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Dr. Richard Hildebrand, 
‘ Professor der Politisolicn Oekonomie nn der Universität Grnz. 
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Verlag von Gustav Fischer. 
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Dr. Richard Hildebrand, 
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        Inhaltsübersicht.. 
Capitel I. 
(jrpld und Wann* 1 
1. Das Geld keine Waare, sondern vielmehr das grade Gegen- 
theil einer Waare. 2. Die Edelmetalle. Ihre unbedingte 
und uneingeschränkte Verwendbarkeit als Mittel des Ent 
geltes. 3. Werthmaass. Der Preis nicht der unmittel 
bare, sondern nur der mittelbare Ausdruck des Werthes 
der Waare, d. h. die Preisbestimmung keine Gleichung, 
sondern Werth und Preis der Waaren stehen nur zu 
einander in Proportion. 
Capitel II. 
Bedarf* an Geld 33 
Das Geld nur als Zahlmittel, nicht auch schon als Umsatz- 
mittel ein Gegenstand bestimmten Bedarfs. Unhaltbar 
keit der Iheorie von der „Circulationsgeschwindigkeit“ 
des Geldes. Der Geldbedarf nur zu bestimmen nach dem 
Gesammtbetrag der gleichzeitig auszuführenden Zahlungen. 
Kompensationsverfahren. Kassenhaltung. Künstliche Er 
satzmittel des haaren Geldes; Banknoten, System der Gut 
haben in Contocorront und der Cheques, inconvertibles 
Papiergeld.
        <pb n="8" />
        IV 
Inhaltsüher sicht. 
Seite 
Capitel III. 
(xcld 1111(1 Kapital 66 
Das Geld eine Erscheinungsform des Kapitals so gut wie 
die Waare ; denn alles Kapital besteht seinem Wesen 
nach nur in bestimmten, für Erwerbszwecke verfüg 
baren, Werthbeträgen, nicht in bestimmten Werthob 
jecten. „Flüssiges“ und „festes“, „umlaufend“ und 
„stehend“ angelegtes Kapital. 
Capitel IV. 
(xcldmeiiçe und Ziiisfiiss 87 
Unterschied zwischen Bank und Börse. Das Bankgeschäft 
kein Handel mit Kapital zum Zweck der Veranlagung, 
sondern nur ein Handel mit Kasse (,,Geldmarkt“). Ueber- 
duss oder Mangel an Geld wirkt nicht (unmittelbar) auf 
den Börsenzinsfuss, wohl aber auf den Bankzinsfuss (Dis- 
conto). Bedarf an Geld zu Zahlungen nach dem Aus 
land. Handelskrisen. 
Capitel V. 
Oeldmeiis^ und Waar(‘iipr(‘is(* . • • loo 
])ie Theorie vom Einfluss der Menge des im Umlauf befind 
lichen Geldes auf den allgemeinen Stand der Waaren- 
preise falsch. Das Geld kein Gegenstand der Werthbe 
stimmung auf dem Waarenmarkt. Ein Ueberfluss oder 
Mangel an Geld (im Sinne nicht der Landesmünze, son 
dern des Edelmetalles überhaupt) wirkt zunächst nur auf 
die Wechselkurse, und, vermittelst der Wechselkurse, 
auf die Preise der Import- und Exportartikel. Export 
und Import von Edelmetall als Geld und als Waare. Auch
        <pb n="9" />
        InhaltsiihersicM. 
die Depretiation des inconvertiblen Papiergeldes äussert 
sich zunächst nur in den Wechsel cursen und in dem Agio, 
nicht in den Waarenpreisen. Unterschied zwischen Staats 
papiergeld und Banknoten.
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        ..urvf lip,, -.k l. !)#." 
•ft-
        <pb n="11" />
        1) Vergl. J. Locke, Consid. of the Conseq. of the lowering of 
Capitel I. 
Geld und Waare. 
1. 
In der Geschichte der Ansichten über das Wesen 
des Geldes lassen sich drei Entwicklungsstufen unter 
scheiden. 
Zuerst sieht man in dem Geld gewissermaassen 
den Inbegriff alles Ileichthums oder die einzige Sache 
von wirklichem Werth, da für Geld Alles zu haben sei. 
Das ist der Standpunkt des sog. Mercantilsystems. 
Dann fallt man in das andere Extrem und schreibt 
dem Geld nur einen repräsentativen Werth zu 
oder behandelt dasselbe als ein reines „Werth Zeichen“ 
oder „Unterpfand.“ Das ist die Auffassung vornehm 
lich der englischen Philosophen J. Locke und D. 
Hume •).
        <pb n="12" />
        2 
Capitel I. 
Und endlich behauptet man, dass das Geld eine 
Waare sei, die sich von anderen Waaren nur dadurch 
interest and raising the value of money 1691 II ed. London 1696. 
p. 31: ^.Mankind, having consented to put an imaginary value 
upon gold and silver, hy reason of their durableness, scarcely, and 
not being very liable to be counterfeited, have made them, by general 
consent, the common pledges, tvhereby men are assured, in exchange 
for them, to receive equally valuable things, to those they parted 
with, for any quantity of these metals/* 
D. Hume, Ess. &amp; Treat, vol. II. London 1754 p. 54: „Of 
money“: ,,Money is nothing but the represen tation of labour 
and commodities and serves only as a method of rating or estima 
ting them.'* „Of interest“ : ,,Money having merely a fictitious 
value, arising from the agreement and convention of men**. 
Vgl. auch Montesquieu, de l’esprit des lois L. XXII Ch.II: 
,,La monnaie est un signe qui represente la valeur de toutes 
les marchandises.** 
In neuerer Zeit sind einige Schriftsteller in diese Auffassung 
zurückgefallen. So insbesondere Macleod, Diet, of pol. economy. 
London 1863. vol. V. Art. Currency: „IVhatever material the 
currency may consist of, it represents transferable debt and 
nothing else. The true character of money being a pledge. As 
he takes is not for any direct use it can be to him, but only 
because he believes he can get what he wants when he pleases , it 
is general credit, or a bill of exchange on the commercial com 
munity.** 
AehnlichS. Oppenheim, „dieNatur des Geldes“ (Mainz 1855). 
Alle diese Schriftsteller übersehen, dass, wenn auch das Geld 
bei jedem Einzelnen zunächst nur deshalb Annahme findet, 
weil man sich vermittelst desselben Alles andere zu verschaffen im 
Stande ist, der Werth des Geldes in letzter Instanz doch
        <pb n="13" />
        1* 
Geld und Waare. 
3 
unterscheide, dass sie nicht zur unmittelbaren Befrie 
digung von Bedürfnissen, sondern als allgemeines 
„Tauschmittel“ und „Werthmaass“ diene oder zu dienen 
bestimmt sei. Das ist die noch gegenwärtig allgemein 
verbreitete Anschauung. 
Die moderne Gesellschaft — so deducirt man — 
ist in wirthschaftlicher Beziehung so organisirt, dass 
jeder Einzelne nur eine bestimmte Gattung von Gütern 
erzeugt oder liefert, oder eine specielle Art von Arbeit 
verrichtet, und daher, um zur Befriedigung seiner man 
nigfachen Bedürfnisse zu gelangen, hauptsächlich auf 
den Austausch seiner spezilischen Erzeugnisse oder 
Leistungen gegen die spezifischen Erzeugnisse oder 
darum noch kein blos repräsentativer oder fiotiver ist; denn sonst 
müsste das Geld seinem Besitzer irgend eine Forderung oder 
irgend welchen Rechtsanspruch auf den Empfang von Waaren ge 
währen, während es doch thatsächlich immer nur der freie Wille 
ist, welcher einen Jeden zur Annahme des Geldes im Handel oder 
zur Hingabe von Waaren gegen Geld bestimmt. Vgl. schon 
J. Law („Memoire sur les banques“): ,,¿fl monnaie n'est pas un 
gage — c'est une valeur payée ou qu'on s'engage de payer** 
und Turgot, Réfl. sur la form, et la distrib. des richesses 
1766 (Oeuvr. do T. ed. Daire Tome I. Paris 1844): j^Voilà donc 
Cor et targent constitués monnaie et cela sans aucune convention 
arbitraire des hommes^ mais par la nature des choses. Ils ne 
sont pointf comme bien des gens Pont imaginés, des 
signes des valeurs, ils ont eux même une valeur.**
        <pb n="14" />
        4 
Capitel I. 
Leistungen Anderer angewiesen ist. Der unmittel 
bare Austausch dessen, was Jemand im Ueberilusse 
besitzt oder hervorbringt, gegen dasjenige, woran er 
Mangel leidet, würde indess auf unüberwindliche Hin 
dernisse stossen, schon aus dem Grunde, weil sich nicht 
leicht zwei Menschen treffen, von denen der Eine ge 
rade an derjenigen Waare Ueberfluss hat, und in dem 
entsprechenden Maasse, an welcher der Andere Mangel 
leidet, und umgekehrt. Ausserdem hält es auch schwer, 
direct zu bestimmen, in welchem Verhältniss die ein 
zelnen W a aren gegeneinander umgetauscht werden sol 
len, oder wie viel von der einen Waare einer be 
stimmten Quantität der andern im Werthe gleich ist. 
Daher bedient man sich beim gegenseitigen Austausch 
der Waaren einer bestimmten Waare, die hierfür be 
sonders geeignet erscheint, als Medium. Diese Waare, 
in welcher der Preis jeder anderen Waare festgesetzt 
wird, oder durch deren Dazwischenkunft der Tausch 
gewissermaassen nur in zwei Theile, den Verkauf und 
den Kauf, zerlegt wird, oder welche in jedem einzel 
nen Falle, nicht sowohl um ihrer selbst willen, als 
vielmehr nur deshalb Annahme findet, weil man sich 
vermittelst derselben wiederum jede „andere“ Waare, 
deren man bedarf, mit Leichtigkeit verschaffen kann, 
oder weil man weiss, dass auch jeder Andere sie wieder
        <pb n="15" />
        Geld und Waare. 
5 
im Austausch für seine Waaren anzunehmen bereit ist, 
diese „allgemeine“ oder „allgemein beliebte“ Waare — 
ist das Geld 2). 
2) Vgl. Turgot a. a. O.: ,,Toute marchandise a les deux pro 
priétés essentielles de la monnaie, de mesurer, et de représenter toute 
valeur, et dans ce sens, toute marchandise est monnaie. Récipro 
quement toute monnaie est essentiellement marchandise.'* 
J. B. Say, Traité d’economie politique. Tome I. Paris 1803. 
p. 417: ,,Celte marchandise est la monnaie.** 
M® Culloch, Treat, on Metall, and paper money and banks. 
Edinb. &amp; London 1858 p. 1—4. 
J. St. Mill, Principl. of pol. econ. (people’s edition) London 
1865. p. 374: ,,The introduction of money is a mere ad 
dition of one more co nitno di ty.** 
Courcelle-Seneuil, Traité des operations de banque. 
IV ed. Paris 1864: ,,Cette marchandise, dont sa fonction est 
de servir d'intermédiaire et d'instrument aux échanges, s'appelle 
monnaie.** 
Roscher, Syst. I. (11. Aufl.) Bd. IL Ch. 3. § 116. Anm.: 
,,l)ie falschen Definitionen von Geld lassen sich in zwei liaupt- 
gruppen theilen: solche, die es für mehr, und solche, die es für 
weniger halten, als eine IVa are,** 
^Vagner, Art. Münz wesen in Bluntschlis und Braters 
Staatswörterbuch B. VII p. 65 ff. : „/Hs dann die H aare, welche 
man als I reismaass und Tauschäquivalent zu benutzen begonnen, 
immer allgemeiner zu diesen Zwecken gebraucht zu werden pflegte, 
war das (weld da. — Die hinführung des Geldes hat somit zweierlei 
bewirkt, nämlich die Substitution der Preisbestimmung in einer 
H aare, dem Gelde, statt der in allen, und die Zerlegung des einen 
'Iauschactes m zwei gesonderte, die Hingabe von H’aare gegen Geld 
und von Geld gegen fVaare, oder den sog. Verkauf und Kauf,
        <pb n="16" />
        6 
Capitel 1. 
1st die geschilderte Theorie, welche, wie man sieht, 
jeden principiellen Unterschied zwischen Geld und 
Waare leugnet oder doch das eigenthümliche Wesen 
des Geldes nur und allein in der Vermittlerrolle erblickt, 
welche dasselbe im Handel spielt — ist diese Theorie, 
der man noch jetzt in allen Lehrbüchern der politischen 
Oekonomie begegnet, richtig? 
Dass das Gold oder Silber eine Waare ist, das 
unterliegt wohl keinem Zweifel. Allein folgt daraus 
auch schon, dass das Geld eine Waare ist? Oder 
bilden nicht vielmehr Geld und Waare ihrer Natur 
nach geradezu diametrale Gegensätze? Dergestalt, dass 
das Edelmetall zwar sowohl Waare als Geld, oder je 
nach den Umständen, bald Waare, bald Geld, niemals 
aber Geld und Waare zugleich sein kann? 
Um hierüber in’s Klare zu kommen, braucht man 
nur das Geld und die Waare nach der Holle, welche 
wie man sieht, lauter formelle Aenderungcn, die das U'escn der 
Vorgänge nicht berühren.^* ,,Geld, also auch Münzgeld, 
ist eine fVa are, durch welche die Volkswirthschaft nur tan eine 
sehr beliebte, oft vertauseht werdende (!), IVaare bereichert wor 
den ist.** 
Vgl. auch ßau-Wagner 1. p. 49. 
Marx, Das Kapital, Hamburg 1872. p. 111. 
Knies, Das Geld. Berlin 1873. p. 105 ff. p. 109. 110. 
Goldschmidt’, Handelsrecht. I. B. II. Abth. C. I.
        <pb n="17" />
        Geld und Waare. 
7 
sie beide im Handel spielen, etwas weniger oberiläcli- 
lich, als dies bisher stets geschehen ist 3), mit einander 
zu vergleichen, oder m. a. W. den Akt des Umsatzes, 
oder den Kauf oder Verkauf von Waaren einer ge 
naueren psychologischen Analyse zu unter 
ziehen. 
Jede Waare wird veräussert, weil der Eine ver 
gleichsweise Ueberfluss, der Andere vergleichsweise 
Mangel daran hat, oder weil, gleichviel aus welchem 
Grunde, der Eine einen höheren Werth auf den Besitz 
derselben legt, als der Andere. Aller Handel — und 
die Waare ist ja nichts anderes als das Object des 
Handels — gründet sich auf eine dem Bedarf nicht 
entsprechende Vertheilung des betreifenden Artikels 
unter die verschiedenen Personen (resp. Plätze oder 
3) Vgl. z. B. Roscher a. a. 0. p. 194: ,,Ein\zum rertauschcn 
bestimmtes Gut heisst ff^aare.** 
Rau-Wagner a. a. 0. I. p. 48; ,,I)as regelmässig zum 
Tausche, daher namentlich zum Liebergang in den l'erkehr, bestimmte 
Gut pßegl ITa are, das Gut, gegen welches es regelmässig einge- 
tauscht wird, pßegt Zahlmittel {Tauschmittel) genannt zu werden.** 
Weiss nun nach dieser schönen Definition Jemand, worin der 
Unterschied zwischen Geld und Waare besteht? Oder ist mit 
dieser sog. Definition auch nur im geringsten mehr gesagt, als 
dass eben das Geld immer die eine, die Waare immer die andere 
Seite jedes Umsatzes oder Kaufaktes bildet ?
        <pb n="18" />
        8 
Capitel 1. 
Länder, oder auch Zeiten) oder auf den ungleichen 
Werth, den verschiedene Personen (resp. ganze Plätze, 
Länder oder Zeiten) auf den Besitz einer und derselben 
Sache oder Güterspezies legen ; denn aller Handel will 
ja grundsätzlich oder seiner Natur nach nichts anderes 
als eben dieses Missverhältniss in der Vertheilung aus- 
gleichen oder aus dieser Differenz im Werthe Nutzen 
oder Vortheil ziehen. Dies gilt ebensowohl von dem 
einfachen Kauf oder Verkauf von Waaren, wie von 
dem aus Kauf und Verkauf zusammengesetzten Han 
delsgewerbe, nur dass bei dem letzteren die Werthdif 
ferenz, um die es sich handelt, in einer Preisdifferenz 
zum Ausdrucke gelangt und sich insofern als eine ob- 
jectiv messbare Grösse darstellt (auf welcher der Han 
delsgewinn basirt), während sie beim einfachen Kauf 
oder Verkauf nur eine psychologische Thatsache ist. 
Das Geld dagegen geht — wenigstens auf dem 
Waaren markt und um diesen allein handelt es sich 
hier, im Gegensatz zum sog. Geldmarkt — von Hand 
zu Hand nicht, weil der Eine mehr, der Andere we 
niger davon besitzt oder besässe, als er bedarf oder 
gebrauchen kann, oder weil der Eine einen höheren 
Werth auf den Besitz desselben legt oder legen würde, 
als der Andere. Denn das Geld ist, an sich genom 
men oder von Haus aus, überhaupt kein Gegenstand
        <pb n="19" />
        (reíd und Waare. 
9 
(les Bedarfs, d. h. eines möglichen Ueherflusses auf der 
einen, eines möglichen Mangels auf der anderen Seite. 
Es wird ein Gegenstand bestimmten Bedarfs immer erst 
durch den Handel, d. h. dadurch, dass bestimmte („Zah- 
lungs-“) Verbindlichkeiten darin ein gegangen werden. 
M. a. W. Alles Geld ist nur dazu da, um ausge 
geben zu werden — sei es früher oder später, in 
der einen oder anderen (gewinnbringenden oder nicht 
gewinnbringenden) Weise. Daher denn auch die Hin 
gabe des Geldes im Handel nicht erst durch einen Ueber- 
iluss an Geld bedingt sein kann, sondern vielmehr, 
ihrer Natur nach betrachtet, eine ganz unbedingte 
und uneingeschränkte sein muss. Und auf der andern 
Seile wird doch nichtsdestoweniger auch ohne dass in 
jedem einzelnen Falle gerade immer ein bestimmter 
Bedarf danach vorzuliegen braucht, resp. auch über 
den jeweiligen Bedarf hinaus, also unter jeder Be 
dingung und in jeder auch noch so grossen Quantität, 
auf den Besitz des Geldes Werth gelegt, so dass also 
auch die Annahme des Geldes im Handel keineswegs 
immer einen Mangel an (ield — auf Seiten derjenigen 
Personen, welche überhaupt Geld einzunehmen trachten 
oder Waaren zu veräussern haben — voraussetzt oder 
sich innerhalb der (jienzen eines bestimmten Bedarfs 
zu bewegen braucht, sondern vielmehr, ihrer Natur nach
        <pb n="20" />
        10 
Capitel 1. 
betrachtet, ebenfalls eine ganz unbedingte und un 
eingeschränkte ist^). 
Das Geld geht also — auf dem Waarenmarkt — 
(wenigstens in der Kegel) nur aus dem Grund von 
Hand zu Hand, weil der Eine vergleichsweise Mangel, 
der Andere vergleichsweise Ueberfluss an einer Waare 
hat, oder weil der eine einen höheren Werth auf den 
Besitz einer Waa re legt, als der Andere. D. h. m. a. 
W. das Geld geht — auf dem Waarenmarkt — über 
haupt nicht als ein Gegenstand des Bedarfs (sei es 
eines mittelbaren oder unmittelbaren), noch als ein 
Gegenstand der Spekulation, sondern nur und 
allein als Mittel des Entgeltes oder Verkör 
perung von Werth aus einer Hand in die andere. 
Das Geld ist folglich keine Waa re, sondern 
vielmehr das gerade Gegentheil einer Waare. 
Und das eigenthümliche Wesen des Geldes im 
Unterschied von der Waare liegt daher auch keines 
wegs blos in der Vermittlerrolle, welche das Geld im 
Handel spielt, sondern vielmehr vor Allem und haupt- 
4) Siehe schon J. Locke a. a. 0,, p. 71: ,,Money never lying 
upon people's hands, or wanting vent—but every body being 
ready to receive money without bounds and keep it by him 
because it answers all things therefore the vent of money is always 
sufficient or more than enough.'‘
        <pb n="21" />
        Geld und Waare. 
11 
sächlich darin, dass, während jede Waare immer nur 
unter ganz bestimmten Voraussetzungen und innerhalb 
ganz bestimmter Grenzen feil geboten wird und auf Ab 
satz rechnen kann, die Annahme und Hingabe des Geldes 
im Handel, d. h. bei jedem einzelnen Umsatzakt oder 
jeder einzelnen Veräusserung von Waaren (oder Leistung 
von Diensten) gegen Entgelt dagegen, wie schon gesagt, 
eine ganz unbedingte und uneingeschränkte ist; denn 
erst auf Grund und in Folge dieser ganz unbeding 
ten und uneingeschränkten Annahme und Hingabe als 
Mittel des Entgeltes oder dieser ganz absoluten „Kauf 
kraft“, welche das Geld in jedem einzelnen Falle 
bewährt, wird dasselbe, naturgemäss und von selbst, 
zum Bindeglied zwischen allen einzelnen Kauf- und Ver 
kaufsakten. M. a. W. nicht sowohl darin besteht der Un 
terschied zwischen dem Tausche einerseits, dem Kaufe 
und Verkaufe andererseits, dass beim Tausche das 
jenige, woran man Ueberfluss hat, direct gegen das 
jenige umgesetzt wird, woran man Mangel leidet, beim 
Verkaufe und Kaufe dagegen dieser Umsatz indirect 
bewerkstelligt wird oder in zwei Theile zerfällt, als 
vielmehr darin, dass beim Tausche beide Parteien so 
wohl einem Mangel abzuhelfen als einen Ueberfluss zu 
verwerthen trachten, beim Kaufe oder Verkaufe es sich 
dagegen dem einen Theile nur um die Beseitigung
        <pb n="22" />
        12 
Capitel I. 
eines Mangels oder um die Befriedigung eines Bedarfs, 
dem andern Theile dagegen (wenigstens zunächst und 
unter allen Umständen) nur um die Verwerthung eines 
Ueberflusses handelt, so dass also auch durchaus nicht 
jeder Verkauf immer und unbedingt auf einen Kauf 
abzuzielen, noch jedem Kauf immer nothwendig ein 
Verkauf vorausgegangen zu sein braucht, sondern Kauf 
und Verkauf vielmehr Akte sind, die auch ganz ge 
trennt und unabhängig von einander gedacht werden 
können ^). 
2. 
Wie kommen nun gerade die Edelmetalle zu dieser 
ganz unbedingten und uneingeschränkten Verwendbar 
keit als Mittel des Entgeltes, welche, wie gesagt, das 
eigentliche Wesen oder die spezifische Kraft des Gel 
des ausmacht? 
Ist es nicht wunderbar, dass just die Edelme 
talle, diese an sich so unnützen und entbehrlichen 
Substanzen, die keinerlei dringendes Bedürfniss be 
friedigen , mit denen sich unmittelbar so gut wie 
nichts machen oder anfangen lässt, ausser dass man 
5) So kann ja dem Kauf oder Verkauf von Waaren z. B. auch 
ein Darlehn vorausgegangen sein resp. nachfolgen.
        <pb n="23" />
        Geld und Waare. 
13 
sie zu Schmuck und (ieräth, Prunk, Zierrath und Ge 
schmeide verarbeitet, kurz allerlei eitlen Tand und 
Luxus daraus verfertigt — dass gerade diese Sub 
stanzen eine so wichtige und dominirende Rolle im 
wirthschaftlichen Leben der Völker spielen und von 
Alters her gespielt haben, eine Rolle, die man nicht 
unpassend verglichen hat mit der Funktion des Blutes im 
thierischen Organismus? Klingt es nicht wie ein Para 
doxon, dass gerade auf den Besitz dieser an sich so über 
flüssigen und unnützen Materien — man möchte fast 
sagen: auf dieses Spielzeug — nichtsdestoweniger von 
aller W eit Werth gelegt wird und in unbegrenzter Aus 
dehnung, dass diese Metalle, sei es nun in Gestalt von 
Münze oder in Gestalt von Barren und dergleichen, immer 
und überall, zu allen Zeiten und an allen Orten, bei Jeder 
mann, der W aaren gegen Entgelt zu veräussern hat, 
oder Arbeit um Lohn verrichtet, ganz unbedingte und 
uneingeschränkte Annahme linden, während doch im 
Allgemeinen jeder andere Artikel immer nur bedingungs 
weise willkommen ist oder m. a. W. nur insoweit auf 
Absatz oder Annahme rechnen kann, als eben in jedem 
einzelnen Falle gerade ein bestimmter Bedarf oder Be 
gehr danach vorliegt, oder ein positiver Nutzen oder 
Gewinn damit zu erzielen ist, und dass diese Metalle
        <pb n="24" />
        14 Capitel I. 
SO gleichsam die Schlüssel bilden, denen sich alle 
Thüren öffnen ? 
Wie ist diese merkwürdige und fast räthselhafte 
Erscheinung zu erklären? 
Bis jetzt hat man den Ursprung des Metallgeldes 
regelmässig auf folgende Momente zurückgeführt: 1) auf 
die allgemein verbreitete Verwendung der Edelmetalle 
zu Schmuck und Geräth; 2) auf die qualitative Be 
stimmtheit oder Einfachheit und gleichartige Beschaffen 
heit, sowie leichte Erkennbarkeit ihrer Substanz; 3) auf 
ihre Dauerhaftigkeit oder Härte und Unzerstörbarkeit; 
4) auf ihre leichte Eormbarkeit und unbegrenzte Theil- 
barkeit ohne jeden Werth vertust; und endlich 5) auf 
ihre Seltenheit, oder ihren hohen spezifischen Werth, 
oder, noch anders ausgedrückt, auf ihr im Verhält- 
niss zum Werth sowohl für den Transport als für die 
Aufbewahrung so bequemes Gewicht und Volumen. 
Zur vollständigen Erklärung der unbedingten und un 
eingeschränkten Annahme und Hingabe der Edelmetalle 
als Mittel des Entgeltes gehört jedoch noch ein Moment, 
das in dieser Liste unerwähnt geblieben ist. Es ist dies 
der Umstand, dass die Edelmetalle, ebenso wie z. B. auch 
die Edelsteine, Materien sind, deren Werthschätzung in 
letzter Instanz oder ursprünglich überhaupt nicht in 
irgend welcher bestimmten Verwendung, sondern ein-
        <pb n="25" />
        Geld und Waare. 
15 
zig und allein in einer Art von ästhetischem Wohl 
gefallen oder unmittelbarem sinnlichen Reize wur 
zelt®), oder m. a. W., dass der Werth der Edelmetalle 
von Haus aus gewissermassen nur ein Affections- 
wer.th ist^). Denn bei einem Artikel, der ursprüng 
lich oder in letzter Instanz nur aus ästhetischen Grün 
den geschätzt wird, gibt es offenbar von Haus aus 
auch keinen der Grösse nach irgend wie bestimmten, 
d. h. nach oben oder nach unten bedingten oder be 
grenzten Bedarf, d. h. weder einen eigentlichen Mangel 
noch einen eigentlichen Ueberfluss, wie denn auch in 
der That die Edelmetalle erst in Folge einerseits der 
Verwendung zu Schmuck und Geräth, und anderer 
seits der Verwendung zu Geldzwecken ein Gegenstand 
bestimmten Bedarfs und damit zugleich eine 
Waare geworden sind, während sie ursprünglich oder 
6) So bemerkt auch schon A. Smith, H. I. Cap. XI. S. II: 
,,7'Ae demand for those metals arises partly from their utility, and 
partly from their beauty,^* ,,Their principal merit, however, 
arises from their beauty, which renders them peculiarly ßt for 
the ornaments of dress and furniture.*' 
7) Diesen Ausdruck natürlich in einem anderen als dem land 
läufigen Sinne verstanden. Sehr lustig definirt der alte Kau 
(p. 78) den „Affectionswerth“ : ,,Kine besondere y/r/ des individuellen 
ll'erthes, beruhend nicht auf einem eigentlichen Sätzen, sondern 
auf einem Gefühle, welches aus dem Genüsse entspringt."
        <pb n="26" />
        16 
Capitel I. 
von Haus aus nur ein Object der, aus dem ästhetischen 
Wohlgefallen hervorgegangenen, Werthschätzung 
waren, und nichts weiter. Bei einem derartigen Ar 
tikel kann also auch, wenigstens von Haus aus, weder 
die Hingabe, noch die Annahme als Mittel des Entgel 
tes durch einen Uebertluss resp. Mangel daran bedingt 
oder beschränkt sein. Vielmehr muss bei einem der 
artigen Artikel sowohl die Hingabe als die Annahme in 
Jedem einzelnen Falle naturgemäss eine ganz unbe 
dingte und uneingeschränkte sein. Auf diese Weise 
bildet also, wie man sieht, gerade derjenige Umstand, 
welcher auf den ersten Blick das Phänomen des Me 
tallgeldes so räthselhaft, ja fast unerklärlich erscheinen 
Hess, der Umstand nämlich, dass die Edelmetalle als 
solche kein eigentliches Bedürfniss befriedigen, sondern 
ziemlich überflüssige und unnütze Dinge sind, einen 
wesentlichen Erklärungsgrund mit für die Thatsache, 
um die es sich handelt, wenn auch ohne Zweifel nur 
in Verbindung mit allen jenen anderen, bereits oben 
erwähnten Eigenschaften, da man ja sonst nicht be 
greifen würde, wie es kommt, dass gerade die Edel 
metalle und nicht z. B. auch die Edelsteine Geld wer 
den konnten. Jene unmittelbare und lebendige Em 
pfindung für die Schönheit oder den stofflichen Heiz 
der Edelmetalle mag allerdings, wie ich mir nicht ver-
        <pb n="27" />
        2 
Geld und Waare. 
17 
hehle, ebenso wie ja auch das naive Wohlgefallen an 
Edelsteinen, Perlen etc. im Laufe der Zeit und unter 
dem Einfluss der Kultur und der Reflexion bei den ge 
bildeten und überbildeten Völkern und Volksschichten 
sehr in den Hintergrund getreten sein. Jedenfalls aber 
hat man es doch bei den Edelmetallen mit einer Werth 
schätzung zu thun, die, ursprünglich aus einem rein 
ästhetischen Wohlgefallen hervorgegangen, sich durch 
Gewohnheit und Uebertragung bis auf den heutigen 
Tag in Wirksamkeit erhalten hat, und nur unter dieser 
Voraussetzung ist, wie ich glaube, die unbedingte und 
uneingeschränkte Annahme, welche die Edelmetalle noch 
jetzt fortwährend als Mittel des Entgeltes finden, auf 
eine natürliche Weise zu erklären®). 
8) Man könnte mir vielleicht einwenden, dass ja nicht allein 
Gegenstände eines ästhetischen Wohlgefallens, sondern auch Ge 
genstände eines dringenden Bedarfs oder greifbaren Nutzens als 
Geld gedient haben und theilweise noch jetzt bei manchen Na 
turvölkern, in den entfernteren Theilen der Erde, als Geld im 
Gebrauch sind: Korn und Salz, Fische, Leder und Pelz werk, Ta 
bak, Oel, Sclaven und Heerdenvieh, Leinen- und Wollenstoff, 
Eisen, Kupfer, Erz u. s. w. Indess behaupte ich ja nicht, dass 
die absolute „Geltung“ im Handel oder die unbedingte und un 
eingeschränkte Annahme als Mittel des Entgeltes immer eine 
Werthschätzung aus ästhetischen Gründen zur Voraussetzung habe 
oder immer nur und allein aus einem ästhetischen Wohlgefallen 
liervorgehen könnte. Was ich behaupte, ist vielmehr nur, dass es
        <pb n="28" />
        18 
Capitel I. 
3. 
Alle Oekonomisten ohne Ausnahme sehen in dem 
Preis einer Waare den unmittelbaren Ausdruck ihres 
bei den Edelmetallen das ästhetische Wohlgefallen ist, welches 
die unbedingte und uneingeschränkte Annahme im Handel wesent 
lich mit erklärt. Die letztere kann, bei anderen Gegenständen 
oder Materien, auch von anderen Ursachen herrühren, oder ande 
ren Quellen entspringen, doch dürfte sich bei näherer Betrachtung 
immer ergeben, dass stets nur solche Artikel als Geld gedient 
haben, welche unter den obwaltenden Verhältnissen oder auf der 
betreffenden wirthschaftlichen Kulturstufe nicht allein im Hinblick 
auf eine bestimmte Verwendung oder unter der Voraussetzung und 
innerhalb der Grenzen eines bestimmten Bedarfs oder Begehrs, 
sondern vielmehr unter allen Bedingungen und in jeder auch noch 
so grossen Quantität geschätzt wurden, so dass einerseits sowohl 
ihre unbedingte und uneingeschränkte Annahme als Entgelt, wie 
andererseits auch die Anhäufung und der Ueberfluss daran, und 
damit auch die unbedingte und uneingeschränkte Bereitwilligkeit 
zur Hingabe derselben als Entgelt, im Fall eines Bedarfs nach 
anderen Dingen, die natürliche Folge war oder sich gewissermaassen 
von selbst verstand. So erklärt sich beispielsweise das Viehgeld 
(pecunia) einfach daraus, dass in der Periode des Hirtenle 
bens der Besitz von Heerdenvieh, welches auf jener Stufe fast 
die einzige Unterhaltsquelle bildete, naturgemäss von Jedermann 
nicht nur bis zur Grenze des unmittelbaren Bedarfs, sondern auch 
darüber hinaus, d. h. in ganz unbegrenzter Ausdehnung, geschätzt 
wurde, und daher aller Ueberfluss naturgemäss diese Gestalt an 
nahm. Ueberhaupt wird man auf jeder Kulturstufe immer irgend
        <pb n="29" />
        Geld und Waare. 
19 
Werthes, im Verhältniss zum (leide, oder sind von 
der Vorstellung beherrscht, dass jeder Umsatz, gleich 
viel ob Kauf oder Tausch, eine Gleichung von 
Wer then darstelle, so dass der Rückschluss von 
dem Preise verschiedener Waaren auf ihr gegenseitiges 
Werth verhältniss als eine einfache Anwendung des 
einem Gute begegnen, welches sich des Vorzugs einer ganz unbe 
dingten und uneingeschränkten Werthschätzung erfreut, und da 
her als die specifische und naturwüchsige Form oder Verkörperung 
des Ueberflusses auftritt, und dieses Gut wird unter den obwalten 
den Verhältnissen, d. h. soweit überhaupt Umsätze verkommen, 
nicht nur die Rolle einer Waare spielen, sondern unter Umstän 
den, oder sogar noch häufiger, auch rein als Mittel des Entgeltes 
aus einem Besitz in den andern übergehen, d. h. den Dienst des 
Geldes versehen , wie denn auch der eigentlichen Geldwirthschaft 
zuerst eine rohe Schatzbildung, d. h. eine unbegrenzte Anhäufung 
von Gold oder Silber ohne Rücksicht auf irgend welche bestimmte 
Verwendung vorausgegangen ist. Für das Metallgeld erscheint 
in dieser Beziehung nur das eine charakteristisch, dass sein 
Gebrauch nicht durch eine bestimmte wirthschaftliche Kultur 
stufe bedingt ist, sondern auf jeder Kulturstufe möglich ist 
(Verkehr natürlich vorausgesetzt), weil eben die unbedingte und 
uneingeschränkte Werthschätzung der Edelmetalle in einem ästhe 
tischen, d. h. allgemein menschlichen, Motive, und nicht in irgend 
welchen practischen Gründen oder speziellen ökonomischen Kul 
tur Verhältnissen wurzelt, daher man denn auch thatsächlich das 
Metallgeld, sei es in Gestalt von Staub, Klumpen, Körnern, 
Stangen, Ringen, Barren etc., oder in Gestalt von Münze, auf 
den verschiedensten Entwicklungsstufen des wirthschaftlichen Le 
bens antrifft.
        <pb n="30" />
        20 
Capitel I. 
Prinzips „wenn zwei Grössen einer dritten gleich sind, 
so sind sie auch untereinander gleich“ erscheine®). 
9) So schon 
J. Locke a. a. O. p. 32: t&gt;The marketable value of any 
assigned quanti ties of two, or more commodities are {pro bine et 
nunc) equal when they will exchange one for another^'. 
Further considerations cone, the value of money p. 4 : 
,,It (silver) is the thing bargain'd for, as well as the measure 
of the bargain; and in commerce passes from the buyer to the 
seller as being in sucha quantityequivalent to the thing 
sold: and so it not only measures the value of the commodity it 
is apply'd to, but is given in exchange for it, as of equal 
value**. 
Turgot a. a. 0.: ,,Je suppose que l'un ait besoin de blé et 
l'autre de vin, et qu'ils s'accordent à échanger un boisseau de blé 
contre six pintes de vin ; il est évident que pour chacun tf eux un 
boisseau de blé et six pintes de vin sont regardés comme exacte 
ment équivalents**. 
J. B. Say, I, L. I, p. 29: ,,Lorsqu'on achète à Paris du vin 
d'Espagne, on donne bien réellement valeur égale pour 
valeur égale: Cargent qu'on paye et le vin qu'on reçoit valent 
autant tun que l'autre**. 
J. S. Mill a. a. O. p. 376: ,,since things which are 
equal to the same thing are equal to one another, the 
exports and imports which are equal in money price, would, if mo 
ney were not used, precisely exchange for one another**. 
Kau I (7. A. 63) § 56: ,,Im Tausche werden zwei (Quantitäten 
von Sachgütern gegeneinander hingegeben und angenommen, also 
einander insofern g le ic h g es e t z t**. 
A. Wagner, Beiträge zur Lehre von den Banken. (Leip 
zig 1867) p. 43: ,,Beim Tausche herrscht der (ledanke, dass die
        <pb n="31" />
        Geld und Waare. 
21 
Und in diesem Sinne wird auch gewöhnlich die Be 
zeichnung „Werthmass‘‘ verstanden, wenn von dem 
Gelde gesagt wird, dass es nicht allein als „Tausch- 
mittel“, sondern zugleich als „Werthmass“ den Waaren 
gegenüber diene. 
Ist nun die Vorstellung, dass „was gegeneinander 
austauschbar, auch einander im Werthe gleich“ (aequi- 
valent) sei oder gleich sein müsse, oder dass das quan 
titative Verhältniss, in welchem zwei Dinge gegenein- 
bciden ausgetauschten Dinge einander im Werthe gleich, 
Àequivalente sind, beim Kauf und Verkauf, dass der fVerth 
beider Dinge deshalb der gleiche sei, weil sie beide 
einem dritten gleich sind**, 
Goldschmidt, Handelsr. 3. B. Abs. I, Cap. 1 p. 375, 376. 
K. Marx, Das Capital (II. K.) I. Bd. (Hamb. 1873) p. 13: 
,,Nehmen wir zwei IVaaren z. B. Weizen und Eisen, welches immer 
ihr ^ustauschverhällniss, es ist stets darstellbar in einer Glei 
chung, worin ein gegebenes Quantum IVeizen irgend einem Quan 
tum Eisen gleichgesetzt wird. 
Knies, „Das Geld“, Berlin 1873, p. 129: ,,Gleichwohl bleibt 
Bezeichnung und Begriff der fVerthaquivalente in dem Sinn wohl zu- 
trefjend, dass wo immer bestimmte Quantitäten verschiedenartiger Güter 
im Verkehr gegeneinander umgesetzt werden, diese ein gleiches 
Mass fungiblen IVerthes zur Geltung bringen** und p. 140: ,,Die 
fVerthmessung eines Gutes erfolgt eben dadurch, dass das Quantum 
Geldes bezeichnet wird, welches im Tausche ein Aequi- 
Vnient bildet.**
        <pb n="32" />
        22 Capitel I. 
ander austauschbar, ihr gegenseitiges Werthverhältniss 
ausdrücke, richtig? 
Offenbar handelt es sich hier vor allem um den 
Begriff des Werthes. 
Welchen Sinn verbindet man mit diesem Ausdruck, 
indem man behauptet, dass bei jedem Umsatz die ge 
geneinander umgesetzten Gegenstände oder Quantitäten 
einander im Werthe gleich seien? 
Dass für keinen der beiden Contrahenten die ge 
geneinander umgesetzten Gegenstände oder Quantitäten 
im Werthe gleich sein können, sondern dass vielmehr 
jeder der beiden Contrahenten stets auf den Besitz 
dessen, was er erhält, mehr Werth legt, als auf den 
Besitz dessen, was er dafür hingiebt, das ist selbstver 
ständlich, da ja sonst der Umsatz nach der einen oder 
anderen Seite hin seines Beweggrundes ermangeln würde, 
indem er dem einen oder andern der beiden Contra 
henten keinen Nutzen oder Vortheil brächte, — und 
wird in Rücksicht hierauf auch von aller W eit zuge 
standen ^ ^). 
10) Vrgl. z. B. James Mill, Elements of pol. ocon. (3 od.) 
London 1844. p. 125: ,,The fact of his choosing to have the 
other commodity rather than his own, is a proof that the other is 
to him more valuable than his own*‘. Das hindert indess J. 
Mill nicht, an einer andern Stelle, p. 128, zu bemerken: ,,The
        <pb n="33" />
        Geld und Waare. 
23 
Aber, so sagt man, wenn auch nicht vom „sub- 
Tnan who had the sheep , and wanted bread or a coat, instead of 
oflering his sheep to obtain them, wouid first exchange it fot the 
equivalent quantity of this other commodity, and with that he 
would purchase the bread and other things for which he had oc 
casion^*). 
Vrgl. ferner W. Stanley Je von s, The Theory of pol. eco 
nomy, London 1871, p. 121: H ere the utilities exactly equal on 
both sides, there would obviously be no motive to exchange* . 
,,There are two opposite extremes — one above which the price of 
a commodity cannot rise, the other below which it cannot fall. 
The upper of these limits is marked by the utility, real or supposed, 
of the commodity to the customer; the lower, by its utility to the 
dealer. Ao one will give for a commodity a quantity of money or 
money’s worth, which, in his opinion, would be of more use to him 
than the commodity itself. No one will take for a commodity a 
quantity of money or of any thing else which he tkinks would be 
of less use to himself than the commodity. The price eventually 
given and taken may be cither at one of the opposite extremes, or 
may be any where intermediate between them**. — Je von 8 be 
geht hier bios den Fehler, nur von einem ungleichen Grad der 
Nützlichkeit zu sprechen, während vielmehr überhaupt eine 
Ungleichheit im W er the vorliegt. Wenn z. B. Jemand einen 
Scheffel Getreide für einen King hingeben würde, so lässt sich — 
ohne dem Begriff Nützlichkeit Zwang anzuthun — kaum behaup 
ten, dass der King für ihn nützlicher sei oder sein müsse, als der 
Scheffel Getreide. Wohl aber besitzt der King einen grossem 
Werth für ihn, und insofern ist der betreffende Umsatz in der 
That für ihn mit Nutzen verbunden. Der Werth einer Sache 
gründet sich eben nicht immer nur auf ihre Nützlichkeit, son 
dern kann auch in andern Ursachen wurzeln.
        <pb n="34" />
        24 
Capitel I. 
jecliven“ Standpunkt des einen oder anderen der beiden 
Contrahenten, so stellen doch vom „objectiven“ Stand 
punkt der ganzen Volkswirthschaft aus die gegenein 
ander umgesetzten Gegenstände oder Quantitäten gleiche 
Werthe dar ^ 
Was soll dies heissen? 
Aller Werth ist seiner Natur nach immer eine Be 
ziehung zu bestimmten Personen. Einen „objec- 
11) Vrgl. Roscher, Syst. I § 100: ,,IUer {beim „billigen^* 
Preis) gewinnt Jeder, indem er das nach seiner Ansicht minder noth- 
wendige Gut hingiebt und das nothwendigere dafür empfängt. Es 
sind aber vom Standpunkt der ganzen Volkswirthschaft 
{IVeltwirthschaJt) aus die gegebenen und empfangenen fVerthe gleicfd* 
und 
Knies, Erörter. über den Credit (Tüb. Zeitschrift 1859 
p. 574): ,,Wenn auch für das subjective Urtheil der beiden Tau 
schenden das, was sie empfangen, werthvoller erscheint als das, 
tuas sie hingeben, das objective Urtheil des Marktverkehrs über 
haupt setzt grade die GI eic hw er thung an“. 
Schönberg, Handbuch d. Pol. Oekon. I. Tübingen 1882. 
(Neumann, Grundbegriffe), p. 128: „Subjectiv d. h. eben auf 
die Wünsche, Interessen u. s. w. gewisser Personen bezogen sind 
a und b im Momente des Tausches nicht von gleichem IVerth. 
Aber objectiv d, h. abgesehen von den Wünschen, Interessen 
u. s. w. gewisser Personen und allein auf die Thatsache ge 
genseitigen Entgeltes bezogen können a und b in der That gewis- 
sermassen gleichwerthig genannt werden“ (das „gewisser- 
massen" ist bezeichnend).
        <pb n="35" />
        Geld und Waare. 
25 
tiven“ Werth giebt es nicht ausser in dem Sinne, dass 
eine Sache für alle Personen ohne Unterschied Werth 
resp. den gleichen Werth besitzt, und nur die Um 
stände des Ortes und der Zeit eine Ungleichheit im 
Werthe derselben bedingen. Denn aller Werth beruht 
in letzter Instanz auf einem geistigen Vorgang oder 
setzt eine Werthschätzung voraus. Und zwar ist 
es im wirthschaftlichen Leben immer nur die Herrschaft 
über die Dinge oder der Besitz, welcher das Object 
der Werthschätzung bildet. M. a. W. aller Werth 
schätzung, der man im wirthschaftlichen Leben begeg 
net, liegt ein Besitz- resp. Erwerbsinteresse zu Grunde; 
ja dieses bildet sogar den einzigen Inhalt derselben. 
Wenn man z. B. sagt, das 'Gold hat einen höheren ^ 
Werth als das Kupfer, so heisst das im Wesentlichen 
nichts anderes, als dass — aus welchen Gründen oder 
Ursachen, ist für die vorliegende Frage d. h, für den 
Begriff des Werthes vollkommen gleichgültig — 
auf den Besitz einer bestimmten Quantität, z. B. einer 
Unze, Gold mehr Gewicht gelegt wird, als auf den 
Besitz der gleichen Quantität Kupfer. So dass also 
auch, für bestimmte Personen und an einem bestimm 
ten Ort und zu einer bestimmten Zeit, alle Arten von 
(lüter in gewissen QuantitätsVerhältnissen einander im 
Werthe gleich sind, oder Aequivalente bilden, und nur
        <pb n="36" />
        26 
Capitel I. 
ihr „spezifischer“ Werth verschieden ist, gerade so wie 
z. B. in bestimmten Volum Verhältnissen alle Körper 
gleich schwer sind, und nur ihr „spezifisches“ Gewicht 
variirt ^ ^). 
12) lieber den Begriff des Werthes ist bekanntlich von Oeko- 
nomisten viel gegrübelt worden, ohne dass jedoch viel dabei hor- 
ausgekommen wäre. Aus sehr erklärlichen Gründen; denn so all 
gemeine Begriffe, wie der Werth, lassen sich eigentlich gar nicht 
„definiren“, so wenig wie die Chemie einfache Stoffe zu zerlegen 
vermag. Jede Definition, die wirklich etwas besagt, ist eine Ana 
lyse. Nur zusammengesetztes aber lässt sich analysiren. Relativ 
am besten, d. h. wenigstens nicht unrichtig, ist noch die Defini 
tion von Turgot, der sich überhaupt auf Begriffsbestimmungen 
versteht: ,,lc degré d estime que F homme attache aux différents 
objets de ses désirs^* (siehe das Fragment „Valeurs et monnaies“ 
1770). Die Hauptsache scheint mir zu sein, dass man den Werth 
zunächst und vor Allem nicht als ein nur gedachtes Verhält- 
niss der Dinge zu dem Menschen, sondern vielmehr als eine, 
wirklichen Vorgängen oder Handlungen zu Grunde liegende, 
psychologische Thatsache auffasst. Das Nächste ist dann, 
dass man sich über das eigenthümliche Wesen speciell derjenigen 
Werthschätzung in's Klare setzt, der man im wirthschaft- 
lichen Leben begegnet oder die allen wirthschaftliohen 
Vorgängen zu Grunde liegt. Man hat das charakteristische Merk 
mal dieser Werthschätzung in der Beziehung zum Preise sehen 
wollen und darauf die Unterscheidung von „Gebrauchswerth“ und 
„Tauschwerth“ baáirt. Indess ist der Preis doch nur die Art 
und Weise, wie dieser Werth zum Ausdrucke gelaugt, nicht 
aber dieser Werth selber, der sich vielmehr seinem eigentlichen 
Wesen nach, wie ich schon im Text hervorgehoben habe, durch 
das Objekt charakterisirt. Bei aller Werthschätzung, der man
        <pb n="37" />
        Geld und Waare. 
27 
Was will nun nach alledem die Behauptung be 
im Avirthschaftlichen Leben begegnet, handelt es sich nicht um 
die Dinge an sich, sondern um die Herrschaft oder Ver 
fügung über dieselben d. h. um das Haben oder den Be 
sitz. Dieser, der Besitz, ist es, der geschätzt oder auf den Werth 
gelegt wird. M. a. W. der Werth, mit dem man es im wirth- 
schaftlichen Leben zu thun hat, ist nicht sowohl eine (unmittel 
bare) Eigenschaft der Dinge, als vielmehr eine Eigenschaft des 
Besitzes, wie man dies am deutlichsten sieht, wenn man die That- 
sache, dass für eine Waare ein bestimmter Preis bezahlt wird, 
z. B. mit der Thatsache der Prämiirung von Ausstellungsobjekten 
vergleicht. Damit ist zugleich auch gesagt, dass es immer be 
stimmte Quantitäten, d. h. nach Maass, Gewicht oder Stück 
zahl, nicht blos nach Art und Beschaffenheit, bestimmte Gegen 
stände sind, welche im wirthschaftlichen Leben das Objekt der 
Werthschätzung bilden. Wenn daher einige neuere Oekonomisten 
von zwei Arten von Werth sprechen, von einem „abstrakten“ 
oder „Gattungswerth“ einerseits, und einem „concreten“ oder 
„Quantitätswerth“ (Knies, Geld und Credit I, p. 125, gebraucht 
für letzteren den Ausdruck „fungiblen“ Werth) andererseits, so 
entfernen sie sich damit einfach von dem Boden der realen That- 
sachen und begeben sich auf das Gebiet einer unfruchtbaren 
Spekulation oder, wenn ich so sagen soll, des höheren Unterschei 
dungssportes; denn ein „abstracter“ oder „Gattungswerth“ kommt 
im ökonomischen Leben gar nicht vor; hier giebt es immer nur 
einen „concreten“ oder „Quantitätswerth“. So dass sich z. B. 
die Bemerkung, das Wasser habe in gewisser Beziehung einen 
höheren Werth als der Diamant oder das Eisen einen höheren 
als das Gold, in ökonomischen Erörterungen gerade so ausnimmt, 
wie die bekannte Frage, was ist schwerer: „ein Pfund Blei oder 
ein Pfund Federn?“
        <pb n="38" />
        28 
Capitel I. 
sagen, dass der Werth der gegeneinander umgesetzlen 
Gegenstände oder (juanlitäten, vom „objectiven“ Stand 
punkte aus betrachtet, der gleiche sei? 
Meint man damit, dass von den beiden gegenein 
ander umgesetzten Quantitäten etwa die eine für den 
einen Contrahenten ebensoviel werth sei wie die andere 
für den anderen Contrahenten, z. B. die gekaufte Waare 
für den Käufer denselben Werth repräsentire, wie die 
dafür bezahlte oder stipulirte Geldsumme für den Ver 
käufer, oder umgekehrt? 
Wenn das der Sinn jener Worte ist, dann frage 
ich, welchen Anhaltspunkt hat man für eine derartige 
Annahme? Selbst vom Standpunkte der Billigkeit oder, 
wenn man will, des Gleichgewichtes oder der Harmonie 
der Interessen aus könnte es sich doch immer nur um 
den auf beiden Seiten bei dem Umsatz erzielten Vor 
theil oder Nutzen, d. h. um die Differenz der ge 
geneinander umgesetzten Werthe für jeden der beiden 
Contrahenten, nicht aber um diese Werthe selbst, han 
deln Und selbst diese Dilferenz braucht doch of- 
13) So sagt auch schon Turgot in dem bereits einmal ci- 
tirten Fragment: ,,cette d iff er en ce de valeur estimative est ré 
ciproque et précisément égale de chaque coté, car si elle n'était 
pas égale, P un des deux désirerait moins t échange et forcerait 
Vautre à se rapprocher de son prix par une offre plus forte. Il est
        <pb n="39" />
        Geld und Waare. 
29 
fenbar noch keineswegs immer die gleiche zu sein auf 
beiden Seiten, damit überhaupt ein Umsatz zu Stande 
komme oder beide Contrahenten zufriedengestellt erschei 
nen. Wenn nur jedem der beiden Theile ein hinrei 
chender, d. h. seinen individuellen Ansprüchen genü 
gender, Nutzen oder Vortheil aus dem Umsätze erwächst, 
dann wird es ihm verhältnissmässig gleichgültig sein, 
wie viel der Andere bei dem Umsatz profitirt, abgese 
hen davon, dass sich die beiderseitigen Werlhditferenzen 
überhaupt gar nicht mit einander vergleichen lassen, 
da sie ja nur in dem resp. Bewusstsein oder der sub 
jektiven Empfindung jedes Einzelnen existiren. 
Oder meint man mit jener Behauptung etwa, dass 
für dritte, bei dem betreffenden Umsatzakt gar nicht 
betheiligte, Personen, d. h. für Personen, die dem be 
treffenden Umsatzakte gegenüber gewissermassen nur 
eine Zuschauerrolle spielen, der Werth der gegenein 
ander umgesetzten Quantitäten der gleiche sei? 
donc toujours rigoureusement vrai que chacun donne valeur égale pour 
recevoir valeur égale**. ■— Turgot vergisst indess dabei, dass die 
beiden Contrahenten ja keineswegs immer die gleichen Ansprüche zu 
machen brauchen, und dass, wie wir dies schon oben im Text bemerken, 
ein Gleichgewicht der Interessen auch schon dann vorhanden ist, 
wenn für jeden der beiden Theile die Werthdiflferenz nur überhaupt so 
gross ist, dass er sich mit dem daraus für ihn erwachsenden Nutzen 
oder Vortheil begnügt, gleichviel wie gross sie für den Andern ist.
        <pb n="40" />
        30 
Capitel I. 
Auch für diese Annahme fehlt es an jeder Basis. 
Denn wenn man etwa glaubt, dass, sobald eine Sache 
gegen eine andere „vertauscht“ werden könne, es 
auf eines hinauslaufe, welche von beiden man gerade 
besitze, so übersieht man dabei, dass ja der Umsatz, 
gleichviel ob Tausch oder Kauf resp. Verkauf, keine 
blose, auf Grund eines einfachen Forderungsrechtes sich 
vollziehende, Umwechslung, wie etwa die Einlösung 
einer Banknote oder die Einkassirung eines Coupons 
sondern vielmehr immer, und zwar für beide Theile, 
ein Stück wirthschaftlicher Arbeit ist, wie schon das 
Gewerbe der Mäkler beweist, oder m. a. W. dass jeder 
Umsatz den betreffenden Personen mehr oder weniger 
Mühe, ja unter Umständen sogar Kosten, verursacht, 
und dass es daher, auch wenn der Preis der gleiche 
bleibt, keineswegs ein und dasselbe ist, ob ich eine 
Sache bereits gekauft resp. verkauft habe oder aber erst 
noch kaufen resp. verkaufen muss. Der Verkäufer einer 
Waare würde sich z. B. unter gewöhnlichen Verhält 
nissen sehr bedanken, wenn man ihm statt der ver 
langten Geldsumme eine andere Waare von gleichem 
Preise böte, die er erst verkaufen müsste, um zu seinem 
14) Diesen Fehler, den Umsatz oder Kauf resp. Verkauf mit 
der Einlösung einer Banknote zu vergleichen, begeht u. A. Marx, 
Das Kapital, p. 141.
        <pb n="41" />
        Geld und Waare. 
31 
Gelde zu gelangen. Daher die gegeneinander umge- 
selzten oder umsetzbaren Gegenstände oder Quantitäten 
auch selbst für Dritte, Aussenstehende, keineswegs 
immer gleichwerthig sind, sondern je nach den indivi 
duellen Umständen, in welchen sich der Betreiiende be- 
lindet, er bald auf den Besitz der einen, bald auf den 
Besitz der andern der gegeneinander umsetzbaren oder 
thatsächlich vor seinen Augen gegeneinander umgesetz 
ten Sachen oder Quantitäten mehr Werth oder grösseres 
Gewicht legen wird. 
Wir sehen also, die Vorstellung, dass jeder Umsatz 
eine Werthgleichung darstelle, erscheint gänzlich aus 
(1er Luft gegritfen und in jeder Beziehung unhaltbar. 
Es kann daher auch der Schluss von dem Preise 
verschiedener Waaren auf ihr gegenseitiges Werthver- 
hältniss keine blose Anwendung des Grundsatzes sein, 
dass, „wenn zwei Grössen einer dritten gleich, sie auch 
unter einander gleich“ sein müssen. Vielmehr kann 
dieser Schluss nur auf dem Prinz!pe „gleiche Ursachen 
bringen gleiche Wirkungen hervor“ beruhen, d. h., ge 
nauer gesprochen, darauf, dass, wenn Ort und Zeit 
gegeben ist, der Preis der Waaren in der Begel mit 
ihrem Werlhe in Proportion steht, sowohl vom Stand- 
Punkt des Käufers als des Verkäufers aus betrachtet. 
Man wird ohne Zweifel im Allgemeinen einen um so 
höheren Preis für eine Waare fordern resp. zu zahlen
        <pb n="42" />
        32 
Capitel I. Geld und MVaare. 
bereit sein, einen je höheren Werth man auf ihren Be 
sitz legt, und einen um so niedrigem Preis für eine 
Waare bieten resp. sich gefallen lassen, einen je nied 
rigem Werth man auf ihren Besitz legt. Und insofern 
lässt sich also sagen, dass wenn zwei Waaren in einem 
bestimmten Quantitätsverhältniss gleiche Preise erzielen, 
sie auch in diesem Quanlitätsverhältniss (an dem be 
treffenden Ort und zu der betreffenden Zeit) einander 
im Werthe gleich sind. Auf diese Weise erscheint 
also in der That der Werth der Waaren als eine auf 
Grund des Preises oder vermittelst des Geldes objec- 
tiv messbare Grösse. Der Werth, der zunächst nur 
eine psychologische Thatsache ist, wird durch das 
Geld oder den Preis zu einer ökonomischen. Das 
heisst aber doch immer nur, dass der Preis der mit 
telbare, nicht der unmittelbare, Ausdruck des 
Werthes der Waare ist. Werthbestimmung und Preis 
bestimmung der Waaren fallen nicht miteinander zu 
sammen, sondern bedingen sich nur gegenseitig^^). 
15) Um ein Beispiel zu gebrauchen : Wenn an einem bestimm 
ten Ort und zu einer bestimmten Zeit ein halb Pfund Thee einen 
Thaler kostet, und ein Pfund Kaffee ebenfalls einen Thaler kostet, 
so folgt daraus nicht, dass ein halb Pfund Thee sowohl als ein 
Pfund Kaffee gleich ist im Werthe einem Thaler. Wohl aber 
folgt daraus, dass ein halb Pfund Thee im Werthe gleich ist einem 
Pfund Kaffee.
        <pb n="43" />
        3 
Capitel II. 
Bedarf an Geld. 
Bei der unbedingten und uneingeschränkten Kauf 
kraft, welche dem Beide eigen ist, liegt die Vorstellung 
nahe, als ob die Menge des Geldes niemals eine zu 
grosse sein könne. Diesen Fehlschluss begingen in der 
That auch die Anhänger des Merkantilsystems, indem 
sie behaupteten, dass sich ein Land, welches keine eige 
nen Gold- und Silbergruben besitze, nur durch Erzielung 
einer sogen, günstigen Handelsbilanz dem Ausland ge 
genüber, d. h. dadurch, dass es dem Werthe nach mehr 
W aaren exportire als importire, zu bereichern vermöge * ®). 
16) Vrgl. noch J. Locke a. a. 0. p. 14; ,,/n a country not 
furnished with mines there are but two ways of growing rich, either 
conquest, or commerce**. 
,,tor we having no mines, nor any other way of getting or 
keeping of riches amongst us but by trade, so much of our trade
        <pb n="44" />
        34 
Capitel II. 
Erst mit Adam Smith g-elangte die Erkenntniss 
zum Durchbruch, dass der Bedarf an Geld ganz eben 
sogut seine Gränze hat, wie der Bedarf nach irgend 
einem anderen Gegenstände von bestimmter Verwen 
dung. 
Wovon hängt nun der Bedarf an Geld ab? 
Die allgemein herrschende Theorie hierüber ist seit 
A. Smith folgende: dass sich der Bedarf an Geld in 
jedem Lande vornehmlich richte oder bestimme 1) nach 
der daselbst überhaupt, d. h. innerhalb eines ganzen 
Zeitraums, umzusetzenden Quantität an Waaren, 
die Preise, d. h. den Werth der Waaren einerseits, 
den Werth des Geldes andererseits, dabei als gegeben 
vorausgesetzt, 2) nach der sogen. „Umlaufsge 
schwindigkeit“ des Geldes, d. h. der grösseren oder 
geringeren Anzahl von Malen, wie oft durchschnittlich 
ein und dasselbe Geldstück daselbst innerhalb des be 
treffenden Zeitraums die Hände wechsle oder zu Um 
satzzwecken Verwendung finde. Gerade so wie sich 
die Leistung oder der Nutzen eines Transportschiffes 
nicht allein nach dem Tonnengehalt, sondern zugleich 
ns is lost, so much of our riches must necessarily go with it ; and 
the over-ballancing of trade between us and our neigbours must 
inevitably carry away our money and quickly leave us poor and 
exposed**.
        <pb n="45" />
        35 
Bedarf an Geld. 
3* 
auch nach der Fahrgeschwindigkeit desselben oder der 
Anzahl von Malen, wie oft dasselbe innerhalb eines 
bestimmten Zeitraumes denselben Weg zurücklege, be- 
messe, oder wie der Krafteffekt („Bewegungsgrösse“ ist, 
soviel ich weiss, der technische Ausdruck dafür in der 
Mechanik) eines „in Bewegung gesetzten Körpers“ im 
mer das Product sei aus Masse und Geschwindigkeit. 
3) Endlich nach der Ausdehnung, in welcher das haare 
Geld durch den Credit oder durch „übertragbare For 
derungen“ oder Creditpapiere (Schuldverschreibungen, 
Zahlungsanweisungen, Wechsel, Banknoten etc.) ersetzt 
oder vertreten werde. System der „Geldsurrogate“ 
oder der „Creditwirthschaft“. „Bewerkstelligung 
eines Maximums von Umsätzen mit Hülfe eines Mini 
mums von Münze“ 
17) Vrgl. A.. Smith, Wealth of nations B. IV, Cap. I: ,,— 
th K quantity of gold and silver is in every country limited by the 
use which there is for those metals; — their use consists in cir 
culating commodities as coin, and in affording a species of 
household furniture as plate; the quantity of coin in every co 
untry is regulated by the value of the commodities which 
are to be circulated by it‘*. ,,The value of goods annually 
bought and sold in any country requires a certain quantity 
of money to circulate and distribute them to their proper con 
sumers, and can give employ men t to no more**. 
Thornton, Inq. into the nature and effects of the paper
        <pb n="46" />
        36 
Capitel 11. 
Die vorstehende Theorie scheint mir in mehrfacher 
Beziehung mangelhaft zu sein. 
credit of Great Britain, London 1802, deutsch von Jacob, Halle 
1803. p. 43, 52—66, 357, 438—439. 
Ricardo, The high price of bullion a proof of the depre 
ciation of banknotes, London 1809 (Works ed. M’Culloch London 
1871 p. 284 — 285): ,,The value of the circulating medium of 
every country bears some proportion to the value of the commodities 
which it circulates. In some countries this proportion is much 
greater than in others, and varies, on some occasions, in the same 
country. It depends upon the rapidity of circulation, upon 
the degree of confidence and credit existing between traders, and, 
above all, on the judicious operations of banking. In England so 
many means of economizing the use of circulating me 
dium have been adopted, that its value, compared with the value 
of the commodities which it circulates, is probably {during a period 
of confidence) reduced to as small a proportion as is practicable'^ 
J. S. Mill, Princ. of pol. econ. B. Ill, Ch. VII, § 3, p. 300: 
,,If we assume the quantity of goods on sale, and the number 
of times those goods are resold, to be fixed quantities, the value of 
money will depend upon its quantity, together with the average 
number of times that each piece changes hands in the 
process". — ,,The amount of goods and of transactions being the 
same, the value of money is inversely as its quantity multiplied by 
what is called the rapidity of circulation". ,,If each piece 
of money changes hands on an average ten times ivhile goods are 
sold to the value of a million sterling, it is evident that the money 
required to circulate those goods is 100000 iß." Cap. XI: ,,Of 
credit, as a substitute for money". 
11 au I (7. A. 1863) p. 324, 325. 
Roscher, I (11. A. 1868) § 123.
        <pb n="47" />
        37 
Bedarf an Geld. 
Zunächst und vor allem ist es schon ein Fehler, 
den Bedarf an Geld mit dem Umsatz der Waaren 
oder dem Handel in direkte Verbindung zu bringen. 
Denn zum Kaufen d. h. zur blosen Eingebung von 
Zahlungsverbindlichkeiten oder zur blosen Veraus 
gabung von Geld braucht man noch überhaupt kein 
Geld in irgend welcher bestimmten Menge, da 
man ja nicht nothwendig per comptant zu kaufen braucht, 
sondern auch auf Credit kaufen kann, und selbst in dem 
Falle, wo per comptant oder „Zug um Zug“ gekauft 
wird, ein bestimmter Geldbedarf doch immer erst 
dann vorliegt, wenn bereits der Handel abgeschlossen 
ist, d. h. bereits bestimmte Zahlungsverbindlichkei- 
Oppenheim, Die Natur d. Oeldes, p. 79. 
0. Michaelis, Volksw. Schriften II (Berlin 1873) „Ueber 
papierne Umsatzmittel“. 
Made cd. Diet, of Polit. Econ. p. 434 (Art. „Circulation“) 
aud p. 57o (Art. „Credit“) und p. 664 (Art. „Currency“). 
Marx, Das Kapital (Hamb. 1872) p. 79—80. 
A, Wagner, Beitr. zur Lehre von d. Banken, Leipz. 1857, 
p. 34 cflF. Art. Credit in llentsch, Haudwörterb. (Leipzig 1866). 
Oeld und Credittheorie d. Peel'schen Bankacte (Wien 1862) p. 44 
— 60. Die russ. Papierwähr. Riga 1868. p. 54. Staatspapier 
geld, Reichskasseuscheine u. Banknoten. Berlin 1874. 
Bouamy Price, Geld- und Bankw. Dtsch. von Brefold. 
Berlin 1877. p. 20. 
W. S. devons, „Geld u. Geldverkehr“ p. 346.
        <pb n="48" />
        38 
Capitel IL 
len eingegangen sind, die nunmehr erfüllt sein wollen. 
Nur als Zahlmittel also, nicht auch schon als Um 
satz mit tel, ist das Geld überhaupt ein Gegenstand 
bestimmten Bedarfs. Wahrend die Waare immer 
schon ein Gegenstand bestimmten Bedarfs ist, bevor 
sie in den Handel kommt oder auf dem Markte er 
scheint, wird — wie wir schon an anderer Stelle her 
vorgehoben haben — das Geld ein Gegenstand be 
stimmten Bedarfs immer erst durch den Handel d. h. 
dadurch, dass bestimmte Verbindlichkeiten darin einge 
gangen werden. 
Daher kann also auch der Bedarf an Geld immer 
nur durch die Summe der zu bewerkstelligenden 
Zahlungen oder der fällig gewordenen Zah 
lungsverbindlichkeiten, niemals aber auch schon 
durch die Summe der zu bewerkstelligenden Umsätze, 
bestimmt werden. 
Ein zweiter Fehler, an welchem die herrschende 
Theorie leidet, ist der, dass man sich das, was das 
Geld leistet, oder zu leisten vermag oder bestimmt ist, 
als eine Arbeit im mechanischen Sinne vorstellt. 
Weder die Zahlung aber, noch der Umsatz ist ein 
mechanischer Vorgang oder eine Bewegung im Baume. 
Wohl kann mit der Ausführung einer Zahlung oder 
mit dem Umsatz einer Waare eine Bewegung im Raume,
        <pb n="49" />
        39 
Bedarf an Geld. 
(i. h. ein Transport oder eine Orts Veränderung, verbun 
den sein, nothwendig aber und zum Wesen der Sache 
gehörig ist das durchaus nicht. Vielmehr ist der Akt 
der Zahlung so gut wie der Akt des Umsatzes, seinem 
Wesen nach nur ein Besitzwechsel. Daher passen 
auch alle jene mechanischen oder technologischen 
Analogien nicht hierher. Es hat einen guten Sinn 
zu sagen, dass die Leistung eines Transportschiiles 
nicht allein durch den Tonnengehalt sondern auch 
durch die Fahrgeschwindigkeit desselben bedingt sei, 
weil eben diese Fahrgeschwindigkeit oder die Anzahl 
von Fahrten von bestimmter Wegelänge, welche ein 
und dasselbe Schiff innerhalb eines bestimmten Zeit 
raumes ausführt oder auszuführen vermag, wesentlich 
mit von ihm selbst, d. h. seiner technischen Art und 
Beschaffenheit, abhängt. Wieviel dagegen Umsätze oder 
vielmehr Zahlungen mit Hülfe ein und desselben Geld 
stücks innerhalb eines bestimmten Zeitraumes bewerk 
stelligt werden oder werden können, oder, wenn man 
schon den Ausdruck „Geschwindigkeit“ hier gebrauchen 
will, wie geschwind das Geld die Hände wechselt oder 
zu wechseln vermag, das hängt nicht von dem Gelde 
selbst und seiner Art und Beschaffenheit, sondern einzig 
und allein von Umständen ab, die ganz ausserhalb des 
Geldes liegen oder denen gegenüber das Geld eine
        <pb n="50" />
        40 
Capitel II. 
vollkommen passive Rolle spielt. Indem man also 
die Grösse des Geldbedarfs von der sog. „Umlaufsge 
schwindigkeit'' des Geldes oder von der Summe der 
Zahlungen abhängig macht, welche mit Hülfe ein und 
desselben Geldstückes innerhalb eines bestimmten Zeit 
raumes bewerkstelligt werden, hat man damit über den 
wirklichen Zusammenhang der Dinge oder über die 
eigentlichen Bestimmungsgründe des Geldbedarfs noch 
nicht das Allergeringste gesagt. Der Satz, dass die 
Effectuirung einer gegebenen Summe von Zahlungen 
oder sämmtlicher Zahlungen eines gegebenen Zeitrau 
mes um so weniger Geld in Anspruch nimmt, je mehr 
von diesen Zahlungen mit Hülfe eines und desselben 
Geldstückes vollbracht werden können, besagt in der 
That nicht mehr, als dass zwei mal zwei vier ist. Ueber- 
dies drückt das Wort „Umlaufsgeschwindigkeit" streng 
genommen auch nicht einmal dasjenige aus, was da 
durch ausgedrückt werden soll. Denn wenn man die 
sem Worte nicht geradezu Zwang anthun will, so 
kann doch immer nur die Raschheit der Aufeinander 
folge der einzelnen Zahlungen, welche mit Hülfe eines 
und desselben Geldstückes ausgeführt werden, nicht 
aber die Häufigkeit der Verwendung ein und des 
selben Geldstücks innerhalb eines bestimmten Zeitrau 
mes darunter verstanden werden. Offenbar kann die
        <pb n="51" />
        41 
Bedarf an Geld. 
Anzahl der Zahlungen, welche mit Hülfe eines und 
desselben Geldstückes innerhalb z. B. eines Jahres aus 
geführt werden, eine sehr grosse sein, und es brauchen 
doch darum die Zahlungen noch keineswegs sehr rasch 
auf einander zu folgen, sondern können möglicherweise 
zeitlich sehr weit auseinander liegen, indem sie sich 
vielleicht ziemlich gleichmässig über das ganze Jahr 
vertheilen. Und ebenso lässt es sich denken, dass um 
gekehrt die Anzahl der Zahlungen, zu welchen ein 
und dasselbe Geldstück innerhalb eines Jahres Verwen 
dung findet, eine sehr kleine ist, und dabei doch die 
Baschheit der Aufeinanderfolge der einzelnen Zahlun- 
t?en, zu welchen ein und dasselbe Geldstück benutzt 
wird, eine sehr grosse ist, indem sich vielleicht die be- 
betrelfenden Zahlungen auf einen ganz kleinen Theil 
des Jahres zusammendrängen. 
Man sieht also, die ganze Theorie von der Be 
stimmung des Geldbedarfs durch die sog. „Circulations- 
geschwindigkeit“ des Geldes erweist sich bei näherer 
Betrachtung als ein durchaus leerer und nichtssagender 
Formalismus. 
Zu alledem kommt noch hinzu, dass diese Theorie 
iinch nicht den geringsten Anhaltspunkt darbietet, um 
in irgend einem concreten P\dl, sei es nun für dieses 
oder jenes Land, den Geldbedarf auch nur annähe-
        <pb n="52" />
        42 
Capitel IL 
rungsweise zu ermitteln oder zu bestimmen. Denn 
trotz aller algebraischen Formeln, durch welche man 
jener Theorie einen gewissen Schein von Exactheit zu 
geben sich bemüht hat, ist und bleibt doch die „Um 
laufsgeschwindigkeit“ des Geldes eine vollkommen u n - 
messbare Grösse, da sich der Uebergang der einzel 
nen Geldstücke von Hand zu Hand nimmermehr con- 
trolliren lässt. Denn man kann weder das einzelne 
Geldstück auf seiner Wanderschaft durch verschiedene 
Hände begleiten, noch sieht man ihm nachträglich an, 
wie oft dasselbe bereits innerhalb einer bestimmten Zeit 
die Hände gewechselt hat. Und nun gar die „mittlere“ 
oder „durchschnittliche“ Umlaufsgeschwindigkeit des 
Geldes, wie will man die ermitteln? Das eine Geld 
stück circulirt „rasch“, das andere „langsam“, und selbst 
ein und dasselbe Geldstück geht heute durch viele, 
morgen durch wenige Hände, je nach zufälligen Um 
ständen, an denen das betreffende Geldstück ganz un 
schuldig ist, und die sich, wie gesagt, jeder Controlle 
oder Berechnung entziehen. Das ist auch u. A. schon 
von Locke gefühlt worden, und in derselben Weise 
räumen auch alle späteren Schriftsteller ohne Weiteres 
ein, dass es rein unmöglich sei, die „mittlere Circula- 
tionsgeschwindigkeit“ des Geldes in einem Lande auch
        <pb n="53" />
        Bedarf an Geld. 
43 
nur annäherungsweise zu bestimmen oder zu schätzen, 
geschweige denn förmlich zu messen * ®). 
Die ganze Theorie bleibt so eingestandenermaassen 
etwas vollkommen Unfruchtbares, rein „Akademisches.“ 
Man kann nun allerdings den Ausdruck „Geldum 
lauf“ auch noch in einem andern Sinne nehmen, als in 
dem des Uebergangs der einzelnen Geldstücke aus 
einer Hand in die andere, nämlich im Sinne der „rasche 
ren“ oder „langsameren“ Wiedereinnahme des ausge 
gebenen Geldes durch ebendieselben Personen, die es 
18) Vrgl. J. Locke a. o. a. 0. p. 33: ,,TAis shows the ne 
cessity of some proportion of money to trade, but what proportion 
that IS, is hard to determine, because it depends not barely on the 
quantity of money, but the quickness of circulation''*. ,,The very 
same shilling may, at some time pay twenty men in twenty days, 
at another, rest in the same hands one hundred days together. 
This makes it impossible exactly to estimate the quan- 
of money needful in trade**. 
Vrgl. ferner Rau I, p. 325. 
W. S. J evens, Geld u. Geldverkehr p. 346: ,,Uebcr die 
**cc h sc h ni tt I ic he Circulation lässt sich gar nichts si 
cheres fest s tel len. Manche Münzen, besonders die kleinen Sil 
ber- und Kupfermünzen, mögen des Tages mehrere male von Hand 
zu Hand gehen, wahrend andere Münzen oder Aoten vielleicht wo 
chenlang, ja monale- und jahrelang im Kasten liegen bleiben. Bis 
her ist mir noch nirgends ein Versuch bekannt geworden, die durch 
schnittliche Schnelligkeit der Circulation zu bestimmen, und ich gestehe, 
dass mir auch noch keine Möglichkeit hat einfallen wollen, wie sich 
diese Vnlersuchung überhaupt angreifen lasse**.
        <pb n="54" />
        44 
Capitel II. 
ausgegeben, d. h. die Aufeinanderfolge der Einnahmen 
und Ausgaben resp. Einnahmen oder Ausgaben oder 
eigentlich, noch richtiger gesagt, der Zahlungen und 
Einkassirungen bei ein und derselben Person, — ge- 
wissermaassen den Umlauf der abstracten Geldsum 
men, im Gegensatz zu dem der concreten Geldstücke 
— darunter begreifen. In der That ist der Ausdruck 
auch zuweilen in diesem Sinne verstanden worden*®). 
Poch führt auch diese Vorstellungsweise zu keinem 
brauchbaren Ergebniss, da ja nach der Art der Per 
sonen oder Erwerbsklassen die Raschheit, mit der die 
Einnahmen oder Ausgaben resp. die Einnahmen und 
Ausgaben einander folgen, eine sehr ungleiche ist, oder 
die Aufeinanderfolge der Zahlungen und Einkassirungen 
in sehr verschiedenen Terminen oder Intervallen vor 
sich geht 2 0). 
Fast scheint hiernach eine befriedigende Lösung 
19) So beispielsweise auch schon von J. Locke a. a, 0., 
p. 34. 39. 40. 
20) So weist auch Oppenheim (a. a ()., p. 79—81) darauf 
hin, dass die „Raschheit der Geldcirculation“ nicht bei allen In 
dividuen die gleiche sei, indem die Einen erst am Schluss des 
Jahres, die Andern halbjährlich, vierteljährlich, monatlich, wö 
chentlich, selbst täglich, das Geld, welches sie ausgogeben haben, 
wieder einnehmen, daher es denn unmöglich sei, die Grösse des 
Geldbedarfs für ein ganzes Land zu ermitteln.
        <pb n="55" />
        45 
Bedarf an Geld. 
des in Rede stehenden Problems überhaupt unmöglich 
zu sein. Indess ist dieser Schluss, zu welchem in der 
That auch dieser und jener Schriftsteller gelangt ist^i), 
doch voreilig und ungerechtfertigt. Man muss nur, um 
zu einem Ziele zu gelangen, von vornherein einen 
ganz anderen Weg einschlagen als den bisherigen. 
Dieser einzuschlagende Weg besteht darin, dass man 
sowohl von den einzelnen Geldstücken (und ihrer 
Wanderschaft durch verschiedene Hände) als von den 
einzelnen Personen oder Volksklassen (und ihren Ein 
nahmen und Ausgaben oder Zahlungen und Einkassi- 
i’ungen) vollkommen abstrahirt, und ausschliesslich den 
Zahlungsprocess selbst in’s Auge fasst, gleichviel durch 
wen oder an wen und mit welchen Geldstücken die 
Zahlungen ausgeführt werden, und dass man ferner bei 
der Fragestellung nicht gleich auf einen ganzen Zeit 
raum, sondern, wenigstens zunächst oder von vorn 
herein, nur auf einen bestimmten Zeitpunkt resp. be 
stimmte Zeitpunkte Bezug nimmt; denn aus dem Um 
stand, dass ein und dasselbe Geldstück, einer Schraube 
21) Zu diesem negativen Ergebniss kommt u. A. W. S.Je- 
vons, Geld und Geldverkehr, p. 345; ,,Ai wird sich nun zeigen, 
dass die frage, wie viel Geld eine Nation bedarf, so vielerlei unbe~ 
kannte Grössen einschliesst, dass sich eine sichere Lösung niemals 
wird erlangen lassen.**
        <pb n="56" />
        46 
Capitel IL 
ohne Ende vergleichbar, im Laufe der Zeit wiederholt 
d. h. zu mehr als einer Zahlung- Verwendung findet 
oder finden kann, folgt zwar nicht, dass der Geldbe 
darf von der „Circulationsgeschwindigkeit“ des Geldes 
abhängig zu machen ist, wohl aber, dass die Frage der 
Bestimmung des Geldbedarfs nicht mit Bezug auf einen 
bestimmten Zeitraum, sondern, wenigstens zunächst, 
immer nur mit Bezug auf einen bestimmten Zeitpunkt 
aufgeworfen werden kann. 
Stellt man nun in der angedeuteten Weise die 
Frage, so bestimmt sich der Geldbedarf ganz einfach 
nach dem Gesammtbetrage der in dem betreil'enden 
Lande in einem gegebenen Augenblicke, d. h. gleich 
zeitig, auszuführenden Zahlungen, oder aber, insofern 
es sich darum handelt, den Maximal bedarf an Geld 
innerhalb eines ganzen Zeitraumes, z. B. eines Jahres, 
festzustellen, nach dem höchsten Gesammtbetrage, den 
die gleichzeitig auszuführenden Zahlungen innerhalb 
dieses Zeitraumes daselbst erreichen können. Damit ist 
der Geldbedarf auf eine Grösse zurückgeführt, die sich 
wirklich statistisch ermitteln oder messen lässt 
22) In England z. B., wo die Ausführung wenigstens der 
grösseren Zahlungen und Einkassirungen fast gänzlich in den Hän 
den der Banken liegt und noch dazu das Bankwesen so centrali- 
sirt ist, dass auch der grösste Theil der Zahlungen von einem
        <pb n="57" />
        Bedarf an Geld. 
47 
oder deren Messbarkeit wenigstens nicht schon von 
vornherein und unter allen Umständen ausgeschlossen ist. 
In dem einen Lande ist vielleicht der Gesammt- 
betrag der überhaupt, d. h. z. B. im Laufe eines ganzen 
Jahres, zu eifectuirenden Zahlungen sehr viel kleiner, 
aber der Gesammtbetrag der auf einmal auszuführen 
den Zahlungen doch zu Zeiten oder in bestimmten Mo 
menten des Jahres bei weitem grösser als in einem an 
deren. In diesem Falle braucht das erstere Land we 
nigstens in den betreffenden Zeitpunkten ohne Zweifel 
mehr Geld als das letztere; denn nicht allein auf den 
Betrag der Zahlungen, sondern, wie gesagt, auch auf 
den Zeitpunkt ihrer Ausführung, d. h. den Fällig 
keitstermin der Zahlungsverbindlichkeiten, kommt es 
an. Wenn die Zahlungen nebeneinander fallen, ist 
mehr Geld erforderlich, als wenn sie hintereinander er 
folgen. Es ist also wohl die grössere oder geringere 
Vertheilung oder Concentration der Zahlungen auf ein- 
Platz auf den anderen auf dem Londoner Platze, in Lombard- 
ßtreet, zur Ausführung gelangt, weiss man an der Hand der 
hankstatistik nicht nur, in welchen Zeitpunkten oder Tagen des 
Jahres, oder Vierteljahres, des Monates und der Woche die Zah 
lungen am beträchtlichsten sind, sondern auch wie gross sie 
praeter propter an jedem dieser Hauptzahlungstermine zu sein 
pflegen, und danach können sich dann die Banken mit der nöthi- 
gen Quantität an Münze resp, Noten versehen.
        <pb n="58" />
        48 
Capitel IL 
zelne Zeitpunkte, nicht aber die grössere oder geringere 
„Circulationsgeschwindigkeit“ des Geldes, — die man 
vielmehr höchstens als ein Ergebniss jener auffassen 
kann, — wovon in Wahrheit die Grösse des Geldbe 
darfs abhängt. 
Nach dem oben Gesagten lässt sich etwa folgen 
der Entwicklungsgang hinsichtlich der Grösse des Geld 
bedarfs in einem Lande annehmen. Anfangs, d. h. so 
lange ein Volk noch hauptsächlich Ackerbau und Vieh 
zucht treibt und auf dem Lande zerstreut lebt, drängen 
sich die Zahlungen naturgemäss auf wenige Zeitpunkte 
(Zeit der Saat und der Ernte, Wochenmärkte) zusam 
men. Die Consequenz ist ein verhältnissmässig gros 
ser Geldbedarf, vorausgesetzt natürlich, dass oder in 
soweit überhaupt die Geldwirthscliaft die Naturalwirth- 
schaft verdrängt hat. Dann, in Folge der Entwick 
lung von Handel und Gewerbe und des Städtelebens, 
welches wegen des engeren Zusammenwohnens der 
Menschen häufigere persönliche Berührungen und da- 
* mit auch häufigere Umsätze und häufigere Zahlungen 
mit sich bringt, und in Folge des Fortschritts im Stras 
sen wesen und in den Verkehrsmitteln: Vertheilung der 
Zahlungen mehr auf verschiedene Zeitpunkte und als 
Wirkung davon ein verhältnissmässig geringerer Geld 
bedarf oder ein Wachsthum des Geldbedarfs, das mit
        <pb n="59" />
        49 
Bedarf an Geld. 
der Zunahme der Zahlungen überhaupt, d. h. im gan 
zen Jahre, in keinem Verhältnisse steht. — 
Wir haben bisher stillschweigend vorausgesetzt, 
dass alle Zahlungsverbindlichkeiten baar zu begleichen 
sind; denn nur unter dieser Voraussetzung ist der all 
gemeine Satz richtig, dass der Bedarf an Geld ein um 
so grösserer ist, je mehr die einzelnen Zahlungen zeit 
lich zusammenfallen. Nun kann aber ein grosser 1 heil 
der eingegangenen und bereits fällig gewordenen Zah 
lungsverbindlichkeiten statt mit Baargeld auch einfach 
im Wege der Kompensation seine Erledigung finden 
(Clearing). Und zwar wird diese Methode der Erfül 
lung von Zahlungsverbindlichkeiten in um so aus 
gedehnterem Maasse zur Anwendung kommen kön 
nen, je mehr mit Hülfe des Kredits, des Wechsels, und 
der Banken die endgültige Abwickelung der Geschäfte 
oder Erfüllung von Zahlungsverbindlichkeiten grade 
auf bestimmte Zeitpunkte sowohl wie auf bestimmte 
Plätze und Institute concentrirt wird. Insofern vermin 
dert also wiederum die Concentration der Zahlungen 
auf bestimmte Zeitpunkte sowohl wie auf bestimmte 
.Plätze und Institute den Geldbedarf. 
Je mehr es ferner üblich ist, auf Kredit statt per 
comptant zu kaufen, desto weniger Geld braucht na 
türlich jeweilen über den stricten Bedarf hinaus, der 
4
        <pb n="60" />
        50 
Capitel TI. . 
Sicherheit weg’en, vorräthig gehalten zu werden, weil 
sich bei dem System des Kaufs auf Kredit die Voraus 
berechnung^ des Geldbedarfs immer nur auf bereits ein- 
^egangene Zahlun^sVerbindlichkeiten bezieht, und da 
her eine genauere sein kann, als bei dem System des 
Kaufs per comptant, wo die Vorausberechnung des 
Geldbedarfs auf erst noch einzugehende Zahlungsver 
bindlichkeiten gerichtet und daher eine sehr unsichere ist. 
Ebenso braucht man auch wiederum bei dem Sy 
stem des Kaufs gegen Accept weniger Kasse zu halten 
als bei dem System des Kaufs auf offnen Kredit, d. h. 
gegen einfache Belastung in den Büchern, weil bei 
dem ersteren Systeme der Zeitpunkt für die Erfüllung 
der ZahlungsVerbindlichkeiten von vorneherein fixirt ist, 
während derselbe bei dem anderen System unbestimmt 
bleibt, so dass man also bei dem letzteren System nie 
mals genau vorausweiss, wie viel Geld man in einem 
gegebenen Zeitpunkt wirklich brauchen wird, der Sicher 
heit wegen aber stets lieber etwas zu viel als zu wenig 
Geld vorräthig hält. 
Aus alledem folgt indess noch keinesweges, dass 
der Kredit selbst oder als solcher ein Ersatzmittel 
des haaren Geldes wäre; denn der Kredit selbst oder 
als solcher vertagt nur die Zahlung, macht aber die-
        <pb n="61" />
        4* 
Bedarf an Geld. 
51 
selbe noch keineswegs überflüssig Und ebenso er 
setzt auch der Wechsel als solcher noch kein Geld. 
Vielmehr dient der Wechsel, wenigstens zunächst und 
in der Regel, nur dazu, Forderungen (die bereits fällig 
sind oder binnen Kurzem fällig werden) von einer 
Person auf die andere oder von«einem Platz auf den 
anderen zu übertragen, d. h. eine Zahlung an Stelle 
einer anderen zu setzen, oder Zahlungen par distance 
in Zahlungen am Platz zu verwandeln, wodurch aller 
dings eine ausgedehntere Anwendung des Com pen sa- 
tionsverfahrens ermöglicht, aber doch unmittelbar noch 
kein Geld erspart wird. 
Ganz anders verhält sich die Sache dagegen bei 
den Banknoten. 
Die Mehrzahl der neueren Oekonomisten behauptet 
zwar, dass sich die Banknote vom Wechsel und an- 
23) So bemerkt auch schon J. Locke, Further considera 
tions etc. p. 15: ,,Credit tvill supply the defect of money to some 
small degree for a little while. Hat, credit being nothing but 
the expectation of money within some limited time, money must he 
had or credit will fail.** 
Und W. St. devons, Geld und Geldverkehr, p. 243: ,.l)as 
lerstündniss der wahren Natur des (leides ist vielfach durch die lie- 
hauptung erschwert worden, dass der liredit gemünztes ineld ersetzen 
könne,** — ,,l*rüfen wir aber das If'esen des hredits, so finden 
wir, dass er nichts ist als das Ter s c h i eh en einer Hezahlung.**
        <pb n="62" />
        52 
Capitel TI. 
deren Kreditpapieren oder „übertragbaren Forderungen“ 
nicht wesentlich unterscheide, oder dass der Unterschied 
nur ein „formeller“ oder „gradueller“ aber kein „prin- 
cipieller“ sei^^). 
Dieser Ansicht kann ich indess nicht beipflichten. 
Die Banknote ist allerdings kein Geld im strengen 
Sinne des Wortes. Dies folgt ohne Weiteres daraus, 
dass sie nur einen repräsentativen Werth besitzt, 
d. h. ihren Werth nicht sich selbst sondern nur dem 
Kredit, d. i. einer rechtlichen Beziehung auf das Metall 
geld, verdankt. Und insofern steht die Banknote un- 
24) Vgl. z. B. Tooke u. Newmarch, Geschichte der Preise. 
Deutsch von Ascher, (Dresden 1858), I, 621. 623. 
In neuerer Zeit: Macleod, Diet, of pol. economy, Art. 
Currency: ,,7’Ae fact is that the only difference between a bit! 
of exchange and a banknote is, that the former is a promise of a 
deferred payment and the latter that of an immediate one, and 
there is less risk in taking the latter than the former. From these 
circumstances a banknote possesses a greater degree of circulating 
power than a bill of exchange. Hut it is to the last degree un- 
philopophical to maintain that these two obligations are of different 
natures, because they are adapted to circulate in different degrees.'* 
Aehnlich A. Wagner, Beiträge zur Lehre von den Banken, 
p. 40. Die russische Papierwährung, p. 54. 55 und ferner Art. 
Banknote und Art. Credit in llentsch, Handwörterbuch der Volks- 
wirthschaftslehre. 
Dagegen schon Knies, Geld und Credit II. 2, p. 293, 417 ff.
        <pb n="63" />
        53 
Bedarf an Geld. 
leugbar mit dem Wechsel und allen anderen Kredit 
papieren auf einer Linie. 
Darüber hinaus aber, d. h. sobald man auf die 
wirthschaftliche Funktion oder Bestimmung sieht, un 
terscheidet sich die Banknote doch sehr wesentlich vom 
Wechsel und allen anderen Kreditpapieren. 
Während nämlich der Wechsel und überhaupt die 
grosse Mehrzahl der Kreditpapiere, wenigstens zunächst 
und in der Kegel, nur dem Bedürfniss einer Vertagung 
der Zahlung oder der Uebertragung einer Forderung 
ihren Ursprung verdanken, dienen dagegen die Bank 
noten dazu, die Baarzahlung geradezu überflüssig zu 
machen. Diese Fähigkeit der Banknoten, das Geld ein 
für allemal zu ersetzen, beruht nicht allein darauf, 
dass die Banknote ein „Inhaberpapier“ ist und daher an 
Zahlungsstatt übertragen werden kann, ohne dass der 
jenige, der sie weiter begiebt, für ihre Einlösung ver 
antwortlich bleibt, sondern gründet sich vor .Allem auch 
darauf, dass die Banknote „auf Sicht“ lautet. Denn, da 
die Macht oder Sicherheit, jederzeit im Fall des Be 
darfs sofort und ohne Weiteres haar Geld haben zu 
können, dem Wer the nach, d. h. also ökonomisch be 
trachtet, genau ein und dasselbe ist, wie der factische 
Besitz von Baargeld, so geht nicht nur die Banknote
        <pb n="64" />
        54 
Capitel IL 
in jedem einzelnen Falle, wo eine Zahlung- zu machen 
ist, ganz ebenso glatt und ungehindert von Hand zu 
Hand, wie das haare Geld — im Gegensatz zum Wech 
sel, dessen Verwendung an Zahlungsstatt (wenn man 
schon von einer solchen reden will) in jedem einzel 
nen Falle immer erst eine besondere Transaktion oder 
Wei thbestinimung (Discontirung) voraussetzt, also immer 
nur eine bedingte und, beschränkte ist — sondern 
vermag sich auch — im Gegensätze ebenfalls zum 
Wechsel, der regelmässig am Verfallstage einkassirt zu 
werden bestimmt ist, und daher nur ein ganz vor 
übergehendes Dasein besitzt, — fortdauernd an 
Stelle des Metallgeldes im Umlaufe zu erhalten. 
Die Banknote erscheint hiernach als ein wirkliches 
Ersatzmittel des haaren Geldes. Sie ersetzt das Letz 
tere zwar nicht in seiner Eigenschaft als „Umsatz- 
mittel“, oder „Werthmaass“, wohl aber ersetzt sie es 
in seiner Eigenschaft als Zahl mittel, d. h. in derje- 
25) Vgl. auch E. Seyd, Bullion and foreign exchanges, Lon 
don 1868, p. 29: ,,Gold, silver, and copper coins, and banknotes, 
pass current, from hand to hand w it ho at res trie t i o n s ; they arc 
therefore called ,,currencyHills of exchange are not currency; 
their transmission does not take place in the same free and simple 
manner. ‘ ‘
        <pb n="65" />
        55 
Bedarf an Geld. 
iiigen Eigenschaft, in welcher allein das Metallgeld 
überhaupt ein Gegenstand bestimmten Bedarfs ist. Man 
kauft (Preisbestimmung) zwar nicht mit Banknoten, 
wohl aber bezahlt man damit (cash)^«). 
Und daraus allein erklärt es sich Ja auch, warum 
die Banken jederzeit weit weniger Baargeld vorräthig 
zu halten brauchen, als sie Noten im Umlaufe haben 
26) A. Wagner (vergl. die Artikel „Banknote“ und „Cre 
dit“ in Eentsch, Handwörterbuch, und die Schrift: Staatspapier 
geld etc. Berlin 1874. p. 20) meint umgekehrt, die Banknote er 
setze das Geld nur in seiner Eigenschaft als Umsatzmittel oder 
„Umlaufsmittel“ („Tauschmittel“), nicht in seiner Eigenschaft als 
Zahlmittel. Indess kann hier der Ausdruck Umsatzmittel oder „Um 
laufsmittel“ doch nur den Sinn von Kaufkraft (purchasing power) 
haben. Kaufkraft aber besitzt nur das Geld, nicht die Bank 
note. Und was die Eigenschaft des Zahlmittels betrifft, so ist liier 
A. Wagner, wie so viele Andere, von der irrigen Vorstellung be 
herrscht, als ob nur der Zwangscurs oder das Gesetz eine 
Sache zum Zalümittel machen könne, wie er denn überhaupt 
immer nur von einem ,,gesetzlichen“ Zahlmittel, nicht von einem 
Zahlmittel überhaupt oder schlechtweg spricht Unter Zahlung 
kann aber doch nur die thatsächliche Lösung oder Erfüllung 
von auf Geld lautenden Verbindlichkeiten verstanden werden, mag 
diese nun „solutio“ oder nur „datio in solutum“ sein. Die Bank 
note hört also dadurch noch nicht auf, Zahlmittel zu sein, dass 
ihre Annahme an Geldesstatt nur freiwillig, nicht gezwungen 
stattfindet. Sie ist eben Zahlmittel, nicht kraft des Gesetzes, son 
dern kraft ihrer Einlösbarkeit auf Sicht oder kraft des Umstan 
des, dass sie das vollkommene Aequivalent des Metallgeldes ist.
        <pb n="66" />
        5tí 
Capitel II. 
oder warum sie den grössten Theil ihrer Noten fort 
während metallisch ungedeckt lassen können, während 
der übliche einfache Hinweis auf die Thatsache, dass 
erfahrungsgemäss niemals alle Noten auf einmal zur 
Einlösung präsentirt werden, doch olfenbar noch keine 
Erklärung ist. 
Der Unterschied zwischen den Banknoten und an 
dern Kreditpapieren ist sonach also, wenigstens vom 
ökonomischen Standpunkt aus, kein blos formeller 
oder gradueller, sondern, ebenso wie der Unterschied 
zwischen Geld und Waare, in der That ein principieller. 
Während andere Kreditpapiere, wie der Wechsel, gewis- 
sermassen die Bolle einer Waare im Handel spielen 2^) — 
wie denn auch eine Waare unter Umständen oder aus 
nahmsweise an „Zahlungsstatt“ Verwendung oder An 
nahme finden kann (nur dass dies immer eine Art von 
Kauf oder Preisbestimmung der betreffenden Waare 
voraussetzt), — spielt dagegen die Banknote geradezu 
• die Bolle des Geldes im Handel, oder eigentlich, richti- 
27) So sagt auch. S. Je von s, Geld und Geldverkehr, p. 347: 
,,/cA lege keinen zu grossen fCerth auf den Gebrauch von // cchseln 
als Ersatzmittel für Geld, weil sie nur in beschränktem Muasse ge 
braucht werden können und weil sie eigentlich mehr ff'aare 
sind, welche man für Geld kauft und verkauft, als Er 
satzmittel für Geld.'’*’
        <pb n="67" />
        Bedarf an Geld. 
57 
ger gesagt, spielt die Banknote überhaupt keine Rolle 
itn Handel d. h. bei der Eingehung von Zahlungs 
verbindlichkeiten, sondern nur eine Rolle bei der Er 
füllung von ZahlungsVerbindlichkeiten. 
Ganz das gleiche gilt auch von dem System 
der sogen. Guthaben in Contocorrent und der 
Cheques, welches sich bekanntlich in England der 
ausgedehntesten Anwendung erfreut, ja daselbst im 
Laufe der Zeit die Banknote fast ganz verdrängt hat. 
Das genannte System unterscheidet sich von dem 
System der Banknoten nur dadurch, dass es den Buch- 
eredit an die Stelle des Dapiercredites setzt, oder die • 
Zahlung und Kassenhaltung vorwiegend zu einer Sache 
der Feder oder der Buchung für die Banken macht, 
während dieselbe bei der Note noch eine Sache der 
handgreiflichen Verwahrung und Uebergabe für das Pu 
blikum ist. An die Stelle der in den Händen des Pu 
blikums belindlichen Noten treten hier jederzeit im Fall 
des Bedarfs oder nach Belieben, ganz oder theilweise, 
einlösbare Guthaben in den Büchern der Banken. An 
die Stelle der Uebergabe von Noten tritt die Um 
schreibung des Bel rags in den Büchern der Banken von 
dem Conto des Einen auf das Conto des Anderen. 
Der Cheque dient nur dazu, diese Umschreibung einzu 
leiten. Er ist nur die äussere Handhabe des Systems,
        <pb n="68" />
        58 
Capitel J I. 
(1. h. ein Zahlungsmandat, vermittelst dessen der In 
haber eines Guthabens in Contocorrent über dieses oder 
einen Theil desselben zu Gunsten eines Dritten verfügt. 
Die betreffende Bank ist daher auch dem Aussteller des 
Cheque gegenüber immer nur unter der Voraussetzung 
und in so lange zur Honorirung desselben (wie jedes 
anderen von demselben an sie gerichteten Zahlungsauf 
trages) verpflichtet, als derselbe ein entsprechendes Gut 
haben bei ihr stehen hat, was darum eine thatsächliche 
Honorirung eines das jeweilige Guthaben überschreiten 
den Cheque, in Erwartung nachträglicher Deckung, 
keinesweges ausschliesst. Andererseits bleibt wiederum 
der Aussteller des Cheque für die Honorirung desselben 
seitens der bezogenen Bank dem Nehmer des Cheque 
gegenüber verantwortlich (wenigstens eine gewisse Zeit 
lang). Erst mit der Einlösung des Cheque resp. der 
Umschreibung des Betrags von dem Conto des Aus 
stellers auf das Conto des Dräsentanten, nicht schon 
mit der Ausstellung oder Einhändigung des Checpie, 
wird daher die Zahlung oder die Uebertragung der For 
derung, welche die Stelle des haaren (Feldes vertritt, 
perfect, während dagegen bei der Note die Zahlung 
oder Uehertragung der Forderung schon durch einfache 
Tradition bewirkt wird. Der Cheque will hiernach
        <pb n="69" />
        Bedarf an Geld. 
59 
immer zur Zahlung präsent!rt sein, während die Note 
im Gegentheil grade darauf speculirt, unrealisirt zu 
bleiben. Und in der Thal, da der Aussteller eines Cheque, 
dem Inhaber desselben gegenüber, naturgemäss doch 
immer nur eine begrenzte Zeit („reasonable time“) für 
die Honorirung desselben durch die Bank, auf die er 
ausgestellt ist, haftet, so dass wenn der Empfänger des 
Cheque diese Zeit nicht einhält und inzwischen die 
Bank falliren sollte, dies allein sein Schade ist, — da 
ferner auch der Inhaber niemals sicher weiss, ob der 
Aussteller wirklich ein entsprechendes Guthaben bei 
der Bank stehen hat, und ob daher die Bank zur Ho^ 
norirung des Cheque wirklich verpflichtet ist, so wird 
schon aus diesen Gründen in der Regel jeder Cheque 
von dem Empfänger sofort zur Zahlung präsentirt, resp. 
einer Bank zur Einkassirung oder Gutschrift des Betrags 
übergeben. Ausserdem lässt sich ein Cheque, der immer 
auf einen ganz zufälligen, unregelmässigen. Betrag 
ausgestellt ist, während alle Noten auf runde Be 
träge lauten, auch in technischer Beziehung nicht gut 
zu mehreren Zahlungen hintereinander benutzen. So 
dass von einer eigentlichen Circulation, oder auch nur 
von einer mehr als ganz vorübergehenden Existenz, bei 
dem Cheque keine Bede sein kann und der Schwer-
        <pb n="70" />
        60 
Capitel II. 
puiikt (les Systems oder das eigentliehe Gegenstüek 
zur Banknote daher nieht sowohl in dem Cheque als 
vielmehr in dem, nur mittelst Cheque übertragbaren, 
Guthaben im Contocorrent liegt. 
Wenn die Wirksamkeit des Systems nicht blos 
auf den Kundenkreis einer einzelnen Bank beschränkt 
sein, sondern wenn dasselbe seine geldersetzende Kraft 
auch auf den Verkehr unter den Kunden verschiedener 
Banken erstrecken soll, so müssen diese Banken na 
türlich in einem gegenseitigen Abrechnungsverhältniss 
zu einander stehen, dergestalt, dass sie die von ihren 
Kunden zur Einkassirung erhaltenen Cheques oder fälli 
gen Zahlungsanweisungen (resp. Wechsel) Tag für Tag 
gegeneinander auswechseln, sowie dies bekanntlich im 
Londoner Clearinghouse geschieht. Es braucht dann 
immer nur die jeweilige Bilanz wirklich bezahlt zu wer 
den, wenn nicht auch diese, sowie das in London, wo 
jede im Clearinghouse vertretene Bank ein Contocorrent 
bei der Bank of England hält, der Fall ist, im W ege 
einer einfachen Umschreibung des Betrags von einem 
Conto auf das andere beglichen wird. Da in England 
jede Provinzialbank unter den Londoner Banken ihre 
Vertreterin hat, so werden nicht nur die gegenseitigen 
ZahlungsVerbindlichkeiten unter den Londoner Banken 
sondern auch die Zahlungsverbindlichkeiten unter den
        <pb n="71" />
        61 
Bedarf an Geld. 
Banken verschiedener Provinzialplätze im Londoner 
Clearinghouse erledigt, so dass auf diese \\ eise alle 
englischen Banken zusammengenommen wie eine grosse, 
über ganz England verbreitete, Girobank funktioniren. 
Bekanntlich hat das geschilderte System auf dem 
Continent bis jetzt nur in sehr beschränktemMaasse Buss 
zu fassen vermocht. Die Gründe dafür liegen haupt 
sächlich darin, dass das System auf Seite aller derer, 
die davon Gebrauch machen wollen, die constante Hal 
tung von Kasse, in Gestalt eben eines Guthabens in 
Contocorrent, voraussetzt, daher nur bemittelteren Per 
sonen zugänglich ist, und dass ferner das System nur 
für grössere Beträge eine Erleichterung gegenüber der 
Note gewährt, während es für kleinere Zahlungen oder 
Kassenbestände sich als zu umständlich erweist^"). 
Als ein Ersatzmittel des haaren Geldes ist endlich 
28) Siehe das Genauere über das ganze System in meiner, 
bereits 1867 erschienenen, Schrift: „Das Chequesystem und das 
Clearinghouse in London“, Jena 1867. Es ist diese Schrift von 
Späteren, die denselben Gegenstand behandelt haben in ausgiebig 
ster Weise benutzt, stellenweise sogar wörtlich abgeschrieben 
worden, in der unverblümtesten Weise und ohne jede Quellenan 
gabe. In letzterer Beziehung verweise ich auf eine in Oester 
reich erschienene Broohüre von G. Leonhardt, Die gesetzliche 
Begründung des (Jhecksystems in Oesterreich, Wien 1881.
        <pb n="72" />
        62 Capitel IL 
auch noch das sogen, „inconvertible Pa piergeld“ 
zu bezeichnen. 
Die meisten neueren Oekonomisten wollen zwar in 
dem inconvertiblen Papiergeld kein bloses Ersatzmittel 
des baaren Geldes sehen sondern vielmehr eine ganz 
eigene oder selbstständige Art von Geld neben und 
ausser dem Metallgeld 2®). 
Diese Auffassung scheint mir indess ebenso un 
richtig zu sein, wie die Ansicht, welche Banknoten und 
Wechsel in ein und dieselbe Kategorie verweist; denn 
auch das inconvertible Papiergeld besitzt nur einen re 
präsentativen Werth, d. h. verdankt seinen Werth nicht 
sich selbst sondern nur einer rechtlichen Beziehung 
auf das Metallgeld oder die Münze. Diese rechtliche 
Beziehung besteht allerdings nicht, wie bei der conver 
sa) Dies ist insbesondere eine Lieblingsthesis A. Wagner’s, 
die in seinen zahlreichen Schriften über Geld und Bankwesen 
immer von Neuem wiederkehrt. Vgl. Beiträge zur Lehre von den 
Banken p. 34 ff. Art. „Papiergeld“ in Bluntschli’s Staatswörterbuch. 
VII. p. 646—663. Geld- und Credittheorie der Peelschen Bank 
acte, p. 21. Die russ. Papierwähr., p. 49. Ferner die einschlägi 
gen Artikel in Rentzch’s Handwörterbuch. 
Siehe indess auch schon vor Wagner beispielsweise 
Cu Hoch, On metallic and paper money and banks. Edinb. 1858, 
p. 7: ,,sucA notes are not representatives of money, hat 
are themselves a variety of money.**
        <pb n="73" />
        63 
Bedarf an Geld. 
tibien Banknote, in dem Credit, d. h. in einer Forderung 
oder Zahlun^sverbindlichkeit^^) sondern nur in dem 
Zwangskurs, d. h. der Eigenschaft des „gesetzlichen“ 
Zahlmittels, kraft deren jedermann dasselbe ohne Wei 
teres an Stelle des Metallgeldes in Zahlung anzuneh 
men verpflichtet ist (oder möglicherweise auch in der 
blossen Verbindlichkeit des Emittenten zur Rücknahme 
desselben an Zahlungsstatt, Annahme an den Staats 
kassen, sog. „Steuerfundation“). Und es ist das unbestreit 
bar ein Unterschied von grosser praktischer Tragweite, da 
der Umstand, dass das inconvertible Papiergeld nicht 
wie die convertible Banknote auf Grund eines einfachen 
Forderungsrechtes im Fall des Bedarfs gegen Metall 
geld umgewechselt werden kann, dasselbe der Gefahr 
einer Entweiihung (Depretiation) im Verhältniss zur 
Münze aussetzt, vor welcher Entwerthung die conver 
tible Note geschützt ist. Nichtsdestoweniger steht aber 
das inconvertible Papiergeld doch seiner Funktion oder 
30) Daher es auch ganz verkehrt ist, wenn man das incon 
vertible Papiergeld, wie das noch immer geschieht, als Schuld 
verschreibung ansieht, oder, wie es selbst A. Wagner noch thut 
(Die russ. Papierwähr., p. 86. 87. 91, 93 und Beiträge zur Lehre 
von den Banken, p. 89) die Depretiation des inconvertiblen Staats 
papiergeldes mit dem erschütterten Staatscredit in unmittelbare 
Verbindung bringt.
        <pb n="74" />
        04 
Capitel II. 
Bestimmung- nach mit der convertiblen Banknote durch 
aus auf einer Linie. Denn auch das inconvertible Pa 
piergeld ersetzt das ¡Metallgeld nur in seiner Funktion 
als Zahlmittel, nicht zugleich auch in seiner Funktion 
als Umsatzmittel oder W erthmaass. Auch das incon 
vertible Papiergeld ist daher seiner eigentlichen Na 
tur nach nur ein Geldzeichen, kein Geld. Dies 
gilt selbst dann noch, wenn in Folge der Emission 
von inconvertiblem Papiergeld bereits alle Münze aus 
dem Umlauf verschwunden, d. h. in dem betreifenden 
Lande zu einer Waare geworden ist oder ein Agio 
erlangt hat; denn auch dann dient das Papiergeld, 
wie die Rückwirkung des Agio auf die Preise beweist, 
noch immer nur auf Grund und nach Maassgabe seines 
jeweiligen wirklichen Werth Verhältnisses zur Münze, 
nicht aber auf Grund und nach Maassgabe seines 
blosen „Nominalwerthes“, als Grundlage der Preisbe 
stimmung, d. h. selbst dann belindet sich der eigent 
liche Sitz der Kaufkraft oder die Huelle des W erthes 
doch immer nur in der Münze, obwohl die letztere in 
dem betreffenden Lande nicht mehr als Zahl mittel fun- 
girt, also nur noch in der Vorstellung des Käufers 
oder Verkäufers als Geld daselbst fortexistirt, selbst 
dann ist das Papiergeld immer nur ein Geldzeichen 
d. h. ein die Stelle des Geldes vertretendes, reprä-
        <pb n="75" />
        b 
Bedarf an Geld. 
65 
sentatives Zahlmittel, kein Geld. Es hat sich in 
diesem Falle eben in dem betreffenden Land eine voll 
kommene Trennung von „Umsatzmittel“ und „Zahl 
mittel“ vollzogen, dergestalt, dass es daselbst überhaupt 
kein eigentliches Geld mehr giebt ^ ^ ). 
31) Daran ändert auch der „Zwangscurs“ oder die Eigen 
schaft des „gesetzlichen“ Zahlmittels (A. Wagner nennt die Eigen 
schaft des „gesetzlichen“ Zahlmittels oder der „Währung“ eine 
„Funktion“ des Geldes (vgl. z. B. Staatspapiergeld, Reichskassen- 
scheine und Banknoten, p. 20 ff.), als ob überhaupt ein Rechts- 
verhältniss eine Funktion sein könnte!) nichts; denn der Zwangs- 
curs allein macht eine Sache noch nicht zum Geld, das beweist 
schon der Zustand der Doppelwährung, wo zweierlei „gesetzliche“ 
Zahlmittel nebeneinander bestehen, während sich doch in der Re 
gel immer nur das eine derselben facti sch im Umlaufe behauptet.
        <pb n="76" />
        32) J. Law, Consid. sur le numéraire et le commerce (er 
Capitel III. 
Geld und Kapital. 
Ehemals war man der Ansicht, dass Handel und 
Gewerbileiss einfach von der Menge des vorhandenen 
Geldes abhänge und dass man daher, um den Handel 
und Gewerbileiss eines Landes in Aufschwung zu 
bringen, nur die Menge des Geldes daselbst zu ver 
mehren brauche, was am einfachsten vermittelst des 
Kredits oder der Errichtung von Banken und der Emis 
sion von Papiergeld geschehe. M. a. W. man identili- 
cirte ohne Weiteres Geld und Kapital, sah in jeder 
Geld Vermehrung eine Kapital vermehrung und behandelte 
jeden Mangel an Kapital als einen Mangel an Geld. 
Seit A. Smith ist diese Theorie, als deren klas 
sischer Vertreter der Schotte John Lawzu be-
        <pb n="77" />
        5* 
Geld und Kapital. 
67 
trachten ist, ein überwundener Standpunkt, und dafür 
ist folgende, der früheren schnurstracks entgegenge- 
schien ursprünglich englisch unter dem Titel: „money and trade 
considered.“ Edinburg 1705) in Econ. Financ. du 18'*’"“ siècle 
cd. Daire. Paris 1851, p. 449: ,,Ae commerce intérieure dé 
pend de la monnaie y une plus grande quantité emploie 
plus d'individus qu'une moindre quantité.'* p. 465: 
,,Les banques sont encore la meilleure méthode que Fon ait pratiquée 
pour Cuccroissement du numéraire." 
Für das „System“ Law’s sind insbesondere noch folgende 
Stellen charakteristisch: p. 480: ,,Le crédit, qui promet un pay 
ment en espèces, ne peut guère s'étendre nu delà (Tune certaine 
proportion, qu'il doit observer avec les espèces et nous en avons une 
si modique quantité, que le crédit auquel elles pourraient servir se 
rait très peu considerable. Il reste à examiner, si on ne pourrait 
pas convertir en monnaie quelque autre objet que Forgent avec 
autant de sûreté et de commodité." Und nun folgt der bekannte 
Vorschlag, eine Hypothekenbank zu errichten, die die Aufgabe 
habe, inconvertibles Papiergeld mit Zwangscurs zu eraittiren. 
p. 501 : ,,La sûreté donné-e pour le premier papier-monnaie était de 
Forgent, la sûreté donnée pour le second ce sont des terres." 
Dieses Papiergeld, meint Law, werde seinen Werth behaupten, 
da es auf die Verpfandung von Grund und Boden basirt sei. 
p. 497: „Le papier monnaie proposé sera égal en valeur à l'ar 
gent, car il aura une valeur hypothécaire égale à la même somme 
d'argent monnayé, que Fou donne pour cette valeur." Law über 
sieht hier ganz, dass das inconvertible Papiergeld überhaupt kein 
Kreditpapier ist, d. h. seinen Werth keiner Forderung, sondern 
uur dem Zwangscurs (oder auch nur dem Versprechen der Wie 
derannahme desselben an Zahlungsstatt von Seite des Emittenten) 
verdankt, und dass daher die verpfändeten Grundstücke nur die
        <pb n="78" />
        68 
Capitel III. 
setzte, Anschauung an die Stelle getreten: dass das 
Kapital eines Landes nicht sowohl in der vorhandenen 
Menge an Geld, als vielmehr nur oder hauptsächlich 
in der vorhandenen Menge oder dem angehäuften Vor 
rath (stock) an Gütern oder Waaren bestehe und zwar 
an Gütern oder Waaren, welche ihrer Natur nach wie 
derum zur Erzeugung oder Erlangung von Gütern oder 
Waaren Verwendung zu finden bestimmt oder geeignet 
seien. Das Geld, sagt man, „erzeuge“ an sich ge 
nommen nichts, sondern diene nur dazu, bereits er 
zeugte oder auf den Markt gebrachte Güter oder 
Waaren aus einer Hand in die andere zu übertragen. 
Es stelle daher nur mittelbar, nicht unmittelbar, Kapital 
dar, oder es stelle nur „unproduktives“, kein „produk 
tives“, Kapital dar®*'’). 
Sicherheit für die Rückzahlung der von der Bank gewährten Dar 
lehen , nicht aber die Sicherheit für irgend eine von der Bank 
übernommene Zahlungsverbindlichkeit bilden, da eine solche, wie 
gesagt, beim inconvertiblen Papiergeld gar nicht existirt. 
Wie Law auch B. Franklin, A modest inquiry into the 
nature and necessity of a paper currency 1729 (works ed. Sparks, 
Boston 1840. II. 254): ,,y/ plentiful currency will encourage 
great numbers of laboring and handicraftsmen to come and settle 
in the country“. — bills issued upon money security arc mo 
ney, so bills issued upon land are in effect coined land.“ 
33) A. Smith. Vergl. B. II. ch. lu. 2: ,,The gold and silver
        <pb n="79" />
        Geld und Kapital. 
69 
Diese, noch gegenwärtig in den Lehrbüchern der 
politischen Oekonomie allgemein verbreitete, Anschauung 
money, u^hich circulates tn any country — is — all dead stock. 
Il — produces nothing to the country. The judicious opera 
tions of banking, by substituting paper in the room of a great part 
of this gold and silver enables the country to convert a great part 
of this dead stock into active and productive stock, into stock 
which produces something to the country.** 
Ricardo, Principles of Political Economy. (Works ed. 
M« Culloch.) p. 51: ,,capital is that part of the wealth of a 
country which is employed in production and consists of 
food, clothing, tools, raw materials, machinery etc. necessary to 
give effect to labour.** p. 139: ,,/« the form of money this capi 
tal is productive of no profit^ in the form of materials, ma 
chinery, and food it would be productive of revenue, and would add 
to the wealth and ressources of the state.** p, 221: ,,The whole 
business which the whole community can carry on depends on the 
yuantity of its capital, that is, of its raw materials, ma 
chinery, food, vessels etc. employed in production.** 
„The high price of bullion etc., p. 265: ,,The bank substitutes a 
currency of no value for one most costly, and enables us to turn the 
precious metals which though a very necessary part of our capital, 
yield no revenue, into a capital which will yield one.** 
J. St. Mill, Principles, p. 34: „.Money is no more synony 
mous with capital than it is with wealth; money cannot in it 
self perform any part of the office of capital, since it 
cun afford no assistance to produe tion. To do this, it 
must be ex c h anged for other things.** 
Wilson, Capital, currency, and banking. London 1847, p. 119: 
,,Capital, in the broad sense means labour accumulated in such a 
form as to facilitate future productio n**. p. 146: ,,The
        <pb n="80" />
        70 
Capitel III. 
Über das Wesen des Kapitals und sein Verhältniss zum 
(Jekle scheint mir nicht ganz richtig zu sein. 
Ohne Zweifel ist Geld und Kapital nicht ein und 
dasselbe. 
Denn Kapital bedarf man nur zum Zweck des Er 
werbs. Geld dagegen bedarf man auch noch zu allen 
möglichen anderen Zwecken, d. h. auch zu Zahlungen, 
welche nicht dem Erwerbe, sondern nur der unmittel 
baren Befriedigung von Bedürfnissen oder dem blosen 
Genüsse dienen, oder, genauer gesprochen, nicht in 
(1er Verausgabung von Geld zu Zwecken des Erwerbs 
sondern in der Verausgabung von Geld zu Zwecken 
possession of capital is merely the command over commodities of va 
rious kinds; money is merely an instrument used to pass the com 
mand of these commodities from one to another*^. 
Tooke, Geschichte der Preise, deutsch von Ascher. I. 
p. 665. 
Roscher, System I, p. 82: Kapital nennen wir jedes Vroduct, 
welches zu fernerer Production aufbewahrt wird.*‘ 
Rau-Wagner, (Volkswirthschaftslehre. I. Theil) definirt 
Kapital, (p. 30), als: ,,rorrath wir thsc h af t lie h e r Güter, 
welche als Mittel zur Erwerbung neuer wirthschuftlicher Güter, 
durch Eigengewinnung oder durch verkehrsmüssige Gewinnung die 
nen“ ; und (p. 31) als ,,rorrath solcher wirthschuftlicher Güter — 
,, na tura 1er Güter“ — welche als technische Mittel für die 
Gewinnung neuer Güter in einer IFirthschaft vorhanden sein müs 
sen ; P r oduc tio ns mit tel“.
        <pb n="81" />
        Geld und Kapital. 71 
des blüsen Genusses oder der unmittelbaren Befriedi 
gung von Bedürfnissen ihren Grund oder Ursprung 
haben. 
Daher stellt auch nicht alles jeweilen vorhandene 
Geld Kapital dar und ist nicht jeder Bedarf oder Man 
gel an Geld eo ipso auch schon immer ein Bedarf oder 
Mangel an Kapital. 
Umgekehrt bedarf man Geld wiederum nur zum 
Zweck der Bewerkstelligung von Zahlungen oder der 
Erfüllung bereits eingegangener Zahlungsverbindlich 
keiten. Kapital dagegen auch schon zum Zweck der 
blosen Verausgabung von Geld oder der blosen Ein 
gehung von Zahlungsverbindlichkeiten, vorausgesetzt, 
dass diese Verausgabung von Geld oder Eingehung von 
Zahlungsverbindlichkeiten überhaupt dem Erwerbe dient, 
d. h. m. a. W. dass es sich dabei um die successive 
Durchführung einer Beihe von Operationen handelt, durch 
welche ein Ertrag oder Gewinn erzielt wird. 
Daher besteht auch nicht alles Kapital nur in Geld 
und ist nicht jeder Bedarf oder Mangel an Kapital auch 
schon nothwendig immer gerade ein Bedarf oder Mangel 
, an Geld, dem, wie Law meinte, einfach im Wege der 
Emission von Papiergeld oder Banknoten abgeholfen 
werden könnte. 
Auf der anderen Seite besteht aber das Kapital
        <pb n="82" />
        72 
Capitel 111. 
auch wiederum keineswegs immer nur in Gütern oder 
Waaren oder gar nur in Gütern oder Waaren irgend 
einer besonderen Kategorie. 
Vielmehr erinnert die Theorie, nach welcher alles 
Kapital seinem Wesen nach nur in Gütern oder Waaren 
bestehe, weil das Geld an sich genommen oder un 
mittelbar nichts „erzeuge“, noch ganz an den natura 
listischen Standpunkt der alten Kanonisten, die be 
kanntlich alles Zinsennehmen verurtheilten, weil das 
Geld „unfruchtbar“ oder „steril“ sei •’■*). 
Das Wesen des Kapitals hat in der That mit 
34) Vgl. auch J. Locke, Consider, p. 55: ,,— land pro 
duces naturally somethlrif; tmv and proßtahle and of value to man 
kind; but money is a barren thing, and produces nothing, 
but by compact transfers that profit that was the reward of one 
marl's labour into another man's pocket.“ 
35) Ich kann hier eine Vorbemerkung ganz allgemeiner Na 
tur nicht unterdrücken. Roscher sagt an einer Stelle (System I 
p. 84. (11. Aufl.)) : ,,l)ie Geschichte dieses licgr'iffes (Itapital) bietet 
merkwü/'dige Beispiele dar, wie es die H'issenschaft verwirren kann, 
wenn ihre Terminologie auch im alltäglichen Leben gebraucht wird.** 
Diesen Worten liegt eine sehr weit verbreitete, aber ganz un 
richtige, Vorstellung zu Grunde, die Vorstellung nämlich, als 
ob der begriff Kapital überhaupt ein Gegenstand willkürlicher 
Terminologie sei, oder als ob die Wissenschaft diesen Begriff 
gewissermassen erst zu bilden oder zu erfinden hätte. Der Be 
griff Kapital ist aber, ebenso wie die Begriffe Kosten und 
Ertrag, Gewinn und Verlust, Vermögen und Einkorn-
        <pb n="83" />
        73 
Geld und Kapital. 
der spezifischen Natur der einzelnen Hesitzobjekte und 
ihrer hierdurch bedingten unmittelbaren oder technischen 
men etc., eine bereits durch das ökonomische Leben gegebene, 
d. h. bestimmten ökonomischen Vorgängen oder Handlungen zu 
Grunde liegende, psychologische Th at sache. Es ist ein Be 
griff, der nicht blos einem theoretischen Interesse, nicht dem 
Bedürfniss blos eines systematisch geordneten Denkens dient oder 
entsprungen ist, sondern vielmehr einem praktischen Bedürf 
niss, d. h. dem lebendigen wirthschaftlichen Interesse seine Ent 
stehung verdankt, eine Vorstellung, die in der That im Kopfe 
jedes Kapitalisten und jedes Unternehmers existirt. Aufgabe der 
Wissenschaft kann es daher nur sein, diesen bereits vorhandenen 
Begriff, im Wege einer psychologischen Analyse der betreffen 
den wirthschaftlichen Vorgänge oder Handlungen, welchen der 
selbe thatsächlich zu Grunde liegt, klar zu stellen, um auf diese 
Weise dem praktischen Bedürfniss näher zu treten, welches zur 
Entstehung dieses Begriffes geführt hat, d. h. der Logik des 
wirthschaftlichen Interesses auf die Spur zu kommen, 
oder die leitenden Motive und massgebenden Rücksichten des 
wirthschaftlichen Handelns bloszulegen. (Courcelle-Seneuil 
bemerkt in seinem Traité des opérations de Banque p. 22: „Le 
compte ,,capital** ouvert sur les livres de commerce est destiné 
uniquement à constater le point de départ du marchand, à lui 
donner te moyen prompt et facile de reconnaître s^il a gairné ou 
perdu, augmenté ou diminué, son avoir.**) Denn schliessHch kann 
es der wirthschaftlichen Theorie, soweit sich dieselbe über- 
hÄupt mit der Bestimmung von Begriffen befasst, doch immer 
nur um ein, durch die Erkenntniss des psychologischen Zusam 
menhangs der Vorgänge bedingtes, Verständniss des wirthschaft 
lichen Lebens zu thun sein, und alle Begriffsbestimmungen, 
die nicht von diesem Standpunkte aus unternommen werden,
        <pb n="84" />
        74 
Capitel III. 
Bestimmung oder Verwendbarkeit nicht das Allerge 
ringste zu thun. Das beweisst schon der Handel, der 
doch seinem Wesen nach nichts anderes ist, als ein 
Kauf und Wiederverkauf, d. h. eine Besitzüberlra- 
müssen unfehlbar den Charakter einer ganz unfruchtbaren Speku 
lation au sich tragen. Wenn daher Koscher an jener Stelle von 
einer Begriffsverwirrung in der Wissenschaft spricht, so liegt der 
Grund davon nicht, wie er meint, in dem Umstande, dass der 
Ausdruck Kapital im Leben sowohl als in der Wissenschaft ge 
braucht wird, sondern vielmehr in dem Umstand, dass es eben 
bisher den Gelehrten nicht in genügendem Maasse darum zu thun 
gewesen oder nicht gelungen ist, über den Vorstellungsinhalt, 
welchen das praktische Leben thatsächlich mit jenem Ausdrucke 
verbindet, vollständig in’s Klare zu kommen. So stösst man denn 
auch gelegentlich noch immer auf die ganz unrichtige Behauptung, 
dass das Leben unter Kapital nur Geld verstehe. Allerdings lässt 
sich ein Kapital immer nur als eine bestimmte Geldsumme den 
ken oder vorstellen, weil eben in dem Begriff Kapital die Vor 
stellung des Werthes enthalten ist, und aller Werth nur messbar 
ist durch den Preis. Daraus folgt indess noch keineswegs, dass 
nach dem Sprachgebrauch des alltäglichen Lebens der Begriff Ka 
pital nicht auch Waarenvorräthe, insofern dieselben eben einen 
bestimmten Geldwerth besitzen oder „repräsentiren“, umfassen 
würde. In der That würde es mit einem Kaufmann, der sein 
Kapital ausschliesslich in seinem Kassenbestande, nicht auch in 
seinem Waarenvorrathe, verkörpert sehen würde, sehr übel be 
stellt sein. Man kann oben sehr wohl einen richtigen Begriff von 
einer Sache haben, ohne dass man darum auch schon den Begriff 
in seine Bestandtheilo zu zerlegen d. h. richtig zu „definiren“ 
vermag.
        <pb n="85" />
        75 
Geld und Kapital. 
giin«' von Gütern oder Waaren aus Händen, die we 
niger Werth darauf legen und daher einen niedrigeren 
Preis dafür fordern, in Hände, die mehr Werth darauf 
legen und daher einen höheren Preis dafür zu bezahlen 
hei eit sind, ohne dass mit dieser Besitz Übertragung 
auch nur immer ein Transport verbunden zu sein 
braucht, gesehweige denn irgend ein Act der „Pro 
duktion“, — und für den es doch nichtsdestoweniger 
ganz ebenso gut einen Bedarf an Kapital giebt, wie für 
jeden anderen Erwerbszweig ^®). 
Vielmehr ist es nur die Grösse des Werthbe- 
Irags, über welchen man, sei es in welcher Gestalt 
immer, verfügt, und die durch diese Grösse be 
dingte wirthschaftliche Kraft oder allgemeine 
36) Man hat allerdings auch den Handel als eine Art von 
„Produktion“ hinzustellen versucht. Indess thut man damit doch 
offenbar dem Begriff „Produktion“ Zwang an. Ohne Zweifel be 
reichert auch der Handel die Gesellschaft, so gut wie es die 
Industrie und die Landwirthschaft thut. Aber nicht alle Bereiche 
rung beruht eben immer nothwendig auf einem Akte der Pro 
duktion oder auch nur auf einem Akte der Technik. Viel 
mehr kann auch ein blosser Besitzwechsel eine Bereicherung 
bewirken, wenn eben der Werth der betreffenden Sache ein un 
gleicher ist für verschiedene Personen (resp. Plätze, Länder oder 
Zeiten); denn schliesslich ist es doch immer nur der Werth des 
Besitzes, auf welchem aller Reichthum beruht.
        <pb n="86" />
        7 6 Capitel HL 
Möglichkeit des Erwerbs, welche das Wesen des 
Kapitals ausmacht. 
M. a. W. das Wesen des Kapitals beruht in letzter 
Instanz einzig und allein auf der Thatsache, dass es 
überhaupt eine Verwerthung des Besitzes oder eine 
Verausgabung von Geld nicht nur und ausschliesslich 
im Interesse des Genusses oder der unmittelbaren Be 
friedigung von Bedürfnissen sondern auch im Interesse 
wiederum des Besitzes, d. h. im Interesse des Erwerbs 
oder der Erzielung eines Ertrags oder Gewinnes, giebt, 
diese letzteren Ausdrücke in dem Sinne verstanden, 
dass man schliesslich, d. h. nach Verlauf einer be 
stimmten Zeit oder am Ende einer bestimmten Reihen 
folge von Operationen, — gleichviel, welcher Natur diese 
Operationen sind oder worin dieselben bestehen, ob in 
einem blosen Kauf und Wiederverkauf von Waaren, 
oder aber zugleich auch und in Verbindung damit in 
irgend welchen Akten der „Produktion“ oder der Tech 
nik, — mehr dem messbaren oder sog. Geldwerthe 
nach besitzt als am Anfang oder ursprünglich. 
Alles Kapital besteht daher auch seinem Wesen 
nach nur in bestimmten Werthbeträgen, den für 
Erwerbszwecke verfügbaren, resp. bereits faktisch im 
Dienste bestimmter Erwerbszwecke stehenden, Werlhhe- 
tragen, gleichviel in welcher Gestalt sich diese Werth-
        <pb n="87" />
        77 
Geld und Kapital. 
betrüge jeweilen oder momentan befinden mögen, nicht 
in bestimmten Werthobjekten 
37) Von einzelnen, insbesondere französischen, Schriftstellern, 
die überhaupt feine Beobachter und scharfe Analytiker sind, ist 
dies gelegentlich auch erkannt worden. 
So schon von Turgot a. a. O. p. 37: „Quiconque, soil pur 
le revenu de sa terre, soit par les salaires de son travail ou de son 
industrie, reçoit chaque année plus de valeurs qu'ait n'a besoin d'en 
dépenser, peut mettre en réserve ce superjlu et l'accumuler; ces 
valeurs accumulées sont ce qu'on appelle un capital.“ (Knies, 
Das Geld, (Berlin 1873), übersetzt hier ungeschickter Weise „va 
leurs mit „Güter“, statt mit „Werthe“ und nimmt damit wieder 
jener Stelle ihr ganzes Verdienst). ,,il est absolument indifférent 
que cette somme de valeurs ou ce capital consiste en une masse 
de métal ou en tout autre chose, puisque P urgent représente toute 
espèce de valeur comme toute espèce de valeur représente l'urgent.“ 
Vgl. auch P 67: ,,le taux de l'interet est relatif à la quantité de 
valeurs accumulées et mises en réserve pour formes des capi 
taux. ¡1 est indifférent que ces valeurs soient en métal 
ou en autres effets, pourvu que ces effets soient fa 
ciles à convertir en argent.“ „Ce sont ces épargnes ac 
cumulées qui sont offertes aux emprunteurs, et plus il y en a, 
plus r intérêt de P argent est bas, à moins que le nombre des em 
prunteurs ne soit augmenté à proportion.“ 
Noch eingehender äussert sich Cource 11 e-Seneuil, a. a. O. 
p. 21 : ,,Dcs que les hommes ont appliqué à la valeur des choses une 
sorte de mesure de quantité et perfectionné le contrât d'échange, ils ont 
reconnu non seulement que cette valeur était susceptible d'accroissement 
et de diminution, mais aussi qu'elle pouvait s'abstraire des objets 
aiurquels elle était primitivement attachée, de maniere ii subsister, par
        <pb n="88" />
        78 
Capitel HL 
D. h. ni. a. W. ailes Kapital stellt sich — ange 
sichts der Thatsache, dass für Geld jede Waare gekauft 
line sorte de métempsycose, après la transformation de ces objets, par 
réchange, ou par rindustrie. Qidun laboureur, par exemple, échange 
une mesure de blé contre un mouton, ou contre un instrument de 
travail, tes richesses dont il disposait ont changé de J'orme; 
elles consistent en d \intres objets, sans que leur utilité et leur va 
leur aient éprouvé peut être ni accroissement ni diminution.** p. 22: 
,,cette abstraction d'une somme d'utilités ou de valeurs, 
dont l'existence est toujours liée à celle d'une richesse matérielle, et 
qui cependant a des lois de durée, d'accroissement et de diminution 
complètement indépendantes de celles auxquelles sont soumis tels ou 
tels objets matériels, a pris un nom: c'est ce qu'on appelle un ca 
pital.** ,,lJn capital est toujours une somme de valeurs.** p. 24: 
,,le mot capital suppose — l'idée d'une somme de valeurs 
qui peut changer de forme sans périr —, et complètement 
indépendante des substitutions qui peuvent être opérées dans le cata 
logue des objets dont tes valeurs particulières ajoutées les unes aux 
autres forment cette somme.** 
Auch D. Hume ist schon dem Wesen des Kapitals wenig 
stens sehr nahe gekommen, näher als der grösste Theil der 
späteren englischen und deutschen Schriftsteller, die aus dem 
Kapital sehr bald eine rein technologische Kategorie gemacht 
haben. In seinem Aufsatz „of interest“ bemerkt D. Hume: ,,/// 
order to have, in any state, a great number of lenders, 'tis not snf- 
ficient nor requisite, that there be great abundance of the precious 
metals. 'Tis only requisite that the property or command of that 
quantity, which is in the state, whether great or small, should be 
collected in particular hands, so as to form considerable sums, or 
compose a great money'd interest. This begets a number of lenders, 
and sinks the rate of usury; and this, / shall venture to a ¡firm.
        <pb n="89" />
        Geld und Kapital. . 79 
und wieder verkauft werden kann und dass der Werth 
jeder Waare messbar ist durch den Preis — als etwas 
der Gestalt nach wandelbares und nur der 
Grösse nach constantes dar^«). 
depends not on the quantity of specie, but on particular manners 
and customs, udiich make the specie gather into separate sums or 
masses of considera b le value.*' 
38) km erinnert das an das „Gesetz der Erhaltung der 
Kraft in der Natur; nur dass dem Begriff Kapital selbstver 
ständigerweise kein Naturgesetz sondern nur ein Gebot des wirtli- 
schaftlichen Interesses oder l’rincip des wirthschaftlichen Handelns 
zu Grunde liegt. 
Was oben im Text über den Begriff Kapital gesagt wurde, 
gilt in gleicher Weise auch von den Begriffen Kosten und 
Ertrag, Gewinn und Verlust, Vermögen und Einkom 
men. Denn alle diese Begriffe entstammen der Geldwirthschaft 
oder fussen auf der Thatsache, dass der Ausgangspunkt und das 
Ziel aller Erwerbsthätigkeit oder jeder wirthschaftlichen Unterneh 
mung nicht sowohl die Verfügung über bestimmte Güter als viel 
mehr die Verfügung über bestimmte Werthbeträge ist, gleich 
viel in welcher Gestalt sich diese Werthbeträge jeweilen oder 
momentan befinden mögen. Weder die Merkantilisten, welche 
Geld und Geldeswerth verwechselten, noch auch Adam Smith 
und seine Nachfolger, die in den entgegengesetzten Fehler ver 
fallen sind und Werth und Waare verwechselt, oder gewissermas- 
sen die Geldwirthschaft vom Standpunkt der Naturalwirthschaft 
aus beurtheilt, haben, sind sich dieser fundamentalen Thatsache 
klar bewusst geworden, wie die bezüglichen Definitionen beweisen, 
denen man noch jetzt fort und fort in allen Lehrbüchern der 
politischen Ookonomie begeg^net.
        <pb n="90" />
        80 
Capitel III. 
Daher ist das Geld ganz ebenso gut eine Er 
scheinungsform des Kapitals wie die Waare. In 
der That stellt nicht nur jeder Ueberfluss an Geld, 
sondern überhaupt alles Geld, welches man nicht zu 
Zahlungen benöthigt, die in der Verausgabung von 
Geld für die unmittelbare Befriedigung von Bedürfnissen 
oder für blose Genusszwecke ihren Grund oder Ursprung 
haben, — Kapital dar. Wahrend dagegen allerdings 
Banknoten und Papiergeld niemals (unmittelbar) Kapital 
darstellen, aus dem sehr einfachen Grunde, weil ihr 
Werth^ wie wir schon an anderer Stelle hervorgehol)en 
haben, nur ein repräsentativer ist, und daher hier, wie 
auf allen Kredit, das englische Sprüchwort seine An 
wendung findet: „You can’t eat the cake and have it.“ 
Zu der dargelegten Anschauung über das Wesen 
des Kapitals und sein Verhältniss zum Gelde stimmt 
auch die Unterscheidung zwischen „flüssigem“ und 
„festem“ Kapital. Denn „flüssiges“ Kapital — oder 
Kasse, wie kurzweg die Kaufleute sagen — ist nichts 
anderes als Kapital in der allgemeinen, d. h. be 
liebig wandelbaren. Gestalt des Geldes: Für Geld 
lässt sich jede Waare kaufen. Und „festes“ Kapital ist 
nichts anderes als Kapital in der spezifischen, d. h. 
nicht beliebig wandelbaren. Gestalt der Waare: Eine 
Waare lässt sich, wenigstens zunächst oder unmittelbar,
        <pb n="91" />
        6 
81 
Geld und Kapital. 
immer nur gegen Geld veräussern oder umsetzen (und 
auch dies nicht einmal immer und unbedingt; man 
denke z. B. nur an die Gefahr einer Absatzstockung). 
Ferner beruht hierauf auch die Unterscheidung 
zwischen „stehend angelegtem“ Kapital (sog. „An 
lagekapital“) und „umlaufend angelegtem“ Kapital 
(sog. „Betriebskai)ital“), eine Unterscheidung, die mit der 
vorigen nicht, wie dies gewöhnlich geschieht, ver 
wechselt werden darf, da sie nicht sowohl auf den je 
weiligen Formzustand des Kapitals, d. h. die Gestalt 
desselben in einem bestimmten Augenblick, als viel 
mehr auf die Erscheinungsweise des Kapitals im \ er 
laufe des ganzen Prozesses oder auf die Art und Weise, 
wie dasselbe einem bestimmten Erwerbszwecke dient, 
Bezug hat. Alle Kapitalanlage nämlich beginnt ihrer 
Natur nach mit einer Verausgabung von Geld, d. h. 
einer Eingehung von ZahlungsVerbindlichkeiten oder 
einem Ankauf von Gütern oder Waaren ^ »). Das so 
3^) ^£[1* W. Stanley Jevons, The Theory of pol. economy 
p. 234: ,,// is quite in agreement wit/i the ordinary language of 
commercial men not to say, that a factory, or dock, or railway, 
or ship is capital, but that it represents so much capital 
sunk in the enterprise. To invest capital is to spend 
money*^, —. ,, Much clearness would result from making 
the language of Economy more nearly coincident with
        <pb n="92" />
        82 
Capitel III. 
angelegte Kapital kann nun entweder dazu bestimmt 
sein, fortdauernd, d. h. die ganze Zeit hindurch, 
während dasselbe dem beireifenden Erwerbszwecke dient, 
in ein und derselben, einmal gewählten. Gestalt zu ver 
harren. In diesem Falle ist es „stehend“ angelegt. 
Oder aber es kann seine Gestalt im Verlaufe des Pro 
zesses wiederum zu wechseln, d. h. früher oder 
später wieder in die Gestalt des Geldes zurückzukehren, 
bestimmt sein, ln diesem Falle, wo das Kapital immer 
von Neuem wieder die Gestalt des Geldes annimmt, 
oder bald in der Gestalt des Geldes, bald in der Ge 
stalt der VVaare auftritt, während es im Dienste eines 
bestimmten Erwerbszweckes steht, ist es „umlaufend“ 
angelegt. 
Die Unterscheidung zwischen „umlaufend“ und „ste 
hend“ angelegtem Kapital liegt also nicht, wie gewöhn 
lich behauptet wird, darin, dass das erstere mit einem 
¡Víale „verbraucht“ oder „reproducirt“, das letztere da 
gegen nur „abgenutzt“ oder allmählig verbraucht oder 
reproducirt würde, noch auch, wie Andere behauptet 
haben, darin, dass das erstere den Besitzer wechseln 
würde, während das letztere dagegen die ganze Zeit 
that of commerce. Jccordin^lxi I would not say, that a railway 
is fixed capital, but that capital is fixed in the railway.**
        <pb n="93" />
        6» 
83 
(reíd und Kapital. 
hindurch in ein und derselben Hand verbleibt Viel 
mehr ist das alles nur eine Verwechslung des Kapitals 
mit seiner momentanen Erscheinungsweise d. h. den ein 
zelnen Gütern, in denen sich das Kapital zufällig gerade, 
momentan oder dauernd, verkörpert*^i). Denn nur 
40) Vgl. A. Smith, B. IL Ch. 1: ,,//g makes a profit of 
lhe one by keeping it in his own possession, and of the other by 
parting with it. The fixed capital, of which the characteristic 
ts, that it affords a revenue or profit without circulating or changing 
masters. It consists chiefly of the four following articles^‘ etc. — 
,,7//e circulating capital, of which the characteristic is, that it af 
fords a revenue only by circulating or changing masters. It 
is composed likewise of four parts etc.** 
Ricardo, Principl. of P. Econ. p. 51: „According as capi 
tal IS rapidly perishable and requires to be frequently reprodu 
ced, or IS of slow consumption it is classed under the heads of 
circulating or of fixed capital. * * 
J. Stuart Mill, B. I Ch. VI: ,,Capital which —fulfils the 
whole of his office in the production in which it is engaged by a 
single use, is called circulating capital.** „Circulating cupi- 
tal — does its work, not by being kept, but by chan 
ging hands.** „Of fixed capitals, some kinds require to be 
occnsionaly or periodically renewed. Such are all implements and 
buildings**. Hier tritt die Verwechselung des Kapitals mit sei 
nen einzelnen Erscheinungsformen sehr deutlich zu Tage. Vgl. 
auch p. 46: ,,Most kinds of capital are not fitted by their 
nature to be long preserved.** „Capital is kept in exi 
stence from age to age, not by preservation, but by 
perpetual reproduction**. 
41) Daher auch die übliche „Eintheilung der Kapitalien“ oder
        <pb n="94" />
        84 
Capitel TIL 
die einzelnen Güter oder Güterciuantitäten werden „ver 
braucht“ resp. „abgenutzt“, oder „reproducirt“, oder 
wechseln den Besitzer. Bas Kapital selbst dagegen 
Aufzählung der verschiedenen „Güterklassen, in welchen das Ka 
pital eines Landes vornehmlich bestehe“, gar keinen Sinn hat. 
Man kann wohl die in einem Lande vorhandenen Kapitalien sum- 
miren, oder wenigstens eine Wahrscheinlichkeitsberechnung 
über den Gesammtbetrag derselben an stellen, aber man kann nie 
mals auf Grund des Augenscheines gewissermassen ein In 
ventar darüber aufnehmen, weil eben der Werth nichts (un 
mittelbar) sichtbares oder greifbares ist. 
Ebenso beruht auch der bekannte Streit, ob Grundstücke als 
„Kapitalien“ zu betrachten seien oder nicht, nur auf einer von 
vornherein falsch gestellten Frage. Grundstücke sind weder „Ka 
pitalien“, noch „keine Kapitalien“, sondern einfach eine Kapital 
anlage, wenigstens da, wo der Grund und Boden nicht „gebunden*, 
sondern eine Waare ist, oder einen Preis hat. In England pflegt 
dies letztere nur zum geringsten Theil der Fall zu sein. Und 
daraus erklärt es sich auch, warum die englische Theorie den 
Grund und Boden nicht als eine Kapitalanlage behandelt, sondern 
vielmehr dem Kapital als eine eigene Erwerbs- oder Ertragsquelle 
gegenübergestellt hat, eine Auffassung, die denn auch die meisten 
deutschen Oekonomisten fehlerhafterweise adoptirt haben. Es hängt 
damit auch die bekannte Grundrententheorie Ricardos zusammen, 
denn der Fehler an dieser Theorie besteht in letzter Instanz ein 
fach darin, dass sie den Kapitalwerth des Grund und Bodens oder 
m. a. W. die simple Thatsache ganz ausser Acht lässt, dass, wenn 
der fruchtbarere Boden eine grössere Einnahme liefert als der un 
fruchtbarere, der erstere dem entsprechend auch verhältnissmässig 
theurer ist als der letztere.
        <pb n="95" />
        85 
Geld und Kapital. 
wird weder „verbraucht“ noch „abgenutzt“, so wenig 
wie „producirt“ oder „feproducirt“, noch auch wechselt 
es den Besitzer, so lange es überhaupt einem bestimm 
ten Erwerbszwecke dient. Vielmehr gehört es gerade 
zum Wesen des Kapitals, dass dasselbe erhalten 
bleibt oder wenigstens erhalten zu bleiben bestimmt ist, 
und dass dasselbe fortdauernd, d. h. die ganze Zeit 
hindurch, so lange es einem bestimmten Erwerbszwecke 
dient, in ein und derselben Hand, der Hand 
des betreffenden Unternehmers, verbleibt, da es ja 
nur unter dieser Voraussetzung überhaupt einen be 
stimmten Ertrag oder Gewinn zu liefern im Stande 
isU^^). Kapital geht daher auch immer nur so lange, 
42) Was natürlich nicht ausschliesst, dass es auch eine Ka 
pitalanlage gibt, welche nicht dem Erwerbe dient, sondern nur 
eine fortlaufende „Nutzung“ von bestimmtem Geldwerthe abwirft. 
Man denke z. E. an den Ankauf eines Wohnhauses, welches der 
Besitzer nicht vermiethet, sondern nur selbst bewohnt. In diesem 
halle träg^ das Kapital dem Besitzer gewissermassen in natura 
d. h. insofern Zinsen, als er dadurch die Wohnungsmiethe erspart. 
Es ist offenbar ganz das gleiche, ob man eine fortlaufende Ein 
nahme erzielt, auf Grund deren man eine fortlaufende nothwen- 
dige Ausgabe zu bestreiten in der Lage ist, oder ob man sich diese 
fortlaufende Ausgabe ein für allemal unmittelbar erspart. We 
sentlich für den Begaff des Kapitals ist immer nur, dass der 
Werthbetrag, über welchen man verfügt, eine wirthschaft- 
liche Kraft darstellt, d. h. gross genug ist, um eventuell als
        <pb n="96" />
        86 Capitel III. Geld und Kapital. 
als es unangelegt ist, und im Wege des Kredits oder 
der Leihe, nicht im Wege des blosen Umsatzes oder 
Kaufs oder Verkaufs von Waaren, aus einer Hand in 
die andere. 
Erwerbsquelle dienen zu können, gleichviel, in welcher Ge 
stalt sich nun dieser Werthbetrag grade im Augenblicke befinden 
mag, und ob man von demselben immer auch wirklich im Sinne 
des Erwerbs Gebrauch macht oder nicht. Schliesslich gibt es ja 
auch „todtes“ Kapital, d. i. Kapital, welches so angelegt ist, dass 
cs gar keinen Nutzen abwirft, der in Geld veranschlagt werden 
kann.
        <pb n="97" />
        Capitel IV. 
Geldmenge und Zinsfuss. 
Während man ehemals den Zinsfuss als ausschliess 
lich abhängig erachtete von der vorhandenen Menge an 
Geld, in ihrem Verhältniss zum Bedarf^3), steht es nur 
im Einklang mit der herrschenden Anschauung über das 
Wesen des Kapitals, wenn von den meisten Schriftstel 
lern der vorhandenen Menge an Geld auch so gut wie 
jeder Einfluss auf den Zinsfuss abgesprochen und nur 
der vorhandenen Menge an Kapital oder dem angehäuf- 
43) Vgl. J. Locke a. a. 0. p. 10: ,,That which constantly 
raises the natural interest of money, is, when money is little in pro 
portion to the trade of a country.*^ p. 72: ,,The natural value of 
money, as it is apt to yield such an yearly income by interest, de 
pends on the whole quantity of the then passing money of the king 
dom, in proportion to the whole trade of the kingdom or the general 
vent of all the commodities.**
        <pb n="98" />
        88 Capitel IV. 
ten Vorralh an Gütern oder Waaren ein Einfluss auf 
den Zinsfuss zugestanden wird, und diese Thesis damit 
begründet wird, dass es demjenigen, der ein Darlehn 
aufnehme, nicht sowohl um das Geld, als vielmehr nur 
um die Güter oder Waaren zu thun sei, welche er sich 
vermittelst des Geldes zu kaufen vermöge'*^). 
44) Vgl. schon D. Hume, Of interest: ,,Those, who have as 
serted, that the plenty of money was the cause of low interest, seem 
to have taken a collateral effect for a cause, since the same indu 
stry, which sinks the interest does commonly acquire (¡¡real abundance 
of the precious metals. — But tho' both these eßects, plenty of mo 
ney and low interest, naturally arise from commerce and industry 
they are altogether independent of each other. — The greater 
or less quantity of money in a state has no influence 
on the interest. But it is evident that the greater or 
less stock of labour and commodities must have a great 
influence; since we really and in effect borrow these, 
when we take money upon interest.** 
Hi car do. The high price of bullion etc. p. 284: ,,The 
rate of interest is not regulated by the abundance or 
scarcity of money, but by the abundance or scarcity of that 
part of capital not consisting of money.** 
J. St. Mill, Principl., Ch. VIII p. 297: ,,lHiat he really 
lends is so much capital, the money is the mere instrument of transfer.** 
Vgl. ferner u. A. A. Wagner, Beiträge zur Lehre von den 
Banken p. 33. 
0. Michaelis, Noten und Depositen (Schriften, Berlin 
1879: p. 342, 364). 
Knies, Geld und Credit II 2 p. 236.
        <pb n="99" />
        89 
Geldmenge und Zinsfuss. 
Bis zu einem gewissen Grade ist diese Argumen 
tation und die daraus gezogene Schlussfolgerung ganz 
richtig; allein sie passt nur auf die Börse, nicht aber 
zugleich auch auf das Bankgeschäft, d. i. die An 
nahme von Depositen auf der einen Seite, die Dis 
konti rung von Wechseln und Belehnung (Lom- 
bardirung) von Waaren oder Forderungen auf der 
anderen Seite. 
Denn demjenigen, der eine Bank um die Diskonli- 
rung eines \V echsels oder um die Gewährung eines 
Lombard Vorschusses angeht, ist es keineswegs um 
(len Ankauf von Waaren, oder um die Verausga 
bung von Geld, oder die Eingehung von Zahlungsver 
bindlichkeiten, sondern vielmehr, wenigstens zunächst 
und in der Regel, nur oder speciell um die Ausfüh 
rung von Zahlungen oder die Erfüllung bereits ein 
gegangener ZahlungsVerbindlichkeiten zu thun. M. a. W. 
Es fehlt ihm nicht an Kapital überhaupt ochir an 
Kapital zum Zweck der Veranlagung, sondern 
es fehlt ihm, wenigstens zunächst und in der Regel, nur 
an flüssigem Kapilal oder Kasse*^^). Es handelt sich 
45) Auch die Diskontirung von „Gefälligkeitsaccepten“ 
dient in der Regel nur einem Bedarf an Kasse. Denn die meisten 
Gefiilligkeitsaccepte verdanken ihren Ursprung nicht dem Um 
stande, dass es dem betreffenden Kaufmann oder Gewerbetreiben-
        <pb n="100" />
        í)0 
Capitel IV. 
ihm nicht sowohl darum, eine gewisse Zeit lang 
über einen bestimmten Werthbetrag zu verfügen, als 
den an Kapital fehlt, sondern nur dem Umstande, dass es ihm an 
Kasse fehlt, resp. dass er die Waaren, die er auf Kredit gekauft 
hat, bis dato noch nicht an den Mann zu bringen vermochte. 
Vielleicht in Folge einer Absatzstockung oder auch weil der Ort, 
wo er sie auf den Markt bringt, ein anderer ist, als wo er sie 
kaufte, und daher zwischen dem Ankauf und Verkauf von Waaren 
nothwendigerweise eine gewisse, längere oder kürzere, Zeit ver 
streicht. Ein Kaufmann z. B. in Calcutta habe Waaren gekauft, 
um sie in London wieder zu verkaufen. Er ersucht seinen Agenten, 
einen Banquier, in London um ein „Gefälligkeitsaccept“, durch 
dessen Diskontirung in Calcutta er in den Besitz von Kasse ge 
langt, d. h. in die Lage versetzt wird, seine Accepte einzulösen, 
bevor er noch seine Waare in London verkauft hat. Anders da 
gegen liegt die Sache bei den sog. „Reitwechseln.“ Diese 
verdanken ihren Ursprung nicht einem blosen, momentanen, Man 
gel an Kasse sondern einem Mangel an Kapital. Der Reit 
wechsel soll dem betreffenden Kaufmann überhaupt die nöthigon 
Mittel zum Kaufen verschaffen, nicht ihm blos die Ausführung von 
Zahlungen ermöglichen, bevor sein Kapital flüssig geworden. In- 
dess ist ja die Diskontirung von Reitwechseln kein normales 
Bankgeschäft, sondern vielmehr ein Missbrauch, gegen den die 
Banken bekanntlich auch auf der Hut zu sein pflegen, da sie 
dadurch, ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen, zum stillen 
Theilhaher von Spekulationen gemacht werden, bei denen das 
ganze vorgeschossene Kapital verloren gehen kann. Die Banken 
können einen derartigen Verlust um so weniger riskiren, als sie 
— im Gegensatz zu einem einfachen Geldverleiher — ja wesent 
lich mit fremdem, ihnen nur anvertrautem, Kapital das Disconto- 
geschäft betreiben.
        <pb n="101" />
        91 
Geldmcmje und Zinsfuss. 
vielmehr darum, über einen bestimmten Werthbetra^ 
im Momente grade in der Gestalt des Geldes zu ver 
fügen. Dass dies so ist, beweist schon der Umstand, 
dass der Vorschuss, den er von der Bank begehrt, nur 
ein Vorschuss auf kurze Zeit ist, d. h. immer nur 
bis zu dem Augenblicke währt oder gemeint ist, wo 
seine Wechsel fällig oder seine Waaren verkauft sein 
werden. Würde es ihm an Kapital überhaupt, oder an 
Kapital zum Zwecke der Veranlagung fehlen, dann 
würde er sich nicht mit einem blossen Vorschuss auf 
kurze Zeit begnügen, wodurch er höchstens in den Stand 
gesetzt wird, bereits begonnene oder halb vollendete Ope 
rationen zum Abschluss zu bringen, sondern er würde 
vielmehr statt dessen ein Anlehen aufzunehmen trach 
ten, welches, wie z. B. ein Hypthekaranlehen, ihn nicht 
nur für den Augenblick oder vorübergehend, sondern 
vielmehr dauernd oder auf längere Zeit mit Kapital ver 
sorgt, und ihm so nicht nur den Abschluss bereits be 
gonnener oder halb vollendeter Operationen ermöglicht, 
sondern ihn auch in den Stand setzt neue Operationen 
in grösserem Maassstabe zu beginnen. 
Und in gleicher Weise ist auch der Grund, warum 
.lemand Geld bei einer Bank deponirt, nicht sowohl der, 
(lass er mehr Kapital besitzt, als er anzulegen ver 
mag, oder als die Summe der ZahlungsVerbindlichkeiten
        <pb n="102" />
        92 
Cajñtcl IV. 
beträgt, die er im Interesse des Erwerbs überhaupt ein 
zugehen in der Lage ist, als vielmehr, wenigstens zu 
nächst und in der Regel, nur der, dass im Augenblick 
sein Kassenbestand die Summe seiner (im Interesse 
des Erwerbs) eingegangenen und fällig gewordenen Zah 
lungsverbindlichkeiten überschreitet. Das erhellt schon 
daraus, dass er das Geld immer nur unter der Bedingung 
bei der Bank deponirt, dass er dasselbe binnen Kurzem 
oder im Falle des Bedarfs sofort wieder herausnebmen 
kann. Würde es sich um einen Uebeifluss an Kapital 
überhaupt oder zum Zweck der Veranlagung handeln, 
so würde er es nicht bei dieser Üeponirung bewenden 
lassen, sondern er würde sich vielmehr Werthpapiere 
kaufen, zumal da für Depositen, eben mit Rücksicht auf 
ihre nur kurze Dauer oder rasche Kündbarkeit, doch 
immer nur verhältnissmässig sehr niedrige Zinsen, ja, 
wenn die Depositen auf Verlangen rückzahlbar sind 
(„at call“), unter Umständen gar keine Zinsen gewährt 
werden 
Sache der Banken ist es also nicht sowohl, „Handel 
und Industrie mit Kapital zu unterstützen“, oder mit 
46) So gewährt bekanntlich z. B. die Bank of England für 
Depositen in Contocorrent keine Zinsen.
        <pb n="103" />
        93 
Geldmenge und Zinsfuss. 
„Kaufbefäliigung“ (purchasing power)•*^), als vielmehr 
nur, denjenigen Kaufleuten oder (gewerbetreibenden, 
denen es nicht an Kapital oder „Kaufkraft“ fehlt, im 
Falle des Bedarfs mit Kasse auszuhelfen, damit sie 
nicht aus blossem Mangel an Kasse ihre Waaren à 
tout prix, und daher mit Verlust, loszuschlagen oder 
gar zu falliren genölhigt sind. Das Bankgeschäft ist 
m. a. W. nicht sowohl ein „Handel mit Kapital“, 
zum Zweck der Veranlagung, als vielmehr nur ein 
„Handel mit Kasse“. Weshalb auch gegen die 
Bezeichnung „Geldmarkt“ nichts einzuwenden ist, 
vorausgesetzt nur, dass man darunter nicht die Börse, 
d. h. den „Kapitalmarkt“, versteht^"). 
47) Wie z. B. A. Wagner meint. Vgl. dessen Beiträge zur 
Lehre von den Banken p. 33. 
48) In England sind, wie ich schon in meinem „Cheques- 
system“ hervorgehoben habe, Bank und Börse auch in 
der Praxis scharf von einander geschieden. Denn der englische 
„banker“ beschränkt sich darauf, Depositen anzunehmen und 
Wechsel zu diskontiren oder Waaren resp. Forderungen zu be 
lehnen, während er dagegen den Handel mit Effekten, die Nego- 
ziirung von Anlehen und die Gründung oder „Finanzirung“ von 
Aktiengesellschaften, wie überhaupt das „Operiren“ und „Speku- 
liron“ auf der Börse, dem „foreign Banker“ oder „merchant“ à 
la Rothschild überlässt. Auf dem Continent ist diese principielle 
Trennung von Bank und Börse noch nicht durchgeführt. Siehe 
darüber meine Schrift über „Das Chequessystem und das Clearing 
house in London.“
        <pb n="104" />
        94 
Capitel IV. 
Daher ist auch, wenn es sich um die Trage nach 
den ßestimmungsgründeii des Zinsfusses handelt, immer 
der Bankzinsfuss oder Diskonto von dem Bör- 
senzinsfuss zu unterscheiden. 
Dass ein Ueberfluss oder Mangel an Geld keinen, 
wenigstens unmittelbaren, Einfluss auf den Börsenzins- 
fuss oder die Eflcctenkurse ausübt, ausser wenn der 
Ueberfluss oder Mangel an Geld zugleich ein Ueberfluss 
oder Mangel an Kapital, zum Zweck der Veranlagung, 
ist, was er ja keinesweges immer zu sein braucht, das 
unterliegt allerdings keinem Zweifel. Etwas anderes ist 
es dagegen mit dem Bankzinsfuss oder Diskonto. Denn 
jeder Ueberfluss an Geld ist eo ipso auch immer ein 
Ueberfluss, wenn auch nicht an Kapital überhaupt, doch 
an Kapital speciell in flüssigem Zustande, oder an Kasse, 
da, wenn man über mehr Geld verfügt, als man über 
haupt zur Erfüllung von ZahlungsVerbindlichkeiten be 
darf, man natürlich eo ipso auch über mehr Geld ver 
fügt, als man zur Erfüllung von speciell im Interesse 
des Erwerbs eingegangenen Zahlungs Verbindlichkeiten 
benöthigt. Und jeder Mangel an Geld muss, wenn er 
sich auch dem Begriffe nach nicht mit einem Mangel an 
flüssigem Kapital deckt, sich doch immer thatsächlich als 
ein Mangel an flüssigem Kapital äussern, da ihm ja nur 
im W ege des Kredites abgeholfen werden kann. Daher
        <pb n="105" />
        95 
Geldmenge und Zinsfuss. 
muss auch jeder Ueberfluss oder Mang-el an Geld, durch 
das Medium der Banken hindurch, auf den Bankzinsfuss 
oder Diskonto ein wirken 
49) Auf diesen Zusammenhang zwischen der Menge oder 
dem Bedarf an Geld und dem Disconto ist auch schon u. A. von 
Laveleye als auf eine Thatsache hingewiesen worden, die mit 
der traditionellen Theorie, wonach der Zinsfuss nur von der vor 
handenen Menge an Kapital abhänge, in eclatantem Widerspruch 
stehe. Vgl. dessen: Geld und Handelskrisen (Le marché monétaire 
depuis cinquante ans). Aus dem Franz. Cassel 1865, p. 63 ff. 
und ferner: Die Doppelwährung Nördlingen, 1876 p. 18: „Die 
grösste Anzahl Her f o/hswirthe hat von jeher behauptet, dass es 
der Veberßuss an Capitalien, IGaaren und Produkten, nicht aber 
derjenige des Geldes sei, welcher den massgebenden Einßuss auf den 
Interessensatz ausübe. Davon ausgehend hatte Michel Chevalier 
auch vorgeschlagen, den aus dem Englischen entlehnten Ausdruck 
,,GeldmarkD* {money market) durch ein ,,trej}enderes*‘ IVort zu er 
setzen, nämlich hapilalienmarkt,** — ,,Eür unsere Einanzjournale 
und Berichte vom money market existirf wohl keinerlei Zweifel, dass 
der knappe oder reichliche Zustand des Geldmarktes von grösstem 
Einfluss auf die Höhe des Diskontos ist. Gegenwärtig {Mai 1876), 
wo alle Londoner Banken bis oben gefüllt sind, beträgt der dortige 
Disconto zwei Prozent, lör zwei Jahren betrug er an denselben 
Stellen neun Prozent, weil Deutschland damals mittelst der von Frank 
reich zur Bezahlung der Ixriegsentschädigungen gelieferten Tratten 
und Bimessen das Geld aus der Bank von England herauszog. Der 
Geldmarkt • ist so empfindlich für die Einflüsse des werthvollen Me 
ta lies , dass oft schon die Ankunft eines einzigen Schiffes mit eini 
gen Millionen von Australien hinreichte, um den Disconto um ein 
Procent zu drücken. Die.se Thatsache ist augenscheinlich und unbe-
        <pb n="106" />
        96 
Capitel IV. 
Auf diese Weise erklärt es sich ja auch, warum 
der Zitisfuss oder Diskonto, im Gegensatz zum Börsen- 
zinsfuss, so bedeutende Schwankungen aufweist denn 
sfreithar, und dennoch koprtziren sich gewisse vo/lswirthschaffliehe 
Sehriffste/ler darauf, sie in Jbrede zu stellen.“ 
Laveleye begeht nur den Fehler, nicht zwischen Bauk- 
zinsfuss (Disconto) und Börsenzinsfuss zu unterscheiden und daher 
zu übersehen, dass ein Ueberfluss oder Mangel an Geld, wenig 
stens zunächst oder unmittelbar, nur auf den Bankzinsfuss, nicht 
aber auch auf den Börsenzinsfuss einwirken kann. 
50) So bemerkt auch J. M, Mill, — im Widersprucli mit 
der von ihm^ anfänglich aufgestellten allgemeinen Theorie über Ka 
pital, Kredit und Zinsfuss —, Principles etc. B. III Ch. XXIII: 
,,There is, however, -a frequent ease, in which the purpose 
of the borrowèr is different from what I have here supposed. He 
may borrow money, neither to employ it as capital nor to spend 
it unproductively, but to pay a previous debt. In this case, 
what he wants is not pure hasing power, but legal tender, 
or something which a creditor will accept as equivalent to it. U is 
need is specific ally for money, not for commodities or 
capital. It is the demand arising from this cause, 
which produces almost all the great and sudden va 
riations oj the rate of interest. Such a demand forms one 
of the earliest features of a commercial crisis, .,4t such a 
period, many persons in business who have contracted engagements, 
have been prevented by a change of circumstances from obtaining 
in time the means on which they calculated for fulfilling them. 
These means they must obtain at any sacrifice, or submit to bank 
ruptcy ; and what they must have is money. Other capital, however 
much of it they may possess, cannot answer the purpose unless mo 
ney cun first be obtained for it ; while, on the contrary, without
        <pb n="107" />
        97 
Geldmenge und Zinsfuss. 
während der Bedarf an Kapital überhaupt, oder an Ka 
pital zuiii Zwecke der Veranlagung-, sich immer nur all- 
mählig oder in grösseren Zwischenräumen ändert, wech 
selt dagegen die Summe der auszuführenden Zahlungen 
oder der Bedarf an Geld von einem Zeitpunkt auf den 
andern. Handelt es sich nur um im Inlande zu be- 
weikstelligende Zahlungen, so braucht allerdings ein 
Mangel an Geld noch kein Steigen des Diskontos zur 
Folge zu haben, da in diesem Falle dem Mangel ein 
fach im Wege der Emission von Noten, oder der Crei- 
rung von (juthaben in Contocorrent abgeholfen werden 
kann. Liegt dagegen ein Mangel an Geld zum Zweck 
der Bewerkstelligung von Zahlungen nach dem Aus 
lande vor, was ahu voraussetzt, dass der Stand der 
\Vechselkurse dem Ausland gegenüber ein ungünsti 
ger ist, oder m. a. W. dass die dem Auslande gegen- 
any increase of the capital of the country, a mere increase of circu 
lating instruments of credit {be they as little worth for any other 
purpose as the box oj one pound notes discovered in the vaults of the 
Hank of England during the panic of 1825) will effectually serve 
their turn, f only they are allowed to make use of it. .In increa 
sed issue of notes, in the form of loans, is all that is required to 
satisfy the demand, and put an end to the accompanying panic.“ 
Auch Mill ist es indess nicht klar geworden, dass hier ein 
principieller Unterschied zwischen Bank und Börse vorliegt und dass 
mau demgemäss zweierlei Arten von Zinsfuss zu unterscheiden hat.
        <pb n="108" />
        98 
Capitel IV. 
über ein^egangenen Zahl ungs Verbindlichkeiten nicht 
einfach im Wege der Kumpensation ihre Erledigung zu 
finden vermögen, dann muss noth wendigerweise eine 
Erhöhung des Diskontos erfolgen, da zu Zahlungen 
nach dem Auslande immer Baargeld erforderlich ist. 
ln gleicher Weise ruft auch ein Ueberfluss an Deld 
noch kein Sinken des Diskontos hervor, sobald man 
nur mehr Geld besitzt, als man zu Zahlungen im 
Inlande benöthigt, da in diesem Falle der Ueberfluss 
an Geld zu Zahlungen im Inlande einfach zu Zah 
lungen nach dem Auslande Verwendung findet, wäh 
rend dagegen in dem Falle, wo man auch mehr Geld 
besitzt, als man zu Zahlungen nach dem Auslande be 
darf, d. h. wo man mehr Geld besitzt, als man über 
haupt benöthigt, der Diskonto nothwendigerweise sin 
ken muss. 
Wenn man bedenkt, wie verhiiltnissmässig wenig 
Daargeid z. B. die Bank of England vorrathig zu halten 
pflegt, und dass es ausser diesem Baarvorrath fast keine 
anderen, für die Erfüllung von Zahlungsverbindlichkeiten 
dem Auslande gegenüber verfügbaren, Baarbeslände in 
England giebt, so begreift man die Sprünge, welche der 
Diskonto dort zuweilen ausführt. Wie sich denn auch 
aus der verhältnissmiissigen Geringfügigkeit jenes Baar- 
vorraths mit die Häufigkeit der Handelskrisen in Eng-
        <pb n="109" />
        7* 
99 
Geldmenge und Zinsfuss. 
land (im Vergleich z. B. zu Frankreich) erklärt, da ja 
die meisten Handelskrisen, wie schon von anderer Seite 
hervorgehoben worden ist, nicht sowohl in einem ¡Mangel 
an Kapital, als vielmehr nur in einem Mangel an Kasse, 
und zwar an Kasse in Gestalt von baarem Geld, ihren 
Grund oder Ursprung habendi), in Folge einer Ab 
satzstockung kann eben auch der reichste Mann unter 
Umständen in Geldverlegenheit gerathen und, wenn ihm 
die Banken nicht in diesem Falle unter die Arme greifen, 
trotz aller seiner Aktiva zur Einstellung seiner Zahlungen 
genöthigt sein. 
51) Siehe Level eye, Die Geld- und Handelskrisen, der 
zur Illustration der Thatsache, dass viele Handelskrisen ihren 
Grund nur in einem Mangel an Geld, nicht in einem Mangel an 
Kapital haben, u. a. darauf hinweist, das 1857 in Hamburg viele 
Kaufleute ihre Zahlungen einstellen mussten, die Millionen in Ko- 
lonialwaaren besassen, mit kaum auf die Hälfte ihrer Activa sich 
belaufenden Verbindlichkeiten.
        <pb n="110" />
        52) Siehe D. Hume a. a. O. Of money: ,,// seems a maxim 
Capitel V. 
Geldmenge und Waarenpreise. 
Schon bei D. Hume begegnen wir der Theorie, 
dass jede Vermehrung des im Umlaufe befindlichen 
Geldes unter übrigens gleichen Umständen immer die 
Tendenz habe, die Preise sämmtlicher Waaren in dem 
betreffenden i.ande verhältnissmässig zu erhöhen, wäh 
rend jede Verminderung des im Umlaufe befindlichen 
Geldes unter übrigens gleichen Umständen die entge 
gengesetzte Wirkung hervorbringe oder hervorzubrin 
gen trachte, und dass es auf diese Weise der allge 
meine Stand der Waarenpreise oder der Einfluss, den 
der allgemeine Stand der Waarenpreise wiederum auf 
die Aus- resp. Einfuhr von Edelmetall ausübe, sei, 
vermittelst dessen sich jeder in einem Lande vergleichs 
weise vorhandene Ueberfluss oder Mangel an Geld wie 
der von selbst ausgleiche oder auszugleichen strebe
        <pb n="111" />
        Gddtnenqe und Waarenprcise. 
101 
Diese Theorie Hume’s vom Einfluss der Mengte 
des im Umlauf befindlichen Geldes auf den all 
gemeinen Stand der Waarenpreise und des all 
gemeinen Standes der Waarenpreise wiederum auf den 
Export oder Import von Edelmetall — hat sich bis auf 
den heutigen Tag in Geltung erhalten. Ziemlich alle 
hervorragenden Oekonomisten des 19. Jahrhunderts, von 
Thornton, dem Verfasser des Buchs über den Pa- 
[uercredit von Grossbritannien, und Ricardo angefan 
gen, bis auf J. Stuart Mill und die meisten Oekono- 
nomisten der Gegenwart, bekennen sich, — so sehr sie 
auch im Einzelnen, insbesondere was die Anwendung 
almost self-evident, that lhe prices of every thing depend on the pro 
portion betwixt commodities and money, and that any considerable 
alteration on either of these has the same effect, either of heightening 
or lowering the prices. Increase the commodities, they become chea 
per, increase the money, they rise in their value. As, on the other 
hand, a diminution of the former and that of the latter have con 
trary tendencies. — 'Tis also evident, that the prices do not so 
much depend on the absolute quantity of commodities and that of 
money, which are in a nation, as on that of the commodities, which 
come or may come to market, and of the money which circulates. 
If the coin be lock'd up in chests Uis the same thing with regard 
to prices, as if it were annihilated; if the commodities be hoarded 
in granaries, a like effect follows. As the money and commodities, 
in these cases, never meet, they cannot affect each other. — 'Tis 
only the overplus, compar'd to the demand, that determines the va 
lue.** Vgl. auch: Of the balance of trade.
        <pb n="112" />
        102 
Capitel V. 
des Satzes auf Banknoten betrifft, in ihren Meinungen 
auseinandergehen, — mehr oder minder, wenigstens im 
Prinzip, zu dieser Theorie, die sie entweder in der 
Weise begründen, dass sie der im Umlauf befindlichen 
Menge an Geld einen unmittelbar bestimmenden Ein 
fluss auf die Nachfrage nach W a aren zuschreiben, 
d. h. behaupten, jede Vermehrung des im Umlaufe be 
findlichen Geldes rufe nothwendigerweise immer eine 
entsprechende Zunahme, jede Verminderung des im 
Umlaufe befindlichen Geldes (unter der Voraussetzung, 
dass kein Credit in’s Spiel komme, sondern alles, was 
gekauft werde, sofort baar bezahlt werden müsse) eine 
entsprechende Abnahme der Nachfrage nach Waaren 
aller Art hervor, oder aber, — was im Wesentlichen 
auf dasselbe hinausläuft —, dass sie das Geld selbst 
als einen Gegenstand der Nachfrage und des Angebots, 
wie jede Waare, und damit zugleich als einen Gegen 
stand der Werthbestimmung auf dem Waaren markte 
behandeln 
53) Vgl. Thornton, Inquir. into the Papor credit of Great 
Britain, Deutsch von Jacob (Halle 1803) p. 269, 270: „5o ist 
(1er Verkauf einer jeden JVaare ein zwiefaeher Handel, ob man ihn 
^leieh gemeiniglich nicht so nimmt. Ich meine nämlich, dass der 
Preis, zu welchem der Tausch {oder Verkauf) geschlossen wird, von 
zwei Umständen abhüngt: erstens von dem Verhältnisse d(‘s Vorraths
        <pb n="113" />
        Geldmenge und Waarenpreise. 
103 
Unterzieht man die vorstehende Theorie einer kri 
tischen Betrachtung, so erscheint zunächst und vor 
der besonderen IFaare und der Nachfrage nach derselben, und zwei 
tens von dem Ferhältnisse zwischen dem allgemeinen For rat he des 
Umsatzmittels und der Nachfrage nach demselben.^* 
Ferner p. 390 if. 
Ricardo, The high price of bullion etc.: ,,If a mine of gold 
were discovered in either of these countries, the currency of that 
country would be lowered in value in consequence of 
the increased quantity of the precious metals brought 
into circulation, and would therefore no longer be of 
the same value as that of other countries. Gold and sil 
ver, whether in coin or in bullion, obeying the law which regulates all 
other commodities, would immediately become articles of exportation, 
they would leave the country, where they were cheap, for those coun 
tries where they were dear. — If instead of a mine being discovered 
in any country, a hank were established, such as the Hank of Eng 
land, with the power of issuing its notes for a circulating medium, 
after a large amount had been issued, either by way of loan to 
merchants, or by advances to Government, thereby adding conside 
rably to the sum of the currency, the same effect would follow as 
in the case of tke mine. The circulating medium would be 
lowered in value and goods would experience a pro 
portionate rise. The equilibrium between that and other nations 
would only be restored by the exportation of part of the coin.** — 
,,It is evident, then, that a depreciation of the circulating 
medium is the necessary consequence, of its redun 
dance; and that in the common state of the national currency this 
depreciation in counteracted by the exportation of the precious me-
        <pb n="114" />
        104 
Capitel V. 
Allem schon die Vorstellung als unbegründet, dass 
jede Vermehrung des im Umlauf befindlichen Gel- 
/rt/.v. ‘ ‘ Reply toM^ Bosanquets practical observations etc. (1811) 
p. 376.: ,,T h at com modi tie s would rise or fall in price, 
in proportion to the increase or diminution of money, 
I assume as a fact which is incontrovertible.*^ Prin 
ciples p. 80: the abstraction of money from one 
country and the accumulation of it in another, all 
commodities are affected in price.** 
J. W. Gilb art, Works vol. IV. 1866. Currency and banking 
p. 294 ff. : &gt;,The way in which an increase of money 
tends to advance prices, is by increasinp; the demand: 
an increase of money gives men the means and the inclination 
of purchasing an additional quantity, either for con 
sumption or speculation, and the increased demand advances the 
price.** — ,,//e conclude then, that an abundance of money has 
a tendency to raise the prices of commodities. That when we contend 
that an increase in the quantity of money has a tendency to raise 
the, prices of commodities, we must be understood to mean that the 
quantity of commodities remain the same as before.** 
J. Stuart Mill, Princ. B. III. Cli. VII. p. 297: ,,money is 
a commodity and its value is determined like that of 
other commodities temporarily by demand and supply.** 
p. 298: „The value or purchasing power of money depends, in the first 
instance, on demand and supply.** — ,,/n point of fact, money 
is bought and sold like other things, whenever other 
things are bought and sold for money. The money with which 
people are offering to buy is money offered for sale**. — „The supply 
of money, then, is the quantity of it which people are wanting to 
lay out, that is, all the money they have in their possession, except
        <pb n="115" />
        105 
Geldmenge und Wtmrenjtreise. 
des immer eine entsprechende Zunahme, jede Ver 
minderung des im Umlaufe befindlichen Geldes immer 
whal they are hoarding, or at least keeping by them as a reserve 
for future contingencies. The supply of money, in short, is all the 
money in circulation at the time.*‘ — ,,The demand of money, again, 
consists of all the goods offered for sale. Every seller of goods is 
(I buyer of money, and the goods he brings with him constitute his 
demand. .4s the whole of the goods in the market compose 
the demand for money, so the whole of the money, con 
stitutes the demand for goods.^^ — „The money and the 
goods are seeking each other for the purpose of being 
exchanged. They are reciprocally supply and demand 
me another. p. 299: iffhe value of money, other things 
being the same, varies inversely as its quantity, every increase oj 
quantity lowering the value and every diminution raising it, in a 
ratio exactly equivalent^ — „The whole of the goods being in any 
case exchanged for the whole of the money which comes into the 
market to be laid out, they will sell for less or more of it, exactly 
according as less or more is brought^ p. 300: „The proposition 
u Inch we have laid down respecting the dependence of general prices 
upon the quantity of money in circulation, must be understood as 
applying only to a state of things in which money, that is gold or 
silicr, IS the exclusive instrument of exchange, and actually passes 
from hand to hand at every purchase, credit in any of its shapes 
being unknown.^^ p. 301: „That an increase of the quan- 
f ^ nt **f money raises prices, and a diminution lowers 
them, IS the most elementary proposition in the theory 
of curren ey, and without it we should have no key to 
af the other.** Ch. XII.: ,,t)lher things being the 
saint, an increase of the money in circulation raises 
prices, a diminution lowers them.** B. III. Ch. 22. p.381:
        <pb n="116" />
        106 
Capitel V. 
eine entsprechende Abnahme der Nachfrage nach Waa- 
ren im Gefolge hüben müsse. Denn die Nachfrage 
,^Let US suppose in any country a circulating medium purely metallic, 
and a sudden casual increase made to it, for example, by bringing 
into circulation hoards of treasure, which had been concealed in a 
previous period of foreign invasion or internal disorder. The na 
tural effect would be a rise of prices. This would cheek 
exports, and encourage imports; the imports would exreed 
the exports, the exchanges would become unfavourable, and the newly 
acquired stock of money would diffuse itself over all countries with 
which the supposed country carried on trade, and from them, pro 
gressively, through all parts of the commercial world. — The same 
effects accompany the process by which banknotes, or any of the 
other substitutes for money, take the phiec of the precious metals. 
A. Wagner, Geld- und Kredittheorie der Peerschen Bank 
acte p. 70: ,,Unter übrigens gleichen Umständen involvirt die 
stärkere Production der Bergwerke und die grössere Metallgeldcircu- 
lation und ebenso die Ausgabe und Vermehrung von Staatspapier 
geld eine neue resp. eine grössere Nachfrage nach fVaaren, 
mithin ein Steigen der Preise. — Die Vermehrung der 
Geldmenge und die Erhöhung der fV aar enpreise stehen 
zu einander im Verhältniss von Ursache und fVir- 
kung.“ p. 90: ,,Jede Jusgabe von Papiergeld bildet ein ganz 
neues Angebot an Geld, hierdurch indirect eine ganz neue 
Nac hfrage nach D'a aren und eine bleibende Ver mehrung des 
Geldes. ‘ ‘ 
Hertzka, Währung und Handel (Wien 1876) p. 86: „Ho 
Geld über den Bedarf vorhanden ist, dort vermindert sich die haiif- 
p. 254: «/r/ uor/,«»- 
den, so steigen die Preise und die hierdurch hervor 
gerufenen Käufe im Auslande drängen den Ueberfluss
        <pb n="117" />
        Geldmenge und Waarenpreise. 
107 
nach Waaren — wenn man überhaupt von einer 
Nachfrage nach Waaren schlechtweg reden kann; 
streng genommen giebt es immer nur eine Nach 
frage nach dieser oder jener bestimmten Waare, nicht 
aber eine Nachfrage nach Waaren überhaupt — hängt, 
selbst unter der Voraussetzung, dass keinerlei Credit 
gewährt wird, sondern alles, was gekauft wird, so 
fort baar bezahlt werden muss, nicht von der Menge 
des vorhandenen oder im Umlauf befindlichen Gel 
des, sondern einzig und allein einerseits von dem 
grösseren oder geringeren Bedarf an Waaren resp. 
der grösseren oder geringeren Spekulalionslust auf 
Seite derer, welche überhaupt Geld auszugeben ha 
ben oder Waaren zu kaufen vermögen, und anderer- 
auss«r Landes. Ist zu wenig Metallgeld vorhanden^ so 
sinken die Preise und die dadurch hervorgeriifenen 
Käufe des Auslandes im Inlandc ziehen die fehlenden 
Metalle herein.*' Gesetze der Handels - .Social politik, Leip 
zig 1880. p. 31: ,,lf''enn sich der Geldvorrath des Landes bei 
sonst gleichbleibenden Verhältnissen vermehrt und folglich dort für 
jedes wirthSchaftliche Gut mehr Gold hintangegeben werden muss, als 
früher, wenn also die Preise in diesem Lande steigen, so 
wird dasselbe weniger an das Ausland verkaufen und mehr von dem 
selben kaufen, als ohne diese Geldvermehritng der Fall gewesen wäre," 
p. 37: ,,l)as Verhältniss zwischen Vorrath und Bedarf an Circu- 
lationsmitteln drückt sich — im Preise, der Tauschkraft des Geldes, 
aus."
        <pb n="118" />
        108 
Capitel V. 
seils von dem jeweiligen Stande der Preise, d. h. der 
vergleichsweise grösseren oder geringeren Wohlfeilheit 
der Waaren an dem betreffenden Ort und zu der be 
treffenden Zeit, ab. Und die vorhandene oder im Um 
laufe belindliche Menge an Geld bildet höchstens die 
Grenze, über welche die Nachfrage nach Waaren 
nicht hinausgehen kann (und auch dies natürlich nur 
unter der Voraussetzung, dass kein Credit gewährt 
wird, sondern Alles, was gekauft wird, sofort haar be 
zahlt werden muss), ohne dass jedoch innerhalb dieser 
Grenze oder dieses Spielraumes die Nachfrage nach 
Waaren immer mit der Menge des vorhandenen oder 
im Umlauf befindlichen Geldes gleichen Schritt halten 
müsste: Es kann die Menge des Geldes zunehmen, ohne 
dass darum auch schon die Nachfrage nach Waaren 
in gleichem Maasse oder Verhältniss wächst, und es 
kann umgekehrt die Menge des Geldes abnehmen, ohne 
(lass darum auch schon die Nachfrage nach W aaren einen 
entsprechenden Rückgang zu erfahren braucht. 
Oder drücken wir die Sache noch anders aus: 
Wenn auch ohne Zweifel alles Geld nur dazu da ist, 
um ausgegeben zu werden, oder die Geneigtheit G(üd 
auszugeben im Allgemeinen oder in abstracto be 
trachtet auch eine ganz unbedingte und uneinge 
schränkte ist, so ist man doch in jedem einzelnen Falle
        <pb n="119" />
        109 
Geldmenge und Waarenpreise. 
immer nur unter der Voraussetzung und insoweit 
wirklich Geld auszugeben oder Waaren zu kaufen be 
reit, als eben diese Verausgabung von Geld oder dieser 
Ankauf von Waaren unter den obwaltenden Umständen, 
d. h. in dem betreffenden Zeitpunkt und an dem be 
treffenden Orte und für die betreffenden Personen, noch 
mit einem bestimmten Nutzen oder Vortheil verknüpft 
ist^-*), gerade so, wie auf der anderen Seite ja auch 
die Geneigtheit Waaren zu veräussern in concreto nie 
mals weiter geht, als bis zu dem Punkte, wo eben 
diese Veräusserung von Waaren unter den obwalten 
den Umständen für die betreffenden Personen noch mit 
einem bestimmten Nutzen oder Vortheil verbunden ist, 
54) So bemerkt auch schon J. Locke a. a. 0., p. 71: ,,A’o 
body lays out bis money in them {commodities) but according to the 
use he has of them, and that has bounds.** 
Ebenso auch J. Stuart Mill — im Widerspruch mit sei 
ner anfänglich aufgestellten allgemeinen Theorie — Principles 
p. 318: ,,The amount of purchasing power which a person can 
exercise is composed oj all the money in his possession or due to 
him, and of all his credit. For exercising the whole of this 
power he finds a sufficient motive only under peculiar 
circumstances.** Ferner : ,, The i nclinat io n of the mercantile 
public to increase their demand for commodities by making use of 
all or much of their credit us a purchasing power, depends on their 
expectation of profit.** p. 322: „IFhen the state of trade 
holds out no particular temptation to make large purchases 
on credit, dealers will use only a small portion of the credit-powers.**
        <pb n="120" />
        lio 
Capitel V. 
obwohl im Allgemeinen oder in abstracto betrachtet die 
Geneigtheit Waaren zu verkaufen, ebenfalls eine ganz 
unbedingte und uneingeschränkte ist. 
Schon aus dem Gesagten ergiebt sich, dass jene 
Theorie vom Einfluss der Menge des im Umlauf be 
ll ndlichen Geldes auf den allgemeinen Stand der Waa 
ren preise oder den Werth des Geldes nicht richtig sein 
kann, sondern vielmehr auf einer Verwechselung von 
Mittel und Zweck, Bedingung und Ursache beruht 
55) Der einzige Oekonomist, der dies vollkommen erkannt 
hat, ohne jedoch von seinen Nachfolgern beachtet worden zu sein, 
ist J. Stewart, dessen Principles of pol. economy (1767) (in 
5 vol. Basil 1796) in B. II Ch. 28 bereits eine eingehende Kri 
tik der Hume’schen Theorie enthalten. Stewart bemerkt hier: 
„Let the specie of a counlrp — he augmented or diminished in 
ever so great a proportion, commodities will still rise and full ac 
cording to the principles of demand and competition and these will 
constantly depend upon the inclinations of those who have pro 
perly or any kind of equivalent whatsoever to give, but never 
upon the quantity of coin they are possessed of.** — 
,,Let the quantity of the coin be ever so much increased, it is the 
desire of spending it alone, which will raise prices. Let it be 
diminished ever so low, while there is real property of any deno 
mination in the country, and a competition to consume in those who 
possess it, prices will be high, by the means of barter, symbolical 
money, mutual prestations, and a thousand other inventions. In 
crease the money, nothing can be concluded as to prices, because it 
is not certain, that people will increase their expenses in pro 
portion to their wealth.**
        <pb n="121" />
        Geldmenge und Waarenpreise. 111 
Sehen wir indess auch von dem Gesagten ganz 
ab, und nehmen wir einmal an, dass wirklich mit jeder 
Vermehrung des im Umlauf befindlichen Geldes immer 
eine entsprechende Zunahme, mit jeder Verminderung 
des im Umlauf befindlichen Geldes immer eine entspre 
chende Abnahme der Nachfrage nach Waaren Hand in 
Hand ginge, so würde doch daraus noch immer nicht 
folgen, dass hei einer Vermehrung oder Verminderung 
des im Umlauf befindlichen Geldes immer gerade die 
Nachfrage nach allen Arten von Waaren oder gar 
nach allen in gleichem IVlaasse oder Verhältnisse 
zu- resp. abzunehmen braucht. 
Es kann daher auch offenbar auf diesem Wege 
niemals die Nothwendigkeit oder Tendenz eines all 
gemeinen Steigens resp. Fallens der Waarenpreise 
oder einer Veränderung im Wer the des Geldes 
abgeleitet werden. 
Damit wird also das ganze Räsonnement, auf wel 
ches sich jene Theorie stützt, vollkommen hinfällig. 
Nun könnte man sich den Zusammenhang aller 
dings auch noch so vorstellen, dass die Menge des im 
Umlauf befindlichen Geldes ganz direct die Preise be 
einflussen würdeIndess hält auch diese Annahme 
56) Etwas ähnliches schwebt auch Ricardo vor, indem er
        <pb n="122" />
        112 
Capitel V. 
nicht Stand, da kein wirtlischaniich v’ci nünftigei- Mensch 
— und nur mit Menschen dieser Art kann die öko 
nomische Theorie überhaupt rechnen — nur deshalb 
einen höheren Preis für eine \\ aare zu zahlen bereit 
sein wird, weil er genug Geld dazu hat, noch auch 
irgend Jemand dies von ihm beanspruchen wird. Und 
nun sollen, wenn die Menge des (ieldes zunimmt, gar 
die Preise sämmtlicher Waaren steigen und noch 
dazu alle in gleichem Maasse oder Verhältnisse! 
Man mag also die Sache drehen und wenden wie man 
will: Für die Annahme eines, mehr oder weniger direk 
ten, Fin dusses der Menge des im Umlauf belindlichen 
Geldes, auf den allgemeinen Stand der Waaren preise 
oder den Werth des Geldes fehlt es an jeglichem An 
haltspunkte. Pas Geld ist eben keine Waare und daher 
auch kein Gegenstand der Nachfrage und des Ange 
botes auf dem Waarenmarkt, wenigstens in dem Sinne, 
in welchem die Waare dies ist. Und folglich kann auch 
von keiner Werthbestimmung des Geldes auf dem Waa- 
Principles p. 232 bemerkt: ,,The demand for a eommodííi/ cannot 
be said to increase^ if no additional qaantilij of it be purchased or 
consumed, and yet, under such circumstances, its money value may 
rise. Thus, if the value of money mere to fall, the price of every 
commodity would rise, for each of the competitors would 
he willing; to spend more money than before on its pur-
        <pb n="123" />
        8 
Geldmenge und Waarenpreise. 113 
reiimarkt (nach dem Verhällniss von Vorrath und Be 
darf) die Hede sein. Vielmehr muss der Werth des 
Geldes immer schon gegeben sein, bevor das Geld 
auf dem Waarenmarkte erscheint, d. h. als Umsatz 
mittel den Waaren gegenübertritt, oder bevor das 
Spiel von Nachfrage und Angebot beginnt, durch wel 
ches der Preis jeder einzelnen Waare bestimmt wird. 
\\ ohl wird für jede Waare ein bestimmter Preis ge 
boten und ein bestimmter Preis gefordert, aber die 
Höhe des Preises, der für eine Waare geboten resp. ge 
fordert wird, steht mit der Menge des vorhandenen oder 
im Umlauf befindlichen (Feldes oder mit dem Verhält- 
niss zwischen dieser Menge und dem Bedarf an Geld, 
nicht in dem allergeringsten, wenigstens unmittelbaren 
oder nothwendigen, Zusammenhänge, ausser in dem um 
gekehrten Sinne, dass die Menge des im Umlauf befind 
lichen Geldes, oder zunächst der Bedarf an Geld, sich 
mit nach den Preisen richtet, nicht aber die Preise 
durch die Menge des Geldes bestimmt werden Also 
eine Verwechselung von Ursache und Wirkung. 
chase; but though its price rose 10 or 20 if no wore were 
bought than before, it would not, / apprehend, be admissible to say, 
that the variation in the price of the commodity was caused by the 
increased demand for it.** 
57) So bemerkt auch schon Wilson, Capital, Currency,
        <pb n="124" />
        114 
Capitel V. 
Wenn nun aber zwischen der Menge des vorhan 
denen oder im Uinlaui beiindlichen Geldes und dem 
allgemeinen Stande der Waarenpreise keinerlei unmittel 
barer oder nothwendiger Zusammenhang besteht (ausser 
and Banking,: ,,iVo doubl, if the internal transactions of the 
country increase, or if the prices of commodities rise, a 
larger amount of circulating medium, whether purely me 
tallic, or mixed of paper and coin, will be required to con 
duct the exchanges, and thus, though an increased circulation 
would not be called into existence, as a cause to produce higher pri 
ces, it would follow as the effect or consequence of higher 
prices.^'“ 
Und Tooke, Of the Bank Charter Act of 1844, Lon 
don 1856 (Siehe auch Geschichte der Preise, IL Bd. p. 623) 
p. 178; ,,The prices of commodities do not depend 
upon the quantity of money indicated by the amount of bank 
notes, nor upon the amount of the whole of the circulating medium', 
but, on the contrary, the amount of the circulating 
medium, is the consequence of prices/* 
Indess gibt es wiederum andere Stellen, aus denen hervor 
geht, dass selbst Tooke die Theorie vom Einfluss der Menge des 
im Umlaufe befindlichen Geldes auf den Werth des Geldes oder 
den allgemeinen Stand der Waarenpreise noch nicht ganz über 
wunden hat. Siehe Geschichte der Preise I., p. 61: ,,Eine ver 
schlechterte Münze, oder die einem Schlagschatze unterworfen ist, 
ohne eine bestimmte Regel für den im Umlaufe befind 
lichen G esamm tbe t r ii g, kann natürlich nicht denselben 
Tauschwerth haben, wie vollwichtige Münze oder wie hei 
einem streng durchgeführten Prinzip der Reschrän- 
kung/* Ferner was er über inconvertibles Staatspapiergeld sagt.
        <pb n="125" />
        8* 
115 
Geldmenge und Waarenpreise. 
in jenem umgekehrten Sinne), so kann es offenbar auch 
nicht tier allgemeine Stand der Waarenpreise sein, ver 
mittelst dessen sich ein Ueberfluss oder Mangel an Geld 
von Land zu Land wieder ausgleicht, oder wodurch 
ein Export oder Import von Edelmetall hervorgerufen 
wird. Wie denn überhaupt niemals der allgemeine 
Stand der Waarenpreise, sondern immer nur der Preis 
dieser oder jener bestimmten Waaren die Ursache 
irgend eines Exports oder Imports sein kann; aus dem 
sehr einfachen Grunde, weil der allgemeine Stand 
der Waarenpreise gar keine messbare Grösse ist. Man 
kann wohl indirekt, d. h. im Wege der Rechnung, 
ermitteln, ob und um wieviel Procent im Allgemeinen 
oder im Durchschnitt die Preise der Waaren hier höher 
sind als dort, oder ob und um wieviel Procent die 
selben im Allgemeinen oder durchschnittlich innerhalb 
eines bestimmten Zeitraums an einem bestimmten Orte 
gestiegen oder gefallen sind, aber unmittelbar 
messen lässt sich das nicht, und es kann daher auch 
hieraus ollen bar niemals irgend eine bestimmte Handels 
operation hervorgehen. 
I. p. 635 : ,,Etn Zwangspapier der liegievung — wit kl, so lange 
es vermehrt, wird, unmtUelbur als eine schaffende Ursache auf 
Preise — indem cs eine frische (Jnelle der Nachfrage — 
bildet. ‘ ‘
        <pb n="126" />
        116 
Capitel V. 
Wie gleicht sich also ein Mangel oder Uebcrfluss 
an Geld von Land zu Land wieder aus? 
Liegt nur ein Mangel an Geld zum Zwecke der 
Bewerkstelligung von Zahlungen im Inlande, d. h. 
nur ein Mangel an Münze im Sinne der Landeswäh 
rung („currency“), vor, ohne dass es jedoch an Edel 
metall überhaupt („bullion“) in dem betretenden 
Lande fehlt, so wird dem Mangel einfach im Wege 
der Prägung oder vermittelst der Emission von Bank 
noten oder der Kreirung von Guthaben in Contocorrent 
abgeholfen werden. In analoger Weise wird, wenn nur 
ein Ueberfluss an Münze oder an Geld zu Zahlungen 
im Inlande vorliegt, ohne dass dies jedoch zugleich 
ein Ueberfluss an Edelmetall überhaupt ist, der Aus 
gleich einfach dadurch bewirkt werden, dass die über 
flüssige Münze zu Zahlungen nach dem Auslande Ver 
wendung findet. Denn wenn man sich zum Zweck 
der Bewerkstelligung von Zahlungen nach dem Aus 
lande in erster Linie aucii nur des ungeprägten Metalles 
resp. fremder Münze zu bedienen pflegt, da die Münze 
des eigenen Landes im Auslande doch nur nach ihrem 
Metallgehalte geschätzt und angenommen wird, ohne 
Berücksichtigung des Schlagschatzes, so gilt dies doch 
immer nur in so lange, als es nicht an ungeprägtem 
Metall resp. fremder Münze, zum Zweck der Bewerk-
        <pb n="127" />
        117 
Geldmenge und Wnarenpreise. 
stellig’ung von Zahlungen nach dem Auslande, fehlt, und 
daher der Preis des ungeprägten Metalles resp. der frem 
den Münze nicht so hoch steht, dass es, was die Kosten 
betrifft, auf eins hinausläuft, ob man ungeprägtes Metall 
resp. fremde Münze oder aber einheimische Münze zu 
Zahlungen nach dem Auslande verwendet. 
Ja aber — so behauptete Ricardo zur Zeit des 
berühmten „Rullionstreites“ — Edelmetall, sei es in 
welcher Gestalt immer, wird nur dann exportirt oder 
importirt, wenn der Werth desselben in dem einen 
Lande ein höherer ist, als in dem anderen. Es ist das 
ein Gesetz, welches für alle Waaren gilt. Wer wird 
Edelmetall exportiren, wenn er es nicht auf einen bes 
sern Markt schickt! Schon der mit dem Transport ver 
bundenen Kosten wegen wird das Niemand thun. Und 
nun gar Münze, bei welcher überdies der Schlagschatz 
verloren geht. Wenn also Edelmetall oder Münze ex 
portirt wird, so ist das immer ein Beweis dafür, dass die 
Münze oder das Edelmetall in dem betreffenden Lande 
vergleichsweise im Werthe gesunken ist, oder, was das 
selbe, dass die Preise der Waaren daselbst vergleichs 
weise gestiegen sind 
58) Hi car do. The high price of bullion etc.: „T/te temptation 
to export money in exchange for goods, or what is termed an unfavour-
        <pb n="128" />
        118 
Capitel V. 
Das vorstehende Käsomiemenl, welches sich nicht 
nur bei Ricardo und den „Bullionisten“ sowie hei 
able balance of trade, never arises but from a redundant currency. Hut 
M '■ Th ornton, ivho has considered this subject very much at l&lt;ir(&gt;e, 
supposes that a very unfavourable balance of trade may be occasioned 
to this country by a bad harvest, and the consequent importation oj 
corn, and that there may be at the same time an unwillingness in the 
country to which we are indebted to rereive our goods in payment. 
The balance due to the foreign country must therefore be paid out of 
that part of our currency consisting of coin, and that hence arises 
the demand for gold bullion and its increased price. Thorn 
ton has not erptaincd to us why any unwillingness should exist in 
the foreign country to receive our goods in exchange for their corn, 
and it would be necessary for him to show, that if such an unwilling 
ness were to exist, we should agree to indulge it so far as to con 
sent to part with our coin. If we consent to give coin in exchange 
for goods, it must be from choice, not necessity. It'e should 
not import more goods than we export, unless we had 
a redundancy of currency, which it therefore suits us 
t 0 m a k e a part of o u r ex p o rts. T h c e xp or t a t i o n of t he 
coin is caused by its cheapness and is not the effect, 
hut t h c cause of a n u n fa vo arable balance: we should 
not export it, if we did not send it to a better market, 
or if we had any commodity which we would export more profitably. — 
It IS only after a comparison of the value in their markets and in 
our own of gold and other commodities and because gold is 
cheaper in the London market than in theirs, that for 
eigners prefer gold in exchange for their corn.“ — 
,,Thus then specie will be sent abroad to discharge a 
debt o n I y w hen it is s u p era b ii n d ant, only when it is the 
cheapest exportable commodity.“ Ferner: Observations on some
        <pb n="129" />
        119 
Geldmcnge und Waarenpreise. 
allen Anhängern des sog. „Currencyprinciple" hn- 
det^®), sondern welches auch erst kürzlich wieder von 
passages in an article in the Edinburgh review, on the depre 
ciation of paper currency (Appendix zu d. IV. Aufl. der oben 
genannten Schrift, Works of R. by M® Cu 11 och p. 291 ff.): 
J,— erro no us doctrine of the merchants, that money might 
be exported in exchange for commodities, although 
money were not cheaper in the exporting country.^* — 
,,jdn unfa V our ab le balance of trade, and a consequently 
low exchange, may in all cases he traced to a rela 
tively redundant and cheap currency.** — ,,^ bad har 
vest operates on the exchange in no other way than 
by causing the currency, which was before at its just 
level, to become redundant, and thus is the princi 
ple that an unf a vour a b le e xc h a ng e may always he tra 
ced to a relatively redundant currency most fully exem 
plified.** Reply to Bosanquets observations on the report 
of the Bullion Comitee p. 338; ,,lf 'ho would be at the trouble and 
risk of sending guineas to the Continent to he sold there for their 
value as bullion, while the value of bullion continued here as high 
as before, and consequently as high as the price abroad. H^ould 
not the coin be melted and sold as bullion at home, till the value 
of bullion had so much diminished in its relative value to the bul 
lion of other countries, and therefore to the relative value of com 
modities here, as to pay the expenses of transportation, or, in other 
words, till the exchange had fallen to the price at which it 
would repay such expenses.** 
59) Vgl. u. A. M® Culloch a. a. O. p. 12: ,,The fact of 
the, exchange being unfavourable and an efjlua of gold taking place, 
shows that the currency is in excess, and should be diminished.**
        <pb n="130" />
        120 
Capitel V. 
einem deutschen Schriftsteller, Herlzka, vorgebracht 
worden ist^^), um zu beweisen, dass jeder Ueberfluss 
p. 50: ,,If the imports of bullion exceed the exports, it shows that 
the currency is in some degree deficient; while, if the exports ex 
ceed the imports, it shows that the currency is in excess.** 
Und James Mill Elements of O. E. p. 171: ,,The value of 
the precious metals in each country determines whether it shall ex 
port or import.** 
60) Hertzka, Währung und Handel p. 350 Anm.: ,,.1us 
air dem dürfte zur Genüge hervorgehen, dass die internationa 
len Geldströmungen durchaus von denselben Gesetzen 
bedingt sind, wie der internationale Âtistausch irgend 
eines beliebigen anderen Gutes.** p. 126: ,,l)ie Zettel 
emission vermehrt in derselben H^eise, wie eine durch irgend 
welchen Umstand herbeigeführte Anschwellung des Edelmetallvor- 
rathes , das im Lande verßigbare Circulationsquantum, und da 
eine solche Fermehrung bei gleichbleibenden Hedürfnissen mit einer 
Verringerung der Kaufkraft aller Geldzeichen Hand in Hand gehen 
muss, so sinkt um den entsprechenden Betrag nicht blos die Kauf 
kraft des Papiergeldes, sondern auch die des vorhandenen Metallgel 
des. Hier {im Papiergeldlande) zeigt schon der Umstand, dass das 
Metallgeld aus dem Lande verdrängt wird, in ganz unzweideu 
tiger fVeise, dass dessen Kaufkraft gesunken sein muss. IFürde 
das Geldstück im Inlande nicht weniger Werth sein, 
als im Auslande, so könnte dasselbe nicht abströmen, 
da ja dieses Abströmen mit nicht unbeträch tlichen 
Kosten für Transport und Versicherung und überdies 
mit Münzverlusten verknüpft ist.** Die Gesetze der Han 
dels- u. Sozialpolitik p. 29: ,,Man führt nicht Edelmetall ein 
oder aus, weil eine active oder passive Zahlungsbilanz zu beglei 
chen ist, sondern die Zahlungsbilanz ist actio oder passiv, weil
        <pb n="131" />
        Geldmenge und Waarenpreise. 121 
an Münze auf die Preise wirken müsse, da sonst von 
einem Exporte von Münze überhaupt keine Rede sein 
könne, scheint auf den ersten Blick unwiderleglich 
zu sein. Nichtsdestoweniger beruht dasselbe auf einer 
vollkommenen Verkennung der Thatsachen, denn es 
wird dabei gänzlich übersehen, dass die Edelmetalle 
nicht nur eine Waare sondern auch Geld sind, und dass 
es daher auch nicht nur einen Bedarf an Edelmetall zu 
Zahlungen im Inlande, sondern ebenso auch einen Be 
darf an Edelmetall zu Zahlungen nach dem Auslande 
gibt, ln der That wird Gold und Silber keineswegcs 
immer nur dann exportirt oder importirt, wenn der 
Werth desselben in dem einen Lande ein höherer ist, 
als in dem anderen, oder wenn das eine Land Ueber- 
tluss, das andere Mangel daran hat. Vielmehr kann der 
Grund des Exports oder Imports von Edelmetall auch 
rein auf Seite der für das Edelmetall bezogenen resp. 
gelieferten Waaren, d. h. in einem vergleichsweiscn 
Mangel resp. Ueberiluss an diesen Waaren oder in einer 
das Land Edelmelallzußuss braucht oder in der Lage ist, Edelme 
tall abströmen zu lassen. Diese Thesis wird gewiss Eielen seltsam, 
ja paradox erscheinen, und ich bin mir der l'erpflichtung wohl 
bewusst, dieselbe in eingehendster // 'eise und bis zur Evidenz 
zu erhärten.** (!) p. 84: ,,Man importirt nicht Geld, weil man 
damit die lJeber.schüs.se andrer Güter bilanziren muss, sondern nur 
dann und insoweit, als man Geld braucht.**
        <pb n="132" />
        122 
Capitel V. 
Ungleichheit oder Differenz iin Werthe dieser Waaren, 
liegen, in welchem Falle eben das Edelmetall selbst 
nicht als Waare, sondern rein als Mittel des Entgeltes 
aus einem Lande in das andere geht, oder die Aus 
oder Einfuhr von Edelmetall nicht sowohl den Charakter 
einer selbständigen, d. h. für sich einträglichen, Handels 
operation (Spekulation), als vielmehr nur den Charakter 
einer Zahlung an sich trägt. So wird z. B. kein 
Mensch behaupten wollen, dass der Werth des Holdes 
in Amerika, d. h. an seiner Produktionsstätte, ein höherer 
sei, als in Europa. Nichtsdestoweniger ist bekanntlich 
in den letzten Jahren sehr häulig und in beträchtlichen 
Massen Gold von Europa nach Amerika gegangen. Die 
Erklärung dafür liegt einfach in dem starken Import von 
Getreide und anderen Naturalien aus Amerika oder in 
dem hierdurch hervorgerufenen günstigen Stand der 
Wechselkurse für Amerika, sowie in dem Hochschulz 
zolltarif der Vereinigten Staaten, welcher die Remitlirung 
von Fabrikaten nach Amerika so gut wie verhindert. 
Und in gleicher Weise lag auch der Grund des star 
ken Goldexports Englands in den Jahren 1808—1810 
nicht, wie Ricardo behauptete, darin, dass damals 
in Folge der Suspension der Raarzahlungen der 
Bank of England und einer hierdurch bewirkten über 
mässigen Vermehrung ihrer Noten — das Gold in Eng-
        <pb n="133" />
        123 
Geldmenge und Waarcnpreise. 
land im Werthe gesunken gewesen wäre, oder tiefer 
gestanden hätte, als auf dem Continent, sondern viel 
mehr, wie schon Tooke®’) nachgewiesen hat, nur 
einerseits in den damaligen beträchtlichen Ausgaben der 
englischen Regierung für Kriegszwecke (die Ausgaben 
für den Unterhalt von Heer und Flotte und für Sub 
sidien an fremde Mächte betrugen in jenen Jahren zu 
sammengenommen 32 Mill. £), und in aussergewöhn- 
lichen, durch wiederholte Missernten hervorgerufenen, 
(¡etreideimj)orten (in jenen Jahren impertirte England für 
10 Mill. £ Getreide) und andererseits in der Schwierig 
keit oder Unmöglichkeit, angesichts der iXapoleonischen 
Conlinentalsperre, Fabrikate oder Colonialwaaren nach 
dem Continente zu remittiren ®^). Allerdings ist, das 
61) Vgl. Tooke, Geschichte der Preise, 1. p. 164. u. p. 598 
bis 602. 
62) Vgl. James Deacon Hume 1834 (bei Tooke, Ge 
schichte d. Preise, I. p. 600 ff.): ,,/&gt;«#, woran ich erinnern muss, 
sind die Schleuderpreise unserer Manufuclur- und Cohnialwnaren 
wahrend der letzten sechs Jahre des Kriep's, in Folge des gegen 
England angewendeten Continentalsystems. — ln allen den H aaren, 
von denen wir licberjluss hatten, standen die auswärtigen Preise so 
sehr viel höher als die unsrigen, dass, wenn wir sie nur zur Hälfte 
annehmen,^ sie doch dem Exporteur einen ausserordentlich grossen He- 
ivinn gebracht haben würden. — So z. H. waren die Preise von 
Zucker und ( aßee auf dem Festlunde, in Gold berechnet, 4—5 mal 
höher, als in England in lianknoten berechnet. Ich rede von den
        <pb n="134" />
        124 
Capitel V. 
unterliegt keinem Zweifel, jede Versendung von Edel 
metall mit mehr oder weniger Kosten verknüpft, allein 
Zeiten der Decrete von Berlin und Mailand und der britischen Ca- 
binetsbefehle — von der Zeit der Licenzen- und Btokadesystemc — 
von der Zeit, da französisehe Chemiker Zueker in Hunke/rüben und 
ein Surrogat für Caffee in der Cichorie entdeckten, und der englische 
Viehzüchter Versuche anstellte, seine Ochsen mit Candiszucker und 
Molassen zu mästen — von der Zeit, als mir uns Helgolands be 
mächtigten und- es zu einer Niederlage für unsere Ik aaren machten, 
um sie in das nördliche Europa einzuschmuggeln und unsere feinem 
Fabricate ihren IVeg nach Deutschland durch die Türkei suchten. 
Man wird sich erinnern, dass auf der einen Seite die französischen 
Decrete erklärten : es dürfe kein Schiff in einen Continental-Uafcn 
einlaufen, was von England komme oder England nur berührt habe, 
und unsere Cabinetsbefehle auf der andern Seite verboten, dass it- 
gend ein Sehiff' nach dem Kontinent segle, ehe es in England ge- 
u,esen. Unsere Flotten beherrschten damals die Meere vollständig 
und zwangen jedes Schiff, das sie antrafen, nach einem britischen 
Hafen zu gehen. Die Folge war, dass alle IVaaren der 
ganzen IVelt beinahe in unseren Speichern sich auf 
häuften, wo sie festgebannt lagen, ausser wenn dann und 
wann eine kleine Partie mit französischen Licenzen, wofür Ham 
burger und Amsterdamer Kauf lente dem Kaiser Napoleon 40 bis 
50 000 £ gegeben haben mochten, ausgeführt wurden. In den 
Augen der „Bullionisten*^ müssen das curióse Kaufleute gewesen 
sein, die so viel Geld Zugaben, um IVaaren von einem theuren 
Markt nach einem wohlfeilen zu bringen. JVelchc Alternative stand 
den Kaufleuten offen? Ganz buchstäblieh folgende : entweder Caffee 
zu 6 d. per Pfund in Banknoten zu kaufen und ihn nach einem 
Platze zu schicken, wo er sofort 3—4 sh. in Gold holte, oder Gold 
mit Banknoten zu 5 £ per Unze zu kaufen und es nach einem
        <pb n="135" />
        125 
Geldmenge und Waarenpreise. 
die Vergütung für diesen Kostenaufwand braucht darum 
noch keineswegs immer nothwendig aus einer Differenz 
im Wertiie gerade des Edelmetalls hervorzugehen, so 
wenig wie der Nutzen oder Gewinn, der mit einem Ex 
port oder Import von Edelmetall verbunden ist, sondern 
kann auch rein aus dem ungleichen Werthe derjenigen 
Waaren entspringen, als deren Entgelt eben im ge 
gebenen Falle das Edelmetall in’s Ausland geht resp. 
hereinkommt So ist ja auch jede Geld Versendung, 
l*latze zu senden, wo es mit Z ¡£ XI sh. 10^ //. per Unze bezahlt 
wurde. — Es wäre also auch das Àbgeschmackleste von 
der lEelt, die llemiltirunp; von Gold anstatt Caffees 
aus dem Grunde einer vortheilhaften kaufmännischen 
Speculation erklären zu wollen. — Gold und Silber wür 
den nicht weggegangen, sondern reichlich genug herübergejlossen 
sein, wäre es eben so leicht gewesen, lUaaren als edle Metalle zu 
schmuggeln. Das Hinderniss lag in den ttajonetten und Kanonen 
und war nicht zu überwinden. Ich erinnere mich , damals oft ge 
hört zu haben, dass lionaparle die englischen Preiscourante regel 
mässig einsah, um sich zu überzeugen, wie weit seine Decrete durch 
seine eigenen Leute und seine Uerbündeten ausgeübt wurden und zu 
frieden war, so lange er sah, dass in England Caff'ee wohlfeil und 
Gold theuer sei. Die Engländer wollten aber daraus nur entnehmen, 
•dass die Hank unverschämt viele Noten in Umlauf setze.**. 
63) So bemerkt auch Göschen, The Theory of the Foreign 
Exchanges, (London 1866), p. 118: ,,lt is often supposed 
that gold IS never exported unless to give a profit to 
those who despatch it. Hut this is manifestly a falla 
cious idea. The expression which is so often made use of, that
        <pb n="136" />
        126 
Capitel V. 
(lie im liilande ausgeführl wird, mil mehr oder weniger 
Kosten verknüpf, ohne dass deshalb — was allerdings 
l/ie rales of exchange in any country are at such a point that no 
profit is to be made on shipments of gold to it, must be enrefuHy 
guarded from leading to a misconception. Such a fact is valuable to 
hnotv, to a certain degree ; but it does not prove that the despatch of 
bullion may not be natural and necessary neverthless. It must be .sent 
by tho.se who are in debt to that country, if they cannot find bills.'* 
Weniger richtig ist, was Smith, B. IV, Ch. I über den 
Export oder Import von Edelmetall sagt: ,,The transportation of 
commodities, when properly suited to the market, is allways attended 
with a considerable proft; wheras that of gold and silver is .scarce 
ever attended with any. ¡Vhen those metals are sent abroad in 
order to purchase foreign commodities, the merchan t\s 
pro fit arises , n o t from t h e p u r c h a se , but from the sale of 
the returns. Itut when they are sent abroad merely to pay a debt, 
he gets no returns, and consequently no profit. He naturally, there 
fore, exerts his invention to find out a way of paying his foreign 
debts, rather by the exportation of commodities then by that of f;old 
and silver.** Der Profit des Kaufmannes erwächst niemals aus 
schliesslich aus dem Verkaufe, sondern immer aus dem Kauf und 
Verkaufe zusammengenommen. Auch ist im Grunde jeder Export 
von Edelmetall mit einem Profite verbunden, gleichviel ob jetzt 
das Edelmetall zum Ankäufe von Waaren, oder, was im Wesent 
lichen auf dasselbe hinausläuft, zur Bezahlung von Schulden 
dient, nur liegt die Quelle des Profits nicht immer auf Seite des« 
Edelmetalles, sondern sehr oft (d. h. immer dann, wenn das Edel 
metall als Geld fuiictionirt) auch nur auf Seite der Waaren (resp. 
Effecten), als deren Entgelt eben das Edelmetall exportirt wird, 
oder von deren Ankauf die Schulden herrühren. Zwischen der 
einfachen Bezahlung und der Remittirung von Waaren an Zah-
        <pb n="137" />
        127 
Geldmenge und Waarenpreise. 
Ricardo und seine Schule gänzlich übersieht — der 
W erth des Geldes immer an dem einen Orte ein höherer 
zu sein brauchte als an dem andern. l)ie Vergütung 
für den Kostenaufwand, der mit einer Geldversendung 
im Inlande verbunden ist, liegt eben auch hier einfach 
auf Seite der betreilenden \V aaren oder bildet gewisser- 
maassen nur einen Beslandtheil des Preises mit, welcher 
lür eben diese Waaren bezahlt wird. 
Das Gesagte dürfte genügen, um zu zeigen, dass 
der gegen die Möglichkeit eines Exportes oder Importes 
von Edelmetall, ohne eine in dem betreffenden Lande ver 
gleichsweise vorausgegangene Veränderung im Werthe 
des Edelmetalls, erhobene Einwand nicht stichhaltig ist. 
Daher kann sich auch ein Ueberfluss an Münze sehr 
gut im Wege des Exportes wieder ausgleichen, ohne 
dass vorher der Werth der Münze oder des Edelmetalls 
in dem betreffenden f.ande vergleichsweise auch nur 
liiDgsstatt ist nur der Unterscliied, dass im letzteren Fall ein dop 
pelter Profit gemacht wird, erstens ein Profit beim Importe, und 
zweitens ein Profit beim Exporte von Waaren, daher auch nicht, 
wie das Merkantilsystem annahm, der Stand der „Handelsbilanz" 
d. h. das Verbaltniss zwischen Ein- und Ausfuhr sondern nur die 
Summe von Ein- und Ausfuhr über das Maass des jeweilen im 
Wege des auswärtigen Handels erzielten Nutzens oder Gewinnes 
entscheidet.
        <pb n="138" />
        128 Capitel V. 
die geringste Veränderung zu erleiden resp. erlitten zu 
haben braucht. 
Setzen wir nun aber den Fall, es liege nicht blos 
ein Ueberflusss oder Mangel an Münze, im Sinne der 
Landeswährung (currency), oder an Geld nur zu Zah 
lungen im Inlande, sondern vielmehr ein Ueberiluss 
oder Mangel an Edelmetall überhaupt (bullion) 
vor (wobei also, ausser den Zahlungen im Inlande, 
auch die Zahlungen nach dem Auslande mit in Rech 
nung gezogen sind), was wird in diesem Falle die Folge 
sein ? 
Auch in diesem Falle wird, wenigstens zunächst, 
kein Steigen resp. Fallen der Waarenpreise erfolgen, 
wohl aber werden, in Folge der Veränderung im Dis 
konto, die, wie ich schon an anderer Stelle hervor 
gehoben habe, immer die unmittelbarste oder nächste 
Wirkung eines Ueberllusses oder Mangels an Geld, im 
Sinne des Edelmetalls überhaupt, ist«'^), die Wechsel 
et) Stewart a. a. 0. bemerkt B. II, Ch. 28: then 
will become of the additional qmintiltj of coin —? If — it be found 
that the state of demand remains without any variation then the ad 
ditional coin vhH be probably be locked up, or converted into plate, 
because they who have it, not beinp; inspired with the desire of in 
creasing their consumption, and far less with the generous sentiment 
of giving their money away, their riches wilt remain without producing 
more effect, than if they had remained in the niine*‘ und Ch. 28;
        <pb n="139" />
        9 
129 
Geldmenge und Waarenjtreise. 
kurse in dem betretenden Lande in die Höhe gehen 
itsp. sinken und erst auf Grund dieser Veränderung in 
den Wechselkursen wird dann auch in diesem Falle ein 
Exjiort resp. Import von Edelmelall stattfinden, durch 
welchen sich der Ueberfluss oder Mangel an Geld von 
Land zu Land wieder ausgleicht «•''*). In diesem Falle 
if the specie he found above the proportion of the industry, it will 
have no effect in raising prices, nor will it enter into circulation, it 
mil he hoarded up in treasures, where it must wait not only the call 
oj a desire in the proprietors to consume, hut of the industrious to 
satisfy this M//." Dies ist nicht ganz richtig. Stewart selbst 
bemerkt an einer andern Stelle B. UI, P. 2, Ch. V, p. 206: 
present no body hoards, where lending at interest is lawful, 
except in nations where credit is precarious** und B. IV, P. 1, Ch. 
II: ~,,it IS now a maxim, that no money is to be suffered to 
remain uselefs to the proprietor of it.** AUer Ueberfluss 
an Geld strömt in der That zunächst immer in die Banken, und 
hat so die Tendenz auf den Bankzinsfuss zu wirken. Ist es zu- 
g eich ein Ueberfluss an Kapital, so wirkt er auch, unmittelbar, 
auf den Börsenzinsfuss oder die Eflfectenkurse. 
Ueber die Art, wie eine Veränderung in dem Disconto 
au le Wechselkurse wirkt, siehe Göschen, The Theory of 
oreign exchanges. Ch. VI, wie überhaupt die Monographien 
Uber Wechselkurse. Der Gang der Dinge ist in dieser Bezie- 
ung immer der, dass, wenn z. B. der Diskont in London er- 
eblich sinkt, das Ausland die in seinen Händen befindlichen 
chsel auf England nach London zur Diskontirung schickt und 
lir das daselbst auf diese Weise erhaltene Geld in London aus 
wärtige Wechsel kauft, so dass in London die Wechselkurse stei-
        <pb n="140" />
        130 Capitel V. 
hat also ohne Zweifel das Geld in dem betrefl’endeii 
Lande eine Veränderung' im Werthe erlitten, daher 
auch der Export resp. Import von Edelmetall in diesem 
Falle nicht sowohl den Charakter einer blossen Zah 
lung, als vielmehr den Charakter einer selbständigen 
Handelsoperation oder Spekulation, d. h. eines Ex 
portes resp. Importes von Waare, an sich trägt 
Und mit Rücksicht hierauf kann man also in der That 
von einem Einfluss der Menge des Geldes auf den Werth 
des Geldes in jedem Lande reden. Allein erstens ist 
es doch immer nur, wie gesagt, die Menge des Geldes 
oder Goldes resp. Silbers überhaupt (bullion), nicht 
gen (oder vielmehr, wenn wir uns an die englische Wechselno- 
tirung halten: fallen) werden. 
66) Diese durch den vergleichsweisen Stand des Diskontos 
hervorgerufene Aus- oder Einfuhr von Edelmetall ist jedoch nicht 
mit der Uebertragung von Kapital überhaupt oder zum Zweck der 
Veranlagung aus einem Land in das andere zu verwechseln , die 
in dem vergleichsweisen Stand des Börsenzinsfusses ihren Grund 
hat und sich zunächst in einem Import resp. Export von Effecten 
äussert ; denn Kapital kann auch in der Gestalt von Waaren aus 
einem Lande in das andere übertragen werden. Ob Kapital in 
der Gestalt von Geld oder aber in der Gestalt von Waaren aus 
einem Lande in das andere geht, das hängt von den jeweiligen 
Conjunkturen, d. h. einerseits vom Stand des Diskontos, anderer 
seits von dem Preisstande der betreffenden Waaren, ab.
        <pb n="141" />
        Geldmenge und Waarenpretse. 131 
die Menge nur des im Umlauf befindlichen Geldes 
üdei der Münze, im Sinne der Landeswährung (cur 
rency), welche in dieser Weise einen Einfluss auf den 
Werlh des Geldes in dem betreffenden Lande ausübl, 
während die hergebrachte Theorie gerade umgekehrt 
ausdrückheh nur der Menge des „im Umlauf befind- 
hehen“ Geldes, mit Ausschluss der sog. „hoards“ (weil 
nur die Menge des im Umlauf befindlichen Geldes „mit 
den Waaren in Conlukt komme“), einen Einfluss auf 
den Werth des Geldes in jedem Lande zusehreibt 
leinci ist es auch niclit der Stand der Waaren preise, 
67) Vgl. z. B. schon D. Hume, und J. St. Mill p. 301 : 
,.»/owÿ Aoorderf does ml ml «n prices." Vgl. auch p. 401-404^ 
ferner Tooke, Geschichte der Preise I. 663—667. u. II. 267 ff 
I)ie Bezeichnung „hoards", oder, wie A. Wagner in einem An 
fluge von Komantik übersetzt, „Horte", wird von den englischen 
Theoretikern für alle. Geld oder Gold und Silber gebraucht, wel- 
ehe. jeweilen über den Bedarf zu Zahlungen im Inlande liinau. 
Torrathig gehalten wird, sei es von Seiten der Privaten oder 
““““t mk diese Bezeichnung eine höchst un- 
IC e zu sein. Denn eine eigentliche Schatzbildung oder 
ystemabsche Anhäufung oder Aufspeicherung von Geld oder 
m Bedarf hinaus, gewissermassen in’s 
aue mein, um des blossen Besitzes willen, oder, wie sich 
ausdrückt, zu dem „abstracten“ Zweck, „um jeder- 
Bedarfs über Kaufkraft verfügen zu können“ 
sw ^ ' agner, Beiträge zur Lehre von den Banken pp. 44 
» &gt; H, und Geld- und Credittheorie etc. pp. 94—103) war 
9*
        <pb n="142" />
        132 
Capitel V. 
sondern vielmehr, wie gesagt, wenigstens zunächst 
immer nur der Stand (des Diskontos und) der Wech- 
wolü im Alterthum und Mittelalter üblich, kommt aber heutzu 
tage, wenigstens in Europa, bei den modernen oder ökonomisch 
vorgeschrittenen Völkern, und in Eriedenszeiten kaum mehr vor 
(ausser höchstens noch bei den Bauern). Siehe schon die oben 
citirte Stelle von Stewart. Vielmehr giebt es heutzutage neben 
der eigentlichen Kassenhaltung, die wenigstens in erster Linie 
nur dem Bedarf an Geld zu Zahlungen im Inlande dient oder zu 
dienen bestimmt ist, nur noch einen Handel mit Edelmetall, 
in der Gestalt von Barren und fremder Münze („bullion trade“), 
der nicht nur einen Ueberfluss und Mangel an Edelmetall zu 
Prägungszwecken sondern auch einen UeberÜuss und Mangel an 
Edelmetall zu Zahlungen nach dem Auslande auszugleichen be 
strebt ist. Auch die Banken häufen nicht planmässig Geld oder 
Gold und Silber über den Bedarf hinaus an, sondern halten 
nur Geld vorräthig im Hinblick auf ganz bestimmte Zwecke, 
d. h. um einem möglicherweise oder voraussichtlich eintretenden 
Bedarf zu Zahlungen, sei es im Inland oder nach dem Auslande, 
entsprechen zu können. Zum Theil führen sie die- Kasse des Pu 
blikums, zum Theil treiben sie auch, wie z. B. die Bank of Eng 
land, Handel mit Edelmetall. Wenn sie mehr Geld oder Edelme 
tall vorräthig halten, als stricte erforderlich ist, oder thatsächlich 
wirklich zur Verwendung kommt, so geschieht das eben einfacli 
der Sicherheit wegen, d. h. weil sich der Bedarf an Geld zu 
Zahlungszwecken niemals genau vorausberechnen lässt, nicht aber 
zu dem „abstracton“ Zweck, „um jederzeit im Fall des Bedarfs 
über Kaufkraft verfügen zu können.“ Wäre es nach alledem nicht 
besser, wenn man diesen ganzen Nibelungenhort in den Rhein ver 
senken und sich einfach mit der Unterscheidung zwischen Geld 
und Waare, und zwischen Münze, im Sinn der Landeswährung
        <pb n="143" />
        Geldmenge und Waarenpreise. 133 
selkuise, in welchem sich die durch einen vergleichs 
weisen Ueberfluss oder Mangel an Geld bewirkte 
Werthveränderung des Geldes in jedem Lande mani- 
festirt. M. a. W. nicht vermittelst einer Bewegung auf 
dem Waaren markt, sondern, wenigstens zunächst, 
nur vermittelst einer Bewegung auf dem Geldmärkte 
vollzieht sich die Ausgleichung. Auch in dieser Be 
ziehung ist also der wirkliche Sachverhalt gerade der 
entgegengesetzte von dem, den die Theorie annimmt. 
Während die letztere den Ueberfluss oder Mangel an 
Geld zuerst immer auf den Stand der Waarenpreise und 
eist indirekt, d. h. durch das Medium der Handels- oder 
Zahlungsbilanz hindurch, auch auf den Stand der Wech 
selkurse einwirken lässt, wirkt umgekehrt der Ueberfluss 
o(l(T Mangel an Geld zuerst immer auf den Diskonto 
und die Wechselkurse und erst in Folge dieser Ver 
änderung im Diskonto und in den Wechselkursen dann 
möglicherweise, wenn die Zeit dazu vorhanden ist, auch 
auf den Stand der Waarenpreise««). Aber auch, wenig- 
(currency), und Geld oder Gold resp. Silber überhaupt (bullion) 
begnügen würde? Mit je weniger Kategorien man auskommt, 
desto besser ist's ja doch, was allerdings unsere Scholastiker noch 
immer nicht begreifen wollen. 
G8) Vgl. Tooke, Geschichte der Preise I. p. 88: „ind da 
Sinken (ISIf, englische Noftrnng !) dev fVechselkurse einen He-
        <pb n="144" />
        134 
Capitel V. 
siens zunächst, immer nur auf die Preise der Import- 
11 nd Exportartikel, nicht auf die Preise der Waarcn 
überhaupt oder im Allgemeinen. Nur wenn sich der 
Ueberfluss oder Mangel an Geld oder Edelmetall nicht 
mehr blos auf ein einzelnes Land beschränkt, sondern 
vielmehr eine ganz allgemeine Erscheinung ist und sich 
daher auch nicht mehr einfach im Wege des Exports 
oder Imports ausgleichen lässt, kann von einer Wirkung 
auf den allgemeinen Stand der Waarenpreise die 
Rede sein. Aber auch in diesem Falle geht die Ver 
änderung zunächst immer nur von dem Weltmärkte, 
wo die Münze nicht nur als Geld sondern auch als 
Waare anderen Waaren gegenübertritt, aus und pflanzt 
sich erst von da allmählig oder successive auch in 
das Innere der Länder fort, d. h. zuerst sind es auch 
in diesem Falle immer nur die Import- und Export 
artikel, und nächst diesen diejenigen Artikel, deren Preis, 
Bedarf oder Gestehungskosten mit dem Preis, Bedarf 
oder den Gestehungskosten der Import- oder Ex¡)ort- 
artikel in irgend einem mittelbaren oder unmittelbaren 
statullheil der vermehrten Kosten aller Einfuhrge^enstände bildete, 
und dergestalt mittelbar oder unmittelbar den Preis vieler eigenen Er 
zeugnisse berührtc*‘. — ,,Daneben liegt es in der allgemeinen Ten 
denz eines Fallens (NH. wiederum englische Nolirung!) der ITcch- 
selkurse, dass die Preise von .Ausfuhrartikeln in die Höhe gehen.**
        <pb n="145" />
        135 
Geldmenge und Wanrenpreise. 
Zusammenhänge steht, welche von der Preisverände 
rung ergriffen werden. Es ist wie mit einem Stein, den 
man in’s Wasser wirft, in der unmittelbaren Nähe des 
Punktes, wo er hineinfällt, sind die Wellenbewegungen 
am stärksten; je grösser die Entfernung von diesem 
Punkte ist, desto schwächer werden die Wellenkreise, 
bis sie schliesslich so gut wie ganz verschwinden. 
Wir haben bisher nur das Metallgeld im Auge ge 
habt. Betrachten wir nun auch noch den Fall, wo ein 
Ueberlluss an Papiergeld vorliegt. Was wird in die 
sem Falle die Folge sein? 
Handelt es sich nur um einen (Jeberfluss an con 
vert i b 1 e n Banknoten, so ist zweierlei möglich. 
Entweder der Ueberfluss an Noten verschwindet 
einfach in der Weise wieder, dass er in verzinsliche 
Pepo si ten, oder zunächst auch blos in Guthaben in 
Conlocorrent, umgewandelt wird®®). 
Oder aber der Ueberlluss an Noten wird bei der 
69) So bemerkt auch schon J. Stewart, Principles B. II. 
eil. 28: for the paper money, so soon as it has served the 
first purpose of supplying the demand of him who borrowed it (be 
cause he had at that time no coin), it will return upon the debtor 
in it, and become realized, because of the little use found for it in 
carrying on circulation.'^ Und B. V. Ch. 13: „If it he paper, he 
demands of the debtor in the paper either to give him an inter- 
est for it, or to convert it into coin, which is the money of the
        <pb n="146" />
        13G 
Capitel V. 
belrcflendeii Bank gegen Metallgeld ein^elöst, welches 
hierauf exportirl wird Das Letztere g-eschieht nur 
dann, wenn der Stand der Wechselkurse dem Ausland 
gegenüber ein ungünstiger ist, und es zugleich auf dem 
Markte an ungeprägtem Metall oder fremder Münze zu 
Zahlungen nach dem Auslande fehlt 
world. Both are called realizing and in proportion as money is rea 
lized, circulation diminishes/* 
70) Ich sehe hier, wie im Folgenden, von dem Falle ab, 
dass es an Metallgeld zu Zahlungen im Inlando (z. 11. an Kleingeld, 
bei nicht tief genug herabgehender Appointirung der Banknoten) 
fehlt, in welchem Falle das gegen Noten eingelöste Metallgeld 
nicht exportirt wird, sondern zu Zahlungen im Inlande Ver 
wendung findet. 
71) Dies übersieht A. Smith, der von der Vorstellung be 
herrscht ist, dass jede Note, welche die Bank über den Bedarf 
hinaus emittire, immer und unter allen Verhältnissen gegen Me 
tallgeld umgewechselt zu werden begehre, so dass auf diese Weise 
eine Bank durch übermässige Emission von Noten ihres ganzen 
Baarvorraths beraubt werden könne. Vgl. B. II. Ch. II.: ,,Should 
the circulating paper at any time exceed that sum, as the excess 
could neither be sent abroad nor be employed in the circulation of 
the country, it must immediately return upon the banks to be ex 
changed for gold and silver. Many people would immediately per 
ceive that they had more of this paper than was necessary for Iran- 
acting their business at home, and as they could not .send it abroad, 
they would immediately demand paginent of it from the banks. lUicn 
this superjluous paper was converted into gold and silver, they could 
easily find a use for it by sending it abroad, but they could find 
none while it remained in the shape of paper.** Derselbe Irrthum
        <pb n="147" />
        137 
Gcldmcuíje und Waarenpreise. 
ln keinem der beiden Fälle erzeugt der Ueberfluss 
an INuten eine Naehfrage nach Waaren oder erleidet der 
Stand der Waarenpreise oder der Werth des Geldes in 
dem betreffenden Lande die allergeringste V eränderung, 
wie dies auch schon von den Verfechtern des „banking 
])rincii)le“ zur Genüge d arge than worden ist. 
kehrt bei Ricardo und dessen Schülern wieder. Ja, Ricardo 
sieht in dieser, mit der Convertibilät der Noten nach seiner An 
sicht verbundenen, Gefahr für die Bank, durch eine übermässige 
A ermehrung der Noten ihren ganzen Baarvorrath zu verlieren, 
den einzigen Schutz gegen eine Zuvielausgabe von Noten. Da 
gegen u. A. Fullarton cit. bei Tooke, Geschichte der Preise 
I. p. 637: ,,Ger(ith ein (grösserer llelrag von Hunknolen in die 
Hände eines Individuums, als es gerade gebrauchen kann, so seht es 
sie nicht bei der Hank gegen Gold um, wenn es nicht etwa Buar- 
schuften ausj'ühren will; sondern es hinterlegt sie bei seinem 
II a nq Hier, der sie vermuthlich der Bank of England übersendet 
und sich den Betrag dort gutschreiben lässt.** „Dieser Biickßuss ist 
der grosse liegulator für die Lundesvaluta im Inlande, durch dessen 
.dufrechthallung, trotz aller Gefahren und Versuchungen, während 
dei Dauer der Bankbeschränkung, das Geldsijstem unseres Staates vor 
dein gänzlichen Schiffbruch und der Entwerthung bewahrt worden ist, 
welche auf dem testlande einen jeden Staat mit Papiergeld zu Grunde 
lichtete.** Und Tooke selbst pag. 640: „Der Bückjluss geschieht 
hauptsächlich auf zwei IVegen : durch Einzahlung des über 
schüssigen Betrags an einen Banquier auf Dep osj ten 
ca n to, tulcr durch U ledereinlösung der Enterpfänder, auf welche 
der I orschuss empfangen worden ist.**
        <pb n="148" />
        138 
Capitel V. 
Sind dagegen die ISoten i neon verti bei, so tritt 
in dem Falle, wo mit dem Ueberilnss an Noten zugleich 
ein Mangel an Metallgeld zu Zahlungen nach dem Aus 
lande Hand in Hand gebt, was also wiederum voraus 
setzt, dass der Stand der Wechselkurse dem Ausland 
gegenüber ein ungünstiger ist, ohne Zweifel immer eine 
mehr oder weniger bedeutende Entwerthung (De 
predation) der Noten im Verhiiltniss zum Metallgelde 
oder der Münze ein. 
Die gleiche Wirkung erfolgt auch, wenn es sich 
um inconvertibles Staatspapiergeld handelt. 
Da jedoch diese Entwerthung des Papiergeldes oder 
der Noten im Verhältniss zum Metallgeld immer nur 
die Folge des Umstandes ist, dass eben der Ueberfluss 
an Noten oder Papiergeld nicht auf (irund eines einfa 
chen Forderungsrechtes bei dem Emittenten in Metallgeld 
umgewechselt werden kann, trotzdem dass bei einem 
vorhandenen Mangel an Metallgeld zu Zahlungen nach 
dem Auslande ein solches Umwechslungsbedürfniss vor- 
— so äussert sich diese Entwerthung zunächst 
auch immer nur in den Wechselkursen und in einem 
Dis agio des Papiergeldes oder der Danknoten gegen 
über dem Metallgeld oder der Münze, und erst in 
Folge dieses Disagios tritt dann auch eine Preisstei 
gerung der Waaren ein, während dagegen von einem
        <pb n="149" />
        Geldmenge und Waarenpreise. 139 
unmitteII)aren Einfluss der Menge des im Umlauf 
befindlichen Papiergeldes auf den allgemeinen Stand 
der Waaren preise keine Rede sein kann Auch 
stimmen alle Beobachtungen darin überein, dass in 
tolge des Disagios keineswegs immer alle Waaren 
ren noch gar alle in gleichem Maasse oder Verhältnisse 
im Preise zu steigen brauchen, sondern dass es auch 
hier zunächst immer nur die Preise der Export- und 
lm])ortartikel sind, welche von dem Agio und seinen 
Schwankungen afficirt werden ^3). So pflegen z. ß. 
72) Wenn A. Wagner, die russ. Papierwähr., p. 97 bemerkt: 
„/^er pradische Hauptfall der Papiergeldrennehrung ist die Bestreitung 
von Staafsdusgahen, besonders der AnknuJ von Hriegsmaterial. Hier 
bildet die neue Geldmenge ßir den Betrag ihrer Kaufkraft eine neue 
i\achfrage. Sie hat daher die Tendenz, sofort die Güter zu ver- 
tlieuern, welche der Staat braucht, und welche die Soldaten mit 
dem Solde kaufen*‘, so verwechselt er eben eine Nebenwirkung 
oder einen begleitenden Umstand mit der Ursache. Offenbar ist 
doch immer nur der Umstand, dass der Staat in bestimmter Rich 
tung mehr Geld ausgiebt, oder einen grossem Aufwand macht, als 
gewöhnlich, nicht aber die bei dieser Gelegenheit stattfindende 
Vermehrung des Papiergeldes, die Ursache davon, dass die betref 
fenden Artikel im Preise steigen. Die Wirkung würde in der 
That ganz dieselbe sein, wenn der Staat, statt Papiergeld zu emit- 
tiren, ein Anlehen contrahiren oder Schuldverschreibungen emit- 
tiren würde. 
Wagner, Die russ. Papierwährung, p. 94—98 
und Hertzka, Handel und Währung, p. 35. 39. 42. 47. 48. 109.
        <pb n="150" />
        140 
Capitel V. 
an dem reinen Lokal verkehr die Schwankungen des 
Agios ziemlich spurlos vorüber zu gehen. In dieser 
ungleichmässigen Wiikung des Agios auf die Preise, 
liegt ja auch vornehmlich das Uebel des in con ver tibi en 
l^apiergeldes, durch welches auf diese Weise immer 
die eine Volksklasse zu Gunsten der anderen besteuert 
wird. 
Zum Schluss noch ein Wort über den Unterschied 
zwischen inconvertiblem Staatspa piergeld und in- 
cqn vertiblen Ran k note n. 
Wahrend die älteren Oekonomisten, insbesondere 
Ricardo und die Anhänger des sog. „currency [)rin- 
ciple“, eine übermässige Emission von Ranknoten auch 
selbst in dem Fall für möglich halten, wo die Noten 
con verb bei sind, bestreiten die Anhänger des sog. „ban 
king principle“ und die meisten neueren Oekonomisten 
jede Möglichkeit einer übermässigen Emission von Rank 
noten auch selbst für den Fall, wo die Noten incon- 
vertibel sind, und wollen nur die Möglichkeit einer 
übermässigen Emission von inconvertiblem Staatspapier- 
geld zugeben, dem sie daher auch allein einen Einfluss 
auf die Preise zu schreiben, indem sie sich dabei auf 
folgende Argumentation stützen. Die Emission von 
Ranknoten, sagen sie, geschehe immer nur vermittelst 
kurzfristiger Vorschüsse und Wechseldiskontirungen,
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        141 
Geldmenge und Waarenpreise. 
also dahrlelinsweise, und bewege sieh daher stets 
innerhalb der Grenzen eines bestimmten Bedarfs oder 
ausdrücklichen Begehrs von Seiten des Publikums, wäh 
rend dagegen das Staatspapiergeld im Wege der Ver 
ausgabung oder mittelst Zahlungen in den Um 
lauf gelange und die Quantität desselben daher- ganz 
von dei \V ill kür oder dem Belieben des Emittenten 
abhänge. ferner finde bei den Banknoten, eben in 
folge der nur dalirlehnsweisen Emission, eine regel 
mässige und in kurzen Perioden wiederkebrende Bück- 
strömung der Nuten zum Emittenten statt, wodurch 
jede überflüssige Note sofort wieder aus dem Umlaut 
verschwinde, während dagegen beim Staatspapiergeld 
die einmal emittirte Quantität definitiv im Umlauf ver 
bleibe^**). 
74) Vgl. Tooke u. Newmarch, Geschichte der Preise, 
I. p. 634—663. 
J. Wilson, Capital, Currency and Banking, p. 79. 80. 
A. \\ agner, Art. Banknote in Rentsch Handwörterbuch: 
Nolenemission geht eine Saehfrage nach tien Solen, also 
etn entsprechender Bedarf des rer kehr s voran. Die Vapiergeld- 
(lasg&amp;l/e erfolgt ganz ohne Bücksicht aaf einen solchen Bedarf und 
bildet allerdings von vorneherein jedesmal ihrerseits eine Sachfrage 
nach n aaren and Leistungen. Deshalb kann wohl von einer Zu 
vielausgabe, einer Ueberschwemtnung mit Papiergeld, nicht aber mit 
Banknoten die Bede sein.*‘ 
Die obige Theorie findet sich übrigens auch schon bei J.
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        142 
Capitel V. 
Die vorstehende Argumentation scheint mir auf 
ziemlich schwachen Füssen zu stehen. 
Zwischen dem Staatspapiergeld und den Bankno 
ten ist, meines Erachtens, was die Art der Emission 
betriflt kein so wesentlicher oder bedeutungsvoller Un 
terschied, als hier angenommen wird. Auch die Emis 
sion von Staatspapiergeld erfolgt so gut wie die Emis 
sion von Banknoten nur auf Grund und nach Maass 
gabe eines bestimmten Bedarfs: In dem einen Falle ist 
es eben der Staat, der Zahlungen zu machen hat, in 
dem anderen Falle sind es die Bankkunden, welche 
Zahlungen zu machen haben, so dass also der einzige 
Unterschied dabei der ist, dass in dem einen Falle der 
Geldbedürftige sich das repräsentative Zablmittel, wel 
ches ilmi das mangelnde Metallgeld ersetzt oder ersetzen 
soll, selbst fabricirt, während in dem andern Falle sieb 
der Geldbedürftige zu diesem Zweck an eine Bank 
Law, a. a. O.: ,,/&gt;« comission délivrant toutes tes sommes deman 
dées et reprenant toutes tes sommes rapportées, ce pa 
pier-monnaie conservera sa valeur, et nous aurons toujours autant 
de numéraire que nous en aurons besoin, ou que nous 
pourrons en employer, mais jamais au delà.“ (p. 497). 
,,La quantité de ce papier croissant en raison de ta demande, et dam 
nant à mesure que la demande diminue, il eonservera sa valeur.“ 
(p. 502). 
Vgl. ferner auch Stewart, B. IV, 1*. 2, Ch. 12.
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        143 
Geldmenge und Waarenpreise. 
wendet. Dies hindert aber nicht, dass in beiden Fällen, 
also auch bei den Banknoten, schliesslich, in einem be 
stimmten Momente, möglicherweise mehr Papier im Um 
laufe ist, als man wirklich benöthigt. Denn, wenn von 
einer übermässigen Vermehrung oder von einem Ueber- 
fluss an Papiergeld oder Banknoten die Rede ist, so han 
delt es sich dabei doch nicht blos um diejenigen Personen, 
mit Rücksicht auf deren unmittelbares Zahlungsbedürf- 
niss das Papiergeld oder die Noten ursprünglich emit- 
tirt wurden, d. h. in dem einen Falle die Regierung, 
in dem andern Falle die Bankkunden, sondern offenbar 
auch um diejenigen, welche später gewissermassen rein 
zufällig, d. h. im Einnabmeweg, nicht im Wege des 
Kredits, in den Besitz des Papiers gelangt sind, und 
ihrerseits nunmehr vielleicht weniger Zahlungen zu be 
werkstelligen haben, oder Geld bedürfen, als sich Pa- 
pier in ihren Kassen angesammelt hat. Ebenso, wie 
möglicherweise schon bei den Lieferanten des Staa 
tes, die das Papiergeld ans erster Hand empfangen ha 
ben, sich ein üeberfluss an Papiergeld fühlbar machen 
oder sich das i^apiergeld gewissermassen stauen kann, 
ebenso kann auch schon bei denjenigen Personen, 
welche- zuerst von den Bankkunden die Noten an Zah 
lungsstatt erhalten haben, möglicherweise ein Ueberfluss 
an Noten hervortreten. Ebenso liegt auch in der Mög-
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        144 
Capitel V. 
lichkeit oder Nothwciidigkeit der Rückzahlung' der 
von der Rank gewährten Darlehne noch keine hinläng 
liche Garantie dafür, dass nicht doch einmal in einem 
bestimmten IVlomente die Menge der im Umlauf beiind- 
lichen Noten den Bedarf überschreitet; denn die Vor 
schüsse der Banken pflegen ja doch immer nur auf be 
stimmte Termine zu lauten (Verfallstage der Wechsel). 
\\ ie denn in gleicher Weise auch die Annahme des Pa 
piergeldes an den Staatskassen bei den Steuerzahlungen 
noch keineswegs genügt, um eine Zuvielausgabe von 
Staatspapiergeld hintanzuhalten. Die Art der Emission 
ist es also überhaupt nicht, welche bei den Ranknoten 
dafür sorgt, dass sich die Menge immer innerhalb der 
Grenzen des Bedarfs hält. Vielmehr ist es neben der 
Convertibilität der Noten nur und allein die Bereitwil 
ligkeit der Banken zur Annahme von Depositen, 
welche, wie wir dies schon oben hervorgehot)en haben, 
dahin wirkt, dass jederzeit immer nur soviel Noten im 
Umlauf verbleiben, als der Verkehr zu Zahlungen ver 
wenden kann, während es bei dem Staatspapiergeld an 
einem ähnlichen Correctiv gegen Uebermass fehlt. In- 
dess wird doch, glaube ich, auch durch das Deposilen- 
geschäft in dem Falle eine übermässige Emission von 
Banknoten, vorausgesetzt, dass die letzteren inconver- 
libel sind, nicht verhindert, wo der Stand der Wech-
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        Geldmenge und Waarenpreise. 145 
selkurse ein ungünstiger ist und es zugleich an Edel 
metall, zur Bewerksteiligung von Zahlungen nach dem 
Auslande, auf dem Markte fehlt. Daher denn auch bei 
den inconvertiblen Banknoten in diesem Falle ein Dis 
agio entstehen oder eine Entwerthung im Verhältniss 
zur Münze eintreteh kann, wie bei dem inconvertiblen 
Staatspapiergeld. Wenn, im Gegensatz hierzu, Tooke 
behauptet hat, dass die Notenemission der Bank of 
England während der Bestriktionszeit niemals eine über 
mässige gewesen sei, und dass das damalige, zuweilen 
sehr hohe, Agio des Goldes nur in dem aussergewohn 
lichen Bedarf an (lold zu Zahlungen nach dem Aus 
lande oder in einem hierdurch erhöhten Werthe des 
Goldes seinen Grund gehabt habe, so übersieht er da 
bei, wie ich glaube, dass der Bedarf an Geld zu Zah 
lungen nach dem Auslande, oder ein Mangel an Edel 
metall auf dem Markte, allein noch kein Agio erzeu 
gen kann, wenn nicht mit diesem Bedarf oder Mangel 
an Metall ein Ueberfluss an Papiergeld oder Noten zu 
sammentrifft, da ja sonst kein Bedürfhiss nach Um 
wechselung von Papiergeld oder Noten in Münze ent 
stehen kann, dessen Nichtbefriedigung doch in letzter 
Instanz allein* den Erklärungsgrund für die Entstehung 
eines Agios bildet. In der That beantwortet die Bank 
auch im Fall eines Bedarfs an Geld zu Zahlungen nach 
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        Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Pohle) in Jena. 
146 Capitel V. Geldmenge und Waarenpreise. 
dem Auslande die an sie herantretenden Gesuche um 
Wechseldiskontirungen oder Vorschüsse nicht mit Münze, 
sondern mit Noten, für die daher, wenn sie inconverli- 
bel sind, das zu Zahlungen nach dem Auslande erfor 
derliche Metall erst gekauft werden muss. So dass es 
also schliesslich doch nur die Convertibilität ist, welche 
unter allen Umständen dafür sorgt, dass weder die No 
ten jemals unter den Werth des Metallgeldes herabsin 
ken , noch ihre Menge jemals den Bedarf überschreitet. 
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