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Wie  ist  nun  die  deutsche  Seefischerei  zu  fördern,  d.  h.  wie  ist  dem
Meere  mehr  Tribut  abzuzwingen?  Wie  weit  können  wir  uns  bezüglich ­
  der  Versorgung  unseres  Vaterlandes  mit  Seefischen
vom  Auslande  unabhängig  machen?
„Unabhängigmachen  vom  Auslande!"  so  rufen  diejenigen,  welche  mit
Schlagworten,  mit  Phrasen,  eine  Frage  lösen  zu  können  meinen,  aber
sich  nicht  die  Mühe  gegeben  haben,  die  in  den  Fischereibetrieb  und  Fischhandel ­
  einschlägigen  Verhältnisse,  auch  die  des  Auslandes,  anzusehen.
„Was  andere  Nationen  können,  das  können  wir  auch,  wenn  wir  nur
wollen,  aber  wir  sind  nicht  rührig  und  unternehmend  genug;  wir  zahlen
viele  Millionen  für  Fische  an  das  Ausland;  die  können  wir  ebenso  gut
selber  verdienen!  Der  Staat  muß  beispringen,  das  Kapital  muß  sich
beteiligen!"  Wenn  nun  aber  die  Kapitalisten  ihr  Geld  nicht  hergeben
wollen,  was  dann?  Wenn  es  was  zu  verdienen  gibt,  da  ist  das  deutsche
Kapital  ebenso  schnell  bei  der  Hand,  als  das  ausländische,  und  an  Unterdes ­
  Meeres  durchziehen  (wie  die  Makrelen.  Heringe  u.  a.)  haben  von  der  menschlichen ­
  Thätigkeit  weniger  zu  leiden,  weil  sie  teils  in  größerer  Entfernung  von  der
Küste  laichen  oder  weil  die  laichenden  Fische  durch  irgend  ein  Fischereigerät  nicht
gefangen  werden  können.  Ihre  Fruchtbarkeit  übersteigt  jede  Vorstellung  und  in
vielen  Fällen  schwimmen  ihre  Eier  dicht  an  der  Oberfläche  und  werden  schnell  in
weitem  Umkreise  zerstreut.  Die  Schlußfolgerungen  Professor  Bairds  stimmen
genau  mit  denen  Professor  Huxleys  darin  überein,  daß  die  Anzahl  von  allen
Arten  von  Seefischen,  welche  von  dem  Menschen  getötet  werden,  im  Vergleich  zu
der  Vernichtung,  welche  durch  ihre  natürlichen  Feinde  verursacht  wird,  vollkommen
bedeutungslos  ist.
Beinahe  jedes  Wassergebiet,  ob  es  nun  eine  Bucht  oder  eine  Bank  im  Meere
ist,  kann  in  so  hohem  Grade  ausgefischt  werden,  daß  die  Fischerei  unlohnend  wird,
besonders,  wenn  während  der  Laichzeit  gefischt  wird.  Dies  gilt  aber  natürlicherweise ­
  nur  bezüglich  der  Fische,  die  ihre  Nahrung  am  Grunde  suchen.  Als  ein
hierhergehörendes  Beispiel  kann  das  Verschwinden  der  Heilig  butten  aus  den  Buchten
von  Massachusetts  und  die  alsdann  folgende  Verlegung  dieser  Fischerei  auf  sehr
tiefes  Wasser  angeführt  werden.  Um  das  Interesse  der  örtlichen  Fischerei  zu
wahren,  bedarf  es  deshalb  für  bestimmte  Fischereiplätze  nahe  der  Küste  gesetzlicher
Bestimmungen.
Die  Politik  des  Fischereikommissars  der  Vereinigten  Staaten  ist  auf  die
Ausführung  des  Gedankens  gerichtet  gewesen,  daß  es  besser  sei,  wenn  einige
Staatsmittel  auf  die  Vermehrung  des  Fischbestandes  angewendet
würden,  sodaß  ohne  Beschränkung  Fische  gefangen  werden  könnten,
um  dem  Volke  eine  billige  Nahrung  zu  gewähren,  als  eine  weit
größere  Summe  dafür  auszugeben,  um  die  Fischer  an  dem  Fang
der  wenigen  Fische  zu  hindern,  welche  die  Begehrlichkeit  früherer
Generationen  noch  übrig  gelassen  hat.