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Die  deutsche  Küstenfischerei  an  der  Nordsee
ist,  der  Natur  der  überall  wattenbesetzten  Küste  gemäß,  verhältnismäßig
nur  unbedeutend.  Da  die  Elbe  bis  nach  Vierlanden  hinauf  zur  Küstenfischerei ­
  gerechnet  wird  und  die  Fischerei  auf  diesem  unteren  Teile  der
Elbe  sehr  ansehnlich  ist,  so  nimmt  sie  den  ersten  Platz  bei  der  Küstenfischerei ­
  an  der  Nordsee  ein.  Dann  ist  zu  erwähnen  die  Schcllfischangelei,
  welche  von  Ostfriesland  und  dessen  Inseln,  namentlich  von  Norderney ­
  und  Helgoland,  deren  Fischerei  sich  des  besseren  Badeverdienstes
wegen  vermindert  hat,  betrieben  wird.  Diese  Angelei  kann  wohl  mit
der  dänischen  Anfuhr  die  Konkurrenz  aufnehmen,  da  die  Produktionskosten ­
  kaum  höher  sind,  ist  aber  eigentlich  nur  Gelegenheitsfischerei,  denn
die  Ostfriesen  fischen  nicht  im  Sommer,  einmal  weil  die  betreffenden
Fische  nur  in  der  kälteren  Jahreszeit  in  entsprechender  Nähe  der  Fischerorte ­
  sich  sehen  lassen,  und  dann,  weil  im  Sommer  anderer  Verdienst  an
den  Badegästen  sich  besser  lohnt.  An  der  schleswig-holsteinischen  Westseite ­
  wird  zwar  auch  manchmal  diese  Angelei  von  den  Inseln  aus  betrieben, ­
  aber  die  Reise  mit  den  gefangenen  Fischen  nach  den  Absatzplätzen
vom  Fangplatze  aus  ist  zu  weit,  und  diese  Angelei  kann  daher  nur  auf
lokalen  Absatz  berechnet  sein  und  niemals  von  Bedeutung  werden.
Die  Weser  von  Bremen  abwärts  zeigt  denselben  Charakter  wie  die
Unterelbe,  und  man  sollte  meinen,  daß  sich  dort  eine  verhältnismäßig
ebenso  ansehnliche  Fischerei  entwickeln  könne,  als  auf  der  Unterelbe,  aber
auf  der  Unterweser  ist  die  Fischerei  im  Verhältnis  nur  ganz  unbedeutend.
Warum?  Die  Fischerei  auf  der  Unterelbe  ist  fast  überall  völlig  frei,  die
Fischer  können  sich  auf  den  Fang  der  verschiedensten  Fischarten  an  jedem
Platze  der  großen  Elbstrecke  legen,  sie  können  die  Fische  mit  jeder  Fangweise ­
  und  jedem  Gerät  bei  ihrem  Erscheinen  aus  See  oder  von  oben  in
Empfang  nehmen  und  sie  auf  ihren  Wanderungen  verfolgen,  und  ihren
Betrieb  so  vielseitig  einrichten  als  nur  möglich.  Das  alles  ist  auf  der
Unterweser,  wo  nur  streckenweise  verpachtet  wird,  also  jedem  einzelnen
Fischer  enge  Grenzen  gestellt  sind,  unmöglich,  und  während  auf  der  Unterweser ­
  keine  hundert  Fischer,  und  das  meistens  nur  Gelegenheitsfischer,  die
meisten  hauptsächlich  vom  Stintfang  leben,  finden  auf  der  Unterelbe
tausende  von  tüchtigen  Fischern  ihr  Brod.  Wenn  man  dieser  starken,
freien  Befischung  auf  der  Elbe  das  Abnehmen  einiger  Fischarten,  wie
z.  B.  des  Störs-  und  des  Lachses,  zuschreiben  will,  so  vergißt  man,^  daß
den  ersteren  die  obern  Laichplätze  durch  Flußkorrektionen  in  dem  jetzt