31

Ein  leicht  zu  erreichender,  guter,  tiefer  Hasen  im  Norden  an  der
schleswig-holsteinischen  Westküste  würde  m.  E.  von  außerordentlichem
Vorteil  sein.  Freilich  ist  dort  die  hydrographische  Lage  derartig,  daß
ein  solcher  Hafen  nur  mit  riesigen  Kosten  herzustellen  wäre,  welche  für
die  Fischerei  allein  nicht  zu  verantworten  sind;  aber  wir  sehen  weiter.
Wenn  man  etliche  Millionen  daran  wenden  will,  so  wäre  dort  ein  Hafen
zu  schaffen  für  die  tiefgehendsten  Kriegs-  und  Handelsschiffe,  und  die
Fischerei  hätte  nebenher  auch  ihren  guten  Vorteil  davon.  Ehe  man  dem
gerüchtweise  in  der  Luft  schwebenden  Hasenprojekte  bei  Emmerleff  oder
sonst  wo  näher  tritt,  wolle  man  einen  anderen  Gedanken  nicht  sogleich
von  der  Hand  weisen.  Zwischen  List  (auf  Sylt),  Rom  und  Hoyer  liegt
eine  kahle  Sandinsel:  „Jortsand",  umgeben  von  einem  Wattgrunde,  dem
„Jortsander  Flack",  der  bei  Flut  unter  Wasser  steht.  Die  Insel  Jortsand ­
  fällt  an  ihrer  Südseite  rasch  und  steil  zu  einer  Tiefe,  der  „Hoyer
Tiefe",  ab,  welche  für  die  größten  Schiffe  hinreicht.  Diese  Tiefe  ist  geräumig ­
  für  alle  Anforderungen;  bei  Emmerleff  würde  die  erforderliche
Tiefe  erst  durch  Baggerung  geschaffen  werden  müssen  und  vermutlich
immer  wieder  znspülen.  Auch  wäre  für  diesen  Hafen  erst  ein  Ansegelungskanal
  durch  Baggerung  und  Schutz  vor  Zuspülungen  zu  schaffen.
Und  wie  breit  müßte  dieser  Kanal  sein,  um  darin  auch  kreuzen  zu  können!
Die  Hoyer  Tiefe  ist  durch  das  Lister  Tief  leicht  und  gefahrlos  anzusegelm
  Ähnlich  der  Hoyer  Tiefe  wird  der  Wasserlauf  in  einer  Entfernung ­
  von  etwa  einer  Meile  von  Hoyer  flacher  und  Hoyer  selbst  ist
höchstens  bei  Flut  mit  ganz  flachen  Fahrzeugen  zu  erreichen.  Was  sollte
aber  der  Hafen  an  der  kahlen,  vom  Festlande  entfernten  Insel  Jortsand?
Man  soll  Jortsand  mit  einem  guten  Teile  des  umgebenden  Wattgrundes,
des  Jortsander  Flacks,  zusammen  eindeichen  und  das  also  gewonnene
Land  durch  einen  Damm  mit  dem  Festlande  verbinden,  auf  welchem
Damm  dann  eine  Eisenbahn  zum  Anschluß  an  das  schleswig-holsteinische
Eisenbahnnetz  anzulegen  wäre.  Sollte  bei  der  Hoyer  Tiefe,  also  dem
eigentlichen  Hafen,  bei  Flut  zu  viel  Seegang  über  das  Watt  von  Süden
her  sich  herausstellen,  so  kann  man  auf  diesem  gegenüberliegenden  Watt
mit  einem  Schutzdamm  oder  Wellenbrecher  abhelfen.  Dieser  Hafen  wäre
vortrefflich  für  Marine.  Kauffahrtei  und  Fischerei.  Viele  Millionen
würde  seine  Herstellung  verschlingen  (jeder  andere  Hafen  in  jener  Gegend
aber  auch),  aber  einmal  fertig,  würde  er  mitten  in  der  jetzt  so  öden
Wasserwüste  eine  lebhafte  Stadt  erstehen  lassen,  wo  bisher  nur  Seehunde ­
  und  Strandvögel  sich  ihres  Lebens  freuten.