44

Bauern  Pomeranzen  ziehen  können,  so  wenig  können  unsere  Fischer  uns
die  schwedischen  Heringe  fangen.  Aber  die  schottischen  Salzheringe  —
man  verstehe  uns  recht  —  die  können  unsere  Fischer  schon  fangen;
das  zeigen  uns  die  Emder  Loggerfischer.  Aber  freilich!  die  werden
nicht  fett  dabei,  trotz  der  vielen  Gelder,  welche  sie  aus  der  Reichskasse
geschenkt  erhalten.  Diese  Geschenke  machen  ja  nicht  betriebsam,  im  Gegenteil, ­
  wenn  ich  als  reicher  Junge  so  einen  hübschen  Zuschuß  von  Hause
immer  erhalte,  weshalb  sott  ich  dann  so  hart  studieren  und  arbeiten?
Das  habe  ich  ja  gar  nicht  nötig.  So  geht's  den  Emdern.  —  Da  ist
ihnen  gar  kein  Vorwurf  zu  machen.  Deshalb  muß  der  Zuschuß  (2000  M.
für  jede  Schiffsausrüstung  jährlich)  weg,  sobald  als  möglich.  „Na,  dann
ist  es  mit  der  Emder  Heringsfangerei  vorbei."  Jawohl,  wenn  man
nichts  anderes  an  die  Stelle  setzt.  Dieses  Staatsgeld  ist  jährlich  weggeworfen; ­
  das  wird  sich  auch  nie  ändern.  Solche  Unterstützungen  sind
gar  nichts  wert.  Anders  ist  es  mit  einem  erhöhten  Zoll.  Man  nehme
den  Emdern  die  Prämie,  gebe  ihnen  aber  einen  Zoll  von  10  M.  per
Tonne.  Wir  persönlich  stehen  uns  sehr  im  Lichte,  wenn  wir  das  anraten.
Wir  sitzen  in  Stettin,  dem  großartigsten  Hafen  für  den  Import  der  ausländischen ­
  Salzheringe.  Das  ist  kein  Vorteil  für  unsere  Stadt,  wenn
sie  diesen  Import  vielleicht  verliert.  Stettin  ist  uns  viel,  aber  Deutschland ­
  ist  uns  mehr.  Wenn  Deutschland  es  erreichen  könnte,  die  vielen
Millionen  zu  ersparen,  welche  es  jetzt  für  Salzhering  nach  Schottland  re.
schickt,  das  wäre  ein  Nationalglück  und  eine  reiche  Quelle  des  Verdienstes
für  deutsche  Fischer,  mögen  sie  nun  jetzt  wohnen,  wo  sie  wollen.  Und
wir  glauben,  die  Sache  ist  möglich.  Die  Emder  Gesellschaft  kaun  nicht
leben  und  sterben,  trotz  des  Zuschusses.  Der  Zuschuß  veranlaßt  keinen
Menschen  in  Deutschland,  eine  Hand  oder  einen  Pfennig  weiter  der
Heringsfischerei  in  der  Nordsee  zur  Verfügung  zu  stellen;  aber  der
Zoll  würde  es.  Sobald  eine  so  hohe  Steuer  auf  Salzhering  angenommen ­
  wäre,  würde  das  deutsche  Kapital  —  und  wir  haben  Geld
wie  Heu!  —  sofort  einsehen,  daß  da  viel  zu  verdienen  ist.  Die  Emder
würden  aufwachen,  sie  würden  bald  viele  Genossen  erhalten  und  die
Heringsfischerei  in  der  Nordsee  käme  bei  uns  in  Zug.  Für  diese
Heringsfischerei  lassen  wir  dem  Großkapital  gern  den  Vortritt;  denn  sie
kann  bei  uns  nur  von  ihm  in  Schwung  gebracht  werden;  unser  Großkapital ­
  auf  seinem  Siegeszuge,  der  bis  zur  eigenen  Selbstveruichtuug
führt,  aufzuhalten,  ist  so  wie  so  vergeblich.  Hier  kann  es  für  uns  Großes
erreichen,  und  dazu  soll  es  uns  willkommen  sein.  Wer  an  dieser  unserer