dollars per Jahr, der Admiral 13.000 Dollars, der Captain 
4.500 Dollars, Lieutenant 2.400 Dollars, Mannschaft am Ge 
schütz, Zimmerleute etc. 1.200—1.800 Dollars. 
Hier sind wir bei dem Hauptpunkt der Concurrenzunfähig- 
keit Europas angelangt. 
Deutschland hat 46 Millionen Einwohner ca. im Jahre 
1883, die Union 53 Millionen. Heer und Marine beschäftigten 
als Offiziere und Mannschaften 460.812 Mann und kosten pro 
1882/83 406.819.000 Mark = 101 Millionen Dollars, pro Kopf 
882 Mark oder 220 Dollars. 
Die Union müsste in demselben Verhältniss, wenn sie im 
kriegerischen Europa läge, 53° 935 Mann auf dem Kriegsfuss 
halten, also, gegen rund 35.000 in Armee und Flotte jetzt, 
496.000 Mann mehr, die, selbst nur nach deutschem Maasse, 
109 Millionen Dollars kosten würden, gegen 56 Millionen jetzt. 
Diese Ersparniss beträgt also 53 Millionen Dollars. Aber 
sie verschwindet, wenn man berechnet, was die 496.000 kräf 
tigen Männer aus allen Berufsständen in dieser ihrer besten
        <pb n="816" />
        8oi 
Lebenszeit verdienen. Nach oben mitgetheilten Lohnlisten und 
mit Berücksichtigung, dass viele den gebildeten und Viel ver 
dienenden Ständen angehörige Männer dabei sein müssten, 
kann man gut und gern 800 Dollars Jahresverdienst pro Mann 
annehmen, der bei europäischem System verloren gehen würde, 
das macht 396.800.000 Dollars, zusammen mit obigen 53 Mil 
lionen also rund 450 Millionen Dollars Ersparniss, pro Kopf 
der Bevölkerung ca. 8.5 Dollars. 
.Die Wirkung des Krieges auf die Production in der Land- 
wirthschait von 1861—65 erhellt aus folgenden Zahlen: 
Ernte betrug i860 in 
^ill. Bushels .... Weizen 173 Mais 838 Baumwolle Mill. Ball. 5.3 Zucker Hgsh. 228.000 
gleichem Zuwachs wie 
1850/60 sollte sie 
betragen 1866 ... . „ 242 « »046 „ „ „ 
** ^olge des Krieges be- 
‘•■‘»g sie 1866 .... „ 175 „ 880 „ „ , 
Der Viehstapel betrug in Millionen Stück: 
7.0 
1.7 
390.000 
41.000 
Jahre i860 Pferde 6.4 Rindvieh 25.5 Schafe 22.5 Schweine 33.5 
Zuwachs wie von 1850/60 hätte er be- 
sollen 1866 „ 
^ ^°*ge des Krieges betrug er 1866 nur „ 
Handel ergab für 5 Jahre 1856/60 .... 
^Grselben absoluten Steigerung nur, wie von 
7.7 „ 31.4 „ 23.0 „ 35.4 
5.4 „ 20.0 „ 39.3 „ 24.0 
Dollars Import 1522 Export 1389 Total 2911 
, *^51/55, hätte er 1861—1865 betragen sollen 
Folg 
fe des Krieges betrug er nur 1861 
'8^5 incl 
bis 
, ,, 1893 ,, 1850 „ 3743 
, „ 1178 „ 848 „ 2026 
Nun kommt der Frieden. Eine halbe Million Männer 
wird entlassen. Viele sind zwar krank oder invalide, Andere 
finden keine Arbeit. Trotzdem heben sich 
Handel für die fünfjähr. Periode 1868/72 incl. auf Mill. D. Import 2284 Export 1776 Total 4060 
® Ernte von 1866 betrug 
^^Hill Bushels .... Weizen 175 Mais 880 Baumwolle Mill. Ball. 1.7 Zucker Hgsh. 41.000 
de 1870 .. . „ 287 „ 760 „ „ „ 3.0 „ „ 144.000 
"" ^*®bstapel betrug in Mill. Stück 1866 Pferde 5.4 Rinder 20.0 Schafe 39.3 Schweine 24.0 
'1 » n 11 ,1 1870 ,, 7 4 II 23.6 „ 28.4 ,, 25.1 
Für die Industrieproduction lässt sich dergleichen leider 
nicht zahlenmässig nachweisen. Aus Obigem kann man aber 
sehen, wie Production und Handel durch einen Krieg leidet, 
der doch nur ein, im Verhältniss zum Ganzen, unbedeutendes 
51
        <pb n="817" />
        8o2 
Gebiet berührt — Californien, der Norden und Westen, die 
Getreide- und Industriestaaten litten unter ihm nur indirect, 
da der Kriegsschauplatz nur der Süden war. Aus dem Auf 
schwung der Production nach Beendigung des Krieges kann 
man lernen, was es ausmacht, wenn Frieden herrscht und 
Va Million Soldaten wieder zu Pflug, Hammer und Feder 
greifen. 
Deutschland exportirte bis zum französischen Kriege und 
zwar im Jahre 1869 noch 2.880.000 Centner Weizen, Roggen 
und Mehl mehr, als es importirte. Im Jahre 1871 importirte 
es mehr 5.142.000 Centner. So wurde die Production in der 
Landwirthschaft geschwächt, obschon ca. i Million Soldaten 
in Frankreich sich verproviantirten ! Nach Hübner's statistischer 
Tabelle für 1881 und gleichzeitigen Angaben für die Kriegs 
flotte betrugen die Soldaten und Mariniers dieser Flotten des 
Continents von Europa im Frieden ohne Russland ca. 2.375.000 
Mann, mit Russland 3.340.000 Mann, Kriegsstärke ohne Russ 
land ca. 6.050.000 Mann, mit Russland 8.720.000 Mann, natür 
lich ohne England. 
Der Mann kostete 1882/83 in Heer und Marine durch 
schnittlich 940 Mark. Nehmen wir durchschnittlich für den 
Continent 900 Mark Kosten und ebensoviel entgangenen Ar 
beitsverdienst an, so zahlt das ausserrussische Continental- 
europa 2.137.500.000 Mark direct und verliert an Arbeitsver 
dienst ebensoviel, Summa 4.275.000.000 Mark jährlich, incl. 
Russland zahlt es jährlich 3.006.000.000 Mark und verliert, 
incl. Arbeitsverlust, 6.012.000.000 Mark. Bei einem grossen 
Kriege werden alle diese Staaten ihre Armeen und Flotten 
fast auf den. Kriegsfuss setzen müssen, d. h. der Continent 
ohne Russland 6.050.000 Mann, incl. Russland 8.718.000 Mann. 
Nun mag man sich berechnen, was ein solcher Krieg 
allein direct, ohne Zerstörung von Menschen, Kriegsmaterial und 
Gütern und ohne Verkehrshindernisse und Productionshinder- 
nisse auf Kriegsgebiet kosten muss! 
Ferner wolle man die geringe Zahl der Beamten der 
Union, welche ich oben angegeben habe, mit jener Beamten 
zahl der europäischen Staaten vergleichen, die Gehälter der
        <pb n="818" />
        8o3 
Ueberschuss-Beamten Europas zu dem addiren, was diese 
selben Beamten hätten in der Production verdienen können, 
und auch das Europa zur Last schreiben. 
Man mag berechnen, was, nach Beendigung der Revolu 
tionen und Kriege von 1848, gekostet haben der Krimkrieg, 
der italienisch - französisch - österreichische Krieg 1859, der 
dänische Krieg 1864, der deutsch-österreichische Krieg 1866, 
der deutsch-französische Krieg 1870/71, der russisch-türkische 
Krieg, die Aufstände in Spanien. 
Zu diesen directen Ausgaben und zum Verlust an Arbeits 
verdienst der Soldaten muss der Vermögens Verlust gerechnet 
werden, welcher Europa durch Tod und Verstümmelung 
arbeitsfähiger Männer erwachsen ist — und weiter erwachsen 
wird, deren Erzeugung bis zum Alter der Militärpflicht — vor 
welchem sie kaum viel von den Erziehungskosten amortisirt 
haben, ja Capital kostete. Zu diesen Verlusten kommt noch 
die Auswanderung solcher Menschen, die mehr oder weniger 
erwachsen, erzogen, technisch oder wissenschaftlich gebildet 
wurden, hinzu. Die Auswanderer kamen grösstentheils Amerika 
zu Gute, Europa zur Last im gegenseitigen Capitalconto. 
Die Frage, wie viel dem Lande ein erwachsener Ein 
wanderer werth sei, hat schon seit Jahren wiederholt die 
amerikanische Presse beschäftigt; die Schätzungen schwanken 
zwischen 1000 und 5000 Dollars. Sehen wir deshalb, wie 
der deutsche Statistiker Dr. Engel diese Frage löst. Derselbe 
hielt kürzlich in Leizpzig einen Vortrag „über den Werth des 
menschlichen Lebens“. Er berechnete darin zuerst die Kosten, 
die ein junges Menschendasein verursache, bis es dahin gelangt 
sei, selbst producirend, erwerbend sein Leben zu erhalten und 
eine Stelle im grossen Culturganzen einzunehmen, wobei er 
drei Gruppen unterschied, solche, die nur eine elementare 
Bildung, solche, die eine mittlere, und solche, die eine 
höhere Bildung empfangen. Die Kosten für die ersten 
(deren Vorbildung aufzuhören und deren Selbst er werb anzu 
fangen pflege mit dem 15. Jahre) berechnete er durchschnitt 
lich (mit Zinsen und Zinseszinsen) auf 2800 Mark, die für die 
zweiten (bis zum 20. Jahre) auf 8000 Mark, die für die dritten 
51*
        <pb n="819" />
        8o4 
(bis zum 25. Jahre) auf etwa 27.000 Mark. Bei denjenigen 
Kosten, welche in jeder Arbeit stecken, wodurch das so vor 
gebildete Individuum nun sich selbst fortzuhelfen sucht, unter 
schied Engel die Kosten der Erhaltung, die der Erneuerung 
(Amortisirung des aufgewandten Capitals, besonders Schaffung 
eines neuen für Heranbildung einer Ersatzkraft in den Kindern), 
endlich die der Versicherung (für den Fall einer Vernichtung 
der productiven Kraft durch Krankheit oder Tod). Das 
Schlussergebniss, welches er aus allem zog, war, dass in Deutsch 
land bei manchen Arbeiten der Preis der Arbeit die Selbst 
kosten (nach den oben genannten drei Kategorien) nicht 
übersteige, ja oft nicht einmal decke, daher es einer Auf 
klärung des Verkehrspublikums darüber bedürfe, dass die 
Arbeit im Allgemeinen, bezw. das Arbeitsproduct, die Waare, 
durchschnittlich zu niedrig im Preise stehe. Die Arbeit 
hat also in Deutschland nicht nur keine capitalbildende, sondern 
sogar keine sich selbst erhaltende Kraft mehr, und auch der 
Unternehmergewinn capitalisirt oft nicht mehr, sondern wird 
negativ, zehrt den Capitalstock auf; Engel wenigstens be 
hauptet, dass zwar nicht in allen, aber doch in manchen Ge- 
werbszweigen in der That der Gewinn (nicht blos des Arbeiters, 
sondern auch des Arbeitgebers) zu gering sei, der „Werth 
des Lebens“ und der Lebenskraft des Menschen zu niedrig 
veranschlagt werde, was natürlich, wenn keine Aenderung 
eintrete, eine Verkümmerung der nachwachsenden Geschlechter 
und eine Herabdrückung des inneren Werthes der Arbeit 
(„billig und schlecht“) zur Folge haben müsse. 
Dies ist der Zustand des pekuniären und physischen 
Herabkommens — und er ist Folge der Politik, die da zwingt, 
Soldaten und Beamte in Unmasse zu halten. 
Ich habe mit dem genialen Obersten Stoffel, der in Berlin 
französischer Militärattache war, seit 1880 interessante Unter 
haltungen gehabt. Er behauptete, ein Land profitire Capital 
durch eine starke stehende Armee, da Kriege ohne eine 
solche, wie jener der Union, von i860—65 mehr kosteten, 
als Kriege mit stehender Armee in Frieden und Krieg. Das 
Beispiel der Union, die jetzt ihre Kriegsschulden abzahlt und
        <pb n="820" />
        8o5 
ihre Invaliden „republikanisch“, d. h. nicht mit 12—20 Mark 
per Monat und allenfalls einem Leierkasten, pensionirt, beweist 
für mich, der ich damals unternahm, vom nationalöcono- 
mischen Standpunkt dem genialen Soldaten zu widersprechen. 
Indessen fordert die europäische Cultur Soldaten, Bureau* 
kraten, Kriege, Socialistengesetze, Kornzölle . . - 
Wenn das so weiter geht — wenn daneben Amerika, 
Australien, Indien, China Frieden behalten, letztere Reiche zur 
Maschinenindustrie übergehen und sich durch Kisenbahnen 
exportfähig machen, England und Amerika den ganzen über 
seeischen Handel und dessen Waarenversorgung an sich reissen 
und uns Nahrungsmittel verkaufen oder zuführen wo 
bleibt da Europa? Es muss verarmen und veröden, wie 
Deutschland nach dem dreissigjährigen Kriege! 
Die Kathedersocialisten, welche, wie Adolf Wagner im 
Parlament, noch immer glauben, Fürst Bismarck sei ein so 
cialer Reformator, mögen berechnen, wieviel Obiges gekostet 
hat und wie viel weniger Europa an solchen Ausgaben auf 
zuwenden hätte, wenn ihm die Bismarckaera erspart geblieben 
wäre. Sie mögen auch eine Zukunftsbilanz zwischen dem 
Continent und den oben genannten friedlichen Staaten ent 
werfen! Fürst Bismarck ist kein Colbert! Deshalb liebt er 
die Statistiker auch nicht. Schon Colbert führte die Pro- 
ductionsstatistik ein, das Deutschland des Fürsten Bismarck 
hat noch heute keine und kann diesen Spiegel auch nicht 
ertragen! 
Noch einmal muss ich mich, wie schon bezüglich der 
Kornzölle, gegen Herrn Adolf Wagner wenden, weil man mich 
sonst mit demselben politisch zusammenwerfen möchte, da er 
einige meiner früheren Anträge mit unterschrieben hat. 
Am 22. Februar 1883 sagte er im preussischen Landtage: 
„Wodurch sind wir denn in diese bedrängte Geschäftslage 
gekommen? durch die so lang hingezogenen Debatten über 
die Militärverhältnisse im Reichstage! Leider ist im Reichs 
tage unserer Militärverwaltung am Zeuge geflickt worden, 
leider haben auch jetzt wieder zu unserem lebhaften Bedauern
        <pb n="821" />
        8o6 
und unendlich gegen unseres deutschen Volkes und Staats 
wesens Interesse, sich Männer im deutschen Parlament ge 
funden, die an dieser grossen Institution unseres Staates 
rüttelten, die die Verhandlungen darüber unerträglich in 
die Länge zogen, und wiederum dem Auslande das er 
freuliche Schauspiel gaben, dass die Deutschen drauf und dran 
sind, einen Stein herauszulösen aus dem Baue, der sie so 
mächtig und gross gemacht hat.“ 
Ich glaube, dass jedes Parlament Europas die Militair- 
angelegenheiten auf das Gründlichste berathen sollte und auch 
jene Politik auf das Eingehendste prüfen müsste, welche ein 
grosses Heer nöthig machte! Darüber kann ein Parlament 
garnicht lange genug berathen! 
Ferner wende ich mich mit Abscheu von jenem Chau 
vinismus ab, der von der Tribüne des Parlaments einer Gross 
macht, den anderen Grossmächten verständlich und schmerzlich, 
mit jener Macht und Grösse prahlt, welche wir 1866 und 1870 
zwei Nachbarn gegenüber bewiesen haben. Dieser deutsche, 
die Nachbarn verletzende Hochmuth geht über Alles, was auf 
der Tribüne der „grande nation“ davon vordem geleistet und 
zu meiner Jugendzeit in Deutschland so schmerzlich empfunden 
wurde. Ein Lehrer der akademischen Jugend sollte die Fried 
fertigkeit, die Sittlichkeit, die wirthschaftliche Tüchtigkeit des 
deutschen Volkes, nicht seinen Hochmuth, zu fördern suchen! 
O du weiser französischer, christlicher Denker, Le Play, wie 
schäme ich mich an deinem Grabe der Bekanntschaft dieses 
sogenannten ,,Christlich - Socialen" ! Da ist Stöcker wahrlich 
in guter Gesellschaft! 
Der Exfreund von Rodbertus und mir, der sich übrigens, 
meinem bescheidenen Urtheile nach, als Parlamentarier bald 
gründlich ruiniren wird, fahrt in seiner Grossmannssucht fort: 
„Hat man das im Reichstag gethan, dann wird es hier 
erlaubt sein, meines Erachtens in wohlthätiger Weise auf die 
sociale Seite der Finanz- und Steuerpolitik einzugehen. 
Das hängt sehr eng mit der Vorlage zusammen und war 
ganz zur Sache gesprochen. Warum also nochmals haben wir 
wiederholt zu Verhandlungen, die eminent politischer und
        <pb n="822" />
        8o7 
socialer Natur sind, so wenig Zeit bekommen? Weil im 
Reichstage so unnöthig lange und in sehr wenig erfreu 
licher Weise über den Militäretat gesprochen ist. 
Aber speciell Herr Abgeordneter Windthorst, verlassen sie 
sich darauf: die jungen Männer, die jetzt erzogen werden 
auf den Universitäten, werden, wenn sie in die Regierung 
kommen und ins practische Leben, eintreten für den bran- 
denburgisch-preussischen Staat, die werden nicht an 
der Nothwendigkeit eines grossen Militärwesens innerhalb der 
waffenstarrenden europäischen Mächte rütteln, die werden diese 
Politik festhalten und andererseits die Konsequenzen aus der 
socialen Politik ziehen, die Sie zu ziehen nicht für gut halten 
oder nicht den Muth haben!“ 
„Gracchus de seditione quaerens!“ Wo ist die „allge 
meine Wehrpflicht,“ wo die unsociale, die Reichen begünsti 
gende „einjährige Dienstpflicht“ neben der dreijährigen des 
armen Mannes, der nicht Geld hatte, viel zu lernen und sich 
während des Militärjahres selbst zu ernähren, erfunden worden? 
Dass wir jetzt die Armee nicht schwächen dürfen, dass wir 
den letzten Mann und Groschen an sie wenden müssen, weiss 
ich und würde ich Beides als Abgeordneter bewilligen. Aber 
ich würde mit allen legalen Mitteln als solcher wirken, 
dass unsere auswärtige Politik einem friedfertigen Manne 
endlich anvertraut würde, der auf eine Ausgleichung der feind 
seligen Gegensätze* unter den „kleinen“ europäischen Mächten 
hin arbeitete. Preussen hat das gegenwärtige Militärsystem 
erfunden und zuerst eingefuhrt. An ihm ist es, die Initiative 
zu dessen Beseitigung zu ergreifen, sonst ruinirt es Europa 
wirthschaftlich. Und ich lade Herrn A. Wagner ein, meinen 
oben geführten Beweis des wirthschaftlichen Rums Europas 
„wissenschaftlich,“ „ruhig und sachlich,“ wie er es verlangt, 
zu widerlegen - im Falle das gegenwärtige System weiter 
wirkt. 
Die friedliche und nicht von einer heuschreckenartig-zahl- 
reichen Bureaukratie verwaltete und ausgesogene Union gewann 
durch Einwanderung von 1820 bis 1881 incl. 10.808.000 Men 
schen, seither gut und gern soviel, dass 12 Millionen voll wer-
        <pb n="823" />
        den, die, ohne das Capital, was sie mitbrachten, ebensoviel 
Milliarden Dollars „werth“ sind, was Vermehrung des National 
reichthums anlangt. Aus Deutschland waren darunter bis 1879 
3 Millionen und seitdem ca. '/^ Millionen jährlich! Macht 
',4 Milliarde Dollars, oder i Milliarde Mark jährlichen Verlust 
für Deutschland: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein, — am 
Hudson besser, denn am Rhein!“ Bis 1879 wanderten nur noch 
ebenso viele — — Irländer in Amerika ein als Deutsche. 
Recht schmeichelhaft für das Vaterland der „Treue und guten 
Sitte und der — — Kartoffel als Arbeiterspeise und Zubrod!“ 
Im Jahre 1880 lebten in der Union solche Personen, die 
im Auslande geboren waren, männliche 3.521.000, weibliche 
3.038.000. Dazu kamen 13.011.646 Personen, deren beide 
Eltern im Auslande geboren waren, 573.434, deren Mutter, 
^ deren Vater im Auslande geboren w^ren. Es gab 
4.883.842 Personen, deren Vater in Deutschland, 4.557.629, 
deren Mutter in Deutschland geboren waren. Dazu kamen 
1.966.742 Personen, die in Deutschland geboren waren. Hier 
aus kann man auf die Stärke des germanischen Zusatzes zur 
Unionsbevölkerung schliessen. 
Eine „amerikanische Partei“ gewinnt in der Union jetzt 
viel Anhang, besonders unter den Arbeitern, welche sich ge 
gen die starke Einwanderung wendet. Wahrscheinlich siegt 
sie, sobald alles öffentliche Land vergeben sein wird, was 
bald der Fall sein dürfte, da 1880 nur noch ca. 25 Millionen 
Acres solchen Landes der Union gehörte, was ohne künstliche 
Bewässerung oder andere kostspielige Aufwendungen zum 
Ackerbau benutzt werden kann — ausser Texas und Florida, 
deren Staatenregierungen noch sehr viel derartiges Land be 
sitzen. An Homesteads und zur Waldcultur wurden umsonst 
an Ansiedler von der Unionsregierung ausgegeben 1870 
== 3.698.000 Acres, 1871 = 4.600.000 Acres, 1872 = 
4.671.000 Acres, 1873 = 3 793.000 Acres, 1874 = 4.318.000 
Acres, 1875 --- 2.820.000 Acres, 1876 ==• 3.483.000 Acres, 1877 
— tiefste Depression aller wirthschaftlichen Verhältnisse, nur 
2.698.000 Acres, 1878 — 6.288.000 Acres, 1879 = 8.026.000
        <pb n="824" />
        8o9 
Acres, 1880 = 8.238.000 Acres, 1881 nur 6.791.000 Acres, 
weil wenig gutes Land mehr vorhanden ist. 
Die oben genannte Partei will einen Zoll von vorläufig 
100 Dollars auf den Kopf jedes Einwanderers legen, um das Land 
nicht mit Mittellosen, die den Lohn drücken, zu überfüllen: 
Dies wäre ein Schutzzoll der A» beiter! Auch eine 
Art socialen Schutzzolles! 
Nun würden immer noch viele Bemittelte einwandern und 
die Production mittelst Capital und Arbeit heben. 
Die unbemittelten europäischen Auswanderer würden ge 
zwungen sein, nach Canada, Mexico, Süd-Amerika und Austra- 
* lien zu wandern und diese Länder mittelst ihrer Arbeitskraft 
zu entwickeln. Im continental-amerikanischen Interesse 
liegt diese „Theilung der Einwanderung“ allerdings. Natürlich 
würde nun die Concurrenz Mexicos und Canadas noch viel 
schneller Europa gefährlich werden. 
Alle einwandernden Elemente werden der amerikanischen 
Nationalität, auch sprachlich, schon in der zweiten Generation, 
gewonnen. 
Und so sehe ich um das Ende der ersten Dekade des 
kommenden Jahrhunderts auf dem nordamerikanischen Continent 
schon im Geiste eine gewaltige, friedliche, wohlhabende, einige, 
freie, hochgebildete Nation von 100 Millionen tüchtigen Menschen, 
« einem durch Kriege zerfleischten, durch theure Verwaltung, 
Staats- und Privatschulden geschwächten und verarmten, elenden 
Europa gegenüber, eine Nationalität! 
Was das bedeutet, hat schon der grosse, desshalb unglück 
liche Forscher und Seher List vorausgesagt, als er auf den 
Verfall der mittelalterlichen Blüthe der italienischen und deut 
schen Städte, der Holländer hinwies und ihnen die Grösse des 
einigen England entgegenstellte. Er zählt alle Freiheit, Bildung, 
den Reichthum, die Intelligenz der italienischen Städte auf 
und sagt dann: „Nur Eins fehlte dem Lande, um zu werden, 
was England in unseren Tagen geworden ist, und weil es 
dieses Eine nicht besitzt, geht ihm alles andere wieder ver 
loren: es fehlt ihm Nationaleinheit und die daraus entsprin 
gende Kraft. Italiens Städte und Magnaten betrachten sich
        <pb n="825" />
        8io 
nicht als Glieder Eines Körpers, sondern bekriegen und zer 
stören wechselseitig einander als unabhängige Mächte und 
Staaten. Neben diesen Kämpfen nach aussen ist jedes Gemein- 
wesen noch den Wechselfällen der inneren Kämpfe zwischen 
Demokratie, Aristokratie und Alleinherrschaft unterworfen. 
Genährt und verstärkt werden diese wohlfahrtstörenden 
Kämpfe durch fremde Mächte und ihre Invasionen.“ . . . 
Alle die Uebelstände, an denen die mittelalterliche Grösse 
Italiens zu Grunde ging, treffen heute für Europa zu. Städte, 
noch dazu sich befehdende, konnten nicht mit Ländern con- 
curriren: So können die sich bekämpfenden Länder Europas 
nicht mit dem Continent Amerika concurriren, von dem gilt, 
was List von England sagt: 
,,Die geographische Lage Englands hatte unermesslichen 
Einfluss auf die selbstständige Ausbildung der Nation. Eng 
land, Europa gegenüber, war immer eine Welt für sich, war 
immer frei von den Einflüssen der Eifersucht, der Vorurtheile, 
des Egoismus, der Leidenschaften und der Unfälle der übrigen 
Staaten und Nationen. Dieser Isolirung verdankt es einen 
grossen Theil der selbstständigen und unvermischten Ausbil 
dung seiner Verfassung . . . das Glück, dass es, die Bürger 
kriege abgerechnet, während einer Reihe von Jahrhunderten 
eines ungestörten Friedens genoss; sie machte ihm die stehen 
den Heere entbehrlich und erleichterte ihm die frühzeitige 
Ausbildung eines consequenten Douanensystems. In Folge 
seiner Isolirung war England nicht allein von den nachtheiligen 
Einflüssen der Landkriege frei, es schöpfte auch noch aus den 
Continentalkriegen ungeheure Vortheile für seine Manufacture 
Suprematie. Landkriege und Länderverheerungen wirken immer 
zum vielfachen Nachtheil der Manufacturen in denjenigen Ge 
genden, wo sie geführt werden: Einmal mittelbar dadurch, 
dass die Landwirthschaft gestört und zerstört wird, wodurch 
der Landwirth die Mittel verliert, Fabrikate zu kaufen und dem 
Fabrikanten Rohstoffe und Lebensmittel zu liefern; sodann 
unmittelbar, indem die Manufacturen häufig zerstört, oder doch 
in Bezug ihrer Rohstoffe und in Versendung ihrer Waaren 
gestört werden, und es ihnen schwer wird, Capitale oder
        <pb n="826" />
        Arbeiter aufzutreiben, während sie ausserordentliche Contri- 
butionen und Abgaben zu tragen haben. . • . Während dieser 
Zustand in Deutschland in jedem Jahrhundert ein paar Mal 
eintrat und die deutschen Fabriken zurückwarf, machten die 
englischen unaufhaltsame Fortschritte. Die englischen Fabriken, 
den Continentalfabriken gegenüber, waren doppelt und dreifach 
im Vortheil, so oft England entweder durch Ausrüstung von 
Flotten oder Armeen, oder durch Subsidien, oder auf beiderlei 
Weise zugleich, an dem auswärtigen Kriege theilnahm,‘' wo 
durch die Fabrikanten lohnenden Absatz fanden. 
Amerika- wird alle diese Vortheile haben, sowie ein 
grosser Krieg in Europa wüthet, in den auch England gezogen 
werden dürfte. 
Auch jene inneren Kämpfe, welche, wie List sagt, die 
italienischen Städte schwächten, zwischen Aristokratie, Demo 
kratie und Absolutismus werden wir, und zwar gleichzeitig mit 
dem Völkerkriege, in Europa haben, nur, dass es hier sociale 
Kämpfe der Arbeiter und kleinen Bauern gegen die Besitzenden 
sein werden. 
Die Staatsklugheit der Engländer hat bis jetzt auch diese 
socialen Kämpfe, die schon 1846, 1848 und 1871 sich sporadisch 
in Europazeigten, vermieden, besonders durch eine weise Arbeiter 
gesetzgebung und die Aufhebung der Kornzölle im Jahre 1846, 
zwei Jahre vor der den Continent erschütternden Revolution, 
die auch dort sonst unfehlbar eingetreten wäre. 
Wenn ich hier zusammenfassen soll, warum die kleinen 
europäischen Völker mit den Amerikanern nicht concurriren 
können und mit jedem Jahre des Friedens, mehr aber noch 
mit jedem Kriegsjahre, zur freien Concurrenz mit ihnen un 
fähiger werden, so werde ich mich nicht an die elende Baga 
telle der so leicht erschöpfbaren jungfräulichen Kraft des 
Prairiebodens halten, sondern in ein Paar grossen Zügen schil 
dern, was sie drüben geschaffen, wobei ich bemerken muss, 
dass sie mehr ihrem Instinct als den Theorien bedeutender 
Gelehrten folgten, lieber Lebensgrösse ragte überhaupt nur 
der grosse demokratische Staatsphilosoph Thomas Jefferson 
hervor. Sonst haben sie keinen Staatsmann oder National-
        <pb n="827" />
        8i2 
Ökonomen ersten Ranges bis jetzt aufzuweisen. C. Carey wird 
zur Zeit stark überschätzt und ist nirgends grundlegend; sein 
Verdienst ist Fleiss, nicht „Originalität im Bleibenden.“ 
Aber sie hatten, ausser Jefferson, eine Menge tüchtiger 
Praktiker, welche auch die europäischen Theorien meist kannten, 
sie aber eklektisch und nicht ohne Erfolg, zuweilen auch mit 
Unglück, anwandten. Letzteres wurde durch die Kraft der 
amerikanischen ,,in Freiheit dressirten“ Race und den ,,freien 
Ellbogenraum“ corrigirt. 
Solche Männer waren Hamilton und Clay, die Begründer 
des „amerikanischen“ Credit-, Bank-, Zoll- und Manufactur- 
systems, Jackson, van Buren, Windom, die erfolgreichen po 
litischen Agrarier. 
Die Amerikaner schufen seit 1776: Eine Republik von 
54 Millionen Menschen mit wirklich aus dem Vplke stammen 
der, origineller Gesetzgebung, die auch staatlich decentralisirt 
ist und, wie alte Coutumes, sich localen Verhältnissen anpasst, 
in dem „Statute law“ die einzelstaatliche Codificirung gefun 
den hat. 
Diese Gesetze beseitigten zuerst die Grausamkeit der Cri- 
minalstrafen und die Schuldhaft. Sie brachen feudale Gebunden 
heit des Grundbesitzes und schützten doch das mittlere Fa 
miliengut durch die Exemption. Sie strafen bis heute Voucher 
und fraudulösen Bankerott und sichern die wirthschaftlich- 
selbstständige Existenz des unschuldig Bankerotten vor voller 
Vernichtung durch gänzliche Ausplünderung. Sie befolgen 
auch bei der Steuerexecution dies Princip, dass die Steuer 
nicht aus dem Nothwendigen, nur aus dem Ueberschuss darüber, 
nicht aus dem unsicheren Einkommen, sondern aus dem 
sicheren Vermögen zu nehmen sei. Sie haben wissenschaftliche 
und technische Bildung durch freie, zahlreiche Schulen und 
liberale Patentgesetze mächtig gefördert. Sie haben eine wahre 
Volksregierung in der Union und in den Staaten und Com- 
munen, eine gleiche Repräsentation des Volkes, politische Decen 
tralisation, volle persönliche Freiheit über hundert Jahre herge 
stellt und aufrecht erhalten, die Sklaverei durch einen der opfer 
vollsten Kriege abgeschafft. Sie haben die aus der englischen
        <pb n="828" />
        8i3 
Colonialzeit stammende hochmüthige, eine bevorzugte sociale 
Stellung usurpirende Bureaukratie gänzlich abgeschafft und sie 
— ausser in grossen Städten und Industriebezirken — durch 
eine wahre, tüchtige, solide, billige Selbstverwaltung ersetzt. 
So haben sie auch die Rechtsprechung nur in ihrer obersten 
Instanz Berufsjuristen überliefert, sonst dem freien Volke durch 
Jury und Friedensrichter überlassen. Dem gesunden Födera 
lismus haben sie dabei durch glücklichste Combination von 
Unions- und Staatengerichten Rechnung getragen. So fliesst die 
Rechtsquelle, das Volksbewusstsein, ununterbrochen und findet 
das Volk auch im einzelnen Falle das Recht selbst. — Sie haben 
die Production und den Verkehr durch meist zweckmässige 
Verträge, Zölle, Staatssubventionen, Gesetze und Institutionen 
gewaltig gehoben und dabei den Wohlstand und die aufsteigende 
Klassenbewegung durch beide letztere sicher gestellt, leider aber 
nicht die Bildung zu grosser Reichthümer verhindert. Sie haben 
Production und Verkehr durch die glänzendsten Erfindungen, 
namentlich von Maschinen, über diejenige jedes europäischen 
Landes gehoben. Endlich haben sie weder die permanente 
Staatsschuld, noch ein grosses stehendes Heer aufkommen 
lassen und der Welt das unerhörte Beispiel einer grossen, 
mächtigen und doch friedfertigen Nation geliefert. Dazu 
eine volle religiöse Freiheit hergestellt, wobei jedoch Sonntagsfeier 
und andere Gebräuche der Union einen christlichen Character 
geben. 
In den meisten dieser Leistungen sind sie für europäische 
Völker ein sehr nachahmenswerthes Muster. 
Was sollten diese gegenüber einem solchen „vernünftigen“ 
und deshalb unwiderstehlichen Concurrenten thun? 
Der unermüdliche Arbeiter und wahrhaft christliche Weise, 
Le Play, dem ich so unendlich Viel verdanke, hat in seinem 
letzten, 1881 erschienenen Werke; „La constitution essentielle 
de l’humanité“ England mit seinen Colonien, Russland in 
Europa und Asien, Nordamerika und China die vier grossen 
Reiche genannt, denen gegenüber alle continental europäischen 
Staaten nur „kleine Ländchen“ seien und sich vor ihnen in 
politisch-ökonomischer Freiheit nur durch eine enge, innige.
        <pb n="829" />
        8i4 
jeden Krieg ausschliessende Föderation retten könnten. Seite 
258 jenes Buches bezeugt er mir, dass ich von der „nécessité 
de la paix en Europe“ überzeugt sei und dafür wirke. Dank 
dem edlen Franzosen für dies Zeugniss bis in’s Grab hinein! 
Es wird von meiner Stirn das Brandmal des Vaterlandesver- 
raths wegwischen, was deutsche Officiöse nichtswürdiger Weise 
darauf zu drücken suchen; So, wie Le Play sagt, habe ich 
im Auslande gewirkt, nicht aber meinem Vaterlande Feinde 
daselbst zu schaffen gesucht. 
Eine Union der continental-europäischen Mächte scheint 
utopisch. Doch ist sie und die Wiederherstellung des kirch 
lichen und socialen Friedens nothwendig, wenn nicht Europa 
verarmen und unter die russische Herrschaft fallen soll. 
Eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich 
ist die zur Gründung einer solchen europäischen Staatenföderation 
unumgängliche Vorbedingung. Sie muss von deutscher Seite 
angestrebt werden, und in diesem Streben fand ich mich einig mit 
dem unglücklichen aber genialen Staatsmann, Grafen Harry 
Arnim. Auch waren wir über die Mittel dazu einig, welche 
ein festes Bündniss beider Länder unter gegenseitiger Zufrie 
denheit der Völker möglich gemacht haben würden. Ein 
solches ist auch jetzt noch möglich, ln den Jahren unseres 
Exils hatte er viel nachgedacht, in Gedanken viel gesühnt. 
Ich habe wiederholt lange Stunden einsam mit ihm diese An 
gelegenheiten besprochen und glaube, dass er auch in der 
kirchlichen und socialen Frage meine oft niedergeschriebenen 
Ansichten theilte. 
Nun ist er dort eingezogen, 
„quo pius Aeneas et divus Tullus et Ancus,“ 
wo Le Play ist und wohin auch ich gehen werde, ohne jene 
friedfertige Union der europäischen Staaten gesehen zu haben, 
die wir alle Drei in unseren reifen, letzten Lebensjahren 
wünschten, wollten, vorbereiteten, soweit wir konnten. 
Werden sich die kleinen europäischen Staaten weiter be 
kriegen, wie die Indianerstämme Nordamerikas, während der 
Russe in ihr Gebiet vordringt, wie der weisse Mann drüben 
in das der Rothhäute? Werden wieder und wieder bei Be-
        <pb n="830" />
        ginn eines neuen europäischen Krieges die Glocken in christ 
lichen Kirchen die „Frommen“ zusammenrufen, um von 
Christus, der da sagte zu Petrus: 
„Stecke dein Schwert ein!“ 
jenseits des Rheins den Sieg der französischen Waffen, dies 
seits des Rheins den Sieg der deutschen Waffen zu erflehen? 
Mit welchen Worten des „neuen“ Testaments, des „Evan 
geliums“, wollen sie zum Christengott, dem Gott aller Menschen, 
flehen, dass er ihnen helfe, über ihre christlichen Brüder, mit 
Opfern von Hunderttausenden von Menschenleben zu siegen? 
Sie dürfen sich nicht auf das neue Testament berufen. 
Sie müssen zurück zur Zeit Ciceros, der sagte: „Andere 
Völker haben andere Götter — wir haben die unsrigen“ 
— und die mögen uns helfen; — weiter müssen sie zurück, 
in das alte Testament, mit dem blutigen, gekrönten Rebellen 
und Thronräuber David müssen sie, jeder seinen National 
gott, anschreien: 
„Herr, hadere mit meinen Haderern, streite wider meine 
Bestreiter. 
„Ergreife den Schild und Waffen, und mache Dich auf, mir 
zu helfen! 
„Zücke den Spiess und schütze mich wieder meine Verfolger. 
„Denn mit Dir kann ich Kriegsvolk zerschmeissen und mit 
meinem Gott über die Mauer springen. 
„Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe. 
Dass nicht mein Feind rühme, er sei meiner mächtig ge 
worden, und meine Widersacher sich nicht freuen, dass ich 
niederliege. 
„Herr, mache Dich auf, überwältige ihn und demüthige ihn!“ 
Soll schon vor einem neuen Kriege gebetet werden — 
so sei es in den Synagogen! Ist ja doch unsere ökono 
mische Gesetzgebung und unser wirthschaftliches Leben ohne 
hin nicht mehr christlich, sondern jüdisch-heidnisch: „Auge um 
Auge, Zahn um Zahn — und omne lucrum bonum!“
        <pb n="831" />
        Anhang. 
Münze, Maass und Gewicht. 
Geldsorten: 
I Centstücke, Kupfer 
„ Nickel und Silber 
3 
5 
IO 
20 
25 
50 
Silber 
„ „ = (i/g Silberdollar à 5 Dimes à 10 Cents) 
I Dollarstücke, Silber = 100 Cents. 
Gold ist in I, 2*50, 3, 5, 10 (= I Eagle = 42 Reichs 
mark), 20 und 50 Dollarstücken geprägt. 
Die Bundescassenscheine (wegen ihrer grünen Rückseite 
„Greenbacks“ genannt) und die Nationalbanknoten, welche 
in Beträgen von i, 2, 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Dol 
lars ausgegeben werden, haben jetzt gleichen Werth wie 
klingende Münze. 
Gesetzlicher Werth der fremden Münzen in den 
Vereinigten Staaten: 
I Reichsmark = 23 2 Cents 
I Frank = i9'3 » 
I Gulden, Gold ;=^ 48-12 „ 
I Krone, Gold =16.8 „ 
I Pfund Sterling (Sovereign) = 4 86 Dollars.
        <pb n="832" />
        Im gewöhnlichen Geschäftsverkehr richtet sich der Werth 
dieser Münzsorten jedoch nach den täglichen Cursberichten. 
Für I Dollar zu loo Cents zahlt man in der Regel 2.40 bis 
2.50 fl. ö. W. oder 4.20—4.25 Reichsmark. 
Längenmaasse. 
I Yard à 3 Fuss à 12 Zoll = 0-914 Meter. 
I Meile = 8 Furlongs — 1760 Yards = 5280 Fuss = 
1-6094 Kilometer. 
I Fuss = 0.304 Meter. 
1 Faden = 219.3 Meter. 
I Seemeile = 1852 Meter. 
Flächenmaasse: 
Die Einheit des Flächenmaasses ist der Acker: 
I Acre = 0.405 Hectar = 0.703 oestr. Katastraljoch. 
I Quadratmeile = 640 Acker = i Section = 2-59 Quadrat- 
Kilometer. 
Hohlmaasse. 
Einheit des Flüssigkeitsmaasses ist die Gallone: 
I Gallone = 4 Quart = 8 Pints = 3*7^ Liter. 
* Hogshead (Oxhoft) = 280-2 Liter. 
Für trockene Gegenstände ist die Einheit des Hohlmasses 
der Bushel. 
I Bushel = 4 Pecks = 32 Quart = 64 Pints = 35 23 Liter. 
I Bushel Weizen = 60 Ibs. 
1 „ Mais =56 „ 
I „ Roggen = 56 „ 
I „ Erbsen =60 „ 
I „ Gerste =48 „ 
I „ Hafer =34 » 
Ein Barrel (Fass), bbl., als Hohlmaass für Mehl, hält 196 
Pfund, Reis 600 Pfund, Fische 200 Pfund, Petroleum 60 Gal 
lonen, andere Flüssigkeiten 30 Gallonen; i Klafter (Cord) 
Holz = 8X4X4 Fuss = 128 Kubikfuss. 
Eine Tonne Schiffsraum = 40 Kubikfuss englisch. 
52
        <pb n="833" />
        &gt;• 
m 
Jbj 
8i8 
Gewichte. 
Die in den Vereinigten Staaten geltenden Gewichte zer 
fallen in das Avoirdupois- und Troy-Gewicht. Ersteres ist 
das allgemein gebräuchliche (englische Handelsgewicht), letz 
teres wird ausschliesslich in der Pharmacie, Photographie, bei 
wissenschaftlichen Arbeiten sowohl wie beim Wägen von Gold, 
Silber und Edelsteinen angewandt. 
Avoirdupois-Gewicht: 
1 Pfund, Ib. = i6 Unzen à i6 Drachmen ^ 453-59 Gramm, 
Troy-Gewicht: 
I Pfund r:.: 12 Unzcn à 8 Drachmen à 3 Serupel à 20 Grains 
= 573-23 Gramm. 
1 Unze = 31.10 Gramm. i Scrupel — 1.29 Gramm. 
I Drachme = 3.88 „ i Grain = 0.06 ,, 
Bei grossen Quantitäten wird nach Centner und Tonnen 
gerechnet. 
Der Centner = 112 lbs. = 50.8 Kg. 
Die lange Tonne, im Seefracht verkehr gebräuchlich = 2240 Ibs. 
= 1016 Kg. 
Die kurze Tonne, im inneren amerikanischen Verkehr ge 
bräuchlich, == 2000 Ibs, = 907 Kg. 
I Firkin Butter = 56 Ibs. 
I Tub Butter = 86 Ibs. 
I Humpheon Maismehl = 400 Kg. 
I Tierce Schmalz = 330 Ibs. 
I Hogshead Zucker = 1.137 Ibs. 
I Ballen Baumwolle im Allgemeinen = 440 Ibs., in Texas 
etwas schwerer = 480 bis 500 Ibs. 
Wärmemaass. 
Der Fahrenheit’sche Thermometer ist in Amerika üblich. 
Bei ihm ist der Siedepunkt des Wassers 212 Grad, der Null 
punkt 32 Grad. In folgender Tabelle stehen sich die ent 
sprechenden Grade der drei üblichen Thermometer gegenüber:
        <pb n="834" />
        52* 
8i9 
Fahrenheit 
über o 
212 
203 
194 
ï 85 
1 76 
167 
158 
149 
140 
13: 
122 
”3 
104 
95 
80 
77 
68 
Reaumur 
über o 
80 
76 
72 
68 
65 
60 
56 
52 
48 
44 
40 
36 
32 
28 
24 
20 
16 
Celsius 
über o 
100 
95 
90 
85 
80 
75 
70 
56 
60 
55 
50 
45 
40 
35 
30 
25 
20 
Fahrenheit 
über o 
59 
50 
41 
32 
23 
14 
5 
o 
unter o 
4 
13 
22 
31 
40 
49 
Der Meridian von Washington ist 77 " 
vom Meridian von Greenwich und 79 " 
Länge vom Meridian von Paris. 
Réaumur Celsius 
über o über o 
12 15 
8 IO 
4 5 
o O 
unter o unter o 
4 5 
8 IO 
12 15 
14 29 ^779 
16 20 
20 25 
24 30 
28 35 
32 40 
36 45 
2' westlicher Länge 
20' 36" westlicher
        <pb n="835" />
        Alphabetisches Inhalts -Verzeichniss. 
Abdeckereien 584, 655. 
Ackerbaumaschinen 627, 780. 
Ackerbau in Nordamerika 46, 121, 
169, 355» 460, 782. 
Ackerbau - Statistik 450, 453, 454, 
658. 
Acme-Cultivator 465. 
Adelsverein, deutscher; Gründung des 
selben in Texas 303, 
Agrarier in Deutschland 763. 
Agrarrecht in der Union 422. 
Amerikaner in Europa 13, 14. 
Amerikanische Doctrin 272. 
Amerikanische Farmer 356, 624. 
Anamiten 572. 
Anbaufläche in Nordamerika 99, 169, 
782. 
Anbaufläche in Kansas 355. 
Andrassy, Graf Géza 6, 692. 
Ansiedlung in Texas 223. 
Apponyi, Graf 764. 
Arbeit noch capitalbildend in Amerika 
37, 750. , „ „ 
—, Productionskosten derselben 803. 
— —, in Deutschland 804. 
Arbeiterbündnisse 747. 
Arbeitslöhne in Amerika 38, 41, 139, 
171, 201, 635, 745. 748, 753. 
Arbeiter, amerikanische 11, 37, 41, 
747- 
Arbeitsstatistik 746. 
Arbeiterimport Amerikas 18, 24. 
Arizona 420, 434, 
Armee 800. 
Arnim, Graf Harry, 257, 814. 
Artesische Brunnen 158, 441, 451, 
530. 
Arthur, Mac 165. 
Auswanderer, europäische, in Amerika 
IO, 15, 808. 
Kosten deren Beförderung 26. 
Auswanderer, gesetzliche Massregcln 
in Bezug auf diese 22, 808. 
—, Statistik 27, 28, 808. 
—, Agenten 25. 
Auswanderung, deutsche 29, 31, 808. 
—, französische 31. 
—, österreischische 32. 
—, slowakische 32. 
—, des Mittelstandes 42. 
, Hanken 770. 
j Bankmonopol 732. 
Banknotenumlauf 734. 
Bauern, deutsche, in Amerika 341,610, 
634. 
Bauholz 202, 
I Baumanpflanzung in der Prairie 350. 
I Baumwollen-Production 37, 48, 148, 
171, 179, 184, 196, 206, 224, 300. 
Baumwollsamenöl 197, 206. 
Baumwollenindustrie 197, 778, 
Beamtenstatistik 726. 
Beamte eines Territoriums 400. 
Beamte eines Staates 693. 
Behörden, landwirthschaftliche 448. 
Bell-Coleman’scher Apparat 131. 
Bergwerke 148. 
Bevölkerung der Vereinigten Staaten 
720. 
Beschäftigungen in den Vereinigten 
Staaten 725. 
Bewässerung, künstliche, 345, 353, 442, 
461, 477, 524, 565. 
Bierproduction und -Consumtion 642. 
Bildung in den Vereinigten Staaten 722. 
Bindemaschine 623. 
Bismarck 15, 258, 805. 
Blaine 165, 259. 
Blei 147. 
Blumen verkauf 157. 
Bodenpreise 119, 238, 362.
        <pb n="836" />
        Böhmische Arbeiter in Amerika 35. 
— Farmen in Kansas 342. 
Bonanza-Farmen 609. 
Bontoux 5. 
Boote zur Getreidebeförderung 53. 
Börne, Colonie 322. 
Branntweinproduction und -Consumtion 
643. 
Brauereigewerbe 642. 
Buchweizen 48, 100. 
Buckle 765. 
Budget der Union 738, 
Butterproduction 645, 673. 
Californien 442, 455. 
Cameron 259. 
Canada 637, 700, 743, 799 
Canada’s Anschluss an die Union 
264. 
Canäle 70, 115, 175, 486. 
Canäle als Concurrenz der Eisen 
bahnen 70, 115. 
Capitalzins 745. 
Capitalwerth der Fabriken u. Farmen 
788. 
Carey, H., 812. 
Cass, Lewis 275. 
Castle Garden 20. 
Charité 3. 
Chauvinismus in Deutschland 806. 
Chequesystem 51. 
Cheyenne 557. 
Chicago 50, I IO. 
China 798, 
Chinesen 192, 441, 438- 
Choureau 105. 
Cimarron 367. 
Cincinnati 50. 
Clay 812. 
Climax, Township 694. 
Code Napoléon 4. 
Colbert 757. 
Colorado 410. . • u.. 
Communicationswesen der Union 485. 
Communisten in Jowa 572. 
Concurrenz, amerikanische, als gross 
ter communistischer Agitator 3. 
Conkling 161, 259. 
County-Verwaltung 692. 
Creditwesen ^^o. 
Creolen 205. 
Currency 734. 
Dairy-Faktoreien 676. 
Dakota 612. 
! Dalrymple’sche Farmenbewirthschaf- 
tung 620. 
Damen, amerikanische 9, 
Deckenfabrikation in Neumexico 386. 
Delbrück 765. 
Denver 409. 
Depositenbanken 51. 
Deutschlands Import und Export von 
Vieh 785. 
Deutsche Ansiedler in Amerika 357, 
I 366. 
I Drainage 656, 712. 
j Dun, Finlay 114, 116, 
; Eads, Capitán 85, i59, 267, 269, 
i 285. 
I Eastman 126. 
i Einkommen des Volkes 741. 
i Einwanderungsbehörde in Newyork 19. 
Eisenbahnbau 498. 
—, Unterstützung desselben durch die 
Regierung 490. 
Eisenbahnbetrieb 500. 
Eisenbahnen der Welt 490. 
— der Union 260, 491. 
— von Mexico 491. 
Eisenbahn-Commissäre 505. 
—Einrichtungen 421, 500. 
Eisenbahnfonds, amerikanische, 492. 
—, Speculation in diesen 492. 
Risenbahnkartelle 504. 
Eisenbahnkönige in Amerika 67, 494, 
732. 
Eisenbahntransport 72. 
Eisenindustrie 138, 776. 
Eisenlager 147. 
Elevatoren 51, S3i 
—, schwimmende 54. 
Engel, Statistiker, 803. 
England 256, 757, 810. 
—, Auswanderung 5. 
, Lage der Grundbesitzer 5 - 
Englische Enquête - Commission 114, 
Englfsche Unternehmer in Amerika 
332, 672. 
Entomolog. Station 451. 
Eriecanal 69. 
Ernte in Californien 467. 
Ernte (Gesammtertrag) von 1882. 787. 
Europa’s Decadenz 43, 805. 
Europäische Bauern in Amerika 357. 
Exemptionsgesetze 227. 
Export der Union 448, 790.
        <pb n="837" />
        822 
Fabriken 772. 
Fahrgeschwindigkeit der Eisenbahnen 
499. 
Farmen, Anzahl 188, 235, 299, 366, 
372, 424, 479, 625, 638. 
—, Preis und Werth 183, 788. 
Farming in Kansas 329. 
— im Redriverthal 629. 
— in Canada 708. 
Fata Morgana 434. 
Fischtransport 326. 
Fischzucht 327, 483. 
Flächenraum der Vereinigten Staaten 
720. 
Fleischexport 126, 230, 295. 
Fleischpreise 786. 
Florida 167, 172. 
Frachtsätze für Waarentransport 506. 
—, für Getreidetransport 65, 88, 92, 
102, 107, 123, 508, 574, 614, 
—, für Passagiertransport 66, 73, 503. 
—, für die Oceanfahrt 112, 511. 
Franciscaner in Californien 455. 
Frankreich und der Panamakanal 254. 
— Lage der Grundbesitzer 4. 
— Méiayagesystem 4. 
Frauenarbeit 39, 686. 
Freelinghuysen 259. 
Freihandel, zukünftiger, in Amerika 44. 
Friedrichsberg 320. 
Galveston 15, 294. 
Garfield 153, 161, 259. 
Gartengrundstücke 430. 
Gastfreundschaft der Amerikaner 19, 
205. 
Geldumlauf 734. 
Gerichtsverfassung eines Territoriums 
402. 
Gerste 48, 100. 
Getreideernte in Californien 467, 
Getreideexport nach Europa 52, 75, 
95, 120. 
Getreideexportkosten 75, 
Getreidefrachtsätze 65, 615. 
Getreidegradirung 57. 
Getreidehandel der Union 49, 71. 
Getreideproduction in Nordamerika 
46, 71, 95, 100, 469. 
Getreidetransport in Nordamerika 49, 
68, loi. 
Gewichte 818. 
Glasfabrikation 777. 
Goldgeld, Entwerthung d. europäischen 
14. 
Goldwäscherei 395. . 
Gould, Jay 494, 732. 
Granger Lodge 90, 104, 505, 794. 
Grant 161, 259, 262. 
Grossbetrieb der Landwirthschaft in 
Californien 463. 
Grossgrundbesitz 188, 301, 368, 430, 
457, 663. 
Gründer, politische 163. 
Gründung des deutschen Adelsvereins 
in Texas 303. 
Grundverschuldung in Californien 457. 
Gudenus, Baron 6. 
Hafenbauten 487, 
Haferproduction in Nordamerika 47, 
100. 
Hahn, Dr. Otto, 713. 
Hamilton 812. 
Handelsbilanz Amerikas 15, 16. 
Handelsentwickelung der Union 790. 
Handelsmarine, amerikanische 284, 
509, 798. 
Hayes 161. 
Header 467. 
Heimstättengesetze 228, 423. 
Heimstätten - Exemptionsgesetze 227, 
230, 427. 
Herrnhuter 140. 
Hespeler 714. 
Heu 48. 
Holzhandel 170, 202. 
Holzreichthum Floridas 185. 
Homestead 228, 423. 
Holzschneidemühlen 781. 
Hoyos, Graf Ernst 6. 
Hypothekar-Credit 51. 
Jannet, Claudio 2, 4. 
Jefferson, Th. 811. 
Ihering 17. 
Illinois 575, 654. 
Import Amerikas 17, 18, 789. 
Indianer 379, 396, 417, 438, 455. 
Indianer-Territorium 230. 
Industrie, amerikanische ii, 146, 148, 
772. 
Invalidenversorgung 739. 
Jowa 567. 
Irländer in Amerika 10, 40. 
Juden in Arizona 439, 516. 
Kalamazoo, County 694. 
Kampfzölle gegen Canada 799. 
Kansas 323.
        <pb n="838" />
        823 
Kansas-City 245, 325. 
Kartoffelproduction in Nordamerika 47. 
Kãseproduction 645, 673. 
Kathedersocialismus 15, 17, 805. 
Kentucky 196. 
Kern 584. 
Kinderarbeit 686. 
Kirchengpit in Californien 456. 
Knights of labor 747. 
Kohlenbergwerke 141. 
Kohlenlager 146, 365, 384. 
Kohlenproduction 
Kohlenverschiffung 136. 
Kosten der landwirthschaftlichen Pro 
duction 363. 
Krieg von 1861—62, Wirkung auf die 
landwirthschaftliche Production 801, 
Kriege, Kosten und Wirkungen 802, 
Kriegsmarine 800. 
Kunstbutter 645, 678. 
Kupfererz 147. 
Kurorte in Florida 176. 
Lafargue 3. 
Landarmee 800. 
Länderbank 5. 
Landgrants 373, 45^- 
Landspeculation 183, 362, 456. 
Landsystem der Union 422, 694. 
Landstrassen 489. 
Landvertheilung von 1870—81, 808. 
Landwirthschaft, Unterschied der ame 
rikanischen und europäischen 625. 
Landwirthsch. Behörden 448, 658. 
Landwirthschaftsbetrieb in Californien 
463. 
Landwirthschaftsbetrieb in Wisconsin, 
Minnesota, Dakota 619. 
Landwirthschaftsbetrieb in Illinois 657. 
Landwirthschaftsbetrieb in Michigan 
Ö83. 
Landwirthschaftsbetrieb in Canada 708. 
Landwirthschafts-Ministerium 156, 449. 
Landwirthschaftsstatistik 450, 658, 782. 
Lead ville 413, 
Le Duc 46, 155, 338. 
Leinwandindustrie ^80, 
Le Play 2, 4, 813. 
Lesseps 266. 
List, Fr., 757, 809. 
Löhne in Amerika 38, 4&gt;i '39t *7'&gt; 
201, 635, 745t 748t 753. 
Los Angeles 443. 
Louisiana 296. 
Maasse 817. 
Mähemaschine 467. 
Maisproduction in Nordamerika 47t 
98, 613, 655, 665. 
Manitoba 705. 
Marken im Getreidehandel 57. 
Maschinenindustrie 780. . 
Mayhinenbetrieb der amerikanischen 
Landwirthschaft 627, 
Mehlhandel 640. 
Mennoniten in Amerika 33^» 335i 
Menschenleben, Preis desselben 803. 
Merkantilismus 15, 17- 
Merry, Capitain 288, 
; Metalle, edle 410, 458. 
I Métayage 188, 432. 
I Mexicaner 194, 417. 
Mexicanische Expedition 257, 265. 
Mexico’s Anschluss an die Union 265. 
Mexico, Handelsverkehr mit der Union 
796. 
Michigan 683, 692, 
Milchwirihschaft 247, 252, 392, 661, 
! ^73. 
: Militarismus in Europa 802, 805. 
Millionäre 730. 
Mineralschätze der Union 145t 3*4. 
Mineralien, Eigenthumsrecht, 374* 
, Minneapolis 640, 
j Minnesota 609. 
I Mir-Agrarsystem 4. 
i Mississippi als Transportstrasse 84, 
104, 269, 
Mixed Husbandry 683. 
Molkereiwesen 661, 673. 
. Mongredien 145. 
I Monopol der Eisenbahnen 72, 732. 
I Montana 231, 615. 
I Montreal 69. 
Mormonen 512, 553. 
' Mosler 115. 
i Mosquitos 612, 
! Mühlenindustrie 640. 
I Münzen 816. 
! Murphy, Dan 457. 
I Xahrungsmittelverfälschung 601, 
Nahrungsmittelpreise 39, 751, 754 
Napoleon III., 254. 
Nationalität, Bildung d, amerikanischen 
21, 809. 
Naturgesetze, wirthschaftliche 17. ' 
Nebraska 566. 
Negerbevölkerung 190.
        <pb n="839" />
        . J 
3 
í ; 
1 
il 
.} 
I' M 
7 
824 
Neu-Braunfels 319. 
Neu-Mexico 400, 434. 
New-Orleans 15, 204. 
Newyork 9, 15. 
Nicaragua-Canal 267, 288. 
Nimmo 291, 750. 
Obstbau 480, 683. 
Olivenöl, Verfälschung desselben 212. 
Oeuvre ouvrière catholique 3. 
Orangenbau in Florida 178, 181. 
Oregon 482. 
Pachtwesen 432, 636, 664, 671, 685. 
Pacificbahnen 261, 607. 
Pacificstaaten 261. 
Panama-Canal 152, 253. 
Papiergeld 735. 
Papierindustrie 781. 
Parlament in einem Territorium 403. 
Passagiergelder auf Eisenbahnen 503. 
Peez 124. 
Pell 114, 116, 
Pensionen 739. 
Perin 3. 
Petroleum 147, 777. 
Pferdezucht 391, 682. 
Politik, amerikanische, 253. 
Prairie in Kansas 329. 
Precincts 405. 
Preise der Producte 750, 773. 
Presse 723. 
Price, Viehexporteur, 715. 
Productionskosten des Getreides in 
Californien 469. 
Pueblo-Indianer 396. 
Randolph 117. 
Raubbau 36, 82, 118, 157, 171, 359, 
466, 571. 
Read 114, 116. 
Red-River-Thal 616. 
Regenfall in Kansas 350, 
Reichthum in Amerika 13, 729. 
Reis 171, 199. 
Reiserouten, europ.-amerik. 7. 
Rendering-Anstalten 584, 655. 
Republikaner, Partei 161. 
Revolutionäre Wirkung der amerika 
nischen Concurrenz 4. 
Rheinländer in Kansas 341. 
Rodbertus 17, 769. 
Roggen 48, 100. 
Ronna 65. 
Rübenzuckerfabriken in Canada 703. 
Säemaschine 464. 
Sagemühlen 781. 
Salt Lake City 523. 
Salz 147, 777. 
Salzsee, der grosse, 520. 
San Antonio 295. 
St. Louis so, 85, loi. 
Santa Fé 418. 
Santa Monica 444. 
Scanlan 589. 
Schafzucht in Texas 226. 
—, in Kansas 360, 
—, in Maxwell 386. 
Schifffahrtsverkehr 797. 
Schiffseisenbahn durch Mexico 267, 
276. 
Schiffskost auf der Reise nach Ame 
rika 7, 8. 
Schlächtereien 128, 245, 582, 605. 
Schlachthaus in New-York 128. 
Schlachtvieh-Statistik 239. 
Schubbert, Dr., 319, 
Schuhindustrie 781. 
Schulden, öffentliche,. 729, 736. 
Schulwesen 10, 40, 193, 404, 648, 
694. 
Schurr 158. 
Schutzzoll, Entwickelung des ameri 
kanischen, 794. 
—, in Deutschland und Oesterreich 763. 
—, socialer, 37, 763. 
Schweinecholera 654. 
Schweinemästung 602. 
Schweinezucht 569, 577, 594. 
Schweinefleisch 98, 113, 234. 
Schweinehandel 577, 594, 605. 
Schweinehandel, Speculation bei dem 
selben 599. 
Schweine-Schmalz 98, 113, 579, 645. 
Secessionskrieg, Wirkung auf die land- 
wirthschaftliche Production 801. 
Seereise nach Amerika 8. 
Seidenindustrie 780. 
Selfgovernment 400, 693. 
Semler 675. 
Senatoren 730. 
Sherman 158, 259., 
Shufeld 275. 
Slowaken in Amerika 33, 34. 
Smithsonian-Institute 158. 
Solms-Braunfels, Prinz 314. 
Sophienburg 317. 
Sorghum-Zucker 336. 
Speculation in Nahrungsmitteln 600. 
Spencer 731.
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Spirituosen 643. 
Spiritusfabrikation 158. 
Staatsmänner der Union 259. 
Staatsschulden 729, 736, 
Staatsschuld, texanische 230. 
Staatsverwaltung 692. 
Statistische Anstalten 450, 658. 
Stein, L. V., 6. 
Steuern 39, 232, 633, 698, 729, 740. 
—, in Texas 229, 232. 
—, in einem Territorium 404. 
—, in einem Staate 698. 
Stoffel, Oberst 804. 
Strassenbauten 694, 
Süden der Union 187. 
Suezcanal 254. 
Swamps 176, 202, 
Széchényi, Graf Géza 6, 
—, Graf Imre 6, 126, 
Tabak 48, 198, 779. 
Tarifregulirung in Amerika 66, 72, 92, 
615. 
Taylor, Mormonenpräsident 535. 
Technische Bildung in Amerika 10. 
Telegraphie 732. 
Temperaturverhältnisse 174. 
Territorium, Verwaltung eines solchen, 
400. 
Texas 82, 218. 
Topeka 327. 
Töpferindustrie 779. 
Towenshend 364. 
Township Verwaltung 692. 
Transportkosten in Californien 73. 
Transportstrassen 260, 489. 
Tucson 434. 
Ueberlegenheit der Amerikaner 9. 
Umlaufsmittel 732. 
Ungarische Agrar-Statistik 429. 
Union générale 5. 
Union der continental - europäischen 
Mächte 814. 
Unterrichtswesen 648. 
Utah 537, 540. 
Vanderbilt 53. 
Verkehrswesen der Union 485. 
Versuchs-Station, chemische, 451. 
Verwaltung eines Territoriums 400. 
—, eines Staates 693. 
Viehexport 247, 715, 791. 
Viehhandel 235. 
Viehhöfe 126, 244. 
Viehtransport 239, 241, 249, 328, 
508, 559, 7 »5. 
' Viehzucht 171, 185, 195, 201, 332, 
360, 387, 462, 559, 665, 706, 
—, Statistik 195, 784, 
—, in Texas 225, 231, 235. 
—, in Wyoming 558. 
Volkseinkommen 741. 
Volksvermögen 729. 
I Völkerwanderung nach dem Westen 
I 744. 
Waarenpreise 773. 
I Wagner, Adolf 776, 805. 
¡ Wagner, Geometer in Manitoba 637, 
I Waldverwüstung 201. 
I Walker, Statistiker 154, 259. 
I Wärmemaass 818. 
i Warrantsystem 51. 
; Washington 150. 
' Washington Territory 482. 
Wasser-Correctionen 487. 
Wasserstrassen 487. 
1 Weideländer 557. 
j Weinbau 158, 328, 480. 
I Weizenexport Nordamerikas 79, 575, 
I 614, 791. 
j Weizenproduction der Welt 122. 
— in Nordamerika 46, 79, 99, 121, 
613, 638. 
I — Kosten derselben 116, 363, 573, 
614, 689. 
Í — der Südseeländer 71. 
j — in Illinois 119. 
I Weilandcanal 68, 110. 
i „West, ferner“ 346. 
I Wetter-Signaldienst 450. 
I Wirthshäuser 643. 
I Windom 104, 162, 259, 271, 812. 
I Wirth, Max 65. 
Wisconsin 612. 
' Wollproduction und Manufactur 778. 
Í Wuchergesetze 771. 
1 Wüste, grosse amerikanische, 512, 550. 
j Wyoming 558. 
Young, Brigham, 518, 547, 
I Yuma, Fort, 437. 
Zeitungen 723. 
Ziegenzucht in Texas 226. 
Ziegeleien 782. 
Zink 147. 
Zinsfuss 120, 771. 
Zollsätze seit 1789 793. 
—, Herabsetzung derselben 795. 
] Zuckerproduction 156, 176, 199, 300, 
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Verlag von Hermann Bahr, Berlin, W. Mohrenstr. 6. 
Aus Dr. R. Meyer. Ursachen der Amerikan. Ooncurrenz 
Copyright, 1883, by Rand, McNally &amp; Co., Map Publishers and Engravers, Chicago, Ü.^.g
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